Gb 299 ووج ماری 5. P GLAUBE HOFFNUNG KIEBE Mit Vollständiges ***** und - Gebetbuch a *Katholiken von K.DEUTSCHMANN Approbation General * Hochwürdigsten Vicariats in Coln des 999 AACHEN Verlag der Cremer'schen Buchhandlung 1835. Heinry's st Gb 299 yr. Därförolle fein binäred. Univ.- Bibl. Giessen Morgengebethe. Vorerinnerung. Der Weise gewöhnet sein Herz, vom frühen Morgen zu dem Herrn, seinem Schöpfer, zu erwachen, und vor dem Allerhöchsten zu bethen. Er öffnet seinen Mund zum Gebethe, und bittet seiner Sünden wegen um Vergebung. Jes. Sirach. XXXIX. Her! zu Dir will ich bethen; des Morgens wirst Du hören meine Stimme; des Morgens will ich vor dir stehen und betrachten. Ps. v. Unter allen Geschöpfen besitzt der Mensch allein als Ebenbild Gottes auf Erden das edle Vermögen, seinen Schöpfer und Dessen Eigenschaften in Beziehung auf uns zu denken, und ist des großen Vorzuges gewürdiget, Ihn Pennen, lieben und ehren zu können. Er muß daher auch dieser seiner hohen Würde gemäß wirklich in Bielem an ders handeln als das vernunftlose Thier. So erfordern insbesondere Bernunft und Religion von ihm, daß er sein Erwachen vom Erwachen jedes andern schlafbedürftigen Wesens durch Gebeth unterscheide, Man soll zwar, wie wir aus der christlichen Lehre erkennen, allezeit bethen; doch scheint hierzu die erste Beit nach dem Erwachen vore züglich auffordernd und ganz besonders geeignet. Da wird 1 Morgengebethe. der Mensch, wie nach einer neuen Schöpfung, sich wieder seines Daseyns bewußt, da denkt er so leicht an seinen rheber und an sein ganzes Berhältniß zu Ihm, an alles was er Ihm zu erweisen, Ihm zu verdanken, von Ihm zu begehren und zu erwarten hat. Darum, o Christ! be trachte das Morgengebeth als eine unerläßliche, heilige Pflicht, als eine für deine Menschennatur und Christeneigenschaft höchst ehrenvolle und nüßliche Handlung; erhebe gleich beim Erwachen deine Seele und deine Hände zu Gott deinem Erschaffer und Erhalter. Heilige auf diese Weise zu einem Ihm wohlgefälligen Frühopfer die Erst linge deiner Gedanken, Worte und Werke eines jeden Tages. 2 Willst du den Tag in Unschuld und Tugend zubringen, so fange ihn mit Gott, im glaubenvollen Gebethe zu Ihm an. Geht dein Gebeth allen deinen Geschäften voraus, indem du eine der weisesten Lebensvorschriften befolgest, nämlich die: Bethe und arbeite, so versetest du dich dadurch in eine nähere Berbindung mit Gott, ohne Desſen Segen alle deine Unternehmungen zu deinem wahren Glücke nichts beitragen können. Mit Gott fange demnach an. Du wirst Manches thun oder unterlassen, Manches ganz anders thun, wenn du am Morgen bei'm Gebethe deine Pflichten erwogen und Gott um Beistand und Gnade zur Erfüllung derselben gel ethen hast. Wünschest du überhaupt aufrichtig christliche Gesinnungen anzunehmen oder zu bewahren, und darin zur Tugend und Glückseligkeit voranzuschreiten, willst du als Bater, Mutter, Erzieher, Lehrer und Vorgesetzter den Deinigen dieselben Vortheile verschaffen, so mache es dir zur löblic chen Gewohnheit, die Morgenandacht, allein oder gemeinschaftlich, mit wahrer christlichen Frömmigkeit täglich zu verrichten. Von der Treue in Beibehaltung dieses schönen Gebrauches wird nicht nur dein Erstarken in der Tugend Morgengebethe. 3 und Gottseligkeit, sondern in vielen Fällen auch das Ge lingen deiner zeitlichen Geschäfte abhangen. Damit du also mit jedem neuen Tage, den dir Gott schenket und mit neuen Gnaden und Wohlthaten bezeichnet, auch mit erneuten Kräften denselben zu deinem Heile mitwirken mögest, so ahme dem Beispiele der Heiligen und Gerechten aller Zeiten nach, welche von der Pflichtmäßigkeit und Nütlichkeit des Frühgebethes überzeugt, eine ſo wichtige und heilbringende Andachtsübung nie verabsäumten. Tägliches Morgengebeth. Wie deine ersten Gedanken, so seien auch deine ersten Worte zu Gott gerichtet. Darum sprich mit dem frommen Könige David: ,, Gott, mein Gott! zu Dir erwache ich mit dem Tageslichte; nach Dir dürstet meine Seele." Dann mache das heilige Kreuzzeichen, dieses sinnvolle Merkmal des an den dreieinigen Gott glaubenden Christen, und erinnere dich dabei an die unendliche Wohlthat, welche Christus dir durch Seinen Tod am Kreuze erwies, indem du Weihwasser nimmmst und sprichst: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Herr! lasse mir die Wirkung des Gebethes angedeihen, welches der Priester deiner heiligen Kirche bei der Weihe dieses Wassers zu Dir verrichtet hat. Wasche mich immer mehr und mehr von meiner Missethat und reinige mich von meiner Sünde. Morgengebethe. Gebeth bei'm Anziehen und Waschen. O Gott! diese Kleidung erinnert mich an das Gewand der Unschuld und Gnade, mit dem unsere ersten Eltern vor ihrer Sünde bekleidet waren. D barmherziger Gott! Du hast uns dieses Gewand durch die Taufe und Buße wiedergegeben. Halte meine Seele immer damit geschmückt; und wann einst Deine Stimme meinen irdischen Leib zur Auf erstehung wecken wird, dann rufe ihn, Herr, Allmächtiger! als einen unverweslichen, verklårten, mit Deiner Herrlichkeit bekleideten Leib aus dem Grabe hervor und lasse mich in diesem meinem Leibe Dich meinen Gott und Heiland sehen. 4 Wie ich mich jetzt außerlich mit Wasser wasche, also lieber Gott! wasche Du mein Herz und meine Seele mit dem Blute des Lammes, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt, damit ich vor Dir rein sei, als Dein Kind dir wohlgefalle, und einen Ekel und Abscheu bekomme an aller Falschheit, Unreinigkeit, Lüge, Hoffart, Geiz, Neid, Zorn, Rachsucht und an allem was Dir, o heiligster Gott! misfällig ist. Herr! fasse mich in Deine Arme als Dein liebes Kind, und gib mir Deine Gnade zur Haltung Deiner heiligen Gebote, damit ich in standhaftem, werkthåtigem Glauben, kindlicher Hoffnung und treuer Liebe Dich stets inniger umfasse und festhalte, und so rein und fähig werde, Dich im ewigen Lichte von Angesicht zu Angesicht anzuschauen. Amen. 5 Morgengebethe. Wann du gereinigt und angekleidet bist, so knie vor dem Christusbilde nieder und bethe: Gelobt sei die allerheiligste Dreifaltigkeit, der Bater, Sohn und heilige Geist, Ein Gott in drei Personen! jetzt und in alle Ewigkeit! Amen! O mein Gott! ich glaube, daß Du hier und allenthalben gegenwärtig bist, daß Du alles weißt, vermagst, lenkest und beherrschest, daß ich alles von Dir habe und ohne Dich nichts Gutes thun oder denken kann. Dich bethe ich an als den einzigen allerhöchsten Herrn, Erschaffer und Erhalter aller Wesen. Gott! ich bekenne Deine unermessliche Größe, meine Kleinheit und Geringheit, so wie meine gånzliche Abhängigkeit von Dir. Herr, mein Gott! ich freue mich, daß ich Dich Vater nennen darf. Verleih mir die Gnade, eher zu sterben als Dich zu beleidigen. Bater unser u. s. w. O mein Gott! so wie ich alles glaube was Du mir durch Deine heilige Kirche zu glauben vorstellest, so hoffe ich auch durch die Verdienste Deines vielgeliebten Sohnes Jesu Christi alles zu erlangen, was Du uns verheißen hast, besonders hier Deine Gnade und dort in Deiner Anschauung die ewige Glückseligkeit. O mein Herr und mein Gott! ich liebe Dich über alles und meinen Nächsten wie mich selbst; auch bereue ich um Deiner Liebe willen alle meine Sünden und nehme mir ernstlich vor, mein Leben zu bessern und vom Wege Deiner heiligen Gebote nie mehr abzuweichen. Morgengebethe. Mein Gott! mein Vater! Ich danke Dir, daß Du mich diese Nacht behütet und bewahret haft; ich schenke und opfere Dir auf alles was ich diesen Tag thun und leiden werde; möge alles zu Deiner größern Ehre, zu meinem Seelenheile und zu mei= nes Nächsten Wohl gereichen! Nimm hin, o Herr! meine Seele, mein Herz, alle meine Gedanken, Empfindungen, Worte und Werke, und laß sie Dir ein angenehmes Morgenopfer seyn. Herr! mein Gott! was soll, was kann ich Dir erwiedern für alles was Du mir aus lauter Liebe geschenkt haft? Himmlischer Bater! ich will unablåßlich trachten, nach der Lehre Deines Sohnes, Dich immer mehr zu erkennen, Deinen Willen in allem zu erfüllen und nie etwas zu thun, was michy aus der Zahl Deiner geliebten Kinder ausschließen könnte. Hierzu gib mir, o Vater! Deine Gnade, durch Jesus Christus Deinen Sohn unsern Herrn, Der mit Dir und dem heiligen Geiste Ein Gott ist und lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gegrüßet seiest Du Maria! u. f. w. 6 Jetzt fasse gute Entschlüsse zur guten Anwendung dieses Tages und zu deiner Besserung und Heiligung. Nimm die besonders vor, dich vor derjenigen Sünde sorgfältig zu hüten, welche du als eine schwere Uebertretung irgend eines göttlichen Gebotes erkennest, zu der du dich geneigt fühlst, oder die du unglücklicherweise schon begangen hast. Darum überdenke die Gelegenheiten, Versuchungen und Gefahren zu sündigen, in welche du durch deine Schuld, aus Unbehuts samkeit oder Schwäche des guten Willens oder auch unschuldigerweise gerathen könntest und finne auf Mittel, dich 7 Morgengebethe. BU. bor jeder, auch der kleinsten Sünde zu bewahren. Bewaffne dich im voraus wider dieselbe mit dem Schilde der Glaubenswahrheiten, vorzüglich in Betreff der letzten Dinge des Menschen, Tod, Gericht, Hölle oder Himmel; vernachlässige auch nicht die Mittel, welche menschliche Klugheit, Vorsicht und Hülfe gegen sittliches Verderben dir darbieten mögen; vor allem aber nimm dir fest vor, weil du ohne Christus nichts vermagst, Seinen Beistand in jeder Versuchung und Gefahr ernstlich anzuflehen. Dann fange mit festem Bertrauen auf Gottes gnädige Hülfe an, den Tag durch treue Wahrnehmung deiner Berufs- und Standespflichten christlich zu heiligen. Sei im Verlaufe des Tages wachsam auf dich selbst. Ein thätiges, geschäftiges, arbeitsames, ja mühsames Leben ist die sicherste Schutzwehr gegen Sünde und Laster. Bewahre deine Sinne, so viel möglich, vor allen Eindrücken, die deine Einbildungskraft mit sündlichen Vorstellungen erfüllen und beflecken, irgend eine Leidenschaft erregen, dein Herz bestechen, und mit wirklicher Sünde verunreinigen und verderben könnten. Der Geist, sagt der Herr, ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach. Darum wachet und bethet, setzt Er hinzu, damit ihr nicht in Bersuchung gerathet. Verwende, wenn deine Berufsgeschäfte dir Zeit dazu lassen, wenigstens ein Viertelstündchen täglich, gleich nach dem Morgengebethe oder vor und nach der heiligen Messe auf das stille Gebeth oder die Betrachtung, auf die be dachtsame Erwägung irgend einer Religionswahrheit, oder auf die Lesung eines geistlichen Buches, wie z. B. der Nachfolge Christi vom seligen Thomas von Kempen, der Anleitung zu einem andächtigen Leben des heil. Franz von Sales, der Schriften des erleuchteten Ludwig von Granada oder anderer guten Bücher, die der Beichvater dir am besten Timot zu empfehlen weiß. Morgengebethe. 3um Gebrauche bei'm öffentlichen wie bei'm häuslichen gemeinschaftlichen Gebethe sind die von jeher in der Kirche üblich gewesenen Litaneien sehr zu empfehlen. Es sind entweder an Gott gerichtete Anbethungen, Lobpreisungen, Abbitten, Danksagungen, Bitten und Fürbitten, oder Er. innerungen an die heiligen Geheimnisse, Wahrheiten und Lehren des Glaubens, oder auch Lobsprüche zur Berehrung der Heiligen, und Anrufungen derselben um ihre Fürbitte bei Gott, alles in kurzen verständlichen Sätzen, die Einer vorspricht, und worauf alle Uebrigen mit einem kurz ges faſten Bitt, Lob- oder Dankgebethe antworten. 8 Litanei( bind um Gott sein Thun und Lassen in guter Meinung aufzuopfern.dm Tinu Besonders anwendbar beim gemeinschaftlichen Morgengebethe. Herr! erbarme Dich unser! Christus! erbarme Dich unser! Herr! erbarme Dich unser! Christus! höre uns! Christus! erhöre uns! Gott Vater vom Himmel! Erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erb. Gott heiliger Geist! Erb. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! Erb. O Gott! der Du wegen Deiner selbst aller Ehre und Anbetung höchst würdig bist! O Gott! der Du alles zu Deiner größern Ehre anordnest! O Gott! der Du die Ehre, welche Dir gebühret, an Niemanden anders abgibst! O Gott! der Du von keinem Geschöpfe genug kannst geehret und gepriesen werden! Wir loben u. preis. Dich! Morgengebethe. Alle unsere Gedanken, Worte und Werke, opfern wir Dir auf, o Gott! Alle Bewegungen und Wünsche des Herzens opfern wir Dir zc. Alle Verrichtungen unserer Sinne und Seelenkräfte' o. w. D. 2. Alles was wir heute thun oder leiden o. w. D. 26. Dich unsern Gott und Herrn anzubethen, Deinen heiligsten Namen zu verehren, Deine Vollkommenheiten anzuerkennen und zu loben, Deiner Oberherrschaft in Allem unterthänig zu leben, 3um Danke für alle Deine Gnaden und Wohlthaten, Zur Genugthuung für unsere Sünden, 3um Ersatz für unsere Versäumnisse in Deinem Dienste, 9 Zur Erlangung der Gnade, jederzeit die Pflichten unseres Standes treu und gewissenhaft zu erfüllen, Um alle Ablåsse, deren wir fähig sind, zu gewinnen, Um aller guten Werke der Christenheit, im Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, theilhaft zu werden, Um die Gnade zu erhalten, die heiligen Sacramente im Leben und bei'm Sterben würdig zu empfangen, Opfern wir all unsere Werke Dir auf, o Herr! Morgengebethe. Um uns jetzt schon zu einem seligen Tode vorzubereiten, Um alle uns nöthigen Gnaden zu erlangen, Um allen, für welche wir zu bethen schuldig sind, Hülfe, Trost und Gnade von Dir zu erlangen, 10 Aus alleiniger Liebe zu Dir, unserm Herrn, Aus herzlicher Begierde, Dir in allem zu gefallen, Opfern wir all unsere Werke Dir auf, o Zur Beförderung Deiner größern Ehre, Vereinigt mit jener reinen guten Meinung, welche alle Heiligen jemals gehabt, Vereinigt mit jener vollkommenen Meinung, in welcher Maria Dir einst alles gewidmet, Vereinigt mit jener vollkommenen und allerheiligsten Meinung, in welcher Christus Dir einst auf Erden, o himmlischer Vater! alles aufgeopfert, Daß Du in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe vermehren wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christus! höre uns! Christus! erhöre uns! Gebeth. Herr! Gott! nimm gnädig diese unsere Aufopferung und gute Meinung auf, die wir mit Vertrauen in 11 Morgengebetbe. das liebevollste Herz Jesu unseres Erlösers niederlegen. In Ansehung Seiner unendlichen Verdienste lasse Dir mildreich gefallen, was wir Dir zum Opfer darbringen. Entzünde in uns einen unaufhörlichen Eifer, durch all unser Thun und Lassen Deine gröBere Ehre allezeit zu befördern und Dein Wohlgefallen hier zu verdienen, damit wir dadurch würdig werden, einst dorthin zu gelangen, wo wir Dich mit Deinen Heiligen und Auserwählten von Ewigkeit zu Ewigkeit loben, ehren und verherrlichen wer= den. Amen. Tägliches allgemeines Gebeth, um die christlichen Tugenden und alles das zu erhalten, was uns zur Seligkeit dienlich ist. ( Größtentheils nach dem heiligen Thomas von Aquin.) Dieses Gebeth spricht man, ganz oder theilweise, eine Nummer jeden Tag der Woche, am füglichsten vor oder nach der heiligen Messe. 1) O mein Gott! ich glaube an Dich, denn Du bist die ewige Wahrheit; Herr! hilf der Schwäche meines Glaubens und vermehre Du ihn. O Gott! auf Dich hoffe und vertraue ich; Du bist der ewige immer gleiche, der unendlich gütige und barmherzige, der ewig treue und liebevolle Gott; Herr! befeftige meine Hoffnung und laß sie nicht zu Schanden werden. D mein Gott! ich liebe Dich; aus meinem ganzen Herzen, aus meiner ganzen Seele, Morgengebethe. aus allen meinen Kräften will ich, Deinem Gebote gemäß, Dich lieben, denn Du bist das höchste, vollkommenste Wesen, das beste, aller Liebe würdigste Gut; und Dir zu Liebe will ich meinen Nächsten lieben wie mich selbst; o Herr! entzünde immer mehr und mehr diese Liebe in mir. O mein Gott! ich erkenne Dich als den Urheber meines Das seyns und Menschenwesens, als die Urquelle alles Guten und alles dessen was ich bin, habe, weiß und vermag. Ich bethe Dich an, o Herr! als den einen und alleinigen wahren Gott in drei Personen, Vater, Sohn und heiliger Geist; als meinen Ers schaffer, Erlöser und Heiligmacher; ich verlange und sehne mich nach Dir als meinem wahren endlichen und letzten Ziele; ich danke Dir als meinem größten und beständigen Wohlthäter; ich übergebe mich Dir als meinem allerhöchsten Herrn, mit Leib und Seele. Ohne Dich, Herr! bin und vermag ich nichts. Sieh, Allmächtiger, Gütigster! in meiner Hülfbes dürftigkeit fliehe ich zu Dir, als ein Schwacher. zu dem unüberwindlich Starken, als ein Nothleidens der zu dem holdseligsten Helfer, als ein schwer Erkrankter zum weisesten Arzte, als ein Verfolgter zu dem mächtigsten Beschützer, als ein vielbedürftiz ges Kind zum liebevollsten Vater. 12 2) Im Namen Jesu Christi Deines Sohnes bitte ich Dich o himmlischer Vater! um alles was Dir die Menschen wohlgefällig macht, um alles, was 13 Morgengebethe. in mir die Tugend, besonders den Glauben, die Hoffnung und die Liebe vermehren und meine wahre Wohlfahrt befördern kann. Vor allem laß mich Dich im Geiste und in der Wahrheit anbethen und verehren; alles was ich denke, empfinde, spreche und thue, verherrliche Deinen heiligen Namen. Laß mich wetteifernd mit den Seligen im Himmel hiernieden Deinen Willen thun und nach Deiner Gerechtigkeit streben, damit ich so würdig werde in das Reich einzugehen, welches Du denen bereitet hast, die Dich lieben. Amen. Herr Jesus Christus! Du Sohn des lebendigen Gottes, den der Vater aus Liebe zu den Menschen in diese Welt fandte, damit Du sie erlösetest und zum ewigen Leben bråchtest, Deine Menschwerdung sei die Stüße und Stärke meines Glaubens; Dein Wandel und Deine Lehre seien das Vorbild und die Richtschnur meines Lebens. Deine Demuth er= niedrige meinen Hochmuth; Deine Sanftmuth stille meinen Zorn; Dein Verdienst bedecke meine Süns den und Mångel; Dein Leiten und Deine Geduld sei mein Trost und meine Stårke; Deine Unschuld sei meine Rechtfertigung und Heiligung; Dein Ge horsam meine Gerechtigkeit und Erlösung; Dein Kreuz meine Ehre; Dein Tod mein Leben; Dein heil. Frohnleichnam ernähre in mir das Feuer Dek ner Liebe; Deine Auferstehung und Himmelfahrt befestige meine Hoffnung; Dein Gericht führe mich in den Himmel! Amen. Heiliger Geist! erleuchte meinen Verstand; heilige 14 Morgengebethe. meine Willen; hilf mir in der Bekämpfung meiner Leidenschaften; rathe mir im Zweifel; bestimme mich in der Unentschlossenheit; erleuchte mich mit Deinem Lichte, stärke mich mit Deiner Gnade, daß ich die Wahrheit erkenne, die Sünde verabscheue und bereue, die Besserung nicht verschiebe, ungeheuchelte Frömmigkeit übe, der Zugend mich ernstlich befleiße und nach diesem Leben Dich mit dem Vater und Sohne dort ewig anschauen möge. Amen. 3) Verleih mir, o Gott! die Gnade, das was Dir wohlgefällt, eifrig zu verlangen, klug zu er= forschen, recht zu erkennen und zu Lob und Ehre Deines Namens vollkommen zu verrichten. Laß mich einsehen, welch großes Uebel die Sünde ist, und erfülle mein Herz mit übernatürlicher Reue, daß ich Deine heiligen und gerechten Gebote übertreten habe. Herr! mache mich standhaft in meinen guten Vorsätzen, bereit zu allem Guten, werkthätig im Glauben, fröhlich in der Hoffnung, kindlichtreu in der Liebe, eifrig im Gebethe, hurtig und gutwillig im Gehorsam, begierig nach Deinen Heilsmitteln, sehnsuchtsvoll nach Deiner Anschauung im Himmel. Dir, o Gott! opfere ich mein Denken und Sprechen, mein Sinnen und Trachten, mein Thun und Lassen, mein Leiden und meinen Kummer, damit ich fernerhin nur an Dich denke, am liebsten von Dir spreche, in Allem nach Deinem Willen handle, und für Dich dulde und leide. 15 Morgengebethe. O mein Gott! leite mich durch Deine Weisheit, zugle und halte mich ein durch Deine Gerechtigkeit, tröste mich durch Deine Barmherzigkeit, und beschütze mich durch Deine Allmacht. Schalte und walte über mich nach Deinem Wohls gefallen; bestimme Du meine Verhältnisse. Mache, daß ich wisse, was Du willst daß ich thue, und hilf mir, es thun, wie es Dir gefällig und mir nüglich ist. Mein Herr und mein Gott! ich will was Du willst, weil Du es willst, wie Du es willst und so sehr und so lange Du es willst. Mache mich, o Allerheiligster! rein in den Gedanken, wahrhaft und erbaulich im Reden, schamhaft in Geberden, züchtig in Sitten, måßig in Freuden, geduldig in Leiden, bescheiden im Glücke, muthig und auf Dich vertrauend im Unglücke. Laß mich in Gesundheit und Wohlstande Dich nicht vergessen, in Krankheit, Zrüb- und Drangsalen nicht verzagen. 4) O mein Gott! Dein Licht erhelle meinen Verstand; das Feuer Deiner Liebe durchglühe meinen Willen, reinige meinen Leib und heilige meine Seele. Gib mir die Einsicht, Deine heiligen Eigenschaften, Deine weisen und gerechten Rathschlüsse, und den ganzen Umfang Deiner heiligen Gebote zu erkennen, damit ich darnach richtig denke, vernünftig urtheile, erbaulich spreche und vor Dir wohlgefällig handle. Nichts freue mich so sehr, als was zu Dir führt; nichts schmerze mich mehr, als was von Dir ab Morgengebethe. wendet. Laß mich Niemanden zu gefallen mehr ver= langen, Niemanden zu mißfallen, mehr fürchten, als Dir, o Allerhöchster! denn Du bist mein Gott und Alles. Alles Vergångliche sei mir gering; alles was Dich angeht, sei mir theuer und werth; und Du o Herr! sei mir über alles und alles in allem! Zuwider sei mir jede Freude, die ohne Dich ist, auch will ich nichts suchen was außer Dir ist. Es ergöße mich, o Herr! die Arbeit, die für Dich ist und es verdrieße mich die Ruhe ohne Dich. Verz leih mir, daß ich mein Herz oft zu Dir erhebe, und gleich nach einem Fehltritte reuevoll auf Bef= serung finne. O mein Gott! hilf mir meine begangenen Sunden abbüßen, die künftigen Versuchungen besiegen, die Leidenschaften, die mich beherrschen, niederkämp= pfen, und die Tugenden üben, die mich in Deinen Augen zieren sollen. Tilge in mir durch Deine Liebe alle bösen Gewohnheiten und den Hang zum Bösen; reinige, bessere mein Herz, daß ich die böse Lust durch Gebeth, Fasten und andere Abtödtung besies ge, daß ich dem Geize und der Lieblosigkeit freige bige christliche Wohlthätigkeit entgegen setze, durch Sanftmuth den Zorn bezwinge und meine Lauheit und Trägheit in Deinem Dienste durch täglich erneuerten Eifer endlich vollkommen überwinde. 16 5) Mache mich, o Herr! gehorsam ohne W derspruch, unverzagt in Noth und Armuth, keusch Morgengebethe. 17 und rein an Leib und Seele, geduldig ohne Murren, demüthig ohne Verstellung, fromm ohne Scheinheiligkeit, gottesfürchtig ohne Aberglauben, fröhlich ohne Ausgelassenheit, ernst ohne Finsterkeit, muns ter ohne Leichfertigkeit. O Gott! mache mich klug bei meinen Unternehmungen, muthig in Gefahren, ausharrend in Wis derwärtigkeiten, bescheiden bei'm Gelingen, andächtig und eifrig im Gebethe, måßig im Essen und Trinken, genau und pünktlich in meinen Geschäf ten, standhaft in meinen Entschlüssen. Gib mir ei nen Abscheu und Haff gegen das Laster, Gerings schätzung der Welt und ihrer vergånglichen Güter, eine stete Sorge für ein gutes Gewissen, für ein anständiges Neußere, für einen liebreichen Umgang und einen erbaulichen Wandel. O mein Herr und mein Gott! laß mich in Dir bleiben und viele gute Früchte bringen. Lehre mich, Dich über alles und meinen Nächsten lieben wie mich selbst. Mache mich gerecht, daß ich ihm leiste, was ich soll'; ihm gebe was ihm gebührt; ihm lasse was er hat; und das gerne gönne, was Deine Vorsehung ihm bescheret. Erweiche mein Herz zur Milde und zum Wohlwollen, daß ich des Verlassenen mich) annehme, dem Frrenden recht rathe, den Unwissenz den belehre, für die Unmündigen rede, dem Armen helfe, den Schwachen stårke, den Gefallenen aufrichte, dem Unterdrückten beistehe, den Verlornen rette und Allen so viel Gutes erweise, als ich kann. Herr! in Dessen Hand des Menschen Herz liegt, 2 Morgengebetht mache, daß ich versöhnlich sei und meine Feinde liebe, daß ich segne, die mir fluchen; wohlthue denen, die mich hassen; für diejenigen bethe, die mich beleidigen; daß ich derer schone, denen ich schaden könnte, daß ich folglich Böses mit Gutem vergelte. Mache mich gehorsam und ehrerbietig gegen meine geistliche und weltliche Obrigkeit, verträglich mit meinen Hausgenossen und Mitbürgern, bescheiden und artig gegen åltere Leute, herablassend gegen Geringere, höflich gegen Vornehmere, leutselig und gütig gegen meine Untergebenen, treu gegen meine Freunde, nachsichtig und barmherzig gegen meine Freunde, liebreich und dienstfertig gegen Jedermann. Herr! laß mich nicht gleichgültig sein gegen das Schicksal meines Nächsten. Bewahre mich vor dem Neide und seinen schrecklichen Folgen. Laß mich die herzlichste, wohlwollendste Liebe gegen Jedermann üben, mit Allen in Frieden und Eintracht leben, überall Frieden, Liebe und Eintracht befördern. D Gott! gib, daß ich mich immer erinnere, wie Du das was ich Andern thue, so belohnest oder bestrafest, als habe ich es Dir selbst gethan. 18 6) mein Gott! hilf mir, vor gefährlicher Gesellschaft mich sorglich hüten, überall wach und behutsam sein, daß die Versuchung mich nicht un vorbereitet überrasche, daß ich den Verführer fliehe, mich zu den Frommen und Tugendhaften halte, ihre Beispiele nachahme, durch meine Aufführung Andere erbaue, und so lebe, daß ich meine Religion 19 Morgengebethe. durch meinen Wandel ehre, der Zugend Freunde gewinne, und nach meinen Kräften das Reich Gottes, der Frömmigkeit und Sittlichkeit erweitere. Gib mir, o Gott! von Deinem zeitlichen Segen so viel, als Deine Weisheit und Güte für mein Bestes zuträglich findet. Erhalte mir, so lange ich lebe, einen gesunden Verstand, ein ruhiges von Vorwürfen eines bösen Gewissens freies Herz; ein demüthiges Herz, das kein hoffårtiger Stolz gegen Dich und meinen Nächsten aufblåhet; ein aufrichtiges und glaubenvolles perz, das kein vorwitziges Forschen, eiteles Denken und Zweifeln von Dir entfernet; ein edles, reines Herz, das keine unwürdige Neigung in's Thierische hinabzieht; ein gerades Herz, von dessen Fülle allein der Mund überläuft; ein starkmůthiges, das jedem Mißgeschicke widersteht; ein christlich freies, das von keiner bösen Leidenschaft unterjocht wird. Herr! schenke mir diejenigen Leibeskräfte, die zu einem arbeitsamen Leben nothwendig sind. Friste, wenn es Dir gefällt, meine Lebenstage so lange, bis ich mich durch Uebung im Guten zu einem höhern Leben fähig gemacht habe. Segne, o Gott! meine Arbeiten und Berufsge schäfte, damit ich so viel erwerbe als ich bedarf, um mich und die Meinigen zu versorgen, meinem Nächsten zu dienen, dem Armen zu helfen und Deine Ehre zu befördern. Mache auch meinen Nächsten zur Wohlthätigkeit gegen mich geneigt, damit ich Rath finde, wenn ich des Rathes, Hülfe, wenn Morgengebethe. ich der Hülfe, und Schuß, wenn ich des Schutzes bedarf. Ich bitte Dich nicht, daß ich frei seyn soll von aller Trubsal; gib mir nur Geduld, wenn ich leis de, Demuth, wenn man mich verachtet, Sanftmuth wenn man mich beleidigt und reizt, Zufriedenheit, wenn Du meine Trübsal nicht hinwegnehmen willst, damit ich mich alles unnüßen Kummers entschlage, Deinen heiligen Anordnungen mich nicht widersehe, sondern vielmehr mit kindlichem Gehorsam und Vertrauen unterwerfe, und so die Tugenden erwerbe, die das Leiden in mir erwecken soll: Vertrauen auf Dich, Verleugnung meiner selbst und Losreißung von der Anhänglichkeit an dieser Welt. 20 7) Erkranke ich, o Herr! so sei Du mein Arzt! lindere die Schmerzen, die ich leide; segne die Arz neimittel, die ich brauche, und verhilf mir wieder zur Gesundheit, wenn es Dein Wille ist. Hast Du es aber anders beschlossen, so verleih mir die Gnade, daß ich ergeben in Deinen heiligen Willen und ges horsam gegen Deine weisen Rathschlüsse, als ein wahrer Christ, voll des Glaubens, der Hoffnung und Liebe, wohlvorbereitet und mit den h. Sacras menten versehen, die Stunde meiner Auflösung voll Sehnsucht nach Dir erwarte. Laß mich, o Gott! im Hinblicke auf jene felige Stunde, immer achtsamer betrachten und deutlicher einsehen die Eitelkeit dieser Welt und ihrer Güter 21 Morgengebethe. und Genüsse, die Schwäche und Verdorbenheit des Fleisches, die Niedrigkeit der Erde, die Größe der himmlischen Glückseligkeit in Deiner Anschauung, die Kürze des Menschenlebens und die Länge der Ewigkeit, damit ich voll Glaube stets mein hohes Ziel in's Auge fasse, Dein Gericht fürchte, durch ein gutes von Deiner Liebe beseeltes Leben mich zum Tode bereite, und auf Deine Barmherzigkeit hoffe und vertraue, damit ich so der ewigen Verwerfung und Hölle entgehe, Deiner Gnade mit wirke, Deine Heilsmittel gebrauche, Deinen Willen vollziehe und dadurch vermittels der Verdienste Jesu Christi, meines Seligmachers in das Himmelreich kommen möge. Amen! Gebeth der frommen Prinzessin Elisabeth von Frankreich. ( In gefahrvoller Lage zu sprechen.) Was wird mir wohl heute noch begegnen? Mein Gott! hiervon habe ich gar keine Kenntniß. Aber dieß weiß ich: es wird mir nichts begegnen, was Du nicht schon von Ewigkeit her vorgesehen. angeordnet und beschlossen hättest. Dieß ist mir genug, o mein Gott! dieß ist mir genug; ich bethe Deine ewigen und unerforschlichen Rathschlüsse an; ich unterwerfe mich denselben aus Liebe zu Dir von ganzem Herzem. Ich will alles so haben, ich nehme Morgengebethe. alles an, was und wie Du willst; ich bringe Dir alles zum Opfer, und ich vereinige dieses Opfer mit dem Opfer Jesu Christi meines göttlichen Eridfers. Jch bitte Dich, himmlischer Vater! in Seinem Namen und durch Seine unendlichen Verdienste um die Gnade der Geduld in meinem Kummer und Leiden, wie auch um die gänzliche Unterwerfung, die wir in allem was Du willst und zulässest, Dir schuldig sind. Amen. 22 Ablaß- Gebeth Pius des VII. Der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes geschehe, werde gelobt und ewig über alles erhoben in allen Dingen! Morgengebethe. 23 Sonn- und Festtägliches Morgengebeth, besonders zu sprechen an Tagen, wo man der Morgenandacht mehr Zeit widmen will. Vorbereitungsgebeth. Ehe du bethest, bereite deine Seele vor, und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht. Sir. XVIII. 23. Bersammle dein Gemüth und schlage alle Gedans ken aus, welche deine Andacht stören und dein Gebeth zu einem eiteln Lippenwerke herabwürdigen könnten. Es sei vielmehr eine wahre Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit; es werde für dich was es sein soll und immer für den sein wird, der gehörig bethet: ein segenvolles Heilsmittel für deine Seele, eine Beförderung des größten und wichtigsten aller deiner Geschäfte, eine reich: haltige Quelle des Trostes in Leiden und Trübsalen, der Hülfe und Kraft in Bersuchungen, der Mäßigung, Bescheidenheit, Demuth und Dankbarkeit im Glücke und Wohlstande, der Standhaftigkeit, Geduld und Ergebenheit in Gottes Willen, so wie des christlichen Vertrauens auf Ihn im Unglücke, in Armuth und Widerwärtigkeit; es vermehre deinen Glauben, befestige deine Hoffnung und entzünde in dir die göttliche Liebe; so veredle und heilige es deine Seele, erhebe sie über die Sinnlichkeit zu heiligen und himmlischen Dingen und vereinige sie mit Gott. Um dich zu größerer Andacht aufzumuntern und dich dadurch der unschäßbaren Wirkungen des Gebethes empfänglicher zu machen, denke und stelle dir lebhaft vor, daß du in Gottes Morgengebethe. Gegenwart bist, daß er uns, wann wir bethen, gleichsam vorzüglich nahe, oder wann wir gemeinschaftlich in Seinem Namen versammelt bethen, wie Christus sagt, mitten unter uns ist. Ueberlege, wer und was du bist, und was Gott ist, vor Dem du stehest, mit Dem du sprechen willst. Rufe mit Jakob aus: Wahrhaft, der Herr ist hier; dieß ist das Haus Gottes u. s. w. Voll Glauben, Demuth und Ehrfurcht, voll Bertrauen und Hoffnung sprich mit Abraham: Ich will mit meinem Herrn reden, obgleich ich nur Staub und Asche bin. 1 B. Mos. XXVIII; 15. 24 Herr! eröffne meinen Mund, Deinen heiligen Namen zu preisen; reinige auch mein Herz von allen eiteln, bösen und fremdartigen Gedanken; erleuchte meinen Verstand, entzünde meine Andacht, daß ich geziemend, aufmerksam und inbrünstig dieses Gebeth verrichten möge, und vor dem Angefichte Deiner Majestät erhöret zu werden verdiene, durch Christus unsern Herrn. Amen. Herr Jesus Christus! in Vereinigung mit jener gd..ichen Meinung, worin Du selbst auf Erden Gott Deinem himmlischen Vater das Lob dargebracht hast, opfere ich Dir diese Gebethe auf. II. Anbethung und Lob Gottes. Bethe knieend, die Hände faltend, oder sonst in demüthi ger, ehrerbietiger Stellung den allmächtigen gütigen Gott an, Der dich vom Schlafe wie vom Tode gleichsam zu einem nenen Leben wieder auferweckt hat. Im Namen des Vaters u. s. w. Vater unser! der du bist in dem Himmel! Allerhöchster Herr des Himmels und der Erde! gro 25 Morgengebethe. Fer Gott! Dessen Daseyn und Herrlichkeit das Weltall verkündet; ich glaube daß Du hier wie überall gegenwärtig und bereit bist, meine Verehrung anzunehmen und mein Gebeth zu erhören. Mit kindlicher Liebe und Dankbarkeit, mit Ehrfurcht und Vertrauen, im Gefühle meiner Niedrigkeit und Deiner Hohheit, meiner Sündhaftigkeit und Deiner Heiligkeit falle ich vor Dir auf meine Knice nieder, falte meine Hände, neige mein Haupt und bethe Dich an als meinen Herrn und Gott, meinen Erschaffer, Erhalter und unendlichen Wohlthäter. Die allerfeligste Jungfrau Maria, Mutter unseres Gottes und Heilandes Jesu Christi, alle Engel, alle Heiligen, alle Wesen sollen sich mit mir vereinigen, Dich, o mein Gott, zu loben und anzubethen!! Lobet Ihn Sonne, Mond und alle Sterne! Lobet den Herrn ihr von der Erde! Alles was wir auf der Erde erblicken, verkünde Sein Lob und Seine Herrlichkeit! Der Erden Könige und alle Völker, Jünglinge und Jungfrauen, Greise und Kinder sollen loben den Namen des Herrn, der da hochgepriesen werde von nun an bis in Ewigkeit. Amen. III. Danksagung. Danke Gott mit freudigem Gemüthe für die väterliche Obsorge, womit er dich die Nacht hindurch beschüßte, daß Er dich noch diesen Tag erleben ließ, wo du Gutes wir ken und Schäße für den Himmel sammeln kannst. 2* 26 Morgengebethe. Einer von ihnen, als er gewahr wurde, daß er rein geworden, kehrte zu Jesus zurück und lobte Gott mit lauter Stimme, Er fiel vor den Füßen Jesu nieder und dankte Ihm. Und der war ein Samariter. Da ant= wortete Jesus und sprach: Sind denn nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die neun? Luk. 17. 17. Wie vergelte ich dem Herrn alles was er mir Gutes gethan hat? Ps. 115. Herr! von meinem ganzen Herzen will ich Dir danken. Ps. 110. Ich danke Dir, gütiger Gott! für alle Gnaden und Wohlthaten, die ich je von Dir empfangen habe; ich danke Dir, daß Du mich nach Deinem Ebenbilde und zur ewigen Seligkeit erschaffen, durch Deinen vielgeliebten Sohn erlöset, und durch den heiligen Geist geheiliget und zu der wahren Kirche Jesu Christi berufen hast; im besondern danke ich Dir jetzt, daß Du mich diese Nacht vor so manchem Uebel bewahrt, durch den Schlaf meine müden Glieder gestärkt und mir neue Kräfte zu Deinem Dienste und meinen Berufsgeschäften verlichen hast. Dies ser Tag, den Du mich gesund, froh und neugestärkt haft erleben lassen, ist ein neues, ein großes Ge schenk von Dir, ein neuer Beweis Deiner Güte und Barmherzigkeit für mich. Wäre ich wohl Deiner Vaterliebe werth, wenn ich aus Leichtsinn, Vergessenheit, Trägheit oder aus Mangel an Gefühl und Aufmerksamkeit für Deine Wohlthaten die Dankbeweisung versäumte, welche Dir, meinem huldreithen Wohlthåter gebührt? Ich hatte eben so wenig Recht, diesen Tag zu erwarten, als so viele Andere, Univ.- Bibl. Giessen 27 Morgengebethe. die ihn nicht erlebt haben, die vielleicht unvorbereitet, ungebessert dahin gestorben sind. Wie kann ich Dir nun genug dafür danken, daß ich noch lebe, daß ich noch Zeit habe, auf dem Wege der Sünde umzukehren, mich zur christlichen Frömmigkeit und Tugend zu bilden und mir so die ewige Glückseligkeit in Deiner Anschauung zu erwerben! Danket dem Herrn! denn Er ist gut; denn Seine Barmherzigkeit währet ewig. Ps. 135. IV. Bitte um Gottes Schuß, Segen und Gnade, daß Er dich besonders diesen Tag vor aller Sünde, Pflichtverletzung und auch vor leiblichen Uebeln våterlich bewahren wolle. Wenn ihr, die ihr doch böse seid, enern Kindern gute Gaben zu geben wisset, um wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes thun, die Ihn darum bitten? Matth. 7. Allwissender, allmächtiger und höchst gütiger Gott! unter Deinen Schuß und Schirm stelle ich nun meinen Leib und meine Seele gegen alles was mir heute schädlich oder verderblich werden könnte. Du kennst meine Schwachheit und Hülflosigkeit; ohne Dich vermag ich nichts. Ich wache oder schlafe, allezeit bedarf ich Deines Schuhes; ich mag das Gute thun wollen oder auf Böses sinnen, in jedem Falle ist mir Deine Gnade zu meinem Heile nöthig. Morgengebethe. Dir, o Herr! sind alle meine Bedürfnisse bekannt; darum gewähre Du mir die ihnen eutsprechende Hülfe. Gott! Der Du uns so vieles gibst, um welches wir Dich nicht bitten, verleih mir heute die Gnade, den Tag ohne Sünde zuzubringen, alles Gute, dessen ich mit Deinem Beistande in meinem Berufe fähig bin, treu zu wirken, jede sündige Lust und Freude zu meiden und zu verschmähen, und mit Geduld und christlicher Ergebung in Deinen Willen alle Leiden und Wiederwärtigkeiten zu ertragen, die Du über mich verhängen wirst. Gott! mein Bater! laß mein ganzes Leben eine Heiligung, eine Verherrlichung Deines Namens seyn! Sei mein Schirm gegen alle Versuchungen und Aergernisse; bewahre mich vor der Gewalt und Herrschaft böser Leidenschaften! Dein heiliger Geist herrsche in meinem Herzen, und bewahre es vor Hochmuth, Unlauterkeit, und vor allem was Sünde ist, damit ich kein Sklave des Lasters werde, sondern es erkenne, daß Dein Reich zu mir gekommen, und wie leicht die Bürde, wie sanft das Joch Deines heiligen Gesetzes ist. Laß das rechte christliche Leben, das aus Dir ist, durch den Glauben und die Gnade des heiligen Geistes in mir rege und thätig werden, damit nicht ich lebe, sondern Christus in mir. Ja, himmlischer Bater! erneuere stets in mir den Glauben an Deinen göttlichen Sohn, gründe meine Hoffnung auf Ihn und entzünde durch den heiligen Geist in meinem Herzen das Feuer Deiner Liebe, damit ich als eine Pflanze der Gerechtigkeit grüne, blühe und 28 29 Morgengebethe. lebendige Früchte trage, die Dir wohlgefällig, mir heilsam und meinem Nächsten nůßlich sind. Amen. V. Aufopferung und gute Meinung. Ihr effet oder trinket, oder thuet etwas anders, so thut alles zur Ehre Gottes. Seid ohne Aergerniß den Juden und den Heiden und der Kirche Gottes. 1. Kor. 10. Alles was ihr thuet, mit Worten oder Werken, das thuet alles im Namen des Herrn Jesu Christi. Kol. 3. 17. Gott! mein Schöpfer und Erhalter! der Du mich um Deinetwillen und zu Deiner Ehre erschaffen hast, ich opfere Dir alle meine heutigen Gedanken, Worte und Werke auf. Segne sie, o Herr! daß sie alle Deinem Willen gemäß und von Deiner Liebe beseelet seien, damit sie so zu Deiner höchsten Ehre gereichen mögen. Ich will, es soll heute von mir alles geschehen aus Liebe zu Dir, aus Gehorsam gegen Dich, zu Deiner Verherrlichung, zur Danksagung für alle Deine Wohlthaten, zur Genugthuung für meine begangenen Sünden, zur Erlangung Deiner Gnade und der Beharrlichkeit im Guten bis zu meinem Tode. Ich wünsche auch, im Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen aller guten Werke, aller Früchte der gottesdienstlichen Handlungen, und aller Verdienste Deiner ganzen heiligen Kirche theilhaft zu werden; weswegen ich mich auch selbst bemühen will, so viel Gutes zu thun als mir möglich ist. Damit Dir, o Herr! dieses mein Morgenopfer gefalle und alles was ich heute denke, wünsche, thue, Morgengebethe. leide, unterlasse und entbehre zur Heiligung Deines Namens gereiche, so vereinige ich dasselbe mit den Verdiensten Jesu Christi und bitte, o Vater! in Seinem Namen, dieser Aufopferung und guten Meinung Deinen alles wirkenden Segen zu verleihen. Amen. 30 VI. Guter Vorsaß. Erwecke dich zu neuem Eifer im Guten, erneuere deine Borsätze und fasse den ernstlichen Entschluß, heute nichts zu thun, was Gott misfällig ist, sondern diese dir noch geges bene Zeit zu Seiner Ehre, zu deiner Veredlung, Heilige und Seligmachung, und zum Nußen und Heile deines Nächsten treulich zu verwenden. Und ich sprach: Jetzt fang' ich an. Pf. 76. Ich schwöre es und halte meinen Schwur: Nur Deinem Worte, o Herr! folge ich fortan! Ps. 118. Mein Gott! ich verlange aufrichtig, Dich von ganz zem Herzen zu lieben, Deinen Willen ohne Einschränkung und Vorbehalt zu erfüllen, Deine Gebote ohne Ausnahme zu beobachten. Aber wie oft handle ich diesem Verlangen entgegen, weil ich mich noch zu sehr von bösen Gewohnheiten beherrschen lasse, und die Gelegenheiten zu meiden versäume, welche mich schon so oft zum Falle brachten. Ich nehme mir daher ernstlich vor, besonders diese Sünde zu meiden, diese sündhafte Gewohnheit-- zu bekämpfen bei dieser Gelegenheit auf meiner Hut zu seyn. Ich will alles was ich heute denken, reden, thun, -- - - Morgengebethe. 31 oder unterlassen werde, sorgfältig prüfen, damit ich nichts denke und rede, thue und unterlasse, was mit der Liebe und dem Gehorsame, wozu ich gegen Dich verpflichtet bin, unverträglich ist. Herr! Der Du mir das Wollen gibst, gib mir auch die Kraft, es zu vollbringen. Amen. VII. Fürbitte für Lebendige und Abgestorbene; Anrufung der Heiligen. Ich glaube an eine Gemeinschaft der Heiligen. Apost. Glaub. Gebeth für seine Eltern. O Gott! Der Du uns Vater und Mutter zu ehren befohlen hast, gib meinen Eltern den Geist der Weisheit, des Rathes und der Frömmigkeit, daß sie Deinen Willen erkennen, treu vollziehen und mich auf den Pfad des ewigen Heiles leiten. Herr! vergilt Du ihnen ihre Liebe, ihre Mühe, und alles Gute, so sie mir erweisen, mit Deinem reichen Segen in diesem, und mit ewig belohnender Glückseligkeit in jenem Leben. Amen. Gebeth für seine Kinder. O Gott! Du Erschaffer aller sichtbaren und uns sichtbaren Dinge, Dem alle Wesen ihr Daseyn und Fortbestehen verdanken, erhalte, beschüße und segne die Kinder, die Du uns gegeben hast, daß Morgengebethe. fie, wie Joseph, Daniel, und Tobias in Deiner heiligen Furcht und Liebe aufwachsen und gleichwie an Leibes- und Seelenkräften, so auch an Gnade und Wohlgefallen vor Dir zunehmen und, durch Deine Barmherzigkeit das ewige Leben erlangen mögen. Imom msgnitallad 32 Gebeth für seine Wohlthäter. 2pido f Vergilt, o Herr! allen unsern Wohlthätern das Gute, so sie uns erweisen, mit Deinem Segen in diesem und im künftigen Leben, um Deines Namens willen. Amen. ***** in sounds C Gebeth für Priester, Erzieher und Lehrer. Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, daß Du unsern Priestern, den Dienern Deiner heiligen Kirche, unfern Erziehern, Lehrern und allen, welche zu unserer Bildung für jenes und für dieses Leben beitragen, um Deines heiligen Namens willen, in diesem Leben die Fülle Deiner Gnade, in jenem aber die ewigen Güter verleihen wollest. Amen. NACIST 40197 Gebeth für die Verstorbenen. 1) Herr! laß Deine Erbarmungen an den Geistern Deiner Gläubigen wirksam werden, und sie die Frucht davon ernten, daß sie an Dich geglaubt und auf Dich gehofft haben. 2) Gott! Der Du allein die Macht hast, auch nach dem Tode noch den Seelen der Deinigen Heils 33 Morgengebethe. mittel zu reichen, verleih ihnen, daß sie, von den Befleckungen der Erde durch's lauternde Fegfeuer gereinigt, denjenigen beigezählt werden, die das Erbe Deiner Erlösung schon in Besitz genommen haben. Durch Jesum Christum Deinen Sohn. Gebeth zur allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Gegrüßet seist Du Maria! Du bist voll der Gnaden; der Herr ist mit Dir; Du bist gebenedeiet unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus. Heilige Maria! Mutter Gottes, bitt für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. Bebeth zum Andenken der Menschwerdung Jesu Christi, oder der englische Gruss. Gabriel brachte Der Engel des Herrn Maria die Bothschaft( daß sie die Mutter unsers Herrn und Erlösers werden sollte); und sie empfing vom heiligen Geiste. Gegrüßet seist Du ic. Maria sprach( zum Engel): Sieh, ich bin eine Dienstmagd des Herrn! Mir geschehe nach Deinem Worte! Gegrüßet zc. Und das Wort( der Sohn Gottes) ist Fleisch geworden! Und Er hat unter uns gewohnt. Gegrüßet zc. Bitt für uns heilige Gottesgebårerin! Damit wir der Verheißungen Jesu Christi würdig werden! 3 - 34 Morgengebethe. Gebeth. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest Deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit, die wir auf die Verkündigung des Engels die Menschwerdung Deines Sohnes Jesu Christi erkannt haben, wir auch durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden mögen, durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth zum Andenken der Auferstehung unsers Herrn. ( Statt des vorigen, zur österlichen Zeit.) Vers. Freue Dich, Du Himmelskönigin! Antw. Alleluja!( Gott Lob!) V. Denn Der, Dessen Mutter zu seyn Du verdient hast, A. Alleluja! V. Der ist wieder auferstanden, wie er vorhergesagt hatte. A. Alleluja! V. freue Dich und frohlocke, seligste Jungfrau Maria! A. Alleluja! V. Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden. A. Alleluja! O Gott! Der Du durch die Auferstehung Deines Sohnes unseres Herrn Jesu Christi die Welt zu erfreuen Dich gewürdiget hast, verleih uns, daß wir durch die Fürbitte Seiner Jungfräulichen Mutter der Freuden des ewigen Lebens theilhaftig werden, durch denselben Christus unsern Herrn. Amen. 6 35 Abendgebethe. Gebeth zum heiligen Schutzengel. Ihre Engel( sagte Christus von den Kine dern) schauen immerfort das Angesicht Meines Baters, Der im Himmel ist. Matth. 18. 10. Gottes heiliger Engel! Du mein Beschützer und Führer auf dem Wege zum Himmel, erflehe mir Gottes Segen und Gnade an diesem Tage! behüte und leite mich, daß ich Seine Gebote treu halte und mich einst in Deiner Gesellschaft Seiner Anschauung erfreuen möge. Amen. O Gott! Der Du aus unaussprechlich gütiger bez Fürsorge Deine h. Engel zu unserm Schutze zu stellen, Dich gewürdiget hast, verleih, daß wir unter ihrer Leitung von allem Bösen bewahret bleiben, und uns mit ihnen ewig in Dir erfreuen mögen. Amen. Gebeth zu seinem Namensheiligen. Mein seliger Schußpatron, Heiliger N., dessen Namen durch Gottes Fügung mir in der heiligen Taufe beigelegt wurde, heute und immer übergebe ich mich deiner treuen Obhut. Erflehe mir von Gott dieselben Gnadenmittel, durch welche du Jesu Christi Verheißung erlangt hast, damit ich deinen Zugenden hiernieden nachahme, und verdienen möge mit dir derselben Herrlichkeit dort oben theilhaft zu werden. Amen. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiz ligen Geiste! Wie im Anfange, so jetzt und immer und zu ewigen Zeiten. Amen! 36 Abendgebethe. Abendgebethe. Vorerinnerung. Nachdem Jesus das Volk- vor welchem Er wunderbar das Brod vermehrte- ent= laffen hatte, begab Er sich auf einen Berg, um om da allein zu bethen; und als es Abend ward, war Er noch allein daselbst. Matth. 44. 23. In diesen Tagen ging Jesus hinaus auf den Berg, um zu bethen, und übernachtete im Gebethe zu Gott. Lut. 6. 12. Erhebet des Nachts eure Hände zum Heiligthume und preiset den Herrn! Ps. 133. 2. Herr! meiner Hände Erhebung sei ein Abendopfer. Pf. 140. 2. Wenn es, o Christ! für dich wichtig ist, den Tag gut, das heißt, mit Gott anzufangen, so ist es eben so wichtig denselben gut zu enden, ihn mit Erhebung des Gemüthes zu Gott in frommem Gebethe zu beschließen. Die vielfäl tigen neuen Gnaden und Wohlthaten, welche wir den Tag über vom Herrn empfangen, so wie Dessen fortwährender Schub, den wir in der kommenden Nacht nöthig haben, die Sünden, wodurch wir unsern größten Herrn und Wohlthäter beleidigten, und das Verlangen, das wir haben müssen, so bald wie möglich, sie dem gerechten und barmherzigen Gott abzubitten, alles dieses soll uns bewegen und auffor= dern, das Abendgebeth nicht zu versäumen. Verweigere Gott diese fromme Huldigung nicht am Ende des Tages, deffen Licht vielleicht das letzte ist, in welchem du noch Gutes thun kannst. Bringe Ihm das Opfer eines dankbaren Herzens dar, und suche dich durch Glauben, Hoffnung, Liebe, Reue, gute Vorsäße, Demuth und Selbstaufopferung in Abendgebethe. diejenige Gemüthsverfassung zu versetzen, in welcher du dich befinden möchtest, wenn du diese Nacht eines plötzlichen Todes sterben solltest. Die Worte des h. Apostel Paulus an die Hebräer: Es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen, sollten dich, wenn du ein Sünder bist, an jedem Abend heilsam erschüttern, und zum Herrn bekehren, damit du nicht etwa in der Nacht vom Tode, wie von Dieben überfallen werdest. Ein wichtiger Theil der Abendandacht ist die Gewissenserforschung; ja, sie ist eine der größten Pflichten des christlichen Lebens, da man ohne diese Selbstprüfung, ohne dieses Nachdenken über sich selbst es in der Tugend nicht weit bringen kann. Prüfe dich daher an jedem Abende, gehe gleichsam in dein Inneres hinein und durchforsche da die geheimsten Falten deines Herzens. Frage dich, wie du dich gegen Gott, gegen den Nächsten und gegen dich selbst verhalten, wie du die am Morgen gefaßten Vorsätze ausgeführt hast. Auf solche Weise wirst du dich kennen, dich bessern und vervollkommnen lernen. Wie genau prüft man seine Handlungen nicht, um zeitlichen Schaden zu vermeiden und einen zu machenden Gewinn nicht zu verfehlen? Und doch, was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet? Thue also für dein ewiges Heil was du für einen zeit lichen Nußen zu thun dich nicht verdrießen läßest. Lege dich nicht zur Ruhe, ohne dich gefragt zu haben, wie du mit Gott deinem Herrn stehest, Der in dieser Nacht, wie von jenem gottvergessenen, nur auf irdische Schäße sinnenden Reichen, deine Seele von dir fordern und dich vor Seinen Richterstuhl bescheiden könnte. Wenn wir die Sonne über unserm 3orne nicht untergehen lassen solIen( Ephef. 4; 26), um wie viel mehr sollen wir uns denn nicht vor dem Schlafe mit Gott versöhnen, uns durch wahre Reue über unsere erkannten Sünden zu Ihm be37 38 Abendgebethe. kehren, mit Ihm wieder vereinigen? Hierzu ermahnen uns auch die Worte des Herrn: Wachet und bethet!- Selig jene Knechte, die der Herr wachend findet, wenn er kommt!- So seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, da ihr es nicht meinet. Bersäume also ja nicht, o Christ! diese heilsame und wichtige Uebung bei'm Abendgebethe. Sie ist ein vorzügliches Mittel, des HeiLandes Gebote: Seid vollkommen, wie euer himms tischer Bater vollkommen ist,( Matth. 5.) immer mehr nachzukommen. Und so wirst du für die kleine Ueberwindung und geringe Mühe, die sie dir bei der Ermüdung vom Tageswerke wohl verursachen mag, überreichlich belohnet werden. In manchen christlichen Familien besteht noch der höchst löbliche, erbauliche und für's Zeitliche wie für's Ewige nüßliche Gebrauch, das Abendgebeth gemeinschaftlich zu verrichten. Ahme du, o christlicher Hausvater! fromme Hauss mutter! diese Heil und Segen bringende Sitte nach, da es besonders am Abende leichter ist, deine Hausgenossen um dich herum zu vereinigen. Gedenke der Worte Christi unseres Lehrers und Seligmachers: Wo zwei oder drei Personen in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.( Matth. 18.) Was hätte unser göttlicher Erlöser mehr sagen können, um uns zum gemeinschaftlichen Gebethe aufzumuntern? Berlaffe daher wenn die festgesetzte Stunde zu dieser heiligen Versammlung geschlagen, jedes Geschäft, jede Unterhaltung, erwecke dich zur Andacht und bringe Gott mit deinen nun ermü deten und geschwächten Kräften den Zoll deiner Verehrung. dar, wie du Ihm am Morgen mit deinem nengestärkten ganzen Wesen gehuldiget hast. Eite in die sichere und gna: denreiche Gegenwart deines Herrn und freue dich in Ge Abendgebethe. 39 meinschaft der Heiligen vereint mit allen Christen der weiten Welt einstimmig zu Ihm bethen, Ihm so deinen Glauben, deine Hoffnung und Liebe bezeugen zu können. Erstes Abendgebeth. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Heiligste Dreifaltigkeit, Ein Gott in drei Personen, Bater, Sohn und heiliger Geist! ich bethe Dich an und verehre Dich als meinen Erschaffer, Erlöser und Heiligmacher. Von ganzem Herzen danke ich Dir für alle Gaben und Gnaden, die Du mir heute an Leib und Seele geschenkt hast! O hätte ich mich aber auch nur recht dankbar dafür bewiesen und Deinen heiligen Willen in Allem gethan! Gott! ich habe gesündigt! Ich erkenne und bekenne Dir alle Fehler und Missethaten, besonders diese-- Sie reuen mich barmherziger Gott! nicht bloß weil ich verdiene, dafür gestraft zu werden in dieser Welt, sondern weil sie mich Deiner Anschauung in der andern berauben können, und weil ich Dich o Gott! das höchste Gut, meinen besten, liebevollsten Vater da= durch erzürnet und beleidigt habe. Deswegen klopfe ich an mein sündiges Herz und bitte Dich um Gnade und Verzeihung. Ich will von neuem anfangen, Dir treu zu dienen und mit Deinem Beistande nie mehr vom Wege Deiner heiligen Gebote abwei= chen. Segne, o Herr! diesen meinen Vorsatz, Abendgebethe. Da ich nun durch Ruhe und Schlaf meine ges schwächten Kräfte zu Deinem Dienste und meinen Berufsarbeiten wieder neu stärken will, so empfehle ich Dir, allmächtiger, allgegenwärtiger Gott! meine Seele und meinen Leib, daß Du beide vor allem Bösen bewahren wollest. Verleihe mir, den Meinigen und allen Christen, insbesondere N.-- eine ruhige, von Dir gesegnete Nacht, daß wir weder schlafend noch wachend aufhören, Dich von Herzen zu lieben. Verleih uns gnädig Zeit zur Abbüßung unserer Sünden und zur Besserung unsers Lebens, damit wir einst in Dir selig entschlafen und wenn Du uns wecken wirst, zu Deiner Anschauung im ewigen Licht und Leben auferstehen mögen. Amen. Vater unser ic. Gegrüßet ic. Ich glaube an Gott. 40 Abendgebethe. Sonn- und Festtägliches Abendgebeth, oder bei Gelegenheiten, wo man der Abendandacht mehr Zeit widmen will, besonders vor em Beichttage. JOG 41 I. Vorbereitungsgebeth. ( Wie bei'm Morgengebethe. Siehe Seite 23.) II. Anbethung und Lob Gottes. Du sollst den Herrn deinen Gott anbethen und Ihm allein dienen. Matth. 11. O mein Herr und mein Gott! Du Erschaffer, Erhalter und unumschränkter Herr aller Dinge! hier auf meinen Knieen erkenne und bethe ich Dich an, als den Urheber meines Daseyns und Lebens, ehre, lobe und preise Dich als das allerhöchste Gut, als das allerbeste Wesen. Von Herzen wünsche ich daß alle Deine Geschöpfe mir helfen mögen, Dich im Geist und in der Wahrheit anzubethen. Besonders vereinige ich mich im Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, um Dir in dieser Stunde vereint mit den Seligen im Himmel und allen Gerechten auf Erden meine Huldigung und gebührende Verehrung darzubringen. Im Namen und mit den Worten Jesu Christi spreche ich: Vater unser! der Du bist in dem Himmel! geheiliget werde dein Name! Abendgebethe. Kommet, lasset uns anbethen und niederfallen, und weinen vor dem Herrn, der uns gemacht hat- vor Freude über Ihn und seine Güte, vor Schmerz über unsere Sünden;- denn Er ist der Herr unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide, die Schafe, so Er leitet. Ps. 94. 42 Wohlan! jetzo preiset den Herrn, alle Diener des Herrn, die ihr steht im Hause des Herrn, in den Vorhöfen des Hauses unsers Gottes in den Kirchen vor seinem Heiligthume. Erhebet des Nachts eure Hände zu diesem seinem Heiligthume und preiset den Herrn! Die ihr den Herrn fürchtet, preiset den Herrn. Lobet den Herrn; denn gut ist der Herr; lobsinget Seinem Namen; denn Er ist lieblich. Kommet denn anzubethen den Herrn! eilt, vor Ihm niederzuknieen. Ps. 133. 94. 134. Ehre sei dem Vater u. s. w. 1X III. Danksagung. 1 750.210 Was hast du, das du nicht empfangen hättest! 1. Kor. 4. 7. Erinnere dich nun und erwäge einen Augenblick alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, welche dir Gott diesen Tag hindurch erwiesen hat und sage Ihm den schuldigen Dank, entweder mit den Worten, die Christus selbst brauchte: Gott! Bater! ich danke Dir und ferner wie es dein Herz dir auf die Zunge legt, wenn du allein bethest, oder wie folgt: Preise den Herrn, meine Seele! und alles was in mir ist, mein ganzes Seyn und Wesen danke Seinem heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Abendgebethe. Seele und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat. Denn der Herr aller Herren, Der da alles Lebende mit Segen erfüllet, hat besonders dir heute auf's neue seine mannichfaltigen Gaben reichlich mitgetheilt, und in höchster Milde und Liebe dir große Gnade erzeigt. Gott! laß mich solches recht bedenken und Deine Wohlthaten nun erwägen, auf daß ich Dir angenehmen Dank zum Abendopfer bringe. 43 Wie vergelte ich Dir, o Herr! alles was Du mir Gutes gethan hast? Ps. 115. Wie kann ich Dir genug danken für alle die Freude, ja für alles, was Deine Güte mir heute beschert hat? Herr! Dir gab ich nie was zuvor, daß Du es mir hattest vergelten müssen. Thess. 2; 3. 9. Rom. 11; 35. Alles habe ich Dir zu verdanken, nichts kann ich Dir dafür wiedergeben, das nicht schon Dein wäre. Noch war ich nicht, und Du dachtest in Gnaden an mich. Noch konnte ich keine Gedanken fassen, keine verbinden, noch keine Wünsche empfinden und hegen, und da beriefst Du mich zum Himmel, da gabst Du mir die Macht, daß unschätzbare Recht, Dein Kind, aus Dir durch die Taufe- ge= boren zu werden; da machtest Du mich schon zum Gliede Jesu Christi, Deines vielgeliebten Sohnes, zum Miterben Seiner Herrlichkeit, o Bater! bei Dir. Seit dem hörtest Du nicht auf, o mein größter Wohlthäter! mich mit Beweisen Deines göttlichen Wohlwollens, Deiner Vaterliebe zu überhäufen. Täglich noch überschüttest Du mich mit der reichen - 44 Abendgebethe. Fülle Deiner Erbarmungen und Gnaden. Von meinem ganzen Herzen möchte ich Dir geziemend dafür danken. Pf. 110. Aber, mein Herr und mein Gott! so viel Güte, so viel Gnade geht über alle menschliche Dankbarkeit. Darum vereiniget euch mit mir, ihr seligen Geister! und helfet mir Gott danken. Darum vereinige ich mein Dankgebeth mit dem Gebethe der heiligen Kirche und danke Dir, Vater! durch Jesus Christus Deinen Sohn unsern Herrn. Amen. IV. Gewissenserforschung. Die Sünden aber, wer merket sie? Pf. 18. 13: Wer merkt jeden Fehler gegen Gottes vollkommene Gesetze, auch bei der größten Aufmerksamkeit es nicht zu übertreten? Siebenmal fällt der Gerechte und steht wieder auf; aber die Gottlosen versinken im Bösen. Sprüchw. 24. 16. 4332 N Denn fehlen ist ja menschlich und auch der Gerechte fehlt öfter; er bleibt aber nicht in der Sünde, die bei ihm einkehrt, und nur ein vorübergehender Fremdling, kein Insasse oder Einwohner ist, wie die h. Bäter( Chrysostom, Augustin und der h. Gregor der Große) lehren. Es find mir geringere Uebertretungen, deren sich der Gerechte aus menschlicher Schwachheit schuldig macht, die ihm aber das Leben der Seele, Glaube, Liebe und die sich darauf grüne dende Hoffnung und Rechtfertigung nicht rauben. Anders verhält es sich mit dem Gottlosen, der Todsünde auf Tode sünde begeht. Dieser stürzt in's Böse, ohne zu trachten, sich davon loszumachen; denn durch die Gewohnheit zu 45 Abendgebethe. fündigen, wird er, wie der h. Augustin sagt, unter seinen eigenen Trümmern begraben. Er scheut und flieht das Licht, bei dem er seinen elenden Zustand erkennen könnte. Dn, D Chrift! erbitte dir dieses zu deiner Selbstprüfung und Selbstkenntniß nöthige Licht vom heiligen Geiste, und erforsche, wie du diesen Tag, Stund für Stunde zugebracht, wann, wo und wie du, nicht nur in wichtigen, sondern auch in geringen Stücken, durch große und kleine Bergehen wider Gott, wider deinen Nächsten und wider dich selbst gesündiget hast. Bitte um die Gnade der Erleuchtung zur Erkenntniß seiner Sünden. Heiliger Geist! Du ewige Quelle des wahren Lichtes, des guten Rathes und Verstandes, Du untrüge licher Lehrer der echten Weisheit und Selbsterkennt niß! Göttlicher Geist! der uns alle Wahrheit lehren soll! lehre Du mich jetzt, mich selbst kennen. Zeige mir, Allerheiligster, Allwissender! wie verschieden ich von dem bin, der ich war, als ich aus der heiligen Taufe kam, in welcher Du mich zu Deinem Lempel einweihtest, und der ich noch seyn sollte. Allmächtiger Geist! welchen Christus seinen Jungern versprach und vom Vater herabsandte, damit Du bei seiner Kirche bleibest bis in Ewigkeit, der Du das Dunkel erleuchtet hast, in welchem einst alle Völker fern von der Erkenntniß des wahren Gottes lebten, sende mir einen Strahl Deines Lichtes; zerstreue die Finsternisse meines Herzens und Verstandes, damit ich erkenne wie oft und wie schwer ich gesündiget habe. Laß mich, o Herr! nicht Abendgebethe. blind gegen mich selbst seyn, sondern in Deinem Lichte wandeln, damit ich mich nicht selbst betrüge, und so in der Sünde lebe und sterbe. O Du Aller= reinster! der Du nur in reinen Herzen wohnest, hilf mir die erkannten Sünden so bereuen, daß ich Dich nie wieder betrübe noch beleidige, sondern Du in meiner Seele wohnest ewiglich. Amen. 46 Wie habe ich diesen Tag verlebt? Wie erwiederte ich die vielen Wohlthaten Gottes? Verlor ich ihn nicht im Müßiggange und eiteln 3erstreuungen? Ist er nicht leer an guten Werken? Kann ich fas gen, daß ich ihn zu meinem Seelenheile angewandt habe? Ist er nicht vielmehr für die Ewigkeit ein ganz verlorner Tag? Dies kann ich abnehmen aus dem Guten, das ich håtte thun können; habe ich es gethan? Habe ich mir jene Schätze gesammelt, welche Christus empfahl? Oder habe ich vielmehr mit bösen Gedanken, Worten und Werken gesündigt? Wie verhielt ich mich gegen Gott? gegen meine Nebenmenschen? gegen mich selbst? Was würde mich drücken, wenn ich diese Nacht vor dem Richterstuhle Gottes erscheinen müßte, wo die Menschen über ein jedes unnütze Wort, das sie reden, Rechenschaft geben müssen? 47 Abendgebethe. V. Sündenbekenntniß. ( Sieh im ersten Meßgebeth: Confiteor. Oder wenn du schwer gesündigt hast, sprich folgendes Gebeth.) Herr! ich will Dir meine Ungerechtigkeit und meine vielfältigen Sünden wider mich bekennen. Denn ich erkenne mein Verbrechen und meine Sünde schwebet immerdar vor mir. Dir allein, o Gott! hab ich gesündiget und Böses vor Dir gethan. Da rum, Allwissender! höchst Gütigster! will ich mich mit Deiner Gnade aufmachen und zu Dir, o Gott! meinem Vater zurückkehren und mit jenem verlorenen Sohne sprechen: Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor Dir, und bin nicht mehr werth, Dein Sohn zu heißen. Ich habe mich weit von meinem wahren Vaterlande auf die verderbenvollen Abwege der Sünde verirret; ich habe mein ganzes kostbares Erbgut verschwendet; ich lebte fast nur meinen Leidenschaften, meiner Sinnlichkeit oder doch eiteln Zerstreuungen, Dich aber o Gott! für Den ich erschaffen bin, für Den ich leben sollte, Dich vergaß ich, oder ich dachte doch nur wenig an Dich. Sklavisch fröhnte ich der unerfåttlichen Habsucht und dem Geize, haschte nach falscher Ehre und vergånglichem Ruhme, und thöricht suchte ich mir selbst und der Welt zu gefallen. Schätze für den Himmel durch gute Werke zu sammeln, habe ich versäumt; Deinen ehrenvollen Dienst, o Herr! habe ich vernachlässigt. So habe ich Dich nicht, nach Deinem Hauptgebote, aus gare Abendgebethe. zer Seele, von ganzem Herzen, so auch nicht meinen Nächsten wie mich selbst geliebt. Nein, Herr! nein, sondern ich habe gesündigt. Hier liege ich nun zu Deinen Füßen, bester Vater! meines frühern Ehrenkleides, der Unschuld und Gnade beraubt, von allem Verdienste vor Dir entblößt, arm an allen dem, was mich in Deinen Augen reich machen könnte, und hungernd nach dem Brode Deiner geliebten guten Kinder. Vater! ich bekenne Dir meine Sünden und bitte Dich, mich wieder in Dein Haus, unter die Zahl Deiner geringsten Diener aufzunehmen. 48 VI. Reue und Leid. Neumüthig kehre ich zu Dir, in Deinen heiligen Dienst zurück. Verschmähe, o Gott! ein gedemüthigtes, zerknirschtes Herz nicht. Sieh Allwissender! es reuet mich, daß ich Dich meinen höchsten Herrn, Dich meinen Gott verlassen, es schmerzt mich, daß ich Dich meinen größten Wohlthåter, meinen besten Bater beleidigt habe. Weil ich aber die Sünde als das größte Uebel nicht genug beweinen kann, so verwunde Du selbst mein Herz wie mit einem Pfeile der vollkommensten Reue, daß ich die Sünde so verabscheue und hasse, wie sie es vor Deinen allerheiligsten Augen verdienet, wie Du, o Gott! sie haffest und verabscheuest. Abendgebethe. 49 VII. Demüthige Abbitte und Er flehung der Gnade. Gütigster Gott! sei mir Sünder gnådig! Erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit und nach deiner Vaterliebe tilge meine Missethat. Wende Dein Angesicht von meinen Sünden weg und erschaffe wieder ein reines Herz in mir. Erneuere die Gnade des heiligen Geistes in meinem Innersten und sei meiner Vergehungen nicht mehr eingedenk, o Herr! Gib mir die Freude Deines Heiles, Deiner heilig- und seligmachenden Gnade wieder. VIII. Guter Vorsaß. Da ich nun wieder zu Dir zurückgekehrt bin, o himmlischer Vater! da Du mir wieder Dein Heil und Deine Gnade nach Deinem Worte schenken willst, so nehme ich mir auch fest vor, die jetzt er= kannten und bereuten Fehltritte und Sünden bei nächster Gelegenheit aufrichtig zu beichten, dieselbe künftig aufs sorgfältigste zu vermeiden, und so vor Deinen Augen zu wandeln, daß ich keinen Finger breit vom Wege Deiner Gebote abweiche. Die Lie be und Ehre, welche ich Dir, o Herr! entzogen habe, will ich von nun an durch wahre Frömmigkeit und neuen Eifer in deinem Dienste Dir wieder zuwenden. Den Schaden, den ich meinem Nächsten an Ehre, Gut, Gesundheit, Glück und Leben zuge4 Abendgebethe. fügt habe, will ich, so viel als möglich ersetzen. Jedes Alergerniß, so ich gegeben, will ich nach allen meinen Kräften wieder gut machen, und mich selbst will ich als ein Dir geweihtes Gefäß betrachten und mich wohl hüten, es auch durch die geringste Süne de wieder zu entheiligen. Jeden Anlaß, jede Gelegen= heit zur Sünde will ich sorgfältig meiden, ja vor der Sünde wie vor einer giftigen Schlange fliehen, damit mir nicht noch Aergeres geschehe. Amen! 50 IX. Bitte um Gottes Beistand. Doch, o mein Gott! was sind alle meine guten Vorsätze, meine schönen Versprechungen ohne den Beistand Deiner göttlichen Gnade, ohne welche ich nichts Gutes zu thun vermag. Der Du mir jetzt den Willen gibst, mich zu bekehren und zu bessern, gib Du mir auch, Allmächtiger! die Beständigkeit und nöthige Kraft dazu. Zwar erkenne ich mich Deines fernern Beistandes unwürdig, da Du mir denselben so oft geschenkt hast, und ich doch, statt an Gnade und Wohlgefallen, an Heiligkeit und Gerechtigkeit vor Dir zu wachsen, nur Fehler auf Fehler, Sünden auf Sünden gehäuft habe. Aber, Gott! Der Du yoll der Langmuth und Liebe bist, Der Du die menschliche Schwäche und den Unbestand unseres Willens kennst, sei eingedenk Deiner vielfältigen Erbarmungen und ziehe Deine Baterhand nicht von mir. Halte mich, wenn ich schwanke, stüge mich, 51 Abendgebethe. wenn ich sinke, und sollte ich wieder fallen, so laß mich ja in meinem Sündenclende nicht liegen, sondern richte mich barmherzig wieder auf. Darum bitte ich Dich, o Vater! durch Jesus Christus, Deinen Sohn unsern Herrn. Amen. X. Empfiehl dich in den Schuh Gottes. O mein Herr und mein Gott! Der Du die Finsterniß machest und Nacht werden lås= sest, wo die Menschen auf Erden der Ruhe genießen sollen, um mit erneueten Kräften am folgenden Morgen ihren Werken und Arbeiten bis an den Abend nachzugehen( Ps. 103.), laß mich nun im Vertrauen auf Deine mächtige Hut und gütige Fürsehung sanft ausruhen. Segne meinen Schlaf zur Stärkung meiner Kräfte in Deinem h. Dienste und meinen Berufsgeschäften. Bewahre mich und die Meinigen vor allem Uebel Leibes und der Seele, besonders vor aller Sünde und einem jähen Tode. Durch Jesus Christus Deinen Sohn u. s. w. XI. Rufe die Heiligen um ihre Fürbitte an. Der Engel des Herrn u. s. w., oder, in der österlichen Zeit: Freue dich, du Himmelskönigin u. s. w., wie bei'm Morgengebethe. Abendgebethe. ( Sub tuum praesidium.) Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebårerin, Maria! Verschmähe unser Gebeth in unsern Nöthen nicht, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefahr; o du ruhmwürdige, glorreiche und hochgepriesene, von Gott über alle Weiber gesegnete Jungfrau, du unsere Frau, du unsere Mittlerinn und Fürsprecherin bei unserm Erlöser! empfiehl uns deinem Sohne, versöhne uns deinem Sohne, stelle du, o gütige Mutter uns deinem göttlichen Sohne vor. Bitt für uns, heilige Gottesgebårerin Maria! Damit wir würdig werden der Verheißungen Deis nes Sohnes Jesu Christi! Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Fürbitte und Verdienste des Bräutigams Deiner allerheiligsten Mutter, des heiligen Josephs, Deines Nährvaters möge geholfen werden, damit, was unser Vermögen und Verdienst nicht erhalten kann, daßselbe uns auf seine Fürbitte von Dir geschenket werde. Der Du lebst und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Ein Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bitte für uns, o du allerseligster, heiliger und gerechter Joseph! Auf daß wir würdig werden wie du der Gnade, des Wohlgefallens und der großen Verheißungen Jesu Christi, Den du so viele Jahre ernährt und in Seiner göttlichen Kindheit so väterlich treu bei Tage und bei Nacht unter deiner sorglichen Obhut 52 Abendgebethe. 53 gehabt haft. Besonders erbitte mir die Gnade einer glückseligen Sterbstunde. Amen. Mein heiliger Namenspatron N., mein heiliger Schutzengel! bittet für mich, beschütet mich diese Nacht, und erhaltet mir die Gnade von Gott, daß ich Morgen gesund und zu allem Guten neugestärkt erwache, daß ich Gott niemals schwer beleidige und Er von mir wegnehme alles was Ihm an mir miss fällt, damit ich verdienen möge, einst in Eurer Gesellschaft den Herrn im ewigen Lichte von Angesichte zu sehen, zu loben und anzubethen. Amen! XII. Bitte für die Lebendigen und Abgestorbenen. Gieß auch Deinen Segen aus, o Herr! über meine Eltern, Kinder, Geschwister, Anverwandte, Hausgenossen, geistliche und weltliche Vorgesetzten, Wohlthäter, Freunde und Feinde. Erbarme Dich der Sünder und verleih ihnen die Gnade einer auf richtigen Bekehrung; stärke und befestige die Gerechten in Deinem heiligen Dienste und schenke ihnen die Gnade der Beharrlichkeit. Besuche und tröste alle armen, nothleidenden, betrübten, bedrängten, in Schmerz und Lebensgefahr, in Krankheit und Todeskampf zu Dir flehenden Menschen. Gerechter, höchst weiser, gütiger und barmherziger Gott! während wir in sanfter Ruhe schlafen, leiden 54 Abendgebethe. die Seelen vieler unserer abgestorbenen Mitmenschen, vielleicht unserer nächsten Verwandten und größten Wohlthäter noch in den Qualen des Fegfeuers, das sie läutern und zu Deiner Anschauung befähigen soll, und harren derselben in Schmerz und Reue über ihre Fehler und Mängel, in Liebe und Verlangen zu Dir, sehnsuchtvoll entgegen. Da nichts. Unreines in den Himmel eingehen und Dich sehen kann, o heiligster Gott! so vollende Du bald ihre vollkommene Reinigung und lasse ihnen Dein ewiges Licht leuchten. Darum bitten wir Dich, im Glauben und in der Vereinigung mit Deiner ganzen heiligen Kirche durch Jesus Christus, Deinen Sohn unfern Herrn. Amen. Danksagungs- Litanei. ( Besonders brauchbar bei'm gemeinschaftlichen Abendgebethe.) Herr! erbarme Dich unser! u. s. w.( wie bei jeder Litanei.) O Gott! Der Du von Ewigkeit beschlossen haft! uns Gutes zu thun! O Gott! Der Du Deine Allmacht, Weisheit und Güte zu unserm Besten anwendest! O Gott! Der Du uns mit jedem Augenblicke neue Wohlthaten erweisest! O Gott! Der Du Deine freigebige Hand von uns nicht abgezogen, auch da nicht, wo wir Dich beleidigten! Erbarme Dich unser! 55 Abendgebethe. Daß Du zu Deiner Ehre uns erschaffen, Daß Du uns nach Deinem Ebenbilde ge= macht hast, 0107.199 Daß Du uns zu einem übernatürlichen Ziel erhoben, an Daß Du uns eine unsterbliche Seele gegeben, Daß Du so viele Geschöpfe zu unserm Dienste moms sping angewiesen, Daß Du uns bisher so gütig erhalten, Daß Du uns bisher so väterlich ernähret, Daß Du uns einen Schutzengel zugesellet, Daß Du uns durch das Leiden Christi erlöset, Daß Du willst, wir sollen alle félig werden, Daß Du uns vor der Hölle bewähren willst, Daß Du uns das Himmelreich vorbereitet, Daß Du uns zur wahren Kirche berufen, Daß Du die h. Sacramente für uns eingesetzt, Daß Du uns so viele Heilsmittel verschafft, Daß Du uns nach so viel Sünden nicht verstoßen und verdammet boorpungeitun Daß Du uns vor so viel Uebeln bewahret, Daß Du unsere Arbeiten, Geschäfte und Unternehmungen bisher so gnädig gesegn Für alle innerliche und äußerliche Drang Für alle våterliche Strafen und Züchtigungen, Für alle Gnaden und Wohlthaten, die wir noch nie erkannt; no gidogist Für alle Gnaden und Wohlthaten, die wir misbraucht, notdatlapisi Sonis@ sdo@ Für alle Gnaden und Wohlthaten, die Du bl Dafür danken wir Dir, o Gott! Ofn. wir Dir o Gott! 56 Abendgebethe. uns verliehen hättest, wenn nicht, leider! unsere Bosheit ein Hinderniß derselben gewesen wäre, ibom Für alle Gnaden und Wohlthaten, die DunC unsern Anverwandten, Freunden und Wohlthätern ertheilet, urahis Für alle Gnaden und Wohlthaten, die Du dem ganzen Menschengeschlechte ertheilet, Auch für alle Gnaden und Wohlthaten, welche Du denen ertheilet, die uns beleidiget, In Vereinigung mit jenen Danksagungen, wel che die auf Erden streitende Kirche Dir erstattet, und bis zum Ende der Welt erstatten wird, otac rod tod tin.VC In Vereinigung mit jenen Danksagungen, wele che die im Himmel triumphirende Kirche Dir erstattet und in alle Ewigkeit erstat ten wird, 304 Danken wir Dir, o Gott! shoid of an HCC In Vereinigung mit jener allervollkommensten Danksagung, welche Christus Dir in sei ner Menschheit erstattet! frou mu vane D Lamm Gottes u. s. w.( wie bei jeder LitaSiehe Seite, 10.), dei parrot enni@ abilogui quy shifraani ollo 117 Gebeth. biribe alle ri hupitbuc om O Gott! Der Du den Reichthum Deiner Liebe und Freigebigkeit an uns Deinen oft so undankbaren Geschöpfen in seiner ganzen Größe durch die Hergabe Deines vielgeliebten Sohnes und durch so viele andere Geschenke haft offenbaren wollen, füge Abendgebethe. Deinen unschätzbaren Gnaden und Wohlthaten auch diese noch hinzu, daß wir dieselben künftig recht erkennen, gehörig schätzen und zu Deiner Ehre und unserm Seelenheile benutzen, damit wir durch deren heiligen Gebrauch und dankbare Gegenliebe würdig werden, einst dorthin zu kommen, wo wir Deine unermessliche Güte und Barmherzigkeit mit allen Engeln und Heiligen mit ewigem Danke loben und preisen werden. Amen! 57 Noch besteht in vielen Familien, auch in den vornehmsten und gebildetsten Ständen, die ächt christkatholische, höchst löbliche Gewohnheit, Abends in vereinter Andacht den Rosenkranz zu bethen. Diese Gebethweise stammt vom heil. Dominikus( † 1221), der dadurch die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens, die Geheimnisse der Menschwer dung, des Leidens und der Verherrlichung Jesu den be kehrten Irrgläubigen inniger ans Herz zu legen suchte. Art und Weise das heilige Rosenkranz- Gebeth zu verrichten. Das Rosenkranzgebeth besteht 1. in der Uebung des Glaue bens bei'm Kreuzmachen und bei Hersprechung des aposto. lischen Bekenntnisses; 2. in der Uebung der Anbethung der allerheiligsten Dreifaltigkeit durch die Worte: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie im Anfange, so jetzt und immer und in Ewigkeit, Amen! 3. in Uebung der Hoffnung, Liebe und Dankbarkeit bei der Erwähnung und Betrachtung der Geheimnisse unserer Erlösung; 4. in den wiederholten Bite 58 Abendgebethe. ten der zwei vortrefflichsten aller Gebethe, nämlich des Gebeths des Herrn und des englischen und Elisabethischen Grußes mit dem angehängten Kirchengebethe. ,, Hefte, wie der große heilige Franz von Sales sagt, deine ganze Aufmerksamkeit auf das Bater unser und das Gegrüßet, und richte alle Empfindungen auf den Sinn derselben. Eile auch nicht, sie oft zu wiederholen, sondern trachte, das was du bethest, aus Herzensgrunde zu bethen; denn ein einziges andächtig gebethetes Bater unser ist wirk samer als viele, die man in Eile nur obenhin herab be thet. Der Rosenkranz ist eine sehr nützliche Weise zu bethen, wenn anders du ihn gehörig bethest." Nach Verschiedenheit der Geheimnisse wird der Rosenkranz in den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen eingetheilt. Jeder davon hat fünf sogenannte Gesetze oder Abtheilungen. Die Zahl derselben, wie auch die Wiederholungen des englischen Grußes: Gegrüßet, ist an sich willkürlich. Kann man also wegen Kürze der Zeit diesen in jedem Gesetze nicht zehnmal sprechen, ohne es flüchtig und unandächtig zu thun, so wiederhole man ihn nur etwa fünf oder drei mat. Der freudenreiche Rosenkranz. Im Namen des Vaters u. f. w. Ich glaube an Gott den Bater u. s. w. Ehre sei dem Vater u. s. w., welches vor jedem Vater unser wiederholt wird. Vater unser u. s. w., dann dreima! Gegrüßet, und bei dem Worte Jesus das erste mal: Der in uns den Glauben vermehren wolle! das zweite mat: Der in uns die Hoffnung stärken wolle! das dritte mat: Der in uns die Liebe entzünden wolle! Ehre sei u. f. f. Bater unser u. f. f. Nun folgen die 5 Gefeße, movon jedes gewöhnlich aus 10 Gegrüßet besteht. Jedes Abendgebethe. 59 Gesetz beginnt mit dem Vater unser und endet mit dem Ehre sei dem Bater. Gesetze: 1. Jesus, den Du, o Jungfrau! vcm h. Geiste empfangen hast. 2. Den Du die Elisabeth besuchend getragen hast. 3. Den Du, o Jungfrau! geboren hast. 4. Den Du im Tempel aufgeopfert hast. 5. Den Du im Tempel wiedergefunden hast. Der schmerzhafte Rosenkranz. Gefeße: 1. Jesus! Der für uns Blut geschwitzt hat. 2. Der für uns ist gegeißelt worden. 3. Der für uns mit Dörnern ist gekrönt worden. 4. Der für uns das schwere Kreuz getragen hat. 5. Der für uns ist gekreuzigt worden. Der glorreiche Rosenkranz. Gefeße: 1. Jesus! Der von den Todten auferstanden ist. 2. Der in den Himmel aufgefahren ist. 3. Der uns den heiligen Geist gesandt hat. 4. Der Dich, o Jungfran! in den Himmel aufgenommen hat. 5. Der Dich, o Junge frau! im Himmel gekrönet hat. Die Zusäße im Gegrüßet, den Du u. f. w. schaltet der Vorbethende gleich nach dem Worte Jesus ein. Statt der zwei letzten Zusätze im glorreichen Rosenkranze kann man auch folgende füglich zur Abwechselung anbringen: 4. Der sitzt zur Rechten Gottes des Baters. 5. Der kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Die oftmalige Wiederholung derselben Gebethe bei'm Rosenkranze ist gleichsam eine sinnbildliche Hinweisung auf die Lehre Jesu, daß wir unablässig und wiederholt bitten sollen, bis wir erhört werden. Am Ende des Rosenkranzes kann man sprechen: Gebeth. O Gott! Der Du Deinen eingebornen Sohn in diese Welt gesandt hast, durch Sein Leben, Leiden 60 Abendgebethe. und Sterben die Menschen zu erlösen und selig zu machen, verleihe, wir bitten Dich, daß wir durch Seine Verdienste, wann Er einst zum Gerichte kommen wird, würdig befunden werden, zu einer glorreichen Auferstehung; durch denselben Jesum Christum, Deinen Sohn unsern Herrn. Amen. 61 Mengebethe. Gebethe bei dem allerheiligsten Messopfer. Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange ist Mein Name groß unter den Völkern; und Meinem Namen wird an allen Orten geräuchert und ein reines Opfer dargebracht; denn Mein Name ist groß unter den Völkern, spricht der Herr der Heeresschaaren. Malachias 1. 11. Vorerinnerung. Im ersten Bunde war, nach dem Zeugnisse des h. Apostels Paulus( Hebr. 7, 18 u. 28) wegen des Unvermögens des levitischen Priesterthumes keine Vollendung, daber mußte nach der Anordnung Gottes des Baters der Barmherzigkeit, Jesus Christus unser Herr, als ein anderer Priester nach der Ordnung Melchifedech's, auftreten, Der alle, so viele geheiligt werden sollten, zur Vollendung und Vollkommenheit bringen könnte. Obwohl also dieser unser Herr und Gott Sich Selber Einmal auf dem Altare des Kreuzes, vermittels des Todes, Gott dem Vater aufopfern wollte, um daselbst die ewige Erlösung zu bewirken, so hat Er doch, weil Sein Priesterthum durch den Tod nicht getilget werden sollte, am letzten Abendmale, in der Nacht, in welcher Er überantwortet wurde, um Seiner geliebten Braut, der Kirche nach dem Bedürfnisse der menschlichen Natur, ein sichtbares Opfer zu hinterlassen, durch welches jenes blutige, das Einmal am Kreuze vollbracht werden mußte, vergegenwärtiget, Sein eigenes Andenken Mesgebethe. aber bis zum Ende der Zeit verbleiben, und desselben heilsame Kraft zur Verzeihung der Sünden, die wir täglich begehen, angewandt würde, Sich als den für ewig aufgestellten Priester nach der Ordnung des Melchisedech's er: klärt, und Seinen Leib und Sein Blut unter den Gestalten des Brodes und des Weines Gott dem Bater aufgeopfert, und unter den Sinnbildern der nämlichen Dinge den Aposteln, die Er damals zu Priestern des neuen Bundes einsetzte zum Genusse übergeben, und dasselbe aufzuopfern, ihnen und ihren Nachfolgern im Priesterthume, mit den Worten befohlen: 62 - Thuet Dieses zu meinem Gedächnisse! wie die katholische Kirche diese immer verstand und lehrte. Denn nach der Feier des alten Osterlammes, welches die Menge der Kinder Israels zum Andenken an den Auszug aus Aegypten schlachtete, setzte Er ein neues Osterlamm ein, so daß Er Selbst von der Kirche durch die Priester unter den sichtbaren Gestalten aufgeopfert werden will, zum Andenken an Seinen Hingang aus dieser Welt zum Vater, nachdem Er uns durch die Bergießung Seines Blutes erlöst und der Gewalt der Finsterniß entrissen, und in Sein Reich hinübergesetzt hat. Und zwar ist dieß jenes reine Opfer, welches durch keine Unwürdigkeit der Opfernden befleckt werden kann, von welchem der Herr durch Malachias weissagte, daß es Seinem Namen, der groß werden sollte unter den Völkern, allerorten werde rein geopfert werden, und auf welches nicht undeutlich der Apostel hinweiset, da er, an die Korinther schreibend, sagt, daß diejenigen, welche durch die Theilnahme am Tische der bösen Geister befleckt seien, des Tisches des Herrn nicht theilhaftig werden können! beiderorts unter Tisch den Altar verstehend. Endlich ist es dass jenige Opfer, welches zur Zeit des Gesetzes und der Natur durch verschiedene Opferbilder vorgebildet wurde, als das, 63 Mesſgebethe. welches alle, durch jene bezeichneten Güter, als die Vollendung und Vollkommenheit aller jener in sich begreift." ,, Und weil in diesem göttlichen Opfer, das in der Mesſe verrichtet wird, derselbe Christus enthalten ist, und unblutigerweise geopfert wird, Welcher auf dem Altare des Kreuzes Einmal Sich Selbsten blutigerweise geopfert hat, so lehret der heilige Kirchenrath( von Trient) daß dasselbe wahrhaft ein Versöhnungsopfer sei, durch welches bewirkt werde, daß wir, wenn wir mit aufrichtigem Herzen und ächtem Glauben, mit Furcht und Ehrerbietigkeit, renig und büßend zu Gott hintreten, Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden in angemessenem Beistande. Durch dieses Opfer versöhnt, ertheilt nämlich der Herr die Gnade und Gabe der Buße, und verzeihet die Bergehungen und Sünden, auch die noch so großen. Denn es ist die Eine und dieselbe Opfergabe, und derselbe jetzt durch den Dienst der Priester Sich Opfernde, Welcher damals Sich am Kreuze aufe geopfert hat; nur allein die Opferungsweise ist verschieden. Und zwar empfängt man wahrlich durch dasselbe reichlichst die Früchte dieses blutigen Opfers; geschweige denn, daß diesem durch jenes( dem Kreuzopfer durch die h. Messe.) auf irgend eine Weise Eintrag gethan werde. Deswegen wird es, nach der überlieferung der Apostel, richtig, nicht nur für die Sünden, Strafen, Genugthuungen und andern Bedürfnisse der lebenden Gläubigen, sondern auch für die in Christus Verstorbenen und noch nicht vollends Gereinigten aufgeopfert." Und obgleich die Kirche bisweilen einige Messen zur Ehre und zum Gedächnisse der Heiligen zu halten gewohnt ist, so lehret sie doch, daß ihnen das Opfer nicht aufgeopfert werde, sondern nur Gott allein, Welcher jene gekrönct hat. Daher pflegt auch der Priester nicht zu sagen: ,, Ich bringe dir, Petrus oder Paulus, das Opfer dar"; sondern er danket Gott für ihre Siege, und flehet um ihren Schus, daß sie, 64 Meffgebethe. für uns im Himmel fürzubitten sich würdigen wollen, sie, deren Gedächniß wir auf Erden verehren." ,, Da die Menschennatur der Art ist, daß sie sich nicht leicht ohne äußere Hülfsmittel zur Betrachtung göttlicher Dinge erheben kann, so hat deswegen die fromme Mutter Kirche einige Gebräuche eingeführt, daß nämlich in der Messe Einiges mit leiser, Anderes mit erhobenerer Stimme ausgesprochen werden soll. Auch ordnete sie einige Ceremo nien an, wie die geheimnißvollen Segnungen, Lichter, Räucherungen, Kleider und vieles Andere dieser Art, nach der apostolischen Lehre und Ueberlieferung, damit sowohl die Herrlichkeit, des so großen Opfers angepriesen, als auch die Gemüther der Gläubigen durch diese sichtbaren Zeichen der Religiösität und Frömmigkeit zur Betrachtung der erhabensten Dinge, die in diesem Opfer verborgen find, aufgeweckt werden."*) Aus dieser hohen Würde und Vortrefflichkeit des heiligen Meffopfers kann man also schließen, mit welch gottesfürchtiger, frommen Gemüthsstimmung, mit welch anständiger, ehrer: bietigen Haltung man diesem Geheimnisse beiwohnen müſſe. Wenn es überall rathsam ist, das was man thut recht zu thun, so ist dieß bei der heiligen Messe ganz besonders er forderlich, damit uns das Unheil nicht treffe, welches die heilige Schrift demjenigen androhet, der Gottes Werk nachläßig verrichtet.( Jer. 48, 10) Für den Christen aber giebt es kein wichtigeres gottesdienstliches Werk, als dem allerheiligsten Opfer beizuwohnen. Daher fagt auch ber von Gott erleuchtete h. Kirchenrath von Trient in feinem Beschlusse, über das was bei der Feier der Meiſe be obachtet und gemieden werden soll: Wenn wir also nothwendig bekennen, daß kein anders Werk von den Gläubigen Christi als ein heiliges und göttliches behandelt werden könne, wie dieses ehrfurcht= *) Aus der Lehre des h. Kirchenrathes von Trient, über das allers heiligste Meßopfer 22ter Sigung. Mengebethe. gebietende Geheimniß selbst, in welchem jenes lebenbrins gende Opfer, durch das wir mit Gott dem Vater wieder ausgeföhnt sind, auf dem Altare täglich durch die Priester geopfert wird; so erhellt auch genug, daß alle Mühe und Fleiß darauf verwendet werden müsse, auf daß es, so viel immer möglich, mit der größten innern Reinheit und Laue terkeit des Herzens, und äußern Darstellung der Andacht und Frömmigkeit verrichtet werde." 2. Sth. Darum sagt auch der h. Chrysostomus: Siehst du nicht, wie diejenis gen, welche einem sinnlichen, verweslichen, zeitlichen und irdischen Könige aufwarten, so unbeweglich da stehen, nicht reden, die Augen nicht hin und her wenden? u. f. w. Um wie viel mehr müssen wir mit Ehrfurcht vor dem himmlis fchen Könige erscheinen." Ferner sagt er: ,, Was thust du? o Mensch! Hast du dem Priester, der dir zurief: Sursum corda! die Herzen empor! nicht verspros chen und geantwortet: Habemus ad Dominum! Wir haben sie zum Herrn erhoben!? Schämst du dich denn nicht, daß du in derselben Stunde als Lügner erfunden wirst? Auf dem Altare wird das Geheimniß ges feiert, für dich das Lamm Gottes aufgeopfert; Seraphim umgeben es anbethend u. f. w. und du erröthest, schämst und fürchtest dich nicht ob deinen Sünden? Du suchst nicht, dich mit Gott zu versöhnen und Ihn dir gnädig zu machen? Von den hundert acht und sechzig Stunden am Sonntage der Woche hat sich Gott diese eine an? Mit welchem vorbehalten und du wendest dieselbe so diap 901 Vertrauen willst du nachher vor Ihn 65 nämlich vor seinem Gerichte erscheinen müssen. - treten?" wann wir Wenn unter allen Handlungen, die in der christlichen Religion zur Berehrung Gottes oder zum Seelenheile von der gesammten Kirche, oder von einzelnen Mitgliedern ders felben vorgenommen werden, gewiß keine ist, welche auch 5 66 Mesſgebethe. nur von weitem den unendlichen Werth und die gotteswürdige Vortrefflichkeit des allerheiligsten Mesopfers erreichen könnte, mit welch lebendigem Glauben, mit welch kindlichzuversichtlichem Vertrauen auf Gottes Berheißungen, mit welch glühend dankbarer Liebe für alle seine Wohlthaten, mit welcher Ehrerbietigkeit und Andacht sollen wir denn nicht streben, demselben beizuwohnen? Hieße es nicht Christus dem Herrn die Schmach und den Spott, womit Ihn Seine Feinde überschütteten, von neuem anthun; hieße es Ihn nicht gleichsam wieder ans Kreuz nageln, und solcherweiſe die heiligste Religion auf's schändlichste entehren, wenn man bei diesem geheimnisvollen Opfer ohne Ehrfurcht, weil ohne Glauben, ohne Aufmerksamkeit, weil ohne Hochachtung, ohne Bescheidenheit und Anstand, weil ohne Frömmigkeit und Andacht, in freiwillig zerstreuten und fündlichen Gedanken, weil gottesvergessen,- wenn man endlich ohne christliche Hoffnung, weil ohne Liebe, vielleicht zum offenbaren Aergernisse der Frommen, dabei doch anwesend zu seyn sich vermessentlich getrauete? Du vom Glauben belebter, von heiligen Beweggründen und wahrhaft christlichen Gesinnungen vor die hochgeheiligten Altäre in das Gotteshaus geführter Christ, suche du stets an so geweihter Stätte alles ergerniß geben, alle Anstößigkeit zu vermeiden, damit jeder Mitanwesende, der deine Andacht sieht, erbaut werde, und dafür den Vater im Himmel preise( Matth. 5.) Schon wenn man zur Messe läuOUT HO CUT tet, sprich mit dem gottseligen Könige David: ,, Ich freue TUI mich, wenn man mir sagt: Lasset uns zum Hause des Herrn zur Kirche gehen!"( Pf. 121.) Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Du Herr der Heeresschaaren! Es sehnet sich und schmachtet meine Seele nach den Borhöz fen des Herrn nach dem Eingange zu seinem Heiligs thume."- ,, Mein Herz und mein Fleisch- Seele und - 1 1 Mengebethe. 67 Leib in Gott dem frohlocket in dem lebendigen Gott Urheber alles Lebens, der auch durch seine Gnade unsere Seele belebt."( Ps. 83.) ,, Gleichwie ein Hirsch lechzet nach Wasserquellen, also verlangt meine Seele nach Dir, o Gott. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem starken lebendigen Gott. Wann werde ich hinkommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?" ,, Ich will hinüber gehen an den Ort der wunderbaren Stiftshütte des Tabernas kels bis zum Hause Gottes, unter Jubel- und Lobliedern und festlichem Klang." So viel galt dem frommen Könige das Zelt, worin die Bundeslade stand und Gott verehrt wurde. Wie sehnte er sich darnach, wann er nicht hingehen konnte! Wie viel mehr sollen uns aber unsere Kirchen gelten, wie viel werther und lieblicher soll uns der geheiligte Ort seyn, wo die Lade des neuen Bundes, des Bundes der Liebe, wo der Altar steht, da Christus unser Herr und Gott für uns zum Opfer und zur Speise Sich hingibt? Betritt diese gnadenreiche Stätte mit heiliger Ehrfurcht; beobachte hier den höchsten Anstand in bescheidener, ehrerbietiger und demuthvoller Haltung; versammele dein Gemüth und schlage alle nicht hieher ge= hörigen Gedanken aus dem Sinne. Während des h. Opfers mache dir den Geist, die Gesinnungen Jesu Christi zu eigen; opfere dich mit Ihm und wie Er dem himmlischen Bater auf. Deine ganze Seele, Geist und Herz lasſe dahin streben, Gott in der Wahrheit anzubethen und dich ganz mit Ihm zu vereinigen. - - - - - Bedenke die Wahrheit jener Weissagungen, die mehre Jahrhunderte vor Christus der Welt die allgemeine Darbringung eines reinen und heiligen Opfermates verkündeten. Der weissagenden, von Gott erleuchteten Seher deutliches Wort ist erfüllet. Dicß ist das Opfer aller Länder und aller Zeitalter, welches jeden Tag des Jahres, jede Stunde Messgebethe. des Tages, ja jeden einzelnen Augenblick alle auf dem ganzen Erdballe befindlichen Christen mit demselben Bande der Gemeinschaft der Heiligen verknüpfet, und aus sämmtlichen Gedanken, aus sämmtlichen Gefühlen der Gerechten Einen und denselben Gedanken, Ein und dasselbe Gefühl in Jesus Christus bildet. 68 Erfreue dich also, o frommer Christ! einer Religionss handlung beiwohnen zu können, wo nach dem Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen die Anbethungen, Bitten und Danksagungen des Himmels und der Erde sich mit den deinigen verbinden, um ein Opfer zu feiern, das allein des höchsten Gottes würdig und dem Bedürfnisse der Menschheit ganz angemessen ist. 3war gilt überhaupt für Opfer alles was man Gott darbringt, um Seine allerhöchste Oberherrschaft über alles von Ihm Erschaffene und unsere gänzliche Abhängigkeit von Ihm auszudrücken. So opfern wir Gott täglich unsere Gedanken, Worte, Werke u. s. w. auf. Im eigentlichen Sinne aber heißt Opfer: die Darbringung eines sichtbaren Dinges als Gabe, welche von einem dazu berechtigten Diener, daß heißt, von einem Priester geschieht, und wobei daß Darges brachte entweder ganz zernichtet oder doch verändert wird, und zwar zu dem Zwecke, Gottes höchste Oberherrschaft über alles Erschaffene und unsere gänzliche Abhängigkeit von Ihm dadurch anzuerkennen, das Ihm Gebührende, als: Ehre, Dank u. s. w. zu leisten, und das uns Nothwendige oder Nützliche von Ihm zu erflehen. Hieraus sieht man, daß das Opfer einen Bestandtheil des Gottesdienstes ausmacht. Die heilige Schrift erwähnt desselben schon bei Kain und Abel, bei Noe und Abraham, unter dessen Nachkömmlingen es zur Berehrung des wahren Gottes bis auf Christus fortdauerte, da es bei den meisten Mesgebethe. übrigen Völkern frühe schon zur Abgötterei misbraucht wurde, indem diese dadurch Geschöpfen die Ehre bewiesen, die einzig und allein dem Schöpfer gebührt. Bei dem auserwählten Volke waren vom glaubenberühmten Abraham bis auf Moises die Familienoberhäupter die Opfernden oder Priester. Moises weihete auf Befehl Gottes den Volksstamm Levi ausschließlich zum Dienste des Altars und in ihm die Familie Aaron's zum Priesterthume ein, und schrieb ihm im Buche Leviticus die jeder der vier Gattungen von Opfern, als: Brand-, Dank, Bitt- und Versöhnungsopfern eigenen Ceremonien und Gesetze vor. Allein diese Opfer, bestehend in Thieren, Früchten u. s. w. hatten aus sich selbst keinen eigenen Werth. Die gute Meinung und Gesinnung, das gute Herz, die damit verbundene sinnbildliche Vorstellung vom künftigen wahren, göttlichen Versöhnungsopfer am Kreuze, und die Beobachtung des göttlichen Gesetzes mußte ihnen denselben verleihen. An dieser letztern fehlte es aber, wie wir aus der biblischen Geschichte wissen, sehr häufig bei den Nachkommen des gläubigen Abrahams und seines Enkels Jakobs oder Israels. Zudem konnten diese Opfer, wenn auch das geistige Opfer des Herzens auf's getreueste damit verbunden gewesen wäre, nie und in keiner Weise weder dem ganzen Menschengeschlechte, noch auch dem aus: erwählten Volke die durch die Erbsünde verlorne ursprüngliche Gerechtigkeit und Heiligkeit wieder verschaffen, weil es Niemanden in dem von Adam ererbten, für Leib und Seele verschlimmerten Zustande möglich war, Gott wohlgefällig zu handeln und in anderer Weise vor Ihm gerecht zu werden, und demnach in das ihm bestimmte Himmelreich einzugehen, als allein durch das Verdienst Jesu Christi des einzigen Mittlers zwischen Gott und dem Menschen.*) Darum spricht Christus, als Er nach der urältesten der *) Concilium Trid. sess. II. c. 3. - 69 Meßgebethe. göttlichen Berheißungen, der Schlange, dem Satan, den Kopf zu zertreten, und zur Erlösung der Menschen, in der Fülle der Zeiten, in die Welt kam zum Bater: Opfer und Gaben verlangst Du nicht; aber einen Leib hast Du Mir bereitet. Brand- und Sühnopfer ges fatlen Dir nicht. Da sprach Ich: Sieh, Ich kom me( wie im Gesetzbuche von Mir geschrieben steht), Deinen Willen, Gott! zu erfüllen.( Hebr. 10. 5, 6, 7.) Er kam, Er nahm den Ihm bereiteten Leib an, Er litt für uns, Er erfüllte den Willen Seines himmlis schen Baters, Er ward Ihm gehorsam bis zum Tode am Kreuze; Er starb und verdiente uns durch Seinen Tod das Recht auf das ewige Leben. Von dem guten Gebrauche unsers freien Willens, den Seine Gnade unterstützt, hängt es nun ab, uns Sein unendliches Verdienst anzueignen und das erworbene große Recht geltend zu machen. Christus Selbst ist also das große Opfer, das die Menschheit nöthig hatte, das Opfer, von dem alle andern nur Sinnund Schattenbilder waren; Es ist das- wie der Evans gelist schreibt( Offenb. 13, 8.) vom Anfange der Welt geschlachtete Lamm, das heißt, das Gott allein gefällige, einzig wahre Opferlamm, welches in allen Opfern des alten Bundes vorgestellt und sinnbildlich geopfert wur de, auf weiches Johannes der Täufer hinzeigte mit den Worten: Seht das Lamm Gottes, das hinweg. nimmt die Sünden der Welt- Jesus Christus Selbst, das große Versöhnungs- Opfer, welches in der heiligen Messe immerwährend fortbesteht. 70 Die Benennung Messe, womit man das Hochheilige Opfer bezeichnet, kömmt vom lateinischen Worte Missa oder Missio, Entlassung. Man nannte dasselbe so, weil man ehemals aus der dazu versammelten Christengemeinde unmittelbar vor der Opferung diejenigen fortschickte oder 71 Mesgebethe. eutließ, welche dem h. Geheimnisse nicht beiwohnen durften. Dieß waren die Katechumenen oder jene an Christus Glaubende, die noch nicht getauft waren und noch im Katechetischen Unterrichte über die Religion belehrt wurden; ferner die öffentlichen Sünder. Ganz passend und weise bezeichnete demnach die h. Kirche mit diesem Ausdrucke Messe dasjenige was sie nur für die Gläubigen allein vornehmen wollte. Dieß war auch ganz geeignet, denselben einen hohen und würdigen Begriff von dem allerheiligsten Opfer beizubringen, da nur jene dabei zugelassen wurden, von denen man urtheilte, daß sie die Gnade der Taufe bewahrt oder doch durch die Buße wieder erlangt hatten. Aus Nachsicht läßt die h. Kirche seit langer Zeit der Opferung und Wandlung manche Christen beiwohnen, die nach kirchlicher Ordnung ehemals davon ausgeschlossen wor den wären. Es muß daher das Wort Messe Mehrere von denen, die diesem heiligsten Gottesdienste beiwohnen, daran erinnern, daß sie wohl verdienten, davon fern gehalten zu werden, und daß sie in Gesinnungen wahrer Demuth und Reue dabei erscheinen müssen, um die verlorne Unschuld und Gerechtigkeit wieder zu erlangen, und den ehrenvollen Namen der Gläubigen zu verdienen. Die beste Weise, die heilige Messe zu hören ist wohl die, bei welcher man sich mit den Gebethen und Ceremonien der Kirche vereinigt, dieselbe Meinung fast wie sie, sein Gemüth und Herz mit den Gedanken und Gefühlen beschäftigt, die ihre dabei vorkommenden Belehrungen und Gebethe, die Würde der Ceremonien und die hochheilige Handlung selbst nothwendig bei jedem Christen erwecken müssen, der darüber gehörig belehrt, mit lebendigem Glauben, und vertrauenvoller Licbe derselben beiwohnt. Dadurch erlangt man den großen Bortheil mit der h. Kirche selbst zu bethen und zu opfern, und sich an ihren sinn- und geheim Messgebethe. nißvollen Worten zu belehren und zu erbauen. Zu diesem 3wecke sind denn auch hier die kanonischen Kirchengebethe zur Feier des h. Opfers in der ersten der folgenden Messandachten in möglichst treuer Uebersebung angebracht. Man wird sie, wegen der sie begleitenden Erklärungen, am füglichsten während des Hochamtes sprechen. 72 53 Bedeutung des Altarschmuckes und der priesterlichen Kleidung. 1. Der geweihte Altar stellet vor: a) den Tisch des heiligen letzten Abendmales, welches Christus vor seinem Leiden mit seinen Jüngern hielt; b) den Calvarienberg, wo Christus als blutiges Opfer für die fündige Menschheit und als das Himmelbrod der nach Unsterblichkeit schmach= tenden Menschen zur Versöhnung für dieselben Seinem himmlischen Vater Sich dargebracht hat; c) die Festigkeit der Altarsteine mag man betrachten als das Bild des Bandes der heiligen katholischen Kirche und der Einigung der Menschheit mit Gott durch Christus. 2. Die Altartücher stellen die Grabtücher des Erlö: fers vor. 3. Das Kreuz erinnert nicht nur an Jesu Leiden und Sterben am Kreuze, sondern auch an den Sieg Deffelben über Sünde und Tod. 4. Von den zwei Lichtern bedeutet das Eine Chri: stus als das Licht, welches die Welt erleuchtet hat; das Andere aber den Glauben an das Evangelium Jesu und die brennende Liebe gegen Gott und den Nächsten, womit unsere Herzen erleuchtet seyn sollen. 5. Der Kelch stellt das Grabmal des Herrn und die Bitterkeit seines Leidens vor. Messgebethe. 73 6. Das Reinigungstüchlein( Purificatorium) bedeut tet das Tuch, womit das heilige Blut von Jesu Wunden. abgetrocknet wurde. 7. Der Kelchteller( die Patene) bedeutet den Grabstein des Erlösers. 8. Die Palla aber die Decke des Grabes und das Schweißtuch der h. Veronica, so wie 9. Das Kelchtuch den Borhang im Tempel und 10. Das Corporate die Tücher andeutet, worin der Leichnam Jesu gewickelt worden, weil auch in der h. Mesſe der heiligste Frohnleichnam darauf gelegt wird. 11. Das Brod und der Wein sind das zubereitete b. Abendmal des Herrn. 12. Der Priester ist der Opferer und verwaltet an Etatt Chrifli das Amt des Hohen- Priesters. 13. Der Altardiener stellt das ganze Volk vor. 14. Das Berret oder auch die Tonsur des Priesters erinnert an die Dornenkrone, welche die Kriegsknechte auf Christi Haupt gedrückt haben. 15. Das Humeral stellt das Tuch vor, womit dem Herrn die Augen verhüllt wurden. 16. Die Albe aber das weiße Kleid, mit welchem Jesus vor Herodes angezogen und verspottet und zu Pilatus ge schickt wurde. 17. Das Cingulum, die Manipel und Stole erin nern an die Stricke und Bande, womit Leib, Hals und Arme des Heilandes gebunden waren, und mit welchen Er wie ein Verbrecher durch Jerusalem geführt wurde. 18. Das Meffgewand( die Casula) stellt den Purpure mantel vor, den die Juden dem Herrn umhängten. 19. Das Kreuz auf demselben bedeutet das Kreuz Jesu, welches Er auf Seinen Schultern getragen und an welchem Er den Geist aufgegeben hat. Das Kreuz auf der Brust 5* Meffgebethe. mag daran erinnern, daß man Jesu Fußstapfen anschauen, ihnen folgen, und über die eigenen Sünden trauern soll; das Kreuz auf dem Rücken aber, daß wir die Widerwär tigkeiten, die uns von Andern verursacht werden, für Gott ertragen und die Sünden und Fehler des Nächsten mitlei dig beweinen sollen. Bedeutung der Kirchenfarben. 1. Weiß bedeutet a) an den hohen Festagen Jesu Chris fti die ewige Freude und Herrlichkeit desselben; b) an den Festagen der Mutter Gottes die Helle ihrer jungfräulichen unbefleckten Reinigkeit; e) an den Festtagen der heil. Beichtiger ihr reines und unschuldiges Leben. 2. Roth bedeutet a) an den Festtagen des heiligen Geistes den brennenden Eifer der Liebe Gottes, der unser Herz erfüllen soll; b) an den Festen des heil. Kreuzes das kostbare an demselben gefloffene Blut des Herrn; e) an den Festen der heil. Märtyrer oder Blutzeugen die Kraft des Glaubens, für den sie Blut und Leben dahingaben. 3. Grün bedeutet die Hoffnung, den Mittelpunkt zwischen Glauben und Liebe. Es fällt meistens von der Octav der H. drei Könige bis Septuagesima und von der Octav der Pfingsten bis Advent. 4. Blau bedeutet Buße und Fasten und soll uns ermuntern in der Fasten und Adventszeit unsere Gedanken zu himme lischen Dingen zu erheben. 5. Schwarz, die Farbe der Trauer bei Seelenmessen, deutet auf den Tod, der uns des irdischen Lichtes beraubt und in das finstere Grab versenkt.! Meffgebethe. 75 Da das heilige Messopfer nichts anderes ist, als die fort währende unblutige Erneuerung des großen Opfers, welches Jesus Christus am Krenze Ceinem himmlischen Vater dargebracht, und zu Seinem Andenken zu halten geboten hat, so ist es ganz zweckmäßig, daß wir uns dabei oft die geringsten Umstände seines Leidens zu Gemüthe führen und den Sinn und die Bedeutung alles dabei Vorkommenden uns genau merken, um dadurch unsere Aufmerksamkeit und Andacht desto reger und lebendiger zu erhalten. Hierzu mag die Gebethweise Nro. 2 besonders dienlich seyn. Messgebethe, wie sie der Priester am Altare bethet, nebst eingeschalteter Erklärung der bei dem heil. Messopfer vorkommenden Ceremonien. Gebethe des Priesters, während er das Opfergewand anlegt. 1. Beim Händewaschen. O Herr! gib meinen Hånden Kraft, um jeden Flecken abzuwischen, damit ich unbefleckt an Leib und Seele Dir dienen möge. 2. Bei'm Achseltuch, Humeral oder Amict. Sehe, o Herr! auf mein Haupt den Helm des Heiles, um alle Angriffe des bösen Feindes zu befiegen. 3. Bei dem weißen Ueberkleide, der Albe. O Herr! mache mich weiß und reinige mein Herz, damit ich im Blute des Lammes gewaschen, die ewigen Freuden genieße. 4. Bei dem Gürtel, Cingulum. Umgurte mich, o Herr! mit dem Gürtel der Reinigkeit, und Mesſgebethe, vertilge in meinen Lenden den Keim der bösen Lust, damit die Kraft und Zugend der Enthaltsamkeit und Keuschheit in mir verbleibe. 76 5. Bei dem Manipel oder Armbande. Möchte ich doch, o Herr! das Band des Weinens und des Schmerzes so tragen, daß ich mit Frohlocken den Lohn der Arbeit empfange. 6. Bei der Stole( dem um den Hals und über die Brust herabhangenden Zierbande.) Gib mir wieder, o Herr! das Schmuckgewand der Unsterblichkeit, das ich durch die Uebertretung des Stammvaters verloren habe, und laß mich, obgleich ich unwürdig zu Deinem heiligen Geheimnisse trete, der ewigen Freude würdig werden. 7. Bei der Casula, dem Ober- oder Messgewande. Herr! der Du gesagt haft: Mein Joch ist sanft und meine Bürde leicht, laß mich dieses so tragen, daß ich Deine Gnade er: lange. Amen. Erster Theil der heiligen Messe. Vorbereitung zum heiligsten Opfer vor den Stufen des Altares. Diese enthält drei wesentliche Stücke: 1. das Verlangen im Bertrauen auf Gottes Güte zum Altare zu treten; 2. das Sündenbekenntniß; 3. Bitten, um Schuldvergebung und um die Gnade, mit reinem Herzen das b. Opfer za balten oder demselben beizuwohnen. wie sie der Priester spricht. Nachdem der Prister vor dem Altare eine Berbeugung gemacht hat, tritt er zu demselben hinauf und stellt den Kelch in dessen Mitte. Da bedenke, wie Christus durch Seinen Leidenskelch zwischen Gott den Vater und uns als Versöhner und Sündentilger in's Mittel getreten ist. Hier auf legt er rechts das Evangelienbuch offen; dabei erinnere dich an die Worte: Es ist die Gnade Gottes unsers Heilandes erschienen, Welcher Sich Selber für uns hingegeben, damit Er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit und uns reinigte zu Seiz nem eigenthümlichen Bolke.( Tit. 2.) Nun tritt er von dem Altare herab, nachdem er sich in der Mitte verneigt, und macht wieder eine Verbeugung, wobei man sich an die Erniedrigung erinnere, in welcher der Sohn Gottes die Gestalt der Knechtschaft, Seinem Vater gehorsam, augenommen hat. Dann macht er das Kreuzzeichen, indem er spricht: Im Namen des Baters u. s. w. 77 - Priester und Bolk wurden durch die Taufe den drei göttlichen Personen der heil. Dreifa tigkeit geweihet. Dem Bater, Der sie an Kindesstatt annatm, dem Sohne, in Welchem, und dem heiligen Geiste, durch Welchen sie in der Wiedergeburt diese Kindschaft Gottes empfingen. Diese Kindschaft gibt den Christgläubigen das Recht, den heiligen Geheimnissen zu nahen, und mit dem Priester das heilige Opfer darzubringen, im Namen des Baters, Der ihnen Seinen Sohn zur Opferung hingab, und des Sohnes, Der Sich Selbst zum Opfer gab und des h. Geistes, durch Den Er, wie der h. Paulus sagt,( Hebr. 9; 14.) Sich Selbst als ein unbeflecktes Opfer Gott darbrachte. Am Fuße des Altares stehend beginnt der Prifter die Gebethe mit dem 42ten Pfalme Davids, der erstens die Furcht ausdrückt, den Bösen beigezählt zu werden und sich von ihren Beispielen und Grundsätzen verführen zu laffen; Mesſgebethe, zweitens den herzlichen Wunsch, alles im Lichte der Wahrheit zu erkennen, was uns mit Inbrunst und Andacht zum Heiligthume führen kann; drittens das Vertrauen auf die Hülfe des gütigen und allmächtigen Gottes. Er erkennt sich unwürdig, den Altar zu betreten, wenn ihn nicht das himmlische Licht reiniget, und die Wahrheit ſelbst hinführet. 78 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes Amen. 1. Der Priester spricht mit gefaltenen Händen die Antiphone: Ich will hingehen zum Altare Gottes. Der Altardiener antwortet im Namen der Gemeinde mit dem Vers: Zu Gott, der meine Jugend erfreut. Pr. Richte mich, o Gott! und entscheide meinen Handel wider das unheilige Volk! von dem ungerechten und listigen Manne rette mich. A. Denn Du, Gott! bist meine Stärke! Warum hast Du mich verworfen? und warum gehe ich trauernd einher, da der Feind mich quålet? Pr. Sende Dein Licht und Deine Wahrheit; sie werden mich leiten und führen auf Deinen heiligen Berg und in Deine Hütten. A. Und ich werde kommen zu Gottes Altare, zu Gott, Der meine Jugend erfreut. Pr. Ich werde Dich loben auf der Harfe, o Gott, mein Gott! Warum bist du traurig, meine Seele, und warum betrübest du mich? 79 wie sie der Priester spricht. A. Hoffe auf Gott, denn ich werde Ihm noch danken; Er ist das Heil meines Angesichtes und mein Gott. Pr. Ehre sei, dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geifte. A. Wie sie war im Anfange, so jetzt und immer und zu ewigen Zeiten. Amen. Nachdem der Priester so Gott die schuldige Ehre bezeigt und durch sein Vertrauen auf Ihn die Furcht verscheucht hat, wiederholt er im Gefühle der Größe jener erwarteten Gnade, nämlich auf eine würdige Weise zum Altare zu treten und sich mit Christus, Welcher Priester und Opfer ist, zu vereinigen, die obige Antiphone, und bekennt dann, woher sein Vertrauen und die Freude kommt, die seine nun wie verjüngte Seele erfüllet. Pr. Ant. Ich will hingehen zum Altare Gottes. A. Zu Gott, der meine Jugend erfreut. Pr.( Sich bekreuzend.) V. Unsere Hülfe ist im Namen des Herrn. A. Der den Himmel und die Erde erschuf. So gesteht der Prister seine Unwürdigkeit und das lik vermögen seiner eigenen Verdienste, zugleich aber die Allmacht Gottes, von Dem er die nöthige Hülfe durch die Berdienste Jesu Christi erwartet, Der uns dieselbe am Kreuze erworben hat. Indem wir das heil. Kreuzzeichen mit ihm machen, sprechen wir denselben Glauben, dieselbe Hoffnung aus. In Seelenmessen und vom Passionsfonntage bis ausschließlich Charsamstage wird von der Antiphon an bis: Unsere Hülfe ist zc. alles andere weggelassen. 80 Mesgebethe, 2. Confiteor, Schuldbekenntniß. Pr.( tiefgebückt.) Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, der seligen allezeit reinen Jungfrau Maria, dem seligen Erzengel Michael, dem seligen Johannes dem Záufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen und euch, o Brüder! daß ich sehr gesündiget habe in Gedanken, Worten und Werken, ( hier klopft der Priester tiefgebeugt, zum sinnbildlichen Zeichen der Neue nach) uralter Sitte und dem Beispiele des reumüthigen Zöllners, dreimal an seine Brust.) durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine größte Schuld! Darum bitte ich die selige allezeit reine Jungfrau Maria, den seligen Erzengel Michael, den seligen Johannes den Taufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und euch, Brüder! daß ihr für mich zu Gott unserm Vater bethet. A. Der allmächtige Gott erbarme Sich deiner, vergebe dir deine Sünden und führe dich zum ewigen Leben. Pr. Amen!( Nun erst stellt er sich wieder gerade.). Der Altardiener wiederholt jetzt dasselbe Bekenntniß, auch tiefgebückt, im Gefühle gleicher Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit. Er macht diese demüthige Abbitte im Namen aller anwesenden Gläubigen, welche, wie der Priester, um Reinigung bitten müssen, weil sie, wie er, zwar das Sacrament nicht wandeln und zum Opfer weihen, aber es, wie er entweder wirklich empfangen, oder doch zu empfangen wünschen, das heißt, geistlicherweise communiciren sollen. Derselbe Glaube, dieselbe Hoffnung und Liebe belebt hier in der Gemeinschaft der Heiligen die Glieder der streiten wie sie der Priester spricht. 81 den Kirche Christi, daher beten sie für einander und spre chen wechselseitig ihre und die Fürbitte der Seligen in der triumphirenden Kirche an. Die Gemeinde sagt zum Priester, wie geziemend: und Dir, Dich, o Bater! weil er ihr Haupt ist, während er doch nicht gesagt: euch, o Kinder! weil er hier als Sünder und nicht als Borgesetter redet. Bei der tiefen Berbeugung errinnere dich, wie Jesus vor seiner blutigen Aufopferung am Delberg niederfiel und in Todesangst für der Welt Sünden des Baters Barmherzigkeit anrief. 3. Der Priester und die Gemeinde bitten ferner abwechselnd um Sündenvergebung und Gnade. Pr. Der allmächtige Gott erbarme Sich euer, ewivergebe euch eure Sünden und führe euch zum gen Leben. A. Amen. Pr.( indem er das heil. Kreuz macht) Ablaß, Lossprechung und Verzeihung unserer Sünden verleihe uns der allmächtige und barmherzige Herr. A. Amen. Pr.( gebeugt) Gott! wenn Du Dich zu uns wendest, wirst Du uns beleben. A. Und Dein Volk wird sich in Dir erfreuen. Pr. Zeige uns, o Herr! Deine Barmherzigkeit. A. Und verleihe uns Dein Heil. Pr. Herr! erhöre mein Gebeth! 2. Und mein Rufen gelange zu Dir. Pr. Der Herr sei mit euch 2. Und mit Deinem Geiste. Hier streckt der Priester seine Hände aus, faltet sie dann wieder und spricht laut: oremus, bethen wir! und zum Altare hinansteigend bethet er: 6 Meffgebethe, Pr. Nimm weg von uns, wir bitten Dich, o Herr! unsere Ungerechtigkeiten, damit wir würdig werden, mit reinem Herzen zum Allerheiligsten hineinzugehen. Durch Christus unsern Herrn. Amen! Dann lehnt er die Hände gefalten an den Altar und spricht gebeugt: Wir bitten Dich, o Herr! bei dem Verdienste der Heiligen,( er küßt den Altar) deren h. Ueberbleibsel ( Reliquien) hier sind, und aller andern Heiligen, daß Du Dich würdigest, mir alle meine Sünden zu erlassen. Amen. 82 Obiges in demüthiger, dem Sünder gebührenden Stellung abgelegte Bekenntniß, geschieht 1) vor Gott unserm Schöpfer, Erlöser und Richter, Welcher allein die Sünden vergeben und die Seele reinigen kann; 2) vor der allerfeligsten Jungfrau, die in allen Zeitaltern selig gepriesen wurde, weil fie den Heiland geboren, weil sie unsere Beschüßerin und Fürbitterin, weil sie die Zuflucht der reuigen Sünder und das vortrefflichste aller Geschöpfe Gottes ist; 3) vor dem h. Erzengel Michael, weil er der Schutzgeist des Volkes Gottes ist, und nach dem Tode die Seelen vor Gericht stellt; 4) vor allen Heiligen, weil sie mit Jesus Christus am jüngsten Tage die Welt richten werden, weil ihnen wegen ihrer Liebe zu Gott unsere Sünden misfallen, weil fie an unserm Wohl und Weh Theil nehmen, da die Ba kehrung eines Sünders nach des Herrn Versicherung, ein freudiges Ereigniß für den Himmel ist, nnd Gott die Sünder oft der Gerechten wegen begnadiget. Von allen Heiligen nennt die Kirche diejenigen, welche sie als ihre Hauptbeschützer und Fürbitter bei Gott betrachtet. Der Wunsch: Dominus vobiscum 2c. Der Herr sei mit euch! 2c., der achtmal in der heil. Messe wiederholt 83 wie sie der Priester spricht. wird, soll uns beständig erinnern, daß, um zu Gott durch Christus hinzugelangen, wir auch Jesus den Herrn im Herzen haben, von Seinem Geiste beseelt, von Seiner Liebe durchdrungen sein müssen. Die so oftmalige Wiederholung desselben be zweckt demnach die innigste und würdige Vereinigung des Priesters und des Volkes mit Christus dem ewigen Hohenpriester, um Gott das größte Lob, die größtmögliche Berehrung, die kräftigste Bitte, dieses allerheiligste Opfer nämlich), im Geiste und in der Wahrheit darzubringen. Das Küssen des Altares bezieht sich sowohl auf Christus, Den der Altar vorstellt als auf die Heiligen, deren kostbare Ueberbleibfel darin aufbewahrt werden. In den ersten Zei= ten des Christenthums wurde das h. Opfer an den Orten verrichtet, wo die Martyrer ihr Blut vergossen hatten oder an Stellen, wo heilige Reliquien von ihnen aufbewahrt waren. Als man später Kirchen an Orten baute, die dadurch noch nicht geheiligt waren, wurde es kirchliche Vorschrift, anderswoher Reli uien unter den Altar zu bringen. Wie ist dieß der göttlichen Religion so würdig! Man beachte, auf welchem Altare dem allerhöchsten und einem wahren Gott das Opfer dargebracht wird. Dieser Altar heißt in der Liturgie tumba oder Grab. Alle alte. Gesetzgeber hatten erkannt, daß man die Tugend in denjenigen ehren müsse, welche sie ausgeübt haben, um ihren Nachkömmlingen das Berlangen nach derselben einzuflößen. Allein die katholische Kirche leitete eine noch höhere Weiss heit. Auf den Reliquien der Heiligen bringt sie das Opfer Jesu Christi dar; aus dem Altare selbst macht sie das Grab der Gerechten, betrachtet sie wie mitten unter den bethenden Gläubigen anwesend, setzt sie zu Patronen oder Beschützern der Völker ein, welche sie durch ihre Tugenden erbauten, an deren Glück und Heil sie noch Antheil nehmen. O Christus! welche mächtige Herrschaft übt Deine Liebe Mesſgebethe, über die Herzen aus! Welche Weltweisheit kömmt ihr je gleich! Bis dahin huldigte jedes Volk den Helden seines Vaterlandes; in der katholischen Religion wird der wahre Gerechte von allen Völkern zugleich geehret; so hat die Tugend nur Ein Baterland; so wird das Beispiel des Gerechten dem ganzen Menschengeschlechte nüßlich. 84 Bweiter Theil der heil. Messe. Gebethe und Unterweisungen vom Hintritte des Priesters an den Altar bis zur Opferung, um Geist und Herz mit heiligen Gedanken und frommen Empfindungen zur würdigen Feier des heil. Geheimnisses zu erfüllen. Introitus oder Eingangsgebethe. Diese Gebethe bestehen gewöhnlich aus zwei oder drei Bersen der Psalmen. Sie dienen dazu, Gottes Gnade und die Gabe des Gebethes( 3ach). 12; 10.) zu erflehen, und bedeuten das Verlangen, Seufzen und Flehen der Altväter, Patriarchen und Propheten nach der Ankunft des verheißenen Messias. An hohen Festen segnet der Priester, ehe er den Introitus bethet, den Weihrauch mit diesen Worten: Es segne dich Derjenige, zu Dessen Ehre man dich verbrennet. Nach Beräucherung des Altares, wie auch, wann diese nicht Statt hat, nachdem er den Altar geküsst, geht nun der Priester zur Epistelseite- der rechten des Altars wie sie der Priester spricht. 85 macht das H. Kreuzzeichen und spricht laut den, nach den Kirchenjahrszeiten verschiedenen Introitus, der bei Hoch ämtern vom Chore gleich nach dem Segen mit dem Hochwürdigen Sacramente gesungen wird. Hier stehen statt aller andern der aus der Messe um Bergebung der Sünden und der vom heil. Kreuze. 1. Du erbarmest Dich Aller, o Herr! und Du haffest nichts von dem was Du gemacht hast; Du übersiehst die Sünden der Menschen um der Buße willen und Du schonest ihrer, weil Du der Herr unser Gott bist. B. d. Weish. 11. Erbarme Dich meiner, o Gott! erbarme Dich meiner! denn auf Dich vertraut meine Seele. Pf. 56. Ehre sei dem Vater u. s. w. Du erbarmest Dich u. s. w. wie zuvor. 2. Wir sollen uns rühmen im Kreuze unseres Herrn Jesu Christi, in welchem unser Heil beruhet, unser Leben und unsere Auferstehung, durch welches wir gerettet und befreit worden sind. Gott erbarme Sich unser und segne uns; Er er= helle Sein Antlitz über uns und erbarme Sich unser. Ehre sei dem Vater u. s. w. Wir sollen uns rühmen u. s. w. Während der Beräucherung des Altars trägt der Priester Gott das Flehen des Bolkes um Erbarmung vor und bittet Ihn, seine Gebethe wie lieblichen Weihrauchduft zu Ihm emporsteigen zu lassen. 96 Meffgebethe, Kyrie Eleison oder: Herr! erbarme Dich unser. Dreimalige Anllehung einer jeden Verson der heil. Dreifaltigkeit. Mitten vor dem Altare stehend spricht der Priester abe wechselnd mit dem Diener: Pr. Herr, erbarme Dich unser! A. Herr, erbarme Dich unser! Pr.. Herr, erbarme Dich unser! 2. Christus, erbarme Dich unser! Pr. Christus, erbarme Dich unser! A. Christus, erbarme Dich unser! Pr. Herr, erbarme Dich unser! A. Herr, erbarme Dich unser! Pr. Herr erbarme Dich unser! Dieses Gebeth Erbarme Dich, womit die Abbitten in der heiligen Messe beginnen, ist das älteste, bei allen Völkern das üblichste und das im Evangelium am öftesten vorkommende Gebeth. Alle Christen sollen mit heiligem Eifer eilen, ihre Stimmen zu vereinigen, um mit wahrer Reue zu bethen: Herr! wir können Dir nicht oft genug sagen, erbarme Dich unser! wegen der Menge unserer Sünden und wegen der Größe der Barmherzigkeit, die wir von Dir erwarten. Um dieses gnädige Erbarmen bitten wir Dich, mit dem Geschrei des Blinden von Jericho ( Matth. 20.), mit der Beharrlichkeit des kananäischen Weibes( Matth. 15.), mit der Demuth der zehn Aussäzigen( Luk. 17.), mit der h. 3udringlichkeit aller jener die Du erhörtest, wann sie fortfuhren zu rufen: Herr! er= barme Dich unser! 87 wie sie der Priester spricht. Gloria in Excelsis Deo. Der Anfang dieses Lobgesanges sind die Worte, womit die Engel den Hirten zu Bethlehem die Geburt des göttlichen Erlösers verkündeten. Wünsche, o Christ! mit der selben Gottgefälligen Einfalt wie die Hirten, mit derselben Liebe wie Maria und Joseph deinen Herrn und Gott anzubethen. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Er= den den Menschen, die eines guten Willens find! Wir loben Dich; wir preisen Dich; wir bethen Dich an; wir verherrlichen Dich. Wir sagen Dir Dank wegen Deiner großen Herrlichkeit, Herr, Gott, himmlischer König, Gott, allmächtiger Vater! Herr, eingeborner Sohn, Jesus Christus, Herr Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters! der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser; der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm auf unser Gebeth; der Du fizest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! Denn Du allein bist heilig; Du allein der Herr; Du allein der Alter= höchste, Jesus Christus mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Bei den Worten: Ehre sei Gott in der Höhe, wir bethen Dich an, wir sagen Dir Dank, Jesus Christus, nimm auf, neigt der Priester sein Haupt; und bei den Worten: mit dem h. Geiste, macht er das h. Kreuzzeichen. Der Priester küßt den Alltar, wendet sich zum Volke und spricht mit ausgebreiteten Armen den schönen Segenswunsch: Messgebethe, Pr. Der Herr sei mit euch! A. Und mit deinem Geiste! Pr.( Auf der Epistelseite.) Beten wir. 88 Collectgebethe. Diese sind nach den Seiten des Kirchenjahres verschieden. Sie enthalten gleichsam die gesammelten Wünsche und Bitten des Volkes, die der Priester Gott vorbringt, worauf die Gemeinde oder ihr Stellvertreter, der Altardiener, autwortet: Amen! das heißt: so sei es! es geschehe! womit alle Kirchengebethe von dem Volke beschlossen wer den, um das zu bestätigen was der Priester in seinem Namen gesprochen, und durch Jesus Christus erbethen hat. Hier stehen drei Collecten statt aller: 1. Pr. Erhöre, wir bitten, o Herr! die Gebethe der Flehenden und schone der Sünden Derer, die sie Dir bekennen, auf daß Du zugleich Vergebung und Frieden uns verleihest. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. A. Amen! Pr. 2. O Gott, der Du die Kreuzesfahne durch das kostbare Blut Deines eingebornen Sohnes hast heiligen wollen, verleih, wir bitten Dich, daß diejenigen, welche der Ehre dieses heil. Kreuzes theilhaftig sind, sich auch Deines Schuhes mögen zu erfreuen haben, durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn, der mit Dir und dem h. Geiste lebt und herrscht in Ewigkeit. A. Amen! 3. Pr. Gott! der Du die höchste Einheit und die wahre Liebe bist, gib Deinen Gläubigen Ein 80 wie sie der Priester spricht. Herz und Einen Geist, damit der Leib Deiner Kirche in der Einigkeit seiner Glieder fest bestehe und sie, da ihre Grundlage auf dem Bekenntnisse der Wahrheit ruhet, auf immer in vollkommener Einheit befestiget werde; durch unsern Herrn Jesus Christus, Der mit Dir in Einigkeit des heil. Geistes lebt und waltet ewiglich. A. Amen. Epistel. 1 Diese enthält ein Lehrstück aus der h. Echrift, meistens aus dem Sendschreiben der h. Apostel an die ersten Christengemeinden. Sie ist an allen Sonn- und Festtagen verschieden. Wann der Priester sie ausgelesen, antwortet der Diener: Gott sei Dank! Graduale oder Staffelgebeth. Tractus. Dieß sind einige Berse aus den Psalmen, je nach der Bedeutsamkeit der Zeit oder des Tages verschieden, welche so heißen weil man sie früher an den Stufen des Lesepultes sprach oder sang. Man schließt sie, ausgenommen in der Fastenzeit, mit dem hebräischen schönen Lob- und Freu denspruche: Alleluja, Gott sei Lob. Nach dem Alleluja singt man an hohen Festen die Sequenz oder den ProsaGefang, der die besondern Züge der gefeierten Geheim nisse u. f. w. ausdrückt. 1. Sei gnådig, o Herr! unsern Sünden, damit nicht etwa die Heidenvölker sagen: Wo ist nun ihr Gott? Hilf uns, o Gott! unser Heiland und um der Ehre Deines Namens willen, o Herr! erlöse uns! Meffgebethe, 2. Selig das Volk, dessen Gott der Herr ist; es ist ein Volk, das der Herr Sich zum Erben auser wählt hat. 90 Des Herrn Wort hat die Himmel befestiget; und aus dem Hauche Seines Mundes besteht alle ihre Kraft. Alleluja! Alleluja! Komm heiliger Geist! erfülle die Herzen Deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe. Alleluja! 3. Christus wurde für uns gehorsam bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuze. Darum hat Gott Ihn auch erhöhet und Ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. Alleluja! Geheiligtes Kreuz, du hast den Heiligen getragen; du wurdest gewürdiget, zu tragen den Herrn und den König des Himmels. Alleluja! Von den Sequenzen stehe hier frei übersetzt die aus der zweiten Messe in der heiligen Christnacht: Eja recoJamus laudibus. Singen wir bei'm Orgelklang einen frommen Lobgesang, heute wo das Licht erschien, wo die Schatz ten mußten fliehn. Nacht und Nebel ist zerstreut und die Menschheit wird erneut; heut gebar der Meeresstern unsern Heiland, Gott den Herrn. Ihm erbebt der Hölle Macht, und der Tod wird todt gemacht. Satans Boten seufzen heut, und der Drach verliert die Beut'; zum vertornen Himmelsglück. kehrt der Mensch vom Fall zurück. Heut besingt das Engelheer frohentzücket Gottes Ehr; denn das zehnte Drachmenstück, das verloren, kam F wie sie der Priester spricht. zurück. O du segenreiche Schuld! dich vertilgte solche Huld! Seht, wie Den ein Weib gebårt, Der dem All das Seyn gewährt. Die Geburt ist wunderbar, Er verbleibet, Der Er war, ist nun Gott und Mensch zugleich, hier und in dem Himmelreich. Gott wird Mensch, ein Mensch ist Gott; wer begreift wohl dieß als Gott? Schaafe, welche sich verirrt, kam Er suchen als ein Hirt. Kriegesrüstung zieht Er an, und durchläuft die Siegesbahn. Satan stürzet in sein Schwerdt, und sein Köcher ist geleert; seine Beute schmückt den Held, der gewann das blut'ge Feld, blut'ges Feld, wo Christus litt und uns solchen Sieg erstritt, welcher uns an seiner Hand- führt zu seinem Baterland,- wo Er lebt in Ewigkeit in des Vaters Herrlichkeit. - 91 - Das Alleluja spricht man die ganze österliche Zeit hindurch nach dem Graduale zweimal, um die allgemeine Freude über das Werk der Erlösung auszudrücken. Bon Septuagesima aber bis Ostern bleibt es weg zum Zeichen der allgemeinen Betrübniß über den Fall der ersten Eltern und über das Leiden und Sterben Jesu Christi. Evangelium. Indem der Priester in der Mitte des Altares sich neigt um demüthig Gottes Segen zur Verkündigung Seines Wortes durch folgendes Weihgebeth zu erflehen, trägt der Diener das Buch von der rechten auf die linke Seite zur Bedeutung, daß die Apostel auf Jesu Befehl sich von den Juden auch an die Heiden gewendet und diesen die Erkenntniß des wahren Gottes mitgetheilt haben. Messgebethe, Gebeth. Pr. Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott! der Du die Lippen des Propheten Ifaias mit glühender Kohle gereiniget hast; so würdige Dich, durch Deine unverdiente Barmherzigkeit mich zu reinigen, daß ich Dein heiliges Evangelium würdig verkündigen möge; durch Christus unsern Herrn. Amen. 92 Herr! heiße mich Dein Lob verkünden! und schenk mir Deinen Segen! Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen, auf daß ich würdig und geziemend Sein Evangelium verkündige. Amen. - In den feierlichen Hochämtern der h. Messe legt der Diacon- oder einer der zwei dienenden Priester- das Evangelienbuch auf die Mitte des Altares, knieet, faltet die Hände und spricht obiges Weihgebeth; dann bittet er den Priester um den Segen, mit den Worten: Herr! heiße u. s. w., worauf jener antwortet: Der Herr sei in deinem Herzen und auf deinen Lippen, auf daß du würdig und geziemend sein Evangelium verkündigest. Amen! Das Hintegen des Buches auf den Altar bedeutet, daß der Diacon das Evangelium nur im Namen und im Auftrage Jesu Christi verkünden will, Den der Altar versinnbildet, und daß die Worte des Evangeliums die Worte des Herrn selber sind. Der vom Priester gesegnete und dem Evangelienbuch vorangetragene Weihranch deutet durch seinen aufsteigenden Duft an, daß die Gebethe und guten Werke derjenigen, die das Wort Gottes hören, annehmen und befolgen, wie ein Wohlgeruch sich zu Gott erheben, und den Nächsten ringsum erbauen. Die brennenden Kerzen sind ein Zeichen der Freude, die uns das Evangelium gibt, und bedeuten, daß Christus das wie sie der Priester spricht. wahre Licht ist, welches durch Seine Lehre uns erleuchtet und leitet auf dem Wege der Wahrheit zum ewigen Leben. Der durch die glühenden Kohlen aufgelösete und emporflie gende Weihrauch erinnere uns, daß das Feuer der Liebe gegen Gott und den Nächsten unsere Herzen entzünden und zu Gott hinauftragen soll. Der Priester( oder Diacon) spricht mit gefaltenen Händen: Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! 93 Priester oder Diacon spricht Initium oder Sequentia, Anfang oder Fortsetzung des H. Evangeliums nach Johannes u. s. w. und bekreuzet dabei mit dem Daumen 1. das Evangelium, um anzuzeigen, daß dieses das Gesetzbuch des Gekreuzigten sei und daß es zum ewigen Andenken und zur Ehre Desselben verkündet wird; 2. sich selbst, und zwar an der Stirne, zum Zeichen, daß wir uns des Evan geliums nicht schämen dürfen; auf dem Munde, um anzu zeigen, daß wir es verkünden und wie im Herzen glauben und schätzen, so mit Worten frei bekennen sollen; an der Brust aber zur Erinnerung, daß er und wir alle das Evangelium und das Kreuz lieb haben und unsern Herzen und Gemüthern tief einzuprägen wünschen müssen. Während hierauf der Diener antwortet: Ehre sei Dir, o Herr! beräuchert der Vorlesende dreimal das Buch und lieft das Evangelium aus; worauf der Altardiener antwortet: Lob sei Dir, o Christus! Jetzt füßt der Priester das Buch welches bei feiers lichen Aemtern ihm der Subdiaconus gebracht- um den Frieden anzudeuten, den wir durch Gottes Wort mit Gott und den Menschen erhalten sollen, und spricht für sich: Pr. Des Evangeliums Wort schaffe unsere Sün den fort. - Messgebethe, Während der Vorlesung des Evangeliums steht man auf recht, zur Bedeutung, daß man nach der Lehre desselben wandeln und Jesus Christus nachzufolgen bereit seyn soll. 94 Credo. Das Glaubensbekenntniß des Kirchenrathes von Nicaa. Der Priester vor der Mitte des Altares streckt die Hände aus, erhebt sie, faltet sie wieder und spricht: Ich glaube an Einen Gott den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn Jesus Christus, den eingebornen Sohn Gottes, und welcher vom Vater geboren ist von Ewigkeit; Gott von Gott, Licht vom Lichte, den wahren Gott vom wahren Gott, erzeuget, nicht erschaffen, gleiches Wesens mit dem Va= ter; durch Welchen alles erschaffen ist. Der wegen uns Menschen und um unsers Heiles willen von den Himmeln herabstieg, und durch den heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch annahm und Mensch geworden ist. Er ward auch für uns gekreuzigt, litt unter Pontius Pilatus und ist begraben worden. Und Er stand am dritten Tage wieder auf, wie es die Schriften vorher gesagt, und Er fuhr auf in den Himmel, wo er sizzet zu der Rechten des Vaters. Und wieder kommen wird Er mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten; seines Reiches wird kein Ende seyn. wie sie der Priester spricht... Und ich glaube- an den heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher; Der vom Vater und Sohne ausgeht; Der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebethet und mitverherrlicht wird Der durch die Propheten geredet hat. Und- ich glaube 95 an Eine, heilige, katholic sche und apostolische Kirche. Ich bekenne Eine Taufe zur Nachlassung der Sünden. Und ich erwarte die Auferstehung der Todten und das Leben der künftigen Welt. Amen. Bei den Worten: Gott, Jesus Christus, zugleich angebethet neigt der Priester das Haupt, und bei'm Worte: Fleisch kniect er, bis nach: Mensch geworden ist. Vor dem Amen bekreuzt er sich. Man spricht das Credo nach den vorhergehenden Belehrungen, weil, wie der heil. Paulus sagt:( Röm. 10; 17.) ,, Der Glaube durch das Hören, das Hören aber durch das Wort Christi kömmt," da Christus den Bater für diejenigen bat,( Joh. 17; 20.) ,, welche durch der Apostel Wort an Ihn glauben würden," damit sie durch den Glauben, wie derselbe Evangelist sagt,( 20; 31.) in Seinem Namen das Leben haben. Dritter Theil der heil. Messe. Das Offertorium oder die Opferung. Dies sind Gebethe und Ceremonien, womit Brod und Wein, die verwandelt werden sollen, Gott dargebracht werden. Ehemals waren die Katechumenen oder die nech im Unterrichte begriffenen Neubekehrten und die öffentlichen 96 Meffgebethe, Büßer schon von diesem Theile des h. Mesfopfers ausge Schloffen, woraus wir abnehmen können, mit welcher Herzensbeschaffenheit und Gemüthsstimmung wir der Darbringung dieser Opfergaben beiwohnen müssen, unter deren Gestalt Christus Sich durch die Hände des Priesters Seinem himmlischen Bater für uns nach geschehener Wandlung aufopfern wird. Pr. küßt den Alltar, wendet sich zum Volke und spricht: Der Herr sei mit euch! A. Und mit deinem Geiste. Pr. Lasset uns bethen. Gebeth vor der Opferung. Dieses ist bald ein Lob, bald eine Bitte, oft eine Er mahnung oder Lehre in Bezug auf das gefeierte Geheimniß. Man nennt es Offertorium, weil der Chor( wie einst die Kinder Aarons) es singt, während der Priester opfert. Es ist nach den Zeiten verschieden. Hier stehen die aus der ersten Messe in der Weihnacht, und von der heil. Dreie faltigkeit. 1. Die Himmel sollen sich erfreuen, die Erde soll frohlocken vor dem Angesichte des Herrn, weil Er gekommen ist. 2. Gepriesen sei Gott der Vater und der eingeborne Sohn Gottes, und der heilige Geist, denn er hat seine Barmherzigkeit an uns erwiesen. Gebeth bei der Aufopferung des Brodes. Der Priester nimmt die Patene mit der Hostie, hebt sie etwas auf und bethet: Nimm an, heiliger Bater, allmächtiger, ewiger Sott! diese unbefleckte Hostie, welche ich, Dein wie sie der Priester spricht. unwürdiger Diener Dir meinem lebendigen und wahren Gott darbringe für meine unzähligen Sünden und Beleidigungen und meine Bernachläßigungen, und für alle Umstehenden, so wie auch für alle lebenden und verstorbenen Christgläubigen, daß es mir und ihnen nutze zum Heil und ewigen Leben. Amen. STOC Mischung des Weines und Wassers. Hierauf macht der Priester das Kreuz mit der Patene, legt die Hostie auf das Corporal, tritt an die rechte Seite des Altars, und segnet das Wasser( bei Seelenmessen nicht) indem er es bekreuzt und bethet: Gott! der Du die Würde des menschlichen Wesens wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert hast, gib uns durch das Geheimniß dieses Wassers und Weines, der Gottheit Desjenigen theilhaft zu seyn, Der sich gewürdiget hat, unsere Menschennatur anzunehmen, Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Nun gießt er den Wein( welchen bei Aemtern ihm der Diakon) und das Wasser( welches ihm der Subdiacon reicht) in den Kelch. Diese Mischung bedeutet 1. die Vereinigung der Gottheit und Menschheit in Jesus Christus; 2. Die Vereinigung Christi mit Seiner Kirche; 3. Die Vereinigung der Glieder mit ihrem Haupte, des Menschen mit Jesus Christus in der H. Communion, und seine Bollendung in Gott, die im Himmel geschehen wird; und erinnert, 4. an das Blut und Wasser, welches nach dem Tode Christi aus Seiner durchstochenen Seite geflossen ist. 97 7 Mengebethe.para 98 du Gebeth bei Opferung des Kelches. Der Priester geht in die Mitte zurück und opfert den mit Wasser vermischten Wein im Kelche, diesen etwas erhebend, und spricht: Wir opfern Dir, o Herr! den Kelch des Heiles und bitten Deine Milde, daß er vor dem Angesichte Deiner göttlichen Majestät zu unserm und der ganzen Welt Heile mit lieblichem Wohlgeruche empor= steige. Amen. Der Priester nennt im Voraus schon vor der Wandlung, aber in Beziehung auf dieselbe, das Brod unbefleckte Hostie( Opfergabe, Schlachtopfer) und den Wein Kelch des Heiles, wiewohl erst nach der Wandlung Jesus Christus das wahre Opfer und Heil unter den Gestalten des Brodes und Weines mit Gottheit und Menschheit wunderbarerweise zugegen ist. Da Brod und Wein ein Hauptnahrungs- und Belebungsmittel der Menschen sind, so vertreten sie sinnbild. lich die Stelle derjenigen, welche diese zu verwandelnden Gaben darbringen und in ihnen die der ganzen Kirche; und bei der Opferung derselben bringen sie, so zu sagen, ihr eigenes Wesen und Leben Gott dar, um mit Jesus Christus zu Seiner Ehre aufgeopfert zu werden. In diesem Gebethe spricht der Priester: Wir opfern 2c. denn das Volk, für das er vorhin gebethet, und das durch die Mischung des Wassers im Kelche gleichsam eingeweiht und vorgestellt worden, bethet und opfert jetzt mit ihm, und bei feierlichen Aemtern bringt es einigermaßen den Kelch, welchen der Diakon, wie in seinem Namen, anhält, mit dem Priester dar. Priester und Bolk bethen für ihr eigen Heil; allein darauf schränkt sich das Verlangen und Flehen ihrer christlichen Liebe nicht ein. Ihre Religion ist katholisch, das heißt: allgemein, allumfassend, so auch ihre Liebe, so auch 99 wie sie der Priester spricht. ihr Opfer. Es gilt allen Christgläubigen, nicht nur den Lebenden, sondern auch den Verstorbenen, die im Fegfeuer noch der Seligkeit harren; es gilt nicht nur der Christen heit, sondern auch der ganzen Menschheit, der ganzen Welt. Der Grund dieses göttlichschönen Gebethes sind die Worte des heil. Apostels Johannes: ,, Meine Kindlein! ich schreibe euch dieses, damit ihr nicht sündiget; doch wenn jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, den Gerechten; und dieser ist die Bersöhnung für unsere Sünden; doch nicht allein für die unsrigen, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt." I Joh. II. 1-2. Wir rufen Gott als den Wiederhersteller der durch die Erbsünde erniedrigten Menschenwürde an und erinnern uns dabei, daß wir nach Gottes Ebenbilde erschaffen und in Christus der göttlichen Natur theilhaftig geworden sind. Opferung der Gläubigen mit dem Priester. Jetzt macht der Priester das Zeichen des heil. Kreuzes mit dem Kelche, stellt ihn auf das Corporal und deckt ihn mit der Palla zu; dann faltet er die Hände, lehnt sie an den Altar, neigt sich und bethet: Pr. Mögen wir, o Herr! im Geiste der Demuth und mit zerknirrschtem, reuigem Gemüthe von Dir aufgenommen werden! Und unser Opfer werde heute vor Deinem Angesichte so entrichtet, daß es Dir gefalle, Herr! Gott! Dann stellt er sich wieder grade, breitet die Hände aus, erhebt und faltet sie, blickt zum Himmel und gleich wieder auf den Alltar, und bethet: Pr. Komm, Heiligmacher, allmächtiger, ewiger Gott! und segne+ dieses Deinem heiligen Namen zubereitete Opfer. Meffgebethe, + Hier macht er das Kreuz über die Opfergaben. Priester und Anwesende opfern sich hier miteinander Gott auf. Dazu entlehnt die heil. Kirche die schönen Worte der drei Jünglinge im Feuerofen zu Babylon, die bei'm Anblicke der Gluth, welche sie verzehren sollte, mit so viel Muth sich zum Brandopfer zur Ehre des wahren Gottes hergaben. 100 ,, Nimm uns auf, sprachen sie, mit der Gabe eines zerknirschten und gedemüthigten Herzens, so als wenn wir uns mit Brandopfern von Widdern und Stieren, und tausenden fetten Lämmern( wie einst im Tempel) darbrächten; unser Opfer werde heute vor Dir, o Herr! so vollendet, daß es Dir angenehm sei, weil die, welche auf Dich vertrauen, nicht zu Schanden werden. Und jetzt folgen wir aus unserm ganzen Herzen; wir ehrfürchten Dich und suchen Dein gnädiges Angesicht." Daniel III. 39. So haben wir nun das Brod- die aus feinem ungesäuerten Weizenmehle gemachte Hostie dargebracht, das in den Frohnleichnam Jesu Christi verwandelt werden soll; so auch den mit Wasser gemischten Wein, der in Sein Blut verwandelt werden soll, und wir selbst, wir wünschen in bessere Menschen umgewandelt zu werden, um dem Herrn als ein Ihm wohlgefälliges Opfer dargebracht werden zu können. Dieses kann nur der heiligmachende Geist bewirken. Ihn rufen wir also an, daß er uns umwandeln möge, zur selben Zeit wo Er angerufen wird, die Verwandlung des Brodes und Weines in den Leib und Blut Jesu Christi zu bewirken. Bringen wir demnach mit den bestimmungsreichen Opfergaben Gott ein Herz dar, wie das jener drei heiligen jüdischen Märtyrer, und der heil. Geist wird uns erhören; denn sein Prophet sagt: ,, Das Opfer, das Dir gefällig ist, ist ein zerknirschter Geist, ein reuiges und gedemüthigtes Herz verschmähest Du nicht, o Gott." Pf. 50. wie sie der Priester spricht. Beräucherung während der feierlichen Hochämter der heil. Messe. Der Weihrauch ist ein Sinnbild unseres Gebethes; dieses ist gesegnet, wenn Gott es aufnimmt; und steigt es gleichsam wie ein Wohlgeruch vor Sein Antlitz, so zieht es die Wirkungen Seiner Barmherzigkeit auf uns herab. Gebethe, die so zum Himmel steigen, will die Kirche daß wir verrichten. Unser Gebeth wird wie Weihrauch zu Gott emporsteigen, wenn unsere Wünsche vom Feuer Seiner Liebe belebt, zu Ihm hinaufstreben. Man beräuchert den Priester als den Stellvertreter Jesu Christi selber am Altare, der in Dessen Person die heil. Geheimnisse feiert. Dann beräuchert man die übrige Geistlichkeit, weil sie an des Priesters heil. Amtsverrichtungen Theil hat und sich unter denen befindet, von welchen Paulus sagt: Gott sei Dank, Der den Wohlgeruch der Erkenntniß Seines Namens allerorten durch uns offenbaret." II Kor. II. 14. Darauf beräuchert man die Christengemeinde aus zwei Hauptursachen: 1) weil man sie für wahre Gläubige ansieht, die immer müssen sagen dürfen: ,, Wir sind vor Gott der Wohlgeruch Jesu Christi;" II Kor. II 15. D. h. wir müssen Jedermann durch unsere Borte und Werke, und durch die Tugenden erbauen, die Christus uns im Evangelium anempfohlen hat; 2) um sie zu ermahnen ihre Gemüther zum Himmel zu erheben, gleich wie der Duft des Weihrauchs emporschwebt.- Den Grund der übrigen Beräucherungen erklären die dabei vorkommenden Gebethe selbst. 101 Der Diakon bittet den Priester, den Weihrauch zu segnen. D. Segne ihn, ehrwürdiger Vater! Der Priester segnet denselben. Mesſgebethe. Pr. Auf die Fürbitte des seligen Erzengels*), der zur Rechten des Rauchaltars steht, und aller Seiner Auserwählten würdige Sich der Herr diesen Weihrauch zu segnen und als lieblichen Wohlgeruch anzunehmen; durch Christus unsern Herrn. Amen. 102 Jest nimmt er vom Diakon das Weihrauchfaß, beräuchert die Opfergaben und bethet: Pr. Dieser von Dir gesegnete Weihrauch steige zu Dir hinauf, o Herr! und Deine Barmherzigkeit komme auf uns herab! Er beräuchert den Altar und spricht aus dem Pf. 140: Pr. Mein Gebeth erhebe sich, o Herr! wie dieser Weihrauch zu Deinem Antlitz empor. Die Erhebung meiner Hånde sei Dir angenehm wie ein Abendopfer.**) Setze, Herr! eine Wache an meinen Mund und eine Thüre eine Vorhut der Klugheit an meine Lippen ringsum, daß mein Herz sich nicht zu boshaften Worten hinneigt, um meine Vergehungen frevelhaft zu entschuldigen. - - Indem er nun das Rauchfaß dem Diakon zurückgiebt, spricht er: Pr. Der Herr entzünde in uns das Feuer Seiner Liebe, und es lodere ewig in uns. Amen! *) Dieß ist jener Engel, der dem Hohenpriester Zacharias im Tems pel erschien, Gabriel nämlich, der ihm die wunderbare Geburt eines Sohnes, des heil. Johannes des Täufers und Borboten unsers Herrn, verkündete. Lutas I. **) Das Abend, wie das Morgenspeisopfer im jüdischen Gottesdienste bestand aus Mehl und Wein. wie sie der Priester spricht. 103 Nun beräuchert der Diakon den Priester und die Ulebrigen nach der vorgeschriebenen Ordnung, und während dessen verrichtet der Priester: Die Handwaschung. Diese erinnert uns, 1) daß, gleichwie sich der Priester vor der hochheiligen Handlung die Hände wascht um sie von körperlichen Flecken zu reinigen, also auch wir unsere al Hände waschen, das heißt, unsere durch dieselben ange deuteten Werke von allem Bösen läutern sollen, um mit reinem Herzen den heiligsten Geheimnissen beizuwohnen; 2) daß sich Pilatus die Hände gewaschen, indem Er Christus für unschuldig erklärte; 3) daß wir in dem Blute des unschuldigen Lammes gereinigt uns frei von Sünden Gott zum Opfer darbringen sollen. Die Juden umgaben ihren Altar mit Schlacht- und Brandopferthieren und deren Blute, aber hier will Gott um Seinen Altar unsere mit den anbethenden Engeln vereinigten Herzen und Gemüther erblicken. Vereinige sich also Jeder hier mit allen Heiligen und Gerechten, die des Herrn Lob und Ehre besingen und die Wunderthaten Seiner unendlichen Liebe verkünden. Pr. Sich Wasser auf die Finger gießen lassend, bethet den Schluß des 25ten Psalmes: Waschen will ich unter Unschuldigen meine Hände und um Deinen Altar her seyn, o Herr! damit ich höre die Simme des Lobes und erzähle alle Deine Wunder. Herr! ich liebe die Pracht Deines Hauses und den Ort der Wohnung Deiner Herrlichkeit. Verderbe, o Gott! mit den Frevlern nicht meine Seele, und nicht mein Leben mit den Männern des Blutes, in deren Händen Ungerechtigkeit ist, Meffgebethe, gi deren Rechte gefüllt ist mit Geschenken. Ich aber bin gewandelt in meiner Unschuld; erlöse mich und erbarme Dich meiner. Mein Fuß stand auf dem rechten Wege; in den Versammlungen Deiner Verehrer will ich Dich loben, o Herr! Ehre sei Gott dem Vater dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie im Anfange, so jetzt und immer, und zu ewigen Zeiten. Amen! Die Juden wuschen vor dem Gebethe und Opfer die Hände. David der König gesellte sich dabei zu den unschuls digen und frommen Anbethern und stimmte in die Lobgesänge der Leviten mit ein. Er äußert seine Freude an der zur Ehre Gottes kostbar und herrlich gezierten Stiftshütte dem heiligen gottesdienstlichen Zelte. Er bittet den Herrn, ihn nicht mit den Gottlosen zu verstoßen, und betheuert seine Unschuld in Bezug auf die Beschuldigungen seiner Feinde, so wie den Eifer, womit er sich dem Gottesdienste widmen will. Er schreibt sich hier keine fleckenlose Reinigkeit zu, sondern hofft nur so viel als ein gutes Gewissen nach reumüthiger Bekehrung hoffen kann. Darum legt die Kirche dem Priester diese Worte in diesem Augenblick in den Mund, wo er wünschen muß mit des gerechtfertigten Büßers Davids Frömmigkeit und Herzensreinheit dem Allerheiligsten sich zu nähern. 104 SUOM 1 - Bweite Opferung des Brodes und Weines. Der Priester neigt sich in der Mitte des Altars, legt die gefaltenen Hände darauf und bethet: GIRI Pr. Nimm auf, o heilige Dreieinigkeit! diese Opfergabe, welche wir Dir darbringen zum Andenken des Leidens, der Auferstehung und der Himmelfahrt wie sie der Priester spricht. 105 Jesu Chrsti unsers Herrn; und zur Ehre der seligen allezeit reinen Jungfrau Maria, und des seligen Johannes des Täufers, und der heiligen Apostel Petrus und Paulus, und dieser und aller Heiligen, damit sie ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile ge reiche, und damit sie, deren Andenken wir auf Erden begehen, sich würdigen, im Himmel für uns zu bitten. Durch denselben Christus unsern Herrn. Amen. Dieses Gebeth umschließt, wiewohl auf eine sehr verschiedene Weise alle bei'm heil. Opfer betheiligten Perso nen: Gott in der Einheit Seines Wesens und in der Dreifaltigkeit Seiner Personen, Dem allein das Opfer gebracht wird; Jesus Christus, die zweite dieser drei göttlichen Personen, Der das Opfer wird; die Kirche im Himmel und auf Erden, der die Früchte des Opfers zu Gute kommen. Es heißt: zur Ehre der seligen 2., 1. weil die Heiligen nur durch die Kraft des Opfers Jesu Christi zur Glorie gelangten; 2. weil Jesus Christus durch die heil. Messe, Sein fortdauerndes Opfer, verherrlicht wird, und so Seine Ehre als die des Hauptes nothwendig auf die mit Demselben unzertrennlich vereinigten Glieder, welches die Heiligen sind, zurückfließen muß; 3. weil die Heiligen Ruhm und Ehre darin finden, sich mit Christus ihrem Haupte aufzuopfern, welches in der Messe geschieht, die da ist das Opfer des ganzen Herrn Jesus Christus; des Hauptes und der Glieder. 106 Mesſgebethe, ORATE FRATRES. Der Priester küsst den Altar, wendet sich zum Volke, streckt die Hände aus, faltet sie wieder und spricht zieme lich laut: Orate, fratres! bethet Brüder. Je näher er der hochheiligsten Handlung kömmt, desto inniger fühlt er, wie sehr er der Gnade Gottes zu seiner Heiligung und würdigen Vorbereitung dazu bedarf; darum ruft er die Aufmerksamkeit und inbrünstige Andacht der Anwesenden zum Opfer auf. Er nennt sie, wie ursprünglich die Christen alle einander, Brüder. Sie sind Brüder, denn sie haben als Christen denselben Vater, Christus den Herrn, und dieselbe Mutter, Seine Kirche. Er sagt nicht auch Schwestern; er wendet sich an das Hauptgeschlecht, ohne das Andere auszuschließen, weil der heilige Paulus sagt: ( Gal. III.), Shr seid alle Kinder Gottes durch den Glauben an Christus Jesus; denn so viel euer getauft sind in Christus, die haben Christum angezogen,- da ist weder Mann noch Weib; ihr seid alle Eins in Christus Jesus." Bei dieser gemeinschaftlichen und wechselweisen Bitte um die Aufnahme des gemeinsamen Opfers müssen wir, die Ges meinde, also den Priester, der nun bald allein und stille bethen wird, zu seiner würdigen Vorbereitung mit unserer Herzlichsten Andacht unterstüßen. Pr. Bethet, Brüder, daß mein und euer Opfer bei Gott dem allmächtigen Vater angenehm werde! A. Der Herr nehme das Opfer aus deinen Hånden an, zum Lobe und Ruhme Seines Namens, auch zu unserm und Seiner ganzen heiligen Kirche Nutzen. Pr.( leife) Amen! wie sie der Priester spricht. 107 Nun breitet er die Hände aus und spricht allein und leise die 90 da Stillgebethe. Orationes secretæ. Diese sind nach den Zeiten verschieden. Der Hauptinhalt aller ist: daß Gott die Ihm auf dem Altare dare gebrachten Opfergaben gnädig annehmen und uns in den Stand sehen wolle, Ihm gleichfalls wie ein wohlgefälliges Opfer dargestellt zu werden. Hier stehen einige, wovon man sich eins oder das andere wähle. 1. Herr! wir bringen Dir ein Opfer der Versöhnung und des Lobes dar, daß Du aus Erbarmung von unsern Sünden uns lossprechest und unsere wankenden Herzen leitest; durch Christus unsern Herrn. Amen. 2. Wir bitten Dich, o Herr! segne diese Gaben und reinige unsere Herzen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes, in Jesus Christus unserm Herrn. Amen. 3. O Herr! laß Dich durch unser Flehen besänf. tigen, und nimm dieses Opfer Deines Volkes gnådie auf; und damit Niemandes Wunsch vergeblich, Niemandes Verlangen ohne Erfolg sei, so verleih, daß wir das wirklich erlangen, was wir glaubig begehren. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. 4. O Gott! Der Du durch die Vollkommenheit eines einzigen Opfers die mannichfaltigen Opfer des alten Gesetzes genehmigt hast, nimm dieß Opfer von Deinen Dir ergebenen Dienern an, und heilige es mit eben dem Segen wie die Gaben Abels, das Mesgebethe, alo mit was Jeder zur Ehre Deiner Majestät dargebracht hat, allen insgesammt zum Seelenheile ge= reiche. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. 5. Wir bitten Dich, o Herr! verleih, daß wir diese heiligen Geheimnisse oft würdig feiern, weil bei jeder Gedächtnißfeier dieses Opfers das Werk unserer Erlösung erneuert wird. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. 108 J7 6. Wir bitten Dich, O Herr! nimm unsere Otr gewidmeten Opfergaben gnådig auf, und laß sie uns zur beständigen Hülfe gereichen. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. 7. Wir bitten Dich, o Herr unser Gott, heilige dieses Opfer durch die Anrufung Deines heiligen Namens, und mache uns selbst durch dasselbe Dir zu einem ewigen Opfer. Durch unsern Herrn Jesus Christus Deinen Sohn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vierter Theil der heil. Messe. Der Kanon oder die festgesetzte Vorschrift der Gebethe und Ceremonien für die heilige Wandlung. Die Präfation oder das laute Vorgebeth. Der Priester erhebt am Ende des Stillgebethes die Stimme und spricht laut den Schluß desselben: Pr. Per omnia secula seculorum. Von Ewigs keit zu Ewigkeit. wie sie der Priester spricht. 1A. Amen.( Es möge geschehen was Du verlangt hast!) 109 Hierauf beginnt er mit dem Segenswunsche: Dominus vobiscum! die Präfation. Es ist dieses eine Einleitung zu den Gebethen des Kanons, der vorzugsweise das Gebeth heißt, worin wir vom Priester eingeladen und angewiesen werden, unsere Herzen zu Gott zu erheben und Ihm zu danken für das große Wunder der göttlichen Liebe, welches durch die Wandlung geschehen wird. Höchst feierlich ist diese Einladung und Aufforderung zum Lobe Gottes. Es ist gleichsam eine glänzende Inschrift über dem Eingange zum Tempel des Heiles. Jeder Zug derselben ist mit dem Gepräge der wahren Gottesverehrung bezeichnet und führt uns das Göttliche der heiligen Geheimnisse zu Gemüthe. Die Präfation ist nach den Festen verschieden, und ganz vorzüglich geeignet nach Berschiedenheit derselben unsre Andacht zu erneuern. Pr. legt beide Hände rechts und links auf den Altar und spricht: Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! Pr.( Die Hände etwas erhebend.) Hebt die Herzen empor! 2. Wir haben sie zum Herrn erhoben. Pr.( Die Hände vor der Brust faltend und das Haupt neigend.) Sagen wir Dank dem Herrn unserm Gott! A. Das ist wahrhaft gebührend und recht. Pr.( mit ausgestreckten Händen.) Wahrhaft gebührend und recht, billig und heilsam ist es, daß wir Dir immer und überall Dank sagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott!*) weil durch das Geheimniß des Fleisch gewordenen Wortes unsern Meffgebethe, stor Geistesaugen ein neues Licht Deiner Klarheit aufz gegangen ist, so daß, da wir Gott an dem Sichtbaren erkennen, wir durch Denselben zur Liebe un sichtbarer, himmlischer Dinge hingezogen werden. Und deswegen singen wir Deiner Herrlichkeit Lob mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften und mit dem ganzen himmlischen Heere, unaufhörlich sprechend:( Er faltet die Hände und beugt sich.) Heilig, heilig, heilig bist Du Herr, der Gott der Kriegsschaaren Zabaoth Hims mel und Erde sind Deiner Herrlichkeit voll. Ehre sei Gott in der Höhe! Gelobt sei, Der da kommt im Namen des Herrn! Ehre sei Gott in der Höhe! 1. Diese Präfation bethet man von Christnacht bis drei Könige, an Lichtmesse, an den Frohnleichnamstagen, am Tage vor Christi Berklärung und am Namensfeste Jesu. 3u jeder andern Zeit bethet man von da an, wo das Sternchen steht, die an den verschiedenen Festen eigene Präfation weiter, und zwar: 2. Um drei Könige und in der Octav: Wahrhaft( u. s. w. bis: Gott!) weil, da Dein Eingeborner im Wesen unserer Sterblichkeit erschienen ist, er uns mit dem neuen Lichte Seiner Unsterblichs keit wiederhergestellt hat. Und deswegen( wie oben). 3. In den Fasten, von Aschermittwoche bis zum Pass flonssonntage: Gott! der Du durch leibliches Fasten die Laster hemmest, das Gemüth erhebest, Zugend und Belohnung schenkest durch Christus unsern Herrn! durch Den Deine Majestät die Engel loben, die Herrschaften anbethen, Dem die Mächte erzittern, Den die 110 3350 1 - wie sie der Priester spricht. Himmel und die Kräfte der Himmel und die seligen Seraphim in gemeinschaftlichem Frohlocken befingen, mit welchen wir bitten, daß Du auch uns unsere Stimmen vereinigen lassen wolleft, indem wir Dich ehrerbietig loben, sprechend: Heilig u. s. w.( wie Seite 110.) 4. Bom Passionssonntage bis zum grünen Donnerstage, an den heil. Kreuz- und Leidensfesten: Gott! der Du das Heil des Menschengeschlechtes auf das Holz des Kreuzes gegründet hast, damit dort das Leben wieder erstånde, wo der Tod begann, und damit derjenige, der am Holze am Baume der Erkenntniß im Paradiese überwand, auch am Holze am Stamme des h. Kreuzes- überwunden würde; durch Christus u. s. w.( wie in 3.) 5. Vom Charsamstage bis Christi Himmelfahrt. Am Charsamstage heißt es darin: in dieser Nacht; dann bis zum weißen Sonntage: an diesem Tage; von da an: zu dieser 2c. heilsam ist es, Dich, o Herr! zwar zu jeder Zeit, aber doch vorzüglich( in dieser Nacht, an diesem Lage) zu dieser mit mehr Feierlichkeit zu preifen, da unser Osterlamm, Christus geopfert worden ist. Denn Er ist das wahre Lamm, welches da hinwegnimmt die Sünden der Welt; Er, Der sterbend unsern Tod zernichtete, und auferstehend das Leben wiederhergestellt hat. Und deswegen u. f. w.( wie oben in 1.) 6. Bon Christi Himmelfahrt bis Camstage vor Pfingsten. -Durch Christus unsern Herrn, welcher nach Seiner Auferstehung allen Seinen Jüngern offenbar erschie - - CARONCS - 111 - Messgebethe, nen, und vor ihrem Angesichte gen Himmel- gefahren ist, damit Er uns verliehe, Seiner Gottheit theilhaftig zu seyn. Und deswegen u.s. w.( wie in 1.) 112 7. Vom Vorabende der Pfingsten bis zum Dreifaltigs keitssonntage. Durch Christus, unsern Herrn, Der über alle Himmel hinauffahrend und zu Deiner Rechten sikend, den versprochenen heiligen Geist( am heutigen Tas ge) auf die Söhne Seiner Annahme an Kindesstatt ausgegossen hat, weswegen die ganze Menschheit auf dem Erdkreise in größter Wonne frohlocket, ſo wie auch die höhern Kräfte, die englischen Mächte Deinem Ruhme einen Lobgesang anstimmen, ohne Unterlaß sprechend: Heilig u. s. w. Ste 8. Am Feste der heiligen Dreifaltigkeit und an allen Sonntagen, die keine eigene Präfation haben; ein schönes Glaubensbekenntniß in Betreff der allerheiligsten Dreieis nigkeit. Wahrhaftig u. f. w. ewiger Gott! der Du mit Deinem eingebornen Sohne und dem heiligen Geiste ein einziger Gott bist, ein einziger Herr, nicht in der Einzelnheit Einer Person, sondern in der Dreis einigkeit Eines Wesens. Denn was wir von Deiner Herrlichkeit nach dem Lichte Deiner Offenbas rung glauben, alles dieses glauben wir auch von Deinem Sohne, alles dieses auch von dem heiligen Geiste ohne einen Unterschied der göttlichen Natur, so daß im Bekenntnisse der wahren und ewigen Gottheit, sowohl in den Personen die Eigenheit, als im Wesen die Einheit und in der Majestät die wie sie der Priester spricht. Gleichheit angebethet wird, welche die Engel loben u. f. w.( wie oben in 2.) 9. An den Festtagen der Mutter Gottes. Ewiger Gott! und daß wir Dich am Feste( der Geburt, Verkündigung u. s. w.) der seligen allezeit reinen Jungfrau Maria mit frohlockenden Gemůthern miteinander loben, preisen und besingen, wels che Deinen eingebornen Sohn durch die Ueberschattung des heiligen Geistes empfangen, und ruhmvoll in unversehrter Jungfrauschaft, dieser Welt das ewige Licht geboren hat, Jesum Christum unsern Herrn, durch Welchen u. s. w.( wie in 3.) - 113 10. An den Festtagen der Apostel und Evangelisten( ausgenommen des heil. Johannes). - Heilsam ist es, Dich, o Herr! demüthigst anzu flehen, daß Du Deine Heerde, o ewiger Hirt, nicht verlassest, sondern sie durch Deine seligen Apostel mit stetem Schutze behütest, damit sie unter Leitung derjenigen geführt werde, die Du als Deine Stellvertreter in Deinem Werke ihr zu Vorstehern und Hirten geschenket hast. Und deswegen u. s. w.( wie in 1.) 11. An allen Tagen, für die keine eigene Präfation angegeben ist, auch für Seelenmessen. Buatorven Ewiger Gott! durch Christus u.s. w.( wie in 3.) 12. In den Seelenmessen( aus dem Pariser Missale). Durch Christus, in Welchem Du uns die Hoffnung zur seligen Auferstehung geschenkt hast, damit, wenn die unumgångliche Nothwendigkeit zu sterben, 8 - Meffgebethe, die menschliche Natur betrůbet, unser Glaube durch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit ermuthiget und getröstet werde. Denn für Deine Gläubigen, o Herr! heißt sterben nicht das Leben verlieren, sondern zu einem bessern übergehen; und wann dieses erdene Haus, das sie bewohnen, zerfällt, erlangen sie im Himmel eins, das ewiglich dauern wird. Deswegen u. s. w.( wie in 1.) 114 Der vereinigte Lobgesang der Engel: Heilig u. f. w und des Volkes beim Einzuge Jesu in Jerusalem: Hosanna, Ehre sei u. f. w. feiert die Absicht und die Wirkung des Todes Jesu am Kreuze, die keine andere war, als Himmel und Erde zu Zeugen der unendlichen Liebe Gottes zu machen und die Menschen wieder mit Gott zu vereinigen. Stillmeffe. Der Priester streckt die Hände aus, faltet sie wieder, hebt die Augen zum Himmel, blickt wieder nieder, verbeugt sich tief vor dem Altare, legt die Hände darauf und bethet um Aufnahme und Segnung des Opfers, für geists liche und weltliche Obrigkeiten, für alle katholischen Christen. Pr. Dich also, o mildreichster Vater! flehen wir demüthig an und bitten( küfft den Alltar) Dich durch Jesum Christum Deinen Sohn unsern Herrn, daß Du genehmigest und segnest ( er faltet die Hände und bekreuzet dreimal die Opfergaben) diese+ Gaben, diese+ Geschenke, diese+ heiligen unbefleckten Opfer, ( mit ausgestreckten Händen bethet er fort) welche wir Dir vorzüglich darbringen für Deine heilige wie sie der Priester spricht. katholische Kirche, welche Du auf dem ganzen Erdkreise zu befrieden, zu beschühen, zu vereinen und zu leiten Dich würdigen wollest, sammt Deinem Diener unserm Papste N.- und unserm Bischofe N.- und unserm Tonige N.- und allen rechtgläubigen den katholischen und apostolischen Glauben verehrenden Christen. - 115 Erinnerung an die Lebendigen. Er bethet für alle Anwesende, für einige insbesondere und vereinigt sein Gebeth mit den Fürbitten der Heiligen. Gedenke, Herr! Deiner Diener und Dienerinnen N. N. - ( er faltet die Hände und bethet ein Weilchen für die Bes absichteten, fährt dann mit ausgestreckten Händen fort) und aller Anwesenden, deren Glauben und Andacht Dir bekannt ist, für welche wir Dir dieses Lobopfer darbringen, oder welche es Dir darbringen für sich und alle die ihrigen, zur Erlösung ihrer Seelen, zur Begründung der Hoffnung ihres Heiles und ihrer Wohlfahrt, und welche Dir, dem ewigen, lebendigen und wahren Gott ihre Gelübde entrichten und ihre Verehrung bezeugen. Während der heil. Handlung: Indem sie in Gemeinschaft mit den Heiligen*) das Andenken verehren vorzüglich der ruhmvollen und allezeit reinen Jungfrau Maria, der Gebäh= rerin unsers Gottes und Herrn Jesu Christi, aber auch Deiner seligen Apostel und Märtyrer Pe= trus und Paulus, Andreas, Jakobus, Johannes, Thomas, Jakobus( des Jüngern), Philippus, *) Hier wird die Feierlichkeit des jedesmaligen Festtages eingeschals tet, wie solche Seite 116 angegeben ist. Mengebethe, Bartholomaus, Matthaus, Simon und Thaddäus, Linus, Cletus, Clemens, Xystus, Cornelius, Cyprianus, Laurentius, Chrysostomus, Johannes und Paulus, Kosmas und Damianus, und aller Deis ner Heiligen, auf deren Verdienste und Fürbitter. Du verleihen wollest, daß wir in allem mit der Hülfe Deines Schutzes beschirmet werden;( er faltet die Hände) durch denselben Christus unsern Herrn. Amen. 116 Erwähnung der Bedeutsamkeit des Festtages, welche oben*) eingeschaltet wird. 1. Um Weihnachten:- die hochheilige Nacht den hochheiligen Tag feiern, wo die selige unbefleckte Jungfrau Maria den Erlöser auf diese Welt gebracht, und das Andenken verehren derselben 2c. - - 2. Um drei Könige:-den hochheiligen Tag feiern, wo Dein eingeborner in Deiner Herrlichkeit mit Dir gleichewiger Sohn, in unserm wahren Fleische mit sichbarem Leibe erschienen ist, und u. s. w. 3. Um Ostern:- den hochheiligen Tag feiern, wo unser Herr Jesus Christus vom Tode nach dem Fleische auferstanden ist, und u. s. w. 4. Um Christi Himmelfahrt: den heil. Tag feiern, wo unser Herr, Dein eingeborner Sohn unser schwaches in Sich aufgenommenes Menschen-- wie sie der Priester spricht. wesen zur Rechten Deiner Herrlichkeit hingestellt hat, und zc. 5. Um Pfingsten: den hochheil. Pfingst tag feiern, wo der heilige Geist den Aposteln in unzähligen Zungen erschienen ist, und u. s. w. 117 Drei Bitten im Vertrauen auf das große Versöhnungsopfer. 1. Um den frieden Gottes- ein gutes Gewissen; 2. um Befreiung vom ewigen Verderben; 3. um Aufnahme unter die Heiligen. Die Hände über die Opfergaben ausstreckend bethet der Priester: Nimm deswegen, wir bitten Dich, o Herr! versöhnet auf dieses Opfer unserer Dienstbarkeit, so wie auch Deiner ganzen heiligen Gemeinde,*) verfüge über unsere Tage, leite sie in Deinem Frieden; entreiße uns der ewigen Verdammniß; und lasse uns der Schaar Deiner Auserwählten beigezählet werden,( er faltet die Hände) durch Christus unsern Herrn. Amen. *) In der Osterns und Pfingstoctav, wo sonst die Neubelehrten ge tauft wurden, schaltet hier der Priester ein: Welches wir Dir für diejenigen auch darbringen, denen Du Dich gewürdiget hast, aus dem Wasser und durch den heiligen Geist die Wiedergeburt zu ertheilen, indem Dn denfelben die Nachlaffung aller ihrer Sünden schenktest. Messgebethe. Bitte um Genehmigung und Verwandlung der Opfergaben in den Leib und das Blut Jefu Chrifti. 118 Dieses Opfer wollest Du, wir bitten Dich, o Gott! in Allem zu einem von Dir † gesegneten, uns zu Gute kommenden, von Dir † genehmigten,( deiner Weisheit und Gerechtigkeit und unserer Vernunft und Schuld entsprechenden) gültigen und Dir wohlgefälligen Opfer umschaffen,( hier be Freuzt der Priester einmal die Hostie und einmal den Kelch; diese fünf Kreuzzeichen erinnern an Christi heilige fünf Wunden.) damit es uns zum+ Leib und Blute+ deines vielgeliebten Sohnes unseres Herrn Jesu Christi werden möge. Die heilige Wandlung oder Consecration. Hier erneuere und verdoppele deine Andacht, o Christ! und versinke voll Glauben, Vertrauen, Liebe, Demuth und Ehrfurcht in die tiefste Anbethung Jesu Christi. Er ist unser Gott, unser Erlöser und unser Richter. Als unser Hohepriester stellt Er Sich hier in Seiner mit Seiner Gottheit vereinigten Menschheit dem himmlischen Vater zn unserer Rechtfertigung und Heiligmachung wie einst am Kreuze dar. Sprich etwa als Vorbereitung: Komm, Herr Jesus, komm! liebenswürdigster Wieders hersteller des Menschengeschlechtes! Wirke das Wunder Deiner unendlichen Liebe! Der Himmel öffne sich und der Gerechte steige auf die Erde herab! Komm Herr Jesus! komm. - wie sie der Priester spricht. Wandlung und Erhebung der heil. Hostie. Welcher am Tage vor seinem Leiden( hier nimmt der Priester die Hostie) das Brod in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm,( er erhebt die Augen zum Himmel) die Augen zum Himmel erhob zu Dir Gott Seinem allmächtigen Vater, Dir Dank sagte, ( er hält mit der linken Hand die Hostie und bekreuzt sie mit der Rechten) es † segnete, brach und Seinen Jüngern gab, indem Er sprach: Nehmet und esset alle davon. 119 Der Prister hält nun die Hostie zwischen den Daumen und Zeigefingern und spricht über dieselbe geheim, deutlich und aufmerksam als Stellvertreter der selbst das Gnadenwunder wirkenden Person Jesu Christi die heiligen Worte der Wandlung aus, worauf er gleich das Knie bengt, die so gewandelte oder zum wahren Frohnleichnam des Herrn confecrirte Hostie anbethet, dann aufsteht und sie hoch erhebend dem gläubigen Bolke zur Anbethung ein Weilchen vorzeigt. Jesu Christi Worte der heil. Wandlung des Brodes. Denn dieß ist mein Leib. Jeht legt der Priester die hochheilige Hostie auf das Corporale zurück und bethet sie kniebeugend wieder an. Bon jetzt an hält er Daumen und Zeigefinger bis zum Fingerwaschen zusammengelegt, ausgenommen wann er die heil. Hostie anfasſt. Wandlung des Weines im Kelche und Erhebung desselben. Nun deckt er den Kelch ab und spricht: Nach dem Abendmale nahm Er gleicherweise ( er fast mit beiden Händen den Kelch) auch diesen vor di Messgebethe, siis trefflichen Kelch in Seine heil. und ehrwürdigen Hände, sagte Dir ebenfalls Dank( mit geneigtem Haupte hält er ihn mit der Linken und bekreuzt ihn mit der Rechten) segnete+ ihn und gab ihn Seinen Jüngern, indem Er sprach: Nehmet und trinket alle daraus. 120 Jetzt bält der Priester den Kelch etwas erhoben, und spricht wieder wie beim Brode in der Person Jesu Christi die Worte der Wandlung über den Wein darin, stellt dann denselben auf das Corporale und sagt: ,, So oft ihr dieß thun werdet, sollt ihr es zu meinem Andenken thun." Dann kniet er anbethend, steht wieder auf, hebt Christi Blut im heil. Kelche auch dem Volke zur Anbethung empor, stellt ihn nach einer kurzen Weile wieder hin, deckt ihn zu und bethet wieder an. MA Jefu Chrifti Worte der heil. Wandlung des Weines. Denn dieß ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes; ein Geheimniß des Glaubens: das für euch und für Viele wird vergossen werden zur Nachlassung der Sünden. Nun stellt er den Kelch aufs Corporale. So oft ihr dieß thun werdet, sollt ihr es zu Meinem Andenken thun. wie sie der Priester spricht. Erstes Gebeth nach der Wandlung. Andenken an Jesus Christus, an Sein Leiden und Seine Verherrlichung. Der Priester bringt nun in seinem und des heiligen Volkes Namen, Gott das allerheiligste Opfer dar, indem er mit ausgestreckten Händen bethet: Daher sind wir nun auch eingedenk, o Herr, wir Deine Diener, so wie auch Dein heiliges Volk des so heilbringenden, seligmachenden Leidens des selben Christi Deines Sohnes unseres Herrn, so wie auch der Auferstehung von den Todten und der glorreichen Himmelfahrt Desselben und bringen Deis ner herrlichen Majestät von Deinen Gaben und Geschenken( er legt die Hände zusammen, unb bekreuzt dreimal die hh. Hostie und Kelch zugleich) ein reines + Opfer, ein heiliges+ Opfer, ein unbeflecktes + Opfer( er segnet einmal die Hostie und einmal den Kelch) das heilige+ Brod des ewigen Lebens, und den Kelch des+ ewigen Heiles. Er streckt die Hände aus und bethet fort. 121 Bweites Gebeth. Erinnerung an die Opfer des alten Bundes, die Vorbilder des Opfers Jesu Christi, welche Gott in Hinsicht auf die ses, Ihm in der Fülle der Zeit dargebrachten, mit Wohlges fallen annahm. Auf welche Du Dich würdigen wollest mit gnå digem und holdem Angesichte hinzuschauen und sie Dir gefallen zu lassen, wie Du Dir huldreich gefallen ließest die Gaben Deines Dieners des gerechten Abels, das Opfer unsers Erzvaters Abraham, und das heilige unbefleckte Opfer, welches Dein hoher Priester Melchisedech Dir darbrachte. 8* 122 Meffgebethe, Drittes Gebeth. Der Priester bittet, Jesus Christus Selbst, vorzugsweise der Gesandte Gottes, der Botschafter oder Engel des großen Rathes, möge dem himmlischen Vater sein Opfer darbringen. Er verbeugt sich tief, legt die Hände auf den Altar zusammen und spricht: Wir bitten Dich demüthigst, allmächtiger Gott! laß dieses Opfer durch die Hände Deines heiligen Botschafters auf Deinen erhabenen Altar vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät bringen, auf daß wir alle, die wir( er küsst den Alltar) von diesem gemeinschaftlichen Altare den heiligsten+ Leib und das heiligste+ Blut Deines Sohnes empfangen, t mit allem himmlischen Segen und Gnade erfüllet werden. Durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen. + Hier faltet er die Hände und bekreuzet die hochheilige Hostie, den geheiligten Kelch und dann sich selbst. Viertes Gebeth. Andenken und Fürbitten für die Verstorbenen. Gedenke auch, o Herr! Deiner Diener und Dienerinnen N. N., die uns vorangegangen sind mit dem Zeichen des Glaubens und nun im Schlafe des Friedens ruhen. Hier faltet der Priester die Hände und bethet ein Weilchen für diejenigen, für die er sich vorgenommen hat zu bethen. Dann streckt er die Hände aus und fährt fort: Ihnen, Herr! und allen denen, welche in Christus ruhen, verleihe gnådig, wir bitten Dich, den Ort wie sie der Priester pricht. der Erquickung, des Lichtes und des Friedens; ( er faltet die Hände) durch denselben Christus unsern Herrn. Amen. 123 Fünftes Gebeth. Schluß des Kanons oder der Stillmesse. Bitte um Antheil an der Glückseligkeit der Heiligen. Der Priester schlägt nun mit der Rechten an seine Brust, zum Bekenntniß daß wir unserer Sünden wegen, der für die Verstorbenen so eben erfleheten Gnaden noch unwürdig feien, und unsere Hoffnung dazu nicht auf unsere, sondern auf Christi Verdienste bauen. Dann spricht er den Anfang des Gebethes: Nobis quoque peccatoribus, auch uns Sündern, etwas laut, damit ihn die Anwesenden hören, und sich mit ihm vereinigen, um gemeinschaftlich mit ihm Gottes Barmherzigkeit zu erflehen. Auch uns Sündern, Deinen Knechten, die wir auf die Menge Deiner Erbarmungen hoffen, wollest Du einigen Antheil und Gemeinschaft schenken mit Deinen heiligen Aposteln und Blutzeugen, mit Johannes, Stephanus, Matthias, Barnabas, Ignazius, Alexander, Marcellin, Petrus, Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Cåcilia, Anastasia und mit allen Deinen Heiligen. Wir bitten Dich, laß uns zu ihrer Gesellschaft gelangen, indem Du nicht unsere Verdienste abschätzest, sondern uns barmherzige Verzeihung gewährest;( er faltet die Hände) durch Christus unsern Herrn. Durch Ihn, durch welchen Du, o Herr! jederzeit alle diese Güter schaffest, ( er bekreuzt dreimal die heil. Hostie und Kelch zugleich) + heiligest,+ belebest,+ segnest und uns verleihest. Mesſgebethe, ( hier entdeckt er den Kelch, beugt das Knie, nimmt die hochheilige Hostie in die Rechte, hält mit der Linken den Kelch und bekreuzt ihn von Rande zu Rande dreimal mit der hh. Hostie, indem er spricht): Durch Ihn und mit+ Ihm und in+ Ihm ( hier macht er zweimal das Kreuz zwischen Kelch und Brust) hast Du Gott allmächtiger Vater+ in Einigkeit des heiligen+ Geistes ( er hebt den Kelch sammt der hh. Hostie etwas in die Höhe) 124 alle Ehre und Herrlichkeit. Er legt die hh. Hostie nieder um auf die Herabnahme des Leichnams Jesu zu deuten, deckt den hingestellten Kelch mit der Palla zu, zum Andenken, daß das Grab Jefu mit einem Steine geschlossen und versiegelt worden. Dann kniet er, erhebt sich und spricht den Schluß aller Gebethe des Kanons laut, damit die Anwesenden mit dem Amen ant worten und dadurch ihre Zustimmung zu allem geben, was der Priester bis jetzt stille begehrt hat. Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Amen.( Das gehe alles in Erfüllung.) Fünfter Theil der heil. Messe. Vorbereitung zur heil. Communion. norspruch. Pr. Beten wir. Durch des Heilandes Lehren ermahnet und durch seine göttliche Anleitung unter= richtet getrauen wir uns zu sagen: wie sie der Priester spricht. Erstes Gebeth. 125 Das Vater unser. Pater noster. Vater unser, Der Du bist in den Himmeln, geheiliget werde Dein Name; zukomme uns Dein Reich; Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden; gib uns heut unser täglich Brod; und vergib uns unsere Schulden, als wie auch wir vergeben unsern Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung; A. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Pr.( leise) Amen! Dann fast er die Patene zwischen dem Zeige- und Mittelfinger und bethet weiter: Bweites Gebeth. Libera nos. Erlöse uns, wir bitten Dich, o Herr! von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebeln; und auf die Fürbitte der seligen und glorreichen allezeit reinen Jungfrau und Gottesgebårerin Maria mit Deinen seligen Aposteln Petrus und Paulus und Andreas, und mit allen Heiligen ( er bekreuzt sich hier mit der Patene von der Stirne auf die Brust), verleih uns gnädig Frieden in unsern Tagen, damit wir durch Hülfe Deiner Barmherzigkeit unterstützt, von Sünden immer frei und vor aller Unruhe sicher ſeien, ( der Priester schiebt die Patene, nachdem er sie gereis nigt, sich damit bekreuzt und sie geküfft, unter die 126 Mesſgebethe, hh. Hostie, entdeckt den Kelch, beugt das Knie, steht auf, nimmt die hh. Hostie, bricht sie über dem Kelche mitten voneinander und spricht): durch denselben unsern Herrn Jesus Christus Deinen Sohn ( nun legt er den Theil der hh. Hostie aus der Rechten auf die Patene, bricht dann von dem Theile in der linken Hand ein Stückchen ab und spricht): Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes Gott! ( er legt das übrige der hh. Hostie aus der Linken mit derselben auf die Patene, hält mit der Rechten das Theilchen über dem Kelche, mit der Linken den Kelch selbst und schließt): Von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Amen. Der Priester bricht die hh. Hostie zum Andenken, wie Christus bei'm letzten Abendmahle das Brod brach, ehe er fagte: Nehmet und effet; und wie Er Sich nach Seiner Auferstehung durch's Brodbrechen zu erkennen gab. Drittes Gebeth. Friedenswunsch. Mit demselben Theilchen oder Partikelchen bekreuzt er dreimal den Kelch und spricht: Pr. Der+ Friede des Herrn sei † immer mit + euch. 2. Und mit deinem Geiste. Viertes Gebeth. Erflehung des ewigen Lebens. Er versenkt die Partikel in den Kelch, zur Erinnerung der Abfahrt Jesu in die Borhölle und der Wiedervereini wie sie der Priester spricht. gung Seiner Seele mit Seinem Leibe bei der Auferstehung. Die drei Theile der gebrochenen hh. Hostie deuten: 1. auf die triumphirende Kirche im Himmel; 2. auf die leidende im Fegfeuer; 3. auf die streitende hiernieden. 127 Pr.( leise) Diese Vermischung und Weihung des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi gereiche uns, die wir sie empfangen, zum ewigen Leben. Amen. Er entdeckt den Kelch, kniet, steht auf, verbeugt sich vor dem Sacramente der hh. Hostie und dem hh. Blute faltet die Hände, schlägt dreimal an seine Brust und spricht: - - Fünftes Gebeth. Agnus Dei. Anrufung Jesu Christi des Sühn- Opferlammes für der Welt Sünden. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! ODu Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, schenke uns den Frieden! In den Seelenmessen heißt es statt erbarme 2c. Schenke ihnen den Frieden, und das dritte Mal: Schenke ihnen den ewigen Frieden. Er faltet nun die Hände, lehnt sie an den Altar, beugt sich und spricht:( in Seelenmessen nicht.) Sechstes Gebeth. Neue Bitte um Frieden und Einigkeit. Herr Jesus Christus, der Du zu Deinen Aposteln sagtest: den Frieden hinterlasse Sch euch, Meinen Frieden gebe Ich euch, sich nicht auf Mesgebethe, meine Sünden, sondern auf den Glauben Deiner Kirche, und ertheile ihr gnädig nach Deinem Willen Frieden und Einigkeit. Der Du lebst und regierest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bei feierlichen Hochämtern küfft hier der Priester den Altar und spricht zum Diakon: der Friede sei mitdir! und dieser erwiedert: Und mit deinem Geiste. 128 Siebentes Gebeth. Um die Gnade nicht mehr zu fündigen, Jesu Lehren zu befolgen und immer mit Ihm vereint zu bleiben. Herr Jesus Christus, Du Sohn des lebendigen Gottes, Der Du nach des Baters Willen durch die Mitwirkung des heil. Geistes der Welt durch Deinen Tod das Leben gegeben hast, befreie Du mich, durch diesen Deinen hochheiligen Frohnleichnam und Dein hh. Blut von allen meinen Ungerechtigkeiten und von allen Uebeln, und mache daß ich mich allezeit fest an Deine Gebote halte und laß mich niemals von Dir getrennet werden, Der Du mit demselben Gott Vater und dem heiligen Geiste, Gott, lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Achtes Gebeth. Demüthige Bitte, daß der Frohnleichnam Jesu Christi uns zum Heile an Leib und Seele gereichen möge. Der Genuß Deines Frohnleichnams, o Herr Jesus Christus, welchen ich Unwürdiger zu empfan wie sie der Priester spricht. gen mir getraue, werde mir nicht zum Gerichte und zur Verdammniß, sondern gereiche mir nach Deiner Milde zum Schutz und Heile des Leibes und der Seele; Der Du lebst und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heil. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Jetzt kniet er, steht auf und bethet: Neuntes Gebeth. Anrufung des Herrn. Das himmlische Brod will ich empfangen und den Namen des Herrn anrufen. 129 Nun beugt sich der Priester ein wenig und fafft beide Theile der hh. Hostie zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand und die Patene zwischen denselben Zeigefinger und den Mittelfinger, schlägt mit der Rechten auf feine Brust, und sagt etwas laut dreimal andächtig und demüthig: Behntes Gebeth. Worte des glauben- und demuthvollen von Christus gelobten Hauptmannes. ( Domine non sum Dignus etc.) Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, aber sprich Du nur ein Wort, so wird gesund meine Seele. Dann bekreuzt er sich mit der hh. Hostie in der rechten Hand über der Patene und spricht: Communion des Priesters. Der Frohnleichnam unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. 9 Mesſgebethe, Jetzt nimmt er ehrerbietig beide Theile der hh. Hostie in seinen Mund, faltet die Hände und ruht ein Weilchen in andächtiger Betrachtung des allerheiligsten Sacramentes. Darauf deckt er den Kelch ab, beugt das Knie, sammelt die etwanigen Stückelchen vom Corporale mit der Patene, und wischt diese sorgsam mit Daumen und Zeigefinger über dem Kelche ab, während deß er spricht: Was soll ich dem Herrn wiedergeben für alles was er mir gegeben hat? Den Kelch des Heiles will ich nehmen und den Namen des Herrn anrufen. Lobsingend will ich den Herrn anrufen und ich werde vor meinen Feinden sicher seyn. Er fafft nun den Kelch mit der rechten Hand, bekreuzt sich damit und bethet: Das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Jetzt empfängt er das heilige Blut mit der darin liegen: den Partikel, dem früher von der hh. Hostie abgebrochenen Stücklein. Wann er nun so selbst communicirt hat, ertheilt er, wie an vielen Orten geschieht, das heil. Sacrament ( am grünen Donnerstage auch den anwesenden Priestern) den Gläubigen, die zum Tische des Herrn treten. Hierbei kommen folgende Gebethe vor. 130 Gebethe vor der Communion der christgläubigen Gemeinde. Altardiener: Confiteor. Jch bekenne Gott dem Allmächtigen u. s. w.( wie oben Seite 80.) Der Priester beugt das Knie, wendet sich auf der Evane gelien- Seite zum Volke und bethet: Misereatur. Der allmächtige Gott erbarme sich euer, verzeihe euch euere Sünden, und führe euch zum ewigen Leben. A. Amen. wie sie der Priester spricht. Pr. Indulgentiam etc. Ablaß, Lossprechung und Vergebung euerer Sünden verleihe euch der allmächtige und barmherzige Herr. A. Amen. Wobei er das heil. Kreuzzeichen über sie macht; dann kniet er, wendet sich zu den Communicanten und bethet: Pr. Ecce. Sehet das Lamm Gottes, sehet, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt.- Herr! ich bin nicht würdig u. s. w.( dreimal. Domine non sum dignus etc. wie oben Seite 129.) Indem er nun das hh. Sacrament ertheilt, sagt er zn jedem: Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre deine Seele zum ewigen Leben. Amen. 131 Sechster und letzter Theil der heiligen Messe. Die Danksagung. Pr. Herr! mögen wir mit reinem Herzen fassen was wir mit dem Munde zu uns genommen haben! und möge uns aus dem Geschenke, das wir in der Beit empfangen haben, ein Heilsmittel werden für die Ewigkeit. Indessen reicht er den Kelch bem Diener, der etwas Waffer barein gießt und nun spricht er: Meffgebethe, Das Reinigungsgebeth. Dein Frohnleichnam, Herr! welchen ich genossen, und Dein Blut, welches ich getrunken, bleibe feft in meinem Innersten, und mache, daß in mir kein Flecken der Laster zurückbleibe, nachdem die reinen und heiligen Sacramente mich erquickt haben. Der Du lebest und regiereft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 132 Er reinigt nun die Finger, leert und reinigt den Kelch und deckt ihn zu. Bon den Gebethen und Lehrsprüchen, die der Priester hier nach Berschiedenheit der Feste ein. schaltet, stehen hier die vom Sonntage der heil. Dreifal tigkeit und vom Frohnleichnamsfeste: I. Com. Wir preisen den Gott des Himmels, und vor allem, was da lebt, wollen wir Ihn anbethend bekennen, weil Er an uns Seine Barmherzigkeit erwiesen hat.( Tob. XII.) Pr. Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste. Pr. Beten wir.( Oremus.) Postcom. Herr unser Gott! laß den Genuß dieses Sacramentes uns zum Heile des Leibes und der Seele gereichen; dazu werde uns auch das Bekennts niß der ewigen heil. Dreifaltigkeit und der unzer= theilten Einheit derselben. Durch unsern u. s. m. II. Com. So oft ihr dieses Brod esset und diesen Kelch trinket, werdet ihr den Tod des Herrn vers kündigen bis Er wiederkommt; wer daher unwürdig diefes Brod effen oder den Kelch des Herrn unwürdig trinken wird, der versündiget sich an dem 133 wie sie der Priester spricht. Leibe und Blute des Herrn. Lobet Gott! Alleluja. ( Pr. Der Herr sei mit euch zc.) Postcom. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest uns durch den ewigen Genuß Deiner Gottheit ex füllen, welche durch den zeitlichen Empfang Deines kostbaren Leibes und Blutes vorgebildet wird. Der Du lebst u. s. w. Der Priester wendet sich nun zum letzten Male an das Bolk mit dem schönen Gruße. Pr. Der Herr sei mit euch! A. Und mit deinem Geiste! Jetzt spricht er, noch zum Bolke gewendet: Ite, Missa est; oder in Meffen wo das Gloria in excelsis nicht gesungen worden, zum Altare gewendet: Benedicamus Domino. Ite, Missa est. Das heißt: Gehet nun im Frieden nach Hause, die Botschaft ist für euch emporgesandt, das Opfer für euch mit euern frommen Gebethen Gott dem Herrn dargebracht worden. Diese freudi ge Entlassung der Christengemeinde wird bei den feierlichen Hochämtern im Namen des Priesters vom Diakon verkündet. Pr. Ite, Missa est. Gehet, des Opfer ist entrichtet. 2. Deo gratias. Gott sei Dank! øder: Pr. Benedicamus Domino. Loben wir den Herrn. A. Gott sei Dank. In den Seelenmessen spricht er statt des Ite 11. f. I.: Pr. Requiescant in pace. Mögen siz ruhen im Frieden. A. Amen. So sei es! Der Priester spricht nun, gegen die Mitte des Altares gewendet, mit auf dem Altare gefaltenen Händen und etwas Mengebethe, geneigt, folgendes bewunderungswürdig einfache und schöne Gebeth: 134 Laß Dir, o heilige Dreifaltigkeit den Dienst meiner Knechtschaft gefallen und verleih, daß das Opfer, welches ich Unwürdiger den Augen Deiner Majeståt dargebracht habe, Dir wohlgefällig, und mir und allen, für welche ich es geopfert habe, durch Dein Erbarmen zur Versöhnung gereiche, durch Christus unsern Herrn. Amen. Jetzt küsst er den Altar, hebt die Augen und Hände empor, neigt das Haupt, faltet die Hände, wendet sich zum Bolke und ertheilt ihm den Segen indem er das Kreuzzeichen macht und spricht: Pr. Es segne euch der allmächtige Gott, der Bater, der Sohn und der heilige Geist. A. Amen. ( In Seelenmessen spricht er diesen Segen nicht; in Pons tificalämtern aber dreimal.) Pr.( zum Diener.) Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste. Nun liest der Priester den Anfang des heil. Evangeliums nach der Beschreibung des heil. Johannes, in welchem die wesentlichsten Geheimnisse unseres Glaubens, nämlich die Gottheit und Menschheit Jesu Christi unseres Erlösers angedeutet werden. Pr.( bekreuzt sich oder den Altar.) Anfang des heil. Evangeliums des heiligen Johannes. A. Ehre sei Dir, o Herr! Im Anfange war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbige wie sie der Priester spricht. 135 gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht von allem dem, was gemacht worden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen; und das Licht leuchtet in den Finsternissen und die Finsternisse haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnisse, um Zeugniß zu geben von dem Lichte, damit alle durch ihn glauben möchten. Er selbst war nicht das Licht, sondern nur Zeugniß sollte er geben von dem Lichte. Dieses war das wahrhafte Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt. Er war in der Welt und die Welt ist durch Ihn gemacht; und die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigenthum und die Seinigen nahmen Shn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die an Seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und( hier beugt er das Knie) das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet. Und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie sie der Eingeborne des Vaters hat, voll der Gnade und Wahrheit. A. Gott sei Dank. Beim Zusammentreffen gewisser Feste mit dem Sonntage wird statt dieses Evangeliums ein anderes gelesen. Es ist aber dieses geheimnisvolle Evangelium gleichsam eine Ergänz zung der Lebensgeschichte Jesu Christi. Im allerheiligsten Meffgebethe, Opfer unserer Erlösung, welches im Augenblicke der Mensch werdung Jesu Christi begann, ist dieses Leben dargestellt worden. Um Dasselbe aber ganz zu kennen, muß man auf die ewige Zeugung des Wortes, das heißt des Sohnes Gottes, im Schooße seines Baters zurückdenken, dann auf die Erschaffung der Welt kommen, die Gott in der Zeit durch Sein ewiges Wort, Seinen eingebornen Sohn, erschuf. Da nun aber der Mensch Gott in der Weisheit Seines Werkes nicht erkannte, sondern im Gegentheile Ihn beleidigte, so veranlaßte seine Sünde den Sohn Gottes, das ewige Wort,( Phil. II. 7) Sich selbst zu entäußern, Sich bis zur Annahme der Knechtsgestalt zu erniedrigen, Mensch zu werden und, dem Bater bis zum Tode am Kreuze gehorsam, Sich Demselben zur Ehre und zu unserm Heile als ein Opfer darzubringen, durch welches Gott vollkommen geeehret wird. Jesus Christus will die Menschen fähig machen, Gott mit Ihm im Geiste und in der Wahrheit anzubethen; barum heiliget er sie in Sich Selbst auf eine ganz göttliche Weise; indem Er sie zu Seinen Gliedern und hiermit zu Kindern Gottes macht, und ihnen dann die Herrlichkeit mittheilet, die Er als Eingeborner des Baters besitt. So macht Er aus ihnen mit Sich denselben Priester und baffelbe Opfer für die Ewigkeit. Auf diesen, die wiederge Borne Menschheit so hoch stellenden Sinn deutet das erhabene und geheimnißreiche Evangelium Johannis hin. 136 Die heilige Meffe schließt mit dem so kurzen, so heiligen und Gott vollkommen gebührenden Ausrufe: Gott sei Dank! Mit diesen schönen, inhaltreichen Worten wird das größte aller Geheimnisse auf eine würdige Weise geendet. Denn Gott Dank sagen heißt: erkennen und aussprechen, daß alles Gute von Gott kömmt und daß Er allein die Fülle, die Quelle und der Urgrund aller möglichen Güter ist; es heißt ferner: Bei dieser Anerkennung Gott loben 137 wie sie der Priester spricht. und an Ihn hoffend und liebend glauben, und zwar im Werke eben so wohl als in Worten. Wann der Priester also das christliche Volk entläßt, indem er ihm verkündet, das Geheimniß sei vollbracht, und das Opfer sowohl von Gott als Versöhnungsgabe aufgenommen, denn als Sacramemt, Inbegriff und Denkmal aller göttlichen Wohlthaten von den Menschen empfangen worden, so kann es nichts Geziemenderes, nichts Besseres thun, als mit einhälliger Stimme, mit gleichem Sinne und Herzen auszurufen: Gott sei Dank! Pom Segen, den der Priester bei der heiligen Messe oder sonst mit dem den Gläubigen ertheilt, indem Hochwürdigsten oder mit der Hand das heil. Kreuzzeichen über dieselben macht. Segen ist alles Gute, das von Gott kommt, und seg nen heißt: Einem etwas Gutes wünschen oder wirklich ertheilen. Der Segen, der uns mittelst des heiligen Sakramentes oder des heiligen Kreuzzeichens vom Priester ertheilt wird, ist nicht nur ein Denkzeichen und eine Erinnerung der gött lichen Gnade, des großen Segens, den Christus durch Seinen Tod am Kreuze uus erworben und zugesichert hat, sondern wir empfangen auch wirklich im Denkmale seiner Liebe die unendlich werthvollen Früchte seines heilbringenden Todes, wenn wir unsere Sünden bereuen, Glauben, Hoffs nung und Liebe in unserm Herzen hegen und uns so dem heiligen Geheimnisse des Altares mit dem ernstlichen Bor sahe nähern, Christi Lehren zu befolgen und so christlich fromm zu leben. Beherzigen wir also was der Herr gethan, gelehrt und gelitten hat, daß wir wahrhaft gesegnete Mesſgebethe, Menschen werden sollen; handeln wir dann darnach, und wir werden Seines vollen Segens empfänglich und theilhaftig werden. 138 Bei dem Segengeben zum Schlusse der heiligen Messe küsst der Priester den Altar, um gleichsam den Segen Jesu Christi davon wegzunehmen, welchen er vorstellt, erhebt dann Hände und Augen zum Himmel, um anzudenten daß es Jesu Christo dem Herrn, der als unser Hoherpriester, Ausspender des göttlichen Heiligthums und als wahrer Melchisedech zur Rechten Gottes des Baters im Himmel sist, eigentlich zukommt, das gläubige Bolk und die Kinder des wahren Abrahams zu segnen, und zwar für die Erde, den Himmel und die Ewigkeit, durch die Berdienste Seiner Geheimnisse und Seines Todes am Kreuze. Der Priester nennt bei'm Segengeben den Bater, der uns," wie der H. Paulus zu den Christen in Ephesus sagte, gesegnet hat mit allem geistlichen Segen, mit himmlischen Gütern durch Christus; wie Er uns denn durch denselben vor Grundlegung der Welt in Liebe erwählt hat, daß wir heilig und untadelhaft vor Seinem Auge sein sollen, der uns auch vorher bestimmt hat, uns durch Jesus Christus als Seine Kinder anzunehmen, nach dem Wohlge allen Seines- liebevollen Willens, zum Ruhm und Lobe Seiner herrlichen Gnade." Er nennt den Sohn, den Bielgeliebten, Eingebornen, in Welchem der Bater unsbegnadigt und Seinen Augen wohlgefällig gemacht hat, in Dem wir die Erlösung haben durch Sein Blut, nämlich die Bergebung der Sünden, nach dem Reichthume Seiner Gnade, welche uns überschwenglich zu Theil geworden; in Welchem Er auch alles was im Himmel und auf Erden ist, wie unter Ein Haupt zusammengefasst hat." wie sie der Priester spricht. Er nennt den heiligen Geist, Der da ist der Geist der Weisheit und der Offenbarung zur Erkennt niß Gottes, das Siegel, mit welchem wir versie: gelt worden durch Christus, nachdem wir das Wort der Wahrheit, das Evangelium- die Frohbotschaft- unserer Seligkeit gehört und gläubig geworden sind; Der da ist das Pfand unseres Erbes, bis zur Erlösung Seines Eigenthumes des Volkes, das Christus Sich erworben zum Ruhme Seiner Herrlichkeit."( Ebend. I. 17.) Mit besonderer Andacht empfangen die frommen glaubenvollen Christen den Segen mit dem Hochwürdigsten Sacramente. Denn wenn der göttliche Heiland in sichtbarer Gestalt unter den Menschen, wie einst im Judenlande, wandelte und mit himmlischer Milde und Güte Segen ausspräche, würden wir uns da nicht zu Ihm hindrängen, wie jene frommgläubigen und zartfühlenden Mütter, die ihre Kinder herbeitrugen, damit Er ihnen die Hand auflegen und den Segen Seiner göttlichen Menschenliebe über sie ergießen möchte? Thun wir also jetzt ein Gleiches für uns, und unsere Kins der! Ist uns auch Christi sichtbare Gegenwart entzogen, so lehrt uns ja der Glaube, daß Er, Der zur Rechten des Baters ewig lebt und herrscht und die Heiligung Seiner Erlösten befördert und ihr Heil wirket, auch im hochwüre digsten Sacramente des Altares, wiewohl für unsere sterb lichen Augen unsichtbar mit Gottheit und Menschheit ganz gegenwärtig ist. Beten wir Ihn demnach hier glaubens voll und mit Ehrfurcht, Demuth und Vertrauen an. Sein Segen wird uns dann gewiß in desto größerm Maße zu Theil; denn Er Selbst sagte: Selig, die da nicht sehen und dennoch glauben." Wie, sollten wir den Segen, der von Christus kommt, der aus Ihm, der Quelle aller Gnaden, dem Schabe aller göttlichen Erbarmungen ausströmet, nicht mit heiliger Bes 139 1 - Mengebethe, gierde suchen und unaussprechlich hochschäzen? Von den ältesten Zeiten her wurde die Segenertheilung durch Aufles gen der Hände oder durch Worte, besonders aus dem Munde eines sterbenden Baters, als feierliche Anwünschung alles Guten sehr werth und für sehr wichtig gehalten. Hier aber ist mehr als Gruß und Wunsch. Hier übt der Christ den vom Hern so strenge geforderten Glauben, und bittet Ihn bei'm Kreuzzeichen durch die Verdienste Seines Erlösungse todes um jenen Segen, der alles umfasst, weswegen Chris stus für uns gestorben und unser ewiges Opfer geworden ist. Und diesen Segen ertheilt Er uns selber im Wunders male Seiner Liebe durch die Bermittelung Seines Ihm ges weihten Dieners, des Priesters. Streben wir also, uns dieses göttlichen Segens würdig zu machen, daß er in uns fortwirke bis zum ewigen Leben! Erwecken wir in uns einen lebendigen, demüthigen und ehrerbietigen Glauben, eine kindliche, zuversichtliche Hoffnung nebst den Empfindungen der innigsten Liebe und Dankbarkeit für Ihn den Allerliebenswürdigsten, den Alleinguten, Dessen Leben und Sterben der göttlich große Segen war für die Menschheit, und der Seinen treuen Nachfolgern den Segen des ewigen Lebens vers sprochen hat, wo wir schauen werden, was wir hier glauben, selig und unsterblich in Seiner sichtbaren Gegenwart in alle Ewigkeit. 140 Segengesänge auf alle hohen Festtage des Jahres. An dem heiligen Thristtage. Enixa est puerpera, quem Gabriel prædixerat, quem matris alvo gestiens clausus Joannes senserat. 141 wie sie der Priester spricht. Gloria tibi Domine, qui natus es de Virgine, cum Patre et sancto Spiritu, in sempiterna sæcula. Geboren ist das Kind uns heute, Dess' Ankunft Gabriel verhieß, vor Dem Johannes sich so freute, daß er's die Mutter merken ließ. ( Geboren hat die reine Magd, Den Gabriel vor ausgesagt, Ihn, Den Johann, der Mutter nah, noch unterm Herzen, hüpfend sah.) Dir singen heute Klein' und Große, Geborner aus der Jungfrau Schooße, Ein Gott mit Vater und dem Geist, Der ewig lebt, Den alles preist. In der heiligen Fastenzeit. O crux ave, spes unica! hoc passionis tempore, auge piis justitiam, reisque dona veniam. Kreuz! o Hoffnung, sei gegrüßt, an dem der Herr für uns gebüßt, vermehr' den Frommen Gottes Huld und tilg den Sündern ihre Schuld. In den heiligen Ostertagen. O vera digna hostia, per quam fracta sunt tartara, redempta plebs captivata, reddita vita præmia. Gloria tibi Domine, qui surrexisti a mortuis, cum Patre et sancto Spiritu in sempiterna sæcula. O wahres, würd'ges Opfer Du, Du stiegst hinab zum Ort der Ruh, befreitest was gefangen war, und botst den Lohn des Lebens dar. Mesſgebethe, Gelobt seist Du, o Jesus Christ, Der Du vom Tod erstanden bist, der Vater und der Geist zugleich, jetzt und im ew'gen Himmelreich. 142 In den heiligen Pfingsttagen. Hostem repellas longius, pacemque dones protinus, ductore sic te prævio, vitemus omne noxium. Per Te sciamus, da, Patrem, noscamus atque Filium, Te utriusque Spiritum, credamus omni tempore. Den Feind des Guten scheuche fort, laß stets mit uns den Frieden seyn; geführt, o Geist! von Deinem Wort, erhalt uns Du von Sünden rein. Mach uns den Vater offenbar; laß uns im Licht des Sohnes gehn; Dich Geist von Beiden, hehr und wahr, laß immer uns im Glauben sehn. Am heil. Frohnleichnamstage, oder im ganzen Jahre. Tantum ergo Sacramentum, veneremur cernui, et antiquum documentum novo cedat ritui, præstet fides supplementum, sensuum defectui. Genitori, Genitoque, laus et jubilatio, salus, honor, virtus quoque, sit et benedictio, Procedenti ab utroque compar sit laudatio. Amen. Christen, bethet dieß Geheimniß in dem Geist der Demuth an! Unser Glaub' ersetze jenes, was der Sinn nicht fassen kann. Dieses Denkmal Seiner 143 wie sie der Priester spricht. Liebe in dem heil'gen Sacrament fordert unfre Gegenliebe jetzt im neuen Testament. Gott dem Vater und dem Sohne gleicher Kraft und Wesenheit, und dem Geist auf gleichem Throne finget Lob mit Fröhlichkeit; Gott ist wahrhaft hier zugegen; Herr! ich glaub', ich hoff' auf Dich; Bater, gieb uns Deinen Segen, Deine Kinder lieben Dich. In der Frohnleichnamsoctav. Ecce panis Angelorum, factus cibus viatorum, vere panis filiorum, non mittendus canibus. Seh't das Brod, das Engel nåhret, welches alle Welt verchret, dieses ist das Brod der Kinder, der Gerechten, nicht der Sünder. In den Bethtagen durch's ganze Jahr. Defensor noster aspice, insidiantes reprime, guberna tuos famulos, quos sanguine mercatus es. O Gott! Du unser Schirmer bist; sich an den Feind und seine List; halt uns, o Herr! in Deiner Huth, die Du erkauft mit Deinem Blut. Da pacem Domine in diebus nostris, quia non est alius, qui pugnet pro nobis, nisi Tu, Deus noster. Den lieben Frieden gib uns, o Herr! stell Du die Ruhe wieder her; streit Du für uns, o starker Gott! und rette uns aus Noth und Spott. Mengebethe zur Betrachtung Messgebethe zur Betrachtung des Leidens Jesu Christi. 144 Wann der Priester zum Alltare hinauf tritt, betrachte wie Christus mit Seinen Jüngern an den Delberg geht, um Das große blutige Versöhnungsopfer am Kreuze zu beginnen. Gütigster Jesus! aus Liebe zu mir gingst Du freiwillig an den Selberg, um da Dein heiliges Leiden anzufangen. Aus Liebe zu mir wurdest Du traurig bis in den Tod. O verzeih mir meine Sünden, welche Deine Traurigkeit und Dein bitteres Leiden verursacht haben. Ich bereue sie von Herzen, weil ich dadurch Dich meinen Herrn und Gott, beleidigt habe. Der Priester bethet am Fuße des Altares. Christus bethet am Delberge und schwitzet Blut. - Jesus Christus, mein liebevoller Erlöser! dreimal bethest Du am Delberge zu Deinem himmlischen Va= ter! Du ergibst Dich vollkommen in Seinen heiligen Willen! und opferst Dich freiwillig der göttlichen Gerechtigkeit zur Genugthuung für die Sünden der ganzen Welt auf; Deine Menschheit wird von so schreck lichem Angstgefühle bedrångt, daß Dir sogar blutiger Schweiß aus Deinem heiligen Leibe hervordringt. Da schickt Dir der Vater einen Engel, der Deine anfs höchste leidende Menschennatur tröstet und stårket. Oliebster Jesus! der Du bei'm Anblicke und wegen unserer Sünden so entsetzlich leiden wolltest, des Leidens Jesu Christi. 145 durchdringe mein Herz mit wahrer Reue über meine Sünden; gib mir die Gnade recht zu bethen und mich bei jedem Leiden in Deinen göttlichen Willen zu ergeben; laß Dein kostbares Blut an mir nicht verloren seyn; und bin ich traurig oder versucht, so tröste und stärke mich durch den heiligen Engel, den Du mir zum Schuhe gegeben hast. Amen. Der Priester küsst den Altar, geht auf die Epistelseite und bethet. Christus wird von Judas mit einem Kuffe verrathen, gefangen, gebunden und zum Hohenpriester An nas geführet, wo Er einen Backenstreich empfängt. - Mir zu Liebe, o holdseligster Jesus! ließest Du Dich von einem treulosen Jünger mit einem falschen Kusse verrathen; sanftmüthig sprachst Du zu ihm: Freund! wozu bist du gekommen? Ließest Dich dann gefangen nehmen, binden wie einen Verbrecher, und zum gottlosen Annas führen. Hier empfingst Du, Unschuldigster! einen schmählichen Backenstreich. O wie danke ich Dir, allerfreundlichster, geduldigster Jesus, für die wunderbare Geduld und Sanftmuth, die Du bei so großen Unbilden geübt haft? Wie wenig folge ich Dir hierin nach! Olehre Du mich sanftmüthig und demüthig von Herzen seyn, und verzeih mir die Sünden meiner Ungeduld, meines Zornes und Hochmuthes, die Dir, o allersanftmüthigster Jesus! solche Beschimpfung und Mishandlung verursacht haben! Der Priester geht in die Mitte und spricht das Kyrie und Gloria. Christus wird zu Kaiphas geführt, von Petrus verleugnet, von den Juden verspottet und gelästert. 10 Meffgebethe zur Betrachtung Weit öfter, als Petrus, habe ich Dich, o Jesus mein göttlicher Herr und Lehrer! wo nicht mit Worten, so doch mit Werken verläugnet, indem ich mich vor der Welt Deines Dienstes und Deiner Lehre schämte, und um der Menschen willen das Dir Wohlgefällige unterließ. Habe ich nicht boshafter als die Juden Dich durch meine mancherlei Sünden, wo nicht gehöhnt und gelåstert, doch verkannt, betrübt und beleidigt? O verzeih mir, gütigster Herr Jesus! meine Schuld an Deinem Leiden. Von nun an will ich Dich meinen Herrn und Gott, meinen Lehrer und Erlöser, meinen Gesetzgeber und Richter mit Worten und Werken bekennen; ja bekennen will ich meinen Glauben, daß Du bist Christus der Sohn Gottes. Du Herr Jesus, stårke mich, daß ich auch nach meinem Glauben lebe, daß ich öffentlich und ohne Scheu Dich lobe und preise, daß nie gottlose Menschenfurcht, falsche Scham und selbstsüchtige Eigenliebe mich verleiten, durch irgend ein Thun und Lassen von Dir meinem guten Herrn abzufallen. Amen. 146 --Der Priester wendet sich zum Volke und sagt: Dominus vobiscum, der Herr sei mit euch. Christus wendet sich zum gefallenen Petrus, und blickt ihn an; und dieser ging hinaus und weinte bitterlich. - O barmherzigster Jesus! Mit Petrus habe ich gefündigt! blicke denn auch mich an mit den Augen Deiner göttlichen Milde und bekehrenden Gnade, daß ich meine Sünden wie Petrus in aufrichtiger Neue beweine, büße und nie mehr begehe. Amen. 147 des Leidens Jesu Christi. Der Priester geht zur Epistelseite und bethet.- Chris stus wird zum römischen Landpfleger Pilatus geführt und angeklagt. Es wird die Zeit kommen, o allergerechtester Jesus! mein Gott und mein König! wo ich vor Deinem Richterstuhle erscheinen muß, um Rechenschaft zu geben über alle meine Gedanken, Worte, Werke und Unterlassungen. Da wirst Du Selbst Allwissender, der Du in diese Welt gekommen, der Wahrheit Zeugniß zu geben, mir alle meine auch ge ringsten und verborgensten Sünden vorhalten. Da werden mich anklagen mein Gewissen, meine Eltern und Vorgesetzten, denen ich nicht gehorchte, mein Schußengel, von dem ich mich nicht leiten ließ, der böse Feind, dem ich Gehör gab, Menschen, die Buße gethan und zu großer Heiligkeit gelangt wären, wenn sie die Gnadenmittel gehabt hätten, die Du mir geschenkt, und besonders aber diejenigen, die ich durch Aergernißgeben oder sonst zur Sünde verführt habe. O gütigster Jesus! verleih mir doch die Gnade, von nun an so zu leben, daß ich einst an Dir einen gnådigen Richter finden möge. Amen. Der Priester geht in die Mitte, bethet, geht dann auf die andere Seite und liest das Evangelium.- Christus wird von Pilatus zu Herodes geschickt, und von diesem verlacht und verspottet. Man führt Dich, o geduldigster Jesus von einem gottlosen Richter zum andern und verhöhnet Dich, auf die schmachvollste Art. Du aber schweigst bei all diesen Unbilden. Soll ich nun nicht auch Dir zu Liebe 148 Messgebethe zur Betrachtung etwas stillschweigend und geduldig ertragen? Sch kann es mit Deiner stårkenden Gnade, o Jesus! und ich will es künftighin auch nach Deinem Beiſpiele gerne thun. Heute schon will ich mich bessern, und bei allem gelassen, geduldig und sanftmüthig seyn. Der Priester tritt in die Mitte des Altares zurück und spricht entweder das Credo( wobei du bethest: Ich glaube an Gott den Vater u. s. w.) oder er wendet sich gleich um und sagt: Dominus vobiscum!- Christus wird von Herodes, zum Spotte mit einem weißen Kleide bedeckt, wieder zum Pilatus geschickt, bei diesem falsch angeklagt, und dem Mörder Barrabas nachgesetzt. Ich danke Dir, o liebreichster Jesus! für so viele schimpf- und schmerzenvollen Gånge, die Du gethan hast. Ich danke Dir für die Geduld, die Du bei so vielen falschen Anklagen und empörenden Unbils den geübt hast, besonders da Dir der gottlose Barrabas vorgezogen wurde. O laß doch nicht zu, daß ich Dir jemal etwas vorziehe, denn Du verdienst über Alles geschätzt und geliebt zu werden. Vermehre, o Allmächtiger! meinen Glauben an Dich, denn Du bist die ewige Weisheit und Wahrheit. Amen. Der Priester deckt den Kelch ab und opfert Brod und Wein, die das hochheiligste Opfer werden sollen.- Christus wird Ceiner Kleider beraubt, an eine Säule gebunden und graus fam gegeißelt. Christus Jesus, Du Allerheiligster, Du Allerreinster! durch die grausame Geisselung Deines keuschesten heiligen Leibes, durch die schmähliche Entblößung desselben bitte ich Dich: verzeih mir alle Sünden der 151 des Leidens Jesu Christi. O Herr Jesus Christus, Du Sohn des lebendigen Gottes! wie könnte ich Dir genug dafür danken, daß Du, um uns sündige Menschen das ewige Leben zu erwerben, bereitwillig und gerne das Todesurtheil über Dich aussprechen, und Dich von einem gottlosen Sünder Deinen grausamen Feinden zur willkürlichen Hinrichtung übergeben ließest! Ach, unschuldigster, heiligster Jesus! verleih mir Licht und Kraft, mein Leben fortan so einzurichten, daß ich einst den Ausspruch der ewigen Verdammniß wegen meiner Sünden nicht anhören müsse, sondern zu denjenigen gezählt werden möge, die Du durch Deinen Tod zum ewigen Leben erkauft hast, wo ich Deine Heiligkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit unaufhörlich preisen werde. Amen. Der Priester bethet nach dem Sanctus, heilig, in der Stille.- Christus trägt Sein Kreuz bis auf den Schädeloder Calvarienberg. O mein göttlicher Heiland! Du hast gesagt: Wer nach Mir kommen will, der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Ich sehe, wie Du Dein schweres Kreuz auf Deine blutende Schulter nimmst, es als das kostbare Holz, auf dem Du unsere Erlösung vollenden willst, voll Gottes- und Menschenliebe umarmest; ich sehe, wie Du dieses zu einem so großen Opferaltare bestimmte Kreuz unter unsäglichen Schmerzen und Verspottungen, ohne Murren und Klagen, voll unbeschreiblicher Geduld und mit unend Meffgebethe zur Betrachtung licher Sehnsucht nach unserm Heile den steilen Berg hinauftrågst. Herr! ich will Dir nachfolgen. Ich nehme deswegen das Kreuz der Widerwärtigkeiten und Leiden, welches Du mir auflegtest oder noch auflegen wirst, bereitwillig an, und will mit Geduld und Ergebung in Deinen heiligen Willen es tragen, so lange es Dir gefällig ist. Stårke Du mich schwachen Menschen nur mit Deiner göttlichen Gnade; benn mein Geist ist zwar willig und bereit, aber mein Fleisch ist schwach. Außer Dir und ohne Dich kann ich nichts; in Dir und mit Dir vermag ich alles. Ich lege meinen guten, wenn gleich schwachen Willen in Vereinigung mit den Verdiensten Deiner schmerzlichen Kreuztragung zu den heiligen Opfergaben auf den Altar, daß Du ihn segneft und genehmigest. Erbarme Dich meiner, o Herr! und Aller, für welche zu bethen ich mir vornahm; gib thnen besonders N. N.— und mir die Gnade, fromm zu leben und glückselig zu sterben. Amen. - 152 10 Zur heiligen Wandlung. Der Priester spricht die Einsetzungs- und Verwandlungs. worte Jesu Christi über die heiligen Opfergaben Brod und Wein, wodurch diese in den Leib und das Blut unsers Herrn wahrhaft verwandelt werden. Hier betrachte, wie Christus grausam an's Kreuz genagelt wurde, auf welchem Er sich Seinem himmlischen Bater als Opfer zu unserer Versöhnung darbrachte. - O mein göttlicher Heiland, Jesus Christus! ich bitte Dich durch die unaussprechlich großen Schmerz des Leidens Jesu Christi. zen, die Du erduldet hast, da man Dir Deine Kleider von dem mit Wunden bedeckten Leib herabriß, und Deine Hände und Füße mit eisernen Någeln unmenschlich an's Kreuz heftete, und durch das unendlich kostbare Blut, welches dabei zu unserm Heile so häufig geflossen, verzeih, verzeih mir alle meine Sünden, die ich durch den Gebrauch unanständiger Kleidung, oder durch meine Hände und Füße jemals begangen habe, indem ich mich dersels ben zu ungerechten, grausamen und Aergerniß ge= benden Handlungen bediente. Der Priester hebt das in den Frohnleichnam Jesu Christi verwandelte Brod oder die hochheilige Hostie in die Höhe. Christus wird am Kreuze hangend erhöhet und dem Volke gezeigt. - 153 O Jesus! ich glaube an Dich; o Jesus! ich hoffe auf Dich; o Jesus! von Herzen liebe ich Dich; o Du mein liebevollster Heiland, Der Du einst uns zu Liebe als Versöhnungsopfer am Kreuze hingst, Du bist nun auch hier auf dem Altare mit Leib und Seele, in Deiner Gottheit und Menschheit zugegen. Ich erkenne Dich, und bethe Dich an als meinen Herrn und Gott, meinen größten Wohlthäter Erlöser und Seligmacher! O sei mir armen Sünder doch gnädig und barmherzig. Der Priester erhebt den geheiligten Kelch mit dem Blute des Herrn.- Bedenke wie von allen Theilen des mit Wun den bedeckten Leibes Christi das hochheilige Versöhnungsblut herunter tropfte. Jesus! ich glaube an Dich; o Jesus! ich hoffe auf Dich; o Jesus! von Herzen lieb ich Dich. D Mefgebethe zur Betrachtung Du unser Versöhner, unser Mittler, unser Hoherpriester und Fürsprecher bei dem Vater! Dein heiligstes Blut, das einst am Kreuze floß, ist auch nun hier wahrhaftig zugegen; ich bethe es an und bitte Dich, laß es doch an mir armen Sünder nicht verloren seyn. 154 Nach der Erhebung des hh. Opfers. Der Priester bethet mit ausgestreckten Händen.- Christus hängt drei Stunden lang am Kreuze. Drei Stunden lang, o Jesus, mein Versöhner, hångst Du am Kreuze in den größten Schmerzen und Qualen; drei Stunden lang ringst Du mit dem Tode, um uns das ewig glückselige Leben zu erwerben. Ach mein gnädigster Erlöser und Herr! erbarme Dich meiner und verzeih mir meine Schuld an Deinen großen Leiden! Stärke mich in allem, was ich auch noch zu leiden haben werde, um meine Missethaten abzubüßen und die Früchte Deines heilvollen Todes zu empfangen. Erbarme Dich meiner, o Allgütigster, zu jener Zeit, da ich mit dem Tode werde ringen müssen. Erbarme Dich auch, o Herr! aller abgestorbenen Christgläubigen, besonders N. N. Gib ihnen die ewige Ruhe im Reiche Deiner Herrtichkeit, mir armen Sünder aber Verzeihung aller Sünden, Deine kräftige Gnade zur Besserung meines Lebens und einst eine selige Sterbstunde. Amen. Der Priester bethet das Bater unser.- Christus spricht die sieben letzten Worte. O Du für mich gekreuzigter Jesus, Du wahrer des Leidens Jesu Christi. Sohn des himmlischen Vaters, Der Du am Kreuze für Deine grausamen Feinde gebethet hast, Dir zu Liebe verzeihe ich Allen, die mich jemals beleidigten. Gib mir, wie dem reuigen büßenden Scha cher, die Gnade, wahre Buße zu thun und nimm auch mich auf in das Paradies. Ich verlange zu leben und zu sterben unter dem Schutze Deiner allerseligsten jungfräulichen Mutter Maria, die Du auch mir wie dem geliebten Jünger Johannes zur schützenden Mutter gegeben hast. Durch Dein schmerzliches Gefühl der gånzlichen Verlassenheit am Kreuze bitte ich Dich, barmherzigster Jesus! verlass mich nicht in meinem letzten Kampfe. Durch Deinen quålenden Durst bitt' ich Dich, gib mir eine wahre Begierde nach Deinen Heilsmitteln, und Dir zur Ehre und Liebe alles zu thun und zu leiden. Wie Du, o vollkommenster Jesus! in allem den Willen Deines himmlischen Vaters vollbracht hast, so verlange ich alles zu vollziehen, was Du von mir begehrest. Jetzt spreche ich auch mit Dir, so wie ich in meiner letzten Stunde voll Zuversicht sprechen möchte: Vater in Deine Hände empfehle ich meinen Geist.- Vater unser u. s. w. Der Priester zertheilt die heil. Hoftie. Christus stirbt. Wie groß ist Deine Liebe für mich, o Jesus! aus Liebe für mich wolltest Du sterben; aus Liebe für mich starbst Du den schmach- und schmerzenvollen Tod am Kreuze. O welchen Dank, welche Gegenliebe bin ich Dir schuldig, mein göttlicher - 155 156 Meffgebethe zur Betrachtung Wohlthäter! Ich will nun auch mit Deiner Gnade auf alle Weise mich bemühen, in Zukunft nicht ans ders zu leben, nicht anders zu leiden und zu sterben, als voll Liebe und Dank für Dich. Amen. Der Priester klopft an die Brust und spricht: Agnus Biele bekehren sich bei dem Dei, e Du Lamm Gottes. Tode Christi. Christus lässt Seine heilige Seitenwunde stechen. - Jesus, Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt. Ich bitte Dich durch das heilige Blut und Wasser, welches aus Deiner durch stochenen Seite floß, wasche und reinige mein Herz von allen meinen Sünden, und schaffe es um zu einem demüthigen, zerknirschten, keuschen und Die wohlgefälligen Herzen. Deshalb klopfe ich auf meine sündhafte Brust und spreche voll Reue und Vertrauen: Du Lamm Gottes u. s. w. erbarme Dich meiner, Amen. Der Priester communicirt. Christus wird begraben. Liebster Jesus! der Du nach Deinem Tode, Deinen heiligsten Leichnam durch Joseph von Arimathåa und Nikodemus vom Kreuze abnehmen, salben, in eine Leinwand wickeln und in ein neues Grab legen ließest, o wie glücklich wäre ich, wenn ich, so ges recht, gut, und liebevoll gegen Dich wie diese from= men Männer, voll Gottseligkeit und reiner Tugend, gleichsam ein Gefäß köstlichen Wohlgeruches, allem Bösen abgestorben und jetzt würdig wåre, Dich mit dem Priester zu empfangen. Aber, Herr mein Gott! ich bin nicht würdig, Dich in Deinem heili- des Leidens Jesu Christi. gen Sacramente in mir aufzunehmen. Dennoch ver= lange ich nach Dir, o Jesus, Du Bräutigam meiner Seele! Ich glaube an Dich, o Jesus, ich hoffe auf Dich, o Jesus! ich liebe Dich, o Jesus, Du Ge liebter meines Herzens! O möchte ich würdig seyn, Dich recht oft zu empfangen! Bereite Du mich Selbst zu der seligen Stunde vor, wo Du Dich würdigen wirst, bei mir einzukehren. Reinige, ich bitte Dich, Allerheiligster! mein Herz von allem, was Dir mißfällt, ich bereue es aus Liebe gegen Dich. Komm, Allmächtiger! meiner Schwachheit zu Hülfe, daß ich Dich allezeit mit innigster Andacht und Ehrerbietigkeit empfange. Und dann verleihe mir den Trost und die Gnade, daß Du mich einst zur Wegzehrung und Stärkung auf den Hingang in die Ewigkeit in Deinem Sacramente heimsuchest, ehe ich aus diesem Leben scheide. Amen. 157 Die Seele Chrifti heilige mich; der Leib Christi errette mich; das Blut Christi tránke mich; Christi Seitenwasser wasche mich; das Leiden Christi stårke mich; o gütigster Jesus! erhöre mich; in Deine Wunden verschließe mich; von Dir laß nicht schei= den mich; in der Stunde des Todes rufe mich; dann laß zu Dir kommen mich, daß ich mit Deinen Heiligen lobe Dich in alle Ewigkeit. Amen. - Der Priester bethet die letzte Collecte. Christus steht von den Todten auf, erscheint den Seinigen und bleibt vierzig Tage bei ihnen. Wie Du es vorhergesagt, o Jesus! stehst Du am dritten Tage glorreich von den Todten auf, und Messgebethe zur Betrachtung erscheinst Deiner vielgeliebten Mutter, Deinen Aposteln und Jüngern. Vierzig Tage lang bleibst Du noch bei ihnen, sie zu trösten und zu unterweisen. Ich bitte Dich, o mein Herr und mein Gott, Jesus Christus! bleib auch bei mir mit Deinem Troste, mit Deiner Lehre und Gnade bis zum Ende meines Lebens, damit dieses stets so beschaffen sei, daß ich auch einst glückselig auferstehen und Dich im Himmel anschauen möge. Amen. 158 Der Priester gibt den Segen und liest das lehte Evange tium. Christus fährt in den Himmel und sendet den versprochenen heil. Geist. I O wunderbarlichster, allerehrwürdigster Jesus! vor Dir beuge ich mit allem, was im Himmel und auf Erden ist, meine Kniee, bethe Dich an und bitte Dich, ehe ich von dieser heil. Ståtte gehe, mir Deinen heil. Segen zu ertheilen. Segne alle meine Gedanken, Wünsche, Worte und Werke, alle meine Schritte und Tritte, meine Unternehmungen, wein Thun und Lassen, damit alles an mir zur größern Ehre Deines heiligen Namens gereiche und ich immer und überall nach Deiner heil. Lehre vor Dir wandle. Sende auch auf mich die Verheißung des Vaters, den heil. Geist herab, und lasse mich nach Deiner Güte bei'm Empfange Deiner heiligen Sacramente aller Seiner Gaben theilhaft werden. Der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste Ein Gott bist und lebst und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. des Leidens Jesu Christi. Gebeth und Danksagung nach der heiligen Messe. Ehe ich nun Dein Haus, o Gott! verlasse, sage ich Dir herzlich Dank, daß Du mir die unaussprechlich große Gnade verliehen hast, dem anbethungswürdigen Opfer meines Heilands Jesu Christi beizu wohnen. Himmlischer Bater, verzeihe mir alle Fehler, deren ich mich dabei und sonst jemals in Anhörung der heil. Messe durch Lauigkeit, Kaltsinn oder freiwillige Zerstreuungen schuldig gemacht habe, und sich nicht auf meine geringe Andacht, sondern auf das Angesicht Deines vielgeliebten Sohnes und in Ansehung desselben verleih' mir alle jene Früchte, die dieses Sein Opfer uns bringen soll. 159 O Herr Jesus Christus, aus Dessen Gnadenquelle ich jetzt geschöpft habe, laß mich durch die Kraft Deines hochheil. Opfers. wider alle Sünden und Versuchungen zur Sünde gestärkt und zu jedem Guten aufgemuntert werden. Ich gehe jetzt an meine Arbeit und Berufsgeschäfte; ich will alles in Deinem Namen, zu Deiner Ehre und nach Deinem Beispiele thun, damit ich des ehrenwollen Namens eines Christen würdig sei, und Dir für Deine Liebe Dank erweise. Oheil. Geist, durch Den wir mit höherer Kraft ausgerüstet werden, sei und bleibe heute bei mir, stårke und tröste mich in allen Trubsalen und Leiden; lehre und führe mich in allen Zweifeln und Gefahren, muntere mich auf zum göttlichen Dienste, entzünde mein Herz mit wahrer Liebe gegen Gott irzere Meffgebethe. und den Nächsten, damit ich heute und alle Lage meines Lebens was Dir wohlgefällig ist, thue, und so endlich einst dahin gelange, wo ich Dich mit dem Vater und Sohne ewig lieben, loben und anbethen werde. Amen. 160 Kürzere Messgebethe, wehe man auch gebrauchen kann, wenn man unter der heiligen Messe den Rosenkranz oder andere Gebethe nach seinen jedesmaligen Anliegen und Bedürfnissen bethen will. Bum Anfange der heiligen Messe. Im Namen des Vaters u. s. r. Du aller Ehre, Liebe und Anbethung würdigster Gott! ich bin zwar meiner Sünden wegen nicht würdig, vor Deinem heiligen Angesichte zu erscheis nen; aber sieh, ich bereue es von Herzen, daß ich Dich bisher so oft beleidiget habe; ich will künftig die Sünde sorgfältig meiden und ich wünsche ernsts lich, Dich als das höchste Gut aus allen Kräften zu lieben. Ich weiß daß Du einen über die Sünden betrübten Geist und ein zerknirschtes, demüthiges Herz nicht verschmähest; und so will ich jetzt im Kürzere Meffgebethe. Vertrauen auf Deine große Barmherzigkeit dem heiligen Messopfer beiwohnen, um dadurch auf die vortrefflichste Weise Deine allerhöchste Majestät zu loben und zu ehren; um Deine vollkommene Ges walt über mich und alle Menschen, wie auch meine tiefste Unterwürfigkeit gegen Dich, allmächtiger Herr! zu bekennen; um für alle mir erwiesenen Wohlthaten, besonders daß Du--*) Dir schuldigen Dank zu sagen; um für meine Sünden genug zu thun und die Gnade, in allem Deinen göttlichen Willen zu erfüllen und--**) von Dir zu erlangen, durch die unendlichen Verdienste Deines Sohnes unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, Der dies ses, Sein heiliges Opfer, bei'm letzten Abendmale eingesetzt, ehe Er Sich am Kreuze zum Versöhnungsopfer für uns, o Vater! Dir dargegeben hat. 161 Bum Kyrie. Vater unser Aller, Der Du bist in den Himmeln! blick auf das Angesicht Deines geliebtesten Sohnes und erbarme Dich desjenigen, für welchen Er, wie für alle Menschen, am heiligen Kreuz Sich einst Dir aufgeopfert hat und auch jetzt noch allezeit und aller Orten durch die Hände des Priesters in der heiligen Messe Sich Dir aufopfert. *) Hier schiebe man das, wofür man Gott seinen besondern Dant bringen will, ein. **) Hier wird das besondere Anliegen, welches man Gott vorzubrins gen hat, eingeschoben. 11 Kürzere Messgebethe. Zum Gloria. Liebster Jesus! zur dankbaren Erinnerung an Dein bitteres Leiden und Sterben, zu Deiner Ehre und zum Heile meiner von Dir so theuer erlösten Seele will ich jetzt dieser Erneuerung Deines koftbaren Opfers beiwohnen. Verleih mir die Gnade, daß ich dabei so aufmerksam, andächtig und ehrerbietig sei, wie es dieser hochheiligsten Handlung geziemt, damit es mir zum Heile gereiche und dadurch immer mehr geheiliget werde Dein Name! Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe. 162 Bur Epistel. O Gott! Der Du mich vor so vielen andern Menschen, die noch in den Finsternissen des Aberglaubens und der Unwissenheit leben, zur Erkenntniß Deines heiligen Gesetzes berufen hast; ich danke Dir für diese unverdiente Gnade und nehme dieses Dein heiliges Gesetz von der katholischen Kirche mit dem bereitwilligsten Gehorsame, als die einzige Nichtschnur meines Lebens an. Mit tiefster Ehrfurcht will ich daher allezeit auf die Lehren merken, die Du uns durch den Mund Deiner Diener, der Propheten und Apostel geoffenbaret hast. Ich verehre ihre Vorschriften als Deine eigenen göttlichen Aussprüche und erfreue mich von Herzen, daß alles Kürzere Messgebethe. Deiner allmächtigen Hülfe, damit mein ganzes Leben, so zu sagen, ein Abdruck Deines heil. Evangeliums werde. Durch Wort und Beispiel hast Du uns den Willen Deines himmlischen Vaters gelehret. Ihn zu erfüllen ist unumgänglich nöthig, um in den Himmel einzugehen. Gib daher, o Jesus! daß ich bei allen Vorfällen und Gelegenheiten Deine Worte mit Herz und Mund spreche: Herr! Dein, Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden! damit ich so zum glückseligen Leben in Deinem Reiche gelangen möge. Amen! 165 Bur Opferung. Christus Jesus! mein Gott und mein Heiland! in Vereinigung mit demjenigen Opfer, welches Du einst in Dir Selbst als wahrer Priester nach der vorbildlichen Ordnung Melchisedechs Deinem Vater dargebracht hast, und welches selbige Du noch jetzt unleidender Weise Demselben zu unserer Versöhnung in des Priesters Hånden darstellest, opfere ich Dir hier meinen Leib und meine Seele und alles, was ich bin und habe, auf. Von Dir habe ich alles empfangen; zu Deinem Dienste und Wohlgefallen allein will ich es in Zukunft anwenden. Ich opfere Dir alle meine Gedanken, Worte und Werke. Nur Deine Ehre sollen sie zum ersten und letzten ele haben. Ich will nichts denken, reden, thun, was Dir misfallen könnte. Dir zu Liebe will ich arbei= ten, leiden und dulden. Ich opfere Dir alle Augen 166 Kürzere Meßgebethe. blicke meines noch übrigen Lebens. Nach Deinem Willen allein will ich sie zubringen. Jeder Blick auf das heilige Kreuz hier in Deinem Hause, o Gott! oder daheim und an den Wegen soll mich an diesen meinen guten Vorsatz erinnern. Jeder Athemzug und Aderschlag bei Tage und bei Nacht foll Deiner Liebe und Verehrung gelten. Sieh, Herr! ich gebe Dir mein Herz; ich schenke es Dir auf ewig, mit allen seinen Empfindungen und Wün= then; es ist zwar noch lau in Deinem Dienste, aber erwärme Du es mit dem Feuer Deiner Liebe; es ist schwach, stårke Du es mit dem Brode des ewigen Lebens, mit den Worten, die aus Deinem Munde kommen. So oft ich spreche: Gib uns heute unser tägliches Brod! will ich diese Bitte erneuern. Jetzt bitte ich Dich noch demüthigst, Du wollest, gleichwie Du durch den Priester hier Brod und Wein in Deinen Leib und Dein Blut verwandeln wirst, also auch mein Herz in ein ganz anderes, in ein Dich über alles treu liebendes Herz verwandeln. Allmächtiger, Allgütiger! erhöre meine Bitte. Nach dem Sanctus. Heilig, heilig, heilig bist Du, o Gott, Du Herr des Himmels und der Erde. Himmel und Erde sind voll Deiner Majestät und Herrlichkeit. O daß ich mit allen Menschen Dich recht erkennte, ehrte und liebte, wie Dich Deine Seligen erkennen, ehren Kürzere Meffgebethe. 167 und lieben. O gütigster, mildreichster Vater! ich bitte Dich durch die Kraft und die Verdienste jenes Opfers, so mein Heiland am Kreuze Dir dargebracht hat, erbarme Dich meiner, und verleih mir die Gnade, stets vor Dir zu wandeln, daß ich würdig werde, Dich einst im Himmel ewig zu loben und zu preisen. Erbarme Dich auch aller meiner Mitmenschen, be sonders aber--. Gib allen Ungläubigen und Irrgläubigen die Gnade, sich zu Deiner allein wahren Religion und Kirche zu bekehren; allen katholischen Christen aber die Gnade, in und nach dem wahren Glauben beständig zu leben. Laß uns alle Deine Offenbarungen von Deiner heiligen Kirche immer besser kennen lernen, unerschütterlich daran fest halten und durch die Werke des Glaubens allen Menschen zur Erbauung vorleuchten, damit Du von ihnen allein gepriesen und verherrlichet werdest. Gib, o Herr! allen Sündern die Gnade der Bekehrung und Bußfertigkeit, allen Frommen die beharrliche Ausdauer in der Gerechtigkeit. Gib allen Kranken und Leidenden christliche Geduld; allen Betrübten und Bedrångten Trost, Hülfe und Stärke; allen Sterbenden ein glückseliges Ende. Gib den Meintgen, besonders alles, was ihnen zur Seligkeit nothwendig und nützlich ist. Laß allen die göttliche Wirkung dieses allerheiligsten Opfers zu Theile werden. Amen. + Kürzere Messgebethe. Bei der heiligen Wandlung. Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! mein Erldser und Seligmacher! ich glaube, daß Du unter den Gestalten des Brodes persönlich gegenwärtig bist, wie im Himmel zur Rechten des Vaters. Ich bethe Dich in tiefster Demuth und schuldiger Ehrerbietigkeit an, und danke Dir von ganzem Herzen für Dein Leiden und Sterben am Kreuze. Verleih, daß ich durch die Verdienste desselben standhaft im Glauben, fest in der Hoffnung und treu in der Liebe verharre. 168 Jesus! Dir lebe ich; Jesus! Dir sterbe ich; Jes sus! Dein will ich seyn im Leben und Sterben. Amen. Jesus Christus! Der Du allein tilgest die Sünden der Welt, reinige mich von meinen Sünden, durch die Verdienste des Blutes, das Du einst vergossen and nun wieder Deinem Vater aufopferst. Laß es an mit armen Sünder nicht verloren seyn. Heiliges Blut meines Herrn! reinige mich von aller Missethat und Schuld! Kraftvolles Blut, lösche aus die wohlverdienten Strafen! Unendlich kostbares Blut, erlange mir alle nöthigen und nützlichen Gnaden. Amen. Nach der Erhebung des hh. Opfers. Himmlischer Vater! sieh herab, nicht auf meine Sünden und Unvollkommenheiten, sondern auf das Angesicht Deines hier wahrhaftig gegenwärtigen ge Kürzere Messgebethe. liebsten Sohnes. Sieh an Seinen heiligsten Leib, der einst mit Stricken gebunden, mit Geißeln zerfleischt, an allen Gliedern grausam verwundet und an's Kreuz genagelt worden ist. Sieh an Sein werthvollstes heiligstes Blut, das Er so überflüssig für uns vergossen, und in Ansehung desselben, ver gib uns unsere Schulden, als wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Erbarme Dich meiner, o Gott! Erbarme Dich Aller, da Dein Sohn für uns Alle gestorben ist. Erbarme Dich auch der aus dieser Welt abgeschiedenen im Fegfeuer, dem Orte der vollkommenen Reinigung, noch leidenden Seelen. Tilge durch die Kraft dieses Opfers und unserer Fürbitte was sie Deiner Anschauung noch unfähig macht; låutere sie vollkommen, und laß sie vor Dein beseligendes Angesicht gelangen, damit fie Dich mit allen Heiligen ewig loben und anbethen. Um dieses bitte ich besonders für N. N.( Hier nenne die, für welche du bethen willst.) 169 Bur Communion des Priesters. O Herr Jesus Christus, Du göttliches Versöhnungslamm! Der Du aus Liebe zu uns gestorben bist, aus Liebe zu uns Dich zu unserer Seelenspeise hergibst, ich glaube an Deine Gegenwart in diesem heiligsten Altarsacramente, und bethe Dich darin mit allen Deinen Gläubigen an, als meinen Herrn und meinen Gott. Von Dir hoffe ich zuversichtlich er11* Kürzere Meffgebethe. zeihung aller meiner Sünden und die ewige Seligkeit. Dich, o mein allerliebenswürdigster Heiland, liebe ich von meinem ganzen Herzen als das höchste beste Gut. Darum reuet es mich, daß ich Dich, den unendlich Vollkommenen und Guten, Dich meinen liebevollen Gott jemals beleidigt habe. Ach, könnte ich Dich jetzt empfangen und mich mit Dir auf's innigste durch die Communion vereinigen! Wegen meiner Unwürdigkeit und weil ich nicht gehörig dazu vorbereitet bin, muß ich jetzt von Deinem heiligen Mahle fern bleiben; aber ich bitte Dich, gütigster Herr! komm geistlicher Weise auf mein inbrünstiges, demüthiges Verlangen durch Deine Gnade zu mir; ich bin nicht werth, daß Du persönlich durch Dein Sacrament bei mir einkehrest; sprich aber nur ein Wort, so wird meine sündhafte Seele gereinigt und bereit, Dich bald und oft würdig zu empfangen. Vermehre und belebe indessen meinen Glauben! stårke und befestige meine Hoffnung! erwecke und entzünde in meinem lauen Herzen das glühende und alles Böse verzehrende Feuer Deiner göttlichen Liebe. Amen. 170 Zum Ende der heiligen Messe. Nimm auf, o himmlischer Bater! dieses kostbare, reine, allerheiligste Opfer, in welchem jetzt hier auf diesem Altare Dein vielgeliebter Sohn Jesus Christus Dir dargebracht wurde. Berzeih mir alle Fehler, wel Kürzere Meffgebethe. che ich durch Lauigkeit, Zerstreuung oder sonst dabei begangen habe. Laß mir alle durch dasselbe erbethenen Gnaden und dessen volle Verdienste barmherzig zu Gute kommen. Christus Jesus, Du jetzt hier in Deinem wundervollen Tabernakel wie einst dort auf dem Kreuze der nämliche, menschenliebevolle Heiland! ich danke Dir aufrichtig und demüthig für die große unschätzbare Gnade, daß Du mir wieder Gelegenheit gabst, Deinem anbetungswürdigsten Opfer beizuwohnen. Schenke mir heute und immer das Glück, die köftlichen Früchte desselben zu Deiner größern Ehre und zum Heile meiner Dir so theuern Seele kräftig zu empfinden. Bestätige mir dieses Glück, so oft ich heute und lebenslänglich, allein oder mit den Meinigen, oder in der Gemeinde Deiner frommgläubigen Anbether sprechen werde: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Lebel. Amen! damit nichts im Stande sei, mich von Deiner Liebe zu trennen und Deines göttlichen Wohlgefallens zu berauben. Komm heiliger Geist und bekräftige in meinem Herzen die guten Vorsätze und Gesinnungen, die Du mir an diesem Gnadenorte eingegeben hast. Gelobt sei die allerheiligste Dreieinigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Messgebethe in besondern Gebethe während der heiligen Mese, um von Gott in besondern Anliegen, Wider: wärtigkeiten und Leiden, Hülfe, Trost und Stärke, oder bei einem wichtigen Vorhaben, Gnade, Erleuchtung, Schuß und Segen zu erflehen. 172 Vorerinnerung. Wenn einst, wie wir in der heil. Schrift( Chron. I. 28 u. II. 6, 7) lesen, der Tempel Salomons zum Gebethe bestimmt und zum Erflehen aller Gnaden nach Gottes Ausspruche so geeignet war, wie viel vorzüglicher sind es jeßt unsere Kirchen, worin das ewige, Gottes ganz würdige Opfer dargebracht wird, worin die Christen Gott den Herrn wahrhaft im Geiste und in der Wahrheit anbethen? Wie viel heiliger ist unser Tabernakel als die Bundeslade, da in demselben Jesus Christus auf eine viel vorzüglichere Art wahrhaft gegenwärtig ist? Es ist daher gewiß kein schicklicherer Ort, um Gott unsere Bitten vorzutragen, als die Kirche, und keine schicklichere Zeit dazu, als wann in derselben Christus Sein allerheiligstes Opfer für uns erneuert. Hier sind wir ganz eigentlich in Seinem Namen versammelt, hier geschehen unsere Gebethe in Seinem Namen, ja Er Selbst bittet hier zum Bater für uns, indem Er Sich Ihm für uns als Opfer darstellt. Darum lasset uns, o Christen! mit dem größten Vertrauen in allen unsern Nöthen und Anliegen zu diesem Throne der Gnade hinzutreten, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden, wenn wir Hülfe nöthig haben.( Hebr. Iv. 16.) Anliegen, Widerwärtigkeiten zc. 173 Bon ben folgenden Gebethen wähle man sich jedesmal die auf seine Lage passenden und schalte sie bei den vorhergehen. den kürzern Meffgebethen an einer beliebigen Stelle ein. Am füglichsten geschieht dieses nach der heiligen Wandlung. Gebeth um von Gott eine besondere Gnade zu erflehen. Allmächtiger Vater, ewiger Gott, Dessen Erbarmung ohne Zahl und Dessen Güte ein unendlicher Schat ist, sieh, ich Sünder, den es von Herzen reut, Dich jemals beleidigt zu haben, komme mit kindlichem Vertrauen vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät, um Dir in Demuth meine Anliegen und Bitten vorzutragen. Herr mein Gott! Der Du mich mit unermesslicher Allmacht und Weisheit aus nichts erschaffen, mit höchster Liebe durch Deinen eingebornen Sohn zu Deinem Kinde und zum Miterben der himmlischen Herrlichkeit gemacht, durch Deinen Tod mir das Leben geschenkt und von dem ewigen Verderben mich erlöset hast, Vater Der Du uns auf Deines Sohnes Bitten den heiligen Geist sandtest und durch Seine Sacramente immer mittheilest, daß er uns tröste, stårke, lehre und heilige, und so der Verdienste Jesu Christi Deines Sohnes würdig mache; sieh, o gütigster Bater! ich, den Du mit so unendlichen Wohlthaten überhäuft hast, erscheine vor Dir an diesem Gnadenorte um noch andere von Dir zu erbitten. Verstoß mich nicht von Deinem Angesichte, sondern lasse mich die Freude Deines Heiles und die Wirkung dieses Dir höchst Meffgebethe in besondern wohlgefälligen Opfers zu Deines Namens Ehre und zu meiner Seligkeit kräftig empfinden. Deffne, o liebevollster himmlischer Vater, die unerschöpflichen Schätze Deiner milden Güte, und mache mich der Verdienste und Verheißungen Deines vielgeliebten Sohnes theilhaftig.( Hier trage Gott deine Bitte vor.) 174 Blicke, o Vater! auf das Angesicht unsers Erlösers, Der hier vor Dir unser unendlich werthvolles Bittopfer ist, und in Ansehung desselben schau gnå= dig auf mich Deinen Diener, Deine Dienerin, herab, und erhöre gnådig meine Bitte. Ja Vater! verleihe mir dieses im Namen Jesu Christi Deines Sohnes. Amen. Sollte das, um was ich Dich bitte, Deinem heiligsten, vollkommensten und gerechtesten Willen im geringsten zuwider seyn, so bitte ich Dich, o0 Gott! bei Deiner allerweisesten Güte und liebevollsten Fürsehung mir dasselbe nicht zu gewähren, sondern mir, wie Du immer den recht Bittenden thust, das zu geben, was mir das Beste, das Seligste ist. Ich will nur was Du willst, mein Herr und mein Gott! Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe in allem! Du bist der allwissende höchst gütige Herr; was gut vor Deinen Augen ist, das thue an mir, Allmächtiger! Durch Jesum Christum Deinen Sohn 2c. Anliegen, Widerwärtigkeiten 2c. 175 Kirchengebethe, welche vor der Epistel gesprochen werden. In jedem Anliegen. O Gott! unsere Zuflucht und Stärke, erhöre die frommen Gebethe Deiner Kirche, Du Selbst der Urheber aller Frömmigkeit, und verleih, daß wir jenes kräftig erhalten, um was wir gläubig bitten. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn ic. In jeder Bedrängniss und Noth. Allmächtiger Gott! verschmåhe Dein Volk nicht, indem es in seiner Bedrångniß zu Dir ruft; sondern eile den Bedrängten zur Ehre Deines Namens gnådig zu Hülfe. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn z. Bei einer Hungersnoth. Wir bitten Dich o Herr! gieb uns die Wirkung unsers frommen Flehens, und wende die Hungersnoth gnådig ab, damit die Herzen der Menschen erkennen, daß dergleichen Geißeln von Deinem 3orne herkommen, und durch Deine Erbarmung wieder aufhören. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn zc. Bur Beit eines Erdbebens. Allmächtiger, ewiger Gott, Der Du mit einem Blicke die Erde beben machest, schone der Fürchtenben, sei gnådig den Flehenden, damit, die wir vor Meffgebethe in besondern Deinem Zorne erschrecken, der die Grundveste der Erde erschüttert, unaufhörlich Deine Güte erfahren mögen, welche ihr zertrümmerndes Beben stillet. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn ic. Um fruchtbare Witterung. 176 O Gott! durch Den wir leben, uns bewegen und find, gieb uns einen angemessenen Regen, damit wir mit zeitlichen Gütern hinlänglich versehen, nach den ewigen desto zuversichtlicher trachten. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn ic. D Herr! erhöre uns, die wir zu Dir rufen, und verleih uns auf unser Flehen gedeihliche Witterung, damit wir, die wir für unsere Sünden gezüchtiget werden, durch Deine zuvorkommende Barmherzigkeit Deine Milde erfahren. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn zc. Bei grossem Sterben unter den Menschen. Gott! Der Du nicht den Tod, sondern die Bes kehrung des Sünders willst, sieh gnådig auf Dein Volk, das sich zu Dir bekehrt, damit Du, indem es sich Dir ganz ergiebt, die Geißel Deines Zornes von ihm gnådig abwendest. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn zc. Bei einer Viehseuche. Gott! Der Du den Menschen in ihrer Mühseligkeit auch durch das stumme Vich Trost giebst, wir bitten Dich demüthig, laß die Thiere am Leben, die wir Menschen zu unserm Unterhalte und zu unferm Gebrauche nöthig haben. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn zc. Anliegen, Widerwärtigkeiten z. 177 Bur Kriegeszeit. O Gott! Der Du die Kriege zernichtest, und die Feinde derjenigen, die auf Dich vertrauen, durch Deinen mächtigen Schutz überwältigest, komm Deinen Dienern zu Hülfe, die Deine Barmherzigkeit anflehen, damit die Wildheit ihrer Feinde bezähmet werde, und wir mit unaufhörlichem Danke Dich preisen. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn ic. O Gott! Du Beherrscher aller Reiche und Könige, Der Du uns heilest, da Du uns schlägst, und uns erhältst, da Du uns verzeihst, zeige uns Deine Barmherzigkeit, damit wir die durch Deine Macht erhaltene Ruhe des Friedens zu unserer Besserung anwenden. Durch unsern Herrn Jesum Chriftum Deinen Sohn ic. Um den Frieden. O Gott! von dem die heiligen Begierden, guten Entschlüsse und gerechten Werke herkommen, gieb Deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit sowohl unsere Herzen Deinen Geboten ergeben als auch unsere Zeiten von Furcht der Feinde befreit und durch Deinen Schuß ruhig seien. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn ic. O Gott! Du Urheber und Liebhaber des Friedens, Welchen kennen, lieben, Welchem dienen, herrschen ist; schüße die zu Dir Flehenden gegen alle Angriffe, damit wir, auf Deinen Schuß vertrauend, keine feindlichen Waffen fürchten. Durch unsern Herrn Jesum Christum Deinen Sohn. 12 Meffgebethe um Gott für alle Gebethe bei der heiligen Mese, um Gott für allgemeine und besondere Gnaden und Wohlthaten zu danken. 178 Bum Eingange. Ich will diesem heiligsten Opfer beiwohnen, o Herr! um Dir dadurch im Namen Jesu Chrifti für alle Gnaden und Wohlthaten, und besonders dafür, daß Du zc.-- mit erkenntlichem Gemüthe Dank zu sagen. Was kann ich Dir, o Urheber und Verleiher alles Guten für all das Gute wieder geben, so ich aus Deiner mildthåtigen und segenvollen Baterhand erhalten habe? Alles was ich bin und habe, was ich weiß und kann, ist Dein; deswegen will ich Dir Dank sagen, o himmlischer Bater, durch Jesum Christum, Deinen vielgeliebten eingebornen Sohn, Der Sich Dir hier durch die Vermittelung des Priesters zu unserm Heite aufopfert. Du hast uns so sehr geliebt, daß Du diefen Deinen Sohn für uns hingabst. Er nahm unsere Natur an, und ward durch Sein geheimnißvolles Menschwerden, Leben nnd Sterben unser Versöhner, Erlöser und Seligmacher. Durch Ihn können wir uns Dir nahen, Dir würdig danken, und rufen: Abba Vater! Bon Dir, dem Urquell alles Lichtes und Lebens kam Er in diese Welt, und gab all denjenigen, die Ihn aufnahmen, das Vermögen, Gottes Kinder zu heißen und zu seyn. Gnaden und Wohlthaten zu danken. 179 Herr! Du offenbartest Dich uns durch lauter Wohlthun; wie undankbar wåren wir, wenn wir Dich nicht erkennen und lieben wollten! Aus wie viel tausend Strömen fließt uns Dein Segen für Leib und Seele zu; und wir sollten so stumpfsinnig, unempfindlich und vergessen seyn, Dir nicht zu danken! Ja, ich muß es bekennen, wie ein böses und unverständiges Kind, habe ich mit leichtfertigem Undanke Deine Wohlthaten selbst zur Sünde misbraucht. Wegen dieser Undankbarkeit bin ich Deiner fernern Huld und Gnade unwürdig. Doch reumüthig bekenne ich meine große Schuld, und bitte Dich, sieh nicht auf meine Unwürdigkeit, sondern auf Deine freigebige und überschwängliche Barmherzigkeit. Füge zu allen Deinen Wohlthaten noch diese hinzu, daß Du meinen leichtsinnigen unverständigen Undank mir verzeihest, und nicht mit Entziehung Deiner fernern Gnade bestrafest. Herr, himmlischer Vater! fieh auf Deinen Sohn unfern Herrn Jesus Christus, und wende ab Dein Angesicht von unsern Sünden! Göttlicher Erlöser! Dein hier erneuertes Opfer fülle uns mit thätiger Liebe gegen Deinen himmlischen Bater, der Dich uns aus Barmherzigkeit zum Heile geschenkt hat! Heiliger Geist, unser Herr und Heiligmacher! der Du durch die Sacramente Jesu Christi in uns Wohnung nimmst, begnade unser Herz mit Deinen heilig und seligmachenden Gaben, besonders mit einem dankbaren Anerkennen und Hochschätzen der göttlichen Wohlthaten. Amen. Meffgebethe um Gott für alle Bum Gloria. Preise den Herrn, meine Seele! und alles was in mir ist, lobe Seinen heiligen Namen; Er hat dich nach Seinem Ebenbilde geschaffen, über alle Seine sichtbaren Werke erhoben, und fast Seinen Engeln gleich gemacht. Er Selbst ward Mensch, erlöste dich durch Seinen Tod, und hinterließ dir die reichlichsten Quellen der Gnade und Heiligung.- Dieß that Er, daß du Ihm ähnlich, heilig und selig wer= den solltest. 180 Ehre sei und Lob und Dank dem dreieinigen Gott, dem Vater, Sohne und heiligen Geiste, für alles was er uns gethan hat, wie im Anfange jetzt und immer und zu ewigen Zeiten. Amen. Gebeth der Kirche. Gott! Deine Erbarmungen sind ohne Zahl, und die Schätze Deiner Güte ohne Maaß. Wir danken Deiner Majestät, die ganz Liebe ist, für alle empfangenen Gaben, und flehen zu Deiner Milde, Du wolleft uns auch hinführo nicht verlassen, sondern durch Deine Gnade uns dazu verhelfen, daß wir auch die verheißenen künftigen Güter verdienen und erlangen mögen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Bur Epistel. Ewiger Gott! wie unerforschlich ist Deine Weisheit! wie groß Deine Gnade! wie unendlich Deine Gnaden und Wohlthaten zu danken. 181 Liebe! wie unermeßlich Deine Güte, wie unergründlich Deine Barmherzigkeit! wie duldend Deine Langmuth, wie herrlich Deine Gerechtigkeit! wie rein und lauter die von Dir geoffenbarte Wahrheit! und wie unbegreiflich die Allmacht, die Du an mir erwiesen hast! Ja, Herr! ich erkenne meine Niedrigkeit und Deine Erhabenheit! meine Nichtigkeit und Deine unbeschränkte Bollkommenheit; meine Unwürdigkeit, und Deine Majestät! ich bin nichts und Du bist alles! Ich bin ein Sünder und Du bist barmherzig; ich bin schwach und Du bist meine Stårke; ich bin unwissend, und Du bist das Licht meines Verstandes; ich bin elend und Du bist der Urquell alles Guten, das ich ge= nieße! Ach, ich bin zu unwürdig aller Wohlthaten, die Du an mir gethan hast! Wundervoll sind Deine Werke; wahrhaft Deine Verheißungen; treu Deine Zusagen; gnådig, aber auch voll Ernst, Deine Prüfungen, und Deine Liebe ist über alles! So sei nun gelobt, mein Gott, himmlischer Vater, daß Du mich erschaffen, mich nach Deinem Ebenbilde gemacht, mir eine vernünftige, unsterbliche Seele gegeben hast, und daß Du mich in dem Schooße Deiner heiligen katholischen Kirche für die Ewigkeit hast wollen erziehen lassen. Sei auch ewig gepriesen, daß Du Dich meiner und des ganzen menschlichen Geschlechtes erbarmet, Deinen Sohn uns geschenkt, durch Ihn uns zur Seligkeit berufen, und diesen gnådigen Willen, daß alle selig werden sollen, haft verkündigen lassen. Mengebethe um Gott für alle Dank sei Dir, ewiger Sohn Gottes, daß Du mein Bruder, mein Erlöser, mein Fürsprecher bei'm Vater hast werden wollen, daß Du mich mit Ihm versöhnet, von der Hölle erlöset, und durch die Taufe in Deine Kirche aufgenommen hast; daß Du mich in diesem Geheimnisse mit Deinem Leibe und Blute ernährest, und uns darin ein immerwährendes Versöhnungs- und Heiligungsopfer geworden bist. Dank sei Dir für Deine Liebe, welche Dich bewogen hat, für uns Mensch zu werden, und nach großen Schmerzen für uns zu sterben! Für diese unendliche Liebe, welche Dich nach Deiner Auferstehung und Himmelfahrt in diesem wundervollen Sacramente mit Deiner ganzen Wesenheit unter uns Menschen wohnen läßt. Gott heiliger Geist! von Dir habe ich alles Gute, was ich denke, rede, thue, von Dir das ernstliche Wollen, und das thätige Vollbringen. Du bist der Heiligmacher, Tröster nnd Helfer, den Christus uns vom Vater erbittet und durch Seine heil. Sacramente mittheilet. Du bewirkest in mir das geistige Leben, die Gottesfurcht, mit allen ihren Heil und Segen bringenden Früchten und schaffest mich so zu einem lebendigen Tempel der dreieinigen Gottheit um. Du rufft mir, ehe ich das Gute thue; Du wartest bis ich es thue; Du hilfft mir, daß ich es thue. So sei denn gelobt, daß Du mich leitest und regiereft, daß Du mich durch das Bad der heil. Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren, meine unwissende Seele erleuchtet, mein unreines Herz geheiliget, mich zu 182 Gnaden und Wohlthaten zu danken. 183 einem neuen Menschen, zu einem Christen, zu einem Bekenner des wahren Glaubens, zu einem Kinde Gottes, und zum Miterben Jesu Christi gemacht hast. Heilige, hochgelobte Dreifaltigkeit! Dir sei Lob und Preis für die unendliche Huld und Güte, mit welcher Du das ganze Menschengeschlecht, vorzüglich Deine theuere Christenheit unaufhörlich fegnest! Alle Stimmen müssen sich vereinigen, Dich anzubethen, Dir zu danken, und Dich durch Gehorsam und Liebe zu verherrlichen. Nimm auch, o Gott! für die Wohlthaten, die Du mir besonders erwiesen hast, meinen Dank gütig an. Du hast von meiner Jugend an für mich våterlich gesorgt, mich wunderbar geführt, aus mancher Noth errettet, vor vielem Unglücke bewahrt, von allerlei Gefahren befreit, in manchem Kummer getröstet, und in Widerwärtigkeiten nicht sinken laffen. War ich krank, so machtest Du mich wieder gesund; hatte ich gesündigt, so trugst Du mich mit Langmuth; that ich Buße, so vergabst Du mir meine Sünden; bethete ich, so erhörtest Du mich, und gabst mir oft mehr und Besseres als um was ich bat; lebte ich meinem Berufe nach, that ich das Meinige, so segnetest Du mich mit glücklichem Erfolge; traten mir Hindernisse in den Weg, so räumtest Du sie hinweg. Mit zärtlicher Mutterhand pflegtest Du meine Kindheit, leitetest meine Jugend auf gefahrvollen Wegen, und Du wirst mich im Alter nicht verlassen. Dank sei Dir für den Stand, welchen Du mir in Deiner gütigen und weisen Messgebethe um Gott für alle Vorsehung angewiesen hast, für die Lebenszeit, welche Du mir bestimmt, für die Neigung und Hülfe, welche Du mir zur Tugend gegeben; für alles Glück, welches Du mir zugedacht; für das Unglück, vor welchem Du mich bewahret, oder welches Du mir zu meinem Besten zu tragen ge= bolfen hast. 184 Lobet den Herrn, alle Engel! lobet den Herrn, alle Heiligen! lobet den Herrn, alle Völker! Ehre sei Gott u. f. w. Bum Evangelium. Wir lesen in den heil. Evangelien, wie Du, Herr Jesus Christus Deinem göttlichen Vater unter anderm dafür danktest, daß er den Demüthigen und Kleinen die himmlischen Wahrheiten offenbarte. Daz durch lehrest Du uns, wie sehr wir die Wohlthat der durch Dich uns gewordenen Offenbarung schätzen sollen. Wie viele Ursache haben wir in der That, Dir für diese große Gnade zu danken! Wie unglücklich wären wir, wenn Du nicht gekommen wäreft, Selbst uns zu lehren, Selbst für uns genug zu thun! Wie undankbar und strafwürdig waren wir aber auch, wenn Deine göttliche Lehre und die Wunder Deiner Liebe uns nicht besserten! Gnaden und Wohlthaten zu danken. 185 Zum Credo. Danksagung für den Beruf zum wahren Glauben. O Gott! Du Urheber und Vollender des Glaubens, ohne welchen wir Dir nicht gefallen noch zu Dir gelangen können, mein ganzes Leben soll eine ftete Danksagung für die große Gnade seyn, daß Du mich zum Bekenntnisse des einen wahren Glaubens berufen hast. Wie glücklich bin ich, zu Deinem großen Christenvolke zu gehören, das Du Dir aus allen einst abgöttischen Völkern versammeltest, um Dich im Geiste und in der Wahrheit anzubethen, und die unendlichen Früchte Deiner erbarmungsvollen Erlösung zu erben! O möchten alle Völker, möchten alle Menschen Deine heilige Kirche, dieses unvergångliche Denkmal Deiner Allmacht und Liebe erkennen; möchten doch keine der erkannten Wahrheit widerstreben, sondern alle durch den wahren Glauben und die zur Belebung desselben nothwen= digen guten Werke selig werden! Vermehre, o Herr! in mir diesen so nothwendigen und Dir wohlger fälligen Glauben, und lehre Du Selbst mich daß hohe Glück schätzen, in Deiner Kirche geboren und erzogen worden zu seyn, damit ich mich für eine so folgenreiche Wohlthat durch entsprechende Werke immer dankbarer beweisen lerne. Wie sicher und ges trost kann ich im Lichte des Glaubens auf der, wiewohl rauhen und engen Bahn der Tugend fortwandeln; mit welcher herzlichen Freudigkeit, mit 186 Mesgebethe um Gott für alle welch' wohlgegründetem Muthe und mehr als gewöhnlicher Seelenstårke die Leiden und Widerwårtigkeiten dieses Lebens ertragen, und mit welcher süßen Hoffnung und fester Zuversicht der Ewigkeit entgegen sehen! Vermehre Du, o Herr! in mir die fromme Ehrfurcht und demüthige Hochachtung gegen die Wahrheiten der Religion; bewahre mich vor der gemüth- und herzlosen Gleichgültigkeit in Glaubenssachen; schütze mich mit våterlicher Hand vor den vielen Gefahren des verderbenvollen Zeitalters, und entferne mich gnådig von den Abgründen, worein der Unglaube stürzt. Vor allem behüte mich vor der Hauptquelle des Unglaubens, dem Verderbnisse eines Dich und Deine Gebote vergessenden Herzens. Schenke mir die Gnade, o Herr! daß der Glaube, den Dein heiliger Geist mir eingegossen hat, auch seiner würdige Früchte in mir hervorbringe! Amen. Zur Opferung. Alles was ich bin und habe, guter Gott! ist Dein Geschenk! Leib und Leben, Gesundheit und Wohlseyn, Kräfte und Fähigkeiten, Stand und Glücksgüter, alles habe ich Dir zu verdanken. Du zogst mich aus dem Nichts hervor, erschufest mich zu Deinem Ebenbilde, und sorgtest våterlich für mich, ehe ich Dich denken, Deinen Namen aussprechen und anrufen konnte. Selbst mein Leichtsinn und Undonk hat Deine Güte im Wohlthun nicht Gnaden und Wohlthaten zu danken. 187 ermüdet. Auch die so schnöde mißbrauchten Gaben entzogst Du mir nicht. Wie kann ich Deine unendliche Liebe erwiedern, was kann ich Dir zum Dankopfer bringen, das nicht vorhin schon Dein wäre? Mich selbst, mit allem was an mir ist, lege ich Dir zum Opfer dar. Dein sei mein Herz, daß es Dich über alles liebe; Dein sei mein Gemüth, daß es Deiner immer gedenke; Dein feien alle meine Leibes- und Seelenkräfte, daß ich sie nur nach Deinem Gesetze und zu Deinem Dienste vers wende. Amen. Bum Sanctus. Herr! die Himmel erzählen Deine Herrlichkeit, und preisen lobsingend Deinen heiligen Namen; Dir, Allgütiger! verdanken alle Engel und Auserwählten ihre Heiligkeit und Seligkeit. Himmel und Erde sind voll von Beweisen Deiner unbe schränkten Allmacht und Güte. Deine Barmherzigkeit, deren Wirkung alle Deine Werke übertrifft, erstreckt sich von Geschlecht zu Geschlecht über diee jenigen, die Deine heilige Gerechtigkeit fürchten, und dankbar Deine Gebothe halten. Gepriesen sei bei diesem hochheiligen Opfer Deine unendliche Liebe für alle Wunder der Gnade, welche sie dem Menschengeschlechte bewiesen hat. So wie Du alle Deine Geschöpfe, besonders die Menschen mit Vas terliebe umfasseft, und über Dankbare und Undankbare Deine segenvolle Hand aufthuest, also schließe Meffgebethe um Gott für alle ich auch alle meine Nebenmenschen in mein Herz und Gebeth ein, und gönne, wünsche und erbitte jedem, sowohl Feinden als Freunden, alles Gute, wie ich es mir selbst in dieser geheiligten Andacht= stunde von Dir erflehe. Besonders bitte ich Dich, o freigebigster, allmächtiger Geber und Vergelter alles Guten, vergilt allen meinen Wohlthätern um Deines Sohnes Jesu Christi willen, das Gute, welches ich ihnen für Leib und Seele zu verdanten habe, mit Deinem reichlichen Segen in diesem und in jenem Leben. Mit dieser Gesinnung trete ich in die Gemeinschaft der Heiligen ein, lege allen Groll, Haß, Neid, jede Rachbegierde und Scha= denfreude und alles was der christlichen Liebe entgegen ist, hier vor dem großen und wundervollen Versöhnungsaltare nieder um nicht unwürdig dem gnadenreichen Opfer Deiner allerbarmenden Liebe beizuwohnen, und um die Verzeihung zu erhalten, welche Du denjenigen verheißen hast, die ihren Schuldigern vergeben. 188 Bur heiligen Wandlung. Sieh, himmlischer Bater! auf dieses unser Opfer gnådig herab. Es ist Jesus Christus Selbst, Dein vielgeliebter Sohn, Der einst am Kreuze sterbend Sich für uns Dir aufopferte, und in diesem Denkmale Seiner Liebe Sich noch fortwährend aufopfert. In Ihm hast Du uns alles geschenkt, Vater! in Ihm und durch Ihn danken wir Dir für alles. O Jesus Christus! mein Herr und mein Gott! Der Du hier in Deiner Gottheit und Menschheit, Gnaden und Wohlthaten zn danken. 189 wahrhaft zugegen bist, ich glaube an Dich, vermehre meinen Glauben; ich hoffe auf Dich, be gründe meine Hoffnung; ich liebe Dich, entzünde in mir das heilige Feuer Deiner Liebe. O Jesu! Dir lebe ich! O Sesu! Dir sterbe ich! o Jesu! Dein bin ich im Leben und im Tode. Gebeth nach der heil. Wandlung. Mit der vollkommenen Danksagung, welche Dir, o himmlischer Bater! in diesem allerheiligsten Opfer dargebracht wird, vereinige ich meinen schwachen Dank für all mein Seyn und Haben, und insbesondere für Er allein, Dein eingeborner, vielgeliebter Sohn, in Dem Du Dir Selbst wohlgefällst, Er allein kann Dir für uns würdig danken. Er stellt sich Dir für uns, hier auf dem Altare durch des Priesters Hand, wieder zum wohl= gefälligsten Opfer dar; o möchten wir all der Gnaden theilhaftig werden, die dasselbe uns zu erwerben von Deiner unendlich weisen und barmherzigen Liebe bestimmt ist. - Unzählig sind Deine Wohlthaten, und für die geringste derselben kann ich Dir nicht genug danken. Aber über alle Deine Wohlthaten, barmherziger Bater! ist die Wohlthat der Erlösung, welche Du uns nach unserm Sündenfalle haft angedeihen lassen. Du schontest Deines eigenen Sohnes nicht, sondern gabst Ihn hin für uns Sünder, daß Er uns errettete und selig machte. In Ihm gabst Du uns alles, was Deine Allmacht, Weisheit und Gute zu geben vermochte. Meffgebethe um Gott für alle Ach! wie kann ich Dir, mein Herr und Heiland Jesus Christus! genug danken für all Deine überz große Liebe! Mich selbst bin ich Dir schuldig; ganz Dein bin ich, Der Du mich so theuer durch Dein Leiden und Sterben zu Deinem Eigenthume erkauft hast. Du forderst von mir keinen andern Dank, als daß ich mit aller Anstrengung mich bemühe, zu dem himmlischen Reiche zu gelangen, dessen Eingang Du uns durch Deinen Tod eröffnet hast. Den Weg, der dahin führet, bist Du mir vorausgegangen. O hilf mir Dir darauf nachfolgen, o Herr! und für Deine unendliche Liebe dankbar ſeyn, damit ich Dein Miterbe an der ewigen Glück, seligkeit werden möge, welche Dein himmlischer Bater denjenigen bereitet hat, die Ihn lieben. Vater unser u. s. w. 190 Bur heiligen Communion. O Jesus! Du Lamm Gottes! einst das Schlachtopfer am Kreuze für die Sünden der Welt, Du giebst Dich nun Selbst zur Speise unserer Seelen hin; so weit geht, Allmächtiger! Deine Liebe! Wir fagen Dir Dank, bethen Dich an und preisen Dich, denn durch Dein kostbares Blut hast Du die Welt erlöset. Ach Herr, ich bin nicht würdig all der Gnade, die Du mir so barmherziglich erweisest. Was sind wir Menschen, daß Du unser mit solcher Liebe ge= dacht hast, die Dich bewog, für uns Mensch zu werden, zu leiden und zu sterben? Was sind wir sündbehaftete Adamskinder, daß Du Dich uns auf Gnaden und Wohlthaten zu danken. 191 eine so wunderbare Weise zum ewigen Versöhnund Vermittelungsopfer darstellst, und hiermit nicht zufrieden, auch noch unsere Seele mit Deinem hochheiligen Frohnleichnam zum ewigen Leben ernähren willst? Herr! ich bin dieser Deiner unaussprechlichen Gnaden nicht würdig, Du allein, göttlicher Sündentilger, kannst mich derselben empfänglich machen. Wenn Du willst, kannst Du mein sündkrankes Herz heilen. Sieh mich mit einem Blicke Deiner allmächtig wirkenden Gnade an, daß ich bei diesem hehren und erstaunlichen Geheimnisse den Aussat meiner Sündhaftigkeit ablege, und vor dem stråflichen Undanke für Deine so großen Wohlthaten fernerhin bewahret bleibe. Herr! ich bin nicht würdig, daß Du zu mir einkehrest; sprich aber nur ein Wort, so wird meiner Seele Heil widerfahren, und ich werde ewiglich dankbar Deine Liebe und Barmherzigkeit preisen. Amen. Bum Segen. Und nun gehe ich, von Deinem Segen begleitet, zu meinen Berufsarbeiten hin, um den Dank, welchen ich Dir versprochen habe, im Werke zu beweisen. Herr! dieß will ich durch gute Anwendung Deiner Gaben, durch weisen und fleißigen Gebrauch der Kräfte und Mittel, die Du mir verleihest, durch treue gewissenhafte Erfüllung meiner Standespflichten, vor allem aber durch Bollziehung und Verehrung Deines heiligen Willens in Beobachtung Deiner Gebothe. Möge all mein Thun und Lassen, Dichten und Trachten zu Deiner Ehre, mir und 192 Meffgebethe um Gott für alle Gnaden 2c. Andern zum Guten gereichen! Lehre mich vollkommen seyn, wie Du vollkommen bist, und laß mich von dem Vorbilde Deiner Vollkommenheit angetrieben werden, immerfort Gutes zu wirken, zu fegnen, die mir fluchen, für die zu bethen, die mich bassen, zu beglücken, die mir undankbar sind, damit ich verdiene Dein Kind zu heißen, Der Du Guten und Bösen Sonnenschein und Regen verleihest. Laß mir nun alles, was Du, o Herr! für mich gethan hast, so einleuchten und zu Herzen gehen, daß ich dadurch gerührt und bestimmt werde, Dir mein ganzes Leben und Streben zu einem immer= währenden Dankopfer zu weihen. Alles was mir zu Theil wird, will ich als Deine Schickung, als Beweis Deiner alles zu meinem Besten lenkenden Liebe betrachten, die mir noch weit höhere, ewige Güter und Freuden bereitet, wenn ich mich jetzt treu und dankbar im Kleinen beweise. Auch will ich, o Allgütiger! Kreuz und Leiden, Unangenehmes und Widerwärtiges aus Deiner Vaterhånd gern annehmen, wie Du den Kelch Deiner Leiden von dem himmlischen Vater annahmst. Habe ich schon so viel Gutes von Dir empfangen, warum sollte ich einen Tropfen Bitterkeit zu verkosten mich weigern? In Freud und Leid, in guten und bösen Tagen, in frohen und traurigen Stunden sei hiernieden Dein Name gepriesen, und ihm Lob und Dank gewidmet; dort werde ich erst die ganze Größe Deiner weisen Liebe und grundlosen Barmherzigkeit erkennen, erfahren und Dir danken ewiglich. Amen. Messgesänge. 193 Deutsche Messgesänge. Bei'm Anfange der heiligen Messe. Vorbereitungsgebeth. Allmächtiger Gott! himmlischer Vater! hier in diesem Dir geheiligten Tempel falle ich vor Dir auf mein Angesicht nieder, und im Staube der Erde bete ich Deine unendliche Majestät an. Hier auf diesem Altare wird das unblutige Opfer Deines Sohnes zur Versöhnung Deiner Gerechtigkeit in dieser heiligen Messe verrichtet. O Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes, opfere Dich für mich Deinem himmlischen Bater, wie Du Dich Demselben am Kreuze aufgeopfert hast; denn wir haben an Dir einen Fürsprecher bei dem Vater. dru Oheiliger Geist! erwärme mein kaltes Herz mit der Flamme Deiner heiligen Liebe, damit ich bei dieser Erneuerung des Gedächtnisses des Leidens und Sterbens Jesu, Der uns bis ans Ende lieb hatte, an den Früchten Seiner unermesslichen Verdienste Theil nehmen möge zum ewigen Leben. Ich wohne einem Opfer vom höchsten Werthe, einem heiligen Opfer bei, welches Deiner Majestät gebühret und Dir wohlgefällig ist; ich wohne demselben bei zur Ersetzung der Unbilden, welche mein Heiland in Seinem Leiden und Sterben aus Liebe gegen mich erlitten hat; zur Vergeltung der großen 13 194 Meffgefänge. Liebe, welche Ihn bewogen hat, Sein heiliges Fleisch und Blut dem Menschen zur Speise zu geben; zur Ersetzung der Verunehrung, welche dem unblutigen Opfer der heil. Messe und dem allerh. Altarsfacramente jemals ist zugefügt worden; ich wohne demselben bei für mich, um Erlangung der Gnade der Vergebung meiner Sünden, der Beharrlichkeit im Guten, und um die endliche Gnade für den Oberhirten der Kirche, daß er seinem geistlichen Amte, die ihm von Dir anvertrauten Schaafe zu weiden, glücklich vorstehe; für geistliche und weltliche Obrigkeiten und Landesfürsten, für die Wohlfahrt der Kirche und unseres katholischen Vaterlandes; für meine Freunde und Feinde; für alle meine Anverwandten; für die liebe Bürgerschaft und den guten Ackersmann, daß Gott ihre Gewerbe und Arbeiten fegne; für alle Stånde; für Gerechte und Sünder, und für alle Seelen im Fegfeuer. Barmherziger Gott und Vater! laß Dir diese meine Meinung gefallen, und erhöre das Gebeth Deiner Kinder durch unsern Herrn Jesus Christus Deinen Sohn, Der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebt und regiert Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. toine Bum Kyrie. Hier liegt vor Deiner Majestät Im Staub die Christenschaar, sd SurDas Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns o Bater! Deine Huld, Bergib uns unsere Sündenschuld, 798079 SEDO Mefgefange. O Gott! von Deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht! Verstoß uns nicht! Verstoß uns Sünder nicht! Wir haben Herr! Dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau von Deinem Thron Barmherzig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz! Entzieh die Baterhuld uns nicht, Und sende uns Dein Gnadenlicht, Dein Gnadenlicht, Dein göttlich's Gnadenlicht. Wir sind ja Deiner Hände Werk, Wir sind Dir unterthan; O gieb uns Schwachen Kraft und Stärk"! Sieh uns in Gnaden an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Bersöhnungsopfer dar. O Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß, Für uns vergoß, Am Kreuz für uns vergoß. Bum Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit. Lob, Ruhm und Dank und Ehre Sei der Dreieinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott! Deine Herrlichkeit. 195 Bur Epistel. Gebeth. Höre an, o himmlischer Vater, das Gebeth Deiner heil. Kirche, mit welchem sie Deine göttliche Majestät im Namen unseres Herrn Jefu Chrifti demüthigst Megesänge. anfleht, und Deine Hülfe, Deinen Beistand in allen Nöthen ihrer lieben Kinder begehrt. Wende Dein våterliches Angesicht von uns nicht ab, sondern sich uns mit gnädigen Augen an, damit wir von allem Uebel befreit, Dir gefällig leben, selig sterben und zu Deinem Reiche und Deiner Herrlichkeit gelangen mögen, durch Christus unsern Herrn. Amen. 196 Aus dem Briefe des heiligen Apostels Paulus an die Christen zu Rom. O welch eine Tiefe der Reichthümer, der Weisheit und der Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreife lich sind Seine Rathschlüsse und wie unerforschlich Seine Wege! Denn wer hat wohl den Sinn des Herrn erkannt? O wer ist Sein Rathgeber gewesen? Oder wer hat Ihm zuvor etwas gegeben, daß es ihm wieder vergolten werde? Alle Dinge sind aus Ihm, durch Ihn und in Ihm. Ihm sei Ruhm und Ehre in Ewigkeit. Amen. Bum Evangelium. Gebeth. Allmächtiger Gott! reinige mein Herz und meine Lippen, gleichwie Du sie dem Propheten Isaias mit einer glühenden Kohle gereinigt hast, damit wir, durch Dein Wort belehret, Deinen heil. Namen öffentlich verkünden und zu Deiner Ehre, zur Aufnahme der streitenden Kirche im wahren Christenthum und Glauben bis ans Ende gottselig verharren durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Meffgefänge. Evangelium. Matth. 28. In der Zeit sprach der Herr Jesus zu Seinen Jüngern: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret fie halten Alles was Ich euch befohlen habe. Und sehet: Ich bin alle Tage bei euch bis zum Ende der Welt. Wir sind im wahren Christenthum, O Gott! wir danken Dir; Dein Wort, Dein Evangelium, An dieses glauben wir. Die Kirche, deren Haupt Du bist, Lehrt einig, heilig, wahr; Für diese Wahrheit gibt der Christ Sein Blut und Leben dar. Bum Glaubensbekenntnisse. Allmächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur; O Gott und Vater! ja ich glaube An Dich den Schöpfer der Natur, Auch an den Sohn, der ausgegangen, Bon Dir geboren, ewig war, Den von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. 197 Und Jesus Christus ist gekommen, Daß er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf Sich genommen Und litt für uns den Kreuzestod. Dadurch besiegt Er Tod und Hölle; Fuhr zu des Baters Rechten auf, Und wird an jener lichten Stelle Einst richten unsern Lebenslauf. 12 Tuloy bim strolozi ( 02) dilnsdo 198 Messgesänge. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaaf, daß sich verirret, Erhält des Herrn Barmherzigkeit. I Am großen Tag wird's Fleisch erstehen. Jetzt, Heilige! erflehet dort Daß wir mit euch zum Leben gehen, Nach Christi unsers Heilands Wort. Bur Opferung. Nimm an, o Herr! die Gaben, Aus Deines Priesters Hand; Wir, die gesündigt haben, Weih'n Dir dies Liebespfand: Für Sünder hier auf Erden, In Aengsten, Kreuz und Noth, Laß dies ein Opfer werden, Was noch ist Wein und Brod. Nimm gnädig dies Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarm Dich unser! denke An Christi Blut und Tod! Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu Deinem Thron! Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn. Gebeth. Mit diesem Brode und Weine, welche Dir, o himmlischer Vater! der Priester Deiner heiligen Kirche aufopfert, und welche nun bald in den wahren Leib und in das wahre Blut Deines vielgeliebten Sohnes sollen verwandelt werden, bringe ich mich selbst Dir zum Opfer dar. Sa, Herr, mich selbst opfere ich Dir zum willigen unbedingten Gehorsame. Fernerhin will ich ein Dir geheiligtes Leben führen. Mein Herz mit allen seinen Wünschen Meffgefänge. 199 Neigungen, Begierden und Leidenschaften soll Dir unterthänig, Deinen heiligen Geboten gehorsam seyn. Bereuen und, so viel an mir liegt, gut machen will ich was ich bisher gesündigt und verfehlt habe. Besonders will ich mich vor dieser Sünde- hüten, diese böse Neigung- überwinden, bei dieser und jener Gelegenheit mich recht in Acht nehmen. Wie Du mir durch Jesus Christus Deinen Sohn verzeihest, so Bater! sei auch meinen Beleidigern alles herzlich verziehen! Wo ich einem Mitmenschen helfen oder nůßen kann, geschehe es von mir, als wäre es Dir selbst, o Herr, gethan. Deine heiligen Gebote sollen mir über alles gehen. Dies nehme ich mir fest vor; schenke mir Deine Gnade dazu! Amen. CANSFER - Bur Präfation. Zu Dir, o Gott! erheben wir unsere Herzen und sagen Dank Deiner göttlichen Majestät. Wahrhaftig, ja, es ist billig und recht, würdig und heilsam, daß wir jederzeit und an allen Orten, Dir, o Herr, heiligster Vater! allmächtiger, ewiger Gott! Dank sagen durch Christus unsern Herrn, durch Den die Engel Deine Majeståt loben, die Mächtigen zittern, die Himmel und alle Kräfte der Himmel sammt den feligen Seraphim Dich mit vereinigtem Frohlocken verherrlichen und preisen. Wir bitten, laß auch unsere Stimmen mit der ihrigen zu Dir kommen, die wir in tiefster Ehrfurcht bekennen und sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Mesgesänge. Himmel und Erde sind voll der Glorie und der Herrlichkeit Gottes! Hosanna in der Höhe, Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! 200 Singt: heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig, Bist Du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden, Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jetzt und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Bon ganzer Seel' erfreut; Der kommt in's Höchsten Namen, Der sei gebenedeit! Hosanna in der Höhe! Gepriesen sei der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer' zu Meer'. Stillgebeth vor der heil. Wandlung. Wir bitten Dich, gütigster Bater! nimm gnådig an dieses heilige Opfer, und erhöre unser Flehen. Erbarme Dich unser, die wir ohne Deine Gnade nichts vermögen. Entferne von uns was Dir an uns misfällig ist, und gieb uns Kraft, das Böse zu meiden und das Gute zu üben, damit wir Deinem Willen und unserm Berufe treu nachleben. Herr! komm Deiner heiligen Kirche, welche Du über den ganzen Erbball ausgebreitet hast, fortwährend zu Hülfe; reinige und erhalte sie in Einigkeit der Liebe und des Friedens, und laß Deine Gläubigen unter allen Mefgesänge. Völkern Deines Schutzes und Beistandes sich erfreuen. Schenke die Fülle Deines Segens Deinem Diener, unserm Papste unserm Erzbischofe- unsern Bischöfen und allen unsern andern Priestern und Seelsorgern; mache Du sie, Allmächtiger! zu wahrhaft apostolischen Hirten Deiner Heerde, für die Du am Kreuze Dein Leben dahingegeben hast. Heilige durch werkthätige Liebe alle Bekenner des wahren Glaubens. Herr aller Herrschenden! lenke die Herzen aller Gewalthaber zur Verherrlichung Deines Namens und zum allgemeinen Wohle der Menschheit, schenke besonders Weisheit, Kraft, Frieden und Eintracht dem Kaiser, den Königen, und allen Fürsten und Obrigkeiten unsers Deutschen Bundes, und unterstütze Du ihre gesetzliche Macht, daß sie die ihnen anvertrauten Völker nach Deinem heiligen Willen glücklich leiten, kräftig regieren, våterlich besorgen und so nicht nur die Sicherheit und Wohlfahrt derselben befördern, sondern auch im Einklange mit Deiner h. Kirche zur Weiterverbreitung Deines Reiches auf Erden beitragen mögen. Bekehre, o Herr! die unglücklichen Brüder, welche im Glauben sich verirret haben, damit fie unter Deiner Leitung auf den Weg der Einen Wahrheit zurückkehren. Erleuchte die Ungläubigen, tröste die Bedrångten, heile die Kranken und komme Du allen Elenden und Unglücklichen zu Hülfe; bekehre die Sünder, stårke die Gerechten, nimm die Sterbenden in Deine Gnade auf. Gedenke auch o Herr! dieses Deines Priesters, und aller Gegen 201 1 Mesgesänge. wärtigen; insonderheit empfehle ich Dir alle diejenigen, für welche ich aus Dankbarkeit und Liebe zu bethen schuldig bin oder mir vorgenommen habe. Ihr Heiligen und Auserwählten Gottes im Himmel, deren Gedächtniß wir auf Erden feiern, vereiniget euere Fürbitten mit unserm Flehen, damit wir der Früchte des hochheiligen Opfers Jesu Christi und Seiner Verheißungen theilhaftig werden mögen. Amen. grub 202 Bur heil. Wandlung. modoing Gebeth bei Aufhebung der hh. Hostie. O Herr! Du bist, Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, hier Selbst gegenwärtig mit Fleisch und Blut. Jch bethe Dich in tiefster Demuth und Ehrfurcht an. Du bist meine Zuflucht, meine Hoffnung, meine Liebe. Du bist mein Gott und Alles. Dir schenke ich mein Herz. O laß Deine Liebe in mir wirken zu einem frommen und christlichen Leben. Amen. Gebeth bei Erhebung des Kelches and mit dem hh. Blute. Du wahres lebendiges Blut Christi Jesu! ich bethe Dich an mit allen Engeln und Heiligen. Du bist für mein Heil und zur Versöhnung der gefallenen Menschheit gefloffen. Wasche ab die Mens ge meiner Sünden; reinige und stårke meine Seele zum ewigen Leben. Amen.oni sotid Jong Messgesänge. ( Ernst und langfam.) Sieh, Vater! von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in Deinem Sohne, Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir flehn durch Ihn, wir Deine Kinder, Und stellen Dir Sein Leiden vor; Er starb aus Liebe für uns Sünder; Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. Er hat für uns Sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Bei'm Vater, daß wir ewig leben, Vertritt Er jetzt das Mittler- Amt, O Jesu! höre unsre Bitte Steh unsrer Schwachheit immer bei, Das bei'm Zerfallen dieser Hütte, Die Seel' im Paradiese sei. Bum Agnus Dei. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt 2c. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er Sein Blut vergießt; Seh't wie aus Jesu Herzen, Der letzte Tropfen fließt! Er nimmt hinweg die Sünden, Er trug all' unsere Schuld: Bei Gott läßt Er uns finden Den Frieden Seiner Huld. 203 Bur Communion. Herr! ich bin nicht würdig, Zu Deinem Tisch zu gehen, Du aber, mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Flehen! O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geist' Dich zu empfangen, Dich wahres Gottes Lamm. Messgesänge. Bum Beschlusse der heiligen Messe. Nun Isaak ist geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht; Wir haben jetzt betrachtet, Gott! Deine Lieb' und macht. Du bist bei uns zugegen; Aus Deinem Gnadenmeer' Ström' uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. 204 Gebeth für die ganze Christenheit. O gütigster, liebreichster Jesus! erbarme Dich Deines Volkes und aller Stånde der ganzen Christen= heit, sei unser Mittler bei dem Vater, so wie Du ein wahres Versöhnungsopfer für unsere Sünden bist. Wende ab die wohlverdienten Strafen, alles Unheil und alle Gefahren, die dem Vaterlande bes vorstehen mögen. Segne den Rath unserer Bundesfürsten daß er zur gemeinsamen Wohlfahrt des deutschen Volkes allzeit beförderlich sei. Verleih uns die Gnade, daß wir unsern Beruf erkennen und uns sern Standespflichten jederzeit genug thun; daß wir andern durch Tugend ein gutes Beispiel geben, unsern Nächsten Deinetwegen allezeit lieben, und daß wir mit reinem Gewissen Dir bis an unseres Lebens Ende wohlgefällig dienen mögen. Um dieses bitten wir Dich durch Deine heiligen Verdienste, durch Dein bitteres Leiden und Sterben, und durch die Verdienste Marià, Deiner allerheiligsten Mutter, und aller Heiligen, Der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste Ein Gott lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. 205 Meffgefänge. Der Herr erleuchte Sein Angesicht über uns! Es bewahre und beschüße uns vor allem Uebel und ertheile uns den Segen Gott der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Amen. Aufopferung der heiligen Messe. O himmlischer Vater! nimm diesen Deiner Ho heit und Heiligkeit schuldigen Dienst gnädig auf, den ich Dir in Beiwohnung dieses heiligen Meßs opfers geleistet habe. Ich vereinige mein Gebeth mit den Verdiensten Jesu Christi, mit Seinem Gebethe und heiligen Unterhandlungen, die Er für mein Heil mit Dir gepflogen hat; ich opfere sie Dir zu Deinem höchsten Lobe, zu Deiner größern Ehre. Segne mich heut in meinem Thun und Lassen; segne mich in meinen Geschäften. Alles soll Dir zur Ehre, Dir zum Lobe und Danke geschehen. Amen! Megebethe beim Empfange Mefgebethe, welche beim Empfange der ersten heil. Communion der Kinder, so wie von ganzen Gemeinden, oder der Schuljugend bei ihrer monatlichen heil. Communion gebraucht werden können. 206 Glaubensbekenntniß. ( Unrede des Pfarrers.) Ihr verlangt, meine lieben Kinder, heute zum erstenmale in dieser christkatholischen Gemeinde zu dem Tische des Herrn zu gehen. Bevor ich euch dazu aufnehme, fordere ich als euer Pfarrer, als euer Seelsorger von euch euer Glaubensbekenntniß, fordere die Versicherung von euch: ob ihr alles dasjenige glaubet und für wahr haltet, was und wie euch, nach dem untrüglichen Worte Gottes, die wahre, allgemeine, katholische, apostolische Kirche lehrt; ob ihr dieser Kirche immer treu und beständig anhangen, und euch von ihr durch keine irrigen Meinungen und Lehren wollet trennen lassen. Ihr seid dieser heiligen Kirche bei eurer Taufe einverleibt wor den; ihr legtet damals euer Glaubensbekenntniß ab, widerfagtet dem Teufel und seinen Werken, und verhießet Jesu Christo anzuhangen; allein, das thatet ihr durch eure Taufpathen, ihr verstandet damals noch nicht, was diese in eurem Namen bekannten und verhießen. Jetzt seid ihr zu euren Vernunftjahren gekommen, ihr seid in der Religion unterrichtet; 207 der heiligen Communion. genehmigt ihr also jetzt das bei eurer Taufe gethane Glaubensbekenntniß und Versprechen, so erneuert es vor Jesu Christo, Den ihr heute zum erstenmal empfangen wollet; Er wird selbiges bei seinem Tische mit Seinem heiligsten Blute versiegeln. Diese Erneuerung wird euch mit Seiner Gnade, zur standhaften Treue im Glauben, zur beständigen Befolgung Seiner Lehren, zu eurem Heile dienen. Antwortet mir denn selbst auf diese Fragen, welche bei eurer Taufe die Pathen in eurem Namen beantwor= tet haben. Frage. Widerfaget ihr dem Teufel, aller seiner Pracht und allen seinen Werken? Antwort. Wir widersagen. Fr. Glaubet ihr in Gott den Bater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde? Antw. Wir glauben. Fr. Glaubet ihr auch in Jesum Christum, Seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuzi= get, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren in den Himmel, siket zu der rechten Hand Gottes des allmächtigen Vaters, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten? Antw. Ja, wir glauben. um aqurtaran and Fr. Glaubet ihr auch in den heiligen Geist, eine heilige, allgemeine Kirche, Gemeinschaft der Heili Meffgebethe beim Empfange gen, Nachlaß der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben? Antw. Wir glauben. 208 Fr. Glaubet ihr alles, und wie es euch die christs katholische Kirche lehret? Antw. Ja, wir glauben. Fr. Glaubet ihr, daß diese Kirche in ihren Lehren und Auslegungen wahrhaft und unfehlbar sei? Antw. Wir glauben es, weil Jesus Christus fie gestiftet, sie auf einen Felsen gebaut hat, den die Pforten der Hölle nicht überwältigen können, weil er alle Tage bis ans Ende der Welt bei ihr zu bleiben versprochen hat. Fr. Wollet ihr euch allzeit an dieser heiligen unfehlbaren Kirche halten, und euch niemal durch Irrlehren von derselben trennen lassen? Wollet ihr in selber allezeit als wahre katholische Christen leben? so sprechet mir nach: Ich danke Dir, Gott himmlischer Vater! von ganzem Herzen, daß Du mich zum wahren Glauben an Dich, Deinen Sohn Jesum Christum, und den heiligen Geist, und zu Deiner heiligen unfehlbaren Kirche berufen hast. Ich bekenne hiemit öffentlich und feierlich vor Dir, vor Deinen heiligen Engeln und allen Auserwählten, und vor dieser christkatholischen Gemeinde, daß ich fest für wahr halte alles, was Du mir durch Deine unfehlbare Kirche zu glauben vorhältst; mit völliger Unterwerfung des Verstandes will ich den Lehren und Auslegungen dieser Kirche immer treulich folgen, nie will ich mich von 209 der heiligen Communion. ihr trennen lassen; ich will als wahrer katholischer Christ leben und sterben." Vergesset niemals, liebe Kinder, dieses Verspre= chen, welches ihr eurem Gott gethan habet. Wenn ihr selbem treu und beständig nach kommet, so ver heisse ich euch in Seinem Namen dafür das ewige Leben. Um dieses wollen wir für euch zu Gott flehen: Gott himmlischer Vater! sich in Gnaden herab auf Deine Kleinen, welche hier vor Dir liegen! Du hast sie in der heiligen Taufe zu Deinen Kindern angenommen: Dir also empfehlen wir sie zu Deiner väterlichen Liebe und Güte; schüße sie und sorge für sie als ihr himmlischer Vater, daß sie allezeit Deine treuen Kinder verbleiben, und Erben werden Deines Reiches, welches Du allen Guten verheißen hast. Göttlicher Heiland! Deiner Liebe haben wir es zu verdanken, daß diese Kinder Gotteskinder sind; Du hast sie mit Deinem Blute von der Sünde und von der Verdammung erkauft, bewahre sie als Dein Eigenthum. Du bist ihr Hirt, Du hast es gesagt: Ich gebe meinen Schaafen das ewige Leben, und niemand soll sie aus Meinen Händen reißen. Ach Herr! erfülle Dein Wort an ihnen! erhalte sie in Deiner Kirche, in Deinen heiligen Gesinnungen. Du bist der treueste Kinderfreund, hattest auf Erden immer Freude bei Kindern zu seyn; nimm denn auch heute in Gnaden diese Kleinen an, welche zu Dir, zu Deinem Tische kommen, segne sie, bestätige fie in dem Guten, so sie Dir angelobet: Dein beis 14 Mesgebethe beim Empfange liger Leib sei ihnen das Unterpfand der ewigen Vereinigung mit Dir, ihrer ewigen Seligkeit, des ewigen Lebens. Gott heiliger Geist! Du hast diese Kinder in der heiligen Taufe geheiliget; erhalte sie in dieser Heiligkeit, in Deiner Gnade; lehre sie alle Wahrheit, und befestige sie in selber; stårke und erhalte sie in dem wahren Glauben; erleuchte sie mit Deinem Lichte und erfülle sie mit Deiner Liebe; laß sie immer zunehmen an himmlischer Weisheit, und im lebendigen Glauben fortwandern von Zugend zu Tugend, bis sie mit Hülfe Deiner Gnade hingelangen zu der Klarheit des ewigen Lichtes, wo sie Dich, den Vater und den Sohn von Angesicht zu Angesicht sehen und mit den auserwählten Kindern Gottes preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 210 Folgender Bers( wie auch die Berse nach Glaube, Hoffnung und Liebe) werden gesungen im Ton: Wenn ich o Schöpfer! Deine Macht 2c. Fest soll mein Taufbund immer stehn, Ich will die Kirche hören; Sie soll mich allzeit glaubig sehn; Und folgsam ihren Lehren. Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad' 3ur wahren Kirch' berufen hat! Nie will ich von ihr weichen. Gute Meinung.*) O Jesus! Der Du Dich für uns bis in den Tod zum Opfer für unsere Sünden am Kreuze dahingegeben und zu Deinem Gedächtniß das unblutige Opfer Deines Leibes und Blutes in Deiner *) Folgende Gebethe kann auch jeder Einzelne brauchen, der bei der beil. Messe communicirt. 211 der heiligen Communion. Kirche hinterlassen hast, dankbar wollen wir uns in dieser Stunde Deiner unendlichen Liebe erinnern und dem gegenwärtigen allerheiligsten Opfer mit Andacht und Ehrfurcht beiwohnen. Wir bekennen hiedurch öffentlich und feierlich, daß Du unser Gott, Herr des Lebens und des Todes, daß Du allein groß, Du allein mächtig seiest. Preisen und loben wollen wir Dich hiedurch, und Dir danken für alle die Gnade und Güte, die Du uns bewiesen; besonders für die unbegreifliche Liebe, daß Du das heilige Sacrament Deines Leibes und Blutes eingesetzt haft und in demselben Dich heute uns zur Speise unserer Seele geben willst. Gütigster Heiland! laß uns doch nicht unwürdig und unvorbereitet zu Dir kommen. Bereite Du unsere Herzen und nimm von selben hinweg, was Dir an uns mißfallen kann. Dieß gegenwärtige Opfer sei das Versöhnungsopfer aller unserer begangenen Sünden und Fehler. Gib uns auch dadurch zugleich die Gnade, daß wir das Sacrament Deines Leibes und Blutes mit lebhaftem Glauben, mit zuversichtlichem Vertrauen, mit dankbarster Liebe empfangen, und so der Frucht des ewigen Lebens theilhaftig werden. Gott himmlischer Vater! sich auf das gegenwärtige Opfer mit gnädigem Angesichte herab; es ist Jesus Christus, Dein eingeborener Sohn, an Dem Du allezeit Wohlgefallen hast; es sind Seine une endlichen Verdienste, welche wir Dir darbringen. Durch diese bitten wir Dich: erhöre unser Gebeth, 212 Meffgebethe beim Empfange nimm dieses Opfer zum gefälligen Opfer an; verzeihe uns durch selbes unsere Sünden, und heilige unsere Seelen. Vermehre unsern Glauben, vermehre unsere Hoffnung, vermehre unsere Liebe, damit wir würdig zu Dem hinzutreten, Den Du aus Liebe für uns hingegeben hast, Deinen Sohn unsern Herrn und Seligmacher. Amen. Bum Kyrie eleison. Hier liegt vor Deimer Majeſtät, Im Staub die Christen- Schaar, Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Bater! Deine Huld, Bergieb uns unsre Sündenschuld O Gott! von Deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht! Verstoß- uns nicht, Verstoß uns Sünder nicht. - Zum Gloria in excelsis. Um den Herrn die Jünger saßen Tiefbetrübt am Abschiedsmahl, Als ein Wunder ohne Maßen, Ihren nassen Blick erheiterte mit Gottes Strahl. Brod und Wein den Jüngern gebend, Sprach der Herr: das ist mein Leib! Das Mein Blut! Wie feel erhebend, Wie belebend Jedem, den gebar ein sterblich Weib. Dieses hehre Pfand der Liebe Fei're unser Jubelton! Dankbar opfern unsere Triebe Bir der Liebe, Die berab sich läßt vom ew'gen Thron. der heiligen Communion. Festlich triumphirt der Glaube, Den verhüllt die Gottheit sieht; Dem in stiller Friedenslaube Hier im Staube Ewiger Vergeltung Palme blüht. Seufzer schweiget! troknet Thränen! Hoffend blickt auf euern Freund, Der einst stillt des Herzens Sehnen Allen Denen, Welche Liebe hier mit Ihm vereint. 213 Unter der Epistel, dem Evangelium und Credo. Uebung des Glaubens. Sie ist nun da die ewig gesegnete Stunde, wonach ich verlange, wo ich zum Tische des Herrn gehe, wo ich das lebendige Himmelbrod, den allere heiligsten Leib und das kostbare Blut Jefu Chrifti meines Erlösers genießen werde. Gutigster, liebens würdigster Jesus! wie kann ich Dir genugsam für die unendliche, unbegreifliche Liebe danken, womit Du mich geliebet hast?! Du kamst meinetwegen auf die Welt, wurdest Mensch, trugest die Lasten eines mühe- und beschwerdenvollen Lebens, und littest den schmerzlichsten Tod, damit ich ewig leben, ewig selig seyn möchte. Du hast mich geliebet und Dich für mich hingegeben, nicht allein zum Leiden zum Tode, sondern auch zur Speise meiner Seele, um ewig bei mir zu verbleiben. Im lebbaftesten Glauben erinnere ich mich dieser Deiner unendlichen, zärtlichsten Liebe, des großen Tages', welcher der lette vor Deinem Leiden und Hinscheiden von die 214 Meffgebethe beim Empfange ser Welt war. Ich sehe Dich mit Deinen Jüngern zu Tische sitzen, um mit ihnen das letzte Abendmal zu halten. Da nahmst Du das Brod, und nachdem Du gedanket und es gesegnet hattest, gabst Du es Deinen Jüngern und sprachst: Nehmet hin und effet, dieses ist mein Leib; und so auch den Kelch, sprechend: Trinket Alle daraus, dieses ist mein Blut; und dieß befahlst Du Deinen Jüngern zu Deinem Gedächtniß zu thun; Du gabst ihnen die Gewalt das zu thun, was Du gethan, das Brod in Deinen heiligen Leib, den Wein in Dein heiliges Blut zu verwandeln; und drohest uns allen insgesammt, wir sollen das Leben nicht in uns haben, wenn wir Dein Fleisch nicht essen und Dein Blut nicht trinken. Unbegreiflicher! wer kann die Tiefe Deiner Weisheit und die Hoheit Deiner Allmacht begreifen? wer kann den Abgrund Deiner allmächtigen weisen Liebe ergründen?- Kein Mensch vermag es; indessen glaube ich, glaube fest und sicherlich auf Dein göttliches unfehlbares Wort. - Antwort. Stårke meinen Glauben, o Jesu! Vorspruch. Ich glaube, daß Du Gottes Sohn, unser lebendiges Himmelbrod bist. 2. Stärke meinen Glauben, o Jeſu! V. Ich glaube daß Du in dem heiligsten Sacramente des Altares mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit wahrhaftig gegenwärtig bist. 2. Stårke meinen Glauben, o Jesu! V. Ich glaube daß Dein Leib wahrhaftig eine Speise und Dein Blut wahrhaftig ein Erant ist. der heiligen Communion. A. Stårke meinen Glauben, o Jesu! V. Ich glaube, daß ich dieses Deines heiligen Fleisches und Blutes heute an Deinem Tische theilhaftig werde. 2. Stårke meinen Glauben, o Jesu! 215 V. Alles dieses glaube ich, weil Du Allwissender, ewig Wahrhafter es gesagt hast; Du hast die Worte des ewigen Lebens; Dein Wort ist Wahrheit und Leben; Dein Wort lügt und trüget nicht; an Dein Wort glaube ich. A. Stårke meinen Glauben, o Jesu! Du Gottmensch bist mit Fleisch und Blut Wahrhaftig hier zugegen, Und Dein Genuß, o höchstes Gut! Bringt meiner Seele Segen. Dir, ewige Wahrheit! glaube ich); In diesem Glauben stärke mich, Bis ich Dich ewig sehe. Bum Offertorium. Uebung der Hoffnung. Mit diesem festen, sichern Glauben komme ich zu Dir an Deinen heiligen Tisch, wo Du mich mit Deiner segnenden Gnade erfüllen wirst; im zuvers sichtlichsten Vertrauen erwarte ich dieses von Dir, gütigster liebenswürdigster Jesus! Du warst, da Du noch auf Erden wandertest, so hold, so liebevoll gegen alle Menschen, besonders gegen die Kinder; diese ließest Du zu Dir kommen und segnetest sie; Du warst der gutthåtigste Menschenfreund, vorzüglich aber der liebreichste Kinderfreund; das wirst 216 Meffgebethe beim Empfange Du auch heute mir seyn. Ich vertraue auf Deine allmächtige Güte und Liebe, auf Deine untrügliche Verheißung. Von Dir kann ich alles hoffen, Du bist der Allmächtige; Du gibst und erfüllest, was Du versprochen hast, Du bist der Allergetreueste; Du gibst gerne und mit Freuden, denn Du bist der Allergütigste. Antwort. Stårke mein Vertrauen, o Jesu! Vorspruch: Du hast gesagt: Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ein Trank. Ich hoffe, Du wirst meine Seele nähren und står= Een in allem Guten. A. Stårke mein Vertrauen, o Jesu! V. Du hast gesagt: Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Jch in ihm. - Ich hoffe, Herr! Du bleibest in mir und ich in Dir. A. Starke mein Vertrauen, o Jesu! V. Du hast gesagt: Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich will ihn wieder auferwecken am jüngsten Tage. - Herr! dieß hoffe ich. -10 A. Stårke mein Vertrauen, o. Jesu! V. Alles dieses hoffe ich von Dir. Auf Deine Güte, auf Deine Treue, auf Deine Allmacht habe ich meine Zuversicht gebaut, und sie wird ewig nicht zu Schanden werden, denn Du bist der Gütigste, der Treueste, der Allmächtige, mein Herr und mein Gott. A. Stårke mein Vertrauen, o Jesu! der heiligen Communion. Dein Fleisch und Blut wird meinem Geist Im Guten Stärke geben; Und führt mich wie's Dein Mund verheißt Gewiß zum ewigen Leben. Dir güt'ge Allmacht traue ich. In dieser Hoffnung stärke mich, Bis ich Dich einst besitze. 217 Nach dem Sanctus. Uebung der Liebe. Nun o Jesus! stårke mein Vertrauen und entzünde mein Herz mit Deiner Liebe, damit ich im Geiste dieser Liebe zu Dir komme und von nun an Dich über alles und von ganzem Herzen wieder liebe, Der Du mich zuvor geliebet und Dich aus Liebe für mich zum bittersten Leiden und Tode hingegeben hast. Diesen Deinen Tod verkündige ich heute, da ich zu Deinem heiligen Tische gehe. Du haft zum Denkmale desselben das Sacrament Deines Fleisches und Blutes eingesetzt; wir sollen es empe fangen zu Deiner Gedächtniß. O daß ich mich denn, bevor ich zu Dir komme, Deiner, Deines Leidens für mich, Deiner Liebe zu mir erinnere! Du hast mich geliebet und Dich für mich hingegeben; hingegeben der Todesangst und Traurigkeit am Delberge; hingegeben in die Hände Deiner grausamsten Feinde, zu den empfindlichsten Verspottungen, zur blutigen Geißelung, zur schmerzlichsten Krönung.- Ich sehe Dich, liebreichster Jesu! für mich von Wunden entstellt, mit Blut überronnen, verhöhnt, angespieen, in den größten Qualen. Und dieß alles 14* bebare Meffgebethe beim Empfange 1 ist Deiner Liebe noch nicht genug! Du verdemütigest, erniedrigest Dich sogar bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuze; beladen mit demselben gehest Du, wie ein schweigendes Schaaf zur Schlachtbank, zum Todesberge hinauf, wirst an Hånden und Füßen durchbohrt, ans Kreuz genagelt, an selbem zwischen Himmel und Erde hingestellt,- gelåstert, mit Hohn und Schmach überhäuft, von Schmerzen entkräftet, durstend mit Essig gelabt, neigst Du zuletzt Dein Haupt und stirbst zwischen zwei Uebelthätern; stirbst aus Liebe zu uns, nachdem Du noch sterbend Und zum Vater für Deine Feinde gebethen. Dich sollte ich nicht wieder lieben? Jesus! mein Gott! mein Heiland! mein Alles! Ja, ich liebe Dich!- aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen meinen Kräften liebe ich Dich. Antwort. Vermehre meine Liebe zu Dir, o Jesu! Vorspruch. Ich liebe Dich, weil Du Dich aus Liebe gegen mich zum Tode, und zur Speise meiner Seele im hochwürdigsten Sacramente des Altares hergegeben hast. 218 - - 2. Vermehre meine Liebe zu Dir, o Jesu! V. Ich liebe Dich, weil Du aus Liebe in diesem hochwürdigsten Sacramente allezeit hast bei mir verbleiben wollen. 2. Vermehre meine Liebe zu Dir, o Jesu! B. Ich liebe Dich, weil Du mir durch die würdige Empfangung Deines Fleisches und Blutes das ewige Leben zugesichert hast. 2. Vermehre meine Liebe zu Dir, o Jesu * AL der heiligen Communion. V. Ich liebe Dich, weil Du mich zuvor geliebet hast, weil Du lauter Liebe, weil Du die unendliche Liebe und Güte selbst bist. 2. Vermehre meine Liebe zu Dir, o Jesu! Du littest, starbst, und setztest ein Ein Denkmal dieser Liebe, Daß Du ganz Mein und ich ganz Dein In Ewigkeit verbliebe. 219 Mein Jesu! liebvoll dank' ich Dir! Bermehre Deine Lieb in mir, Laß mich Dich ewig lieben. Nach der Wandlung. Zur Erhebung der heil. Hostie. Heiland! König! Gott! ich glaube Daß Du hier zugegen bist; Bete tief Dich an im Staube, O verborg'ner Jesus Christ! Herr! Du Schöpfer aller Dinge! O, wie machst Du Dich geringe In der kleinen Brodsgestalt! Zur Erhebung des Kelches mit dem hei!. Blute. Schmerzlich hingest Du drei Stunden An dem Kreuz Du höchstes Gut! Häufig floß aus Deinen Wunden Das allhier verborg'ne Blut. Wasch o Blut! mich rein von Sünden, Laß in Dir uns Alle finden Uns'rer Seelen Lösegeld. Aeußerung des Verlangens und der Freude. Jesus! mein Heiland und Seligmacher! wie groß und unbegreiflich ist die Gnade, deren Du mich heute würdigest, da Du selbst zu mir kommen und meine Mefgebethe beim Empfange Seele heimsuchen willst! Du kommst, zwar meinen leiblichen Augen verborgen, aber sichtbar meinem Glauben; gibst Dich meiner Seele zur Erquickung, zur Nahrung; willst in mir wohnen, in mir verbleiben; kömmst wie Du ehemals gehüllt in Knechtesgestalt in die Hütten der Armen, der verlassenen und hülflosen Menschen eingingest; kömmst in meine dürftige, nach Hülfe, Trost und Stärke schmachtende Seele, um mir Gnade, Stårkung, Beistand und Seligkeit zu bringen. Ich erfreue mich, o Jesu! auf Deine gnadenreiche Heimsuchung, freue mich, daß Du unter mein Dach, in meine Seele eingehen willst; ich verlange nach Dir. Habe ich Dich, so habe ich Alles; außer Dir kann ich nichts mehr, nichts Größeres verlangen im Himmel und auf Erden. Du bist mein Gott und Alles, mein Heiland und Seligmacher, meine Hülfe, mein Trost, meine ganze Seligkeit. O komm denn, komm Du lebendiges Himmelbrod! Komm Herr Jesus! komm! Antwort. Nähre, stårke meine hungrige Seele! Vorspruch. Komm, Du himmlischer Arzt! ich bedarf Deiner. 220 2. Heile meine kranke Seele! V. Komm, mein Erlöser! Du Lamm Gottes! 2. Komm, nimm meine Schwachheit, meine Sünden weg. V. Komm, Jesus! mein Heiland und Erlöser! meine Zuflucht, mein Trost, meine Hoffnung, mein Gott und Alles! 2. Komm, hilf mir, mache mich selig. Amen. 221 der heiligen Commnnion. Nach dem. Pater noster. Uebung der Demuth. Wie darf ich mich aber unterstehen, zu Dir zu kommen, zu Dir, mein Gott und Heiland! Dein reinster, heiligster Vorläufer Johannes dachte sich ehemals nicht würdig, Dir die Schuhriemen aufzulösen; die Engel selbst verbergen aus Ehrfurcht vor Dir ihr Angesicht; und ich will Dich sogar in meine Seele aufnehmen! Antwort. Herr! ich bin nicht würdig, daß Du zu mir kommest. Ja ich bin nicht würdig; ich dürfte mich auch Deinem heiligen Geheimniß, Dir nicht nahen; allein Du befiehlst es mir, drohst mir sogar, mich von Dir, von dem ewigen Leben auszuschließen, wenn ich nicht komme, wenn ich Dein heiligstes Fleisch und Blut nicht genieße. Ich komme denn aus Gehor= sam vor Deinem Befehle, aus Liebe meines Heiles, des ewigen Lebens gedrungen; ich komme aber mit der lebhaftesten Empfindung meiner Unwürdigkeit; mit diesem aufrichtigem Bekenntnisse: 2. Herr! ich bin nicht würdig, daß Du zu mir kommest. Ich bin nicht würdig. Du mein Gott, ich Dein Geschöpf; Du der Herr, ich der Knecht; Du der Reinste, Heiligste, die Reinigkeit, die Heiligkeit selbst, ich ein sündiger Mensch, ein strafbarer Sünder. Du mein Heiland, Der Du mich bis in den Tod geliebt hast, ich der Undankbare, der Dich nicht Messgebethe beim Empfange wieder geliebet, und Dich mit Sünden beleidigt hat. 222 A. Herr ich bin nicht würdig, daß Du zu mir kommest. Herr! sich nicht auf meine Unwürdigkeit, sieh nur auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit! Ich komme zu Dir mit kindlichem Vertrauen, weil Du nicht allein würdige, sondern auch reumüthige Sünder aufnimmst. Ich komme, weil Du mich hießest( kommen, weil ich ohne Dich nicht selig seyn kann. So nimm mich denn auf, o Jeſu! und erfülle an mir, was Du verheißen hast. Ich glaube an Dich; ich hoffe auf Dich; ich liebe Dich.- Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen! SIN O Herr! ich bin nicht würdig Zu Deinem Tisch zu gehen; Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Flehen. O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Dich würdig z empfangen, Dich wahres Osterlamm. Nach der Communion. Freude, Glaube, Anbethung und Verdemüthigung. Ich habe Denjenigen gefunden, welcher meine Seele liebt; ich habe ihn gefunden und will Ihn ewig nicht von mir entlassen! Ja ich habe Ihn bei mir den Geber und Wiederbringer des ewigen Les 223 der heiligen Communion. bens. Mit festem, zuversichtlichem Glauben, o Jesu! glaube ich an Dich; Du hast die Worte des ewigen Lebens. Dein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise; ich habe sie genossen; ich habe empfangen Deinen heiligen Leib. Du bist bei mir, in meiner Seele wahrhaftig gegenwärtig, mein Herr und mein Gott! Du mein einziges und Alles! Du bist bei mir, Du bist innigst mit mir vereinigt. O wie kann ich mich tief genug im Staube vor Dir beugen! wie Dich ehrerbietig genug anbethen! Herr ich bin so großer Huld und Gnade nicht würdig; ich getraue mir nicht meine Augen zu Dir zu erheben. Du bist mein Herr und mein Gott! ich bin Dein unwürdiges Geschöpf; Du mein Bater und Heiland, ich Dein ungerathenes Kind, ein strafwürdiger Sünder. O wie Du Dich meiner erbarmest! wie Du mich liebest! wie Du Freude hast, bei mir zu seyn? Heute, ja heute ist meinem Hause, ist meiner Seele Heil wiederfahren. Wie soll ich Dir würdig, o mein Jesus! für diese unaussprechliche Gnade, für diese segenreiche Heimsu chung danken? Wie kann ich es Dir vergelten, vergelten alles was Du mir gethan haft!-Lobet den Herrn alle Völker! lobet Ihn alle Menschengeschlechter! lobet Ihn alle Heiligen! lobet Ihn alle himmlischen Geister! Lobpreise Ihn meine Seele! denn Er hat Wunderdinge an mir gethan. Gütigster, wohlthåtigster Heiland! sich mit gnädigem Wohlgefallen diesen geringen unvermögenden Dank an, den ich aus der Fülle meiner Seele Dir erstatte. - Messgedethe beim Empfange Du hast mich, Dein abtrünniges, ungerathenes Kind, ungeachtet der Treulosigkeit, womit ich Dich oft beleidigt, huldreich zu Gnaden wieder aufge= 224 nommen. Antwort. Ich danke Dir, o Jesu! Du hast Dich gewürdigt, in meine Seele einzukehren. A. Ich danke Dir, o Jesu! Du hast mich an Deinem heiligen Tische mit Deinem kostbaren Fleische und Blute gespeiſet! A. Ich danke Dir, o Jesu! Du hast durch Deine huldvolle Heimsuchung meine Seele Heil und Gnade widerfahren lassen. A. Ich danke Dir, o Jesu! Du hast mir Deinen heiligen Leib zum Unterpfande meiner seligen Auferstehung gegeben. A. Ich danke Dir, o Jesu! Du hast mir dadurch das ewige Leben zugesichert. A. Ich danke Dir, o Jesu. Und da ich Dir für alle Gnaden nicht genugsam danken kann, so danket statt meiner, ihr heiligen Engel, und alle Heilige Gottes! lobet und preiset den Herrn in alle Ewigkeit. Gütigster Jesus, Du hast mir heute das Größte, das Beste geschenkt, was Du mir geben konntest; Du hast Dich Selbst mir gegeben und geschenkt; Du bist bei mir, bist innigst mit mir vereinigt, willst ewig in und bei mir bleiben. Was soll ich Dir für alles was Du mir geschenkt, was soll ich Dir für Dich wieder schenken? Ich habe nichts mehr der heiligen Communion. als mich selbst. Nimm mich denn hin! Ich schenke und opfere mich Dir mit allem was ich bin und was ich habe; besitze Du mich ewig. A. Dein bin ich, o Jesu! Keine Sündenlust, kein Erdengut soll mich von Dir trennen! A. Dein bleibe ich, o Jesu! In Glück und Unglück, in Freud und Leid, in Trubsal und Wiederwärtigkeit. A. Bleib ich Dein, o Jesu! Nur Dich will ich lieben, auf Dich hoffen und vertrauen, Dir anhangen, Dir folgen. A. Dein bin ich, o Jesu! 225 Herr mein Gott! ich will Dich lieben aus meinem ganzen Herzen, aus meiner ganzen Seele und aus meinem ganzen Gemüthe, und Dir zu Liebe will ich meinen Nächsten lieben wie mich selbst. A. Herr! Du weißt, daß ich Dich liebe. Vermehre Du aber meine Liebe und laß mich Dich über alles treu lieben ewiglich. Dein bin ich im Leben, Dein bleibe ich im Sterben. A. Dir lebe ich, Dir sterbe ich, o Jesu! Gütigster, wohlthätigster Jesu! mein liebreichster Gott und Heiland! Du lehrest mich, in meinen Anliegen und Bedürfnissen mich zu Dir zu wenden, bei Dir Hülfe zu suchen, bei Dir anzuklopfen; Du willst, daß ich Dich bitte, und Du sicherst meinen Bitten gnädige Erhörung zu. Gewiß wirst Du es auch heute erhören, da Du zu mir kömmst, mich zu begnadigen, mir Heil und Segen zu bringen. 15 Mesgebethe beim Empfange Nimm mich denn mein Jesus als Dein Eigenthum auf ewig in Besitz; nimm Dich meiner in Gnaden an; ohne Dich bin ich nichts, vermag ich nichts; bleibe bei mir mit Deiner allmächtigen, segnenden Gnade; laß mich treu erfüllen, was ich Dir heute verheißen habe; unterstütze meine Schwachheit, befestige meinen Leichtsinn und Wankelmuth, nåhre und stärke meinen Glauben an Dein Wort, mein Vertrauen auf Deine Treue, meine Liebe gegen Deine Liebe. A. Erhöre, segne mich, o Jesu! Bewahre mich vor Sünden und allen gefährlichen Versuchungen; gib mir und erhalte in mir ein reis nes unbeflecktes Herz; sei Du mir immer werther als Sündenluft, als alle Güter der Welt; laß mich lieber alles dulden, alles leiden, lieber alles verlieren, mein Leben selbst, eher als meine Unschuld, als Dich o Herr! und Deine Gnade. 226 A. Erhöre, segne mich, o Jesu! Laß mich doch nie in meinem Leben ohne Selbstprüfung, unwürdig zu Deinem Zische gehen, und Dein heiligstes Fleisch und Blut mir zum Gerichte und zur Verdammniß genießen. Die heutige Empfangung desselben sei mir ein kräftiger Antrieb, Deiner nie zu vergessen, Dich allezeit von ganzem Herzen über Alles wieder zu lięben. Tödte in mir alle sinnliche, unordentliche Liebe. Laß mich ganz gesättiget von Dir nach nichts mehr hungern und dürsten, nach nichts mehr verlangen, als nach Dir, nach dem was dort oben, was himmlisch, was ewig ist. A. Erhöre, segne mich, o Jesu! der heiligen Communion. Gib mir, was Du mir zugesichert hast; bleibe Du in mir und ich in Dir; mache mich zu Deinem wahren Jünger und Nachfolger; laß mich immer und in allem gesinnt sein, wie Du gesinnt warst. Erfülle mich mit Deinem Geiste, mit dem Geiste der Liebe, daß ich jeden meiner Mitmenschen Deis netwegen liebe, wie Du Alle geliebet hast. Laß uns alle, die wir an Deinem Tische essen, Ein Herz und Eine Seele sein. 227 A. Erhöre mich, o Jesu! Mit kindlichem Vertrauen übergebe ich Dir alle meine Angelegenheiten Leibes und der Seele, alle meine Hoffnung und Angst, meine Freuden und Leiden; ordne, leite Alles nach Deiner weisen, gütigsten Fürsicht, nach Deinem göttlichen Wohlgefallen und zum Besten meiner Seele. Vor allem laß Dir das Ende meines Lebens anbefohlen sein. Laß mich doch nicht von hier scheiden, bevor ich dich würdig in meiner Seele empfangen habe. Dein heil. Leib sei mir die Wegzehrung zur Stärkung auf die Reise in die Ewigkeit. Speise und erquicke alsdann meine Seele; wasche und reinige sie in Deinem Blute und weiche nicht von ihr; schüße fie vor dem bösen Geiste und führe sie mit Dir in Dein Reich. Mein Leib ruhe dann im Frieden. Schenke ihm, wann Du wiederkömmst, Alle zu erwecken, Alle zu richten, die selige Auferstehung. Er hat an Deinem heiligsten Leibe und Blute Theil genommen, laß ihn denn auch Theil nehmen an Deiner Glorie und Herrlichkeit, so werde ich ewig 228 Messgebethe beim Empfange 2c. und vollkommen durch Dich und in Dir mich freuen und Dich preisen und loben mit Deinen Auserwählten in Ewigkeit. A. Amen. Erhöre, segne mich o Jesu! Dein Segen komme auch über alle die lieben Meinigen, über meine Eltern( Kinder), Geschwister, Verwandte, Wohlthåter, Erzieher, Lehrer, Freunde und Beleidiger, Du kennst ihren Kummer und ihre Noth, ihre Wünsche und Bedürfnisse. 2. Segne sie, o Jesu! Auch diejenigen, die ich nicht kenne, aber Deiner Hülfe jetzt besonders bedürfen, die entweder noch leben, oder im Fegefeuer auf Deine Anschauung harren, empfehle ich Dir, o Herr! komm ihnen allen zu Hülfe, begnadige sie alle. A. Segne und begnadige sie, o Jesu! Dein göttlicher Segen komme über uns alle und bleibe bei uns von nun an bis in Ewigkeit, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. A. Amen. Komm Geist des Baters und des Sohns! Komm Geist der Höhe Deines Throns! Erfüll' mit Deiner Gnadenkraft Die Herzen, die Dein Wort erschafft. Du süßer Trost in aller Noth: Du theure, beste Gab' von Gott! Du reinste Quelle aller Freud' O ström' herab, erquick' uns heut'! Meffgebethe für die Verstorbenen. 229 Gebethe bei dem heiligen Mesopfer für die Verstorbenen. Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke für die Todten zu bethen, damit sie von ihren Sünden abgelöset werden." Machabaer XI. 12. 46. Beim Anfange der heiligen Messe. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Wir erscheinen vor Dir, o Gott! um Dich mit Ehrfurcht, Demuth und Vertrauen reumüthig um Verzeihung unserer Sünden zu bitten, und um für die Seelen der in Deiner Gnade Verstorbenen die baldige Anschauung Deines Angesichtes von Deiner Gute zu erflehen. Wir tragen Dir unsere Bitten im Namen unsers Erlösers, bei der Erneuerung seines Versöhnungsopfers vertrauenvoll vor. So sehr wir aber auf Deine väterliche Liebe hoffen, eben so sehr wollen wir mit Ernst Deine heilige Gerechtigkeit bedenken. Denn wenn auch der Gerechte vor Deinem Angesichte sich nicht rein findet, und vor Deinem strengen Gerichte zittert; wenn auch die Seelen der Frommen von den ihnen noch anklebenden Flecken und Mångeln, wie das Gold durch's Feuer, geläutert werden müssen; wenn jede Sünde, so gering sie uns auch scheinen mag, gebüßt werden muß: gerechter heiliger Gott! wie wird es dann uns ergehen, die wir Meßgebethe für vielleicht tödtlicher Sünden schuldig sind, deren Nachlassung wir durch Gebeth und Reue noch nicht erfleht, und im Richterstuhle der Buße von Deinem Statthalter noch nicht erhalten haben, oder deren doch streng nothwendige zeitliche Abbüßung uns noch obliegt! Neumüthig und mit dem ernsten Willen uns zu bekehren schlagen wir an unsere Brust und bekennen ansere Schuld, unsere große und vielfache Schuld. Wir haben gesündigt und sind nicht mehr werth Deine Kinder zu heißen. 230 Vater! erbarme Dich unser! nimm Deine verlornen, freiwillig irregegangenen, aber nun wieder zu Dir umkehrenden Kinder gnädig auf! Jesus! Heiland der Welt! erbarme Dich unser! laß die Frucht Deines Leidens und Sterbens, dessen geheimnißvolles Andenken wir jetzt glaubig begehen, doch an uns nicht verloren sein! Heiliger Geist! dessen heilige Wohnung wir in uns durch die Sünde entweiht haben, schaffe in uns ein neues, reines Herz, daß wir Deiner heil. Wirkungen würdig werden. Wir rufen Dich um Erbarmen an, Heilige Dreifaltigkeit! für die abgeschiedenen Seelen, besonders für Dir empfehlen wir sie, o Gott! Der Du ihr Vater wie der unsrige bist. Du liebst fie mehr, als wir sie lieben; Du weißt was ihnen nothwendig und gut ist, und Du wirst alles mit ihnen auf's Beste machen. Nimm das Gebeth unserer Liebe gnådig auf. - T die Verstorbenen. Zur Epistel. Erbarmungsvoller Herr und Gott! Dessen Natur Liebe, und Dessen Seligkeit Wohlthun ist, der Du gerne verzeihest, und willst, daß alle Menschen selig werden sollen! wir flehen Deine Güte an, ere höre das liebevolle Gebeth für die Seele Deines Dieners( Dienerin) N. N. deren Erschaffer, Ret= ter und Heiligmacher Du bist, erlaß ihnen die Strafe, welche sie noch im Fegefeuer zu leiden haz ben, und schenke ihnen die ewige Ruhe in Deinem himmlischen Lichte. Amen. 231 Bum Evangelium. Dank sei Dir, o Gott! für die trostreiche Lehre des Christenthums, welches den Tugendhaften, de im Glauben an Jesus bis zum Tode verharren, die selige Unsterblichkeit verpfändet. Bum Offertorium. --1 D Herr! wir bringen Dir mit dem Priester Brod und Wein dar, welche in das allerheiligste Opfer des neuen Bundes sollen verwandelt werden. Mit dem Gebethe der Kirche vereinigen wir unsere herzlichen Fürbitten für die Seele deren Ge dächtniß wir heute begehen. Laß sie, o Herr! übergehen von den Finsternissen in Deine lichtvollen Wohnungen, und aus dem Orte der schmerzenvollen Reinigung zu jenem überschwenglichen Lohne, welchen Du denen bereitet hast, die Dich lieben. Amen. 11 Mesgebethe für Bum Sanctus. O Gott! Du Vater, Du liebevoller Vater aller Menschen! Du Gott der Todten sowohl wie der Lebendigen! ewiger Gott, Dem alles lebt und gegenwärtig ist. Hier bei'm großen Opfer, das Dir, o Vater! Dein vielgeliebter Sohn einst blutend am Kreuze für uns Alle dargebracht, erinnere ich mich in christlicher Liebe aller von uns in Deiner Gnade zu Dir Dahingeschiedenen, besonders ( Hier nenne den, oder die, wofür du bethen willst.) Der Glaube lehret mich, daß nichts Unreines zu Deiner Anschauung gelangen kann, und daß die Seelen der Abgestorbenen, die noch nicht ganz rein vor Deinen Augen sind, im Fegfeuer geläutert und Dir erst vollkommene Genugthuung für die verdienten zeitlichen Sündenstrafen leisten müssen, ehe sie zum Erbe Deines Sohnes gelangen können. Herr! Du bist barmherzig, gerecht und heilig und höchst- weise in allem was Du thust. Wie trostreich ist es für uns, daß Du uns so viele Mittel gibst, die zeitlichen Strafen abzubüßen, und um so eher in Dein Reich zu kommen; wie trostreich für uns, o Gott! daß wir für die armen Seelen, die noch in jener Welt zu leiden und sich zu reinigen haben, Dir durch gute Werke, Gebeth und besonders durch dieses Opfer Genugthuung leisten können. O wie freuen wir uns, auf diese Weise noch mit den Unsrigen vereint zu seyn und in ihrer Gemeinschaft Dich anbethen und lobpreisen zu können! Herr! laß sie nun bald, besonders zum Ziele ihres heißen Ver232 die Verstorbenen. 233 langens, zu Dir, ihrem Vater, hinkommen. Sie erkennen jetzt, sie fühlen noch Deine Gerechtigkeit; o laffe sie bald, mit allen Deinen Engeln und vollendeten Gerechten, Deine Heiligkeit, Deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit schauen. Zur Wandlung. O Jesus! Du hast Dich als Versöhner bis zum Tode am Kreuze für uns dahin gegeben; Du hast den qualvollsten Tod für uns ausgestanden, um uns ein ewig glückseliges Leben zu verdienen. Dir wollen wir leben und sterben. Dein sind wir todt und lebendig, in der Zeit und in der Ewigkeit. Amen. O Jesus! Du hast Dein Blut vergossen, damit wir von Sünden frei, rein und zum Himmelreiche tüchtig werden sollten. Laß es für uns nicht umsonst geflossen sein; laß uns nie vergessen, wie viel Dich unsere Erlösung gekostet hat, wie theuer Dir unsere Seelen waren. Ewiger Dank sei Dir dafür! Um dieser Liebe willen erhöre auch unser Gebeth für die Seelen unserer verstorbenen Brüder und Schwestern Sei ihnen gnådig! erlöse sic aus den Qualen des Fegefeuers! O heiliges Blut! wasche die armen leidenden Seelen, für die Du aus so vielen Wunden unsers Erlösers geströmet bist, rein von allen Sünden, Flecken und Mängeln; tilge durch Deinen unendlichen Werth ihre noch nicht bezahlte Schuld! 1 - O Herr Jesus Christus! Du zukünftiger Richter der Lebendigen und Todten! gib, daß wir für die im Reinigungsorte noch befindlichen Seelen Deine Messgebethe für Barmherzigkeit jetzt so anflehen, daß wir uns selbst nicht täglich mehr ein fegendes Feuer nöthig machen, sondern durch die Furcht vor Deinem Gerichte, und durch die bußfertige Zueignung Deiner für uns erworbenen Genugthuung, hilf uns es sowohl ihnen als uns auszulöschen. Schenke uns Deine Gnade, uns immer ernsthafter zu bemühen jenem höllischem Feuer zu entgehen, aus welchem keine Erlösung ist, der Du als Gott mit dem Bater und heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 234 Zum Vater Unser. Himmlischer Vater! Mögen die Seelen, die jetzt Deine heilige Gerechtigkeit im Fegefeuer verkünden, bald Deine Barmherzigkeit und Liebe mit den Ses ligen im Himmel besingen! Was Du immer thust, ist heilig und unverbesserlich. Laß ihnen das Reich zukommen, das Du ihnen bereitet hast, weil sie auf Erden Deinen Willen gethan und an Deinen eingebornen Sohn Jesus Christus geglaubt haben. Du giebst es ihnen, Vater! auch ohne daß wir Dich darum bitten; aber beschleunigen möchten wir ihr Glück. Såttige ihr unaussprechliches Verlangen nach Deiner Anschauung, und erlaß ihnen um dieses Opfers willen die noch nicht abgebüßte Schuld. Du kannst reinigen, Vater! was noch nicht rein ist, und bist eben so gütig, mild und barmherzig als gerecht und heilig. Darum bitten und flehen wir zu Dir, o Gott! um Gnade und Erbarmung die Verstorbenen. für die Verstorbenen Seelen. Ach! laß ihnen für strenges Recht Deine milde Barmherzigkeit widerfahren! Sieh, unerschöpflich ist Deine Liebe, undeschränkt Deine Allmacht, unergründlich Deine Weißheit und unendlich Deine Barmherzigkeit. Herr! Du bist die Reinigkeit und Heiligkeit selbst, heilige und reinige Du sie. Schmerzlich sehnen sie sich von ihren Banden befreit und bei Dir zu sein. Sieh, Vater! wie sie nach Vollendung ihres Heiles, wie sie nach den Verheißungen Deines Sohnes ihres Versöhners schmachten. Laß die Zeit ihrer Reinigung kurz sein, und erlaube ihnen, daß sie eingehen in Dein Reich, um Dich zu loben in Ewigkeit. Amen! 235 Bum Agnus Dei. Lamm Gottes! geschlachtet am Kreuze für die Sünder der Welt! reinige sie in Deinem Blute! Versöhne, begnadige, erlöse sie nun vollkommen. Verleih ihnen ewige Ruhe von allem was sie noch quålt und aufhält, und am vollkommenen Seligwerden hindert. Dein Tod bringe auch uns das ewige Leben, daß wir uns einst in ihrer Gesellschaft Deiner ewiglich freuen. Amen. Bur Communion. Bald, ihr frommen Seelen, sehet ihr von Angesicht zu Angesicht Denjenigen, Der Sich uns hier unter der scheinbaren Hülle des Brodes als Unterpfand des ewigen Lebens gibt. Ihr werdet Ihn schauen, den Allerliebenswürdigsten, Ihn, an Den Mesfgebethe für die Verstorbenen. ihr im Dunkel dieses Lebens so demüthig, so treu geglaubt habt. Dieser heilige Frohnleichnam, dessen Genuß so oft eure Tugend stärkte, wird euch in Seiner ganzen verklärten Herrlichkeit erscheinen. Ihr werdet sehen, standhaft gläubige Seelen! wie unser Heiland Jesus Christus mit dem Vater und heiligen Geiste mur Ein und derselbe Gott ist, wie Seine Menschheit mit der Gottheit vereinbart war. Was ihr hier geglaubet, wird kein Geheimniß mehr für euch sein; ihr werdet Ihn sehen, wie Er ist, bec wundern und anbethen. Und wann ihr dann mit Ihm vereinigt seid, so vergesset auch unser nicht, und seid unsere Fürsprecher bei Ihm. Amen! 236 Bum Ende der heiligen Messe. Allmächtiger, ewiger Gott! vergieb um des reis nen, Dir wohlgefälligen Opfers willen, welchem wir iegt beigewohnt, den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen ihre irdischen Unvollkommenheiten, reinige sie und laß ihnen die verdiente Strafe des Fegefeuers nach, damit sie fähig seien in den Himmel zur ewigen Ruhe in Deinem Lichte und zum vollen Genuße der seligen Unsterblichkeit zu gelane gen. Darum bitten wir Dich, Herr Gott himmlis scher Bater! durch denselben Jesus Christus Deinen Sohn unsern Herrn und Heiland, Der mit Dir und dem heiligen Geiste als Ein und derselbe Gott lebet und herrschet in Ewigkeit. Amen! 237 Beichtgebethe. Beichtgebethe. Art und Weise das heil. Sacrament der Buße würdig zu empfangen. Wenn du gleich, lieber Christ! über das Sacrament der Buße den gehörigen Unterricht in der christlichen Lehre empfangen hast, so wirst du doch sehr wohl daran thun, so oft du beichten gehen willst, folgende Erinnerungen an die wesentlichen Stücke desselben aufmerksam zu lesen und zu beherzigen. Die Sünde ist eine freiwillige Uebertretung des durch die Vernunft oder Offenbarung uns bekannten Gesetzes oder Willens des Herrn unseres Gottes. Sie ist ein Ungehorsam gegen Ihn, und also eine Beleidigung Desselben. Durch vie Sünde verlassen wir Gott, den besten Herrn, unsern größten Wohlthäter, den liebreichsten Bater, und übergeben uns in die Knechtschaft des Eatans, der die erste Sünde beging, und auch unsere Stamm- Eltern dazu verführte; der folglich der größte Feind Gottes und des Menfchengeschlechtes ist. Die Sünde raubt uns Gott, das größte Gut und mit Ihm die Ruhe eines guten Gewissens; die Sünde trennt uns von Ihm, unserm gütigen Schöpfer, von Welchem getrennt seyn, unser größtes Unglück ist, da Er uns für Sich erschaffen hat und außer Ihm unser Herz keine Ruhe finden kann; ja die Sünde kann uns wie einst die abtrünnigen Engel sogar auf ewig von Gott trennen, auf ewig Seiner seligmachenden Anschauung berauben, wenn ihre Schuld nicht in uns getilgt wird. Die Sünde ist also ein wahres, eigentlich das einzige wahre Uebel; fie ist wegen der Unendlichkeit der Größe Gottes, Den Beichtgebethe. sie beleidigt, ein unbegreiflich großes Uebel; durch die Sünde sind der Tod und alle andern Uebel in die Welt gekommen; sie ist also gewiß das größte Ulebel, die größte Schuld. 238 Che unsere Stamm- Eltern ihren freien Willen zur Uebertretung des göttlichen Gebothes mißbrauchten, waren sie, von Gott ursprünglich mit Heiligkeit und Gerechtigkeit begabt, Ihm wohlgefällig und daher glückselig. Diese Uleber. tretung aber hatte die ihnen angedrohte schreckliche Folge, daß sie nach einem leiden- und beschwerdenvollen Leben sterben mußten; sie wurden aus ihrem ursprünglich glückseligen Zustande herausversetzt; ihre Natur und ihre Lage an Leib und Seele wurden dadurch verschlimmert, sie zum Bösen oder Sündhaften mancher Art geneigt, und den damit verbundenen bösen Folgen unterworfen. Die schreck. lichste der Folgen ihrer Sünde aber war, daß ihre nach dem Ebenbilde Gottes erschaffene Seele nach ihrer Trennung vom Leibe an und für sich nie zur Anschanung Gottes ges langen konnte, Der sie doch um Seinetwillen und zu ihrer Glückseligkeit erschaffen hatte. Dieser sündhafte Zustand der ersten Menschen ging mit allen seinen Folgen vermöge der Abstammung von ihnen auf alle ihre Nachkommen über. Darum heißt Adams erste Sünde die Erbfünde. Weder konnte nun der Mensch selbst, noch ein Engel, noch sonst ein erschaffenes Wesen diesem unendlich großen Uebel abhelfen. Gott allein in Seiner Allmacht und unendlichen Liebe konnte und wollte es. Schon enfern Stammvater tröstete Er in Seiner unendlichen Barmherzigkeit mit der Verheißung eines Erlösers, eines Wiederherstellers und Verbesserers seines ursprünglichen Bustandes. Die Menschheit hatte gesündigt, die Menschheit mußte genug thun. Da aber sie es nicht vermochte, indem das Geschöpf seinem beleidigten, unendlich großen Schöpfer Beichtgebethe. 239 nicht Genugthung leisten kann, so wollte Gott Selbst Mensch werden. Der Vater sandte Seinen eingebornen Sohn, Der mit Ihm und dem heiligen Geiste Ein Gott ist, zu unserer Erlösung auf die Erde. Er ward Mensch und als Gottmensch hat Er für uns durch Seinen freiwillis gen Tod am Krenze Gott die schuldige Genugthuung ge leistet, uns überflüssige Erlösung verschafft, Gnade über Gnade verdienet. O unendliche Weisheit, unendlich erfindungsreiche Liebe unseres Gottes! Um nun dieser uns so nothwendigen Genugthuung und unendlich gnadenreichen Erlösung theilhaftig zu werden, um uns die Verdienste unsers Erlösers Jesu Christi anzu eignen und wieder Gottes Kinder zu werden, müssen wir diesen unsern Erlöser, Gottes Sohn, aufnehmen und Ihn hören, wie Sein himmlischer Bater es befahl, da Erbei Seiner Berklärung auf dem Berge Tabor vor Moses und Elias und drei Aposteln sprach: Dieser ist mein ge liebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe; Diesen höret. Wir müssen Seinen Willen, wele cher der des Baters ist, thun, das heißt Seine Lehren und Gebote, die Seine Kirche uns aufbewahrt, treu befolgen, und die Heilsmittel, welche Er uns zur Theilnehmung an Ceinen Verdiensten hinterlassen hat, auch kennen lernen und gut gebrauchen. Denn wer Christi Gebote hat und sie hält, nur der ist es, der Ihn liebt, und er wird dagegen auch von Gott gelicht und folglich gerechtfertigt und zum Himmelreiche tüchtig gemacht werden.( Joh. 14.) Die Heilsmittel, durch welche Jesus Christus unser Heiland die unendlichen Verdienste und kostbaren Früchte Teines Erlösungstodes uns zuwenden will, sind die von Ihm eingesetzten heiligen Sacramente. Das erste und nothwendigste derselben ist die heilige Taufe, wodurch der BeichtgebetheMensch von der Erbsünde und jeder andern Sünde, die er vor der Taufe könnte begangen haben, gereiniget, zum Kinde Gottes neugeboren und zum Mitgliede Seiner heil. Kirche eingeweiht wird. So setzt uns die heil. Taufe in den Stand der ersten Unschuld, der ursprünglichen gnadene vollen Heiligkeit und Gerechtigkeit zurück, und macht uns wieder fähig zur Anschauung Gottes, zum ewigen glückse. ligen Leben, das uns Christus durch Seinen Tod vers dient hat. 240 Allein da die Gebrechlichkeit und Schwäche der durch die Erbsünde verschlimmerten menschlichen Natur so groß ist, daß der Mensch nicht selten die in der heil. Taufe empfangene Rechtfertigung und Gnade durch eine Todsünde verliert, so hat unser Herr und Heiland Jesus Christus, Welcher reich an Erbarmung ist, denselben auch dann nicht ohne Mittel lassen wollen, wieder zum Leben der Seele zu gelangen. Dieses für uns, zum Bösen geneigte Menschen, unschäßbare Heilsmittel ist das heil. Sacrament der Buße. In demselben erläßt uns der Priester im Namen und an Statt Gottes unsere nach der Taufe begangenen Sünden; und wir werden somit wieder fähig, nach geleisteter Genugthuung für die zeitlichen verdienten Strafen, Gott anzuschauen und alle jene unendlichen Güter zu erben, welche Jesus Christus durch Seine Erlösung uns erworben und der himmlische Bater uns vom Anbeginne in Seinem Reiche bereitet hat. Einst kam Nikodemus, einer der vornehmsten jüdischen Lehrer, des Nachts zn Jesus und sprach zu Ihm: Wir wissen, daß Du ein Lehrer bist, Der von Gott kam, denn Niemand kann die Wunder thun, die Du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete ihm: ,, Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: wenn Jemand nicht neu geboren wird: so kann er das Reich Gottes nicht sehen." Beichtgebethe. 241 Da nun Nikodemus hiergegen Einwendungen machte, ants wortete Jesus: ,, Wahrlich, wahrlich, ich sage Dir: wenn Jemand nicht wieder geboren wird aus dem Wasser und dem heiligen Geiste, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen." Diese Wiedergeburt ist die heilige Taufe, jenes große Sacrament des Herrn, durch welches alle Völker in Seine Kirche, Seine beilig- und seligmachende Heilsanstalt, eingehen sollen. Das rum sprach Er zu Seinen Aposteln kurz vor Seiner Himmelfahrt: ,, Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin, lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes; und lehret sie alles balten, was Ich euch befohlen habe. Und sieh, Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.( Joh. III. Matth. XXVIII.) Da wir aber, wie oben gesagt, durch jede Todsünde die in der Taufe empfangene Rechtfertigung verlieren und ins Himmelreich einzugehen unfähig werden, so begreifst du wohl, lieber Christ, wie nothwendig und wichtig das L. Sacrament der Buße für uns gebrechliche Menschen sei; weswegen auch die heilige Kirche lehret( Kr. von Trient.) dieses Sacrament sei denen, die nach der Taufe in Sünden gefallen und in Satans Dienstbarkeit und Gewalt gerathen sind, eben so nothwendig zur Seligkeit, als die Taufe denen, die noch nicht getauft sind. Nur ist hier zu bemerken: Gleichwie die heil. Taufe, wenn man sie nicht empfangen kann, durch das Herzliche Berlangen darnach mit Bereuung der begangenen wirklichen Sünden oder dadurch, daß man nm Christi willen sein Blut vergießt, ersetzt wird, so kann man auch, wenn es nicht möglich ist das heil. Bußsakrament zu empfangen, durch die vollkommene Reue Berzeihung seiner Sünden erhalten. 16 Beichtgebethe. Erwäge nun, lieber Christ, die unermeßliche Liebe Jesu Christi, da Er dir im heil. Sacramente der Buße, wann du den Taufbund treulos gebrochen, noch einen solchen Gnadenschaß eröffnet hat; schöpfe aus demselben, er ents bält die vollen, überflüßigen Verdienste Seines Leidens und Sterbens. So oft du gesündiget, will Er dir hier bewei sen, daß Er nicht das Verderben und den Ted, sondern die Bekehrung und das Leben des Sünders will. So oft du gesündigt, ergreife also dieses von Ihm mit so viel Erbarmung und Liebe dir dargereichte Rettungsmittel. Er gibt dir darin Seinen Frieden, jenen Frieden eines guten Gewissens, den Welt und Sünden dir nicht geben können; Er gibt dir darin wieder das verlorne Recht auf jenes ewige glückselige Leben, von welchem Er einst sagte: ,, Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote." Wie du nach Seinem Befehle durch die Taufe im Namen des Vaters, des Sohns und des heil. Geistes ein Kind Gottes wurdest, so will Er Dich hier in denselben Namen durch Seinen rechtmäßigen Statthalter, den Priester, von deinen Sünden lossprechen und in Seine Gnade wieder aufnehmen. Haft du also gesündiget, willst du dich mit Gott versöhnen, die nöthige Buße thun und das Recht auf die Erbschaft des Himmels wieder erlangen, so gehe zu Seinem Stellvertreter, von welchem Seine Worte zu den Aposteln gelten: Was ihr immer auf Erden löset, das soll auch im Himmel gelöset seyn. Welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen. So bald und so oft du zu Ihm von der Sünde aufrichtig und renig zurückkehren willst, ist Er bereit Dich hier, wie jener gute Vater seinen irregegangenen Sohn wieder aufzunehmen. 242 Um aber das Sacrament der Buße würdig zu empfangen, so daß Gott Dich in Seine Gnade, wie der Bater seinen verlornen Sohn in sein Haus wieder aufnimmt, und Beichtgebethe. 243 selbst die Engel im Himmel sich über Deine Rückkehr zu Gott freuen mögen, so vergiß nicht, lieber Christ! mit welchen Gesinnungen, mit welcher Vorbereitung du zum gnadenvollen Richterstuhle Jesu Christi hingehen sollst. Um dieses Sacrament gültig und würdig zu empfangen, mußt du auch jene Tugend in deinem Herzen tragen, von der es den Namen hat, nähmlich die Tugend der Buße, von welcher Jesus sprach: Thuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe gekommen. Diese Bußgesinnung umfasſt 1. den Glauben an Gott und Gottes Offenbarung, jenen Glauben, den Christus so strenge forderte und durch Wunderthaten und selbst Sündenvergebung so herrlich belohnte, ohne welchen man aber gar nicht zu Gott kommen kann ( hebr. II. 6); 2. die Furcht vor den göttlichen scharfen Strafen, die Furcht Gottes, die der Anfang der Weisheit ist; 3. die Hoffnung, von Gott Barmherzigkeit zu erlangen, wodurch des Sünders Gemüth aufgerichtet und von der Berzweiflung bewahrt wird; 4. die Liebe Gottes, wodurch der gottgefällige Schmerz, die übernatürliche und oft die vollkommene Reue im Sünder erweckt wird. 5. Im wahrhaft Bußfertigen bewirken dann Glaube, Hoffnung und Liebe, was die knechtische Furcht vor der Schärfe der Strafe nicht vermag, nämlich jene bessere, jene kindliche, liebende Furcht, welche guten und redlichen Kindern eigen ist, so daß er nun nichts so sehr, nichts mehr fürchtet, als in irgend einem Stücke Gott seinen besten Vater zu beleidigen; 6. den festwilligen Vorsatz für die begangenen Sünden. genugzuthun, die Gewohnheit zu fündigen ganz abzulegen, und von nun an alles zu thun, was Gott wohlgefällig ist, und alles zu meiden, was uns wieder von Gott entfernen könnte. Neigt sich nun durch Gottes Gnade, die bei jedem Sünder anklopft und seinen freien Willen bekehren möchte, 244 Beichtgebethe. deine Seele, o lieber Christ! zu Gesinnungen der Besserung und Buße; fühlst du in deinem Herzen das große, das uns abweisliche Bedürfniß, dich wieder mit deinem Gott und Herrn, deinem größten Freunde und Wohlthäter zu versöhnen; empfindest du, wie böse und bitter es ist, Ihn den Besten, den einzig Guten verlassen zu haben; glaubst du, daß Er ein gerechter Bergelter des Guten und Bestrafer des Bösen ist, und daß deine unsterbliche, nach Ihm ewig strebende Seele, Ihn doch nie schauen, sondern, wenn du über Todsünden nicht Buße thust, in ewigen Qualen von Ihm getrennt seyn wird; fürchtest du mit Recht diese entsetzlichen aber gerechten und unausbleiblichen Strafen; erwacht dein Gewissen aus dem Schlummer, aus dem tödlichen Schlafe deiner Sündhaftigkeit; kannst und willst du seine Vorwürfe, die eine Stimme Gottes sind, Der dich zu Sich ruft, nicht mehr überhören, nicht mehr beschwichtigen; gibst du, wie es sich geziemt im Glauben an Gottes Gerechtigkeit und in der heilsamen Furcht vor Seinen ewigen Strafen, auch der Hoffnung und dem Vertrauen auf Seine unendliche Barmherzigkeit noch Raum in deinem Herzen; wünscheft du aus deinem elenden Sündenstande herauszutreten und dich gegen Gott deinen Vater in das so schöne und ursprüng liche natürliche Verhältniß eines guten, gehorsamen und dankbaren Kindes zu versetzen; empfindest und erkennst du, wie sehr du des Trostes, der Aufmunterung, der Erbarmung und Gnade Gottes bedarfst; glaubst du an Seine Güte und Barmherzigkeit und hoffst du, wie du mußt, dieselbe von Ihnt, dem unendlich Guten, Der dich schuf, Der dich erlöste und bisher so langmüthig dich ertragen, auch noch zu erlangen; weckt dieser Glaube, diese Hoffnung in dir die Liebe Gottes und den übernatürlichen, nicht aus zeitlichen und irdischen Ursachen entspringenden, Neueschmerz; bist du fest entschlossen, mit der Sünde und ihrem Beichtgebethe. Urheber und Beförderer, dem Teufel, zu brechen, Gott aber, deinem Taufbunde gemäß, treu anzuhangen, und deine Menschen und Christenpflichten unverbrüchlich zu erfüllen, hegst du diese Gefühle und Gesinnungen der Buße in deinem Herzen, o dann, mein lieber Christ, dann mache dich ungesäumt auf, kehre zu Gott deinem Vater zurück! Er wird dich mit offenen Armen empfangen; Er wird dir in Seinem Sacramente durch den Mund Seines dazu von Ihm bevollmächtigten Priesters die Vergebung deiner Sünden schenken und Seine Kindschaft wiedergeben, und auf dich wirst du mit Recht und Zuversicht die Worte des Heilandes zum Gichtbrüchtigen deuten können: Habe Vertrauen, mein Sohn! deine Sünden werden dir nachgelassen.( Matth. IX. 2.) Darum eben erhob Christus die Buße zu einem Sacramente, daß wir, sobald wir die Sünden bereuen, durch die Lossprechung des Priesters die ganz zuverlässige Gewißheit der Verzeihung erhielten, und so unserer sonst nothwendigen Ungewißheit und Aengstlichkeit abgeholfen würde. Dazu benutze die nun folgende nähere Anleitung. - 245 - Vorbereitung zur heiligen Beicht. So wie alles in der christlichen Religion Gottes, ihres Stifters, würdig ist, so ist auch ganz besonders die Beicht oder das Bekenntniß der Sünden vor dem von der Kirche zur Anhörung desselben verordneten Priester, als ein ergänzender und nothwendiger Theil des heil. Bußsacramentes wie sie von der Apostel Zeiten an, der Erblehre gemäß, von der kath. Kirche geübt worden, ganz vorzüglich eines der weisesten, kräftigsten, trost- und beruhigungsvollsten Mittel zur Besserung und Beglückung der Menschen, mit Einem Worte: ein soches Besserungs- und Heiligungsmittel, wie es nur Christus uns geben konnte. Betchtgebethe. Wenn du demnach zu deinem Unglücke eine schwere Sünde begangen hast, so zaudere nicht, Gott um die Gnade wahrer Bußgesinnung zu bitten, und sobald wie möglich zur göttlichen Heilsquelle im heil. Bußsacramente zu eilen, dem Priester deine Sünden aufrichtig und reumüthig zu entdecken, so deine Seele von ihrer Last zu befreien und von ihm im Namen Gottes von deiner schweren Schuld los gesprochen zu werden. Sprich etwa im voraus so mit David: Bekennen will ich wider mich selbst meine Sünden vor dem Herrn; mein Unrecht will ich nicht länger vor Ihm verbergen; eröffnen will ich Ihm meine Verbrechen, denn Er wird die Gottlosigkeit meiner Sünden wie der hinwegnehmen.( Ps. XXXI.) 246 Möchtest du fragen, wie oft du sonst beichten sollst, so gehst du am sichersten, wenn du dich hierin nach dem weisen und frommen Rathe deines Pfarrers oder eines andern Beichtvaters richtest. Sorge nur vor allem daß du gut beichtest und diese göttliche Anstalt so benutest, wie Christus, ihr Stifter, es will, zu deiner Bekehrung, Besserung und Heiligung. Weh dir, wenn du dadurch nicht besser würdest! Das beste Arzneimittel kann den Kranken nicht heilen, es kann ihm zum Berderben gereichen, wenn er es nicht nach Borschrift gehörig anwendet. Verpflichtet zu beichten bist du aber, erstens nach dem Kirchengebote und zwar unter schwerer Sünde, wenigstens einmal im Jahre; zweitens im Falle du eine Todsünde begangen zu jeder Zeit, wie vorhin gesagt. Dies ist der schrecklichste Zustand, worin ein Mensch seyn kann. Welch ein Frevel wäre es, lange Zeit unbekümmert darin zu bleiben, da mai nicht weiß, zu welcher Stunde der göttliche Richter kommt; drittens in der Todesgefahr. Deswegen befiehlt auch die Kirche den Aerzten, die gefährlich Kranken vor allem zu er 247 Beichtgebethe. mahnen, eine Beicht abzulegen. Vorgesetzte und Andere haben es vor Gott zu verantworten, wenn sie zu spät für die Beicht angehöriger Kranken sorgen. Ueberhaupt ist es sehr nütlich und rathsam, oft zu beichten, weil es die Reinigkeit des Herzens sehr bevördert, uns gewissenhafter und demüthiger macht, die Furcht und den Abschen vor der Sünde in uns vermehrt, immer mehr Liebe zu höherer Tugend einflößt, der Schwachheit unserer verderbten Natur abhilft oder sie vermindert, dem Beichvater unsere Leitung und Belehrung erleichtert, und weil wir also unserm Ziele hier auf Erden, unserer Heiligung, und dem letzten Zicle, unserer Bestimmung zur ewigen Glückseligkeit im Himmel, eher und sicherer nahe kommen. Wenn dein Beichvater es dir räth oder erlaubt, so beichte demnach oft, um auch oft kommuniciren zu können. Denn es ist der Wunsch der heiligen Kirche, daß die Gläubigen bei der heiligen Messe nicht nur geistlicher Weise, sondern auch durch den wirklichen Genuß mit dem Priester am heiligen Sacramente des Frohnleichnams Antheil nehmen.( Kirchenr. von Trient, Sig. 22. st. 6.) Die Gläubigen sollen deswegen, wie der römische Katechismus lehrt, zum öftern Genuß der heiligen Communion ermahnt werden, weil, so wie der Leib zu seiner Erhaltung täglich der Nahrung bedarf, also auch die Seele zu ihrer Erhaltung in der Gnade Gottes und Tugend öfter die geistige Nahrung, das himmlische Brod nöthig hat. Es ist auch wohl nicht erhört, daß ein Christ, der diese heiligenden Sacramente sehr selten emp fing, zu großer Tugend und Heiligkeit gelangt sei. Kannst du aber nicht so oft communiciren, so kannst du es doch öfter thun, als von vielen Christen gewöhnlich geschieht. Daher beobachte Folgendes: Sei vorzüglich darauf bedacht, dir einen erfahrnen, einsichtvollen und klugen Beichvater zu wählen, so ferne es Beichtgebethe. dir frei steht, diese Wahl selbst zu treffen; am schicklichsten ist es, du gehst zu deinem eigenen Pfarrer oder zu einem andern Seelsorger in deiner Pfarre. Gehe nicht leicht von einem Beichtvater zum andern, sondern, hat dich Gott einen guten finden lassen, so gehe nach dem Rathe des heil. Franz von Sales, nicht weiter, um einen andern zu suchen. 248 Wenn du beichten gehen willst, so bereite Dich schon wenigstens einen Tag vorher dazu vor; wache aufmerksamer über dich selbst, erfülle eifriger deine Pflichten, gehe öfter in dein Inneres zurück und denke ernstlich darüber nach; erhebe dein Herz oft zu Gott und bitte Ihn, dir beizustehen, eine so wichtige und heilige Handlung ganz nach Seinem Wohlgefallen zu verrichten, übe einige Werke der Gottse ligkeit, der Nächstenliebe, der Selbstverleugnung und Abtödtung, besuche das heil. Sacrament, bitte die Beleidigten um Berzeihung, ersetze dem Nächsten die geraubte Ehre, mache den ihm verursachten Schaden wieder gut und stelle ihm das Entwendete zurück, wann und so gut du immer kannst. Gehst du nun in der Absicht zu beichten in die Kirche, so rufe den heil. Geist um Erleuchtung an. Bethe mehr aus der Seele als aus deinem Gebethbuche, mehr mit dem Herzen als mit den Lippen. Die vorgeschriebenen Ges bethe sollen deine Andacht nur erwecken helfen. Dazu benutze fie sorgfältig; binde dich nicht an die Worte, sondern mache dir ihren Sinn eizen und wenn dadurch deine Andacht geweckt ist, so bethe in den Gesinnungen der Buße nach den Gefühlen deines eigenen Herzens und nach dem Zustande deiner Seele weiter. In der Erforschung deines Gewissens hast du zwei Fehler sorgfältig zu vermeiden; die zu große Alengstlichkeit, weil Gott nicht mehr von dir fordert als du leisten kannst; und die Leichtsinnigkeit, weil es sich durchaus ziemt, daß du Beichtgebethe. 249 ein so heiliges, so wichtiges Geschäft mit heiligem Ernste und großer Aufmerksamkeit besorgest. Damit du sowohl bei der Erforschung deines Gewissens als auch bei dem Beichten deiner Sünden nicht so leicht etwas vergesfest, ist es noth wendig, darin eine gewisse Ordnung zu beobachten, wozu dir der späterhin folgende Beichtspiegel eine Anleitung gibt. Dieser Beichtspiegel wird dir besonders dann von großem Nußen seyn, wenn du lange nicht gebeichtet hast oder eine general- oder allgemeine Beicht verrichten willst. Ganz besonders aber mußt du die übernatürliche Rene über deine Sünden in dir zu erwecken suchen und den festen Vorsatz fassen, nicht mehr zu fündigen. Rufe daher Gott in Demuth um die Guade an, eine Ihm gefällige Reue zu empfinden. Dann erwäge ernst und bedächtlich, wie groß Gott ist, Er dein Schöpfer und Erhalter, wie klein da gegen du bist, der du dich Ihm widersetzt und Ihn beleiz digt haft; wie groß Seine Heiligkeit, der du durch die Sünde zuwider gehandelt; wie groß Seine Liebe, die du misachtet und verschmähet, wie strenge und furchtbar gegen unverbesserliche Sünder Seine Gerechtigkeit, die du gleichsam herausgefordert; bedenke wie leichtsinnig du durch die Sünde und um ihrer bösen schnöden Lust willen dem ewigen Besitze Gottes des höchsten Gutes entsagt haft; wie thöricht du auf das Erbtheil der Kinder Gottes verzichtet, die Gesella schaft der Heiligen verlaffen, dir die Knechtschaft des Satans gewählt und der ewigen Berdammniß dich schuldig gemacht hast; betrachte besonders, wie viel Christus, Der keine Sünde begangen, Der uns so sehr geliebt hat, für uns leiden wollte, und daß Er um unserer Sünden willen am Kreuze gestorben ist. Ja, licker Christ! willst du dein Herz zu wahrer Reue erweichen, so sich auf deinen liebevollen Heiland am Kreuze. Seine Liebe und unsere Sünden haben 250 Beichtgebethe. Ihn daran genagelt; solltest du Ihn ansehen können, ohne wie Magdalena und Petrus zu weinen? schlägst du nicht reumüthig an deine Brust und spricht bekehrt: Ich habe gesündigt! Wenn es immer und überall nützlich ist, das Leiden und Sterben Jesu Christi zu betrachten, so ist es dieses vorzüglich hier, wo man seine Sünden bereuen und deren Vergebung erlangen will. Die Sünde ist die einzige und wahre Ursache Seines unaussprechlichen Leidens, Seines schmählichen Todes. Darum sagt der heil. Apostel Paulus sehr wahr: Vom nenen kreuzigen und verspotten sie die Sünder- durch ihre Sünden den Sohn Gottes. Nimm daraus ab, wie abscheulich jede Todsünde vor den Augen Gottes ist, vor dem Allwissenden, Der in das Verborgenste sieht, Deffen Zorn und Strafgericht du verdient, Dessen gerechte Rache so furchtbar und schrecklich ist, daß Er die Engel, die zum erstenmale sündigten, auf ewig in die Hölle verstieß. Mit wahren Gesinnungen und Gefühlen der Buße bezieb dich dann in den Beichtstuhl und beichte dem Priester reumüthig und demüthig, aufrichtig, kurz und deutlich alle Sünden, die du zu beichten schuldig bist, nämlich jene schweren Sünden, von welchen du die Lossprechung noch nicht erhalten hast, wie auch jene, von welchen du zweifelst ob es schwere Sünden sind oder nicht. Sage so viel dir möglich ganz genau, oder doch wie vielmal ungefähr du jede Sünde begangen, oder wie lang du in der Gewohnheit sie zu begehen gelebt hast. Dann gieb auch die Umstände an, welche die Sünde merklich vergrößern oder vergeringern. Um dich vor der falschen Schaam zu bewahren, eine schwere Sünde zu verschweigen oder zu verkleinern, erwäge ernstlich, daß du durch Berschweigung einer Eünde eine neue und große begehst, daß du doch Gott nichts verhehlen kannst, daß du dadurch die Unruhe deines Gewiffens 251 Beichtgebethe. nur noch vergrößerst, und eine verschwiegene Sünde dens noch einmal beichten mußt; daß die Sünde wohl eine Beschämung verdient, und daß der Unbußfertige, der aus Schaam eine Sünde verschwiegen oder aus Menschenschen Christi Heilsanstalt zu benutzen und zum Beichten zu gehen sich geschämt, sich in die Gefahr setzt, einst am Gerichtstage vor dem himmlischen Vater und allen Seinen Geschöpfen beschämt und zu Schanden gemacht zu werden. O könnte ein Verdammter noch beichten! wie würde er alles bekennen! Wie, du bist krank, und du wolltest dem Arzte deine Krankheit nicht entdecken, deine Wunden nicht zeigen? Zuletzt bedenke, daß der Beichtvater dich um so mehr schätzen und lieben wird, je mehr er wahrnimmt, wie aufrichtig du beichtest, wie ernst es dir um deine Be kehrung zu thun ist. Er selbst ein fündhafter Mensch wie du kennt die menschliche Schwachheit und Armseligkeit nur zu wohl und wird gewiß mit dir Mitleid zu haben wife fen. Zudem ist er unter der größten zeitlichen und ewigen Strafe zur immerwährenden, allerstrengsten Verschwiegenheit verbunden. Hast du keine schweren Sünden zu beichten, so klage dich über läßliche Sünden, über deine Mängel, Unvollkommenheiten und Nachläßigkeiten an, und bekenne die früher schon gebeichteten im Allgemeinen, indem du z. B. so sagst: Auch schließe ich vom vergangenen Leben alles ein, was ich durch Unkenschheit, Zorn und Ungerechtigkeit u. s. w. begangen und früher gehörig gebeichtet habe. Bann du nach abgelegtem Bekenntniß deiner Sünden Neu und Leid darüber vor dem Priester erneuert und ihm versprochen hast, dich zu bessern, so bitte ihn um eine heilsame Buße und die Lossprechung, und höre dann aufmerksam und gelehrig die Lehren und Ermahnungen an, welche er dir als Gottes Stellvertreter ertheilt. Wann dir darauf der Priester die Lossprechung gegeben Beichtgebethe. hat, so unterlaß nicht, Gott dem Herrn für die überaus große Gnade, welche dir dadurch zu Theil geworden, recht herzlich zu danken, das dir auferlegte Bußwerk zu verrichten und nimm dir vor, sobald und so viel wie möglich die schuldige Genugthuung zu leisten; gehe dann mit dem trost vollen Gedanken nach Hause, daß dir deine Sünden verge ben sind und fündige nicht mehr. 252 Sollte es dir, o lieber Christ! wenn du das Unglück haft, im Stande einer Todsünde, oder gar ein Gewohnheitssünder zu seyn, schwer fallen zu diesem Heilsmittel deine 30flucht zu nehmen, so bedenke erstens die im Vorhergehenden bewiesene unumgängliche Nothwendigkeit desselben zur Rettung deiner Seele; und dann zweitens daß wir fast alle Frömmigkeit, Heiligkeit und Religiösität, so durch die Barmherzigkeit Gottes im Christenthume ist, der sacra mentalischen Beicht zu verdanken haben. Es wirkt dieses Sacrament insbesondere: Erstens, die Nachlaffung der Sünden. Welcher Trost für dich im Leben und auf dem Sterbebette zu wissen, daß im Augenblick, wo der Priester die Hand ausstreckend sagt: Ich spreche dich los von deinen Sünden 2c. wenn du aufrichtig und reumüthig gebeichtet, alle deine Bergehungen und Missethaten für die ganze Ewigkeit dir verziehen sind! 3weitens, es ertheilt dir wieder die heiligmachende Gnade, die Freundschaft Gottes und das Recht auf das Himmelreich, so du in der Taufe empfangen und durch die Sünde verloren hattest. Wo ist ein Berlust auf Erden, dessen Ersaß du so sehr wünschen Fountest! Drittens, es erwirkt die Erlassung der ewigen Strafe, da an Jenen, die in Christus sind ( bie durch die Gnade Gottes wiedergeboren sind) nichts Verdammliches mehr ist, wie der heil. Paulus lehret. Biertens, es erwirkt, daß die Berdienste der vorigen guten Werke, die man im Stande der Gnade vers 253 Beichtgebethe. richtet hat, wieder aufleben. Fünftens, es ertheilt die Stärke und göttliche Kraft uns vor dem Rück falle in die Sünde zu bewahren und in der Tugend zu beharren. Sechstens, es gibt dem Menschen den verlornen See tenfrieden und die Ruhe des Gewissens wieder. Siebentens, es ist auch von unaussprechlichem Nutzea für die ganze menschliche Gesellschaft, um darin Ruhe, Frieden und Gerechtigkeit zu erhalten. Gebethe vor der Beicht Vorbereitungsgebeth. O Gott! mein Erschaffer, mein Erlöser und mein Helligmacher! der Du den Tod des Sünders nicht willst, sondern daß er sich bekehre und lebe; sieh mit den Augen Deiner unendlichen Barmherzigkeit meine sündhafte Seele an, welche vom bösen Irrwege der Sünde und des Lasters zu Dir, o gütigster Bater! wieder zurükkehrt und durch das Sacrament Deines Sohnes gereinigt und geheiligt zu werden wünscht. Du o Gott! öffnest mir die Augen über die Gefahr und das Elend meines bisherigen Sündenlebens; Du legst mir den Gedanken und den Borsatz ins Herz, mich von den schmachvollen Ketten der Sünde loszureißen. D Barmherziger! Der Du mir ein besseres Wollen gabst, vollbringe nun auch das Werk, welches Deine Liebe und Erbarmung in mir angefangen hat. Erhalte, unterstüße und bestårke mich in meinem Ent 254 Beichtgebethe. schlusse und verleihe mir die Gnade, standhaft und getreu auszuführen, was ich mir mit Deiner Hülfe vorgenommen habe. O Jesus! ohne Den ich nichts vermag, ich glaube daß Du Dich des demüthigen reuigen Sünders erbarmest und ein zerknirschtes, um Gnade flehendes Herz nicht verschmähest. Du bist allzeit geneigt, demjenigen Deine hülfreiche Hand zu reichen, welcher aus dem Abgrunde seiner Sünde und sittlichen Gersunkenheit herauszukommen verlanget. Liebreichster Heiland! Der Du die Büserin Magdalena gnädig aufgenommen und ihr so viele Sünden verziehen haft; Herr! Der Du dem Hause des Zachaus Heil widerfahren ließest, und dem reumüthigen Schächer am Kreuze das Paradies und Deine ewig seligmachende Gesellschaft versprachest; barmherziger Herr und Gott! ich hoffe, Du wirst auch mir Deine Gnade und erbarmende Liebe erweisen und mich so vom Verderbnisse meines Herzens und von den schändlichen Banden meiner Sünden bea freien. Das heilige Sacrament der Buße ist das kostbare Heilsmittel, das Deine Güte und Barmherzigkeit uns hinterlassen hat. Ich glaube, o Jesus! daß Du uns durch dasselbe alle unsere nach der Taufe begangenen Sünden verzeihest und nachlassest; ich glaube, daß der Pries ster, der es verwaltet, Deine Stelle vertritt, und daß Du im Himmel das Urtheil bestätigest, welches er auf Erden über mich ausspricht. Aber Deine Kir Beichtgebethe. 255 che belehret mich, daß ich, um der Gnade der Recht fertigung durch die Lossprechung des Priesters theilhaft zu werden, das reumüthige Bekenntniß aller meiner Sünden vor ihm ablegen muß. Auch diese Lehre glaube ich als eine gewisse von Dir geoffenbarte, unlåugbare Wahrheit. Ich verehre in der heiligen Beichtanstalt Deine eigene, göttliche Anordnung und unterwerfe mich derselben mit unbedingtem, freiwilligen Gehorsam. Da ich fest entschlossen bin, meinerseits alles zu thun, was in meiner Macht steht, um mich deis nes Wohlgefallens wieder würdig zu machen, so darf ich mir mit Zuversicht versprechen, daß auch Du, o Herr! Deine Verheißungen erfüllen und in meinem wichtigen Vorhaben mein Helfer und mein Führer seyn wirst. Du wirst die Finsters nisse meines Verstandes erleuchten, mein Herz zur Reue bewegen, mir Muth zum demüthigen und vollständigen Bekenntnisse meiner Sünden geben. Und wenn ich alle Bedingnisse werde erfüllt haben, unter welchen Du mich wieder rechtfertigen und heiligen willst, so wirst Du mich durch die Kraft dieses heiligen Sacramentes gleich dem verlornen Sohne wieder als Dein Kind in Dein Haus aufnehmen. Berleih mir diese Gnade in Ansehung Deines bittern Leidens und Sterbens. Amen. 256 Beichtgebethe. Anrufung des heiligen Geistes um die Erkenntniß seiner Sünden und die Gnade sie gehörig zu beichten. Gott heiliger Geist, Du Ursprung alles Lichtes, aller Erkenntniß und Wahrheit, Der Du alle Geheimnisse der menschlichen Herzen kennst und ihre verborgensten Gefühle und Gedanken weißt, erleuchte mit einem Strahle Deiner göttlichen Klarheit die Finsternisse meines durch Sünde und Laster geblendeten Geistes, damit alle meine Uebertretungen mir offen vor Augen liegen und ich mich selbst in meiner ganzen Sündhaftigkeit sehe und erkenne. Laß mich meine Schuld und Strafbarkeit so einsehen, wie ich sie einst vor dem lichtvollen Richterstuhie meines Erlösers einsehen werde, wo ich von meinem ganzen Leben, ja von jedem unnützen Worte werde Rechenschaft geben müssen. Ich will daher jetzt mit mir selbst zu Gerichte gehen und mit ernsthafter Aufmerksamkeit und Strenge mich prüfen über das Bôse, das ich gethan, über das Gute, das ich unterlaffen oder nachläßig oder aus unedler Absicht verrichtet habe. Beichtspiegel. Beichtspiegel oder 257 Anleitung zur Gewissenserforschung. Ueber die zehn Gebote Gottes. Erstes Geboth: Ich bin der Herr, Dein Gott; du sollst keine fremden Götter neben mir ha ben; du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, dasselbe anzubethen. Da Gott durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe würdig verehret wird, so bedenke dich zuerst, in wie fern du diesen drei göttlichen Tugenden zuwider ge handelt hast. 1. Wider den Glauben. Hast du nicht vernachlässigt, durch Anhörung des Wortes Gottes dir die nothwendige Kenntniß von Gott, von den Religionswahrheiten und den Heilsmitteln zu verschaffen? Lebtest du nicht in einer selbstverschuldeten Unwiſſenheit desjenigen, was die römisch- katholische Kirche zu glauben vorstellt, und was jedem Christen zur Seligkeit zu wissen nothwendig ist? Hast du allezeit alles geglaubt, was dir als Gottes Offenbarung oder als Lehre Seiner heil. Kirche bekannt war? Hast du darüber nicht gegrübelt oder daran gezweifelt? Hast du nicht aus falscher Schaam und Menschenfurcht die Borschriften und Gebräuche der heil. Religion unterlassen? oder dich gesträubt nach den erkannten christlichen Wahrheiten zu denken und zu handeln? darüber gleichgültig gesprochen, als wäre es nicht wichtig, den wahren Glauben zu haben und zu halten, oder als wäre es gleich, diesen oder jenen Glauben zu haben? 17 Beichtspiegel. Hast du nicht über Glaubenssachen gespöttelt, oder dort wo du es konntest und solltest deinen Glauben nicht vertheidigt und geehret? Hast du etwa fromme Menschen verspottet, geschimpft oder verachtet? heilige Dinge verunehrt oder bespöttelt? über Glaubenswahrheiten, Kirchengebräuche eine anmaßende oder irrgläubige Meinung ausgesprochen und gegen die Lehre der Kirche eigensinnig behauptet? Schwächest oder zerstörest du in dir den Glauben nicht durch Umgang mit unglaubigen, religionlosen Menschen? durch Anhörung gottloser Reden und Grundsätze, irriger, ketzerischer und von der wahren Kirche verdammter Lehren? durch Lesung solcher Bücher, welche wider den Glauben, und dessen ganze und reine Lehre sprechen? Hast du Gott oder Seine Heiligen und heilige Dinge nicht in Gedanken oder mit Worten gelästert? nicht gegen Gott gemurrt? Hast du keine abergläubischen Mittel gebraucht, die Zus kunft zu erforschen, Gesundheit und Reichthum zu erhalten? Grmeckest du auch die göttliche Tugend des Glaubens besons ders bei Anfechtungen wider denselben? Bittest du Jesum Christum, um den so nohwendigen Glauben? 258 2. Wider die Hoffnung. Hast du nie an Gottes Güte und Barmherzigkeit wegen deiner Sünden verzweifelt? Oder hast du im Gegentheile im Bertrauen auf Seine Güte und Liebe vermesfentlich fortgefündigt? Hast du in Widerwärtigkeiten und Leiden die christliche Hoffnung aufgegeben und dich dem Unmuthe überlassen? Hegest du nicht übermäßige Sorgen für das Zeitliche mit zu großem Bertrauen auf deine Bemühungen, mit wenig oder keinem Vertrauen auf Gottes gütige Hülfe und weise Borsehung? Beichtspiegel. Suchest du auch durch die große christliche Hoffnung dich im Unglücke und in Ausübung deiner Berufspflichten aufrecht zu erhalten, und nach dem zu streben was uns Gott verheißen hat? Gründest du glaubenvoll deine Hoff nung auf die unendlichen Verdienste Jesu Christi? Erweckest du auch diese göttliche, stärkende, tröstende und erhebende Tugend, wie die christliche Lehre dich dazn anleitet? 259 Trachtest du auch der Gnade Gottes durch gute Werke, welche die Verheißung des großen göttlichen Lohnes im ewigen Leben haben, treu mitzuwirken und so im Vertrauen auf die Verdienste Jesu Christi deiner Hoffnung den nöthigen und festen Grund zu geben? 3. Wider die Liebe Gottes. Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deis nem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, und aus deinem ganzen Gemüthe; dieß ist das größte und das erste Geboth. Bist du in der Unbußfertigkeit lange und vorsätzlich ves harret? Hast du nie gegen Gott und seine liebevollen Un ordnungen Widerwillen, Haß, Bosheit und Zorn im Herzen getragen oder an Tag gelegt? Hast du Gott nicht die Ihm gebührende Ehre, Liebe und Dankbarkeit für Seine unendlich vielen und großen Wohl thaten versagt? Hast wenigstens frühe Morgens eine gute Meinung gemacht, alles Ihm zu Lieb' und Ehre zu thun und zu leiden und Seine Liebe also dankbar zu erwiedern? Erweckest du auch, nach Vorschrift der christlichen Lehre, die Liebe Gottes in deinem Herzen, und bemühest du dich auch, das was du im Gebethe zu Gott sprichst, wirklich durch deine Werke zu beweisen? Gibst du auch von dem, was Dir zum Vorzuge, Vore theile oder Ruhme gereichen mag, Gott die schuldige Ehre? Beichtspiegel. Bernachlässigest du nicht, täglich eifrig zu bethen, daß du durch Glauben, Hoffnung und Liebe mit Gott vers einigt bleiben mögest? Hängt dein Herz durch Geiz, 3us neigung, oder eine andere Leidenschaft nicht irgend einem Geschöpfe ungebührlich, wider Gottes Gesetz und die Ihm schuldige Liebe an? Denkst du auch nur zuweilen oder gar nicht an Gott im Gewühle und Treiben der weltlichen Geschäfte? 260 3weites Gebot: Du sollst den Namen Gottes deines Herrn nicht vergeblich im Munde führen. Wider dieses Gebot fündigt man durch Gottesläste. rung, durch den Misbrauch des Eidschwurs und durch Brechung der Gelübde. 1. Durch Gotteslästerung. Hast du nicht im 3orne, in Ungeduld, oder sonst Gott gelästert, unehrerbietig von Ihm gedacht, gesprochen? Hast du nicht Gottes, unsers göttlichen Erlösers und der Heis ligen Namen, oder die Namen heiliger, Gott geweihter Gegenstände, wie z. B. Himmel, Sacrament, Crucifix, Kreuz und dergleichen, zum Fluchen und Verwünschen misbraucht? Hast du diese Namen nicht leichtfertig, bei Berwunderung, Ueberraschung, muthwilliger Freude gewohnheitsweise auss gesprochen? Hast du Gottes Wort und Ihm geheiligte Dinge nicht mit Scherzen oder auf sonst eine Weise ver. unehret? Fluchtest du nie den Verstorbenen, die nur noch in Gottes Hand sind? 2. Durch Misbrauch des Eidschwurs. Man schwört, oder thut einen Eid, wenn man zur Bekräftigung, daß man die Wahrheit rede, oder daß man ein Bersprechen halten wolle, Gott als 3eugen der Wahrheit dieser Aussage nennt oder anruft. Beichtspiegel. Hast du, von der rechtmäßigen Obrigkeit aufgefordert, falsch vor Gericht geschworen? Hast du einen gesetzlichen Eidschwar nicht gebrochen oder einen Meineid begangen? Hast du Böses zu thun geschworen? Unerlaubtes beschwos ren? Hast du nicht im Zweifel, leichtfertig und ohne die Wahrheit ganz gewiß zu kennen, geschworen? Hast du zur Versicherung deiner Aussagen und Erzählungen den Namen Gottes misbraucht, Seine Allwissenheit zum Zeugen, Seine Gerechtigkeit zur Strafe angerufen! Hast du mit Schwüren dich oder Andere verwünscht, dir selbst oder Andern zu schaden gedroht? Hast du nicht ein Eheversprechen gethan, dasselbe leicht fertig und ohne eine vor Gott gültige Ursache gebrochen? Wie hast du vielleicht Andere verleitet, dieses Gebot zu übertreten? 261 3. Durch Brechung eines Gelübdes. Man thut ein Gelübde, wenn man sich etwas Gu tes zu thun, nicht bloß vornimmt, sondern sich auch durch ein ausdrückliches, Gott gethanes Bersprechen dazu verbindet. Hast du nicht unbedachtsam, leichtsinnig Gott etwas angelobt? Hast du dein Gelübde gebrochen oder nicht ge halten? Hast du es eigenmächtig abgeändert? Hast du die Erfüllung desselben ohne rechtmäßigen Grund und wichtige Ursache auf lange Zeit verschoben? Drittes Gebot: Gedenke, daß du den Sabbath heiligest. Hast du nicht an Sonn- und Feiertagen ohne Noth und gesetzliche Erlaubniß aus Gewinnsucht dein Handwerk ausge übt und sonstige Arbeiten verrichtet oder Andere dazu angehalten? Hast du an diesen Tagen nicht ohne Noth weltliche Geschäfte besorgt, mit Kauf und Verkauf und unnö: Beichtspiegel. thigen Reisen die dem Gottesdienste und deinem Seelenheile bestimmte Zeit verschwendet? Oder hast du dieselben durch sündhafte Werke entheiliget? Hast du dem heil. Mesopfer gehörig beigewohnt? Haft du dich nicht freiwillig in die Gefahr begeben, keine heil. Messe zu hören, z. B. durch Unternehmung einer Reise, eder Besuchung des Wirthshauses? Kamst du nicht aus eigner Schuld zu spät dazu? Warst du nicht dabei unchrerbietig, freiwillig zerstreut? Hast du nicht die Predigt und Christenlehre versäumit? 262 Biertes Gebot: Du sollst Bater und Mutter ehren, damit du lange lebest auf Erden. Dieses Gebot begreift alle Pflichten gegen die Eltern and Borgesetzten in sich. 1. Gegen die Eltern. Sist du deinen Eltern auch dankbar für alle Müh' und Sorgen, die sie seit deiner Kindheit um dich gehabt haben? Bist du ihnen ungehorsam gewesen und in welchen Stücken? Hast du sie nicht mit rauhen Worten angefahren und erzüent? ihnen geflucht oder sie verwünscht? Hast du ihren Tod nicht herbeigewünscht, um desto cher in Besitz deines Erbtheils zu kommen? Hast du dich ihrer geschämt? sie verachtet? Hast du ihnen Böses nachgeredet? sie verläumdet? Hast du sie in Noth und Armuth hülflos gelaffen? betrübt, gekränkt, zu Schand' und Schaden gebracht, boshaft beleidigt, zu Zorn und Ungeduld durch deine schlechte Aufführung gereizt? ihnen etwas Böses gegönnt oder ges wünscht? Warst du nicht grob, lieblos, unehrerbietig ge gen ste? Bekümmerst du sie nicht durch Widerspenstigkeit, Widerreden, Murren? Hast du nicht ohne ihr Wissen die Ehe versprochen? Hast du ihren lebten Willen vollzogen? Bethest du auch für deine Eltern? Beichtspiegel. 2. Gegen die Vorgesetzten. Hast du deinen geistlichen und weltlichen Vorgesetzten, Meistern, Herren, Lehrern, Priestern die schuldige Ehre bewiesen und willigen Gehorsam geleistet? Hast du dich nicht gegen die Landesregierung, den Fürsten und die Obrige keiten verfehlt? Tadelst du ihre Gesetze und Anordnungen, und widersetzest du dich denselben? Hast du nicht Andere zum Murren und Ungehorsam wider sie verleitet? Eltern und Vorgesetzte, Hausherren, Hausfrauen, Fürsten end Obrigkeiten müssen sich hier auch erforschen, wie sie ihre Pflichten gegen ihre Kinder, Mündel, Pflegbefohlenen, Knechte, Mägde, Untergebenen und Unterthanen erfült haben. 263 Fünftes Gebot: Du sollst nicht tödten. Wider dieses Gebot fündigt man mit Gedanken, mit Worten, mit Handlungen und mit Unterlassungen. 1. Mit Gedanken, oder im Herzen. Hast du Jemanden den zeitlichen oder ewigen Tod, oder sonst ein Unglück gewünscht? Feindschaft gehegt, und wie lange? Hast du aus Groll und Feindschaft Jemanden den Gruß versagt? Hast du nicht gewünscht, Jemanden, gegen den du Zorn im Herzen trugest, zu schaden, dich an ihm zu rächen, ihn nie zu sehen? Freutest du dich über sein Unglück? Betrübtest du dich über sein Wohlergehen? Hast du aufrichtig deinem Nächsten verziehen, Gutes thun und ihn lieben wollen? Hast du wirklich getrachtet und Gelegenheit gesucht, deinen Feind oder sonst Jemand zu tödten und an Leib, Gesundheit, Ehre und Bermögen zu beschädigen oder ihn zu kränken? Hast du dich mit ihm zu verföhnen gesucht oder bist du ihm ausgewichen? Gegen wen begtest du 3orn, Haß und Rachbegierde und Schadenfreude im Herzen? 264 Beichtspiegel. 2. Mit Worten. Hast du Jemand geschmäht, verflucht, verspottet, mit Unbilden bedroht? Andern zur Rache und Beleidigung ge rathen? Hast du Niemanden ein Aergerniß gegeben? zur Sünde verleitet? etwas Sündhaftes zu thun befohlen? dazu gerathen? eingewilligt zum bösen Vorhaben Anderer? dazu gereizt? stillgeschwiegen oder daran Theil genommen? die Sünde, wo du solltest nicht bestraft? Hast du sie vielleicht sogar gelobt und vertheidigt? 3. Mit Handlungen und Unterlassungen. Hast du jemand vorsäßlich selbst oder durch Andere ges tödtet? das Leben verkürzt, an Leib und Gesundheit ge schadet durch Schlagen, Raufen, Verwundungen, durch schädliche Speisen und Getränke, durch Anreizung oder Beranlassung zu großem Zorne, Erbitterung, langwierige Betrübung und Kränkung? Hast du nichts verkauft, was. Gesundheit und Leben zerstören kann? dazu gerathen, oder so etwas selbst gebraucht? Hast du nie selbst dir das Leben zn nehmen oder zu verkürzen gesucht? Eabst du nie Mördern und Räubern Schutz, Beistand und Herberge? Haft du nicht durch unmäßiges Essen und Trinken, durch Unkeuschheit u. f. w. dein Leben verkürzt? Hast du dich selbst oder Andere nicht mit zu schweren und zu vielen Arbeiten überladen? Was hast du zu thun strafbar unterlassen? Sechstes und neuntes Gebot: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Hast du mit Wohlgefallen in unreinen Gedanken, Vorstellungen und Begierden freiwillig verweilt? dieselben unterhalten? ganz darein gewilliget oder sie nur nachlässig aus dem Sinne geschlagen? Hast du an unreine Träume oder frühere Sünden mit Wohlgefallen freiwillig gedacht? - Beichtspiegel. reine Gedanken und Begierden nicht freiwillig in dir er weckt, durch Lesung oder Anhörung sittenloser, schlüpfriger, zotiger Reden, Erzählungen, Geschichten, Romane, Ge dichte, Schauspiele? durch Anschauung unkeuscher, unehrs barer Gemälde, Bilder, Statüen, Tänze? Durch nächtliches Herumschwärmen, unanständige Gesellschaft, Besuch und Umgang? 265 Sündigtest du nicht durch unkensche Reden, zweideutige, die Schamhaftigkeit verlezende Worte, unehrbare Scherze, Späße, Anspielungen, Lieder u. s. w.? in wessen Gegenwart? Wie hast du gegen die standesmäßige Reinigkeit, Scham haftigkeit und Keuschheit gehandelt? Wie hast du dadurch Andern, deinen Kindern u. s. w. Alergerniß gegeben? Hast du nicht unkensche Lieder, oder andere zur Unkeuschheit und Verlegung der ehelichen Liebe und Treue verleitende Schriften verfasst, unlautere Briefe geschrieben? Dergleis chen Lieder und Bücher abgeschrieben und Andern angerathen, mitgetheilt, bei deinen Pflegbefohlenen geduldet? un sittliche Bilder, Zeichnungen gemacht? unanständige Tänze gehalten? Hast du durch freche Geberden, Haltung, Anschauung, Liebkosungen niemanden zur Unkeuschheit gereizt, oder absichtlich reizen wollen? wo? vielleicht sogar in der Kirche? Hast du nicht dir selbst oder Andern an dir etwas wirklich Schändliches, Unerlaubtes oder für die Keusch heit Gefährliches gestattet? Hast du Andere zu diesem Lafter verleitet? durch Schmei cheleien, Geschenke, lügenhafte Versprechungen oder ge waltsam? ledige, verheirathete, verwandte oder Gott ges weihte und durch Gelübde zur Keuschheit verbundene Personen? etwa sogar an einem heiligen Orte? War deine Sünde von besondern Umständen begleitet, wodurch ihre Abscheulichkeit noch größer wird? oder der Art himmelschreiend, daß du dich ganz besonders deswegen schämest? 17* Beichtspiegel. Hast du auch in den Versuchungen gegen diese Gebote durch Fasten, Bethen, den öftern Empfang der heil. Sa aramente dich vor Uebertretung derselben zu verwahren ge sucht und jeden Anlaß, jede Gelegenheit dazu vermieden? Hast du die bösen Folgen deiner Sünden, den daraus entstandenen Schaden, so viel möglich wieder gut gemacht? Siebentes und zehntes Gebot: Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochsen, noch etwas, was sein ist. Hier erforsche dich erstens, ob du nichts ungerechter Weise genommen hast: Hast du fremdes Eigenthum, wie Geld, Kleider, Ge rätte, Getraide mit Gewalt genommen oder geraubt? heim. lich entwendet, oder gestohlen? Nahmst du nicht etwas dem Dienste Gottes Geheiligtes von einem heiligen Orte weg? Hast du nicht durch öftere kleine Diebstähle Einem oder Mehrern Vieles entwendet? Nahmst du ungerechte Zinsen von deinem Gelde, indem du dir des Nächsten Noth, Schamgefühl und Berlegenheit zu nutzen machtest? Hast du sonst Wucher getrieben, indem du bei Kaufverträgen n. s. w. einen ungebührlichen, ungesetzlichen Gewinn nahmst? Hast du bei'm Kaufen und Verkaufen, in Gewicht, Elle oder Maaß betrogen? etwas entfremdet, um dich selbst bezahlt zu machen und schadlos zu halten? gekauft, geborgt, wohl wissend, daß du nicht bezahlen und zurückgeben konntest? 2. Frage dich, ob du nichts ungerechterweise behalten haft: Hast du das Gefundene zurückgestellt? den Eigenthümer aufzufinden gesucht? Hast du nicht von Kindern oder Andern etwas angenommen, was sie dir nicht geben durften? Kauftest oder bewahrtest du nicht gestohlene Sachen auf? Haft du dem, welcher große Noth litt, nach deinem Bermögen 266 - 267 Beichtspiegel. Almosen gegeben? Hast du niemanden seinen Lohn zurück behalten oder geschmälert? Bist du nicht selbst Schuld, daß du deine Schulden nicht bezahlen kannst? Hast du die schuldigen Abgaben u. s. w. gehörig entrichtet? Hast du deinem Nächsten nichts abgepflüget, oder von seinem rechtmäßigen Eigenthume sonst etwas geschmälert? 3. Erforsche dich, ob du Jemanden einen Scha den verursacht hast: Hast du das dir Anvertraute schlecht besorgt, verschlim mert? Hast du für eine schlecht verfertigte Sache, und für unrecht verrichtete Dienste und Arbeiten, dich wie für gute bezahlen lassen? fremde Felder und Gärten 1. f. w. bes schädigt oder beschädigen lassen? junge Bäume beschädigt oder entfremdet? Gabst du nicht falsches Geld, oder falsche Wechselbriefe aus? Führtest du nie ungerechte Processe? Ersetztest du den Schaden nicht? Hast du nicht Erben an ihrem gesezmäßigen Antheile verkürzt? Hast du nicht die Deinigen auf irgend eine Weise in Schaden oder Armuth gebracht? wodurch? Hast du Niemanden bei Amtsrechnungen, Vormundschaft, Verwaltung geschadet? Besißest du kein ungerecht geerbtes Gut? Hast du Andere vor Schaden gewarnet, oder behütet? Wie hast du durch Unwissenheit oder Bernachlässigung deiner Pflichten Andern geschadet? Brachtest du Niemanden unbilligerweise um sein Amt n. f. w. Hast du zum Schaden Anderer einem Unwürdigen oder Unfähigen zu einem Dienste verholfen? Hast dn ein rechtmäßiges Testament u. s. w. unterdrückt oder nicht befolgt? 4. Wie hattest du Antheil an fremder Unge: rechtigkeit? Hast du nichts Ungerechtes befohlen, gerathen, gutges Beichtgebethe. heißen, zugelassen, dazu mitgeholfen, nicht untersucht und gehörigen Ortes pflichtgemäß entdeckt? 5. Erforsche dich, wie du in Gedanken oder Begierden wider diese Gebote gesündiget hast. Hast du den Wunsch gehegt, Jemand zu berauben, zu bestehlen, zu betrügen? Niemanden ein Kleines genommen, mit dem Willen so nach und nach Vieles zu nehmen? Ueberhaupt richte dich bei dieser Erforschung nach der christlichen Lehre: Was du nicht willst, daß dir ges schehe, das thue auch einem Nächsten nicht. Bergiß nicht, daß du den zugefügten Schaden, das ungerechte Gut, so viel und so bald möglich, wieder gut machen und ersetzen mußt. 268 Achtes Gebot: Du sollst kein falsches Zeugniß ge ben wider deinen Nächsten. 1. Hast du vor geistlicher oder weltlicher Obrigkeit ein falsches 3eugniß abgelegt? falsche Zeugen beigebracht? falsche Urkunden ausgestellt? Briefe und Schriften ver fälscht? wahre Urkunden zum Schaden Anderer verheimlichet? dich geweigert, die Wahrheit öffentlich zu bezeugen, wenn du es schuldig warst? 2. Hast du gelogen? im Scherze? dir aus der Noth zn helfen? Andern dadurch zu schaden? und hat deine Lüge ihnen wirklich geschadet? Hast du Jemand etwas Böses falsch nachgesagt? Geschah dein Berleumden vor vielen Per sonen? Wen hast du verleumdet? Belogst du Jemand durch Verstellung, Gleisnerei, Heuchelei und falsche Schmeichelei? Hast du nicht durch Butragen und Ohrenbläserei Schaden und Uneinigkeit gestiftet? Zeugnisse und Siegel verfälscht? ohne Recht Briefe aufgebrochen,-gelesen? anvertraute Geheimnisse verrathen? 3. Hast du durch Ehrabschneiden gesündigt? Hast du nicht dem Nächsten durch Bekanntmachung seiner Mängel, Beichtspiegel. Fehler und Sünden die Ehre geschmälert, ganz geraubt? vor wie Bielen? Hast du die Folgen deiner Ehrabschneidung vorgesehen? Hast du Jemand beschimpft? ihm schändliche und häßliche Namen gegeben? Hast du den Beschimpf ten um Verzeihung gebethen und die verletzte Ehre ersetzt, oder doch zu ersehen gesucht? Hast du Jemand verspottet? ehrenrührische Lieder gegen ihn gesungen? Hast du nicht ohne alles Recht fremde, geheime Schriften gelesen? 4. Erforsche dich über das freventliche, vermes sentliche Urtheil, und den falschen Argwohn? Hast du, ohne hinlänglichen Grund und gute Ursache, einen Verdacht oder Argwohn gegen Jemand gehabt? ihn ohne Noth gegen Andere geäußert? Hast du dadurch Jemand gekränkt oder ihm geschadet? Hast du Jemandes Thun und Lassen vermessentlich als böse ausgelegt? Hast du mit Wohlgefallen ehrverlezende Reden angehört? sie veranlaßt, gefördert, dazu beigestimmt? dieselben nicht verhindert? Hast du den durch solche Sünden verursachten Schaden wieder gut gemacht? 269 Die Gebote der Kirche. 1. Du sollst die gebotenen Feiertage halten. 2. Du sollst die heilige Messe an Sonn- und Feiertagen mit gebührender Andacht hören. Hierüber erforsche dich bei dem dritten Gebote Gottes. 3. Du sollst die gebotenen Fasttage halten, wie auch an den von der Kirche bestimmten Tagen vom Fleischessen dich enthalten. Hast du dieses Gebot ohne erhebliche Ursache übertreten? Warst du nicht rechtmäßig davon freigesprochen? Hast du deine Untergebenen und Andere zur Uebertretung desſelben verleitet oder angehalten? dasselbe getadelt, gemisbilligt? dagegen gemurrt? 270 Beichtspiegel. 4. Du sollst jährlich wenigstens einmal dem verordneten Priester beichten und um die österliche Zeit das heil. Sacrament des Altars empfangen. Hast du jedes Jahr wenigstens einmal gebeichtet? Hast du nicht gottesräuberisch, mit Verschweigung einer schweren Sünde, ohne wahre Reue gebeichtet? Hast du die Lossprechung empfangen und die Buße erfüllt? Hast du in der vom Bischofe festgesetten österlichen Zeit die heil. Communion empfangen? Hast du nicht gottesräuberisch, im Stande einer Todsünde communicirt? 5. Du sollst an verbotenen Zeiten keine Hochzeit halten. Hast du in der Advent- und Fastenzeit und an andern Buß- und Bethtagen dieses Gebot übertreten oder zu solchen Zeiten lärmenden Lustbarkeiten, Tänzen, Spielen, beigewohnt, oder sie veranlaßt? Die sieben Hauptsünden. Hoffart, Geiz, Unkenschheit, Neid, Fraß und Böllerei, Zorn und Trägheit. Wie verfündigest du dich in den sieben Hauptsünden? Durch Hoffart, Hochmuth, Stolz, Eigensinn, Eigendünkel, Halsstarrigkeit oder Starrsinn, Hartnäckigkeit, Unnachgiebigkeit, Unbiegsamkeit, übertriebene Selbstschätzung, zu hohe Werthhaltung seiner eigenen Meinungen, Ansichten u. s. w. Berachtung, Geringschäßung, Miskennung Anderer u. s. w. Eitelkeit, Selbstgefälligkeit, Prahlerei, wegen größerer Sittenreinheit, Frömmigkeit, Heiligkeit, größerer Geistesvorzüge, körperlicher Schönheit, Geschicklichkeit, Ge lehrtheit, wegen größern Ansehens, Bermögens u. s. w. Durch Beichtspiegel. Ehrsucht, Ehrgeiz u. f. w. Wie verletztest du die Demuth, diese christliche Haupttugend; wider Gotts in Glanbenssachen, wider den nächsten, im Umgange, wider dich selbst durch Hegung stolzer; unbescheidener, übermüthiger Gedanken u. s. w.? 822 mi 271 Durch Geiz, Habsucht, übermäßiges Streben nach zeitlichen Gütern, bei Bergessenheit Gottes, des Seelenheiles und der Ewigkeit;-wie weit führte dich diese Leidenschaft in der Vernachlässigung der Pflichten gegen dich selbst? Bist du der Frage unsers göttlichen Speilandes eingededenk: Was nüßt es dem Menschen, wenn er die ganze Belt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden Teidet? Liegt es nicht an deinem hartherzigen Geize, daß es ben Deinigen an der standesmäßigen Erziehung, Versove gung, Hausführung, ant gehörigen Unterrichte, an hinreichender Nahrung und Pflege gefehlt hat oder noch fehlt? Darbt, schmachtet, weint und vergeht nicht ein Nebenmensch, der ohne deinen blinden und unbekümmerten Geiz fich fatt effen, froh und glücklich, ehrlich und tugendhaft seyn, sichy freuen und dir danken, dichy fegnen und Gottes Borsehung preisen würde? niedrogin 22 snowind Durch Unkenschheit, in Gedanken: schlägst du gleich den allerersten bösen Gedanken aus und meidest du sorgsam was ihn erwecken kann? Nimmst du gegen diesen schrecklis chen Feind deines Leibes und deiner Seele die nöthigen JTRAT Mittel zur Hülfe? Betest du viel, wozu Christus so oft hidutin ermahnt? und hältst dich an Gott, ohne Den du nichts und besonders nicht enthaltsam und keusch und rein zu seyn vermagst? Pflegest du eine fromme kindliche Andacht zu Maria der allerkeuschesten und unbefleckten Jungfrau, der gnadenreichen Mutter unsers Gottes und Heilandes Jesu Christi, zum heiligen Joseph, zum heiligen Aloysius und andern Vorbildern der englischen Tugend? Hodoidso Beichtspiegel. Befolgst du die goldene Lehre, an die der selige Thomas von Kempen erinnert: ,, Im Anfange widersteht?" in Worten: vermeidest du besonders vor Kindern- zweideutige, unanständige, anstößige Ausdrücke? in Werken: bist du anständig, sittsam, eingezogen, bescheiden und behutsam in Geberdung, Haltung, Kleidung? Bermeiden deine Augen und Hände alles was dich oder Andere zur Unkenschheit reizen und verführen könnte? Liesest du keine dir gefährlichen Bücher? Bist du wachsam, beschäftigt, thätig, nicht zu weichlich? Meidest du die Gelegenheit? JOHN FRER Durch Neid: warst du nicht traurig bei'm Glücke Anderer und fröhlich bei ihrem Unglücke? Hast du au Neid und Mißgunst gegen deinen Nächsten nichts gesagt, gethan oder unterlassen? Hast du ihn nicht um seine Vorzüge, Chre, Güter beneidet? dje sh 272 1 Durch Fraß und Bötlerei: schadest du nicht durch Unmäßigkeit im Essen und Trinken oder durch die Beschaffenheit deiner Speisen und Getränke deiner Tugend, deiner Ehre, deiner Gesundheit am Leibe, Geist und Seele, deinem Vermögen, deinen Geschäften u. s. w. Wendest du nicht übermäßige Sorge und Aufmerksamkeit auf die Ernährung deines Leibes? Bringst du nicht übermäßig viel Zeit bei Eß- und Trinkgelegenheit zu? Bist du der in sei nen Folgen so äußerst gefährlichen Trunkenheit ergeben? Durch Zorn: zu welchen sündhaften Gedanken, Worten und Handlungen verleitete dich dein Zorn? Worüber ges riethst du in Zorn? Welche strafbare Beranlassung oder Reizung, Geneigtheit oder Gelegenheit zu dieser gefährli chen und unheilbringenden Leidenschaft trägst du in dir selbst, in deinen Verhältnissen? Vermeidest du auch was ihn weckt und reizt? Widerstehst du dem Hange dazu oder überläsfest du dich demselben? Bist du lange im Zorne verharret und unversöhnlich geblieben? Beichtgebethe. Durch Trägheit: im Dienste Gottes, in Erfüllung feiner Standespflichten, in der Ausbildung seiner Geistesfähigkeiten durch Erlernung dessen was zum künftigen Berufe zu wissen und zu können nöthig ist. Hast du nicht befonders aus sträflicher Nachlässigkeit für dein Seelenheil, wo es einige Anstrengung, Thätigkeit und Selbstüberwindung forderte, zu sorgen verabsäumt? Warst du nicht zu träge und bequem auf die Erziehung deiner Kinder den nöthigen Fleiß und die gehörige Sorgfalt zu verwenden? 273 Gebeth nach der Gewissenser: forschung. Barmherzigster Gott! Du verstoßest Niemand, der zu Dir zurück kehrt, wenn er sich durch die Sünde von Dir entfernt hat; Du verleihst dem Sünder Gnade wahrer Reue und aufrichtiger Buße, wenn er Dich darum bittet und Deiner Stimme folgt, die in seinem Gewissen zu ihm spricht. Sieh, Herr! mein Gott und mein Vater! ich Sünder vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, und bitte Dich bei Deiner Liebe und den unendlihen Verdiensten meines Erlösers, Deines Sohnes Jesu Christi: Du wollest mir die Gnade verleihen, alle meine, auch die geringsten Sünden wahrhaft zu erkennen, zu bereuen, gehörig zu beichten, dafür nach allen meinen Kräften genug zu thuen, und mein Leben ernstlich zu bessern. Darum bitte ich Dich, himmlischer Vater durch Jesus Christus uns fern Herrn. Amen. Komm, heiliger Geist! Du Lehrer aller Wahrheit, Du Heiligmacher aller, die die Gerechtigkeit und 18 Beichtgebethe. Seligkeit erlangen; komm und erleuchte mich, damit ich die Größe und Abscheulichkeit meiner erkannten Sünden einsehe; erweiche Du und bekehre mich, daß ich sie von Herzen bereue und nie mehr begehe. Amen. 274 Reue und Leid und Vorsaß. Bater! ich habe unrecht gethan, ich habe Deine heiligen Gebote übertreten, ich habe gesündigt; ich bin nicht mehr werth, dein Sohn, ein Chrift zu heißen. Ich habe Dich, wie einst David, Magdalena und Petrus beleidiget. O möchte ich nun auch wie sie, mich wieder zu Dir bekehren, wie sie meine Sünden beweinen, Buße thuen und ein neues Dir wohlgefälliges Leben beginnen! O mein Herr und mein Gott! hier vor dem Richterstuhle Deiner Gnade flehe ich Deine Barmherzigkeit an. Wende Dein Angesicht weg von meinen Sünden, tilge alle meine Missethaten; erschaff ein neues, reumüthiges Herz in mir und gib mir die Gnade Deines heiligen Geistes wieder. Ich erkenne und bereue alle meine Verirrungen, alle meine Bosheiten. Reinige Du mich von allen, auch den geringsten und den mir ver= borgenen Sündenflecken. Ich bereue von Grunde meines Herzens alle meine Fehler und Uebertretungen, nicht wegen der damit verbundenen zeitlichen Schädlichkeit und Schande vor den Menschen; diese will ich als wohlverdiente Strafe und von Dir angeordnete Folge derselben in bußfertiger Gesinnung geduldig tragen. Ich bereue, hasse und verabscheue Beichtgebethe. die Sünde, weil ich dadurch verdient habe, von Dir in ewiger Strafe getrennt zu werden, Dich nie lieben, Dich nie anschauen zu können; darum will ich 3197 fie mit allen zu Dir Bekehrten lebenslänglich bewei CHL 9001 nen und nie wieder begehen. Ich bereue, hasse und verabscheue sie, weil ich dadurch Deine mir durch die Natur und die Gnade verliehenen Wohlthaten mit Undank vergolten und mich so Deiner fernern Wohlthaten und Gnaden unwürdig gemacht habe. Bornehmlich und über alles hasse, bereue und beweine ich sie, weil ich dadurch Dich meinen Herrn und Gott, das höchste und beste Wesen, das we gen Seiner Selbst alles Gehorsams und aller Liebe würdige Gut beleidigt habe. O wie leichtsinnig habe ich Dich verlassen, wie undankbar Dich ver= gessen, wie schwer Dich erzürnet und beleidiget! Möchte ich es doch endlich erkennen, wie unglück lich ich war, Dir zu misfallen, Dich nicht zu lieben! O möchte ich von diesem Augenblick an Dich nie mehr, auch nicht mit der geringsten Sünde beleidigen. Herr, barmherziger, allmächtiger Gott! Du gibst mir den Willen, mich zu bessern; gib Du mir auch die Kraft dazu! Laff mich auf dem Wege meiner Buße und Besserung aus dem Grunde meines Herzens unaufhörlich sprechen: O höchstes, liebenswürdigstes Gut! mein Gott und mein Alles! Mein Schöpfer, mein Erlöser und Heiligmacher! wie spåt, wie spåt fange ich an, Dich zu lieben! Gmt 450 A THROOM 275 276 Beichtgebethe. Gebeth zu der allerfeligsten Jungfrau Maria. Heilige, reine Jungfrau, Mutter unsers Gottes und Erlösers Jesu Chrifti, Mutter der Gnade und Barmherzigkeit und sichere Zuflucht der armen Sünder, bitt in diesem Augenblick für mich, da mit die Beicht, die ich nun ablegen will, mich nicht noch strafwürdiger mache, indem ich etwas zu diez sem Sacramente wesentlich Erforderliches verabsáus damit ich vielmehr im Gegentheile die Verzeihung des Vergangenen und die nöthige Gnade künftig nicht mehr zu sündigen, darin finden mége. Amen. me, Gebeth zum heil. Schutzengel. Mein lieber Schutzengel, treuer und eifriger Hüter meiner Seele, der Du ein Zeuge meiner Vergehungen warst, hilf mir wieder auf, und trage durch Deine Einsprechungen und Fürbitte dazu bei, daß ich nie wieder in die Sünde zurückfalle, sondern standhaft auf dem schmalen Wege gehe, den du mir weisest. Amen. Gebeth unmittelbar vor dem Eins tritt in den Beichtstuhl. O mein Erlöser Jesus Christus! ich bethe Dich an als den einzigen wahren Hohenpriester Deines Baters, als den Aufseher und Hirten unsrer Seelen, als den Arzt unserer Wunden, als die Auf Beichtgebethe. erstehung und das Leben, als die ewige Wahrheit und den einzigen Weg zur Seligkeit. Die Priester Deiner heiligen Kirche sitzen an Deiner Statt und sprechen in Deinem Namen; aber Du bist es, Der alles thut. Du bist uns in ihnen verborgen; allemn der Glaube, den Du uns gabst, entdeckt, sieht Dich in ihren Personen. Du bist es also eigentlich, dem ich meine Sünden bekennen werde; Du bist es, von dem ich die Vorschrift meiner Buße empfange, von dem ich die mir nöthigen Belehrungen, Warnungen und Aufmunterungen erhalte; Du selbst durch des Priesters Mund wirst mir die Lossprechung von meinen Sünden ertheilen. O darum bitte ich Dich mit dem aufrichtigsten Ernst und dem innigsten Verlan gen: laß mich so demüthig und ehrerbiethig seyn, als kniecte ich wie Magdalena zu Deinen Füßen; so aufmerksam und gelehrig als vernähme ich vou Deinen eigenen Lippen die Worte des ewigen Lebens; und so gerührt, erkenntlich und dankbar, als Enieete ich an Deinem Kreuzesstamme, um in den Stromen des unendlich kostbaren Blutes gewaschen zu werden, welches Du auf demselben zu meinem Heile vergossen hast. Amen. 277 Jeht beichte gemäß dem in der christlichen Lehre empfangenen Unterrichte. ( Vor und nach der Beicht kann man auch sehr füglich mehrere der Tugendübungen aus den Morgen- und Abendgebethen sprechen.) 278 Beichtgebethe. Gebethe nach der Beicht. 3u Dir, o liebenswürdigster Jesus, mein Herr und mein Gott! bin ich zurückgekehrt. Wie ein barmherziger und liebevoller Bater fein reuiges zus rückkommendes Kind, so hast Du mich wieder auf genommen. In diesem geheiligten Beichtstuhle hast Du mich durch die Worte Deines vollmachthabenden Priesters wieder in den glückseligen Gnadenstand gesetzt, den Du mir durch das h. Sacrament der Taufe verliehen hattest. Ich war geistig blind, Du hast mich sehend gemacht; ich war vom häßlichen Aussatze der Sünde verunreiniget und verunstaltet, Du hast mich gereinigt und wieder mit dem schönen Gewande der Unschuld und Gnade befleis det. Meine Sünden sind vor Deinen Augen, wie wenn ich sie nie begangen håtte; Du hast sie durch Dein wieder rechtfertigendes Sacrament ausgetilgt und mir Heiligkeit und Gerechtigkeit wieder geschenkt. In dieser soll ich nun vor Dir fortwandeln und sie in mir zu erhalten und zu vermehren trachten bis ¡ um ewigen Leben. Dieses versprichst Du mir, wenn ich Deine Gebote halte. Ich kenne sie, Herr! ich will sie auch nun unverbrüchlich halten. Ich ſoll gehen und nicht mehr sündigen. Herr Jesus Christus! dieß gelobe ich Dir; Du Allmächtiger! in Dem ich alles vermag, hilf mir! O mein liebreichster und liebenswürdigster Heiland! ewig sei Dein Name hochgelobt! ewig Deine Barmherzigkeit gepriesen! Du bist wahrhaft mein 279 Beichtgebethe. Jesus, das heißt: mein Erbarmer, mein Erlöser, mein Heiland, mein Seligmacher! Du, Der auch, da ich so oft und schwer sündigte, mich nicht ver warf; Der mich wieder in Seine Gnade aufnimmt und unter Seine Kinder zählet, so bald ich wieder zu Dir zurückkehre und mich bessern will. Wie glücklich bin ich, o mein Gott! daß ich wieder in Deinem Hause, wieder unter Deinen Kindern bin; daß ich die freudige und trostvolle Hoffnung in meinem Herzen hegen und sicher festhalten darf, Dich ewig zu loben, lieben und anzuschauen, woferne ich halte was ich Dir versprochen habe. Und hierzu gibst Du mir immer bereitwillig und zuvorkommend Deine Gnade. O lehre Du mich nun auch mein Glück schätzen und alles anwenden, um es nie wieder zu verlieren. Jesus! mein Retter! mein Heiz land! ich erkenne die Fülle und Größe Deiner Erbarmungen; dankbar will ich fernerhin mich Deiz nem heiligen Dienste widmen; nie mehr will ich der Sünde und dem Laster fröhnen; Alles will ich sorgsam fliehen und meiden, was mich vom Wege Deiner Gebote auch nur wenig ablenken könnte. Stärke und unterstüße Du, Allerheiligster Jesus! meinen Willen zur Haltung meines Vorsatzes, damit ich sagen dürfe: Nichts soll mich mehr von der Liebe Jesu Christi trennen ewiglich. Amen. Gerechter, barmherziger Gott! nimm die mir vom Priester auferlegte Genugthuung, so klein sie auch ist, für meine vielen und großen Sünden gnådig auf. Laß sie Dir gefällig und mir zum voll Die sieben kommenen Empfange des heiligen Bußsacramentes hinreichend seyn; darum verleih mir die Gnade, dieses geringe Bußwerk mit gehöriger Andacht zu verrichten. 280 ( Hier verrichte wo möglich die auferlegte Buße.) Nun bin ich wieder gesund geworden; meine Seele ist wieder geheilt. Nun soll, nun will ich aber auch nicht mehr sündigen, damit mir nicht etwas Nergeres widerfahre. Bestätige, bekräftige Du, mein Gott! was Du in mir gewirkt hast. Ich hab's versprochen: Deine Gebote will ich halten; Du, o Herr! sei mein Helfer und mein Ret= ter in allen Gefahren, die meine Seele umgeben. Seligste Jungfrau Maria! Du Zuflucht der Sünder! Du mein heiliger Schutzengel! und ihr meine auserwählten Schuhheiligen! bittet für mich, auf daß ich der Verheißungen Jesu Christi würdig werde. Amen. Die sieben Dusspfalmen oder des königlichen Propheten Davids Neugebethe, welche jeder reuige Sünder auch leicht auf sich selbst anwenden kann. Erster Bußpfalm. Herr! straf mich nicht in deinem Grimme unb züchtige mich nicht in deinem Zorne. Erbarme dich Bußpsalmen. 281 meiner, o Herr! denn ich bin schwach; Herr! heile mich, denn meine Gebeine zittern. Und meine Seele ist sehr betrübt; aber Du o Herr! wie lange zögerst Du, mir zu helfen? Wende Dich wieder zu mir, und rette meine Seele; hilf mir um Deiner Barm herzigkeit willen. Denn im Tode gedenkt man Deiner nicht; und im Grabe, wer preist Dich da? Ich bin matt von Seufzen, schwemme alle Nächte mein Bett mit Thrånen; mit Chránen will ich mein Ruhelager beneten. Mein Auge vergeht vor Schmerzen; unter der Menge meiner Feinde bin ich veraltet. Weichet von mir alle, die ihr Ungerechtigkeit verübt; denn der Herr erhörte die Stimme meines Jammers. Der Herr erhörte mein Flehen; der Herr hat mein Gebeth angenommen. Schamroth und zu Schanden müssen alle meine Feinde werden; zurückweichen sollen sie und plötzlich erröthen. Ehre sei dem Bater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; wie im Anfang, so jetzt und zu ewigen Zeiten. Amen. 3 weiter Bußrsal m. Selig sind, denen ihre Missethaten nachgelassen, und deren Sünden bedeckt sind! Selig ist der Mensch, dem der Herr sein Vergehen nicht zurechnet, und in dessen Geiste kein Falsch ist. Da ich meine Sünden verschwieg, alterten meine Gebeine; ich jammerte und klagte den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lag Deine Hand schwer auf mir; wo ich mich in meiner Angst auch hinwandte, da stach mich der Dorn meines Gewissens. Nun bekannte ich meine 282 Die sieben Sünde Dir: verhehlte Dir nicht långer mein Verbrechen; sprach: ich will dem Herrn meine Missethat bekennen wider mich; und du vergabst mir die Schuld meiner Sünde. Darum soll jeder Fromme dich anrufen zur Zeit, da noch Erbarmung zu finden ist. Dann mögen Fluthen von Strafen hereine brechen; ihn werden sie nicht erreichen. Gott! Du bist meine Zuflucht, mein Retter aus der Angst, låsfest Freudenlieder um mich her erschallen. Ich will dich unterweisen, spricht der Herr, dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst, Meine Augen fest= halten über dir. Werdet nicht dem Rosse gleich und dem Maulthiere, die keine Vernunft habens Baum und Gebiß in ihrem Munde muß fie bardigen, will man sie zum Gehorsame bringen. Viele Plagen treffen den Sünder; wer aber Gott dem Herrn vertraut, den wird Barmherzigkeit umfangen. Freut euch im Herrn und frohlockt ihr Gerechten! rühmt feine Erbarmung ihr alle, die ihr redlichen Herzens seid. Ehre sei dem Bater u. f. w. Dritter Bußpsa I m. Herr! straf mich nicht in Deinem Grimm, und züchtige mich nicht in Deinem Zorn. Denn Deine Pfeile stecken tief in mir, und schwer ist Deine Hand auf mich gesenkt. An meinem Leib ist nichts gesundes mehr vor Deinem Zorn; keine Ruh in meinen Gebeinen vor meinen Sünden. Denn meine Missethaten übersteigen mein Haupt; sie liegen schwer auf mir wie eine ungeheure Last. Meine Wunden Bußpsalmen. gehen in Fäulniß und eitern, um meiner Thorheit halber. Ich bin sehr elend und tief gebeugt; traurig geh ich den ganzen Tag umher. In meinem Einges weide tobt der Brand; Schmerz hat meinen ganzen Leib ergriffen. Ich schmachte kraftlos wie zermalmt; laut jammere ich vor Herzensangst. Herr! Du kennst alle meine Wünsche, und mein Seufzen ist Dir nicht verborgen. Mein Herz ist verwirrt, meine Kraft hat mich verlassen; und meiner Augen Licht sogar, auch dieses ist von mir gewichen. Meine Freunde und nächsten Verwandten stehen wider mich, und die es sonst mit mir hielten, sehen von ferne zu; aber die meiner Seele nachstellen, brauchen Gewalt. Sieh, die mein Unglück wollen, drohen Untergang und sinnen auf Betrug den ganzen Tag. Ich aber bin wie ein Zauber und hör' es nicht; und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut; bin wie ein Mensch, der nichts versteht, der keine Widerred in seinem Munde führt. Denn auf dich, o Herr! hab ich gehofft, Du wirst für mich antworten, mein Herr und mein Gott! Zu Dir bete ich: laß meine Feinde nicht über mich frohlocken; da mein Fuß wankte, spotteten sie meiner. Zur Züchtigung bin ich bereit, die Ursach meines Jammers schwebt stets vor meinen Augen. Denn ich bekenne meine Frevelthat und meine Sünde kråns ket mich. Aber meine Feinde leben und sind mächtig geworden über mich; groß ist die Anzahl derer, die mich unbillig hassen. Sie, die Böses für Gutes vergelten, reden mir übel nach, weil ich der Gec 283 Die sieben rechtigkeit nachstrebe. Verlass mich nicht, o Herr mein Gott! weiche Du nicht von mir. Sei mein Helfer und mein Erretter, o Herr! Du Gott meines Heils. Ehre sei u. s. w. 284 Vierter Bußpfal m. Erbarme Dich meiner, o Gott! nach Deiner großen Barmherzigkeit. Und nach der Menge Deiner Erbarmungen tilge meine Missethat! Wasche mich mehr und mehr von meiner Ungerechtigkeit und reis nige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne mein Verbrechen, und meine Sünde schwebt immerdar vor mir. Dir allein hab ich gesündigt und Böses vor Dir gethan: so mußt Du gerecht erfunden wer den in Deinen Reden, und untadelhaft erscheinen, wenn Du richtest. Sieh, in Sünden ward ich gezeugt und in Sünden hat meine Mutter mich geboren. Sieh! Du liebest die Wahrheit; Du hast mir die verbergenen Geheimnisse Deiner Weisheit geoffenbart. Besprenge mich mit Hysop und ich werde rein werden; wasche mich und ich werde reiner were den als der Schnee. Laß mich Wonne hören und Freude, so werden frohlocken meine zerschlagenen Gebeine. Wende weg Dein Angesicht von meinen Sünden und tilge alle meine Missethaten. Erschaff ein reines Herz in mir, o Gott! und erneuere den rechten Geist in mir. Verwirf mich nicht von Deis nem Angesichte, und Deinen heiligen Geist nimm nicht von mir. Erfreue mich wieder mit Deiner gnädigen Hülfe; stårke mich mit Deinem vorzügliz Bußpsalmen. chen Beistande. Dann will ich den Ruchlosen Deine Wege bekannt machen, und Sünder werden sich zu Dir bekehren. Von Blutschulden rette mich, o Gott! Du Gott meines Heils! und meine Zunge wird Deine Gerechtigkeit preisen. Herr! öffne meine Lippen, auf daß mein Mund Dein Lob verkünde. Denn hättest Du ein Opfer verlangt, ich hätte es Dir dargebracht; aber an Brandopfern hast Du kein Wohlgefallen. Das Opfer, das Dir gefällt ist cin zerknirschter Geist; ein reuevolles gedemüthigtes Herz, das verschmähest Du nicht, o Gott! Handle gnädig an Sion, o Herr! nach Deiner Güte, daß Jerusalems Mauern erbaut werden. Dann laß Dir wieder Opfer der Unschuld gefallen, Brandopfer und Gaben; Kälber sollen dann auf Deinen Altar gelegt werden. 285 Fünfter Bußpfalm. Herr! erhöre mein Gebeth, und mein Geschrei komme zu Dir. Wende Dein Angesicht nicht von mir; neig zu mir Dein Ohr am Tage meiner Trübsal. Eile mich zu erhören, wann ich immer zu Dir um Hilfe ruf. Denn meine Tage verschwinden wie Rauch; wie durres Holz verdorret mein Gebein. Ich bin wie abgemähetes Gras: mein Herz ist welk, denn ich vergesse mein Brod zu essen. Vor dem Geschrei meines Jammers bin ich auf Haut und Gebein abgezehrt. Ich bin gleich dem Pelikan in der Wüste, gleich der Eule in der Mauerhöhle. Ich durchwache ganze Nächte, und bin wie ein ein 286 Die sieben samer Sperling auf dem Dache. Den ganzen Tag lastern mich meine Feinde, und die vorhin mich priesen, verschwören sich wider mich. Asche esse ich mit meinem Brod, mische meinen Trank mit Thrånen vor dem Anblicke Deines Unwillens und Zorns; denn Du hobst mich hoch auf und warfst mich zu Boden. Meine Tage schwinden wie Schatten; ich verdorre wie Gras. Du aber, o Herr! bleibst ewig und Dein Gedächtniß von einem Geschlechte zum andern. Bald wirst Du Dich Sions erbarmen; denn die Zeit, es zu retten, ist angekommen; die Zeit ist wirklich da. Auch an seinen Trümmern haben Deine Diener noch Wohlgefallen; sie tragen Mitleid mit seinem Schutte. Und die Heiden werden Deinen Namen fürchten, o Herr! alle Könige der Erde Deine Herrlichkeit. Wenn der Herr Sion wieder baut, und in Seiner Herrlichkeit darin erscheinen wird. Er achtet auf der Demüthigen Gebeth und verschmäht ihre Seufzer nicht. Das werde für die Nachkommenschaft aufgezeichnet, damit die künftigen Geschlechter den Herrn preisen. Denn Er sieht von Seiner heiligen Höhe herab; der Herr schaut vom Himmel auf die Erde; um der Gefangenen Seufzer zu erhören, frei zu machen die Kinder der Erz schlagenen; damit sie den Namen des Herrn in Sion preisen, Sein Lob verkünden in Jerusalem; wenn Völker sich versammeln und Könige, den Herrn zu verehren. Erliegt auf dem Wege meine Kraft; drohest Du mir, meine Tage abzukürzen; so bethe ich zu Dir: nimm mich nicht weg in der Bußpsalmen. siC Hälfte meiner Tage, Du, dessen Jahre von Ewigkeit zu Ewigkeit sind. Anfangs hast Du, o Herr! die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk Deiner Hände. Sie werden vergehen, Du aber bleibst; sie alle ver= alten wie ein Kleid; wie ein Kleid ånderst Du sie und sie werden verändert. Du aber bleibst immer derselbe, und Deine Jahre nehmen kein Ende. Die Kinder Deiner Verehrer werden das Land bewohnen, und ihre Nachkommen werden zu ewigen Zeiten fortdauern. Ehre sei dem Vater u. s. w. 287 Sechster Bußpfalm. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr! Herr! erhöre meine Stimme! Laß Deine Ohren aufmerksam seyn auf die Stimme meines Flehens. Willst Du der Sünden gedenken, o Herr! wer wird alsdann bestehen? Doch bei Dir ist Versöh nung; und um Deines Gesetzes willen vertraue ich auf Dich. Meine Seele hofft auf den Herrn; auf Seine Verheißung verläßt sich meine Seele. Von der Morgenwache bis zur Nacht soll Israel auf den Herrn hoffen. Denn beim Herrn ist Barmherzigkeit und überflüssige Erlösung. Er wird auch Israel erlösen von allen seinen Sünden. Ehre sei zc. Siebenter Bußpfalm. — 11 Herr! erhöre mein Gebeth! merk auf mein Fle hen nach Deiner Treue; erhöre mich um Deiner Güte willen. Geh nicht ins Gericht mit Deinem Die sieben Bußpsalmen. Knechte; denn vor Dir kann kein Lebendiger sich rechtfertigen. Der Feind verfolgt meine Seele, drückt meinen Lebensgeist zu Boden, verseht mich in Finsterniß wie die längst Verstorbenen. Meine Seele ist geångstigt in mir, mein Herz in meinem Innersten beklommen. Ich erinnere mich der vergangenen Tage, erwäge alle deine Thaten und denke über die Wege Deiner Allmacht nach. Meine Hände breite ich zu Dir aus; meine Seele lechzet nach Dir wie ein durres Erdreich. Eile, Herr! mich zu erhören! mein Geist verschmachtet; wende Dein Angesicht nicht von mir, sonst werde ich denen gleich, die in die Grube sinken. Laß mich frühe hören, daß Du Dich meiner erbarmt hast; denn auf Dich hoffe ich. Zeige mir den Weg, den ich wandeln soll; Dir empfehle ich meine Seele. Herr! rette mich von meinen Feinden, zu Dir nehme ich Zuflucht; lehre mich nach Deinem Willen thun, denn Du bist mein Gott. Dein guter Geist leite mich auf den rechten Weg; um Deines Namens willen, o Herr! gib neues Leben mir. Nette meine Seele aus der Angst nach Deiner Güte; nach Deiner Barmherzigkeit zerstreue meine Feinde. Alle die meine Seele ångstigen, wirst Du vertilgen, denn ich bin ja Dein Knecht. Ehre sei u. s. w. 288 Antiphone. Herr! gedenke nicht der Verbrechen, die wir oder unsere Anverwandten begangen haben, und übe nicht råchende Strafe an unsern Sünden. 289 Communiongebethe. Communiongebethe. Vorerinnerung. Jeder in der christlichen Lehre gut unterrichtete Christ weiß, welch ein großes und heiliges Sacrament er in der Communion empfängt und wie er es würdig empfangen soll und kann. 3ur geziemenden Vorbereitung dazu ist es sehr zweckmäßig, daß du, o Christ! dir die Hauptlehren darüber jedesmal in lebhafte Erinnerung bringest, damit dn immer mehr das Glück erkennest und hochschäßest, das dir in diesem Geheimnisse zu Theile wird. Schau mit den Augen des Glaubens, welches unaussprechliche Heil dir der Herr in einem großen Liebesmale widerfahren lassen will, und tritt ja nie gewohnheitsweise, unvorbereitet und ohne das hochzeitliche Kleid deiner Seele zu demselben hin. Wohl mußt du lange voraussagen: o Herr! ich bin des sen nicht würdig; Du aber mach mich würdig. Denn dieses allerheiligste Sacrament ist das größte, erhabenste und gnadenvollste unter allen übrigen, weil es nicht nur die Gnade mittheilt, sondern auch den Urheber der Gnade selbst in sich enthält. Daher ist auch kein Mittel unter allen, die Gott uns schenken kann, vermögender uns zu bessern und zu heiligen, als dieses hochwürdigste Sacrament. Es ist der Inbegriff aller Wunder des Allmächtigen, ein Wunder der Allmacht und Weisheit, der Güte und Liebe, dessen Größe und Erhabenheit kein erschaffener Berstand zu fassen, keine Sprache auszudrücken vermag. Hier gibt sich Jesus Christus selbst geheimnißvoller Weise dem Menschen zum Genusse, daß Er ihn zum ewigen Leben nähre, und ihm zum 19 Communiongebethe. Unterpfande der Auferstehung und ewigen Se ligkeit diene. ,, Dieß ist das wahre Brod( Joh. VI), welches uns der Vater giebt. Dieß ist das Brod Gottes, welches vom Himmel herabkommt, und der Welt das Leben gibt." Ich bin," sprach der Heiland zu den Juden, die es rühmten, daß ihre Väter in der Wüste das Manna gegeffen, ,, Ich bin das Brod des Lebens; wer zu Mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten."- Da die Juden murrten, daß Jesus gesagt hatte: ,, Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel gekommen ist," da sprach Er unter andern: ,, Wahrlich, wahrlich! Ich sage euch: wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brod des Lebens. Euere Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben. Hier aber ist das Brod, das vom Himmel herabkam, damit Keiner, der davon ist, sterbe. Ich bin das lebendige Brod, vom Himmel herabgekommen. Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brod, das Ich geben werde, ist mein Fleisch, das Ich für das Leben der Welt hingeben werde." Da nun die Juden miteinander stritten und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben, sprach Jesus zu ihnen: ,, Wahrlich, wahrlich! Ich sage euch, wenn ihr nicht effet das Fleisch des Menschensohnes, und nicht trinket Sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer Mein Fleisch ist und Mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und Mein Blut ein Trank. Wer Mein Fleisch ist und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich durch den Vater lebe, so wird auch der, welcher Mich ißt, durch Mich leben. Hier ist das Brod, das vom Himmel herabgekommen, kein solches, wie das Manna, das 290 Communiongebethe. euere Bäter gegessen haben, die dann doch gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, der wird leben in Ewigkeit." Da nun viele von Jesu Jüngern selbst sagten: Das ist ein hartes Wort; wer kann es hören? Da sprach Er zu den Murrenden: ,, Nergert euch das? Wie! wann ihr aber den Menschensohn da hinauffahren sehen werdet, wo Er zuvor war? Der Geist ist es, der da lebendig macht; das Fleisch näht nichts. Die Worte, die Ich zu ench geredet habe, sind Geist und Leben. Aber es gibt einige unter euch, die nicht glauben. Darum," fuhr er fort, ,, habe Ich euch gesagt: Niemand kann zu Mir kommen, wenn es ihm nicht von Meinem Vater gegeben wird." Von da an traten viele Seiner Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit Ihm. Daher sprach Jesus zu den Zwölfen: ,, Wollet ihr nicht auch weggehen?" Nun antwortete Ihm Simon Petrus: ,, Herr! zu wem sollten wir gehen? Du hast Wor te des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, daß Du Christus, der Sohn des le bendigen Gottes bist." - 291 Erinnere dich oft, o frommer Christ! an diese Worte deines göttlichen Erlösers und an die ganze Lehre über Sein heiligstes Altarssacrament, welche Seine unfehlbare Kirche dir treu vorlegt. Eine einzige würdige und mit dem heiligen Andachteifer der Liebe Gottes empfangene Commu nion kann uns auf immer in der Tugend befestigen und uns das ewige Leben sichern. Dieses ist der göttlich liebevolle 3weck, warum der Herr Sich uns zur Speise gibt. Allein wenn wir Ihn empfangen haben, müssen wir Ihn festhalten und nie mehr von uns entlassen, welches durch jede schwere Sünde geschieht. Woher kommt es, daß Manche so wenig Nutzen aus diesem Sacramente ziehen? Daher, daß sie es, was schrecklich wäre, entweder unwürdig, oder doch wenig gut vorbereitet und mit lauem Herzen empfan Communiongebethe. gen, und sich so die größte Quelle des Heiles zum Berderben umschaffen, oder sie gleichsam verstopfen. Der Herr reicht uns Seine Gnaden mit vollen Händen, allein wir müssen sie auch annehmen und mit denselben treu mitwirken und viele gute Früchte bringen. Nebst der Vorbereitung durch das heilige Sacrament der Buße, verrichte schon wenigstens den letzten Tag vorher alles in der Absicht, deine Seele zu dem hochzeitlichen Gottesmahle festlich zu schmücken; wandte im Geiste gesammelt; thue einige gute Werke; lies etwas über dieses heil. Geheimniß in einem geistlichen Buche; besuche das Hochwürdige Sacrament, wenn auch nur auf eine Viertelstunde, und bethe mit Herzensinbrunst zu dem göttlichen Gaste, den du morgen empfangen sollst. Schlafe ein in dem trost- und freudevollen Gedanken: Morgen werde ich meinen Herrn und Gott empfangen! 292 Gebethe vor der heiligen Communion. Wenn man von der Liebe Jesu Christi durchdrungen ist, wenn diese Liebe das Herz erfüllt, erwärmt, rührt und bewegt, so bethet man ohne vorgeschriebene Muster leicht und gut, so macht man sich ein einziges Bater unser zum schönsten und passendsten Communiongebethe. Weffen dann das Herz voll ist, davon läuft der Mund über; das Feuer, das es durchglühet, erzeuget Gefühle und Gesinnungen, die keines eigentlichen Ausdruckes durch Worte bedürfen. Diese Stimmung und Verfassung des Herzens ist felbst das herrlichste, vortrefflichste Gebeth. Man erscheint dann in frominer Bescheidenheit, ehrerbietig und demüthig im Hause des Herrn; und unter beständiger Bezeugung des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Demuth, der 293 Communiongebethe. Reue und des guten Willens harret man mit heiliger Sehnsucht des glückseligen Augenblickes, wo man zum Gnadentische tritt und seinen Herrn und Gott empfängt. Es gibt nichts destoweniger Seelenzustände und Gemüthslagen, wo man sich so trocken, spröde, hart und schwerfällig fühlt, daß man nöthig hat, durch vorgeschriebene Gebethmuster unterstützt zu werden. Die heilige Theresía hat den Nußen derselben oft erfahren, und sie selbst hatte sich gewisse sehr lebendige und innige Gebethe geschrieben, um ihren Eifer und ihre Liebe bei der heil. Communion zu entzünden; damit, sagte sie, ich mich in dem was ich niederschrieb, suche und selbst wiederzufinden trachte; denn, mein Gott! oft fühle ich mich so schwach und träge, daß ich nicht mehr weiß, was aus Deiner Magd geworden ist. Allein diese Gelegenheiten und Bedürfnisse sind doch selten. 3u andern Zeiten muß man seine Andacht, seine frommen Gefühle, Liebe und andere Tugenden auf mannigfache Art auszusprechen suchen. Denn sich zu buchstäblich an bestimmte Gebethe halten, möchte wohl zwei schlimme. Wirkungen hervorbringen: erstens, das Herz lan und schläfrig zu machen, aus Mangel an hinreichender Uebung; zweitens ihm wegen des ermüdenden Einerlei's lleberdruß und Gedankenlosigkeit zu verursachen. Doch ein lebendiger Glaube, zuversichtliche Hoffnung, kindliches Vertrauen und die heilige Liebe Gottes im Here zen sind beredt und lehren bethen. Die folgenden Muster sollen frommen Ceelen nur eine Abwechselung und einen Anhalt geben. Wer sie ganz sprechen will, der wird es mit Nußen thun, wenn er die darin ausgedrückten Gedanken, Gesinnungen, Gefühle, Bitten u. f. w. ganz zu den seinigen macht. Communiongebethe. Bethen wir vorzüglich hier im Geiste und in der Wahrbeit Gott an, damit nicht auch uns der Vorwurf treffe: dieses Volk ehret mich mit den Lippen, aber sein Herz ist fern von Mir. Herr! lehre Du uns bethen! 294 Vorbereitungsgebeth. Wenn mich ein großer Herr oder ein besonders hochachtungswürdiger Freund besuchen will, so bereite ich mich auf seinen Empfang vor; um wie viel mehr soll ich mich nun gehörig vorbereiten, Dich zu empfangen, Jesus Christus! der Du mich nicht allein mit Deinem Besuche, wie einst den Sachaus und Andere, sondern mit Deiner beständigen Gegenwart beehren willst. Ich weiß, wer Du bist. Du bist der Sohn des lebendigen Gottes, der Messias, nach Dem die glaubvollen Altvåter so lange geseufzet; Du bist mein allerhöchster Herr, Du bist mein Gott! Du bist zu gleicher Zeit wahrer Mensch, und nennst Dich meinen Bruder, wofern ich thue, was Du willst; Du bist mein allergrößter Freund und Wohlthäter, der mich zu erlösen Sein Leben für mich gelassen hat; Du bist mein Lehrer, mein Gesetzgeber und mein Richter; Du bist es, Der allein Wunder thut, von Dem alle Macht, alle Weisheit, aller Segen herströmet; Du bist der gute Hirt, der wunderthätige Arzt, der liebevolle Heiland, der mich hier heilen, besser und heilig und dort ewig selig machen will. Da ich solches weiß, o so wünschte ich Dir eine würdige Aufnahme, eine angenehme Communiongebethe. Wohnung auf immer in meinem Herzen zn bereiten. Allwissender, allmächtiger Herr! ohne Dich vermag ich dieses nicht. Du weißt, wie Du mein Herz haben möchtest. Wecke Du in ihm den Glauben, den Du überall suchtest, die Hoffnung, die Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit einflößt, die Liebe, deren Feuer Du auf Erden brennen sehen möchtest, die Demuth des Hauptmannes, die Reue des David, des verlornen Sohnes, der Magdalena, des Petrus; die Bereitwilligkeit und den Eifer des Paulus; das Berlangen der alten Gerechten, Pac triarchen und Propheten und die heilig entzückende Freude des Simeon, der Dich auf seinen Armen trug. Herr! Du Selbst ordne und schmücke das Haus, in welches Du einkehren willst. 295 Jungfräuliche, reinste, seligste Mutter meines Heilandes! hilf mir Deinem Sohne eine würdige Aufnahme und Wohnung in mir bereiten. Du mein Schußengel! Du mein Namenspatron! ihr seligen Geister und Heiligen alle! geleitet mich zum Tische meines Herrn, bittet für mich, und ersetzet das Viele, was meiner Andacht und schuldigen Ehrerbietigkeit noch abgeht. Glaube. O Jesus! Du bist die untrügliche Wahrheit; darum glaube ich alles was Du uns durch Deine Worte und durch Deine heilige Kirche zu glauben vorstellest. Du hast die Worte des ewigen Lebens, und wer Deine Kirche höret, der höret Dich. Besonders glaube Communiongebethe. ich, daß Du in diesem Sacramente wahrhaft gegenwärtig bist, und daß ich Dich durch die heilige Communion unter der Gestalt des Brodes wiewohl unsichtbar in Deinem wahren menschlichen Fleisch und Blüte und zugleich Dich meinen wahren Gott empfangen werde. Herr! vermehre Du meinen Glauben. Amen. 296 Hoffnung. Liebreichster Jesus! indem ich auf Deine huldvolle Einladung zu Dir komme, hoffe ich Deiner Verheißungen theilhaftig zu werden. Ich hoffe und ver= traue, Du werdest diese meine Hoffnung fest begründen, meinen Glauben stets lebendig und thắtig erhalten, und mir die Gnade verleihen, durch treue Haltung Deiner Gebote in ewiger Liebe mit Dir vereinigt zu bleiben. Ich hoffe so die volle Wirkung Deines Sacramentes zu empfangen; hiernieden Dir allein zu leben, in Dir zu sterben, und von Dir wieder auferweckt zu werden, um ewig glückselig mit Dir zu leben. Amen. Liebe. O liebenswürdigster Jesus! ich liebe Dich von ganzem Herzen, und ich will nichts außer Dir lieben, was meine Liebe zu Dir mindern oder erldfchen könnte. Herr! wie sollte ich Dich nicht über alles lieben, da Du an Dir selbst, als das vollkommenste Wesen meiner und aller möglichen Liebe so würdig bist? Wie sollte ich Dich nicht von gan= Communiongebethe. 297 zer Seele und aus allen meinen Kräften lieben, da Du mich zuerst ohne mein geringstes Verdienst so sehr geliebt haft? Ja, Herr mein Gott und Erlöser! ich liebe Dich und will Dich ewig lieben. Du bist mein größter, großmüthigster Freund. Als solcher starbst Du nicht nur für mich, als solcher willst Du sogar Dich mir mit Deinem auferstandenen wahren Menschenleibe und in der Fülle der Gottheit wunderbarerweise hier zur Speise und zum Tranke hergeben. O wer sollte eine solche Liebe nicht erkennen und mit dankbarer Gegenliebe erwiedern! Ja, Herr! ich liebe Dich! Du weißt, daß ich Dich liebe. Mit Johannes, mit Magdalena und Petrus will ich Dich lieben. Du Allmächtiger! vermehre meine Liebe, und lasse sie nimmermehr erkalten. Amen. ne u e. O wie spåt habe ich Dich geliebt, mein Herr und mein Gott! Du ewige Güte, Schönheit und Vollkommenheit. Statt Dich zu lieben, habe ich Dich beleidigt. Herr! dieses habe ich erkannt und bereut; ich habe nach Deiner Anordnung Deinem Priester meine Sünden gebeichtet und in Deinem Namen hat Er mich davon losgesprochen. Ich will fie nun lebenslänglich bereuen und Dich nie wieder beleidigen. Vermehre Du, o Allerheiligster! diese meine Neue und reinige mich immer mehr und mehr von meiner Sünde. Gib mir ein zerknirschtes, Dir wohlgefälliges Herz, daß ich Dich um so mehr liebe, je mehr Du mir verziehen hast. Amen. 298 Communiongebethe. Demuth. Wenn Simon Petrus, dem Du, o Jesus! bei'm letzten Abendmale die Füße waschen wolltest, im Gefühle Deiner Erhabenheit und Heiligkeit, und seiner eigenen Geringheit und Sündhaftigkeit, demuthvoll zu Dir sprach: ,, Herr! Du solltest mir die Füße waschen? In Ewigkeit sollst Du mir die Füße nicht waschen!" mit wie viel größerm Fuge kann ich jetzt ausrufen: Herr! geh von mir, denn ich bin ein sündhafter Mensch! Ich bin nicht würdig, daß Du unter mein Dach eingehest! Ich bin nicht würdig, daß Du auf eine so wundervolle Weise mich heimsuchest und Dich mir ganz schenkest; denn ich bin ein Sünder, ein unreiner Sünder. Allein wie Du zum Petrus sagtest: ,, Wenn ich Dich nicht wasche, so hast Du keinen Theil an Mir," worauf er erwiederte: ,, Herr! nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt," eben so sagtest Du auch: ,, Wenn ihr nicht effet das Fleisch des Menschensohnes und nicht trinket Sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch." Darum komme ich, o holdfeligster Herr Jesus Christus! auf Deinen Befehl zum wunderbaren Gastmahle, worin Du mit Deinem ganzen Wesen Selbst mich erquicken- und zum ewigen Leben stårken willst. Ach, woher kommt mir dieß, daß mein Herr und Gott Sich mir, der ich ein Sünder bin, so liebevoll schenken will? Der heilige Johannes der 1 299 Communiongebethe. Täufer, der nach Deinen Worten mehr war als irgend einer der Propheten, der Dein auserwählter Vorläufer war, wollte Dich aus Demuth nicht taufen und sagte zu Dir: ,, Ich habe nöthig von Dir getauft zu werden und Du kommst zu mir?!" Erst als Du zu ihm sprachst: ,, Laß es jetzt nur geschehen; denn so ziemt es sich für uns alle, Gerechtigkeit zu erfüllen, da ließ er es Dir zu. - Ja, er hielt sich nicht einmal für würdig, Dir auch nur die Riemen Deiner Schuhe aufzulösen. Und ich mit so vielen Sünden und Mångeln behafteter armselige Mensch soll Dich, o Allerheiligster! sogar in mein Herz aufnehmen und bewirthen? Herr ich bin dessen nicht würdig; Du aber reinige mich und mache mich Deiner gnadenvollen Heimsuchung würdig. Amen. - Bewunderung und Ehrfurcht. O Du allergrößter Freund der Menschenkinder! o Du allerbarmherzigster Gott! Dessen Freude es ist unter uns, in uns zu wohnen! wie gütig, wie herablasfend, wie unaussprechlich liebreich bist Du! Was ist der Mensch, Dein gebrechliches Geschöpf, daß Du ihn so achtest, daß Du ihn heimſutchest? Was bin besonders ich, daß Du, mein Herr und mein Gott! zu mir kommen und Wohnung bei mir nehmen willst? Ich sollte mehr als die heiligen Engel und reinen Geister voll Ehrfurcht vor Dir zittern, wenn ich Deine Größe nach meinen beschränkten Verstandeskräften bedenke, wenn Communiongebethe. ich meine Geringheit und Sündhaftigkeit erwäge. Weil Du aber sagst: Kommet alle zu mir! so komme ich; weil Du befahlst: Lasset die Kleinen zu mir kommen! so lege ich alle Furcht ab und bitte Dich: mache mich wahrhaft klein in meinen eigenen Augen, vor Deinem heiligen Angesichte, damit ich der unendlichen Gnade empfänglich werde, welche Du mir erweisen willst. Amen. 300 Freude und Verlangen. Freue dich meine Seele! freue dich und frohlocke! dein Erlöser, dein König und dein Gott! dein guter Hirte, dein Bräutigam, dein treuester Freund und größter Wohlthäter kommt zu dir; Er ist das Lamm Gottes, welches vertilget die Sünden der Welt. Er bewies dir Seine Liebe durch Seinen Tod; Er will dir hier eine noch größere erweisen. Freue dich, Erlöste des Herrn und frohlocke! Er hat dir in Seinem Lossprechungssacramente Deine Sünden verziehen; Er will ewig ihrer nicht mehr gedenken; Er hat dir die Verdienste Seines Todes zugewandt und dich in Seinem Blute rein gewaschen; geschmückt wie eine reine Braut hat Er dich zu Seinem Gastmahle; hier will Er dir sein ganzes Wesen und Leben sogar schenken, damit du mit Ihm lebest und selig seiest ewiglich. Freue dich, meine Seele! dein König, dein Herr und Gott kommt zu dir, fanftmuthig, huldvoll und wunderbar. So komm denn, Herr Jesus! komm, mein Herz - Communiongebethe. 301 ist bereit, o Gott Heiland! mein Herz ist bereit. Deine wundervoll liebreiche Güte hat es mit Verlangen nach Dir erfüllt. Es will sich Dir ganz hine geben. Komm denn; o liebwerthester Erlöser, Du meine Ruhe, mein Heil, meine Seligkeit! ohne Dich, Du göttlicher Freund meiner Seele! bin ich gleich einem vertrockneten Erdboden; in Dir finde ich die Quelle des ewigen Lebens. Du lebendi ges Brod, das vom Himmel gekommen ist, das allen Genuß, alle Stärke und Süßigkeit in sich ente hålt, komm, ernähre mich; ohne Dich kann ich nicht leben. Außer Dir ist nichts im Himmel und auf Erden, was mir wünschenswerther und lieber wäre als Du, o Gott meines Herzens und mein Erbtheil in Ewigkeit. Gleichwie der dürstende Hirsch nach einer Wasserquelle lechzet, so sehnet sich meine Seele nach Dir, o Gott mein Heiland! so dürstet sie nach Dir, o Jesus! der Du das Verlangen aller Gerechten, das Licht und Heil aller Völker bist. Komm, Herr Jesus! komm! Gebethe nach der heiligen Communion. SỬn be tung. O mein anbethungswürdigster Herr und Gott Jesus Christus! Dem sich alle Kniee beugen sollen derer die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind( Phil. II. 10); ich getraue mir, mit 302 Communiongebethe. Dir zu sprechen, der ich doch nur Staub und Asche, der ich ein sündhafter unvollkommener Mensch bin, da doch Deine vollkommensten Geschöpfe, die seligen himmlischen Geister in heiliger Ehrfurcht vor Dir erbeben. Mit denselben und mit den 3ungen aller Heiligen und Deiner noch hier auf Erden kämpfenden Gerechten bekenne ich Dich und bethe Dich an, ehre und lobe Dich als meinen Herrn und meinen Gott, als meinen liebevollen Erlöser und meinen künftigen Richter. Dir, dem Könige der Ewigkeit, dem Unvergånglichen, Unsichtbaren, jetzt meinem allerfreundlichsten, gnadenreichen Gaste und Seelenbrautigam, Dir, o Jesus! dem wahren Gott! sei Ehre und Preis, Ruhm und Anbethung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Liebe. So habe ich denn das unaussprechliche Glück, Dich gefunden zu haben, Dich in meinem Herzen zu besitzen, o du Freund der Menschenkinder! Du bist bei Deinem Geschöpfe eingekehrt; Du hast Dich mir Deinem Erlösten ganz geschenkt; o welche Güte und Gnade, welche Herablassung! Herr! da Du mich so liebest, da Du mir so göttlich mildreich entgegen kommst, wie soll ich Dich dagegen lieben, was soll ich Dir dafür thun? O könnte ich Dich nun auch lieben, so sehr Du verdienst, geliebt zu werden! Möchte ich nun auch in allem nach deinem Wohlgefallen leben, in allem Deinen heiligen Willen thun!- Herr! mein Gott! ich liebe Dich! Du 303 Communiongebethe. weißt, daß ich Dich liebe. Von ganzer Seele, von ganzem Herzem, aus allen meinen Kräften liebe ich Dich; über alles will ich Dich lieben ewiglich. Was konntest Du mir mehr thun? Allmächtiger! Sieh denn, o Gott, Der Du mir eine solche Liebe erweisest, daß Du mit Deiner ganzen göttlichen Macht mir nichts Größeres schenken kannst, sieh, ich gebe Dir mein Herz, das Einzige was Du von mir verlangst, das Einzige was ich Dir mit der Willensfreiheit schenken kann, die Du mir anerschaffen hast. Durch die Sünde hatte ich meine Freiheit misbraucht, durch die Sünde Dir dieses Herz verweigert, das Du für Dich gemacht hast. Aber Barmherzigster! Du hast die Sünde in ihm ausgelöscht, Du hast es von der Sklaverei des Bösen, Deines Feindes erlöset, Du hast ihm seine ursprüngliche Freiheit wiedergegeben, Du hast Dich selbst ihm geschenkt. Sieh denn nun, Herr! ich benutze dieſe neue köstliche Freiheit; ich will gegen eine solche Liebe nicht undankbar seyn; von neuem übe ich meinen von Dir stammenden freien Willen; ich gebe Dir dieses nun von Dir selbst geheiligte, befreite Herz zurück, daß es Dich lebenslänglich, daß es Dich ewig liebe und Dein sei. Ich schenke es Dir ganz ohne Vorbehalt, mit dem innigsten Wunsche, daß es nie was anderes liebe als Dich und alles in Dir und für Dich. Durch Deine Gnade habe ich Dich in meinem Herzen, o Du göttlicher Liebhaber meiner Seele; durch Deine Gnade, mit der ich alles vermag, will ich Dich festhalten, 304 Communiongebethe. bewahren und nie von mir lassen. Entzünde, Herr! auf immer dieses Herz, Dein mit so vielem Recht nunmehriges Eigenthum, mit der Gluth jenes Feuers der Liebe, das Du auf die Erde zu senden kamst( Luk. XXII. 49.) und laß es darin brennen bis in Ewigkeit. Amen. Allerseligste Jungfrau Maria, heiligste Mutter meines Erlösers, Du meine große Fürsprecherin und Beschirmerin! mein heiliger Schußengel! ihr seligen Geister und Heiligen alle, leihet mir in diesem Augenblick eure liebevollen Herzen, daß ich meinen Sesus liebe und mit den stärksten Banden der Liebe mit Ihm verbunden bleibe. Liebet Ihn jetzt hier für mich und erbittet mir von Ihm die Gnade, Ihn in eurer Gesellschaft zu lieben ewiglich. Amen. Danksagung. Welche Danksagung von mir unvollkommenen Menschen käme wohl der unendlichen Gnade gleich, die Du, o mein göttlicher Wohlthäter! mir jetzt erzeigt haft? Durch welche Worte der Anerkennung und des Dankes könnte ich, Dein in allem beschränk= tes Geſchöpf, dem selbst für Engelzungen unaussprechlichen Heile, das Du mir heute widerfahren låssest, etwas Würdiges und Angemessenes erwiedern? Durch welche Handlung vermöchte ich, schwacher Sterblicher, Dir diese unendliche Wohlthat zu vergelten? Für mich zu sterben, o liebenswürdigster, dankwerthester Heiland! war Dir nicht genug; Du wolltest Dich Selbst mir zum Beweise Deiner Liebe, zum Communiongebethe. 305 Unterpfande Deiner Verheißungen geben. Was soll, was kann ich Dir dafür wiedergeben? Doch Du hast uns ja Selbst die Mittel angewiesen, Dir würdig zu danken; Dein Altarssacrament und mit Ihm vereinigt mein Herz bringe ich Dir in der heiligen Messe als Dankopfer dar, und dabei werde ich lebenslang, ja ewig, Deine unendliche Barmherzigkeit loben und verkünden. - Ja, preise den Herrn, meine Seele, danke deinem liebevollen Gott und Heiland, erkenne und bekenne Seine grenzenlose Güte! preise Seine Größe und Herrlichkeit! befinge ewig Seine Liebe und Erbarmung. Denn Er hat nicht nach deinen Missethaten mit dir gehandelt, sondern statt der wohlverdienten Strafen nach strengem Rechte, dir unendliche Milde und Gnade widerfahren lassen. Nun danket dem Herrn mit mir, ihr seligen Geister und Heiligen alle; denn Seine Barmherzigkeit währet ewig. Große Wunder thut Er an uns; das wahre Brod vom Himmel hat Er uns gegeben. Fürchten wir Ihn und lieben wir Ihn denn! Danket dem Herrn des Himmels, denn Er stiftete uns ein Denkmahl Seiner unendlichen Liebe. Lobet den Herrn ihr Völker alle! lobet Ihn Große und Kleine! Alles was lebt und ist, lobe den Herrn! denn bestätigt ist Seine Barmherzigkeit über uns, und Seine Treue und Wahrheit bleibet ewig. Mein Mund soll das Lob des Herrn besingen; alles was Geist und Leben hat, preise dankbar mit mir Seinen heiligen Namen, jetzt und zu ewigen Zeiten. Amen. 20 Communiongebethe. Bitte. Unerschöpfliche Quelle alles Guten, Jesus! Dem alles gehört was der Vater hat, aus Dessen Fülle wir Alle empfangen. Gnade über Gnade,( Joh. XVI. 15. und I. 16) Du bist jetzt in mir, voll Liebe, Güte und Freigebigkeit, reich an Gnaden aller Art, die Du bereit bist in mein Herz auszugießen und Früchte zum ewigen Leben tragen zu lassen. Gutigster, mildthätigster Heiland! gieße sie in mein Herz, bereichere es damit nach allen meinen Bedürfnissen. Sich, wie schwach und arm ich bin; sieh, wie reich und mächtig Du bist. Nimm weg aus meinem Herzen, was Dir darin mißfält. Lege Du hinein was es Dir angenehm und gefällig machen kann. Reinige meinen Leib; heilige meine Seele; wende mir die Verdienste Deines Lebens und Sterbens zu; vereinige Dich mit mir, keuscher Seelenbräutigam! vermähle meine Seele mit Dir und laß sie ewig Dich treu und zärtlich lieben. Lebe in mir damit ich in Dir lebe, durch Dich und auf immer nur für Dich lebe. 306 Schalte in mir nach Deinem Wohlgefallen. Nicht mehr mein Wille, sondern der Deinige geschehe in allem! Verleih mir die Gnaden, welche Du weißt, daß mir nöthig sind. Laß mich Dich immer besitzen, so bin ich reich genug. Nimm mich o Herr! und mache mich ganz zu Deinem unveräußerlichen Eigenthum. O mein Heiland! Jesus Christus! Du bist zu mir gekoms men mit dem Vater und dem heiligen Geiste, um Wohnung in mir zu nehmen.( Joh. XIV. 23.) O daß nun's Communiongebethe. 307 mehr nicht ich lebe, sondern Du in mir lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen. Hier bringe Deine besondern Bitten und Fürbitten vor. Was wird Dir der Herr versagen, Der Sich Selbst dir geschenkt hat, und in Dessen Namen Du jetzt vorzüglich beten kannst? Herr! ich entlasse Dich nicht, bis Du mich gesegnet hast.( 1 B. Moſ.) Aufopferung und gute Vorsätze. Barmherzigster, liebreichster Gott! Du überschütz test mich mit Deinen Gaben, Du überströmest mich mit Deinen Tröstungen und Gnaden. Selbst hast Du Dich mir geschenkt; und in Dir willst Du mit unendlichen Wohlthaten mich überhäufen. Was werde, was kann ich Dir dafür wiedergeben, o mein freigebigster Gott und Heiland? Indem Du Dich mir schenkst, willst Du, daß ich nur für Dich leben soll. Nun Herr! es soll geschehen! mein innigster Wunsch, mein heißestes Verlangen ist es, ganz der Deinige zu seyn. Was ich immer von nun an denken, wünschen, vornehmen und thun werde, soll vollkommen mit diesem Wunsche übereinstimmen. Alles was Du mir zum Gebrauche dieses Lebens geliehen hast; alles womit Du mich zu Deiner Ehre und zur Verherrlichung Deines Namens begabt haft: Leben, Gesundheit, Wohlgestalt und Stärke, Munterkeit und Kräfte, Vernunft, Verstand, Gedächtniß und freier Wille, alle Leibesvorzüge und Geistesanlagen, Ansehen, Macht und Einfluß bei den Menschen, Communiongebethe. Ehre und Vermögen, Kunst, Wissenschaft und Geschicklichkeit, alles, alles, o mein Herr und mein Gott! schenke ich Dir, gebe ich Dir zurück; meinen Leib, meine Seele, mein ganzes, ungetheiltes Herz gebe ich Dir. Möge alles in mir Deine Ehre und Deinen Ruhm bevördern, anbethungswürdigster Heiland! Möge Dir alles in mir meine Liebe und vollkommene Ergebenheit bezeugen. Göttlicher König meines Herzens! herrsche unumschränkt über meinen Willen; Dir unterwerfe, Dir opfere ich ihn. Nachdem Du mir eine solche Huld und Gnade erwiesen hast, soll nichts mehr in mir seyn, was nicht vollkommen Dein wäre. Amen. 308 ODu Langmüthigster, Großmüthigster aller Freunde! holdseligster Jesus! Möge fernerhin mich nichts mehr von Dir scheiden! Von ganzem Herzen entsage ich allem, was mich von Dir so lange getrennt, so weit entfernt hatte. Auf Deine allmächtige Gnade vertrauend nehme ich mir fest vor, auf's sorgfältigste alles zu meiden und zu fliehen was meinen Bund mit Dir brechen könnte, was die heiligen Bande auch nur locker machen könnte, die mich jetzt so selig mit Dir, meinem göttlichen Bräutigam, verknüpfen. Nun denn also, weg mit allen Gedanken, Begierden, Worten oder Handlungen, die im geringsten die Schamhaftigkeit oder christliche Liebe verletzen! Kein Zorn und keine Ungeduld, kein Fluchen und Schwören, kein Schimpfen und Schmähen, kein Verläumden, kein Ehrabschneiden und Uebelnachreden Communiongebethe. mehr! Weg mit Lug und Betrug, mit Streit, Hader und Gezänke! Keine gesetzwidrigen und gefährlichen Verbindungen mehr! Weg mit allem Umgang, mit allem Gespräche, mit aller Freundschaft und Unterhaltung, wodurch ich die Freundschaft und Liebe meines Gottes verlieren könnte! Fort mit Neid, Misgunst, Geiz und Hartherzigkeit! In jedem Menschen, besonders in jedem Unglücklichen, Leidenden und Armen will ich Dich Selbst erblicken, o mein liebreichster Heiland! Fort mit dem unmäßigen Besorgtseyn um die Bedürfnisse dieses Lebens! Ich will das Meinige thun, bethen, fleißig und arbeitsam seyn und das Nöthige vom Herrn erwarten. Weg mit dem unchristlichen Streben nach eitler Ehre, falschem Ruhm und gefährlichem Reichthum! Meine Ehre sei die treue Haltung Deiner Gebote, mein Ruhm ein gutes Gewissen; Schätze will ich mir hienieden auf jede Art für dort oben sammeln, wo sie mir nichts raubt und zerstört. Fort aus meinem Herzen der Gott so misfällige Hochmuth! Kein Uebermaaß mehr im Essen und Trinken! nüchtern und keusch will ich stets vor dem Herrn dankbar wandeln. Weg mit allem barschen, groben, unfreundlichen und lieblosen Wesen! Von Dir allermildester, liebreichster Erlöser! will ich Demuth und Bescheidenheit, Sanftmuth, Geduld und Menschenfreundlichkeit lernen! Fern sei von mir jede Menschenfurcht und zeitliche Rücksicht, wenn es sich darum handelt, Dich, o mein Herr und mein Gott! zu bekennen, Dir zu dienen und Deinen Willen zu thun! 309 Communiongebethe. Weg denn noch) mit aller Bequemlichkeitssucht und Trägheit, wenn meine Pflichten mich rufen, wenn es gilt, Dir zu Dienen, mich selbst zu überwinden und meinen Mitmenschen Trost, Rath und Hülfe zu schaffen. Alle Leiden und Schmerzen, Unfälle und Wiederwärtigkeiten will ich mit gånzlicher Ergebenheit in Deinen Willen von Dir annehmen und mit christlicher Geduld ertragen; und glücklich schätzen will ich mich, daß ich dadurch Dir, o mein gekreuzigter Heiland! ähnlich werden und um so sicherer in Deine Herrlichkeit eingehen kann. Freuen will ich mich, o Herr! wenn ich gewürdigt werden sollte, um Deines Namens willen Schmach, Spott und Mishandlung zn erfahren; denn wenn ich um Deinetwillen, o Jesus! und der Gerechtigkeit wegen, solches und noch mehr, standhaft und geduldig leide, so wird dadurch meine Liebe zu Dir genährt, meine Hoffnung fester begründet und mein Glaube lebendiger gemacht; und dann wird nach Deinem Worte ( Matth. V) mein Lohn groß im Himmel seyn. Darum Allmächtiger! mache Du mich bereit, nothigenfalls, zum Beweise und zur Erhaltung meiner Liebe zu Dir sogar mein Leben zu lassen, wie Du es aus Liebe für mich dahingegeben hast. Ja! möge ich tausendmal eher und lieber sterben als Dich beleidigen! Amen. 310 Vieles, o mein Herr und mein Gott! habe ich zu Dir geredet; sehr Großes und Wichtiges Dir versprochen. Wann und wo könnte ich auch schicklicher Communiongebethe. 311 mich so mit Dir berathen, Dir meine Liebe, meinen Dank, meine Verehrung und meinen guten Willen äußern und betheuern, als hier vor Deinem Heiligthume, im Augenblicke, wo du wesentlich, o Christus Jesus! mit Deiner Gottheit, und leibhaft, wiewohl unsichtbar, mit Deiner verklärten Menschheit in meinem Herzen wohnest? Wo könnte ich, o Herr! mit mehr Vertrauen, mein Herz vor Dir ausschütten, als hier wo Du Dich so göttlich liebreich zu ihm herabgelassen haft? Befestige denn Du die guten Vorsåte, welche ich in Deiner heiligsten Gegenwart ge= faßt habe. Drücke Du ihnen mit Deinem Sakramente ein Siegel auf, welches ich nie erbrechen möge. Denn leere, schöne Worte gefallen Dir nicht und mit den Lippen wirst Du nicht geehret; nur wer Deinen Willen thut, wer Deine Gebote hålt, ist Dir angenehm. So segne mich, gütigster allmächtiger Gott! daß ich unverbrüchlich halte, was ich Dir so heilig gelobt habe, damit ich würdig werde, die Krone des ewigen Lebens zu erlangen. Amen! ( Ist ein vollkommener Ablaß zu verdienen, so sprich jetzt oder nach der Zeit und Bequemlichkeit zu einer andern Stunde des Tages, am schicklichsten aber vor dem heiligsten Sacramente, die folgenden oder andere geeignete Gebethe.) Gebethe zur Gewinnung Gebethe zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses, sowohl in als außer der Jubiläumszeit, den man auch den Seelen im Fegfeuer zuwenden kann. 312 Vorbereitungsgebeth. O Jesus! Der Du in diese Welt gekommen bist, damit wir das Leben haben und im Ueberflusse haben möchten( Joh. X), ich glaube daß Du in dieser Absicht Deiner heiligen Kirche die Schlüssel des Himmelreiches mit der Verheißung anvertraut hast, daß alles was sie auf Erden binden oder lösen würde, auch im Himmel sollte gebunden oder geIdset seyn.( Matth. XVI. 19.) Ich glaube ferner, daß Du, o Jesus! Deiner heiligen Kirche die Gewalt gegeben hast, Ablaß zu ertheilen, und daß der Gebrauch desselben sehr heilsam ist. Diese liebevolle Mutter eröffnet heute die ihr anvertrauten Gnadenschåße. Sie bietet aus denselben einen vollkommenen Ablaß allen denjenigen an, die nach abgelegter Beicht und empfangener heiligen Communion bußfertig und im Herzen zerknirscht, zu= gleich als dankbare Kinder für sie und ihre Erhdhung auf Erden, um Ausrottung der Irrlehren, Erhaltung des Friedens und der Eintracht unter den christlichen Fürsten und für ihr sichtbares Ober eines vollkommenen Ablaffes. 313 haupt den Papst in Demuth zu Dir o Gott! bethen werden. d mama10- mi Ich habe einen Theil dieser Bedingnisse erfüllt. Ich habe meine Sünden und Ungerechtigkeiten dem Priester, Deinem Stellvertreter, gebeichtet und am Geheimnisse Deines allerheiligsten Frohnleichnams durch die Communion Theil genommen. Möge ich beides auf eine würdige Weise gethan haben! Möge ich zur Zahl jener versöhnten und bußfertigen Sün der gehören, die würdige Früchte der Buße bringen, die Du mit Wohlgefallen ansiehst, und mit der Fülle Deiner Gnaden belohnest. Möge Dein Fleisch und Blut, das ich in Deinem anbethungswürdigen Sacramente genossen habe, meine Seele von allen Sündenflecken rein und zum ewigen Les ben bewahren! Ich hoffe es, o mein allergnädigster Erlöser! und da mir nun, wiewohl Du mich durch den Mund Deines geheiligten Dieners von der Schuld und ewigen Verdammniß losgesprochen hast, doch noch zeitliche Strafen zu leiden, oder abzubüßen übrig bleiben, so fliehe ich zum unerschöpflichen Schatze Deiner unendlichen Verdienste, um dadurch der Unzulänglichkeit meiner Genugthu ungswerke und dem Unvermögen meiner Bußübungen abzuhelfen, und ich erscheine daher voll Vertrauen vor Dir, bereitwillig und eifrig, die letzten Bedingnisse genau zu erfüllen, welche Deine Kirche uns vorschreibt, und Dir, o mein Herr und mein Gott, sowohl ihre als des ganzen Christenvolkes große Angelegenheiten vorzutragen. 20* Gebethe zur Gewinnung Nimm, o Vater der Barmherzigkeit! diese Ges bethe, die ich Dir im Namen und in Vereinigung mit den Verdiensten des Leidens und Sterbens Deines Sohnes vorbringe, gnådig auf, und mache mich dieses vollkommenen Ablasses theilhaftig. Amen. Erstes Gebeth, zu Gott dem Vater um die Erhöhung und Wohlfahrt der Einen, heilig en, allgemei nen, römisch katholischen und apostolischen Kirche Gottes. 314 O Gott! ewiger Vater, Du höchster Hirt der Gläubigen! Der Du uns zu Deinem heiligen und eigenthümlichen Christenvolke, aus der Finsterniß zu Deinem wunderbaren Lichte berufen hast, indem Du uns durch Christus Deinen Sohn begnadigtest und den Reichthum Deiner Herrlichkeit offenbartest, sei eingedenk dieser Deiner geliebten Gemeinde, die Du vom Anfange an besessen hast, Deiner Kirche, in welcher wir Deine Kinder geworden sind. Erkenne fie als die Braut Deines eingebornen Sohnes, für die Er Sein Blut vergossen hat. Ziere sie mit dem Schmucke der Heiligkeit und mit dem Reichthume der Gnaden; verherrliche, erhöhe und erweitere fie durch die Größe ihres Erbtheiles, welches alle Völker der Welt sind, dergestalt, daß sie eines solchen Bräutigams und eines so großen Erlösungspreises würdig erscheine. Erhalte das große Werk Deiner Erbarmung und breite es über die ganze Erde aus. Sieh gnädig auf die treugläubigen Söhne dieser eines vollkommenen Ablasses. 315 Mutter, welche auch die Deinigen sind, herab; vermehre immerwährend ihre Anzahl unter allen Völkern, und verleih, daß sie in allem Guten wachsen, im Bekenntnisse Deines heiligen Namens standhaft ausharren, Dich, Gott Vater, und Welchen Du gesandt hast, Deinen Sohn Jesus Christus mit dem heiligen Geiste erkennen und in lebendis gem Glauben, fester Hoffnung und treuer Liebe vere ehren mögen. Amen. Zweites Gebeth, zu Gott dem Sohne um Bertilgung der Ketzereien, Irrlehren und bösen Grundsäke. O Jesus! Du wahres Licht, welches einen jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, der Du Mensch geworden und gestorben bist, damit Alle die Wahrheit erkennen, sich bekehren und selig werden, Der Du nicht willst, daß Einer derjenigen, welche der Vater Dir gegeben, verloren gehe; sich herab auf die Seelen, welche die Arglist des bösen Feindes betrogen hat. Wir bitten Dich, Allmächtiger, Allweisester! rotte aus das Unkraut, welches der Feind auf Deinen Acker gestreut, damit es Deinen guten Weizen nicht überwältige und ersticke; beuge und tödte die Hartnäckigkeit der Ketzereien, vertilge die falschen und verderblichen Lehren und Grundsähe. Mache durch die Kraft Deines Leidens und Sterbens, daß alle Menschen Dein allein wahres Licht, welches da hell auf dem Gebethe zur Gewinnung Leuchter Deiner Kirche glänzet, erkennen, und bez kehrt in den Schooß der zärtlich liebenden Mutter zurückkehren. Hebe alle Spaltungen und Frrungen auf und laß Deine Eine Wahrheit über alle, Deiner unfehlbaren Lehre feindlichen Mächte obsiegen. O guter Hirte, Der Du Dein Leben für Deine Schafe gelassen hast, sende auch Dein Licht mit den Priestern Deiner wahren Kirche zu den fernen Völkern, die noch beim schwachen Schimmer des Vernunftlichtes wandeln oder in den Finsternissen des Aberglaubens und Betruges sitzen. Erleuchte auch endlich sie, Barmherzigster! Diese sind die andern Schafe noch, die Du hast und auch herbeiführen mußt, wie Du Selbst gesprochen.( Joh. X. 16.) O führe sie herbei in Deis ne heilige Kirche! Lasse sie Deine Stimme hören, und es wird Eine Heerde und Ein Hirte werden. Beschütze Deine Heerde, Allmächtiger! und vertheis dige und bewahre sie vor aller Gewalt und vor den Nachstellungen derjenigen, die in Schafskleidern kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. Bleib bei uns Herr! denn Du sagtest ja: Sehet, Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Zeige immer mehr und mehr, daß Deine Kirche auf den Felsen gebaut ist, und die Pforten der Hölle oder alle Mächte nichts gegen sie vermögen. Guter Hirt! laß uns von Niemanden aus Deiner Hand reißen. Gib, daß wir nach Deinem Worte( Joh. X. 27.) Deine Stimme hören, sie kennen und ihr folgen, damit Du uns das 316 eines vollkommenen Ablaffes. 317 ewige Leben schenkest und wir nicht verloren gehen in Ewigkeit. Amen. Drittes Gebeth, zum heiligen Geiste, um Frieden und Ei nigkeit zwischen den christlichen Fürsten. O heiliger Geist, Du Geist der Liebe und des Friedens! der Du so viele und so verschiedene Völker in der Einheit des wahren Glaubens versammelt haft und den ganzen geistlichen Leib der Kirche leitest und heiligest, verleih allen christlichen Fürsten Deinen Dienern und ihren Rathgebern vollkommene Eintracht und Liebe zum Frieden; schenke ihnen die Fülle Deiner Gnade und präge ihren Herzen die heiligen Lehren der Religion tief ein; lasse sie als würdige Söhne der Kirche ihr Blühen und Gedeihen nach ihrer ganzen Macht befördern und im engsten Bande kindlicher Liebe mit ihrem Oberhaupte und allen ihren Vorstehern verknüpft seyn; bewahre sie vor allen Sünden und Lastern und schmücke sie mit allen Tugenden, besonders aber mit wahrer Weisheit in allen ihren Rathschlägen und Unternehmungen zur Erweiterung Deines friedfertigen Reiches und zur Einigkeit und Wohlfahrt der ihnen anvertrauten Völker. Lasse sie als Deine Auserwählten, als die zu Deiner Ehre und zum Wohl Deines Volkes Gesalbten, des christlichen Namens wahrhaft würdig erscheinen. Mögen sie zur Beförderung Deiner größern Ehre und Aufrechthaltung wahrer Eintracht in der Christenheit mit apostolischem Eifer mit 3709 318 Gebethe bei Besuchungen des Gcwirken und so endlich sammt ihren Völkern zum nusse des ewigen Friedens im himmlischen Jerusalem gelangen. Amen. Viertes Gebeth. Bitte für das Oberhaupt der Kirche Gottes, unsern heiligen Vater den Pabst. Hochstes und ewiges Haupt der Kirche, Jesus Christus! ich empfehle Dir mit kindlicher Liebe un sern Pabst N. N., Deinen Stellvertreter auf Erden. Erhöre seine Gebethe und erfülle seine Wünsche, die Deine heilige Ehre und das Beste Deiner gan= zen Christenheit bezwecken. Du leite, erleuchte, stärke, vertheidige und unterstüße ihn, damit Er Deiner heiligen Gemeinde allezeit würdig vorstehe und die Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. Gebethe bei Besuchungen des allerheiligsten Sacraments des Altars. Vorerinnerung. Eine sehr schöne und fromme, von den Heiligen aller Zeiten befolgte Sitte ist es, auch außer der Zeit des öffents lichen Gottesdienstes unsern Heiland Jesus Christus im Denkmale seiner Liebe zu verehren, indem man dazu eigens nach Zeit und Muße in eine Kirche geht, vor dem Tabers nakel niederkniet, und den Herrn anbethet. Dieses sind Be suche, welche die liebende christliche Seele ihrem göttlichen Bräutigam abstattet. Mancher findet leicht dann und wann allerheiligsten Altarssacramentes. 321 bist. Kein irdisches Brod, sondern Du Selbst, mein göttlicher Erlöser, Du, das wahre Himmelbrod, bist hier gegenwärtig. Ich glaube dieses, o Herr! obgleich ich Dich mit den Augen meines Leibes nicht sehe. Selig, sprachst Du einst zu Thomas, Deinem Apostel, der nicht glauben wollte daß die Jünger Dich nach Deiner Auferstehuug gesehen hätten, selig, die nicht gesehen und doch ge glaubt haben! Wessen Worten sollte ich glauben, o Herr! wenn ich den Deinigen nicht glaubte? Ja, mein Heiland! gerne unterwerfe ich meinen schwachen Verstand und das trügliche Zeugniß meiner Sinne dem Gehorsame des Glaubens; von ganzem Herzen bitte ich Dich: vermehre mir diesen Glaus ben, damit ich wie der gläubig gewordene Thomas mit ganzer Seele zu Dir spreche: Mein Herr und mein Gott! Gibst Du mir diesen Glauben, o Herr! dann werde ich Dich hier alle Tage meines Lebens mit Herzenswonne dankbar und liebend verehren; dann spreche ich, so oft ich daß Glück habe hier bethen zu können: Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Du Herr der, Heeresschaaren! Du Freund der Menschenkinder! - 14 Gebeth. Erleuchte, o Herr! die Augen meines Geistes mit dem Lichte des wahren Glaubens, und entzünde mein Herz mit dem Feuer Deiner Liebe, daß ich von heiliger Ehrfurcht durchdrungen, im Geiste und in der Wahrheit Dich anbethe, Dich, Den ich hier 21 Gebethe bei Besuchungen des gegenwärtig glaube, unsern Herrn und Heiland Jesus Christus, der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste Ein Gott lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen. Vater unser u. f. w.- Ehre sei dem Vater zc. 322 Anbethung Jesu im allerheiligsten Altars sacramente. In allertieffter Ehrfurcht und Demuth bethe ich Dich an, o Jesus! Du König meines Herzens! Vor Deiner unendlichen Majestät, vor dem wunderbaren Denkmale Deiner Liebe, Deiner unendlichen Liebe knie ich hier im Staube nieder, beuge mein Haupt und bethe Dich an mit allen Engeln und Außerwählten, mit allen verewigten und noch lebenden Gerechten. O möchte ich Dich mit dem Glauben und der Liebe hier anbethen, womit Maria Deine jungfräuliche allerseligste Mutter Dich in der Krippe angebethet hat. Hier gefällt es Dir o Herr! noch stets unter den Menschen zu wohnen; Du der Herr des Himmels und der Erde, Den Himmel und Erde nicht fassen, Du bist hier unter Brodsgestalt unsern Augen verhüllt! Nimm gnådig an, o mein Herr und mein Gott! diese meine Anbethung; ich vereinige damit alles was ich von Dir empfangen habe, Leib und Seele, Herz und Verstand, alles was ich bin und habe, und opfere es Dir meinem Urheber und Erlöser in dankbarer Anbethung auf; alles dieses ist zwar ein freies Geschenk Deiner Gnade; es soll aber nur zu Deiner Verherrlichung tienen. Möge all: s in mir Deinen heiligen Namen 323 allerheiligsten Altarssacramentes. preisen! Möge ich hier jederzeit im Geifte und in der Wahrheit Dich anbethen, damit ich verdiene, Dich dort in Ewigkeit zu loben. Amen. nou Hoffnung und Vertrauen auf Jesus im allerheil. Altarssacramente. Jesus, mein Gott und mein Heiland! ich sehe und höre Dich hier zwar nicht, wie einst Dein Apostel Thomas; doch rufe ich im Glauben Deiner heiligen Kirche zu Dir: Mein Herr und mein Gott! und im Vertrauen, daß Du auch hier, wie einst auf Erden sichtbar, den Hülfbedürftigen zurufest: Kommet zu Mir in all eurer Mühe feligkeit und Beladenheit, Ich will euch erquicken! komme ich hieher in der zuversichtlichsten Hoffnung, bei Dir Trost, Rath, Stärke und Hülfe, Erhörung und Gnade in allen meinen Anliegen zu finden. Wo könnte mich eine seligere, eine größere Hoffnung erfreuen als hier vor dem Denkmale Deiner unendlichen, Deiner allmächtigen Liebe? Darum schütte ich auch im Bertrauen darauf mein ganzes Herz vor Dir aus. Du, Allgütigster! wirst meine Hoffnung nicht zu schanden werden lassen. Du bist der Urheber unseres Heiles; in Dir find alle Schätze der Gnade, alle Reichthümer der göttlichen Barmherzigkeit vereinigt; durch Dich erlangen wir Verzeihung, Gnade und ewiges Leben, das Du uns Durch Deinen Tod am Kreuze e worben hast! Jede Noth, jedes Bedürfniß, jedes Leiden, jeden Kummer und Gram, jede Betrüb 324 Gebethe bei Besuchungen des lo niß, jeden Schmerz kann ich Dir, o Herr! hier klagen und mit vollem Vertrauen Trost und Beis stand von Dir erwarten; denn Du bist der allmächs tige, allwissende, allgütigste Menschenfreund, Der uns zu Sich einladet, um uns zu erquicken. Darum, o Du allerliebreichster, allerfreundlichster Jesus! hoffe ich von Dir alles was mir gut, heilsam und selig ist. Wie sollte ich nicht auch das Allergrößte von Dir hoffen, da Du für mich so viel gelitten, Dich Selbst mir zur Speise gegeben, am Kreuze gestorben und Dein kostbares Blut vergossen hast? Ja, Herr Jesus Christus! ich hoffe auf Deine unendlichen Verdienste; Dein heiliges Blut reiniget mich von allen meinen Sünden; aus Deinen Wunden fließt mir Deine Gnade im Ueberfluße zu; aus Deinem Herzen empfange ich die wahre Liebe; Dein Tod am Kreuzesstamme wird mir das ewige Leben im Pa= radiese geben. Liebe zu Jesus im allerheiligsten Altars sacramente. Jesus! es war Deiner unendlichen Liebe zn uns Menschen nicht genug, zu unserer Erlösung am Kreuze zu sterben und Dein Blut bis auf den letzten Tropfen zu vergießen; sondern Du wolltest auch noch dieses heilige Geheimniß Deines Frohnleichnams als ein Unterpfand Deiner großen und ewigen Liebe zu unserm Heile einsetzen. O unendlich liebevoller und liebenswürdiger Heiland! wie vieles hast Du für mich gethan und gelitten! allerheiligsten Altarssacramentes. 323 wie wunderbar liebreich hast Du durch Deine heil. Sacramente, besonders durch dieses allergrößte Wunder Deiner Liebe für die Bedürfnisse meiner Seele gesorgt! Wie blind mußte mein Verstand, wie stumpfsinnig mein Gemüth seyn, wenn ich dieses nicht erkannte! Wie stolz müßte ich auf meine Vernunft und Willenskraft bauen, wenn ich Deine göttlichen Heilsmittel zu gebrauchen versäumte! Und welch ein undankbares Herz müßte ich haben, wenn ich Dich nicht für so große Liebe wieder liebte? Nein, o mein Erlöser! Deine unendlichen Wohlthaten will ich nicht verkennen, nicht vergessen; Deine mir dargebotene Hülfe und Gnade nicht versäumen oder hochmüthig verschmähen; Deine unaussprechlich große Liebe will ich nicht unerwiedert lassen. Du hast mich zuvor geliebt, ich muß, ich will Dich nun auch wieder lieben. DO Du wahrer Liebhaber, Du echter Freund der Seelen, für welche Du Dein Leben aufgeopfert haft! nimm denn an mein tugendarmes, mein sündenbeflecktes Herz, das ich Dir schenke und von nun an der Haltung Deiner Gebote und Deiner Liebe auf immer widme. Ich verlange Dich zu lieben jetzt und in Ewigkeit. O Du ewige Liebe! durch Deine unendlichen Wohlthaten hast Du mein Herz gewonnen und all meine Liebe verdient. So vers wunde denn dieses Herz wie mit einem Pfeile Deiner Liebe, daß ich Dich über alles von ganzer Seele, mit allen Kräften, aus vollem Gemüthe liebe, alles nur in Dir, Deinetwegen, und außer Dir nichts liebe; daß ich bereit sei, Dir zu Liebe, um Deines 320.05 Litanei von dem idolis Namens und Deiner Ehre willen all mein Blut zu vergießen, wie Du das Deinige mir zu Liebe, zu meinem Heile vergossen hast. Herr laß mein Herz nach Dir seufzen, und ohne Dich zu lieben nicht leben wollen, damit ich lebe wie es Dir wohlges fällt, und Du in mir lebest. O Gott meines Herzens! mein wahres Leben, meine unaussprechliche Seligkeit! mein höchstes Gut! schönstes, bestes Wesen! Jesus! ich liebe Dich und will Dich lieben ewiglich aus ganzem Herzen und über alles; denn Du bist mein Herr und mein Gott, mein Erlöser und See ligmacher, mein Freund, der mich geliebt, ehe ich war, Der mich bis zum Ende geliebt, aus Liebe für mich starb, und mich lieben wird bis in Ewigs keit. Amen. Litanei von dem allerheiligsten Altarssacras mente. Herr! erbarme Dich unser. Christus! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Christus! höre uns. Christus! erhöre uns. Gott Vater vom Himmel! Erbarme Dich unser. Gott Sohn Erlöser der Welt! Erbarme Dich unser. Gott heiliger Geist! Erbarme Dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme Dich unser. Jesus! Du lebendiges Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, erbarme Dich unser. Du verborgener Gott und Seligmacher, erbarme Dichy unser. allerheiligsten Altarssacramente. 327 Du Speise der Auserwählten, Du Trank reiner Seelen, Du wahres Osterlamm, das für uns geschlachtet wurde, Du reinstes und immerwährendes Opfer, Du heiligstes aus allen Opfern, Du wahres Versöhnungsopfer für Lebendige und Todte. Du großes Denkmahl der Wunderwerke Gottes, Du ewiges Wort, welches für uns die menschliche Natur annahm, Du Geheimniß des Glaubens, Du hochwürdigstes Sacrament des Altars, Du geheiligtes Andenken des Leidens und Todes Jesu Chriſti, Du unschätzbar großes Geschenk der göttlichen Güte, Du vorzüglichstes Vermächtniß der göttlichen Liebe! Du wirksamstes Mittel der Unsterblichkeit, Du köstliches Gastmahl, wobei die Engel dienen, Du Band der Liebe, Du Quelle aller Seelenwonne, Du Trost der Betrübten, Du Erquickung der Gerechten, Du Arznei der Kranken, Du Speise der Engel, Du Wegzehrung der Sterbenden, Du Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit, Sei uns gnådig! Berschone uns, o Herr! Erbarme Dich unser! 328 Litanei von dem Sei uns gnådig! Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel! Erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde und Gelegenheit zu sündigen, Von dem unwürdigen Genusse Deines Fleisches und Blutes, Bon aller Unandacht und Lauigkeit gegen dieses hochheilige Sacrament, Bon allem Kaltfinne des Herzens gegen dieses größte Wunder der Liebe, Von bösen Gedanken und Begierden des Fleisches, Von Stolz und Hochmuth des Geistes, Von Habsucht und Begierlichkeit der Augen, Von schädlichem Unglauben und Aberglauben, Von Gottesvergessenheit, Ron Lieblosigkeit und Mißhandlung der Menschen, Durch Dein herzlichstes Verlangen, dieses Osterlamm mit Deinen Jüngern zu essen, Durch die tiefste Erniedrigung, mit Der Du Deinen Jüngern die Füße gewaschen hast, Durch die feurigste Liebe, mit welcher Du dies göttliche Sacrament eingesetzt hast, Durch Dein kostbares Fleisch und Blut, welches Du auf dem Altare zurückgelassen hast, Durch die fünf Wunden Deines heiligsten Leibes, die Du für uns angenommen hast. Wir arme Sünder! Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß wir uns mit Deiner Gnade zuvor prüfen, ehe wir von diesem Brode der Engel effen! Wir bitten Dich, erhöre uns! Erlöse uns, o Herr! allerheiligsten Altarssacrament. Daß wir uns beim Genusse dieser Speise der Auserwählten Deines bittersten Leidens ane dächtig erinnern, Daß Du uns den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht zu diesem wunderbaren Sacramente erhalten und vermehren wollest, Daß Du uns durch eine wahre reumüthige Beicht der Sünden zum öftern Genusse des heiligen Abendmahles gelangen lassen wollest, Daß Du uns von aller Ketzerei, Treulosigkeit und Blindheit des Herzens bewahren wollest, Daß Du uns der kostbaren und himmlischen Früchte dieses heiligsten Sacramentes theilhaftig machen wollest, Daß Du uns in der Stunde des Todes mit dieser himmlischen Wegzehrung stärken wollest, Daß Du uns zum großen Abendmale des ewis gen Lebens führen wollest, Du Sohn Gottes! 329 Wir bitten Dich, erhöre uns! Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! et 20 Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christus höre uns! Christus erhöre uns! Vater unser u. s. w. V. Herr! Du hast ihnen Brod vom Himmel ges geben! R. Welches alle Freuden in sich enthält. 330 Just Litanei zum heiligen O Gott! der Du uns das Andenken u. f. w. wie oben in der H. Messe. Herr Jesus Christus! Du Sohn des lebendigen Gottes! sei unserm Flehen gnådig! erlöse uns durch das hochheilige Sacrament Deines Leibes und Blutes von allen unsern Sünden und von allen Uebeln, laß uns Deinen Geboten anhången, und von Dir niemals getrennt werden, Der Du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. d Litanei zum heiligen Herzen Jesu. Herr! erbarme Dich unser, Jesus Christus! erbarz me Dich unser, Jesus Christus! höre uns, Jesus Christus! erhöre uns, Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du in dem Schooße der Jungfrau Maria gestaltetes Herz Jesu, Du mit dem Sohne Gottes wesentlich vereinigtes Herz Jesu, 20100) mm T Herz Jesu! Du Heiligthum der Gottheit, Herz Jesu! Du Aufenthalt der heil. Dreifaltigkeit, Herz Jesu! Du Tempel der Heiligkeit, Herz Jesu! Du Brunn der lebendigen Wässer, One Erbarme Dich unser Herzen Jesu. Herz Jesu! Muster der Sanftmuth und Demuth, Herz Jesu! Du Brandopfer der Liebe, Herz Jesu! Sik der reinsten Liebe, Herz Jesu! Quelle der Sündenvergebung, Herz Jesu! Du Labung heiliger Seelen, Herz Jesu! Schatzkammer der Weisheit, Herz Jesu! Du Meer der Milde und Güte, Herz Jesu! Du Thron der Barmherzigkeit, Herz Jesu! Du Sit aller Tugenden, Herz Jesu! Haus Gottes und Himmelsthor, Herz Jesu, unerschöpflicher Gnadenschatz, Herz Jesu, aus dessen Fülle wir alle empfangen, Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung, Du am Delberge geångstigtes Herz Jesu, Du durch blutigen Schweiß entkräftetes Herz Jesu, Du mit Schmach und Spott gesättigtes Herz Jesu, Du von Schmerzen über unsere Sünde zerknirschtes Herz Jesu, Du bis zum Tode am Kreuze gehorsam gewordenes Herz Jesu, Du mit einer Lanze durchbohrtes Herz Jesu, Du vom Vater verlassenes Herz Jesu, Du am Kreuz vom Blut erschöpftes Herz Jesu! Herz Jesu! du Zuflucht der Sünder, Jonise 331 Erbarme Dich unser! 332 Litanei zum heiligen Herzen Jesu. Herz Jesu, du Stårke der Gerechten, Herz Jesu, du Trost der Betrübten, Herz Jesu, du Schuß der Angefochtenen, Herz Jesu, du Schrecken der bösen Geister, Herz Jesu, du Freude der Engel, Herz Jesu, du Heiligung unsrer Herzen, Herz Jesu, du Stärkung der Frommen, Herz Jesu, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Jesu, du Wonne der Seligen, Herz Jesu! Du königlicher Mittelpunkt aller guten Herzen, O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! Erbarme Dich unser! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christus! höre uns! Christus! erhöre uns! Vater unser u. s. w. V. O allerheiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser! 2. auf daß wir würdig werden, Dich aus ganzem Herzen zu lieben. 9070 Gebeth. Allmächtiger, barmherziger Gott, Herr himmlis scher Bater! wir bitten Dich, Du wollest ansehen das liebreiche Herz Deines Sohnes, an welchem Du ein unendliches Wohlgefallen hast, und in Ansehung dieses Dir liebsten Herzens verzeih uns die vielfäls tigen Missethat en, die aus unsern Herzen entsprungen Gebeth der heiligen Gertrud. 333 und erlaß uns die wohlverdienten Strafen unserer Bosheit durch die überhäufige Genugthuung dieses allerheiligsten Herzens. Entzünde Du unsere kalten Herzen mit dem heiligen Feuer der Liebe Jesu, das mit wir Dich o Vater! mit Deinem Sohne und dem heiligen Geiste als das höchste Gut aus ganzem Herzen lieben, der Du lebst u. s. w. Amen. Gebeth um innige Vereinigung mit Jesus Christus. Von der heiligen Gertrud. Sei mir gegrüßt, o göttliches Herz Jesu! lebendigmachende Quelle des ewigen Lebens! unerforsche licher Schatz der Gottheit! Du mein Trost und meine Zuflucht! O mein liebevoller Erlöser! entzünde Du in meinem Herzen jene inbrünstige Liebe, von wels cher das Deinige entflammt ist. Gieß in mein Herz jene erhabenen Gnaden aus, die in Deinem Herzen ihren Ursprung haben, und gestatte mir, o holdfes ligster Jesus! daß mein Herz mit dem Deinigen so verbunden und vereiniget bleibe, daß mein Wille mit dem Deinen übereinstimme, daß Dein Wille auch mein Wille sey; denn dieß ist mein einziger Wunsch, daß in Zukunft Dein heiligster Wille mir zur Richtschnur aller meiner Begierden und Handlungen diene. Amen. 334 Gebethe zum nachmit. Gebethe zum nachmittägigen Gottesdienste. Vorerinnerung. Unter dem lateinischen Worte Vesper versteht man die Gebethe, welche in unsern Kirchen am Tage des Herrn gegen Abend gesungen werden. Jeder Christ sollte es sich zur Pflicht machen und sich glücklich schätzen, diesem wich tigen Theile des öffentlichen Gottesdienstes beizuwohnen. Die Besper gehört wesentlich mit zur Heiligung des Sonntages und dürfte am allerwenigsten versäumt werden, wenn dabei das Wort Gottes verkündet wird. Denn obschon die heilige Kirche uns dieß nicht zur strengen Pflicht machte, wie dem hochheiligen Mesopfer beizuwohnen, so gehört diese Andacht und besonders die Anhörung des Wortes Gottes in der Predigt doch mit zur nothwendigen öffentlichen Ausübung der Religion, zur schuldigen Erbauung, Bielen noch immer zur nöthigen, Allen aber zur aüßlichen und heilsamen Belehrung. Hier können Junge und Alte, Bornehme und Geringe, Gelehrte und weniger Gebildete einander, wie sie sollen, beständig mit gutem Beispiele porleuchten. Keiner bleibt gewohnheitsweise, wenn nicht genügende Gründe ihn entschuldigen, von dieser heiligen Bersammlung der Christengemeinde fern, ohne seinen Brü dern Aergerniß zu geben und seinem eigenen Seelenheile zu schaden. Viele haben ihre Kälte und Gleichgültigkeit für Gottesverehrung und alles Heilige, ihr allmäliges Versinten in Sitten- und Religionlosigkeit vielleicht der Bersäume niß dieses vorzüglichen Erbauungsmittels zuvörderst und hauptsächlich zuzuschreiben. Wenn, wie der Weise sagt, tägigen Gottesdienste. ( Eccl. XIX. 1.) derjenige, der das Wenige- in zeitlichen Angelegenheiten- nicht achtet, nach und nach zu Grunde geht, wie vielmehr hier, wo es sich nicht um ein Weniges, sondern um Vieles und Großes in dem Einen nothwendigen Geschäfte des ewigen Seelenheites handelt? 335 Vesperandacht. Bater unser 2c. Gegrüßet zc. Herr! eröffene meine Lippen und mein Mund wird Dein Lob verkünden. 11 Gott! merke auf meine Hülfe. Herr! eile mir beis zustehen. Ehre sei dem Vater u. s. w. Psalm 99. Inhalt: Ein Ermunterungslied, den gütigen und getreuen Gott mit Freuden in Seinem Tempel zu loben. Alle Welt jauchze dem Herrn! dienet dem Herrn mit Freuden. Erscheinet mit Frohlocken vor ihm, wisset, daß der Herr Gott ist. Er hat uns erschaffen, nicht wir uns selbst; wir sind Sein Volk, die Schafe Seiner Weide. Mit Dankgesängen gehet zu Seis nen Thoren ein, mit Lobgesängen in Seinen heiligen Tempel. Danket Ihm und preiset Seinen Namen, denn huldreich ist der Herr, ewig währet Seine Güte und Seine Treue von einem Geschlechte zum andern. Ehre sei dem Vater u. s. w. Antiphon. Dienet dem Herrn mit Freuden; denn wisset daß der Herr Gott ist. Gebethe zum nachmit Pfalm. 103. Inhalt: Ein Loblied auf die Macht, Weisheit und Güte Gottes, die sich in Erschaffung der Welt und in Erhaltung aller Ge. schöpfe deutlich zeigen. 336 Preise den Herrn, meine Seele! Herr! mein Gott! groß bist Du. Mit Pracht und Majestät bist Du bekleidet; Licht umgibt Dich wie ein Gewand. Die Himmel spannest Du aus wie ein Gezelt; mit Wassern deckest Du seine Gewölbe. Die Wolken machst Du Dir zum Wagen; Du wandelst auf den Flügeln der Winde. Stürme sendest Du wie Boten aus; Feuersflammen wie Deine Diener. Die Erde hast Du auf einen festen Grund gegründet; sie wird nicht wanken in Ewigkeit. Du deckest sie mit Meeren wie mit einem Kleide; das Wasser stand über den Bergen. Dann floh es vor Deinem Drohen; es ward zerstreut vor Deines Zornes Stimme. Da stiegen Berge empor, es senkten sich Thåler, zum Orte hin, den Du ihnen angewiesen hattest. Den Meeresfluthen setztest Du Marken, welche sie nie überschreis ten; nie werden sie wiederkehren die Erde zu bes decken. Quellen låsfest Du aus Thålern rinnen; sie fließen zwischen Bergen fort. Aus ihnen trinken alle Thiere des Feldes; das Wild harret daselbst, seinen Durst zu löschen. Ueber ihnen wohnen die Vögel und singen unter dem Laube hervor. Von Deinen Höhen herab befeuchtest Du die Erde; mit Früchten, die Du hervorbringst, wird die Erde gesättiget. Du låsfest Gras aufsprießen für die Thiere, Kräuter und Saaten zum Gebrauche der Menschen. Daß er Nahrung ziehe aus der Erde; Wein, der sein Herz tägigen Gottesdienste. 337 erfreut. Daß sein Angesicht von Del glänze und Brod das Herz ihm stårke. Die Bäume des Feldes saugen sich voll Saft; die Zedern des Libanons, die Du Selbst gepflanzet hast, auf ihnen nisten die Bögel; der Habicht baut sein Gehäus auf der Tanne. Auf hohen Bergen weiden die Hirsche; in Felsenklüfte suchen die Igel ihre Sicherheit. Du schufest den Mond, die Zeiten einzutheilen; die Sonne, die ihren Niedergang kennt. Du rufest der Finsterniß, da wird es Nacht; nun schwärmet alles Gewild des Waldes umher. Die jungen Löwen brüllen nach Raub, fie fordern von Dir ihre Nahrung. Die Sonne erscheint, sie ziehen sich zurück und lagern sich wieder in ihren Höhlen. Da geht der Mensch an seine Arbeit, zu seinem Tagewerk bis an den Abend. Gott! wie herrlich sind Deine Werke; Du hast alles mit Weisheit angeordnet; Die Erde ist voll Deiner Güter. Dieses Meer so groß, so weitumfassend! da wimmelt's von Thieren ohne Zahl, von großen und von kleinen Thieren. Hier ziehen Schiffe vorüber, dort das Ungeheuer, das Du in seinen Fluthen zu spielen gemacht haft. Alle erwarten ihre Nahrung von Dir, daß Du sie ihnen giebst zu rechter Zeit. Du giebst sie ihnen und sie sammeln ein; Du öffnest Deine Hand und sie werden von Deiner Güte gesättiget. Wendest Du aber Dein Angesicht weg, so gerathen sie in Bere wirrung; entziehest Du ihnen den Odem, so sterben sie hin und kehren in ihren Staub zurück. Hauchest Du Deinen Odem wieder aus, so stehen sie neuerschaffen da, es bildet sich von neuem die Gestalt 22 Gebethe zum Nachmit. der Erde. Preis sei, dem Herrn in Ewigkeit! Der Herr freuet sich in Seinen Werken. Er blicket die Erde an und sie zittert; Er berühret die Berge und sie rauchen. Lobsingen will ich dem Herrn mein Le ben lang; preisen will ich meinen Gott so lange ich athme. Möge mein Lob Ihm wohlgefallen! Nur im Herrn will ich mich erfreuen; preise Ihn meine Seele. Ehre sei dem Vater u. s. w. 338 Antiph. O Gott! Du hast Alles mit Weisheit angeordnet, die Erde ist voll Deiner Güte. Psalm. 144. Inhalt: Ein Loblied auf die Macht, Güte und Gerechtigkeit Got. tes, die Er in allen Seinen Werken zeigt, besonders an dein gottesfürchtigen Menschen, der sich auf Ihn verläßt. Ich will Dich erheben, mein Gott und mein Tonig! ewig preisen Deinen heiligen Namen. Taglich will ich Dich preisen, Deinen Namen loben ewiglich. Groß bist Du, o Herr! und überaus lobwürdig; Deine Güte ist unerforschlich. Ein Geschlecht rühmet dem andern Deine Werke an; sie thun einander Deine Allmacht kund. Sie reden von der Pracht Deiner Majestät und Herrlichkeit, und erzählen Deine Wunder. Sie sprechen von den fürchterlichen Thaten Deiner Allmacht und preisen Deine Güte. Vom Lobe Deiner Güte fließt alles über und frohlocket über Deine Gerechtigkeit. Gnådig bist Du, o Herr! und barmherzig, langmüthig und von großer Güte. Huldreich bist Du gegen alle; Du erbarmst Dich aller Geschöpfe. Herr! Dich sollen alle Deine Werke loben; preisen sollen Dich Deine Heiligen. 339 tägigen Gottesdienste. Lesingen sollen sie die Herrlichkeit Deines Reiches; rühmen Deine Allmacht. Den Menschenkindern Deine Stárke zu verkünden, die Herrlichkeit und Zierde Deines Reiches. Dein Reich ist ein ewiges Reich; Deine Herrschaft dauert von einem Geschlechte zum andern. Treu ist der Herr in allen Seinen Verheißungen, heilig in allen seinen Werken. Er unterstützet die fallenden und richtet die gebeugten auf. Aller Augen schauen auf Dich, o Herr! und Du gibst ihnen Speise zu ihrer Zeit. Du öffnest Deine Hand und sättigest alles was lebt, mit Deinem Segen. Der Herr ist gerecht auf allen Seinen Wegen, gütig in allen Seinen Thaten. Der Herr ist nahe allen, die Ihn anrufen; allen, die in Wahrheit Ihn anrufen. Er thut den Willen derer, die Ihn fürchten; Er erhöret ihr Flehen und hilft ihnen. Der Herr beschützet alle, die Ihn lieben und vertilgt alle Uebelthäter. Mein Mund verkünde des Herrn Lob und alles was lebt, preife ewig Seinen. heiligen Namen. Ehre sei dem Vater u. s. w. Antiph. Du bist treu, o Herr! in allen Deinen Verheißungen und heilig in allen Deinen Werken. Pfalm. 138. Inhalt: Eine Betrachtung über die Alwissenheit und Allgegen. wart Gottes, vor Dem sich niemand verbergen kann. Gott! Du erforschest und erkennst mich; ich site, oder stehe, es ist Dir bekannt; Du siehst von ferne, was ich denke. Ich mag gehen oder liegen, Du weißt es; Du bist vertraut mit allen meinen Wegen. Auf 340 Gebethe zum Nachmitmeiner Zunge ist kein Wort, das Du nicht wüßtest; Du umgibst mich von allen Seiten und hältst Deine Hand über mir. Deine Erkenntniß übersteigt meine Bewunderung, o Gott! sie ist zu groß, als daß ich sie begreifen könnte. Wo soll ich hingehen vor Deinem Geiste? wohin flichen vor Deinem Angesichte? Führ' ich gen Himmel hinauf, so bist Du da; stieg ich in die Erde hinunter, so bist Du auch da. Schwang' ich mich auch auf der Morgenrothe Flügeln und wohnte an des Meeres Ende, so würde auch dort mich führen Deine Hand, auch dort mich halten Deine Rechte. Und spräch' ich: vielleicht wird Finsterniß mich bergen; so würde selbst die Nacht zum Lichte um mich, denn auch Finsterniß verfinstert nichts vor Dir. Dir leuchtet die Nacht so hell wie der Tag; Finsterniß und Licht sind Dir gleich. Du haft mein Innerstes gebildet; schon im Mutterleibe forgtest Du für mich. Ich danke Dir; denn große Wunder hast Du an mir gethan; bewunderungswürdig sind Deine Werke; dieß erkennet meine Seele. Den ersten Keim von mir sahen Deine Augen; in Deinem Buche standen schon alle mir bestimmten Tage, als noch keiner derselben da war. O Gott! prüfe mich, durchschaue mein Herz, erforsche mich und erkenne meine Wege. Sieh, ob ich auf dem Wege des Unrechts wandle; und leite mich auf den Weg zum ewigen Leben. Ehre sei dem Vater u. s. w. Antiph. Wo kann ich hingehen, o Gott! vor Deinem Geiste? wohin fliehen vor Deinem Ange 341 tägigen Gottesdienste. fichte? Du umgibst mich von allen Seiten, und hältst Deine Hand über mir. Psalm. 89. Inhalt: Eine Betrachtung über die Ewigkeit Gottes und über die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens. Herr! unsere Zuflucht bist Du von Menschenalter zu Menschenalter. Ehe noch die Berge gebildet, be= vor noch die Erde und die Welt erschaffen waren, warst Du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Den Menschen verwandelst Du in Staub; Du sprichst: Kehret wieder zur Erde, ihr Söhne Adams! Denn tausend Jahre sind wie der gestrige Tag, der vorüber ist, wie eine Wache in der Nacht. Der Mensch ist wie Gras; am Morgen blühet es und grünt, am Abende wird es abgemåhet und verdorret. So vergehen wir vor Deinem Zorne, so schwinden wir vor Dei nem Grimme. Unsere Missethaten stellest Du vor Dein Angesicht hin, vor Deinen lichten Blick unsere ges heimsten Sünden. Darum nehmen unsere Tage ab, wir vergehen vor Deinem Zorne. Wie Dunst, so schwindet unser Leben hin; siebenzig, das ist unserer Jahre Zahl, bei Stärkern achtzig, was darüber geht ist Schmerz und Mühe. Wer erkennt aber Deines Zornes Gewalt? wer merkt auf Deinen Grimm? Lehre uns, o Herr! unsere Tage zählen, daß wir weises Herzens werden. Wende Dich wieder zu uns, zögere nicht långer; erbarme Dich Deiner Verehrer. Erfülle uns frühe mit Deiner Gnade, daß wir froh Lobgesang der allerfeligsten locken und uns erfreuen unser Leben lang. Erfreue uns, nachdem Du uns betrübet hast, nachdem wir so viele Jahre des Unglücks erlebt haben. Laß an Deinen Dienern Dein Werk, an Deinen Kindern Deine Herrlichkeit erscheinen. Die Gnade des Herrn unsers Gottes walte über uns; sie leite von oben herab all unser Thun, sie fördre die Werke unserer Hand. Ehre sei dem Vater u. s. w. Antiph: Der Mensch ist wie Gras; am Morgen blühet es und grünt; am Abende wird es abgemåhet und verdorret. Lehre uns, o Herr! unsere Tage zählen, daß wir weises Herzens werden. Capitel. Dem unsterblichen Könige aller Zeiten, dem unsichtbaren, dreieinigen Gotte sei Lob, Preis und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 342 Lobgesang. O heiligste Dreieinigkeit, Du unzertheilte Einigkeit! nimm unsere kalten Herzen ein, laß sie für Dich ganz Liebe sein. Wir bitten Dich ganz inniglich, erhöre uns, erbarme Dich; gib, daß wir allzugleich Dich loben in dem Himmelreich). Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, dem heil'gen Geist auf gleichem Thron; der heiligsten Dreifaltigz Feit sei Lob und Preis in Ewigkeit. Lobgesang der allerseligsten Jungfrau Maria.( Magnificat.) Inhalt: Da Maria von der heiligen Elisabeth als die Mutter des Erlösers begrüßt wurde, prics sie mit freudiger und dank. barer Liebe die Güte Gottes, Der sie zu dieser hohen Würde erhoben hatte. Lernen wir von ihr mit dankbarer Liebe die gött. Jungfrau Maria. 343 lichen Wohlthaten anerkennen, und nach ihrem Beispiele dem Herrn dafür danken und lobsingen. Meine Seele preiset den Herrn, und mein Geist erfreut sich in Gott meinem Heilande. Denn gnädig hat Er herab gesehen auf seine geringe Magd; fich denn, von nun an werden alle Geschlechter mich selig nennen. Denn große Dinge hat Er an mir gethan, der Mächtige; und heilig ist Sein Name. Seine Barmherzigkeit erstreckt sich von Geschlecht zu Geschlecht über diejenigen, die Ihn fürchten. Große Thaten wirket Sein Arm; Er stürzet in den Staub, die sich erhaben důnken. Die Gewaltigen stößt Er vom Throne und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen fåttigt er mit Gütern und weiset die Reichen leer ab. Er hat Sich Israels Seines Dieners angenommen, eingedenk Seiner Erbarmung. Wie Er es unsern Våtern zugesagt hat, dem Abraham und seinem Samen ewiglich. Ehre sei dem Vater u. s. w. Antiph. Meine Seele preiset Dich, o Gott! und mein Geist erfreuet sich in Dir, meinem Heilande. Gebeth. O Gott! Vater, Sohn und heiliger Geist! Deffen Allmacht und Weisheit, Güte und Gerechtigkeit, Allwissenheit und Ewigkeit ich in dieser Besperandacht betrachtet und gepriesen habe, verleihe gnádiglich, daß ich die bei dieser Andacht gefaßten Vorfåte niemals vergesse, wohl aber oft erneuere; daß ich mich immer an Dich erinnere, mich Deiner erfreue 344 Gebethe auf die vier und Dir gefällig lebe; damit ich dadurch würdig werde, Dich einst auch im Himmel mit Deinen heiligen Engeln und Auserwählten ewig zu loben und zu preisen. Amen. Gebethe an den Hauptfesten des KirchenJahres. Gebethe auf die vier Sonntage im Advent, in Beziehung auf daß je desmalige sonntägl. Evangelium. Allwissender Gott! Du erforschest das Innerste, das Herz eines jeden Menschen; vor Dir ist nichts verborgen. O möchte ich bei all meinem Denken, Sinnen und Trachten, Neden, Thun und Lassen nicht vergessen, daß Du mich siehst und einst richten wirst. Jeden Abend will ich mein Gewissen erfor= schen, ob ich meine Standes- und Berufspflichten alle treu und eifrig erfüllet, Gutes gethan und alles Böse vermieden habe. Gütiger Gott! verleih mir die Gnade, daß ich meine Fehler erkenne, aufrichtig bereue und beichte und mit Deiner Gnade wieder gut werde. Dieß verleih mir, himmlischer Bater! durch Jesum Christum Deinen Sohn, Der mit Dir und dem heil. Geiste Ein Gott ist und lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. UG dim 345 Sonntage im Advent. Gütiger Gott! Du willst, daß wir alle nach Deinem heiligen Gesetze leben und so ewig selig werden sollen. O möchte ich doch allzeit Dein heiliges Wort gern hören und es treu und eifrig befolgen! Nie will ich meine Religion verleugnen, sondern durch die Werke des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe thatsächlich zeigen, daß ich ein Christ bin. Ich will als ein solcher nach Möglichkeit meines Nächsten Leiden mindern, seine zeitliche und ewige Wohlfahrt beför= dern, niemals ihn låstern und verläumden, sondern des Guten an ihm mich freuend, ohne Neid und Misgunst loben was zu loben ist; seine Fehler aber nicht splitterrichterlich beurtheilen und veröffentlichen, sondern vielmehr entschuldigen und mit dem Schleier der christlichen Liebe zudecken. Herr! laß mich in meinen Grundsätzen und Entschlüssen fest seyn und nicht wie ein Rohr hin und her schwanken. Verleih mir, im Guten standhaft zu seyn, wie der heilige Johannes, wie er gelehret, wahre Buße zu wirken, Gutes zu thun, und mich also auf Deine heilige Ankunft vorzubereiten. Amen. O Gott! Du liebst die Wahrheit; Du bist Selbst die ewige Wahrheit, welche weder betrügen noch betrogen werden kann; gib mir die Gnade, daß ich nie lüge, sondern stets die Wahrheit rede, besonders gegen meine Eltern, Seelsorger und Vorgesetzten. Hilf mir, o Allwissender, daß ich alle hoffärtigen Gedanken ausschlage, und nie aus Hochmuth mir eine Ehre gebe, die mir nicht gebührt. Alles was Gebethe im Advent. ich bin und habe, weiß und vermag, kommnt ja von Dir. Du allein, o Gott! bist gut, die Urquelle alles Guten. Dir sei dafür Ehre und Dank, Lob und Liebe in Ewigkeit. Amen. 346 O Du allerheiligster und gerechtester Gott! Du rufest jeden Menschen auf den Weg der Buße, auf den Weg der Tugend, weil Du jeden selig machen willst. Allen russt Du zu: ,, Werdet heilig, wie Sch heilig bin!" Dein eingeborner Sohn lehrt uns: Seid vollkommen wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!" Propheten und Apostel haben uns auch Deinen Willen verkündet, ohne dessen Erfüllung wir nicht ins Himmelreich eingehen können. O gib mir die Gnade, daß ich meine Sünden und Unvollkommenheiten recht erkenne, mein Herz zur Ankunft des Heilandes durch eine reumüthige Beicht vorbereite und denselben mit wahrer Andacht in den heiligen Weihnachtstagen empfangen möge. Lenke, allmächtiger Gott! mein zum Bösen geneigtes Herz zur Haltung Deiner Gebote, zur Tugend und Heiligkeit; tödte in demselben jede gefehwidrige Lust und zerstöre in mir die Macht der bösen Neigungen und Gewohnheiten. Schaffe in mir o Gott! ein reumüthig reines, sanftes und demüthiges Herz, damit ich Dir wohlgefalle; und der gnadenreichen Ankunft Jesu Christi Deines Sohnes würdig werde. Darum bitte ich Dich, o himmlischer Bater! durch denselben unsern Heiland, Der mit Dir und dem heiligen Geist Ein Gott lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 347 Am Weihnachtsfeste. Am Weihnachtsfeste. O gütigster, liebreichster Vater im Himmel! so sehr hast Du uns Menschen geliebt, daß Du Dei nen eingebornen Sohn Jesum Christum zu uns auf die Erde sandtest, Welcher unsere Natur annahm und Sich für uns aufopferte, damit Er uns von aller Ungerechtigkeit erlösete, und sich ein Ihm angenehmes Volk reinigte, welches nach guten Werken strebte. Allmächtiger, gütiger Gott! verleih uns die Gnade, daß wir der Gottlosigkeit und den weltlichen sündhaften Lüsten entsagen; daß wir nüchtern, gerecht und gottselig auf dieser Welt leben und in froher Hoffnung die ewige Seligkeit in der zukünftigen als Belohnung erwarten. Gott, Herr aller Herren, Schöpfer und Erhalter aller Dinge! Dein vielgeliebter Sohn, an dem Du Dein Wohlgefallen hast, wurde in der größten Armuth geboren und lebte arm und unter vielen Arbeiten, Beschwerden und Leiden! Von Ihm, soll ich Geduld, Demuth, Sanftmuth und Menschenliebe lernen. Sendest Du also, o Bater! Armuth, Noth und andere Leiden über mich, so gib mir die Gnade, daß ich sie geduldig und sanftmüthig ertrage und in Allem Deine weise und gütige Vorsehung erkenne; verleihest Du mir aber zeitliche Güter und Vorzüge vor meinen Nebenmenschen, so lehre mich dankbar und demüthig sie als Deine Wohlthaten erkennen und nach Deinem heiligsten Willen ge= brauchen. Erweiche mein Herz für die Nothleidenden, daß ich mit christlicher Liebe ihnen von meinem Ueber 348 Am Weihnachtsfeste. fluffe mittheile und stets der Worte meines Erlösers eingedenk sei: ,, Ich war hungrig und ihr gabt mir zu essen; Ich war durstig und ihr gabt mir zu trinken; Sch war ein Fremdling und ihr nahmt Mich auf; Ich warnackt, und ihr bekleidetet Mich; Ich war im Kerker und ihr kamt zu Mir.-Wahrlich sage Ich euch: Wenn ihr Dieses einem Meiner geringsten Brüder thatet, so habt ihr es Mir gethan!" Gott himmlischer Vater! Der Du alle Menschen so sehr liebest, Der Du willst, daß wir gut und hei lig zu werden trachten sollen wie Du bist, wie Dein Sohn durch Lehre und That es uns gezeigt hat, ver= leih mir die Gnade, meine Liebe zu Dir, durch Erbarmen und Wohlthätigkeit gegen die Hülfbedürftigen bei jeder Gelegenheit zu erkennen zu geben. Amen. Göttlicher Erlöser, Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! mein Lehrer, Gesetzgeber und Richter, wie sehr hast Du uns geliebt, da Du für uns die Menschennatur annahmst und Dich vom göttlichen Throne bis zur Krippe, vom Himmel, dem Sike Deiner Herrlichkeit, bs zur Erde erniedrigtest! Wer begreift dieses Geheimniß Deiner unendlichen Liebe! Mit den himmlischen Geistern will ich es anbethend und lobend verehren. Mit dankbarem, reinem Ge müthe will ich Dich besonders diese Tage der heiligs sten Weihe in Deiner Erniedrigung anbethen. Mit dem Auge des Glaubens sehe ich Dich, das Wort, Am Weihnachtsfeste. 349 die ewige Weisheit Gottes des allmächtigen Vaters, durch Den alles erschaffen wurde und von Dem die ganze Schöpfung abhängt, dort in der Krippe als ein schwaches, hülfbedürftiges Kind, in der größten Armuth. Wie könnte ich Dir, o mein liebreichster Heiland! für solche Liebe und Gnade genug danken! O möchte ich lebenslänglich Deine Beispiele und Lchren befolgen und Dir in der Demuth, Sanftmuth und Liebe treu nachahmen. Dazu verleih mir Deine allmächtige Gnade. Amen. Oheiliger Geist, Ein Gott mit dem Vater und dem Sohne! durch Dich redeten die Propheten vom ewigen Rathschlusse des Vaters, dem verdorbenen Menschengeschlechte in Deinem Sohne einen Erlöser zu senden; durch Dich ist Er Mensch geworden; Du stiegst in leiblicher Gestalt gleich einer Taube auf Denselben bei Seiner Taufe im Jordan herab, als des Vaters Stimme vom Himmel erscholl: Du bist mein geliebter Sohn, an Dem ich mein Wohlgefallen habe. Dich, o Lehrer aller Währheit! verhieß Christus Seinen Jüngern vom Vater zu senden; Er sandte Dich ihnen; Du kamst über sie herab, erfülltest sie mit dem Feuer Deiner Liebe, mit dem Lichte göttlicher Weisheit und lehrtest sie, wie Christus versprochen, alle Wahrheit; da wurde das göttliche Reich, die Kirche über alle Völker vers breitet, an allen Enden der Welt verkündeten die Apostel die Frohbotschaft, das Evangelium vom Rei che Gottes; und die Gestalt der Erde wurde erneus Am Feste der Beschneidung ert. Gott heiliger Geist! treib uns besonders in dies sen der Religion geweihten Tagen an, der großen Liebe Gottes dankbar zu gedenken, mit kindlich from mer Gegenliebe sie zu erwiedern, und dem göttlichen Kinde, das durch Deine Liebe vom Vater uns gegeben wurde, auch unser Herz liebevoll entgegen zu schenken. Herr unser Gott! durch Dich sind wir im Wasser der Taufe wieder geboren, rein gewaschen worden; o, sollten wir durch nachherige Sünden die dadurch erlangte Reinigkeit und Gottgefälligkeit verloren haben, so bewirke Du Allmächtiger, Allgitiger! durch das Feuer, welches Christus auf Erden gefandt, daß die Liebe Gottes in unserm Herzen als les verzehre, was Dich davon entfernen mag; vereinige Dich wieder mit uns durch das Sacrament der Buße, damit wir den Heiland in Seinem Liebese denkmale würdig empfangen und Er so gleichsam in unserm Herzen wie neugeboren werde. Verleih uns dieses, o heiliger Geist! Der Du mit demselben und dem Vater der Eine Gott bist, und lebst und regiereft ewiglich. Amen. 350 Am Feste der Beschneidung des Herrn. ( Dem ersten Tage des Jahres.) O mein Heiland, Christus Messias! wie erhaben und hochgepriesen auf dem ganzen Erdball ist Dein Name Jesus, Der Dir am achten Tage nach Deis ner gnadenreichen Geburt, wie der Engel der selig= sten Jungfrau Maria geweißaget und befohlen, ist des Herrn. gegeben worden! Da unterwarfst Du Dich uns zu Liebe dem Gesetze der Beschneidung; da vergoffest Du uns zu Liebe zum ersten Male Blut. So warst Du liebreicher Heiland! Deinem himmlischen Vater in Allem gehorsam. Dein Beispiel ermahnt mich, so in Allem die göttlichen Gebote zu befolgen, meinen Eltern und Vorgesetzten zu gehorchen, jede Widers fehlichkeit gegen ihre gerechten und billigen Befehle zu vermeiden, und dadurch den Willen Deines himinlischen Vaters zu erfüllen und zum Eingange ins Himmelreich fähig zu werden. O möchte ich, mein Erlöser Jesus Christus! durch Befolgung Deiner Lehren und Beispiele würdig werden, nach Deinem großen anbethungswürdigen Namen ein Chrift zu heißen! möchte ich in der That ein wahrer Christ seyn! Nie will ich, Herr! Deinen Namen eitel nennen; er werde vielmehr stets von mir geehrt, verherrlicht und geheiligt. Er sei auch mein Schutz und mein Schirm, mein Trost, meine Zuflucht und Stårke in jeder Noth! In Dir, o Herr Jesus Christus will ich mich erfreuen, mit jedem neuen Jahre, mit jedem neuen Morgen des Jahres Deinen heiligen Namen anrufen, ihn loben und preisen, als den einzigen, in welchem allein wir Alle selig werden können und sollen. Aus allen meinen geringen Kräfe ten will ich dazu beitragen, daß dieser heyre und anbethungswürdige Name von den Meinigen, von allen Menschen, von allen Völkern gelobt, gepriesen, über alles erhöhet, geehrt und verherrlicht werde. Ainen. 351 352 Litanei vom heiligen Litanei vom heiligen Namen Jesu. Herr! erbarme Dich unser! Christus! erbarme Dich unser! Herr! erbarme Dich unser! Christus! höre uns! Christus! erhöre uns! Gott Vater im Himmel! erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist! erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! erb. D. u. Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes! Jesus, Du Sohn Davids! Jesus, Du Sohn der Jungfrau Maria! Du allerheiligster Jesus! Du allmächtiger Jefus! Du allervollkommenster Jesus! Du allerstårkster Jesus! Du allerruhmvollster Jesus! Du gütigster Jeſus! Du allerliebster Jesus! Du süßester Jesus! Du wurderbarlichster Jesus! Du holdseligster Jesus! Du ehrwürdigster Jesus! Du sanftmüthigster Jesus! Jesus, Du Heiland der Welt! Jesus, Du Mittler zwischen Gott und den Menschen! Jesus, Du guter Hirt! Jesus, Du unsere Zuflucht! Jesus, Du getreuester Liebhaber! Erbarme Dich unser! Namen Jesus. Jefus, Du wahres Licht! Jefus, Du ewige Weisheit Jesus, Du unendliche Güte! Jesus, Du Eiferer der Seelen! stood Jesus, Du köstliches Kleinod! Jesus, Du Spiegel der Vollkommenheit! Jesus, Du Vorbild aller Tugend! Jesus, Du Vater der Armen! Jesus, Du Trost der Betrübten! Jesus, Du Freude der Engel! Jesus, Du König der Patriarchen! Jesus, Du Erleuchter der Propheten! Jesus, Du Meister der Apostel. Jesus, Du Lehrer der Evangelisten! Jesus, Du Stärke der Märtyrer! Jesus, Du Licht der Beichtiger! Jesus, Du Bräutigam der Jungfrauen! Jesus, Du Krone aller Heiligen! Sei uns gnådig! verschone uns, o Jesus! Sei uns gnådig! erhöre uns, o Jesus! Von aller Sünde! Erlöse uns, o Jesus! Von Deinem Zorne! Von den Nachstellungen des Teufels! Von Pest, Hunger und Krieg! Von Uebertretung Deiner Gebothe! Bon allen Uebeln! Durch Deine Menschwerdung! Durch Deine Geburt! mmo Durch Dein heiligst: s Leben! Durch Dein Leiden und Sterben! UDIA ' nnigod ny E so NG 17 5 bamgila 353 Insiind stada 23 Erbarme Dich unser! HOS Erlöse uns, o Jesus! 200 354 Sitanei vom heiligen Durch Deine Auferstehung und Himmelfahrt! Durch Deine Herrlichkeit zur Rechten des Baters! Durch die holdseligste Jungfrau Maria Deine Mutter! Erl. uns, o Jesus! Durch die Fürbitte Deiner Heiligen! D Du Lamm Gottes! das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! verschone uns, o Jesus! D Du Lamm Gottes! das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erhöre uns o Jesus! D Du Lamm Gottes! das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erbarme Dich unser, o Jesus! Christus höre uns! Christus erhöre uns! Herr Jesus Christus! Der Du gesagt haft: Bittet, so werdet ihr erhalten; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan werden; wir bitten Dich, verleih uns die Gnade, Dich von ganzem unserm Herzen zu lieben, Dich mit Wort und That zu bekennen, und Deinen Namen ewiglich zu loben und zu verherrlichen. Amen. Gebeth. Mit Dir, o Jesus Christus! und in Deinem Namen beginn' ich dieß neue, irdische Lebensjahr. Du, dessen theurer Name mir heute besonders wichtig ist; Du heiligster Jesus! Dein Name, vor dem sich alle Knice beugen, sei von mir gepriesen! Jesus, Du Erlöser, Retter, Heiland, Begnadiger und Seligmacher Aller, die an Dich glauben und Deine Gebote halten! ich glaube an Dich; erbarme Namen Jesu. Dich meiner! hilf mir, Deinem Worte treu nache leben, damit dieses Jahr und jedes, so Deine Vorschung mir noch bescheren wird, ein Jahr des Hei les und der Gnade für mich werde. Sei mir, o Jesus! was Dein Name sagt, ein Erretter, ein mächtiger Helfer, ein Erfreuer, cin wahrer Freund, ein Kraft- und Gnaden- Verleiher, wie es kein Sterblicher außer Dir seyn kann. Deine Huld gegen alle Menschen, Deine erbarmende Huld auch gegen mich werde mit jedem Tage neu, mit je dem Tage nur gewisser, und der Friede, den Du vom Himmel hernieder brachtest, beselige mich immer mehr. Ich vertraue, Herr! auf Deinen heiligen Namen; durch ihn hoffe ich alles Gute zu erlangen. Du bist meine Stärke, wenn ich schwach, meine Freude, wenn ich traurig bin, mein Helfer, wenn ich leide, mein Seligmacher, wann ich sterbe; Du bist mein Herr und mein Gott, mein höchstes Gut, mein Einziges und mein Alles. Darum liebe ich Dich von ganzem Herzen, darum erneuere ich im neuen Jahre den Bund: Lebe ich, so lebe ich Dir; sterbe ich, so sterbe ich Dir; ich lebe oder ich sterbe, Dein bin ich, e Jefus!, in Ewigkeit. Amen. 355 Am Feste der heil. drei Könige. ( Erscheinung oder Offenbarung des Herrn vor den Heiden.) O Gott! der Du am heutigen Tage Deinen Eingebornen unter Leitung eines Sternes den Am Feste der Heiden geoffenbaret hast, verleih uns gnädig, daß, die wir Dich durch den Glauben schon erkannt haben, wir zur Anschauung der Schönheit Deiner Majestät geführet werden mögen, durch denselben 11. s. w. 356 Wir bitten Dich, o Herr! sieh gnädig an das Opfer Deiner Kirche, das jetzt nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe ist, sondern was durch eben dieses angedeutet, am Altare aufgeopfert und empfangen wird, Jesus Christus, Dein Sohn, unser Herr, Der mit Dir lebt u. s. w. Unerforschlich sind Deine Wege, o Gott, wunderbar führest du uns auf dem Pfade unserer irdischen Wanderschaft, wie wir es besonders an Deis nen Dienern Abraham, Joseph, und so vielen Andern, heute aber vorzüglich an den h. drei Königen bewundern. Du schützest uns; Du bewahrest uns; Du nåhrest uns; Du kleidest uns. Alles was wir sind und haben, kommt von Deiner Vaterhand. Du bist immer unser liebreicher Bater. O leite und führe mich, Dein schwaches Kind, auf dem Wege der Tugend, und Deiner Gebote damit ich nicht strauchele und falle! Behüte und bewahre mich vor allem Uebel, vor bösen Nachstellungen, vor Verführung zur Sünde. Schaffe in mir, Allmächtiger, ein reines Herz, einen guten, frommen Willen, der sich Dein h. Gesetz zur Richtschnur wähle. Mache, daß ich Dir nachfolge, Herr Jesus Christus! 357 beiligen drei Könige. denn einen andern Leitstern durch des Lebensfinsternisse kann ich nicht haben; Du allein bist das wahre Licht dieses Lebens. Nie will ich den Lockungen der Gottlosen Gehör geben; nie will ich Dich, meinen treuesten, meinen besten Freund, verlassen. Sorgfältig vermeide ich von nun an jede böse Ge sellschaft, jede gefährliche Gelegenheit, damit ich Deines Lichtes und Deiner Gnade nicht beraubt werde: und so die ewige Seligkeit verliere. Dir allein, o mein Erlöser, mein Herr und mein Gott! will ich treu und standhaft anhangen. Du aber, ohne Den ich nichts vermag, führe und leite mich, Dein schwaches Kind, damit ich nie in eine Sünde einwillige, sondern stets Deinen heiligen Eingebungen folge. Amen. Bittet für uns, o ihr heiligen drei Könige, Kaspar, Melchior und Balthasar! damit wir der Verheißungen Jesu Christi würdig werden; damit wir im Lichte des wahren Glaubens Gottes Wege treu wandeln, auf Ihn alle unsere Hoffnung zuversichtlich bauen, und vom Feuer Seiner Liebe entzündet, einst dorthin gelangen, wo wir Ihn in eurer Gesellschaft ewig anbethen, loben und lieben werden. Amen. Am Feste der Darstellung Jesu im Tempel, Mariä Reinigung oder Lichtmesse. Allmächtiger, ewiger Gott! wir bitten Deine Majestät demüthig, daß, gleichwie Dir heute Dein Am Feste Mariä Reinigung. eingeborner Sohn im Wesen unseres Fleisches ist dargebracht worden, Du auch uns wollest mit ges reinigtem Herzen Dir darstellen lassen; durch eben denselben unsern Herrn Jesus Christus u. s. w. ( Bei der Kerzenweihe.) Allmächtiger, ewiger Gott! heute nahm der fromme Simeon Deinen eingebornen Sohn im Tempel auf seine Arme; heute ließest Du Jhn Dir im Tempel darstellen und opfern. O wir bitten Dich durch Deine göttliche Barmherzigkeit, segne und heilige die Kerzen, die wir, Deine Diener, zur Ehre Deines Namens anzünden und feierlich herumtragen. Segne und heilige sie durch Dein Licht, himmlifcher Bater! daß wir sie Dir unserm Herrn und Gott, nicht nur auf eine würdige Art opfern, son: dern daß auch in unserm Herzen das heilige Feuer Deiner göttlichen Liebe entzündet und wir in dem heil. Tempel Deiner Heiligkeit Dir dargestellt und geheiliget werden, durch Jesura Christum unsern Herrn. Amen. 358 D Herr Jesus Christus, Der Du die menschliche Natur angenommen, und als ein Mensch unter uns erschienen bist; heute wurdest Du von Maria Deiner allerreinsten jungfräulichen Mutter und Deinem beiligen Nährvater Joseph im Tempel geopfert. Bom heiligen Geiste erleuchtet nahm Dich heute der ehrwürdige alte Simeon in seine Arme und erkannte und pries Dich als seinen Erlöser. O, ſo verleih auch uns gnädigst, daß auch wir Dich für Am Beste Maria Reinigung. denjenigen erkennen, Der Du bist, und Dich als unsern Heiland von ganzem Herzen lieben, Der Du lebst u. s. w. Amen. 359 Herr Jesus Christus! Du wahres Licht der Welt! welch' ein herrliches Zeugniß giebst Du uns heute von Deiner Gottheit und Menschheit! Welch ein Opfer bist Du heute im Tempel, im Hause Deines himmlischen Vaters! Die glückliche Zeit ist da, wo die von Dir durch die Propheten ausges gangenen Worte erfüllet werden: ,, Opfer und Gar ben verlangst Du nicht, aber einen Leib hast Du mir bereitet. Brand- und Sündopfer gefallen Dir nicht. Da sprach Sch: Sich! ich komme Deinen Willen, Gott! zu erfüllen!"( Hebr. X. 5-7.) — Der gerechte Simeon, welchem der h. Geist verheißen, er werde nicht sterben, bevor er den erwars teten und verheißenen Heiland gesehen, kam heute auf Antrieb des h. Geistes in den Tempel, nahm Dich hocherfreut in seine Arme, lobte Gott und bekannte Dich als den Heiland der Welt. Entzückt vor Wonne rief er aus: Nun Herr! entlassest Du Deinen Diener nach Deinem Worte im Frieden, weil meine Augen Dein Heil gesehen haben, das Du für alle Völker zu bereitet hast; ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Ehre Deines Volkes Israels. Ja, Du warst es Selber, anbethungswürdiger Sohn Gottes! Der als ein schwaches Menschenkind in den Am Feste Mariä Reinigung. Armen des frommen Greifes lag; denn heute brachte Dich Deine liebe Mutter, wie es das Gesetz Mosis forderte in den Tempel, um Gott Deinem himmlischen Vater aufgeopfert zu werden. Darum, o Herr! tragen wir auch heute nach der Lehre und dem uralten Gebrauche Deiner heiligen Kirche brennende Kerzen in unsern Hånden; bekennen also Dich als das Licht der Welt und bitten: 3ünde an, o Herr! in unsern Herzen das Licht Deiner Gnade, und laß es hell auf brennen, damit dadurch die Finsternisse der Sünden sammt allen bösen Begiers den ausgetrieben, der wahre Glaube, die feste Hoffnung und standhafte Liebe samt allen Tugenden in uns gepflanzt, und wir also zu einem angenehmen Tempel und zur beständigen Wohnung Dir bereitet werden. 360 Allmächtiger Gott und Heiland Jesus Christus! verleih uns auf die Fürbitte Deiner jungfräulich reinen Mutter und Himmelskönigin Maria, daß wir das heutige Fest andächtig und dankbar beges hen; und wie wir das irdische Licht Dir zur Ehre und zu Deinem Andenken in die Hände nehmen, also laß uns auch Dich, das unerschaffene, wahre Licht in unsere Gemüther und Herzen aufnehmen; und so wie heut Deine h. Menschheit im Tempel dargebracht wurde, daß wir dadurch von allen Sünden frei und rein würden, so laß auch uns nach diesem Leben Dir in Deinem himmlischen Reiche vorgestellt und dessen mit allen Deinen Auserwählten ewig theilhaft werden. Amen. Gebeth am Afschermittwochtage. 361 1 muje oud Gebethede während der heil. Fastenzeit. Am Aschermittwoche. Gott! Dessen Gnade über dem ruhet, der sich vor Dir demüthiget, und Dessen Versöhnlichkeit den Thränen der Buße begegnet, neige Dein Ohr gnådig herab zu unserm Flehen, und gieß über Deine Diener, die jetzt ihr Haupt mit Asche bestreuen lassen, den reichen Segen Deiner Gnade aus, damit sie mit dem Geiste der Zerknirschung erfüllet werden, und sicher erhalten, um was sie bitten, wie sie sollen, und damit das was sie erhalten, in ihnen dauerhaft befestiget, und von allem Hauche des Bösen unangesteckt verbleibe! Durch Jesum Christum Deinen Sohn v. s. w. urch die von O Gott! Der Du alle Jahre Deine h. Kirche durch die von ihr beobachtete vierzigtågige Fasten reinigest, verleih Deinen Gläubigen, daß durch ihre guten Werke sichtbar werde, was sie durch Enthalt, samkeit von dir erflehen möchten. Durch Jesum Christum Deinen Sohn u. f. w. das di O Gott, Der Du siehst, wie kraftlos und ohnmächtig wir sind, bewahre du unser Inneres und Neußeres, damit der Leib von allen Leiden frei, win und die Seele von allen bösen Gedanken rein werde; durch Jesum Christum Deinen Sohn u. s. w. Allmächtiger Gott! sieh ghådig auf die Gelöbnisse der Demüthigen herab, strecke aus die Rechte 23* 362 Gebeth und Betrachtung auf Deiner Majestät uns zu beschüßen, durch Jesum Christum u. s. w. Verleih uns, wir bitten Dich, allmächtiger Gott! daß wie wir unter dem Drucke der Sünde nach Verdienst leiden, wir also auch durch den Trost Deiner Gnade Erleichterung finden; durch Jesum Christum u. s. w. Allmächtiger Gott! sieh gnådig herab auf Deine Familie, daß ihr leibliches Wohl durch Deine Freigebigkeit gefördert, und ihr geistliches Heil durch Deinen Schutz bewahret werde; durch Jesum Christum u. s. w. Allmächtiger, ewiger Gott! es war Dein Wille, daß unser Heiland Fleisch annehmen und den Tod am Kreuze ausstehen sollte, damit das menschliche Geschlecht ein Muster der Demuth und der Geduld zur Nachahmung vor sich hätte; verleih uns nun auch die Gnade, daß wir würdig werden, uns Seine Demuth und Geduld zum Vorbilde zu nehmen und an seiner Auferstehung Theil zu nehmen, durch Jesum Christum u. s. w. Gebeth und Betrachtuug auf alle de di Tage in der Fasten. Allmächtiger, ewiger Gott! im demüthigen Aufblicke zu Dir feiern wir jetzt die vierzigtågige Faften, zum heilsamen Andenken und zur Nachahmung jener Fasten, durch welche unser liebe Herr and Heiland Jesus Christus uns ein Vorbild 363 alle Tage in der Fasten. geworden ist. Gib mir, Barmherziger! Gnade, daß ich dieses kirchliche Fastengebot gehörig schätze, seine große Nüglichkeit einsehe und es nach dem Geiste Jesu und dem Sinne Seiner heiligen Kirche willig und genau erfülle.. Wir enthalten uns nach der Vorschrift Deiner h. Kirche, von gewissen Speisen und beschrän ten unsere Eßlust, nicht als fürchteten wir durch den Genuß dieser Speisen verunreiniget zu werden; nicht als glaubten wir, durch unser Fasten Dir, o Gott! einen Dienst zu erweisen, oder durch dieses außere Mittel den Mangel der innern Tugend ersetzen zu können. Deine vom heiligen Geiste geleitete Kirche hat sich bei Anordnung der Fasten einen heiligern Zweck vorgesetzt. Wir sollen dem Körper nicht die nothwendige, sondern die überflüssige Nahrung entziehen; wir sollen durch eigene Erfahrung lernen, wie wenig die menschliche Natur bedürfe, um zu bestehen; und wie unerfåttlich die Begierlichkeit in ihren Forderungen sei. Durch Enthaltung von an sich erlaubten Dingen sollen wir eine Fertigkeit erlangen, mit standhafter Treue verbotene und sündhafte Dinge uns zu versagen. Durch die Abtödtung des Fleisches, welche immer gegen den Geist, unsere edlere Natur, streitet, soll die Seele gestärkt und gleichsam auf Flügeln der Andacht, des Gebethes und der Betrachtung um so leichter und ungehinderter erhoben werden, je weniger ihn die Last des Körpers auf die Erde niederdrückt. Gebeth und Betrachtung auf Gehorsam ist Dir, o Herr! angenehmer als Opfer. Du siehst nicht auf die Größe oder Geringfügigkeit des Werkes, das wir üben, sondern auf die Anhänglichkeit und christliche Liebe, welche uns bei der Ausübung dieser Werke beseelt und zum Handeln bestimmt. Darum, o Allwissender, Allerheiligster! präge bei dem Fastengebote Deinen heiligen Willen tief meinem Herzen ein. Täglich will ich während dieser Zeit der Buße und des Heiles die Worte erwägen, Die Du einst durch Deine Propheten gesprochen: ,, Bekehret euch, bekehret euch zu mir von ganzem Herzen, in Fasten, Weinen und Trauern; und zerreißet euere Herzen und nicht euere Kleider!- Es verlasse der Gottlose seinen Weg, und der Ungerechte seine Anschläge und kehre zurück zum Herrn; und der Herr wird Sich erbarmen; er kehre zurück zu unserm Gott; denn Er ist gerne geneigt zum Verzeihen. Brich dem Hungrigen Dein Brod; führe die Dürftigen und unstât Irrenden in Dein Haus; und siehst Du einen Nakten, so bekleide ihn." 364 Ja, jetzt sind die Tage des Heiles, der Buße, des Gebethes und der christlichen Wohlthätigkeit. Zu diesem heiligen, der Kirche Jesu Christi und Seiner Religion so würdigen Zwecke will ich die Fastenzeit in frommer Andacht verwenden. Ich will Du, o Gott! Der mir das Wollen gibt, gib Du mir auch das thätige Streben es zu vollbringen ich will mich losmachen von den eiteln Zerstreuungen, welchen ich mich bisher nur zu gerne HONORED - 6 alle Tage in der Fasten. und zu lange hingab; ich will einkehren in mein Inneres, in mich selbst eingehen und in ernster Geistessammlung mein Gewissen erforschen, damit ich meine Sünden erkenne, bercue, durch Dein h. Bußsacrament nach abgelegter aufrichtiger Beicht die Verzeihung und Lossprechung derselben erhalte, nach allen meinen Kräften dafür genug thue, und mich so gånzlich zu Dir, meinem liebevollen Vater bekehre und bessere. Ich will meine Sinne nicht mißbrauchen, meine wilden Leidenschaften, 3orn und böse Lüsternheit båndigen, meine Zunge wie im 3aume halten, durch strenge Wachsamkeit über mich selbst meinen Leib als einen Tempel des h. Geistes von aller Sünde rein bewahren und so in meiner Seele Dein heiliges Gesetz herrschen lassen. Der Ueberfluß an Nahrung, den ich durch Fasten meinem Leibe entziehen will, soll mich in Stand sehen, gegen Nothdürftige wohlthätig zu seyn. Gerne will ich die Speise meinem Munde abbrechen, o Herr! um einen Deiner und meiner Brüder, den ich hungern sehe, damit zu speisen. Meine Bequemlichkeiten will ich nicht mehr so pflegen, meinen Lieblingsvergnügungen will ich in dieser Gnadenzeit entsagen und meine Bedürfnisse so einschränken, daß ich vom Ersparten die nackten Glieder der Armen, Deiner Freunde bekleiden könne. Ja, Herr! Die Armen, Kranken, Gefangenen und alle Hülf- und Trostbedürftigen sollen es auch an meinen geringen Ga= ben sehen und fühlen daß sie Mitmenschen haben, 365 $ 66 Gebeth und Betrachtung auf die Christen sind, die sie als Brüder, als Glieder Jesu Christi betrachten. Heilige also durch die Liebe mein Fasten, halte mich von jeder Sünde zurück, dann Herr! habe ich die Vorschrift Deiner heiligen Kirche, unserer Mutter, erfüllt. Wie konnte ich, o mein göttlicher Heiland! diese Zeit vorüber gehen lassen, ohne durch meine Werke zu zeigen, daß ich ein Christ, ein folgsames Kind Deiner heil. Kirche bin? ohne auf die von Dir be zeichnete Weise, durch Gottes- und Nächstenliebe, meine Dankbarkeit und Gegenliebe Dir für Deine unendlichen Wohlthaten zu beweisen? Nein, Herr! ich will nicht undankbar sein. Diese heil. Zeit erinnert mich an Deine Leiden, an Deinen Tod; tåglich will ich desselben gedenken, und dem gemäß in allem handeln. O mein liebenswürdigster Heiland! erleuchte Du mich, daß ich die kostbaren Früchte Deines Opfertodes, den hohen Werth Deines vergoffenen Blutes, die Größe Deiner Liebe recht erkenne; daß ich Dich entgegen liebe und mich Dir aufopfere, wie Du Dich für mich Sünder, für mich Berlornen hingeopfert haft, damit ich durch Dich, o Jesus! mit Gott versöhnt, Gnade, Verzeihung und ewiges Leben erlange. Herr Jesus Christus! Du Stärke der Schwachen, ohne den ich nichts vermag, beweise Dich mächtig auch in mir, auf daß diese heil. Fastentage mir nicht unbenutzt vergehen und ihre heilsamen Wirkungen an mir sichtbar werden! Laß mich durch Busübung 367 alle Tage in der Fasten. und andächtige Betrachtung Antheil nehmen an Deinem heiligen Leiden und Sterben! Hilf mir fo leben, daß ich der Sünde absterbe, wie Du zur Tilgung der Sünde so viel gelitten haft und ge= storben bist, damit ich theilhaftig werde Deiner herrlichen Auferstehung und Deiner Seligkeit im Lande der Verklärung. Amen.( b): 11 grundstamise om S Thinugogust sort tours du Me s ad im sim#jus 31. Gebeth vor dem Gekreuzigten.d giiding bi 02 sim 097 1 drills ne O Jesus Du Sohn des lebendigen Gottes und Heiland der Welt! Die Betrachtung Deiner Leiden und unbegrenzten Liebe gegen mich erweckt endlich mein Herz zu Empfindungen der Dankbarkeit und Gegenliebe. Wie könnte ich noch ferner meinen bo sen Neigungen, den gesetzwidrigen Erieben und bösen Leidenschaften meines Herzens folgen? Wie sollte ich noch meiner zu allen Lastern geneigten Sinnlichkeit fröhnen? wie 3orn, Haß und Neid, Rachsucht und Ungerechtigkeit, dem Geize und der harten Lieblofigkeit in meinem Herzen Raum geben? Wie könnte ich nun noch durch Unkeuschheit in Gedanken, Worten, Werken meinen Leib und meine Seele entehren, da ich sehe, wie entsetzlich grausam Du um der Sünder willen hast leiden wollen? Mit bitterer Reue gestehe ich es, daß ich bisher jo manches Unrecht, so manche Therheit verübt, und so vieler fündhaften und schåndlichen Handlungen Gebeth vor dem Gekreuzigten. mich schuldig gemacht habe.! O wie viel muß ich beweinen! wie undankbar war ich gegen Dich! Wie viel habe ich abzubüßen und wieder gut zu machen! der Tod medition Joid of of coni Che Vergib mir, o erbarmungsvoller Heiland! was bisher von mir wieder Deine heiligen Gebothe geschehen ist; ich will zu Dir, unter die Fahne Deines Kreuzes, zurückkehren, und meine Bekehrung und Besserung nun nicht mehr aufschieben. Mir ist es, als rufest Du mir mit der Stimme des Mitleids und der Liebe zu: odxod disso 368 ,, O Menschenkind! sich wie Ich dich geliebt, wie Ich Blut und Leben für Dich hingegeben habe! Deinetwegen bin Ich so elend geworden; deinetwe gen bin Ich gestorben, unter unaussprechlichen Schmerzen gestorben, damit du ewig glückselig leben möchtest. Sei nun nicht långer mehr undankbar ge= gen Mich, und grausam gegen dich; ich will dich zum Paradiese, zu meiner Seligkeit führen; lauf nicht mehr långer freiwillig deinem Verderben, deinem ewigen Verderben entgegen. Ich bin bereit dir zu verzeihen; nur komm zu mir zurück, zu deinem Gott und Heilande; Der dein Bestes will, Der mit offenen, ausgestreckten Armen sich Dir zuneiget! O Kind! komm zurück zu Deinem Vater, Der dich liebevoll erwartet!" So sprichst du, o mein liebreichster Erlöser! zu meinem Herzen. Sieh, mein Erbarmer, mein Erretter! hier bin ich; ich bin als undankbarer Sohn Deiner Gnade und Huld nicht mehr werth, halte Gebeth vor dem Gekreuzigten. 369 mich nur für einen Deiner geringsten Knechte; ich verlasse Dich nicht mehr, o mein gekreuzigter Herr und Heiland! ich umarme Dein Kreuz; nimm mich wieder in Gnaden auf; laß mich durch nichts mehr von Dir getrennt werden, sondern ewig Dein bleiben. Amen. Litanei vom Leben und Leiden Jesu Christi. ( Diese Litanei kaun auch, so wie die vom Namen Jesu und vom heiligen Frohnleichnam vor und nach der heil. Commnnion ganz füglich benutzt werden, da sie sehr geeignet sind, in uns die Erinnerung an das Leben Leiden und Sterben un sers göttlichen Erlöfers anzuregen, und uns die Geheimnisse Seiner heiligen Menschwerdung lebendig zu Gemüthe zu führen. Hiebei binde man sich nicht ängstlich daran, dieselben ganz durchzubethen, sondern verweile bei jenen Namen, Geheimnissen und Begebenheiten, die der Andacht mehr Nahrung gewähren, und das Herzensgebeth mehr befördern, da dies ihr eigentlicher 3weck ist.) Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater im Himmel! erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser. 24 Litanei vom Leben 370 Jefus, Du ewige Weisheit, Jesus, von Maria der Jungfrau geboren, Jesus, von Deiner heiligen Mutter angebethet, Jefus, in arme Windeln gehüllt, Jesus, in der Krippe vor Kålte zitternd, Jesus, von der Milch Deiner jungfräulichen Gebårerin ernährt, Jesus, von den Hirten zu Bethlehem im Stalle erkannt, Jesus, durch die Beschneidung dem Gesetze untergeben, Jesus, von den Weisen des Morgenlandes angebethet, Jesus, als Knäblein im Tempel aufgeopfert, Jesus, in der zartesten Kindheit gezwungen nach Aegypten zu fliehen, Jesus, von Herodes zum Tode gesucht, Jesus, zu Nazareth erzogen, Jesus, im Tempel wiedergefunden, Jesus, Deinen Eltern untergeben, Jesus, von Johannes im Jordan getauft, Jesus, unter den Menschen wandelnd, Jesus, von den Menschen ohne Ursache gehaßt, Jefus, mit Schmach und Lästerungen überfåttigt, Jesus, vor Moyfes und Elias verklärt, Jesus, als ein sanftmüthiger König in Jerufalem Deinen Einzug haltend! Jesus, für dreißig Silberlinge verkauft, Erbarme Dich unser! und Zeiden Jesu Christi. Jesus, bei der Fußwaschung zu den Füßen der Apostel gebeugt, Jesus, im Gebeth auf dem Antlik liegend, Jesus, im harten Leidenskampfe von blutigem Schweiß bedeckt, Jesus, von den Rotten der Gottlosen mit Stricken gebunden, Jesus, von Deinen Jüngern verlassen, Jesus, vor Annas und Kaiphas geführt, Jesus, von dem Kriegsknechte mit einem Backenstreiche geschlagen, Jesus, von falschen Zeugen angeklagt, Jesus, zum Tode verurtheilt, Jesus, verspien und gegeißelt, Jesus, mit verhülltem Angesichte mißhandelt, Jesus, dreimal von Petrus verleugnet, Jesus, dem Pilatus gebunden vorgeführt, Jesus, von Herodes verachtet und verspottet, Jesus, mit einem weißen Kleide angethan, Jesus, dem Mörder Barrabas nachgesetzt, Jesus, an eine Säule gebunden und grausam gegeisfelt; Jesus, wegen unserer Missethaten geschlagen, Jesus, einem Ausfähigen gleich geachtet, Jesus, mit einem Purpurmantel bedeckt, Jesus, mit Dörnern schmerzlich gekrönt, Jesus, mit einem Rohr geschlagen, Jesus, von den Juden zum Kreuzestode ge fordert, Jesus, zum schmählichsten Eode verurtheilt, 371 Erbarme Dich unser! 372 Litanei vom Leben Jesus, dem Willen Deiner Feinde übergeben, Jesus, mit dem schweren Kreuze beladen, Jesus, wie ein Lamm zur Schlachtbank ge= führt, Jesus, Deiner Kleider beraubt, Jesus, mit Någeln an das Kreuz geheftet, Jesus, wegen unserer Frevelthaten verwundet, Jesus, zu Deinem himmlischen Vater für Deine Feinde bethend, Jesus, unter die Missethåter gezählt, Jesus, von den Mördern verlacht und verhöhnt, Jesus, der Du dem reuigen Schächer das Paradies verhießest, Jesus, der Du Deiner geliebten Mutter den Johannes zum Sohne empfahlst, Jesus, von Deinem himmlischen Vater verlassen, Jesus, mit Essig und Galle getrånkt, Jesus, Der Du alles erfülltest, was die Schrift von Dir geweisfagt hatte, Jesus, gehorsam bis zum Tode am Kreuze, Jesus, Der Du als unser Versöhnungsopfer starbst, Jesus, vom Kreuze herabgenommen, Jesus, glorreich vom Tode auferstanden, Jesus, Der Du zum Himmel auffuhrest, Jesus, unser Fürsprecher bei dem Vater, Jesus, Der Du Deinen Jüngern den heil. Geist, den Tröster, gesandt hast, Erbarme Dich unser! und Leiden Jesn Christi. Jesus, Der Du Deine jungfräuliche Mutter über die Chöre der Engel erhebst! Jesus, Der Du kommen wirst zu richten die Lebendigen und die Todten, Sei uns gnådig, schone unser, o Jesus, Sei uns gnådig, erhöre uns, o Jesus, Von allem Uebel, erlöse uns, o Jesus, Von aller Sünde, erlöse uns, o Jesus, Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, erlöse uns, o Jesus, Von Pest, Hungersnoth und Kriege, erlöse uns o Jesus, Von allen Gefahren des Leibes und der Seele, er löse uns, o Jesus, Von dem ewigen Tode, erlöse uns, o Jesus, Durch das Geheimniß Deiner heiligen Menschwerdung, Durch Deine demüthige Beschneidung, Durch Deine Taufe und Dein heiliges Fasten, Durch Deine Arbeiten und Deine Nachtwachen, Durch Deine schmerzliche Geißlung und Krönung, Durch Deinen Durst, Deine Thränen und Deine Blöße, Durch Deinen kostbaren Tod und Dein 373 Kreuz. Durch Deine siegreiche Auferstehuug und Himmelfahrt, Am Tage des Gerichtes, Erb. D. u. Erlöse uns, o Jesus! Litanei vom Leben Bir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du unser schonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zu wahrer Buße führen wollest, Daß Du die Gnade des heiligen Geistes in unsere Herzen ergießest, Daß Du die in Deinem heiligen Namen versammelte Gemeine erhalten und vermehren wollest, Daß Du uns wahren Frieden, Demuth und Liebe geben wollest, Daß Du uns die Gnade der Beharrlichkeit in Deinem heiligen Dienste verleihen wollest, Daß Du uns vor unreinen Gedanken, vor Versuchungen des Teufels und vor der ewigen Verdammniß bewahren wollest, Das Du uns mit der Versammlung Deiner 374 Heiligen vereinigen wolleft, Daß Du uns erhören wollest, Wir bitten Dich, erhöre uns! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Jesus! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesus! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Did unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser u. s. w. Vorspruch: Wir bethen Dich an, o Jesus! und preisen Dich! und Leiden Jesu Christi. Anwort: Der Du durch Dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast! 375 B. Herr, erhöre mein Gebeth! A. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! O Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der Du nach dem Willen Deines ewigen Baters, kraft der Mitwirkung des heiligen Geistes die Welt durch Deinen Tod zu neuem Leben erweckt haft: erlöse uns durch das ehrfurchtgebietende und hochhehre Sacrament Deines Leibes und Blutes von allen unsern Uebelthaten und von allem Bösen, und verleih, daß wir Deinen Gebothen immerdar anhangen, und ewiglich nicht von Dir getrennt werden. O Gott, Der Du durch Deine heiligen Sacramente und Gebothe zu Deinem Ebenbilde uns er neuerst, vervollkommene unsere Schritte auf Deinen Wegen, und verleih uns: daß wir die Gaben Deiner Liebe, zu welchen Du unsere Hoffnung erhoben hast, urch Deine Barmherzigkeit wirksam erlangen durch Jesum Christum Deinen Sohn, Der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth am heiligen Charsamstage. ( Nach dem heil. Augustin.) O Jesus, mein huldreicher, mein unendlich gü tiger Herr und Gott! Du hast Dich gewürdigt, wegen unserer Sünden zu sterben und bist wegen unserer Rechtfertigung auferstanden. Ich bitte Dich burch Deine glorreiche Auferstehung, wecke mich aus 376 Gebeth am heiligen dem Grabe aller meiner Vergehungen und Sünden auf; reiche mir armseligen Deine liebevolle Hand; laß mich zu Dir kommen und durch Dich, lebendiges Himmelbrod, erquicket werden, damit ich neue Kraft erhalte, auf den Flügeln heiliger Sehnsucht erhoben, aus diesem Thrånenthale zu Deinem himmlischen Reiche mich zu erschwingen. D Christus mein Herr und mein Gott! mein liebreichster Erlöser! wann werde ich Dich sehen im Lande der Lebendigen? Denn in diesem Lande der Sterblichen kann Dich mein irdisches Auge nicht sehen. So lange wir uns in diesem Leibe aufhalten, sind wir von Dir, o Herr! wegverreiset; wir haben hier keine bleibende Ståtte, sondern wir suchen die zukünftige auf, die in dem Himmel ist. Glücklich jene, deren einzige Hoffnung Du bist, o Herr! die noch im hinfälligen Leibe eingeschossen, in etwas Deine Süßigkeit verkosten können. O barmherzigster Heiland! ich bitte Dich durch Deine heilbringenden Wunden, die Du am Kreuze zu unserer Rettung hast empfangen wollen, aus denen jenes kostbare Blut, der Preis unserer Erlösung, herausgeflossen ist, verwunde meine fündige Seele, für die Du aus Liebe gestorben bist, verwunde sie mit Deiner feurigen mächtigen Liebe, damit ich zu Dir sagen kann: ,, Ich bin aus Liebe zu Dir verwundet!" daß aus dieser segenvollen Wunde bei Tag und bei Nacht reichlich Thränen hervorquellen, aus Sehnsucht nach Deinem herrlichen Anblicke. Charsamstage. 377 Ich will in diesem Erdenleben keinen Trost annehmen, bis ich der Gnade gewürdiget werde, Dich o meine Liebe! mein Gott und mein Herr! mein einziges Heil und Leben! in der Herrlichkeit zur Rechten des Vaters zu erblicken und mit denen, wel che Du Dir auserwählt hast, Deine Majestät in Demuth anzubethen. Dann will ich voll unaussprechlicher, ewiger Himmelswonne, mit allen, die Dich lieben, ausrufen: Preiset mit mir die Erbarmungen des Herrn! Ich sehe, ich habe und besite den Gegenstand meines Verlangens, meiner Hoffnung und Sehnsucht. Ich lobe, preise und bethe an meinen Gott, Der da lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 191 pin bejuls, pipriale dau Gebethe mad- un disimild dmi 100 an den heiligen Ostertagen. doje nis Kirchengebeth. 19:00 O Gott! Der Du uns an diesem Tage, da Dein Eingeborner den Tod überwand, durch Ihn den Zugang zur seligen Unsterblichkeit eröffnet hast, laß unser Verlangen, welches von Dir aus- und zu Dir hingeht, durch Hülfe Deiner Gnade die vollkommene Erfüllung erreichen. Durch Jesum Chriftum unsern Herrn. Amen. O Herr, gieß aus in unsere Herzen den Geist Deiner Liebe, damit jene, welchen Du durch die geheimnisvolle Osterfeier eine Fülle der Freuden bereitest, die Frömmigkeit kindlicher Gesinnung zu Gebethe an den schöner Eintracht vor Dir verbinde. Durch Jesus Christus unfern Herrn. Amen. 1070 O Gott! Der Du durch die heilige Osterfeier der Welt Deine herrlichen Segnungen gespendet hast, wir bitten Dich, verleih Deinem Volke ferner Deine himmlischen Gaben, damit dasselbe hier die vollkomme= ne Freiheit erhalten und dort das ewige Leben erlangen möge. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. NA 378 Gebeth. Anbethungswürdigster Herr und Heiland Jesus Christus! mit dem Gefühle der herzlichsten Freude, der innigsten Wonne feiern wir das Gedächtnis Deiner sieg- und glorreichen Auferstehung, und wünschen Dir Glück zu dem neuen Leben, zu welchem Du mit Pracht und Herrlichkeit aus dem Grabe erstanden bift. Du bist nun als Sohn des ewigen Vaters der Welt dargestellt; Dein Versöhnungsopfer für unsere Sünden ist für angenommen und vollgültig erklärt; die Göttlichkeit Deiner Persson und Lehre ist bestätigt, und die selige Unsterblichkeit unserer Seele, wie die künftige Auferstehung unseres Leibes zum ewigen Leben hat nun ein sicheres, ein göttlich sicheres Unterpfand erhalten. Sei ewig gelobt und dankbar geliebt für alle Deine Wohlthaten! Mein ganzes Leben sei ein thätiger, liebevoller Dank für all das Gute, für all die Se ligkeit, so ich durch Dich hier und dort bei Dir ewig zu genießen hoffe. Vermehre meinen Glauben 13pin 101 370 heiligen Ostertagen. an Deine Auferstehung und unterstüße mich mit Deiner mächtigen Hülfe, damit ich ganz der Sünde absterbe, der Tugend einzig lebe, und mich so zur feligen Unsterblichkeit vorbereite, welche alle, die an Dich glauben und Dich treu lieben mit verklårtem Leibe ewig im Reiche Deines Vaters als Deine Miterben genießen werden. Amen. Freue dich, Christenvolk! freue dich! so ruft die heilige Kirche den Gläubigen Christi heute zu. Freue dich, Christenvolk! ja freue Dich! denn durch Jesu Auferstehung ward das Aergerniß des Kreuzes, an welchem des Lebens Herr und Urheber starb, auf immer gehoben, freue und rühme dich nun des Kreuzes Christi, dieses Zeichens Deiner Erlösung und Deines Heiles, das am jüngsten der Tage am Himmel erscheinen wird, wann Er mit großer Kraft und Herrlichkeit zum Gerichte kommt. Freue dich und frohlocke heut, meine Seele! denn dieß ist der Tag, den der Herr gemacht hat, Der da gütig ist und Dessen Barmherzigkeit ewig währet. Freue dich und frohlocke mit Herz und Mund; denn der Tod ist nun im Siege verschlungen, niederge schmettert ist die Macht der Hölle; Jesus Dein Heiland, Jesus, Dein ewiger Fürsprecher bei Deinem Vater im Himmel, lebt! Er war todt, und sieh! Er lebt wieder, lebt jetzt in alle Ewigkeit, und hat die Schlüssel des Todes und der Hölle.( Offenb. Joh. I. 18.) Shm sei Lob und Ehre und Herrlichkeit und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 380 Gebethe an den O mein göttlicher Heiland! herrlich war Deine siegreiche Auferstehung, versiegelt war mit aller Vorsicht das Grab, wohin sie Dich gelegt, umrungen war es von feindseligen Wächtern. Aber Dein Leib sollte die Verwesung nicht sehen; glor= reich sollte Dein Grab seyn,( Ssa. II. 10.) und wer konnte es hindern? Die Erde bebt in dem Augenblicke, wo Du Deinen Leib wieder beleben willst; Du willst es, und sieh! der schwere Stein hebt sich vom Grabe, und Du steigst siegreich em= por wie Du vorgesagt, am dritten Tage, als Ueberwinder des Todes und der Hölle. Vor Furcht und Schrecken erstarrten die Wächter, sie fliehen endlich und Dein vom Himmel herabgesendeter Engel kann den frommen Frauen den Ort nur zeigen, wo Dein entseelter Leichnam gelegen. O glorreicher Obsieger über Sünde, Tod und Hölle, Jesus Christus! mein Herr und mein Gott! wie gefühllos, wie erstorben für mein eigenes Heil müßte ich seyn, wenn ich heute am Erinnerungstage Deines großen Triumpfes in den frohen Jubel Deiner h. Kirche nicht einstimmte, wenn ich Dir nicht von ganzem Herzen dankte für meine so gnadenreiche Erlösung, für meine Wiederversöhnung mit Deinem himmlischen Vater und für die große erhebende Hoffnung, daß Du auch mich einst auferwecken werdest, mag auch mein Leib längst verwefet, långst schon Staub und Moder seyn! O mein Jesus! allmächtiger Lebendigmacher alles dessen was da lebt und leben soll, unerschütterlich heiligen Ostertagen. 381 vertraue ich, zuversichtlich hoffe ich, daß Du mich, so fern ich an Dich glaube und Deiner Stimme folge,( Joh. 10.) am jüngsten Tage zum ewigen Leben auferwecken werdest; ich glaube dieß, wo móglich noch fester als Job, der schwer geprüfte, tief gebeugte Dulder, welcher sprach: ,, Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde amjungsten Tage von der Erde auferstehen; und werde wieder umgeben werden mit meiner Haut und werde in meinem Fleische meinen Gott schauen; ich selbst werde Ihn sehen, und meine Augen werden Ihn anschauen, und kein anderer nicht in einem andern, sondern in diesem meinem Leibe.- Diese meine Hoff= nung ruhet in meinem Busen.( Job, XIX. 25, 27.) - O mein göttlicher Erlöser! gib mir die Gnade, Deinem Worte immer zu folgen und so Deiner großen Verheißung würdig zu werden; hilf Du mir, vor Dir wandeln, Dir zu Liebe alle meine auch die geringsten Pflichten vollkommen erfüllen, zu Deiner Ehre zu leben und Dir zu sterben, der Du für mich gestorben und auferstanden bist. Herr! ohne Deinen Beistand vermag ich dieses nicht; darum hilf Du mir und verherrliche Deine Güte und allmächtige Stärke an mir Deinem schwachen und gebrechlichen Diener; gib mir die Gnade, daß ich den alten Menschen mit allen seinen Werken, mit all seinen Sünden und Unvollkommenheiten ausziehe, den neueu aber, der zur Am Feste der menschliche Natur unzertrennlich sind, Du willst, unendlich Gütiger, daß, wo Du bist, wir auch seyn sollen. Herr! was ist der Mensch, daß Du seiner so gedacht, daß Du ihn solcher Ehre gewürdiget hast! Dir sei Dank, Liebe und Ruhm in Ewigkeit! Nach Deiner Auferstehung stelltest Du Dich Deinen Aposteln, durch viele Beweise, lebendig dar, erschienst ihnen vierzig Tage hindurch, aßest und trankest vor ihren Augen, redetest mit ihnen vom Reiche Gottes, von der Nothwendigkeit und wunderbaren Wirksamkeit des Glaubens und der Taufe; als Du ihnen nun den heiligen Geist den Tröster, die Verheißungen des Vaters, zu Jerusalem zu erwarten befohlen hattest, da führtest Du sie nach Bethanien, wo Du Deine Hände aufhobst und sie segnetest, und nun wurdest Du vor ihren Augen empor gehoben und eine Wolke verbarg Dich ihren Blicken. Als sie Dir nun so nachschauten, wie Du gen Himmel fuhrst, sieh! da standen zwei Männer im weißem Gewande vor ihnen, die sprachen: Shr Månner von Galilåa! Was stehet ihr da und schaut gen Himmel? Dieser Jesus, Der aufgenommen ist von euch in den Himmel, wird eben so wiederkommen, wie ihr Ihn sahet hingehen in den Himmel. Und sie betheten Dich an, Herr Jesus! und kehrten nach Jerusalem zurück, mit großer Freude, und sie waren immer im Tempel und lobten und priesen Gott. Die Himmel feierten Deine Annäherung und alle 384 Himmelfahrt Christi. 385 Chöre der Engel stimmten Gefänge der Liebe und des Dankes an; tausendmal tausend jubelten anbethend: das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig zu empfangen. Preis und Reichthum und Ehre und Herrlichkeit und Kraft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Auch wir stimmen heute in die Dank- und Lobgebethe Deiner Jünger, in die entzückten Anbethungslieder aller himmlischen Geister ein. Wie können wir diesen Sieg, wie nie einer errungen worden, diesen unvergleichlichen Triumpfzug genug rühmen und preisen! O wie können wir uns genug freuen, daß Du Erstgeborner des ewigen Vaters, unser Bruder, der zweite Stammvater des Menschengeschlechtes, unser Sachwalter und Stellvertreter im Himmel bist! Wie tröstet, wie stärkt und erhebt es mich zu wissen, o Herr Jesus Christus! wer und wo Du bist, wie und wo auch ich seyn soll! Heute sehe ich die Fülle alles dessen ein, was Du uns durch Deinen Erlösungstod erworben hast, was uns als Erbtheil dort hinterlegt, was uns verheißen ist, worauf wir hoffen, wonach wir streben sollen, die Krone der Herrlichkeit, mit Dir, o Christus! zu regieren in Ewigkeit. Dein Kreuzestod erfüllte uns mit Schmerz und Betrübniß, aber Deine majestätische Auffahrt verwandelt unsere Traurigkeit in Freude und Entzücken. O wie kann ich Dir je genug danken, daß Du Mensch geworden, daß Du unser Erlöser geworden bist! daß Du hingegangen, uns eine Stätte im Hause Deines himmlischen Baters zu bereiten, wo 25 386 Bebethe zu Gott der Wohnungen viele sind! Wie könnte ich Dich je genug dafür lieben, Dir je würdig dafür danken, daß Du wieder kommen wirst, um uns zu Dir zu nehmen, auf daß wir seien wo Du bist, Eins mit Dir, wie Du Eins mit dem Vater bist!( Joh. XVII. 20. 24.) Herr! vermehre meinen Glauben, daß ich so unaussprechlich großer Verheißung würdig werde! hilf mir so leben, daß ich auch einst sagen dürfe: ich habe das Werk vollbracht, das mir der Vater zu vollbringen befohlen hatte. O Du nun erhöheter, zum Vater heimgegangener, verherrlichter Menschensohn! zieh mich nun, nach Deinem Worte, an Dich! zieh mich an Dich, Du Anfänger und Vollender meiner Seligkeit; mache, daß ich nur auf Dich sehe, Dir nachfolge, so zwar, daß ich sagen könne: Ich lebe, nicht ich, sondern Christus lebt in mir! ( Hier kann man auch füglich die Litanei vom Namen Jesu bethen.) Gebethe an den heiligen Pfingsttagen. Sendung des heiligen Geistes. O Gott! Der Du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes unterwiesen hast, verleih uns die Gnade, daß wir in demselben Geiste, das was recht ist, dem heiligen Geiste. 387 verstehen und Seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen, durch Jesum Christum u. s. w. Amen. Gebethe zu Gott dem heil. Geiste. Vom heil. Anselmus. Du Tröster aller Trauernden! komm mit der Kraft Deiner Allmacht in mein Innerstes hernieder; mache es lichthell und fruchtbar. Mein Inneres und Aeußeres verzehre Deine heilige Flamme. Es ist mein beseligender Glaube, daß Du den, in welchen Du wohnest, zur Wohnung des Vaters und des Sohnes machest. Selig, der Dich zum Gaste hat, weil durch Dich der Vater und der Sohn bei ihm Wohnung nehmen. 3 weites Gebeth. Vom heil. Augustin. dn heil. Geist! allmächtiger Tröster! Du Liebe des göttlichen Wesens! heilige Gemeinschaft mit dem allmächtigen Vater und dem eingebornen Sohne; Du milder Tröster der Betrübten! Komm mit Deiner mächtigen Kraft in das Innerste meines Herzens, und erfreue als dessen Bewohner alle ver= finsterten Winkel Deines in mir vernachläßigten Tempels mit dem hellen Scheine Deines glänzenden Lichtes, und mache alles, was nun seit langem důrr und verschmachtet gewesen, durch Deine Heimsuchung mit der Fülle Deines Trostes wieder fruchtbar. Verwunde mein Innerstes mit dem Pfeile Deiner 388 Gehethe zu Gett göttlichen Liebe, entzünde mein laues Herz mit der heilbringenden und durchdringenden Flamme; durchleuchte es mit dem heil. Feuer Deiner Inbrunst, daß Seele und Leib ganz davon entzücket werden. Trånke mich mit dem Strome Deiner Wonne( Pf. 35.), daß es mir ekele vor dem süßen Gifte vergånglicher Dinge. Richte mich, o Herr! und trenne meinen Wandel von dem unheiligen Volke! Lehre mich nach Deinem Willen thun, denn Du bist mein Gott!( Pf. XLII. 1; und CXLII. 10.) Ich glaube, daß Du, wenn Du in einem Menschen wohnest, in ihm zugleich dem Vater und dem Sohne eine Wohnung erbauest! Selig wer das Seine thut, um Dich beherbergen zu können; denn durch Dich nimmt der Vater und der Sohn Wohnung in ihm.( Joh. XIV. 23.) So komm denn, ja komm, mildester Tröster betrübter Seelen! Du Beschützer in Nöthen! Du allmächtiger Helfer in Widerwärtigkeiten! Komm und reinige mich von meinen bösen Begierden und heile meine Wunden. Komm, Du Stårke der Schwachen, Der Du die schon Wankenden wieder aufrichtest! Komm, Du Lehrer der Demüthigen! Du Erniedriger der Hoffärtigen! Komm Du getreuer Vater der Waisen! Du milder Richter der Wittwen! komm Du Hoffnung der Armen, Du Erquickung der Schmachtenden! Komm Du Leitstern der Schiffenden, Du sicherer Hafen der Schiffbrüchigen. Komm Du auserwählte Zierde der Lebenden, Du einziges Heil der Sterbenden! Ja, komm, o heiliger Geist! komm 389 dem heiligen Geiste. und erbarme Dich meiner! Bilde mich nach Deinem Wohlgefallen, und steh Du mir gnädig bei, auf daß meine Geringheit Deiner Größe, meine Schwäche Deiner Stårke nach der Fülle Deiner Erbarmungen gefallen mögen, durch Jesum Christum, meinen Erlöser, Der mit dem Vater in Einigkeit mit Die lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen piggy OG VEI Gott heiliger Geist! Der Du mit dem Vater und dem Sohne, wie der von Dir erleuchtete Evangelist Johannes sagt, im Himmel Zeugniß gibst und mit Beiden Eins bist, ich bethe Dich an, o mein Herr und mein Gott! und be= kenne Dich als meinen Heiligmacher, als den Lehrer aller Wahrheit, als den vom Vater durch Christus versprochenen und gesandten Tröster, Erleuchter und Begnadiger. Ich glaube alles was die heilige von Dir geleitete Kirche mir von Dir und überhaupt zu glauben vorstellt. Vermehre Du, o Herr! meinen Glauben und mache ihn durch gute Werke lebendig. Ich hoffe von Dir und durch Dich alles was mich gut und selig machen kann; denn Du bist es, Der die Herzen der Gläubigen erleuchtet, 1902 Der sie durch die Sacramente Jesu Christi reinigt und heiligt; durch Dich wurden Seine Jünger neue, erleuchtete, mit Glauben, Zuversicht, Kraft und Liebe beseelte Menschen, die den Namen ihres göttlichen Meisters allen Völkern verkündeten, für Ihn lebten und wirkten, litten und starben. O laß Am Feste der aller: auch mir heute die allmächtigen Wirkungen Deiner Gnade widerfahren; bekehre mich und schaff in mir ein reines Herz. Laß meine Hoffnungen nicht zu Schanden werden. O heiliger Geist! Du Ursprung, Du Quelle der Liebe! fülle mich mit Deinem Wefen, welches lauter Liebe ist, damit ich, wie Christus es uns gelehrt, das Gebot der Gottes- und Nächsten= liebe unverbrüchlich halte, und so würdig werden möge, Dich mit dem Vater und dem Sohne ewig zu loben nnd zu lieben. Amen. 390 Am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du Deinen Dienern die Gnade gegeben hast, in dem Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubethen, wir bitten Dich, daß wir durch die Festigkeit dieses Glaubens gegen alle Wiederwärtigkeiten jederzeit beschützet werden. Durch unsern Herrn Jesum Christum u. s. w. Gebeth des heil. Augustin. Dich, Gott, ungeborner Vater! Dich eingeborner Sohn, und Dich heiliger Geist, den Tröster! eine heilige unzertrennliche Dreieinigkeit, bekennen, loben und preisen wir mit Herz und Mund! Dir sei Lob und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! malls 1936 19071 odst dug 1 heiligsten Dreifaltigkeit. 391 Gebeth in Erinnerung an die heil. Taufe. Dreieiniger Gott! Bater, Sohn und heiliger Geist! Du mein letztes Ziel und Ende! Dich bethe ich an in demüthigster Ehrfurcht; Dich lobe ich mit allen Engeln im Himmel, mit allen Menschen auf Erden, die Dich kennen und Deinen heiligen Namen anrufen; Dich liebe ich über alles, und ewig will ich Dich lieben. Ach! vermehre meinen Glauben und verleihe mir die Gnade, daß ich Dein heiliges Gesetz beobachte, meine Hoffnungen alle fest auf Deine Verheißungen baue und in allen Vorfällen meines Lebens meinen Willen ganz in den Deinigen ergebe. Himmlischer Vater! getauft auf Deinen heiligsten, liebreichsten Namen will ich auch an mir, und bei jenen, die Du meiner Liebe und Sorge anvertraut haft, diesen Namen nach all' meinen Kräften zu heiligen und zu verherrlichen suchen. Deinen gerechten, allerheiligsten und vollkommensten Willen werde ich mich bestreben in allem hurtig, gerne und genau zu erfüllen. Dann, Vater! werde ich zu Dir in Dein seliges Reich kommen. Dazu verleih mir, o Gittigster! Deine allmächtige Gnade. Herr Jesus Christus! Du eingeborner und vielgeliebter Sohn Gottes des Vaters! auf Deinen heilvollen Namen getauft und nach demselben Christ genannt, will ich auch desselben würdig leben, und wo und wie ich immer kann, denselben verherrlichen und zur Erweiterung Deines Reiches das Meinige eifrig beitragen. Dir, Der Du aus Liebe Am Feste der alter:: für mich gestorben bist, Dir, o mein liebreichster Heiland! Dir will ich leben, der Sünde aber immer mehr und mehr absterben. Daher entsage ich auch heute wieder, zur Bekräftigung meines heil. Taufbundes, der Welt und all ihren bösen Grundfåtzen und Werken, dem Fleische und all seinen unheiligen und gesetzwidrigen Trieben, dem Satan und all seinen Eingebungen. Du, ohne den ich nichts vermag, o Jesus! Du stårke mich! O heiliger Geist, Der Du vom Vater und Sohne ausgehst und mit Beiden nur Ein und derselbe Gott bist! im Wasser und auf Deinen trostreichen Namen getauft und so zur Rechtfertigung und Gottgefälligkeit durch Dich, nach unsers Erlösers Anordnung wiedergeboren, will ich, o Gott! Deinen heiligen Einsprechungen stets Gehör geben und willig folgen, damit ich auch Deiner heil. Früchte und Wirkungen empfänglich, eine angenehme Wohnung Dir in meinem Herzen bereite, und Dein lebendiger, Dir allein geheiligter Tempel zu werden verdiene. Allmächtiger! dazu verleih mir Deine Gnade! 392 O allerheiligste Dreifaltigkeit! ein einiger Gott in drei Personen, verleih mir heute die Gnade, so zu leben, daß mein Herz hier Deine Wohnung sei, und ich einst dort im Himmel in Deinem Lichte schaue, was ich hier demüthig glaube. Vermehre und belebe diesen meinen Glauben immer mehr, stårke mich in der zuversichtlichen Hoffnung auf Deine Verheißungen und verleih mir die Gnade, Dich lebenslang über alles, aus ganzem Herzen, heiligsten Dreifaltigkeit. 393 aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe und aus allen meinen Kräften zu lieben. So oft ich das Kreuzzeichen mache, o heiligste Dreifaltigkeit! will ich Dich bekennen und ehren. Alles, was ich thue und leide, gereiche zu Deiner größern Ehre, o himmlischer Vater, Der mich erschaffen; alles geschehe nach Deiner Lehre und Deinem Beispiele, o Sohn Gottes, Der Du mich erlöset; zu allem will ich Deinen Beistand erflehen, o heiliger Geist, Der Du mich geheiliget hast. Als ein Kind Gottes des Vaters, als ein Junger und Erlöster Jesu Christi, als ein Tempel des heiligen Geistes will ich tugendhaft, måßig und fromm wandeln, auf daß die Gnade unseres Herrn Jefu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heil. Geistes mit mir, und uns allen sei.( II. Kor. XIII.) Dazu erleuchte, stårke und belebe mich Gott Va= ter, Sohn und heiliger Geist, aus Dem, durch Den und in Dem alle Dinge sind; Shm fei. Ehre in Ewigkeit. Amer..( Rom. XI. 36.) Am heiligen Frohnleichnamstage. O unser Erlöser Jesus Christus! göttlicher Freund des Menschengeschlechtes! Du hast durch die Einsegung des allerheiligsten Altarsacramentes ein Denkmal Deiner Liebe und Deines Leidens unter uns gestiftet. Mit demüthiger Unterwerfung meines Verstandes glaube ich fest und unerschütterlich, daß Du Am heil. Frohnleichnamstage. wahrhaft als Gott und Mensch in diesem wunderbaren Geheimnisse unter den Brodsgestalten zugegen bist. Von diesem Glauben belebt und erfreut komme ich, Dich hier anzubethen als meinen Herrn und meinen Gott, Dich zu lieben als meinen größten Wohlthäter, als das höchste, beste Gut, und Dir nach meinen schwachen Kräften für Deine unendlich großen Wohlthaten meinen Dank zu bezeigen. Ich vereinige meine Anbethung, meine Liebe und Danksagung mit der dankbaren und liebevollen Verehrung, welche Dir heute Deine ganze heilige Kirche erweiset. O wie freue ich mich, mein Gott und Heiland! daß Dir auf dem ganzen Erdballe von Deiner treuen Gemeinde ein so feierliches öffentliches Fest, zur Danksagung, zu Deiner Anbethung und Verherrlichung geweihet wird. Wie gerne, wie gerührt trete ich in die Reihen Deiner frommen Verehrer, welche Dir auf diesem Triumpfzuge frohlockend und anbethend das Geleite geben. Da beugen sich Dir alle Kniee und tausendmal Tausende geheiligter Herzen schlagen Dir dank- und lieberfüllt entgegen. O wie entzückt es meine Seele, Herr! daß das Denkmal Deiner unendlichen Liebe so glaubenvoll öffentlich anerkannt, feierlich verehrt und verherrlicht wird! Möchte ich mich doch würdig zu Deinem Lobe mit den Schaaren der Engel vereinigen! Möchte ich doch heute mit allen Deinen Gläubigen auf der weiten Erde wahrhaft im Geiste und in der Wahrheit Dich anbethen! danken will ich Dir für alles was Du einst hie394 Am heil. Frohnleichnamstage. 395 nieden für uns Menschen gethan und gelitten hast, danken für die unermeßliche Liebe, die Du uns in diesem Sacramente bewiesen hast. An Deine Lehren und Beispiele will ich mich heute erinnern, und bitten will ich Dich mit ganzer Seele, dieses wunderbare Geheimniß, welches Du uns als Opfer und zur Seelennahrung hast hinterlassen wollen, mir zum ewigen Heile gereichen zu lassen! Dabei will ich Dir unverbrüchliche Treue geloben und den Vorsatz erneuern allen Vorschriften Deiner heiligen Religion gewissenhaft nachzuleben. Stårke Du mich durch die Betrachtung Deiner unendlichen Liebe zu uns sündigen Menschen und durch die andächtige Verehrung und den öftern würdigen Genuß Deines Leibes und Blutes. Herr! laß mir die Früchte Deiner überreichlichen gnadenvollen Erlösung ganz zu Theile werden und führe mich auf dem gefahrvollen Pfade meiner Wanderschaft zur seligen Unsterblichkeit, wo ich Dich im Glanze der Gottheit sehen und anbethen werde, Dich, Den ich in diesem Geheimnisse mit gläubiger Seele verehrt und genossen habe. Amen. Kirchengebeth. O Gott! Der Du uns in diesem wunderbaren Sacramente das Andenken Deines Leidens hinterlassen hast, wir bitten Dich, verleih, daß wir die heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes so verehren, daß wir auch die Frucht Deiner Erlösung in uns unaufhörlich empfinden. Der Du lebst u. f. w. ( Hieher gehört auch die Litanei vom allerheiligsten Alfarsfacramente, Seite 326.) Am Feste aller Heiligen. Am Feste aller Heiligen, und jedem Gedächtnistage eines Heiligen im Besondern. Dir allein, o Gott! gebühret Anbethung. Dich allein erkennen und ehren wir als den Urheber alles Wesens, als die Quelle aller Heiligkeit. Dich ehren wir also auch in Deinen Heiligen, in den verewigten Gerechten, die durch Dich heilig, Dir wohlgefällig und selig geworden sind. Dir sei Ehre, Lob und Dank, o Allerheiligster! daß Du die Welt durch die Tugenden jener Gerechten erleuchtet hast, die in ihrem Leben hier auf Erden so eifrig und unabläßlich strebten Dir in Deiner Heiligkeit nachzuahmen; Dank sei Dir, o Herr! daß Du sie dadurch in den Stand gesetzt hast, so viel Gutes zu thun, das noch auf die Nachkommenschaft fortwirkt, und dessen sie sich nun in Deiner Anschauung erfreuen Wie viele Tausende aus allen Zeiten und Ländern, aus allen Stånden und Lebensaltern sind nun bei Dir versammelt, wo sie die Seligkeit des Reiches genießen, das Du ihnen, so wie allen, die Deinen heiligen Willen thun, vom Anbeginn an vorbereitet haft! Du hast sie aus ihrer Niedrigkeit zu hohen Ehren erhoben; Du selbst bist ihnen für ihren Glauben und ihre guten Werke der überaus große Lohn geworden. Billig ehren wir sie ihrer Tugenden und Verdienste wegen als Deine Freunde und freuen uns ihrer Seligkeit als ihre Brüder, die wir, so wir ihnen nachahmen, einst auch ihre Mitgenossen seyn sollen. 396 397 Am Feste aller Heiligen. Dihr lieben Heiligen Gottes, deren Gedächtniß heute von der Kirche begangen wird! Wie erhebt sich mein Herz, wenn ich zu euch gen Himmel blicke! Wie ermuntert und freut mich der Gedanke, daß ich jetzt mit euch in Gemeinschaft stehe und einst ewig bei euch seyn soll! Auch mir steht der Weg dahin offen, der uns Jesus vorgebahnt hat und auf dem ihr Ihm nach uns vorangegangen seid. Wie ihr soll ich heilig werden um wie ihr auch selig zu werden. Dieß ist der Wille Gottes. Aber werde ich auch wohl heilig leben können? O gewiß! Gott will es, und mit Seiner Gnade ist uns alles möglich. Ihr habt es gekonnt, ihr Heiligen aus jedem Lande, Volke, Geschlechte, Stande und Alter; warum nicht auch ich? Ihr waret von Natur schwache, gebrechliche Menschen, wie ich; einige einst vor ihrer Bekehrung sogar große Sün= der. Ihr lebtet in einer verdorbenen, argen und gefahrvollen Welt, viele in demselben Berufe wie ich. Ihr hattet noch mit weit stårkern Versuchungen und Beschwerden zu kämpfen als ich; aber mit Gottes Hülfe habt ihr sie, stark im Glauben, fest in der Hoffnung, brennend von Seiner Liebe siegreich überwunden. O ihr, denen euer und euerer Mitmenschen Seelenheil hier auf Erden so nahe am Herzen lag, die ihr für dasselbe so viel gebethet, gethan und gelitten habt, erhaltet mir und uns allen von Gott die Gnade, hier muthig und ausdauernd wie ihr zu kämpfen und uns mit euch der ewigen Krone zu erfreuen! Am Feste aller Heiligen. O ihr verehrungswürdigen Heiligen! ihr Zierden der Kirche Christi! denen die ganze Christenheit so Vieles und so Großes verdankt, wie sollte ich euch nicht verehren, da Gott Selbst euch durch Wunder, die Er durch euch und auf eure Fürbitte gewirkt, so sehr geehret hat? Nur, wenn ich euch nachahme, verehre ich euch auf eine Gott und euch wohlgefällige Art. Hierzu sollen mich der heutige und alle eure Festtage ermuntern; an eure Beispiele sollen mich euere Bilder und Reliquien, die wir fromm in Ehren halten, stets erinnern. Was würde mir wohl meine Andacht zu euch nüßen, wenn ich euch durch meine Lebensweise so ungleich bliebe, daß ich nicht hoffen dürfte, an euerm Erbe im Himmel einst Theil nehmen zu können? Eure Lebensbeschreibungen seien mir wichtiger als die der größten Helden in der Weltgeschichte. Ich will hineinschauen wie in musterhafte Vorbilder und mich ganz euch und somit euerm Urbilde Jesus Christus nachzubilden suchen. Helft mir hierin durch eure Fürbitte! 398 ihr verklårten Gottes- und Menschenfreunde, mit mehr als brüderlicher Liebe sehet ihr gewiß auf uns noch Streitenden herab, und ihr wünschet be= ständig, uns in eurer Gesellschaft zu sehen. Wie einst hienieden, so befördert ihr jetzt dort oben unser Seelenheil durch euere Fürbitte bei Gott; denn die Liebe, die euch schon hier dazu bewog, bleibt ewig in euch thätig. Wir vereinigen nun unfer Am Feste aller Heiligen. 399 schwaches Gebeth mit dem eurigen, indem wir Euch um Eure Fürbitte anrufen. Eure erleuchtete Liebe bittet für uns um das Einzige, das Beste: daß Gottes Wille an uns geschehe! Ja möge er an uns wie an euch in allem geschehen, in weltlichen und zeitlichen Anliegen, wie im wichtigen Heilsgeschäfte, daß wir Gott treu lieben, und so alles uns zum wahren Wohle gereiche. Dieß, ihr mächtigen, liebevollen Vorgänger und Fürbitter, erflehet uns vom Vater durch Jesum Christum Seinen Sohn, Der mit Ihm und dem heiligen Geiste ein Gott lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen. Litanei von allen Heiligen. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebårerin, Heiligste aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Bitt für uns! Litanei von allen Heiligen. Alle heilige Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle heilige Chöre der seligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, bitt für uns! Heiliger Joseph, bitt für uns! Heilige drei Könige, bittet für uns! Alle heil. Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jakobus( Zebedài), 400 Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomaus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lukas, Heiliger Markus, Bitt für uns! Alle heilige Apostel und Evangelisten, bittet für uns! Alle heilige Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle heilige unschuldige Kinder, bittet für uns! Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Heiliger Vincentius, Heiliger Hypolitus, Heiliger Evergislus, Bitt für uns Sitanei von allen Heiligen. Heiliger Agilolphus, bitt für uns! Heiliger Engelbert, bitt für uns! Heiliger Fabianus und heiliger Sebastianus, Heiliger Kosmas und heiliger Damiamus, Heiliger Gervasius und heiliger Protasius, Heiliger Mauritius mit deinen Gesellen, Heiliger Gereon mit deinen Gesellen, Heiliger Victor mit deinen Gesellen, Heiliger Cassius mit deinen Gesellen, Alle heilige Mårtyrer, Heiliger Silvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrofius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Heiliger Maternus, Heiliger Severinus, Heiliger Kunibert, Heiliger Heribert, Heiliger Anno, Heiliger Suibert, Heiliger Norbert, Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernhard, Heiliger Dominicus, 401 26 Bittet für uns! Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heilige Lehrer, bittet für uns! Bitt für uns! Bitt für u. 402 Likanei von allen Heiligen. Heiliger Franziskus, bitt für uns! Heiliger Bruno, bitt für uns! Alle heilige Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heilige Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Anna, Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Căcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Heilige Ursula mit deiner Gesellschaft, bittet für uns! Heilige Helena, bitt für uns! Heilige Gertrudis, bitt für uns! Heilige Elisabeth, bitt für uns! Bitt für uns! Alle heilige Jungfrauen und Wittwen, bittet für uns! Alle Heiligen Gottes, bittet für uns! Sei uns gnådig, verschone unser, o Herr! Sei uns gnådig, erhöre uns, o Herr; Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, Von Deinem 3Zorne, Vom jähen und unvorgesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom 3orne, Hasse und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unkeuschheit, Von schädlichem Blitz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Kriege, Von dem ewigen Tode, Erlöse uns, o Herr! Litanei von allen Heiligen. Durch das Geheimniß Deiner heil. Menschwerdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und Dein heil. Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes des Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur wahren Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest, Daß Du den obersten Hirten und alle Stånde der Kirche in der heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit verleihen wollest, Daß Du Deinem ganzen christlichen Volke Frieden und wahre Einigkeit verleihen wollest, Daß Du uns in Deinem heiligen Dienste stårken und erhalten wollest, 403 Daß Du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest, Erlöse uns, o Herr! Wir bitten Dich, erhöre uns! 404 Gebeth für die Abgestorbenen. Daß Du alle unsere Gutthåter mit den himmlischen Gütern belohnest, Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammriß bewahrest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns erhören wolleft, O Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! me O Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Bater unser u. f. w. Gebethe für die Abgestorbenen. Am Allerseelentag. ( Borzüglich beim Anfange der heiligen Messe zu sprechen.) Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes will ich mit dem Priester bethen, für meine verstorbenen Brüder und Schwestern, besonders für. damit der gerechte und gütige PUTO Bater sie bald ihrer Bande und Schmerzen entledige und zu seiner Anschauung gelangen lasse. ++/ Göttlicher Heiland Jesus Christus! Du bist für Alle als freiwilliges Versöhnungsopfer gestorben. Gebeth für die Abgestorbenen. 405 Du bist das Lamm, welches vom Anbeginne geschlachtet wurde! Du bist unser Hohepriester, unser Mittler und Fürsprecher bei'm Bater im Himmel. Deine Liebe erstreckt sich anf die Menschen aller Zeiten und aller Orte. Du willst sie alle selig mas chen. Die Seelen der Verstorbenen, welche aus menschlicher Schwachheit mit Deiner Gnade nicht vollkommen mitgewirkt, daher noch zeitliche Strafen mancher Fehler und Mängel abzubüßen haben, um rein genug zu sein in Dein Reich einzugehen, und fofort aller himmlischen Früchte Deines Erlösungstodes auf ewig theilhaft zu werden diese leidenden nach Dir verlangenden Seelen im Reinigungsorte oder Fegfeuer sind Mitglieder Deiner heiligen Kirche, fie stehen mit uns noch in Gemeinschaft, können die Wirkungen unserer Liebe genießen und an unsern guten Werken Theil haben. In diesem trostvollen Glauben kommen wir heute besonders in Deinem Namen und im Namen Deiner gesammten heil. Kirche, den himmlischen Vater für sie bitten, kommen und bringen ihm für dieselben zum Sühn- und Reinigungsopfer das verdienstvollste aller Werke, das Werk unserer Erlösung dar, welches Du unser erstgeborner Bruder, unser Versöhner am Kreuze vollendet hast, und nun durch den Priester Deiner Kirche erneuerst. 12 Herr! die Du liebest, und die Dich liebten und noch lieben, die uns und die wir lieben, sie wünschen von ihren Fesseln in jenem strengen Büßungsorte erlöset und bei Dir zu seyn; sie schmachten 406 Gebeth für die Abgestorbenen. nach dem Anblicke des Angesichtes Deines himmlis schen Vaters; sie sehnen sich nach dem ihnen bereiz teten Reiche, und lechzen mit brennendem Durste nach den Früchten des Baums des Lebens, nach den ewig labenden Früchten, welche Dein Kreuz ihnen getragen hat. Du Erstgeborner, Ersterstandener von den Tes ten, Jesus! Du stiegst nach vollbrachtem Erlösungs werke in die Vorhölle hinab, wo die Gerechten Deiner so lange geharret; o zeige Dich so nach Vollendung dieses Deines Opfers den seufzenden Seelen, die noch nicht alles abgebüßt haben. Der Augenblick wo sie zu Deiner Anschauung gelangen können, ist vielleicht noch ferne; o beschleunige um unserer heißen Fürbitte, um Deines von Deiner Kirche erneuerten Opfers willen ihre Befreiung; laß sie unsere Fürbitter bei Dir werden, damit wir würdig werden uns in ihrer Gesellschaft Deines ewigen Erbes zu erfreuen. Amen. O himmlischer Vater! Vater der Barmherzigkeit und alles Trostes! erbarme Dich der leidenden Seelen, welche Deiner Gerechtigkeit noch einige Schuld abzutragen haben! Vergilt ihnen nicht nach ihren mangelhaften Werken und der Schärfe Deiner Ge= rechtigkeit, sondern nach Deiner unendlichen Güte und Erbarmung. Sieh auf das Angesicht Jesu Deines Gesalbten! Ich opfere Dir für ihre Erlösung Seine Verdienste, Sein heiliges Menschwerden, Leben, Leiden und Sterben, Sein kostbares Blut, das am Kreuze für uns und für sie geflossen ist. Gebethe zur allerfel. Jungfrau Maria. 407 Um Jesu Deines Sohnes willen verkürze die Zeit ihrer Reinigung, und laß sie bald zu Deiner seligmachenden Anschauung gelangen. Durch Jesum Christum Deinen Sohn unsern Herrn zc. ( Hieher gehört auch die Messe für die Abgestorbenen, Seite 229.) Gebethe zur Verehrung der allerfeligsten Jungfrau Maria. Tägliches Gebeth zur Mutter Gottes. Ich verehre Dich, o allerseligste Jungfrau Maria! Von ganzem Herzen verehre und liebe ich Dich, Du bist die Mutter Jesu, meines Gottes und ErLosers'; Du hast Ihn geboren, Ihn, Dem die ganze Welt ihr Heil und ihre Seligkeit verdankt. Wie könnte ich an Jesus glauben, Ihn verehren und lieben und gegen dich, o Maria! Seine Mutter, kaltherzig und gleichgültig seyn! Mit Ehrfurcht und Freude erinnere ich mich der hohen Vorzüge, womit der Herr Dich begnadiget; der großen Tugenden und ansgezeichneten Eigenschaften die Dich geziert haben. O Maria! Du bist die reinste der Jungfrauen, als solche bewundere nnd verehre ich Dich. Rein von aller Sünde war schon Deine Empfängniß. Unschuldig und heilig, dem Himmel wohlgefällig und ein Segen für die Menschheit, tratst Du in diese Welt ein. Ganz schön, ganz rein bist Du, o Maria! und keine Makel war je an Dir. Aber nicht nur als die keuscheste, reinste, tugend 408 Gebethe zur Verehrung der hafteste der Jungfrauen, auch als eine unbefleckte, jungfräuliche Mutter verehre ich Dich. Im Tempel Deines keuschesten Leibes hat der Sohn Gottes, das ewige Wort des Vaters, durch Wirkung des heiligen Geistes, die menschliche Natur angenommen. O jungfräuliche Mutter Maria! wer kann Dich genug preisen? Großes hat der Herr an Dir ge= than. Der Sohn Gottes, der von Ewigkeit im Schooße des Vaters war, hat in der Zeit Sich gewürdigt, aus Dir Fleisch anzunehmen und Dein Sohn zu werden. Du bist wahrhaft die Mutter Gottes, die Mutter des Königs des Himmels, des unumschränkten Herrn aller Welten. Darum verehren Dich alle heiligen Engel und Auserwählten als ihre Königin; darum preist Dich die ganze katholische Kirche als die Gnadenvollste Deines Geschlechtes selig. Auch ich, o Maria! verehre Dich als die Königin des himmlischen Reiches. Auch ich preise Dich selig als die gnadenvolle Mutter meines Königs, meines Herrn und Gottes Jesu Christi. Wie rührt es mein Herz, wenn ich bedenke, was Du als solche für uns bist; wie sehr unsere Menschennatur in Dir von Gott zu Ehren erhoben worden ist! Erinnere Dich! o hochbegnadigte Maria! daß die gebenedeite Frücht Deines Leibes, Sich nicht geschåmet hat, uns Seine Brüder zu nennen. Du bist also auch unsere Mutter und wir sind Deine Kinder. O laß es mich erfahren, daß Du meine Mutter bist. Von der Höhe des himmlischen allerseligsten Jungfrau Maria. 409 Thrones, worauf Dein göttlicher Sohn Dich erhoben hat, schau mich an mit einem Blicke der Barmherzigkeit und Liebe, der ich noch in diesem Thale der Zähren, im Kampfe mit allen Versuchungen und Gefahren dieses irdischen Pilgerlebens seufze. Ich glaube, o Maria! daß Deine Liebe zu uns sehr groß und Deine Fürbitte für uns vielvermögend bei Gott ist. Das erste Wunder, das Jesus wirkte, hat Er auf Deine Fürsprache zu Kana in Galilåa géwirkt. Du bist voll der Gnade, das wohlgefälligste von allen Geschöpfen vor Gott; also bist Du auch voll der Liebe. Ich nehme daher, liebevollste Mutter! meine Zuflucht zu Dir, ich flüchte mit kindlichem Vertrauen in den Schooß Deiner mildreichen Barmherzigkeit und rufe Dich um Deine mächtige Fürbitte bei Gott an, indem ich mit allen Deinen Verehrern spreche: Bitt für uns Sünder! Bitt für uns, auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. O Maria! o meine Mutter! sei meine gütige Beschützerin in allen Gefahren dieses Lebens, meine Hülfe in allen Anfechtungen und Reizungen zur Sünde; sei meine Trösterin und Helferin in allen meinen Nöthen und Bedrångnissen! meine gute Nathgeberin in allen Zweifeln und Verlegenheiten. Bitte für mich, o Du holdseligste Mutter, daß Jesus mit Seiner Liebe mein Herz erfülle, daß Sein Geist nie von mir weiche, daß ich rein von aller Befleckung der Sünde, nach Deinem heiligen Beiſpiele, o Maria! im Herzen gläubig, im Geiste demüthig, 26* Litanei zu Ehren der im Leiden ergeben und geduldig, dem Willen und den Führungen meines Gottes mit frommem Gehorsame stets unterworfen lebe. Besonders aber bitt für mich in der Stunde meines Absterbens. Empfiehl Du da, o liebliche Mutter! meine scheidende Seele Deinem göttlichen Sohne, stelle sie Ihm vor als eine solche, die treu an Ihn geglaubt und Dich, Seine Mutter, kindlich geliebt und geehrt hat. Bin ich einmal durch die Gnade Jesu und Deine heilige Fürbitte in den Wohnsitz der ewigen Glückseligkeit, zu Deinem und meinem Gott hingelangt, dann, o seligste Jungfrau Maria! dann will ich Deiner mütterlichen Liebe danken, und die gebenedeite Frucht Deines Leibes Jesus Christus unsern Erlöser, unsern Herrn und Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit mit Dir loben und preisen. Amen. 410 Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau. Herr, erbarme Dich unser! Christus! erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel! erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme Dich unser! Gott, heiliger Geist! erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! erbarme Dich unser! Heilige Maria, bitt für uns! seligsten Jungfrau Maria.. Heilige Gottesgebårerin,*) Heilige Jungfrau aller Jungfrauen,**) Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuscheste Mutter, Du ungeschwächte Mutter Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter des Schöpfers,***) Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du måchtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unserer Fröhlichkeit, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, 411 Bitt für uns! *) Mutter desienigen, der Gott und Mensch zugleich ist. **) Die erste unter ihnen, und ihr Vorbild. ****) Alle Dinge sind durch das Wort gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Joh. 1. Litanei zu Ehren der 412 Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Himmelspforte, Du Morgenstern,*) Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hülfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Bitt für uns! D Du Lamm Gottes! welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! O Du Lamm Gottes! welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! *) Die aus der Bildersprache der Schrift entlehnten, erhabenen Lobsprüche sind im geistlichen Verstande zu nehmen. Maria ist im verblümten Verstande ein geistliches, von dem Geiste Gottes erfülltes Gefäß. Wie die Rose ihren lieblichen Geruch verbreitet, so verbreitete auch sie die Salbung ihrer Tugenden durch ihr Beispiel. Ihre standhafte Gottergebenheit war unerschütterlich, wie ein fester Thurm; ihre Unschuld rein und glänzend, wie Elfenbein. Shr jungfräulicher Leib glich einem herrlichen, prachtvollen Hause, das Gott zur Wohnung für Seinen eingebornen Sohn gewählt hat. Wie die Arche im alten Testamente das Heiligste in sich enthielt, so auch sie den Heiligsten aller Heiligen. Geöffnet wurde uns, da sie Jesum empfing, die Himmmels: pforte; der Morgenstern, der die Erscheinung der Sonne der Gerechtigkeit, der den Tag der Erlösung ankündigte, ging auf. 413 seligsten Jungfrau Maria. O Du Lamm Gottes! welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Gegrüßt seist Du, Maria! xc. Unter Deinen Schnt und Schirm fliehen wir, heiligste Gottesgebårerin! Verschmähe nicht unser Gebeth in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefahr, o Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! unsere Frau! unsere Mittlerin!*) unsere Fürsprecherin! Versöhne uns mit Deinem Sohne. Empfiehl uns Deinem Sohne. V. Bitte für uns, heiligste Gottesgebårerin! A. Daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten Dich, o Herr, gieß Deine Gnaden aus in unsere Herzen, damit wir, die wir durch die Verkündigung des Engels die Menschwerdung Christi Deines Sohnes, erkannt haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gebracht werden, durch Christum unsern Herrn. Amen. V. Bitte für uns, seligster Joseph. A. Daß wir würdig werden ic. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Brautigams Deiner heiligsten Gebårerin geholfen werde, damit, was unser Ver100 Die Du Dich durch Deine mächtige Fürbitte unseres Heils an nimmst. ad sid, dan isdn113.lind d 414 Lobpreisung Mariä. mögen nicht erhalten kann, durch Seine Fürbitte uns geschenkt werde, Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Lobpreisung Mariä nach der Laure: tanischen Litanei. Heilige Maria, Du Gottesgebårerin, Du wahre Mutter Desjenigen, Der Gott und Mensch zugleich ist, unsers Herrn Jesu Christi, des Wortes, das Fleisch aus dir annahm, durch Welchen alle Dinge erschaffen worden, und ohne Welchen nichts gemacht ist. O Maria! welche größere Gnade und Würde konnte einem Menschen zu Theile werden, als die Mutter des Herrn zu seyn! Darum heißest Du billig die Jungfrau aller Jungfrauen und wohl konntest Du, als Du die Mutter des Herrn Deines Schöpfers geworden, vor Elisabeth, Gott lobpreisend sagen: Sieh von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Ja, gnadenreichste, tugendhafteste, gottgefälligste Jungfrau, Du Krone und Muster aller Jungfrauen, Du Zierde des ganzen Menschengeschlechtes! Deine Ahnung oder vielmehr Deine Vorhersagung ist wahrhaft seit acht= zehn hundert Jahren erfüllt worden; hundert tausendmal Tausende treugläubige Christen grüßen Dich ſeitdem mit den Worten des Engels Gabriel und der heil. Elisabeth und die vom heil. Geist erleuch Gebethe zur seligsten Jungfrau Maria. 415 tete Kirche Deines Sohnes spricht die ganze unübertreffliche Größe Deines Lobes aus, indem sie bethet: Heilige Maria! Mutter Gottes! bitt für Sünder! Mutter unsers Herrn Jesu Christi des Urhebers aller Gnaden, erfleh uns Seine Barmherzigkeit! Du gnadenvolle, allerreinste, liebenswürdigste und wunderbare Mutter! Du zugleich weiseste, ehrund lobwürdigste, in Allem gottgetreue, gütige, liebevolle und bei dem Herrn durch Deine Fürsprache so mächtige Jungfrau! bitt doch für uns, daß wir wie Du in Demuth und Reinigkeit vor dem Herrn wandeln, Seine Worte bewahren und beherzigen und so auch Seines gnädigen Blickes würdig werden. Kirchengebethe an verschiedenen Fest tagen der seligsten Jungfrau. Marià Empfängniß( am 8. Dezember). O Herr! wir bitten Dich, laß Deinen Dienern Deine himmlische Gnade zukommen, damit wir, verehrend die unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau, an Tugenden und Gewissensfrieden zunehmen, da ihr Eintritt in die Welt uns mit der Morgenrothe unserer Seligkeit erfreuet hat, durch Jesum Christum 2c. Dies Gebeth wird auch am Feste der Heimsuchung, der Geburt 2c. gebraucht, nur sehe man anstatt: verehrend die unbefleckte Empfängniß, verehrend die Geburt z. Gebethe zum heil. Joseph. Marià Reinigung( am 2. Februar). Allmächtiger, ewiger Gott! wir bitten demuthsvoll Deine Majeståt, daß, gleichwie Dir heute Dein eingeborner Sohn, als wahrer Mensch, in dem Tempel ist aufgeopfert worden, Du unsere Herzen reinigen wollest, damit auch wir uns Dir, als ein angenehmes Opfer, darstellen mögen, durch Sesum Christum 2c. 416 Marià Verkündigung( am 25. Mårz). O Gott! Dein Wille war es, daß die seligste Jungfrau auf die Verkündigung des Engels Deinen eingebornen Sohn empfangen hat. Wie wir nun glauben, daß sie dadurch in Wahrheit zur Würde einer Gottesgebårerin erhoben wurde: so flehen wir auch zu Dir, daß wir, vermittelst ihrer Fürbitte, Hülfe erlangen mögen, durch Jesum Christum 2c. Verschiedene Gebethe. Gebethe zum heiligen Joseph. Gott! ewiger Vater! Vater unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi, Der Du die Kindheit Deines eingebornen Sohnes, und Seine heilige Mutter der Sorgfalt und Pflege Deines frommen und gerechten Dieners Joseph anvertraut, und dadurch Seine Tuz Gebeth zum Namenspatron. 417 gend und Treue auf das Herrlichste belohnt haft: verleih auch mir, seinem Verehrer, die Gnade, daß ich in dem Berufe, in dem ich lebe, mit Treue und Gehorsam so viel Gutes thue, als ich kann. Laß mich wie er, die rauhen, schlüpferigen und dunkeln Wege des Erdenlebens, voll Vertrauen auf Deine våterliche Vorsehung wandeln, und überzeugt werden, daß, Deinen Willen erfüllen meine heiligste Pflicht, so wie meine wahre Wohlfahrt ausmache. O dann kann ich hoffen, daß so, wie er in den Armen Jesu und Mariens Sein unbescholtenes Leben beschlossen hat, auch ich in Deiner Gnade, durch Seine und Mariens Fürbitte, mein Leben enden werde. Amen. Zu Ehren des( der) Heiligen, dessen ( deren) Namen man führt. Bei der heiligen Taufe, wo ich die feierlichsten Gelübde, Gott, der Religion, der Tugend stets treu zu bleiben, ablegte, habe ich Deinen Namen bekommen.*) Dieser sollte mich auffordern, unverbrüchlich zu erfüllen, was ich verheißen habe; sollte mir die heilige Ehrbegierde einflößen, Dir ähnlich zu werden, damit ich nicht Deinen Namen zu meiner Beschamung trage. Begleite Du mich auf dem Wege des Lebens mit deiner liebevollen Fürbitte bei Gott, daß ich deine Zugend nachahme, mich durch dein Beispiel stårke zum Kampfe gegen die ) Hier wird der Name des( der) Heiligen genannt. 27 418 Am Festtage eines Martyrers. Verführungen der Welt, gegen die verderblichen Grundsätze des Leichtsinns und der Gottesvergessenheit; daß ich standhaft ausharre in dem Bekennt= niß meiner heiligen Religion, und in der Uebung der Frömmigkeit und Gottesfurcht. Amen. Gebeth am Festtage eines heiligen Märtyrers oder Blutzeugen. Göttlicher Stifter unserer Religion, Jesus Christus, wir begehen heute das Fest Deines verewigten Blutzeugen--, welcher die Wahrheit und Göttlichkeit Deiner Lehre durch einen tugendhaften Lebenswandel, und durch einen heldenmäßigen Tod bezeugt hat. Verleih uns Deine Gnade, damit sein Beispiel uns zur Nachahmung seiner Tugenden reize, und sein Tod uns in dem wahren Glauben stårke. Nachfolgen wollen wir ihm in der Liebe Gottes, im Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit und Vaterhülfe, in der Zufriedenheit mit den Fügungen Seiner Vorsehung, in der Ergebenheit in Seinen Willen, in der demüthigen Unterwerfung des Verstandes gegen Seine Offenbarungen, und in der treuen Erfüllung Seines heiligen Gesetzes. Die erkannte Wahrheit wollen wir mit eben dem standhaften Eifer bekennen und vertheidigen, wie er, damit wir fähig werden mit ihm an Deiner himm= lischen Herrlichkeit, o Lamm Gottes, unser Versöhner, einst Theil zu nehmen. Am Festtage eines Beichtigers. Am Festtage eines Beichtigers. Gütigster Jesus! wie lehrreich ist für uns die Geschichte Deines heiligen Beichtigers -! wie er= munternd sein Beispiel! Wir lernen aus demselben, wie weit es der Mensch seiner Schwachheit und sündhaften Neigung ungeachtet in der Tugend und Besiegung seiner selbst bringen könne, wenn er auf den Wegen wandelt, die Du uns gewiesen hast; wir sehen an ihm, wie wohlthätig für das Menschengeschlecht, wie ehr- und liebenswürdig, wie zufrieden und glücklich Deine Lehre, o Gott Heiland! ihre Schüler und Bekenner mache! Gieb Du uns, liebreichster Herr und Lehrer! auf die Fürbitte Deines verklärten Freundes die Gnade, daß wir nicht bloß müßige Bewunderer, sondern thätige Nachahmer der Tugendbeispiele Deines heiligen Bekenners werden. Sein Beispiel erwecke uns zur treuen Erfüllung unserer Standespflichten, zeige uns die Zugend in ihrer Menschen und Gott gefälligen Liebenswürdigkeit, das Laster aber in seiner Schädlich- und Häßlichkeit! Es überzeuge uns immer mehr, daß unsre Religion göttlichen Ursprunges ist, und alle diejenigen glücklich, heilig und selig macht, welche sie treu befolgen. 419 Am Festtage einer heiligen Frau oder Jungfrau. Gütigster Vater! ich bitte Dich um Deinen Beistand, damit ich nach dem Beispiele der Heiligen Berlangen nach Gott. eifrig in Erfüllung meiner Pflichten, zu dem Dienste des Nächsten stets bereit, nachsichtig gegen seine Fehler, strenge gegen mich selbst, und zufrieden mit meinem Schicksale seyn möge. Fern sei von mir alle Schadenfreude, Tadelsucht, Nachrede, Verlaumdung, alles unfreundliche und mürrische Wesen, liebloser Kaltsinn, Gleichgültigkeit, Mißgunst und Neid, und alles was der christlichen Menschenliebe zuwider ist; unterdrücken will ich den Hang zur Weichlichkeit und Eitelkeit, welcher mich an meinen Berufsgeschäften hindert, vom rechten Gebrauche der zeitlichen Güter, von Mildthätigkeit, Selbstbesserung und Gottseligkeit zurückhält, zum Müßigleben verführt, meine Eigenliebe nährt, und zur Bekämpfung und Bezwingung meiner bösen Neigungen und Leidenschaften unwillig und unfähig macht. Gieb mir die Gnade, o Herr! daß mich das Beispiel Deiner heiligen Dienerin, deren Gedächtniß die Kirche heut begehet, in dem Vorsatze stårke, Dir zu dienen und durch Haltung Deiner Gebothe, Deiner Liebe und Deiner ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden. Dieß verleih uns, Herr himmlischer Vater! durch Jesus Christus Deinen Sohn unsern Herrn. Amen. 420 Verlangen nach Gott. ( Vom heil. Augustin.) Erwecke in mir o Gott! nach Dir ein thâtiges Verlangen. Laß mich eher Alles, als Dich vergessen. Gich mir Liebe zu Dir, daß sie die Lust zum Bösen schwäche und unterdrücke. Die Sünde siege nie über 421 Verlangen nach Gott. mich. Was Verschuldung und Reue nach sich zieht, fuche nie mein Auge, verachte stets mein Herz. Gieb Thrånen meinem Auge, und Gaben meiner Hand für den Dürftigen, den Du mir zusendest. Hilf mir meine Neigungen und Leidenschaften bezähmen. Stårke meine Seele, daß sie Kraft habe, aus Liebe zu Dir, das Härteste zu dulden, das Schwerste zu thun; das Angenehmste, wenn es unrecht ist, sich zu versagen. Gieb mir einen lebendigen Glauben, und eine Hoffnung ohne Wanken. Mein Sinn hefte sich nie an das Vergängliche. Laß Mäßigung meine Tugend seyn, und irdische Dinge mich mit Måßigung gebrauchen. Mein Herz entwöhne sich jeder Weichlichkeit und Wollust; Genügsamkeit sei mein Bestreben. Argwohn, List und schlaue Schmeichelei, Hårte, Geiz und Neid, und Zorn und Rache feien fern von mir. Sanftmuth sei mein Eigenthum. Ich will nachlassen, wo ich darf, und verzeihen wo ich kann, Gutes für Böses thun, nur nach der Wahrheit handeln, nur den Freund des Lasters meiden und fliehen. Mein Herz horche schnell, wenn Pflicht und Zugend rufen; und vollziehe froh, was sie gebieten; es verehre, was Du, o Gott! billigest, und verwerfe was Du hasfest. Dank erfülle mein Gemüth, wenn Du mir es wohl gehen läsfest, und Dank und Zufriedenheit, wenn Du mich durch Leiden prüfest. Laß mich nie, auch bei dem hårtesten Geschicke, Glauben und Vertrauen auf Deine Vorsehung verlieren. Die Erde sei mir Staub, die Zeit ein Augenblick, und das Ziel aller meiner - Vertrauen auf Gott. Wünsche und Bestrebungen eine selige Unsterblichkeit und Du, o Gott! Amen. 422 Vertrauen auf Gott. Gott, Deine weise Vorsehung regiert alle meine Schicksale. Auf Dich will ich also mein kindliches Vertrauen setzen. Mein Glück hångt nicht von mir ab. Ein Augenblick vernichtet oft das Werk meiner vieljährigen Bemühungen. Von allem, was ich unternehme, ist der Ausgang ungewiß; aber noch ungewisser, ob das Gelingen oder das Mißlingen meiner Anschläge, für mich besser sei. Nur Du, o Gott, weißt Alles, führest Alles zu meinem Wohle, Glück und Unglück, angenehme und widrige Schicksale. Meine Tage werden von Dir, dem Weisesten und Gütigsten, gezählet, von Dir ist in dieselben vertheilt was mir zukommen soll. Du würdest mir ein anderes Loos beschieden haben, wenn eine andere Einrichtung für mich besser gewesen wäre. Dieser Glaube erhebt meine Seele zu dem kindlichsten Vertrauen. Ich fühle mich über alle Anfechtungen des Zweifels erhoben. Mit dankbarer Freude genieße ich, was Du, mein Gott! mir bestimmt hast; mit ruhiger Zuversicht sehe ich der Zukunft entgegen: sie steht, wie der gegenwärtige Augenblick, in Deiner Macht; warum sollte ich zagen? Ja, gütiger Gott! führe mich auf Wegen, auf welchen Du willst; ich folge gehorsam, ihr Ende ist Seligkeit. Vielleicht habe ich noch manche rauhe 423 Vertrauen auf Gott. und steile Bahn zu übersteigen; vielleicht warten meiner noch manche Trübsale. O, ich erwarte fie ruhig. Wenn die Widerwärtigkeiten nicht zu ertragen, wenn sie über meine Kräfte wären: Gott! Du würdest sie mir nicht senden, mich nicht auffordern, sie standhaft zu dulden. Deine Aufforderung macht mich entschlossen. Ich will durch Muthlosigkeit nicht meinen Gott entehren, Der getreu ist, und mich nicht über meine Kräfte versuchen läßt. Ich kann nicht zu Schanden werden, da mein Vertrauen auf den Allmächtigen und ewig Gütigen gegründet ist. Keine Gefahr kann so drohend, kein Uebel so groß, keine Aussicht so finster seyn, daß nicht alles zu meinem Besten dienen sollte. Sei auch in mein Leben so manche Mühseligkeit verwebt: wenn ich die Tugend erhalte, und alle Umstände des Lebens als Beförderungsmittel der Tugend gebrauche: so war es glücklich, glücklicher als das Leben des Lasterhaften, der seine Tage in üppiger Sinnlichkeit und Wollust verschwelget. Dort im Himmel, wenn ich Deine heiligen Wege, enthüllt von dem Dunkel, das sie jetzt noch umgiebt, sehen, bewundern werde, dort werde ich erst recht fähig seyn, Deine Güte und Liebe zu erkennen, und mit namenloser Empfindung des freudigsten Dankes Dich, o Gott! zu preisen, Der Du mich hier leitest nach Deinem weisen und liebevollen Rathe. Amen. Allgemeines Gebeth. Allgemeines Gebeth. für das Wohl des Staates, besonders zur Zeit eines allgemeinen Anliegens. 424 Allmächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlischer Vater! sieh' an mit den Augen Deiner grundlosen Barmherzigkeit unser Elend und unsere Noth. Erbarme Dich aller Ehristgläubigen, für welche Dein Eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland, Jeſus Christus, in die Hände der Sünder freiwillig gekommen, und Sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater, die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörung, Kriegsrüstung, Theurung, Krankheiten, und betrübte, unglückliche Zeiten. Erleuchte auch, und stårke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten und Regenten, damit sie Alles fördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile, zum allgemeinen Frieden, und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Trennung. Bekehre unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung des Lebens. Entzünde uns mit dem Feuer Deiner Liebe; gieb uns Hunger nach der Gerechtigkeit, da= mit wir, als gehorsame Kinder im Leben und Ster= ben Dir angenehm und wohlgefällig seien! Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott! daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, Allgemeines Gebeth. 425 für Gesunde und Kranke, für betrübte und leidende Christen, für Lebendige und Verstorbene. Dir sei jederzeit empfohlen, o Herr, all' unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns Deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Das verleih' uns, Herr, himmlischer Bater, durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, Welcher mit Dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. ● 1. Morgengebethe Tägliches Morgengebeth. Litanei um Gott sein Thun und Lassen in guter Meinung · ● Inhalt. aufzuopfern Gebeth der frommen Prinzessin Elisabeth von Frankreich. In gefahrvoller Lage zu sprechen Ablaß- Gebeth Pius des VII. Sonn- und Festtägliches Morgengebeth, besonders zu spre chen an Tagen wo man der Morgenandacht mehr Zeit widmen will Vorbereitungsgebeth Anbethung und Lob Gottes Danksagung → Bitte um Gottes Schuß, Segen und Gnade. Alufopferung und gute Meinung ♦ ◆ DAN d Guter Borsatz Fürbitte für Lebendige und Abgestorbene Anrufung der Heiligen ● ● ● Gebeth für seine Eltern Gebeth für seine Kinder Gebeth für seine Wohlthäter Gebeth für Priester, Erzieher und Lehrer. Gebeth für die Verstorbenen .. ● Seite. 1. ● 9 Gebeth zum Andenken der Aufopferung unseres Herrn Gebeth zum heiligen Schutzengel. Gebeth zu seinem Namensheiligen. . ● • ● ♦ ● ● ● • ↑ Gebeth zur allerfeligsten Jungfrau Gebeth zum Andenken der Menschwerdung Sesu Christi, oder der englische Gruß ● ● 9 8. 22. 22. 25. 23. 24. 25, 27. 29. 30. 31. 31. 31. 31. 32. 32. 33. 33. 34. 35. 35, 428 II. Abendgebethe .:: Erstes Abendgebeth Sonn- und Festtägliches Abendgebeth, besonders vor dem Beichttage,.. Anbethung und Lob Gottes. Danksagung. . Gewissenserforschung Sündenbekenntniß.. Reue und Leid 41. 41. 42. 44. 47. 48. 49. 49. 50. 51. 51. 53. 54. Art und Weise das heilige Rosenkranz- Gebeth zu verrichten 57. III. Gebethe bei dem allerheiligsten Mesopfer.!! 61. 1. Meßgebethe wie sie der Priester am Altare Inhalt. ● ♦ Demütthige Abbitte und Erflehung der Gnade Guter Borsatz Bitte um Gottes Beistand • Empfieht dich in den Schutz Gottes. Rufe die Heiligen um ihre Fürbitte an te für die Lebendigen und Abgestorbenen.. Danksagungs- Litanei •• • An dem heiligen Christtage. In der heiligen Fastenzeit In den heiligen Ostertagen ● ● • .. . . ● ● • bethet Bom Segen den der Priester bei der heil. Messe oder sonst den Gläubigen ertheilt Segengesänge auf alle hohen Festtage des Jahres . ● In den heiligen Pfingsttagen An heiligen Frohnleichnamstage, oder im ganzen Jahre In der Frohnleichnamsoctav. · ● ● ● ● ♥ Seite. 36. 59. . ● ♥ ● O . ● ● ● ● 137. . 140. ● · ● ● ● In den Bethtagen durchs ganze Jahr. 2. Meßgebethe zur Betrachtung des Leidens Jesu Christi. 144. 3. Kürzere Meßgebethe. .. 160. 4. Gebethe während der heiligen Messe um von Gott in besondern Anliegen Hilfe, Trost 2c. zu erflehen. 172. 5. Meßgebethe um Gett für allgemeine und besondere Gnaden und Wohlthaten zu danken 178. ♥ 75. ● 140. 141. 141. 142. 142. 143. 143. Inhalt. 6. Deutsche Meßgesänge 7. Meßgebethe beim Empfange der ersten oder monatlichen heil. Communion 8. Meßgebethe, für die Verstorbenen IV. Beichtgebethe .. 206. 229. . 237. . 253. 257. 273. .278. 2.80. 289. 292. . 301. Gebethe zur Gewinnung eines vollkommenen Ablaffes 313. Gebethe bei Besuchungen des allerheiligsten Sacrament des Altars Litanei von dein allerheiligsten Sacrament. Litanei jum heil. Herzen Jesu Gebeth um innige Bereinigung mit Jesus Christus( von der heil. Gertrudis) Gebethe vor der Beicht Beichtspiegel Gebet nach der Gewissenserforschung Gebethe nach der Beicht.. Die sieben Bußpfalmen ● V. Communiongebethe Gebethe vor der heil Communion. Gebethe nach der heil. Communion . O 0 O • 9 ... Gebethe zum nachmittägigen Gottesdienste. ♥ Besperandacht Gebethe an den Hauptfesten des Kirchenjahres Gebethe im Advent. . C • 9 . O . a 429 Seite. .. 193. O G e Gebethe während der heil. Fastenzeit Gebeth am Aschermittwoch. Gebeth und Betrachtung auf alle Tage der Fasten.. Gebeth vor dem Getreuzigten air- nei nom Leben und Leiden Jeſu Charsamstage ● 344. Am Feste der Beschneidung des Herrn( Am Neujahrstage) 350. 352. 355. Litanei vom heiligen Namen Jesu An Feste der heil. drei Könige 2m Feste der Darstellung Jefu( Mariä Reinigung oder Lichtmesse.) . ● ● 4 a 4 • 318. 336. 330. G 333 334. 335. 344. 361. 361. . 362. . 367. . 369. 375. 377. 382. C • 430 Gebethe an den heil. Pfingsttagen Gebethe am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Gebethe am heil. Frohnleichnamstage Gebethe am Feste aller Heiligen Litanei von allen Heiligen 4 . Inhalt. 9 . ● . 0 O 0 Gebethe für die Abgestorbenen am Allerseelentag Gebethe zur Verehrung der allerfeligsten Jungfrau Maria Tägliches Gebeth zur Mutter Gottes Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau Lobpreisung Mariä nach der Lauretanischen Litanei Kirchengebethe an verschiedenen Festtagen der seligsten Jung 0 O G ● O . Schugaten zu danken d 0 ● ● frau Verschiedene Gebethe. Gebethe zum heiligen Joseph 3u Ehren des( der) Heiligen, dessen( deren) Namen man führt. O .. · 0 O ● a • 10 Gebeth am Festtage eines heiligen Märtyrers oder Bluts zeugen ● . 407. 407. 410. 414. Am Festtage eines Beichtigers Am Festage einer heiligen Frau oder Jungfrau Berlangen nach Gott( vom heil. Augustin.). Bertrauen auf Gott. Allgemeines Gebeth für das Wohl des Staates, besonders zur Seit eines allgemeinen Anliegens . 0 ● 0 Seite. . 386. D 390 393. 396. 399. . 404. 0 0 415. 416. 416. 417. 418. 419. 419. 420. 422. 424. und besondere 178. Walter Köster Buchbinderei 3550 Marburg Tel. 0 64 21/2 12 77 - 1000 Berlin 61 030/7 86 30 10 Inches 1 Centimetres Blue 12¹4 3 4 Cyan 2 2 6 Farbkarte# 13 3 Green 18 Yellow 19 4 10 Red TH 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 17 17 16 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8