Gb 740 ی در می مر درد بود اگر به- سال 17 و را I. Hrepp se. Sv.Perger pine. 33ei mir ist affe Önade des Weges zum Seif und der Wahrheit bei mir ist alle Soffnung des Lebens und der Tugend.( Eccli. 24,25.) BEBETH und Erbauungsbüch für katholische Christen. VON DR JOHANN ALOYSIUS SCHNEIDER, apoftolischem Vicar und weiland Beichtvater Seiner Majeftät des Königs von Sachfen, Bifchof von Argos, Dom- Capitular zu Krakau und Canonicus zu Pofen, auch Commenthur des königlich Sächfifchen Civil- Verdienft- Ordens. JHS. IN Wien bey Heinrich Buchholz, kk Hof- und bürgl Buchbinder im Schottenhofe No 136. Pfoehl fe. Gb 740 Univ.- Bibl. Giessen Bereite deine Seele vor dem Gebethe, und sey nicht wie ein Mensch, der Gott versucht. Sirach 18. Das Gebeth besteht in der Erhebung des Gemüthes zu Gott, in der Richtung der Gedanken und Gesinnungen zu Gott, in dem Umgange mit Gott. Wir bethen, wenn wir Gottes Eigenschaften und Vollkommenheiten: seine Allmacht, Weisheit, Güte, Vorsehung, Gerechtigkeit 2c. betrachten, bewundern, loben und preisen;- wenn wir Gottes Wohlthaten, die er uns und Underen erweiset, überdenken, und ihm dafür danken; wenn wir, durchdrungen von dem Bewußtseyn eigener Schwachheit, von der Größße und Mannigfaltigkeit der Gefahren, in welche Unschuld und Tugend kommen können, Gott um Beystand anfleben;- wenn II wir Gott voll Demuth und Reue unsere Fehler und Vergehungen bekennen, ihn um Nachsicht und Schonung bitten; ihm, im Vertrauen auf seine Hülfe und Gnade, wahre Besserung, gänzliche Änderung der Gesinnungen und des Wandels versprechen; wenn wir Gott nicht nur unsere eigene, sondern auch des Nächsten Wohlfahrt, besonders die Wohlfahrt der Kirche und des Staates, empfehlen;- wenn wir uns sere Arbeiten und Bemühungen, unsere Freuden und Leiden mit dem Gedanken an Gott verbinden, Alles aus der reinen Absicht, weil es Gottes Wille ist, also aus Liebe zu Gott, thun und dulden, seiner Vorsehung alle SchickColle fale anheim stellen, uns folglich zur Zufriedenheit mit Gott ermuntern.-Wir bethen, wenn wir recht oft und gern an Gott denken; Alles mit Zuversicht von ihm hoffen und erwarten, was uns wahrhaft gut und nüßlich ist; uns in allen Vorfällen zu ihm, als der Urquelle und dem Geber alles Guten, wenden. - III Diese Gegenstände sollen nach den jedesmahligen Umständen und Bedürfnissen der Inhalt unseres Gebethes seyn. Das Gebeth kann in fillen Gedanken, in stillen Betrachtungen und Gemüthserhebungen, in stiller Bewunderung der Größe, Allmacht, Versehung Gottes 2c., in stiller Freude über seine Baterhuld und Gnade, oder in äußerlichen Ergießungen des Herzens durch Worte und heilige Gesänge bestehen. Jenes heißt man das beschauliche Ge beth oder die Betrachtung; dieses das mündliche Gebeth. Jenes macht die Undacht aus; dieses soll Ausdruck und Mittheilung der Andacht seyn. Beyde Urten des Gebethes sind uns nothwendig; beyde unterstüßen einander; beyde, wenn sie die gehörigen Eigenschaften haben, sind gut, Gott gefällig und von den heilsamsten Wirkungen. Zu einem guten, Gott gefälligen Gebethe wird erfordert: 1) Ein reines Herz, oder das Bestreben, IV ein reines Herz zu erlangen. ,, Der Herr ist fern von den Gottlosen; aber das Gebeth der Gerechten erhört er." Sprichw. 28. Willst du also Gott gefällig und für dich nüßlich bethen, so reinige vor dem Gebethe durch wahre Reue und Liebe dein Herz, alsdann bethe. 99 2) Ein lebendiger Glaube. ,, Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen." Hebr. 11. Ist die Überzeugung von den Eigenschaften Gottes, zu dem wir bethen, nicht fest und tief gegründet: so kommt das Gebeth auch nicht von dem Verstande, und geht nicht aus dem Herzen. - 99 3) Ein findliches und zuversichtliches Vertrauen auf Gott, daß er uns erhören, und das geben werde, was uns wahrhaft heilsam und unserem Heile zuträglich ist. ,, Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht. Denn wer zweifelt, der ist gleich den Wellen des Meeres, die vom Winde beweget, und hin und her getrieben werden; darum gedenke ein solcher Mensch nur nicht, daß er Etwas von dem Herrn erlangen werde." Jac. 1. 4) Eine ungeheuchelte Demuth. Gott widersteht den Stolzen; den Demüthigen aber gibt er Gnade." Jac. 4, 6. 5) Ordnung in Hinsicht auf unsere Bedürfnisse. ,, Suchet zuerst das Reich Gottes und dessen Gerechtigkeit, und das übrige wird euch zugegeben werden." Matth. 6. Wir sollen Gott vorzüglich um das bitten, was der Seele nüßlich ist. Das Gebeth um Tugend soll unsere erste Ungelegenheit seyn. Auch können wir Gott um zeitliche Dinge bitten: um Gesundheit, um Segen bey unseren Geschäften, um Hinwegnehmung und Linderung unserer Leiden und Trübsale. 6) Geduldiges Ausharren im Gebethe. „ Bethet ohne Unterlaß," sagt der Apostel. Fans get Alles mit Gott an, vollendet es mit Gott. Thuet Ulles ihm zu Liebe, ihm zu Ehren. Ver geffet nie, daß Gott allgegenwärtig ist. Den VI ket stets an ihn, als den Beobachter, Zeugen, Belohner und Bestrafer eurer Gedanken, Worte und Werke. Denket, redet, handelt allezeit so, daß ihr nicht nöthig habet, euch, bey der Erinnerung an den Allgegenwärtigen, eurer Gesinnungen und Thaten zu schämen. Werdet endlich nicht lau und träge im Gebethe, wenn Gott eure Bitte nicht sogleich erhört. Unsere Pflicht ist es daher, zu harren, und ihm die Zeit und die Art der Erhörung zu überlassen. Gott weiß, wie eitel oft unsere Wünsche und Begierden sind. Erlangen wir auch nicht das, was wir begehren: so ist um deßwillen ein wahres Gebeth nicht ohne Erfolg. 7) Wir müssen aber auch entschlossen seyn, zu thun, was wir im Gebethe von Gott zu erhalten suchen, und nicht denken, daß uns Gott Etwas, ohne unfer Mitwirken, verleihen werde. Bitten wir z. B. Gott um Linderung und Trost in der Trübsal, so müssen wir nicht geflissentlich der Traurigkeit und Niedergeschlagenheit VII nachhängen, sondern, wenn es in unserer Macht steht, die Ursache unserer Trostlosigkeit forgfältig entfernen. 3. B. die Erbitterung gegen den nächsten durch Sanftmuth und aufrichtige Aussöhnung, die Gewissensvorwürfe durch eine wahre Buße und Besserung des Lebens. 8) Das Gebeth muß endlich im Nahmen Jesu geschehen, weil wir uns zu seiner Religion bekennen: nach seinem Vorbilde und im Vertrauen auf seine unendlichen Verdienste. 99 Was ihr immer in meinem Nahmen den Vater bitten werdet, das wird er euch geben." Joh. 16. Der Verfasser dieses Gebethbuches hat sich bemühet, es so einzurichten, daß derjenige, welcher sich desselben bedienen will, darin das finde, was der Gegenstand unseres Gebethes zu Gott seyn soll. Er hat sich einer reinen Sprache beflissen; auch, da gegenwärtiges Gebethbuch für VIII katholische Christen geschrieben ist, die Glaubenswahrheiten ganz so dargestellt, wie wir sie nach dem Sinne der Kirche glauben sollen. Möchte dieses Gebethbuch bey denen, welche es als ein Hülfsmittel zur Belebung ihrer Undacht gebrauchen werden, diejenigen Früchte hervor bringen, die die Wirkungen des echten nach dem Geiste Jesu verrichteten Gebethes sind: wahre Religiosität und Tugend! Gott begleite diesen Wunsch mit seiner Gnade und seinem Segen! -----***-***-***-** 33-433-333-333-3-3-3-3-3Morgenandacht. » Der Weise wird sein Herz erheben, und früh Morgens zum Herrn wachen, der ihn erschaffen hat, und er wird vor dem Angesichte des Allerhöchsten flehentlich bitten, er wird seinen Mund zum Gebethe aufthun, und seiner Vergehungen wegen um Verzeihung bitten." Sirach 39. Es ist sehr viel daran gelegen, daß man den Tag wohl anfange, wenn man ihn in Unschuld und Tugend zubringen und vollenden will. Erhebe also beym Erwachen dein Gemüth zu Gott. Heilige ihm die Erstlinge deiner Gedanken und Gesinnungen. Das Gebeth gehe allen anderen Geschäften und Verrichtungen vor. 1) Danke Gott mit freudigem Gemüthe, daß er die Nacht hindurch dich schützte, und dich diesen Tag erleben ließ. 2) Bitte ihn mit kindlichem Vertrauen, daß er dich diesen Tag vor aller Sünde und vor anderen Übeln väterlich bewahren wolle. 3) Opfere ihm, in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu, seines Sohnes, Alles auf, was du den Tag über denken, reden, thun, lassen, leiden wirst. 4) Erwecke dich zu dem ernstlichen Vorsage, den Tag über nichts zu thun, was Gott mißfällig ist. Bes 2 3333sonders nimm dir vor, dich vor derjenigen Sünde sorgfältig zu hüthen, welche zu begehen du am geneigtesten bist. Übetdenke die Gelegenheiten und Gefahren, in welche du während des Tages gerathen könntest, und denke auf Mittel, wie du diesen Gelegenheiten und Gefahren entgehen mögest; oder, so fern du denselben nicht ausweichen kannst, wie du dich wider Sünde und Verführung bewahren wollest. Nimm dir vor, den Tag durch treue Wahrnehmung deiner Berufspflichten zu heiligen. Ein thätiges, geschäftiges, arbeitsames Leben ist die sicherste Schußwehre gegen die Sünde. Um zu Gott zu bethen hast du nicht nöthig, viele Worte zu machen. Dein Herz mag dieses Alles in kindlicher Vertraulichkeit Gott sagen. Morgengebethe. Gott, mein Herr und Vater! deine Huld und Gnade schenkt mir mit diesem Tage ein neues Leben) um deine Güte aufs neue empfinden, und an deinen Wohlthaten wieder Theil nehmen zu können. Die Erstlinge meiner Gedanken und Empfindungen sollen also dir, mein Schöpfer und Erhalter! gewidmet seyn. Wäre ich deiner Vatergüte werth, wenn ich aus Leichtsinn oder Unempfindlichkeit des Dankes vergessen könnte, der dir, dem huldreichsten Wohlthäter, gebühret? Ich hatte eben so wenig Recht, diesen Tag zu erwarten, als so viele Andere, die ihn nicht er lebt haben; als so manche, die vielleicht unvorbe 33reitet, ungebessert, noch voll von fündhaften Anschlägen, welche der heutige Morgen zur Reife bringen sollte, dahin gestorben sind. Gott, mein Erbarmer! ich kann die Größe der Wohlthat, daß du mich noch erhalten hast, nicht inniger und gerührter empfinden, als wenn ich bedenke, wie wenig ich noch an der wahren Besserung meines Herzens und meines Lebens gearbeitet habe; von wie vielen Leidenschaften und bösen Gewohnheiten ich mich noch immer beherrschen lasse; wie weit ich noch von der Vollkommenheit entfernt sen, nach welcher ich als Christ, als Schüler deines Sohnes, meines Herrn und Heilandes, streben soll. Wie kann ich dir dafür genug danken, daß ich noch lebe, noch Zeit habe, auf dem Wege der Sünde umzukehren, mich zur wahren christlichen Frömmigkeit und Tugend zu bilden, mich der Glückseligkeit des ewigen Lebens fähig zu machen! Noch höre ich die rufende Stimme deiner Langmuth! Gott, ich will sie nicht vergebens hören. Es ist mein ernstlicher Vorsatz, nichts zu denken und zu thun, was mich deines Wohlgefallens unwürdig machen könnte. Alle Neigungen, alle Begierden, alle Wünsche meiner Seele sollen dir geheiligt seyn! Gütigster Vater! ich bitte dich demüthig, verleihe mir die Gnade, diesen Vorsaß in seinem gan zen Umfange zu erfüllen! Sen mir stets mit dei* - 4 nem Beystande nahe, daß ich den heutigen Tag und alle Tage meines Lebens ohne Sünde, in Unschuld und Tugend zubringe! Bewahre mich vor starken Versuchungen, vor Verführung, und besonders vor dem Leichtsinne, welcher sich selbst unbesonnen in die Gefahren der Sünde stürzt, sich gegen dieselben nicht durch Wachsamkeit und Nüchternheit bewaffnet! SCRIS CAN Gott! ich kann nichts ohne deinen Beystand. Komm' mir zu Hülfe! Stärke meine Schwachheit! Unterstüße meinen Willen, der so oft Borsätze faßt und ihrer bald wieder vergißt, damit ich das thue und halte, was ich mir mit deiner Gnade vorzunehmen gedenke! Jetzt denke nach, was du den Tag über vorzunehmen hast. Überlege die Pflichten, die dir obliegen, und die Mittel, wie du sie zur Ehre Gottes, zu dem Heile deiner Seele, zum Wohle des Nächsten erfüllen könnest. Erinnere dich der Fehler, die du sonst dabey begangen hast, oder an die Gefahren und Gelegenheiten, denen du ausgesetzt bist, und nimm dir vor, dich vor denselben zu hüthen. Sprich, mit einem aufrichtigen Willen, dich zu bessern: an bila Mein Gott! ich verlange aufrichtig, dich von ganzem Herzen zu lieben; deinen Willen ohne Einschränkung zu erfüllen, deine Gebothe ohne Ausnahme zu halten. Aber wie oft handle ich diesem Verlangen entgegen, weil ich mich noch zu sehr von 5 34 meiner Gewohnheitssünde beherrschen lasse, die Ge legenheit, in die ich fast immer falle, zu vermeiden versäume! Ich nehme mir daher ernstlich vor, be sonders diese Sünde N. zu bekämpfen, bey dieser Gelegenheit N. auf meiner Huth zu seyn, diese Leidenschaft N. zu überwinden. Ich will Alles, was ich heute denken, reden, thun, lassen werde, sorgfältig prüfen, damit ich nichts denke und rede, thue und lasse, was mit der Liebe und dem Gehorsame gegen dich streitet, folg= lich dir mißfällig ist. Ich opfere dir alle meine Gedanken, Worte und Werke auf. Alle sollen zu deiner Ehre unternommen werden! Damit sie deines Beyfalles würdig seyn, vereinige ich sie mit den Verdiensten deines Sohnes, an welchem du Wohl= gefallen hast. Heilige Maria und alle lieben Heiligen! bittet für mich, daß ich heute Alles Gott zu Liebe wirke und leide, mich gegen ihn auch nicht durch die geringste Übertretung seiner Gebothe versündige, sondern in seiner Gnade lebe und sterbe. Heiliger Schußengel! der du mir von Gott zu einem Beschirmer gegeben bist, ich bitte dich flehend, du wolleft über mich wachen, daß ich, gegen alle Verleitungen zur Sünde bewahret, diesen Tag ohne Vorwurf der Verschuldung und des Mißbrauches der Gnade Gottes vollende. Amen. - 6 übung des Glaubens. Mein Gott! ich glaube Alles mit fester und inniger Überzeugung, was du geoffenbaret hast, und durch deine heilige Kirche, die du zu hören befohlen hast, zu glauben vorstellest! ich glaube es darum, weil es dein Wort und deine Lehre ist, der du, als die ewige Wahrheit und Weisheit, nicht betriegen, noch betrogen werden kannst. O Gott, vermehre meinen Glauben! übung der Hoffnung. Mein Gott! ich hoffe mit zuversichtlichem Vertrauen von deiner unendlichen Barmherzigkeit, durch die Verdienste Jesu Christi, in diesem Leben Verzeihung meiner Sünden, und die Gnade, deine Gebothe zu halten; nach diesem Leben aber das ewige Leben. Ich hoffe dieses darum, weil du es versprochen hast, der du unendlich gütig bist: du willst uns das, um was wir dich bitten, geben;- allmächtig: du kannst es geben;-getreu: du wirst es geben. Gott, stärke mich in dieser Hoffnung! Übung der Liebe. Mein Gott! ich liebe dich von ganzem Herzen, über Alles, weil du allein werth bist, über Alles geliebt zu werden, der du der Urquell alles Guten, der Inbegriff aller Vollkommenheit, und in dir selbst 7 das höchste, beste, vollkommenste Wesen bist. O Gott! entzünde in mir das Feuer deiner Liebe immer mehr und mehr. Um deßwillen reuet und schmerzet es mich, daß ich jemahls wider dich gesündiget habe. Ich will lieber sterben, als dich vorsäßlich mit einer Sünde beleidigen. Von der guten Meinung, durch welche der Christ jedes Vornehmen heiligen soll. » Ihr esset oder trinket, oder thuet etwas anderes: so thuet Alles zur Ehre Gottes. Seyd ohne Ärgerniß den Juden und den Heiden, und der Kirche Gottes." 1 Cor. 10, 31. 32. » Alles, was ihr thuet, mit Worten oder Werken, das thuet im Nahmen des Herrn Jesu Christi." Col. 3, 17. Allmächtiger, ewiger Gott! ich will, es soll heute von mir Alles, aus Liebe zu dir, aus Gehorsam gegen dich, zu deiner größeren Ehre, zur Danksagung für alle deine Wohlthaten, zur Ge= nugthuung für meine begangenen Sünden, zur Erlangung deiner Gnade, und besonders eines from= men, seligen Todes geschehen. Da ich eine Gemeinschaft der Heiligen glaube, so wünsche ich aller guten Werke, aller Früchte der gottesdienstlichen Handlungen, aller Verdienste der ganzen Kirche theilhaftig zu werden; so, wie ich mich selbst bemühen werde, so viel Gutes zu thun, als mir möglich ist. Diese gute Meinung will ich heute so oft erneuert 8+ haben, so oft ich mit dem Munde oder in Gedanken sagen werde: Alles aus Liebe zu Gott! Amen. Gebeth für christliche Eheleute. O Gott! der du im Paradiese den Ehestand angeordnet, und im neuen Gesetze durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, zu einem Sacramente erhoben hast, ich bitte dich, du wollest mir die Gnade verleihen, heute und alle Tage meines Lebens, nach deinem Willen, friedfertig, verträg lich und erbaulich in meinem Stande zu leben, die vorfallenden Beschwerden geduldig zu ertragen, meine Kinder in der Furcht des Herrn gottselig zu erziehen, meine Hausgenossen zur Tugend und Frömmigkeit anzuhalten, alles Ärgerliche von meinem Hause zu entfernen, damit dein Nahme durch einen wahrhaft christlichen Lebenswandel unter uns und von uns gepriesen werde. Amen. Gebeth für die Jugend. Herr Jesu! der du als Kind, mir zum Beyspiele, an Weisheit, Alter und Gnade bey Gott und den Menschen zugenommen hast, gib mir die Gnade, daß ich dich, und den, der dich gesendet hat, den Vater, durch den wahren Glauben erkenne und auf dem Wege der Unschuld und unverdorbenen Sittlichkeit wandle, damit ich die Reinigkeit der Seele, die mir durch die Gnade der Taufe zu Theil 9 33 geworden ist, unversehrt bewahre. Laß mich nie vergessen, daß der geringste Hauch des Lasters die Seele beflecke! Erhalte mir die heilsame Furcht, die gegen die Gefahr der Verführung behuthsam macht! Den Schuß der Tugend, die edle Schamhaftigkeit, laß stets meine Begleiterinn seyn, damit ich mich nie den Frechen beygeselle, die in ihrem Wahnsinne so weit kommen, daß sie der Unschuld und Tugend spotten! Befestige in mir die Überzeugung von der wichtigen Wahrheit, daß nur aus einem reinen, unschuldigen Herzen die wahre Wohlfahrt sich ergieße. Bezähme in mir den Hang zur Weichlichkeit und zum Müßiggange. Behüthe mich vor sträflicher Sorglosigkeit und Unbesonnenheit! Ach! Eine einzige schreckliche Minute, in der ich deiner Allgegenwart vergesse, in der ich meinen Leidenschaften oder dem bösen Beyspiele nachgebe, kann mir die Unschuld rauben, die keine Thränen, keine Klagen wieder erfeßen können. Ertheile mir diejenige Weisheit, die den Heuchler sogleich entdecket, welcher unter dem Scheine der Freundschaft das ansteckende Gift verderblicher Grundsätze mitzutheilen sucht! Bewahre mich vor dem tollkühnen Leichtsinne, der überall Sicherheit wähnt, und sich muthwillig in Gefahren stürzt! Mache mich gleichgültig gegen den Tadel der Unbesonnenen, die die Gesetze der Eingezogenheit, Sittsamkeit und Bescheidenheit verachten! Laß mich sce 10 383vor allem nach deinem Beyfalle trachten, den du mir durch mein Gewissen, deinen Stellvertreter, verkündigest! Den Warnungen oder Ermunterungen des Gewissens will ich, als hörte ich deine Stimme selbst, ehrerbiethig gehorchen! Gott! du verlangst mein Herz. Ich bringe es dir zum Opfer. Ich heilige dir meine Seele, die durch das Bersöhnungsblut des Mittlers gereinigt ist! Ohne den Schmuck der Reinigkeit des Herzens bin ich vor dir verworfen. Ich gelobe dir, mit strenger Selbstbeherrschung über diese Reinigkeit zu wachen. Laß mich in dem gefährlichen Kampfe mit den Leidenschaften nie erliegen! ich bin bereit, unabläsfig auf dem Wege der Tugend zu wandeln. Nur du kannst meine Schritte leiten, mich Schwachen durch deine Gnade unterstüßen, und meine frommen Entschlüsse befestigen! Dieses flößt mir Muth und Entschloffenheit ein. Ich kann Alles in dem, der mich stärket. Entziehe mir deine schüßende Hand nicht, und ich hoffe voll Zuversicht, daß ich die Jugendjahre in Unschuld und Tugend, als vielversprechende Ubungsjahre für meinen künftigen Beruf, und selbst für die Ewigkeit, vollbringen werde. Amen. Gebeth für diejenigen, welche Gott mit irdischen Glücksgütern gesegnet hat. Gütiger Gott! Du hast mich mit zeitlichen Gütern gesegnet; aber du hast sie mir in keiner anderen 11 Absicht gegeben, als damit ich fähig sey, mehr Gutes als Andere zu thun und zu befördern. Bewahre mich vor dem falschen Dunkel, daß es mir, weil ich Alles zur Befriedigung meiner Wünsche habe, ers laubt sey, der Weichlichkeit, der üppigkeit, der Verschwendung hinzugeben, was du mir anvertrauet hast, und worüber du mich einst zur strengen Rechenschaft ziehen wirst! Der Gedanke an die menschs liche Hinfälligkeit und den Tod, der früher oder spä= ter alle meine Aussichten und Hoffnungen für diese Welt vernichten wird, warne mich vor dem thörichten Stolze, der oft den Glücklichen vergessen macht, daß er von dir abhängig und wegen des Gebrauches und der Verwendung deiner Wohlthaten dir verantwortlich sey. Lehre mich einsehen, daß nichts Irdisches den Geist des Menschen wahrhaft zu beruhigen vermögend sey; daß die Glückseligkeit in der Mäßigung und Selbstbeherrschung bestehe, und daß der größte Überfluß den Mangel an höheren Gütern, an Weisheit und Tugend nicht erseßen könne. Gib mir, o Gott! ein mildes Herz gegen die Armen, vorzüglich gegen solche, die ohne ihr Vers schulden in Armuth gerathen sind. Welcher Undankbarkeit gegen dich würde ich mich schuldig machen, wenn ich mit fühlloser Härte den Dürftigen von mir stoßen wollte, den du mir entgegen schickest! Bey 12 mir, o Gott! hast du dieses niedergelegt, was ihn retten und erquicken kann. Denn du bist Herr, du Eigenthümer aller Güter; mir ist die Verwaltung eines Theiles derselben von dir aufgetragen. Du lehrest mich durch Vernunft und Religion, daß es die Absicht deiner Vorsehung sey, durch Begüterte den Dürftigen das zukommen zu lassen, was du als Bater aller Menschen zu ihrer Erhaltung bestimmt hast. Laß mich im Verborgenen Gutes thun, und dafür keinen eitlen Beyfall erwarten: genug, daß vor deinem Auge die Äußerung meiner Liebe und Wohlthätigkeit nicht verborgen seyn kann! Laß mein Herz auch dem Elende des Feindes und des Beleidigers ges öffnet seyn, und mich darin Beruhigung finden, daß ich, als Christ, Böses mit Gutem vergelte! Zur Belebung meines Borsatzes, einen würdigen Gebrauch von den mir geliehenen Glücksgütern zu machen, will ich mich stets der Lehre deines Sohnes erinnern: Was ihr immer dem Geringsten meiner Brüder gethan habet, das habet ihr mir ge= than." Amen. S Gebeth für diejenigen, die in mittelmäßigen Glücksumständen sich befinden. Gott! von der Güte deiner Vorsehung kommt es, daß ich so viel habe, als ich zur Befriedigung der ungekünstelten Bedürfnisse des Lebens brauche; 13 333 daß es mir an Nahrung und so manchen Bequemlichkeiten, an den Mitteln, mich und die Meinigen standesmäßig zu versorgen, nicht gebricht. Wodurch könnte ich dir dafür würdiger danken, als durch Zufriedenheit, durch die Überzeugung, daß du mir ein solches Loos bereitet hast, bey welchem ich Beydes, meine Tugend und meine irdische Wohlfahrt, desto ungehinderter gründen kann? Ich weiß, daß, wo unbezähmte Lüste und Begierden herrschen, der größte Reichthum und Überfluß nicht gegen Unzufriedenheit, gegen Kummer und Gram schützen. Schenke mir daher die weise Genügsamkeit, die durch einen guten Gebrauch deiner Wohlthaten und in der Billigung deiner Anordnungen Trost und Ruhe findet! Bewahre mich vor dem schändlichen Laster des Neides! Veredle mein Gemüth, daß ich ohne Mißgunst Andere auch glücklicher als mich sehen könne! Laß nie zu, das ich unzufrieden werde, weil du sie nach deinen heiligen Absichten reichlicher als mich gesegnest hast! Ich will mit genügsamem Herzen die goldene Mittelstraße wandeln; mit allem Eifer mich meinem Berufe widmen; nicht über eingebildete Noth klagen, wo ich so viele Ursache habe, dir für deinen Segen zu danken. Lehre mich thörichte Wünsche und Bedürfnisse fliehen, ja meine zeitlichen Angelegenheiten so in Ordnung bringen, damit ich etwas habe, zu geben dem Dürftigen, den oft der 6 14 33. übermüthige Reiche ungerührt von sich stoßt! Laß mich, o Gott, reich an geistlichen Gütern: an Weisheit, an Frömmigkeit und Tugend, werden, welche allein bleiben, wenn alle irdischen Dinge das Loos der Bergänglichkeit und Hinfälligkeit erfahren haben, und welche der Grund der wahren zeitlichen und ewigen Glückseligkeit sind! Amen. Gebeth, von Armen zu sprechen. Herr Jesu! der du aus Liebe zu dem menschlichen Geschlechte arm geworden bist, dir hat es ge= fallen, auch mich in einen solchen Stand zu sehen, der mir nur ein kümmerliches Auskommen gewährt, mich oft die Folgen der Armuth, Mangel an nothwendigen Bedürfnissen, empfinden läßt. Ich bin überzeugt, daß dieser Stand, nach deinen weisen Absichten, für mein Seelenheil der zuträglichste seyn müsse, weil er nicht Folge meiner Verschuldung, sondern Anordnung deiner Vorsehung ist. Ich will mit deinem Rathschlusse zufrieden seyn. Bewahre mich vor dem sträflichen Gedanken, daß es dem Armen erlaubt sey, durch Sünde und durch Übelthaten sein Schicksal sich zu erleichtern. Die Last der Vorwürfe des Gewissens würde mir weit schwerer seyn, als der Kummer der Armuth. Bewahre mich aber auch vor zu großer Dürftigkeit und drückender Noth, 15 333damit ich nicht kleinmüthig werde, und in die Gefahr komme, den Glauben an deine huldreiche Vorsehung zu verlieren! Laß mich, wenn mein Fleiß und die Arbeit meiner Hände nicht zureichen, mich und die Meinigen mit Brot zu versorgen, mitleidige Menschen finden, die mich in meinem Kummer unterstüßen! Du regierest und lenkest die Herzen der Menschen. Senke in dieselben Empfindungen der thätigen Nächstenliebe, der Milde und Erbarmung, der Bereitwilligkeit, dir nachzuahmen, der du aller Menschen Vater und Versorger bist! Ich unterwerfe mich deinem heiligen Willen. Ich bitte dich, verleihe mir die Gnade, meine Armuth ohne Murren zu ertragen, und einen solchen Wandel zu führen, der mich einst für alle irdische Entbehrungen unendlich schadlos halten wird! Amen. Gebeth für diejenigen, welche durch Arbeit, im Schweiße ihres Angesichtes ihren Lebensunterhalt gewinnen müssen. Gott, wohlthätiger Bater! dein weiser Wille hat mir den Stand angewiesen, in welchem ich, zur Erhaltung meines Lebens, unverdrossene ArbeitsamEeit anwenden, des Tages Last und Hiße tragen. muß. Ich unterwerfe mich mit kindlichem Gehorsame deinem Rathschlusse. Erhalte mir die Kräfte, damit ich nicht unterliege! Gib Munterkeit und Thätig 16 3. keit, damit mich nicht Überdruß vom Fleiße abhalte! Laß meine Arbeit gesegnet seyn, damit ich mich und die Meinigen ernähren könne! Lehre mich nie den Müßiggänger beneiden, dessen Daseyn im trägen Nichtsthun dahin welkt, und der oft mehr unter der Last der Trägheit und seiner Vergehungen, als der Taglöhner unter seiner Arbeit, seufzet! Ich opfere dir zu Ehren alle meine Arbeit auf, in Vereinigung mit den Beschwerden, welche unser Herr und Erlöser uns zu Liebe erduldet hat, zur Dankfagung für alle empfangenen Wohlthaten, zur Genugthuung für meine Sünden, zur Erlangung des ewigen Lebens, wo du den, welcher über wenig getreu war, über Vieles setzen wirst." Amen. 99 Gebeth für Dienstbothen. Herr Jesu! du bist vom Himmel auf die Erde herab gekommen, nicht daß dir gedienet würde; sondern, wie du selbst gesagt hast, daß du Anderen dientest, um uns das Beyspiel der Demuth zu hinterlassen. Dir hat es gefallen, mich in den Stand zu setzen, in welchem ich Anderen, nach deinem Beyspiele, dienen soll. Ich verehre die Anordnung deiner Vorsehung mit kindlichem Gehorfam, und will Anderen dienen, als thäte ich es dir selbst. Aber ich bitte dich flehend: laß mich nie in ein Haus kommen, wo meine Unschuld und Tugend Gefahren der Verführung ausgesetzt ist, son 17 333dern stets solche Vorgesetzte finden, in deren Wohnungen es kein Verbrechen ist, als Christ, nach den heiligen Grundsäßen meines Glaubens, zu leben; solche Vorgeseßte, die selbst Beyspiele der Frömmigkeit geben, und die Frömmigkeit für kein Hinderniß der Dienstleistungen halten, die ich ihnen schuldig bin; solche Vorgesetzte, die mit ihrem Unsehen die Liebe, mit ihren Forderungen, Billigkeit und Menschlichkeit verbinden! Bewahre mich vor Unredlichkeit und Untreue! Lehre mich stets bedenken, daß ein zeitlicher Gewinn ein elender Ersatz für die Verlegung meines Gewissens sey, durch welche ich, weil ich sündige, mir den Verlust deines Wohlgefallens und deiner Gnade zuziehe! Bey dir gilt kein Ansehen der Person. Du siehst nicht auf das, was der Mensch ist und thut; sondern wie er es ist und thut. O, laß mich so leben, daß ich an dem Tage, wo der Unterschied der Stände aufhören, kein Vorgesetzter und Untergebener seyn, sondern jeder nach seinen Werken gerichtet wird, des Lohnes der Demüthigen, die mit deinen Anordnungen hier zufrieden waren, nicht unwürdig von dir geachtet werde. Amen.ne Gebeth für Leidende um Ergebung in den Willen Gottes. Was wird mir wohl heute noch begegnen? Mein Gott! hiervon habe ich gar keine Kenntniß. Aber 2 1833dieses weiß ich: es wird mir nichts begegnen, was du nicht schon von Ewigkeit her vorgesehen, angeordnet und beschlossen hättest. Dieses ist mir genug. Ich bethe deine ewigen Rathschlüsse an, und unterwerfe mich denselben aus Liebe zu dir von gan= zem Herzen. Ich will Alles so haben, wie du es willst; ich opfere dir Alles auf; ich vereinige es mit dem Opfer Jesu Christi meines göttlichen Erlösers. Ich bitte dich in seinem Nahmen und durch seine unendlichen Verdienste um die Gnade der Geduld in meinem Leiden, wie auch um die gänzliche Unterwerfung, die wir in Allem, was du willst und zuläsfest, dir schuldig sind. Amen. Tsur Gebeth, täglich zu sprechen, um die Gnade zu erlangen, zu halten, was man bey der heiligen Taufe Gott versprochen hat. Ich danke dir, Gott Vater! daß du mich erschaffen; Gott Sohn! daß du mich erlöset; Gott, heiliger Geist! daß du mich durch die heilige Taufe gereiniget und zu deiner Wohnung geheiliget hast. Ich bitte dich um die Gnade, zu halten, was ich da versprochen habe, nähmlich zu widersagen allen Werken der Finsterniß, das ist: der Sünde und dem Laster. Und da mich die christkatholische Religion unterrichtet, daß der durch die heilige Taufe zum Christenthume berufene Mensch die Pflicht auf 19. sich nehme, Jesu nachzufolgen, sich nach seinem Geiste, seinem Beyspiele, seinen Lehren und Grundsätzen zu bilden, bereit zu seyn, mit Christo, seinem Erlöser, um des Gewissens, der Religion und Tugend willen, auch Schande, Spott und Schmach geduldig zu leiden, und mit ihm sein Kreuz zu tragen: so bitte ich dich, du wollest meinen Verstand erleuchten, und meinen Willen stärken, damit ich nicht nur erkenne, wozu ich verbunden bin, sondern auch, was ich zu thun schuldig bin, vollbringe, und durch Übung christlicher Tugenden mich des Nahmens eines Christen würdig mache. Amen. Eines der wirksamsten Mittel, den Tag so zuzubringen, daß man am Abende sich keine Vorwürfe über Pflichtverletzung machen darf, ist die öftere Sammlung des Gemüthes. Gute Christen pflegen von Zeit zu Zeit ihr Herz während des Tages zu Gott zu erheben, um dadurch das Gefühl der Gegenwart Gottes in ihrer Seele zu erneuern und zu stärken. Es gibt verschie: dene Arbeiten, die den Menschen nicht hindern, an Gott zu denken, und durch kurze Gebethe seine Arbeit zu heiligen. In dieser Absicht folgen hier: Einige Gebethe zur Erweckung verschiedener Tugenden. Ich verehre dich demüthig, und bethe dich an, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Die Religion lehrt mich verschiedene Wahrheiten glauben, 2 20 die über die menschliche Einsicht erhaben sind, die der menschliche Verstand nicht ergründen kann. Ich glaube sie, weil dein Wort, o Gott! meine Einsicht erseßt, und meine Bernunft der Überzeugung nicht widerstehen kann, daß das, was du geoffenbaret hast, wahr und untrüglich seyn müsse. Bor dir, o unendliche, göttliche Majestät! erkenne ich schwacher, sündiger Mensch, daß ich aus mir selbst ohne deine Gnade nichts Gutes zu thun vermöge. Für den Beruf zum wahren Glauben danke ich dir, gütiger Gott! Ich will meine Religion freymüthig bekennen. Kein Spott, kein irdischer Nachtheil soll mich von diesem Bekenntnisse abschrecken. Gib mir die Gnade, nach den Grundsäßen dieser Religion zu leben; denn nach denselben lebe ich rechtschaffen und tugendhaft! Bewahre mich vor Leichtsinn und Gleichgültigkeit gegen ihre Lehren und Verpflichtungen! Die Befolgung ihrer Vorschriften befördert meine Tugend. Nur dann könnte ich über Zwang klagen, den menschlicher Eigensinn auflegt, wenn Abtödtung und Selbstverläugnung nicht nothwendige Hülfsmittel der Frömmigkeit und christlichen Vollkommenheit wären. Gott aller Gnaden, meine einzige Hoffnung! auf dich sehe ich mein ganzes Vertrauen, und was ich zu meiner zeitlichen und ewigen Glückseligkeit cas 21 3 bedarf, dieses Alles erwarte ich allein von dir und deiner mildreichen, väterlichen Hand durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes. Nicht mein Wille, sondern dein Wille, Herr, gez schehe! Nicht nach den Neigungen meines verderb ten Herzens, nicht nach meinen sinnlichen Begierden, nicht nach dem Beyspiele der Sünder, son= dern nach deinem Gesetze will ich leben und han= deln. Dein Wort sey das Licht auf meinen Wegen! O mein Herr und Gott! ich wäre als dein Geschöpf schon schuldig, dir zu dienen, und deinen Willen zu erfüllen, wenn du auch denen nicht ewige Belohnungen versprochen hättest, die dir gehorchen; ich nehme mir vor, mich durch nichts von deinem Dienste abhalten zu lassen. Die Verführungen des Lasters sollen mich nie von dem Wege der Tue gend ablocken. Dein Dienst ist Freyheit und Seligkeit; der Dienst der Sünde ist Sclaverey und Verderben. Alles, was ich thue, und was du willst, das ich thun soll, will ich zu deiner Ehre und mit dem Vorsatze, deine heiligen Absichten stets zu bes folgen, thun. Herr! dein Wille geschehe in frohen und widrigen Begebenheiten, in Kreuz und Leiden, in Angst und Noth! Du bist unser Vater, deine Güte kann und wird Alles zu unserem Besten lenken. Du Geber alles Guten! dich preise ich für alle 22 333Wohlthaten, die ich genieße. Bon dir kommt Alles. Nimm meinen kindlichen Dank mit Batermilde an! Was mir auch von Menschen Gutes widerfährt, erweisest du mir durch sie. Sie sind die Werkzeuge deiner Allmacht und Vorsehung. Laß mich immer solche Menschen finden, die, durch das Band der christlichen Nächstenliebe vereiniget, meiner Tugend, meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt nie nachtheilig sind! Schenke mir, o Gott! die wahre Weisheit des vernünftigen Christen, der an die vergänglichen Dinge dieser Welt sein Herz nicht hängt. Befestige in mir die Überzeugung, daß ich unglücklich und elend seyn müsse, wenn ich nicht nach den höheren Gütern nach Weisheit und Tugend, strebe, die allein unabhängig von der Hinfälligkeit irdischer Dinge und von ewiger Dauer sind. Gott! laß den großen Gedanken an deine Allgegenwart und das Gefühl der Ehrfurcht gegen mich selbst die Triebfeder meiner Handlungen seyn! Bon Liebe und Dankbarkeit gegen dich sey meine Seele stets durchdrungen! Gib, o Gott! daß ich bey meinen Handlungen mich nie von blinder Leidenschaft fortreißen, sondern von der Vernunft und dem Gewissen und von der ehrfurchtsvollsten Achtung gegen dein Geseß mich bestimmen und regieren lasse! d Lehre mich, o Gott! die Sorge für mein ewi - 23 33ges Heil mit meinem irdischen Berufsgeschäften verbinden; lehre mich Beydes seyn: rechtschaffen und fromm; laß mich immer mehr und mehr einsehen, daß die Gottseligkeit zu allen Dingen nützlich sey! Bewahre mich vor jener sträflichen Unzufriedenheit, der deine Wohlthaten nie genügen! Dir es ganz anheim zu stellen, was du anordnen willst, sey meine Beruhigung! 34Behüte mich vor Vertraulichkeit mit dem Lasterhaften? unterstütze aber auch meine Bemühungen, wenn ich Gelegenheit habe, seine Besserung zu bewirken! Laß mich erwägen, daß hier keine Freude, kein Bergnügen, kein Glück beständig sey; gib also, daß ich mit beruhigtem Herzen das Leiden trage, welches von meiner Lage oder von dem allgemeinen Loose der Menschheit unzertrennlich ist! Bewahre mich vor den Aufwallungen des Zornes und der Rache, vor allen Äußerungen der Lüge und Verleumdung, vor allen lieblosen Entdeckungen fremder Fehler, die so oft des Nächsten Ehre und Glück kosten! Laß mich innigst überzeugt werden, daß der= jenige einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht, welcher seine Zunge bezähmt, und in keinem Worte fehlt! Verleihe mir die Gnade, daß ich nie eine Untugend oder ein Laster für unbedeutend halte, weil der Leichtsinn des Zeitalters nichts - 24 3ZZ. Befremdendes an dem findet, was Mehrere thun, und was das Ansehen des Beyspieles für sich hat! Gib, daß ich augenblicklich bereit sey, jeden irdischen Vortheil, jede sinnliche Lust zu verläugnen, sobald Pflicht und Gewissen diese Aufopferung von mir fordern! O höchstes Gut! ich liebe dich von ganzem Herzen, und aus Liebe zu dir bin ich entschlossen, Alles, auch das Beschwerlichste, zu thun, wenn es deinem heiligen Willen gemäß ist; Alles, auch das Angenehmste, zu melden, sobald ich erkenne, daß es wider meine Pflicht, folglich dir mißfällig ist. Ach, könnte ich dich schon hier auf Erden so lieben, wie dich die seligen Geister und die Auserwählten im Himmel lieben! Diese Liebe gegen dich, o Gott! legt mir die unzertrennliche Pflicht auf, auch meinen Nächsten zu lieben. Ich bin bereit, demselben alles Gute zu thun, was ich kann, weil ich nur dadurch die Liebe gegen dich thätig beweisen kann. Die mich beleidigen, denen will ich gern verzeihen, will die Schwachheiten meiner Mitmenschen aus Liebe gelassen ertragen, wenn sie mir auch beschwerlich sind. Mein Gott, du unendliches, vollkommenstes Wesen, du bist aller Ehre, aller Liebe, alles Gehorsames würdig! Ich bin mir bewußt, daß ich sehr oft deinem Willen und deinem Gefeße zuwider ge 25 33handelt habe. Ich verabscheue und bereue meine Vergehungen, und bitte dich voll Demuth und Zer knirschung um Nachsicht und Verzeihung. Ich bin fest entschlossen, mit deiner Gnade, dich nimmermehr zu beleidigen. Stärke meinen Vorsak, daß er schon heute Ausübung werde! Gott! sey gepriesen für den herrlichen Trost, den mir der Glaube an Jesum gewährt; an ihn, den Überwinder des Todes, den Wiederhersteller der seligen Unsterblichkeit. Durch ihn und mit ihm kann ich die Schrecknisse des Todes überwinden. Dieser Trost sey mein Gefährte auf dem Wege meiner Pilgerschaft; er sey mir der stärkste Antrieb, die Bahn der Tugend nie zu verlassen, durch die treueste Nachfolge Jesu mich der Früchte seiner Erlösung würdig zu machen! O gib mir die Gnade, daß ich die irdische Lebenszeit weise benüße, und keine Stunde entfliehen lasse, in der ich nicht für meine ewige Wohlfahrt gearbeitet hätte! Amen. - Tisch gebethe. Vor dem Essen. Aller Augen warten auf dich, o Herr! Du gibst ihnen Speise zu seiner Zeit. Du thust deine milde Hand auf, und erfüllest Alles, was da lebet, mit Segen. 26 Zzz. Das Gebeth des Herrn. Der englische Gruß. Herr Gott, himmlischer Vater! segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner Güte zu uns nehmen werden, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. Nach dem Essen. Sen gelobt, Herr Gott, himmlischer Bater! der du unsere Leiber mit deinen Gaben gespeiset und ge= tränket hast; erfülle unsere Herzen mit deinen Gnaden, daß wir in allen guten Werken reichlich zunehmen, und vor deinem Angesichte nie zu Schanden werden! Das Gebeth des Herrn. Der englische Gruß. Wir danken dir, Herr, himmlischer Bater! durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, un seren Herrn, für alle deine Gaben und Wohlthaten, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Allen unsern Wohlthätern vergilt ihre Milde, o Herr, um deines heiligen Nahmens willen mit dem ewigen Leben, und allen christgläubigen Seelen verleihe die ewige Ruhe! Amen. ----333-333Abendandacht. „ Bleibe bey uns, denn es wird Abend, und der Tag hat sich schon geneiget." Luc. 24, 29. Der wahre Christ begibt sich niemahls zur Ruhe, ohne zuvor noch seine Gedanken gesammelt und im Gebethe zu Gott erhoben zu haben. Welcher nicht Univ. Bibl. Giessen * 27 33 ganz leichtsinnige Mensch kann sich am Abende folgender Vorstellungen erwehren: Wieder ist von meiner Lebenszeit Ein Tag dahin! So viele Augenblicke er hatte, um so viele Schritte bin ich der Ewigkeit näher gekommen! Vielleicht war es der letzte Tag, den ich zu leben hatte! Wer weiß, wird diese Ruhe, nach der sich meine müden Glieder sehnen, nicht der Anfang einer ewigen Ruhe seyn? Und, wenn dieses seyn sollte, was für ein Loos wartet meiner in der Ewigkeit? Was empfinde ich bey diesem Gedanken: Wie? wenn Gott meine Seele diese Nacht von mir forderte! Empfinde ich Hoffnung und Zuversicht, oder Furcht und Bangigkeit! Bin ich bereit, vor dem Weltrichter zu erscheinen? Gibt mir mein Gewissen eine trostvolle Antwort, oder erfüllt es mich mit traurigen ängstlichen Ahnungen?- Der Leichsinn kann solche Gedanken ausschlagen und von sich stoßen; er schmeichelt sich mit der so oft be= triegenden Hoffnung vieler künftigen Lebenstage. Aber lehrt nicht die Erfahrung, wie wenig oft auf die blühendste Gesundheit zu bauen sey! Ob ich morgen noch leben werde? Dieses beruht auf einem ungewissen Vielleicht! Und auf dieses Vielleicht sollte ich das Glück einer Ewigkeit ankommen laffen? Ich will nachdenken, wie ich den abgeschiedenen Tag zugebracht habe. Diese müssen die Gesinnungen des vernünftigen Christen seyn. - - - 28** Um diese Gesinnungen in dir recht lebhaft werden zu lassen: 1) Danke Gott für die empfangenen Wohlthaten. 2) Bitte Gott um Erleuchtung, daß du die Fehler, die du heute begangen hast, erkennen, bereuen und dich bessern mögest. 3) Erforsche dein Gewissen, d. i.: denke nach, wie du den Tag angewendet, was du in jeder Stunde gethan hast, was du hättest thun sollen, und wie du deine Handlungen hättest besser machen können. Vorzüglich erinnere dich, wie du deine am Morgen gefaßten Bor= fäße erfüllt hast. 4) Bereue deine erkannten Fehler und Untugenden. 5) Fasse auf's neue kräftige Vorsätze, dich zu bessern. Hierzu dienen folgende Gebethe: Abendgebethe. Großer Gott! ich danke dir von ganzem Herzen für alles Gute, welches du mir diesen Tag hindurch verliehen hast, für Nahrung, für Gesundheit und Kräfte, für deine heiligen Erleuchtungen und Tröstungen, für deinen Schutz und Schirm, und für alle anderen Gnaden, deren Zahl und Größe meine Erkenntniß übersteigen. Ich danke dir dafür durch Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn! Amen. Rising Allwissender Gott! der du auf meinen Wandel Acht hast, dem jede Absicht meiner Unternehmun= gen, der geheimsfte Gedanke meiner Seele, der lei ** 29 38seste Wunsch, die verborgenste Begierde meines Herz zens bekannt ist, du sahest es, ob ich diesen Tag gut oder böse zurück gelegt, durch Tugenden geheiliget, oder durch Sünden entehret habe: o, erleuchte meinen Verstand, daß ich ohne Selbsttäuschung und Schmeicheley erkenne, ob ich diesen Tag im Guten zugenommen habe, und von dem Wege der Pflicht und Gewissenhaftigkeit abgewichen sey, damit ich um so kräftiger angetrieben werde, an meiner Besserung und Vervollkommnung zu arbeiten! Mache mich besonders aufmerksam auf meine herrschenden Fehler, die, indem ich sie immer wieder begehe, mir so zur Gewohnheit werden können, daß sie endlich wahre Besserung gänzlich verhindern! ins Möchten sie doch mit jedem Abende die Vorwürfe über meine Lauigkeit und Trägheit im Guten, über so manche Pflichtversäumnisse vermindern! Möchte mir mein Gewissen das trostvolle Zeugniß geben: du hast heute einen Fehler gebessert, dem du schon so lange ergeben warst; eine böse Neigung besiegt, die dich schon so lange beherrschte; eine Tugend ausgeübt, die du schon so lange auszuüben versäumtest! Gott! mich zu bessern, dieses ist mein Wunsch am Schlusse des Tages. Ich will daher mein Betragen sorgfältig prüfen, damit ich wisse, was ich zu thun und zu bessern habe. Wohlan, wie habe ich mich heute verhalten? se 30 33Wie habe ich den Tag angefangen, und wie vollendet? War es nicht einer der verlornen Tage für die Ewigkeit? Könnte ich mit diesem Tage die ganze Reihe meiner Tage ruhig und freudig beschließen? Dachte ich an Gottes Allgegenwart? an sein heiliges Gesetz mit der Bereitwilligkeit, es gehorsam zu befolgen? Bethete ich, und, wie? Was habe ich meinem Gott zu Liebe gethan? Folgte ich seiner Stimme, so oft ich sie durch seinen Stellvertreter, durch mein Gewissen, hörte? DANA Was war der vorzüglichste Gegenstand meiner Gedanken und Wünsche? Dürfte ich sie öffentlich gestehen? Darf ich mich derselben vor Gott und meinem Gewissen nicht schämen? Habe ich meiner herrschenden Neigung und Gewohnheit Abbruch gethan? sie nicht durch Sünden, die ich so oft bereuet und wieder begangen habe, verstärkt? Habe ich heute kein Wort zu bereuen? War, was ich redete, liebreich, wohlwollend, erbaulich? War nie Bitterkeit, Haß, Rache, Verachtung, Schadenfreude, Argwohn in meinem Herzen und auf meinen Lippen? Bin ich jetzt davon frey? Habe ich niemand beleidiget, gekränkt, hintergangen verfolgt? Niemand verleumdet, nicht seine Fehler bereitet, aus Leichtsinn oder Bosheit ihm Fehler angedichtet? Oder habe ich das Unrecht, welches ich anderen zufügte, wieder gut gemacht? s 31 Bin ich bereit, es wieder gut zu machen, und wie? Habe ich Niemand zur Sünde gereizt? Nicht zur Sünde Veranlassung und Gelegenheit gegeben? Niemand durch mein Beyspiel geärgert? Wie verhielt ich mich gegen meine Vorgesetzten? gegen meine Untergebenen? gegen meine Hausgenossen und Angehörigen? gegen Arme und Nothleidende? Gegen die, die mir wohlwollen, und gegen diejenigen, die mich beleidigt haben? Was kann ich Gutes aufweisen, das ich gethan habe? Wie betrug ich mich in Freuden und Leiden? war ich in jenen mäßig, in diesen gelassen? Habe ich die Versuchungen zur Sünde überwunden? sie nicht selbst aufgesucht? mich vermessen in dieselben eingelassen, wider die Warnungen meines Gewissens? Wie habe ich die Pflichten meines Standes erfüllt? War ich arbeitsam, redlich in meinen Ges schäften pünctlich in Erfüllung meiner Obliegenheiten? Habe ich nicht auf den morgenden Tag aufgeschoben, was ich heute hätte verrichten sollen! war ich zufrieden mit meinem Stande, und that ich in demselben das Gute, was ich thun konnte, und sollte? Herrschen in meinem Hause Frömmigkeit, Ordnung, Tugend, Eintracht? Bin ich nicht Schuld, wenn diese darin nicht zu finden sind? Habe ich meine Vorfäße gehalten? Was war % 52 53 die Ursache, daß ich sie gebrochen habe? Was habe ich zu thun, daß ich sie künftighin unverbrüchlich halte! Bin ich mit dem heutigen Tage besser oder schlimmer geworden? Wäre ich bereit, wenn mich Gott in dieser Stunde zu sich, zur Rechenschaft über mein Leben, abriefe, seinem Rufe ohne Bangigkeit zu folgen? O, daß ich ohne Gewissensvorwürfe zurück denEen könnte auf den heutigen Tag! daß ich zu dir, heiliger Gott! ungeheuchelt sagen könnte: ich habe nicht Ursache, mein Betragen zu bereuen. Aber was würde es mir nüßen, verhehlete ich mir meine Vergehungen, da du Herz und Nieren prüfest? Ich will meine Sünden bekennen. Ich bin nicht werth, der Wohlthaten, die du mir erwiesen hast, und welche die Verschuldung meiner Undankbarkeit so sehr erhöhen. Doch du, o Vater, bist gnädig und barmherzig! Darum kehre ich mit Vertrauen zu dir zurück, Verzeihe, o gütiger Gott! Nimm den Reumüthigen in Gnaden auf, der es innig erkennet, wie groß sein Vergehen sey, wider dich, den liebenswürdigen Gott, das höchste Gut, gesündiget zu haben. Ich gelobe dir ernstliche Besserung. Noch gönnest du mir Zeit, auf dem Wege der Sünde umzukehren, und den Weg der Tugend zu betreten. Ich habe den Weg der Tugend heute wieder verlas 33 333sen; aber, o Gott! es ist mein ernstlicher Entschluß, wenn du mein Leben erhältst, mit dem Anbruche des morgenden Tages meinen Vorsatz zu erneuern, daß ich mein Verhalten nach der Vorschrift deines Gesetzes einrichten, folglich die heute begangenen Fehler ernstlich ablegen wolle. Im Vertrauen auf deinen mächtigen Beystand hoffe ich, daß mein Vorsatz nicht ohne Wirkung seyn wird. Ich bitte dich aber auch, o Gott! laß nicht zu, daß durch meine heute begangenen Fehler jemand Schaden leide. Habe ich jemand geärgert, o so tilge du aus seinem Herzen die Eindrücke des bösen Beyspieles! Ist Jemand durch mich beleidiget worden, so senke in sein Herz Gedanken der Versöhnlichkeit, und in meines die Entschlossenheit, das Unrecht wieder gut zu machen. Habe ich irgend eine Pflicht versäumt, so hemme die Folgen dieser Versäumniß; denn ich bin bereit, so gut ich kann, das Bernachlässigte wieder einzubringen. Bin ich heute im Guten noch lauer und träger geworden, so erwecke in mir den erloschenen Eifer, damit ich nicht mit jedem Tage unfähiger werde, ein tugendhaftes Leben zu führen. Ertheile auch, o Gott, deinen göttlichen Segen allen meinen Verwandten, Wohlthätern, Freunden und Feinden! sen mit deiner schüßenden Hand bey unserem Fürsten, unserem Lande und allen Einwoh nern desselben! Behüthe unsere geistliche und welt= 3 Ece 34 32liche Obrigkeit! Stehe den Armen, Gefangenen, Leidenden, Reisenden, Kranken und Sterbenden bey! Rette die unerfahrene Unschuld aus den Schlingen des Verführers! Verhindere die Unordnungen, zu welchen Leichtsinn, Ausgelassenheit, Leidenschaft die Nacht mißbrauchen! Führe die Sünder von den Wegen der Finsterniß auf die Bahn der Buße! Ver scheuche die Nacht des Irrthumes und des Unglaubens! Wenn vielleicht der heutige Tag der letzte meines Lebens wäre; wenn ich das letzte Mahl mein Abendgebeth vor dir ausgöffe: o mein Gott! so erbarme dich meiner! gib, daß der Tod, der so leicht wahr werden kann, mich reumüthig und gebessert finde, daß er Übergang sey in das ewige, glückselige Leben, welches du denen bereitet hast, die dich lieben. Amen. Seligste Jungfrau, heiliger Schußengel und alle lieben Heiligen, bittet für mich und alle Mens schen, daß Gott durch seinen Schutz diese Nacht, durch die ganze Zeit unseres Lebens, und in der Stunde des Absterbens über uns wache! alder 129 Gott der Barmherzigkeit! sey auch gnädig den abgestorbenen Gläubigen, die deiner Anschauung noch nicht genießen. Erhöre unser und ihr Gebeth! laß ihr Verlangen nach dir erfüllt werden, und führe alle, vorzüglich die, für welche ich zu bethen schuldig bin, in die ewige Ruhe und himmlische Freude! Amen. 35 333Gebeth für diejenigen, die sich am Abende das ungeheuchelte Zeugniß geben können, daß sie den am Morgen gefaßten Vorsatz, die Sünde zu meiden und tugendhaft zu leben, treu erfüllet haben. Gott! ich habe mich redlich geprüft. Mit kindlicher Freude darf ich zu dir, o Vater! sagen: ich bin mir heute keiner schweren Übertretung deiner Gebothe bewußt. O! es ist deine Gnade, der ich dieses frohe, mit keinem anderen Vergnügen zu vergleichende Bewußtseyn zu danken habe. Aber blendet mich nicht vielleicht die Eigenliebe? verhüllt sie mir nicht den wahren Zustand meiner Seele? Wie könnte ich vor dir, dem Allwissenden, heucheln, und nur dem leisesten Betruge der Eigenliebe Gehör geben? Du verwirfst ja selbst den Sünder nicht, der seine Vergehungen reumüthig bekennt, und sich zu bessern entschlossen ist! O dieses frohe Bewußt: seyn macht mich nicht stolz; es ist mit tiefer Beschämung vermischt, daß ich andere Tage so oft meine Vorsäße gebrochen habe, da doch deine Gnade mich, wie heute, warnte, leitete und unterstüßte. kann mich nicht stolz machen, da ich immer noch selbst in dem Guten, das ich mit deinem Beystande that, so manche Flecken und Unvollkommenheiten sehe, die mich erinnern, wie tief ich hätte fallenkönnen: würde mich nicht dein Schuß beschirmet ha3* - 36 3 ben; mich erinnern, nicht still zu stehen auf dem Wege der Tugend, sondern, im Vertrauen auf deine Huld und Güte, immer weiter zu schreiten. Dazu will ich auch die Freude den heutigen Tag nicht für die Ewigkeit verloren zu haben, benußen. Die Leidenschaft, die ich heute bekämpfte, will ich nie wieder aufkommen lassen; die Versuchung zur Sünde, die ich heute überwand, soll für mich stets Aufforderung zur Nüchternheit und Wachsamkeit seyn; das Gute, welches ich heute gethan habe, soll mich antreiben, auch künftighin keine Gelegenheit zu versäumen, so viel Gutes zu thun, als ich kann; die Kraft, die ich heute im Gebethe fühlte, soll mich in jedem Falle überzeugen, daß ich Alles durch dich vermag, der du mich stärkest. Verleihe mir, o Gott! die Gnade, daß ich diesen Dank, den ich jetzt für deine Obhuth dir darbringe, jeden Abend, und zwar immer reiner, immer mehr befreyet von dem gering= sten Vorwurfe des Mißbrauches oder des Nichtgebrauches deiner Gnade dir leisten, könne. Laß dann alle Tage meines Lebens in Unschuld und Tugend dahin fließen, damit am Ende desselben der Rückblick auf meinen Wandel mir Trost und Beruhigung, und die Aussicht auf eine glückselige Ewigkeit gewähre, wo ich erst recht im Stande seyn werde, dir einen ganz reinen Dank für deine Batergüte zu bringen! Amen. တည်မည် *** 37 3833ECE- C6333 22.22.22-32-23. Meßgebethe. Vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange ist mein Nahme groß unter den Heiden, und an allen Orten wird meinem Nahmen Opfer gebracht, und ein reines Opfer geopfert; denn mein Nahme ist groß unter den Heiden, spricht der Herr der Heerschaaren." Malach. 1., 11. Jesus Christus hat sich seinem himmlischen Bater für uns am Kreuze aufgeopfert, er hat durch sein vergoffenes Blut und durch seinen Tod uns mit dem Vater verföhnet. Um ein immerwährendes Denkmah[ dieser großen Liebe zu stiften, nahm er bey dem leßten Abendmahle, welches er am Abende vor seinem Leiden mit seinen Jüngern genoß, das Brot, dankte, brach es, gab es ihnen und sprach: ,, Dieses ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dieses thuet zu meinem Gedächtnisse." So nahm er auch den Kelch, und sprach: ,, Dieses ist der Kelch des neuen Testamentes in meinem Blute, das für euch wird vergossen werden." Luc. 22, 19. 20. Dieser Befehl unseres Heilandes: ,, das thuet zu meinem Gedächtnisse," wird in der heiligen Mes se befolgt. Das große Opfer, welches er am Kreuze 38 3 vollbrachte, bleibt durch diese heilige Handlung in ewigem Andenken, und wird erneuert. Der Priester segnet, wie Christus gethan hat, Brot und Wein; und da er die Worte darüber spricht, die Jesus gesprochen hatte, werden Brot und Wein, wie bey dem letzten Abendmahle, in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. Wir denken dabey ehrfurchtsvoll an unseren Erlöser, der für uns sein Leben aufgeopfert hat; lernen aus der Größe seines Opfers seine Liebe erkennen, und den Glauben schätzen, den er mit seinem Blute versiegelt hatte. Wir feyern den neuen Bund der Gnade, der Kindschaft Gottes. Wir erinnern uns an die Pflichten, die uns, als seinen Erlösten, obliegen, und freuen uns der Hoffnungen, die uns seine Erlösung gewährt. Theilnehmend an dem Opfer durch die Communion, stärken wir uns zur Tugend, zu neuem Eifer für Frömmigkeit und Heiligkeit, und schließen unter einander den Bund der wechselseitigen, christlichen Liebe. Man sieht hieraus, wie heilig diese Handlung sey, folglich wie ehrerbiethig man derselben beywohnen solle. Das Opfer der heiligen Messe, in welchem Jesus Christus seinem himmlischen Vater dargebracht wird, ist zwar ein unblutiges Opfer, weil das Blut des Erlösers nicht, wie am Kreuze, vergoffen wird; es ist aber dasselbe Opfer, weil auf 39***unseren Altären, wie am Kreuze, der nähmliche Leib, das nähmliche Blut Jesu Christi dem himmlischen Vater geopfert wird. Der Priester, welcher diese helige Handlung verrichtet, bringt dieses Opfer niot bloß für sich, sondern auch für das beywohnende Volk dar. Es ist sowohl das Opfer des Volkes, als des Priesters. Daher spricht dieser, da er sich nach der Opferung zu dem Volke wendet:„ Bethet, Brüder! damit mein und euer Opfer dem allméchtigen Bater wohlgefällig werde." Wohne demnach, wenn nicht keinen Aufschub leitende Berufsgeschäfte oder Werke der Nächstenliebe dich abhalten, diesem heiligen Opfer täglich ben, aber mit möglichster Andacht und Ehrerbiethung. Erinnere dich, unter Anbethung der Liebe Gottes, dankbar des Todes Jesu. Erkenne die Größe deiner Sünden, da nur der Tod des eingebornen Sohn's Gottes die Versöhnung stiften konnte. Be= reue si. Bitte den Erlöser um Verzeihung deiner Missethaten, und um die Gnade der Besserung und Lebensänderung. Danke Gott für alle seine Wohl= thaten, besonders für die Wohlthat der Erlösung. Trage ihn voll Vertrauen dein Anliegen vor. Empfiehl ihm die Wohlfahrt der Kirche, des Staates und deiner Mitmenschen. Erinnere dich daben auch der Abgestorbenen. Genieße den Leib des Herrn mit dem Priester, ** 40 333oder denke wenigstens nach, was du zu thun habest, um dich zu dessen Genusse würdig vorzubereiten. Dieses ist noch zu bemerken, daß es zweckwidug sey, wenn man nur eine heilige Messe hört, unter derselben sich anderer Gebethe zu bedienen, als volcher, die auf dieses heilige Opfer Bezug haben; und daß es unumgänglich nothwendig sey, auf die Haupttheile: auf die Opferung, die Wardlung und Communion, Acht zu haben. Wer aus Leichtsinn, freywilliger Zerstreuung und Ge= dankenlosigkeit auf diese Haupttheile mit Andacht, mit ehrerbiethigem Nachdenken, was daben geschieht, nicht merkt, der hat keine heilige Messe gehört, wenn er auch dabey gegenwärtig war. Gebeth vor der heiligen Messe. O unendlich großer Gott! ich erscheine ver deinem Altare, um dem heiligen Opfer beyzuwehnen, welches allein deiner unendlichen Majestät würdig. ist, weil es dein eingeborner Sohn selbst is, wel cher da geopfert wird. In Vereinigung also der vollkommensten Meinung, mit welcher sich dein geliebter Sohn zu einem Opfer für uns dargegeben hat, opfere ich dir diese heilige Messe auf: zur An= bethung und Verherrlichung deines heiligsten Nahmens, zur Danksagung für alle mir erzeigten Wohlthaten, zur Genugthuung für meine begangenen 41 33 Sünden und zur Erlangung der nothwendigen Gnade des Heiles. Ich bitte dich, laß dir auch diejenigen empfohlen seyn, für welche ich zu bethen schuldig bin, besonders diese Lebendigen N. und diese Abgestorbenen N.- Bereite sodann mein Herz, reinige meinen Geist, heilige meine Seele, lösche meine Sünden aus, damit ich bey diesem heiligen Opfer zu deiner Ehre und zum Nußen meiner Seele gegenwärtig sey. Was würde es mir helfen, wenn ich dich, o Gott! nur mit den Lippen ehrte, und mein Herz bliebe fern von dir? Die Heiligkeit des Ortes, das Gefühl deiner Gegenwart, die Erhabenheit der heiligen Handlung, der Eifer, dir mit ganzer Seele zu dienen, entflamme mich, mache mich gleichgültig gegen alle äußern Eindrücke der Zerstreuung, damit mein. Geist sich bloß mit dir beschäftige, und von dem Ausfluffe deines Gegens seinen Theil empfange. Amen. Das Bekenntniß der Sünden: s Confiteor. In Demuth werfe ich mich vor dir nieder, o Gott! voll Scham und Reue bekenne ich meine Sünden. Du bist meine Hoffnung und Zuversicht; du wirst mir, denn ernstlich ist mein Vorsag der Besserung, verzeihen, mich nicht von deinem Angesichte verwerfen! Deine Huld und Gnade ist größer, als meine Strafwürdigkeit. Reiche mir deine - 42 33 Baterhand, daß ich von meinen Vergebungen aufstehe, und künftig auf dem Wege deines heiligen Gefeßes wandle! Boll Vertrauen rufe ich sodann zu dir: Erbarme dich meiner nach deiner unendlichen Barmherzigkeit! Jesu, der du dich, um Sünder zu retten und selig zu machen, zu einem freywilligen Opfer hingabst, erbarme dich meiner! Der allmächtige, ewige, gütige Gott erbarme sich unser Aller, die wir hier, durchdrungen von dem Gefühle unserer großen Verschuldung, um Gnade flehen; er vergebe uns unsere Sünden, und führe uns zum ewigen Leben. Amen. 3um Gloria. Ehre sey Gott in der Höhe, und auf Erde Friede den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben dich! wir benedeyen dich! wir bethen dich an! wir preisen dich! wir danken dir wegen deiner großen Herrlichkeit! Herr Gott, himmlischer König! Gott, allmächtiger Vater! Herr Jesu Christe, du eingeborner Sohn! Herr Gott, du Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! der du hinweg nimmst die Sünden der Welt, nimm an unser Gebeth! der du sißest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! denn du allein bist heilig, du allein bist der Herr, du allein bist der Allerhöchste, - 43 3833Jesu Christe, mit dem heiligen Geiste, in der Herr lichkeit Gottes des Vaters. Amen. Collecte oder Kirchengebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! erhöre gnädig das Gebeth deines Dieners: des Priesters, welcher für das Heil deines Volkes dich anruft, und verleihe uns Allen die Gnade, daß wir dasjenige, was wir mit Vertrauen zu unserer wahren Wohlfahrt begehren, von dir, der du die Liebe bist, erlangen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, welcher mit dir, in Einigkeit des heiligen Geistes, wahrer Gott, lebt und regieret in Ewigkeit. Amen. Bo 3ur Epistel. Lob, Dank und Preis sey dir, unendlich gütiger Gott! daß du mich vor so Vielen, welchen deine heilige Religion und dein heiliges Gesetz verborgen sind, zur Erkenntniß des wahren Glaubens berufen hast. Ich unterwerfe mich den Lehren, Vorschriften und Forderungen desselben, mit geborsamer Bereitwilligkeit. Alles, was deine Propheten von dem göttlichen Erlöser und seiner Kirche vorher ge= sagt haben, ist erfüllet. Die Apostel haben für ihn und seine Lehre ihr Leben aufgeopfert. Dieses befestiget meine Überzeugung von der Wahrheit der Lehre Jesu und von den Vorzügen seiner Kirche. Ja, o Gott, ich nehme voll Achtung und Ehrfurcht den Unterricht an, den du mir durch die Kirche gibst. * 44 33Verleihe mir die Gnade, daß ich darnach auch meinen Lebenswandel einrichte. Amen. 3um Evangelium. * Göttlicher Heiland! wie groß ist deine Huld und Gnade, daß du selbst unser Lehrer seyn und vom Himmel zu uns herab kommen wolltest, um uns durch das wohthätige Licht des Evangeliums zu erleuchten! Die Religion, die du das Menschengeschlecht lehrtest, ist das kostbarste Geschenk, das wir von dir erhalten konnten. Tausend und tausend Menschen sind durch deine Lehre zur Wahrheit, zur Tugend, zur Glückseligkeit gelangt. Wie glücklich bin ich, daß auch ich in die Zahl derjenigen ge= höre, die du zur Erkenntniß der Wahrheit, zur Ausübung reiner Tugend, zum Genusse einer Glückfeligkeit, die eben so lauter, als ewig ist, berus fen hast! Laß mich die Wahrheit, die du geprediget hast, willig und ehrfurchtsvoll anhören, die Tugend, die dein Evangelium fordert, standhaft auszuüben, und der Glückseligkeit immer würdiger werden. Ber= leihe mir die Gnade, daß ich mich des Evangeliums nie schäme! Mag der Spötter oder der Zweifler noch so viele Schwierigkeiten und Einwendungen dage-= gen erfinden; seinen Spott und seine Einwürfe will ich, mit deinem Beystande, durch einen Lebenswan= del widerlegen, der es beweiset, daß eine Lehre, welche die Menschen gut und tugendhaft macht, **** 45***von dir, o Gott! kommen, und zu dir führen müsse. Befestige mich also im Glauben, und laß deine Religion, zum Glücke der Menschen, immer mehr in der Welt verbreitet werden! Amen. Das Glaubensbekenntniß, wie es der Priester bethet. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, der aus dem Vater von Ewigkeit geboren ist: Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, geboren, nicht erschaffen, Einer Wesenheit mit dem Vater, durch welchen Alles erschaffen ist. Der uns Menschen zu Liebe, und um unseres Heiles willen, vom Himmel herab gestiegen ist, und durch den heiligen Geist aus der Jungfrau Maria Fleisch an sich genommen hat, und Mensch geworden ist. Der auch für uns gekreuziget wurde, unter Pontius Pilatus gelitten hat, und begraben worden ist. Und er ist wieder auferstanden am dritten Tage von den Todten nach der Schrift, und ist aufgefahren gegen Himmel, und sißest zur rechten Hand des Vaters, und wird wieder mit Herrlichkeit kommen, zu richten die Lebendigen und die Todten; seines Reiches wird kein Ende seyn. Ich glaube an den heiligen Geist, den Herrn, und - 46 33der lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebethet und geehrt wird, der durch die Propheten geredet hat. Ich glaube auch an eine heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und das Leben der zukünftigen Welt. Amen. to 3um Offertorium. Heiliger, ewiger Gott! ob ich gleich unwürdig bin, vor dir zu erscheinen, so darf ich doch, voll Vertrauen auf deine Huld und Gnade, mich dir nahen, und das Andenken des größten Beweises deiner Liebe, die Aufopferung deines Sohnes, feyern. Wir bringen dir in dieser Absicht durch die Hand des Priesters Brot und Wein zum Opfer dar. Erneuert soll dadurch das Opfer werden, welches Jefus für unsere Sünden am Kreuze dem Vater dargebracht hatte. Wie kann ich dir dafür anders danken, als daß auch ich mich, alle meine Fähigkeiten und Kräfte, meine Neigungen und Triebe, dir aufopfere? Ja, dir soll mein ganzes Leben geheiliget seyn. Gedenke, o Gott! meiner Sünden nicht, sondern sieh auf meinen ernstlichen Vorsatz, dir künftig durch Gehorsam aus Liebe treu zu bleiben. O, daß Lichtsinn und Verführung mich nie verleiten, zu verleßen und zu brechen, was ich dir jetzt so hei 47 33lig verheiße! Laß dir auch, o Gott! meine Mitchristen empfohlen seyn, die entweder noch leben oder schon verstorben sind. Erbarme dich derjenigen, die gesündiget haben! Führe diejenigen auf den Weg der Buße zurück, die geneigt sind, in Sünden zu verharren! Stärke die Tugendhaften, daß sie nie von dir weichen! Laß alle Menschen die Wahrheit erkennen, und darnach leben, damit Ein Hirt und Eine Herde werde! Ich bitte dich darum voll Zuversicht, durch Christum, unseren Herrn. Amen. Wenn der Priester sich zum Volke wendet, und spricht: Bethet, Brüder! so verlangt er, daß alle Anwesenden bethen sollen, damit Gott das Opfer gnädig aufnehmen wolle. Antworte sodann in der Stille wie folgt: Der Herr wolle dieses Opfer von deinen Häncen zum Lobe und zur Verherrlichung seines Nahmens aufnehmen, wie auch zu unserem Nußen und zum Segen seiner ganzen heiligen Kirche! Zur Präfation. Erfüllet werde meine Seele von heiligen Empfindungen der Andacht, daß ich mich über alles Jrdische empor schwinge zu dir, o Gott! und in die Gesellschaft der seligen Geister, die dich unaufhörlich loben. Du höreft das Stammeln deines schwachen Kindes mit gleichem Wohlgefallen, wie die Lobgefänge der Engel. Darum babe ich das Vertrauen, 48 333daß du meine ehrfurchtsvolle Unbethung gnädig aufnehmen wirst. Ja, es ist recht und billig, daß wir dir ohne Unterlaß und an allen Orten Dank sagen, heiliger Herr! allmächtiger Bater, ewiger Gott, durch Christum, unseren Herrn! Durch ihn loben die Engel deine Majestät; durch ihn verherrlichen dich mit tief ster Ehrerbiethung alle himmlischen Kräfte. Die Seraphim preisen dich, und stimmen in das allgemeine Frohlocken ein. Erlaube auch uns fündigen Geschöpfen, daß wir mit diesen himmlischen Geistern un seren Lobgesang vereinigen, und voll Demuth und Ehrfurcht rufen dürfen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Gebenedeyet sey, der da kommt im Nahmen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Canon oder stille Gebethe. Vor der Wandlung. Sie enthalten beyn ahe dieselben Worte, die der Priester bethet. Wir bitten dich ehrfurchtsvoll, huldreichster Vater! durch Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, daß du dieses heilige, unbefleckte Opfer genehmigest und fegnest, welches wir für deine heilige, katholische Kirche darbringen, damit du dieselbe - 49 333mit dem Frieden beschenken, beschüßen, rein erhalten, und in der ganzen Welt regieren wollest, wie auch deinen Diener unseren Papst, unseren LandesHerrn, und alle rechtgläubigen katholischen Christen. Erinnere dich, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N. und aller hier Gegenwärtigen, die dieses Opfer dir, dem ewigen, wahren und lebendigen Gott, für sich und die Ihrigen darbringen. Wir ehren das Andenken der gebenedenten Jungfrau und Gottesgebärerinn Mariä, wie auch deiner heiligen Apostel und Märtyrer, und aller deiner Heiligen. Sieh auf ihre Verdienste und auf ihre Fürbitte, und laß uns allezeit von dir Hülfe und Schuß erlangen, durch eben denselben Christum, unseren Herrn. Amen. dair bitten dich, o Herr! du wollest dieses Opfer deines Volkes gnádig annehmen, unseren Zeiten den Frieden schenken, und uns vor der ewigen Verdammniß bewahren, und deinen Auserwählten zugesellen, durch Christum, unseren Herrn. Amen. Zur Wandlung. Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch! ich glaube, daß du hier gegenwärtig bist. Ich bethe dich voll Demuth, Ehrfurcht und kindlicher Liebe an. Sen mir gnädig, verzeihe mir meine Sünden, und eigne mir, durch dieses Opfer, die Verdienste deines Leidens und Sterbens zu! - 50- Herr Jesu Christe! der du mich mit deinem Blute erlöset hast, ich hoffe zuversichtlich, daß du es für mich nicht unnüß vergossen hast. Reinige meine Seele von allen Sünden, damit ich künftighin heilig lebe, und bis an das Ende im Guten standhaft verharre! Amen. Nach der Wandlung. Wir erinnern uns, o Herr! des Leidens und Sterbens Jesu Christi, deines Sohnes, unseres Herrn, wie auch seiner Auferstehung von den Todten und seiner glorreichen Himmelfahrt, und bringen deiner Majestät von deinen Gaben ein reines, heiliges, unbeflecktes Opfer: das heilige Brot des Lebens und den Kelch des ewigen Heiles. Sieh dieses Opfer mit gnädigen Augen an, und laß es dir wohlgefällig seyn, wie dir die Gaben deines Knechtes, des gerechten Abel, und das Opfer unseres Erzvaters Abraham, und dasjenige heilige, unbefleckte Opfer, welches dein hoher Priester Melchisedech dir dargebracht hatte, wohlgefällig waren. Wir bitten dich demüthigst, allmächtiger Gott! laß diese Gaben durch deine heiligen Engel auf deinem erhabenen Altare vor die Augen deiner göttlichen Majestät bringen, auf daß wir Alle, welche von diesem Altare den hochheiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, mit dem himmlischen * 51 gnadenvollen Segen erfüllet werden, durch denselben Christum, unseren Herrn. Amen. Erinnere dich auch, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N., welche mit dem Zeichen des Glaubens vor uns von der Welt abgeschieden sind, und im Frieden ruhen. Wir bitten dich, o Herr! verleihe, daß sie und Alle, die in Christo ruhen, an den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens gelangen, durch denselben Christum, unseren Herrn. Amen. Verleihe auch uns Sündern, deinen Knechten, die wir auf die Menge deiner Erbarmnisse unsere Hoffnung seßen, einen Theil an der Gesellschaft mit deinen heiligen Aposteln und Märtyrern, und allen deinen Heiligen. Sich nicht auf unsere Un= würdigkeit, sondern handle nach der Milde deiner Gnade, durch Christum, unseren Herrn. Durch ihn, und mit ihm und in ihm sey dir, Gott, allmächtiger Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, alle Ehre und Herrlichkeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Kurze Umschreibung des Gebethes des Herrn. Aufgemuntert durch heilsame Befehle, und gebildet durch den göttlichen Unterricht, dürfen wir voll Zuversicht sagen: 4077 Vater unser, der du bist in dem Himmel. Welch ein Glück für uns Sterbliche! 4 52 33Wir dürfen dich, o Gott! Vater nennen. Wir sind also deine Kinder. Der Himmel, die Wohnung deiner Herrlichkeit, soll einst unser Erbtheil seyn! Geheiliget werdedein Nahme. Möchten doch alle Menschen, deine Kinder, dich immer mehr erkennen, kindlicher verehren und thätiger lieben! s 3 ukomme uns dein Reich. Breite dein Reich, das Reich der Gnade, der Religion, der Wahrheit und Tugend, immer weiter aus. Führe alle Menschen zu deiner Erkenntniß und zur Seligkeit. sid Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erde! Mit Demuth wollen wir uns deinen heiligen Anordnungen unterwerfen, dir so willig und pünctlich gehorchen wie die höheren Geister, die Engel. Unser tägliches Brot gib uns heute. Gib uns, was wir täglich bedürfen, Beydes, was den Körper und die Seele nährt: Brot und Kraft zum Guten. Bewahre uns vor Theurung und drückenden Nahrungssorgen, und vor dem Verluste deiner Gnade, die wir zur Erhaltung des sittlichen Lebens der Seele nothwendig haben! Und vergib uns unsere Schulden, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Verzeihe, wenn wir fehlen, und uns gegen dich **** 53 33zverfündigen, wie auch wir unseren Beleidigern von Herzen verzeihen! BOOG mahalin Und führe uns nicht in Versuchung. Stärke uns in der Nähe einer gefährlichen Reizung und Versuchung zur Sünde! Laß sie nie so mächtig werden, daß wir, verführt zum Bösen, derselben unterliegen! Sondern erlöse uns von dem Ubel. Rette uns von dem Übel, vorzüglich von dem einzigen wahren und größten Übel: der Sünde, die unausbleiblich Elend und Verderben nach sich zieht! Alles andere Übel: Krankheit, Trübsal, Unglück, hilf uns christlich, mit Vertrauen auf deinen Beystand, zum ewigen Leben verdienstlich tragen; denn dadurch hört es auf, Übel zu seyn, und wirkt unsere wahre Wohlfahrt. Amen. Es geschehe, was wir dich voll Zuversicht bitten. 184 Nach dem Vater unser. Wir bitten dich, o Herr! befreye uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Übeln, und verleihe gnädig, auf die Fürbitte der feligen Jungfrau und Gottesgebärerinn Maria, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, Andreas und aller Heiligen, unseren Zeiten den Frieden, daß wir, durch die Hülfe deiner Barmherzigkeit unterstüßt, von aller Sünde befreyet, und von al - 54- ler Verwirrung sicher bleiben, durch denselben Jefum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir lebet und regieret, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3um Agnus Dei. Schuldlos und geduldig, wie ein Lamm auf der Schlachtbank, trägst du die Sündenlast der Welt, göttlicher Erlöser! Von denen, die du liebtest, wurdest du zum Tode des Kreuzes verurtheilt. O du, der du so viel für uns thatest, littest, aufopfertest, selbst deinen Feinden die großmüthigste Verzeihung angedeihen ließest: erbarme dich auch unser, die wir unsere Sünden erkennen, bereuen, und unser Leben zu bessern entschlossen sind! Gib uns den Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, den Frieden, welcher aus der Zuversicht auf deine Gnade, aus der Ruhe des Gewissens, aus den Freuden der Frömmigkeit und Tugend entspringt. Amen. 3ur Communion des Priesters. Jesu! ich bin nicht würdig, dich, meinen Herrn und Erlöser, zu empfangen. Das Bewußtseyn meiner Fehler und Vergebungen legt mir die Pflicht auf, mich des großen Glückes dein Fleisch und Blut zu genießen, erst durch Buße und Bes serung empfänglich zu machen. Berleihe du mir die 55 Gnade der Reinigkeit des Herzens, und diejeni gen Tugenden, welche, als Vorbereitung zu einer nürdigen Communion, erforderlich sind! Heilige meine Seele, reinige mein Herz von allen Sünden und bösen Neigungen, die ich aus allen Kräf= tin verabscheue! Stärke meinen Glauben, unterfüße meine Hoffnung, entzünde meine Liebe! gib, daß ich ganz und gar dein sey, nichts thue, rede und denke, als was dir wohlgefällig ist, was deiren heiligen Nahmen verherrlichet, meinen Nächsen erbauet, und mein ewiges Heil befördert. Amen. Nach der Communion des Priesters. Herr Jesu! ich danke dir innigst für alle Gnader und Wohlthaten, vorzüglich aber für die unaussprechliche Wohlthat der Erlösung und der göttlichen Liebe, welche dich bewog, uns schwache Menscher durch den Genuß deines Fleisches und Blutes zum ewigen Leben zu stärken. Laß mich stets so wandeln, wie es denjenigen geziemt, die du durch dein Leiden und Sterben als deine Angehörigen erworben, und denen du dich selbst, als ein Unterpfand der ewigen Seligkeit, dargegeben hast. Bekbe mich mit Kraft zur Erfüllung meiner Pflichten, zur Thätigkeit für alles Gute, zum Kampfe wider die Sünde! Vereinige mich ganz mit dir! Nichts soll mich von deiner Liebe scheiden! Amen. - 56- 3um Segen des Priesters. Erfülle, himmlischer Bater! die frommen Wünsche und den Gegen des Priesters. Laß die guten Gesinnungen und Entschließungen, von welchen ic in dieser dir geheiligten Stunde durchdrungen wor den bin, zur thätigen Ausübung gedeihen! Ohne deinen väterlichen Beystand vermag ich weder das ernstliche Wollen noch das entschlossene Vollbrin gen. Segne meine heutigen Berufsgeschäfte! Laß sie reich an heilsamen Folgen der nüglichen tu gendhaften Thätigkeit für mich und meine Nebenmenschen werden! Nimm meine Angehörigen und alle Menschen in deinen Schuß! Deine Gnade weiche nie von uns! Führe uns alle auf dem Weçe des Glaubens und der Tugend zu dem Ziele une= rer irdischen Wallfahrt, zu dir, o Gott! Amen. - Das Evangelium Johannis. Im Anfange war das Wort, und das Wort war bey Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfange bey Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts ges macht, was gemacht ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschm. Und das Licht leuchtet in der Finsterniß, und die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesendet: dieser hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnisse, daß er Zeugniß gabe von dem - 57- Lichte, auf daß sie Alle durch ihn glaubten. Er war nicht selbst das Licht, sondern daß er von dem Lichte Zeugniß gäbe. Es war ein wahrhaftiges Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht worden; und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum; und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, welche an seinen Nahmen glauben; welche nicht aus dem Geblüte, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Wil-len des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet. Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen; eine Herrlichkeit, als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. Gott sen Dank! Erklärung dieses Evangeliums. Es handelt von der Gottheit Jesu Christi, unseres Herrn. Denn vom Anfange, das ist: vor Erschaffung der Welt, von Ewigkeit war Jesus( das Wort) der Eingeborne, das Ebenbild des Vaters. Er war nicht nur vor seiner Erscheinung auf Erden, sondern vor allen Zeiten bey Gott. Ja er war, im eigentlichen Verstande selbst Gott. Himmel und Erde, die Geisterund Körperwelt sind durch ihn erschaffen worden. In dem Sohne Gottes war das Leben; und er theilte Licht ૪૯58 3 und Leben mit, das ist: wahre Weisheit, und Erkenntniß und Heiligkeit, und das daraus fließende rechte Leben. Seine Lehre erleuchtete die unwissende und sündhafte Welt, aber die von Finsterniß umhüllten Menschen schlossen ihre Augen vor dem Lichte. Johannes der Täufer, den Gott sendete, zeugete, daß Jesus jenes vorzügliche Licht, folglich der Messias sey, damit Alle auf sein Zeugniß an Jesum, als den Messias, glaubten. Johannes war nicht selbst das Licht, sondern nur der Vorbothe desselben, indem er eine Zeit eher, als Jesus, predigte, und das Naheseyn des Messias verkündigte. Dieses Licht ist Weisheit und Wahrheit, die jedem Menschen zeigt, was er glauben, thun und meiden soll. Jesus lebte unter den Menschen; aber obgleich die Welt sein Werk ist, so hat sie ihn doch nicht erkannt. Er trat unter den Ifraeliten, als dem eigenthümlichen Volke Gottes, auf; aber der größte Theil derselben verwarf seinen Retter. Die ihn aber als ihren Messias aufnahmen, denen gab er das Recht Kinder Gottes zu seyn, folglich das Recht der himmlis schen Erbschaft. Dieses Recht, ein Kind Gottes zu werden, gründet sich allein auf die Kraft und Gnade Gottes, wodurch die neue Geburt zum ewigen Leben bewirkt wird; nicht aber auf die leibliche Abstammung von den Patriarchen, wie sich die Juden einbilden. Und das Wort: diese göttliche Person, hat die menschliche Natur angenommen, und wandelte unter uns. Wir Apostel haben an ihm ( an Jesu) vorzüglich bey seiner Verklärung auf dem Berge Tabor, eine Herrlichkeit und Majestät gesehen, die uns überzeugt, daß er der Eingeborne des Vaters und die wahre unerschöpfliche Quelle des Heiles ſey. **** 59 3833-3-3-33 d Erklärende Unweisung für diejenigen, welche fähig sind, durch eigene Betrachtungen, bey der heiligen Messe sich andächtig zu beschäftigen. 1) Am Fuße des Altares bethet der Priester den zwey und vierzigsten Psalm, welcher die rührendsten Ergießungen der kindlichsten Sehnsucht nach Gott, des zuversichtlichsten Vertrauens auf ihn enthält. Darauf folgt das Bekenntniß der Sünden, mit wiederhohlter Bitte zu Gott um Gnade und Verzeihung durch Christum. Welch ein Glück! du darfst dich, o Christ! voll Zuversicht Gott nähern, vor Gott dein Herz ausgießen. Keine knechtische Furcht darf dich zurück halten. Zwar ist Gott der Allerheiligste, du bist ein Sünder. Aber er nimmt dich gnädig auf, wenn du deine Vergehungen bereuest, und dein Leben bessern willst; er hört mit Batergüte auf dein demuthvolles Rufen: Herr, erbarme dich meis ner! Verzeihen will dir Gott. Er ist bereit, dem Bußfertigen Gnade, dem Schwachen Kraft und Stärke zu verleihen. Betrachte diese Wahrheiten - 60 z mit stiller Aufmerksamkeit, und laß sie ganz dein Herz durchdringen. 2) Gloria; der Lobgefang der Engel bey der Geburt Jesu: ,, Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines gu ten Willens sind!" Preise Gott für die Wohlthat der Menschwerdung und Ankunft Jesu. Preise dich glücklich, daß du sein Schüler, sein Erlöster, sein Eigenthum bist. Auch für dich lebte er, starb er, stand er auf von den Todten; auch dir bereitete er eine Wohnung in dem Reiche seines Vaters. Freue dich, daß du, von ihm belehret, durch ihn begnadiget, den Weg des Heiles und die Mittel zur Geligkeit kennest. Anbethung, Dank, Bertrauen, Bereitwilligkeit, dich ganz Jesu zu ergeben, müssen sich deiner Seele bemächtigen. 3) Collecte; das Kirchengebeth. Es heißt Collecte oder Sammlung, weil der Priester im Nahmen des Volkes bethet, dessen Gebethe gleichsam sammelt, und sie unserem allgemeinen Bater vorträgt. Trage hier Gott deine Anliegen und Be= dürfnisse vor. Die Gebethe der Kirche sind kurz und salbungsvoll. Auch dein Gebeth, wenn es auf Wahrheit und kindliches Vertrauen gegründet ist, wird Gott erhören, sollte es auch nur wenige Ge danken und Worte enthalten. Die Kirchengebethe haben alle den Schluß: durch Christum, unfern * 61 33. Herrn u. f. f. Eine Belehrung für uns, daß wir in seinem Nahmen bethen sollen, das ist: im Vertrauen auf ihn, mit solchen Gesinnungen, mit welchen er bethen lehrte, und welchen er die Erhörung zugesichert hat. Wohl uns, wir haben einen Fürsprecher bey dem Vater, unseren Mittler und Freund. Wird Gott durch ihn uns nicht das gewähren, was uns wahrhaft nüßlich und heilsam ist? 4) Die Epistel; gewöhnlich ein Stück aus dem alten Testamente oder aus einem Sendschreiben der Apostel an die ersten Christen 2c. Danke Gott für die Wohlthat des Unterrichtes im Glauben. Lerne aber auch, daß man unmöglich im Geiste Jesu bethen könne, wenn man seine Lehre nicht recht kennet. Mache sie also zum öfteren Gegenstande deines lernbegierigen Nachdenkens und deiner stillen Betrachtung. 5) Das Evangelium; ein Theil der Geschichte Jesu, worüber auch geprediget wird. Der Sohn Gottes ist selbst dein Lehrer; nicht dem Irrthume unterworfene Menschen sind es; Er dein Vorbild, du ahmest also das Beyspiel der reinsten. vollkommensten Tugend nach. Bedenke, was du ohne das Licht des Evangeliums wärest: unwissend in den wichtigsten Dingen des Heiles, unbekannt mit den Wahrheiten, von deren Erkenntniß 62 33und Befolgung deine Tugend und deine Seligkeit abhängen. Dich ganz nach den Grundsäßen des Evangeliums zu bilden sey dein Borsag, dein Bestreben. dber det tids! Wir stehen bey Ablesung des Evangeliums auf: zum Zeichen unserer Bereitwilligkeit, die Lehre Jesu zu bekennen, und darnach zu leben; sollte es uns auch die größte Aufopferung, und selbst die Aufopferung des Lebens kosten. 6) Credo; das Glaubensbekenntniß enthält die wesentlichsten Wahrheiten der christlichen Religion. Aber nur dann macht der Glaube felig, wenn er durch gute Werke lebendig ist. Ein todter Glaube, der im bloßen Fürwahrhalten bestände, woben der Lebenswandel dem Bekenntnisse widerspricht, wäre eitel. Soll das Glaubensbekenntniß aufrichtig seyn, so muß es durch ein christliches Leben bewährt und bestätiget werden. Nur dann ist es Wirkung der innigsten Überzeugung, nicht bloßes Hersagen der Glaubensformel. Ist dein Glaube so beschaffen? Soll er nicht so beschaffen seyn? Denke hierüber ernstlich nach. a 7) Offertorium. Brot und Wein werden von dem Priester Gott zum Opfer dargebracht. Sie sind bestimmt, nach der Anordnung Jesu, die Alufopferung seines Lebens am Kreuze für die Ere lösung der Welt zu erneuern und zu vergegenwär 63 3. tigen. Dieses Opfer erinnert dich, o Christ! daß du dich Gott, durch ein ihm geheiligtes Leben, zum wohlgefälligen Opfer darbringen sollst. Ohne dieses Opfer ist dein Gottesdienst eitel. Ein reines, tugendhaftes, frommes, Gott ergebenes Herz verlangt er von dir, durch dieses will er von dir geehrt seyn. Bringest du ein solches Herz zum Altare? und wenn nicht: ist dein Hierseyn bey der heiligen Messe nicht eine Handlung, die bloß in äußerlicher Gegenwart besteht, ohne Frucht und Wirkung? Führen dich andere, bloß irdische und eitle Absichten hierher; bemächtigen sich Leichtsinn und Zerstreuung deiner Gedanken: ist es dann nicht eben so viel, als wärest du nicht gegenwärtig? oder vielmehr, ist deine Gegenwart nicht desto sträflicher? Vergiß also nie des Opfers, das du zum Atare bringen sollst: des Opfers der Liebe zu Gott, der Reinigkeit des Herzens, der Bereitwilligkeit, so zu leben, wie du, aus Dank gegen deinen größten Wohlthäter, zu leben schuldig bist. 8) Präfation; ist eine ehrfurchtsvolle Ergießung des Herzens in Dank, Preis und Anbethung des Allerhöchsten, ein Einstimmen in die Lobgesänge der höheren Geister, die den Thron Gottes umgeben. Diese Lobpreisung bricht dann voll inniger Andacht in die Worte: Heilig, - - 64- heilig, heilig! aus, und in den Jubel des Volkes, das Jesum in Jerusalem mit dem freudigen Zurufe: Hosanna! gebenedeyet sey, der da kommt in Nahmen des Herrn! aufnahm. Ist deine Lobpreisung nicht bloße Lippenverehrung? Preisest du Gott durch tugendhafte Thaten, durch Gehorsam, wie die Engel, die stets bereit sind, seine Befehle zu vollziehen? Onur dann ist deine schwache unvollkommene Verehrung Gott so angenehm, wie es die Lobgesänge der höheren Geister sind.is g) Canon, oder stille Gebethe vor und nach der Wandlung. Es ist das Mahl der Liebe, welches gefeyert wird, daher geziemt es sich, daß wir, da uns Jesus Alle auf das innigste vereiniget hat, für einander unsere Fürbitten Gott darbringen. Der Priester bittet in dieser Abficht für die ganze Kirche, für das Oberhaupt derfelben, für die Gegenwärtigen, und diejenigen, deren er sich besonders erinnern will. Er vereiniget seine Bitte mit den Fürbitten der Heiligen, der Freunde Gottes, und auch unserer Freunde. Dann thut er, was Jesus beym letzten Abendmahle that, da er wie ein Vater von seinen Kin dern schied, ihnen mit der zärlichsten Liebe noch sein ganzes Herz eröffnete, ihnen die letzten Lehren, Warnungen, Segnungen, Verheißungen er *** 65** theilte, und sie mit ihrem Schicksale nach seinem Tode im voraus bekannt machte; da er dann das Brot in seine ehrwürdigen Hände nahm, seine Augen gegen den Himmel erhob, und seinem Bas ter voll kindlicher Ehrfurcht dankte; das Brot seg= nete, es brach und sprach: Dieses ist mein Leib. Und dann den Kelch nahm, ihn segnete, und sprach: Dieses ist der Kelch meines Blutes. Er hebt die heilige Hostie und den Kelch zur Anbethung des Volkes empor, das, von der wirklichen Gegenwart Jesu durchdrungen, auf die Knie fällt, und ihm, dem Erlöser, mit einer An= dacht, welche die Gefühle des lebendigsten Glaubens, der tiefsten Ehrfurcht und Demuth ausdrückt, die Huldigung der Anbethung darbringen soll. machi Hierauf erneuert der Priester das Andenken an das Leiden und Sterben Jesu, an seine Auferstehung und Himmelfahrt, an seine Berherrlichung zur Rechten des Vaters. Dankbar nährt er seine Andacht durch den Glauben an die seligen Wirkun gen des Todes Jesu am Kreuze. Er bittet auch für die Abgestorbenen; wünschet dann, daß er und alle Christen ein thätiges Verlangen nach der Seligkeit in sich erwecken; bittet endlich, daß Gott unsere Sünden uns verzeihen, und einst in die Gesellschaft der Heiligen aufnehmen wolle. 15 Christ! wäre es wohl möglich, daß du dir 5 - 66- leichtsinnige Zerstreuung und Gedankenlosigkeit, oder wohl gar Äußerungen der Unehrerbiethung erlauben könntest, wenn du mit einer Aufmerk samkeit voll Ernst an das dächtest, was jetzt an dem Altare geschieht? gewiß würden, bey der ge= hörigen Sammlung des Geistes, die heiligsten Empfindungen des Glaubens, des Vertrauens, der Liebe, die feyerlichsten Entschließungen, dem durch einem frommen, tugendhaften Wandel ganz zu leben, der für dein Heil so viel gethan, so viel aufgeopfert hat, der gestorben ist, damit du lebest, sich deiner bemächtigen. di dow all sig ablour thod sale al and Erwäge dieses, und handle darnach. 130 10) Alsdann wird das Vater unser ge bethet. Bethe es mit, aber mit ernstlichem Nachdenken über den Sinn und den Inhalt desselben. Besonders frage dich: ob dir dein Gewissen das ungeheuchelte Zeugniß gebe, daß du bey den Worten: Vergib uns unsere Schulden, mit voller Zustimmung deines Herzens sprechest: wie wir vergeben unseren Schuldigern. Ist dieses wirklich so? Bedenke, daß du dieses nicht einem Menschen, sondern dem Allwissenden sagest, den keine Verstellung hintergehen kann.- Führe uns nicht in Versuchung. Ist es dir Ernst, diese Bitte zu thun, bewahret zu seyn vor - • 3 67- heftigen Versuchungen? Sebest du dich nicht selbst leichtsinnig der Verführung aus? Thätest du das: wäre dann dein Gebeth nicht Widerspruch mit dir felbst? 11) Der Priester bricht dann die Hoftie, wie Jesus das Brot brach: zur Erinnerung an seinen gewaltsamen Tod. So viel kostete es deinen Herrn und Mittler, dich zu retten und zu erlösen! 12) Agnus Dei. Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt. Ein Bild der Unschuld und Geduld deines Erlösers. Ohne Widerseßlichkeit opferte er, der keine Günde that, sich für das Heil der Sünder auf. Ist deine Bereitwilligkeit, aus Gottes Hand auch härtere Prüfungen willig und gehorsam anzunehmen, der seinigen ähnlich? Bestrebe dich, dein Gemüth nach seinem Beyspiele zur Sanftmuth, Gelaffenheit, Gottergebenheit zu bilden. Durch Jesum erlangen wir Frieden, Trost und Segen; aber wir müssen uns derselben durch Gehorsam gegen ihn und durch Nachahmung seines heiligen Lebens empfänglich machen. 13) Der Priester spricht, wie der Hauptmann im Evangelio: Herr, ich bin nicht würdig. Indem du diese Worte nachsprichst, so denke an die nächste Communion, die du dir vorgenommen hast, zu begehen. Bemühe dich, der Gnade Got5* - 68 tes immer würdiger zu werden, damit du dabey gehörig vorbereitet, mit einer aufrichtigen Reue über deine Sünden, mit einem ernsthaften Vorsaße, dich zu bessern, mit einem thätigen Glauben erscheinest. Communicire jetzt geistlicher Weise; das ist: nimm Antheil an dem Opfer, durch die Vereinigung deiner Seele mit Jesu, durch den ungeheuchelten Entschluß, gesinnt zu seyn, wie er gesinnt war. Dadurch erseßest du einiger Maßen den wirklichen Genuß der heiligen Communion, und bereitest dich zu dem künftigen vorm? 14) Der Segen des Priestes: Es segne euch der allmächtige Gott Va= ter, Sohn und heilige Geist! Dieses ist der Wunsch des Priesters, wodurch er Gott um seinen Beystand anruft, daß Alle, welche bey der heiligen Messe gegenwärtig waren, zur Ausübung der guten Gesinnungen, die sie hier gesammelt haben, zum Recht, und Wohlthun in allen Umständen des Lebens gestärkt werden. Soll dieser Segen in seiner ganzen Kraft wirken, so muß dein Wunsch mit dem des Priesters überein stimmen; du mußt jedes Mahl entschlossener zur Ausübung des Guten von der heiligen Stätte hinweg gehen. mi 15) Gewöhnlich wird dann der An fang des Evangeliums Johannis ge lesen. Wir schließen also diese heilige Handlung *** 69- mit der Erneuerung des Glaubens an die Gottheit Christi. Die Lehre von seiner Gottheit ist die Grundsäule des Christenthums. Ohne diesen Glauben haben die Wahrheiten desselben keine Festigkeit. Erkenne also Jesum für deinen Herrn und Gott! erkenne, daß du ihn so ehren müssest, wie den Bater, daß ihm dieselbe Huldigung, Anbethung und Liebe, derselbe Glaube gebühret. Seine Lehre ist Gottes Lehre. Seine Vorschriften sind Gottes Befehle. Sie seyen die Richtschnur deines Betragens. Ihm folgend, verfehlst du den Weg 453 ndngs En zur Seligkeit nicht. spiliad Al 2301) ni ne med tre tim momis aingie DO AND HOW HOD Gebeth, wenn mit dem Hochwürdigen der Segen gegeben wird. Göttlicher Erlöser! der du dich würdigest, auf unseren Altären gegenwärtig zu seyn: ich bethe dich voll Demuth und Ehrfurcht an, und danke dir für die Wohlthaten, die du mir durch die Mittheilung deines Fleisches und Blutes erzeigest. Du bist die nie versiegende Quelle des Gegens. Ertheile mir denselben, und allen Menschen, deinen Kindern. Damit aber nichts die Wirkung deines Segens vereitle, so reinige mein Gemüth von Allem, was dir mißfällig ist. Verzeihe mir meine Sünden, die ich bereue und verabscheue, und gib mir die - 70 33Gnade der wahren Besserung des Lebens! Dein Segen ändere mein Herz! heilige es dir zum Eigenthume und vereinige mich vollkommen mit dir! Er ertheile mir deinen Geist, und sey mir das Unterpfand der Seligkeit, die du denen im Himmel beOCH reitet hast, welche dich lieben! Amen. S Gott, der du uns unter dem wundervollen Sacramente das Gedächtniß deines Leidens hinterlassen hast: wir bitten dich, verleihe uns, die hei ligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung stets in uns empfinden; der du lebest und regierest mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. -ses- casse vomim ber Bom Predigthören.0 Wer aus Gott ist, der höret Gottes Wort." Joh. 8, V.47. » 3um um Gottesdienste gehört auch die Predigt. Es machen sich also diejenigen, welche an Sonnund Feyertagen zwar die heilige Messe hören, aber ohne äußerst wichtige und erhebliche Ursachen aus der Predigt wegbleiben, der sträflichen Lauigkeit und Gleichgültigkeit gegen die Religion schuldig. Sie fündigen schwer, besonders wenn sie nie oder * 71 felten Predigten hören. Sie feyern die Sonn- und Festtage nicht, wie sie sollen. Diese Tage sind der Sammlung des Geistes, der Beschäftigung mit Gott und der Religion gewidmet.add ommi In den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche wurde die Predigt unter der heiligen Messe, und zwar gleich nach dem abgelesenem Evangelium, gehalten. Da also die Kirche befahl, an Sonnund Feyertagen die heilige Messe zu hören, so be fahl sie auch zugleich, die Predigt zu hören. Das Geboth, die Predigt zu hören, ist nicht deßwegen aufgehoben worden, weil jetzt die Predigt größten Theils vor oder nach der heiligen Messe gehalten wird; es bleibt auch jetzt noch in seiner vollen Kraft. Man muß aber die Predigten zu seiner Belehrung und Erbauung hören. Die Kenntniß der zum Guten Religion immer mehr zu erweiter Kenntniß der immer mehr aufgemuntert und darin gestärkt zu werden, das soll unsere Absicht bey dem Predigthören seyn. Gebeth vor der Predigt. nism And topshird sim Komm' heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe, der du die Völker aller Zungen in Einigkeit des Glaubens versammelt hast. Gib mir die Gnade, daß ich das Wort deiner Wahr *** 72**** heit nicht bloß höre, sondern auch redlich und tren befolge. Laß mich, durch dasselbe unterrichtet, heilsame Grundsäße annehmen, zum Guten erweckt, zu immer höherer Vollkommenheit gebildet werden. Stärke den Lehrer des Glaubens, daß der gute Same des Evangeliums, den er ausstreuet, reiche Früchte bringe: daß der Unwissende belehrt, der Irrende auf den rechten Weg geführt, der Tugendhafte zur Standhaftigkeit ermuntert, der Sünder bekehrt, der Leidende getröstet, Alle erbauet, besser und heiliger werden. Gegne die guten Vorsäße, die Überzeugungen, die Rührungen deiner Gläubigen, daß sie nicht vorüber gehende, sondern bleibende Wirkungen der Gottes- und Tugendliebe her: vor bringen. Amen. Gebeth nach der Predigt. beth nach der STIE 11753 O Gott! ich danke dir für die Lehren, wodurch das verkündigte Evangelium meinen Verstand erleuchtet und mein Herz gerührt hat. Berleihe mir die Gnade, daß es durch deinen Gegen nade/ Früchte in mir hundertfältige Früchte bringe; daß mein Glaube immer thätiger, meine Liebe zu dir und zu allem Guten immer reiner und lebhafter, meine Tugend immer eifriger und vollkommener, der Sieg über meine Neigungen und Leidenschaften mir immer leichter und zu größerer Fertigkeit werde, und 73 333. ich nicht bloß damit zufrieden sey, daß ich deine Lehre kenne, sondern sie auch mit standhafter Treue bis an das Ende meines Lebens befolge! Amen. sid -*-*-*-*-*-*- 262-34 383. • 33 Die christliche Buße. Jesus hauchte sie( die Apostel) an, und sprach zu ih 19 nen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlassen werdet; denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten." Joh. 20. V. 22. 23. KOHI Durch das heilige Sacrament der Buße, wovon die Beichte zwar ein wesentlicher Theil, aber nicht das Ganze ist, erlangen wir Verzeihung derjenigen Sünden, die wir nach der Taufe be gangen haben! Jesus Christus hat den Aposteln die Gewalt ertheilt, Sünden zu erlassen, zu vergeben, oder sie zu behalten, sie nicht zu vergeben. Diese Gewalt haben also auch ihre Nachfolger, die Priester; denn die Kirche sollte bis an das Ende der Welt stehen, folglich mußte sie allezeit, wie Anfangs, dieselbe Einrichtung haben. Der Heiland sprach nach seiner Auferstehung zu den Aposteln: ,, Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlassen werdet, denen sind sie erlaffen, und welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten." Die Priester können aber diese Gewalt *** 74 333nicht ausüben, können dem Sünder nicht den Trost der Lossprechung gewähren, wenn sie die Sünden, die sie vergeben sollen, nicht wissen. Hieraus folgt die Pflicht, ihnen die Sünden zu bekennen, das ist: zu beichten, damit sie den Zustand des Gewissens vollkommen einsehen, und ein weises und gerechtes Urtheil fällen können, ob der Sünder der Lossprechung sogleich würdig sey, oder erst nach Erfüllung gewisser Bedingungen, z. B. der Wiedererstattung des entwendeten Gutes, oder der gekränkten Ehre, der Vermeidung und Auflösung naher Gelegenheiten und Verbindungen zur Sünde, der Verwahrung vor dem Rückfalle in Gewohnheitssünden 2c., wo dann die Lossprechung, wenn man diese Bedingungen nicht erfüllen will, versagt, oder bis man sie erfüllt hat, aufgeschoben wird. noong ** Man ist schuldig, die schweren Sünden, nach ihrer Beschaffenheit, ihrer Zahl, ihren Umständen, die ihre Schuld entweder vergrößern, oder verändern, und besonders, ob sie schon zur Gewohnheit geworden sind, zu bekennen. Es ist nicht unumgänglich nothwendig, die läßlichen Sünden, das ist: die geringeren Übertretungen der Gebothe Gottes, ju beichten, ob es gleich rathsam ist; weil man oft kaum die Gränzen bestimmen kann, wo sie auf hören, geringere Verlegungen der Pflicht zu seyn, und in schwere Sünden übergehen. Dieses ist ge - 75 33 wöhnlich der Fall bey Gedanken und Vorstellungen wider die Reinigkeit, bey Verlegung fremder Ehre, bey der Lauigkeit im Guten 2c.data Ho Die wesentlichen Theile der Buße sind: die Reue, die Beichte, die Genug thuung. Weil man aber nicht im Stande ist, seine Sünden wahrhaft zu bereuen, und vollständig zu beichten, wenn man sein Gewissen nicht er forscht hat, folglich seinen Seelenzustand nicht kennt; und weil man keine wahre Reue hat, wenn man nicht zugleich den ernstlichen Vorsaß, sich zu beffern, seine Denk- und Sinnesart gänzlich zu ändern, erweckt: so sind auch die Erforschung des Gewissens und der ernstliz che Vorsaß zur Buße nothwendig. Die Reue ist eine Traurigkeit über die begangenen Sünden, ein Abscheu und Haß gegen dieselben, verbunden mit dem aufrichtigen, ungeheuchelten Vorsage, sie nicht mehr zu begehen; nicht bloß einige Sünden zu unterlassen, sondern ganz davon abzustehen, sich vollständig zu bessern. amis di lot in tim olisse bad im Der Bewegungsgrund der Reue muß übernatürlich seyn, das ist: er muß B ezug auf Gott haben; denn ein bloß natürlicher Bewegungsgrund, das ist: ein solcher, der nur auf natürliche Folgen der Sünde, als Schande, *** 76*** Verlust der Ehre, des Vermögens, Ungnade, Krankheit zc., sieht, ist nicht hinlänglich zur Vergebung der Sünde. Der Sünder, wenn er die Vergebung seiner Sünden erlangen will, muß zu Gott zurück kehren, von welchen er sich durch die Sünde entfernet hat. Da nun eine natürliche Reue ihn nicht zu Gott zurück führt, denn diese kann er haben, ohne an Gott zu denken, wie könnte sie zur Vergebung der Sünde hinlänglich tauglich seyn? som lig du Es gibt mehrere übernatürliche Bewegungsgründe: - 1) Eine lebhafte Vorstellung von der Häßlichkeit und Abscheulichkeit der Sünde, weil sie Ungehorsam und Widerseßlichkeit gegen Gott, den höchsten Herrn, ist. 2) Die Furcht vor den Strafen, die Gott über die Sünde verhängt, vor dem Verluste des Himmels entweder auf ewig, oder auf eine Zeit. Bird 3) Die Betrübniß über die Sünde des Undankes gegen den allgütigen Gott. Gott ist bereit, mir die Sünde zu vergeben; unzählig sind seine Wohl= thaten, die ich durch Mißbrauch entheiligt habe, und doch verstoßt er mich nicht: soll ich einen so huldvol= len Gott nicht lieben, und, aus Liebe zu ihm, mich nicht über meine Sünden betrüben? Hier ist die Liebe noch nicht ganz rein und vollkommen. 4) Eine vollkommene Liebe zu Gott, weil er das höchste, in sich selbst liebenswürdigste Gut ist. Wenn man seine Sünden bereuet, den Willen des Herrn zu er 17 53füllen entschlossen ist, aus reiner Liebe zu Gott, ohne durch die Furcht der Strafe zur Besserung und zum Gehorsame getrieben zu werden, so hat man eine vollkommene Liebe zu Gott, wo keine Beymischung von eigennüßigen Bewegungsgründen mehr ist. Wie die übernatürlichen Bewegungsgründe der Reue verschieden sind, so ist auch die übernatürliche Reue selbst verschieden. Die Reue, die aus vollkommener Lie be zu Gott entspringt, heißt die vollkommene Reue; die aber aus der erkannten Häßlichkeit der Sünde, aus Furcht vor den Strafen Gottes, oder endlich aus einer unvollkommenen Liebe zu Gott entspringt, heißt die unvollkommene Reue, weil sie noch nicht ganz von den Schlacken eigennütiger Bewegungsgründe gereiniget ist. sah Die unvollkommene Reue, wenn der Sünder daben sich wenigstens zur unvollkommenen, oben erElärten, Liebe Gottes erweckt, ist zum Sacramente der Buße hinlänglich. Doch ist es besser, wenn man sich übt, seine Reue bis zur vollkommenen zu reinigen und zu erheben. Die Kennzeichen der wahren Reue sind: git 1) Die Traurigkeit über die begangenen Sünden, über den Verlust der Gnade Gottes. 2) Der Abscheu und Haß gegen die Sünde, als die Quelle alles Elendes.mp3 - 78 3333) Der ernsthafte, kraftvolle Vorsak, in Zukunft alle Sünden und alle Gelegenheit zur Sünde, die man vermeiden kann, zu vermeiden. alian 4) Die Bereitwilligkeit, alle Hindernisse der Besserung wegzuräumen, und alle Mittel, die sie befördern, anzuwenden; den Schaden zu ersehen; das Ärgerniß zu tilgen; das versäumte Gute, so viel möglich, einzubringen; mit verdoppeltem Eifer die vernachlässigten Pflichten zu erfüllen: und das Alles aus übernatürlichen Bewegungsgründen. * Man sieht wohl hieraus, daß es nicht genug sey, bloß eine Formel der Reue herzusagen. Man muß innigst überzeugt seyn von den Bewegungsgründen, die uns zur Reue auffordern, und das Herz muß das empfinden, was der Mund ausspricht. 112. Die Beichte selbst muß demüthig und vollständig seyn. Ich bin ein Sünder! Welche Aufforderung zu einem demüthigen Geständniſſe meiner Vergebung! Ich will von meinen Sünden los gesprochen werden; dürfte ich wohl da heucheln, und mich anders darstellen, als ich wirklich bin? Wie könnte ich die Lossprechung der Sünden erwarten, die ich geflissentlich verhehle? Durch das heilige Sacrament der Buße läßt Gott dem reumüthigen, sich ernstlich bekehrenden Sünder die Schuld der Sünde: das Verbrechen, wodurch er sich gegen Gott verfündigt hat, und die ewigen Strafen nach; aber er behält sich insgemein noch zeitliche Stra se 79 33fen vor, und fordert zur Tilgung derselben Genugthuung. So wurde David, ob ihm gleich der Prophet Nathan die Vergebung seiner Günde angekündigt hatte, doch noch durch den Tod seines Kindes und durch den Aufruhr seines Sohnes Absalom zeitlich gestraft. Die auferlegten Bußwerke machen die Genugthuung aus, die man zu erfüllen schuldig ist. Es ist heilsam und nüglich, sich auch selbst Bußwerke vorzuschreiben, um würdige Früchte der Buße zu thun, dem Rückfalle vorzubeugen, die Sünde an sich zu strafen 2c. Niemand kann es in 3weifel zie hen, sagt die Kirchenversammlung zu Trient in der vierzehnten Sigung, daß die genugthuenden Strafen zugleich ein starker Zaum sind, der die Menschen vom Sündigen zurück hält, und die Büßer fürs Künftige behuthfamer und wachsamer macht; sie sind auch eine Arzeney gegen die zurückgebliebenen Wirkungen der Sünden, und heben die durch ein sündhaftes Leben eingewurzelten bösen Gewohnheiten, mittelst der entgegengesetzten Tugendübungen, auf. Die ganze Kirche hielt es allezeit für das sicherste Mittel, die von Gott angedroheten Strafen abzuwenden, daß sich die Menschen in dergleichen Bußwerken mit einem wahrhaft zerknirschten Herzen übten." st • 8 93Morgengebethe da t am Beicht- und Communions Tage.) Sen gelobt und gepriesen, ewiger, gütiger Gott! daß du mich aufs neue einen Tag haft erleben lassen, an welchem ich die trostvolle Versicherung hören soll: deine Sünden sind dir vergeben. wichtiger Tag! Tag des Heiles! ich war dieser Gnade nicht würdig. Sie ist ein Geschenk deiner Huld und Güte, die nicht den Tod des Sünders will, sondern, daß er sich bekehre und lebe. Ja, bekehren will ich mich, ändern meine Gesinnungen: dieses ist mein ernster Vorsaß an diesem Morgen. Verleihe mir die Gnade einer wahren, ungeheus chelten Bekehrung: dieses ist heute mein erstes Gebeth zu dir! Gib mir Aufrichtigkeit und Demuth, daß meine heutige Buße der Anfang eines tugendhaften Lebens werde, und die Erkenntniß meiner Unwürdigkeit mich zu erneuerter Liebe und Dankbarkeit gegen dich entflamme. Nicht nur meine Günden willst du mir vergeben, barmherziger Vater! sondern deine Gnade durch eine neue Gnade bestä tigen; willst am Tische des Herrn die Versöhnung und deine Baterliebe durch das heiligste Unterpfand, durch das Fleisch und Blut deines Sohnes, versie: geln!, daß von meiner Seite kein Hinderniß seyn möchte, die deine gnädigen Absichten an mir vereitele! Hilf mir alle Hindernisse der Andacht, der 81 33. Gegenliebe, der kindlichen Dankbarkeit für deine unaussprechliche Wohlthat hinweg räumen! Laß meine Gedanken, meine Empfindungen, meine Begierden, meine ganze Teele, nur auf dich gerichtet, nur mit dir beschäftiget, nur zu dir erhoben seyn, damit mich nichts störe, die Fülle deiner Gnade aufzunehmen, und dir dafür durch würdige Früchte der Frömmigkeit und Tugend zu danken! Ich bitte dich auch, o Vater! erbarme dich aller derjenigen, die heute mit mir ihr Gewissen durch die Buße reinigen, und durch die Theilnehmung an dem Fleische und Blute deines Sohnes sich zu allem Guten und zum ewigen Leben stärken wollen. Ach, daß wir Alle im Geiste des Glaubens, der Buße, der Entschlossenheit, künftighin nur für dich durch Frömmigkeit und Heiligkeit zu leben, erscheinen möchten! dann würde große Freude im Himmel seyn über viele Sünder, die heute Buße thun! Gewähre uns diese Gnade; wir bitten dich darum durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, unseren Herrn! Amen. Vorbereitungsgebeth zur Beichte. Die Erforschung des Gewissens, die wahre Reue, der ernstliche Vorsatz sind von zu großer Wichtigkeit; die Eigenliebe ist zu geschäftig, uns von ungeheuchelter Selbstprüfung wegzuwenden; die 6 - 82 333Veranlassungen, welche die Wirkungen der Reue und des Vorsaßes vereiteln können, sind zu mannigfaltig, als daß wir nicht das Bedürfniß fühlen sollten, Gott, von dessen Gnade und Beystand eine dauerhafte Besserung herkommt, demüthig zu bitten, daß er unseren Verstand erleuchte, damit wir unsere Sünden vollständig erkennen; unser Herz rühre, damit wir sie wahrhaft bereuen; unseren. Vorsatz segne, damit er durch die treue Erfüllung Ausübung werde. Gott des Lichtes! du dringest bis in die Tiefen des Herzens, du kennest alle meine Bergehungen in ihrer ganzen Größe, nach allen ihren Umständen und Folgen, und nach dem Grade der Verschuldung, die ich mir dadurch zugezogen habe. O, erleuchte mich, damit auch ich sie vollkommen erkennen, bereuen, und zur ernstlichen Besserung gebracht werden möge! Nimm hinweg von mir die Blendungen der Eigenliebe, die mich zu hintergehen, und den wahren Zustand meiner Seele mir zu verhehlen sich bestreben! Ich will mit deinem Beystande in mein Innerstes dringen, keine meiner Sünden übersehen, sondern mich streng prüfen, um zu erfahren, wie weit ich mich von dir, o Vater! durch Ungehorsam und Treulosigkeit entfernet habe. Der heilige Geist, den du durch den Mund deines Sohnes Allen, die dich darum bitten wer 83- den, versprochen hast, leite mich, daß ich in Rücksicht meiner sittlichen Beschaffenheit mich nicht täusche, daß ich deutlich einsehe, wie oft und wie schwer ich durch Gedanken, Worte, Werke, und Unterlassung desjenigen, was ich zu thun schuldig bin, die Pflichten gegen dich, gegen meinen Nächsten, gegen mich selbst verleget habe! Sen deinem schwachen, zu dir um Hülfe rufenden Kinde gnädig, daß meiner Buße nichts mangle, was zur Besserung meines Lebens und zur Erlangung deiner Gnade und der Versöhnung nothwendig ist! Amen. Gewissenserforschung. Halte nun über deinen Wandel Rechenschaft. Du thuest dieses vor dem allwissenden, allgegen-& wärtigen Zeugen deines Lebens. Aller Selbstbetrug muß weichen. Es ist um Wahrheit zu thun; nichts soll dich abhalten, die Antwort deines Gewissens anzuhören, wie du dich gegen Gott, gegen deinen Nächsten, gegen dich selbst verhalten habest. Man verfündiget sich Wider Gott, und zwar 1) wider den Glauben: durch selbstaufgesuchte Zweifel gegen die Wahrheiten des Glaus bens; durch Aberglauben; durch Lesung irreligiöser Schriften; durch Spott über Religions- Gegenstän de; durch versäumten oder nicht fortgeseßten Unter6* p vid imp 84. richt in der Religion; durch Bernachlässigung der Religions- Übungen: des Gebethes, des Gottesdienstes, der Predigt, des Gebrauches der heiligen Sacramente; oder durch freywillig erregte und unterhaltene Zerstreuungen im Gebethe, durch Unehrerbiethung bey dem Gottesdienste, durch frucht= lose Anhörung des Wortes Gottes, durch unwürdigen Gebrauch und Mißbrauch der heiligen Sacramente; durch Enechtliche Arbeit, durch Kauf und Verkauf, durch zu sehr zerstreuende Ergeßungen, durch Sünden an Sonn- und Feyertagen; durch Nichtbeobachtung der gebothenen Fasttage; durch Mißbrauch des Nahmens Gottes zu unnüßen oder gar falschen Betheurungen. 2) Wider die Hoffnung: durch Mißtrauen auf Gottes Huld und Gnade; oder durch freventliches Bertrauen auf dieselbe: wenn man nähmlich fündigt, und denkt: Gott wird es nicht so streng nehmen; er ist gleichgültig gegen das, was wir thun: oder man kann ja auf die Verdienste Jesu bauen, ohne sich zu bekümmern, was man zu thun und zu meiden habe; durch Unzufriedenheit mit Gottes Anordnungen; durch unnüßes Grübeln über die Auserwählung zur Seligkeit, da wir wissen, daß wir unsere Auserwählung durch gute Werke gründen sollen. 3) Wider die Liebe: durch Widerfeßlichkeit gegen die göttlichen Einsprechungen; durch Träg - 85 3.2. heit, Sünden, wenn man kann, zu verhüthen; durch Menschenfurcht, bey welcher man sich schäme, das zu thun, was Gott von uns fordert; sich der Frömmigkeit, der Religion schämet; durch Handlungen, die, wenn sie gleich an sich gut sind, z. B. Werke der Nächstenliebe, doch nicht aus Liebe zu Gott und aus Achtung gegen seine Gebothe, sondern aus eitten, niedrigen oder wohl gar sündhaften Bewegungsgründen unternommen werden. Durch Vergessenheit an Gott; durch Un= dank gegen Gott, für seine Wohlthaten, durch unwürdigen Gebrauch und Mißbrauch derselben; durch Bernachlässigung der öfteren Erweckung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Wider den nächsten, 1) in Gedanken durch freventliche Urtheile! durch ungegründeten Argwohn; durch Verachtung des Nächsten; durch lieblose Auslegungen seiner Handlungen; durch Neid, Haß, Erbitterung, Rachgier.-Man muß erklären, ob diese Empfindungen freywillig und von langer Dauer waren, ob sie nicht in Worte und Thaten ausbrachen. Sie sind desto sündhafter, wenn man sie gegen Vorgesetzte, gegen Menschen, denen man vorzügliche Liebe, Achtung und Ehrfurcht schuldig ist, unterhält. napjiet manis dangumil 86 3 2) In Worten: durch übles Nachreden, welches man entweder sich selbst erlaubt, oder an Anderen gestattet und nicht verhindert; durch Berleumdung, das ist: durch Andichtung von Fehlern, durch welche man den nächsten lächerlich zu machen und ihm an seiner Ehre zu schaden sucht. - Man muß sagen, ob Leichtsinn oder böser Wille die Quelle der übeln Nachrede oder der Verleumdung war; wie Viele sie angehört haben; ob sie dem Nebenmenschen nachtheilige Folgen zugezogen haben, und wie man die geraubte Ehre zu erseßen gesonnen sey. Ohne Ersatz ist keine Lossprechung von der Sünde möglich oder wirksam. Durch Gespräche wider die Liebe! durch Ohrenblasen, wenn man Anderen wieder erzählt, was man von ihnen Nachtheiliges gehört hat, besonders in der Absicht, um Feindschaften zu stiften; durch Unversöhnlichkeit; Schadenfreude; Kränkung des Nächsten, die entweder aus übler Laune, welche man nicht bezähmt, oder aus Ungewöhnung einer bösartigen Gemüthsbeschaffenheit ent= steht; durch Verhehlung der guten Eigenschaften des Nächsten, wenn man ihm durch die Bekannts machung derselben nüßen könnte, und durch die Berschweigung schadet; durch üble, sündhafte Rath= schläge; durch Schmeicheley, wodurch man einer Untugend, oder einem falschen Grundsaße, einer - - 87- bösen Handlung Beyfall gibt; durch falsches Zeugniß; durch Entdeckung desjenigen, was als ein Geheimniß anvertrauet worden ist; besonders, wenn diese Entdeckung Unheil stiftet, und dem Nächsten Scha den bringt; durch unbillige Vorwürfe, durch Härte und Aufgebrachtheit durch Verwünschungen; oder im Gegentheile durch feige Nachsicht gegen Verge. hungen, die man hindern und beffern könnte. no 13) In Werken: durch ungerechtes Zurückhalten des fremden Gutes! durch Bevortheilung des Nächsten; durch Wucher; durch Betrug im Kaufe und Verkaufe; durch Entziehung oder nicht pünctliche Entrichtung des Lohnes, welcher Dienst bothen und Arbeitern gebührt; besonders wenn man für unnüße Dinge, für Uppigkeit und Schwelgeren einen unsinnigen Aufwand macht, wo dann dieser Aufwand verschlingt, was Dienstbothen und Arbei tern gebührt; durch heimliche Unterschlagungen, die man unter dem Vorwande, daß man mehr arbeitet, als man schuldig ist, macht; durch Fahrlässigkeit in Besorgung derjenigen Geschäfte, die man aus Pflicht oder aus Liebe für Andere zu verrichten hat; durch Ärgerniß, böses Beyspiel; durch gefliffentliches Verführen: wo das Verbrechen desto schrecklicher wird, wenn man den Unschuldigen zur Sünde verleitet, oder sich zur Verführung desselben gebrauchen läßt. 850 - 88 4) Durch Unterlassung dessen, was man zu thun schuldig ist. Ein jeder durchgehe die Obliegenheiten seines Standes und der Pflichten, die er als Ehegatte, oder als Vater, Mutter, Kind, Borgesetzter, Untergebener, Richter, Sachwalter, wohlhabend und begütert 2c., zu erfüllen hat, und denke nach, ob er es nicht an Liebe und Treue, an christlicher Erziehung, an Ehrfurcht und Gehorsam, an Wachsamkeit, an Gerechtigkeit und Billigkeit, an punctlicher Befor= gung der ihm anvertrauten Geschäfte, an Wohlthätigkeit gegen Arme und Nothleidende habe ermangeln laffen? 2c. de Bamson Wider sich selbst 2968 1) in Gedanken: durch freywillig, mit Wohlgefallen unterhaltene unreine Gedanken und Vorstellungen; durch unreine Begierden; durch Lesung schlüpferiger und unzüchtiger, verführerischer Schriften, Schauspiele, Gedichte, Romane 2c. Durch Betrachtung unehrbarer Gemählde; durch Hochmuth und Ehrgeiß; durch Abneigung gegen Undere; durch Freude über das Unglück des Nächsten und durch Traurigkeit über sein Glück, wodurch man ein Feind seiner eigenen Ruhe wird. 2) In Worten: durch zweydeutige, schlü pferige, unehrbare Scherze, Gespräche, Erzählungen und Anspielungen; durch Umgang mit Menschen • 89- von verderbten Grundsäßen und Sitten; durch unnüßes, unerlaubtes Reden. 710 112 3) In Werken: durch Handlungen wider die standesmäßige Reinigkeit; durch gefährliche, unerlaubte Verbindungen, durch Verlegung der Sittsamkeit in der Art sich zu kleiden und zu betragen; kurz: durch diejenigen Sünden, worüber die Schamhaftigkeit erröthet, und die, wie der Apostel sagt, unter Christen nicht einmahl genannt Things werden sollen. Man muß die Umstände, welche dney GEWS, JISTO die Sünde vergrößern, wohl prüfen, sie in der Beichte eröffnen, ohne doch die zu nennen, welche Mitschuldige der Sünde sind. Durch Geiß und heidnische Anhänglichkeit an die Güter der Welt; durch Sinnlichkeit und Weichlichkeit, wobey die Übungen der Selbstverläugnung und Abtödtung außer Acht gesetzt werden, durch Müßiggang, Verschwendung und Mißbrauch oder verkehrten Gebrauch der Zeit; durch Lauigkeit im Guten; Gleichgültigkeit gegen das wichtige Geschäft des Heiles, wobey man, versenkt in die eitlen und irdischen Ergeßungen und Thorheiten der Welt, seiner künftigen Bestimmung, der Vorbereitung für die Ewigkeit vergißt 2c. Noch einige Überlegungen. Es sind so viele Jahre, daß du beichtest: ist wohl dein Wandel besser geworden? Bist du nicht — 90 33Super 1 itions wieder in die vorigen Sünden zurück gefallen? Was war die Ursache deines Rückfalles? Hast du dir Mühe gegeben, deine bösen Neigungen, besonders deine herrschende Leidenschaft, zu bezwingen? Hast du der Gewohnheit zu fündigen vorgebeugt? Die nächste Gelegenheit zur Sünde vermieden? Den verführenden Umgang aufgelöset? Wenn du dir hierüber keine wahrhaft befriedigende Antwort ge= ben kannst: waren wohl deine Reue und dein Vorsag in den vorigen Beichten ernsthaft? Bestanden sie nicht bloß in leeren Worten? Können dir diese Beichten eine wahre Beruhigung geben? Reue und Vorsatz der Besserung pisd für diejenigen, welche sich schwerer Sünden bewußt sind. Höre, o Gott, mein Flehen, und sey mir Sünder gnädig! Behandle mich nicht nach der Strenge deiner Gerechtigkeit, sondern nach der Milde deiner unendlichen Barmherzigkeit! Ich habe schwer gesündiget, und bin nicht mehr werth, dein Kind genannt zu werden! Deine Huld und deine Güte waren gegen mich so groß; aber ach, sie konnten meinen Leichtsinn, meinen Ungehorsam, meinen Undank und meine Bosheit nicht zurück halten! So oft ich deine Gebothe übertrat, entfloh der Friede aus meinem Herzen; das Gewissen ver - 9¹ folgte mich mit bitteren Vorwürfen, und doch häufte ich Sünden auf Sünden, und wähnte in der Entfernung von dir, in der Ungebundenheit des Lebens, in der frechen Verlegung meiner Pflichten Ruhe und Freude zu finden! Oft hast du in meine Seele Gefühle der Unruhe, der Furcht und Banz gigkeit, der Selbstverachtung gesenkt. Sie sollten mich erinnern, daß kein Glück der Welt den Verlust der Unschuld und Tugend, den Verlust deiner Gnade ersetzen könne, und doch fuhr ich fort, den Weg des Verderbens zu wandeln, und deine Gnade, die mich davor warnte, von demselben zurück rief, kühn zu verachten! O, kann ich wohl anders, als tief beschämt, mit den qualvollen Empfindungen des Abscheues gegen mich selbst vor dir erschei nen? Und du schontest noch meiner? Meine Sünden haben deine Batergüte nicht geschwächt! Ach, was wäre aus mir geworden, wenn du mich, ohne mir noch diese Stunde der Buße zu gönnen, zur Rechenschaft abgefordert hättest? Da in den Himmel nichts Unreines eingehen kann, so hätte ich die Zahl der Verworfenen vermehrt. Ich habe dieses verdient! nur deine Gnade rettete mich, den Verlornen! - So darf ich noch voll Zuversicht hoffen, daß du ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz nicht verwerfen wirst! Du bist gütig und wahrhaft, - 92 3: 3bist langmüthig und regierest Alles mit Barmherzigkeit! O, daß ich den Augenblick, an dem ich deiner Liebe vergaß, und der Sünde mich ergab, aus der Zahl meiner Tage austilgen, und die Sünde mit ihren Folgen und Wirkungen zernichten könnte! Ich will thun, was ich kann. Ich bereue meine Sünden von ganzem Herzen. Ich verabscheue sie, als das wahre Übel, das mich zeitlich und ewig unglücklich macht. Ich entsage ihrem schändlichen Dienste, ich bin bereit, Alles aufzuopfern, was meine Besserung vereiteln, Alles zu thun, was meine Besserung befestigen kann. sid Ach! ich habe mich wider dich, meinen Herrn und Gott, dem ich Unterwürfigkeit und Gehorsam schuldig bin, meinen Richter, der das böse nicht unbestraft laffen kann, meinen Vater, der mich liebte, ehe ich ihn lieben konnte, der mich auch als Sünder zärtlich liebte, meiner langmüthig wartete, und mich jetzt noch so väterlich aufnimmt, verfündiget! Groß ist mein Schmerz über meine Verschuldung und über die Berdorbenheit meines Herzens! O dich, der du mich meiner Sünden ungeachtet, liebtest, mich nicht verwarfest, dich will ich über Alles lieben. Du bist das höchste, vollkommenste, an sich selbst liebenswürdigste Gut. Aus reiner Liebe zu dir kommen meine Reue und der ernste Entschluß. Nur deinen Willen zu thun, 93 33 fey künftig mein erstes, angelegenstes, einziges Bestreben. Ich gelobe es dir feyerlich! Vorsichtig will ich wandeln, zugefügtes Unrecht wieder gut machen, das Bernachlässigte mit neuem Eifer einbringen! Der lebendige Gedanke, daß ich diesen Borsatz vor dir, Allgegenwärtiger! faßte, begleite mich überall hin, er erhalte mich wachsam, und die Furcht, deiner Vaterliebe mich auf's neue unwürdig zu machen, ersticke jeden unerlaubten Gedanken, jede böse Neigung, jede unordentliche Leidenschaft in meiner Seele! Mein Borsaß ist aufrichtig und ungeheuchelt. Ich dürfte mich nicht erkühnen, dieses zu sagen, wenn mein Herz etwas anderes empfände, als was mein Mund ausspricht; denn ich kann dich, der du die Tiefen des Herzens ergründest, nicht täuschen und hintergehen. Aber du kennest meine Schwachheit, die so leicht von der Macht der Leidenschaften überwältiget wird. Ich würde troftlos seyn, wenn ich nicht die Zuversicht hätte, daß deine Gnade mich unterstützen werde; nicht den Glauben hätte, daß ich mit deiner Gnade Alles vermag. Durch sie gestärkt, wird mein Vorsatz, dieses hoffe ich mit festem Vertrauen, über Wankelmuth und Unbeständigkeit siegen. Ich bitte dich darum durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, meinen Erlöser und Versöhner. Laß nun, gütiger Gott! den Trost und die * 94 53 Beruhigung, daß meine Sünden mir vergeben werden sollen, und mit diesem Troste, mit dieser Beruhigung die frohe Hoffnung, daß meine Lebensänderung standhaft seyn werde, in meine Seele zurück kehren! Nimm mich um deiner selbst willen zu Gnaden an, der du gesagt haft:„ wenn der Gottlose Buße thut, und sich bekehret von allen Sünden, die er begangen hat, und hält alle meine Gebothe, und thut Recht und Gerechtigkeit, so soll er leben; ich will aller seiner Missethaten, die er begangen hat, nicht gedenken." Amen. Reue und Vorsak für diejenigen, die sich zwar keiner schweren Sünde, aber doch so mancher vorseßlichen, öfter wiederhohlten, geringen Übertretungen bewußt sind. Gott! ich habe mein Gewissen mit redlichem Verlangen, den Zustand meiner Seele kennen zu lernen, erforscht. Zwar mit einiger Furcht, ob mich nicht meine Eigenliebe täusche; aber doch mit aufrichtiger Überzeugung, darf ich zu dir sagen: ich bin mir keiner schweren Sünde bewußt. Allein mein Gewissen ist doch nicht von Vorwürfen rein. Du bist ein unendlich großer Gott: auch die geringste Sünde ist Ungehorsam gegen dich; ein unendlich gerechter Gott: auch die geringste Sünde ist vor dir strafwürdig; ein unendlich heiliger Gott: auch die - 95- geringste Sünde verabscheuest du! Und doch habe ich solche Sünden so oft mit sträflichem Leichtsinne, mit Borsaß und Überlegung, nicht selten mit muthwilliger Gefahr, meine Pflicht schwer zu verletzen, wider die Warnung meines Gewissens, begangen. Wie oft war nur noch Ein Schritt zu thun, und ich wäre tief, tief gefallen! Nur deine Gnade rettete mich noch vor dem Falle, dem ich durch meine Unbesonnenheit nahe war! Noch strafwürdiger bin ich vor dir, o Gott! daß ich so manche Fehler habe herrschend und zur Gewohnheit werden lassen. Sie sind Zeugen meiner täglichen Lauigkeit, meiner Unempfindlichkeit gegen die Erweckungen deiner Gnade zum Guten, meiner Gleichgültigkeit gegen wahre Tugend und Vollkommenheit. Selbst das Gute, welches ich that, ist durch die Fehler, die ich demselben beymischte, so verunstaltet, daß es deines Wohlgefallens nicht würdig seyn kann. Aber, o Gott! du siehst mein Herz, ich bin innigst darüber betrübt, nicht sowohl wegen der Strafe, die ich für meine Vergehungen verdienet habe, als vielmehr wegen des Mißfallens, das du an jeder, auch der geringsten Sünde, hast. Ja, nur um deinetwillen, o Gott! der du aller Liebe unend-. lich würdig bist, reuen und schmerzen mich meine Bergehungen; denn ich habe wider dich, o höchstes Gut! das ich über Alles liebe, und allezeit zu lie - 96*** ben verlange, gesündiget. Ich haffe, verabscheue dieselben, weil du, o heiligster Gott! sie hasfest und verabscheuest. Mein Entschluß ist gefaßt. Ich will mit dem Beystande deiner Gnade über mich wachen, es mir meine wichtigste Sorge seyn lassen nichts zu bege= hen, was dir mißfällt. Besonders will ich mich vor der Sünde N. N., welche die Ursache meiner übri gen Fehler ist, die mich schon so lange beherrscht, in Acht nehmen; will meinen bösen Neigungen und Gewohnheiten Einhalt thun, allen Beranlassungen und Gelegenheiten, wodurch und worin ich so oft gefehlt habe, mit Vorsicht ausweichen, die gehörigen Mittel zur Besserung und zum Fortschreiten im Guten gebrauchen. Ohne diesen Vorsatz würde selbst die Lossprechung für mich unwirksam seyn, da, nach deiner Lehre, ohne Besserung keine wahre Buße möglich ist. Verzeihe mir also, gütiger Vater! durch Jesum, deinem Sohn, und gib mir die Gnade, das zu erfüllen, was ich dir so feyerlich versprochen habe. Amen. Kürzere Art der Neue und des Vorsatzes. Mein Gott! alle meine begangenen, bewußten und unbewußten Sünden sind mir herzlich leid, nicht bloß weil ich bey dir, als meinem Richter, die gerechteste Strafe verdient, sondern vorzüglich, 97 weil ich dadurch dich, das höchste und vollkommenste Gut, welches ich über Alles hätte lieben sollen, beleidiget habe. Laß mich durch meine Reue und die Zerknirschung meines Herzens zur Gnade und Verzeihung bewegen! Ich nehme mir ernstlich vor, mit deinem Beystande künftig nicht mehr zu fündigen. Gib mir die Gnade zur Erfüllung meines Vorsatzes: darum bitte ich dich, durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi, meines Herrn und Heiz landes. Amen. Vor der Beichte. Mit dieser Gemüthsfassung, durchdrungen von bitterer Reue, belebt von den ernstlichen Vorsage der Besserung, erfüllt von Sehnsucht und Zuversicht, von dir, o Gott! Gnade und Verzeihung zu erlangen, gehe ich nun hin, vor deinem Stellvertreter meine Sünden mit der Vollständigkeit zu bekennen, mit welcher mein Gewissen sie mir vorgehalten hatte, und mit der Redlichkeit und Offenheit, mit welcher ich sie vor dir, Allwissender! der du Herzen und Nieren prüfest, bekannt habe. Lege deinem Diener solche Worte in den Mund, die mich belehren, zur Besserung erwecken, trösten, stärken! Gib mir Demuth, damit ich, von dem Gefühle, daß ich ein Sünder bin, zerknirscht, die Belehrungen ohne Widerstand annehme und befolge, und Glauben und Zuversicht, damit ich, wie aus deinem 7 98- Munde, die freudige Stimme anhöre: Dir sind deine Sünden vergeben! Laß mich den Trost empfinden, den der verlorne Sohn empfand, als er nach langen Verirrungen in sein väterliches Haus und in die Arme seines Vaters zurück kehrte! Göttlicher Mittler! nimm auch mich mit der Huld und Güte auf, mit welcher du den Schwachen, den Berirrten, den Sünder stets aufzunehmen pflegtest! Schreckt den Sünder deine fleckenlose Heiligkeit, dein Abscheu vor der Sünde, dein Richteramt, welches dir über alle Menschen gegeben ist, ab: so ermuntern den Erlöseten, den du zum Kinde Gottes umschufest, deine Milde, deine Liebe, deine unermüdete Sorgfalt für die Rettung der Verlornen, dein Leiden und dein Tod zum innigsten, kindlichen Vertrauen. Mein Heiland, was du als nothwendige Bedingung zur Bersöhnung mit Gott forderst, habe ich gethan. Ich habe denen vergeben, die mich beleidiget haben; vergib auch mir! nd Ihr Heiligen Gottes! besonders ihr, die ihr auf dem Wege der Buße und Besserung den hohen Grad von Frömmigkeit und Vollkommenheit erreicht habet, welchen die Mitgenossen eurer Seligkeit auf dem Wege der Unschuld erreicht haben, bittet für mich bey Gott, daß auch meine Buße und meine Besserung der Anfang eines Lebenswandels seyen, welcher, wie der eurige, von Tugend zu Tugend fortschreitet. 99 3 Und du, seligste Jungfrau, Theilnehmerinn an den liebevollen Gesinnungen deines Sohnes, Fürsprecherinn der Sünder! trage mein Flehen deinem Eingebornen vor, daß er sich meiner erbarme, und die Macht seiner Gnade an mir, durch eine ganze liche Umänderung meines Sinnes und meines Wan dels beweise. Amen. in vodomis 204 this nach der Beichte. in nis Meine Sünden sind mir vergeben! Trost voller Gedanke! Jesu untriegliches Wort bürgt mir für die Wahrheit dieses Trostes. Ich bin nun wie: der ein Gegenstand des Wohlgefallens Gottes! Meine Beruhigung würde freylich eitel seyn, wenn ich nicht ernstlich entschlossen wäre, mich von der Sünde ganz zu trennen, und einen frommen, tugendhaften Wandel zu führen. Aber, o mein Gott! du dringst in die Tiefen meines Herzens, du siebst, daß es fern von Heucheley und Verstellung, daß mein Entschluß mit voller Zustimmung meines Willens gefaßt sey. Von dieser Stunde an werde ich meine bösen Neigungen bekämpfen; mich stets im Guten üben; den Veranlassungen und Gelegenheiten zur Sünde ausweichen; jede Verbindung, welche Ursache meines Falles war, auflösen; allen Haß und Groll, auch die geringste Abneigung gegen meinen Nächsten aus dem Herzen tilgen; ein Leben führen, welches dir wohlgefällig und für Andere erbaulich ist. mon 7 - 100 Oft werde ich den glücklichen Zustand des Gebesserten mit der Unruhe und den Gewissensängsten des Sünders, die auch ich erfahren habe, vergleichen; die Größe des Verlustes deiner Gnade erwägen; die Gefahr, endlich in der Sünde verhärtet zu werden, meinem Gemüthe vorstellen, damit Wankelmuth meinen Vorsatz nicht erschüttere, Leichtsinn sich meiner nicht bemächtige, und der Rückfall vor dir, o Gott! mich nicht sträflicher mache, als ich jest war. Gebeth und Andacht werden mich vor der Vergessenheit an dich, den Allgegenwärtigen, die immer den Grund zur Verschlimmerung des Herzens legt, schüßen, und deine Gnade wird, ich hoffe es voll Zuversicht, meinen Entschluß, dich durch die treueste, kindliche Befolgung deiner Gebothe zu lieben, mit Standhaftigkeit krönen. Ich danke dir himmlischer Bater! für diesen Trost, für diese guten Gesinnungen und Vorsäße; sie sind das Werk deines Beystandes. Was wäre ich ohne dich, ohne deine Huld und Güte? Noch jetzt ein Sclave der Sünde, gefoltert von den Vorwürfen meines Gewissens, trostlos wegen der Ungewißheit, wie ich deine Gnade wieder erhalten könne. Die Religion, von deinem Sohne verkündiget, befreyet mich von diesem qualvollen Zustande. Sie rief mich zur Buße, und gab mir dafür die trostvolle Versicherung: deine Sünden sind dir vergeben. 101 Gott! oft und lebendig werde ich an diese Wohlthat denken; nicht fruchtlos, nein, sie soll mir die stärkste Aufmunterung seyn, im Guten bis an das Ende meines Lebens auszuharren. Versiegele diese fromme Entschließung mit deiner Gnade. Ich bitte dich darum durch Jesum Christum deinen eingebornen Sohn. Amen. Der 102. Pfalm. 1. Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, seinen heiligen Nahmen! 2. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht aller seiner Wohlthaten! 3. Der allen deinen Sünden gnädig ist, und heilet alle deine Krankheit. 4. Der dein Leben von dem Tode erlöset, der dich mit Barmherzigkeit und vielen Gnaden krönet. 5. Der dein Verlangen nach dem Guten( nach der Tugend) erfüllet, daß deine Jugend, wie eines Adlers, erneuert werde;( daß du dich ungehindert zur Vollkommenheit aufschwingen könnest). 6. Der Herr schaffet Barmherzigkeit und Gericht Allen, die Unrecht leiden. 7. Er hat seine Wege Mosi wissen lassen, und den Kindern Israels seinen Willen. 8. Der Herr ist gnädig und barmherzig, geduldig und sehr gütig. 102 9. Er wird nicht immer zürnen, noch ewiglich drohen. 10. Er hat uns nicht gethan nach unseren Sünden, und hat uns nicht vergolten nach unseren Missethaten. 11. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, hat er seine Barmherzigkeit befestiget über die, welche ihn fürchten. 12. So weit Osten ist von Westen( der Aufgang der Sonne von dem Untergange), so weit hat er unsere Sünden von uns gethan. 13. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, welche ihn fürchten. 14. Denn er kennet was für ein Werk wir find; er gedenket daran, daß wir Staub sind. 15. Ein Mensch ist in seiner Lebenszeit wie das Gras; er blüht und vergeht wie eine Feldblume. 16. Wenn der Wind daüber geht, so steht sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. 17. Aber die Barmherzigkeit des Herrn ist von Ewigkeit zu Ewigkeit über die, welche ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskinder; 18. Über die, welche seinen Bund halten, **** 103* und an seine Gebothe denken, daß sie dieselben thun. Trafik 19. Der Herr hat seinen Thron im Himmel zubereitet, und sein Reich wird über Alles herrschen. 20. Lobet den Herrn, ihr alle seine Engel, die ihr mächtig send an Kraft; ihr, die ihr sein Wort ausrichtet, daß man höre die Stimme seiner Rede. 21. Lobet den Herrn alle seine Heerschaaren; ihr, seine Diener, die ihr seinen Willen verrichtet! 22. Lobet den Herrn alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele! Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste; wie im Anfange jeßt und allezeit und zu ewigen Zeiten! Amen. Dein Bestreben, o Christ! sey, an der Bes serung des Lebens redlich zu arbeiten. Fällt sie dir schwer, so verzage dennoch nicht. Glaube an den Beystand Gottes, du vermagst Alles durch den, der dich stärket. Geht deine Besserung nicht gleich vollkommen von Statten, so laß doch den Muth nicht sinken. Die vollständige Genesung ist nicht das Werk eines Augenblickes. Deine bekämpften Leidenschaften werden sich wieder regen, aber wache über sie. Der Sieg wird mit Hülfe Gottes gewiß erfolgen. - 104 33 Von dem Ablaffe.nl Der Ablaß ist eine unmittelbare Nahlassung der Kirchenbußen, und eine mittelbare Nachlassung der zeitlichen Str fen, welche der Mensch durch Werke der Bufe würde erlangt haben. In den ersten Zeiten des Christenthumes weren die Kirchenvorsteher gegen die Büßer sehr strenge. Sie mäßigten oft aus wichtigen Ursachen diese Strenge, sie ließen ihnen einen Theil der schweren Bußwerke nach, die sie ihnen aufgelegt ha:= ten, um die zeitlichen Strafen zu tilgen, die diese, nach verziehener Schuld der Sünden, vor Gott noch hätten leiden müssen. Dieses ist der Ursprung der Abläffe. So ließ Paulus dem öffentlichen Sünder zu Corinth, als er dessen Traurigkeit, die ein Beweis seiner heftigen Reue war, vernahm, nicht bloß die noch übrige Kirchenbuße nach, sondern er erließ ihm auch, im Nahmen Jesu die zeitlichen Strafen, die er ihm, als Bevollmächtigter Jesu, gedrohet( 1 Cor. 5, 4. 5.), und die dieser vor Gott noch zu tilgen hatte; er führte die Bewegursache an: ,, damit er nicht etwa in gar zu große Traurigkeit versenket würde, und in Verzweifelung gerathe."( 2 Cor. 2, 7.) Es wäre also der gröbste Irrwahn, oder die schnödeste Andich cos 105 33tung, wenn man vorgeben sollte, es sey Lehre der Kirche, daß man sich durch Ablässe von Sünden loskaufen, sie auf Rechnung künftiger Sünden gewinnen, und sich der Pflicht der Buße, der Genugthuung für seine Sünden, der Besserung des gänzlichen Lebens entziehen könne. Nein, ein Ablaß kann nicht die ge= ringste Sünde vergeben, sondern nur die nach reumüthiger Buße, nach hergestellter Sinnesänderung noch zurück bleibenden, zeitlichen Strafen erlaffen. Die erste Bedingung, einen Ablaß zu gewinnen, ist also: daß man von Gott die Vergebung seiner Sünden bereits erlangt habe. Diese erhält man in dem Sacramente der Buße, wenn man alles erfüllt, was zur Vergebung der Sünden erfordert wird. Denn so lange die Schuld der Sünden nicht nachgelassen ist, so lange kann auch die Strafe nicht nachgelassen werden. Die zweyte: daß man würdige Früchte der Buße wirke. Je vollkommener die Bes serung und das busfertige Leben sind, desto größer ist auch die Würdigkeit zur Gewinnung des Ablasses. - Weichliche, in Ausübung der Werke der Buße träge Christen betriegen sich, wenn sie glauben, daß sie Ablässe gewinnen. Die Absicht der Kirche ist: der menschlichen Schwäche zu Hülfe zu kom * 106 uzt men, nicht aber die Trägheit zu unterstützen. Der Ablaß entbindet uns von keiner einzigen Pflicht, die demjenigen zu erfüllen obliegt, welcher gesündiget hat, und nach der Begnadigung die gehörigen Mittel ergreifen soll, um nicht wieder zu fündigen. Er ist vielmehr Ermunterung, mit Vertrauen Alles zu thun, was die Besserung befestigen und vollenden kann, weil wir Hoffnung haben, daß wir es nicht vergeblich thun; weil wir nicht in Ungewißheit bleiben, ob wir, ben allem unseren redlichen Bestreben, dennoch eine vollgültige Genugthuung für unsere Sünden leisten. So flößet die Religion, indem sie mit unerläßlicher Strenge auf die Erfüllung der Pflichten dringt, doch auch dem schwachen Menschen Zuversicht und Beruhigung ein. Communion- Andacht. Die Sacramente sind, nach der Lehre der chriſtlichen Religion, die wirksamsten Mittel unserer Heiligung. Sie sind die Quellen der Gnade Gottes, deren wir zur Tugend bedürfen. Das heiligste Sacrament des Altars enthält den Urheber der Gnade selbst. Muß es nicht, wenn wir es würdig empfangen, den kraftvollsten Einfluß auf unsere ** 107 323Sittlichkeit und Vervollkommnung haben? Dieses Sacrament ist der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi, unter den Gestalten des Brotes und des Weines. So lehrte stets die Kirche. Die Anweisung zu einem würdigen Genusse desselben gibt Paulus.( 1 Cor. 11.) „ Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brote, und trinke aus diesem Kelche." Er prüfe sich, ob er ein von Sünden gereinigtes Gewissen habe. Gereiniget ist das Gewissen, wenn durch eine wahre Buße und durch die erhaltene Lossprechung der Mensch wieder in dem Stande der heiligmachenden Gnade ist. Wessen Gewissen rein ist, der hat der Sünde entsagt; er ist ents schlossen, den Vorsatz der Besserung unverbrüchlich zu halten; die Gelegenheiten der Sünde zu meiden; sündliche Gewohnheiten abzulegen; das zugefügte Unrecht zu vergüten; dem, der ihm Unrecht gethan hat, zu verzeihen; ein frommes, tugendhaftes Leben zu führen. Eine solche Gemüthsverfassung ist nothwendig zur würdigen Communion. Wer unwürdig dabey erscheinet: der verfündiget sich an dem Leibe und dem Blute des Herrn, wie sein Verräther und seine Mörder. Er ist und trinkt sich selbst das Gericht, weil er den Leib des Herrn von einer gemeinen Speise nicht unterscheidet. Er macht sich - 108 also des niedrigsten Undankes, des frevelhaftesten Hochverrathes und Gottesraubes schuldig. " So oft ihr dieses Brot esset, und von diesem Kelche trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommt." Das heißt: Ihr sollet euch der Ursache seines Todes, der Liebe erinnern, die er euch durch das Werk der Erlösung erwiesen hatte. Diese Erinnerung soll euren Glauben an ihn befestigen; eure Dankbarkeit und Gegenliebe erhöhen. 2 Die Verkündigung des Todes Jesu ist die Verkündigung seines Sieges über die Sünde. An diesem Siege sollen auch wir Theil nehmen; aber wie können wir das, wenn wir nicht auch den alten Menschen mit Christo und um Christi willen kreuzigen und abtödten;" wenn wir nicht unsere Neigungen und Leidenschaften bezähmen, sondern uns von denselben beherrschen lassen? Einst kommt der, welcher für die Menschheit starb, die Men= schen zu richten. Sind wir entschlossen, ein solches Leben zu führen, daß wir vor seinem Richterstuhle bestehen können? Zum Andenken an seinen Tod feßte Jesus das heilige Abendmahl ein; zum Andenken desselben müssen wir es also auch feyern. Es sey aber kein fruchtloses Andenken, sondern reich an heilsamen Wirkungen für unsere Seele. Dieses wird es seyn, wenn wir mit der gehörigen, würdigen Gemüthsfassung zum Tische des 109 Herrn hingehen! Gestärkt wird da die Seele zu allem Guten. Sie empfängt die kräftigste Nahrung zum Wachsthume der Tugend; denn sie tritt in die engste Verbindung mit Jesu: ,, Wer mein Fleisch ißt, der wird leben um meinetwillen. Er bleibt in mir, und ich in ihm." Die Liebe zu Gott, der seines eingebornen Sohnes nicht schonte, sondern ihn für uns hingab," wird erweckt und erhöht. Die Nächstenliebe wird durch die gemeinschaftliche Theilnahme an diesem heiligen Mahle befestiget. Haß, Zorn und Rachgier schweigen, wo das Mahl der Liebe gefeyert wird; wo sich Gutgesinnte verpflichten, mit Jesu Eines Sinnes zu seyn, der uns, da wir noch seine Feinde waren, bis in den Tod geliebet hat. Hier werden wir mit göttlichem Troste erquicket. Der Leidende, der Verfolgte, wird durch Den gestärkt, welcher uns so schöne Beyspiele der Ergebung in den Willen des Baters, der Geduld, der Standhaftigkeit bey den härtesten und nahmenlosesten Leiden hinterlassen hat. Hier erhalten wir das Unterpfand unserer Begnadigung und der seligen Unsterblichkeit. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihm auferwecken am jüngsten Tage." Joh. 17, 55. 99 Wie sträflich sind also diejenigen, die sich diesem heiligen Tische selten, vielleicht nur aus Zwang 110 und Menschenfurcht, kaum Ein Mahl des Jahres, nähern! Die Erfahrung ist Bürge, daß die Ausartung der Sitten, daß Unglaube und Gottesvergeffenheit gewöhnlich mit der Verachtung des heiligen Abendmahles anfangen. Die Empfangung desselben wird wegen der Pflichten, die sie auflegt, lästig. Die Achtung dagegen stirbt allmählig, und in dem Verhältnisse der zunehmenden Unsittlichkeit ab; bis man endlich, um des Kampfes mit der Religion und dem Gewissen los zu werden, sich nicht nur entfernt, sondern allerley Vorwände zu Hülfe nimmt, um die Versäumniß zu rechtfertigen, den Nußen dieser heiligen Handlung zu bestreiten, ste für eine entbehrliche Sache zu halten. In den Zeiten der Verfolgungen wagten es die Priester, mit der größten Lebensgefahr, zu den gefangenen Christen zu kommen, und ihnen durch das heilige Abendmahl Trost und Beystand zu bringen, ihre Entschlossenheit zu stärken, und ihre Standhaftigkeit zu befestigen! und in den späteren, ruhigen Zeiten mußten Bekenner derselben Religion durch Gebothe und Gefeße zur Begehung einer Religions Handlung angehalten werden, zu welcher sie keines Gesetzes bedürfen, sondern in sich selbst den wirksamsten Untrieb fühlen sollten! Beangstige dich aber auch nicht, o Chrift! wenn du, ungeachtet deines ungeheuchelten Bestre S& S 111 333bens tugendhaft zu werden, dennoch siehst, daß du so manchen Fehlern und Unvollkommenheiten un terworfen bist; wenn du noch die Folgen deiner ehemahligen Sünden, die Macht der Leidenschaften empfindest, die dir die gänzliche vollständige Bes serung noch erschweren; oder wenn du bey der heiligen Communion oft von denjenigen Empfindungen der Andacht dich nicht durchdrungen fühlest, die du zu haben wünschest. Gott sieht auf Redlichkeit und Aufrichtigkeit; nicht bloß auf Gefühle.- Er selbst ruft uns zu: ,, Kommet zu mir, ich will euch erquicken!" Sollte das Bewußtseyn unserer Ge brechen uns abhalten, diesem liebevollen Rufe zu folgen? Eben um deßwillen, weil wir schwach und gebrechlich sind, sollen wir desto öfter zu ihm fliehen, um bey ihm Kraft und Stärke zu suchen. Gränzenlos sen dein kindliches Vertrauen auf ihn. Je mehr das Vertrauen so beschaffen ist, desto leichter wird es dir werden, aus Liebe und Dankbarkeit gegen ihn die Beschwerden der Tugend zu überwinden, deine Seele von der Neigung zur Sünde zu entwöhnen, und endlich standhaft im Guten auszuharren. Vor der heiligen Communion. Eingeborner Sohn Gottes! mit der Sehnsucht des Kindes zu seinem Vater, des Schwachen zu sas 112 333seinem Beschüßzer, des Hülfsbedürftigen zu seinem Retter, komme ich auf deine Einladung und deinen Befehl an deinen Tisch, an welchem du mich mit deinem Fleische und Blute zum ewigen Leben nähren und stärken willst. Das Gefühl meiner Unwürdigkeit sollte mich zwar von dir entfernen; aber deine Huld und deine Güte beleben mein Vertrauen, daß du mich, den reumüthigen, von dir begnadigten Sünder, deiner nicht unwerth halten wirst. Ich glaube an dein Wort. Dieser Glaube erweckt und gründet meine Zuversicht zu dir, mein Herr und Erlöser! Laß mich die Größe deiner Liebe einsehen und verstehen, damit ich lebhaft erkenne, was ich dir schuldig sey; und diese Erkenntniß mich zur Dankbarkeit, die Dankbarkeit zur Gegenliebe, die Gegenliebe zum willigen Gehorsame, zur thätigen Nachahmung deines Beyspieles bewege! ich wünsche, mit der Gemüthsfassung vor dir zu erscheinen, welche das Eigenthum der Frommen. ist; wünsche, jede Zerstreuung zu vermeiden, die Lauigkeit zu überwinden, meinen Geist nur mit dir zu beschäftigen, von den heiligen Gedanken und Empfindungen durchdrungen zu werden, die meine Andacht erhöhen sollen. Heilige also durch deine Gnade diese Seele, die durch dein Blut von der Macht des Verderbens erlöset ist! Zum feyerlichen Gedächtnisse deines Todes hast du, o Jesu! dieses *** 113** heilige Mahl eingeseßet. Könnte ich daran Theil nehmen, ohne dabey an alle deine Wohlthaten, die du den Menschen erwiesen hast; an deine göttliche Lehre, an deine großmüthige, unüberwindliche Liebe, an dein Leiden, deine Geduld und Standhaftigkeit, an deinen Tod, an deine Auferstehung, an Alles, was du zur Rettung und Erlösung der Welt gethan, gelitten, erduldet, aufgeopfert haft, dankbar zu erinnern? Nein, der Gedanke an dich, an deine freywillige Aufopferung für die fündige Welt sen jetzt der herrschende in meiner Seele! Durch den Glauben von der Wahrheit deines verföhnenden Leidens und Sterbens überzeugt, fühle ich mein Herz von den heiligen Empfindungen der Dankbarkeit gegen dich belebt und durchdrungen! Sen gepriesen für die Rettung aus dem Joche der Sünde, unter deren Dienstbarkeit wir ohne deine erbarmende Hülfe noch seufzen würden; gepriesen für die Versöhnung, die du zwischen deinem Vater und uns gestiftet hast; für die Til gung der ewigen Strafe, die wir verdienet haben; für die Vorzüge der Kinder Gottes, die uns durch dich zu Theil geworden sind! Meine Seele frohlocket über deine huldreichen Verheißungen, die uns eine ewige Vereinigung mit dir in den Wohnungen deines Baters zusichern, zu deren Besitznehmung du voran gegangen bist, wohin du uns 8 114 33 durch deine Lehre und dein Beyspiel den Weg gezeigt und gebahnet hast. il Der Genuß deines Fleisches und Blutes, mein Heiland! ist das Unterpfand meiner Seligkeit, die Bestätigung der unendlichen Vortheile, die ich, dein Erlöseter, den du so theuer erkauft hast, genießen soll. Hier an diesem Altare, wo du deine Berheißung auf eine so trostvolle Weise erfülleft: ich bin bey euch bis an das Ende der Welt," höre ich den erfreulichen Zuruf: Gott ist versöhnt! Hier empfängt der Verirrte, der zurück kehrt, die Bürgschaft von deiner Huld und Gnade. ,, Gott hat ſeinen Sohn für uns in den Tod gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken?" Dank sey dir, unaufhörlicher Dank von mir und allen Menschen gesagt! Und wodurch könnte ich dir, mein Herr und Erlöser! diesen Dank feyerlicher und deinen Absichten gemäßer erweisen, als dadurch, daß ich mich auf's neue zur Heiligkeit des Lebens verpflichte? Wie du dich für mich hingabest, so ergebe ich mich dir. Dir und deiner Verehrung, der Nachahmung deiner heiligen Gesinnungen und deines heiligen Wandels widme ich mich. Folgen will ich dir auf allen Wegen meines Lebens. Deine Gnade begleite mich; dein Beystand stärke mich; dein Geist lebe und wirke in mir; er erwecke mich zur Thätigkeit im Guten, damit ich das Glück eines durch dich 115 22. begnadigten Christen in seiner ganzen Fülle genieße. bid Mit voller Überzeugung glaube ich, mit freudigem Herzen bekenne ich, daß du es selbst bist, göttlicher Erlöser! den ich in dem heiligen Sacramente empfange. Du hast es gesagt: ,, dieß ist mein Leib; dieß ist mein Blut." Dein Wort ist Wahrheit. An dein Wort glaube ich. Dein Wort trieget nicht. Du bist der Allwissende, der Ewigwahrhaftige; darum glaube ich, was du gelehrt hast; darum fann mein Glaube nicht irren und nicht wan ken. Was konnte deine Liebe, o Herr! zu meinem Heile mehr thun? Ergründen kann ich diese Liebe nicht; nur glauben, anbethen, danken. Mein Glaube an deine Lehre erweckt in mir auch die Hoffnung an das, was du verheißen hast. Bersprochen hast du es! du einziger Mittler und Heiland der Menschen: ,, wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinket, hat das Leben in sich, und er wird leben durch mich." Du selbst bist die Nahrung und das Leben der Seele. Du wirst also vollenden in mir, was deine Liebe angefangen hat; wirst die Seele, die du durch die Buße zu Gnaden aufge= nommen hast, von aller bösen Neigung reinigen, im Guten befestigen, mich stärken auf dem Wege zur Seligkeit, daß ich nicht abweiche von der rechten Bahn, und einst dahin gelange, wo du bist in 8* 116- Herrlichkeit deines Vaters. Ja, so gewiß als du dich mir selbst dargibst, so gewiß ist deine trostvolle Versicherung, daß ich mit dir ewig glückselig leben soll. Meine Zuversicht ist auf deine Güte, deine Treue, deine Allmacht gegründet. Kann sie zu Schanden werden? L Ich glaube an die Wahrheit deiner Liebe; ich hoffe auf die Verheißungen deiner Liebe; und ich sollte dich, der du so unendlich gut und vollkommen bist, nicht über Alles lieben? Du hast dich zu uns Sündern herabgelassen, um uns zu erhöhen; du starbst den schmerzlichsten Tod, um uns zum Leben zu erwecken; du gibst dich uns zur Nahrung der Seele in dem Sacramente der Liebe, um uns mit dir auf das innigste zu vereinigen. Ganz Liebe bist du gegen uns, und ich sollte nicht auch gegen dich ganz Liebe seyn! O, meine Worte sind zu schwach, um die Empfindungen für deine Güte würdig auszudrücken. Ich kann nur stammeln: mein Herr und mein Gett! PER SAGT 2009 Du kommst zu mir, ungeachtet meiner Fehler und Vergehungen, du, der du den Sünder nicht verstoßest, wenn er ungeheuchelt zu dir zurück kehrt! Ich bin zwar, wie ich zuversichtlich hoffe, gereiniget durch die Buße von meinen Sünden; aber ich erneuere noch ein Mahl am Fuße deines Altares die Reue, welche ich über sie empfinde, und den Abscheu, 117 4. welcher mich, indem ich meinen Undank und deine Liebe ernstlich erwäge, bey dem Gefühle meines Un gehorsames gegen deine heiligen Geseße durchdringt. Reinige du mich noch mehr! Schaffe in mir den Geist der Rechtschaffenheit! Segne meinen Vorsatz der Besserung und Tinnesänderung, daß er von dieser Stunde an in Erfüllung gehe! Hilf der Neigung zur Tugend das Übergewicht über den Hang zum Bösen gewinnen, daß ich von nun an, der Sünde abgestorben, nur der Gerechtigkeit lebe! Was kann tröstlicher seyn, als der Zuruf des Priesters: Siehe das Lamm Gottes, siehe den, welcher hinweg nimmt die Sünden der Welt!" Nein, meine Seele, sen nicht beängstiget. Den du empfangen wirst, ist nicht ein unerbittlicher Richter, nicht ein strenger Vergelter deiner Treulosigkeit, nicht ein Feind, der dich in Ungewißheit läßt, ob er sich je mit dir versöhnen werde; es ist dein Mittler, der das Lösegeld für deine Sünden entrichtet hat, der Gott deiner Hoffnung und deines Heiles. Er will zu dir kommen, um sich mit dir zu vereinigen, dir das theuerste Unterpfand seiner Liebe, sich selbst, zu geben, und so mit dir einen unauflöslichen Bund der innigsten Freundschaft für Zeit und Ewigkeit zu stiften. Mit dem Verlangen, Eins zu seyn mit dir, mein Erlöser! so heilig und schuldlos, wie du, so demüthig und sanftmüthig, wie du, so wohlthätig * 118- und liebevoll, wie du, so unermüdet im Gutesthun, wie du, nahe ich mich deinem Tische, den du mir bereitet hast. Laß meine Gesinnungen den deinigen immer ähnlicher, und meine Vereinigung mit dir immer vollkommener werden! Wenn nun der Priester die heilige Hostie zeigt, so sprich: Herr, ich bin nicht würdig, daß du zu mir kommst, sondern sprich nur Ein Wort: so wird meine Seele gesund. Nähre meine Seele zum ewigen Leben! Nach der heiligen Communion. Oheiliges Gastmahl! in welchem Jesus Chris stus genoffen, das Gedächtniß seines Leidens ges feyert, die Seele mit Gnade erfüllet, und das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit uns dargereicht wird. Ich danke dir, göttlicher Erlöser! für den Trost deines Segens und deiner Liebe, den ich im Genusse deines Fleisches und Blutes empfangen habe. Mein Glaube ist gestärkt, meine Hoffnung auf deine huldreichen Verheißungen belebt, mein Herz zur Gegenliebe entflammt. Was kann ich thun, auf= opfern, um meinen Dank, meinen Gehorsam dir. zu bezeigen? Du verlangst zum Beweise meiner Erkenntniß deiner unaussprechlichen Gnade, daß ich deine liebevolle Absicht an mir in Erfüllung bringe; der Sünde absterbe, der Tugend lebe, und so meine *** • 119- Seligkeit wirke. Noch habe ich deine heilige Absicht nicht erfüllt, nicht so erfüllt, wie derjenige, der aus Liebe zu seinem Wohlthäter, seinem Freunde und Retter gern Alles thut, Alles leistet und auf opfert, um sich seiner Liebe würdig zu beweisen. Lauigkeit und Trägheit mischten sich noch immer in das wenige Gute, welches ich gethan habe. Gute Werke ließ ich mit Sünden abwechseln, oder ich übte sie nicht aus Liebe und Achtung gegen dich aus, sondern aus eigennüßigen, unedlen Bewegungsgründen. Bald wurde ich des Guten müde, und meine Vorfäße waren so geschwind gebrochen, als ich sie ohne wahren Ernst, und ohne dem Rückfalle sorgfältig vorzubeugen und auszuweichen, gefaßt habe. Ein Spiel meiner Leidenschaften, handelte ich nicht nach festen Grundsäßen, sondern nach den Aufwallungen meiner unbezähmten Neigungen. Ach, mein Heiland! der du mich der innigsten Vereinigung mit dir gewürdiget hast, ändere dieses Herz, das dein Eigenthum ist. Mache, daß du, daß deine Denk- und Sinnesart in mir lebe. Ich lasse dich nicht, dann du segnest mich. Das höchste Ziel meiner Wünsche ist: dir ähnlich zu werden. Deine Gnade belebe mich zur ausdauernden Standhaftigkeit im Guten, zum entschlossenen Widerstande in Versuchungen, zur unverbrüchlichen Treue in allen Umständen meines Lebens, zur sorgfäl 120 tigen Hinwegräumung aller Hindernisse und Gefahren des Heiles. Wenn du mich stärkest, vermag ich Alles. Kein Feind der Tugend ist so mächtig, den ich nicht durch dich und mit dir überwinden; kein Reiß der Sünde so schmeichelhaft, denn ich nicht mit deinem Beystande verabscheuen; kein Lohn des Lasters so verführerisch, den ich nicht, durchdrungen von dem Werthe deiner Gnade, deren Verlust alles Andere überwiegt, verachten sollte. Ich betheuere es also auf's neue, daß ich Glaus ben und Gewissen sorgfältig bewahren, und mein heiliges Taufgelübde unveränderlich halten will. Ein Christ will ich seyn in dem ganzen Umfange der Obliegenheiten, die mir dein Evangelium auflegt. Deine Lehre soll stets meine Richtschnur, so wie mein Ruhm bleiben. Alle Bemühungen des Leichtfinnes und des Unglaubens werden gegen die Standhaftigkeit meiner Überzeugung scheitern. Ich wäre deiner nicht werth, wenn ich mich deiner und deiner Lehre je schämen sollte. Ja, ich verpflichte mich aufs stärkste, dein sanftes Joch und deine leichte Bürde zu tragen. Ich gelobe dir, Alles zu verlassen und zu verachten, was mir den Verlust deiner Gnade zuziehen könnte. Mein Erlöser, bereichere meine Seele mit der Fülle wahrer Tugenden! Gib, daß ich den Hochmuth durch die christliche Demuth; den Geiß durch 121 thätiges Wohlwollen und Wohlthun; die Ungeduld durch Gelassenheit; Haß und Zorn durch Sanft= muth; Lauigkeit und Trägheit durch den Eifer für Gott und Tugend, und durch Gebeth und Andacht; den Leichtsinn durch Standhaftigkeit und treues Ausharren im Guten; meine bösen Reigungen. durch die Strenge gegen mich selbst; meine Sinnlichkeit durch Selbstverläugnung und Abtödtung; die Lockungen zur Sünde durch Nüchternheit und Wachsamkeit besiege. Bringe, o Herr! in meiner Seele alle ihre Triebe, Wünsche und Begierden in Ordnung, damit ich einen Wandel führe, welcher dir wohlgefällig ist und meinem Nächsten zur Erbauung dienet.d Da ich das Mahl deiner unbegränzten Liebe gefeyert habe: so erwecke auch in mir und befestige die Gesinnungen der Nächstenliebe, die ich allen meinen Miterlöfeten schuldig bin. Laß mich sie ohne Rücksicht, ob es mein Freund oder Feind, mein Wohlthäter oder Beleidiger ist, ausüben! Du versagtest sie selbst deinen Mördern nicht; für Alle hast du dein Leben gelassen, Allen soll also auch ich mit christlicher Liebe zugethan seyn. Könnte wohl jemahls zwischen mir und dir eine Vereinigung bestehen, wenn ich diejenigen haßte, denen du Gnade erweisest; diejenigen verachtete, welche du, wie mich, durch die Theilnahme an deinem heiligen Ti 122 sche geehret hast? Würde mich nicht das schreckliche Schicksal des unwürdigen Genusfes treffen? Du setzest, mein Herr und Erlöser, das heilige Abendmahl als ein Stärkungsmahl der Gläubigen und ein Gedächtnißmahl deines Todes ein, gabst deinen Jüngern noch die heilsamsten Lehren, Ermahnungen, Tröstungen, betheteft für sie zu deinem Vater, standest dann auf, um deinen heiligen. Beruf fortzusetzen, und ihn, ach, unter den härtesten Prüfungen! zu vollenden. Verleihe auch mir die Gnade, daß ich, durch dich gestärkt, die Pflichten meines Standes nach deiner Anordnung treu er fülle; daß ich mich nicht von dem Wahne bethören laffe, ich könne die Versäumniß derselben durch Religions- Übungen erfeßen und vergüten! Lehre mich einsehen, daß, den Willen Gottes zu thun, und sein mir aufgetragenes Werk vollenden, wie du das deinige vollendet hast, deine heilige Absicht sey! Auch in meinem Berufe werden sich Hindernisse und Schwierigkeiten zeigen, von Leiden und Unannehmlichkeiten werde ich nie ganz fren seyn. Sollte ich nicht Geduld und Gelassenheit üben, ich, der ich als ein schuldiger Sünder leide, da du, der unschuldige Sohn Gottes, littest, was noch kein Mensch ge= litten hat? Müssen nicht in dem Munde des Christen, der an dir das höchste Beyspiel der kindlichen Gottesergebenheit hat, und auf deine Kraft und $ 35 123 33Stärke zuversichtlich vertrauen kann, alle heidnis schen Klagen über Kreuz und Widerwärtigkeiten verstummen? Du hast dieses heilige Mahl, o Jesu! am Abende vor deinen Leiden gehalten; du versprachst deinen Jüngern die Wiedervereinigung mit dir in dem Reiche deines Baters. Auch ich feyerte also den Sieg über Grab und Verwesung, indem ich das Unterpfand der seligen Unsterblichkeit empfing. Aus, ich soll durch dich ewig leben. Nicht ganz Staub bin ich. Die Vernichtung wird über meine Seele keine Gewalt haben. Ich verpflichte mich daher zu einem Wandel, der eines unsterblichen Menschen würdig ist, der die erhabene Hoffnung hat, einst in der Ges sellschaft mit dir und den vollendeten Gerechten zu seyn. Die Erde ist nicht mein Vaterland. Nichts Irdisches, kein zeitliches Glück soll mich je vergessen machen, daß ich für die Ewigkeit, durch ein unermüdetes Streben nach Tugend und Vollkommenheit, leben soll; da mein künftiger Zustand ganz davon. abhängt, wie ich jetzt zu denken und zu handeln mich gewöhne. Du, o Mittler! hast den Tod auch für mich überwunden. Ich zage nicht bey seinem Anblicke. Ich sterbe mit dir, damit ich mit dir lebe. Der Tod ist Trennung von hinfälligen Dingen, aber Annäherung zu dir, mit dem er mich ewig vereinigen soll. O gib, daß ich würdig werde, einst, wenn *** 124 3 meine letzte Stunde wirklich schlägt, mit diesen from men und trostvollen Gesinnungen von der Welt zu scheiden! Phone Das Danklied Simeons.( Luc. 2.) Herr! nun läsfest du deinen Diener, nach deinem Worte, in Frieden fahren; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker; ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preise deines Volkes Israel. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne zc. Abendgebeth am Beicht- und Communion- Tage. Gott, wie könnte ich diesen für mich so feyer= lichen Tag, an welchem ich der huldreichsten Verzeihung meiner Sünden und der innigsten Gemeinschaft mit dir gewürdiget wurde, beschließen, ohne dafür deine Güte dankbar zu preisen, und mir die feligen Überzeugungen und Empfindungen, die mich durchdrangen, noch Ein Mahl zu vergegenwärtigen! Mein Gewissen ist beruhigt; mein Glaube gestärkt; meine Hoffnung belebt; mein Herz zur Liebe gegen dich, den Ervarmungsvollen, entflammt. Schon heute empfand ich die Früchte meiner Undacht. War ich vorsichtiger gegen die Verführung der Sünde, strenger gegen meine Neigungen, aufmerksamer auf - 125- mich selbst und auf deine Stimme; entheiligte keine vorsägliche Übertretung diesen Tag; störte kein Haß und Zorn die Ruhe meines Herzens und die Ruhe Anderer; verletzte kein sündhafter Gedanke die Ehrfurcht, die ich dir, dem Allgegenwärtigen, schuldig bin; ärgerte keine meiner Handlungen den Nebenmenschen; schadete keine feiner Ehre und seiner Wohlfahrt: so ist dieses die Wirkung deiner Gegenwart, deiner Gnade, die du mir, als der Quell aller Gnaden, verliehen hast, und wovon ich unter deinem Beystande, einen dankbaren Gebrauch zu machen mich bestrebte. ad nos di O selige Beicht- und Communion- Undacht! wie reich bin ich von Gott belohnt! is n Aber nicht nur dieser Tag müsse mir heilig gewesen seyn; sondern auch jeder Tag meines Lebens müsse es seyn! Nicht nur dieser ist dein, o mein Gott, jeder ist es! Jeder soll, indem ich deinen Willen erfülle, ein dir angenehmer Gottesdienst werden! Ich reinigte mich nicht um deßwillen durch die Buße von meinen Sünden, um wieder fortzus fündigen, sondern um der Günde für immer abzusterben; und da mir meine vorigen Übertretungen vergeben sind, als ein von Gott Begnadigter dir zu leben, die durch Frömmigkeit und Tugend anzuhängen. Ich genoß das Fleisch und Blut Jesu nicht, um nur von meinen bösen Gewohnheiten und Ver 126 33gehungen einen Tag auszuruhen, oder gleichsam durch eine flüchtige Andacht einen Ersatz für so viele Fehler und Sünden zu leisten, sondern um mich zu stärken gegen allen Wankelmuth im Guten, mich zu stärken zur Standhaftigkeit und Beharrlichkeit. and Bertrauungsvoll auf deine väterliche Hülfe will ich nun auch morgen und allezeit auf der Bahn der Tugend fortschreiten, die ich heute zu betreten beschlossen habe. Täglich, dieses hoffe ich von deinem Beystande voll Zuversicht, werde ich auf derselben weiter kommen, und dem Ziele mich nähern.nied Wenn ich dann wieder diese heilige Handlung erneuere, und ohne Selbstbetrug und Täuschung zu dir, o Gott! sagen kann: ich bin seit meiner leßten Communion besser geworden, habe keine freywilligen, vorsätzlichen Übertretungen zu bereuen, sondern nur Mängel und Schwachheiten dir abzubitten: o dann wird mein Dank desto reiner und kindlicher seyn; Freudenthränen werden sich in denselben mischen, und sich in die heiligsten Empfindungen des Vertrauens, der Gegenliebe ergießen. Dieses ist mein Wunsch, mein Verlangen am" Schlusse dieses Tages. Gib, o Gott! daß dieser Bunsch, dieses Verlangen in Erfüllung gehe.- Mit diesen Gesinnungen ergebe ich mich der Ruhe; mit diesen will ich morgen und jeden Tag, den du mir noch schenken wirst, erwachen! * 127 43Stärke auch, o Gott! zu diesen Entschließungen Alle, die heute mit mir an dem Tische des Herrn Theil nahmen. Laß in meiner und ihrer Seele die frommen Vorfäße nie geschwächt werden, sondern tief wurzeln und gedeihen, damit wir Alle, durch wechselseitige Beyspiele und Ermunterungen zum Guten, eine Gemeinde tugendhafter Christen und treuer Nachfolger Jesu ausmachen! Amen. sesses -3-3-3-3-3-3-3-3Andachtsübungen auf die vorzüglichsten Festtage des Herrn. Litane 1) von dem heiligsten Nahmen Jesu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott, heiliger Geist, Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott, Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes, Jesu, du Sohn der Jungfrau Maria, Erbarme dich unser! * 128 uhHeiligster Jesu, Allmächtiger Jesu, Vollkommenster Jesu, Glorwürdigster Jesu, Demüthigster Jesu, Sanftmüthigster Jesu Geduldigster Jesu, Jesu, du Heiland der Welt, Jesu, du Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesu, du guter Hirt, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, du Freund reiner Seelen, Jesu, du wahres Licht der Welt, Jesu, du ewige Weisheit, Jesu, du unendliche Güte, Jesu, du Spiegel der Vollkommenheit, Jesu, du Vorbild aller Tugenden ,. Jesu, du Vater der Armen, Jesu, du Tröster der Betrübten, Jesu, du Freude der Engel, Jesu, du König der Patriarchen, Jesu, du Erleuchter der Propheten, Jesu, du Meister der Apostel, Jesu, du Lehrer der Evangelisten, Jesu, du Stärke der Märtyrer, Jesu, du Licht der Beichtiger, Erbarme dich unser! 129 33Jesu, du Bräutigam der Jungfrauen, erbarme is dich unser! Jesu, du Krone aller Heiligen, erbarme dich unser! Sen uns gnädig! verschone unser, o Jesu! Sen uns gnädig! erhöre uns, o Jesu! Von allem Übel, Von aller Sünde, pl Von den heimlichen Nachstellungen des Teufels, Von Pest, Hunger und Krieg, Von Übertretung deiner Gebothe, Von dem Anfalle aller Übel, Durch deine Menschwerdung, Durch deine Geburt, Durch deine Schmerzen, Durch deine Geißelung, Durch deinen Tod! Durch deine Auferstehung, Durch deine Himmelfahrt, ai Durch deine Herrlichkeit im Himmel, Durch die Fürbitte deiner heiligsten Mutter und Jungfrau, Durch die Fürbitte aller deiner Heiligen, Erlöse uns, o Jesu! O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die. Sünden der Welt, verschone unser, o Jesu! O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erhöre, uns o Jesu! 9 130 33. O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Jesu! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! le ene ding in 199 aiding an o Vater unser c.id nad ple V. Der Nahme des Herrn sey gebenedent, R. Von nun an bis in Ewigkeit! in prisodil no Gebeth. tomi med ol O Gott! der du den glorwürdigsten Nahmen Jesu Christi, deines Sohnes, unseres Herrn, deinen Gläubigen ganz lieblich und anmuthig, den bösen Geistern aber furchtbar und schrecklich gemacht hast, verleihe gnädigst, daß Alle, welche diesen Rahmen andächtig auf Erde verehren, die Süßigkeit der heiligen Tröstung in diesem Leben empfangen, und dort im zukünftigen die ewige Freude und unendliche Seligkeit im Himmel erhalten und genießen mögen; durch eben denselben Jesum Christum, unseren Herrn, deinen Sohn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. A od 02 ved modni sa 131 333Um Weihnachtsfeste. Sohn Gottes! für uns Menschen geboren, ich vereinige meine Stimme mit der Stimme der Engel, und preise deinen Vater im Himmel, daß er dich, seinen Eingebornen, uns geschenkt hat. Ich erblicke dich zwar in der Niedrigkeit eines schwachen Kindes; aber mein Glaube bethet dich an als den Sohn Gottes. Du bist Mensch geworden; aber du bist auch das Wort des Vaters, das vom Anfange bey Gott war, und Gott selbst ist. Du bist uns sterblichen Menschen ähnlich, aber durch dich ist auch Alles erschaffen, was erschaffen wor= den ist. Du bist der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und der Spiegel seiner Vollkommenheit. Der Glaube an deine Gottheit wird stets mein BekenntLED HD D niß seyn. Du brachtest den Frieden vom Himmel herab, und erwarbest uns das Vorrecht, Gott unseren Bater zu nennen; öffnetest den Eingang in die ewigen Wohnungen, den die Sünde verschloß. Du kamest in die Welt, die Sünder selig zu machen. Schuld und Strafe, die wir verdienten, nahmeſt du hinweg. Durch dich sind wir mit Gott versöhnt. Sen gelobet, mächtiger Mittler zwischen Gott und den Menschen, Stifter des Friedens und der Versöhnung! für die trostvolle Beruhigung, die deine 9 * 132 33 Ankunft dem Menschengeschlechte verkündiget, daß der Retter der Menschen, ihr Helfer und Befreyer aus der Knechtschaft der Sünde und des To= des, erschienen sey. O Heiland! der du kamest, uns zum Leben zu erwecken, da wir sittlich todt waren; uns von der Sünde zu erlösen, da wir Sünder waren; uns zu Kindern Gottes zu machen, da wir Kinder der Verwerfung hießen; uns zu Miterben deines Reiches zu erheben, da wir kein anderes Erbtheil, als das Erbtheil der Sünde, die Verdammniß, zu gewarten hatten: o laß mich dieser trostvollen Vorrechte gemäß handeln, daß ich bleibe, was ich durch dich geworden bin: stets lebend in der Gnade Gottes, stets frey von dem Joche der Sünde, ein Kind Gottes, Gottes Erbe und dein Miterbe! Mit der Ankunft meines Herrn und Erlösers wurden die Finsternisse des Unglaubens, des Jrrthumes, des Aberglaubens, der Sittenlosigkeit zerstreuet; mit ihr wurden Wahrheit, Tugend, Friede, Nächstenliebe in die Welt wieder eingeführt. Die Welt, die in das tiefste Verderben versunken war, erhob sich durch ihn zur Verbesserung ihres unglücklichen Zustandes. Daß wir Gott kennen, seinen Willen, seine Forderung an uns, seine Eigenschaften und Vollkommenheiten; daß wir von seiner Allmacht, Weisheit, Güte die reinsten und 133 edelsten Begriffe haben; daß wir Gott mit einem Herzen voll Vertrauens und Zuversicht verehren und anbethen; daß wir Stärke zum Guten, Trost im Leiden genießen; daß uns die freudigsten Aussichten über Grab und Verwesung geöffnet sind; o, dieses Alles haben wir dir, Jesu du Sohn Gottes, zu danken. Möchte ich den ganzen Werth deiner wohlthätigen, Segen bringenden Ankunft in die Welt einsehen und schätzen! Erleuchte meinen Verstand durch deine Lehre, rühre mein Herz durch deine Gnade, daß ich stets lebendig erkenne, was ich dir schuldig bin, und diese Erkenntniß in mir nicht müßig bleibe, sondern heilige Früchte des Tugend und Frömmigkeit bringe! Dieses ist der wahre Dank, den du von mir forderst. Diesen Dank dir zu leisten wird stets mein Bestreben seyn. Amen. Nach Kirchengebethen. O Gott! der du mit dem Andenken deiner Erlösung erfreuest, gib, daß wir deinen eingebornen Sohn, den wir als unseren Heiland und Mittler mit Vertrauen aufnehmen, auch einst als Weltrichter mit Zuversicht kommen sehen! Gott! laß das Licht, das die Welt beglücket, durch den Glauben unseren Verstand erleuchten, und durch die Liebe an unserem Wandel sichtbar werden. - 134 33 Wir bitten dich, allmächtiger Gott! die Ge burt deines eingebornen Sohnes wolle uns von dem Joche der Sünde erretten, unter welchem wir unsere sittliche Freyheit verscherzten. Wir flehen dich darum an durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Um Fefte der Erscheinung des Herrn. Kirchengebeth. O Gott! du haft an diesem Tage deinen eingebornen Sohn den Heiden durch die Begweisung des Sternes geoffenbaret; auch uns hast du dich durch den Glauben zu erkent.en gegeben. Deine Gnade sey ferner unsere Führerinn, daß wir auch zur Anschauung deiner ewigen Herrlichkeit gelangen mögen, durch Jesum Christum, unseren Herrn! Wh Dank für den Beruf zum wahren Glauben. Gott, ein Gott aller Völker! ich danke dir mit gerührtem Herzen, daß du auch mich zum wahren Glauben berufen hast. Freudenvoll feyere ich das Andenken an die ersten Anstalten, die du für die Seligkeit der Heiden gemacht hast. Daran sehe ich ein ewiges Denkmahl deiner Liebe, die allen Menschen, wenn sie nicht vorsäglich dir widerstres - 135 33. ben, die Mittel, zu dir zu gelangen, ertheilt. Wie glücklich bin ich! Wie sicher und getrost kann. ich nun in dem Lichte des Glaubens auf der Bahn der Tugend fortwandeln, mit Freudigkeit, mit Muth und Stärke die Schickungen dieses Lebens ertragen, voll Hoffnung und Zuversicht der Ewigkeit entgegen sehen! Vermehre du in mir die Achtung gegen die Wahrheiten des Glaubens; bewahre mich vor der Gleichgültigkeit gegen die Religion; schüße mich mit väterlicher Hand, daß ich mich stets von den Abgründen entfernt halte, in welche der Unglaube stürzet! Durch Treue gegen die Vorschriften der Religion mill ich unter deinem Beystande meine Überzeugung von der Wahrheit n der Wahrheit und Güte meines Glaubens an den Tag legen; durch Früchte der Tugend der Welt das Zeugniß geben, daß die Lehre Jesu zu immer höherer Vollkommenheit, zur wahren Bestimmung des Menschen, zur Ruhe und Zufriedenheit der Seele führe, und zu dir, o Gott! Amen. wwwwwwwwww Für die Fasten. Nach Kirchengebethen. Gott! der du demjenigen, welcher sich vor dir demüthiget und Buße thut, Gnade für Gerechtigkeit erweisest, neige dein Ohr gnädig herab zu un 13633serem Flehen, und erfülle deine Diener mit dem Geiste der Buße. Ertheile ihnen, was sie dich mit Vernunft und Weisheit bitten, und segne was sie empfangen, durch Jesum Christum, unseren Herrn! Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! du hast den Niniviten, die im Trauergewande und in der Asche Buße gethan haben, Vergebung ihrer Sünden gnädig angedeihen lassen; verleihe auch uns, daß wir, wie sie, Buße thun, und, wie sie, Bergebung unserer Sünden erlangen, durch Christum, unseren Herrn! Amen. mwana Umschreibung des 50. Psaimes; Erbarme dich meiner, o Gott*)! 1) Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit! Wie ein Kind von Scham und Reue über seinen Ungehorsam durchdrungen, flehe ich zu dir, o Gott! als meinem beleidigten Vater. In mir finde ich nichts als Vorwürfe des Undankes und der Untreue. Nur deine Erbarmung kann mich aufrichten. Wohl mir, daß du geneigt bist, zu verzeihen! Groß ist deine Huld und Güte. Diese ist meine Hoffnung und Zuversicht. *) Miserere.. *** 137*** 2) Und nach der Menge deiner Erbarmungen tilge meine Ungerechtigkeit! Oot voda#MOT NE Deine Barmherzigkeit ist größer und mannigfaltiger, als wir denken und begreifen können. Du verstoßest den größten Sünder nicht, wenn er zu dir zurück kehrt. Ich kehre zu dir zurück. Tilge meine Missethaten. Tilge in mir den Grund der Ungerechtigkeit: die Neigung und den Hang zur Sünde; und wenn ich Buße thue, nimm hinweg von mir die Beängstigung, mit welcher mich die snisch Sünde züchtiget! 320 59 or y "/ 3) Wasche mich immer mehr von meiner Ungerechtigkeit, und reinige mich von meiner Sünde! Du bist der Urquell aller Gnaden, ergieße sie über meine unreine Seele, bis sie gang rein wird von allen unlauteren Begierden und strafbaren Lüsten! Ach, ich bin so lange nicht frey von der Sünde, so lange sie noch in meinem Herzen herrscht, aus welchem jede sündhafte That hervor geht! 4) Denn ich erkenne meine Ungerechtigkeit, und meine Sünde ist allezeit wider mich. Warum sollte ich mich selbst betriegen, oder vor dir heucheln, daß ich besser sey, als ich wirk lich bin? Nein, voll Beschämung gestehe ich es, ich bin ein Sünder; meine Sünde schwebt stets vor meiner Seele. Sie ist meine Anklägerinn. Ehe ich sie beging, schien sie mir, der ich mich von meinen 138 3233901377 Leidenschaften leichtgläubig täuschen ließ, nicht so schwer zu seyn; aber jetzt erkenne ich, belehrt durch das strafende Gewissen, die Größe meiner Verschuldung, meines Undankes, meiner Thorheit. 5) Dir allein habe ich gesündiget; vor deinen Augen that ich Böses. Du wirst in deinen Rathschlüssen gerecht befunden, und behältst Recht, wenn du richtest. Was hilft es mir, wenn leichtsinnige Menschen die Sünde für etwas Unbedeutendes halten, ober, wenn ich in ihren Augen nicht so sträflich erscheine, als ich es vor dir bin? Du allein prüfest Herz und Nieren. Du allein bist Richter; und doch habe ich vor deinem heiligen Angesichte, vor, dir, der du die geheimsten Gedanken und Empfindungen kennest, Böses gethan; ich habe die Ehrfurcht verleget, die ich dir, dem Allgegenwärtigen, schuldig bin! die Strafen, die du über mich verhängst, sind gerecht. Qual und bittere Angst folgten auf dein Geheiß der Sünde nach. Ich verdiente es. Und doch sehe ich in diesen Strafen nicht nur deine Gerechtigkeit, sondern auch deine Milde, die mich dadurch zur Buße weckte. Recht ist Alles, was du thust. 6) Siehe, in Sünden ward ich empfangen, und in Sünden hat mich meine Mutter empfangen. Die Schwachheit und die Sünde habe ich auf die Welt mitgebracht. Gütiger! du sahst auf meine Schwachheit, du kamest mir zu Hülfe. Aber wie 139*** VORO oft mißbrauchte ich das Gefühl meiner Schwachheit, um dadurch meine Sünden zu entschuldigen? Wie oft traute ich vermessen meinen Kräften? da doch meine Schwachheit mich zur Wachsamkeit und Nüchternheit, zur Vermeidung der Gefahren der Sünde aufforderte? 7) Siehe, du liebest die Wahrheit; die verborgensten Geheimnisse deiner Weisheit hast du mir geoffenbaret. Ich kann nicht sagen, daß ich aus Unwissenheit gesündiget habe. Du hast mich, o Gott! durch Vernunft und Offenbarung über meine Pflichten erleuchtet; du ließest mich den beständigen Zeugen meiner Gedanken und Handlungen, das Gewis sen, überall hin begleiten, daß es mich belehre, warne, zurecht weise. Du liebest Wahrheit, liebest ein unverstelltes Herz. Ich bekenne also meine Schuld. Laß dir mein aufrichtiges Geständniß gefallen! 8) Besprenge mich mit Ysop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich weißer werde, als der Schnee! Nur du, o Gott! kannst den Sünder reinigen von dem Aussaße der Sünde. Nimm ihn hinweg von mir! Kann gleich meine Seele, wenn ich schwer gesündiget habe, nicht mehr den Schmuck der Unschuld wieder erlangen, so reinige sie doch ganz durch die Buße von der Befleckung der Sünde, und 140 3-33ziere sie mit dem Schmucke der wieder erworbenen heilig machenden Gnade! 9) Verkündige du meinem Ohre die frohe Bothschaft, 16 ( daß mir die Sünden vergeben sind.) und alle meine Gebeine werden vor Freude aufhüpfen, so zerschlagen sie jetzt sind! Laß mich o Gott; die trostvolle Versicherung in meinem Innersten hören: du bist von deinen Sünden gereiniget! Dann erwacht neues Leben in mir, neue Kraft zur Tugend, neue Entschlossenheit, auszuharren bey dem Borsaße der Besserung und Sinnesänderung. So träge und kraftlos ich vorhin zum Guten war, so eifrig und thätig werde ich mit deinem Beystande forthin seyn. 10) Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, tilge alle meine Missethat! SHIM ANG S Gedenke dann, o Gott! nicht mehr, daß ich wider dich gesündiget habe. Sieh gnädig, da du meine Missethaten getilgt haft, auf mein redliches Bestreben, sie nie wieder zu begehen. 11) Erschaffe in mir, o Gott, ein reines Herz, und erneuere den rechten Geist in mir! Andere dieses Herz! Heilige es durch deine Gnade, daß nichts unreines, keine verborgene Lust zur Sünde in ihm bleibe! Laß künftig den Geist der Wahrheit, der richtigen Erkenntniß mich leiten, daß kein Vorurtheil, kein falscher Grundsatz mich 141 333bethöre, Unrecht zu thun, und dein heiliges Geset 301 302 zu verlegen. 12) Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Ich habe es verdient, von dir verworfen zu werden; aber du bist gnädig. Entziehe mir deine Huld nicht! Aus Gnaden hast du mich zur Buße gerufen; gib mir auch die Gnade der Vollendung meiner Besserung! Dein heiliger Geist erleuchte, regiere, warne und befestige mich in meinen guten Vorsätzen! Entferne ihn nicht von mir; ohne ihn vermag ich nichts! 13) Erfreue mich wieder mit deiner Hülfe, und befestige in mir einen zum Guten entschlossenen Geist! Was du durch deine Gnade angefangen hast, das befestige durch dieselbe, daß ich nie wieder abweiche von dir! Laß mich die Freude der Besserung vollkommen empfinden, da ich die Freude der Unsträflichkeit verscherzt habe! 14) So werde ich den Ruchlosen deine Wege bekannt machen, und Sünder werden zu dir zurück kehren. Selbst gebesfert, werde ich auch zur Besserung Anderer beytragen. Ich werde das Ärgerniß tilgen, und diejenigen erbauen, welchen ich ein Stein des Anstoßes war. Meine Bekehrung wird ihnen die Gnade verkündigen, und sie werden dich darum anflehen, und zu dir sich kehren, den sie verlassen haben. 142 2215) Rette mich von den Blutschulden, Gott, du Gott meines Heiles! Deine Gerechtigkeit soll mein Mund verkündigen. 219 Bewahre mich künftighin vor jeder Sünde, aber vorzüglich vor schweren Vergebungen. Als Günder kann ich nur mit Furcht und Schrecken an dich denken. Rette mich, daß ich dich mit freudigem Munde preisen könne! 16) Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird. deinen Ruhm verkündigen! Sobald die sanfte Beruhigung der Versöhnung mit dir in meine Seele zurück kehrt, überströmt auch der Mund von den Gefühlen des Dankes und des Preises. Diese Beruhigung verleihe mir, damit ich fähig werde, dir für deine Gnade von ganzem Herzen zu danken. 17) Wolltest du ein Opfer: ich brächte es dir dar. An Brandopfern hast du keinen Gefallen. Ich bin dir Genugthuung schuldig. Fordertest du auch das schwerste Opfer: keine Forderung würde zu streng seyn, die ich nicht zu leisten verpflichtet wäre. Aber, an bloß äußerlichen Aufopferungen hast du keinen Gefallen. Es ist das Opfer des Herzens, das du.verlangst; denn 18) das Opfer, das dir angenehm ist, ist ein zerknirschter Geist; ein reuevolles Herz wirst du, o Gott! nicht verachten. aff - 143- 4 Wenn ich dir meine Neigungen, Begierden und Bestrebungen opfere, daß sie dir, der Tugend und Gottseligkeit geheiligt seyn, so weiß ich, daß du dieses Opfer gnädig annimmst. Ein Herz, das, von Reue durchdrungen, sich nach deiner Gnade sehnt, mit deiner Gnade zu wirken entschlossen ist, wirst du nicht verschmähen. 19) Sey ferner Sions Schuß, daß Jerusalems Mauern erbauet werden! no Deine Kirche ist das neue Sion, in welchem du wohnest. Schüße sie, daß diese heilige Stadt an tugendhaften Bewohnern, an der Zahl der wahren Gläubigen immer wachse! 20) Dann werden die Opfer der Unschuld gefallen, Dank und Brandopfer; dann werden auf deinem Altare Opferthiere rauchen. = Ja, die ganze Kirche wird sich meiner Bekehrung freuen. Sie wird dir das Opfer des unbefleckten Lammes, das sich für unsere Sünden hingegeben hat, und deiner allein würdig ist, darbringen. Theilnehmend an diesem Opfer, werde ich gestärkt werden gegen den Rückfall in die Sünde, und voll Dank ausrufen: Deine Güte ist höher, als der Himmel, und deine Erbarmungen haben keine Gränzen. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und 144 33dem heiligen Geiste, wie im Anfange, jegt und allezeit, und zu ewigen Zeiten! Amen.pudoror Dieser Pfalm kann auch vor oder nach nae20d gebethet und betrachtet werden. and on h der Beichte nnd bind odonto) sontled Pan jaior ji nejolbions neation Um Charfreytage.sebin nó 3 um Betrachten. de fer Welch ein Tag, zu dessen andächtiger Feyer wir uns heute versammeln! Ein Tag, der uns an alles das Große und Heilige, an alles das Trostvolle und Herzerhebende, was die Religion in sich faßt, erinnert! Wichtiger, thaten- und folgenreicher war noch keiner! Ein Tag der Schöpfung eines neuen sittlichen Lebens, der Erlösung von der Sünde und dem ewigen Tode! Was würde es uns nüßen, ruft die Kirche in ihrem heiligen Erstaunen über den leidenden und sterbenden Heiland aus, was uns nüßen, erschaffen zu seyn, wüßten wir nicht auch, daß wir erlöset sind? Der Tod ist überwunden worden, da der Urheber des Lebens auf dem Holze des Kreuzes starb. So will auch ich im Geiste hintreten zu dem Kreuze Jesu, und mein Gemüth zu ernsthaften Betrachtungen sammeln. Wer leidet und stirbt? Der Heilige, das Beyspiel der höchsten Vollkommenheit, der einge ** Vater,- nicht mein sondern dein Will geschehe! Lue. 22. P Langer * 145*** borne Sohn des himmlischen Baters, der Wohlthäter, Lehrer und Erlöser des Menschengeschlechtes. Der Vater schonte seines Bielgeliebten nicht: darf ich über die Leiden und Widerwärtigkeiten des Lebens klagen; fordern, daß ich frey davon bleibe? O, daß sie nie Folge meiner eigenen Schuld, meiner Vergehungen wären! diese sind die schwersten und drückendsten. Die deine Borsehung, o Gott! verhängt, sind nie ohne Beymischung von Trost und Linderung für den Gehorsamen, den Ergebenen. Kraft und Stärke reichest du zugleich dem, welchen du prüfest, um ihn, wie das Gold, zu läutern. Ich verlange nicht von dir, o Bater! daß du mir kein Leiden sendest: ich bin ein fehlerhafter, sündiger Mensch. Es ist mir gut, daß du mich demüthigest. Nur ziehe deine Hand nicht weg von deinem schwachen Kinde, daß ich die Trübsal, ohne mich gegen deine heiligen Anordnungen zu sträuben, gehorsam trage! mops shatino) Was litt der sterbende Erlöser? Betrachte die Größe und Mannigfaltigkeit seiner Leiden. O! noch nie hat sich ein solches Heer von Leiden über das Haupt eines Tugendhaften zusam men gebäuft, als die waren, welche Jesus, der Gerechte, der Sohn Gottes, erduldete. Sieh, wie seine Ehre gemißhandelt, seine Unschuld und Tugend verleumdet, seine göttliche Person verlästert 10 - 146- wird; wie man ihn als einen Verbrecher, als einen Gotteslästerer, als einen Verführer der Nation anklagt, und frech genug ist, die Anklage durch falsche Zeugnisse zu unterstützen. Sieh, wie sich da Hohe und Niedere, die Hohenpriester und Ättesten sowohl, als das Volk verschwören, die Schwachheit und Menschenfurcht des Richters mißbrauchen, um das Leben eines Mörders bitten, mit wildem Geschreye das Verdammungsurtheil des Gerechten fordern, und diese Forderung durch den unerhörtesten, verstocktesten Ausruf: Sein Blut komme über uns und unsere Kin der! erzwingen; wie sie dann alle Gefühle des Mitleidens, der Menschlichkeit unterdrücken, sich ben der schmerzvollen Geißelung und Krönung Alles, was Muthwille, Schadenfreude, Wuth und Grimm erfinnen können, erlauben, damit er nicht nur leide, sondern unter langsamen, durch Grausamkeit geschärften Martern erschöpft werde; nicht nur sterbe, sondern, wie jener Wütherich sagte, es fühle, daß er sterbe. Jesus litt also die unaussprechlichsten Peinen an Leib und Seele, Alles, was auf das empfindlichste schmerzen kann; mehr als ich mir vorzustellen vermag- den grausamsten, schimpflichsten Tod. 200 - Was der Mensch leidet, so groß auch sei ne Trübsale seyn mögen, was ist es, o Jesu, als # 147*** ein Tropfen aus dem Leidenskelche, den du getrun= ken hast? Wenn Ungeduld, wenn bange Zweifel an Gottes Vorsehung mich zu überwältigen drohen, will ich blicken auf dich, und der leiseste Laut der Unzufriedenheit, der Mißbilligung der heiligen Rathschlüsse Gottes soll, ehe er ausbrechen kann, verstummen. i O, daß ich durch eingebildete Leiden mich nie beherrschen ließe! daß ich, was ich zu ertragen habe, mir nicht durch Widerspänstigkeit und erbitterte Gemüthsart erschwerte! Was du, o Gott! verhängst, ist allezeit so genau abgewogen, daß uns nie mehr aufgebürdet wird, als wir mit deinem Beystande zu ertragen vermögen. Dieses ist die Überzeugung, der Trost des Christen. Nur wir, nur unsere Leis denschaften legen uns oft Kummer und Sorgen auf, die uns trostlos niederbeugen, weil ihre Quelle ein ordentliches, oft bösartiges Gemüth, und ihre Fol gen Sünden sind. in spuldenatusm Wie litt der sterbende Erlöser? Gott ergeben, heilig, erbaulich. Während seines Leidens übte er die schönsten, nachahmungswürdigften Tugenden aus. Er schwieg. Keine Äuße rung der Ungeduld, des Ungestümes, der Rachgier entehrte seinen göttlichen Charakter. Das Leiden schwächte seine unermüdete Thätigkeit nicht. Er versäumte unter den heftigsten Schmerzen nicht, * 10 148 3. was seinem heiligen Berufe gemäß war. Er rettete den gefallenen Petrus, indem er einen mit Ernst und Liebe gemischten Blick in sein Herz senkte, das sich sogleich in Thränen der Reue ergoß. Mitleidsvoll machte er die über ihn weinenden Frauen auf das bevorstehende, schreckliche Schicksal Jerusalems aufmerksam: Weinet nicht über mich; son= dern weinet vielmehr über euch und eure Kinder! So tief rührte ihn ihr Schicksal; das seinige trug er mit unüberwindlicher Gelassenheit. Er sorgte mit kindlicher Zärtlichkeit für seine heilige Mutter, und zeigte dem treuen Jünger, wie werth er ihm sey, da er ihm dieselbe empfahl. Und sein großmüthiges Gebeth für seine Mörder: Bater, verzeihe ihnen, denn sie wis sen nicht, was sie thun! Welch ein Beweis von der inneren, durch keine Leidenschaft gestörten Ruhe des Geistes, von seiner selbst durch die unmenschlichsten Mißhandlungen nicht geschwächten Lies be! Die Sünder selig zu machen, kam er auf die Welt. In diesem Berufe starb er. Sterbend küns digte er dem bußfertigen Mitgekreuzigten Begnadigung und die Aufnahme in sein Reich an. Mit dem Gebethe zu seinem Vater: Nicht wie ich will, sondern wie du willst, begann er sein Leiden; mit dem Gebethe: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist! be 149 3. schloß er es. Er leidet also die schrecklichsten Schmerzen, stirbt den schimpflichsten Tod, und seine Geduld wird nicht ermüdet, seine Sanftmuth nicht geschwächt, seine Gelaffenheit nicht erschöpft, seine Gei stesgegenwart nicht unterbrochen, seine Standhaftigkeit nicht überwältiget. Wir sehen unseren Herrn auf den vielfältigen Schaupläßen seines Leidens; in dem Ohlgarten, vor dem hohen Rathe, im Gerichtssaale Pilati, auf dem Hügel der Schedelstätte, immer dieselben Tugenden einer erhabenen, durch kein Ungemach niedergedrückten Seele: Tugenden der Mäßigung, der Großmuth, der Selbstverläugnung, der Frömmigkeit ausüben. de Die Trübsale, die uns Gott zusendet, sollten nach der Absicht der Vorsehung uns besser, tu gendhafter machen. Aber ach, wie wenig habe ich diese Absicht erfüllet! Sie reizten mich zum Uns muthe, zum Trübsinne. Litt ich durch Andere; so glaubte ich, Abneigung und Haß müssen mir erlaubt seyn. Wie oft mußten die Unschuldigsten, die um mich waren, was ich litt, entgelten, indem ich ihnen ihr Naheseyn um mich durch meine Ungeduld verbitterte. Was war mein Gebeth? ein ungestümes Ächzen und Klagen zu Gott; nicht kindliches Flehen, welches Ergebung in Gottes Willen zur Folge hat. O, vielleicht habe ich oft es versucht, durch ungerechte Mittel, durch Verlegung der Tu 150 uzz. gend und des Gewissens, mich aus der Noth zu retten! Schrecklich, wenn ich das gethan habe! Ich habe die Arzeney, die mir Leben bringen sollte, in tödtendes Gift verwandelt! O Jesu, erbarme dich meiner! Lehre mich, wenn die Trübfal kommt, tugendhaft leiden. Vorzüglich in der Leidensstunde will ich mir dich vergegenwärtigen, damit ich wie du leide; damit, wenn die Versuchung des Unwillens und des Mißmuthes an mich dringt, ich, durch dich gestärkt, fähig werde, der Ungeduld zuvor zu kommen, durch Gelassenheit; der Unzufriedenheit durch die kindliche Ergebung in Gottes Willen; der Kleinmüthigkeit durch das Vertrauen auf Gott; der Trostlosigkeit durch die Hoffnung und Zuversicht, daß unter Gottes Regierung Alles zum Besten derjenigen dienen müsse, welche ihn lieben. All think daid Warum litt und starb der Erlöser? Um der fündigen Welt Begnadigung und ewiges Leben zu erwerben. Er gab in seinem Leiden und seinem Tode das Lösegeld, welches uns retten und befreyen sollte. Wir selbst Sünder, konnten es nicht entrichten. Ohne ihn waren wir verloren. Wir konnten ohne Versöhnung mit Gott nicht selig werben. Diese Versöhnung hat uns Jesus durch sein Blut erkauft, erworben. Er starb für Alle. Niemand schloß er von der Begnadigung aus: nicht den s 151 größten Sünder, nicht den Undankbarsten, nicht seinen wüthendsten Verfolger und Mörder. Ihm haben wir also Alles zu verdanken: Trost und Be ruhigung, Kraft und Stärke zum Guten, die Hoffnung der seligen Unsterblichkeit. Bened in göttlicher Erlöser! sollte mein Dank für deine Liebe nur in einer vorüber gehenden Rührung bestehen? Nein, edlere Früchte soll er in meiner Seele hervor bringen. Du starbst für die Sünder; der Sünde will ich absterben. Du starbst, weil du wolltest; aus Liebe zu dem menschlichen Geschlechte wähltest du das Kreuz. Leben will ich nur dir, der tu für mein Heil starbst. Mit stiller Sanftmuth und Geduld ertrugst du die schmerzlichsten Peinen; Canfmuth und Geduld soll auch mein Bestreben sern, damit ich, wie du, Gott ergeben leiden könne. Du starbst, und bis zum letzten Hauche warst du, noch vom Kreuze herab, für das Wohl Anderer besorgi; durch dich will ich auch mich zur Erfüllung meiner Pflichten stärken; wie du, gegen den Nächsten liebreich, und selbst gegen Feinde versöhnlich seyn. Kindliches Gebeth zu deinem Vater war die Stärkung. Es sey auch mein Trost und meine Freu de, daß ich zu dem in jeder Noth fliehen darf, dessen Willen du gehorsam vollzogen hast. Den Missethäter, der sich sterbend zu dir wendete, versichertest du der Begnadigung. An deiner Huld und s 152 333Gnade zweifeln, wäre also das größte Verbrechen. Nein, du willst den Tod des Sünders nicht, sondern, daß er sich bekehre und lebe. Vollbracht hast du Alles, was dir der Vater aufgetragen hat; vollbringen will auch ich, mit deinem Beystande, was zu meiner Besserung und Heiligung nothwendig ist, ehe der Tod mich übereilet, wo ich nicht mehr wirken kann. Deinen Geist übergabst du in die Hände deines Vaters. Gib mir die Gnade, so zu leben, daß einst mein Ende wie dein Ende sey! Laß alle deine Erlöseten die heiligen Wirkungen deines Leidens und Sterbens an sich erfahren. Der Glaube an dich, die Hoffnung auf dich, die Liebe zu dir, als unserem Mittler und Seligme= cher, erwecke den Sünder zur Buße, den Gebess serten zum Fortgange im Guten, den Leidenden zur Geduld und zur Gelassenheit, den Sterbenden zur Entschlossenheit, seinen letzten Kampf, voll Zuversicht auf deine Kraft und Stärke, mit dem ruhigen Hinblicke auf das von dir uns wieder erworbene Baterland zu vollenden. Führe du uns selbst auf dem Wege der Gebothe zum Leben, wo wir erst fähig seyn werden, dir würdig zu danken für Alles, was du für uns vollbracht hast, und wo wir dich, der du dich hier erniedrigtest, und gehorsam warst bis zum Tode des Kreuzes, mit der höchsten Herrschaft und Würde an - 153 3. gethan, zur Rechten deines Vaters erhoben, anbethen und ewig preisen werden. Amen. Empfindungen bey dem Anblicke des ge= kreuzigten Erlösers. 200 258 apost Der ist's, o Mensch! der hingestrecket, dap Vom blut'gen Schweiße ganz bedecket, Für dich den Kelch der Leiden trank; Der, seinen Vater zu erweichen, Selbst schuldlos, unter Geißelstreichen, Die du verdientest, niedersank.do Der ist's, der eine Dornenkrone Von frecher Mörderhand zum Lohne das Andy Für alle seine Liebe trug: g dhur and 197900 Den blinder Undank ohn' Erbarmendu Ans Kreuz mit ausgespannten Armen, Den Sündertod zu sterben, schlug. Mensch! daß dir stets vor Augen bliebe, Was des Erblaßten Anblick lehrt: Er starb! Erwäge seine Liebe!- Für dich!- Erwäge deinen Werth! mananam L — Um Osterfeste. Kirchengebeth. Gott! der du uns durch deinen eingebornen Sohn, nachdem er den Tod besieget hatte, den *** 154 33. Eingang in die selige Ewigkeit aufgeschlossen hast, laß alle die heiligen Entschließungen zu einem tugendhaften, des Himmels würdigen Leben, die deine zuvorkommende Gnade in uns erweckt, durch die Macht deines Beystandes von uns ganz in Erfüllung gebracht werden! Wir bitten dich darum durch Jesum Christum, unseren Herrn! 2c. mot Heilige Freude über den Glauben an ein unsterbliches Leben.vn@ Gepriesen sey Gott der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns, nach seiner großen Erbarmung, durch die Auferstehung seines Sohnes von den Todten, zur Hoffnung des Lebens wiedergeboren hat, und zur Erwartung eines unvergängliz chen, unbefleckten, unverwelklichen Erbgutes, welches uns im Himmel aufbehalten ist. Ja, mein Herr und Heiland, das Haupt der Gemeinde lebt, und stirbt forthin nicht mehr! Er hat die Fesseln des Todes zerbrochen! Aus der Stätte der Verwesung, aus dem Grabe geht er lebendig hervor, und feyert den Sieg über die vereitelten Absichten seiner Feinde! Wohl mir! Sein Sieg ist auch der meinige. Seine Auferstehung ist Bürge meiner Unsterblichkeit. Von dem Augenblicke, da er sich über die dunkle Felsengruft erhob, konnte das menschliche Geschlecht voll heiligen Jubels ausrufen! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott cas 155$ 3sen Dank, der uns den Sieg verliehen hat, durch unseren Herrn Jesum Christum! o bonist och ရက် Nun ist mein Glaube an ein ewiges Leben unerschüttert gegründet! meine Hoffnung auf dasfelbe kann nicht zu Schanden werden. Dieser Glaube, diese Hoffnung ist nicht bloß Menschenlehre. Du lebst, o Jesu! sagtest dein Wiedererwachen vom Tode, als einen Beweis von der Göttlichkeit deiner Sendung, und von der Wahrheit deiner Lehre, den Jüngern voraus. Dein Wiedersehen sollte ihnen das Unterpfand seyn, daß sie ewig mit dir leben, und nie mehr von dir getrennt werden sollten. Nein, Gott kann uns nicht zum Irrthume verführen. Dein Vater würde dich nicht, wie du es vorher verkündigtest, von den Todten erweckt haben, wenn er dadurch eine falsche Lehre hätte bestätigen sollen. Und dieser Glaube, diese zuversichtliche Hoffnung sollte mich nicht zur dankbarsten Freude erwe= cken? Auch meiner wartet ein ewig glückseliges Leben, wo alles Irdische und alle Last des Irdischen auf ewig wird gehoben seyn; wo aller Schmerz in Freude, alles Leiden in Tegen, jede Thräne abgetrocknet, in Dank und Lobpreisung sich verwandeln wird. Der Fürst des Lebens feyert seinen Triumph und ich, sein Glied, sein Erlöserer, erlange dadurch die unwidersprechlichste Hoffnung der ewigen Vereinigung mit ihm. Er ist voraus gegangen, *** 156* uzz. um mir und allen seinen Angehörigen in dem Reiche seines Vaters eine Stätte zu bereiten. Als Christ sehe ich, gestärkt durch den Glauben, über Grab und Verwesung hinaus. Der Tod hat seine Schrecknisse abgelegt. Für den Erlöseten ist er Bothe des Friedens, Herold des Lebens. Freue dich, meine Seele, dieser tröstlichen Beruhigung! Aber deine Freude sey reich an ernstlichen Vorsäßen zur Tugend. Der Tugend ist die herrliche Hoffnung der glücklichen Zukunft gegeben. Schon hier muß ich aus dem Sündentode mit Christo auferstehen; suchen, was droben ist, wie Christus herrschet zur Rechten Gottes, wenn ich einst mit Vertrauen und Zuversicht der Ewigkeit entgegen sehen soll. Hotda s O, verleihe du mir dazu Kraft, siegreicher Erlöser! Du, der du alle Gewalt hast im Himmel und auf Erde, kannst mich stärken zum Siege über die Sünde. Mein Leben sey Nachahmung deines Lebens, damit ich einst, wie du, sterben; wie du, verklärt aus dem Grabe hervor gehen, und mit dir ewig leben möge! Amen. wwwwwwwwwwwaaa Um Fefte der Himmelfahrt des Herrn. and Kirchengebeth. Allmächtiger Gott! wir bitten dich, verleihe uns die Gnade, daß wir, die wir die Himmelfahrt -*** 157 3 333deines eingebornen Sohnes, unseres Erlösers, glauben, schon hier einen himmlischen Wandel führen. Durch eben denselben Jesum Christum, unseren Herrn 2c. Erwägung der durch Jesum wiederherges stellten Würde des Menschen. Stald tid Tief ist der Mensch herabgesunken von seiner ursprünglichen Würde. Das Ebenbild der Gottheit ward an ihm durch die Sünde verunstaltet. Er ver= lor das Recht des himmlischen Erbtheiles. Sein Theil war Verwerfung, die er sich selbst zuzog. Dies se Schande, diese Entehrung hat der Erlöser hinweg gehoben, der zur Rechten Gottes herrschet! Je= sus, der Eingeborne des Vaters, aber auch Mensch, wie wir, ist auf den Thron der Gottheit erhoben. Dahin erhob er die menschliche Natur, erhob er auch uns, die wir seine, als unseres Hauptes Glieder find. D, eine unaussprechliche Ehre für das menschliche Geschlecht! Unser Schicksal ist mit dem Schicksale Jesu unauflöslich verbunden. Er sprach ja selbst in den rührendsten Ausdrücken: Bater, ich will, daß, wo ich bin, auch die ben mir seyn, die du mir gegeben hast; daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Nun kann ich ohne Furcht den Tag meiner Auflösung von den Banden des irdischen Lebens erwarten. Er 158 44führt mich dahin, wo ich meinen Lehrer und Wohlthäter, meinen Retter und Heiland, meinen Herrn und Gott, dem ich Alles zu verdanken habe, näher kennen, inniger lieben, reiner und tiefer verehren, und an seiner Herrlichkeit Theil nehmen werde. Und ich sollte nicht schon jetzt, gestärkt durch den Hinblick auf diese Verherrlichung, so handeln, wie es der Würde eines Angehörigen und Miterben Jesu geziemt? Nein. Der Himmel, der einst meine Wohnung seyn soll, nimmt nur unschuldige oder gebefferte Menschen auf. So sey also schon hier mein Wandel in dem Himmel. Der himmlische Sinn reiße meine Seele von den schnöden Lüsten der Welt los, schwäche die Anhänglichkeit an das Irdische, damit ich es einst ohne Sträuben, mit gehorsamer Bereitwilligkeit verlassen kann; er lehre mich den Werth des gegenwärtigen Lebens in einen weisen, tugendhaften Gebrauch desselben seßen; die Freuden der Unschuld, der Tugend, der Anhänglichkeit an Gott, des Umganges mit ihm höher achten, als die Freuden der Sinnlichkeit und üppigkeit; lehre mich in Eintracht mit dem Nebenmenschen leben, damit ich von dem Eingange in mein Vaterland, wo Alle Ein Herz und Eine Seele sind, Alle Eins mit Gott und ihrem glorreichen Erlöser, nicht ausgeschlossen werde. Gott, ich bin fest entschlossen, nie eine Sünde *** 159- zu begehen, die mich nach den Grundsägen meines Glaubens des Erbtheiles unfähig macht, welches mir mein Erlöser gerettet hat. Was hälfe es mir, gewänne ich auch die ganze Welt? Sie ist mit allen ihren Blendwerken und Eitelkeiten, zu arm, um mir einen Ersatz für den Berlust meiner Seele zu geben. Ich will mich, verleihe mir dazu deinen Beystand! schon hier der Hoffnung des künftigen Glückes gemäß betragen. Ich bin bestimmt, alles Irdische zu überleben; es geziemet sich also, daß ich mich los reiße von irdischen Lüsten, die wider die Seelen streiten. egod thim nrannt Angeloben will ich es meinem verklärten Erlöser, daß seine Lehre stets mein Gefeß, seine Gefinnungen meine Richtschnur, sein Wandel mein Vorbild und der Gegenstand meiner Nachahmung seyn soll, damit ich einst durch seine Gnade würdig befunden werde, das von ihm errungene Erbtheil wirklich zu übernehmen. Ihm sey Ehre, Preis und Anbethung in Ewigkeit! Amen. Um ww. Pfingstfeste. Kirchengebeth. Gott, der du an dem heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes unterrichtet hast, verleihe uns die Gnade 160332daß wir in demselben Geiste verstehen lernen, was recht ist, und uns seiner Tröstung allezeit erfreuen mögen, durch unseren Herrn Jesum Christum deinen Sohn ic. no Bitte um die Gnade des heiligen Geistes zur Heiligkeit des Lebens. Heilig soll ich seyn, wie Gott heilig ist. Das Ziel meines Bestrebens ist Ähnlichwerdung mit Gott. Vollkommen erreichen werde ich es nie, dieses Ziel, aber immer mehr mich demselben nähern; Allem entsagen, was mich davon entfernen kann, das soll ich. Doch vermag ich es auch ohne eine höhere Leitung und Kraft? Täglich erfahre ich meine Schwachheit, meine Unbeständigkeit. Oft habe ich den Irrthum für Wahrheit, das Beyspiel der Menge für Rechtfertigung meiner Fehler, die Sünde für nicht so sträflich gehalten, als sie es vor dem allsehenden Richter ist. Erkenne ich auch, was Recht und Pflicht ist; o, wie oft ist meine Erkenntniß ohne Ausübung, meine Überzeugung ohne That! Wie oft nehme ich die Leidenschaften zu Hülfe, um meine Handlungen zu entschuldigen, wenn Vernunft und Gewissen meine Ankläger sind! 12 Jesu! Du hast uns der Kraft von oben versichert:„ Wenn ihr," sprachst du, die ihr des Böfen fähig seyd, euern Kindern gute Gaben geben 161 Fönnet; wie vielmehr wird der himmlische Vater seinen heiligen Geist denen geben, die ihn lieben. Mit Zuversicht kann ich also bitten: Bater, gib auch mir den heiligen Geist! den Geist der Heiz ligung, daß er, was unrein in mir ist, durch das Feuer der göttlichen Liebe verzehre; den Geist der Wahrheit, daß ich stets den Alles überwiegenden Werth der Tugend erkenne, und sie mehr als jes den anderen Vortheil schäße; den Geist der Stärke, daß ich den Versuchungen zur Sünde wirksam widerstehe; den Geist der Weisheit, daß ich mit Einsicht und Klugheit den Gefahren des Heiles ausweiche, und die gehörigen Mittel zu meiner Vers vollkommung ergreife; den Geist der Entschloffenheit und Standhaftigkeit, daß ich, wenn Beyspiel oder Spott, oder Hoffnung eines hinfälligen Gewinnes mich zu verführen drohen, unverrückt bey der Überzeugung bleibe: daß nur Frömmigkeit und Tugend wahre Ehre sey, wahre Wohlfahrt gewähre; daß ich unveränderlich in dem Vorsaße ausharre, mir nichts zu erlauben, was dir mißfällig ist, und was du mir, als dir mißfällig, durch mein Gewis sen ankündigest! Göttlicher Geist! mache mich empfänglich für deine Belehrungen und deine Warnungen, deren Stimme ich so oft in meinem Innersten vernehme. Laß mich erkennen, daß ich stets Unrecht haben müsse, 11 162 3.3. wenn ich dagegen Einwendungen machen wollte! Erleuchte mich, daß ich an christlicher Erkenntniß zunehme! Stärke mich, daß meine Vernunft die Oberhand über die Leidenschaften gewinne! Tilge in mir die Trägheit zum Guten durch Belebung des Eifers und der Achtung gegen die Vorschriften der Religion! Heilige mein Herz, daß es immer mehr und mehr sich der sündhaften Neigungen entledige; daß nicht nur mein Wandel in den Augen der Welt unsträflich werde, sondern auch alle meine Gedanken, Empfindungen, Begierden vor dir unsträflich seyn! Hilf mir die Hindernisse des Heiles hinweg räumen! Gegen die Verführung zur Sünde rüste mich mit Wachsamkeit, Nüchternheit und entschlossenem Muthe aus! Entziehe mir deine Gnade nicht, welche das Leben der Tugend erhält und befördert, und verleihe mir stets diejenigen Stärkungsmittel, die die Thätigkeit für die Tugend be= leben, und ben allen Versuchungen der Lauigkeit erhalten! Ich gelobe dir eine folgsame Bereitwilligkeit, deinen Beystand sorgfältig und wirksam zu benußen. Der du das Wollen gegeben hast, gib auch das Vollbringen! Amen. www.www. Um hohen Dreyeinigkeitsfeste. Kirchengebeth. Allmächtiger ewiger Gott, der du deinen Dienern die Gnade verlichen hast, in dem Bekennt Penger du In Nahmen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Matth. 26. *** 163- nisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit, die Macht und Majestät der ewigen Dreyeinigkeit anzubethen: wir bitten dich, du wollest diesen Glauben in uns befestigen, und uns vor allen widrigen Schicksalen bewahren, durch unseren Herrn 2c. Umschreibung des apostolischen Glaubensbekenntnisses*). Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Es ist kein Gott, als der einige, wahre, allmäch tige Gott, welchem Himmel und Erde ihr Daseyn, ihre Ordnung und Schönheit, welchem wir alles Gute, das Leben und alle Wohlthaten des Lebens zu verdanken haben. Und dieser Gott ist mein Va ter. Als sein Kind hebe ich meine Hände zu ihm auf, um ihm für seinen väterlichen Gegen zu dan= ken. Seine Liebe ist unendlich, sie umfasset Zeit und Ewigkeit. Ich glaube an ihn. Durch Gegen= liebe will ich meinen Glauben thätig beweisen. *) Das ist: des Inhaltes der von den Aposteln ver= kündigten Glaubenslehre, welches zwar öfter, aber vorzüglich an diesem Tage, erneuert werden foll. 11 * 164 33 Und an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unseren Herrn. Wer an den Vater glaubt, muß auch an seinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, glauben. Er ist das Ebenbild des Vaters. Er, unser Herr und Gott, mit dem Vater Eins. Wir sind sein Werk, sein Eigenthum. Ohne ihn ist nichts gemacht, was gemacht ist. Er ist unser Mittler, Erlöser, Seligmacher. Durch ihn werden wir heilig, selig. Nach ihm nenne ich mich. Ich bin ein Christ, sein Nachfolger. Wenn ich ihm folge, verfehle ich den Weg zur Seligkeit nicht. Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrait. her del Das Wort ist Fleisch geworden. Der Sohn Gottes erschien unter uns in Menschengestalt, voll Gnade und Wahrheit. Durch ein Wunder der Allmacht empfing ihn Maria, die Jungfrau. Er trug die Mühseligkeiten unserer Natur, ward Menschensohn, daß wir Kinder Gottes würden. Sein Leben war das vollkommenste Muster der Tugendgröße. Welche Ehre für uns Menschen! Gottes Sohn wird unser Bruder! Dürfte ich es wagen, mich nach seinem Nahmen zu nennen, wenn ich die durch ihn erworbenen Vorzüge durch Sünden und Laster verſcherzte? 165 3-33Gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestor ben und begraben. Sein Leben voll Weisheit, voll Huld und Liebe schloß Jesus mit dem schmerzlichsten Tode Angeklagt von denen, deren Lehrer und Wohlthäter er war; ungerecht verurtheilt, starb er an dem Kreuze: als Opfer für die Sünden der Menschen, in stiller Geduld und Hingebung in den Willen seines Vaters. In ein neues Grab ward er gelegt; I nelles of das Grab ward versiegelt und bewacht. Der AnTonst blick des Kreuzes, an welchem unser Versöhner starb, lehre mich Vertrauen, Gelassenheit, Haß gegen die Sünde! Das Grab, in welchem er ruhete, erinnere mich, daß Leiden und Freuden vergänglich, nur die Früchte der Tugend ewig sind! Abgestiegen zu der Hölle; am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten. Abgestiegen zu der Hölle, um da den Gerechten, die vor ihm in dem Herrn entschliefen, und seiner voll Sehnsucht warteten, Trost und Bothschaft der nahen Erlösung, des nun bald aufzuschließenden Himmels, zu bringen. Dann stand er am dritten Tage auf. Ja, die Verwesung hatte an ihm keinen Theil. Er zerbrach die Riegel des Grabes, er, der Überwinder des Todes und der Hölle. Wie er es vorher gesagt hatte, so erschien er wieder lebendig seinen Jüngern. Seine Auferstehung ist das 166- Werk seiner Allmacht, und die Bestätigung der Wahrheit seiner Lehre und seiner Verheißungen. Sie ist der Grund unseres Glaubens, die Stüße unserer Hoffnung, die Belebung unserer Liebe. An den Auferstandenen glauben, auf ihn hoffen, ihn lieben, sey der Inbegriff meiner Religion. Aufgefahren in den Himmel, siket zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Dort in dem Himmel erntet er den Lohn für seinen Gehorsam gegen den Vater. Er nimmt Befig sis von der Herrlichkeit, die ihm der Vater gege= ben hat: er unser Herr und Bruder.- Er ging hin, auch uns einen Ort zu bereiten. Wir werden da seyn, wo er ist, wenn wir ihm nachfolgen. Dahin seyn also meine Gesinnungen und Bestrebungen gerichtet! Die Tugend kann mir nicht mehr schwer werden. Der schützt und stärket mich, welcher alle Gewalt im Himmel und auf Erde bekommen hat, und seine Macht nur zum Wohle seiner Angehörigen verwendet. Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Er, der einst Verfolgte, von Menschen Verkannte, ist nun ihr Richter. Alle stehen unter seiner Herrschaft: Könige und Fürsten, wie der geringste und ärmste Mensch. Richten wird er, die ihn verurtheilten, die ihn noch jegt verkennen, ihn * 167** verwerfen, an ihn nicht glauben. Sein Urtheil wird die Frommen von den Bösen ewig scheiden: jenen den Antheil an seiner Herrlichkeit, diesen die Qua len der Ewigkeit anweisen. O, der du für mich gestorben bist, verzeihe hier, daß ich einst vor dir, voll Hoffnung und Zuversicht, erscheinen kann! Gib mir die Gnade, hier besser und tugendhaft zu werden. Mein Wandel auf Erde entscheidet mein künftiges Loos: die Seligkeit oder die Verwerfung. Ich glaube an den heiligen Geist. Der mit dem Vater und dem Sohne Eins ist, von beyden auf gleiche Art ausgeht, Wahrheit und Religion auf Erde ausbreitet, das Herz durch Liebe reiniget, die Menschen zur Tugend heiliget, dem Schwachen Stärke, dem Trostbedürftigen Beruhigung, dem Tugendbegierigen Entschlossenheit und Standhaftigkeit ertheilet. Möchte ich stets seine Stimme mit bereitwilliger Folgsamkeit hören! Unter seinem Einflusse muß die Wirksamkeit der Tugend erhöhet und verstärkt, ich immer weiser, bef= ser und seliger werden. Eine heilige, allgemeine, christliche Kirche; Ges meinschaft der Heiligen. Die Eigenschaften und Merkmahle der von den Aposteln verbreiteten Kirche sind: daß sie einig sen in der Lehre, heilig in ihren Vorschriften; daß fie jeden heilige, der ihre Lehre annimmt und be દર 168 53 folgt; daß sie allgemein verbreitet sey. Ein Gott, Ein Glaube, Eine Taufe. Was diese allgemeine Kirche glaubt, ist Wahrheit. Chris stus ist bey ihr, bis an das Ende der Welt. Die Pforten der Hölle, der Geist der Lüge und der Verfolgung, werden sie nicht überwältigen. Von Christo gestiftet, von den Aposteln verkündiget, erhielt sie sich unversehrt von Irrlehre und Neuerung. Glauben, was sie glaubt, ist Pflicht und Sicherheit gegen die verführende Zweifelsucht; gegen die Gefahr zu irren; gegen Gleichgültigkeit in der Religion und den oft daraus ents springenden Unglauben. Aber es nüßt mir nichts, ein Glied der wahren Kirche zu seyn, wenn ich in derselben nicht nach ihren Grundsäßen und Anweis sungen heilig lebe. In dieser Kirche ist eine Gemeinschaft der Heiligen. Sie ist ein sittlicher Leib, desfen unsichtbares Haupt Christus ist; wir sind Glieder desselben. Sind wir nicht todte Glieder, so sind wir Eins mit dem Haupte, und stehen unter einander in der engsten Verbindung. Die vollendeten Gerechten im Himmel, die Unvollendeten in dem Zustande der Reinigung, und wir, die wir noch für unser Erbtheil kämpfen müssen, machen einen fittlichen Leib aus. Wir ehren das Andenken der Heiligen, und sie schenken uns ihre Fürsprache. 169 Wir bethen für die, die ihre Reinigung noch nicht vollendet haben, und für die, welche mit uns streiten. So nehmen wir Alle Theil an dem Guten, das in der Kirche geschieht. Durch Liebe ist das Band christlicher Vereinigung geknüpft. Es reicht bis an das Ende der Welt, und umschlingt Himmel und Erde. Dieser Gemeinschaft will ich durch Nachahmung meiner Vorfahren im Glauben, durch Erbauung meiner Mitchristen und vorzüglich durch Nächstenliebe mich immer würdiger machen. Ablaß der Sünden. SER Ich glaube, daß in der Kirche Jesu, durch das von Christo eingesette Sacrament der Buße, von Gott die nach der Taufe begangenen Sünden Allen, welche von wahrer Reue und dem ernstlichen Vorsaße der Besserung durchdrungen sind, nachgelassen werden. Ich kann also desto freudiger an meiner Sinnesänderung und Heiligkeit arbeiten, da ich an einen Gott glaube, der nicht den Tod des Sünders will, und an einen Mittler, der die Gewalt hat, die Sünden nachzulassen, und diese Gewalt seinen Stellvertretern, den Priestern übergeben hat. Auferstehung des Fleisches. Ich werde so gewiß auferstehen, so gewiß als Jesus auferstanden ist. Der verwesliche Körper wird in einen unverweslichen verwandelt werden; aber • 170 3 er muß hier Werkzeug der Tugend gewesen seyn! Meine Auferstehung wird an Klarheit und Herrlichkeit der Auferstehung meines Erlösers gleichförmig seyn, wenn ich in diesem Leben ihm an Tugend und Heiligkeit gleichförmig war. Wie deutlich leuchtet mir der Spruch des Apostels ein: Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Tempel des hei ligen Geistes sind? Wer aber diesen Tempel entheiligen wird, den wird Gott zerstören." Ehren muß ich meine Seele, daß ich sie durch keinen sündhaften Gedanken, keine unerlaubte Begierde entheilige; ehren meinen Leib, daß ich ihn zu keiner fündhaften That mißbrauche. Und ein ewiges Leben. Die Prüfungszeit ist kurz; die Belohnung ewig: eine Belohnung, die Gott denen bereitet hat, welche ihn lieben, und die alle unsere irdischen Begriffe von Glück und Wonne übersteigt. Darf ich hier trostlos seyn, im Guten ermüden, da meiner ein ewiges Leben wartet? Wie leicht würde ich die Beschwerden und Trübsale dieses Lebens ertragen, wie leicht die Versuchungen zur Sünde besiegen, wie leicht mit ausharrendem Muthe alle Hindernisse des Heiles übersteigen, wenn mein Glaube an die zus künftige Bergeltung so lebendig in mir wäre, als er an sich so wahr, so stärkend, so herzerhebend ist! Ich will ihn durch öfteres Nachdenken über die Kürze 171 333der Lebenszeit und über die ewige Dauer der Zukunft beleben: will hier die Zeit weise benußen, und zur Aussaat für die Ewigkeit so viel Gutes thun, als ich kann, wo ich auch ohne Aufhören die Früchte der Tugend zu ernten hoffe. Amen. Wahr ist, was ich glaube. Gottes untriegliches Wort ist Bürge der Wahrheit. Dieses ist also der Inhalt meines Glaubens: Ein Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Eine allgemeine, apostolische Kirche, die einig und heilig in ihrer Lehre ist. In dieser Kirche eine Gemeinschaft aller Glieder unter einander und mit Christo, die Mittel zur Vergebung der Sünden und zur Ere langung der ewigen Seligkeit. Auf diesen Glauben bin ich getauft worden. In und nach diesem Glauben will ich leben und sterben. Dieses ist mein feyerlicher Entschluß. Amen. Am festlichen Gedächtnißtage der Einseßung des heiligsten Altars Sacramentes, der Frohnleichnamstag genannt. Dieses Fest ward vor Zeiten am grünen Donnerstage, als am Tage der Einsetzung des heiligen Abendmahles begangen. Da aber an diesem Tage die Kirche : 172- zugleich mit dem Andenken des Leidens und des Todes Jesu beschäftiget ist, so hat sie ein besonderes Fest zum Gedächtnisse des heiligsten Altars: Sacramentes eingefett, an welchem die Gläubigen auf eine feyerliche Art ihre dankbaren Gesinnungen für die Huld und Gnade ihres Erlösers äußern sollten. Bey der heiligen Communion sollte ein jeder in stiller Andacht die Überzeugung seines Glaubens, erneuern, und die Empfindungen der Dankbarkeit in sich erwecken; aber heute versammelt sie uns zu einer gemeinschaftlichen, feyerlichen Anbethung Jesu, heute sollen wir Alle mit Einem Munde und Einem Herzen ausrufen: Ehre sey ihm, Anbethung und Dank und Liebe dem Überwinder der Sünde, des Todes, der Hölle! ihm, der uns Heil und Seligkeit gebracht hat, der für uns lebet, und unter uns zu wohnen, sich würdiget! Freuen sollen wir uns Alle unseres Herrn, der uns zur Speise sein Fleisch und zum Tranke sein Blut gegeben hatte; freuen uns, daß er uns in dem Glauben an seine wirkliche Gegenwart erhalten hat! Dieser Tag ist also für uns ein Tag, der vorzüglich der Verehrung und Anbethung Jesu gewidmet ist. Dankbare Freude bey der heutigen Feyerlichkeit. O, Engel Gottes! eilt hernieder, Und menget euch in unsre Lieder! Der Tag ist festlich uns und euch. Das Himmelsbrot, das wir heut' ehren, Mit dem wir uns're Seelen nähren, Das Brot macht Mensch und Engel gleich. - 173*** O, kommt, so wie ihr einst im Saale, Ben Jesu leßtem Abendmahle, Erstaunungsvoll zugegen war't! Ihr sahet dort das Brot ihn brechen; Ihr hörtet ihn voll Liebe sprechen: Dieß nehmt vor meiner Himmelfahrt. Dieß ist mein Leib, den will ich schenken. Es sey zu meinem Angedenken! So oft ihr Freunde dieses thut! So oft ihr dieß Geheimniß handelt, Wird Brot und Wein, wie jeßt, verwandelt In eures Meisters Fleisch und Blut. O, Abgrund unbegriff'ner Gnaden! War's nicht genug, mit Schmerz beladen, Für uns das Licht der Welt zu seh'n? Die Zeit von mehr als dreyßig Jahren, Verachtet, arm und in Gefahren, Mit Undankbaren umzugeh'n? Die Kranken nicht genug zu heilen? Trost, Rath, Gesunden zu ertheilen? Der Weisheit Lehrer uns zu seyn? Für uns in frechen Henkers Händen Ein Leben voll der Qual zu enden? Uns von der Hölle zu befrey'n? Onein es wallen neue Triebe Der ewig uns verheiß'nen Liebe TA 174 333In unsers Heilands treuer Brust. Die lehren ihn das Mittel finden, Sich uns noch enger zu verbinden. Ben Menschenkindern sucht er Lust. Er läßt bis an das Ziel der Zeiten Ben uns sich einen Sie bereiten, Uns feine Neigung darzuthun. Der Gottheit Schimmer einzuhalten, Verhüllt er sich in Brotsgestalten, Und will in unsern Herzen ruh'n. O, laffet uns mit Jubelliedern Der Liebe Wunderwerk erwiedern, Dem dieser Tag geheiligt ist! Preis, Ehre dir im Sacramente, Wo du nach deinem Testamente, Uns immer gegenwärtig bist! Laßt Heilig, Heilig, Heilig schallen Dem Menschenfreunde der vor Allen Bey seinem Christen- Volke wohnt! Dem Lamme, das in Brotes Hülle, Mit aller seiner Gnadenfülle, Auf unseren Altären thront! Du bist es, Herr, du Gott der Götter! Du Brot der Starken, unser Retter! Du bist's in deines Priesters Hand! Wir bethen an dich in dem Staube; on Q * 175 34Das Aug' ist blind, doch sieht der Glaube: Dein Wort ist uns das Unterpfand. Erbarmer, laß uns nicht erröthen, Wenn wir in Leibs- und Seelennöthen Zu deinem Tabernakel flieh'n! Gib heut' und all'zeit deinen Segen! Laß Fürst und Volk auf ihren Wegen Bon dir in deinem Frieden zieh'n! Sen stets auf dieser Lebensreise Geprüfter Christen Seelenspeise, Gebenedentes Himmelsbrot! Und, Herr, in deinem Friedenskusse, In deinem seligen Genuffe Bollend' uns einstens unser Tod! Kirchengebeth, wie Seite 70. Gott, der du uns unter dem wundervollen 2c. chest Vor deinem Throne liege ich; voll Dankbarkeit gegen dich, meinen Herrn und Erlöser, voll freudiger Überzeugung von deiner Gegenwart, voll heiliger Begierde, mit dir stets vereinigt zu bleiben. O, der du einst umher zogest, um den Elenden zu helfen, die Irrenden auf den rechten Weg zu leiten, die Sünder zu bekehren, die Frommen im Guten zu stärken, Jünger zur Verbreitung deiner Lehre zu wählen: du bist, obgleich unsichtbar, 176- noch unter uns. Was die Sinne nicht begreifen, sieht und bethet der Glaube an. Ich fühle das Glück, dir anzugehören, dich zu besißen. Doch will ich meine Verehrung und Anbethung nicht bloß auf äußerliche Demuth einschränken, sondern sie auch durch wesentlichere Beweise der Liebe gegen dich, des Gehorsams gegen deine Lehre, der Nachahmung deines Beyspieles zeigen. Erhalte mich in deiner Gnade, und laß die heutige Feyerlichkeit mir einen Vorgeschmack der Seligkeit seyn, wo ich dich in Gesellschaft aller Auserwählten von Angesicht zu Angesicht sehen werde, der du zu unserem Heile lebest und regierest in Ewigkeit! Amen. Um jährlichen Gedächtnißtage der Kirchweihe. Kirchengebeth. Gott! der du jährlich den Einweihungstag dieses deines heiligen Tempels unter uns erneuerst, und uns denselben erhältst, daß wir uns da, bey den heiligen Geheimnissen, einfinden können, erhöre das Flehen deines Volkes, und verleihe, daß ein jeder, der hier eintritt, dich um deine Gnade zu bitten, sich auch der Erhörung seines Gebethes erfreuen möge durch unseren Herrn Jesum Christum 2c. • 177- Dank für die Wohlthat des Gottesdien= isip si sequidoestes*). Joek en sier and Welche Gnade, o Gott, daß wir uns zu dir aus dem Staube erheben, vertrauungsvoll zu dir uns wenden dürfen! Wenn wir in deinem Hause bethen, muß nicht unser Geist vom Vorgefühle himmlischer Freuden durchdrungen werden? Schon hier genießen wir im Umgange mit dir einen Theil der Seligkeit, die unser im Himmel wartet. Wir sehen dich im Glauben. Die Versammlung der hier bethenden Mitchristen ist das Bild der Auserwählten im Himmel. Wie dort sind sie Eines Sinnes, Eines Herzens, Alle erfüllt von den Gedanken an deine Gegenwart, an deine Huld und Güte. Hier schweigen die Leidenschaften, die im gesellschaftlichen Leben so viel Störung und Berrüttung anrichten. Hier regen sich nur die Gefühle der Reue, des Vertrauens, der kindlichen Zuversicht, der Andacht. Hier wird der Rachgierige zur Sanftmuth, der Irdischgesinnte zur Verachtung schnöder Lüste, ein jeder zur Liebe des Nächsten, der mit ihm Einen Gott anbethet, aufgefordert. So, o mein Gott, so sollen wir wenigstens gesinnet seyn! Wenn wir es nicht sind: welcher Undank wäre dieses für die Wohlthat, daß wir ungehindert zusammen kommen *) Auch öfter, besonders an Sonn- und Feyertagen, zu bethen. 12 *** 178 333können, dich zu verehren und anzubethen! O laß nicht zu, daß wir gegen diese Wohlthat je gleichgültig werden! Laß Erbauung, wechselseitige Ermunterung zur Andacht uns zur heiligen Stätte begleiten! Bewahre uns vor dem Leichtsinne, der, überall sträflich, hier durch das Ärgerniß, welches er durch sein unehrerbiethiges, frevelhaftes Betragen stiftet, ein Gräuel ist! Lehre uns einsehen, daß mit der Vernachlässigung und Versäumniß des Gottesdienstes allezeit die Abnahme der Religion verbunden sey; aber auch einsehen, daß unser Gottesdienst eitel sey, wenn wir nicht durch das Wort Gottes zum Guten entflammt, durch das Gebeth von sündhaf= ten Gesinnungen gereiniget, Eifer für die Tugend, Entschlossenheit zu den Beschwerden des Berufes, Vorsätze der Redlichkeit und Liebe gegen unseren Nächsten in das geschäftige Leben zurück bringen. Ein Gottesdienst, der uns nicht besser macht, wäre o Gott! vielmehr Verspottung deiner, als Verehrung. Unser ganzes Leben sey ein dir wohlgefälliges Opfer; jeder Tag sey Zeuge, daß wir uns dir ganz gewidmet haben! Amen. GB Ant ------179 333333-3-3-3-3-3-3-3-3Berehrung Mariens, der seligsten Jungfrau, und der Heiligen, zur Ehre Gottes. Wenn die Welt das Andenken berühmter Menschen, die sich durch würdige Thaten ausgezeichnet haben, in öffentlichen Denkmahlen der Nachwelt aufbewahrt, so befremdet dieses niemand, weil ein jeder hierin einig ist, daß diese einer fortdauernden Werthschäßung würdig sind, daß die Nachkommen es wissen sollen, was ihre Vorfahren Lobenswürdiges und Großes gethan has ben, und daß es kein mächtigeres Mittel gebe, den in dem Menschen schlummernden Trieb der Nachahmung aufzuwecken, als die öffentliche Achtung, welche man der Tugend und dem Verdienste erweiset. Sollte nun die Kirche zu tadeln seyn, wenn sie aus religiösen Bewegungsgründen das Nähmliche thut? wenn sie ihre älteren Kinder den jüngeren zum Beyspiele darstellt, diefen die Fußstapfen zeigt, welche auch sie betreten sollten? Wenn sie zu diesem Endzwecke uns an gewissen Tagen versammelt, um das Andenken unserer Vorfahren im Glauben zu feyern, damit wir uns an ihrem Tugendwandel erbauen, und zur heiligen Ehrbegierde, ihnen ähnlich zu werden, uns ermuntern? Welche mächtige Aufforderung zum Tugendeifer ist nicht der Gedanke: was du thun sollst, haben Tausende vor dir schon gethan; die Beschwerden, die du um der 12* 180 zzFrömmigkeit und Tugend willen überwinden sollst, haben Tausende schon überwunden! Du ein Bekenner der nähmlichen Religion, ein Mitglied der nähmlichen Kirche, solltest das nicht thun können, was sie gethan haben? Doch, eine Verehrung, die bloß in einer unfruchtbaren Bewunderung bestände, würde sich für die Neligion, die höhere Absichten hat, nicht schicken. Die Kirche will also, daß wir nicht bey denen, die wir verehren, stehen bleiben sollen; erheben sollen wir uns zu der Urquelle alles Guten und aller Tugend, zu Gott selbst. Indem wir, so lehrt sie uns die Heiligen ihrer Tugend wegen verehren, sollen wir die Macht der Gnade Gottes erkennen, sollen den Vater alles Lichtes und aller vollkommenen Gaben preisen, der heilig ist, und heilig macht. So muß sich auch in Rücksicht der Verehrung der Heiligen Alles auf Gott beziehen, sich Alles in dem Lobe, Preise und in der Anbethung Gottes vereinigen. Gott muß allezeit der vorzüglichste Gegenstand und Endzweck seyn. So wird die Verehrung der Heiligen religiöse Verehrung. Lobet den Herrn in seinen Heiligen. Pf. 150. Aber wir rufen auch die Heiligen an, das ist: wir empfehlen uns ihrem Gebethe, ihrer Fürbitte, weil nach der Lehre des Christenthumes das Gebeth der Gerechten sehr viel vermag. Obgleich nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, und er der Einzige ist, der Gott versöhnen, und uns diejenigen Gnaden ertheilen kann, deren wir bedürfen: so setzt doch die Lehre der heiligen Schrift, die sich nicht widersprechen kann, auf die Fürbitte der Gerechten einen groBen Werth; nicht als wenn die Gewährung der Bitte ** 181 33 von jemand anderem, als von Gott, abhängt; sondern weil das vereinigte Gebeth, indem es das Band der christlichen Liebe befestiget, Gott angenehm ist. Wir glauben eine Gemeinschaft der Heiligen; darauf gründet sich das Vertrauen auf das wechselseitige Gebeth der Glieder des sittlichen Körpers, den wir als Christen, als Mitgenossen Einer Kirche, ausmachen. Die Religion führt uns im Geiste in die Gesellschaft der verklärten Gerechten im Himmel, die zwar der Tod von unserem Wohnplaße der Erde, aber nicht von der Kirche, deren Reich ewig ist, getrennt hat. Sie heißt uns, unsere Gebethe mit den Gerechten im Himmel vereinigen; mit den zahllosen Chören der himmlischen Geister, welche sich unseres Wohles freuen( Luc. 15), welche die Gebethe der Frommen( Tob. 12, 12. Offenbar. 8, 3.) vor Gott bringen, und unter ihre Lobgesänge Fürbitten für uns mengen; mit den Scharen der Auserwählten, die einen Theil ihrer Glückseligkeit darin finden, daß sie durch ihre Fürbitte auch für unser Heil beschäftiget sind( Machab. 15. 14.- Offenb. 5, 8). Welch' ein trostvoller Gedanke, daß das Band der Vereinigung unter den Gerechten nicht durch den Tod abgerissen, sondern in die Ewigkeit hinüber geschlungen wird, welches dann keine Zeit, kein Schicksal mehr aufzulösen vermögend ist; daß wir an dem Throne Gottes Freunde haben, deren Wohlwollen, eben so rein, als unveränderlich ist; die an unseren Anliegen, an unseren Gebethen Theil nehmen, und die Glückseligkeit, wel che sie genießen, auch für die Zurückgelassenen einst, wie sie, Erben der Unsterblichkeit, zu erbitten sich bestreben! * 182- Aus diesem folgt, daß es eine aus der äußersten Unwissenheit entspringende Verwirrung der Begriffe wäre, wenn man behaupten würde: die Heiligen verehren sen so viel, als sie anbethen. Sie anbethen, ihnen den Dienst erweisen, welcher Gott allein, der allein der höchste Herr des Himmels und der Erde ist, gebühret, wäre Abgötterey, Thorheit;- aber sie verehren, sie als Freunde Gottes hochachten, diese Hochachtung in den christlichen Versammlungen zu erkennen geben, sie um ihre Fürbitte anrufen, folglich überzeugt seyn, daß von Gott allein die Hülfe kommt, den sie, wie wir, darum bitten: dieses muß die durch das Christenthum erleuchtete Vernunft gut heißen. Wir können uns unmittelbar in unseren Anliegen an Gott selbst wenden, ihn unmittelbar um Hülfe bitten. Die Anrufung der Heiligen ist nicht unumgänglich nothwendig, ob sie gleich gut und nützlich, Tugend erweckend und Gott gefällig ist. Gewiß muß das Gebeth ein vernünftiges, Gott angenehmes, für unsere Seligkeit heilsames Gebeth seyn, wenn auch sie in dasselbe einstimmen sollen; sie, die, entkleidet von den Leidenschaften der Welt, nur das wollen können, was Gott will, was folglich dem Menfchen wahrhaft heilsam ist; nicht was er oft, nach seinen thörichten Wünschen und Begierden, für heilsam hält. Dieses ist der Unterricht der Kirche über die Vers ehrung und Anrufung der Heiligen; dieses sind die Absichten, die sie daben hat, und die Bedingungen, deren Erfüllung sie fordert. - Verehrung mon > 183 Mariä, der seligsten Jungfrau. e 15€ 1150 mm; 100) nell Die heilge Jungfrau zu verehren, UFFE Ist Ford'rung der Religion. Arber Dir Preis und Ehrfurcht zu gewähren: Dieß sind wir schuldig deinem Sohn. de te RAS Das Lob, das man der Mutter weißt, 00% Misc Ist Lob dem Sohn erwiesen, Und Achtung, die die Pflicht gebeut: Er wird in dir gepriesen. Der Himmlische, von Gott Gesandte, Ein höh'rer Geist verehrte dich, Er, der dich voll der Gnaden nannte, Belehrt dadurch uns feyerlich, Daß über Engel dich erhob Gott, der dir Huld verliehen; Und Menschen sollten stolz das Lob, Das dir gebührt, entziehen? wapi au 13219) Der Seraphinen Chöre, Einladend auch den Erdenkreis, Der Menschheit Zierd' und Ehre! D Du bist die Heilige, die Reine, Die schönste Blum' auf Gottes Flur, Die Fromme, wie der Frommen keine, Entfernt von jeder Sünde Spur! Dich nennen unter Lob und Preis AC 184 Dich, die den Mittler uns geboren, Der von uns unsre Sünden nahm, Von Gott zum Werkzeug auserkoren, Wodurch vom Himmel Rettung kam Dich preist das fromme Christenthum; Ja, von den ersten Zeiten War's stets der wahren Kirche Ruhm, Dein Lob gern zu verbreiten. Dech, dir gefallen Lobgesänge, Wo Sitten widersprechen, nicht; Sie sind nur leeres Wortgepränge. Erkennen wir nicht auch die Pflicht, Dir gleich an Heiligkeit zu seyn, Schuldlos, wie du, zu leben: Ist Alles nichts, als eitler Schein, Wodurch wir dich erheben. ana 160 of thing Anette anti Wie du vor Gott dem Herrn zu wandeln, Fromm, ungeheuchelt, tugendhaft, Nach Christi Lehre stets zu handeln, Dazu erbitt' uns Luft und Kraft. Bitt', daß wir in der letzten Noth, Als deines Sohnes Erben, Wenn Tod, Verwesung, Hölle droht, Des Richters Huld erwerben. 18533Erwägung des Zugendwandels Mariä und Gebeth um Stärkung zur Nachahmung desselben. 537 100500 Erwäge, o Christian 1) Die Reinheit ihrer Tugend. Ihre Tugend war nicht zufällige, vorübergehende Wirkung augenblicklicher Gesinnungen und EntschlieBungen. Sie war das Eigenthum einer schuldlosen, frommen Seele, in welcher alle Gedanken und Neigungen heilig waren. Sie beschüßte die Unschuld mit derjenigen klugen Wachsamkeit, die, indem sie stets den Verlust der Tugend fürchtet, sich von Allem entfernt, was auf irgend eine Art ihre Reinigkeit verdunkeln kann. Daher floß auch Alles, was sie that, aus den lautersten Bewegungsgründen. Kindliche Liebe zu Gott war die Triebfeder ihrer Handlungen. Die Erinnerung an die Huld und Güte des Allmächtigen, der große Dinge an ihr gethan hat, belebte die heiligen Empfindungen ihrer Dankbarkeit, und die Demuth, die treue Gefährtinn der wahren Tugend, erfüllte ihre Seele mit den frommen Gefühlen der Ehrfurcht gegen Gott. die Tugend eines reinen Herzens beschaffen. Die Überzeugung: das ist Pflicht, folglich Gottes Wille, hat allein Einfluß auf ihr Thun. Die wahre Tugend bedarf keiner anderen Antriebe; ja ste verwirft, als ihrer unwürdig, alle Triebfedern, welche bloß irdische eigennügige Absichten in Bewegung seßen. Gloss die ele So ist O, wie wenig verdient oft das Gute, welches ich thue, den Nahmen der wahren Tugend? Unlauter sind die Bewegungsgründe, um welcher willen ich es ausübe. Um Menschen zu gefallen, 186 thue ich es; um ihnen zu gefallen, unterlasse ich gplayer putrid es oft. Der Gedanke an Gott, der Gehorsam gegen seinen heiligen Willen, das Verlangen, seis nes Wohlgefallens würdig zu seyn, hat selten An& Game Boyachis theil daran. Bey allen äußerlichen guten Handlungen ist mein Gemüth in Unordnung, ein Spiel der Leidenschaften. Wie kann ich wahre Tugend bestBen, so lange sie nicht aus der Quelle eines reinen, schuldlosen, Gott ergebenen, oder wenigstens völlig gebesserten Herzens entspringt? Gib mir die Gnade, o Gott! daß ich aus dem JUSTBAL 190 Tugendwandel Mariä lerne, nicht nur äußerlich tugendhaft zu handeln, sondern selbst gut und tugendhaft zu seyn. Meine Tugend sey, wie die ihrige, freudige Achtung gegen meine Pflichten und dich, den heiligen Gefeßgeber und Urheber aller Pflichten; ihr Grund sey Ordnung und Unsträflichkeit der Gedanken und Neigungen; sie sey die Frucht der Liebe, des kindlichen Gehorsams gegen dich! 2) Erwäge ferner die Mannigfaltigkeit der Tugenden Mariä. Wer sein Verhalten nach dem Benspiele Mariä bildet, der wird lernen, treu gegen Gott, wohlthätig gegen den Nächsten, streng gegen sich selbst, aufmerk= sam auf die Stimme des Gewissens und die inneren Einsprechungen Gottes zu seyn; bereitwillig, dem göttlichen Gesetze ben allen Hindernissen und Schwierigkeiten zu gehorchen; jede Gelegenheit zum Guten zu be *** 187- Angry nußen. Lernen wird er von ihr, wie er sich im Glücke sowohl als im Unglücke, im Genusse unschuldiger Freuden wie im Leiden, als Vorgesetzter und Untergebener gegen die Religion, wie gegen die bürgerlichen Gese ße, betragen solle. An ihr sieht die Jugend das schönste Vorbild der holden Bescheidenheit und Eingezogenheit, die der Schutz der Unschuld sind. Ältern haben an ihr das vortreffliche Beyspiel, wie sie ihr Haus zur Wohnung der Frömmigkeit und Gottesfurcht, der Eintracht und des Friedens machen; die über Andere erhaben sind, wie sie ihre äußerlichen Vorzüge mit der Demuth verSin einigen; die, welchen ein geringeres 2008 zufiel, wie sie durch Arbeitsamkeit, durch Genügsamkeit und Zufriedenheit ihr Schicksal sich erleichtern können. Der religiöse Christ sieht an ihrem frommen Wandel, womit auch er seine Andacht beschäftigen, wie auch er sich im Lobe Gottes, im Vertrauen auf ihn, in der Liebe zu ihm üben müsse, wenn die Religion seine wichtigste Angelegenheit seyn soll. Der Leidende lernt, wodurch er fähig werde, die Widerwärtigkeiten gelassen zu ertragen, sie durch Geduld und Gottergebenheit sich verdienstlich zu machen; ein Jeder, was er zu thun und zu meiden habe, um seinen Wandel Gott gefällig einzurichten. ASHTO his Wie lau und träge bin ich hingegen, o mein Gott! Oft scheine ich, durch deine Gnade gerührt, vor Eifer zum Guten zu glühen, aber wie bald verlischt er, wie bald kehre ich zu meinen alten fündhaften Gewohnheiten zurück! Auch mein Leben sollte reich an guten Werken, jede Veranlassung, Gelegenheit, Aufforderung dazu sollte mir ange • 188 nehm seyn! Indeß ich oft klage, daß der Pflichten so viel, und meine Obliegenheiten zu strenge seyn. Als wenn in der Losbindung von denselben Ruhe und Freude, in der anhaltenden Ausübung des Guten nur Last und Beschwerniß zu finden wäre. Laß mich, o Gott! tief überzeugt werden, daß ich nie zu viel Gutes thun, zu gottesfürchtig denken, zu rechtschaffen handeln könne; daß die Freuden der Tugend unerschöpflich sind, und daß ich an der Tugend nie Ekel und Überdruß zu fürchten habe! Mache daher, o Gott! mein Herz gelehrig zur Nachahmung des Beyspieles Mariä. Laß meine Verehrung nicht unfruchtbar, sondern eine für alles Gute thätige Verehrung seyn! ubi qu 2)( 3) Erwäge an ihrem Wandel die schönste Übereinstimmung einzelner Tugenden unter einander. Sie war voll der Gnaden; aber auch voll Bescheidenheit. Die höchste Würde ward ihr zu Theil; aber sie verbarg ihre Vorzüge durch die tiefste Demuth. Groß war sie vor Gott; aber frey von der Schwachheit, sich auch über den Geringsten zu erheben. Sie hatte viele Leiden zu erdulden; und doch wie zärtlich nahm sie Antheil an fremden Leiden. Sie liebte ihren Sohn mütterlich; und doch haßte sie seine blutgierigen Verfolger nicht. Ihre und ihres Sohnes Schicksale waren hart; und doch belebte sie der ungeschwächteste Glaube an Gottes Weisheit, Güte, Vorsehung. Sie hatte das zärtlichste Mutterherz; und doch die großmüthige Ent • ze 189 schlossenheit, Zeuge des Todes ihres unter nahmenlofen Peinen sterbenden Sohnes zu seyn. Welch' ein schönes Bild der Übereinstimmung einzelner Tugenden unter einander! Keine verhindert da die andere; eine entspringt aus der anderen; eine unterstützt die andere. Gott, wie unähnlich ist mein Verhalten! Wie oft übertrete ich eine wesentliche Pflicht, indem ich Gutes zu thun scheine. Ich bin oft andächtig, aber träge in Erfüllung meiner Berufsobliegenheiten, oder ordentlich in diesen, und lau in der Religion; gelassen bey größeren Widerwärtigkeiten, aber äußerst ungeduldig und aufgebracht bey kleineren Kränkungen; wohlthätig gegen den fremden Dürftigen, aber hart und rauh gegen meine Angehörigen und Hausgenossen. Ich überwinde manche Leidenschaft, aber ich bin nachgiebig gegen meine herrschende Neigung. Nichts Ganzes, nichts Bollständiges ist in meinem Betragen. O, laß mich, indem ich die Tugenden Mariä betrachte, überzeugt werden, daß ein Leben, welches mit einigen gubaß ein ten Handlungen und so vielen Fehlern und Sünden abwechselt, noch kein tugendhaftes, dir wohlgefälliges Leben sey; weil keine wahre Tugend mit der anderen streiten, uns in der Ausübung der anderen stören kann. Die Tugend ist ein Ganzes, sie ist der Wille, stets, in allen Umständen, gut und recht zu denken und zu handeln: so lehrt uns, o Gott! dein Wort. sce 190 3 4) Erwäge an Maria eine sich stets gleichbleibende Tugend, die nichts wankend zu machen fähig war. Ihr Leben ist die Geschichte eines von Tugend zu Tugend fortschreitenden Wandels. Sie erfüllte das Gefeß, alle einzelnen Vorschriften desselben in seiner ganzen Vollkommenheit. Die widrigsten Schicksale konnten ihre Liebe zu Gott, die dunkelsten Rathschlüsse der Vorsehung ihren Glauben an Gott, die Verfolgungen, die sie in und mit ihrem Sohne litt, die Heiterkeit und Ruhe ihres Herzens nicht schwächen. Ihre Geduld wuchs mit der Anzahl ihrer Leiden, ihr Vertrauen auf Gott mit den immer härteren Prüfungen, ihre Standhafs tigkeit unter den schmerzvollsten Umständen, unter welchen so oft der Geübteste ermüdet und zaghaft wird. Am Ende ihres heiligen Lebens besaß sie dieselbe Reinigkeit des Herzens, dieselbe Unschuld der Sitten, denselben Eifer der Andacht, dieselbe Stärke, Geduld, Ergebung in den Willen Gottes, dieselbe unverbrüchliche Treue gegen Gott. Keine Lücke von Mängeln unterbrach ihren Tugendwandel, keine Unvollkommenheit entehrte ihre erhabene Seele. Gott! zur Beharrlichkeit im Guten stärke auch mich. Bewahre mich vor dem Schwachsinne, der, wenn es die Tugend betrifft, fragt, ob es Vortheil bringe oder nicht, ob es leicht oder schwer, nicht ob es Pflicht sey; der dem göttlichen Geseße nur so lange gehorcht, so lange der Gehorsam den Leidenschaften keine Überwindung kostet; aber sie verlegt, sobald es Kampf und Mühe verursacht, Gutes zu 191 32thun! Stärke mich in dem Vorsatze, nie abzuwei chen von dem Wege der Gottesfurcht und Tugend! Was hälfe es mir, wenn ich einst vor deinem Ge richte noch so viele einzelne gute Handlungen auf zuweisen hätte: ach, sie sind verloren, ausgestrichen aus dem Buche des Lebens; bin ich nicht entschlossen, stets gut und rechtschaffen zu handeln und zu seyn. Die Beharrlichkeit, die unverbrüchliche Treue allein gibt der Tugend ihre Vollendung und ihren wahren Werth vor dir, o Gott! Seligste Jungfrau! durch Nachahmung deiner Tugenden will ich vorzüglich meine Verehrung ge= gen dich beweisen. Deine mächtige Fürbitte erwerbe mir deine Gnade, diesen Entschluß ohne Säumung und Wankelmuth zur That zu bringen. So hoffe ich deiner Milde, deines Schußes würdig zu werden. The Sohn des Höchsten, und auch ihr Sohn, der du deiner heiligen Mutter, zum Beyspiele deiner Erlöseten, Gehorsam und Liebe erweisest, selbst vom Kreuze herab für sie sorgtest: was wirst du nicht, mit der Majestät des Himmels bekleidet, und zur Rechten deines Vaters sißend, für sie zu thun, und auf ihre Fürbitte auch für uns zu thun bereit seyn? Kann ein Gebeth mit ihrem Gebethe vereinigt, ohne Erfolg seyn? O so ertheile mir, in Rücksicht ihrer Fürbitte und ihrer Verdienste die Kraft, 192 233so fromm, gottesfürchtig, heilig, wie sie zu seyn; hier ein schuldloses Leben zu führen, einst die Schrecks nisse des Todes zu besiegen, und in die Zahl derjenigen Verehrer Mariä zu gehören, die, indem sie ihr Beyspiel zur Richtschnur ihres Verhaltens wählen, einst mit ihr und in ihrer Gesellschaft dich mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig preisen und anbethen werden! Amen. Kirchengebethe an verschiedenen Festtagen der seligsten Jungfrau. Maria Empfängniß am 8. December. Herr! wir bitten dich, laß deinen Dienern deine himmlische Gnade zukommen, damit wir, verehrend die unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau, an Tugenden und am Gewissensfrieden zunehmen, da ihr Eintritt in die Welt uns mit der Mor genröthe unserer Seligkeit erfreuet hat, durch Jesum Christum 2c. id= 20 Dieses Gebeth wird auch am Feste der Heimsuchung, der Geburt 2c. gebraucht, nur seße man( anstatt verehrend die Empfängniß) verehrend die Geburt 2c. I. v. Perger 10 e Sieh ich bin des Herrn Magd, mir gescheh nach deinem Worte. Luc. 1. 193 333Mariä Reinigung, am 2. Februar. Allmächtiger, ewiger Gott! wir bitten demuthsvoll deine Majestät, daß, gleichwie dir heute dein eingeborner Sohn, als wahrer Mensch, in dem Tempel ist aufgeopfert worden, du unsere Herzen reinigen wolleft, damit auch wir uns dir, als ein angenehmes Opfer, darstellen mögen, durch Jesum Christum 2c. Mariä Verkündigung, am 25. März. O Gott! dein Wille war es, daß die seligste Jungfrau auf die Verkündigung des Engels deinen eingebornen Sohn empfangen hat. Wie wir nun glauben, daß sie dadurch in Wahrheit zur Würde einer Gottesgebärerinn erhoben wurde: so flehen wir auch zu dir, daß wir, vermittelft ihrer Fürbite te, Hülfe erlangen mögen, durch Jesum Christum 2c. www.m www. Umschreibung des englischen Grußes. Gegrüßet seyst du, Maria. Ein Engel ward von Gott gesendet, dich als diejenige zu ehren, die er bestimmt hatte, die Mutter seines 13 194 Sohnes, da er Mensch wurde, zu seyn. Warum sollten wir Menschen dir die Verehrung versagen, die dir gebührt? Wir stehen mit dir in einer näheren Verbindung, als die Engel. Du bist die Mutter unseres Herrn; wir sind seine Angehörigen, seine Erlöseten. Voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. Die Reinste, die dem Heiligsten das Erdenleben gab, sollte sie nicht voll der Gnaden seyn? Deine unschuldsvolle Seele, deine unbefleckte Tugend, dein hoher Glaube, deine tiefe Demuth, deine standhafte Treue sind Zeugen von der Fülle der Gnaden. Der Mächtige hat große Dinge an dir gethan. Gott ward und ist stets mit dir. Nie hat dich eine Sünde von ihm getrennt. Mit dem Urheber der Heiligkeit warst du, die Heiligste, immer vereinigt. Du bist gebenedeyt unter den Wei bern. Du, die Erste deines Geschlechtes, die Mutter unsers Erlösers! Erfüllet ist, was du in deinem hohen Lobliede sagst: Sieh von nun an werden mich alle Völker preisen. An allen Orten erschallt in den christlichen Gemeinden dein Lob, und die Bewunderung deiner Tugend. Wo ist ein Christ, der Jesum anbethet, und dich nicht verehrt, nicht selig preiset? Und gebenedeyet ist die Frucht dei 195 nes Leibes: Jesus. Jesu Nahme soll von uns ewig gepriesen und angebethet werden. Es ist der Nahme, in welchem wir selig werden; welcher ihm, deinem Sohne, wegen seiner freywilligen Ernie: drigung gegeben wurde, damit ihn Gott erhöhe, und ihm Nahmen Jesu sich alle Knie beugen. Heilige Maria, Mutter Gottes; Mutter desjenigen, der zugleich Gott ist. So oft wir dich so nennen, legen wir ein ungeheucheltes Bekenntniß von der Gottheit Jesu ab; und so oft wir dich unter diesem Nahmen verehren, bekennen wir, daß deine Fürbitte bey deinem Sohne Alles vermöge, und daß deine mütterliche Liebe so groß, wie deine Macht, sey. Bitte für uns Sünder. Wer bedarf der Fürbitte mehr, als der Sünder, damit er sich bessere, und die Beschwerden der Besserung nicht scheue? Erbitte uns Begnadigung von Gott, und den Geist der wahren Buße. Bitte für uns jeßt: da wir von so vie len Gefahren umgeben sind, die Tugend zu verlieren, und die verlorne auf immer zu verscherzen. Erbitte uns also Weisheit und Kraft, das Gute zu erkennen und standhaft auszuüben; vorzüglich den ernstlichen Willen, deine Tugenden nachzuahmen! Und in der Stunde unseres Abster= bens. Da erbitte uns die unendliche Gnade, daß 13* 196 wir, ausharrend im Guten, den Tod des Gerechten sterben, damit er Übergang werde zur Besitznehmung des Erbtheiles, welches Jesus, dein Sohn, uns so theuer erkauft hat. Amen. min Um Gedächtnißtage der Schmerzen Mariä. Am Freytage vor dem Palmsonntage. O Gott! bey deffen Leiden und Sterben die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria von Schmerzen durchdrungen wurde, verleihe uns die Gnade, daß wir, indem wir ihr Leiden auf Erde ehren, durch die ehrwürdigen Verdienste und Gebethe aller Heiligen, die bey dem Kreuze standen, die selige Wirkung deines Leidens erfahren mögen, der du lebest und regierest zc. Maria unter dem Kreuze: Das Stabat Mater. Aus dem Römischen Meßbuche, verfaßt von Innocentius dem III. im Jahre 1198. Chrifti Mutter stand voll Schmerzen, Trauernd, mit beklomm'nem Herzen Bey dem Kreuz, an dem er hing: Er, ihr Sohn, ihr Trost, ihr Leben. Ach! wer kann durch Worte geben, Welch' ein Schwert durch's Herz ihr ging? INRI Laß mich Seines Leidens Werth erkennen, Butter! lieben, so wie Du mur für Jesus brennen. * 197** Sie hat jenes ganz durchdrungen, Von dem Simeon gesungen; O! ein tief verwundend Schwert Hat ihr Mutterherz durchschnitten, Als ihr heil'ger Sohn gelitten; Wer begreift des Leidens Werth? Wer soll bey so großen Peinen Keine Mitleidsthräne weinen? Wer nicht fühlen ihre Noth? Wer erwäget ohne Schauer Der verwais'ten Mutter Trauer Über ihres Sohnes Tod? Ihn für freche Sünder büßen, Ströme Bluts aus Wunden fließen, Hülflos sterben sah sie ihn; Sah den Sohn am Kreuz verlassen, Überhäuft von Schmach, erblassen, Und sein Leben von ihn flieh'n. Heil'ge Mutter, Quell der Liebe! Daß ich mich, wie du, betrübe, Beine so um ihn, wie du! Daß ich Jesu Lieb' erkenne; Gegen ihn vor Liebe brenne! O, erbitt' mir Kraft dazu! Möcht' ich Schmerz und Reu' vereinen! Über meine Sünden weinen! GR 2 - 198- Für sie büßen lebenslang! Oft ihm Geist zum Kreuze gehen, Mit dir unterm Kreuze stehen, Ganz erfüllt von Lieb' und Dank! Hilf mir flehen, Gnad' erwerben, Daß mir, wenn es kommt, zum Sterben, Heil und Segen widerfährt! Daß Gott mein, als Richter schone! Was kannst du von deinem Sohne Bitten, daß er nicht gewährt? Hilf nach überstand'nen Leiden Mir zu jenen Himmelsfreuden, Wo die auserwählte Schar Deines Sohnes Thron umringet, Ihm ein ewig Loblied singet! Amen! dieses werde wahr! mm. Mariä Heimsuchung, am 2. Julius. Der Lobgesang Mariä: das Magnificat. Meine Seel' erhebt den Herrn, Und mein Geist ist voll Entzücken! Gott, der Heiland ist nicht fern, Er wird Israel beglücken. Wie er sprach, so ist's gescheh'n: Seine Magd will er erhöh'n. 102 * 1993. Seht, von nun an werden mich Alle Völker selig preisen. Groß und mächtig will Gott sich An mir Niedrigen erweisen, Da er mir den Vorzug gönnt, Und mich seine Mutter nennt. Heilig ist sein Nahm' und groß-, Gütig Er; denn allerwegen Ordnet er der Menschen Loos, Theilet unter die den Segen, Die voll Ehrfurcht ihm vertrau'n, Und auf seine Vorsicht bau'n. Wunder hat sein Arm gethan, Hat den Stolz, der sich empöret, Und mit frevelhaftem Wahn: Daß man Gott vergeblich ehret, Nicht befolgt, was er gebeut, Wie der Sturm den Staub, zerstreut. Die, von Weltglück aufgebläht, Übermüthig Gott vergessen, Wird, der Niedrige erhöht, Stürzen, strafend ihr Vermessen. Nur die Demuth ist ihm werth; Nur die wird von ihm geehrt. Dessen Freude Wohlthun ist, Ist der Armen Schuß und Stärke; sce 200 33+ Der die Seinen nicht vergißt, Segnet alle ihre Werke; Reiche läßt er unerhört, Die der Habsucht Gräu'l bethört. Der sein Volk so mächtig führt, Sich so treu an ihm erwiesen, Der die Schickungen regiert, Sey von Israel gepriesen! Er denkt der Barmherzigkeit. Diese schüßt uns jederzeit. Was er uns zuvor versprach, Unsern Vätern oft verheißen, Dem kommt er voll Wahrheit nach: Er will uns dem Joch entreißen. Huldiget dem Mittler gern; Meine Seel' erhebt den Herrn! Um Tage der Aufnahme Mariä in den Himmel, am 15. August. Wir bitten dich, o Herr! verzeihe uns unsere Sünden, damit wir, die wir dein Wohlgefallen an unsern Handlungen nicht verdienen, durch die Fürbitte der Gebärerinn deines Sohnes die Seligkeit erlängen mögen, der mit dir lebet und regieret 2c. Dein Scheiden von der Welt, seligste Jungfrau, was war es anders, als die Übernahme der Ec 201 333Herrlichkeit, die dir dein Sohn bereitet hat? Du erwartetest die Trennung von der Welt mit der Hoffnung des reinsten Glaubens, als die Erfüllung und das Ziel deiner Wünsche, als den Ruf zur Vereinigung mit deinem, dir durch den schimpflichsten Tod entrissenen Sohne. Nun siehst du ihn, deinen Sohn, den du bis unter das Kreuz begleitet hattest, sigen zur Rechten des Vaters; den einst Berworfenen in der ganzen Majestät seiner Gottheit; den einst Verspotteten umgeben von himmlischen Geistern und von den Gerechten aller Jahrhunderte, die ihn anbethen; den einst unter den qualvollsten Schmerzen Sterbenden, als den Herrn der Unsterblichkeit, als den Richter der Welt. Aufge= nommen wardst du von ihm mit der ehrfurchtsvollsten Liebe eines gehorsamen Sohnes, der dir nun die Krone der Gerechtigkeit, der du vor allen anderen Sterblichen am würdigsten warest, darreichet. Nun empfängst du für die Reinigkeit und Unschuld deines Wandels ein neues, unverwelkliches Leben; für deine Demuth die Erhöhung über alle Geschöpfe; für deine Frömmigkeit und Gottesfurcht die Anschauung Gottes; für deine Ergebung in den Willen des Höchsten den Genuß einer unveränderlichen Glückseligkeit; für deine Treue in Bewahrung der Gnade Gottes das Recht, auch denjenigen Gnaden zu erbitten, die als deine Verehrer, - 202 3-33als Nachahmer deiner Tugenden, auf dich ihr Bertrauen segen. Wissen wir es, daß wir, um einst Theil an deiner Geligkeit zu nehmen, den Weg gehen müssen, der dich dahin führte. Ein frommes tugendhaftes Leben und eine glückselige Ewigkeit sind Dinge, die nicht von einander getrennt werden können. Deine Fürbitte vermag Alles bey deinem Sohne. Vereinige sie mit unserem Flehen, daß wir, durch seine Gnade gestärkt, alle Hindernisse des Heiles überwinden, und dereinst, wie du, das Glück haben, in sein Reich aufgenommen zu werden. Amen. Mariä Opferung, am 21. November. Gott! der du die selige Jungfrau, die stets die jungfräuliche Reinigkeit bewahrte, als eine Wohnung des heiligen Geistes in den Tempel darstellen. ließest, wir bitten dich, verleihe uns die Gnade, daß auch wir einst durch ihre Fürbitte in dem Tempel der himmlischen Herrlichkeit dargestellt zu werden verdienen mögen, durch unseren Herrn 2c. Zu Ehren der heiligen Engel. » Sind sie nicht dienstbare Geister, ausgesendet zum Diens ste Aller, die die Seligkeit ererben sollen?" Hebr. 1, 14. Gott! wie groß ist deine Liebe gegen die Menschen! Deine Engel hast du zu ihrem Dienste be 4 205 3stimmt. Erkenne, o Seele, deinen Werth! Gottes Bild ist sie, erkauft durch das Blut des Sohnes Gottes, anvertraut der Engel Sorge, wie diese erschaffen zur Seligkeit! Erhebe dich also über den Staub der Erde; empfinde, wer du bist. Habe Ehrfurcht vor dir selbst, Ehrfurcht vor dem erhabenen Geiste, der dich schüßt, sich entweder deiner Tugend freuet, oder über deine Sünden sich betrübt, und dich zur Buße weckt, dem du einst an Seligkeit gleich werden sollst.- Ja, o mein Gott! tugendhaft will ich meine Pilgerschaft vollenden, mit den Engeln dir dienen, im Gehorsame gegen deine Gebothe, und, wie sie, deinen Willen mit rastlofer Bereitwilligkeit erfüllen. Dein Wille wird auch mir Gesetz und Augenmerk meiner Wünsche und Bestrebungen seyn. Amen. Kirchengebeth. Gott, unaussprechlich liebevoll ist deine Vorsehung! Du würdigest uns, deine heiligen Engel zu unserem Schuße, als dienstbare Geister, auszusenden; erhöre unser Flehen! laß uns allezeit die Macht ihres Schußes erfahren, und einst der Freude ihrer Gesellschaft ewig genießen, durch Je= sum Christum, unseren Herrn. Amen. wwwwwwwwwwwww 204 336-48-63-22-3Verehrung der Heiligen insgemein. Gott, laß das Andenken an unsere Vorfahren, die durch Tugend und Heiligkeit sich deines Wohlgefallens würdig machten, in deiner Kirche gesegnet seyn! Laß auch uns, wie sie, mitten in einer verdorbenen Welt fromm und gottesfürchtig, bey den Gefahren des Heiles vorsichtig, gegen die Leidenschaften streng, im Glücke mäßig, im Unglücke geduldig, in der Religion eifrig, gegen die Lehren des Evangeliums gehorsam, in dem Streben nach der christlichen Vollkommenheit immer thätig seyn! Durch deine Gnade sind sie, o Gott! heilig gewor= den. Durch deine Gnade können auch wir es werden. Diese wirst du uns, wir bitten dich darum, nicht entziehen. Die große Schar der Auserwählten vereiniget ihr Gebeth mit unserem Gebethe. Die Liebe gegen uns, die wir noch die Seligkeit zu erkämpfen haben, hast du in ihre tugendhafte Seele gesenkt. Erhöre ihr Gebeth: sie sind deine Kinder, die dir gehorsam bleiben; du bist ihr Vater, und auch der unsrige, der du noch mit unse rer Schwachheit Geduld trägst. Verleihe uns also, auf ihre Fürbitte, deinen Beystand, so zu leben, daß wir einst würdig werden, in ihrer Gemeinschaft ANT 205 dich ewig für deine Güte zu loben und zu preisen. Amen. Um Tage aller Heiligen. Hier wird die Tugend oft verkannt, Gehaßt, zurück geseßzet; Nein, hier ist nicht ihr Vaterland, Wo man das Eitle schäßzet. Getrost, es kommt gewiß die Zeit, Sie wird erhöhet werden. Sie reifet für die Ewigkeit, Ist Fremdling hier auf Erden. Seht hin auf die verklärte Schar Der Frommen die zum Lohne, Daß sie im Guten standhaft war, Empfängt die Siegeskrone; Die in Verfolgung, Qual und Noth Für Wahrheit treu gestritten, Und heldenmüthig selbst den Tod Für Recht und Pflicht gelitten. Ihr Beyspiel ist's, das uns belehrt Vom hohen Werth der Tugend; Daß sie allein den Menschen ehrt; Den Greis, so wie die Jugend; Daß Tugend nicht unmöglich sey, Wenn wir mit Ernst sie lieben, - 206 23Und uns, von bösen Lüsten frey, Im Guten täglich üben. Betretet, Christen, froh die Bahn, Die sie betreten haben, Und nehmet Lehr' und Beyspiel an, Die sie uns allen gaben. Den Beystand, der zur Tugend stärkt, Wird ihr Gebeth erflehen; Gott, der darauf voll, Güte merkt, Wird schüßend auf uns sehen. Stimmt freudig in das Loblied ein, Das heut' die Kirche singet Den Frommen, deren Mutter seyn Ihr so viel Ehre bringet! Doch können wir, nach ihrem Sinn, Kein größ'res Lob gewähren, Als wenn wir thätig uns bemüh'n, Durch Tugend sie zu ehren. Kirchengebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! du läsfest uns die Verdienste aller deiner Heiligen an einem Tage feyerlich verehren: wir bitten dich, sieh' auf die Fürbitte der großen Schar deiner Auserwählten, und verleihe uns, daß wir an Tugend und Gnade ben dir immer mehr und mehr zunehmen, durch Jesum Christum 2c. * 207 3 Nachdenken über sich selbst bey der Erinnerung an die Tugenden der Heiligen. Es haben also unzählige Christen die Beschwer den der Tugend überwunden, die mich oft so zaghaft machen! Ich erblicke unter ihnen Schwache, die die Gnade Gottes mit Kraft und Entschlossenheit ausgerüstet; Sünder, die sie auf den rechten Weg zurück geführet hatte; Jünglinge, die den Lockungen sündhafter Leidenschaften tapfer widerstanden; Greise, die die Bedrängniß hoher Jahre mit standhaftem Sinne ertragen haben; so Viele, die Noth und Elend nicht zur Ungerechtigkeit, zur Treulosigkeit gegen ihr Gewissen verleiten konnte; so Biele, die der Reichthum nicht zum Hochmuthe und zur Gottesvergeffenheit verführte; so Viele, die in den gefahrvollsten Umständen eine un befleckte Unschuld und Tugend erhalten haben. Aus allen Ständen des Lebens erblicke ich Bekenner Jesu Christi, die aus Liebe zur Religion und zur Tugend, ohne eigennügige Absichten, Leibes- und Seelenkräfte, Bequemlichkeiten, Hab und Gut, ja selbst ihr Leben großmüthig aufopferten; die an der Verbreitung und Erhaltung der Religion mit rastlosem Eifer arbeiteten; die sich in jeder Lage des Lebens durch die erhabensten Tugenden auszeichneten. Gott gab ihnen seinen Beystand, mit diesem vermochten sie Alles. Habe ich nicht auch 208 33 diesen Beystand? und doch wie unähnlich bin ich ihnen, ben so vielen Mitteln, die mir die Ausübung der Religion und der Tugend erleichtern, die oft jene in den Zeiten der härtesten Verfolgungen nicht hatten! Da ich nun eine solche Menge von Zeugen habe, wie weit es der Mensch in der Tugend und Vollkommenheit bringen könne, wenn er sich nach dem Geiste des Evangeliums bildet; follte ich träge zurück bleiben; nicht, hinblickend auf ihr Beyspiel, entschlossen fortwandeln den Weg der Frömmigkeit und Heiligkeit? Aus der glückse= ligen Menge derer, die droben sind, höre ich gleichsam die Stimme erschallen: Seyd getreu bis in den Tod, und ihr werdet die Krone des Lebens empfangen! Send unsere Nachfolger, die wir durch Glauben und Geduld Erben der Verheißung ge worden sind! Gott! bis jetzt habe ich noch einen geringen Anfang gemacht; die Vortheile eines tugendhaften Lebens hatten für mich noch wenig Reiz. Beschämt gestehe ich dieses: aber, o Gott! das Versäumte, so viel ich kann, einzubringen, was mir noch übrig ist, mit allem Eifer zu thun, in die Fußstapfen deiner treuen Diener zu treten, dieses ist mein Entschluß. Segne ihn mit deiner Gnade, daß ich ihn ohne Aufschub vollziehe! Amen. * 209 33Zu Ehren des( der) Heiligen, dessen( deren) Nahmen man führt. de Ben der heiligen Taufe, wo ich die feyerlichsten Gelübde, Gott, der Religion, der Tugend stets treu zu bleiben, ablegte, habe ich deinen Nahmen bekommen. Dieser sollte mich auffordern, unverbrüchlich zu erfüllen, was ich verheißen habe; sollte mir die heilige Ehrbegierde einflößen, dir ähnlich zu werden, damit ich nicht deinen Nahmen zu meiner Beschämung trage. Begleite du mich auf dem Wege des Lebens mit deiner liebevollen Fürbitte bey Gott, daß ich deine Tugenden nachahme; mich durch dein Beyspiel stärke zum Kampfe gegen meine Leidenschaften, gegen die Verführungen der Welt, gegen die verderblichen Grundsäße des Leichtfinnes und der Gottesvergessenheit; daß ich standhaft ausharre in dem Bekenntnisse meiner heiligen Religion und in der Übung der Frömmigkeit und Gottesfurcht. Amen. HOTE Um Tage der heil. Apostel Petrus und Paulus. Am 29. Junius. Auf Petrus Felsengrunde stehet Die Kirche Jesu Christi fest, Und über Unbestand erhöhet. Gott, dessen Schuß sie nie verläßt, 14 cas 210 333Hat ihr die Wahrheit anvertraut: Auf Wahrheit ist ihr Seyn gebaut. Daß, einig sie in Glaubenslehren, Uns führt zur Lebensheiligkeit: Indem sie lehrt die Tugend ehren; Daß sie von der Apostel- Zeit, Und allgemein verbreitet ist, Daran erkennet sie der Christ. HUY Sie ändert nach dem Wahn der Zeiten Nicht ihre Lehre; wer das thut, Wird stets zu größer'm Irrthum schreiten, EEN Pont Ein Opfer seyn der Neu'rungswuth. Was Jesus Christus hat gelehrt, CHORU Muß bleiben ewig unversehrt. 15157 And Denn Jesus Christ ist heut' und gestern, In Ewigkeit sich selber gleich. Es heißet seine Lehre lästern, Wenn man, an eitlen Zweifeln reich Verwirft und meistert, was er sagt, Und kühne Neuerungen wagt. Atendi AS Nie in Entscheidungen zu wanken: Dieß ist der Wahrheit schönster Ruhm; Der Ungewißheit stetes Schwanken Ist nur der Meinung Eigenthum. Was wahr ist, bleibt es immerfort; Die Täuschung sieht auf Zeit und Ort. 0 fer 211 333. So mag die Hölle knirschend wüthen, Gott ist's, der seine Kirche schüßt. Die Allmacht, Einhalt zu gebiethen, Hat, der zur Rechten Gottes sigt. Der Spötter mag sie frevelnd schmäh'n; Troß seines Spottes wird sie steh'n. O, haltet fest am wahren Glauben, Den euch die Kirche übergibt. Nichts kann euch dieses Kleinod rauben, Wenn ihr die Wahrheit ernstlich liebt. Wer Jesu Lehr' im Herzen hält, Bekennt sie vor der ganzen Welt. Bil Kirchengebeth. Gott, der du den heutigen Tag durch den Martertod deiner Apostel Petrus und Paulus gez heiliget hast, verleihe deiner Kirche die Gnade und Stärke, daß sie in allen Stücken die Lehren treu befolge, durch welche deine heilige Religion ihren gesegneten Anfang genommen hatte, durch Jesum Christum 2c. Um Tage des heiligen Josephs, am 19. März. Gott! der du die Kindheit Jesu, deines Sohnes, und seine heilige Mutter der Sorgfalt und Pflege deines frommen Dieners Joseph anvertrauet, 14* • e 212 und dadurch seine Tugend und Treue auf das herrlichste belohnet hast, verleihe auch mir, als seinem Verehrer, die Gnade, daß ich in dem Berufe, den du mir angewiesen hast, mit Treue und Gehorsam so viel Gutes thue, als ich kann. Laß mich, wie ihn, die dunkeln und rauhen Wege des Erdenlebens, voll Vertrauen auf deine göttliche Vorsehung, wandeln, und überzeugt werden, daß deinen Willen erfüllen meine vorzüglichste Pflicht, so wie meine wahre Wohlfahrt ausmache! O, dann kann ich hoffen, daß so, wie er in den Armen Jesu und Mariens fein heiliges Leben beschlossen hat, auch ich in deiner Gnade, unter dem Schuße seiner und Mariens Fürbitte, mein Leben beschließen werde. Amen. manananan Um Tage des heil. Johannes von Nepomuck, am 16. May. Gott! der du durch das unüberwindliche Stillschweigen des heiligen Johannes deine Kirche mit einer neuen Materkrone gezieret hast, verleihe uns durch seine Fürbitte, daß wir nach seinem Beyspiele unsere Zunge sorgfältig bewahren, und uns lieber allen Trübsalen der Welt unterwerfen, als uns den Verlust unseres Seelenheiles zuziehen. Wir bitten dich, durch Jesum Christum zc. esser 213 331286333-333-33-33-33 3-333Gebethe vermischten Inhaltes. Allgemeines Dankgebeth. Ewiger Gott, wie unerforschlich ist deine Weisheit! wie groß ist deine Gnade! wie unendlich deine Liebe! wie unermeßlich deine Güte! wie unergründlich deine Barmherzigkeit! wie duldend deine Lang= muth! wie herrlich deine Gerechtigkeit! wie rein und lauter die von dir geoffenbarte Wahrheit, und wie unbegreiflich deine Allmacht, die du an mir erwiesen hast! Ja, Herr! ich erkenne meine Niedrigkeit, und deine Erhabenheit; meine Nichtigkeit, und deine unbegränzte Vollkommenheit; meine Unwürdigkeit, und deine Majestät! Ich bin nichts, und du bist Alles! Ich bin ein Sünder, und du bist barmherzig; ich bin schwach, und du bist meine Stärke; ich bin unwissend, und du bist das Licht meines Verstandes; ich bin elend, und du bist der Urquell alles Guten, das ich genieße! Ach, ich bin zu gering aller Wohlthat, die du an mir gethan hast! Wundervoll sind deine Werke; wahrhaft deine Verheißungen; treu deine Zusage; gnädig, aber oft auch voll Ernst, deine Prüfungen, und deine Liebe ist über Alles! 214 333. So sey nun gelobet, mein Gott, himmlischer Bater! daß du mich erschaffen, mich nach deinem Ebenbilde gemacht, mir eine vernünftige, unsterbliche Seele gegeben hast, und daß du mich in dem Schooße deiner heiligen katholischen Kirche für die Ewigkeit hast wollen erziehen lassen. Sey auch ewig gepriesen, daß du dich meiner und des ganzen menschlichen Geschlechtes erbarmet, deinen Sohn uns geschenkt, durch ihn uns zur Seligkeit berufen, und diesen gnädigen Willen der gläubigen Welt hast verkündigen lassen. Dank sey auch dir, ewiger Sohn Gottes! daß du mein Bruder, mein Erlöser, mein Fürsprecher geworden bist, mich mit dem Vater versöhnet, von der Hölle erlöset, durch die Taufe mich in deine Kirche aufgenommen hast; daß du mich in deinem heiligen Abendmahle mit deinem Leibe speisest, und mit deinem Blute tränkeft. Dank sey dir für deine Liebe, für deine Menschwerdung und Geburt, für deine Lehre und deine Wohlthaten, für dein Leiden und Sterben, für deine Auferstehung und Himmelfahrt, welche Bürge unserer Unsterblichkeit und Geligkeit sind. Wie erfreulich ist dein Evangelium! Wie trostvoll sind deine Verheißungen! Wie folgenreich ist deine Erlösung! 3 Gott heiliger Geist! von dir habe ich alles 215 3-33Gute, was ich denke, rede, thue; von dir das ernstliche Wollen und das thätige Vollbringen. Du wirkest in mir das Leben der Tugend. Du rufest mir, ehe ich das Gute thue; du wartest, bis ich es thue; du hilfft mir, daß ich es thue. So sey dann gelobt, daß du mich leitest und regierest, daß du mich durch das Bad der heiligen Taufe zum ewigen Leben wiedergeboren, meine unwissende Seele erleuchtet, mein unreines Herz geheiliget, mich zu einem Christen, zu einem Bekenner des wahren Glaubens, zu einem Kinde Gottes und zum Miterben Jesu Christe gemacht hast. im us torossima in Heilige, hochgelobte Dreyeinigkeit! Dir sey Lob und Preis für deine unendliche Huld und Güte, mit welcher du deine Kirche, den Staat und alle Menschen segnest! Alle Stimmen müssen sich vereinigen, dich anzubethen, dir zu danken, und dich durch Gehorsam und Liebe zu verherrlichen! Nimm auch meinen Dank für die Wohlthaten, die du mir besonders erwiesen hast, gütig an! Du hast von meiner Jugend an für mich väterlich gesorgt, mich wunderbar geführt, aus mancher Noth errettet, vor manchem Unglücke bewahrt, von mancher Gefahr befreyet, in manchem Kums mer getröstet, in mancher Widerwärtigkeit nicht finken lassen. - 216 23. od War ich krank, so machtest du mich wieder ge= sund; habe ich gesündiget, so trugest du mich mit Langmuth; habe ich Buße gethan, so vergabst du mir meine Sünden; habe ich gebethet, so erhörtest du mich; habe ich meinem Berufe nachgelebt, so hast du mich mit glücklichem Erfolge gesegnet; habe ich Hindernisse zu überwinden gehabt; so räumtest du sie hinweg. In der Kindheit hast du schon über mich gewacht, in der Jugend mich geleitet, und im Alter wirst du mich nicht verlassen. Dank sey dir für den Stand, welchen du mir angewiesen; für die Lebenszeit, welche du mir bestimmt; für die Hülfsmittel, welche du mir zur Tugend gegeben; für das Glück, welches du mir zugedacht; für das Unglück, das du hinweg gehoben, oder welches du mir mit Gelassenheit zu tragen geholfen hast. Sumir Lobet den Herrn alle Engel! Lobet den Herrn alle Heiligen! Lobet den Herrn alle Völker! d Ehre sey Gott dem Vater und dem Sohne zc. tunned Allgemeines Gebeth zu Gott um alles Gute. Allmächtiger, ewiger Gott! Sieh ich komme zu dir, als ein Schwacher zu dem Starken; als ein Hülfsbedürftiger zu dem Wohlthäter; als ein Kind zu seinem Vater. છુ 217 Im Nahmen Jesu Christe bitte ich dich um Alles, was meine Tugend und meine wahre Wohlfahrt befördern kann. Reiche mir, was ich bedarf; verleihe, was mir heilsam und ersprießlich ist; schicke es in Allem, wie du willst; und sey heute und allezeit mein Gott, der mir hilft; mein Hirt, auf den ich vertraue; der Leitstern auf allen meinen Wegen! Bater! deine Weisheit regiere mich; deine Gnade erhalte mich; deine Liebe erfreue mich; deine Huld und Barmherzigkeit tröste mich; deine Gerechtigkeit stärke mich; deine Allmacht schüße mich! Sohn Gottes! deine Menschwerdung sey die Stüße und der Trost meines Glaubens; deine Lehre sen mein Unterricht; dein Wandel mein Vorbild; deine Demuth mein Beyspiel; deine Geduld meine Stärke; deine Unschuld meine Heiligung; dein Gehorsam meine Gerechtigkeit; dein Leiden meine Erlösung, dein Kreuz meine Ehre; dein Tod mein Leben; deine Auferstehung und Himmelfahrt meine Hoffnung; dein Gericht mein Eingang in den Himmel! Heiliger Geist! erleuchte meinen Verstand! heilige meinen Willen; unterstütze mich in der Bezähmung meiner Leidenschaften, und stärke mich zu allem Guten, damit ich die Wahrheit erkenne, die Sünde verabscheue und bereue, die Besserung nicht 218 aufschiebe, der Tugend mich gänzlich ergebe, und die Geligkeit nicht verscherze! anism dage Mache, o Gott! mein Herz thätig zu allem Guten, fröhlich in der Hoffnung, eifrig im Gebethe, kindlich in der Liebe, vollkommen im Gehorfame, sehnsuchtsvoll nach dem, was droben im Himmel ist! Laß mich rein seyn in Gedanken; wahrhaft in Worten, erbaulich im Reden, schamhaft in Geberden, züchtig in Sitten, mäßig in Freuden, geduldig in Trübsalen, rechtschaffen im Thun und Wirken, verständig in Allem! si Gib mir Einsicht, dich, o Gott! deine heiligen Eigenschaften, deinen Willen, deine Rathschlüsse zu erkennen, weise zu denken und zu reden, vorsichtig zu wandeln; das Böse von dem Guten zu unterscheiden, und vernünftig zu urtheilen! Vor Allem laß die Liebe in mir wachsen, und mache mich gerecht, daß ich meinem Nächsten leiste, was ich soll; gebe, was ihm gebührt; lasse, was er hat, und das gern gönne, was deine Vorsehung ihm zugedacht hat! Erweiche mein Herz zur Milde und zum Wohlwollen, daß ich des Verlaffenen mich annehme, dem Irrenden recht rathe; den Unwissenden belehre; für die Unmündigen rede; dem Armen helfe; den Schwachen stärke; den Gefallenen auf 33 219 33 richte; den Unterdrückten rette, und allen Menschen so viel Gutes erweise, als ich kann; daß ich versöhnlich sey und meine Feinde liebe; daß ich segne, die mir fluchen; wohlthue denen, die mich haffen; für die bethe, die mich beleidigen; derer schone, denen ich schaden könnte, folglich Böses mit Gutem vergelte! - Flöße mir Ehrerbiethung gegen meine geistliche und weltliche Obrigkeit, Verträglichkeit mit meinen Hausgenossen und Mitbürgern, Bescheidenheit und Demuth gegen das höhere Alter, Herablaffung gegen Geringere, Dienstfertigkeit gegen jedermann ein. Laß mich innigst Theil nehmen an den Schicksalen meines Nächsten, mit Allen in Frieden leben, überall Frieden erhalten, und Anderer Wohlfahrt nach Kräften befördern! Aber behüthe mich auch vor gefährlicher Gesellschaft. Laß Behuthsamkeit und Wachsamkeit mich überall hin begleiten, damit ich den Verführer fliche, mich zu den Frommen halte, ihre Beyspiele nachahme, durch mein Beyspiel Andere erbaue, und so lebe, daß ich meine heilige Religion durch meinen Wandel ehre, der Tugend Freunde gewinne, und so viel an mir ist, das Reich der Frömmigkeit und Sittlichkeit erweitere! Gib mir auch, lieber Vater! von deinem zeitlichen Segen so viel, als deine Weisheit und Gü ece 220 333te für mein Bestes zuträglich findet. Erhalte mir, so lange ich lebe, einen gesunden Verstand, ein ruhiges, von Vorwürfen des Gewissens freyes Herz, und diejenigen Leibeskräfte, die zu einem arbeitsamen Leben nothwendig sind. Friste, wenn es dir gefällt, meine Tage so lange, bis ich mich durch Übung im Guten, zu einem höheren Leben fähig gemacht habe! Gegne meine Nahrung, meine Arbeit, meine Berufsgeschäfte, damit ich so viel erwerbe, als ich bedarf, um mich und die Meinigen zu versorgen, mich in der Noth zu retten, meinem Nächsten zu dienen, dem Armen zu helfen, und deine Ehre zu befördern. Mache auch den Nächsten zu Liebe und zum Wohlwollen gegen mich geneigt, damit ich Rath finde, wenn ich des Rathes; Hülfe, wenn ich der Hülfe; Schuß, wenn ich des Schutzes bedarf! Ich bitte dich nicht, daß ich frey sern solle von aller Trübsal; gib mir nur Geduld, wenn ich leide; Demuth, wenn ich verachtet; Sanftmuth, wenn ich beleidiget werde; Zufriedenheit, wenn du die Trübsal nicht hinweg nehmen willst, damit ich mich alles unnüßen Kummers entschlage, nicht deinen heiligen Anordnungen mich widerseße, sondern mit kindlichem Gehorsame unterwerfe, und die Tugenden Terne, die nach deiner Absicht dein Leiden in mir erwecken sollen: Vertrauen auf dich, Selbst. 221 verläugnung, Losreißung von der Anhänglichkeit an die Welt! Endlich, wenn ich krank bin, sey du mein Arzt; wenn ich Schmerzen leide, so lindere sie; wenn ich gegen Krankheit Mittel brauche, und es dein Wille ist, so hilf mir! Ist er es nicht, so verleihe, daß ich meine Auflösung, wohl bereitet, versehen mit den heiligen Sacramenten, gehor= sam gegen deine Rathschlüsse, das ist: als ein Christ, erwarte! Amen. Sus315 Chriftliche Fürbitte für alle Menschen. 29 791121 Gott! ich will die Pflicht erfüllen, für diejenigen zu bethen, welche du durch die Bande der Menschheit, oder der Religion und des Vaterlandes mit mir vereiniget hast. Meiner Mitmenschen Wohl sey dir empfohlen! Ertheile ihnen, nach deiner Weisheit und Güte das Maß des Glückes und der Freude, dessen du jeden von ihnen fähig gemacht hast! Erhalte zuvörderst, schüße und regiere deine heilige Kirche und das Oberhaupt derselben! Bewahre die Glieder derselben vor falscher Lehre und vor Lauigkeit und Gleichgültigkeit gegen das Christenthum; unsere Gemeinde vor Spaltung; unsere gottesdienstlichen Versammlungen vor Ärgerniß; unsere Religion vor Verfolgung! atigistance 222 Laß alle Gläubigen Eins seyn mit ihren Bischöfen, und alle Bischöfe Eins mit dem Oberhirten der Kirche, und diesem mit Jesu Christo; damit die ganze Kirche Jesu Ein Gebäude sey, aufgeführt auf dem Grunde der Apostel, auf dem Felsen Petrus, und gegründet auf dem Ecksteine Jesus Christus! milles dime Laß die Feinde des Glaubens die Wahrheit erkennen und annehmen; dämpfe die Wuth des blinden Eifers für Irreligion und Unglauben; befestige dein Reich, und laß die Ehre deines heiligen Nahmens immer mehr und mehr ausgebreitet werden! 20 Erleuchte die Irrenden; bekehre die Ruchlosen; schone der Schwachen; vergib den Büßenden! Beschüße alle Regenten; verleihe ihnen David's Gottseligkeit und Salomo's Weisheit, daß sie erkennen, was gut; verordnen, was heilsam, und in das Werk setzen, was ihren Unterthanen wahrhaft ersprießlich ist, damit sie mit Liebe und Macht unter den Kindern Gottes deine Stelle vertreten! Pflanze in die Herzen der Fürsten Gedanken des Friedens! Gib allen Räthen heilsame Anschläge! Verleihe allen Richtern Gerechtigkeitsliebe, und allen Beamten Redlichkeit und Treue, damit das Böse verhindert, das Gute belohnet, das Las 223 ese ster bestraft, dem Übel gesteuert, die bürgerliche Wohlfahrt befördert werde! Regiere alle Unterthanen, daß sie ihre Obrigkeit lieben und ehren; den Gesetzen folgen, und, wenn es nöthig ist, für Gott, Fürst und Vaterland Gut und Blut aufopfern! Erhalte das Vaterland im blühenden Zustande; segne den Ackerbau; gib dienliches Wetter, und zu allem Guten Gedeihen! Segne den Hausstand, und verleihe allen Hausvätern und Hausmüttern Frieden in ihrer Ehe, Glück in ihrer Nahrung, und Freude an ihren Kindern! *** Den Kindern gib willige Folgsamkeit, tiefe Ehrfurcht, herzliche Dankbarkeit gegen ihre Ältern, und laß den Segen der Ältern an ihnen reichlich erfüllet werden! Verleihe den Dienstbothen Treue und Gewissenhaftigkeit in dem, was ihnen anvertrauet ist, Kräfte zur Arbeit, und eine Seele, die sich genügen läßt; den Vorgesetzten aber Milde und Güte gegen ihre Hausgenossen, väterliche Sorgfalt für die Tugend und die zeitlichen Bedürfnisse derfelben! Laß dir endlich, o Gott! alle Menschen empfohlen seyn. Ernähre die Armen; tröste die Leidenden; stärke die Kranken; behüthe die Gesunden; wache über die Kinder; leite die unerfahrene Jugend; schüße ihre Unschuld; stehe ihr ben in der 224 33Bersuchung; unterstüße das Alter; versorge die Witwen und Waisen, und verbreite über jede Familie deinen Tegen! Laß dir auch meine Angehörigen empfohlen seyn! Wende von ihnen ab alles Übel! regiere sie mit deinem heiligen Geiste, daß sie nie von dem Wege der Tugend abweichen! i slides du Segne meine Wohlthäter; behüthe meine Freunde; verzeihe meinen Feinden; ändere ihre Gesinnungen, und führe uns alle zum ewigen Leben! Erbarme dich der abgeschiedenen Gläubigen! Verleihe ihnen, besonders meinen verstorbenen Altern, Verwandten, Freunden und Wohlthätern, und denjenigen, deren sich niemand erinnert, den ewigen Frieden! Amen. 10 Glaube und gute Werke. Umsonst ist deines Glaubens Ruhm, Entblößt von guten Werken; Gott wird, so lehrt das Christenthum, Nur auf die Treue merken, Mit der der Glaube jede Pflicht Erfüllet; wenn die That gebricht, It aller Glaube eitel. Der Glaub' allein denn dieß ist WahnKann dich nicht selig machen; — میانوالی 225- Er ist, hast du nicht recht gethan, di me Nur falscher Trost des Schwachen.drado) Wo man der Liebe sanft Geboth other vi Nicht hält, da ist der Glaube todt; eing pote Durch Liebe muß er leben. Das Erste, was der Glaube lehrt, Ift, Gott und Nächsten lieben.g molle në Ein Heuchler ist's, der sich bethört, Wer glauben will; nicht üben, Was Gottes Wort zu thun befiehlt, ten Werken tråg fich fühlt: Zu u EXO Sein Glaube ist nur Wortschall. trim and hidense sintonspus 16) Uns für die Tugend zu erzieh'n, y ajudduspus Ist Zweck der Glaubenslehren, 951 54 m 7 Ge nem dne Zum Rechtthun, Unrecht stets zu flieh'n, Soll jede Kraft gewähren. nisl sed US jua ndi O, wer nicht handelt als ein Christ, enslandi s Der glaubt nicht, wie's gebothen ist; Er trennet Pflicht von Pflichten. maning me Doch aller guten Werke Werthyiddist hinni shis mod Ist nichts, getrennt vom Glauben; Denn ist der Tugend Grund zerstört, adid Wird sie Verführung rauben. palomu aind Der Glaube ist der Tugend Grund, Sie stiften unter sich den Bund im Q Der sittlichen Vollendung. sid 15 ## 226 Den Glauben gib durch deinen Geist, and this Gott, der durch Tugend lebet, u Der rastlos thätig sich beweist, dil sed nom f Nach Pflicht zu handeln strebet, and sofe Der nie der Rechenschaft vergißt, bre Te Für Nächstenwohl stets fruchtbar ist In allen guten Werken.re du 100, 12 40 los si Gebeth 1ldsmed 89110 308 um den Sieg über die Sinnlichkeit und die Leidenschaften. Jobi Gott, tugendhaft zu seyn, befiehlst du mir; tugendhaft zu seyn ist auch mein innigster Wunsch und mein feurigstes Verlangen! Aber ach, wie viele Versuchungen umgeben nicht den Menschen, die ihn auf Abwege leiten, die feine festesten Entschlüfse wankend machen! Du kennest unsere Schwachheit, o Gott! unseren Hang zum Bösen, der uns zu einem immerwährenden Kampfe auffordert. Die Sinnlichkeit, die wir in uns tragen, widerstrebt dem Geiste; die Welt reizet durch ihre Beyspiele; die Verführung hat überall ihre Fallstricke ausgebreitet, und legt sie oft im Verborgenen, daß sie den Unbedachtsamen so leichter in dieselben verstricke. O, rette mich, daß ich nicht höre auf die Stim me, die durch den Betrug, in der Sünde sey Pock * 227 - Glück und Wohlseyn zu finden, mich täuschen, und von deinem heiligen Gesetze abwenden will! Stärke mich, o Gott, in dem Kampfe! Voll Vertrauen auf deine Gnade, will ich jede Versuchung vereiteln, jede Leidenschaft bezwingen, und nicht müde werden, bis ich den vollkommensten Sieg errungen habe. Dein Beystand ist mächtiger, als jede Versuchung. Mit deinem Beystande werde ich, ich hoffe es zuversichtlich, stets meine Tugend aus der Gefahr retten, und sie unangesteckt von dem Verderben der Welt erhalten. Jeder Sieg, den ich erkämpfe, wird dann ein Dankopfer für deinen Schuß, für deine Huld und Güte seyn! Amen. 29106 707 290 nad mot bonne Chiste nousilt sel Bondi sidson Verlangen nach Gott, ein Gebeth nach dem heiligen Augustin. Erwecke in mir, o Gott! nach dir ein thätiges Berlangen. Laß mich eher Alles, als dich, vergessen! Gib Liebe zu dir, daß sie die Lust zum Bösen schwä che und unterdrücke! die Sünde siege nie über mich! Was Verschuldung und Reue nach sich zieht, suche nie mein Auge, verachte stets mein Herz! Gib Thränen meinem Auge und Gaben meiner Hand für den Dürftigen, den du mir zusendest! Hilf mir meine Neigungen und Leidenschaften bezähmen! Stärke meine Seele, daß sie Kraft habe, aus Liebe zu dir 15* 228 zzdas Härteste zu dulden, das Schwerste zu thun; das Angenehmste, wenn es unrecht ist, sich zu versagen. Gib mir einen lebendigen Glauben und eine Hoffnung ohne Wanken! Mein Sinn hefte sich nie an das Bergängliche. Laß Mäßigung meine Tugend seyn, und irdischer Dinge mich mit Mäßigung gebrauchen! Mein Herz entwöhne sich jeder Weichlichkeit und Wollust; Genügsamkeit sey mein Bestreben! Argwohn, List und schlaue Schmeicheley, Härte, Geiß und Neid, Zorn und Rache seyen fern von noong mir! Sanftmuth sey mein Eigenthum! Ich will nachlassen, wo ich darf, und verzeihen, wo ich kann, Gutes für Böses thun, nur nach der Wahrheit handeln, nur den Freund des Lasters meiden und fliehen. Mein Herz horche schnell, wenn Pflicht und Tugend rufen; und vollziehe froh, was sie gebiethen; es verehre, was du, o Gott! billigest, und verwerfe, was du hasfest. Dank erfülle mein Gemüth, wenn du mir es wohl gehen läsfest, und Dank und Zufriedenheit, wenn du mich durch Leis den prüfest. Laß mich nie, auch bey dem härtesten Geschicke, Glauben und Vertrauen auf deine Vorsehung verlieren! Die Erde sey mir Staub, die Zeit ein Augenblick, und das Ziel aller meiner Wünsche und Bestrebungen eine selige Unsterblichkeit, und duo Gott! Amen. REGTE S NWNINNSTA NODARDIST * 229*** Vertrauen auf Gott. som Gott! deine weise Vorsehung regiert alle meine Schicksale. Auf dich will ich also mein kindliches Vertrauen feßen. Mein Glück hängt nicht von mir ab. Ein Augenblick vernichtet oft das Werk meiner vieljährigen Bemühungen. Von Allem, was ich unternehme, ist der Ausgang ungewiß; aber noch ungewisser, ob das Gelingen oder das Mißlingen meiner Anschläge für mich besser sey. Nur du, o Gott! weißt Alles, führest Alles zu meinen Wohle: Glück und Unglück, angenehme und widrige Schicksale. Meine Tage werden von dir, dem Weisesten und Gütigsten, gezählt; von dir ist in dieselben vertheilt, was mir zukommen soll. Du würdest mir ein anderes Loos beschieden haben, wenn eine andere Einrichtung für mich besser gewesen wäre. Dieser Glaube erhebt meine Seele zu dem kindlichsten Vertrauen. Ich fühle mich über alle Anfechtungen des Zweifels erhoben. Mit dankbarer Freude ge= nieße ich, was du, mein Gott, mir bestimmt haft; mit ruhiger Zuversicht sehe ich der Zukunft entgegen: sie steht, wie der gegenwärtige Augenblick, in deiner Macht; warum sollte ich zagen? Ja, gütiger Gott! führe mich auf Wegen, auf welchen du willst; ich folge gehorsam, ihr Ende ist Seligkeit. Vielleicht habe ich noch manche rauhe und steile Bahn zu übersteigen; vielleicht warten meiner so ટ્ટ 250 manche Trübsale. D, ich erwarte sie ruhig. Wenn die Widerwärtigkeiten nicht zu ertragen, wenn sie über meine Kräfte wären: Gott, du würdest sie mir nicht senden, mich nicht auffordern, sie standhaft zu dulden. Deine Aufforderung macht mich entschlossen. Ich will durch Muthlosigkeit nicht meinen Gott entehren, der getreu ist, und mich nicht über meine Kräfte versuchen läßt. Ich kann nicht zu Schanden werden, da mein Vertrauen auf den Allmächtigen und Ewiggütigen gegründet ist. Keine Gefahr kann so drohend, kein Übel so groß, keine Aussicht so finster seyn, daß nicht Alles zu meinem Besten dienen sollte. In mein Leben sey auch so manche Mühseligkeit verwebt: wenn ich die Tugend erhalte, und alle Umstände des Lebens als Beförderungsmittel der Tugend gebrauche, so war es glücklich, glücklicher als das Leben des Lasterhaften, der seine Tage in üppiger Sinnlichkeit und Wollust verschwelget. Dort im Himmel, wenn ich deine heiligen Wege, enthüllt von dem Dunkel, das sie jetzt noch umgibt, sehen, bewundern werde, dort werde ich erst recht fähig seyn, deine Güte und Liebe zu ers kennen, und mit nahmenloser Empfindung des freudigsten Dankes dich, o Gott, zu preisen, der du mich hier leitest nach deinem weisen und liebevol= len Rathe! Amen. wwwwwwwwwwww wwwww. 231 zzid Ullgegenwart Gottes. Gott! dir kann ich nicht entfliehen. Ich wand1: stets vor deinem allsehenden Auge! Die Finsterniß entzieht mich demselben nicht; der verborgenste Gedanke umhüllt meine Absichten und Entwürfe richt so tief, daß du ihn nicht errathen solltest; du sehst ihn von ferne, schon in seinem Entstehen. Thue ich Böses, so bist du mir als Richter nahe, ber mich straft; aber auch, wenn ich Gutes thue, belohnest du mich mit deinem Beyfalle. Von dei1er Gegenwart bin ich stets umringt. Und ich sollte Sünde begehen? sollte dem frevelhaften Wahne Gehör geben: du würdest nicht gewahr werden, der vergessen, was ich gethan habe? Nein, mein Gott! vor dir will ich stets wandeln. Wenn auch kin Mensch Zeuge meines Verhaltens ist, niemand mich warnet, oder wenn Leichtsinnige durch Brführung und Beyspiele mich zum Bösen ermintern, will ich an dich, den allwissenden Zeugen, denken, und jeden Gedanken zur Sünde, ehe'ch ihn noch ganz habe ausdenken können, ersticke. Die Ehrfurcht gegen dich wird der Schuß meine Tugend seyn. Aber, Allgegenwärtiger, du siehst, wie oft meine Neigungen und Leidenschaften mich zr Sünde locken; Beyspiele mich in meinen Vorsäkn wankend machen: o rette mich, daß ich nicht nachgebe, nicht weiche von deinem heiligen in - 232 3. Gefeße! Verlaß mich nicht, ich traue auf dich! Dn wirst, o Gott! kein müßiger Zuschauer meines Kampfes seyn, wirst mich stärken. Die Zuversicht auf deinen Beystand erweckt in mir die trostvolle Hoffnung, daß ich meine Tage in Unschuld und Tugend, oder ach! wenn ich diese verscherzt habe, in Buße urd Besserung vollenden, und einst durch dich würdig seyn werde, dich von Angesicht zu Angesicht zu se hen, den ich hier, als mir überall gegenwärtig, in Glauben verehrte! Amen. nd hondolat YOU YOUT Gebeth um Weisheit zur Ausübung der Tugent Gott! des Lichtes und der Wahrheit Quel! Mache helle die Dunkelheit, die in mir ist. Gb mir Weisheit, den wahren Zustand meiner Seel, die wahre Beschaffenheit meines Herzens einzuehen! Weisheit, den Weg zur Seligkeit kennen ju lernen, und ihn nicht zu verfehlen; Weisheit, sie Wahrheit zu erkennen, wenn die Leidenschaft sie für Irrthum hält; den Irrthum zu erkennen, nenn er sich in den Schein der Wahrheit hüllt; Veisheit, die Tugend von dem Laster, das oft die Gestalt der Tugend annimmt, zu unterscheiden; Beisheit, da zu schweigen, wo die Thorheit spricht da zu reden, wo Schmeichelen und Menschenfurch zum Nachtheile des Rechtes und der Tugend, schreigen; Weisheit, jedes Wort abzuwägen, daß es icht den *** 233** Unschuldigen ärgere, den Anwesenden kränke, dem Abwesenden schade; Weisheit, wenn ich warnen, rathen, helfen soll. Zu allen meinen Entschlüssen und Handlungen flehe ich von dir, o Gott! Weisheit, der du uns durch dein Wort selbst zurufst: „ So jemand unter euch Weisheit bedarf, der bitte Gott darum, der da einem jeden reichlich gibt. Er bitte im Vertrauen, und zweifle nicht!" Amen. 9111910 30 HISTOE sid # Die Demuth. How to call Gott! Alles, was ich bin und habe, Ist deiner Macht und Güte Gabe; C Wie könnt' ich kühn und stolz mich bläh'n, Daß deine Huld auf mich geseh'n? pa Die Gaben sind mir nur geliehen; Du kannst sie wieder mir entziehen; Sie bleiben stets dein Eigenthum; Nur dir gebührt, nicht mir, der Ruhm. Du wirst streng nach meinen Pflichten, Wie ich die Gaben nüße, richten. Wie sollt' ich übermüthig seyn? Ich finde Vieles zu bereu'n. Wie manche deiner großen Gnaden Hab' ich, zu meiner Seele Schaden, Durch trägen Nichtgebrauch entweiht, Verscherzt für meine Seligkeit! 234 33Wie oft, nur folgend meinen Trieben, majli Anstatt im Guten mich zu üben, Durch Undank deine Huld entehrt; Berkannt durch Mißbrauch ihren Werth! Gott! wie darf ich mich erfrechen, Voll Eitelkeit von mir zu sprechen? Beschämet mich nicht deine Huld? Vergrößert sie nicht meine Schuld? Du stürzest, die sich selbst erhöhen, Und dir voll Hochmuth widerstehen. D, lehre mich, ich bin bereit, Die Demuth und Bescheidenheit. nig E Lehr mich, vom Schimmer falscher Größe Niemahls geblendet, gern die Blöße 2012 Des Unrechts meiner Thaten seh'n, Den stillen Gang der Tugend geh'n. Anne G Lehr' mich, die kleinsten Sittenflecken Mir ohne Heucheley entdecken; troudag Streng gegen mich, mir nichts verzeih'n; Gelinde gegen Und're seyn. de sid Lehr mich bescheid'ne Tugend schätzen; Nie darum meine Pflicht verlegen, SONG C Weil oft das Lob, die Gunst der Welt, Der ihren Launen fröhnt, erhält. Nur deinen Beyfall, Gott zu ehren, Auf ihn mit Folgsamkeit zu hören, 235- Wenn er durch mein Gewissen spricht, Dieß sen mir stets die erste Pflicht. Nach diesem Beyfall will ich trachten, Stets, Heiland, auf dein Beyspiel achten, Das uns so schön die Demuth lehrt, Die Demuth, die vor Gott uns ehrt. www wwwwww edofinst de 14.90 5 80 10 Bitte um ein versöhnliches Herz. Heiland! der du alle Menschen, selbst deine Feinde liebtest, für sie am Kreuze hangend, zur Verzeihung und Schonung deinen Vater bewogst, gib mir ein solches Herz, das leicht vom Mitleiden gerührt wird; ein Herz, das liebreich ist, und deinem Herzen gleicht; ein Herz, dem Abneigung und Haß fremd sind; daß sich nie erlaubt, Unrecht zu thun; lieber Unrecht leidet, die Unbild gern verzeiht, die Kränkung bald und leicht vergißt. Vergebet! ist dein Befehl; so wird auch euch vergeben werden. Nur gegen die willst du voll Huld und Güte seyn, die, gleich dir, gütig sind, und anderen gern vergeben. Selbst denen wohlzuthun, die mir zu schaden fuchten; für jene bethen, die mich beleidigten; segnen die, welche mir fluchten, dieses ist meine Pflicht; denn ich bin ein Christ. Mein Gebeth, meine Buße und Reue werden von dir verworfen, wenn ich unerbittlich bin, und nicht von Herzen verzeihe. Wie # 236 ht könnte ich, selbst übertretend das Geboth der Nächstenliebe, zu dir flehen: Bergib mir meine Schuld? Präge du diese Pflicht, die uns zu deinen wahren Jüngern macht, tief in meine Seele ein: mache sie zur Sanftmuth geneigt. Laß nie in ihr Zorn und Haß, und die feindselige Neigung, sich zu rächen, aufkommen! Hilf mir, die Eigenliebe, welche allezeit die Beleidigung sich größer vorstellt, als sie ist, und unversöhnlich macht, unterdrücken: Laß mich dir, o Herr! an Geduld, an Milde und Erbarmen gleich seyn, und des inneren Friedens mich theilhaftig werden, welcher die Friedfertigen, als wahre Kinder Gottes, im reichen Maße für ihre Selbstbeherrschung belohnt! Amen. das Gebeth der Ältern für ihre Kinder. totall SAY FOR M di Gott! das Gefühl der Vaterliebe( Mutterliebe) sowohl, als dein Gefeß, erinnert mich an die Pflicht, meine Kinder, nach den Grundsätzen der Religion, für die Tugend und die Geligkeit zu erziehen. Sie find mehr dein, als mein Eigenthum; aus meinen Händen wirst du sie einst fordern. Wer für die Seinigen nicht Sorge trägt, sagt dein Wort, der hat den Glauben verläugnet, und ist ärger als ein Ungläubiger. Was nüßte es ihnen aber, wenn ich bloß für ihre körperlichen Bedürfnisse, für ihr zeitliches Glück, nicht auch für die Bildung und Heiligung *** 237** ihrer Seele sorgte? Dazu bedarf ich deines mächtigen Beystandes, daß ich gute Menschen und wah re Christen an ihnen erziehe. D, gib mir Einsicht zu diesem Geschäfte, und ihnen Folgsamkeit, daß sie es nicht vereiteln. Ich bitte nicht um Reichthum für sie. Gib ihnen Kräfte und Lust zur Thätigkeit und Arbeitsamkeit, daß sie einst in dem Berufe, gu welchem du sie führen wirst, ihr hinlängliches Auss kommen finden! Bewahre ihr Herz vor der Sclaverey der Leidenschaften, und ihre Unschuld vor den Schlingen der Verführung. Laß sie nie das Laster anders, als in der Absicht kennen, daß sie es als das größte Übel verabscheuen, und vor dem Gedanken, je damit befleckt zu werden, zurück beben! Führe ihnen gute Menschen zu, deren Beyspiel ihnen Erweckung zum Fleiße, zur Frömmigkeit und Gittlichkeit sey! Laß sie fliehen die Leichtsinnigen, und sich nur an die Gesitteten und Tugendhaften halten. Allwissender! solltest du vorher sehen, daß sie einst ausarten, Böses stiften, lasterhaft werden sollten: o, so nimm sie zu dir, ehe sie ihre Unschuld verscherzen! Siehst du vorher, daß sie rechte schaffen seyn werden: so verlängere ihre Tage, daß sie der Welt in ihrem Berufe recht nützlich werden! Erhalte zu diesem Ende, wenn es dir gefällt, auch mein Leben, damit ich ihre Erziehung vollenden könne! Hast du es anders beschlossen, so will ich 238. doch nicht kleinmüthig werden. Ich übergebe sie ja dir, dem besten Vater! du wirst ihr Schuß, ihr Retter seyn. Du hast für mich gesorgt: du wirst auch sie nicht verlassen. Ich werde ihren zarten Herzen Religion, die tiefste Ehrfurcht gegen dich und deine heiligen Gebothe einprägen, damit sie sich deiner Huld und Güte, die du vorzüglich den From= men verheißen hast, würdig machen. Vermehre durch sie hier die Zahl der guten, tugendhaften, nüglichen Menschen, und dort die Zahl der Auserwählten! Laß mich schon hiernieden der trostvollen Hoffnung leben, daß ich einst zu dir werde sagen können: Herr! die du mir gegeben hast, von denen habe ich keines verloren! Amen. dimed sin 10g mandi ng Gebeth der Ültern bey der ersten Communion ihrer Kinder. noun di d Biebreicher Erlöser, der du, da du unter den Menschen wandeltest, die Kinder zu dir kommen lie Best, sie mit zärtlicher Huld und Batergüte auf nahmest, den Umstehenden den großen Werth einer unschuldigen Seele an das Herz legtest, diese voll Ernst und Würde warntest, keines von diesen Kleinen zu ärgern: o, wen kann deine Milde mehr rühren, als ein Vaterherz( Mutterherz); wem deine Warnung wichtiger seyn, als Ältern? Sieh, auch -** 239***ich bringe heute mein Kind zu dir, damit du es fegnest, es stärkest mit deinem Fleische und Blute für sein künftiges, so gefahrvolles Leben. Bisher kann ich hoffen, daß die Seele meines Kindes noch der Schmuck der Unschuld ziert. Sein Verstand ist schon durch die Religion so gebildet, daß es das Böse kennt und verabscheuet. Es ist von dem Werthe der Tugend überzeugt, und hat die Lehren der Tugend gefaßt. Ach, mein Heiland! ich zittere vor dem schrecklichen Gedanken, und kann mir keinen schreckficheren denken, als diefen: wie, wenn mein Kind einst gleichgültig gegen die Religion, verhärtet ge= gen die Stimme des Gewissens, wenn es lasterhaft werden sollte! Verhüthe dieses, göttlicher Kinderfreund! Ich habe keine angelegentlichere Bitte, als diese. Dir übergebe ich diese noch unverdorbene Seele. Sie sey dein Eigenthum! Erfülle fie mit deiner Gnade, heilige sie, leite ihre Neigungen zum Guten, tilge in ihr jeden Keim des Bösen, welches oft so schnell neben den besten Anlagen hervor bricht, laß keinen Fehler Wurzel faffen und zur Gewohnheit heran wachsen! Ich werde diese heilige Handlung, die mein Kind heute mit den erwachfenen Mitgläubigen begeht, nicht schon für die Vollendung des religiösen Unterrichtes ansehen. Nein, jetzt wird es mir um so wichtiger feyn, ihm die Wahrheiten des Glaubens und die Grundfäße der 333240 Tugend desto tiefer einzuprägen. Was der Unters richt in der Religion begann, das soll die eifrige Ausübung zur Reife bringen. Das Beyspiel, das ich meinem Kinde durch die genaue Abwartung des Gottesdienstes, durch die Achtung und den Eifer für Alles, was du, o Jesu! durch die Religion forderst, zu geben mich verpflichte, soll die guten Gesinnungen in seinem Herzen befestigen, damit sein Leben ein Ganzes der Frömmigkeit und Tu21 gend werde. Segne meine guten Entschlüsse, und nimm das Kind, das ich heute dir gänzlich widme, in deinen heiligen Schup! Amen. in pisin sinis Gebeth der Kinder für ihre Ältern.de Gott! ich danke dir, daß du mir so gute 211tern, die an meinem Wohle den innigsten, thätigsten Antheil nehmen, gegeben haft. Wie kann ich ihre Liebe vergelten, und die Achtung, die ich ihnen schuldig bin, und die du selbst, o Gott! in mein Herz gelegt hast, beweisen?„ Du sollst Vater und Mutter ehren!" Dieses ist dein Gefeß. Und ich sollte dieses Geset nicht pünctlich und gern befolgen, dessen Befolgung mir und meinen Ältern das Leben erleichtert, ihr und mein Glück ausmacht? Nein, o mein Gott! stets will ich bedenken, daß die Ehrfurcht und Liebe gegen die Altern keine Gränzen haben soll. Sie ist ein Theil der Ehrfurcht und Liebe, die ich dir, o Gott! 241 2 zu leisten verbunden bin. Höre also meinen ernstlichen Vorsatz! Nie will ich ihnen ungehorsam seyn, stets will ich das thun, was sie mir rathen oder gebiethen; unterlassen, was sie verbiethen. Sie sind fromm; nie werden sie mir auflegen, etwas verbiethen, was wider dein Gesetz ist. Sie sind meine redlichsten Freunde; wer kann mich mehr lieben, als sie; mir so wohlwollen, als sie; mir besser ras then, als sie? Sie sind verständiger, als ich; sie wissen, was mir heilsam oder schädlich sey. Der Gehorsam, den ich ihnen leiste, schüßet mich gegen die Fehler, die Unbesonnenbeiten, die Gefahren meines Alters. Ohne diesen Gehorsam kann meine Erziehung keinen glücklichen Erfolg haben, kann ich nicht das werden, was ich werden soll: ein rechtschaffener Mensch und ein guter Christ. Ihre guten Lehren und Beyspiele werde ich also voll kindlicher Achtung ehren, ihre Befehle und Ermahnungen ansehen, damit ich sie desto gewissenhafter befolge. Aber auch dann, o Gott! wenn ich nicht mehr unter ihrer unmittelbaren Aufsicht lebe, wenn ich mir selbst werde überlassen seyn, will ich nie ver= gessen, was Kinder ihren Ältern schuldig seyn. Stets werde ich ihren Rath mit Dank annehmen, sie in ihrem Alter unterstüßen, mich nie ihrer schämen, nie weiser dünken, als sie sind, nie ihren Umgang für beschwerlich halten, sondern ihnen durch mein 16 - 242 33. Verhalten zur Freude zu seyn mich bestreben. Gott! oft werde ich mich im Gebethe zur Liebe und zum Gehorsame gegen sie stärken. Mache auch mich des Segens theilhaftig, den du in deinem Gefeße denjenigen verheißen hast, welche ihre Ältern ehren! Amen. wwwww Empfindungen und Gebeth beym Jahreswechsel*). Ein Jahr, o Gott! ist wieder mit allen seinen Leiden und Freuden, mit allen seinen Beschäftigungen, Entwürfen, Erwartungen in das Meerder Ewigkeit hinüber geflossen! Lange schien beym Eintritte in dasselbe mir sein Lauf durch alle die Stunden, Tage, Monathe zu seyn, die es zurück legte. Da ich den ersten Morgen erlebte, glaubte ich eine unübersehbare Zukunft vor mir zu haben; aber ein Morgen und ein Abend nach dem anderen zog immer etwas von der ungeheueren Summe ab; ein Augenblick verschlang den anderen, eine Stunde die andere, ein Monath den anderen, bis endlich sich das ganze Jahr in die Abgrün de der Vergangenheit verlor. Schon so oft ward ich an den schnellen Flug der Zeit erinnert, und doch, o Gott! be= *) Auch am Geburtstage oder an jedem anderen wichtigen jährlichen Gedächtnißtage zu gebrauchen. - 243 333. schämt muß ich es gestehen, wie leichtsinnig habe ich sie verschwendet! wie Vieles, was ich längst thun sollte, aufgeschoben! Noch ist meine Besserung nicht vollendet; noch habe ich denjenigen Grad von Tugend nicht erreicht, den ich bey den Mitteln, die ich als Christ habe, hätte erreichen sollen. Jeder Tag brachte mich dem Ziele meiner Laufbahn näher; aber nicht näher der christlichen Vollkommenheit, deren Erreichung der Endzweck meines Daseyns ist. Ach Gott! ich kann nichts als staunend deine Langmuth anbethen, meine Strafwürdigkeit erkennen, und dich bitten, meiner Trägheit zu Hülfe zu kommen, daß ich endlich anfange zu thun, was schon längst meine Pflicht war. Schiebe ich das Werk meiner Besserung und Heiligung immer weiter hinaus: so ist nichts gewisser, als daß ich es über die Zeit hinaus schieben werde, die nicht mehr mein ist. Nein, o Gott! ich will von nun an wirken, so lange es Tag ist; es kommt die Todesnacht, wo niemand mehr wirken kann. Jeder Aufschub schwächt den Vorsaß. Die Gewohnheit gewinnt mehr Zeit, und wurzelt tiefer, bis sie nicht mehr ausgerottet werden kann. Laß mich, o Gott! nie in einem solchen Zustand kommen. Rüste mich mit Entschlossenheit und Standhaftigkeit aus! Ein Jahr ist verflossen; also ein großer Theil meines Erdenlebens! Wie wichtig war nicht die 16* I * 244* zzBestimmung desselben, wie genau mit der Ewigkeit verbunden! Kann ich etwas denken, thun, unterlassen, dessen Folgen sich nicht bis in die Ewigkeit hinüber erstreckten? Wie zahlreich sind die Pflichten, die ein einziges Jahr in sich schließt; wie unersetzlich der Verlust, wenn es verschwendet; wie reich der Gewinn, wenn es weise vollbracht wor den ist! Alles verzehrt die Zeit; sie selbst ist unwiederbringlich dahin. Nur Tugend und Laster überleben mit ihren Folgen die Zeit. Beyde nehme ich, als Zeugen meiner erfüllten oder nicht erfüllten Obliegenheiten, in die Ewigkeit mit. Gott! hätte ich dieses während des Laufes dieses Jahres öfter er= wogen; o, ich würde nicht so Vieles zu bereuen haben, würde nicht genöthiget seyn, zu wünschen, daß so viele meiner Handlungen aus der Reihe meiner Tage getilgt würden. Wie ruhig wäre ich jetzt, wenn ich dem Rufe deiner Gnade gehorsam gewesen wäre, die mich unaufhörlich zum Guten weckte, aneiferte! O, daß ich wenigstens fünfz tighin nicht mehr mit dem peinlichen Gefühle der Verschuldung vor dir erscheinen müßte! Präge mir tief die Überzeugung von dem hohen Werthe der Tugend ein! Laß mich immer mehr und mehr von der Wahrheit durchdrungen werden, daß nur der Tugendhafte die Zeit nicht verliere! Die Tugend wirket fort in den seligen Folgen des vollbrachten - *** 245***Guten, und wird immerwährend fortwirken, wenn der Mensch auch ganz dem Schauplage des gegen. wärtigen Lebens entrückt seyn wird. Der Lasterhafte hat Alles verloren. Der Verlust der Zeit hat den Verlust der Unschuld, der Ruhe und Heiterkeit der Seele, den Verlust deiner Gnade, o Gott! und feiner Seligkeit nach sich gezogen. Aus dem Buche des Lebens sind seine Jahre, kehrt er nicht zu dir zurück, ausgetilgt. Ach! Leichtsinn und Zerstreuung haben diese Wahrheiten nie in meiner Seele sich tief gründen lassen. Möchte ich künftig daran ernsthafter denken! Stárke mich, o Gott! daß ich weiser denke, mich bessere, und die künftige Zeit sorgfältiger benuße. Sie kann zwar das Versäumte nicht ersetzen, denn jeder Tag hat seine Pflicht; aber daß nicht noch mehrere Tage und Jahre unnüß und strafbar dahin fließen, das kann ich mit deinem Beystande, das werde ich thun. Was bey dem Rückblicke auf das vergangene, von mir nicht so, wie ich follte, benußte Jahr mich noch tiefer beschämt, ist der Undank, o mein Gott! mit welchem ich die unzählige Summe des Guten, das ich aus deiner Hand empfing, theils nicht gebrauchte, theils mißbrauchte. Deine Gnade kam mir zuvor, ich konnte mit ihrem Beystande viel Gutes ausrichten, und ich that es nicht. Ich hörte auf ihre Stimme nicht, und fündigte. Kein Tag war leer an Wohlthaten - 246- und Segnungen, die mir deine Batergüte in einem so reichen Maße beschied. So viele heitere Stunden, so viele mit glücklichem Erfolge meiner Berufsarbeiten belohnte Tage, so viele unvermuthete Hülfsleistungen, so viele Abwendungen des Unglückes, so manche Anfangs widrige Vorfälle, die aber deine Vorsehung zu meinem Besten lenkte, habe ich erlebt. Hast du auch Leiden verhängt, wie erträglich waren sie? Wie nahe war deine lindernde Hand? Hatte ich nicht größere verdient? Von wie vielen blieb ich frey, wozu ich oft selbst Anlaß gegeben habe? Kann ich die Erfahrung läugnen, daß du keine größeren Lasten auflegest, als der Mensch ertragen kann, und daß du sie ihm, hat er Vertrauen auf dich, tragen hilfst? O, dafür danke ich dir, mein Gott, mit dem gerührtesten Herzen! Doch soll mein Dank nicht müßig seyn. Ich will ihn künftig durch einen weisen Gebrauch deiner Wohlthaten bezeigen. Du bist zu gnädig, als daß du, ungeachtet meiner großen Unwürdigkeit, aufhören solltest, mich zu segnen. Mit dieser trostvollen Überzeugung gehe ich der Zukunft ruhig entgegen. Du wirst mir auch ferner deine Gnade nicht entziehen, daß ich meine Fehler bessern, Gutes thun, frömmer und tugendhafter werden könne. Mich erfüllt die Zukunft nicht mit bangen Sorgen. Sie steht unter deiner Aufsicht und ** 247 33. Regierung. Enthielte sie auch für mich traurige Stunden, ich werde an deiner Baterhand nicht zagen; werde mich bemühen, zu thun, was meine Pflicht ist; freudig kann ich das Übrige dir überlasfen. Ich werfe mich also ganz deiner heiligen Vors sehung in die Arme. Im Leben und im Sterben bist du meine Zuversicht, mein Gott! Amen. acce Gebethe zur Zeit der Krankheit. Morgengedanken. Guter Gott! sie ist überstanden die schwere Nacht, vor der mir am Abende so bange ward. Dank dir, Gott, für deine Vaterliebe! Du wachtest über mich. Sie ist überstanden! dein Beystand wie viel vermag er nicht! Du hast die Sonne über mich wieder aufgehen lassen. Heiterkeit und Erquickung gewährt mir der Anblick des Tages. Stärke mich, damit ich, wenn es dir gefällt, mich länger leiden zu lassen, mit Geduld und Ergebung in deinen heiligen Willen leide. Ich leide ja nicht vergebens. O, daß jeder Augenblick eine reichliche Aussaat für den Tag der Belohnung würde! Laß den Gedanken: Bater, nicht wie ich will, sondern wie du willst, in mir recht herrschend werden! Was du senden wirst, das will ich tragen. Habe ich viele * 248***Schmerzen zu erdulden, so wirst du sie lindern. Dieses ist meine Hoffnung und mein Trost. Lcß mich tugendhaft leiden: ich werde dafür deine Güte am Abende innigst preisen, gleichviel, ob noch n • diesem, oder schon in jenem Leben! Amen. ww Abendgedanken. Gott, ich danke dir für diesen Leidenstag. Auh Leiden sind das Werk deiner Vorsehung, und die Tröstungen, die mir der Glaube an deine Batergüte gewährt, sind Ausflüsse deiner Liebe. Bey alIen Bitterkeiten war mein Leiden nicht ohne Erquickung. Jeder Augenblick, in welchem ich mit deinem Beystande geduldig litt, erleichterte die Last der Krankheit. Dank sey dir dafür! Deiner Obhuth übergebe ich mich auch für die kommende Nacht und für alle mir noch übrigen Tage. Dein ist die Nacht, wie der Tag. Sie kann dein Auge nicht verdunEeln, daß es mein Leiden nicht sehe, und deine Macht nicht schwächen, daß sie mich nicht schüße. Herr, bleib' du bey mir, so wird auch die schwerste, schmerzvollste Nacht für mich heiter und ruhig seyn. Herr Jesu! der du viele Nächte im Gebethe durchgewacht, und manche Leidensstunden überstan den hast, stärke meinen Geist, daß ich, wie du, bethen; wie du, geduldig leiden könne! *** 249**Und du, Mutter meines Erlösers, dein stiller Sinn, den keine Ungeduld schwächte, sen auch mein Eigenthum! Bitte für mich, daß ich glaube, wie du, und Gottes Rathschlüsse, mit der völligen Aufs opferung meines Willens, anbethe, wie du! Amen. Ergebung in den Willen Gottes. Dein Wille, o Gott, geschehe! Es ist der Wille der höchsten Weisheit. Ich weiß nicht, was mir wahrhaft gut ist. Du allein weißt es. Sollte ich mich nicht von dem Weisesten leiten lassen? Dein Wille, o Gott, geschehe! Es ist der Wille der böchsten Liebe. Du kannst in deinen Fügungen nur mein wahres und ewiges Wohlseyn zur Absicht haben. Sollte ich mich dir, der du die Liebe bist, nicht mit freudiger Zuversicht ergeben? Dein Wille, o Gott, geschehe! Es ist der Wille der höchsten Macht. Wenn ich nicht. aus eigener Entschließung der väterlich rufenden Allmacht folge, so muß ich aus Zwang der gerecht strafenden Allmacht folgen, weil jeder Widerstand unsinnig ist. Sollte ich nicht aus Gehorsam thun, was ich ben allen meinen sündhaften Unwillen doch thun muß? Gott! Nichts soll meine kindliche Ergebung in deinen heiligen Willen schwächen. Wenn gleich *** 250- meine Leiden noch so lange dauern sollten, so er schöpfen sie doch deine väterliche Fürsorge nicht. Ewig ist sie, wie du selbst ewig bist. Unter dieser Fürsorge bin ich ruhig. Wenn gleich meine Leiden noch so sehr zunehmen sollten, so kann doch deine Vaterliebe gegen mich nicht abnehmen. Sie ist unendlich, wie du selbst unendlich bist. Unter dem Schußze deiner Liebe fürchte ich nichts. Wenn gleich meine Leiden tödtlich werden sollten, so ist doch mein Schicksal in deinen Händen, die mich zum ewigen Leben führen. Ich mag leben oder sterben, so bin ich dein. Bey der Hoffnung eines immerwährenden Lebens bin ich entschlossen, das Irdische auf deinen Ruf ohne Sträuben zu verlassen. Dein Wille geschehe! Amen. mawaw Bitte um Kraft, die Krankheit durch Tugenden zu heiligen. Gott! Ich wünsche nicht so zu leiden, wie ein Mensch, der von dir nichts weiß, keine, oder wenige Religion hat; der also auch gewöhnlich die Trübsale entweder mit thierischer Gefühllosigkeit, oder unter Äußerungen heftiger Leidenschaften trägt. Ich wünsche tugendhaft zu leiden. Dazu ertheile du mir deine Gnade und deinen Beystand! Beles - 251 be in mir den Glauben an dich und den, welchen du gesendet hast, Jesum Christum; den Glauben, daß du ein Gott des Trostes bist für Alle, die dich anrufen. Erwecke in mir das kindlich ste Vertrauen auf dich; denn du bist die Stüße meiner Hoffnung. Außer dir ist kein Gott, ohne dich ist keine Hülfe. Stärke meine Seele, daß sie sich fest halte an deine Verheißungen, die uns Jesus gegeben hat; daß du die Güte und Liebe selbst bist. Die trostvolle Versicherung: daß Alles zum Besten derjenigen dienen müsse, welche dich lieben, diese lege besonders recht nahe an mein Herz. Die Liebe zu dir lehre mich, deiner mich freuen, und dir dankend deine Anordnungen mit demüthiger Ehrfurcht vollziehen. Dann, o Gott! verleihe mir Geduld in meinem Leiden, daß ich nie dem finsteren Gedanken Gehör gebe: du prüfest mich zu hart, du läsfest mich zu viel leiden; und dann mich durch Murren und Unzufriedenheit an dir versündige. Jeder Wunsch nach Linderung, der Wunsch nach Genesung, den du so tief mit dem Wunsche eines längeren Lebens in die menschliche Seele gelegt haft, und den du nicht mißbilligest, müsse von mir nie anders, als mit dem Zusaße geäußert werden: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Pressen mir meine Schmerzen Thränen aus, so seyen es nicht Thränen der *** 252 uzzUngeduld und des Unwillens, sondern Thränen, die von dem kindlichen Vertrauen auf dich, und von der Zuversicht auf deine Hülfe gemildert, getrocknet werden. Gib mir Sanftmuth und einen milden Sinn, daß ich nicht diejenigen kränke, die mir in meinem Leiden beystehen! ihnen ihre Liebesdienste nicht durch ein mürrisches, leicht aufzubringendes Betragen erschwere, und ihnen, die ohne dieß mit mir leiden, ihr Naheseyn um mich verbittere! Laß mich innigst überzeugt seyn, daß ich um deßwillen, weil ich leide, doch von keiner Pflicht die mir als Christen obliegt, los gebunden sey; daß eben jetzt die Zeit sey, pünctlich zu befolgen, was mich Jesus lehrt:„ Wer mir nachkommen will, der verläugne sich selbst, trage sein Kreuz, und folge mir nach! Lernet von mir, denn ich bin demüthig und sanfmüthig von Herzen." Laß mich den Trost und die Wirkung der Religion in ihrer ganzen Kraft empfinden! Freylich wäre es jetzt zu spät, zu ihr meine Zuflucht zu nehmen, wenn ich nicht während meiner gesunden Tage mich mit ihr vertraut gemacht hätte. Aber die Schmerzen können doch die wohlthätigen Eindrücke des Glaubens verhindern, schwächen. Laß meinen Geist mit dem vollen Bewußtseyn sich der Wahrheiten der Religion erinnern, sich damit bes * 253 23schäftigen, und mein Betragen ganz nach diesen Wahrheiten eingerichtet seyn, damit ich die Umstehenden erbaue, sie überzeuge, wie wohlthuend es sey, die Religion von Jugend auf ausgeübt, nach ihren Grundsätzen gedacht, gehandelt, gelebt zu haben! Laß, o Gott! diese Krankheit für mich recht lehrreich werden. Sie bringe mich zurück von der Eitelkeit der Welt; lehre mich einsehen, daß nichts Irdisches den Menschen befriedigen, und, wenn er auch die Schäße der ganzen Welt befäße, ihm keinen Ersatz für die verscherzte Ruhe des Gewissens, für den Verlust deiner Gnade geben könne! Jesu, mein Heiland, dein Beyspiel stärke mich! the war geiden, und d Dein Leben auf Erde war Leiden, und deine leßzten Tage waren voll der unbeschreiblichsten Pein. Aber mit welcher Geduld, mit welcher Ergebung in den Willen deines Vaters hast du gelitten! Unter der Ausübung der schönsten Tugenden: der Sanftmuth, der Liebe, des kindlichen Vertrauens auf deinen Bater, littest und starbst du. Auf dem Wege des Leidens bist du in dein Reich eingegangen. Du willst, daß ich denselben Weg gehe. Ich folge ge= horsam. Rauh und beschwerlich ist zwar der Weg, aber er endet sich herrlich. Diese kurzen Leiden bringen ewige Belohnung! denn du bist getreu, und jedes deiner Worte ist Wahrheit. Sollte diese Krankheit die Bande meines Le - 254- bens auflösen, so stehe mir bey. Du bist auch in der Fülle deiner Herrlichkeit mein Bruder: du wirst meiner nicht vergessen. Dir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erde: du kannst die Schrecknisse des Todes mildern. Du hast den Tod selbst gekostet, und weißt, was sterben heiße: du wirst also die Schrecknisse des Todes mildern, sie in Gefühle der Hoffnung und des Erwartens einer glückseligen Unsterblichkeit umwandeln. Wohl mir, mein Vertrauen wird nicht zu Schanden werden! Amen. Sprüche aus der heiligen Schrift. Zur Belehrung, Erbauung und Stärkung der Kranken*). Verlaß mich nicht, o Herr, mein Gott! Weiche nicht von mir! Komm' mir zu Hülfe, du Gott meines Heiles! Pf. 37, 22. Der Herr ist meine Zuflucht und mein Erlöser mein Gott, mein Helfer, ich will auf ihn vertrauen. Pf. 17, 2. Wenn ich auch mitten im Schatten des Todes wandeln werde, werde ich mich nicht fürchten, denn Gott ist bey mir. Ps. 22, 4. *) Und eines jeden, der auf was immer für eine Art, von Gott durch Leiden geprüft wird. - 255 Hoffe auf Gott, und du wirst erfahren, daß er dein Heil und ein gütiger Gott ist. Pf. 143, 2. Der Herr steht an meiner Seite bey meinem Aus- und Eingange, von nun an bis in Ewigkeit. Pf. 120, 8. Herr, du siehst alle meine Wünsche, und meine Seufzer sind dir nicht verborgen. Entferne von mir deine Erbarmnisse nicht: deine Barmherzigkeit und Wahrheit haben mich aufgenommen. Pf. 39, 15. Meine Seele sehnet sich nach dir, o mächtiger, ewiger Gott! Wann werde ich einmahl zu dir kommen, und vor deinem Angesichte erscheinen dürfen? Ps. 41, 2. Bey Gott ist Barmherzigkeit, ben ihm ist überflüssige Erlösung; er wird mich von allen Übeln erlösen. Pf. 129, 7Haben wir das Gute von der Hand Gottes empfangen, warum sollten wir denn nicht auch das Böse annehmen? Joh. 2, 10. Wie es dem Herrn gefällt, also geschieht es! der Nahme des Herrn sey gebenedeyt. Joh. 1, 21. Wir sind Kinder der Heiligen, und warten auf das Leben, das Gott denjenigen geben wird, die ihren Glauben nimmer von ihm abwenden. Tobia 2, 18. Die Liebe Gottes gegen die Welt war so groß, - 256 3. daß er seinen eingebornen Sohn sendete, damit ein jeder, der an ihn glaubet, das ewige Leben erhalte. Joh. 3, 16. Ihr send es, die ihr mit mir in meinen Anfechtungen verharret seyd, und ich bereite euch das Reich, wie es mir mein Vater bereitet hat. Luc. 20, 28. Mußte nicht Christus leiden, und also in seine Herrlichkeit eingehen? Luc. 24, 26. Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlichet werden. Röm. 8, 17. Wenn Gott für uns ist, wer mag wider uns seyn? Er hat seines eigenen Sohnes nicht geschont; wird er uns nicht durch ihn auch alles Übrige geben? Röm. 8, 32. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir auch, so sterben wir dem Herrn. Deßwegen es sen, daß wir leben, oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm. 8, 35. Wir sind versichert, daß, wenn unsere irdische Wohnung wird vorüber seyn, wir von Gott ein Haus überkommen werden, daß nicht von Menschenhänden zusammen gefügt, sondern ewig seyn wird. 2 Cor. 5, 1. Unsere Begierden sind nach dem Himmel gerichtet, woher wir auch den Heiland erwarten, unsern Herrn Jesum Christum, der unseren gerin * 257** gen Leib seinem verherrlichten Leibe gleichförmig machen wird. Philipp. 3, 20. 21. di sim Unsere jetzige Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alles Maß wichtige Herrlichkeit in uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn, was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. 2. Cor. 4, 17. 18. Kann das Leiden dieser Welt mit jener Herrlichkeit in Vergleich kommen, welche dereinst an uns soll geoffenbaret werden? Röm. 8, 18. Bey zunehmender Krankheit. Wichtige Fragen, die der Kranke vor der Beichte und Communion sich zu beantworten hat. Habe ich, was ich Gott versprach, redlich er füllet? Der geringste Aufschub, wäre er auf dem Sterbebette nicht die thörichste Selbstverblendung? Habe ich, wegen meines zeitlichen Vermögens, solche Anstalten getroffen, daß aus meiner Schuld, kein Zwist, keine nachtheiligen Folgen für diejenigen entstehen, für welche ich aus Pflicht zu sorgen habe? Habe ich alle Ärgernisse, die ich etwa gegeben hatte, nach meinen Kräften getilgt? Habe ich keine Abneigung, keinen Groll gegen jemand in meinem Herzen? Bin ich bereit, 17 - 258 3. follte ich mit ihm in Feindschaft gelebt haben, mich mit ihm zu versöhnen, die Versöhnung ihm selbst anzutragen.ng hier Was würde ich thun, wenn ich wüßte, daß ich nicht genesen werde? Habe ich es gethan? oder ist es mein fester Entschluß, es unverzüglich zu thun? Von der letzten Öhlung. Jesus, ich denke daran, was dein Apostel Jacobus gelehrt hat:„ Ist jemand krank unter euch, der berufe die Priester zu sich, und sie werden über ihn bethen, und ihn im Nahmen des Herrn salben, und das Gebeth des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn erleichtern, und wenn er in Sünden ist, werden sie ihm vergeben werden." Jac. 5, 14. 15. Was der Apostel lehrte, ist deine Lehre, und was er wollte, daß wir thun sollten, ist dein Wille. Ich will also nicht warten, dieses heilige Sacrament zu empfangen, bis mein Verstand nicht mehr fähig ist, zu sammenhängend zu denken; mein Herz nicht mehr fähig, es mit den gehörigen Empfindungen der Andacht zu empfangen. Ich müßte in der Religion schlecht unterrichtet seyn, wenn ich mich weigern sollte, es zu begehren, aus dem Vorurtheile, daß es gleichsam eine Ankündigung des Todes sen, da es doch zu meiner Stärkung eingesetzt ist. Vor der heiligen Öhlung. Gott, der Allmächtige, erbarme sich meiner, * 259*** und lasse mir alle Sünden nach, und führe mich in das ewige Leben! Amen. Bey der Öhlung selbst. Durch diese heilige Salbung und seine unendliche milde Barmherzigkeit verzeihe mir der Herr Alles, was ich durch meine Sünde gesündiget habe! Amen. Nach der Öhlung. Allmächtiger, ewiger Gott, du hast durch den Mund deines Apostels Jacobus das Geboth gege= ben, diese geheimnißvolle Salbung den Kranken angedeihen zu laffen! Laß nun an mir deine allmächtige Kraft wirksam seyn, daß ich nicht nur am Leibe, sondern auch am Geiste Hülfe erfahre, durch Jesum Christum, unseren Herrn! Amen. Fürbitte für den Kranken, nach dem Kir chengebethe. O du, die Güte selbst, ein Vater der Erbarmungen, und Gott des ganzen Trostes! du willst nicht, daß jemand, der an dich glaubt, und auf dich vertraut, zu Grunde gehe, du willst Alle selig machen! Sieh, nach der Fülle deiner Huld und Gnade, auf diesen deinen Diener( diese deine Die nerinn) herab. Er( Sie) hat das Siegel des lebendigen Glaubens und der christlichen Liebe an sich. Christus litt und starb auch für ihn( sie). Suche 17* 260 33 ihn( sie) heim mit deinen allmächtigen Tröstungen, und schenke ihm( ihr) Vergebung aller Sünden, daß sein( ihr) Geist, abgewaschen durch das Blut deines Eingebornen von aller Mackel, würdig sey, in der Stunde des Austrittes aus diesem Leben zu dir zu ge= langen, durch Jesum Christum, unseren Herrn! Amen. Beym Hinhalten des Bildes des Gekreuzigten dem Kranken vorzusprechen. Bald werde ich ihn nicht mehr in Bildern sehen; werde ihn sehen, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht; sehen seine göttliche Milde, die dem Mitgekreuzigten Gnade zurief: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese seyn! Beym hinhalten der Sterbekerze. Nimm hin dieses brennende Licht. Es ist das Bild von dem, was uns Jesus ist: er, unser Licht, unsere Weisheit. Jesu, an deine heilige Lehre glaube ich. Erhalte in mir das Licht des Glaubens. In deine Hände befehle ich meinen Geist! Empfehlung des Sterbenden an Gott. Gehe aus, christliche Seele! aus dieser zerbrechlichen Hütte, im Nahmen des allmächtigen Gottes, des Vaters, der dich erschaffen; im Nahmen Jefu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der dich erlöset; im Nahmen des heiligen Geistes, der dich zu seinem Heiligthume eingeweihet hat. - 261$ 33Alle Engel und Heiligen Gottes freuen sich deiner Aufnahme in ihre Gesellschaft. Es werde dir eine Wohnung im Hanse des Vaters durch Jefum Christum unseren Herrn! Barmherziger, höchstgütiger Gott, du verzeihest die Sünden, die ein reuevolles Herz verabscheuet! Sieh auf deinen Diener( deine Dienerinn) mit einem gnadenvollen Blicke herab, und erhöre sein( ihr) gläubiges Flehen um Nachlaß aller seiner( ihrer) Sünden. Erneuere, ergänze, mache wieder gut, was in ihm( in ihr) die Schwäche der menschlichen Natur verdorben, oder die Macht der Hölle zerrittet hat, und vereinige ihn( sie) als ein heiliges Glied mit der Gesellschaft deiner Erlöseten. Erhöre sein( ihr) Gebeth, und laß ihn ( sie) Gnade bey dir durch die vollkommenste Sündenvergebung finden, da nur auf deinem Erbarmen sein( ihr) ganzes Vertrauen ruht. Beym Austritte aus dem Körper, dieses ist unser Gebeth, kommen die Engel Gottes dir entgegen und begleiten dich in den Schooß der ewigen Liebe, in die Gemeinschaft der heiligen Patriarchen, Apostel, Blutzeugen und aller Heiligen! Amen. Nach dem Hinscheiden. Eilet, ihr Bothen Gottes, nehmet auf die Seele, die jetzt ihre irdische Wohnung verlassen hat, 262 23. und bringet sie vor das Angesicht Gottes! Jesus Christus selbst nehme dich auf, unsterbliche Seele! Jesus, der dich gerufen hat zu sich in das ewige Leben! Ewige Ruhe werde dir! Ewiges Licht leuchte dir! Ewige Freude erquicke dich! Wir empfehlen dir, o Gott! die Seele deines Dieners( deiner Dienerinn), die nun der irdischen Hülle sich entwunden hat; laß sie, der sinnlichen Welt gestorben, nur dir leben! Tilge alle die Sünden, die sie im Menschenleben begangen. hat, nach deinem Erbarmen, damit sie sich des seligen Umganges mit dir und allen deinen Heiligen erfreue, durch Jesum Christum zc. Gebeth eines Genesenden. LIGH Gott! der du über Leben und Tod deiner Geschöpfe nach deinem Willen verfügest, ich danke dir, daß du mich gnädigst erhörtest, mich von dem Rande des Todes, an welchem mich meine Krankheit geführt hat, zurück zogest, und mir wieder neue Lebenskraft ertheiltest. Du bist, der da hilft; du, der Allmächtige, der vom Tode errettet. Sie war mir heilsam, die Prüfung, die du über mich verhängtest. Ich lernte die Hinfälligkeit menschlicher Kräfte, die Eitelkeit zeitlicher Dinge, die Wichtigkeit eines frommen Lebens einsehen. Nirgends 263 33 fand ich Trost, als bey dir, o Gott! bey der heis igen Religion, die du mir gegeben hast. Welch' ine lehrreiche Erinnerung für mich, daß ich nie, cuch in gesunden Tagen, anderswo, als bey dir, o Gott! bey der Religion, wahre Beruhigung und Freude finden werde! Du gabst mir noch Zeit, einen weiseren Gebrauch von meinem Leben zu machen. Voll Huld und Güte sprachst du: lebe noch, um besser zu werden. Ach, wie wenig habe ich diesen schönen Zweck des Lebens bis jeßt bedacht; wie unvorbereitet war ich noch für die Ewigkeit! Laß, o Gott! das eifrige Bestreben, besser zu werden, in mir lebhaft erwachen, in mir nie wieder erkalten! Ich will schon jetzt die Tugenden sams meln, die in den Tagen der Krankheit so viel Linderung und so viel Heiterkeit und Ruhe gewähren: die Zufriedenheit mit dir, das Vertrauen auf dich, die Freude des Bewußtseyns, gethan zu haben, was Pflicht war, die Vergnügungen, welche Gebeth und Andacht, der fromme Umgang mit dir verschafft. Ich werde zu dem Ende meine Vorsätze treu erfüllen, durch Mäßigung in den Vergnügungen die Gesundheit bewahren, mehr Fleiß und Thätigkeit in meinem Berufe beweisen, Weichlichkeit und üppigkeit fliehen, ein unsträfliches Leben führen. Bater, der du mit Erbarmen mir geholfen - - - 264 34hast, nimm diese Thráne des kindlichen Dankes wohlgefällig an. Deinem Dienste sey künftighin mein ganzes Leben geweiht. O, daß ich einst für deine Huld gute Thaten zum Dankopfer bringen könnte! Daß ich einst von dir das trostvolle Urtheil hörte du hast die Absicht deines verlängerten Lebens er füllt, du bist besser geworden! Verleihe mir die Gnide, daß mein Wunsch in Erfüllung gehe! Amen. Pas Chriftliches Undenken an die Verstorbenen. 20 Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu bethen, damit sie von den Sünden aufgelöset werden." 2 Machab. 12, 46. An ihrem jährlichen Gedächtnißtage*). An des Gerichtes großem Tage, Nach Davids und Sibillens Klage, Versinket einst in Asche diese Welt. O, welch ein Schrecken wird entstehen, Wenn wir den Richter kommen sehen, Der nun Gericht von unserm Leben hält! Wenn der Posaune Schall erklinget, Der in die tiefften Gräber dringet: Wird kein Geschöpf des Richters Aug entgeh'n. Der Tod und die Natur wird beben, *) Das Dies irae, aus dem römischen Meßbuche; auch zu anderen Zeiten zu gebrauchen. * 265 Wenn alle Menschen zu dem Lebenad#C Und zu der strengen Rechenschaft ersteh'n. no Dann wird ein Buch von allen Tagen, Bon allen Werken aufgeschlagen, Nachdem der Erdenkreis gerichtet wird. Dieß wird auch die geheimsten Thaten Vor seinen Richterstuhl verrathen: Nichts bleibet ungerächt, nichts unberührt. Was werd' ich dann, ich Armer, sagen, Da die Gerechten selber zagen? as? Zu wem werd ich um Schuß und Beystand fleh'n? Furchtbarer König! Quell der Gnaden! Der nur aus Güte mich geladen, Erbarmer! laß mich nicht zu Grunde geh'n! O Jesu! denk', daß du das Leben ist n Für mich empfangen und gegeben; Verdamme mich nicht einst zur Höllenpein! Du saßest müde mich zu suchen; Du ließest dir am Kreuße fluchen: Laß diese Mühe nicht verloren seyn! Gerechter Richter unsrer Sünden! Laß uns bey dir Vergebung finden, Noch vor dem Tag der strengen Rechenschaft! Ich seufze, von der Schuld geschrecket, Das Angesicht mit Scham bedecket, Verschen', o Gott, gib meinen Bitten Kraft! *** 266***. Du hast der Sünderinn verziehen, Dem Schächer Gnad' am Kreuz verliehen! Dieß ist, was mir auch Trost und Hoffnung bringt. Ich bin's zwar unwerth, weh' mir Armen! Doch mach', o Herr! durch dein Erbarmen, Daß mich nicht einst der Hölle Gluth verschlingt. Laß mich zu deiner Rechten stehen, Mich unter deinen Schafen sehen, Und stelle mich nicht zu den Böcken hin! Wenn wider sie dein Zorn entflammet, Dein Urtheil sie zur Pein verdammet: Gib, daß ich bey den Auserwählten bin! Zerknirrscht, mit reuigem Gemüthe, Fleh' ich zu deiner Batergüte, TZ Laß dir mein End', o Gott! empfohlen seyn! 2 Und führe die im Glauben starbenigma Die Seligkeit noch nicht erwarben, ammedra Zur Himmelsfreud' und ew'gen Ruhe ein!# Kirchengebeth. Wir bitten dich, o Herr! du wolleft unser demüthiges Flehen den Seelen deiner Diener und Dienerinnen ersprießlich seyn lassen. Reinige sie von allen Sünden, und mache sie deiner Erlösung theilhaftig: der du lebest und regierest mit Gott dem Bater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. *** 267 33Christliche Gedanken und Empfindungen bey den Gräbern. dist Dieses ist also früher oder später auch mein Loos: Die Hülle des Körpers verweset zu Staub! Hier ruhen nun Tausende, die vor mir gelebt haben, viele, die ich kannte, und denen auch ich, vielleicht bald, beygesellt werden soll! Wie vergänglich ist alles Irdische: Freude und Leid, Trübsal und Glück! Hier fließt keine Thräne mehr. Der Dürftige ist aller Noth entriffen. Der Bedrängte fand hier eine Zufluchtsstätte, wohin ihn kein Neid, keine Feindschaft mehr verfolgen kann! Aber auch aller irdische Glanz und Prunk, wohin ist er verschwunden? Hier modern die Leiber der Reichen und der Armen neben einander. Zwischen beyden ist kein Unterschied. Ein Grabhügel ist ihre Wohnung, Würmer sind ihre Herrlichkeit! Und ich sollte das Irdische so lieben, als wäre es ewig; nicht nach höhern Dingen: nach Tugend und Vollkommenheit trachten, die über das Grab hinaus mit meinem unsterblichen Geiste fortdauern? Ich sollte mich auf Menschen thöricht verlassen, die heute sind, und morgen nicht mehr erscheinen; und mich nicht um die Huld und Gnade desjenigen bewerben, der ewig ist, ewig belohnt, oder bestrafet? Doch hier reifet auch der Staub seiner künftigen Verklärung entgegen: war er die Hülle eines 268 333Gerechten. Auferstehen werden die Schlafenden zum Gerichte. Gott! was hat also der Mensch davon, wenn er Unschuld und Tugend, Pflicht und Ge wissen, um ein elendes Glück auf Erde zu erhaschen, hinopferte: ein Glück, welches er voll Unruhe erhielt, unter peinlichen Vorwürfen genoß, und kaum hat er es, mühselig genug, genossen, wieder verlassen mußte? O, lehre mich weiser denken! lehre mich so leben, daß ich jetzt alle meine Entwürfe und Handlungen sorgfältig prüfe, damit ich nichts thue, was mir einst die Rechenschaft erschweren kann. Lehre mich meinem Wandel so führen, daß der Gedanke an das Grab mir ein freudiger Gedanke der Rückkehr meiner Seele zu dir, o Gott! werde. Gebeth. ses Gott! du hast deine Kirche so gebildet, daß wir unter einander Glieder sind, deren Haupt du bist. Der Tod selbst zerreißt die Bande nicht, womit die Religion uns vereiniget. Verletzten wir also nicht die Liebe, die das Hauptgesetz des Glaubens ist: würden wir unserer Brüder und Schwestern, wenn sie von uns abgeschieden sind, vergessen? Nein, 0 Gott! wir thun für sie, was wir können. Unser Gebeth wirst du nicht verschmähen. Reinige sie von den Fehlern, die sie bey ihrem Eintritte in jene Welt noch nicht abgelegt, noch nicht getilgt haben. Erfülle ihr Sehnen nach dir, o Gott! Mildere # 269- ihren Schmerz durch himmlischen Trost, und laß ihre Hoffnung der Erlösung, der Befreyung aus dem Orte ihrer Reinigung, wo ihre Tugend, wie das Gold im Feuer, von allen noch anklebenden Schlacken der Unvollkommenheiten geläutert werden muß, bald erfüllet werden. Jesus, ihr Mittler, laffe sie die Frucht seines Leidens und Todes, die Seligkeit, genießen! Uns aber, o Gott! gib die Gnade, daß das Andenken an die Verstorbenen uns lehrreich und nützlich werde. Ach, wenn der Gerechte erst nach einer strengen Prüfung selig wird; wird der verwegene Sünder, der voll Leichtsinn deine Gebothe übertritt, ruhig und unbekümmert seyn können? Lehre uns schon jetzt einsehen, was wir dort lebhaft erkennen werden, daß auch die geringste Sünde uns strafwürdig mache; einsehen, daß nichts Unreines zu dir gelangen könne, damit wir hier über uns wachen, unser Herz durch Buße und Besserung von den Fesseln der Sünde los reißen, und die Tugend lieben; damit es nicht einst zu spät sey, zu bereuen, daß wir nicht so gedacht, so gehandelt haben, wie wir nach deiner heiligen Religion haben denken und handeln sollen! Amen. sydi las68) www. mit Für verstorbene Ültern. and gran Gott! das Erste, was ich dir zu leisten schuldig bin, ist kindliche Unterwerfung unter deine hei ** 270 333ligen Rathschlüsse. Du, Bater alles Lebens! du gabst mir meine Ältern, du nahmst sie mir- doch du nahmst sie mir nicht: du behältst sie zum Wiedergenusse ihrer Liebe in der Ewigkeit, die sie mir hier so zärtlich erwiesen haben- Dein Nahme sey gepriesen! Erhöre ihr Gebeth auf ihrem Sterbebette: sey du mein Versorger, mein Schutz, mein Retter! Bater, verzeihe ihnen auch, was sie aus menschlicher Schwachheit, wozu ich selbst, ach! so oft Urfache gab, verfehlet, versäumet, gesündiget haben. Nimm sie auf zu dir, und laß sie mich einst bey dir wieder sehen, und da dir danken, daß du sie mir geschenkt hast! Präge tief ihre Lehren, ihre Ermahnungen, ihre Beyspiele meinem Herzen ein daß ich so lebe, als wären sie noch ben mir; als hörte ich noch ihre mahnende, warnende Stimme; als sähe ich sie, wie sie sich meines Gehorsams freuen. Ich danke dir, o Gott! für alle Wohl= thaten, die du mir durch sie erwiesen, für den Beystand, wodurch du ihnen ihre beschwerlichen Pflichten erleichtert hast. Sie haben die Liebe zu mir mit in die Ewigkeit hinüber genommen. Belohne, o Gott! ihre Liebe dadurch, daß ich, von dir gestärkt, durch einen tugendhaften Wandel derselben stets werth sey, und so auch deiner Liebe immer würdiger werde! Amen. - 271 33Kirchengebeth. O Gott! der du uns befohlen hast, Bater und Mutter zu ehren, erbarme dich gnädigst der Seele meines Baters( meiner Mutter, meiner Ältern); vergib ihm( ihr, oder ihnen) seine( ihre) Sünden, und laß mich ihn( sie) in der ewigen Freude wiedersehen, durch unseren Herrn 2c. 15 35 bin 173 272 A n hang. Lehrreiche Gedanken, die der öfteren Erwägung würdig sind. I. Die Religion, welche wir bekennen, ist nicht Menschenwerk. Sie ist das Werk Gottes. Der eingeborne Sohn des Vaters ward unser Lehrer; er, der allein den Vater kennet, führt uns zur Kenntniß Gottes; er, der die Wahrheit ist, un terrichtet uns in den Grundsäßen des Glaubens und in den Pflichten, deren Erfüllung unsere Tugend und Wohlfahrt gründet; er, der das Leben ist, und Leben in sich selbst hat, zeigt uns den Weg zur seligen Unsterblichkeit. Vor dem Lichte seiner Lehre verschwand die tiefe Nacht der Unwis fenheit, welche das Menschengeschlecht mit den gröbsten Irrthümern umhüllte; die eitle Menschenweisheit, welche nichts anderes verstand, als Zweifel zu erregen, und Lehrgebäude aufzuführen, die sie selbst wieder zerstörte; die Lasterhaftigkeit, welche die Erde zum Wohnplage der schrecklichsten **** 273*** Unordnungen und Verbrechen machte. Du bekennest, o Christ! eine Religion, die die einzige lautere Quelle der Wahrheit ist, die einzige unwandelbare Richtschnur der Gitten, die fruchtbare Mutter der Tugenden, die sichere Stüße des Unglücklichen in seinem Leiden, die Freystätte der verfolgten Unschuld, die Hoffnung und Beruhigung des schwachen, fündigen Menschen, die Erhalterinn der bürgerlichen Ordnung, der einzige unverwerfliche Zeuge, der dem Menschen die Glückfeligkeit verbürgen kann, nach welcher sein für höhere als bloß irdische Freuden geschaffenes Herz sich sehnt; eine Religion, die keinen anderen Feind haben kann, als die stolze Unwissenheit und die Wuth unbändiger Leidenschaften. Treue Schüler Jesu hören seine Stimme mit einer Aufmerksamkeit, die die empfangenen Lehren tief einprägt und sorgfältig aufbewahrt; mit einem Glauben, der unerschütterliche Überzeugung ist; mit einer Folge samkeit, die sich treu und gewissenhaft darnach richtet. Gehörst du, o Christ! in die Zahl derselben?- II. Indessen würde diese göttliche Religion ihr Ansehen und ihre Kraft nicht lange behaupten, wenn Jesus nicht auch für ihre Erhaltung in ihrer ganzen Reinigkeit und Vollständigkeit gesorgt hätte. 18 *** 274***Die Religion bloß der Willkühr der Menschen überlassen, heißt, sie den Thorheiten ihrer Launen und Leidenschaften preis geben. Sie würde sich in kurzer Zeit nicht mehr gleich seyn, sondern von den Veränderungen, welchen die Denkungsart, der Geist der Zeit und jede menschliche Einrichtung unterworfen sind, verschlungen werden. Unter den Händen der Menschen verändert sich Alles, und gewöhnlich verschlimmert es sich. Sollte die Religion in ihrer, ihr von dem göttlichen Stifter gegebenen Vollständigkeit erhalten werden: so mußte sie von ihm eine Einrichtung bekommen, welche, unabhängig von den menschlichen Meinungen, von der Zweifelfucht, als Neuerungssucht, die Wahrheit unversehrt erhält, und sie den spätesten Christen so ganz und vollkommen übergibt, wie sie die ersten Christen empfangen haben; die es hindert, daß die Menschen in dieselbe nicht willkührliche Eingriffe thun, und sie nach ihrem Dünkel verdrehen und verunstalten. Dieses that Jesus. Er stiftete eine Kirche, die die Pforten der Hörle nicht überwältigen können. Sie, die Kirche, sollte die treue Aufbewahrerinn seiner Lehre seyn. Wäre es möglich, daß die Kirche Irr thum lehren, daß Irrthum ihre Grundfeste unter: graben könnte, so wäre seine Verheißung eitel. Nur von der Wahrheit kann man sagen, daß sie 20 **** 275***. unerschütterlich fest ist. Irrlehre würde sie allein zerrütten und auflösen können; denn Irrlehre trägt in sich selbst den Keim der Zerstörung. Mit der Macht, durch welche ihm Alles unterworfen ist, wachet Jesus selbst in seiner Herrlichkeit über sein Werk. Er versprach nicht nur seinen Jüngern, son= dern auch ihren Nachfolgern seinen Beystand:„ Ich bin ben euch bis an das Ende der Welt. Ich werde euch einen anderen Lehrer geben, den heiligen Geist, der bey euch bleiben wird." Daher nennt auch der Apostel die Kirche„ das Haus Gottes, die Säule und Grundfeste der Wahrheit." Durch das untriegliche Ansehen der Kirche wird die Einigkeit des Glaubens erhalten, damit wir nicht, wie die Kinder, wanken, und von dem Winde der Meinungen hin und her getrieben werden, sondern in der Erkenntniß der Wahrheit wachsen. Als Glieder dieser Kirche sind wir sicher, daß wir das glauben, was Jesus gelehrt hat, es in diesem Sinne glauben, in welchem er es gelehrt hat. Wir haben eine untriegliche Regel des Glaubens, der Hoffnung, des Verhaltens. Frey von den Irrwegen und Qualen der Zweifelsucht, der Gefahr, zu täuschen und getäuscht zu werden, ist unser Glaube Ruhe der Vernunft. III. Wie lehrt uns die christliche Religion von 18* - 276- Gott denken? Er ist ben aller seiner Größe und Majestät dein Vater, du bist sein Kind. Seine Allmacht ist wohlthätige, unbegränzte Liebe. Der Reichthum seiner Güte ist unerschöpflich. Unter seinem Schuße stehest du. Wäre es nicht Sünde, unter dem Schuße eines so mächtigen Vaters zu zagen? Gottes Vorsehung sorgt für die ganze Welt und für jedes einzelne Wesen. Unter feiner weisen Regierung geschieht nichts von ungefähr. Alles muß zur Erreichung seiner heiligen Absichten dienen. Er verfehlt seines Endzweckes nie. Überlaß dich ihm getrost; wandle auf den Wegen, welche er dich führt, sie seyen noch so dunkel und rauh. Ihr Ausgang ist Wohlfahrt und Segen. Heilig ist Gott. Er liebt und will nur das Gute. Umsonst bemüht sich der Mensch, die Sünde für minder sträflich auszugeben, als sie es ist. Sie ist vor ihm ein Gräuel; sie das Einzige, welches uns seines Wohlgefallens beraubt. So unendlich der Abstand zwischen Gott und dir ist, o Christ! so gibt dir doch die Religion das erhabene Gesetz: Sen beilig, wie er! Heilig seyn, wie er, fegt die Pflicht auf, nicht zufrieden zu seyn mit einem Wandel, der frey von groben Verbrechen ist; sondern nach immer größerer Fertigkeit im Guten zu streben, damit du dem Vorbilde, das an sich unerreichbar ist, immer näher kommest, und dem 277 333selben gleichförmiger werdest. Gott ist gerecht! seine Gerechtigkeit ist weise Güte. Selbst die Lie be, die ihn bewog, seinen Sohn zur Rettung und Erlösung der Welt zu senden, beweiset die Strenge seiner Gerechtigkeit, die nur das freywillige Leiden des Gottmenschen als ein hinlängliches Lösegeld, als eine vollgültige Genugthuung annahm. Freylich darf der schwache Mensch, welcher fündiget, aber durch Buße und Besserung zu Gott zurück kehrt, auf Gottes Huld und Gnade hoffen; aber kann dieses auch der Frevler und sichere Sünder, der unter dem Begriffe: Barmherzigkeit und Langmuth Gottes, sich Gleichgültigkeit und feige Nachsicht vorstellt? Die Furcht vor Gott soll zwar nicht Enechtisch, sie soll wie die Ehrfurcht des Kindes seyn, welches sich scheuet, seinen Vater zu beleidigen. Aber sie schreckt dich vom Bösen ab; denn Gott ist gerecht. Furchtbar ist sein Ernst: er läßt die Sünde nicht ungestraft. Gott ist allgegen= wärtig und allwissend. Bangigkeit ergreift den Lasterhaften, wenn er an Gott, den Allgegenwärtigen, denkt; Freude erfüllt den Tugendhaften, daß er einen Beugen seiner oft von Menschen verkannten Tugend hat; Trost den from= men Leidenden, daß er im Glauben einen nahen Helfer sieht, der die Last hinweg heben, oder sie durch seinen Beystand erleichtern kann; Beruhi *** 278***gung den Neumüthigen, der dem, welcher auf die Thränen der Neue sieht, gänzliche Lebensänderung angelobt, und sich ihm, als seinem Vater, voll Vertrauen in die Arme wirft. Gott ist nicht veränderlich, wie die Menschen. Sein Wort ist also ewige Wahrheit: Wahrheit für alle Menschen, für alle Zeiten. Nichts kann hinweg ge= nommen, nichts hinzu gesetzt werden. Unwandelbar sind seine Liebe und Treue. Nie bleibt, was er verheißt, unerfüllt. Wer auf ihn hoffet, kann nicht zu Schanden werden. Ewig ist Gott. Er war eher als die Geister dachten; eher als alle Dinge. Er ist durch sich selbst. Er wird ohne Aufhören seyn. Obgleich dein irdisches Leben so kurz ist, so darfst du doch die Hoffnung haben, daß du, wie Gott, aus seiner Gnade ewig leben wirst. Der Ewige hat dich bestimmt, ewig zu seyn. Halte alle Wünsche für deiner unwürdig, die sich mit der Hoffnung des Ewigen nicht vertragen. Diesen Gott, als deinen Schöpfer, erkennen, ehren, anbethen; ihm, als deinem Herrn, dienen; ihn als deinen Bater, lieben; ihm, als deinem Gesetzgeber und Richter, gehorchen; ihm, als deinem Wohlthäter, danken; von ihm, als dem Urquelle alles Guten, was heilsam ist, erwarten; dich, durch eine treue Erfüllung deiner Pflichten, der von ihm verheißenen Glückseligkeit würdig ma • 279 3-33chen: dieses ist das Ziel und Ende deines Daseyns. Erhabene Bestimmung! Bist du davon überzeugt und durchdrungen? Dein Wandel muß dieses beweisen.chegant and to the ist sichedliv.net IV. Welch ein Unterschied zwischen dem Menschen ohne Religion, und dem wahren Christen! Jener lebt bloß für die Vergnügungen, Eitelkeiten, Thorheiten der Welt; dieser betrachtet das gegenwär tige Leben als eine Vorbereitung für das Zukünfs tige, als Aussaat für die Ernte in der Ewigkeit. Jener gibt sich so viel Mühe, um unruhig zu leben, und trostlos zu sterben; dieser sichert seine Ruhe durch ein unsträfliches Gewissen, und die Freudigkeit im Tode durch eine heilige Hoffnung, das unverwelkliche Erbtheil zu empfangen, welches die Religion durch den Erlöser denen verheißt, die Gott lieben. Zeit und Ewigkeit; einige Augenblicke und eine Dauer ohne Aufhören; ein der Verwesung zueilender Körper, und ein unsterblicher Geist; die Welt und Gott, der Schöpfer der Welt; Nichts und Alles stehen gegen einander. Welches von Beyden verdient den Vorzug?- Wohl dem, der zur Hauptsache des Lebens macht, was die Religion als die erste und wichtigste Angelegenheit empfiehlt: Gottesfurcht und Tugend! Diese bleiben ihm ben allen Veränderungen seiner Schicksale. - *** 280 4: 33Alles, was wir sonst haben, kann uns durch menschliche Gewalt und Bosheit, oder durch Miß geschick und Unglücksfälle entrissen werden: wird endlich, genießen wir es auch ungestört, doch eine Beute des Todes seyn. Aber die Religion, die Tugend, die sie in uns bildet, mit ihren Freuden, Tröstungen und Hoffnungen, kann uns keine irdische Macht entreißen; sie bleiben uns in guten und bösen Tagen, und werden immer wichtiger, trostvoller, beglückender, je näher wir dem Abende des Lebens, dem Grabe und der Ewigkeit kommen. Und doch kann es Menschen geben, die die Religion mit ihren heiligen Wahrheiten, Lehren, Verheißungen nicht achten; sich sogar anstrengen, diese Wahrheiten, Lehren, Berheißungen zu bestreiten, zu verwerfen! Ach, wie tief können die Menschen finken! Religion, Geschenk des Himmels! du bist die geprüfteste Freundinn in jeder Lage des Lebens. Du erleuchtest den Verstand mit himmlis schen Wahrheiten. Du beruhigest das Herz in angstz vollen Stunden. Du bildest uns zu rechtschaffenen, tugendhaften Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft und zu würdigen Himmelsbewohnern. Du führest uns an deiner Hand durch alle Stufen und Abwechselungen des hinfälligen Lebens, und stehst uns ben, wenn der wichtigste Augenblick, der Abschied von dieser Welt, heran rückt. Die Welt kann - 281 uns da nichts darbiethen, was uns wahrhaft er: quicken könnte. Alles verläßt uns am Ende nur du, göttliche Religion, du verbreitest über den Sterbenden eine Heiterkeit, die alle Unruhe und 3aghaftigkeit verscheucht. Du trockneft seine und der Umstehenden Thränen ab. Du gibst ihm die ers habene Versicherung, daß er nun, entfernt von dem Schauplage der Eitelkeit, bey Dem seyn wird, der dich uns als Lehrerinn gesendet hat; der selbst starb, damit wir ewig leben. Zu dir nimmt in dies sem entscheidenden Augenblicke der Gerechte, und sehr oft selbst der, welcher dich im Leben verachtete, selbst der größte Sünder denn auch diesen verstoßest du nicht seine Zuflucht; aber jener ( der Gerechte) als ein Zögling, der deine Stimme kennet, der die Wahrheit deiner Lehre nun in ihrer ganzen Kraft und Stärke empfindet: dieser( der ohne Gottesfurcht und Religion dahin lebte), als ein Fremdling, der, nach langen Verirrungen keine Rettung findend, dich ängstlich um Hülfe ruft. Jener mit der Zuversicht, mit welcher man sich einem geprüften Freunde in die Arme wirft; dieser mit Furcht, weil er dich feindselig behandelt hat, und mit der gerechten Besorgniß, ob du ihm die Hand, zur Aussöhnung noch biethen wirst. Jener sich an dich, als eine bekannte feste Stüße haltend, die ihn in keiner Gefahr, bey keiner Versuchung sinken - - 282 - ließ; dieser, wie einer, der Schiffbruch litt, und das daher schwimmende Bret ergreift, voll Bangigkeit und ungewiß, ob er sich darauf noch werde retten können. Glücklich der Christ, der Religion hat, und nach ihr seinen Lebenswandel einrichtet! Er hat den besten Theil erwählt! V. Der Beruf des Christen ist, Jesu nachzufolgen, folglich so gesinnt zu seyn, wie Jesus gesinnt war. Wie wäre Nachfolgung ohne Gleichförmigkeit der Gesinnungen möglich? Jesu Absichten sollen also auch unsere Absichten, seine Grundsäße auch unsere Grundfäße, seine Freude am Recht= und Wohlthun auch unsere Freude, unser Bestres ben seyn. Er zeigte uns nicht bloß den Weg des Heiles; er betrat ihn selbst. Er gab uns nicht bloß Anweisungen zur Tugend; er übte das selbst aus, was er lehrte; erfüllte felbst die Pflichten, deren Wahrnehmung er auch von uns fordert. Wer wollte nicht den heiligen Wunsch befriedigen, ihm ähnlich zu werden? Wird er einst an Denen die Seinigen erkennen, welche seiner thätigen Liebe gegen seinen Bater nichts als unempfindliche Gleichgültigkeit gegen Gott; feinem kindlichen Gehorsame nichts als leichtsinnige Übertretungen der Gebothe Gottes; seiner Demuth nichts als Eitelkeit und Hochmuth: 283 3: 33feiner Sanftmuth nichts als Härte und feindseliges Wesen; seinem im Helfen unermüdeten Wohlwollen nichts als Selbstsucht, die nur an Befriedigung der Sinnlichkeit und Weichlichkeit denkt, und den Armen hülflos von sich stoßt; feiner Geduld und Gelassenheit nichts als Unzufriedenheit mit den Anordnungen der Vorsehung; seinem unschuldigen, heiligen Wandel nichts als Gewohnheitssünden, ein vereiteltes, irdisch gesinntes, im Dienste der Leidenschaften erschöpftes Leben entgegen stellen können: Bey einem solchen Widerspruche zwischen feinen und unseren Gesinnungen würden wir einst nicht vor ihm mit der tiefsten Beschämung erscheinen? O, wenn Eigenliebe und Sinnlichkeit uns den erniedrigenden Gedanken beybringen sollten, daß die Tugend, die wir nachahmen sollen, für uns zu erhaben, zu unerreichbar sey: wollen wir unsere Trägheit dadurch beschämen, unseren Eifer dadurch bes leben, daß Jesus selbst uns zur Nachfolge auffordert: ,, Wer mir nachkommen will, der verläugne sich selbst, trage seyn Kreuz und folge mir nach! Lernet von mir, denn ich bin demüthig und sanft= müthig von Herzen! Nehmet mein Joch auf euch und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist süß, und meine Bürde ist leicht." Er mußte es wohl wissen, was wir zu thun ver= mögen, zu welcher Höhe von Tugend und Voll= **** 284- kommenheit wir uns empor schwingen können. Sollten wir von uns niedrig denken; da er uns einer Heiligkeit, die der seinigen ähnlich ist, fähig hält? Er ladet uns zu seiner Nachfolge ein: wir können in seine Fußstapfen treten. Und wenn wir es können: ist es nicht für uns die strengste Pflicht?- hiduelu manist VI.doc 3d monUNGNG Die Tugend des Christen soll nicht bloß in Vermeidung schwerer Sünden, in Ausübung einiger guten Handlungen bestehen; nein, die Heiligung aller unserer Gesinnungen unseres ganzen Verhaltens ist der Inhalt des Evangeliums. Wie Wenige kennen die Erhabenheit der Tugend, die sie als Christen erreichen sollen; wie Wenige denken daran! Jede Pflicht dieses ist der Unterricht des Evangeliums-jede Pflicht foll in allen Um= ständen, zu allen Zeiten, ben allen Versuchungen zum Gegentheile uns heilig seyn. Wir sollen es uns angelegen seyn lassen, ein gutes Gewissen vor Gott eben so sorgfältig zu bewahren, als dem Nächsten erbauliche Benspiele zu geben; das Gute, welches kein Menschenauge sieht, eben so treu auszuüben, als wenn es die Welt zum Zeugen hätte; ein unsträfliches Herz für eben so nothwendig zu halten, als einen vom gerechten Tadel der Menschen freyen Wandel. dom to um 10 Daher ist es nicht genug, daß wir nur thun, - 285 33was Pflicht ist, wir follen es auf tie möglichst beste Art thun. Die christliche Tugend ist rein in ihrer Quelle und edel in ihren Absichten. Aus der Chrfurcht und Liebe gegen Gott entspringt sie; dieſe sind die Triebfeder aller ihrer Äußerungen. Sie thut nichts aus Eitelkeit, Eigennuß oder Zwang. Der Wille Gottes ist ihre Richtschnur. So bald sie diesen weiß, fragt sie nach anderen Bewegungsgründen nicht; alle Einwendungen der Eigenliebe und Leidenschaften müssen schweigen. Rein in ihrer Quelle, edel in ihren Absich ten ist die christliche Tugend, auch standhaft in der Ausübung des Guten. Nichts kann sie davon abhalten, keine Schwierigkeit, kein Widerstand, keine Aufopferung. Unabhängig von den Meinungen und Thorheiten der Welt, bleibt sie ihren besseren Grundsägen treu. Keine schwache Menschenfurcht verleitet sie, Pflicht und Gewissen zu verlegen. Wie auch immer die Denkungsart, der Geist der Zeit sich ändern mag: sie bleibt sich gleich im Glücke, wie im Unglücke; in der Einsamkeit, wie im Umgange, in der Stunde der Versuchung, wie in der Entfernung von derselben. So unbesucht auch der Weg der Gerechtigkeit seyn mag, von noch so Wenigen betreten sie verläßt ihn doch nicht, wandelt unverrückt auf demselben dem Ziele, der Seligkeit, entgegen. Erkennest du, o Christ, in diesem Bilde 286 uzze ' deine Tugend? Und wenn nicht: wirst du nie der Lauigkeit und Trägheit entsagen, die dich abhält, das ganz zu seyn, was du nach der Lehre und den Grundsäßen des Evangeliums seyn sollst? VII. Die Selbstverläugnung: die Pflicht, sich Manches zu versagen, nicht jeden Wunsch sich zu erlauben, nicht jedem Bergnügen nachzuhängen, und nicht Alles zu thun, was wohl an sich noch nicht unerlaubt seyn mag, aber durch den öfteren unmäßigen Genuß und Gebrauch doch die Seele sinnlich, weichlich, zu abhängig von den Launen der Be gierden machen kann, kurz, die Fertigkeit, seinen Neigungen zu gebiethen, sie einzuschränken, der Vernunft sie zu unterwerfen, und, wenn sie sündhaft sind, gänzlich zu unterdrücken: dieses scheint Vielen eine übertriebene Forderung zu seyn. Und doch kann nichts vernünftiger, heilsamer seyn, als diese Selbstbeherrschung. Die Leidenschaften versprechen Freyheit. Der Mensch, von denselben unterjocht, glaubt in der Ungebundenheit und Abwerfung alles Zwanges, welcher ihn an Pflicht und Gewissen bindet, glücklich zu seyn. Unseliger Betrug! Ist der nicht ein Sclave, der nicht mehr mit Besonnenheit und Überlegung zu handeln fähig ist, der blinden Trieben folgt, und endlich dahin ge bracht wird, daß er nicht thun kann, was Ver -*** 287***33nunft und Gewissen gut heißen, sondern thun muß, was seine Leidenschaften ihn zu thun zwingen? Nein, keine Knechtschaft ist erniedrigender, als die, in welcher Wollüstige, Habsüchtige, Ehrgeizige, Rachgierige 2c. leben. Für Den, welcher jeden Wunsch in sich ungestüm, jede Begierde aufbrausend, jede Leidenschaft zerstörend werden läßt, welcher seine Neigungen nie unterdrücken, ihre Aufwallungen nie zurück halten gelernt hat, für den ist die Tugend ein leeres Wort. Blind stürzt er aus einer Thor: heit in die andere. Er wählt nicht mehr selbst, nicht mit Einsicht und Verstand; er wird von seinen Leidenschaften fortgetrieben. Dieses ist der Zustand aller derjenigen, welche, um frey zu seyn von den wohlthätigen Einschränkungen der Tugend, sich von ihren Lüsten unterjochen lassen. Aber die Selbstverläugnung stört das Vergnügen; was für ein Vergnügen gewährt die Befriedigung der Leidenschaften? Das Vergnügen der Unordnung, der Ungebundenheit, der Ausschweifung, ben welchem man, um eine erkünstelte Freude zu genießen, die Vernunft verläugnen, die Gewissensbisse ersticken, sich selbst betäuben, vor sich selbst fliehen muß, um den Vorwürfen auszuweichen, die sogleich erwachen, so bald man einen Blick auf sein Innerstes wirft. Die Freudigkeit des Lasters, was ist sie? Der Lasterhafte muß, von innerlichem *** 288- Kummer verfolgt, dennoch fröhlich und freudig erscheinen, muß ein heiteres Ansehen ben einem unruhigen Herzen lügen, immer anders reden, als der Gedanke und die Empfindung es wollen. Seine Freude ist nur erheuchelt, er kennt die wahre Freude nicht, kann sie nicht kennen. Nur das Vergnügen, welches die Selbstverläugnung gewährt, ist wahrhaft. Was man sich selbst versagt, ist kein Verlust. Nur was uns wider unseren Willen entrissen wird, schmerzt. Die Selbstverläugnung opfert freywillig auf, was der Tu gend nachtheilig seyn kann; und gewinnt dafür die Folgen der Tugend: Ruhe und Heiterkeit des Gemüthes. Die großmüthigste Verzeihung einer Beleidigung, die Ausübung einer edlen That gegen allen Widerstand des Eigennußes, die Einschränkung der Eitelkeit und üppigkeit, um Hülfe und Erquickung den Nothleidenden zu verschaffen, die Überwindung der Versuchung zur Sünde, wie? sollten solche Selbstverläugnungen nicht allemahl ein wirkliches, rührendes Bergnügen verschaffen? Sollte Bergnügen nur in der Rache, in dem Geize, in der Schwelgerey, in der Ausschweifung zu finden. seyn? Wen hat es je gereuet, das Vergnügen in der Tugend gesucht zu haben? Es ist ein großer Irrthum, sich einzubilden, daß nur die Tugend das Unangenehme der Selbstverläugnung zu erdul 4 289 44den habe. Keine Verläugnung, die die Tugend fors dert, ist so streng, als diese, welche mit der Bes friedigung der Lüste und Begierden verbunden ist. Die Tugend schwächt die Leidenschaften; das Laster macht sie ungestümer und unbändiger. Oft muß man eine Leidenschaft unterdrücken, um der anderen ge nug zu thun, um die herrschende nicht sinken zu laffen. Der Rachgierige muß Sanftmuth heucheln, wenn sein Feind mächtiger als er ist; der Ehrgeiz Bige und Stolze kriechen, um seinen Nebenbuhler zu verdrängen; der Geißige ein Verschwender werden, um seine wollüstigen Absichten durchzusetzen u. s. w. Welche Vergleichung findet sich zwischen der Verläugnung, die man für Gott und Tugend auf sich nimmt, und dem Zwange, den man sich, um die Leidenschaften zu befriedigen, unterwerfen muß? Welche Thorheit nur im Dienste Gottes Beschwerden zu fürchten, die für den, welcher Gott liebt, keine sind; und dem Wahne nachgeben, daß man sich davon durch die Befriedigung seiner Lüste und Begierden befreyen könne! Wer weise denkt und handelt, ist Herr über seine Neigungen. Jede unbeherrschte Neigung ist Anfangs Wunsch, wird dann Begierde, Sucht, Leidenschaft. Wie nothwendig ist also die Selbstverläugnung? VIII. Die Lauigkeit im Guten ist ein sehr gefährli19 sa 290 33cher Zustand für Tugend und Sittlichkeit. Der Lanc erfüllt seine Pflichten nur halb und träge, übet das Gute nie mit ernst und Eifer aus, nie mit der Freude und entschlossenen Bereitwilligkeit, welche die Wirkung, Achtung und Liebe gegen Gott ist. Er bleibt stets ein Anfänger in der Tugend; klagt stets über Beschwerden und über die Last der Pflichten; kennt nie aus Erfahrung die Wahrheit der Aussage Jesu: mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht. Und doch wie Wenige machen sich aus der Lauigkeit einen Vorwurf: entweder weil es auch zur Lauigkeit gehört, sie an sich selbst nicht zu bemerken, oder weil sie glauben, sie sey ein unbedeutender Fehler! Aber, ist nur die Krankheit gefährlich, die dem Menschen bald aufreibt? nicht auch die, die in geheim und allmählig die Kräfte verzehrt? Die Lauigkeit versetzt den Menschen in einen höchst elenden Zustand. Die Tugend hat ihre Beschwerden; sollen sie uns nicht ermüden: so müssen wir sie mit Entschlossenheit und Freude auf uns nehmen, und sie uns durch unseren Eifer erleichtern; sonst tragen wir sie, wie eine Last, die uns wider unseren Willen aufgebürdet wird. Der Laue empfindet die Schwere des Joches, ohne die Tröstungen zu empfinden, die es lindern, und die der Fromme in Freude und Vergnügen verwandelt. Er weiß, * 291 2daß wahre Gottesfurcht die reinste Quelle der Beruhigung und Zufriedenheit sey, dieses lehrt ihn der Glaube; aber er empfindet nie etwas davon, weil er immer mit Ekel und Überdruß zu kämpfen hat, daher seine Unbeständigkeit. Und ein solcher Zustand sollte nicht höchst elend und unglücklich seyn? Noch immer einen gewissen Abscheu vor der Sünde und eine Neigung gegen die Gottesfurcht behalten, ohne jene recht und ganz zu meiden, und dieser sich völlig zu ergeben; immer zwischen jenem und dieser hin und her wanken, ohne zu einem festen Entschlusse zu kommen? wer wollte nicht allen Ernst anwenden, um sich aus einer so qualvollen Lage zu retten? wer nicht nach der ungestörten Ruhe des Herzens trachten, welche der Belohnung des Eifers, der ungetheilten Vereinigung mit Gott, des unverdroffenen Fortschreitens auf dem Wege der Vollkommenheit ist? Durch unsere unaussprechliche Nachlässigkeit sind wir Ursache, spricht der heil. Chrysostomus, daß uns das Leichte schwer fällt. Dem Trägen scheint Alles eine Last zu seyn. Der Ent= schlossene läßt sich durch fast unübersteigliche Höhen nicht abschrecken; er zeigt mehr Muth bey den größten Schwierigkeiten, als der Laue bey leichten Unternehmungen; denn nichts ist so leicht, das den Trägen nicht ermüdet; nichts so mühsam und schwer, das der Eifer nicht überwindet. 19 * 292* 3Die Lauigkeit ist ein naher Schritt zum Laster. Man wird einer Tugend endlich müde, die nicht fähig ist, das Herz wahrhaft zu beruhigen. Man sucht Anfangs den Leidenschaften so viel einzuräumen, als man von einer Tugend, die uns nicht mehr viel werth ist, wegnehmen zu können glaubt. Die Neigungen, welche nicht bezähmt wurden, gewinnen in geheim Kraft und Stärke, und besiegen endlich gute Vorfäße, die zu ihrem Schuße nichts als die Lauigkeit haben. Der Anfang aller Bergehungen ist Versäumniß, Mangel an Aufmerksamkeit auf die noch kleinen Fehltritte, die wir gewöhnlich begehen, auf die kleinen Tugendübungen, die wir oft leichtsinnig unterlassen, oder nur obenhin ausüben Dabey trösten wir uns, daß wir uns noch vor schweren Sünden in Acht nehmen, und wenn die Versuchung stärker werden sollte, noch so viel Besonnenheit und Kraft haben werden, derselben zu widerstehen. Aber, wie sehr betriegen wir uns! Wir verachten eine kleine Ungerechtigkeit, eine kleine Untreue gegen Pflichten und Vorsätze, verachten die Warnungen des Gewissens vor einem Umgange, der noch keine nahe Gefahr zeigt; aber im Hinterhalte des Herzens lauern Eigennuß, Ungerechtigkeit, Wollust. Die wiederholten Fehler werden Fertigkeit und Gewohnheit. Das zarte Gefühl des Gewissens wird all 293**** mählich schwächer; die Neigungen werden heftiger, ungestümer, und reißen uns mit sich fort, ehe wir es vermuthen. Ließe sich das übel gleich Anfangs ohne Schleyer sehen; zeigte es uns bey seinem Entstehen alle seine schrecklichen Wirkungen, so würs den wir uns nie einem trägen Schlummer überlassen; denn wie selten glaubt man, daß die Zerstörung jeder Tugend allmählich und im Berborgenen geschehe? Indessen werden wir, ohne daß wir es merken, durch eine Reihe von Versäumnissen unserer Pflichten von einer Untugend zur anderen, und endlich von der nicht bewahrten zur lasterhaften Begierde hingezogen, bis die Herrschaft unse= rer Seele unwiederbringlich verloren ist. Bekämpfe, o Christ, die Lauigkeit! Welcher Leichtsinn ist es nicht, immer hin und her zu wanken an der Gränze der Sünde; heute gute Entschlüfse zu fassen, und morgen derselben zu vergessen, als wären sie nie gefaßt worden; Vorfäße zu erneuern, und sie immer wieder zu brechen! Soll nie der Tag kommen, der dich eifrig in Allem, was Frömmigkeit und Tugend angeht, finden wird? Denke darüber ernstlich nach. IX. - Die wichtigste Kenntniß ist die Selbstkenntniß: die Kenntniß der sittlichen Beschaffenheit unseres Herzens und unseres Verhaltens. Wie betrüglich 294 33ist nicht das Herz des Menschen; wie partenisch beurtheilet es gewöhnlich seine Thaten; wie gern täuscht es sich selbst, und läßt sich täuschen; wie sorgfältig sind die Leidenschaften, um den Blick wegzuwenden von den Fehlern, Mängeln und Gebrechen, denen wir unterworfen sind! Daher ist oft dem Menschen nichts fremder, als er selbst. Er ist schlau genug die Fehler Anderer zu entdecken; zu feinen ist er blind. Und doch, was sollte uns angelegener seyn, als zu wissen, wie unser sittlicher Zustand beschaffen sey, ob gut oder böse, Gott wohlgefällig oder mißfällig? Aber es ist nicht genug, daß wir nur zuweilen einige flüchtige Blicke auf das, was wir denken und thun, auf das, was in unserem Innersten vorgeht, werfen; wir müssen öfter, mit der ganz zen Aufmerksamkeit unserer Seele, uns selbst beobachten, um zu erfahren, welche Gesinnungen und Neigungen in uns herrschen; welche Bersuchungen für uns die gefährlichsten, welche Umstände, welche Gesellschaften, welche Übungen unserer Tugend am vortheilhaftesten oder am nachtheiligsten seyn; ob keine Gewohnheitssünde uns fessele, kein falscher Grundsaß uns verderbe, das Beyspiel der Menge auf uns keinen Einfluß habe; ob die Liebe zur Tugend in uns so tief gegründet, der Abscheu vor der Sünde so überwiegend sey, *** 295***daß wir eine Art von Zuversicht in uns empfinden, weder Vortheil noch Nachtheil, weder Spott noch Verführung werde uns vom Guten abhalten, zum Bösen verleiten; eine Zuversicht, zu welcher wir es bringen sollen, und mit dem Beystande bringen können; denn diese Zuversicht ist nicht die Wirkung des kühnen Selbstvertrauens, sondern der längeren Übung und des täglichen Fortganges im Guten, des Vertrauens auf die Gnade des Höchsten. Je öfter wir über unsere sittliche Beschaffenheit nachdenken; je strenger wir Alles, was wir denken und thun, an uns prüfen und beurtheilen: desto weniger werden uns unsere Fehler und Mängel verborgen bleiben, desto leichter werden wir sie vermeiden und bessern, und immer weiser und tugendhafter werden können. Sollte die Selbstkenntniß auch mit der unangenehmen Überzeugung, daß wir an uns noch mehr Böses als Gutes entdecken, verbunden seyn, so wird sie doch endlich die heilsamsten und glücklichsten Folgen haben. Wir werden der falschen Zufriedenheit, die der Mensch sich erheuchelt, welcher sich besser dünket, als er ist, nicht mehr bedürfen, sondern die wahre Ruhe und Zufriedenheit genießen, indem wir durch die Selbstkenntniß zur wirklichen Besserung des Herzens und des Verhaltens gelangen werden. Scheue, o Christ! die ernsthafte Prüfung und Beurtheilung deiner selbst *** 296****. nicht; ohne diese ist keine Selbstkenntniß, chne Selbstkenntniß kein wahrer Fortgang in der Tugend möglich. X. Die Menschenfurcht ist die Quelle vieler Untugenden. Leider, fürchtet man sich mehr, der Menschen wegen, Gutes als Böses zu thun; Leider, ist die Eitelkeit, mit Unglauben und Untugend zu heucheln, jetzt gefährlicher, als die Eitelkeit, mit Frömmigkeit und Gottesfurcht zu heucheln! Mancher würde Versuchungen überwinden, der zu schwach ist, den Tadel der Leichtsinnigen zu ertragen, und sich über denselben hinweg zu setzen. Mancher errőthet, tugendhaft zu seyn, und billiget und thut Tünde aus Scham. Diese falsche Scham verdirbt mehr redliche Herzen, als böse Neigungen sie ver= derben. Die Furcht vor dem Spotte erstickt die Stim me des Gewissens und die edle Kühnheit, Gutes zu thun. Wenn die öffentlichen Sitten verderbt sind, so ist nichts gewöhnlicher, als daß man wenigstens für gewisse Mode- Laster eine Art von Nachsicht bekommt, die Meinung, das Beyspiel, der Verführungsreiß der Eitelkeit, die elende Besorgniß, nicht besser scheinen zu wollen, als es Andere sind, stören, besonders in jungen Seelen, die Geradheit und Unverdorbenheit des Herzens. Der Ton von Leichtsinn, womit ausgelernte Wollüstlinge, der 297*** Spott über Religion und Gottesfurcht, womit alte Freygeister die Gewissensbisse der Tugend in Scherz und Vorurtheil zu verkehren, die Vorschriften einer zarten Sittsamkeit und Eingezogenheit lächerlich zu machen, verstehen, tilget nach und nach aus dem Herzen derjenigen, die mit ihnen umgehen, die Ehrfurcht gegen das Gewissen, den heiligen Richter unserer Handlungen. Man hält endlich die Ges seße der Sittlichkeit für veraltete, außer Kraft ge= kommene Gefeße. Was Andere sich erlauben, und sogar stolz sind, zu thun, scheint dem Geiste des Zeitalters gemäß zu seyn. Da gibt es manche Tugenden, die demjenigen, welcher sie besitzet, als Einfalt angerechnet werden; und man erträgt lieber den Vorwurf des Lasters, als den Vorwurf der Blödigkeit, die noch nicht fühn genug ist, sich über so manche Pflichten hinweg zu setzen. Wodurch könntest du dich, o Christ! gegen eine so elende Menschenfurcht sicherer bewaffnen, als durch die öftere Erwägung des Ausspruches Jesu:„ Wer sich meiner und meiner Lehre vor dem Menschen schämt, dessen werde ich mich auch vor meinem Vater schämen!" Wärest du schon so sehr verdorben, daß der Beyfall der Leichtsinnigen dir mehr werth wäre, als der Beyfall Gottes und deines Gewissens: o, so wäre deine Tugend, deine Seligkeit ohne Rettung verloren! * 298- XI. Kein größeres Glück auf Erde, als ein unsträf liches Gewiffen! Wo dieses ist, da sind auch wahrer Friede, heilige Freude, himmlische Heiterkeit, Utnerschrockenheit in jeder Gefahr und standhafter Muth unter der Last der Trübfal. Wer sich eines solchen Gewissens freuen kann, von dem allein kann man sagen, daß er glückselig sey, sollte er auch viel zu dulden und zu leiden haben. Das innere, nicht erheuchelte Zeugniß, ich habe mir nichts Strafbares vorzuwerfen, verbreitet über ihn und über die Tage seines Lebens Wonne und Zufriedenheit. Die Trübsal, die er etwa zu tragen hat, ist nicht Folge der Unordnung und des Lasters; Gott ist es, der sie über ihn verhängt. Er zaget nicht. Gott leitet Alles zu seinem Besten. Aber auch im Gegentheile nichts Qualvolleres, als ein böses Gewissen! Es verfolgt den Menschen mit der fürchterlichen Stimme: was hast du gethan? überall hin. Furcht, Angst und Verwirrung, oft Verzweiflung sind in seinem Gefolge. Selbstbeschämung demüthiget den Lasterhaften, wenn ihn Andere loben; Selbstverachtung, wenn sie ihn ehren. Mißmuth und Gram foltern ihn, wenn er äußerlich Vergnügen heuchelt. Am herrlichsten zeigt sich aber der Werth des guten Gewissens, und am schrecklichsten der Grimm *** 299 333des bösen auf dem Sterbebette. Jenes erneuert da feine ganze tröstende und beruhigende Kraft; dieses erwachet in seiner ganzen Wuth, besonders, wenn es während eines in Leichtsinn und Zügellosigkeit verschwendeten Lebens verachtet wurde. Besitzest du, o Christ! ein reines Gewissen, so erhalte es, als das edelste Kleinod, mit aller Sorgfalt; wenn nicht, so eile durch Bußße und Besserung dasselbe in Ordnung zu bringen, da es nur dadurch beruhiget werden kann. XII. Wenn alle Menschen auf Erde, ein jeder in seinem Berufe, die ihnen obliegenden Pflichten erfüllten: jene als Obrigkeiten, diese als Unterthanen; jene als Altern, diese als Kinder; jene als Begüterte, diese als tugendhafte arbeitsame Armen 2c., welche Ordnung, Zufriedenheit, Glückse= ligkeit würde unter ihnen herrschen! Kein Dienst, den einer dem anderen leisten kann, würde ihnen zur Last fallen; kein Hülfsbedürftiger würde um Hülfe und Beystand vergeblich flehen; kein Mensch würde dem anderen fremd seyn; keiner dem anderen hart und leidenschaftlich begegnen; keiner des anderen Ruhe und Zufriedenheit stören; keiner den anderen zum Bösen verführen; alle würden sich ansehen als Kinder eines Vaters. So dachte Jesus. Dem Besten der Menschen opferte er alle seine *** 300- Kräfte, alle seine Vorzüge, sein Leben auf. Und so soll auch der Christ, sein Nachfolger, handeln. Keine Mühe, keine Dienstleistung, keine Wohlthat ist vergeblich, ist verloren, die Anderen nüBet, wenn sie gleich uns selbst hier keinen Nutzen brächte. Je uneigennüßiger die That ist, desto größer ist ihr Werth vor Gott, desto herrlicher ihre künftige Belohnung. XIII. Eine unmäßige Furcht vor dem Tode entehrt den Christen; ist Widerspruch mit dem, was er glaubet und hofft. Freylich ist sterben kein Spielwerk. Es ist ein erschütternder Gedanke: du wirst vor deinem Richter erscheinen. Der Christ wird sich also nicht bis zur Unempfindlichkeit gegen diesen entscheidenden Augenblick abhärten. Das ist gewöhnlich das Loos des Verzweifelnden, der nach diesem Leben nichts erwartet, als den gräulichen Abgrund der Vernichtung. Der Unglaube triumphirt, wenn er einen seiner Anhänger noch auf dem Sterbebette der ernsthaftesten Wahrheiten voll Leichtsinn und Übermuth spotten hört. Die Welt bewundert dieses, und nennet es Herzhaftigkeit, die sich über Vorurtheile hinweg zu sehen weiß. Aber dieser Troß ist nichts als eine gewaltsame Un terdrückung der Regungen des Gewissens, welches jetzt wieder aufwacht, da es während eines sünd $ 301 z. haften Lebens in dem Geräusche wilder Ausschweifungen, schweigen mußte. Es ist ein Unterschied zwischen Trost und Beruhigung, und zwischen Betäubung; zwischen einem Wahnsinnigen, der sich jauchzend in die Tiefe stürzt, und dem Standhaften, der mit gelassenem Muthe die Ankündigung eines traurigen Schicksals anhört. Auch der Christ wird jede natürliche Furcht vor dem Tode, die uns angeboren ist, die Gott aus weisen Absichten in unsere Seele gelegt hat, nicht gänzlich unterdrücken und vertilgen können; aber sie wird ihn nicht zag= haft machen, nicht den Frieden seiner Seele stören; wird mit den Hoffnungen und Erwartungen vereiniget seyn, wodurch das Christenthum uns Trost und Entschlossenheit einflößt. Das Zurückdenken an ein frommes, gottesfürchtiges, oder wenigstens benzeiten ganz gebessertes Leben richtet seinen Geist auf, wenn er sinken sollte, und unterstüßet ihn durch die Hoffnung eines besseren Lebens. Seine Hoffnung ist nicht ungewiß. Gott erkläret sich ausdrücklich, daß die Gottseligkeit die Berheißung sowohl des gegenwärtigen als des zukünftigen Lebens habe; daß keine Verdammniß an denen Statt finde, welche in Christo Jesu sind, und nicht nach dem Fleische, nach dem Triebe ihrer Leidenschaften, wandeln." Er machte sich vertraut mit den Tröstungen der Religion, des Gebethes, der Andacht; diese sas 302 333werden auch sein letztes Lager umgeben, und bange Empfindungen in frohe Erwartungen verwandeln. Die Religion versichert ihn,„ daß wir einen Verföhner haben bey dem Vater, Jesum Christum, den Gerechten, der die Versöhnung für unsere Günden ist." Durch solche Betrachtungen erwecke dich, o Christ! zu einem tugendhaften, heiligen Leben. Bewahre Glauben und gutes Gewissen. Dieses ist die wahre Vorbereitung; dieses führt zu einem trostvollen, glücklichen Tode. Wie das Leben, so der Tod!- XIV. Das Bild des wahren Christen. Der wahre Christ ist in der Religion gründlich unterrichtet. Er ehrt und liebt sie! vermeidet. sorgfältig, was sie verbiethet, und erfüllt gewissenhaft, was sie anordnet, vorschreibt, befiehlt. Gotttes Vollkommenheiten immer mehr und vollständiger zu erkennen, und nach dieser Erkenntniß Gott über Alles zu ehren, zu lieben; ihm, dem Geber alles Guten, durch einen weisen, tugendhaften Gebrauch seiner Wohlthaten, zu danken; seinen Willen treu zu erfüllen; seiner heiligen Borsehung sich gänzlich zu überlassen; ihm, als Gottes Ebenbild, durch die Nachahmung des Beyfpieles Jesu, immer ähnlicher zu werden, dieses ist sein Bestreben. * 303- Gebildet durch das Evangelium, ist er Herr über seine Leidenschaften. Im Glücke ist er bes scheiden, im Unglücke gelassen! gegen seine Vorgeseßten gehorsam und ehrerbiethig; gegen Untergebene menschlich und sanftmüthig; gegen Hülfsbe= dürftige nach Kräften wohlthätig; gegen Beleidiger versöhnlich, bereit auch Dem zu helfen, der ihn anfeindet und verfolget; in der Wahrnehmung seiner Pflichten pünctlich; in seinen Gesinnungen unsträflich; in seinen Handlungen gerecht. Sein Bewegungsgrund zum Rechthandeln ist der Wille Gottes: folglich weil es Pflicht ist. Irdische Güter haben in seinen Augen nur in so fern einen Werth, in so fern sie rechtmäßig erworben, Mittel sind, Gutes zu stiften. Er verabscheuet jedes Glück, welches durch Sünde erkauft, erhalten, vermehrt werden soll, bereit, sich Alles zu versagen, Alles aufzuopfern, was sich mit seinem Gewissen nicht verträgt. Zufrieden mit Allem, was Gott über ihn verhängt, ist er unzufrieden mit seiner Tugend, deren Mängel er, bey einer täglichen Selbstprüfung, sorgfältig entdeckt, und sich nicht verhehlt. Andere gelinde, sich streng beurtheilend, findet er an seiner Tugend immer noch viel zu bessern, zu vervollkommnen. * 304 4 Als Erbe des Himmels und Miterbe Jesu lebe er für die felige Unsterblichkeit. Dahin sind seine vorzüglichsten Absichten, Wünsche, Bestrebungen gerichtet. Sich dazu vorbereiten heißt, seiner Überzeugung nach, nicht bloß die letzten Augenblicke des Lebens anwenden; sein ganzes Leben ist Vorbereitung, reich an Tugenden und guten Werken. Dieses ist das Bild des wahren Christen. Ist es das Deinige? E- 05-06-2 *** 305- Gewöhnliche gottesdienstliche Gebethe und Gefänge. Z- 22-22-222Litane y zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. u opi 3 329991 Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerinn, Heiligste aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du reinste Mutter, Du keuschefte Mutter, 20 Bitt für uns! ** 306 3. Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebenswürdige Mutter, Du bewunderungswürdige Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sig der Weisheit, Du Ursache unserer Fröhlichkeit, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, 19 Bitt für uns! - 307 33Du Trösterinn der Betrübten, Du Hülfe der Christen, Du Königinn der Engel, Du Königinn der Patriarchen, Du Königinn der Propheten, Du Königinn der Apostel, Du Königinn der Märtyrer, Du Königinn der Beichtiger, Du Königinn der Jungfrauen, Du Königinn aller Heiligen, O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Bitt für uns! Vater unser, Ave Maria. Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerinn! verschmähe nicht unser Gebeth in unseren Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von allen Gefahren. O du glorwürdige und gebenedente Jungfrau! unsere Frau, unsere Mittlerinn, unsere Fürsprecherinn, versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor! 20* 308 P. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerinn! V. Damit wir der Verheißungen Christi wür dig werden. Gebeth. Wir bitten dich, o Herr! Du wollest uns deine Gnade ertheilen, damit wir, die wir, durch des Engels Bothschaft, Christi, deines Sohnes, Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführet werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. V. Amen. P. Bitt für uns, o heiliger Joseph! V. Damit wir der Verheißungen Christi wür dig werden. Gebeth. Wir bitten dich, o Herr! daß uns die Verdienste des Bräutigams deiner heiligsten Gebärerinn zu Hülfe kommen, damit uns durch seine Fürbitte dasjenige gewähret werde, was wir durch unsere Kräfte zu erhalten nicht vermögen. Der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einig keit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. V. Amen. Salve Regina. Sen gegrüßet, du Königinn! Mutter der Barmherzigkeit, Trost in unserem Leben, und unsere ** 309*** Hoffnung, sey gegrüßet! Zu dir rufen wir verwiesene Kinder Evens; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Thale der Thränen. Owende du unsere Fürsprecherinn, deine mitleidigen Augen uns zu, und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedente Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o liebenswürdige Jungfrau Maria! P. Bitt für uns o heilige Gottesgebärerinn. V. Damit wir der Verheißungen Christi würdig werden. Gebeth. Allmächtiger, ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zur würdigen Wohnung deines Sohnes, durch die Mitwirkung des heiligen Geistes, vorbereitet hast, gib, daß wir, die wir uns ihres Andentens erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Übeln und von dem ewigen Tode gerettet werden. Durch denselben Jesum Christum unseren Herrn. Amen. Hierauf werden das Gebeth für den Landesfürsten, das Gebeth für das allgemeis ne Anliegen der Christenheit, wie unten Seite 320 und fort, dann fünf Vater un ser und fünf Ave Maria für die allgemeinen Bedürfnisse gebethet. 310 33Litaney von den Heiligen. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! 191538 53 00 Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! le Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerinn, Heiligste aller Jungfrauen Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Bitt für uns! Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, bitt für uns! Heiliger Joseph, bitt für uns! Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jacobus, Heiliger Philippus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, 311 3. Heiliger Lucas, Heiliger Marcus, Kant) Suelosif R Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus jubize car stare magilid E Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, binoints USA upidon 20 sellingt dans pl aussionon pa Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für uns! welden du von sellise mit Alle Heiligen Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet für uns! Heiliger Stephanus, bitt für uns! ibu't spilled Heiliger Laurentius, bitt für uns! sailisa Heiliger Vincentius, bitt für uns! malo sping Heilige Fabianus und Sebastianus, bittet für uns! pont spilieć). Heilige Johannes und Paulus, bittet für uns! Heilige Kosmas und Damianus, bittet für uns! 312 23. Heilige Gervasius und Protasius, bittet für uns! Alle heiligen Märtyrer, bittet für uns! Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nicolaus', Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, ( 96116– Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heiligen Lehrer, bittet für uns! 19092 Heiliger Bernardus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, barndanda veg Bitt für uns! endomme regi 00012 391 Bitt für uns! Alle heiligen Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, móni Heilige Lucia, Bitt für uns! Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, bittet für uns denime du combat agiting 313- Alle Heiligen Gottes, bittet für uns! Sen uns gnädig, verschone uns, o Herr! ad te Sen uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Bon allem Übel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! Von deinem Zorne, erlöse uns, o Herr! Vom gähen und unvorgesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufelssidade Vom Zorne, Hasse und von allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unreinigkeit, Bom Blige und Ungewitter, den andeisi Von der Pest, dem Hunger und dem Kriege, Von dem ewigen Tode, dist Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Herabkunft des heiligen Geistes des Trösters, MC Erlöse uns, D Şerr! Am Tage des Gerichtes, gols ud Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest, wir bitten dich, erhöre uns! ** 314*** Daß du uns verzeihest, Daß du uns zu wahrer Buße bringen wollest, Daß du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in der heiligen Religion erhalten wollest, Daß du die Feinde der heiligen Kirche demü thigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, na mad Daß du uns selbst in deinem heiligen Dienste, stärken und erhalten wollest, Daß du in unseren Gemüthern himmlische Begierden erregest, Daß du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, du pust Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest, danied that Daß du die Früchte der Erde geben und erhal ten wollest, 231 Daß du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, slave 122 Daß du uns erhören wolleft, ang bad d *** 315 33O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinweg nimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Capitanu Christe, erhöre uns! ad did tun siG 168 Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! stau dies 13 Herr, erbarme dich unser! me and t Vater unser zc. anu tad ali 12 Psalm 69. O Gott, sey bedacht mir beyzustehen! Herr eile mir zu helfen! hinnallgoso daff Beschämt und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. die some? Sie sollen zurück weichen, und in Schanden stehen, die mir Übels wollen. Sie sollen bald beschämt abtreten, die meiner spotten, und mir Hohn sprechen. Alle aber, die dich suchen, sollen frohlocken und sich über dich erfreuen, und die deine Hülfe wünschen, sollen immer sagen: Hochgelobt sey der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm, o Gott! stehe mir bey. * 316- Denn du bist meine Hülfe und meine Ret= tung; o Herr! verweile nicht so lange. id Ehre sey dem Bater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. mad madili Wie es war vom Unbeginne, jetzt und alles jeit, und in Ewigkeit. Amen. ments Priester. Rette deine Diener.dd indo Volk. Die auf dich hoffen, mein Gott! P. Sey uns, Herr, ein starker Thurm.. V. Wider unsere Feinde. hid s P. Laß den Widersächer nichts vermögen wider uns. V. Und der Böse schade uns ferner nicht. 12 P. Herr, handle nicht mit uns nach unseren Sünden.red B. Und vergilt uns nicht nach unseren Übelthaten. frau alat tund; du finisho P. Lasset uns bethen für unseren obersten Hir ten N. V. Der Herr erhalte ihn, verleihe ihm Leben und Heil auf Erde, und übergebe ihn nicht den Händen seiner Feinde. P. Laffet uns bethen für unsere Wohlthäter. B. O Herr! gib allen unseren Wohlthätern um deines Nahmens Willen das ewige Leben. a) p. Lasset uns bethen für alle abgestorbenen Christgläubigen. *** 317 33V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. P. Laß sie im Frieden ruhen. V. Amen. SIG P. Lasset uns auch bethen für unsere abwesenden Brüder. V. mein Gott! rette deine Diener, die auf dich hoffen. P. O Herr! sende ihnen Hülfe von deinem heiligen Siße. 2. Und von Sion beschüßze sie. P. Herr! erhöre mein Gebeth. V. Und laß mein Rufen zu dir kommen. Gebeth*). O Gott! dem das Erbarmen und Schonen immer eigen ist, nimm unser flehentliches Gebeth an, damit wir und alle deine Diener, die wir in Ketten der Sünde liegen, durch deine erbarmende Güte von denselben gnädig befreyet werden. Wir bitten dich, o Herr! erhöre unser deműthiges Gebeth, und verschone uns, die wir dir unsere Sünden bekennen, damit wir zugleich Verzeihung und Frieden durch deine Güte erlangen. *) Dieses und die nachstehenden Gebethe werden von dem Priester allein mit lauter Stimme gebethet. - 318 323 Herr! erzeige uns gnädig deine unaussprechliche Barmherzigkeit, durch welche wir zugleich von allen Sünden befreyet, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, gerettet werden. Gott! der du durch die Sünde beleidiget, und durch die Buße versöhnet wirst, siehe gnädig auf das Gebeth deines um Gnade flehenden Volkes, und wende die Geißel deines Zornes, welche wir für unsere Sünden verdienen, von uns ab. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N., unseres obersten Hirten, und leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heiles, damit er durch deine Hülfe, was dir gefällt, begehre, und mit allem Eifer vollbringe. Gott! von welchem fromme Wünsche, gute Vorsätze und gerechte Werke entspringen, gib deis nen Dienern jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Gebothen ergeben, und gegenwärtige Zeiten durch deinen Schuß vor Feindes Furcht gesichert und ruhig seyn. Herr! entzünde unser Innerstes mit dem Feuer deines Geistes, damit wir dir mit keuschem Leibe dienen, und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie die 319- gnädige Nachlaffung, welche sie allezeit gewünschet haben, durch gottseliges Fürbitten erlangen. Herr! wir bitten, komme unseren Handlungen durch deine Einsprechungen zuvor, und begleite dieselben mit deiner Hülfe, damit all' unser Bethen und Handeln von dir jederzeit anfange, und, wie es durch dich angefangen hat, also auch durch dich geendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott! der du über die Lebenden und die Abgestorbenen herrschest, und dich Aller erbarmest, welche du aus dem Glauben und den Werken für die Deinigen erkennest: wir bitten demüthig, daß die, für welche wir uns vorgenommen haben, unser Gebeth zu verrichten, sie mögen nun noch auf dieser Welt im Leben, oder bereits davon abgeschieden seyn, durch die Fürbitte aller deiner Heiligen nach deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen; durch unseren Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth für den Landesfürsten. O Gott! du Beschüßzer aller Reiche, verleihe deinem Diener, unserem Kaiser und Könige N., daß er deine siegreiche Macht erkenne und verehre, da 320 33mit er durch deinen Schuß jederzeit mächtig sen, so, wie er durch deine Anordnung Landesfürst ge= worden ist. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth für das allgemeine Anliegen der Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlischer Bater! siehe mit den Augen deiner unendlichen Barmherzigkeit auf der Deinigen Jammer, Elend und Noth. Erbarme dich aller Christgläubigen, für welche dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus, in die Hände der Güne der freywillig gekommen ist, und sein kostbares Blut am Kreuze vergossen hat. Durch diesen unseren Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater! die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörung, Kriege, Theuerung, Krankheiten und betrübte mühsfelige Zeiten. Erleuchte und Stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten, damit sie Alles befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserem Heile, und insgemein zum Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, 0 Gott des Friedens! echte Vereinigung im Glau ben, ohne alle Spaltung und Zertrennung. Senke - 321- unsere Herzen zu wahrer Buße und Besserung des Lebens. Zünde in uns das Feuer deiner Liebe an. Erfülle uns mit eifrigem Verlangen nach Allem, was recht ist, damit wir als gehorsame Kinder, im Leben und Sterben, dir angenehm und wohlgefällig seyn. Wir bitten auch, wie du willst, o Gott! daß wir bitten sollen für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrüb. ten und leidenden Christen, für die Lebenden und für die Verstorbenen. Dir sey auf immer empfoh len, o Herr! all' unser Thun und lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in der ewigen Freude und Seligkeit dich loben und ehren mögen. Dieses verleihe uns, Herr, himmlischer Vater! durch Jesum Christum, deinen Sohn, un seren Herrn und Heiland, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. id#C Für die allgemeinen Bedürfnisse fünf Vater unser und fünf Ave Maria. +0) 198 21 522 3334-6-633-3-3-3-3-3-3-3-25-33-42-33Gesånge. 297-200 Erster Meßgefang. 3um Introitus. 1. Wir werfen uns darnieder Vor dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder, Da wir nach dem Geboth Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir de Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, Beym lekten Abendmahl, Indem er wollte scheiden bis Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brot gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket mein! olis 3. Er sprach: Nehmt hin und esset, Dieß ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut; M 323 32. Mich opfernd will ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt, soll erben Mit mir das Himmelreich. 4. Herr! dieß Opfer steige Zu dir mit Wohlgeruch, Damit dein Herz sich neige Zu deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aron hat gethan, Nein, Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. 3 um Gloria. 1. Gott Vater! dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr'; Was uns're Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erde laß uns grünen Den Frieden jederzeit, E Daß wir dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreyt. 2. Der du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzes stamm, Laß uns Erbarmung finden, O Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen Seyst du, Gott heil'ger Geist! Der du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. 21 * 12 #E - 324 33Vor dem Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selber hat's gelehret, Der nicht betriegen kann; Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Es weiset uns die Stege, en mo Zu gehen diese Bahn. Herr! drücke deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte zu kommen würdig seyn. 3um Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath kom Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat; Von ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. 50 ** 325- Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend seinen Lauf; Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. 3. Er ward hinauf genommen Zu Gottes rechter Hand; Wann er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt. Doch kommt er einst zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen Zur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sey, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bey. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. 3um Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brot und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Chrifti Fleisch und Blut: 12 Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorb'nen gut. 326 33. 2. Wir opfern dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was du uns, deinen Kindern, Zu thun befohlen hast; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast! 3. Wir legen dir zu Füßen Auch unser Hab' und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch deinen Segen Die Felder fruchtbar seyn! 3um Sanctus. 1. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und drey Mahl heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von deinem Ruhm; Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. 2. Daß wir hernach zusammen Dir uns're Herzen weih'n, Und, voll von Liebesflammen, Dir ein Hosanna schrey'n. - 327 3Herr der in deinem Nahmen Kommt, sey gebenedent! Die Engel sagen: Amen! Jetzt und in Ewigkeit. Nach der Wandlung. 1. Hier beth' ich auf den Knien, Verborg'ner Gott! dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. 2. Die Gottheit war bedecket Allein, am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmahl deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrot, Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an deinen Tod. 3. Wasch' mich von meinen Sünden, O Jesu! durch dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht, ter Und zeige mir und Allen, Dein glänzend Angesicht!# *** 328 4-23Zum Agnus Dei. 2 1. Erfreut euch, fromme Seelen! end de Ein Wunder ist gescheh'n, ni e C Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann ihn seh'n. In Brot- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, in High dyể Dieß größte Seelengut.sd sources@ 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzes stamm. Es ist der Seelen Speise Wie ans der Glaube lehrt; ( MUC) Q in sig mil na do sia.: monish Sie nährt uns auf der Reise, le pid Und wird doch nicht verzehrt. 3. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrot C Necht wohl bereit genießen, is ingeb So kann der bitt're Tod ni6 no 1990 Q Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. 4. Herr Jesu, deiner Liebe u Sey Ehre, Lob und Dank! mi' n Weil du, nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank * 329***Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brotsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. 5. Entzünd' in uns Verlangen nin Nach diesem Sacrament; Herr! laß es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt. Laß uns in Frieden fahren, Imp Von allen Sünden rein, Zu deinen Engelscharen, Und ewig bey Dir feyn! man en ond 800 Zum Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sey auch Gott geehret! Er mach' uns segensvoll, Und laß es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bey uns Allen, So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle uns behüthen, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag. Er lass' uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor seinem Angesicht. $ 15. 330 zz3 weyter Meßgesang. 3 um kyrie. Hier liegt vor deiner Majestät Im Staub die Christen Schar, id cafe Das Herz zu dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk' uns, o Vater! deine Huld, Vergib uns uns're Sündenschuld! O Gott! von deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht! Verstoß- uns- nicht, - Verstoß uns Sünder nicht! = Wir haben, Herr! dein Gut verschwend't, Wie der verlor'ne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau' von deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz; Entzieh' die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns dein Gnadenlicht, Dein Gna- den- licht, Dein göttlich's Gnadenlicht! Wir sind ja deiner Hände Werk, Der Schöpfung unterthan; O gib uns Schwachen Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar.024 331 Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst dein Sohn für uns vergoß, Für uns ver- goß, Am Kreuz für uns vergoß. e Zum Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nahm' gebenedent, Im Himmel und auf Erden, spiss sic e Gali 950 19 Bo Jetzt und in Ewigkeit! Lob, Ruhm und Dank und Ehre, Sey der Dreyeinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott, deine Herrlichkeit!) dal 02 Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selbst ist's, der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist; Der seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Christ. Bey dem Evangelium... 10 3um Credo. sida S Allmächtiger! vor dir im Staube Bekennt dich deine Creatur. O Gott und Vater! ja ich glaube is gedo An dich, du Schöpfer der Natur. is - 332- Auch an den Sohn, der ausgegangen, o Von dir geboren ewig war, the fat Den von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar.g Und Jesus Christus ist gekommen, Daß er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod; Erstand, bestegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und als jeder Einst prüfen unsern Lebenslauf. # 160 856 40 Ich glaube, Gottes Geist regieretinde Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flicht hin zu der Barmherzigkeit. Am großen Tag wirds Fleisch erstehen, Jeßt, Heilige! helft uns gemein, Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig seyn. 3um Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus deines Priesters Hand, Wir, die gesündigt haben, Weih'n dir dieß Liebespfand! Für Sünder hier auf Erden, In Ängsten, Kreuz und Noth, c. Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brot. G 333 33. Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreyeinig großer Gott! Erbarm' dich unser, denke An Christi Blut und Tod! Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu deinem Thron; Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn! 3um Sanctus. 152 153 f 0 Der sey gebenedeyt! Hosanna in der Höhe! Gepriesen sey der Herr! Singt heilig, heilig, heiligd, is C Ist unser Herr und Gott! Gingt mit den Engeln: heilig Bist du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jetzt und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt in's Herren Nahmen, Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer! and 10 Nach der Wandlung. er Wan Sieh, Vater, von dem höchsten Thron, Sieh gnädig her auf den Altar! Se Wir bringen dir in deinem Sohn Ein wohlgefälligs' Opfer dar. S A - 334 33Wir fleh'n durch ihn, wir deine Kinder, Und stellen dir sein Leiden vor: ginkg Er starb aus Liebe für uns Sünder; Noch hebt er's Kreuz für uns empor, Noch hebt er's Kreuz für uns empor. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt, Beym Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. O Jesu, höre uns're Bitte, 13 Steh' unsrer Schwachheit immer bey, 2 Auf daß dein Leiden, deine Güte, An uns niemahl verloren sey, An uns niemahl verloren sey! Zum Agnus Dei. Betrachtet ihn in Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen. Der letzte Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' uns're Schuld; kunst Bey Gott läßt er uns finden Den Frieden, seine Huld.( 5) mod arif Zur geistlichen Communion. O Herr! ich bin nicht würdig Zu deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Fleh'n! is song do ioguine viag O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! ldom ni 33 335 333Im Geist dich zu empfangen, Dich wahres Osterlamm. 3um Beschluß der heiligen Messe. 2002 Guil Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht: Wir haben jetzt betrachtet, Gott, deine Lieb' und Macht! Du bist bey uns zugegen; Aus deinem Gnadenmeer Ström' uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her! 3um Segen. Lasset uns dann würdig ehren, Ein so großes Sacrament, Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't; Was man nicht mit Händen greifen Noch mit Augen sehen kann, Sehen wir Sehen wir im Glauben an. - Gott den Vater wir erheben Mit dem eingebornen Sohn; Preis und Jubel sey gegeben Beyden auf dem höchsten Thron; Dem auch, der von ihnen beyden Ausgeht, Gott von Ewigkeit, Werde gleich- Werde gleiches Lob geweiht! wwwwww. 13 G G 2 336 33. Predigtlied an Sonntagen. C Im Tone: Im Rahmen des Vaters und des Sohnes ic. 1. In Gott des Vaters und des Sohns, mu Und seines Geistes Nahmen, Somer Sprecht hier am Fuße seines Throns, O Christen, freudig Amen! Nade Sprecht Amen, und bereitet euch, Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren! 2. Vater unser, der du bist Im Himmel und auf Erden, Dein Nahme, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich, vom Anbeginn der Welt, Bereitet allen Frommen, CHALL Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen! 4G 16G STOUP OF AND 3. So wie auf jeden Wink von dir 120 Die Himmelsgeister sehen: So soll auch unter Menschen hier, Dein Wille stets geschehen! Aid#C Das Brot, das unsre Seele nährt, Um dir, o Gott, zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sey täglich uns gegeben! 4. Vergib uns, Vater, jede Schuld, Die wir vor dir bereuen, So wie wir Alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen! 15 - 337- Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös' uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Übel. Amen. Bitten. 1. Gott! deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit, Und eilst, uns beyzustehen. Herr! meine Burg, mein Fels, mein Hort! Vernimm mein Fleh'n, merk' auf mein Wort, Denn ich will vor dir bethen. 2. Jch bitte nicht um Überfluß Und Schätze dieser Erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden! Gib mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott! und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen! 3. Jch bitte nicht um Ehr' und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Nahmens Eigenthum Laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt' ich dich, Herr Sabaoth! Auch nicht um langes Leben; Im Glücke Demuth, Muth in Noth, Das wollest du mir geben. 22 * 338- In deiner Hand steht meine Zeit, Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden! wwww Gesänge zur Advents- Zeit. Zur Norate. 1. Maria! sey gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz, der dich umfließet, Verkündet uns den Herrn; Von jeder Makel rein, Sollst du zum Menschenheile Des Höchsten Mutter seyn. 2. Dein Gott, zu dir gewendet, Ertheilet den Befehl; Es eilt' von ihm gesendet, Der Engel Gabriel; Er spricht: o Gnadenvoll, Gesegnet untern Weibern! Der Herr bedenkt dein Wohl. * it 3. Dieß konntest du nicht fassen, Und bathest ihn dabey, Dich recht versteh'n zu lassen, Was diese Bothschaft sey. Maria, zitt're nicht!! Denn du haft Gnad' gefunden Vor Gottes Angesicht. 38 *** 339***4. Er will, du sollst empfangen, Gebären einen Sohn, Costu) ug Er wird durch ihn gelangen som as Auf Davids Vaterthron! selis12 150 Des Höchsten Sohn zugleich, Und Jesus soll er heißen, Unendlich ist sein Reich. 5. Wie soll denn dieß geschehen? Ich kenne keinen Mann!- O Jungfrau, du wirst sehen, Was Gottes Allmacht kann. Er sendet seinen Geist, Der wird dich überschatten..or Damit du Mutter seyst. sind a 6. In ihren alten Tagen Kann auch Elisabeth an Von seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht. Sie hieß zwar unfruchtbar; Doch dem ist nichts unmöglich, Der seyn wird, ist, und war. 10700 7. Da sprachst du, tief geneiget: Ich bin des Höchsten Magd; Was du mir angezeiget, Das sey, wie du gesagt! O freudenvolles Wort! Der Bothe Gottes eilte Mit diesem Auftrag fort. said C vie Tis 8. Von seines Vaters Freuden Kam jetzt das Wort herab, * 22 C 3 340 Für Sünder hier zu leiden, zu suchen Tod und Grab.ssling Es wählte deinen Leib, de to Mit Fleische sich zu kleiden, sten( 21 Gebenedeytes Weib! foto ne Ja 9. Den Schatz, den du empfangen, du O bring' ihn bald zur Welt! ildmanti Wir warten mit Verlangen; Denn er ist jener Held, Der uns're Bande bricht, Und aus des Todes Schatten Uns rufet in das Licht. Ist 10. Dieß Lied sey dir gesungen, for vo@ Des Heils Gebärerinn! Mit dir ergeb'nen Zungen, Mit dir ergeb'nem Sinn; Dein hochgelobtes Pfand m monist moot Führ' uns auf deinen Fürspruch, sie Hinauf in's Vaterland! Zweyter Gefang. you 1. Thauet, Himmel, den Gerechten, Wolken regnet ihn herab! Also rief in langen Nächten Einst die Welt, ein weites Grab! In von Gott verfluchten Gründen Herrschten Satan, Tod und Sünden, Fest verschlossen war das Thor Zu des Heiles Erb' empor. 2. Doch der Vater ließ sich rühren, Daß er uns zu retten sann, - 341- Und den Rathschluß auszuführen, Trug der Sohn sich freudig an; Gabriel flog schnell hernieder, Kehrte mit der Antwort wieder: Sieh! ich bin die Magd des Herrn, mo Was er will, erfüll' ich gern. 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau demuthsvoll und keusch! Gottes Geist wird dich umschweben, Und des Vaters Wort wird Menſchen, bethet anim id Fleiſch. Staube! Weh' der Höll' und ihrem Raube;& Aber Adams- Kindern Wohl, Sim lis 62 Weil ein Heiland kommen soll! 4. Einen Zuruf hör' ich schallen: Brüder! wacht vom Schlummer auf, d Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist fort, der Tag im Lauf. O dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten, Künftig ziehe Jedermann Nur des Lichtes Waffen an. reck 113 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit, Nicht nach Fleischbegierden handeln, Weit verbannt sey Zank und Neid! Jenem gänzlich nachzuarten, Dessen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun uns're Pflicht, So wie sein Apostel spricht. * 342- 6. Welterlöser! ich erfülle dam Deines treuen Knechtes Rath. Komm' in meines Fleisches Hülle! Wie dein Both' verkündet hat. Komm' und bringe mir den Frieden, Menschen ist er nur beschieden, m Die von gutem Willen sind. Komm', ich bin es, göttlich Kind! Weihnachtsgesang. 1. Dieß ist der Tag von Gott gemacht Ich will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut' der Herr bedacht; Ich will ihm Lieder weihen. Das Heil, das aus der Jungfrau SchooßHeut' allen Adams- Kindern sproß, d Ist auch für mich geboren. Vor deiner Krippe sing' ich dann, Und bethe meinen Heiland an In Wonne ganz verloren. 2. In meiner Bildung liegt er hier, Den keine Nahmen nennen! O Gott! o Kind! geläng' es mir Die Gutthat ganz zu kennen! Du steigest von dem Thron herab, Den dir mit sich dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden! Du wählest, mir zu nüßen, heut' Für Überfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. - 343 3443. Du weinst, mein Jesu! sey gegrüßt, O gnadenreiche Zähre! Sey mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll Für mein und aller Sünder Wohl! Sen auch für mich geweinet! Erwärme kalter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. 4. Das meine soll dein Wohnplaß seyn, Geliebtester aus Allen! Es soll, wie neu geschaffen, rein, Von Engeltrieben wallen. Komm' aus der Krippe, komm' zu mir! Bring echte Frömmigkeit mit dir Und wahre Christen- Sitten! O, noch nicht Richter, noch ein Kind! Dieß macht mich hoffen; Kinder sind Ja leichter zu erbitten. 6. Du kehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, Wenn diese Welt zu Trümmern geht, Der Staub aus Gräbern dringet: Dann muß auch ich hin in's Gericht, Allweiser! vor dein Angesicht, Mit Furcht und Angst durchdrungen; O sprich dann: Ich erkenne dich, Du hast vor meiner Krippe mich Mit Inbrunst einst besungen. 344 333. Gesang in der Fastenzeit. 1. Laß mich deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm, Das von mir die Sünde nahm. Jesu, drücke deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen! Laß mir deines Todes Pein Trost in meinem Tode seyn! 2. In's Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater bethen, Seh' ich dich, mit Blut bedeckt, Auf dem Öhlberg hingestreckt. Jesu, drücke deine Schmerzen u. s. w 3. Dich zu binden und zu schlagen, 3u beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schar, Und du gibst dich willig dar. Jesu, drücke deine Schmerzen u. f. w. NG 4. Von den Nichtern, die dich haffen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet dein unschuldig Blut Unter frecher Geißeln Wuth. Jesu, drücke deine Schmerzen u. s. w. 5. Unter lautem Spott und Hohne Seh' ich eine Dörnerkrone, Die, mein Heiland! scharf gespitzt, Deine Stirne schmerzlich rikt. Jesu, drücke deine Schmerzen u. f. w. 345 3336. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, An das Opferholz geheftet, Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. Jesu, drücke deine Schmerzen u. s. w. 7. Heiland! meine Missethaten Haben dich verkauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, An dem Kreuze dich verhöhnt! Ach! es reuet mich von Herzen! Laß, mein Heiland! deine Schmerzen, a Deines Mittlertodes Pein Nicht an mir verloren seyn! Gefang zur österlichen Zeit. Im Tone: Christus ist erstanden u. s. p. 1. Der Heiland ist erstanden, Befreyt von Todesbanden, Der als ein wahres Osterlamm, Für mich den Tod zu leiden kam. C 2. Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angekettet. Der Tod hat keinen Stachel mehr, Der Stein ist weg, das Grab ist leer. aplse## 10 19 Alleluja! Alleluja! e 3. Der Sieger führt die Scharen, is 108 Die lang gefangen waren, In seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor. Alleluja! - 346 4 4. O wie die Wunden prangen, Die er für mich empfangen! Wie schallt der Engel Siegsgefang Dem Starken, der den Tod bezwang! Alleluja! 5. Mein Glaube darf nicht wanken, O tröstlicher Gedanken! Ich werde durch sein Aufersteh'n Gleich ihm aus meinem Grabe geh'n! MENG CON Cìm Alleluja! 6. Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz; dann ruft mein Heiland mich In's Reich, wo Niemand stirbt, zu sich. A lleluja! 7. Meer der Seligkeiten! Ein Ort mir zu bereiten Ging mein Erlöser hin vor mir: Erstandener! ich folge dir! Alleluja! 8. Ja, durch ein neues Leben Will ich zur Höhe streben, Wo du mit deinem Vater throust, Und jede gute That belohnst. Alleluja! 9. Dann werd' ich im Gerichte Vor deinem Angesichte, Von deinem Blute glänzend, steh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Alleluja! - 347 323Alleluja! Alleluja! Alleluja! Wie du vom Tod erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Christ! Alleluja! 612 Gesang zur Pfingst ze it. 1. Komm', heiliger Geist! o dritte Person! Von Einer Natur mit Vater und Sohn! Der du von seiner Sündenlast So manches Herz befreyet ha Komm', heiliger Geist, erwünschtester Gast! 2. Komm', heiliger Geist! auf uns jetzt herab, So wie dich einst Gott den Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl, Versammelt im verschloss'nen Saal, Sich sehnte nach dir, du göttlicher Strahl! 3. Komm', heiliger Geist! ein Tröster genannt; Es werde durch dich der Kummer verbannt' Der uns verstört in uns'rer Pflicht; Die Trägheit überwind't uns nicht, Wenn du uns entflammst, o mächtiges Licht! 4. Komm', heiliger Geist! vom himmlischen Thron, Dir werden, zugleich mit Vater und Sohn In unzertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit, Anbethung und Dank und Jubel geweiht! 348- Gefang an den Festtagen Mariä. 1. Gnadenquelle! sey gegrüßt, Quelle, die beständig fließt; Trost der Christen! o Maria! Jungfrau, sey gegrüßt! 2. Sey gegrüßt zu jeder Stund', In dem Herzen, mit dem Mund! Alles mache deine Würde, Deine Gnaden kund. e male soc 3. Liebste Mutter, wir sind dein, Zeig' dich, Mutter stets zu seyn; Schreib' uns Alle deinem Herzen Unauslöschlich ein. 4. Du warst noch zu jeder Zeit Ursach' uns'rer Fröhlichkeit; Sey es bis zum Lebensende Und in Ewigkeit. 5. Mutter! es ist unerhört, Daß dein Sohn dir nicht gewährt, Was du deinen treuen Dienern Gütig hast begehrt.adgh12 6. Wenn Gefahr der Seele droht,? In des Lebens jeder Noth Rettet uns in deinem Nahmen Der versöhnte Gott. 7. Schreckt der Sünden schwere Last, Sey zu dir Vertrau'n gefaßt, Die du dich der Sünder Zuflucht Stets gezeiget hast. 8 349 338. Wer dich in Betrübniß bath, Fand bey dir, Maria! Rath; Trost, wer immer dir als Mutter Sich empfohlen hat. 9. Auch zu streiten bis auf's Blut Um des Himmels großes Gut Bringst du, Reinste! den Versuchten Neue Kraft und Muth. 10. Groß ist unsrer Feinde Zahl Hier in diesem Thränenthal; Rette, Mutter! deine Kinder Von dem Sündenfall. 11. Und wenn Seel' und Leib sich trennt, Nur noch schwach das Herz dich nennt, O dann bitte, Mutter! bitte Um ein selig's End'. 12. Nach vollbrachtem letzten Streit Führ' uns in die Ewigkeit; Milde Jungfrau, zeig' uns Jesum In der Herrlichkeit! Das Te Deum laudamus. 1. Großer Gott, wir loben Dich! Herr, wir preisen deine Stärke! Vor dir neigt die Erde sich, Und bewundert deine Werke! Wie du warst vor aller Zeit, So bleibst du in Ewigkeit. 350- 2. 2 les, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, Stimmen dir ein Loblied an; for? Alle Engel, die dir dienen, Rufen dir stets ohne Ruh': Heilig, heilig, heilig zu. 3. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit deinem Ruhm, Alles ist dein Eigenthum. 4. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu deinem Thron empor Neue Lob und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Scharm Lobt und preis't dich immerdar. = 5. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater! dir zum Preis Singt die heilige Gemeine! Sie ehr't auch auf seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehr't den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren Und mit Troste kräftig speis't; Der, o König voller Ehren, Der mit dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist! 351 3337. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen; Du bist auch von deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade hast du uns gebracht, 4 THE Von der Sünde frey gemacht. 8. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, fonton Wenn wir kindlich auf dich hoffen; Endlich kommst du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh', Herr! deinen Dienern bey, Welche dich mit Demuth bitten, Die dein Blut dort machte frey, Als du für uns hast gelitten! Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu dir in den Himmel auf! 10. Sieh dein Volk in Gnaden an; Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe; Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n! 11.Alle Tage wollen wir Dich und deinen Nahmen preisen, Und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Gib, daß wir von Sünden heut' Und von Lastern feyn befreyt! દ45523312. Herr, erbarm', erbarme dich! Über uns, Herr, sey dein Segen! q Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen! Auf dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren seyn! wwwwwww Gefang zum heiligen Altars- Sacramente. 1. Komm', o fromme Christen- Schar, Wirf dich nieder am Altar! ( Denn es stellt in Brotsgestalten Sich dein Heiland dar.) 2. Hier ist Jesu Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut; ( Keine Seele geht verloren Unter seiner Huth.) 3. Sen gelobt, gebenedent, Trost in Widerwärtigkeit; ( Aller, die sich dir vertrauen, Wahre Sicherheit!) R 4. Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot! ( Hilf den Deinen, und bewahre Sie vor aller Noth!) 5. Gib uns wahre Buß' und Neu', Mach' uns von den Sünden frey, ( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sey!) E 353 36. Ist nun uns're Pflicht gethan, Und vollend't des Lebens Bahn, ( O dann nimm zu deinen Freudent Uns're Seelen an!) 7. Sen gelobt, gebenedent, Heiligste Dreyeinigkeit; ( Jesu Preis im Sacramente Bis an's End' der Zeit!) wwwwwww Gesang zum Segen. 1. Segne, Jesu! deine Herde, Welche dir zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde Nur von deiner Gnad' erhält. Herr! dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches, würdig zu empfangen, Wahre Christen stets verlangen. 2. Den die Brotsgestalt bedecket, Der du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket, Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach' verstockte Herzen weich Und an wahrer Tugend reich. Stärk' uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise! 3. Der du haft für uns gelitten Und von Sünden machtest frey, 23 - 354 33. Ach! gewähre, was wir bitten; Segne, Herr, und steh' uns bey, Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit, Alle Feinde überwinden, Und durch dich das Leben finden. Inhalt. Morgenandacht. Einleitung Morgengebethe übung des Glaubens übung der Hoffnung. Übung der Liebe Vor der guten Meinung, durch welche der Christ iedes Vornehmen beiligen foll Geeth für christliche Eheleute Seite 1 2 6 Geseth für die Jugend Geeth für Diejenigen, welche Gott mit irdischen Glücksgütern gesegnet hat Geeth für Diejenigen, die in mittelmäßigen Glücks: umständen sich befinden. Geleth, von Urmen zu sprechen Geleth für Diejenigen, welche durch Urbeit im Schweiße ihres Ungesichtes ihren Lebensunterhalt gewinnen müssen Gebth für Dienstbothen Gebth für Leidende, um Ergebung in den Willen Bottes Abend ndacht Gebeh, täglich zu sprechen, um die Gnade zu erlan gn, zu halten, was man bey der heiligen Taufe Cott versprochen hat. Einig Gebethe zur Erweckung verschiedener Tugenden Tischebethe Vr dem Effen. Nch dem Effen Ubndgebethe ● ● Geeth für diejenigen, die sich am Ubende das un gheuchelte Zeugniß geben können, daß sie den ant Norgen gefaßten Vorfah, die Sünde zu meiden un tugendhaft ju leben, treu erfüllt haben 788 10 12 14 15 16 17 18 19 25 25 26 26 28 35 Meßgebethe Gebeth vor der heiligen Messe Das Bekenntniß der Sünden( Confiteor) Zum Gloria Collecte oder Kirchengebeth • geben wird Vom Predigthören Zur Epistel Bum Evangelium Das Glaubensbekenntniß, wie es der Priester bethet 3um Offertorium Zur Präfation Canon oder stille Gebethe. ● ● Die christliche Buße Gebeth vor der Predigt Gebeth nach der Predigt ● Vor der Wandlung Zur Wandlung Nach der Wandlung Kurze Umschreibung des Gebethes des Herrn Nach dem Vater unser ● ● Vorbereitungsgebeth zur Beichte Gewissenserforschung Vor der Beichte Nach der Beichte ● • ● 3um Ugnus Dei Bur Communion des Priesters Nach der Communion des priesters Zum Gegen des Priesters Das Evangelium Johannis Erklärung dieses Evangeliums. Erklärende Anweisung für diejenigen, welche fähig sind, durch eigene Betrachtungen bey der heil. Messe sich andächtig zu beschäftigen ● Gebeth, wenn mit dem Hochwürdigen der Segen ge= ● ● Seite 37 40 ● • ● Morgengebethe am Beicht und CommunionsTage ● Reue und Vorfaß der Besserung für diejenigen welche sich schwerer Sünden bewußt sind Reue und Vorfaß für diejenigen, die sich zwa keiner schweren Sünde, aber doch so manche vorseßlichen, öfter wiederhohlten geringern Übertretungen bewußt sind Kürzere Urt der Reue und des Vorsatzes ● ● AAAA DAERAH K 12 45 46 47 48 49 50 51 53 54 54 55 56 56 57 59 69 70 71 72 73 80 81 83 90 94 96 97 99 Der 102. Pfalm. Von dem Ablaffe Communion- Andacht Nach der heiligen Communion Das Danklied Simeon's des Herrn. Litanen von dem heiligsten Nahmen Jesu Abendgebeth am Beicht- und Communion- Tage Andachtsübungen auf die vorzüglichsten Festtage Uni Weihnachtsfeſte Um Feste der Erscheinung des Herrn Für die Fasten Umschreibung des 50. Psalmes Um Charfrentage Empfindungen bey dem Unblicke des gekreuzigten Erlösers . Um Osterfeste Heilige Freude über den Glauben an ein unsterbliches Leben Um Feste der Himmelfahrt des Herrn . Erwägung der durch Jesum wiederhergestellten Würs de des Menschen • Um Pfingstfeste Bitte um die Gnade des heiligen Geistes zur Heiz ligkeit des Lebens leichnamstag genannt Dankbare Freude ben dieser Fenerlichkeit Um hohen Dreyfaltigkeitsfeste Umschreibung des apostolischen Glaubensbekennt: niffes Seite IOI 104 106 118 Um festlichen Gedächtnißtage der Einfeßung des heiligsten Ultars Sacramentes, der Froh ne Mariä Empfängniß Mariä Geburt Mariä Reinigung . 124 124 127 131 134 135 136 144 153 153 154 156 157 159 160 162 163 Um jährlichen Gedächtnißtage der Kirchweihe Dank für die Wohlthat des Gottesdienstes, auch an Sonn- und Feyertagen zu bethen Verehrung Mariens, der feligsten Jungfrau, und der Heiligen, zur Ehre Gottes Verehrung Mariä, der seligsten Jungfrau Erwägung des Tugendwandels Mariä und Ge beth um Stärkung zur Nachahmung desselben 185 Kirchengebethe an verschiedenen Festtagen der seligsten Jungfrau 171 172 176 177 179 183 192 192 192 193 Mariá Verkündigung. Umschreibung des englischen Grußes Um Gedächtnisitage der Schmerzen Mariä Maria unter dem Kreuze( das Stabat Mater) Mariä Heimsuchung Um Tage der Aufnahme Mariä in den Himmet ( Mariä Himmelfahrt) Mariä Opferung 3u Ehren der heiligen Engel. Verehrung der Heiligen insgemein Ullgemeines Dankgebeth Allgemeines Gebeth zu Gott um alles Gute. Chriftliche Fürbitte für alle Menschen Seite 193 193 196 Um Tage aller Heiligen Nachdenken über sich selbst bey der Erinnerung an die Tugenden der Heiligen 3u Ehren des( der) Heiligen, dessen( deren) Nahmen man führt Um Tage der heil. Apostel Petrus und Paulus Um Tage des heil. Josephs Um Tage des heil. Johannes von Nepomuk Gebethe vermischten Inhaltes . Morgengedanken Ubendgedanken ● ● ● ● Glaube und gute Werke Gebeth um den Sieg über die Sinnlichkeit und die Leidenschaften ● Verlangen nach Gott. Ein Gebeth nach dem heiligen Augustinus Vertrauen auf Gott Allgegenwart Gottes. Gebeth um Weisheit zur Ausübung der Tugend Die Demuth Bitte ein versöhnliches Herz Gebeth der Ültern für ihre Kinder Gebeth der Ültern bey der ersten Communion ihrer Kinder Gebeth der Kinder für ihre Ültern Empfindungen und Gebeth beym Jahreswechsel Gebethe zur Zeit der Krankheit. ● · . Ergebung in den Willen Gottes Bitte um Kraft, die Krankheit durch Tugenden zu heiligen Sprüche aus der heiligen Schrift zur Belehrung, Erbauung und Stärkung der Kranken 196 • 198 200 202 202 204 205 209 209 211 212 213 213 216 207 221 224 226 227 229 231 232 233 235 236 238 240 242 247 247 248 249 250 254 Ben zunehmender Krankheit Von der letzten Öhlung Vor der heiligen Öhlung Ben der Öhlung selbst Nach der Öhlung Kranken vorzusprechen Beym Hinhalten der Eterbekerze Empfehlung des Sterbenden an Gott Nach dem Hinscheiden Gebeth eines Genesenden Fürbitte für den Kranken, nach dem Kirchenges bethe Beym Hinhalten des Bildes des Gekreuzigten dem Für verstorbene Ültern Kirchengebeth Christliches Undenken an die Verstorbenen Un ihrem jährlichen Gedächtnißtage Kirchengebeth Christliche Gedanken und Empfindungen bey den Gräs bern Gebeth 6 Psalm 69. Gebeth Litanen zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria Litanen von allen Heiligen Zum Introitus Zum Gloria Vor dem Evangelium Zum Credo ● Zum Offertorium Zum Sanctus Gewöhnliche gottesdienstliche Gebethe und Gesänge. • Anhang. Lehrreiche Gedanken, die der öfteren Erwägung würdig sind Gebeth für den Landesfürsten. Gebeth für das allgemeine Unliegen der Christenheit Erster Meßigesong Nach der Wandlung Zum Ugnus Dei Zum Segen des Priesters ● Seite 257 258 258 . . ● ● • . ● ● ● • ● 259 259 259 260 260 260 261 262 264 264 266 267 268 269 271 272 305 310 315 317 319 320 322 322 323 324 324 325 326 327 328 329 3wenter Meßgefang Zum Kyrie Zum Gloria Ben dem Evangelium Zum Credo Zum Offertorium Bum Sanctus Nach der Wandlung 3um Ugnus Dei Zur geistlichen Communion Zum Beschlusse der heiligen Messe Zum Segen Predigtlied an Sonntagen Bitten Gefänge zur Uvents- Zeit Zur Rorate 3wenter Gesang Weihnachtsgefang Gefang in der Fastenzeit Gefang zur öfterlichen Zeit Gefang zur Pfingstzeit Gesang an den Festtagen Mariä Das Te Deum laudamus Gefang zum heiligen Ultars- Sacramente Gesang jum Segen ● Gedruckt bey Anton Strauß. Seite 330 330 331 331 351 332 333 333 334 334 335 335 . ● ● ● ● ● ● 336 337 338 338 340 342 344 345 347 348 349 352 353 " 3 Inches Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 5 CO 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 80