Gb 828 75176 Jos Hallwander del, Jos. Benedict se Wenn Jemand mir nachfolgen will der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Matth.16,24. Eigenthum u. Verlag von G.Müllner& Co Singerstrasse 874, in Wien. น និង ដក and Erbanungsbuch katholische Christen JON MICHALL LEONHARD ( 1864) und ihr werdet empfangen. Gebet und Erbauungsbuch für katholische Christen. Zwölfte VON Bischof von Diocletianopel, apostolischem Vicar JOH. MICHAEL LEONHARD der k.k.Heere. Auflage. Fürchte Gott, und halte seine Gebote.Pred.12,13. WIEN Verlag von 6.Müllner& C Singerstrasse N° 874. ( 1864) Gb 828 Univ.- Bibl. Giessen Vorrede. Der heilige Geist ist die Quelle aller Gnaden. Alle frommen Rührungen und Einsprechungen sind sein Geschenk, find Wirkungen seiner Gnade. Der heilige Geist ist es auch, der uns beten, auf eine Gott wohlgefällige Art beten lehret. » Wir wissen nicht, um was, und wie wir beten sollen; sondern der heilige Geist muß unserem Unvermögen zu Hilfe kommen.« Röm. 8. Der heilige Geist leitet den Strom seiner Gnaden nach unseren Bedürfnissen und unserer Empfänglichkeit in uns herab. Unser Herz sehnt sich nach Ihm, und Er selbst betet in uns mit unaussprechlichen A II Seutzern. Wir sind Tempel des heiligen Geistes, geheiliget durch seine Gnade ,geheiliget durch die Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die er unseren Herzen eingießt. Durch den Glauben erleichtert Er unseren Verstand zur Erkenntniß dessen, was recht und gut, was Gott wohlgefällig und zu unserem Heile ist; durch die Hoffnung erfüllet Er unser Herz mit unerschütterlichem Vertrauen und kindlicher Zuversicht zu Gott, so daß wir voll freudiger Hoffnung zu Gott rufen: Abba, lieber Vater, durch die Liebe entflammt Gr unser Gemüth mit himmlischen Begierden, so daß wir nichts verlangen, nichts suchen, nichts lieben, als Gottes Reich und seine Gerechtigkeit; daß wir nur Gott, unserem Heilande zu leben trachten; daß wir mit dem königlichen Propheten, Psalm 72, II III 25, 26 ausrufen:» Was soll ich im Himmel, was auf Erden wünschen und verlangen außer Dir? Mein Fleisch und mein Herz ist verschmachtet. Du, o Gott meines Herzens! bist mein Trost und meine Freude, mein Antheil in Ewigkeit.« Glaube, Hoffnung und Liebe sind. also die Quellen eines frommen, Gott wohlgefälligen Gebets. Je fester unser Glaube an Gott und an sein göttliches Wort, je fester und findlicher unser Vertrauen auf Gottes Macht, Erbarmung und Güte, je inniger und vollkommener unsere Liebe zu Gott, dem höchst Heiligen und Liebenswürdigsten, ist, desto angenehmer und wirksamer wird auch unser Gebet vor Gott sein. Aus diesen göttlichen Tugenden quillt fedes fromme und kindliche Gebet, welches nicht unfruchtbar bleibt, sondern IV liebliche und köstliche Früchte im Leben. des Menschen hervorbringt. Denn so wie das Gebet, so das Leben des Menschen. Wer recht zu beten weiß, weiß auch recht zu leben. Beides, das fromme Gebet und ein heiliger Wandel mit seinen Tugenden und guten Werken, wurzeln in dem Glauben, in der Hoffnung und Liebe des Christen, die ausgegossen werden in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der seine Gaben allen Jenen reichlich mittheilet, die Ihn darum bitten. Glaube, Hoffnung und Liebe, diese köstlichsten Gaben und Früchte des heiligen Geistes, sind daher nicht nur das Leben und Wesen jedes frommen, Gott wohlgefälligen Gebetes; sondern sie sind auch die Quelle der Gottesfurcht und jeder christlichen Tugend, ste find die Grundbedingung des ewigen Heiles. V Daher flehen wir mit Recht: Komm', heiliger Geist: Du unser Trost und unsere Freude. Komm', und erfülle unser Herz mit Deinen Gaben, heilige es zu einem Dir wohlgefälligen Tempel, und erwecke in demselben fromme Gesinnungen und heilige Vorsäge, die durch den himmlischen Thau Deiner Gnade belebt und gestärkt, in unserem Leben sich offenbaren durch Tugenden und gute Werke. Diese göttlichen Tugenden in den Herzen frommer Gläubigen zu beleben und zu vermehren, dazu soll nun dieses gegenwärtige Gebet- und Erbauungsbuch anleiten, und beitragen, in welchem allejene Gebete enthalten sind, wodurch wir täglich unsere Herzen in Demuth, in Reue und Zerknirschung vor Gott ausgießen, und alle Gnaden von ihm erflehen sollen, die uns zur Frömmig VI keit und Gottesfurcht, und zu einem heiligen Wandel erwecken, beleben und stärken, und uns helfen, im lebendigen Bertrauen auf die unendlichen Verdienste Jesu das ewige Leben zu erlangen. So diene Alles in diesem Gebetbuche zur größeren Ehre Gottes, zum Heile und Segen der Gläubigen, damit wir Alle einstens mit einander dahin gelangen, wohin uns Jesus, unser Herr und Heiland vorausgegangen ist, uns einen Ort zu bereiten. Dem dreieinigen Gott sei Ehre, Lob und Preis und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. his - 1 Morgengebet. Gott! mein Gott! ich erwache zu Dir, wenn der Tag anbricht. Meine Seele dürstet nach Dir, mein Geist hat nach Dir ein großes Verlangen. Psalm 62. Ich liebe, die Mich lieben, und die Morgens früh zu Mir erwachen, die werden Mich finden. Sprichw. 8. Im Namen des Vaters, der mich erschaffen, im Namen des Sohnes, der mich erlöset, im Namen des heiligen Geistes, der mich geheiliget hat, stehe ich auf; der dreieinige Gott wolle mich heute und alle Tage meines Lebens behüten und bewahren vor aller Gefahr des Leibes und der Seele. Amen. Ich will Dich hoch erheben, mein Gott und König! Ich will Dich alle Tage loben, und Deinen Namen preisen immer und ewiglich. Psalm 104. 1 Erbarme Dich über uns, o Herr! denn wir harren auf Deine Hilfe. Sei des Morgens unser Arm, und in der Zeit der Trübsal unser Heil. Jes. 33. Unendlich gütiger, barmherziger Gott! Dir gebühren die ersten Gedanken und Empfindungen meines Herzens. Denn Deiner Güte habe ich es zu verdanken, daß ich noch lebe, daß ich gesund erwache, daß ich noch Zeit und Gelegenheit habe, meine Vergehungen nach Kräften gut zu machen, und durch Ausübung guter Werke mir Verdienste für die Ewigkeit zu sammeln. Der einzige Zweck meines Daseins ist ja Deine Verherrlichung, o mein Herr! und mein ewiges Seelenheil. Dazu hast Du mich auf's Neue das Licht des Tages erblicken lassen, daß ich Deinen Namen lobe und preise, daß ich die Sünde und alle bösen Lüste in mir ertödte, daß ich unablässig nach Tugend und Frömmigkeit strebe, und durch Worte und Beispiele auch meinen Nebenmenschen erbaue, und zum Guten ermuntere. Dahin sollen alle meine Gedanken, Worte und Handlungen abzielen. Aber, mein Gott! was kann ich ohne Dich? Kann ich auch nur einen guten Gedanken fassen ohne Dich? Von Dir allein kommt das Wollen und das Vollbringen des Guten. So verleihe mir deine Gnade, daß ich stets nach deinem heiligen Wohlgefallen vor Dir wandle; komm allen meinen Entschließungen und Handlungen mit Deiner Gnade zuvor, und erfülle mich mit Licht und Stärke, damit ich meine Pflichten auf das Genaueste erfülle. Lehre mich Deinen Willen thun, weil Du mein Herr und Gott bist. Zu meiner tiefsten Beschämung bekenne ich vor Dir, o Herr! daß ich bisher in Erreichung meiner Bestimmung sehr oft unachtsam und träge gewesen bin. Ich war thöricht genug, mein ewiges Seelenheil zu vernachlässigen, und betrüglichen und flüchtigen Gütern und Freuden der Welt mich hinzuge ben. Deine unendliche Barmherzigkeit schenkt mir noch Zeit zur Besserung, und gibt mir Gelegenheit, das Versäumte einzuholen. O laß mich die ewig unwiederbringlichen Tage des Lebens, die Du mir zu meinem ewigen Heile gewährest, nicht ferner leichtsinnig verlieren, sondern erhalte und stärke in mir den 1* 4 heiligen und aufrichtigen Vorsatz, mich immer mehr von der Welt und von aller Sünde loszureißen, und allein Dir, meinem Herrn und Vater! mit kindlicher Treue anzuhängen. Gib mir Weisheit, die Wege Deiner heiligen Gebote und meines Heiles immer deutlicher zu erkennen, und Deine Gnade auf denselben standhaft zu wandeln. Dir, o Schöpfer! seien alle meine Gedanken und Wünsche, Neigungen und Entschließungen, alle meine Reden und Handlungen, alle meine Leiden und Freuden geheiliget. Lenke meine Schritte nach Deinem Rathe; heilige mein Thun und Lassen nach Deinem Wohlgefallen; segne mich bei allen meinen Entschließungen und Handlungen. Stärke meinen Glauben an Dein göttliches Wort, erfülle mich mit unerschütterlichem Vertrauen auf Deine göttliche Vorsehung und unendliche Erbarmung; entzünde mein Herz immer mehr mit dem Feuer Deiner Liebe, damit ich nur Dir zu leben, nur Dein Wohlgefallen zu verdienen strebe. Laß mich, o Gott! so viel möglich mit allen meinen Mitmenschen in Frieden und Eintracht leben; laß mich zufrieden sein mit meinem Stande, geduldig und ergeben in meinen Leiden, eifrig in der Erfüllung meiner Berufspflichten, demüthig und bescheiden im Glücke, im Unglücke stets auf Dich vertrauend, und behüte mich vor allen Gefahren und Anlockungen zur Sünde. O seligste Jungfrau! Du auserwählte Mutter unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi! sei auch meine Mutter und Fürsprecherin! Mit findlichem Vertrauen überlasse ich mich Deinem Schuße, und hoffe durch Deine Fürbitte von Deinem göttlichen Sohne alles das zu erlangen, was zu meinem ewigen Seelenheile nothwendig und ersprießlich ist. O heiliger Schußengel! der Du mir von Gott zu einem Führer und Beschützer auf dem gefahrvollen Wege dieses Lebens gegeben bist; erwirke mir von Gott die Gnade, daß ich Deinen Eingebungen, Ermahnungen. und Warnungen willig folge, und meine Schritte so einrichte, daß ich mich niemals von dem Wege der göttlichen Gebote entferne, sondern stets nach Gottes heiligem Wohls gefallen trachte. -6 Es segne mich Gott der Vater, der Sohn und der heilige Geist! Der allmächtige und allbarmherzige Gott sei mein Schuß, mein Trost, meine Zuversicht heute und alle Tage meines Lebens. Amen. - Vater unser. Gegrüßet seist Du, Maria. Ich glaube an Gott den Vater. Abendgebet. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Dreieiniger Gott! Du höchstes Gut! In Deinem Namen habe ich den heutigen Tag angefangen; in Deinem Namen will ich denselben beschließen. Ich falle nieder vor Dir, und danke Dir für alles Gute, das Du mir den Tag hindurch so väterlich erwiesen hast. Du hast mir Nahrung, Kräfte und Gesundheit zur Erfüllung meiner Berufsgeschäfte verliehen; Du hast manche Gefahren und Uebel des Leibes und der Seele gnädig von mir abgewendet; Du hast in mir manche heilsame Gedanken und fromme Entschließungen erwecket, und mir Zeit und Gelegenheit zur Ausübung mancher Tugenden und guter Werke gegeben. Wie kann ich Dir für Deine Güte genug danken?- Und wenn ich das - -8 nicht vermag, habe ich wenigstens diesen Tag so zügebracht, daß ich mich Deines Wohlgefallens erfreuen darf? Habe ich Deine Wohlthaten gut angewendet? Habe ich mich keiner Sünde schuldig gemacht? Erleuchte meinen Verstand, o göttlicher Geist! daß ich erkenne meine Fehler und Vergehungen, mit welchen ich heute meinen Herrn und Gott beleidiget habe, und erfülle mein Herz mit dem Feuer Deiner Liebe, daß ich dieselben von ganzem Herzen bereue. O Gott! unter Deinen Augen will ich mein Innerstes durchforschen; nimm von mir hinweg alle Eigenliebe und Selbsttäuschung, damit ich den Zustand meines Gewissens genau erkenne, und mich selbst unparteiisch richte. Wie habe ich den heutigen Tag zugebracht? Bin ich frömmer, tugendhafter, verständiger und weiser geworden? War ich auf die göttlichen Einsprechungen, auf die Ermahnungen und Warnungen meines Gewissens aufmerksam? Und folgte ich denselben? — 9 Habe ich heute die Pflichten meines Standes alle genau erfüllet? oder habe ich eine derselben vernachlässiget? und welche? Habe ich Alles gethan zur Ehre Gottes? zum Nußen und zum Heile meines Nächsten? oder ließ ich mich dazu durch Sucht nach Ehre vor den Menschen, durch Eigennuß oder andere unedle Beweggründe bestimmen? Habe ich heute gegen meine herrschende böse Neigung gekämpft? Habe ich den Anlockungen zu dieser oder jener Sünde widerstanden? Habe ich die frommen Vorsätze, die ich heute früh machte, genau gehalten? Habe ich die Wohlthaten Gottes mit Dankbarkeit und Mäßigkeit genossen, und dabei nicht meiner ärmeren Mitmenschen vergessen? Benüßte ich jede Gelegenheit, Gutes zuthun? Welche Versuchung habe ich besieget? Welches gute Werk habe ich verrichtet; welche Tugend ausgeübt? Wie habe ich mich gegen andere Menschen betragen? war ich sanftmüthig, gelassen, nachsichtig, schonend, liebreich, dienstfertig, aufrichtig? 10 - Worauf waren meine meisten Gedanken und Begierden gerichtet? Dürfte ich sie öffentlich gestehen? Was habe ich geredet, Wahrheit oder Lüge? Habe ich Niemanden Böses nachgeredet? Habe ich Niemanden verleumdet? Habe ich Niemanden lieblos verurtheilt? Habe ich Niemanden durch böse Reden oder Beispiele Aergerniß gegeben? Habe ich vielmehr meine Mitmenschen durch Worte und Handlungen erbauet, und sie zum Guten ermuntert? Was könnte ich hoffen, oder was müßte ich fürchten, wenn ich diese Nacht von dies ser Welt abgerufen würde, und vor Gottes Gericht hintreten müßte? Allwissender! Du kennst das Innerste meines Herzens und weißt, welche Vorwürfe mirmein Gewissen macht. Ich bin ganz von Reue und Scham durchdrungen, daß ich auch heute wieder vor Dir gesündiget, und Deine Strafgerichte auf mich geladen habe. Verzeihe mir, o höchst barmherziger Vater! alle - 11- Sünden und Vergehungen, mit denen ich heute von Neuem Dich, meinen Herrn und Gott, mein höchstes Gut, beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, Dich, meinen besten Vater, nicht mehr zu beleidigen, und lieber zu sterben, als Dich noch einmal wissentlich und vorsätzlich zu beleidigen. Gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsages durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Erlösers Jesu Christi. Noch bitte ich Dich, allmächtiger Gott! beschüße und beschirme in dieser Nacht mich und alle meine Angehörigen, meine Aeltern, Freunde und Wohlthäter, bewahre uns vor allen Uebeln und Gefahren des Leibes und der Seele, und laß uns den kommenden Tag gesund und gestärkt erleben; morgen wollen wir Dir mit neuem Eifer dienen, immer besser und frömmer, und Dir wohlgefälliger zu werden trachten. Unter Deinem Schuße will ich nun ruhen, und mich mit kindlichem Vertrauen Deiner Vorsehung überlassen, die über uns wachet, wenn wir schlafen. Ich empfehle Dir meinen Leib und meine Seele; in Deiner - 12 Hand steht Leben und Tod. Vergib mir meine Vergehungen, und sei mir armen Sünder gnädig! Heilige Jungfrau und Mutter Gottes Maria! Unter Deine mütterlicheObhut fliehen wir; erbitte uns von Deinem göttlichen Sohne die Gnade, daß wir diese Nacht sicher ruhen im Frieden, und vor allen Gefahren des Leibes und der Seele beschüßet werden. Heiliger Schußengel und mein heiliger Namens- Patron! erbittet uns von Gott dem Allmächtigen Schutz und Beistand, und die Gnade, morgen wieder froh und gesund zum Dienste Gotte zu erwachen. Alle Engel und Heiligen Gottes! bittet auch für die Seelen der Christgläubigen im Fegefeuer, damit sie bald aus dem Orte der Qual erlöset werden, und zur Anschauung Gottes gelangen. Gott der Barmherzigkeit! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr! laß sie ruhen in Frieden! Vater unser. Gegrüßet seist Du, Maria. Ich glaube an Gott den Vater. - 13 - Umschreibung des Vater unser. Vater unser, der Du bist in dem Himmel. Ewiger, allmächtiger, höchst gütiger Gott! Du bist zwar überall gegenwärtig; denn Du erfüllest Himmel und Erde. Gleichwohl betrachten wir den Himmel als den Thron Deiner Herrlichkeit, wo Du Dich Deinen Engeln und Auserwählten ganz besonders offenbarest. Wir rufen zu Dir als unserem Vater, der Du uns das Leben gegeben hast, und es auch erhältst; der Du uns insbesondere in der heiligen Taufe zu Deinen Kindern, zu Erben Deines Reiches angenommen hast. Wie Deine Liebe uns Alle umfasset, so sollen auch wir nicht allein für uns, sondern für alle Menschen, die unsere Brüder sind, beten. Uns und allen unseren 14- Mitmenschen erflehen wir mit kindlichem Vertrauen alles Gute von Dir, so wie uns Jesus, Dein eingeborner Sohn, selbst uns beten gelehret hat. Geheiliget werde Dein Name. O möchten wir und alle Menschen Dich, unsern höchsten Herrn und Gott, unsern besten Vater, recht erkennen, Dich mit tiefster Demuth anbeten, Dich würdig loben und preisen, Dich über Alles, aus ganzem Herzen lieben, und durch einen frommen Wandel Deinen heiligsten Namen verherrlichen! Himmel und Erde seien Deiner Herrlichkeit voll. Zukomme uns Dein Reich. Herr, himmlischer Vater! Durch Deinen eingebornen Sohn hast Du ein Reich der Tugend und Seligkeit auf Erden gegründet, und willst, daß alle Menschen in dasselbe aufgenommen werden. Alle sollen an Jesu Lehre fest glauben, dieselbe genau befolgen, durch Jesu Tod Versöhnung und Gnade und ewiges Leben erlangen. Laß dieses Reich Deiner Guade, die heilige katholische, apos 15 stolische Kirche, immer weiter auf Erden verbreitet werden; laß den Glauben, die Hoff nung und die Liebe in unseren Herzen immer mehr zunehmen, damit wir Alle würdig werden, einst in Dein ewiges, himmlisches Reich aufgenommen zu werden. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. Die Engel und alle seligen Geister im Himmel vollziehen Deinen heiligen Willen, o Gott! auf das genaueste mit Freude, und sind stets bereit, Deine Befehle und Anordnungen zu befolgen. O gib uns, himmlischer Vater! die Gnade, daß auch wir Deine heiligen Gebote genau und willig befolgen, Deinen weisesten göttlichen Anordnungen uns jederzeit mit voller Ergebung unterwerfen, und auch in Leiden und Drangsalen mit kindlichem Vertrauen auf Dich hoffen. Gib uns hente unser tägliches Brot. Vater! Du weißt, was wir heute und täglich zur Erhaltung unseres Lebens bedürfen. Nicht um Ueberfluß, nur um das Noth 16 wendige bitten wir. Wir wollen aber auch unsere Kräfte anwenden, um Deinen Segen zu unseren Arbeiten zu verdienen. Wir wollen Deine Gaben mit Mäßigkeit und Dankbarkeit genießen, mit Wenigem zufrieden und genügsam sein, und von Deinem Segen gern auch unseren nothleidenden Mitmenschen mittheilen. Noch dringender flehen wir aber zu Dir um die geistliche Nahrung für unsere Seele, damit wir nicht verschmachten auf dem Wege unserer irdischen Pilgerschaft, sondern durch Dein göttliches Wort und durch das lebendige Himmelsbrot gestärkt und geheiliget zu Dir gelangen, wo wir Dich ewig anschauen, lieben und genießen werden. me Vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unseren Schuldigern. Im Geiste der Demuth und mit reumüthigem Herzen bekennen wir unsere großen Schulden vor Dir, o Vater! Oft und schwer haben wir Dich beleidiget. Wir flehen zu Dir um Barmherzigkeit und Gnade; wir geloben aufrichtige Besserung, und den Schaden unserer Sünden nach Kräften gut zu machen. 17- Laß die traurigen Folgen und Strafen unserer Sünden uns nicht zum Verderben, sondern zur heilsamen Warnung und Züchtigung gereichen. Wir wollen gern allen Denen von Herzen verzeihen, die uns auf irgend eine Weise durch Wort oder Handlungen belei diget haben; wir wollen alles Gute ihnen aufrichtig wünschen und thun, und für ste beten, wie es uns Jesus unser Herr durch Worte und Beispiele gelehret hat. - Führe uns nicht in Versuchung. Doch wie leicht fällt der Mensch in irgend eine Sünde. Täglich umgeben uns Gefahren und Anlockungen zur Sünde. Und wie groß ist unsere Schwachheit und unser Unvermögen zum Guten! Herr! hilf uns, daß wir nicht fallen, und zu Grunde gehen. Laßuns nicht in solche Lagen und Gelegenheiten kommen, wo Du vorherstehst, daß wir der Versuchung unterliegen würden. Wir wollen inbrünstig beten und sorgfältig wachen, daß wir in keine Versuchung fallen; wollen allen Gefahren der Sünde so viel möglich ausweichen; wo wir aber aus Pflicht und Beruf den Ver2 18 suchungen nicht ausweichen können, so reiche Du uns Deinen mächtigen Arm, der uns aufrecht erhält und beschüßzet. Laß uns in der Prüfung unserer Tugend standhaft ausharren, um dafür Deiner ewigen Belohnung theilhaftig zu werden. - — Sondern erlöse uns von dem Nebel. Gib uns, o himmlischer Vater! die Gnade, daß wir von dem größten aller Uebel, von der Sünde, los werden, daß wir aufstehen von dem Falle, die Fesseln der Sünde von uns werfen und den Weg des ewigen Heiles wandeln. Dann wird auch das Elend in dieser Welt immer weniger werden, und selbst die unvermeidlichen Leiden und Drangsale dieses Lebens werden uns zu unserem Heile gereichen, bis wir dahin kommen werden, wo keine Sünde, kein Leid, kein Wehklagen, kein Tod mehr sein wird. Amen. Laß geschehen, um was wir gebetet haben. Erfülle unsere herzlichen Bitten. Mit kindlichem Vertrauen wollen wir die Erhö 19 rung derselben von Dir hoffen und erwarten durch Jesum Christum unseren Herrn, der uns die tröstliche Verheißung gegeben hat: Alles, um was ihr den Vater in Meinem Namen bitten werdet, das wird Er euch gewähren. - - Umschreibung des englischen Grußes. Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir; Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes, Jesus!- Sei auch uns gegrüßet, Du gnadenvolle Jungfrau, die der Herr von Ewigkeit her auserwählet, und mit der Fülle seiner Gnade gezieret hat. Du wurdest zur höchsten Würde, die einem Geschöpfe zu Theil werden kann, zur Mutter des eingebornen Sohnes Gottes erhöhet; der Herr, der Allmächtige, hat große Dinge an Dir gethan, deßwegen werden Dich alle Geschlechter selig preisen. Du hast uns Denjenigen geboren, der uns den Himmel wieder auf2* 20 geschlossen, der uns Versöhnung und Gnade erworben, uns Heil und ewiges Leben gebracht hat. Duzeigest uns Jesum, Deinen göttlichen Sohn, auf Deinen mütterlichen Armen; an Ihn sollen wir glauben, Ihm vertrauen, Ihn über Alles lieben, und Alles gerne thun, was Er uns befohlen hat; denn so werden wir ewig selig werden. Heilige Maria, Mutter Gottes! bitt' für uns arme Sünder jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Sei auch unsere Mutter, sei unsere Zuflucht, sei unsere Hoffnung, sei unsere Fürsprecherin bei Deinem göttlichen Sohne. Erbitte uns jetzt die Gnade der Buße und Besserung, Liebe zur Frömmigkeit und Tugend, Kraft, allen Anlockungen zur Sünde zu widerstehen, Geduld und Standhaftigkeit in Leiden, Beharrlichkeit im Guten und eine selige Sterbstunde, damit wir dorthin gelangen, wohin Jesus uns vorausgegangen ist, und wo er uns einen Ort bereitet hat. Amen. - 21 - Umschreibung des apostolischen Glaubensbekenntniſſes. Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Ich glaube mit Mund und Herzen, daß Ein Gott ist, Ein Herr und Vater alles dessen, was da ist; der durch sein allmächtiges Wort Himmel und Erde erschaffen hat, der Alles erhält und regieret, und ganz vorzüglich uns Menschen väterlich liebet, führet und beschütet, der will, daß wir Alle selig werden und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Lob und Preis, Dank und Anbetung gebühren Ihm von allen Geschöpfen; insbesondere sollen wir Menschen unsern Glauben an Ihn durch Gehorsam, Liebe und findliches Ver: trauen vor aller Welt beweisen. Und an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn. Wie wir an Gott den Vater glauben, so glauben wir auch an Jesum Christum, - 22 - seinen eingebornen Sohn, der von Ewigkeit gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater, in der Zeit Mensch geworden ist, durch den Preis seines kostbarsten Blutes uns erlöset hat, und unser Herr und unser Erlöser ist. Es ist kein anderer Name den Menschen gegeben worden, in welchem sie selig werden können, als in dem Namen Jesu. Vor dem Namen Jesu sollen sich daher alle Knie beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und alle Zungen sollen bekennen, daß Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist. Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau. Dieser ewige Sohn des ewigen Vaters hat aus Liebe zu uns die menschliche Natur angenommen. Durch die Kraft des heiligen Geistes wurde Er von Maria, der seligsten Jungfrau, empfangen, und zu Bethlehem in einem Stalle geboren. Er wollte als Mensch geboren werden, um uns Menschen seiner ewigen Herrlichkeit theilhaftig zu machen, um uns von dem Sündenfalle wieder 23 - aufzurichten, und uns die verlorne Heiligs keit und Gerechtigkeit wieder zu erwirken. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuziget, gestorben und begraben. Dem göttlichen Heiland war es nicht genug, die menschliche Natur anzunehmen; Er wollte auch zu unserem Heile sein Leben aufopfern, sein kostbares Blut am Stamme des Kreuzes zur Versöhnung unserer Sünden vergießen. O göttlicher Heiland! Du hast für mich so schreckliche Qualen und Beinen erduldet, und ich sollte ferner mich durch eine Sünde entehren und Deine unaussprechlichen Leiden an mir vereiteln? Durch Dich erlöset und verföhnet, geheiliget und gerechtfertiget will ich fortan nur Dir leben, nur Dir sterben, nur Dein sein in Zeit und Ewigkeit. Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten. Jesus stieg hinab in die Vorhölle zu den Frommen und Gerechten des alten Bundes, und brachte ihnen Trost und Erlösung, auf welche sie so sehnsuchtsvoll warteten. Am 24 - dritten Tage stand Er aus eigener Macht glorreich auf, ging als Sieger der Sünde und des Todes aus dem Grabe hervor, und hat uns dadurch den fichersten Beweis von seiner Gottheit, von der Göttlichkeit seiner Lehre, von unserer eigenen Auferstehung und Unsterblichkeit gegeben. Wollen wir aber an seiner glorreichen Auferstehung Theil haben, so müssen wir schon jetzt von unseren Sünden aufstehen, allen Werken der Finsterniß entsagen, in dem Licht seiner Lehre wandeln, und seinem Beiſpiele nachfolgen. Aufgefahren in den Himmel, sizzet zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Baters. Am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung ist der göttliche Heiland in Gegenwart seiner Apostel und Jünger in den Himmel aufgefahren, und hat dort zur Rechten seines Vaters von der Herrlichkeit Besitz genommen, die Er bei demselben hatte, ehe die Welt war. Dort ist Er nun unser Mittler, unser Ver treter, unser Fürsprecher bei dem Vater. Er ist uns dahin vorausgegangen, um uns einen Ort dort zu bereiten. Wo Er ist, da will 25 Er, sollen auch wir sein, und ewig an seiner Seligkeit Theil haben. Wie tröstlich ist dieſe Verheißung! Wie selig können wir einst werden, wenn wir Alles das genau beobachten, was Er uns befohlen hat! - - Von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Lodten. Wie der göttliche Heiland das erste Mal in diese Welt gekommen ist, voll Erbarmung und Liebe, in menschlicher Gestalt zu unserer Erlösung, so wird Er am Ende der Welt wieder kommen als Richter in seiner göttlichen Herrlichkeit, umgeben von seinen Engeln. Wir werden einst alle vor seinem Richterstuhle stehen, um unser Urtheil zu empfangen, wie wir seiner heiligen Lehre nachgelebt, und das Werk seiner Erlösung zu unserem Heile benüßet haben. Die ges heimsten Gedanken und Wünsche werden da an das Licht kommen, und alle Menschen werden daihren verdienten Lohnempfangen. Der allwissende und höchst gerechte Richter wird die Guten von den Bösen absondern, 26 - und jene in sein himmlisches Reich einführen, diese aber zu dem höllischen Feuer verdammen. Wie wird es mir dort ergehen? O Jeſu! mein Erlöser und mein Richter! Geh mit Deinem Knechte nicht in's Gericht, sondern sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig. Ich glaube an den heiligen Geist. Heiliger Geist, gleicher Gott mit dem Vater und dem Sohne, ausgehend von Beiden! Du unser Tröster, unser Heiligmacher! Du erleuchtest die Finsternisse unsers Verstandes mit dem Lichte der Wahrheit; Du erweckest und stärkest unsern schwachen Willen zum Guten; Du erfüllest unsere Herzen mit dem Feuer der göttlichen Liebe, damit wir die bösen Neigungen und Lüste in uns ertödten, himmlische Gesinnungen und Vorsätze fassen, und nach dem Einen Nothwendigen streben. O möchte ich doch stets Deinen göttlichen Einsprechungen und Rührungen mein Herz öffnen, und mit Deiner heiligen Gnade eifrig mitwirken! Univ.- Bibl. Giessen 27 Eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. Ich glaube, daß nur Eine wahre, heilige, seligmachende Kirche, sei die Jesus gestiftet, und auf dem Grunde der Apostel erbauet hat, deren sichtbares Oberhaupt der heilige Petrus und alle seine rechtmäßigen Nachfolger auf dem römischen Stuhle sind. Diese Kirche Jesu ist einig in ihren Lehren, in den Sacramenten, in dem Oberhaupte. Sie ist heilig in allen ihren Lehren und Anstalten; sie hat Sacramente, die uns heiligen; sie hat Jesum zu ihrem Stifter, der die Quelle aller Heiligkeit ist; sie zählet unter ihren Gliedern bereits viele Heilige, und will und wünschet, daß wir alle heilig werden sollen. Sie ist gegründet für alle Zeiten, für alle Länder, für alle Völker, und sie lehret nur das, was überall, allezeit und von Allen als Gottes Wort geglaubet und verehret wurde. Sie ist auf dem Grunde der Apostel erbauet, ihre Bischöfe sind in unterbrochener Reihe Nachfolger der Apostel, und sie lehren und predigen nur, was die Apostel geglaubet und gelehret haben. Alle Glieder der 28 1 Kirche Jesu, sie mögen noch auf Erden leben oder im Orte der Reinigung sich befinden, oder bereits im Himmel derSeligkeit genießen, umschlingt ein gemeinschaftliches Band der Liebe, wir Alle stehen mit einander in heiliger Gemeinschaft der Liebe, der Fürbitte, der guten Werke. Omöchten doch alle Jene, welche noch draußen sind, durch Gottes erbarmende Gnade bald in den Schooß dieser heiligen Kirche aufgenommen werden! Möchten aber auch wir stets so leben, wie es die Lehren und Vorschriften der heiligen Kirche von uns fordern. Ablaß der Sünden. Sind wir so unglücklich, ungeachtet der göttlichen Gnade in eine Sünde zu fallen, so hat der liebevolle Erlöser eine Versöhnungsund Heilsanstalt für alle wahrhaftig reumüthigen und bußfertigen Sünder geſtiftet, wo sie die Trostworte aus dem Munde seiner Stellvertreter, der Priester, hören können: Sei getrost! deine Sünden sind dir vergeben; aber fündige nicht mehr. Durch Jesu unendliche Verdienste erhält jeder reumüthige Büßer in dem Sacramente der Buße Nach - 29 lassung der Sünden und der verdienten ewigen Strafe; er erhält wieder die heiligmachende Gnade und die Rechtfertigung und den Frieden seines Gewissens. Diese Hoffnung der Sündenvergebung soll uns also ermuntern, das heilige Sacrament der Buße mit würdiger Vorbereitung oft zu empfangen, und auf dem Wege der Besserung stets fortzuschreiten. Auferstehung des Fleisches. Jesus, unser Herr, ist die Auferstehung und das Leben. Und es wird eine Stunde kommen, wo Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören, und hervorgehen werden. Die Gutes gethan haben, werden auferstehen zum ewigen Leben, die aber Böses gethan haben, zur ewigen Strafe. Sterblich wird der Leib( in das Grab) gesäet, und unsterblich wird er auferstehen; als ein geistiger Leib wird er auferstehen; schwach und unansehnlich wird er gesäet, und voll Kraft und Herrlichkeit wird er auferstehen. Otrachten wir unsern Leib stets in Keuschheit und Ehrbarkeit zu bewahren, und alle seine - 30 - Kräfte und Glieder nur zum Guten anzuwenden, um einst zu einem ewigen herrlichen Leben aufzustehen. Ein ewiges Leben. Dort warten auf die Frommen und Gerechten Freuden und Seligkeiten, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret, keines Menschen Herz noch empfunden hat, und die nie ein Ende nehmen werden. Die Krone der ewigen Seligkeit wird aber nur Denen zu Theil werden, welche standhaft kämpfen gegen alle Reize und Anlockungen zur Sünde, sich selbst verläugnen, für die Tugend Alles thun, Alles leiden, Alles aufopfern, der Welt und allen ihren Lüsten entsagen, und unablässig nach Tugend und Frömmigkeit streben. Amen. Das Alles glaube ich fest und unerschütterlich, und bin bereit, zur Bekräftigung dessen mein Blut und Leben hinzugeben. Weil aber der Glaube ohne gute Werke todt ist, so gib mir, o Gott! die Gnade, daß ich mein Leben ganz nach den Vorschriften des Glaubens einrichte. to - 31— Meßgebete. Vorbereitungsgebet. Göttlicher Erlöser! das Andenken an Dein bitteres Leiden und Sterben, wodurch Du mich und alle Menschen von dem Glende der Sünde erlöset, und Gnade und Versöhnung und ewiges Leben uns erworben hast, soll uns stets unvergeßlich sein. Daher haft Du am Abende vor Deinem Leiden das allerheiligste Sacrament Deines Leibes und Blutes eingesetzt, und Deinen Aposteln und allen ihren Nachfolgern befohlen, dasselbe zum feierlichen Andenken an Dein bitteres Leiden und Sterben in der heiligen Messe zu wiederholen. Ich bitte Dich, mache mich der Verdienste und Gnaden, die Du uns durch Deinen Tod am Kreuze erworben, und in diesem geheimnisvollen Opfer hinterlegt hast, theilhaftig, und verleihe mir die Gnade, daß ich mit lebendigem Glauben, mit fester Zuverficht, mit kindlicher Liebe, mit innigster Andacht demselben jetzt beiwohne. 32 - Omein göttlicher Heiland! Erfülle mein Herz mit den Empfindungen der Reue und Demuth, erwecke in mir einen lebendigen Bußeifer, erhebe mein Gemüth zu heiligen Gesinnungen und frommen Vorfäßen, und laß mich durch die Feier dieses unblutigen Opfers in allem Guten immer mehr gestärkt und befestiget werden. Lösche mit Deinem. kostbarsten Blute die Menge meiner Sünden aus, deren ich mich jemals schuldig gemacht habe, und sei mir und allen Menschen gnädig und barmherzig. Auch für diejenigen bitte ich, Vater der Erbarmung! welche zwar in Deiner Gnade von dieser Welt geschieden sind, aber Deiner Gerechtigkeit für die im Leben begangenen Sünden nicht genug gethan, und daher noch manche zeitliche Strafen dort abzubüßen haben. Es sind die Seelen meiner Aeltern, Geschwister, Freunde und Wohlthäter, denen ich durch mein Gebet vorzüglich zu helfen verpflichtet bin. Und welche kräftigere Hilfe könnte ich ihnen leisten, o mein Gott! als wenn ich für sie jenes heilige Opfer Dir darbringe, welches Dein eingeborner Sohn zu unserer 33 - Versöhnung und Begnadigung blutig am Kreuze vollbrachte, und welches hier auf dem Altare unblutig wiederholt und gefeiert wird? Ich opfere es Dir auf, o Vater der Lebenden und der Verstorbenen! für Deine Kinder, die Du liebst, die nach der Glückseligkeit Deiner Anschauung sehnlichst verlangen, und noch durch manche Schmerzen und Leiden geläutert und geheiliget werden. O Du Gott der Barmherzigkeit! öffne ihnen die unendlichen Schäße der Verdienste Deines Sohnes, und laß sie in diesem heiligen Meßopfer die gänzliche Genugthuung für ihre Sündenschuld finden. Amen. Zum Anfange der heiligen Messe. Vor Dir, o Gott! dem Könige aller Könige, dem allein Preis und Ehre und Anbetung gebührt von Ewigkeit zu Ewigkeit, erscheine ich heute in tiefster Demuth in Deinem heiligen Tempel, um dem hochheiligen Opfer beizuwohnen, in welchem Dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland, sich Dir aufopfert zur Vergebung unserer Sünden, als unser ewiger hoher Priester, als unser 3 34 Fürsprecher und Mittler, der uns hier die unendlichen Verdienste seines Leidens und Todes gnädigst zuwendet, wenn wir diesem einzigen, wahren, Dir wohlgefälligsten Opfer mit reumüthigem und bußfertigem Herzen, mit frommen Gesinnungen und heiligen Vorfäßen, in tiefster Demuth und Ehrfurcht beiwohnen. Doch ein heiliger Schauer erfüllt mein Innerstes. Das Bewußtsein meiner vielfältig begangenen Sünden drückt mich darnieder, und ich darf es nicht wagen, mich Deinem Throne, o mein Gott! der Du ganz Heiligkeit bist, zunähern. Dein Priester steht demüthig an den Stufen des Altars, um für ſeine und des Volkes Sünden Erbarmung und Gnade von Dir zu erflehen. Mit ihm vereinige ich mich im Geiste der Buße, und spreche mit zerknirschtem Herzen: Ich bekenne vor Gott, dem Allmächtigen, vor Maria, der seligsten Jungfrau, und vor allen Heiligen, daß ich oft und schwer durch Gedanken, Worte und Werke, und durch Unterlassung des Guten gesündiget habe. O groß ist meine Schuld, sehr groß! 35 Daher bitte ich flehentlichst die seligste, allezeit reine Jungfrau Maria, den seligen Engel Michael, den seligen Johann den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und alle Anwesenden, daß sie für mich um Gnade und Erbarmung zu Dir, o Gott! meinem Herrn, flehen, und die Nachlaffung aller meiner Sünden durch ihre Fürbitte mir erwirken mögen. Gott und Vater aller Menschen! der Duden reumüthigen Sünder nie von Deinem Angesichte verwirfst; verzeihe mir alle Sünden meines Lebens. Wende Dich neuerdings zu uns, belebe uns mit Deiner Gnade, und Dein Volk wird sich in Dir erfreuen. Erzeige uns, o Herr! Deine Barmherzigkeit, und gib uns Dein Heil, und im Vertrauen auf Deine unbegränzte Huld und Langmuth rufen wir vereint mit dem Priester: Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! 3* 36 Bei dem Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden allen Menschen, die eines guten Willens sind. Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir danken Dir wegen Deiner großen Herrlichkeit. Herr, Gott, himmlischer Vater! Herr Jesu Christe! Du eingeborner Sohn! Herr, Gott, Lamm Gottes! Sohn des Vaters! der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre unser Gebet! der Duzur Rechten des Vaters sitzest, erbarme Dich unser! denn Du allein bist heilig; Du allein bist Herr; Du allein bist der Allerhöchste, Jesu Christe, mit dem heiligen Geiste, in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters. Amen. Bei den Collecten. Allmächtiger, ewiger Gott! siehe mit Wohlgefallen herab auf das Gebet Deiner heiligen Kirche, und erhöre gnädig das Flehen Deines Volkes; und obgleich wir Alle Sünder sind, so wende doch Dein Angesicht - 37 - in der Zeit der Trübsal nicht von uns, sondern strecke Deinen mächtigen Arm aus, um uns zu beschüßen und ewig selig zu machen. Du weißt, wessen wir bedürfen, und gibst Deinen Kindern mit weiser Vaterliebe Alles gerne, was ihnen zu ihrem zeitlichen und ewigen Heile wahrhaft nüßlich ist. So wende Dein väterliches Angesicht nicht von uns, und erhöre unser kindliches Flehen, auf daß wir von allem Uebel befreiet, Dir wohlgefällig leben, selig sterben und einst zu Deiner Herrlichkeit gelangen mögen, durch Jeſum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir und dem heiligen Geiste wahrer Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Bei der Epistel. Mannigfaltig und auf vielerlei Weise hat Gott ehedem durch die Propheten zu unsern Vätern gesprochen; in diesen letzten Tagen aber hat Er durch seinen Sohn mit uns geredet, welcher der Abglanz seiner Herrlichfeit und das Ebenbild seines Wesens ist, durch den Alles erschaffen ist, der alle Dinge durch sein Machtwort erhält, und nachdem Er 38 durch seinen Kreuzestod. uns von den Sünden gereiniget hat, zur Rechten der göttlichen Majestät im Himmel fizet!- O Gott! welch' großen Dank sind wir Dirschuldig für alle jene wichtigen, tröstlichen und erfreulichen Wahrheiten, welche Deine Gesandten, die Propheten und Apostel, durch Deine göttliche Eingebung belehrt und er leuchtet, zu unserem Unterrichte und Troste niedergeschrieben haben. Alle Offenbarungen weisen auf Einen hin, der da ist der Anfang und der Vollender unseres Glaubens, der da ist unser Erlöser und Mittler, durch den allein wir zu Dir gelangen können. Gib uns, o himmlischer Vater! die Gnade, daß wir Jesum Christum stets suchen, an seiner Lehre fest halten, und in der Vereinigung mit Ihm Versöhnung, Gnade und ewiges Leben erlangen; durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Bei dem Evangelium. Göttlicher Heiland! Du selbst hast Dich gewürdiger, vom Himmel herabzusteigen, unser Lehrmeister zu werden, und uns den Weg 39 zum Himmel zu zeigen. Mit Freude und dankbarer Empfindung bezeichne ich gleich dem Priester Stirne, Mund und Herz mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, und schäme mich Deines heiligen Evangeliums nicht. Mit Demuth und kindlichem Glauben unterwerfe ich mich Deiner göttlichen Belehrung, mit willigem Gehorsam beuge ich mich unter das fanfte Joch Deiner Gebote. Mit inniger Liebe will ich stets Dein göttliches Wort in meinem Herzen keimen und Früchte bringen lassen; mit unerschrockenem und freudigem Muthe will ich Dein Evangelium stets vor aller Welt bekennen. Gib mir nur die Gnade dazu, o mein Herr und Gott! daß ich stets Deinem heiligen Evangelium gemäß lebe. Was würde es mir einst vor Deinem Richterstuhle nüßen, wenn ich zwar den Glauben, aber die Liebe und die Werke des Glaubens nicht hätte? Selig sind nur Die, welche das Wort Gottes hören, und dasselbe getreu in ihrem Herzen bewahren. Amen. - - - 40 - Bei dem Credo. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge; und an den Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, der von Ewigkeit her aus dem Vater geboren, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, geboren, nicht erschaffen, mit dem Vater von gleicher Wesenheit, durch den Alles erschaffen ist; der wegen uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen, und durch den heiligen Geist aus Maria der Jungfrau fleisch angenommen hat, und Mensch geworden ist; der für uns unter Pontius Pilatus gelitten, am Kreuze gestorben und begraben worden ist, und am dritten Tage nach der Schrift wieder von den Todten auferstanden, und in den Himmel aufgefahren ist, wo Er zur Rechten des Vaters sitet und von dannen Er mit Herrlichkeit wieder kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, dessen Reich kein Ende nehmen wird. Ich glaube an ― 41 den heiligen Geist, der Herr ist, und lebendig macht, der vom Vater und vom Sohne ausgehet, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird, der durch die Propheten geredet hat.- Und eine heilige, allgemeine, apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten, und das Leben in der zukünftigen Welt. Amen. Zum Offertorium. Unendlich großer und gütiger Gott! Nimm huldvoll die reinen Opfergaben an, welche der Priester in seinem und aller Gegenwärtigen Namen Dir in tiefster Demuth darbringt, damit sie durch das göttliche Allmachtswort verwandelt werden in den heiligsten Leib und in das kostbarste Blut Jesu Christiunsers Herrn. Ich opsere Dir, o Gott! diese Gaben mit dem Priester, um Deine höchste Oberherrschaft über Alles im Himmel und auf Erden in tiefster Demuth anzuerkennen, und Dir für alle empfangenen Gnaden und Wohlthaten zu danken, und zur Genug - 42 1 thuung für meine Sünden dir das einzig giltige und wohlgefällige Opfer der Versöhnung darzubringen, um von Dir dadurch alle nöthigen Gnaden und Wohlthaten, deren wir bedürfen, zu erflehen. Insbesondere opfere ich Dir dieses hochheilige Opfer, um von Deiner unendlichen Vatergüte für mich, für meine Aeltern und Verwandte, für meine Wohlthäter, für alle Menschen die nöthigen Gnaden des Heiles zu erbitten, die uns nur durch Jesum Christum zu Theil werden können, der durch seinen Versöhnungstod am Kreuze uns aus dem Verderben der Sünde erlöset, und Gottes Huld und Gnade und ewiges Leben uns wieder erwirket hat. Amen. Zu der Händewaschung. Im Geiste wasche auch ich gleich dem Priester meine Hände; denn nur reine Hände sollen wir zu Dir, o Höchstheiliger, emporheben; nur ein reines Herz darf sich Deines Wohlgefallens und Deiner Gnade erfreuen. O wie gerne wünschte auch ich zu den Unschuldigen noch zu gehören, die Deiner Liebe und Deines Wohlgefallens würdig sind. Doch 43 erbarme Dich meiner, o Gott! nach Deiner unendlichen Barmherzigkeit; denn auch ein reumüthiges und zerknirschtes Herz wirst Du nicht verwerfen. Richte meine Seele nicht mit den Gottlosen, und verstoß mich nicht mit den Blutdürftigen. Rette mich vielmehr, und sei mir gnädig; laß mich Dich, o Herr! bis an das Ende meines Lebens in den Versammlungen preisen, wo Dein heiligster Name mit Ehrfurcht angerufen wird. Amen. Zur Präfation. Ja, anbetungswürdigster Gott! Dir gebühret Lob und Preis und Dank zu jeder Zeit und an allen Orten. Es ist nichts gerechter, billiger und heilsamer, als daß wir Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch welchen die Engel und Erzengel, die Cherubim und Seraphim, und alle himmlischen Geister Dich loben, in tiefster Ehrfurcht anbeten, und mit vereinigtem Frohlocken preisen. Wir bitten Dich, laß auch unsere Stimmen des Lobes und des Dankes zu Dir gelangen, da wir zugleich mit ihnen in tiefster Ehrfurcht ausrufen: 44 - Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll. Hosanna Dem, der in der Höhe ist! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn. Vor der Wandlung. Der Augenblick nahet heran, wo der König der Engel und Menschen erscheinen, wo unser ewiger hohe Priester auf dem Altare sich Dir, seinem himmlischen Vater, als das einzige überfließende Versöhnungsopfer für uns Sünder, darstellen, und die unendlichen Schäße seines Leidens und Sterbens uns zuwenden wird. Durch diesen unsern Herrn Jeſum Christum flehen wir zu Dir, o gütigster Vater! blick' herab auf uns Deine Diener und erhöre unser demüthiges Flehen. Erfreue Deine heilige Kirche und alle Gläubigen auf Erden mit Deinem gnadenvollen Angesichte. Gib dem Oberhirten der ganzen Christenheit Weisheit und Eifer, daß er Deine heilige Kirche nach Deinem göttlichen Wohlgefallen leite und regiere; gib den Bischöfen Liebe und 45 Wachsamkeit, damit sie die ihnen anvertrauten Heerden väterlich weiden, sie belehren, ermahnen und auf dem Wege des ewigen Heiles führen. Gib den Königen und Fürsten und allen Obrigkeiten Frieden und Eintracht, und erfülle sie mit Deinem Geiste, damit wir Dir unter ihrem Schuße mit frohem Herzen dienen mögen. - Erbarme Dich auch, o Gott der Erbarmung und alles Trostes! aller Betrübten, aller Mühseligen, aller Kranken und Aller, die noch in den Fesseln der Sünde liegen. Tröste ihr Herz, lindere ihre Schmerzen, erquicke sie mit Deinem Worte, erleuchte ihren Verstand durch einen Strahl Deines Lichtes, erwärme ihr Herz mit dem Feuer Deiner heiligen Liebe, damit sie Alle sich zu Dir bekehren, nur Dich suchen und verlangen, und in der Vereinigung mit Dir ihr Heil und ewiges Leben finden, durch Jesum Christum, unſern Herrn. Amen. Während der Wandlung. Ewiger, unbegreiflicher Gott! Wirke nun das für uns so segens- und gnadenreiche 46 - Wunder, und verwandle durch Deine Allmacht Brot und Wein in den Leib und das Blut unsers Herrn Jesu Christi, und laß uns dieses große Geheimniß mit innigster Andacht und Ehrfurcht feiern. O Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes! ich glaube fest und unerschütterlich, daß Du hier unter der Gestalt des Brotes wahrhaft gegenwärtig bist, als Gott und Mensch. Ich bete Dich an, ich lobe und preise Dich. Laß die unendlichen Verdienste Deines Leidens und Todes an mir armen Sünder nicht verloren sein. Jesus! sei mir gnädig. Jesus! sei mir barmherzig. Jeſus! verzeihe mir alle meine Sünden. O Du wahres und lebendiges Blut meines Herrn und Erlösers Jesu Christi, das einst für uns zum Heile am Kreuze geflossen ist! ich bete Dich an mit allen Engeln und Heiligen. Reinige mich von allen Sünden, nähre und stärke meine Seele, daß ich durch Dich geheiliget und gerechtfertiget, zum ewigen Leben gelange. Jesus! Dir lebe ich. Jesus! Dir sterbe ich. Jesus! Dein bin ich im Leben und im Tode. Amen. 47 - Nach der Wandlung. Ja, das will ich, göttlicher Heiland! Nur Dir will ich fortan leben, und der Sünde ganz absterben. Das soll die Frucht Deines Leidens und Todes, Deiner Auferstehung und Himmelfahrt an mir sein. Sollte ich Dich nicht wieder lieben, der Du mich so unaussprechlich geliebet hast, da ich Dich noch nicht lieben konnte? Sollte ich eine Mühe, eine Anstrengung, eine Selbstverläugnung scheuen, da Du so viel für meine Erlösung und Heiligung gethan hast? Sollte ich die Früchte Deines Leidens und Todes an mir vereiteln, denen Du Dich mit unendlicher Liebe mir zum Heile unterzogen hast? Du sprachst, o göttlicher Heiland:» Wenn ich von der Erde werde erhöhet sein, will ich Alles an Mich ziehen.« Ziehe mich an Dich! laß mich nicht mehr von Dir getrennt werden! Dir will ich folgen, o göttlicher Führer, auf allen Deinen Wegen; Deinem Beispiele will ich in Allem nachfolgen. Deine Ergebung in den Willen Deines himmlischen Vaters, Deine Liebe, Deine Bitte für Deine Feinde und Mörder, Deine stand - 48 hafte Geduld, Dein Gehorsam bis zum Tode am Kreuze seien tief in meinem Herzen eingedrückt, und nie will ich vergessen, was ich Dir, meinem Erlöser, schuldig bin. Amen. Memento für die Verstorbenen. Im empfehle Dir, o mein Gott! die abs geschiedenen Seelen im Fegefeuer. Gewähre ihnen in Rücksicht der Verdienste deines Soh nes Nachlassung ihrer noch übrigen zeitlichen Strafen; laß alle in Christo ruhenden Seelen an den Ort der Erquickung, des Lichtes und des ewigen Friedens gelangen. Besonders erbarme Dich nach Deiner großen Barmherzigkeit der Seelen meiner verstorbenen Aeltern, Geschwister, Freunde und Wohlthäter, denen ich eine besondere Liebe schuldig bin. Verleihe auch uns Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die unerschöpflichen Reichthümer Deiner Erbarmung vertrauen, daß wir einst an der Gesellschaft Deiner heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen Theil haben, und in Deiner Anschauung und Anbetung der ewigen Seligkeit genießen. Darum bitten wir durch Jesum 49 Christum unsern Herrn; durch Ihn, mit Ihm und in Ihm sei Dir Gott, allmächtiger Vater! in Einigkeit des heiligen Geistes, Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Zum Pater noster. Aufgefordert durch Dein heilsames Gebot, und belehrt durch Deinen göttlichen Unterricht, o liebevoller Heiland! wagen wir es, im Vertrauen auf Deine unendliche Barmherzigkeit zu beten: Vater unser, der Du bist in dem Himmel u. s. w. O welch' ein Trost, daß Du, o Gott und Herr! auch unser Vater bist, der sich Aller erbarmt, dessen Arm allmächtig, dessen Güte gränzenlos ist! O welch' eine Freude, daß der Himmel, wo Du wohnest, auch einstens unsere Wohnung sein soll! Dein heiligster Name werde von allen Menschen angebetet, gepriesen und verherrlichet. Das Reich Deiner Kirche laß' immer mehr verbreitet werden; aber auch in unseren Herzen laß den Glauben, die Hoffnung und die Liebe immer wachsen und zunehmen. Gib uns die Gnade, daß 4 50 wir Deinen heiligsten Willen in allen Deinen Geboten und Anordnungen ehrfurchtsvoll verehren. Versage uns, Deinen Kindern, nicht die geistliche und leibliche Nahrung. Wir bitten, daß Du uns verzeihest unsere Sünden, wie auch wir verzeihen unseren Feinden und Beleidigern. Stärke uns zur Zeit der Versuchung, daß wir den Gefahren und Anlockungen der Sünde nicht unterliegen, sondern verleihe uns den Sieg über alles Böse, und jene unverwelkliche Krone, welche Du allen Denen verheißen hast, die bis an das Ende standhaft im Guten verharren. Erlöse uns, o Herr! von allen Uebeln des Leibes und der Seele. Gib uns den Frieden, den die Welt nicht geben kann. Gib uns Gesundheit und Alles, was zur Erhaltung des Lebens nothwendig ist; gib uns Eintracht und Zufriedenheit, gib uns Kraft und Stärke zu allem Guten, damit wir unter Deinem Schuße vor allen Gefahren, besonders vor der Sünde und aller Unruhe der Seele gesichert leben mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 51. - Zur Communion des Priesters. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt; erbarme Dich unser! ODu Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt; erbarme Dich unfer! O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, gib uns den Frieden! Gib uns jenen Frieden, den Du Deinen Aposteln schenktest, als Du zu ihnen sprachst.» Den Frieden hinterlasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch; nicht wie die Welt ihn gibt, gebe Ich euch denselben.« Freilich verdiene ich diesen tröstlichen Zuruf nicht, weil ich oft und schwer in Gedanken, Worten und Werken, und durch Unterlassung schuldiger Werke vor Dir gesündiget, und bisher so wenige Beweise aufrichtiger und ernstlicher Besserung gegeben habe. Schon so oft, o Herr! bin ich an Deinem Tische erschienen, und mit diesem lebendigen Himmelsbrote gespeiset worden. Aber - 52welche Früchte der Buße und Besserung kann ich davon aufweisen? Ach, tief beschämt muß ich bekennen, daß ich nicht würdig bin, an Deinem heiligsten Tische mit Deinem Priester Theil zu nehmen. Doch, o Herr! verstoß mich nicht auf immer. Du sprachst oft nur ein Wort, und die Kranken wurden gesund. Sprich auch zu meiner Seele Dein allmächtiges, belebendes, heiligendes Wort. Bekehre mich zu Dir, o Herr und Heiland! und ich werde bekehret sein. Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich zu Dir bekehre und ewig lebe. So will ich nun eifrigst mich bemühen, mein Herz immer mehr von aller Makel der Sünde zu reinigen, und mit würdiger Vorbereitung zu Deinem heiligen Tische hinzutreten. Erseße Du den Mangel meiner Würdigkeit und vergib mir alle meine Sünden, die ich von ganzem Herzen bereue. Sehnlichst verlange ich Dich, meinen Herrn und Gott, in meinem Herzen zu befizen, Dich darin anzubeten, Dir alle meine Anliegen und Nöthen zu eröffnen, und aller jener Gnaden theilhaftig zu werden, welche Du Denen gewährst, - - 53- die Dich würdig und wirklich empfangen. Stärke mich durch den geistlichen Empfang dieses allerheiligsten Sacramentes in dem Glauben, befestige mein Vertrauen, belebe meine Hoffnung, entzünde in mir das Feuer Deiner Liebe, und gib mir die Gnade, daß mein Herz nach nichts, als nach Dir sich sehne, nur Dich liebe, nur Dir lebe, und durch Nichts von Dir getrennt werde. Nach der Communion des Priesters. Du hast Dich, o mein Gott und Heiland! für mein und aller Menschen Heil Gott, Deinem himmlischen Vater, aufgeopfert, und mich an den unendlichen Verdiensten Deines Versöhnungstodes Theil nehmen lassen. Gestärkt durch die Früchte des hochheiligen Opfers, dem ich jetzt beizuwohnen das Glück hatte, erneuere ich, o Gott! meinen Vorsatz, nur das zu verlangen, zu reden und zu thun, was Dir wohlgefällig ist. Ich will mich und Alles, was ich habe, Dir zum Opfer bringen. Ich will mit ruhiger Ergebung in Deinen heiligen Willen das Kreuz, welches Du mir auflegen wirst, geduldig ertragen, und Deinen - 54 — Fußstapfen nachfolgen. Ich will jede, auch die kleinste Sünde von nun an über Alles verabscheuen, und sorgfältigst fliehen; besonders will ich diese Sünde vermeiden, zu der ich am meisten Neigung und Versuchung habe. Ich will der Lehre des Evangeliums in Allem getreu bleiben, und lieber Alles leiden und Alles verlieren, als in irgend einem Stücke dagegen handeln. Laß mich standhaft in Deinen heiligen Wegen wandeln, meinen Nächsten aufrichtig wie mich selbst lieben, eifrig nach Tugenden und guten Werken streben, und Dir immer wohlgefälliger werden. - Zu dem Segen des Priesters. O allerheiligste Dreieinigkeit! nimm gnädig das Opfer an, welches wir Deiner göttlichen Majestät durch die Hände des Priesters dargebracht haben, und verleihe, daß es uns und Allen, die ich in meinem Gebete Deiner unendlichen Barmherzigkeit empfohlen habe, zur Verföhnung, zum Heile des Leibes und der Seele, und zum ewigen Leben gereiche, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. - - 55- Es segne uns der allmächtige und allbarmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Sein Segen bleibe bei uns jetzt und immerdar. Amen. Zum letzten Evangelium. Ewiges Wort des Vaters, durch welches alle Dinge erschaffen sind! Du vollkommenster Abglanz der Gottheit! Du bist das wahrhafte Licht, das alle Menschen, die in die Welt kommen, erleuchtet; Du bist das Leben, und gibst Allen, die an Dich glauben, ewiges Leben. Du bist aus unendlicher Liebe zu uns Sündern vom Himmel herabgestiegen, um uns den Weg dahin zu öffnen und zu zeigen. Du bist erschienen in Menschengestalt, haſt unter uns gewohnt, haft für uns unaussprechliche Drangsale gelitten, und bist für uns am Kreuze gestorben; Du hast uns dadurch Versöhnung und Gnade erworben, und uns zu Kindern Gottes und Erben des Himmels gemacht. Wer kann Deine Liebe begreifen? Wer kann Deine Erbarmungen ermessen? Behüte und bewahre mich, daß ich nicht jenen Blinden und Unglückseligen gleiche, - 56- welche lieber unter dem Joche der Sünde und des Satans seufzen, als an dem großen Vorrecht, Kinder Gottes zu sein, Antheil nehmen wollen. Verleihe nur dazu Deine Gnade, daß ich in dem Glauben an Dich und an Dein heiliges Wort niemals wanke, sondern darin immer mehr gestärket werde; daß mein Vertrauen auf Dich und Deine göttlichen Verheißungen immer wachse und zunehme; daß die Liebe immer mehr in mir entflammt werde, und daß Du mein Heiland und Mittler, meine einzige Hoffnung und Zuversicht seiest und bleibest. Amen. - - 57- Buß- und Beichtgebete. Vorbereitungsgebet. Höchst heiliger und höchst gerechter Gott! mit einem von Scham und Reue erfüllten Herzen erscheine ich heute vor Deinem Angesichte. Ungeachtet der heiligen Versprechungen, die ich in der letzten Beichte machte, Dich nicht mehr zu beleidigen, habe ich dennoch mich vieler Fehltritte der Uebereilung, des Leichtsinnes, der Trägheit, der Sorglosigkeit für die Reinigung und Heiligung meines Herzens, für die Bezähmung meiner unordentlichen Neigungen schuldig gemacht, und die heiligsten Pflichten meines Berufes vernachlässiget. O Gott der Langmuth und Versöhnung! Wie schäme und fürchte ich mich, in diesem Zustande der Sündhaftigkeit und Strafbarfeit meine Augen zu Dir zu erheben, und Deine Gnade und Erbarmung abermals ans zuflehen, da ich so muthwillig in die Gefah 58 - ren der Sünde mich begeben, so wenig die unordentlichen Neigungen und Begierden meines Herzens überwacht und beherrscht, und Deinen heiligen Einsprechungen und Warnungen so leichtsinnig entgegen gehandelt habe. O ich empfinde, ich empfinde es mit banger Furcht, wie bitter es sei, Dich, meinen Herrn und Gott, verlassen zu haben. » Allein, wo ist ein Gott, wie Du, der die Sünden vergibt, und Missethaten nachläßt? dernichtewig zürnet, sondern langmüthig und von großer Erbarmung ist? Wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmest Du Dich über die, welche Dich fürchten. Du heilest Diejenigen, die eines zerknirschten Geistes sind, und verbindest ihre Wunden. Und wenn eure Sünden, so sprichst Du, der Herr, wenn eure Sünden so roth wären wie Scharlach, so sollen sie doch weiß werden wie Schnee. Du willst ja den Tod des Sünders nicht, sondern daß er sich befehre, und lebe.« Und ich sollte solchen tröstlichen Aufmunterungen und Einladungen zur Buße nicht willig folgen? Ich sollte nicht mit kind - - 59 licher Zuversicht aufstehen von meinem wiederholten Falle, und mit Reue und inniger Zerknirschung in dem heiligen Bußgerichte Vergebung und Begnadigung suchen? Nein, ich will Muth fassen, die Fesseln meiner Sünden zerreißen, zu Dir, meinem Vater, zurückkehren, vor Deinem Stellvertreter, dem Priester, meine Sünden aufrichtig bekennen, und wahre Buße wirken. Und so darf ich hoffen, Verzeihung meiner Sünden von Dir zu ers langen; ich darf hoffen, daß Du Dein zum Vergeben geneigtes Vaterherz mir wieder öffnen, und meine Vergehungen von mir hinwegnehmen werdest. Ich bin dazu fest entschlossen; aber was vermag ich, o Gott! ohne Dich? Die vollständige Erkenntniß meiner Sünden, die vollkommene Reue über dieselben, der feste Vorsaß, Dich nicht mehr zu beleidigen, das aufrichtige und reumüthige Bekenntniß meiner Sünden vor Deinem Stellvertreter, die Ge nugthuung für meine begangenen Missethaten, diese nothwendigen Bedingungen, um Vergebung der Sünden von Dir zu erlangen, sind mir, der ich aus mir nichts Gutes zu thun — 60 - vermag, ohne DeineGnade nicht möglich. Gib mir, oGott der Barmherzigkeit! DeineGnade, obgleich ich dieselbe bisher so oft vernachlässiget habe. Erwecke in mir einen lebendigen Abscheu vor jeder Sünde; belebe und entflamme mein Herz zu einem wahren Bußeifer, und stärke meine Vorfäße, Dich künftig nicht mehr zu beleidigen, damit ich würdig sein möge, aus dem Munde Deines Stellvertreters die erfreulichen Worte zu hören:» Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben; aber sündige nicht mehr.« Gebet um Erkenntniß seiner Sünden. Gott, heiliger Geist! Du Quelle alles Lichtes und aller Erleuchtung! Wirf einen Blick Deiner Gnade auf mich reumüthigen Sünder, und sende einen Strahl Deines Lichtes in mein Herz, damit ich alle meine Sünden genau und vollständig erkennen möge, mit welchen ich die göttliche Majestät beleidiget habe. Stelle mir dieselben so klar und deutlich vor, wie ich sie in der Stunde meines Todes und am Tage des Gerichtes erkennen werde. Gib mir zu erkennen das 61 Böse, welches ich begangen, und das Gute, welches ich unterlassen habe; gib mir zu erkennen die Schwere und Zahl meiner Vergehungen, auf welche Weise ich meinen Nebenmenschen beleidiget, und wider die Pflichten meines Standes gehandelt habe. Laß, o Gott der Wahrheit! nicht geschehen, daß der Fürst der Finsterniß, die Liebe der Welt, oder meine Eigenliebe meinen Verstand verblende, oder mein Herz bethöre und verführe. Nimm gänzlich hinweg von meinen Augen alle Selbsttäuschung, und reiß den Schleier der Eigenliebe von mir hinweg, die mich gegen meine Vergehungen blind zu machen sucht. Und wenn ich alle meine Sünden so erkenne, wie sie vor Deinem allsehenden Auge aufgedeckt liegen; wenn ich ihre Abscheulichkeit und Strafwürdigkeit ganz einsehe; so erweiche mein Herz zu reuevollen Thränen der Buße, damit meine Seele von allen ihren Makeln abgewaschen, und mit jener Reinigkeit wieder angethan werde, ohne welche Du, o Gott der Reinigkeit und Heiligkeit! bei ihr nicht einkehren und wohnen kannst. Amen. - 62 Gewissenserforschung. Die Erforschung des Gewissens ist überaus wichtig und nothwendig, weil ohne Gewissenserforschung keine Erkenntniß seiner Sünden, ohne Erkenntniß derselben keine Reue und kein ernstlicher Vorsatz der Besserung, keine vollständige und reumüthige Beicht, und selbst keine Genugthuung möglich ist. Und dieß sind jedoch die unerläßlichen Erfordernisse zum heiligen Sacramente der Buße, ohne welche wir Vergebung unserer Sünden von Gott nicht erlangen können. Frage dich nun selbst, und laß dir dein Gewissen aufrichtige Antwort geben. Welche bösen Gedanken und Begierden haben bei dir die Oberhand? Wozu hast du die meiste Neigung und Lust? Welche Sünden begehest du am öftesten? Welche Gelegenheiten und Versuchungen verleiten dich gewöhnlich dazu? Hast du dich seit der letzten Beicht mehr in Acht genommen, und dich wenigstens in Etwas gebessert? Hast du die auferlegte Buße verrichtet, und die Mittel der Besserung gewissenhaft angewendet? Hast du wissentlich 63 und freiwillig, oder bloß aus Schwachheit und Uebereilung gesündiget? Hast du deine begangenen Sünden gleich wieder bereuet, und gut zu machen gesucht? Was würde dich am meisten ängstigen und schmerzen, wenn du jetzt sterben müßtest? Was tadeln die Leute beſonders an dir, die dich näher kennen? - Frage dich, und denke nach, ob du nicht durch Unzufriedenheit mit Gott und mit deinem Schicksale, durch Mißtrauen auf Gottes Güte undBarmherzigkeit, durch Kleinmuth, durch ein vermessentliches Vertrauen auf Gottes Erbarmung und Hilfe, durch unreine Gedanken und Begierden, durch Eitelkeit und Stolz, durch Neid, Haß und Schadenfreude gegen den Nächsten, durch Argwohn, durch lieblose und ungerechte Urtheile, durch eine feindselige und rachgierige Gesinnung gegen Andere dich versündiget habest. Frage dich, und denke nach, ob du nicht durch unbesonnene, leichtfertige und ärgerliche Reden, wodurch entweder die Ehre und der gute Name des Nächsten verleget, oder unreine Gedanken und Begierden, oder 64 lieblose Urtheile veranlaßt wurden; ob du nicht durch Lügen aller Art, durch Aufdeckung und Ausbreitung noch unbekannter Fehltritte oder anvertrauter Geheimnisse, durch Schwäßereien, Zutragen und Ohrenblasen, wodurch so manche Uneinigkeiten und Feindschaften veranlaßt werden, dich schuldig gemacht habest. - Frage dich, und denke nach, ob du nicht durch Unterlassung des Guten, das hätte geschehen können und sollen, besonders durch Vernachlässigung der sogenannten Standespflichten gesündiget habest, welche du gegen deine Aeltern, Geschwister, Freunde, Wohlthäter, Dienstleute und andere Menschen zu erfüllen schuldig bist; bedenke, ob du alles das, was dir in deinem Stande obliegt, gethan, und wie du das alles gethan habest. Insbesondere denke nach über die zehn Gebote Gottes, ob du alles das genau beobachtet habest, was uns durch dieselben geboten oder verboten wird. Bei dem ersten Gebote überdenke, ob du jederzeit an Gottes Worte und Offenbarung fest und unzweifelhaft glaubest, auf 65 Ihn fest hoffest und vertrauest, Ihn über Alles, von ganzem Herzen liebest, und dieſe Liebe durch genaue Befolgung seiner heiligen Gebote stets beweisest; ob du dankbar gegen seine unzähligen Wohlthaten bist, und recht oft dein Gemüth im Gebete zu Gott erhebest. CONCEA Bei dem zweiten Gebote denke nach, ob du nicht den Namen Gottes, oder Jesu, oder andere heilige Namen leichtsinnig und ohne alle Ehrfurcht aussprichst; ob du von Gottes Eigenschaften, von dem Worte Gottes, von den heiligen Sacramenten, von den Heiligen Gottes, oder von andern heiligen und ehrwürdigen Gegenständen mit Ehrfurcht redest; ob du nicht leichtsinnig oder gar falsch schwörest; ob du die Gott gemachten Gelübde genau beobachtest. Bei dem dritten Gebote überdenke, ob du an Sonn- und gebotenen Feiertagen die heilige Messe und die Predigt andächtig anhörest; ob du auch dem nachmittägigen Gottesdienste, so oft es sein kann, andächtig beiwohnest, und an diesen Tagen öfter die heiligen Sacramente der Buße und des Altares empfängst; ob du diese Gott geweihten 5 - 66 - - Tage nicht durch unmäßige oder gar unerlaubte Vergnügungen, durch Trägheit und Lauigkeit im Gottesdienste, oder durch andere Sünden entheiligst. Bei dem vierten Gebote beherzige, ob du deine Aeltern, Lehrer, Vorgesetzten und Obrigkeiten ehrest, liebst, ihnen willigen Gehorsam beweisest, für sie betest, und Alles vermeidest, was sie kränken und betrüben könnte. Bei dem fünften Gebote denke nach, ob du nicht dir selbst oder Andern auf irgend eine Art am Leibe oder an der Seele einen Schaden zugefüget, ob du nicht dich selbst oder Andere krank gemacht, oder sonst beschädiget habest; ob du gesucht habest, immer verständiger, besser und frömmer zu werden; ob du Andere nicht durch Worte oder böse Beispiele zu irgend einer Sünde verleitet habest; ob du nicht durch Zorn, Haß, Unmäßigkeit oder andere Leidenschaften und Ausschweifungen, durch Leichtsinn, Unvorsichtigkeit oder Unreinlichkeit deine Gesundheit zerrüttet; ob du nicht deinem Nächsten durch Verführung oder auf eine andere Art an seiner Gesundheit geschadet habest. 67 Bei dem sechsten Gebote erwäge, ob du nicht bei unreinen und unkeuschen Gedanken und Begierden dich freiwillig aufge halten, oder daran ein Wohlgefallen gehabt; ob du nichts geredet, gethan, oder von Andern an dir zugelassen habest, was gegen die Schamhaftigkeit und Keuschheit ist; ob du nicht Andere durch böse Reden und Beispiele zu solchen unreinen Gedanken und Begierden veranlaßt, oder zu solchen unkeuschen Handlungen verleitet habeft; ob du alles das in Gedanken, Worten und Werken sorgfältig vermeidest, was gegen die Schamhaftigkeit und Keuschheit ist, und dessen Du Dich vor Gott schämen und fürchten müßtest, wenn es auch kein Mensch sähe und bemerkte. -- Bei dem siebenten Gebote erforsche dich, ob du Andern nichts heimlich entwendet, ob du Andere nicht betrogen, ob du kein fremdes Gut zurückbehalten, ob du Andern nicht an ihrem Vermögen oder an ihren Gütern Schaden zugefüget, ob du durch Nachlässigkeit oder Untreue in deinen Geschäften Andere nicht in Schaden gebracht, oder vor Schaden nicht bewahret habest; ob 68 du den zugefügten Schaden gut gemacht, das fremde Eigenthum zurückgegeben, und das Gefundene zurückgestellt habest. Bei dem achten Gebote überdenke, ob du nicht im Scherz oder aus Noth gelogen, und dem Nächsten dadurch auf irgend eine Weise geschadet habest; ob du nicht von Andern Böses argwöhnest, freventlich urtheileft; ob du Andern nicht übel nachredest, sie verleumdest, ihnen die Ehre und guten Namen dadurch raubest; ob du nicht ein falsches Zeugniß gegen deinen Nächsten abgeleget, ob du nicht durch Heuchelei und Verstellung Andere getäuschet, und ob du jederzeit durch Frömmigkeit und gute Aufführung deine Ehre und deinen guten Namen zu erhalten gesucht habest. - - Bei dem neunten und zehnten Gebote frage dich, und denke nach, ob du nicht durch Neid, Mißgunst und Schadenfreude dich an dem Nächsten verfündiget habest; ob du Andern alles Gute, was sie besitzen und genießen, vom Herzen gönnest und wünscheft; ob du Freude habest an dem Wohlergehen Anderer, ob du aufrichtig Theil 69 nehmest an ihrem Leiden und Unglücke; ob du dich nicht heimlich betrübest, wenn es deinen Feinden und Beleidigern wohlergehet, und ob du dich nicht heimlich freuest, wenn sie Schaden und Unglück trifft; ob du überhaupt nicht ein sündhaftes Verlangen nach dem hast, was dem Nächsten gehört. - Erforsche ferner dein Gewissen, ob du nicht gegen eines der fünf Gebote der Kirche gesündiget, ob du nicht einer der sieben Hauptsünden, oder der neun fremden Sünden dich schuldig gemacht, oder ein Werk der christlichen Liebe an dem Nächsten zu üben unterlassen habest. Die fünf Gebote der Kirche sind: 1. Du sollst die gebotenen Feiertage eben so wie den Sonntag heiligen. 2. Du sollst an den gebotenen Feiertagen die heilige Messe ganz und mit Andacht hören. 3. Du sollst die gebotenen Fasttage halten, nämlich die vierzigtägige Fasten, die Quatembertage, die Tage vor einigen hohen Festen; auch sollst du am Freitage und Samstage vom Fleischessen dich enthalten, wenn nicht in einem 70 1 oder dem andern Punkt eine kirchliche Dispens ertheilt wird. 4. Du sollst dem verordneten Priester jährlich wenigstens einmal beichten, und um die österliche Zeit das hochheiligste Sacrament des Altars empfangen. 5. Du sollst an verbotenen Zeiten keine Hochzeit halten. Rene und Vorsatz der Besserung. Vater! ich habe gesündiget, schändlich und sträflich habe ich gehandelt. Ganz beschämt stehe ich hier vor Deinem Angesichte. Ich bin in die vorigen Sünden so oft, so leichtsinnig, und nach so vielmal versprochener Besserung meines Lebens wieder verfallen. Ich erkenne das Unrecht, das ich begangen, das Uebel, das ich gethan habe. Ich bin nicht werth, Dein Kind zu heißen. Aber Du bleibst doch Vater und nimmst Dein verlornes Kind mit erbarmender Liebe auf, wenn es mit reumüthigem und zerknirschtem Herzen zu Dir zurückkehrt. Laß Dich besänftigen, barmherzigster Vater! durch die Reue meines wahrhaft reumüthigen Herzens, und gehe mit mir nicht in's Gericht nach der Strenge Deiner — 71 - Gerechtigkeit, sondern verzeihe mir nach der Größe Deiner Barmherzigkeit. Nicht so sehr aus Furcht der Strafe, als vielmehr aus Liebe zu Dir hasse und bereue ich meine Sünden, weil ich dadurch Dich betrübet habe, der Du unendlich heilig, aller Liebe würdig, und mein höchstes Gut bist. Verzeihe mir alle Sünden, die ich sowohl selbst begangen, als die ich bei Andern veranlaßt, wozu ich Andere verleitet habe. Verzeihe mir jene Sünden, die ich nicht ganz erkenne; verzeihe mir das Gute, welches ich hätte ausüben können, und unterlassen, oder welches ich mangelhaft und nachlässig geübet habe. Diese und alle meine übrigen, mir verborgenen Sünden beweine und verabscheue ich aus ganzer Seele; ich bereue sie aus reinster Liebe gegen Dich. Ich wünschte, daß ich dieselben mit meinem Blute auslöschen könnte. Ich entsage daher der Sünde auf immer; ich nehme mir fest vor, Dich, meinen höchsten Herrn und Vater! nicht mehr wissentlich und vorsätzlich zu beleidigen; ich will jederGelegenheit und Gefahr der Sünde sorgfältig ausweichen, und alle Mittel der Besserung eifrig 72 gebrauchen. Dieses sei mein tägliches Be. streben, mein kindliches Gebet. Gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes; darum bitte ich durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi. Amen. Gebet vor der Beichte. Nun, oHerr! will ich mich dem Throne Deiner Barmherzigkeit nähern, und zu den Füßen des Priesters, Deines Stellvertreters, mich über meine Sünden anklagen. Ich will meinen Mund öffnen zu meiner Beschämung und die geheimsten Falten meines Herzens ihm offenbaren. Ich will meine Sünden bekennen, und von ihm in Demuth Trost und Gnade erwarten. Was mir der Priester als Richter und Seelenarzt entweder zur Genugthuung für meine Sünden oder zu meiner künftigen Besserung und Heiligung auferlegen wird, dem werde ich mich mit gänzlicher Selbstverläugnung fügen. Die Lossprechung, die mir der Priester in Deinem Namen und mit Deiner Vollmacht ertheilet, genehmige Du, o höchstgütiger Vater im Himmel! und gib mir die Gnade 73 daß ich ausgeföhnt mit deiner Gerechtigkeit, künftig standhaft auf dem Wege Deiner Gebote mit lebendigem Bußeiser wandle, und einst zu jenen Büßern gehören möge, welche Deine Barmherzigkeit im Himmel ewig loben und preisen werden. Amen. - Gebet im Beichtstuhle. Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Ich bitte Eure Hochwürden um den heiligen Segen, damit ich meine Sünden ganz und vollständig beichten möge. Ich armer, sündhafter Mensch beichte und bekenne Gott dem Allmächtigen, Maria, seiner hochgebenedeiten Mutter, allen lieben Heiligen, und Ihnen Priester, an Gottes Statt, daß ich seit meiner letzten Beicht, welche ich vor verrichtet, Gott, das höchste Gut, welches ich über Alles hätte lieben sollen, durch folgende Sünden wieder vielmal beleidiget habe. - - 74 - Nach dem Sündenbekenntnisse. Diese und alle mir bekannten und unbekannten Sünden, die ich entweder selbst begangen habe, oder von denen ich Ursache war, daß ste von Andern sind begangen worden, sind mir vom Herzen leid, weil ich dadurch Gott, meinen höchsten Herrn und besten Vater, beleidiget habe. Ich gelobe und verspreche, mein Leben ernstlich zu bessern, und lieber zu sterben, als Gott mit einer Sünde wieder wissentlich und vorsätzlich zu beleidigen. Ich bitte daher um die Lossprechung und um eine heilsame Buße. Nach der Beichte. O mein gütigster Vater! Du hast mir nun meine Sünden durch Deinen Stellvertreter vergeben, und mich, wie den verlornen Sohn, wieder in Gnaden aufgenommen. Ich dars mich nun wieder als Dein Kind betrachten, und Dich wieder mit kindlichem Vertrauen meinen lieben Vater nennen. O wie innig gerührt und von innigstem Danke erfüllet ist mein Herz! Durch mein ganzes - 75- - Leben werde ich nicht aufhören, Dir zu danken und Deinen heiligen Namen zu preisen, weil Du meiner Seele Deinen Frieden wieder geschenket hast. Nimmermehr will ich in meinen vorigen traurigen Sündenzustand zurückkehren, nachdem ich die Trostworte meines Heilandes durch den Mund des Priesters vernommen habe: Sei getrost, mein Sohn!( meine Tochter!) deine Sünden sind dir vergeben. Gehe hin in Frieden, aber sündige nicht mehr. Nein, ich will mit dem Beistande Deiner göttlichen Gnade nun nicht mehr fündigen. Ich erneuere meine vor der heiligen Beicht gemachten guten Vorsäße der Besserung, und will sie täglich erneuern, damit ſie tief in meinem Herzen eingeprägt werden, und ich sie nimmer vergesse. Mit dem gerührtesten Herzen erkenne ich den unaussprechlichen Werth der priesterlichen Lossprechung und Deiner Begnadigung, o Gott! und will nie aufhören, dieser überaus großen Gnade mich würdig zu beweisen. Noch vor einigen Augenblicken war ich ein Gegenstand Deines Mißfallens, und schwer lagen auf mir Deine 76- gerechten Strafgerichte. Und nun, o der unendlichen Erbarmung und Liebe! nun hast Du mich wieder begnadiget, zu Deinem Kinde aufgenommen, und mir wieder Deine Gnade und Huld zugewendet. Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Missethaten vergibt, und heilet alle deine Mühseligkeiten; der dein Leben vom Verderben errettet und Dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Danke dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewig! Dankgebet zu Jeju. O gütigster Jesu! mein Versöhner, mein Mittler, mein Heiland, mein Alles! Du hast dein kostbarstes Blut als Lösegeld für meine Sünden hingegeben. Meine Wiederbegnadigung in dem heiligen Buß- Sacramente ist eine Wirkung Deines kostbarsten Blutes, welches Du für meine und aller Welt Sünden am Stamme des Kreuzes ver 77 gossen hast. Du bist das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt. Du hast Deinen Aposteln und allen ihren Nachfolgern die göttliche Vollmacht gegeben, indem Du am Tage deiner Auferstehung ste anhauchtest und zu ihnen sprachst:» Nehmet hin den heiligen Geist, welchen ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben; welchen ihr aber die Sünden vorbehaltet, denen sollen sie auch vorbehalten sein.« Wie kann ich Dir, göttlicher Heiland! für Deine so große Liebe und Erbarmung genug danken? Nimm hin zum Dankopfer mein zerknirschtes und nunmehr, wie ich hoffe, entsündigtes Herz; es soll von nun an nur Dir geheiliget sein. Mit Deiner Gnade will ich mich eifrigst bestreben, künftig auf dem Wege Deiner heiligen Gebote unabläffig zu wandeln, Deinem Beispiele in Allem nachfolgen, die Leiden und Drangsale dieses Lebens nach Deinem Vorbilde in Demuth und stiller Ergebung, und im Geiste der Buße zur Genugthuung für meine Sünden tragen. Dein bitteres Leiden und Sterben will ich stets vor Augen haben, und mit reuigem -- - 78 Herzen betrachten, damit ich eine innige Betrübniß über meine Sünden in mir unterhalte, und daraus Trost, Kraft und Stärkung schöpfe, der Sünde und allen Lüften der Welt abzusterben, nur Dir, meinem Gott und Heilande, zu leben. Amen. — Gebet zur seligsten Jungfrau Maria. Oglorwürdigste und gebenedeite Mutter Gottes Maria! Du Zuflucht der Sünder! Du Trösterin der Betrübten! Zu Dir wende ich mich voll des Vertraueus auf Deine allvermögende Fürbitte, obgleich ich derselben ganz unwürdig bin. Die unaussprechliche Langmuth, mit welcher Gott mich bisher ertragen hat, die Menge und Schwere meiner Vergehungen, die Tage des Heiles, die mir Gottes Vaterhuld zu meiner Rückkehr zu Ihm gewähret, die innerlichen Rührungen und Einsprechungen des heiligen Geistes sind eben so viele Stimmen, die mich auffordern, durch eine aufrichtige Buße mein Leben zu bessern, und auf dem Wege der Heiligkeit und Gerechtigkeit unablässig vor Gott zu wandeln. 79 Doch wie könnte ich das ohne Gottes Gnade und Beistand? Du Mutter der Barmherzigkeit! solltest Du mir Deinen Schuß und Deine allvermögende Fürbitte zu einer Zeit versagen, wo ich derselben so sehr bedarf? Erbitte mir demnach von Gott die Gnade, daß ich jede Sünde über Alles hasse und verabscheue, über alle meine Vergehungen eine lebhafte Reue empfinde, einen festen Vorsatz der Besserung fasse, und denselben genau vollziehe, daß ich allen Gelegenheiten der Sünde sorgfältig ausweiche, und allen Versuchungen zur Sünde standhaft widerstehe. Erbitte mir von Gott ein heißes und auf richtiges Verlangen, meine begangenen Sünden durch eine wahre Buße gut zu machen, in Gottseligkeit und Frömmigkeit täglich zuzunehmen, und den Weg des Heiles ungeachtet aller Hindernisse und Beschwerden standhaft zu wandeln, damit ich bis zu meinem Ende nur Deinem göttlichen Sohne, unserm Herrn und Heilande, lebe, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 1 — - 80 — Erweckung der drei göttlichen Tugenden. Glanbe. Ich glaube an Dich, wahrer, dreieiniger Gott! Vater, Sohn und heiliger Geist! Der Du Alles erschaffen hast, der Du Alles erhältst und regierest, der Du das Gute belohnest und das Böse bestrafest. Ich glaube, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch seine Gnade uns heiliget. Ich glaube und bekenne Alles, was Du, o Gott! geoffenbaret hast, was Jesus Christus gelehret, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige römisch- katholische Kirche uns zu glauben vorstellet. Dieses alles glaube ich, weil Du, o Gott! die ewige und St. Franziska Romana. Verlag von Carl Mayer in Nürnberg Erweckung in berei göttlichen Engenden. Ich glaube an Eh, wohies, beetriniger Gott! Bater, Sobu und beiliger Geir Der Du alles eifdagen hait, der Du Bürs erhältſt und regieseſt, der Du bas Gute belobnest und bas Böse bestrafest. Ich glaube, baß ber Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns burch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist burch seine Gnade uns heiliget. Ich glaube und bekenne Alles, was Du, o Gottl geoffenbatel buf, was Jesus serius gelehret, was die Apoſtal geprebiget Entholische ben oorchef. Bicfes alles Du. o Gott! bie ewige und TE Rothbart gez. 198. Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst Anstalt in Nürnberg St. Franziska Romana. Verlag von Carl Mayer in Nürnberg 81 unendliche Wahrheit und Weisheit ist, welche weder betrügen, noch betrogen werden kann. O Gott! vermehre meinen Glauben. Hoffnung. Ich hoffe und vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott! daß Du mir durch die unendlichen Verdienste Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi in diesem Leben die Erkenntniß, wahre Reue und Verzeihung meiner Sünden ertheilen, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben, und verleihen wirst, Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu lieben, und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von Dir die nöthigen Mittel, alles dieses zu erlangen. Ich hoffe es von Dir, weil Du es versprochen hast, der Du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. O Gott! stärke meine Hoffnung. 14 82 Liebe. Omein Gott, ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über Alles, weil Du das höchste Gut, weil Du unendlich vollkommen, und aller Liebe mürdig bist. Auch darum liebe ich Dich, weil Du gegen mich und alle Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich Dich eben so lieben möchte, wie Dich Deine treuesten Diener lieben und geliebet haben. Mit deren Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe; vermehre ste in mir, o gütigster Herr! immer mehr und mehr. Weil ich Dich nun aufrichtig und innigst zu lieben wünsche, und es zu thun mich ernstlich bestrebe; so ist es mir vom Herzen leid, daß ich Dich, mein höchstes Gut, welches ich über Alles liebe, Dich, meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, erzürnet habe. Es schmerzet mich, daß ich gesündiget, daß ich Dich, meinen allmächtigen Herrn, meinen besten Vater beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, alle Sünden sammt allen bösen Gelegenheiten zu meiden, die begangenen 83 Missethaten mehr und mehr zu bereuen, und niemals gegen Deinen heiligsten Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu Deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes. Darum bitte ich Dich durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Erlösers Jesu Christi. Amen. 6* - 84 Von dem Ablasse. An gewissen Tagen und bei manchen wichtigen Ereignissen und Begebenheiten ers öffnet die Kirche Jesu vermöge der ihr von ihrem göttlichen Stifter ertheilten Schlüsselgewalt und göttlichen Vollmacht zu binden und zu lösen den Gläubigen die Schäße der unendlichen Verdienste Jesuund der Heis ligen, und verheißt Jenen die Nachlassung der verdienten zeitlichen Sündenstrafen, welche durch eine aufrichtige Buße sich vom ganzen Herzen zu Gott bekehren, einen lebendigen Bußeiser in Ausübung der Werke der Genugthuung beweisen, das begangene Böse nach allen Kräften gut zu machen suchen, und mit regem Eifer die von der Kirche vorgeschries benen Bedingungen getreu erfüllen. Bedenke - 85- - daher, lieber Christ! daß der Ablaß der Kirche sich nach der Größe und Lebendigkeit deines Bußeifers richte. Je größer, inniger, fortdauernder dein Bußeiser ist, desto größer und vollkommener wird auch der Ablaß der zeitlichen Strafen sein, die du durch deine begangenen Sünden dir zugezogen hast, und die du entweder hier im Leben, oder nach dem Tode im Fegefeuer abzubüßen habest. Laß dir nur die Buße und Besserung deines Lebens recht angelegen sein; thue, soviel du kannst; was noch abgeht, und deine Kräfte nicht vermögen, wird dir durch Gottes Barmherzigkeit aus den unendlichen Verdiensten Jesu Christi mittelst des heiligen Ablasses verliehen werden. Ablaßgebete. O Gott! Du höchster Herr und Vater der Gläubigen! der Du durch Jesum Christum die Herrlichkeit Deines Namens allen Völkern kund gemacht hast, der Du durch Deinen heiligen Geist Deine Kirche leiteſt, regierest und heiligest; erhalte das Werk Deis 86 ner Erbarmung, damit Deine heilige Kirche wachse in allem Guten, und sich ausbreite über die ganze Erde, und in dem Bekenntnisse Deines heiligsten Namens standhaft verharre. Daß Du Deine heilige Kirche behüten und erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns. O Gott des Friedens und der Einigkeit! verleihe allen christlichen Königen und Fürsten vollkommene Eintracht, entferne alle Kriege und Zwistigkeiten, damit alle Gläubigen in Ruhe und Frieden Dir dienen, und in vollkommener Einigkeit des Glaubens verharren mögen. Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit verleihen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du willst, daß alle Menschen selig werden und zu Erkenntniß der Wahrheit kommen; der Du nicht willst, daß eine Seele verloren gehe; sieh' gnädig herab auf jene Seelen, welche noch in der Finsterniß des Heidenthums wan 87 deln, oder die durch Un- und Irrglauben von Deiner heiligen Kirche getrennt, den Weg des Heiles verfehlen. Verleihe den blinden Heiden die Gnade, daß sie Dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesum Christum, recht erkennen: den Irrgläubigen aber verleihe die Gnade, daß sie alle Irrthümer ablegen, alle Spaltungen aufheben und zur Einheit der Kirche zurückkehren, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Daß Du die Feinde Deiner heiligen Kirche demüthigen und bekehren wollest, wir bitten Dich, erhöre uns. Daß Du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in Deiner heiligen Religion erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns. Gebet zu Jesu für seine Kirche. Göttlicher Mittler! der Du in diese Welt gekommen bist, damit wir das Leben haben, und es im Ueberflusse haben möchten; sich herab auf Deine heilige Kirche, beschütze 88 und regiere sie, und sei mit ihr, wie Du es verheißen hast, bis an das Ende der Zeiten. - Erhalte die Religion, die Du uns zu lehren vom Himmel gekommen bist, in jener himmlischen Reinheit und Lauterkeit, in wel cher Du uns dieselbe mit Deinem göttlichen Munde verkündiget hast. Laß Deine heilige Kirche, die Du mit Deinem kostbarsten Blut erkauft und geheiliget hast, Deine göttlichen Lehren treu bewahren, und von Deinem Geiste geleitet, standhaft auf dem Wege Deiner heiligen Gebote wandeln. Verleihe dem obersten Hirten und allen Vorstehern Deiner Kirche den Geist der Erleuchtung und die Kraft deines Wortes, und laß sie von den Fußstapfen Deiner. heiligen Apostel, deren Nachfolger sie sind, niemals abweichen. Erfülle alle Seelsorger und Diener Deiner Kirche mit einem lebendigen, apostolischen Eifer, damit sie mit Kraft und Salbung Dein göttliches Wort verkündigen, und mit Segen und Würde Deine heiligen Sacramente ausspenden. Gib, daß der Geist der Eintracht und des Friedens 89 unter uns, die wir Deinen heiligen Namen bekennen, herrsche, und wir uns jederzeit Deines heiligen Schußes erfreuen mögeen. Amen. Fünf Vater unser. Fünf Ave Maria. Ich glaube an Gott den Vater. - 90 Communion- Gebete. Vorbereitungsgebet. Unendlich gütiger, barmherziger Gott! Mit gerührtem Herzen danke ich Dir für die große Wohlthat der Vergebung meiner Sündeu, die Du mir in dem heiligen Buß- Sacramente erwiesen hast. Du hast mir um des kostbaren Blutes Jesu willen die Schuld und ewige Strafe meiner Sünden nachgelassen mich begnadiget und zu Deinem Kinde wieder angenommen, mir die heiligmachende Gnade und die Rechtfertigung ertheilet, und ich darf wieder mit kindlichem Vertrauen zu Dir aufblicken und Dich Vater nennen. Dir sei dafür Lob, Dank und Anbetung. Dir allein will ich in Zukunft leben, Dir eifrig 91- dienen, und mittelst Deiner Gnade treu und standhaft in den Wegen Deiner heiligen Gebote wandeln. - Doch was vermögen alle meine frommen Vorfäße ohne Deinen Beistand, ohne Deine stärkende Gnade? Daher hat Dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland, am Abende, ehe er für uns in den Tod ging, das heiligste Altars- Sacrament eingeſetzet, um uns dariu mit seinem heiligsten Leibe zu ſpeisen, mit seinem kostbarsten Blute zu tränken, um uns zu nähren und zu stärken zu allem Guten und zum ewigen Leben. Erruft uns Allen mit unendlicher Huld und Liebe zu: Kommet her zu Mir, ihr Alle, die ihr mühselig und beladen seid; Ich will euch erquicken. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir, und Ich in ihm. O mein Gott! was könnte lieblicher, tröstlicher und erfreulicher sein, als diese Verheißung und Aufforderung unseres Herrn und Heilandes, der uns so dringend einladet, an seinem heiligsten Mahle Theil zu nehmen, welches er unserem Heile bereitet hat, bei 92 - welchem wir mit Ihm innigstvereiniget wers den, und Gnade und himmlische Gaben in Fülle erlangen. Ach, mache mich würdig, hinzutreten zu Deinem heiligsten Altare, und laß mich Gnade finden vor Deinem Angesichte, o Gott meines Heiles und mein Trost in Ewigkeit! Amen. Gebet zu Jesu im heiligsten Altars: Sacramente. Ich komme nun, o mein Herr und Heis land, zu Deinem heiligen Tische, zu dem Du uns so liebreich einladest. O daß ich es doch auch recht zu Herzenfassen möchte, was ich jetzt thue, was ich empfange! Es ist das allerheiligste Sacrameut Deines Leibes, der für uns einst am Kreuze getödtet wurde, und Deines kostbaren Blutes, welches Du für uns vergossen hast, zur Vergebung unserer Sünden; es ist das ewige Denkmal Deiner unerfaßlichen, unendlichen Liebe, durch welches Du immer bei uns sein und bleiben, durch welches Du Dich mit uns innigst vereinigen willst. Ich lege durch meinen Hintritt zu diesem hei 93 ligsten Opfermahle das feierliche und öffentliche Bekenntniß ab, daß ich an Dich, als meinen Herrn und Gott, Erlöser und Heiland glaube, ob ich Dich gleich nur schaue mit den Augen meines Geistes; daß ich auf Dich mit kindlicher Zuversicht hoffe und vertrane; daß ich Dich über Alles, aus ganzem Herzen liebe und aus Liebe zu Dir, der Du mich so unendlich geliebet hast, ehe ich Dich noch lieben konnte, jede Sünde hasse und verabschene; daß ich nur Dir leben, nur Dir sterben, nur Dein sein wolle, im Leben und im Tode. Herr! Du kennst mein Herz; Du siehst, ob die Gesinnungen und Empfindungen desselben mit meinen Worteu übereinstimmen; Du weißt, ob ich Dich anfrichtig liebe. Stärke meinen Glauben, belebe mein Vertrauen, befestige meine Hoffnung, entflamme immer mehr meine Liebe zu Dir. Ach, schon längst hätte meine Liebe zu Dir, der Du für mich des schmachvollsten und bittersten Todes am Krenze gestorben bist, die innigste und eifrigste sein sollen, und sie ist noch immer so lau und träge; ich hätte schon längst Deine heiligen Lehren und Gebote mit dem pünktlichsten 94 Gehorsam erfüllen sollen, und ich war bisher so oft ungehorsam und nachlässig in Befolgung deiner göttlichen Lehren. Und wenn ich auch Deine Gebote befolget, und manches Gute gethan habe, wie mangelhaft, wie unvollkommen war alles dieses! Schon längst hätte ich allen Neigungen und Freuden der Welt, die Dir zuwider sind, entsagen, allen Anlockungen und Versuchungen zur Sünde standhaft widerstehen, ja selbst mein Leben bereitwillig hingeben sollen, wenn Pflicht und Liebe zu Dir es forderten, und es kommt mich noch so schwer an, auch nur manche eitle Freude, manche schnöde Lust Dir aufzuopfern. Ich hätte der Sünde bis in den Tod widerstehen, und der Tugend jederzeit getreu bleiben sollen; und ich weiche so oft von Deinen heiligen Wegen ab. Du warst unter den größten Mißhandlungen und Verfolgungen, unter den grausamsten Leiden und Peinen, in der tiefsten Angst und Traurigkeit so ergeben, so geduldig, so liebreich und zum Verzeihen stets bereit, und ich bin bei kleinen Leiden und Beleidigungen so empfindlich, so ungeduldig und unversöhnlich. Schon längst 95 hätte ich durch den Empfang des heiligsten Altars Sacramentes frömmer, besser, Dir ähnlicher werden sollen; und ach, ich muß es mit tiefer Beschämung gestehen, noch bin ich so weit von dieser Vollkommenheit und Aehnlichkeit mit Dir entfernt! Aber ich will deßhalb nicht verzagen. Du kommst liebreich meiner Schwachheit und Unvollkommenheit entgegen, und bietest mit erbarmender Huld in dem allerheiligsten Altars- Sacramente meiner Seele Nahrung und Stärkung an. Deine Gnade ist größer als meine Unwürdigkeit. Du reichst mir an Deinem geheiligten Tische das theuerste Unterpfand meiner Begnadigung und Heiligung dar. Du machest mich theilhaftig der unendlichen Verdienste Deines Leidens und Sterbens, Du willst, daß ich ewig lebe bei Dir, und Dich mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig lobe und preise. So gib mir nun, o mein Jesus, mein Herr, mein Alles! die Größe Deiner Liebe ganz zu erkennen, damit ich Dich liebe, wie Du mich armen Sünder geliebet hast. Wie Du Dich für mich hingegeben hast, so will ich 96 mich Dir von nun an ganz ergeben mit Leib und Seele; Dir will ich allein anhangen und folgen auf allen Wegen; nichts soll mich von Deiner Liebe trennen in Ewigkeit. Amen. Erweckung des Glaubens an Jesum. Mein Herr, mein Gott, mein Erlöser! Du willst Dich würdigen, in mein Herz einzugehen; ich soll des unaussprechlichen Glückes genießen, Dich zu empfangen. Wer könnte ein solches Wunder glauben, wenn Du, die ewige Wahrheit, uns nicht selbst von Deiner wahren und wesentlichen Gegenwart in dem heiligsten Altars Sacramente versichert hättest? Ja, Herr! ich glaube fest und unerschütterlich, daß Du wahrhaft, mit Fleisch und Blut, als Gott und Mensch es bist, den ich unter den Gestalten des geheiligten Brotes empfangen werde; ich glaube, daß ich Dich, das höchste Gut, meinen Schöpfer, Erlöser und Heiland in meinem Herzen besitzen, daß Du in mir und ich in Dir bleiben werde. Was ich hier empfange, ist mehr, als ich begreifen kann. Allein ich glaube es, o mein Gott! und halte - 97- es für gewisser, als wenn ich Dich mit den Augen des Leibes sehen, und mit den Händen fühlen könnte. Ich glaube es auf Dein heiliges, untrügliches Wort. Ich glaube es, und bin bereit, diesen Glauben mit meinem Blute zu bestätigen. Wahrlich, Du bist ein verborgener Gott, der Gott meines Heiles!- Ach, vermehre meinen Glauben! Erweckung des Vertrauens auf Jesum. O Jesu, mein Herr und Gott! Du kommst zu mir, und willst in mir bleiben; was darf ich nicht alles von Dir hoffen? Was soll mir Derjenige versagen, der sich ganzmir gibt? Auf Dich will ich also mit fester Zuversicht hoffen und vertrauen. Du hast bisher mehr für mich gethan, als ich hoffen konnte. Du bist für mich Mensch geworden, der Du mein Gott, und ich ein elender Sünder bin. Du bist für mich am Kreuze gestorben, da ich nicht einmal noch erschaffen war. Du hast mich unendlich geliebet, da ich Dich noch nicht lieben konnte; was soll ich also nicht jetzt von 7 98 Deiner unendlichen Liebe hoffen und erwarten können, nachdem Du mich aus bloßer Gnade in der heiligen Taufe zum Gliede Deiner heiligen Kirche, zum Kinde und Erben Gottes angenommen, und mir so viele andere Gnaden und Wohlthaten erwiesen hast? - Ich trete demnach, o mein Herr und Heiland! mit jener Zuversicht, welche Deine unendliche Macht und Liebe mir einflößen, zu Deinem heiligen Tische. Du kennst alle meine Bedürfnisse, kennst jedes Anliegen meines Herzens, weißt alle Krankheiten meiner Seele, ehe ich sie Dir offenbare; und nur Du bist es auch, der in meinen Nöthen und Drangsalen mir helfen, in meinen Widerwärtigkeiten mich vollkommen trösten und beruhigen, mich von meinen Krankheiten hei len kann. Ich komme auf Deine Einladung, o Gott! im vollsten Vertrauen auf Deine Verheißungen mit allen meinen Gebrechen und Mühseligkeiten zu Dir, um von Dir erfreut, getröstet und geheilet zu werden. Herr! sieh, den Du lieb hast, der liegt krank darnieder, Jesu, Du Sohn Davids! erbarme Dich meiner. Du hast uns ja selbst versichert, daß Du - 99 - das Brot des Lebens bist; daß Denjenigen, der zu Dir kommt, nicht hungern, und Denjenigen nimmermehr dürsten soll, der an Dich glaubet. Herr! ich glaube; Herr! ich hoffe. Stille demnach das sehnliche Verlangen nach Dir; richte mich Gefallenen wieder auf, stärke mich Schwachen, stille den Durst meiner Seele nach Deinem Troste, meinen Hunger nach Deiner Gnade, und laß mein Vertrauen nicht zu Schanden werden. Erweckung der Liebe zu Jesu. Jesu, mein Heiland! Ich liebe Dich, nicht nur deßwegen, weil du mich mit Gnaden und Wohlthaten aller Art überhäufest und erfreuest, sondern weil Du alles Lobes, aller Anbetung, aller Liebe höchst würdig bist. Aber auch darum liebe ich Dich, weil Du gegen mich höchst gnädig und gütig bist. Nicht genug, daß Du für mich Mensch geworden, Dich so vielen Leiden und Drangsalen, Mißhandlungen und Verfolgungen, und dem schmählichsten Tode unterworfen hast; Du 7* - 100 - willst sogar meine Seele mit Deinem heiligsten Fleische und Blute speisen und erquicken. Konntest Du mir einen größeren Beweis Deiner Liebe geben? Konntest Du auf eine dringendere Art mich ausfordern, Dich zu lieben? Ach, entzünde mein Herz mit dem Feuer Deiner Liebe, damit ich Dich zu jeder Zeit aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen meinen Kräften liebe. Erweckung der Demuth und Sehnsucht. Wer bin ich, o mein Gott! daß Du mich Deines Anblickes würdigest? Wie verdiene ich das unaussprechliche Glück, daß mein Herr und Gott zu mir kommen will? Ich, ein Sünder, ich, als Staub und Erde, darf mich einem so heiligen Gott nähern; ich darf es wagen, an dem Brote der Engel Theil zu nehmen, den Leib meines Herrn und Erlösers zu empfangen. Mein Herz ist ganz erfüllet von Ehrfurcht, wenn ich vergleiche meine Niedrigkeit mit Deiner unbegreiflichen Hoheit, meine Unwürdigkeit mit Deiner höch 101 sten Heiligkeit; und hättest Du nicht selbst zu diesem hochheiligen Gnadenmahle mich eingeladen, ich müßte vor der Größe Deiner Majestät und Herrlichkeit zurückschaudern. - Nun aber, da ich mich nach der Vorschrift des Apostels geprüft, und meine Seele durch das heilige Buß- Sacrament gereiniget und geheiliget habe; da ich durchglüht von aufrichtiger Reue über meine Sünden zu Dir, o Jesu! um Gnade und Erbarmen rufe; da ich den festen Vorsatz gefaßt habe, künftighin nur Dir zu leben; so will ich getrost zu Deinem geheiligten Tische hinzutreten. Ach, so stille meine Begierde nach Dir! komm in meine Seele, die Du so theuer erkauft hast. Gehe ein in meine Seele, und erfülle sie ganz mit Deinem Geiste, mit Deinen Gnaden; mache sie Dir gleichförmig, und wohne in meinem Herzen, damit mein Herz entflammt werde von Liebe zu Dir, und brenne vor Verlangen nach Dir, um mich in Deiner Anschauung und Liebe ewig zu erfreuen. Amen. 102 - Gebet vor der heiligen Communion. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! erbarme Dich meiner. ODu Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! erbarme Dich meiner. O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! schenke mir Deinen Frieden. O mein Herr und Erlöser! Der feierliche, gnadenvolle Zeitpunkt ist nahe, wo ich Deinem heiligen Tische mich nahen, und Dich, den unendlich großen, unendlich heiligen Gott, in mein Herz aufnehmen soll. Ehrfurcht und inniges Gefühl meiner Unwürdigkeit erfüllen mein Innerstes. Das Bewußtsein meiner bisher begangenen Sünden und Fehltritte hält mich zurück, und in Zerknirschung mei nes Herzens spreche ich: Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach; sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. 103 - Und doch dürstet meine Seele nach Dir, dem starken, lebendigen Gott. O wann wirst Du kommen, um die Nahrung und Stärkung meines Geistes, der Trost und die Freude meines Herzens zu sein? Nach dem Himmel, dem Orte Deiner ewigen Herrlichkeit, sehnt sich meine Seele nicht inniger, als nach Dir, der Du mich erquicken willst mit Deinem heiligsten Fleische und Blute, auf dağ Deine Heimsuchung mir werde ein Unterpfand meis nes ewigen Lebens. O so komm, Du Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt; komm, mein liebreichster Heiland, der mich durch sein kostbarstes Blut erlöset hat; komm, mein Gott! mein Heil! mein Alles! Mein Herz ist vorbereitet; weil aber fein menschliches Herz würdig und rein genug ist, Dich zu empfangen, so sende einen Strahl Deiner Gnade in mein Herz, damit es vorbereitet, gereiniget und geheiliget werde, Dich zu empfangen. Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Herr Jesu! Dir lebe ich. Herr Jesu! - 104 - Dir sterbe ich. Herr Jesu! Dein will ich sein im Leben und im Tode. Dein Friede sei mit mir. Amen. Empfindungen nach der heiligen Communion. Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe Ihn, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat!-Lobe den Herrn, denn Er hat dir deine Missethaten verziehen, hat deine Wunden geheilet, und dich gespeiset mit ſeinem heiligsten Fleische und Blute. Freue dich dieser unaussprechlichen Gnade; denn du hast es jetzt erfahren, wie freundlich der Herr ist, und daß seine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit. Ewiger Sohn des ewigen Vaters! wahrer Gott vom wahren Gott! der Du wahrs haft mit Deiner Gottheit und Menschheit in meinem Herzen wohnest, wie Du einst am Kreuze für uns gestorben bist, und jetzt ſizeſt zur Rechten Deines himmlischen Vaters; ich bete Dich an in tiefster Ehrfurcht, ich lobe 105 - und preise Dich, und bringe Dir die Opfer meines kindlichen Dankes dar. O meine Seele! erfreue dich in Gott, deinem Heilande; denn er hat große Dinge an dir gethan. Er, der Allmächtige, hat nach seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit an dir gehandelt; Er hat dich gespeiſet an seinem heiligen Tische, und dich mit himmlischen Gütern erfüllet. Noch vor Kurzem war ich, o mein Gott! meiner vielen Sünden wegen ein Gegenstand Deines gerechten Abscheues und Mißfallens. Da hast Du aus Güte und Erbarmen auf mein reumüthiges Bitten die Last meiner Sünden im heiligen Buß- Sacramente mir abgenommen, und den Schuldbrief getilgt, der wider mich zeugte. Und jetzt hast Du sogar Dich selbst mir gegeben zum Unterpfande Deiner Versöhnung und Begnadigung, zum Unterpfande meines ewigen Lebens. Wo finde ich Worte, o Herr! Dir meinen gerührtesten Dank für diese unaussprechliche Wohlthat auszusprechen? Welchen Dank kann ich Dir darbringen? Und was ist der Dank eines sterblichen Geschöpfes vor Deinen Augen, 106 Herr Himmels und der Erde? Doch ein reumüthiges, von dem Gefühle Deiner Wohlthaten ganz durchglühtes Herz wirst Du, o Gott! nicht verschmähen. Mein Glaube gewährt mir die trostreiche Versicherung, Du wollest mein, von innigstem Danke durchdrungenes Herz gnädig annehmen, nachdem Du so liebevoll Dich zu mir herabgelassen hast, und Du selbst mir zurufest: Gib Mir dein Herz. Anbetung und Danksagung. Ich bete Dich an, o mein Herr und Gott! der Du Dich gewürdiget hast, in mein Herz zu kommen. Ich huldige mit tiefster Ehrfurcht Deiner göttlichen Majestät, vor welcher sich alle Knie beugen, im Himmel, auf Erden und unter der Erde; vor welcher die Engel und Erzengel, die Cherubim und Seraphim sich unwürdig fühlen zu erscheinen. Mit eben der tiefsten Ehrfurcht, mit welcher die himmlischen Geister Dich anbeten, bete ich Dich an, und vereinige meine Stimme mit ihrem Lobgesange: Heilig, heilig, heilig ist 107 der Herr, unser Gott! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Welche Danksagung, o mein Gott! könnte jener unaussprechlichen Wohlthat gleichkommen, deren Du mich heute würdigtest?» Ich lebe; doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet, und sich selbst für mich dargegeben hat.« Du, dessen Unermeßlichkeit der ganze Himmel nicht zu umfassen vermag, würdigest Dich, in mein armes, sündhaftes Herz zu kommen, Du steigst von Deinem himmlischen Throne herab, um bei einem Kranken einzukehren und ihngesund zu machen. Da erfüllest Du, göttlicher Heiland! recht sichtbar die Worte Deines so tröstlichen Ausspruches: Ich bin gekommen, die Sünder zu suchen, und ewig selig zu machen. Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Mit eben jener Erbarmung und Gnade, mit welcher Du einst den König David nach seinem schwes ren Falle zur Erkenntniß seiner Missethaten und zur Reue zurückgebracht hast, mit welcher 108 Du eine büßende Magdalena aufnahmst, mit welcher Du einen abtrünnigen Petrus anblicktest, mit welcher Du einen Paulus, den wüthenden Verfolger Deiner Gläubigen, ſuchtest und bekehrtest, hast Du auch mich gesuchet und begnadiget, und um das Maß Deiner Liebe und Erbarmung voll zu machen, sogar in meinem Herzen Wohnung genommen. Was ist aller Dank fündhafter Menschen gegen eine solche Erbarmung und Gnade? O göttlicher Heiland! habe Mitleid mit meinem Unvermögen, Dir zu danken, wie ich sollte, und laß meine Dankbegierde, so unvollkommen sie auch ist, Dir gefallen. Mit gerührtem Herzen erkenne ich, was Du heute an mir gethan haft; Deiner Barmherzigkeit will ich nie vergessen, sondern sie laut verkündigen und preisen in Ewigkeit. Amen. - - Gute Vorsätze für die Zukunft. Wie kann ich Dir, o göttlicher Heiland! Deine unermeßliche Liebe und Erbarmung vergelten, die Du mir heute insbesondere er wiesen hast?- Dir Deine Liebe und Erbars 109 mung zu vergelten, ist wohl unmöglich. Doch Du verlangst nichts von mir, was ich mittelst Deines Beistandes und Deiner Gnade zu thun nicht im Stande wäre. Du verlangst nur, daß ich mir das, was Du für mein Heil thatest, zu Nußen mache, und Deine gnadenreichen Absichten an mir in Erfüllung bringe; daß ich fortan nur Dir zu leben, und ewig selig zu werden trachte. Nur das verlangst Du von mir, und das soll auch das Beſtreben meines herzlichen Dankes, der Beweis meiner innigsten Gegenliebe sein. Ich gelobe Dir, mein Gott und mein Heiland! dem Glauben an Dein göttliches Wort getreu zu bleiben, in der heiligen katholischen Kirche, die Du mit Deinem Blute erkauft hast, bis an mein Ende standhaft zu verharren, auf den Wegen Deiner heiligen Gebote unablässig zu wandeln, und ein gutes Gewissen zu bewahren. Auf Dich und auf die unendlichen Verdienste Deines Leidens und Sterbens will ich mein ganzes Vertrauen seßen, und nur in Deinem Namen alles Gute von Deinem himmlischen Vater erflehen nnd erwarten. 10 110 — Wie Du, unser Mittler, unser Erlöser, die ganze Welt mit gleicher Liebe umfassest, und Deine Gnaden Allen mittheilest, die Dich darum bitten, so will auch ich keinen Menschen von meiner Liebe ausschließen, sondern Allen alles Gute wünschen und thun, sie bes lehren, sie auf den Weg der Tugend durch Worte und gute Beispiele hinleiten, in Nöthen ihnen nach Kräften beistehen, in Leiden sie trösten, sie nach Möglichkeit erquicken und erfreuen. Und selbst meine Beleidiger, meine Verleumder, meine Verfolger und Feinde will ich von meiner Liebe nicht ausschließen; sondern ihnen das Böse mit Gutem vergelten, ihnen gerne und von ganzem Herzen verzeihen, und für sie beten, wie Du es uns durch Worte und Beispiele gelehret und befohlen hast. Liebe soll ja das Kennzeichen sein, woran man erkennen kann, daß Jemand Dein Jünger sei: Liebe der Feinde und Beleidiger ist es ja, die uns zu Kindern des himmlischen Vaters macht. Du hast Dich gewürdiget, zu mir armen Sünder zu kommen; so will ich denn Alles anwenden, um Deiner heiligsten Gegenwart 111 nicht unwürdig zu werden, um ganz für Dich und durch Dich zu leben. Alles, was von mir abhängt, meinen Verstand, meinen Willen, alle Kräfte meines Leibes, meine Ehre, mein Hab' und Gut, Alles soll künftig Dir, mein Heiland! gewidmet sein; Du sollst allein mein Herz beherrschen und regieren, gebiete über mich nach Deinem heiligsten Wohlgefallen. Auch Leiden und Widerwärtigkeiten will ich gerne von Deiner Hand annehmen, wenn sie meinem Seelenheile förderlich sind: nimm mir jene Güter und Freuden, die mich in die Fallstricke der Sünde locken würden; schicke mir Krankheit und Trübsal, wenn ich in gesunden und glücklichen Tagen Deiner vergessen würde. Ich will ganz Dir angehö ren, ganz Dir leben, und nur nach Deiner Liebe und Deinem Wohlgefallen streben. Endlich nehme ich mir fest vor, meine vorigen Sünden nicht wieder zu begehen, und durch Tugenden und gute Werke die Gnade Deiner Heimsuchung zu verdienen. Was würde mir auch der Empfang des Bußund Altarssacramentes nüßen, wenn ich in meine vorigen Sünden zurückfallen, und von - - 112 — dem Wege der Gottseligkeit wieder abweichen wollte?» Wenn der Gerechte,« so spricht der heilige Geist durch den Propheten,» von seiner Gerechtigkeit sich abwendet, so soll er in der Sünde sterben, und seiner Gerechtigkeit, die er gethan hat, soll nicht mehr gedacht werden.« Und wie undankbar wäre es, wenn ich nach so vielen von Dir erhaltenen Gnaden und Wohlthaten, nach so vielen Betheuerungen meiner ernstlichen Besserung abermals eidbrüchig werden sollte! Ich besize Dich in meinem Herzen, und mit Dir alle Gnaden und himmlischen Güter, das Pfand meiner Erlösung und Heiligung, Deinen Frieden, der alle Freuden der Welt unendlich weit übersteigt; und ich sollte Dich, meinen gütigsten Erlöser und künftigen Richter, von Neuem beleidigen, und zur Strafe auffordern? Ich sollte den Rührungen und Einsprechungen des heiligen Geistes vorsätzlich widerstreben, und mich der Gefahr aussehen, daß mein Herz endlich in der Sünde verhärte, und ich Deiner Gnade beraubt, meinem eigenen bösen Willen zu meinem ewigen Verderben überlassen bleibe? - 113 So will ich demnach sorgfältig über mein Herz wachen, daß ich fortan keiner Gedanken, keiner Begierden, keiner Worte, keiner Handlungen mehr mich schuldig mache, welche Deiner Ehre, o Gott! meinen Pflichten, der Reinigkeit meiner Seele und der Liebe meiner Mitmenschen entgegen wären. Ich will von nun an über Alles verabscheuen und fliehen Haß und Zorn, Neid und Schadenfreude, Verleumdung und Ehrabschneidung, Stolz und Hoffart, Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit; ich will eifrig sein in allem Guten, zufrieden mit allen göttlichen Fügungen und Anordnungen, gewissenhaft in der Erfüllung meiner Berufspflichten, friedfertig und versöhnlich, liebreich und barmherzig gegen meine Mitmenschen. — Doch alle meine frommen Entschlies ßungen und Vorsäße verfliegen wie ein Rauch, wenn Du, göttlicher Heiland! mir durch Deinen allmächtigen Beistand nicht die Kraft zum Vollbringen derselben ertheilest. Gib mir daher, ich bitte Dich flehentlichst, Deinen göttlichen Beistand, damit ich nie von meinen Vorsäßen abweiche, und nie 8 114 von Deiner Liebe, in Ewigkeit nicht mehr von Dir getrennt werde. Amen. Bitte zu Jesu um seinen Segen. O Jesu! Du hast überall, wo Du während Deiner irdischen Lebenszeit einzukehren Dich würdigtest, Hilfe, Gnade und Segen ausgespendet. Heute hast Du Dich gewürdiget, auch in mein Herz zu kommen. Ich besige nun, den meine Seele liebt, und ich werde Dich nicht entlassen, bis Du mich gesegnet hast. So öffne Deine segenreiche Hand, o gütigster Jesu! und erfülle meine arme Seele, mein Haus und alle meine Angehörigen mit Deinen himmlischen Gaben. Vertreibe aus meinem Herzen und aus meiner Wohnung allen Haß und Zorn, allen Zant und Hader, alle Unreinigkeit und Unkeuschheit, allen Neid und allen bösen Willen. Wende gnädig ab alles Uebel, welches uns am Leibe oder an der Seele schaden, und für unser ewiges Seelenheil verderblich werden könnte. Gib mir die Gnade, daß ich künftig nichts mehr suche, und nichts mehr eifriger 115 liebe, als Dich, meinen gekreuzigten Heiland! mein höchstes Gut! mein Alles! Erhöre mich; von Dir laß nimmer scheiden mich. Ich entferne mich zwar aus Deinem heiligen Tempel, o liebreichster Jesu! aber nicht ohne Dich. O Du einzige Hoffnung, Du Trost und Freude meiner Seele! ich empfehle mich Deiner unendlichen Liebe; die wolle mich stets in der Gegenliebe befestigen. Ich empfehle mich Deiner übergroßen Barmherzigkeit; die wolle mich vor allen Sünden gnädig bewahren. Ich empfehle mich Deiner gränzenlosen Güte; die wolle mich mit allen himmlischen Gütern und Gaben erfreuen. Ich empfehle mich Deiner weisesten Vorsichtigkeit; die wolle mich in allem meinen Thun und Lassen nach Deinem Wohlgefallen führen und leiten. Ich empfehle mich endlich Deiner ewigen Allmacht; die wolle mich vor allem Uebel des Leibes und der Seele bewahren, mich in allem Guten stets erhalten, mich in meinem Todeskampfe stärken, und nach diesem Leben mich einführen in die ewigen Himmelsfreuden. Auch für meine Aeltern, Wohlthäter, Freunde und Feinde, für alle Sünder und 8* 116 Ungläubige bitte ich Dich, o Jesu! Segne sie und schenke Allen Deine Gnade, Dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen alle Tage ihres Lebens. Laß auch die Seelen der Verstorbenen ruhen in Frieden. Amen. - 117 - Betrachtungen und Gebete auf die vorzüglichsten Festtage des Jahres. Advent. Der Name Advent bedeutet die Ankunft unsers Herrn Jesu Christi. Die vier Adventwochen erinnern uns an die viertausend Jahre, durch welche die Menschen auf die Geburt des verheißenen Erlösers warteten, der sie von dem Verderben der Sünde und dem ewigen Tode befreien, und sie wieder zu Kindern und Erben Gottes machen sollte. Wie tief gesunken, wie unwissend in den ewigen Wahrheiten des Heiles, wie uns glücklich und elend waren die Menschen vor der Ankunft Jesu! Sie konnten aus sich selbst nicht erkennen Gottes Eigenschaften und 118 Willen; sie konnten aus sich selbst nicht gut und fromm und Gott wohlgefällig werden. Das Verderben der Erbsünde lastete schwer auf ihnen. Noch weniger konnten sie sich von der Schuld und Strafe der Sünden befreien; und Gottes Versöhnung und Gnade sich bewirken. Da erbarmte sich Gott der gefallenen Menschen, und versprach schon den ersten Aeltern, daß Er zu ihrer Rettung einen Erlöser, den Messias, senden werde. - Mit Sehnsucht harrten die Patriarchen und Propheten auf diesen verheißenen Retter, und mit heißem Verlangen riefen sie: Thauet, Himmel, den Gerechten! Wolken, regnet Ihn herab! Auch wir sollen in uns ein heißes Verlangen nach Jesu Ankunft erwecken, und auf das gnadenreiche Fest seiner Geburt durch Gebete, fromme Betrachtungen und Werke der Abtödtung unswürdig vorbereiten, damit der göttliche Heiland auch in unser Herz zu kommen sich würdige, und in uns lebe und bleibe. Wir wollen also unser Herz reinigen von Allem, was seiner Ankunft im Wege stehen, was die Früchte seiner gnadenreichen 119 Ankunft in uns vereiteln könnte, und uns solcher Tugenden und guter Werke befleißen, welche uns des Heiles theilhaftig machen, das Er uns in die Welt gebracht hat. Gebet. O Gott! der Du uns alle Jahre mit der feierlichen Erwartung unserer Erlösung erfreuest: verleihe uns die Gnade, daß wir Deinen Eingebornen, den wir als unsern Heiland freudig aufnehmen, einst als Weltrichter mit froher Zuversicht kommen sehen, Ihn, unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir lebet und regieret in Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O Jesu! in Dir allein ist Heil, und es ist den Menschen kein anderer Name gegeben, in dem sie selig werden können, als in dem Namen Jesu. Deine Ankunft ist uns ein köstliches Unterpfand der Liebe Deines himmlischen Vaters. Denn darin hat sich die Liebe Gottes gegen uns geoffenbaret, daß Er seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt hat, damit Alle, die an Ihn glauben, nicht ver — 120 - loren gehen, sondern durch Ihn das ewige Leben erlangen. Deine Ankunft in die Welt ist unser Leben und unsere Seligkeit. Das ist ja gewiß wahr, und ein theures Wort, daß Du in die Welt gekommen bist, die Sünder selig zu machen. Du bist gekommen, uns zu Kindern Gottes und zu Erben des ewigen Lebens zu machen. Gib uns nur die Gnade, daß wir durch eine würdige Buße unser Herz von allen Makeln der Sünde reinigen, und der unendlichen Früchte und Segnungen Deiner Ankunft theilhaftig werden. Dir sei Dank, Ehre, Ruhm und Anbetung in Ewigkeit. Amen. Am Weihnachtsfeſte. O freudenreiche Zeit der Geburt des Herrn! Heute ist uns Christus der Herr, unser Erlöser, geboren worden. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Der eingeborne Sohn des ewigen Vaters kommt zu uns in Menschengestalt, um uns seiner ewigen Herrlichkeit theilhaftig zu machen. - 121 - Seine Erniedrigung ist unsere Erhöhung; seine Armuth unser Reichthum. Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen. » Es ist die Gnade Gottes allen Menschen erschienen, um uns anzutreiben, daß wir aller Gottlosigkeit und allen bösen Lüsten entsagen, und nüchtern, rechtschaffen und fromm leben in dieser Welt; voll der ſeligen Hoffnung, daß der große Gott und unser Erretter Jesus Christus, der einst glorreich wieder erscheinen wird, uns in seinhimmlisches Reich einführen werde. Dazu kam Jesus in die Welt, und gab sich selbst für uns hin, um uns von aller Lasterhaftigkeit zu befreien, um uns zu einem Ihm eigenen Volke einzuweihen, das voll Eifers zu allem Guten sein soll.« Tit. 1. Gebet. OGott! der Du diese hochheilige Nacht mit dem Glanze des wahren, himmlischen Lichtes erleuchtet hast; wir bitten Dich, ver - 122 leihe, daß wir, die wir die Geheimnisse dieses Lichtes auf Erden erkannt haben, auch die Freuden desselben in dem Himmel genießen mögen. Wir bitten Dich, o Herr! laß Dir das Opfer der heutigen Feierlichkeit angenehm sein, und gib uns die Gnade, daß wir durch diese hochheilige Gemeinschaft( durch die Verbindung der göttlichen und menschlichen Natur in Jesu) Jenem ähnlich werden, in welchem vereinigt unsere Wesenheit bei Dir ist. Wir bitten Dich, o Herr, unser Gott! verleihe, daß wir, die wir durch die Wiederholung der heiligsten Geheimnisse die Geburt unsers Herrn Jesu Christi mit Freude feiern, auch durch einen heiligen Lebenswandel seiner Gemeinschaft theilhaftig zu werden verdienen; der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O göttlicher Jesu! Du Gott der Liebe und Erbarmung! Auch um meinetwillen haft Du den himmlischen Thron verlassen, Deine göttliche Hoheit und Größe mit Armuth und Niedrigkeit, Deine ewige Herrlichkeit mit den W 123 Mühseligkeiten dieses Lebens verwechselt; auch um meinetwillen bist Du Mensch gewor den, um für meine Sünden zu leiden und zu sterben. Könnte ich doch Dir, neugeborner Heiland! dafür würdig danken! Allein ich empfinde, daß ich ganz und gar unwürdig bin der Barmherzigkeit, die Du mir erwieſen hast. In tiefster Demuth bete ich Dich an vor Deiner Krippe, o mein Erlöser! und flehe zu Dir mit kindlichem Vertrauen, daß Du mich der Früchte Deiner gnadenvollen Menschwerdung theilhaftig machen wolleft, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Am Nenjahrsfeste. Es ist eine heilige Pflicht jedes Christen, daß er am Schlusse des Jahres Rechenschaft vor Gott ablege, wie er das Jahr, welches unwiederbringlich dahingeschwunden ist, zur Ehre Gottes und zu seinem Seelenheile angewendet habe. Allein ich zittere vor dieser Rechenschaft im Bewußtsein meiner vielen Fehltritte, deren ich mich im verflossenen Jahre - 124 — schuldig gemacht habe. O wie wenige Tage des abgelaufenen Jahres sind es, deren ich mich auf dem Sterbebette freuen werde! Wie weit mehrere sind es, die mich vor Deinem Richterstuhle, o Allerheiligster! anklagen, daß ich sie durch Müßiggang, oder durch eitle Zerstreuungen vertändelte, oder gar durch vielfache Vergehungen wider Dich, wider mein Seelenheil, wider die christliche Nächstenliebe schändete. Je mehr ich nachdenke, desto mehr entseße ich mich vor der Menge meiner Thorheiten, Schwachheiten und lebereilungen; desto mehr schäme ich mich meiner thörichten Wünsche, meiner unordentlichen und sündhaften Begierden, meiner heftigen, selbstsüchtigen, feindseligen Gemüthsbewegungen, meiner unnüßen, lieblosen, lügenhaften Worte, meiner vielen Pflichtverlegungen und Uebertretungen. O mein Vater! was würde aus mir werden, wenn Du mit mir ins Gericht gehen, wenn Du nach meinen Sünden mir vergelten wolltest?- O feimir armen Sünder gnädig, und gedenke nicht meiner begangenen Missethaten! Am Eintritte des neuen Jahres fasse ich 125 den heiligen Vorsaß der Besserung, und gelobe Dir, o Gott! feierlich, daß meiner Fehltritte immer weniger, daß meiner Tugenden und guten Werke täglich mehr werden sollen; daß ich den alten fündhaften Menschen ausziehen, und einen neuen anziehen werde, der nach Deiner Heiligkeit und Gerechtigkeit gebildet ist. Gib mir nur die Gnade, Kraft und Festigkeit dazu, um diese frommen Gelübde genau zu erfüllen. Es soll in diesem neuen Jahre stets mein unablässiges, eifriges Bestreben sein, immer frömmer, reiner und wohlgefälliger zu werden vor Deinen Augen, immer auf den Wegen Deiner heiligen Gebote zu wandeln, meinen Nächsten jederzeit wie mich selbst nach Deiner heiligen Lehre und Deinem Vorbilde zu lieben. Versage mir, o Vater! dazu Deine stärkende Gnade nicht, gib zum Wollen auch das Vollbringen. Meine Lebenstageschwinden dahin, Tod und Ewigkeit nahen sich, und unvermuthet werde ich abgerufen werden, um vor Deinem Richterstuhle über mein ganzes Leben Rechenschaft abzulegen. Herr! lehre mich meine Tage zählen, weise werden, und die noch übrige - 126 Zeit meines Lebens eifriger zu meinem Seelenheile zu benüßen. Und doch war Deine Langmuth, Güte und Erbarmung gegen mich so groß! Kann ich sie alle zählen die Wohlthaten des vergangenen Jahres, die mir Deine Vaterhand zutheilte? Weiß ich alles verborgene und unbekannte Gute, das mir von Deiner Liebe zufloß? Kenne ich alle die Gefahren des Leibes und der Seele, die Du von mir gnädigst abwandtest? alle die Nachstellungen meiner sicht- und unsichtbaren Feinde, gegen welche mich Dein Vaterarm beschüßte? Erkenne ich alle Rührungen und Einsprechungen des heiligen Geistes, wodurch ich vor dem Bösen gewarnt, von der Sünde abgehalten, zum Guten ermuntert und angeeifert wurde? An jedem Tage, zu jeder Stunde haft Du mir, o Gott! Beweise gegeben, daß Du die Liebe seiest. Daher will ich auch im angetretenen Jahre mich ganz Deiner väterlichen Obhut und Leitung überlassen. Vertrauensvoll übergebe ich mich und alle meine Angehörigen Deiner unveränderlichen Güte. Du allein bist meine Hoffnung - 127 und mein Trost, meine Zuversicht und meine Freude. Stärke mein Vertrauen auf Deine unwandelbare Treue, und laß mich unter dem Schuße Deiner väterlichen Vorsehung sicher ruhen alle Tage meines Lebens; denn Du machest Alles wohl, Du liebest die, welche Dich lieben, und läsfest sie in ihrem Vertrauen nicht zu Schanden werden. Gebet. Gütigster Gott und Vater aller Menschen! Du kennest und weißt Alles, was wir denken, reden, thun und leiden. Vor Dir ist Alles offenbar, und Du durchschauest die geheimsten Gedanken und Wünsche unserer Herzen, Du regierest wunderbar die Welt, und leitest mit väterlicher Huld die Schicksale der Menschen zu ihrem Besten. Du erbarmest Dich unser, wie sich ein Vater erbarmet ſeiner Kinder; selbst die reumüthigen Sünder nimmst Du gnädig auf, und erweisest ihnen Liebe und Gnade. Voll Demuth unterwerfen wir uns Deiner göttlichen Majestät, und danken Dir 128 für alle in dem verflossenen Jahre uns erwiesenen Wohlthaten. Auch für die über uns so väterlich verhängten Leiden und Drangsale danken wir Dir, denn sie sollten nach Deinen gnädigsten Absichten uns warnen vor der Sünde, uns wecken aus dem Schlafe der Lauigkeit und Trägheit, uns führen zu Dir und zum ewigen Heile. Sei unser Vater auch in dem angetretenen Jahre, Dein Wille geschehe auch in diesem Jahre, wie im Himmel, also auch auf Erden. Deiner göttlichen Vorsicht überlassen wir Alles, auf deine Weisheit und Güte seßen wir unser ganzes Vertrauen. Gib uns nur die Gnade, daß wir Dir in dem gegen: wärtigen Jahre eifriger als bisher dienen, auf den Wegen Deiner heiligen Gebote unablässig wandeln, immer besser und frömmer, und Dir wohlgefälliger werden, durch Jeſum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Feste der Erscheinung des Herrn. Gott wollte, daß sein eingeborner Sohn, der zum Heile der Welt Mensch ge. worden ist, nicht bloß von seinem Volke, den Juden, sondern auch von allen übrigen 129 Völkern der Erde als unser Erlöser, Heiland und Seligmacher erkannt und angebetet werden sollte. Die Juden hatte Gott durch die Patriarchen und Propheten zur Aufnahme und Erkenntniß des verheißenen Messias vorbereiten lassen. Heute wollte Gott seinen Eingebornen auch den drei Weisen im Morgenlande, den Erstlingen unter den Heiden, durch die Erscheinung eines wunderbaren Sternes offenbaren. Durch diesen Stern geleitet, suchten sie das göttliche Jesukind auf, beteten es an, und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen zum Opfer dar. Gold, zur Anerkenntniß der Gottheit und königlichen Würde Jesu; Weihrauch, zur Anerkennung seines ewigen hohen Priesters thumes; und Myrrhen, zum Beweise, daß Jesus nicht bloß wahrer Gott, sondern auch wahrer Mensch sei, und zu unserer Versöhnung und Erlösung einst am Kreuze sterben und begraben werden würde. Heute hast Du, o göttlicher Heiland! den wunderbaren Rathschluß der ewigen Erbarmung bekannt gemacht, daß in Dir alle Völker und Geschlechter sollen selig 9 - - 130 werden; heute hast Du Deine gnadenreiche Ankunft zu unserem Heile den drei Weisen kund gethan, obschon sie Heiden waren, und sie wunderbar zu Dir berufen und geleitet. Für diese unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit danken wir Dir, denn in den drei Weisen hast Du auch uns zu Dir berufen, und uns an den unendlichen Früchten und Segnungen Deiner Erlösung Theil nehmen lassen. Wir bitten Dich demüthig, laß auch in unseren Herzen den Stern Deiner erbarmenden Gnade aufgehen, der uns bewege, daß wir die Irr- und Abwege der Welt verlassen, Dich suchen und finden, der Du der Weg der Wahrheit und das Leben bist. Dich anbeten, und Dir allein dienen. Gebet. Gott! der Du an diesem Tage Deinen Eingebornen den Heiden durch die Wegweisung des Sternes geoffenbaret hast; wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir, die wir Dich im Lichte des Glaubens schon erkannt haben, durch Dich dahin gelangen, wo wir 131 Deine ewige Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schauen können, durch denselben Jesum Christum, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen. O göttlicher Heiland! wir bitten Dich inständig, gestatte, daß auch wir Dir heute ein Dir angenehmes Opfer darbringen. Du verlangst von uns nicht Gold, Weihrauch und Myrrhen; ein reumüthiges und zerknirschtes, und Dir ganz ergebenes Herz ist Dir angenehm, und ein solches verlangst Du von uns. Wir bringen Dir heute unser Herz zum Opfer dar; aber erweiche erst dieses Herz, reinige es von aller Makel der Sünde, tilge aus Alles, was Dir in demselben mißfällig ist, und erwärme es mit dem Feuer Deiner heiligen Liebe, damit es Dich sammt dem Vater und dem heiligen Geiste aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften, über Alles lieben könne und möge. Amen. Am Feste des heiligen Namens Jesu. Der Name Jesus ist ein hochheiliger Name, voll des Trostes, der Süßigkeit, der 9* 132 Freude, der Kraft und Stärke. Schreibe den Namen Jesus tief in Dein Herz, und sprich ihn stets mit innigster Ehrfurcht aus, denn er ist ein göttlicher, glorreicher, triumphirender Name, vor dem sich alle Knie beugen sollen im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Er ist ein mächtiger Name, rufe ihn in jeder Versuchung, in jeder Noth, in jedem Leiden um Hilfe an. Alles, um was wir den Vater im Namen Jesu bitten werden, wird er uns geben. In diesem Namen ist allein Heil und Seligkeit, denn es ist kein anderer Name den Menschen gegeben worden, in welchem ste selig werden könnten, als in dem Namen Jesu. Liebe ihn und trage ihn stets in deinem Herzen und in deinem Munde. O Jesu! Du Retter, Erlöser, Begnadiger, Seligmacher Aller, die an Dich glauben, auf Dich hoffen, und Dich über Alles lieben! Ich glaube an Dich und an Deine göttliche Lehre. Ich vertraue auf Deine unendliche Verdienste und Deine tröstlichen Verheißungen. Ich liebe Dich über Alles. Sei mir, was Dein Name sagt, ein wahrer Helfer, wo Niemand helfen kann, ein Retter, wo - 133 Niemand retten kann, ein Mittler und Verföhner bei dem Vater, zu dem man nur durch Dich gelangen kann. Du bist meine Stärke, wenn ich schwach bin;- meine Freude, wenn ich traurig bin;- mein Trost, wenn mein Herz verzagen will;-mein Helfer, wenn ich leide;- meine einzige Hoffnung im Tode, meine Zuversicht im Gerichte, und meine Seligkeit in Ewigkeit. Daher mache ich heute den festen Bund: Lebe ich, so lebe ich Dir; sterbe ich, so sterbe ich Dir, im Leben und im Sterben bin ich Dein, o Jesus hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Um diesen heiligsten Namen Jesus zu verherrlichen, wird von der Kirche am heutigen Festtage und in der Octave desselben in den Erblanden Desterreichs allen Jenen ein vollkommener Ablaß ertheilet, welche nach einer reumüthigen Beicht und würdigen Communion bei dem Hochamte erscheinen, und ihr Gebet nach dem Sinne der Kirche andächtig verrichten. - 134 Gebet. O Gott! der Du Deinen eingebornen Sohn zum Heilande des menschlichen Geschlechtes bestimmt, und Jesus zu nennen befohlen hast; verleihe gnädig, daß wir, die wir seinen heiligen Namen auf Erden verehren, unsere Namen im Buche der Auserwählten im Himmel geschrieben finden, und der Anschauung Jesu ewig genießen mögen. Durch eben denselben Jesum Christum, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen. O Jesu! vor Dir beugen sich alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und alle Zungen bekennen, daß Du seiest Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, unser einziger Helfer und Heiland. Wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, daß wir durch Anrufung Deines heiligsten Namens Deine Kraft erfahren, und erwecke in uns ein heftiges Verlangen nach Deiner göttlichen Liebe, damit wir aus ganzem Herzen, mit Mund und That Dich lieben, und niemals Dich zu loben und zu preisen aufhören, der Du Sicher machtig, und deſſen l ering tit, hat Grefses an gir 134 D Gott! der Du Deinen eingebornen Sohn zum Heilaube des menschlichen Ge schlechtes bestimmt, und Jesus ju nennen befohlen haft; verleihe gnädig, daß wit, bie wir seinen heiligen Namen auf Erden- vereben, unsere Namen im Buche der Ausswabhin Honmel geschrieben finden, und Der schauung Zelu ewig genießen mögen. Durch cont benfelben Jefim Chrijium, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen. D Jeful ver Dir beugen ſich alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und alle Zungen bekennen, daß Du seiest Chriftus, der Sohn des lebendigen Gottes, unser einziger Helfer und Heiland. Wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, daß wir burch Anrufung Deines heiligten Namens Crine Kraft erfahren, und erwede in uns cbtiges Verlangen nach Deiner göttlichen mit wir aus ganzem Herzen, mit ste That Dich lieben, sub.niemals Te zu leben anbu preifen aufhören, der Du ok 66. Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst- Anstalt. Nbg Der welcher mächtig, und deffen Name heilig ist, hat Grosses an mir gethan. Luc. I, 49. Raphael gem, 135 mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. — - Am Feste der Reinigung Maria( Lichtmesse). Am heutigen Tage wurde Jesus durch feine göttliche Mutter, wie es das Gesetz Mofis erforderte, in den Tempel nach Jerusalem. gebracht, und dem himmlischen Vater aufgeopfert. Der fromme, gerechte Simeon, der von dem heiligen Geiste die Verheißung erhalten hatte, er werde nicht sterben, bevor er den Heiland der Welt gesehen habe, kam zu eben derselben Stunde in den Tempel, erkannte aus Eingebung Gottes in dem Kinde Jesus den lange erwarteten Erlöser, nahm Ibn in seine Arme, lobte Gott, und sprach: » Nun, Herr! lasfest Du Deinen Diener nach Deinem Worte im Frieden fahren, weil meine Augen den Heiland der Welt gesehen haben, der ein Licht ist zur Erleuchtung der Heiden und eine Zierde seines Volkes Israel.« Heute werden auch die Kerzen geweihet und gesegnet; sie werden angezündet, und vom Priester und Volke feierlich herumge - 136 — tragen zur Ehre des göttlichen Heilandes, der als das wahre Licht in die Welt gekommen ist, um alle Menschen zu erleuchten. Wir bitten Gott, daß, gleichwie die brennenden Kerzen die Finsternisse der Nacht sichtbar zerstreuen, also auch unsere Herzen durch das unsichtbare Feuer des Glaubens, und durch das himmlische Licht der Lehre Jesu erleuchtet werden, damit wir nicht in der Finsterniß der Sünde und des Lasters blindlings herumwandeln, sondern mit erleuchtetem Geiste daß einsehen und erkennen, was Gott wohlgefällig und unserem Heile ersprießlich ist; damit wir auf solche Weise durch die dunkeln und gefährlichen Wege dieses Lebens glücklich durchkommen, und durch Jesum, den Heiland der Welt, zum ewigen Leben gelangen. Gebet. Allmächtiger, ewiger, höchst barmherziger Gott! wir bitten Dich demüthig, daß gleichwie Dir heute Dein eingeborner Sohn als wahrer Mensch im Tempel ist aufgeopfert worden, also auch wir mit gereinigten Herzen - 137 - vor Deinem göttlichen Angesichte aufgeopfert werden mögen. Durch eben denselben Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. O göttlicher Heiland! Indem wir heute zu Deiner Ehre brennende Kerzen in unseren Händen tragen, bekennen wir Dich als das Licht der Welt. Wir bitten Dich, zünde an in unseren Herzen das Licht Deiner Gnade, damit die Finsternisse der Sünde samut allen bösen Begierden aus denselben gänzlich vertrieben, der wahre Glaube, die kindliche Zuversicht und innige Liebe sammt allen christlichen Tugenden in uns gepflanzet, und so unsere Herzen zu einem Dir angenehmen Tempel zubereitet werden. Verleihe uns die Gnade durch die Verdienste und Fürbitte der seligsten Jungfrau und Himmelskönigin Maria, daß wir dieses heutige Fest mit inniger Andacht und gebührender Danksagung feiern, nach diesem Leben Dir in Deinem himmlischen Reiche dargestellet, und Deiner ewigen Herrlichkeit mit allen Engeln und Heiligen theilhaftig werden mögen. C 138 An der Aschermittwoche. Wir fangen mit diesem Tage die vierzigtägige Fasten an; wir beobachten dieselbe zum Andenken und zur Nachahmung jener Fasten, durch welche der göttliche Heiland uns ein Vorbild geworden ist. Wir enthalten uns nach der Vorschrift der Kirche in dieser heiligen Zeit von Fleischspeisen, und beschränken unsere Eßlust, um dadurch unsere bösen Lüfte abzutödten, den Leib der Herrschaft des Geistes zu unterwerfen, durch Buße, Gebete, fromme Betrachtungen und andere gute Werke unser Gemüth desto freier und ungehinderter zu Gott zu erheben. » Bekehret euch, so spricht der Herr, befehret euch zu mir von ganzem Herzen in Fasten, Weinen und Trauern, und zerreißet eure Herzen, und nicht eure Kleider. Es verlasse der Gottlose seinen Weg, und der Ungerechte seine Anschläge, und kehre zurück zum Herrn, und Er wird sich seiner erbarmen. Er kehre zurück zu unserem Gott; denn Er ist geneigt und bereitwillig zum Verzeihen.- COMEN 139 BURS Brich den Hungerigen Dein Brot, die Dürftigen und Fremden führe in dein Haus, und fiehst du einen Nackenden, so bekleide ihn. Dieses ist ein Fasten, das Ich erwähle, spricht der Herr.« Die Tage der Fasten sind Tage des Heiles, der Buße, des Gebetes, der christlichen Wohlthätigkeit. Die heilige Fastenzeit ist aber auch ganz vorzüglich der dankbaren Erwägung und Betrachtung des Leidens und Todes Jesu gewidmet. Wir sollen da betrachten die un endliche Liebe unsers göttlichen Heilandes, der für unsere Sünden so unaussprechliche Leiden erduldet, und des schmerzlichsten Todes am Kreuze gestorben ist. Auch wir sollen der Sünde in uns, allen bösen Lüsten und Begierden unsers Herzens absterben, um mit unserem göttlichen Heilande am Osterfeste zu einem neuen Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu erstehen. Die Kirche bestreut heute unsere Häupter mit geweihter Asche, und ruft uns zu: Gedenk', o Mensch! daß du Staub ist, und wieder zu Staub werden wirst. Dadurch weihet - 140 fie uns auf eine sinnvolle Weise ein zur Fasten, zur Buße, zur Abtödtung des alten Menschen, zur Heiligung unseres Herzens. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! wer sich vor Dir demüthiget, findet Gnade bei Dir, und wer über seine Sünden Buße wirkt, besänftiget Deinen Zorn. Erhöre unser Flehen, und gieß über Deine Diener, die jetzt ihr Haupt mit Asche bestreuen lassen, den reichen Segen Deiner Gnade aus. Erfülle uns mit dem Geiste der Zerknirschung und der Buße, und verleihe uns die Vergebung unserer Sünden. Stärke, o Gott! Deine Gläubigen, daß wir die heiligen Fasten würdig anfangen, und zu unserem Heile vollenden, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Göttlicher Heiland! diese heilige Fastenzeit ist vorzüglich der dankbaren Betrachtung Deines bitteren Leidens und Sterbens gewidmet. O Du Lamm Gottes, das aller Welt Sünden trägt, wie soll ich Dich in diesen heiligen Tagen auch nur einigermaßen 141 würdig verehren? wie Dir danken für Deine unendliche Liebe? wie tief genug erkennen den unschäßbaren Werth Deines Leidens und Todes? wie Dir treu genug nachfolgen in Deiner Geduld, in Deinem Gehorsam, in Deiner vollkommenen Ergebung in den Willen des himmlischen Vaters? in Deiner Liebe gegen Deine Feinde und Mörder? O göttlicher Heiland! drücke Dein Leiden, Deine Schmerzen, Deinen Tod tief in meinem Herzen ein, daß diese heiligen Tage mir unvergeßlich, und die heilsamen Früchte derselben in mir sichtbar werden. Laß mich herzliche Antheil nehmen an Deinem heiligen Leiden und Sterben; laß mich der Sünde absterben, wie Du zur Versöhnung unserer Sünden gestorben bist, damit ich theilhaftig werde der Früchte Deiner Erlösung, Deiner herrlichen Auferstehung und Deiner unaussprechlichen Seligkeit im Himmel. Amen. Am Palmsonntag. Heute feiert die Kirche jene merkwürdige Begebenheit, da der göttliche Heiland am 142 Sonntage vor seinem Leiden seinen feierlichen Einzug in Jerusalem hielt. Das Voik strömte haufenweise Ihm entgegen, nahm Palmzweige in seine Hände, zierte zu seiner Ehre die Wege und Straßen, und rief ihm freudig Lobgesänge zu. Zum Andenken dessen werden heute Palm- oder andere Baumzweige geweihet und unter die Gläubigen vertheilt. Priester und Volk ziehen in einer feierlichen Procession in der Kirche herum, und es wird folgender Hymnus wechselweise gesungen: Lob, Ehre, Dank und Ruhm sei Dir, Erlöser! Christus, unser König! dem heute die fromme Kinderschar mit Lobgesang entgegenwallt. Hosanna, sei gebenedeiet, der Du im Namen Gottes kommest! Sohn Davids, König Israel! Hosanna in der Höhe! Dich preisen alle Deine Himmel. Alle Welten verkünden Deine Herrlichkeit. Auch der sterbliche Mensch wagt es, im Staube Dein Lob zu stammeln. A pabr Mit Palmen und Zweigen eilt Judäa Dir frohlockend entgegen. Auch wir huldigen 143 und opfern Dir Gebete, Gelübde und Hymnen. Den leidenden Heiland empfängt heute Jerusalem mit freudiger Ehrfurcht. Dankbar befingen auch wir heute den Fürsten des Lebens, und den Glanz seines ewigen Reiches. ODu, dem alles Gute wohlgefällt, Du König der Liebe und Gnade! Mit Wohlgefallen hörtest Du den Lobgesang der Kinder. O laß auch unsere Andacht, unsere Des muth, unsere Einfalt Dir gefallen. Lob, Ehre, Ruhm und Dank sei Dir, Erlöser, Christus, unser König! dem heute die fromme Kinderschar mit Lobgefang entgegenwallt. Gebet. O Gott, der Du Deinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn, zu unserer Elösung in die Welt gesandt haſt, daß Er sich zu uns erniedrigte, und uns zu Dir zurückführen sollte; dem auch, als Er nach Jerusalem kam, um die Schrift zu 144 erfüllen, die Scharen des gläubigen Volkes ihre Kleider und Palmzweige mit eifriger Andacht auf den Weg streuten; wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir Ihm im Lichte des Glaubens den Weg bereiten, daß wir jeden Stein des Anstoßes entfernen, und daß unsere Liebe vor Dir in fruchtbaren Zweigen aufblühe, damit wir würdig werden, Ihm nachzufolgen, der mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 1 Am grünen Donnerstage. Heute feiert die Kirche jenen heiligen Abend, an welchem der göttliche Heiland das Geheimniß seiner unergründlichen Liebe und seines heilbringendenVersöhnungstodes, das wundervolle Mahl unserer Erlösung und Begnadigung eingesetzt, und uns darin das Unterpfand des ewigen Lebens hinterlassen hat. Wir alle knieen nieder vor diesem hochheiligen Sacramente, bekennen öffentlich, daß wir Ihn da wahrhaft und wesentlich gegenwärtig glauben, unsern Herrn und Heiland 145 - als Gott und Mensch; wir beten Ihn da an, loben und preisen ihn; in Ihm und durch Ihn allein suchen und hoffen wir Verzeihung, Gnade und ewiges Leben. Gebet. Gütigster Jesu! der Du uns durch die Einfeßung des heiligsten Abendmahles den deutlichsten Beweis Deiner Liebe, und das kräftigste Erinnerungszeichen Deines Leidens hinterlassen hast; gib, daß wir nie die Geheimnisse Deines Leibes und Blutes genießen, ohne von dankbarer Gegenliebe und von willigem Gehorsam gegen Deine Gebote beseelt zu sein. Laß die heiligen Lehren des Evangeliums, die Du mit Deinem Blute versiegelt hast, durch den würdigen Genuß dieser Seelenspeise in uns wirksam und fruchtbar werden. Gib uns endlich die Gnade, daß der Genuß dieses Liebesmahles uns nicht zum Strafgerichte und zur Verdammung, sondern zum Heile und zur ewigen Glückseligkeit gereiche. Amen. 10 B 146 Am Charfreitage. Jesus neigte sein Haupt, und gab seinen Geist auf. Alle Bitterkeiten des menschlichen Lebens, auch den Tod hat Er versucht, und ihn erduldet für uns Alle. Er war seinem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode am Kreuze. Nun hat Er aus unendlicher Liebe für uns Menschen Alles vollbracht, Alles gewirkt, Alles erduldet, was Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit zu unserer Erlösung und Versöhnung forderte. Unsere Sünden trug Er an seinem Leibe auf dem Kreuzholze. O Liebe, o unendliche Liebe! Segne mich mit den unendlichen Verdiensten Deines heiligen Todes, und entzünde mein Herz mit der feurigsten Gegenliebe, daß ich fortan nicht mehr mir, sondern Dir lebe, Dir sterbe, Dein Eigenthum bleibe ewiglich. Du bist würdig zu empfangen Preis und Ehre und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - 147 - Gebet. O göttlicher Heiland! Ich bete Dich an im Staube, und danke Dir für Deine unbegreifliche, unendliche Liebe, mit der Du so unermüdet mein und aller Menschen Heil gesucht und gewirket hast. Ich danke Dir mit gerührtem Herzen für alle Deine Leiden und Bitterkeiten, für die ausgestandenen Mißhandlungen und Qualen an Leib und Seele, für Dein kostbarstes Blut, das Du vergossen, für den schmerzlichsten Tod, den Du gelitten haft zu unserer Erlösung. Ich bitte Dich, unschuldiges Gottes- Lamm! segne mich mit den unendlichen Verdiensten Deines bittern Leidens und Sterbens, und laß die Früchte derselben an mir wirksam sein. Schenke mir einen lebendigen Glauben an Dich und an Dein göttliches Wort; erwecke in mir eine recht feste Zuversicht zu Dir; entzünde in mir das Feuer Deiner heiligen Liebe. Verleihe mir Vergebung der Sünden, Gehorsam gegen Deine heiligen Gebote, den Frieden des Herzens. Schaffe mich um durch Deine heiligmachende Gnade zu einem wahren Kinde 10 - - 148 Gottes, und laß mich erben Dein himmlisches Reich, damit ich Dich mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig anbeten, loben und preisen möge. Amen. Am Osterfeste. Triumph dem Sieger über die Sünde, den Tod und die Hölle! Triumph dem Erstandenen! Freue dich, Christenheit! denn dieß ist der Tag, den der Herr gemacht hat, der gütig ist, und dessen Barmherzigkeit ewig währt. Freue dich; denn der Tod ist nun im Siege verschlungen, die Macht der Hölle, das Reich des Satans ist zerstört; dein Erlöser, dein Retter, dein Mittler lebt. Er war todt, und sieh, Er lebte wieder auf; Er lebt jest in Ewigkeit, und hat die Schlüssel des Todes und der Hölle. Ja, o mein göttlicher Heiland! herrlich war Deine glorreiche Auferstehung. Versiegelt war das Grab, und umrungen von feindseligen Wächtern. Aber Dein heiliger Leib sollte die Verwesung nicht sehen, glorreich sollte Dein Grab sein. Und wer konnte Dich 149 daran hindern? Wer ist Dir gleich? Wer so mächtig, furchtbar, preiswürdig? Die Erde bebet in dem Augenblicke, wo Du Deinen Leib wieder erweckest. Auf Deinen Wink öffnet sich das Grab; siegreich gehst Du hervor als Ueberwinder des Todes und der Hölle, und Engel umgeben Dein Grab. Anbetungswürdigster Heiland! Durch Deine Auferstehung bist Du als der vielgeliebte Sohn des ewigen Vaters der ganzen Welt feierlich dargestellt; Dein großes Versöhnungsopfer für unsere Sünden ist für vollgiltig und angenommen erklärt; die Göttlichkeit Deiner Person und Lehre ist auf das Vollkommenste bestätiget, und die künftige Auferstehung unseres Leibes ist dadurch außer allen Zweifel geſetzt. Gib mir auch die Gnade, o Jesu! mein Herr und mein Gott! daß ich stets so vor Dir wandle, wie es Deine Lehre von mir fordert, daß ich nur Dir lebe, der Du für mich gestorben und auferstanden bist. Gib mir die Kraft und Stärke, der Sünde und allen bösen Lüsten ganz zu sterben, aus dem Grabe der Sünde wahrhaft aufzustehen, und - 150 — mit Dir in einem neuen Leben zu wandeln, das nach Deiner Heiligkeit und Gerechtigkeit gebildet ist. Laß von nun an meinen Blick dahin gerichtet sein, wo Du sizest zur Rechten Deines Vaters, und daß ich nichts Anderes suche, als was im Himmel ist. Lied am Osterfeste. O tönt, ihr Freudenlieder! tönt; Die Schafe hat das Lamm versöhnt. Geschlachtet ward das Osterlamm, Das von uns jede Sünde nahm. Es rang im wundervollen Streit Das Leben mit der Sterblichkeit. Es lebet, der gestorben ist, Der Fürst des Lebens, Jesus Christ. O Magdalena! sag' uns an, Was staunend deine Augen sah'n? » Ich sah das Grab des Lebens leer, Und mir erschien im Glanz der Herr.«< » Ich sah, wie an des Grabes Rand Im Lichtglanz Gottes Engel stand, 151 Und in dem Grab das Leichentuch, Worin man Ihn zum Grabe trug.« » Erstanden ist Er aus dem Grab, So wie Er uns die Hoffnung gab. Er geht nach Galiläa hin, Dort, Jünger! eilt, dort seht ihr Ihn.« Wir wissen, daß mit Gottes Sieg Der Heiland seinem Grab entstieg. O Sieger, König! sende Du Uns Allen Dein Erbarmen zu. Gebet. O mein Heiland! Ich, Dein Erlös'ter, frohlocke über Dehen Sieg, und über Deine glorreiche Auferstehung. Du hast die Sünde und den Tod von mir hinweggenommen, und mir die Pforten des Himmels eröffnet. Wie soll, wie kann ich Dir würdig dafür danken? Ich will Deinem anbetungswürdigen Beiſpiele nachfolgen, gegen die Sünde aus allen Kräften kämpfen, kämpfen gegen meine sündhaften Begierden und Leidenschaften, bis ich 152 sie überwinde, und zu einem neuen, Dir geheiligten Leben auferstehe. Dazu gib mir, liebreicher Heiland! Deine Gnade. Stärke meine Entschließungen, befestige meinen Willen, unterstüße mich mit Deiner Kraft, damit ich einen guten Kampf kämpfe, die Krone der Gerechtigkeit erringe, und endlich dahin gelange, wohin Du mir durch Deine Leiden und Deine Auferstehung den sicheren Weg gezeigt und geöffnet hast. Amen. An den Bettagen. An dem Feste des Heiligen Marcus und an den drei Tagen vor dem Himmelfahrtsfeste hat die Kirche schon seit mehr als tausend und dreihundert Jahren feierliche Buß- und Bitt- Processionen angeordnet, um durch vereinigte Andacht von Gott Bewahrung vor allgemeinen Landplagen und Unglücksfällen, und Segen für die Früchte der Erde zu erbitten. Es werden verschiedene Buß- und Bittgebete, und die Litaneien von der Mutter Gottes und den Heiligen abgebetet, um auch durch ihre Fürbitte Gottes Barmherzigkeit zu 153 erflehen. Welch' ein rührender, erhebender Anblick ist es, so viele Gläubige mit ihrem Hirten, Kinder und Erwachsene, Arme und Reiche, unter der Fahne Christi vereiniget, in feierlicher Procession einhergehen zusehen, wie sie Alle mit Einem Munde zu Gottum Erbarmen und Gnade rufen, und dadurch ein öffentliches Bekenntniß ihrer Dürftigkeit und Nichtigkeit, ihres Glaubens an Gottes Macht und Majestät, an seine unermeßliche Güte und Barmherzigkeit ablegen. Diese feierlichen Processionen erinnern uns auch an unsere Wanderschaft auf Erden, und daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern im Himmel unser wahres Vaterland suchen. Sie erinnern uns an die mühsamen Reisen, die Jesus einst verrichtete, da Er Städte und Dörfer durchwanderte, um den Menschen den Weg zur Seligkeit zu lehren und zu zeigen. Wir sollen daher ganz vorzüglich das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen, und mit reumüthigem und zerknirschtem Herzen Gottes Barmherzigkeit anflehen, daß Er vor Allem uns vor dem Uebel der Sünde bewahren, uns Vergebung 154 der Sünde ertheilen, und mit allen jenen Gnaden uns segnen wolle, welche wir bedürfen, um auf dem Wege seiner heiligen Gebote standhaft zu handeln, und Früchte der Gerechtigkeit und christlichen Liebe uns auf den großen Tag des Gerichtes und der Vergeltung zu sammeln. - - Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! auf dessen Güte wir in allen unseren Anliegen und Nöthen unser Vertrauen seßen; gib, daß wir unter Deinem Schuße vor allen Widerwärtigkeiten und Drangsalen stets verwahret, oder wenn sie zu unserem ewigen Heile nothwendig sind, aus demselben zur rechten Zeit wieder errettet werden, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Herr, himmlischer Vater, Dein eingeborner Sohn Jesus Christus hat uns die Versicherung gegeben, daß wir Alles von Dir erhalten, um was wir Dich in seinem heiligsten Namen bitten. Mit kindlicher Zuversicht wenden wir uns daher an Dein Vater 155 herz, und tragen Dir im Namen Jesu unsere Gebete, Bitten und Fürbitten vor. Reinige und heilige unser Herz immer mehr, damit wir nichts wollen und nichts thun, als was Du willst, damit nicht wir leben, sondern Du in uns. Ohöchst barmherziger Gott! Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre, und ewig lebe. Gib uns den Geist der Buße und Zerknirschung, und sei uns armen Sündern gnädig. Stärke unsern Willen in der Ausübung des Guten, ordne alle unsere Schritte nach Deinem Wohl= gefallen, hilf uns überwinden unsere bösen Gewohnheiten, und bezähmen unsere unordentlichen Lüste und Begierden. Deine Weisheit sei das Licht unseres Verstandes, Deine Heiligkeit die Richtschnur unserer Gedanken und Wünsche; erfülle unsere Seelen mit Eifer für Deine Ehre, mit Verehrung gegen Dein göttliches Wort, mit willigem Gehorsam gegen unsere Vorgesetzten, mit Wohlwollen gegen unsere Nächsten, mit Liebe gegen unsere Feinde, und laß uns nach Kräften dazu beitragen, daß Sünde, Laster und Elend unter uns immer mehr vermindert, - - 156 daß Gottesfurcht, Tugend und Gerechtigkeit auf Erden immer mehr ausgebreitet werden. Bewahre uns auch, o allmächtiger Gott! vor Seuchen und gefährlichen Krankheiten, vor Pest, Hunger und Krieg, vor verheerenden Landplagen und andern Uebeln. Solltest Du jedoch eines dieser Uebel nach Deiner unerforschlichen Weisheit als eine väterliche Züchtigung über uns verhängen, so gib uns nur Geduld, Stärke und ein kindliches Vertrauen, daß wir alles mit voller Ergebung aus Deiner Vaterhand annehmen, und durch kein Leiden von Dir jemals getrennt, sondern vielmehr mit Dir immer mehr vereiniget werden. Darum bitten wir Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Feste der Himmelfahrt des Herrn. Mit dankerfülltem Herzen blicken wir heute hinauf in den Himmel, wo Du, göttlicher Heiland! zur Rechten Deines Vaters sitest. Preis, Ehre und Anbetung sei Dir, o allmächtiger Sieger über Tod und Sünde! Die liebreiche Art, mit der Du, Deine Jünger 157 segnend, vor ihren Augen Dich gegen den Himmel emporhobest, o welch ein anschaulicher, tröstlicher Beweis ist es nicht, daß Du eben so freundlich und liebevoll für uns im Himmel lebest, und dort unser Versöhner, Mittler und Fürsprecher bei Deinem Vater bist. Deine theuern Versicherungen:» Ich fahre hinauf zu Meinem Vater und zu eurem Vater, zu Meinem Gott und zu eurem Gott; und Ich gehe hin, für euch einen Ort zu bereiten. Euer Herz betrübe sich nicht, und fürchte sich nicht. Glaubet ihr an Gott, fog bet auch an Mich. In Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen;«- o wie kraftvoll ermuthigen sie uns, standhaft auszuharren in allen Leiden und Drangsalen dieses Lebens, und in allen unseren Lagen kindlich auf Gott zu vertrauen. - Deine feierliche Himmelfahrt, o Jesu! lehrt uns aber auch zugleich, wo unser wahres Vaterland ist, wobin wir alle unsere Gesinnungen und Wünsche, alle unsere Mühen und Bestrebungen richten sollen. Wollen wir aber dahin gelangen, so muß auch unser Leben Deinem göttlichen Wandel, - 158 - o liebevoller Heiland! ähnlich sein: unser Leben muß in einem unermüdeten Streben bestehen, Deine Lehre in Allem genau zu befolgen, auf dem Wege Deiner Gebote standhaft zu wandeln, und Deinem Tugendbeispiele nach Kräften nachzufolgen; nur so werden wir dahin kommen, wo Du bist, in die Herrlichkeit Deines Vaters. Gebet. Wir bitten Dich, allmächtiger Gott! verleihe uns Deine Barmherzigkeit, daß wir, die wir glauben, daß Dein eingeborner Sohn, unser Erlöser, heute in den Himmel aufgefahren ist, wir ebenfalls mit unseren Herzen schon im Himmel wohnen. Durch eben den. selben Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Zu Dir, o ewiger hoher Priester! erhebe ich mein Herz, und feiere Deine glor reiche Himmelfahrt, indem Du heute in Gegenwart Deiner Geliebten siegreich über alle Himmel zu dem Throne der ewigen Herrlichkeit Dich erhoben hast. Und dennoch würdigest Du Dich, durch den Glauben in den 159 Herzen Deiner Gläubigen zu wohnen, und fie durch die Kraft Deiner Gnade und Erbarmung an Dich zu ziehen. Du Anfänger und Vollender meiner Seligkeit! zieh auch mich an Dich, daß mein Leben zwar auf Erden, mein Wandel aber im Himmel sei, daß ich mit ganzer Seele das suche, nach dem trachte, und das erlange, was oben ist, wo Du fizest zur Rechten des Vaters, mit dem Du lebest uud regierest in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. m Am Pfingstfeste. Heute feiern wir jene Gnadenzeit des neuen Bundes, da die lebendigen Wasser des heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen strömen, und sie mit heiligen Gaben erfüllen. Heute hat der heilige Geist jenes große Wunder gewirkt, da Er in sichtbarer feuriger Gestalt über die versammelten Apostel des Herrn herabgekommen ist, und sie mit seinen Gaben und Gnaden erfüllet hat. Heute hat der göttliche Heiland seine große Verheißung - 160 gelöset, die er seinen Jüngern gemacht hatte, indem Er sprach:» Ich werde euch den heiligen Geist senden, den Lebrer der Wahrheit, den Tröster, den Heiligmacher, der bei euch bleiben wird ewiglich.« Einmüthig waren die Apostel versammelt, und fleheten im gemeinschaftlichen Gebete zu Gott, und ihr Gebet wurde erhört. Der heilige Geist, der über Jesus bei seiner Taufe herabgekommen war, kam auf sie im Brausen eines Sturmwindes und im Glanze milder Feuerflammen herab, und sie wurden an ihrem Geiste und Gemüthe in neue Menschen umgestaltet. Sie wurden aus ungelehr. ten Fischern Lehrer der Welt, aus furchtsamen Jüngern muthige Helden, aus schwachen Menschen mächtige Wunderthäter. In allen Sprachen verkündigten sie Gottes Größe und Majestät, Jesum, den Eingebornen des ewigen Vaters, der zu unserem Heile Mensch geworden ist, gelitten hat, am Kreuze gestorben, auferstanden, und in den Himmel aufgefahren ist. Sie gingen in alle Welt, predigten das Evangelium zur Vergebung der Sünden allen Völkern, tauften Alle, die an das Evangelium 161 glaubten, und vereinigten sie zu einer heiligen Gemeine, die fortbestehen wird bis an das Ende der Welt, gegen die alle Macht der Hölle nichts vermögen, bei der Jesus bleiben wird ewiglich. Heiliger Geist! der Du Deine Gaben Allen mittheilest, die zu Dir darum flehen; ich bitte Dich, komm auch in mein Herz, erfülle es mit Deinen Gnaden, damit es neu umgeschaffen und geheiliget werde, damit ich, wie die Apostel, von nun an in einem neuen Leben wandle, in Gottesfurcht und Heiligkeit. — Hymnus zu dem heiligen Geiste. O komm mit Deines Lichtes Strahle, Geist Gottes! auf uns Christen alle Herab von Deines Himmels Höh'n. Komm Du, der Vater aller Armen! Die Gnade spendet Dein Erbarmen, Durch Dich nur kann der Geist hell seh'n. Von Dir kommt Trost in trüben Stunden, Und wer Dich, füßer Gast! gefunden, Der fühlet sich durch Dich erfrischt. 11 162 Du schenkest Ruh' in schweren Plagen, Und Kühlung in den heißen Tagen; Du bist's, der jede Thrän' abwischt. O Deines Lichtes reinster Schimmer Erfülle uns're Herzen immer, Die glaubensvoll zu Dir ausseh'n. Ach, ohne Deine Gnadenvölle Kann uns're schwache Menschenseele Nicht auf dem Weg der Tugend gehn'. Gib Reinigkeit dem Sündenleben, Laß das Verirrte sich erheben, Und heile jede Wunde Du! Erweich' und beuge Du das Harte, Erwärme, was vor Frost erstarrte, Und führ' Dir das Verlorne zu. Gib Jenen Deine sieben Gaben, Die treu auf Dich vertrauet haben In Deines Glaubens Einigkeit. Verleihe uns ein selig Sterben, Und laß uns einst durch Jesum erben Des Himmels ew'ge Seligkett. 163 Gebet. O Gott! der Du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret hast; gib auch uns die Gnade, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und seines Trostes uns allezeit erfreueu mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Heiliger Geist, Gott alles Trostes! Geist der Wahrheit! der Du von dem Vater und dem Sohne ausgehest, und als ein Einiger Gott mit Beiden lebest und regierest in Ewigkeit! ich bete Dich an, und bekenne Dich als unsern Heiligmacher, Lehrer, Erleuchter und Seligmacher. Du bist es, der die Herzen der Gläubigen erleuchtet, reiniget und heiliget. Erleuchte auch mein Herz mit dem Lichte des Glaubens, entzünde es mit dem Feuer der Andacht und Liebe, beseele es mit Kraft und Muth für alles Gute, lenke und leite es durch Deine heiligen Einspres chungen und innerlichen Antriebe, und heilige es zu einem Dir wohlgefälligen Tempel, damit 11* - 164 ich stets auf Gottes Wegen wandle, getrost und selig sterbe, und dort des Himmels ewige Freuden erbe, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Am Feste der heiligsten Dreieinigkeit. Die Dreieinigkeit ist das erhabenste aller Geheimnisse. Je weniger mein Geist es fasset, desto inniger und ehrfurchtsvoller umfängt mein Herz eine Wahrheit, die uns Jesu untrüglicher Mund geoffenbaret hat. Auf diesem hochheiligen Geheimnisse beruht der Grund unsers Daseins, der Trost unserer Erlösung, die Quelle unserer Heiligung. Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! Dich bete ich an mit tiefster Ehrfurcht; Dich preise ich mit allen Heeren des Himmels und mit allen Menschen auf Erden. Auf Dich allein vertraue ich im Leben und im Tode. Dich liebe ich über Alles, und ewig will ich Dich lieben. Himmlischer Vater! getauft auf Deinen Namen, will ich überall nach allen Kräften besonders bei Jenen Deinen heiligsten Namen 165 verherrlichen, die Du meiner Sorge und Obhut anvertrauet hast. Deinen heiligsten Willen will ich in allen Stücken genau erfüllen. Entzieh' mir nur, lieber Vater! Deine Gnade nicht. - Eingeborner Sohn Gottes, Heiland der Welt! auf Deinen Namen getauft, will ich Dein Reich verbreiten, Deine Lehre durch Worte und Beispiele vor allen Menschen bekennen, und mit meinem Blute bestätigen. Dir, der Du aus Liebe zu uns, zu unserer Erlösung gestorben bist, will ich ganz leben, der Sünde, der Welt, dem Fleische, dem Satan und allen bösen Lüsten und Werken entsagen. Heiliger Geist! Geist des Vaters und des Sohnes! auf Deinen Namen getauft, will ich Deinen heiligen Einsprechungen gerne Gehörgeben, Deinen innerlichen Rührungen und Antrieben willig Folge leisten, und mich bestreben, Dein lebendiger Tempel zu werden. Als ein Kind Gottes, als ein Jünger Jesu, als ein lebendiger Tempel des heiligen Geistes will ich fromm und tugendhaft vor Gott und den Menschen wandeln, damit die - 166 Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mit mir und uns Allen sei. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du Deinen Dienern die Gnade gegeben hast, in dem Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit zu erkennen, und in der Macht der göttlichen Majestät die Einigkeit anzubeten; wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, daß wir durch festes Anhängen an diesem Glauben gegen alle Widerwärtigkeiten beschüßet werden. Durch unsern Herrn ic. Amen. Am Frohnleichnamsfeste. Wir feiern heute das Andenken jener geheimnisvollen Leidensnacht, in welcher unser Herr und Heiland das Geheimniß seines Leibes und Blutes, das allerheiligste Sacrament des Altars, einsetzte. Wir preisen das Wunder seiner unendlichen Liebe, welche Brot 167 - in seinen wahren Leib, und Wein in sein wahres Blut verwandelte, und unter diesen geheiligten Gestalten sich selbst seinen Aposteln zur Nahrung und Stärkung ihrer Seelen darreichte. Dadurch bereitete uns der göttliche Heiland ein himmlisches Gastmahl, und stiftete ein ewiges Denkmal seines Leidens und Todes. Wir bekennen heute laut und feierlich unsern Glauben an die wahre mesentliche und wirkliche Gegenwart Jesu in diesem allerheiligsten Sacramente; wir bringen ihm als unserm Herrn und Gott öffentlich das Opfer unserer Anbetung dar, und freuen uns mit unaussprechlicher Freude des Sieges, den der Glaube an dieses heiligste Sacrament über alle Finsternisse des Unglaubens davons trug; wir freuen uns der Verherrlichung des Namens Jesu, der in der ganzen Welt gelobet und gepriesen wird, vor dem sich alle Knie beugen, und vor dem wir Alle das Bekenntniß ablegen, daß Er sei der Herr unser Gott, unser Erlöser und Seligmacher, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. 1 168 Symnus vor dem heiligsten Altars= Sacramente. Christen! singt mit frohen Herzen, Preiset Gott, das höchste Gut, Das Geheimniß seiner Liebe, Seinen wahren Leib und Blut. Diesen Leib, der angeheftet An dem Kreuze für uns starb; Dieses Blut, das dort geflossen, Und der Welt das Heil erwarb. Uns gegeben, uns zum Heile, Trat der Friedensfürst herein, Aus Maria, reiner Jungfrau, Wollt' Er uns geboren sein. Seine Wunder gaben Zeugniß Von der Göttlichkeit der Lehr', Und das allergrößte Wunder Ging vor seinem Tode her. Als Er einst mit seinen Jüngern Bei dem Abendmahle saß, Und allda die vom Gesetze Vorgeschrieb'ne Speise aß, Macht' Er eine Liebesstiftung, 168 Somras vor dem heiligster Attards Sacramente, Chrifient fingt mit frohen Herzen, Preiser Gott, das höchste Gut, -Das Geheimniß seiner Liebe, Seinen wahren Leib und Blut. Diefen Leib, der angeheftet. An dem Freuzs für uns starb; Dieses Blue, bas best griloffen, beil erwarb. Trat ber Friebenöfürjt herein, Aus Maria, reiner Jungfrau, Wollt Gr uns geboren sein. Seine Wunder gaben Zeuguiß " Von der Göttlichkeit der Lehr', Und das allergrößte Wunder Ging vor seinem Tode her. 18 Er einst mit seinen Jüngern Bei dem Abendmable foß, Und allda die vom Geſchi Norgeschrieb'ne Speife af, Gr eine Liebesstiftung, 195. Stahlstich v. Carl Mayer's Kimst Anstalt in Nürnberg St. Clara. G 169 - Da das Mahl geendet war, Und gab selbst, bevor Er litte, Ihnen sich zur Speise dar. Nahm in seine heil'gen Hände, Segnete und brach das Brot; Und durch seine Allmachtsworte Ist es wahrer Leib und Gott. Dann reicht' Er den Kelch des Heiles, Und sein heil'ges Blut darin, Zum Gedächtniß seines Leidens Seinen lieben Jüngern hin. Christen, betet dieß Geheimniß In dem Geist der Demuth an! Unser Glaub' ersetze jenes, Was der Sinn nicht fassen kann. Dieses Denkmal seiner Liebe In dem heil'gen Sacrament Fordert uns're Gegenliebe Jeßt im neuen Testament. Guter Hirt! der seiner Herde Selbst sein Fleisch und Blut gewährt, Der uns schwache, arme Pilger Mit dem Brot des Lebens nährt. Laß uns zu dem Gastmahl kommen, Wo wir Dich nicht mehr verhüllt, 170 1 Ewiglich dann sehen können, Wenn wir uns're Reif' erfüllt. Gott dem Vater und dem Sohne, Gleicher Kraft und Wesenheit, Und dem Geist am höchsten Throne Singet Lob mit Fröhlichkeit. Gott ist wahrhaft hier zugegen; Herr! ich glaub', ich hoff' auf Dich. Vater! Gib uns Deinen Segen; Deine Kinder lieben Dich. Gebet. O Gott! der Du uns in dem wunderbaren Sacramente das Andenken Deines Leidens hinterlassen hast; wir bitten Dich, verleihe, daß wir die heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes so verehren, damit wir die Früchte Deiner Erlösung in uns unaufhörlich empfinden; der Du lebest und regierest mit dem Vater und dem heiligen Geiste in Ewigkeit. Amen. 171 Am Kirchweihfeste. Heute begehen wir die Feier desjenigen Tages, an welchem diese Kirche zur Anbetung und zum Dienste Gottes eingeweiht worden ist, damit wir hier in gemeinsamer Erbauung Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten, das Wort Gottes in Predigten und Christenlehren aufmerksam anhören und im Herzen bewahren, dem Opfer der heiligen Messe andächtig beiwohnen, und die heiligen Sacramente zur Erlangung und Vermehrung der göttlichen Gnade würdig empfangen sollen. O wie fürchterlich erhaben ist dieser Ort, wo Jesus Christus als Gott und Mensch in dem heiligsten Altars- Sacramente unter uns gegenwärtig ist, und uns liebreich zurufet: »> Kommt Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid; Ich will euch erquicken.« Wir sollen demnach heute die vielen Gnaden betrachten, die uns in diesem Hauſe Gottes zu Theil werden, und uns vornehmen, diese vielen Gnaden künftig eifriger zu benüßen. Wir sollen uns erinnern, daß auch 172 unser Leib ein Tempel Gottes, ein Tempel des heiligen Geistes ist, den wir ja durch keine Sünde entehren und entheiligen, dessen Glieder und Kräfte wir nur zum Guten nach Gottes Wohlgefallen anwenden sollen. Gebet. O Gott! der Du uns alle Jahre den Einweihungstag dieses Deines Tempels erneuerst, und uns an Deinen heiligen Geheimnissen frohen Antheil gewährest! erhöre die Bitten Deines Volkes, und verleihe, daß Alle, welche in diesen Tempel eingehen, um Deine Gnade zu erflehen, einer gnädigen Erhörung sich erfreuen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. est 173 An den Festen der seligsten Jungfrau Maria. Am fefte der unbefleckten Empfängniß Mariä. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! verleihe Deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade, damit die Feier der Empfängniß der feligsten Jungfrau den göttlichen Frieden in uns vermehre, so wie die Geburt ihres Sohnes der Anfang unseres Heiles geworden ist. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Ounbefleckte Jungfrau! Du stehst ohne Makel vor dem Angesicht des Herrn. Würdige Dich, Deine mitleidigen Augen auf mein unreines Herz zu werfen, und erbitte mir die Gnade, daß ich durch eine wahre Buße mein 174 Herz von allen Flecken der Sünde reinige, mein Heil ernstlich wirke und würdig werde, an Deiner Seligkeit einst Theil zu nehmen. Amen. Am feste Mariä Verkündigung. Gebet. O Gott! der Du gewollt hast, daß die seligste Jungfrau auf die Verkündigung des Engels Deinen eingebornen Sohn empfangen sollte; wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir, die wir Sie als Mutter Deines Sohnes verehren, durch ihre Fürbitte die Hilfe erlangen, ihren heiligen Wandel nachzuahmen, und ihrer Seligkeit im Himmel theilhaftig zu werden, durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Dich, Jungfrau, wählt der Herr der Heere, Dich unter Tausenden allein, Zur unaussprechlich hohen. Ehre, Die Mutter seines Sohn's zu sein. Ihn nennst Du Deinen Eingebornen, Dich nennet Mutter jener Gott, 175 Der uns, den Sündern und Verlornen, Erlösung bracht' durch seinen Tod. O nimm uns auch zu Deinen Kindern, Du gnadenvelle Mutter! an, Und bitte Jenen, der aus Sündern Gerechte, Fromme schaffen kann, Daß wir voll( Fifer uns bestreben, Zu thun, was uns Dein Sohn gebeut; Daß Er uns reicht nach diesem Leben Die Krone der Unsterblichkeit. Am fefte der schmerzhaften Mutter Mariä. Gebet. Göttlicher Heiland! da Du am Stamme des Krenzes Dein Leben für uns Sünder hingabst, Dein kostbarstes Blut zur Verge. bung unserer Sünden vergossest, hat nach der Vorhersagung Simeons das Schwert des Schmerzens die zarte Seele Deiner gebenedeiten Mutter durchstochen. An dieses ihr Leiden erinnern wir uns heute und stärken uns durch das Andenken ihrer Schmerzen zur Geduld in unsern Trübsalen. Wir verehren 176 Dein Leiden im Andenken an das Leiden Deiner geliebten Mutter; daher laß, o Herr! die gesegneten Früchte Deines Leidens und Sterbens uns reichlich zufließen. Die Heiligen, die einst mit Maria unter Deinem Kreuze standen, bitten für uns; erhöre ihr Flehen, und laß uns durch ihre Fürbitte die Gnade zu Theil werden, daß wir die Kraft Deines Leidens stets an uns empfinden. Amen. - Stabat mater. Hymnus am Feste der sieben Schmerzen Mariä. Jesu Mutter stand betrübet Bei dem Sohn, den Sie geliebet, Als Er an dem Kreuze hing. Wie war sie voll tiefer Trauer, Als das Schwert mit Todesschauer Ihr so liebend Herz durchging. Wie bestürzet, wie beklommen Stand die Mutter aller Frommen. Bei dem Kreuz auf Golgatha; 177 Als Sie Ihn mit bangem Sehnen Und mit ungezählten Thränen Für die Sünder leiden sah. - O wer soll nicht Mitleidsthränen Mit der Mutter weinen können, Wo Sie Todesschmerz umgibt? Wer soll Sie so wenig lieben, Und sich nicht mit Ihr betrüben, Die des Sohnes Tod betrübt? Sie erblickt den Sohn gebunden, Voll der Schmerzen, voll der Wunden, Ach! für uns're Missethat. Sie sieht den am Kreuze schweben, Trostlos seinen Geist aufgeben, Den Sie uns geboren hat. Schmerzenmutter, Quell der Liebe! Daß ich mich mit Dir betrübe, Steh' mir, Deinem Diener, bei. Laß mein Herz vor Lieb' entbrennen, Jesum, meinen Gott, erkennen, Daß ich Ihm gefällig sei. 12 178 Drücke Deines Sohnes Wunden, So, wie Du sie haft empfunden, Tief in meine Seele ein. Für mich ist sein Blut geflossen, Laß mich einen Mitgenossen Seines bittern Leidens sein. - Laß mit Dir mich wahrhaft weinen, Und mit Jesu mich vereinen, Mit Ihm theilen seinen Schmerz; Zu dem Kreuze mit Dir eilen, Deine Schmerzen mit Dir theilen, Dieß, o Mutter! wünscht mein Herz. Jungfrau, der Jungfrauen Zierde! Wenn mir doch gegeben würde, So wie Du betrübt zu sein. Jesu Tod und seine Plagen Möcht' an mir ich immer tragen, Und mich seinem Dienste weih'n. Möcht' ich seiner Wunden denken, Mich mit seinem Blute tränken, In der Lieb' mit Ihm vereint. 179 Wird die Liebe mich entzünden; O dann werd' ich Gnade finden, Wenn Er zum Gericht erscheint. - Jesu Kreuz sei meine Ehre, Und sein Tod mir Schutz und Wehre In des Erdenlebens Streit. Jesu! wann mein Leib wird sterben, Laß dann meine Seele erben Deines Himmels Seligkeit. Am Feste der Himmelfahrt Mariä. O Gott! der Du die seligste Jungfrau zur Mutter Deines Sohnes erhoben, und Sie heute mit vorzüglicher Herrlichkeit gekrönet hast; verleihe uns Deine Gnade, daß wir ihren reinen Zugendsinn und heiligen Lebenswandel nachahmen, und mit Ihr der ewigen Seligkeit im Himmel uns erfreuen mögen. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. O Maria! Du Auserwählte Gottes! Du Erhöhte über alle Chöre der Engel! Du Königin Himmels und der Erde! Du empfingst für Deine Demuth die Erhöhung 12* 180 über alle Geschöpfe; für die Reinigkeit Deines Herzens und Wandels die Krone der ewigen Herrlichkeit; für Deine Hingabe in den göttlichen Willen den Genuß der ewigen Seligkeit; für Deine Frömmigkeit die Anschauung Gottes; für Deine bittern Leiden unnennbare Freuden; für Deine Treue in Bewahrung der Gnade Gottes das Recht auch Jenen die Gnade Gottes zu erbitten, welche Dich verehren, auf Dich ihr Vertrauen seßen, Deinen Tugendbeispielen nachstreben, und Dich um Deine mächtige Fürbitte anrufen. O blicke gnädig auf uns herab, hilf uns kämpfen in den Gefahren dieses Lebens, hilf uns stegen über alle Versuchungen zur Sünde, und laß uns nie vergessen, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die künftige suchen, wo wir Dir für Deine Güte und Barmherzigkeit ewig danken und mit Dir und allen Heiligen Gott ewig anbeten, loben und preisen werden. Amen. Am Feste der Geburt Mariä. O Gott! der Du aus unendlicher Liebe und Erbarmung die Welt mit Dir durch — 181 Deinen eingebornen Sohn hast versöhnen wollen; wir bitten Dich, gib uns die Gnade, daß wir, die wir mit heiliger Freude die Geburt der seligsten Jungfrau und Mutter Jesu Chrifti feiern, durch ihre Fürbitte das Heil erlangen, welches uns ihr göttlicher Sohn durch sein Blut erworben hat; durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Am Namensfeste Mariä. Allmächtiger, ewiger Gott! wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, daß Deine Gläubigen, die auf den Namen und Schuß der seligsten Jungfrau Maria vertrauen, durch ihre milde Fürbitte von allen Uebeln auf Erden befreiet werden, und zu den ewigen Himmelsfreuden gelangen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 182 Am Gedächtnißtage aller heiligen Engel. Wie groß und herrlich bist Du, o allmächtiger, unaussprechlicher Gott! Dir allein gebührt Lob und Preis und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit! Unzählige Scharen reiner Geister umgeben den Thron Deiner göttlichen Majestät, und stehen bereit, Deine Befehle zu vollziehen. Wohin Du sie sendest in Deinem unermeßlichen Reiche, da wirken sie Gutes, verkündigen und erfüllen Deinen heiligsten Willen. Du hast nach Deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit auch uns Menschen dazu erschaffen, daß wir rein von Sünden, heilig, Dir wohlgefällig und ewig selig werden sollen, wie Deine Engel im Himmel es sind. Auch - 183 uns hast Du in der heiligen Taufe zu Deinen Kindern und Erben angenommen. Auch wir sollen nach Deinem heiligsten Willen Gutes thun, so viel wir können, auf dem Wege Deiner heiligen Gebote stets wandeln, und immer besser und frömmer, Dir wohlgefällig und ewig selig zu werden streben. Und damit wir dieser unserer großen Bestimmung entsprechen, hast Du sogar Deine heiligen Engel zu unserem Schuße und Heile bestimmt. Du haft ihnen befohlen, daß sie uns schützen sollen auf allen unseren Wegen. Nach Deinem heiligsten Willen wachen diese seligen Geister über uns, sorgen liebreich für unser Bestes, befördern unser ewiges Heil. Sie schützen uns vor sichtbaren und unsichtbaren Feinden und Gefahren; sie helfen uns jedes Hinderniß der Tugend und Seligkeit überwinden, und führen uns durch alle Versuchungen und Kämpfe zum Siege, um der Krone der ewigen Herrlichkeittheilhaftig zu werden. Sie freuen sich über unsere Bekehrung, bringen unsere Gebete und guten Werke wie ein gefälliges Rauchwerk vor Deinen Thron, und ihre Liebe begleitet uns auf allen Wegen unsers Lebens. - 184 - Dank Dir, o himmlischer Vater! für die Wohlthaten, die Du uns durch den Schuß und Dienst Deiner heiligen Engel erweisest. Gebet. O Gott, der Du Alles wunderbar ordnest, und den Engeln und Menschen ihre Dienste anweisest; verleihe gnädig, daß diejenigen, welche immer im Himmel bereit, Deine Befehle zu vollziehen, vor Deinem Throne stehen, auch auf Erden zu unserem beständigen Schuße und ewigen Heile bereit sein mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet zu dem heiligen Schußengel. Heiliger Schutzengel! du treuer Freund und Gefährte auf allen Wegen meines Lebens, den mir der himmlische Vater zu meinem Schuße und Heile bestimmt hat! in dir ehre und liebe ich Denjenigen, der dich und mich nach seinem Ebenbilde erschaffen, und dich mir zu meinem unsichtbaren Führer und 185 Beschüßer gegeben hat. Ich danke dir für alle Liebe und Sorgfalt, mit welcher Du über mein Seelenheil wachest. Ich bitte dich, sei auch fortan mein Leiter und Beschüßer auf den gefahrvollen Wegen dieses Lebens. Bewahre mich vor allen Gefahren des Leibes und der Seele; erbitte mir von Gott die Gnade, daß ich stets in der Furcht der Herrn und vor seinen Augen wandle; daß ich weder durch Worte, noch durch Handlungen Einen von jenen Kleinen ärgere, die an Jesum glauben; daß ich in Kreuz und Leiden nicht kleinmüthig werde und verzage; daß ich über alle Versuchungen zur Sünde siege, und im letzten Todeskampfe nicht unterliege; daß mein ganzes Leben auf Erden eine beständige Vorbereitung zu jenem himmlischen Leben sei, wo ich mit dir und allen Engeln Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, anbeten, loben und preisen werde in Ewigkeit. Amen. - - 186 1 Am Feste aller Heiligen. Dir, o höchster Herr Himmels und der Erde! Dir allein gebührt Anbetung. Du allein bist die Quelle aller Heiligkeit und Seligkeit. Dich ehren wir auch in Deinen Heiligen; denn Du hast sie geheiliget, Du hast sie gekrönet und verherrlichet. Dir sei Ehre und Dank, daß Du ihnen die Gnade gegeben hast, auf dem Wege Deiner heiligen Gebote standhaft zu wandeln, reich an Tugenden und guten Werken zu werden, und durch das Beispiel ihrer Frömmigkeit und Heiligkeit uns auf dem gefahrvollen Wege unserer irdischen Wanderschaft vorzuleuchten. Wie viele Tausende und Tausende aus allen Zeiten, Völkern und Ständen sind - 187- - nun bei Dir, o Gott! in Deinem himmlischen Reiche versammelt. Du hast sie so hoch erhoben; wir verehren sie als Deine Freunde, wir freuen uns ihrer Tugenden und Verdienste, streben ihrem Beispiele nachzufolgen, und rufen sie um ihre Fürbitte an, damit sie uns von Dir die Gnade erflehen, hier in Gottesfurcht und Gerechtigkeit vor Deinen Augen zu wandeln, und dort der ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden, die Du allen Denen bereitet hast, welche Dich lieben, und Deine heiligen Gebote genau beobachten. Ach, Gott der Erbarmung und alles Trostes! erbarme Dich auch unser, wie Du Dich aller Jener erbarmet hast, welche von Deiner Gnade unterstüßt, auf dem schmalen Wege und durch die enge Pforte, die zum ewigen Leben führt, bereits eingegangen sind, und Dich schon von Angesicht zu Angesicht sehen, lieben und genießen. Wirf auch auf uns einen Blick der Gnade und Erbarmung, erleuchte auch uns, zieh' uns an Dich, stärke uns zu allem Guten, und schenke uns die Gnade der Beharrlichkeit, denn nur wer bis 188 1 an das Ende im Guten verharret, wird selig werden. Verleihe uns demnach, wir bitten Dich, o Gett, die rechte Armuth und Demuth des Geistes, die uns des Himmelreiches fähig macht; mache uns sanftmüthig vom Herzen, damit wir das Land des ewigen Lebens erobern; laß uns trauern und weinen über unsere Sünden, damit wir getröstet werden; erwecke in uns einen Hunger und Durst nach Deiner Gerechtigkeit und Deinem Reiche, damit wir gesättigt werden; gib uns Liebe, Versöhnlichkeit, Mildthätigkeit, Barmherzigkeit gegen Feinde und Beleidiger, gegen Arme und Nothleidende, damit auch wir vor Dir Gnade und Erbarmung finden; gib uns ein reines Herz, damit wir zur Anschauung Gottes gelangen; mache uns friedfertig und verträglich, damit wir verdienen, Kinder Gottes genannt zu werden; stärke uns mit ausdauernder Geduld bei allen Leiden und Verfolgungen um der Gerechtigkeit willen, damit unsere Belohnung groß sei im Himmelreiche. Auf diesem Wege hast Du, o allgütiger Gott! Deine Auserwählten zur 189 Heiligkeit und Seligkeit geführet. So gib auch uns diese Gnaden, damit wir den Beispielen Deiner Heiligen nachfolgen, und Dich in ihrer Gesellschaft ewig anbeten, loben und preisen mögen. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! Es ist Dir wohlgefällig, daß Deine Kirche auf Erden das Andenken an alle Heiligen feierlich begehet, die bereits Deiner Anschauung in ewiger Seligkeit genießen; wir bitten Dich, laßauch auf uns die Menge Deiner Gnaden und Erbarmungen herabthanen, da so viele tausend Fürbitter im Himmel sich mit unsern Bitten vereinigen. Erleuchte unsern Verstand zur Erkenntniß Deiner göttlichen Lehre, erwärme unser Herz zur Liebe alles Guten, reinige uns von aller Makel der Sünde, stärke uns zum Kampfe gegen alle Versuchungen, und laß uns durch die mächtige Fürbitte Deiner Auserwählten immer frömmer und Dir wohlgefälliger werden, damit wir zu Demjenigen gelangen, welcher der Weg, die Wahrheit 190 und das Leben ist, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet zu allen Heiligen Gottes. Oihr lieben Heiligen Gottes, deren Gedächtniß heute die Kirche feierlich begehet! wie lieb- und ehrwürdig seid ihr uns wegen euerer Verherrlichung im Himmel, wegen euerer Tugenden und Verdienste! Wie er freuet sich unser Herz, wenn wir zu euch, als verklärten Freunden Gottes und unseren mächtigen Fürbittern, unsere Augen gegen Himmel erheben! Wie ermunternd ist für uns der Gedanke, daß wir mit euch schon in heiliger Gemeinschaft der Liebe, der Fürbitte, der Verdienste und guten Werke stehen, und einst mit euch der himmlischen Seligkeit ewig genießen sollen! O bittet für uns Alle, die wir in dieſem Thale der Thränen leben, daß uns Gott feine Gnade verleihe, den Weg zu wandeln, den ihr uns vorausgegangen seid, daß wir siegen über alle Hindernisse und Gefahren 191 des Heiles, und auf dem Wege der göttlichen Gebote standhaft bis an das Ende verharren, um jener himmlischen Freudentheilhaftig zu werden, welche ihr bereits genießet durch die unendlichen Verdienste unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. Amen. - - 192 - Am Gedächtnißtage aller verstorbenen Christgläubigen. Gebet. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! neige gnädig Dein Ohr zu unserem Gebete, mit welchem wir Deine Barmherzigkeit für alle verstorbenen Christglänbigen demüthig anslehen. Du bist ja der Vater aller Menschen, Du liebst sie alle, und willst, daß wir alle einander lieben, und für einander beten sollen! Die Seelen im Fegefeuer sind unsere Mitchristen, unsere Brüder und Schwestern, Deine Kinder, erlöset durch Jefum Chriftum, geheiliget durch die Wiedergeburt der heiligen Taufe. Weil sie aber noch nicht ganz rein vor Deinem heiligen Augesichte sind, und noch manche zeitliche Strafen abzu 193 büßen haben, so sind sie noch von Deiner Anschauung entfernt, im Orte der Reinigung und Abbüßung, den Deine göttliche Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für sie beſtimmt hat. Wir bitten durch die unendlichen Verdienste unsers Herrn und Heilands Jesu Christi, mildere ihre Schmerzen, kürze ab ihre Strafen, stärke, tröste, erfreue sie; erfülle ihre heiße Sehnsucht nach Deiner Anschauung, und führe sie in das Reich des Friedens und des Lichtes. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - Gebet für verstorbene Aeltern. Herr, himmlischer Vater! Du hast uns befohlen, Vater und Mutter zu ehren, und fie zu lieben. Du hast meine Aeltern bereits aus diesem Leben abgerufen, damit sie empfangen nach ihren Werken. Sollten sie etwa wegen einiger kleineren Sünden und wegen noch übriger Sündenstrafe im Orte der Reinigung sich befinden; so bitte ich Dich demüthig, kürze nach Deiner unendlichen Erbarmung, um der Verdienste Jesu willen, 13 194 die Zeit ihrer Reinigung ab; sende ihnen Trost, Erquickung und Linderung, vergelte ihnen nach Deiner Erbarmung in der Ewigkeit, was ich ihnen Gutes zu verdanken habe. Segne fie für alle Wohlthaten, die sie mir erwiesen haben, und laß mich einst mit ihnen Antheil nehmen an Deiner ewigen Herrlichfeit. Darum bitte ich Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - Gebet für verstorbene Geschwister. Gott alles Trostes und aller Erbarmung! Deine unerforschlichen Rathschlüsse haben meinen Bruder( meine Schwester) von dieser Welt abgerufen. Sollten sie dort noch von Deiner Anschauung ausgeschlossen sein, so sende ihnen Deine erbarmende Hilfe zu, und erfreue sie bald durch Erlösung aus dem Orte der Schmerzen. Sei Du ihr Trost, ihre Labung, ihr Helfer, ihr Erretter, und vergelte ihnen die Liebe, die sie mir erwiesen haben. Darum bitte ich Dich, Vater! um der unendlichen Verdienste Jesu willen, der mit Dir und dem heiligen Geiste 195 lebet und regieret, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Gebet für Verstorbene, Freunde und Wohlthäter. Gott der Liebe und der Erbarmung! Ich glaube mit fester Zuversicht, daß es Dir wohlgefällig ist, wenn ich für meine verstorbenen Mitmenschen, insbesondere aber für Jene bete, welche Du selbst durch Bande der Freundschaft und Liebe näher mit mir verbunden hast. Du bist ja ein Gott der Liebe; Du hast uns das Gebot der Liebe zum Hauptgebote gemacht; Du befiehlst uns ausdrücklich, daß wir für einander beten ſollen, damit wir selig werden, und die Liebe hört mit dem Tode nicht auf, sondern erstreckt sich auch in die Ewigkeit hinüber. Ich flehe daher zu Dir, gütigster Vater! erbarme Dich der leidenden Seelen, die in jener Welt noch nicht ganz ihre verdienten Sündenstrafen abgebüßt haben. Erbarme Dich insbesondere meiner Verwandten, Freunde und Wohlthäter. Vergelte ihnen das Gute, welches sie mir erwie13* —— 196 - sen, mit himmlischem Troste, sei nicht länger ein strenger Richter gegen sie, sondern laß sie durch das kostbarste Blut Deines eingebornen Sohnes, welches Er zur Vergebung unserer Sünden vergossen hat, Gnade finden, und eingehen in die ewige Seligkeit. Amen. - 197- 1 Lauretanische Litanei, sammt den dazu gehörigen Gebeten. Herr! erbarme Dich unser. Christe! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. Gott Vater vom Himmel! erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme Dich unser. Gott heiliger Geist! erbarme Dich unser. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! erbarme Dich unser. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du unbefleckte Mutter, bitt für uns! 198 Du ungeschwächte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unseres Heiles, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, - - Du geistliche Roſe, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, bitt für uns! 199 Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtirer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, O Du kamm Gottes, welches Du hinwegs nimmst die Sünden der Welt! verschone uns, o Herr. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erhöre uns, o Herr. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erbarme dich unser, o Herr. Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. Vater unser. Ave Maria. Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verschmähe - bitt für uns! - 200 - nicht unser Gebet in unseren Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von allen Gefahren, o Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! Versöhne uns mit Deinem Sohne, empfehle uns Deinem Sohne, stelle uns Deinem Sohne vor. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! Damit wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten Dich o Herr! Du wollest Deine Gnade in unsere Herzen ausgießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels Christi Deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit und Glorie der Auferstehung geführet werden. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Bitt für uns, o heiliger Joseph! Damit wir theilhaftig werden der Vers heißungen Christi. - 201 Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unsere Kräfte nicht vermögen, uns durch seine Fürbitte geschenket werde; der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Salve Regina. Sei gegrüßet, Du Königin, Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu Dir rufen wir elende Kinder Evens; zu Dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Thränen! Sei unsere Fürsprecherin! Wende Deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! 202 rerin! - Bitte für uns, o heilige GottesgebäDamit wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung Deines Sohnes durch Mitwirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast; gib, daß wir, die wir uns ihres Andenkens erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode befreiet werden. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Nun werden gebetet: das Gebet für den Landesfürsten, das Gebet für das allgemeine Anliegen der Christenheit, fünf Vater unser und fünf Ave Maria, wie unten bei der Litanei von allen Heiligen. — 203 Litanei von allen Heiligen, sammt den dazugehörigen Gebeten. Herr! erbarme Dich unser. Christe! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Christe! höre uns. Christe! erhöre uns. Gott Vater im Himmel! erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt! erbarme Dich unser. Gott heiliger Geist! erbarme Dich unser. Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! erbarme Dich unser. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, bitt für uns. 204 - Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns. Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns. Heiliger Johannes der Täufer, bitt für uns. Heiliger Josef, bitt für uns. Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns. Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Mathias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lucas, Heiliger Marcus, bitt für uns. - 205 - Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für uns. Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet für uns. Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet für uns. Heiliger Stephanus, bitt für uns. Heiliger Laurentius, bitt für uns. Heiliger Vincenz, bitt für uns. Heiliger Fabian und Sebastian, Heiliger Johann und Paul, Heiliger Kosmas und Damianus, Heiliger Gervasius und Protasius, Alle heiligen Märtirer, Heiliger Silvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nicolaus, bittet für uns! Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heiligen Lehrer, bittet für uns! - 206 Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernadus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, - bitt für uns! Alle heiligen Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle Heiligen Jungfrauen und Witwen, bittet für uns! Alle Heiligen Gottes, bittet für uns! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! Von Deinem Zorne, erlöse uns, o Herr! bitt für uns! - 207 Vom gähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorne, Haß, und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unreinigkeit, Vom Blizz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Lode, Durch das Geheimniß Deiner heiligen Menschwerdung, erlöse uns, o Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und heilige Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Durch Deine wunderbarliche Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns. Herr! 208 Daß Du une verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zu wahrer Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß Du den apostolischen obersten Hirten, und alle Stände der Kirche in Deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wolleſt, Daß Du den christlichen Königen und> Fürsten wahre Einigkeit geben wolleft. Daß Du dem christlichen Velke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß Du uns selbst in Deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wollest, Daß Du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest. Daß Du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß Du unsere, und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen j wir bitten Dich, erhöre uns! - 209 vor der ewigen Verdammniß be-) wahrest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg, nimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! wir bitten Dich sc. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Chrifti! höre uns. Christe! erhöre uns. Herr! erbarme Dich unser. Christe! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Vater unser. 14 - 210 Psalm 69. O Gott! merke auf meine Hilfe. Herr! eile mir zu helfen. Schamroth und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen und in Schanden stehen, die mir Uebels wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir sagen: Da, da, recht auf ihn Aber Alle, die Dich suchen, sollen frohlocken, und sich in Dir erfreuen, und die Dein Heil lieben, sollen immerdar sagen: Hochges lobt sei der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm; 0, Gott! stehe mir bei. Denn Du bist mein Helfer und Erlöser. O Herr! verweile nicht zu lange. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. Wie es war im Anfange, jezt und alleweg, und zu ewigen Zeiten. Amen. Mache selig Deine Diener. Die auf Dich hoffen, mein Gott! - uns. 211- Sei uns, Herr, ein starker Thurm. Wider unsere Feinde. Laß den Feind nichts vermögen wider Und das Kind der Bosheit schade uns nicht. Herr, handle nicht mit uns nach unseren Sünden. Und vergelte uns nicht nach unseren Bosheiten. Lasset uns beten für unseren obersten Hirten N. Der Herr erhalte ihn, mache ihn lebendig und selig auf Erden, und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. O Herr! Du wollest allen unseren Wohlthätern um Deines Namens willen das ewige Leben geben. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Christgläubigen. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen im Frieden. Amen. 14* 212 - Lasset uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. O mein Gott! mache Deine Diener selig, die auf Dich hoffen. O Herr! Sende ihnen Hilfe von Deis nem Heiligthume. Und von Sion beschüße sie. Herr! erhöre mein Gebet. Und lasse mein Geschrei zu Dir kommen. Gebete. O Gott! deffen Eigenschaft ist, sich alles zeit erbarmen und verschonen; nimm an unser flehentliches Gebet, auf daß uns und alle Deine Diener, die wir mit Ketten der Sünde stark gebunden sind, die Erbarmung Deiner Güte gnädig auflöse. Wir bitten Dich, o Herr! nimm an unser demüthiges Gebet, und verschone derer, die ihre Sünden bekennen, auf daß wir zu gleich Verzeihung und den Frieden nach Deiner Güte erlangen. O Herr! erzeige uns gnädig Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, auf daß Du - 213 uns zugleich von allen Sünden auflösest, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, errettest. O Gott! der Du durch die Sünde beleidiget, und durch die Buße versöhnet wirst; steh gnädig an das Gebet Deines um Gnade flehenden Volkes, und wende ab die Geißel Deines Zornes, welche wir für unsere Sünden verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott! Erbarme Dich Deines Dieners N., unfers obersten Hir ten; leite ihn nach Deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heiles, damit er durch Deine Hilfe, was Dir gefällig, begehre und kräftigst vollbringe. O Gott! von welchem heilige Begierden, gute Vorsätze und gerechte Werke entspringen; gib Deinen Dienern einen solchen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, auf daß unsere Herzen Deinen Geboten ergeben, und gegenwärtige Zeiten durch Deinen Schutz vor des Feindes Furcht gesichert und friedsam seien. O Herr! entzünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer Deines Geistes, auf - 214 - daß wir mit keuschem Leibe Dir dienen, und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünschet, durch gottselige Fürbitte erlangen. O Herr! wir bitten Dich, Du wolleft unserm Thun und Lassen mit Deiner Gnade vorkommen, und dasselbe durch Deine Hilfe fortsegen, damit alle unsere Gebete und Werke von Dir jederzeit anfangen, und durch Dich angefangen, geendiget werden. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du herrschest über die Lebendigen und die Todten, und Dich Allererbarmest, welche Du aus dem Glauben und den Werken für die Deinen erkennest: wir bitten Dich demüthig, daß die, für welche wir uns vorgenommen, unser Gebet zu verrichten, die entweder noch in dieser Welt im Leben, oder bereits davon abges schieden sind, durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen nach Deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen. Durch 215 - unsern Herrn Jesum Cristum, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für den Landesfürsten. O Gott! Du Beschüßer aller Reiche, und besonders des christlichen Kaiserthums; verleihe Deinem Diener, unserem Kaiser Franz Joseph, daß er Deine siegreiche Macht erkenne und verehre, damit, weil er durch Deine Anordnung Landesfürst geworden ist, er auch durch Deinen Schuß jederzeit mächtig ſei. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott, Herr himmlischer Vater! siehe an mit den Augen Deiner unendlichen Barmherzigkeit unseren Jammer, - 216 Elend und Noth. Erbarme Dich über alle Christgläubigen, für welche Dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus, in die Hände der Sünder freiwillig gekommen, und auch sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen unsern Herrn Jesum wende ab, gnädigster Bater! die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörung, Kriege, Theuerung, Krankheiten und betrübte, mühselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten und Regenten, damit sie Alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserem Heile, und zum allgemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Zertrennung. Bekehre unsere Herzen zu wahrer Buße und Besserung des Lebens. Zünde in uns an das Feuer Deiner Liebe. Gib uns einen Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig 217 seien. Wir bitten auch, wie Du willst, daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübte und elende Christen, für Lebendige und Abgestorbene. Dir sei auf immer empfohlen, o Herr! all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur Deine Gnade hie genießen, und dort mit allen Auserwählten er langen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Das verleihe uns, o Herr himmlischer Vater! durch Jesum Christum, Deinen liebenSohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse werden gebetet: fünf Vater unser und fünf Ave Maria. - Gebete zu - 218 - den Heiligen Gottes. Gebete am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus. O Gott! der Du den heutigen Tag durch den Martertod Deiner Apostel Petrus und Paulus geheiliget haft; wir bitten Dich, verleihe Deiner Kirche, daß sie in Allem den Lehren und Geboten Derjenigen folge, durch welche sie den ersten Unterricht in der Religion erhalten hat, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Göttlicher Heiland! Du Anfänger und Vollender unsers Glaubens! Deine heilige Kirche, erkauft durch Dein kostbares Blut und von Dir selbst auf einen unerschütterlichen Felsen erbaut, feiert heute mit heiliger Freude das Andenken jener beiden großen 219 Apostel, welche nach ihrer Bekehrung es sich zur größten Ehre rechneten, um Deines heiligsten Namens willen freudig in Kerker und Bande zu gehen, und selbst ihr Blut zum Bekenntnisse ihres Glaubens an Dich und an Dein göttliches Wort zu vergießen. Ganz von Liebe zu Dir entflammt, scheuten sie keine Mißhandlung, keine Marter, keine Qualen des Todes. Herr Jesu! gib auch uns Gnade und Stärke, daß wir, wie diese heiligen Apostel, Dich lieben aus ganzem Herzen, daß wir um Deines Namens willen alle Leiden und Drangsale geduldig ertragen, von dem Wege Deiner göttlichen Lehre niemals abweichen, und im Bekenntnisse unseres Glaubens standhaft verharren; daß wir mit dem heiligen Petrus sagen können: Herr, Du weißt Alles; Du weißt, daß ich Dich liebe; daß wir mit dem heiligen Paulus ausrufen können: Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir; und daß wir in ihrer Gemeinschaft Dich ewig anbeten, loben und preisen mögen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 11 - - 220 - Gebet zu dem heil. Johann dem Täufer. O Gott der Liebe und der Erbarmung! Mit Freude feiern wir heute den Tag der Geburt Desjenigen, den Du zum Vorläufer und Verkündiger Deines eingebornenSohnes bestimmt, und mit dem Geiste der Buße, der Unschuld und Heiligkeit erfüllet hast. Wir bitten Dich, blicke auch uns in Gnaden an, und rühre unsere Herzen, daß wir nach dem Beispiele Deines Dieners Johannes unsere Lebenstage in Buße, in Reinigkeit und Heiligkeit des Herzens zubringen; daß mir mit unserem Tugendbeispielebesonders Jenen vorleuchten, die Du unserer Liebe und Obsorge anvertraut hast; daß wir uns dabei stets der Demuth und Erniedrigung vor Gott befleißen, und so würdig werden, dem unbefleckten Lamme Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, nachzufolgen, und uns ewig im Himmel zu erfreuen. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - 221 - Gebet zu dem heiligen Joseph. Wir bitten Dich, o Herr! laß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werden, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns, durch seine Fürbitte geschenket werde; der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! Mit gerührtem Herzen danken wir Dir, und preisen Dich, daß Du den heiligen Joseph zum keuschesten Bräutigam der seligsten Jungfrau Maria, und zum getreuesten Nährvater Deines eingebornen Sohnes erwählet hast; wir bitten Dich, gib uns die Gnade, daß wir nach dem Beispiele dieses heiligen Patriarchen Deinen göttlichen Anordnungen uns willig unterwerfen, Deine heiligen Gebote in Allem gewissenhaft befolgen, der Sanftmuth, der Eintracht, des Friedens uns befleißen, die Pflichten unseres Standes getreu erfüllen stets in Reinigkeit und Keuschheit vor Dir - 222 wandeln, unter dem Schuße und Beistande Deines eingebornen Sohnes, der seligsten Jungfrau Maria, und des heiligen Joseph einst den Tod der Gerechten sterben, und der ewigen Himmelsfreuden theilhaftig werden. Das verleihe uns durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet zu dem heiligen Leopold, Landespatrone. O allmächtiger und erbarmender Gott! der Du den heiligen Leopold von dem Reiche und den Sorgen dieser Welt zu der himmlischen Herrlichkeit geführet hast; wir bitten Dich, führe uns durch die Mühen, Sorgen und Drangsale dieses irdischen Lebens dergestalt hindurch, daß wir ohne Hinderniß des ewigen Lebens theilhaftig werden. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Heiliger Leopold! Gott hat dich wegen Deiner herrlichen Tugenden mit der Krone der Gerechtigkeit geziert, und wir verehren dich wegen deiner Liebe zu uns, deinen Landeskindern, und haben dich zu unserem Fürsprecher und Landespatrone bei Gott - 223 - erwählet. Wir danken dir für alles Gute, welches du einst als Fürst unserem Vaterlande erwiesen hast; wir danken dir für den reichlichen Segen, den du noch immer uns von Gott erbittest, wie der Prophet Jeremias für die Stadt Jerusalem und für das Volk betete. Möchten wir nur auch deine innige Liebe zu Gott und zu dem Nächsten, deine Frömmigkeit und Gottesfurcht, deinen Eifer zu allem Guten, deine Wohlthätigkeit und Freigebigkeit gegen Nothleidende, deine Sorgfalt für das Seelenheil deiner Untergebenen wohl erwägen und nachahmen; möchten wir nur nach deinem Beispiele vor Allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen, und alles Uebrige mit kindlichem Vertrauen von Gottes Vaterhand erwarten! Verhilf uns dazu durch deine mächtige Fürbitte bei Gott, durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. Gebet zur heiligen Mutter Anna. Heilige Anna! Wir verehren dich als die Mutter der Hochbegnadigten, die uns - 224 den Heiland der Welt geboren hat. Gott hat dich dazu auserwählet, und du hast dich eifrig bestrebet, dieser hohen Gnade durch herrliche Tugenden und Heiligkeit des Wandels dich würdig zu machen. Alles Gute, was du im Stillen gewirket, die schönen Tugenden, die du in deinem Berufe ausgeübet, alle Leiden und Widerwärtigkeiten, die du mit voller Ergebung in den göttlichen Willen ertragen hast, bemerkte Gottes Auge; daher ist so groß dein Lohn im Himmel. Weil aber unsere Verehrung dir nur dann angenehm und wohlgefällig ist, wenn wir uns auch bemühen, deinem Tugendbeispiele nachzufolgen, und dadurch Gott zu verherrlichen; so machen wir heute an dem festlichen Tage deines Andenkens den festen Vorsaß, nach deinem Vorbilde Gott und den Menschen in unserm Stande getreu und eifrig zu dienen, Gutes zu thun, so viel wir können, stets fromm und heilig vor Gottes Augen zu wandeln, die Leiden und Drangsale dieses Lebens mit kindlicher Ergebung zu ertragen, den Armen nach unserm Vermögen beizuspringen, und in aller Demuth und Selbst- P Georg 224 ben Heiland der Welt geboren hat. Gett har bich bazu auserwählet, und du hast dich eifing belterbet, bieser hohen Gnade durch penliche Tugenden und Heiligkeit des Wan bels dich würdig zu machen. Alles Gute, was du im Grillen gewirlet, die schönen Tugenden, die du in beinem Berufe aus-' gelbst, alle Leiben und Widerwärtigkeiten, bie bu mit voller Ergebung in den göttlichen 22illen extragen hast, bemerite Gottes Auge; baber if so grof bels Patin Dimmel. ist ſo dann angenehus mno wobigefällig ist, wenn wir uns auch bemühen, deinem Tugender beispiele nachzufolgen, und dadurch Gott zu verherrlichen; so machen wir heute an dem festlichen Lage beines Anbeutens den festen Borfah, nach deinem Börbilde Gott und den Menschen in unserm Stande getren und eiftig zu bienen, Gutes zu thun, so viel woir fönnen, fets from und heilig by Gottes Augen wandeln, die Leiben und Drangfale bieses Sibens mit finbildes Ergebung zur ertragen, Bermögen beigu sib ta cũnd Selbit F.Rothbart gez. 186. St. Georg. Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst Anstalt in Nürnberg. Verlag von Carl Mayer in Nürnberd - 225 -- verläugnung unsere Berufspflichten zu erfüllen. Erbitte uns von Gott die Gnade, daß Er uns Kraft und Stärke gebe zur Erfüllung dieser frommen Vorfäße, damit wir würdig werden, einst mit Dir Gott ewig zu loben und zu preisen. Amen. Gebet zu dem heiligen Namenspatrone. O du getreuer Diener Gottes! dessen Name mir in der heiligen Taufe beigelegt wurde; dich verehre ich ganz vorzüglich als meinen Beschüßer und Fürsprecher bei Gott. So oft ich deinen Namen höre, so will ich mich an dich, an deine schönen Tugenden und Werke, wodurch du dich der himmlischen Seligkeit würdig gemacht hast, und an die Pflicht erinnern, deinem Tugendbeispiele nachzufolgen. Auch ich soll nach Gottes heiligstem Willen gut und fromm und ewig selig werden; auch ich soll vor Allem nach dem Reiche Gottes und nach der Ihm wohlgefälligen Gerechtigkeit streben. Dieß ist das Eine Nothwendige; dieß ist der Wille Gottes an uns Alle; dieß habe ich 15 - 226 - selbst in der heiligen Taufe versprochen, und nur auf diesem Wege kann ich gelangen zu des Himmels ewigen Freuden. Allein wie schwach und lau bin ich im Guten! wie nachlässig in der Erfüllung meiner Berufspflichten! wie leicht lasse ich mich durch sinnliche Lüste, durch irdische Vortheile, durch eitle Ehrsucht, durch niedrige Leidenschaften zur Sünde hinreißen! wie wenig trachte ich, durch Abtödtung und Selbstverläugnung die fündhaften Neigungen und Begierden in mir zu ertödten, und nur meinem göttlichen Heilande und seiner Lehre zu leben! Heiliger Namenspatron! dein Beispiel ermuntere mich zu allem Guten, und erbitte du mir von Gott die Gnade, daß ich deinen Fußstapfen nachfolge, auf dem Wege der göttlichen Gebote standhaft verharre, und täglich besser und frömmer zu werden strebe. O Gott! Du Urheber aller Heiligkeit und Seligkeit! durch deine Gnade ist mein Namenspatron, der wie ich ein schwacher Mensch war, heilig und ewig selig geworden. Durch Deine Gnade, o Gott! wenn ich mit - 227 derselben eifrig mitwirke, kann auch ich gut und fromm, und Dir wohlgefällig werden! Ich bitte Dich daher in Vereinigung mit der Fürbitte meines heiligen Namenspatrones, Du wollest mir den Beistand Deiner Gnade reichlich zufließen lassen, damit ich gut und fromm, Dir wohlgefällig und würdig werde, Deine göttliche Majestät mit allen Engeln und Heiligen ewig anzubeten, zu loben und zu preisen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 15* - 228 Gebete in verschiedenen Anliegen. Gebet am Geburtstage. Heute feiere ich das Andenken jenes Tages, o Gott! an welchem ich durch Deine Erbarmung das Licht der Welt erblickte. Wenn ich die Menge der Wohlthaten überdenke, die Du mir vom Tage meiner Geburt bis auf diese Stunde erwiesen hast, so werde ich ganz von innigster Dankbarkeit durchdrungen. Du, liebreichster Vater! hast mir einen gesunden Leib, eine vernünftige, nach Deinem Ebenbilde erschaffene Seele, und so gütige Aeltern gegeben, die mich als ein hilfloses und schwaches Kind zärtlich pflegten, und meine Wohlfahrt so liebevoll besorgten. Du hast mir so viele Gelegenheiten und Mittel gegeben — 229 - meinen Verstand auszubilden, mein Herz zut veredeln, und mein leibliches und geistliches Wohl zu befördern. Du hast mich vor tausend Gefahren und Uebeln bewahret, denen mein Leben, meine Gesundheit, meine Tugend ausgesetzt war. Du hast mir so viele andere - Gnaden und Wohlthaten erwiesen, die ich gar nicht erkenne. O unendlich gütiger Gott! da ich so unfähig bin, auch nur für die kleinste Deiner Wohlthaten Dir würdig zu danken: wie werde ich dieß für die größte aller Wohlthaten, für die Gnade thun können, daß Du mich gleich nach meiner Geburt durch die heilige Taufe zu Deinem Kinde angenommen, und in die heilige katholische Kirche berufen hast? Durch Deine Erbarmung bin ich aus der Zahl jener auserwählten Menschen, die das Licht Deiner Offenbarung erleuchtet, die durch Deinen eingebornen Sohn von dem Verderben der Sünde erlöset, die durch die Gnade des heiligen Geistes geheiliget, und Erben des ewigen Lebens geworden sind. Owie undankbar und strafbar müßte ich sein, wenn ich diese unschäßbare Gnade und Wohlthat nicht 230 - erkennen und beherzigen, wenn ich dieselbe nicht eifrig benüßen, und zu meinem ewigen Heile anwenden wollte! Aber, o mein Gott, durch dessen Erbarmung ich diese unaussprechliche Gnade genieße, gib mir auch den Willen und die Kraft, daß ich mich derselben würdig mache; daß ich die Pflichten eines Christen auch genau erfülle, daß ich meiner Religion mich nie schäme, sondern sie jederzeit durch Worte und Thaten bekenne; daß ich, wie ein Christ soll, lebe, wie ein Christ sterbe, und dertröstlichstenVerheißungen meiner heiligen Religion theilhaftig werden möge. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet vor der heiligen Firmung. Gott heiliger Geist! der Du von dem Vater und dem Sohne ausgehest, und als ein Einiger Gott mit Beiden lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit, ich bete Dich an, und bekenne Dich als meinen Erleuchter, Begnadiger und Heiligmacher; denn Du bist es, der die Herzen der Gläubigen - 231 —— erleuchtet und reiniget, sie durch Deine heis ligen Einsprechungen und frommen Rührungen zum Guten bewegest, sie mit dem Feuer der göttlichen Liebe entzündest, und sie zu Tempeln Gottes heiligest; so wie Du am Pfingstfeste über die in Jerusalem versammelten Jünger Jesu im Sausen des Sturmwindes und im Glanze milder Feuerflammen herabgekommen bist, und sie mit den Strahlen Deines Lichtes erleuchtet, mit Glauben, Vertrauen, Liebe und Kraft beseelet, und in neue Geschöpfe umgeschaffen hast, damit sie den Namen Jesu allen Völkern und Nationen verkündigten, für Jesu Lehre ganz lebten, wirkten, litten und starben. Heiliger Geist, Geist der Wahrheit und alles Trostes! der Du bis an das Ende der Welt die Gläubigen erleuchtest, und mit dem Feuer der göttlichen Liebe erwärmest, sie im Glauben stärkest und befestigeft, und sie zu Tempeln Gottes heiligest; ich flehe zu Dir demüthigst, erfülle auch mich heute mit Deinen heiligen Gaben, und stärke und befestige mich durch das heilige Sacrament der Firmung im Glauben, damit ich denselben öffentlich 232 - und freudig vor der ganzen Welt durch Worte und Werke bekenne, denselben mit meinem Blute vertheidige und bestätige, und demselben gemäß lebe, damit ich durch den Chrysam des Heiles zum Kämpfer Christi gesalbet und gestärkt, den Kampf des Glaubens standhaft kämpfe und einst mit der Krone der ewigen Seligkeit gekrönet zu werden verdienen. möge; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Komm zu uns, o heiliger Geist! und sende herab Deines Lichtes blendenden Strahl. Komm, Du Vater der Armen! Du der Himmelsgaben Quelle, und der Menschenherzen Licht, o komm zu uns! Bester Tröster, süßer Gast der Seele, Erquickung unseres Geistes, komm zu uns! Du bist unsere Ruhe bei des Lebens Mühen, Labsal in dem heißen Kampfe, in Leiden unser Trost! Erfülle, o wonnevolles, seliges Licht, erfülle mit den Strahlen Deiner Gnade die Herzen Deiner Gläubigen! - 233 Ohne Deinen Beistand vermag die menschliche Schwachheit nichts, ohne Dich ist nichts in uns, als Sünde. O so reinige, was unrein ist; was dürme ist, erquicke, das Wunde heile Du. Beuge, was Dir widerstrebt, das Erkaltete erwärme, und das Veririte, ach, bring es zurück! Schenke Deiner Gnaden Fülle den Gläubigen, die auf Dich vertrauen. Gib zum frommen Leben Kraft, Trost in der Todesstunde, und dort das unvergängliche Heil in Ewigkeit. Amen. Gebet nach der heiligen Firmung. Nun ist meine Stirne gesalbet mit dem heiligen Chrysam, und bezeichnet mit dem heiligen Kreuze. Du, o heiliger Geist! der Du die Apostel mit Deinen Gnaden erfüllet, und ihnen die Vollmacht ertheilet hast, Deine Gaben durch Gebet und Auslegung der Hände auch den übrigen Gläubigen mitzutheilen, Du hast jetzt auch mein Herz zu Deinem Tempel erwählet, und zum Streiter für 234 Jesus Christus und seinen heiligen Glauben auch mich eingeweihet und geheiliget, damit ich durch Deine besondere Gnade gestärkt, unter der blutigen Fahne des Kreuzes( Shristi den Kampf des Glaubens muthig kämpfe und standhaft bis an das Ende ausharre. Ich danke Dir, o heiliger Geist! für diese große Gnade der heiligen Firmung, und bitte Dich, weiche nicht mehr mi: Deiner Gnade von mir. Verleihe, daß mein Herz, dieser Dir geweihte Tempel, durch Deine Gegenwart immer mehr geheiliget werde. Mache mich täglich stärker, daß ich Dich nie durch Sündigen von mir entferne, oder auch nur durch irgend eine Untreue betrübe. Du bist es, der die heiligen Märtirer stärkte, daß sie unerschrocken den Glauben an Jesum Christum bekannten, und dieses Bekenntniß mit ihrem Blute besiegelten. Stehe auch mir bei in den Gefahren und Versuchungen der ungläubigen und gottlosen Welt. Sei dann mein Licht, wenn verführerische Reden, wenn gottloser Wiß, wenn niedriger Spott, wenn frevelnder Unglaube mir die Lehre Jesu zweifelhaft, und mich im wahren Glauben wankend machen wollen. Stärke - - - 235 - mich, daß ich überall und jederzeit vor der ganzen Welt mich als einen Anhänger Jesu bekenne, damit Er sich einst auch meinernicht schäme, und mich vor seinem Vater als seinen treuen Schüler und Jünger bekenne, wenn Er auf den Wolken des Himmels kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Amen. Gebet am jährlichen Gedächtnißtage der heiligen Firmung. O mein Gott! Du hast mich in der heiligen Taufe wiedergeboren zu einem neuen Geschöpfe in Christo, und in der heiligen Firmung hast Du mir durch die Händeauflegung und durch das Gebet des Bischofes den heiligen Geist mitgetheilet. Du hast über mich herabkommen lassen den Geist des Rathes und der Stärke, den Geist der Wissenschaft und der Gottseligkeit; Du hast mich erfüllet mit dem Geiste Deiner Furcht.- Vollende also Dein Werk, o großer Gott! und bekräftige dasjenige, was Du in mir angefangen hast. Laß in meinem Herzen die Früchte des heiligen Geistes emporwachsen, als da sind: - 236 - Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundlich. keit, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Treue, Eingezogenheit, Mäßigkeit, Keuschheit. Heute, an dem Jahrestage meiner heiligen Firmung, erneuere ich demnach den festen Vorsatz, stets so zu leben, wie ein Christ leben soll, der ein Tempel Gottes und geheiliget ist durch den heiligen Geist. Weder Menschenfurcht, noch falsche Scham sollen mich abhalten, meinen Glauben standhaft zu bekennen, und denselben, wenn es nöthig ist, mit meinem Blute zu bekräftigen. Ich bin zwar schwach, und wandle mitten unter drohenden Gefahren. Versuchungen aller Art umgeben mich, die verführerischen Beiſpiele der Welt locken mich, und ich bin voll böser Neigungen und Begierden, die mich zur Sünde hinreißen. Allein mit Deiner Kraft, göttlicher Geist! will ich den Versuchungen der Welt, des Fleisches und des Satans standhaft widerstehen. Befestige Du mich im Guten; entzünde in mir das Feuer Deiner Liebe; gib mir einen lebendigen Eifer zur Erfüllung meiner Pflichten; hilf mir meine unordentlichen Neigungen und Lüstej bezähmen, 237 und sie der Herrschaft Deines heiligen Gesetzes unterwerfen; tröste mich in Leiden und Drangsalen; lehre mich, die göttlichen Fügungen in Allem geduldig ertragen, und sie zu meinem Seelenheile sorgfältig benützen, und leite mich auf dem Wege Deiner heiligen Gebote, damit ich christlich und tugendhaft vor Gott und den Menschen wandle, in Deiner Gnade sterbe, und des Himmels ewige Freuden erbe; durch Jesum Christum, un sern Herrn. Amen. - - Gebet um eine glückliche Standeswahl. Mein Gott! Du höchstes Gut! Du Quelle der Seligkeit! Ohne Dich ist durchauskein Heil, keine wahre Ruhe, keine dauerhafte Zufriedenheit im Leben, fein Trost im Tode! Es ist an dem, daß ich einen Beruf, einen Stand mir wählen soll, von dem mein zeitliches und ewiges Wohl abhängt. In dieser wichtigsten Angelegenheit meines Lebens nehme ich mit kindlichem Vertrauen zu Dir meine Zuflucht. Erleuchte mich mit einem Strahle Deiner göttlichen Weisheit, daß ich 238 jenen Stand wähle und ergreife, in welchem ich am meisten Deinen Namen verherrlichen, Dein Reich zuerst suchen und befördern, Deinen heiligsten Willen am eifrigsten erfüllen, mein und meines Nächsten Heil am besten wirken kann. Ich sehe verschiedene Wege vor mir offen, die alle ihre besonderen Gefahren und Beschwerden haben. Zeige Du, o Vater! mir den Weg, den ich wandeln soll. Rede, o Herr! denn Dein Knecht merkt auf Deine Stimme. Deine heilige Eingebung und die weisen Rathschläge meiner Aeltern sollen mich hierin leiten. - So gewähre mir denn, o Gott! auf den ich findlich vertraue, meine demüthige Bitte. Redezu meinem Herzen, und erleuchte alle Jene, die auf meine Standeswahl Einfluß haben, damit wir erkennen, was Dein heiligster Wille ist, was mir zum zeitlichen und ewigen Heile dienet. Ich will Deinem Rufe gehorchen, meinen Stand mit voller Ergebung und kindlichem Vertrauen auf Deinen Beistand antreten, und meine Seligkeit zuversichtlich hoffen. Thue mir kund den Weg, worauf ich gehen soll; denn ich ver 239 lange nur nach Dir, Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Darum flehe ich zu Dir durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - — Gebet eines Kindes für seine Aeltern. Himmlischer Vater! Du hast den Kindern ganz vorzüglich das Gebot eingeschärft, daß sie ihre Aeltern ehren und lieben. Erhöre also mein herzliches Gebet, welches ich für meine lieben Aeltern Dir darbringe. Vor Allem danke ich Dir, höchst gütiger Gott! daß Du mir so gute Aeltern gegeben haft, die mit rastloser Sorgfalt für meine Erhaltung und leibliche Pflege, für meinen Unterricht und meine Erziehung besorgt sind, und mein zeitliches und ewiges Wohl aus allen Kräften befördern. Ich bin nicht im Stande, ihnen diese Liebe und Sorgfalt, die vielen Opfer und Beschwerden zu vergelten, die sie für mein Wohl bereitwillig auf sich nehmen. Ich bitte, erhalte sie mir noch recht viele Jahre, und lasse sie an mir recht viel Trost und Freude erleben. Erleuchte und regiere - 240 — sie bei dem Geschäfte meiner Erziehung, und gib mir die Gnade, daß ich stets mit aller Ehrfurcht, Liebe, Dankbarkeit und Folgsamkeit ihnen begegne; daß ich sie nie beleidige, nie durch Ungehorsam oder Leichtsinn kränke oder betrübe, sondern stets ihren Wünschen zuvorkomme, und die Tage ihres Lebens erfreue und versüße. Gib ihnen Gesundheit und Freudigkeit, Segen in ihren Geschäften, Trost in Widerwärtigkeiten, Rath in zweifelhaften Fällen. Bewahre sie vor Unglück, vor jedem empfindlichen Verluste und Schaden, vor Leiden und Drangsalen, vor jedem Uebel des Leibes und der Seele, und vergelte ihnen tausendfältig Alles, was sie mir Gutes erwiesen. Darum bitte ich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet christlicher Aeltern für sich und ihre Kinder. O Gott! Du hast den ehelichen Stand als ein Sinnbild der innigsten Vereinigung und ewigen Liebe, durch welche Christus mit seiner Kirche verbunden ist, eingesetzt, und — 241 - ihn zur Würde eines heiligen Sacramentes erhoben. Gib uns Deine Gnade, daß wir durch eine innige, herzliche und unzertrennliche Vereinigung unserer Gemüther Deiner heiligsten Absicht jederzeit gemäß leben, vor Dir stets wohlgefällig wandeln, und unsere Standespflichten genau erfüllen. Segne uns mit Ruhe des Herzens, mit Kraft zur Tugend, mit Beharrlichkeit im Guten; und weil der Ehestand nach Deinen weisesten Anordnungen mit mannigfaltigen Leiden und Beschwerden verbunden ist, so gib uns auch Geduld und Standhaftigkeit zur Ertragung derselben. Laß uns, o Gott! nie vergessen, daß Gottseligkeit zu Allem nüßlich ist, und die Verheißung des gegenwärtigen und zukünftigen Lebens habe. Laß uns erkennen, daß Frömmigkeit und Gottesfurcht die vornehmsten Stüßen häuslicher Glückseligkeit und gegenseitiger Hochachtung, Liebe und Treue seien. Flöße uns daher stets Gesinnungen frommer Andacht und heiliger Ehrfurcht ein, und laß uns die Pflichten und Beschwerden unseres Standes jederzeit aus Liebe zu Dir üben und erdulden. Laß nicht zu, daß böse Leiden16 — 242 - schaften unsere Herzen entzweien, daß Kälte oder Abneigung das Band unserer Liebe trennen. Laß uns in Eintracht, Herzlichkeit und inniger Freundschaft die Wege dieses Lebens wandeln, und Deines Segens, an dem Alles gelegen ist, uns stets erfreuen. Und da Du, Vater aller Menschen! unsere Ehe auch mit Kindern gesegnet hast, deren fromme Erziehung eine unserer Heiligsten Pflichten ist, so slehen wir mit demüthigem Herzen zu Dir um Gnade und Beistand, damit wir dieselben nach Deinem heiligen Wohlgefallen in Gottesfurcht erziehen. Erleuchte uns, daß wir erkennen, was wir zu thun haben, um sie zu Deiner Ehre und zu Deinem Dienst zu bilden; bewahre uns vor übertriebener Zärtlichkeit und vor übermäßiger Strenge; laß uns mit Sanftmuth, Klugheit und liebevollem Ernste an ihrer Besserung arbeiten, und eine weise Gleichförmigkeit und Standhaftigkeit in der Behandlung derselben beobachten. Komm uns mit Deiner Gnade zu Hilfe, damit unser Wandel ihnen niemals zum Anstoße, sondern jederzeit zur Erbauung und zum Vorbilde gereiche. — 243 - Aber alle unsere Sorgen und Beműhungen würden fruchtlos sein, wenn Du nicht ihre Herzen lenkest und regierest, und über sie wachest. So laß sie denn Deiner Obhut empfohlen sein. Sei Du ihr Vater, ihr Schuß gegen die Macht der Verführung, ihr Schirm gegen das Gift böser Beispiele, und bewahre ste stets auf der Bahn der Tugend, damit wir einst am Tage des Gerichtes sie Dir vorstellen, und freudig sagen können: Herr! da sind sie, die Du uns anvertraut hast; durch unsere Schuld ist keines derselben verloren gegangen. Darum flehen wir zu Dir durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 16* 244 - Die gewöhnlichen gottesdienstlichen Gesänge. Erster Meßgefang. Zum Introitus. 1. Wir werfen uns darnieder, Vor Dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nur, daß wir Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen Dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, Beim letzten Abendmahl, Indem er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, - 245 Hat Er das Brot gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut, und denket mein. 3. Er sprach: Nehm't hin, und esset, Dieß ist Mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut; Mich opfernd will ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt, soll erben Mit Mir das Himmelreich. 4. O Herr, dieß Opfer steige Zu Dir mit Wohlgeruch, Damit Dein Herz sich neige Zu Deines Volk's Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan, Nein, Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. 246 — Zum Gloria. 1. Gott Vater! Dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr'; Was uns're Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erde laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir Dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreit. 2. Der Du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Laß mich Erbarmen finden, O Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen Seift Du, Gott heil'ger Geist! Der Du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. Vor dem Evangelium. 1.. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; - 247 Auf diesem Grunde stehet Das wahre Chriſtenthum. Gott selber hat's gelehret, Der nicht betrügen kann; Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Es weiset uns die Stege, Zu gehen diese Bahn. Herr! drücke Deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig sei'n. Zum Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Von Ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt; — 248 Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele. Schloß sterbend seinen Lauf; Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. 3. Er ward hinaufgenommen Zu Gottes rechter Hand. Wann Er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt Er einst zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig Urtheil sprechen Zur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sei, - 249 - Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. Zum Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig ſein, Die wir geopfert haben. Es ist zwar Brot und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut, Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorb'nen gut. 2. Wir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unser'm Lebenslauf, Was Du uns, Deinen Kindern, Zu thun befohlen hast. - 250 Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. 3. Wir legen Dir zu Füßen Auch unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch Deinen Segen Die Felder fruchtbar sein. Zum Sanctus. 1. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreimal Heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von Deinem Ruhm! Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. - 251 - 2. Daß wir hernach zusammen Dir uns're Herzen weih'n, Und voll von Liebesflammen Dir ein Hosanna schrei'n. Herr! Der in Deinem Namen Kommt, sei gebenedeit. Die Engel sagen: Amen! Jeßt und in Ewigkeit. Nach der Wandlung. 1. Hier bet' ich auf den Knien, Verborg'ner Gott! Dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweisen, Der Grund des Glaubens sein. 2. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzaltar; 252 - Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmal Deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrot, Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an Deinen Tod. 3. Wasch' mich von meinen Sünden, O Jesu! durch Dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht, Und zeige mir und Allen Dein glänzend Angesicht. Zum Agnus Dei. 1. Erfreut euch fromme Selen! Ein Wunder ist gescheh'n. Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann Ihn seh'n. In Brot- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut - 253 Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise. Wie uns der Glaube lehrt; Sie nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. 3. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrot Recht wohl bereit genießen, So kann der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. 4. Herr Jesu! Deiner Liebe Sei Ehre, Lob und Dank, — 254 1 Weil Du nach ihrem Triebe Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brotsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. 5. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sacrament; Herr, laß es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt! Laß uns im Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu Deinen Engelscharen, Und ewig bei Dir sein. Zum Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sei auch Gott geehret! Er mach' uns segensvoll, Und laß es sich gefallen, Was wir allhier gethan; - 255- Er bleibe bei uns Allen, So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag. Er laß uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor seinem Angesicht. 3weiter Meßgefang. Zum Kyrie. Hier liegt vor Deiner Majestät Im Staub die Christenschar; Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk' uns, o Vater! Deine Huld; Vergib uns uns're Sündenschuld! O Gott! von Deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht. 256 - — Verstoß uns- - nicht, Verstoß uns Sünder nicht. Wir haben, Herr! Dein Gut verschwend't, Wie der verlor'ne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't; Doch schau von Deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz; Entzieh die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns Den Gnadenlicht. Dein Gna- den- licht, Dein göttlich's Gnadenlicht. Wir sind ja Deiner Hände Werk, Der Schöpfung unterthan; O gib uns Schwachen Kraft und Stärk', Sieb uns in Guaden an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. O Gott! der Werth des Blut's ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß. Für uns- ver- goß, Am Kreuz für uns vergoß. - 257 Zum Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit, Im Himmel und auf Erden, Jeßt und in Ewigkeit! Lob, Ruhm und Dank und Ehre Sei der Dreieinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott! Deine Herrlichkeit. Zum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selbst ist's, der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist, Der seine Lehre höret, Wie glücklich ist der Christ. Zum Credo. Allmächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur. 17 - 258 ― O Gott und Vater! ja, ich glaube An Dich, Du Schöpfer der Natur.! Auch an den Sohn, der ausgegangen Von Dir, geboren ewig war, Den, von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß Er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod; Erstand, besiegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unser'n Lebenslauf. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit. Am großen Tag wird's Fleisch erstehen; Jeßt, Heilige! helft insgemein, Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig sei'n. - 259 - 3nm Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus Deines Priesters Hand; Wir, die gesündiget haben, Weih'n Dir dieß Liebespfand! Für Sünder hier auf Erden, In Aengsten, Kreuz und Noth, Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brot. Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarm' Dich unser, denke An Christi Blut und Tod! Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu Deinem Thron, Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn. Zum Sanctus. Singt: Heilig, heilig, heilig, Ist unser Herr und Gott! 17* 260 - Singt mit den Engeln: Heilig Bist Du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden, Jetzt und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt in's Herren Namen, Der sei gebenedeit! Hosanna in der Höhe! Gepriesen sei der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer! Nach der Wandlung. Sieh, Vater, von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig's Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir, Deine Kinder, Und stellen Dir sein Leiden vor; Er starb aus Liebe für uns Sünder; 261 Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. - - Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Beim Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. O Jesu! höre uns're Bitte, Steh' uns'rer Schwachheit immer bei, Auf daß Dein Sterben, Deine Güte An uns niemals verloren sei! An uns niemals verloren sei! Zum Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' uns're Schuld; Bei Gott läßt Er uns finden Den Frieden, seine Huld.< — 262 - Zur geistlichen Communion. O Herr! ich bin nicht würdig Zu Deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein findlich Fleh'n. O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam: Im Geist Dich zu empfangen, Dich, wahres Osterlamm. Zum Beschlusse der heiligen Meffe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht: Wir haben jetzt betrachtet, Gott! Deine Lieb' und Macht. Du bist bei uns zugegen; Aus Deinem Gnadenmeer' Ström uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. Zum Segen. Lasset uns dann würdig ehren Ein so großes Sacrament, - - 263 Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't. Was man nicht mit Händen greifen, Noch mit Augen sehen kann, Sehen wir sehen wir im Glauben an. - - Gott den Vater wir erheben Mit dem eingebornen Sohn; Preis und Jubel sei gegeben Beiden auf dem höchsten Thron; Dem auch, der von Ihnen beiden Ausgeht, Gott von Ewigkeit, Werdegleich werde gleiches Lob geweiht! Dritter Meßgefang. Beim Eingange. Hier wirft im Staub' vor Dir sich hin, O Gott! die Christenschaar; Zu Dir erhebt sich Herz und Sinn, Das Auge zum Altar. O blick auf uns mit Baterhuld, Vergib uns die bereute Schuld, - 264 Verstoß von Deinem Angesicht, O Gott! uns arme Sünder nicht! Verstoß uns nicht! Verstoß uns Sünder nicht. Beim Gloria. Gott soll gepriesen werden Auf seinem höchsten Thron, Und Friede sei auf Erden Der guten Menschen Lohn. Wir loben, ehren Alle Dich, o Dreieinigkeit! Und unser Dank erschalle Bis an das End' der Zeit. Beim Evangelium. Es kommt aus Gottes Munde Das Evangelium, Und nur auf diesem Grunde Steht wahres Christenthum; Herr! laß uns niemals kehren, Durch Deiner Feinde List, Das Ohr zu falschen Lehren; Dieß fleht der wahre Christ. - 265 Beim Credo. Allmächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur, O Gott und Vater! ja, ich glaube An Dich, Du Schöpfer der Natur! An deinen Sohn, den, rein empfangen, Die heil'ge Jungfrau uns gebar; Und an den Geist, der ausgegangen Von Beiden, stets mit Beiden war. Beim Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Von Deines Priesters Hand; Die Dich beleidigt haben, Versöhne dieses Pfand. Bald bleiben nur Gestalten Von diesem Brot und Wein; Und das, was sie enthalten, Wird Seelenspeise sein. Bewegt von dem Geschenke Dreieinig großer Gott! Erbarme Dich, und denke, Wer sich für uns erbot; - 266 — Der fich zum Opfer bringet Vor Deinem Gnadenthron, Zum Vaterherzen bringet, Ist Dein geliebter Sohn. Beim Sanctus. O finget: Dreimal heilig Ift Herr Gott Sabaoth! Dreieinig unzertheilig Ist unser Herr und Gott! Es glänzet seiner Ehren Die ganze Schöpfung voll. O daß uns Engel lehren, Wie man Ihn preisen soll. Um Engeln nachzuahmen, Singt unser Geist erfreut: Der kam in Gottes Namen, Der sei gebenedeit! Hosanna! schallt es oben, Hosanna! fingen wir, Und beten an und loben, Und staunen, Herr! vor Dir. 11 267 Nach der Wandlung. Sieh, Vater! von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar. Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig's Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir, Deine Kinder, Und stellen Dir sein Leiden vor; Er starb, des Todes Ueberwinder, Stand auf und fuhr zu Dir empor. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Vertritt, damit wir ewig leben, Bei'm Vater jetzt das Mittleramt. O Jesu! laß uns Huld erwerben, Steh uns'rer Schwachheit immer bei, Damit Dein Leiden und Dein Sterben Ja nicht an uns verloren sei. Beim Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er sein Blut vergießt. Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! 268 - Er fließt, uns anzukünden Das wahre Gotteslamm, Das liebreich alle Sünden Von unser'n Seelen nahm. Bei der Communion. Wie soll, o Herr! ich's wagen, An Deinen Tisch zu geh'n! Du darfst ein Wort nur sagen, Um mich gesund zu seh'n. O stille mein Verlangen, Du einzig's Seelengut! Im Geiste zu empfangen Dein wahres Fleisch und Blut. Nach der Communion. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht, Nun haben wir betrachtet, Gott! Deine Lieb' und Macht, 269 Die bleib' uns stets zugegen; Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. Predigtlied an Sonntagen. 1. In Gott des Vaters und des Sohnes, Und seines Geistes Namen, Sprecht hier am Fuße seines Thrones, O Christen, freudig Amen! Sprecht Amen und bereitet euch, Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren! 2. O Vater unser, der Du bist Im Himmel und auf Erden; Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! 270 Dein Reich, von Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen! - 3. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeister sehen, So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brot, das uns're Seele nährt, Um Dir, o Gott! zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sei täglich uns gegeben! 4. Vergib uns, Vater, jede Schuld, Die wir vor Dir bereuen; So wie wir Alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen! Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen. Erlös uns jetzt, und einst, o Gott! Von allem Uebel. Amen. 271 - Lied vor der Christenlehre. Heil'ger Geist! komm zu verbreiten Unter uns Dein Gnadenlicht, Daß wir immer weiter schreiten In Erlernung uns'rer Pflicht. Mache uns zum Lernen Lust; Hilf, daß wir in uns'rer Brust Das Erlernte wohl behalten, Und im Guten nicht erkalten. Lied nach der Christenlehre. O Gott! segne diese Lehren, Die Du durch des Lehrers Mund Deinen Kindern machest fund, Uns zum Heil und Dir zu Ehren; Präge sie durch Deinen Geist Tief in's Herz, daß wir im Leben Stets zu handeln uns bestreben, So wie Dein Gebot uns heißt! 272 gefänge zur Adventzeit. Erster Gesang. 1. — Maria! sei gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz, der Dich umfließet, Verkündet uns den Herrn. Von jeder Makel rein, Sollst Du zum Menschenheile Des Höchsten Mutter sein. 2. Dein Gott, zu Dir gewendet, Ertheilet den Befehl; Es eilt, von Ihm gesendet, Der Engel Gabriel. Er spricht: O Gnaden voll, Gesegnet unter Weibern! Der Herr bedenkt Dein Wohl. 3. Dieß konntest Du nicht fassen, Und batest Ihn dabei, - 273 Dich recht versteh'n zu lassen, Was diese Botschaft sei. Maria! Zitt're nicht: Denn Du hast Gnad' gefunden Vor Gottes Angesicht. 4. - Er will, Du sollst empfangen, Gebären einen Sohn; Er wird durch Ihn gelangen Auf David's Vaterthron. Des Höchsten Sohn zugleich, Und Jesus soll Er heißen; Unendlich ist sein Reich! 5. - Wie soll denn dieß geschehen? Ich kenne keinen Mann!- O Jungfrau, Du wirst sehen, Was Gottes Allmacht kann. Er sendet seinen Geist, Der wird Dich überschatten, Damit Du Mutter sei'st! 18 274 6. In ihren alten Tagen Kann auch Elisabeth Von seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht. Sie hieß zwar unfruchtbar; Doch dem ist nichts unmöglich, Der sein wird, ist und war. 7. Da sprachst Du tief geneiget: Ich bin des Höchsten Magd; Was Du mir angezeiget, Das sei, wie Du gesagt. O freudenvolles Wort! Der Bote Gottes eilte Mit diesem Auftrag fort. 8. Von seines Vaters Freuden Kam jetzt das Wort herab, Für Sünder hier zu leiden, Zu suchen Tod und Grab. Es wählte Deinen Leib, Mit Fleische sich zu kleiden, Gebenedeites Weib! - 275 9. Den Schaß, den Du empfangen, O bring' ihn bald zur Welt! Wir warten mit Verlangen; Denn Er ist jener Held, Der uns're Bande bricht, Und aus des Todes Schatten Uns rufet in das Licht. 10. Dieß Lied sei Dir gesungen, Des Heil's Gebärerin! Mit Dir ergebnen Zungen, Mit Dir ergebnem Sinn. Dein hochgelobtes Pfand Führ' uns auf Deinen Fürspruch Hinauf in's Vaterland! 3weiter gefang. Thauet, Himmel, den Gerechten! Wolken, regnet Ihn herab! Also rief in langen Nächten Einst die Welt, ein weites Grab. 18* - 276 - In von Gott verfluchten Gründen Herrschten Satan, Tod und Sünden; Fest verschlossen war das Thor Zu des Heiles Erb' empor. Doch der Vater ließ sich rühren, Daß Er uns zu retten sann, Und den Rathschluß auszuführen, Trug der Sohn sich freudig an. Gabriel flog schnell hernieder, Kehrte mit der Antwort wieder: Sieh! ich bin die Magd des Herrn; Was Er will, erfüll' ich gern. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau, demuthsvoll und keusch! Gottes Geist wird Dich umschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen, betet an im Staube! Weh' der Höll' und ihrem Raube, Aber Adams Kindern Wohl, Weil ein Heiland kommen soll! Einen Zuruf hör' ich schallen: Brüder! Wacht vom Schlummer auf; - 277 Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist fort, der Tag im Lauf! O dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten; Künftig ziehe Jedermann Nur des Lichtes Waffen an. - Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit, Nicht nach Fleischbegierden handeln, Weit verbannt sei Zank und Neid! Jenem gänzlich nachzuarten, Dessen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun uns're Pflicht; So wie sein Apostel spricht. Welterlöser! Ich erfülle Deines treuen Knechtes Rath, Komm in meines Fleisches Hülle, Wie Dein Bot' verkündet hat. Komm und bringe mir den Frieden; Menschen ist er nur beschieden, Die von gutem Willen sind, Komm, ich bin es, göttlich's Kind! 278 Weihnachtsgesang. Dieß ist der Tag von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut der Herr bedacht; Ich will Ihm Lieder weihen. Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut' allen Adamskindern sproß, Ist auch für mich geboren; Vor Deine Krippe sink' ich dann, Und bete meinen Heiland an, In Wonne ganz verloren. In meiner Bildung liegt Er hier, Den keine Namen nennen! O Gott! o Kind! geläng' es mir, Die Gutthat ganz zu kennen! Du steigest von dem Thron herab, Den Dir mit sich Dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden! Du wählest, mir zu nußen, heut' Für Ueberfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. - 279 Du weinst, mein Jesu! Sei gegrüßt, O gnadenreiche Zähre! Sei mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll Für mein und aller Sünder Wohl, Sei auch für mich geweinet! Erwärme falter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. Das meine soll Dein Wohnplaß sein, Geliebtester aus Allen! Es foll, wie neu geschaffen, rein Von Engeltrieben wallen. Komm' aus der Krippe, komm' zu mir; Bring' ächte Frömmigkeit mit Dir, Und wahre Christensitten! O noch nicht Richter, noch ein Kind; Dieß macht mich hoffen, Kinder sind Ja leichter zu erbitten. Du kehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, Wenn diese Welt zu Trümmer geht, Der Staub aus Gräbern dringet. 280 Dann muß auch ich hin ins Gericht, Allweiser! vor Dein Angesicht, Mit Furcht und Angst durchdrungen. O sprich dann: Ich erkenne Dich; Du hast vor meiner Krippe mich Mit Inbrunst einst besungen. — Gesang in der Fastenzeit. 1. Laß mich Deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm, Das von mir die Sünden nahm! Jesu! drücke Deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen! Laß mir Deines Todes Pein Trost in meinem Tode sein! 2. In's Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater beten, Seh' ich Dich, mit Blut bedeckt, - 281 Auf dem Delberg hingestreckt. Jesu! drücke Deine Schmerzen u. s. w. - 3. Dich zu binden und zu schlagen, Zu beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schar, Und Du gibst Dich willig dar. Jesu! drücke Deine Schmerzen u. s. w. 4. Von den Richtern, die Dich hassen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet Dein unschuldig Blut Unter frecher Geißeln Wuth. Jesu! drücke Deine Schmerzen u. s. w. 5. Unter lautem Spott und Hohne Seh' ich eine Dörnerkrone, Die, mein Heiland! scharf gespißt, Deine Stirne schmerzlich rigt. Jesu! drücke Deine Schmerzen u. s. w. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, An das Opferholz geheftet, - 282 - Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. Jesu! drücke Deine Schmerzen u. s. w. 7. Heiland! meine Missethaten Haben Dich verkauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, An dem Kreuze Dich verhöhnt. Ach, es reuet mich von Herzen; Laß, mein Heiland! Deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein Nicht an mir verloren sein! Gesang zur österlichen Zeit. 1. Der Heiland ist erstanden, Befreit von Todesbanden, Der als ein wahres Osterlamm Für mich den Tod zu leiden kam. Alleluja! - 283 2. - Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angefettet, Der Tod hat keinen Stachel mehr, Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Alleluja! 3. Der Sieger führt die Scharen, Die lang gefangen waren, In seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und uns verlor. 4. Alleluja! O wie die Wunden prangen, Die Er für mich empfangen! Wie schallt der Engel Siegsgefang Dem Starken, der den Tod bezwang! Alleluja 5. Mein Glaube darf nicht wanken, O tröstlicher Gedanken! Ich werde durch sein Aufersteh'n, Gleich Ihm, aus meinem Grabe geh'n. Alleluja!' - 284 — 6. Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz, dann ruft mein Heiland mich Ins Reich, wo Niemand stirbt, zu sich. Alleluja! 7. O Meer der Seligkeiten! Ein Ort mir zu bereiten, Ging mein Erlöser hin vor mir. Erstandener! ich folge Dir. Alleluja! 8. Ja, durch ein neues Leben Will ich zur Höhe streben, Wo Du mit Deinem Vater thron'st, Und jede gute That belohn'st. Alleluja! 9. Dann werd' ich im Gerichte, Vor deinem Angesichte, Von Deinem Blute glänzend steh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Alleluja! - 285 — Alleluja! Alleluja! Alleluja! Wie Du vom Tod erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Chrift! Alleluja! Gesang zur Pfingstzeit. Komm, heiliger Geist! o dritte Person, Von einer Natur mit Vater und Sohn! Der Du von seiner Sündenlast So manches Herz befreiet haſt! Komm, heiliger Geist, erwünschtester Gast! Komm, heiliger Geist! aufuns jetzt herab, So wie Dich einst Gott den Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl, Versammelt im verschloss'nen Saal, Sich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! Komm, heiliger Geist! einTröster genannt; Es werde durch Dich der Kummer verbannt, Der uns verstört in unserer Pflicht. Die Trägheit überwind't uns nicht, Wenn Du uns entflammst, o mächtiges Licht! 286 Komm, heiliger Geist! vom himmlischen Thron, Dir werden zugleich mit Vater und Sohn, In unzertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit, Anbetung und Jubel geweiht. - Lied zum Frohnleichnamsseste. 1. O Engel Gottes! eilt hernieder, Und menget euch in uns're Lieder! Der Tag ist festlich uns und euch. Das Himmelsbrot, das wir heut ehren, Mit dem sich uns're Seelen nähren, Dieß Brot macht Mensch und Engel gleich. 2. O kommt, so wie ihr einst im Saale Bei Jesu lettem Abendmahle Erstaunungsvoll zugegen war't! Ihr sahet dort das Brot ihn brechen, Ihr hörtet Ihn mit Liebe sprechen: Dieß nehm't vor meiner Himmelfahrt. - - 287 - 3. Dieß ist Mein Leib, den will ich schenken; Es sei zu meinem Angedenken; So oft ihr, Freunde, dieses thut, So oft ihr dieß Geheimniß handelt, Wird Brot und Wein, wie jetzt, verwandelt In eures Meisters Fleisch und Blut. 4. O Abgrund unbegriffner Güte! War's nicht genug, in einer Hütte Für uns das Licht der Welt zu sehn? Die Zeit von mehr als dreißig Jahren, Verachtet, arm und in Gefahren Mit Undankbaren umzugeh'n? 5. Die Kranken nicht genug, zu heilen, Trost, Rath Gesunden zu ertheilen, Der Weisheit Lehrer uns zu sein? Für uns in frecher Hänker Händen Das Leben und die Qual zu enden, Uns von der Hölle zu befrei'n? 288 - 6. O nein, es wallen neue Triebe Der ewig uns verheiß'nen Liebe In unsers Heilands treuer Brust; Die lehren Ihn das Mittel finden, Sich uns noch enger zu verbinden; Bei Menschenkindern sucht Er Lust. 7. Er läßt bis an das End der Zeiten Bei uns sich einen Siß bereiten, Uns seine Neigung darzuthun. Der Gottheit Schimmer einzuhalten, Verhüllt Er sich in Brotsgestalten, Und will in unsern Herzen ruh'n. 8. O Christen, lapt uns Blumen pflücken, Und Tempel und Altäre schmücken; Das Rauchfaß hauche füßen Duft. Die Priesterschaft im Feierkleide Verkündige der Kirche Freude; Die Glocke schalle froh zur Luft! - 289 9. Laßt uns mit Dank- und Jubelliedern Der Liebe Wunderwerk erwiedern, Dem dieser Tag geheiligt ist. Preis, Ehre Dir im Sacramente, Nach dem sich einst die Vorwelt sehnte, Der Du zu uns gekommen bist. 10. Laßt heilig, heilig, heilig schallen Dem Menschenfreunde, der vor Allen Bei seinem Christenvolke wohnt, Dem Lamme, das in Broteshülle Mit aller seiner Gnadenfülle Auf unser'n Prachtaltären thront. 11. Du bist es, Herr! Gott uns'rer Väter, Du Brot der Starken, unser Retter, Du bist in Deines Priesters Hand! Wir fallen betend an im Staube; Das Aug' ist blind, doch sieht der Glaube; Dein Wort ist ihm ein Unterpfand. 19 - 290 - 12. Erbarmer! laß uns nicht erröthen, Wenn wir in Leibs- und Seelennöthen Zu Deinem Tabernakel flieh'n. Gib heut' und immer Deinen Segen, Laß Fürst und Volk in ihren Wegen Vor Dir in Deinem Frieden zieh'n. 13. Sei stets auf dieser Lebensreise Geprüfter Christen Seelenspeise, Gebenedeites Himmelsbrot. Und dann in Deinem Friedenskusse, In Deinem seligen Genusse, Vollend' uns einstens unser Tod. Gesang an den Festtagen Mariä. Gnadenquelle! sei gegrüßt; Quelle, die beständig fließt; Trost der Christen, o Maria! Jungfrau! sei gegrüßt! - 291 Sei gegrüßt zu jeder Stund', In dem Herzen, mit dem Mund', Alles mache Deine Würde, Deine Gnade kund. Liebste Mutter wir sind Dein, Zeig' Dich Mutter stets zu sein; Schreib uns alle Deinem Herzen Unauslöschlich ein. Du warst noch zu jeder Zeit Ursach' uns'rer Fröhlichkeit; Sei es bis zum Lebensende Und in Ewigkeit. Mutter! Es ist unerhört, Daß Dein Sohn Dir nicht gewährt, Was Du Deinen treuen Dienern Gütigst hast begehrt. Wenn Gefahr der Seele droht, In des Lebens jeder Noth Rettet uns in Deinem Namen Der versöhnte Gott. Schreckt der Sünden schwere Last, Sei zu Dir Vertrau'n gefaßt, 19* - 292 - Die Du Dich der Sünder Zuflucht Stets gezeiget hast. Wer Dich in Betrübniß bat, Fand bei Dir, Maria, Rath; Trost, wer immer Dir als Mutter Sich empfohlen hat. Auch zu streiten bis auf's Blut Um des Himmels großes Gut, Bringst Du, Reinste, den Versuchten Neue Kraft und Muth. Groß ist uns'rer Feinde Zahl Hier in diesem Thränenthal; Rette, Mutter, Deine Kinder Von dem Sündenfall. Und wenn Seel' und Leib sich trennt, Nur noch schwach das Herz Dich nennt, O dann bitte, Mutter, bitte Um ein selig's End'. Nach vollbrachtem letzten Streit Führ' uns in die Ewigkeit; Milde Jungfrau! zeig' uns Jesum In der Herrlichkeit. — 293 - gefänge vor dem heiligsten Altars= Sacramente. Erster Gesang. 1. Komm, o fromme Christenschaar, Wirf dich nieder am Altar! ( Denn es stellt in Brotsgestalten Sich dein Heiland dar.) 2. Hier ist Jesu Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut; ( Keine Seele geht verloren Unter seiner Hut.) 3. Sei gelobt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit; ( Aller, die sich Dir vertrauen, Wahre Sicherheit.) 4. Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot! ( Hilf den Deinen, und bewahre Sie vor aller Noth.) - 294 5. Gib uns wahre Buß' und Neu', Mach' uns von den Sünden frei, ( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sei.) 6. Ist nun uns're Pflicht gethan Und vollend't des Lebens Bahn, ( O dann nimm zu Deinen Freuden Uns're Seelen an.) 7. Sei gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreieinigkeit! ( Jesu Preis im Sacramente Bis an's End' der Zeit.) Zweiter Gesang. 1. Kommet, lobet ohne End' Das heiligste Sacrament, Welches Jesus eingesetzet Uns zum Testament. - 295 2. Hier ist Jesu Fleisch und Blut, Und das allerhöchste Gut; Keine Seele geht verloren Unter seiner Huth. 3. Sei gelobt, gebenedeit, Du Trost in der Bitterkeit, In der Kriegszeit, Pest und Hunger Wahre Sicherheit. 4. Segne uns, o großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot! Ach, bewahre und errette Uns aus aller Noth. 5. Gib stets wahre Buß' und Neu', Spreche uns von Sünden frei, Mach', daß Glaube, Lieb' und Hoffnung Bis an's Ende sei. 296 Gesang zum Segen. 1. - - Segne, Jesu! Deine Heerde, Welche Dir zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde Nur von Deiner Gnad' erhält. Herr! Dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen Wahre Christen stets verlangen. 2. Den die Brotsgestalt bedecket, Der Du unser Heiland bist; Den die Liebe hier verstecket, Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach' verstockte Herzen weich, Und an wahrer Tugend reich. Stärk' uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise. 3. Der Du haft für uns gelitten, Und von Sünden machtest frei, Ach, gewähre, was wir bitten, Segne, Herr, und steh' uns bei, 297 Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit, Alle Feinde überwinden Und durch Dich das Leben finden. Te Deum laudamus. -- 1. Großer Gott, wir loben Dich! Herr, wir preisen Deine Stärke! Vor Dir neigt die Erde sich, Und bewundert Deine Werke. Wie Du warst vor aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. 2. Alles was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, Stimmen Dir ein Loblied an. Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh' Heilig, heilig, heilig zu. 3. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! - 298 - Starker Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit Deinem Ruhm, Alles ist Dein Eigenthum. 4. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu Deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schar Lobt und preis't Dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater! Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie ehrt auch auf seinem Thron Deinen eingebor'nen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren Und mit Troste kräftig speis't; 299 Der, o König voller Ehren! Der mit Dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. 7. Du des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen; Du bist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade hast Du uns gebracht, Von der Sünde frei gemacht. 8. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor; Wenn wir kindlich auf Dich hoffen; Endlich kommst Du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh', Herr, Deinen Dienern bei, Welche Dich mit Demuth bitten, Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten. - 300 - Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf. 10. Sieh Dein Volk in Gnaden an, Hilf uns, segne, Herr! Dein Erbe; Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe. Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n. 11. Alle Tage wollen wir Dich und Deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen. Gib, daß wir von Sünden heut' Und von Lastern sei'n befreit. 12. Herr, erbarm', erbarme Dich! Ueber uns, Herr! sei Dein Segen. Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen! Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren sein. — 301 Inhalt. Morgengebet Abendgebet... Umschreibung des Vater unser Umschreibung des englischen GruBes Umschreibung des apostol. Glaubensbekenntnisses. Meßgebete. Vorbereitungsgebet Zum Anfange der heiligen Meffe Bei dem Gloria Bei den Collecten Bei der Epistel Bei dem Evangelium Bei dem Credo Zum Offertorium Zu der Händewaschung Zur Präfation.. Bor der Wandlung Während der Wandlung Nach der Wandlung Memento für die Verstorbenen Zum Pater nofter... Zur Communion des Priesters Nach der Communion des Priesters Zum Segen des Priesters Seite 7 13 19 21 31 33 36 36 37 38 40 41 42 43 44 47 48 49 51 53 54 - 302 Zum letzten Evangelium Buß- und Beichtgebete. Vorbereitungsgebet Gebet um Erkenntniß seiner Sünden. Gewissenserforschung. - .. genden Von dem Ablaffe Reue und Vorsaß der Besserung Gebet vor der Beichte Gebet im Beichtstuhle.. Nach dem Sündenbekenntnisse Nach der Beichte.. Dankgebet zu Jefu Gebet zur seligsten Jungfrau Maria Erweckung der drei göttlichen TuAblaßgebete Gebet zu Jefu für seine Kirche Communion- Gebete. .... Vorbereitungsgebet. Gebet zu Jesu im heiligsten Altars- Sacramente Erweckung des Glaubeus an Jesum Erweckung des Vertrauens auf Jesum Erweckung der Liebe zu Jesu... Erweckung der Demuth und Sehnsucht. Gebet vor der heiligen Communion Empfindungen nach der heiligen Communion Anbetung und Danksagung Gute Vorfäße für die Zukunft. Seite 55 57 60 62 70 72 73 74 74 76 78 80 84 85 87 90 92 96 97 99 100 102 104 106 108 - 303 Seite Bitte zu Jesu um seinen Segen...... 114 Betrachtungen und Gebete auf die vorzüglichsten Festtage des Jahres. - Advent Gebet. Am Weihnachtsfeste Gebet. Am Neujahrsfeste. Gebet Am Feste der Erscheinung des Herrn Gebet... Am Feste der Reinigung Mariä.( Lichtmesſe). Gebet An der Aschermittwoche. Gebet. Am Palmsonntage. Gebet... Am grünen Donnerstage Gebet Am Charfreitage Gebet Am Ofterfeste Gebet.. Lied am Osterfeste An den Bettagen Gebet.... 123 127 128 130 Am Feste des heiligsten Namens Jesu.. 131 Gebet. 134 117 119 120 121 135 136 138 140 141 143 144 145 146 147 148 150 151 152 154 1 - 304 - Seite Am Feste der Himmelfahrt des Herrn.. 156 Gebet. 158 159 161 163 164 166 166 Am Pfingstfeste Hymnus zu dem heiligen Geifte. Gebet Am Fefte der heiligsten Dreieinigkeit Gebet. Am Frohnleichnamsfeste Hymnus vor dem heiligsten Altars- Sacramente.. Gebet Am Kirchweihfefte Gebet.... An den Festen der seligsten Jungfrau Maria. Am Feste der unbefleckten Empfängniß Mariä... Am Feste Mariä Verkündigung. Am Feste der schmerzhaften Mutter Maria Stabat mater.... Am Feste der Himmelfahrt Mariä Am Fefte der Geburt Mariä ..... Am Namensfeste Mariä Am Gedächtnißtage aller heiligen Engel. Gebet Gebet zu dem heiligen Schußengel. Am Feste aller Heiligen. Gebet... Gebet zu allen Heiligen Gottes. 168 170 171 172 173 174 175 176 179 180 180 182 184 184 186 189 190 - 305 - - Seite Am Gedächtnißtag aller verstorbenen Chriftgläubigen. Gebet Gebet für verstorbene Weltern Gebet für verstorbene Geschwister Gebet für verstorbene Freunde und Wohlthäter Lauretanische Litanei, sammt den dazu gehörigen Gebeten 192 193 194 195 197 201 Salve Regina.. Litanei von allen Heiligen, sammt den dazu gehörigen Gebeten 203 Gebet für den Landesfürsten 215 Gebet für das allgemeine Anliegen der gan. zen Christenheit... 215 Gebet zu den Heiligen Gottes. Gebet am Feste der heiligen Apostel Petrus und Paulus Gebet zu dem heiligen Johann dem Täufer Gebet zu dem heiligen Josef Gebet zu dem heiligen Leopold, Landespatrone Gebet zur heiligen Mutter Anna Gebet zu dem heiligen Namens- Patrone Gebete in verschiedenen Anliegen. Gebet am Geburtstage Gebet vor der heiligen Firmung Gebet nach der heiligen Firmung Gebet am jährlichen Gedächtnißtage der heiligen Firmung 218 220 221 222 223 225 228 230 233 235 ក រង និង - 306 Gebet um eine glückliche Standeswahl Gebet eines Kindes für seine Weltern Gebet christlicher Aeltern für sich und ihre Kinder Erster Meßgefang Zweiter Meßgefang Dritter Meßgefang Predigtlied an Sonntagen Lied vor der Christenlehre Lied nach der Christenlehre - Die gewöhnlichen gottesdienstli. chen Gefänge. ... . Zweiter Gesang Gesang zum Segen Das Te Deum laudamus Seite 237 239 240 244 255 263 269 271 271 Gesänge zur Adventzeit. Erster Gesang 272 Zweiter Gefang Weihnachtgefang 275 278 Gesang in der Fastenzeit 280 282 Gefang zur österlichen Zeit Gefang zur Pfingstzeit 285 286 Lied am Frohnleichnamsfeste Gefang an den Festtagen Mariens Zum heiligsten Altars- Sacramente: 290 Erster Gesang 293 294 296 297 1861. Druck und Papier von Leopold Sommer in Wien. Inches 1 Centimetres Blue 12 3 4 Cyan 2 5 1.44 6 7 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8