Gb 2108 Streenberg, Gb 2108 kreuz nicht auf fich nimmt und mir nachfolgt, nicht werth. Matth.10, 38. ist meiner Werleinkr Verlag von Elsaesser& Waldbauer in Passau Senfkörnlein Se Verlag von Bleaesser& Waldbauer in Passau. Und siehe: es wuchs und ward zu einem Baume, so daß die Vögel des Himmels kamen- und in seinen Zweigen wohnten. Geistliches Senfkörnlein. Eine Auswahl katholischer Gebete für alle Alter, Stände, Zeiten und Verhältnisse. Sechzehnte Auflage. Mit Approbationen. Passan. Elsaeßer& Waldbauer. 1865. g 2108 25 MA mg biyla rommer Gruß 3d.offn an die Freunde des Senfförnleins. ( Statt einer Vorrede.) Selobt fei Jefus, Maria und Joseph! Vielgeliebte fromme Selen! in kleines Büchlein ist es, das Ihr hier empfanget. Es darf dieß jedoch kein Grund für euch sein, dasselbe geringschätzend zu beurtheilen. Gewiß nicht! darum nicht, weil Ihr als Christen- von Jugend auf gar wohl wisset, auf was es im Reiche Gottes ankömmt, in jenem Reiche, wo wir, wie die heil. Schrift uns sagt, nur dann Platz haben können, wenn wir wie die Kinder werden, und wo es also lautet: ,, Wahrlich, sag' ich euch, wenn ihr euch nicht bekehret, und 1* - 4 Frommer Gruß an die Freunde nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen." Wer immer sich also demüthiget, wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreiche. Mit andern Worten will das sagen: ,, Wenn ihr euren Hochmuth, euren Stolz und eure Eigenliebe zc. nicht ableget, und nicht demüthig, sanftmüthig, geduldig, gerade und offen, trauend und glaubend, wie die Kinder werdet, so möget ihr zwar äußerlich Bürger meines Reiches sein, aber dem unsichtbaren Himmelreiche ge= höret ihr nicht an." Das Himmelreich gleicht einem ,, Senfkörnlein", welches ein Mensch nahm, und auf seinen Acker säete. Dieses ist zwar das kleinste unter den Samenkörnern, aber wenn es gewachsen ist, das größte unter allen Kräutern, und wie zu einem Baume wird, so des Senfkörnleins. daß die Vögel des Himmels kommen, und in seinen Zweigen wohnen. ( Matth. 13, 31 u. 32.) Weil nun im Reiche Gottes das Kleine einen so guten Klang hat, so fand ich mich veranlaßt, dieses Büchlein unter dem Titel: ,, Geistliches Senfkörnlein" auf den Acker der lieben Christenheit auszustreuen, und wünsche von ganzer Seele, daß dieses gute Körnlein in vielen Herzen freundlichen Eingang finden wolle und heranwachsen möge zu jenem edlen Baume, dessen Früchte sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Enthaltsamkeit und Keuschheit. So gehe denn hin, du kleines Büchlein! Jesus, Maria und Joseph wollen dich begleiten, und dir Herberge verschaffen in den Herzen der Kinder Gottes. Amen. 5 Der Sämann streut mit milder Hand Das Körnlein auf das weiche Land; Es schläft doch Gottes Auge wacht, Es treu beschützend Tag und Nacht, Und schickt ihm, daß es mög' gedeih'n, Die Engel, Thau und Sonnenschein. So wächst das Körnlein still heran, Wird groß und sieh', von ferne nah'n Ihm Fromme, Sünder, Völker zu, Und alle finden Heil und Ruh', So wird, was man gesehen kaum, Durch Gottes Huld ein Himmelsbaum. Fillgemeiner Unterricht über das Gebet. #s s ist ganz gewiß, daß Jesus Christus, unser Erlöser und Seligmacher, vollkommen für uns genuggethan und uns durch sein Leiden und Sterben erlöst hat. Wir können aber dieser seiner Verdienste nicht anders theilhaftig werden, als unter der Bedingung der Verrichtung guter Werke und des gehörigen Gebrauches der heiligen Sakramente. Der heilige Augustinus sagt: Gott hat uns zwar erschaffen ohne uns, er will uns aber nicht selig machen ohne uns. Dieß soll uns also anspornen, in den christlichen Uebungen den möglichsten Eifer an den Tag zu legen, weil uns Christus, diese durch sein Leiden und seinen Tod zum Ver dienste anrechnet und zu unserer Seligkeit verordnet hat. Abends, Morgens und Mittags will ich erzählen und verkünden sein Lob und Unterricht über das Gebet. mein Elend, und er wird erhören meine Stimme.( Psalm 54, 18.) Wie man Gott loben soll. Wenn derjenige verflucht ist, der das Werk des Herrn nachlässig betreibt, wie wird es erst um denjenigen stehen, der Gott nachlässig lobet und preiset. Die Menschen pflegen in eine Art von Verwirrung zu gerathen, wenn sie in ihren eigenen Angelegenheiten einen König anreden: und wir sollten noch träge und unverschämt sein, wenn wir Dinge verrichten, die den höchsten König selbst angehen, und bei welchen er immer ge= genwärtig ist? Derjenige ist also nach allen Gesetzen der Gerechtigkeit verflucht, der Gott nicht nach allem Fleiße, nach seiner Schuldigkeit lobet. Betrachte die Engel und blicke auf alle Geschöpfe; du wirst allenthalben ihren Eifer im Lobe Gottes gewahr werden, du aber willst ihn durch Nachlässigkeit, Stillschweigen und Sündigen verachten? Wie verdorben muß nicht der Geschmack desjenigen sein, dem das Lob Gottes unangenehm vorfommt? Gib es nicht zu, erbarmender Unterricht über das Gebet. Gott! daß das Gebet, welches doch sonst alle Uebel zu heilen pflegt, durch meine große Nachlässigkeit und Gemüthszerstreuung mir zur Sünde werde! Wie mag ich einer Ausschweifung Platz geben, da ich so nöthig hätte, die Zerstreuungen so vieler Menschen, die deiner vergessen haben, in einer Stunde zu ersetzen! Mit welcher Ehrerbietung aber werde ich vor dir erscheinen müssen, der du verlangst, daß ich statt aller Sünder, welche dich verunehren, statt aller Kinder, die dich nicht kennen, und statt aller Geschöpfe, denen die Sprache fehlt, loben soll! Warum hältst du aber, o Herr! so viel auf das Lob eines armseligen Menschen? Welche Ehre ist für einen Hausvater größer, von seinen Söhnen oder von verworfenen Knechten gelobt zu werden? Vielleicht das Letztere; wenn nämlich die Knechte das Vergnügen zu erkennen geben, das sie in seinem Dienste empfinden. Es gereichte dem König David zur Ehre, daß ihn nicht nur die vornehmsten Hofbeamten, sondern auch die geringsten Dienstboten lobten. Gott ist es eine Ehre, wenn ihn die Engel preijen, die er verherrlicht hat; aber bisweilen ist die Ehre 10 Unterricht über das Gebet. noch größer, wenn ihn die Menschen loben, die er erniedrigt und demüthigt. Wie gut bist du, o Herr, weil auch diejenigen, denen du Unangenehmes zutheilest, dich bekennen und ausrufen: ich will dich loben allezeit und dein Lob soll immer in meinem Munde sein, in Leid und Freuden, im Leben und im Tode. Wir haben dich, o Herr! mit der Zunge beleidigt, welche eine Welt voller Ungerechtigkeit ist; gib, daß ich sie reinige durch die Verkündigung deiner unendlichen Güte und göttlichen Vollkommenheiten! Du hast, o liebenswürdigster Menschenfreund: viele Engel verworfen, welche dich loben sollten; ich danke dir in Demuth, daß du mich mitten unter lästernden Zungen an ihre Stelle geſetzt hast. Dir, o treuester Vater! bin ich alle Worte schuldig, da du mir auch dein Wort, nämlich deinen Sohn, gegeben hast, daß er für mich zum Spotte würde. Durch dein Wort hast du Alles gemacht; darum will ich deine heiligen Werke auch erkennen und preisen. Wäre ich ein Laftthier, so müßte ich manche schwere Bürde tragen; als vernünftiges Wesen aber will ich mir auch Unterricht über das Gebet. 11 Unter den die Verherrlichung Gottes und die Vertündigung seiner unendlichen Eigenschaf ten zur Aufgabe machen. menschlichen Ärmseligkeiten will ich diese Berrichtung der heiligen Engel erfernen. und davon schon hier eine Probe ablegen, was ich in alle Ewigkeit thun werde. Ich will mich in die Chöre und in die harmonischen Gesänge der himmlischen Geister oder unter die Jünger des Herrn eindrängen, als sie den Lobgesang nach dem Abendmahle gesprochen hatten. Wir sollen ohne Unterlaß beten, und dich, o Gott! loben. Warum bestimmen wir aber diesem so wichtigen Geschäfte faft gar keine Zeit und benehmen uns so träge und nachlässig dabei? Der Nutzen des Gebetes ist unaussprechlich groß, darum bedenke nochmals, wie du das Lob Gottes würdig und mit Nutzen begehen mögest. Wenn dasselbe nicht dein Herz durchglüht und aus deinem Munde erschallet, so läugnest du, Gottes Werk zu sein. Welch eine Wichtigkeit liegt aber nicht darin, aus Gottes Händen hervorgegangen zu sein?- Du hast, o Herr! alle Dinge erschaffen, sie gut geheißen und gesegnet; wie sollte ich dir 12 Unterricht über das Gebet. also deinen unermeßlichen Ruhm versagen dürfen? Der erste Urheber des Lobes war also Gott und das Lob die crfte Lehre, in der er mich unterrichtete. Dieß war seine erste Wohlthat gegen die Geschöpfe, daß er ihre Güte rühmte. Weil dich nun, o Herr! die leblofen Geschöpfe nicht preisen können, so schreiben sie mir für die. Dienste, die sie mir erweisen, zugleich die Pflicht vor, daß ich dich an ihrer Stelle loben soll. Wirke nur immer, o Herr! große und wunderbare Dinge; ich will als kleines und unwürdiges Geschöpf es wagen, sie zu rühmen. ,, Ja, Herr! erhebe dich in deiner Kraft!" so wollen wir singen und deine Stärke in Psalmen preisen. Erster Abschnitt. Morgen- und Abendandacht. Morgengebete. Der christliche Pilgerstab. Am Morgen. Frott der Huld! ich schlief von dir bewacht, von dir beschützt, da mich ohne deine Hut Unglück und Gefahr so leicht hätten verletzen oder gar vernichten können. Aber du warst bei mir, ließest mich ruhen nach meinem letzten Tageswerke, und ließest, für ein neues mich gestärkt, erwachen. Wem sollte ich also meine ersten Gedanken, meine ersten Negungen eines dankbaren Herzens weihen, als nur dir, du Herr der Liebe, durch den ich bin, von dem ich Alles habe. Ich bringe sie denn zur Gabe, und des Tages erste Stunde höre meinen Dank, den ich dir für deine Güte sage; fie bernehme meine Bitte, die ich wieder zu 14 Am Morgen. dir richte, daß du den Tag und mein Leben fort mir mein Schutz und Helfer, mein Führer und mein Wächter sein mögeft, damit ich im Vertrauen auf dich und in der Liebe zu dir meine Wege wandle, und jeden Abend mit Troft und mit Beruhigung mich deiner heiligen und allmächtigen Macht anheimstellen darf. Dieses Alles verleihe mir der Liebe deines Sohnes wegen, der von dir zu uns gekommen ist, der uns erleuchtet, der uns erlös't, da er für unsere Schuld gelitten und am Kreuze sein irdisch Leben hingegeben hat, um dich uns wieder zu versöhnen. Amen. Am Morgen im Frühlinge oder Sommer. Goldene Strahlen, welche sich am östlichen Himmel erheben, zerreißen den Schleier der Nacht, die Schatten weichen der freundlichen Morgenröthe und thaugeschmückte Blumen heben die schimmernden Häupter empor. Neues Leben, verjüngte Schönheit deiner Schöpfung brin get, o ewiger! jeder heitere Morgen; und bestimmt für tausend Freuden, die Am Morgen. 15 mich ringsumher begrüßen, welche Unerforschlicher! deine Huld so laut verkündigen, ließest du mich diese Nacht hindurch von deinem Engel tren bewachen, von seinem Schild mich schützen, von seiner Hand mich wecken. Ich lebe also wieder, und fühle mich gestärkt, mich deiner Werke, welche die reinste Liebe sind, wieder ganz zu er= freuen, meine Pflichten mit Recht und Tugend zu erfüllen, mich täglich zu vervollkommnen im Guten, und mich, Allgegenwärtiger, aber Unsichtbarer hienieden vorzubereiten für deine heilige fichtbare Nähe im Himmel. erkenne dich, und diese Erkenntniß ist Allgütiger, ich meine irdische Seligkeit, meine himmlische Hoffnung. Soll mich die Blume des Feldes beschämen, welche des Morgens den Blick zu dir erhebt; soll es die Lerche, die sich mit des Tages erstem Jubel an die rosigen Wolken schwingt? Nein, Unendlicher! mein erster Blick sei dankbar dir geweiht; von deiner Huld gerührt, sehe ich zu dir, und mein Geift, welchen du mir eingehaucht, hebet unge feffelt sich zu dir über diese Welt in 16 Am Morgen. deinen heiligen Tempel, an die Stufen des Altars deiner ewigen Liebe. Du bist mein Schöpfer, Erhalter und Regierer; aber Unendlicher und Allgewaltiger! wie weit, wie unerreichbar stehe ich dir fern, wenn ich deine Gottheit, wenn ich deine Größe betrachte; und doch bist du bei mir durch deine Allgegenwart, und deine heilige Liebe zieht mich als dein Kind in deinen Vaterarm. Laß mich niemals deine Huld verkennen, oder wohl gar sie vergessen; sie ist der ewig klare Stern an deinem Himmel, und leuchtet strahlend auf die rauhen, dunklen Pfade unserer Erdenwanderung nieder. Du bist unser Vater, Liebe ist das sanfte, feste Band der Natur; und hält es treu und innig das Kind schon an das irdische Vaterherz, wie muß, Himmlischer! deine Gütigkeit uns an dich erst fesseln. Erhalte mich in deinem Geiste, daß ich ungetrübt und frei jeden Morgen zu dir blicke, dir, Göttlicher! mein Ziel, mit jedem Tage näher komme; und mich immer, winkt des Abends süßer Friede, vorbereitet für eine andere Welt, in welche du mich rufen könntest, gefaßt auf die Augen Am Neujahrsmorgen. blicke, dich zu sehen als meinen Richter, mich deinem allmächtigen Schußze empfehlen könne. Dieses gib mir und allen Menschen durch das versöhnende Opfer, welches dir dein göttlicher Sohn am Kreuze für unsere Schulden sterbend dargebracht. Am Neujahrsmorgen. Ein neues Jahr steigt auf, das alte ist gesunken; und in jedem, großer Gott! in welchem ich gelebt, erhielt mich deine Gültigkeit, die alle Welten seit ihrem Anbeginn erhält. Ich blicke heut zu dir mit dankerfülltem Auge für mein ganzes Leben, für alle deine Wohlthaten. Ohne dich, du Ewiger, Allmächtiger und Gittiger! tann Nichts werden, fortbestehen, dauern; denn du gibst Dasein und nur deiner Liebe Odem erhält Alles. Von Welt zu Welt ertönt dein Ruhm; auf Sternenstufen steiget deine Herrlichkeit, nieder aus goldnen Wolken hüllet fich der Tag, und alles Leben ruft dir Lob und Preis. Ein neues Jahr gabst du der Erde wieder und gütig, wie du immer warst, Senflörnlein. 18 Am Neujahrsmorgen. wirst du bis an der Zeiten Ende sein. Mit dir will ich dieses Jahr beginnen, indem ich zu dir flehe: Beschütze mich und alle Menschen! laß mich dich erkennen, dich nach deiner Hoheit rein und würdig lieben und mich findlich vor dir wandeln. Deine Gebote, sie sind der Weg des Lebens, will ich unverbrüchlich halten; in der Liebe, die du mir erweisest, will ich meine Nebenmenschen behandeln, und will gerecht, schonend, mitleidsvoll und wohlthätig sein. Meine Fehler, die ich in dem verflossenen Jahre gegen dich, den Gütigsten, und gegen jene Menschen begangen habe, die du mir zugeführt zur treuen Sorgfalt, die du innig mir verwandt hast: meine Fehler gegen alle meine andern Mitbrüder, welche mir durch das Band deiner himmlischen Vaterliebe nahe sind, laß mich einsehen, bereuen und mich selbe auf meinem neuen Jahrespfade meiden und verbessern durch erhöhte Tugend, damit ich immer edler, dir als dein Ebenbild immer ähnlicher werde, und damit ich nach dieser irdischen Wanderung die Seligkeit bei dir erlange, welche du allen Frommen bereitet haft. Amen. Am Ostermorgen. 19 Am Ostermorgen. od Es ist vollbracht das große Sühnopfer auf Golgotha, und die Leiche des wundervollen Lehrers und Erretters ruht im Frieden des Grabes. Die Schatten der stillen Nacht weichen vor den auf brechenden Strahlen des Morgens; und, feierlicher Tag! die Dunkel des Todes fliehen vor dem Morgenlichte der Verklärung. Glorreich) ging der göttliche Sohn aus seinem Grabe zum Leben, auf unsere Zukunst deutend, auf Unsterblichkeit. erhabener Morgen, der du mir die Ewigfeit eröffnest, der du mir bürgest für eine stete selige Fortdauer in einer besseren Welt, der du mir bürgest für den Himmel, ich sinke nieder vor dem Altare, welchen du mir aufgerichtet hast, vor dem stillen, leeren Grabe des Erlösers, vor der Pforte des ewigen Lebens, und flehe dich an, du Auferstandener! daß du mich erhalten wollest in einem frommen Wandel deiner Lehre, daß du mich stärken mögest mit deinem Geiste, mit deiner Liebe, damit ich vor dir den Weg der Gebote gehe; in Leiden standhaft dulde, Am Pfingstmorgen. furchtlos, nur mit der Hoffnung auf dich diese meine irdische Wanderschaft be schließe, vertrauend zu dir trete, harrend eines gnädigen Gerichtes und durch deine Erbarmung der Sünde frei zu den seligen Frenden der Unsterblichkeit gelangen möge. Amen. 20 Am Pfingstmorgen. Wieder zum Leben hast du mich berufen, Allgütiger! zur Erinnerung eines heiligen Morgens. Dein göttlicher Geist tam über die Jünger, erfüllte ihre zagenden Herzen mit Muth für die Verbreitung deiner seligmachenden Lehre; er gab ihnen Standhaftigkeit, Wunderkraft und Ausdauer für die nahenden, beschwerlichen und blutigen Kämpfe. Die Erinnerung an jenen Morgen beweiset uns, was wir, du Gott der Liebe und der Macht! ohne dich, und was wir mit dir sind. Ohnmächtig, schwach und furchtsam sind wir ohne deinen Beistand; stark, kräftig und muthvoll, gerüstet mit heiliger Wehre stehen wir mit deiner Hilfe da; und reine, ungefesselte Liebe von irdischen Neigungen, das Licht des wahren Glaubens, die viel Am Weihnachtsmorgen. vermögende Stärke der Hoffnung entflam men unser Herz für dich. Dieser Verein der Tugenden machet uns, wie einst deine Apostel, zu freimüthigen Bekennern deiner Wahrheit, zu deren ernstlichen Verbreitern, und würde uns zu ihren standhaften Duldern und zu ihren blutenden und sterbenden Bezeugern machen. An diesem Morgen flehe ich besonders, Allgütiger! um deinen heiligen Geist, damit ich auf jede harte Prüfung gefaßt sei, und jedes Ungemach schon darum duldend trage, weil du es mir beschieden hast. Sei mir immer gegenwärtig mit deiner Huld und Gnade: und laß mich aus den letzten Augenblicken dieses Lebens mit deinem Troste, mit deinem Geiste zu dir in eine bessere Welt hinübertreten durch die Verdienste deines Sohnes. Amen. 21 Am Weihnachtsmorgen. Der Heiland ist geboren!" dieses rief einst in der schönen Nacht der himmlischen Sendung, o Ewiger! dein Engel. Sein Ruf, der ewige Nachhall des Jubels heiliger Chöre: ,, Ehre sei Gott in der Höhe!" und die jauchzende Freude der Am Weihnachtsmorgen. frommen Hirten in den Fluren um Bethlehem weckten mich heute zu dem feierlichen Tage, die friedlichen Sterne verlöschen und ich eile im Geiste an den Altar der verheißenden Sendung, an die Krippe zu Bethlehem, und spreche betend vor dem heiligen Kinde: Gelobt sei Jesus Christus! Dank dir, eingeborner Erlöser! der du an diesem Tage mit deinem Lichte uns erschienen bist, der du mich und die Meinen alle unter dem Sternenschilde deines Himmels diese Nacht beschützt und uns mit deiner findlichen Hand zur reinsten Freude, zur Anschauung des Angesichtes göttlicher Wahrheit und Liebe geweckt hast. Dir, himmlisches Kind! weihe ich ein Herz, das dich verehren und lieben soll; ein Herz, geöffnet und empfänglich für das Wort deiner beglückenden Lehre; ein Herz, getren deinen heiligen, deinen liebevollen, deinen beseligenden Geboten. Bereitwillig zur Hilfe für meine Nebenmenschen, unbekannt mit den bitteren Gefühlen der Rache gegen meine Feinde und Beleidiger will ich immer nach deinem heiligen Beispiele sein; und wenn auch Finsternisse mich umgeben, Sturm und Wogen um mich toben will ich stets 22 Am Abende. 23 deiner Gegenwart vertrauen, und niemals sollst du zu mir sagen können: ,, Kleingläubiger! warum zweifelst du noch an mir?" Ich bleibe dir, neugeborner Heiland! zur Seite; und du wirst mir sicher helfen zu jeder Zeit der Noth; und ich werde unter deinem allmächtigen Beistande das Gelübde gewiß erfüllen, welches ich dir an deinem ersten Lebensmorgen, du eingeborner Sohn Gottes! vor der Krippe feierlich niederlege. Amen. thist Abendgebete. Das geistliche Ruhebett. Am Abende. Ewig bist du, Herr der Welt! das beweiset deine Ordnung, deine Güte. Uns glänzen deine Sterne grüßend nieder, und die stille Herrlichkeit des blauen Abendhimmels verkündet uns, da uns die Ruhe winkt, deinen väterlichen Schutz. Dunkel legte sich auf deine Schöpfung, Friede herrschet rings um mich in der Natur: denn aus purpurhell besäumten 24 Am Abende. Westen schied die goldene Sonne; aber jenseits hebt sie ihre Strahlen, wo die Nächte sinken, und bringet Herrlichkeit des Morgens und neues Leben den jenfeitigen Erdbewohnern wieder. Dankbar heben sie den Blick empor, gießen aus im Preis ein fühlend Herz vor dir, und bitten dich um deine Geleitschaft durch den neuen Tag, da wir uns für dieſe Nacht deinem Schutze anempfehlen. Doch zuvor noch danke ich dir, Allgütiger! für diesen vollbrachten Tag, für alle, die du mir hienieden schon gegeben, wenn vielleicht dieser schon der letzte, wenn er der stille Abend meines irdischen Daseins wäre. Aber ehe meine Lippen meinen Dank dir lallen, will ich, höchstes, unerschaffenes Wesen! mich sammeln, meine Gedanken zu dir erheben; und meine Seele soll es fassen, soll es erkennen, wer du seist, damit ich weiß und fühle, wer so mich liebt, wer so mich schirmt, und wen ich in dir nach dieser Pilgerschaft hienieden in deinen Bereichen drüben erreichen soll. Deine Liebe sei mein Beistand, ja sie ist es, Herr! sie ist das Licht, das dich mir zeigt; sie ist die Stimme, welche laut mir aus allen deinen Werken, aus dem Am Abende. 25 Halme, aus der Blume ruft, du seift ein Geist, der Geist der ewigen Liebe! Ich betrachte die Wunder deiner Erde, und sehe mich erhaben durch meinen Geist, fühle mich erhaben durch deinen Odem über alles Erschaffene hienieden. Ich hebe die Blicke zu den Höhen der Sterne, und sehe, fühle meine Niedrigfeit vor dir, einziges, göttliches Wesen! Aber ich bin nicht Staub allein dieser Erde, dieser Staub ist beseelt von dem Hauche der Gottheit, und dieser Hauch erhebet mich in deine Nähe, mich, der ich in deiner Schöpfung durch deine Liebe mit dir verwandt bin. Deine Gütigkeit und deine Milde, o Herr! deine Erbarmung und deine Treue jagen es mir täglich, du seist mein Schöpfer, mein Gott und mein Erhalter; du seist mein Gesetzgeber, mein Lehrer, mein Führer, mein Tröster, mein Helfer, mein Beschützer und mein Vater. Ja, mein Vater bist du, Ewiger! denn als solchen zeiget dich mir deine Liebe, als solchen ließest du dich uns von deinem eingebornen Sohne verkünden. Muß ich nicht erzittern vor meiner Selbstfrage: War ich dir ein dankbar Kind in diesem Leben, diesen Tag Am heiligen Abende. hindurch? Stets erfuhr ich deine Huld so reich an mir, handelte ich auch tren nach deinem Willen, der mich hienieden zeitlich und bei dir ewig glücklich machen will? War ich liebreich, und so, wie du es forderst, besorgt für meine Kinder und Angehörigen, freundlich und mild gegen meine Untergebenen, und nach meiner Kraft wohlthätig gegen Leidende? Herr, du bedarfst nicht meines Geständnisses, du siehst ja in die Herzen der Menschen. Bergib! ruft dein Kind zu dir, das dich beleidigte, besser will ich von nun an handeln; nimm mich wieder in deinen Arm, und beschirme mich diese Nacht hindurch! Und ruffi du heute mich zu dir, dann ruft mein Vater mich. Laß mich dann nicht vergehen in meiner Scham, verurtheile mich nicht nach meiner Schuld und nach deiner Gerechtigkeit, sondern begnadige mich bei dir nach deiner unendlichen Erbarmung durch die Verdienste deines Sohnes, unsers Erlösers. Amen. 26 Am heiligen Abende. O feierlicher Abend heiliger Hoffnung! du bist mir wieder gekommen, und ich Am Charfreitagsabende. 27 sehne mich, wie einst das fromme Israel sich sehnete, nach der Ankunft des Erlösers. Schimmert, ihr Sterne! sanft und feierlich, wie einst über dem gefegneten Bethlehem, und jubelt in den endlosen Räumen der Ewigkeit, ihr Verklärten des Himmels! die Herrlichkeit Gottes; denn das Heil ist uns geboren. Ich stelle mich unter die frommen Hirten, die der Engel des Herrn auf den stillen Fluren weckte, ihre Freude erglüht in meinem Herzen, und ich flehe zu dir, Erbarmender und Geheimnißvoller! auf deinen Wegen, du wollest mich diese Nacht vor Schrecken und Gefahr, vor einem jähen Tode behüten, damit, bricht heran der Erlösung strahlender Morgen, ich zu deinem eingebornen Sohne eile, ihn anbete, und mich seinem himmlischen Schutze mit allen den Meinen, mit allen Menschen anempfehle. Dieses gewähre mir durch deine unendliche Gnade und Erbarmung. Am Charfreitagsabende. Stille herrschet, wie sie um das gehei ligte Golgatha einst herrschte, in meiner 28 Am Charfreitagsabende. Seele, und mit den Thränen des ge rechten Schmerzes blickt das Auge auf das Kreuz, an welchem das Opfer für die Sünde blutig starb. Gott! ich betrachte dich, ewig Großer! ich will dich fassen; aber dich schließen nicht die Himmel ein; und ich kann dich nur bewundern. Aus Liebe zu uns, uns zu retten, gabst du deinen eingebornen Sohn dem Tode hin. Aber sein Tod ist uns die felige Bürgschaft für das Leben: denn er schloß uns den Himmel wieder auf, berföhnte dich mit der sündigen Welt, machte uns zu seinen Brüdern, also zu deinen Kindern, und rief sterbend noch zu dir: ,, Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist." Sein Wort ist Wahrheit, also folgt dem Tode bei dir ein Leben, ein Leben in der Ewigkeit; das Leben der in dir Vollendeten. Freudig, Welterlöser! blicke ich zu deinem Kreuze; an seinem Stamme he ben sich aus dem Staube Golgothas Blumen der Verklärung, aus der Dornenkrone reiner Liebe bricht der Kranz des ewigen Sieges über Tod und Hölle. Dir empfehle ich mich diese Nacht Am Abende der Himmelfahrt des Herrn. 23 hindurch, schlummernder Gottessohn! und wenn auch ich einst meine irdische Wanderung vollbracht habe, sei du mein Trost und meine Hoffnung, wie es dir in deiner Sterbstunde dein Vater war, und laß mich zu dem Morgen der Ewigkeit aus dem Dunkel des Grabes, aus der Verwesung der irdischen Hülle in dein gnädiges Gericht, an die Schwellen der Verklärung und des Lebens treten, damit ich ewig selig sei unter den Schaaren der Auserwählten in den Wohnungen deines Vaters. Dazu, du Sohn des Himmels und Erlöser der Welt! verhelfe mir dein Leiden, dein Tod und deine Auferstehung. Am Abende der Himmelfahrt des Herrn. Nicht hienieden ist mein Bleiben, ich gehöre einer bessern Welt an, in welche mir mein Heiland vorangegangen ist. Ich bin in deiner Kirche, Gottesjohn! und darf mich unter Jene zählen, welche du am Abende deiner Himmelfahrt gesegnet, zu welchen du in deiner himmlischen Tröstung, in deiner göttlichen Milde gejagt, als du die Traurigkeit der Deinen 30 Am Tage der Himmelfahrt des Herrn. gesehen haft: ,, Werdet nicht betrübt; id) laffe euch den Frieden, und ich bleibe bei euch bis an das Ende der Welt!" So, Göttlicher! tröstetest du, so schiedest du von der Erde, als du dich zum Himmel hobst. O Erlöser der Menschen! vergib mir meine Schuld, und laß mir deinen Frieden; laß mir deinen Trost und deinen Beistand, damit ich nie von dem Pfade der Liebe und des Lebens weiche, welchen mir deine göttliche Lehre vorgezeichnet hat, mit welchem mir dein heiliger Wandel vorgegangen ist. Und stehe ich einst auf dem ernsten Scheidewege, dann laß meinen Hintritt sanft und ruhig sein, keine unverzeihliche Schuld soll die feierliche Abendstunde mir trüben, und der lichte Stern der Christenhoffnung mag aus blauer Ferne mir entgegen schim mern. Schenke mir das Bewußtsein und die Kraft, daß ich die Meinen trösten, mein Vertrauen auf dich zeigen, und dich um deine Hilfe in meiner letzten Noth anrufen kann. Reiche mir deine gnadenvolle Hand in dem letzten Erdenaugenblicke, und führe mich, du mein Erlöser und mein Richter! meinem Schöpfer, deinem himmlischen Vater zu. Mit dieser Am Allerheiligenabende. 31 Bitte begebe ich mich in die Ruhe der Nacht, welche du mir, o göttlicher Heilbringer! bewachen und beschützen mögest. Am Allerheiligen- Abende. Su deinen Himmeln, du Ewiger! frohlocken die Schaaren der Beseligten, im Glanze der Verklärung wandeln sie und schauen dein hochheiliges Angesicht. Dürfen, Herr! sie dich erinnern an Jene, die im Dunkel deines Vaterrufes in Neue ihrer Sünden, in zitterndem Vertrauen auf deine Gnade harren, nach deinem heiligen Lichte sich findlich sehnen. Bist du nicht auch Vater dieser Abge= schiedenen? Haben sie der Kindschaft Antheil verloren? Hast du sie vergessen? Du bist die ewige Liebe, und als solche tannst du auch auf das geringste Geschöpf deines Weltalls nicht vergessen. Du liebst auch in deiner Gerechtigkeit und alle deine Kinder willst du zu dir führen, willst alle um dich versammelt haben; kein Haupt der Lieben soll dir fehlen. Du bist langmüthig, aber eben so streng in der Sühnezeit der Sünder, weßhalb dich deine Engel und Heiligen 32 Am Allerheiligenabende. nicht an die Seelen Jener erinnern dürfen, die deiner väterlichen Verzeihungwarten und auf dein Angesicht hoffen. Aber die Beseligten bei dir dürfen dich um Nachsicht und Erbarmen für diese Armen bitten. Mit ihnen darf und soll auch ich meine Bitte zu dir richten, und somit flehe ich zu dir: Barmherziger Gott und gütigster Bater! Ueber die Heerschaaren deiner Engel und Seligen, die im Glanze deiner göttlichen Majestät deinen Thron umgeben, siehst du liebevoll und erbarmend in die Tiefen, wo in Rene und Scham, im Schmerz, im Jammer über sich selbst die Unglücklichen harren, die noch nicht in deine heilige Nähe dürfen. Deine unendliche Gnade und Erbarmung ist ihre Hoffnung, der uns Alle erlösende Tod deines Sohnes ihr heiliges Unterpfand, daß sie nicht verloren seien. Laß ihnen diese Nacht die letzte in ihrem düstern Aufenthalte sein, öffne ihnen, Vater! die Pforte deines heiligen Hauses und laß ihnen die Strahlen deines Friedens entgegenkommen. Besonders flehe ich für jene zu dir, die mir in diesem Leben so nahe standen, die der Tod wohl körperlich, Am letzten Abende des Jahres. 33 doch nicht geistig von mir trennte. Sind sie noch nicht in deinem heiligen Reiche, so laß ihnen den Morgen ihrer Seligkeit heranbrechen und schicke ihnen einen Engel, einen verklärten Freund zu, daß er ihnen deine Verzeihung und Gnade verkündige und sie dir entgegen führe, damit sie in der Wonne des Wiedersehens mit allen Verwandten und Bekannten, die schon bei dir sind, sich begrüßen, dich aber anschauen und mit allen Auserwählten anbeten, loben und preisen dürfen in Ewigkeit. Amen. Am letzten Abende des Jahres. Tage fliehen, wie die Wellen des reißenden Stromes und ein Jahr drängt das andere in die Vergangenheit. Der letzte Abend eines solchen Jahres ist denn hereingebrochen, seine Sonne ging das letztemal hinter die Berge, und die Sterne schimmern ihm das letztemal von dem ewigen Himmel nieder. Hier stehe ich, allmächtiger Weltregierer, ewiger Zeitenlenter, auf dem Scheidewege des verfließenden Jahres, und es liegt hinter mir, wie ein Land, reich an guten Gaben, das der Wanderer durchzogen, und des Senfkörnlein. 3 34 Am letzten Abende des Jahres. Abends an der erreichten Grenze mit dankerfülltem Blicke übersieht. Du, Allgütiger! überhäuftest mich dieses Jahr wieder mit deinen göttlichen, mit deinen väterlichen Wohlthaten; jeder Tag, jede Stunde, war deiner Liebe, deines Segens voll; du bewachteſt und beschütztest mich, und warst in diesem Jahre auch der gute Gott und Vater aller Welt. Machte ich mich aber auch durch wachsende Tugend deiner Gnade und Huld würdig? Warst du immer der erste Gegenstand meiner reinen, meiner schuldigsten Liebe? Warst du die fromme Betrachtung meines Geistes, die Beichäftigung meiner Gedanken, meiner Hoffnung, und mein Ziel? Liebte ich die Menschen in der Reinheit deines Gebotes; dankte ich für deinen Segen, und war ich mit selbem, den du in meine Hand gelegt, Bedürftigen und Leidenden behilflich? Wandelte ich getreu den Weg des Heiles, geduldig und vertrauend auf dich in meiner Trübjal: und war es mein ernstes, eifriges Streben, dich immer besser zu erkennen, dich inniger zu lieben, im Lichte täglich vorzuschreiten, und mich durch geistige Beredlung mit diesem Jahre Am letzten Abende des Jahres. 35 dir wieder mehr zu nähern? Dachte ich in der Nähe der Verführung an deine Allgegenwart, du Unsichtbarer! und ließ ich mich von ihr vor der lockenden Sünde warnen, schrecken und zurückführen? Erfüllte ich alle meine Pflichten deiner Liebe willen, die mich ewig selig machen will? Erröthen macht mich deine Liebe, Herr, erröthen meine Schuld vor dir. Ich habe in dem verflossenen Jahre so viel vernachlässigt, so viel unterlassen, was zu meiner Vervollkommnung erforderlich; habe so manches gethan, was gegen deinen heiligen Willen, gegen meine künftige Seligkeit und Fortdauer war. Herr! hast du dich von mir gewandt, haft in Zorn die Liebe dn verwandelt? Nein, Langmüthiger! du wetjest mich in ein neues Jahr deiner Huld und Milde, daß ich dort mich bessern, und doppelt eifrig dir mich nähern könne. Beschutze diese Nacht mich wieder, damit ich gestärkt erwache, und rüstig mit Glauben, Hoffnung und Liebe, begleitet von deinem treuen Engel den neuen Jahresweg betrete, ihn nach deinem Wohlgefallen wandle und wie eine Stufe verlasse, auf welcher ich edler und besser dir näher gekommen bin. 36 Am letzten Abende des Jahres. Dazu hilf mir durch deine Gnade und Liebe, durch die Lehre und durch das Opfer deines Sohnes, durch das Licht und durch die Kraft deines heiligen Geistes. Amen. m Bausandacht. T Gebet um die Gabe des Gebetes. Vom heiligen Vincentius von Paul. mein gütigster Gott, beschenke mich mit der Gabe des rechten Gebetes, und alles Gute wird mir gelingen! Gewiß kann ich dann auch mit dem Apostel jauchzen: Ich vermag Alles in demjenigen, der mich kräftigt!" Und es ist gleichfalls wahr, daß ich auch nur so lange beharren kann in deinem Dienste, so lange ich in der Uebung des dir wohlgefälligen und mich heiligenden Gebetes verbleiben werde! Ich habe schon früher erkannt den hohen Werth des Gebetes in seinen himmlischen Wirkungen, welche da segnen und beseligen; und forthin, wie seither, wird es mir sein das geistige Zeughaus mit siegreichen Waffen für einen jeglichen Kampf, und ein unüberwindlicher Thurm Davids, versehen mit allen Waffengattungen, sowohl zum Angreifen 38 Von der Morgenandacht. wie auch zur Vertheidigung geeignet; und mit diesen Waffen, o mein Gott, werde ich alle Feinde deiner Ehre und meines Heiles schlagen! Gib mir nur, o himmlischer Vater, die Gabe des rechten Gebetes, daß ich es, im Namen deines eingebornen Sohnes Jesus Christus, zu dir mit aller Andacht emporsende, und alles Heilsame wird mir Gewinn und dieKrone meiner Bitten sein! Amen. Impuls Von der Morgenandacht. Vom heil. Franz von Sales. Außer dem für sich bestehenden inneren Gebete und den übrigen mündlichen Gebeten, die du jeden Tag einmal verrichten sollst, gibt es noch fünf andere Arten kürzerer Gebetsübungen, welche man gleichsam als Sprößlinge jenes größern Gebetes betrachten kann. Unter diesen nimmt das Morgengebet, als eine allgemeine Vorbereitung zu allen Werken des Tages, die erste Stelle ein. Verrichte es daher auf folgende Weise: 41. Bete Gott in tiefster Demuth an, und danke ihm für die Gnade, daß er dich die Nacht hindurch erhalten hat; Von der Morgenandacht. 39 haft du etwa in derselben gesündigt, so bitte um Vergebung. 2. Bedenke, daß der heutige Tag dir gegeben ist, um an demselben den künftigen Tag der Ewigkeit zu gewinnen, und fasse daher den festen Vorjat, die ganze Tageszeit in dieser Absicht gut zu verwenden. 3. Uleberlege, welche Geschäfte, welcher Umgang und welche Gelegenheiten, um Gott zu dienen, dir wohl den Tag über vorkommen können, überdenke auch die Versuchungen, und wie du z. B. durch Zorn, Eitelkeit oder irgend eine andere Unordnung Gott beleidigen könntest. Fasse dann den heiligen Entschluß, alle zum Dienste Gottes und zu deinem Fortichritte in der Frömmigkeit dienenden Mittel, welche sich dir darbieten mögen, gut zu gebrauchen, und rüste dich gehörig, um Alles sorgfältig zu meiden, zu bekämpfen und zu überwinden, was gegen die Ehre Gottes und dein Seelenheil dir begegnen könnte. Es ist aber nicht genug, diesen Vorsatz bloß zu fassen, man muß auch die Mittel vorbereiten, um ihn gehörig auszuführen. 3. B., wenn ich voraussehe, daß ich mit einem leidenschaftlichen, 40 Von der Morgenandacht. leicht aufbrausenden Menschen Etwas zu thun haben werde, so werde ich mir nicht nur vornehmen, mich nicht hinreißen zu laffen, ihn zu beleidigen; sondern ich werde schon im voraus auf sanftmüthige Worte denken, um ihm zuvorzukommen, oder ich werde mich nach Jemand umsehen, der mir hilft, ihn zu befänftigen. Sehe ich voraus, daß ich einen Kranken besuchen müsse, so werde ich über die gehörige Zeit, die Troftworte und die Art der Hilfeleistung nachdenken. Und so auch in anderen Fällen. 4. Demüthige dich hierauf vor Gott, und erkenne, daß du von allem dem, was du überlegt und beschlossen haft, ſowohl in Bezug auf die Vermeidung des Bösen als die Uebung des Guten aus dir selbst nichts zu vollführen vermagst. Nimm deswegen gleichsam dein Herz in beide Hände, und opfere es mit allen guten Vorsätzen der göttlichen Majestät, und bitte fie inständig, fie möge gnädig dasselbe schützen und stärken, auf daß du getreu in ihrem Dienste bist; sprich hiebei diese oder ähnliche Worte: ,, Herr, nimm dieses arme, bedauernswerthe Herz, welches durch deine Gnade zwar manchen Erstes Morgengebet. 41 guten Antrieb erhielt, das aber, ach, zu schwach und zu elend ist, um das Gute, wonach es hinstrebt, zu wirken, wenn du ihm nicht deinen himmlischen Segen ertheilest. Ich bitte dich daher um diesen, o Vater der Erbarmung, durch die Verdienste des Leidens deines Sohnes, dessen Ehre ich diesen und alle Tage meines Lebens opfere und weihe." Hierauf bitte auch um den Beistand der heiligen Jungfrau, deines Schutzengels und der Heiligen. Uebrigens sollen diese Andachtsübungen kurz und mit innerer Erhebung des Herzens vollbracht werden, und zwar, wo möglich, noch ehe man das Zimmer verläßt, auf daß kraft deiner Morgenandacht Alles, was du den Tag über thuft, mit dem Thaue des göttlichen Segens besprengt werde. Ich bitte dich, lieber Chrift, unterlasse die Morgenandacht niemals. Erstes Morgengebet. Vom heil. Augustinus. Lasse mich es auch heute wieder ertennen, o allgütiger Gott, daß nur in dir wahrer Friede, wahre Freude und Erstes Morgengebet. Seligkeit zu finden sei. Gib, daß ich nur dich allein suche und liebe, aus Liebe zu dir meine Sündenschuld abtrage, und die verziehenen Sünden nicht wieder erneuere! 42 Mein Regierer, lösche in mir aus die Gelüste des Fleisches und entzünde in mir das Feuer deiner heiligen Liebe. Mein Erlöser, nimm von mir weg den Geist des Stolzes und verleih' mir gnädig den kostbaren Schatz der Demuth. Mein Heiligmacher, nimm von mir weg die heftigen Begierden der Unlauterkeit und des Zornes und gib mir Unschuld des Herzens, den Schild der Duldsamkeit und den süßen Frieden eines fanften, liebevollen Geistes! Verleih' mir, gütigster Vater, einen unerschütterlichen Glauben, eine zuversichtliche Hoffnung und eine unwandelbare Liebe! Wende ab von mir alles Eitle, die Unbeständigkeit des Gemüths, die Zerstreuungen des Herzens, die unbedachtsame Geschwätzigkeit des Mundes und das lasterhafte Schmähen und Verleumden meines Mitmenschen! Wende ab, o mein weisester Negierer, das Herumschweifen meiner Augen, die eitle Neugierde und Rechthaberei; Erstes Morgengebet. 43 wende ab von mir die unmäßige Begierde nach Reichthum, allen Geiz und jede Ungerechtigkeit. O mein Erschaffer, nimm weg jede unbedachtsame Leichtfertigkeit von mir, allen Starrsinn und alles rubestörende Betragen; nimm von mir Müßiggang, Schläfrigkeit in Pflichterfüllung, Trägheit im Guten, Blödigkeit des Gemüths, Blindheit des Herzens, Eigenfinn des Kopfes und Frechheit im Benehmen. O mein Erschaffer, nimm von mir weg allen Ungehorsam gegen deinen heiligen Willen, stolze Selbstflugheit, Zügellosigkeit der Zunge, Hintergebung der Armen, Unterdrückung der Schwachen, alle Anschwärzung der Unschuldigen, Vernachlässigung der Untergebenen, Härte gegen Hausgenoffen, Lieblosigkeit gegen Freunde und Feinde, und Hartherzigkeit gegen den Nächsten. O mein Gott, mein Erbarmer, durch deinen geliebten Sohn bitte ich dich: laß mich stets die Werke der Barmherzigkeit und der Gottseligkeit ausüben und Mitleiden haben mit den Bedrängten, die Irrenden belehren, dem Hilflosen laß mich beistehen, den Armen aushelfen, 44 Erstes Morgengebet. die Weinenden trösten, meinen Schuldnern nachlassen, Beleidigungen verzeihen, meine Feinde lieben, Böses mit Gutem bergelten, Niemanden verachten, sondern Jedermann ehren; laß mich ferner nachahmen die Guten und wider die Bösen auf der Hut sein, nach jeder Tugend streben und das Böse verabscheuen und entfernen, endlich wollest du mich in Widerwärtigkeiten geduldig und im Glück mäßig sein lassen; laß mich über den Mund und jedes Wort sorgfältig wachen, und alles Irdische gering achten, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gottes Gnade und Barmherzigkeit sei und bleibe beständig bei uns. Sie entledige uns von den Fesseln der Sünde, und sei unser Schutz und Trost in all' unserm Thun und Lassen, in all' unsern Anliegen. Amen. Oheiligste Jungfrau Maria, auch dich grüße ich am Anfange dieses Tages mit freudigem Herzen, weil ich weiß, daß ich zugleich auch Gott erfreue, wenn ich findliches Vertrauen zu dir, als meiner besten Mutter hege. O möchte ich diesen Tag so für Gott und mein Heil verwenden, wie du deine Lebenszeit auch Zweites Morgengebet. 45 gut angewendet haft! O erbitte mir hiezu bei deinem göttlichen Sohne die nöthige Hilfe! Heiliger Engel, du mein Beschützer und Freund, leite und führe mich auch heute wieder sicher auf der Bahn des Heiles, wehre alle Unfälle, die mir an Leib und Seele schaden könnten, gütig von mir ab, und mache, daß ich einst dort mit dir Gott ewig loben und preisen könne! Alle Heilige Gottes, bittet für mich, daß der gütige Gott mich heute und immerdar bewahren wolle vor allem Uebel, vor aller Sünde. Amen. Zweites Morgengebet. Vom heiligen Ludwig von Granada. Gott, mein Gott, zu dir erwache ich am Morgen! Das Erwachen für dich sei der Anfang meines Denkens und das Erste meiner Beschäftigungen! Dazu drängt mich die heißeste Dankbarkeit, welche vor Allem dir, ob gar vieler Wohlthaten, verpflichtet bleiben muß; und es ist ja das Ziel meines ganzen Daseins, daß ich dich ehre, preise, hoch 46 Zweites Morgengebet. rühme und deinen Namen heilige, denn du bist der Ursprung aller gejdhaffenen Dinge und auch ihr Erhalter! Du bist allein der Spender aller Güter; und keine Gabe, weder im Reiche der Natur, noch im Reiche der Gnade, die nun ihre Bezüge auf die Seele oder auf den Körper haben mag, wird erfunden, welche nicht dir, dem Urquelle alles Guten, ihr Entstehen verdankte! Du bist das Meer aller Vollkommenheit, du bist der Abgrund alles Herrlichen, du bist der ewige Strom der unbegrenzten Barmherzigkeit und Liebe, und bist auch das Urbild der unvergleichbarsten Schönheit! Du bist der alleinige Gott, der Heiligste der Heiligen, der Konig aller Könige, der Beherrscher aller Herrschenden, das Wesen über alle Wejen, das Leben aller Lebenden, der Träger des Weltalls, die Pracht der irdischen Welt und die Glorie des Himmels durch alle Ewigkeit! Du bist mein Bater, der mich aus Nichts und doch nach seinem Ebenbilde erschaffen hat! Du bist mein Erhalter, der gesorgt hat daß ich mich nie mehr in mein voriges Nichts wieder auflöje! Du bist mein Heiligmacher, der mich durch seine Gnade 47 zu der seligen Würde Engel zu werden dereinst ein berufen hat! Du bist auch mein Verherrlicher, der beslimmte, daß ich, ohne Aufhören seiner Glorie jenseits theilhaft werden soll! Du bist mir darum mein Alles in Allem, weil du mein Gott bist! Was soll ich dir aber, o mein Herr und mein Gott, für alle diese Wohlthaten darbieten als Gegengabe? Ach, wenn ich allein alle Herzen der Menschen in mir bejäße, um mit allen diejen Herzen zusammen dich zu lieben, es genügte nicht, um nur einen Theil der Huldigungen dir zu bezeugen, welche dir mit Recht gebühren! Und doch will ich dir mein ganzes Herz aufopfern, und will, nach dem Maße meiner Kräfte, dir lobsingen, und will alle Geschöpfe, die im Himmel und auf Erden sind, auffordern, daß sie mit einstimmen in den Preis deiner Majestät und Herrlichkeit! Und ich selbst gelobe mich dir an, als dir auf immer ergeben; und nicht nur mich selbst weihe ich dir, sondern zugleich auch Alles, was ich heute, und in aller Zukunft, also mein ganzes Leben hindurch, denken, reden und vollbringen werde! Nichts reife mehr zur That durch mich, Zweites Morgengebet. 48 Zweites Morgengebet. als was zu deinem Ruhm und zur Verherrlichung deines heiligsten Namens gereichen dürfte! Ich will heute, und dann immerdar, nicht mehr mein, sondern dein bleiben! Ich will nicht mehr nach meinem, sondern einzig nach deinem Willen handeln! Ich will nicht mehr mich selbst suchen, sondern dich allein in Allem und durch Alles! Aber weil ich aus mir selbst ein dir so wohlgefälliges Werk nicht ausführen kann, deßhalb verleihe mir deine Gnade, und schaffe ein neues Herz in mir, das keinen Augenblick mehr für sein Eigenthum erkennt; einen jeden Augenblick dagegen für verloren erklärt, den es nicht zu deinem Dienst und zu deiner" Ehre verwendet hat! Gib mir einen Willen, der nichts sehnsüchtiger erstrebt, als die Haltung deiner Gebote! Gib meinem Verstand eine Denkkraft, die, im fortwährenden Aufblicke zu dir, Tag und Nacht über mit dir sich beschäftigt! Lege einen Zaum an meine Zunge, und stell' eine Wache an meine Augen, und bewahre in der Reinheit, welche dir gefällt, mein Herz, und begnade mich mit jener Stärke, welche das Fleisch und all' sein böses Gelüsten dämpfen und ersticken Tugendübungen. 49 wird! Ertheile mir dann noch die Tugend der tiefsten Demuth, der Geduld, des Gehorsams, der Sanftmuth, der Keuschheit, der Bescheidenheit, der Armuth des Geistes, des glühendsten Eifers für deine Ehre, der Liebe zu dem Nächsten, und des innigsten Mitleids bei dessen Trübsalen! Und so will ich im Guten verharren bis zu meiner letzten Pilgerstunde hienieden! Amen. Tugendübungen. Vom heiligen Papst Alexander. Ich bete dich an, o allerheiligste Dreieinigkeit! Bater, Sohn und heiliger Geist, drei Personen, ein einiger Gott! Ich werfe mich in den Abgrund mei ner Nichtigkeit, vor dem Angesichte deiner göttlichen Majeſtät. Ich glaube fest an Alles, was du uns geoffenbaret, und durch deine heilige Kirche zu glauben uns vorgestellet haſt. All' meine Hoffnung setze ich auf dich. Was ich immer Gutes haben mag, es sei geistig oder leiblich, sowohl in diesem als in dem andern Leben, dieses Alles verlange, hoffe und will ich nur von deiner Senfkörnlein. 50 Tugendübungen. Hand empfangen, mein Gott, mein Leben und meine einzige Hoffnung. Ich übergebe dir heute und in Ewigteit meinen Leib und meine Seele, alle meine Kräfte, mein Gedächtniß, meinen Verstand, meinen Willen, und alle meine Sinne. Ich betheure und bezeuge es öffentlich, daß ich, so viel ich vermag, nie einwillige, noch jemals einwilligen werde in Etwas, das auch nur zur allergeringsten Verletzung deiner göttlichen Majestät gereichen könnte. Ich nehme mir auch fest vor, mein ganzes Wesen, alle meine Kräfte und mein ganzes Vermögen zu deinem Dienste und zu deiner Ehre anzuwenden. Ich bin bereit, alle Widerwärtigkeiten, welche deine väterliche Hand über mich verhängen wird, willig anzunehmen, da mit deinem allerheiligsten Herzen ein Wohlgefallen geschehe. Ich verlange mich ganz und gar hinzugeben, und mit allen meinen Kräften dahin zu streben, daß alle Menschen ihre Dienste dir weihen, und dich als ihren Gott und Schöpfer verherrlichen, loben und lieben mögen. Zugendübungen. 51 Ich freue mich herzlich wegen deiner ewigen Glückseligkeit, und ergötze mich an deiner so großen Herrlichkeit im Himmel und auf Erden. Ich sage dir unendlichen Dank für die unzählbaren Wohlthaten, die du mir und der ganzen Welt erwiesen hast, und täglich noch erweiseft. Ich liebe deine unendliche Güte wegen ihrer selbst, aus ganzer Seele und aus ganzem Herzen, und ich möchte mit jener Liebe dich lieben, mit welcher dich die Engel und Gerechten lieben! Mit ihrer Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe. Ich opfere deiner göttlichen Majestät in Vereinigung der Verdienste des Lebens und Sterbens Jesu Christi, der allezeit seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, von nun an und allezeit meine Gedanken, Worte und Werke, und versenke sie in das allerkostbarste Blut Jesu Christi, unsers Erlösers. Ich nehme mir vor, so viel es möglich ist, heute durch meine Werke aller Ablässe theilhaftig zu werden, und fie auch den armen Seelen im Fegfeuer zu schenken. 4* Tugendübungen. Auf gleiche Weise soll Alles, was ich zu thun vermag, zur Genugthuung für meine Sünden geschehen. 52 Mein Gott, weil du unendlich würdig bist, daß du geliebt werdest, und dir allein Alles diene, weil du bist, der du bist; so bereue ich von Herzen alle meine Sünden, und verfluche sie über alle anderen Uebel. Ich bitte demüthigst um Nachlaß und Verzeihung, und nehme mir fest vor, deine Güte in Ewigkeit nicht mehr zu beleidigen, mein gütigster Gott! In deine Wunden werfe ich mich, o Jesu, in diesen verberge ich mich, in diesen beschütze mich heute und allezeit, bis du mir die Gnade verleihen wirst, dich zu sehen und zu lieben in Ewigkeit. Amen. Jesus, Maria und Joseph, euch schenke ich mein Herz und meine Seele. In dem allerheiligsten Namen Jeſu weiche alles Böse und Sündhafte von mir; dir sei hinfort die Gewalt benommen, mir und den Meinigen zu schaden. Im Namen Gott des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Erhebung des Herzens zu Jesu. 53 Erhebung des Herzens zu Jesu. Von der heiligen Gertrudis. Ich bete dich an, lobe und begrüße dich, o süßestes und blühendstes Herz Jesu Chrifti, du honigfließender Gnadenquell, dem alles Gute und alle Lieblichkeit im Himmel und auf Erden entquillt und ewig entquellen wird! Aus allen Kräften meines Lebens danke ich dir, daß du diese Nacht mich so treu bewahrt, und an meiner Statt Gott dem Vater gelobt, geehrt und ihm Danksagungen dargebracht hast! Und nun, o meine einzige Liebe, bringe ich dir mein elendes und unwürdiges Herz zur Morgengabe und empfehle, versenke und verschließe dasselbe in dein süßestes Herz, auf daß du an diesem Tage vor allem Bösen es bewahren, deine göttliche Gnade ihm einflößen, und es mit deiner heiligen Liebe so gewaltig entzünden wolleft, daß es von Tag zu Tag dich flammender liebe. Amen. be mad t 54 Von der Abendandacht. Von der Abendandacht. Vom heil. Franz v. Sales. Wie du durch die Betrachtung am Morgen vor deinem Mittagsmahl ein geistliches Mahl halten sollst, eben so mußt du auch vor deinem Abendessen ein kleines geistliches Mahl oder wenigstens ein Vesperbrod zu dir nehmen. Suche daher vor der Stunde der Abendmahlzeit einige freie Zeit zu gewinnen, und wirf dich vor Gott nieder, und versammle dein Gemüth vor Jesu, dem Gekreuzigten, den du dir in seiner nahen Gegenwart vor die Seele stellest; fache die Gluth deiner Morgenbetrachtung neuer dings in deinem Herzen an, durch einige lebendige Seufzer, Demüthigungen und durch liebevolles Emporblicken zu ihm, dem göttlichen Erlöser deiner Seele; oder auch, wiederhole diejenigen Punkte, welche dich bei der Frühbetrachtung am meiſten angezogen haben: oder erwecke dich sonst durch irgend einen neuen Gegenstand, wie es dir eben am liebsten ist. Vor dem Schlafengehen sollst du táglich auch eine Abendandacht verrichten, Von der Abendandacht. 55 und dein Gewissen erforschen. Wie dieß geschieht, weiß ohnehin ein Jeder, nämlich: 1. Man danket Gott, daß er an dem zurückgelegten Tage uns auch gnädig erhalten hat. 2. Man ruft den heiligen Geist an, und erforscht, wie man sich zu jeder Stunde des Tages betragen hat; und um dieses leichter sich in Erinnerung zu bringen, denkt man nach: wo, bei wem man war, und welche Geschäfte man verrichtet hat. 3. Findet man, daß man etwas Gutes gethan, so dankt Gott dafür; im Gegentheile, wenn man durch Gedanken, Worte und Werke sich verfündigt hat, so bittet man seine göttliche Majestät um Vergebung, mit dem Vorsatze, bei der ersten Gelegenheit sich darüber in der Beicht anzuklagen und sich sorgfältig zu bessern. 4. Hierauf empfiehlt man der göttlichen Vorsehung seinen Leib und seine Seele, die Kirche, seine Verwandte und Freunde; man bittet die allerseligste Jungfrau, den heiligen Schutzengel und die Heiligen, über uns und für uns zu 56 Lob- und Dankopfer. wachen, und begibt sich dann mit dem Segen Gottes zur Ruhe, die er für uns als nothwendig bestimmte. Diese Andachtsübung darf eben ſo wenig, als das Morgengebet unterlaſſen werden; denn durch die Morgenandacht öffnen wir die Fenster unserer Seele der Sonne der Gerechtigkeit, und durch die Abendandacht verschließen wir sie den Finsternissen der Hölle. Lob- und Dankopfer. Kirchliche Tagzeiten. Gepriesen, gelobet und gebenedeit feist du, o Herr, allmächtiger, ewiger, dreieiniger Gott; dir gebührt alles Lob, dir alle Glorie, dir alle Verherrlichung von Ewigkeit zu Ewigkeit! Ja, in Ewigfeit lobe dich meine Seele und preise dich mein Mund, dich den Vater und den Sohn und den heiligen Geist! Dich preise der Himmel und die Erde, o Vater, Schöpfer aller Dinge! Dich preise der Himmel und die Erde, ewiger Sohn des Vaters, der du die Welt erlöset haft! Dich preise der Himmel und die Erde, o heiliger Geift, der du, Eines Erstes Abendgebet. 57 Wesens mit dem Vater und dem Sohne, heiligest und in alle Wahrheit führeft. Heilig, heilig, heilig! Preis und Dank sei dir, o allgütiger Gott, daß du mich an diesem Tage behütet hast. O wie liebevoll bist du, der du jedes deiner Kinder bewachest, wie einen Augapfel, und unter den Schatten deiner Flügel beschützest: der du in den Trübsalen, in den Kämpfen und Prüfungen des Lebens mit uns bist; und deinen Engeln befohlen hast, daß sie uns behüten auf allen unsern Wegen, daß sie auf ihren Händen uns tragen, damit wir nicht etwa den Fuß anstoßen an einem Steine des Verderbens. Dir sei Dank in Vereinigung mit dem allgemeinen Dankgebete und Jubelgesange, dem ewigen dreimal Heilig des Himmels und der Erde. Erstes Abendgebet. Vom heiligen Alphons von Liguori. Mit dem Schlusse dieses Tages fage ich dir unendlichen Dank, o Gott, für alle die Wohlthaten, welche ich heute und meine ganze Lebenszeit aus deiner liebreichen Hand in so reichlicher Fülle Erstes Abendgebet. empfangen habe. Ich glaube an dich, als die ewige Wahrheit; ich hoffe auf dich, als die unbegreifliche Güte; ich liebe dich über Alles, weil du aller Liebe unendlich würdig bist. Deinetwegen liebe ich auch meine Feinde. 58 Gütigster Vater, wie viele unzählige Wohlthaten habe ich nicht schon von dir empfangen? Von Ewigkeit warst du meiner eingedenk, ehe ich noch war. Du haft mir Jesum zu meinem Mittler und Retter auserkoren, und seine göttliche Mutter mir zu einer Fürsprecherin geges ben. Und täglich noch überhäufst du mich mit so vielen Gnaden? Herr, wie kann, wie soll ich dir für alle diese Wohlthaten würdig genug danken! Heiliger Geist, o komme und entzünde in mir das Feuer deiner göttlichen Liebe, damit ich recht erkenne die Bosheit und Abscheulichkeit meiner Sünden, und selbe von ganzem Herzen bereue und hasse, und mehr als alle Ulebel, ja selbst mehr als den Tod fürchte. Bedecke mich mit dem Flügel deiner erbarmenden Güte, wasche mich rein durch das allerheiligste Blut deines göttlichen Sohnes, damit die zerstörenden Wirtungen - 59 Erstes Abendgebet. meiner Bosheit hinweggenommen werden, che noch das Auge deiner wachenden Gerechtigkeit den schrecklichen Blick der ewigen Rache über mich ausgießt. Deine große Güte hat meiner wohl zu oft geschont. Ja, Vater, von heute an sei es nun mein ernster Wille, mein festester Entschluß, alle Sünden und Bosheiten abzulegen, und mich gänzlich deinem Dienste zu weihen. Alle sidu Nun lege ich mich zur Ruhe, um die erschöpften Kräfte wieder zu stärken, damit ich dir, o liebreichster Vater, mit dem erwachenden Strahl der Sonne des neuen Tages wieder freudiger dienen kann. Segne mich, o Gott, mit deinem heiligen Segen. Wird dieses vielleicht die letzte Ruhe meines Lebens sein?- Göttlicher Heiland, lasse mich in der Wunde deines heiligsten Herzens meine heutige Ruhe finden. Seligste Jungfrau, nach Jesus meine größte Hoffnung, bitte auch du für mich bei deinem göttlichen Sohne, daß er mich diese Nacht und die ganze Zeit meines Lebens und in der Stunde des Todes beschützen und bewahren wolle. Segne, o Herr, alle meine Wohlthäter, Freunde und Feinde. Schütze die Erstes Abendgebet. geistlichen und weltlichen Vorgesetzten. Stehe bei den Kranken und Sterbenden; bekehre die Sünder und Irrgläubigen; erleuchte die Ungläubigen mit dem Lichte des Glaubens. 60 O Vater der Barmherzigkeit, laſſe den erbarmenden Segen deiner Güte auch den Seelen im Fegfeuer heute noch zu Theil werden. Ende ihre Qualen und führe alle, für welche ich zu beten schuldig bin, und für welche du willst, daß ich bitten soll, in die ewige Ruhe und himmlischen Freuden ein. Amen. Vater unser. Ave Maria und den Glauben. Dann dreimal Ave Maria. Bum Schlusse. Aus der Tiefe habe ich zu dir gerufen, o Herr, erhöre meine Stimme. Merke auf mein Flehen. Wenn du, o Herr, auf unsere Missethaten willst Acht haben, wer wird vor dir bestehen können? Du läsfest dich aber versöhnen, und nur deines Gesetzes willen habe ich auf dich gehofft; o Herr, laß meine Hoffnung nicht zu Schanden werden. Von dem Erwachen des Tages bis auf die Nacht soll Israel auf den Herrn vertrauen; denn Zweites Abendgebet. 61 der Herr ist gnädig und barmherzig, und bei ihm ist Erlösung. Er selbst wird Israel von seinen Missethaten erlöſen. V. Herr, gib den Seelen deiner Gläubigen die ewige Ruhe. R. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Zweites Abendgebet. Vom heiligen Basilius. Herr Jesus Christus, du Wort Gottes, du Sohn des himmlischen Vaters, laffe den Strahl deiner Gnaden auch in dieser Abendzeit über mich aufleuchten, und tilge aus mir alles Böse, der du ja durch dein heil- und lebenerzeugendes Leiden und Sterben alle Fesseln der Sünden zerstört haft! Du bist ja von Ewigkeit her das Erbarmen und ein gütiger Herr, unser Gott! Du zürnest nicht, und bist reich an versöhnender Milde, und bist die Heiligkeit und die Gerechtigkeit! Ach, so laffe mich deine Barmherzigkeit heute noch finden, und lasse mich frei werden von der Schuld aller meiner Missethaten: Ja, du huldreichster Freund der Sünder, schenke mir die Verzeihung meiner Sünden, denn dir ist bekannt meine Gebrechlichkeit! Zweites Abendgebet. Schone meiner, und erbarme dich meiner, und pflanze die Frucht deines heiligsten Namens für immer in mein Herz hinein, und befreie mich von einem jeglichen Fluche, der, ob meiner Vergehen, noch an mir haftet! Erschaffe in mir ein neues und ein reines Herz! Kräftige mich, allstündlich unter deinem Kreuze deinen heiligen Willen zu üben, und bewahre mich in dem Schirme deines Wohlgefallens! Amen. 62 - Beffentlicher Gottesdienst. Erste Meßandacht. Vorbereitung. Vom heiligen Jakobus. mein Gott, mein Herr und mein Gebieter, verwerfe mich nicht ob der Menge meiner Sünden, welche mich unrein vor dir gemacht haben! Siehe, ich nahe mich jetzt diesem deinen hochheiligen, göttlichen Geheimnisse, unwürdig zwar, aber vertrauend auf deine Milde! Zu dir, o Gott, erhebe ich meine Stimme, und rufe: Sei mir Sünder gnädig! Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, und bin nicht mehr werth, daß ich meine Augen zu diesem heiligen und geistigen Altare wende, auf welchem dein eingeborner Sohn, unser Herr Jesus Christus, für mich, den mit allen Fehlern behafteten 64 Erste Meßandacht. Sünder in dem geheimnisvollen Opfer auf's Neue dir sich darbringt! Deshalb bringe ich auch dir meinen Dank und dieses Gebet zum Opfer dar, daß auch mir der verheißene Geist gesandt werde, der mich innerlich erneuere und kräftige, daß ich mit aller Andacht diesem heiligen Dienste jetzt beiwohne, im Namen Jesu Christi, unsers Herrn, welchem mit dir, und dem heiligen, guten und lebendig- machenden Geiste, der gleichen Wesens mit dir ist, Preis und Ehre gezienit, jetzt, und immer, und von Ewigkeit zu Ewigkeit! mein Gott, du Schöpfer aller Wesen und du König der Welten, schaue auch gnädigst auf die hier Betenden herab, welche, durch Jesus Christus, dir sich nahen! Verleihe doch einem Jeden aus ihnen, durch die Verdienste dieses hochheiligen Opfers, was ihm heilsam sein wird! Halte uns Alle in Andacht versammelt in deiner heiligen Kirche, welche du durch das kostbare Blut deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus, dir bereitet haft, und mache uns Alle würdig deiner Gnade und deiner Heiligkeit! Amen. Erste Meßandacht. Vor dem Evangelium wird gesungen: Wir sind im wahren Christenthum, O Gott, wir danken dir! Dein Wort, dein Evangelium, An dieses glauben wir. Die Kirche, deren Haupt du bist, Lehrt einig, heilig, wahr; Für diese Wahrheit gibt der Christ Sein Blut und Leben dar. Gebet. O allmächtiger Gott! reinige unser Herz und unsere Lippen, gleichwie du sie dem Propheten Isaias mit einer glühenden Kohle gereinigt haft; damit wir, durch das Wort Gottes belehret, deinen heiligen Namen öffentlich verkünden, und zu deiner Ehre, zur Befestigung aller der Deinigen im wahren katholischen Glauben bis an's Ende gottselig verharren; durch Jesum Chriftum, unsern Herrn! Amen. Bum Credo. Allmächtiger, vor dir im Staube Bekennt dich deine Kreatur; 65 Gott und Vater, ja, ich glaube An dich, du Schöpfer der Natur! Und an den Sohn, der ausgegangen Von dir geboren, ewig war; Den, von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. Senfkörnlein. 5 66 Erste Meßandacht. Denn Jesus Christus ist gekommen, Daß er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen Und litt für uns den Kreuzestod, Dadurch besiegt er Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unsern Lebenslauf. Bum Offertorium. Nimm an, o Herr, die Gaben Aus deines Priesters Hand! Wir, die gesündigt haben, Weih'n dir dieß Liebespfand. Für Sünder hier auf Erden, In lengsten, Kreuz und Noth, Laß dieß ein Opfer werden, Was noch ist Wein und Brod. FDC Sdusd aspitied nie tid d Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreieinig großer Gott: Erbarm' dich unser, denke An Christi Blut und Tod. Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu deinem Thron; Und dieses Opfer bringe Uns den verdienten Lohn. Gebet. Zu dir, o Gott! erheben wir unsere Herzen, und sagen Dank deiner göttlichen Majestät. Wahrhaftig, ja, es ist billig, würdig, gerecht und heilsam, daß wir jederzeit und an allen Orten dir, o heiligster Bater, allmächtiger, ewiger Erste Meßandacht. 67 Gott! Dank sagen durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch den die Engel deine Majestät loben; die Mächtigen zittern; die Himmel und alle Kräfte der Himmel, sammt den seligen Seraphim, dich mit vereinigtem Frohlocken verherr lichen und preisen. Wir bitten, laß auch unsere Stimmen mit ihnen zu dir kommen, die wir in tiefster Ehrfurcht bekennen und sprechen: Heilig, heilig, hei= lig ist der Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll der Glorie und Herrlichkeit Gottes! Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Bum Sanktus. Singt: Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig sidde Bist du, Gott Sabaoth! sIm Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden, Jetzt und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel erfreut: Der kommt in's Höchsten Namen, Der sei gebenedeit! 68 Erste Meßandacht. Hosanna in der Höhe! Gepriesen sei der Herr, Dem großen Gott geschehe thSein Lob von Meer zu Meer. Bei Aushebung der heiligen Softie. Herr, du bist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, selbst gegenwärtig mit Fleisch und Blut. Ich bete dich mit tiefster Ehrfurcht und Demuth an! Du meine Zuflucht, meine Hoffnung, meine Liebe! Du bist mein Gott und mein Alles! schenke ich mein Herz. Olaß deine Liebe in mir wirken zu einem frommen und heiligen Leben! Amen. Dir - Bei Aufhebung des Kelches mit dem heiligen Blute. du wahres, lebendiges Blut Jesu Christi! ich bete dich an mit allen Engeln und Heiligen. Du bist für mein Heil und zur Bersöhnung geflossen; wasche ab die Menge meiner Sünden, reinige und stärke meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der Bandlung. Sieh, Vater, von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar! Wir bringen dir in deinem Sohne Ein wohlgefällig Opfer dar. Erste Meßandacht. Wir fleh'n durch ihn, wir, deine Kinder, Und stellen dir sein Leiden vor; Er starb aus Liebe für uns Sünder, Noch hebt er's Kreuz für uns empor. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt. Bei'm Vater, daß wir ewig leben, Bertritt er jetzt das Mittleramt. Jesus! höre uns're Bitte, Steh' uns'rer Schwachheit immer bei, Auf daß dein Leiden, deine Güte An uns niemals verloren sei! Bum Agnus Dei. Betrachtet ihn in Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen, Der letzte Tropfen fließt. Er nimmt hinweg die Sünden, Er trug all' uns're Schuld; Bei Gott läßt er uns finden Den Frieden, seine Huld. Bur Kommunion. O Herr, ich bin nicht würdig, Zu deinem Tisch zu geh'n; Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Fleh'n! Ostille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam, Im Geist dich zu empfangen, Dich, wahres Gotteslamm! 69 ESOSE 510 Gebet. O gütigster, liebreichster Sesu! erbarme dich deines Volkes und aller 70 Stände deiner ganzen Christenheit; ſei unser Mittler bei'm Vater, so wie du ein wahres Versöhnungsopfer für unsere Sünden bift! Wende ab die verdienten Strafen, alles Unheil und alle Gefahren, die dem Vaterlande bevorstehen mögen! Segne den Rath der Obrigkeit, daß er der gemeinsamen Wohlfahrt allezeit förderlich sei. Verleihe uns Gnade, daß wir unserm Berufe, unsern Standespflichten jederzeit genug thun, Andern mit der Tugend ein gutes Beispiel geben, unsern Nächsten deinetwegen allezeit fieben, und daß wir mit reinem Gewissen dir bis an das Ende wohlgefällig dienen mögen! Um dieses bitten wir durch deine heiligen Verdienste, durch dein bitteres Leiden und Sterben, und durch die Verdienste Mariä, der Mutter Gottes, und aller Heiligen. Der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Erste Meßandacht. Bum Beschlusse der heiligen Messe. Nun, Isaak ist geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht; Wir haben jetzt betrachtet, Gott, deine Lieb' und macht! Erste Meßandacht. spald Du bist bei uns zugegen, Aus deinem Gnadenmeer - Ström' uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. 71 Gebet nach der heiligen. Messe. Dir sei Dank, o Herr, Jesu Christe! daß du mich armseligen fündigen Menschen an deinem Versöhnungsopfer haft Theil nehmen lassen, an deinem lebendig machenden Gastmahle geistiger Weise geſpeiset hast! Habe Nachsicht mit meiner Unwürdigfeit und bilde aus mir einen Menschen, der deinem göttlichen Herzen wohlgefällt! O Herr, verwunde mein Herz durch deine Wunden! mache trunken meinen Geist mit deinem Blute, damit ich überall, wohin ich immerhin mich wenden möge, dich, den Gekreuzigten, erschaue und Alles, was ich sehe, mir wie in dein Blut getaucht, mit deinem Blute gefärbt, erscheine. Heilige meine Seele, o Herr! und laß in ihr deinen Segen zurück! Ziehe ein in das Kämmerlein meines Herzens und nimm es für ewig in Besitz! Ewiger Vater, wende deine Augen auf mich! denn dein Eingeborner ruft aus meinem Innersten zu dir empor! Zweite Meßandacht. Gütigster Jesu! deine Liebe dringe ein in die tiefsten Tiefen meines Gemüthes und verscheuche daraus alle fremde Liebe! 72 Gestalte mich ganz um in dich, damit mein ganzes Wesen in dir aufgehe und ich mich nur allein in dir wiederfinden möge! Ich muß mich nun auf kurze Weile von deinem Hause entfernen; aber ich entferne mich nicht ohne dich, mein Herr, mein Trost, mein höchstes Gut, mein Alles! Verleihe mir die Gnade, dir immer anzuhangen, dir zu leben, zu sterben! Amen. Zweite Meßandacht. Meßgebete an Sonntagen. Vorbereitung. ,, Erfreulich sind mir deine Altäre, Herr der Heerschaaren, mein König und mein Gott"*)! darum sinke ich demuthsvoll an die Stufen derselben hin, um in stiller Rührung das unblutige Anden*) 83. Pfalm, 2. Verz. Zweite Meßandacht. 73 ken dessen zu feiern, was einst blutig auf dem Berge des Opfers für mich geschah. Laß mich dich anbeten fromm und dankbar, Herr, du mein Begnadiger! Du bist der Gott meines Herzens; laß mich dich anbeten im Geiste und in der Wahrheit, in Ehrfurcht und heiliger Versammeltheit! Nicht nur mein Körper, auch meine Seele stehe jetzt vor dir. Durchdringe mein Innerstes mit den Schauern deiner Gegenwart und laß mich nicht zum Heiligthume ein Gemüth, mit Unheiligem beschäftigt, bringen. Alles, was nicht dem Himmel angehört, bleibe jetzt hinter mir; hinter mir die irdische Freude und die irdische Sorge, und Alles, was nicht du bist: damit ich nicht der unaussprechlichen Liebe, womit dein Eingeborner für mich dem Schmerzvollsten sich geweiht hat, Hohn zu sprechen und bei der Erneuerung des Opfers, wodurch er mein Heil begründete, des Geopferten und meines Heils zu spotten scheine. und 3.15 In tiefer Verbeugung bringe ich dir dieses Opfer dar als ein Zeichen meines Glaubens; als eine Anerkennung deiner Majestät, und daß du allein der ſeieſt, 74 Zweite Meßandacht. der du bist, und kein Gott außer dir; allein der, der vernichtet und belebt, und Keiner, der von deinen Händen retten kann"*). Ich bringe es dir dar als Dankopfer für alles Gute, was du mir bis jetzt verliehen hast, und zugleich als innige Bitte für die Zukunft; als einen Engel des Rufens und des Flehens, der deine Gnade über mich, über Jene, die meiner Seele theuer sind, und über alle meine Menschenbrüder, niedertrage. Amen. Bum Eingang. widges Die offene Schuld. Reuig bekenne ich, daß ich gesündigt habe, Vater! Drückend lastet es auf mir bei der Erinnerung an so manches, was ich in den vergangenen Tagen meines Lebens gewollt und gethan habe meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld! Nur die Gewiß heit, daß deine Gnade größer sei, als unsere Schuld, und die Ueberzeugung des Apostels, daß, wenn einst der Thiere Blut und Asche die Unreinen heiligte, um so mehr das Blut ,, Christi, der sich *) 5. Buch Mos., 32. Hauptstück, 39. Vers. Zweite Meßandacht. selbst durch den heiligen Geist untadelhaft Gott dargegeben hat, unser Gewissen von todten Werken reinigen müſſe“*), ermuthigt mich, zu dir zu rufen: Bum Syrie. Kyrie eleison Erbarme dich unser, o Herr! Christe eleison Jesu Mittler, schone unser! Kyrie eleison Herr, sei den Verirrungen deiner Kinder gnädig! Nach deiner großen Barmherzigkeit vergib mir meine Sünden, und nimm mich zur Zahl deiner Reinen wieder auf. Stehe mir in Beherrschung meiner Leidenschaften bei, und führe mich an deiner Hand zum Lichte und zur Gnade, das ist, zur Erkenntniß und zur Besserung: damit das Werk des Mittlers nicht an mir verloren gehe. Amen. www. Bum Gloria. Worte der Kirche. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben dich, wir *) Brief an die Hebräer; 9. Hauptstück, 14. Vers. 75 Zweite Meßandacht. benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir danken dir ob deiner großen Herrlichkeit, Gott, himmlischer König, Herr, Bater, Allmächtiger!- Herr Jesu Christe, eingeborner Sohn, Herr Gott, Lamm Gottes, Sohn des Baters, der du hinwegnimmst die Sün den der Welt, erbarme dich unser! der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm unser Flehen an! der du sitzest zur Nechten des Vaters, erbarme dich unser! Denn du bist allein heilig. Du allein der Herr, du allein der Allerhöchste, Jeſu Christe, mit dem heiligen Geiste, in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters. Amen. ,, Darin offenbaret sich, o Vater! deine Liebe, daß du, bevor wir dich liebten, uns deinen Eingebornen gegeben hast, damit wir durch ihn das Leben hätten"*). Ehre sei dir in deinen Höhen, und Friede hier auf Erden deinen Kindern Friede in ihren Wohnungen, Friede in ihren Herzen- jener Friede, den nicht die Welt, den du nur gibst!- Benedeiung sei dir, daß du uns den Erlöser von des Irrthums und der Sünde Banden zum Eigenthume - *) 1. Brief Joh., 4. Hauptstück, 9. und 10. Vers. 76 Zweite Meßandacht. 77 geweiht hast, damit er uns zum ewigen Frieden in deines Himmels Reich einführe. Sei, o Herr, mit uns und mit unserm Geiste, jetzt und in Ewigkeit. Amen. - Bur Epistel. Von Anbeginn sprachst du, Erhabener durch deine Werke: ,, Die Himmel erzählten deinen Ruhm, das Firmament gab deiner Hände Walten kund"*). Doch der Sterbliche verstand dich nicht; oder deutete, was deine Werke riefen, unrecht. Die Spuren, die ihn zu dir führen ſollten, verleiteten ihn zum Srrthume; was du schufft, setzte er auf deinen Schöpferthron, und viel an Grausamkeit und Sünde war im Gefolge seines Wahnes. Da nach Tausenden von Jahren- erscholl die Stimme deiner Boten vom Aufgang bis zum Niedergange; und Licht ward es aus Nacht; und was da weise, gerecht und menschlich, was liebevoll und versöhnnend, was jeder Kenntniß Krone und jeder Tugend Keim ist, wurde den Seelen deiner Menschen eingeflößt. *) 18. Pfalm, 2. Vers. 78 Zweite Meßandacht. O Dank Allgütiger, daß du Tag in unsers Gemüthes Dunkel strahltest! Dank, daß du von Oben Lehrer uns gegeben haft, die deiner Würdiges und uns Erhebendes in unsern Verstand und unsere Herzen zu senken sich bemühten! Steigere in mir den Eifer, ihrer Sorgfalt und deiner Gnade zu entsprechen, und dein Geschenk, die überkommene Lehre, je mehr und mehr zu erkennen, damit ich innig überzeugt von ihrer Göttlichkeit, um ſo bereitwilliger, was sich mich lehrt, auch übe. Amen. Bum Evangelium. Strahl von Gott- himmlisches Wort des Evangeliums durchdringe mich! Wort des Lebens und des Trostes, indem ich mich, da du gesprochen wirst, erhebe, sei dieß ein offenbares Geständniß, daß ich dich höre, glaube, ehre. Wer vor Menschen mich verläugnet, den verläugne auch ich vor meinem Vater einst"*), ſo sagt mein Heiland. Sesu, ich erkenne dein Gesetz. Trotz Freblerübermuth und *) Evangelium Matth., 10. Hauptstück, 33. Vers. Zweite Meßandacht. Philosophenspuck ist es mir der Menschheit Höchstes, Bestes, Heiligstes. 79 Doch nicht, der blos hört und glaubt, sondern der auch befolgt, wird selig. So sagt mein Heiland abermal*). Darum fiege, Strahl von Gott, in mir! daß nicht, indem ich glaube, des Friedens Feind ob meiner That frohlocke. Vergiß, o meine Seele nicht, was Jesus dir im Evangelium verkündiget: la ,, Gott anbeten sollst du, und ihm allein dienen." „ Nicht Jeder, der zu Gott: Herr, Herr! ruft, sondern der den Willen Gottes thut, wird eingehen in das Himmelreich." ,, Selig sind die Friedsamen und Barmherzigen; auch sie werden Barmherzigkeit erlangen. Wenn du aber nicht vergibst, wird auch dir nicht vergeben werden. ,, Ertraget einer des Andern Schwächen; denn wer da meint, er sei Etwas, da er doch nichts ist, der verführt sich ſelbst." must ,, Was siehest du den Splitter in deiANDITATE *) Bei Matth. 7. Hauptstück, 24. Vers ff. 80 Zweite Meßandacht. nes Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nicht?" Fürchtet Gott, ehret den König, seid euern Gebietern unterthänig." ,, Was billig ist, bezeuget euren Dienern; es lebt auch euch ein Richter im Himmel." ,, Thue still und eifrig deine Pflicht: wer nicht arbeiten will, soll auch nicht effen." ,, Der Fluch des Höchsten trifft alle Ungerechtigkeit des Menschen. Wehe, die den Schuldigen für ein Geschenk freifprechen, und dem Schuldlosen sein Recht entziehen." ab dior jud: 891100 Was ihr wollt, daß die Menschen ench thun follen, das thuet auch ihr ihnen." Und: ,, Liebe Gott über Alles, und deinen Nächsten wie dich selbst. In die sen zwei Geboten steht das ganze Gesetz und die Propheten"*). Vergiß die hohe Lehre nicht, o meine Seele! Liebe Gott, und dich und deinen Nächsten: hierin besteht die Summe deiner *) Aus dem Evangelium nach Matthäus und den Briefen der Apostel. Zweite Meßandacht. 81 Pflichten. Verstehe sie, sei standhaft im Glauben und im Treuehalten. Die Gnade ist nicht angebunden"*): stößt du sie von dir, so gehst du, während Andere durch sie Leben finden, in der selbstgewählten Finsterniß zu Grunde. Bewahre mich hievor, Größter der Großen, Erleuchter der Erleuchtetsten, Quell der Wahrheit und des Heiles, mein heiliger Erlöser! Amen. Bum Credo. Worte der Kirche. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer Himmels und der Erde und alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an Einen Herrn Sesum Christum, Gottes eingeborenen Sohn, vom Vater vor allen Ewigkeiten gezeugt, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahren Gott vom wahren Gotte, geboren, nicht erschaffen, mit dem Vater Einer Wesenheit, durch welchen alle Dinge gemacht sind. Der für uns Menschen und um unseres Heiles willen von den Himmeln herabgestiegen ist, und durch den *) 2. Brief an Timoth., 2. Hauptstück, 9. Vers. Senfkörnlein. 6 82 Zweite Meßandacht. heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch genommen hat und Mensch geworden ist. Der auch für uns gekreuziget ward, unter Pontius Pilatus gelitten hat, begraben worden, am dritten Tage nach den Schriften wieder auferstanden und in den Himmel aufgestiegen ist, wo er zur Rechten des Vaters sitzt, und wieder kommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten; dessen Neiches nie ein Ende sein wird. Ich glaube an den heiligen Geist, den Herrn und Beleber, der vom Vater und dem Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird, der durch die Propheten zu uns gesprochen hat. Ich glaube auch an eine einige, heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und das Leben der kommenden Ewigkeit. Amen. Bum Offertorium. Der Opfer heiligstes beginnt. Stille Reue, frommer Glaube, und Dank für dein göttliches Licht war bis jetzt, Unendlicher, mein Ruf zu dir. Doch nun hebt Zweite Meßandacht. - sich Brod und Wein- bald lebensvolles Fleisch und Blut- vom Altare zu dir empor. O laß wie das Opfer, so die Opfernden dir wohlgefällig sein. Laß dasselbe sowohl uns zur Vergebung unserer vielfachen Nachlässigkeiten, als allen unsern Mitbrüdern, die noch mit uns dich preisen oder schon von uns geschieden sind, zu des ewigen Lebens Seligkeit gereichen. In inniger Vereinigung mit deinem Sohne opfere auch ich dir, mein Herr und Gott, mich selbst und Alles, was ich bin und habe; opfere dir mein Herz und meine Seele- o möchte beides ohne Makel, wie das Brod des Altars, sein! opfere dir jeden Augenblick, der zwischen meinem ersten und meinem letzten Athemzuge liegt. Jede Kraft, die du mir gegeben hast, verherrliche dich; jedes Wort bekenne dich; jedes Werk, das ich vollbringe, sei deinem Ruhme geweiht; mein ganzes Leben spreche die Ueberzeugung aus, daß ich ganz dein Geschöpf und deine Liebe, ohne dich aber stügelos, berlaffen, ein erloschenes Nichts bin; und in Allem, was ich genieße oder entbehre, Frohes oder Widriges befahre, 6* 83 84 Zweite Meßandacht. dir und deinem Willen mit Kindesdemuth angehöre. Zur angenehmen Gabe hat dein Sohn fich für uns dargebracht"*). Heis lige mich, o Herr, zu seinem treuen Nachfolger; heilige mir Herz und Hand, wenn jenes jemals Unrecht wollte, wenn diese je zu Bösen sich ausstreckte; laß die Flamme der reinen Liebe, die jetzt mein Gemüth erwärmt, nie erkalten! So wird auch meine Gabe dir eine angenehme sein; und ich mit deines Altars Diener stets vertrauensvoll das Bittwort wiederholen: Nimm, Herr, dieß Opfer gnädig an, Zu deines Namens Ehre; Es schwebe fruchtend himmelan, Daß sich mein Heil vermehre. 50 Amen. 3um Sanktus. Heilig, heilig, heilig bist du, Vater des Alls! Beherrscher der Welten! Gott, Unabsehlicher, Großer! Der Himmel ift dein Thron, die Erde ist der Schemmel *) Brief an die Epheser, 5. Hauptstück, 2. Vers Zweite Meßandacht. deiner Füße). Deine Schöpfungen zahllos wie Tropfen des Meeres,-firahlen deine Herrlichkeit wieder. Vor dir sollen sich alle Wesen beugen; denn du sprachst, und sie wurden"**). Im Jubel der Entzückung singen die himmlischen Schaaren Lieder der Anbetung dir, dem Ersten und Letzten in Allem, was ist, war und sein wird. Freudig begleite auch ich der Schöpfung begeisternde Hymne, denn 85 sidontan ( Worte der Kirche) Wahrhaftig würdig und recht, pflichtmäßig und heilsam ist es, dir immer und überall Dank darzubringen, heiliger Herr, allmächtiger Bater, ewiger Gott, durch Christum unsern Herrn. Durch den deine Majestät die Engel loben, die gebietenden Geister anbeten und alle himmlischen Kräfte mit den seligen Seraphim im vereinten Wonnerufen preisen. Daß du mit ihnen auch unsere Stimmen zulassen mögeft, flehen wir dich an, in ehrfurchtsvoller Demuth den Ruf wiederholend: *) Isaias, 66. Hauptstück, 1. Vers. **) Buch Judith, 16. Hauptstück, 17. Vers. 86 Zweite Meßandacht. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Voll sind die Himmel und die Erde seiner Herrlichkeit! Hosianna in den Höhen! Gebenedeit ſei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in den Höhen! Bor der Bandlung. un Vorbereitet wird das heilige Opfer. Der Hohepriester des neuen Bundes weihte beim letzten Abendmahle sich selbst dazu für Alle, die ihm durch seine Menschwerdung zu Brüdern geworden waren. Für alle meine Brüder bringe auch ich dir meine Bitten dar; dein Wohlgefallen und deine Huld sei mit deiner ganzen Welt, Unendlicher! Laß dein Erbarmen nie von uns weichen; erhöhe die Freude der Guten, beschirme die Schwachen, gib Kraft den Muthlosen, ertheile Gedeihliches Allen. Leite Alle, die geblendet vom Außenglanze der Sünde, oder irregelockt durch nichtige Vortheile, von dem Wege deiner Gesetze abgewichen sind, auf denselben wieder zurückt; laß Trost und Ruhe heute Allen erscheinen, die gestern noch mit thränendem Auge nach Erlösung ungewiß umherblickten; rette, Zweite Meßandacht. 87 die krank sind; labe, die schmachten; verleihe Schutz denen, die Verfolgung erleiden. Vätern und Müttern, Söhnen, und Töchtern, Vorstehern und Dienern erweise dich einen mächtigen Helfer Vorzüglich laß dir, Gnadenvoller! das Heil derjenigen empfohlen sein, deren meine Seele jetzt im Stillen gedenkt Behüte, führe, segne uns Alle im Leben und im Sterben. Amen. Bur Bandlung. Größtes der Wunder des Herrn, in stiller Anbetung sinke ich vor dir zur Erde! Gott vom Vater ohne Mutter. Mensch von der Mutter ohne Vater, ich bekenne dich!- Am Vorabende des Leidens brachst du das Brod, und sprachst, es vertheilend: dieß ist mein Leib"*). Aus meinem Staube rufe ich zu dir, der du wahr, nicht bloß im Zeichen; wirklich, nicht bloß durch meinen Glauben; in der Wesenheit, nicht bloß durch deine fernere Kraft unter der Gestalt des Brodes hier gegenwärtig bist: Jesu, *) Bei den Evangelien und im 1. Briefe an die Korinther, 11. Hauptstück, 24. und 25. Vers. 88 Zweite Meßandacht. Heiland, sei mir gnädig! Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn"*): sei mir, o Menschgewordener, gnädig! Am Vorabende des Leidens segneteſt du auch den Kelch, und sprachst ihn darreichend:„ dieß ist mein Blut zur Vergebung der Sünden. Das thut zu meinem Angedenken"**). Mittler zwischen Tod und Leben, zwischen Sünde und Gnade Barmherzigkeit mir Sünder! Gnade deinem Neuigen! Dein heiliges Blut reinige mich; dein schweres Opfer erlöse mich; der hohe Preis, den du am Todesholze für mein Heil bezahltest, komme über mich zum Leben. Amen. Nach der Bandlung. Eingeborner des ewigen Gottes, Anfänger und Vollender meines Heils, der du einst so segenvoll hienieden für mich wandeltest und wirktest, gerührt, erneuert meine Seele das Andenken deiner Erscheinung auf Erden, und was du zu meinem Wohle gethan und gelitten hast. *) Evangelium Matth., 16. Haupst., 16. Vers. **) Bei den Evangelien und im 1. Briefe an die Korinther, 11. Hauptstück, 24. und 25. Vers. Zweite Meßandacht. Möge dir mein Herz mit unwandelbarer Anhänglichkeit für deine hohe Liebe danten; so wie dich mein Verstand für das, womit du ihn bereichert hast, ehrt. Ohne Schwanken glaube ich an das Wort, das mir durch dich geworden ist; es ist die wohlthätigste und reinste Wahrheit. Ohne Furcht der Täuschung setze ich in dich mein ganzes Hoffen; deine Gnade und das Wort, an das ich durch dich glaube, wird mich sicher durch die Dunkelheit dieses Lebens zur Heimath jener Herrlichkeit, die du uns geoffenbart haft, führen. Mit voller Zuversicht stelle ich deiner Leitung mein Heil anheim; und mit meinem Heile auch das Heil der Meinigen und aller deiner Erlösten, der Lebenden und Todten, besonders Derjenigen, die unter den Letzteren meiner Liebe zunächst gestanden sind, und deren Andenken jetzt meine Seele in stiller Wehmuth feiert. 89 Für sie, für mich und für alle Menschen spreche ich zu deinem und zu meinem Vater, wie du es mich gelehrt haft, mit Innigkeit: 90 Zweite Meßandacht. Das Gebet des Herrn. Vater unser, der du bist in dem Himmel: geheiliget werde dein Name; zukomme uns dein Reich; dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden; gib uns heute unser tägliches Brod; und vergib uns unsere Schulden, gleichwie wir vergeben unseren Schuldnern; und führe uns nicht in Versuchung; sondern erlöse uns vom Uebel. Amen. Bum Agnus Dei. Lamm Gottes, das du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme dich unser! Jesu, für fremde Schuld ein schuldloses Opfer; Jesu, der du willig unsere Missethaten anf dich geladen und in Gottergebenheit und Sanftmuth den Kelch von der Hand des Vaters hingenommen haft, um ihn nicht für dein, sondern für unser Heil zu leeren: dein Thun sei mir ein würdiges Vorbild für das meinige. Es lehre mich, ohne Widersetzlichkeit, was ich verschuldet habe, tragen; und was mir des Vaters Hand zu meinem Heile sendet, in Freudigkeit und Demuth hin nehmen damit ich, mit dir duldend, einst mit dir mich erfreue. - Zweite Meßandacht. Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! Jesu, unwandelbare Liebe, die treu war bis zum Tode; Jesu, der du, die dich verhöhnten, segnetest, dich dich verletzten, heiltest, für Jene, die nur Fluch und nur des Kreuzes Schrecken für dich hatten, noch am Kreuze zu dem Vater batest: dein Thun sei mir ein heiliges Vorbild für das meinige. Es lehre mich das Böse mit Gutem, den Schmerz mit Freude, die Unbilden mit Gerechtigkeit erwidern- damit ich mit dir, Vergebung säend, einst durch die Vergebung ernte. Lamm Gottes, das du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, gib uns den Frieden!- Jesu, Bote der Eintracht und der Gnade, der du die Menschen mit Gott und unter sich selbst durch der Bande reinstes und uneigennützigstes verbunden haft: dein Thun sei mir ein edles Vorbild für das meinige. Es lehre mich mein Herz vor Zwietracht mit Gott und mit sich selbst durch Vermeidung alles dessen, was hassenswerth vor beiden ist, bewahren; lehre mich in Einigkeit unter meinen Brüdern wandeln, nie aus Zorn, Eitelkeit, Neid, Eigennut oder sonst 91 Zweite Meßandacht. würdiger Begierde ihre Ruhe stören-- damit ich auf Erden Frieden haltend, auch im Reiche des himmlischen Friedens einst Einbürgerung finde. Bur Kommunion. 92 Im tiefsten Gefühle meiner Unvollkommenheit rufe ich: O Herr, ich bin nicht würdig, daß du zu mir eingeheft! Wie sollte auch das Nichts, das nur durch dich Etwas ward, sich würdig achten deiner innigsten Gemeinschaft? wie die Sünde es verdient haben, daß die ewige Heiligkeit sich mit ihr vereinige? Dennoch), wessen ich nicht wirdig mich bekenne, daß ich mich dessen nie vollends unwürdig zeige das verleihe mir, o Herr! Sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund. - Stärke und erhebe mich, mein Erlöser! durch deine göttliche Lehre; heilige mich in der Furcht des Herrn; laß nur in deinem Wesen das meinige bestehen, damit Nichts mich von dir und deiner Liebe trenne"*); und wann immer meine Seele nach dir hinstrebt, wann immer ob in deinen Tempeln, *) Brief an die Römer, 8. Hauptstück, 35. Vers. - Zweite Meßandacht. 93 oder auf dem Krankenbette id) unter den Gestalten des Brodes dich genieße, mir die empfangene Speise nicht durch unwürdigen Genuß zum Gerichte und zur Strafe gereiche"*). Amen. Bum Segen. Mit dem Priester. Laß dir, heilige Dreieinigkeit, dieses Streben meiner Verehrung wohlgefällig sein, und verleihe, daß das Opfer, welches ich den Augen deiner Majeſtät demüthig dargebracht habe, dir zum angenehmen, und mir und Allen, für die ich es dir geweiht habe, durch deine Erbarmniß zum heilvollen werde. Durch Christum, unsern Herrn. Amen! Der Segen des allmächtigen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes schwebe über uns nieder und bleibe mit uns immer. Amen! d Bum letzten Evangelium. Worte der Kirche.**) Im Anfange war das Wort( Sohn Gottes) und das Wort war bei Gott, FR esa se mad *) 1. Brief an die Kor., 11. Hauptst., 29. Vers. Brief an **) Anfang des Evangeliums des heil. Johannes. 94 Zweite Meßandacht. und Gott war das Wort. Es war im Anfange bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist Nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben( Kraft, Wahrheit, Seligkeit), und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in den Finsternissen, und die Finsterniſſe haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesendet, dieser hieß Johannes( der Täufer). Der kam zum Zeugnisse, daß er Zeugniß gäbe von dem Lichte( vom Messias), auf daß Alle durch ihn glaubten. Er war nicht selbst das Licht, sondern, daß er von dem Lichte Zeugniß gäbe. Es war ein wahrhaftes Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er( Christus) war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht worden, und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden; denen, die in seinem Namen glauben, die nicht aus dem Geblüte, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Zweite Meßandacht. 95 Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet, und wir haben dessen Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Bater, voll der Gnade und Wahrheit. Schluß. Deinen von Ewigkeit Geliebten habe ich dir, o Bater! in Vereinigung mit dem Priester aufgeopfert, und was einst auf der Stätte der Versöhnung wirklich für mich geschah, im Geiste still erneuert. Höre, Unendlicher! meines Herzens freudiges Danken, daß du mir gestattet haſt, dieses Opfer darzubringen, und laß es mich stets mit gleicher Frömmigkeit und Ehrfurcht dir entrichten; denn segenslos bleibt der, der des Herrn Werk nachläffig vollbringt"*). Zum Unterpfande der Seligkeit hast du uns deinen Sohn gegeben; er ist es, den du für deines Volkes Missethaten geschlagen haft"**); o laß mir das blutige Verdienst, das er am Kreuzesholze erworben hat, auch huldvoll zur Seligkeit gedeihen! *) Jeremias, 48. Hauptstück, 10. Vers. **) Isaias, 53. Hauptstück, 8. Vers. Zweite Meßandacht. Du aber, Wort des Vaters, erhalte mir jedes heilige Gefühl, das diese Stunde in mir angeregt hat: bewahre meinem Glauben Stärke, meiner Hoffnung Zuversicht, meiner Liebe Innigkeit; kräftige mich zum Recht- und Wohlthun in allen meinen Verhältnissen hienieden; führe mich in die Bahn, die du zuerst gegangen bist, ein, und laß mich unermüdet auf derselben schreiten dir folgend kann ich nicht irren; erhebe mir des Vaters Willen, auch wo er mir Thränen entlockt, und die redliche Berufserfüllung, auch wo sie Selbstverläugnung von mir fordert, immer über jede Erdenrücksicht; damit ich deinem Wirken für mein Wohl auch meinen Eifer zugeselle, und du in mir nicht einem ganz Werthlosen dich geopfert habeft, und mein Vertrauen auf dieß Opfer nicht übergehe in Vermessenheit; sondern ich im Handeln und im Leiden dir vereint, ruhig ausharre, bis sich durch des Vaters Gnade unsere Tugendfaat auf Erden in Lohn des Himmels umwandeln wird. Amen! 96 - isdes bildarin 2015 Dritter Abschnitt. Ro luong Bußandacht. this Ein heilsamer Seelenspiegel. 80 stat Die christliche Buße. B uße ist Sinnesänderung, ernstliche, mühsame Besserung mit Hinsicht auf Gott, und sein heiliges Gesetz. Also kein Geschäft einer andächtigen Stunde, einiger frommer Seufzer. Der Grund und Anfang ist Selbsterkenntniß. Die wenigsten Menschen kennen sich felbst ganz. Die Eigenliebe verblendet, und scheuet den Spiegel; die Zerstreuungen des Lebens lassen selten zum ernstlichen Nachdenken kommen; Leidenschaft und Gemächlichkeit sträuben sich gegen alle gründliche Untersuchung. Und doch ift an dieser Untersuchung Alles gelegen. Du magst sie nun vornehmen oder Senftörnlein. 7 Die christliche Buße. verschieben; redlich oder unredlich dabei zu Werke gehen: du bist doch einmal so, wie du bist. Gott wird dich einst nicht nach deiner und anderer Meinung, sonder 98 einzige Mittel, diesem strengen Gerichte, vor dem du keinen Augenblick sicher bist, zu entgehen, bestehet darin, daß du dich ſelbst richtest, und die strengste Unterſuchung deines Gewissens anstellest, um deine Besserung darnach einzurichten. Einmal müßt du es doch wissen, und es bei dir selbst ausmachen, wie dein Herz und Leben beschaffen ist, wie du mit Gott stehst, und was du von ihm zu erwarten hast. Jeder Ausschub, jede Ausflucht oder Unredlichkeit ist Thorheit, die dich noch strafbarer und elender macht. Richte deine Aufmerksamkeit besonders auf das, was dir am öftesten im Sinne ist, wenn du allein und unbeschäftigt bist: welche Gespräche, und Unterhaltungen und sinnliche Ergötungen dir die angenehmsten, welche Reizungen dir die gefährlichsten sind; bei welchen Ausschweifungen du am ruhigsten bleibest; welche Vergehungen in Die christliche Buße. 0.99 deinem Lebenslauf und in deinen Gewissensprüfungen am öftesten vorkommen? in Untersuche ferner, was dich am ersten und heiligsten zum Zorn, zur Freude, zur Traurigkeit reizt; was du am liebsten thun würdest, wenn du völlige Freiheit hättest; was dich am leichtesten, und was dich am schwersten ankömmt? Was die Leute, die dich kennen, besonders deine Feinde, von dir halten? Von diesen kannst du oft am sichersten die Wahrheit erfahren, und vieles zu deiner Selbstkenntniß und Besserung lernen. Erkenne deine Fehler durch Vergleichung mit den Tugenden Anderer. Erbitte dir das freimüthige Urtheil eines weisen und ehrlichen Freundes; das ist der beste Ge brauch, den man von der Freundschaft machen kann. Wenn du auf solche Weise über dich selbst nachgedacht hast, und nun einsiehst, wo es bei dir vorzüglich fehlt, welche sündliche Neigung die größte Macht über dich hat, und wie weit es mit deiner Verschlimmerung oder Verbesserung gekommen ist; so laß dir dein Gewissen aufrichtig auf die Fragen antworten: Die christliche Buße. Gewissenserforschung. St Wie steht mein Herz gegen Gott und Christus? Dacht' ich oft und gerne an ihn an seine Liebe an sein heiliges Gesetz? Wie bewies ich meine dankbare, vertrauensvolle Ergebenheit, durch Befolgung seines heiligsten Willens? Betete ich? und Wie 100 - wie? und mit welcher Frucht? übte ich mein Christenthum aus? Wie gehorchte ich den Erinnerungen meines Gewissens? Wie verhielt ich mich gegen meine Mitmenschen, besonders gegen diejenigen, mit denen ich näher verbunden bin ( Eltern, Kinder, Gatten, Herrschaft, Hausgenossen 2c.)? War nie Bitterfeit, Haß, Nachbegierde, Schadenfreude, Neid, Argwohn in meinem Herzen? Ist es wenigstens jetzt frei davon? find Habe ich Niemand mit meinen Neden gekränkt oder beleidigt, an seiner Ehre verletzet? durch hartes, liebloses Urtheil üble Nachrede, Verleumdung, Verkleinerung, Bekanntmachung verborgener Fehler Spott, Berachtung, Tadelsucht? oder auch still Die christliche Buße. 101 schweigend mit hohnlächelnden, bedentenden Mienen? Geschah es aus Unbesonnenheit, Leichtsinn, Schwatzhaftigfeit? oder aus Abneigung, Eiferſucht, Bosheit? oder um mich über Andere zu erheben, meinen Witz zu zeigen, und zu gefallen? hi Was mag daraus für Nachtheil entstanden sein? wie würde ich es empfunden haben, wenn es mir geschehen wäre? War ich in meinen Gesinnungen und Handlungen rechischaffen, aufrichtig, treu? habe ich Niemand hintergangen, beschädigt, mißhandelt? Wie hoch würde ich es anschlagen? Habe ich den Schaden auch wieder ersetzt, das Unrecht vergütet, die Verleumdung widerrufen? Werde ich es noch thun? und wie?- Habe ich mich keiner fremden Sünden theilhaftig gemacht? Niemand zum Bösen gereizt, oder veranlaßt? durch verführende Neden und Beispiele? Aus Unbedachtsamkeit oder geflissentlich? In welchen Sachen? Wie kann ich das lebel wieder gut machen? a War meine Menschenliebe nach dem Gebot und Vorbilde Gottes und Jesu Die christliche Buße. aufrichtig, uneigennützig, unparteiisch, sanft, duldsam, wohlthätig meinem Vermögen? Wie verhielt ich mich gegen Andersdenkende, Irrende, Widerliche, Setzte ich selbst gegen meine Feinde? mich auch in des Andern Stelle, und betrug ich mich so, wie ich wünschte, daß man mir begegnete? War es mir Lust, Andere zu er freuen, zu trösten, zu unterstützen, mit Rath und That? Was bewog mich dazu? 102 War ich im Genusse des Glückes und Vergnügens mäßig, dankbar, bescheiden? Im Leiden gelassen, geduldig, Gott ergeben? Wozu hat mich meine Eitelkeit, meine Heftigkeit, meine Begierlichkeit verleitet? Ons Smudt ook Wohin zielten meine meisten Gedanken und Wünsche? Dürfte ich sie öffentlich gestehen? Muß ich nicht vor mir selbst schamroth werden? Was würde ich von Andern halten, wenn ich sie das thun sehe, was ich gethan habe? Wenn ich wüßte, daß in ihrer Seele eben solche Dinge vorgingen, die in der meinigen vorgehen? 96310 Die christliche Buße. Wie habe ich meiner Lieblingsneigung, meiner Temperaments- und Gewohnheitssünde Abbruch gethan? War es mir ernstlich angelegen, meine Vorsätze zu halten? Welche Mittel und Mühe habe ich angewendet? Und wenn ich mich wieder verfehlte, war es bloßes Versehen und Uebereilung, oder geschah es mit Bewußtsein und vorsätzlich? Was war daran schuld? Erkannte und bereute ich den Fehltritt bald wieder, und suchte ich ihn zu verbessern? Wie habe ich meine Standespflicht erfüllet? Wird der Herr mit meinem Tagwerk zufrieden sein? Kann ich's mit mir selbst sein? Wie sind die Menschen, mit denen ich zu thun habe, mit mir zufrieden? Wenn sie mich erst ganz fennten? 103 Was ist mir etwa Sonderbares bea gegegnet? Was soll ich aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen lernen? Bin ich besser oder schlimmer geworden? Habe ich mehr Böses oder Gutes gethan? Wie, und in welcher Absicht geschah dieſes? MICH 300 Wie steht es um meine Seele? Wäre ich bereit, vor meinem Richter zu Die christliche Buße. erscheinen? Was würde mir am meisten bange machen? Durchgehe nun diese Fragen mit mehr Aufmerksamkeit als gewöhnlich, eile nicht mit flüchtigem Leichtsinn darüber weg; sie enthalten zugleich die wichtigsten Pflichten des Christenthums, und geben Beranlassung zum weitern Nachdenken. Wende jede Frage un parteiisch auf dich an. Verkenne zwar das Gute an dir nicht; aber desto mehr soll dich deine Verschlimmerung schmerzen. 104 - Die Erkenntniß des Uebels, das du gethan haft, das noch an dir ist, das du dir bereits zugezogen hast, und dir noch bevorsteht, muß nothwendiger Weise Abscheu dagegen, Betrübniß und ganz andere Gesinnungen erwecken, als du bisher hattest. Das Gewissen, wenn du es redlich erforscht hast, wird dir deine Thorheit und Strafbarkeit vor halten; es wird dich beschämen, betrüben, und für die Zukunft besorgt und vorsichtig machen. Und so entsteht nun Yeolaid doding ahidi i red lisad bi s Die christliche Buße. - 105 Reue und Borsatz.ont sid an sá đưjer Es bedarf nicht viel Erklärens, worin beide bestehen, was dazu gehöre, und und wie sie beschaffen sein müssen. Dein eigenes Herz weiß es dir am besten zu sagen, wenn es dir Ernst ist. Wenn du thöricht, schändlich und strafbar gehandelt, Unrecht und Böses gethan hast, wie ist dir zu Muthe, sobald du es erkennst? Es reuet dich; es ist dir bitterlich leid; du verabscheuest deine That, und wünscheft sie ungeschehen machen zu können; du schämst dich vor dir selbst, wenn du daran denkst; du finnest auf Mittel, das Uebel so viel möglich wieder gut zu machen, und nimmst dich sorgfältig in Acht. Die Neue bringt eine ganze Beränderung in deinen Gefins nungen, und die Entschließung hervor, dein ganzes Betragen ganz anders einzu= richten. Wende dieß auf die Sünde an sich auf Gott hin! Was hast du gethan? Was hast du verloren? Was hast du zu erwarten und nun zu thun? Dein Gewissen, dein Glaube werden dir antworten. Dein Herz muß - - 106 Die christliche Buße. es dir sagen, ob du wahre Reue haft, und deine Besserung muß davon zeugen. Die Anlässe und Beweggründe der Rene, so wie die Stärke und Dauer der Empfindung, sind verschieden. Die wahre, zur Vergebung der Sünden und vollkommenen Beruhigung nothwendige und hinlängliche Neue ist diejenige, welche eine ernstliche, anhaltende, allgemeine Abneigung gegen die Sünde aus Liebe zu Gott und zur Tugend hervorbringt. Die Frucht davon ist Bekehrung( Rückkehr vom Irrwege) und standhaft fortgesetzte Besserung. Dazu sollen folgende Betrachtungen dienen, die aber nicht auf einmal, sondern allezeit nur eine oder die andere, auch außer den Beichttagen, überdacht werden sollen. Heilsame Furcht des Sünders.d Vater! ich habe gesündigt. Kaum getraue ich mir vor Scham meine Augen zu dir zu erheben. Deine guten Kinder dürfen zutraulich und freudig vor dich hintreten, weil sie gutes Gewissen haben, und thun, was dir gefällt. Aber wie Die christliche Buße. 107 werden die Ungehorsamen vor dir bestehen, unter welche auch ich mich zählen muß? Ertrage ich doch kaum die Vorwürfe meines Gewissens, das mich beschämt und bestraft. Wie würde ich Die geheisten vor dir bestehen, wenn ich dein untrügliches Urtheil über mich jetzt vernehmen sollte. Wollte ich mich auch verbergen vor mir selbst: vor dir kann ich es nicht. Ueberall sieht mich dein Auge, Allgegenwärtiger! Ueberall kann mich dein Arm ergreifen. Bewegungen und Anschläge meines Herwenn sie auch nicht zur That sind dir offenbar. Ich kann keinen Tritt thun, den du nicht wüßteft. Keine Verstellung, keine Finsterniß deckt mich vor dir. Wenn mich gleich kein menschliches Gericht anklagt, noch verdammt, wenn selbst die Tadelsucht meiner schont: so bin ich doch nicht unschuldig vor dir, du Herzensprüfer! zens werden Warum scheue ich mich oft vor Menschen? Warum wollte ich manches, was zuweilen in meinem Herzen vorgegangen oder im Verborgenen von mir geschehen ist, auch meinem vertrautesten Freund nicht wissen lassen? Warum will ich es mir - - 108 Die christliche Buße. selbst nicht gestehen, und wünsche, daß es in ewige Bergessenheit kommen möchte? Ach! wie vielmehr hätte ich mich vor dir scheuen sollen! Wenn es mir auch gelingen konnte, es vor der ganzen Welt zu verheimlichen, oder aus ihrem Gedächtnisse, wie aus dem meinigen, zut vertilgen: so wußte ich doch, daß dir Nichts unbekannt bleiben, noch entfallen kann. Und wenn ich auch durch leichtsinniges Vergessen an Alles, was mir wichtig und heilig sein sollte, mein Gewissen betäubte, oder einschläferte, was würde ich dadurch) gewinnen? Es würde einst nur desto fürchterlicher erwachen, desto lanter wider mich zeugen, und mich verdammen. Ich weiß, wie gut du bist, o Gott! Aber eben darum haffest du Alles, was böse und unrecht was deiner Absicht, deine Geschöpfe gut und glücklich zu machen, und der Ordnung, die du deswegen fest gesetzt haft, zuwider ist. Deine Weisheit fordert es, daß du deinen Abschen dagegen nachdrücklich an Tag legest, und böse Thaten mit bösen Folgen bestrafest. Du könntest ja deine großen und liebreichen Absichten nicht ausführen, wenn es deine Die christliche Buße. 109 Unterthanen nicht fühlen müßten, wie elend sie sich machen, wenn sie denselben entgegen arbeiten, deinen Gesetzen zuwider handeln, und in ungebundener Freiheit leben wollen.-Nein, du kannst dabei nicht gleichgiltig zusehen, höchster Regent der Welt! 2 Du wirst zwar nicht so, wie Menschen, erzürnt und beleidigt. Aber mein Ungehorsam ist doch eine Empörung gegen dein heiliges Gesetz; eine Berachtung deiner väterlichen Güte. Wie ein weiser und liebender Vater sich für beleidigt hält, wenn seine Kinder seiner Warnung und Leitung nicht folgen, seine besten Absichten vereiteln, seine Wohlthaten mißbrauchen, sich verderben und unglücklich machen; wie er sie seinen gerechten Unwillen empfinden lassen und strafen muß, um dem Ulebel, das sie sich zuziehen, zu wehren, sie zur Besserung und Folgsamkeit zu bringen. So handelst auch du, o Gott! mit deinen ungehorsamen Kindern auf Erden. Und wie nothwendig, ja wie gut ist uns das! Was könnte sonst oft die Hitze unserer Begierden mäßigen, unsern Leichtsinn und Muthwillen in Schranken halten, 110 Die christliche Buße. wenn wir uns vor dir nicht zu scheuen hätten, Herzensprüfer und Richter! Deine drohende Stimme schrecke mich vom Abgrunde des Verderbeus zurück, wenn ich deinen freundlichen Winken nicht folge. Ich muß es empfinden, wie elend ich bin, wenn ich auf deine väterlichen Ermahnungen nicht achte. Der Frevel darf nicht ungestraft bleiben. Er würde Alles zerrütten, wenn ihn die Furcht vor der Strafe nicht zähmte. So ist ſelbst deine Gerechtigkeit, o Herr! welche den Sünder zittern macht, weise Güte, zum Besten Aller, und heilsam für mich, zur Warnung und Rettung vom Untergange, wenn deine wohlthätige Liebe mein Herz nicht bewegt. Verblendung und traurige Folgen der Sünde. Was ist nun die Frucht von Allem, was bisher gegen deinen heiligen Willen, o Gott! mein Sinnen und Thun war! Was ist der Lohn der Sünde? Eckel, Schmerz, Scham, bittere Reue!- 68 ist keine Ruhe, keine wahre Freude im Herzen des Sünders; Gewissensvorwürfe Die christliche Buße. 111 foltern die bange Seele, verfolgen fie überall, und lassen sie auch im Taumel des zerstreuenden Vergnügens nicht ungeſtört. Welches scheinbare Glück der Erde kann mir meine verlorne Unschuld und deine Freundschaft, o Gott! ersetzen? Was hilft es mir, wenn ich die ganze Welt gewinne, wenn aber der innere Friede mir fehlt, wenn ich des Trostes deiner Kinder beraubt, und deiner Liebe nicht mehr werth bin wenn mein eigenes Herz mich verdammt, und sich selbst verabscheuen muß! Ach, wie verblendet die Sünde durch ihren betrüglichen Reiz! Zu welchen Thorheiten und Schändlichkeiten verleitet sie den Menschen! Wie tief erniedrigt sie ihn unter seine Würde bis zum Thiere, das nur dem blinden Triebe folgt macht ihn, da er Freiheit sucht, zum Sklaven einer unbändigen Leidenschaft, einer zur Natur werdenden Gewohnheit, die ihn dahin reißt, wo er nicht hin willgegen seine besten Einsichten und Vorsätze! Je öfter ich fündige, desto weniger kann ich's unterlaffen desto ohnmächtiger werde ich, dem Reiz zu widerstehen; - - 112. Die christliche Buße. sinte immer tiefer und tiefer, verirre mich immer weiter, bis ich an den Abgrund des Verderbens gerathe! Wenn ich die Mühe scheue, die die Tugend fordert, und die sie so reichlich belohnt: welche weit schwerere Lasten bürd' ich mir auf! Da ich dein sanftes Joch, o Gott! abwerfen will, muß ich mich unter einem weit drückendern beuMeine edelsten Vorzüge, mein wahres und ewiges Glück raubt mir die Sünde. Die schnöde Luft eines Augenblickes, ein Dunst eitler Ehre, ein vergänglicher Vortheil, ach, wie theuer werden sie erkauft! gen. 15 Wie viel Böses stiftet die Sünde, verwüstet sie deine schöne Welt, o Gott! Der größte Theil der Plagen, über welche wir seufzen, ist ihre Frucht. Schande und Ehrverlust, kümmernder Mangel und bittere Armuth, Schwächung und Siechheit des Körpers, glühende Schmerzen, schleichender und plötzlicher Tod, Elend aller Art, daran der sorglose Sünder nie dachte, oder das er nur für ein ängstendes Traumbild ansah, find die leidigen Folgen der Ausschweifung und Unordnung. —— Die christliche Buße. 113 - Und, wie schrecklich verbreitet sich das Uebel, gleich einer Gistquelle, die sich in viele Bäche ergießt!- Wie oft wird durch eine einzige Rede Unschuld und Ehre gemordet! Entsetzen ergreift mich, wenn ich der Seufzer verführter, in Laster und Verderben gestürzter Seelen, den Jammer zerrütteter Familien, das Verderben ganzer Geschlechter gedenke. Aber noch sehe ich die ganze Größe des Sündenübels nicht ein, fühle auch mein Elend nicht ganz. meiner noch, Vater! und wartest auf Du schonst Besserung. Aber wenn die Gnadenzeit verstrichen sein, und der Tag deines strengen Gerichtes plötzlich einbrechen wird, wenn ich, auf einmal hingerafft, und verlassen von Allem, woran jetzt mein Herz hängt, in einer andern Welt, wie von einem Traum erwachen würde; großer Gott! wie würde es dann um mich stehen? Wenn du kommen wirst, gerechter Richter! jedem zu vergelten nach seinen Werken; was würde dann mein Antheil sein? Meine Thaten werden mich in die andere Welt hinüber begleiten; dort werden sie mein SchickSenfkörnlein. 8 114 Die christliche Buße. fal auf ewig entscheiden. Ich werde sterben, wie ich gelebt habe, und den Sinn, den ich sterbend hatte, werde ich in die Ewigkeit mit hinüber bringen, da ich alles andere auf Erden zurücklassen muß. In deinen Himmel kann nichts Unreines eingehen; die Bösen kannst du in deinem seligen Reiche, wo nur Tugend, Liebe und Friede herrscht, nicht dulden. Ewig getrennt von dir, o Jesus! ausgeschlossen von den Seligkeiten, die deine frommen Verehrer und Freunde genießen verdammt in die Gesellschaft der verworfensten und unglücklichsten Geister, die sich unter einander peinigen und verfluchen gequält von den Vorwürfen ihres Gewissens, von ihren tobenden Leidenschaften, und den unübersehbaren Folgen ihrer Sünden werden sie mit vergeblichen Seufzern nach der Seligkeit schmachten, die sie berscherzt haben, und die Begierden nicht befriedigen können, von denen sie gemartert werden. Mit zu später Neue werden sie ihre Thorheiten bejammern, die Gerechtigkeit der Strafen erkennen, die sie auszustehen haben, sich verwün- - Die christliche Buße. 115 schen, und in einen Abgrund von Verzweiflung versinken! Soll dieses Unglück einst auch mich treffen? Schauder ergreift mich, wenn ich nur die Möglichkeit denke! Und bin ich vielleicht der Gefahr näher, als ich glaube? Was sagt mein Gewissen?Renegebet eines leichtsinnigen Sünders. Leicht Ach, was habe ich gethan!. finnig und muthwillig habe ich deine guten Gebote übertreten, mein Gott! deinen väterlichen Absichten entgegen gearbeitet, deine Ordnung zerrüttet, deine Güte gering geschätzt, deine Gaben gemißbraucht! Wie verblendet und thöricht war ich! Die reine Quelle aller wahren Freude und Glückseligkeit verließ ich, und suchte sie da, wo sie nie zu finden ist. Die Luft eines Augenblickes- die träge Gemächlichkeit winn ein schnöder Geeine eitle Ehre oder kleinselige Furcht konnte mich so bethören, daß ich deiner vergaß, Vernunft und Gewissen 8* 1 - 116 Die christliche Buße. betäubte, meiner Pflicht untreu ward, und mich selbst entwürdigte! bi Ich achtete deiner warnenden Stimme nicht, und jagte meinem blendenden Scheine nach. Nun sehe ich mich getäuscht. Es ist kein Friede, kein Segen außer dem Wege der Tugend. Die Wollust ist süßes Gift, der Weltlohn Undant, und der Weg der Sünde, so angenehm er Anfangs ist, führt zum Verderben. Du gabst mir Vernunft, das Gute zu erkennen, und freien Willen; schriebst mir dein Gesetz in's Herz, und mahnteſt mich durch das Gewissen. Ich wußte deinen heiligen Willen, und that ihn nicht. Du wolltest mich durch Güte zum Guten leiten, und gabst mir alle Mittel dazu an die Hand, sorgtest immer für mich väterlich, und erhieltest mich bis auf diesen Augenblick unter unaufhörlichen, meistentheils unerkannten Wohlthaten. Mit größter Langmuth ertrugst du meinen Leichtsinn und Undank, hörteft nicht auf, mir Gutes zu thun, da ich Böses that sahest mit erbarmender Liebe auf mich Sünder herab; strafteft - Die christliche Buße. 117 mich nicht, wie ich's verschuldet habe, sondern rettetest mich vom nahen Untergange, und nimmst mich, mit der Freude eines Vaters über sein wiedergefundenes Kind, auf. Du mein Heiland! starbst um der Sünder willen am Kreuze, als das Opfer der Liebe. Ach, wie könnte mein leichtsinniges Herz dieser Liebe vergessen! Wie verhärtet müßte es sein, wenn es noch davon unbewegt bliebe! Nein, nicht mehr bloße Furcht vor der Strafe, ein edlerer und stärkerer Beweggrund ist es, was mir die Sünde, als das größte Ulebel, verabscheuungswürdig machen soll. Aus Liebe zu dir, du höchstes Gut! bereue, verfluche und hasse ich die Sünde, und entsage ihr feierlich, vor deinem Angesichte, ganz und auf immer ohne Schonung und Vorbehalt so sehr auch mein Herz sich dagegen sträuben so schwer es mir auch ankommen so viel es mich kosten mag! Lieber will ich auch eines erlaubten Vergnügens oder Vortheils entbehren, lieber meine angenehmsten Verbindungen aufheben, - 118 Die christliche Buße. lieber Alles wagen und dulden, als mich der Gefahr zu fündigen wieder freiwillig aussetzen. Keine Mühe sei mir zu schwer, kein Mittel zu hart, kein Opfer zu groß, wenn es zu meiner Besserung nothwendig ist. Ach! das Geschehene kann ich nicht mehr zurückrufen. Desto vorsichtiger und gewissenhafter muß und will ich in Zukunft handeln desto eifriger mich bestreben, das Unrecht, das ich gethan, zu verbessern, den Schaden, den ich meinen Nächsten an Leib oder Seele, an Ehre oder Gut, zugefügt haben mag, so gut ich kann, zu ersetzen; das gegebene Aergerniß durch einen desto erbaulicheren Lebenswandel zu tilgen; das Versäumte und Bernachlässigte mit verdoppeltem Eifer hereinzubringen. Bin ich nicht mehr im Stande, das lebel, das ich gethan oder veranlaßt habe, ganz zu vergüten, so will ich doch dafür so viel Gutes thun, als in meinen Kräften steht. Täglich will ich diese Vorsätze in meinem Gebete vor dir erneuern, o Gott! mit Betrachtung heilsamer Wahrheiten aus deinem Worte mich stärken dein heiliges Gesetz und meine höhere - Die christliche Buße. 119 Bestimmung nie aus den Augen verlies ren- die Schändlichkeit und die traurigen Folgen der Sünde, die sich in die lange Ewigkeit hinüber erstrecken, bedenken. Lebendiger Glaube an deine Gegenwart halte mich immer in stäter Wachsamkeit über mein Herz und Betragen. Die Furcht, dir zu mißfallen, und strafbar vor dir zu werden, ersticke jeden sündlichen Gedanken in meiner Seele. Dein Wohlgefallen, deine Freundschaft gelte mir mehr, als Alles, was mich zur Sünde reizen konnte! Herr, du kennst die Aufrichtigkeit, aber auch die Schwäche meines Willens! Ach, so oft schon habe ich Besserung versprochen und wie habe ich mein Gelübde gehalten?- Kaum glaube ich fest zu stehen, so sinke ich schon wieder. Wie wenig darf ich meinen besten Vorsätzen trauen! Diese traurige Erfahrung soll mich demüthig und behutsam, aber nicht kleinmüthig machen. Von dir unterstützt, vermag ich Alles, wenn ich nur ernstlich will. Du, der du mir den Willen gabst, verleihst mir auch die Kraft zum Vollbringen. Sa, Gott! ich will, durch deine Gnade werde ich's auch können. Amen. Die christliche Buße. Obgleich dein Vorsatz, oder der Wille, dich zu bessern, allgemein sein muß; so richte doch zugleich dein Augenmerk be sonders auf diejenige Sünde hin, welche dir zur herrschenden Leidenschaft und Gewohnheit geworden ist; welche dich zu vielen andern Vergehungen verleitet, welche dir am schwersten zu überwinden wird, und über die dir dein Gewissen die stärksten Vorwürfe macht. Gegen diese rüste dich täglich zum Kampf, und sei auf der Hut. Hast du diesen Hauptseind besiegt: so hast du schon fast ganz gewonnen. Ist die Hauptkrankheit, die Wurzel des Uebels gehoben, so bist du so viel als geneſen. 120 Neuegebet eines Christen, der sich zwar keiner vorsätzlichen, schweren Vergehungen, aber doch mancher Schwachheiten und Fehltritte bewußt ist. Herr, du weißt alle Dinge, weißt, daß ich dich liebe. Aber du kennst auch meine Schwäche im Guten, und die Flecken meines Tugendwandels; du kenneft auch meine ungeheuchelte Beküm Die christliche Buße. 121 merniß darüber. Du Urheber alles Guten, von dem alle Kraft zum Wollen und zum Vollbringen kommt, hast das gute Werk zur Besserung in mir angefangen; du hast mich vor manchen Ausschweifungen bewahret, denen ich mich soust bei jeder Reizung dazu überließ, oder überlassen haben würde; ich habe, von dir geleitet und gestärkt, schon einen merklichen Fortschritt auf dem Wege der Tugend gethan. O, wie danke ich dir, mein Vater! daß du mich von der traurigen Herrschaft der Sünde befreiet, und so viel Neigung, Trieb und Kraft zum Guten in mir hervorgebracht hast, als ich, ohne Selbstbetrug, in mir fühle. Aber ich fühle es doch noch täglich an mir, daß der Same der Sünde noch in meinem Herzen liegt; und um wie viel weiter hätte ich doch in meiner Besserung kommen können, wenn mich nicht so oft Leichtsinn und Trägheit anwandelte? Ach, vom Ziele der Vollkommenheit in der Tugend bin ich noch sehr weit zurück! Wie wenig habe ich seit geraumer Zeit in deiner Erkenntniß und in der wahren Weisheit zugenommen! Wenn gleich mein Herz gegen - 122 Die christliche Buße. - deine heilsamen Befehle sich nicht mehr empört, so befolge ich sie doch nicht alle so bereitwillig und genau, als ich sollte und könnte. Die sinnlichen Begierden haben noch so viele Gewalt über mich; o wann werd' ich sie schwächen? wann werd' ich Abneigung und Zuneigung, Haß und Liebe, Furcht und Hoffnung besser in Ordnung erhalten und regieren können? Ich weiß, daß du das Herz prüfest, und aufrichtig liebst. Dennoch hat sich schon oft mein Angesicht zur unrechten Zeit verstellt und mein Mund anders geredet, als mein Herz dachte. Wie schwer fällt es mir noch, Beleidigungen ohne Erbitterung zu ertragen, und Feinden Gutes zu thun! Wie ſauer kommt es mir an, die verläſterte Unschuld zu vertheidigen, wenn ich nur einigen Nachtheil davon zu befürchten habe!- Sch sollte, nach dem Beispiel meines göttlichen Lehrers, Sanftmuth gegen die Irrenden, Geduld gegen die Schwachen, die strengste Gerechtigkeit und uneigennützigste Menschenliebe gegen Alle beweisen. Aber meine Hitze ist doch noch zu auffahrend, meine Langmuth ermüdet zu bald, und blendende Vortheile - Die christliche Buße. 123 laffen mich nicht immer, nach meiner Neigung zur Billigkeit handeln.-- Was ist edler, als ein Herz, das frei von Neid und Stolz, Höhern ihr Glück nicht mißgönnet, die Niedrigen nicht verachtet, und das Wohl eines jeden Menschen für sein eigenes erkennt! Dieß erkenne ich; aber wie vieles hab' ich noch in meiner Seele auszurotten, bis dieser hohe göttliche Sinn einer allgemeinen großmitthigen Menschenfreundschaft tiefe Wurzeln in ihr schlagen, und die schönsten Früchte bringen wird. Heiliger Vater! wie fehlerhaft bin ich noch! Wenn ich gleich, ohne eitle Einbildung und Selbstgefälligkeit, glauben darf, so manche unter denen, die ich genauer fenne, im Guten zu übertreffen: wie weit muß ich so manchen Andern nachstehen, deren Beispiel mich beschämt und aufmuntert? Und was soll ich sagen, wenn ich an das Wort meines Jesus gedenke: ,, Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ¹st!" O wie müßt' ich zagen, wenn an dir nur einen strengen Herrscher und keinen Vater hätte, der Nachsicht mit seinen Jüngern trägt, und Fehler von Die christliche Buße. Verbrechen unterscheidet! Was würde aus mir werden, wenn ich bei meiner Fehlerhaftigkeit mir selbst überlassen bliebe! Wie viel schneller würde ich im Guten wieder abnehmen, als ich darin zugenommen habe! Aber du verzeiheft deinem schwachen Kinde, das nicht immer schwach bleiben will! du ziehest deine Hand nicht von mir ab. Stärke mich, und ja, du stärkest mich daß ich einen Fehler nach dem andern ablege; daß ich aus Liebe zu dir alles nur mögliche Gute mit immer größerer Leichtigkeit und Freudigkeit thue; daß ich eifriger zur Andacht und fester im Vertrauen zu dir werde, daß ich mich der Gerechtigkeit und Billigkeit gegen Jedermann noch mehr befleiße, noch lieber Alles thue und beobachte, was den Frieden erhalten und wieder herstellen kann, noch mitleidiger und gutthätiger gegen Arme und Hilfsbedürftige, noch uneigennütziger, demüthiger in meinem ganzen Betragen, noch geduldiger im Leiden werde. Stärke mich, daß ich jedem Trieb zum Guten gewissenhafter folge, jede Kraft dazu getreuer anwende und von deinen unzähligen Wohlthaten einen immer weiseren 124 - Die christliche Buße. 125 und heilsameren Gebrauch mache. Stärke mich, daß ich mich immer mehr selbst beherrsche; daß ich mehr auf jene vollkommene, als auf diese vergängliche Welt sehe, und die zeitlichen Güter immer richtiger beurtheilen und gebrauchen lerne, daß sie mir an der Erwerbung der ewigen nicht hinderlich, sondern vielmehr dazu behilflich werden. Diese Bitten und Wünsche sollen zugleich meine eigenen redlichen Vorsätze sein. Amen! sd didis Vergebung der Sünden. Ach, mein Gott! mit allen meinen Seufzern und Thränen kann ich keinen verschwendeten Augenblick feine unvorsichtige Rede und leichtsinnige Handlung zurücknehmen die bösen Eindrücke nicht tilgen, die fortwirkenden Folgen nicht hemmen, noch das Versäumte je ganz wieder einholen. Wie angstvoll wäre mein Zustand, wie nahe würde meine Neue an Verzweiflung grenzen, und zu welchen verkehrten Mitteln, dich zu versöhnen, würde ich vielleicht die Zuflucht nehmen, wenn ich deine väterlichen Gesinnungen nicht wüßte: Die christliche Buße. Dank sei es dem Lichte des Evangeliums, das alle bangen Zweifel und Srrthümer zerstreuet. Mit der tröstlichen Gewißheit kenne ich dich als einen heiligen liebenden Vater, der nur das Heil seiner Kinder, nur ihre Besserung will. 126 Nicht ängstliche Seufzer und Wehflagen nicht zwecklose Selbstqualen nicht Abbitte und Sündenbekenntniß können mir eine Gnade, der ich mich selbst beraubt habe, wieder erwerben. Auch durch milde Gaben und einzelne gute Werke wird das Uebel noch nicht gehoben, deine Freundschaft nicht erkauft, deine Gerechtigkeit nicht befriedigt. Du wirst nicht so bewegt und ausgeföhnt, wie Menschen, denn bei dir ist weder Rache noch Zorn. Du kannst von deidem heiligen Gesetze nicht weichen; ich muß mich darnach richten. Du bleibst immer eben derselbe; gleich gerecht und barmherzig. Du änderst deine Gefinnungen nie. Ich, ich muß die meinigen ändern, ich muß durch ernstliche Bes serung meines Herzens und Lebens mich dir wieder wohlgefällig, und der Glückseligkeit fähig machen, die du mir - Die christliche Buße. 127 bestimmt haft. So verzeihest du mir, mein Vater! So werde ich mit dir ausgejöhnt. Diese Besserung ist die Genugthuung, welche du forderst, und der Weg zu meiner Beruhigung. Thue ich nur, was ich kann, nach meinen besten Einsichten und Kräften, so wirst du mir gnädig nachlassen, was ich nicht mehr fann. Aber das darf ich von dir nicht verlangen, daß du mich als unschuldig behandelst; noch daß du durch ein Wunder deiner Allmacht alle traurigen Fol gen meiner Sünden und Thorheiten auf hebest, die sie nach deiner weisen Einrichtung nothwendiger Weise nach sich ziehen. Du bist ein eben so weiser als gütiger Vater. Auch deine sich beffernden Kinder müssen es fühlen, wie sehr sie gefehlt haben. Mit Demuth und Ergebung unterwerfe ich mich deiner göttlichen Ordnung. Habe ich doch den Trost, daß ich von der Schuld und ewigen Strafe der Sünde durch deine Barmherzigkeit frei bin. Alle zeitlichen, auch selbst verschuldete Leiden sind mir nicht mehr Strafen eines zürnenden Richters, sondern heilsame Erziehungsmittel in 128 Die christliche Buße. der Hand eines liebenden Vaters. Sie sollen mir keine Zeichen meiner Ungnade sein, sondern zur Besserung und Heiligung dienen, und sich einst in Trost und Freude verwandeln. Davon versichert mich deine höchste Güte, o Gott! und Alles, was Jesus zum Heile der Menschen gelehret, gethan und gelitten hat. Du sandtest ihn in die Welt, und gabst ihn in den Tod dahin nicht, daß er dich erst durch sein Blut zur Liebe gegen die fündige Welt bewegen sollte; du liebtest sie schon ehevor; aus Liebe gabst du ihn ihr zum Netter und Seligmacher. Und er stellte sich ihr als Mittler zwischen dir, den Heiligen und Gerechten- und zwischen uns fehlerhaften, strafbaren Geschöpfen dar, damit wir durch unsern unermeßlichen Abstand von dir nicht zurückge scheuet würden, sondern Trost, Muth und Zutrauen faßten. Auch mir ist durch ihn Gnade zugesichert; auch ich bin durch ihn von der Sünde erlöst, wenn ich ihr gänzlich entsage; und mit dir ausgejöhnt, wenn ich mich aufrichtig zu dir bekehre. Dann siehst du schon mit mehr Zufriedenheit und Wohlgefallen Die christliche Buße. 129 auf mich herab, und ich kann wieder mit mehr Zuversicht und Freudigkeit zu dir aufblicken. Ich trete wieder in die Rechte deiner guten Kinder ein, und ich kann ja ewige Seligkeit hoffen. Diese trostvolle Hoffnung macht mir Muth und stärket mich zur Erfüllung meiner Vorsätze, zum festen Fortschreiten auf dem Wege der Besserung und Tugend. Je mehr du mir verziehen haft, desto mehr muß ich dich lieben, mein Gott! Wie ich von dir Vergebung hoffe und wünsche, so sei auch von mir denen, die mich beleidiget haben, von ganzem Herzen verziehen und vergessen, und die Hand zur Versöhnung geboten. Ich will sie mit Sanftmuth und Liebe zu gewinnen, die Irrung aufzuheben, Böses mit Gutem zu vergelten suchen auch mit den Gebrechen und Fehlern meiner schwachen Mitmenschen Geduld, Mitleid und Nachsicht haben, wie du mit mir Sünder sie hattest, langmüthiger Verschoner! Und wo ich zur Besserung und Rettung, zum Trost und Nutzen meines Nächsten beitragen kann, da geschehe es von mir mit Liebe und Senfkörnlein. 9 130 Die christliche Buße. Freude; wie du dich meiner erbarmet hast. Amen! Die Beicht muß aufrichtig sein. Schamhaftigkeit ist gut; sie gehört selbst zur Buße. Schäme dich, Thorheiten begangen zu haben, damit du sie nicht mehr begehest; aber schäme dich nicht, sie deinem Seelenarzte zu gestehen, damit er dich davon heilen könne. Wähle dir, wenn es auf deine Wahl ankommt, einen Beichtvater, dem du es zutrauen kannst, daß er dich weislich und sicher leiten wird. Entdecke ihm dann den ganzen Zustand deines Gewissens, auch wenn es dir schwer ankommt, wenn du vielleicht wieder in die alten Sünden zurückgefallen bist. Gerade da bedarfst du seines Raths und Beistands am meiſten. Sollte er es nothwendig finden, mit der Lossprechung zurückzuhalten: so be dente, was sie dir ohne Besserung helfen, wie wenig sie dich beruhigen könnte? Er handelt aus Pflicht zu deinem Heile. Erwäge selbst die Gründe seiner Entscheidungen und Vorschriften. Haft du Zweifel und Bedenken, so trage fie Die christliche Buße. 131 mit Bescheidenheit vor, und bitte dir nähere Erläuterung aus. Nach der Beicht überlaß dich den Empfindungen der Neue, des Dankes und Vertrauens, denke den empfangenen Lehren, den vorgeschlagenen Mitteln, und zu treffenden Besserungsanstalten nach, und waffne dich mit Vorsicht und Standhaftigkeit zur Ausführung deiner guten Vorsätze. Gebet nach der Beicht. So habe ich mich nun wieder feierlich von der Sünde losgesagt, o Gott! und in deinem Namen die Lossprechung davon erhalten. Nie will ich dieser Gnade und des Versprechens, das ich dir gethan habe, wieder leichtsinnig vergessen. Sollte ich mich freiwillig wieder zum Sklaven der Sünde machen, und mit neuen Schulden beladen, nachdem ich kaum davon frei geworden bin? Nein, so schändlich und strafbar will ich nicht handeln. Da müßte mein Zustand immer schlimmer und endlich ganz unheilbar werden. bewahre mich, mein Gott!- Leite mich! Davor 9* 132 Die christliche Buße. An deiner Hand will ich den Weg der Buße und Tugend standhaft antreten und fortwandeln. Der Trost eines beruhigten Gewissens und deiner Güte, mein Vater! wird mir alle Beschwerden erleichtern, und überwinden helfen. Wie froh werde ich dir danken, wenn das Ziel erreicht, wenn Alles überstanden und vollbracht sein wird. Amen. Besserung. Wenn es dir in deiner Lage, nach deinem Temperament, nach deinen bisherigen Erfahrungen und Verhältnissen fast unmöglich scheint, deine zu mächtig gewordenen Leidenschaften und eingewurzelten Gewohnheiten zu bestegen: verzage darum nicht, lieber Mitchrist! Glaube nur fest, daß es sein kann, weil es sein muß. Gott, der das menschliche Herz geschaffen hat der auch das deinige kennt, und zwar besser als du selbst sagt und fordert es. Sollte dir sein Wort nicht mehr gelten, als alle Einwendungen der gegen Vernunft und Gewissen sich sträubenden Sinnlichkeit? Dem, der glaubt, ist Alles möglich. Glaube nur feft, daß du es mit Gottes - Die christliche Buße. 133 Beistand kannst, so wirst du dich auch stark genug fühlen, die größten Hindernisse zu besiegen: Das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube. Selbst der erhabene Paulus seufzte oft unter dem Gefühl seiner Schwäche im harten Kampfe. Doch sprach er mit Zuversicht: Ich vermag Alles durch den, der mich stärket. Epheser 4.- Bemäntle deine. Trägheit nicht mit dem Vorwande der menschlichen Schwachheit. Es kommt nur darauf an, daß du nicht immer schwach bleiben wollest. Erwecke die Kraft, die in dir ist, und wende sie mit weiser Entschlossenheit an. Du vermagst mehr, als du dir selbst zutrauest. Was kann der Mensch nicht, wenn er ernstlich will? Laß dich durch einige mißlungene Versuche nicht muthlos machen. Die Genesung von einer langwierigen Krankheit ist kein Werk eines Augenblickes. Oft noch wird die bekämpfte Leidenschaft sich regen, oft noch die Macht der Gewohnheit dich hinreißen, und zu Uebereilungen verleiten. Verhüte nur alle wissentlichen Ausbrüche; unterdrücke gleich anfangs jede aufsteigende böse 134 Die christliche Buße. Lust, sobald du sie merkest; hienach ist es zu spät. Halte nichts für Kleinigkeit, was dir gefährlich oder fündlich ist. Denke nie: ,, Nur dießmal noch; dann nimmermehr was wird es mir ein einzigmal schaden?" Ach schrecklich viel! - Eine einzige leichtsinnige Handlung gegen die Warnung deines Gewissens schlägt dich wieder weit, weit zurück, und zerstöret oft Alles, was du vorhin zu deiner Besserung gethan haft; all' dein Vorsatz, all' deine Kraft ist dahin. Du sinkest von der mühsam erflommenen Stufe wieder dem Abgrunde zu, wirst immer schwächer und schwächer, bis du endlich durch mehrere Rückfälle zage gemacht, Muth und Hoffnung ganz verlierst. Bringst du es aber dahin, daß du dir wissentlich keine Ulebertretung erlaubest; so hast du so viel als gesiegt. Wenigstens kannst du dich damit beruhigen, daß du thatest, was du konntest. Mehr fordert Gott nicht, und du darfst getroſt auf seine väterliche Nachsicht mit deinen unvorsätzlichen Fehltritten hoffen. Bereue und verbessere ste, nur so bald und so gut du kannst; schane mit einem Die christliche Buße. 135 demüthigen betenden Blick zu Gott auf; waffne dich mit neuen Vorsätzen, und werde desto vorsichtiger für die Zukunft, und aufmerksamer auf dich selbst, je weniger du deinem eigenen Herzen trauen darfst. Erneuere deine Vorsätze täglich im Gebete, und prüfe dich Abends, wie du fie gehalten haft. Bitte deine guten Freunde, daß sie dich erinnern, wenn du im Begriffe bist, deine gewöhnlichen Fehler wieder zu begehen. Setze dir selbst gewisse Zeichen, die dich, wenn du dich vergeffen solltest, wieder zur Besinnung bringen. Spüre den Ursachen deiner Seelenkrankheit und deiner Rückfälle nach, damit du die nöthigen Vorsichten und Gegenmittel zu gebrauchen wisseft. Uebe dich absichtlich, besonders in solchen Handlungen, welche deiner Lieblingssünde entgegen sind; gleichsam derselben zu Trotz. Solche Uebungen und Enthaltungen sind die wahren heilsamen Bußwerke, durch welche Besserung bewirket, dem Hang der Sünde Abbruch gethan, das Uebel möglichst wieder gut gemacht, 136 Die christliche Buße. und also der göttlichen Gerechtigkeit genug gethan wird. Se tiefer die Sünde gewurzelt hat, desto größer muß der Bußeifer oder die Anstrengung sein, um das Uebel vom Grund aus zu heben, und den Folgen Einhalt zu thun. Durch Leiden seine Sünden abbüßen, heißt und ist soviel, als: diese bitteren Arzneien zur Genesung der Seelen benutzen, durch Erfahrung weise werden sich dabei Gott ergeben, und mit chriftlicher Gelassenheit dulden. Stelle dir die Buße oder Bekehrung nicht als eine zu traurige Sache, als eine Absonderung von allem Lebensund Freudengenuß vor. Sie setzt dich vielmehr in den Stand, deines Lebens erst recht zu genießen und froh zu werden. Denn sie ist ja nichts anders, als der Zustand der Gen.sung. Welches Vergnügen wirst du haben, wenn du einmal mehr mit dir selbst zufrieden sein kannst: wenn dir dein redliches Bestreben gelungen, und dein Gewissen beruhigt sein wird wenn du dich durch einen Sieg um den andern immer gestärkter, von der tyrannischen Herrschaft Die christliche Buße. 137 der Sünde immer freier fühlen, des göttlichen Wohlgefallens dir immer sicherer bewußt sein wirst! Wie viel Gutes kannst du noch ausrichten, wie viel Böses hindern, wenn du jetzt gleich die Hand an's Werk legst. Welche belohnende Freude wirst du hier und dort daran haben. Nur der Anfang macht die größte Beschwerde. Aber jeder Aufschub vergrößert sie noch mehr; jeder Fortschritt erleichtert sie. Wie unersetzlich wird der Verlust und der Schade, je länger du säumest! - Welcher Leichtsinn, die allerwichtigste Angelegenheit der ungewissen Zukunft zu überlassen! Das sichere Kennzeichen der wahren Bekehrung ist weder die Empfindung einiger frommen Regungen, welche oft nur eingebildet, oder bald vorübergehend ist; noch Enthaltung von einigen Sünden, welche oft nur eine Folge von Mangel an Kraft, Gelegenheit und Reizung zur Sünde, ja noch mit einem geheimen Wohlgefallen verbunden, oder nur Üebergang von einer Thorheit zur andern iſt sondern das Bewußtsein veränderter Neigungen, und die Früchte desselben, 138 Die christliche Buße. namlich standhafter Widerstand gegen die Versuchungen, und fortschreitende Bes serung. Vor Zeiten waren die Kirchenbußen ſehr strenge und anhaltend; aber eben deßwegen auch desto wirksamer. Doch wurden sie manchmal eifrigen Büßern zum Theil, oder aus erheblichen Ursachen, auch ganz nachgelassen, oder in andere für gut befundene Werke verwandelt. Dieß ist der Ursprung der Ablässe, welche mit der Zeit sich immer mehr vervielfältigten, und die alten Kirchenbußen bei zunehmender Lauigkeit der Christen und veränderten Umständen ganz in Bergessenheit brachten. Ablässe können aber nur wahren Büßern zum Trost und Nutzen gereichen, indem sie solche von der ängstlichen Besorgniß befreien, jene nach der alten Kirchenzucht verschuldete Strafen in der andern Welt abbüßen zu müssen. Je vollkommener die Besserung, desto bekommener der Ablaß. Wierter Abschnitt. Kommunion- Andacht. Der Tisch des Herrn. Vorerinnerung. Die Anweisung dazu gibt Paulus. 1. Kor. 11. o oft ihr dieses Brod esset, und aus diesem Kelche trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommt. Das heißt: Ihr sollt mit Lob und Dank das Andenken eueres Erlösers feiern, die Grüße seiner Liebe betrachten, mit der er sich für euch in den Tod hingab; euern Glauben an ihn bekennen, und seiner Wiederkunft als Nichter und Belohner entgegen sehen." Siehe da zugleich die Pflicht und die Absicht dieser heiligen Handlung. Wie ehrwürdig und wichtig soll sie den Christen sein? Wie kann sich ein Verehrer Jesu aus Kalt- und Leichtsinn, und allerlei Vorwänden derselben entschlagen? - 140 Vorerinnerung zur Kommunion. Allein es kommt nicht darauf an, wie oft, sondern wie man dabei erscheine. Wer jene Absicht aus den Augen setzt, wer mit ungebeffertem, unheiligem Sinn hinzutritt, und also ,, unwürdig von diesem Brode ist, und aus diesem Kelche trinkt, der verfündigt sich an dem Leib und Blut des Herrn." ,, Es prüfe sich also der Mensch zuvor selbst, und dann komme er und effe" 2c. Außer der allgemeinen Erforschung des Gewissens, welche zur Beicht gehört, wird hier noch ein eigenes Nachdenken über die Absicht und Gemüthsverfassung, die man zum würdigen Genuß des heiligen Abendmahls mitbringen muß, erfordert. ,, Wie ist dein Glaube an Sesum, deine Liebe zu ihm und deine Andacht beschaffen? Was bewegt dich, heute an seinen Tisch zu kommen? Was soll die Frucht davon fein?" ,, Wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht hinein," zieht sich Strafe und Ungnade zu, weil er den Leib des Herrn von einer gemeinen Speise nicht unterscheidet, und sich durch sein ehrfurchtloses Betragen 141 Vorerinnerung zur Kommunion. des gröbsten Undankes und Mißbrauches schuldig macht. Ach! so viele Beichten und Kommunionen, und so wenig Besserung! Sei aber darum nicht zu ängstlich, guter Chrift: wenn du bei deinem redlichsten Bestreben noch immer Fehler der Uebereilung, die Macht alter Gewohnheit und Folgen deiner ehemaligen Vergehungen zu beseufzen hast, oder wenn du die Empfindung der Andacht nicht in deiner Gewalt haft. Demüthige dich vor Gott und Jesu. Seine Gnade ist größer, als deine Unwürdigkeit. Er sieht nur auf den redlichen Willen. Das Gefühl deiner Gebrechen soll dich nicht abhalten, sondern vielmehr bewegen, seiner Einladung zu folgen. ,, Kommet zu mir," sagt er, ,, ich will euch erquicken." Wie das gemeine Brod dem Leib Nahrung, Wachsthum und Stärke gibt, so wirkt dieses Himmelsbrod auf die gehörig zubereitete Seele. Es nähret, vermehret und stärket die Kraft und Neigung zur Tugend die Liebe zu Gott und Jesu; und zu unsern miterlösten Brüdern vereinigt uns innig mit 142 Gebet vor der Kommunion. beiden, und erquicket uns mit göttlichem Trost, indem es das Unterpfand unserer Begnadigung und Seligkeit ist. Der Kommuniontag soll dir ein Ehren- und Freudentag sein. Erheitere dein Gemüth und stimme dein Herz zur heiligen Freude. Gib es zu erkennen, wie froh und selig das Christenthum macht. Gebet vor der Kommunion. Ich komme also nun, mein Jesu, an deinen heiligen Tisch, zu dem du uns so liebreich eingeladen haft. O daß ich es auch recht zu Herzen fasse, was ich jetzt thue, was ich empfange. Es ist das heiligste Sakrament deines einst für uns getödteten Leibes und vergossenen Blutes, das ewige Denkmal deiner Liebe, durch welches du immer auf's Innigste bei uns sein willst. Ich lege durch meinen Hinzutritt das öffentliche Bekenntniß ab, daß ich an dich glaube, ob ich dich gleich nicht sehe; daß ich dich als meinen Erlöser und Seligmacher erkenne, verehre und liebe. Herr, du kennest mein Herz; siehst, ob es mit dem, was ich äußerlich zeige, Gebet vor der Kommunion. 143 übereinstimmt du weißt, ob ich dich aufrichtig liebe. Ach, längst sollte meine Liebe zu dir, der du für mich littest, und starbst, die eifrigste sein, und sie ist noch immer so lau. Ich sollte aus Dankbarkeit für das, was du für mich gethan und gelitten hast, mit Freuden Alles thun, was du von mir verlangst; und es ist noch so wenig geschehen und dieß wenige so unvollkommen, so fehlerhaft. Ich sollte ohne Anstand allem entsagen, was dir zuwider ist, ja selbst mein Leben hingeben, wenn der Wille Gottes es forderte, wie du es hingabst: und es kommt mir noch so schwer an, auch nur so manche schnöde Lust, so manchen kleinen Vortheil fahren zu lassen. Ich sollte der Tugend und Pflicht, wie du, getreu bleiben bis in den Tod; und ich weiche so oft von ihr ab, wenn ich ihr auch nicht ganz abtrünnig werde. Du warst unter den grausamsten Mißhandlungen und Schmerzen in der tiefsten Angst und Verlassenheit, so gottergeben, so geduldig, jo sanft, so leicht verzeihend, so liebreich; und ich bin bei kleinen schmerzhaften Empfindungen und geringen Beleidigungen - Gebet vor der Kommunion. ja sogar im Wohlstand oft fo mürrisch und unzufrieden, so ungeduldig, so hartherzig, so schwer versöhnlich, so liebeleer. Längst hättte mich das Andenken an deinen Tod, und der heilige Satramentsgenuß vollkommener, dir ähnlicher machen sollen- und, ach, wie muß ich mich schämen! ich bin noch so weil davon entfernt! Aber du kommst meiner Schwachheit mit erbarmender Liebe entgegen, und bietest meiner Seele an diesem geheiligten Brode eine stärkende Nahrung an. Du rufest uns zu: Kommet zu mir, die ihr unter der Last eurer Mühseligfeiten seufzet, und ich will euch erquicken. Deine Gnade ist größer, als meine Unwürdigkeit. Wenn du nur redlichen Willen, ernstliches Bestreben, immer beffer zu werden, und dir nachzufolgen, fehnliches Verlangen nach der Vereinigung mit dir, bemerkest: so hältst du mich, auch bei meinen Gebrechen und Mängeln, deiner nicht unwerth. Du reichest mir in diesem Sakramente das theuerste Unterpfand meiner Begnadigung dar. So wahr du für mich gestorben bist, und nun im Himmel lebst: so soll auch 144 - Gebet nach der Kommunion. ich ewig leben mit dir um deinetwillen. Wie ich jetzt an diesem göttlichen Mahle Antheil nehme, so soll ich auch deines Verdienstes, deiner Liebe theilhaftig werden. O, gib mir die ganze Größe dieser Liebe zu erkennen, mein Jesus, daß ich dich wieder liebe, wie du mich zuerst geliebt haft, Bester, Liebenswürdigster, Einziger! Wie du dich für mich hingabst, so ergebe ich mich dir. Dir will ich anhangen und folgen auf allen Wegen; nichts soll mich von deiner Liebe scheiden ewiglich. 145 Gebet nach der Kommunion. Jesus! du bist bei mir!- Du bist mein Herr, und ich bin dein. Mit tiefer Ehrfurcht bete ich dich an, und demüthige mich vor dir. den Herrn meiner Seele, und vergiß Preise ewig nicht der Gnade, die dir zu Theil geworden ist. Was konnte deine Liebe, o Herr! noch mehr thun? kann ich sie nicht; nur glauben, anbeten Ergründen und danken! Wie soll ich dir alle diese Liebe vergelten, mein Sesu! Nur daß ich mir, Senfkörnlein. 10 146 Gebet nach der Kommunion. was du für mich gethan haft, zu Nutzen mache, gut und selig zu werden trachte, berlangst du von mir Das soll mein Dank und die Frucht meiner Andacht ſein. Bei deinem heiligen Leibe und Blute schwöre ich dir Glauben und Treue zu, und ernenere mein Taufversprechen. Deine Lehre, dein Beispiel soll alle meine Gesinnungen, Reden und Handlungen leiten. So will ich meinen Glauben an dich durch mein Leben bekennen, und so wird das Verdienst deines Todes mein Trost sein, wenn meine Sünden mich kränken, wenn mir Noth zustößt, wenn die Furcht des Todes mich ängstigt. Durch dich kann ich Vergebung, Heil und Seligkeit hoffen. Wie du, Mittler zwischen Gott und den Menschen, die ganze Welt mit gleicher Liebe umfasseft, und dich Allen mittheilst, die sich nach dir sehnen, so will auch ich keinen Menschen von meiner Liebe ausschließen; auch meinen ärgsten Feind nicht. Du hast sie ja auch deinen Mörder nicht versagt. Für Alle hast du dieses Liebesmahl eingesetzt; Alle ladest du, wie Kinder eines Vaters, an diesen Gebet nach der Kommunion. 147 heiligen Tisch, wo tein Unterschied zwi schen Reichen und Armen, Hohen und Niedrigen ist. Hier erscheinen wir alle gleich vor dir, als deine Erlösten, als Brüder; hier vereinigst du uns durch das Band der Liebe, und stiftest Gemeinschaft zwischen uns und dir. Liebe ist dein Hauptgebot; daran soll man erkennen, daß wir Christen find, wenn wir einander lieben, wie du uns geliebt haft. Frieden und Eintracht erhalten und fördern; dienen, helfen, wohlthun Jedem, der es bedarf, so gut ich's vermag das sei mir bei jeder Gelegenheit angenehme und heilige Pflicht. - Sollte ich mich von der Sünde, sei's, welche es wolle, wieder beherrschen laffen, da du durch deinen Tod mich davon erlösen wollteft? Sollte ich nicht freudig Gottes Willen thun, wie du ihn gethan haft? Darf ich von deinem Tische hinweggehen, in der Einbildung, durch meine Andacht Nachlässigkeiten in meinem Dienst und Beruf vergütet zu haben? Muß ich nicht vielmehr um desto eifriger werden in Allem, was mir in meinem Stand und Amt obliegt, nachdem ich 10* 148 Gebet nach der Kommunion. durch dieses Brod des Lebens gestärket bin? Du unschuldiger Sohn Gottes! haft mehr gelitten, als ich strafbarer Sünder leide, und leiden werde, so lange ich lebe. Dir gelobe ich gottergebene Geduld in meinen jetzigen und künftigen Leiden. Ja, ich will selbst den Todesfelch einst desto getroster trinken, weil du ihn auch trankst; ich will mit dir sterben, damit ich mit dir lebe. Sollte mich der Tod von dir scheiden, der mich nur näher mit dir vereinigen soll? Hilf, daß mir der getroste Muth des Glaubens nimmer entfalle! O selige Kommuniondacht, wenn ich diese Früchte des Glaubens, der Liebe, der Geduld, der Hoffnung von ihr einsammle! Wie gestärkt, und wie reichlich begabt, kann ich zurückkehren! Und wenn ich wieder hieher komme, um den Genuß des heiligen Mahls zu wiederholen, und dann meinem Gott feine Vergehungen, sondern nur Schwachheiten und Fehltritte abbitten darf, wie sie ein gutes Kind den besten Vater abbittet- wenn ich dann vor deinem Angesichte, ohne Betrug der Eigenliebe sagen darf: Gebet nach der Kommunion. 149 ,, So weit brachte ich es durch die Kraft deines Todes, seit meiner letzten Kommunion, in meiner Besserung und Heiligung, liebster Jesus!" Wie herzlich will ich dir dafür danken! Bereinigung mit Jesus. 1. Entweicht, ihr Kinder rasender Dämonen, Entfliehe Rachsucht, fliehe Lüsternheit. O meine Seele, Gott will in dir wohnen, Ihn zu empfangen, mache dich bereit! Stärk' mich, Vertrauen auf des Himmels Güte, Und stille Demuth, du verlaß mich nicht. Komm' heil'ge Sanftmuth, nahe, hehrer Friede, Beselige mein Herz mit deinem Licht! Er kommt, er kommt, ihm schlägt mein Herz voll Liebe, Ihm jauchzet laut das Innerste der Brust. daß mir ewig seine Liebe bliebe, O wär' ich seiner Huld mir stets bewußt! du, den ich zu meinem Theil erwähle, Dem sich zum Opfer dieses Herz will weih'n, Du Bräutigam, es harrt auf dich die Seele, OKönig ew'ger Wonne, ziehe ein! 2. So hab' ich dich, mein höchstes Gut, gefunden, Und voll Entzücken nenne ich dich mein. Jesus, dessen Liebe ich empfunden, Laß meine Seele deinen Tempel sein. 150 Gebet nach der Kommunion. In meinem Herzen bist du neugeboren: Dort hebt sich dir ein neuer Weihaltar. Zum König hat dich dieses Herz erkoren, Das früher noch in Todesbanden war. Verschmelzen laß an deiner Liebe Gluthen Die Eisesrinde, die mein Herz umzieht, Verscheuch' der wilden Leidenschaften Fluthen, Mach' weich das stahlumpanzerte Gemüth! Wasch' mich, Erlöser, rein in deinem Blute, Befrei' mein Herz von meiner Sündenschuld, O stärke mich mit neuem Lebensmuthe, Und zeig' dem Kinde deine Baterhuld! 52 Fünfter Abschnitt. Besperandacht an Sonn- und Feiertagen. Ein königliches Harfenspiel. Eingang. V. Mein Gott! hilf mir beten! B. Hilf uns deinen heiligen Namen loben und preisen! V. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! R. Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. Kommt, laßt uns frohlocken vor dem Herrn, laßt uns das Lob unsers gütigen Gottes befingen! Laßt uns ihm unsern Dank darbringen, ihm unsere Freude in Lobliedern bezeigen! Laßt uns den Herrn anbeten, laßt uns vor ihm niederfallen und auf den Knieen um seine Hilfe flehen! Vesperandacht an SonnDenn er ist der Herr, unser Gott; wir sind seine Kinder, welche er leitet. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. 152 Erster Pfalm. Lobe, lobe meine Seele, den Herrn! Alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen! Gut und heilsam ist es, den Ruhm des Herrn zu verkündigen, den Namen des Allerhöchsten zu befingen. Darum will ich ihn allzeit preisen; sein Lob soll immerdar in meinem Munde ſein. Ja, erheben will ich dich, mein Gott und mein Herr! deinen Namen will ich preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Groß ist der Herr; unendlich sein Ruhm, und unbegreiflich seine Größe. Treu ist Gott in allen seinen Verheißungen, heilig ist er in allen seinen Werken. Liebreich ist der Herr gegen Alle; seine Barmherzigkeit spricht sich in allen seinen Werken aus. und Feiertagen. 153 Gott! alle deine Werke müſsen dich loben, und deine Kinder deinen Ruhm verbreiten. Meine Seele lobe den Herrn; Alles, was athmet, verherrliche seinen Namen! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. Zweiter Psalm. Herr, ich rufe zu dir, erhöre meine Stimme; erbarme dich meiner, und sei mir gnädig! Erhöre mich, o Herr! deine Güte ist ja unendlich; handle an mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Ich suche nicht hohe Dinge, welche meine Kraft übersteigen; gib mir nur Einsicht, deine Gebote zu halten, so bin ich glücklich. Zeige mir den Weg, welchen ich wandeln soll; denn zu dir habe ich meine Seele erhoben. Mache mir deine Gebote recht deutlich, und lehre mich deinen heiligen Willen genau vollziehen. Vesperandacht an SonnLeite mein Thun und Laffen nach, deinem göttlichen Worte, und gib nicht zu, daß ich in Sünden lebe. 154 Unterdrücke in mir jede aufkeimende Neigung zum Bösen; deine Güte und deine Batersorgen leiten mich allenthalben! In deine Hände lege ich die Angelegenheiten meiner Seele; sei du, getreuer Gott, ihr Retter! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. Dritter Pfalm. Danket dem Herrn, ihr Bewohner der Erde! danket ihm; denn seine Güte währet ewig. Bestrebet euch, ihm mit Freude zu dienen; denn seine Vatersorge höret nie auf. Erscheinet vor ihm mit Dankliedern; von Freude durchdrungen rühmet ſeine Güte! Wisset! der Herr hat uns erschaffen; nur von ihm kommen wir; wir sind sein Volk, wir sind seine Kinder, für welche er forget. und Feiertagen. 155 Nach seinem Ebenbilde hat uns der Herr erschaffen; und uns eine Seele verliehen, welche unsterblich ist. Gott! was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst? Was sind die Kinder der Menschen, daß du ihrer so achtest? - Nur wenig sollten sie den Engeln nachstehen, war dein Wille; deswegen ziertest du sie mit Ehre und Herrlichkeit. Besorgt für uns, gabst du den Engeln den Auftrag, daß sie uns auf allen unsern Wegen behüten. Ja, so sehr liebtest du die Menschen, daß du selbst deinen göttlichen Sohn zur Rettung derselben gabest. Wie soll ich also dem Herrn danken für so viele Wohlthaten, welche er mir erwiesen hat? Liebe, liebe meine Seele! den Herrn; alle deine Empfindungen drücken Liebe und Dankbarkeit gegen ihn aus! Nur in der Seele desjenigen wohnet dankbare Liebe gegen Gott, der Gottes Gebot getreu erfüllet. Sohne, Ehre sei dem Vater, und dem und dem heiligen Geiste! Besperandacht an SonnWie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. 156 Bierler Psalm. Selig ist die reine, unschuldvolle Seele, welche Gottes Gebote mit kindlicher Treue beobachtet. Selig ist der Mensch, der den Willen seines gütigen Vaters fennt, und denselben mit Freuden vollziehet. Er begründet dadurch nicht nur seine Glückseligkeit für dieses Erdenleben; seiner wartet der schönste Lohn in der Zukunft. Wie sehr wünschet meine Seele des Herrn Gesetz umfänglich zu wissen; wie sehr wünschet sie nach demselben zu leben! Ja, Herr! nur dir wünschte ich zu gefallen; auf deinen Wegen zu wandeln, follte meine einzige Freude sein. Laffe daher nicht zu, daß ich deine Gebote vergesse, oder von denselben abweiche. Tief in meinem Gemüth will ich deine Worte bewahren, damit nicht Leichtsinn mich zu Fehltritten fortführe! d dim und Feiertagen. 157 Schon in der heiligen Taufe machte ich den Bund, nur an dich zu glauben, nur auf dich zu hoffen, nur dich zu lieben. Ich habe dieses Versprechen erneuert, als ich zum ersten Male zu deinem heiligen Tische trat. Ich will halten, was ich versprochen habe; ich will mich allzeit nach deinem heiligen Gesetze richten. Ich hasse alle Bosheit: ,, weichet von mir, die ihr Böses im Sinne führt!" ich liebe die Lehre des Herrn, und setze mein ganzes Vertrauen auf sein Wort. Diesem Worte will ich treu bleiben, so lange ich athme; bis zu meinem Tode will ich Bosheit und Lüge verabscheuen. D Herr! unterstütze diesen meinen Vorsatz, denn die Schwäche des Menschen bedarf deines Beistandes. - Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. 158 Vesperandacht an SonnFünfter Psalm. Auf dich, o Herr! setze ich mein Vertrauen, du wirst dasselbe durch deine Barmherzigkeit befestigen. Jeder Augenblick des Menschen ist mit Spuren deiner Vorsorge bezeichnet; von dir kommt alles Gute. Meine Hilfe kommt von Gott; er ist meine Stütze, mein Beistand und mein Rathgeber. Der Herr ist mächtig und reich an Güte: er hat sogar die Haare unseres Hauptes gezählet. Er weiß: wir sind aus Staub gemacht; er nimmt sich uns'rer Schwäche an. So wie ein gütiger Bater sich seiner Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr unser. Könnte auch die Mutter ihres Kindes vergessen, so vergißt doch Gott meiner nicht. Gott hat Alles wohl gemacht: sein Handeln ist Weisheit: selbst seine Züchtigung ist Liebe. So geschehe denn in Allem sein heiliger Wille; in Allem lasset uns Gottes Vorsehung anbeten! und Feiertagen. 159 Ehre sei dem Vater, und dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. V. Wachet und betet! B. Damit ihr nicht in Versuchung fallet. Magnifikat. Dich, Ewiger! preifet meine Seele, und rühmet ewig deine Huld und deine Güte. Wir schmachten sehr unter der Last der Sünde; wir waren dem Verderben ganz nahe. Da sahest du erbarmend auf uns nieder; und versprachst gnädig, uns zu retten. Du sandtest in dieser Absicht deinen Eingebornen; wie du es den Vätern verheißen hattest. Er war das Opfer der Versöhnung, der Versöhnung für unsere Bergehen. Er ging für die Sünder in den Tod! Wir haben durch seinen Tod das Leben; sind durch ihn wieder deine Kinder. Besperandacht an SonnWir wollen nun nach seinem Beispiele wandeln; wir wollen seine heilige Lehre befolgen. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Wie es war in dem Anfange, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. V. Und führe uns nicht in Versudung; R. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. 160 Gebet. O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung ihrer Sünden, damit sie durch unser demüthiges Gebet die Nachlaffung derfelben, welche sie allzeit gewünscht haben, erhalten mögen, und in die Wohnungen der Seligen aufgenommen zu werden verdienen, wo du lebeft und regiereft mit Gott dem Bater, in Einigkeit des heiligen Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. und Feiertagen. 161 Salve Regina. Gegrüßt seist du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit und unsere Hoffnung sei gegrüßt! Zu dir schreien wir elende Kinder Eva's, zu dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thal der Zähren. Ja, unsere Fürsprecherin! wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeiete Frucht deines Leibes; o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V. Bitt' für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir der Verheißungen Christi würdig werden. Schlußgebet. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlischer Vater, dessen Größe und Güte, Allmacht, Weisheit und Gerechtigfeit ich so eben in dieser Vesperandacht bewundert und gepriesen habe! verleihe mir gnädig, daß das schöne Bild der Gottheit ewig vor meinen Augen schwebe, und ich mich lebhaft stets an deine AllSenfkörnlein. 11 162 Vesperandacht an Sonntagen 2c. gegenwart erinnere, damit nimmermehr die Sünde Wohnung in meinem Herzen nehme. Erbarme dich meiner, o Herr! erbarme dich meiner. Deine Barmherzigkeit ſei über uns, gleichwie wir unser Vertrauen auf dich gesetzt haben. Deiner unendlichen Majestät sage ich Dank für die Gnade, die du mir anjetzt wieder ertheiltest. O möchte dir diese meine Andacht, gütigster Gott! gefallen, damit sie mir eben so zum Heile, als auch zum Troste meiner Seele sein möge. Gib, o Herr! daß ich den übrigen Theil des Tages noch recht fromm und gut zu deiner Ehre, wie auch zur Erbauung und zum Nußen Anderer, zubringen wolle. Amen. CE SUN Bechster Abschnitt. Gebete an den Festtagen des Herrn und zu verschiedenen Beiten. Ein goldener Ring der Erwartung. Gebet im Advent. " 1 Es ist Zeit vom Schlafe zu erwachen, denn unser Heil ist nahe. Die Nacht ist vorüber, und der Tag ist angebrochen. Weg also mit den Werken der Finsterniß. Wandeln wir ehrbar, wie am hellen Tag ohne Fraß und Völlerei, ohne Buhlschaft, ohne jede Unteuschheit, ohne Zank und Neid." Paul. zu den Röm. XIII. Kap. 11.- 13. V. - Der Herr und Heiland ist erschienen, D'rum ruf' mein Herz mit Daukesthränen: Komm', Licht der Welt, erleuchte mich! Daß ich erkenn' und liebe dich. Du hast uns zwar, o gütigster Gott! gleich nach dem Falle der ersten Men 11* 164 Gebet im Advent. schen einen allmächtigen Heiland und Erlöser verheißen, der uns von allem Sündenelende und Verderben heilen, der uns von der Schuld und Strafe der Sünde, von Finsterniß und der Macht des Satans und dem ewigen Tode und Untergang befreien, uns den Himmel wieder aufschließen, dein Ebenbild in nns, o Gott! erneuern, dein Wohlgefallen an uns, deinen Segen und Gnade über Gnade uns bringen werde! Aber ach! wie lange mußten die Menschen nicht auf den Empfang dieser Gnade, auf die Ankunft ihres Erlösers warten? Gegen viertausend Jahre seufzten und beteten sie um ihn. Alle Propheten schilderten schon mehrere Jahrhunderte die erhabene Person dieses theuren, verheißenen Erretters. Sie nannten ihn den Wundervollen, Gott voll Kraft, Gott mit uns; den Sohn des Allerhöchsten, den Auserwählten Gottes, den Gesalbten des Herrn, den Friedensfürsten, den hohen König, der aus David's Geschlecht hervorgehen, deſsen Reich sich über die ganze Erde verbreiten und Ewigkeiten hindurch dauern sollte, dem sich noch alle Völker unter Gebet im Advent. 165 werfen, vor dem alle Könige der Erde die Kniee beugen würden, dessen Ausgang vom Anbeginn und von den Tagen der Ewigkeit her ist. Und nun sind es schon mehr als achtzehn Jahrhunderte, daß der Heiland auf Erden erschienen ist. Er hat Licht und Gnade, Freude, Trost und Segen mit sich auf die Welt gebracht. Denn die Schwachen hat er gestärkt, die Kranken geheilt, und Todte wieder zum Leben erweckt. Eine Quelle des Heiles und der Seligkeit ist er Allen geworden. Freue dich also, meine Seele! und du, mein Geist frohlocke, denn die Nacht ist vergangen und der Tag ist angebrochen. So laßt uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anziehen die Waffen des Lichtes. Darum schmücke dich herrlich, meine Seele! Erhebe dich aus dem Staube! Reiß dich los von deinen Banden! denn also spricht der Herr: ,, Mein Volk soll meinen Namen kennen zu der Zeit; denn siehe! ich selbst will reden.", so komme denn, du Herzenslenker! mein liebster Heiland! laß mich die gesegneten Früchte deiner Ankunft tief in meiner Seele empfinden! Erleuchte und stärke mich, daß ich dich 166 Gebet im Advent. und deine heilige Religion immer mehr erkennen, immer höher schätzen, zärtlicher lieben, nach ihren Vorschriften, nach deinem allerheiligsten Willen handeln und wandeln, leben, leiden und sterben möge. Ja, ich will mich alles Unheiligen und Bösen in dieser heiligen Zeit sorg fältigst enthalten; mein Gewissen will ich durch Bußwerke von Sünden reinigen, und mich des Guten, besonders der Ehrbarkeit, Nüchternheit und Frömmigkeit bestens befleißen. Immer will ich daran denken, was für große Gnade des Himmels und welch' ein Glück es sei, daß Jesus, der Sohn Gottes, für uns Mensch geworden, um uns vom ewigen Tode zu retten, und uns heilig und einst selig zu machen. O, für diese so hohe Gnade danke, lobe und preise ich dich, gütigster Ba ter! und bitte dich recht herzlich, daß du sie weder an mir, noch an andern wollest verloren gehen lassen, damit durch die Kraft und das Uebermaß deiner Erbarmungen unsere Erlösung be schleunigt werde, durch Jesum Chriftum, unsern Herrn und Heiland. Amen. Gebet im Advent. Der Gruß des Engels. Meine Seele auf, und singe, Hoch in deinem Gott erfreut! Ihm, dem Schöpfer aller Dinge, Sei ein frohes Lied geweiht. Freu' dich innig, denn gekommen Ist die schöne, gold'ne Zeit, Die zum Troste seiner Frommen Gott vom Anfang prophezeit. Sieh', vom hohen Himmel schwebet, Gottes Engel schön und mild; Hin zur Hütte, wo sie lebet, Sie, der reinsten Unschuld Bild. Knieend, um vor Gott zu beten, Höret sie des Engels Gruß, Mit jungfräulichem Erröthen Hört sie Gottes hohen Schluß: ,, Sieh', der Herr, der Eingeborne, Er, des Allerhöchsten Sohn, Kommt zu retten das Verlorne, Jetzt herab von Gottes Thron; Daß die Menschheit selig werde Und von ihren Sünden rein, Wird er selbst ein Mensch auf Erden, Du wirst seine Mutter sein." Und die Reine ohne Mängel, Sie, des Höchsten treu'ste Magd, Spricht voll Demuth zu dem Engel: Mir gescheh', wie du gesagt." Hochentzückt von Himmelsfreude, Die ihr ganzes Herz durchdrang; Bringt die Hochgebenedeite Gott den schönsten Lobgesang. 167 168 Gebet an Weihnachten. Auf, und laßt mit ihr uns singen, Uns mit ihr in Gott erfreu'n; Dank dem Welterlöser bringen, Ganz ihm uns're Herzen weih'n! Ihn durch Wort und That erheben, Wie sie's that ihr Leben lang! Denn ein heilig, göttlich Leben Ist der schönste Lobgesang. Gebet an Weihnachten. Jesukindlein ist geboren!" Scholl es von des Himmels Thoren Nieder zu der Hirten Ohren, ,, Gehet hin, und betet an, Was der Herr für euch gethan!" Mit Staunen und Beben vernahmen diese Stimmen unsichtbarer Geister die einfachen Söhne der Natur, die auf Bethlehem's Triften ihre Schafheerden zur Nachtzeit weideten. Noch wechselten die Zusammengetretenen Furcht und Zweifel verrathende Blicke, als plötzlich ein Engel, in die Herrlichkeit Gottes gehüllt, sichtbar vor ihnen stand, und ihre Furcht und Zweifel mit den freundlichen Worten besiegte: ,, Fürchtet euch nicht; denn hört, ich bringe euch eine Kunde, die alles Volk mit unendlicher Freude erfüllen wird. Diese Nacht nämlich ist in der Stadt David's der längsterwartete Heiland geboren worden, der da Gebet an Weihnachten. 169 Christus, der Herr ist. Eilet demnach dahin, und laßt euch dieses zum Wahrzeichen dienen: In einer Krippe werdet ihr, in Windeln gehüllt, ein Kindlein finden dieses ist es, dieses betet an!- Mit geflügelten Schritten eilten nun die Hirten gegen Bethlehem, und vernahmen auf dem Wege dahin von Neuem die Chöre unsichtbarer Geister über sich, die mit fröhlichen Stimmen fangen: ,, Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines reinen Willens sind." Als sie die große Schafhürde bei der Stadt erreichten, drang ihnen aus dem dunklen Winkel derselben ein nie gesehenes, himmlisches Strahlenlicht entgegen. Leise traten sie näher. D, welch ein Anblick bot sich ihnen nun dar! In der Höhlung der schlichten Krippe lag und schlief, in einfache Windeln gehüllt, ein Knäbchen so süß und freundlich, wie der junge Marientag auf dem Rosenbette des Morgenhimmels. Ueber das schimmerumwebte Haupt des göttlichen Kindleins neigte sich eine zarte Frauengestalt mit stiller Freude und zärtlicher Sorgfalt im Blicke, und zu den Füßen des 170 Gebet an Weihnachten. selben kniete, in Anbetung verfunken, ein Mann voll Ernst und Würde. Voll Ehrfurcht stürzten nun auch die frommen Hirten auf ihre Kniee vor der Krippe, wie vor dem Altare des Allerhöchsten, nieder, und priesen in der Demuth ihrer Herzen das himmelherabgekommene Heil der Welt. Wie treulich, o Herr! hast du dein Versprechen gehalten; wie treulich und genau erfüllt, was deine heiligen Seher über die Geburt des versprochenen Weltheilandes geweisfaget. Dein eigener, eingeborner Sohn das Wort, das im Anfange war, bei dir war, und Gott selbst war mußte sich verkörpern, Fleisch werden, um der Welt das verheißzene und erwartete Heil zu bereiten. Eine unbekannte Jungfrau aus dem Stamme David's mußte auf eine wunderbare und anbetungswürdige Weise empfangen und einen Sohn gebären, dessen Name Emanuel( Gott mit uns) ist. Und Bethlehem Ephrata war nun nicht die kleinste und unberühmteste un ter den tausend Städten in Juda: denn von ihm war ausgegangen der ewige Beherrscher Israels! Gebet an Weihnachten. 171 Welche namenlose Wohlthaten hast du aber, o Herr und Vater, durch diese Erfüllung deines Versprechens, durch dieje Geburt deines Sohnes dem Menschengeschlechte erwiesen! Was wäre aus dem Fluchbeladenen geworden, wenn Jesus, den du von Ewigkeit her gezeuget, nicht die gebrechliche Hülle eines Menschen auf sich genommen hätte? Er aber, der Göttliche, nahm sie auf sich, und mit ihr die Schuld der gesammten Menschenwelt. Unbefleckt von der Erbsünde wurde er geboren, um uns davon erlösen zu dürfen. In Armuth und Dürftigkeit erblickte er das Licht der Erde, um uns zu bereichern an Gnade in der Zeit und Ewigkeit. Preis, Dank und Anbetung daher dir, dem ewigen Vater, der du deinen einzigen Sohn in Menschenhülle zur Erde fandtest, und dein gegebenes Versprechen so treulich hieltest! Preis, Dank und Anbetung dir, o Sesus! der du nicht säumtest, die Herrlichkeit deines Himmels zu verlassen; die niedere Gestalt eines Knechtes anzunehmen und uns Menschen in Allem gleich zu werden! Neuntägige Andacht Preis, Dank und Anbetung dir, o heiliger Geist, durch dessen wundervolle Mitwirkung der Leib des Gottmenschen gebildet und zu seinem Heilszwecke tauglich gemacht wurde! Amen! 172 Neuntägige Andacht zum göttlichen Kinde Jesu. Vom heiligen Alphons von Liguori. V. Gott, merke auf meine Hilfe. B. Herr, eile, mir zu helfen! Ehre sei 2c. Vater unser 2c. Die Menschwerdung. Jesus, süßestes Kind, der du aus dem Schooße des Vaters, um unseres Heils willen vom Himmel gestiegen; vom heiligen Geiste empfangen, den Schooß der Jungfran nicht gescheuet, und als das menschgewordene Wort Knechtsgestalt angenommen hast; erbarme dich unser! Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßt seist du zc. Die Seimsuchung. O Jesus, süßestes Kind! der du durch deine jungfräuliche Mutter, Elisabeth zum göttlichen Kinde Jesu. 173 heimgesucht, deinen Vorläufer, Johannes den Täufer, mit dem heiligen Geiſte erfüllet, und ihn schon im Leibe seiner Mutter geheiliget haft; erbarme dich unser! Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßt seist du zc. Die Erwartung der Geburt. O Jesus, süßestes Kind! der du neun Monate im Mutterleibe verschlossen, mit größter Sehnsucht von Maria der Jungfrau und dem heiligen Joseph erwartet und von Gott dem Vater für das Heil der Welt dargegeben wurdest; erbarme dich unser! Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßt seist du zc. Die Geburt. Jesus, süßestes Kind! der du von Maria, der Jungfrau, zu Bethlehem geboren, in ärmliche Windeln gewickelt in eine Krippe gelegt, von den Engeln verkündiget und von den Hirten besucht wurdest; erbarme dich nuser. 174 Neuntägige Andacht Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßt seist du zc. V. Christus hat sich genahet, B. Kommet, laffet uns anbeten. Vater unser 2c. Die Beschneidung. O Jesus, süßestes Kind! der du am achten Tage bei der Beschneidung verwundet, mit dem glorreichen Namen Jesus benannt, und sowohl durch deinen Namen, als durch dein Blut als Erlöser der Welt vorbedeutet wurdest; erbarme dich unser! Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßt seist du zc. Die Anbetung der heiligen drei Stönige. O Jesus, süßestes Kind! der du den drei Weisen durch einen Stern verfündet, auf dem Schooße deiner Mutter von ihnen angebetet, und mit Gold, Weihrauch und Myrrhen geheimnißvoll beschenkt wurdest; erbarme dich unser! zum göttlichen Kinde Jesu. 175 Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßt seift du 2c. Die Darstellung im Tempel. O Jesus, süßestes Kind! der du von deiner jungfräulichen Mutter in dem Tempel dargestellt, von Simeon in die Arme genommen, und durch die Prophetin Anna den Juden offenbar wurdest; erbarme dich unser! Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßet seist du zc. Die Flucht nach Egypten. O Jesus, süßestes Kind! der du von dem gottlosen Herodes zum Tode aufgesucht, vom heiligen Joseph mit deiner Mutter nach Egypten geflüchtet, vom grausamen Tode errettet, und durch die glorreiche Marter der unschuldigen Kindlein verherrlichet wurdeft; erbarme dich unser. Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßet seist du 2c. DA Neuntägige Andacht Dir, Jesus, bringen Preis wir dar, Dir, den die Jungfrau uns gebar, Auch dich, den Sohn des Vaters, preis't Das gläub'ge Volt mit deinem Geist. 176 . Chriftus hat sich genahet, R. Rommet, laffet uns anbeten. Vater unser 20. Der Aufenthalt in Egypten. O Jesus, süßestes Kind! der du mit deiner heiligsten Mutter Maria und dem heiligen Patriarchen Joseph bis zum Tode des Herodes in Egypten verweiltest; erbarme dich unser. Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßet seist du zc. Die Rückkunft aus Egypten. O Jesus, süßestes Kind! der du aus Egypten mit deinen Eltern in das Land Israel zurückgekehrt, und nach vielem Ungemach, das du auf der Reise ausgestanden, endlich in Nazareth eingetroffen bist; erbarme dich unser. Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßet seist du zc. zum göttlichen Kinde Jesu. Sein heiliger Wandel. Jesus, süßestes Kind! der du in dem heiligen Hause zu Nazareth deinen Eltern unterthan, in höchster Heiligkeit wandeltest, von Armuth und Mühsalen bedrängt warst, und an Weisheit, Alter und Gnade zunehmend erstarktest; erbarme dich unser! Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser. Gegrüßet seist du zc. 177 Jesus unter den Schriftgelehrten. Jesus, süßestes Kind! der du im zwölften Jahre deines Alters nach Jerurusalem geführt, von den Eltern mit Schmerzen( vermißt und) gesucht, und am dritten Tage unter den Schriftgelehrten mit Freuden gefunden wurdest; erbarme dich unser. Erbarme dich unser, Jesus, göttliches Kind! erbarme dich unser! Gegrüßet seist du 2c. Dir, Jesus, bringen Preis wir dar, Dir, den die Jungfrau uns gebar, Auch dich, des Sohnes Vater, preis't Das gläub'ge Volt mit deinem Geist. Senfkörnlein. 12 Neuntägige Andacht zc. An Christi Geburtstag und dessen Oktav. V. Das Wort ist Fleisch geworden. Alleluja! V. Und hat unter uns gewohnt. Alleluja! 178 Werden diese Geheimnisse unter dem Jahre gebetet, so betet man die V. und R. ohne die Alleluja. V. Christus hat sich uns geoffenbaret. Alleluja! B. Kommt, beten wir ihn an. Alleluja! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, Herr des Himmels und der Erde! der du dich den Kleinen offenbareft, wir bitten dich, verleihe, daß wir die allerheiligsten Ge heimnisse deines Sohnes, des Kindes Jesu, mit gebührender Ehrfurcht feiernd, ihnen mit würdiger Nachahmung fol gen, und in das Himmelreich, welches du den Kleinen versprochen hast, gelangen mögen, durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet am Neujahrstage. 179 Wer auf das Fest der Geburt Jesu Christi sich neun Tage durch diese oder andere zweckmäßige Gebete und fromme Uebungen wenigstens mit reumüthigem Herzen zu Ehren des göttlichen Kindes vorbereitet, gewinnt täglich dreihundert Tage Ablaß. Wer alle neun Tage diese Uebungen verrichtet, gewinnt am Weihnachtstage, oder auch während der Octav einen vollkommenen Ablaß, wenn er an einem der neun Tage ge beichtet, kommunizirt und auf die Meinung des heiligen Vaters gebetet hat. Der vollkommene Ablaß kann den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Diese Ablässe können noch einmal zu einer andern Zeit des Jahres, in der man zu Ehren des göttlichen Kindes Jesu eine neuntägige Andacht verrichtet, gewonnen werden. Pius der siebente 1815 und Pius der achte 1830. Gebet am Neujahrstage. Sei gegrüßt, o mein Heiland und Erlöser! der du am achten Tage nach dem Gesetze beschnitten wurdeft, dein Blut vergosfest und zu unserm ganz besondern Troste den Namen Jesus erhieltest! Bewahre mich vor allen sündhaften Gedanken, Worten und Werken und ordne mich bei der Zahl deiner Kinder! Du, o mein Herr! wurdest Jesus, d. i. Heiland genannt; es ist also deine Sache zu heilen und zu heiligen. Die Erinnerung 12* 180 Gebet am Neujahrstage. an diesen deinen heiligsten Namen entferne von mir alle Verzagtheit und Kleinmüthigkeit, und gebe mir ein unerschütterliches Vertrauen auf dich! Durch die Kraft dieses deines Namens beschütze mich, wie mit einem undurchdringlichen Schilde, gegen alle Nachstellungen und Unternehmungen meiner sichtbaren und unsichtbaren Feinde. Amen. An diesem heutigen neuen Jahrestage grüße ich dich, o liebes, holdseliges Kindlein Jesus! und wünsche, daß in diesem Jahre dein heiligster Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Ich wünsche, daß dich in diesem Jahre fein einziger Mensch beleidige; sondern, daß dich alle und jede vom ganzen Herzen lieben, loben und ehren. Ich wünsche, daß in diesem neuen Jahre deine heilige Kirche in der ganzen Welt ausgebreitet, alle Ketzereien vom Grunde ausgerottet, alle Ungläubigen zu dem wahren Glauben geführet, und alle Sünder zur ernstlichen Bekehrung ge bracht werden. Endlich wünsche ich, daß ich dieses Jahr hindurch von Tag zu Tag in den Tugenden zunehme, und in Gebet am Neujahrstage. 181 deiner Liebe und in wahrer Andacht wachsen möge. Zu einer neuen Jahresgabe opfere und schenke ich dir, o Jesus! mein ganzes Herz in solcher Gestalt, wie es der heilige Geist in meiner Taufe gereiniget, und mit seinen Gaben gezieret hat. Hingegen bitte ich dich, daß du zu einem Neujahrsgeschenke die Gnade der Taufe in mir erneuerst, alle Sünden, mit denen ich meine Seele bematelt, gnädigst verzeihest und einen neuen Eifer dir zu dienen, in mir erweckest. Endlich bitte ich auch für alle abgestorbenen christgläubigen Seelen im Fegfeuer, daß du ihnen zu einem neuen Jahre ihre Peinen wenigstens in etwas lindern wollest. Laß dein heiligstes Blut, welches du am heutigen Tage so schmerzlich vergoffen, in den Reinigungsort hinunter fließen, um die Makeln der leidenden Seelen zu reinigen, um einen Theil ihrer noch übrigen Schuld zu bezahlen. 182 Betrachtungen und Gebet Betrachtungen und Gebet in der heiligen Fastenzeit. Betrachtungen. 1. Heilige Kirche Jesu Christi! Deine Weihe heiligt die Zeit, und gibt uns eine erwünschte, angenehme Zeit der Gnade und des Heils, der Buße und Versöhnung in der angeordneten heiligen Fastenzeit. Da fließen reichlicher die Quellen göttlicher Erbarmungen und Segnungen. Sie fließen aber nur dem, der im Geiste der Buße und Zerknirschung seine Sünden bekennt, und deiner heilbringenden Zucht sich unterwirft. Du rufft uns jetzt zu die Worte des Apostels Petrus: ,, Chriftus hat für uns gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, daß ihr seinen Fußstapfen nachfolget. Er hat keine Sünde gethan, und in seinem Munde ward kein Betrug gefunden. Er schalt nicht wieder, als er gescholten wurde, drohte nicht, als er litt, sondern er gab sich dem hin, der ihn mit Unrecht verurtheilte. Er hat auf dem Kreuzholze in der heiligen Fastenzeit. 183 unsere Sünde an seinem Leibe getragen, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden, denn ihr waret wie verirrte Schafe; nun seid ihr zurückgekehrt zum Hirten und Bischofe euerer Seelen."( 1. Pet. 2, 21, 25.) Leidender. Heiland! diese heilige Fastenzeit sei gewidmet dem betrachtenden, beschauenden Andenken deines Leidens. Auf dich, den Urheber und Vollender meines Heils und Glaubens, will ich hinsehen, um aus deinem Leiden Trost und Muth, Belehrung, Stärkung, Beruhigung zu schöpfen. Aus den Worten deines Apostels ersehe ich, daß du als der Schuldlose, Gerechte, Heilige gelitten haft für alle Menschen, und daß dein heiliger Leib, dein heiliges Kreuz getragen hat die schwere Last unserer Sünden und wohlverdienten Strafen. Diese hast du gesühnt, und so hast du übernommen eine Schuld, die wir nicht abtragen, eine Genugthuung, die wir nicht leisten konnten. Die Sünde hat tiefe Wunden geschlagen unsern Seelen, für die alle Welt, Natur, Kunst, Wissenschaft fein Heilmittel hat. Es lag in deinen heiligen 184 Betrachtungen und Gebet Wunden. Dein Kreuz, dein Tod wurde eine Heilkraft zur Heilung aller Krankheiten des Leibes und der Seele. Und was sollen wir thun nach der Lehre des Apostels? Wir sollen in und mit dir unserer Sünde absterben, durch die Kraft deines heiligen Leidens den Stachel der Sündenlust abstumpfen, deiner Gerechtigkeit, dir leben. Wir sollen als verirrte Schafe, die vom Wege des Lebens abgekommen sind, unter deinem Kreuze uns versammeln und dir nachfolgen, der du als der gute Hirt dein Leben gelassen haft für deine Schafe. Wir sollen dir im Leiden gleichförmig werden, um durch Leiden die Sünde und Welt zu überwinden, leiden aus Liebe, in Geduld und Sanftmuth. 2. Ich will betrachten dich, mein Jesus! der für uns gelitten hat. Wenn dein Apostel sagt: ,, Christus hat für uns gelitten," so will er mit diesen wenigen Worten sehr viel sagen. Menschliches Leiden ist ein ganz natürliches, nicht verdientes Leiden. ſelten verschuldetes, Es ist oft eine Folge menschlicher in der heiligen Fastenzeit. Fehler, Sünden, Vergehungen, Schwachheiten, Uebereilungen, Verirrungen. Seder leidet für sich, und das, was er leidet, dient zu seiner Besserung und zu seinem Heile. Menschen leiden auch für Andere, zwar durch Feinde, aber nicht für ihre Feinde. Sie leiden für Andere, die sie näher angehen, weil sie mit ihnen leiden müssen. Ganz anders ist dein Leiden, mein Jesus! Es ist ein heiliges, unverdientes, unverschuldetes, freiwillig übernommenes, geheimnisvolles Leiden aus reiner Liebe für das Heil und Leben aller Menschen, für deine Freunde und Feinde. In dir leidet Einer für Alle, leidet Christus, welcher ist das Licht und Leben, der eingeborne Sohn des Vaters, der von Ewigkeit Heilige und Gerechte, der du bist die Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit, das Lamm Gottes, das rein ist von aller Makel der Sünde. ,, Wer kann mich einer Sünde beschuldigen?" sagtest du, und welcher leidende Mensch kann das von sich sagen? An dir war nicht ein Schatten der Ungerechtigkeit, und von deinem Munde kam nur das Wort des Lebens, der Wahrheit, der Liebe, des Friedens. Du warst 185 186 Betrachtungen und Gebet voll Güte, Erbarmung, Sanftmuth. Den glimmenden Docht löschtest du nicht aus, das zerknickte Rohr zerbrachest du nicht. Du gingst umher, und thateft Allen Gutes. Unwissende zu belehren, Verirrte auf den Weg des Heils zurückzuführen, reumüthige Sünder zu trösten, die mit Mühe und Arbeit Belasteten zu erquicken, zu erfreuen mit der Hoffnung der himmlischen Seligkeit, die Lauen und Trägen zur Tugendübung zu ermuntern, war dein tägliches Geschäft. Du warest des Menschen Sohn in der Herrlichkeit des eingebornen Gottessohns. Aus deiner Menschheit strahlte das Bild des Abglanzes der Macht und Wesenheit deines ewigen Vaters, mit dem du bist vereinigt in der Einheit Gottes. Darum wirktest du mit allmächtiger Kraft. Deinem Worte wich die Krankheit und der Tod, gehorchten die Elemente, sogar die bösen Geister. Alle Kräfte der Natur erkannten dich als ihren Herrn, dem sie dienen und unterthänig find. Du geboteft dem Sturme und tobenden Meere, und der Sturm legte sich, das Meer ward ruhig. Todte, die im Grabe verwes'ten, erstanden auf deinen Ruf in der heiligen Fastenzeit. 187 zum neuen Leben. Alles das wollen die Worte sagen: ,, Christus hat für uns gelitten." 3. Ich will nun betrachten, was du, mein Jesus! gelitten hast. Was ist alles das, was Menschen leiden, was ich leide, was ich Andere leiden sehe, gegen das, was du gelitten haft! Viele Thränen werden geweint, viele Seufzer gehört, und Millionen Menschen jammern unter der Last drückender Leiden. Viele haben nicht eine vergnügte Stunde, Viele leiden so schwer und peinlich, daß ich ihr Leiden nicht ertragen könnte: und doch war dein Leiden unendlich größer, als alles dieses Leiden der Menschen. Von dir sagt die heilige Schrift: ,, Shr Alle, die ihr vorübergehet, stehet stille, und betrachtet, ob ein Schmerz meinem Schmerze gleichkomme." Du lebtest ärmlich, enthaltsam, mäßig, nüchtern, aßest, tranfest wenig, und wurdest ein Fresser und Vollsäufer gescholten. Du suchtest liebevoll die Sünder auf, sie zu bekehren, zu belehren, und man nannte dich einen Sünderfreund, der 188 Betrachtungen und Gebet mit Sündern ist. Du lehrtest Gehorsam gegen die Obrigkeit, und man klagte dich an als einen Anführer des Volkes, als einen Feind des Kaisers. Du sprachest von deinem Vater mit allem Eifer für seine Ehre, und man verunehrte dich als einen Gotteslästerer. Du wirktest Gutes durch den Finger der Allmacht Gottes, und deine Feinde gaben vor, durch Hilfe des Teufels thätest du solche Werke. Eine wilde Schaar roher Kriegsknechte ergriff dich, riß dich mit sich fort von einem Richter zum andern. Gedungene, bestochene Zeugen sprachen gegen dich, verruchte Priester übergaben dich dem heidnischen Richter Pilatus; ein wollüstiger, weichlicher König Herodes verspottete dich mit seinen feilen Höflingen; ein schwacher, furchtsamer Richter, obgleich deine Unschuld bekennend, ließ dich entkleiden, grausam geißeln, unmenschlich mißhandeln, und verurtheilte dich endlich zum Kreuztode. Da mußtest du unter dem wüthenden Geschrei deiner ergrimmten Feinde dein schweres Kreuz zur Schädelstätte tragen. An dasselbe angenagelt, hingst du da zwischen Him mel und Erde, verwundet, bluttriefend, in der heiligen Fastenzeit. 189 ausgespannt als ein Mann der Schmerzen, als ein geächteter Missethäter. Am Kreuze littest du solche Angst und Qual, daß der Schmerz deinem Munde die Worte auspreßte: Mein Gott! warum haft du mich verlassen! Der wüthendste, brennendste Schmerz drang dir durch alle deine Glieder, und dein blutendes, brechendes Herz zerriß am Undanke, Spotte gefühlloser Menschen, denen du ein großer Wohlthäter warft. Nicht Fluch und Klage, sondern Segen und Vergebung kam als Wort und Hauch der Liebe von deinem Munde. Wo litt, wo leidet ein Mensch das, was du gelitten haft? 4. Laß mich, leidender Jesus! betrachten, wie du gelitten hast. Du hast gelitten mit einer Demuth, Geduld, Sanftmuth, Hingebung, Gottergebenheit, bis an's Ende ausharrender Standhaftigkeit, mit einer alles Peinliche und Schmerzliche erduldenden Liebe, mit einer den Feinden und Peinigern vergebenden Versöhnung, mit einer die Natur und Welt überwindenden Geistesstärke, wovon die Geschichte aller Zeiten tein Beispiel hat. 190 Betrachtungen und Gebet Du sahest dein Leiden voraus, überschautest die Größe, den Umfang des selben, fühltest die gewichtige Schwere der Peinigung und Kreuzigung, ehe sie fam, fühlteft sie bis zum blutigen Angstschweiße, bis zum Bitten: ,, Vater ist es möglich, so nimm weg von mir diesen Leidenskelch." Aber welcher Gehorsam, welche Unterwerfung und Ergebung! Du setztest der Bitte bei: ,, Vater nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Du littest freiwillig, und verlangteſt teine Vertheidigung, weder von deinen Jüngern, noch von Engeln. Du sprachest, unerschrocken wie ein Held des Kampfes stehend, vor der erstaunten Rotte: ,, Wollte ich, mein Vater würde mir zwölf Legionen Engel zu Hilfe senden." Du sprachest zu deiner Bertheidigung mit würdevoller Ruhe, mit Gelassenheit und sanster Rede, und schwiegest großherzig, wo für deine Unschuld und gerechte Sache dein öffentliches Leben sprach. Deinem Munde entkam kein Laut der Klage, kein Wort der Rache, kein Schrei des Schmerzes, kein Seufzer des wehevollen Herzens. Geschmäht, gescholten, schwiegst du. Verlästert, verhöhnt, gepeinigt, hatteft in der heiligen Fastenzeit. du nur das Wort der Vergebung: Vater! vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Bei dem Zeugnisse: Ich bin Gottes Sohn!" bliebest du stehen vor dem Richter, unerschütterlich, wie ein Fels im Sturme, treu der Wahrheit, treu deinem himmlischen Bater, treu deiner Sendung, treu dir selbst. Wie im Leben du immer in Vereinigung mit deinem Vater warest, so warest du es auch in deinem Sterben. ,, Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist!" Mit diesen Worten neigtest du dein Haupt, hauchtest du aus deine heilige Seele. All' dein Lehren war ein beständiges Hinweisen, Hinführen zum Vater, daß wir zu ihm tom-men, Wohnung bei ihm nehmen sollen. In seinem Hause sind viele Wohnungen" sagtest du. Wie du lehrtest, so lebtest du, so starbest du. Dein Leben und Sterben war ein Hingehen zum Bater. Dein Leiden war ein Eingehen in die Herrlichkeit des Vaters. 191 5. Geift Gottes, der du bist der Geift der Betrachtung und Beschauung! erleuchte 192 Betrachtungen und Gebet mich, daß ich nun recht erkenne die Ursache, warum mein Jesus gelitten hat. Du, mein Heiland! hast gelitten für uns Menschen, für unser Heil und Wohl, als Sühnopfer für unsere Sünden, uns zum Troste, uns zum Besten. Du hast dein Blut bergossen zur Vergebung unserer Sünden, und aus deinen Wunden fließt in unsere Seelen Reinigung und Heilung. An deinem Leibe hast du erduldet unsere Strafen, die wir für unsere Sünden verdient haben. Mit deinem Blute hast du gelöscht die übergroße Sündenschuld. Dein Leiden und Sterben trat in das Mittel, Versöhnung, Friede, Freundschaft, Einigung zu stiften zwischen Gott und Mensch. Deine Thränen, Schweißtropfen, Bluts vergießungen, Dornenkronen, Geißlungen, Leidenskelche, bittere Getränke, Kreuzigungsschmerzen haben ausgefüllt die ungeheure Kluft der Trennung und Entzweiung, worin wir Menschen Feinde Gottes waren. Du hast gelitten als Hirt für deine Schafe, als Friedensfürst für die Gott widerstrebenden Menschen, haft gelitten für die Wahrheit und Gerechtigkeit, um die ganze Macht in der heiligen Fastenzeit. 193 der Hölle zu brechen, die Arglist des Satans zu vereiteln, durch deinen Tod den Tod der Sünde zu überwinden, durch deinen Sieg dem Geiste die verlorne Herrschaft über Natur und Welt wiederzugeben. So ging dein Wort in Erfüllung: ,, Ich gebe mein Leben für meine Schafe." So wurde wahr, was dein Apostel sagt: ,, Gott hat den, der von feiner Sünde wußte, für uns zum Sühnopfer gemacht, damit wir durch ihn vor Gott ganz gerecht würden." ( 2. Kor. 5, 20, 21.) offoc med Durch dein Leiden wolltest du uns ein Beispiel geben, dem wir nachfolgen sollen. Wir sollen ja deinem Vorbilde in Allem uns nachbilden, daß wir dir gleichen in Leiden und Freuden, im Sterben und Leben, als Mitgenossen zuerst deiner Leiden, dann deiner Herrlichkeit und Verklärung. So leidend und sterbend, so deinen Tod an uns verkündend, sterben wir ab der Sünde und Welt, kehren wir Verirrte zurück auf den Weg des Lebens, nehmen wir Antheil an den Früchten und Verdiensten deiner Verföhnung und Genugthuung, erkämpfen wir uns die Krone der Gerechtigkeit. Senfkörnlein. 13 194 Betrachtungen und Gebet Mit deinem Blute hast du besiegelt die Wahrheit deiner Lehre, deiner göttlichen Sendung, und in deinem Leiden und Sterben offenbarte sich auf das Glänzendste die Größe deiner Macht, deiner Liebe und Tugend, deines Geistes, ja sogar deiner Gottheit. Aus deinem Leiden und Sterben will ich lernen, in meinem Leiden Geduld zu haben, auf Gott zu hoffen und zu vertrauen, der Wahrheit, Gerechtigkeit, Tugend, Pflicht getreu zu bleiben, Feindesliebe auszuüben, dem Hasse der Feinde Sanftmuth und Großmuth, der Bitterfeit der SchmerSeelenzen feste Haltung des Geistes, stärke entgegenzusetzen. Umgibt mich auch grausige Finsterniß, versänke ich in einem Meere der Trübsale und Peinen, ich will an dein Leiden und Sterben ge denken zu meiner Tröstung, Beruhigung Stärkung. Durch Alles, was ich je leiden muß, soll mein Glaube nicht wankend gemacht, meine christliche Uebermeine zeugung nicht erschüttert werden, Gottes- und Christusliebe, meine Menschenliebe nicht erkalten, mein Eifer fü Recht und Wahrheit nicht erschlaffen meine treue Anhänglichkeit an die katho in ber heiligen Fastenzeit. 195 lische Kirche und ihr Oberhaupt nicht geschwächt werden. Hast du mein Jefus! gelitten, so will ich auch leiden. Der Knecht will es nicht besser haben, als es sein Herr hatte. Hat dein Vater dich nicht verschont, der du sein einziges Wohlgefallen bist; so soll er mich auch nicht verschonen. Leide ich auch meiner Sünden wegen, ich verzweifle nicht, der Hinblick auf dein Kreuz nimmt mir Furcht und Angst, flößt mir Ruhe und Hoffnung ein. Leide ich unschuldig, so stärke mich dein schuldloses Leiden. Im Vergleiche mit deiner Unschuld, sind wir Alle Schuldige. Mein Verstand erstaunt darüber, daß ein Unschuldiger für Schuldige leidet, im Uebermaße leidet, so daß sein Leiden den Schuldigen zu gut kommt. Aber das Licht des Glaubens beleuchtet etwas diese Tiefe des Geheimnisses. Es zeigt darin die unbegreifliche Größe der Sünde und der sich erbarmenden Liebe. Der Gottheit kann nur genug geschehen durch Göttliches. Nur Gleiches gibt Versöhnung und Vereinigung. Nur die Unschuld und Gerechtigkeit eröffnet Himmel, nur des Leidens überwindet die Widerstrebung der Schulden Uebermaß 13* 196 Betrachtungen und Gebet digen. Dein Leiden und Sterben ist eine Alle an sich ziehende Kraft, ein Segensquell, der aus deiner Liebe sich ergießt über Alle, so daß Alle daraus schöpfen, und das, was daran ist, sich zueignen. Die Liebe macht das, was sie thut, zum Gemeingute für Alle, daß Alle daran Antheil haben. Das sind Geheimnisse der Liebe, Geheimnisse Gottes, Geheimnisse des Glaubens. Menschenverstand, erfreche dich nicht, solche Tiefen zu ergründen. C ibide 6. Herr! die Betrachtung deines Leidens erweckt in mir fromme und heilige Vorsätze und Gesinnungen. Auch ich muß oft trinken aus dem Becher den Leiden und Bitterkeiten. Mich drücker die Sorgen für Nahrung und zeitliches Leben, Berufsarbeiten fallen mir lästig harte und böse Menschen betrüben, beleidigen mich, Krankheiten, Anfälle, Ber lufte, Schaden, Trübsale bleiben nich aus. Ich will aber den Muth nich sinken lassen, sondern auf dich hinschauen und zu mir sagen: auch Christus ha gelitten. Leiden muß jeder Mensch, Lei in ber heiligen Fastenzeit. 197 den hat Gottes Liebe und Weisheit verwebt in jedes Menschen Leben, um für das Böse zu züchtigen, das Gute zu prüfen, die Seele zu läutern, zu stärken, die Tugend zu verherrlichen, den Menschen für das höhere Geistesleben zu bilden und zu erziehen. Ich will darum inmitten noch so vieler, noch so großer Leiden an Leib und Seele feststehen im glaubensvollen Vertrauen auf Gott, der die Liebe ist, die den Kindern Gottes Alles, auch ihre Leiden zu ihrem Besten wendet. Muß ich von Menschen Unrecht erdulden, so will ich mich nicht rächen, nicht Böses mit Bösem vergelten, nicht wieder schelten, schmähen, wenn sie gleichwohl mich schmähen und schänden, nicht ihnen drohen mit Schadenzufügen; wenn schon sie mir allerlei Leids anthun. Ich will die Rache und Vergeltung Gott anheimstellen, und für die, die mir Uebel und Leidwesen machen und bereiten, beten, um Vergebung zu Gott bitten. Ich will ihr Böses mit Guten vergelten. Klagt mich mein Gewissen vor Gott an über meine Sünden, daß ich Angst und Entsetzen fühle, so will ich Vergebung und Erbarmung am Fuße 198 Betrachtungen und Gebet deines Kreuzes erflehen, und, an dein Leiden und Sterben gedenkend, mich stärken zur Buße und Bekehrung, zur Sinnesänderung und Lebensbesserung. Ergreifen mich die Schrecken des Todes, so will ich mit dir sprechen: ,, Vater! ist es möglich, so nimm weg von mir diesen bittern Leidenskelch; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!" Das Andenken an deine Liebe, mit der du deinen Schafen das ewige Leben gegeben haft, soll mich stärken zum Todeskampfe und im Glauben, daß mein Tod mich führt zu diesem ewigen Leben. So gestärkt, will ich dann sagen: ,, Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist." Gebet. Durch Leiden und Sterben verherrlichter Heiland! der du nun erhöhet über alle Namen, Kräfte, Gewalten, sitzest zur Rechten der Herrlichkeit deines Baters! ich bitte dich, mache mich theilhaftig der Früchte und Verdienste deines Leidens und Sterbens. Gütigster Herr, Jesus Christus! berleihe uns deine Gnade, daß wir in dieser heiligen Fastenzeit wahre Früchte in der heiligen Fastenzeit. 199 der Buße bringen, von unserm fündhaften Leben abstehen, den Eitelkeiten der Welt entsagen, und den Eingebungen und Versuchungen des bösen Geistes widerstehen. Barmherziger Gott! zermalme unsere Herzen, erweiche sie durch die Thränen der Neue, gib uns den Geist der Zerknirschung, daß wir, unsere Sünden und Irrthümer erkennend, in Christo Heil und Erleuchtung erlangen, und, ausharrend in einem frommen, keuschen, nüchternen Leben, uns der Vergebung unserer Sünden und eines seligen Lebens nach dem Tode erfreuen können. In der heiligen Fastenzeit. Von Zenetti. and Faſtet, betet! also mahnet sis Uns're Mutter liebevoll, Sie, die uns die Wege bahnet, Die der Geist betreten soll. mobier Fastet! feid der Lüste Sieger, Kämpfet froh den schönen Streit; pant Euer Fleisch ist ein Betrüger, Denkt an Gott und Ewigkeit! daw - 2o Betet! denn des Himmels Gnade Stärket, Beter, mächtig euch; Sie führt euch des Heiles Pfade, Führet euch in's Himmelreich! and off Am Gedächtnißtage des Todes Jesu. Fastet, betet! es ist Liebe, d Die euch zur Entsagung mahut, Die durch Gott geweihte Triebe Euch zu Gott die Wege bahnt! Am Gedächtnißtage des Todest Jesu. and sió dru Heiliges Kreuz Jesu Chrifti! sei gegrüßt; ich umfasse dich mit frommer Ehrfurcht und mit dankbarer Liebe. Gefreuzigter Weltheiland! ich falle vor dir anbetend nieder, schlage reuig an mein Herz, bekenne offen meine Schuld, und spreche aufseufzend: ,, Mein Gott und Herr! verzeihe mir, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig, laß mich Antheil nehmen an deiner gnadenreichen Versöhnung." Tiefe Stille herrscht um mich her, und ein heiliger Schauer durchzittert mein Herz. Ein schmerzliches Trauergefühl geben Blicke und fromme Gefänge fund. Es schmerzt, wenn ein Freund dem Freunde, wenn Vater, Mutter dem Kinde, der Gatte dem Gatten, der vielgeliebte Fürst dem Volke und Lande stirbt. Der am Kreuze gestorben, ist mehr als Freund, Bater, 200 Am Gedächtnißtage des Todes Jefu. 201 Mutter, Gatte, Fürst, ist die Liebe selbst die Liebe liebender Herzen. Du mein Erlöser! bist die Liebe, die wahrhaft liebende Freunde, Väter, Mütter, Gatten, Fürsten bildet, der Grundquell aller Liebe. Du liebtest mich, ehe ich dich kannte, ehe ich dich liebte. Du bist meinem dich liebenden Herzen unendlich werth und theuer. Alle meine Gedanten faffen die Größe deiner Liebe nicht. Mag der gemüthlose Weltling frohlocken in seinem Sündentaumel, und gefühllos an deinem Kreuze vorübergehen, mein bewegtes Herz trauert mit der Kirche, die als Braut sich betrübt ob des Todes ihres heißgeliebten Bräutigams, und mein bethräntes Auge heftet feine Blicke auf die Liebe, die ihr Leben am Kreuze ließ. Dein ganzes Erdenleben, gekreuzigter Jesus! vom ersten bis zum letzten Lebenshauch, war ein Lichtstrahl der sich Aller erbarmenden bn Liebe. Eine ununterbrochene Reihe unzählbarer Segnungen und Wohlthaten, Heilungen und Tröstungen war dein Thun und Wirken. Jeden deiner Schritte bezeichnete eine Handlung der wohlthuendsten Liebe. 202 Am Gedächtnißtage des Todes Jesu. Diese deine Liebe erglänzte über Judäa, Samaria, Galiläa als ein Abglanz der Gottheit, als eine holdfreundliche Lebenssonne. Wo ist ein Sterblicher so ganz Liebe, wie du? Wo hat die Geschichte einen Weisen, einen Tugendhaften, einen Gerechten, der dir an Liebe gleicht? Alle deine Reden und Thaten find Ausgüsse der reinsten Liebe, wie sie nur in Gott sein kann. Nur ein Gott kann solche übergroße, ühermenschliche Liebe haben, die, Alle liebend, Blut und Leben für Alle, für Freund und Feind, hingibt; damit Alle in derselben Liebe vereinigt, ewig leben. Sterbend am Kreuze, hauchtest du mit dem letzten Hauche ein Herz voll Liebe aus. Betrachte ich deinen Leidensweg vom Gerichtshofe des Pilatus an bis zur Nichtstätte, so sehe ich immer die Liebe sprechen und handeln. Die Liebe nimmt das schwere Kreuz auf sich. Die Liebe trägt es nach Golgatha. Die Liebe bittet den Vater um Verzeihung für Feinde, und entschuldigt sie mit den Worten: ,, Sie wissen nicht, was sie thun." Die Liebe getröstet den reuigen Sünder an seinem Kreuze mit der Am Gedächtnißtage des Lobes Jefu. 203 Freude des Paradieses. Die Liebe fnüpft das Freundschaftsband zwischen Maria und Johannes. Die Liebe duldet Hohn und Spott, Schmerz und Pein für aller Heil. Selbst deine letzten Worte am Krenze, Jesus! ,, Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlaffen?" darauf: ,, Vater! in deine Hände lege ich meinen Geist," Worte der sterbenden Liebe. Liebe! die du als Sonne auf Golgatha untergegangen bist, bestrahle und durchdringe mein liebearmes Herz, daß ich im Lichtglanze deiner Liebe immer wandle, bis ich schaue deine Schönheit und Herrlichkeit in deinem Reiche, wo du als Sonne immer leuchtest durch Ewigkeiten. waren Heilige Ewige, göttliche Liebe! gib es mir, daß ich, von deinem Strahle erleuchtet, immer dein Wahres denke, dein Gutes, Rechtes begehre, dein Schönes und Großartiges wirke. Kräftige und be geistere meine Seele, daß ich mit deiner Liebe Alle, auch meine Feinde, umfasse, selbst in der Schmerzensstunde Worte der Liebe spreche, mit einem Auge voll Liebe um mich schaue, und deinem und 204 Am Gedächtnißtage des Lodes Jesu. meinem Vater gehorsam verbleibe, im Guten ausharrend bis an's Ende. Möchten doch auch meine Lebenstage sich schließen im Frieden deiner Liebe, im seligen Bewußtsein, Werke der Liebe vollbracht zu haben! Möchte meine Lebensbahn der auf- und untergehenden Sonne gleichen, deren erster und letzter Strahl ein Blick der Liebe ist! Kommt meine Sterbestunde, so lege, Jesus! auf meine fraftlose Zunge deine Worte: ,, Vater! in deine Hände übergebe ich meinen Geist." Dir, Jesus! will ich leben. Dir, Jesus! will ich sterben. Dein, Jesus! will ich sein ewiglich. on Sei gegrüßt, sieggekröntes Kreuz Christi! in dir ist eine wunderbare, geheimnißvolle Gotteskraft, welche heilend, tröstend, stärkend wird, wenn fromme Herzen dich mit glaubensvoller Andacht verehren. Wie ein Sonnenstrahl dringt infie das Licht der Gnade. Belebe, Herr! auch meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe, wie du es gethan haft an denen, die bei deinem Kreuze standen. Erwecke in meiner Brust das glühendste Hochgefühl für deine Wahrheit und Tugend, für dein Um Charfreitage. 205 heiliges Recht und Gesetz. Ziehe mich dir nach, daß ich ein Genosse deiner Leiden werde. Laß mich immer im Schatten deines Kreuzes Schutz und Sicherheit, Trost und Friede finden in allen Tagen meines Lebens. Amen. sid Holmsoni Am Charfreitage. Eine Betrachtung vom Leiden und Tod Jesu. sisid Diefes thut zu meinem Andenken.( Luk. 22.) In dieser Absicht erscheine ich nun wieder bei dieser Handlung, die du, o Jesu! zum ewigen Andenken deiner großmüthigen sich aufopfernden Liebe eingesetzt hast. Alles, was am Altare vorgeht, soll mich an die Umstände deines Leidens und Todes erinnern, und mein Gemüth zur andächtigen Betrachtung erheben. finnes Unter lehr- und trostreichen Abschiedsgesprächen gingst du mit deinen Jüngern dem Delberge zu, deinem Leiden und Tode entgegen. Da fühltest du als Mensch, wie unser Einer gleich der Geist bereit, das Fleisch je doch schwach ist. Die grausamste Miß1 wenn 206 Um Charfreitage. handlung, die schmerzhafteste Todesartschwebte dir in aller ihrer Entsetzlich feit vor Augen, erfüllte deine Seele mit Trauer und Bangigkeit, und preßte dir sogar Angstschweiß, wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen, aus. Ach! die Sündenlast der Welt auch die meinige die du auf dich genommen hast, lag auf dir, und drückte dich darnieder. Der Undant, der Leichtsinn und der Untergang ſo vieler so theuer Erlös'ten schmerzte dich noch mehr, als dein eigenes bitterstes Leiden. Herr! Gerbarme dich meiner, sei mir Sünder gnädig! Du suchtest Kraft und Trost im anhaltenden, brünstigen Gebete. Dreimal riefst du in deiner größten Angst: Vater, verschone mich mit diesem bittern Kelch! aber auch alle Zeit ,, Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Verschont bleiben konntest du nicht, weil du die Genugthuung für unsere Sünden übernommen hatteft. Aber ein Engel kam und stärkte dich mit der himmlischen Kraft, die das kindlich Gott ergebene Gebet mit sich bringt. Dieß soll auch mein Gebet, mein Trost, meine Zuverficht sein. sic ji darb)( 000 -- - 1 Am Charfreitage. 207 Gestärkt und entschlossen siehst du den Verräther kommen, empfängst den falschen Kuß, und nennst ihn noch Freund. Deine großmüthige Liebe erfülle mein Herz mit desto größerem Abscheu gegen alle Untreue und Falschheit! Mit einem Worte konntest du die gewaffnete Schaar darnieder donnern. Heere von Engeln standen dir zu Gebote. Freiwillig gibst du dich gefangen, damit Gottes Wort und Wille erfüllet werde. So lehre auch mich Alles willig thun, tragen und leiden, was Gott will, aus gehorsamer Liebe! Alle deine Jünger hatten dich verlassen. Selbst der eifrige Petrus hatte seinen Muth verloren, deiner Warnung und seines Versprechens vergessen, und dich sogar dreimal verläugnet. Ein Blick deiner Liebe durchdringt sein Herz mit innigster Reue und bestärkt seine Treue auf immer. Schau, auch, o Jesu! erbarmend auf mich herab; laß mir meine Fehltritte zur Warnung dienen, daß ich künftig desto demüthiger, bor sichtiger, liebevoller werde! Laß mein Herz gegen die Mahnungen deiner Gnade sich nicht verhärten, daß mich nicht 208 Am Charfreitage. das unselige Ende des verzweifelten Judas treffe. Da stehest du vor deinen ungerechten Richtern, o Jesu! schweigst zu den falschen Angaben, die sich selbst widerlegen, oder verantwortest dich mich Weisheit und Würde; sagst es endlich, auf die ernste Frage, daß du wahrhaftig der Sohn Gottes, der verheißene Messias, der künftige Weltrichter bist, ob du gleich weißt, daß dieses Wort dir das Leben kosten wird. Mit erhabener Gelaffenheit hörest du dein Todesurtheil an, und duldest die muthwilligste Mißhandlung. Lehre mich reden, wenn es Pflicht ist, und schweigen, wenn reden nichts nüket! Lehre mich Sanftmuth und Geduld, wenn mir unrecht gethan wird! Di Auch vor Pilatus schweigst du zu den Verläumdungen deiner Ankläger, vor Herodes zu der Verspottung seines Hofgesindes; schweigst du zu dem Mordgeschrei des aufgehetzten undankbaren Volkes. Nur die Würde eines himmlischen Königs behauptest du, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Dein Stillschweigen ist mir die lehrreichste Predigt. Wie rubig und selig ist die Unschuld, leidet. Am Charfreitage. 209 die um der Gerechtigkeit willen Ecce homo! Welch ein Mensch bist du, o Jesu! bin ich! und welch ein Mensch Von Geißeln zerfleischt am ganzen Leibe! mit Blut und Wunden bedeckt, die Dornenkrone auf dem Haupte, das Angesicht von Backenstreichen und Speicheln entstellt, als Afterkönig verhöhnt stellt man dich dem Volke zur Schau, um es durch diesen entsetzlichen Anblick zu besänftigen, und zum Mitleide zu bewegen. Vergebens! noch waren diese Martern zu wenig. An's Kreuz mit ihm, schrie die wilde Wuth, an's Kreuz! der schwache Richter gibt dich endlich aus feiger Furcht und Gefälligkeit der Blutgier. Preis, indem durch sein Händewaschen er sich schuldlos an deinem unschuldigen Blute erklären will. isd So ergeht das Todesurtheil, das wir berschuldet haben, über dich, unschuldiger Jesus! und du nimmst das Kreuz selbst auf deine wunden Schultern, weil du das Kreuz der Welt zu tragen übernommen hast, um es von uns hinweg zu nehmen; läsfest dich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen, wie dort Isaak das Senfkörnlein. 14 1 210 Um Charfreitage. Holz zu seinem Brandopfer den Berg hinan trug. 75013 Wie wird mir zu Muthe, wenn ich dir auf deinem Leidenswege folge; wenn ich diese Bande, diese Geißeln, diese Dornen, dieses Kreuz, diese Nägel, diese Lanze, diese Ströme unschuldigen Blutes betrachte wenn ich diese Verrätherei, diesen Undank, die Ungerechtigkeit und Bosheit, diese unversöhnliche Grausamkeit und höhnende Schadenfreude bedenke! Aber nicht so sehr über dich, - als vielmehr über mich soll ich weinen; nicht über jene Anstifter und Werkzeuge deiner Leiden soll ich mich entrüsten; sondern über die Sünde, welche sie verursacht hat, und die Früchte davon vernichtet und vereitelt. Ach, wenn ich um eines schnöden Vortheils oder Vergnügens wegen dir, mein Herr und Freund! untreu werden wenn ich Christenthum heuchle, oder gar mich dessen schäme- wenn ich mich vor Menschen mehr scheue und fürchte, als vor Gott wenn ich gegen öftere Ermahnungen unbewegt bleibe- wenn ich meinen Leidenschaften Pflicht und Gewissen aufopfere wenn ich meinen - Am Charfreitage. 211 Nächsten unbillig richte und behandle o, so bin ich deinem Verräther oder deinem Verläugner deinen verblendeten oder erbosten Feinden- deinen ungerechten Richtern, und dem undankbaren Volke ähnlich ja, wohl noch strafbarer, als jene, weil ich mit mehr Erkenntniß fündige! mein Jesu! verzeihe mir meinen Leichtsinn, meinen Undant, meine Untreue! Dein großes Opfer am Kreuze und auf dem Altare bei dem Opfer der heiligen Messe sei meine Versöhnung. og vir Bater, sieh' vom Himmel herab auf deinen Geliebten! Noch erhebt er seine sterbenden Augen, seine brechende Stimme; noch hat er eine Bitte an dich, die letzte und herzlichste: ,, Bater, verzeihe ihnen, sie wissen nicht, was sie thun." Diese Bitte gilt auch mir, und ist mein Trost, wenn ich nach diesem schönen Beispiele auch meinen Beleidigern herzlich verzeihe. - - - - Der reumüthige, gläubige Miſfethäter wird in der letzten Stunde begnadiget, der andere lästert, bleibt verstockt, und geht verloren zunächst an deinem Kreuze, o Jesu! Mit Furcht und Zittern hoffe ich auf dich, mein Heiland 14* 212 Am Charfreitage. und Richter! Wie du mit fürsorgender Liebe auf Mutter und Freund vom Kreuze herabsah'st; so schaue nun erbarmend auf mich vom Himmel herunter! do In deiner unaussprechlichen- stundenlangen Todesqual und äußersten Verlaffenheit russt du zu deinem Gott. In brennendem Durste wird dir Effig zur Labung gereicht. Stärke mich zur Geduld und zum Vertrauen, wenn ich in Noth gerathe, wo ich von Gott und Menschen verlassen zu sein glaube; wo mir von der Welt, statt des gehofften Trostes, nur Bitterfeit zu Theil wird! Du, Getreuester! sollst meine Zuflucht sein. An deinem Kreuze will ich das meinige niederlegen, um es wieder getroster auf mich zu nehmen. Gehorsam bis zum Tode, haft du dein Werk vollbracht, und übergibst mun in ruhiger Zuversicht mit geneigtem Haupt deinen Geist in die Hände Deines Vaters. Wie wird's einst mit mir stehen, wenn's heißen wird: Er hat's vollbracht? Wann werde ich einmal das Werk meiner Besserung, und was mir obliegt, vollbringen? Hilf mir dazu, du Urheber und Vollender meines Heils, 1 Am Charfreitage. 213 und nimm dann meine Seele zu dir auf! Die ganze Schöpfung feierte deinen Tod, o Gottmensch! die Sonne ward verfinstert; die Erde bebte; die Felsen spalteten, die Gräber öffneten sich; der Vorhang des Tempels zerriß! Blut und Wasser fließt aus deiner durchstochenen Seite. Wirke durch deine allmächtige Gnade auf mein Herz, daß ich, wie dort die erstaunten Zuschauer, gerührt an meine Brust schlage, und mit guten Vorsätzen nach Hause kehre! Bereite dir selbst in mir eine würdige Ruhestätte. Erfreue, beglücke und heilige meine Seele durch deine Gegenwart, wie dort die Seelen der frommen Väter in der Vorhölle, die so lange nach deiner Ankunft geseufzt hatten! Deine glorreiche Auferstehung erwecke auch mich zu einem neuen Leben, daß ich, der Sünde abgestorben, nur dir lebe, der du für mich starbst! Du mußtest durch so viele Mühe und Leiden in deine Herrlichkeit eingehen. Leite mich auf diesen Weg, der zum Himmel führt; stärke mich, daß ich dir folgen möge, um einst auch dahin zu 214 Am Charfreitage. kommen, wo du, unser göttlicher Freund! nun zur Rechten des Baters lebest und regierest, bis du einst als Weltrichter kommen wirst! O schau jetzt von deinem himmlischen Throne mit einem Gnadenblick auf mich herab, der mein Herz durchdringe, und mich zu dir hinaufziehe! Mein Auge sei auf dich gerichtet, und mein Wandel zum Himmel. Wie du dort segnend von deinen Jüngern Abschied nahmst; so ertheile nun auch uns deinen allmächtigen Segen. Sende uns den verheißenen heiligen Geiſt, den Geist der Wahrheit und Liebe, des Friedens und Trostes, der uns erleuchte, regiere und heilige, daß die Früchte deines großen Opfers uns wirklich zu Theil werden, und an keinem verloren gehen. Amen. Um das Leiden Christi recht zu betrachten, bedenke: 1. Was litt er? Er, der Unschuldige, der Heilige, der Beste der Menschen, der Sohn Gottes selbst? Ach, er litt den schmerzhaftesten und schmäh lichsten Tod, die grausamsten Martern Am Charfreitage. 215 an Leib und Seele, Alles zugleich, was am wehesten thut-- Undank und Spott, Verlaffenheit und Trostlosigkeit. Er litt als Mensch wie ich, mit aller schmerzhaften Empfindung, mehr, als je ein Mensch ausstehen, oder sich nur vorstellen kann. Ich Sünder, darf ich klagen, wenn mich einige Leiden oder Beschwerden treffen? - - 2. Warum litt er das Alles? Um unserer Sünden willen, aus erbarmender Liebe zu uns. Welch ein entsetzliches Uebel muß die Sünde sein, das nur durch das Blut des Gottmenschen getilgt und ausgejöhnt werden konnte! Aber noch größer war seine Liebe, da er die schwere Schuld und Strafe freiwillig auf sich nahm, um uns davon erlösen, uns Gottes Gnade und ewiges Heil zu erwerben. Damit du solltest selig sein, litt er für dich so viele Pein. - 5. Für wen litt er? Für alle Menschen für Unwürdige und Undankbare, für seine Feinde. Seine Liebe hat Alle umfasset. Darf ich einen von meiner Liebe ausschließen, der so theuer erlöſet ist, wie ich?- Wie groß ist der Werth 216 Am Charfreitage. der menschlichen Seele! Der Sohn Gottes hatte sein Leben für sie hingegeben. 4. Wie hat er gelitten? Mit standhafter Geduld und Ergebung, willig und schweigend, wie ein Lamm auf der Schlachtbank; Gott vertrauend und Gott gehorsam bis zum Tode, uns ein Beiſpiel hinterlassend, daß wir seinen Fußstapjen nachfolgen sollen.( Petr. 2.) 5. Was soll die Frucht seines Leidens sein? Daß ich der Sünde absterbe und nur dem lebe, der für mich gestorben ist; daß ich ihm getreu bleibe, und das Kreuz nachtragend, folge daß ich ge bessert, zum Guten angeeifert, zur Erfüllung auch schwerer Pflichten gestärkt; gegen meinen Nächsten liebreicher, in Widerwärtigkeiten geduldiger; in Allem zufriedener, Gott ergebener, und also endlich der Seligkeit theilhaftig werde, die mir mein Heiland so theuer erworben hat. - Dadurch will ich ihm meine dankbare Liebe beweisen. Das sei mein Vorsatz, so oft ich sein Kreuz betrachte, oder mich damit bezeichne. Was that'st, was litt'st du, Herr, für mich, Was thu', was leide ich für dich? 217 Gebet am Osterfeste. Gebet am Osterfeste. 1. Dewig preiswürdiger Gott, anbetungswürdiger Erlöjer der Welt, du bist auferstanden! Heil uns! dieser Tag ist angebrochen, der Tag, von welchem geschrieben steht: Dieser Tag, den der Herr gemacht hat; frohlocket und freuet euch desselben!" O hochheiliges Osterlamm: du hast deine Schafe und deine Lämmer errettet und erlöset! Du, der Urheber alles Lebens, bist aus dem Kampfe zwischen Leben und Tod siegreich hervorgegangen! O glorreicher König! du hast überwunden und lebest in Ewigkeit: du haft die Schlüssel des Todes und der Hölle! O Christus Jesus, unerschöpfliche Quelle der seligsten Hoffnungen! du bist auferstanden! Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome hatten Spezereien gekauft, und kamen am frühen Oftermorgen zu deinem Grabe, um dich zu salben. Und sie sprachen zu einander: Wer wird uns den Stein hinwegwälzen von der Thüre des Grabes?" Und da sie sich umschauten, sahen 218 Gebete am Osterfeste. sie, daß der Stein fortgewälzt war: denn er war sehr groß. Und sie traten ein in die Grabstätte und sahen deinen Engel in jugendlicher Gestalt sitzend auf der rechten Seite; er war bekleidet mit einem weißen Gewande; und sie wurden betroffen. Der Engel aber sprach zu ihnen: Entsetzet euch nicht vor Furcht! Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier: sehet den Ort, wo sie ihn hingelegt haben!" Darauf ermahnte er fie, deinen Jüngern und dem Petrus zu sagen, daß du nach Galiläa vor ihnen hergehen würdest und daß sie dich daselbst sehen sollten, wie du ihnen vorhergesagt hatteft. Möchte es mir heute vergönnt sein, dir, o göttlicher Erlöser, darzubringen die Spezereien eines dir wohlgefälligen herzlichen Gebetes, welches aus der Liebe zu dir hervorgeht, und die wohlriechenden Kräuter der dir angenehmen christlichen Tugenden, welche den Werth aller kostbaren Salböle und Balsame weit übersteigen.d In dem hochheiligen, allzeit öfterlichen, unblutigen Opfer des neuen Gebete am Osterfeste. 219 Bundes steigest du wahrhaft aus dem Altare hervor, wie aus dem Grabe in glorreicher Gestalt und feierst hier persönlich vor unsern Augen das gnadenreiche Auferstehungsfest! Dein gläubiges Volk bringt dir die Anbetung dar, und der lebendige Glaube, die wohlbegründete Hoffnung, die heilige Liebe, der Bußeifer, die Selbstverläugnung, die Eintracht und gegenseitige Aussöhnung, die Werke der Barmherzigkeit: das sind die Spezereien, welche dir gefallen. Über der große Stein des Anstoßes ist die Sünde. Overleihe uns gnädig, daß diese, die Sünde, durch die sakramentalische Buße hinweggeräumt werde, damit wir im Geiste und in der Wahrheit dich an deinen heiligen Altären anbeten; und die Ostern mit dir feiern in der besetigenden Vereinigung mit dir; durch die gnadenreiche Gemeinschaft deines glorwürdigen Leibes und Blutes. Verleihe uns, daß wir mit Aufmerksamkeit hören die Predigt deines heiligen Evangeliums, welches uns verkündiget der Diener deiner Kirche, die frohe Botschaft: Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte, ist auferstanden!" ( Sebete am Osterfeſte. Beseele uns mit der trostreichen Hoffnung, an welche das weiße Gewand des Engels erinnert; auch wir werden auferstehen und im verklärten Gewande der Unsterblichkeit in der seligen Gesellschaft deiner heiligen Engel ohne Aufhören dich loben und preisen. Diese Verklärung, zu welcher wir in diesem Leben vorbereitet werden sollen, wirket die bejeligende Vereinigung mit deinem allerheiligsten, verklarten Leibe. O verleihe uns gnädig, daß wir dieses glorreiche, allzeit österliche Sakrament mit tiefer Anbetung und inniger Liebe oftmals empfangen und durch einen darnach eingerichteten Lebenswandel in deiner Nachfolge, deine guadenreiche Verheißung an uns in Er füllung gehe: wer überwindet, der wird so angethan werden mit dem weißen Gewande der Rechtfertigung und der himmlischen Berklärung, und du willst ihn anerkennen vor deinem himmlischen Bater und vor deinen heiligen Engeln, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 220 2. Hochgelobt und gepriesen seieft du, o allgültiger, unendlicher liebreicher Gott Gebete am Osterfeste. 221 Christi, und Vater unseres Herrn Jesu für diesen hochfestlichen Tag, welchen du der Welt gegeben hast. Dieses ist auf Erden der Tag aller Tage, das Feft aller Feste, unsere Oftern, wodurch du nach deiner unendlichen Barmherzigfeit der Welt eine neue Geburt, eine neue Gestalt, eine vollständige Umwandlung gegeben und uns zu den seligsten Hoffnungen wiedergeboren hast, durch das Geheimniß der Auferstehung Jesu Christi von den Todten. Dadurch haft du uns fähig gemacht und berufen zu der Glorie der Auferstehung, indem du uns in der gnadenreichen Gemeinschaft des allerheiligsten, glorwürdigsten Leibes und Blutes des Gottmenschen das wahre und ewige Leben gibst. Dieses ist das anbetungswürdige, allzeit öfterliche Saframent, wovon derselbe dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland spricht, daß, wer dasselbe empfange, dadurch das ewige Leben habe und zur feligsten Auferstehung am jüngsten Tage gelange. TENSUTS Preis und Dank sei dir in Ewigkeit dafür dargebracht. Dieses ist das fostbare, österliche Erbtheil deiner Kirche, 222 Gebete am Osterfeste. deiner Gläubigen, wodurch du uns zu wahren Erben der höchsten und unvergänglichen Schätze und Reichthümer eingesetzt hast, wodurch du uns die Unsterblichkeit mittheilest, und wahrhaft heiligest und mit ewiger Schönheit schmückest. Dadurch willst du unsere Seelen umschaffen zu einem Himmel, in welchem die Gottheit wohnet, und der Geist Jesu, der Geist der Heiligkeit, der Unschuld und der Gnade verbleibet. Dadurch willst du uns ausrüsten mit der Kraft aus der Höhe, in der siegreichen Stärke deines allmächtigen Armes, daß wir in dem Kampfe dieses Lebens nicht unterliegen, sondern daß unser Glaube lebendig und in der Liebe thätig werde, und wir das große, ewige Heil erlangen, welches schon bereitet ist und in den letzten Zeiten in der Glorie der Auferstehung soll geoffenbaret werden. O laß hierin unsere wahre Freude, unsern höchsten Trost, die unerschöpfliche Quelle des innern Jubels und Frohlockens erkennen, suchen und finden. Lehre uns heldenmüthig kämpfen um diesen höchsten Preis, und siegreich überwinden in allen Prüfungen und Anfech Gebete am Osterfeste. 223 tungen, Leiden und Drangsalen dieses Lebens, welche nur gering sind im Vergleich mit dem, was du uns schon auf Erden in dem höchsten Gute gegeben und für jenes Leiden bereitet und aufbewahret haft. So möge unser Glaube kostbarer als das Gold, welches im Feuer geprüft wird, vor dir befunden werden, indem wir die Prüfungen bestehen und bewährt erscheinen, zu der fünftigen Belohnung und Auszeichnung, Glorie und Verklärung, Ehre und Verherrlichung zu gelangen, welche eintreten wird an dem ewigen Osterfeste deiner glorreichen Kirche in der Offenbarung der großen göttlichen Majestät Jeſu Chrifti, welcher mit dir lebet und reheiligen gieret in der Einigkeit des Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Der Herr ist erstanden. Von Novalis. Ich sag' es Jedem, daß er lebt Und auferstanden ist, Daß er in uns'rer Mitte schwebt, Und ewig bei uns ist, 224 Gebete am Osterfefte. Bajaid Jch sag' es Jedem, Jeder sagtunut Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Entzückt aus seiner Hand. Hinunter in das tiefe Meer Versenkt des Todes Grau'n, Und Jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schau'n. Der dunkle Weg, den er betrat, Geht in den Himmel aus. Und wer nur hört auf seinen Rath, Kommt auch in's Vaterhaus. Nun weint auch keiner mehr allhie, Wenn Eins die Augen schließt, Vom Wiederseh'n, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. Es kann zu jeder guten That Ein Jeder frischer glüh'n. Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönen Fluren blüh'n. Er lebt, und wird nun bei uns sein, Wenn Alles uns verläßt! Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungsfest. Gebet am Feste der Himmelfahrt Christi. 225 Gebet am Feste der Himmelfahrt Christi. Du hattest dein Werk auf Erden vollbracht, theuerster Erlöser! und gingst nun wieder zu deinem Vater zurück in den Himmel. Dort lebest und regierest du nun mit aller Gewalt, die dir gegeben ist zum Heile deiner Erlösten. Du, unser göttlicher Bruder und Freund einst so tief erniedriget, nun über Alles erhöht, zur rechten Hand Gottes! deff' freuen wir uns, und beten dich lobpreisend an. aft die Erde Du hast die Erde verlassen, weil dein Reich nicht von dieser Welt, und hier keine vollkommene Glückseligkeit zu finden ist. Unser Erdenleben ist nur eine Wanderschaft und Vorbereitung zu jenem himmlischen, in welches du uns vorangegangen bist. Hier haben wir keine bleibende Stätte; dort ist unser wahres Vaterland. Dorthin soll unser ganzes Verlangen und Trachten sein. Wenn ich aber zu dir dort hinkommen will, so muß ich erst nach Gottes Senfkörnlein. 15 226 Gebet am Feste der Himmelfahrt Christi. Willen meinen Beruf auf Erden erfüllen, wie du ihn erfüllet hast, mein Jesus! Es führt kein anderer Weg dahin, als den du uns vorgezeiget hast. Nur für treue Dienste, für ausharrende Mühe und Geduld, aus Liebe zu Gott, ist der große Lohn im Himmel bestimmt; nur durch erprobte Tugend muß er verdient werden. Je mehr ich hier, um Gottes Willen und mit Gottes Gnade, Gutes thue, oder Beschwernisse überwinde; desto größer wird dort meine Freude und Seligkeit sein. Wie viel mußtest du, D Jesu! vollbringen und leiden, ehe du in deine Herrlichkeit eingingst! Dein Bei spiel ermuntere mich, dir zu folgen; dein Beispiel stärke mich, deine Liebe ziehe mich nach dir! Herr! du hast gesagt: ,, Ich gehe hin, euch dort einen Ort zu bereiten, und ich werde wieder kommen, und euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr,* meine Getreuen! sein sollet." O welcher Trost, welche erhebende Hoff nung! Du vergisfest meiner in deiner himmlischen Herrlichkeit nicht; du sorgest auch dort für mich, und willst, daß ich einst immer bei dir sein soll. Gebet am Feste der Himmelfahrt Chrifti. 227 Ach, soll ich dieses Glück leichtsinnig verscherzen? Soll mir eine Mühe zu groß sein, um dieses zu erlangen? Nein, mein Jesu! Zu dir will ich aufschauen bei jeder Anreizung zur Sünde, unter den Mühseligkeiten des Lebens, bei Annäherung des Todes. - Schaue auch mit huldreichem Blicke auf mich herab, bis ich dich einst von Angesicht zu Angesicht in deiner liebenswürdigen Herrlichkeit sehe, ja, selbst derselben theilhaftig werde ewiglich! Amen. Liebe zu Besu. Meinen Heiland lass' ich nicht, Bei ihm find' ich Gnad und Leben. Er ist meine Zuversicht, Er hat sich für mich gegeben. Da er litt, da ward ich sein; Weil ich glaube, ist er mein. Treuer Heiland, laß mich nicht: Sei mein Führer in der Jugend; Sei im Alter noch mein Licht! Gib mir Trieb und Kraft zur Tugend! Sei mein Alles in der Zeit, Ewig meine Seligkeit! 15* 228 Gebet am Pfingstfeſte. pind Gebet am Pfingstfeste. Feuerrothe Zungen wallen Durch des Saales weite Hallen, Und im hohen Gottesmuth erglüht Der Apostel zagendes Gemüth. Der Morgen des jüdischen Pfingstfeftes war angebrochen und die Apostel sammt den übrigen Jüngern Jesu sammelten sich in dem Saale jenes Haufes, welches sie seit dem Tode des geliebten Meisters aus Furcht vor den Juden in einem abgelegenen Theile Jerusalems zu ihren gottesdienstlichen Versammlungen und Berathungen gemiethet hatten. In mannigfache Gruppen zerstreut, baten sie dennoch einstimmig ihren in den Himmel aufgenommenen Meister und Herrn, seines oft wiederholten Versprechens zu gedenken, und ihnen das so nöthige Licht des Geistes, den so nöthigen Tröster und Ermuthiger herab zusenden. Wie, ach, hätten sie, die Ungebildeten und Baghaften, den Befehl Jesu ohne sicheren Beistand auszuführen und dessen erhabene Lehre unter den hochgebildeten und götterstolzen Griechen und Römern mit Erfolg zu verbreiten vermocht!- Je tiefer sie, die Einfachen - - Gebet am Pfingstfeste. 229 und Redlichen, dieß fühlten, um desto brünstiger flogen auch ihre Bitten zum Himmel empor. her Nach standen sie im Gebete und tiefer Betrachtung ihrer Lage versunken, da brausete es plötzlich wie auf Windesflügeln durch die Gemächer und Gänge des Hauses. Funken knisterten und stoben in dem Raume des Saales umsammelten sich, und flammten in feuerrothen Zungengestalten über den Häuptern der frommen Beter! Geist Gottes, du verheißener Geist der Wahrheit, der Kraft und Wunder! Du warst es, der in diesen flammenden Zungengeſtalten über die Jünger Jesu kam! D, welche wunderbare Wandlung wurde durch diese deine Herabkunft in den Seelen und Herzen der Anwesenden bewirket!- Sie, denen bisher der hohe, gottgeschöpfte Geist der Lehre Jeſu, ungeachtet aller Bemühungen des großen Lehrers, fremd geblieben, erkannten und fühlten nun tief im Herzen: daß nur in ihr das wahre Heil hienieden und jenseits zu finden sei. Sie, deren Herzen bisher in feiger Furcht vor den Nachstellungen und Verfolgungen der 230 Gebet am Pfingstfeste. Juden erzitterten, traten nun furchtlos vor dieselben, ja selbst vor die grausamen Heiden hin, und predigten Christum den Gekreuzigten, den von den Todten Erstandenen mit beredten Zungen. An den Funken ihrer göttlichen Begeisterung entzündeten sich in kurzer Frist eine Menge Herzen in reicher, thatenbringender Liebe für das Wahre und Göttliche, Ewige und Himmlische, und das Reich Gottes breitete seine segenvolle Herrschaft immer weiter und weiter aus. O welchen Dank sind wir Christen demnach dir, du göttlicher Geist! schuldig, der du durch die wundervolle Ausströmung deines Lichtes und deiner Gnaden den Aposteln und Jüngern Jesu den Bau des göttlichen Reiches, dessen Grundstein Christus, der Herr, ist, zum Heil der gesammten Menschheit beginnen und emporführen halfft. Dank und Preis aber auch dir, o Herr und Vater! der du den heiligen Geift herabfandtest aus deinem Himmel über die Apostel und alle Anhänger deines göttlichen Sohnes und dir, o Jesus! der du ihn vom Vater deinen Jüngern und uns erbatest! Amen. Gebet am Feste der heil. Dreieinigkeit. 231 Gebet am Feste der heiligen id Dreieinigkeit. Bater, Sohn und heiliger Geist! Einiger Gott in drei Personen! Mein Schöpfer, mein Erlöser, mein Heiligmacher! Ich bete dich in tiefster Demuth an. So unbegreiflich unserem schwachen Verstande dein ewiges, höchstes Wesen ist; so huldreich gibst du dich uns durch den Glauben zu erkennen, in deinen herrlichen Werken, in unzähligen Wohlthaten und durch dein heiliges Wort. Ich danke dir für alles Gute, das du mir durch die Erschaffung, Erlösung und Heiligung erzeiget hast. hup Alles, was ich durch deine Gnade bin und habe, an Leib und Seele, mein ganzes Herz und Leben, bringe ich dir wieder zum Opfer, übergebe es dir ganz und gar, und will es nur zu deinem heiligen Willen und Wohlgefallen gebrauchen. - - - Meine kindliche Ehrfurcht und Liebe, mein Gehorsam, mein Dank und Vertrauen sei dir heute und auf immer angelobet. 232 Gebet am Feste der heil. Dreieinigkeit. Auf deinen Namen, dreieiniger Gott! bin ich getauft und dir geweiht worden. Was dort in meinem Namen mein Taufpathe versprochen hat, das gelobe ich dir heute auf's Neue, und will es mit deinem Beistande treulich halten. Als dein gehorsames Kind, Vater im Himmel! als dein dankbarer Erlös'ter und treuer Nachfolger, o Jesu! als dein geheiligter lebendiger Tempel, o heiliger Geist! will ich mich verhalten, dem Bösen entsagen, mich der ertheilten und verheißenen Gnade würdig zu machen streben. Wie ich an dich glaube, dreieiniger Gott! und auf dich hoffe, so will ich auch meine Liebe zu dir durch genane Haltung deiner guten Gebote beweisen. Das sei mein Sinn und Vorsatz, so oft ich mich mit dem Zeichen meines Glaubens, dem heiligen Kreuze, bezeichne: Bater, Sohn, heiliger Geist! segne stärke, bewahre, regiere mich, bis daß ich dich einst mit allen Engeln und Heiligen vollkommener erkennen, lieben, preisen und anbeten möge! Amen. Gebet am Frohnleichnamsfeste. 233 dies. judn Gebet am Frohnleichnamsfeste. Wir feiern heute das Triumphfest unserer heiligen Religion, das Fest dei nes herrlichen Sieges, o Jesu! den du über deine und unsere Feinde, über Sünde und Tod errungen hast. Darum geht uns das Kreuz mit fliegenden Fahnen, als Siegeszeichen voran. Deswegen wird uns das Evangelium viermal gelesen, weil es sich an allen vier Enden der Welt verbreitet und erhalten hat. Dahin deutet und zielet das Geläute der Glocken, die Anzahl der brennenden Kerzen, der lauterschallende Lobgesang mit dem vereinigten Gebete deines Voltes, und all' das hochfestliche Gepränge in Kirchen und Straßen. Alles dir zur Ehre, und uns zur heiligen Freude. Dank, ewiger Dank sei dir für die übergroße Liebe, die dich bewog, vom Himmel herabzukommen, um uns zu erlösen und selig zu machen, und, zum ewigen Andenken daran, dieses heilige Sakrament einzusetzen, wo du dich unter der geheiligten Brodgestalt zur Speise unserer Sünden hingibst, und auf dem Altare zum unblutigen Opfer für unsere 234 Gebet am Frohnleichnamsfeste. Sünden darstellest! Demüthig glaubend, verehren wir dieses Wunder der Liebe. Noch bist du mitten unter uns, göttlicher Heiland! wie du einst auf Erden gewandelt, und alle deine Fußtritte und Wohlthaten bezeichnet hast. wie du dort bei'm Abschiedsmahle unter deinen Jüngern saßest am Kreuze dein Leben für uns hingabit nun aber im Himmel ewig lebest und regierest. Auch in deiner göttlichen Herrlichkeit bist du noch der liebevolle Menschenfreund, uns immer nahe, und bereit, unjere Bitten anzuhören und zu gewähren. Wir beten dich, unser Herr und Gott! in diesem heiligen Sakramente als wirklich gegenwärtig an; geloben dir ewige Treue und Folgsamkeit, und ergeben uns dir gänzlich, wie du dich ganz für uns hingegeben hast, und noch dich selbst nun dargibst. Vereinige uns ganz mit dir, und in dir; in heiliger Liebe! Ach, verzeihe unsern Kaltsinn und Undank, alle die Unehre, die dir besonders in diesem heiligen Sakramente widerfährt: Nimm dafür unsere heutige Huldigung und Abbitte gnädig an! Entziehe uns nnr deine Gnade nicht! Segne uns durch deine huldreiche Gegenwart, durch - Gebet am Frohnleichnamsfeste. 235 dein Kreuz und Leiden! durch dein heilbringendes Evangelium, durch dein allvermögendes Mittleramt im Himmel, wo du uns zum Besten lebest und regierest mit dem Vater und dem heiligen Geiste in Ewigkeit. Amen. Ecce panis Angelorum. Christen! seht die Engelspeise, Die uns, wunderbarer Weise, Jesus auf der Pilgerreise Dieses Lebens liebreich schenkt! Laßt in Staub uns niederbeugen, Dank und Ehre dem erzeugen, Vor dem sich die Himmel neigen, Unserm Heiland, Herrn und Gott! Bum ersten Segen. Wir beten, Herr, dich gläubig an, Als wirklich uns zugegen; Was du zum Heil der Welt gethan, Ist unser größter Segen. Du fegnest uns noch für und für; Wir preisen dich, und danken dir. Bum zweiten Segen. Du bist im heil'gen Sakrament Wahrhaftig uns zugegen; Herr! bleib' bei uns bis an das End', Ertheil' uns selbst den Segen! Es bleibe, geh'n wir gleich von hier, Doch allzeit unser Herz bei dir! 236 Am Kirchweihfeste. Am Kirchweihfeste. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, o Herr! ewige Heiligkeit.( Psalm 22, Vers 5.) Heute ist der Tag, an dem unsere Kirche zu deiner Ehre, und zu deinem Dienste, o Gott! eingeweihet wurde. Nun ist sie das Haus Gottes! und was will dieß nicht sagen? Da kommen also alle guten Kinder, wie im Hause ihres Vaters zusammen, da loben und preisen wir unsern Gott, tragen ihm unsere Anliegen vor, und beten gemeinschaftlich zu ihm. Da redet auch Gott zu uns durch seine Priester läßt uns sein Wort verkündigen, eriahnet und drohet, unterrichtet und tröstet uns. Da sind wir durch die Taufe zu Christen eingeweiht worden; da spricht man uns von Sünden los, da wird geopfert, und die Speise des Lebens, der Leib und das Blut Jesu Christi den Gläubigen mitgetheilt. — - er Ja, Jesus Christus ist da immer im heiligsten Sakramente zugegen, wartet gleichsam auf uns, ein mit freundlicher Stimme: ,, Kommet ladet uns Am Kirchweihfeste. 237 her,( so ift's mir, als hörte ich ihn rufen) kommet her zu mir Alle, die ihr zu schwer beladen seid, ich will eure Laft erleichtern und euch erquicken." Ogroßer Gott! wie heilig und vortrefflich ist nicht dieses Haus! daß ich doch alle Zeit recht fleißig und ordentlich darin erscheinen, und mich jedesmal ernstlich erinnern möchte, wohin ich gehe, und wo ich mich befinde, wenn ich in der Kirche erscheine. Da wäre es freilich nicht möglich, daß ich mich an dieser heiligen Stätte noch einmal versündigen, und anstatt zu beten oder aufzumerken, mich dem Geschwätze oder andern Ausschweifungen ergeben könnte? Ach, alles Böse, das ich jemals in der Kirche begangen habe, bereue ich von Herzen, und bitte: Verzeihe mir, bester Gott! Dein Haus ist heilig, und ich will es nicht mehr entweihen; es ist ein Gebethaus, und ich will es zu feiner Mördergrube, zu teinem Geschwätzund Geschäftshause machen. Es ist ein Haus der Gnade und des Segens, ich will es nicht mehr scheuen, nicht mehr von ihm fliehen. Ohne Zwang, mit Freude und Vergnügen will ich mich - - 238 Am Kirchweihfeste. jedesmal gern in die Kirche begeben, und mich glücklich schätzen, daß ich im Hause meines Vaters erscheinen, und darin so viel Gutes lernen, wirken und empfangen kann. Auch Andern will ich den Besuch der Kirche empfehlen, und sie darin jedesmal durch meine Frömmigkeit zur Ehrfurcht und Andacht zu ermuntern suchen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Biebenter Abschnitt. Gebete zur Berehrung der seligsten Jungfrau Maria und der Beiligen. Ein süßduftender Blüthenkranz. Verehrungen der Heiligen, zur Ehre Gottes und Jesu Christi. ie Gedächtnißtage der Heiligen im Himmel, und jedes Angedenken an sie sollen dich, mein Christ! zu einer heiligen Freude und zur dankbaren Lobpreisung Gottes ermuntern, der sich in seinen Auserwählten verherrlichet, die Welt mit ihren Tugenden erleuchtet, und so viel Gutes durch sie gewirket, hat, davon wir die Früchte noch wirklich vielfältig genießen. Dieß soll dich im Vertrauen auf Gottes Beistand, der auch dir angeboten ist, stärken; es foll das Verlangen in dir erwecken, ihrer Seligkeit theilhaft zu werden, und dir 240 Verehrungen der Heiligen. Muth einflößen, ihren Beispielen zu folgen, weil dieß der Weg ist, zu ihnen zu kommen; indem Niemand selig wird, der nicht heilig lebt. Was den Heiligen kann mit " nach dem Maß deiner Kräfte und Umstände auch von dir geschehen; was ihnen nothwendig war, ist es auch dir. Nicht alle Thaten, die in manchen, oft unzuverlässigen Lebensbeschreibungen erzählt werden, sondern ihre Tugenden, das ist: ihre herzliche, thätige Gottes und Menschenliebe; ihre Standhaftigkeit im Leiden und im Kampfe gegen eine reizende oder verfolgende Welt, und gegen ihr eigenes Herz; ihr brennender rastloser Eifer für's Gute, ihre unablässige Trene in Erfüllung ihrer Pflichten, ihre vollkommene Ergebung in Gottes Willen werden zur Nachahmung vorgestellt. - Die Heiligen waren auch von Natur schwache Menschen, lebten in einer gefahrvollen Welt, viele in dem nämlichen Stande, wie du; hatten mit Leidenschaften, Versuchungen und bösen Gewohnheiten zu kämpfen;- sie stegten über alle diese Hindernisse, über zur Ehre Gottes und Jesu Christi. 241 welche du flageft, durch die nämlichen Gnadenmittel, welche auch dir angeboten sind, und gingen so in die Herrlichkeit ein, welche auch dir bereitet ist. Durch solche Betrachtungen muß die Verehrung der Heiligen zur wahren, nützlichen Andacht werden. Die Anrufung der Heiligen wird von der katholischen Kirche zwar nicht für nothwendig gehalten, aber doch gestattet und gut geheißen. Gott ist Vater, immer bereit zum Erbarmen und Wohlthun; seine eigene Liebe bewegt ihn dazu. Immer steht uns der Zutritt zu ihm offen; wir dürfen mit kindlicher Zuversicht uns geradezu an ihn wenden. Bei ihm bedarf es solcher Umwege nicht, feiner solchen Empfehlungen und Vorstellungen, wie bei den Großen der Erde, zu denen man oft erst durch ihre Günstlinge, zur gelegenen Zeit und Laune, den Zutritt sich öffnen muß. Wenn die Heiligen für uns bitten, so tragen sie Gott ihre liebevollen Wünsche für uns vor. Sie lieben uns als ihre Brüder, haben Mitleid mit unsern Schwachheiten und Leiden, und Senfkörnlein. 16 242 Berehrungen der Heiligen 2c. nehmen herzlichen Antheil an unserm Wohl, wie alle guten Menschen. Aber ihre theilnehmende Liebe ist weit erleuchteter, als der Frommen auf Erden ihre, die für einander bitten. Sie sehen den Zusammenhang der Dinge, und die Ordnung, nach welcher Gott seine Welt regiert, weit beffer ein; sie wollen seiner weisen Güte nicht vorgreifen; sie wissen aus Erfahrung, wie nothwendig und heilsam dem Menschen manches Trübsal ist. Sie werden also Gott nicht um plötzliche, wunderthätige Hilfe, oder Erlösung aus unserer Noth bitten, wie wir sie oft wünschen. Ihr Gebet ist immer nur das, was Gott will, und was wahrhaft nicht nach unserer Meinung das beste ist. - So sei auch dein Gebet beschaffen, mein Christ; es soll dadurch vollkommener werden, wenn du es an das Gebet Mariä und der Heiligen gleichsam anschließest, und sie anrufest, mit dir und für dich bei Gott zu bitten. Es muß ein vernünftiges, gottgefälliges Gebet sein, daß auch die Heiligen mit einstimmen mögen. Weißt du gleich nicht, wie sie deine Gedanken erfahren: Berehrung Mariens ic. 243 so sagt dir doch dein Glaube, daß du in Gemeinschaft der Heiligen stehest, und in ihr himmlisches Gebet eingeschlossen bist. Und welcher Trost für dich, wenn du so betest, daß du denken kannst: So wird auch im Himmel für mich und meine Brüder gebetet! Dieß sind die Ursachen, Absichten und Bedingnisse der von der Kirche gutgeheißenen Anrufung der Heiligen. Die Kirche richtet an den Gedächtnißtagen derselben ihre Gebete allezeit geradezu an Gott, und beschließt sie mit den Worten: durch Jesum Christum, unsern Herrn. Und dieser göttliche Mittler sprach ſelbst( Joh. 16, 26.):„ Ich sage nicht, daß ich für euch bitten werde; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb." Er wollte uns also unmittelbar an seinen himmlischen Vater anweisen, und unser Vertrauen nicht so sehr auf seine Fürs sprache, als auf die göttliche Liebe gründen. - Verehrung Mariens, nach Christus Sinn. Einst erhob ein Weib, das eine herrliche Rede Jesu angehöret hatte, ihre 16* 244 Verehrung Mariens. Stimme, und sprach zu ihm: ,, Glüdselige Mutter, die dich unter ihrem Herzen trug, und an deren Brust du als Säugling lagst!"" Ja," erwiederte er, glückselig sind die, welche Gottes Wort hören und bewahren!" Kann ich nun noch zweifeln, ob ich dich verehren darf, Mutter Jesu Christi? Kann ich nun noch lange fragen, wie ich dich verehren soll? Gerührt von der Würde, Weisheit und Kraft, mit welcher dein Sohn sprach, und vielleicht schon länger mit so Vielem bekannt, was ihn so groß und liebenswürdig machte, pries dich einst eine redliche Israelitin glückselig, daß du seine Mutter warst; und er ließ sich die öffentliche Verehrung, welche dir vor allem Volke erzeigt wurde, wohlgefallen. Er liebte dich mehr, als der zärtlichste Sohn seine Mutter lieben kann. Jetzt stehest du vor seinem Throne, wo du unaufhörlich neue Beweise empfängst, wie hoch und theuer er dich schätzte. Wird er es nicht gnädig ansehen und annehmen, wenn die Ändacht seiner Berehrer auch dich verehrt. Er, nach Christus Sinn. 245 welcher sogar versicherte, daß er Alles, was man auch nur einem seiner geringsten Brüder erzeige, so aufnehme, als ob es ihm selbst widerfahren wäre? O wie viel Ursache haben wir, dich zu verehren! Wie Vieles haben wir dir zu verdanken! Du gebarst und erzogst uns den, in welchem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, und der der Welt das wahre Leben gab. Wenn die Weisheit, mit welcher er lehrte, mich zur Bewunderung hinreißt- wenn mich seine unerhörten Thaten in Erstaunen setzen wenn seine Leutseligkeit und Menschenliebe, wovon er auf allen seinen Wegen die schönsten Denkmale zurückließ, mein Herz mit sanfter Gewalt an ihn zieht wenn ich mich vor seiner unbefleckten Heiligkeit beschämt niederbeuge wenn ich ihn unter den schwersten Leiden mit Heldenmuth den Willen Gottes vollenden und am Kreuz zum Heil des Menschengeschlechtes verbluten ſehe wenn ich ihm nachblicke, wie er, losgerissen von den Banden des Todes, sich von der Erde in den Himmel erhebt wenn ich vor ihm, dem alle - 246 Verehrung Mariens, Gewalt im Himmel und auf Erden übergeben ist, anbetend niederfalle wenn ich's empfinde, wie kräftig seine göttliche Lehre zu meiner Besserung und Beruhigung ist- wenn mich irgend eines seiner Worte, deren jedes Geist und Leben ist, erquickt wenn ich den vollen Segen überschaue, der durch ihn bereits über die Welt verbreitet worden ist, und in allen kommenden Zeiten verbreitet werden wird- wenn von seinem Ruhm, dessen mein Herz voll ist, auch mein Mund übergeht- und ich dann deiner gedenke, Größte unter den Müttern! sollt' ich dich alsdann nicht innig verehren? Chrt man doch eine Mutter, die einem Lande an ihrem Sohne den weisesten und wohlthätigsten Regenten gab! Jeder Uuterthan, der sich seines Herrschers freuet, spricht auch ihren Namen mit Ehrfurcht und dankbarer Liebe aus! Mutter Jesu Christi! solltest du dieß nicht vielmehr verdienen? - - Hättest du dich je der ausnehmenden Ehre, Mutter des großen Menschensohnes zu sein, durch den alle Geschlechte der Erde gesegnet werden sollten, durch nach Christus Sinn. 247 deine erhabene Tugend nicht so würdig gemacht; wäre uns dein eigenes persönliches Verdienst auch nur zweifelhaft und unbekannt dann dürften wir vielleicht Bedenken tragen, dir unsere Verehrung zu widmen. Aber du haft dich in der verehrungswürdigsten Gestalt deiner Zeitgenossen dargestellt, und die späte Nachwelt hat dich darin kennen gelernt. So sparsam die Nachrichten von dir sind, welche uns die Borsehung aufbehalten ließ; so wenig Aufsehen du in deinem einsamen niedrigen Leben machtest; so zeigen uns doch deine Reden und dein ganzes Thun und Lassen genug, was die ausgezeichnetste Hochachtung verdient. Wir erblicken an dir die reinste und demüthigste Gottesverehrerin, welche dem Worte des Allmächtigen und Wahrhaftigen glaubte, in so viele Dunkelheit seine Verheißungen auch gehüllt sein mochten; und die sich seiner Führung getroft überließ, wenn sie gleich unerforschliche Wege, die sie gehen sollte, vor sich sah. Nie sahest du eitel oder murrend auf den erloschenen Glanz deiner Voreltern zurück, du warst mit - - 248 Verehrung Mariens, dem Loose der Niedrigkeit, was dir zufiel, zufrieden; du ließest den Vorzug, den dir Gott vor allen Müttern gab, dein Herz nicht aufblasen. In stiller Demuth nahmst du ihn aus der Hand Gottes an, und in stiller Gelaffenheit ertrugst du die bittern Leiden, die der Tod eines solchen Sohnes deinem mütterlichen Herzen verursachte! Nichts befleckte deine jungfräuliche Unschuld; und wenn sie gleich mißkannt wurde, so erwartetest du doch geduldig die Zeit, in welches sie dein Gott in's hellste Licht setzen würde. An dir fand Joseph die treucste Gehilfin; dein Sohn, so lang er unter deiner Aufsicht stand, die sorgfältigste Mutter; deine Freunde die dienstfertigste Freundin, die da, wo sie Mangel sah, ihn zu entfernen, und wo sie Freude sah, sie fortdauernd zu machen suchte. Immer nahmst du an dem großen Geschäfte deines Sohnes, als Mutter, den ersten Antheil, dientest ihm dabei mit sorgsamer Liebe, folgtest ihm nach, und standest unter den guten und edlen Seelen, die ihm sein Vater gegeben hatte, oben an. - 249 nach Christus Sinn. nis Ich müßte Gottes ersten Lieblingen meine Verehrung versagen, ich müßte fie der Tugend verweigern, wenn ich sie dir, du Auserwählteste und Würdigste deines Geschlechtes, nicht vorzüglich schuldig zu sein glaubte. Sist So lange ich dich kennen werde, aber nie will ich dich also verehren anders als nach Christus Sinn. Eine andere Verehrung würde dir selbst mißfällig sein, da du Eines Sinnes mit Sie deinem göttlichen Sohne bist. wäre Entehrung für ihn und für dich. Davon bleibe meine Andacht ewig entfernt. Sollte ich meine Augen so underrückt auf dich richten, daß mir Jesus Christus, mein Heiland und Oberhaupt, darüber gleichsam ganz aus dem Gesichte käme? Sollte ich meine Ehrerbietung gegen dich meiner Anbetung seiner Gottheit unvermerkt gleich kommen lassen? Sollte ich mich mit herzlicherem Vertrauen an dich, als an ihn, den Mittler zwischen Gott und den Menschen wenden? Das verhüte Gott und Jesus Christus, daß ich seiner Ehre so zu nahe treten, und zugleich dir selbst so 250 Verehrung Mariens. beleidigen sollte! Oder soll ich dein liebenswürdiges Beispiel durch fabelhafte Züge verunstalten? Bedarf die Mutter meines Erlösers frommer Erdichtungen, wenn sie meinem Herzen theuer und werth sein soll? Weg mit allen Träumereien und Täuschungen des Aberglaubens, die deiner wahren Ehre nur nachtheilig sind. Im Lichte der reinen Wahrheit erscheinst du im schönsten Glanze. O wann wird die Zeit kommen, daß deine Verehrung geläutert und geistiger werden wird? Wann werden wir aufhören, sie nach dem Maße unaufhörlich wiederholter, mit Gedankenlosigfeit hergesagter Lobpreisung abzumessen, und dieser Andacht, so herzlich sie gemeint sein möchte, mehr Werth als den weisern Uebungen des Christenthums bei zulegen? „ Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren" so sprach unser Herr. So gab er den Lobsprüchen, die du empfingst, die rechte Richtung; so beugte er schon lange jeder falschen und unchristlichen Verehrung vor. Ach, jo viele deiner eifrigsten Berehrer begnügen nach Christus Sinn. 251 sich, dich mit den Worten des Engels anzureden, stimmen anzuflehen. Lobgesänge auf dich anzu und dich um deine Fürbitte Darüber versäumen und vernachlässigen Manche das Anhören und Bewahren des göttlichen Wortes, wodurch sie erleuchtet, gebeffert, beruhiget und beseliget werden sollen. Ach, wie Viele rechnen sich sogar ihre abgezählten, gedanfenlos hergesprochenen Anreden an dich zum Verdienste an, welches die Unarten ihres Herzens vergüten soll! Wie viele sind pünktlicher und gewissenhafter in den dir gewidmeten Andachten, als in der Erfüllung der wesentlichsten Pflichten der Religion und ihres Berufes! So gereicht deine Verehrung dem Christenthum zum Anstoß und Nachtheil, da sie ihm zur Aufnahme dienen sollte. Das kann dir nicht gefallen, seligste Jungfrau. Du selbst wurdest nicht anders selig, als dadurch, daß du Gottes Wort hörtest und bewahrtest. Auch uns ist kein anderer Weg zur Glückseligkeit gebahnt und geöffnet, als dieser. Wenn ich mit menschlicher und englischer Beredsamkeit dich lobpreise, so - 252 Verehrung Mariens 2c. wäre ich doch nichts als eine klingende Schelle, die zwar einen angenehmen Laut von sich gibt, aber sich und Andern nichts nützet; wofern deine Verehrung mir nicht Anweisung und Antrieb wäre, der Lehre deines Sohnes, mehr als Allem in der Welt, Gehör zu geben, und Folge zu leisten. Dieß sei mir unvergeßlich. Wenn ich deinen Namen nenne oder nennen höre, wenn ich dein Bild erblicke, oder dich mit den Worten des Engels begrüße, so sei mein Gedanke und Entschluß dieser: ,, Mutter meines himmlischen Lehrers! ich will Gottes Wort, das er mir hinterließ, hören und bewahren." Kann ich dir zu Ehren etwas Größeres und Besseres thun! Mein Gott! mache mich immer weiser in allem meinen Thun. Es werde mein ganzes Christenthum dir täglich wohlgefälliger. Amen. - 253 Trostgebet zum Angebenken 2c. Trostgebet zum Angedenken der Leiden und Freuden Mariä. Du hattest der Leiden viele, seligste Mutter meines Erlösers, aber auch der Freuden viele. Als er am Kreuze hing, drang der Schmerz wie ein Schwert durch deine Seele; und die Liebe, mit welcher er noch sterbend für dich sorgte, ging dir noch mehr zu Herzen. Aber welche Himmelsfreude empfandest du, da er als Kind in deinem Schooße lag! 3war verbitterte sie dir Herodes Blutdurst wieder. Doch ersetzte dir Gott die ausgestandene Angst durch tägliche unzählige Mutterfreuden an deinem liebenswürdigen göttlichen Kinde. Dein Kummer über seinen Verlust auf der Heimreise von Jerusalem ging in desto freudigeres Erstaunen über, als du ihn daselbst unter den bewundernden Lehrern fandest.. Ihn, den von Gott gesandten Lehrer und Heiland, von seinen verblendeten und undankbaren Landesleuten so verfolgt zu sehen, ach! das mußte freilich deinem Herzen überaus wehe 254 Trostgebet zum Angedenken thun. Aber wie viele Freude schöpfte es doch aus seiner hohen Tugend, aus seinen unerhörten Thaten, aus seiner himmlischen Lehre! So hast du immer seine Leiden gelindert durch die daneben stehenden Freuden, und sie überwunden durch das Vertrauen auf Gott, und durch die getroste Hoffnung eines glückseligen Ausganges derselben; gestärkt durch das Beispiel deines Sohnes, und seine trostvolle Lehre, die du so treulich in deinem Herzen bewahrtest. O, wie freutest du dich nach der Auferstehung deines Sohnes aller überstandenen Leiden! Und wie freuest du dich ihrer jetzt im Himmel, da du die wohlthätigen Absichten, die Gott dabei hatte, und den ausgebreiteten Segen, den die Welt davon genießt, vollkommen einsiehst, und für deine Standhaftigkeit auf's herrlichste belohnet ist! So bleiben also, o Gott! auch deine auserwähltesten Freunde vom Leiden nicht frei! Auch deines vielgeliebten Sohnes und seiner Mutter verschontest du nicht! Sie mußten auf dem Weg der Leiden in ihre Herrlichkeit eingehen. Understand und Undank wäre es, ber Leiden und Freuben Mariä. 255 dagegen zu murren, oder sie als Zeichen deiner Ungnade anzusehen. Nein, mein Gott und Vater, Alles, was mir begegnet, will ich mit Dank und Ergebenheit aus deiner Hand annehmen, mit Gelassenheit tragen, und weislich zu meiner Besserung und zu meinem Heil benützen. Ich bin ein Mensch, der nach deiner weisen Güte von Schmerzen nicht ganz frei bleiben kann. Ohne sie würde ich nicht zur Erkenntniß des Guten und Bösen kommen; ohne sie würde die Tugend ihre Vollkommenheit nicht erreichen. So werden mir auch die Schmerzen Wohlthat, und ich danke dir desto herzlicher dafür, wel du mir auch so viele Freuden bereitet haft, die das Gefühl meiner Schmerzen mäßigen sollen. Wenn mir die Leiden der Meinigen Seufzer und Thränen auspressen: so lehre mich, das Vergnügen berechnen, das du mir durch sie schenkest. Wenn mich der Schmerz der gedrückten und gepeinigten Tugend schmerzt: so führe mir zu Gemüthe, wie viel Segen und Verdienst ihr Leben, und selbst ihr Leiden ist. Wenn ich am Sterbbette geliebter 256 Troftgebet zum Angedenken Freunde jammere, so zeige mir die Freuden der zukünftigen Welt, wo du alle deine guten Kinder wieder zusammenführen, und in ewiger Liebe beglücken wirst. Das Beispiel des kindlichen Gehorsams und Vertrauens, und der ausdauernden Geduld, welches mir Jesus und seine Mutter im bittersten Schmerze gaben, stärke mich zur Gelassenheit in meinem weit gelindern Leiden. Was mir seine heilige Lehre von deiner liebreichen Fürsorge für mich unter allen Widerwärtigkeiten sagt, und was sie mir von dem seligen Ende aller christlich ertragenen Trübsale verkündigt das erhalte mich muthig, getrost und standhaft, um deinen väterlichen Willen, im Leid, wie in Freude, zu vollbringen! Dieß gelobe ich dir, o Gott! beim Angedenken an die ehemals schmerzhafte, nun frendenvolle und allerseligste Mutter meines Erlösers. Sie, die aus Erfahrung weiß, was Leiden ist, bittet nun auch für mich, wie für alle Menschen, bei dir, o Gott! daß deine liebevollen Absichten an uns in Erfüllung gehen, und endlich Alles zu unserm Besten der Leiden und Freuden Mariä. 257 gereichen möge. Dir und Ihm sei Ehre und Dank für Alles in Ewigkeit. Amen! Der Engelsgruß soll eine stete Erinnerung an die große Wohlthat der Menschwerdung Christi, und jede Wiederholung derselben eine Alle Ehre, Danksagung dafür sein. welche der Mutter erwiesen wird, fällt auf ihren göttlichen Sohn zurück, auf ihn sei vorzüglich deine Andacht gerichtet. Wenn du die sogenannten Geheimnisse einlegest, so bedenke dabei die Absicht seiner Menschwerdung und seines Lebens auf Erden, seine Geduld im Leiden, und seine jetzige Herrlichkeit, in welche er, sowie seine treue Mutter, auch dich aufnehmen will, wenn du ihm folgest, wie sie. Nicht abgezählte Wiederholungen, sondern die guten Gesinnungen machen das wahre Gebet aus. Wenn das gewöhnliche Zeichen des Engelsgrußes gegeben wird, so benütze diese Augenblicke, deine Gedanken aus der Zerstreuung zu sammeln: komm' zu dir selbst zurück; überschaue die überlegte Hälfte des Tages, besinne dich, 17 Senfkörnlein. - 258 Trostgebet zum Angedenken was in deinem Herzen und Leben vorging, wie du deine Vorsätze gehalten, was du nun zu thun und zu verbessern, wovor du dich in Acht zu nehmen hast, und fasse neuere festere Entschlüsse. Auf solche Weise wird dieser bei den meisten zwecklos gewordene Kirchengebrauch zur wahren fruchtbaren Andachtsübung, und zum wirksamen Tugendmittel. Gegrüßt sei auch von uns, du hochbegnadigte Jungfrau Maria! Wir freuen uns der glückseligen Botschaft, die dir der Engel gebracht, und aller Gnade, die Gott an dir gethan hat. Du hast dich derselben durch treue Mitwirkung und Anwendung so würdig gemacht. Der Herr sei mit dir, und du mit ihm. Wie er dich ehrte, so gabst du ihm die Ehre für Alles. Wie er dich führte, so folgtest du ihm mit Demuth und Ergebung, voll Glaubens und Vertrauens, festhaltend an sein Wort und seine leitende Hand. Du bist gebenedeit unter den Weibern, die gesegnetste aus allen Müttern bist du. Die ganze Christenheit preiset dich selig. Du haft der Welt den größten Segen gebracht durch die gebenedeite Frucht deines Leibes. der Leiden und Freuden Mariä. 259 Mutter unsers Heilandes, wie lieb und verehrungswürdig bist du uns seinetwegen! Du zeigst ihn uns auf deinen Armen, auf deinem Schooß, und weisest uns mit unserer Verehrung und Andacht auf ihn hin. Ihm sollen wir vertrauen und folgen, so werden wir begnadigt und selig. Heilige Maria! deine Tugend for dert uns zur Nachfolge auf, und deine Mutterliebe bitte für uns arme Sünder bei Gott um Alles, was zu unserm wahren Heil gereicht, wie es sein heiliger Wille ist; vorzüglich aber, daß wir jetzt uns durch ein frommes gebessertes Leben zu einer glücklichen Sterbestunde bereiten, und dereinst jener Seligkeit theilhaftig zu werden, welche dir und uns die himmliche Botschaft verkündiget hat. Amen. Marianische Litanei. Sieh uns versammelt hier zu deiner Ehr', anbetungswürdiger Sohn Gottes, Jesus Christus, unser Herr! Auch sie, die dich zum Heil der Welt gebar, ist würdig, daß wir sie verehren, wir ehren sie zu deiner Ehre! Dein Vater hatte an ihr Wohlgefallen, 17* Trostgebet zum Angedenken und erwählte sie aus allen dir zur) Mutter, Aus ihrer Niedrigkeit erhob er sie zur höchsten Ehre, 260 Es ehrt und preis't sie selig, wer dich kennet, und durch dich beseligt wird, Du selbst verehrtest sie als Sohn, und warest ihr mit Kindesliebe unterthänig. Am Kreuze hängend, sorgtest du für sie noch, deine treue Mutter, Nun theilst du deine Herrlichkeit mit ihr, und lohnst ihr ewig ihre Treue und Liebe, Dort leuchtet sie, hellglänzend wiel die Sonne wie der schöne Mond am Sternenhimmel, Wie reich an Tugenden war sie! wie rein von aller Sündenmakel die uubefleckte, unschuldvolle Jungfrau, Wie eingezogen, sittsam und bescheiden war ihr Wandel, Voll Glaubens folgte sie der Füh rung Gottes auch auf dunkeln rauhen Wegen, Voll Demuth gab sie ihm allein die Ehre- nur seine Gnade rühmte sie, Wir ehren sie zu deiner Ehre. der Leiden und Freuden Mariä. 261 Mehr als ihr eigenes Glück erfreute) sie das Glück der Welt, das ihr durch dich bereitet wurde, O welche gute Mutter war sie dir, welch' eine treue Gattin ihrem frommen Joseph, Wie liebreich war ihr Herz, wie sanft und dienstgefällig ihr Betragen, In Niedrigkeit und Armuth lebte fie zufrieden und so heilig. Sttes treu behielt sie Gottes Wort in ihrem Herzen, sein Wille war die Nichtschnur ihres Lebens, Im größten Schmerz, in deiner Todesstunde blieb sie doch im Vertrauen fest, - Wir ehren sie zu deiner Ehre! Nun freut sie ewig sich mit dir der überstandenen Leiden, Dort stehet sie an deinem Thron, und sieht mit Liebe auf uns herab.) sler ismin Gebet. Laß dir, o Jesu! unsere Verehrung deiner lieben Mutter gefallen, und durch Nachahmung ihrer Tugenden heilsam werden, damit wir auch Ursache haben, uns ihrer Fürbitte zu freuen. Amen. Zu Ehren des heiligen Joseph. Bu Ehren des heiligen Joseph. Gott! du haft die Kindheit deines Sohnes Jesus, sammt seiner lieben Mut ter, der Sorgfalt und Pflege deines frommen Dieners Joseph anvertrauet; denn du kanntest seine Treue und Tugend. Du führtest ihn oft dunkle und rauhe Wege; und er folgte dir, so schwer es ihm werden mochte. Er vertraute auf dich, festhaltend im Glauben, daß du Alles wohlmachen, und deine Verheißungen gewiß erfüllen würdeſt; er überließ sich deiner Vorsehung auch in den betrübtesten und bedenklichsten Umständen. Und wie wurde er auch dafür erfreut und belohnt! Wie sanft wird er sein Leben voll Vertrauens und Gehorsams, in den Armen Jesu und Mariä, beschlossen haben! Wie hoch ist er jetzt aus seiner Niedrigkeit erhoben im Himmel, wie selig! So wirst du, o Gott! es auch mir wohlgehen lassen, im Leben und Sterben, wenn ich eines gleichen Sinnes mit Joseph werde. Wenn ich dir kindlich folge, und was du mir anvertrauest, redlich besorge: so wirst du auch väter262 Verehrung der Apostel unsern Herrn. 263 lich für mich sorgen. Wie könnte ich an deiner Hilfe verzagen, und deiner liebevollen Regierung nicht alles Gute zutrauen? Sollte ich mich aber auf dich verlassen, und doch die Wege nicht gehen wollen, die du mir vorzeigst? Das sei ferne von mir, mein Gott! Wenn ich in meinem Leben in unverschuldetes Gewirre und Leiden gerathe, aus welchem ich mich nicht herauszufinden weiß ich verlasse mich auf dich. Du wirst endlich Alles zum Besten leiten. Wenn die Befolgung deines Willens meinem Herzen beschwerlich wird ich bleibe dir doch gehorsam. Du wirst mich stärken, und dafür segnen und lohnen. So treffe mich der Tod in der Uebung des Gehorsams und Vertrauens an. Ich sterbe dann wann und wo es dein Rathschluß ist so sterbe ich selig. Amen. - Berehrung der Apostel unseres Herrn. Wie verehrungswürdig seid ihr uns, ihr ehemaligen Vertraute, Freunde und Diener Jesu Christi, eueres und unsers Herrn, die er zur Fortsetzung seines an 264 Verehrung der Apostel unsers Herrn. gefangenen großen, göttlichen Werkes so vorzüglich brauchbar fand. Wie groß ist euer Verdienst um die Welt, wie viel Dank ist sie euch schuldig! Zwar wissen wir wenig von eurer Lebensgeschichte. Aber wie leicht können wir der kleinen Nachrichten von euren persönlichen Umständen entbehren? Euere Thaten, und die gesegneten, bis auf uns fortdauernden Erfolge sprechen von euch, und sichern euch die Hochachtung der spätesten Nachwelt zu. Auch ich will mich in den Stand und Beruf, darein mich Gott setzte, es sei im Kleinen oder im Großen, zur Ausführung gottgefälliger und gemeinnütziger Absichten brauchbar, und dadurch verdient machen, wie ich kann. Dann wird auch mein Name ein ehrenwerther Name werden und bleiben, wenn er gleich kein berühmter sein wird. Die Früchte meiner Bemühungen, Gutes zu stiften, sollen mein Denkmal bei der Nachwelt sein, wenn auch kaum mein Name mehr auf sie kommen sollte. Weder Gelehrsamkeit, noch Scharffinn, noch Weltflugheit; weder Reichthum, noch glänzendes Ansehen fand Verehrung der Apostel unsers Herrn. 265 ener Herr bei euch; nur eure Wahrheitsliebe und Gelehrigkeit, nur eure Herzensgüte und Lenksamkeit, nur euer Eifer für Gott und für die Tugend, nur euer sanfter, liebreicher Sinn, nur eure feurige und feste Entschlossenheit zu jedem guten Werk, nur eure ausdauernde Geduld, und Alles aufopfernde Standhaftigkeit war es, was euch dem, der euch rief, so angenehm und so tüchtig machte, in seinem Dienste allgemeine Wohlthäter der Welt, wie er, zu werden. Sollte ich ihm, bei dem kein Ansehen der Person ist, weniger angenehm sein, wenn ich die nämlichen Eigenschaften des Geistes und Herzens an mir trüge, sie mir erwürbe, und die natürlichen Anlagen dazu ausbildete? Sollte ich alsdann als ein Werkzeug in seiner Hand nicht auch viel Gutes ausrichten, wenn ich auch jene glänzenden Vorzüge entbehrte? Ihr waret nicht unsündlich, nicht ohne Fehler. Aber deswegen verwarf er euch nicht; er trug Geduld mit den Schwachheiten eures Verstandes und Herzens, und half ihnen ab durch seinen Geist, der euch von einem Grade der 266 Verehrung der Apostel unsers Herrn. Erleuchtung, Heiligung und Stärke zum anderen empor führte. Welch ein Trost für mich Schwachen! Meine unvollkommene Erkenntniß und Tugend wird mich von seiner Liebe auch nicht ausschließen, wenn ich nur immer mit gewissenhafter Sorgfalt daran arbeiten werde, sie anszubessern und höher zu bringen. Noch ist sein Geist dazu wirkſam. Durch ihn, der in euch wirkte, ist die selige Lehre meines Heilandes fortgepflanzt, und eben dadurch so viel Heil über die Welt verbreitet worden. Auch ich habe meinen Antheil daran empfangen; und wem verdanke ich's? Gott und euch. Wärct ihr im Dienste Jesu nicht so eifrig, nicht treu bis in den Tod gewesen die Welt wäre durch sein Evangelium nicht erleuchtet worden; es wäre nicht bis zu meinen Voreltern gedrungen; ich läge noch in der finstern Nacht heidnischer Unwissenheit und Jrrthümer, oder wäre wenigstens des hellern und sanftern Lichtes der Religion Sesu nicht theilhaftig worden. Empfanget meinen Dank, ihr großen Lehrer des Christenthums! So oft ich daran Verehrung der Apostel unsers Herrn. 267 gedenke, wie viel Segen mir durch das Christenthum zufließt, und zufließen soll; so will ich euer Angedenken segnen, und so weit auch euer Zeitalter von dem meinigen entfernt ist, euch als meine großen Wohlthäter verehren. Aber um wie viel eifriger muß mir nun die Erkenntniß und Ausübung der christlichen Lehre angelegen sein! Was wäre meine andächtigste Verehrung der Apostel unsers Herrn, wenn ich die Lehre, für die sie Alles thaten und aufopferten, nicht so hoch schätzte, daß ich sie mir auf's deutlichste bekannt machte, auf's tiefste einprägte, und zur Nichtschnur meines Lebens dienen ließe. Dieß wäre eben so viel, als ob ich sie für unweise Männer hielte, die ihren ganzen Eifer auf etwas Unnöthiges und Unnützes verwendet hätten. euch nicht verunehren, ihr heiligen Gesandten Jeſu Christi. Ich will euch und eure Thaten nicht blos bewundern! Ich will in euere Fußstapfen treten, enere Tugenden nachahmen, der Lehre Jesu überall Wege bahnen, und sie Jedermann durch das Beispiel meiner durch sie gewirkten Rechtschaffenheit anempfehlen. Nein, so will ich 268 Verehrung der Apostel unsers Herrn. Thäte ich dieses nicht- ach! was wäre dann meine ganze Verehrung der Person und Verdienste der Heiligen; was würde sie mir nützen; wenn ich gleich ihr Angedenken auf's feierlichste beginge, und in ihren himmlischen Fürbitten einen großen Theil meiner Beruhigung fuchte. In welcher hohen Seligkeit lebt ihr nun, ihr überschwenglich Belohnten! Ihr habt viel gearbeitet, viel gelitten, viel verdient. Aber wie lange habt ihr schon höheren Lohn euerer Verdienste eingeerntet, als ihr erwartet hattet. Er lebt noch der Allvergelter. Er ist nicht ungerecht, daß er die Werke meines Glaubens, die Arbeiten meiner Liebe, die Bemühungen meiner Hoffnung vergessen sollte. Ich will nicht ablassen, nicht ermüden. Wahrlich! es wird auch mir im Himmel wohl belohnt werden. was Auf dich, göttlicher Erlöser! durch den deine Apostel Alles waren, sie waren, fällt meine ganze ihnen gewidmete Verehrung zurück. Nicht ihnen, sondern dir sei zuerst und zuletzt Preis und Dank. Sie suchten nichts als deine Ehre. Ich will nach ihrem Sinne auch Verehrung der Apostel unsers Herrn. 2631 nichts anders suchen- selbst wenn ich fie verehre. Laß mich nie so ausschweifen in meinen Gedanken, daß ich über deinen Knechten dich, ihren Oberherrn, vergäße. Es ist bei Niemand anders Heil zu finden, als bei dir. Du bist der Weg dazu, die Wahrheit und das Leben. Amen. Verehrung is der Nachfolger der Apostel, die das Christenthum in unseren Gegenden eingepflanzt haben. Ewiger Dank sei dir, o Gott! für alles Gute, das du unserm lieben Vaterland durch deinen treuen Diener N. N. gethan hast. Du hast ihn in dieſe damals noch ganz wüsten Gegenden gesendet, unsere Voreltern, welche noch in den Finsternissen des Heidenthums irrten, zu deiner Erkenntniß, und zur Seligkeit zu führen. Noch wird uns deine heilige Lehre verkündigt; das wohlthätige Licht, daß du ihnen aufgehen ließest, leuchtet auch uns, und zeigt uns den Weg zum ewigen Leben. Angebetet 270 Verehrung der Apostel unsers Herrn. sei deine Weisheit und Güte, welche Menschen durch Menschen selig macht! Dir sei Ehre für Alles! Heiliger N. N., wie viel Mühe haft du dich kosten lassen, wie viel Beschwerden überwunden! wie angelegen war dir das Heil der Seelen, und auch das zeitliche Wohl deiner Heerde! Wie viel Dank ist dir das Baterland, die Menschheit, die späteste Nachwelt schuldig! Dein Verdienst ist nun auf's herrlichste im Himmel belohnt. Du siehst nun, schon so viele Jahrhunderte durch, die Früchte deiner Bemühungen reifen. Alles Gute, das auf dem Grunde, den du gelegt haft, fortgesetzt und vollbracht wird, vermehrt deine Freude und Glorie. Jeder, der aus uns selig wird, danket auch dir. Ganze Nachkommenschaften ehren dich als ihren Vater und Wohlthäter, und segnen dein preiswürdiges Angedenken. So sei dir dann auch meine dankbarste Verehrung gewidmet. Sie bestehe darin, daß ich der göttlichen Lehre, die du verkündiget hast, aufmerksam Gehör gebe, und treulich Folge leiste, das Christenthum durch meinen tugendhaften Zum Angedenken an die heil. Martyrer. 271 Wandel verkündige, und Gutes wirke, mit liebreichem, bescheidenem, standhaftem Eifer, so viel ich kann. Dieß wird dir zur Freude, und mir zum Heile gereichen. So werde ich einst mit dir der Seligfeit theilhaftig werden, in welche der höchste Hirt der Seelen alle, die ihm folgen, einführen wird. Dieß ist dein Wunsch; deine Bitte bei Gott; dieß ſei auch mein eifrigstes Bestreben! Amen. Zum Angedenken an die heiligen Martyrer. Wie muß ich mich schämen, ihr heiligen Martyrer! wenn ich an euch gedenke, und mich mit euch vergleiche! Aber um wie viel mehr sollte ich euch eben deswegen verehren! Zwar Dank sei Gott! die Zeiten der Glaubensverfolgungen sind vorbei; und der gerechte Richter, der Jeden nur nach seinen freiwilligen Handlungen beurtheilt, wird mich darum nicht geringer halten, als seine für ihn gemarterten Freunde, wenn ich nur in den Tagen der Ruhe dem wahren thätigen Christenthum, wie sie, ergeben - 272 Zum Andenken bleibe, und entschlossen bin, nach ihrem Beispiele, lieber Alles zu wagen und zu verlieren, als meinen christlichen Ueberzeugungen und Verpflichtungen un treu zu werden. Aber trifft er, der die Herzen erforschet, jene standhafte Treue und Entschlossenheit bei mir an? O wie leicht ist's gesagt und angelobt: ,, Herr, ich bin bereit, in Gefängnisse und in den Tod zu gehen, ehe ich dich verleugnen sollte." Aber wie? wenn es nun wirklich an dem wäre, daß ich mein Leben, oder was mir nur sonst lieb ist, der Wahrheit und Pflicht aufopfern sollte, wie würde es mit mir stehen? würde ich mein Wort nicht zurück nehmen? Ach, mein Herz täusche mich nicht! du sollst, du kannst mich nicht täuſchen! Weiß ich denn nicht, was ich bisher that und unterließ, da mein Glaube, und meine Tugend, durch die er thätig sein sollte, nur ganz leichte Proben auszuhalten hatte! Wie würde ich in den schwereren bestehen? Die Religion wird bestritten und verspottet; wir könnten sie vertheidigen, könnten ihre Ehre retten und wir an die heiligen Martyrer. 273 schweigen so oft dazu, oder erlauben uns zuweilen wohl gar selbst eine kleine Spötterei, die wir doch im Herzen mißbilligen. Wir sollten uns öffentlich und feierlich zu ihr bekennen; wir sollten durch wohlgeordnete Andachtsübungen unsere christlichen Kenntnisse, unsere frommen Gesinnungen, unsern Fleiß in allen guten Werken vermehren, verstärken, beleben, und unsern Mitchristen erbaulich werden und wir schämen uns dessen, unterlassen es selbst alsdann, wann irgend eine Andachtsübung wahres, dringendes Bedürfniß für uns wäre; oder es geschieht alles nur mit sichtbarem 3wang und Leichtsinn. Und warum? Hätten wir den Verlust unsers zeitlichen Glückes oder einen beträchtlichen Abbruch daran zu besorgen, wenn wir anders handelten? Nein man befürchtet nur von einem Religionsverächter, der uns nichts schaden und nichts nützen kann, höhnisch angesehen, und den einfältigen Andächtlern zuge sellet zu werden; man will nur nicht gerne ein unbedeutendes Geschäft und Vergnügen aufschieben und missen; man will nur den verzärtelten Körper fein Senfkörnlein. 18 274 Zum Angedenken rauhes Lüftlein anwehen lassen; man will nur von seiner einmal gemachten Ordnung und von der herrschenden Gewohnheit nicht abweichen. Wie oft, ach, wie oft handelte ich gegen Pflicht und Gewissen! Wie war ich so fest an sündliche Neigungen und Verbindungen mit andern Menschen geheftet! nicht, weil mein irdisches Glück zerrüttet und umgestürzt worden wäre, wenn ich meinem Gewissen gefolgt, und mich von Allem, was mich daran hindern wollte, mit Gewalt losgeriffen hätte; sondern um der geringsten oft ungegründeten Besorgniffe willen. gnädiger Blick, ein freundliches Wort, ein schmeichlerisches Lob, ein Titel und Ehrenzeichen, eine vorübereilende finnliche Luft, eine gewohnte Bequemlichkeit, der Genuß träger Ruhe, eine Hand voll Geld, und ein noch weit, weit kleinerer Gewinn dieses und dergleichen Dinge sind es, die ich für immer oder doch für jetzt zu verlieren glaubte, wenn ich als ein rechtschaffener Chrift denken, reden und handeln wollte; und ich dachte, redete und handelte gegen meine eigene, beffere Einsicht, um nur jenem - an die heiligen Martyrer. 275 geringfügigen Verluste mich nicht auszusetzen. Und wenn ich auch nicht so hoch anrechnete, daß ich ihn höher als den Verlust der Glaubens- und Tugendübung schätzte, wie sehr schmerzte er mich doch! wie schwer kam es mich an, ihn zu ertragen! und wie viele Ueberlegungen, wie viele Kämpfe koſtete es mich, bis ich den Sieg über mein Herz davon trug, das mir jene Kleinigfeiten so wichtig vorstellte, und so schätzbar machte! Kann von dieser Art die Martyrerfrone werden? Christen errungen Oihr heiligen Martyrer! wie kann ich vor Gott bestehen, wenn er mich nach euch mißt? Wie muß ich meine Augen niederschlagen, wenn ich an euch und an die Heldenthaten eures Glaubens und eurer Gottseligkeit gedenke! Nicht Unbesonnenheit und Tollkühnheit, nicht erhitzter, blinder Religionseifer, nicht der Empörungsgeist, noch die Rachsucht gegen die Feinde des chriftlichen Namens stürzten euch in Marter und Tod. Eure helle Einsicht in die Lehre Jesu, eure innigfte Ueberzeugung von der Wahrheit und Göttlichkeit des 18* Zum Angebenten Chriftenthums, euer nach seinen Vorschriften gebildetes Herz und Leben, eure längst vor der Verfolgung und Marter schon in den Stunden des Glückes geübte Gottes- und Menschenliebe, ausharrende Geduld und Sanftmuth gegen Beleidiger, Selbstbeherrschung und himmlische Gesinnung sind das Siegel der Aechtheit eures Martyrerthums; und wie weit lasset ihr nun mich, und viele Tausend Christen hinter euch zurüc! Christus war euer Leben, und Sterben euer Gewinn; wenn es gleich ein Sterben mit ihm am Kreuze oder auf dem Blutgerüste war- und ich jammere und flage, werde fleinmüthig, träge und pflichtvergessen, wenn mich der Weg des Christenthums nicht immer über blumige Auen führt, sondern zuweilen nur eine Dorne ritzt. 276 Längst triumphirt ihr, wie die Sie ger über sich selbst, über Unglück und Bosheit; und eure Seligkeit ist eurem Verdienste angemessen. Sa, solche hohe Beispiele einer Martern und Tod nicht achtenden Christentugend brauchte euer Zeitalter, und braucht auch das unsrige, das so verwöhnt, erschlafft, weichlich, an die heiligen Martyrer. 277 und zu großen Aufopferungen so wenig aufgelegt ist. Es ist nicht Aberglaube, daß ich euch verehre. Hohe Tugend, die sich nicht aus Wahnsinn, sondern aus Ueberzeugung für's Gute aufopfert, verdient Bewunderung, wo man sie antrifft; sie macht selbst den Heiden verehrungswürdig: wie viel mehr den Bekenner des Christenthums?- Shr, standhafte Blutzeugen Sesu, seid das Gold seiner Kirche, durch's Feuer ge läutert und bewährt. Wie viel Werth müßt ihr in meinen Augen haben und zugleich wie großen Werth die Religion, um derentwillen ihr Alles erduldetet, was nur schrecklich für die menschliche Natur ist, und in deren Lehren die Kraft lag, die euch über Leben und Tod erhob. In euch verehre ich sie, und ihren göttlichen Stifter. O möchte sie ihre Kraft an mir beweisen, wie an euch: und wenn euer ruhmwürdiges Beispiel mich beschämt hat, möchte es mich auch ermuntern nicht ein Martyrer zu werden ist in meiner jetzigen Lage kein Ruf Gottes an mich sondern den festen dief 278 Verehrung der Heiligen insgemein. und frommen Sinn anzunehmen, durch welchen ihr wurdet, was ihr waret. Ich will mit den leichten Uebungen der Selbstverläugnung anfangen, damit ich tüchtig werde, sie in den schwersten Fällen zu beweisen, sobald, und wie es Gott von mir fordern wird. Darf ich um Jesu willen mein Blut nicht vergießen; so soll es doch nur darum in meinen Adern fließen, damit es mich, bis zum letzten Pulsschlag, zur unterbrochenen Thätigkeit in allen guten Werfen belebe! Verehrung der Heiligen insgemein. mabi Einst, wenn du erscheinen wirst hochgelobter Sohn Gottes, Jesus Christus, wirst du an deinen Heiligen verherrlichet, und wegen aller Gläubigen bewundert werden.( 2. Theff. 1.) Mit welchem Vergnügen sollten wir der Zeit deiner Erscheinung auch deßwegen entgegensehen? O dann, wenn wir Wahrheit und Irrthum vollkommen unterscheiden lernen werden, wird uns kein Schein der Heiligkeit blenden, der uns auf Erden Verehrung der Heiligen insgemein. 279 täuschte und verführte! Da wird der Scheinheilige längst aus der Anzahl der echten abgesondert sein; wenn hingegen so Manche, deren Tugendgröße und Tugendverdienst die Welt nicht kannte, noch schätzte, in ihrer glorreichen Gesellschaft sich befinden werden. bus into Untrüglicher Kenner und Beurtheiler der Menschen! mache uns schon jetzt, ehe du dein entscheidendes Urtheil bekannt machen wirst, auf den Unterschied zwischen wahrer und falscher Heiligkeit recht aufmerksam, damit unsere Heiligenverehrung immer geprüfter und weiser werde, immer weniger Anlaß zur Vermehrung unserer allerheiligsten Religion gebe, und uns ſelbst der wahren Heiligkeit immer näher bringe. Ihr wahren Verehrer Gottes und Sesu, die ihr durch eure aufgeklärten Einsichten in die Religion, und durch eure hellglänzenden Christentugenden brennende und alles erleuchtende Lichter in der Nacht eures durch Unwissenheit, Irrthum und Aberglauben verfinsterten Zeitalters waret ihr, denen das Christenthum seine großen Fortschritte, und auch wir es zu verdanken haben, - 280 Verehrung der Heiligen insgemein. daß wir an seinem Segen Theil nehmen ihr, die ihr mitten in einer verdorbenen Welt lebtet, und euch doch unangesteckt von ihrem Verderben erhieltet ihr, die ihr euch durch erhabene Tugenden auszeichnet, ohne dadurch aller Augen auf euch ziehen zu wollen, oder nach stolzem Vorrang zu geizen ihr, die ihr der Welt gebrauchtet, ohne sie zu mißbrauchen, und die sündlichen Lüfte bekämpftet, bezähmtet, besiegtet, ohne euren Leib zweckíos zu martern ihr, die ihr eure einsamen Andachten nicht zum letzten Ziel eurer Bestrebung, noch zur höchsten Stufe christlicher Vollkommenheit, sondern nur zum Stärkungsmittel machtet, jenes zu erreichen, und diese zu ersteigen ihr, die ihr anhieltet im Gebet und Nachdenken, um dann desto getrofter, muthiger und kraftvoller euer nützliches Leben in der Gesellschaft fortzusetzen ihr, die ihr alle von Gott euch verliehenen großen Gaben weislich gebrauchtet, und ohne Eigennuß Leibes- und Seelenkräfte, Bequemlichfeiten, Bergnügungen, Hab und Gut, ja selbst Leib und Leben großmüthig aufopfertet, um der Welt und der Kirche - - Verehrung der Heiligen insgemein. 281 Jesu zu nutzen, und Menschenliebe zu üben, wie er sie bewies ihr, ihr seid die wahren Heiligen, an denen er sich einst verherrlichen wird, wenn er erscheint. - Ja, an euch wird er kund thun, was seine Macht und Gnade vermag; an euch wird er offenbaren, zu welcher Würde der Menschheit, zu welcher Größe der Tugend, zu welcher Vollkommenheit der Gotteskenntniß und Gottesverehrung, ja selbst der Gottähnlichkeit seine Lehre erheben kann; an euch wird er zeigen, wie er Menschen durch Menschen bessern, veredeln und beseligen kann; an euch wird er beweisen, wie unaussprechlich und wie unausbleiblich groß die Belohnungen sind, mit welchen er die Verdienste seiner bewährten Anhänger und Diener vergilt. Welche Lobpreisungen wird er dann von euch und euretwegen von dem ganzen Himmel empfangen! Mit welchem Erstaunen werden wir auf ihn und auf euch hinschauen! Ihr verdient schon jetzt unsere Verehrung, so viel wir eurer kennen, ihr echten Heiligen Gottes! und wir widmen fie euch, damit Jesus Christus auch 282 Verehrung der Heiligen insgemein. schon jetzt an euch verherrlichet werde. Unsere Verehrung eurer Verdienste werde uns ein mächtiger Antrieb, zu eurer Heiligkeit mit Anwendung aller unserer Kräfte empor zu streben! Können wir sie noch nicht erreichen, so wird uns schon das Emporstreben zu ihr vollkommener machen, und es kann uns genügen, wenn wir der Größe eures Glaubens und eurer Tugend nur immer näher kommen. Auch ihr waret Menschen, wie wir; und der Gott, und sein Geist, der in euch und durch euch wirkte, lebet noch und wirkt ewig. Durch ihn können wir auch alles Gute ausrichten, wie ihr können unbemerkt, unerkannt, unbelohnt und unverehrt von der Welt uns in unserm Beruf und Stand, in dem geringsten Geschäfte der unverfälschten und unverdächtigen Heiligkeit befleißen, die uns euch, und was weit bedeutender ist, dem Vater im Himmel und Jesu Christo ähnlich macht. Ihr Heiligen Gottes! wir stehen schon hier auf Erden in Gemeinschaft mit euch! Wie herzerhebend ist uns dieser Gedanke! Ihr bittet für uns, - Verehrung der Heiligen insgemein. 283 denn das Heil eurer Brüder auf Erden liegt euch jetzt noch eben so sehr am Herzen, als ehemals, da ihr selber noch auf Erden lebtet. Ihr bittet für uns, und was? Daß unser Herz und Leben, wie das eurige, geheiliget werden möge, damit wir einst, zu euch versammelt, noch mehr als jetzt erfahren, daß nur Heiligung Seligkeit sei. Odiese eure Fürbitte sei an mir, und an keinem meiner Mitchristen vergeblich. Amen. - Litanei zur Berehrung der Seiligen. Groß of ist der Herr, der Allerheiligste, ihr Heiligen lobsingt dem Herrn! Ihn preisen, war auf Erden euer) Werk, Nun ist es eure Freud' im Himmel, Nun schaut ihr ihn und seinen Sohn von Angesicht zu Angesicht, Nun lösen sich für euch die Räthsel seiner Vorsicht auf, Nun seht ihr neue Wunder seiner Macht und Gnade, Welch große Dinge that der Herr schon hier an euch, Ihr Heiligen, lob 284 Verehrung der Heiligen insgemein. Er heiligte euch, und stellte euch) in seiner Kirche zu Tugendmustern auf, Wie steigt jetzt eure Heiligkeit empor, Und doch ist sie nur schwacher Schatten im Lichte seiner Heiligkeit, Wie seid ihr jetzt so selig, Und doch hat euer Glück noch nicht die höchste Stufe erreicht, Wann Jesus Christus einst erscheinet, dann wird es sichtbar werden, was ihr seid! Von enerm Beispiel angeflammt, mit euch ein Leib, von einem lebt, lobsingen wir, ihr Heiligen dem Herrn! Geist beIn demuthsvollem Staunen über seine) Größe Von seiner Vaterliebe ganz durchdrungen Für euer Glaubenslicht, das ihr so herrlich leuchten ließet Für die Verdienste eurer Tugenden - - fingt dme Herrn! Für jeden Segen, den die Welt durch euch empfing- Lobsingen wir, ihr Heiligen, Berehrung der Heiligen insgemein. 285 Für eure hohe Seligkeit- Aus frommer Seele obgleich weit schwächer, als ihr - dem Herrn! Weit würdiger dereinst, wenn er zu euch uns dort versammeltVersammle uns, o Herr, zu seiner Zeit zu ihnen! Mach' ihrer Seligkeit uns fähig in unserm Vorbereitungsstande, erhöre uns, o Allerheiligster! Ihr Beispiel geb' uns Triebe und Kraft zum Guten, Daß wir, wie sie, dich lieben und verehren, Daß wir, wie sie, dir ganz vertrauen und gehorchen, Daß wir, wie sie, die Sünde überwinden, Daß wir, wie sie, in schweren Prüfungen bestehen, Daß wir, wie fie, die Hindernisse übersteigen, die unsere Tugend übersteigen soll, Daß wir, wie sie, Geduld und Sanftmuth üben, Daß wir, wie sie, genügsam seien und mäßig, Erhöre uns, 0 Allerheiligster! 286 Verehrung der Heiligen insgemein. ²) Daß wir, wie sie, mit froher Dankbarkeit genießen, was du gibst, Daß wir, wie sie, gewissenhaft verwalten deine Güter, Daß wir, wie sie, in unserm Stande treu und eifrig seien, zu jeder Arbeit, Daß wir, wie sie, im Wohlthun nicht ermüden, Daß wir, wie sie, selbst unsere Feinde lieben! Daß wir, wie sie, dir jedes Opfer bringen, das wir dir schuldig sind, Daß wir, wie sie, dir dienen stiller Einsamkeit, wie im Geräusch Welt, in Daß wir, wie sie, den herbsten Tod nicht scheuen, Daß wir, wie sie, von Tag zu Tag bis zu dem letzten Hauch vollkommener werden, Erhöre uns, 0 Allerheiligster! Daß wir, wie sie einst vollen Lohn empfangen, So wirst du, Herr, geehrt in deinen Heiligen! Gebet. Ja, Allerheiligster! mache das Angedenken an deine gläubigen und frommen Verehrung der Heiligen insgemein. 287 Verehrer, die durch Tugend und Heiligfeit sich deines göttlichen Beifalls und des Nachruhms der Welt würdig machten, so lebhaft und wirksam unter uns, daß deine Verehrung auch dadurch befördert werde, unser Christenthum Aufmunterung und Stärke erlange, die Summe des Guten in deiner Welt sich vergrößere, und unsere zeitliche und ewige Glückseligfeit den Grad erreiche, zu welchem du sie empor zu bringen von Anbeginn der Welt beschlossen haft. Alle deine Heiligen bitten dich, daß du uns und alle Welt, gleichwie sie, ewig segnen und beglücken wolleft; und du erhörest ihr Gebet, wie du die frommen Bitten deiner guten Kinder auf Erden erhörest. Dafür loben und preisen wir dich mit allen Heiligen, so lange wir hier sind, und wenn du uns einst in dein himmlisches Reich hinüberführest. Amen." Wenn du bei deiner Morgenandacht an Maria, an die Engel und Heiligen gedenkest, und dich in ihr Gebet empfiehlst, so stelle dir vor, sie laden dich ein, ihrem Beispiel zu folgen, Gottes Willen zu thun, wie sie ihn thaten, und noch thun, welches die wahre Heiligkeit und Seligkeit iſt. Fichter Abſchnitt. dist Gebete in verschiedenen Berhältnissen des Lebens, Alter und Stände. Geistlicher Stundenzeiger. Die Jugend. ch wandle die Tage der Jugend, die Frühlingszeit des Lebens, lieber Gott und himmlischer Vater! Ueberall, wohin ich immer blicken mag, finde ich, wie sie meine Eltern und Lehrer zu suchen mich gelehrt, deine Allmacht und Gütigkeit; überall Freuden für die Menschen, welche auch ich genießen darf. Wie schön hast du diese Welt für uns gemacht, wie gut und weise Alles eingerichtet. Die hohen Berge in der blauen Ferne, die grünen Hügel sanft gebaut, die bunte Pracht der Wiesen; Alles ist das Werk deiner Macht und Güte. Dort springt der erquickende Quell aus dem Die Jugend. 289 Aber Felsen, und wirft sich in das junge Grün hernieder, und in Wald und Hain vertünden hundert Lieder die Freuden dieses schönen Lebens. Auch ich freue mich meines Daseins, und staune deine Werke an, mein Gott und Schöpfer! meine Jugend ist, die wichtige Lebenszeit, da ich noch unbekannt mit Harm und Schicksal bin, es kennen zu lernen, wer und wozu ich da sei. Der Mensch ist das einzige Geschöpf auf dieser Welt nach deinem Bilde; hier dazu bestimmt, dich kennen zu lernen in deinem Wesen, und gegen dich und die Welt, die aus dieser Erkenntniß hervorgehenden Pflich ten zu erfüllen. Herr! in deiner Ewigkeit und Allmacht, in diesem deinen unendlichen Umfange kann dich keine menschliche Weisheit und kein Alter faffen; wie könnte ich dich denken in der Entwicklung meiner ersten Geisteskraft! Aber in deiner Liebe, o Schöpfer! wenn du als Weltregierer des Morgens deine Sonne rufft, wenn in ihrem Strahlenlichte der Erde neue Herrlichkeit sich zeigt, wenn des Abends du sie sinken heißest, und deinen Millionen Sternen winkest, daß sie sanft die dunkle Nacht erhellen; Senfkörnlein. 19 290 Die Jugend. dann erkenne ich dich in deiner Huld und treuen Sorge. Doch dich zu denken, dich zu fassen, wie Menschen es vermögen, lehrte uns der Erdenkinder göttlicher Freund, dein eingeborner Sohn, der in seiner heiligen Jugend findlich sich zu dir erhob in Andacht und Betrachtung, und dich uns kennen, verehren und lieben lehrte als unsern himmlischen, als unsern ewigen Vater. Mein Vater bist du, Wesen, das ich nicht begreifen kann in seiner Macht und Hoheit, und zu deffen Liebe nur allein kindliche Gefühle meine Annäherung sind. Du setest mich in eine so schöne Welt, in der ich dich erkennen, und würdig lieben lernen soll; aber Gott! muß ich nicht erbeben in meiner Freude, wenn ich sehe, daß neben dir noch eine gewaltige Hand sei, welche aus den Banden, die du um uns geschlungen, Freund vom Freunde, Kind von Mutter, Väter aus treuer Sorge reißt, und sie einem Grabe, vor dem ich schaud're, der Verwesung übergibt. Nein, ich darf nicht beben, wenn ich dich erkenne, deine Hand ist es, deine starke Hand, die dieſes Leben uns gegeben, um durch den Die Jugend. 291 Tod es zu veredeln. Nur darum ist Verwesung, um durch sie einem Leben entgegen zu reifen, das rein und schön, das ewig ist. Also für die Ewigkeit mich zu bereiten, bin ich hier. O Herr und Vater! wie doppelt schön ist die Welt, da ich dieses weiß; und aus den tausend Freuden, die sie für mich hat, soll mich nicht das Bild des Todes schrecken; nein, es soll mich ermuthigen, dich immer besser zu erkennen und Alles treulich zu erfüllen, was du von mir begehrest. Dut forderst Liebe und Gehorsam; und sollte ich diese dem himmlischen Vater versagen, da ich selbe dem irdischen beweiſe? Du willst mein Glück, und ich sollte gegen mich sein, und mein Unglück wollen? Du hast mich für eine ewige Seligkeit geschaffen, und diese sollte ich mir in einem kurzen zeitlichen Leben verscherzen? Aber, du Ewiger dich mir einen Augenblick in Wesen, und dieser Moment soll mir genug sein, deinen Weisungen zu folgen, Alles zu thun, was du mir befohlen haft, dich unablässig zu lieben bis in den Tod; das soll mir Kraft und Stärke sein, dem Dunkel des Grabes mit zeige deinem 19* Die Jugend. furchtlosem Blicke entgegen zu sehen. Nein, o Gott! der Glaube an deine heilige Allgegenwart ist mir genug, um dein zu bleiben; und gerade die Hoff nung auf das Leben, in welchem ich dich sehen werde, ist der Muth meiner Seele, mit welchem ich durch das Leben gehen und an dessen Ende vor dem Tode nicht erschrecken soll. Du Sichtbarer in deinem Himmel bist mein Ziel, und ich will findlich deine Wege wandeln, um dich zu erreichen. Ich will meine Jugend benützen nach deiner Lehre, Gott des Heiles und der Güte! damit, rufst du mich aus derselben, ich nicht die Furcht des unwissenden Kindes, sondern den erhebenden Muth des erfahrenen frommen Alters, die reife Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in mir habe. 292 Laß mich von deinem Geiste erleuchten, von deinem Engel mich beschützen, damit ich dich erkenne, anbete in der kindlichen Liebe, und keine Pflicht gegen Eltern und Lehrer, gegen alle andere Menschen, die alle meine Brüder sind, verletze, und in den Gefahren, die ich in dem schwachen Alter zu bestehen habe, Die Waise. 293nicht untergehe. Laß mich rüstig vorschreiten auf dem Wege der Tugend, der Gedanke an deine Allgegenwart erhalte mich auf demselben, und stärke mich in allen meinen Kräften. Ich will gut sein, Herr und Vater! geduldig in Trübsal und Krankheit, und sollte mich der Tod in meiner Jugend nehmen, dann will ich ruhig sein und es gläubig denken, daß der Gärtner eine junge Pflanze auf besseres Land, in seinen schönsten Garten nur versetzen will. So will ich wandeln, und du Allgegenwärtiger! beschütze allenthalben meine Jugend. Amen! Die Waise. Sie liebten mich, die mir das Dasein gaben, und sorgten für alle meine Bedürfnisse. Mein Glück, mein Heil war ihre Sorge, Güte nur ihr Streben; und dieses Band der Liebe hat der Tod getrennt. Im Schooße der Erde ruhet die reinste irdische Liebe für mich, und aus den Blumen, welche dem Hügel des Grabes entsproffen, tritt mir die Bürgschaft der Verklärung entgegen. Ihr Leben wallt in meinem Leben fort, ihr Blut fließt in meinen Adern, und unvertilgbar 294 Gebet eines Jünglings. bleibt ihr Wort in meinem Herzen: Fürchte Gott, thue recht und scheue Niemand, und jenseits, wenn auch du hiernieden diesen deinen Weg vollendet hast, wirst du uns wiederfinden in dem besseren Lande! Also, fasse Troft und Muth, du verlassene Waise! nur eine Zeit, welche gegen die Ewigkeit verschwindet, bist du elternlos; und selbst diese Zeit, ja keinen Augenblick bist du ohne den Vater aller Welt, der da besonders sein liebend Auge richtet auf die Kinder, welche ohne Eltern im Leben stehen, denen er sie durch den Tod genommen. Wie sollte ich bangen, wie sollte ich zagen wollen, da mir der Troft ge blieben ist, daß ich, sind die Eltern mir verschieden, noch einen Vater habe, daß Nichts mir jenen Vater und Beschützer rauben kann, weil er der Allerhöchste ist in Ewigkeit, der für mich sorget, wenn er mich auch durch Stürme und durch Leiden führet; der für mich sorget, bis er mich hinübernimmt in sein großes Reich. Amen. Gebet eines Jünglings. Schnell entflohen sind mir die Jahre meiner Kindheit; und eben so schnell 295 die schönen Ungewiß ist Gebet eines Jünglings. werden mir auch entfliehen Tage meiner Jugend. die Zahl der noch kommenden Jahre; vielleicht muß ich sterben als Jüngling! Vielleicht welke ich bald dahin wie eine Blume, die der Sturmwind zerreißt in ihrer schönsten Blüthe! Gott! bewahre mich vor dem Leichtsinn, der nicht denken will an die Flüchtigkeit der Zeit, und an die Gebrechlichkeit jeder Kraft, die von dir uns Laß mich, Menschen gegeben wurde. o Gott! meine ersten und besten Jahre und Kräfte nie zur Thorheit oder zur Sünde mißbrauchen! Viele Gefahren drohen dem unerfahrenen Jüngling, und mein eigenes reizbares Herz öffnet sich schnell jedem Eindrucke von Außen. Ogar leicht kann ich verführt werden, und bin ich einmal verführt, wer weiß, ob ich dann nicht ein Sünder bleibe, und ob mir nicht die Folgen der Sünde mein ganzes künftiges Leben verbittern! Jetzt muß ich den Grund zu dem legen, was ich einst werden soll; jetzt muß ich jeden Keim des Guten, den Eltern und Lehrer in mich hinein legten, 296 Gebet eines Jünglings. mit aller Sorgfalt in mir pflegen und nähren, damit ich mir und Ändern einst reife Früchte davon versprechen kann; jetzt muß ich zu den Arbeiten und Ge schäften des Lebens mich tauglich zu machen suchen, damit ich einst meine Geschicklichkeit, oder die guten mir erworbenen Fertigkeiten, mit deiner Hilfe, o Gott! mich nähren und vor Mangel und Dürftigkeit mich schützen können! Ja, Vater im Himmel, jetzt will ich meinen Verstand mit Weisheit, mein Herz mit Tugend schmücken; deswegen will ich hören, und am liebsten hören deinen Sohn Jesus; bei ihm ist Weisheit, und das Achthaben auf seine Lehre und seine Beispiele führet zur Tugend. Jede böse Neigung will ich schon jetzt bezwingen, damit sie ja nicht zur Leidenschaft werde, und mit der Zeit wie einen Sklaven mich beherrsche. Keinen Fehler, keine Unart will ich Wurzel in mir faffen lassen, sondern so mich immer verhalten, so bescheiden und ehrerbietig gegen Alle sein, mit welchen ich um gehe, daß ich auch die Achtung und Liebe Aller gewinne, vorzüglich aber dir, o Bater, gefalle, der du all' meine Schritte Gebet eines Jünglings. beobachteft, und eine für gut angewandte Jugend mich segnen und belohnen wirst. Und weil ich es noch nicht weiß, auf welche Stelle, in welchen Wirkungskreis du einst mich setzen wirst; so will ich schon jetzt mich üben in der Selbstverläugnung: will mir Manches versagen, das ich genießen dürfte; will entbehren, dulden und leiden; damit ich tauge auf jede Stelle, und als Mann die Freude oder der Segen meiner Brüder der Menschen um mich her werden tann! 297 Mein Auge und Ohr, o Vater! will ich nur dem Guten öffnen; immer gerne will ich beten; denn der Aufschwung des Herzens zu dir bewahret vor dem Bösen. Meine Sinne will ich beherrschen, damit sich nicht die Sünde durch dieselben in mein Herz einschleichen kann. Ich will Andere lachen lassen über Tugend und Frömmigkeit; ihr Lachen soll mich nur wegtreiben von ihrer Seite, nicht aber schwächen meinen Eifer für Tugend und Frömmigkeit. Durch den Aufblick zu dir, durch die Erinnerung an Tod und Ewigkeit will ich widerstehen allen Reizungen der Jugendlüfte, - 298 Gebet einer Jungfrau. die so viele in's Verderben führen. Ein kurzer, betrüglicher Traum ist der Genuß dieser Lüste, und schrecklich ist das Erwachen aus diesem Traume; die Freuden aber, die diese Lüste gewähren, was sind sie anders als giftige Quellen von Kummer und Leiden! Du, Vater, leite den Schwachen! Du, Allmächtiger, räume selbst alle Hindernisse und Versuchungen aus meinem Wege, die mich zum Falle bringen könnten! Du laß mich Freunde finden, die mich warnen, und Hand in Hand mit mir den Weg der Tugend wandeln! Du hilf mir das erreichen, wozu du mich auf der Erde und in der künftigen Welt jenseits des Grabes bestimmt haft! Amen. Gebet einer Jungfrau. Mir ist so wohl im Herzen, o Gott! und ich freue mich innigst meiner Ju gend; aber ich weiß es auch, daß ich dieses Wohlsein und diese Freude nur dir zu verdanken habe, der du bis auf diese Stunde mich erhalten, und volle Jugendkraft in all' meine Glieder gelegt Gebet einer Jungfrau. 299 haft. Ich weiß es, daß nun Alles darauf ankomme, wie ich deine Gabe verwende Jugend. wie ich lebe in meiner Nicht immer so vergnügt und fröhlich, wie jetzt, wird meine Lage bleiben; nein, ernsthafte Geschäfte warten meiner, und vielleicht ist mancher Tag meines fünftigen Lebens ein sehr trüber Tag! Nicht bloß freuen will ich mich also meiner Jugend, sondern mit allem Fleiße schon jetzt mich üben in dem, worin ich einst eine Fertigkeit besizzen soll. - Nach deiner Anordnung, o Gott! soll ich einst einem deiner Geschöpfe die Last seines Lebens erleichtern; ich soll die Zierde seines Hauses werden; durch. meine Tugenden soll ich sein Herz erfreuen, durch meine genaue Aufsicht die Wohlfahrt seines Hauses befördern, und allen Hausgenossen vorleuchten, als ein Beispiel der Tugend. Groß und schön ist meine Bestimmung! Ich soll glücklich machen und selbst glücklich werden. Dieser Gedanke soll mich auf allen Wegen meiner Jugend begleiten, und mich antreiben, das Alles zu thun, was 300 Gebet einer Jungfrau. mich gewiß und am besten auf meine Bestimmung vorbereitet. Viele meines Geschlechtes gefallen sich wohl im eitlen Puße; die Augen der Menschen wollen sie dadurch auf sich ziehen; und, leider! ziehen sie dieselben oft auf sich zu ihrem größten Schaden. O Vater im Himmel! laß der es mich doch nie vergessen, daß Eingezogenheit und Herzenseinfalt, eine reine Seele und äußerliche Sittsamkeit schönste Schmuck einer Jungfrau sei! Diesen Schmuck will ich mir eigen machen, und keinen Werth legen auf Alles, was nur glänzt, aber in meiner Un schuld und Tugend mich nicht erhalten kann. - Biele meines Geschlechtes sind oft selbst Schuld daran, daß sie ein Opfer der Verführung werden. Sie bewahren nicht ihre Schamhaftigkeit; sie trauen den glatten Worten, den falschen Verheißungen des Verführers, und lassen sich blenden durch die Reizungen der Sünde! Gott! wie gefährlich ist der Stand einer schwachen Jungfrau! Aber er ist nicht gefährlich, wenn ich dich, den überall Gegenwärtigen, fürchte, wenn ich Gebet eines Bräutigams. 301 wache und bete, wenn ich jede Gelegenheit vermeide, mit einem Verführer zuſammen zu kommen, wenn ich keiner bösen Luft in meinem Herzen Platz gebe, und durch mein schamhaftes Betragen durch Blicke, Geberden und Kleidung es Allen zu erkennen gebe, daß ich Tugend und jungfräuliche Reinigkeit über Alles schätze. Ja, so, o Gott, will ich mit deiner Gnade mich stets verhalten! Nimm du mich in deinen göttlichen Schutz, und ' mache mich ehrwürdig durch meine Tugend! Bewahre den Frieden in meinem Herzen, und wenn ich meiner Beſtimmung gemäß einen Gefährten meines Lebens wählen will, o, so leite du meine Wahl! Laß mich nicht bloß nach dem Aeußerlichen, sondern nach Vorzügen des Geistes und Herzens wählen, und gib mir dann Kraft, auch die Pflichten meines neuen Standes mit aller Treue zu vollziehen. Amen. Gebet eines Bräutigams. Ich habe gewählt, gewählt eine Gefährtin durch mein Leben; also keine 302 Gebet einer Braut. Wahl für Tage, nein für diese Zeit hiernieden; in Bande will ich treten, welche der Tod nur lösen kann. Liebe und Treue sollen im heiligen Bunde sein, und Leid und Freude, Glück und Ungemach sollen getheilt getragen werden. Gott, du Allwissender! nicht Ehrgeiz und Reichthum, nicht eherner Zwang oder Verblendung, nicht erglühte Leidenschaft sinnlicher Begierde; nur Bedacht und Tugend, Reinheit der Liebe und Hoffnung auf irdische Glückseligkeit sollen über mein Herz bestimmt haben. Ich habe gewählt, und trete an den Altar der Verbindung, um vor dir, Allgegenwärtiger! den Eid der Liebe in deines Priesters Hand zu legen. Schenke du mir deinen Beistand und sei mein Licht, damit ich den gegebenen Schwur auch unverbrüchlich halte, und die schwersten Pflichten meines neuen Standes mit der Kraft der Liebe, mit der Beharrlichkeit des edlen Mannes erfülle. Amen. Gebet einer Braut. Gott der reinsten Liebe! du willst, daß sich Herzen suchen und sich zu des Gebet einer Braut. 303 Erdenlebens schönstem Bunde finden. Du bist die ewig reine Liebe, die Glückseligkeit und der Friede; und was du bist, willst du, daß es die Menschen seien, welche du dir ähnlich, für die Unsterblichkeit geschaffen hast. Von dem Brautaltare, an welchem du mich heute kommen ließest, blicke ich noch einmal in die entflohenen Tage zurück. Als Mädchen und Jungfrau habe ich oft wohl, Allgütiger! gegen deinen heiligen Willen gehandelt; aber laß es vergessen sein, und erleuchte mich mit dem Lichte deiner Wahrheit, und entflamme meine Seele mit deiner reinen Liebe. Laß den schönsten Reichthum, Tugend und edle Kraft mich meinem Gatten bringen, und gib mir jene Hoheit der Seele, jene Sauftmuth und milde Gewalt, welche ihm Achtung und Nachsicht und die erforderderliche Scheu vor der Uebertretung der männlichen Gesetze, welche die wahre Liebe und der heilige Bund bestimmen, gegen seine Gattin einflößen. Laß mich meine Bestimmung rein erkennen, laß uns Hand in Hand im Bunde der Liebe und Eintracht vor dir wandeln, und mit vereinter Kraft die Tugend unseres Gebet der Ehegatten. Bündnisses fördern, damit wir uns vervollkommnen, dieß mit jedem Tage ähnlicher, und nach diesem Leben einer Wohnung bei dir würdig und theilhaftig werden. Amen. 304 Gebet der Ehegatten. Den Ehestand hast du, o Gott! selbſt unter den Menschen angeordnet; du hast Mann und Weib erschaffen, und so enge sie verbunden, daß sie nicht mehr Zwei, sondern Eins sind. In diesen Stand hat deine Vorsehung auch mich gesetzt; es ist ein Stand, der manche Freude mir gewährt, aber auch mit manchen Leiden oder mancher Beschwerde verbunden ist, und manche harte Pflicht mir auflegt, die ich erfüllen muß, wenn ich nicht selbst manches Schädliche oder Bittere über mich bringen will. Vor dir, o Gott, erscheine ich also, und flehe um Kraft und Segen, um das sein und leisten zu können, was ich sein und leisten soll. Erfreulich ist es, mit einem Gatten ( mit einer Gattin) Hand in Hand und durch herzliche Liebe vereiniget, durch Gebet der Ehegatten. 305 das Leben zu wandeln. Eines sucht dem Andern das Leben recht angenehm zu machen; und die Freude oder das Leiden des Einen ist auch die Freude oder das Leiden des Andern. Doch bleiben Freude, Ruhe und Friede nur so lange in unserm Hause, so lange wir einander achten und lieben; und deswegen erneuere ich heute wieder vor dir, o Gott! den Vorsatz: ,, Ich will achten und lieben meinen Gatten ( meine Gattin); wir haben unsere Herzen längst schon einander geschenkt; fie sollen also auch in Liebe vereiniget bleiben! Durch nichts, weder durch Eifersucht, noch durch allzu freies Betragen, weder durch Eigenliebe noch durch allzu große Empfindlichkeit wir den Bund der Liebe zerreißen lassen, den wir geschlossen haben, o Gott, vor deinem heiligen Angesicht!" wollen - - Wir wollen nicht glänzen vor der großen Welt, sondern mit einander genießen das Glück des häuslichen Lebens, und recht nützlich werden der kleinen Welt, die uns umgibt. Deswegen wollen wir auch die meisten unserer Freuden nicht außer dem Hause, sondern in Senfkörnlein. 20 306 Gebet der Ehegatten. unserm Hause suchen; da wollen wir arbeiten, da durch unsere Wachsamkeit und Aufsicht das Wohl der Unsrigen befördern, da einander ermuntern zur Erfüllung unserer Pflichten, und da mit einem Freudenblicke zum Himmel jede Gabe genießen, die uns zu Theil wird. In unsern Herzen wollen wir suchen was keine Gesellschaft uns geben kann; und vorzüglich wollen wir stets bedenken, daß Niemand unglücklicher sei, als zwei Personen, die einander nicht mehr achten und lieben, und doch in unzertrennlicher Gesellschaft mit einander leben sollen. Vor diesem Unglücke, o Gott! bewahre uns; wir selbst aber wollen Alles vermeiden, was dasselbe über uns bringen könnte! Wir wollen es nie vergessen, daß wir schwache, fehlerhafte Menschen sind; voll Geduld und Sanftmuth wollen wir deswegen einander ertragen, und besonders keinen Unfrieden unter uns einreißen lassen. Führen und unterstützen wollen wir einander auf dem Wege der Tugend; vor jedem Fehltritte liebreich einander warnen, und wenn etwa Eines strauchelt oder fällt, soll das Gebet einer Gattin vor der Geburt 20. 307 Andere mit liebevoller Hand den Gefallenen aufrichten, und neuen Muth demselben einsprechen. So, o Gott! wollen wir leben vor dir! Daß wir so leben müssen, erkenne ich selbst! laß es also nicht zu, Vater im Himmel! daß ich je anders lebe, als es meine eigene Einsicht mir sagt, daß ich leben ſoll. Lege Segen auf alle unsere Arbeiten, und gib uns unser tägliches Brod! Wir empfehlen uns dir! Du hast uns auf der Erde zusammengeführt; von deiner Liebe erwarten wir es, daß du auch jenseits des Grabes da, wo ewige Liebe ist, uns wieder zusammen führen werdest. Amen. - - Gebet einer Gattin vor der Geburt ihres ersten Kindes. Gott der Liebe! das Unterpfand deiner schönsten Gnade ruht unter meinem Herzen. Aus vereinter Gattenliebe läßt du die Geschöpfe werden, welche du uns anvertrauest, welche du uns gibst zum Eigenthume, daß wir sie als unsere, als deine Kinder in das Leben führen, in demselben geleiten und beschützen sollen. 20* 308 Gebet nach der Geburt. In Hoffnung schlägt mein Herz, und mit Zuversicht blickt mein Auge in die nahe Zukunft, daß du mir, Gott der Liebe, beistehen werdest in der Stunde der Bedrängniß und der Noth. Und du, Höchstbegnadigte unter deinem Geschlechte! sei meine Trösterin, meine Begleiterin; und laß mich jene Hoffnungen empfinden, mit welchen du deiner ersten Mutterstunde ruhig entgegengingst; laß jene heiligen Erwartungen mich fühlen, welche dich belebten, welche dich erfüllten mit des Himmels Geiste, als du Mutter werden solltest deines göttlichen Kindes. Amen. Gebet nach der Geburt. Herr! ich bin Mutter; mein dankbar Auge blickt zu dir, dir seien die Erstlinge meiner tiefsten Empfindungen der Rührung und der Freude geweiht. Du gabst mir ein Kind, ein Wesen, in welchen ich meine und des Gatten Züge wieder finde; ein Wesen unserer Natur, mit unseren Gefühlen legtest du in meine Arme. Liebe bist du Gott: Liebe sind die Bande der Natur, die uns hiernieden an einander halten, die du um uns Gebet nach der Geburt. 309 geschlungen, und die uns zu dir, zu dir, du ewige Liebe, ziehen. wie fühle ich es, wie sie innig fesseln; und nun erfaffe ich das Band der himmliſchen Liebe, da die irdische mich so hoch ge= stellt; nun fliehen die Dunkel, und mein Geist vermag dich zu sehen, o Unendlicher! in dem Lichte deiner reinsten Liebe. Du Weltenherr! bist aller Menschen Bater; und auch ich darf ein Kind in deine heiligen Arme legen. Dir, du Sohn des Allerhöchsten, du göttlicher Freund der Kinder; dir nahe ich mich mit heiligem Verlangen, mit dem Hochvertrauen meiner Seele, daß du mein Kind mir segnest, wie du hiernieden dich einst liebreich zeigtest; und du, Geist Gottes! erleuchte es mit deinem Lichte, und stärke es mit deiner Gnade. Du himmlische Beschirmerin! nimm es in deinen Arm, berge es in deinem Schleier, wenn es von Gefahr bedroht wird, und du, heiliger Engel! stehe an seiner Wiege, und führe es schüßend durch das Leben! Dieß ist mein Flehen zu dir, o Gott! und nun gib du mir Kraft der Liebe und ihre Beharrlichkeit, 310 Gebet nach der Geburt. daß ich die Pflichten der Mutter übe, und sie unverletzt vollbringe. Du gabst mir ein Kind an die Hand, und ich will es führen, führen in deine heilige Nähe dir entgegen in deine Ewigkeit. Doch hättest du es bestimmt in den Tiefen deiner Schlüsse, mir durch die Hand des Todes bald mein Kind zu nehmen; dann, Herr! erfülle mich mit der Kraft jener Erkenntniß, welche dich zu denken vermag, damit heilige Beruhigung den Mutterschmerz mir stille, und daß ich es fassen möge, daß du mir dereinst, vielleicht bald, da du mich zu dir hinüber rufen wirst, daß du mir dann zu meinem Troste, zu meiner schönsten Mutterfreude mein verklärtes Kind als einen deiner Engel entgegenschicken willst. So stärke mich denn, Gott der Liebe! daß ich deine Gnade erkenne, daß ich mich durch die Erfüllung deiner Forderungen der Mutter würdig mache, und dein göttliches Vertrauen niemals mißbrauche. Dazu hilf mir durch Sesum, deinen Sohn und durch die Gnade und die Kraft deines heiligen Geistes. Amen. 311 Gebet der Eltern für ihre Kinder. Gebet der Eltern für ihre Kinder. ter Dank dir, o Gott, daß du mich Va( Mutter) haft werden lassen! Dank dir für die Kinder, die du mir geſchenkt, die du meiner Aufsicht und Führung anvertraut haft! Die Liebe zu ihnen hast du mir selbst in's Herz gelegt; und diese Liebe, die jedes Vater- und Mutterherz fühlt, ist ein Funte deiner Liebe, mit welcher du all' deine Geschöpfe umfaffest. Dant dir, allmächtiger Schöpfer! für meine Kinder!- Sie sind ein kostbares Geschenk deiner Güte; deswegen will ich sie auch erziehen für dich. Freuen sollen sich einst meine Kinder mit mir in deinem Himmel; bilden will ich sie also mit aller Sorgfalt, daß sie eingehen können als gute Menschen in diese Freude. Das ist aber ein mühsames und wichtiges Geschäft, Vater im Himmel! Du hast das Leben meinen Kindern gegeben; gib also auch mir Kraft und Muth, Einsicht und ausdauernde Geduld, um ( eine gute, ein guter weiser Bater weise Mutter) derselben werden zu -- 312 Gebet der Eltern für ihre Kinder. können. Schon viele Eltern haben aus thörichter Liebe ihre Kinder selbst verdorben, haben sie zu Geschöpfen herangezogen, die unglücklich machten, und selbst unglücklich wurden. Welcher Schmerz für Eltern, wenn sie etwa das noch erleben, wenn sie die bösen Früchte ihrer Thorheit oder Nachlässigkeit ſelbst noch sehen, und mit tausend Vorwürfen ihres strafenden Gewissens die Erde verlassen müssen! Gott, ich will sie lieben meine Kinder, aber verständig und weise. Ich will nicht nur sorgen für die Erhaltung ihres Lebens, für die Entwicklung ihrer körperlichen Kräfte, sondern mein Hauptaugenmerk will ich darauf richten, daß sie vernünftige Menschen, rechtschaffene Christen, nützliche und brauchbare Glieder der Gesellschaft, in welcher sie leben, und der Segen und die Freude Aller werden, auf welche sie einst wirken, oder unter welchen sie einst ihr Leben hinbringen. Durch meine Lehren und Beispiele, durch meine Bitten und Warnungen, durch meinen Ernst und meine Liebe, will ich sie nicht nur für dieses, son Gebet der Eltern für ihre Kinder. 313 dern auch für's fünftige Leben erziehen. Guten Saamen will ich hineinlegen in ihr zartes Herz; jede gute Neigung, die in ihnen aufkeimt, will ich pflegen und stärken; unter meiner Aufsicht will ich sie stets behalten; daß kein böses Beispiel, kein Verführer der Unschuld, keine sinnliche Luft oder eine andere Leidenschaft in ihren Herzen das wieder ersticke, was meine besorgte Liebe in dieselben hineinzulegen sich Mühe gab. Mit ihnen mit meinen Kindern will ich leben, o Gott! nur nach deinem Willen, damit du auch immer auf uns mit Wohlgefallen und mit segnendem Auge schauen kannst. Mit ihnen will ich Jesus nachfolgen, daß wir reich an guten Werken von der Erde ab- und in Jesus Herrlichkeit eintreten können. - Dir, o Vater im Himmel, empfehle ich meine Kinder! Bewahre sie vor Sünde und Elend! Dir, o Kinderfreund Jesus, übergebe ich meine Kinder! Nimm sie auf an dein Herz, und laß mich einst, wenn wir in der Ewigkeit einander wieder sehen, das Freudenwort aus deinem Munde hören:„ Ihrer ist das Himmelreich!" Amen! 314 Gebet eines Kindes für seine Eltern. Gebet eines Kindes für seine Eltern. Himmlischer Vater! daß ich bin und lebe, nützlichen Unterricht genieße, Nahrung und Kleidung erhalte, wem habe ich dieß Alles nach dir zuerst zu verdanken, wem anders, als meinen theuren Eltern? Wie herzlich, wie innig lieben sie mich nicht; wie viel Gutes erzeigten sie mir nicht mit Freuden von der Wiege an bis daher? Und ich, ich sollte sie nicht wieder lieben, sollte unerkenntlich sein, für die vielen Wohlthaten, die sie mir täglich erweisen, und die nach Verdienst zu ersetzen ich nie im Stande bin? Nein, o Vater, heilig sei mir dein göttliches Gebot: ,, ehre Vater und Mutter, damit du lange lebest auf Erden und es dir wohl gehe." Ferne sei von mir das abscheulichste Laster: der Undank. Gib, daß ich die guten Eltern findlich ehre, sie nie fränke oder betrübe, sondern die vielen Aufopferungen, Schmerzen und die schwere Bürde von Sorgen und Unruhen, die sie um meinetwillen tragen, durch willigen Gehorsam, schnelles Zuvorkommen - Gebet im hohen Alter. 315 ihrer geheimsten Wünsche und durch kindliche Ehrerbietung und Liebe ihnen so viel wie möglich erleichtere. Stärke fie, o Gott! in dem wichtigen, schweren Geschäfte der Erziehung. Erhalte sie stets gesund, und laß sie zu meinem Wohle noch recht viele, viele Jahre zählen. Besonders aber bewahre mich vor dem schrecklichsten Verbrechen, welches ein Kind gegen seine Eltern begehen kann, sie im hohen Alter, ihrer überdrüssig, gering zu schätzen oder gar zu verachten, damit ich mich nie ihres Fluches schuldig mache. Erfreue sie nach einem frohen und zufriedenen Alter am Ende ihres Lebens noch damit, daß sie mich versorgt und glücklich sehen. Laß den elterlichen Segen, den sie mir, vielleicht schon dem Tode nahe, noch ertheilen, für mich fruchtbar werden, und sie einst selig von hinnen scheiden. O Vater aller Menschen, erhöre mein findliches Flehen um Jesu, deines Sohnes, meines Erlösers willen. Amen! Gebet im hohen Alter. Gelobt und gepriesen seist du, o Gott! Herr meines Lebens. Was so viele dei 316 Gebet im hohen Alter. ner Kinder umsonst wünschen,- ein hohes, zufriedenes und ehrenvolles Alter zu erreichen, hast du mir gütigst mitgetheilt. Blicke ich von der obersten Stufe, welche ich mit deiner Gnade auf der Lebensleiter erlangt habe, herab bis auf die unterste Sproffe meiner Kindheit, überall finde ich deine schützende Hand über mir. Oso ziehe sie auch jetzt nicht von mir ab, und gib, daß ich, was ich früher mit und ohne Wiffen Böses verübte, erkenne und nach Kräften wieder gut mache. Laß mich der noch unerfahrnen Jugend ein Beispiel der Sanftmuth und Tugend werden und sie mit Lehren der Weisheit, die ich auf meiner Reise durch's Leben gesam melt habe, bereichern. Laß mich die Würde meines Alters nie entweihen, und verleihe, daß, gleichwie die Kräfte meines Körpers abnehmen, mein Geist um so stärker zu allem Guten werde. Reinige mein Herz von irdischen Gesinnungen, und laß mich, dem Uebergange in eine andere, bessere Welt nahe, wo ich erst recht zu leben anfangen werde, voll Freuden, wie der hochbetagte Simeon, sprechen:„ Nun, o Herr! laß - Trostgebet einer Witwe. mich, deinen Diener( deine Dienerin), in Frieden fahren, meine Augen sehnen sich, deine Herrlichkeit zu sehen." O Gott, der du bist von Ewigkeit her, erhöre mein Gebet um Jesu, deines Sohnes, meines Erlösers willen. Amen! 317 Trostgebet einer Witwe. Mit Thränen und schwerem Kummer, liebevoller Vater in dem Himmel! falle ich vor dir nieder. Du wirst nicht zürnen, daß ich weine; meine Klagen sind nicht Murren, noch Folgen der Üngeduld, sondern sie kommen von der Größe der Sorgen, welche auf mir liegen. Mit Thränen bete ich den Rathschluß an, welcher mir meinen Gatten entriß. Herr! du haft mir ihn gegeben; du haft ihn nun zu dir berufen. Wäre es ihm und mir nützlich gewesen, du hättest uns nicht so frühe getrennt. Ach, die Trennung ist schmerzlich; aber du hast heilige Ursachen bei den Schicksalen der Menschen. - Sei du nun mein Vater und Rathgeber! Zu wem unter den Menschen soll ich meine Zuflucht nehmen? Du 318 Trostgebet einer Witwe. bist der Trost aller Betrübten, du bist der Helfer aller Hilfsbedürftigen! Hier auf der Erde habe ich Niemanden, welcher sich meiner und meiner Kinder annimmt. Ach, laß mich arme, berlassene Witwe vor dir Gnade finden. Dir empfehle ich mich und meine Kinder; du bist die Stütze der Verlaffenen! Dir klage ich meine Noth; du wirst mir helfen. Sa, Gott wird helfen. Ich habe die Versicherung aus seiner heiligen Lehre, daß fromme, tugendhafte Menschen sich besonders seines Schutzes und seiner Fürsorge zu erfreuen haben. Nur kommt jetzt Alles darauf an, daß ich mich seiner Gnade auch würdig mache, daß ich auch meine Pflichten pünktlich und gewissenhaft erfülle. Gott ist der Vater der Witwen, aber nur der tugendhaften Witwen, welche ihn ehren, und seine Gebote beobachten. Nur von solchen Witwen nennt er sich Vater, nur solchen hat er seinen Schutz ausdrücklich versprochen, und will sie ungefränkt wijsen von den Menschen. Herr, gib mir also Kraft, meine Sorgen mit Stärke zu tragen, stets deinem heiligen Willen Gebet eines christlichen Dienstboten. 319 gemäß zu leben, und meine Kinder nun mit desto größerer Angelegenheit zu erziehen. Sei du unser Vater, unsere Zuflucht und Hilfe. Gott! wer mit festem Vertrauen auf deine Hilfe bauet, ist von dir nicht verlassen. Amen! Gebet eines christlichen Dienstboten. O Gott! der wahre Christ, als dein dankbares Kind, verehrt in Allem die trefflichen Einrichtungen deiner weisen Güte. Auch ich unterwerfe mich, obgleich mein Stand geringe und es hart ist, als Mensch wieder Menschen, Wesen gleicher Natur, Kinder eines Vaters, zu dienen, gerne deiner göttlichen Anordnung, mit der festesten Ueberzeugung, daß deiner höchsten Weisheit gemäß gerade dieser Stand der Unterordnung für meine wahre, fünftige, ewige Bestimmung der beste war. Dank sei dir, o Herr! für deine Güte. Stehe mir bei, daß ich die Geschäfte meines Dienstes genau verrichte, und durch Treue, Arbeitsamkeit und Gehorsam mir die Liebe und das Zutrauen meiner Herrschaft erwerbe. Gib, daß ich ihren Ermah Gebet des Armen. nungen und Befehlen, so lange sie deinen Geboten nicht entgegen sind, getreu nachkomme, ihre Fehler und Schwachheiten, von denen auch sie, als Menschen, nicht frei sind, gelassen ertrage, und mich jederzeit mit dem Gedanken tröste: ,, Uleberall findet man etwas Unangenehmes; Alles endet zuletzt; ich vertraue auf dich, o Vater! du wirst mich nicht verlassen." Erhalte mir meine Gesundheit, um meinem Dienste vorstehen zu können, und laß mich nie vergessen, daß ich als Glied der häuslichen Familie, das Wohl derselben zu befördern und Geheimnisse zu bewahren, immer verpflichtet bin. Ja, o Herr! in allen Umständen will ich an dich denken, mit Freuden meinen Dienst fortsetzen, bis ich einst ende, und zu dir komme, wo Alles gleich, wo keine Verschiedenheit des Standes mehr herrscht. O Gott, erhöre mein Gebet um Jeſu willen! Amen! 320 1 Gebet des Armen. Ich bin arm, o Herr! arm an irdischem Gute, und habe mit mancher Gebet des Armen. 321 Noth zu kämpfen. Andere schwelgen im Ueberflusse, hüllen sich in Glanz und Pracht, da ich kümmerlich mich nähren, oft darben muß, da ich kaum mir meine Blöße decke. Aber ich murre nicht, mein Gott! ich beneide den Reichen nicht, ich geize nicht nach seinen Schätzen; denn deine Weisheit in deinen Verleihungen, deine unendliche Gütigkeit gegen mich stellt mich zufrieden. Das Bewußtsein, daß du aller Menschen Vater biſt, ist unser schönster Reichthum, ist das Ge meingut deiner Kinder, ein Band, das alle vor dir verbindet. Ich gönne Jedem seine Güter, will zufrieden in meiner Armuth sein, und geduldig ihre Bürden tragen. Dankbar will ich jede Wohlthat des Reicheren annehmen und benützen, und will für ihn beten, daß du, Gott des Segens, seine Liebe, seine Hilfe ihm vergelten wollest. Trösten will ich mich mit deiner Güte, meinen Frieden will ich in ihr finden, wenn mich Niemand trösten mag. Ich bin wie der Reiche von dir mit himmlischen Gütern reich ausgestattet. Ich habe eine Seele, die sich das zu dir erheben kann, ein Gemüth, Senfkörnlein. 21 322 Gebet des Armen. deine Güte fühlt, eine Vernunft, welche dich erkennt und denkt und dich als den Weltenvater faßt. Ich habe ein Auge, das die Herrlichkeiten des Firmamamentes, die Wunder der Erde, die Werke deiner Macht und Liebe betrachtet; ich habe ein Herz, das dich lieben, eine Sprache, die dein Lob dir rufen darf. kostbare Reichthümer! die ich gemein mit dem Fürsten der Erde habe; und soll diese Erkenntniß mich nicht beruhigen in meiner irdischen Armuth; soll sie mir nicht Trost und Stärke geben? Glänzen dem Reichen deine Sterne am blauen Abendhimmel sanfter; streuest du nicht für mich die Pracht von tausend Perlen auf die Fluren wie für ihn; blühen für ihn schönere Blumen? - Die Frenden deiner Schöpfung grüßen mich wie ihn; für alle Menschen, weil alle deine Kinder sind, hast du sie bestimmt. O wie hast du, Herr! für mein Glück gesorgt, ich erkenne dich, ich erkenne deine Güte, ich ergebe mich deiner Vorsehung: und so bin ich zufrieden in meiner Armuth und preise deine Vaterhuld und Liebe. Die Deinen auf Erden waren auch arm, und wie waren sie Gebet des Reichen. 323 zufrieden; denn sie waren reich an Tugend. Ich will redlich sein, Redlichkeit ehrt mich und Armuth schändet nicht; und zu meinem Troste will ich es erwägen, was dein Sohn, dessen doch mit dir die Welten sind, einst sagte: ,, Das Thier hat seine Höhle, der Vogel hat sein Nest; doch der Menschensohn hat keine eigene Stätte, wohin er das Haupt legen könnte." Amen. Gebet des Reichen. Du gabst mir irdische Güter, Herr! und du sollst sie keinem Unwürdigen gegeben haben. Nicht verschwenden, nicht vergeuden will ich sie; ich will sie mir und den Meinen zu erhalten und mich durch sie an Geist und Herz zu veredeln suchen. Aber wie kann ich das? Nicht zum Stolze, nicht zum Eigendünkel, nicht zur thörichten Erhebung über den armen Mitmenschen soll mich das zeitliche Gut verleiten; dankbar will ich es als das ansehen und benützen, was es für mich sein soll, als die Sicherung gegen eigene 21* Gebet des Reichen. Dürftigkeit, als das mir von dir anvertraute Mittel zur Abhilfe der Noth und des Elendes meiner armen und leidenden Mitmenschen. Schmerz und Kummer, welche Armuth gibt, sind mir unbekannt; aber ich fühle sie in dem Mitleide gegen die Bedürftigen. Gott der Gnade und der Huld! schön haft du mich bedacht mit der Gabe, die mich schützt vor Mangel und vor Noth; aber schöner, reicher hast du darum mich durch sie bedacht, weil ich fremden Sorgen abhelfen, den Schmerz und die Leiden des Armen mildern, weil ich der Liebe schönstes Werk vollbringen, weil ich wohlthun kann. So will ich dein mir anvertrautes Gut verwenden; kein Bittender gehe unerhört, unbetheilt von meiner Pforte; trocknen will ich jede Thräne, die der Kummer weint, liebreich meine Hilfe dem bieten, der fie bedarf; Balsam will ich in die Wunden gießen, die die Armuth schlug; den gebeugten Muth will ich zu dir erheben, der schwachen Hand den Stab des Glaubens reichen, dem müden Leben eine Ruhe suchen. Helfen will ich aus deinen Mitteln, Herr! die du in meine 324 Gebet des Reichen. 325 Hand gelegt, auf daß ich damit redlich schalte. Deinen Segen will ich spenden, weil du reich ihn mir verliehen haft; stilles Glück um mich verbreiten, um mich her nur Frieden geben; durch Wohlthun Herzen mir gewinnen. Und sollte, Herr! es dir gefallen, die mir vertrauten Güter mir zu nehmen, dann nehme ich die hohe Kraft in dem Bewußtsein meiner Pflichterfüllung in meine Armuth, eine Kraft, die ruhig, die standhaft dulden kann. Dein mir erworbener Beifall sei mein Trost, deine Weisheit meine Stütze, und fremdes Mitgefühl, fremde Hilfe das Vergelten meiner Thaten. Gib mir die Stärke, daß ich dann in der Erwiederung meiner Liebe die erhebende Rückerinnerung, das reine Gefühl des Wohlthuns empfinde; daß ich still und duldend leide, daß ich dankbar mich beweise dem Helfer in der Noth, wie ich gütig mich gezeigt mit den mir anvertrauten Mitteln, die du einst zur Hilfe für die Armen in meine Hände gelegt. Redlich, dankbar will ich mit Dem umgehen, was du mir beschieden, dadurch meine Liebe zu dir fördern, und mir sodann 326 Gebet des Beleidigten und Gekränkten. deine Liebe und jene meiner Mitmenschen immer mehr erwerben und sichern. Amen. Gebet des Beleidigten und Gekränkten. Gott der Gnade und Vollendung! Die schönste der Tugenden ist zur Ausübung die schwerste, darum steht sie am höchsten und ist die Vollendung des geistigen Menschen. Ich liebe Bater und Mutter, ich liebe die Brüder und Schwestern, ich liebe den Freund und Wohlthäter. Liebe ist die schönste Tugend, aber nicht die dankbare Liebe allein ist es, die in unserer Natur liegt, mit der der Mensch geboren wird, die er in seinem Herzen auf die Welt mitbringt, die leicht geweckt wird durch die Stimme der wachenden und schützenden Liebe. Jene Macht der Seele ist die schönste Tugend, die dem Feinde und Beleidiger verzeihen, die ihn lieben kann wie einen Freund, die ihm Gutes für Böses erweisen kann. Der schönste Sieg muß den schwersten Kampf bestehen; sein Kranz ist in deiner Vaterhand, o Gott Gebet des Beleidigten und Gekränkten. 327 und wer ihn erreichen will, muß mit seiner Liebe Kraft bis zu deiner Liebe sich erheben, er muß das Höchste erlangen können. Wer dem Feinde vergibt, ihn liebt, ihm wohlthut, der hat die wahre Liebe, er liebt Gott über Alles und die Menschen, wie sich selbst. Du wintft mir, Herr! und ich folge deinem heiligen Willen. Du rufft mich zu dem schönsten Ziele der Liebe und ich will es erlangen in deiner heiligen Höhe. Sollte ich dem Beleidiger und Feinde nicht vom Herzen verzeihen, da du mir schon so oft verziehen haft? Sollte ich ihn nicht lieben, da du mich unablässig liebst? Sollte ich ihm nicht wohlthun, wie und wo ich kann, da du nicht aufhörtest, mir wohlzuthun, wenn ich dich auch durch die Sünde beleidigt hatte. Sft er nicht dein Kind wie ich? Ja, er ist mein Bruder, und durch deine weise und unerforschliche Zulassung gerade der, durch welchen ich der Tugend schönsten Preis erlange, wenn ich still dulde, verzeihe, liebe in der großen Selbstüberwindung, in der edelsten That. Die Liebe trocknet am schönsten die Thränen aus des Feindes Augen, fie 328 Gebet des Gesunden. heilt die tiefsten Wunden an des Verfolgers Herzen. Du gibst mir Kraft und nach dem Vorbilde deines göttlichen Sohnes will ich meine Beleidiger und Feinde lieben, sie durch meine Stärke von dir entwaffnen, sie mir versöhnen, und mit meiner Ruhe und Freude über sie, daß ich sie für dich, mein Gott und erbarmender Vater, wieder gewonnen habe, will ich mit ihnen zu dir hinüberkommen. Amen. Gebet des Gesunden. Ich bin gesund, fühle Kraft in mir zum Wirken, da viele meiner Nebenmenschen stech und krank darniederliegen. Wie glücklich bin ich gegen solche, welche Schmerz empfinden und nach Hilfe seufzen. Dieser Anblick, der mein Herz zum Mitleide bewegt, meinen Trost und meine Hilfe für den Leidenden fordert, fordert auch die Pflicht mir ab, für die Fortdauer meiner Gesundheit zu sorgen, damit ich mir nicht durch eigene Schuld ein so schönes Gut, des Menschenlebens schönstes, mir entziehe, mir meine Freuden selbst, und was noch mehr, mir Gebet des Kranken. 329 meinen Seelenfrieden störe. Wachen will ich über mich; keine Leidenschaft, kein aufkeimender Trieb der verschuldeten Krankheit soll die Kraft des Lebens mir zerstören, kein verderblicher Eingriff fie mir binden. Kein Gift der Sünde soll an ihrer Blüthe fressen; nicht meine Schuld soll den Stoff des Uebels in mich bringen, nicht sie dasselbe nähren! nein, Reinlichkeit, Ordnung, Vorsicht und Mäßigkeit sollen die Mittel sein, durch welche ich das theure Gut erhalte und friste, damit ich ein Leben nach dem Willen meines Schöpfers, ein Leben voll edler Kraft und Wirkſamkeit lebe. Erhalte mich, o Herr! gesund; doch willst du es anders, dann soll meine Krankheit deine weise Schickung, nicht aber mein Verschulden, meine verdiente Strafe sein. Amen. Gebet des Kranken. Ich leide, Herr! geduldig will ich leiden, weil du prüfst. Meine Kräfte sind gebrochen; aber Gott der Gnade und der Hilfe, mein Vertrauen auf 330 Gebet des Kranken. deine Gülte, meine Hoffnung auf dein Erbarmen soll mir niemals brechen; und nie, Herr! nie sollen sie mich verlassen. Sie sind mein Troft, sie sind wie Engel mir zur Seite, die mich halten und stützen in der Noth. Lind're, Vater! meinen Schmerz, und ende meine Leiden. Doch willst du tiefer, willst du schwerer prüfen, dann gib Geduld, gib Seelenkraft zur Erfüllung meines Vorsatzes, damit ich im Vertrauen auf dich eine Liebe dir beweise, die deiner Batergüte würdig ist. Und willst du, Herr des Lebens und des Todes! daß ich für dieffeits ende; dann laß die Hochgefühle mich beleben, dann laß es mich rein empfinden, daß du mich erlösen willst aus aller Qual, daß du mich verherrlichen willst bei dir in deinem großen Reiche. Laß mich nicht von Furcht und Zweifel ergriffen werden, sondern erfasse mich mit der Hand deines göttlichen Schutzes, unter welchem ich hinübergelangen möge in die Bereiche deiner Ewigkeit. Geduldig will ich leiden, zuversichtlich auf dich hoffen, und dich nicht verkennen in den Nöthen, die du mir Gebet des Genefenen. 331 gesendet hast. Dir ergebe ich mich, dein ist mein Leben, und in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Amen. Gebet des Genesenen. Ich bin genesen von Schmerz und Leiden, und meine Kräfte sammeln sich zum neuen Wirken. Du, Gott! warst meine Hoffnung, du, Herr! warst meine Hilfe. Meine ersten Gefühle, meine ersten Worte seien Dankbarkeit; und ich verspreche es dir, ich will es dir halten, daß ich meine neuen Kräfte nur zum Guten, nur zur Vollbringung deiner Gebote, nur zur Erreichung meiner Bestimmung, meiner Seligkeit anwenden will. Gut bist du, Gott! gut, auch wenn du prüfest oder strafest; deine Absicht, dein Wirken will nur meine Seligkeit, will nur, daß ich dich ganz fühlen soll in deiner Größe. Wie danke ich dir, du gabst mir neues Leben wieder; du läßt mich noch hiernieden, daß ich mich vorbereite für die andere Welt, daß ich mich dir würdig nahe. Ja, vorbereiten will ich mich auf dich in jedem meiner Tage; jeden will ich als eine 332 Gebet des Genesenen. Stufe betrachten, die mich näher zu deiner heiligen Höhe führt. Ich sehe es ein, in welchen Verirrungen, in welcher Vergessenheit meines Heiles mich der Tod überrascht hätte: ich sehe es ein, wie gütig du bist, daß du mich nicht zu dir gerufen hast, weil ich in der Bernachlässigung meiner selbst nicht vor dir bestanden hätte. O wie will ich nun eifrig sein im Guten; und kommt die Stunde, die mich zu dem Richter fordert, sie soll mich ruhig, sie soll mich unerschrocken finden. An der Tiefe des Abgrundes schlief ich; und dein Auge bewachte, deine Hand beschützte mich; an dem Rande des Gra bes stand ich, und dein Arm zog mich zurück. ich will es erkennen, wie du mich geschont hast, wie mich deine Güte noch belehren, wie sie mich vorbereiten will auf dich, auf meine Seligkeit. Lieben will ich dich, und wie sollte ich es nicht, da es dein heiliges Gebot will, lieben durch Beachtung deiner Worte. Liebe ist der Weg des Lebens. Liebe soll nun jeden meiner Tage hier bezeichnen. Mit ihr will ich den Nebenmenschen umfangen, Gebet des Soldaten. 333 mit ihr den Feind versöhnen und den Verfolger entwaffnen. Ich fühle neue Kraft von dir, gesundes Blut in meinen Adern; und ich will die Zeit benützen für die Beförderung meines Heiles. Nimm mich wieder an deine Hand, Allgütiger! und führe mich durch meine Lebenstage an die Grenze des Irdischen, über der das Himmlische beginnt, in welchem du deinen Thron dir aufgeschlagen hast. Fester, Herr! nun in dem Glauben, zuversichtlicher in der Hoffnung, reiner in der Liebe will ich vor dir wandeln; weil du Barmherzigkeit an mir bewiesen haft, weil du zu mir gekommen bist mit deiner Hilfe. Höre meinen Dank, höre meinen Vorsatz, gib ihm deine Gnade, damit er gedeihe wie ein guter Same im dankbaren Boden. Amen. Gebet des Soldaten. Du, Gott! bist der Herr der Heerschaaren, du bist der Fürst des Friedens, du der Lenker der Schlachten; du allein gibst den Sieg. Ich bin Soldat, stehe unter dem Eide der Vaterlandsvertheidi 334 Gebet des Soldaten. gung; es ist dein Wille, und du gabst die Waffe in meine Hand. Treue dem Fürsten, Treue dem Vaterlande, wenn du zum Kriege rufft. Nicht Ehrgeiz und Ruhmgier, nein, Liebe zur heiligen Pflicht sollen mich in die Gefahren führen. Für das Recht will ich streiten; und die Gesetze der Milde und Schonung, wo ich sie nur üben kann, nie verletzen. Dir will ich vertrauen, Gott des Schutzes, unter deinem Schilde mich denken, wenn Kriegesstürme mich umtoben; nicht stolz auf meine Thaten sein, wenn ich in der Sieger Reihen stehe, weil von dir nur Sieg und Beistand kommen. Doch bin ich von Gefahr umringt, fließt mein Blut aus meinen Wunden, falle ich, Herr! dann laß mich fühlen des Kriegers Werth; ich sterbe für mein Vaterland. Laß deinen Trost mich dann empfinden, deine Stimme mich vernehmen: Komm in das Land des Friedens, in den Bereich der ewigen Freude, das ich denen verheißen habe, die mein Gebot geehrt, und getreulich ihre Pflicht gethan haben. Amen. 335 Fürbitte für alle Menschen. Fürbitte für alle Menschen. Aller, aller Menschen Vater! Erbarmer und Begnadiger Aller, einziger Bater! du willst nicht, daß ein einziges deiner Geschöpfe unglücklich sei; du willst allen wohlthun, alle segnen, alle jelig machen! segne, Bater! um meiner Fürbitte willen alle meine Brüder und Schwestern auf deiner weiten Erde! Möchte ich vielen, möchte ich allen Menschen zum Nutzen, allen zum Segen sein! Möchten alle dich kennen, dich lieben, dir glauben, dir gehorchen, dir und deinem Sohne, Jesus, ähnlich werden! Olaß deine Wahrheit immer weiter leuchten, und dein Evangelium alle Herzen der Menschen beseligen. Stärke in der Tugend alle Tugendhaften, alle Liebenden in der Liebe, alle Leidenden in der Geduld, alle Glaubenden im wahren Glauben, alle Hoffenden in der Hoffnung, alle Streitenden im Streite. Erwecke dir immer mehr Anbeter und Verehrer! Stärke die Anfänger im Guten durch kräftige Segnungen. Warne die, so zurücktreten wollen vom Wege der Tugend und des Lebens, bringe 336 Fürbitte für alle Menschen. dem Ziele näher die redlichen Frommen, die nach Unvollkommenheit und Unsträflichkeit streben! Laß der Guten immer mehr, und der Bösen immer weniger werden! laß die Guten nicht unterdrückt werden durch die Bösen! Gib den Regenten der Erde Weisheit und Demuth, Gerechtigkeit und Fries densliebe, daß sie die Freunde des Guten, die Zuflucht des Bedrängten, und die Zuchtruthe des Lasters werden. Erleuchte, erwecke, erwärme alle Lehrer des Evangeliums, alle Bischöfe und ihre Näthe, Pfarrer und Kapläne, Seelsorger und Beichtväter! gib ihnen Weisheit und Muth, Kraft und Eifer, Salbung und Segen, Geduld und Liebe, Wachsamkeit und Antrieb zum Gebete! Segne alle Vertheidiger der Religion, und besänftige, bekehre alle ihre Feinde! Sei der Schutzgott aller Eltern und aller Kinder, aller Herrschaften und aller Dienstboten, aller Reisenden und aller Stillwohnenden. Erfreue und tröste alle Betrübten! Offenbare dich als den Gott aller Witwen, als den Vater aller Waisen, den Zurechtweiser aller Irren den, als den Lehrer aller Unwissenden, Fürbitte für alle Menschen. 337 als den Helfer aller Hilflosen! Verlaß den Armen nicht, daß sein Vertrauen auf dich nicht wanke! Gib den Hungrigen Brod und Erquickung den Schmachtenden! Dich erkenne die muntere Jugend! Dich preise das männliche Alter! An dich halte sich der Betagte! Erquicke du alle Kranke und der Sterbende freue sich mit Zuversicht deiner und des ewigen Lebens, das du ihm durch Jesum Christum bereitet haft! Erfreue du Alle, die gebären und die geboren werden! Laß Alle dich erkennen, und deiner Vaterliebe froh werden. Vater Aller, erbarme dich Aller! Besonders empfehle ich deiner väterlichen Erbarmung alle Mitchriften, meine Pfarrgenossen, meine väterliche Obrigkeit, meine Wohlthäter und Freunde, meine Hausgenossen und Nachbarn. Segne Alle, die mich lieben, und begnadige Alle, die mich haffen! Vergilt dem, der mir Gutes thut, Gutes mit Gutem, und dem, der mir Böses will und thut, das Böse auch mit Gutem; bekehre ihn zu dir und zur Liebe, daß er gut und selig werde durch Jesum Christum. Amen. Senfkörnlein. 22 338 Gebet bei einem Gewitter. Gebet bei einem Gewitter. Mein Gott, du bist auch der Gott der Liebe im Sturme, und der Gott der Güte im Gewitter. Wenn Winde brausen, Donner rollen, Blizze leuchten; wenn die Erde zittert, Abgründe fich öffnen, so will ich ohne Furcht dastehen und denken, du bist der Gott der Liebe und mir wird nichts widerfahren. Alles ifl gut, was deine Hand gemacht hat. Alles zielt zum Wohle des Ganzen, zur göttlichen Harmonie; Alles lebt in der Natur, es gibt keinen Tod nur Veränderung, nur Uebergang zum neuen Leben. Willst du, daß der Blitz auf mich falle? Hier stehe ich; ich bin bereit. Er raube mir das Kleid der Sterblichkeit, was kann er meiner unsterblichen Seele thun? Er entledige mich der Bande des Fleisches, und mein Geift wird Freiheit bei dir finden. Herr, ich bete dich an im Sturme, unter dem Brausen der Wellen und der Regengüffe, die vom Himmel herabströmen. Gott der Liebe, wenn der Hagel die Felder meines Nachbarn verwüstet, wenn der Blitz seine Hütte in Brand steckt, jo laß - Gebet nach einem Gewitter. 339 mich nicht denken, mein Gott, daß mein Nachbar diese Unfälle verdient hat, laß mich nie mit Lieblofigkeit den Unglück lichen beurtheilen, nie entheilige so ein Gedanke meine Liebe. Du haft Alles gut angeordnet; deine Fügungen sind Fügungen der Liebe, es ist nicht immer Strafe, die meinen Nachbar traf; Prüfung der Liebe ist der Unfall für mich. Du willst, daß ich in meiner Hütte den aufnehme, der keine mehr hat, und daß dem ich meine Früchte mit dem theile, der Hagel die feinigen verwüstet hat, dieses ist dein Wille; Alles ist Stimmung zur göttlichen Einswerdung. Herr, laß, mich dich im Donner anbeten und im Sturme; denn du bist überall der Gott der Liebe. Amen! Gebet nach einem Gewitter. Auf, Seele! preise den Erretter, Der seine große Kraft bewies! Den starken Gott, der sich im Wetter So majestätisch hören ließ; Der selbst des Blitzes Strahlen lenket, Und dann uns seinen Segen schenket, Ihm sei, wenn auch der Frevler zagt, Von Christen freudig Dank gesagt. Gelobt sei Gott, daß er die Gefahr so glücklich abgewendet hat. Nun ist die 22* 340 Gebet nach einem Gewitter. Luft wieder gereinigt und abgekühlt; Felder und Gärten sind erquickt, Alles steht wieder in neuer Kraft und Schönheit da. Alle Pflanzen richten sich auf, als ob sie Gott preisen wollten; die Vögel in den Lüften fliegen und singen wieder, als ob sie Gott ein Loblied anstimmen wollten- und der Mensch sollte schweigen, sollte seinem gütigen Vater und Erhalter nicht danken! Ja, mein Gott, wir danken dir von ganzem Herzen, daß du uns und das Unserige behütet, und uns im Vertrauen auf dich befestiget haft. Wir wollen deiner Güte nie vergessen, und immer daran denken, wenn uns vor einer Gefahr bange werden will, daß wir an dir einen Gott haben, welcher rettet und hilft. Aber auch das komme uns nie aus dem Sinne, welch ein Troft in der Stunde der Noth ein gutes Gewiffen ist. Defto sorgfältiger wollen wir es bewahren, damit wir in allen Anliegen zu dir beten mögen. Laßt also den überstandenen Schrecken auch der Seele heilsam werden, und bleibenden Eindruck machen, damit wir nicht gleich wieder vergessen, was wir in dem Augenblicke der Gefahr dir angelobet 341 Gebet nach einem Gewitter. haben! Segne die guten Gesinnungen und Vorsätze, welche wir faßten. Sollten sie nur ein Werk der Furcht, nicht des freien guten Willens sein? Du zeigest dich uns immer als einen gütigen Vater! Wir wollen uns als gute, gehorsame Kinder erweisen, und durch Besserung dem Tage des strengen Gerichtes zuvorkommen, davon des fürchterlichste Gewitter nur ein schwaches Bild ist. Wie weit schrecklicher wird die Angst des ungebesserten Sünders sein! Vielleicht hat dieses Gewitter anderswo Schaden gethan. Dann erwecke doch Alle, die du beschützt haft, zum Mitleiden und hilfreichen Beistand; denn das ist der rechte Dank für deine geleistete Hilfe, wenn wir den Nothleidenden beistehen. Du hast von unserm Orte Feuersnoth abgewendet! so soll denn auch die Angst, in der wir schwebten, uns recht behutsam machen, daß wir uns nicht durch Unbesonnenheit und Unvorsichtigkeit selbst in's Unglück stürzen. Wir empfehlen uns und das Unserige ferner unter deinem göttlichen Schutz und Segen. Amen. 122 Nennter Abschnitt. Andachten für Leidende und schwer Geprüfte. Geistlicher Myrrhengarten. Ergebung in Gottes Willen. ater, du.... Du V biſt' der Unendliche; ich der Staub von heute bis morgen. Du bist der Allweise, Ewigkeiten Ermeffende; ich der spannenweit Sehende. Du bist der Allgütige; ich der Engherzige, nur auf den eigenen Vortheil Bedachte. Bater, was du willst!.... Ob es mir recht oder unrecht erscheine, was du verfügest und sendest Du bist es, der da verfüget und sendet, du, unſer Vater! Der Vater sendet nur weise und gut. Nicht kann ich, der kaum erst geworden ist, jetzt noch begreifen; einst werde ich begreifen, und mit Thränen des Dankes in tiefer Anbetung deine - — Ergebung in Gottes Willen. 343 Weisheit erkennen. Hier ist nur Dämmerung, dort erst ist Tag; hier ist nur Anfang, dort ist Vollendung. Vater, was du willst! Beschämt steht mein Erdenmensch vor dir. Ach, er wolle so oft nur, was ihn für die Erde beglücke! Er fand es und Glück fand er nicht; sein Sehnen erreichte das Ziel und am Ziele ward ihm keine Ruhe. Nicht hat ihn noch dein Lichtstrahl von Oben durchdrungen. Vater, was du willst!.... Mein Erdenmensch beugt sich vor dir. Sein Denken ist Irrthum, sein Streben ist Tand. Hätte er die Genüsse des gan zen Erdkreises, ein Augenblick sind seine und war. SenJahre; er hatte seits ist das Bleibende, jenseits die Heimath. - Sa, es erkennet mein Geist das Nichtige alles blos irdischen Treibens, und daß wahres Gedeihen du nur uns senden kannst. Es erkennet mein Geist, daß der endlosen Liebe nur Liebe, die zum Endlosen liebt, zu entquellen vermöge, ob sie auch für die Endlichkeit Darum oft Vernachlässigung scheine. heute und morgen in Helle und Erinnerung im Leben und Sterben 344 Dunkel ,, Vater, was du willst!" Amen. Erinnerung an unseres Geistes Unsterblichkeit: QUIZ Ich werde leben! was ficht mich dieses turze Dasein, was desselben Mühen und Beschwerden an.... ich werde leben! - Ehe ich es ahne, ist dieser schnelle Traum verträumt, ich stehe am Rande meines Erdenseins, und blicke ich dann hinter mich was war's? - Unaufhaltsam rinnt des Menschen Stundenglas. Schneller als ich's denken mag, wird auch das meine abgelaufen sein. Und ist die kurze Erdenfrist zu Ende ob des Glückes Sonnenstrahlen meine Tage hie und da vergoldet, oder des Unglücks düstere Schatten sie umwölkt haben, mir dann gleichviel! Ob ein Purpur oder ein Bettlermantel meine Glieder deckte, mir dann gleichviel! Ob ich mit farger Rinde oder leckerer Nahrung meinen Leichnam für die Würmer speiste, mir dann gleichviel! Ob ich in Hütten an unseres Geistes Unsterblichkeit. 345 oder in Palästen wohnte, auf hartem oder weichem Lager schlief, ob Kronen meinen Scheitel deckten oder der Kummer ihn vor der Zeit fahl nagte mir Alles dann gleichviel! In Nebel hat sich am Grabe selbst die Erinnerung verloren. Ich werde leben! was kümmert es mich, ob jetzt, was die Sinnlichkeit zum Leben mitverlangt, der Vater mir ertheile oder nicht: Es weiß der Vater, was er soll und möge der sich grämen, dem von jenseits keine Hoffnung, kein Vergelter winkt. Bald schlägt die Stunde der Erlösung; und ich schwinge froh mich himmelan, zum Vater, zum Kreise der Freunde, zur Heimath voll Glückseligkeit. Lächelnd sehe ich dann zurück, auf den kleinen Theil des Weltalls, den der Mensch die große Erde nennt; und auf das Pünktchen in demselben, das mich, mein kurzes Leid und meine schnelle Freude trug, meine Hoffnungen und meine Klagen, meine getäuschten Wünsche und mein Sehnen nach Errettung sah. Lächelnd sehe ich zurück auf den abgestreiften Staub, den ich Körper - 346 Erinnerung nannte und wie ich mit den Gebrechen desselben kämpfen mußte, ſeinen Launen nicht gewähren konnte, und er dafür mir trübe Stunden schuf. Lächelnd sehe ich zurück auf das Durcheinanderwogen meiner zurückgebliebenen Gefährten, auf ihr rastloses Treiben um nichts, ihre Entwürfe und Unternehmungen für Augenblicke; ihr Zanken und Hadern um eine Scholle Staubes mehr und freue mich des Erwachens aus dem unruhigen Taumel; staune liberrascht, wie ich so bald und so glücklich überwunden habe; und des nahen Daseins froh, froh der Befreiung von Täuschungen und Hader, entschwebt in ungefesselter Regsamkeit mein Geist zum schönern Vaterlande. Hinter mir bleibt alles Trübe. - Heilige Unsterblichkeit! ja, du bist mein Trofi, mein Stützpunkt, meine Ruhe im Leben und im Sterben. Was läge hier am ganzen Dasein, wenn es einst kein höheres gäbe! Dank, Allgü tiger, daß du uns durch deinen Sohn die Gewißheit dieser seligsten der Hoffnungen ertheilt haft! Mögen nun des Mißgeschickes schwere Schläge mich an unseres Geistes Unsterblichkeit. 347 schnell aufreiben, oder die stille Trübsal langsam und leise an mir zehren Gott und Unsterblichkeit! hier ist Kraft und Anhalt, hier Beruhigung, die nie versiegt. Schmerz und Freude,- seid beide mir, wie euch der Vater schickt, willkommen; denn bald ist Schmerz und Freude einerlei gewesen. Nur das, du weiser Geber des einen und des andern, ist dann nicht einerlei gewesen, ob ich in Freude und in Schmerz dein Gebot geehret habe, oder nicht; und im Purpur oder Bettlermantel, bei Armuth und bei Ueberfluß vor deinem Angesichte, oder auf des Lasters Bahn gewandelt bin. Was ich will und thue, ist nicht auf die kurze Zeit beschränkt: ich werde leben, und meine Thaten gehen mit mir in die Ewigkeit. Doch darum wird auch die Ewigkeit sie richten. Wehe mir, wenn sie ihrer unwerth sind! Ogib denn, Vater eines neuen Lebens, daß mir die Unsterblichkeit der= einst zum Segen sei! Was durch deine Gnade zum Himmel emporschauen und dort sich die wahre Heimath suchen kann, soll nicht am Irdischen festtleben. 348 Gebet in Drangsal und Betrübniß. Gib, daß ich das Irdische nie als Zweck, sondern nur als Mittel zum Himmlischen gebrauche. Segne mein Streben nach Vollkommenheit! Mache mich von Tag zu Tag größer an jeder heiligen Gesinnung; damit ich es würdig werde, unsterblich geboren zu sein, und mich schon auf Erden von Tag zu Tag mehr dem Himmel nähere. Amen. Gebet in Drangsal und Betrübniß. sal, Herr! mir droht Unglück und Trübaber ich murre nicht wider dich; du bist immer der Gott der Liebe, der Fels, auf den ich das Gebäude meiner Hoffnungen stelle. Du wirst wissen, warum dieses Alles geschieht, und mein Bestes besorgen. Herr! du liebst mich, dieß ist Gewißheit. Du liebst alle Menschen, und dieser Gedanke soll meine Stärke sein. Das Unglück soll mir, und nicht ich dem Unglücke unterliegen; die Mühseligkeiten des Lebens will ich bekämpfen und ihnen nicht den Sieg über mein Herz durch meine Zaghaftigkeit einräumen. Ich will denken, daß die Dinge in der Welt von dir, mein Gott, Gebet um Geduld. 349 mir untergeordnet sind, und nicht ich den Dingen. Ich bin dein Geschöpf, o Gott! des Allmächtigen Geschöpf. Nur lebloſe Dinge und Leichen lassen sich hinreißen vom Strome; der Lebende widersetzt sich, und weiß mit den Wellen zu kämpfen. So will ich denken, und wie ein Kämpfer in voller Rüstung dastehen auf dem Kampffelde! Was kann mir widerfahren, da du über mich wachest, Gott der Stärke und der Liebe! Amen. Gebet um Geduld. Woher, o mein Gott! die häufigen Ausbrüche der Ungeduld in mir und die Aufwallungen der üblen Laune, durch die ich so oft mir selbst und Ändern schwer werde? Besorgt um meines Gei ftes Heiligung rufe ich zu dir um Rath und Beistand! Laß mich den Grund meines Uebels entdecken; damit ich unter dem Drucke des Mißmuthes nicht erliege. Vielleicht bin nur ich die Quelle, aus der dasselbe herfließt, und könnte es bezwingen, wenn es mir ernstlich darum zu thun wäre. Schenke mir daher den Gebet um Geduld. 350 Geist der aufrichtigen Selbstprüfung; damit ich einsehen möge, was mir Noth thut, und meinem Gemüthe Zufriedenheit erwerbe. Ist es vielleicht die Nichterfüllung mancher irdischen Wünsche, die mein Herz mit Bitten erfüllt? Aber dann habe ich ja weder dich noch meine wahre Wohlfahrt bisher begriffen; dann lebt ja fein fester Glaube und kein inniges Vertrauen zu deiner Weisheit in meinem Herzen; ich erkenne noch nicht den Zweck meines Daseins, der über alles Irdische erhaben liegt; laffe sinnlicher Begierden voll, die Lehren der heiligen Religion leer an mir vorüberschallen, und flechte also selber mir die Geißel, die mich schlägt. Sind es die Verfolgungen des soge nannten Schicksals, die mich zum Grolle aufreizen? Aber was soll das todte Wort ,, Schicksal"? In deinen Händen ruht ja unser Loos; und wie du verfügst, so ist es ja recht verfügt! Kränkt es mich, daß Menschen mich verletzen? Aber ohne deinen Willen krümmt mir ja der Sterbliche kein Haar auf meinem Scheitel!- Und sind nicht die Kränkungen vielleicht blos eingebil -- Gebet um Gebulb. 351 dete? oder daher rührende, daß ich in der Eitelkeit auf meine irdischen Vorzüge meine Forderungen übertreibe? Aber der irdische Vorzug verleiht ja keinen wahren Werth. Stand und Reichthum, Wohlgeftalt und körperliche Geschichtlich keiten sind ja, wie alles ähnliche Vergängliche, nie etwas wirklich Großes; da man theils vor deinen Augen der Verwerflichste sein kann, theils dieß Alles deine Gabe ist, auf welche wir um so weniger hochmuthvolle Ansprüche gründen dürfen, je mehr wir sie ohne unser Verdienst von dir empfangen haben. Hinweg daher mit der thörichten Empfindlichkeit der Selbstliebe, und die Uebellaune wird mich minder plagen. Oder bin ich mißmuthig, weil Kränklichkeit meinen Körper reizbar macht? Aber durch Ungeduld verschlimmere ich ja nur noch meinen Zustand; und ermüde nur noch zugleich die Dienstwilligkeit derjenigen, die mir die nöthige Hilfe leisten müssen. Auch beweise ich damit nicht, daß mir dein Wille theurer sei, als der meinige; und gebe nicht die Ueberzeugung des frommen Menschen zu erkennen, daß du uns nur zu unserm Gebet um Geduld. 352 Heile heimsucheft, und wir uns daher auch in Leiden an Selbstbeherrschung und Mäßigung gewöhnen sollen. Oder ist es Neid über das Glück der Anderen, was mich unzufrieden macht? Aber dann gehöre ich ja vollends unter die Verkehrtesten auf Erden, und bin nicht zu retten, so lange ich nicht kräftige Hand an mich lege, und das eben so Unverständige als Unnütze des Neides mit Beharrlichkeit in's Auge faffend, ernstlich erwäge, daß auch meine Mitmenschen deine Kinder sind, denen ich daher das ihnen verliehene Gute nicht mißgönnen darf; und daß du, ob gleich wir bald Alles, was uns beneidenswerth erscheint, mit dem Grabe vertauſchen werden, dennoch auch mir viel leicht mehr als Andern, wenigstens mehr als ich verdient habe, zugetheilt haft. Wehe mir, wenn ich meinen innern Menschen durch ähnliche Betrachtungen zu heilen versäume! Ich habe es dann nur mir zuzumessen, wenn ich nirgends Freude finde. Denn der Neidische, so lange er ein solcher bleibt, würde selbft im Himmel feinen Himmel haben. Oder beschwere ich mich, daß mir Gebet um Geduld. 353 feindselige Menschen meine Ehre rauben? Aber die wahre Ehre geben und nehmen ja nicht Menschen. Oder, daß mich der Verrath umlauert, die Ungerechtigkeit drückt, der Haß bedroht, die Habsucht mir meine Erdenwohlfahrt rauben will? ic. Aber wer mit dir ist, Vater! und auf reinen Wegen wandelt, was hat der zu fürchten? wie oft soll ich es meiner Seele wiederholen: Vertrauen auf den Ewigen! Er zählt unsere Tage, von ihm kommt uns Wohl und Wehe. Gegen seinen Willen kann eben so wenig eine Blüthe aus dem Freudenkranze unseres Lebens fallen, als eine Welt voll Feinde uns nur dem Schatten eines Uebels nahe rücken. Was aber mit seinem Willen geschieht, das ist uns auch gut. Oder erbittert es mich, daß oft der Schlechtere mir zu befehlen hat und in seinem Uebermuthe verächtlich auf mich nieder blicken kann, während ich bei aller Redlichkeit mühsam durch färgliche Verhältnisse mich winde? Aber wie kann ich mich auf Redlichkeit berufen und meiner tausend Schwachheiten daneben vergessen? Sa, leistete ich auch wirklich manches Gute, und wäre meine Absicht Senftörnlein. 23 354 Gebet um Geduld. dabei noch so rein; so gibt doch deine Gnade, nicht ich, mir die Kraft und die Gelegenheit und selbst den Willen dazu. Mein ist nur das geringe Verdienst, das jedem Menschen bei allem seinen Guten allein übrig bleibt, daß ich deine Gnade nicht zurückgestoßen habe. Und dennoch wollte ich auf meine Thaten als auf die meinigen blicken Wunder glauben, was ich damit Großes that dafür Lohn fordern murren, wenn mir dieser nicht groß genug scheint- hiemit auch den letzten Werth meiner Thaten vernichten und bei alledem auch noch Jene, die mir zu befehlen haben, schlech ter nennen?... Herr, einst richtest du uns, wie wir gerichtet haben! Vergib mir Unbesonnenen, und lehre mich Bescheidenheit. - Worüber also klage ich! Ueber die Launen der mich Umgebenden, oder das Unangenehme, was ich von ihren üblen Angewohnungen zu dulden habe? O, wer keine Fehler ertragen kann, der gehe aus der Welt! So lange Menschen Menschen bleiben, wird auch Unvollkommenheit ihr Antheil sein. Ja, wer keine Fehler ertragen kann, der scheide von 355 Gebet um Geduld. Und durch sich selbst; denn bei seiner Ungeduld wird, und wenn er in eine Wüste zieht, er selber sich zur Last sein. Erröthen sollte ich, daß so Geringfügiges mein Gemüth verstimmen kann. Jeder Mensch ist schwach, darum sollen wir Alle mit einander Nachsicht haben. Haft sie doch du, o Gott, mit mir; wie sollte ich nicht tausendfach dazu verpflichtet sein? bin ich nicht ebenfalls Andern meine Fehler schwer? wie, wenn man meine Unvollkommenheiten aufzählen und mir sagen wollte, wie oft ich den ersten Anlaß zu Kränkungen gegeben oder dieselben durch meine Schuld vergrößert habe; würde ich nicht häufiger mich, als Andere unverträglich nennen müssen, und vielleicht den hassenswerth finden, der sich auf meine Art benähme? Entschuldige mich meine Eigenfiebe immerhin gegen seine Fehler ist ja gewöhnlich Jeder blind; doch Andere sehen schärfer. Und wenn ich sie befragen will, werde ich bald eines Bessern belehret werden. Bedarf ich nicht von einer Seite Schonung, so bedarf ich sie gewiß von der andern. Wie gerecht demnach die Ermahnung des Apostels: ,, ertraget 23* 356 Gebet um Geduld. einander gegenseitig, so werdet ihr Chrifti Gesetz erfüllen"*). Mein ewiger Vater! so sehe ich denn, wenn ich Alles reif erwäge, daß ich zur Ungeduld nirgends ein Recht habe. Wie könnte ich auch ein Recht haben zur Sünde. Verleihe mir daher, daß die Gesetze der Religion und Vernunft, die mir zu meinem eigenen Vortheile, Sanft muth und Beherrschung meiner selbst empfehlen, in mir auch wirksam werden! ,, Alle sind wir Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir vor dir haben follten"**)- laß mich dieser Wahrheit oft gedenken und ich werde nie in stür mischer Ungeduld aufbrausen. Laß mich Strenge üben gegen mich, sind Andere erst mit mir glücklich, so werde ich es mit ihnen sein. Entferne mich vom Müßiggange und die üble Laune wird mich fliehen; wer alle Theile seines Berufes in Acht nehmen will, dem mangelt es an Zeit, mißmuthigen Gedanken nach zuhängen. Befestige mich vor Allem in dem Glauben an dich und deine Weisheit, *) Brief an die Galater, 6. Hauptstück, 2. Vers. **) Brief an die Römer, 3. Hauptstück, 23. Vers. Gebet in Kriegszeiten. 357 die, weil uns ungemach zur Tugend, wie der trübe Regentag zur Ernte unentbehrlich ist, nicht jedes unserer Gelüſte befriedigt. So werde ich weder mir noch Andern ferner schwer sein; und die Liebe der Menschen hier, und dein göttliches Wohlgefallen dort mich für die Anstrengungen zur Ueberwindung meiner ſelbst belohnen. Amen. Gebet in Kriegszeiten. Ich erhebe mein Herz zu dir, Vater der Menschen, und bitte dich um Gnade und Schonung. Erleuchte die Herzen der Menschen, daß sie einsehen mögen, daß du der Gott der Liebe, nicht der Gott des Zornes und des Mordes bist. Entzünde ihr Herz zur allgemeinen Menschenliebe, und tilge die wilden Leidenschaften von Eroberungssucht aus ihrer Seele. Gib Ruhe und Frieden den bedrängten Gegenden wieder, und kläre den Verstand auf, damit Gerechtigkeit, Sanftmuth und Klugheit, und nicht mehr Gewalt und Mord ihre Rechte entscheiden. Amen. 358 Gebet für Feinde. Gebet für Feinde, di von denen man verfolgt, gekränkt und verleumdet wird. Bater! du willst, daß deine Kinder miteinander in Friede und Eintracht leben, sich ertragen und lieben sollen. Und wie glücklich wären sie dann; wie viele Unruhe und Plage ersparten sie sich! Es schmerzet mich, Feinde zu haben. Ich will mein Herz darüber prüfen, und es zu beruhigen suchen. Vielleicht ist der Feind und das Unrecht, das er mir angethan haben soll, mehr in in meiner Einbildung, als wirklich vorhanden. Vielleicht gebe ich leeren Klatschereien zu viel Gehör. Vielleicht war es nur ein in der Hiße entfahrenes Wort, nur ein unvorsichtiger Scherz, nur Uebereilung, Srrung, Mißverstand; nicht vorsätzliche Bosheit, was mich fränkt und beleidigt. Wie oft hatte auch ich schon Ursache, meine Unbesonnenheit zu bereuen, und mit der Entschuldigung, daß es so böje nicht gemeint war, um Nachsicht und Vergebung zu bitten. Warum bin ich Gebet für Feinde. 359 nun so sehr empfindlich, wenn ich mich angegriffen glaube? Warum nehme ich Alles so hoch auf, und vergrößere Alles? Wie ich mich beurtheilt wünsche, so soll ich auch von Andern denken. Bin ich, was ich von Anderen fordere, nicht auch ihnen schuldig? Sollte es mir denn so befremdend sein, daß Menschen, bei so unendlich manigfaltiger Verschiedenheit der Ge müthsarten und Gesinnungen, der Temperamente und Neigungen, der Bedürfnisse und Verbindungen oft aneinander stoßen? Ist es anders möglich? Seder sucht und behauptet das Seinige, Jeder glaubt, Recht zu haben. So entstehen Mißverständnisse, gen, Feindseligkeiten. Der Weise, der Christ bleibt gelassen und gewinnt dadurch. Erbitterun1 Und habe ich nicht vielmehr mir selbst Vorwürfe zu machen, als Andern? Gebe ich mich nicht selbst der Tadelsucht bloß? Sollen denn meine Nebenmenschen meine Fehler nicht sehen, mich nicht darnach beurtheilen und behandeln? Kann ich ihnen Mund und Augen Gebet für Feinde. verschließen, oder Hochachtung fordern, die ich nicht verdiene? 360 Die Schmähsucht bleibt nicht bei der Wahrheit; macht aus dem Fehltritt ein Verbrechen; vergrößert Alles und verbreitet es. Aber sie muß doch etwas Wahres zum Grunde haben. Wenn ich mich des Lasters nicht schuldig weiß, war ich nicht wenigstens leichtsinnig, nicht unbesonnen? Habe ich mir nicht selbst Feinde gemacht, durch Stolz und Eitelkeit? durch eigensinniges, übellauniges Betragen? Habe ich nicht auch andere beleidigt und zur Rache gereizt? Bin ich nicht selbst der Tagelsucht ergeben? Nun empfinde ich, was ich Andere empfinden ließ wie es schmerzt, mißkannt und mißhandelt zu werden. Gott, du bist gerecht! Es ist billig, heilsam, was ich leide. Weise ist deine Einrichtung, daß Thorheit und Sünde durch Beschämung bestrafet werden. Meine Ehrliebe soll mich davon zurückhalten, und ein steter Antrieb für mich sein zu Allem, was recht und gut und edel ist. Durch bittere Erfahrung soll ich doch einmal klug und vorsichtig werden; 361 Gebet für Feinde. sie soll mich Schonung und Duldsamkeit gegen Andere lehren, deren ich selbst ſo sehr bedarf. Ich will meine Feinde und Tadler als meine Wohlthäter ansehen. Die Strenge, mit welcher sie alles an mir bemerken, beurtheilen und bestrafen, soll mich aufmerksam und vorsichtig machen. Sie schonen meiner Empfindlichkeit nicht, wie meine Freunde, und sagen mir Wahrheiten, die mir zwar bitter, aber nützlich sind, die ich vorher entweder nie wußte, oder nicht bedachte. Sie decken meine Fehler und Mängel auf, und nöthigen mich, sie zu verbessern. Meine fünftige Aufführung soll sie schweigen machen. So wird mir aus dem Uebel Gutes entstehen! So wendest du Alles an, o mein Gott! mich zur Selbsterkenntniß zu bringen. Wenn ich diesmal unschuldig leide, so liegt eben darin Troft und Glück für mich! Wenn's wahr wäre, was die Verleumdung von mir ausgesagt: dann hätte ich Ursache zu seufzen. Aber bin ich denn auch unschuldig bor dir, o Gott! O wüßten die Menschen, was allein dir bekannt ist, wie 362 Gebet für Feinde. beschämt stünde ich da! Meine Verleumder kennen mich noch nicht recht, nicht ganz. Was würden sie erst von mir sagen, wenn sie die ganze Ge schichte meines Herzens und Lebens wüßten! Du allein, o Jesu! fonntest sagen: ,, Wer mag mich einer Sünde zeihen?" Und wer wurde mehr verleumdet, geschmähet, mißhandelt als du! Du wurdeft verfolgt, der Wahrheit und des Wohlthuns wegen. Du preiseft diejenigen ſelig, die um der Gerechtigkeit willen, für Pflicht und Tugend leben werden. O wäre ich dieser Seligkeit werth! Wenn mein Herz mich nicht ver= dammt; wenn ich mir der Redlichkeit meiner Absichten, und der Rechtschaffenheit meines Betrages bewußt bin; wenn ich mich vor dir, Heiliger! nicht scheuen darf: so kann ich mit Zuverficht meinen Feinden und Verleumdern unter die Augen treten, und getroft zu dir aufsehen. Allwissender! du bist mein Zeuge, mein Richter, mein Freund und Beschützer! Dir stelle ich meine Sache heim! du wirst die Wahrheit an's Licht bringen, und die Unschuld nicht Gebet für Feinde. 363 unterdrücken lassen. Je mehr sie jetzt verkannt wird, desto herrlicher wird einst ihr Sieg sein! Bater, verzeih' ihnen sie wissen nicht, was sie thun. Srrung und Mißverstand ist's, was sie wider mich aufreizt, und in Bewegung setzt. Wenn einst alle unsere Einsichten vollkommener geworden sein, und die Nebel der Sinnlichkeit, die uns hier das Licht der reinen Wahrheit so oft verhalten, sich verzogen haben werden; dann werden wir uns besser kennen, und als Brüder umarmen. Dort wird alle 3wietracht aufhören; lauter Friede und die schönste Zusammenstimmung herrschen. In jenem seligen Leben hoffe ich auch meine Widersacher zu finden, sie ewig zu lieben, und von ihnen geliebt zu werden. So will ich also schon jetzt anfangen, Liebe gegen sie in mein Herz zu pflanzen. Ich will ertragen, ausweichen, verzeihen; ich will mich nicht anders, als durch Stillschweigen, Sanftmuth und Wohlthun rächen. Wie ich von Herzen wünsche, daß sich meine Nebenmenschen gegen mich verhalten möchten, wenn ich so unglück lich bin, mich gegen sie zu verfehlen; so will ich gegen sie gesinnt sein und han 364 Gebet um Sieg über die Sinnlichkeit zc. deln, wenn ich von ihnen beleidigt zu glaube. Ja noch mehr- wie ich bei der Menge meiner Vergehungen auf deine väterliche Nachsicht und Schonung hoffe: so will ich, als dein dir nachartendes Kind, auch meinem Feinde ein Herz voll Liebe entgegen bringen, damit ich nie mit Widerspruch meines Gewissens beten möge: Vater, verzeihe mir, gleichwie ich verziehen habe! Amen. Gebet um Sieg über die Sinnlichkeit alle dio und Leidenschaften. Wer bin ich ohne dich, mein Vater! o verlaß du mich nicht! Sieh', wie mich dort die Feinde heimlich locken, ihre Angel ist Sinnlichkeit- die Sinnlichkeit, die ich stets in mir trage. Sanft lächelt mir die Welt, die Sünde lockt, und der Verführer winkt, und sie trinken mir im Becher der Gelüste die Wonne aller Sinne zu. O Vater! rette mich, daß ihre Stimme mich nicht verführe, und daß ich nie den Becher foste, der angefüllt ist vom Zaubertrank des Lasters. Herr! ich bin ohne Kraft, gibst du mir nicht Stärke, so muß ich unterliegen. Raube mir mein Auge, Gebet um Sieg über die Sinnlichkeit zc. 365 wenn es das Böse wohlgefällig sehen sollte, und lähme meinen Arm, wenn er nach Früchten greift, die ihm verboten sind. Verzehre diese Hülle, wenn sie in Gefahr ist, dich zu beleidigen; zernichte sie zu Staub, nur rette meine Seele sie ist dein Antheil, Herr! dein Werk; o laß diese nicht untergehen! Gib mir Macht und Stärke, Herr! mein Schild bist du; dein Name sei mein Schwert, mit dem ich kämpfen will; mein Sieg sei dein Werk, dem Kämpfer schenke dein Erbarmen. Amen. dan aub ehnter Abschnitt. Andachtsübungen für die Tage der Krankheit. Christlicher Leidenskelch). Kurzes Morgengebet. m Namen Gottes des † Vaters und des Amen. Heiliger, dreieiniger Gott! ich danke dir aus ganzem Herzen, daß du mich diesen Tag wieder haft erleben lassen; und ich empfehle mich auch für heute und immer auf's neue in deinen allmächtigen Schutz und Segen, in deine gütige Liebe, Hilfe und Barmherzigkeit. Auch übergebe und überlasse ich mich gänzlich deinem heiligsten Willen und Wohlgefallen; mache mit mir nur, was zu deiner Ehre und zu meinem Heile dienet. Demüthig opfere ich dir alle meine Trübsal, Krankheit und Leiden, vereinigt Kurzes Morgengebet. 367 mit den Leiden und Verdiensten Jefu Chrifti auf, für Alles das, wofür du willst, daß ich sie dir aufopfern soll, und bitte dich in seinem heiligen Namen, berleihe mir die Gnade der Geduld, der steten Ergebung in deinen Willen, und der Ausharrung im Guten bis an's Ende. Und wenn mich etwa die Heftigteit meiner Krankheit und der Schmerzen so niederdrückt, oder die Schwäche so übernimmt, daß ich nicht mehr im Stande bin, mich mit dir mit Leib und Seele aufzuopfern, oder zu dir zu beten, so nimm, gütigster Gott, meinen Willen barmherzig für das Werk an. Oheilige Maria, Mutter Gottes! auch zu dir wende ich mich wieder und bitte dich findlich im Namen deines Sohnes sei heute und stets meine liebebolle Mutter und treue Beschützerin und Fürsprecherin bei Gott; erbitte mir nach seinem heiligen Willen Erleichterung und Herstellung der Gesundheit des Leibes, oder doch Heil der Seele, Geduld im Leiden, und die Gnade einer seligen Sterbestunde, daß ich dort ewig mit dir und deinen Heiligen Gott loben und preisen könne. Amen. 368 Kurzes Abendgebet. Auch dich, heiliger Schutzengel! bitte ich innig und dankbar, beschütze mich heute wieder und stets vor allem Bösen, bitte für mich und verlasse mich nie, und besonders auch nicht im letzten Streite. Und ihr Heiligen Gottes alle! vorzüglich auch ihr, meine heiligen Schutzund Namenspatrone! bittet immerdar für mich, ganz besonders aber kommt mir durch euere Verdienste und Fürbitte zu Hilfe in der Stunde meines Hinscheidens, bis ihr mich aufnehmen könnet in euere ewig selige Gemeinschaft. Amen. Heiliger, allgütiger Gott! nimm das schwache Gebet als mein erstes Morgenopfer gnädig an, und errette und segne mich und Alle, für welche ich zu beten schuldig bin, allezeit durch Jesum Chri stum, unsern Herrn. Amen. Kurzes Abendgebet. Allmächtiger, gütigster Gott! ich danke dir auch am Abende dieses Tages wieder für alle Gnaden und Wohlthaten, und auch für alle Leiden und Heimsuchungen, die du mir heute und Zeit meines Lebens zugesendet haft. Kurzes Abendgebet. 369 Ich bereue vor deinem heiligen Angesichte herzlichst alle- alle meine begangenen und verschuldeten Sünden und Missethaten, weil ich dadurch dich, o höchstes Gut! das ich über Alles lieben sollte, und nun immer lieben will, beleidiget habe, und nehme mir auf's Fe= steste vor, mich gänzlich zu bessern, und mag ich gesund werden oder krank bleiben, wie es dein heiliger Wille ist, dich niemals mehr zu beleidigen. Für meine Sünden und Vergehungen aber opfere ich dir, himmlischer Vater! alle unendlichen Verdienste des Leidens und Sterbens Jesu, deines ewigen Sohnes auf! laffe doch sein vergoffenes kostbares Blut an mir nicht verloren sein! Jesus, dir lebe ich; Jesus, dir leide ich; Jesus, dir schlafe ich; Jesus, dir wache ich; Jesus, dir sterbe ich; dein will ich sein todt und lebendig, zeitlich und ewig! Amen. ONL seligste Mutter Gottes, unbefleckte Jungfrau Maria! in deinen mütterlichen Schutz und Schirm empfehle ich mich auch für diese Nacht wieder und für alle Zeit; sei meine Beschützerin in allen meinen Nöthen, meine Trösterin in SenftBrnlein. 24 370 Gebet um Linderung aller Trübsal, und meine liebevolle vielvermögende Fürsprecherin bei deinem Sohne und erbitte mir von ihm die Gnade einer guten Nacht und eines seligen Sterbftündleins. Mein heiliger Schutzengel! mein heiliger Namenspatron und alle Heiligen Gottes! bittet vor dem Throne Gottes für mich und für all' die Meinigen, und erbittet uns Allen Gnade und Heil für Zeit und Ewigkeit. Amen. Heiliger, barmherziger Gott! nimm dieses schwache Abendgebet gnädig an; bewahre, schütze, segne und heilige mich und alle die Menschen, für welche ich schuldig bin zu beten, und tröfte und erlöse die leidenden Seelen im Fegfeuer, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet um Linderung der Leiden und Schmerzen. picts and Gott, allmächtiger Vater! der du schlägst und heileft, wie du es nach deinen unerforschlichen Rathschlüssen gut findest; groß sind meine Leiden und Schmerzen geworden; und du allein weißt, wie sie mich angreifen, wie sehr der Leiden und Schmerzen. 371 ich leide. Das ist aber auch mein Trost, daß du mein Elend kennst und weißt; und ich weiß auch, daß du denen, welche dich lieben, Alles, Alles zum Besten, zum Heile und zur Seligkeit werden läſfest. gütigster Gott und Vater! auch dieſe Leiden und Schmerzen hast du so, und gewiß zu meinem Heile über mich verhängt, und ich hätte wohl noch mehr, Allein du noch viel mehr verdient. - und weißt auch, wie schwach ich bin schwer, schwer lastet die Leidensbürde auf mir. Darum nehme ich, barmherzigster Vater! zu dir meine Zuflucht, seufze zu dir, und bitte dich im Namen Jesu, und um seines Leidens und um seiner Todesangst willen am Delberg, wenn's möglich, nimm den Kelch des Leidens von mir, oder lindere mir doch in seinem heiligen Namen meine Noth und meine Schmerzen, doch nur nach deinem heiligsten Willen! Denn nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Willst du dich meiner erbarmen, gnädig auf mein Schmerzenslager herabschauen und mich erlösen oder erleichtern; so will ich dir kindlich dafür danken; ſoll ich aber, nach deinen unerforschlichen 24* Gebet um die Gesundheit. Rathschlüssen, noch mehr, noch länger leiden, o so gib mir doch die Gnade der Geduld! gib mir Stärke und standhafte Ausharrung nach deinem heiligen Willen bis an's Ende. Ich vereinige alle meine Leiden und Schmerzen mit allen den unaussprechlichen Leiden und Schmerzen Jesu Christi, und opfere sie dir auf zur Buße und Genugthuung für meine Sünden, zur Erwerbung einer seligen Sterb stunde, und zum Trost und zur Hilfe der armen Seelen im Fegfeuer. Amen. 372 Gebet um Genesung und um die Gesundheit. Allmächtiger, ewiger Gott! deine Er barmung geht über alle deine Werke. Erbarme dich auch meiner um deines Sohnes Jesu Christi willen, der geſagt hat: ,, Ulm was ihr immer den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben." Im Vertrauen auf dieß heilige Wort bitte ich dich also, in seinem heiligen Namen, befreie mich von meinem Lebel, damit ich meinen Beruf erfüllen, und dir mit allen Kräften treu dienen möge. Herr, erzeige deine - Gebet um die Gesundheit. 373 Macht an mir, und verherrliche deinen Namen zu meinem Heile! Ja, mein Herr und Gott! ich glaube fest, daß du, Allmächtiger, Alles kannst daß du durch die Kraft deines heiligen Wortes mich augenblicklich befreien und heilen kannst. Ich glaube auch, daß du unendlich gütig und getreu - mir zu helfen immer bereit bist; du weißt aber am besten, was mir nüglich ist. Daher unterwerfe ich mich deiner anbetungswürdigen Vorsehung. Sollte die Heilung meines Uebels nicht zu deiner Ehre und zu meinem Seelenheile gereichen, so bin ich bereit, dieselbe nach deinem göttlichen Willen zu tragen; denn es ist besser einäugig, lahm oder krank in den Himmel eingehen, als gesund in die Hölle gestürzt werden. Gereicht aber meine Heiligung dir zur Ehre und meiner Seele zum Heile, o so er= fülle um deines heiligen Namens willen dein heiliges Wort an mir, und sprich auch jetzt zu mir: ,, Stehe auf, mein Sohn, dein Glaube hat dir geholfen." Amen. Gebet nach der Wiedergenesung. Gebet nach der Wiedergenesung. Mit gerührter, dankerfüllter Seele erscheine ich vor dir, Allgültiger, der du alle meine Schicksale in deiner Hand haft. Bedroht war mein Leben, und daß ich noch bin, verdanke ich nur deiner Huld und Gnade. Du haft meine Kräfte wieder gestärkt, mir die verlorne Gesundheit wieder geschenkt, und mich der Welt und denen erhalten, die mir hier lieb und theuer sind. Dafür preist dich meine Seele, und nie soll es mein Herz vergessen, wie gütig du dich auch jetzt gegen mich bewiesen haft. Als ein neues, theures Geschenk von dir will ich nun mein Leben betrachten, und es so anwenden, daß ich mir vor meinem Gewissen das Zeugniß geben kann, ich sei dieses Geschenkes ganz werth. Es sei dir, der Wahrheit, der Tugend und dem Wohle derer geweiht, mit denen mich deine Hand in Berührung bringt. Ich trete es an mit dem festen Entschlusse, alle meine fünftigen Tage zu meiner Bildung und Veredlung treu und redlich zu benutzen, und in denselben Freude und Glück zu verbreiten 374 Gebet nach der Wiedergenesung. 375 Kräften steht. Von großen Werthe die Geso viel in meinen welch einem sundheit sei, habe ich in meiner, durch deinen Beistand glücklich überstandenen Krankheit tief gefühlt, und Alles werde daher von mir vermieden, was sie schwächen und zerrütten könnte, Alles dagegen gethan, sie zu befestigen und zu erhalten. Und wie sehr habe ich auf meinem Krankenlager die Wichtigkeit und Hinfälligkeit irdischer Güter kennen gelernt! Nie hänge daher mein Herz mit zu großer Vorliebe an ihnen; nie verleite mich ein übertriebenes Verlangen nach ihrem Besitze zu einer Handlungsweise, die dir mißfällig wäre, und mir einst, wenn ich von dannen scheide, meinen Tod erschweren und verbittern würde. Nur nach solchen Schätzen will ich mit rastlosem Eifer streben, die mir im Leiden Trost und Labsal, und noch in der ernsten Sterbestunde Erquickung und Stärkung zu verleihen vermögen, und mich hinüber begleiten in eine andere Welt. Dir, o Herr, will ich leben und sterben; dein will ich sein hier und dort, jetzt und in Ewigkeit! Amen. 376 Gebet für erkrankte Geliebte. Gebet für erkrankte Geliebte. Mein Herr und mein Gott! Der du über Tod und Leben herrschest und Jedem ein Ziel bestimmt haft, das er erreichen foll, zu dir flehe ich empor, erhöre mein Gebet und laß mein Bitten zu dir kommen! Wende dein Antlitz nicht weg, sondern schau' gnädig auf den armen, kranken Menschen hernieder, der seine matte Stimme nicht zu dir erheben kann, dessen Auge starr nach deinem Himmel gerichtet ist, wohin er seine Seufzer sendet, woher er Troft, Labung, Rettung und Heil hofft und sehnend erwartet! O Herr, du riefst: ,, Lazarus stehe auf!" und er stand auf, nicht, wie so viele Andere, denen dein Wort Genesung gab, vom Krankenbette, sondern er erhob sich aus dem Grabe und streifte die Leichentücher ab, als dein Wort Leben und Seele in den modernden Körper zurückgerufen. Sprich, o Herr, ein Wort, und der geliebte Kranke wird genesen! O, wenn es möglich ist, ſo gehe jetzt der Kelch des Leidens und des Todes an ihm vorüber; doch nicht Gebet für erkrankte Geliebte. 377 sein, sondern dein Wille geschehe! Magst du ihn zu dir nehmen, magst du ihn weiter leben heißen, dein Name, o Herr, sei gebenedeit und hoch gepriesen! Doch wenn du ihn zu dir rufft, o, so lindere seine Schmerzen; sende einen Tropfen deiner Gnade in sein Herz, damit er auf dich trauend, an dich glaubend und dich liebend verharre unter allen Leiden froh und fromm bis zum Ende! Zeige seiner müden Seele die kommende Herrlichkeit, die du deinen Dienern bereitet, daß sein Geist und sein Auge sich ablöſe von allem Irdischen und daß es nur auf dich, du Ewiger! unverrückt, fest gerichtet breche und sich schließze. Und wenn er steht vor deinem Gerichte, so jei gnädig, fiebreich und barmherzig, du milder, du gütiger Gott! In Sünden empfangen, in Sünden geboren, so trat er in die Welt und fiel und fehlte. Erlöser der Welt, der du für uns gelitten und gestorben, vergib, ia, bergib dem weinenden Sünder seine Schuld, verzeihe ihm; hier strafe ihn, hier senge, hier brenne; hienieden denn laß ihn leiden, wie du willst; nur aber, ach, schone seiner in der Ewigkeit; hier laß ihn 378 Gebet vor der heiligen Kommunion. büßen, dort öffne ihm deine Arme und nimm den armen, bittenden Menschen auf nach deiner unendlichen Gnade! Laß, o gütigster Gott, ihn empfangen den Preis des ewigen Lebens, den du denen gibst, die auf dich trauen und gläubig beharren bis zum Ende des Lebens! Segne die Lieben, welche gehen! segne die Lieben, welche bleiben; segne uns Alle! Amen. Gebet vor der heil. Kommunion. O Herr! ich nahe mit hungriger und eifriger Seele ganz demüthig dem kostbaren Tische, auf welchem dein heiliges Fleisch und Blut zu unserer Speiſe bereitet, ruhet, und bitte dich demüthig, du wollest mir deine Gnade verleihen, daß ich dich mit solcher Ehrerbietung und Andacht, mit solcher Furcht und Liebe, mit solchem starken Glauben, mit solcher Reinigkeit und Andacht, mit sol chem guten Gewissen, hohem Eifer und tiefer Demuth empfange, daß dein hoher gewaltiger Name dadurch gepriesen, und meine arme Seele erquickt und gestärket werde. Gebet vor der heiligen Kommunion. 379 Ich elende und schwache Kreatur komme zu dir, o starker, weiser, mächtiger Arzt des Lebens! Ich unreines irdisches Geschöpf komme zu dir, o unerschöpflicher Brunn der Barmherzigkeit! Ich blindes, verirrtes Schäflein komme zu dir, o helles Licht der Klarheit! Ich armer und nothdürftiger Fremdling komme zu dir, o Herr und Regent Himmels und der Erde! Ich nackende bloße Seele komme zu dir, o König der Ehren! und bitte dich von ganzem Herzen, du wolleft meine große Schwachheit heilen, meine Unreinigkeit wegnehmen, meine Blindheit erleuchten, meine Armuth bereichern, meine Blöße bekleiden. O mein ewiger Herr! zünde an in mir das seligmachende Feuer der Liebe, stärke meinen Glauben, mehre meine Hoffnung, lösche aus in mir die bösen Begierden, nimm weg alles Mißtrauen, alle Verzagtheit. Gib mir ein starkes ruhiges Gewissen, erfülle mich mit allen guten, dir wohlgefälligen Tugenden. Besänftige deinen Zorn, den ich wohl verdienet habe; erscheine mir mit hold 380 Bur letzten Delung. feliger Gnade, neige deinen Himmel und komme zu mir; weiche nicht von mir, bleibe bei mir, und führe mich, dein Schäflein, auf gute Weide! Laß mich meinem Feinde nicht zu einem Raube werden, vertreibe alle meine Feinde, die mir schaden wollen und können. Du ewiges Himmelsbrod, du Brod der Engel, du Brod deiner Auserwählten, komm' in mein Herz und speise mich, daß mich weder hungere noch dürfte in Ewigfeit! vereinige mich mit dir, daß ich mit dir ein Geist und ein Leib werde. Amen. Zur letzten Delung. Allmächtiger, ewiger Gott! der du durch den Mund deines heiligen Apostels Jakobus allen Kranken dieses heilige Sakrament zu ertheilen befohlen hast, verleihe mir, deinem Diener, und erhalte in mir deine Tugenden, so daß ich deine göttliche Heilkraft nicht bloß am Körper, sondern auch am Geiste erfahre, durch Christum, unsern Herrn. Amen. In deinem Namen, o Vater †, Sohn t, und heiliger Geist+, durch die Hand Geistliches Testament. 381 auflegung des Priesters( die ich mir gegenwartig vorstelle) und auf die Fürbitte aller heiligen Engel, Erzengel, Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Betenner, Jungfrauen und aller Heili gen, werde in mir ausgetilgt alle Kraft des Teufels! Segne mich, Gott Vater, der du mich erschaffen! segne und heile mich, o Gott Sohn, der du für mich am Kreuze gelitten! segne und erleuchte mich, o heiliger Geist, der du über mich in der heiligen Taufe bist ausgegossen worden! Bewahre meinen Leib, heile meine Seele, sende deine göttlichen Strahlen in mein Herz, leite meine Sinne, und führe mich in's ewige Leben. Amen. Vater unser 2C. Ich glaube an Gott Vater zc. Geistliches Testament. Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen. Ich N. N. übergebe meine Seele Gott meinem Erschaffer, und meinen Leib der Erde, bo welcher er gebildet ist. Geistliches Testament. Ich verlaffe freiwillig alle Ergötzlichkei ten dieses Lebens und alle irdischen Dinge. Alle Sünden bereue ich von ganzem Herzen. Ich verfluche dieselben und verabscheue sie, weil sie dir, o liebenswürdigster Gott! mißfallen. 382 Aus Liebe zu dir, o Gott! verzeihe ich allen meinen Feinden von Herzensgrund. Ich wünsche ihnen alles Gute. Ich glaube an den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist; meinen Erschaffer, Erlöser und Seligmacher; meinen unendlich mächtigen, gütigen und weisen Gott und Herrn. Ich glaube festiglich Alles, was die wahre katholische Kirche mir vorhaltet, zu glauben. Ich hoffe zuversichtlich von der göttlichen Güte Verzeihung aller meiner Sünden, Gnade und das ewige Leben. Ich liebe meinen Gott aus ganzem Herzen, aus ganzem Gemüthe und aus allen Kräften. Ich unterwerfe mich ganz und vollkommen dem heiligsten, weisesten, liebe vollsten, allzeit anbetungswürdigsten Willen Gottes. Ich bin bereit, Alles von dir, o Gott! anzunehmen; Krankheit oder Wohlsein, Geistliches Testament. 383 Leben oder Tod, dein Wohlgefallen, dein heiligster Wille geschehe an mir. Amen. meines Ich empfehle meinen Leib und meine Seele in die Fürbitte der allerglorwürdigsten Jungfrau Maria, meiner liebsten Mutter, des heiligen Josephs, heiligen Schutzengels und aller Heiligen, welche ich nun demüthigst bitte, daß sie mir beistehen wollen in der Stunde meines Todes. Meine letzten Worte seien: ,, Jesus, Maria, Joseph, in euern Händen will ich leben und sterben!" Wird mein Mund diese Worte nicht aussprechen können, so soll es mein Herz thun. Weil aber vielleicht in meiner Sterbestunde mein Verstand mir mangelt, so will ich es jetzt für diesen wichtigen Augenblick thun, und zwar mit allem möglichsten Eifer, Ehrerbietung und Demuth: ,, Jesus, Maria, Joseph!" o mein Gott! in deine Hände, in deine heiligen Wunden, die du aus Liebe für mich armen Sünder an deinem heiligen Leibe empfangen haft, befehle ich meinen Geist, mein Herz und meinen Leib. O Gott! sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig. Amen. — Eilfter Abschnitt. S Andachtsübungen für die Abgeftorbenen. Geistliches Vergißmeinnicht. Meßandacht für die Abgestorbenen. ( Insbesondere am Allerseelentage, oder bei einem Seelenamte zu gebrauchen.) Bom Anfange der heiligen Messe bis zur Epistel. Vor for deiner unendlichen Majestät, o ewiger Vater! kniee ich hier, und wohne diesem heiligsten Meßopfer bei, insbesondere auch in der Absicht durch dasselbe dich für die Seelen anzuflehen, die im Reinigungsorte für ihre Sünden noch Strafen leiden in der glüthendsten Liebessehnsucht nach der Anschauung deines Angesichtes. Heiliger, unendlich Heiliger, erbarme dich ihrer! Meßandacht für die Abgestorbenen. 385 Ewiger Bater! sie sind durch die heiligmachende Gnade, mit der du fie hienieden wegen der Verdienste deines Sohnes Jesus Christus geschmückt hast, deine Kinder! erbarme dich ihrer! Ewiger Vater! wir flehen zu dir durch deinen Sohn, unsern Erlöser, erbarme dich ihrer! Sohn des ewigen Vaters, erbarme dich ihrer! sie sind Glieder deiner Kirche, die dein sittlicher Leib ist; du bist das Haupt dieser Glieder; erbarme dich ihrer; wir flehen zu dir durch deine heiligsten Leiden, durch deinen heiligsten Tod; wir flehen zu dir für sie durch das unblutige Opfer, das du selbst hier auf dem Altare nun bald sein wirst. Heiliger Geist! du haft die Seelen, die jenseits im Reinigungsorte sind, hienieden geheiligt, und die Liebe in sie ausgegossen. Erbarme dich ihrer; sie sind deine Tempel; führe sie ein in den Wonnejubel der Anschauung ewigen unendlichen Schönheit und Heiligkeit, die du bist und der Vater und der Sohn. Wir bitten dich durch dieß unendliche heilige Meßopfer. der Senfkörnlein. 25 386 18 Meßandacht Bur Epistel. Der heilige Apostel und Evangelift Johannes hörte auf der Insel Patmos eine Stimme aus dem Himmel, welche zu ihm sprach: ,, Selig sind die Todten von nun an, welche in dem Herrn sterben." Und Johannes setzt diesen Worten bei: Ja, spricht der Geist, damit sie von ihren Werken ausruhen; denn ihre Werke folgen ihnen nach." Oheiliger Geist! laß die Seelen, die in dir gestorben sind und im Vater und im Sohne, die aber noch leiden müssen für ihre Sünden, eingehen in die ewige, unaussprechliche Seligkeit. Bum Evangelium. ,, Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, wer mein Wort hört, und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in's Gericht, sondern ist vom Leben zum Tode übergegangen!" ,, Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, es kommt die Stunde, und sie ist schon da, daß die Todten die Stimme des für die Abgestorbenen. 387 Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben! Denn gleichwie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbst zu haben; und er hat ihm Macht gegeben, auch Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist." ,, Verwundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, in der Alle, welche in den Gräbern, sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes." ( Joh. 5, 24-29.) Lob sei dir, Christus! Bei der Opferung des Brodes und des Beines. Himmlischer Vater! wir opfern dir für die Seelen, die jenseits noch Reinigungsorte sind, alle unsere dienste auf; da nun aber diese unsere Verdienste allzu gering sind, opfern wir dir für die Seelen im Reinigungsorte im Ber25* 388 Meßandacht die Verdienste deiner verklärten Heiligen, und insbesondere die Verdienste der seligsten Jungfrau Maria auf. Wir opfern dir auf für die Seelen die Verdienste Jesu Christi, die allein unendlich hohen Werthes sind, da sie sind die Verdienste deines eigenen Sohnes, an dem du dein unendliches Wohlgefallen hast. In Vereinigung mit den Verdiensten der Heiligen und mit den Verdiensten Jesu Christi opfern wir dir, o himmlischer Bater! unsere Herzen auf. nimm sie gnädigst an, und mache du, daß dir unsere Herzen stets aufgeopfert bleiben! mache, daßß unsere Herzen dir immer vollkommener geopfert seien durch die Liebe aus allen Kräften. Dann ist unser Gebet und all' unser Thun und Leiden immer auch wirksamer für die Seelen im Reinigungsorte, für die wir es immer wieder dir aufopfern. Bur Präfation. Hocherfreut, daß dein Sohn, o ewi ger Bater! gekommen ist, die Welt selig zu machen, erheben wir unsere Herzen zu dir, um dankbar dich dafür zu preisen, daß du deinen Sohn gesandt, und für die Abgestorbenen. 389 ihm den Auftrag gegeben haft, was er sagen und was er reden solle. Mit vereinigten Stimmen loben wir dich und danken dir innigst, daß dein Auftrag das ewige Leben ist. Mit unsern Lobpreisungen und Danksagungen verbinden wir die kindlichsten Fürbitten für die Seelen, die sich jenseits nach der Herrlichkeit des ewigen Lebens sehnen, in der sie mit allen Heiligen und Engeln unaufhörlich rufen werden: ,, Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen!" Bom Sanktus bis zur Bandlung. Die Seelen im Reinigungsorte, für welche wir zu dir, o himmlischer Vater! durch dieß heiligste Mesopfer flehen, sind ihres ewigen Heiles und ihrer fünftigen Herrlichkeit sicher; aber ach, wir, die wir noch auf Erden pilgern, sind unsers ewigen Heils und unserer künftigen Herrlichkeit nicht sicher. Wir sollen aber auf dich, der du in Erfüllung deiner Verheißungen unendlich getreu bist, fest hofa fen. In dieser festen Hoffnung bitten wir dich, gieß deine Gnaden über uns aus, auf daß wir auf uns'rer Pilgerschaft 390 Meßandacht nur dein Reich suchen, und nach der Gerechtigkeit, wie du sie von uns forderst, immer eifriger streben. Dieſe un sere Bitte läsfest du nicht unerhört, da du unsere Hoffnung auf dich nicht zu Schanden werden läsfest. Ihr Heiligen Gottes! bittet durch dieß heiligste Meßopfer den ewigen Vater für die Seelen im Reinigungsorte; bittet ihn durch dieß heiligste Mesopfer auch für uns, die wir noch auf Erden pilgern. Erbittet uns von dem ewigen Vater lebendigen Glauben, feste Hoffnung, in brünstige Liebe. Bei der Bandlung. O Jesus! dich, der du nun zugegen bist unter Brodsgestalt mit deiner Gott heit und Menschheit, bete ich an, und bitte dich für die Seelen im Fegfeuer, denen du der Gegenstand des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe bift. O Jesus! dich, der du nun zugegen bist unter Weinsgestalt mit deiner Gott heit und Menschheit, bete ich an. Dich, das hochheiligste, unblutige Opfer auf dem Altare hier, opfere ich deinem für die Abgestorbenen. 391 himmlischen Vater für jene Seelen auf, die im Reinigungsorte sind, und für mich und für uns Alle, die wir noch hienieden pilgern. Nach der Bandlung bis zur Kommunion. Dich, o Jesus, als das unendlich hochwerthe, unblutige Anbetungsopfer opfere ich deinem ewigen Vater für die Seelen im Fegfeuer auf, zum Ersatze für alle Versäumnisse und Fehler, deren sie sich auf Erden in Betreff der Anbetung deiner schuldig gemacht haben. Dich, o Jesus! als das unendlich hochwerthe, unblutige Dankopfer opfere ich deinem ewigen Vater auf für die Seelen im Fegfeuer zum Ersatze für alle Mängel ihres Dankes, den sie deinem ewigen Vater, dir und dem heiligen Geiste für die übernatürlichen Gnaden und für die natürlichen Gaben abzustatten hatten. Dich, o Jesus! als das unendlich hochwerthe, unblutige Genugthuungsopfer, opfere ich deinem ewigen Vater für die Seelen im Fegfeuer auf zur Genugthuung für alle ihre Sünden, für 392 Meßandacht die sie auf Erden nicht genügende Buße gethan haben. Ich bitte dich, o Jesus! durch dich selbst als das unblutige Opfer auf dem Altare hier, sage zu deinem himmlischen Vater die Worte, die du einst auf Erden geſprochen haft: ,, Bater, ich will, daß diejenigen, welche du mir gegeben hast, wo ich bin, bei mir seien, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen, welche du mir, weil du mich geliebt hast, schon vor Anbeginn der Welt gegeben hast. Bei der Kommunion. O könnte ich dich jetzt, geliebtester Jesus, empfangen im heiligsten Safras mente, wie dich da der Priester empfängt! Innig sei dieß mein Verlangen! Die wirkliche Kommunion des Priesters, und diese meine geistliche Kommunion opfere ich dir, o Jesus! für die Seelen im Fegfeuer auf, insbesondere zum Ersatz für alle Nachlässigkeit, dich im Altarssakramente oft zu empfangen, und für alle Lauigkeit im Empfange desselben, deren sie sich mögen schuldig gemacht haben. Jesus! sei in mir, auf daß durch dich all' mein Gebet und alle meine für die Abgestorbenen. 393 guten Werke und all' meine Geduld in Leiden ich auf desto wirksamere Weise für die Seelen im Fegfeuer täglich aufopfern kann. Gebet nach der Kommunion. Himmlischer Bater! gib uns die Gnade, daß wir befolgen die Ermahnungen deines Sohnes: ,, So lange ihr das Licht habet, glaubet an das Licht, auf daß ihr Kinder des Lichtes seid." Und den Seelen im Fegfeuer laß unsere Gebete, die wir bei dem heiligsten Meßzopfer für sie vor deiner Majestät ausgegossen haben, ersprießlich sein. Sie waren auf Erden Kinder des Lichtes; o laß sie emporschweben zur Anschauung des unendlichen Lichtes, das du bist! Wir bitten dich durch deinen Sohn, Jesum Christum, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Anter dem letzten Evangelium. Wie freuen sich die Seelen im Feg= feuer schon jetzt, daß sie auf Erden an dich, o Jesus! der du bist das Licht vom Lichte, der wahre Gott vom Das Dies irae. 394 wahren Gott, geglaubt haben! Wie freuen sie sich, daß sie unfehlbar dich, das Licht des Himmels und der Erde, ewig schauen werden! O mache ihre Freude bald voll durch die selige Anschauung deiner, der du bist das wahre Licht! Amen. Das Dies irae. Tranergesang. An jenem Tag der Zornesfluthen, Der diese Welt durch Brand verzehrt, Wird man nur Asche seh'n und Gluthen, Wie David und Sybille lehrt. O welche Angst wird uns durchbeben, Wann jener Richter sich erhebt, In dessen Hand- der Tod, das Leben Auf furchtbar scharfer Wage schwebt. Mit Macht wird die Posaune klingen, „ Ihr Todten wacht; kommt vor Gericht!" Wird Alle hin zum Throne zwingen, Da man nach Recht und Wahrheit spricht. Der Tod und die Natur wird beben, Wann das Geschöpf vom Grab ersteht, Um Rechenschaft dem Herrn zu geben, Aus dessen Mund das Urtheil geht. Was soll dann ich, ich Armer, sagen? Zu welchem Schußherrn soll ich fleh'n? Wie wird's, wenn selbst Gerechte zagen, Wie wird's dem Sünder wohl ergeh'n? Das Libera. OKönig höchster Majestäten, Der du aus freien Gnaden schon'st: Laß, Herr, auch mich das Reich betreten, Da du, o Quell der Gnaden! thron'st. Beschluß. Kniefällig und mit Thränen wende Ich mein zerschlag'nes Herz empor; Otrage Sorge für mein Ende; Eröffne mir das Himmelsthor! Am Tag der Thränen, da die Leichen Der Sünder zum Gericht ersteh'n, An jenem Tag, dem thränenreichen: Da laß sie, Gott, Erbarmung seh'n! Milder Jesu! schenke du Allen Seelen ew'ge Ruh'. Amen. 395 Das Libera. Herr! errette mich von dem ewigen Tode an jenem schauervollen Tage, an welchem Himmel und Erde werden erschüttert werden; wenn du kommen wirst, die Welt durch das Feuer zu richten. Ich zittere und bin voll Furcht we= gen der Untersuchung, die du anstellen wirft, und wegen dem Zorngericht, das bevorsteht, wenn Himmel und Erde werden erschüttert werden. 396 Das de profundis. O, wie wird jener Tag ein Tag des Zornes, der Drangsalen und des Jammers, ein großer und sehr trauriger Tag sein, wenn du kommen wirst, die Welt durch das Feuer zu richten. Herr, schenke den leidenden Seelen die ewige Ruhe; und lasse das ewige Licht ihnen leuchten! Das de profundis. Tief gebeugt rufen dir, o Herr! die Seelen aus dem Ofen ihrer Reinigung zu. Neige mild dein Ohr, o Herr! zu dem Flehen ihres Geiftes! Wenn du die Sünden zurechnen willst, Herr! wer wird sich vor dir rechtfertigen können? Nur bei dir stehet es, zu vergeben; nur du kannst retten und befreien. Herr! sie sehen deiner Hilfe entgegen; du verhießest sie; sie trauen auf dein Wort. Sehnlicher als auf den Morgen, warten sie auf deine Hilfe. Gott, lasse sie nicht umsonst hoffen! Du bist ja gütig und rettest so gerne. Andenken an verstorbene Eltern 2c. 397 Von der Strafe und den Peinen ihrer Sünden wirst du, o Herr! sie befreien. V. Aus dem Orte der Reinigung B. Erlöse, o Herr! die Seelen der ( des) Abgestorbenen! V. Lasse sie( ihn) ruhen im Frieden! B. Amen. V. Herr, erhöre mein Gebet! B. Und mein Rufen lasse zu dir kommen. Dankbares Andenken an verstorbene Eltern, Wohlthäter, Freunde. Oihr lieben, werthen Seelen! empfanget noch über dem Grabe meinen herzlichen Dank für Alles, was ihr für mich gethan, mir hinterlassen habt. Gott bergelte euch dort euere Liebe und Treue ewiglich, und belohne eure Mühen und Sorgen mit der reinen Freude über das Gute, das ihr gethan habt. Ihr sollt enere Wohlthaten an keinen Undankbaren verwendet haben. Ich will - euch durch gute Anwendung und Aufführung, durch Befolgung eurer schönen Lehren und Beispiele Frende machen; meine Fehler, die euch so oft betrübt 398 Gebet für Alle, auf dem Gottesacker. haben, vergessen, ja auch, was ihr viel leicht aus zu großer Liebe gegen mich, aus menschlicher Schwachheit, gefehlt oder versäumt haben möget, so gut ich kann, zu ersetzen und zu verbessern suchen, und alles Mögliche thun, was euch zum Trost und Vergnügen gereichen kann. Shr habt euere Liebe zu mir auch in jene Wohnungen hinüber genommen. Ihr sorget noch und bittet für mich. Auch ich will euer nicht vergessen in meinem Gebete, in meinem ganzen Leben. Gott führe uns einst zum frohen Wiedersehen und ewigen Beisammensein, in seiner Liebe zusammen! Amen. Gebet für Alle, welche auf dem Gottesacker ruhen. O Gott! der du den Chriftgläubigen, deren Leichname hier begraben sind, den Trost geschenket hast, daß ihre Asche in der geweihten Ruhestätte die künftige Auferstehung erwarten kann; wir bitten dich, daß du allen ihren Seelen, die noch nicht zur Anschauung deines hei ligen Angesichtes gelangt sind, dieselbe durch die Verdienste des bittern Leidens 399 Gebet am Jahrestage. und Sterbens Jesu Christi barmherzig schenken wollest, durch Jesum Chriftum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet am Jahrestage. Sieh gnädig herab, o Herr! auf unsere demüthigen Bitten für die Seelen deiner Diener und Dienerinnen, deren Jahrestag wir heute begehen, und für welche wir dir das heilige Opfer zu deinem Lobe darbringen, damit du sie in die Gesellschaft der Heiligen aufnehmen mögest, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Jesus, Maria und Joseph! laßt mich mit euch in Frieden leben und sterben. Amen. Zwölfter Abschnitt. Litaneien auf jeden Tag der Boche. Eine kostbare Perlenschnur. Am Sonntage. Litanei von der heiligsten Dreieinigkeit. Hj err, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Bater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöſer der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Gott Bater, du Erschaffer aller Dinge, Gott Sohn, du Erlöser der sündigen Welt, Erb. dich unser! Litanei von der heiligsten Dreieinigkeit. 401 Gott heiliger Geist, du Tröfter aller) Christgläubigen, Heilige Dreieinigkeit, du Lenkerin aller Dinge, Du unermessene Macht des Vaters, Du unbegreifliche Weisheit des Sohnes, Du unendliche Güte des heiligen Geistes, Du einige Gottheit in drei Perfonen, Du Herr der Heerschaaren, Du heiliger, starker, unsterblicher Gott, Du König aller Zeiten, Du allgegenwärtiger und großer Gott, Erbarme dich unser! Du wunderbarlicher Gott aller Dinge, Sei uns gnädig; verschone uns, allerheiligste Dreieinigkeit! Sei uns gnädig; erhöre uns, allerheiligste Dreieinigkeit! Sei uns gnädig; erlöse uns, allerheiligste Dreieinigkeit! Von allem Uebel, erlöse uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! Von aller Sünde erlöse uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! Senfkörnlein. 26 402 Litanei von der heiligsten Dreieinigkeit. Von deinem Zorne, ispilist Von dem jähen und unversehenen Tode, d Von den Nachstellungen des Satans, Von allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Von Blitz und Ungewitter, Von dem ewigen Tode, Durch deine starke Allmacht, Durch deine unendliche Weisheit, Durch deine vielfältige Barmherzigkeit, Erlöse uns, o allerheil. Dreieniigkeit! Durch deine unergründliche Herrlichfeit, Wir arme Sünder, wir bitten dich erhöre uns! Daß wir deinen heiligen Namen preiſen und ehren, wir bitten dich, erhöre uns, Daß wir dir in Gerechtigkeit dienen, wir bitten dich, erhöre uns, Daß wir deine heiligen Gebote erfüllen, mir bitten dich, erhöre uns, Daß wir dich aus ganzen Herzen, und den Nächsten wie uns selbst lieben, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir des Angesichtes deiner Herrlichkeit theilhaftig werden mögen, wir bitten dich, erhöre uns! Litanei von der heiligsten Dreieinigkeit. 403 O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! die O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser zc. Gegrüßet seist du zc. Gebet der Kirche. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen Dienern verliehen hast, in der Erkenntniß des wahren Glaubens die Ehre und Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit zu erkennen, und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten: wir bitten, daß wir durch Beständigkeit desselben Glaubens wider alle Widerwärtigkeiten jederzeit beschützt werden, durch Jesum Christum. Amen. 26* Litanei vom süßen Namen Jesu. Am Montage. Sitanei vom süßen Namen Jesu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesus Christus, höre uns! Jesus Christus, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! 404 Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heiliger, dreieiniger Gott, Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, Jesus, du Sohn Davids, Jesus, du Sohn der allerseligsten Jungfrau Maria, Jesus, du Heiland der Welt, Jesus, du Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus, du unsere Zuflucht, Jesus, du unsere Stärke, Jesus, du guter Hirt, Sesus, du ewige Wahrheit, Jesus, du unerschaffene Weisheit, Jesus, du unendliche Gütigkeit, Jesus, du Bater der Armen, Jesus, du Arzt der Kranken, Erbarme dich unser! Litanei vom süßen Namen Jesu. 405 Jesus, du Heil der Sünder, Jesus, du Tröster der Betrübten, Jesus, du Freude der Engel, Jesus, du Sehnsucht der Patriarchen, Jesus, du Erleuchter der Propheten, Jesus, du Meister der Apostel, Jesus, du Lehrer der Evangelisten, Jesus, du Stärke der Märtyrer, Jesus, du Zuversicht der Bekenner, Jesus, du Bräutigam der Jung frauen, Erbarme dich unser! Jesus, du Krone aller Heiligen, Jesus, du König der Herrlichkeit, Sei uns gnädig, verschone unser, o Jesus! Sei uns barmherzig, erhöre uns, o Jesus! Vor allem Uebel, bewahre uns, o Jesus! Vor aller Gefahr, bewahre uns, o Jesus! Vor aller Sünde, bewahre uns, o Jeſus! Vor der ewigen Verstoßung von deinem Angesichte, bewahre uns, o Jesus! Durch deine gnadenreiche Geburt, bitten wir dich, o Jesus! Durch deine Beschneidung, bitten wir dich, o Jesus! Durch deinen süßen Namen, bitten wir dich, o Jesus! dum Litanei zur Lobpreisung Gottes. Am Dienstage. Litanei zur Lobpreisung Gottes. Heilig, heilig, heilig bist du, Herr, alle Welt ist deiner Ehre voll! Auf dein Allmachtswort entstand die Welt, 406 Ohne dich sänk' sie zurück in Nichts, Jeder Grashalm keimet auf durch dich, Jeder Regentropfen quillt aus dir, Jedes Sandkorn rieselt durch dich fort, Jeder Sonnenstrahl strahlt nur durch dich, Jeder Mondschein leuchtet nur durch dich, Durch dich schimmert jeder goldene Stern, Alles lebt durch dich, Lebendiger, Durch dich brüllt das Wild im finstern Wald, Durch dich blöckt die Heerd' auf grüner Weid', Durch dich hüpft das Lamm der Mutter zu, Durch dich kriecht der Wurm im dürren Staub, Alle Welt ist deiner Ehre voll! 407 Litanei zur Lobpreisung Gottes. Durch dich singt die Lerch' in hoher Luft, Durch dich lacht das Kind im Mutterschooß, Durch dich klopft des Knaben Herz im Spiel, Durch dich bildet sich der Jüngling aus, Durch dich fühlt der Mann gestärkte Kraft, Durch dich schleicht der Mann am Stabe fort, Aller Augen warten auf dich, Herr! Heilig, heilig, heilig bist du, Herr! Alle Welt ist deiner Ehre voll! he Du öffnest deine milde Hand, heilig, heilig, heilig, bist du, Herr! Alle Welt ist deiner Ehre voll! 2c. Alles speisest, Alles sättigeft du, heilig, heilig zc. Alle Welt zc. Alles sammelt deine Gaben ein, heilig, heilig zc. Alle Welt 2c. AD Alles, Schöpfer, ist dein Eigenthum, heilig, heilig, 2c. Alle Welt 2c. Alles, du Erhalter! ist dein Geschenk, heilig, heilig 2c. Alle Welt 2c. Uleber Alles herrscht du unumschränkt, alle Welt ist deiner Ehre voll! Alle Welt ist deiner Ehre voll! 408 Litanei zur Lobpreisung Gottes. Jeder König ist dein Unterthan, alle Welt 2c. Jeder Engel beugt fich tief vor dir, alle Welt 2c. Deinem Willen kann nichts widerstehn, alle Welt zc. Ohne ihn entfällt kein Haar dem Haupt, alle Welt 2c. Auf den kleinsten Sperling sieht dein Aug', alle Welt 2c. Wie du willst, fällt jedesmal das Loos, heilig, heilig zc. Alle Welt zc. Alles ordnest, Alles leitest du, heilig, heilig 2c. Alle Welt 2c. Was du thust, ist recht und wohl ge than, heilig, heilig 2c. Alle Welt 2c. Weise Liebe ist dein Regiment, heilig, heilig 2c. Alle Welt 2c. Du suchest nichts, als allgemeines Glück, heilig, heilig zc. Alle Welt zc. Dein Gesetz ist heilig, recht und gut, heilig, heilig 2c. Alle Welt 2c. Dir gehorchen, Gott, ist Seligkeit, hei lig, heilig 2c. Alle Welt zc. Erster, Letzter! Außer dir kein Gott, alle Welt ist deiner Ehre voll! Alles stirbt! du Ew'ger stirbst uns nicht, alle Welt 2c. 409 Litanei zur Lobpreifung Gottes. Alles altert; du bleibst ungeschwächt, alle Welt 2c. Nur ein Wort, und was du willst, ſteht da, alle Welt 2c. Was wir denken, reden, thun, weißt du, alle Welt 2c. Vor der Klage kennst du jede Noth, alle Welt 2c. Wer kann deinem Aug' und Arm entfliehn? alle Welt 2c. Nacht und Abgrund schützen nicht vor dir, alle Welt 2c. Allgewaltig wirst du nah und fern, Uleberall zeigst du dich weisheitsvoll, Ueberall der Vaterliebe Spur, Alles, alles deiner Güte voll, Neinstes Licht, nichts Böses ist an dir, Vor dir kann der Sünder nicht be stehn, Heilig, heilig, 2c. Alle Welt 2c. Deine Augen schauen auf das Recht, Jedem Tugendfreunde bist du hold, Dich verführt kein Ansehen der Person, Nach Verdienst der Werke richtest du, Welches Gute läßt du unbelohnt? Welches Böse läßt du unbestraft? Welches Wort von dir bleibt unerfüllt? Du wahrhaftiger, gerechter Gott, 410 Litanei zur Lobpreisung Gottes. Unser Herz sei deines Ruhmes voll! Amen! Amen! das geloben wir! Unser Mund sei deines Ruhmes voll,) Deines Ruhmes sei unser Leben voll, Deiner zu gedenken, früh und spät, Aufzublicken überall zu dir, Anzubeten dich an jedem Ort, Dich im Geiste findlich anzuflehn, Alles Thun durch dich zu heiligen, Deiner Majestät zu huldigen, Demuthsvoll vor dir einher zu gehn, Zu vollbringen, was du uns gebeut'ft, Zu vermeiden, was du untersagst, Deinen Willen Allem vorzuziehen, Ueber Alles deiner uns zu freu'n, Mit getrostem Muth dir zu vertrau'n, Jeden Weg, den du uns führst, zu gehn, Dankbar zu genießen, was du gibst, Gern zu missen, was du uns versagst, Ruhig zu entbehren, was du nimmſt, Still zu dulden Leiden, die du schickst, Nachzuahmen dich Vollkommenster, Ohne Stillstand Guts zu thun, wie du, Freude zu verbreiten rings umher, Fremder Noth zu öffnen unser Herz, Menschen zu beseligen, wie du, Amen! Amen! das geloben wir! Litanei zur Ehre Jesu Christi. 411 Vater, so zu lieben, wie du liebst. Amen. Amen! das geloben wir! Heilig, heilig, heilig bist du, Herr! Alle Welt ist deiner Ehr voll! Gebet. Laß dir, o Gott! dieß unser Lob gefallen! Ja, es gefällt dir, so schwach es ist, wenn es nur aus aufrichtigem Herzen kam. Lehre uns, dich immer vollkommener zu erkennen, damit wir dich immer würdiger durch unsern ganzen Sinn und Wandel ehren und preisen, bis wir einst in das erleuchtetere und heiligere Lob deiner Engel und Seligen im Himmel einstimmen können. Amen. Am Mittwoch. inolt Litanei zur Ehre Jesu Chrifti. Gelobt sei Jesus Christus! Wer es hört, der stimme brüderlich mit ein: Er sei gelobt in Ewigkeit! Laß dir das Opfer unser schwachen Lobs gefallen, Sohn Gottes, Jesus Christus, unser Herr, gelobt seist du in Ewigkeit! 412 Litanei zur Ehre Jesu Christi. Du bist das Ebenbild des Vaters, der Abglanz seiner Herrlichkeit, Du bist im Vater er in dir, Der sieht den Unsichtbaren, wer dich sieht; wer dich recht kennt, der tennet ihn, Die Gottestraft, durch die die Welt entstand, ist deine Kraft, Die volle Gottheit wohnt in dir leibhaftig, Wie groß warst du und wurdest fo gering, damit du uns erheben möchtest, Wie reich warst du, und wurdest doch so arm, damit du uns bereichern möchtest, Früh weise lebtest du in unbefleckter Tugend, Nicht erst im Tempel schon im mütterlichen Haus war Gottes- dienst dein Werk, Wer ehrte Gott wie du? Wer hat ihn mehr verherrlichet als du? Wer war ihm je gehorsamer als du? Du bliebst ihm treu bis in den Tod, ja bis zum Tod am Kreuz, Fest wie ein Fels stund dein Bertrau'n auf ihn, Gelobt seist du in Ewigkeit; Litanei zur Ehre Jesu Christi. Er war mit dir- und über deine) Wunder staunt die Welt, Gleich deiner Kraft war deine Liebe, Nur Wohlthun war dein Werk, Dein hohes Ziel war Seligmachen, All' deine Worte waren Geist und Leben, All' deinen Lehrern gab dein heiliges Beispiel Nachdruck, boran Du zogst umher, und Segen ging dir folgte Segen nach, Wer zu dir kam, den nahmst du liebreich auf, Kein Hilfsbedürftiger verließ dich troftlos, Wie milde wiesest du die Irrenden zurecht, Das kranke Herz des Sünders, welch einen Arzt fand es in dir, Wie liebreich sorgtest du für deine Freunde, 413 - Gelobt seist du in Ewigkeit! Mit welcher Großmuth liebtest du - selbst deine Feinde, - Dein Leben gabst du Gott zum Opfer für uns hin, Du starbst, und lebst nun ewig uns zum Heil, Im Himmel bist du noch der Menschenfreund, der du auf Erden warst, 414 Litanei zur Ehre Jesu Christi. Du höreft nicht auf, für unser Heil zu sorgen, Du ziehst nach dir, was deinem Zug nicht widersteht, Du machst auf ewig selig Alles, was sich nur selig machen läßt, In deines Vaters Hause hast du schon die Wohnung für jeden deiner Freunde zubereitet, Einst wirst du unser Richter sein, und Jeden lohnen nach Berdienst, Für Alles, was du, Herr! an uns ge than, sei jetzt und ewig dir gedankt! Für Alles, was du für uns litteft, Für Alles, was du täglich an uns thust, Für Alles, was wir noch von dir erwarten, Für alles Licht, das uns durch deine Lehre aufging, Für jeden Trieb zum Guten, den sie weckte oder stärkte, Gelobt seift du in Ewigkeit! Für jeden guten Vorsatz, den wir faßten und vollbrachten, Für jeden Fortschritt, auf dem Weg der Besserung und Tugend, Für jeden Trost und frohen Sinn, den uns der Glaub' in uns're Herzen goß, Sei jetzt und ewig dir gedankt! Litanei zur Ehre Jesu Christi. 415 Für alles Gute, das von uns und von der ganzen Christenheit geschah und noch geschehen wird, sei jetzt und ewig dir gedankt! Für Alles, was du noch zum Heil der Menschen wirkst, sei jetzt und ewig 2c. Mit unserm Dank vereinigt sich auch unsre Bitte, erhöre unser frommes Flehen! Vollende, was du angefangen hast, Vermehre die Anzahl deiner würdigen Verehrer, Laß deine Lehr' uns stets im unverfälschten Licht erscheinen, Zerstreu' des Aberglaubens Tand, Vertilg' das lose Schein- und Namenchristenthum, Mach' unsern Glauben täglich aufgeklärter, Sein Licht durchwärme unsere Herzen, Er werde immer tugendreicher, Er zeige sich in jedem Stand bei jedem Werke thätig, Bild' unsern Sinn nach deinem Sinn, Dein Leben sei das Muster unsers Lebens, Dir folge Alles nach in deiner Frömmigkeit, In deinem findlichen Gehorsam, Erhöre unser frommes Flehen! 416 Litanei vom heil. Altarssakramente. In deinem unerschütterten Vertrauen,) In deiner schweigenden Geduld, In deiner unverstellten Demuth, In deiner warmen Menschenliebe, In deiner Freundlichkeit und Sanftmuth, In deinem Eifer wohlzuthun, In jeder Tugend, die sich uns an dir zum Beispiel darstellt, So mach' uns dir stets ähnlicher, Dann laß uns auch all' deinen Trost erfahren, Nimm uns einst auf zu dir in deine Herrlichkeit, Erhöre unser frommes Flehen! Gebet. So, göttlicher Jesus! wollen wir uns durch getreue Nachfolge als deine Verehrer, als deine dankbaren Erlösten erzeigen. Dann werden wir dich als unsern Seligmacher loben und preisen ewiglich. Amen. Am Donnerstage. Litanei vom heiligen Altarssakramente. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Zitanei vom heil. Altarssakramente. 417 Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heitige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesus, du Brod der Engel, Jesus, du liebenswürdiges Brod, welches vom Himmel gekommen ist, Du Brod, welches alle Süßigkeit in fich begreift, Du Brod des Lebens und des Verstandes, Du verborgenes Manna, Du Arznei der Unsterblichkeit, Du süßes Gastmahl, bei dem die Engel! dienen, Du kräftiges Brod, welches uns Stärke gibt, Du Krone der Auserwählten, Du unversiegbarer Brunn aller Gnaden, Du immerwährendes Opfer, Du unbeflecktes Lamm, Du Speise der Engel, Du Schatz der Gläubigen, Senfkörnlein. 27 Erbarme dich unser! 418 Bitanei vom heil. Altarssakramente. Du Ergötlichkeit frommer Seelen, Du Gedächtniß der göttlichen Wunderwerke, Du Versöhnung der Sünder, Du Band des Friedens und der Liebe, Du Wegzehrung der Sterbenden, Du Unterpfand der künftigen Seligteit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Vom unwürdigen Empfange deines heiligsten Fleisches und Blutes, erlöſe uns, o Herr! Von der Begierlichkeit des Fleisches, Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Bon aller Gelegenheit zu fündigen, Von allem lauen und andachtslosen Betragen gegen dieses heiligste Saframent, Erbarme dich unser! Durch die inbrünftige Begierde, womit du die Ostern in dieser Speise mit deinen Jüngern halten wollteft, Durch die tiefe Demuth, mit welcher du vor Einsetzung dieses heiligsten Saframentes deinen Jüngern die Füße gewaschen haſt, Erlöse uns, o Herr! Litanei vom heil. Altarssakramente. 419 Durch die brennende Liebe, mit welcher du uns in diesem heiligsten Sakramente dein Fleisch und Blut aufsetzteft, Erlöse uns, o Herr! Durch die unüberwindliche Geduld, womit du in diesem Sakramente so viele Entehrungen und schreckliche Unbilden erträgst, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns den Glauben, die Ehr-) erbietung und Andacht gegen dieses wunderbare Sakrament mehren und erhalten wollest, Daß du uns vom Tode der Sünde zum ewigen Leben auferwecken wollest, Daß du Alles, was lasterhaft ist, in uns tödten und ausrotten wolleft, Daß du uns in deiner Gnade stärken wolleft, Daß du uns vor allen Sünden und Uebeln bewahren wollest, Daß du uns vor allen Nachstellungen des bösen Feindes beschützen wollest, Daß du das Feuer deiner Liebe in uns entzünden wollest, 27* Wir bitten dich, erhöre uns! 420 Litanei vom heil. Altarssakramente. Daß du uns im Tode mit diesem Brode der Starken für die Reise in das Haus unserer Ewigkeit stärken wolleft, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns die süßen Früchte dieses heiligsten Sakramentes genießen, und uns zum großen Abendmahle des ewigen Lebens führen lasseft, wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt; erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Ave Maria z. Gebet. O Gott, der du den Kindern Israels in der Wüste ein Brod aller Süßigkeit vom Himmel gesendet, und uns mit diesem himmlischen Brode eine Geisteser götzung ertheilet haft, die alle Süßigkeit Litanei vom bitteren Leiden Jesu. 421 in sich begreift! wir bitten dich demüthigst, du wolleft uns einen lebhaften Glauben, eine zuversichtliche Hoffnung und eine inbrünstige Liebe einflößen, damit wir in Anbetung und Genießung dieses allerheiligsten Sakramentes vermittelst eines reinen und abgetödteten Herzens mit den unaussprechlichen Ergötzlichkeiten deiner fühlbaren Gnade beströmt und in der Stunde unseres Todes zu jenem großen Abendmahle gerufen werden, wo sich deine Heiligen von deiner Herrlichkeit ersättigen, und dich von Angesicht zu Angesicht ewig genießen, der du lebest und regierest in ewige Zeiten. Amen. Am Freitage. Litanei vom bittern Leiden und Sterben Besu. Wie viel o Jesu, nahmst du uns zu lieb auf dich! Du weißt aus eigener Empfindung, wie jedes Leiden schmerzt. Darum hast du Mitleid mit uns Schwachen! Der Vater schonte geliebten, nicht. deiner, seines VielWie könnten wir Litanei vom bitteren Leiden Jesu. verlangen, von Leiden frei zu bleiben. Ach, zögen wir sie nicht durch eigene Schuld uns zu! 422 In deiner größten Angst war kindliches Gebet und Gottergebenheit deine Stärkung. Dein Will', o Gott, ge schehe! Das sei auch unser Trost und Wunsch! Vertrauensvoll und standhaft gingst du deinem Martertod entgegen. laß uns nicht verzagen in Gefahr und Noth! Auch den Verräther wolltest du mit Liebe noch gewinnen, nanntest ihn noch Freund. So lehrst du uns auch Böſe mit Bedauern lieben! Freiwillig ließest du dich binden, wie ein Uebelthäter; verleumden und mißhandeln; sanft duldend, wie ein Lamm, ertrugft Schmach und Marter aller Art. O lehre uns Geduld und stille Sanftmuth! Am Kreuze batest du noch für deine Feinde um Vergebung. So sei denn auch von uns, wie uns von dir verziehen! Wie könnten wir den ärgsten Feind noch haffen! Litanei vom bitteren Leiden Jesu. 423 Den Missethäter, der sich sterbend an dich wandte, nahmst du mit dir in's Paradies. Wie dürft' ein Sünder einen andern freventlich verdammen! Wer kann nicht Gnade hoffen, wenn er sich ernstlich bekehrt! In deinem größten Schmerze vergaßeft du der Mutter und des Freundes nicht. Wie vielmehr wirst du jetzt in deinem Reiche für deine Treuen sorgen! In äußerster Verlaffenheit riefst du zu deinem Gott. Wenn Alles uns verläßt; wir wollen fest an Gott uns halten! Im heißen Durste wurde Gall' und Effig dir gereicht. Bei dir, Herr! will ich Trost und Labsal suchen; die Welt gibt oft nur Bitterfeit dafür! Gehorsam bis zum Tod hast du dein Werk vollbracht! O daß wir Alles, was uns obliegt, gut vollbringen, ehe der Tod uns übereilt! Wie freudig übergabst du deinen Geift in deines Vaters Hände! So heiter stirbt der Fromme; so selig ist der Ausgang seiner Leiden! 424 Litanei von der göttlichen Vorsehung. Gebet. Weil du dich erniedrigteft, und ge horsam warst bis zum Tode am Kreuze, so hat dich Gott erhöhet, anbetungswürdiger Jesus! Durch Leiden mußtest du in deine Herrlichkeit eingehen. So halte mich dann keine Beschwerde ab, dir zu folgen auf dem Wege, den du mir dahin vorgezeigt hat; bis ich einst zu dir komme in dein himmlisches Reich, wo ich aller überstandenen Trübsale mich freuen werde ewiglich! Amen. Am Samstage. Sitanei von der göttlichen Borsehung. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe Jesu, höre uns! Christe Jesu, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! mo di Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unſer! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Litanei von der göttlichen Vorsehung. 425 O Gott, unser Beschützer, Gott, unser Beherrscher und Regierer, Gott, o unsere Hoffnung, Gott, o unsere Zuflucht, Gott, o einziger Gegenstand unserer Liebe, Gott, o Schöpfer, Gott, o unser Erhalter und Ernährer, There Erbarme dich unser! Gott, o unser Vater, heiligster, vollkommenster Gott, heiligster, allmächtiger Gott, heiligster, unsterblicher Gott, Dunendlicher, unermeßlicher Gott, allwissender und weisester Gott, gütigfter und barmherzigster Gott, Ogroßer Gott, der du Alles, was auf Erden ist, zum Dienste der Menschen erschaffen hast, Der du die Vögel in der Luft und alle Thiere wunderbar erhältst und ernährst, Der du die Lilien und Blumen des Feldes herrlich kleideft, Der du die Früchte der Erde segnest, und uns unsere Nahrung wachsen läffest, ittop 426 Litanei von der göttlichen Vorsehung. Der du Alles uns Menschen zum Besten ordnest und verfügst, Der du uns manchmal eine zeitliche Trübsal zu unserm Nutzen, und zur Besserung unseres Herzens schickest, Der du Diejenigen, die sich gänzlich deiner göttlichen Vorsicht ergeben, in die Mitte der Drangsale durch deine väterliche Hilfe segnest, Der du Diejenigen, die auf dich hoffen, niemals zu Schanden werden läsfest, Erbarme dich unser! Sei uns gnädig, und verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, und erhöre uns, 0 Herr! Von allem Uebel, befreie uns, o Herr! Von allen Sünden, Von der Uebertretung deiner Gebote, Von allem Mißtrauen, auf deine göttliche Vorsehung, Bon aller Ungeduld, Von aller Kleinmüthigkeit in Kreuz und Leiden, Vom Murren und Klagen gegen deine göttlichen Anordnungen, Befrei uns, o Herr! PART Litanei von der göttlichen Vorsehung. 427 Von allen gefährlichen Anfechtungen, besonders in der Stunde unseres Todes, befreie uns, o Herr! Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! O schone unser, O flöße uns ein wahres, kindliches Vertrauen auf deine göttliche Vorsehung ein, O laß uns in allem Glücke und Unglücke deine göttliche Vorsehung erkennen und verehren, O laß uns Alles von deiner Vaterhand mit innigstem Danke annehmen, Olaß unsern Willen jederzeit deinem heiligsten Willen gleichförmig sein, Wir bitten dich, erhöre uns! Dlaß uns deiner Barmherzigkeit nie vergessen, die von Anbeginn der Welt mit uns war, Osei am Tage der Trübsal unser Trost, und erbarme dich unser, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt; verschone uns, o Herr! 428 Litanei von der göttlichen Vorsehung. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt; erhöre uns, o Herr! D du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt; erbarme dich unser, o Herr! Christe Jesu, höre uns! Christe Jesu, erhöre uns! Vater unser 2c. Herr, erhöre mein Gebet, Und laß mein Rufen zu dir gelangen! Gebet. O Gott, alles Glück und Unglück, Alles, was mir begegnet, das begegnet mir, weil du es also anordnest, oder zuläsfest. Ich erkenne es, und unterwerfe mich deinem göttlichen Willen. Ich bete dich an. Ich preise deine göttliche Vorsicht bei jeder Begebenheit. Deine göttliche Allmacht schütze mich! Deine göttliche Weisheit regiere mich! Deine unendliche Barmherzigkeit erhalte mich, und schone meiner! Du kannst mir bei jedem Vorfalle helfen! Du weißt mir zu helfen. Habe ich nicht allemal meine Zuflucht zu dir genommen, habe ich nach diesen Grundsätzen nicht allemal gedacht und Litanei von der göttlichen Vorsehung. 429 gehandelt, so bereue ich es von ganzem Herzen. himmlischer Bater, du forgst für mich! flöße meinem Herzen kindliche Gesinnungen gegen dich ein, daß ich mit Freude und Zuversicht in fröhlichen Umständen nicht stolz und übermüthig, in traurigen aber nicht zu sehr niedergeschlagen, jederzeit auf dich hoffen, mein kurzes irdisches Leben mit der frohen Erwartung eines bessern und ewigen fortsetzen, beschließen, und deine göttliche Vorsicht in der himmlischen Herrlichkeit ewig loben und preisen möge! Amen. Dreizehnter Abschnitt. Der heilige Kreuzweg. Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi. ( In fünfzehn Stationen.) Belehrung. Der Kreuzweg stellt jenen schmerzvollen Gang dar, welchen Christus, mit dem Kreuze beladen, von dem Richthause des Pilatus bis auf den Kalvarienberg gemacht hat. Man theilte denselben für die Wallfahrer in Serusalem in gewisse Stationen ein, welche mit der Zeit auch in unsern Kirchen abgebildet und zur andächtigen Betrachtung empfohlen wurden. Weil zur wahren Bußgesinnung aber nichts mehr erwecken kann, als die an dächtige Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu, so wurde diese heilsame, uralte Andacht mit Ablässen begnadigt, die jedoch nur bußfertigen, ernstlich sich Die Andacht des heiligen Kreuzweges. 431 beffernden Sündern zu Theil werden können. Gleichwie zur Gewinnung eines Ablasses der Stand der Gnade erforderlich ist, so wird diese Andacht auch nur dann heilsam sein, wenn man vor Beginn derselben eine vollkommene Reue über jeine Sünden erweckt. Der heilige Kreuzweg besteht gewöhnlich aus fünfzehn Stationen, nämlich: zwölf vom Hause des Pilatus bis auf den Kalvarienberg, wo Christus gekreuziget wurde, drei welche die Abnehmung Jesu vom Kreuze, dessen Grabesbestattung und Kreuzerhöhung vor stellen, um dabei nebst dem Tode des Sohnes Gottes auch die Schmerzen der heiligsten Mutter Maria zu betrachten. Stationen aber heißen diese Abtheilungen deswegen, weil sich Jesus auf seinem Leidensgange bei diesen Orten immer ein wenig aufgehalten. Borbereitung. Im Namen Gottes des Vaters †, des Sohnes+, und des heil. Geistes+! Amen. Lasset uns eingedenk sein des Leidens und Sterbens des Herrn, und auch durch Betrachtung des heil. Kreuzweges den TEA 432 Die Andacht Tod des Herrn verkündigen! Wer den Tod seines Erlösers ernst und tief zu Herzen nimmt, wird die kräftigsten Eindrücke der Liebe Gottes, der Neue und des Vertrauens in sich empfinden. Er wird theilhaftig des heiligen Segens der Kirche, welche dieser Andachtsübung reiche Ablässe verleihet; er kann dadurch ein Tröster der leidenden Seelen werden, indem er auch ihnen die Verdienste Chrifti fürbittweise zuwendet. Lasset uns also unter Beistand und Leitung des göttlichen Geistes und seiner Heiligen den Kreuzweg unsers Erlösers betreten, seine blutigen Fußtritte dankbar küssen, und uns trösten und stärken mit den Verdiensten seines Leidens! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, ohne dessen Hilfe und Leitung wir nichts Gutes vermögen; lehre uns in deinem eingebornen geliebten Sohne, den du aus Liebe für uns hingabst, die Quelle unseres Heiles erkennen und suchen; erwecke uns zur Betrachtung seines bit tern Leidens und Sterbens, und gib dadurch Mehrung deiner Gnade, Besserung des heiligen Kreuzweges. 435 unserer Herzen, wirksamen Antheil an den Ablässen der Kirche, Trost den Abgestorbenen und uns Allen einst das ewige Leben! Amen. Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus; und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. Zum Kreuztode, wie der größte Verbrecher, wirst du verurtheilt, unschuldiger Jesu, und du hattest nichts als Gutes gethan; aber eben darum, weil du es so gemeint hast, bessern und retten wolltest, wurdest du gehaßt und mußteſt sterben. Anmuthung. An dich will ich denken, mein Heiland, wenn ich unschuldiger Weise, oder gar um des Guten willen Etwas zu leiden habe. Weltlohn und Weltdank soll nie meine Absicht sein, wenn ich recht handle und Gutes vollbringe; nie Senfkörnlein. 28 434 Die Andacht will ich, Menschen zu gefallen, oder aus Furcht vor ihnen, wider Pflicht und Gewissen handeln, wie Pilatus gethan hat: nur nach deiner göttlichen Lehre will ich mich richten; o Jesu; du wirst einst mein Richter sein; wenn ich nur vor dir bestehe! Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Zweite Station. Jesus nimmt das Krenz auf seine Schultern. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. Willig nimmst du das Kreuz auf deine wunden Schultern, sanftmüthigster Jesu, und läsfest dich wie ein Lamm, das seinen Mund nicht öffnet, zur Schlachtbank führen. Du rufest uns Allen zu: Wer mir nachkommen will, nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach! 435 des heiligen Kreuzweges. That Anmuthung. Ich nehme mein Kreuz auf mich. Gott legt mir nicht mehr auf, als ich tragen kann, und er hilft mir dasselbe tragen. O, es ist gut für mich, wenn ich oft etwas zu leiden und zu ertragen habe. So will mich Gott gleichsam mit Gewalt auf dem Wege des Himmels ziehen. O Jesu, du gehst mit dem Kreuze voran; ich folge dir; stärke mich! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! R. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Dritte Station. Jesus sinkt unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Chriftus, und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. Wie viel hast du auch meinetwegen auf dich genommen, liebevollster Erlöser; mit den Sünden der Welt auch die meinigen. Wie groß war diese Last; aber 28* 436 Die Andacht noch größer war deine Liebe zu uns, mit welcher du dieses Alles so geduldig ertragen haft. Anmuthung. Was ist mein Leiden gegen das deinige, unschuldiger Jesu; darf ich wohl über das flagen, was ich mir aus Leichtsinn selbst zugezogen und durch meine Sünden verschuldet habe? Ja, ich will es ertragen zu meiner Warnung und Besserung; ich will als Christ, aus Liebe und Pflicht, was mir schwer fällt, standhaft und geduldig leiden. Unterstütze du mich mit deinem Beistande! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Vierte Station. Jesus begegnet seiner Mutter. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöſet. des heiligen Kreuzweges. 437 Betrachtung. O Maria, was hat dein Mutterherz gelitten, als du deinen göttlichen Sohn unter den Henkersknechten, zwischen den zwei Mördern, mit dem schweren Kreuze daher wanken sahest. Beste Mutter des besten Sohnes, welcher Schmerz war dem deinigen gleich? Doch bliebst du immer die ganz ergebene Magd des Herrn, und sprachst noch in deinem Herzen: ,, Mir geschehe nach deinem Worte, nach deinem heiligsten Willen!" Anmuthung. Dieß sei auch mein Trost, wenn ich etwas zu leiden habe, oder andere leiden sehe, und nicht helfen kann: Der Wille des Herrn geschehe. Ohne seinen Willen fällt ja kein Haar von unserm Haupte; sein Wille ist allezeit unser Bestes! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! R. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! 438 Die Andacht Fünfte Station. Simon hilft Jesu das Kreuz tragen. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. Simon hilft dir das Kreuz tragen, todtschwacher Jesu. Wie gern hätte auch ich dir einen Dienst erwiesen, da du so viel für mich gethan und gelitten haft; Aber du sagst: Was ihr den geringsten meiner Brüder( eurer Mitmenschen) thut, das habt ihr mir gethan! Anmuthung. Nun denn, wo ich einem meiner Mitmenschen seine Mühe und Last erleichtern, einen Liebesdienst erweisen, oder mit Rath und Trost beispringen kann, da will ich es so bereitwillig thun, als wenn ich dir selbst, o Jesu, dienen könnte! Besser kann ich dir deine Liebe nicht vergelten, als wenn ich aus Liebe zu dir alle Menschen wie meine Brüder liebe, und diese Liebe in der That beweise. des heiligen Kreuzweges. 439 V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Sechste Station. Jesus drückt sein Angesicht in das Schweißtuch der Veronika. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. Der Anblick deines Bildes erinnert mich an das, was du für mich gelitten haft, schmerzhafter Jesu! Es stellt mir deine Geduld, deine Sanftmuth, und Liebe dar. Dich soll ich vor Augen haben, mein göttliches Vorbild; dir soll ich ähnlich werden, du vollkommenstes Muster aller Tugenden; nur dann kann ich Gott gefallen. Anmuthung. Ja, ich will mir tief in das Herz drücken, was und wie du gelitten hast, und besonders in der Stunde der Versuchung und Trübsal recht lebendig daran 440 Die Andacht denken. Und wenn einst vor meinen Augen Alles verschwinden wird, so sei mein letzter Blick auf dich gerichtet. O mein theuerster Erlöser, zeige dann auch mir dein liebreiches Angesicht, welches die Freude und Wonne des ganzen Himmels ist. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligslen Leidens! Siebente Station. Jesus sinkt wieder unter dem Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hafst du die Welt erlöset. Betrachtung. Du erliegst zum zweiten Male der schweren Last, ermatteter Jesu; du weißt aus Erfahrung, was Leiden heißt, und was der Mensch tragen kann. Du hast also auch Mitleiden mit unserer Schwachheit, und wirst uns mit deiner Kraft unterstützen! 441 des heiligen Kreuzweges. Anmuthung. Wenn mich Kummer und Schmerz darnieder drücken, wenn mein Muth sinken und meine Kraft erliegen will, wenn ich unter der schweren Arbeit oder in einer heftigen Versuchung fast nicht mehr aushalten kann; dann will ich an deine Ermattung unter dem Kreuze gedenken, o Jesu, und mich wieder aufrichten, im Vertrauen auf deinen Beistand! Vater unser 2c. Ave Maria zc. V. Erbarme dich unser, o Jesus, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Achte Station. Jesus wendet sich zu den ihn beweinenden Frauen. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset.. Betrachtung. ,, Weinet nicht über mich, sondern über euch und euere Kinder!" So sprichst du, liebreichster Jesu, zu den guten Seelen, welche dich auf deinem Kreuzwege be 442 Die Andacht weinten. Du bist mehr für sie, als für dich besorgt; das Unglück deines undankbaren Volkes geht dir mehr zu Herzen, als dein eigenes bitterstes Leiden! um Anmuthung. Also vielmehr über meine Sünden soll ich weinen, um dererwillen du so viel gelitten hast. Mitleiden mit meiner unsterblichen Seele soll ich haben, auf daß dein Leiden an mir nicht verloren gehe. Wenn es mir zu Herzen geht, ſo soll ich mir es auch zu nutzen machen durch ernstliche Buße und Besserung. Erbarme dich meiner, o Jesu, und verleihe mir deine Gnade dazu! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Neunte Station. Jesus sinkt zum dritten Male unter dem Krenze. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. des heiligen Kreuzweges. 443 Betrachtung. Wie schwer, o Jesu, wie schwer ist dir dein Kreuz geworden: aber deine Geduld ermüdet nicht; unter den größten Leiden vollendest du standhaft unsere Erlösung. Du bist deinem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode- bis zum Tode am Kreuze! Anmuthung. Sollte ich nur dasjenige thun, was mir leicht und angenehm ist? Sollte ich das Gute, wenn es mir Mühe foftet, unterlassen; oder so bald ermüden und verzagen, wenn es mir nicht gleich recht von Statten geht? Wie könnte ich dir auf diese Weise nachfolgen, mein göttlicher Führer! Und du forderst ja von mir nicht mehr, als was zu meinem Heile nothwendig ist. Dein Hauptgebot ist Liebe; durch Liebe wird dein Joch sanft und deine Bürde leicht! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Die Andacht Zehnte Station. Jesus wird seiner Kleider beraubt. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. 444 Wie schmerzhaft, sanftmüthigster Jesu, mußte dir das gewaltsame Losreißen deiner Kleider und die schmachvolle Entblößung sein; wie hart mußtest du da unsere Hoffart, unsere Wollust und Ueppigfeit büßen! Anmuthung. Wenn ich deinen zerfleischten Leib, dein mit Dörnern gekröntes Haupt, deine aufgerissenen Wunden betrachte, wie kann ich da noch sündhafte Freude suchen, oder Eitelkeit und Frechheit lieben. Nein, losreißen muß und will ich mich von Allem, was Sünde ist und zur Sünde verleitet; abziehen will ich jede böse Neigung und Gewohnheit, so wehe es mir auch Anfangs thun mag. Mit deinem Beistande, o Gott, werde ich sicher überwinden. Vater unser zc. Ave Maria 2c. des heiligen Kreutzweges. 445 V. Erbarme dich unser, o Jesu, er= barme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Eilfte Station. Jesus wird an's Kreuz geschlagen. V. Wir beten dich an, Herr Jeſus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz haft du die Welt erlöſet. Betrachtung. Entsetzlicher Anblick, Hände und Füße grausam gestreckt und mit Nägeln durchschlagen, alle Wunden erweitert und blutströmend, der zermarterte Leib in der schrecklichsten Lage. Diese unaussprechliche Qual duldest du schweigend, o Jeſu, und öffnest deinen Mund nur um deinen Vater zu bitten: ,, Verzeihe ihnen; sie wissen nicht, was sie thun!" Anmuthung. Aus der Größe deiner Leiden soll ich die Größe deiner Liebe erkennen. O lehre du mich lieben, dulden, schweigen und verzeihen. Hast du so viel für mich ge litten, und müssen auch andere so viel 446 Die Andacht von mir ertragen; so will denn auch ich geduldig und sanftmüthig sein, wenn mir irgend ein Leid widerfährt; will vielmehr entschuldigen und bedauern, als zürnen und klagen aus Liebe zu dir! Vater unser zc. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, barme dich unſer! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! er= Zwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. V, Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöſet. Betrachtung. So hast du also, o Jesu, dein Leben für uns geopfert und unter den größten Schmerzen deinen Geist aufgegeben. So viel hat es dich gekostet, uns von der Sünde und dem ewigen Tode zu erlösen. So lieb und werth war dir die Seele des Menschen! Anmuthung. Jeder Anblick deines Kreuzes, und jedes Kreuzzeichen erwecke in mir einen des heiligen Kreuzweges. 447 tiefen Abscheu gegen die Sünde, um dererwillen du gestorben bist. Hilf mir das Wert meiner Besserung vollbringen, um mich durch ein frommes Leben auf einen glückseligen Tod zu bereiten. Laß mich in meiner letzten Angst aus deinen Wunden Erquichung schöpfen. An dich halte ich mich, wenn mich Alles verlassen wird. Nimm alsdann meinen Geist zu dir auf, und laß mich ewig bei dir sein. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Dreizehnte Station. Der Leichnam Jesu im Schooße Mariä. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Betrachtung. Ach, was hast du empfunden, schmerzhafteste Mutter, als du deinen Sohn, den du zum Heile der Welt geboren haſt, vom Kreuze herabgenommen, todt in 448 Die Andacht deinem Schooß liegen sahst. Nun bist du bei ihm im Himmel und erfreuest dich aller überstandenen Leiden, da du dich so hoch dafür belohnt, und Gottes Absichten und Verheißungen so herrlich erfüllt ſiehſt! Anmuthung. So darf ich also nicht kleinmüthig werden, nicht jammern und klagen, wenn Leiden über mich kommen, weil auch du, o Gnadenvolle, so schwer davon betroffen wurdest. Denen, die Gott lieben, soll Alles zum Besten gereichen, zur Heiligung und Seligkeit dienen. Wenn ich unschuldig, oder doch bußfertig leide, so folgt mir auf die turze, geduldig überstandene Trübjal desto größere, unvergängliche Freude! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Vierzehnte Station. Jesus im Grabe. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; des heiligen Kreuzweges. 449 B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöſet. Betrachtung. Endlich haft du nach einem mühevollen Leben und schmerzhaften Tode die Ruhe gefunden im Grabe. Da ist das Ende aller Mühen und Plagen dieses Lebens. Da ist wahrer Gottesacker für den Christen, wo sein Leib wie der Saame in der Erde verborgen liegt und verweset, einst aber wieder aufersteht zum ewigen Leben! Anmuthung. So will ich nun den Anblick des Grabes nicht scheuen, will dabei nicht an's Sterben allein, sondern zugleich an die Auferstehung und an das ewige Leben gedenken. So gewiß du, göttlicher Erlöser, vom Grabe erstanden bist und nun ewig lebst, so gewiß werde auch ich einst wieder auferstehen zum ewigen Leben, wenn ich jetzt so lebe, daß ich einen guten Tod hoffen kann. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, er= barme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens! Senfkörnlein. 29 Die Andacht Fünfzehnte Station. Helene mit dem Kreuze. V. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; B. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöſet. 450 Betrachtung. Das Kreuz des Herrn, dieses siegreiche Zeichen der Erlösung, brachte Gott zu hohen Ehren. Er verherrlichte es durch Wunder Angesichts aller Völker. Die fromme Mutter des ersten christlichen Kaisers Konstantinus kommt nach Jerusalem, und sucht das unter der Erde versunkene Kreuz. Sie läßt es herausheben aus dem Schutte, und feierlich aufstellen. An diesem Orte geschahen und geschehen noch große Wunder. Der Herr erweiset sich groß und wunderbar an Allen, die sein Kreuz in frommer Andacht verehren. Anmuthung. Oheiliges Kreuz! du bist der Sieg und Triumph der Christenheit, der Schre den ihrer Feinde, die Kraft, Macht, Weis heit Gottes, der Quell aller Gnaden, alles Segens. In dir allein will ich mich rüh des heiligen Kreuzweges. 451 men, suchen den Anker und Port, wenn mein Lebensschiff von Stürmen bedränget wird. Du bist mein Trost und meine Hoffnung in schlimmen Tagen, meine Krone, wenn ich kämpfe, wenn ich sterbe. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V. Erbarme dich unser, o Jesu, erbarme dich unser! B. Und sei uns gnädig wegen deines allerheiligsten Leidens. Gebet. O Herr Jesus Christus, der du vom Himmel aus dem Schooße deines Vaters zur Erde herabgestiegen bist, und dein kostbares Blut zur Vergebung unserer Sünden vergossen hast, wir bitten dich demüthig, du wollest dich unser um deines bittern Leidens und Sterbens willen erbarmen und uns am Tage des Gerichtes zu deiner Rechten gestellt werden lassen. Laß uns, barmherziger Gott, das Leiden unsers Erlösers in dankbarem Andenken halten, und um seiner großen Pein willen die Lüste dieser Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in aller Heiligung zunehmen, bis wir als Angehörige des 29* 452 Die Andacht des heil. Kreuzweges. himmlischen Reiches dir unaufhörliches Lob und ewige Anbetung darbringen kön nen in Christum Jesum, unsern Herrn! Amen. Schluß. Nun hast du wieder deinem Heilande dich ergeben, o christliche Seele. Sprich noch mit liebevollem, treuem Herzen: Herr, ich bin ganz dein, du bist ganz mein. Laß dich nicht wieder von den vergänglichen Dingen dieser Welt gefangen nehmen. Dein Heiland ist für dich gestorben; lebe nun dankbar für ihn; verlaß deinen Retter nimmermehr. Es gibt kein anderes Opfer unserer Erlösung, als das Opfer Jeſu Christi. Bewahre sorgfältig diesen fost baren Schatz, er sei dir Stärke im Leben, Trost im Tode, und Seligkeit jenseits des Grabes! Amen. Zum Schlusse bete man noch fünf Vater unser, fünf Ave Maria, den Glauben, und fünf Ehre sei dem Vater 2c., um den Ablaß zu gewinnen. Finhang Verschiedene geistliche Lieder. Gefang der heiligen Nesse. Zum Introitus. 1. Wir werfen uns darnieder,- Bor dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder: Da wir nach dem Gebot Verleihe Dir dieses Opfer bringen; nun daß wir Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, Bei'm letzten Abendmahl, Indem er wollte scheiden- Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brod gebrochen,- Und ausgetheilt den Wein Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket mein. 3. Er sprach: Nehmt hin und effet, - Dieß ist mein Fleisch und Blut; Damit ihr nicht vergeffet, Was meine - - - —— 454 Gesang der heiligen Messe. Liebe thut.- Mich opfernd will ich sterben, Am Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt, soll erben Mit mir das Himmelreich. Zu 4. O Herr, dieß Opfer steige dir mit Wohlgeruch:- Damit dein Herz sich neige- Zu deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan: Nein, Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. Zum Gloria. 1. Gott Vater, dir gehöret Ruhm und Dank und Ehr', uns're Ruhe störet, Verstatte nimmermehr; Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, dir fröhlich dienen, Angst befreit. - - - - - - - Lob, Was Daß wir Von Furcht und 2. Der du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Laß uns Erbarmung finden,- O Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen, Seift du, Gott, heiliger Geist Der du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. Gesang der heiligen Messe. Zum Evangelinm. Das 1. Aus Gottes Munde gehet Evangelium,- Auf diesem Grunde stehet, Das wahre Christenthum, Gott Der nicht beWohl dem, der's gerne - selber hat's gelehret, trügen kann, höret und es nimmt willig an. 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Er weiset Zum Himmelreiche an, uns die Stege, Zu gehen diese Bahn; Herr, drücke deine Worte die Herzen ein, melspforte Tief in Daß wir zur HimZu kommen würdig sein. Zum Credo. - - sterbend seinen Lauf, Grabes Höhle - Gott, 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath, den wir Vater nennen, Die Welt er schaffen hat; Von ihm ist ausgegangen, Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen, Durch Gott, den heiligen Geist. 2. Maria hat geboren. Als Jungfrau dieses Kind; verloren, Sonst wären wir Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele,- Schloß Stand aus des Am dritten Tage auf. — - 1 - 455 - 456 Gefang der heiligen Messe. 3. Er ward hinaufgenommen- Zur Gottes rechten Hand. Wann er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt er einst zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig's Urtheil sprechen Strafe und zum Lohn. Zur 4. Wir glauben nicht alleine,- Daß eine Kirche sei, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei; Die Sünde wird vergeben- Durch Chrifti Diener hier, Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. - Znm Offertorium. 1. Herr, laß doch diese Gaben- Dir wolgefällig sein,- Die wir geopfert haben, Es ist zwar Brot und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Chrifti Fleisch und Blut; uns hier auf Erden Das ist Und den Verstorb'nen gut. 2. Wir opfern dir den Willen, Herz und Gedanken auf,- Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was du uns deinen Kindern, zu thun befohlen haft;-Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. - Gesang der heiligen Messe. 3. Wir legen dir zu Füßen, - unser Hab' und Gut, hier genießen: Und Blut. Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, laß durch deinen Segen fruchtbar sein. Die Felder - - All' Und was wir Das Leben, Leib und Zam Sanctus. 1. Laß uns gen Himmel schwingen Und dreiZum Helfer in der Noth, mal heilig fingen Dem Herrn Gott Sabaoth: Herr, Himmel und auch Erde Sind voll von deinem Ruhm, Hilf, daß bekehret werde blinde Heidenthum. Das - 457 - - 2. Daß wir hernach zusammen, Dir uns're Herzen weih'n, von Liebesflammen, schrei'n; Kömmt, sei gebenedeit, fagen Amen, Dir ein Hosanna Herr, der in deinem Namen Die Engel jetzt und in Ewigkeit. - Und voll - Nach der Wandlung. 1. Hier bet' ich auf den Knieen, Verborgner Gott dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen, Gesang der heiligen Messe. Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen,- Der Grund des Glaubens sein. 458 2. Die Gottheit war bedecket,- Allein am Kreuzaltar, Hier aber ist verstecket - Die Menschheit auch sogar;- Dieß Denkmal deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrod, Erinnert mein Gemüthe, O Herr, an deinen Tod. 3. Wasch' mich von meinen Sünden, Jesu, durch dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut; Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht, Und zeige mir und Allen Dein glänzend' Angesicht. - - - gestalten - - - Zum Agnus Dei. 1. Erfreut euch, fromme Seelen, Ein Wunder ist gescheh'n, Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann ihn seh'n. größte Seelengut. - In Brods- und WeinsIst Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß - - 2. Verdeckt ist hier zu finden- Das. wahre Gotteslanım, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzes Gesang der heiligen Messe. Es ist der Seelen Wie uns der Glaube lehrt, ftamm, nährt uns auf der Reise, doch nicht verzehrt. 459 Speise, Sie Und wird 3. Wenn wir das Leben schließen, Recht wohl Und dieses Himmelsbrod, bereit genießen, So kann der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. - - - 4. Herr Jesu, deiner Liebe Ehre, Lob und Dank, ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt,-Daraus für uns das Leben, Freude quillt. Und reine L Sei Weil du nach 5. Entzünd' in uns Verlangen, Nach diesem Sakrament; es uns empfangen, Seele trennt. fahren, Zu deinen Engelschaaren,- Und ewig bei dir sein. Herr, laß Wenn sich die Laß uns in Frieden Bon allen Sünden rein, Predigtlied, Zum Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret Messe, wie man soll, Gott geehret, Er mach' uns segensWas Und laß es sich gefallen, wir allhier gethan, voll Er bleibe bei uns Daß Allen, So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle uns behüten, uns an diesem Tag- Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag; Er laß uns ohne Sünden, Damit wir Einst stehen vor Gericht, Gnade finden Vor seinem Angesicht. 460 — - - - - - - Die So sei auch - Predigtlied. 1. In Gott des Vaters und des Sohn's, Und seines Geistes Namen, Sprecht hier am Fuße seines Thron's, Christen! freudig Amen.- Sprecht Nach eures Amen und bereitet euch, Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. Dein 2. O Vater unser, der du bist Im Himmel und auf Erden, Soll stets Name, der so liebvoll ist, Dein Reich vom Angeheiligt werden. beginn der Welt Bereitet allen From- - 1 Adventlied. 461 Das laß, wenn dieser Staub zerFür uns auch einstens kommen. 3. So wie auf jeden Wink von dir - Die Himmelsgeifter sehen, auch unter Menschen hier stets geschehen. So soll Dein Wille Das Brod, das uns're Seele nährt,- Um dir, o Gott, zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sei täglich uns gegeben. men, fällt, 11 - 4. Vergib uns, Bater, jede Schuld, So wie Die wir vor dir bereuen, wir alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns den bösen Samen, Erlös' uns jetzt und einst, o Gott, allem Uebel. Amen. - - - - - - Adventlied. Wolken, regnet ihn herab; 1. Thauet, Himmel, den Gerechten,- Also rief in Einst die Welt, ein In von Gott verfluchten Herrschten Satan, Tod und Fest verschlossen war das Thor- Zu des Heiles Erb' empor. langen Nächten weites Grab;- Gründen - Sünden. - 2. Doch der Vater ließ sich rühren, Und - Daß er uns zu retten sann, den Rathschluß auszuführen,-Trug der Von 462 Sohn sich freudig an. schnell hernieder, wort wieder:des Herrn, gern. Adventlied. - Gabriel flog Kehrte mit der AntSieh', ich bin die Magd Was er will, erfüll' ich 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau, demuthsvoll und keusch, Gottes Geist wird dich beschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen, betet an im Staube, der Höll' und ihrem Raube! Adamskindern Wohl,- Weil der Heiland kommen soll. 4. Einen Zuruf hör' ich schallen: Brüder, wacht vom Schlummer auf, Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist weg, der Tag im Lauf, dann fort mit allen Thaten, Nacht zur Mutter hatten; ziehe Jedermann Waffen an. Die die Künftig Nur des Lichtes - Weh' Aber 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit, Nicht nach Fleischbegierde handeln, Weit verbannt sei Zank und Neid. Senem gänzlich nachzuarten, Deſſen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun - Weihnachtslied. uns're Pflicht,-So wie sein spricht. 6. Welterlöser, ich erfülle- treuen Knechtes Rath, nes Fleisches Hülle, verkündet hat. 463 Apostel Deines Komm in meiWie dein Bot' den Frieden, Komm und bringe mir Menschen ist er nur beschieden, Die voll guten Willens sind, Komm, ich bin es, göttlich's Kind. - — - Weihnachtslied. Das 1. Dieß ist der Tag von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut' der Herr bedacht, Ich will ihm Lieder weihen. Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut' allen Adamskindern floß, auch für mich geboren. Krippe sink' ich dann, Ift Vor seine Und bete meinen Heiland an, In Wonne ganz verloren. - - - 13 Die 2. In meiner Bildung liegt er hier, Den keine Namen nennen; Gott, o Kind, geläng' es mir, Gutthat ganz zu kennen: von dem Thron herab, sich dein Vater gab, mich zu leiden; Du stiegeft Den dir mit Um hier für Du wähltest mir zu - - - - 464 Fastenlied. nutzen heut' Für Ueberfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. - 1 grüßt, 3. Du weinst, mein Jesus, sei ge gnadenreiche Zähre!- Sei mir mit Ehrfurcht aufgefüßt,- O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll. Für mein und aller Sünder Wohl, Sei auch für mich geweinet;- Erwärme kalter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. - - - Fastenlied. 1. Laß mich deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm, Das von mir die Sünden nahm. Jesu, drücke deine Schmerzen, Tief in aller Christen Herzen, Laß mir deines Todes Pein Trost in meinem Tode sein. - - - - 2. In's Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater beten, Seh' ich dich mit Blut bedeckt Auf den Delberg hingestreckt.- Jesu, drücke 2c. 3. Dich zu binden und zu schlagen, Zu beschimpfen und zu plagen,- Nahet 463 Und du gibst Jesu, drücke zc. Ofterlieder. sich der Feinde Schaar, dich willig dar. 4. Von den Richtern, die dich haffen, Wilden Kriegern überlaffen, Strö met dein unschuldig's Blut-- Unter frecher Geißeln Wuth. Jesu, drücke zc. Die, Deine 5. Unter lautem Spott und Hohne, Seh' ich eine Dornenkrone, mein Heiland, scharf gespitzt, Stirne schmerzlich ritzt. Jesu, drücke zc. 6. Wundenvoll, erblaßt, entfräftet ,An das Opferholz geheftet, Seh' ich, Und den wie ein Gottmensch stirbt, Sündern Heil erwirbt.- Jesu, drücke zc. - Offerlieder. I. 1. Der Heiland ist erstanden,- freit von Todesbanden, wahres Osterlamm zu leiden kam. Alleluja. 2. Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angefettet, Der Tod hat Der Stein ist - - Be= Der als ein Für mich den Tod - teinen Stachel mehr, weg, das Grab ist leer. Alleluja. 3. Der Sieger führt die Schaaren, Die lang' gefangen waren, In Senfkörnlein. 30 466 Ofterlieber. feines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor. Alleluja. 4. D, wie die Wunden prangen, Die er für mich empfangen, Wie schallt der Engel Siegsgefang Dem Starken, der den Tod bezwang. Alleluja. — II. 1. Singt Triumph, ihr Christenzungen! Unser Heiland ist erwacht;- Glorreich hat er sich geschwungen- Aus dem Grab mit Gottesmacht. Schwebend auf dem Todeshügel- Prangt an Sieg und Herrlichkeit Gottes Sohn; hier seht das Siegel Von der Lehre Göttlichkeit. 2. Nimm hinweg die Trauerhülle, Kirche Gottes, still' die Klag'!- Je= sus lebt, in Freudenfülle- Strahlt sein großer Siegestag. Fließt nun, heil'ge Freudenthränen! Unser Glaub' steht ewig feft, wir frönen Heut' am Auferstehungsfeſt. Recht und Wahrheit seh'n — - - 3. Zitt're Hölle, deine Rotten,- Die es wagten, Gottes Sohn Und die Himmelslehr' zu spotten, Sprechen sich nun selbsten Hohn, Gößentempel stürzen nieder Durch des Kreuzes - Lieb am Feste Christi Himmelfahrt. 467 Majestät, Hoch ertönen Siegeslieder, Wo die Fahne Jesu weht. 2. Unser Glauben, unser Hoffen Hat nun, Christen, festen Grund;- Denn Hört es der Himmel ist uns offen, Ich, die Wahrselbst aus Jesu Mund:heit und das Leben, Spricht er, will Unsterblichkeit und den Himmel Sedem geben,- Der sich meinem Glauben weiht. - - Sied am Feste Chriffi Himmelfahrt. 1. Nun jauchzet, Christenzungen, Der Heiland, Gottes Sohn, Hat glorZu seines Vaters reich sich geschwungen Thron. Wie groß hat er geendet- Die schwere Leidenszeit! Wie hat sich nun Dein Kreuz in Herrlichkeit. 2. Triumphvoll sieht er nieder- Auf's Kreuz, der große Held!- Ihm schallen Siegeslieder gewendet Von der erlös'ten Welt. Vom Dort ist ihm nun gegeben Vater alle Macht; Und Erd' und Himmel beben- Vor seiner Gottespracht. 3. O Trost, o süßes Heffen!- Vollbracht ist unser Heil; Der Himmel steht uns offen,- Und wird uns einst zu Theil,- Wenn wir für Tugend streiten, 30* - - - - 468 Pfingstlied. - Und folgen Jesum nach;- So lohnen ew'ge Frenden Am großen Erntetag. 4. Nun können wir nicht beben, Hier auf der Dornenbahn; nach dem Tod bricht Leben ew'ger Morgen an. Für Leiden, die uns drücken In dieser Prüfungszeit, Wird ewig uns beglücken Himmels Herrlichkeit. Denn Und Des Pfingstlied. 1. Komm, heiliger Geift, o dritte Person! Von einer Natur mit Bater und Sohn; Der du von seiner SünSo manches Herz befreiet haft; Komm, heiliger Geift, du erwünschter denlast - - Gaft. 2. Komm, heiliger Geift, auf uns jetzt herab, So wie dich einst Gott Versammelt im verden Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl, schloff'nen Saal, du göttlicher Strahl. Sich sehnte nach dir, 3. Komm, heiliger Geist, ein Tröster genannt, Es werde durch dich der Kummer verbannt, Der uns verstört in unserer Pflicht;- Die Trägheit über- Frohnleichnamslied. winde uns nicht, flammst, o mächtiges Licht! 4. Romm, heiliger Geist, du Lehrer der Welt! Die Straße des Heils wird Wenn man sich nicht niemals verfehlt,- an Sekten kehrt, Einspruch lehrt, als Mutter verehrt. Die Kirche, die dein Mit kindlicher Tren' 469 Wenn du uns ent- - 5. Komm, heiliger Geist, vom himmlischen Thron, Dir werde zugleich mit Vater und Sohn, In unzertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit, Anbetung, Dank und Jubel geweiht! - - Frohnleichnamslied. 1. Deinem Heiland, deinem Lehrer, Deinem Hirten und Ernährer, Sion, stimm' ein Loblied an! Preis' nach Kräften seine Würde, Da tein Lobspruch, teine Zierde Seiner Größe gleichen kann. 2. Dieses Brod sollst du erheben, Welches lebt und gibt das Leben, Das man heut' an Christen weis't; Dieses Brod, mit dem im Saale- Chris stus bei dem Abendmahle- Die zwölf Sünger selbst gespeis't. - 470 Frohnleichnamslied. 3. Unser Lob soll laut erschallen, Und das Herz in Freuden wallen; Denn der Tag hat sich genaht, der Herr zum Tisch der Gnaden zum ersten Mal geladen Brod geopfert hat. Und der 4. Durch das Lamm, das wir erhalten Wird hier der Genuß des alten Ofterlammes abgethan; Wahrheit muß das Zeichen, Nacht dem Lichte weichen Neue fängt nun an. Und die Und das 5. Was von Jesus dort geschehen, Und wir, so wie er, begehen, Mahnet uns an seinen Tod; Als ein Opfer ihn zu ehren, Nach der Vorschrift seiner Lehren Opfern wir ihm Wein und Brod. - - — - Da Uns Und dieß 6. Doch, wie uns der Glaube lehret, Wird das Brod in Fleisch verkehret Und in Christi Blut der Wein; Was dabei das Aug' nicht siehet, Dem Verstande selbst entfliehet,- Sieht der feste Glaube ein. Inhaltsverzeichnis. Frommer Gruß( Vorrede) Allgemeiner Unterricht über das Gebet Wie man Gott loben soll Erster Abschnitt. Morgen- und Abendandacht. Morgengebele. Der christliche Pilgerstab. Am Morgen. Am Morgen im Frühlinge oder Sommer Am Neujahrsmorgen Am Ostermorgen. Am Pfingstmorgen Am Weihnachtsmorgen Seite 3 7 8 Abendgebet. Das geistliche Ruhebett. Am Abende Am heiligen Abende Am Charfreitagsabende 13 14 17 19 20 21 23 26 27 222 II Inhaltsverzeichniß. Am Abende der Himmelfahrt des Herrn Am Allerheiligenabende Am letzten Abende des Jahres Zweiter Abschnitt. Hansandacht. Gebet um die Gabe des Gebets. Von der Morgenandacht Erstes Morgengebet Zweites Morgengebet Tugendübungen 1901 Erhebung des Herzens zu Jesu Von der Abendandacht Lob- und Dankopfer Erstes Abendgebet Zweites Abendgebet. Deffentlicher Gottesdienst. Erste Meßandacht Zweite Meßandacht Dritter Abschnitt. Bußandacht. Ein heilsamer Seelenspiegel. Die chriftliche Buße Gewissenserforschung Seite 29 31 33 37 38 41 45 49 53 54 56 57 61 63 72 97 100 78 Inhaltsverzeichniß. Reue und Vorsatz Heilsame Furcht des Sünders Verblendung und traurige Folgen der Sünde Neuegebet eines leichtfertigen Sinders Reuegebet eines Christen 2c. Vergebung der Sünden Gebet nach der Beicht Vierter Abschnitt. Kommunionandacht. Der Tisch des Herrn. Vorerinnerung Gebet vor der Kommunion Gebet nach der Kommunion Vereinigung mit Jesus The St. Fünfter Abschnitt. III Eingang Magnificat Salve Regina Schlußgebet Seite 105 106 110 115 120 TO 125 130 139 142 145 149 Besperandacht an Sonn- und Feiertagen. Ein königliches Harfenspiel. 151 159 160 161 IV Inhaltsverzeichniß. Sechster Abschnitt. Gebete an den Festtagen des Herrn und zu verschiedenen Zeiten. Ein goldener Ring der Erbarmung. Gebet im Advent Der Gruß des Engels Gebet an Weihnachten Neuntägige Andacht zum göttlichen Kinde Jesu An Chrifti Geburtstag und dessen Octav Gebet am Neujahrstage Betrachtungen und Gebete in der heiligen Fastenzeit Seite einigkeit Gebet am Frohnleichnamsfeste Am Kirchweihfeste 163 167 168 172 178 179 182 Am Gedächtnißtage des Todes Jesu 200 Am Charfreitage.( Eine Betrachtung vom Leiden und Tod Jesu) 205 Gebete am Osterfeſte Der Herr ist erstanden 217 223 Gebet am Fefte der Himmelfahrt Chrifti. Gebet am Pfingstfeste. Gebet am Feste der heiligen Drei225 228 231 233 236 Inhaltsverzeichniß. Seite Siebenter Abschnitt. Gebete zur Berehrung der selig- sten Jungfrau und der Heiligen. Ein süßduftender Blüthenkranz. Verehrungen der Heiligen zur Ehre Gottes und Jesu Christi. Verehrung Mariens Troftgebet zum Angedenken der Leiden und Freuden Mariä Der Engelsgruß Marianische Litanei 262 Zu Ehren des heiligen Joseph Verehrung der Apostel unsers Herrn 263 Verehrung der Nachfolger der Apostel 269 Zum Andenken an die heil. Martyrer 271 Verehrung der Heiligen insgemein 278 Litanei zur Berehrung der Heiligen 283 Achter Abschnitt. Gebete in verschiedenen Verhältnissen des Lebens, Alter, Stände. Geistlicher Stundenzeiger. Die Jugend Die Waise Gebet eines Jünglings Gebet einer Jungfrau. 238 243 253 257 259 288 293 294 298 VI Gebet eines Bräutigams einer Braut 11 " 1 " 1 11 " 1 " 1 " 1 11 Inhaltsverzeichniß. Troftgebet einer Witwe 11 11 Gebet eines chriftlichen Dienstboten. des Armen " 1 der Ehegatten einer Gattin vor der Geburt ihres ersten Kindes... nach der Geburt der Eltern für ihre Kinder eines Kindes für seine Eltern im hohen Alter des Reichen des Beleidigten für Gesunde des Kranken des Genesenen des Soldaten Seite . 301 302 304 " 1 Fürbitte für alle Menschen Gebet bei einem Gewitter nach einem Gewitter Geistlicher Myrrhengarten. Ergebung in Gottes Willen 307 308 311 314 315 317 319 320 323 326 328 329 331 Neunter Abschnitt. Andachten für Leidende und Schwergeprüfte. 333 335 338 339 342 Inhaltsverzeichniß. Gebet in Kriegszeiten Gebet für Feinde, von denen man verfolgt, gekränkt und verleumdet wird Erinnerung an unseres Geistes Unfterblichkeit 344 Gebet in Drangsal und Betrübniß 348 Gebet um Geduld 349 357 Gebet um Sieg über die Sinnlichkeit und Leidenschaften Christlicher Leidenskelch. VII Kurzes Morgengebet Kurzes Abendgebet Gebet um Linderung der Leiden und Schmerzen Seite Zehnter Abschnitt. Andachtsübungen für die Tage der Krankheit. Gebet um Genesung und um die Gesundheit 358 364 366 368 370 372 Gebet nach der Wiedergenesung.. 374 Gebet für die erkrankte Geliebte 376 Gebet vor der heil. Kommunion Zur letzten Delung. Geistliches Testament 378 . 380 381 VIII Inhaltsverzeichniß. Eilfter Abschnitt. Andachtsübungen für die Abgestorbenen. Geistliches Vergißmeinnicht. Meßandacht für die Abgestorbenen. ( Insbesondere am Allerseelentage, oder bei einem Seelenamte zu gebrauchen). Seite 383 394 395 396 Das Dies irae.( Trauergesang) Das Libera. Das de profundis Dankbares Andenken an verstorbene Eltern, Wohlthäter, Freunde. 397 Gebet für Alle, welche auf dem Gottesacker ruhen Gebet am Jahrestage. Eine kostbare Perlenschnur. Am Sonntage.( Litanei von der heiligsten Dreieinigkeit) Am Montage.( Litanei vom süßen Namen Jesu) Am Dienstage.( Litanei zur Lobpreisung Gottes) 598 399 Zwölfter Abschnitt. Litaneien auf jeden Tag der Woche. 400 404 406 Inhaltsverzeichniß. Am Mittwoch.( Litanei zur Ehre Jesu Chrifti) Am Donnerstage.( Litanei vom heil. Altarssakramente) Am Freitage.( Litanei vom bittern Leiden und Sterben Jesu). Am Samstage. ( Litanei von der göttlichen Vorsehung). Dreizehnter Abschnitt. Der heilige Kreuzweg. Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi.( In fünfzehn Stationen) Fastenlied Ofterlieder ● IX Seite 411 416 421 Anhang. Verschiedene geistliche Lieder. Gesang der heiligen Messe.. Predigtlied Adventlied Weihnachtslied 424 430 453 460 461 463 464 465 Lied am Feste Christi Himmelfahrt 467 Pfingstlied 468 Frohnleichnamslied 469 Linz. Druck von J. Feichtinger's Erben. Inches Centimetres Blue ¹2 ¹3 4 Cyan 2 5 6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 14 Magenta 6 15 16 White 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8