ув 1433 6. Tod Heilige Maria bitte für uns. Vertraue ERLOSER Gebet und Erbauungsbuch Katholiken Serafin Schmidt Wiltpriestor 1.Oraben 28( Durchhaus) Goldschmiedgafse 11. Heilige Maria bide für uns. BETE und Vertraue Dein ERLUSER lebt! Gebet und Erbauungsbuch für Katholiken von Serafin Schmidt Weltpriester 25 WIEN W. Köhler, Verlagsbuchhandlung, I.Graben 28( Durchhaus) Goldschmiedgafse 11. Gb 1433 Bete und vertraue, Dein Erlöser lebt! Gebet- und Erbanungsbuch jür Katholiken von Serafin Schmid, Weltpriester. Wien. Th. Wallner's Verlags- Buchhandlung. Gb 14 3 3 Druck von Wilhelm Köhler, Wien, VI. Mollardgasse 41. Univ.- Bibl. Giessen Sebete für alle Tage. Morgengebet. G ott! frühe erwache ich zu Dir. Das Licht eines neuen Tages, das Geschenk Deiner Güte, erleuchtet meine Augen und ruft mich wieder zu den Geschäften meines Standes. Ich fühle meine Glieder durch einen sanften Schlaf erquickt, ich bin wie neu geboren, eine frische Flut von Lebensgeistern wallt durch meine Adern und treibt mich zur Arbeit an. Mein erstes Geschäft sei Dir, Schöpfer! gewidmet. Wem anders als Dir gebühren die Erstlinge von den Kräften, die Deine Gabe sind? Gott und Vater! was für zärtliche Regungen der Liebe durchströmen mein dankvolles Herz, wenn ich an die Wohlthaten denke, die mir auch heute wieder aus Deiner milden Hand zufließen werden. Ich hatte ebensowenig ein Recht, diesen Tag zu erwarten, als so viele Tausende meiner Mitmenschen, welche in dieser Nacht von ihrem Schicksale übereilt wurden, 1* 4 denen der Schlaf zum Tode, die Zeit zur Ewigkeit geworden ist, die entschlafen sind, um nimmermehr hier aufzuwachen, und dieses schöne Sonnenlicht nie wieder zu erblicken. Ach ihr! die ihr gestern noch waret, was ich heute bin Einwohner dieser Welt, und jetzt seid, was ich, wer weiß wie bald, auch sein werde- Bürger jener Welt, ihr, die ihr gestern noch vielleicht mit großen Anschlägen zu Bette ginget, welche an der heutigen Sonne reifen sollten, nun aber durch den plötzlichen Todesschlag erstickt sind, ihr, die ihr nun den Schauer jener ernsten Stunde gefühlt habt, welche von dem Schauplatze dieses Lebens abruft! Eure erstarrten Leichen sollen meine Lehre sein, Euer Schicksal ist nun entschieden und festgesetzt. Der Finger Gottes hat das Urtheil über Euch mit unauslöschlicher Schrift in das Buch der Ewigkeit geschrieben! Mein Schicksal ist noch ungewiß, noch steht es in meinen Händen, oder vielmehr in den Deinen, o mein Gott und mein Herr! Ich lebe noch, um mich durch die Befolgung Deines heiligen Willens zu dem Glücke des ewigen Lebens fähig zu machen. Ich höre noch die rufende Stimme Deiner Langmuth, und ich will sie nicht vergebens hören.( Römer 2.) 5 Ich eile zu den Geschäften meines Berufes, ich will sie verrichten, ohne mich von Dir, Du Allgegenwärtiger! zu entfernen, mit möglichster Gewissenhaftigkeit, mit heiterer Freude will ich sie verrichten. Mein ernstlicher Vorsatz ist, nichts zu thun, ja mir kein Wort, keinen Gedanken zu verstatten, wodurch ich Dir mißfallen könnte. Die Vergnügungen, die Du mir heute schenken wirst, Gütigster, will ich als neue Proben Deiner Huld ansehen, die mir Triebfedern zur Gottseligkeit sein sollen. Auch die Leiden, die vielleicht heute auf mich warten, will ich als Beweise Deiner Liebe betrachten. Du züchtigst, die Du lieb hast. Ich will einen Bund mit meinen Sinnen machen, daß sie sich vom Glanze der irdischen Scheingüter nicht blenden lassen. Alle Neigungen, alle Begierden, alle Wünsche meiner Seele sollen Dir heilig sein, sollen durch die mir verlichene Vernunft und nach den Vorschriften der Religion dem höchsten sittlichen Zwecke untergeordnet werden. Allwissender! Du kennst mein Herz und prüfest mich; ich bin schwach, aber nicht kleinmüthig, ich vertraue auf Deinen Beistand. Behüte mich vor Versuchungen, die meine Kräfte übersteigen, und Du lassest auch Niemanden über seine Kräfte versucht werden. 6 ( Röm. 10, 13.) Vergib Fehler, welche ein selbst redliches Gemüth aus Uebereilung begeht, und lasse mich nicht in solche Sünden fallen, welche mich der seligen Hoffnung, die ich auf Deine Barmherzigkeit setze, berauben könnten. O Gott! o Vater! Du bist mein höchstes Gut. Dir zu gefallen sei mein Ziel Bei Allem, was ich thue; So hat, es gehe, wie es will, Stets mein Gewissen Rube! Denn wer Dir, Heiligster! mißgefällt, Was nützt dem die ganze Welt Mit allen ihren Schätzen? ( Mart. 8, 36.) Abendgebet. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub: Sein Leben ist fallend Laub, Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des Todes sei noch fern. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und Keiner nimmt den Irrthum wahr; Sprich nicht, Ich denk' in Glück und Noth Im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. Abermals ist von meinen Tagen ein Tag dahin! So viele Augenblicke er hatte, um so 7 viele Schritte bin ich der Ewigkeit näher gekommen. Vielleicht ist es gar der letzte Tag, den ich in dieser Welt zu leben habe! Und wenn dies sein sollte, was für ein Los wartet dann jenseits des Grabes auf mich? Wenn Du, o Gott! in dieser Nacht meine Seele von mir forderst, würde ich wohl bereit sein, vor Dir zu erscheinen?( Luc. 12, 16-21.) Umsonst zeigt mir eine schmeichelnde aber betrügerische Hoffnung die angenehme Aussicht in noch viele künftige Lebenstage. Ich fühle mich gesund und bei Kräften, allein die tägliche Erfahrung lehrt mich, wie wenig hierauf zu bauen sei. Ob ich morgen noch leben werde, dies beruht auf einem ungewissen Vielleicht! Und auf dieses ungewisse Vielleicht soll ich das Glück einer Ewigkeit ankommen lassen? Nein, so unangenehm auch immer die Vorstellung des Todes meiner Sinnlichkeit sein mag, ich will, ich muß mich überwinden. Was ist der Tod? Mein Herz mag bei dieser Frage immer unruhig werden und zittern; von einer genauen Untersuchung und Auflösung derselben hängt meine wahre Ruhe, meine innere Zufriedenheit zu sehr ab, als daß ich mich sollte davon abhalten lassen. Tod ist das Ende meines hiesigen und der Anfang eines künftigen, besseren, ewigen Lebens! Hier ist die Morgenröthe meines Daseins! jenseits des Todes der volle Tag. Hier lebe ich im Zustande der Kindheit, dort im Stande des reifen Alters; hier lerne ich glücklich sein, indem ich mich bestrebe, tugendhaft zu werden! dort bin ich wirklich glücklich, indem ich den Lohn der Tugend ernte. Was hat nun dieser Begriff des Todes Schreckliches an sich? Ich will glücklich sein, und nur durch den Tod kann ich erst vollkommen glücklich werden, indem erst nach dem Tode Tugend und Glückseligkeit in ihr genauestes Verhältniß gebracht werden können. Warum fürchte ich ihn denn, als wenn er mein ärgster Feind wäre? Welche Widersprüche! Habe ich es vergessen, daß ich durch den Tod den Anfang eines weit vollkommeneren Zustandes erwarte, als der gegenwärtige ist? Oder finde ich vielleicht meinen hiesigen Aufenthalt so angenehm, daß ich mir nichts Besseres wünsche? Was sind es denn für Bande, die mich so fest an diese Erde fesseln? Eingebildete Hoffnungen, welche sich auf nichts, als auf meine übertriebenen und thörichten Wünsche gründen. Wenn ich doch nur in der Welt mein Glück noch weiter bringen könnte! Und warum sollte 9 ich es nicht können, da es schon so Vielen möglich gewesen ist? Was hindert mich, zu größeren Ehren emporzusteigen, mehr Schätze zu erwerben, mit mehr Ansehen und Bequemlichkeit in der Welt zu leben? Was fehlte meinem Glücke, wenn ich diese oder jene Freude erleben sollte. Dann wäre es noch immer Zeit, an das Künftige zu denken, dann wollte ich gerne sterben. So lautet die geheime Sprache meines irdisch gesinnten Herzens und, o mein Gott! wie thöricht ist diese Sprache, wie unbesonnen sind die Wünsche! Bin ich denn versichert, daß ich lange genug leben werde, um meinen Zweck zu erreichen?( Thessal. 5.) Und wenn ich ihn erreiche, wenn alle meine Anschläge gelingen, bin ich denn gewiß, daß diese gehoffte, diese erträumte Glückseligkeit mir in der Nähe das sein werde, wofür ich sie in der Ferne gehalten habe? Und wenn das ist, bin ich denn sicher, daß aus diesen erfüllten Hoffnungen und Wünschen nicht wieder neue erwachsen werden? Und wenn ich davon gewiß sein könnte, würde mir mein zufriedener Zustand, in welchem ich mich alsdann befinde, den Tod nicht noch schrecklicher machen, als er mir jetzt ist, da ich weniger durch ihn verlieren kann? 10 Gott, wie habe ich den abgeschiedenen Tag zugebracht? Zwar nicht müßig, nicht ohne Beschäftigung, aber womit habe ich mich beschäftigt? Was trug ich heute zu meiner eigenen sittlichen Ausbildung, was zum Wohle und Heile meines Nächsten bei? Mein Beruf ist, gut zu sein, in ruhiger und dankbarer Zufriedenheit die Güter zu genießen, welche mir Deine väterliche Liebe, o Gott! mitgetheilt hat; meinem Nächsten zu nützen, und voll freudiger Hoffnung an meinem und seinem zukünftigen Glücke durch einen vernünftigen Gebrauch des Gegenwärtigen, durch eine gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten zu arbeiten. Es fehlte mir an nichts, was mich in Stand setzen konnte, diesem meinem Berufe Genüge zu leisten. Ein gesunder Leib, ein munteres Gemüth, der nö thige Unterhalt und sogar Bequemlichkeit sind Vorzüge, welche ich heute vor Tausenden und abermals Tausenden genossen habe. Allein wje benütze ich alle diese Güter? Ach! jetzt fällt es mir zum ersten Male ein, daß ich heute der glückliche Besitzer so großer Schätze war. Unempfindlich für mein heutiges Glück habe ich voll geschäftiger Unruhe für mein morgendes gesorgt, von dem ich nicht weiß, ob ich es erle 11 ben werde; aber gewiß bin ich, daß ich es, wenn ich morgen nicht besser als heute denke, ebenso wenig wie ich das heute verdiene! Deine Hand, o gütigster Gott! war heute gegen einen Undankbaren freigebig; ich habe mich Deiner Wohlthaten unwürdig gemacht, da ich sie nicht gebraucht, ja gar mißbraucht habe! Kränkender Gedanke, der mein Innerstes mit den schmerzlichsten Vorwürfen zerreißt! Darf es mich nun wundern, wenn mich die Erinnerung des Todes schreckt? Kann ich wohl ohne Verwirrung an eine Zeit denken, wo Du, o gerechter Vergelter! strenge Rechenschaft von meiner Haushaltung fordern wirst? darf ich von der Zukunft ein größeres Glück hoffen, da ich mich des gegenwärtigen so schlecht bediene? O! wie viel Recht hättest Du nicht, mein Gott, mir auf immer Deine Gnade zu entziehen. Aber, ewiger Vater! Du bist ja die Liebe selbst, Deine Güte ist unerschöpflich und Deine Erbarmungen haben keine Grenzen. Beschämt und voll Reue erkenne ich meine Thorheiten, ich erkenne sie so lebhaft, ich sehe sie in einem so schrecklichen Lichte, daß es mir unmöglich scheint, je wieder in dieselben zu fallen. Ach! wenn Besserung erfolgte, würde nicht eine ernstliche Be 12 kehrung von Dir als Lösegeld für meine heutigen Fehler angenommen werden? Ja, ich werde noch leben, um Deine Güte zu preisen. Du wirst mir Deine Gnade wieder schenken, weil ich den festen Vorsatz habe, sie anzuwenden. Gott! Deinem allsehenden Auge ist auch das Verborgenste meines Herzens offenbar; hält es Deine unergründliche Weisheit für nothwendig, meine Bekehrung durch Strafen zu fördern und mich durch Schaden klug zu machen, o! so sei mir Deine Züchtigung willkommen und gesegnet. Ich will in Deinen gerechten Strafen einen liebreichen Vater erkennen, welchen ich im Ueberflusse der Glückseligkeit verkannt habe. Nun kehren Ruhe und Friede wieder in meine Seele zurück, die heiterste Freude verbreitet sich durch mein ganzes Wesen. Wenn der bloße Vorsatz, mich zu bessern, schon ein so entzückendes Vergnügen in mir wirket, wie göttlich groß muß erst die himmlische Lust sein, welche das Bewußtsein einer geprüften und beständigen Tugend in mir hervorbringen wird? Jetzt überlasse ich mich dem Schlafe unbesorgt, ob ich in dieser oder jener Welt wieder erwachen werde. Ich ruhe unter Deinem Schutze, Allmächtiger! und bin, es fomme wie es will, 13 allenthalben in Deinen Händen. Deiner gnädigen Obhut, mein Gott und Vater! sei mein Leib und meine Seele empfohlen. Deiner Gnade gewiß, fürchte ich kein Unglück. Der letzte Gedanke, dessen ich mir bewußt bin, hat Dich zum Gegenstande, und der erste des morgigen Tages soll Dir geheiligt sein. Ich entschlafe, indem ich an Dich denke, und wenn ich erwache, bin ich bei Dir.( Ps. 138, 18.) Amen. Reue und Leid. Ja, Vater im Himmel! vor Dir habe ich gefündigt!( Psalm 50.) Mein eigenes Gewissen flagt mich als Uebertreter Deiner väterlichen Gebote an; aber Du bist mein Vater, und wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmt, so erbarmst Du Dich unser, wenn wir unsere Sünden erkennen und, mit uns selbst unzufrieden, auf unsere Besserung bedacht sind. Verzeih' mir denn, Bater im Himmel! es ist mein völliger Ernst, besser zu werden. Heute, ja heute noch will ich den Anfang zur Erfüllung dieses gutgemeinten und redlichen Vorsatzes machen. O gib nur, mein Gott! daß ich in diesem guten Vorsatze durch öftere Betrachtungen heilsamer Religionswahrheiten gestärkt werde! 14 Lass' mich das Schädliche der Sünde und die Schönheit der Tugend immer mehr erkennen! Lass' mich in der Liebe und Neigung zum Guten immer mehr erstarken! Lass' mich die Schädlichkeit der Sünde und die Schönheit der Tugend immer mehr erkennen: Lass' mich in der Liebe und Neigung zum Guten immer wachsen. Ich will thun, was Du willst, daß ich thun soll; ich will meiden, was Du willst, daß ich meiden soll; ich will darnach ringen, daß ich vollkommen werde, gleich wie Du, o Vater im Himmel! vollkommen bist. Amen.( Math. 5, 48.) Glaube, Hoffnung und Liebe. Für dieses Leben bleiben nur die drei wichtigsten Stücke, nach welchen der Geist trachten muß: Glaube, Hoffnung und Liebe, aber die Liebe ist das größte unter ihnen.( 1. Kor. 13, 13.) Einziger, unendlicher und ewiger Gott, der Du uns zuerst durch die Vernunft, und dann noch deutlicher durch Jesum Deinen Sohn, unseren Herrn, Deine höchsten und anbetungswürdigen Vollkommenheiten und Deine heiligsten Gesetze zu unserer sittlichen Vervollkommnung geoffenbaret hast; ich glaube, daß Du 15 der einige, höchste, allmächtige Urheber, Erhalter und Regierer der Welt, daß Du unser Vater und Wohlthäter bist, der jeden Menschen kennt und liebt, für jeden sorgt und jeden glücklich machen will! Daß Du der höchste und heiligste Gesetzgeber und Richter aller vernünftigen Wesen bist, der jeden dereinst nach seinen Handlungen und Verdiensten belohnen oder strafen wird.( Jerem. 17, 10. Gal. 6, 7.) Ich glaube und bekenne, daß uns Jesus Christus von der Sünde und ihren Folgen befreit hat, daß Er wahrer Gott, der Wiederhersteller unserer sittlichen Würde, unser Lehrer, unser Erlöser und Seligmacher ist, daß wir aber die Absicht seiner göttlichen Sendung vereiteln, wenn wir nur glauben, was Er gelehrt hat, seine vortreffliche Gottes- und Sittenlehre aber nicht zu unserer eigenen Besserung und Vervollkommnung anwenden.( Math. 28, 20.) Ich glaube, daß der heilige Geist uns auf mannigfaltige Weise belehrt und heiligt, und uns Gesinnungen und Kräfte einflößt, durch welche wir Kinder Gottes und sittlich gute Menschen werden.( Suc. 11, 13.) Ich freue mich seiner heiligen Wirkungen und danke ihm für jede Kenntniß der Wahr 16 heit, für jeden Antrieb zum Guten und für die Kraft, es zu vollbringen. Ich glaube, um der göttlichen Allwissenheit und Wahrhaftigkeit willen, Alles, was Gott durch Christum geredet und die allgemeine Kirche von jeher als Gottes untrügliches Wort angenommen und geglaubt hat. Dieser Glaube beruhigt mich, und beseligt mich, und wird mich selig machen, wenn ich mich aus allen Kräften befleiße, nach den Sittenvorschriften desselben zu leben und nichts zu thun, was meinen Pflichten und meinem Gewissen entgegen ist. Auf Deine Weisheit und Gerechtigkeit, o Gott! hoffe und vertraue ich in allen Angelegenheiten meines Lebens, Du hast mich erschaffen, damit ich. tugendhaft leben und dadurch glücklich werden möchte, Du hast mir auch die Mittel zu meiner Heiligung und Beglückung nahe gelegt. Getrost sche ich daher jeden traurigen Zufällen entgegen, die mir widerfahren können; denn Du, o Gott! weißt auch diese zu heiligen, und ich bin überzeugt, daß Du sie zuletzt in Segen und Seligkeit auflösen wirst. So will ich denn auf nichts, was veränderlich und vergänglich ist, meine letzte Hoffnung setzen; meine höchste Glückseligkeit kann mir nur ein ewiger, weiser 17 und gerechter Gott geben, welcher dabei auf die Erweisung meiner Treue in Ausübung der sittlichen Pflichten Rücksicht nimmt und diese Gerechtigkeit, Güte, Treue und Allmacht Gottes ist es auch allein, auf die sich meine Hoffnung stützt. Ja Dich, o Gott! liebe ich von meinem ganzen Herzen, von meiner ganzen Seele und aus allen meinen Kräften, ich liebe und verehre Dich vorzüglich als das höchste, heiligste, vollkommenste Wesen und werde jederzeit mit unbegrenzter Achtung die unendliche Würde Deiner Vollkommenheit betrachten und anbeten. Ich liebe Dich auch nicht mit schwacher, sinnlicher, sondern mit vernünftiger Liebe, als meinen Vater, Wohlthäter und Erhalter, das ist, als die Urquelle alles Guten und aller Glückseligkeit.( Röm. 8, 15, 1. 4, 6.) Zwar fann ich Dich nicht begreifen, Unbegreiflicher! Zwar kenne ich Deine Vollkommenheiten nicht, wie sie an sich selbst sind, sondern nur nach Deinen Wirkungen auf die Welt, darum wird auch meine Liebe und Verehrung gegen Dich immer begrenzt, immer unter Deiner Größe und Würde sein. Aber Dir genügt es, wenn ich nur meine Liebe gegen Dich durch gewissenhafte Befolgung Deiner heiligen Gebote an den Tag lege Bete und vertraue. 2 18 ( Joh. 1, 3-6), wenn ich Dir, als dem höchsten, heiligsten und liebenswürdigsten Guten, mit allen Kräften anhänge und durch unaufhörliches Streben nach sittlicher Vollkommenheit gleichförmig zu werden suche. Willig und mit unermüdetem Fleiße will ich daher die Arbeiten meines Berufes fortsetzen, und mit völliger Zufriedenheit mich Deiner Führung überlassen, nach Weisheit streben, nach Gewissen handeln und Gutes thun, soviel meine Kräfte erlauben. Auch meinen Nächsten will ich lieben, o Gott! wie mich selbst, ich will ihn als ein vernünftiges Geschöpf wie mich selbst achten und an ihm wie an mir selbst die Würde der menschlichen Natur und seine gleiche Bestimmung zur Sittlichkeit und Glückseligkeit schätzen. Ich will diesem seinen hohen Endzwecke nicht nur niemals entgegenhandeln, sondern denselben auf alle Art zu befördern suchen, ihm aufrichtig Gutes thun und wünschen, ihm meinen Rath und Beistand nie versagen, seine Schwachheiten mit Geduld ertragen, sein Elend, so viel wie möglich ist, lindern. Dies ist auch ein Gebot des Christenthumes und das echte Kennzeichen der wahren Jünger Jesus.( Jak. 2, 8. Joh. 13, 16.) 19 Selbst meinen Feinden will ich verzeihen, wie auch Jesus den Seinigen verziehen hat. Wir sind Alle zum Gebote der gegenseitigen Liebe verpflichtet, wir sind Alle Kinder eines Vaters, Alle Erben Seiner Herrlichkeit, Alle Theilnehmer an Seiner Erlösung. So wollen wir denn auch Alle ein Herz und eine Seele sein( Apostelg. 4, 32), ſo wollen wir denn Alle, o Gott! mit Dir und untereinander innigst vereinigt durch dieses irdische Leben wallen. Amen. Meßgebet. Die H. Messe ist erstens eine Erneuerung jenes Liebesmahles, welches Jesus am Abende vor Seinem Leiden mit Seinen Jüngern hielt. In der Nacht, sagt der heilige Paulus, da der Herr Jesus verrathen wurde, nahm er das Brot, segnete es, brach es und gab's Seinen Freunden mit den Worten:„ Nehmet hin und esset, dies ist Mein Leib." Dann nahm er auch den mit Wein gefüllten Kelch und sprach: Nehmet hin und trinket Alle, dies ist Mein Blut"; er machte es Seinen Jüngern zur Pflicht, diese heilige Handlung auch mit ihren künftigen Jüngern öfters zu feiern, und sich dabei an 2* 11 20 ihren Meister und Herrn, an seine Lehre, an seine Liebe zu dem Menschengeschlechte und an seinen großmüthigen Tod zu erinnern.„ Das thut zu meinem Andenken." Die Apostel folgten dem Befehle ihres Meisters und hielten die Abendmahlsfeier in ihren Zusammenfünften auf eine rührende und erbauliche Art.( Apostelg. 2, 42, 46.) Vorzüglich bemühte sich Paulus, Alles dasjenige zu beseitigen, was den herrlichen Eindruck dieser heiligen Handlung schwächen, und die Gemüthserhebung der Gläubigen auf Nebendinge lenken könnte.„ Der Mensch", sagt er, prüfe sich selbst, wie sein Herz beschaffen sei; er prüfe sich, ob er bei der Feier des heiligen Abendmahles jene Gemüthsverfassung habe, die ihn fähig macht, diese gottselige Handlung auf eine vernünftige, dem Zweck ihres Meisters entspechende Art zu verrichten; er prüfe sich, ob ihm diese heilige Handlung wirklich wichtig genug erscheine, ob er mit dem Sinne und der Empfindung eines redlichen Verehrers Jesu beseelt sei, ob er die Denkungsart und den Geist Jesu habe, dessen Andenken er hier feiert, aber die Sünde, zu deren Schwächung und Aufhebung Christus so viel 21 gethan, wirklich hasse, verabscheue und in all' seinem Thun und Lassen nach Möglichkeit fliehe, ob er den Geist der allgemeinen Bruderliebe gegen alle Menschen habe, dessen Sinnbild diese heilige Handlung ist?" Dann fährt Paulus fort: ,, Dann esse er von diesem Brote und trinke von diesem Kelche."( Kor. 15, 25-29.) Was die Apostel nach dem Befehle Jesu unverbrüchlich hielten und thaten, das that auch nach ihrem Absterben die Kirche. Der Priester und seine Gemeinde feierte dasselbe an allen Orten der Welt, wo das Christenthum Eingang gefunden hatte, und sie aßen gemeinschaftlich, wie Paulus sagt, von dem Brote und tranfen vom Kelche. Dies geschah in der Messe, welche eigentlich die Feier des heiligen Abendmahles ist. In der Folge der Zeit hat zwar der Gebrauch aufgehört, die Laien auch Antheil an dem Kelche nehmen zu lassen; in der Folge der Zeiten erkaltete zwar der Eifer der Gläubigen so sehr, daß sie nicht mehr gemeinschaftlich mit ihrem Priester bei jeder Messe oder Abendmahlsfeier, sondern nur zu gewissen Zeiten den Leib und das Blut des Herrn genossen: allein die alte, ehrwürdige Einsetzung des heiligen Abendmahles blieb 22 und wird noch jetzt bei jeder Messe von frommen Christen gefeiert. Die heilige Messe ist aber zweitens auch ein Opfer, welches, wie der Kirchenrath zu Trient( in der XXII. Sigung Nr. 1) sagt, das Opfer Jesu am Kreuze, oder Seinen großmüthigen Tod für's ganze Menschengeschlecht vorstellen, und das Andenken und die segensvollen Wirkungen desselben bis an's Ende der Zeiten unter den Christen erneuern sollte; ein Opfer, welches, wie der gelehrte Bossuet schreibt, uns von dem Opfer des Kreuzes nicht nur nicht entfernt, sondern unsere Gedanken vielmehr auf dasselbe zurückführt, denn es bezieht sich ganz auf dasselbe und hat auch keine andere Kraft, als die es von dort her erhält; ein Opfer, aus welchem auch wir, nach dem Maße unserer Vorbereitung und Gemüthsfassung, mancherlei geistliche Vortheile ziehen, wodurch wir nämlich in guten Gesinnungen und in der Ausübung unserer Pflichten gestärkt werden, wenn wir demselben, nach dem Ausdrucke des trientinischen Kirchenrathes, mit einem für die Tugend gefühlvollen Herzen, mit wahrem, lebendigen Glauben an Jesu Lehre und Tod, mit Ehrfurcht und Rührung 23 und mit einer kindlichen Reue wegen unserer täglichen Schwachheiten und Fehltritte beiwohnen. Aus allem Diesen erhellt nun, daß die heilige Messe, als Abendmahlsfeier und als Opfer betrachtet, uns nur dann nützlich werden könne, wenn wir mit einer Vorbereitung bei derselben erscheinen, die unseren Ernst, unseren Sinn für religiöse Gegenstände, unsere Willfährigkeit zu allem Guten und unsere Empfänglichkeit für die heiligen Eindrücke ankündigt. Die heilsamen Wirkungen, welche die heilige Messe in uns erzeugen kann, stehen mit unserer Vorbereitung in genauer Verbindung und bestehen darin, daß wir nur Kraft zum Guten daraus schöpfen, daß wir immer mehr in der Bruderliebe gestärkt und zur Ausübung aller christlichen und geselligen Tugend dadurch ermuntert werden. Es wäre aber freilich zu wünschen, sagt der fromme und gelehrte Benedictiner Schwarz, daß Manches bei dem öffentlichen Gottesdienste eine solche Einrichtung erhielte, wodurch es den Beiwohnenden noch mehr erleichtert würde, Antheil an dieser heiligen Handlung zu nehmen, und sich mehr zu erbauen. 24 Borbereitungsgebet. Allmächtiger, ewiger Gott! ich feiere jetzt jenes heilige Abendmahl, welches Dein geliebter Sohn am Ende Seines Lebens mit Seinen betrübten Jüngern hielt. Wie er sich da, ehe die Nacht Seines Leidens und Seiner letzten traurigen Schicksale einbrach, mit ihnen noch einmal brüderlich vereinigte, ihnen durch die zärtlichen Reden Muth und Standhaftigkeit in allem Guten einzuflößen suchte( Joh. 14), ihnen unter dem Sinnbilde des Brotes und Weines seinen Leib und sein Blut zu genießen darbot, ihnen zur Pflicht machte, sich öfters Seiner zu erinnern und ein Gleiches mit ihren Jüngern und Freunden zu thun; so vereinige ich mich jetzt mit dem Priester und allen anwesenden Christen, dieses christliche Liebesmahl nach dem Geiste Jesu und nach dem schönen Zwecke seiner Einsetzung zu begehen. Bin ich aber auch würdig, an diesem Liebesmahl theilzunehmen? O! wenn ich mich prüfe, wenn ich die Falten meines Herzens durchspähe, wenn ich meine Gesinnungen, meine Worte und Handlungen mit der Lehre Jesu vergleiche, die doch mein Gesetz und meine einzige Richtschnur ist, wie muß ich vor - 25 mir selbst erröthen, daß ich dem Geiste und der That nach so wenig ein Christ bin, was ich doch sein sollte, und was ich in den besseren Augenblicken meines Lebens auch zu sein wünsche! Doch weiß ich auch, daß die Jünger Jesu bei den Lebzeiten ihres Meisters noch schwach im Glauben und unvollkommen in Handlungen waren( Matth. 16, 8. 10. Luc. 9), und daß Jesus Christus gerade deswegen das letzte zärtliche Abendmahl mit ihnen hielt, um ihren Glauben an Seine Sendung und Lehre zu stärken, und ihren Eifer zu großen menschenfreundlichen Werken zu beleben und zu ent flammen. So will denn auch ich diese heilige Handlung mit dem Priester in gleicher Absicht feiern, daß mir die Religion Jesu immer liebenswürdiger und wichtiger werde, daß ich Seinen Geist und Seine Lehren immer tiefer in mein Herz präge, daß ich immer mehr in meinen guten Vorsätzen gestärkt werde, daß ich das Böse, die Sünde, das Unrecht, zu welchem mich meine Schwachheiten und Leidenschaften manchmal noch fortreißen, immer mehr verabscheue, und alles Gute lieb gewinne; daß ich ein wahrer und echter Jünger Jesu werde, in welchem Sein Geist, Sein Glaube und Seine 26 Liebe zu allen Menschen durch gute Gesinnungen und Handlungen sich immer mehr offenbare. Auch des herrlichen Todes Jesu will ich mich dabei erinnern, wie er als Menschenfreund die Wahrheit, die er lehrte, durch seinen schmerzvollen Tod besiegelte, und sich selbst Dir, himmlischer Vater! zum Opfer für das Heil seiner Brüder darbrachte.( Hebr. 10, 10-12.) Dieses Opfer wird jetzt auf dein Altare vor mir und allen Gläubigen erneuert und auf eine unblutige Weise vorgestellt. Eben derjenige, welcher am Kreuze sich so großmüthig für das Wohl der Menschheit opferte, ist auch jetzt durch den Dienst des Priesters das Opfer und der Opfernde, dies erkenne ich durch den Glauben, dies belebt mein ganzes Vertrauen zu Dir, o mein Gott! dies stärkt meine Liebe und alle meine guten Entschlüsse! Wenn Jesus, um Licht und Wahrheit unter den Menschen zu verbreiten( Joh. 1-9), einen so rühmlichen Tod starb, so großmüthig sich opferte, wie theuer soll mir nicht dieses Licht und diese Wahrheit sein! und wie sollte nicht mein ganzes Leben ein Abdruck jener Lehre sein, die er mit seinem Tode als die rechte Gottesledoi bestätigte! Giessen 27 Was kann ich Dir Gottgefälligeres opfern, o Gott! als den redlichen Vorsatz, den ich jetzt am Opfertische der Christen erneuere, immer nach Heiligkeit zu streben, immer zu thun, was meine Pflicht ist, immer Jesu Lehre und Beispiel zu folgen und mich solchergestalt selbst Dir zum wohlgefälligen Opfer darzubringen, der Du nicht an Brandopfern und an dem Blute der Thiere, sondern an einem guten Willen und redlichen Herzen Wohlgefallen haſt. Amen.( Ps. 80, 16.) Zum Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!( Tuk. 2, 14.) Dies war der Zweck, warum Jesus Christus seine heilige Religion stiftete; die wahre Erkenntniß Deines Wesens, o Gott! unter die Menschen zu bringen, und die Menschen selbst durch sittliche Vorschriften zur Aehnlichkeit mit Dir zu ihrer wahren Vollkommenheit und Glückseligkeit zu führen. Dies ist also auch der Zweck, nach welchem ich streben muß, dies ist der Geist des Evangeliums, mit welchem ich beseelt sein soll, Dich, o Gott! der Du die höchste sittliche Güte bist, das Urbild aller Vollkommenheit, 28 durch Tugend und Pflichtliebe zu ehren, und indem ich aus allen Kräften nach Heiligkeit ringe, und Dir, Du heiliges Wesen! ähnlich zu werden suche, auch jener Glückseligkeit mich würdig zu machen, die in Vereinigung mit Heiligkeit das höchste Gut des Menschen ist. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden! So will ich denken, so sprechen und so auch handeln. Amen. Zum Evangelium. Dank sei Dir, o Gott! für alle jene schönen Lehren des Evangeliums, die ich in Versammlung der Gläubigen und bei dieser Feier des Abendmahles vorlesen höre. O wie entzückt mich die unnachahmliche Einfalt und Herzlichkeit der Erzählungen, in welche Jesus seine Lehren einkleidet! Wie erquickt mich nicht der Trost, den mir seine Schilderung Deiner Vatergüte, o Gott! und Deiner Alles umfassenden liebreichen Vorsehung einflößt, wie werde ich nicht durch Seine darin aufgezeichneten schönen Handlungen, und besonders durch Seine überall Hervorschimmernde Menschenliebe gerührt! Welch eine Stärke und überzeugende Kraft ist nicht selbst in Seinen Strafreden, die Er ge 29 gen Gleißner und Wertheilige gebracht, wenn sie, anstatt Gott durch Tugend und Herzensgüte zu ehren, nur zum Scheine mit einigen Andachtsübungen und Bußwerken prahlen, und die Menschen und Gott zu täuschen glauben! ( Math. 15, Joh. 8, 44.) Dank sei Dir, o Gott! für das heilige Evangelium. Ich werde dieses Buch aller Bücher, worin Deine sittlichen Gebote und meine Pflichten so schön, so kraftvoll, so vollständig aufgezeichnet sind, immer mit neuem Geschmacke lesen und lesen hören. Aber nicht ein bloßer eitler Hörer Deines heiligen Willens und Gesetzes, sondern auch ein williger Befolger desselben will ich sein( Jat. 22); denn nicht die da sprechen: Herr! Herr! sondern die den Willen meines Vaters thun, sagt Jesus( Math. 7, 27), sind würdige Mitglieder und Genossen im Reiche Gottes. Amen. Zum Credo. Ohne den Glauben, sagt der heilige Paulus, ist's nicht möglich, Gott zu gefallen.( Hebr. 11, 6.) Aber, o mein Gott! Es wäre klein und abergläubisch von mir gedacht, wenn ich den 30 ken wollte, der Mensch würde Dir, dem heiligsten, vollkommensten Wesen! schon gefallen, sobald er sich nur die Mühe nimmt, eine Glaubensformel öfters herzusagen, oder einige Male im Jahre aus seinem Gebetbuche eine Glaubenserweckung herunterzulesen. Es wäre thöricht, und dem Geiste des Christenthums ganz zuwider, wenn ich denken wollte, es sei schon ein hinreichendes Verdienst vor Dir, o Gott, ein Verdienst, welches mich ewiger Belohnung würdig macht, Alles das mit steifem Sinn zu glauben, was Du geoffenbart hast, und mich zwar mit ängstlicher Genauigkeit ganz an den Glauben der Kirche anzuschließen, aber ohne mich darum zu kümmern, ob mein Leben mit meinem Glauben übereinstimmt. Nein, o Gott! so soll mein Glaube nicht beschaffen sein; ein so recht gläubiger und doch unrecht handelnder Christ will ich nicht heißen, mit einem so todten und unfruchtbaren Glauben will ich meine Religion nicht beschimpfen.( Jak. 2.) Jede Wahrheit, die ich durch die Vernunft und das Evangelium erkenne, soll Einfluß auf mein Leben haben; was ich meine Pflicht zu sein glaube, will ich auch als Pflicht erfüllen. Der Glaube ist für mich ein Licht; aber 31 was würde mir dieses Licht nützen, wenn ich doch in der Finsterniß, das ist auf dem Wege der Sünde, wandeln will?( 1. Joh. 1, 6.) Was ist der Glaube ohne Liebe, ohne freudige Ausübung meiner Pflichten? Hätte ich auch, sagte der heilige Paulus, einen so festen, so unerschütterlichen Glauben, daß ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, das ist die guten Werke, die Werke der Liebe nicht, die aus meinem Glauben, als einer lebendigen Quelle, hervorkommen sollen, o, so wäre ich doch nichts; ich könnte nicht die mindeste Hoffnung haben, durch einen so leeren und unthätigen Glauben Dir, o Gott! zu gefallen, ja ich hätte vielleicht, wie Jesus Christus von den Städten Corazim und Betfaida sagt ( Matth. 11, 21), vor Deinem Richterstuhle dereinst ein desto strengeres Gericht zu erwarten, je größer das Licht war, welches mir leuchtete, und je weniger ich zu meiner sittlichen Vervollkommnung Gebrauch davon machte. Amen. Beim Offertorium. Jetzt, o mein Gott! da der Priester, das Brot und den Wein in den Händen haltend, in seinem und aller Gläubigen Namen sich zu 32 Dir erhebt, Dir unsere gemeinsamen Gebete und Wünsche darbringt, vereinige ich mich mit ihm und der ganzen Christengemeinde, und opfere Dir, was allein Dir wohlgefällig ist, mein Herz, mit allen seinen Regungen und Begierden. Aus dem Herzen, sagt Jesus Christus, kommen böse Rathschläge, kommen Mord und falsche Zeugnisse und Diebstähle, und was die Menschen sonst Böses thun.( Matth. 15, 19.) Ich opfere Dir dieses Herz, indem ich jetzt den festen und unerschütterlichen Vorsatz hege, nie nach dem blinden Antriebe desselben, sondern immer nach der Vorschrift Deines heiligen Gesetzes zu handeln. Wenn mich auf einer Seite die Sinnlichkeit oder der Zug unmäßiger Begierden zum Bösen anreizt, auf der anderen Seite aber die Vernunft und das Evangelium auf meine Pflicht aufmerksam macht, so will ich nie meinem Herzen, diesem blinden Führer, sondern meiner durch die Religion erleuchteten und gestärkten Vernunft folgen. Nicht was meinen Sinnen angenehm ist, was meinen Nei gungen schmeichelt, was meine thörichten Wünsche und Triebe befriedigt, nicht was mein Herz will, werde ich thun, sondern, was ich als sittlich gut, als recht, als mit Deinem Gesetze, o 33 Gott! übereinstimmend erkenne, das will ich von nun an thun, das vor Allem suchen und lieben. Meine Glückseligkeit selbst werde ich nie mit Hintansetzung irgend einer Pflicht zu befördern trachten, eingedenk jenes göttlichen Ausspruches: Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit! befleißet euch eines gerechten, nüchternen und gottgefälligen Lebenswandels; das Uebrige, was ihr bedürfet, wird euch die Vorsehung zukommen lassen.( Matth. 6, 33.) Durch diese eines Christen würdigen Gesinnungen, durch dieses redliche Opfer meines Herzens werde ich mich auch jenes viel höheren Opfers würdig bezeigen, welches Jesus Christus am Kreuze vollbracht hat, indem er den Tod des Menschenfreundes starb. Amen. Zum Sanctus. Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott Zebaoth! Himmel und Erde sind voll Seiner Herrlichkeit. So fingen alle frommen Christen; so sing' auch ich mit allen frommen Christen. Heilig, heilig; ja die höchste Heiligkeit selbst bist Du, Herr, Gott Zebaoth! Die höchste Vernunft, der vollkommenste Wille, und eben darum der Heiligste, der Anbetungswürdigste, der Gesetzgeber aller vernünftigen Geschöpfe, Bete und vertraue. 3 34 welcher will, und nichts anderes wollen kann, als daß wir mit Vernunft begabte Geschöpfe auch heilig und vollkommen werden!( Matth. 5, 48. Petr. 1, 16.) — Heilig, heilig bist Du, Herr, Gott Zebaoth! Du, der Anfang und das Ende, der Mittelpunkt und die Fülle aller Heiligkeit! Durch Dein ewiges Gesetz der sittlichen Güte knüpfest Du das Reich der Geister an Dich und lenkest alle Wesen zu Dir, denen Du Vernunft und Willen mitgetheilt und gleichsam Dein Ebenbild eingedrückt hast. Dein Wille ist unsere Heiligung! ( 1. Thessal. 4, 3.) Diese Heiligung ist unsere Annäherung zu Dir, je mehr wir uns durch sittliche Güte Dir nähern, desto mehr nehmen wir auch an Deiner Herrlichkeit Antheil, desto größer wird das Maß der Glückseligkeit sein, wozu wir Anlage und Trieb in uns fühlen, durch standhaftes Streben nach Heiligkeit und Würdigkeit erhalten. Heilig, heilig bist Du, Herr, Gott Zebaoth! Himmel und Erde sind Deiner Herrlichkeit voll! Heilig sollen auch wir sein, um Deiner Herrlichkeit Mitgenossen zu werden. Amen. Bei der Wandlung. Am Abende vor seinem Leiden nahm Jesus das Brot in seine heil. und ehrwürdigen Hände, 35 erhob dann seine Augen zu Dir, o Gott! seinem allmächtigen Vater, dankte Dir und seg= nete das Brot, brach es, und gab es seinen Jüngern, sprechend: ,, Nehmet hin und esset Alle, denn dies ist mein Leib." Auf gleiche Weise, nachdem das Abendmahl vorbei war, nahm er auch diesen trefflichen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände und dankte Dir, o Gott! segnete den Kelch und gab ihn seinen Jüngern, sprechend:„ Nehmet hin und trinket Alle daraus, denn dies ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, ein Geheimniß des Glaubens, welches für euch und für Viele vergossen werden wird zur Nachlassung der Sünden." 11 , So oft ihr ein Gleiches unter einander thut, thut es zu meinem Andenken." Indem jetzt der Priester diese merkwürdigen Worte ausspricht, so ist, nach dem Glauben der fatholischen Kirche, deren Mitglied ich bin, nicht mehr Brot und Wein, sondern Jesus Christus selbst, unter den Gestalten des Brotes und Weines, wahrhaft und wirklich, auf dem Altare gegenwärtig. Er ist da als ein unbeflecktes und ewiges Opfer, und zugleich als ein reiner, unbefleckter Opferpriester, welcher sich selbst, wie 3* 36 ehemals am Kreuze, jetzt unter den Symbolen einer Speise und eines Trankes Dir, o Gott! Seinem himmlischen Vater, durch die Hände und den Dienst des Priesters darstellt! Wohl ein unbegreifliches Geheimniß! aber welches mich täglich auf's Neue an jene wichtige Lehre erinnert, die schon Paulus seinen Schülern zu Korinth so sehr an's Herz legte. Ist nicht der gesegnete Kelch, den wir segnen, ein Bekenntniß unserer Theilnahme an dem Blute Christi, und das Brot, das wir brechen, ist das nicht eine öffentliche Erklärung unserer Gemeinschaft mit dem Leibe des Herrn?( 2. Kor. 10, 16.) Ja, o mein Gott! durch die heilige Handlung, welche jetzt auf unseren Altären vorgeht, zeigen wir und bezeugen auf's Kräftigste, daß wir Schüler Jesu sind; daß wir uns zu Seiner Lehre verpflichtet halten, daß wir Mitglieder jenes geistlichen Körpers sind, dessen Oberhaupt Jesus Christus Selbst ist, daß wir an Seinem Leibe und Blute Theil nehmen, wie auch Seinen Geist und Seine Gesinnungen annehmen müssen. Wir erneuern gleichsam dadurch unsern Taufbund, den damals gefaßten Entschluß, mit nie ermüdendem Eifer nach jener Heiligkeit und Lebensreinheit zu streben, die uns 37 Jesus Christus in Seinen vortrefflichen Reden und Handlungen vorgezeichnet hat. Wenn Er selbst ohne Sünde war, ein heiliger, unbefleckter Opferpriester, so sollen auch wir, die wir Seinem reinen und heiligen Opfer beiwohnen, alle Unreinigkeit verabscheuen und meiden, wir sollen von uns entfernen alle Werke der Finsterniß, nicht in Trunkenheit und Schwelgerei, nicht in unreinen Begierden und Werken der Unzucht, nicht in Zank und Feindschaft und Eifersucht soll unser Leben sich verzehren, sondern anziehen sollen wir von nun an Jesum Christum, Seine Liebe, Seine Weisheit, Seinen Eifer für alles Gute! Wir leben ja in Gemeinschaft mit Ihm, dem Reinsten und Heiligsten unter den Menschen, wir sind gleichsam in einen geistlichen Leib mit Ihm als dem Haupte verwachsen, mit welchem alle Glieder so verbunden und verkettet sind, daß der ganze Leib vermittelst der Verbindung dieser Glieder, deren jedes dem andern, nach der Masse seiner Kräfte, Saft und Nahrung mittheilt, auch gegenseitig sein Wachsthum erhält und durch die Liebe immer mehr ausgebildet und vervollkommnet wird.( Koloss. 2, 19.) Wer, o mein Gott! an Jesu Leib und 38 Blute theilnimmt, darf nicht mehr, wie die Menschen, die kein anderes Gesetz als ihre ausschweifenden Begierden und Leidenschaften er kennen, in Leichtsinn und Thorheit dahinleben. Jene sind fern von den großen Gesinnungen, mit welchen Christus seine Jünger begeistert. Ihr Herz liegt in der tiefsten Unwissenheit und in gänzlicher Gefühllosigkeit. Sie haben sich unempfindlich gegen die Schläge des Gewissens, den niedrigsten Wollüsten ergeben und fröhnen täglich der feilen Unzucht. Aber wer einmal am Tische des Herrn das Brot der Narben genossen hat, ist auch dadurch verpflichtet, seiner ganzen vormaligen, sündhaften Lebensart zu entsagen, und im Gegentheile solche hohe und heilige Gesinnungen und Grundsätze anzunehmen, wodurch er, zu einem besseren Menschen umgewandelt, wahre, echte Unschuld und Frömmigkeit an sich blicken läßt. Ich würde, o mein Gott! das Opfer schänden, welches jetzt auf dem Altare vollbracht wird; ich würde den Leib und das Blut Christi zu einer gemeinen Speise herabwürdigen, wenn ich mit anderen Gedanken und Ueberzeugungen dabei zugegen wäre, als die mir meine hohe Verpflichtung zur Tugend und zu einem reinen 39 gottgefälligen Lebenswandel in Erinnerung bringen. Ich würde unter den echten Schülern und Jüngern Jesu bei dieser so schönen, begeisterungsvollen Handlung, wie jener treulose Jünger, als der unwürdigste Heuchler erscheinen, wenn ich in meinem Herzen noch einer niedrigen Leidenschaft des Hasses, der Unzucht, des Stolzes und dergleichen Platz geben, und da ich meine innige Gemeinschaft mit Jesu äußerlich durch Worte und Geberden bezeuge, innerlich von dieser seligen Gemeinschaft mich gleichsam lossagen, und auch nur einem jener schimpflichen Laster fröhnen wollte, die das Christenthum so feierlich verdammt und so unbeschränkt seinen wahren Bekennern verbietet. Amen. Bei der Communion. Ich sehe, o mein Gott! wie jetzt der Priester unter heil. Gedanken und Empfindungen Jesum Christum, das reine und unbefleckte Opfer des neuen Bundes, in sein Herz aufnimmt, wie er seine Seele mit der geistlichen Nahrung des wahren Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi stärkt und belebt. Ich und alle anwesenden Gläubigen sollten nach dem Geiste der ersten Einsetzung dieses Liebesmahles auch zum Tische des Herrn hinzu 40 nahen, und an der geheiligten Speise Theil nehmen. Aber nach strenger Prüfung meines Herzens, wie fühle ich nicht meine Unwürdigkeit und den großen Abstand zwischen dem, was ich nach den Vorschriften meiner Religion sein sollte, und was ich wirklich bin! Daher muß ich wie jener reuige Sünder( Luc. 18, 13) mur gleichsam in der Ferne stehen bleiben, und in dem Bewußtsein meiner täglichen Fehler und Schwachheiten zu Dir, o Gott, rufen: Herr, sei gnädig mir armen Sünder! Aber diese Empfindung meiner Unwürdigfeit, die mich jetzt vom Tische des Herrn zurückhält, soll nicht meinen Muth schwächen, nicht das Gefühl in mir ersticken, daß ich mich bessern kann, sobald es mein ernster Wille ist. Ich fühle in mir jene hohe, sittliche Freiheit, mit welcher ich die Fesseln aller meiner Schwachheiten und Lieblingsfehler, sobald ich Ernst und Willen habe, zertrümmern, und mich zur Tugend, dem Ziele meiner irdischen Bestimmung, emporschwingen kann! Wir straucheln zwar Alle und auf mannigfaltige Weise; aber der nur ist ein Sclave seiner Fehler, welcher es freiwillig sein will, und diese niedrige Sclaverei jener herrlichen Freiheit der Kinder Gottes vor 41 zieht, in welcher man das Böse scheut, weil es bös ist, und Gutes thut, weil es gut ist, durch seinen innerlichen Werth Achtung und Liebe verdient, und von der Pflicht empfohlen wird. Selbst die Empfindung meiner Unwürdigfeit, die mich vom Tische des Herrn zurückhält, soll meine sittlichen Kräfte aufregen, soll den Muth in mir verdoppeln, gegen alle Antriebe der Sinnlichkeit, gegen alle Lüste und Reizungen, die dem Gesetze Jesu und meiner Vernunft zuwider sind, zu kämpfen und zu ringen, fest überzeugt, daß, wenn ich meinerseits thue was in meinen Kräften liegt, Deine höhere Hilfe und Unterstützung, o Gott! mir nicht ermangeln werde. Wenn ich so denke und handle, so denke ich als ein würdiger Schüler Jesu, so handle ich ganz nach Seinem Evangelium und nach Seinem Beispiele, so werde ich immer enger mit Ihm vereinigt, immer würdiger jenes Liebesmahles, an welchem nur edle, für die Tugend begeisterte Seelen, ohne den Vorwurf ihres Gewissens befürchten zu müssen, Theil nehmen können. Gebet nach der heiligen Messe. Die heilige Wandlung, mit welcher sich der Priester, umringt von andächtigen Christen, bisher beschäftigte, ist vollendet! O möchte doch 42 der wohlthätige Endzweck davon nie aus meiner Seele verschwinden! möchten doch die heil. Gedanken und Betrachtungen, die sich meinem Geiste dabei darboten, wie jener evangelische Same, der in ein gutes Erdreich fiel, hundertfältige Früchte tragen und zu den schönsten Handlungen einer uneigennützigen Tugend und einer großmüthigen Menschenliebe aufsprossen! Ich bin ein Christ, o Gott! und freue mich dieses Namens. Ich habe dem Opfer und Liebesmahle der Christen beigewohnt, und fühle mich durch diese herrliche Stiftung erhaben und begeistert. So will ich denn auch sein, was ich heiße: ein wahrer Christ, würdig meines Meisters und Herrn, würdig Seines Lebens und Seiner Lehre, welche die Bewunderung der Welt und selbst Seiner Feinde verdient haben. Ein wahrer Christ will ich sein, o mein Gott! nicht mit vielversprechenden Worten, die oftmals, wie leere Feigenblätter, nur den Mangel guter Handlungen bedecken, nicht durch Glaubensformeln nur, welche daherzusagen und tausendmal zu wiederholen sogar keine Mühe kostet; nein, nicht ein solcher, mit Worten prahlender und mit Glaubensformeln verdammender Christ wie könnte ich als solcher vor - 43 meinem Meister und Herrn erscheinen?- Ein wahrer Christ, o mein Gott! will ich sein, will ich aus ganzem Herzen, aus allen meinen Kräften zu sein mich bestreben. Wie Jesus Christus gedacht, wie Er gesprochen und gehandelt hat, so will ich auch denken, sprechen und handeln; wie Er unter Seinen Zeitgenossen umher wandelte und Allen Gutes that auf's Beste, und aus den besten Absichten that, so will auch ich unter meinen Mitmenschen als Menschenfreund erscheinen und so viel Gutes um mich her verbreiten, als meine Kräfte vermögen; wie Er immer den Willen Seines Vaters im Himmel zu vollzichen beschäftigt war, so will auch ich diesen göttlichen Willen zur ersten und vornehmsten und einzigen Richtschnur meines Lebens machen. Wie Er Seine Feinde mit großmüthiger, und alle Frrenden und Schwachen mit schonender Liebe umfaßte, so will auch ich nicht nur Freunde und Wohlthäter- das thun auch die Heiden sondern alle meine Widersacher lieben, gern die Beleidigungen vergeben, die Schwachheiten der Menschen ertragen, die Irrenden dulden, die Dürftigen unterstützen, Jesus Christus soll in meinen Gesinnungen, in meinen Worten, in meinen täglichen Hand— 44 lungen herrschen. Sein Geist lebe und webe in mir! Diesen seligen Entschluß, den mir das Bekenntniß des Christenthums zur Pflicht macht, den mir die heilige Abendmahlfeier so oft in Erinnerung bringt, nehme ich aus dieser frommen Versammlung mit mir, und es soll die Seele aller meiner Wirksamkeit in dem Kreise meines Berufes sein. Ein wahrer Christ, ein edler Jün er Jesu, sein getreuer Nachfolger meines R ligionsstifters zu werden- dies sei meine Lust, mein Entschluß, mein theuerstes Bestreben. Amen. Beichtgebete. Gebet vor der Beichte. Bitte um den göttlichen Beistand. Bei dem großen Geschäfte, welches ich jetzt vorhabe, meinen Seelenzustand zu prüfen, die Fehltritte und Ausschweifungen, in welche ich aus Mangel der Wachsamkeit über mich selbst so oft verfalle, in ihrer Quelle aufzusuchen und ihre bösen Folgen zu beherzigen, und eine gründliche Besserung meines Lebens, eine wahre Sinnesänderung vorzunehmen, bei diesem großen und wichtigen Geschäfte wende ich mich vor Allem zu Dir, o Gott! dem Vater des Lich 45 tes, von Welchem jede gute Gabe herabkommt. In Deiner heiligen Gegenwart, unter Deinem göttlichen Beistand, und geleitet durch die Wahrheiten des Evangeliums, ermuntert und gestärkt durch den Aufruf Jesu und Seines Vorläufers: bringt würdige Früchte der Buße! ( Matth. 3, 8) will ich jetzt in mein Innerstes hineinsteigen, die Tiefen meines Herzens mit der Fackel Deines Wortes beleuchten, einem ehrwürdigen Freunde und Rathgeber meines Gewissens die Gebrechen desselben aufdecken, seine warnende und belehrende Stimme mit Ernst und Wahrheitsliebe anhören und, wenn jemals, gewiß jetzt eine des Christenthums würdige Beichte ablegen, eine Beichte, welche den Sinn und den Geist des Evangeliums in mich verpflanzen, die Liebe zur Tugend in mir erneuern, und den ernsten Entschluß, ihr mit ganzer Seele nachzustreben, zur Wirklichkeit, zur Reife bringen soll. Ernst zur Besserung. Aber wie oft habe ich schon diese heil. Anregungen zum Guten gefühlt! Bei jeder Beichte, o mein Gott! erkannte ich die Wichtigkeit, die Nothwendigkeit der gänzlichen Lebensbesserung. Tausendmal stiegen in meiner Seele gute Ge 46 danken und Entschlüsse auf; wie oft hörte ich nicht die Stimme des Gewissens, welches mich wegen dem Leichtsinne, mit dem ich über das ernste Geschäft meiner Sinnesänderung hinwegeilte, wegen meinen Rückfällen, die meinen unkräftigen Vorsätzen wie auf dem Fuße nachfolgten, von mir selbst verklagte! Wird vielleicht meine gegenwärtige Beichte ebenso kraftund fruchtlos vorübergehen? Freilich fühle ich, wie schwer es ist, gegen die Neigungen des Herzens zu kämpfen, welches so lange im Besitze der Herrschaft über mein besseres Jch war; oftmals habe ich schon das Gute erkannt, oftmals die Tugend liebgewonnen, aber dieses Aufstreben zum Guten wurde durch die Gewalt sinnlicher Begierden, durch den Druck einer langwierigen Gewohnheit wieder zernichtet. Ich wollte das Gute, was ich nicht that, ich that wieder Böses, was ich nicht wollte! mein Leben wechselte zwischen edlen Entschlüssen und unedlen Werken, und selbst zwischen guten und bösen Handlungen ab. Und der Grund von diesem immerwährenden Hin- und Herschwanken zwischen der Sünde, die ich that und verabscheute und der Pflicht, die ich liebte und fürchtete, was war es anders, als die 47 thörichte Vorstellung von einem traurigen Leben, welches mit der Ausübung der Pflicht, mit der Rückkehr zu einer standhaften Tugend verknüpft wäre? Ich glaubte, und wie tief war nicht dicser Glaube in alle Vorspiegelungen meines Herzens verwebt, daß die Pflicht mich in eine Welt voll Leiden führe, daß sie mich aller Freuden des Lebens beraube, daß sie mir Tage der Verläugnung bereite, vor welchen die Sinnlichkeit erbebt und spricht: sie gefallen mir nicht." Ich Thor, der ich nicht einsah, daß die reinsten Freuden mit einem ruhigen Gewissen, mit stillem Bewußtsein guter Handlungen verknüpft sind, daß mit jedem Siege über meine Lieblingsfeier Ruhe und Heiterkeit und neues, freudiges Vertrauen auf meine sittliche Kraft in meiner Seele sich ausgießt, und daß die öftere Ausübung der Pflicht selbst Liebe zur Pflicht und Freude am Guten erzeugt. 11 Erforschung des Gewissens. Das Erste, was ich nun zu thun habe, der Grundstein des neuen Gebäudes, welches ich jetzt aufzuführen gedenke, ist eine strenge Prüfung meiner selbst. Wenn wir uns selbst richten, sagt uns der heilige Apostel, so werden wir nicht in Deine Richterhände fallen, o Gott! 48 Dieser Ausspruch zeigt mir die Nothwendigkeit an, mit mir selbst in's Gericht zu gehen, aber auch die strenge Unparteilichkeit, welche ich dabei handhaben soll. Oftmals habe ich mich geprüft, aber ich wendete meine Augen auf die Seite, um nicht zu sehen, was ich nicht sehen mochte. Ich war streng, wo es mir keine Mühe, keine Verläugnung fostete, aufzuräumen; ich war gelinde, wo es mir wehe that, mich schuldig zu finden. Wirst Du o Gott! auch so parteiisch für den Sünder sein am Tage Deines Gerichtes, wie er selbst in den Tagen seiner noch möglichen Besserung ist? Wirst Du wohl einen anderen Maßstab seiner Beurtheilungen annehmen, als die Heiligkeit, die Du ihm zum Ziele seines Ringens und Strebens vorstecktest, und den Umfang seiner Pflichten, die ihm seine Vernunft und das Evangelium mit so hellen, unzweideutigen Zügen vorzeichneten? So will denn auch ich bei dem Gerichte, welches ich über mich halte, und bei der Prüfung, welcher ich mein Herz unterwerfe, diesen Maßstab, diesen einzigen Maßstab meiner Gesinnungen und Handlungen gelten lassen. Wie Du dereinst richten wirst, o Gott! so will ich mich selbst richten. Wie Du - 49 Herz und Nieren der Menschen erforschest, wie Du alle Heimlichkeiten des Gemüthes an's Licht hervorziehest, so will ich auch in dem Verborgensten nachspüren und es aus der Finsterniß, welche die Eigenliebe darüber streuet, mit schonungsloser Strenge hervorziehen.( Hier folgt die Prüfung seiner selbst nach dem gegebenen Unterrichte.) Nach der Gewissenserforschung. Wenn ich, o Gott! was mir der strenge Blick in mein Herz kund gemacht hat, zusammenfasse, was finde ich Anderes, als daß ich noch immer unter der Uebermacht der Sinnlichkeit stehe, daß das Herz, anstatt das Gesetz der Vernunft überall zu ehren, der Vernunft Gesetze vorschreibe und die rechtmäßige Gebieterin der Geister zur Dienerin der Neigungen herabwürdige! Ich finde überall die traurigen Spuren jener Gebrechlichkeit an mir, die selbst bei der lebhaftesten Erkenntniß des Guten, selbst bei aller Liebe und Achtung für das Gute, in eben dem Augenblicke, wo ich theuere Vorsätze der Tugend ausspreche, mich verleitet, daß ich schlimme Werke der Begierlichkeit vollbringe. Mein Geist heißt mich das Gute wählen. Sehnt sich, o Gott! so heiß nach Dir; Allein das 4 Bete und vertraue. 50 Fleisch verführt den Willen; Macht ihn den Sinnen unterthan; Strebt ihre Lüsternheit zu stillen, Und schmiegt sich, ach! an Sünde an. Die Beichte. So will ich denn jetzt, o mein Gott! jenem theuren Freunde mich nähern, dessen leitende Rathschläge meinen redlichen Vorsätzen zu Hilfe kommen, welcher das Werk meiner Besserung durch die weisen Lehren und Zusprüche fördert, die er selbst aus der Quelle alles Trostes und aller Stärke, aus dem Evangelium schöpft. Ich nenne ihn meinen Freund, um die Größe meines Vertrauens und die Aufrichtigkeit meiner Selbstanklage zu bezeichnen. Wie sollte ich vor ihm erschrecken, seinen Blick und meine Verirrun. gen scheuen, mich vor seiner warnenden Stimme fürchten? Wie könnte ich ihm meine Fehltritte ver hehlen und sogar mit verdächtiger Eilfertigkeit aus seiner Gegenwart zu entkommen suchen? Dies sind Merkmale eines Sünders, welchen nur das Gebot und die Furcht der Strafe in den Beichtstuhl jagt, welcher seine Neigungen gegen die Anstalten seiner Besserung in Schutz nimmt, und indem er durch den Schein des Büßenden sich und Andere zu täuschen sucht, die schlimme Sache seines verdorbenen Herz ns zu retten bemüht ist. 51 Nein, er soll in das Innerste meiner Seele schauen, wie ich mich selbst erkenne, soll er mich erkennen; was mir die Selbstprüfung entdeckt hat, will ich auf's Neue einer Prüfung unterwerfen, damit seine Liebe mir das Beste rathe, seine Weisheit meinen Bedürfnissen gründlich abhelfe, der Ernst seiner Ermahnungen meinen Entschlüssen neue Stärke mittheile. Was Andere fliehen, seine Lehren, will ich aufsuchen; was Andere bemänteln, ihre Fehler, will ich auf allen Seiten in's Licht setzen; worüber sich Andere entrüsten, seine freundlichen Verweise will ich als Wohlthaten mit Dank annehmen, und wie Maria die Worte ihres Sohnes, so will ich die Worte dieses Engels des Friedens in meinem Herzen aufbewahren, sie in den Augenblicken der Versuchung mir selbst vergegenwärtigen und durch Rückerinnerung an dieselbe meinen Muth und meine Liebe zum Guten stärken. Amen. Gebet nach der Beichte. Vergebung der Sünden. Indem ich jetzt, o Gott! alle Heimlichkeiten meines Gewissens in den Busen meines Beichtvaters, meines geistlichen Freundes, ausgeschüttet, meine Selbstanklage vollendet und mich der unparteiischen Führung eines mit Einsicht und 52 Liebe begabten Gewissensrathes übergeben habe; o, wie finde ich mich im Herzen erleichtert, welch' eine süße Ruhe und Heiterkeit breitet sich in meiner Seele aus! Mich quälen nicht mehr die traurigen Fragen: Wird auch das Mißfallen Gottes über meine vorigen Fehltritte auf hören? Wird mir Gott meine Sünden vergeben? Wird er dem gebesserten oder nach Besserung strebenden Sünder Seine Freundschaft wieder schenken? Jesus Christus hat uns belehret, daß Seine ewige Vaterliebe, o Gott, nicht den Tod des Sünders wolle, sondern daß er sich bekehre und lebe. Darum kam dieser göttliche Lehrer in die Welt, um durch Seine Lehren und Sein Beispiel uns den Weg des Heils zu zeigen, und durch Sein Leiden und Seinen Tod unser Heil zu vollenden. Er lehrte uns, daß Du, o Gott! ein Geist, und in der Wahrheit angebetet werden willst, daß Du mit Liebe und Freude dem Sünder entgegenkommst, wenn er sich, von besseren Gesinnungen belebt, mit Reue über seine Vergehungen und mit einem guten Willen, mit redlichen Vorsätzen der Besserung, zu Dir wendet, wenn er ein aufrichtiges Bestreben an den Tag legt, vom Bösen abzugehen und in's Gute einzutreten, den alten 53 Menschen auszuziehen, und einen neuen, nach Deinem Sinne geformten, nach Deinem Gesetze handelnden Menschen anzuziehen, wenn er selbst vor der Verläugnung, die ihm seine besseren Entschlüsse zuzichen, und vor der langen Reihe von Beschwernissen und Kämpfen nicht zurückbebt, die ihm beim Antritte dieser neuen Laufbahn vielleicht bevorstehen, wenn er damit vielmehr ein Opfer seiner Aufrichtigfeit und den alten Menschen gleichsam zur Strafe überliefert. Uns von diesen Worten recht lebhaft zu überzeugen, trat er Sein beschwerliches Predigeramt an. Uns Deiner Vaterliebe, o Gott, immer näher zu rücken, uns der Vergebung der Sünden würdiger und für wahre Glückseligkeit cmpfänglicher zu machen, war der Zweck Seines Erdenlebens. Diesen auszuführen, litt Er so viel und beschloß Seine Leiden sogar mit einem großartigen Tode, welchen uns die Schrift als ein Lösegeld, als ein Versicherungsopfer für das Menschengeschlecht schildert, vermöge dessen wir Vergebung der Sünden und Rechtfertigung erhalten. Ja, Er starb und nahm durch einen Tod die Strafen der Sünde auf sich, Er starb und versicherte uns durch Seinen Tod von 54 Deiner Versöhnlichkeit, von Deinem ewigen, unveränderlichen Willen, bußfertige und sich bessernde Sünder nicht ewig dem Gefühle ihres marternden Gewissens zu überlassen; Er benahm uns alle Furcht vor Dir, als vor einem zornigen, Rache drohenden Wesen, und flößte uns auf dem Wege unserer Besserung Muth, Zuversicht und Freudigkeit ein. Ja, Er starb und gab uns durch Seinen Tod, als einem Dir wohlgefälligen Opfer, die beste Beruhigung im Leben und im Sterben, und machte auf einmal allen willkürlichen Opfern und Versöhnungen ein Ende. Er stellte sich als Mittler zwischen Dir und uns schwachen Geschöpfen dar, damit uns der unermeßliche Abstand zwischen Dir, dem Heiligen und Gerechten, und uns, den fündigen, aber reuigen Menschen, nicht er schrecke und vor Dir zurückscheue. Nun können wir, bei allem Gefühle unserer Schwachheit und Fehlerhaftigkeit, getrost vor Dir erscheinen, und uns Deiner, als eines verschonenden, gütigen Vaters freuen, sobald wir den Weg der Sünde verlassen, und uns mit jenem reuevollen Sohne aufmachen, und gleichsam die Schwelle des väterlichen Hauses wieder betreten. 55 Communion- Gebete. Vor der Communion. eer Ich habe, o mein Gott! meine Lebensart, meinen Sinn umwandelt, ich habe h. Entschlüsse gefaßt, ich habe die Größe und Schädlichkeit meiner bösen Gewohnheiten zerbrochen, ich habe ein neues Leben angefangen, welches in Dir, o Gott! nach Deinem heiligen Gesetze gebildet sein soll. Welche Handlung der Religion könnte ich wohl schicklicher an diese Erneuerung meines innern Menschen anknüpfen, als die Feier und den Genuß des heil. Abendmahls. Wie kann ich meinen besseren Entwürfen mehr Nachdruck und Leben ertheilen, als indem ich mich jetzt an alle guten Christen anschließe und meinen Geist durch jenes geheiligte Liebesmahl stärke, in welches auf eine würdige Weise und nach einer strengen Prüfung genossen, der Stifter des Christenthums gleichsam alle Triebfedern des Guten und alle Kraft seiner Religion hinterlegt hat? Jo, o mein Gott! ich bin fest überzeugt, daß zur Unterstützung meiner guten Vorsätze, zur Befestigung meines Willens auf dem jetzt betretenen Wege des Heils feine firchliche Handlung für mich rührender und wichtiger sein könne, als diese 56 Feier, dieser Genuß des heiligen Abendmahles. Keine öffentliche Religionshandlung, nach dem Geiste Jesu verrichtet, fordert von mir so reine Gesinnungen, eine so aufrichtige Reue über meine Fehltritte und Schwachheiten, eine so willige und unzweideutige Annahme besserer, vom Christenthume gebilligter Grundsätze, eine so unbedingte und über Alles sich erstreckende Lossagung von der Herrschaft der Sinnlichkeit, als die, zu welcher ich mich jetzt vorbereite! Da- da erinnere ich mich auf's Neue an die Wahrheiten der Religion, welche mir Verläugnung böser Neigungen und Lüste und einen ernsthaften Kampf für die Tugend zum Gesetze machen. Da fühle ich auf's Neue die schimpfliche Erniedrigung, in die mich die Sünde stürzt, und hingegen die ganze Würde der Tugend und des Tugendhaften in dem Andenken des großmüthigen, menschenfreundlichen Jesu! da verbinde ich mich ja auf's Neue zur Sinnesähnlichkeit mit Christo, meinem Meister und Herrn! da bekräftige ich durch meine Theilnahme an dem Leibe und Blute Jesu auf's Heiligste die guten Vorsätze, die ich in der Stunde meiner Selbstprüfung und meiner Lebensbesserung entworfen habe, das wichtige Gelübde, das mich als Schüler Jesu zur Beförderung 57 der Wahrheit und Tugend in mir und Andern verpflichtet, da werde ich durch die heil.Speise, die ich in Gesellschaft so vieler redlicher Jünger Jesu empfange, an die ehrwürdige Verbrüderung, an die geistliche Gemeinschaft erinnert, in welcher ich mit meinem Oberhaupte Jesu stehe, und welche mir die heiligste Verpflichtung auferlegt, nicht nur allein grobe und selbst vor den Menschen entehrende Laster zu fliehen, die das Christenthum nicht einmal genannt wissen will, sondern auch solche täglichen Fehler und Uebertretungen zu meiden, die den Sinn des Christenthums allmälig schwächen, den Eifer im Guten hemmen, der strengen Verbindlichkeit des Gesetzes Milderung und Ausnahme verderblicher Grundsätze und Maximen vorbereiten. Jesus war am Ende seiner Laufbahn, hatte das Geschäft vollendet, das ihm von Dir, o Vater im Himmel! auferlegt war, hatte Deinen Namen den Menschen verkündigt, Alle durch die Last ihrer vorigen Ausschweifungen, ihrer verderblichen Gewohnheiten niedergedrückten Seelen zu der viel leichtern Bürde des sittlichen Gesetzes zurückberufen, und die Lehre der Tugend, des wahren menschlichen Wohles in den Herzen seiner Schüler gegründet. Schon saß 58 ?? 11 Er zum letzten Male mit seinen Jüngern zu Tisch, da nahm Er Brot, verrichtete ein Dankgebet darüber, brach es in Stücke und gab's Seinen Freunden. ,, Effet," sprach Er, das ist Mein Teib, der für euch hingegeben wird. Thut fünftig ein Gleiches zu meinem Andenken!" Alsdann nahm Er auch den Kelch, segnete ihn und gab ihn den Jüngern, welche insgesammt davon tranken. Dieser Kelch," sprach Er, ist der neue Bund in Meinem Blute, welches für euch und Viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird. So oft ihr ihn trinket, thut es zu Meinem Andenken! So oft ihr euch gemeinschaftlich versammelt, euch als Christen, als Bekenner Meiner Lehre versammelt, so thut ein Gleiches und erinnert euch dabei an Mich, an euern Meister und Herrn, der Seinen Leib für euch hingab, Sein Blut für euch vergoß. Fühlet, wie groß und ehrwürdig die Verbindung sei, in welche ihr jetzt als Meine innigsten Freunde eintretet, die, mit Meinem Geiste vertraut, nie anders denken und handeln dürfen, als wie Ich selbst gedacht und gehandelt habe. Fühlet, wie wichtig auch diese Religion sein müsse, für deren Wahrheit und Gemeinnützigkeit Jch mit meinem Leben, und mit der Aufopferung alles Dessen, 59 was einem Menschen lieb und werth sein kann, stehe! Schätzet sie nach dem Maße ihres innerlichen Werthes, denn sie ist die Religion der Liebe! sie lehrt Gott nur allein durch Tugend zu ehren." O Gott! so sprach Jesus zu Seinen Jüngern. So spricht Er auch zu mir, wenn ich die Feier des Abendmahles, welches Er in jener schauerlichen Nacht mit ihnen hielt, erneuere! Auch an mich sind Seine freundschaftlichen Beschwörungen, Seine ernsten Ermahnungen, Seine liebreichen Worte: ,, Nehmet und cffet!" gerichtet; auch ich soll an der Wohlthat Seines Todes, an dem Bunde, den Er mit Seinem Blute versiegelt hat, Theil nehmen; auch ich soll durch den Genuß Seines Leibes und Blutes in die Zahl Seiner innigsten Freunde eintreten, und einmal in diese ehrwürdige Gesellschaft eingeweiht, nie von dem Geiste abweichen, von welchen sie belebt und beherrscht wird. So will ich denn hiezu nahen zum Tische des Herrn, und in dieser schönen, rührenden Stiftung neue Kraft zur Ausführung meiner besseren Vorsäge, neuen Muth zur Bekämpfung meiner eingewurzelten Schwachheiten und neue Liebe zu allem Guten, zu Allem, was wahr, was TAW 60 wohlanständig, was gerecht, was heilig, was liebenswürdig ist, schöpfen. Amen. Nach der Communion. Dies thut zu einem Andenken. Ja, großer Gott, jetzt, da ich den Leib, der für mich dahingegeben, das Blut, das für mich vergossen ward, sah, will ich mich an meinen Meister und Herrn erinnern. Erinnern will ich mich Seines großmüthigen, Seines menschenfreundlichen Todes, wie viel Jesus für die Wahrheit that, wie viel er für die Tugend litt, wie einzig ihm das Wohl der Menschheit am Herzen lag! Möchte diese andächtige Erinnerung einen gleichen Eifer für Wahrheit, für Tugend und Menschenliebe in meinem Busen erzeugen! Ist mir auch die Wahrheit, wenn sie meine Fehler verdammt, meine Neigungen und Begierden zu bezähmen gebietet, so ehrwürdig, wie sie meinem Religionsstifter war; ich fühle mich auch, wie Er, aufgelegt, meine eigenen niedrigen Vortheile zu verachten, der Pflicht, die ich erkenne, alle Neigungen, die mich zur Uebertretung derselben anlocken, aufzuopfern und mit Hintansetzung aller Selbstsucht edelmüthige, zum Wohle meiner Mitmenschen abzweckende Werke zu verrichten? Bin ich bei den Beschwernissen, 61 die sich auf dem Wege der Tugend zeigen, eben so standhaft und unerschütterlich wie er? Bin ich auch fähig, um der Rechtschaffenheit willen, zu welcher ich mich bei meiner heutigen Beichte auf's Neue, auf's Ernstlichste entschlossen habe, Alles zu dulden, um lieber dem Leben als der Tugend zu entsagen, wie Jesus? So, großer Gott! will ich mich jetzt selbst bei dieser schönen Todesfeier Jesu fragen. Ich bin ein Christ! der Schüler eines göttlichen Mannes, der mir so herrliche Lehren gab, die ich bisher nicht genug beherzigt habe, der mir so heilsame, so wohlthätige Grundsätze einflößte, von welchen ich leider, durch meine Sinnlichkeit verführt, mehr als einmal abfiel, und dafür der Stimme zügelloser Neigungen folgte; der mir in seinem eigenen Leben so rührende Beispiele seiner Grundsätze hinterließ, ob ich mich gleich mehr durch Beispiele verdorbener Menschen und die Sitten, welche die Gewohnheit, nicht die Vernunft rechtzeitig beherrschen ließ. O! ich bin Christ, ich feiere so oft das Liebesmahl meines Lehrers; gehöre ich aber nicht unter die unwürdigen Gäste am Tische des Herrn, wenn die Erinnerung an Jesus nichts Heiliges in mir zurückläßt? wenn 62 ich ohne seinen Geist und seine schönen Gesinnungen von seinem Abendmahle zurücktrete? wenn ich dabei nichts von dem Eifer für Tugend cinathme, mit welchem er ganz bescelt war? wenn ich dadurch nicht im Guten wachse, dessen Ausbreitung und Wachsthum auf Erden das Geschäft Jesu war? So will ich denn die Erinnerung an Jesu Leben und Tod nicht unfruchtbar für mich sein lassen. Was ich bisher über meine vorigen Fehltritte gedacht, erforscht und beschlossen habe, soll in dieser Stunde cine neue Stärke durch die Erinnerung meines Taufbundes erhalten. Ich bin auf Jesu Lehren getauft, alle gottesdienstlichen Handlungen des Christenthums bringen mir dieselben in's Gedächtniß, vorzüglich diese Feier des heil. Abendmahles; den Bund, den ich mit Dir, o Gott, schon durch meine reumüthige Beichte, nach dem Geiste Jesu erneuert habe, will ich durch dieses heil. Gedächtnißmahl noch mehr befestigen! Welch' ein Jünger Jesu wär' ich auch, wenn ich in der Folge meiner Tage wieder der alte gebrechliche und sündhafte Mensch würde? wo blieben meine Vorsätze? Wie müßte ich meines Wankelmuthes und meiner Schwachheit wegen 63 mich schämen! Mit welcher Selbstverachtung würde ich mich anschauen, wenn ich jetzt voll guter Gesinnungen bald die alte Anhänglichkeit an meine Lieblingsfeier wieder an den Tag legte, wenn ich jetzt, ein Tischgenosse des Heilandes, ein Theilnehmer an seinen Grundsätzen, an seiner Liebe zur Tugend, bald alle diese Grundsätze der Vergessenheit übergeben, und künftiges Leben mit neuen Sünden besudeln wollte! Wie würde ich mich selbst erniedrigen, wenn ich meine Freiheit als eines sittlich guten Menschen auf's Neue für die Sclaverci dahingäbe, die ich mir durch sündhafte Handlungen auf. bürde! Ich, durch eine lange Reihe von Bemerfungen über mich selbst, durch ernsthafte Entschließungen, durch kräftige Maßregeln ciner Besserung über mich selbst erhoben; ich durch diese Theilnahme an dem Leibe und Blute Jesu mit allen trefflichen Gesinnungen des Christenthums erfüllet, und wie mit einer neuen Seele und einem neuen Herzen ausgerüstet, sollte ich für ihn etwas anderes thun können, als emporstreben zur Höhe meines Berufes als Mensch und Christ? Dies ist mein ernstlicher Wille, dies ist mein ewiger unveränderlicher Bund mit Dir, 64 o Gott! Dies ist der Anfang und das Ende der heiligen Handlung, die ich jetzt nach Anleitung meiner heiligen Religion und unter der freundlichen Führung eines erleuchteten Gewissensrathes vollbracht habe. Ehe ich aber, o mein Gott! dieses heilige Haus verlasse und in die mir von Deiner heiligen Vorsehung bezeichnete Laufbahn zurückkehre, will ich noch jene Worte des heiligen Paulus beherzigen, und gleichsam als den passendsten Denkspruch für meine in der heiligen Beichte angefangene, durch das heilige Abendmahl bestätigte Sinnesänderung in mein Gedächtniß und in mein Herz einschreiben: Brüder, ist es euch unbekannt, daß Diejenigen, die auf der Laufbahn laufen, zwar Alle laufen, aber nur Einer trägt den Preis davon? Ach, wie viele Christen, ihr Name ist Legion, beginnen das Werk, welches ich jetzt unternommen habe; sie beichten, machen Vorsätze eines heiligen Lebens; sie durchlaufen eben die Bahn einer dem Scheine nach ernstlichen Sinnesänderung, die ich jetzt durchlaufen habe. Zwar Alle laufen, aber wie Wenige tragen den Preis davon! Bin ich vielleicht auch einer jener Unglücklichen, welche in Mitte des Laufes ermüden, und durch die Beschwer 65 lichkeit des Kampfes zurückgescheucht, den Muth und mit diesem den Preis der Beharrlichkeit verlieren. Laufet so, daß cuch der Preis zu Theil werde! Nicht die Beschwerlichkeit des Laufes, nicht das ferne Ziel des Weges soll mich in meinen Fortschritten zur Heiligkeit stören. Wenn es Mühe kostet, seine Lüste zu besiegen und, aller äußerlichen und innerlichen Versuchungen ungeachtet, dennoch den Pfad der Tugend nicht zu verlassen, so muß eben die Tugend, nach welcher ich strebe, und die Siegeskrone, die mir zu Theil wird, mich aufrecht erhalten. Die Wettläufer enthalten sich von Allem, was ihre Kräfte schwächt, und dies nur eines. vergänglichen Preises wegen; wir aber kämpfen um ein unvergängliches Gut. Dies soll uns zum Beispiele dienen, damit wir ja der Lust zum Bösen entsagen, durch welche wir irregeführt, eine so harte Strafe dulden müßten. Ja, o mein Gott! Der Vorzug meiner Religion soll mich nicht blenden, das Licht des Evangeliums, in welchem ich wandle, soll mich nicht stolz machen und mir den Wahn einflößen, daß es schon genug sei, zu glauben, um selig zu werden. Diese strengen Betrachtungen, auf Bete und vertraue. 5 66 welche mich jetzt die Worte des heiligen Paulus führen, sollen gleichsam der heilige Stachel sein, den ich in mein Herz eindrücke, um mein Heil in Furcht und Zittern zu erwirken. Sie sollen der Denkspruch sein, mit welchem ich mir die ganze Wichtigkeit der heute beschlossenen Selbstbesserung versinnliche, sie sollen mich auf allen meinen Wegen gleichsam begleiten und meine Begierden im Zaume halten, wenn sie mich vom Pfade der Tugend ablenken wollen, meinem Muth Beharrlichkeit mittheilen, wenn er zu sinken beginnt, und mir den Lauf zu einem hohen Zwecke erleichtern helfen, welcher ist: ein heiliges, ein gerechtes Leben, in welchem ich nicht nur meine Würde und sittliche Vollenmung finde, sondern auch die Würdigkeit zu jener unvergänglichen Seligkeit, die ich dann von Dir, o Gott! dem Gesetzgeber der vernünftigen Geschöpfe, dem Richter ihrer Gesinnungen und Thaten, und dem Bergelter ihrer guten und bösen Handlungen, zu erwarten habe. Amen. Fromme Bitte an den Erlöser. Vom heiligen Bonaventura. O, Herr Jesus Christus, verwunde denn dein Herz durch Deine heiligen Wunden, und 67 tränke und erfülle mein Inneres ganz mit Deinem Blute, daß Du, der Gekreuzigte! mir voran überall und immer gegenwärtig seieſt, wohin auch mein Blick sich richtet, und daß Alles nur in Deiner Blutfarbe mir erscheine, damit ich ganz in Dich versenkt, nichts mehr finde, als Dich allein, und nichts erschauen und sehen wollte, als Deine Wunden! Für Dich zu leiden o Herr, und mit Dir zu sterben, sei mein einziger Trost, sei die immerwährende Betrachtung und Sehnsucht meiner innigsten Liebe. — Nicht ruhe mein Herz, o gütigster Jesu! es ruhe denn in Dir, denn nur wehe kann mir sein ohne Dich, Du bist ja die Kraft des Allmächtigen, und glückselig kann ich einzig nur in Dir sein, Du Ursprung der ewigen Seligkeit! Jesus, Dir lebe ich; Jesus, Dir sterbe ich; Jcsus, Dein bin ich todt und lebendig. Amen. Vater unser, Ave Maria. Meßgebet für Abgestorbene. Im Namen Gott des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes will ich mit dem Priester mich dem Altare nähern, und dem 68 ewigen Vater Seinen eingebornen Sohn, welcher am Kreuze für die gesammte Menschheit sich aufgeopfert hat, für die Ruhe meiner verstorbenen Brüder und Schwestern N. N. zum Opfer bringen. Aber ich bin selbst ein Sünder; ich muß selbst vor Gott, der ein reuevolles Herz nicht verschmäht, mich als einen strafbaren Sünder anklagen, und bei dem Bewußtsein meiner zahllosen Sünden um Barmherzigkeit flehen. Ich bekenne daher mit dem Priester vor Gott dem Allmächtigen und vor allen Heiligen, daß ich sehr oft gesündigt habe, mit Gedanken, Worten und Werken. Ich erkenne meine Schuld - meine Schuld- meine große Schuld. Darum bitte ich die allerheiligste, allzeit unversehrte Jungfrau Maria, alle Heiligen und den ehrwürdigen Priester, daß sie zu unserm Herrn und Gott um Gnade für mich flehen. Der allmächtige Gott erbarme sich unser; Er vergebe uns unsere Sünden und führe uns zum ewigen Leben. Der allmächtige und barmherzige Gott verleihe uns seine Huld und eine gänzliche Nachlassung unserer Sünden. Wir sind von Scham und Reue gebeugt, o Gott! Sieh' uns gnädig an, und richte uns - 69 wieder auf, damit wir mit beruhigtem Geiste vor Dir erscheinen, und mit vereinigten Herzen dieses Opfer für die Verstorbenen Dir darbringen können. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr! erbarme Dich unser! Christe, crbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Und sieh' gnädig herab auf Dein gläubiges Volt, das im Vertrauen auf Deine Güte für seine verstorbenen Brüder und Schwestern N. N. um Barmherzigkeit zu Dir ruft. Zur Epistel. , Brüder sehet, ich sage euch ein Geheimniß: Wir werden zwar Alle auferstehen, aber wir werden nicht Alle verwandelt werden. Plötzlich, in einem Augenblicke, auf den Schall der letzten Posaune; denn die Posaune wird ertönen, und die Todten werden unverweslich auferstehen, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß die Unver. weslichkeit anziehen, und das Sterbliche die Unsterblichkeit. Wenn aber dieses Sterbliche die Unsterblichkeit angezogen hat, dann wird das Wort vollzogen werden. Der Tod ist verschlunTA 70 gen in dem Siege. Tod, wo ist dein Sieg?- Tod, wo ist dein Stachel?- Gott sei aber Dank, der uns den Sieg verliehen hat, durch unsern Herrn Jesum Christum." Zum Graduale. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. In cwigem Andenken wird der Gerechte sein, er wird sich nicht fürchten vor bösem Gerichte. Erledige, o Herr! die Seelen aller Christgläubigen von allen Banden der Sünden, auf daß sie durch Mitwirkung Deiner Gnade dem Gerichte Deiner Vergeltung entgehen, und der Seligkeit des ewigen Lichtes genießen mögen. Sequenz( Dies irae). Tag des Zornes, Tag der Zähren, Wird die Welt in Asche kehren, Wie Sibyll und David lehren. Welch ein Zittern und Erbeben, Wird im Glanz der Richter schweben, Streng zu richten Aller Leben! Hier wird die Posaune klingen, Wird durch ferne Grüfte dringen, Alle vor den Thron zu zwingen. Die Natur, der Tod sicht bebend, Das Geschöpf der Gruft entschwebend Und dem Richter Antwort gebend. Und ein Buch erscheint zur Stunde; Dies, entfaltend jede Kunde, Liegt dem Weltgericht zum Grunde. Sitt der Richter zu Gerichte, Kommt das Heimlichste zum Lichte, Daß er rächend Alles schlichte. Wie werd' Aermster ich bestehen? Ach! zu welchem Schirmer flehen, Da faum Fromme sicher stehen? König schrecklicher Gewalten! Treu ist Deiner Gnade Schalten: Wollest huldvoll mich erhalten. Denke, Jesus! meiner Klage; Mir galt Deine Lust und Plage; Schirme mich an jenem Tage. 71 Du hast mich gesucht von Herzen, Mich erlöst am Kreuz in Schmerzen; So viel Huld lass' nicht verscherzen. 72 Richter, der Du Recht wirst sprechen, O! erlaff' mir die Verbrechen, Eh' der Tag erscheint zu rächen. Strafbar, seufz' ich auf mit Bangen: Schuld sie röthet meine Wangen; Lass' mein Flehen Huld erlangen! - Der Marien Du vergeben, Und den Schächer riefst in's Leben, Hast auch Hoffnung mir gegeben. Zwar nicht würdig ist mein Flehen; Doch, in ew'gen Feuers Wehen, Milder, lass' mich nicht vergehen! Lass' in Deiner Schafe Schaaren, Fern den Böcken mich bewahren, Und zu Deiner Rechten fahren. Rufe, wenn Vermaledeite Flammen sich zur Qual bereiten, Mich mit den Gebenedeiten. Tief zerknirscht im Staube, wende Ich zu Dir mein Herz! o spende Mir, o Gott! ein selig' Ende! Tag der Thränen- nie gesehen Wo der Mensch wird aufersteh'n, Schuldvoll zum Gericht zu gehen! Gott verschon'!- Der Gnad' ihn weihe, Milder Jesu, Herr, verzeihe, Und den Todten Ruh' verleihe! Amen. 73 Bei dem Evangelium. O mein Jesu! nur mit Furcht und Zittern kann ich an jenen fürchterlichen Tag denten, an welchem der Posaunenschall alle Menschen aus ihren Gräbern hervorruft, und unser verwesliches Fleisch die Unverweslichkeit, und unser sterblicher Leib die Unsterblichkeit anziehen wird Tag des Schreckens, an welchem Sonne, Mond und Sterne vom Himmel fallen und die Ewigkeit ihren Anfang nimmt. Ach! mit welcher Furcht und Angst werden wir Dich, den Richter der Welt, auf den Wolken kommen sehen! Welches Beben wird meine Seele erfüllen, wenn meine geheimsten Thaten vor Dein Gericht gezogen werden!- Wie werde ich Sünder dort bestehen, wo selbst die Auserwählten in banger Erwartung zitternd harren? Ach, zu wem kann ich da meine Zuflucht nehmen? Zu wem soll ich dann fle— - - 74 hen, als zu Dir, dem schreckbaren Könige, dem furchtbaren, strengen Richter? Aber, o Herr! ich will nicht warten bis zum Tage der Rache; ich will heute schon meine Schuld vor Dir bekennen. Jetzt, in dieser Stunde des heil. Opfers, jetzt, wo Du, o Lamm Gottes! auf's Neue für unser Heil Dich Deinem himmlischen Vater dargibst, jetzt werfe ich mich, von Reue durchdrungen, zu Deinen heiligen Füßen, und flehe um Vergebung meiner Sünden. O göttlicher Richter! um Seines Leidens und Todes willen führe mich zum ewigen Leben! denn nur Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und Niemand kommt zum Vater, als durch Dich. Darum, o Jesu! o Licht der Welt! leuchte mir durch die Finsternisse dieses Lebens, leite mich auf dem Wege der Wahrheit zum ewigen Leben, und führe auch die Herzen der Verstorbenen aus dem Fegefeuer zur Ruhe, wo sie Dich sammt dem heiligen Geiste als den wahren Gott anbeten, sehen und lieben werden in Ewigkeit. Amen. Nach dem Evangelium. Unser Herr Jesus Christus, Herr der Herrlichkeit! bewahre die Seelen aller Gläubi 75 gen vor Bein und Qual! Der heilige Engel Michael überbringe sie zum himmlischen Lichte, das Du vormals dem Abraham und seinen Nachkommen versprochen hast. Opferung. Nimm, heiligster Vater, allmächtiger Gott! dieses Opfer gnädig auf, welches wir, Deine unwürdigen Diener, Dir, unserem wahren und lebendigen Gott, in tiefster Ehrfurcht darreichen. Es sei Dir, nachdem es verwandelt worden, cin Opfer für unsere unzähligen Sünden, Beleidigungen und Nachlässigkeiten, ein Opfer für alle Anwesenden, für die lebendigen und verstorbenen Mitchristen, damit es Allen zum Heile gereiche, und sie des ewigen Lebens theilhaftig werden. Amen. O Gott! der Du dem Menschen so viele Vorzüge geschaffen, und, als er sie verloren hatte, ihm dieselben auf eine so wunderbare Weise wieder ersetzet hast, lass' uns die Mischung des Wassers und Weines, welche am Altare geschehen ist, eine freudige Bedeutung sein, daß wir der Gottheit desjenigen theilhaftig werden, der sich gewürdigt hat, unsere Menschheit anzunehmen, welcher ist Jesus Christus, Dein 76 Sohn, unser Herr, der mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert. Amen. Hochheilige Dreifaltigkeit! sieh' diese Opfergaben gnädig an, die wir Dir im Andenken an das Leiden und Sterben, an die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi darbringen. Wir erinnern uns auch in Ehrerbietung der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen; erfreue auch sie durch dieses Opfer, und begnadige uns durch dasselbe. Amen. Sieh', o Herr! nach Deiner Versöhnungsliebe mit Wohlgefallen auf diese Gaben, welche wir Dir für die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin) N. darreichen; reinige sie um des Geheimnisses willen, welches am Altare vollbracht wird, damit sie würdig werde, an Deiner Herrlichkeit Theil zu nehmen durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste in einer Gottheit ewig lebt und herrscht. Amen. Bur Präfation. Zu Dir, o Gott! erheben wir unsere Herzen und sagen Dank Deiner göttlichen Majestät. Es ist in Wahrheit billig, rechtmäßig und heilsam, daß wir jederzeit und an allen Orten Dir, 77 o heiliger Herr! allmächtiger, ewiger Gott! Dank sagen durch Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, durch welchen die Engel Deine Majestät loben, die Himmelsfürsten sie anbeten, die Mächte vor ihr erzittern, die Himmel und alle Himmelskräfte und die seligen Seraphim mit cinhelligem Frohlocken sie preisen. Mit ihnen lass' auch unsere Stimmen zu Dir gelangen, die wir in tiefster Ehrfurcht bekennen und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Zum Memento oder Andenken an die Lebendigen. Barmherziger Gott und Herr! sich' an mit gnädigen Augen mich und Alle, die zur Verherrlichung Deines heiligsten Namens bei diesem hochheiligen Opfer zugegen sind. Wir vereinigen unser Gebet, damit es Dir um so wohlgefälliger sei. Mit der Fürbitte der allerheiligsten Jungfrau Maria, der heiligen Apostel, Märtyrer, Beichtiger, Jungfrauen und aller Heiligen! Laff', o himmlischer Vater! dieses 78 Opfer, in welchem Dein eingeborner Sohn sich unblutiger Weise aufopfert, uns zum Heile und zum ewigen Leben gedeihen. Wir bitten Dich auch, o Herr: 1. Daß Du die Vorsteher Deiner Kirche, Deine Diener, den Papst, alle Bischöfe und Seelsorger erleuchten und regieren wollest, damit die Seelen, die ihrer Hut anvertraut sind, fraft Deiner Gnade durch ihre Bemühungen zur Zahl der Auserwählten geführt werden; 2. daß Du die Häupter der Erde, die christlichen Fürsten, welche Deine Ehre wider alle feindlichen Angriffe schützen und befördern sollen, in ihrer Macht stärken, und in Gnaden, Frieden und Einigkeit erhalten wolleft; 3. daß Du unsern Eltern, Verwandten, Freunden und Wohlthätern und allen Lebenden, für welche wir zu beten schuldig sind, zeitliche und ewige Wohlfahrt verleihen wollest. Gib ihnen, o Herr! durch Deine mildreiche Güte, was sie begehren, wenn solches Deiner Ehre nicht zuwider und ihnen heilsam ist. 4. Ferner flehen wir zu Deiner Güte, daß Du alle Sünder zur wahren Buße und Besserung des Lebens bekehren, und Alle, die in schweren Versuchungen sind, mit Deiner fräf 79 tigen Gnade stärken und vor dem Falle behüten wolleft; 5. daß Du alle Ungläubigen zur Erkenntniß des wahren Glaubens berufen wollest. Gedenke, o himmlischer Vater! daß Dein eingeborner Sohn, Jesus Christus, für alle Menschen den bittern Tod gelitten hat, und vorzüglich der Sünder wegen in die Welt gekommen ist. Mache uns Alle Deiner väterlichen Gnade und Barmherzigkeit theilhaftig, damit Dein heiligster Name von Allen gepriesen werde in Ewigkeit. Durch denselben Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zur Wandlung. Sei gegrüßt, o Du mein Heiland und Erlöser, Jesu Christe, meine Hoffnung und meine Zuflucht! Ich glaube, daß Du hier in der Gestalt des Brodes gegenwärtig bist; ich bete Dich an; ich liebe Dich. O Jesu! Der Du am Stamme des heiligen Kreuzes Deinem himmlischen Vater Dich aufgeopfert hast, mache mich theilhaftig der Verdienste Deines heiligen Leidens; erbarme Dich auch der armen Seelen im Fegefeuer, und crlöse sie aus ihren Peinen. 80 Sei gegrüßt, Du wahres und lebendiges Blut, welches aus den Wunden meines Herrn Jesu Christi geflossen ist! O heiligstes Blut meines Erlösers! wasche und reinige mich von allen Sünden. O Jesu, durch die Verdienste Deines heiligsten Blutes erlasse den armen Seelen im Fegefeuer ihre Strafen, die sie Deiner Gerechtigkeit nach verdienen. Herr, erbarme Dich ihrer! Nach der Wandlung. O süßester Jesu! der Du auf dem Altare unter den Gestalten des Brodes und Weines verborgen bist, verleihe mir die Gnade, daß meine Seele, wenn sie vom Leibe scheidet, vor Deinem Richterstuhle rein und unbefleckt er scheine. Erbarme Dich meiner, o Jesu! erbarme Dich meiner, o Jesu! erbarme Dich meiner und lass' Dein bitteres Leiden und Sterben an mir nicht verloren sein, sondern lass' mich einstens Dich unverdeckt mit fröhlichen Augen anschauen, und der Zahl Deiner Auserwählten beigesellt werden. Amen. Die Seele Christi heilige mich, Der Leib des Herrn erlöse mich, Das Blut des Heilands tränke mich, Das Seitenwasser wasche mich, 81 Das Leiden Christi stärke mich: O Herr voll Huld erhöre mich, In Deine Wunden berge mich, Von Dir lass' nimmer scheiden mich, Vor Feindes Grimm beschirme mich, Im letzten Streit berufe mich, Und lass' zu Dir gelangen mich, Daß ich mit Deinen Heil'gen Dich, Mein Jesu, preise ewiglich. Amen. Zum Memento oder Andenken an die Abgestorbenen. Gedenke auch, o mildester Jesu, aller im wahren Glauben aus diesem Leben abgeschiedenen Seelen, besonders.... Lass' ihnen die Kraft und Wirkung Deines allerheiligsten Opfers und die Fürbitte Deiner heiligen Kirche zu Gute kommen; mache sie theilhaftig Deiner unendlichen Verdienste; gieße den Gnadensegen Deines heiligsten Blutes reichlich über sie aus; lösche ihre Glut und lindere ihre Pein. Nimm sie auf von der zeitlichen Strafe zur ewigen Ruhe und Seligkeit, damit sie mit allen Heiligen in Deinem Reiche Dich loben und preisen mögen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiſte lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. Bete und vertraue. 6 82 Zum Paternoster. Bater unser 2c. Erlöse, o Herr! wir bitten Dich, die Seclen Deiner Diener und Dienerinnen, welche jenseits noch nicht Deiner Anschauung genießen, von allen ihren Strafen, deren sie sich in ihrem zeitlichen Leben schuldig gemacht haben, und durch die Fürbitte der seligen, allezeit glorwürdigen Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, wie auch Deiner heiligen Apostel Petrus, Paulus und Andreas und aller Heiligen, verleihe ihnen gnädigst den Frieden, nach welchem sie unablässig seufzen, und mache sie theilhaftig der seligen Freuden Deiner Auserwählten; durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zum Agnus Dei. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, schenke ihnen Rube. D. Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, schenke ihnen die ewige Ruhe. O Tu Lamm Gottes, welches Du hin 83 wegnimmst die Sünden der Welt, schenke ihnen die ewige Ruhe! 3ur Communion. Liebreichster Jesus! weil Du uns mit den Worten zu Dir rufest: ,, Kommet Alle zu mir, die ihr mit Müh' und Arbeit beladen seid, ich will euch erquicken!" darum komme ich mit Demuth und Vertrauen zu Deinem liebevollsten Herzen, und begehre, mich Deines heiligsten Leibes und Blutes bei diesem allerheiligsten Opfer, so viel ich es vermag, theilhaft zu machen und diese Speise der Engel geistiger Weise zu empfangen. Komm', o Jesu! komm' in mein Herz, erquicke und erfülle dasselbe mit Deinem Geiste und Deiner Gnade. O Jesus! Du Leben meiner Seele! verzeihe mir alle Sünden und Unvollkommenheiten; nimm Alles von mir hinweg, was mich von Dir abzieht, und was Deinen reinsten Augen mißfällt. Ich bin verwundet, o Jesu heile mich. Ich bin in Finsterniß, erleuchte mich. Ich bin unwissend, belehre mich. Meine Sünden und Unvollkommenheiten sehe und erkenne ich: o lieber Jesus! befehre mich, führe und regiere mich; bercite Dir eine angenehme WohG - 84 nung in meinem Herzen, und vereinige mich dergestalt mit Dir, daß ich mit Dir vereinigt bleibe bis in Ewigkeit. O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Der Leib unseres Herrn Jesu Chriſti bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. O Jesu! Du Freude und Wonne meiner Secle! Ich umfasse Dich mit heiliger Liebe, als wärest Du wirklich in mir gegenwärtig. Ich bitte Dich durch Deine unermeßliche Liebe, erneuere meinen Geist wieder! entzünde meinen Willen mit dem Feuer Deiner Liebe, und mache ihn Deinem allerheiligsten Willen gleichförmig, damit ich sagen könne: Jch lebe, aber nunmehr nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Wie soll ich Dir, liebreichster Jesu! wie soll ich Dir für diese Gnade danken, daß Du mich Deines allerheiligsten Opfers theil haftig gemacht hast? O Jesu! Alles was in mir ist, soll Deinen heiligsten Namen loben und preisen. Verleihe mir gnädig, daß ich stets in Deiner Gnade und Liebe verharre, und am Ende meines Lebens, mit den heiligen Sterbe facramenten versehen und gestärkt, im wahren 85 Glauben, tröstlicher Hoffnung und in vollkommener Liebe aus dieser Welt scheide. Amen. Nach der Communion. Antiphon. Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr, mit Deinen Heiligen in Ewigkeit, weil Tu gütig bist. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen mit Deinen Heiligen in Ewigkeit, weil Du gütig bist. 3ur lehten Collecte. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest unser demüthiges Gebet den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen zum Nutzen gedeihen lassen, auf daß Du selbe von allen Sünden erledigst, und einer Erlösung theilhaftig machest; der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. V. Sie mögen ruhen in Frieden. R. Amen. Laff' Dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit! den vollbrachten Dienst des Priesters gefallen, und nimm das Opfer, das wir Deiner Majestät dargebracht haben, gütigst an, damit es Allen, für die es dargebracht worden, durch 86 Deine Erbarmung zur Versöhnung gereiche, durch Christum unsern Herrn. Amen. Beim letzten Evangelium. Gerechter und zugleich unendlich barmherziger Gott! Du bist der Vater aller Menschen und liebst uns mehr, als wir es begreifen können. Du strafft die Seelen im Fegefeuer nur aus Liebe und Barmherzigkeit, weil es zu ihrer vollkommenen Seligkeit nothwendig ist. Diese leidenden Seelen sind die Seelen unserer Eltern, Kinder, Geschwister, Wohlthäter, Freunde und Bekannten. O, sieh' huldreich hinab in den Ort ihrer Peinen, und erbarme Dich ihrer! Es sind Scelen, die Dein göttlicher Sohn mit Seinem kostbaren Blute erlöset hat. Es sind Deine Kinder, denen Du der einzige Gegenstand der Sehnsucht und Liebe bist. Vergib ihnen ihre Sünden, o barmherziger Vater! und entziehe ihnen nicht länger Dein Angesicht. Wir opfern Dir zur Genugthuung für ihre Schulden die Verdienste dieses heiligen Meßopfers auf, und die Verdienste des Leidens und Sterbens Jesu Christi, wie auch die Verdienste aller lieben Heiligen, besonders der allerseligsten Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, nimm dieses Opfer 87 in Vereinigung mit unserem Gebete gnädig auf für Alle, denen wir Hilfe schuldig sind, und die eine Hilfe von uns erwarten, wie auch für Jene, deren sich Niemand auf Erden annimmt; denn sie Alle sind Deine Kinder und Miterben des Reiches Jesu Christi. Erbarme Dich also Aller, sei ihnen gnädig, und lass' sie aus dem Orte ihrer Verbannung und Leiden an den Ort der Erquickung, des Lichtes und Friedens gelangen; durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. R. Lass' sie ruhen in Frieden. Amen. Gebet, wenn der heilige Segen gegeben wird. Sei gegrüßt, o gütigster Jesu! Mit Herzlicher Andacht bete ich Dich an, und bitte demüthig um Deinen heiligen Segen, o liebster Jesu! Gleichwie Du gegen Himmel fahrend, Deine heilige Hand aufgehoben und Deine Kinder gesegnet hast, also wollest Du jetzt Deine heilige Hand aufheben und mir Deinen heiligen Segen geben. Segne mich, o mildester Jesu! durch Deine göttliche Kraft und nimm von 88 mir den Fluch, welchen ich mit meinen Sünden oft verdient habe. Drücke Dein heiliges Kreuzzeichen in mein Herz, damit der böse Feind mit allem seinen Anhange von mir fliche und mir keinen Schaden zufügen könne. So segne mich Gott, der Vater, es segne mich Gott, der Sohn, es segne mich Gott, der heilige Geist. Amen. Alebung der göttlichen Tugenden. Der Glaube. Ich glaube an Dich, wahrer, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, der Du Alles erschaffen hast, der Du Alles erhältst und regierest, der Du das Gute belohnest und das Böse bestrafest. Ich glaube, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch seine Gnade uns heiliget. Ich glaube und bekenne Alles, was Jesus Christus gelehret hat, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige römisch- katholische Kirche uns zu glauben vorstellt. Dieses Alles glaube ich, weil Du c8, o Gott! geoffenbaret hast, der Du die ewige Wahrheit und unendliche Weisheit bist, welcher weder betrügen, noch betrogen 89 werden kann. O Gott! vermehre meinen Glauben. Die Hoffnung. Ich hoffe und vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott! daß Du mir durch die unendlichen Verdienste Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi in diesem Leben die Erkenntniß, wahre Reue und Verzeihung meiner Sünden ertheilen, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben und verleihen wirst, Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu lieben und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von Dir die nöthigen Mittel, Alles dieses zu erlangen. Ich hoffe es von Dir, weil Du es versprochen hast, der Du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. Gott! stärke meine Hoffnung. Die Liebe. O mein Gott! ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über Alles, weil Du das höchste Gut, weil Du unendlich vollkommen und aller Liebe würdig bist: auch darum liebe ich Dich, weil Du gegen mich und alle Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich Dich eben so lieben möchte, wie Dich 90 Deine treuesten Diener lieben und geliebet haben; mit deren Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe; vermehre sie in mir, o gütigster Herr! immer mehr und mehr. Weil ich Dich nun aufrichtig und innigst zu lieben wünsche, und es zu thun mich ernstlich bestrebe, so ist es mir vom Herzen leid, daß ich Dich, mein höch stes Gut! welches ich über Alles liebe, meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher erzürnet habe; es schmerzet mich, daß ich gesündiget, daß ich Dich, meinen besten Vater, meinen allmächtigen Herrn und gerechten Richter! beleidigt habe. Ich nehme mir ernstlich vor, alle Sünden sammt allen bösen Gelegenheiten zu meiden, die begangenen Misset haten mehr und mehr zu bereuen, die Bosheit der Sünde öfters zu betrachten, und niemals wider Deinen heiligsten Willen zu handeln; nimm mich wieder zu Deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes. Darum bitte ich Dich durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi. Amen. Gebet zu dem heiligen Schutzengel. ODu, vom ersten Augenblicke meincs 91 Lebens mir durch Gottes Gnade zugewiesener Schutzgeist, Du mein sicherer Führer und Begleiter, mein Schützer und Schirmer- himm hin Deines Schüßlings innigen Dank für die treue Liebe, so Du mir täglich erweisest. Wache fernerhin über mich und mein Leben, tröste mich, wenn ich traurig, stärke mich, wenn ich schwach, rette mich, wenn ich in Gefahr bin; weiche, o heiliger Schutzgeist! nie von meiner Seite, damit ich fern von der Sünde, unschuldig und rein, wie Du vor Gottes heiligem Antlige wandle, in der göttlichen Gnade stets verharre und einst mit Dir und allen heiligen Engeln der Anschauung Gottes in namenloser Wonne in Ewigkeit mich erfreuen möge. Amen. Gebet zu Jesus im allerh. Altars- Sacramente. Nach dem heiligen Augustin. Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, nehmet hin und trinket, das ist mein Blut! ( Matth. 26.) Mein Herr und mein Gott! In Dir soll meine Seele ausruhen, Dich soll sie in heiliger Erhebung des Geistes betrachten, in Jubeltönen will ich singen Dein Lob und preisen Deinen 92 heiligen Namen, und dies sei mein Trost in meiner Entfernung vom himmlischen Vaterland! Losgerissen von dem Gewühle der Weltgedanken, soll mein Geist unter den Schatten Deiner Fittige sich flüchten, bei Dir finde Ruhe mein Herz, welches wie das brausende Weltmeer von den Wogen beunruhigt ist. ODu reicher Ausspender aller guten Gaben, allmächtiger Geber himmlischer Speise und Sättigung, Gott, meine Wonne, meine Seligkeit! Reiche Du mir das Labsal, die Speise in meiner Ermüdung, sammle mich aus meiner Zerstreuung, errette mich aus meiner Ge fangenschaft, befreie mich aus meiner Verwirrung und tröste mich in meiner Verlassenheit! Sieh', o Herr! ich bitte und flehe vor Deiner Thüre, klopfe an und begehre eingelassen zu werden zu Dir, o, ich bitte Dich durch Deine innigste Barmherzigkeit, womit Du uns wie ein aufgehendes Licht aus der Höhe heimgesucht hast, lass' dem armen Klopfenden aufthun, daß ich mit freiem Fußtritte zu Dir hintrete, Ruhe, Trost und Erquickung bei Dir und in Dir finde, o Du Himmelsbrod, wodurch wir leben in Ewigkeit, denn Du, o Herr, süßer Jesus, bist das Brod und die Quelle des Lebens, Du 93 der Schirm der ewigen Klarheit, Du mein Alles, wovon die Gerechten, die Dich lieben, leben! O Herr! ersättige die schmachtende Sccle, und die hungrige Seele erfülle mit Gütern zum ewigen Leben. Amen. Anempfehlung seiner selbst. Dir empfehle ich mich, o liebster Herr Jesu! Verbirg mich in Deinem liebevollen Herzen, und lass' nicht zu, daß ich jemals von Dir getrennt werde. Sei im Leben mein Trost, im Tode meine Wegzehrung, und meine Belohnung in der Ewigkeit! Darum bitte ich Dich für mich und alle die Meinigen durch Deine Thränen, Leiden und heiliges Blutvergießen. Amen. Inniges Gelőbniß vor dem Allerhöchsten. Vom heiligen Thomas von Aquin. Ich will Dich immer lieben, anbeten und würdig genießen. O, Du heiliges Mahl, in welchem Jesus Christus genossen, das Andenken Seines Leidens gefeiert, die Seele mit Gnaden erfüllt und das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit uns gegeben wird. Amen. Gelobt und mit Danksagung gepriesen sei immerdar das allerheiligste und göttliche Sacrament des Altare. Amen. 94 Lobspruch zu dem heiligen Herzen Jesu und Mariä. Erkannt, geliebt, gelobt und gebenedeit, geehrt und verehrt sei allezeit und überall das göttliche Herz Jesu und das unbefleckte Herz Mariä. Amen. Ablaßgebete. O Christe, Jesu, der Du die heilsame Gewalt des Ablasses Deiner wahren Kirche hinterlassen hast, ich hoffe, daß ich durch die Kraft Deiner heiligen Sacramente von aller Schuld meiner Sünden und der dadurch verdienten ewigen Strafe vollkommen befreit sei. Damit ich aber auch die gänzliche Nachlassung aller noch übrig gebliebenen zeitlichen Strafen er halte, so will ich jetzt mein Gebet zu dein vorgeschriebenen Ziele und Ende verrichten. Ich bereuè nochmals vom Herzen alle und jede Sünde meines ganzen Lebens, weil ich Deine höchst liebenswürdige Majestät dadurch beleidigt habe. Mein ernstlicher Wille ist, Dich nicht mehr zu beleidigen. Verleih' mir hiezu Deine kräftige Gnade. Bur heiligen Dreieinigkeit. Gott Bater! Urquell des Lebens, Schöpfer 95 der Welten, Beherrscher und Lenker aller Dinge! In stiller Anbetung sinkt meine Seele vor Dich hin. Dir danke ich, daß ich erschaffen bin; Dir, daß ich nach Deinem Bilde erschaffen bin, und daß die Bestimmung zu einem endlosen, seligen Dasein mich beglückt. Welch' hohe Gnade! Wie unglücklich, die im Nichts vergessen liegen. Nie werden sie vor Deiner Werke Pracht in heiliger Bewunderung stehen, nie in Deinen Werken Dich erkennen und preisen, nie werden sie sich ewig freuen und Dich in all' Deiner Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schauen. Gegen mich warst Du überreich an Huld und warst es ohne mein Verdienst. Nichts habe ich Dir zuvor gegeben, das Du mir wiedergeben mußtest, wer gar nichts war, der konnte nicht verdienstvoll sein. Nur Deine Liebe war es, die mich schuf.- Dir sei Ruhm und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit! Gott Sohn, Ebenbild des Vaters! mit bleicher Demuth verehret Dich mein Geist, Dir danke ich, daß ich nicht nur Mensch, daß ich auch menschlich bin, Dir, daß die Segnungen des Christennamens mich erfreuen, Dir, daß ich vom Irrthume zur Klarheit, von der Sünde 96 zur Gnade gelangt bin. Nichts half mir das erste Leben, wenn Du mir nicht das zweite gabst. Aber, um vom Himmel uns zu bringen, was uns zum Himmel wieder führe, hast Du ein ganzes Erdenleben uns geweiht, hast nicht ge scheut des Wahnes Macht und des Lasters Haß, nicht Leibes- und nicht Seelenungemach, nicht des Verräthers Kuß und das Vollenden an dem herben Kreuzesholze. Eine Wunde von der Sohle bis zum Scheitel, gabst Du willig Dich für uns hin und gingst, um des gemeinsamen Vaters Erbe uns zu retten, geduldig zum Tode des Verbrechers. Dir sei Ruhm und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit! Gott! heiliger Geist, ausgegangen vom Vater und Sohne! auch Dir bringe ich das Opfer meiner Ehr furcht dar, Dir danke ich es, wenn des Sohnes großes Werk an mir nicht verloren geht, Dir, daß ich, wenn die Sünde mich verführt, wieder zurückgelange in das Reich der Gnade. Du strahlest Licht in das Dunkel des sündigen Her zens und bringst es zur Erkenntniß. Du schüt telst es zum Guten. Durch Dich werden wir an Muth verjüngt, wenn Müdigkeit und Un muth auf dem Pfade der Vollendung uns be schleichen. Du gibst dem Schwachen Kraft und 97 dem Rathlosen Rath.- Auch Dir sei Ruhm und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit! Heilige Dreieinigkeit, Einer und dreifacher Gott! Thaue Deine Allmacht, Deine Liebe, Deine Weisheit über uns herab. Sei mit und in mir, leite mein Denken, stärke mein Wollen, ordne mein Thun, daß ich in Allem, was ich beginne, nie die Ehrfurcht vor Dir verleugne! Obwohl Du nur Einer bist in Dreien und mir Jeder gab, was ich Allen, und Alle, was ich Jedem danke; dennoch durch den Bater ward ich Mensch, durch den Sohn ward ich Christ, durch den Geist soll ich einst Bürger des ewigen Reiches Gottes werden. Lass' mich daher, o Vater, Mensch zu Deiner Ehre sein und das irdische Leben nicht mißbrauchen; laff' mich, o Sohn, Christ nach Deinem Sinne sein. und das verliehene zweite Leben nicht entweihen; damit ich einst durch des Geistes Gnade zum Lichte des Reiches Gottes aufgenommen werde und das Ziel voll Herrlichkeit erreiche, zu dem Du mich, Bater! geschaffen, wegen dessen Du mich, Geist vom Vater und Sohne, stärkest und heiligest. Ruhm und Anbetung Dir, heilige Dreieinigkeit, Dir, o großer, starter, barmherziger Bete und vertraue. 7 98 Gott! Einer in Dreien, Jeder in Jedem, Alles in Allem! Ehre Dir, Vater, Sohn und heiliger Geist, der Du warst im Anfange, jetzt und in allwege, und bis in ewige Zeiten! Amen. Gebete am Gedächtnißtage aller verstorbenen Gläubigen. Es ist Glaube der katholischen Kirche, daß diejenigen Menschen, welche zwar im Herrn entschlafen sind, aber bei ihrem Absterben sich noch nicht von allen Flecken und Unvollkommenheiten losgemacht hatten, an der Vollendung ihrer Seligkeit dadurch gehindert und von Gott in einen Zustand, in eine Lage versetzt werden, in welcher sie sich zuvor von den ihnen noch anklebenden Mängeln reinigen und so der ewigen Glückseligkeit empfänglich machen müssen. Diese Lage nennt man das Fegefeuer( richtiger aber den Reinigungsstand), und die Art ihrer Reinigung wird als eine väterliche Strafe Gottes betrachtet. Der Kirchenrath von Trient hat hierüber ( in der Sitzung) folgende Glaubenssätze vorgetragen: daß es ein Fegefeuer gebe, d. i. einen solchen Zustand, wie wir ihn soeben beschrieben 99 haben, daß es für die in diesem Zustande Befindlichen ersprießlich sei, wenn die lebenden Gläubigen sie in ihrem Gebete und besonders durch das heilige Meßopfer Gott empfehlen. Fürbitte für die armen Seelen im Fegefeuer. O, so empfehlen wir denn Deiner ewigen Vatergüte diese Verstorbenen, deren Andenken uns so heilig ist, mit welchem wir noch jetzt durch die Bande der Liebe und Achtung, und durch die Hoffnungen einer gleichen Seligkeit nach unserem Hintritte vereinigt sind. Wir empfehlen die Geschöpfe dem Schöpfer, die Kinder ihrem Vater, die Schwachen und Unvollkommenen dem heiligsten Richter, die Frommen dem weisesten Belohner. Führe sie dahin, wo das Ziel ihrer Wünsche und die Quelle der Seligkeit ist, welcher würdig zu werden sie sich rühmlichst, obgleich als schwache und gebrechliche Menschen, befleißen. Führe sie in dem Geschäfte ihrer Läuterung auf den Wegen Deiner ewigen Weisheit und Güte, daß sie von Stufe zu Stufe ihrer sittlichen Vollendung sich nähern, um in eben dem Maße an ewigen Belohnungen Theil zu nehmen. Lass diese zur Heiligkeit und zum 100 Glücke erschaffenen Geister immer weiter fortstreben zu ihrer hohen Bestimmung, immer Deines ewigen Reiches empfänglicher werden. Nicht, als ob wir an Deiner väterlichen Güte zweifelten, bitten wir für sie, nicht, als ob wir den Lauf Deiner Gerechtigkeit hemmen oder Deiner Allwissenheit und Weisheit Maßregeln des Verhaltens vorzeichnen wollten, bitten wir für sie; aber eben die Liebe, welche Du uns für lebende Mitmenschen zum ersten und vornehmsten Gesetze machtest, dringt uns auf, Diejenigen Deiner Vatergüte zu empfehlen, die unsere Dankbarkeit und Freundschaft noch jenseits des Grabes nicht vergessen kann. Eben jene Liebe, mit welcher Du selbst alle Deine Geschöpfe umfassest, und die Du besonders den mit Deinem Ebenbilde gezierten Christen bezeigest, läßt uns hoffen, daß Du diese unsere Gebete als Ausdrücke unserer Zärtlichkeit und Liebe, als Beweise unserer Theilnahme am Wohle und Wehe Anderer mit Wohlgefallen aufnehmen werdest. Wie könnte Dir auch, o mein Gott! eine gute Tochter mißfallen, welche hingelehnt auf's Grab ihrer Mutter, ein wehmuthsvolles Andenken an ihren Verlust, ihre Gebete aus der Tiefe ihres Herzens hervorstößt, 101 um diese ihr so theure, so unvergeßliche Seele Deiner ewigen Liebe zu empfehlen und so dem Gefühle ihrer kindlichen Sehnsucht Genüge zu leisten; wie könnte Dir jener Vater mißfallen, welcher durch die heutige Feier an das zu schnelle Hinscheiden seines Sohnes erinnert, alle Wünsche seines Vaterherzens für den Liebling, den er verlor, vor Dir ausschüttet, und nun nichts für ihn thun kann, als Dich, den ewigen Vater! zu bitten, daß Du, über Irrthümer und Schwachheiten seiner Jugend ein väterliches Gericht haltend, ihn in Deinem ewi gen Reiche durch die Wege Deiner Weisheit und Güte ferner erziehen, reinigen und vollenden mögest. So wollen wir denn jetzt unser Gebet mit dem Gebete der Kirche vereinigen und, indem wir, o Gott! alle die werthen Seelen unserer Bekannten und Freunde, und alle ehemaligen Mitbürger Deiner unendlichen Güte gleichsam vorstellen, zu Dir im Gefühle der Liebe und Freundschaft rufen: Herr, gib ihnen Allen die ewige Ruhe; lass' ihnen Allen das ewige Licht leuchten. Amen. Wir verlassen jetzt, o Gott! dicses ehrwürdige Bethaus, aber die Gräber, durch welche 102 wir schreiten, sollen uns erinnern, daß wir sterblich sind, das Gewissen in uns, und der Himmel über uns, daß wir unsterblich sind. Das Gebet, welches wir für die Vollendung und Beseligung unserer verstorbenen Brüder und Schwestern darbrachten, bestärke uns im Glauben, daß auch uns jenseits des Grabes ein strenges Gericht erwartet, daß unsere Werke uns in die Ewigkeit begleiten, daß dort ein Zustand der Vergeltung bevorstehe, und daß Du, o Gott! als ein weiser und gerechter Richter, ohne Ansehung der Personen, ohne Haß und Gunst, Jedem geben wirst nach seinen Werken. Amen. O, Vater! voller Lieb' und Huld, Erhöre unser Fleh'n, Wenn dann das Auge sehnsuchtsvoll An Deinem Himmel weilet, Und glaubend sich das wunde Herz Durch stille Andacht heilet. Du, Herr, gabst uns're Lieben uns, Du, Herr, hast sie genommen; Sie wohnen in der bessern Welt Bei Engeln und bei Frommen. Du schützest sie, sie sind bei Dir, Wer darf ihr Glück beschden? Doch lass' uns, Herr, zu unserm Trost Auch für die Todten beten. Wir wandeln in der Dämmerung Bis zu dem Aschenkruge, Ach ja! wir lesen allesammt In einem dunklen Buche. Dort wohnt die Klarheit,. Wo tausend Sonnen prangen. Ach, leite sie zum Lichte hin, Die uns vorangegangen. Und drückt des Leibes Fessel oft Zur armen Erde nieder; Wir seufzen heute reuevoll, Und fehlen morgen wieder. Dort blüht der Unschuld Lilie, 103 In jenen Himmelsauen, Lass uns're Todten, Herr, bei Dir Der Tugend Urbild schauen. Allgütiger! Vollende sie! Vollendung ist die Krone, Mit welcher Du die Geister schmückst, Vor Deinem lichten Throne. Vollende sie in Herrlichkeit, 104 Die Theu'ren in dem Grabe! Das sei ihr schönes, großes Loos, Und ihre Himmelsgabe. Es ist vollbracht. Jetzt feiern sie Dort ihre Ruhestunden. Gott, unser Gott, wir danken Dir, Sie haben überwunden. Wir blicken hin mit Heiterkeit Auf schwarze Todtenbahren, Herr, wenn die letzte Stunde schlägt, Lass' uns in Frieden fahren. Auf Allerheiligen. Auch auf die Feste einzelner Heiligen. Wer für Gott und Weisheit lebte, O, der stirbt im Grabe nicht! Wer nach Recht und Tugend strebte, Fleucht empor von Licht zu Licht. Schein und Erdentand vergeht, Aber ewig feste steht, Was wir Gutes fühlten, dachten, Und für jene Welt vollbrachten. Blickt auf uns von jenen Höhen, Wo der Strom der Wahrheit quillt, Wo der Freiheit Palmen wehen, Wo die Gottheit sich enthüllt; Neiget aus der Seligkeit Euch herab zur Sterblichkeit, Heilige, verklärte Brüder, Blicket segnend auf uns nieder. Unser Herz schlägt Euch entgegen, Uns're Seele fliegt euch zu; Ach, auf euren Himmelswegen Blüht des Herzens stille Ruh'! Dort, wo über Grab und Nacht Aller Guten Schutzgeist wacht, Werden wir durch Sternenhallen Hin zu der Vollendung wallen. 105 Das Andenken an heilige und tugendhafte Menschen sei uns also vorzüglich darum wichtig, weil wir aus der Betrachtung ihrer Tugenden lernen, was der Mensch Gutes thun kann, wenn er nur mit Ernst und Nachdruck will, und Deiner Gnade, o Gott! durch männliche Mitwirkung entspricht. Sie zeigen aus der Kraft nur den Sieg unserer Freiheit über alle Anreizungen der Sinnlichkeit. Wir sind frei; welch' ein erhabener Gedanke! und können die Fesseln böser Gewohnheit zerreißen, wenn wir wollen. Wir sind frei; welch' ein ermunternder Gedanke! 106 und können den beschwerlichen Weg der Pflicht wandern, sobald es unser ernsthafter Wille ist. Keine Versuchungen, keine sinnliche Lust, nichts kann uns zwingen, böse zu sein. Es wohnt eine Gabe Gottes in uns, unsere Freiheit, welche jedem Reize zur Sünde trotzen kann, und wenn sie sich hinreißen läßt zum Bösen, durch eigenen Entschluß, und nicht durch äußere Macht dazu verleitet wird. Das, o Gott! lernen wir aus dem Beispiele der Heiligen, die durch Deine Gnade und die Wahrheiten der Religion unterstützt, Meister ihrer Sinnlichkeiten wurden, und mit unerschütterlicher Treue den Weg ihrer Pflichten und Deiner Gebote gingen, ohne durch mancherlei Versuchungen des Geizes, der Hoffart, der Wollust und bösen Gelegenheiten überwältigt, vom Pfade der Tugend und des sittlichen Guten abzuweichen. Sie zeigen uns auch, daß man in jedem Stande, in jeder Lage des Lebens tugendhaft sein und tugendhaft bleiben müsse. Finden wir nicht überall, unter rohen wie unter gebildeten Nationen, auf dem Throne wie in ländlichen Hütten, im weltlichen wie im geistlichen Stande vortreffliche Menschen, die der erkannten Pflicht in ihrer Lage mit bewun 107 derungswürdiger Treue nachleben, unsere Schwachheit durch die Stärke, unsere Wanfelmüthigkeit durch ihre ausdauernde Kraft, unsere sclavische Neigung zur Sünde durch ihre edle Freiheit in der Wahl des Guten beschämen? Zwar nicht Alles, was wir in den Lebensbeschreibungen der Heiligen lesen, ist für uns anwendbar. Wir wollen uns nicht an die Wunder halten, welche oft mehr zum Schmucke als zur Wahrheit der Geschichte gehören. Wir wären auch keine wahrhaften Schüler Jefu Christi, wenn wir noch zu sehr nach Wundern und Zeichen begierig wären. Diese Wundersucht hat Er ja an den Juden getadelt, um wie viel mehr würde Er sie als Schwachheit an seinen Schülern verwerfen. Wir wollen uns nicht an die außerordentlichen Werke halten, die von den Heiligen erzählt werden. Nicht Alles, was auch gute Menschen erzählen, ist wahr; nicht Alles, was die Cobredner der Heiligen von ihren Thaten rühmen, verdient Ruhm und Beifall. Das Evangelium der Sittenlehre Jesu und unsere Vernunft sollen uns in Beurtheilung ihrer Handlungen leiten. Wo sie eine Pflicht erfüllen, 108 wo sie Deine uns bekannten sittlichen Gesetze beobachteten, wo sie thaten, was recht und gut ist, und allgemeine Achtung verdient; da wollen wir ihnen nachahmen- nicht ihrer wegen, sondern nur der Pflichten willen, die wir mit ihnen gemein haben. Da wollen wir mit ihnen gleichfalls wetteifern und zeigen, daß wir auch die Freiheit Deiner Kinder, o Gott! haben. Da wollen wir mit ihnen gleichsam wetteifern und zeigen, daß wir, durch Deine Gnade und die Empfindungen der Religion gestärkt, alles Gute, wie sie, können, und alles Gute, wie sie, wollen. So gib mir denn, o Gott! Deinen reichlichen Segen, daß ich diese jetzt beherzigten Wahrheiten nie mehr vergesse, daß ich den jetzt gefaßten guten Entschließungen immer getreu nachkomme, lass' mich in den Tugenden der Heiligen immer neue Antriebe zur Ausübung mei ner eigenen Pflichten finden, damit ich, von eben so warmer Liebe zu allem Guten, wie sie, getrieben, unaufhörlich zum Ziele meines Lebens, zu immer größerem Wachsthume in Tugend und Heiligkeit strebe und mit ihnen dereinst auch an den Belohnungen Theil nehme, welche Denen versprochen sind, die in der Ausübung ihrer 109 sittlichen Pflicht bis an's Ende verharren. Amen. Gebet während des Advents. In dieser heiligen Zeit, o Gott! will ich mich sammeln, um stillschweigend die Geheimnisse Deines Sohnes zu feiern und das Gedächtniß Seiner Geburt im Grunde meines Herzens andächtig zu verehren. Komm, o mein Heiland! Du ewige Wahrheit, und erleuchte mich, komm, o ewige Liebe, und erwärme mich, fomm, o cwiges Leben, und belebe mich! Ich harre Deiner, Heiligster! wie die Propheten und Patriarchen Deiner geharrt haben. Von ganzem Herzen rufe ich mit ihnen aus: Thauet Ihn herab, ihr Himmel, und ihr Wolken, regnet den Gerechten, die Erde öffne sich und bringe den Erlöser! Die Gerechten der Vorzeit haben den Heiland, den Trost der Völker, gesehen; aber die Seinigen haben ihn nicht erkannt. Das Licht hat in den Finsternissen geschienen und die Finsternisse haben es nicht begriffen. Warum zögerst Du, o König! vor dem die Fürsten der Erde nur ein schwaches Bild sind. Dein Reich komme! Wann wird es doch erscheinen, dieses Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Wahrheit? 110 Dein Vater hat Dir alle Völker zum Eigenthume gegeben. Er hat Dir gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden; und doch wirst Du von den Deinen verkannt, verachtet, beleidigt, verrathen! D, Du wahre Freiheit der Kinder Gottes, man kennt Dich nur nicht! Warum fürchtet man sich, göttlicher Bräutigam! seine Ketten zu brechen, um ewig nur von Dir abzuhängen und Dir zu dienen? Sind die vergänglichen Eitelkeiten besser, als Du selbst und Deine ewige Herrlichkeit? Thörichter Wahn! Man will aus Aegypten nicht ausziehen, da uns freisteht in das gelobte Land in die Freiheit der Kinder Gottes einzugehen. Gern und ohne Bedenken weihe ich Dir, o mein Jesus, mein Herz. Welch' eine Seligkeit, mit Dir in der Einsamkeit zu sein, nicht mehr zu hören und zu sehen, was eitel und unnütz ist, auf daß man Dich höre, und lerne von Deiner Weisheit. O Liebe, die Du nichts thust als lieben, soll ich denn fürchten, mich Dir zu nahen? Dein Joch ist süß und Deine Bürde leicht. Ja, die Beschwerlichkeiten des Weltdienstes müssen Schrecken erregen, und es ist eine große Blindheit, sie nicht fürchten. O Herr! von dem Elende der Sünde 1 111 befreie mich, und gib mir Alles, was mir fehlt, gib mir Dich selbst, und Alles, was in mir ist, soll ewiglich Deine Gnade preisen. Amen. Das Beihnachtsfest. Dankbare Erinnerung der Geburt des Heilandes Jesu Christi. Allmächtiger, barmherziger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus! Du hast schon unseren Stammeltern, nachdem sie gesündigt hatten, einen Erlöser von der Sünde und dem ewigen Verderben versprochen. Du hast diese Verheißung den Patriarchen gemacht, und durch die Propheten Deinem auserwählten Volke wiederholt, und in der Fülle der Zeit Dein theures Versprechen gehalten. Heute gedenken wir wieder jener hochheiligen Nacht, in welcher das ewige Wort Fleisch geworden ist, und unter uns gewohnet hat. Ein Kind ist uns geboren, und ein Sohn ist uns geschenkt worden, Herrscherwürde ruht auf seinen Schultern, Er ist Dein Sohn, o Allerhöchster! und Du hast Ihm den Thron seines Vaters David gegeben; Er herrschet ewiglich und Sein Reich wird kein Ende nehmen. Sein Name ist Rathgeber, Er machte uns mit 112 Deinen verborgenen Rathschlüssen und mit Deinem heiligen Willen bekannt. Er lehret uns Dich anbeten im Geiste und in der Wahrheit, und erwarb uns die Gnade, in Deinen Geboten zu wandeln. Sein Name ist wunderbarer. Ein Wunder der Liebe war seine Menschwerdung, sein Leben, sein Tod, seine Auferstehung, seine Himmelfahrt. Zeugen seiner wunderbaren allmächtigen Liebe waren all die Blinden, Lahmen, Tauben, Aus sätzigen und Kranken, die er mit einem Worte geheilt, und die Todten, die er wieder in's eben gerufen. Sein Name ist Gott. Er, der Abglanz Deiner Herrlichkeit und das Abbild Deines Wesens, selbst Gott, hochgelobt in Ewigkeit. Sein Name ist Friedensfürst, Er hat das gute Vernehmen zwischen Dir und den Menschen wieder hergestellt, Er hat uns den Zutritt zu Deinem Gnadenthrone wieder eröffnet und Deinen Frieden uns vom Himmel gebracht. Sein Name ist Vater der zukünftigen Zeiten, Jhm hast Du alle Gewalt im Himmel und auf Erden und einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, in welchem wir Alle selig werden sollen. Sein Thron steht in Ewigkeit 113 fest, der Scepter Deines Reiches ist der Scepter der Gerechtigkeit. Dieses göttliche Kind, das Du, o himmlischer Bater! uns als ein Unterpfand Deiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit geschenkt hast, bringe ich Dir in dieser heiligen Messe als ein Lob und Dantopfer für alle guten Gaben und für alle vollkommenen Geschenke dar, die Du uns durch ihn gegeben, und als ein Versöhnopfer für meine Sünden, und bitte Dich demüthigst, Du wollest mich gütigst aller himmlischen Güter theilhaftig machen, die Jesus Christus vom Schooße Deiner Herrlichkeit zu uns armen Menschen herabgebracht hat. Neugeborner Weltheiland, Sohn des Allerhöchsten und unser Bruder nach der menschlichen Natur, in tiefster Demuth beuge ich meine Kniee vor Deiner Krippe und bete Dich an mit lebendigem Glauben, mit innigster Liebe als meinen Herrn und Gott, wie Dich Maria und Josef, wie Dich die Hirten von Bethlehem und die Weisen aus dem Morgenlande angebetet haben. Um Deiner unendlichen Liebe willen, die Dich in das menschliche Elend herabgezogen hat, bitte ich Dich, erbarme Dich meiner und segne mich, wie Du Deine ersten Anbeter Bete und vertraue. 8 114 gesegnet hast! Anbetend stimme ich nun in den Lobgesang der Engel ein, mit dem sie Deine gnadenreiche Geburt feierten. Ehre sei Gott in der Höhe! Friede auf Erde den Menschen, die einen guten Willen haben! Kirchengebet. O Gott, der Du diese heilige Nacht durch die Strahlen des wahren Lichtes preiswürdig gemacht hast. Verleihe uns, wir bitten, daß, wie wir die Geheimnisse dieses Lichtes auf Erden erkannt haben, wir auch zum Freudengenusse desselben im Himmel gelangen mögen, durch denselben Jesus Christus. Amen. Am Feste des heiligen Stephanus. ( Erster Märtyrer.) Stephanus fürchtete den Tod nicht, weil er seinen göttlichen Meister, der für ihn getödtet ward, leben sah, sondern von innigster Liebe ergriffen, wünschte er diesen Körper sobald als möglich zu verlassen, und dem Herrn zu sterben, damit er mit ihm leben möchte. Denn er sah ja den Himmel offen und Christus zur Rechten stehen. Jesus blickte also herab auf den, der für ihn kämpfte, und gab dem Streiter, damit er 115 nicht unterliege, die Kraft des Sieges. Stephanus errang die Krone des Lebens, weil er an den glaubte und dem mit Jüngertreue nachfolgte, in dem allein Hcil ist, in dessen Namen allein die Menschen selig werden können. Christus wandelte als der Ewiggeborne des Vaters voll Gnade und Wahrheit. Stephanus folgte ihm nach als ein Mann voll Gnade und Stärke. Christus betete für die, welche ihn kreuzigten; Stephanus für die, welche ihn steinigten. Unser Herr Jesus betete für die, welche ihn an's Kreuz geheftet, Stephanus un ter tödtenden Steinwürfen niederknieend. Als er noch stand, befahl er seinen Geist dem Herrn; als er niederkniete, betete er für seine Feinde wie ein Freund, indem er sprach:„ Sieh', ich leide; ich werde gesteinigt; gegen mich wüthen, gegen mich toben sie, aber rechne ihnen diese Sünden nicht zu, denn um was ich jetzt bitte, habe ich zuerst am Kreuze Dich bitten gehört. Jch, Dein Knecht, leide, Du littest vor mir und es ist ein großer Unterschied zwischen mir und Dir, Du bist der Herr, ich der Knecht; Du der Meister, ich der Jünger; Du der Schöpfer, ich das Geschöpf; Du Gott, ich Mensch; Du der Heiligste, ich der Sünder; auch ist ein großer 8* 116 Unterschied zwischen den Sünden derer, die mich steinigten, und den Sünden derer, die Dich kreuzigten. Als Du sprachst: ,, Vater vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie thun", da batest Du für eine schwere Sünde, und lehrest mich für eine leichte bitten, darum, o Herr, rechne meinen Peinigern ihre Sünde nicht zu." So betete der heilige Stephanus, und als er das gesagt hatte, entschlief er im Herrn. O Schlaf des Friedens, o Ruhe der Seligen, was kann erquickender, was kann wünschenswerther sein. Amen. Gebet am letzten Abende des Jahres. Herr meines Lebens! durch Deinen huldreichen, väterlichen Willen habe ich auch den letzten Tag dieses Jahres erlebt. Mein Herz sei froh in Deiner Güte und mein Mund preise Deine schöne Langmuth. Unaussprechlich viel Gutes hast Du, unermüdeter Wohlthäter! mir in dem Laufe dieses Jahres erwiesen, vor unzähligen Gefahren mich bewahrt, tausend Beweise Deiner väterlichen Fürsehung mir gegeben, tausend gute Gedanken und Empfindungen in mir erweckt und veranlaßt, auf tausend Weise mich belehrt, gewarnt, ermuntert, getröstet und gestärkt. 117 Dieses Jahr müsse das letzte meines Leichtfinns gewesen sein. Vater! vertrauensvoll übergebe ich mich und die Meinigen Deiner unveränderlichen Güte. Sie werden mir neu einleuchten jeden Tag des folgenden Jahres, den Du mir noch gönnen wirst. Am Neujahrstage. Von Thomas von Kempis. Lehre Jesus vom wahren Frieden. Jesus. Mein Kind, jetzt will ich Dir den Weg in das Land des Friedens und der wahren Freiheit weisen. Seele. Mein Herr! thue nach Deinem Worte; denn von Friede und Freiheit höre ich am liebsten reden. Jesus. 1. Lass' es Dir angelegen sein, lieber dem Willen eines Anderen, als Deinem eigenen nachzuleben. 2. Wähle in Allem, was vergänglich ist, das Wenige vor dem Bielen. 3. Setze Dich lieber unten hin und sei unterthänig. 4. Wünsche und bete immer, daß Gottes Wille in Dir vollkommen erfüllt werde. Wer diesen Sinn hat, der setzt seinen Fuß in das Land des Friedens und der Ruhe. 118 Mit Dir Jesus Christus- und in Deinem Namen beginne ich dies neue, irdische Lebensjahr Du, dessen theurer Name mir heute besonders wichtig ist. Du heiliger Jesus- Dein Name, vor dem sich alle Kniee beugen, sei von mir gepriesen. Du Retter, Erlöser, Begnadiger, Beseliger Aller, die an Dich glauben- ich glaube an Dich, erbarme Dich meiner und lass' dieses Jahr ein Jahr des Heiles für mich werden. Lebe ich, so lebe ich Dir, sterbe ich, so sterbe ich Dir ich mag nun leben oder sterben, so bin ich Dein, o Jesus- hochgelobt in Ewigkeit. Amen. Am Feste der Reinigung Mariä. ( Lichtmeß.) O Herr Jesus Christus! der Du die menschliche Natur angenommen und als ein Mensch unter uns erschienen bist. Heute wurdest Du von Deinen Eltern im Tempel geopfert. Vom Glanze Deines Geistes erleuchtet, nahm Dich heute der alte, ehrwürdige Simeon auf seine Arme und erkannte und pries Dich als seinen Erlöser. O, so verleihe auch uns gnädigst, daß auch wir Dich für denjenigen erkennen, der Du bist, und Dich als unseren Erlöser von ganzem Herzen — 119 lieben, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Gebet am Aschermittwoch. Kirchengebet. O Gott, wer sich vor Dir demüthigt, findet Gnade bei Dir, und wer über seine Sünden Buße wirkt, besänftigt Deinen Zorn. Erhöre unser Flehen, und gieße über Deine Diener, die jetzt ihr Haupt mit Asche bestreuen lassen, den reichen Segen Deiner Gnade aus. Erfülle sie mit dem Geiste der Zerknirschung und der Buße; schenke ihnen nun, was sie mit Weisheit bitten; befestige in ihnen, was sie erhalten, und bewahre, was sie empfangen, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen. Der heilige Kreuzweg. Vorbereitung. Komm und betrachte mit Ernst das bittere Leiden und schmerzliche Sterben des Heilandes, und verkündige Seinen Tod! Wenn du das Leiden deines Erlösers ernst und tief zu Herzen nimmst, so wirst du gewiß erkennen, daß kein Schmerz ist, der dem Sei nigen gleich wäre, daß Er uns mit ewiger Liebe geliebt und wirklich das Lamm Gottes ist, welches die Sünden der Welt hinweggenommen hat. Du wirst anfangen, Den wahrhaft zu lieben, —— 120 der uns bis zum Tode geliebet hat! Du wirst deine Sünden von Herzen bereuen und auf Den unerschütterlich vertrauen, der Seinen vielgeliebten Sohn nicht verschonte, sondern Ihn hingegeben hat, damit wir durch Ihn selig werden. Du wirst den Segen der Kirche erlangen, die Ablässe gewinnen, welche sie dieser nach ihrem Geiste geübten Andacht verleihet, die leidenden Seelen trösten und ihnen helfen. Darum säume nicht, sondern betritt unter Gottes Beistand und der Fürbitte Seiner Heiligen den segensreichen Kreuzweg deines Jesus mit heiligem Ernste, küsse Seine blutigen Fußtritte dankbar und ehrfurchtsvoll, tröste, ermuthige und stärke dich durch den Hinblick auf das Kreuz und die auf demselben erworbenen Verdienste. Gebet. Vater unser, der Du bist in dem Himmel, ohne Den ich nichts Gutes vermag, siehe mich an, der ich unter dem Kreuze Deines Sohnes um Erbarmung flehe; erleuchte mich, damit ich das Leiden Deines vielgeliebten Sohnes und Seine Liebe recht erkenne; hilf mir, daß ich Seinen schmerzlichen Kreuzweg mit innigem Mitleid betrachte und die letzten Augenblicke Seines beispielreichen Lebens tief zu Herzen nehme; flöße mir einen aufrichtigen Bußge ist ein, damit ich die Ablässe Deiner Kirche gewinne, die Verstorbenen tröste und 121 ihnen helfe, und ich auf diesem Wege zu Deinem Sohne komme, der mit Dir und dem heiligen Geiste ewig lebet und regieret. Amen. I. Station. Pilatus verurtheilt Jesum Chriftum zum Tode. Wir beten Dich an, o Herr Jesus, und preisen Dich! Denn durch Dein Leiden und Deinen Tod am Kreuze hast Du die Welt erlöset. Der schuldlose Jesus, der wahrhafteste Sohn Gottes, der Allerheiligste wird von einem sündhaften Menschen wie ein Verbrecher verhört und zum schimpflichen und schmerzlichen Kreuzestod verurtheilt.- Er schweigt und überläßt es Seinem Vater, Seine Unschuld zu vertheidigen!- O Mensch, gedenke deiner Sünden- lerne von Jesus das Unrecht mit Geduld leiden, die Urtheile der Menschen aus Liebe zu Gott ergeben ertragen und den Vorgesetzten willig gehorchen. Gebet. Barmherzigster Jesus! Gib mir armem Sünder die Gnade, daß ich jedes lieblosſe Urtheil aus meinem Herzen vertilge, damit Du nicht einstens zu mir zu sagen Ursache habest: Siehe, was du deinen Mitmenschen angethan hast, das hast du Mir gethan. Lass' mich, o Jesus! aus 122 Liebe zu Dir und nach Deinem Beispiele alle falschen Urtheile der Welt mit Geduld ertragen, und behüte mich vor dem schrecklichen Urtheile der ewigen Verdammniß. Amen. Gekreuzigter Jesu! Erbarme Dich meiner. ( Vater unser! Ave.) Die Ehre seiGott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste 2c. 2c. Die Seelen aller verstorbenen Christgläubigen lasse, o Gott! nach Deiner Barmherzigkeit in Frieden ruhen. Amen. II. Station. Jesus nimmt das schwere Kreuz auf Seine verwundeten Schultern. Wir beten Dich an 2c.( wie oben). Sanft und stille nimmt Jesus nach dem Todesurtheile das schwere Kreuz, auf dem Er sterben soll, auf Seine von der Geißelung verwundeten Schultern; Er geht damit ruhig zu dem Calvarienberg, wie ein zartes Lamm zur Schlachtbank; Er geht, weil es Sein Vater im Himmel will. O Mensch, trage das Kreuz, das dir dein Vater auferlegt hat, aus Liebe zu Jesu geduldig; ergib dich in Gottes heiligen Willen freudig; denke, du trägst es als Sünder, damit du einst Jesu in Sein Reich nachfolgst. Gebet. 123 O mein göttlicher Erlöser! Du gibst mir Sünder ein Beispiel Deiner heiligen Demuth, und zeigest mir, wie ich Alles, was mir meine Feinde auflegen, Dir zu Liebe freudig tragen soll. Gib mir Deine Gnade dazu, daß ich alle meine Leiden und jedes Kreuz muthig umfassen und als Dein getreuer Jünger Dir nicht blos auf den Calvarien berg, sondern auch einstens in den Himmel nachfolgen möge. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Die Ehre zc.( wie oben). III. Station. Jesus Christus fällt unter dem schweren Kreuze. Wir beten Dich an 2c.( wie oben). Die schwere Last des Kreuzes, oder vielmehr unsere Sünden, drücken den Heiland so sehr, daß Er aus Ohnmacht unter dem Kreuze auf die Erde fällt. Er verzagt nicht, Er beklagt sich nicht, Er hofft auf Den, der Ihn gesandt hat. Denke, o Christ, wie oft du schon zurückgefallen bist! Wie kleinmüthig warst du, wenn du gefallen bist! Bitte deinen Jesum um SeineGnade, damit du wahrhaft aufstehen und wie er mit Muth Gottes heiligen Willen erfüllen kannst. 124 Gebet. Lass', o Jesus! mich armen Sünder mein Kreuz so lieben, wie Du es geliebet hast, und gib mir die Kraft, daß ich nie ganz unterliege, sondern mich wieder aufrichte und Dir zu Liebe Alles mit Freuden erdulde, um jederzeit mit Deinem Beispiele und Deiner Gnade getröstet, Dich meinen Gott und Herrn! freudig loben und preisen zu können. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2. Ave Maria 2c. Die Ehre zc.( wie oben). IV. Station. Jesus begegnet Seiner trauernden Mutter und Seinem Jünger Johannes. Wir beten Dich an xc.( wie oben). Die zarte Jungfrau begegnet ihren innigst geliebten, eingebornen Sohn, den sie so viele Jahre mit solch' lieblicher Sorgfalt gepflegt hatte; sie sieht Ihn mit dem schweren Kreuze- von so grausamen Menschen umgeben, von jedem Freunde verlassen. Was wird das mütterliche Herz Mariä damals empfunden haben!- Jesus sieht Seine tiefbetrübte Mutter und kann sie nicht trösten. Nimm 125 die Leidensthränen der göttlichen Mutter tief zu Herzen und flehe durch sie um Barmherzigkeit. Gebet. Erwecke in mir, o guter Jesu! einen lebhaften Schmerz über alle meine Sünden, und lass' mich armen Sünder an den Leiden Deiner Mutter Maria Theil nehmen, damit ich die Sünde, welche die Ursache Deines Leidens und Sterbens ist, als das größte Uebel bis zum Tode verabscheue und fliehe. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Die Ehre zc.( wie oben). V. Station. Simeon von Cyrene wird genöthigt, Jesu Christo das Kreuz tragen zu helfen. Wir beten Dich an 2c. Schaue den ermüdeten Taglöhner an er sträubt sicher nimmt das Kreuz Jesu gezwungen. Er trägt es Anfangs mit Ünwillen dann aber mit Ergebung und zuletzt mit Freude. Er führte bald darauf sogar seine zwei Söhne den Kreuzweg. Nimm, o Mensch! dein Kreuz entschlossen, wenn sich auch deine Natur Anfangs entsetzt! Nimm es aber mit Jesu und nie allein- sei Sein ― - 126 Jünger verleugne dich selbst und folge Ihm nach, Sein Joch wird dir süß und Seine Bürde leicht werden. - Sebet. Du freuztragender Jesus! hilf mir, daß ich Dir zu Liebe aus freiem Willen und nicht gezwungen das Kreuz, welches mir Gottes Weisheit auferlegt, getrost zu tragen wie und bereit bin und bleibe - wo wann und wie lange Du willst; der Du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2. Ave Maria zc. Die Ehre zc.( wie oben). VI. Station. Die heilige Veronika trocknet das Angesicht Jesus mit einem Tuche ab. Wir beten Dich an 2c.( wie oben). Die mitleidsvolle Veronika will ihrem guten Meister nochmals einen Liebesdienst erweisen und Ihm den Gang zum Tode nach ihren Kräften erleichtern. Ohne Menschenfurcht gibt sie Gott die Ehr, drängt sich müh 127 sam durch die rohe Menge und reicht Jesu ein Tuch zum Abtrocknen. Er gibt ihr für dieses Werk der Barmherzigkeit zum ewigen Andenken das Bildniß Seines heiligen Angesichtes. So belohnt Jesus jeden Liebesdienst. Sei eifrig in Werken, fürchte nie Menschen, wo es Gottes Ehre und Seinen heiligen Willen gilt, denke stets an Gott, der Alles sicht und hört. Sebet. Verleihe mir, o liebreicher Vergelter! die Gnade des lebendigen Glaubens, und präge meiner Seele Dein heiliges Bildniß tief ein, damit ich jederzeit in den Leidenden Dich bemitleide, in den Verlassenen Dich erblicke, in den Verfolgten Dich erkenne, ihnen helfe, und ich so hier auf Erden Dir immer ähnlicher und einst mit Dir vereint werde, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig lebest. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Die Ehre sei zc.( wie oben). VII. Station. Jesus zweiter Fall. Wir beten Dich an 2c.Noch nicht vermag es Jesus Selbst, mit 128 Simon Cyrene auf den Calvarienberg zu kommen. So schwach ist er unsertwillen geworden, daß er das zweite Mal gefallen ist so sehr drückte Ihn die Sündenschuld der Menschen! Lege, o Christi! nicht neue Sünden auf sein schweres Kreuz- sondern hilf auch du 3hm das Kreuz durch wahren Seeleneifer, thätige Liebe und entschlos sene Ausdauer tragen. - Gebet. O Gott! der Du die Mühseligkeiten und die Sünder durch die Leiden Deines Sohnes errettet und erquickt hast, gib mir eine inbrünstige Liebe zu meinem leidenden Heilande, damit ich von meinen Sünden immer mehr befreit, das Gute stets eifriger übe, vor jedem Rückfall in die Sünde bewahret, einst den ewigen Frieden genießen möge. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser xc. Ave Maria z. Die Ehre sei 2c.( wie oben). VIII. Station. Die Frauen von Jerusalem bemitleiden Jesum und weinen über Ihn. Wir beten Dich an 2c. Wie ergreifend muß der Anblick des 129 Heilandes auf dem Wege zum Tode, für uns Sünder gewesen sein, wenn Die sogar zum Mitleiden und Thränen bewegt werden, die zu Seinen Feinden gehören! Beweine, o Mensch! dich und deine Sünden, und bedenke, was du von Gottes Gerechtigkeit zu erwarten hast, die Seinen vielgeliebten Sohn unsertwillen so geschlagen hat. Gebet. O gütigster und erbarmender Jesu! Laff' mich Deines heiligen und schmerzlichen Leidens stets eingedenk sein, damit ich meine Sünden immerfort beweine und ich ein herzliches und thätiges Mitleiden mit meinen leidenden Nächsten habe. Erbarme Dich meiner, gib mir Deine Gnade zur aufrichtigen Besserung meines Lebens. Amen. Gekreuzigter Jesu zc. Vater unser 20. Ave Maria 2c. Die Ehre zc.( wie oben). IX. Station. Christi dritter Fall. Wir beten Dich an 2c. Noch einmal fiel der liebreiche Jesu beim Calvarienberge. Ganz entkräftet, vermag Er Bete und vertrane. 9 130 Sich kaum mehr zu erholen. Neue Grausamkeiten üben Seine Feinde an Ihm. Noch ist das Opfer nicht vollbracht, noch ist die Welt nicht erlöset. Er sammelt Seine letzten Kräfte und will den Kreuzweg vollenden, weil es Sein himmlischer Vater also verlangt. O Christ! nimm es wohl zu Herzen, wie oft der Erlöser deinetwegen gefallen ist. Ruhe nicht, sondern kämpfe muthig, bis auch du vollendet hast, was dein Gott will. Gebet. Furchtbar, o Gott! sind Deine Gerichte, unergründlich ist Deine Weisheit und unendlich ist Deine Liebe.- Halte sie mir jederzeit vor Augen, damit ich jede Sünde aus allen Kräften meide und, wenn ich gefallen bin, nie verzage, sondern mich mit dem Vertrauen auf Deine unendliche Barmherzigkeit aufrichte und mit dem Gedanken stärke, daß Du, o Gott! mein barmherziger Vater, Dein vielgeliebter Sohn mein Erlöser, und ich Dein Kind bin, welches Deinen Willen bis an's Ende des Lebens getreu erfüllen will. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2. Ave Maria zc. Die Ehre zc.( wie oben). 131 X. Station. Jesus Christus wird Seiner Kleider beraubt und mit Galle getränkt. Wir beten Dich an 2c. Kaum als Jesus mit dem Kreuze auf der Schädelstätte angekommen ist, nimmt man Ihm das Kreuz ab; die gefühllosen Peiniger reißen dem geduldigen Heilande die Kleider vom Leibe, und der Heiligste betrachtet Sein Sterbebett und die furchtbaren Leidenswerkzeuge. Endlich geben sie Ihm Wein, Myrrhen und Galle. Hier büßet Er, o Christ! deine Eitelkeit, deinen Geiz und deine Gaumenlust. Gebet. Laff' mich, o Herr! die Nichtigkeit aller Güter und Würden dieser Erde recht erkennen, damit ich im Geiste wahrhaft arm werde; erinnere mich öfters an mein Sterbebett und Dein furchtbares Gericht, damit ich mit Deiner Gnade immer mehr verstehen lerne, daß mir die ganze Welt nichts nützet, wenn ich an meiner Seele Schaden leide. Bewahre mich vor Augenlust und jeder Genußsucht, 9* 132 damit ich hier und dort mit meinem Heilande lebe. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser zc. Ave Maria c. Die Ehre zc.( wie oben). XI. Station. Jesus wird an's Kreuz genagelt. Wir beten Dich an 2c. Schau mit Maria, deiner Mutter, und mit Magdalena deinen Heiland an, wie Er auf dem rauhen Kreuzesbalken liegt. Seine Hände werden ausgespannt und mit Nägeln durchbohrt. Seine Füße werden mit Gewalt an's Kreuz genagelt; Er tlaget und seufzet nicht, sondern betet für Seine Feinde, die nicht wissen, was sie thun. Bedenke, o Mensch! Seinen Schmerz, wenn du krank und leidend darnieder liegest; denke, was und wie Jesus litt! Gebet. Gekreuzigter Jesu! erbarme Dich meiner und drücke Deine Schmerzen meinem Herzen tief ein, damit ich in der Stunde des Leidens und des Todes nie murre und tlage, sondern jederzeit auf Deine heiligen Hände hinschaue und freudig rufe: Geheiliget, Vater, werde 133 nur Dein Name und nur Dein Wille geschehe wie im Hinimel, also auch von mir armen Sünder. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2. Ave Maria z. Die Ehre zc.( wie oben). XII. Station. Jesus stirbt am Kreuze. Wir beten Dich an 2c. Nachdem Jesus an das Kreuz geheftet ist, wird das Kreuz erhöhet. Seine ausgespannten Arme sind bereit, die ganze Welt zu umfassen und zu segnen. Er schrie mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! warum hast Du mich verlassen? Es ist vollbracht!" läßt Sein sterbendes Haupt sinken und übergibt Seinen Geist Seinem himmlischen Bater. O Christ! schaue das Kreuz mit Ernst an, denn es ist das Denkmal deiner Schuld, das Denkmal der Gerechtigkeit Gottes und das Denkmal der Liebe des eingeborenen Sohnes. Sein Tod ist unser Leben. Gebet. Drücke, o Vater! Deines Sohnes Todes 134 pein meinem Herzen tief ein, damit ich ohne Ende wohl erwäge, welchen Werth meine Seele hat, für die Dein vielgeliebter Sohn gestorben ist, und auch in Zukunft mich nie in etwas Anderem rühme, als in Jesu, und zwar in Jesu, dem Gekreuzigten, und ich dann in der Stunde meines Todes meine Stele getrost in Deine Vaterarme empfehlen kann. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2. Ave Maria zc. Die Ehre zc.( wie oben). XIII. Station. Jesu Leichnam wird vom Kreuze abgenommen. Wir beten Dich an 2c. Nach dem Tode Jesu nehmen Seine Jünger und Freunde Seinen Leichnam vom Kreuze herab und legen Ihn in den Schooß der betrübten Mutter. Ihr Sohn ist unser Eigenthum geworden. Sein Vater ist durch Seinen Tod unser Vater, Seine Mutter unsere Mutter. Sein Verdienst machte Seine Liebe zu unserm Verdienste. Seine Herrlichkeit ist unsere Herrlichkeit. Maria sieht alle Wunden ihres vielgeliebten Sohnes. So endet, o Christ! jedes mit Gott überstandene Leiden. Sei stark, mein Herz, dulde und harre 135 aus, bis ein glückliches Ende dich zu Jesum und Maria bringt! Gebet. Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme Dich meiner! stärke mich durch Deine heiligen fünf Wunden; erleuchte mich, damit ich Dich nicht wieder mit neuen Sünden freuzige. Schmerzhafteste Mutter Jesu! unterstütze mein Gebet bei deinem gekreuzigten Sohne, damit ich von jeder Sünde frei werde und in das ewige Leben eingehen möge. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser zc. Ave Maria z. Die Ehre zc.( wie oben). XIV. Station. Der Leichnam Jesu wird zu Grabe getragen. Wir beten Dich an 2c. Begleite noch zum Schlusse die Jünger und Freunde Jesu, um zu sehen, mit welcher Sorgfalt sie das neue Grab für Jesum bereiten; erwäge die heilige Ehrfurcht, mit welcher sie den kostbaren Schatz in die Tücher einhüllen- in das Grab hinabsenken. Zeit, Geld, zeitliche Ehre und ihr Leben sind sie bereit hinzugeben, um ihrem geliebten Meister die letzte Ehre 136 zu erweisen. Das vermag nur glühende Liebe zu Jesu. Bereite dein Herz, damit es rein, makellos und jederzeit würdig sei, deinen Heiland aufzunehmen. Gebet. O Du liebreicher Erlöser der Menschheit! erbarme Dich über mich armen Sünder, der ich alle meine Sünden von Herzen bereue, und ersetze durch Dein heiliges Leiden und Deine unendlichen Verdienste, was mir abgeht und lass' mir meine Lebenszeit so zubringen, daß ich einstens mit großer Sehnsucht der Todesstunde entgegensehe, die mich mit Dir auf ewig vereiniget, wo ich dann in ewiger Freude Dich loben und preisen kann. Amen. Gekreuzigter Jesus 2c. Vater unser 2c. Ave Maria zc. Die Ehre 2c.( wie oben). Fünf Vater unser. Die Ehre 2c.( wovon das letzte Vater unser auf die Meinung der heiligen Kirche gebetet wird). Beschluß. Nun hast du wieder deinem Heilande dich ergeben, christliche Seele! Sprich noch mit liebevollem, treuem Herzen: Herr, ich bin ganz Dein, Du ganz mein! Lass' dich nicht wieder von den Dingen dieser Welt gefangen 137 nehmen, dein Heiland ist für dich gestorben, lebe nun dankbar für Ihu, verlasse deinen Retter nimmermehr. Es gibt kein anderes Opfer unserer Erlösung, als das Opfer Jesus. Bewahre sorgfältig diesen Schatz, Er sei deine Stärke im Leben, dein Trost im Tode und jenseits des Grabes dein Lohn. Gebet am Gründonnerstage. Ich bin das Brod des Lebens, das vom Himmel herabgekommen ist. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird Dein Lob verfünden. Gott! dent' auf meine Rettung. Herr! cile mir zu helfen. Ehre sei dem Vater 2c. Anbetung. Den eingeborenen Sohn Gottes und Maria, das wahre Himmelsbrod, das der Vater uns gegeben hat, bete, o meine Seele! in tiefster Demuth an. Unserem Herrn Jesus Christus, der uns Sein heiliges Blut im wunderbaren Geheimnisse des Allerheiligsten Altars- Sacramentes heute gegeben hat, bring', o meine Seele! ewiges Lob und unendlichen Dank! Unserem verborgenen Gott, Jesus Christus, der uns durch Seinen heiligen Leib und durch Sein kostbares 138 Blut das ewige Leben gibt, bring', o meine Seele! das Dankopfer der innigsten Liebe und stimme in den Lobgesang aller Engel und Heiligen ein. Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott! der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind Seiner Herrlichkeit, Majestät und Ehre voll! Ehre sei dem Vater ze. Amen. Jefus am Delberge. Meine Seele ist betrübt bis in den Tod!" So sprachst Du, o mein göttlicher Erlöser! als Du dem Garten zugingst, in welchem Du Dich zum Heile der Menschen Deinen Feinden in die Hände überliefern wolltest. Deine Seele ist betrübt bis in den Tod. Auch die Gerichte des Allmächtigen nahmen ihren Anfang; Er sah in Dir jetzt einzig noch das unfreiwillig sich hingebende Osterlamm für die Sünden der Welt, was wir Sünder verschuldet hatten, das duldetest Du uns zu Liebe; Du bist mein Gott, der Gott meines Herzens. Vater unser 2c. ,, Vater, wenn es möglich ist, daß dieser Kelch vorübergehe, so nimm ihn von mir; doch geschehe nicht mein Wille, sondern der Deine!" So betest Du, o Jesus! während 11 139 Dein edles Herz unter den heftigsten Gefühlen der Angst ringet. Ach, lass' Dein großes Beispiel einen tiefen Eindruck auf mich machen! gib auch mir unter den Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens jene fromme Ergebenheit in den Willen des himmlischen Vaters, mit der Du Dich hingegeben hast, um für uns Alle zu leiden und zu sterben. Vater unser 2c. Ach, verlassen hab' ich Dich, Heiland meiner Seele! treulos verlassen hab' ich Dich, aber sieh, ich eile zu Dir zurück, verstoß' den Unwürdigen nicht; nimm mich auf, unendliche Güte! und hilf mir, daß ich wache und bete, damit ich in der Versuchung nicht falle, sondern treu Dir nachfolge im Leben und im Tode. Amen. Vater unser 2c. Am heiligen Charfreitage. Christus hat für uns gelitten und uns ein Beispiel hinterlassen, daß wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Und nun danke ich Dir und bete Dich an im Staube für Deine unbegreiflich große Liebe, womit Du so unermüdet mein Heil gesucht und gewirkt hast, o Jesus, Du unschuldiges Gotteslamm! Ich danke Dir für alle Deine Leiden, 140 für das Blutvergießen, für die ausgestandenen Martern an Seele und Leib, für den bitteren Tod, den Du gelitten hast zu unserer Erlösung. Ich bitte Dich, segne mich mit dem ganzen Verdienste Deines Leidens und Sterbens. Laff' an mir geschehen und erfüllet werden, was Du durch die Aufopferung Deines Lebens gesucht hast. Schenke mir einen recht lebendigen Glauben an Dich und eine recht innige Liebe und feste Zuversicht zu Dir. Verleihe mir Vergebung meiner Sünden, Frieden des Herzens, Gehorsam gegen Dich, reinen Wandel vor Dir, mit Dir, und selige Gemeinschaft mit dem Vater. Schaffe mich durch Deinen heiligen Geist zu einem wahren Kinde Gottes um, bring' mich in Dein Reich und führe mich in's ewige Leben. Jesus! mein Heiland, mein Erlöser, mein Herr, mein Gott und Seligmacher. Amen. Charsamstag. Christus hat für uns gelitten 2c. Sie gingen hin, besetzten das Grab mit Wächtern, und versiegelten den Grabstein! Das war der Anschlag der Hölle! Satan wollte Jesus ermorden und Ihn in's Grab 141 verschließen, daß Er da verwese und vergessen werde auf Erden. Und dazu halfen die blinden, verstockten und boshaften Hohenpriester und Pharisäer. Aber was kann die Hölle, was kann die ganze Welt gegen Gott? Wer kann Gott hindern in Ausführung Seines heiligsten Willens? Es ist ein eitles, thörichtes Unternehmen, sich Gott widersetzen zu wollen. Denn der getödtete, in's Grab verschlossene Jesus geht frei hervor; Der hätte verwesen sollen, lebt neu, sinnlich, wirksam und göttlich, kraftvoll; Der hätte vergessen werden sollen, wird gepredigt in der ganzen Welt, wird auch uns gepredigt. O meine Seele! danke und bete Gott an, daß Sein Wort auch uns zugekommen. Schätze und ehre das Evangelium Jesu, welches auch dir verkündigt wird. Freue dich, daß auch dir gepredigt wird Sein Tod, Seine Auferstehung, Sein Leben bei Gott und die Erlösung und Seligkeit durch Ihn. Tausende hören nicht, was Du vernimmst, und leben in der Welt in Finsterniß und Kummer, und gehen aus ihr ohne diesen Trost. Sei aber nicht zufrieden, es zu hören und zu wissen, sondern lebe auch darnach. O, ziehe mich nach Dir und erfülle ganz 142 mein Herz und lebe in mir, daß es dem Satan nicht gelinge, Deine Gnade in mir zu tödten, und Dich aus meinem Herzen auszuſchließen. Erhebe mich aus dem Tode der Sünde und lebe und wirke fräftig in mir, daß ich durch Dich und mit Dir ewig selig werde. Amen. Christus, unser Osterlamm, ward für uns geopfert. Alleluja. Gebet am Oftersonntage. Der Herr ist vom Grabe erstanden, Alleluja, Der für uns am Holz des Kreuzes starb. Alleluja. Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat, laffet uns heute frohlocken und fröhlich sein. Kirchengebet. Gott, der Du der Welt durch das Osterfest die Mittel zur Seligkeit verliehen hast, wir bitten Dich, segne Dein Volk mit himmlischen Gaben, damit es zur vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes und zum ewigen Leben gelangen möge, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Erstanden ist der gute Hirt, der Sein Leben für Seine Schafe gab und für das Heil Seiner Feinde geben wollte. Alleluja. Vater unser 2c. 143 Litanei von allen Heiligen. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, Ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heiligste aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Rafael, bitte für uns! Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, bitte für uns! Heiliger Josef, bitte für uns! Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Petrus, bitte für uns! 144 Heiliger Paulus, Heiliger Andres, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Filippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Mathias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lukas, Heiliger Markus, bitte für uns! Alle heiligen Apostel und Evangeliſten, bittet für uns! Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet für uns! Heiliger Stefanus, bitte für uns! Heiliger Laurentius, bitte für uns! Heiliger Vinzentius, bitte für uns! Heiliger Fabianus u. Sebastianus, Heiliger Johannes und Paulus, Heiliger Kosmas und Damianus, Heiliger Gervasius und Protasius, bittet für uns! Alle heiligen Märtyrer, bittet für uns! Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nicolaus, Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernardus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, 145 bitte für uns! Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heiligen Lehrer, bittet für uns! bitte für uns! Alle heiligen Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Maria Magdalena, bitte für uns! Heilige Agatha, bitte für uns! Heilige Lucia, bitte für uns! Heilige Agnes, bitte für uns! Heilige Cäcilia, bitte für uns! Heilige Katharina, bitte für uns! Heilige Anastasia, bitte für uns! Bete und vertraue. 10 146 Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, bittet für uns! Alle Heiligen Gottes, bittet für uns! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde erlöse uns, o Herr! Von Deinem Zorne erlöse uns, o Herr! Vor jähem und unvorhergesehenem Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorn, Haß und v. allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unreinigkeit, Von Blitz und Ungewitter, Von der Pest, dem Hunger und dem Kriege, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß Deiner heiligen Menschwerdung, Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe u. Dein heiliges Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß, Durch Deine Auferstehung, Durch Deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Herabkunft des heiligen Geistes, des Trösters, erlöse uns, o Herr! 147 Am Tage des Gerichtes erlöse uns, o Herr! Wir armen Sünder, Daß Du uns verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur wahren Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß Du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in Deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wolleſt, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß Du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wolleſt, Daß Du uns selbst in Deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wollest, Daß Du in unseren Gemüthern himmlische Begierden erregest, Daß Du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, 10* wir bitten Dich, erhöre uns! 148 Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, ODu Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! ODu Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. höre wir bitten Dich, eruns! Psalm 69. O Gott, sei bedacht mir beizustehen! Herr, eile mir zu helfen! 149 Beschämt und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen bald beschämt abtreten, die meiner spotten und mir Hohn sprechen. Alle aber, die Dich suchen, sollen frohlocken und sich über Dich freuen, und die Deine Hilfe wünschen, sollen immer sagen: Hochgelobt sei der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm, o Gott, steh' mir bei. Denn Du bist meine Hilfe und meine Rettung, Herr! verweile nicht so lange. Die Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste! Wie es war vom Anbeginne, so sei es jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. Priester: Rette Deine Diener! Volk: Die auf Dich hoffen, o mein Gott. P. Sei uns, Herr! ein starker Thurm. V. Wider unsere Feinde. P. Lass' den Widersacher nichts vermögen wider uns. V. Und der Böse schade uns ferner nicht. P. Herr! handle nicht mit uns nach unseren Sünden. 150 V. Und vergelte uns nicht nach unseren Ulebelthaten. P. Lasset uns beten für unseren obersten Hirten Leo. V. Der Herr erhalte ihn, verleihe ihm Leben und Heil auf Erden und übergebe ihn nicht den Händen seiner Feinde. P. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. V. O Herr! gib allen unseren Wohlthätern um Deines Namens willen das ewige Leben. P. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Christgläubigen. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. P. Lasset sie in Frieden ruhen. V. Amen. P. Lasset uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott! rette Deine Diener, die auf Dich hoffen. P. O Herr! sende ihnen Hilfe von Deinem heiligen Sitze. V. Und von Sion beschütze sie. P. Herr! erhöre mein Gebet. V. Und lass' mein Rufen zu Dir kommen. 151 Gebet*). O Gott! dem das Erbarmen und Schonen immer eigen ist, nimm unser flehentliches Gebet auf, damit wir und alle Deine Diener, die wir in Ketten der Sünden liegen, durch Deine erbarmende Güte von demselben gnädig befreit werden. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschone uns, die wir Dir unsere Sünden bekennen, damit wir zugleich Verzeihung und Friede durch Deine Güte erlangen. O Herr! erzeige uns gnädig Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, durch welche wir zugleich von allen Sünden befreit und von der Strafe, die wir für solche verdienen, gerettet werden. O Gott! Der Du durch die Sünde beleidigt und durch die Buße versöhnet wirst, siehe gnädig auf das Gebet Deines um Gnade flehenden Volfes und wende die Geisel Deines Zornes, die wir für unsere Sünden verdienen, gnädigst von uns ab. *) Dieses und die nachstehenden Gebete werden von dem Priester mit lauter Stimme gebetet. 152 Für den Papst. den ersten Hirten, und für alle Vorsteher und Lehrer der Kirche; daß sie mit Demuth und Wahrheit forschen, daß sie Wahrheit mit Sanftmuth lehren, und dem bescheidenen Wahrheitsforscher mit Duldung, Liebe und Dank begegnen, daß sie der Gemeinde Gottes mit erleuchtetem Eifer, und noch mehr durch ihr Beispiel, als durch den Eindruck ihrer erhabenen Würde vorstehen. Allmächtiger, ewiger Gott, dessen geliebter Sohn der edelste Menschenfreumd, der treueste Lehrer der Wahrheit von jüdischen Priestern mißkannt, mißverstanden, und bis in den Tod mißhandelt und verfolgt, als ein Opfer der Unduldsamkeit, der Bosheit und des Religionshasses starb. O gib, daß die heutige Feier des Todes Jesu, des Gerechten, des Unschuldigen! einen unauslöschlichen Abscheu vor aller Unduldsamkeit und Verfolgungssucht in meinem und aller Menschen Herzen zurücklasse. Flöße allen Menschen, besonders aber allen Priestern, den Geist der Liebe und Sanftmuth ein und gib, daß sie, frei von Vorurtheilen und Stolz, überall der Wahrheit huldigen, mit dem Wachsthum einer redlichen Aufklärung in unseren Tagen fortschreiten, sich nur durch gründliche Gelehrsamkeit und einen auferbau 153 lichen Lebenswandel auszeichnen und dadurch ihren Stand sowohl als die Religion selbst chrwürdig machen. Amen. Für den Kaiser, daß er fühle, wie gut es sei, ein guter Regent zu sein, daß er in seinen Unterthanen immer seine Brüder und Mitmenschen erkenne und schätze, daß er nicht nach Laune und Willkür, sondern nach gerechten und menschlichen Gesetzen Land und Leute regiere, daß er niemals seine gesegnete Wahrheit vergeffe, die das Wohl der Staaten gründet und befestiget; die Fürsten sind ihrer Unterthanen, nicht die Unterthanen ihrer Fürsten wegen da. Allmächtiger, ewiger Gott! leite und lenke das Herz unseres Regenten, daß er sein Glück, seinen Ruhm und selbst seine Frömmigkeit darein setze und suche, ein gerechter, weiser und wohlthätiger Fürst zu sein. Daß sein öffentliches und sein häusliches Leben nie durch fürstliche Leidenschaft betrübt, nie weine durch seine Schuld ein Unterthan. O Gott! mehre durch ihn die Zahl guter Fürsten und lass' ihn und sein Land lange den Segen einer weisen und wohlthätigen Regierung genießen. Amen. Gebet für die Kaiserin. Erbarme Dich, o höchst barmherziger Gott! unserer Kaiserin N. und erhalte sie jederzeit in 154 Deiner Gnade. Verleihe ihr einen lebendigen Glauben und eine allzeit thätige Liebe. Schütze sie vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, damit ihre zeitliche und vergängliche Krone in jene ewige Siegeskrone verwandelt werde, welche Du Jenen verheißen hast, welche den guten Kampf des Glaubens bis an's Ende muthig gekämpft, und auf Erden nur Dir allein die Ehre gegeben haben, Welcher von den Engeln und Heiligen in Ewigkeit gepriesen und gelobt wird. Amen. Für alle Abgestorbenen. O Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie die guädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünscht haben, durch gottseliges Fürbitten erlangen. Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr, himmlischer Bater! siehe mit den Augen Deiner unendlichen Barmherzigkeit auf der Deinigen Jammer, Elend und Noth. Erbarme Dich aller Christgläubigen, für welche Dein einge 155 borner Sohn, unser Herr und Heiland, Jesus Christus in die Hände der Sünder freiwillig gekommen ist und Sein fostbares Blut am Kreuze vergossen hat. Durch diesen unsern Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater! die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörung, Kriege, Theuerung, Krankheiten und betrübte, mühselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten, damit sie Alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserem Heile und insgemein zum Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! echte Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Zertrennung. Lenke unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung des Lebens; zünde in uns das Feuer Deiner Liebe an. Erfülle uns mit eifrigem Berlangen nach Allem, was recht ist, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seien. Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott! daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübten und leidenden Christen, für die Lebenden und Ver 156 storbenen. Dir sei auf immer empfohlen, o Herr! all' unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Lass' uns nur Deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in der ewigen Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Dies verleihe uns, Herr, himmlischer Vater! durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland, Welcher mit Dir und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse fünf Bater unser und fünf Ave Maria.( Alsdann wird der heilige Segen gegeben.) Gebet. Ich zittere, o Herr! wenn ich auf meine Schwäche und meine Armseligkeit hinschaue und dabei an die vielen Feinde denke, die ich überwinden soll, um das Himmelreich an mich zu reißen. Beinahe unmöglich schien mir der Sieg, wenn ich nicht jene große Zahl derer vor mir sehe, die auch schwache Menschen waren, wie ich, diese Welt glücklich überwunden haben und jetzt sich ihres vollkommenen Sieges vor Deis nem Throne ewig freuen. Lass' mich zur Zeit 157 des Kleinmuths auch meiner verklärten Brüder nicht vergessen, sondern erinnere mich zur Zeit einer heftigen Versuchung an die Worte Deines treuen Dieners; wenn es Diese oder Jene vermochten, warum soll ich es nicht auch im Stande sein? Damit ich im Vertrauen auf ihre mächtige Fürbitte muthig kämpfe, bis ich nach vollbrachtem Laufe mit ihnen an ihrer Freude theilnehmen und ewig leben kann; darum bitte ich Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Litanei von der Liebe Gottes. Herr! erbarme Dich meiner. Christe! erbarme Dich meiner. Herr! erbarme Dich meiner. Gott Vater im Himmel! erbarme Dich meiner. Gott Sohn, Erlöjer der Welt! erbarme Dich meiner. Gott heiliger Geist! erbarme Dich meiner. Heilige Dreifaltigkeit. Ein einiger Gott! erbarme Dich meiner. Der Du die unendliche Liebe selbst bist, erbarme Dich meiner. Der Du mir mit Deiner Liebe zuvorgekommen bist, erbarme Dich meiner. 158 Der Du mir Dich zu lieben gebietest, erbarme Dich meiner. Der Du mir zu Liebe Deinen eingebornen Sohn dargegeben hast, erbarme Dich meiner. Aus ganzem Herzen, Aus ganzer Seele, Aus ganzem Gemüthe, Aus allen Kräften, Ueber alle Güter und Ehren, Ueber alle Freuden und Ergötzlichkeiten, Ueber mich und all' das Meinige, Ueber alle Freunde und Bekannten, Ueber alle Menschen und Engel, Ueber alles Erschaffene im Himmel und auf Erden, Nur allein wegen Deiner Selbst, Weil Du das allerhöchste Gut bist, Weil Du unendlich liebenswürdig biſt, Wenn Du mir auch den Himmel nicht versprochen hätteſt, Wenn Du mir auch die Hölle nicht androhtest, Wenn Du mich auch mit Trübsalen und Widerwärtigkeiten prüfen solltest, In Ueberfluß und Armuth, In Glück und Unglück, liebe ich Dich, o Gott! 159 In Absehen und Verachtung, In Freuden und Leiden, In Gesundheit und Krankheit, In Leben und Tod, In Zeit und Ewigkeit, In Vereinigung mit jener Liebe, mit welcher Dich alle Engel und Heiligen lieben, In Vereinigung mit jener Liebe, mit welcher Dich Deine jungfräuliche Mutter Maria liebet, In Vereinigung jener unendlichen Liebe, mit welcher Du Dich selbst liebest und! ewig lieben wirst, O Du Lamm Gottes. Vater unser. liebe ich Dich, o Gott! Das Fest der Himmelfahrt Jesu. Jesus Christus! Du Liebe meiner Seele! Du Freude und Heil der ganzen Erde, Du allmächtiger Sieger und Lebensfürst, ich bete Dich an! Du zur Rechten des Vaters Erhöhter, meine Seele feiert den Tag Deines Triumphes über alle Mächte des Todes und der Hölle. Du starbst des peinlichsten und des erhabensten Todes, starbst aus Liebe zu uns, damit wir ewig leben möchten; Dir gebührt Preis, Ehre und Anbetung von allen Menschen. Amen. 160 Das heilige Pfingstfest. Gebet. Gott, heiliger Geist! der Du von Gott dem Vater und von Gott dem Sohne ausgehst, und als Ein einiger Gott mit Beiden lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit, ich bete Dich an, und bekenne Dich als meinen Heiligmacher, als meinen Lehrer, Erleuchter und Begnadiger. Ich glaube Alles von Dir und durch Dich, was gut und selig machen kann, denn Du bist es, der die Herzen der Gläubigen erleuchtet und reinigt; Du kamst am heutigen Tage über die Jünger Jesu im Sausen des Sturmwindes und im Glanze milder Feuerflammen herab, und sie wurden neu erleuchtet, mit Glauben, Kraft und Liebe beseelte Menschen, die den Namen Jesu allen Nationen verkündeten und für Ihn lebten und wirkten, litten und starben. Heiliger Geist Gottes alles Trostes, Geist der Wahrheit! der Du Deine Kirche zu allen Zeiten bis an's Ende der Welt mit dem Lichte der Wahrheit erleuchtest und mit dem Feuer der Liebe entzündest; nimm aus den Händen des opfernden Priesters dieses heilige Opfer 161 gnädig an, welches ich zur Anbetung und zum Wohlgefallen, Deiner göttlichen Majestät, und zur würdigsten Vergeltung aller Gaben und Wohlthaten, aller heiligen Einsprechungen und innerlichen Antriebe, die ich Deiner unendlichen Liebe zu danken habe, jetzt mit feurigster Andacht anhören will, damit bringe ich diesem geheimnißvollen Opfer des neuen Herzens das Feuer der Andacht und Liebe, und hebe meinen Geist zu Dir empor, daß ich aus meiner Gegenliebe mit den Gaben des Priesters mich selbst Dir zum Opfer bringe und heilige durch Jesus Christus 2c. Amen. O Gott, der Du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes unterwiesen hast, verleihe auch uns die Gnade, daß wir in demselben Geiste, was recht ist, verstehen und Seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen, durch Jesus Christus 2c. Amen. Am Feste des Frohnleichnams unseres Herrn Jesus Christus. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, Herr! öffne meine Lippen, und Bete und vertraue. 11 162 mein Mund wird Dein Lob verkündigen. Gott, denke auf meine Rettung, Herr, eile mir zu Hilfe. Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja! Das allerheiligste Sacrament des Altars bete, o meine Seele, in tiefster Demuth an. Christus, den König, der über alle die Völker herrscht, und denjenigen, die Ihn ge nießen, Stärke des Geistes gibt, bete, o meine Seele, in tiefster Demuth an. Dir, o Jesus! lebendiger Gott im heiligsten Altarssacramente, bringe ich das Opfer einer ewigen Anbetung, Lob, Ehre, Liebe und Danksagung, und stimme in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heerschaaren; Himmel und Erde sind Seiner Herrlichkeit voll. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, Dir, o Vater! in dem Himmel, Dir, o cingeborner Sohn! Euch sei Lob, Preis, Dank und Ehre. Kraft und Segen strömt von Euch; Geist des Vaters und des Sohnes! Dir gebührt ein gleicher Ruhm. Amen. O allerheiligstes Abendmahl, in welchem wir Jesus Christus wahrhaft empfangen, das - 163 Andenken Seines Leidens verehren, die Seele mit Gnade erfüllet und uns ein Pfand des ewigen Heils mitgetheilt wird, sei angebetet, gelobt und gebenedeit von mir und von allen Geschöpfen, an allen Orten und zu allen Zeiten in Ewigkeit. Amen. Gott, der Du uns unter diesem wunderbaren Sacramente ein Denkmal Deines Leidens hinterlassen hast, wir bitten Dich, verleih' uns, die heiligen Geheimnisse Deines Leibes und Blutes so zu verzehren, daß wir die Früchte Deiner Erlösung an uns selbst erfahren mögen, der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit, mit dem heiligen Geiste gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf das Fest Mariä Empfängniß. O Maria! wir ehren Dich mit andächtigem Herzen. Wir danken heute Gott mit großer Freude, daß Er Sich in dir eine Stätte bereitet hat, welche würdig war, Seinen Eingeborenen aufzunehmen. Glückselige Eltern, Joachim und Anna, heute ist euer Gebet über alles Erwarten erhört, das kostbarste Gut ist euch anvertraut. Nun ist das Heil nicht mehr fern, denn es wird durch euch gebaut der Tempel, in 11* 164 welchem es geoffenbart werden soll: nun muß die helle Sonne der göttlichen Liebe Jesus Christus bald aufsteigen, denn die Morgenröthe Maria ist erschienen. Freuet euch und frohlocket, ihr Christen alle, denn heute ist empfangen worden Maria, die erste, reine, makel. lose Blume, die auf dieser Erde geblüht hat. Der Mensch ist zwar tief gefallen und sehr entstaltet worden durch die Sünde, doch es blich noch etwas übrig von seiner vorigen Schön heit und Würde. — An Maria finden wir diesen Rest der zerfallenen menschlichen Reinheit und Glückselig keit. In ihr haben sich zusammengefügt die Trümmer des herrlichen Adels, der dem Menschengeschlechte nach dem Falle noch geblieben ist. Wie sehr sollen wir frohlocken und uns er freuen vor Gott, der den abtrünnigen Menschen nicht vollends verderben ließ, sondern an ihm retten und befreien will, was gerettet und befreit werden kann. Billig erfreuen wir uns über die nahe Ankunft Maria, dieser von Gott hoch begnadigten neuen Eva, d. h. der Mut ter der Lebendigen. Nimm also, o Maria, gütig auf unsere Begrüßungen, mit denen wir deine heilige Empfängniß feiern wollen. 165 Wir bitten Dich, o Herr! ertheile Deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade, damit uns, denen die Geburt der seligen Jungfrau zum Anfange des Heils gereichte, die Feierlichkeit ihrer Empfängniß den Frieden vermehre durch unsern Herrn 2c. Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, Ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heiligste aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du reinste Mutter, Du keuschefte Mutter, bitte für uns! 166 Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebenswürdige Mutter, Du bewunderungswürdige Mutter, Du Mutter des Schöpfers, Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du chrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreueste Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unserer Fröhlichkeit, Du geistiges Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, bitte für uns! 167 Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hilfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! bitte für uns! Vater unser, Ave Maria. Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöthen, sondern 168 erlöse uns allezeit von allen Gefahren! o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit Deinem Sohne, empfehle uns Deinem Sohne, stelle uns Deinem Sohne vor! P. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! V. Damit wir der Verheißungen Christi würdig werden. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest uns Deine Gnade ertheilen, damit wir, die wir durch des Engels Botschaft Christi, Deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch Sein Leiden und Sterben zur Herrlichkeit der Auferstehung geführet werden. Durch denselben Christum, unseren Herrn. V. Amen. P. Bitt für uns, o heiliger Joseph! V. Damit wir der Verheißungen Christi würdig werden. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! lass' uns die Verdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebärerin zu Hilfe kommen, damit uns durch Seine Fürbitte dasjenige gewährt werde, was wir durch unsere Kräfte zu erhalten nicht ver 169 mögen. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Salve Regina. Sei gegrüßt, du Königin, Mutter der Barmherzigkeit, Trost in unserem Leben und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu Dir rufen wir verwiesene Kinder Evens, zu Dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Thale der Thränen. O wende Du, unsere Fürsprecherin! deine mitleidigen Augen uns zu, und zeige uns nach diesem Efende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o liebenswürdige Jungfrau Maria! P. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! V. Damit wir der Verheißungen Christi würdig werden! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zur würdigen Wohnung Deines Sohnes durch die Mitwirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast, gib, daß wir, die wir uns ihres Andenkens erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode gerettet werden. 170 Durch denselben Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. Hierauf wird das Gebet für den Landesfürsten, das Gebet für das allgemeine Anliegen der Christenheit, wie unten Seite 514 und folg., dann fünf Vater unser, fünf Ave Maria für die allgemeinen Bedürf nisse gebetet. An Mariä Geburt. Oliebreiche Jungfrau und Mutter Gottes, Maria! ich bitte dich demüthig durch deine gnadenreiche Geburt, womit du Himmel und Erde erfreuet hast, erlange mir bei deinem göttlichen Sohne Gnade, daß mein Herz sich niemals von der abscheulichen Sünde des Neides beherrschen lasse, sondern daß ich meine Nebenmenschen vom ganzen Herzen und wegen Gott inbrünstig liebe, und ihr Heil nach Möglichkeit befördere. Amen. Am Feste Mariä Berkündigung. O Gott! Dein Wille war es, daß die heiligste Jungfrau auf die Verkündigung des Engels Deinen eingebornen Sohn empfangen hat. Wie wir nun glauben, daß sie dadurch in Wahrheit zur Würde einer Gottesgebärerin 171 erhoben wurde, so flehen wir auch zu Dir, daß wir vermittelst Ihrer Fürbitte Hilfe erlangen mögen, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret in Einigfeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Feste der Schmerzen Mariä. O Gott, bei dessen Leiden und Sterben die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria von Schmerzen durchdrungen wurde, verleihe uns die Gnade, daß wir, indem wir ihr Leiden auf Erden verehren, durch die ehrwürdigen Verdienste und Gebete aller Heiligen, die bei Deinem Kreuze standen, auch die seligen Wirkungen Deines Leidens erfahren mögen, der Du lebest und regierest. Das Stabat Mater. Chrifti Mutter stand voll Schmerzen, Trauernd, mit beklomm'nem Herzen Bei dem Kreuz, an dem Er hing; Er, ihr Sohn, ihr Trost, ihr Leben; Ach, wer kann durch Worte geben, Welch' ein Schwert durch's Herz ihr ging? Sie hat jenes ganz durchdrungen, Von dem Simeon gesungen, 172 D! ein tief verwundend Schwert Hat ihr Mutterherz durchschnitten, Als ihr heil'ger Sohn gelitten; Wer begreift des Leidens Werth? Wer soll bei so großen Peinen, Keine Mitleidsthränen weinen? Wer nicht fühlen ibre Noth? Wer erwäget ohne Schauer Der verwaisten Mutter Trauer. Uleber ihres Sohnes Tod? Ihn für freche Sünden büßen, Ströme Bluts aus Wunden fließen, Hilflos sterben sah sie Ihn, Sab den Sohn am Kreuz verlassen, Ueberbäuft von Schmach erblaffen Und Sein Leben von Ihm flieh'n. Heil'ge Mutter, Quell der Liebe! Daß ich mich wie du betrübe, Weine so um Ihn wie du! Daß ich Jesu Lieb' erkenne, Gegen Ihn vor Liebe brenne, Derbitt' mir Kroft dazu! Möcht' ich Schmerz und Reu' vereinen, Ueber meine Sünden weinen, Für sie büßen lebenlang. Oft im Geist zum Kreuze gehen, Mit Dir unterm Krenze stehen, Ganz erfüllt von Lieb' und Dank. Hilf mir flehen, Gnad' erwerben, Daß mir, wenn es kommt zum Sterben, Heil und Segen widerfährt! Daß Gott mein als Richter schone! Was kannst du von deinem Sohne Bitten, das er nicht gewährt? Hilf er nach überstand'nen Leiden Mir zu jenen Himmelsfreuden, Wo die auserwählte Schaar Deines Sohnes Thron umringt, Ihm ein ewig Loblied singt? Amen, dieses werde wahr! 173 Am Feste der Himmelfahrt Mariä. O Maria, du hast die Erde verlassen und deinen Sitz im Himmel eingenommen; dein Mitleid aber gegen uns nimmt nie ab deswegen, es nimmt vielmehr zu. Du empfingst für die Reinigkeit deines Wandels ein unvergängliches Leben, für deine Demuth die Erhöhung über alle Geschöpfe, für deine Frömmigkeit die Anschauung Gottes, für deine Hingabe in Seinen heiligen Willen den Genuß der ewigen Seligkeit, für deine Treue in der Bewahrung der Gnaden Gottes das Recht, auch jene deiner Verehrer, die dein Leben nachzuahmen streben und ihr Vertrauen auf deine mächtige Fürsprache setzen, Gnade zu erbitten, 174 O, blicke gnädig auf uns herab, du siehst die Gefahren, mit denen wir unausgesetzt zu kämpfen haben, hilf uns kämpfen und siegen. Du bist zunächst bei Gott, du befindest dich im Reiche des Herrn, und sättigst dich an Gottes Herrlichkeit, wir aber leben fern im Lande der Vergänglichkeit. Wir bitten dich um deine Fürsprache bei Gott, damit wir nie vergessen, daß wir hier feine bleibende Stätte haben, sondern die künftige suchen, daß wir uns von dem Jrdischen stets mehr losreißen, in der Liebe Gottes wachsen, glücklich sterben, und an den Ort unserer Bestimmung gelangen, wo wir dir für deine Güte danken, und mit dir und allen Hei ligen Gott ewig besigen, loben und preisen. Amen. Am Feste des Heiligen Joseph. Sei mir gegrüßt, du Mann nach dem Herzen Gottes, heiliger Joseph! Dich hat der liebe Gott gerecht gefunden auf Erden und auserwählt zum Bräutigam der allerreinsten und gnadenvollsten Jungfrau, und zum Pflegevater Seines eingebornen geliebten Sohnes. Dir hat er die Sorge über die heiligsten Personen auf Erden, über Jesus und Maria 175 anvertraut; zu dir sandte Er Seinen Engel, um dir die wunderbare Menschwerdung des Sohnes Gottes und die unerforschlichen Wege göttlicher Führung zu offenbaren. Viele Gnaden hast du von Gott empfangen, viele Freuden empfunden im Umgange mit den heiligsten Personen; aber auch mit ihnen bei der Arbeit zufrieden, in Armuth, Leiden und Kummer geduldig und gottergeben. Willig und genau hast du, o heiliger Joseph, jedem Wink von Gott gefolgt, mit ganzem Vertrauen hast du dich auch in den betrübtesten und fummervollsten Umständen auf Seine väterliche Fürsorge verlassen, und Gott hat Alles mit dir so geordnet, daß du jederzeit Seine weise Vorsehung dankbar anerkannt und freudig angebetet hast. O Gott! der Du die Kindheit Jesu, Deines Sohnes und Seiner heiligen Mutter der Sorgfalt und Pflege Deines frommen Dieners Joseph anvertraut, und dadurch seine Tugend und Treue auf das herrlichste belohnt hast, verleihe auch mir, seinem Verehrer, die Gnade, daß ich in dem Berufe, den Du mir angewiesen hast, mit Treue und Gehorsam Gutes wirke und durch Nachahmung seines heiligen Tugendwandels einst 176 der ewigen Seligkeit theilhaftig werde, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. Gebet zu der heiligen Mutter Anna. Glückselige und gebenedeite Mutter der heiligen Gottesgebärerin Maria! Aus deiner unvergleichbaren Tochter kann man abnehmen, was für große Schätze der Gnaden dir von Gott sind mitgetheilt worden; du bist die Wurzel, welche den Baum des Lebens getragen, aus welchem das Heil der Welt, der Urheber des Lebens, Jesus Christus, entsprossen ist. Selig ist dein keuscher Leib, der die Königin des Himmels, die Mutter der schönen Liebe, die Freude der Engel, die Hoffnung der Sünder, ohne Sünde empfangen und der verlorenen Welt hervorgebracht hat. Es ist billig, daß ich dich verehre und dein großes Vermögen erkenne, welches dir Gott durch Seine Gnade gegeben hat. Erlange mir die Gnade, daß ich den Sohn deiner gebenedeiten Tochter nach deinem Beispiele liebe und daß ich diese deine geliebte Tochter, meine Frau und gnädige Mutter von Herzen verehre und ihren heiligen Tugenden nachfolge, besonders ihrer Reinigkeit, Demuth, Liebe zu Gott und den Nächsten, endlich steh' mir bei in 177 allen meinen Nöthen, sowohl im Leben wie im Sterben. Amen. Gebet zum heil. Johann von Nepomuk. O glorreicher Märtyrer, heiliger Johannes von Nepomuk! der du für das heilige Siegel der Beichte dein Leben darzugeben kein Bedenken getragen hast, erlange uns die Gnade, eben dieses heilige Sacrament jederzeit mit würdiger Vorbereitung und Aufrichtigkeit zu empfangen. Lehre uns, unsere Zungen wohl zu gebrauchen, beschütze uns vor aller Verleumdung böser Zungen und behüte uns vor zeitlicher und ewiger Schande. Amen. Gebet des heiligen Thomas von Aquin an den Erlöser. Heiligster Vater, allmächtiger Gott! von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du mich Unwürdigen ohne alle Verdienste und blos aus Gnade und Erbarmung mit der Liebe und dem Blute Deines Sohnes, meines Herrn Jesus Christus, gesättigt hast. Ich bitte Dich, lass' mir dieses heilige Geheimniß nicht zu meinem Schaden und Verderben sein, sondern lass' es mir Segenquelle werden, laff' mich Bete und vertraue. 12 178 dadurch stark im Glauben, fest im guten Willen werden; hilf mir, daß ich alle bösen Begierden in mir vertilge und reicher werde an Liebe, Geduld, Demuth und Gehorsam und in allen Tugenden. Mein Erlöser! schütze mich vor den Nachstellungen meiner Feinde, vor allen heimlichen und offenbaren Gefahren. Ersticke jeden Aufruhr der Leidenschaft in mir, hefte mein Herz unzertrennlich an Dich, meinen einzigen und wahren Gott, verleihe mir einst ein seliges Ende, und dann führe mich zu Dir zu Deinem herrlichen Freudenmahle, wo Du mit diesem Deinem geliebten Sohne und dem heiligen Geiste durch Dich selbst Deinen Auserwählten das wahre Licht und unaussprechliche Befriedigung ihrer Wünsche, ewige Freude und Seligkeit bist, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet zur heiligen Filomena. ( Den 10. Auguſt.) Allmächtiger, ewiger Gott! der Du Deinen treuen Dienern jederzeit beistehest, und ihnen auch mit väterlicher Liebe verleihest, um was sie Dich bitten, verleihe uns durch die Fürbitte der heiligen Filomena die Gnade einer heiligen Liebe zur Unschuld, eines felfenfesten und 179 lebendigen Glaubens auf Dein Wort, einer unverbrüchlichen Treue bis an unser Lebensende, damit wir Dir jederzeit freimüthig nach dem Beispiele der heiligen Märtyrin vor aller Welt das Zeugniß geben, der Du mit dem Sohne und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Litanei am Feste der heiligen Theresia. ( Am 15. October.) Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Königin der Jungfrauen, Heilige Theresia, Hochbegnadigte Jungfrau, Auserwählte Braut Jesu Christi, Geliebteste Tochter der himmlischen Königin, Du Freude der verklärten Jungfrauen, Gnadenreiche Zierde deines Ordens, Lehrmeisterin des wahren Geistes, Strahlendes Licht des Erdkreises, Erhabenes Vorbild der Unschuld, 12* Herz! erbitte uns ein gottliebendes 180 Seraph der flammenden göttlichen Liebe,) Wunderbare Besiegerin der Natur, Kräftige Bekämpferin des Weltgeistes, Vertrauensvolle Retterin der Unschuld, Muthige Verkünderin der Ehre Gottes, Ernste Verachterin der Welt, Heilige Liebhaberin der Einsamkeit, Ruhm deines Vaterlandes, Märtyrin der heiligen Sehnsucht, Zeige dich uns, o heilige Theresia, als liebreiche Mutter, Damit wir nicht sündigen, wir bitten) dich, Damit wir von dem Satan nicht getäuscht werden, wir bitten dich, Damit wir im innerlichen Leben nie träge werden, wir bitten dich, bendes erbitte uns ein gottlieHerz! Damit unser Herz nicht verstockt werde, Wir hilflosen Sünder bitten dich, Daß du der heiligen Kirche den Frieden erflehest, wir bitten dich, Damit wir Gott über Alles lieben und bis an's Ende ausharren, D für uns! heilige Mutter Theresia, bitte O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erbarme Dich unser, o Herr! 2c. Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. 181 Gebet. Erhöre uns, o Jesus! die wir am Feste Deiner jungfräulichen Braut, der heiligen Theresia, zu Tir rufen, und verleihe uns eben jene kindliche Liebe zu Dir, mit der sie begnadigt war; lass' uns nach ihrem Beispiele Deinen heiligen Willen wahrhaftig erkennen, genau erfüllen, und mit Dir hier vereint Deiner unendlichen Liebe unerschrocken das Zeugniß im Leben und im Tode geben, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewig lebest. Amen. Gebet zum heiligen Stephanus. O Herr! verleihe mir die Kraft, nachzuahmen, was ich ehre und bewundere; lehre mich auch meine Feinde lieben durch die Fürbitte des heiligen Stephanus, der selbst für seine Mörder und Verfolger um Gnade und Verzeihung gebeten hat zu Jesus Christus, Deinem Sohne. Allmächtiger, ewiger Gott! Du hast Dir 182 die Erstlinge der Märtyrer in dem Blute des heiligen Stephanus eingeweiht, lass' den bei Dir einen Fürbitter für uns werden, der auch für seine Verfolger bat bei Jesus Christus, Deinem Sohne, unserm Herrn. Amen. Andacht zu Ehren der heiligen Märtyrer. Wie verehrungswürdig seid ihr uns, ihr heldenmüthigen Bekenner und Blutzeugen Jesu Christi, die ihr euch lieber martern und tödten, als von der Wahrheit Seiner Lehre abtrünnig machen ließet.- Ihr habt das Christenthum mit eurem Blute bezeuget und fortgepflanzt. Wie vielen Dank sind wir euch schuldig; aber zugleich wie ermunternd ist uns euer heiliges Beispiel! Zwar hoffen wir, daß jene Zeiten vorbei sind, wo die Christen des Glaubens wegen die schwersten Drangsale und Verfolgungen aus zustehen hatten. Aber ach! wie Vieles will auch mich noch von der Ausübung meines Christenthums abwendig machen. Bald reizt mich eine schnöde Lust, ein scheinbarer Vortheil, ein verführerisches Beispiel, bald macht mich Furcht und Trägheit wankend. Wie schwach bin ich noch, wie wenig noch in der Geduld geübt. 183 Wie muß ich mich schämen, wenn ich mich mit euch vergleiche, ihr glorreichen Märtyrer! Freilich sage ich oft: ich will lieber sterben als fündigen! Und doch sündige ich lieber, als daß ich nur ein geringes Unrecht leide, eine harte Rede ertrage, ein furzes falsches Vergnügen entbehre, einen schlechten, zeitlichen Gewinn fahren lasse, oder eine kleine Beschwerniß überwinde; die mindeste Versuchung wirft meine besten Vorsätze zu Boden. Wie würde ich bestehen, wenn ich die Feuerprobe des Martyrthums aushalten, Leben und Blut für mein Christenthum aufopfern sollte? - So viel forderst Du dermalen nicht von mir, o Gott, Du willst nur, daß ich durch ein christliches Leben meinen Glauben standhaft bekenne, wider alle Reizung und Neigung zur Sünde, wider alle Hindernisse und Feinde meines Heils ritterlich kämpfe, und mich durch nichts in der Welt gegen Pflicht und Gewissen zu handeln verleiten lasse. Dazu wirst Du mich durch Deine Gnade stärken, wie Du die heiligen Märtyrer in ihren weit härteren Kämpfen gestärkt hast, wenn ich Dich nur um diese Gnade eifrig bitte und mit derselben getreulich mitwirke. 184 So will ich denn, o Gott! fern von aller Scheinlichkeit, mich nie meines Christenthums schämen; es auch nicht achten, wenn ich deswegen Spötterei, Verfolgung oder zeitlichen Schaden zu erdulden hätte. Tausend Mal lieber will ich Unrecht leiden, als Unrecht thun. Meinen Feinden will ich mit Liebe begegnen, und sie mit Sanftmuth und Wohlthun zu gewinnen suchen. Unverdrossen und standhaft will ich meine Christen- und Standespflichten erfüllen, und da ich mein Blut nicht wie die heiligen Märtyrer vergießen kann, so soll es wenigstens nur dazu in meinen Adern fließen, daß es mich bis zum letzten Pulsschlag zu unermüdet nützlicher Thätigkeit und Ausübung guter Werke belebe. Auf solche Weise will ich meinen Glauben durch That und Leben bekennen, und mich mit so vielem Vertrauen zu Dir, o Gott! mit so viel Muth und Entschlossenheit, mit so viel Geduld und Standhaftigkeit ausrüsten, daß ich einst würdig werde, nach glücklich überstandenen Kämpfen und Leiden in der heiligen Gesellschaft Deiner ruhmvollen Märtyrer der Siegeskrone der himmlischen Herrlichkeit mich zu erfreuen. Amen. 185 Kirchengebet. Wir bitten Dich, o Herr! da wir heute auch das Andenken an alle heiligen Märtyrer feiern, Du wollest uns in Deiner Liebe fest gründen, und kräftige Wurzel fassen lassen, damit wir die Leiden dieser Welt aus Liebe zu jener Herrlichkeit, die an uns einst soll geoffenbaret werden, freudig und mit unüberwindlichem Muthe ertragen mögen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebete für Kranke, um sich zu einem guten Tode vorzubereiten. Aus der heiligen Schrift. Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Höre, o Herr! und sei gnädig. Du bist ein barmherziger Gott, ach! erbarme Dich unser. Vater unseres Herrn Jesu Christi, Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes! Eingeborner Sohn des lebendigen Gottes! heiliger Geist, süßer Trost in der Trübsal, Stärke in unserer Schwachheit, erbarme Dich unser! heiligster, allmächtigster, unendlich barmherziger Gott, von Dir kommt alles Gute, durch Dich besteht Alles, zu Dir 186 zurück soll Alles; erbarme Dich unser! Heiliger, starker Gott! Heiliger, unsterblicher Gott! erbarme Dich unser! Du bist der Heiland und Arzt der Kranken. Lebendiger Gott! Schöpfer aller Wesen! Du hast den Tod nicht gemacht und hast keine Freude an dem Untergange Deiner Ge schöpfe. Getreuer, wahrhaftiger Gott! laff' nicht zu, daß wir über Vermögen versucht werden. Mache uns aber durch jede Prüfung demüthiger und eifriger, und lass' uns durch Beharrlichkeit die Krone des Lebens erlangen. Wunderbare Weisheit! laff' uns alles Widerwärtige zu unserem Heile gereichen, Herr! mache, daß unsere Schwachheit zu Deiner Ehre diene. Züchtige uns, gerechter Gott! Reinige uns durch die Widerwärtigkeit der Trübsal, wie das Gold durch Feuer ge reinigt wird. Jesus, Du Arzt unserer Seelen, Du Tröster der Betrübten! Du bist gekommen uns zu helfen, unsere Thränen zu trocknen; ach, erbarme Dich unser! Unsere Plagen sind Deine Plagen geworden; Du hast die Bürden unserer Sünden auf Deinen Schultern getragen! Du hast Dich freiwillig mit unsern Schmerzen 187 und Gebrechlichkeiten beladen; o göttlicher Erlöser! hilf uns in unserer Noth und erbarme Dich unser. Herr! Du wurdest Selbst in Deiner Todesangst von einem Engel getröstet; tröste auch uns in unserer Drangsal und erbarme Dich unser! Unterwirf unsern Willen dem Deinigen, wie Du Deinen Willen dem Willen des ewigen Vaters unterworfen hast. Erlöser der Welt! Du hast am Stamme des Kreuzes dem Schächer versprochen, ihn in Dein Reich aufzunehmen, erbarme Dich unser! Jesus! Du Mann der Schmerzen! der Du wie ein Lamm auf die Schlachtbank geführt wurdest, verleihe uns die Gnade, Dir nachzuleiden, und alle Schmerzen unserer Krankheit Dir aufzuopfern. Jesus! Du innigstes Wohlgefallen Deines himmlischen Vaters, der Du ihm gehorsam warst bis zum Tode am Kreuze, stärke uns, daß wir mit treuer Liebe in Deine Fußstapfen eintreten und Deinem Beispiele nachfolgen. O mein Gott! der Du auf dem Calvarienberge den Fürsten des Todes durch Deinen Tod überwunden hast, Du wirst uns nicht zu 188 Grunde gehen lassen. Nein, o Herr! Dein Arm hat uns von der Botmäßigkeit des Teufels befreit, seine Ketten zerbrochen und in das Reich der Erben und Kinder Gottes übersetzet. O Herr! der Du uns erlöset hast, sei uns gnädig! hilf uns, Gott! unser Heiland! Deinem Namen zur Ehre erlöse uns und vergib uns unsere Sünden. Versage uns Deine Hilfe nicht, o Herr! komme eilends und errette uns. Du allmächtiger Gott! höre die Stimme derjenigen, die allein auf Dich hoffen; erlöse und rette uns von dem Uebel, das wir fürchten; neige Dein Ohr zu uns, und hilf uns, Du unser Schutz und unsere Zuversicht! bewahre uns vor der Sünde, die zum Tode führet, und vor dem Tode, der in die Hölle stürzet. Herr! erhöre uns, obschon wir Sünder sind. Gott der Barmherzigkeit! sieh, wir sind Wanderer und Fremdlinge in dieser Welt! wir sind irre gegangen und sehr müde; wandle mit uns, leite unsere Schritte, und verleihe uns neue Kräfte. Wir haben keine bleibende Stätte auf Erden! gib, daß wir die ewige Wohnung im Himmel mit Eifer suchen. Herr! wir rufen zu Dir in den Beschwernissen und Gefahren dieses Lebens, verkürze 189 unsern Lauf und führe uns ein in die Ruhe, die wir erwarten. Die größten Widerwärtigfeiten sind nichts im Vergleich der Herrlichkeit, die uns verheißen ist. Verleih' uns doch diese Herrlichkeit, o Gott! wegen dem Werthe Deines kostbaren Todes. O Herr! wenn Du diesen Leib, diese Staubhütte wirst abgebrochen haben, so laff' uns im Himmel wohnen, in diesem Glanzpalaste Deiner Herrlichkeit; in diesem Palaſte; welchen sich der Verstand der Menschen nicht vorstellen kann, den nicht sterbliche Hände, sondern Gott selber erbaut hat. Kein Auge hat es gesehen, fein Ohr hat es gehört, in teines Menschen Sinn ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Gib uns Kräfte, um diesen Lauf zu vollenden, verdopple unseren Muth, um im Streite bis an's Ende auszuharren, damit wir die Krone davon tragen. Herr! wenn wir vollendet haben den Weg dieses zeitlichen Elends und der Trübsal, so thue uns auf die Pforte Deines Paradieses. Herr! lass' in uns immer mehr und mehr den himmlischen Trost durch Jesus Christus wachsen und zunehmen, je mehr dessen Leiden 190 an uns sichtbar wird. Gestatte nicht, o Herr! daß wir jemals in unserer Widerwärtigkeit oder Krankheit wider Deine Anordnungen murren. Haben wir von Deiner Hand das Gute empfangen, so lass' uns auch willig von Deiner Hand das Kreuz annehmen. Herr! nachdem es Dir gefällt, daß wir in Deinen Leiden Dir nachfolgen, so gib, daß wir Dich entweder durch die Beschwerden des Lebens, oder durch den Leidenskelch des Todes verherrlichen. Das Andenken an Dein Leiden wird unsere Wehre und Stärke sein wider Sünde und Tod. Herr! wir flehen, erinnere uns an Alles, was wir unser Leben hindurch gethan haben, und erwecke in unseren Herzen eine wahre Reue über Alles, was Dir mißfallen hat. Gib uns ein heißes Verlangen, von den Banden des Leibes aufgelöset und mit Dir vereiniget zu werden. Herr! Du hast uns die Waffen des Glaubens in die Hand gegeben, verleihe, daß uns in der letzten Stunde nichts erschüttern könne, und gib uns Muth genug, die Anfälle des bösen Feindes zurückzustoßen. O mein Gott! verleihe, daß uns weder 191. Tod noch Leben, weder Gegenwart noch Zukunft, noch irgend ein Geschöpf jemals von Dir trenne. Gib, daß Jesus Christus in uns lebe, und daß wir Sterben für unseren Gewinn halten. Herr! wenn der Augenblick kommt, daß wir unsere Augen für diese Erde schließen sollen, so öffne sie uns auf immer in Deinem Reiche. Herr! Du bist gütig, liebreich, geduldig und unendlich barmherzig; handle nicht mit uns nach unseren Sünden und strafe uns nicht nach unseren Missethaten. Herr! lass' uns mit Vertrauen vor Deinem Throne erscheinen und Deine Barmherzigkeit erflehen, damit wir die Verzeihung unserer Sünden, Deine Gnade und Deinen Beistand in unseren Nöthen erlangen. Die Sünde hat uns getödtet, aber Deine Gnade, o Herr! macht uns wieder lebendig; denn Du, o göttlicher Erlöser! hast unsere Sünden an Deinem Leibe auf dem Kreuzesholze abgebüßt, damit wir den Sünden sterben und der Gerechtigkeit leben. Durch Deine Wunden sind wir geheilet. Wir wollen uns in nichts anderem rühmen, als in dem Kreuze unseres Herrn Jesu Christi, 192 durch Welchen die Welt für uns todt und gekreuzigt, und wir der Welt gekreuzigt sind. Herr! stärke uns, damit wir jene nicht fürchten, die nur den Leib tödten, sondern Den, der die Seele tödten und in die Hölle stürzen kann. Herr! wir haben die Glieder unseres Leibes oft zum Dienst der Sünde mißbraucht; reinige sie nun, daß sie kräftig der Gerechtigkeit dienen. Gib uns, o Gott! jenen Haß gegen uns selbst, durch welchen man die Liebe gewinnt. Lehre uns dieses vergängliche Leben zu verachten und das ewige zu erlangen. Wehre, o Herr! daß wir nicht den breiten und lockenden Weg, der zum Tode führt, betreten; leite uns aber auf dem schmalen und steilen Pfade des Lebens. O Gott! Du hast uns den Tag und die Stunde, in der Du anklopfen und uns abberufen wirst, verborgen; so gib uns Deine Gnade, daß wir ohne Unterlaß wachen, und stets bereit seien, Dir die Thür zu öffnen. Wir mögen leben oder sterben, so mache, o Herr, daß wir Dir leben und Dir sterben. Gekreuzigter Erlöser! mache uns würdig, daß wir uns Dir als ein lebendiges Schlacht 193 opfer, als ein heiliges, Deinen Augen wohlgefälliges Brandopfer darbringen. Amen. Gebet zu dem gekreuzigten Erlöser. Jesus Christus! o Du erster und höchster Gegenstand meiner Anbetung und Liebe! mit dankbarem Herzen erinnere ich mich der bitteren Leiden, die Du um meiner Sünden, um meines ewigen Heils willen am Kreuze drei Stunden lang an Leib und Seele erduldet haft. Um Deines bittern Leidens und Sterbens willen vergib mir meine Sünden, und sei mir in meiner Todesstunde gnädig. Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen. Fromme Herzenserhebungen zu Jesus. Ich bete Dich an, o Jesus! Du Sohn des lebendigen Gottes! Du wahrer Gott und wahrer Mensch! Du größter Wohlthäter und Heiland für uns Alle. Mit vollkommener Ueberzeugung bekenne und glaube ich es, daß Du mein Gott und mein Erlöser bist. Auf Dich, o gütigster und mildester Jesus! setze ich mein ganzes Vertrauen. Du bist die allmächtige Bete und vertraue. 13 194 Liebe, Du kannst und willst mir helfen. Wer Dir vertraut, wird nie zu Schanden. Ich danke Dir, o mein göttlicher Heiland! von ganzem Herzen für alle Gnaden und Wohlthaten, die Du mir und allen Menschen erwiesen hast. Durch treue Befolgung Deiner Gebote und durch Geduld in den Schmerzen meiner Krankheit will ich mich stets bemühen, meine Dankbarkeit gegen Dich zu zeigen. Ich liebe Dich, o Du höchstes, Du liebenswürdigstes Gut; aus Liebe zu Dir will ich mich ganz Dir ergeben, und Dir mein Leben mit der kindlichen Bereitwilligkeit aufopfern, wie Du Dein Leben für mich armen Sünder am Kreuze verblutet und Deinem himmlischen Vater aufgeopfert hast. Segne mich, o Du ewiger Seligmacher Aller, die an Dich glauben! segne mich auf meinem Krankenlager; gib mir Abscheu vor der Sünde, Freude zum Guten, und eine recht herzliche Sehnsucht nach Dir und nach Deinem Reiche, damit ich wie Dein heil. Apostel Paulus aufgelöst und mit Dir vereinigt zu werden wünsche. - Jesus Christus! Du bist mein Leben, und Sterben mein Gewinn. Amen. 195 Gänzliche Ergebung in den göttlichen Willen. 1. O gütigster Gott! liebreichster Vater! die Du lieb hast, züchtigest Du. Diese Krankheit hat Deine Liebe mir gesendet; es ist so geschehen nach Deinem heiligen, wohlgefälligen, vollkommenen Willen. Ich danke Dir von Grund meines Herzens für dieses sichere Kennzeichen Deiner Liebe. Durch dieses Leiden soll der Name Gottes geheiliget und mein Seelenheil befördert werden. Deine Vatergüte wird mich tragen, Deine Treue wird mich behüten, Deine Gnade wird mich stärken; ich hoffe es von Dir, Du bist mein Vater, mein Heiland. - Ich danke Dir, liebster Vater! für das Kreuz, das Du mir sendest; denn es wird mein Leben bessern, meine Sünden tilgen, und mich im Guten stärken. Jesus hat gelitten, und durch den Tod ist Er in die Herrlichkeit eingegangen. Ich will mit Jesus leiden, der Welt und ihrer Lust absterben; dann werde ich einst meinen Jesus in seiner Herrlichkeit finden, und durch Ihn ewig selig sein. 13* 196 2. Gott! Du lautere Liebe und Weisheit in allen Deinen Wegen und Anordnungen! Dir übergeb' ich Leib und Seele, Leben und Seligkeit; lass' über mich kommen, was und wen du willst, sei Zeit und Ewigkeit. Vor Dir erneuere ich meinen Taufbund und alle meine frommen Gelübde. Nur Dein Wille geschehe! In dieser Ergebung will ich leben und sterben. Amen. Gebet um Geduld. O Du Spiegel der Geduld, Jesus Chris stus! aus Liebe hast Du unsere Schwachheit auf Dich genommen, und Deine Todespein mit Freuden ausgestanden; lass' auch mich mit Deiner Gnade diese Krankheit dankbar von Deiner liebreichen Hand annehmen.. Stärke mich, daß ich Dich nicht etwa durch Ungeduld beleidige, daß ich nicht im mindesten von Deinem göttlichen Willen abweiche. Ich gelobe, alle meine zukünftigen Schmerzen mit vollkommener Geduld zu leiden; unterstütze aber meine Entschließung mit Deiner Gnade, damit ich treu darin verharre bis zu einem glückseligen Ende. Amen. 197 Jesus Christus, Dein Wille geschehe. O göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! Du hast die menschliche Natur und ihre Mühseligkeiten und Leiden angenommen; Du bist Deinem himmlischen Vater gehorsam geworden bis zum Tode am Kreuze, und hast uns ein Beispiel hinterlassen, daß wir in Deine Fußstapfen eintreten und Dir nachfolgen sollen. Ich vereinige daher meine Ergebung mit der Deinigen, und überlasse mich Dir ganz, daß Du Alles mit mir nach Deinem Wohlgefallen fügeſt. Dir, o mein Gott, opfere ich meinen Leib und meine Seele; handle mit mir, wie Du willst; Dein Wille soll der meine sein! Ich bin überzeugt, daß Du es in allen Dingen väterlich mir mir meinest, Deine heilige Weisheit hat mir diese Krankheit zugeschickt; deswegen glaube ich fest, daß sie zu meinem Besten sei. Mit dankbarem Herzen nehme ich sie von Dir an, und Dir zu lieb und zur Ehre alles dessen, was Du für mich gelitten haſt, will ich sie geduldig ertragen. Gib mir dazu Deine Gnade, daß alle meine Leiden zu Deiner Ehre und zu meinem Heile gereichen. Amen. 198 Vater der Erbarmungen! segne Dein krankes Kind; ich nehme jedes Leiden gern aus Deinen Händen, nur verleihe mir auch Geduld, vergib mir meine Missethaten; erfülle mein Herz mit lebendigem Glauben, festem Vertrauen und treuer Liebe zu Dir, mein Vater! Amen. Alebung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Glanbe. Jesus, mein Gott und Erlöser! der Du mich geliebt haft bis in den Tod, und aus Liebe zu mir gestorben bist, daß ich ewig leben möge. Ich glaube an Dich und glaube Alles fest, was Du mich durch die heilige katholische Kirche zu glauben lehrest; im Glauben und Vertrauen der heiligen katholischen Kirche will ich also Deinen heiligsten Namen ehren und anrufen. Hoffnung. O Jesus, Du unendliche Liebe und Erbarmung! Der Du alle zu erquicken verheißen haft, die mit gläubigem Vertrauen zu Dir, ihrem Heilande, ihre Zuflucht nehmen; ich hoffe zuversichtlich, durch Anrufung Deines 199 heiligsten Namens Trost und Hilfe zu erhalten, und von allem Uebel des Leibes und der Seele erlöset zu werden. Liebe. O Jesus! Ich liebe Dich aus ganzer Seele und bercue aus Liebe zu Dir alle zeitlebens begangenen Sünden; ich bin auch fest entschossen, meine erhaltene Gesundheit, leibliche und geistliche Gnaden nur allein zu Deiner Ehre und meinem Seelenheile anzuwenden. Es segne und bewahre mich vor allen Versuchungen, Uebeln, Krankheiten und Gefahren des Leibes und der Seele der allmächtige Gott † Vater, der Sohn und der heil. † Geist. Amen. Gelobt, gepriesen und verherrlicht sei der Name unseres Herrn Jesu Christi, jetzt und in Ewigkeit. Amen. Das Gebet des Herrn. Nach der Auslegung des heiligen Bernhard. Vater! allmächtig in Deinen Werken, selig in der Liebe, reich in der Gnade. Unser Vater aller Menschen, aller Geister, aller Creaturen Ursprung und Erhalter. Der Du bist 200 in dem Himmel Deiner großen Herrlichkeit, in dem Himmel der Engel und Heiligen, in dem Himmel aller frommen Christenherzen auf Erden. Geheiliget werde Dein Name, daß Er uns sei ein Honig im Munde, ein lieblicher Gesang in den Ohren, ein Freudenschall im Herzen. Zukomme uns Dein Reich, welches eine Freude ohne Leid, ein Friede ohne Trübsal, sichere Ruhe ohne Störung ist. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden, daß wir hassen, was Du hassest, lieben, was Du liebest, erfüllen, was Du gebietest. Gib uns heut' unser täg liches Brod, das Nothwendige für den Leib, die heilsame göttliche Lehre und die himmlische Speise des hochwürdigsten Sacraments. Und vergib uns unsere Schulden, die wir gethan haben wider Dich, o Herr! wider unsern Nächsten und wider uns selbst. Als auch wir vergeben unseren Schuldigern, die uns beleidigt haben durch böse Absichten, durch harte Worte und durch lieblose Werke, die uns geschadet haben an dem Leibe, an der Seele, oder an zeitlichem Gute. Führe uns nicht in Versuchung der Welt, des Fleisches und des Teufels. Sondern erlöse 201 uns von dem Uebel, es sei gegenwärtig, vergangen oder zufünftig. Amen, es geschehe von Dir, durch Dich und in mir. Gebet eines Kranken. Aus dem heiligen Augustin. Mein Gott! mein Gott! Du bist meine Zuflucht, nach Dir zielt mein Verlangen. Ich eile zu Dir, o verwirf mich nicht! Ich bin in der äußersten Gefahr, steh' mir in diesen meinen großen Nöthen gnädig bei. Ich kann mir selbst nicht helfen, errette Du mich, o Herr! und sei mir gnädig. Ich vertraue nicht auf meine Verdienste, sondern auf Deine große Gnade und Barmherzigkeit, darum will ich meiner Sünden wegen nicht verzagen. Du, o Gott! bist meine Hoffnung und meine Zuversicht; Dir allein habe ich gesündigt. Es ist meine Schuld, ich bekenne sie vor Deinen Augen. Doch weil ich Dir so lieb gewesen bin, daß Du mich durch Deinen Tod von dem Tode hast erlösen wollen, so lass' mich nicht zu Grunde gehen. Ich komme zu Dir, der Du Niemanden verläsfest. O Herr! ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Dir zu sein. In Deine Hände empfehle ich meinen Geist. Sieh mich an, o 202 Gott der Wahrheit! Verleihe mir, daß ich in Frieden entschlafe und ruhe. Um dies bitte ich Dich, o Gott! der Du dreifach in Personen und einfach in der Wesenheit lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. Gebet für einen Kranken. Jesus Christus, liebreichster Freund und Erlöser der Menschen! der Du es so bitter erfahren hast, was Schmerz und Elend sei; um Deiner Liebe, um Deiner Leiden und Todesschmerzen willen erbarme Dich dieses armen Kranken, und komme ihm durch Deine Gnade zu Hilfe. Verleihe ihm standhafte Geduld in seinen Leiden, stärke seinen Glauben und sein Vertrauen auf Dich, erfülle sein Herz mit inniger Liebe zu Dir, lass' die Prüfungen, mit denen Du ihn heimsuchest, seine Sünden austilgen und seine Verdienste mehren, und wenn es Deinem heiligsten Willen gemäß ist, so schenke ihm wieder die vorige Gesundheit. Willst Du aber, daß er sein Lager nicht mehr verlasse, so ertheile ihm eine standhafte Ergebung in Deine väterlichen Fügungen; lass' ihn ein recht erbauliches Beispiel des gläubigen Muthes und der frommen Gelassenheit sein, die der 203 wahre Christ in den letzten furchtbarsten Stunden des Lebens zeigt, laff' ihn Theil nehmen an den wohlthätigen Sacramenten der Sterbenden, und wenn sein Geist die Erde verläßt, so nimm ihn in Deine Hände auf. Amen.- Vater unser 2c. Gebet um Wiedererlangung der Gesundheit. Barmherziger Vater im Himmel! heilig und gerecht ist, was Du anordnest; Dein Wille geschehe auch an mir. Aber dieser Wille wird oft erst offenbar, wenn wir beten; Du erlaubest uns, daß wir zu Dir flehen dürfen, ja Du befiehlst uns zu beten, damit Du erhören könnest. Es ist vielleicht Dein Wille, daß ich bald wieder gesund werde, wenn ich nur Deine Barmherzigkeit gläubig anrufe. Das will ich voll Vertrauen thun. Mein barmherziger Vater! wenn es Dir wohlgefällig ist, so nimm dieses Leiden von mir; Du kannst es; sprich nur ein einziges Wort, so wird mein Leib und meine Seele gesund. Mit meinem Erlöser, der am Delberge zu Dir flehete, bitte auch ich: ,, Abba, lieber Bater; alle Dinge sind Dir möglich, nimm 204 doch diesen bitteren Leidenskelch von mir. Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Vater! ich bitte Dich mit dem dreimaligen Gebete Jesus am Delberge, durch den blutigen Angstschweiß, den Dein geliebter Sohn auch für mich vergoß; erlöse mich von der Gefahr des Todes, und verleihe mir die Gesundheit des Leibes, damit ich Dir noch länger diene, mein Seelenheil wirke, meine Sünden büße, und in dieser Gnadenzeit noch mehr Gnaden von Dir erlange. O mein gütigster Heiland! Du hast noch immer die Macht, gefund zu machen, die Du, als Du auf Erden wandeltest, an so vielen Kranken, die an Dich glaubten, ausübtest. Ich rufe in eben diesem Glauben, zu Dir, Jesus! Tu Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Du darfst nur wollen, und ich stehe auf und bin gesund. Erhöre mich nach Deiner unendlichen Barmherzigkeit, und schenke mir meine Gesundheit wieder; oder wenn meine Genesung mir schädlich wäre, lass' mich mit Dir sterben, auf daß ich mit Dir lebe; lass' mich mit Dir leiden, damit ich mit Dir herrsche. Amen. 205 Gebet nach überstandener Krankheit. Lobe den Herrn, meine Seele! und Alles was in mir ist, preise Seinen heiligsten Namen. Ja ich will den Herrn loben allezeit; denn er hat das Gebet seines Knechtes nicht verschmähet. Schmerzen des Todes hatten mich umgeben; ich aber rief in meiner Noth zum Herrn. Ich flehte zu meinem Gott, und er hat aus Seinem Heiligthume meine Stimme erhöret, und mein Flehen vor Seinem Angesichte ist in Seine Ohren gedrungen. Herr, mein Gott! ich habe zu Dir gerufen, und Du hast mich gesund gemacht. Ja, Grundgütigster! daß ich von meinem Krankenlager wieder aufgestanden bin, daß ich mein Leben gefristet sehe, und der so edlen Gesundheit wieder zu genießen anfange, dies habe ich einzig Deiner Vatergüte zu danken- Anbetung, Preis und Ehre sei Dir dafür aus meiner ganzen Seele. Hättest Du nur Gerechtigkeit an mir ausüben wollen, o wahrlich eine noch größere Züchtigung hättest Du über mich verhängen müssen. Was o was hätte ich zu erwarten gehabt, wenn Du mit mir in's Gericht gegangen wärest! Aber Du bist gnädig 206 und barmherzig, und von großer Güte und Treuc, Du züchtigest uns zwar, aber Du übergibst uns dem Tode nicht, sondern willst uns durch die Züchtigung bessern und selig machen. Du verwundest und heilest wieder; Du schlägst und Deine Hände machen wieder gesund. Dies habe ich an meinem Leibe und an meiner Seele schon mehrmals erfahren. Meine leibliche Gesundheit ist wieder hergestellt, und die überstandene Krankheit hat meine Seele geheilt. Denn durch sie zogst Du, mein Gott, und Vater! mich von der Welt, an der ich mit unordentlicher Liebe hing, freundlich zurück und brachtest mich näher zu Dir, da ich mich von Dir entfernt hatte, und meinen bösen Neigungen und Begierden gehorchte. Du schwächtest den Körper, um die Seele zu stärken. Du lehrtest mich öfter und kräftig beten, und brachtest mich zur Erkenntniß, wie eitel und zur Seligkeit unnütz alle Güter der Welt, wie nichtig aller Reichthum und alles Ansehen der Menschen sind, da sie nicht einmal vor Krankheit schützen, oder die verlorene Gesundheit wieder geben können. Kurz Du lehrest mich der Welt absterben, um ein neues, Dir geheiligtes Leben anzufangen. 207 So danke ich Dir denn, o mein Gott! aus ganzem Herzen für Deine väterliche Heimsuchung, und bitte Dich, Du wollest sie zum Heile meiner Seele gedeihen lassen. Stärke die guten Vorsätze, die ich auf meinem Krankenbette für die Zukunft gefaßt habe, damit ich, was ich Dir freiwillig angelobte, auch erfülle. Lass' mich die Welt, ihre Güter und Freuden immer so ansehen, wie sie mir auf meinem Krankenlager erschienen sind, damit ich gegen ihre Reizungen mehr als zuvor auf meiner Hut, und von ihren Verführungen sicher sein möge. Ich bin fest entschlossen, o mein Gott! unterstütze meinen schwachen Willen mit Deiner mächtigen Gnade;- fest bin ich entschlossen, Dich feuriger zu lieben, Dir eifriger zu dienen, meinem Berufe emsiger obzuliegen, meine Gesundheit höher zu schätzen und sorgfältiger zu bewahren, als bisher. Mein gesunder Leib, meine Sinne, mein Geist, mein Herz und all' meine Kräfte sollen Dir künftig geheiligt sein. Segne diese Entschließungen, o Du mein gütigster Vater! auf daß ich mit jedem Tage besser und Dir wohlgefälliger lebe, in Deiner Gnade sterben u. ewig bei Dir selig werden möge, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 208 Zu Gott, dem heiligen Geiste. O Gott, heiliger Geist, der Du fromme Seelen liebst, ich bitte Dich, lass' dieses ehrwürdige Geheimniß, an dem ich Theil genommen habe, den Leib meines Erlösers und Sein kostbares Blut, mir nicht zum Gerichte und zur Verdammniß, sondern zur Vergebung meiner Sünden sein. Wie Jesus zu mir gekommen ist, erfülle auch Du mein Herz mit heiliger Liebe zu Ihm und zu göttlichen Dingen, und gib mir wahren Abscheu vor Allem, was böse und sündhaft ist; komm' zu mir mit Deinen Gaben; bewahre mich in Gefahren, heile meine Schwachheiten, vermehre Deine Gaben in mir, stärke meinen Glauben, mein Vertrauen, meine Liebe, lass' mich klug, weise, gottesfürchtig werden; mich stets mit dankbarem Herzen des Lebens, Leidens und Todes meines Erlösers erinnern; sei mein Gefährte auf meiner Lebensreise, mein Führer zum Himmel. Segue mich und alle meine Mitmenschen, Deine Kirche und alle ihre Glieder; erbarme Dich aller derer, für die ich zu beten schuldig bin, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 209 Jesus. All' mein Leben bist Du; ohne Dich nur Tod. Meine Nahrung bist Du; ohne Dich nur Noth. Meine Freude bist Du; ohne Dich nur Leid. Meine Ruhe bist Du; ohne Dich nur Streit. Litanei von dem Allerheiligsten Sacramente des Altars. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater im Himmel! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Gott heiliger Geist! Heilige Dreifaltigkeit ein einiger Gott, Du lebendiges Brod, das vom Himmel( herabgestiegen ist, Du verborgener Gott und Heiland, Du Speise der Engel, Bete und vertraue. 14 erbarme Dich unser! 210 Du Andenken der göttlichen Wunder, Du allergrößtes Wunder, Du besonderes Denkmal der göttlichen Liebe, Du immerwährende Erinnerung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, Du Wort, das Fleisch geworden ist, und in uns wohnet, Du allerheiligstes Sacrament, Du unblutiges und reinstes Opfer, Du wahres Anbetungsopfer des neuen Bundes, Du vollkommenstes Dankopfer für alle Wohlthaten, Du kräftiges Versöhnungsopfer für Le- f bende und Todte, Du werthestes Bittopfer in allen Anliegen des Leibes und der Seele, Du himmlisches Verwahrungsmittel wider alle Sünden, Du Ueberfluß der göttlichen Freigebigkeit, Du Arznei der seligen Unsterblichkeit, Du Erquickung frommer und bedrängter Seelen, erbarme Dich unser! Du Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Du Unterpfand der künftigen Herrlichkeit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr!) 211 Von aller Sünde, Von aller Hoffart des Lebens, Von der Begierlichkeit der Augen und des Fleisches, Von dem unwürdigen Genusse Deines heiligsten Fleisches und Blutes, Von Unandacht und Lauigkeit bei dessen Empfange, Von schädlicher Unwissenheit, allem Unund Aberglauben, Von Kaltsinn und Trägheit im Geschäfte des Heiles, Von Lieblosigkeit und Mißhandlung des Nächsten, Von Pest, Hunger und Krieg, Von allem Uebel des Leibes und der Seele, Durch die brünstige Liebe, mit der Du dies göttliche Geheimniß einsetztest, Durch Dein kostbares Blut, das Du uns auf dem Altare zurückgelassen haſt, Durch jene Großmuth und Geduld, welche Du bei Deinem Leiden und Sterben bewiesen hast, 14* erlöse uns, o Herr! Durch Deine heiligen fünf Wunden, Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre nns! 212 Daß Du in uns den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht gegen dieses heiligste Sacrament vermehrest und erHaltest, Daß Du uns durch ein aufrichtiges Sündenbekenntniß zum würdigen Genusse dieses heiligsten Sacramentes führeſt, Daß Du durch dieses heiligste Sacrament in uns wahre Gottes- und Menschenliebe entzündest und beförderst, Daß wir dadurch in Schwachheit gestärkt, und in Betrübnissen getröstet werden, Daß wir dadurch mit Abscheu gegen diel Sünde und mit reiner Liebe zur Tugend erfüllet werden, Daß wir es allezeit mit reinem Gewissen und wahrer Andacht des Herzens empfangen, Daß Du, o Jesus! Dich mit uns dadurch vereinigest, und uns eines Herzens und Sinnes mit Dir machest, Daß Du Deine heilige Kirche regierest und erhaltest, Daß Du unseren Dank für alle Wohlthaten annehmeſt, Daß Du unsere Bitten gewährest, wir bitten Dich, erhöre uns! 213 Daß wir vor unserem Tode dieses hei-) ligste Sacrament würdig empfangen, Daß wir dadurch der seligen Unsterblichkeit theilhaftig werden, Daß Du die Seelen des Fegefeuers erlösest] Jesus! Du Sohn Gottes und Heiland der Menschen, O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! höre uns! wir bitten Dich, erODu Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes 2c., erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Vater unser 2c. ebet. Gott, der Du uns in dem wunderbaren Sacramente das Andenken Deines Leidens hinterlassen hast, lass' mich das heilige Geheimniß Deines Leibes und Blutes also verehren, daß ich die Frucht Deiner Erlösung in mir kräftig erfahre. Herr Jesus Christus, mein Gott und mein Heiland! dem das ganze Heer der Engel mit 214 Zittern dienet, welche Lobpreisung und Danksagung soll ich Dir darbringen, da Du mich sündigen Menschen heute Selbst besuchen, trösten und nähren wolltest, da Du in der heiligen Hostie, die ich genossen, Selbst ganz mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit wahrhaft gegenwärtig bist.- Gepriesen sei Deine gnadenreiche Menschwerdung. Ge priesen sei Dein heiligstes Versöhnungsopfer, das Du am Kreuze blutig entrichtet hast. Gepriesen sei Deine unauslöschliche Liebe gegen uns in der Einsetzung und Hinterlassung dieses Sacramentes, durch welches unsere Seelen genährt und erquickt werden, und Du Ein wahrer Gott mit uns bis an das Ende der Welt eben so lieblich als wahrhaft bei uns verharreſt. Tegne mich, o Herr; der ich nun Dein Tempel geworden bin, entferne Alles von mir, was Dein heiliges Auge beleidigen könnte, stelle wieder her, was die Sünde verunstaltet hat, und baue in mir eine neue Wohnung, die Dir angenehm ist. Erfülle mein Herz mit einer findlich treuen Liebe zu Dir, und verleihe mir den Geist des Gehorsams, der Ehrerbietung und Zuversicht, damit ich in all' meinen - — 215 Nöthen und Gefahren zu Dir, wie ein Kind zum Vater, flehe, und aus Liebe zu Dir die Sünde und alle Lust und Gelegenheit zum Bösen von ganzem Herzen verabscheue und fliche. Sei von nun an mein Reichthum, mein Friede, meine Freude; bleibe ganz in mir; ich will mich von Deiner Gnade niemals mehr trennen, sondern Dir allezeit anhängen, der Du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist, in welchem allein unser Heil ist und unsere Auferstehung. - Dir singen Cherubim und Seraphim, ja alle Heiligen Lob und Ehre ewiglich. Amen. Gebet für die heilige Kirche Gottes, daß sie nicht nach dem Buchstaben, welcher tödtet, sondern nach dem belebenden Geiste Jesu trachte, daß aus allen ihren Anstalten mehr die Belehrung als Beherrschung der Gläubigen hervorleuchte, und daß sie stets die Verbreitung sittlicher und echter Religionswahrheiten zur Beförderung menschlicher Tugenden als den vornehmsten Zweck ihrer Stiftung betrachte. Allmächtiger, ewiger Gott! behüte die Christengemeinde, die sich im Namen und unter der heilsamen Lehre Jesu vereinigt hat, vor dem zerstörenden Geiste der Herrschsucht, wie 216 auch vor aller Zwietracht und Haß. Laff' alle Menschen an fruchtbaren Religionskenntnissen wachsen; lasse uns alle mit redlichen und demüthigen Herzen nach Wahrheit trachten, lass' uns Alle mit standhaftem Eifer, was gut und recht ist, ausüben, und gib, daß wir die Einigkeit des Christenthumes vorzüglich durch diesen brüderlichen Wetteifer und durch die Befolgung der allgemeinen Sittenlehre, die es empfiehlt, zu erreichen suchen. Amen. Die Liebe Jesu zu uns, der mächtigste Beweggrund unserer Gegenliebe zu Ihm. ( Aus den Schriften des heiligen Bonaventura.) O mein Herr und Gott! was thaten wir Dir Gutes, daß Du Dich, das höchste Gut, uns so gerne mittheilest? Was gewinnst Du, wenn wir Dich besitzen? Gewiß nichts; und doch liebst Du uns so innig, daß Du Selber gestehest, es sei Deine Freude, bei uns zu sein. Du verlangst sonst nichts von mir, als in mein Herz einzugehen; Du hast schon so lange so liebreich angeklopft, und ich Schmerzes- wollte nie hören, nie mein Herz Dir öffnen! Jetzt aber bist Du in mir, o des - 217 und ich nun auch ich will nichts anderes mehr als Dich selbst. Wahrlich! Du liebest mich mehr, als ich mich selbst liebe. Deswegen will ich über mich feine unnüge, unheilige Sorge mehr tragen, sondern forthin ruhig Deiner Leitung folgen, und im Besitze Deiner Liebe selig sein; alle Sorge über mich stelle ich Dir anheim; wollte ich auf mich( ängstlich und unordentlich) denfen, so müßte ich Dich viel zu oft aus den Augen verlieren, und das will ich nicht mehr. Gib Du auf meine Schwachheit Acht, um sie mit mächtiger Hand zu unterstützen; ich aber richte all mein Sinnen auf Deine Huld und Güte, auf Deine Lehren und Beispiele, auf Deine Erbarmungen und Liebenswürdigkeit, um mich darüber hoch zu erfreuen, und immer Dir ähnlicher zu werden. Ob ich schon an Dir Alles gewinne, und Du an mir gar nichts, ich bin doch überzeugt, daß Du lieber bei mir bist, um mich besser und seliger zu machen und zu erhalten, als ich bei Dir bin, um Deine Güte zu genießen. Und daraus lerne ich zu meiner Beschämung, daß ich mich im eigentlichen Sinne selbst äußerst hasse und Du mich grenzenlos liebest. 218 O! cs wäre mir nicht möglich, alle die Beweise Deiner flammenden Liebe gegen mich nur oberflächlich zu übersehen. Die Güte der Natur, des Glückes, der Gnade und der zukünftigen Herrlichkeit dort oben, wie könnte ich sie alle, hätte ich auch die Beredsamkeit aller Menschen und der Engel, nur obenhin erklären. Von allen diesen Wohlthaten will ich mit staunendem Dankgefühle schweigen, und jetzt meine Betrachtung auf Dich richten, göttlicher Sohn! Den uns der Vater zum Beweise Seiner Liebe gab. Der Mensch sollte zu Gott hinaufgezogen, und Gott zum Menschen herabgezogen werden; so wollte es die ewige, unaussprechliche Liebe. Was konntest Du dem Menschen mehr thun, da Du ihn unzertrennlich mit Dir- vereiniget haft! Du Gottes Eingeborner- der Sohn einer Jungfrau- ein Mensch mir gleich! Die Engel staunten über diesen Beweis Deiner Liebe, den Du nicht für sie, sondern für Adams Kinder gabst. Es ist doch unbegreiflich, wie nach diesem Beweise der göttlichen Liebe die Herzen der Menschenkinder nicht brechen vor Gegenliebe!... O Mensch, der du diese höchste Liebe siehst und ohne vor Gegenliebe zu schmachten, un- 219 gerührt bleiben kannst, ist dein Herz nicht von Stein? Gott hat nur dies Eine Verlangen, uns durch das Brod der Liebe mit Sich unauflöslich zu vereinigen; wie mag nun das Menschenherz für ganz was Anderes Neigung haben? - Höchster! uns zu erhöhen, erniedrigst Du Dich bis zur Kindheit herab, um uns, die wir durch die Sünden nur thierisch geworden waren, himmlisch zu machen, stiegst Du vom Himmel, und ließest Dich in eine Krippe zwischen Thiere legen. Liebe, o Erbarmen von Seite Gottes! O Blindheit! o Gefühllosigkeit von Seite der Menschen! Ach, Menschenherz, wenn du nicht Herz, sondern Eis bist, warum schmelzest du nicht an diesem Feuer der Liebe? und wenn du nicht Fleisch, sondern Stein bist, warum fann dich dies Feuer der Liebe nicht sprengen? Wehe mir! Nachdem Gott durch diese Beweise der Liebe mich nicht gewinnen konnte, wie wird Er mir denn sonst noch beikommen?-.. Dein ganzer Lebenslauf, o Jesus! war ein fortwährender Beweis Deiner Liebe zu mir. Würde ich mein ganzes Leben einzig zur Betrachtung Deines Lebens verwenden, so könnte ich diesen 220 durch Dein ganzes Leben fortgesetzten Beweis Deiner Liebe nicht ausdenken.... Wie offentbart sich erst im Leiden Deine Liebe! O, da in Deiner allertiefsten Erniedri gung, in Deiner schmerzlichen Entäußerung, da liebtest Du mich heftig, daß es scheint, als hasfest Du meinetwegen Dich Selbst. Ach, es war der Sündenhaß in Dir, Heiligster! und die Sündenschuld an mir Strafwürdigen, die Dich an die Sünder hingab, um von ihnen und für sie verurtheilt, gegeißelt, verspottet, mit Dornen gekrönet, an Händen und Füßen mit Nägeln durchbohret, mit Galle und Essig getränket und am schimpflichsten Kreuze zwischen Verbrechern zu Tode gemartert zu werden!... O du heilige Liebe! o, was konntest Du für mich noch mehr thun! Gewiß, wenn der allergeringste Mensch von der Welt so viel für mich gethan hätte, so müßte ja mein Herz ihn ewig lieben; und Du mein Gott solltest mein Herz nicht haben?! O, Du ewiger Friedensfürst! Jesus, Du Licht der Welt, Du höchste und seligste Ruhe aller gläubigen Seelen! Du hast gesagt: ,, Rommet zu Mir, so werdet ihr Ruhe finden! in 221 der Welt habt ihr Angst, in Mir habt ihr Frieden." Ach! wie oft habe ich Ruhe gesucht in dieser elenden Welt und habe sie nicht gefunden, weil die unsterbliche Seele mit sterblichen Gütern nicht gestillt, nicht gesättigt, nicht befriediget werden kann, sondern nur in Dir, und mit Dir allein. O, Du Heil Gottes, Du Ausspender des wahren himmlischen Friedens! Du hast Dich gewürdiget, heute in der heiligen Communion in mein Herz zu kommen; Du hast Dich Selbst mir gegeben, gib mir nun auch Deinen Frieden, den Frieden Gottes gib mir, den die Welt nicht geben kann. D, Du unsterblicher Gott; wo Du nicht bist, da ist keine Ruhe; denn alles Zeitliche, alles Irdische eilet zum Ende, zum Untergange, und zerreißt wie ein Kleid; die Erde veraltet wie ein Gewand, sie verwandelt sich, und Du, Herr! wirst sie verwandeln; wie sollte denn meine unsterbliche Seele in den sterblichen, vergänglichen Dingen Ruhe finden? Darum hungert und dürftet meine Seele nach Dir, mein Gott und Heiland! und kann nicht eher ruhen und gesättigt werden, sie habe denn Dich 222 Selbst; deswegen hast Du ja gesagt:„ Wen da dürstet, der komme zu Mir." Demüthig bin ich heute dieser Einladung gefolget und habe mich Deinem heiligen Tische genahet, und Du hast mich nicht nur mit Deinen heiligen Gaben, sondern mit Dir Selbst erfüllet, und mit Deinem Fleische und Blute meine Seele genähret zum heiligen, seligen, ewigen Leben. O, mein Gott und mein Herr! wie innig, wie rein, wie vollkommen, wie unbeschreiblich ist Deine Liebe zu mir, armen fündigen Menschen! In dieser Deiner Liebe lass' meine Seele ruhen, lass' sie ruhen in Deinem Herzen, in. welchem kein Falsch, kein Betrug ist, wie in der Welt. Alle meine Sinne ruhen in Dir, damit ich höre Dein freundliches Gespräch, und sehe Deine Schönheit, und schmecke Deine Süßigkeit, und empfinde die Kraft Deines Lebens. Du schönste Blume des Himmels! laff' Dich mit Liebe umfangen, lass' mein Herz jauchzen in Dir, Du ewige Weisheit. Jesus! meine Liebe, mein Frieden, meine Freude! nimm weg aus meinem Herzen Alles, 223 was Du nicht selber bist. Bin ich arm, so bist Du mein Reichthum; bin ich verachtet, so bist Du meine Ehre; werde ich verleumdet, so bist Du mein Lob und Ruhm; werde ich verfolgt, so bist Du mein Schutz. In der Schwachheit bist Du meine Stärke, im Tode mein Leben. Warum soll ich in Dir nicht ruhen, da Du mir doch Alles bist! Ja, Du bist meine Gerechtigkeit; Du meine Weisheit, Du meine Heiligkeit, Du meine Erlösung von allem Uebel. Komm' zu mir und stille mein Herz, tröſte, erquicte, erfreue und erleuchte mich. Lass' mich ausgehen von mir selbst, lass' mein Herz leer werden von der Welt, damit Du es mit himmlischen Gaben erfüllest, und mich einführest in die Ruhe der Ewigkeit, wo Friede ist im Ueberflusse und Seligkeit, zu Deiner Rechten ewiglich. Amen. Bertrauen auf Jesum. Das Erbarmen meines Erlösers bleibt so ewig, als Er Selbst ist. Er kam auf die Erde, unsere Mühseligkeiten zu tragen und in Seinem Wandel auf derselben tröstete Er die Traurigen, half Er den Nothleidenden. Er litt die schrecklichsten Qualen und starb den 224 grausamsten Tod, um die Zahl menschlicher Drangsale zu mildern. Noch immer schenkt Er den Seinigen den größten Trost in Leiden, denn Er gibt ihnen Frieden des Gewissens und Hoffnung der ewigen Seligkeit, Er bleibt ihnen getren, wenn sie auch die ganze Welt verläßt. Er steht ihnen im Tode bei und hilft ihnen die Schrecken desselben überwinden. Sollte ich jetzt also mein Kreuz nicht willig auf mich nehmen? Mußte doch Er selbst durch Leiden in Seine Herrlichkeit eingehen, und es gibt nur einen Weg zu dem Himmel, ich muß den nämlichen gehen, den mein Heiland ging. Darum, o Jesu! lass' mich meine Leiden mit den Deinigen vereinigen, daß es eine gesegnete Aussaat für die Ewigkeit werde. Litanei von dem heiligsten Herzen Jesu. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, Ein einiger Gott, Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, Jesus, Du Sohn der Jungfrau Maria, Heiligster Jesu, Allmächtiger Jesu, Vollkommenster Jesu, Glorwürdigster Jeſu, Demüthigster Jeſu, Sanftmüthigster Jesu, Geduldigster Jesu, Jesu, Du Heiland der Welt, Jesu, Du Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesu, Du guter Hirt, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, Du Freund reiner Seelen, Jesu, Du wahres Licht der Welt, Jesu, Du ewige Weisheit, Jesu, Du unendliche Güte, Jesu, Du Spiegel der Vollkommenheit, Jesu, Du Vorbild aller Tugenden, Jesu, Du Vater der Armen, Jesu, Du Tröster aller Betrübten, Bete und vertraue. 225 15 erbarme Dich unser! 226 Jesu, Du Freude der Engel, Jesu, Du König der Patriarchen, Jesu, Du Erleuchter der Propheten, Jesu, Du Meister der Apostel, Jesu, Du Lehrer der Evangelisten, Jesu, Du Stärker der Märtyrer, Jesu, Du Licht der Beichtiger, Jesu, Du Bräutigam der Jungfrauen, Jesu, Du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von den heimlichen Nachstellungen des Teufels, Vor Best, Hunger und Krieg, Von Uebertretung Deiner Gebote, Von dem Anfalle aller Uebel, Durch Deine Menschwerdung, Durch Deine Geburt, Durch Deine Schmerzen, Durch Deine Geiselung, Durch Deinen Tod, Durch Deine Auferstehung, Durch Deine Himmelfahrt, Durch Deine Herrlichkeit im Himmel, erbarme Dich unser! erlöse uns, o Jesu! 227 Durch die Fürbitte Deiner heiligsten Mutter und Jungfrau, erlöse uns, o Jesu! Durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen, erlöſse uns, o Jesu! Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! ODu Tamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesu! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. V. Der Name des Herrn sei gebenedeiet. R. Von nun an bis in Ewigkeit. Gebet. O Gott! der Du den glorwürdigsten Namen Jesu Christi, Deines Sohnes, unseres Herrn, Deinen Gläubigen ganz lieblich und anmuthig, den bösen Geistern aber furchtbar 15* 228 und schrecklich gemacht hast, verleihe gnädigst, daß Alle, welche diesen Namen andächtig auf Erden verehren, die Süßigkeit der heiligen Tröstung in diesem Leben empfangen und dort im zukünftigen die ewige Freude und unendliche Seligkeit im Himmel erhalten und genießen mögen! durch eben denselben Jesum Christum, unseren Herrn, Deinen Sohn, der mit Dir lebet und regiert in Einigkeit des heil. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Bon Abbüßung seiner Sünden und dem Ablaffe. Der wahre Büßer kann zwar von Gott Verzeihung seiner Sünden sicher und getrost hoffen; aber das kann er nicht verlangen, daß Gott durch ein Wunder seiner 2.Ulmacht alle natürlichen Folgen seiner Sünden und Thorheiten aufhebe. Die Sündenvergebung würde uns nur sorgloser und leichtsinniger machen. Unter einer weisen Regierung können Unordnung, Leichtsinn und Frevel nicht ungestraft bleiben. Wer gefündigt hat, muß auch büßen. Gott ist eben so gerecht, als barmherzig, ein 229 eben so weiser und gütiger Bater. Das ungehorsame Kind muß es also empfinden, wie elend es sich selbst macht, wenn es der väterlichen Warnung Gottes nicht folgt, und dessen gute heilsame Gebote übertritt: es muß durch leidige Erfahrung klüger gemacht und gebessert werden. Gott will uns nämlich durch zeitliche Uebel vor ewigem Unglücke bewahren, durch bittere Arzneien und schärfere Mittel uns vom Verderben retten, wenn die gelinden nicht fruchten. Und so ist also Gottes Gerechtigkeit selbst nur weise Güte; wenn er gezüchtiget, so thut Er's als Vater zur Besserung und aus Liebe: nicht aber aus Zorn und Rache, wie ein beleidigter Mensch, der sich Genugthuung verschaffen will. Folglich: Was man Gottes Zorn nennt, ist nichts anderes als sein gerechtes Mißfallen an allem Bösen, das Er als Regent der Welt, als das vollkommenste und heiligste Wesen nicht ungestraft lassen kann. Wenn dich also Leiden treffen, die du dir cntweder selbst zugezogen, oder sonst durch deine Sünden verschuldet hast, so trage sie mit Geduld, nimm sie mit Demuth und Ergebung ohne Murren aus Gottes Vaterhand an; erschwere sie dir durch Ungeduld und Zag 230 haftigkeit nicht noch mehr; Gottes Beistand wird sie dir erleichtern und tragen helfen; und du büßest deine Sünden ab, wenn du dadurch gebessert, vorsichtiger, frömmer und fleißiger wirst. Dann ist Gottes Absicht erfüllt; Er ist wie man sagt, wieder ausgesöhnt, und sieht mit Zufriedenheit und Wohlgefallen auf dich herab. Auch kannst du durch ein jedes gute Werk, durch jede Buße, Liebes- und AndachtsUebung etwas von deinen Sünden abbüßen, so oft du nämlich dadurch einen Theil des Uebels, das du gethan hast, wieder gut zu machen suchest, deiner bösen Neigung Abbruch thust, und dich immer mehr besserst. Wenn du thust, was du kannst, so hast du Gott genug gethan. Er wird dir gnädig nachlassen, was du aus menschlicher Schwachheit nicht mehr zu vergüten vermagst. Zu diesem Ziel und Ende sind von der katholischen Kirche auch die heiligen Ablässe verliehen; sie heben keineswegs die Nothwendigkeit auf, christliche Buße zu thun! denn sie werden nur den wahrhaft Reumüthigen und nach Besserung ernstlich stre benden Sündern verliehen. Wenn daher die heilige katholische Kirche auf den Tag, 231 an welchem du die heiligen Sacramente der Beicht und der Communion empfängst, einen Ablaß ertheilt, so befleiße dich durch einen wahren Bußeifer dieser Wohlthat auch theilhaftig zu werden. Der Ablaß ersetzt das, was wir aus eigenen Kräften nicht vollkommen zur Genugthuung für unsere Sünden thun können; er tilget die Strafen, die wir auch nach erlangter Verzeihung der Missethaten noch würden zu leiden haben, und unterstützt unsere Schwachheit, daß wir würdige Früchte der Buße bringen können. Verrichte daher mit Andacht und mit Eifer die Gebete, die von der katholischen Kirche vorgeschrieben sind; nur glaube nicht, mein Christ, daß du an gewissen Tagen, auf welche ein Ablaß verkündet ist, deine Sünden gleich auf ein Mal auslöschen, und schon dadurch genug thun kannst, wenn du nur beichtest und communicireſt, und gewisse Gebete verrichtest. Dies sind nur nöthige Vorbereitungsmittel dazu: die Hauptsache besteht im ernstlichen Bestreben nach Besserung, und je größer der Eifer hierin, je vollkommener deine Besserung, desto vollkommener ist dein Ablaß, den du gewinnst. 232 Auch werden darum an so vielen Tagen des Jahres Ablässe verkündet, damit man sich einige davon wählen möge, wo man der Andacht am besten abwarten kann. Der zu große Zulauf hindert oftmals die wahre Frucht davon. Lass' dir nun die Besserung recht angelegen sein; thue, so viel du kannst: was noch abgeht, wird dir durch Gottes Barmherzigkeit aus dem unendlichen Verdienste Jesu Christi kraft des heiligen Ablasses verliehen werden. Bußgebete. 1. O Jesus! der Du in diese Welt gekommen bist, damit wir das Leben haben, und es im Ueberflusse haben möchten! Ich glaube, daß Du in dieser Absicht Deiner heiligen Kirche die Schlüssel des Himmelsreiches mit der Verheißung anvertraut hast, daß Alles, was sie auf Erden binden oder lösen würde, auch im Himmel sollte gebunden oder gelöset werden. Ich glaube ferner, daß Du, o Jesus! Deiner heiligen Kirche die Gewalt gegeben hast, Ablaß zu ertheilen, und daß der Gebrauch des Ablasses heilsam ist. Diese liebevolle Mutter öffnet heute die ihr 233 anvertrauten Gnadenschätze. Sie bietet aus denselben einen vollkommenen Ablaß allen Denjenigen an, die, nach abgelegter Beicht und empfangener heiliger Communion, bußfertig und im Herzen zerknirscht, zugleich als dankbare Kinder für sie und ihre Erhöhung auf Erden, für Ausrottung der Irrlehren, für Erhaltung des Friedens und der Eintracht unter den christlichen Monarchen, und für ihr sichtbares Oberhaupt, den Papst, in Demuth zu Dir beten werden. Ich habe einen Theil dieser Bedingnisse erfüllt, o Jesus! ich habe meine Sünden und Ungerechtigkeiten dem Priester, Deinem Stellvertreter, wider mich selbst bekannt. Ich habe mich an Deinem Tische eingefunden und an dem Geheimnisse Deines Allerheiligsten Fleisches und Blutes Theil genommen. Möge ich es auf eine würdige Weise gethan haben! Möge ich zur Zahl jener bußfertigen und versöhnten Sünder gehören, auf die Du mit Wohlgefallen herabsiehst, und sie mit der Fülle Deiner Gnade belohnest! Ich hoffe es so, mein Erlöser, und mit diesem Vertrauen erscheine ich vor Dir, die letzte Bedingniß zu er füllen, welche die Kirche uns vorgeschrieben 234 hat, und Dir sowohl ihre, als der gesammten Christenheit große Angelegenheiten vorzutragen. 2. O Gott! Du höchster Hirt und Vater der Gläubigen! Der Du durch Deinen heiligen Geist den ganzen Leib leitest und heiligest, der Du durch Jesus Christus die Herrlichkeit Deines Namens allen Völkern fund gemacht hast: erhalte das Werk Deiner Erbarmung, damit Deine heilige Kirche wachse in allem Guten, und sich ausbreite über die ganze Erde, und in dem Bekenntnisse Deines heiligen Namens standhaft ausharre. Daß Du Deine heilige Kirche behüten und erhalten wollest. Wir bitten Dich, erhöre uns. Zwei Vater unser, zwei Ave Maria. 3. Gott! Der Du den Frieden gibst und die Einigkeit liebest, verleih' allen christlichen Fürsten, Deinen Dienern, vollkommene Eintracht, entferne alle Kriege und Zwistigkeiten, damit Deine Gläubigen in vollkommener Frei heit des Glaubens Dir dienen mögen. Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht verleihen wollest. Wir bitten Dich, erhöre uns. Zwei Vater unser, zwei Ave Maria. 235 4. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du Alle selig machest, und nicht willst, daß Einer verloren gehe, sich' gnädig herab auf die Seelen, welche die Arglist des bösen Feindes betrogen hat! Verleihe Deinen Christen, daß sie alle Spaltungen aufheben, alle Irrthümer ablegen und zur Einheit Deiner Wahrheit zurückkehren durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Daß Du die Feinde Deiner heiligen Kirche demüthigen und bekehren wollest. Wir bitten Dich, erhöre uns. Zwei Vater unser, zwei Ave Maria. 5. Höchster und ewiger Hirt, Jesus Christus! Ich empfehle Dir unsern heiligen Vater, den Papst N. N., Deinen Stellvertreter auf Erden. Erhöre seine Gebete und erfülle seine Wünsche, die Deine Ehre und das Beste der Kirche bezwecken. Leite, erleuchte, stärke, vertheidige, unterstütze ihn, damit er der heiligen Kirche jederzeit würdig vorstehe. Daß Du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in Deiner heiligen Religion erhalten wollest. Wir bitten Dich, erhöre uns. Vater unser, Ave Maria. Ich glaube an Gott, den Vater zc. 236 6. Gott der Erbarmungen! Du hast Deiner heiligen Kirche die Gewalt verliehen, zu binden und zu lösen. Dankbar benütze ich die Gnaden, die sie mir darbietet. Lass' mich nicht vergessen, daß nur wahrhaft reuigen Sündern, welche ihr Herz durch die Buße gereiniget haben, die Kraft des Ablasses und die Nachlassung der zeitlichen Strafen, die wir hier oder jenseits abzutragen haben, zu Theil werden! Ersetze, was uns von den strengen Bußübungen der ersten Christen abgeht, durch Deine Liebe und durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi, in welchen alle Christen Gnade und Erlösung haben, und durch welchen wir von Deiner Erbarmung die Seligkeit des Himmels erwarten. Amen. Gebet in Trübsalen. Herr! Deine Hand liegt schwer auf mir, doch sei es fern von mir, gegen Dich zu murren, der Du gerecht bist in Deinen Urtheilen und voll Erbarmung in Deinen Gerichten. Ich habe gesündiget und will für meine Sünden büßen. Dein heiliger Wille geschehe. Verleihe mir nur Geduld und Stärke in meinen Leiden, auf daß ich sie zum Gewinne meiner 237 Seele trage und befreie mich von meinem Elende, wenn es Dir wohlgefällt. Gedenke, o Herr! meiner Schwäche und sei mir gnädig, auf daß ich Deinen Namen lobsinge und Deine Barmherzigkeit preise in Ewigkeit. Amen. Für die leidende Menschheit, für Alle, die in Gefängnissen schmachten, die in Gefahren, in Angst und Nöthen sich befinden, für Witwen und Waisen, für alle kranken und siechen Menschen, für diejenigen, welche in gefährlichen Unternehmungen, im Kriege, auf Reisen außer ihrem geliebten Vaterlande, unter bösen und grausamen Herren als Eclaven sich befinden, für Alle, deren Gemüth durch traurige Vorstellungen oder allgemeine Unglücksfälle niedergedrückt ist, endlich für Alle, die unter dem Drucke der Armuth, der Nahrungssorgen und der Verachtung seufzen, die von ihrem eigenen bösen Gewissen oder von bösen Menschen wie immer verfolgt werden. Allmächtiger, ewiger Gott! liebreicher Vater im Himmel, gerechter und gütiger Weltregierer! Laff Dir alle meine Mitmenschen empfohlen sein, die von was immer für einem Unglücke gebeugt, von Menschen verlassen, verkannt, oder vielleicht gar mißhandelt, nur noch durch den Glauben an Deine heilige Vorsehung unterstützt werden. Befreie alle 238 müden und kummervollen Seelen, wenn es Dein heiliger Wille ist, dem alle Geschöpfe unterthan bleiben müssen, von ihrer drückenden Last. Lass' sie bei der Fortdauer ihrer Leiden, in der stillen, ergebungsvollen Anbetung und Verehrung Deines heiligen Willens Trost und Beruhigung, und mit dem Beispiele Deines bis in Tod duldenden Sohnes Kraft und Ermunterung finden. Gib, daß sie durch diese zeitlichen Leiden, wenn sie sich von dem Wege der Tugend entfernt haben, darauf zurückgeführt, oder wenn sie unschuldig leiden, wie das Gold im Feuer nur mehr noch bewährt und geläutert zu höheren Stufen ihrer sittlichen Vervollkommnung ge führt werden. Lass' in dem Menschengeschlechte bei der sich immer mehr ausbreitenden Auf klärung und Menschlichkeit alle heilsamen Anstalten zur Minderung des menschlichen Elends gedeihen. Segne die pflichtmäßigen Bemühun gen der Unglücklichen, wodurch sie sich selbst helfen, oder wenigstens einen Theil ihrer Last von sich abwälzen wollen. Segne auch meinen Entschluß, den ich, durch die heutige Feier des Todes Jesu begeistert, auf's Neue fasse, zur Minderung des menschlichen Elends in meinem 239 Wirkungskreise und Berufe so viel beizutragen als ich vermag, und als Vernunft, Religion und selbst mein innigst gerührtes Herz mir auferlegt. Amen. Gebet für Wohlthäter. O Gott, vergilt meinen Wohlthätern das Gute, das sie mir gethan haben und noch thun, tröste und erfreue sie dafür, damit sie sagen: Gelobt sei der Herr, der Seinen Dienern Ruhe und Frieden verschafft hat; ich aber Deine Gerechtigkeit preise, und Dein Lob verkünde durch esum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet der Kinder für ihre Eltern. Liebreichster Vater im Himmel! Du gebietest uns durch Dein heiliges Gesetz, Vater und Mutter auf Erden zu gehorchen und dadurch ihnen unsere Liebe und Ehrfurcht zu bezeugen. Gott der Gnaden! Verleihe mir Deinen Beistand, womit ich diese Pflicht stets heilig erfülle und nach nichts mehr trachte, als die Freude meiner Eltern im Leben, ihre Stütze im Alter und ihr Trost im Tode zu sein. Amen. Gebet der Eltern für ihre Kinder. Vater voll Güte und Gnade! der Du uns Kinder als kostbare Unterpfänder Deiner Liebe 240 anvertraut hast und einst ihre Seelen aus unseren Händen fordern willst, segne unsere Mühen und Sorgen, die wir für ihr zeitliches und ewiges Wohl anwenden; lass' sie wachsen in Deiner Furcht, und Dir mit Frömmigkeit in ihrem Berufe auf Erden dienen, damit ihnen einst das kostbare Erbe des Himmels zu Theil werde. Amen. Gebet einer Baise. Mutter der Barmherzigkeit, sieh' mitleidig auf dein armes Kind, das allein in dieser Welt verlassen seine Zuflucht zu dir nimmt, der milden Trösterin der Betrübten- und um deinen heiligen Schutz in Thränen anruft! Zu Dir seufze ich trauernd und weinend, o süßeste Jungfrau, welche Dein göttlicher Sohn mir am Kreuze zur Mutter gab, als Er sterbend sprach: ,, Kind, sieh' deine Mutter." Ach, einzige Zuflucht meines betrübten Herzens, du weißt es, Vater und Mutter haben mich verlassen, nicht mehr zu ihnen kann ich kommen mit findlichen Bitten; denn abgerufen hat sie der Herr in das Land der Ewigkeit, und verwaist und fremd stehe ich nun in dieser Welt, 241 die für mich ausgestorben ist, o liebreiche und barmherzige Mutter Aller, die deinem heiligen Schuße vertrauen! Darum bitte ich dich bei deiner großen Barmherzigkeit, neige dein mildes Ohr zu meinem kindlichen Gebete, und verlasse mich nicht in meiner Betrübniß! In deine Hände lege ich die Sorgen für meine Zukunft, deiner Milde empfehle ich mein junges Leben; dein mütterliches Auge wache über mich und dein süßestes Herz flöße denjenigen, unter welchen ich nach der Anordnung der göttlichen Vorsehung lebe, christliche Liebe ein, daß sie, um Gottes willen, Barmherzigkeit an mir thun, und Nachsicht mit meinen Fehlern haben. O, himmlische Trösterin! die du kein Herz verschmähest, das in Andacht und Demuth zu Dir flehet, dein heiliger Segen sei über mir, und begleite mich alle Tage meines Lebens; präge deine heiligen Tugenden meinem Herzen ein, daß ich in Gehorsam, Demuth und Sanftmuth wandle, damit ich deinem göttlichen Sohne wohlgefällig werde und Gnade vor Ihm finde. Erwecke täglich das Gefühl in mir, daß ich hier keine bleibende Heimat habe, und erhebe mein Herz zum Himmel, wohin meine lieben Eltern Bete und vertraue. 16 242 mir vorangegangen sind. Reiche mir Deine milde Hand in Gefahren, in Angst und Noth, und führe mich nach diesem trübseligen Leben in das himmlische Reich, daß ich dein mütterliches Angesicht sehe, und in der Versammlung aller Auserwählten dich liebe, und Gott meinen liebreichen Vater und Schöpfer! lobe und preise in Ewigkeit. Amen. Gebet für eine Braut. Ich weiß, mein Gott, daß Du mein Vater bist, und daß ich Dein Kind bin. Es kommt mir nicht zu, die so wichtige eheliche Verbindung auf eine Art einzugehen, wie sie Heiden eingehen, die das Glück nicht haben, Dich zu erkennen. Sei Du selbst der Anfang dieser Verbindung. Laff' mich oft an die Worte denken, die Dein heiliger Engel dem Tobias sagte: Diejenigen, welche bei ihrer Verbindung nicht an Dich denken, sondern nur ihre sinn lichen Lüste zu befriedigen suchen, räumen dem bösen Feinde die Herrschaft in ihrem Herzen ein. Ich bin fest entschlossen, ganz nach Deinem heiligen Willen zu leben und zu halten, was ich am Altare vor Deinem Angesichte, vor dem Priester und der christlichen Gemeinde ver 243 sprechen werde. Gib Deinen Segen dazu; lass' mich und den von mir gewählten fünftigen Ehegenossen die ganze Kraft des Sacramentes empfangen, lass' uns wie den Tobias und die Sarah in Gerechtigkeit, in Liebe und Freundschaft leben, lass' uns Leiden und Freuden mit einander theilen und so ein Bild der heil. Liebe und der unzertrennlichen Vereinigung Jesu mit Seiner Kirche werden. Ich bitte Dich, o Gott! von ganzem Herzen um diese Gnade, durch eben denselben Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Maria mein Troft. Wunderschön', prächtige, Heilige, mächtige, Liebreich, holdselige, reine Jungfrau! Welcher auf ewiglich, Kindlich verbinde mich, Ja mich mit Leib und Seel' gänzlich vertrau'. Freudig mein Leben Will ich dir geben, Alles, ja Alles! was immer ich bin, Geb' ich, Maria, zu eigen dir hin. 16* Betrachtungen. Von Gott und Seinen Eigenschaften. Am Montag. Es ist ein Gott, der Schöpfer des Weltalls. Gott ist des Guten Quell', der Grund der Creatur, Selbstständig unsichtbar, der Schöpfer der Natur, Ist denn ein solcher Gott? Geh' frage Thal und Hügel; der Himmel ist Sein Spiegel; Die Erde malt Sein Bild, Der Sturm verkündet Ihn, Ihn thut des Donners Mund, Ter Bogen in der Luft, der Schnee und Regen fund. 245 Ihn preist der grüne Klee, das Feld mit Korn bedecket, Der Berg, der Wälder trägt, das Haupt in Wolfen strecket, Der Baum, von Früchten schwer; der Gärten bunte Flur, Der vollen Rose Pracht trägt seines Finger Spur. Der Vogel singt von Ihm; der Lämmer weiße Heerde, Der Hirsch im stillen Forst, die Würmer in der Erde, Der Fisch, der Wellen speit und Masten niederschlägt, Das starte Krokodill, das Thier, so Thürme trägt, Und der Geschöpfe Herr, im Trocknen, in den Meeren, Sind Prediger von Gott, die uns Sein Dasein lehren. Gott! Schöpfer aller Wesen, so unmöglich es ist, daß ein Mensch mit gesunden Augen das Sonnenlicht nicht empfinde, eben so wenig kann ein Mensch mit gesunder Vernunft sich enthalten, das Bekenntniß Deines Daseins abzulegen, und in allen Dingen, die ihn umgeben, Deine allmächtige Kraft zu fühlen. Dich, Urheber des Weltalls! verkündigen die Himmel; Dich prediget die Erde; Dich erblicken wir in jedem Lichtstrahle; mit göttlicher Schrift steht Dein Name an der prächtigen 246 Decke des Firmamentes geschrieben( Ps. 8, 2-5. 18, 2-5). Jeder Stern ist eine Sonne, jeder Planet eine Welt, jede Welt ein Aufenthalt von unzähligen Millionen Geschöpfen. Wer kennt ihre Zahl? Wer mißt die Unendlichkeit des Raumes, welcher sie einschließt? Ich sehe unter mich und erblicke den Theil der Welt, welchen ich bewohne, die Erde, die mich trägt und ernähret. Wer gründete sie? Wer höhlte die Tiefen des Weltmeeres aus? Wer umdämmte seine wilden Fluthen und beſtimmte sein Ufer? Wer entwarf und vollführte den fühnen Bau der Gebirge, deren Gipfel auch den Blitzen unersteiglich sind? Wer legt auf den Bergen die unerschöpflichen Quellen an, aus welchen, seit undenklichen Jahrhunderten, Segen und Fruchtbarkeit die Länder durchströmen? Wer befruchtete den Schooß der Erde mit den unendlichen Gattungen von Samen, aus welchen, durch eine Art von Vernichtung, täglich neue Schöpfungen hervorkeimen? Wer versah leblose Körper mit der Fähigkeit, eine Bewegung anzunehmen, und sie auf andere ihres Gleichen auf eine Art fortzupflanzen, die auch für den Weisesten ein Geheimniß ist? Wer setzte der Bewegung die Regeln fest, nach denen sie geschieht, welche wir aus Wirkungen wahrnehmen, deren Ursachen auch nicht einmal durch Muthmaßungen errathen werden können? Wer setzte die Kräfte so unendlich verschiedener Theile, aus welchen die Körperwelt zusammengefügt ist, in ein so genaues Gleichgewicht gegen einander, daß eine Welt, deren Theile sich augenblicklich auf tausendfache Weise verändern, doch immer besteht, und in Ordnung bleibt? O Vater der Wesen! diese wundervolle Einrichtung ist nicht das Werk des blinden Zufalls( so was könnte nur ein Thor behaup ten); sie ist ein unnachahmliches Meisterstück Deiner Weisheit und Allmacht( Ps. 103, 134. 6. 7. 135. 5-9). Er rief dem Nichts: Berschwinde!" Gebot der Schöpfung: Sei!" " 1 Dem todten Klotz:" Empfinde!" 247 " 1 Den Welten: Hanget frei!" Und Alles ward und lebte, Wie, wann, wo er gebot, Und stand, und walt', und strebte, Und rief:„ Es ist ein Gott!" Doch warum suche ich meinen Schöpfer außer mir, den ich so leicht in mir selbst finden kann? Ich denke. Ich bin mir meiner und anderer Dinge außer mir bewußt. Ich besitze 248 und gebrauche alle Augenblicke eine Kraft, von der ich nicht weiß, was sie ist, noch wie sie in mir wirkt, die Einbildungskraft, wodurch ich, so oft ich will, und nicht will, Bilder von Dingen, die außer mir sind, in mir erschaffe; mit diesen Bildern wie mit meinen Geschöpfen nach Belieben umgehe, sie ansehe, verbinde, trenne und aus ihnen Alles mache, was ich nur will. Woher kommt dieser Stoff, welchen meine denkende Seele nach so verschiedenen Formen verarbeitet? Wer hat meinen Körper zu so vielen und mancherlei künstlichen Verrichtungen geschickt und bequem zu bauen gewußt? Wer hat ihm das Gesetz vorgeschrieben, daß er meinem Willen ohne Ausnahme gehorsam sein und auf meinen Befehl Bewegungen machen muß, von denen ich selbst nicht begreife, wie sie geschehen? Ich brauche täglich und augenblicklich die Glieder meines Leibes nach meinem Wohlgefallen. Meine Seele regiert meinen Körper gleichsam mit der Macht eines Gottes. Sie will gehen und sie geht; sie will sprechen und sie spricht. Sollte man glauben, daß ein Wesen, dessen Macht so unumschränkt zu sein scheint, dasjenige nicht ein Mal kenne, worüber es gebietet? Aber genug; meine Seele 249 weiß, daß diese Herrschaft und die Kraft, wodurch sie dieselbe ausübt, nicht von ihr sei. Sie fühlt, daß Du sie mit dieser Kraft ausgerüstet hast, Schöpfer! Vater der Geister! Ja, wenn ich da bin, wenn die Welt da ist( und wer könnte daran zweifeln?), so ist auch ein Schöpfer alles Dessen, was ist. Denn weder ich bin von mir selbst, noch ist es die Welt. Es baut sich keine Strohhütte von sich selbst( Hebr. 3, 4). Ein bloßes Ungefähr, ein blinder Zufall kann keine so schöne Welt zusammenwehen, wie diese ist. Gott! Du bist allein die Ursache der ganzen Schöpfung! Du bist das höchste Wesen, der vollkommenste Geist, thätig durch eigene Kraft. Du besitzest Macht und Weisheit, denn Du hast beide in der Schöpfung bewiesen. Dein Wesen ist der Inbegriff alles Guten, alles Vortrefflichen, aller unermeßlich großen Eigenschaften weit über unsere Begriffe erhaben. Wie unendlich groß muß der Herr der Natur sein! Ein Sandkorn, ein Würmchen ist eine Welt für uns, oder würde es doch sein, wenn unsere Augen fein genug wären, alle seine Theile unterscheiden zu können. Unzählbare Millionen derselben liegen zu unseren 250 Füßen, ungesehen, oder doch unbemerkt von uns, aber nicht von Dem, welcher kein einziges derselben ohne Absicht erschaffen hat. Das Geringste in der Natur ist ein unerforschliches Geheimniß auch für den tiefsinnigsten menschlichen Geist. Das Größere ist eben so unergründlich, eben so erstaunungswürdig. Wen macht die Vorstellung eines bodenlosen Meeres nicht schwindelnd? Es bedeckt Berge und Länder, deren Höhe und Umfang denen nichts nachgibt, welche wir bewohnen. Welten liegen unter seinen Fluten begraben. In seinen Abgründen spielt der König der Fische, der Walfisch. Er durchbraust die Gewässer; er drängt sich durch Gebirge von Wellen hin; er athmet Ströme, und jede seiner Bewegungen bringt die ganze Wasserwelt in Aufruhr. Und dieses Ungeheuer des Wasserreiches, das Weltmeer selbst und die Erde, die es einfasset. mit allen ihren Bergen, Ländern und König, reichen wie klein würde uns dieses Alles vorkommen, wenn wir es von der Höhe eines unserer Sonnenplaneten herab betrachten könnten? Und dies Alles hat sein Dasein durch den bloßen Willen des Ewigen, des Allerhöchsten erhalten. - 251 Hier verliert sich mein Geist ganz in Dir, unbegreiflicher Schöpfer! Wer kann Dich denken? So groß die Welten meinem Verstande scheinen, so sind sie doch gegen Dich nur wie ein Stäubchen auf der Wage, wie ein Tröpfchen, das im Eimer bleibt, und noch weniger. Wie groß, wie unendlich, wie unaussprechlich groß mußt Du sein, da Dich alle die Größen nichts als einen Gedanken kosteten. Sind aber alle diese Größen- ein nichts gegen Dich, was bin ich denn, der ich klein genug bin, mich in diesem Nichts zu verlieren, aber auch groß genug, um zu erkennen, daß dieses ganze All' gegen Dich ein Nichts ist? So wunderbar hast Du mich gemacht, Gott, meines Wesens einziger Ursprung! Welch' ein Glück ist es für mich, daß ich Dich kenne! Meine Seele lobe Dich, den Unsichtbaren, den Unendlichen, den Unbegreiflichen! Sie erhebe sich mit geistigen Schwingen zu Dir, ihrem Ursprunge, dem reinsten, dem göttlichen Geiste. Du allein verdienst Lob, obwohl Du über Alles Lob unendlich erhaben bist. O Du, der Anfang, das Mittel und das Ende aller Dinge!( 3₁. 42, 5. 8-44, 6. Off. Joh. 1, 8.) Von Dir bin ich. Du hießest mich 252 werden; Dein gebietend Wort baute meinen Körper, Dein Hauch beseelte ihn. Daß ich bin, ist durch Dich. Was ich bin, bin ich durch Dich. Ich wäre nicht, ich dächte nicht, wenn Du nicht gewollt hättest, daß ich sein und denken sollte. Und wer schrieb mir jenes heilige Gesetz der Sitten in's Herz, das ich nicht übertreten darf, ohne mit mir selbst in den schimpflichsten Widerspruch zu gerathen, und mich in meinen eigenen Augen herabzuwürdigen? Woher ist das unbedingte und unverläßliche Gebot meiner Vernunft, sittlich gut zu sein und mich durch Tugend einer Glückseligkeit würdig zu machen, wornach mein Herz schmachtet! Du, o Gott! bist der Urheber des Sittenreiches, wie Du der Herr der Schöpfung bist, die Du mir zum Schauplatze meiner Thätigkeit angewiesen hast. So gewiß ich das Böse fliehen und das Gute ausüben muß, und so gewiß ich nur im Verhältnisse meines sittlichen Werthes glücklich zu sein verdiene, so gewiß muß es auch eine Glückseligkeit, nach der ich strebe und einen Gott geben, der sie nach Würde und Verdienst ertheilt. Es zeuget, daß Du seist, der göttliche Gedanke, Der jeden Zwang verschmäht, und spottet jeder Schranke, 253 Den Himmel jetzt erfliegt, zur Hölle dann sich senkt, Das All' sein eigen Ich, und Dich! Erhab'ner! denkt. Die ernste Stimme zeugt's, die nimmer schweigt, noch heuchelt. Die nie dem Triebe fröhnt, und nie den Lüften schmeichelt... Gelobt, ewig gelobt seist Du, mein Schöpfer, mein Herr, mein Gesetzgeber! Dankbarkeit und Liebe durchwallen mein gerührtes Herz, wenn ich denke, daß ich Dein vernünftiges, zu einer erhabenen Bestimmung berufenes Geschöpf bin. Unendlicher! eine unaussprechliche Freude bemächtigt sich meiner bei diesem großen Gedanken; meine Seele zerfließt in den zärtlichsten Empfindungen. O, möchten sie Dir doch nicht mißfallen, die Regungen meines dankvollen Herzens, Gott und Vater! von dem ich Alles habe, was ich habe, und durch den ich Alles bin, was ich bin. Dein Eigenthum bin ich, Herr des Himmels und der Erde( 1. Kor. 8, 6); und ich will es sein, so lange ich bin. Dir soll mein Leib und meine Seele heilig sein. Was soll ich thun? Wie soll ich Dich verehren, Du Allerhöchster! rede, ich will hören( 1. Samuel 3, 10). 254 Würdige mich Deiner Befehle! Ich brenne vor Eifer, ihnen zu gehorchen. O, wer gibt mir die Schnelligkeit des Windes und die Stärke der Feuerflammen, um gleich denen, die vor Deinem Throne stehen, auf Deinen Wink zu fliegen und alle Deine Gebote zu befolgen? Selige Augenblicke, in welchen man Dir dienet. Wannach! wann werde ich diese Seligkeit vollkommen besitzen? wann werde ich im Gehorsam gegen Dich geübt genug sein, um in die Zahl Deiner getreuen Knechte aufgenommen zu werden? Ich will alle meine Kräfte aufbieten. Ich will mein einziges und ganzes Glück darin suchen, Deinen heiligen Vaterwillen so auf Erden zu vollbringen, wie er im Himmel vollbracht wird( Matth. 6, 11). Amen. Am Dienstag. Gott ist ewig, unveränderlich. Gott ist und bleibt stets wie Er ist; Wer strebet nicht vergebens Ihn auszusprechen? Wer ermißt Die Dauer seines Lebens? Wir Menschen sind von gestern her, Eh' noch die Erde war, war Er; Noch eher als die Himmel! 255 Ewig bist Du, mein Gott und Schöpfer! Du warst eher als alle Dinge, die Du mit einem allmächtigen Worte aus ihrem Nichts hervorgerufen hast. Ehe die Sonne brannte, ehe sich Welten um ihre Achsen drehten, ehe Geister dachten- warst Du!( Pſ. 89, 2.) Du bist durch Dich Selbst; keine fremde Kraft hat Dein Dasein gewirket. Du bist, weil Du bist. Du bist Alles, was Du bist, aus Dir Selbst und mit ein Mal, und Du bleibst so ohne einige Veränderung. Zufall und Wechsel sind Deiner Natur zuwider. Du kannst an Größe nicht zu und nicht abnehmen; denn wie wärest Du sonst unendlich groß? Du wirst in alle Ewigkeit sein und in alle Ewigkeit so groß und so vollkommen sein, als Du vor aller Ewigkeit gewesen bist! Du bist der Vater der Ewigkeit! Du warst vor unendlichen Jahrhunderten, und wirst nach unendlichen Jahrhunderten noch sein. Ein Zusatz von Millionen Jahren verlängert Dein Dasein nicht und eben so viel davon abgerechnet verkürzet es nicht. Du, Herr! bist der erste und der letzte( 3f. 41, 4). Du hast im Anfange die Erde gegründet, und die Himmel sind Deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, Du aber dauerst fort. 256 Sie werden alle veralten, wie ein Kleid: wie ein Kleid legst Du sie ab, um sie zu wechseln. Du aber bleibst, wie Du bist, und Deine Jahre nehmen kein Ende( Hebr. 1, 10, 11, 12). Wem vergehen hier nicht alle Gedanken? Kein erschaffener Geist kann den unerschaffenen denken; und wie will ich, dessen Tage kaum eine Hand breit sind, die Unendlichkeit des Ewigen fassen? Ich nehme den größten Zeitraum, welchen ich auf ein Mal denken kann. Ich verdopple ihn mit Millionen und abermal Millionen. Ich bringe eine Summe heraus, die in Ansehung meiner unendlich ist. So viel Sandkörner faßte das Firmament nicht, als ich Millionen Jahrhunderte annehme. Und diese ungeheure Summe reicht doch bei Weitem nicht zu, um nur ein Maßstab für die Dauer des Ewigen zu sein. Wenn auch alle Geister, die je gedacht haben, und je denken werden, sich in ähnlichen Bemühungen mit mir vereinigten, so würden wir doch nichts mehr, um den Ewigen in Gedanken zu erreichen, ausrichten können. Ein Tag ist bei dem Herrn, wie tausend Jahre, und tausend Jahre sind bei Ihm, wie ein Tag( 2. Petr. 3, 8). 257 Ich will also in stiller Bewunderung Den anbeten, Den ich nicht begreifen kann. Er, der Ewige, soll der Gegenstand meines Nachdenkens sein. Auf ihn will ich meine Blicke richten, nicht in der Absicht, seine Unendlichkeit zu ergründen( welche Thorheit, welche Vermessenheit wäre dies!), nein, ich will nun empfinden, wie unendlich der Ewige ist, um desto lebhafter zu fühlen, wie niedrig ich selbst gegen Jesu bin. Ich schaue mit Erstaunen gegen Himmel. Mir schwindelt beim Anblick eines Gewölbes von unendlichem Umfange, welches von den mächtigen Händen des Ewigen ausgeführt ist und für die Ewigkeit gebaut zu sein scheinet. Mein Geist verliert sich in dem unermeßlichen Felde dieser Schöpfung, Sonnen und Welten sind in einer Menge vor mir, wovon ich das Ende nicht absehe. Wer kann mir sagen, seit wie vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden diese Sonnen schon brennen, und wie viele Millionen ihres Gleichen schon vor ihnen geleuchtet und ausgebrannt haben? Wer weiß es, wie viele Geschlechter von Welten schon gewesen und zerstört sind? Wer hat den Stammbaum des Sonnengeschlechtes durchBete und vertraue. 17 258 gesehen, welcher an dem grenzenlosen Himmel aufgezeichnet ist? Aber alle diese Sonnen mit allen ihren Welten, in allen ihren Geschlech= tern, vom Anfange bis ihrem Ende, mit aller ihrer bisherigen und zukünftigen Dauer, sind gegen die Deinige, ewiger Schöpfer, noch nicht ein Punkt der Zeit. Du sprichst, und Sonnen entzünden sich, und Welten werden. Du sprichst wieder, und Sonnen erlöschen, und Welten vergehen. Unverändert, und mit ruhigem Blicke siehst Du ihrem ersten Aufgange und letzten Untergange zu( Malach. 3, 6). Auch die jetzigen werden zu ihrer Zeit vergehen. Dieser Himmel mit seinen Sternen wird allmälig einem andern Himmel mit andern Sternen Platz machen. Aber Du, Ewiger! und nur Du allein bleibst! wenn Sonnen veralten, und Weltgebäude sich verwandeln, so bleibst Du, wie Du bist; und Deine Jahre nehmen kein Ende( Psalm 101, 26, 27, 28). Du ewiger Vater! schauest von Deinem tief in der Ewigkeit gegründeten Throne mit sicherer Majestät das Entstehen und das Vergehen der Welten an. Du winktest mit allmächtigen Blicken und schnell erhoben sich Welten aus nichts, und standen da! Du win 259 kest abermal, und siehst sie in ihr Nichts wieder zurücksinken mit eben so weniger Veränderung, als die Sonne von den kleinen Thierchen leidet, welche in heißen Sommertagen bei ihrem Aufgange geboren werden, und noch vor ihrem Untergange sterben. Und was müssen vor Dir, Ewiger, meine Tage sein? Die Augenblicke, seit welchen ich bin und in welchen ich etwa noch sein werde, wie nichts, wie so gar nichts müssen sie vor Dir sein; ich, dessen Leben kaum die Länge einer Spanne austrägt( Psalm 89); ich, dessen ganzes Dasein nicht dem zehnten Theile der Zeit gleichkommt, welche eine Eiche zu ihrem Wachsthume braucht; ich, gegen dessen Dauer die der Eiche eine Art von Ewigkeit ist, demungeachtet bin ich doch groß genug, zu erkennen, daß die Dauer ganzer Weltgebäude gegen die Deinige wie Nichts ist; ja ich bin groß genug, mir meine Dauer, wie die Deinige, in der Zukunft zu wünschen, sie zu hoffen und Ansprüche auf die Ewigkeit zu machen. Ewig, ewig werd' ich leben! Sider der Unsterblichkeit, Streb' ich, mich emporzubeben Ueber jeden Traum der Zeit. 17* 260 Wandeln will ich fest und still Jeden Pfad des Rechts, und will, Was davon mich locket, hassen, Will die Ewigkeit umfassen. Amen. Am Mittwoch. Gott ist allmächtig. Er spricht, und es geschieht; Er gebeut, und es steht da!( Ps. 32, 9. Vergl. Hiob 38, 39, 40, 41, 42.) Gott, wie unbegreiflich groß ist Deine Macht, die ich mit jedem Blicke in Deiner Schöpfung entdecke, Alles, was ich sehe und höre, Alles, was ich durch irgend einen meiner Sinne empfinde, ist eine Wirkung dieser unendlichen Macht. Durch sie leuchtet die Sonne, wälzen sich die Welten, leben die Thiere, denken die Geister. Sie ist die Seele der ganzen Schöpfung. Sie erhob die Welt aus dem Nichts und sie erhält die Welt in ihrem Dasein. Ohne sie wäre die Welt nicht entstanden, und ohne sie würde die Welt augenblicklich wieder in ihr Nichts zurücksinken.( 1. B. Mos. 1. Röm. 4, 17.) Gott! Deine Kraft verbreitet sich durch 261 alle Wesen; sie belebt das Kleinste wie das Größte, das Ganze und alle Theile. Sie leuchtet in den Lichtstrahlen; sie wärmt im Feuer; sie wächst in der Pflanze; sie empfindet in dem Thiere; sie denkt in dem Engel. Alles - Alles ist durch sie, und Alles besteht durch sie. Aber was ist die Allmacht? auf was für eine Art wirkt sie? Das sind die Fragen, zu deren Auflösung die Einwohner des Himmels und der Erde umsonst ihre Verstandskräfte vereinigen. Für Geschöpfe ist hier Alles unergründlich. Was Allmacht sei, weiß nur Der, der sie gebraucht, nur der Allmächtige. Wie die Allmacht wirke, weiß nur Der, der sie gebrauchet, nur der Allwirksame. Das Wesen der Allmacht kennen, und selbst allmächtig sein, ist einerlei, und kommt es nur allein Dir zu, Allvater! Schöpfer aller Wesen. Ich ziehe mich also in die Grenzen zurück, welche mir, als einem endlichen Geiste, gesetzt sind. Ich will den Allmächtigen nicht er forschen, sondern anbeten. Wer kann den Unbegreiflichen begreifen? Eine demüthige Empfindung meiner Schwäche und Seiner Stärke ist Alles, was mir erlaubt ist, und Alles, wozu nur die Erkenntniß des Allmächtigen nützlich sein kann. 262 Zu dieser Erkenntniß gelange ich leicht, wenn ich nur einen aufmerksamen Blick auf mich selbst hefte. Liegt nicht ein Abdruck der Allmacht in mir? Gewiß, wenn etwas in der Natur ist, was mit dieser göttlichen Eigenschaft einige Aehnlichkeit zu haben scheint, so ist es die fast unumschränkte Macht, welche meine Seele über meinen Körper ausübt. Alle Sinne und Glieder desselben stehen ihr zu Gebote. Kaum will sie, daß sich ein Glied regen und bewegen soll, so wird in dem Augenblicke ihr Wille vollzogen. Zwischen ihren Befehlen und dem Vollzuge derselben geht gar keine Zeit verloren. Sie darf nur denken, und es geschieht schon! gleich als wenn ihre Gedanken so viele unwiderstehlich wirkende Kräfte wären, die Alles mit einer undenkbaren Geschwindigkeit ausführen. Darf man das Kleine mit dem Größten vergleichen, so ist Gott in Absicht auf das ganze All, was meine Seele in Absicht auf meinen Körper ist. Er will, daß Etwas werden soll, und es wird. Die Sonne soll brennen, und sie brennt. Welten sollen sich um sie bewegen, und augenblicklich treten sie ihre Reise an. Ein Thier soll leben, und es lebt. Ein Geist soll denken, und er denkt. Die 263 Allmacht bedarf keiner Zeit zu ihren Wirkungen. Denken und thun ist bei Ihr Eins. Der Allmächtige spricht, und es geschieht; Er gebeut, und es steht da. O! wie unaussprechlich klein und ohnmächtig bin ich gegen Den, der die Völle aller Macht besitzt. Unendlich groß ist der Unterschied zwischen einem Tropfen Wasser und dem Weltmeere, zwischen einem Augenblicke und der Ewigkeit. Allein dieser Unterschied verschwindet fast gänzlich in Vergleichung mit dem, welchen ich zwischen meiner Kraft und der Kraft Gottes antreffe. Meine Kräfte( des Leibes und der Seele) sind nur ein Darleihen, nichts Eigenthümliches: nur eine Wirkung, und gleichsam ein Ausfluß von der Allmacht. Ich kenne nicht einmal die Natur und Beschaffenheit meiner Kräfte. Indem ich meine Glieder bewegen will und wirklich bewege, bin ich mir nicht im geringsten einer Kraft bewußt, welche ich zu diesem Endzwecke anstrenge. Es geschieht, was ich will, ohne daß ich selbst weiß, wie es geschieht. Wie soll ich mich denn nun wundern, wenn mir die unendlich höhere Macht des Schöpfers auf alle Weise unbegreiflich ist?( Ephes. 3, 20.) 264 Brauche ich auch wohl mehr zu wissen, als daß die Kräfte, die mir Gott verliehen hat, selbst der stärkste, der augenfälligste Beweis Seiner Allmacht sind, und daß ich gegen Ihn wie nichts bin? Aber auch die Kräfte der ganzen Natur zusammengenommen sind nur ein Schattenbild von der Macht des Unendlichen, von der sie herstammen, und durch welche sie erhalten werden. Was man in der Natur groß oder klein, start oder schwach nennt, ist nicht durch sich selbst groß oder klein, stark oder schwach; sondern Alles ist gerade das, was der Allmächtige will, daß es sein soll. Gott! wer ist Dir gleich? Der Himmel ist Dein Thron, und die Erde Dein Fußschämel. ( 3f. 65, 1.) Du, Allmächtiger! wohnst in der Höhe, und Alle, die auf Erden wohnen, sind vor Dir wie Heuschrecken. Du allein bist mächtig; Du allein bist groß; Dir allein gebührt Lob und Ehre und Preis. Durch Dich lebt die ganze Schöpfung. Dein Athem beseelt Alles; Du ziehst ihn zurück, und Alles vergeht, und wird zu Staube. Glück und Unglück sind in Deiner Hand, und Du theilest Selber aus, wie Du 265 willst. Wer kann Deinem Willen widerstehen? Wohl dem, den Du schützest. Was können ihm Menschen schaden? Bei Dir allein steht es, den Niedrigen hoch, und den Hohen niedrig, den König zum Bettler, den Bettler zum König, und Beide zu Staub zu machen. O Allmächtiger! wer sollte Dich nicht fürchten? Und was sollte dem sonst noch fürchterlicher sein, der Dich recht fürchtet? Gott! Du bist allein die wahre Quelle aller Heiligkeit, alles Glückes und alles Segens. Deine Reichthümer sind unerschöpflich. Aus Dir fließt allen Wesen alles Gute, Leben und Seligkeit zu. Vergebens streitet die ganze Welt wider mich, wenn Du für mich bist, aber vergebens begünstigt mich auch die ganze Welt, wenn Du wider mich bist. Deine Hand lenkt alle Mittel, welche mein Glück befördern oder stürzen können. Durch Dich, Herr des Himmels und der Erde! durch Dich regieren die Könige, sind die Mächtigen stark, die Weisen verständig; Du hast die Herzen aller Menschen in Deinen Händen und leitest sie wie Wasserbäche, wohin Du willst. Was sind doch die Menschen, daß ich sie fürchten, was sind Menschenkinder, daß ich auf sie vertrauen sollte? 266 Die höchste Macht der Sterblichen erstreckt sich nur über das, was an mir sterblich ist; sie können nur meinen Leib tödten( Matth. 10, 28), mein unsterblicher Geist und das Glück der Ewigkeit, das auf ihn wartet, ist weit- weit über alle menschliche Gewalt hinausgesetzt. Sogar mein zeitliches Glück hängt nicht weiter von Menschen ab, als Du es zuläsfest, Vater im Himmel! Mein Bestreben soll demnach hauptsächlich nur dahin gehen, mir Deine Gnade, o Gott! zu erwerben und zu erhalten. Alle Empfindungen von Ehrfurcht und Vertrauen, welche in meiner Seele aufsteigen, sollen nur für Dich sein. Ich will meine Größe und meine Seligfeit allein darin suchen, von Dir abzuhängen. Ein unmächtiges Wesen, wie ich bin, und wie alle Menschen sind, ist freilich zu gering, Dich, den Allmächtigen, nach Würde zu ehren; aber doch nicht zu gering, Dich anzubeten, und mit demuthsvoller Zuversicht auf Dich zu vertrauen. Mein zeitliches und mein ewiges Glück hängt nur allein von Deiner Huld ab; und Deine Huld ist der Lohn, welcher die Bemühungen Deiner treuen Knechte krönet. Gott! ich will Deinen Gesetzen ohne Aus 267 nahme gehorchen, und Deinen Willen mit Freude vollbringen. Alle Kräfte meines Geistes und meines Körpers sollen von nun an Deinem Dienste, der Tugend und Rechtschaffenheit gewidmet sein. Und was habe ich alsdann noch zu fürchten?( 3. 41, 13.) Der Weltbau mag zertrümmern, und die Erde unter meinen Füßen weichen; ich sehe dem Untergange der Schöpfung unerschrocken zu*). Der, durch Den sie vergeht, ist der Allmächtige, und Du Allmächtiger, bist mein Freund. Am Donnerstag. Gott ist allweise, allgegenwärtig und allwissend. Gott! wohin ich in der ganzen Natur meinen Blick wende, treffe ich Spuren der schönsten Ordnung an, welche von Deiner Weisheit zeugen. In der ganzen Schöpfung ist nichts umsonst. Das Allerkleinste hat seine Absicht, wie das Größte. So unendlich die Anzahl der *) Si fractus illabatur orbis impavidum ferient ruinae 268 Theile ist, aus welchen die Welt besteht, und so sehr sie von einander unterschieden sind, so sind sie doch Alle gleich nothwendig zum Ganzen, und zur Hauptabsicht ihres Urhebers gleich unentbehrlich. Die geringste Pflanze ist mit eben so viel Sorgfalt gebaut, als der künstlichste Körper des vortrefflichsten Thieres. Ihr innerer Unterschied wird nur durch die Verschiedenheit der Endzwecke beſtimmt, zu welchen sie erschaffen sind; und alle diese verschiedenen Endzwecke laufen endlich in der Vollkommenheit des Ganzen, als in einem gemeinschaftlichen Mittelpunkte zusammen. Das Auge des Allwissenden durchschaut denselben in seinem völligen Umfange. Die Zahl der Sandförner, der Wassertropfen, der Luft-, Feuerund Lichttheilchen ist Ihm eben so deutlich und vollständig bekannt, als die Zahl der Sterne. ( Psalm 146, 4.) Er erkennt auf das Genaueste das Maß der Kräfte, welche jedes Stäubchen in der Natur für sich allein und in der Verknüpfung mit andern besitzt. Er hat sie selbst abgewogen, und die verschiedene Zusammensetzung derselben angeordnet. Er kennt alle Veränderungen, 269 welche daraus erfolgen können und wirklich erfolgen.( Joh. 28, 24, 24, 26.) Mit welch' einer unbegreiflichen Kunst ist nicht der Körper des geringsten, verächtlichsten und in meinen Augen ganz unnützen Thieres gebaut? Er ist so klein, daß er unserm Gesichte entflieht; und doch haben alle seine Theile ihr gehöriges Maß und ihre Stärke. Die Canäle, in welchen sich seine flüssigen Säfte bewegen, sind nicht weniger künstlich eingerichtet als jene, die man in dem menschlichen Körper bewundert. Seine Fäserchen haben ihre genau abgemessene Schnellkraft. Mehr oder weniger angespannt, als sie wirklich sind, würden sie dem Thiere unnüß sein. Es hat alle nöthigen Glieder, seine Nahrung zu suchen, sein Leben zu erhalten, seinen Raub zu verfolgen, vor seinem Feinde sich zu hüten, sein Geschlecht zu unterhalten. Der Theil der Schöpfung, welcher ihm zum Aufenthalte und zur Wohnung bestimmt ist, enthält Alles, was es zu seiner Nahrung und Erhaltung braucht, in reichlichem Maße. Und wie viele Millionen Arten von Thieren heget der Erdboden? Luft, Wasser, Erde sind so viele Reiche, in welchen kein Winkel ist, der nicht mit Einwohnern besetzt 270 und mit unendlichen Gattungen von Thieren belebt wäre, deren jedes in seiner Art mit allen den Eigenschaften versehen ist, welche die Absicht seines Daseins erfordert.( Sirach 16, 26, 27.) Und alle diese Gattungen leben und erhalten sich seit so vielen Jahrhunderten. Sie erhalten sich, ungeachtet aller Veränderungen und Zerstörungen, welche von Zeit zu Zeit in der Natur vorgehen. Tausenderlei Zufälle könnten auf mehr als eine Art verschiedene Gattungen derselben vertilgen. Umsonst! Sie bleiben Alle zum unwidersprechlichen Beweise, daß der Allwissende alle diese Zufälle vorausgesehen, und daß die höchste Weisheit sie zurückzuhalten gewußt hat.( Ps. 103, 25-28.) Wem fällt hier ein allgemeiner Endzweck und eine Menge zur Erreichung desselben angewandter Mittel nicht sogleich in die Augen?! Doch ich selbst bin ja der unverwesliche Zeuge von der Weisheit meines Schöpfers. Der ganze Bau meines Körpers, alle Glieder desselben, alle Theile, woraus sie zusammengesetzt sind, jedes für sich und alle in ihrer Verbindung und nach ihren mannigfaltigen Verrichtungen betrachtet welche Wunder 271 werke! Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimniß. Wie wenig ist es, was er von der Einrichtung seines Körpers und von den Fähigkeiten seiner Seele weiß! Der kleinste Theil von mir erschöpft alle Kräfte meines Geistes, ohne selbst erschöpft zu werden. Den Gebrauch, welchen ich augenblicklich von meinen Gliedern mache; die Empfindungen, welche ich unaufhörlich durch die Werkzeuge meiner Sinne empfange, die Begriffe, welche meine Seele aus diesen Empfindungen erschaffet; die Erkenntniß, welche ich dadurch erhalte; das edle Vergnügen, welches mir dadurch erwächst, und der erhabene Stand, welchen ich durch diese Vorzüge in dem Reiche der Geschöpfe einnehme, dies Alles sind Folgen von der mir unbekannten Einrichtung meines Ich's; Folgen, welche die allerhöchste Weisheit meines Schöpfers um desto mehr beweisen, je verborgener mir die Ursachen von allen diesen wundervollen Wirkungen sind. Zwei Wesen von ganz verschiedener Art, ein Geist und ein Körper, sind in mir vereint, so genau vereint, daß ihre beiderseitigen, obgleich in sich verschiedenen Verrichtungen doch alle zu einem und demselben Endzwecke eilen. Die Speisen, welche ich zu meiner 272 Nahrung genieße, werden durch eine Art von Zauberkraft stufenweise in Saft und Blut verwandelt. Sie ersetzen den Abgang, welchen alle flüssigen und festen Theile meines Körpers durch ihren beständigen Gebrauch unaufhörlich leiden. Das Gehirn ist die Werkstätte der Gedanken, das verborgenste Geheimniß der Natur. Hier langen von den entfernteſten Theilen des Körpers alle Eindrücke an, welche die äußeren Dinge in alle äußeren Werkzeuge meiner Sinne machen. Hier werden sie, so zu sagen, geläutert, nehmen gleichsam ein geistiges Wesen an, werden Gedanken, verlieren sich in das Innerste der Seele, welcher sie gleichsam zur Nahrung dienen, wie Speise und Trank dem Leibe. Welch' eine über alle Vorstellung erhabene Kunst hat hier gearbeitet? Wie unendlich groß muß die Weisheit Desjenigen sein, der mich so wunderbar gebaut hat? O, welch eine Tiefe des Reichthums, der Weisheit und der Erkenntniß Gottes! Was ist gegen den unendlichen Verstand des Allwissenden der größte Verstand eines Sterblichen! Ja, was sind gegen Seine Erkenntniß die Wissenschaften aller denkenden Wesen? Er allein ist die ewige, unerschöpfliche Quelle des Lichtes 273 und der Wahrheit. Wir sehen nur in Seinem Lichte das Licht. Unsere Erkenntniß erstreckt sich nicht weiter, als sich die Kräfte erstrecken, welche Er uns geliehen hat, und die Mittel, welche Er uns verschaffet, diese Kräfte zu gebrauchen. Ach! was sind wir denn, daß wir uns erfrechen, die Absichten des Allwissenden zu ergründen, und die Mittel zu beurtheilen, welche die höchste Weisheit zu Endzwecken anwendet, die nur sie allein erkennt.( Sirach 16, 20-22. 11, 33.) Mit der tiefsten Verwunderung verehre ich anbetend die Spuren, welche die Weisheit meines Gottes in allen Theilen der Schöpfung zurückgelassen hat. Es ist kein Punkt des Weltgebäudes, in welchem der Allwissende nicht gegenwärtig wäre( Jerem. 33, 23); kein Stäubchen, welches nicht in dem Verstande des Allwissenden seine eigene Stelle hätte; keine Veränderung im Ganzen und in dem kleinsten Theile, welche Seinem allgegenwärtigen Blicke entfliehen könnte. Nichts ist geschehen, nichts geschieht, nichts wird geschehen, was Sein Alles durchdringendes Auge nicht sieht. Alle Gedanken, welche alle Geister gedacht haben, denken Bete und vertraue. 18 274 und denken werden, sind vor Ihm offenbar.( Ps. 32, 19-15. 139, 1-13.) Kann der Weiseste ohne Absichten handeln, und müssen die Absichten, die Er zu erreichen sich vorgesetzt hat, nicht die vollkommensten sein? Ein gesunder Verstand beantwortet diese Fragen sehr leicht. Wenn ich nun aber in Allem, was ich von den Werken Gottes deutlich erkenne, weise Absichten bemerke, kann ich wohl zweifeln, daß auch in dem, was ich nicht deutlich genug erkenne, wovon ich den Nutzen nicht ganz einsehe, dennoch eben so weise und heilsame Zwecke verborgen liegen, die sich dereinst meinen verklärten Augen so hell wie das Licht des Tages und vollkommen gotteswürdig zeigen werden? Unser Wissen ist hier nur Stückwerk! dort wird das Mangelhafte ergänzt werden. Wir sehen hier nur wie durch einen Spiegel; aber dort wird unsere Erkennt niß so klar und deutlich sein, als wenn sich die Menschen von Angesicht zu Angesicht betrachten.( 1. Kor. 23, 9-12.) Diese Verheißung haben wir aus dem Munde der Wahrheit! zu diesen und noch grö Beren Erwartungen berechtigt uns das untrügliche Wort des allwissenden Gottes. 275 Ja, Du Allwissender! von Dir allein kann ich in der wahren Weisheit unterrichtet werden und lernen, wie ich meine Kräfte gebrauchen muß, um zur sittlichen Vollkommenheit, die Du mir zum Ziele gesetzt, um zur Glückseligkeit zu gelangen, deren Du mich fähig gemacht hast. Dein Licht erleuchtet die Finsterniß des Vergangenen und durchstrahlt die lange Nacht der Zukunft. In diesem Lichte sehe ich, woher ich bin, wozu ich bin und was ich einst sein werde. Es zeigt mir die Dinge in ihrer wahren Gestalt, da sie durch den schwachen Schimmer der so leicht betrogenen Vernunft mir oft in einem ganz falschen Licht erscheinen. Es lehrt mich die Schätze kennen, die meiner Wünsche würdig sind, und entdeckt mir die Wege, welche gerade zu denselben führen. Gott! was für ein unaussprechlich großes Gut ist Dein Wort für mich! Mein Verstand kämpft mit Ungewißheit und Zweifeln. Ich frage Tich, und Deine Aussprüche verschaffen mir Gewißheit. Mein bekümmertes Herz wankt zwischen verschiedenen Gütern, unschlüssig, welche es wählen soll. Die Lehren Deiner Weisbeit entscheiden den Streit, und ich wähle das Beste. Was soll ich thun, daß ich selig werde? 18* 276 Wen finde ich auf Erden, der mir diese Frage beantwortet, die mich zufrieden stellt? So viele Menschen ich um Rath frage, so viele verschiedene Antworten erhalte ich, die mich alle nicht beruhigen können, da sie alle nur auf menschliche Weisheit gegründet sind. O, was hätte ich, wenn ich Dein heiliges Wort nicht hätte, mein Gott und Herr! Ich müßte, von allem Trost und aller Hilfe verlassen, in meiner peinlichen Ungewißheit vergehen. Gepriesen, ewig gepriesen seist Du, Vater des Lichtes! Du wohnst zwar in einem ungugänglichen Lichte( 1. Tim. 16, Joh. 1, 18); aber aus göttlichem Mitleiden hast Du einen Strahl Deines Lichtes zu mir gesendet, um mich auf den rechten Weg der Wahrheit zu leiten. Was fehlt mir denn jetzt noch? Die ewige Weisheit selbst würdigt mich, meine Lehrerin zu werden, und ich fühle das große Glück, den erhabenen Vorzug, ihr Schüler zu sein. Ich kann nun aus der reinsten Quelle schöpfen und meinen Durst nach Wahrheit stillen. Was den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen ist, das offenbart Gottes Wort den Unmündigen. Luc. 10, 21.) 277 Nun, so will ich denn ganz aufmerksam, ganz gehorsam gegen die Lehren des Himmels sein. In der frühen Stunde des Tages und zu der stillen Zeit der Mitternacht will ich mit lernbegierigem Herzen zu den Füßen der Weisheit sitzen, und ihren Unterricht hören. Hier will ich mich mit Davids feurigen Schwingen zum Gipfel der reinsten Andacht erheben, und schon zum Voraus Theil an dem Glücke der seligen Geister nehmen. Hier will ich den sanften Lehren des vollkommensten und heiligsten Lehrers in der Stille nachdenken und in Seinem Umgange mein Herz zu allem Guten bilden. Hier will ich lernen, was ich in der Ewigkeit wissen muß, und mir den Reichthum von nützlichen Kenntnissen und von tugendhaften Gesinnungen zu erwerben suchen, den mir in Ewigkeit kein Zufall rauben kann. Allwissender, allgegenwärtiger Gott! Dein Blick durchforscht das Innere meines Herzens. ( Jerem. 17, 10.) Meine verborgensten Gesinnungen sind vor Dir offenbar und Du siehst meine geheimsten Gedanken. Wo ich bin, bist auch Du um mich. Du beobachtest mich, wo ich von keinem Menschen beobachtet werde.( Sprichw. 15, 3, 11.) 278 Nehm' ich der Morgenröthe Flügel, Und eilte über Thal und Hügel Bis zu dem fernsten Meeresstrand; Spräch' ich: Die Nacht soll mich bedecken, Des Meeres Tiefe mich verstecken, So faßte mich doch Deine Hand. Sucht' ich im Himmel, in der Hölle, In Felsenklüften eine Stelle, Zu flieh'n von Deinem Angesicht, Vergebens! In der Tiefe Gründen Wird Deine Gegenwart mich finden; Die Finsterniß ist vor Dir Licht. ( Ps. 138.) Gott! in allen meinen Handlungen habe ich Dich, dereinst meinen Richter, zum aufmerksamen Zeugen. Ich wandle unter Deiner beständigen Aufsicht( Sir. 23, 27-29), und ich will auch beständig wie vor Deinen Augen wandeln. In allem meinem Thun und Lassen will ich auf Dich sehen; Dein allwissender Blick soll mich leiten; Dein Wink soll mein Gesetz sein. Mit Furcht, aber mit kindlicher Furcht will ich voll heiliger Vorsichtigkeit auf alle meine Tritte merken. Fehltritte sollen mich behutsam, und die Erkenntniß meiner Schwachheit soll mich bedachtsam machen. Gott! möchte nur mein Herz vor Dir rein sein! möchte ich nur immer meinen guten Entschlüssen getreu 279 bleiben. Prüfe Du mich, o Herr! und erhalte in mir die edlen Gesinnungen, die Du mir eingeflößt hast. Lehre Du mich, Allweiser! ob ich auf dem rechten Weg bin, und erhalte, verstärke in mir die Lust, nur den Weg Deiner Gebote zu gehen. Amen. Am Freitag. Gott ist gütig. -- Ich bin Sein Werk, mein Leib ist Sein Geschenke, Er schuf in mir den Geist, durch den ich menschlich denke, Er wies die Erde mir als Wohnung an. Mir macht Er Thier und Fisch und Vogel unterthan; Für mich füllt Seine Hand die Felder mit Getreide, Mit Thieren mir zur Kost und meinem Leib zum Kleide, Er meines Alters meiner Kindheit Schutz, Er Stab, Er war es, der mir Brod, Gesundheit, Freude gab; Aus stürmender Gefahr, aus bangen Kümmernissen, Oft aus des Todes Schlund hat mich der Herr gerissen. Güte, gegen die des Himmels Raum zu klein, Das Meer ein Tropfen ist, Dir soll mein Herz sich weih'n! 280 Gott, ich begreife Dein Wesen nicht, und Niemand begreift es. Aber so viel begreife ich, daß Du die höchste Güte bist. Gott ist die Liebe.( 1. Joh. 4, 8.) Die Neigung, sich mitzutheilen, das heißt, Alles zu beglücken, gründet sich sehr in Seiner Natur, ist so unzertrennlich von Ihm selbst, und so tief in alle Seine Eigenschaften mit eingeflochten, daß man Sein Dasein läugnet, wenn man Seine Güte läugnet.( 3fai. 49, 16.) Die Güte ist so zu sagen das Leben und die Seele der Gottheit. Sie ist die einzige und ewige Triebfeder aller göttlichen Handlungen. Ohne sie wäre der unendliche Verstand Gottes nur ein todter Spiegel, welcher die bloßen Bilder aller möglichen Dinge ohne die geringste weitere Wirkung vorstellen würde. Ohne sie wäre die Allmacht Gottes eine leblose Kraft, welche ohne Wirksamkeit durch alle Ewigkeiten schlafen würde. Ohne sie wäre die Gottheit eine unendliche Maschine, welche ewig still stünde, weil der Trieb fehlte, der sie in Bewegung setzte. Gott! Du bist die höchste Güte! Gott! Du bist die Liebe! Himmel und Erde stehen zum Beweise dieser Wahrheit auf. Die ganze Schöpfung, 281 unendlich ausgebreitet durch die Höhe, Tiefe, Breite und Länge des unbegrenzten Raumes, den die Hand der Allmacht abgemessen, ist der Schauplatz, auf welchem die ewige Güte ihre Wunder verrichtet und Welten zu Zuschauern hat. Sie ist die Quelle, aus welcher Leben und Seligkeit das ganze Gebiet der Natur durchströmen, Himmel und Erde erfüllen und die Fähigkeiten aller Wesen ersättigen. Durch sie theilt der Allmächtige, gleich sorgfältig gegen die Bedürfnisse des kleinsten Wurmes und des größten Erzengels, die Reichthümer Seines unerschöpflichen Schatzes mit göttlicher Unparteilichkeit unter alle Geschöpfe aus.( Ps. 146, 8, 9.) Durch sie ist Gott immer und ganz thätig, und Seine Thätigkeit ist- Liebe. Vater der Menschen! Ich selbst bin ein unwidersprechlicher Beweis Deiner Güte, Deiner unendlichen Liebe. Du gabst mir mein Dasein; Du hast mich mit der Kraft, zu empfinden und zu denken, versehen, und mir sinnliche Werkzeuge dazu verlichen. Du adeltest mich durch Vernunft und Freiheit, Du botest gleichsam Deine Weisheit und Macht auf, um in der Natur Alles, was einigen Einfluß auf meine sittliche Ausbildung und auf meine 282 Glückseligkeit haben kann, so anzuordnen, daß ich mit mir selbst zufrieden und gerne hier sein möchte. Gott! Du setztest mich in eine Welt, die mit tausend Annehmlichkeiten, mit tausend Reizen geschmückt ist; und diese Welt schenktest Du mir zum Eigenthume. Du machtest mich über diesen Theil Deiner Schöpfung zum Herrn, indem Du mich die Güter genießen heißest, welche Deine freigebige Hand in so reichlichem Ueberflusse ausstreuet. Du befahlst der Sonne, für mich zu leuchten und mir die Empfindungen der sichtbaren Schönheiten Deiner Schö pfung mit den Strömen ihres Lichtes anzuführen. Auf Deinen Befehl, o Gott! wehet mir die sanftwallende Luft geistige Düfte zu, welche sie von balsamischen Pflanzen ablöset, um mich durch die entzückende Empfindung des Geruches zu ergötzen, um meinen Lebensgeistern neuen Unterhalt zu verschaffen, um die Kräfte meines Geistes und meines Leibes zu erhöhen und zu vermehren. Du begabtest die Speisen und das Getränke, welche mir zur Nahrung bestimmt sind, mit den angenehmsten Reizen des Geschmackes. Durch eine unaufhörliche Abwechslung des mannigfaltigsten Vergnügens 283 muß die Natur einem Ekel vorbeugen. Jede Jahreszeit muß durch neue Ergötzlichkeiten dem Ueberdrusse zuvorkommen und die Lust zum Leben neu erhalten. Auf das freudige Geräusch des Tages folgt die gefällige Stille der Nacht, die mich einladet, die Geschäftigkeit mit der Ruhe zu verwechseln und durch einen sanften Schlummer mich zu den morgenden Arbeiten zu stärken. Gott! wie groß ist das Glück des Menschen, für den die ganze Schöpfung ist! Gott, wie gütig bist Du! Die Gabe der Erfindung ist ein königliches Vorrecht denkender Wesen. Auch diese schenkte die unendliche Güte dem Menschen. Nicht zufrieden, ihm alles Gute, dessen er benöthigt war, von Außen zufließen zu lassen, versah sie ihn mit einem inneren Vermögen, seine Glückseligkeit gleichsam nach seiner Willfür zu vergrößern, durch neue Erfindungen sich neue Arten des Vergnügens zu verschaffen, und so von einem Theile seines Glückes selbst der Schöpfer zu sein. Der Allmächtige ließ so zu sagen einen Theil seiner Werke unausgearbeitet. In diesem Theile überließ er es dem Menschen, seinen Verstand und Witz zu üben, der Natur zu Hilfe zu kommen, die zerstreuten 284 Schönheiten der Schöpfung an einem Orte für sich zu sammeln, aus einzelnen Vergnügungen zusammengesetzte hervorzubringen, und so die Freuden seines Daseins noch mehr zu vervielfältigen, den Genuß seines glücklichen Lebens noch mehr zu versüßen. Noch hatte die unendliche Güte nicht genug für den Menschen gethan, weil sie noch nicht Alles gethan hatte. Der einzelne Mensch war auch nur einer einzelnen Glückseligkeit fähig. Die Gesellschaft konnte dieselbe unendlich vergrößern. Die gegenseitige Beihilfe verschiedener Menschen, welche ihre verschiedenen Gaben und Fähigkeiten zu einem gemeinschaftlichen Zwecke anwenden, macht erst ihr Glück vollkommen. Die Schätze der Natur reichten zum Unterhalt vieler Millionen zu; und der geschäftige Fleiß eines einzelnen Menschen war nicht hinlänglich, um sich alle diese Schätze zu Nutzen zu machen. Die allwissende Güte wählte daher die vereinigten Bemühungen vieler Menschen, deren Jeder mit besonderen Gaben und besonderen Geschicklichkeiten ausgerüstet und zu besonderen Erfindungen aufgelegt war, zu einem Wittel, ihre ganze Schöpfung, als einen Gemeinschatz, unter das menschliche Ge 285 schlecht zu vertheilen, und in den Stand zu setzen, alle darin verschlossenen Güter zu benutzen. Nun ward die Geschicklichkeit und die Thätigkeit eines jeden Mitgliedes ein allgemeines Gut der Gesellschaft. Jeder genoß die Früchte seiner Erfindung und seines Fleißes, und indem er auch Andere Theil daran nehmen ließ, wurde er durch eine gegenseitige Theil nehmung an den ihrigen überflüssig belohnt. Er gab und empfing wechselweise, diese wechselseitige Gefälligkeit machte einen Menschen zum Wohlthäter des andern, und knüpfte die Bande der Gesellschaft durch den Reiz eines gemeinschaftlichen Glückes. Die ewige Liebe stiftet die zärtlichen Verhältnisse, welche die Menschen noch enger mit einander verbinden, die Empfindungen der Liebe, dieser fruchtbaren Quelle edelsten Vergnügens, die Mutter der Tugend und der Glückseligkeit. Sie wächst mit den Kräften des Geistes, steigt stufenweise höher, bis sie, durch die Vernunft völlig geläutert, den höchsten Gipfel der Vollkommenheit erreicht, und zur Freundschaft wird. Sie, die Tochter der Vernunft und der Tugend, rein von Allem, was blos thierisch ist, sie wurde vom Himmel herabgesendet, tugendhafte Men 286 schen schon zum Voraus zu beseligen, noch ehe sie in das Land des Friedens hinüberwallen, wo die reinste und edelste Freundschaft alle seligen Geister beglückt. So sehr ist der Mensch der Liebling des Schöpfers. Und was konnte der Unendliche wohl hiebei zur Absicht haben? Vielleicht sich Selbst? Er, der feines Zusatzes an Größe oder Seligkeit fähig ist? Er, der Vollkommenste? Was fonnte Er doch von einem Geschöpfe, welches Alles, was es hat, von Ihm hat ( 1. Kor. 4, 7), für sich erwarten? Was hatte ich, der ich seit gestern bin, dem Ewigen zuvor gegeben, das Ihn nöthige, auf Wiedervergeltung bedacht zu sein?( Röm. 11, 35.) Oder was kann ich in Zukunft für Ihn thun, um dadurch einen gerechten Anspruch auf Seine zuvorkommenden Wohlthaten zu erhalten? Nein, die Absicht eines unendlich weisen Schöpfers fann nur allein die sittliche Vollkommenheit Seiner vernünftigen Geschöpfe und ihre durch Tugend zu erwerbende Glückseligkeit sein; denn Gott, Du bist die Heiligkeit, Gott! Du bist die Liebe! Aber ich weiß, was der Unverstand wider diese so erleuchtenden, so beglückenden Wahr 287 heiten einzuwenden pflegt:„ Wenn eine allmächtige Güte den Menschen zur Sittlichkeit und Glückseligkeit geschaffen hat( so lautet die freche Sprache des undankbaren Zweiflers), warum sind denn so wenige Menschen sittlich gut, warum so Wenige glücklich? Die ganze Schöpfung soll für den Menschen sein; und sie scheint fast ganz wider ihn zu sein. Ihm leuchtet die Sonne, um ihm eine Menge von Uebeln sichtbar zu machen, die täglich unter ihr geschehen. Wider ihn sind alle Elemente im Streit. In der Natur ist nichts so gering, daß nicht mit genugsamen Waffen zu seinem Verderben versehen wäre. Die Speisen, welche ihn nähren; das Wasser, das ihn tränkt; die Luft, welche er athmet, sind die gewöhnlichen Werkzeuge zur Zerstörung seines Wesens. Mit was für einer genauen Kargheit sind ihm die Güter des Glückes zugemessen? Für einen, der Ueberfluß hat, leiden Tausende Noth; und selbst diesen einen Glücklichen setzt der Ueberfluß, der sein Vorzug ist, tausend Verirrungen, Unruhen und Plagen aus. Stoff zum Elende finden Alle allenthalben überflüssig. Der Mensch ist an inneren Vorzügen weit über die Thiere erhaben, aber an Glück desto tiefer unter dieselben 288 erniedrigt. Er prangt mit dem göttlichen Vorrechte der Vernunft. Allein dieses Kleinod, anstatt ihn glücklich zu machen, ist in den meisten Händen ein zweischneidendes Schwert, welches ihr Vergnügen und ihre Ruhe bis auf das Leben verwundet. Durch Verstand wird der Mensch sinnreich zu seiner Noth, der Erfinder neuer Arten von Elend, der Schöpfer unzähligen Uebels in der Gesellschaft. Von Sorgen, Furcht, Neid, Haß und Kummer wechselweise gequält, ist seine vornehmste Be schäftigung ein beständiger, ängstlicher Kampf wider das Elend, und besteht sein größtes Glück darin, diesen Kampf so viel wie möglich zu verlängern, oder wie man sagt, das Leben zu erhalten; das Leben, dessen glücklichster Zeitpunkt derjenige ist, mit welchem dasselbe im Tode endet. Wie? dieser armselige Mensch soll von einer unendlichen Güte zu Glückseligkeit bestimmt, Güte soll die einzige, die ewige Triebfeder aller Unternehmungen des Schöpfers sein? Ja, sie ist es und bleibt ewig wahr, daß der Mensch mit hinlänglichen Fähigkeiten versehen ist, um sich alle die sittlichen Vorzüge 289 und die Glückseligkeit zu verschaffen, und deren Genuß seine Natur aufgelegt ist. Es bleibt ewig war, daß ihm der Schöpfer aus feinem andern Grunde als allein aus Antrieb der Güte diese Fähigkeiten verlichen hat. Von dem rechten Gebrauche derselben hängt nun sein Glück ab; es steht in seiner Freiheit, eine vernünftige Anwendung davon, und eben dadurch sich glücklich zu machen. Mißbraucht er seine Kräfte, so geschieht nothwendigerweise das Gegentheil, der große Mißbrauch wird zur Quelle des zahlreichsten und empfindlichsten Elendes. ,, Aber sah nicht die Weisheit des Schö pfers dieses Alles voraus? Warum verhinderte sie es nicht?" Unstreitig sah sie das Alles voraus, und noch vielmehr als das. Sie sah nämlich auch voraus, wie unentbehrlich es dem Menschen zu seinem Glücke sei, eine Fertigkeit in dem vernünftigen Gebrauche seiner Kräfte zu erhalten. Diese konnte ihm aber nicht anerschaffen werden; er konnte sie nur durch Uebung gehörig gebrauchen lernen. Hierzu hatte er eine Art von Erziehung nöthig, und die Besorgung derselben nahm die unendliche Güte über sich. Sie setzte den Menschen in den Bete und vertraue. 19 290 Stand der Prüfung! sie läßt ihm die Freiheit, seine Kräfte auf allerlei Art zu versuchen, und nach Willkür jenen Gebrauch von seinen Fähig keiten zu machen, welchen er für gut findet. Sie läßt ihn alle Folgen empfinden, welche natürlicherweise aus seinen Handlungen fließen. Vernunft und Erfahrung sollen ihn zur Weisheit führen. Er soll selbst durch die Empfindung der traurigen Folgen des Lasters überzeugt werden, daß es kein Eigensinn, sondern uneigennützige Güte seines Schöpfers ist, die ihm das Laster untersagt hat. Durch eigenen Schaden gewißigt, soll er zu der festen und dauerhaften Entschließung gebracht werden, das erhabene Glück zu suchen, und es auf dem Wege der Tugend zu suchen, durch Vernunft und Erfahrung überzeugt, daß es auf keinem andern zu finden ist. Um ihren Zweck nicht zu verfehlen, legte sie ein heiliges Gesetz in seinen Busen, welches Sittlichkeit gebietet; legte sie seinen Ausschweifungen einen Zügel an, und dieser Zügel sind selbst die vielfachen Uebel, wodurch ihm die Lust verbittert wird, welche er zu seinem Verderben in sündhaften, niedrigen Vergnügungen sucht, um deren Willen er sein wahres Glück hintansetzt. 291 Diese innere Stimme, die unaufhörlich zum Guten ruft und weckt, die ganze Reihe der natürlichen Uebel, die ungleich größere, welche sich der Mensch durch seine Thorheiten zuzieht, die Nothwendigkeit, zu sterben, und die Ungewißheit der Todesstunde- sind die nachdrücklichsten Beweise von der väterlichen Güte Desjenigen, Der mit diesen Uebeln den Abgrund eines unendlichen Elendes umdämmt, in welchem sich ohne diese Hindernisse der Leichtsinn des Menschen stürzen würde. Ach! je mühsamer der Weg ist, der mich zu meiner Bestimmung führt, und je stärker, je empfindlicher die Mittel sind, durch welche die höchste Güte den Abwegen vorbeugt, auf welchen ich mich verlieren könnte; desto höher steigt meine Vorstellung von der erhabenen sittlichen Würde und Seligkeit, die mein redliches Ziel ist; desto lebhafter empfinde ich die Unendlichkeit der Liebe, die mir dies Ziel gesetzt hat, und mich durch ihre unablässige Bemühung dahin zu führen sucht. ( Röm. 2, 4, 2. Petr. 3, 9. Luc. 3.) O! wie unaussprechlich reizend ist die Seite, von welcher die Eigenschaft der Güte mit meinem Schöpfer zeugt. Er, das einzige Wesen in seiner Art( 5. B. Mos. 6, 4), ist 19* 292 aus sich Selbst ewig, gleich groß an Verstand und Macht, an beiden unendlich. Er wohut in einem unzugänglichen Lichte, für mich so wohl, als für den ersten Seraph. Geblendet von dem flammenden Glanze Seiner Gottheit verliere ich beinahe alle Hoffnung. jemals etwas von Ihm erwarten zu dürfen. Die bloße Vorstellung Seiner Alles erfüllenden Größe drückt mich gänzlich nieder, und ich fühle nur, wie nichts ich gegen Ihn bin. Jede Seiner Eigenschaften erweckt in mir ein geheimes Schaudern; meine Empfindungen gegen Ihn sind Furcht; aber nicht Knechtesfürcht, denn Er ist gütig, unendlich gütig. Er ist die Liebe, Er ist mein Vater( Matth. 6, 9. Gal. 4, 6); Ihm wohnt ein unendlicher Trieb bei, wohlzuthun, und alle Seine Geschöpfe zu beseligen. Er hält das Vermögen, Welten glücklich zu machen, für das herrlichste Vorrecht Seiner Gottheit.( Ps. 144.) Gütig zu sein, steht so zu sagen nicht in Seiner Willkür; Er ist es gemäß Seiner Natur. Sein ganzes Wesen ist Liebe und Gnade und Huld. Einen andern Begriff kann sich der menschliche Geist von Gott gar nicht bilden; und dieses ist auch die würdigste Vorstellung von Ihm. Gott müßte 293 sich Selbst verleugnen können, um nicht höchst gütig zu sein. Seine Schätze sind unendlich, wie Er. Er vertheilt sie alle unter Seine Geschöpfe, und sie bleiben Ihm doch ganz. Ihm ist Wohlthun Seligkeit, und er ist höchst selig.( Ps. 103.) Und dieser ist mein Schöpfer! Dieser un endlichen Güte verdanke ich mein Dasein! Dieser ist der Gott, durch Den und in Dem ich lebe und bin und ewig sein werde.( Apost. 17, 28.) Wie unaussprechlich groß ist mein Glück! Der Unendliche liebet mich.( Joh. 16, 27.) Seine ganze Seligkeit, so viel ich ihrer empfänglich bin, ist für mich. Er ist unveränderlich entschlossen, mir nichts mangelu zu lassen, was mich veredeln und beglücken kann. Die Ewigkeit, die selige Ewigkeit ist mein, Gott Selbst ist mein!( Matth. 6, 25 bis 34. Quc. 21, 18.) Unnennbare Empfindungen bemeistern sich meiner ganzen Seele. Mein ganzes Herz wallet von entzückenden Regungen der reinsten Freude. Wo find' ich Worte, mein Glück zu beschreiben, um dem Triebe der Dankbarkeit genug zu thun, welcher mich ganz erfüllt? Cott! mein Vater, zu Dem ich mit findlicher Liebe flehe; Den meine Seele anbetet; 294 wie soll ich Deine Liebe gegen mich erwidern? Eine unwiderstehliche Gewalt reißt mich mit der Geschwindigkeit des Windes, und doch noch langsamer, als ich es wünsche, zu Deinem Throne hin. Gott! mein Vater! ich bin ganz Dein, und Alles, was ich kann und habe und bin, ist von Dir. Womit soll ich anfangen, die ewige Schuld abzutragen, womit ich Dir verpflichtet bin? Du bist der Unendliche! Nichts bleibt mir übrig, als die Unendlichkeit Deiner Güte zu erkennen, mein irdisches Glück froh und dankbar zu genießen, mich zu der künftigen Seligkeit vorzubereiten, und mich beider durch Güte des Herzens und Heiligkeit des Lebens würdig zu machen. Und hierin bestehen alle Pflichten, die Du von mir forderst? Mit welch' göttlicher Uneigennützigkeit muß Der lieben, der zur Vergeltung Seiner Wohlthaten keine andern, als solche Pflichten fordert? Ja, Allgütiger! ich erkenne die Größe Deiner Liebe und die Menge Deiner Erbarmungen. Ich liebe die Jugend, weil Du ihr heiliges Gesetz in mein Herz pflanztest. Ich liebe mein Leben, weil es Dein Geschenk ist. Ich liebe alle Umstände, alle Veränderungen meines Lebens, weil sie Dich zum Urheber haben. Ich bin von 295 ganzem Herzen mit dem Schicksale zufrieden, welches Du mir zugedacht hast; denn ich bin ganz überzeugt, daß es das Seligste für mich ist, weil es von Dir verhängt ist. Ich empfinde mit der wärmsten, mit der zärtlichsten Dankbarkeit, wie gut es sei, daß Du, gütigſter Vater! mir die Wahl meines Zustandes nicht überlassen hast. Das Glück, die ganze Welt durch meinen Wink zu regieren, wäre mir unendlich gering gegen das, mein ewiges Glück in Deinen allmächtigen Vaterhänden zu wissen. Gott! mein Vater! ohne Sorgen, ohne Kummer überlasse ich mich mit dem zuversichtlichsten Vertrauen Deiner unermeßlichen Güte.( 1. Petr. 5, 7.) Führe mich nach Deinem Rathe. Ich folge Dir mit Freuden. Nie will ich, wie auch mein Schicksal sein mag, mit murrender Unzufriedenheit Deine Verhängnisse tadeln. Sie sind alle, ich weiß es gewiß, Treue und Liebe. Nie will ich meinen Einsichten wider die Vorschriften Deiner Gebote folgen. Mit kindlicher Selbstverläugnung unterwerfe ich alle meine Neigungen Deinem allein guten und heiligen Willen.( Mark. 10, 18.) Dein Gesetz ist mein größtes Gut, und ich will es über Alles lieben. Deine Güte ist 296 mir besser, als das Leben. Gern will ich es verlassen, wenn Du es begehrst. Mein Tod ist mein Glück, wenn Du ihn willst. Ich werfe mich ohne Unruhe in seine Arme; denn er führt mich zu Dir, das Kind zu seinem Vater. O seliger Augenblick! in welchem mein erlöster Geist nach überstandenen Prüfungsjahren von der Erde losgesprochen und zum Glücke des Himmels fähig erklärt wird. ( Phil. 1, 23.) Dann werden sich die Absichten Deiner Güte, o Gott! entwickeln, und der Ausgang meines Schicksals wird Dich, den Unendlichen! rechtfertigen. Dann werde ich in Deinem ewigen, nicht mehr schrecklichen Lichte, umschlossen von Deiner Liebe, und durch Deine Gnade, erfahren, wie sehr ich Dein bin, wie nahe ich Dir angehöre; wie ich nichts als eine Kraft von Deiner allmächtigen Kraft, nichts als ein Licht bin, welches von Dir, dem ewigen Lichte, entzündet worden, von Dir genährt und durch einen unsterblichen Hang zu Dir, Seinem Ursprunge! gezogen wird, und mit Dir vereinigt Theil an Deiner Seligkeit nimmt. Unbegreifliches Glück, selige Bestimmung, fast für meinen Glauben zu groß, und weit über alle meine 297 Wünsche erhaben! Ich bin viel zu klein, Dich zu fassen: aber doch groß genug, auf Dich zu hoffen. Gott, mein Vater, Du bist die Liebe. Am Samstag. Gottes Vorsehung. Gott! Du bist Ein Wesen, von unendlicher Macht, Weisheit und Güte! Du bist der Urheber der Welt! Alles, was in der Welt ist, was darin lebt und webt, das Größte wie das Kleinste, Alles hat sein Dasein und seine Kräfte von Dir. Der Wurm ist sowohl Dein Geschöpf, als der Seraph; beide sind Kinder Deiner Allmacht; beide gehören mit in den Plan Deiner höchsten Weisheit; beide sind ein Gegenstand Deiner gütigen Fürsorge.( Apostelg. 17, 24-28.) Die Welt besteht in einer unzähligen Menge von Theilen, welche alle in einander verkettet sind und, in dem engsten Zusammenhang verflochten, das große Ganze, das All, ausmachen. Ein Glied umschlingt in dieser Rette das andere; feines fann für sich allein und ohne das andere bestehen; der Fehler an 20 298 einem Mitgliede zersprengt die Ordnung und die Festigkeit des Ganzen; der kleinste Theil, aus der Mitte genommen, hebt den Zusammenhang auf und verursacht Mißlaut in der allgemeinen Harmonie. In der Natur ist kein Stäubchen überflüssig: kein Sandkörnchen ohne Ursache. Nichts ist in Absicht auf das Ganze gleichgiltig. So gering Etwas, an sich betrachtet, sein mag, so hängt doch immer das Größere von dem Kleineren, von der Beschaffenheit des mindesten Theiles die Beschaffenheit des Ganzen ab. Der Schöpfer kann Seine Absichten im Ganzen nicht erreichen, wenn Er sie zuvor in den einzelnen kleineren Theilen nicht erreicht hat, die alle mit dem Ganzen in der innigsten Verbindung stehen. Das Ganze kann das nicht sein, was es sein soll, wenn seine allerkleinsten Theile nicht alle Eigenschaften in dem gehörigen Maße haben, welche ihr Verhältniß zu dem Hauptzwecke des Ganzen erfordert. Dies ist nun gleichsam das eigene Geschäft der Vorsehung; sie knüpft, nach festgesetzten Regeln, Theile an Theile; sie ordnet, sie erschafft aus kleineren Theilen größere, aus den größeren ein Ganzes, und gibt dem Ganzen 299 durch die Lenkung der kleinsten Theile die bezielte Richtung. Das Allergeringste in der Natur von ihrer weisen Regierung ausschließen wollen, heißt die Zügel der ganzen Schöpfung in die Hände des blinden Zufalls geben, oder ein müssiges, unthätiges, in sich selbst vertieftes Wesen auf den Thron der Gottheit setzen. Wer die Vorschung im Großen wie im Kleinen läugnet, der läugnet, daß Ein Gott ist. Getragen auf den Flügeln der Winde schwimmen in den oberen Luftgegenden jene hängenden Meere, die Wolken, von welchen Alles, was in der Luft und auf der Erde lebt, erhalten wird. Aus ihnen träufelt der Segen auf unsere Felder, die unsere Saaten nähren; oder sie fließen stromweise von den Bergen durch niedrige Gegenden und schlängeln sich durch Gefilde, die sie fruchtbar machen. Ohne sie würde in kurzer Zeit der Erdboden zur Wüste, und die Wohnungen der Lebendigen zu einem allgemeinen Grabe werden. Aber wie viele Millionen kleiner Einrichtungen in den kleinsten Theilen der Materie müssen nicht hervorgehen, ehe Wolken geboren werden, Thau und Regen fallen, und Flüsse entstehen können? Die innere Beschaffenheit der Luft, des Wassers 300 und der Erde; die gehörigen abgemessensten Grade der Wärme und der Kälte, durch welche die Dünste und ihre Bewegung verursacht wird, wie viele Eigenschaften. Kräfte, Triebfedern setzt dies Alles in den Theilen der Körperwelt voraus? Ach, sie sind zu klein, zu verborgen, als daß wir sie mit unseren Augen entdecken: sie sind zu zahlreich, zu mannigfaltig, als daß unser Geist sie fassen könnte. Diese Einrichtungen im Kleinen mußten aber nothwendig vorher gemacht werden, ehe die größeren Absichten, welche die Folgen, die Wirkungen davon sind, erhalten werden konn ten. Entweder ist das ganze All ohne Absicht da, oder seine kleinsten Theile haben auch ihre Bestimmungen. Die Vorsehung erstreckt sich entweder über Alles ohne Ausnahme, oder über gar nichts. Hier gibt es keinen Mittelweg. Aber von wie großem Umfange ist nicht ihr Gebiet. Ich durchfliege in Gedanken die ganze Schöpfung. Millionen Sonnen und Welten lasse ich hinter mir zurück, und ich sche ihrer noch eben so viele vor mir. Jener Nebel von lichten Punkten, welchen ich in einer ungeheuren Entfernung mit ungewissen Blicken kaum entdecke, hat sich in eine Sammlung un 301 zählbarer Weltgebäude verwandelt. Ich streife sie durch; ich erblicke von Neuem hellschimmernde Wellen an Glanz und Größe. Gott weiß, wie viele ihres Gleichen sie noch hinter sich haben. Meine Blicke verlieren sich in dem endlosen Raume, den ich vor mir sehe! die Unermeßlichkeit verschlingt meine Gedanken, und ich gebe alle Hoffnung auf, die Grenzen des Weltalls zu finden. Ich ziehe mich zurück in den Theil der Schöpfung, welcher mir näher ist, und dessen Erforschung mehr in meiner Gewalt zu sein scheint. Ich kann das Ende der Schöpfung nicht finden, vielleicht entdecke ich ihren Anfang. Ich beschaue mit begierigen Augen den Staub, der zu meinen Füßen liegt, oder dessen leichte Theilchen ein Spiel der Lichtstrahlen sind. Ich nehme das Vergrößerungsglas zu Hilfe, und entdecke zu meinem Erstaunen ein Thierchen, gegen welches das Sandkorn eine Welt ist. Viele Hundert seines Gleichen können es bewohnen, und diesen Aufenthalt, wie wir die Erde für einen Weltförper ansehen. Ich entdecke Leben und Empfindungen, wo ich die Grenzen des Nichts zu finden glaubte. Und ist wohl dieses Thierchen das allerkleinste in der Schöpfung? 302 Endet sich mit ihm das Reich der Wesen? Was habe ich für einen Scheingrund, dieses auch nur zu vermuthen? Vielleicht hat dieser Bürger des Staubes gegen ein noch unendlich kleineres Thier, als er ist, eben das Verhältniß einer ungeheuren Größe, welches der Elephant gegen ihn hat! Wer kann die niedrigste Stufe der Schöpfung ausfindig machen? Hier verlieren sich meine Gedanken auf eben die Art im Kleinen, wie vorher im Großen. Hier hört alles Denken auf! und ich kann nichts mehr erkennen, als daß hier alle meine Erkenntniß ein Ende hat, und daß hier das Ziel des menschlichen Verstandes ist. Allein so enge Schranken auch die Unermeßlichkeit meinem Auge und meinem forschenden Geiste setzt, so unfehlbar bin ich doch von der großen, mein ganzes Herz erfüllenden Wahrheit überzeugt, daß in der ganzen Schöpfung kein Sonnenstäubchen ist, welches nicht Deine Allmacht, o Gott! erschaffen, Deine Allwissenheit gekannt, Deine höchste Weisheit als nothwendig zu ihren liebreichen Absichten gefunden, und über welches nicht die Fürsorge Deiner Alles regierenden Vorsehung sich erstrecket. So unermeßlich ist der Umfang des Reiches 303 des unendlichen Königs, welcher das Steuerruder des ganzen Weltalls mit allmächtigen Händen führt. Er durchschaut die ganze Natur, und der geringste Theil der Schöpfung bewegt sich, wie der vornehmste nur auf Seinen Wink. Kein Staubtheilchen verändert seine Stelle ohne Sein Vorwissen; der Lichtstrahl wird von seiner Mutter, der Sonne, nicht anders geboren, als mit seiner Beiwirkung, und der Wurm kommt nicht eher zur Welt, bis Er ihn zum Leben ruft. Unbegreiflicher Gott! Wie unaussprechlich groß bist Du? Wie unermeßlich!( Weish. 1, 7. 3f. 40, 28.) Alles, was ich von Dir denfen kann, ist, daß Du mit Gedanken nicht erreicht werden kannst. Die Unbegreiflichkeit Deiner Eigenschaften, Deines Wesens ist das Einzige, was ich am zuverlässigsten von Dir weiß. So sehr aber auch immer der Begriff Deiner über Alles sich erstreckenden Vorsehung alle meine Erkenntniß übersteigt, so sehr bin ich eben dadurch von seiner Wahrheit durchdrungen. Wärest Du denn der Allerhöchste an Macht und Weisheit, wenn Du nicht unendlich mehr thun könntest, als ich zu wissen und zu verstehen fähig bin? 304 ,, Aber vielleicht eigne ich Gott etwas Unanständiges zu? Vielleicht erniedrigt mein Begriff die Hoheit des Allmächtigen? Scheint es nicht zu gering zu sein für Den, dessen ewige Majestät über den Himmeln thront, und zu dessen Füßen sich die Welten wälzen, auf jeden Wurm zu achten, und die Bewegung des Staubes zu ordnen? Kann der Allerhöchste, ohne Seine Größe zu verläugnen, sich bis zu Kleinigkeiten herablassen, die selbst in menschlichen Augen verächtlich und unbedeutend sind?" Elende, nichtige Zweifel! Sprache kurzsichtiger Menschen. Woher sind denn diese sogenannten Kleinigkeiten? Haben sie nicht ihr Dasein von Gott? Und wozu hat er sie erschaffen? Unstreitig deswegen, weil sie mit zur Welt gehören! wenn ohne sie das Ganze nicht bestehen und die Vollkommenheit nicht haben kann, die es haben soll, sind sie dennoch Klei nigkeiten in den Augen Desjenigen, Der die nothwendige Verknüpfung einsieht, welche auch der kleinste Theil mit dem Ganzen und mit dem Hauptzwecke hat, um desfentwillen Er das Ganze schuf? Mir scheinen sie freilich verächtlich und unbedeutend; allein dieses Urtheil ist in der That nichts anderes, 305 als ein Geständniß meiner Unwissenheit. Wer sagt mir, daß der Allwissende das auch für unnüß und gering hält, was ich dafür ansehe? Daß der Allerweiseste das nicht zu gebrauchen wisse, was mir unbrauchbar scheint? Kann ich ohne die unsinnigste Lästerung Etwas für überflüssig halten, was der Unendliche zu erschaffen für nöthig gehalten hat? In jenem Thale, in welchem noch nie ein Vieh geweidet, welches noch nie der Fuß eines Wanderers betreten hat, grünt unter tausend andern ein Kraut, das bisher den neugierigsten Blicken der fleißigsten Kräuterforscher verborgen blieb. Es hat seine Blätter, seine Blüthen; seinen Stamm, seine Wurzeln, seine Fäserchen. Es ist mit einer Kunst gebaut, die alle Geschicklichkeit der größten Künstler beschämt. Es wird von der Erde getragen und genährt, von der Sonne belebt und von dem Thaue des Himmels erquickt. Die Wolken träufeln für dasselbe ebensogut Leben und Nahrung, wie für die herrlichste Blume und die nützlichste Pflanze. Es nimmt an allem Segen der Schöpfung Theil. Keinem Sterblichen sind aber bisher seine Eigenschaften und sein Gebrauch bekannt; keinem Thiere, so viel wir wissen, kommt Bete und vertraue. 20 306 es zu nutzen. Unserm Urtheile nach ist es also, ohne den geringsten Vortheil oder Nachtheil für die Welt, da sein oder nicht da sein. Aber es ist nun da. Es hat den allmächtigen Wil len des Unendlichen zum Schöpfer. Kann es umsonst sein? Ein Spiel des Ungefährs, des blinden Zufalls? Muß es nicht seine Absichten haben? Ich sehe sie nicht ein. Aber auch Der nicht, Der Alles weiß? Wenn nun Gott für das Kleinste in der Schöpfung sorgt, was hat sich der Mensch nicht von der Vorsehung zu versprechen? ( 1. Petr. 5, 8.) Er, das Haupt der irdischen Schöpfung! Er, Welcher der Mittelpunkt ist, auf Welchem Alles zusammenläuft, was der Allmächtige hier Unten geschaffen hat? Soll der Unendliche einen Wurm Seiner sorgfältigen Aufmerksamkeit würdig achten, und des Menschen vergessen? Alles in der Natur ist zu einem Endzwecke bestimmt und dahin geführt! Diese Regel ist allgemein, sie gilt in der ganzen leblosen und lebendigen Schöpfung. Und eine Ausnahme von ihr sollte da stattfinden, wo ihre Beobachtung am meisten nöthig ist? Gott soll nur da keine Ihm anständigen 307 Absichten haben, wo Er die alleredelsten haben kann? Welche Ungercimtheit! Der Mensch ist vor allen Thieren der erhabensten sittlichen Vollkommenheit, des größten Glückes fähig; und er soll vor anderen Thieren allein seines Endzweckes verfehlen? Sein Vorzug soll sein Unglück sein? Gott schuf dem Thiere keinen Trieb an, welcher nicht sicher zu seinem Zwecke führt; und die Tricbe sollen umsonst sein, die Er in das Herz des Menschen gelegt hat? Sie sollen blos darum unbefriedigt bleiben, weil fie von größerem Umfange und edler sind; weil sie Vernunft und Freiheit zu Führern haben? Ich kann das Glück meines Daseins und den hohen Werth desselben empfinden. Ich wünsche es zu behalten und der Gedanke: Vernichtung ist mir schreckbar. Vor allen Geschöpfen, mit welchen ich die Nothwendigfeit zu sterben gemein habe, habe ich das Gefühl des Verlustes, den ich im Tode leide, voraus. Und zwischen ihrem und meinem Schickfale soll gar kein Unterschied sein? Ich soll wie sie vergehen, nicht mehr sein und ein Dasein einbüßen, welches zu lieben meine Natur nöthigt? Ich kann allein vor allen Thieren meinen 20* 308 Schöpfer erkennen, den Werth Seiner Güte empfinden und Seine Wohlthaten mit freudigem Danke preisen. Und Der, Dem Wohlthun Seligkeit ist, Der Alles geben kann, ohne Etwas zu verlieren, Der soll mir Seine Wohlthaten versagen, und nur darum von den Wirkungen Seiner Güte mich ausschließen, weil ich am meisten fähig bin, Theil daran zu nehmen. Wie? die ganze Größe des Menschen, alle seine Erkenntniß, alle edlen Wünsche seines Herzens, alle unsterblichen Hoffnungen, die in seiner Seele leben, sollen sich in dem Schicksale auflösen, eine Speise des Wurmes zu werden, der auf der Erde friecht, und den ein zufälliger Fußtritt des Wanderers zerquetscht. Wahrlich! dies heißt Gott lästern und den Menschen, das Meisterstück der Schöpfung, weit unter das vernunftlose Thier herabwürdigen. - Nein! der Mensch ist das edelste Geschöpf auf Erden; und er ist es auch in Deinen Augen, o Gott! Deine väterliche Sorgfalt erstreckt sich um so mehr über ihn, je mehr er ihrer vor allen Andern fähig und bedürftig ist. Ich bin zu einem höhern, als thierischen Glücke, ich bin 309 zur Unsterblichkeit bestimmt, weil ich sie so sehnlich wünsche. Ja! der heiße Durst im Herzen Nach der Unvergänglichkeit, Dieser Drang in Leid und Schmerzen Nach der Heimat ans der Zeit, Zeugen, Bürgen sind mir, Daß ich mich, mein Gott! zu Dir, Daß ich einst, wohin ich strebe, Mich erheb' und ewig lebe. O! wäre nicht Hoffnung jenseits des Grabes, wer ertrüge oft die Qualen des Lebens? Wer wagte, bei der Gewißheit, einst vergessen, vernichtet zu werden, die Ruhe seines Daseins? Nur der Gedanke der ewigen Zukunft hebt unsere Scele über jedes Schicksal hinaus, und die Zuversicht, daß unsere Thaten uns nachfolgen( Offenb. Joh. 14, 13), macht unsern Lauf muthvoll, und bewahrt uns vor Verzweiflung. Eine Sonne ist genug, die Erde zu erleuchten; und eine Hoffnung ist genug, die Seele zu erheitern die Hoffnung der Unsterblichkeit. Freiheit ist die kostbare Perle der Krone der erhabenen, menschlichen Natur. Zwang ist der Würde dieser Königin unanständig. Sie 310 ist nur den sittlichen Gesetzen unter than. Durch willenlosen, blinden Naturtrieb, dem die Thiere nothwendig gehorchen müssen, kann der Mensch nicht zu seiner Bestimmung gebracht werden. Allein daher sind tausend andere Wege gebahnt. Der väterliche Unterricht, den ihm Gott auf verschiedene Art mittheilt, kann ihn weise und gut machen. Ohne seine Freiheit einzuschränken, kann ihn die Vorsicht durch Wohlthaten oder durch Züchtigungen in einer kürzern oder längern Zeit, durch Erfahrung an sich oder an Anderen, auf der geraden Straße oder durch entfernte Umwege, bald auf ein Mal oder stufenweise in dieser oder in einer anderen Welt, zu dem Ziele der Vollkommenheit und Glückseligkeit führen, welches ihm die Güte des Schöpfers gesetzt hat. Hiezu kann es dem Allwissen den nicht an Einsicht, dem Allmächtigen nicht an Kraft und dem Allgütigen nicht an Willen fehlen. Dies sind die Begriffe, die ich mir von den Eigenschaften meines Gottes mache, und auf die sich mein unerschütterlicher Glaube an Seine Alles umfassende Vorsehung gründet. O! was für selige Hoffnungen steigen 311 jetzt in meiner Seele empor! Mein Herz erhebt sich, und meine Wünsche wallen der Unsterblichkeit entgegen. Ich finde Aussichten ohne Ende vor mir eröffnet, welche nur durch die schmale Kluft des Grabes von mir getrennt sind. Mit leichter Mühe schwingen sich meine Gedanken über dieselben hinaus. Ich versetze mich in die ewige Dauer meines künftigen Lebens, und sehe von dort auf den kurzen Augenblick des gegenwärtigen zurück. Mein Gott! wie sehr verändert dieser neue Gesichtspunkt, aus welchem ich die jetzige Welt ansehe, meine Vorstellung von ihr. Jene wirklichen Uebel des Lebens, jene allgemeinen und besonderen Plagen, welche mir so manche bittere Klage ausgepreßt haben, was sind sie? Flüchtige Nebel, welche auf einen Augenblick die Sonne meiner Glückseligkeit überziehen, um sie bald wieder reizender hervorblicken zu lassen. Die Vergnügungen der Erde, ihre vermeinten Schätze, die Güter, mit deren Besitz die menschliche Thorheit sich so gewaltig brüstet, sind die es werth, daß ich, wenn sie mir mangeln, die Vorsehung anklage, und mich in das wirkliche Elend eines ungläubigen Mißtrauens stürze? Sind sie wichtig genug, daß ich es als einen 312 Fehler in der Weltregierung ansehe, wenn sie sich in den Händen eines Menschen befinden, der sie mißbraucht? Ich bin, weil der Unendliche mein Dasein gewollt hat. Und sind nicht auch alle Umstände, in welchen ich lebe, ebensowohl von Ihm? Kann etwas ein Uebel sein, das von dem Gütigsten kommt. Kann der geringste Umstand meines Schicksals ohne Nutzen für mich sein, da er von dem Weisesten gewählt worden ist? Mein Glück ist hier nicht vollkommen. Aber hat es denn hier schon vollkommen sein sollen, sein können? Und wird mich das hindern, künftig einmal ganz glücklich zu sein, weil ich es jetzt noch nicht bin, noch nicht sein kann? Muß ich nicht erst gut werden, ehe ich glücklich zu sein oder zu werden verdiene? Glück und Unglück, Freude und Leid, vergnügte und widrige Begebenheiten, Tod und Leben, ja sogar meine eigenen Fehler werden von der Hand der Vorsehung regiert, deren göttliche Geschicklichkeit das Uebel selbst zur Quelle des Guten macht. Die unbehutsame Güte eines zärtlichen Jacobs gegen den Liebling unter seinen Söhnen, die kindliche Unbe 313 dachtsamkeit Josephs, seinen Traum zu erzählen, wodurch der Neid seiner Brüder gereizt wird, versetzte Beide in die erbärmlichste Lage: Joseph wird von den ergrimmten Brüdern verfauft; er kommt in die Hände fremder Kaufleute, er wird ein Sclave, er wird zum zweiten Male verkauft. Dem ersten Anscheine nach lächelt ihm ein neues Glück; er gewinnt das Zutrauen seines Herrn, der sein Schicksal erträglich macht. Aber plötzlich verschwindet der Glücksstern wieder. Joseph wird von Putiphars wollüstigem Weibe versucht; er bleibt tugendhaft. Das verschmähte Weib schnaubt Rache, und bereitet durch boshafte Kunstgriffe der Tugend Fesseln. Der trostlose Vater beweint den vermeinten Tod seines Sohnes, dessen Leben in der Gefangenschaft mehr seiner Thränen würdig gewesen wäre. Indessen entwickeln sich ganz unvermuthet die Wege der ganz unergründlichen Vorschung. Durch einen unvorhergesehenen Fall kommt Joseph aus der Gefangenschaft, und der noch erst in der Nicdrigkeit der Sclaverei schmachtete, besteigt jetzt den Thron Aegyptens. Ein Königreich wird durch ihn vor dem verheerenden Hunger geschützt und vor seinem gänzlichen Untergang 314 gerettet; das Haus Jacobs wird erhalten, der jetzt mit Freudenthränen die Führung des Himmels preiset, welche seit vielen Jahren die Ursache seines Kummers war.( Gen. 37, 39, 40, 41 2c.) O! wie göttlich erhaben ist die Ruhe, in welche der Begriff einer alles zum Besten ihrer Geschöpfe lenkenden Vorsehung mein Gemüth feyzet. Die tägliche Erfahrung lehrt mich, wie wenig mein Glück von mir selbst abhängt. Tausend Zufälle, welche vorherzusehen alle Weisheit der Menschen zu wenig, und denen vorzubeugen alle Macht der Sterblichen zu schwach ist, drohen täglich meinem Glücke. Jch schwimme auf dem Meere des Lebens, ungewiß, wohin ich getrieben werde. Mein Schicksal hängt von jeder Welle ab. Ein Ungefähr vernichtet oft in einem Augenblicke die Werke vieljähriger Bemühungen. Das Glück erklärt die flügsten Ent würfe für Thorheit, und krönt noch öfter die unbesonnensten Unternehmungen. Von Allem, was ich vornehme, ist der Ausgang ungewiß, aber noch ungewisser ist es, ob das Gelingen oder Mißlingen meiner Anschläge besser für mich sei. Was könnte mich am Abgrunde der Ver 315 zweiflung, an welchen mich diese trüben Gedanken hinführen, noch zurückhalten, wenn mich nicht die allmächtige Hand der allweisen Vorsehung unterstützte? Wie beruhigt, wie aufge heitert bin ich jetzt! Ich weiß den Ausgang meines Schicksals nicht; aber Der weiß ihn, Der es über mich verhängt hat, Der Alles zu meinem Besten lenket. Ich mache Entwürfe, und gehe ihnen nach. Für mich ist der Erfolg ungewiß, aber er wird von der göttlichen Hand geleitet. Ein Zufall zerstäubt meine Hoffnungen; aber dieser Zufall wird von Demjenigen gesendet, welcher das, was mir nützlich ist, besser als ich einsieht. Der Unendliche hat mein Schicksal mit allen seinen Umständen vorausgesehen. Er hat es gut gefunden, weil er es gewählt hat. Er würde es anders eingerichtet haben, wenn eine andere Einrichtung besser für mich gewesen wäre. O, ich billige Alles mit dankbarer Zufriedenheit, jeder Umstand meines Lebens legt mir neue Verbindlichkeiten gegen die Vorsehung auf, weil jeder Umstand auf mein Bestes zielt. Lange zuvor, ehe ich noch war, lag das Urbild von mir schon in dem ewigen Verstande meines Schöpfers; Er 316 zeichnete den Grundriß meines ganzen Schickfals bis auf die geringsten Züge mit sorgfältiger Hand. Hier bestimmte Er die Stunde meiner Geburt; hier wählte Er einen Stand für mich; Er wählte ihn vor hundert andern, weil Er der beste für mich war. Hier flocht Er das Gewebe meines Geschickes, und setzte alle besonderen Begebenheiten meines Lebens fest, und ordncte dieselben mit einer Sorgfalt, die nicht genauer hätte sein können, wenn auch dieses Geschäft Sein einziges gewesen wäre. Keine Kleinigkeit wurde vergessen. Alle seine Theile passen auf das Genaueste in das Ganze. Kein glücklicher Umstand blieb zurück, wenn nicht etwa einem größeren Glücke daher Hinderniß entstand. Kein unangenehmer Umstand wurde zugelassen, wenn nicht seine glücklicheren Folgen ihn nothwendig machten. Er verhängte über mich jenen längst vergangenen Zufall. Wie rauh, wie finster, wie schrecklich war er mir beim ersten Anblick; aber wie selig für mich in seinen Folgen! Ich sehe diese glücklichen Folgen jetzt nur wie durch einen Nebel. Sie werden immer glänzender, je weiter sie sich in die entfernte Zukunft versenken. Ihr Ende ist die Ewigkeit. In einem tief versteckten Theile 317 derselben verlieren sie sich mit einem Glanze, dessen übermäßiger Schimmer meine Augen blendet. Die Größe meines Glücks drückt mich nieder. Gott! meine Seele betet Dich an. O, mein Schöpfer! wie sehr, wie sehr bin ich Dein! Dein Wort, Dein Wint, Dein Odem hält, Allmächtiger! die ganze Welt. Du lenkest Alles wunderbar, Kein Sperling fällt, es fällt kein Haar. Weltkönig! wider Deinen Sinn Vergessen auf die Erde hin. ( Luc. 21, 18. Matth. 10, 29, 30.) Du leitest Dein Geschöpf mit Huld, Zeigst unaufhörlich väterlich Dem Reichsten und dem Aermsten Dich. Owohl mir, dort und hier Hängt meine Seele fest an Dir. Nicht Wollust, Ehre, Goldesglanz, Nur Du erfüllst die Seele ganz; Nie, nie sei mir die ganze Welt So lieb, als das, was Dir gefällt, Stets sei von meinem Geist gedacht: Der Herr hat Alles wohl gemacht. ( Marc. 7, 37.) Gott! Bater! zu was für einer Höhe des allergewissesten Vertrauens erhebt sich mein befestigter Glaube an Dich. Ich fühle mich weit über alle Anfechtungen des Zweifels er 318 hoben. Ich sehe mit ruhiger Zuversicht auf mein Verhängniß, auf die Unordnungen und Verwirrungen herab, welche in dieser Welt herrschen. Der Gottesverächter auf dem Throne, der Tugendfreund in Ketten; der Gerechte unterdrückt von der überwiegenden Macht der Ungerechtigkeit! die Dummheit auf Richterstühlen, und der Weise verachtet; die Niederträchtigkeit im Ueberfluß, und die Großmuth arm!!! Diese Anblicke, welche so oft mein Gemüth mit unglaublichem Kummer erfüllten, sind jetzt die kräftigsten Stützen meiner angenehmsten Hoffnung. Ich sehe über die Spanne des gegenwärtigen Lebens hinaus. Jenseits der Grenzen dieser Welt entdecke ich den Anfang einer neuen, in welcher Gerechtigkeit wohnt. Hier ist der Vorhof der Schöpfung. Hier ist die Pflanzschule, in welcher die väterliche Sorgfalt des Schöpfers aus den Menschen Bürger für die künftige Welt erzieht. Hier sind sie noch nicht, was sie sein sollen. Hier werden sie zu dem gebildet, was sie in einer besseren Welt sein werden. O! was habe ich für ein glückliches Loos! Die Pflicht des Gehorsams gegen die Gebote des gütigsten Baters auszuüben, und an Sci 319 ner Hand geleitet durch die Verwirrungen des gegenwärtigen Lebens einer seligen Ewigkeit zuzueilen, dies ist meine Bestimmung. Die Wege, welche dazu führen, mögen sein, wie sie sollen, ihr Ende ist Seligkeit. Ich eile also an der Hand der Vorsehung unerschrocken diesem Ziele zu. Kein Widerstand ist mir zu mächtig, und kein Hinderniß unüberwindlich. Je weniger Angenehmes meine gegenwärtigen Aussichten haben, desto weniger Schwierigkeiten finde ich, gleichgiltig gegen sie, und desto sehnsuchtsvoller gegen die künftigen zu sein. Mag auch mein zeitliches Glücksgebäude ganz zusammenfallen; wenn sich nur auf seinen Trümmern der Bau meines ewigen Heils gründet. Ich gewinne ja unendlich durch diesen Verlust; und - ich soll ja der Tugend um ihrer selbst, nicht um des Gewinnstes willen huldigen. Ja, ich will deswegen nicht weniger ein Freund der Tugend sein, weil Ehre und Schätze nicht immer in ihrem Gefolge sind. Die Vergnügungen der Erde machen nur ihren zufälligen Schmuck, ihre wesentliche Zierde aus. Sie ist durch ihren innern Werth geadelt; sie ist reich an eigener Schönheit, und auch ohne allen äußerlichen Glanz groß. Der Schatz 320 der Tugend wird nicht vom Roste der Zeit verzehrt; ihr Reich ist das Reich der Ewigfeit.( Matth. 16, 19, 20.) Jhre Vorschriften sind meine Pflichten, und die unverletzliche Hochachtung gegen dieselben ist mein höchstes Gut. Mit diesem Entschlusse gehe ich muthig fort auf dem Theile des Pfades zur Ewigkeit, welchen ich noch vor mir sehe. Die Kraft meiner Blicke erstreckt sich nur wenige Schritte vorwärts. Das Uebrige bedeckt ein undurchdringliches Dunkel. Vielleicht finden sich manche rauhe Stellen, die ich noch zu übersteigen habe. Gefahren und Mühseligkeiten von mehr als einer Art warten vielleicht schon auf mich. Ich erwarte sie ruhig. Wenn diese Hindernisse un besiegbar wären, würde Der, welcher besser als ich selbst weiß, wie weit meine Kräfte gehen, mich nicht zum Siegen auffordern. Sein Befehl macht mich fühn.( Was ich thun soll, muß ich auch thun können.) Ich will nicht durch Mißtrauen gegen mich das Vertrauen entehren, dessen mich die Vorsehung würdiget. Der mich berufen hat, ist getreu, und läßt mich nicht über meine Kräfte versuchen. Mein Muth kann nicht sinken, da ihn die Zuversicht auf den Allmächtigen unterstützet. 321 Keine Gefahr kann so schrecklich, kein Uebel so groß, keine Aussicht so finster und verworren sein, daß sie nicht zuletzt sich wieder aufhellen und in den Händen der Vorsehung zu meinem Besten dienen müßte. Mein Schicksal ist unvermeidlich; ich kann ihm nicht entrinnen. Aber es ist so ungezweifelt gut für mich, daß ich ihm auch um Alles nicht zu entrinnen wünsche. Es sei immer mühsam; sein Ende ist Friede und Freude. Es sei immer dunkel; aus seinen Finsternissen wird das reinste Licht aufgehen. Dort erst, wenn ich mit verklärten Augen von den hohen Zinnen des Himmels in das durchwanderte Thal meines Lebens herabsche; dort, wenn der Vorhang fällt, der mir die heiligen Wege Gottes verhüllte; dort erst werde ich erkennen, wie zärtlich der Allerhöchste für mich sorgte; dort werde ich erstaunungsvoll mit David ausrufen: Herr! was ist doch der Mensch, daß Du seiner gedenkest, und was ist das Menschenkind, daß Du Dich seiner so väterlich annimmst?( Ps. 8, 5. 143, 3.) Dort erst werde ich mit namenloser Empfindung des freudigsten Dankes den Gott preisen, Der mich hier leitet nach seinem weisen und gütigen Rathe. Amen. Bete und vertrane. 21 Kirchengesänge. Erster Meßgesang. Zum Introitus. ir werfen uns darnieder, Vor Dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder. Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun. daß wir Es andachtsvoll besingen Und wohlgefallen Dir. HIS Den Tag vor Jesu Leiden, Beim letzten Abendmahl, Indem Er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat Er das Brod gebrochen Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: ,, Dies thut und denket Mein." Er sprach: Nehmet hin und esset, Dies ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was Meine Liebe thut. Mich opfernd, will Ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch; Wer an mich glaubt, soll erben Mit Mir das Himmelreich. O Herr! dies Opfer steige Zu Dir mit Wohlgeruch, Damit Dein Herz sich neige Zu Deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan; Nein, Jesum Christum Selber, Der uns versöhnen kann. Zum Gloria. Gott Vater! Dir gehöret Lob, Ruhm und Dank nud Ehr', Was uns're Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erden lass' uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir Dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreit. Der Du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzesstamm, Lass' uns Erbarmen finden, Jesu, Gotteslamm! 21* 323 324 Gelobt mit Mund und Herzen Seist Du, Gott heil'ger Geist, Der Du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. Zum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott Selber hat's gelehret, Der nicht betrügen fann; Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an, Es weiset uns die Stege, Zu gehen diese Bahn. Herr! drücke deine Worte Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig sei'n. Zum Credo. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath, Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat! Von Ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott, den heil'gen Geist. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind; Er litt an Leib und Seele, Schloß sterbend Seinen Lauf, Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. Er ward hinauf genommen, Zu Gottes rechter Hand, Wann Er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt Er einst zu rächen, Und wird von Seinem Thron Ein billig's Urtheil sprechen Zur Strafe und zum Lohn. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sei, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bei. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. 325 326 Zum Offertorium. Herr, lass' doch diese Gaben Dir wohlgefällig sein, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brod und Wein, Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut, Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorb'nen gut. Wir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was Du uns, Deinen Kindern, Zu thun befohlen haft; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. Wir legen Dir zu Füßen Auch unser Hab' und Gut, Und was wir hier genießen: Das Leben, Leib und Blut! Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und lass' durch Deinen Segen Die Felder fruchtbar sein. Zum Sanctus. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreimal heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr, Himmel und auch Erde Sind voll von Deinem Ruhm, Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. Das wir hernach zusammen Dir uns're Herzen weih'n, Und voll von Liebesflammen Dir ein Hosannah schrei'n. Herr, wer in Deinem Namen Kommt, sei gebenedeit! Die Engel sagen: Amen! Jetzt und in Ewigkeit. Nach der Wandlung. Hier bet' ich auf den Knieen, Verborg'ner Gott! Dich an; Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen. Der Grund des Glaubens sein. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Das Denkmal Deiner Güte, Dies wahre Himmelsbrod Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an Deinen Tod. 327 328 Wasch' mich von meinen Sünden, O Jesu durch Dein Blut, Und lass' mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Lass' bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht, Und zeige mir und Allen Dein glänzend Angesicht. Zum Agnus Dei. Erfreut euch, fromme Seelen, Ein Wunder ist gescheh'n, Der Herr will Sich verhehlen, Kein Auge kann Jhu seh'n. In Brods- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dies größte Seelengut. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt, Sie nährt uns auf der Reise Und wird doch nicht verzehrt. Wenn wir das Leben schließen Und dieses Himmelsbrod Recht wohl bereit't genießen, So kann der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott den Leib wird decken Mit Seiner starken Hand. Herr Jesu, Deiner Liebe Sei Ehre, Lob und Dank! Weil Du, nach ihrem Triebe, Zur Epeis' und auch zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sacrament, Herr, lass' es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt; Lass uns in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu Deinen Engelschaaren, Und ewig bei Dir sein! Zum Segen des Priesters. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sei auch Gott geehret! Er mach' uns segensvoll, Und lass' es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bei uns Allen, So sind wir wohl daran. 329 330 Gott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag. Er lass' uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor Seinem Angesicht. Zweiter Meßgesang. Zum Kyrie. Hier liegt vor Deiner Majestät Im Staub die Christenschaar, Das Herz zu Dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk' uns, o Vater! Deine Huld; Vergib uns uns're Sündenschuld! Gott! von Deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht! Verstoß uns nicht, Verstoß uns arme Sünder nicht! - -1 Wir haben, Herr! Dein Gut verschwend't Wie der verlor'ne Sohn, Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau' von Deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz, Entzieh' die Vaterhuld uns nicht Und sende uns Dein Gnadenlicht, Dein Gna- den- licht, Dein göttliches Gnadenlicht. Wir sind ja Deiner Hände Werk, Der Schöpfung Unterthan, O gib uns Schwachen Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. O Gott, der Werth des Blut's ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß, Für uns ver- goß, Am Kreuz für uns vergoß. Zum Gloria. Gott soll gepriesen werden, Sein Nam' gebenedeit Im Himmel und auf Erden, Jetzt und in Ewigkeit. Lob, Ruhm und Dank und Ehre Sei der Dreieinigkeit, Die ganze Welt vermehre, Gott! Deine Herrlichkeit. Zum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium! Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. 331 332 Gott Selbst ist's, Der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist; Der Seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Christ! Zum Credo. Allmächtiger!- vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Kreatur; O Gott und Vater! ja, ich glaube An Dich, Du Schöpfer der Natur! Auch an den Sohn, der ausgegangen, Von Dir, geboren ewig war; Den, von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß Er versöhne uns mit Gott! Er hat die Schuld auf Sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod! Erstand, besiegte Tod und Hölle! Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unser Lebenslauf. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit, Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flicht hin zu der Barmherzigkeit, Am großen Tag wird's Fleisch erstehen Jetzt, Heilige! helft insgemein, Daß wir mit Euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig sei'n. Zum Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus Deines Priesters Hand; Wir, die gesündigt haben, Weih'n Dir dies Liebespfand. Für Sünder hier auf Erden, In Aengsten, Kreuz und Noth Soll dies ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod! Nimm gnädig dies Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarm' Dich unser, denke An Christi Blut und Tod, Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu Deinem Thrcn, Und dieses Ofer bringe Uns den verdienten Lohn. Zum Sanctus. Singt: Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig Bist Du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll Deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jetzt und in Ewigkeit. 333 334 Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut; Der kommt in des Herrn Namen, Der sei gebenedeit! Hosannah in der Höhe, Gepriesen sei der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer. Nach der Wandlung. Sieh, Bater!- von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar, Wir bringen Dir in Deinem Sohne Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn wir, Deine Kinder, Und stellen Dir Sein Leiden vor! Er starb aus Liebe für uns Sünder; Noch hebt Er's Kreuz für uns empor. Noch hebt Er's Kreuz für uns empor! Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Beim Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. Jesu! höre uns're Bitte, Steh' uns'rer Schwachheit immer bei, Auf daß Dein Leiden, Deine Güte An uns niemals verloren sei, An uns niemals verloren sei. Zum Agnus Dei. Betrachtet Ihn, in Schmerzen Wie Er Sein Blut vergießt; Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' uns're Schuld; Bei Gott läßt Er uns finden Den Frieden, Seine Huld. Zur geistlichen Communion. O Herr! ich bin nicht würdig, Zu Deinem Tisch zu geh'n! Du aber mach' mich würdig, Erhör' mein kindlich Fleh'n! O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam: Im Geist Dich zu empfangen, Dich wahres Osterlamin! Zum Beschluß der heiligen Messe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht, Wir haben jetzt betrachtet, Gott, Deine Lieb' und Macht! Du bist bei uns zugegen; Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her! 335 336 Zum Segen. Lasset uns denn würdig ehren Ein so großes Sacrament. Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't; Was man nicht mit Händen greifen, Noch mit Augen sehen kann, Sehen wir Sehen wir im Glauben an. Gott den Vater wir erheben Mit dem eingebornen Sohn; Preis und Jubel sei gegeben Beiden auf dem höchsten Thron; Dem auch, der von Ihnen beiden Ausgeht, Gott von Ewigkeit. Werde gleich Werde gleiches Lob geweiht! Dritter Meßgesang. Beim Eingang. Hier wirft im Staub vor Dir sich hin, Gott, die Christenschaar! Zu Dir erhebt sich Herz und Sinn, Das Auge zum Altar. Oblick auf uns mit Vaterhuld, Vergib uns die bereute Schuld, Verstoß von Deinem Angesicht, Gott! uns arme Sünder nicht! - Verstoß uns nicht! Verstoß uns Sünder nicht! Beim Gloria. Gott soll gepriesen werden Auf Seinem höchsten Thron, Und Friede sei auf Erden Der guten Menschen Lohn. Wir loben, ehren Alle Dich, o Dreieinigkeit! Und unser Dank erschalle Bis an das End' der Zeit. Beim Evangelium. Es kommt aus Gottes Munde Das Evangelium, Und nur auf diesem Grunde Steht wahres Christenthum. Herr, lass' uns niemals kehren Durch Deiner Feinde List Das Ohr zu falschen Lehren, Dies fleht der wahre Christ. Beim Credo. Allmächtiger! vor Dir im Staube Bekennt Dich Deine Creatur; O Gott und Vater! Ja ich glaube An Dich, Du Schöpfer der Natur! An Deinen Sohn, den, rein empfangen Die heil'ge Jungfrau uns gebar; Und an den Geist, der ausgegangen Von Beiden, stets mit Beiden war. Bete und vertraue. 22 337 338 Beim Offertorium. Nimm an, o Herr! die Gaben Von Deines Priesters Hand; Die Dich beleidigt haben, Versöhne dieses Pfand. Bald bleiben nur Gestalten Von diesem Brod und Wein, Und das, was sie enthalten, Wird Seelenspeise sein. Bewegt von dem Geschenke, Dreieinig großer Gott! Erbarme Dich und denke, Wer sich für uns erbot: Der sich zum Opfer bringet Vor Deinem Gnadenthron, Zum Vaterherzen dringet, Ist Dein geliebter Sohn. Beim Sanctus. O singet: dreimal heilig, Ist Herr Gott Sabaoth! Dreieinig, unzertheilig Ist unser Herr und Gott! Es glänzet Seiner Ehren Die ganze Schöpfung voll, O daß uns Engel lehren, Wie man Ihn preisen soll. Um Engeln nachzuahmen, Singt unser Geist erfreut: Der kam in Gottes Namen, Der sei gebenedeit, Hosannah schallt es oben, Hosannah singen wir, Und beten an und loben Und staunen, Herr! vor Dir Nach der Wandlung. Sieh', Bater! von dem höchsten Throne, Sich' gnädig her auf den Altar! Wir bringen Dir in Deinem Sohne 339 Ein wohlgefällig's Opfer dar. Wir fleh'n durch Ihn, wir, Deine Kinder, Und stellen Dir Sein Leiden vor: Er starb, des Todes Ueberwinder, Stand auf und fuhr zu Dir empor. Er hat für uns Sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt! Vertritt, damit wir ewig leben, Beim Vater jetzt das Mittleramt. Jesu! lass' uns Huld erwerben, Steh' unsrer Schwachheit immer bei, Damit Dein Leiden und Dein Sterben Ja nicht an uns verloren sei. Beim Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen, Wie Er Sein Blut vergießt. Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! 22* 340 Er fließt uns anzukünden Das wahre Gotteslamm, Das liebreich alle Sünden Von uns'ren Seelen nahm. Bei der Communion. Wie soll, o Herr! ich's wagen, An Deinen Tisch zu geh'n! Du darfst ein Wort nur sagen, Um mich gesund zu seh'n. O stille mein Verlangen, Du einzig' Seelengut! Im Geiste zu empfangen Dein wahres Fleisch und Blut. Nach der Communion. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht, Nun haben wir betrachtet, Gott, Deine Lieb' und Macht. Die bleib' uns stets zugegen, Aus Deinem Gnadenmeer Ström' uns Dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. Vierter Meßgesang. Zum Staffelgebet. O Gott, wir kommen voll Vertrauen, Mit kindlichem Gemüthe, Zu fleh'n um Deine Gnad' und bauen Auf Deine Batergüte. Erhör' uns und erbarme Dich, Herr, Deine Huld währt ewiglich. Zum Gloria. Die schöne Welt ist ein Geschenk, Und was wir sind und haben! Du warest unser eingedenk Mit tausend edlen Gaben. Lob, Ehre, Ruhm und Dank sei Dir, O guter Vater stets dafür. Zum Evangelium. Die Lehre, die uns Jesus gab, Macht glücklich schon hienieden; Sie lenkt von jedem Frrthum ab, Und führt zum ew'gen Frieden. Von dieser heil'gen Richtschnur, Herr, Entfernen wir uns nimmermehr. Zum Credo. Wir glauben, daß Du Vater bist, Der Alles schuf, regieret; Wir glauben auch, daß Jesu Christ Zum wahren Heile führet; Wir glauben an den heil'gen Geist, Und was die Kirche glauben heißt. Zum Offertorium. Wir bringen Dir zum Opfer dar Ein redliches Bestreben, So fromm wie unser Heiland war, 341 342 Von Kindheit an zu leben. Daß unser Wille standhaft sei, Steh' uns mit Deiner Gnade bei. Vor der Wandlung. Gedenk', o Herr! in jeder Noth Der Eltern, Freunde, Brüder; Gib unsern Lehrern, milder Gott! Das Gute reichlich wieder, Ja, Alle sich barmherzig an, Selbst auch, die Böses uns gethan. Nach der Wandlung. Dies ist der Leib und Jesu Blut, Es ward für uns vergossen, Dadurch mit unserm Seelengut Der neue Bund geschlossen. Für diesen Bund, o guter Gott! Geh'n wir mit Freuden in den Tod. Zum Paternoster. Dein Name, Vater, Der Du bist, Sei heilig wie Dein Wille, Verleihe, was uns nöthig ist, Vergib der Sünden Fülle. Hilf der Versuchung widerstehen, Lass' jedem Uebel uns entgehen. Zum Agnus Dei. Der Du zu uns, o Jesu! kamst, Den Tod für uns zu dulden, Auf Deine Schultern willig nahmst Der Menschheit große Schulden; Nimm uns nach unserm Lebenslauf In Deine Himmelswohnung auf. Nach der Communion. Noch stets verkünden wir den Tod, Den Du hast leiden müssen, So oft wir von dem Himmelsbrod Recht ehrfurchtsvoll genießen. Olaff' es fruchtbar uns gedeih'n Und Deines Todes Denkmal sein. Zum Segen. Lass', Herr und Gott! das Opfer Dir Und unsern Dienst gefallen. Gib Deinen Vatersegen hier, Dort Dein Erbarmen Allen, Es sei gelobet jederzeit, Von nun an bis in Ewigkeit! Marienlied. 1. O Himmelskönigin! Dir singt mein Herz und Sinn: Gegrüßt seist du, Maria! 2. Der Glocke erster Klang, Weckt mich zum Frühgesang: Gegrüßt seist du, Maria! 343 344 3. Hoch war die Welt erfreut Und durch den Gruß erneut: Gegrüßt seist du, Maria! 4. Der Feind flicht bebend fort, Bezwungen von dem Wort: Gegrüßt seist du, Maria! 5. Denn uns're Fessel brach, Sobald der Engel sprach: Gegrüßt seist du, Maria! 6. D'rum grüßt zu jeder Zeit Dich fromm die Christenheit: Gegrüßt seist du, Maria! 7. Das Kindlein und der Greis Bringt im Gesang dir Preis: Gegrüßt seist du, Maria! 8. In Freudigkeit und Schmerz Spricht jedes Christenherz: Gegrüßt seist du, Maria! 9. Wer grüßte dich nicht gern, O Mutter uns'res Herrn: Gegrüßt seist du, Maria! 10. Der Chor der Engel singt, Der liebend dich umringt: Gegrüßt seist du, Maria! 11. Selbst deinen milden Sohn Erfreut des Liedes Ton: Gegrüßt seist du, Maria! 12. Denn Ihn, der dich erhob, Verehrt das süße Lob: Gegrüßt seist du, Maria! 13. Er wird durch dich versöhnt. Wenn fromm der Gruß ertönt: Gegrüßt seist du, Maria! 14. Die Traurigkeit entweicht, Von diesem Gruß verscheucht: Gegrüßt seist du, Maria! 15. Du schirmst des Lebens Bahn, Ruft treu das Herz dich an: Gegrüßt seist du, Maria! 16. In der Versuchung Drang Bringt Hilfe der Gesang: Gegrüßt seist du, Maria! 17. Wenn Angst und Schrecken droht, Entfernt der Gruß die Noth: Gegrüßt seist du, Maria! 18. Die höllische Gewalt Bricht, wenn das Lied erschallt: Gegrüßt seist du, Maria! 19. Dem wird der Tod versüßt, Der oftmals fromm dich grüßt: Gegrüßt seist du, Maria! 20. Wenn einst ich scheiden muß, Sei dies mein letzter Gruß: Gegrüßt seist du, Maria! 21. Gib dich als Mutter kund, Spricht dann mein blasser Mund: Gegrüßt seist du, Maria! 345 346 22. Und fühne, Hoffnungsstern, Mir durch den Gruß des Herrn: Gegrüßt seist du, Maria! 23. Bis froh in Gottes Licht, Mein Geist in Jubel spricht: Gegrüßt seist du, Maria! 24. Ozeige Jesu mir! Es seufzt mein Herz zu dir: Gegrüßt seist du, Maria! 25. Entzückt dann preise ich, O Mutter Gottes, dich: Gegrüßt seist du, Maria! 26. Und lobe immerdar, Jhn, Den dein Schoß gebar: Gegrüßt seist du, Maria! Zweites Marienlied. 1. Maria, schönste Zier, Mein Herz, das schenk' ich dir; Nimm es als Opfer an Von mir alsdann! Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier, Hilf allezeit mir! D! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 2. Maria, Jungfrau rein, Du bist mein Trost allein; Dich hat Gott auserwählt Ins Himmelszelt! Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier, Hilf allezeit mir! O! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 3. Dort in dem Gärtelein Steh'n schöne Röselein; Sie sind gar schön geziert, Lieblich formirt. Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier, Hilf allezeit mir! O! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 4. Dort in dem Himmelszelt Hat dich Gott auserwählt Zu einer Mutter Sein, Und Jungfrau rein! Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier, Hilf allezeit mir! 347 348 O! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 5. O! Mutter, steh' uns bei Jetzt und im letzten Streit, Bitt' für uns deinen Sohn. Am Himmelsthron! Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier! Hilf allezeit mir! O! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 6. Dort in dem Gnadensaal Rufen wir abermal Zu einer Schußfrau rein Und Mutter mein: Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier! Hilf allezeit mir! O! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 7. Maria führ' uns einst Auch in den Himmel ein, Daß wir auch kommen einst Zu dir hinein! Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier! Hilf allezeit mir! O! Ihr schön' Blümelein, Jesu, Maria rein! Jesu, Maria rein! Vergeßt nicht mein! 8. Amen. Maria rein, Das letzte Wort soll sein: Nimm doch die Seele mein Zu dir hinein! Steh' bei mir, bleib' bei mir, Maria, schönste Zier! Maria, schönste Zier! Hilf allezeit mir! O! Ihr schön' Blümelein, Jesus, Maria rein! Jesus, Maria rein! Vergeßt nicht mein! Predigtlied an Sonntagen. Im Tone: Im Namen des Vaters und des Sohnes 2c. In Gott des Vaters und des Sohn's Und Seines Geistes Namen, 349 Sprecht hier am Fuße seines Thron's, O Christen, freudig: Amen! Sprecht: Amen, und bereitet euch Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. 350 O Vater unser, der Du bist Im Himmel und auf Erden! Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! Dein Reich, vom Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das lass', wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeister sehen; So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brod, das uns're Seele nährt, Um Dir, o Gott! zu leben. Auch jenes, das der Leib begehrt: Sei täglich uns gegeben! Vergib uns Vater, jede Schuld, Die wir vor Dir bereuen; So wie wir alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen! Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlös' uns jetzt und einst, o Gott Von allem Uebel. Amen. Christenlehrlied. Vor dem Anfange. Heiliger Geist, komm' zu verbreiten. Ueber uns Dein Gnadenlicht, Daß wir immer weiter schreiten Im Erlernen uns'rer Pflicht! Mache uns zum Lernen Lust, Hilf, daß wir in uns'rer Brust Das Erlernte wohl behalten Und im Guten nicht erkalten. Am Ende. O, Gott! segne diese Lehren, Die des Katecheten Mund Deinen Kindern machte fund. Uns zum Heil und Dir zu Ehren! Präge sie durch Deinen Geist Tief in's Herz, daß wir im Leben Stets zu handeln uns bestreben, Wie es Dein Gebot uns heißt. Bitten. Gott! Deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken gehen! Du krönft uns mit Barmherzigkeit Und eilst uns beizustehen. Herr! meine Burg, mein Fels, mein Hort! Vernimm mein Fleh'n, merk' auf mein Wort, Denn ich will vor Dir beten. Ich bitte nicht nach Uleberfluß Und Schäßen dieser Erden; Lass' mir, so viel ich haben muß, Nach Deiner Gnade werden! Gib mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott! und Den, den Du gesandt, Und mich selbst zu erkennen! 351 Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; 352 Des guten Namens Eigenthum Lass' mich nur nicht verlieren Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, Der Ruhm vor Deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe. So bitt' ich Dich, Herr Sabaoth, Auch nicht um langes Leben; Im Glücke Demuth, und in Noth, Das wolltest Du mir geben. In Deiner Hand steht meine Zeit, Lass' Du mich nur Barmherzigkeit Vor Dir im Tode finden! Gesänge zur Adventzeit. Zur Rorate. Maria sei gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz, der dich umfließet, Verkündet uns den Herrn; Von jeder Makel rein, Sollst du zum Menschenheile Des Höchsten Mutter sein. Dein Gott, zu Dir gewendet, Ertheilet den Befehl; Es eilt, von Ihm gesendet, Der Engel Gabriel; Er spricht: O gnadenvoll, Gesegnet unter Weibern! Der Herr bedenkt dein Wohl! Dies konntest du nicht fassen. Und batest ihn dabei, Dich recht versteh'n zu lassen, Was diese Botschaft sei. Maria, zitt're nicht! Denn du hast Huld gefunden Vor Gottes Angesicht. Er will, du sollst empfangen, Gebären einen Sohn, Der wird durch Ihn gelangen Auf David's Vaterthron. Des Höchsten Sohn zugleich, Und Jesus soll er heißen; Unendlich ist Sein Reich. Wie soll denn dies geschehen? Ich kenne keinen Mann. O Jungfrau! Du wirst sehen, Was Gottes Allmacht kann. Er sendet Seinen Geist, Der wird dich überschatten, Damit du Mutter ſeiſt. In ihren alten Tagen Kann auch Elisabeth Von Seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht. Sie hieß zwar unfruchtbar: Doch Dem ist nichts unmöglich, Der sein wird, ist und war. Da sprachst du, tief geneiget: Ich bin des Höchsten Magd; Was Du mir angezeiget, Bete und vertraue. 23 353 354 Das sei, wie Du gesagt, Ofreudenvolles Wort! Der Bote Gottes eilte Mit seinem Auftrag fort. Von seines Vaters Freuden Kam jetzt das Wort herab, Für Sünder hier zu leiden, Zu suchen Tod und Grab. Er wählte deinen Leib, Mit Fleische sich zu kleiden, Gebenedeites Weib! Den Schatz, den du empfangen: O, bring' Ihn bald zur Welt; Wir warten mit Verlangen; Denn Er ist jener Held, Der uns're Bande bricht, Und aus des Todes Schatten Uns rufet in das Licht. Dies Lied sei dir gesungen, Des Heils Gebärerin! Mit dir ergeb'nen Zungen, Mit dir ergeb'nem Sinn. Dein hochgelobtes Pfand Führ' uns auf deinen Fürspruch Hinauf in's Vaterland! Zweiter Gesang. Thauet, Himmel! den Gerechten, Wolken, regnet Ihn herab! Also rief in langen Nächten Einst die Welt, ein weites Grab. In von Gott gestraften Gründen Herrschten Satan, Tod und Sünden; Fest verschlossen war das Thor, In des Heiles Erb' empor. Doch der Vater ließ sich rühren, Daß er uns zu retten sann, Und den Rathschluß auszuführen Trug der Sohn sich freudig an. Gabriel flog schnell hernieder, Kehrte mit der Antwort wieder: Sieh, ich bin die Magd des Herrn, Was er will, erfüll' ich gern. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau, demuthsvoll und keusch. Gottes Geist wird dich beschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen, betet an im Staube, Weh' der Höll' und ihrem Raube: Aber Adam's Kindern Wohl, Weil der Heiland kommen soll. Einen Zuruf hör' ich schallen: Brüder, wacht vom Schlummer auf! Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist weg, der Tag im Lauf! O dann fort mit allen Thaten. Die die Nacht zur Mutter hatten! Künstig ziehe Jedermann, Nur des Lichtes Waffen an. 23* 355 356 Lass' uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit, Nicht nach Fleischbegierden handeln, Weit verbannt sei Zank und Neid. Jenem gänzlich nachzuarten, Dessen Ankunft wir erwarten. Dieses ist nun uns're Pflicht, So wie sein Apostel spricht. Welterlöser! ich erfülle Deines treuen Knechtes Rath; Komm' in meines Fleisches Hülle, Wie Dein Bot' verkündet hat. Komm' und bringe mir den Frieden! Menschen ist er nur beschieden, Die von gutem Willen sind; Komm', ich bin es, göttlich's Kind! Beihnachtslied. Dies ist der Tag von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen! Auch mich hat heut' der Herr bedacht, Ich will ihm Lieder weihen! Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut' allen Adamskindern sproß, Ist auch für mich geboren. Vor Seine Krippe sink' ich dann, Und bete meinen Heiland an, In Wonne ganz verloren. In meiner Bildung liegt Er hier, Den keine Namen nennen. O Gott! o Kind! geläng es mir, Die Gutthat ganz zu kennen. Du stiegest von dem Thron herab, Den Dir mit sich Dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden! Du wählest mir zu nüßen heut Für Ueberfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. Du weinst, mein Jesus! sei gegrüßt, Ognadenreiche Zähre! Sei mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Mecre, Das einstens blutig strömen soll Für mein und aller Sünder Wohl, Sei auch für mich geweinet! Erwärme falter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. Das meine soll Dein Wohnplatz sein, Geliebtester aus Allen! Es soll, wie neu geschaffen, rein Von Engelstrieben wallen. Komm' aus der Krippe, komm' zu mir! Bring' echte Frömmigkeit mit Dir Und wahre Christensitten! O, noch nicht Richter, noch ein Kind! Dies macht mich hoffen; Kinder sind Ja leichter zu erbitten 357 358 Du kehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, Wenn diese Welt in Trümmer geht, Der Staub aus Gräbern dringet, Dann muß auch ich hin in's Gericht, Allweiser! vor Dein Angesicht, Von Furcht und Angst durchdrungen; O, sprich dann: Ich erkenne dich, Du hast vor meiner Krippe Mich Mit Inbrunst einst besungen. Gesang in der Fastenzeit. Lass' mich Deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm, Das von mir die Sünden nahm. Jesu, drücke Deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen! Lass' mir Deines Todes Pein Trost in meinem Tode sein In's Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater beten, Seh' ich Dich, mit Blut bedeckt. Auf den Delberg hingestreckt, Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Dich zu binden und zu schlagen, Zu beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schaar. Und Du gibst Dich willig dar. Jesu, drücke Deine Schmerzen us. w. Von den Richtern, die Dich hassen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet Dein unschuldig Blut Unter frecher Geißler Wuth. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Unter lautem Spott und Hohne Seh' ich eine Dornenkrone, Die, mein Heiland, scharf gespißt, Deine Stirne schmerzlich rigt. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, An das Opferholz geheftet, Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. Jesu, drücke Deine Schmerzen u. s. w. Heiland! Meine Missethaten Haben Dich verkauft, verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, An dem Kreuze Dich verhöhnt. Ach, es reuet mich vom Herzen! Lass', mein Heiland, Deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein, Nicht an mir verloren sein. 359 Gesang zur öfterlichen Zeit. 3m Tone: Christus ist erstanden u. f. w. Der Heiland ist erstanden, Befreit von Todesbanden, Der, als ein wahres Osterlammt, Für mich den Tod zu leiden kam. Alleluja! 360 Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angefettet, Der Tod hat keinen Stachel mehr; Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Alleluja! Der Sieger führt die Schaaren, Die lang gefangen waren, In Seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor. O, wie die Wunden prangen, Die Er für mich empfangen; Wie schallt der Engel Siegsgefang Dem Starken, der den Tod bezwang! Alleluja! Alleluja! Mein Glaube darf nicht wanken, O tröstlicher Gedanken! Ich werde durch sein Aufersteh'n Gleich Ihm aus meinem Grabe geh'n! Alleluja! Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz; dann ruft mein Heiland mich, In's Reich, wo Niemand stirbt, zu sich Alleluja! Meer der Seligkeiten! Ein'n Ort mir zu bereiten. Ging mein Erlöser hin vor mir; Erstandener, ich folge Dir! Ja, durch ein neues Leben, Will ich zur Höhe streben, Wo Du mit Deinem Vater thronst Und jede gute That belohnst. Alleluja! Alleluja! 361 Dann werd' ich im Gerichte, Vor Deinem Angesichte, Vor Deinem Blute glänzend steh'n Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Alleluja! Alleluja! Alleluja! Alleluja Wie Du vom Tod erstanden biſt. Lass' uns ersteh'n, Herr Jesu Christ! Alleluja! Gesang in der Pfingstzeit. Komm', heiliger Geist, o dritte Person, Von Einer Natur mit Vater und Sohn! Der Du von seiner Sündenlast So manches Herz befreiet haft: Komm', heiliger Geist, erwünschtester Gast! Komm', heiliger Geist, auf uns jetzt herab! So wie Dich Gott einst den Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl, Versammelt im verschloss'nen Saal, Sich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! Komm', heiliger Geist, ein Tröster genannt; Es werde durch Dich der Kummer verbannt, Der uns verstört in uns'rer Pflicht, Die Trägheit überwind't uns nicht Wenn Du uns entflammst, o mächtiges Licht! Komm', heiliger Geist, Du Lehrer der Welt! Die Straße des Heils wird niemals verfehlt, Wenn man sich nicht an Secten kehrt, Die Kirche, die Dein Einspruch lehrt, Mit findlicher Treu' als Mutter verehrt! 362 Komm', heiliger Geist, vom himmlischen Thron! Dir werde zugleich mit Vater und Sohn In unzertheilter Wesenheit Von nun an bis in Ewigkeit, Anbetung, Dank und Jubel geweiht. Pfingstlied. Komm', o heiliger Geist, o komm'! Gieß von Deines Lichtes Strom Einen Strahl auf uns herab! Vater, der die Armen liebt, Allen alles Gute gibt! Licht der Herzen, komm' herab! Guter Tröster, holder Gast Uns'rer Seele, Du nur hast Süße Labung für das Herz; Du, durch den der Müde ruht, Du gibst Kühlung in der Glut, Du quillst Tröstung in den Schmerz. Deines heil'gen Lichtes Schein Dringe tief in's Inn're ein Deiner wahren Gläubigen. Ohne Deine Gnade, Herr! Ist im Menschen Alles leer; Voll der Schuld und Irrungen. Gib als einen Wanderstab Deine siebenfache Gab', Heil'ger Geist, der Christenheit. Gib der Tugend Gnadenlohn, Gib zuletzt die Siegeskron', Gib die ew'ge Seligkeit. Gesang an den Festtagen Mariä. Gnadenquelle sei gegrüßt: Quelle, die beständig fließt, Trost der Christen, o Maria! Jungfrau, sei gegrüßt! Sei gegrüßt zu jeder Stund', In dem Herzen, mit dem Mund: Alles mache Deine Würde, Deine Gnaden fund. Liebste Mutter, wir sind dein! Zeig' Dich Mutter stets zu sein! Schreib' uns alle deinem Herzen Unauslöschlich ein. Du warst noch zu jeder Zeit Ursach' uns'rer Fröhlichkeit, Sei es bis zum Lebensende Und in Ewigkeit. Mutter es ist unerhört, Daß dein Sohn dir nicht gewährt, Was du deinen treuen Dienern Gütig hast begehrt. 363 364 Wenn Gefahr der Seele droht, In des Lebens jeder Noth, Rettet uns in deinem Namen Der versöhnte Gott. Schreckt der Sünden schwere Last, Sei zu dir Vertrau'n gefaßt, Die du dich der Sünder Zuflucht Stets gezeiget hast. Wer dich in Betrübniß bat, Fand bei dir Maria Rath; Trost, wer immer dir als Mutter Sich empfohlen hat. Auch zu streiten bis auf's Blut Um des Himmels großes Gut, Bringst du, Reinste, den Versuchten Neue Kraft und Muth. Groß ist uns'rer Feinde Zahl Hier in diesem Thränenthal; Rette, Mutter, deine Kinder Vor dem Sündenfall. Und wenn Seel' und Leib sich trennt, Nur noch schwach das Herz dich nennt, O dann bitte, Mutter! bitte Um ein selig's End'. Nach vollbrachtem letzten Streit Führ' uns in die Ewigkeit; Milde Jungfrau! zeig' uns Jesum In der Herrlichkeit. Te Deum Laudamus. Großer Gott! wir loben Dich; Herr! wir preisen Deine Stärke: Vor Dir neigt die Erde sich Und bewundern Deine Werke; Wie Du warst vor aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, Stimmen Dir ein Loblied an; Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh' Heilig, heilig, heilig zu. Heilig, Herr Gott Sabooth! Heilig, Herr der Kriegesheere, Starker Helfer in der Noth; Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt von Deinem Ruhm, Alles ist Dein Eigenthum. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu Deinem Thron empor Neue Lob- und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schaar Lobt und preist Dich immerdar. 365 366 Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater! Dir zum Preis Singt die heilige Gemeinde; Sie ehrt auch auf Seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit Seinen Lehren Und mit Troste kräftig speiſt; Der, o König voller Ehren! Der mit Dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen, Du bist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade hast Du uns gebracht, Von der Sünde frei gemacht. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir kindlich auf Dich hoffen. Endlich kommst Du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. Steh', Herr! Deinen Dienern bei, Welche Dich mit Demuth bitten, Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten; Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf. Sieh' Dein Voik in Gnaden an; Hilf und segne, Herr! Dein Erbe; Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe, Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n! Alle Tage wollen wir Dich und Deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen; Gib, daß wir von Sünden heut' Und von Lastern sei'n befreit. Herr erbarm', erbarme Dich! Ueber uns, Herr, sei Dein Segen; Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen; Auf Dich hoffen wir allein, Lass' uns nicht verloren sein! Gefang zum allerheiligsten AltarsSacramente. Komm', o fromme Christenschaar! Wirf dich nieder am Altar; ( Denn es stellt in Brodsgestalten Sich dein Heiland dar.) 367 Hier ist Jesus Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut. ( Keine Seele geht verloren Unter Seiner Hut.) 368 Sei gelobt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit! ( Allen, die sich Dir vertrauen, Wahre Sicherheit!) Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrod! ( Hilf den Deinen und bewahre Sie vor aller Noth). Gib uns wahre Buß' und Neu', Mach' uns von den Sünden frei! ( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben, Unser Trachten sei.) Ist nun uns're Pflicht gethan Und vollend't des Lebens Bahn. ( dann nimm zu Deinen Freuden Uns're Seelen an.) Sei gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreieinigkeit! ( Jesu Preis im Sacramente Bis an's End' der Zeit.) Frommer Gruß: Gelobt sei Jesus Christus. ( Angewendet auf den täglichen Lebenswandel.) Wach' ich früh Morgens auf, So sag' ich bald darauf: Gelobt sei Jesus Christus! Alsdann zieh' ich mich an, Und fang' zu beten an: Gelobt sei Jesus Christus! Geh' ich zur Kirch' hinein, So soll mein Erstes sein: Gelobt sei Jesus Christus! Es theilt in diesem Haus Gott seine Gnaden aus: Gelobt sei Jesus Christus! Wenn ich gesündigt hab', Bitt' ich's mit Thränen ab: Gelobt sei Jesus Christus! Cei groß auch meine Schuld, So tilgt sie Deine Huld: Gelobt sei Jesus Christus! Er gibt nach wahrer Buß' Mir dann den Friedenskuß: Gelobt sei Jesus Christus! Beim heil'gsten Sacrament Erschalle ohne End': Gelobt sei Jesus Christus! Durch gute Werk' allein Will Er gepriesen ſein: Gelobt sei Jesus Christus! Bete und vertraue. 24 369 370 In Arbeit, Müh' und Streit Jetzt und in Ewigkeit: Gelobt sei Jesus Christus! Führ' ich die Arbeit fort, Sprech ich dabei das Wort: Gelobt sei Jesus Christus! Und ist sie nun vollbracht, So wird der Schluß gemacht: Gelobt sei Jesus Christus! Wie wird mir Alles g'ring, Wenn ich von Herzen sing': Gelobt sei Jesus Christus! Mag die Verrichtung mein Nun schon wie immer sein: Gelobt sei Jesus Christus! Schickt Gott mir gute Zeit, Ruf' ich mit Dankbarkeit: Gelobt sei Jesus Christus! Und trifft ein Unglück mich, So singe hoffend ich: Gelobt sei Jesus Christus! Wenn er mich lieben thut, Dann wird's schon wieder gut: Gelobt sei Jesus Christus! Schmeckt eine Speise mir, Dank' ich dem Herrn dafür: Gelobt sei Jesus Christus! Trink! ich, ruf' ich dabei: Dem Herrn die Ehre sei! Gelobt sei Jesus Christus! Denk' ich nur immer Dein, Werd' ich wohl mäßig sein: Gelobt sei Jesus Christus! Und leg' ich mich zur Ruh', So sing' ich immer zu: Gelobt sei Jesus Christus! So singend schlaf' ich ein, In Gott dem Vater mein: Gelobt sei Jesus Christus! Von ihm ich Alles hab', Ihm sing' ich bis in's Grab: Gelobt sei Jesus Christus! Ich lad' Erd', Himmel ein' Daß sie mit stimmen ein: Gelobt sei Jesus Christus! 371 Lied vom heiligsten Herzen Jesu. 3m Tone: ,, Im Himmel und auf Erden." Dem Herzen Jesu singe, Mein Herz, in Liebeswonn'! Durch alle Wolken dringe Der laute Jubelton: Gelobt, gebenedeit Soll sein zu jeder Zeit Das heiligste Herz Jesu In alle Ewigkeit. 24* 372 O Herz. für mich gebrochen Aus übergroßer Huld, Von einer Lanz' durchstochen Ob meiner Sündenschuld! Gelobt 2c. O Herz, so mild geflossen Wie Wasser und von Blut, Wie strömet ausgegossen Vom Kreuz die Gnadenfluth! Gelobt 2c. O Herz, in lauter Flammen Von Liebe ganz verzehrt, In dieses Herzens Namen Wird Alles mir gewährt! Gelo bt 2c. Herz Jesu! eine Bitte, Nur Ein's verlang' ich hier: In Deines Herzens Mitte Gib auch ein Pläßchen mir! Gelobt 2c. Zwar bin ich voller Sünden, Ein Lamm, das sich verirrt; Doch sieh', ich lass' mich finden Von Dir, o guter Hirt! Gelobt 2c. D wasche meine Seele Mit Deines Herzens Blut; Zur Braut sie dann erwähle, O Allerhöchstes Gut. Gelobt 2c. Wie Du vom Herzen milde Und demuthsvoll und rein, So soll nach Deinem Bilde Mein Herz gestaltet ſein. Gelobt 2c. Hinweg mit allen Trieben, Worin die Welt sich freu't! Nur Jesum will ich lieben, Ihm sei mein Herz geweiht. Gelobt 2c. Wer gibt mir Taubenflügel, Zu Jesu Herzen hin. Daß über Berg und Hügel Zu Ihm ich möge flich'n? Gelobt 2c. In dieses Herzens Wunde Ist meiner Seele Ruh'; In Glück- und Leidensstunde Ruf ich der Welt dann zu: Gelobt 2c. Und wenn die Augen brechen, Entflieht der Erde Schein, Will ich noch sterbend sprechen: Herr Jesu, ich bin Dein! Gelobt 2c. 373 374 Glaube, Hoffnung und Liebe. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Rede, Herr, und ich will hören, Lass' die Welt mich nicht bethören, Denn Du hast mir Geist und Leben Aus Barmherzigkeit gegeben. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Sollten alle Menschen lügen, So kannst Du mich nicht betrügen; Nichts ist Dir, o Gott! verborgen, Dein Wort glaub' ich ohne Sorgen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Einen Gott in drei Personen, Welche in dem Lichte wohnen, Gleich im Wesen, Macht und Stärke Wunderbar sind ihre Werke. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Vater in den Himmelsauen, Auf Dich will ich fest vertrauen, Du wirst mich doch nicht verlassen, Wenn mich Welt und Hölle haffen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr vom Herzen lieb' ich Dich. Gottes Sohn, Dein Kreuz und Sterben Rette mich von dem Verderben; Durch Dich steht der Himmel offen, Dieses will ich freudig hoffen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Gott, heil'ger Geist, verleihe, Daß ich mich vor Niemand scheue, Meinen Glauben zu bekennen, Und mich Christo Glied zu nennen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. An Dir will ich mich ergößen, Und Dich über Alles schäßen; 375 376 Dir, o Gott, will ich in allen Meinen Werken nur gefallen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Nichts soll mich von Dir mehr trennen; Droht die Welt mich zu verbrennen, Und zur Untreu' mich zu zwingen, So will ich doch fröhlich singen: Herr, ich liebe; Herr, ich liebe; Ja, vom Herzen lieb' ich Dich. Herr, ich glaube; Herr, ich hoffe; Herr, vom Herzen lieb' ich Dich. Wenn ich in den letzten Zügen Und im Grabe werde liegen, Wenn mein Körper wird verwesen, Soll man noch im Herzen lesen: Herr, ich liebe; Herr, ich liebe; Ja, vom Herzen lieb' ich Dich! Gesang zum Segen. Segne, Jesu! Deine Heerde, Welche Dir zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde Nur von Deiner Gnad' erhält. Herr! Dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen Wahre Christen stets verlangen. Den die Brodsgeſtalt bedecket, Der Du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket, Gib uns Segen, Jesu Christ! Mach' verstockte Herzen weich, Und an wahrer Tugend reich. Stärk' uns auch mit dieser Speiſe Endlich zu der Himmelsreise. Der Du hast für uns gelitten Und von Sünden machtest frei, Ach, gewähre, was wir bitten, Segue Herr! und steh' uns bei, Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit Alle Feinde überwinden Und durch Dich das Leben finden. Bei einer Segenmesse. Vor dem Segen. Heilig, heilig, heilig, Heilig, immer heilig Ist Christus ohne End' In dem heil'gsten Sacrament. 377 ( Diese Strophe wird dreimal abgesungen, und nach dem dritten Mal werden die zwei legten Verse wiederholt.) 378 Nach dem Segen. Verlass' uns nicht, o Herr! Jesu, Du Süßester, Jesu, Du Süßeſter, Verlass' uns nicht, o Herr!( Wiederholt.) Zweites Lied. Wir ehren Dich, verhüllter Wundergott, Und fleh'n zu Dir um Hilfe in der Noth! Heilig, heilig, heilig, Du bist all'zeit heilig! Sei gepriesen ohne End' In dem heil'gsten Sacrament. Ach, speise uns mit Deinem Fleisch und Blut Und segne uns, o Allerhöchstes Gut! Heilig, heilig, heilig, Du bist all'zeit heilig! Sei gepriesen ohne End' In dem heil'gsten Sacrament. Ach, höre uns, schaff' uns're Seelen rein Daß wir, Dein Volk, auch Deiner würdig sein! Heilig, heilig, heilig, Du bist all'zeit heilig! Sei gepriesen ohne End' In dem heil'gsten Sacrament. esszess. Inhalt. Gebete für alle Tage: Morgengebet Abendgebet Reue und Leid Meßgebet Vorbereitungsgebet Beichtgebete: Gebet vor der Beichte. Bitte um den göttlichen Beistand Ernst zur Besserung Erforschung des Gewissens Nach der Gewissenserforschung Die Beichte. Seite Gebet zu dem heiligen Schußengel Gebet zu Jesus im Allerheil. Altarssacrament. 3 6 Nach dem heiligen Augustin Anempfehlung seiner selbst 13 19 24 50 Gebet nach der Beichte. Vergebung der Sünden 51 Communion- Gebete: 44 45 47 49 Vor der Communion Nach der Communion Fromme Bitte an den Erlöser. Vom heiligen Bonaventura 66 Meßgebet für Abgestorbene 67 Gebet, wenn der heilige Segen gegeben wird. 87 Uebung der göttlichen Tugenden 88 90 55 60 91 93 380 Inniges Gelöbniß vor dem Allerhöchsten. Vom heiligen Thomas von Aquin Lobspruch zu dem heiligsten Herzen Jesu und Mariä Ablaßgebete. Zur heiligen Dreieinigkeit Gebete am Gedächtnißtage aller verstorbenen Gläubigen Heiligen Gebet während des Advents Das Weihnachtsfest. Dankbare Erinnerung der Geburt des Heilandes Jesu Christi Kirchengebet Am Feste des heil. Stefanus, ersten Märtyrers Gebet am letzten Abende des Jahres. Am Neujahrstage.( Von Thomas von Kempis.) Lehre Jesu vom wahren Frieden Am Feste der Reinigung Mariä( Lichtmeß).. Gebet am Aschermittwoch Der heilige Kreuzweg: Vorbereitung Gebet. Gebet Beschluß Gebet am Gründonnerstage 98 Fürbitte für die armen Seelen im Fegefeuer. 99 Auf Allerheiligen, auch auf die Feste einzelner Anbetung. Jesus am Delberge Am heiligen Charfreitage Charsamstag. Seite .... 93 94 104 109 111 114 116 117 118 119 119 120 136 137 138 139 140 Gebet am Osterfonntage.. Kirchengebet.... Litanei von allen Heiligen Psalm 69 Gebet... Für den Papst Für den Kaiser Für die Kaiserin. Für alle Abgestorbenen Gebet für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Gebet. Litanei von der Liebe Gottes Das Fest der Himmelfahrt Jesu Das heilige Pfingstfest... Am Feste des Frohnleichnams unseres Herrn Jesus Christus Auf das Fest Mariä Empfängniß Gebet Salve Regina Gebet.. An Mariä Geburt Am Feste Mariä Verkündigung Am Feste der Schmerzen Mariä Das Stabat Mater 381 Am Feste der Himmelfahrt Mariä Am Feste des heiligen Josef Seite 142 143 148 151 152 153 161 163 Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau Mariä 165 Gebet. 168 154 156 157 159 160 — 169 170 171 173 174 Gebet der heiligen Mutter Anna 176 Gebet zum heiligen Johannes von Nepomuk. 177 382 Gebet des heiligen Thomas von Aquin an den . 177 178 179 181 Erlöser.... Gebet zur heiligen Filomena Litanei am Feste der h. Theresia Gebet Gebet zum heiligen Stefanus Andacht zu Ehren der heiligen Märtyrer Kirchengebet Gebet für Kranke, um sich zu einem guten Tode vorzubereiten Seite ... Gebet zu dem gekreuzigten Erlöser Fromme Herzenserhebung zu Jesus Gänzliche Ergebung in den göttlichen Willen. 195 Gebet um Geduld 196 Gebet für einen Kranken Gebet um Wiedererlangung der Gesundheit Gebet nach überstandener Krankheit Zu Gott, dem heiligen Geiste.. Litanei von dem Allerheiligsten Sacramente des Altars 182 185 Jesus Christus, Dein Wille geschehe 197 Ulebung des Glaubens, der Hoffnung u. der Liebe 198 Das Gebet des Herrn 199 Gebet eines Kranken Gebet Gebet für die heilige Kirche Gottes Die Liebe Jesu zu uns, der mächtigste Beweggrund unserer Gegenliebe zu Ihm Vertrauen auf Jesum Litanei von dem heiligsten Herzen Jesu Gebet 193 201 202 203 205 208 209 213 215 216 223 227 Seite Von Abbüßung seiner Sünden und dem Ablaß 228 Bußgebete 232 Gebet in Trübsalen 236 Für die leidende Menschheit Gebet für die Wohlthäter Gebet der Kinder für ihre Aeltern Gebet der Aeltern für ihre Kinder Gebet einer Waise Gebet für eine Braut Maria mein Trost Betrachtungen Von Gott und Seinen Eigenschaften. Am Sonntag. Mein ist ein Gott, der Schöpfer des Weltalls Am Dienstag. Gott ist ewig; unveränderlich Am Mittwoch. Gott ist allmächtig Am Donnerstag. Gott ist allweise, allgegenwärtig und allwissend Am Freitag. Gott ist höchst gütig Am Samstag. Gottes Vorsehung Kirchengesänge. 383 Erster Meßgesang Zweiter Meßgesang Dritter Meßgesang Vierter Meßgesang Marienlied Zweites Marienlied Predigtlied an Sonntagen Christenlehrlied 237 239 1 240 242 243 244 254 260 267 279 297 322 330 336 340 343 346 349 350 384 Bilten Gesänge zur Adventzeit Zur Rorate.. Zweiter Gesang Weihnachtslied.. Gesang in der Fastenzeit Gesang zur österlichen Zeit Gesang in der Pfingstzeit Pfingstlied... 354 356 358 359 361 362 363 365 Gesang zum Allerheiligsten Altarssacrament. 367 Frommer Gruß: Gelobt sei Jesus Christus.. 368 Lied vom heiligsten Herzen Jesu 371 Gesang an den Festtagen Mariä Das Te Deum Laudamus Glaube, Hoffnung und Liebe Gesang zum Segen Bei einer Segenmesse Seite 351 352 Druck von Wilhelm Köhler, Wien, VI. Mollardgasſe 41. 374 376 377 Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 Cyan 192 4 2 15 +43 17 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 5 12 13 Magenta 14 6 15 White 16 ₁7 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8