C дв 1760 3.30. In demselben Verlage sind noch nachstehende empfehlenswerthe Schriften erschienen und für die beigefügten Preiſe durch alle Buchhandlungen zu erhalten: Choralbuch, enthaltend die Melodien zu der Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe und den Liedern im Schatzkästchen von Joh. Goßner. quer 4. broschirt 1 Thlr. 20 Ngr. Martin Boos der Prediger der Gerechtigkeit die vor Gott gilt. Sein Selbstbiograph. Herausgegeben von Joh. Goßner. Mit Boos' Bildniß. gr. 8. 22/2 Ngr. Martin Boos nach seinem merkwürdigen Leben, Wirken und Leiden, in einem Auszuge aus J. Goßners größerm Werke aufs Neue dargestellt von H. M. Linke. Mit Boos' Bildniß und einem Anhange. 8. brosch. 20 Ngr. Thomae a Kempis de Imitatione Christi libri IV. Editio stereotypa. 16. broschirt 10 Ngr. Auf Velinpap. 15 Ngr. Thomas a Kempis das Büchlein von der Nachfolge Christi. Vier Bücher, neu übersetzt von Joh. Goßner. Stereotypausgabe. 8. Auf Druckpapier, broschirt 10 Mgr. Auf Velinpapier, cartonnirt 20 gr. Dasselbe Buch, in Taschenformat. Auf Druckpapier, broschirt 10 Ngr. Auf Velinpapier, cartons nirt 17/2 Ngr. Dasselbe Buch, mit einer Nachlese und Anwendung zu jedem Kapitel versehen. 16. broschirt 15 Ngr. Biblische Hand- Concordanz oder Verzeichniß der in der heiligen Schrift nach Luthers Uebersegung enthaltenen Wörter und Eigennamen, in welchen die verschiedenen Bedeutungen der Wörter genau getrennt, die Stellen an welchen sie vorkommen, angeführt, und schwierige Redensarten und Sprüche erklärt werden. Ein Hilfsmittel zur leichtern Aufs findung jeder beliebigen Stelle und zum Verständnisse der heiligen Schrift, für Prediger, Candidaten, Schullehrer und Bibelfreunde jedes Standes. Von H. Schott. 8. 1 Thlr. 22/2 Ngr. Wegweiser zum wahren Frieden oder Anweisung, zum innern Geistesgebet zu gelangen. Gedanken und Betrachtungen gottseliger Seelen aus der Vorzeit über diesen Gegenstand. 8. broschirt 33/ Ngr. Die heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments nach Dr. M. Luthers Uebersetzung. Mit Perlschrift stereotypirt. Taschenformat. Auf Belinpapier, broschirt 1 Thlr. 10 Ngr. Das Neue Testament von dieser Bibel allein fostet 10 Ngr. Das Neue Teftament nebst den Pfalmen. Kleine Taschenausgabe mit Diamantschrift stereotypirt. broschirt 1212 Ngr. Schazkästchen enthaltend biblische Betrachtungen mit erbaulichen Liedern auf alle Tage im Jahre zur Beförderung häuslicher Andacht und Gottseligkeit von Johannes Goßner. Verbesserte Ausgabe. Mit Stereotypen gedruckt. Leipzig, Druck und Verlag von Karl Tauchnik. 1830. Idie- vin ABL Gb 1760 Univ.- Bibl. Giessen Schlüssel zu diesem Kästchen. 1 Petri 2, 17. Erweiset jedermann Achtung, Liebet die Brüder, Sürchtet Gott, Ehret den König! Der Titel und Name dieses Büchleins ist zwar nichts Neues, sondern schon alt; denn es sind der Schatz- Lieder- und Spruch- Kästchen mehrere bekannt und im tåglichen Gebrauche frommer Christen; jedoch, weil dem Argen, in dem die Welt liegt, 1 Joh. 5, 19. nichts zu heilig ist, das er nicht lästert und verdächtig zu machen sucht, so könnte jemandem, der unter seinen Einflüſsen steht, einfallen, daß dieses Kästchen etwas Geheimes oder Gefährliches enthalte; deswegen will ich dem Kåstchen den Schlüssel anhången, und auf die Wanderschaft mitgeben, daß jedermann, wer Lust hat, dasselbe öffnen, hineinsehen, und den ganzen Inhalt mit Einem Blicke überschauen kann. Es soll in diesem Schatzkästchen nichts verborgen liegen; sondern jedermann sollen frey und offen dargeboten werden die theuren und köstlichen Schätze des Wortes Gottes in der Bibel und, Gutt gebe! den heiligen Worten Gottes kein anderer Sinn unterschoben werden, als den Gottes Geist den heiligen Schreibern des theuren Bibelbuches eingegeben hat. IV Das ist wenigstens die redliche Absicht des Verfassers hat er es nicht allemal getroffen, so hat er es doch nicht nicht treffen wollen. Und deswegen will er die obenanstehenden Worte des Apostels Petrus als den Schlüssel zu diesem Kästchen angesehen wissen, will durchaus nicht anders verstanden, in keinem Worte anders gedeutet werden, und sich gegen jeden andern Sinn verwahren, als den der heilige Geist dem Apostel in das Herz legte, da er jene Worte an die Gläubigen schrieb: 1. Erweiset jedermann Achtung Achtung jeder bestehenden Ordnung, denGesehen jedes Staates undLandes, in dem ihr wohnet; dem Stande und Charakter jedes Menschen, mit dem ihr in Berührung kommet; Achtung allem dem, was jedem heilig und ehrwürdig ist, damit ihr niemand årgert und keinen Anstoß gebet. 2. Liebet die Brüder! denn daran wird jedermann erkennen, daß ihr Jünger Jesu seyd, wenn ihr euch unter einander liebet, wie euch Jesus geliebet hat. Joh. 13, 34. 35. 3. Fürchtet Gott! so daß ihr euch reiniget von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes und fortfahret mit der Heiligung in der Furcht Gottes. 2 Cor. 7, 1. - 4. Ehret den König oder den Kaiser, die Obrigkeit, die euch vorgesetzt ist, nicht blos aus Furcht der Strafe, sondern um des Gewissens willen: denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott, und wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebet Gottes Ordnung, und solche Widerspenstige ziehen sich selbst ein schweres Gericht zu. Róm. 13, 1. 2. Ihr wisset es, ihr arglosen Leser! daß mein Sinn nie ein anderer war, als dieser; und ihr alle, die ihr mich gehört und von mir etwas gelesen habt, habt mich auch nie anders verstanden; und es wåce euch gewiß alles in der Welt eher eingefallen, als ein, diesem entge= gengesehter, Sinn. Allein um der unfreundlichen Menschen willen, die den unschuldigsten Worten den gehässig= V sten Sinn zu unterschieben, den heiligsten Ausdrücken die gottloseste Deutung zu geben wissen, muß ich mich so klar und unumwunden wie möglich aussprechen, daß es immer himmelweit von mir entfernt war und, wie ich zu Gottes Gnade hoffe, ewig himmelweit von mir fern bleiben wird, anders zu denken, zu sprechen und zu schreiben, als es dem klaren, unzweideutigen Worte Gottes und Jesu Christi gemåß ist; daß ich daher den Kaiser, den König, und jede Obrigkeit nicht nur ehre, weil sie Gewalt und Macht hat zu strafen oder zu belohnen: sondern weil Kaiser, Könige, Fürsten und Obrigkeiten von Gott gesetzt sind, und weil es Christi und der Apostel Worte und Beispiele so nachdrücklich lehren und einschärfen. Deswegen ist es mir, wie jedem wahren Chris sten, gleich heilig und wichtig, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, als, Gott zu geben, was Gottes ist. Ich will die Obrigkeit nicht weniger treu und gewissenhaft ehren und geehrt wissen, als ich von ganzem Herzen Gott und die Brüder lieben, und jedermann die gebührende Achtung erweisen möchte. Denn derselbe Gott, der uns das Eine befohlen hat, hat uns auch das Andere geboten; und wer alle Gebote hålt, und nur eines übertritt, hat sich gegen das ganze Gesetz verfündiget. Jak. 2, 10. Ich rufe euch daher mit dem Apostel Petrus zu: Unterwerfet euch jeder menschlichen Kreatur( um wie vielmehr dem Kaiser oder) dem Könige, der die höchste Gewalt hat, oder seinen Statthaltern.- Denn das ist Gottes Wille, daß ihr durch Rechtthun die Unwissenheit thorichter Menschen zum Schweigen bringet. 1. Petri 2, 13-15. - Vor Gott und Jesu Christo, dem zukünftigen Richter der Lebendigen und der Todten! Das ist mein Sinn, das meine Absicht bey allem, was ich denke, spreche und schreibe. Wer mir eine andere unterschiebt, der trage das Urtheil, das der unterschobene Sinn verdient; der VI rechtfertige und verantworte sich vor Gott, der Herzen und Nieren prüft. Ich aber will Gott bitten, daß er ihm seine Sünde nicht zurechnet, sondern ihn nüchtern werden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen lasse. Uebrigens laßt uns, jemehr wir gelåstert werden, desto mehr der Ermahnung des Apostels folgen, und vor allem tåglich, ja tåglich, Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen verrichten für alle Menschen( Freunde und Feinde): besonders aber für den Kaiser, für Könige, Fürsten und Obrigkeiten- und der treue und wahrhaftige Gott, der alle geheime Anschläge der Herzen und was im Finstern verborgen ist, ans Licht bringen wird, 1 Kor. 4, 5. der wird bald offenbar machen, wer es treu und redlich mit Gott und mit dem Kaiser gemeint hat. Das ist meine gewisse Zuversicht. Nehmet nun hin das Büchlein, ihr, meine Lieben, die ihr ehemals mein mündliches Zeugniß gehört und angenommen habt! Euch, euch ist auch dieses schriftliche gewidmet, und blos für Euch verfaßt; weil ich weiß, ihr schet nicht auf das Gewand, sondern auf die Sache; ihr suchet nicht hochherfahrende schöne Worte, sondern Wahrheit, Gottseligkeit, Christum, das lebendige und seligmachende Wort der Wahrheit. Und Ihn, Ihn möchte ich euch eingewickelt in diesen schlechten Windeln, die ich nicht besser zu geben vermag- darbieten, daß ihr Ihn immer mehr in eure Herzen aufnehmet und durch seine Aufnahme die Macht erhaltet im Glauben an ihn, Kinder Gottes zu werden und zu bleiben in Ewigkeit. Joh. 1, 12. Will sonst jemand das Büchlein gebrauchen, so gönnen wir es ihm von Herzen: nur muß ich bitten, daß er die Geduld damit habe, die ihr als meine Zuhörer mit mir immer hattet, und gewiß auch noch als meine Leser haben werdet. Ich lege dabey allen Werth auf die heiligen Worte der Bibel, und die kräftigen Lieder, die ich von andern aufgenommen habe; das übrige - - VII was ich dazu geschrieben habe, hat in meinen Augen keinen andern Werth, als den der guten Meinung und redlichen Absicht, euch mehr in den Geist der heiligen Schrift und der frommen Alten einzuführen, euch långer bey der Betrachtung der Gottes- Worte aufzuhalten, und euch dadurch zu ermuntern, selbst recht oft in der Bibel, wenigstens täglich ein Capitel, unter Gebet und Flehen, zu lesen. Ist es mir nun gleich nicht so gelungen, als ich es wünsche- weil ich wohl nicht genug dabey gebetet und zu sehr geeilt habe, um euch wenigstens die Hälfte bis Neujahr 1825 schon in die Hände geben zu können; so rechne ich doch auf eure Nachsicht, und hoffe zu Gott, er werde das Schwache segnen und euch dabey doch nicht ohne Erbauung und Stärkung lassen. Ich wünsche, daß jede Familie einen ordentlichen Hausgottesdienst einführe- dem öffentlichen Gottesdienste unbeschadet- und in dieser Absicht täglich Morgens oder Abends, oder wann es die Umstände und Geschäfte erlauben, zuerst die für jeden Tag bestimmten Bibelterte mit der Betrachtung aufmerksam durchlesen, sie felbst in der Bibel nachschlagen, um das Vorhergehende und Nachfolgende damit zu verbinden, etwa auch darüber etwas reden und beten, dann am Ende das angehångte Lied mit einander singen sollte. Der heilige Gesang trågt viel zur Erbauung und zur Verstärkung der guten Eindrücke bey, erheitert das Gemüth, und verbindet das Herz und den Sinn fester mit der Wahrheit zusammen. In dieser Absicht habe ich bey jedem Liede die Melodie angegeben. Um Ende der Lieder habe ich den Namen des Verfassers gesetzt, wenn er mir bekannt war, und wenn das Lied verändert ist, ein* angehängt. Ehe ihr anfanget zu lesen, wird es sehr zuträglich seyn, zuerst ein wenig in der Stille eure Herzen und Ge= danken zu sammeln, cuch im innigen Gebete vor Gottes Angesicht zu stellen, bis es euch im Herzen klar und ges VIII wiß wird, der Herr ist nahe, und in unsrer Mitte, wie er verheißen hat Matth. 18, 20. Dann wendet eures Herzens Ohr und Auge zu ihm und höret, was er euch zu sagen hat. Darum müßt ihr euch eben nicht, wenn ihr nicht wollet, an die für jeden Monatstag bestimmte Nummer binden, sondern ihr könnet tåglich aufschlagen, wie es euch auffällt, oder wählen, welche Nummer ihr wollet. Auf die Passionszeit, auf die Feste Ostern, Pfingsten u. s. w. ist zwar Rücksicht genommen, so, daß die zweckmäßigen Betrachtungen im Jahr 1825 gerade auf diese Zeiten fallen; ihr könnet sie aber auch zu anderer Zeit lesen: denn der Christ kann alle Tage Ostern, Pfingsten, Weihnacht, Charfreitag und Himmelfahrt halten, es mag Sommer oder Winter seyn. Möge nun der Herr, unter dessen beständiger Unrufung ich es geschrieben habe, es euch so segnen, und euch täglich so viel Trost, Licht, Leben und Kraft zur Heiligung schenken, als ich euch wünsche und eure Herzen verlangen. Ich weiß es, er wird's thun, wenn ihr euch mit empfänglichem Herzen, mit Hunger und Durst nach Gerechtigkeit, ihm und seinem Worte nähert; wenn ihr euch nicht dem Buchstaben, sondern dem Geiste hingebet, und mehr das lebendige Wort, Christum, als die äußern Gestalten und Formen der Wahrheit suchet. Herr Jesu! nahe du dich allen, die dir sich nahen, du Licht und Leben der Deinigen! Segne jedes Wort und begleite es an die Herzen mit deiner Salbung; laß jeden Leser gründlich erweckt, zu dir gekehrt, und mit dir innigst vereiniget werden. Amen! Erster Januar. Du aber, o Herr! bist unser Vater und unser Erlöser; von Alters her ist das dein Name. Jef. 63, 16. Und es ist in keinem andern( amen) Zeil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. Apost. 4, 12. Gelobt sen sein herrlicher Name! Pf. 72, 19. Sein Name ist eine ausgeschüttete Salbe. Hohel. 1, 3. Moge er heute all seine Salbung über uns ausschütten, daß wir das ganze Jahr im Wohlgeruche dieser Salbung, in der Kraft dieses heiligsten und heiligenden Namens wandeln! Möge die göttliche Kraft des heiligen Geistes, womit Er ohne Maaß gefalbet ist, Pf. 45, 8. sich nicht nur in unsre Herzen ergießen, sondern in der ganzen Welt ihren belebenden Geruch verbreiten; und nicht nur heute, sondern alle Tage über uns herabströmen, um wie ein kräfti ges Del das ganze Haus unsers Herzens und Lebens mit seinem Gerüche zu erfüllen. Joh. 12, 3. Er ist Vater, er ist Erlöser, ein väterlicher Erldser, ein erlösender Vater. So kannten und nannten ihn schon die Alten, freuten sich Sein, lobten ihn, vertrauten auf ihn, ehe er ihnen so bekannt und genannt war, wie er es uns ist der herrliche Name, Jesus Christus, Gott hochgelobet in Ewigfeit. Wie sollten wir uns Seiner nicht freuen, da er der Grund- und Eckstein unsers ganzen Glaubens und LebensGebäudes ist, unsre einzige Hoffnung, unsre Liebe! Sein Name ist wahrlich eine ganze Bibel, ein Buch Gottes, ein Testament, darin Altes und Neues enthalten; ein Schatzkästchen, worin alle Schätze der Weisheit und Ers kenntniß Gottes verborgen; ein Sendschreiben Gottes, wodurch uns der ganze Rathschluß unsrer Seligkeit be21 1 2 kannt gemacht wird; eine Quelle, ein Born, aus dem wir alle göttliche Kraft, was wir zum Leben und göttlichen Wandel nöthig haben, schöpfen können. Mit diesem Namen laßt uns ins neue Jahr hineintreten, voll Zuversicht, daß uns in Ihm alles wohl gelingen werde. Mit diesem Namen wollen wir jeden Tag des Jahres, jede Stunde des Tages beginnen und vollenden! In diesem Namen lasset uns arbeiten und ruhen, wachen und schlafen, essen und trinken! In diesem Namen lasset uns alles thun und alles leiden! In ihm lasset uns bleiben ewiglich! Amen. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. Oder: Erquicke mich, o Heil der zc. 1. Ein Nam' ist mir ins Herz geschrieben, den keine Zunge würdig spricht. Auch wenn mich Alles will betrüben, ist Er mir Salbe, Trost und Licht. So oft ich Jesum hore nennen, will mir das Herz im Leibe brennen. 2. In dir, o Jesus, ist mein Himmel! Dein Nam' ist meine Seligkeit! Im Sorgendrang, im Weltgetümmel giebt er mir Halt und Festigkeit. Ist Jesus immer meine Freude, bleibt jeder böse Geist beiſeite. 3. Mein Herz hüpft auf bey diesem Worte; in Jesu bin ich außer mir. Nach dieser goldnen Lebenspforte geht meine Seele voll Begier. Wie Traubensaft und Honigspeise ist's, wenn ich ihn Mein Jesus! heiße. 4. O könnt' ich wohl was Schönres sagen? Herz, Mund und Hand spricht Jesus! aus. Ruf ich, so hört er meine Klagen, sink' ich, so reißt er mich heraus. Nichts außer ihm ist meine Freude; er ist und bleibt des Herzens Weide. 5. Ich hab's gesagt, mein Jesus bleibet mein Herr und Gott, mein Trost, mein Muth. Ob auch die Welt Gespötte treibet und Scherz mit meinem höchsten Gut, soll doch kein Aug' was andres sehen, als Jesum hier im Herzen stehen. 2. Januar. 2. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der da ist, der da war, und der da kommt, der Allmächtige. Offenb. 1, 8. 3 Ist Jesus A und O, Anfang und Ende, so laß ihn nicht nur dein A, laß ihn auch dein O seyn. Fange nicht nur mit Jesus an, ende, vollende auch mit ihm; oder, laß ihn vollenden, was er in dir angefangen hat. Viele bleiben beim 2 stehen, begnügen sich mit den Anfangsgründen, mit den ersten Buchstaben des Christenthums, mit den ersten Rührungen, oder gar nur mit guten Vorfåten, mit welchen, wie die Alten sagten, die Hölle gepfla= stert ist. Die Fortsegung, die ernste Uebung der Gottſeligfeit unterbleibt. 1 Tim. 4, 8. 2 Tim. 3, 5. Wie will es zum O, zum Ende kommen, wenn man beim Anfange schon sitzen bleibt. Man muß aber doch auch das 20 nicht überspringen, und nicht zum Ende eilen wollen, ehe man das 2 recht gelernet, ehe man einen guten Grund gelegt und einen rechten Anfang in und mit Christo gemacht hat. 1 Cor. 3, 11. Jesus kündigt sich nicht umsonst als A und O an. Er will Alles in dir seyn. Wo er einmal 2 sagt, da will er auch sagen; wo er anfångt, da will er es auch zum Siege hinaus führen. Sein A ist Pfand, daß er uns auch O seyn wolle. Glaube! sey getrost, und wage es mel. 78. Meinen Jesum laß ich nicht. 1. 2 und O! Immanuel! Auferstehung, Wahrheit, Leben! Heil und Trost für Israel! Seligkeit kannst du nur geben. Wer dich hat, der hat mit dir einen Himmel für und für. 2. Du, der Seele höchstes Gut und ihr Eden hier auf Erden, du giebst Fried' und Freud' und Muth; o wer wollte traurig werden? Wohl verborgen, doch nicht fern bist du, schöner Mor genstern. 3. Du bist unser Lebensbaum; der uns trågt viel Himmels früchte; unter dessen Schattenraum wird uns alle Qual zunichte. Alle Kreuzesbihe weicht, wo er uns die Kühlung reicht. 4. Du bist unser Blumenthal, Lilien sind auf deinen Wangen, wie die Rosen ohne Zahl auf den Lippen aufgegangen. Ja, die ganze Blumenflur blüht in deiner Liebe Spur. 5. Gieb mir deine liebe Hand, ich will dir die meine geben. Laß uns bis ins Vaterland ungetrennt zusammen leben. Ich will stets der Deine seyn; sey du wieder ewig mein! A 2 4 6. A und O! Immanuel! ich kann ohne dich nicht leben; bleibe doch in meiner Seel', und mach' mich dir ganz ergeben. Bleibst du immerdar in mir, so bleib' ich auch stets in dir! 3. Januar 3. Verlasset euch auf den Herrn ewiglich, denn Gott, der Herr, ist ein Sels ewiglich. Jes. 26, 4. Seget eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi. 1 Petr. 1, 13. Verlaß dich auf den Herrn, heißt nicht: Lege die Hände in den Schoos, und kümmere dich nicht um deine Seligkeit; sondern: Geh' mit unerschütterlichem Muthe und grenzenloser Zuversicht an das Werk. Der Herr ist ein unüberwindlicher Fels, eine unbesiegbare Festung nicht nur für sich, sondern auch für dich; wenn du dich in diese Festung hineinwirfst, wird seine Gnade dich bewahren und zu allem allmächtig stärken. Sete deine Hoffnung ganz auf die Gnade, heißt nicht: Thue nichts, laß die Gnade machen; sondern: Bey allem möglichen Eifer und Streben nach Seligkeit hoffe und vertraue nicht auf dich und deine eigne Kraft; hoffe auf die Gnade, die dich nie verläßt, mit der du alles vermagst, die aber ohne dich, d. h. wenn du nicht ernstlich willst, dich nicht selig machen kann. So wie du ohne sie nichts vermagst, so kann und will sie nichts ohne dich in dir wirken. mel. 66. O leise, leide gern. 1. Weil Gnade alles giebt, weil mich mein Heiland liebt, sein Blut die Sünd' abwascht, das wilde Feuer löscht; weil er die Schulden schenkt, an keine Zahlung denkt; weil er mich treu bewacht, den Feind zu Schanden macht; 2. Weil er mich hebt und trägt, sein Geist mich treibt und pflegt, den Bund noch treulich hält, wenn mein Fuß gleit't und fallt. Weil Ulles dienen muß, Schmerz, Mangel und Verdruß, weil Schwachheit selbst oft nügt, sein Arm mich mächtig schützt; 5 3. Weil er stets bey mir steht, thut, was mein Herz begehrt; weil Trubsal Freude schafft, weil er heißt Rath und Kraft; weil er, wenn's mir gebricht, stets neuen Trost einspricht; weil Er's gar ist allein, ist's leicht ein Christ zu seyn. Whe. 4. Januar. Er giebt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren wie mit Adlersflůgeln, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Jef. 40, 29-31. Jünglinge, muthige Anfänger, wenn sie auf sich felbst vertrauen, und wähnen, es könne ihnen nun nicht mehr fehlen, wenn sie Luftsprünge machen, über andere wegspringen wollen, fallen oft jämmerlich) zu ihrer Demüthigung. Wer sich aber immer schwach und klein fühlt, soll nicht ermüden noch verzagen, denn der Herr ist seine Kraft. Er ist in den Schwachen mächtig, nicht in den Starken; Er giebt Vermögen denen, die sich unvermögend fühlen. Die sich vermögend dunken, läßt er sinken. Ihr also, die ihr eure Schwachheit kennet, beseufzet, verzaget nicht; denn der Herr läßt euch durch seinen Propheten wissen, daß bey ihm Kraft genug für euch bereit liege. Holet sie nur durch glaubiges, anhaltendes Gebet. Er giebt den betenden Müden Kraft. O ihr Müden! kommet zur Kraft- Quelle Gottes, zu Jesus, er will euch erquicken. Wer soll verzagen, der Herr ist hier und will stårken; der Allvermögende, Allgenugsame ruft dir; warum willst du nicht zu ihm kommen? warum lieber in deinem Unvermögen liegen bleiben, da der Allvermögende dir seine Hand reicht? 6 Ergreife sie, und du bist stark, und du kannst alles in dem, der dich machtig macht. Wer darf sich mit seiner Schwachheit entschuldigen? da der Herr, der Allgenugsame, ihm Kraft genug anbietet. Ja, wer ihm vertraut, ist er gleich nur ein Wurm im Staube, der kann sich doch wie ein Adler erheben, in der Kraft des Herrn. mel. 19. Theures Wort. Oder: Liebster Jesu, du wirst kommen. 1. O wer giebt mir Adlersflügel, um mit losgerißnem Zügel. Muth, Begierden, Sinn und Herz aufzuführen himmelwärts? Ach, wenn wird das Jahr anfangen, da zur Freiheit wird gelangen Jesu freigekaufte Schaar, die so lang gefangen war? 2. Långst sollt ich seyn aufgeflogen; oft hat Jesus mich gezogen, mir geöffnet mein Gesicht, um zu sehn das helle Licht, das sich in der Seele spiegelt, die mit Glaub' und Lieb' geflügelt, Jesu Wunden frey und los sich erwählt zum Felsenschloß. 3. Ja, ich weiß noch wohl die Stunden, da ich von mir losgebunden, dacht', ich wär' dem Netz entrůckt und in Jesu Herz entzückt. Ich sah' Hånd' und Seite offen, woraus Lebenswasser troffen; fühlte da des Geistes Pfand und der zartsten Liebe Brand. 4. Alles wollt' ich willig wagen, Jesu Schmach mit Freuden tragen, und durch tausend Ungemach, Tod und Höll', ihm folgen nach. Doch wie bald sank mein Gefieder kraftlos und versenget nieder. Meine Trägheit und Untreu' find' ich alle Stunden neu. 5. Doch du bist der treue Hirte, der verlorne und verirrte Schafe sucht und Låmmer trågt; du hast mir zum Pfand gelegt deine Treu', und mirs verschrieben, daß du mich willst ewig lieben, daß die täglich neue Schuld nie soll brechen deine Huld. F. A. Lampe. 5. Januar. 5, Meine Seele verlanger und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn. Ps. 84, 3. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Sleisch vers langet nach dir in einem trockenen und dür 7 ren Lande, da kein Wasser ist. Daselbst sehe ich nach dir in deinem Zeiligthum, wollte gern schauen deine Macht und Ehre. Pf. 63, 1. 2. • Wer in den Vorhöfen des Herrn gewesen ist, seine Nähe gekostet und aus seiner Fülle getrunken hat, der fühlt diesen Durst unaufhörlich, dem ist es außer ihm überall zu trocken und zu dürre. Wer das Heiligthum des Herrn, daß er sich in gläubigen Seelen erbauet, geschaut, und seine Macht und Ehre, die er da offen= baret und mittheilet jedem, der sich ihm da nahet, der liegt immer vor der Thüre desselben, um, so bald es ihm geöffnet wird, einzugehen und die Macht und Ehre des Herrn in seinem Heiligthume zu schauen. Sieht es nicht herrlich aus in diesem Heiligthume? Sieht es nicht erbärmlich aus außer diesem Heiligthume? Da, in den Vorhöfen, im Heiligthume des Herrn, fühlt man sich daheim; außer ihm wie in der Wüste, wie in der Fremde. Mit heißer Sehnsucht sucht man es und fühlt sich selig, so oft man es findet. Warum sind. Viele so trocken, kalt und leer? weil sie nicht suchen das Heiligthum des Herrn, weil sie sich nicht sehnen nach seinen Vorhöfen, weil sie nicht liegen vor seiner Thüre, nicht warten, nicht harren seiner Gnade; darum wird ihnen nicht aufgethan, darum kommen sie nicht hinein, und schauen nicht seine Macht und Ehre. O kommet doch und verweilet nicht långer im Lande, da kein Wasser ist.-- Mel. 19. Theures Wort zc. 1. Laß dich denn nun wieder finden, von der armen, nackten, blinden Seele, die mit Thränen dir hält dein Wort und Siegel für; die zu deinen Füßen lieget und als Staub im Staub' sich bieget. Laß des Herzens Angst und Pein dringen in dein Herz hinein. 2. Ewiglebender Erbarmer! findest du mich arm? Je årmer ich nun zu dir komm', je mehr werd' ich deines Reichthums Ehr', den du an mir kannst erweisen, in vollkommnem Glanze preisen Du willst denen ja allein, die Nichts haben, Alles seyn. 8 3. Laß mich denn aus dir empfangen neue Kraft, um zu ges langen in dein innerst Heiligthum. Laß dein Erb- und Eigenthum nicht am eitlen Dienst der Erden länger angefesselt werden. Freier König! mach' mich fren von der Sünde Sklaverey! 4. Soll ich ewig Himmelskronen tragen, und im Lichte wohnen, gieb, daß ird'schen Schein und Pracht ich für Koth und Schatten acht', daß ich aus mir selbst entzogen, und, dem Sichtbaren entflogen, in die unsichtbare Zier deines Reichs mich ganz verlier. 5. O daß mich nichts möchte quålen, als nur, wenn in meiner Seelen ich den reinsten Himmelskuß deiner Liebe missen muß! O daß mich nichts möcht' erquicken, als wenn du mit Gnadenblicken im Verborgnen mich anlachst, und in Liebe trun ken machst! 6. O daß ich die Gluth mitfühlte, die dein Eingeweid' umwühlte, da du aufgehoben haft meiner Sünden Zentner- Laft, die die Zorngluth Gottes dampfte, die mit Tod und Hölle kämpfte, die am Kreuz dich martern ließ, die dich für mich sterben hieß! F. A. Lampe. 6. Januar. 6. Wendet euch zu mir, aller Welt Ende, so werdet ihr selig. Jef. 45, 22. Deine Gnade veichet, so weit der Zimmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken geben. Pf. 108, 5. Da sieht man, wie allgemein die Gnade Gottes ist; Er ladet alle ein, alle, von einem Ende der Erde bis zum andern; alle sollen kommen, alle sind berufen, alle werden angenommen. Denn Gott würde ihnen ja nicht rufen: Kommet von aller Welt Ende, wenn er nur Einen nicht annehmen wollte, wenn er nur Einen zum Verderben bestimmt håtte. Nein, aller Welt Ende sollen nach seiner Absicht und Bestimmung selig werden. Wer es nicht wird, schließt sich selber aus, wird es nicht, weil er selbst nicht will, nicht weil Gott nicht will. Er ruft dich ja, komm nur! Warum sind noch so viele Menschen, die dieser gnädigen Einladung nicht folgen? Es sollte ja keiner mehr auf Erden woh 9 nen, der nicht långst in die offenen Gnaden- Arme Gottes sich begeben hätte. Warum sagt es nicht Ener dem Undern? Ach, daß sie es alle wüß en, wie selig er sie machen möchte! gewiß, sie würden alle Christen. O, er umfaßt mit den Armen seiner Liebe und Barmherzigkeit nicht nur Ein Volk, sondern alle Völker, nicht nur einige, sondern alle Menschen von einem Ende des Himmels bis zum andern! Wie groß, wie weit sind diese Arme! Seele, meinst du, daß nicht auch Plak für dich darin wåre? Gnade, Heil und Seligkeit ist allen in seinem Schoose bereitet, der sich so weit aufthut, daß jeder Mensch, der kommt, freundliche Aufnahme findet, und wenn sie alle kommen, alle Raum genug, Heil genug finden. So weit der Himmel und die Wolken gehen, geht ein Weg, eine Bahn zur Gnade Gottes in Christo. So lange du noch unter dem Himmel und unter den Wolken wandelst, bist du noch immer unter dem Gnadenhimmel; so lange reicht die Gnade auch bis zu dir. Seh' ich den Himmel, die Wolken, so sehe ich noch Gnade, einladende, berufende, beseligende Gnade. Der Himmel und die Wolken verkündigen mir die Gnade ihres und meines Gottes, wo ich sie sehe. Und so darfst du auch jedem Menschen, der unter dem Himmel und unter den Wolken wohnt, bezeugen, daß Gnade für ihn vorhanden sey, und bis an ihn reiche; daß sie für ihn nicht zu kurz wäre, denn sie reicht so weit der Himmel reicht. Miß den Himmel, und du hast die Gnade noch nicht gemessen; denn sie ist größer als der Himmel; wie der, der den Himmel machte, und die Gnade spen= det, größer ist als alles, was er gemacht hat. Mel. 63. Jesu, den ich meine. Oder: Den die Engel droben. 1. Gottes Lamm ruft: Gnade! Allen Sündern Gnade! Alle, die da kommen, werden angenommen. Auf ihn ist aus Gnaden alle Schuld geladen. Gottes Lamm ruft: Gnade! Allen Sündern Gnade! 10 2. Gottes Lamm ruft: Gnade! Ist es denn nicht Schade, daß nicht alle hören und sich zu ihm kehren, daß sie es nicht fas sen, und sich helfen lassen. Man verschmåht die Gnade; ist es Denn nicht Schade? 3. Gottes Lamm ruft: Gnade! Möchten all' gerade von der Erde Enden doch sich zu ihm wenden, wo sie reichlich finden Freiheit von den Sünden. Gottes Lamm ruft: Gnade! Kommet doch gerade! 4. Gottes Lamm ruft: Gnade! Allen, allen Gnade! Gnade für die Sünder! Gnade für die Kinder, die beim Kreuze stehen und ihm herzlich flehen. Gottes Lamm ruft: Gnade! Allen, allen Gnade! 5. Gottes Lamm ruft: Gnade! für die årmste Made. Hör es doch, du Urmer, dem noch sein Erbarmer hart und fremde scheinet, daß er bitter weinet. Gottes Lamm ruft: Gnade! für die armste Made! 6. Gottes Lamm ruft: Gnade! Kommet doch, ich lade zu mir alle freundlich; wie send ihr so seindlich! Seht, das Blut der Wunden heilt euch alle Stunden. Kommet doch, ich lade, euch zum Quell der Gnade. 7. Gottes Lamm ruft: Gnade! Kommt zu diesem Bade, wo. ihr schöpfen, trinken, waschen und versinken, Alles tilgen könnet, was die Seele brennet. Gottes Lamm ruft: Gnade! Kommt zu diesem Bade! 8. Gottes Lamm ruft: Gnade! Wåre gleich dein Schade noch so unbeschreiblich, daß die Hülf' unglaublich, daß dir deine Beulen niemand könnte heilen, dennoch ist die Gnade größer, als dein Schade. 7. Januar. 7. Ja, wer kann selig werden: Matth. 19, 25. Wer bis ans Ende beharret, der wird selig. Matth. 10, 22. Es wollen viele selig werden, aber das wollen sie nicht, was zum Seligwerden und Seligbleiben erfordert wird beharren in der Gottseligkeit; wandeln in der geschenkten Gnade bis ans Ende. Sie möchten selig in Christo und doch zugleich lustig, oder reich, oder angebetet in der Welt seyn. Darum glauben sie an Christum, - 11 und lieben dabey die Welt, um von beiden etwas Lust und Seligkeit zu genießen. Sie werden aber beides verlieren und ewig unselig seyn. Die Beharrlichkeit ist eine Gnade, die man sich alle Tage auf den Knieen von seinem Heilande ausbitten muß; denn der uns zur Seligkeit berufen hat, kann uns auch allein darin erhalten und fördern. Die Sicherheit, das falsche Wissen der Gnadenlehre, ohne mit dem Herzen in das Element und Wesen der Gnade recht hinein zu gehen oder darin zu bleiben, betrügt viele, daß sie nicht lebendig bleiben in dem, der sie berufen und erwecket hat; ste schlafen wieder ein, und träumen, daß sie noch leben, da sie doch immer auf dem alten Flecke des bloßen Wissens und Schwabens liegen bleiben, ohne in der ersten Liebe zu beharren. Wachet! wachet auf, und bittet Eines Bittens um das heilige Feuer der Liebe, das ewig brennt und nimmermehr verlöscht. Mel. 22. Die Seele Christi heil'ge mich. Oder: Es kam die gnadenvolle Nacht. 1. Mensch, der selig werden will, halt deinem Seligmacher still und schrey: Erbarmer! nimm mich hin, weil ich in mir verlosen bin. Ich lieg' in Sünden blind und todt, reiß mich aus als ler meiner Noth. Zerbrich mein Herz und mach' es klein, so werd' ich dir schon näher seyn. 2. Nimm weg die falsche Frömmigkeit, die halbe Treu', die Sicherheit; und mache mir die Lust der Welt mit aller Sünde recht vergållt. Eh' werd' ich nicht ganz selig seyn, mach' mich zuerst gerecht und rein. Drum schenke mir durch deine Huld die stets beharrende Geduld. 3. Mein Arzt, nimm meine Krankheit hin. Ich komme zu dir, wie ich bin, nicht als ein frommer, lieber Knecht, nein, ganz verderbt und durchaus schlecht. O Herr, kehr' selbst im Herzen ein, so werd' ich bald recht selig seyn. Macht mich dein Geist von Sünde frey, so bleib' ich dir auch ewig treu. 8. Januar. 8. Wohl dem, den du erwählest und zu dir läsfest. 12 daß er wohne in deinen öfen, der hat reichen Trost von deinem Hause, deinem heiligen Tem= pel. Pf. 65, 5. Wer wohnt in den Höfen des Herrn? Die Erwählten, denen Jesus an das Herz gekommen ist; die seine Gnade zu ihm gezogen hat, die er täglich zu ihm läßt, die stets seine Nähe finden und seine Freundlichkeit kosten; die haben wahrlich reichen Trost von seinem Hause und heiligen Tempel. Denn wir sind selbst sein Haus und sein Tempel, sagt Paulus, Hebr. 3, 6. 1 Kor. 3, 16., wenn wir in ihm bleiben und im lebendigen Glauben und in brünstiger Liebe verharren. Wie kann es uns an Trost fehlen, wenn er in uns wie in seinem Hause wohnt? Wer sollte sich nicht nach diesen Höfen des Herrn sehnen, die so voll Reichthum der Gnade und des Trostes sind? wer nicht mit aller Treue darin bleiben, wenn ihn die Gnade darein versetzt hat? Wer einmal geschmecket hat, wie freundlich der Herr ist, wer seine Nähe einmal erfahren hat, o, der bleibe doch in ihm, der suche doch keinen Trost mehr außer ihm. Denn, so bald er dieses versucht, und ihm der Herr nicht allein genug ist, wird er aus den Höfen des Herrn wieder hinaus gewiesen. Der reiche Trost, der nur im Hause, in der Nähe des Herrn fließt, nur in seinem heiligen Tempel, im Umgange mit ihm, genossen wird, verliert sich, vertrocknet bald außer den Höfen des Herrn, und man wird dann elend, blind, jämmerlich und bloß, wähnend, man sey reich, stark und habe gar satt. Off. 3, 17. mel. 14. un sich der Tag geendet. Oder: Für Christus geb ich alles hin. 1. Ach war' ich ganz Ein Geist mit dir, mein Heiland Jesus Chrift! Uch fühlt' ich täglich, daß du mir, mein Ein und Alles bist. Würd' ich von aller Eigenheit, die unser Wohlseyn stört, durch deines Geistes Kraft befreit, und ganz zu dir gekehrt. 2. Ach, bracht' ich dir viel tausendmal, jetzt und mein Lebenlang, für deine sel'ge Gnadenwahl den allerwärmsten Dank; daß du, so ungeschickt ich bin, mich dennoch angefaßt und deinen lies bevollen Sinn mir offenbaret hast. 13 3. Daß du mich aus der Welt heraus zu deinem Volke nahmst, und selbst zu mir wie in dein Haus und deinem Tempel kamst. O welch ein unaussprechlich Glück, dein Eigenthum zu seyn! O möcht' ich jeden Augenblick dein Herz dafür erfreun! 4. sah ich's stets in deinem Licht mit Dank und Freuden an, bedacht' es und vergåß' es nicht, was du an mir gethan! Ach, laß mich meine Sterbenszeit in deiner Näh' durchgehn, bis ich dich in der Ewigkeit von Angesicht werd' sehn. E. R. Rchl. 9. Januar. 9. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken. Pf. 5, 4. Gott, der Herr, ist Sonne und Schild, der Herr giebt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Pf. 84, 12. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Zeil unter desselben Slügeln. Mal. 4, 2. Frühe Morgens, frühe in deiner Jugend, sollst du sich zum Herrn schicken, täglich frühe dich zu ihm erheben. Du kommst ihm nie zu frühe, er ist schon vor dir aufgestanden, deine Stimme zu hören und sein Herz zu deinem Herzen zu neigen. Je früher und herzlicher du am Morgen gleich sein Antlik suchest, desto herrlicher und kräftiger wird er dir als Sonne aufgehen und als Schild erscheinen, alle Nacht und Finsterniß aus deinem Gemüthe verbannen, dein Herz in Glauben und Liebe fruchtbar machen. Die Gärtner pflegen ihre Pflanzen und Gewächse der Morgensonne auszusetzen; so laß du in den Garten deines Herzens die Sonne der Gerechtigkeit, die dir täglich frühe aufgeht, wenn du sie frühe suchest, scheinen, und fasse ihre wohlthätigen, belebenden, erwärmenden und stärkenden Strahlen recht frühe in dein Herz auf. Die Sonne geht alle Tage auf ohne dein 14 Bemühen; sie wandelt über dir und deinem Garten, ohne daß du sie halten oder führen müßtest. Nur dein Herz mußt du ihr öffnen, oder doch wenigstens nicht verschließen, es nicht bedecken, sondern mit offnem, sehnendem, schmachtendem Herzen dich ihren Einflüssen aussetzen; so wird sie dich erleuchten, beleben und entzunden. Was besonders erfreulich ist an dieser Seelen- Sonne, ist das: Sie geht nie unter, scheint zu allen Jahreszeiten gleich warm und helle; im Norden, wie im Suden, im Winter, wie im Sommer. Sie kennt keinen Untergang, auch keine Wolken; denn die steigen, wenn sie da sind, und dir die Sonne verbergen, nur aus deinem Moosgrunde auf. Wer sie nie aus dem Auge läßt, den verläßt sie auch nie. Mel. 86. Jch bete an die Macht. Oder: Erquicke mich, o Serr. 1. Ich seh' der Sonne goldne Wangen, erquickt durch eine fanfte Ruh, die Morgenroth' am Himmel prangen, drum eil ich auch dem Himmel zu. Ich will der Leib'sruh' Abschied geben, und mich zu meinem Gott erheben. 2. Ich will durch alle Wolken dringen, zu dem, der mich ans Licht gebracht, und meinem süßen Jesu singen, daß Engel mich die Nacht bewacht. Ich will ihn preisen, will ihm danken, der Liebe ohne Maaß und Schranken. 3. Er ist des Herzens Tag und Wonne, wenn ich mich nicht von ihm entfern'. Er ist mein Himmel, meine Sonne, mein Morgen- und mein Abendstern. Er geht allein mir niemals unter. Er macht mir Leib und Seele munter. 4. Er gießt in unsre Kräft' und Sinnen den Vorschmack ewger Seligkeit. Er reinigt unsre Seel' von innen, vertreibet alle Traurigkeit. Er macht sich uns zum Freudenhimmel, verjagt des bösen Feinds Getümmel. 5. Hätt' ich jetzt hunderttausend Zungen, so müßt' mit allen er gepreis't, gelobet werden und besungen. So weit als Mond und Sonne reist, müßt ihm, dem Freund, von ihnen allen der schönste Lobgesang erschallen. 6. Uch Herr, möcht'st du mir Gnade geben, daß ich mit aller Treu' und Fleiß, dich mehr mit meinem Thun und Leben, als mit den Worten, ehr' und preif! Dein Geist woll' mich zu allen Zeiten auf deinem Weg' und Stege leiten! * J. Angel. 10. Januar. 10. Wache auf, der du schläfft, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. Eph. 5, 14. So lasset uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern seyn. 1 Theff. 5, 6. Ein erweckter Christ, auch der eifrigste, hat sich vor nichts mehr zu fürchten als vor dem Einschlafen. Je höher die Flamme der Inbrunst steigt, desto tiefer sinkt sie herab. Je schneller das Feuer auflodert, desto schneller erlischt es wieder, wenn nicht immer Reiser zugelegt werden. Wer schläft, dem scheint die Sonne nicht. Wer nicht erwacht oder sich nicht losreißt von Trägheit, nicht sein Auge erhebt, den erleuchtet Christus, das Licht, nicht. Wachsamkeit, Nüchternheit muß täglich erneuert werden, sonst werden wir den andern Todten in dieser Welt, die nie vom Schlafe oder Tode erwachten, gleich werden und gleichen Lohn empfangen, wenn wir mit ihnen im Schlafe gefunden werden, von dem, der wie ein Dieb in der Nacht kommt. Paulus schrieb obige Worte auch an erweckte, begnadigte Christen zu Ephesus und Thefsalonich, die er übrigens sehr lobte. Aber auch in der besten Gemeine, unter den Eifrigsten giebt es doch immer einige, die sich zum Schlafen sehr hinneigen, die immer des Weckens bedürfen, wenn sie nicht im Tode entschlafen sollen. Manche traumen im Schlafe so lebhaft, daß sie sich für wachend und lebendig halten. Sie zurnen, wenn man sie wecken will. Diese haben den stärksten Schlaf, die nur Gott mit einer starken Weck= stimme, oder mit tüchtigen Schlägen und Stößen wecken kann. Der Herr wolle durch seine Gnade uns alle weckert, wir mögen sanft oder stark schlafen. Denn die schlafenden Jungfrauen verschlafen die Hochzeit, und übersehen den Brautigam. Sie kommen zu spát- nach der Thorsperre, 16 Mel. 118. Wie wohl ist mir, o freund. Oder: Ich habe mich thm ganz. 1. Mein Heiland, du hast mich gezogen, und schon gar oft mein Herz gerührt. Ach, würd' ich dadurch recht bewogen und immer ins Gebet geführt. O fahre fort mit deinen Zügen und laß dein Gnadenwerk nicht liegen. O weck' und treib' mich immer zu, und laß mich nur allhier auf Erden nun ferner nicht mehr ruhig werden, bis ich in deiner Liebe ruh'. 2. Die Feinde sind so sehr geschäftig, und schläfern uns leicht wieder ein; die Rührung ist nicht mehr so kråstig; o hilf uns treu und wachsam seyn. Wir machen Friede, eh' wir siegen, und las sen uns so bald begnügen, wenn's nur ein wenig besser geht. Ach! das sind falsche Ruhestätte, drum hilf, Herr, daß ich ernstlich bete, daß nur kein falscher Fried' entsteht. 3. Erweiche doch mein hartes Herze, daß ich in Thrånen ganz zerrinn', und mit der Sünde nicht mehr scherze; o bieg' und andre meinen Sinn, daß ich die Gnade wirken lasse, und redlich nun den Entschluß fasse, von heut an eilend auszugehn; auf deinen Ruf gleich zuzufahren, die ganze Zeit von meinen Jahren auf dich, auf deinen Wink zu sehn. 11. Januar. 11. Euer Herz betrübe sich nicht. Joh. 14, 1. Jch will ihr Trauern in Freude verwandeln und sie trösten, und sie erfreuen nach ihrer Betrübniß. Jer. 31, 13. Wen ich lieb habe, den züchtige ich. Offenb. 3, 19. Wer glauben kann, daß ihn Jesus liebt, der hat nicht Ursache sich zu betrüben über irgend ein Unglück oder Leiden, die Sünde ausgenommen, die das größte Unglück und Leiden ist, die allerdings Betrübniß verdient. Doch auch darüber soll die Betrübniß nicht zum Verzagen sondern zum Glauben, zum Trost, zur Freude führen: weil auch der Sünder, so bald er betrübt ist über seine Sünde, gewiß seyn darf, Jesus, der Sünder Freund liebt mich, sucht mich, will mich auf- und annehmen, be gnadigen und befeligen. Soll das nicht Freude machen? 17 Außerdem aber kommt gewiß nichts Betrübendes über uns, das uns nicht aus lauter Liebe und Weisheit von dem zugeschickt ist, der uns nur schlägt, um uns zu heilen, nur tödtet, um uns lebendig zu machen. Es sind lauter Liebesschläge, die uns näher zu ihm hintreiben, inniger mit ihm vereinigen sollen. Wir sind böse Kinder, wir folgen Gott nicht aufs Wort; darum muß er uns mit der Ruthe oder Peitsche heimholen. Kommen wir bald, verstehen wir seine Liebe, so weicht auch die Zucht bald. Deine Betrübniß soll dir also nicht die Liebe Jesu verdunkeln, sonst ist sie eine schwarze Wolke aus der Hölle. Bist du betrübt, so denke: Jesus liebt mich, sucht mich, darum betrübt er mich; weil ich ihm noch nicht nahe genug bin, er will mich näher haben, er will mich mehr lieben, als ich mich bisher habe lieben lassen. mel. 66. O leide, leide gern. 1. Nur nicht, nur nicht betrübt! so lang' dich Jesus liebt, muß alles Kreuz und Pein dir lauter Zucker seyn. Das Unglück felbst dir glückt, weil's Jesus hat geschickt. Je feindlicher er scheint, je freundlicher er's meint. 2. Nur nicht, nur nicht betrübt, so lang' dich Jesus liebt. Hatwohl ein Mensch gesehn den trost- und hülflos stehn, der seine Zuversicht auf Jesum hat gericht't? Ach nein! wie so t' er dein vergessen denn allein? 3. Nur nicht, nur nicht betrübt, so lang' dich Jesus liebt! Ein Bater eilt geschwind zu helfen seinem Kind. Wie kann's denn möglich seyn, als du dir bildest ein, daß der sein Herz verschleußt, der Ewig- Vater heißt? 4. Nur nicht, nur nicht betrübt, so lang' dich Jesus liebt. Kaum sieht er deinen Schmerz, so bricht ihm gleich sein Herz, und ist in Lieb' entbrannt. Denk', daß es Eine Hand, die dich im Kreuze drückt, und die dich auch erquickt. 5. Drum nicht, drum nicht betrübt, so lang' dich Jesus liebt. Wer hier durchs Kreuz verletzt, wird wiederum ergötzt, wo nicht in dieser Zeit, doch in der Ewigkeit, wann er vor Gottes Thron' prangt in der Himmelskron'. * J. Feller. B 18 12. Januar. 12. Herr, bewahre mich vor dem Stricke, den sie mir gelegt haben, und vor der Salle der lebelthäter. Pf. 141, 9. Vor der Hand der GottIofen. Pf. 140, 5. Vor den Stolzen. Pf. 19 14. Du, Herr, wolleft sie bewahren! Ps. 12, 8.ob sie wider dich streiten, sollen sie dich doch nicht überwinden, denn ich bin bey dir, daß ich dich erhalte und herausreiße, spricht der Herr. Ich will dich herausreißen aus der and der Bösen. Jerem. 15, 20. Es mag die Sünde, oder das Fleisch, oder die Weltoder der Satan, oder alle diese Utebelthåter, Gottlosen und Stolzen dich anfechten, dir Stricke und Fallen legen, so kannst du, wenn du nur willst, dennoch bewahret bleiben, kannst herausgerissen und gerettet werden durch die Hand des Herrn. Aber du mußt auch in dies ser Hand seyn, und nicht mit deiner eignen Faust gegen diese gottlosen Feinde kämpfen. Du mußt dein Herz. in die Hand nehmen, und es zu dem Heiland tragen, es in seine Hand legen, und darin liegen lassen, alle Tage, alle Stunden nachsehen( je öfter, je besser,) ob es noch darinnen liege. Ist dein Herz, bist du in seiner Hand, fest und beståndig; trågst du dein Herz immer wieder zu ihm und in seine Hand, so stehst du fest gegen alle Anläufe deiner Feinde, unüberwindlich in allen Versuchungen; und selbst der årgste Feind, der Satan, kann deiner Seele nicht schaden, weil sie in der Hand des Herrn ist. Darum entziehe dich nur ihm nicht, reiß dich von allem, nur von seiner Hand nicht los. Außer ihr bist du ein Spielball der Welt, des Teufels und des Fleisches, und kommst leicht wieder in alle alte Sachen hinein, die du långst verabscheuet haft; wirst von dem Feinde, den du långst besiegt zu haben glaubst, wieder überz 19 wunden, und ein Sklave deiner vorigen Sünden. In der Hand des Herrn aber bist du unantastbar. Sie hält dich auf eine verborgene, wunderbare Weise, auch wenn du zu unterliegen scheinst. Und wärest du schon in den Klauen des Satans, kannst du die Hand des Herrn ergreifen, so reißt sie dich heraus und erlöset dich von aller Gewalt der Feinde und Sünden. mel. 68. Seelenbräutigam. Oder: Jesu, gely' voran. 1. Mein Immanuel! leucht' in meiner Seel' mit den Strahten deiner Liebe, bis daß alle meine Triebe auf nichts anders gehn, als auf dich zu sehn! 2. Weg verdammte Lust! Weg aus meiner Brust! Weg, ihr Schatten eitler Ehre, denn ihr schåndet Christi Lehre. Lieber zehnmal todt, als im Sündenkoth. 3. Jesu, halte mich, denn ich halte dich! Bis ins Grab will ich mit Thränen mich nach deiner Liebe sehnen. Mache du mich frey, bleib mir ewig treu. 4. Des Verführers List, der sehr wachsam ist, weiß mir längst verschmähte Sachen wieder schön und süß zu machen. Lüste regen sich, und bezaubern mich. 5. Ach, wie stark und schnell, mein Immanuel! und wie machtig reizt die Sünde! Komm doch eben so geschwinde, und errette mich, sonst verlier' ich dich. 6. Ziehe meinen Sinn plößlich zu dir hin, zur verborgnen Herzens- Stille, daß mein unbeståndger Wille, von Verblendung frey, wieder nüchtern sey. 7. Ach, wie wohl ist mir, Seelenfreund, bey dir! Welt, so laß mich doch mit Frieden, denn wir sind durchaus geschieden. Bleib mir ewig fern. Ich bin meines Herrn. * Wdf. 13. Januar. 13. Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren. 3of. 11, 7. Jhr lebertreter! gehet in euer Sers. Jef. 46, 8. Wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, so soll alles diefes geschehen. Dan. 12, 7. Die Zerstreuung des Volks Israel ist ein Bild aller zerstreuten Seelen, die, aus dem gelobten Lande des B2 20 Friedens verstoßen, ohne Tempel und Heiligthum, ohne den Hohenpriester und Opfer, ohne ihren König, außer sich selbst umher irren, suchen Ruhe und finden sie nicht. Kehren sie aber zurück von ihrer Zerstreuung in ihr Herz und suchen sie den Heiland im Heiligthume, so wird alles erfüllt und geschehen, was ihnen verheißen ist; der Herr wird in ihnen wohnen und wandeln. Ihr Zeitenforscher, übersehet dieses Zeichen nicht, und verrechnet euch nicht mit vielen Zahlen. Nur Eins ist noth. Bringet alle Zahlen in Eins, und bleibt bey dem Einen gesammelt, fo ist das Reich Gottes in euch schon angebrochen, und was noch kommen soll, wird euch dann auch nicht entgehen. Wer aber im Gegenwärtigen nicht treu ist, wer wird dem das Zukünftige geben? Wer das, was er hat, oder schon haben könnte, nicht brauchet, nicht so ganz darin ist, wer wird ihm geben, was kommen soll? Genommen wird ihm, was er hat. Zerstreuung, Gerede ohne Herz, wenn es auch von heiligen Dingen geschieht, vertreibt den Geist der Gnade, der sich allemal zurückzieht, wenn wir nicht heilig mit dem Hei igen umgehen, wenn wir nur von dem schwaßen, was wir thun sollen, wenn uns der Herr nur im Sprechen von ihm, nicht in seinem Werke antrifft. Mel 22. Die Seele Christi heilge mich. Oder: Es kam die gnadenvolle Nacht. 1. Zerstreuung, Leichtsinn und Geschwät ist ein gefährlich Seelen- Netz, des Satanas verborgnes Seil, und raubt uns Freude, Kraft und Heil. 2. Das Herz wird sicher und bethört, von dir, mein Heiland, abgekehrt. Man läßt dich aus dem Angesicht, das Herz bleibt nicht zu dir gericht't. 3. Dein guter Geist zieht sich zurück; es weicht sein holder Gnadenblick. Das Herz wird nimmermehr gerührt, dein Naheseyn nicht mehr geſpürt. 4. Und da vergeht so manche Zeit, und mit ihr manche Seligkeit. Denn wenn man deiner nicht gedenkt, wirst du gefränkt, der Geist versenkt. 21 5. Der Leichtsinn fångt im Kleinen an, und plötzlich wächst er so heran, daß man die Sucht nicht hört noch sieht, und endlich tief verwundet flieht. 6. So bringt man sich in vieles Leid, und Andre werden auch zerstreut. Der Unstoß stellt sich bald mit ein, und giebt dem Låstrer großen Schein. 7. Wer heilet nun mein armes Herz von Schwaß- und Flattergeist und Scherz? Mein Vorsatz und Bersprechen lügt. Herr, gieb, daß deine Gnade siegt! 8. tauche mich ins reine Blut, das Sünder wäscht und Wunder thut. Uch rechne nicht nach meiner Schuld, du unaussprechliche Geduld! Woltersdf. 14. Januar. 14. Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben seyd; prüfet euch selbst. Oder erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist: Es sey denn, daß ihr untüchtig seyd. 2 Kor. 13, 5. Die Korinther standen im Glauben, waren apostolische Christen, von den Aposteln selbst zum Glauben geführt und in demselben geleitet; dennoch råth ihnen Paulus dicse Prüfung, und dringt mit Ernst darauf. Sind wir besser, sicherer, als die Korinther? Sollen wir uns nicht vielmehr alle Tage fragen: Ist Christus in deinem Herzen, oder nur auf deiner Zunge, nur in deinem Kopfe, in Sprüchen und auswendig gelernten Worten? Wenn Christus, als der gute Baum, in dein Herz gepflanzet ist, so mußt du ihn an den Früchten erkenWo Christus ist, ist Christi Sinn und Leben. Wo der Glaube an Christus ist, sind auch die Früchte des Glaubens und der Liebe. Wo Christus im Herzen ist, da ist die Welt und der Teufel ausgefahren, denn Christus und Belial, Gott und die Welt, können sich in Einer Herberge mit einander nicht vertragen. Hast du den Sinn und Wandel Christi nicht, die Früchte des Glaubens nicht, so hast du auch Christum und den nen. 22 Glauben an Christum nicht. Und hast du. Ihn nicht, so låßt die Welt und der Satan die Herberge deines Herzens nicht leer stehen, so ist Welt und Satan in dir, denen du heute noch die Herberge auffünden sollst; und nicht nur das, ohne Verweilen, ohne Bedenken sollst du sie mit ihrem ganzen Anhange hinauswerfen. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. O seht, beseht euch recht von innen, wie steht's um euren Herzensgrund? Ist Jesus Christus bey euch drinnen? Erforscht euch selbst, so wird's euch kund. Ist Christi Blut recht nah' am Herzen? Macht jede Sünde euch noch Schmerzen? 2. Seht zu, wie habt ihr Gnad' gefunden? Ward Jesus auch mit Ernst gesucht? Fühlt ihr wohl recht die Sündenwunden? Ward auch die liebste Lust verflucht? Hat euch der Vater selbst gezogen zum Sohn'? Habt ihr euch nicht betrogen? 3. Seht doch, ist Jesus wirklich euer? Scheint euch das wahre Lebenslicht? Ist euch sein Blut, ist er euch theuer? Wie, fürchtet ihr denn kein Gericht? Ist euch denn alle Schuld erlassen? Habt ihr die Welt nun ganz verlassen? 4. Brennt in euch noch die erste Liebe- von Zeit zu Zeit noch heller an? Empfindet ihr des Geistes Triebe- entfernet von der Fleisches- Bahn? Kann euch nichts mehr von Jesu treiben? Wollt unverrückt ihr in ihm bleiben? 5. Seht zu! Lernt ihr euch besser kennen? Merkt ihr der Welt und Satans List? Könnt ihr dem Fleisch noch Ruhe gönnen, das nach Aegypten lüstern ist? Geht's weiter auf dem schmalen Stege? Flieht ihr auch redlich falsche Wege? 6. Seht zu! Sind nicht noch Götentempel, wo ihr den Göttern Opfer bringt? Bedenkt, was gebt ihr für Erempel? Spricht euer Mund, was heilsam klingt? Scheut ihr euch recht, vom Herrn zu weichen? Lauft ihr, das Kleinod zu erreichen? 15. Januar. 15. Nach dir, Herr, verlanget mich. Meine Aus gen sehen stets zu dem Herrn. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gote 23 tes Angesicht schaue? Pf. 25, 1. 15. und 42, 3. Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Job.7, 37. Findest du den Heiland nicht in deiner Seele, fühlst du seine heilige Nähe nicht, so ruhe nicht, bis du ihn wieder findest. Suche nicht anderswo, außer ihm, Trost.. Schande wäre es, wenn du den so leicht entbehren könntest, ohne den du nicht selig seyn kannst; und Verbrechen wäre es, ihn missen und sich nach einem andern umschen. Werde daher nicht müde, Ihn, wenn er sich dir zuweilen verbirgt, mit Treue, wie die Heiligen des U. B., zu suchen. Er entzieht sich dir nicht, er hat sich nur verborgen, um deine Sehnsucht, dein Verlangen nach ihm zu vermehren. Wirst du müde, låßt du nach, Ihn zu suchen, nach ihm dich zu sehnen, so beleidigst du ihn so, daß er sich noch weiter von dir entfernt, und du seine freundliche Gegenwart noch långer entbehren mußt. Wo ist dein Verlangen, wo die Sehnsucht nach ihm? Sieht dein inneres Auge stets nach ihm? Dürstet deine Seele immer nach ihm, nach dem lebendigen Gott? Bist du nicht mit einem bloßen Gedanken, oder einem kalten Begriffe von Gott und Christus zufrieden? Suchst du das Leben, die Kraft Gottes und Christi in deinem Herzen zu spüren? Trachtest du, dahin zu kommen, in die Stille und Ruhe des Gemüthes, in das Allerheiligste deiner Seele, um Gottes Angesicht zu schauen, so weit man es hier schauen kann? Dürste, sehne dich, verlange nach ihm wie David, wie Assaph, und du wirst den lebendigen Gott erfahren wie sie- und mehr noch. — Mel. 93. Was hilft es mir. Oder: Sey Lob und Ehr': c. 1. Dewge Schönheit, die du mich verwundet hast, erbarme dich meiner, daß ich wesentlich im Innern dich umarme! Wirst du mir nicht bald innigst nah, so kann das Herz, du weißt es ja, sich nicht zufrieden geben. 2. Wer zündete dieß Feuer an, dieß Sehnen und Verlangen? 24 Du, Heiland, hast es selbst gethan, und bist nun weggegangen. Mein Gott, mein Gut! wo find' ich dich? Wie lange wird die Seele fich nach dir, Verborgner! fehnen? 3. Wer füllt die große Ledigkeit, die ich in mir empfinde? Wer stillt des Durstes Peinlichkeit, wenn ich dich selbst nicht finde? OHeiland! du hast mich verwund't; ich werde eher nicht gesund, bis du dich selbst mir zeigest. 4. Ich schaue Erd' und Himmel an, und was in Raum sich hüllet- doch nirgends ich erblicken kann, der mir die Sehnsucht stillet. Die schönen Werke seiner Hand vergrößern mir nur Gluth und Brand durch ihre Lieblichkeiten. 5. Nein, ihr Geschöpfe send es nicht, ich bleib' bey euch nicht stehen; den Schöpfer selbst will mein Gesicht im Geist und Wahrheit sehen. Ja, ja, es sehnt die Seele sich, daß er sich zeige wesentlich, sie muß den Heiland haben. 6. Ich kann nicht mehr, ich bin zu schwach, will denn in Demuth schweigen; im Innern nur ein stilles Ach! soll stetig aufwärts steigen. Ich will erwarten in Geduld die unverdiente Gnad' und Huld, daß du in mir erscheinest.* G. T. St. 16. Januar. 16. Ich suchte des Nachts, den meine Seele liebt, ich suchte, aber ich fand ihn nicht. Ich will aufstehen, und in der Stadt umbergehen auf den Gassen und Straßen, und suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte, aber ich fand ihn nicht. Zobel. 3, 1. 2. Selig ist eine Seele, die eine solche Sucherin des Heiz landes ist, die von solchem Verlangen nach ihm brennet, daß sie Nacht und Tag nur Ihn verlangt; die, wenn sie ihn nicht hat, nicht ruhig schlafen kann, sondern aufstehen und ihn in den Gassen und Straßen der Stadt Gottes, d. i. auf allen Wegen des innern Lebens, suchen muß. Das sind wohl die edelsten Seelen, die der Heiland so im Suchen übt, deren Augen so gehalten werden, daß sie ihn nicht sehen und nicht kennen, ob er gleich mit ihnen wandelt; die sonst seine süße Gemeinschaft gewohnt waren, 25 aber nun lange Zeit des Trostes seiner Nähe nicht so oft und so bald, als sie es wünschen, theilhaft werden können, und dabey äußerlich mit Trübsal, und innerlich mit Zweifel, Angst und Anfechtung geplagt sind. Je mehr er sich ihnen verbirgt, desto heißer wird ihr Verlangen. nach ihm. Je weiter er sich von ihnen zu entfernen scheint, desto inniger suchen sie ihn. Denn sie wissen, es ist nur Prüfung ihrer Liebe, Bewährung ihres Glaubens; sie sind überzeugt: Er kann nicht im Ernste die Menschen verlassen, er kann keine Seele hassen, die ihn liebt keine fliehen, die ihn sucht. Sein Fliehen will uns nur ziehentiefer in das Innere hinein zu dringen. Sein Entfernen soll uns nur ihm nåher bringen, und das, was noch zwischen uns und ihm liegt, aus dem Wege räumen, die Scheidewand niederreißen, und ihn uns auf ewig schenken. Mel. 93. Was hilft es 2c. Oder: Sey Lob und Ehr' zc. 1. Umgeben noch von Schmerz und Pein, bedroht von manchem Blige, wie sehnsuchtsvoll, ach, wie allein ich in der Wüste size! Die Augen hebend hin und her, ob ich nicht såh' ihn ungefähr, den meine Seele liebet. 2. Wie lange soll, o einzig Gut, wie lange soll es währen, daß ich in dieser Sehnsuchtsgluth muß schmachtend mich verzehren? Mein Aug' blickt auf, blickt niederwärts, nach dir sehnt sich mein ganzes Herz, den meine Seele liebet. 3. Du hast's gemacht, daß gar nichts mehr, was sichtbar ist, mir schmecket; du ziehst mich und ich lauf' nach dir, und hältst dich doch verstecket. Du weißt es wohl, und hörest mich; wie soll ich leben ohne dich, den meine Seele liebet! 4. Todt' und zerstör' die Eigenheit, denn die hålt uns geschie den. Schmelz' ab so viel Unlauterkeit, die mir benimmt den Frieden; zieh' mich aus mir und allem hin, bis ich mit dir ganz Eines bin, und du nur in mir lebest. 5. Nur laß den Geist so nimmermehr von dir sich auswärts kehren; sollt' gleich mein Hunger noch so sehr mir Leib und Seel' verzehren. Nichts neben dir, nur du allein, du sollst es nun und ewig seyn, den meine Seele liebet. * G. T. St. no 2010 26 17. Januar. 17. Sieh, ich will sie heilen und gesund machen, und will sie des Gebets um Frieden und Treue gewähren. Und werden sich verwundern und entsetzen über all dem Guten, und über all dem Frieden, den ich ihnen geben will. Jer. 33, 6-9. Dein Heiland will dir nicht nu vergeben, sondern dich auch trösten; und nicht nur trösten, er will dich auch heilen von allen deinen Gebrechen, dir Frieden und Treue schenken, wenn dir darum zu thun ist, und du es im ernsten anhaltenden Gebete suchest. Ja, er will dir so viel Gutes, so viel himmlischen Frieden und unaussprechliche Freude und Seligkeit in dein Herz geben, daß du darüber erstaunen wirst und es kaum glauben kannst. Darum setze seiner Liebe doch keine Schranken, laß dir alles das Gute von ihm Schenken, das er dir zugedacht hat; bleib nicht dabey ftehen, daß er dir das vergangene Böse vergeben, laß dich von Grund aus heilen und deine Seele erfüllen mit himmlischen Gütern in Christo. Der dich in der Sünde so lange geduldig getragen hat, will dich nach der Vergebung der Sünde, in der Gnade, weiter tragen und heben, zum Genusse all seiner Heilsgüter. O wenn eine begnadigte Seele den Heiland und seinen Geist in ihrem Herzen frey wirken läßt, und ihm durch Leichtsinn oder Zerstreuung kein Hinderniß legt, erfährt sie wunderbare Gnaden und himmlische Segnungen. Aber die meisten Seelen wollen blos die Vergebung der Sünden, nicht Heilung von Sünden, nicht Gesundheit der Seele. Uber ohne diese werden. sie auch jene bald wiederv erlieren, denn wenn dir die Sunde wirklich und wahrhaftig vergeben ist, so ist dir auch das Herz geheilt, daß du nicht mehr Lust hast zu sündigen. mel. 24. 2ch, wie tief bist du gefallen. 1. Gott, du Vater, deine Liebe, die aus reinem, heißem Triebe, mich in Christo auserwählet und den Deinen zugezählet, hat mich Univ.- Bibl. Giessen 27 zwar bisher gesehen als Gefäß des 3ornes gehen, doch getra. gen mit Geduld mitten in der Sünd' und Schuld. - 2. Uch, ich lebte in den Lüsten und hielt mich für einen Christen; Schattenbilder, Schein und Meinen, Judas- Kuß und Heuchel- Weinen, todtes Werk, historisch Wesen ist es ohne Gott gewesen, brauchte Kirch', Altar dabey, und es war nur Heuchelcy. 3. Lange hab' ich drinn gestecket, bis du mich haft aufgewekket. Uch, daß ich es recht bedachte, wie du, Heiland, der Gerechte, willst, daß ich die Welt verachte, Christi Schmach viel höher achte, als Aegyptens Lustgewinn. Reinige, Herr, Herz und Sinn! 4. Todt' des alten Adams Glieder, lebe du im Herzen wieder! Laß das Fleisch in mir verderben, und in deinem Tode sterben! Wenn am Eitlen Andre kleben, zwischen Lust und Furcht noch schweben, oder blind zur Hölle gehn, laß mich, Herr, auf dich nur sehn! 5. Laß mit meines Geistes Schwingen mich zu dir in Himmel dringen, laß mich beten, wachen, kämpfen, Sünde, Tod und Holle dåmpfen! Sollte mich Aegypten reuen, ich nach ihren Tdpfen schreien, Herz und Sinn nach Sodom sehn?! Laß mich kråftig widerstehn. 6. Wird mir Kraft und Muth benommen, wenn es soll zum Treffen kommen, gieb mir Wollen und Vollbringen, alle Feind, zu bezwingen. Will die Eigenheit mich fållen, oder schlagen Trübfals- Wellen auf mein armes Schifflein zu, bring' es du in Port zur Ruh. 7. Sefu, was du angefangen, das erwart' ich mit Verlan gen. Laß mich noch auf dieser Erden stark am innern Menschen werden! Herr, bekehre auch die Meinen; schreib sie zu der Zahl der Deinen. Führ' uns all' zum wahren Licht, zeig' uns dann dein Ungesicht! 18. Januar. 18. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Zerr Jebaoth! Wohl denen, die in deinem ause wohnen, die loben dich immerdar. Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser, denn sonst tausend. Ich will lieber der Thür hüten in meines Gottes ause, denn lange wohnen in 28 der Gottlosen Hütten. Pf. 84. Unser Wandel ist im Zimmel. Phil. 3, 20. Gottes Haus, Gottes Wohnungen und Vorhöfe sind nicht nur im Himmel unter den vollendeten Gerechten und Engeln, sondern auch hier unten in den gläubigen und begnadigten Seelen, in unserm Allerinnersten des Herzens. Wenn wir da hinein kehren, und drinnen bleiben, so sind wir in seinem Hause und in seinen Wohnungen des Friedens: denn wir finden Ihn, und in ihm den Himmel, wandeln in ihm, wie im Himmel. Finden wir ihn nicht allemal gleich, warten wir aber Seiner, und harren wir auf seine Gegenwart, so stehen wir in den Vorhöfen des Herrn; und wenn es da auch manchmal schwer wird auszuhalten, wegen Dürre und Trockenheit, so ist's doch besser als in den Hütten der Gottlosen sich zerstreuen und dem Vergnügen der Sinnen und der Welt nachlaufen, Denn wenn wir in seinen Vorhöfen, im Warten auf ihn, verharren, so kommt er gewiß, und führt uns bald ein in seine Wohnungen; dann ist alle Mühe des Stunden-, Tage- und Jahrelangen Harrens in einem Augenblick reichlich ersetzt; man lobt den Herrn und singt mit David: Wie lieblich zc. Mel. 85. O daß ich tausend Jungen. Oder: Wer nur den lie: ben Gott. 1. Wie lieblich ist es in der Stille, wo Gott allein zugegen ist! Wo unser Herz in seiner Fülle des Heilands süße Näh' genießt! Da schmeckt man seine Freundlichkeit, da ist man, voll Zufriedenheit. 2. Wohl dem, der stets in Gottes Schranken Geist, Herz und Sinne halten kann, der schwinget sich mit den Gedanken in heilger Lust zum Himmel an. Der schmecket schon in dieser Zeit des Himmels reiche Süßigkeit. 3. Was hångt man doch an eitler Erden, und denkt bald da, bald dort hinaus? Ihr, die ihr wollet selig werden, gedenket doch an jenes Haus, das Gottes Huld für euch erhaut, und das ihr jest im Glauben schaut. 4. Verschließt das Herz den eitlen Sinnen, laßt ihre Wuth nicht Meister seyn. Laßt euch die Lüste nicht gewinnen, und 29 haltet die Begierden ein. Schweift ihr verkehrter Trieb herum, so eilt zu Gottes Heiligthum. 5. Ergöget euch an Geistes Schäßen, die schön und unvergånglich sind, die euren Geist in Ruh' versetzen, als der da volle Gnuge find't. Geht selbst in euer Herz hinein und sammelt lauter Gutes ein. 6. Mein Herr, eröffne mir die Pforten, führ' mich in deinen Liebessaal! Ich habe Lust zu deinen Worten, denn diese stillen alle Qual. Komm, nahe dich, tilg' allen Schmerz, und öffne mir jetzt Schrift und Herz 7. Mein Glaube sieht den Himmel offen, der mich bereits zu dir erhöht, wo ich kann Gnad' und Leben hoffen, ob Sturm und Wetter auf mich geht. Wer sich in dir vergnügen kann, sieht Welt und Pracht verächtlich an. 8. Ich will mich von der Welt entfernen, der schnöden Eitelkeiten Wust; hinauf, mein Herz, hinauf zu'n Sternen! mein Jesu, du bist meine Lust! Wie selig geht die Zeit dahin, wenn ich mit dir alleine bin! M. Günther. 19. Januar. 19. Ich bin schwarz, aber doch schon( lieblich), ihr Tochter Jerusalems, wie die Hütten Redars, wie die Teppiche Salomons. Sehet mich nicht an, daß ich so schwarz bin, denn die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Kinder zürnen mit mir. Sohel. 1, 5. 6. - Die wahre Kirche Christi, so wie die ächten Kinder Gottes, sind schwarz in den Augen der Welt, unansehnlich, theils wegen ihres äußern geringen Standes, oder wegen ihrer kleinen Anzahl gegen den großen Haufen der Welt, theils wegen der Trübsale, die sie tref. fen; aber ihre innere Gestalt ist desto schöner und lieblicher vor Gott. Von außen sehen sie den schlechten Hütten der Kedarener im wüsten Arabien gleich; aber innerlich sind sie wegen der Gaben des heiligen Geistes und der himmlischen Segnungen so herrlich, wie die mit Gold gewirkten Teppiche Salomons. Man årgere sich 30 daher nicht an der äußern Schwarze der Braut Chris sti; sie ist von der Hitze der Verfolgung oder Anfechtung so verbrannt und verdunkelt, daß sie oft einer Elender und Trostlosen gleicht, über die alle Wetter gehen. Pf. 54, 11. Sie wird auch nicht nur von Ungläubigen, Juden, Heiden und Türken geplagt, sondern von den Kindern ihrer Mutter, d. i. von solchen, die im Schooße der Kirche seyn wollen. Wahre Christen müssen von falschen Brüdern oder äußerlichen Gliedern, die immer mächtiger sind, allezeit Gewalt leiden; aber das macht sie vor Gott schön und herrlich; das reinigt und fegt sie, daß sie ihrem Herrn und Könige gleichen, der, obwohl er der Allerverachtetste war, und von außen gar keine Schönheit hatte, doch der Schönste unter den Menschenkindern war. mel. 83. Wie schön ist unsers Königs Braut. 1. Wer ist der Braut des Lammes gleich? wer ist so arm, wer ist so reich? wer ist so håßlich, wer so schön? wem kann's so wohl, so übel gehn? Lamm Gottes! Du und deine selge Schaar, find Menschen und selbst Engeln wunderbar. 2. Uus Gnaden weiß ich auch davon. Ich bin ein Theil von deinem Lohn, so elend als man's kaum erblickt, so herrlich, daß der Feind erschrickt, so gottlos, daß wohl alle besser sind, und so gerecht, als ein begnadigt's Kind. 3. Ein Wurm, bis in den Staub gebeugt, der auf den Thron der Gottheit steigt, bekümmert, trübe, bloß und krank, und doch voll Freud' und Lobgesang; so schwach, daß meine Kunst in nichts besteht, so stark, daß Satan aus dem Wege geht. 4. Verfolgt, verlassen und verflucht, doch von dem Herrn hervorgesucht; ein Narr vor aller flugen Welt, bey dem die Weisheit Lager hålt; verdrångt, verjagt, besiegt und ausgefegt, und doch ein Held, der ewig Palmen trågt. 5. O Sündenschuld, wie beugst du mich! O Glaube, wie erhebst du mich! Wer faßt hier den geheimen Rath? Nur wer den Geist des Heilands hat, der durch des Lammes Blut zusammenschreibt, was sonst wohl himmelweit geschieden bleibt. Woltersdf. 31 20. Januar. 20. Bekehret euch zu mir von ganzem Herzen, mit Saften, Weinen und Klagen. Joel 2, 12. So ihr euch von ganzem Herzen bekehret zu dem Herrn, so thut von euch die fremden Götz ter. 1 Sam. 7, 3. Bekehre du mich, so werde ich bekehret, denn du, Herr, bist mein Gott. Jerem. 31, 18. Es giebt viele sogenannte Erweckte, aber wenig Bekehrte von ganzem Herzen. Du hast einmal die Weckstimme gehört, und bist aufgeschreckt worden aus dem Schlafe, haft gebetet, geseufzet, geweint, bist gerührt, getröstet worden, und eine Zeitlang sehr fromm gewesen; aber dann hast du wieder nachgelassen mit dem innern Eifer und Anhangen an den Herrn. Zur Beruhigung aber treibst du das Neußere, Beten, Lesen, Sin gen, Predigt hören, fort, dein Herz hångt aber wieder an der Welt, am Geld, oder an der Ehre; ist noch dem Zorn, oder Neid, oder andern Neigungen und Leidenschaften ergeben. Der kindliche Umgang mit dem Heiland ist dir fremde oder låstig. Du hast die alten Göten behalten, oder wieder hervorgesucht, und ihnen nur einen andern Anstrich gegeben, oder ein anderes Mäntelchen umgehängt. Du bist nicht bekehrt. Eile und errette dich, flehe: Bekehre du mich, Herr, so werde ich bekehret. Daran sollst du dann erkennen, ob du wahrhaft bekehrt bist oder nicht, wenn der lebendige Gott oder Christus in deinem Herzen, wenn sein Sinn und Wesen dir eingeprägt ist, und aus dir hervorleuchtet; wenn die Gößen der Eigenliebe, Ehrsucht, Eitelkeit, der Habsucht zc. gestürzet, und Glaube, Liebe, Demuth, Freundlichkeit, Treue, Geduld 2c. als Früchte wahrer Bekehrung an ihre Stelle getreten sind. mel. 66. O leide, leide gern. 1. Wer sich verdorben fühlt, nicht mit der Sünde spielt, ge= 32 beugt und elend bleibt, von ganzem Herzen glaubt; nicht sich, nur Christo lebt; sich in sein Herz vergråbt, die Schmach mit Freude trågt, und keinen Tuck mehr hegt, 2. Sich immer treu bewacht, die Eitelkeit verlacht, stets im Gebete ringt, bis er den Feind bezwingt, im Fleische nie mehr ruht, eh' stirbt, als Sünde thut; und wenn er fehlt und irrt, durch Schaden kleiner wird, 3. Sich selbst herunter setzt, den Bruder höher schätzt; die Menschenfurcht nicht kennt, nur nach dem Kleinod rennt, sich unter alles beugt, und Christus ähnlich schweigt, stets an der Gnade klebt, und Gott verborgen lebt, 4. Los von der Kreatur, auf der Verleugnungsspur, den Heiland frey bekennt, wenn niemand ihn mehr kennt; den segnet, der ihm flucht, nie mehr sich selber sucht, der ist von Gott gelehrt durch Gnade ganz bekehrt. 21. Januar. 21. Seher zu, lieben Brüder! daß nicht Jemand unter euch ein arges ungläubiges Zerz habe, das da abtrete vom lebendigen Gott; sondern ermahnet euch selbst alle Tage, so lange es heute heißet, daß nicht Jemand unter euch verstockt werde durch Betrug der Sünde. Zebr. 3, 12. 13. Der Apostel fand diese Warnung bey den ersten Christen, die durch ihn oder andere Apostel des Herrn erweckt und geführt wurden, für nothwendig; wie vielmehr wird sie für uns nöthig seyn? Ach, wie leicht fällt man zurück, wird wieder lau, und endlich unempfänglich für alle Gnadenrührungen- woraus nach und nach Verstockung geboren wird. Es ist nichts listiger als die Sünde, sie betrügt so leicht wieder den, der ihr abge sagt hat, aber nicht ganz, oder sich nicht beständig vor ihr fürchtet, sein Herz nicht mit Demuth bewahrt, und nicht kindlich an dem Herrn hångt. Es versteckt sich a 33 nach und nach etwas Urges und Schlechtes im Herzen, macht dasselbe unglaubig, und es fällt ab vom lebendigen Gott, bleibt am todten Buchstaben, an Formen und gewohnten außern Uebungen hången. Aber der lebendige Gott, Christus und sein Geist, sein Friede und seine Nähe ist aus dem Herzen gewichen. Was kann und wird aus einem solchen Christus= leeren, gottlosen Herzen werden? Es zicht ein Underer ein, der mit sieben Nergern kommt. Warum sagt Paulus: vom lebendigen Gott? Darum, weil Gott für uns ein todter Gott ist, wenn er nicht in uns lebt. Gott ist in sich immer lebendig, aber für dich ist er nichts, wenn du sein Leben und Wesen, seine Gnade und Kraft nicht in dir spürst. Du hast dann nur die todten Gößen der Buchstaben ohne Geist, der leeren Worte ohne Leben. Das wirket die Täuschung der Sünde. Sie läßt dir einen todten Gott auf der Zunge, ohne Geist im Herzen, äußere Uebungen ohne inneres Leben; wenn nur Gott, Christus nicht in dir lebt, damit sie ihr Wesen in deinem Herzen treiben kann. Es muß aber umgekehrt seyn, die Sünde muß im Innern getödtet werden, und Christus muß darin leben, sonst bist du abgetreten vom lebendigen Gott, und deine frommen Uebungen werden dir zu tod= ten Gößen, die das Herz verhårten und verstocken. Mel. 86. Ich bete an die Macht der Liebe. 1. Ihr habt Barmherzigkeit erlanget, Gottlob! ich freue mich mit euch. So lange ihr am Haupte hanget, send ihr durch Gnade arm und reich; doch wollet ihr in Christo bleiben, müßt ihr ihm's ganze Herz verschreiben. 2. Groß ist das Heil, das ihr genießet; ihr waret fodt und seyd erwacht; der Strom, der aus der Salbung flies: t, hat euch das Leben wiederbracht. Oft schwimmt ihr gar im Meer der Gnaden, könnt euch in Trost und Frieden baden. 3. Nicht wahr, nun find cuch Königskronen für eure Seligfeit zu klein? Gott und sein Sohn will in euch wohnen, ihr sollt felbst seine Erben seyn; sollt den, deß Blut euch wascht, einst sehen, als Sieger ihm zur Seite stehen. S 34 4. Doch hört, was Gottes Geist euch lehret: Ihr seyd noch täglich in Gefahr, daß sich eu'r Herz zurückbekehret, so heilig auch der Anbruch war, daß euch, durch Selbstbetrug verführet, das Fleisch der sichern Hand entführet. 5. Verstockung kann euch noch bezwingen. Verstockung? Ach, wie weit geht das? Bey Menschen, die von Gnade singen! Nach dem erlangten Sündenhaß! Bey einer Braut, die schön geschmücket, dem Hochzeittag entgegenblicket? 6. Hilf, Gott! wie das? wird mancher fragen. Nicht plöglich, nein, so nach und nach. Man kann nicht immer Alles tragen, man bleibt nicht treu, nicht immer wach; man will den Geist nicht allzeit hören, und läßt sich dann vom Fleisch bethören. 7. Die Sünde thut's, die gern berücket, das Schlangengift, das an uns klebt, sich oft mit fremden Federn schmücket, zu sterben scheint und heimlich lebt. Die Sünde schleicht allmählig eine; sie kleidet sich in Tugend- Scheine. Whe. 22. Januar. 22. Die Schlange betrog mich also. 1 Mos. 3, 13. So kam der Betrug in die Welt. 3. Weish. 14, 21. Betrüget eure Seelen nicht( mit Einbildungen). Jer. 37, 9. Niemand betrüge sich felbst. 1 Kor. 3, 18. Laffet euch von niemand betrügen mit vernünftelnden Reden. Kol. 2,4. Bist du besser, fester, weiser, als Eva war im Paradiese? Und sie ward betrogen. Konnte die Schlange den Menschen im unschuldigsten, paradiesischen Zustande be trügen, warum dich nicht, der du schon in Sünden gebo: ren und erzogen bist? Merke dir also, was deine Mutter Eva von sich bekennt. Wie viele eitle Gedanken und Einbildungen erwachen im Herzen des Menschen, die uns betrügen können? Wie viele Vernünfteleyen in deinem bestochenen Verstande, wie viele scheinbar gute Vorschlä ge von Seiten der Freunde oder Feinde? Darum warnen dich die Propheten und Apostel, und die Erfahrung al ler Frommen: Sey auf deiner Hut, und bleibe in dem, 35 der dir zur Weisheit von Gott gemacht ist. Wer an ihm kindlich hängt, ihm ,. nicht sich selbst vertraut, zu ihm ohne Unterlaß, bey jedem Beginn, bey allem Thun und Las sen aufblickt, ohne Ihn nichts thut, der wird nicht betrogen, selbst von der listigen Schlange nicht; denn Jesus kann und will ihr den Kopf zertreten, ihre List und Kraft vereiteln, und uns aus all ihren Schlingen retten. Wer sich aber nicht fest und beständig an den hält, der das Haupt ist, der wird bald in seinem ersten Eifer nachlaffen, und erkalten. Die Welt, der Satan, laue Freunde werden ihm gerne den Dienst thun, ihm zu beweisen, daß sein erster Eifer übertrieben, seine warme Liebe zu Christus Ueberspannung gewesen sey. Er wird es um so lieber glauben, da er nun schon mit Fleisch und Blut zu Rathe gegangen, und die Stimme derselben von der Stimme des heil. Geistes nicht mehr unterscheiden kann. Lasset euch nicht betrügen! Denket an Eva, an Lots Weib. Jene betrog eine kleine Lust, diese ein neugieriger Blick. Aus kleinen Untreuen entstehen große, schreckliche Uebel. Lasset euch nicht betrügen. 7 Mel. 86. Ich bete an die Macht der Liebe. 1. Man starb der Welt und ihrem Wesen: man stellte sich ihr nicht mehr gleich. Nur Christus ward zum Ziel erlefen, die Welt schien uns zu stolz und reich. Bald lockt ihr Schmuck und ihre Sachen; die Klugheit råth, es mit zu machen. 2. Die Sünden kriegen neue Namen; man war zu ernst, that allzu viel;( für seinen Herrn, den großen Amen?) das Auge sieht schon wieder scheel; die erste Lieb', die uns getrieben, heißt jetzt durch Täuschung: Uebertrieben! 3. Man hört auch von Gewißheit sprechen, und wird bald selber falsch gewiß, weil, ohne kräftig durchzubrechen, doch scheinbar mancher Strick zerriß. Wer das erst noch in Zweifel ziehet, heißt Heuchel- Freund, vor dem man fliehet. 4. Der Geiz, die Wollust waren Uebel, ja Greuel, die man sehr verflucht;( wie sehr verdammt sie auch die Bibel;) die eitle Ehr' ward nicht gesucht. Nur Einer war der Seele Leben, nun darf das Herz an allem kleben. 5. Wie lenksam ging's im rechten Gleise, der alte Mensch € 2 36 die Selbstsucht starb; der Gang ging recht nach Christi Weiſe; das Sünden- Haus fiel ein, verdarb. Dieß alles ist nun ganz verkehret, weil's Fleisch die neue Weisheit lehret. 6. Verfluchtes Gift, as so betäubet, das uns mit so viel List durchtraucht, und im Geschmack noch Zucker bleibet, bis es den Zweck, den Tod, erreicht. Verdammter Wolf, der Schaf' zerreiBet, und doch sich gern den Hirten heißet. Whe. 23. Januar. 23. Das sind Brunnen ohne Wasser die recht entronnen waren, und nun im Jrrthume wandeln; denn so sie entflohen sind dem Unflath der Welt durch die Erkenntniß des Herrn und Zeilandes Jesu Christi, werden aber wieder in dieselbige verflochten, und überwunden, ist mit ihnen das Letzte årger worden als das Erste 2 Petr. 2, 17: 22. - Die tiefsten Brunnen können erschöpft, und ohne Wasser werden, und der Frömmste kann gottlos werden. Wer entronnen ist, kann wieder gefangen und überwunden, in das alte Wesen wieder verflochten werden. Das thut Petrus dar durch Beispiele und Erfahrungen aus seiner Zeit. Möchten wir nicht auch solche Beispiele und Erfahrungen haben! Liefere wenigstens du nicht der gleichen, lieber Leser! Sy nur nicht sicher, und rühme dich nicht. Vertraue nicht auf dich selbst, vertraue allein auf den, der alle Dinge trågt mit dem Worte seiner Kraft Er kann, er wird dich halten, wenn du in ihm bleibest. Es giebt der Brunnen leider nur zu viele, die den Schein, die Gestalt der Brunnen haben, aber keinen Tropfen Was ser des Lebens geben. Worte genug, aber kein Wesen, keine Salbung, keinen Geist. Hüte dich vor solchen Brunnen. Waram willst du verweilen dabey, du mußt ver: schmachten, wenn du dir die Quelle des lebentigen Was sers nicht selbst suchest bey dem, der da sagte: Wer an 37 mich glaubt, von deß Leibe werden Ströme des lebendiz gen Wassers fließen. Joh. 7, 38. Wo diese Lebensstróme nicht fließen, da suche deinen Durst nicht zu löschen, wenn du anders darnach dürstest, und die Qrelle aus Ers fahrung kennest. Wo nicht, so bist du selbst ein Bruns nen ohne Wasser, und wirst wieder in den Unflath fallen, wieder in das wüste Wesen der Welt verflochten, årger werden als du warest. Willst du aber mit Ernst selig werden und selig bleiben, so kannst du; die Quelle ist naz he, ist offen für alle, die da dürsten, kommen und trinken. Ist Jesus in dir, so ist der unversiegbare Strom des Lebens in dir, dem es nie an Wasser fehlt. Darum bleibe in ihm, und laß ihn in dir seyn, so wirst du kein Brunnen ohne Wasser werden; dein Brünnlein wird immer reichlich Wasser geben, daß du und die Deinigen täglich ihren Durst löschen können. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Nun kann man alle Wahrheit hören, sie rührt die Sin ne, nicht das Herz. Wir brauchen uns nicht zu bekehren, sie wirket weder Angst noch Schmerz. Warum? wir sind darüber hin, und längst bekehrt beim alten Sinn. 2. Wir können alle Tage sterben, und sind in neuen Sünden todt; wir sind gewisse Himmels- Erben; es hat mit uns gar keine Noth. So glaubt der fein verstockte Geist, der seinen Tod das Leben heißt. 3. So ist man satt und ohne Sorgen; wenn mancher Arme schreien muß, so důnkt ein solcher sich geborgen, und hat wohl gar noch Ueberfluß: weiß nicht, daß er so nacket sey, rühmt sich und prahlet ohne Scheu. 4. So wird man kläglich eingetrieben; man betet und kann Sünde thun. Man kann die Welt und Sünde lieben, und meint in Christi Schoos zu ruhn. Man giebt zwar vieles Aergerniß, ist doch der Seligkeit gewiß. 5. Buletzt geht's offenbar zurücke; man thut's wohl gar der Welt zuvor, und treibt die årgsten Bubenstücke, man öffnet allem Thür und Thor; hålt Gottes Wort wohl für Betrug, und ist zum Feuer reif genug. 6. So kann die Sünde noch betrügen den, welcher recht entronnen war. Der Sieger kann noch unterliegen. Du bleibst 38 hier täglich in Gefahr. Man dünkt sich besser wie vorher, glaubt seinem Geist, dem Freund nicht mehr. Whe. 24. Januar. 24. Stehe auf, Nordwind, und komm, Südwind, und wehe durch meinen Garten, daß seine Würze triefen.- Mein Freund komme in seinen Garten, und effe seiner edlen Früchte.- Ich komme, meine Schwester, liebe Braut! in meinen Garten. Hobel. 4, 12-17. und 5, 1. - Die wahre lebendige Kirche Christi, so wie jedes Glied derselben, jeder wahre Christ, ist ein Lustgarten Gottes, den Christus gepflanzet und fruchtbar gemacht hat, den er mit lebendigem Wasser des Geistes begießet, der verschlossen, umgeben mit göttlichem Schuße, dem innern Zustande nach unbekannt und verborgen ist den Leuten dieser Welt. Oft ruft die Seele: Komm, heiliger Geist! der bald wie der kalte Nordwind straft und züchtigt, bald wie der sanfte, milde Südwind erwärmt, erquickt und tröstet, daß seine Würze, Buße, Glaube und Liebe mit all ihren Früchten reichlich triefen. Ja, die Seele seufzet und flehet um die Gegenwart des Gårtners selbst, wenn sie ihn misset, und er kommt und besucht seinen Garten, ihr Herz, und segnet und pflegt ihn, wie es recht ist. Wie steht es doch in deinem Garten? Was findet dein Gärtner, wenn er kommt? Hast du ihn lieb? Wünschest du seinen Besuch? Wehet sein Wind durch deinen Garten? Triefen deine Würze? Kommst du dem Freunde, dem einzigen Gårtner in seiner Art, mit heiliger Sehnsucht, inniger Liebe, herzlichem Verlangen, ihm zu gefallen, entgegen? Deffnen und richten sich alle Blumen, alle Begierden deiner Seele, gegen ihn? Sieht er dieses in dir, o wie bald, wie oft wird er seinen Gar 39° ten besuchen! wie sorgfältig ihn pflegen! wie herrlich ihn halten! mel. 52. Wer Ohren hat. Oder: Befiehl du deine Wege. 1. Ein Gärtner geht im Garten, wo tausend Blumen blühn; und alle treu zu warten, ist innig sein Bemühn. Der schickt er sanften Regen, und jener Sonnenschein. Das nenn' ich treues Pflegen; da müssen sie gedeihn. 2. In heiligen Gedanken, sieht man sie fröhlich blühn, sie möchten mit den Ranken den Gårtner selbst umziehn. Und wenn ihr Tag gekommen, legt er sie an sein Herz; und zu den selgen Frommen trågt er sie himmelwärts. 3. 3u seinem Paradiese, zu seiner schönern Welt, die nimmermehr wie diese in Staub und Asche fällt. Hier muß das Herz verglühen, das Weizenkorn verdirbt, dort oben gilt ein Blühen, das nimmermehr erstirbt. 4. Du Gårtner treu und milde! o laß uns fromm und fein zum himmlischen Gefilde, zum ewgen Lenz gedeihn! Gieb deinen Pflanzen Säfte, damit sie herrlich stehn, und gieb den Schwachen Kräfte, sonst müssen sie vergehn.* v. Schkdf. 25. Januar. 25. Wohl dem, den du, err, züchtigest, und leh. rest ihn durch dein Gesez. Ps. 94, 12. Er strafet und züchtiget, er lehret und pfleget, wie ein Hirte seine Heerde. Sir. 18, 13. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, damit wir nicht mit dieser Welt verdammet werden. 1 Kor. 11, 32. Wo ist ein Kind, das keiner Zucht bedarf? Welche Gnade, wenn uns der Herr nicht auf unsern eignen Wegen wandeln läßt, sondern uns in den Weg tritt und uns in Zucht nimmt, uns durch Prüfungen, Demüthigungen, Leiden oder Verfolgungen die Abwege mit Dornen verzäunt, daß wir uns nicht von ihm entfernen können, nicht verblendet, verhärtet und verstocket werden, sondern ihn suchen und bey ihm bleiben müssen! Welche Gnade, wenn er uns allen Trost von außen ent 40 zieht, alle Stützen aus den Händen schlägt, damit wir nur in ihm unsern Trost und unsre Hülfe suchen müssen! Für Züchtigungen, Leiden und Prüfungen haben alle Heiligen Gottes mehr gedankt, als für Freuden und Segnungen. Einst werden auch wir dafür danken, wenn wir es jetzt noch nicht thun können, weil wir es noch nicht verstehen. Ohne Zucht, ohne Anfechtung kann Keiner Gott gefällig werden, Keiner das Wort Gottes recht verstchen lernen. Zucht, Anfechtung ist auch ein Schlüssel zur Bibel, der uns viele Geheimnisse Gottes aufschließt, die wir ohne denselben nie erkennen lernen würden. Mel. 22. Die Seele Christi. Oder: Es kam die gnaden: volle Nacht. 1. So trage denn und hebe mich, und züchtige mich väterlich. Denn deines Geistes scharfe Zucht bringt immerhin friedsame Frucht. Hebr. 12, 11. 2. Du bist kein Mensch, der schnell ergrimmt, wenn gleich der Glaube nur noch glimmt. Wir werfen bald einander hin. Beschämt uns nicht dein Muttersinn? 3. Versiegle mich mit deiner Kraft, die neue, reine Herzen schafft; so weiß ich immer, wer ich bin, so flieht mein Herz zu deinem hin. 4. Ein Herz, das immer betend schreit, wird nicht so leicht von dir zerstreut. Es haßt die sündlich wilde Art, und wird durch deine Näh' bewahrt. 5. Wie froh ist doch ein stilles Herz! wie frey von Scherz und Seelenschmerz! wie klar sieht's Jesu Herrlichkeit, zur Noth und Freude gleich bereit. 6. salbe mich mit Geistes Dehl, du weißt wohl, daß ich sonst nur fehl'. Laß mich mit Freude wachsam seyn. Die wilde Lust ist wahre Pein. 7. Dir ähnlich seyn ist Herrlichkeit; dir folgen macht das Herz erfreut. Wie süß ist doch dein ganzer Sinn! Ach, nimm mich hin, Herr, wie ich bin! Waf. 26. Januar. 26. Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. pr. 62, 2. Sey stille dem Herrn und warte 41 auf ihn. Pf. 37, 7. Der Herr war nicht im Erdbeben, und nicht im Seuer- aber nach dem Seuer kam ein stilles sanftes Sausen. 1 Kon. 19, 12. Das Bild der Sonne spiegelt sich nur im Wasser, wenn es ruhig, still und glatt ist. So Gott in der Seele. Es giebt Fromme, die in ihren Gebeten so viel mit Gott zu reden haben, daß Gott nicht zu ihnen reden kann, weil sie ihm nicht Zeit dazu lassen. Sie warten nicht auf Antwort. Sie haben dem lieben Gott so viel zu sagen, daß er ihnen nichts sagen kann. Ein Wort, das Gott zu dir spricht, ist besser als tausend, die du zu ihm sprichst. Auch ist stille seyn vor seinen Füßen mit Maria, und sein unruhiges, ungestümes Herz vor ihm in Ruhe bringen, um seine erhabenen tiefen Eindrücke in sich aufzunehmen, sein Antlik zu suchen und sich an seiner Gegenwart erfreuen, tausendmal besser, als mit Martha sich viel zu thun machen. Das sanfte Wehen, in dem Elias den Herrn fand, kannst du in deinem Herzen nicht wahrnehmen, und also auch den Herrn nicht in dir erfahren, noch seine Nähe genießen, wenn es in dir stürmt, oder das wilde Feuer der Natur lodert. Denke dir dich und deinen Heiland allein in deinem Kämmerlein deines Herzens, und sperre die Welt nicht nur aus deiner Kammer, sondern auch aus deinem Herzen hinaus; besänftige dein Herz von allen unordentlichen Bewegungen, so wird das sanfte Saufen des Geistes Gottes in die Fluren deines Herzens wehen, und der Herr in seinem heiligen Tempel sich spüren lassen. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Wann meine Seele sinnend stehet, entbunden ganz, mit Gott allein; wann sie in ihre Kammer gehet, wäscht sie sich erst von Flecken rein, wird klar und heiter, wird voll Frieden, von allem andern abgeschieden. 2. O dann vergißt sie, daß sie merke, wie oder wo der Leib mag seyn, und in desselben Stand und Werke läßt sie sich ganz 42 und gar nicht ein. Die Thür' und Fenster sich verschließen, damit nichts hindre dieß Genießen. 3. Und dieß Gebot gilt allen Sinnen, daß sie nun feiern in der Ruh, damit sie sich versammeln drinnen. Ihr Augen, Ohren schließt euch zu! Mit eurem Sehen, eurem Hören könnt ihr ja nur die Seele stören. 4. Die Phantasie und ihr Geschäfte, das muß allda ganz stille seyn; ja, meiner Seelen edle Kräfte versinken als in Unmacht ein. All das Geschaffne bleibt indessen von mir entfernt und wie vergessen. 5. Auch die Vernunft den Schwung verlieret, weil man da hemmet ihren Lauf; und der Verstand die Ruhe spüret, denn sein Verstehen höret auf; daß nur die Liebe ganz allein da wirs ken möge sanft und rein. 27. Januar. 27. Aber Mose allein nahe sich zu dem Herrn, und lasse jene sich nicht hinzu nahen, und das Volk komme auch nicht mit ihm herauf. 2 Mof. 24, 2. Der Herr ist in seinen heiligen Tempel, es sey vor ihm stille alle Welt, ab. 3, 20. und alles Sleisch. Sach. 2, 13. Wer sich dem Herrn in seinem Innern recht nähern will, darf nicht mit einem zerstreuten Herzen kommen. Das Herz muß sich, wie Moses, allein auf den Berg des Herrn, zum Gebete, erheben, und Aaron, die Weltesten und das Volk, d. h. alles, was uns im vertrauten Umgange mit dem Heilande stören könnte, ferne und unten am Berge lassen. Der Herr will die Seele ganz allein und abgeschieden haben, um ihr sein lebendiges Gesetz in das Herz zu schreiben, nicht auf steinerne Tafeln, wie dem Moses, sondern auf fleischerne. Mußte dort Moses so abgesondert und allein seyn, um das steinerne, tödtende Gesetz des Buchstabens zu empfangen, wie viel mehr muß die Seele abgeschieden seyn, wenn sie sich Gott und ihrem Heilande naht, um den beleben: 43 den Geist in sich aufzunehmen; und das Gesetz, das da lebendig macht, in ihr Herz und in ihren Sinn schreiben zu lassen. Soll Gott, Christus der Schreiber in deiner Seele seyn, so mußt du stille und deine Seele rein von allen andern Dingen seyn; jede unruhige Bewegung deines Herzens hindert den heiligen Schreiber, störet den sanften Sprecher, daß er nichts in deinen Sinn schreiben, nichts in deine Seele hineinsprechen kann. Laß alle pöbelhafte Gedanken, alle eitle Wünsche, alle weltlichen Begierden, laß die ganze Welt, laß alles unten im Thale der Vergessenheit und Entfernung stehen, und komm zum Herrn mit einem Schüler- Herzen, das nur horcht, das nur empfangen, nur aufnehmen und erfüllen lassen will die Leere seines Innern. mel. Fortsetzung des vorigen. 6. Wie Mofi auf dem Berg geschahe, bleibt meine Seel' vor Gott allein, und ihm in ihrem Innern nahe, låßt sie das Volk ganz unten seyn. Denn dieser Pöbel fremder Sachen darf ihr dabey nicht Unruh machen. 7. O, dort ist sie ganz abgeschieden, und handelt mit Gott still und stumm, ist voll Genuß, voll Freud' und Frieden in diesem innern Heiligthum. Sie schmeckt des Freundes sanfte Liebe, ohn' daß sie etwas da betrübe. 8. Gott selbst in ihr sich still ergöthet; sie ist in ihn so ganz ents rückt, weil er an seinen Tisch sie setzet und unaussprechlich fie erquickt. Denn nicht umsonst, und nicht vergebens reicht er ihr da das Mahl des Lebens. Off. 3, 20. 9. Sie bleibt dann wie verschlungen stehen, ist voll Bewundrung solcher Gnad'; sie kann ihn nun in allem sehen, was sie umgiebt und was sie hat. Sie dankt für groß' und kleine Gaben, doch mehr noch, Ihn, Ihn selbst zu haben. 10. Sie, weil sie nicht auf dieser Erden, fühlt auch zu einer folchen Zeit kaum wegen zeitlicher Beschwerden, noch Schmerzen, oder Herzeleid. Sie will ja nichts, als was sein Wille; sie wirket nur mit ihm ganz stille. 11. Nicht einen Augenblick, noch Stunde, nein, überläßt der Heiland sie dem eignen bösen Willensgrunde; denn er, der Heilige, will nie, daß sich die von ihm sollte trennen, die er so liebt und sein will nennen. 44 12. Ihr ganzes Wollen ist ein reines, weil Er es selber in ihr will; drum ist es auch vollkommen Eines mit Seinem, und ist stark und still. O, nimmermehr es untergehet, weil es auf seis nem Grunde stehet. Ex Hispan. 28. Januar. 28. Der Mensch prüfe sich selbst. 1 Kor. 11, 28. Ein jeglicher aber prüfe sein eignes Werk. Gal. 6, 4. Ich weiß, mein Gott, daß du das Zerz prüfest, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm. 1 Chron. 30, 17. Aus der Vernachlässigung der täglichen Selbstprůfung entsteht bey Frommen viel Schaden und Unheil. Man, kennt sich und sein Verderben nicht, wenn man sich nicht immer mit prüfendem Auge selbst beobachtet. Das Herz fühlt dann keine Noth, und ohne Noth keinen Drang zum Gebet, keine Ursache zur Demuth, es beugt sich nicht, betet nicht, wenigstens nicht dringend und ernstlich; viele böse Neigungen schleichen sich cin und nisten in dem Herzen. Man spricht Worte ohne Kraft, rühmt sich der Gnade, ohne sie zu gebrauchen, ohne sich von ihr züchtigen zu lassen,( Tit. 2, 12.) ohne die weltliche Luft zu verleugnen und züchtig, gerecht und gottselig zu leben. Prüfe dich selbst, oder der Herr prüft und züchtigt dich mit einer scharfen Ruthe. Stelle dich oft vor dem allsehenden Auge dar, wie du bist; und sprich aus dem Innersten deiner Seele: Herr, vor dir ist all meine Begierde, mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Pf. 38, 10. Laß die Augen, die wie Feuerflammen alles durchdringen, recht oft in die geheimsten Falten deines Herzens schauen. Fürchte dich nicht; was du vor ihm aufdeckst, schadet dir nicht; aber was du vor ihm und vor dir selbst verbirgst, wird ein schleichendes Gift, und endlich Stoff fürs Feuer 45 zum Verbrennen; es zieht ein schweres Gericht nach sich. Aufrichtige Seelen, die den Herrn stets ins Herz schauen lassen, liebt der Herr, heilt sie, tröstet, reinigt, stärkt und beseligt sie. Sey aufrichtig, wenn du nicht gerichtet werden willst. Mel. 13. O wie selig sind d. S. Oder: Jesus Christus herrscht als K. 1. Das sey alle meine Tage meine Sorge, meine Frage, ob der Herr in mir regiert? ob ich in der Gnade stehe? ob ich zu zu dem Ziele gehe? ob ich folge, wie er führt? 2. Ob ich recht in Jesu lebe, und, als ein lebendger Rebe, Kraft und Saft stets aus ihm zieh'? Ob mich Jesu Liebe reize? ob in Kummer ich zum Kreuze und zu seinen Wunden flieh'? 3. Ob mein Jesus, wo ich gehe, wo ich sitze, wo ich stehe, immer vor den Augen schwebt? Ob er mir im Herzen lieget? ob mein Glaub' die Welt besieget, und sein Kreuztod mich belebt? 4. Ob ich sorglos Nichts versäume, Nichts aus Lässigkeit verträume? ob mein Herz sich nicht zerstreut? ob mich jegliches Vergehen, deren täglich viel geschehen, aufs empfindlichste gereut? 5. Ob mir Christus Ulles werde? ob mich das Geräusch der Erde nie um's stille Seligseyn im Genuß der Gnade bringe? ob ich trachte, streb' und ringe, Jesu Eigenthum zu seyn? 6. Jesu! ach, erbarm' dich meiner! Mache mich von nun an deiner alle Stunden innigst froh! Laß vor deinem Aug' mich wandeln, täglich würdiger mich handeln nach dem Evangelio. E. R. Reichel. 29. Januar. 29. Wer wird mich scheiden von der Liebe Christi: Trübsal: oder Angst: oder Zunger: oder 218ße: oder Gefahr: oder Verfolgung: oder Schwert: u. f. w. Rom. 8, 35-39. Wer kann diese Worte dem Apostel in Wahreit nachsprechen? Wer ist so voll Liebe zu Christus, daß ihn, ich will nicht sagen, Feuer und Schwert, große Angst und Verfolgung, sondern nur eine kleine Versuchung oder Prüfung, wo er etwas verleugnen, cin kleines Unrecht, 46 ein hartes Wort oder einen Schaden dulden soll; wer ist so stark in der Liebe, daß er es um Christi willen tragen und in der Liebe zum Heiland, in der Liebe zu Freunden und Feinden bleiben kann; daß ihn in seinem Herzen nichts scheidet von der Liebe Christi? Machen wir also diese schönen Worte nicht zu Lügen in unserm Munde, wenn wir die Kraft nicht im Herzen haben, und im Wandel beweisen. Mancher möchte wohl in seinem Sinne große Leiden und Prüfungen aus Liebe zu Christo erdulden, ehe er die kleinen tragen gelernt hat, die ihn täglich drücken. Es scheint auch schwerer zu seyn, sich in täglichen Geduldübungen nicht von der Liebe zu scheiden, als durch große Verfolgungen und schwere Leiden sich von Christo nicht abwendig machen zu lassen. Beides muß vom Heilande erbeten und erharret werden. Die von Gott im Herzen durch den heiligen Geist ausgegossene Liebe kann Alles überwinden, läßt sich durch nichts von ihrer Quelle scheiden, so wenig als die Hitze vom Feuer. oder Licht und Wärme von der Sonne. Aber die eingebildete Liebe, die nur in Worten oder in der Idee besteht, kann nichts überwinden, und kann freilich auch nicht von Christo geschieden werden, weil sie nicht bey und in Christo, sondern nur Wahn und Einbildung ist- fie kann nicht sterben, weil sie nicht lebt- aber eben darum auch nichts tragen. mel. 118. Wie wohl ist mir, o freund der Seele. 1. Lebst du in mir, o wahres Leben, so sterbe nur, was du nicht bist. Ein Blick von dir kann mir mehr geben, als was der Welt ihr Himmel ist. Mein sollst du, Jesus, ewig bleiben! Nichts soll mich von der Liebe treiben, die du mir angezündet hast! O Strom der Freude, der mich trånket, wenn sich das Herz in dich versenket, und dich, o Herzensfreund, umfaßt! 2. Herz, das in Liebesgluth gestorben, ach, laß mein Herz in Flammen stehn! Entzünd' mein Herz, das du erworben; laß alles in mir untergehn, was dich nicht preiset, meinen Lieben! Laß mich im Glaubenskampf mich üben, ja siege du doch selbst in 47 mir! So werd' ich fröhlich triumphiren, so wird mein Todessieg mich zieren, so leb' und leid' und sterb' ich dir! 3. Bund' auch in mir die Liebesflammen zum Dienste deiner Glieder an; bind' mich und ihre Noth zusammen, damit ich mich versichern kann, ich sey ganz so wie du gesinnet, wenn die Gestalt mein Geist gewinnet, die deinem Sinn recht ähnlich ist; so werd' ich Freund' und Feinde lieben, so wird ihr Kummer mich betrüben, wie du mir vorgegangen bist. 4. Soll ich im Meer des Elends schwimmen, so laß mir nichts beschwerlich seyn. Wenn deine Liebesflammen glimmen, so geht der Kelch nicht bitter ein, den alle deine Kinder trinken. Doch wenn die můden Hände sinken, so richte du sie wieder auf! Laß mich im Kampf nicht zaghaft werden; ein kurzes Leiden auf der Erden führt ja zur ewgen Freud' hinauf. P. B. Sinold v. Schütz, vulgo A. Kreuzberg. 30. Januar. 30. Du aber, o Mensch Gottes! siehe solches; strebe aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmuth. 1 Tim. 6, 11. alte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehöret hast, in Glauben und Liebe in Christo Jesu. 2 Tim. 1, 13. So wollte der Apostel den Kraft Glauben, nicht blos den Kopf- und Maul- Glauben eingeprägt, und im Wandel die Früchte des Glaubens lebendig dargestellt wissen; indem er vor Menschen warnet, die ihren Glauben durch Geiz verloren haben. Kein Lasterhafter, kein Sündendiener kann wahrhaft glauben. Glaube hebt die Sünde oder Herrschaft der Sünde auf, und die Sünde hebt den Glauben auf. Sie sind einander entgegen, wie Geist und Fleisch, wie Feuer und Wasser, wie Licht und Finsterniß. Ein gemahltes Feuer kann sich wohl mit Finsterniß schwesterlich vertragen, so kann auch ein gefärbter Glaube in einem sündigen Herzen und Sinn mit allen Leidenschaften einträchtig zusam= 48 men wohnen. Aber der wahre, lebendige Glaube ist voll Kraft und Liebe, voll Gerechtigkeit und Gottseligkeit, voll Demuth und Geduld, und treibt Alles von sich, was diesem entgegen ist, schafft, wirket Alles, was dazu förderlich ist. Also, du o Mensch Gottes, der du dich Jesu Christi und seiner Gerechtigkeit rühmst, lies da dein Capitel 1 Tim. 6, 11. was Paulus für einen Glauben predigte, ob er der deinige ist? miel. 118. Wie wohl ist: c. Oder: Jch habe mich ihm ganz ergeben. 1. Gieb mir des Glaubens Licht und Kråfte, damit er wahre Früchte zeigt. Mach' mich zur Rebe voller Sáste, die sich nach dir, dem Beinstock, neigt. Du bist der Fels, auf den ich baue! Du bist mein Heiland, dem ich traue! Du bist des Glaubens fester Grund! Benn sich die Prüfungs- Stunden finden, laß mir die Hülfe nicht verschwinden, und mach' den kranken Geist gesund! 2.Hilf, daß die Hoffnung nicht erlieget; gieb, daß dein Kreuz ihr Unker ist! Gieb, daß sie alle Ungst besieget durch dich, der du ihr Alles bist. Die Welt mag auf daß Eitle bauen; ich aber will auf dich nur schauen, o Jesu! meiner Hoffnung Licht! Ich will dich stets in Lieb' umfassen, dich, der du mich nicht wirst ver= lassen; denn deine Liebe wanket nicht. 3. 3ur Demuth führe mich dein Leiden, und zu der wahren Niedrigkeit. Wer dich sucht, muß das Hohe meiden; die stolzen Augen sind sehr weit von dir, o Demuthsbild, getrennet. Dagegen wer sein Nichts erkennet, den hebst du aus dem Staub' empor. Grab' mir dein Bild in meine Seele, daß ich das Kleinod ,, Demuth" wähle, zu eilen nach dem engen Thor. 4. Willst du mich noch im Leben wissen, so leb' ich, weil es dir beliebt. Werd' ich vom Tode hingerissen, so bin ich gleichfalls nicht betrübt. Laß nur dein Leben in mir leben! Dein Sterben laß mir Stårke geben, wenn meines Lebens Ziel erscheint! Ich will dir meinen Willen schenken; ich will im Tod und Leben denken: Du bist und bleibst mit mir vereint! A. Kreuzberg. 31. Januar. 31. Ist dein Herz richtig, wie mein Herz mit deis nem Herzen. 2 Kon. 10, 15. Wie kannst du 49 sagen, du habesft mich lieb, da dein Herz doch nicht bey mir ist. Richt. 16, 15. Diese zwey Fragen haben Menfchen an Menschen gestellt. Wie vielmehr darf und wird der Herr solche Fragen an uns stellen? Fordert die schåndliche Delila Simsons Herz, um ihn verführen und tödten zu können; fordert Jehu von Jonadab, daß sein herz richtig gegen ihn stehe, um ihm die Hand zu bieten und ihn zu sich auf den Wagen steigen zu lassen; wie! soll der Herr, dein Heiland, dein Herz nicht wollen, nicht for= dern, daß es richtig mit deinem Herzen gegen ihn stehe, daß es beständig mit und bey ihm sey, um dir das Leben und seine ewige Herzens- Gemeinschaft schenken zu können. Ohne dein Herz kann dir Jesus nicht Jesus, nicht Heiland seyn. Wie soll er es felig machen, wenn du's ihm entziehst? wenn es nicht bey ihm ist? Hångt dein Herz nicht an ihm, wie eine Klette am Kleide, wie das Kind an der Mutterbrust; so kannst du ohnmöglich Leben und Kraft, Frieden und Heil von feinem Herzen empfangen. Herz an Herz, Herz in Herz, so will's dein Heiland haben. Wir sind versichert, daß fein Herz immer zu uns gerichtet ist. Wo ist das unfrige? Seele, ruft er: Ist dein Herz richtig, wie meines mit deinem? Wie kannst du sagen, du liebst mich, da dein Herz doch nicht bey mir ist, sondern sich in andern fret iden Dingen zerstreut?- O Herr! låutere meine Nieren und mein Herz! Ps. 26, 2. Neige mein Herz zu deinen 3 eugnissen. Pf. 119, 136. Eigene Mel. 19. Oder: Liebster Jesu, du wirst kommen. 1. Wenn ich werd' in Himmel kommen, zu den auserwählten Frommen, o dann sieh' mich gnådig an, daß ich dort bestehen kann! 2. Laß für Recht ergehen Gnade, die auf meinem Lebenspfade ich so oft schon hier empfand; ach! auch oft mich ihr entwand! 3. Laß dein Aug' der Liebe blicken auf den Schuld- beladnen Rücken! Sieh' die Reu', die mich verzehrt, sieh' das Herz, das dich begehrt. 50 4. Ja, ich weiß, du hörst mein Flehen, will ich kindlich auf dich sehen, auf dich, unser A und O. Und was stärkt und tröstet so? 5. Laß, ach laß mich dich recht fassen, und ganz von mir selber lassen! Denn ein Herz, das halb nur dein, kann dir keine Freude seyn. 6. Nimm mein Herz dir ganz zu eigen, und laß alles drinnen schweigen, was vor dir nicht kann bestehn. Laß mein Aug' auf dich nur sehn! 7. Menschen sehen, was vor Augen, lieben Dinge, die nicht taugen. Du nur fiehst ins Herz hinein. Du nur machst es völlig rein. 8. Ach, so rein'ge denn das meine; gieb, daß es nicht blos so scheine; daß es sey dein Eigenthum, dir zur Ehre, dir zum Ruhm! P. F. 32. Erster Februar. Hiskia hing dem Zerrn an. 2 Ron. 18, 6. Meine Seele hanget dir an, deine rechte Hand erhält mich. Pf. 63, 9. Wer dem Herrn anhängt, der ist Ein Geist mit ihm. 1 Kor. 6, 17. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht setze auf den Herrn. Pf. 73, 28. Wenn ein Mensch einem Menschen anhångt, so richtet er sich ganz nach ihm, sieht nur auf ihn und auf alle seine Winke, läßt sich ganz von ihm leiten; wacht und schläft, arbeitet und ruht, ist und lebt gern mit ihm und bey ihm, kann nicht ohne ihn leben, und wenn er auch nicht leiblich bey ihm seyn kann, so ist doch Herz und Sinn bey ihm. Hångst du nun so an dem Herrn, wie Menschen an Menschen hangen, so ist es nicht schlecht um dich bestellt. Aber dein Anhangen an den Herrn soll noch tiefer gehen. Nicht nur dein Mund und Auge, dein Herz, deine Seele soll am Herrn hången, 51 dein Geist Ein Geist mit Jesu seyn. Du sollst die Win. ke seiner Augen verstehen und befolgen, wie dein ganzer Korper die Regungen deines Willens versteht und vefolgt. Deine Hand, dein Fuß richtet sich oder bewegt sich nur nach deinem Willen; dein Wille lebt, regt und bewegt sich in deinen Gliedern, so sollst du in Jesus, so Jesus in dir seyn; so sollst du dich von ihm leiten und bewegen lassen. Wer weiß, was ihm Jesus ist, und was er ohne Jesus seyn würde, der hångt mit gan= zer Seele, mit Leib und Geist an ihm, der ist ein wahres lebendiges Glied am Leibe Jesu, weil er von Jesu beseelt und regiert wird, wie die Glieder feines Leibes von seiner Seele belebt und regiert werden. mel. 11. Jesu, komm doch selbst. 1. Nun so bleibt es fest dabey, daß ich Jesu eigen sey. Welt und Sünde fahret hin, weil ich schon versprochen bin. Herr, ich hang' allein an dir! Nimm nur alles selbst von mir, was dir nicht gefällig ist, weil du doch mein Alles bist. 2. Meine Seele sehnet sich; Gotteslamm, fie suchet dich. Ja sie frågt allein nach dir. Hörst du nicht? O schenk' dich mir! Sie verlangt kein ander Heil, du bist doch ihr bestes Theil. Undre Quellen weiß sie nicht. Sie sucht nur dein Angesicht. 3. Freilich bin ich das nicht werth, was mein Herz von dir begehrt; müßte billig ganz allein ewiglich verstoßen seyn. Doch weil du so gnådig bist, weil dein Blut vergossen ist, weil dein Wort so viel verspricht, bin ich voller Zuversicht. 4. Jesu, laß mich nicht allein, sonst kann ich nicht selig seyn. Ja, wo will ich Armer hin, wenn ich ohne Jesu bin? Nun, so komm du Herzensfreund! Sieh' doch, meine Seele weint; denn sie wünscht mit Heimweh- Pein, mit dir ganz Ein Geist zu seyn. Woltersdf. = 2. Februar. 33. Kehre wieder, du abtrünniges Israel, so will ich mein Angesicht nicht gegen euch verstellen. Jerem. 3, 12. Rehre dich zu mir, denn ich erlöse dich. Jef. 44, 22. Gott will nicht, daß 2 52 jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. 2 Petr. 3, 9. Wer ist der Fromme, der sich nie, der sich nicht oft vom Herrn abwendet, und den Blick auf sein Ungesicht verliert? Doch selig bist du, wenn du dich, so oft du dich von ihm wegwendest, gleich wieder zu ihm kehrest; und hättest du des Tages hundertmal Seiner vergessen, wenn du nur hundertmal sein Antlik wieder suchest. Aber wenn du wegbleibst, in. der Abkehr und Vergessenheit des Herrn verharrest, so entsteht eine Abtrünnigkeit, eine gånzliche Abwendung vom Herrn, eine Scheidung zwischen dir und ihm. Dann verliert das Herz, wenn es auch noch wollte, den Muth, zu ihm zurück zu kehren, es denkt: Er nimmt mich nicht mehr an; Er hat sein Angesicht gegen mich verstellt, hat mich verlassen. Das sind aber falsche Gedanken; denn in seinem Worte steht es anders geschrieben, als in deinem abtrünnigen Herzen. Er ruft dir, er will, das abtrůnnige Ssrael soll sich wieder zu ihm kehren, er will keine Seele, auch die abtrünnige nicht, verloren, sondern lieber gerettet sehen. O möchten alle kommen, die sich vom Herrn, der ihnen früher so freundlich nahe war, mehr oder weniger abgewendet, ihn aus den Augen und aus dem Herzen verloren haben, mochten sie sich doch wieder zu ihm kehren! Wie gern würde er fein freundliches Angesicht wieder zu ihnen wenden, und sich von ihnen finden lassen! tel. 39. Ich rühme mich einzig. 1. Unglückliche Seelen! bedenkt doch den Jammer, geht in euch und sucht die verschlossene stammer; fallt Jesu mit Beten und Weinen zu Fuße. und bittet von neuem um herzliche Buße. 2. O Seelen, ermuntert euch, naht euch bey Seiten; kommt wieder, denn Jefus vergiebt euch das Gleiten. Er brennt noch in Liebe; er wallt ver Erbarmen, er will euch mit schonender Liebe umarmen. 3. Kommt wieder, vir bieten euch Herzen und Hände; die 53 heilige Liebe geht niemals zu Ende. Steht auf, laßt uns eilen, nicht hinten zu bleiben, ermuntert euch lieber, wie Jehu, zu treiben. 2 Kon. 9, 20. 4. Verlaßt ihr die Fahne des Königs hienieden, so sind wir, bedenkt's doch! auf ewig geschieden. O sagt es uns, Seelen, wie soll man euch bitten? wir flehn euch durch den, der für alle gelitten. 5. Wir bitten durchs Blut seiner heiligen Wunden, ach, werdet doch wieder mit Jesu verbunden! Wir haben euch darum noch niemals gehaffet, ob ihr gleich die Wege des Friedens verlaffet. 6. nein, unsre Herzen sind dadurch zerrissen; es schmerzet uns heftig, euch ewig zu missen. Ach, glaubt's doch! wir wollen euch gar nicht betrüben; wir wollen von nun an euch herzlicher lieben. Woltersdf. 3. Februar. 34. Seyd nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umber, wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. Dem widersteher fest im Glauben. 1 Petr. 5, 8. 9. Der Gott des Friedens zertrete den Satan plöglich unter eure Süße. Rom 16, 20. Du hast einen mächtigen Feind, den du nicht siehst, und den die ganze Welt' nicht glaubt, dessen Daseyn und Einwirkung sie für Schwärmerey und Unsinn hålt. Desto mächtiger und gefährlicher ist seine Einwirkung. Die Apostel Petrus und Paulus kannten und glaubten ihn, warnten ihre Gläubigen vor seinen nicht eingebildeten, sondern wirklichen und gefährlichen Nachstellungen. Was ist fürchterlicher, als ein brüllender Löwe? Wie behutsam würdest du seyn, wenn du einen solchen in der Nähe, und dich von ihm bedroht wüßtest? Sollten aber teuflische Nachstellungen nicht viel schrecklicher und gefährlicher seyn? Ihn leugnen, of er sein Umher 54 gehen, seine Lust zu verschlingen nicht glauben, das schüßt dich wahrlich nicht vor ihm. Was denn? Glauben, ernster Widerstand im Glauben und beharrlichem Gebete. Wer ihn nicht glaubt, ihm nicht widersteht, ist schon in seinen Schlingen. Wer glaubt, aber nicht wachet, nicht betet, wird in seinen Rachen fallen, und nicht ohne schwere Wunde davon kommen, wo nicht ganz verschlungen werden. Er hat das Haupt, Christum, angefallen und versucht. Wird er die Glieder, die Jünger, fürchten und verschonen? Wir sind ihm zu leicht und ohnmächtig, wir können ihn nicht überwinden; aber der Herr hat ihn überwunden, und kann und will ihn auch in uns überwinden. Er ist stårker als dieser Starke. Wer in Christo bleibt, der hat den Starken, den Argen überwunden. 1 Joh. 2, 13. Die Welt aber liegt im Argen; 1 Joh. 5,19. sie wird von ihm gefangen gehalten, daß sie seinen Willen thun muß. 2 Tim. 2, 26. Nur Gott kann erretten aus seiner Gewalt. Kol. 1, 13. Mel. 16. Bleib bey Jesu. Oder: Welch ein süßer, hoher friede. 1. Wie, mein Jesu! soll der Teufel Fürst von deiner Heerde seyn? O das giebt ihm ohne Zweifel sein verfluchter Hochmuth ein. Nein! so wahr du ewig bleibest, so gewiß ist festgestellt, daß du auch dein Umt noch treibest, bis die Welt zusammenfållt. 2. Sünder willst du selig machen, wenn ihr Herz sich zu dir kehrt, um das Reich des großen Drachen wird durch deine Kraft zerstört. Freilich wird der alten Schlange, wenn dein Arm die Seelen sucht, um ihr Reich von Herzen bange, weil sie deinem Scepter flucht. 3. Darum treibt er fein Geschäfte, und ist keine Stunde still, er verdoppelt alle Kräfte, wo man ihn vertreiben will. Soll's ihm aber wohl gelingen? Nein, mein König und mein Gott! Du bist Herr in allen Dingen, und der Urge wird zu Spott. 4. Freilich muß man bitter fühlen, daß der Feind ein Satan heißt; wenn der wildenThiere Wühlen unserm Weinberg' Lucken ceißt. Ach, es kostet manche Thränen, und der Eifer um dein Haus preßt uns mit beklemmtemSehnen viele bittre Seufzer aus. 5. Dennoch muß der Starke weichen, weil die Allmacht stärker 55 ist. Wer wird dir an Kräften gleichen, der du Herr der Herren bist? Du wirst ihm den Harnisch rauben, du nimmst seinen Pallast ein. Herr, du sagst es, und wir glauben; Kraft und Sieg und Ruhm ist dein! 6. Du kannst ewig nicht vergessen, daß dein långst vergoßnes Blut, dessen Werth nicht auszumessen, an den Sündern Wunder thut. Halleluja! bringt die Ehre unserm Lamm und seinem Blut. Sagt: daß ihm das Reich gehöre! Ja, zulett wird alles gut! Woltersdf. - 4. Februar. 35. Wenn Einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, fo gålte es alles nichts. Zobel. 8, 7. Liebe um Liebe. Wenn du schon Alles, was du hast und bist dich selbst ganz für die Liebe hingegeben håttest, so håttest du sie doch nicht bezahlt, håttest noch Nichts für sie gegeben. Und doch hast du dieses Nichts noch nicht gegeben, und willst es wohl auch noch nicht mit Ernst ganz hingeben. So gering achtest du die Liebe! Sie, die köstlicher und theurer ist als alles, was Himmel und Erde Köstliches und Theures hat. Sie ist Gott selbst, das höchste Gut. Sie will sich dir schenken, aber du sollst dein Herz dazu hergeben, und durch Ausleerung deines Herzens von allem, was sie, was Gott nicht ist, dich ihrer empfänglich machen; sollst alles andere fahren lassen, um sie fasfen zu können. Sie will dein Herz allein, und will sich dir ganz schenken. Du bist der Liebe Liebe schuldig, bist dich selbst ihr schuldig von Ewigkeit; denn sie hat dich von Ewigkeit her geliebet und hat sich in der Zeit auch ganz für dich hingegeben. Du kannst in Ewigkeit nicht reicher, nicht herrlicher, nicht seliger werden, als wenn du die ewige Liebe ewig mit ungetheiltem Herzen liebest, oder dich ganz an sie hingiebst. — 56 Mel. 22. Schon deines Namens. Ober: Die Seele Christi heilge. 1. Mein Herr und Gott, ich liebe dich, denn du zuvörderst liebtest mich. Ich nehme gern die Freiheit mir, und folg' aus Wahl in Banden dir. 2. Nichts flüstre mir Erinnrung ein, als was gereicht zum Lobe dein. Es sey auch einzig mein Verstand auf dein Erkenntniß hingewandt. 3. Ich will nichts wollen, als was du, o Liebe, willst, und so wie du! Und was durch deine Gabe mein, sey auch durch meine Gabe dein. 4. Von dir empfing ich's, nimm es hin; auf daß ich's brauch' nach deinem Sinn. O walte, wie du willst und weißt; ich weiß, daß du die Liebe seyst. 5. Um Lieb', um Lieb' nur bitte ich, auf daß ich wieder liebe dich, dich wachend, dich im Traume so. sey immerfort mein 2 und S! 5. Februar. 36. Es wird die Jeit kommen, daß ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohnes; und werdet ihn nicht sehen. Luk. 17, 22. 0 hatte ich Flügel wie die Tauben! Pf. 55, 7. Wehe mir, daß ich Sremdling bin unter Mesech, ich muß wohnen unter den Zütten Redars. Es wird meiner Seele lang zu wohnen bey denen, die den Srieden hassen. Pf. 120, 5. 6. Die Tage des Menschen- Sohnes, die Tage, da Jesus auf Erden wandelte, waren ja wohl selige Tage für die, welche ihn kannten, und mit ihm umgingen. Wer, der hn kennt, wünscht nicht, sich oft in dieselben Tage versehen zu können, um den menschenfreundlichsten Menschen Sohn im Fleische, wandeln zu. sehen, mit ihm von Mund zu Mund sprechen zu können. Im Geiste können wir es, durch seine Gnade. Man kann ihn so nahe haben, so innig mit ihm umgehen, als såhe man ihn, als redete man mit ihm. Man kann ihn aber doch = 57 nie nahe genug haben. Man möchte ihn immer noch nåher haben. Darum wünscht sich die Seele Flügel, um ausfliegen zu können, zu ihm; und die werden ihr wenn sie treu und beharrlich ist in ihrer Sehnsucht auch zuweilen gegeben, daß sie sich mit starken Schwinger zu ihm erheben kann. Um so schwerer wird es ihr dann, wieder zurücksinken, so lange wohnen und bleiben zu müssen unter Mesech und den Kedarenern, d. i. unter Leuten, die so wenig von Christo wissen und glauben, so wenig Gefühl für ihn haben als die wilden Scythen und räuberischen Araber. Schwer wird es ihr, mit Ungläubigen zu thun zu haben, die seinen Frieden haffen, weil sie ihn nicht kennen, und darum die Liebe und den lebendigen Glauben an ihn verfolgen, die da låstern, was sie nicht verstehen. Aber gedulde dich, liebe Seele! Er hat selbst um deinetwillen hier gewohnt, und unter Menschen gewandelt, die ihn ohne Ursache haßten. Mel. 16. Bleib bey Jesu. Oder: Seilge Liebe, Simmelsflamme. 1. Hätt' ich Flügel! hätt' ich Flügel! flög' ich auf zu meinem Stern; über Meere, Thåler, Hügel, folgt' ich immer meinem.Herrn. Uch, das war ein schöner Segen, wann er mit den Füngern ging; jedes Herz, wie Mayenregen, seinen Trost, sein Wort empfing! 2. Ach, das war ein schöner Segen, wenn man ihm am Munde hing, auf den Feldern, auf den Wegen, ein: ,, Ich will, sey rein!" empfing. Ander Loos ward uns bereitet; wie auch blühet rings das Land, der uns rufet, der uns leitet, unser lieber Freund verschwand. 4. Doch er ist uns nicht genommen; nicht zu sehen ist er nur. 3u den treuen, stillen Frommen kommt er auf geheimer Spur. Will mich denn zufrieden geben; faffen mich in stillem Sinn. All mein Sehnen, Lieben, Leben geb' ich meinem Freunde hin. 4. Seinen Schwestern, seinen Brüdern will ich mich in Treue nahn; an den Armen ihm erwiedern, was er liebend mir gethan. Einft erklingen andre Stunden, und das Herz nimmt andern Lauf: in den selgen Liebeswunden löset aller Schmerz sich auf. 5. Meine Seele, gleich der Taube, die sich birgt in Felfenstein, bringt mit Liebe und mit Glaube in den Himmel zu ihm ein. Dort ist Gnade, dort Erbarmen, ewge Füll' und reiche Lust. All' 58 ihr Kranken! 20' ihr Urmen! Kommt an eures Heilands Brust! v. Schkdf. 6. Februar. 37. Glaubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht. Jef. 7, 9. Wer glaubet, der fliehet nicht. Jef. 28, 16. Wachet, stehet im Glauben, seyd månnlich und seyd stark. 1 Kor. 16, 13. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1 Joh. 5, 4. Wer nicht wachet und betet, daß ihm der Glaube erhalten und tåglich vermehret und befestiget werde, wird nicht lange fest stehen, nicht beståndig bleiben in Glauben, sein Glaube wird Unglaube oder Wahn und Maulglaube werden. Er wird nicht bleiben in Christo; seine Schmach nicht zu tragen vermögen, wird daher fliehen von Christo zur Welt, wenigstens mit seinem Herzen. Wer lebendig an Christum glaubt, und Chriftum durch den Glauben im Herzen wohnend hat, der flieht nicht zu einem andern, und steht fest, ist månnlich und stark, die Welt und sich selbst zu überwinden, weil Christus, in ihm wohnend, stårker ist, als der in der Welt und als die ganze Welt. Unsere Beharrlichkeit oder Beständigkeit, so wie der Sieg über Welt, Fleisch und Teufel hångt vom Leben des Glaubens ab. Lebt der Glaube, so lebt Christus in uns; lebt Christus in uns, so stehen wir gegen alle Feinde, so sind wir stårker als die Welt, so überwinden wir weit. Christus in uns ist das Leben des Glaubens und der Sieg über alles. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Herr, gieb meinem Glauben Leben, laß mich durch Glauben unverrückt mit dir, mein Haupt, vereinigt streben, daß ich mit deinem Sinn geschmückt, nur deine süße Lieb' empfinde, mein Herz in Gegenlieb' entzünde! 2. Laß mich im Glauben an dir hangen, daß ich, von allem andern frey, in Liebe möge dich umfangen; schenk' mir zu Allem 59 Kraft und Treu, mit Lust, wie du, des Vaters Willen in Allem allzeit zu erfüllen. 3. Der Glaub' kann sich mit dir begnügen, kann sanft in deiner Liebe ruhn; kann leicht durch dich die Welt besiegen, und auch mit Freuden Gutes thun; kann Alles willig fahren lassen; denn er kann dich, sein Alles, fassen. 4. Sobald ich mich aus dir verrücke, so fall' ich gleich in Finsterniß; ich fehl, und fall' all' Augenblicke, und thue keinen Schritt gewiß. O stärke mich mit deinen Kräften zu allen meinen Heilsgeschäften! 38. S. o ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Jerem. 29, 13. 14. Sie suchen alle das Ihre, nicht was Jesu Christi ist. Phil. 2, 21. 7. Februar. Viele Sucher finden nicht, weil sie nicht suchen, was sie zu suchen vorgeben, oder nicht mit ganzem, sondern nur mit halbem Herzen, mit Nebenabsichten, kurz, weil sie im Grunde nur sich selbst, oder nur das Ihrige suchen, nicht Jesum Christum. Hat Paulus dieses von allen seinen Mitarbeitern behauptet, zu jener gesegneten Zeit des ersten apostolischen Christenthums; wer soll sich nicht fürchten zu unsrer egoistischen( selbstsüchtigen) Zeit, sich selbst zu betrügen? Wer soll, um diese Furcht los zu werden, sich nicht ernstlich selbst prüfen, ob er Jesum allein, nichts als Jesum, ihn, und nicht andere Dinge neben ihm suche? An der Verheißung: Ich will mich von euch finden lassen; kann es nicht fehlen. Der Herr hålt Wort. Es muß also an den Suchern fehlen; es muß daran fehlen, daß sie ihn nicht mit ganzem Herzen, oder nicht ihn, sondern sich selbst, oder nur das Ihre suchen. O lieber Sucher! prüfe doch dich selbst; průfe dein Herz vor den Augen dessen, den du suchest, ob es ganz an ihm hångt, ob du alles für ihn hinzugeben bereit bist? ob du 60 ben ihm nichts erwartest, als Ihn? ob Er dir allein genug ist, und du in ihm alles andre entbehren kannst? ob du wie Assaph denkest? Pf. 73, 25. 26. Mel. 118. Wie wohl ist mir, o Freund. Oder: Ich habe mich thm ganz. 1.0 Seele, willst du Rube finden, so suche sie nicht in der Welt; in Dingen, die wie Rauch verschwinden, als Ehre, Wollust, Gut und Geld. Denn dieses find zu schlechte Sachen, daß sie dich könnten ruhig machen. Ach, eile nicht den Schatten zu, du findst statt Lust, Last und Beschwerden. Du mußt erst losgerissen werden; sonst kommst du nimmermehr zur Ruh. 2. Du mußt dir gar nichts vorbehalten. Es heißt: Rein ab, und Christo an! Läßt du verborgnen Bann noch walten, wird, was du weißt, nicht abgethan; willst du so manches noch verschweigen, so wird dieß lauter Unruh zeugen; was man noch hegt, bringt lauter Schmerz. Es kann bey halb- und falschen Wesen dein Herz unmöglich recht genesen. Der Heiland will dein ganzes Herz. 3. Unlautrer Sinn macht nur Beschwerde. Nur Eins muß unsre Sorge seyn, daß unsre Seel' errettet werde. Denn läßt man noch was andres ein, so ist das Aug' ein Schalk zu heißen. Nur Eins ist noth an sich zu reißen, nur Jesus und sein Himmelreich. Nach diesem mußt du ernstlich ringen, so wird dein Ringen Ruhe bringen, ja, Ruh' und Seligkeit zugleich. 8. Februar. 39. Allein der Herr macht das Herz gewiß( fest.) Spr. 16, 2. Wie das Seuer Silber.. so průs fet der Herr die erzen. Spr. 17, 3. Mancher glaubt, wenn er den Herrn sucht, und ge funden zu haben meint, nun soll alles gut und glücklich gehen, kein Leiden, kein Trůbsal dürfe sich ihm mehr nahen. Aber eben deswegen muß Trübfal und Angst über ihn kommen, weil er nicht rein den Herrn, sondern gute Tage bey ihm gefucht hat. Eben deswegen muß sein Herz in die Hitze der Trübsal und Noth hins ein, wie Silber und Gold ins Feuer, um die Schlacken der Nebenabsichten oder der Selbstsucht wegzuschmelzen 61 und auszubrennen, um das Herz gewiß, und fest, rein und lauter zu machen. Wenn aber nun Noth und Unglück, Trübsal und Angst einen solchen halbherzigen Sucher des Herrn heimsuchen, so denkt er, oder die Welt sagt es ihm ins Ohr: Was hast du nun davon, daß du den Herrn suchtest? O, wohl viel hast du nun davon'; denn nun hat dich der Herr gesucht und gefunden; nun prüft und lautert er dein Herz, und bereitet es, daß du ihn mit ganzem Herzen suchest und auch finden mögest. Mel. Wie die vorige. 1. Auf Sesum mußt du dich nur gründen; in ihm allein such' deine Ruh. Er sucht, er ruft dich, laß dich finden; doch laß dabey ihm dieses zu, daß er dich erst aufs tiefste beuge, und dir die innern Greuel zeige; denn du bist durch und durch befleckt. Drum mußt du dich stets selber richten und deine Eigensucht vernichten, daß Gottes Urtheil dich nicht schreckt. 2. Sobald wir uns nur selbst verklagen, so spricht uns gleich fein Urtheil los. Das stillt die Unruh, Angst und Plagen. Man fühlt sich zwar ganz arm und bloß; doch nicht die Sünd' mit ihren Schmerzen, der schwerste Stein fällt von dem Herzen, die Knechtesfurcht vor Straf und Pein, die Jesus selbst am Kreuz getragen. Da kann uns kein Gesetz verklagen. So stellt sich Ruh und Friede ein. 3. So fomm nur bloß, arm und elende, von allem eignen Dunkel los. Er streckt nach dir schon seine Hände, und zeigt zur Ruh' dir Herz und Schooß. Je mehr du fühlest deinen Schaden, und willst nur selig seyn aus Gnaden, je freundlicher blickt er dich an. Ob tausend Sünden in dir stecken, so wird dich Christi Blut bedecken, daß keiner dich verdammen kann. 4. So laß mich, Herr, die Wege gehen, wo ich die Ruhe finden kann! Laß mich die eitle Welt verschmähen, zeig mir mein ganzes Elend an; daß ich recht tief gebeugt, zerschlagen, und glaubig möge nach dir fragen; und neig' dein Herz mir freundlich zu! Ja, nimm mich ein in deine Wunden, daß ich in dir gerecht erfunden, im Tod auch sinde Fried und Ruh. 9. Februar. 40. Ich bekenne dir meine Sünde, und verhehle 62 dir meine Missethat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Uebertretungen bekennen: da vergabst du mir die Missethat meiner Sünde. Dafür werden dich alle Zeiligen bitten zur rechten Jeit. Pf. 32, 5. 6. Wer seine Missethat leugnet, dem wird's nicht gelingen, wer sie aber bekennet und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Sprüch. 28, 13. Merke wohl, das Geschäft der Heiligen ist, ihre Sünden bekennen und um Vergebung bitten- zu Gott, vor dem die Himmel nicht rein sind. Was bist du får ein Heiliger, wenn du keine Sünde weißt und bekennest? Der Herr vergiebt nur den redlichen Bekennern. Den stolzen, sichern Heiligen behält er sie zum Gericht. Doch sage auch nicht: Ich muß und will sündigen, denn ich muß ja Sünde haben, und bekennen, sonst hat mein Heiland nichts zu vergeben und zu lösen, und er muß ja Heiland und Erldser seyn. Du bist Sünder, und sündigest ohne diesen satanischen Vorsatz; denn beim redlichsten Streben nach wahrer Heiligung fehlt und fällt man nur zu oft noch. Und gerade nur dann wirst du die Sünde recht erkennen und bekennen, wenn du dich bestrebest, ohne Sünde zu scyn, oder alle Sünde abzulegen. Die größten Heiligen sind die größten Sünder in ihren Augen: denn je heiliger sie zu werden suchen, je sündiger fühlen sie sich. Wer der Heiligung nicht nachjagt, findet und kennt keine Sünde an sich. Auch bekennen die Heiligen nicht nur überhaupt, daß sie Sünder sind, sondern ihre Sünden bekennen sie. Viele nennen sich arme Sünder, ohne vor dem Herrn von ihren Sünden auch nur Eine recht zu kennen; und, wenn man ihnen nur Eine aufdeckt, zurnen sie, und rechtfer tigen sich selbst, weil sie heilig sch einen, aber nicht heilig seyn wollen. 63 Mel. 1. Danket dem Herren, denn er. 1. O sieh mich Armen, welchem alles fehlet, den mehr als tausendfaches Elend quålet! Ein Mensch vom Sündengift recht tief vergiftet, des Jammers voll, den Adams Fall gestiftet! 2. Hier lieg ich, Herr, du wollst mich selbst erleuchten, dir meine Sünd' und Missethat zu beichten, dir Alles ohne Falschheit zu bekennen, ob's gleich unmöglich ist, die Zahl zu nennen. 3. O Gnade, die so lange mich geduldet, von jeher hab' ich deinen Zorn verschuldet, verdient die Strafe meiner Lebenszeiten, verdient die Strafe grauer Ewigkeiten. 4. Beschämt bin ich und innerlich gekrånket, so oft mein Herz an meine Sünden denket. Ich hasse sie, die giftgen Greuel alle. O daß ich nie mit Vorsatz wieder falle! 5. Ich basse sie und mich um ihretwillen. Gott, nur dein Erbarmen kann mich stillen. Ich bitt' durch aller deiner Gnaden Tiefen, laß über meine Schuld Bergebung triefen! Woltersdf. 10. Februar. 41. Meine Seele liegt im Staube, erquicke sie nach deinem Wort. Pf. 119, 25. Jch will die müden Seelen erquicken, und die bekümmerten Seelen fåttigen. Jer. 31, 25. Jes. 57, 15. Wer nicht müde ist, dem schmeckt die Ruhe nicht, der bedarf keiner Erquickung. Wenn aber unsere Srele tief im Staube gebeugt ist, und sich krůmmet und windet wie ein Wurm im Staube; wenn sie ihr Elend, Armuth, Ohnmacht, Schwachheit und Sündhaftigkeit recht tief fühlet, daß sie zergehen möchte, und zum Herrn schreit um Erbarmen: dann kommt er und erquicket die Müde, mit seinem unbegreiflichen Frieden; dann såttiget er die ausgehungerte und um ihr Heil tief bekümmerte Seele mit himmlischen Gütern, und schüttet seine Gnadenschåße in ihren Schooß aus, daß sie sich auf einmal aus einer Wüste in ein Paradies, aus einer Hölle in den Himmel, von den Teufeln unter die Engel versetzt zu seyn glaubt. Wer im ersten Zustande sich be 64 findet, glaube an den zweiten; denn wie jener da ist, so muß dieser auch kommen. Alles hat seine Zeit; auf die Dürre und Trockne muß endlich ein Regen kommen, der Nacht muß der Tag folgen. Eigene Mel. 124. 1. Erquicke du mit deinem Frieden mich, deinen Pilgernden, hienięden! Du sprachst: Kommt her zu mir, ihr Müden!- Nun bin ich da. Matth. 11, 28. 2. Der Seele durstendes Verlangen wünscht nur an dir allein zu hangen, dich, Freund der Seelen, zu umfangen! - Komm, werde nah'. 3. Dem Herzen, das nach dir sich sehnet, um Gnadenblicke vor dir thrånet, ich bin ja doch an dich verwöhnet. Wer ist wie du? 4. Ein Blick, so wird mein Geist erquicket, und über Erden- Noth entrůcket, und leicht, was oft den Pilger drücket. Bey dir ist Ruh'. 5. Sanft ist dein Joch, man darf es wagen, die leichte, liebe Last zu tragen. Tu hilfft sie selbsten willig tragen, und stårkst den Muth. 6. Du sprichst uns los die Seele Gnade finden, Bulett geht's gut. vom Druck der Sünden, du låßt und tåglich hilfst du überwinden. Moser. 11. Februar. 42. Laffer uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebet und träge macht. Zebr. 12, 1. Verflucht sey, der des Herrn Werk låsfig thut. Jer. 48, 10. Richtet wieder auf die lässigen ånde und die můden Kniee. Zebr. 12, 12. Die Trägheit, Lässigkeit schleicht sich so gern wieder ein, wenn man in der Gnade zu sicher wird, und nach der erlangten Vergebung der Sünden nicht gegen alle seine bösen Gewohnheiten zu Felde zicht, sondern mit einigen Lieblingssünden Friede schließt, und an ihnen auf eine feine Art hången bleibt; wenn man beim Genusse 65 der Freundlichkeit des Herrn glaubt, man bedürfe nun der Wachsamkeit gegen seine alten Feinde nicht mehr, der Feind könne einem nun nicht mehr schaden, man könne nicht mehr verloren gehen, weil man Gott im Schooße site. Allein nur zu bald offenbaret sich wieder die alte Neigung und Gewohnheit, die noch anklebende Sünde; die Gnade schwindet, weil man sie nicht festhält, nicht eifrig, sondern zu sicher ist im Werke des Herrn; da fühlt man sich denn zu schwach, laßt die Hände sinken, und schont die müden Kniee. Nicht also, ihr Lieben! Laßt euch schrecken durch den Propheten, der den Låssigen Flach verkündigt; laßt euch reizen durch den Apostel, der euch ermuntert, die anklebende Sünde abzulegen, schont eure lässigen Hände nicht, sie aufzuheben zum Herrn, der sie mit Kraft aus der Höhe erfüllen wird, daß ihr das Schwert des Herrn führen könnet; schonet eure můden Kniee nicht beuget sie vor dem Herrn, so. wird er euch aufrichten, stårken, kräftigen und gründen. — mel. 39. Jch rühme mich einzig. 1. Uch Seelen! wo bleibt denn die vorige Flamme? was macht ihr? wie lauft ihr? wie folgt ihr dem Lamme? Wie steht's um den Glauben, die Liebe, das Beten? Wer hat euch so plötzlich die Wege vertreten? 2. Uch, denkt doch, wie lieft ihr so brünstig und munter! Jetzt stehet ihr trage und fallet herunter! Wie hell' war das erste Entflammen der Liebe! Wie kalt und erstorben sind jest eure Triebe! 3. Ihr habt ja den Jammer der Sünde empfunden; ihr fandet die Freistadt, das Heil in den Wunden. Ihr batet den Heiland mit Seufzen und Stöhnen; ihr fühltet ein süßes, ein heftiges Sehnen. 4. Ihr lerntet euch muthig zu Jesu bekennen, man fand euch in heiliger Liebe entbrennen; ihr flohet die Freundschaft der weltlichen Brüder, ihr wähltet euch Christi vereinigte Glieder. 5. Wie, fühlt ihr nicht selbst jezt des Herzens Erkalten? Ists möglich, euch doch noch für Christen zu halten? Was ist das für Freiheit, in Banden zu liegen? Sagt, wollt ihr euch selber so schrecklich betrügen? & 66 6. Befinnt euch, was sagt euch eu'r eignes Gewissen? Ihr habt ja die Bande der Liebe zerrissen! Jhr wurdet so schläfrig zum Wachen und Beten, ihr seyd in betrügliche Freiheit getreten. 7. Ach theuerste Seelen, bedenkt doch den Jammer! Geht in euch, und sucht die verschlossene Kammer. Fallt Jesu mit Weinen und Beten zu Fuße, und bittet von neuem um herzliche Buße. 8. Das Herz, das so leicht war, sich aufwärts zu schwingen, das hångt nun wie Bley an den irdischen Dingen. O Seelen! ermuntert euch: Ruft euch bey Zeiten: Kommt wieder, denn Jesus vergiebt euch das Gleiten. 9. Ach, hört doch, ihr stillegestandenen Schafe! wir bitten euch weinend: erwacht doch vom Schlafe! Wir rufen, wir lokken, wir seufzen und flehen; ach, laßt uns doch nicht euren Untergang fehen! Woltersdf. 12. Februar. 43. -- Das as sollst du wissen, in den lezzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen; denn es werden Menschen seyn, die von sich selbst halten ( felbstgefällig, selbstsüchtig)- die die Wollust mehr lieben als Gott. 2 Tim. 3, 1. 2. 4. Wir sollen aber nicht Gefallen an uns selber haben denn auch Christus nicht Gefallen an ihm selber batte. Rom. 15, 1-3. - Die schåndliche Eigenliebe schmeichelt so gern auch den Frommen, daß sie sich selbst wohl gefallen, sich über andere hinwegseßen, sich selbst höher achten und die schwachen Brüder wohl gar verachten. Es ist kein schådlicheres Gift in allen Apotheken zu haben, als du, Lieber! in großem Vorrathe in dir herumtrågst, und das, wenn du nicht recht auf deiner Hut bist, all' deine Handlungen vergiftet, und dir allen Genuß verbittert. Das ist deine eitle Selbstgefälligkeit, deine blinde Eigenlicbe. Entschuldige dich nur nicht, du liebst dich selbst noch 67 gar so sehr; erkenne und bekenne es frey, und willst du nicht nach und nach um alle Gnade kommen, so suche ein Gegengift gegen dieses tödtende Gift; suche den Reichthum der Gnade und reinen Liebe Gottes durch Christum deinen Herrn, der dieser Schlange in dir allein den Kopf zertreten, und dich von ihren giftigen Bissen heilen kann. Wache, bete, flehe unermüdet, wenn du dieses Otterngezüchte in deinem Herzen ausrotten, und nicht daran sterben willst. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Du tödtend Gift der Eigenliebe! Du eitle Selbstgefälligkeit! Wie oft reißt du durch falsche Triebe mich von der Bahn der Niedrigkeit, die Jesus Christ, an dem wir hangen, treu bis in seinen Tod gegangen. 2. Was treibt dich, daß du dich bestrebest, vor MenschenAlugen groß zu seyn? Was hilft es, daß du dich erhebest? Nur blinde Thorheit liebt den Schein. Vor Gottes Augen kann nichts gelten, als wenn wir unsre Sünde schelten. 3. Wenn du den Bruder nur betrachtest, wirst du von blassem Neid gestört, daß du ihn schnell und stolz verachtest; so ist dein boses Herz bethört. Bist du nicht von dir selbst betrogen? Wer hat dich andern vorgezogen? 4. Nur wer sich beuget unter alle. ist selig und ist Christo gleich; er wird bewahret vor dem Falle, ist in sich arm und dadurch reich. Den årmsten Bruder höher achten, das heißt nach Christi Liebe trachten. 5. Da kann man in der Wahrheit spüren, daß unser Herz im Segen blüht. Da kann man niemals was verlieren, weil Demuth Gnade nach sich zieht. Ja selbst oon aller Brüder Gaben muß Demuth ihren Vortheil haben. 6. Laß dich durch Loben nicht berücken; beug' dich dabey nur gründlicher; laß dich durch Tadel nicht verstricken, so wird es täglich herrlicher. Was du vor Gott bist, wirst du bleiben; den Dunkel laß dir nur vertreiben. 13. Februar. 44. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Zülfe kommt. Pf. 121, 1. € 2 68 Und die Berge werden mit süßem Wein triefen. Amos 9, 13. Der Berg Gottes ist ein fruchtbarer Berg. Gott bat Lust, auf diesem Berge zu wohnen. Pf. 68, 16. 17. Vergl. Jes. 2,2. 25, 6. Mich. 4, 1. Pf. 72, 16. Die Alten verstanden unter diesem Bilde: ,, Berg des Herrn," das heilige Gebet, die Anbetung Gottes im Geiste, weil der Tempel, die Wohnung Jehovas, auf einem Berge stand, und da das Gebet eine Erhebung, ein Aufschwung des Gemüthes zu Gott ist, wobey man alles Irdische weit unten im Thale läßt, und sein Herz im Himmel hat, und wie in der Hdhe und im Heilig= thume Gottes wohnt, so ist dieses Bild sehr passend. Von diesen Bergen kommt alle Hülfe, diese Berge triefen, ja Strôme des himmlischen Segens, überschwenglicher Reichthum von geistlichen Gütern ergießet sich von diesen Bergen auf die, welche sich bemühen, mit Glauben und Zuversicht, mit vollkomnmer Versammlung ihres Gemüthes sich dahin zu erheben, und da die Nähe ihres Heilandes zu suchen. Von diesen Bergen kommt man nie leer zurück, sondern allzeit reichlich beladen mit Gütern des Himmels; es ist, als wenn man im Himmel gewesen wäre, wenn man sich im Geiste zum Herrn auf den Berg des innigen Gebetes erhoben hat. Darum flehte David Pf. 43, 3. Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berge und zu deiner Wohnung, daß ich hinein gehe zu Gottes Altar, zu dem Gott, dee meine Freude und Wonne ist. Mel. 81. Mir nach, spricht Christus. Oder: Geht, werft euch. 1. Auf hohem, lichtent Berge strahlt ein Haus seit grauen Jahren, worin sich Erd' und Himmel mahlt. Da, da wird, Gott erfahren. Man fpiegelt sich in seinem Licht, man schaut sein lichlich Ungeficht. 2 Kor. 3, 18. 2. Im Thale unten ist's gar schwül und bang' und drückend enge. Da droben weht die Luft nur kühl und rein wie sanfte 69 Klänge. Man schaut das Licht bey sinstrer Nacht, wenn nur die heilge Liebe wacht. 3. Um Fuß des Berges stürmt es oft, in wilden Ungewits tern, thürmt Wolken auf, und ringt und hofft vergebens zu erschüttern das Haus, auf grünen Fels erbaut vom Meister. den man drinnen schaut. 4. Ein frommer Geist der Ewigkeit wohnt in dem schönen Hause; er altert nicht, ist groß und weit, und öffnet seine Klause dem König wie dem Bettlermann, wenn Glaub' und Lieb' er zeigen kann. 5. Der Weg zum Haus ist steil und hart, und Kreuze stehn zur Seite; sie schreckten manchen, daß er ward der eitlen Furcht zur Beute. Denn muthig muß der Pilger seyn, und Hipe nicht, noch Kälte scheun. 6. Die Mühe wird ihm reich gelohnt, wenn er die Hdh' erklommen, im Haus, wo lauter Liebe wohnt, wird ihm der Gram benommen. Er kehret nie zum Thal zurück; auf diesem Berge wohnt sein Glück. 7. Drum, Freunde! greift zum Wallerstab, und wollt nicht långer säumen; werft eure alten Kleider ab, entsagt den irren Träumen, und pilgert zu dem Hause hin; es liegt in eurem Herz und Sinn. 8. Es ist das heilige Gebet, wo man auf Geistes Schwingen sich auf bis in den Himmel hebt, und sucht da einzudringen in Gottes Näh', in's Lebenslicht, und schwebt vor seinem Angesicht. * Schlz. 14. Februar. 45. Lasser uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 1 Joh. 4, 19. Daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß Gott feinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen. 1 Joh. 4, 9. Es sind Tiefen, die wir nicht ergründen können, und die tiefste Tiefe unter allem, was uns zu tief ist, ist gewiß die, daß uns Gott zuvor geliebet, und nicht schlecht= hin geliebet, sondern so geliebet hat, daß er uns nich mehr lieben könnte, so viel gegeben hat, daß er uns ni t 70 mehr geben könnte - seinen eingebornen, ihm ganz gleichen Sohn, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, hat er uns geschenket hat ihn in Noth und Tod um unsertwillen kommen laffen! Wer kann diese Tiefen ergründen?- Da stehen wir, wie an einem Abgrunde, und beten an. Am besten ist, wir stürzen uns, wie wir sind, in diesen Abgrund der Liebe hinein, denn dazu hat er sich uns aufgethan. Denn grübeln, forschen hilft uns hier nicht. Er will geliebet seyn, daß er uns desto mehr lieben könne, und wir seiner allbeseligenden Liebe desto empfänglicher werden. - Mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem h. G. Oder: Was hilft es mir, ein Christ. 1. O Liebesgluth, wie soll ich dich nach Würdigkeit besingen?, möchten deine Tiefen mich, du volle See, verschlingen! Es flammet Gottes Herrlichkeit, es brennt die ganze Ewigkeit; bleibt noch mein Herz erkaltet? 2. Der in sich selber reiche Gott, das allerreinste Wesen, hat sich die schnöde Sünder- Rott' zu lieben auserlesen. Schweig' still, Vernunft! Gieb Gott die Ehr', der lieben wollt' unendlich mehr, als du begreifen solltest. 3. O Liebe, da Gott seinen Sohn aus seinem Schooß genommen! Er ist von dem gestirnten Chron zu uns herab gekommen. Sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab, sind nur ein Bild zu mahlen ab, wie stark Gott lieben könne. 4. Hor' auf zu grübeln, glaub' allein! Kannst du dies Meer nicht gründen, so wirf dich blindlings da hinein mit allen deinen Sünden. Es sey dein Herz dem ganz gewährt, der dir das Herz hat ausgeleert; gieb Herz für Herz zum Opfer! 5. O liebster Bater, nimm es hin! Gieb Liebe, dich zu lieben! Herz und Begierden, Muth und Sinn sind dir hiermit verschrieben. Brenn' aus den Zunder böser Lust, laß ewig nichts in dieser Brust, als deine Liebe glühen! F. A. Lpe. 15. Februar. 46. Ist er nicht dein Vater und dein Herr? 5 Mof. 32, 6. Denn selbst der Vater hat euch lieb, 71 darum, daß ihr mich liebet. Joh. 16, 27. Se het, welche Liebe uns der Vater erzeiger hat, daß wir Gottes Kinder heißen sollen! 1 Joh.3, 1. Es ist ausgemacht und außer Zweifel, wer den Sohn liebt, den hat gleich der Bater auch lieb. Wir sehen es bey Menschen, wer das Kind lieb hat, dem sind die Eltern gleich zugethan; plöhlich neigt sich das Herz zu dem Menschen, der gegen ihre Kinder Liebe zeigt. Von Gott könnten wir es freilich nicht erwarten und glauben, weil wir es sogar nicht verdienen, und durchaus nicht liebenswürdig sind. Aber hier steht der Sohn, und sagt es uns selbst: Mein Vater hat euch lieb, weil ihr mich liebet. O herrliches Wort! Nun wissen wir ja, wie wir daran sind. Finden wir eine Liebe, einen Hang zu Jesus in unsern Herzen, so ist dies uns ein Siegel und Beweis, daß wir vom Vater geliebt werden, und seine Kinder sind. Ihr Seelen! habt ihr die . Liebe zu Jesus in euch, so habt ihr die Liebe des Vaters für euch. Lasset aber eure Liebe zu dem, der für euch starb, nicht nur in Worten und Geberden, Gefühlen und Begriffen bestehen, sondern in der That und Wahrheit. Liebet ihr mich, sagt Jesus, so haltet meine Gebote. Joh. 14, 15. mel. 95. Das ist unbeschreiblich. 1. Nein, nicht immer weinen über euer Loos! Gott belehrt die Seinen, macht sie weis und groß, führt sie sanft und leise selber himmelan, will nach seiner Weise, daß ihr glaubet dran. 2. Glaubet, daß euch Kindern Gott selbst Vater ist, Vater armen Sündern wird durch Jesum Christ. Glaubet, hoffet, liebet, durch des Sohnes Geist, und ihn nie betrübet, wie uns Jesus heißt.. 3. So seyd ihr nicht Sünder,( Sünde nimmt er hin,) ihr seyd Gottes Kinder, sein Geschlecht durch ihn. Durch ihn ist für alle volle Rettung da! Glauben wir nur alle, wir gehn Gott so nah?! 4. Liebet, preiſet, ehret Gott in jeder Spur; wenn ihr was 72 begehret, nennt ihn Vater nur; so wird er's euch geben, euch in Jesus Licht, Liebe seyn und Leben, glaubt und zweifelt nicht! Feneberg. 16. Februar. 47. Fürchte dich nicht, du kleine Heerde, denn es ist cures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Luc. 12, 32. Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Joh. 18, 36. Gott giebt dir sein Reich das Himmelreich, hier und dort. Ist dieses nicht genug, so suche die einen andern, der dir mehr giebt. Du magst wohl ein unerfåttlicher Geizhals seyn, wenn dir das, was dir Gott in seinem Sohne giebt, nicht genug ist. Aber bis heute noch ist doch das, was Gott verspricht, aller Welt zu wenig; sie sucht immer andere Dinge. Sie jagt, hascht und greift immer mit heißer Begierde nach allem Schatten, nur nicht nach dem, was Gott ihr darbietet und in ihren Schooß gesender hat. Alle Gaben Gottes in der Welt sind der Welt lieber, als die höchste, beste und größte Gabe, die mehr ist als tausend Welten Christus und sein Reich, das Reich Gottes. Da es nun die Welt wegwirft, so greife du darnach, du kleine, von der Welt verachtete Heerde! Er wird dir desto mehr davon mittheilen, je mehr es von der Welt verschmåht wird. Aber bedenket doch: das Reich Gottes ist inwendig in euch. Luc. 17, 21. Die Welt will nichts Innerliches, denn sie sieht es nicht und kennt es nicht. Wer Gottes Reich will, muß einkehren in sein Herz und ein inniger Mensch werden, muß bey sich selbst gern zu Hause seyn, muß im Geiste wandeln und nicht im Fleische. - - Mel. 95. Das ist unbeschreiblich. 1. Alles will Gott drinnen in euch seyn- für euch; in dem 73 Herzen drinnen ist sein göttlich Reich. Da will er regieren, wenn sein Wort ihr hört, will euch selber führen, wenn ihr ihn nicht stört. 2. Er weiß die Gedanken all', die euch verwirrt, hålt euch felbst in Schranken; ruft, wenn ihr verirrt. Unter Menschenkindern wohnet Jesus gern; ist stets nah' den Sündern, nie dem Glauben fern. 3. Selbst mit seinem Blute macht euch Jesus rein; wirkt in euch das Gute, will euch Alles seyn. Folget ihr ihm immer, dann regiert euch Gott, und verläßt euch nimmer, selbst nicht in dem Tod. 4. Meine Hände falte ich, o Gott, zu dir; ach, regier und walte in uns allen hier! Gieb, daß wir verstehen Jesu Wort und Lehr', und nur Ihm nachgehen; Alles sey uns Er! Weisheit, Kraft und Leben, und Gerechtigkeit, und im bes sern Leben volle Seligkeit! Feneberg. L - 17. Februar. 48. Wahrlich, ich sage euch: es sey denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Zimmelreich komDenn ihrer ist das Zimmelreich. Matth. 18, 3. und 19, 14. men. Daß der Herr dieses nicht zu den einfältigen Leuten, von denen man glaubt, sie bedeuten nichts, und es wåre besser für sie, wenn sie einfältig blieben, sondern vorzüglich zu denen gesagt habe, die Etwas, ja die Ersten und Bedeutendsten in seinem Reiche seyn wollten, zu den Apostein selbst, das wissen und lesen wir vor und nach dem angeführten Spruche, und noch in so manchen andern Stellen, wo er scine Jünger zum Kleinwerden ermahnte. Und da er selbst der Kleinste und Kindlichste geworden ist, so lehrt es uns schon sein Beiſpiel, wenn er es auch nicht so deutlich mit Worten geſagt hätte. Wer kein Kind, wer nicht kinderartig werden will, der ist kein Candidat zum Himmelreiche, 74 wie soll er ein Lehrer und Führer ins Himmelreich werden oder seyn können? So unterscheidet sich dieses Reich vor allen andern Reichen: es ist das größeste, ist unermeßlich, und doch kann es kein Riese, und kein Gewaltiger oder Held erobern, nur Kinder können es einnehmen und an sich reißen. Da heißt's wohl auch, wenn ich schwach schwach wie ein Kindlein bin, bin ich stark, denn ich kann den Himmel heben und davon tragen. Wenn ich aber stark bin, bin ich schwach, daß ich gar nichts halten kann, daß ich alles, Himmel und Erde, fallen lassen muß. Mel. 29. Sier legt mein Sinn. Oder: Wir sind vom Va: ter auf dem. 1. O liebe Seele, könnt'st auf Erden, du klein noch wie ein Kindlein werden, so schautest du gewiß noch hier Gott und sein Paradies in dir. 2. Ein Kindlein ist gebeugt und stille, wie sanft, gelassen ist fein Wille! Es nimmt, was ihm die Mutter giebt, es lebt ganz froh und unbetrübt. 3. Man hebt es auf, man legt es nieder; man macht es ios, man bindt es wieder. Was seine Mutter mit ihm macht, es bleibt vergnügt und freundlich, lacht. 4. Vergißt man sein, es ist geduldig, bleibt allen freundlich und unschuldig; durch Schmähen wird es nicht gekränkt; an Lob' und Ehr' es gar nicht denkt. 5. Der Menschen Ansehn gilt ihm wenig; es fürchtet weder Fürst noch König. O Wunder! und ein Kind ist doch so arm, so schwach, so kleine noch! 6. Es kennt nicht das verstellte Wesen; man kann's an seinen Augen lesen; es thut einfältig, was es thut, und denkt von andern nichts als gut. 7. Mit Forschen und mit vielem Denken kann sich ein Kind den Kopf nicht krånken. Es lebt in süßer Einfalt so, im Gegenwärtigen stets froh. * G. T. St. 18. Februar. 49. Lieben Brüder! werdet nicht Kinder an dem 75 Verständniß, sondern an der Bosheit seyd Kinder; am Verständniß aber seyd vollkommen. 1 Cor. 14, 20. Vergl. Eph. 4, 14. Jch will aber, daß ihr weise seyd aufs Gute, aber einfältig aufs Böse. Rom. 16, 19. Paulus erklärt uns den Sinn Christi und zeigt uns, daß Christus nicht dummeinfältige Kinder, sondern edel einfältige Gemüther haben wolle, aufrichtige Herzen, die ohne Tücke, Falschheit und Heucheley sind. Nicht Kinder der Finsterniß, der Schalkheit und Bosheit; Kinder des Lichts, der Wahrheit und Gerechtigkeit will der Herr. Nur das Böse, das Arge in der Welt soll uns so fremde seyn als den kleinsten Kindern; aber das Sute sollen wir wohl besser wissen und verstehen als die ältesten und erfahrensten Weltkinder und Weltweisen. Wie David sagt: Du machest mich mit deinem Gebot weiser, denn meine Feinde Ich bin gelehrter denn alle meine Lehrer Klüger denn die Alten, denn ich yalte deine Befehle. Pf. 119, 98-100. Also nicht Kinder Dummheit, nicht Unwissenheit des KinderVerstandes, sondern Kinder- Einfalt und Reinheit des kindlichen Gemüthes meint der Herr und Paulus, wenn sie uns gebieten, Kindern ähnlich zu werden. Es zeigt sich auch, daß wahre Einfalt und Kindlichkeit der Sik der wahren Weisheit ist. Je reiner das Gemüth, desto heller der Verstand; je verschrobener das Herz, desto blinder und teuflischfinster der Kopf. Reinige dein Herz von aller Bosheit, so zündest du das Licht im Verstans de an. Duldest du aber Bosheit im Herzen, so löscht sie dir alle Lichter im Kopfe aus. = ― - Mel. 29. Wir sind vom Vater auf. 1. Ein Kindlein lebt frey, ohne Sorgen, in seiner Mutter Schooß verborgen, es läßt geschehen, was geschieht, und denkt fast an sich selber nicht. 2. Ein Kindlein weiß von keinen Sachen, was andre thun 76 und andre machen. Was ihm vor Augen wird gethan, schaut es in aller Unschuld an. 3. Sein liebstes Werk und sein Vergnügen ist, in der Mutter Arme liegen, zu schauen nur allein auf sie, sie zu umars men spåt und früh. 4. Es schåbet seiner Mutter Brüste mehr als die Welt und alle Lüste. Da findt es, was ihm nöthig ist, da schläft es ein und all's vergißt. 5. O liebe Unschuld, Kinderwesen! Die Weisheit hab' ich mir erlesen, wer dich besißt, is hochgelehrt, ist in des Höchsten Augen werth. 6. Kindersinn! O göttlich Leben! Dich kann nur Jesu Geist mir geben! Wie sehr sehnt sich mein Herz nach dir, o Jesu! schaff' es du in mir! 7. Laß mich, ich bitt' dich, noch auf Erden ein solch unschuls dig Kindlein werden; dann, o gewiß, schau ich schon hier Gott und sein Paradies in mir. G. T. St. 50. Wenn enn ich nur dich habe, was frag' ich nach Zimmel und Erde: Pf. 73, 25. Meine Seele harret nur auf Gott, denn er ist meine off nung. Pf. 62, 6. Siehe, wir kommen zu dir, denn du bist der Herr, unser Gott. Wahr: lich, es hat Ifrael keine Zülfe, denn am Herrn, unserm Gott. Jer. 3, 23. 19. Februar. — Was wäre der Himmel ohne Gott, ohne Jesus? wer möchte ohne Ihn im Himmel seyn? Gott, Chri stus ist also unser Himmel, weil der Himmel nicht Himmel wäre, wenn wir Gott, Christum nicht im Himmel hätten. Was ist uns die Erde, wenn wir Ihn nicht haben? Eine Hölle wahrlich ist alles, wenn man ihn nicht besitzt, seiner Liebe nicht gewiß ist. Aber nun sind wir selig überall, genießen himmelvolle Lust, wenn wir ihn nahe haben, und wir können ihn haben hier und dort. Wer sollte nicht all sein Streben, Sehnen, Glauben, Hoffen, Lieben dahin richten, Ihn, Ihn 77 zu haben, in ihm zu seyn. ,, Wer nur sich hat, sagte Jemand, hat nichts." Und wer die ganze Welt håtte, und nur die ganze Welt, der håtte doch nichts. ,, Die Welt besteht aus lauter Nullen, Zahlen sind nur die, in welchen Gott wohnet." Mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. Was wär' ich ohne dich gewesen? Und ohne dich, was würd' ich seyn? Zu Furcht und lengsten auserlesen, stånd' ich in aller Welt allein. Nichts wüßt' ich sicher, was ich liebte, die Zukunft wär' ein dunkler Schlund; und wenn mein Herz fich tief betrübte, wem that' ich meinen Jammer kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb' und Sehnen, würd' schwarze Nacht mir jeder Tag; ich folgte nur mit 3wang und Thränen dem wilden Unding, Schicksal, nach. Ich fånde Unruh' im Getümmel, und hoffnungslosen Gram zu Haus. Wer hielte ohne Gott im Himmel, wer ohne ihn auf Erden aus? 3. Hat Christus sich mir kund gegeben, und bin ich Seiner nur gewiß, wie schnell verzehrt ein selig's Leben die bodenlose Finsterniß. Für alle seine tausend Gaben bleib' ich sein demuthsvolles Kind; gewiß, ihn unter uns zu haben, wo zwey und drey beisammen sind. 4. Uch, geht hinaus auf allen Wegen, und holt die Frrenden herein; streckt jedem eure Hand entgegen, und ladet froh sie zu uns ein. Der Himmel ist bey uns auf Erden; im Glauben schauen wir ihn an. Die Eines Glaubens mit uns werden, auch denen ist er aufgethan. Hrdbrg. 20. Februar. 51. Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch. Joh. 14, 18. Jch bin gekommen, daß sie das Leben und volle Gnüge haben. Joh. 10, 11. Und ihr wollt nicht zu mir kom men, daß ihr das Leben haben möget. Joh. 5,40. Der Herr liebt die Seinen, wie seine Kinder, und kann sie daher nicht allein in dieser Welt lassen. Ist ihnen gleich seine sichtbare Gegenwart entzogen, um sie zu üben im Glauben an der Unsichtbaren, als sähen 78 sie ihn, so ist er ihnen doch im Geiste nahe. Und wo zu? warum kommt er zu den Seinen? Daß sie Leben und volle Gnuge, alles überschwenglich und in Fülle haben, was sie zum göttlichen Leben und Wandel bedürfen. Wehe dem, den seine Klage trifft: Ihr wollt nicht zu mir kommen wollt das Leben nicht geschenkt von mir annehmen, wollt den Tod lieber als das Leben. O Seele! da steht dein Heiland lebendig in seinem Wor te vor dir, und bietet dir sein Kommen in dein Herz, und mit ihm das ewige Leben an. In dir und außer dir und um dich ist lauter Tod und Finsterniß. willst du? was wählest du? Was - Mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. Ach, unser Herz war in der Sünde, wie in ein schweres Joch gespannt, wir irrten in der Nacht wie Blinde, von Neu' und Lust zugleich entbrannt. Das Herz war aller Sünden Quelle, das böse Wesen wohnte drinn. Und ward's in unfrem Geiste helle, so war nur Unruh' der Gewinn. 2. Da kam der Heiland, der Befreier, der Menschensohn voll Lieb' und Macht. Er hat ein allbelebend Feuer in unsern Herzen angefacht. Nun sehen wir den Himmel offen, als un ser wahres Vaterland, wir können glauben nun und hoffen, wir fühlen uns mit Gott verwandt. 3. Er tödtet nun in uns die Sünde, macht fröhlich uns bey jedem Schritt. Er giebt zum größten Angebinde den Kindern diesen Glauben mit. Durch ihn geheiligt fließt das Leben so leicht dahin in seiner Näh', und ewger Freud' und Lieb' ergeben, ist uns doch öfter wohl als weh! 4. Noch steht in wunderbarem Glanze der heilige Geliebte hier; gerührt von seinem Dornenkranze und seiner Treue danken wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, der seine Hand mit uns ergreift, und in sein Herz mit aufgenommen, zur Frucht des Paradieses reift. * Hrdbrg. 21. Februar. 52. Also spricht der hohe und Erhabene, der in der Ewigkeit wohnet, deß Name heilig ist: 79 Der ich in der Zöhe und im Zeiligthume wohne, und bey denen, die eines zerknirschten und demüthigen Geistes sind, auf daß ich lebendig mache den Geist der Gedemüthigten, und lebendig mache das Herz der Jerknirschten. Jef. 57, 15. Der Hohe und Erhabene kann nicht über sich, sondern nur unter sich sehen, weil nichts über ihm, weil er der Höchste ist. Daher sieht er und kann er nur sehen niedrige, gebeugte, demüthige Herzen, die der Hammer seines Wortes und die Kraft seines Geistes zermalmet und niedergeschlagen hat. Diese, ja diese und nur diese sieht er in Gnaden an, d. i. er richtet sie wieder auf, er macht sie lebendig, er heilt ihre Wunden, und erwählt sogar in ihnen zu wohnen. Die arme Hütte eines gebeugten Herzens ist dem Hohen und über alles Erhabenen nicht zu klein, nicht zu niedrig, sie gefällt ihm vielmehr so wohl, daß seine Liebe nicht vorübergehen kann, sondern einkehren und ihre bleibende Wohnung aufschlagen muß. Alle Hochmuthigen- und jeder nicht zerknirschte und nicht gebeugte Sünder ist hochmüthig, der über Gott hinübersehen und sich über ihn erheben will alle diese sieht Gott nicht an, kann sie nicht ansehen, weil er nur sieht, was sich unter ihn beugt. Darum beuge dich, o Mensch! und beuge dich immer, auch wenn du schon begnadigt bist, wenn Gott dich ansehen, bey dir wohnen und bey dir bleiben soll. — Mel. 10. Wach' auf, mein Herz, und singe. 1. Das ewige Erbarmen gehört nur für die Armen. Wen seine Sünden drücken, den will der Herr erquicken. Ihr blinden sichern Christen lebt in des Fleisches Lüften. Ihr bleibt in Satans Urmen; da hilft euch kein Erbarmen. 2. Wollt ihr zu Jesu Heerden, müßt ihr zerknirschet werden; das heißt, ihr müßt die Sünden als Greu'l vor Gott empfin 80 den, ihr müßt mit innern Schmerzen in euren bösen Herzen, die Lüste und die Tücken durch Gottes Licht erblicken. 3. Wer so vom Schlaf erwachet, und hasser, was er ma chet, und um Erbarmen schreiet, wird von dem Fluch befreiet. Doch wenn du jetzt gleich denkest, daß du zu Gott dich lenkest, wirst du doch bald mit Schrecken viel böse Lust entdecken. 4. Wenn du dir vorgenommen, mit Ernst zum Heil zu kommen, wird das, was du versprochen, nur allzu schnell gebrochen. Du magst dich sehr bemühen, dein Herz zu Gott zu ziehen, es wird doch tückisch bleiben, und dich zum Bösen treiben. 5. Es liegt nicht nur am Wollen, denn was wir Sünder sollen, dazu sind wir erstorben, und durch und durch verdorben. Das Wollen kommt von oben; in deinem Herzen toben viel tausend böse Kräfte, die hindern dein Geschäfte. * Wdf. 22. Februar. 53. Gott ist es, der in euch wirket das Wollen und Vollbringen nach seinem Wohlgefallen. Phil. 2, 13. Niemand kann zu mir kommen, es sey denn, der Vater ziehe ihn- es werde ihm denn von meinem Vater gegeben. Joh. 6, 44. 66. Was der Mensch aus eignem Willen und mit natürlichen Kräften anfängt, geht nicht weit, oder ist nicht rein und lauter vor Gott nicht in Gott gethan. Soll denn aber der Mensch die Hände in den Schooß le gen, und weder wollen noch wirken, weil er ohne des Vaters Zug und Kraft nichts vermag? Soll er warten und stille sitzen, bis Gott anfångt zu ihm zu kommen? Auf gewisse Weise allerdings; denn er soll kein Werk anfangen, ohne zuvor sich im Geiste, und, wenn es möglich ist, auch mit Leib und Seele sich vor seinem Gott und Heilande niederzuwerfen und sich Kraft und Stärke bey ihm zu holen. Denn Gott ist nicht ferne von einem jeden aus uns; in ihm leben, weben und sind wir, und er wohnt ja in denen, die sich vor ihm beugen, und wirket, wie Jesus sagt, Joh. 5, 17., immerdar; wirket - 81 also auch in dem alles, der gebeugt und zuversichtlich alles in ihm beginnt. Du darfst also keineswegs aufhdren zu wirken, sondern nur aufhören in deinem eignen Namen das Netz auszuwerfen; du sollst es nur im Naimen Gottes und Jefu anfangen, so wird er es nie daran fehlen lassen, in die Wollen und Vollbringen zu wirken, dich zu allem Guten zu ziehen, die alles zu geben, was du nöthig hast. mel. 10. Wach' auf, mein Herz. 1. Das Wollen und Vollbringen wird dir wohl nie gelingen. Du must an dir verzagen, das Herz zum Kreuze tra gen. Da, da hångt dein Erbarmer. S, freue dich, du Armer! Er wird nach deinem Krånken dir selber Alles schenken. 2. Du sollst mit stillem Flehen ihm auf die Hände sehen, dein Herz soll in sich kehren, des Geistes Säuseln hören. Bey fanfter Glaubens- Stille ergießt sich Jesu Fülle. Da fühlt man Gottes 3üge, greift zu und kommt zum Siege. 3. Durch stille seyn und hoffen wird hier das Ziel getroffen. Im Schooß sollst du ihm liegen; er streitet, er wird siegen. Das Beten, Ringen, Kämpfen, die Macht der Feinde dampfen, Verläugnen, Chun und Wachen sollst du durch ihn nur machen. 4. Wirf dich in seine Arme, und schrey: O Herr, erbarme! und führe meine Sachen, ich selbst kann gar nichts machen. Mein Thun ist lauter Sünde; und so, wie ich mich finde, so komm' ich schwer beladen, du hast mich so geladen. 5. Du bist zu uns gekommen, haft Sünder angenommen; ja um sie aufzusuchen, ließ'st du dir sogar fluchen. Ich kann mich selbst nicht heilen, doch darf ich nicht verweilen. Drum bitt ich, Quell der Gnaden! o heile meinen Schaden! 23. Februar. 54. Die Elenden und Armen suchen Wasser, und ist nichts da; ihre Junge verdorret vor Durst. Aber ich, der Herr, will sie erhören; ich, der Gott Jsraels, will sie nicht verlassen. Jef 41, 17. F 82 Der Herr führt manche Seelen auf sehr harten und rauhen Wegen durch das Leben. Sie wandeln wie durch Sandwüsten, wo sie kein Wasser des Trostes und der Labung finden, wo alle Quellen vertrocknet zu seyn scheinen. Wo man Trost sucht, findet man keinen, sondern überall noch größeres Herzeleid. Und selbst im Innern, in dem Heiligthume des Herrn, zeigt sich bey allem Flehen und Weinen kein Gnadenblick, als wenn Gott verwandelt wåre in einen Grausamen, wie Hiob meinte, Cap. 30, 21. Man hat mich in Koth getreten und gleich geachtet dem Staub und Asche; schreie ich zu dir, so ant wortest du nicht, trete ich hervor, so achtest du nicht darauf.( Vers 19. 20.) Damit müssen sich Seelen, die also verlassen zu seyn scheinen, wie Hiob, trösten. Die Erhörung ihrer Bitte wird und kann nicht ausbleiben. Gott kann sie unmöglich verlassen, wenn es gleich so scheint. Er ist in diesem Schreien, Seufzen und Sehnen schon nahe, und in dieser Dunkelheit ihr verborgnes Licht, das zu seiner Zeit helle in ihre Augen strahlen wird. mel. 29. Sier legt mein Sinn. Oder: Wir sind vom Vater. 1. Verschmachten muß die můde Seele! Wer ist's, der meine Qualen zähle? Ich sehe vorwärts und zurück, und finde keinen Gnadenblick. Ich suche Trost und finde keinen! ich möchte gern und kann nicht weinen! und weint' ich, ach! so scheinen mir die Thränen Heucheley vor dir. 2. Vor dir, den ich umsonst jetzt suche; mich drückt die Last von deinem Fluche! wie fern, wie himmelfern bist du! Ach, alles stròmt mir Schrecken zu. Nicht beten kann ich, kann nicht lesen! Wer bin ich, wer bin ich gewesen? Ach, alles donnert wider mich, Nacht, Sünde nur, und todt bin ich. 3. Und doch so sehr ich zag' und bebe; ich leb', und wer will, daß ich lebe? Wenn Gott mich haßte, lebt' ich noch? Allein, mein Leben, welch' ein Joch?- Sey's Joch, sey's Jammer nur und Bürde, wenn mich mein Schöpfer haffen würde, er gönnte mir das Sonnenlicht, das Leben und die Seele nicht. 4. 3war Nacht ist's, ach! von allen Seiten umringen mich nur Dunkelheiten. Doch du, der mir die Sonne zeigt, der - 83 tiebt mich auch noch, wenn er schweigt! Deckt Nachtgewölk die Sonne Gottes; die Sonne bleibt doch Sonne Gottes. bleibt die Liebe! Gnådig seyn muß er, und hüllt' er sich auch Gott cin! L. 24. Februar. 55. Der Herr ist freundlich und seine Gnade währet ewiglich. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über die, so ihn fürchten. Pf. 106, 1. und 103, 11. Gnade! o du beseligendes Wort! wer dich versteht, der hat schon den Himmel in sich. Doch wer nur das Wort hat, und nicht die Sache, die Gnade selbst, der hat wenig oder nichts; ja, es wåre besser, er hätte gar nichts, er kennete auch das Wort nicht. Die Gnade ist uns nicht gegeben, daß wir mit dem Worte spielen, sondern daß wir wirklich in der Gnade leben, und die Gnade oder den gnädigen, barmherzigen, lebendigen Gott und Heiland in uns leben lassen. Sage mir: Verstehst du, was dies heiße? Hast du die Gnade des lebendigen Gottes an deinem Herzen erfahren? O so bewahre, benuße, gebrauche sie, damit sie dir nicht entzogen werde. Denn ungebraucht schwindet sie. Wenn du aber in ihr lebst und sie gebrauchest, vermehret sie sich und wächst. Sey aber demüthig dabey, und vergiß nicht, daß sie umsonst gegeben ist; laß Gnade Gnade bleiben, und mache kein Verdienst daraus, aber auch kein Polster der Trägheit, um darauf einzuschlafen. Sie muß dich munter, wachsam, thåtig und lebendig in Christo machen und erhalten. Die Gnade währet ewiglich verkürze sie dir nicht. Die Gnade waltet himmelhoch, in solcher Fülle, als alle Himmel nicht fassen mögen, über uns, also wohl reichlich genug, daß wir alles, alle Tage, durch sie vermögen, und nicht schläfrig und tråge seyn dürfen. 82 - - 84 Mel. 10. Wach' auf, mein Herz, und singe. 1. So kann ich mich mit Freuden in dem Erbarmer weiden. Da find' ich neue Stärke, da thu' ich gute Werke. Und wenn mich etwas quålet, wenn viel, wenn wenig fehlet, so weiß ich meine Quelle; die hilft auf alle Fälle. 2. Doch, was ich Gutes habe, ist alles Seine Gabe. Wie könnte mir's geziemen, mich selbst vor ihm zu rühmen? Ich bin ja alles schuldig. Gott Lob, daß er geduldig die großen Mångel tråget und mein Gebrechen pfleget! 3. Was Jesus mir gegeben, das soll mich nicht erheben. Wellt er es mir entziehen, müßt' ich zur Hölle fliehen. Doch mach's mich auch nicht tråge; es hemm' nur eigne Wege. Wenn wir im Weinstock bleiben, so muß es Früchte treiben. 4. Der Ueberschwang der Liebe wirkt gleiche Liebestriebe; und seines Geistes Walten weiß uns in Zucht zu halten. In fauler Trägheit leben, heißt Jesu widerstreben; wenn wir die Kraft nicht brauchen, muß Gnade ganz verrauchen. 5. Wer sich der Gnad' ergeben, muß in der Gnade leben, in ihr, die alles machet, die leitet, sorgt und wachet. man nichts und alles durch unsern Trost des Falles. der schlechtste Sünder gerecht und Ueberwinder. Da kann Da wird 25. Februar. 56. fo Wenn dem Verderben gesteuret wird kommt die Gerechtigkeit überschwenglich. Jes. 10, 22. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt untergienge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenn gleich das Meer wüthete und wallete. Pf. 46, 3. 4. Wer ist der, daß ihm auch Wind und Meer gehorchen: Matth. 8, 27. Das Verderben in aller Welt, in der wir leben müssen, ist groß, sie liegt im Argen. Die Frommen aller Zeiten haben unser Leben in der Welt immer einer gefahrvollen Fahrt auf dem Meere verglichen. Da müs sen Winde wehen, Stürme kommen, sonst kommt das Schiff nicht in den Hafen. Doch unter allen Stürmen und Gefahren fürchtet sich der åchte Christ nicht, so 85 wenig als der heilige Sånger sich fürchtete, indem er diesen Pfalm sang. Das Meer dieses Lebens mag wůthen und wallen, wie es will, wer den rechten Steuermann bey sich im Schiffe im Herzen hat, fährt sicher und ohne Gefahr, und gelangt ohne Schaden in den Hafen der Ruhe. Ja, wer den Herrn bey sich drinnen hat, der zittert nicht, wenn die Welt unterzugehen schiene, und die Berge einzufallen drohten. Denn Er ist stårker als die Berge und das Meer, er ist der Herr der Welt; er kann allem steuren. Mel. 14. un sich der Tag geendet. Oder: Dein treues Aug' hat. 1. Mein Heiland ist mein Steuermann; so groß an Macht und Treu' treff' ich auf Erden keinen an, er steht mir immer bey. Mein Schifflein hat er selbst gebaut, so wasserdicht und fest. Mit Wind und Meer ist er vertraut, und niemals mich verläßt. - 2. Oft läßt er wohl geraume Zeit mich ziehn durch Sturm und Nacht; doch hat er meine Sicherheit schon vor dem Sturm bedacht. Er ankert selber her und hin, und lenkt der Winde Lauf; den Landungsplak hat er im Sinn, und führt mich sicher drauf. 3. Will oft mein Glaube sinken dann, so wandelt er daher, gebietet als ein Felsenmann dem Sturme und dem Meer. ,, Hier bin ich, ruft er, fürcht' dich nicht! und glaub' und liebe nur! Ich bleibe in der Nacht dein Licht, auch ohne helle Spur." 26. Februar. 57. Habe deine Lust an dem Herrn; er wird dir geben, was dein Herz wünschet. Pf. 37, 4. Jst auch ein Gott außer mir: Es ist kein Zort, ich weiß ja keinen. Jef. 44, 8. Durchsuche den Himmel, durchsuche die ganze Erde, ein n bessern Herrn wirst du nicht finden; Keinen, der dir giebt und geben kann, was dein Herz wünschet; Keinen, der dir die Sünde tilgen, dein Gewissen heis len; Keinen, der dir ein neues Herz, einen himmlischen 86 Sinn, Kraft und Lust, seine Gebote zu halten, geben kann; Keinen, der dir die lebendige Hoffnung zum ewigen Leben, zur göttlichen Herrlichkeit schaffen und sie so versiegeln und verpfänden kann, wie er; Keinen, auf den du dich in aller Noth so zuversichtlich und gewiß verlassen, von dem du so kråftige und schnelle Hülfe erwarten darfst, als von ihm. Er ist also der Unver gleichbare, der Einzige im Himmel und auf Erden. Aber wer kennt ihn, wer glaubt ihm also? Wem ist der Arm des Herrn offenbaret? ,, Nur, wer es erfahren, weiß allein, wie gut es sey, Eins mit ihm seyn." Ha= be deine Lust an ihm, das ist die einzige Bedingniß, so wird er dir alles seyn, alles geben, was dein Herz verlangt. Gieb nur dein Herz her, so giebt er dir alles hin. Sey nur ganz sein, so ist er ganz dein. Wenn alle Begierden deines Herzens auf ihn gerichtet sind, wie sich die Arme eines in Flammen liegenden Kindes nach der Mutter ausstrecken; wenn dein Verlangen ihn so umfaßt, so an ihm hängt, so wird er dir wohl mehr geben, als dein Herz verlangt; mehr als es verlangen kann; denn du kannst dir, ehe du es erfahren und genossen, keine Vorstellung machen von all dem Guten, Herrlichen und Seligen, was er denen giebt, die ihre Luft an ihm haben. Kein Auge hat's gesehen 2c. 1 Kor. 2, 9. mel. 22. Schon deines Namens. Oder: Die Seele Christi heilge mich. 1. Ich weiß noch keinen bessern Herrn; was mir gefällt, das thut er gern. Doch weiß ich keinen schlimmern Knecht, ich mach' ihm keine Sache recht. 2. Gott Lob! daß mir mein Herr vergiebt, und mich aus freier Gnade liebt. Gott Lob! daß er mich dulden kann. Gott Lob! er nimmt die Sünder an. 3. Drum bleib' ich stets bey diesem Herrn, und das von gan. zem Herzen gern; weil er mehr, als ich wünsche, thut; ja, bey ihm hab' ich's ewig gut. Woltersdf. 87 27. Februar.dil dels 58. Wir ermahnen euch aber, lieben Brüder, daß ihr noch völliger werdet; und ringet darnach, daß ihr stille seyd, und das Eure schaffet. 1 Theff. 4, 10. 11. Denn wir hören, daß etliche unter euch unordentlich wandeln und arbeiten nichts, sondern treiben Vorwig. Solchen aber gebieten wir, und ermahnen sie, durch unsern Herrn Jesum Christum, daß sie mit stillem Wesen arbeiten. 2 Theff. 3, 11. 12. Der verborgene Gerzens: Mensch mit unverrücktem, stillem und sanftem Geiste, der ist vor Gott köstlich. 1 Petr. 3, 4. Solche Ermahnungen der Apostel sind auch in unfern Tagen nicht überflüssig, denn es giebt auch jezt viele můßige Schwätzer, die viel vom Christenthume sprechen, und wenig thun. Deswegen sind diese Worte der Apostel jedem wahren Christen heilig; denn er bildet sich nicht ein, es schon ergriffen zu haben, er jagt ihm aber nach, und bestrebt sich immer völliger, d. i. vollkommner, treuer, eifriger, fleißiger zu werden, in jeder Hinsicht, in seinem geistlichen und leiblichen Be= rufe, in allen Stücken zu wachsen an dem, der das Haupt ist. Er weiß Herzensstille mit Berufstreue und unermüdeter Arbeitsamkeit zu verbinden. Und wer das nicht weiß, kennt die Gnade Christi, die Kraft des Evangeliums nicht. Der åchte Fromme låßt sich von Gott und Menschen nie anders antreffen, als beim Gebete, oder in der Arbeit, oder, wenn es am besten mit ihm steht, ben beiden zugleich; denn er weiß zu gut, daß das müßige Schwaßen, auch oft über gute Dinge nur das Herz zerstreut, die Seele leer und geistlos läßt. anstatt sie mit Salbung zu erfüllen. Wenn der Mund viel plaudert, ist gewiß keine Gnade, kein Friede im Herzen. Ein Herz voll Frieden Gottes bewahret seinen 88 Schat, deckt ihn zu, und arbeitet lieber, als daß es schwaßet. Ein Vielschwäßer, ein müßiger, unthätiger Mensch ist gewiß kein Christ, sey es auch, daß er nur über Bibel und Christenthum schwatt; viel weniger, wenn er von verborgenen und zukünftigen Dingen faselt, von denen er nichts weiß, sondern mit Vermuthungen, wie mit der Stange im Nebel, herumfährt. Der Apostel sagt uns, daß wir unser Christenthum nur durch Stilleseyn und Arbeiten beweisen sollen. Petrus fagt: Nicht ein vielwissender, nicht ein vielschwaßender, sondern ein stiller, sanfter Geist ist köstlich vor Gott, ein Herzens- Mensch, nicht ein 3 ungen- und Maul- Christ. Leset siebenmal diese apostolischen Ermahnungen, betet und prüfet euch. Paulus bittet und beschwöret euch durch Jesum Christum dazu. Las fet euch erbitten; und widerleget durch That die ungerechten Vorwürfe, die man der Frömmigkeit macht; zeiget durch euren fleißigen und stillen Wandel, daß Christi Geist uns bey aller Innigkeit und Stille doch nicht tråge und unthätig macht. mel. 22. Schon deines Namens. Oder: Die Seele Christi heilge mich. 1. O sanfter Jesu! stilles Lamm! der stillen Seelen Bräutigam! hier legt sich ein zerstreutes Herz mit Reue vor dir niederwärts. Ich fühle die verkehrte Art, die sich nicht gern in dir bewahrt. Denn ehe ich mich's kaum versehn, spür' ich schon eitle Winde wehn. 2. Wie bald schweift hier mein Denken aus? wie bald fährt dort ein Wort heraus? wie oft geb' ich dem Fleisch Gehör? wie schnell häuft dies sich immer mehr?- Bald leid' ich bey der Welt Gefahr, und nehme meiner selbst nicht wahr. Sie macht mich gar so leicht zerstreut; da fühl' ich Geiftes- Trockenheit. 3. Bald fångt mich diese böse Art in deiner Kinder Gegens wart. Da glaub' ich sicherer zu seyn. Doch stellt sich Satan auch mit ein. Sonst bessert die Gemeinschaft sehr; so aber schadet sie nur mehr. Wir werden mit einander kalt, durch unfers leichten Sinns Gewalt. 4. Ein andermal gelingt es mir. Ich freue mich und danke 89 dir. Doch mitten finn gar nicht gut. in dem frohen Muth macht's kühner Leichts Komm, Jesu, komm in's Herz und Haus, und treib den eitlen Sinn hinaus! und laß mich fleißig, still und rein und einen Herzens- Menschen seyn! * Wdf. 28. Februar. 59. Herr, wer ist dir gleich: wer ist so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wunderthätig: 2 mos. 15, 11. Herr Gott Zebaoth, wer ist wie du: Ps. 89, 9. Des Herzens Lust, Zerr! stehet zu deinem Namen, und zu deinem Gedächtniß. Jef. 26, 8. War der Herr den frommen Herzen des Alten Bundes das höchste Gut, mit dem nichts zu vergleichen ist; hat er sich ihnen schon so überschwenglich mitgetheilt, da die Wolke noch über dem Heiligthume hing; haben sie ihn schon so erfahren, daß ihnen alle Lust zu allen andern Dingen verging, und er und sein Andenken die einzige und höchste Freude ihres Herzens war; was sollen wir im N. B. erfahren, wo alle mit aufgedecktem, enthülltem Angesichte, wie in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn schauen und in dasselbe Bild uimge= wandelt werden? 2 Kor. 3, 18. und 4, 6. Was hat Er an uns gethan? was thut er tåglich an Seelen, die Seiner harren? was wird und will er in Ewigkeit an uns thun gemäß seinen Verheißungen? Wer das weiß, und im Genusfe seines Heiles lebt, der ruft freilich voll Verwunderung tausendmal aus: Herr! wer ist dir gleich! Dem kann kein Gedanke an etwas anderes aufsteigen; der kann keinen Wunsch, außer oder neben Ihm etwas zu besißen, in seiner Seele beherbergen. Wer ist so gütig, so freundlich, so gnådig, wie Er? Wer giebt, wer vergiebt so viel und so oft, wie er? Wer håtte so viele Geduld und Langmuth mit unsern schwa- 90 chen Herzen, die immer den Irrweg wollen; die so oft von ihm abweichen? Nein, so ist Keiner, wie er. Sein Name, sein Gedächtniß sey und bleibe die einzige Luft unsers Herzens. Nichts sey uns so lieb, wie er.€ 3 mag so schön, groß, reißend und vielversprechend seyn, als es wolle, ihn soll es uns nicht aus dem Herzen verdrången; seine Stelle soll Nichts in unserm Herzen einnehmen. Er sey es ganz allein, den unsre Seele umfångt, hålt, und nicht mehr gehen läßt. Ihm müsse alles weichen; er müsse alles aus unserm Gemüthe verdrången, was neben ihm nicht bestehen kann. Unser ganzes Wesen sage jeden Augenblick, als wie mit tausend Zungen: Herr, wer ist wie du?! mel. 86. Ich bete an die Macht der Liebe. 1. Ich weiß nicht, was ich wünschen könnte, das liebste Wesen ist schon mein! Wenn man mir alle Welten nennte, ich zieh' ihn vor und bleibe sein. Wie viele gehn einher vergebens! Sie suchen nicht die Quell' des Lebens. 2. Der Eine denkt, er hab's ergriffen. Und was er hat, verschwindet gleich. Der will die ganze Welt umschiffen; getäuſcht ist jeder, feiner reich. Der läuft nach einem Lorbeerkranze, betrogen von dem irdschen Glanze. 3. Hat Goit fich euch nicht kund gegeben? Vergeßt ihr, wer für euch verblich? Wer dort am Kreuz sein Blut und Leben für uns hingab so mildiglich? Habt ihr von ihm denn nichts gelesen, wie himmlisch gut er uns gewesen? 4. Wie Er vom Himmel hergekommen- der Schöpfer als ein Menschenkind! Welch Wort die Welt von ihm vernommen? wie viel durch ihn genesen sind? wie er von Liebe nur beseelet das Kreuz, den Tod, das Grab gewählet? 5. Kann diese Botschaft euch nicht rühren? Ist so ein Mensch euch nicht genug? Und öffnet ihr nicht eure Thüren dem, der die Hölle für euch schlug? Laßt ihr nicht Alles für ihn fahren? wollt ihr eu'r Herz nicht ihm bewahren? 6. Nimm du mich hin, du Gott der Liebe? Du bist mein Leben, meine Welt! Wenn nichts vom Irdischen mir bliebe, so weiß ich, wer mich schadlos hält. Du giebst mir Alles, Alles wieder; anbetend sink' ich vor dir nieder. * Hrdbg. 91 60. 29. Februar. wird seine Zeerde weiden, wie ein Hirte. Jef. 4, 11. Der Israel zerstreuet hat, wird's auch wieder sammeln, und wird ihrer hüten, wie ein Hirte seiner Heerde. Jer. 31, 10. Siehe, ich will mich meiner Zeerde selbst annehmen, und sie suchen, wie ein Hirte seine Schafe suchet, wenn sie von seiner Zeerde verirret sind. Ezech. 34, 11. 12. Die drey großen Propheten, Jesaia, Jeremia und Ezechiel, bezeugen uns die Hirtentreue Jesu, die er uns selbst, Joh. 10. und Luk. 15., so schön und rührend geschildert hat. Er ist kein furchtbarer, schrecklicher Herrscher, er ist unser Hirte; er betrachtet uns nicht als seine Sklaven, sondern als seine Schafe; er sucht nicht Wolle, oder Nutzen und Vortheile von uns, sondern unser Wohl und unsre Seligkeit. Er verachtet keines seiz ner Schafe, auch das elendeste nicht, auch die verirr ten, verlornen nicht, er sucht sie mit unermüdetem Eifer; und hat er Eines gefunden, so ist ihm, als hätte er ein Königreich gefunden. Er nimmt alle an zu seinen Schafen. Was die Welt verachtet und auswirft, das sammelt er mit Sorgfalt und Liebe, hütet und bewahret es mit zärtlicher Treue. Er überläßt seine Schafe nicht den Miethlingen, er nimmt sich aller seiner Schafe selbst an. Welche Vortheile hat also ein Schäflein Christi, das ihn als seinen guten Hirten kennt, seine Hirtentreue erfährt, und unter seiner Hut steht! Ach, warum eilen ihm nicht alle Menschen zu? Warum verschmähen so viele dieses große Glück, ein Schäflein Christi zu seyn? Wann kommt die Stunde, da nur Ein Hirt und Eine Heerde seyn wird? Sie wird, sie muß kommen, der Israel zerstreuet hat, wird's auch wieder sammeln. Mel. 98. Yun banket alle Gott. 1. Ihr Menschen möget euch mit tausend Sachen plagen; 92 ch will euch meinen Sinn mit Einem Worte sagen: Läßt sich gleich Jedermann mit andern Dingen ein; mich freut, mir gnügt nur dies, ein Schäflein Christi seyn. Waf. 61. Erster Må v z. r Passions- Betrachtungen. Wenn man aber sagen wird: Was sind das für Wunden in deinen ånden!- Wird er sagen: So bin ich geschlagen im Hause des rer, die mich lieben. Schwert, mache dich auf über meinen irten, und über den Mann, der mir der nächste ist, spricht der Herr Jebaoth. 3ach. 13, 6. 7. — Die dich liebten, schlugen dir deine Wunden?! Die dich lieben sollten, das Volk, das nach deinem Namen genennt wird, das in aller Welt dafür bekannt seyn wollte und stolz darauf war, daß es den wahren Gott kenne, und seinen Sohn, als Messias, Erlöser und Heiland vom Himmel herab erwarte. Dieses Volk hat dich geschlagen, deine sogenannten Geliebten, Auserwählten, Israels Kinder. Wer schlägt jezt den Herrn? wer anders, als eben wieder sein Volk, das sich nach seinem Namen nennt und dafür bekannt seyn will, daß es an Christum glaube, ihn ehre und liebe. Die Heiden schlagen ihn nicht, sie kennen ihn nicht. Aber die Sei nigen, die ihn lieben sollten, schlagen mit allen Waf fen der Sünde auf ihn zu. Und er låßt sich schlagen, um zu heilen, die ihn schlagen!- Auch der Vater hat dieselbe Liebe zu den Undankbaren, daß er das Schwert des To es über seinen Sohn herausfordert, über den, der ihm der Nächste ist an göttlicher Natur und ewigem Wesen. Welch ein Wort im Munde Gottes: Schwert! - 93 mache dich auf, schlage meinen Hirten- für die Schaschlage den, der mir am nächsten, am ähnlichsten damit die Entfernten von mir, die Tiefgefallenen, nahe gebracht und heraufgeholt werden aus ihren Tiefen, aus Abgründen des Verderbens. Siehe da den Rathschluß Gottes, das Urtheil über seinen geliebten Sohn, zu deiner Seligkeit! Der Vater hat all den Leiden gerufen über seinen Sohn, nicht, weil er ihn nicht liebte, sondern weil sie beide die Menschen gleich lieb hatten, von denen sie nicht gelicbt, sondern gehaßt wurden. Liebe! nimm dir unsere Herzen gefangen! Da ist das meine! fe ist — 1 mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Sünder! freue dich von Herzen über deines Jesu Schmerzen! Laß bey seinem Blutvergießen süße Freudenthrånen fließen. Er hat sich für dich gegeben. Such' in seinem Tod das Leben. Ihn am Kreuze anzusehn, soll dir Leib und Seel' durchgehn. 2. Ach, wie groß ist dein Verderben! Ohne Jesus mußt du sterben! Blind und todt sind deine Kräfte, Sündigen ist dein Geschäfte. Ja, im Himmel und auf Erden kann dir nicht geholfen werden. Willst du nun nicht gar vergehn, mußt du ihn am Kreuze sehn. 3. Gott im Fleisch, mit Dorn'n gekrönet, hat dich mit ihm selbst versöhnet. Seine Chránen, Schweiß und Wunden hat die Lieb' zu dir erfunden. Ihm, ihm bleibt allein die Ehre, daß er deinen Tod zerstöre. Kannst du ihn am Kreuze sehn, so wirst du vor Gott bestehn. 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, wie sie deine Seele binden, wie sie dein Gewissen quälen, wie dein Jammer nicht zu zählen; o so komm mit deinen Ketten, der am Kreuze will dich retten. Wahrlich! Gottes Heil genießt, wem sein Blut ins Herze fließt! 5. Sünder macht der Heiland selig, sein Erbarmen ist unzählig. Er giebt Buße, er giebt Glauben, Licht dem Blinden, Ohr dem Tauben. Seine Liebe will umfassen alle, die sich retten lassen. In ihm ist gewisses Heil! Glaube, es wird dir zu Theil! * Wdf. 94 2. März. 62. Er entäußerte sich selbst, nahm Knechtsge stalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze. Phil. 2, 7. 8. - Seine Entäußerung und Erniedrigung können wir nicht begreifen, weil wir seine Erhabenheit und Herrlichkeit, die er von Unbeginn beim Vater hatte, nicht fassen. Wir können nicht ermessen die Höhe, in der er war, darum können wir auch nicht ergründen die Tiefe, in die er sich herabgelassen hat. Aber genug, wir wis sen, er war der Höchste und ward der Niedrigste; er war der Allmächtige und wurde der Ohnmächtigste, der Schwächste; er war der Heiligste, und nahm die Sünden aller Welt auf sich. Die Liebe zu uns trieb ihn in diese Tiefen herab. Denn er mußte gerade so tief herabsteigen, als tief wir gesunken und gefallen waren, um uns herauszuholen aus dem tiefsten Verderben. Er hat es gethan, der treue Gott, und will dafür von uns nichts als Liebe, und daß wir mit Dank genießen und besißen, was er uns durch seine Erniedrigung bis zum Tode am Kreuz erworben hat. Wir sollen davon leben und selig seyn, daß er litt und starb. Alles war verloren für den Menschen durch den Fall; alles wurde wieder erfunden und hergestellt durch die Erniedrigung Gottes. Alle Menschen waren Gefangene und Sklaven der Sünde, des Todes und der Hölle, alle wurden frey, er= lös't, losgekauft durch die Verkaufung, die Bande, die Gefangenschaft und das Kreuz des Sohnes Gottes. Alles Blut auf Erden war verdorben, vergiftet und verflucht; alles kann gerettet, geheilt, gesund und gesegnet werden durch das Blut des Versöhners. mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du. 1. Halleluja! Der Mensch soll selig werden. Gott selbst 95 wird Mensch und lebt und stirbt auf Erden. Der Sohn des Höchsten nennt uns seine Brüder, und ehrt uns wieder. 2. Ein Mensch, wie wir, ein Kind, wie andre Kinder, in armer Knechtsgestalt verfluchter Sünder; ein Kind, in Heu und Stroh, am Kreuz, im Stalle, das rettet alle. 3. Er lag, wie wir, in seiner Mutter Leibe, er tritt ans Licht durch die Geburt vom Weibe. Er läßt sich uns an allem gleich erfinden nur nicht in Sünden. 4. Warum? weil durch den Fall die Welt verloren, und ohne Sünde wird kein Mensch geboren. Gott hieß die ganze Schaar der Menschenkinder, verfluchte Sünder. 5. Er sab ja selbst vom Himmelsthron hernieder, und suchte seine felgen Menschen wieder. Vielleicht ist unter allen doch noch Einer! Doch da war Keiner. - - 6. Drum ward im Zorn der Himmel zugeschlossen. Und håtte Jesus nicht sein Blut vergossen, so hatte Donner, Blitz und alle Plagen die Welt zerschlagen. 7. Nun aber, da der Gottheit Sohn auf Erden verblutet, foll kein Mensch verloren werden. Nun lacht der Himmel, nun frohlockt die Erde- die Menschenheerde! 8. Nun blickt der Herr mit Freundlichkeit hernieder; nun strahlt ihm Einer, Einer unsrer Brüder so angenehm, so lieblich in die Augen, daß alle taugen*). Wdf. *) Die an ihn lebendig glauben. 3. Marz. 63. Es ist Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung. 1 Tim. 2, 5. 6. Sürwahr, er trug unsre Krankheit, und lud auf sich unsre Schmerzen- er ist um unserer Missethat willen verwunder, und um unserer Sünde willen geschlagen. Jes. 53, 4. 5. L Daß unser Erlöser obwohl ewiger Gott, doch auch wahrer Mensch war, daß er fühlte wie ein Mensch, daß er wahre menschliche Natur, die des Leidens fähig ist, angenommen hatte, zeigte sich immer in seinem Le= ben, aber doch besonders in seinen letzten Leidenstagen. - 96 Darum sagt Paulus deutlich, der Mensch Jesus Chri. stus, den er sonst Gott, hochgelobt in Ewigkeit, nennt, der in göttlicher Gestalt war, der hat sich ausgeleert und selbst erniedrigt. Als Gott konnte er nicht leiden, die Liebe trieb ihn aber doch, die Menschen durch Leiden zu erlösen, und ihnen durch Sterben seine Liebe zu beweisen, indem er selbst die von ihnen verdiente Stras fen des Todes duldete; darum mußte er menschliche Natur annehmen, und sich in unser Elend und in unsre Schwachheit kleiden. Wer von uns möchte eine Schlange, ein Thier werden? und doch wäre das für uns nicht so erniedrigend und demüthigend, als es für den Sohn Gottes war, ein Mensch, den verdammten Sündern gleich zu werden, und als ein Missethåter zu sterben; vor Todesangst Blut zu schwißen, mit dem Tode zu ringen, sich von Gott verlassen zu fühlen, verflucht und verworfen zu werden von seinen Geschöpfen, ges schlagen, verwundet, angespieen, unter die Uebelthåter gezählt zu werden u. s. w. Das alles, und wie viel mehr, that ein Gott- Mensch für dich, o Seele! All' seine Angst, Schmerzen, Wunden und Striemen, die du an ihm erblickst, hast du ihm verursacht, das hat er freiwillig für dich gelitten, um dich davon zu erlösen, und die Freude und Seligkeit zu bereiten. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du. 1. Der ew'ge Gott, der morgen, gestern, heute, der Schöpfer, leidet für uns arme Leute. Die höchste Kraft kann matt und müde werden, und stirbt auf Erden. 2. Er fühlt am Selberg, was Verdammte fühlen; er fälut zur Erde, weil wir alle fielen. Ach, zitternd liegt er auf dem Angesichte im Zorngerichte. 3. Immanuel! ein Engel muß dich stårken! Hier kann man deine wahre Menschheit merken. Wenn Bache Belials auf dich zudringen; wie mußt du ringen! 4. Du fühlst dich endlich gar von Gott verlassen; es ist, als wenn dich Gott und Menschen hassen. Ihr Todes- Kinder freut euch dieses Burgen! Er läßt sich würgen. 97 5. So bist du denn ein wahrer Mensch gewesen. Ich glaube fröhlich, was wir davon lesen. Du bist erstanden! Thomas muß es glauben; wer will mir's rauben? 6. Ihr Menschen, wenn ihr diesen Mann nicht kennet, so seyd ihr werth, daß man euch Teufel nennet. Es ist nur Einer, der die Menschen krönet, der sie versöhnet. - 7. Das Blut soll euch bey seinem Blute wallen! Mit Bittern müßt ihr ihm zu Füßen fallen. Mit Freuden nehmt ihn an zum Gott und Fürsten; das ist sein Dürsten. 8. Nennt euch im Glauben seine selgen Brüder, doch schenkt ihm euer Herz und Alles wieder; denn was er hat, und thut, und spricht und denket, ist euch geschenket. * Wdf. 4. März. 64. Und sie gingen hinaus an den Oelberg, da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle an mir årgern. Und er fing an zu zittern und zu zagen. Matth. 26, 30. 37. - Möchten alle Herzen der Menschen sich im Geiste dahin begeben, und nur eine Stunde recht ernstlich betrachten, was der Heiland da für sie gelitten hat, ge= wiß, sie würden alle der Sünde und Welt Abschied geben, und sich ihm in die Arme werfen sie würden Christen. Nun du, frommer Christ! wenn sie alle nicht mit dir gehen, wenn sich alle an ihm årgern, wenn sie alle seine Leiden zu geringe achten; so eile doch du recht oft zu ihm hin, zu deinem leidenden Versöhner, und laß es dein liebstes Geschäft auf Erden, deine Herzenslust seyn, in den Leiden des Erldsers deine Seele zu weiden. Du kannst keine wohlriechendere Blumen, keine Herz und Geist stårkendere Gerüche finden, als in diesem Garten. Es kann dir kein helleres Licht leuchten, als in dieser Nacht, wenn du dich zu deinem Heiland am Delberge hinwirfst und ihn betrachtest, wie er für dich betet, weint, seufzet, ringt, sich ångstet und Blut schwiz= - 98 zet. O laß diese heiligste Geschichte, die allermerkwürdigste, die je auf Erden geschehen und geschrieben worden ist, nicht vergeblich für dich geschrieben seyn; sondern sammle dit alles, was von den Schmerzen und Leiden deines Heilandes aufgezeichnet ist, als köstliche Kleinodien in den Schatz deines Herzens, und weide deine Augen Tag und Nacht daran, so bist du reicher und glücklicher, als alle Glücklich- und Reichgenannten auf Erden. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du. 1. Komm, Kind der Nacht, das gern im Dunkeln wandelt, und wider sein Gewissen gottlos handelt; kommt alle, die ihr noch das Finstre liebet, und Sünde übet. 2. Seht eine Nacht, in welcher tausend Schrecken den allergrößten Held mit Angst bedecken; die Nacht, in welcher Judas Frevelthaten den Herrn verrathen. 3. Dort finkt mein Lamm, und kniet und fällt zur Erden. Sollst du, o König! so erniedrigt werden? Was bringt dein Angesicht, vor tiefen Schrecken den Staub zu lecken? 4. Du schreist und bebeft mit gehäuften Thrånen, wie Sunder, die sich nach Erbarmung sehnen; du finkst und scheinst bey dieses Kelches Trinken gar zu versinken. 5. Will denn dein Gott nun nicht mehr nach dir blicken? und darf dich kaum ein Engel noch erquicken? Seht, wie ein Wurm muß sich mein Heiland krümmen, im Jammer schwimmen! 6. Uch seht das Leben mit dem Tode ringen! Denn wer kann sonst den ew'gen Tod bezwingen? Wahrhaftig, ihn ergreift an meiner Stelle die Gluth der Hölle. 7. O Angst, die ihres Gleichen nie gefunden! du schlägst dem Lamm die allertiefsten Wunden. Es muß des Vaters Abscheu an den Sünden im Zorn empfinden. Wdf. 5. Marz. 65. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und er betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Luc. 22, 44. 99 Wie wenig Worte! wie kurz beschrieben! und welch ein Inhalt! Jahrhunderte reichen nicht hin, alle Zungen und Federn sind zu wenig, um auszusprechen oder zu beschreiben, was der Heiland da gelitten hat. Der Todtenerwecker, der das Leben wie der Vater in sich selber hat, der Allem Leben und Odem und Alles gegeben hat, ringt mit dem Tode, ist voll Todesangst; wie unbegreiflich, und doch wie erfreulich, wie glaubwürdig! Das Leben, der Urheber des Lebens ringt mit dem Tode, damit er allen todeswürdigen Sündern Leben und Seligkeit mit Recht geben könnte. Er ringt mit dem Tode, und die Angst, die Bangigkeit preßt ihm Blutschweiß aus, und du willst dir keine Gewalt anthun, der Sünde, die ihn so quålet, los zu werden. Er betet und betet immer heftiger, dringender, und du willst nicht anhalten im Gebete, sondern deine Hände so bald sinken lassen? Er schwitzt Blut wegen deiner Sünde; dir ist weder angst noch bange, du kümmerst dich nicht um deine Seligkeit; du überläßt das dem guten Gott, und ergiebst dich deinen Neigungen. Ach, ich fürchte, daß du den blutigen Schweiß deines Heilandes unbenußt zur Erde fallen låssest, und daß er für dich verloren gehe. Komm doch, und eile an den Delberg, suche seine Blutstropfen, bete, ringe mit deinem Heilande, bis Du seines Blutes Kraft und Wirkung an deinem Herzen fühlst, bis du Frieden in ihm gefunden hast. Aber laß es dann nicht mehr fallen, sondern halte ewig fest, was du in ihm findest. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du. 1. So ringt und dringt der Tod in seinem Herzen, die Seelenarbeit, Mattigkeit und Schmerzen, bis Fleisch und Adern unnatürlich schwitzen, und Blut verspritzen. 2. Es fällt, wohin? auf die verfluchte Erde, daß Grund und Boden ausgeföhnet werde. O süßer Thau! o Tropfen voller Segen! du goldner Regen! 3. Wer will denn nun die Welt vermaledeien? wenn Christi 2 100 Schweiß und Blut um Gnade schreien? Die Erde soll durch dieses fette Thauen sich blühend schauen. 4. Du aber, der du rauhe Disteln trågest, und keinen Trieb zu edlern Früchten hegest; bedenke, welch ein Fluch wird solcher Erden am Ende werden? 5. Muß Gottes Lamm so unbegreiflich zittern; Mensch, welch ein Donnerschlag wird dich erschüttern, wenn das: ,, Geht hin, Berfluchte!" dir begegnet, wenn's Flammen regnet? 6. Erschrick einmal und sinke bis zum Staube; denn in zerschlagnen Herzen wächst der Glaube; der Glaube, der die Sünde heftig scheuet, beweint, bereuet. 7. So wird dich Schweiß und Blut von Jesu neßen, und deinen Geist ins Paradies versetzen; so werden diese Tropfen schon auf Erden dein Himmel werden. 8. Ich aber, Lamm! ich öffne meine Lippen. Mir ekelt vor den eitlen Lustgerippen; dein Schweiß und Blut soll mich bis zum Begraben unendlich laben! Wdf. 6. März. 66. Laffet uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der, da er wohl hätte mögen Freude haben, das Kreuz erduldete und die Schmach nicht achtete, nun aber zur Rechten der Kraft Gottes fizet. Hebr. 12, 2. Wer überwindet, dem will ich geben mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen; wie ich überwunden habe, und bin gesessen mit meinem Vater auf seinem Stuhl. Off. 3, 21. In heißen Leiden und tiefen Dunkelheiten ist nichts heilsamer, tröstlicher und stärkender, als der Blick auf Jesum, den leidenden und gekreuzigten Heiland. Dars um schaue nicht hin und her, und suche dir nicht da oder dort bey Menschen und in Kreaturen deinen Trost; suche ihn, wo er zu finden ist, wo er für dich bereitet liegt blick auf Jesum, der das Werk des Glaubens in dir angefangen hat, der wird und muß auch dein - 101 Vollender seyn. Sieh ihn leiden, sterben sich ihn, dem ewig alle Freude und Herrlichkeit im Himmel zu Gebote stand, und der doch freiwillig alle Freude verließ, und für dich Kreuz und Tod erwählte, aber durch Kreuz und Tod wieder in seine Herrlichkeit einging. Was seine Gotteskraft in seiner Menschheit konnte und wirkte, das kann sie auch in dir, in deiner menschlichen Natur: denn du bist Bein von seinem Beine, Fleisch von seinem Fleische. Wie er überwunden hat in der großen Noth und Angst, in allen Leiden, so wirst auch du durch ihn überwinden, wenn du im Glauben auf ihn schauest. Wie er nach seinem Leiden zur Rechten Gottes erhöht, auf Gottes Throne sigt, in seiner menschlichen Natur; so wirst auch du durch ihn erhoben werden, wenn du überwindest durch ihn. Was er durch sich selbst konnte und ward, das kannst und wirst du durch ihn. Folge ihm mit deinem Blicke vom Delberge bis zur Rechten Gottes, und laß seine Kraft in vir mächtig wirken, so wirst du auch mit ihm vom Leiden in die Herrlichkeit eingehen. - Mel. 29. Sier legt mein Sinn sich vor. 1. In jenen dunklen Jammerstunden, was hast du, Jeſus, dort empfunden! Duzagtest in Gethsemane, mehr als kein Sunder schmachtete! 2. Doch konnte Gott, dein Gott, dich stillen; du unterwarfst dich seinem Willen, und endlich sank die Dunkelheit, dein Leiden wurde Herrlichkeit. 3. Und nun, wenn mich die schwere Bürde zermalmender noch drücken würde, will ich im Dunkeln dir vertraun; wer glaubt, wird deine Hülfe schaun! 4. Und bin ich gleich der größte Sünder, erwart' ich Gnade doch nicht minder! Du hilfst dem größten, hilfft auch mir, verzag' ich, Jesus! nicht an dir. 5. Und wenn du lang' noch schweigen solltest, mich schmachten ließest, tödten wollteft; verzweifeln will ich dennoch nicht bist du doch meine Zuversicht. 6. Dein Bruderherz ist doch mir offen! wo nichts zu hof 102 fen, will ich hoffen! So lange Jesus Jesus heißt, so lange hofft mein dunkler Geist. 67. 7. März. Und er fiel nieder auf sein Angesicht und betete, und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gebe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Was bist du, o Mensch? wie tief bist du gefallen, daß Gottes Sohn deinetwegen zur Erde sinken, und also ringen muß! Wie groß muß dein Verderben, wie schrecklich deine Sünde, wie gefährlich deine Wunde, wie unheilbar deine Krankheit seyn, da dein Arzt sich so viel bemühen, sich so zerarbeiten, so anstrengen, solche Angst und Noth ausstehen muß? Aus dem Mittel, welches zu deiner Wiederherstellung angewendet wurde, kannst und sollst du schließen auf deine Krankheit. Das Mittel ist schrecklich, man kann es ohne herzzerreißenden Schmerz nicht ansehen; es verwundet wie ein zweischneidend Schwert das Innerste der Seele, und geht durch Mark und Bein; wie schrecklich, wie verzweifelt muß dein Schade, deine Krankheit seyn! Lerne doch an deinem Versöhner und Mittler, an deinem Arzt und Heiland, an seinem Leiden dich selbst kennen, wer und wie du bist. Demüthige dich doch einmal, und wirf dich zu ihm hin auf die mit seinem für dich vergossenen Angstblute ge= fårbte Erde, und fasse seine Blutstropfen auf in dein Herz, daß sie es erweichen, åndern und reinigen. Dieſen bittern Todeskelch hast du ihm eingeschenkt. Du hast den Tod und des Todes Schrecken in diesen Kelch gethan, durch deine Sünden, und er mußte ihn trinken. Dafür reicht er dir nun dar den Kelch des Heils und des Lebens. Sche deinen Glaubens- Mund an, und trinke. Siehst du deinen Heiland, auf seinem Angesicht liegend, — 103 für dich beten und den bittersten Kelch für dich trinken; so schäme dich nicht, auch deine Kniee zu beugen, ja auch auf deinem Angesicht ihm abzubitten, ihn anzubeten, und dir Kraft und Gnade zum Kampf und zur Geduld in deinem Pilgerlauf auszubitten. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Hier liegt mein Heiland in dem Garten auf seinem heilgen Angesicht, beschwert mit Leiden aller Arten; ihn drückt der Sünden Zorngericht. Angst, Noth und alle Trauerwogen, die haben Leib und Seel' umzogen. 2. Er klagt, er zagt, seufzt: Hochbetrübet ist meine Seele bis zum Tod. Er ruft den Jüngern: Daß ihr bliebet, mit mir zu wachen in der Noth,- izt, da mir aller Menschen Sünden Herz, Geist und Leib und Seele binden! 3. Er liegt, mein Jesus, auf der Erden, ruft: Bater! kann es möglich seyn, so laß von mir genommen werden des bittern stelches schwere Pein! Doch, den Gehorsam zu erfüllen, nach deinem, nicht nach meinem Willen! 4. Ich seh' ihn mit dem Tode ringen, und matt im vollen Schweiße stehn. Blutstropfen seh' ich aus ihm dringen, und feine Seele fast vergehn. Sein Ungstschweiß will nicht stille werden, er läuft wie Bâche Bluts zur Erden. 5. Die Noth, die meine Sünd' erwecket, der Kelch, der mir war eingeschenkt, hat seinen heilgen Leib bedecket, und seine Seel' in Ungst betränkt; weil er all meinen Seelenschaden, die schwere Last, auf sich geladen. 6. Herr Jesu, laß dein angstvoll Schwitzen, und deinen drauf erfolgten Tod mich vor der Macht der Sünde schützen Es reiß' mich aus der Seelennoth! Laß deinen Schweiß zum Trostgenießen sich stets in meine Seel' ergießen! S. Grfin Schwrzbg. 8. Marz. 68. Gedenket an den, der so viel Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldete, daß ihr in eurem uthe nicht matt werdet und ab lasset. ebr. 12, 3. Sürchte dich nicht, denn 104 ich habe dich erlöset Du bist mein. Jef. 43, 1. u. f. w. Wenn dich der Schwindelgeist des Mißtrauens anwandeln will, so eile geschwind nach Golgatha, und sieh dort, was dein Gott für dich gethan und gelitten hat. Wenn du dies recht ins Auge fassest, muß Vertrauen und Zuversicht in dir wieder aufleben, und der Schwindel des Mißtrauens und der Baghaftigkeit dich verlassen. Alle 3weifel und Teufel schicke zum Kreuze Christi; dort ſollen sie ihre Stärke messen, und ihre Kraft beweisen. Vergiß du nicht, daß du, ein wehrloses Kind, ihnen nicht gewachsen bist, und es mit ihnen nicht aufnehmen kannst. Flieh du in den Schooß der Mutter, wirf dich mit Vers trauen in die Arme deines gekreuzigten Erbarmers; der wird für dich streiten und alle Zweifel und Anfechtungen deines Glaubens an seinem Kreuze tödten; denn in der Kreuzesluft kommen sie nicht fort, sondern müssen ersterben. Treffen sie dich aber außer Golgatha, fern vom Kreuze Christi an, so bist du geschlagen; ihr Hauch vergiftet, lähmt und tödtet dich. Darum bleibe unverrückt bey dem Kreuze Christi; gedenke ohne Unterlaß seines Leidens und Todes, womit er dich erlöset und erkaufet hat. Du bist eben deswegen sein, und es soll dich ihm kein Zweifel und kein Teufel rauben; wenn du nur in ihm bleibest und nicht von seinem Kreuze weichest. Dort werden alle mißtrauische Gedanken oder Zweifel, die dir das Vertrauen schwächen, als Lügner und Verläumder Gottes entlarvt. Denn alle Zweifel an Gottes Wort und Verheißungen sind Lügen und Verläumdungen Gottes, weil sie seinem Worte widersprechen und es als falsch und erløgen darstellen. Sie sind Geburten der Hölle, Kinder des Teufels, die du zerschmettern mußt an dem Felsen des Kreuzes Christi. - Mel. 58. un bitten wir den heil'gen Geist. 1. Komm mit, o Seele, nach Golgatha! Komm und siehe, 105 was erblickst du da? Ach, den Freund der Sünder, wie er so milde sich dir zum ehernen Glaubens- Schilde, zu Tode liebt! 2. Was blitzt und funkelt aus seinem Blut, aus den Stries men, aus der Wundenfluth. Lauter helle Strahlen der ew'gen Liebe, die gegen Sünder mit süßem Triebe, wie Feuer, brennt. 3. Was nun den Glauben noch hindern kann, sey auf ewig in den Bann gethan! Fallt in seine Arme, und schickt die Zweifel, die Gott verläumden, getroft zum Teufel, von dem sie sind. 4. So hoch der Himmel die Erde deckt, und sich über alle Sünder streckt: so soll Gnade walten und ganz bedecken, die so ihn fürchten, und die erschrecken vor seinem Wort. Ps. 103, 11. 5. Drum eil', o Seele! nach Golgatha! Todt' und ersticke ,. voll Glauben, da, alle deine Zweifel als Höllenkinder. Starb nicht mein Heiland für arme Sünder? Das sey dein Schwert! - - 9. Marz. 69. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Sriede hätten. Der Herr warf alle unsre Sünde auf ihn. Jes. 53, 5. 6. Was fürchtest du, o Sünder? Die Strafe der Sünden? Gericht, Tod, Teufel und Hölle, als den verdienten Lohn deiner Sünden? Fürchte das nicht, denn das liegt nicht auf dir; nein, das liegt auf ihm, der für dich ins Gericht, in den Tod, in den Kampf mit dem Teufel und in die Hölle, in Höllen- Pein und Qual ging, und dies alles ausgestanden, überwunden und besiegt hat. Warum fürchtest du also, was nicht mehr auf dir liegt, sondern auf ihm, auf dem Rücken des Lammes Gottes gelegen hat, und durch dasselbe weggetragen, getilgt und vergütet ist. Wie kam aber deine Sünde auf seinen Růkken?- Gott warf sie auf ihn und er nahm sie auch selbst auf sich, weil er vorhersah, daß du sie nicht tragen und tilgen könntest, daß sie dich zerdrücken würde. Dein Rücken jammerte ihn; darum legte er es auf den Rücken seines Sohnes, und dieser nahm es selbst freiwillig auf sich und trug es weg. Darum fürchte nicht, - 106 was gehoben und getilgt ist; sich aber doch fleißig auf den Rücken des Lammes Gottes, wie schwer es trågt an deinen Sünden, wie es, niedergebeugt unter der schweren Last, sich ångstet, seufzet, Blut schwißt und fast vergeht. Lerne daraus fürchten, was noch fürchterlich ist und es immer bleibt, so lange du im Fleische lebst, das ist, die Lust zur Sünde, Fleisch und Blut, Welt und Satan, die dich zur Sünde versuchen. Lerne durch den Blick auf des Lammes belasteten Rücken, welches Uebel die Sünde ist, wie sehr du dich davor hüten und dem Lamme Gottes nicht neue Lasten auflegen, dir nicht neue Gerichte und Strafen zuziehen sollst. Bewahre vielmehr den Frieden, den dir das Lamm Gottes durch Tilgung deiner Sünden erworben hat. Die alten Sünden sollen und können dir diesen Frieden nicht stehlen; aber neue Untreuen und Beleidigungen des Lammes berauben dich desselben. Hüte dich, und sich unablåssig auf des Lam mes Rücken. Mel. 1. Danket dem Herren, denn er ist sehr freundlich. 1. Die Strafe lag auf ihm. Gott will das Leben durch seinen Tod mir armen Sünder geben; in Reichthum meine Dürftigkeit verwandeln, und nicht mit mir nach meinen Sünden handeln. - 2. Sey gnädig, Herr, mein Herz ist tief zerrissen! Laß mich im Geist dein Gnadenurtheil wissen! Laß dein Verdienst sich über mich verbreiten, umarme du mich mit Barmherzigkeiten! 3. Und weil mir deine Freundlichkeit erschienen, so laß mich doch der Sünde nicht mehr dienen! Je mehr sich deine Gnad' an mir vergrößert, je mehr werd' auch mein Leben ausgebessert! 4. Je mehr sich meine eigne Kraft vernichtet, je mehr werd' in mir Armen ausgerichtet! Ich will mich dir mit Leib und Seele weihen; du wollst mir deines Geistes Kraft verleihen! 5. Der Grund, der grundlos ist, dein ew'ges Lieben, das deinen Sohn für mich in Tod getrieben das ist der Grund, drauf gründet sich mein Bitten; denn Jesus Christus hat für mich gelitten. — - 6. Sein heilig unschuldvolles, bittres Leiden, des Lammes Schmerz erwarb mir Fried' und Freuden. O möchte ich nun 107 bis zu meinem Scheiden die Sünde, die ihn schlug und schmerz. te, meiden! Waf. 10. Marz. 70. Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die de heißt: Schädelståtte, das heißt auf Zebräisch: Golgatha. Allda kreuzigten sie ihn. Joh. 19, 17. 18. Er, der Himmel und Erde und alle Dinge trågt mit dem Worte seiner Kraft! trågt dein Kreuz, o Seele, und das nennt er aus Liebe zu dir sein Kreuz. Seiz ne Liebe hat sich dasselbe zugeeignet; denn ihm gehört kein Kreuz. Die Himmel und aller Himmel Herrlichkeiten sind sein. Anbetung und Ehre von allen Engeln und Menschen gebühret ihm und nun hat er ein Kreuz, das Holz des Fluches, der Schmach und des Todes auf seinen Schultern, und nennt das sein Kreuz, als wåre er der Schuldige, der Sünder, der am Kreuze sterben müßte. So geht er hin unter deinem Kreuze, das er wie das seine liebt, und trågt deine Schulden. O Seele! sieh ihm nach, betrachte diesen Weg des Kreuzes, den dein Heiland wandelt. Bedenke, wie konnte Gott seinem geliebten Sohne ein so schweres Kreuz auflegen, und zwar dein Kreuz, das du håttest tragen sollen, nahm er von deinen Schultern, und warf es auf die Schultern seines unschuldigen Sohnes; als wenn du ihm lieber wårest, als wenn ihm an dir mehr gelegen wåre, als an feinem Sohne. Wer faßt diese Liebe? kein Mensch und kein Engel. Diese gelüftet, da hinein zu schauen, in dies Geheimniß der Liebe Gottes; aber sie können nicht, haben auch, wie wir, zu kurze und zu schwache Augen, um diese Tiefen zu erforschen. Aber etwas kannst du und sollst du das Kreuz, das er für dich trug, faffe auf, und pflanze es in dein Herz, und laß es dir nim- 1 108 mermehr aus dem Sinne kommen, wie schwer Er an deinem Kreuze zu tragen hatte, und wie sehr dich Gott gelicbet hat, so daß er seines Einigen Sohnes nicht verschonte, sondern ihm dein dir unerträgliches Kreuz auflegte, damit du nicht verloren gehen, sondern selig werden möchtest. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Erhebe dich, mein Herz, empfinde, die Liebe dort auf Golgatha! Ach, sie versöhnet deine Sünde! erhebe dich nach Golgas tha! Entreiß, entreiß mit allen Kräften dich allen irdischen Geschäften, 2. Und sieh da Jesum Christum leiden; entzieh' dem Mittler keinen Blick! Vergiß die Welt, laß alle Freuden der Zeit und Erde gern zurück! Von ferne, was er dort empfunden, empfind' ihm nach bey seinen Wunden. 3. Nicht Augenblicke nur verweile bey seinen Qualen, schau empor zum Marterhügel, wo zum Heile der Sünder er sein Blut verlor. Sieh ihn sein Blut da ganz vergießen, und laß des Dankes Thränen fließen. 4. Mein Mittler geht in dem Gedränge verstockter Sünder -trågt die Laft der ungeheuren Sünden Menge; er schwankt, ach, er erlieget fast! Sieh, mit stillleidender Geberde beugt ihn das Holz des Fluchs zur Erde. 5. Er, dem die Ungewitter schwiegen, er schweigt, wenn Mörder um ihn stehn; schweigt, wenn, wo Mörderschädel lies gen, Propheten- Mörder ihr verschmåhn. Sein Schweiß rollt von den Wangen nieder, fast sinken die zermalmten Glieder. 71. 11. Marz. Große Sarren haben mich umringt, fette Ochs sen haben mich umgeben. Ich möchte alle Ges beine zählen, sie aber schauen und sehen ihre Lust an mir. Sie theilen meine Kleider unter sich, und werfen das Loos um mein Gewand. Pf. 22, 13. 18. 19. Er hat mich ange: zogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rocke der Gerechtigkeit gekleidet. Jes. 61, 10. 109 Jesus wurde seiner Kleider beraubt, und nackt an das Kreuz geschlagen. Er ließ sich aller Dinge berauben, er ließ sich das Leben nehmen, um uns das Leben, das Kleid der Unschuld und Herrlichkeit, den Rock der Gerechtigkeit zu schenken. Der alle Dinge, alle Blumen auf dem Felde, alle Vögel in der Luft, die ganze Erde mit so mannigfaltiger Schönheit kleidet, der steht da entkleidet von aller Schönheit, als der Ullerårmste und Verachtetste, wie ein Schlachtschaf, um sich für seine Geschöpfe zu opfern. Er, der da lehrte, ,, wer dir den Rock nimmt, dem laß auch den Mantel;" hat sich ganz nackt ausziehen lassen, daß auch nicht ein Faden mehr an ihm war, den er nicht für uns hingegeben hätte. Wer läßt sich auch nur Ein Stück seiner überflüssigen Kleider nehmen? Wie haben die Menschen die Kleider so lieb? Wie viel Eitelkeit steckt hinter ihren Kleidern! Wie stolz sind sie auf diese geborgte Schönheit? Wie verachten sie den Mann in schlechtem Kleide? Welchen Vorzug genießt in der Welt der Thor und Gottlose im schönen Kleide vor dem Weisen und Frommen im geringen Gewande? Wie viele bringen ihre ganze Lebenszeit blos mit Gedanken auf Kleidung zu? Sieh, dafür steht der Schöpfer aller Dinge entblößt doch er hat noch ein Kleid, und zwar das schönste und köstlichste, das ihn in seiner Blöße bedecket, und das die Engel bewundern, und wir ewig mit ihnen anbeten werden. Licht, Liebe, Demuth, Geduld ist sein Kleid, in dem er hier prangte. Dies strahlende Gewand sehen aber nur Augen, die Gott geöffnet hat. Herr, gieb uns den Sinn, zu erkennen deine schöne Bloße! - - — mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Nun steht er auf dem Todeshügel- můd' und entkräf tet steht er da!- Ach, seht ihn auf dem Todeshügel, er zittert bang auf Golgatha! Vom Blut- verlangenden Getümmel umstürmt, seufzt er empor zum Himmel. 110 2. Wie matt das Haupt! die Dornenkrone!- Sein Herz ist Nacht, sein Untlik Gluth. Ach, Engel, singt ihr, singt vom Sohne! Noch trieft von seiner Stirne Blut. Doch wer, wer kann ihn würdig fingen? So hoch kann kein Gesang sich schwingen. 3. Es nähert sich der Mörder Rotte, sie legen ihre Hånd' an ihn, ergreifen ihn mit frechem Spotte, und werfen ihn zur Schlachtbank hin- der Staub! Doch schweigt der Herr der Welten. Er schweigt und schilt nicht, die ihn schelten. 4. Er schweigt, indem sie ihn entkleiden, und ach! wie wild und ungestüm! Und ach! mit welchen Höllenfreuden entreißen sie die Kleider ihm! Er steht entblößt mit matten Blicken, voll Blut und mit zerfleischtem Rücken! 5. Ach, daß dich alle Sünder såhen, Geduld, die nichts ermůden kann, so jammervoll beim Kreuze stehen! Ich sehe dich, und bete an. O Bild der mitleidsvollsten Liebe, erfüll' mein Herz, all' meine Triebe! 6. Die Unschuld selbst! ach, wie sie zittert! Gerechter! schau von deinem Thron! Schau, wie sein Leiden ihn erschüttert! Bist du nicht Vater? Er nicht Sohn? Doch Liebe! weh! ich muß mich wenden; sie fassen dich mit Mörderhånden! 12. März. 72. Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennet; mein Herz ist in meinem Leibe zerschmolzen wie Wachs. Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat sich um mich gemacht. Sie haben meine Hände und Süße durchgraben. Pf. 22, 15. 17. Er lehret meine and streiten, und errettet meine Süße vom Gleiten. Pf. 18, 35. und 56, 14. So klagte David im Namen des Messias, vorhersehend seine Leiden, wie ihn die Kinder Israel einst um ringen und ihn an den Pfahl des Kreuzes annageln würden. Haben die Alten das erst zukünftige Leiden des Erlösers schon so lange voraus im Geiste betrachtet, und 111 darauf hingedeutet, da ihnen doch nur Bruchstücke, und die nur in dunklen Bildern, im Geiste bekannt waren; wie sollen wir seine Leiden alle ohne Unterlaß unsern Gemüths- Augen vorschweben lassen und beherzigen, ohne auch nur den geringsten Umstand seiner Marter zu übersehen. Liebes Herz! sich da deinen Heiland, wie er, der seine Hände so oft ausstreckte, um zu heilen und gesund zu machen, nun dieselben Hände willig darstreckt, um sie für dich annageln zu lassen an das Kreuz, an dem du sogar nicht aushalten willst. Der Schmerz, den er durch die Hammerschlåge empfand, die ihm die spizzigen Någel durch seine immer segnenden und wohlthuenden Hände und Füße trieben, dieser Schmerz durchdringe deine Seele, und heile sie von allen Begierden zur Lust und Freude der Welt. Ergreife diesen Hammer und diese Någel immer wieder im Geiste, wenn deine Hånde sich nach verbotner Lust ausstrecken, oder deine Fuße den Irrweg wandeln wollen; wenn eine Begierde des Fleisches, wenn Eigenliebe zc. sich in dir meldet, und hefte sie damit an das Kreuz Christi. So wirst du mit Christo gekreuziget und also auch mit ihm leben. So lehren seine angenagelten Hände deine Hände streiten; so bewahren seine durchbohrten Füße deine Füße vor dem Ausgleiten. Wenn du aber die böse Lust in dir leben läßt, was hilft es dir, daß dein Heiland am Kreuze hångt? Welche Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch sammt den Lüsten und Begierden. Gal. 5, 24. und Rom. 6, 6. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Mein Gott! ach sieh, die Mörder heften ans Kreuz die Liebe! welche Wuth! Sie schlagen mit ergrimmten Kräften die Någel tief, es spritzt sein Blut! I weh' den ausgespannten Armen! weh' deinen Füßen! kein Erbarmen! 2. O Schlag vom Blut- bespritzten Hammer! wie tief zermalmest du mein Herz! O Unblick, Marter, Qual und Jammer! in ihm ist Liebe nur und Schmerz! Es fließt sein Blut! 112 von Hånd' und Füßen seh' ich das Blut des Lammes flies ßen. 3. Gott sieht's, der Vater schaut hernieder; es weinen alle Seraphim! Der Cherub findet keine Lieder, die Throne selbst verstummen ihm. Es ist geschehn, geschehn! sie haben ihm Hand' und Füße durchgegraben. 4. Was duldest du, mich zu versöhnen! du trågst, nur du weißt's, welche Last! O Herz, zerfließ' in heiße Thránen, daß du den Sohn durchstochen hast! Doch sind's gerade diese Wunden, worin ich Leben hab' gefunden. 5. O ihr durchbohrten Füß' und Hände, durchbohret mich mit eurem Schmerz! wenn ich im Kampf mich zu euch wende. strömt Gnade in mein schwaches Herz; und lehret meine Hànde streiten, bewahret meinen Fuß vor Gleiten! 13. März. 73. Und sie kreuzigten mit ihm zween Mörder, einen zu seiner Rechten, und einen zur LinEen. Mark. 15, 27. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, weil er sein Leben in den Tod gegeben hat, und den llebelthätern gleich gerechnet worden, und er vies ler Sünden getragen und für die Ulebelthäter gebeten hat. Jes. 53, 12. Er hing in der Mitte der Mörder und Uebelthäter, als wåre er der Größte. Das wollte er so, weil er alle Uebelthaten aller Menschen, die lauter Uebelthäter sind, Rom. 3, 12., auf sich genommen und an seinem Leibe am Holze getragen hat. Welche Schmach, welche Schande lag da auf ihm, dem heiligsten Sohne Gottes! Wie konnte ihn das Auge des liebendsten Vaters in dieser Gesellschaft, an diesem Orte, zwischen Mördern am verfluchten Holze hången sehen! Und er sah ihn, und ließ ihn hången; warum? weil er ihn haßte? ò ncin, weil er dich liebte, und deine Ucbelthaten tilgen, und aus 113 Uebelthätern gerechte und selige Menschen machen wollte. So liebt nur Gott! So kann kein Mensch und kein Engel lieben. Wenn man bedenkt, was Johannes sagt: Wer seinen Bruder haßt, ist ein Todtschläger, ein Mörder, 1 Joh. 3, 15.; so ist Jesus oft unter den Mördern. Aber eben darum, weil er sich so erniedrigte und die Uebelthäter nicht verschmähte, soll er eine große Menge Sünder zur Beute, auch die Starken, die gröbsten und verhärtetsten Uebelthäter zum Raube haben. O Seele, sich doch deinen Heiland am Kreuze recht an, in seiner Schmach und Liebe! wie viel wirket sein Leiden! welche herrliche und unzählige Früchte trägt dieser Baum! Wie weit erstreckt sich die Kraft seiner Leiden und seiner Gebete im Leiden für Sünder! Die Sünder aller Jahrhunderte und aller Nationen der Erde haben ihr Heil und ihre Seligkeit seiner blutenden Fürbitte am Kreuze zu danken. Die Erhörung seines Gebetes hat kein Ende; die Ewigkeiten der Ewigkeiten werden davon erzählen können. Mel. 22. Die Seele Chrifti heil'ge mich. 1. O du, du bester Menschenfreund! der oft bey fremder Noth geweint! der nie nach eignem Glück gestrebt, für andre, nur nicht sich gelebt! Du, der so manche lange Nacht im Beten für uns durchgewacht, der nie gesündigt, nie gefehlt, wirst Missethätern zugezählt! 2. Wer kann, wer kann dich leiden sehn, und muß in Wehmuth nicht vergehn! Dein unaussprechlich großer Schmerz erweiche jedes Sünders Herz! Wen noch das Laster locken kann, seh' an dem Kreuze, Herr, dich an! seh', was dich unsre Missethat für Angst und Schmerz gekostet hat. 3. Herr, deine Sanftmuth wanket nie, im Herzen bittest du für die, die dich verfolgen und verschmåhn, und deine Pein mit Freuden sehn! Du schiltst, Herr, die dich schelten, nicht; du gehest für sie ins Gericht. Dein unaussprechliches Gebet hat aller Welt das Heil erfleht. 4. Nein, keine Schmach, kein Hohn, kein Schmerz ermüdete dein göttlich Herz. Wo ist ein Herz, dem deinen gleich, so gut und an Geduld so reich? Um Uebelthäter zu befrein, wollt's H 114 du denselben ähnlich seyn; drum hebst du Sünder aus dem Staub', und selbst die Starken sind dein Raub. 14. März. 74. Und sie gaben ihm( ehe sie ihn am Kreuze erhoben) Essig( Myrrhen- Wein) zu trinken, mit Galle vermischt, und da er es schmeckte, wollte er nicht trinken. Matth. 27, 34. Und Jes fus sprach: Dater, vergieb ihnen, denn sic wissen nicht, was sie thun. Luc. 23, 34. Sie reichen ihm Galle, er erwiedert ihren Gallentrank mit dem süßen Gebete um Vergebung ihrer Sünden. Was ist all unser Wesen und Thun, was er an uns sieht und von uns empfängt, anders als lauter Galle? Denn die Sünde, die doch alles ist, was er an uns findet, ist ihm bitterer als Galle, und unanges nehmer für seinen Geschmack als Essig und Myrrhens Wein. Er liebt nicht diesen bittern Trank, den wir ihm darreichen; aber deswegen verwirft und flucht er uns nicht, sondern bittet für uns und vertritt uns bey seinem Vater, daß er uns unsre Sünden nicht zurechne und nicht ins Gericht mit uns gehe. Nachdem er dich aber begnadiget hat, sollst du ihm nun nicht mehr Galle und Myrrhen- Wein, nicht mehr Essig reichen, sondern den süßen Wein der Liebe und Dankbarkeit. Nun soll deine Seele an ihm hangen mit innigliebendem und treuem Herzen. Die bittere Galle der bösen Lüste, des Haffes, Neides 2c. sind ihm ungenießbar, darum will sie seine Gnade in dir verwandeln in die heiße Begierde, ihm zu gefallen, in einen heiligen Ernst, alles ungöttliche Wesen zu verleugnen, måßig und gerecht und gottselig in dieser Welt zu leben. Er wendet sich von den Kreuzi gern zum Vater, aber nicht gegen sie, sondern für sie, ruft nicht Rache über seine Feinde, sondern die Barme 115 herzigkeit des Vaters über sie herab; schickt nicht Un klagen, sondern Entschuldigungen, Fürbitten hinauf; verlangt nicht vom Vater, daß er Rache und Feuer herabsende und seine Feinde vertilge, sondern daß er Vergebung und Gnade ihnen zu Theil werden lasse, sie zu ihm ziehe und selig mache. Mel. 111. O drückten Jesu Leidensmienen. Oder: Wie groß ist des Allm. 1. Noch liegt das Kreuz, es warten alle- o hått' es jeder recht bedacht! Man trånkt mit Effig ihn, mit Galle! der Satan sieht ihn an und lacht. Ha, jauchzt er, der Messias blutet, vernichtet ist nun seine Macht! Hått'st du das, Israel, vermuthet von dem, der Blinde sehend macht? 2. Der Himmel und die Hölle richtet, ganz Juda, nun sein Aug' auf ihn; denn sieh, das Kreuz wird aufgerichtet- anbetend fink' ich vor ihm hin! Ach, Jesus von der Erd' erhdhet, im Blute schwebend, so verschmäht, durch den die Erd', der Himmel stehet, ach! seht ihn an, o seht! o seht! 3. Die große Menge, Jakobs Kinder, stehn da- und ach, was siehest du? nicht zehen Fromme- tausend Sünder sehn seiner Marter lachend zu. O Jesus! wie ist dir zu Muthe? wo ist dein Retter? wo dein Fels? du bist bedeckt mit Schmach und Blute; ein Fluch der Söhne Ifraels! 4. Gerechter Richter aller Welten, verschmachten möchte dir dein Geist! Du läsfest dich Betrüger schelten, o du, der heilig, heilig heißt! Wo ist dein Gott nun? spottet jeder; wo nun dein Helfer? ruf ihn an! Steig einmal von dem Kreuz hernieder, du, der die Todten wecken kann! —— 5. Doch Langmuth bliebst du selbst am Kreuze,- dein Mund von Lieb' stets überfließt! So sehr man dich zur Nache reize; der Sanftmuth nie dein Herz vergißt. Mit unaussprechlich sanften Mienen, sieht man in tiefstem Spott dich ruhn; du flehst: Bergieb, o Bater, ihnen, sie wissen ja nicht, was sie thun! - 15. März. 75. Die aber vorüber gingen, låsterten ihn, und schüttelten ihre Ropfe. Matth. 27, 39. Auch $ 2 116 der llebelthäter einer låsterte ihn; der andere aber sprach: herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: heute noch wirst du mit mir im Paradiese seyn. Luk. 23, 39-43. Zu seiner Mutter sprach er: Weib, sich da deinen Sohn! und zum Jünger: Sieh da deine Mutter! Joh. 19, 26. kommen. Sie låstern, er macht selig. Sie schütteln ihre Kö pfe vor ihm, um ihm wehe zu thun, er rüttelt den Sundern das Herz, um ihnen wohl zu thun. Da aber alles låstert, Priester und Volk, alles ihn verwarf und ihm fluchte, war doch Einer, der zu ihm betete; er war zwar nur ein Mörder, kein Heiliger, aber sein Gebet ward erhört;- er betet nicht, vom Kreuze los zu werden, sondern nach dem Kreuzestode in das Himmelreich zu Das war eine große Bitte ein Mörder will das Himmelreich! Wie kommen diese zusammen? Und doch ward seine Bitte auf der Stelle erhört. Je mehr andere fluchen und lästern, spotten und verachten, desto zuversichtlicher bete du, denn desto mehr erhältſt du. Je weniger Menschen um dich her Christum suchen, erkennen und lieben, desto gläubiger bekenne du dich zu ihm, denn deſto lieber wirst du von ihm angenommen, und um so willkommener bist du ihm. Und wenn du dich auch des Himmelreichs und der Gnade so wenig werth achtest als der Mörder und Dieb am Galgen; ist dein Herz zerknirscht, reumüthig, gläubig und zuversicht lich wie das seine; scheust du dich eben so wenig, als er, vor aller Welt dich als todeswürdigen Verbrecher, Christum aber als den Herrn des Reiches und als deinen Retter und Seligmacher zu bekennen: so wirst du von ihm dieselbe Antwort und Verheißung erhalten, die der Schächer bekam. Er verdammte sich selbst, und Christus sprach ihn selig. Er schiffte gegen den Strom aller - 117 Welt, richtete sich weder nach den låsternden Priestern, noch nach dem spottenden Volke, noch auch nach seinem mitgekreuzigten Låsterer, sondern zielte nur auf Christum und sein Reich- und es ward ihm alles zu Theil. Geh hin und thue desgleichen. Da er am Kreuze die Sünder sah und annahm, wie konnte er der Freunde und Geliebten vergessen? Sein Wort an Maria und an Johannes zeugen deutlich genug von seiner unvecs ånderlichen Liebe und Treue gegen Freunde bis ans Ende. Er ist der zärtlichste Freund. Wie er, fühlt kein Menschen- Herz. Mel. 111. O drückten Jesu Leidensmienen. Oder: Wie groß ist des Allm. 1. Es strömt auf dich von allen Zungen- denn jeder Sklave spottet dein- das schwarze Gift der Låsterungen, du schaust in ihren Spott hinein. Dich höhnt ein Mörder an der Seite. Nur Einer fleht noch Huld von dir; und liebreich sprichst du: Wahrlich, heute bist du im Paradies bey mir. 2. O welch ein sanfter Strahl der Freude- daß wieder Einer selig ist, ermuntert dich in deinem Leide, weil du des Sünders Hoffnung bist. Nun gehst auf deinen dunklen Wes gen, voll Lieb' und Freud' in deiner Brust, dem Tod du freudiger entgegen, denn selig machen ist dir Lust! 3. Durch Angst und Nacht siehst du die Deinen voll Liebe noch auf Golgatha, die unter deinem Kreuze weinen, und bist mit deiner Tröstung da; bist Freund, bist Sohn im tiefsten Leiden, und sorgst für die, die dich gebar, der dein zu schmerzenvolles Scheiden ein Schwert durch ihre Seele war. 4. O unaussprechlich süße Worte des Sohnes: Siehe deinen Sohn! O Labsal an dem Marterorte: Sieh deine Mutter, liebster Sohn! Ach du, den keine Trdstung füblet, sprichst Trost noch den Verlaßnen ein! Wer hier nicht Menschenliebe fühlet, ist nicht mehr werth ein Mensch zu seyn. 16. März. 76. Und es ward eine Sinsterniß über das ganze 118 Land von der sechsten bis zur neunten Stunde; und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! Matth. 27, 46. Und er hat am Tage seines Sleisches Gebet und Slehen mit starkem Geschrey und Thränen geopfert zu dem, der ihm vom Tode aushelfen könnte, und ist erhöret worden. Hebr. 5, 7. Von außen und von innen lag die dickste Finsterniß auf ihm. Da war der schwerste Kampf des Lichtes mit der Finsterniß. Er, das Licht der Welt, sollte das Reich der Finsterniß zerstören, den Fürsten der Finsterniß überwinden, und alle Kinder der Nacht in Kinder des Lichtes umwandeln: darum mußte er alle Stürme und Angriffe der finstern Satans- Kräfte auf einmal über ihn herfallen lassen; es mußte aufs äußerste kommen; das Licht schien schon zu unterliegen, und die Finsterniß zu triumphiren; das Licht schien schon ausgelöscht und die Finsterniß herrschend geworden zu seyn. Nacht umgab die Erde, der Tag war wie verschwunden und verschlungen. Aber sein Dulden, sein starkes innere Geschrey und thrånenvolles Gebet, das nun in seiner Seele den höchsten Grad erreicht hatte, drang durch, überwand alles und vollendete den Sieg. Da zeigte er, wie der Christ durch Unterliegen siegen, und der Feind des Lichts, die Hölle, durch Siegen unterliegen muß. Hier am Kreuze bey diesen Worten Jesu ist die rechte Physionomie des Christenthums zu sehen. Wenn alle Lichter auslöschen, und der Tag in schwarze Nacht eingehüllt ist; wenn Gott selbst, in einen Feind und Geg= ner verwandelt und auf Seiten der Feinde zu seyn scheint, daß auch der Gläubigste und Vertrauteste Gottes nichts als Klagen, Thránen und starkes Geschrey opfern kann dann ist der Sieg nahe und der Triumph gewiß. Hier verweile, o Scele! Dieses starke Ge-- 119 schrey, dieses thrånenvolle Gebet Jesu in seiner tiefsten Verlassung hat dich von der ewigen Finsterniß und dem ewigen Tode errettet. So mußte dein Erlöser verlassen und geangstet werden, damit du könntest ange= nommen und getröstet werden. All dein Trost und Friede fließt aus dieser Angst- Quelle Jesu. Mel. 111. O drückten Jesu Leidensmienen. Oder: Wie groß ist des Allm. 1. Mit welchem Jammer mußt du ringen! stets finkst du hin in tiefre Qual, den Himmel uns zurückzubringen, gedrängt von Leiden ohne Zahl! Denn immer schlagen neue Flammen, du Gottgelaßner Jesus Christ, noch über deinem Haupt zusammen, daß dir dein Herz wie Wachs zerfließt! 2. Wie lange leidest du, wie lange! Jehova's Sohn, wie schmachtest du! Wie ist, ach, wie ist dir so bange! und schweis gend schaut dein Gott dir zu! Liebe, Liebe, Mann der Schmerzen! wie ganz vergisfest du doch dich? Wie liegt dir doch mein Heil am Herzen! wie unaussprechlich liebst du mich. 3. Dein Haupt sinkt matt zum Herzen nieder, vor Leiden möchtest du vergehn. Es ringt empor; doch sinkt es wieder, zu schwach zum Himmel mehr zu sehn. Die Erde wankt, wer will sie halten? und du Natur entsetzest dich! die ewigfesten Felsen spalten der Mensch allein verhärtet sich. — 4. Die Sonne, die erst blutig funkelt- auch sie verbirgt fich fürchterlich erblaßt und schwanket und verdunkelt mit schreckenvollen Nächten sich. Und fürchterliche Schauer fassen den Blutenden! Mein Gott! mein Gott! ach, warum hast du mich verlassen? ruft, der sonst der Natur gebot. - 17. März. Darnach, als Jesus wußte, daß alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllt würde, spricht er: Mich dürftet. Da stand ein Gefåß voll Essig da. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um eis 120 nen fopen, und hielten es ihm dar zum Munde. Joh. 19, 28. 29. Jesus hatte nun, nach jener finstern Berlassungsstunde, in sich schon das Sieges- Gefühl, und sah schon die Vollendung aller Dinge, die ewige Erlösung der gefangenen Menschheit, die Niederlage aller ihrer Feinde, und in diesem Bewußtseyn spricht er: Mich dürftet. Wo nach? o Ewiger, auf den aller Augen sehen, der du deine Hand aufthust und sättigest alles mit Wohlgefallen; der du in der Wüste Wasser, und Ströme in der Einöde geben willst zu trånken dein Volk, deine Auserwählten. Sef. 43, 20. Der du aus Wasser Wein gemacht, und Wasser aus dem Felsen springen ließest, um die Durstigen, Menschen und Vieh, zu trånken;- der Regen aufs dürre Land giebt, das Wasser im Mecre zusammenhält, wie in einem Schlauch, der die Waf ser mit der Faust mißt; wornach dürftest du? Nach unserm Heile; nach der Seligkeit deiner Erlöseten. Aber womit löschen sie deinen Durst? Du dürstest, und Effig ist deine Labung. Das ist wohl das wahre Bild, wie die Menschen ihrem Schöpfer und Erlöser danken und seine Wohlthat vergelten. Wie vielerley Getränke und Früchte, den Durst des Menschen zu stillen und ihn zu laben, hat er erschaffen! Ihm aber, da er nun dürftet für uns und an unsrer Statt, reicht man Essig. Aber so wollte er es, so stand es geschrieben. Dieser heiße Durst ist für uns ein unversiegbarer Brunnen, ein Strom des Lebens, eine Quelle der süßesten Labung geworden. Er, der gute Hirte dürstete so sehr, damit er seine Schafe auf grünen Auen weiden und zu frischen Wassern führen konnte. Ps. 23, 2. Er, der Brunn des Heils versiegte für sich und dürstete, damit wir mit Freuden Wasser schöpfen könnten aus dem Heilbrunnen. Jef. 12, 3. Er mußte vom Durste gequält werden, damit er alle einladen und sagen konnte: Wohlan, die ihr durstig 121 seyd, kommet her zum Wasser. Jes. 55, 1. Denn zu der Zeit( nach seinem Durste) werden frische Wasser fließen aus Jerusalem, aus Golgatha, wo der heiße Dürster litt und schmachtete. 3ach. 14, 8. Du mußtest dürsten, damit du sagen könntest: Wer des Wassers trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten. Wer an mich glaubt, von deß Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Ich will rein Wasser über euch sprengen. Joh. 4, 14. 7, 38. Offenb. 21, 6. Ezech. 36, 25. Solche Wasser, solche Labung hat uns dein Durst bereitet. Wir trinken alle von deinem Durste, dein Schmachten erquicket uns. Mel. 111. O drückten Jesu Leidensmienen. Oder: Wie groß ist des Allm. 1. Du schmachtest unter deiner Bürde, dich überströmt ein Qualen Meer! Was kein Erschaffner dulden- würde, das liegt auf dir der Sünden Heer! 3ermalmt sind, Jesus, deine Kräfte, und noch ist kein Erretter hier, vertrocknet alle deine Säfte, die Zunge klebt am Gaumen dir! 2. Mich dürstet! rufst du im Verschmachten, vertrocknet ganz von heißer Flamm', und da noch Spötter deiner lachten, erlabt dich nur ein Essigschwamm. Noch ticfer und nun ganz zerrissen, schmerzt jede Nerve dich noch mehr. Dein Durst strömt wie in Regengüssen nun Trost und Labung auf uns her. 3. Unbeten kann ich nur und weinen, so schmachtete kein Sünder, nie! Ach nein, so dürsten sahe keinen, der schuldlos war, der Himmel je! O Ewigkeit, du wirst uns sagen, was für ein Strom dem Durst entquillt. Doch dürfen wir auch hier nicht klagen, weil er den Durst uns hier schon stillt. = - 18. März. 78. Da a nun Jesus den Effig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!-und rief laut: Vater, in deine Hände befehle ich meinen 122 Geist! und neigte sein Zaupt und verschied Joh. 19, 30. Luc. 23, 46. Da fall' nieder und bete an. Ein größeres Wort ist auf Erden nie ausgesprochen worden, ein Folgereicheres nie gehört worden. Seele! was ist vollbracht? Dein Heil, deine ewige Erlösung, Gerechtigkeit, Heiligung und Beseligung; die Tilgung deiner Sünden, die lebendige Hoffnung der ewigen Herrlichkeit, deine Kind- und Erbschaft Gottes;- deine zweite Schöpfung oder Neuschaffung, deine Umwandlung aus einem Kinde der Finsterniß in ein Kind des Lichtes und der Seligkeit; aus einem Knechte der Sünde und Sklaven des Teufels in ein freies Gnadenkind Gottes; aus einer Beute der Hölle, in einen Hausgenossen Gottes und Mitbürger der Heiligen im Himmel; aus einer Behausung der unreinen Geister, in einen Tempel Gottes und Wohnung der heiligen Dreieinigkeit. Und wer kann aussprechen, wer nennen, was der Sohn Gottes durch sein Leiden und Sterben vollbracht hat? Das alles ist nun' dein- ist für dich vollbracht, bereitet und fertig du kannst es haben und genießen, es ist dir zugedacht und wird dir im Evangelio angeboten. Und was wäre dem Sohne Gottes, den die Vollbringung aller dieser Dinge so viel Leiden und den Tod gekostet hat, lieber, als daß du alles schon hättest und gendsfest; daß er an dir alle diese Früchte seiner Erlösung sehen könnte? Den gan zen Tag streckt er seine durchbohrten Hände nach dir aus, um dir in deinen Schooß schütten und dir mitthei len zu können, was er dir so sauer erworben hat. Thue deinen Mund auf, und laß dich erfüllen, daß du trunken wirst von den reichen Gütern seines Hauses glaube, liebe, hoffe; ergieb dich mit ganzer Seele an deinen Vollbringer und Urheber der Seligkeit, so soll Ules dein seyn, ewig dein seyn. Rühme dich aber Seiner und seiner Gnaden nicht blos mit der Zunge, sondern - - 123 laß dein Herz voll seyn von der Kraft, Fülle und Gnade der Erlösung Jesu, dann mag dein Mund auch davon überfließen. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Verblutet hat des Herzens Wunde, am Ende ist des Leidens Nacht. Allendlich kommt die letzte Stunde, du rufest laut: Es ist vollbracht! Da tausend Leiden du gelitten, da bis zum Siege du gestritten. 2. Nun siehst du deiner Qualen Ende, den Tod, den Gott dich sterben heißt; siehst auf, und rufft: In deine Hände befehr ich, Bater, meinen Geist! Allmächtig ruft er es und schweiget. Ach, er erblaßt, sein Haupt sich neiget! 3. Die Erde bebt, die Felsen zagen, denn sie bekennen ihren Gott! Die Engel weinend Engeln sagen: Der Herr der Herrlichkeit ist todt. O Menschen! betet an gebeuget; Er hat sein Haupt zu Euch geneiget! 4. Wird gleich dem Lamm kein Bein zerbrochen, todt ist es; Blut und Wasser fließt aus seiner Seite, die, durchstochen, ein Zeug' des großen Todes ist. Todt Jesus Christus, todt das Leben, vom Vater uns herabgegeben! 5. Jehora's Bild, Jehova's Wonne, der Todtenwecker Todes Raub! Der Leib des Herrn, der wie die Sonne auf Thabor strahlte, todt wie Staub. Todt Er?- der Himmel hieß und Erden, Staub, Wurm und Licht und Engel werden. 6. Er schwebt in tiefer Todesstille, der Tempel, den der Herr bewohnt, der Sohn, in dem der Gottheit Fülle leibhaftig, ganz und ewig thront. Er todt! Wo will ich Worte finden? wo neue Kräfte, zu empfinden? 19. März. Wer will verdammen: Christus ist hier, der gestorben ist, der auch für uns bittet. Rom. 8, 34. 79. So fragt Paulus, so frage du, wenn Sünde und Satan auf dich losstürmen, und die allen Trost und Glauben nehmen wollen. Fliehe zum Kreuze Christi, sieh ihn an, wie er sein Haupt neigt und stirbt zu dir neigt er es, für dich stirbt er, daß du leben und in ihm - 124 leben sollst. O seliges Verweilen bey dem Kreuzestode Jesu! Wie die Bienen auf den Blumen ruhen, tief in den Blumenkelch sich einsenken und süße Säfte saugen, so legt sich jede fromme Seele auf das Kreuz Christi, senkt Herz und Gedanken tief, so tief, wie möglich, in den Kelch, in die Tiefe seiner leidenden und versöhnenden Liebe, und schöpft aus dieser ewigen Heilquelle allen Trost fürs Leben und Sterben. Was hätte der Vater den sündigen Menschen für einen größern Trost geben können, als daß er seinen Sohn für sie am Kreuze sterben ließ? Wer kann uns nun unsre Sünde zurechnen, wer uns richten oder verdammen, da der Beleidigte, dem wir gefündiget haben, und der allein das Recht zu strafen und zu verdammen hätte, selbst für die straf- und verdammungswürdigen Sünder sich hat verdammen und tödten lassen? Der Richter selbst stirbt für den Missethäter; wer will den Missethåter anklagen und richten? Der Herr, der Richter, trägt die Strafe des Knechtes, wer will ihn strafen? Der Beleidigte bittet für den Verbrecher; wer will diesen verdammen? - Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Für mich hast du den Tod erduldet! All deine Angst und all dein Weh hab' ich, hat meine Sünd' verschuldet. Um Kreuz und in Gethsemane, da hat dich Gottes Zorn erschrecket, den ich durch meine Schuld erwecket. 2. Ans Kreuz genagelt, als die Sünde, schloßst du mir auf des Vaters Herz, worin ich Gnad' und Leben finde durch deinen bittern Zodesschmerz. Für mich hast du den Tod besieget, du, dem die Hölle unterlieget! 3. Du fühnest mich vor Gottes Throne, du betest für mich Tag und Nacht; du hältst mich, daß ich in dir wohne, bis alles auch in mir vollbracht! Wie nah' wird mir, durch deine Schmerzen, der Weg zum Heiligthum im Herzen! 4. Gott läßt mich Huld durch dich genießen, drum komm ich Sünder, wie ich bin, und schmiege mich zu deinen Füßen, schlag Welt und Sünden aus dem Sinn. So komm ich frey, du läßt mich hoffen. Dein Herz, die Arme stehn mir offen! 125 5. Muß dies nicht Gegenlieb' entzünden, ein schnöder Sunder seyn, und doch als Kind beim Vater Gnade finden? O Wunder! Ja, ich sag' es noch: Mißbraucht ein andrer diese Gnaden, mich heilen sie von meinem Schaden. 6. Ich wollt' in Jesum mich verhüllen, hätt' ich gleich Engels Heiligkeit. Er mußt' mich kleiden und erfüllen; ich legte ab mein schönes Kleid. Ich wickle mich in Jesu Leiden, das ist die reine, weiße Seiden. 7. So bin ich schon in dir alleine. O gieb, daß ich jetzt und im Tod, in dir also vor Gott erscheine, mein Bürg' und Schild in aller Noth! Herr, heile du mein ganzes Wesen, und laß mich ganz in dir genesen! * G. T. St. 20. Marz. 80. Jefus follte sterben für das Volk, doch nicht für das Volk( Israel) allein, sondern, daß er die Kinder Gottes, die zerstreut waren, zusammenbrachte. Joh. 11, 52. Auf daß er aus zweien Einen neuen Menschen schaffte in ihm selber, und Friede machte, und daß er beide versöhnte mit Gott in Einem Leibe durch das Kreuz. Eph. 2, 15. 16. Der Messias der Juden sollte nicht nur die Sünden der Juden, sondern aller Menschen Sünden tilgen, und alles, was sich in aller Welt von Gott und von einander getrennt hatte, wieder mit ihm und unter einander vereinigen. Die Trennung und Scheidung seiner Seele von seinem Leibe, sein Tod, war also die Vereinigung und ewige Verbindung alles Getrennten. Seine Seele ward ausgeschüttet wie Wasser, und gerade dies sammelte und versammelte alle Zerstreuten. Nun soll sein Tod, sein durchstochenes Herz, der Einigungspunkt aller Menschen Herzen seyn. Unter seinem Kreuze, bey seinem Herzen, aus dem allen gleiches Heil und Leben strömt, sollen wir uns alle vereinigen, von welcher Nation oder Religion wir immer seyn mögen. Da wir Ei 126 nen Hirten haben, der sein Leben für alle Schafe hins gab, sollen wir alle auch nur Eine Heerde seyn. Alle Trennungen, Partheien und Spaltungen sind Christo und seinem Tode zur Schmach; denn er starb und ließ sich sein Herz spalten, auf daß alles Gespaltete sich in ihm vereinigte. O möchte sein Blut und Tod, außer dem doch kein Mensch selig wird, bald alle zerstreuten Kinder Gottes zusammenbringen, denn noch sind sie so weit auseinander, durch elende Nebendinge gespaltet. Laßt uns von allem absehen, und nur auf Ihn und sein Kreuz hinblicken, so werden wir Ein Leib- an Einem Haupte, werden Friede haben inwendig und auswendig, und nur Ein neuer Mensch seyn. Aber der alte Mensch, der noch allenthalben so viel Leben hat, trennt und wird trennen, bis er am Kreuze Christi getödtet wird. Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Liebe! Liebe, komm hernieder! Gott ist Vater, wir sind Brüder! Erd' und Himmel ist verbunden durch des Heilands Blut und Wunden. Himmelsfürsten, Seraphinen, Geister, Menschen, alle dienen Einem Schöpfer, Einem Freund, Erd' und Himmel ist vereint! 2. Seele, denk an deine Würde, drückt dich dieses Lebens Bürde, Jesus selber ist dein Leben, mehr kann Gott dir ja nicht geben. Weine Freudenthrånen, streite, halte fest die große Beute! Dort am Ziele steht dein Thron Jesus selber ist dein Lohn! 3. Aber kämpfen wider Sünden mußt du bis zum Ueberwinden. Ueberwinder nur sind Erben, alle andre müssen sterben. O so schwör' ihm ewge Treue, tåglich dich zum Kampf erneue. Fürchte weder Holl' noch Tod, sieh, dein Bruder ist dein Gott! 4. Ach, wie kann ich das erheben, was du, Jesus, mir gege ben? Deine Lieb' ist unermeßlich, mach' sie mir auch unvergeßlich! Alle Wort' und Bilder fliehen, ach umsonst ist mein Bemühen, sie nach Würde zu erhöhn; stumm nur muß ich vor dir stehn! 5. Gebt mir, Engel, eure Schwingen! leiht mir Harfen, lehrt mich fingen, Sänger vor Jehova's Throne! Gott dem Vater und dem Sohne! Jubel will ich, Dank verbreiten, Ewigkeiten, 127 Ewigkeiten, Gott dem Vater und dem Sohn, unserm Lamm auf Gottes Thron! 21. März 81. Ihr Töchter Jerusalems, weinet nicht über mich, sondern weiner über euch, und über eure Rinder- denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren geschehen. Luc. 23, 28. - Wenn der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen: 1 Petr. 4, 18. MO Die frommen Jüngerinnen Jesu weinten, da man ihren Meister durch die volkreichen Straßen der heiliggenannten Stadt als einen zum Tode verdammten Missethåter führte und wer hätte nicht weinen mögen? Wer möchte nicht noch weinen, so oft er denkt: Solche Schmach mußte mein unschuldiger Heiland für mich schmachwürdigen Sünder leiden, und es wird ihm so schlecht von mir vergolten. Ich komme so schwer daran, für ihn auch nur ein wenig Schmach zu leiden! Das voraus sehend, tadelte zwar der Heiland ihre Thrånen nicht, sagte auch nicht, daß sie nicht weinen sollten, sondern sie sollten es, aber nicht über ihn, er bedarf unserer Thrånen nicht, sondern über uns selbst sollen wir weinen. Warum? wirst du doch nicht fragen. Wenn du dein Herz kennst, wirst du Gegenstände genug finden, die beweinenswürdig sind, worüber du Blut weinen solltest, wenn es helfen könnte. Denn wenn das am grünen Holze, am Sohne Gottes, geschieht, wenn Gott um der Sünde willen seines einigen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn in solche Schmach, in Kreuz und Tod hingiebt, was wird am dürren geschehen, was wird Gott mit dem Sünder thun, der sich durch diese große Liebe Gottes nicht erweichen, nicht bessern und — - 128 felig machen läßt? Was mit den falschen Christen, die wohl heucheln und weinen, aber doch nicht von ganzem Herzen am Heiland hången, sondern der Welt und sich selbst noch leben, nicht dem, der für sie gestorben ist? Du durres Holz! Du magerer Christ! der du ohne Herz, ohne Besserung, ohne Liebe Jesum deinen Heiland nennest; Herr Herr! sagst, aber seinen Willen ungethan låsfest, dich der Gerechtigkeit und des Verdienstes Christi rühmest, und doch dich mit der Gerechtigkeit der Pharisder begnügst du durres Holz! sieh da am Leiden Christi, was Gott mit dem grünen Holze thut! Grüne wieder, verpflanze dich durch Buße, Glauben und Liebe in das grünende Holz des Kreuzes Christi, in die Gemeinschaft seiner Leiden und seines Todes, so wirst du vor dem Verbrennen, vor dem Feuer bewahrt. mel. 36. Derföhner Gottes. Oder: Serzliebster Jefu, was hast du. 1. O großer Heiland! den ich glaubig kenne, du bist es, den ich Gott und Bruder nenne! Dir, dir zerspringen meines Jammers Ketten, du kannst erretten! 2. Du schönster Mensch, am Holz mit Fluch geschåndet; du, du hast aller Menschen Noth geendet! Wohl mir! du weißt allein, wie uns zu Muthe, Preis deinem Blute! 3. Kann denn der Vater seinen Sohn vermissen? Da wird der Sohn bis auf das Herz zerrissen; Er stirbt für abgefallne, schnöde Kinder; Er stirbt für Sünder! 4. Schau, Sünder! schaue den zerfleischten Bürgen, denn deine Strafen sind's, die ihn erwürgen; denk', welch ein schrecklich Feuer deine Sünde vor Gott entzünde! 5. Kann Gottes Eifer dieses Lamm nicht schonen, wo, wo will doch der freche Sünder wohnen? O Mensch, fürcht'st du nicht des Gesetzes Ruthen? Muß Jesus bluten! 6. O weine, Sünder, mit zerrißnem Herzen; wein', denn du bist die Ursach seiner Schmerzen! Soll denn der Speer sein Herz allein durchstechen, für dein Verbrechen? 7. Auf, auf in mir, was kalt und todt geblieben! Herz, lerne Gott und deinen Heiland lieben! Es haben mich auf ewig ihm verbunden die blutgen Wunden! 8. Auf! auf! mein Glaube, reiß den Vorhang nieder; denn - 129 hier bekomm' ich mehr als alles wieder! Was sind wir doch wenn wir in Jesu bleiben? Wer kann's beschreiben? 22. März. 82. Darum preiset Gott seine Liebe gegen uns Daß Chriftus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren.- Denn so wir Gott versöhnet sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Seinde waren, vielmehr werden wir selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnet sind. Rom. 5, 8-10. Wie könnten wir die Liebe mehr preisen, als sie sich selbst gepriesen und verherrlichet hat, da sie für ihre Feinde und für Sünder starb! Die ewig Preiswürdige! wird sie uns nun verderben und sterben lassen, nachdem wir sie erkannt, geglaubt, aufgenommen und im Herzen wohnend haben?! Welch ein Pfand unserer künftigen Seligkeit und des ewigen Lebens hat sie uns gegeben! Ich möchte sagen, das Pfand, das wir schon haben, ist größer, oder ist dasselbe, was wir als verpfändet hoffen. Die Liebe ist unser Pfand und ist unsre Hoffnung, unser ewiges Leben- hier im Vorgeschmacke, und dort im vollem Genusse unser, ewig unser. Hat Gott uns gesucht und ge= funden, da wir von ihm flohen; wird er uns wohl fliehen und wegstoßen, da wir ihn suchen und finden? Hat Gott unsre Versöhnung zu Stande gebracht, obwohl sie den Tod und das Blut seines Sohnes kostete; soll er uns wieder wegwerfen, und nicht vielmehr selig machen, da unsre Beseligung das Leben und die Ehre seines Sohnes mehr verherrlichen und erhöhen wird? Hat er uns als Feinden Gutes gethan, wird er uns als Freunden Böses vergelten? Da wir die Sünde liebten und dem Satan dienten, starb er für uns; sollte er uns jetzt tödten und verderben, da wir ihn lieben und ihm die 130 nen? Wenn er die bis in den Tod liebte, die ihn haßten, wie wird er die lieben, die ihn lieben?- Darum laßt uns nicht mehr weggehen vom Kreuze Jesu, um die preiswürdige Liebe Gottes in ihrer ganzen Größe und Herrlichkeit erkennen und lieben, auf sie hoffen und vertrauen zu lernen! - mel. 24. 2d), wie tief bist du gefallen. 1. Wunder ohne Namen! keiner der Erschaffnen, auch nicht Einer kann, o Liebe, dich ergründen, daß du starbst für unsre Sünden! Dies nur kann mein Geist sich denken: Gott muß uns nun alles schenken, der den Sohn in Tod hingab. Was, was schlüge der mir ab? 2. Starb der Herr für seine Feinde; was wird er für seine Freunde, was nicht thun für seine Kinder? Er, der starb für arme Sünder. Liebe, Liebe! heilig, heilig! Unaussprechlicher! wie heilig, unerforschlich ist dein Rath! Du trugst unsre Missethat! 3. Du, o Welt voll schnöder Sünder, wirst nun eine Welt voll Kinder, frey sollst ewig vom Verderben du die Schätze Gottes erben; sollst, o bete an im Staube, freue dich und dank' und glaube! heilig seyn, wie Jesus Christ, selig seyn, wie er es ist. 4. Heiland, o mit welchem Herzen dank' ich dir für deine Schmerzen; für den Kampf, den du gestritten, für den Tod, den du gelitten? Wer giebt mir zum Lob der Menge deiner Leiden Festgesänge? wer mir 3ungen? wer Gefühl? wo ist deiner Liebe Ziel? 5. Wo dein Blut herabgeflossen, lieg' im Geist ich hingegos sen; da möcht' ich noch hier auf Erden ganz Anbetung, Liebe werden! Jesus, hier sind meine Kräfte; Lieben sey nur mein Geschäfte! Nimm mein Leben! nimm es an, daß ich mit dir sterben kann! 23. März. 83. Mit Einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden. Hebr. 10, 14. 3u der Zeit wird das Haus David einen freien offenen Born( Brunnen) haben wider die Sün 131 de und Unreinigkeit. Jach. 13, 1. Vergl. ebr. 10, 22. Opfer und Born ist der Tod unsers Heilandes, ein Opfer zur Versöhnung und Rechtfertigung des Sünders, ein Born und Brunnen zur Gesundheit und völligen Genesung von aller Untugend. In jeder Hinsicht eine vollkommene Erldsung, Entsündigung und Heiligung. Er nimmt die Schuld, die Strafe vom Gewissen, und tilgt die Wurzel der Sünde im Herzen, daß sie nicht wieder ausschlågt, nicht wieder herrschend wird. Ein Opfer, vollgültig für alle Sünden aller Welt, so daß kein Sünder verzagen darf, so groß und schwer die Menge seiner Sünden ist, und wåren sie mehr als der Sand am Meer, als Tropfen im Meere, und Blåtter an den Bäumen; das Opfer Jesu tilgt alle ihre Schuld, hat alle Strafe getragen und sie vollkommen versöhnet. Und eben so vollkommen genugthuend oder allgenugsam ist es auch zur Heiligung. Wenn sich und so oft sich cine Spur der Sünde in uns zeigt, dürfen wir nur zu diesem Born gehen, und schöpfen aus diesem Heilbrunnen, aus dem Wasser des Lebens quillt, das die jedesmalige Unreinigkeit abwascht, und zugleich neue Kräfte giebt, von der Krankheit der Sünde zu genesen, und stark zu werden an Sinn und Geist. Also der wahre und der einzige Gesundbrunnen, der diesen Namen verdient. Selig, wer nicht nur gewaschen, sondern auch gesund werden will! Die vorige Melodie. 1. Jesus hångt in seinem Blute, großen Sündern nur zu gute. Laßt das Sündenheer sich thürmen, laßt die Höllenfluthen stürmen; siehst du nicht dein Opfer hangen für die Sund', die du begangen! Tritt hinzu, verwundtes Herz! glaub', so stillet sich dein Schmerz! 2. Pfleger aller Himmelsgaben! Auch Abtrünnge sollen haben von der Fülle deiner Gnaden, denn sie sind auch eingeladen*). Sau'r ward dir nur das Erwerben; Geben kostet die 132 kein Sterben. Ullen giebst du, Jesus Christ! weil du reich für alle bist! * P₁. 68, 19. 3. Sen getrost, du schwacher Sünder! durch ihn wirst du Ueberwinder! Willst du eine Quelle wissen, aus der Gottes Kräfte fließen? Hier, hier ist ein Born für Sünden, hier ein Kanaan zu finden, wo nur Milch und Honig fließt; eil' zur Fille Jesu Christ! 24. März 84. Dein Schaden ist verzweifelt böse, und deine Wunden sind unheilbar. Aber Ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen. Jer. 30, 12. 17.- Durch seine Wun den sind wir geheilt. Jef. 53, 5. 1 Petr. 2, 24. Da sagt dir Gott, der Herr, wer und wie du bist, laß dir's doch einmal sagen verzweifelt böse, bist du -unheilbar sind deine Wunden. Wer dürfte dich also schelten, wenn es der Herr nicht thåte, dem du nicht widersprechen darfst. Er kennt dich durch und durch. Glaube, Gott übertreibt es nicht. Es ist keine Rettung får dich, wenn er dich nicht rettet. Aber so schlecht und verzweifelt dein Zustand ist, so wirft er dich doch nicht weg Ich, ich will dich doch gesund machen; ich will deine unheilbaren Wunden heilen; spricht er. Glaubst du ihm das erste, daß du verzweifelt böse bist, so glaube ihm auch das zweite, daß er dich dennoch heilen wolle und könne. Leugne nicht, verbirg nicht dein Verderben, decke deine Wunden nicht aus Heucheley zu, denn dadurch werden sie nicht geheilt. Gieb Gott die Ehre, bekenne, daß sein Wort Wahrheit und du verzweifelt bose bist, so giebt er dir Heil und Leben. Wodurch? Durch seine Wunden, durch Jesu Wunden. Er ward um unsertwillen zerschlagen und um unserer Missethaten willen verwundet, und dadurch werden wir geheilt; wenn wir uns nur erst zerschlagen, zerknirschet, und wirklich 133 verwundet im Geiste fühlen; so soll es am Heile nicht fehlen. Aber wer sein Verderben leugnet, nicht böse scheinen will, oder sich selbst heilen zu können glaubt; oder, wer seine Wunden mit den bloßen Worten der Wunden Jesu nur so zudeckt, ohne sie gründlich ausheilen zu lassen, dessen Schaden ist, möchte ich sagen, mehr als verzweifelt böse, dessen Wunden können ewig nicht geheilt werden. Mache aus den Wunden Jesu nicht blos ein Deckpflaster für deine Wunden. Heil, Heil seyen sie dir! Viele sagen: Wir sind heil durch seine Wunden, und sie sind doch nicht heil, sondern voll Gewissenswun- den. Hast du aber wirklich Vergebung durch seine Wunden, so bleib in seinen Wunden, und hüte dich durch die Kraft derselben vor der Sünde, daß sie dir nicht neue Wunden schlage, damit du nicht ein zweimal erstorbener Baum werdest, der kaum mehr zu beleben ist. Mel. 106. Fall' auf die Gemeine. Oder: Freu' dich sehr, meine Seele! 1. Sey mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt. Ach, wie ist mir doch so wohl, wenn ich vor dir knieen soll- an dem Kreuze, da du stirbest, und um meine Seele wirbest. 2. Ich umfange dich, und küsse deine heilgen Wunden all', die durchbohrten Hånd' und Füße, deine schönen Någelmaal'. O wer kann dich, Jesus Christ, der für uns verwundet ist, wer kann würdig dich umfangen? wer genug nach dir verlangen? 13. Heile mich, o Heil der Seelen! der ich tief verwundet bin; nimm die Sünden, die mich qualen, nimm den gan zen Schaden hin, der verzweifelt böse ist, unheilbar gewor den ist; doch da du verwund't gewesen, kann ich doch durch dich genesen. 4. Schreibe deine blutgen Wunden mir, Herr, tief ins Herz hinein! Laß sie mir zu allen Stunden ewig unvergeßlich seyn. Bleibe stets mein höchstes Gut, in dem meine Seele ruht! Laß mich still bey deinen Füßen deiner Wunden Kraft genießen! 5. Dich, dich will ich ewig halten, gieb, daß ich es imme kann! Schaue meiner Hände Falten, schau mich Sünder freundlich an. Blick vom Kreuz herab auf mich; meine 134 Seele suchet dich. Sprich: Laß all dein Trauren schwinden; Ich, Ich tilge deine Sünden. P. Gerhd. 25. Marz. 85. Sager den Kindern Israel: Gebet unter euch - Freistädte dahin fliehen möge ein Todtschläger, der eine Seele unversehends schlägt. Jof. 20, 2. 3.- Wo aber jemand an seinem Nächsten frevelt und ihn mit List erwürgt, so sollst du denselben von meinem Altare nehmen, daß man ihn tödte. 2 Mof. 21, 14. Meine Taube ist in den Selslöchern, in den Steinrigen. Zobel. 2, 14. Und es wird eine Hütte seyn, zum Schatten des Tages vor der Zizze, und eine Zuflucht zur Verbergung vor dem Wetter und Regen. Jef. 4, 6. - Die Freistädte in Israel, in welchen auch ein Todtschläger, wenn er es unversehends und unwissend gethan hatte, Sicherheit, Schutz und Rettung fand, daß ihn kein Blutråcher ergreifen durfte; die aber dem muthwilligen und listigen Mörder nichts halfen, sind ein Bild von den Wunden Jesu, welche auch jedem Sünder, der redlich und aufrichtig seine Sünden bereuet, als Frei stadt offen stehen und ihn schützen vor Gericht, Tod, Teufel und Hölle, welche als Bluträcher jeden Sünder verfolgen, und ihm ewiges Verderben drohen. Wer sich in die Wunden Jesu verbirgt, weil er der Sünde müde ist und, ernstlich gebessert, frey von Sünde werden will, der ist unantastbar, der ist geborgen. So wie aber ein muthwilliger Mörder selbst im Tempel, wenn er auch die Hörner des Altars ergriff, nicht sicher, nicht geschüßt war, sondern ergriffen, weggerissen, und der verdienten Strafe überliefert werden mußte; so kann und soll sich auch kein Sünder und kein Heiliger der Wunden 135 Jesu trösten, wenn er sich nicht aufrichtig und redlich bekehret; wenn er heimlich oder öffentlich die Welt und Sünde noch liebt; wenn er ohne Herz, blos mit dem Munde die Wunden, das Verdienst Jesu ergreift und sich in falscher Sicherheit daran hålt. Ein solcher wird von dem Altare des Kreuzes, von den Wunden Jesu, die er nur im Munde führt, weggerissen, und mit den Heuchlern in den Feuer- und Schwefelpfuhl geworfen werden. Aber allen redlich Bekehrten, allen ernsten Suchern des Heils, allen eifrigen, gewissenhaften, um ihr Heil tiefbekümmerten Seelen, sind die Wunden Jesu selige Freistådte, Felsenlöcher und Steinrißen, wo fie vor dem Zorn, der Strafe und dem Gerichte, dem Tode und der Hölle, die sie mit ihren Sünden verdient hätten, frey und gerettet werden. In jeder Trübfalshihe, in jeder Noth und Plage finden sie da Schatten, Kühlung, Schuß, Schirm, Heil und Seligkeit. Eine wahrhaft fromme Seele geht da nicht mehr heraus, findet da ewige Freude und Ruhe, all' ihre Kraft und Stärke, ihr volles Gnügen. Mel. 16. Bleib bey Jesu. Oder: Seilge Liebe, Simmelsflamme! 1. Ach, wo findet meine Seele, wenn ihr Moses Donner blitzt, eine tiefe Felsenhöhle, da der Glaube ficher sitzt?- Keine weiß ich, als die Wunden, die man meinem Heiland schlug, als er Moses Fluch empfunden, als er meine Sünde trug. 2. Wer kann mir die Freistadt sagen, die dem Sünder of Fen steht, wenn er unter Furcht und Zagen nach Errettung seufzt und fleht? Keine weiß ich, als die Wunden, welche Gottes Lamm empfing, das, von Liebes- Macht gebunden, in des Todes Rachen ging. 3. Wohin soll ich mich verstecken? Ach, wo treff' ich Kleider an, daß ich meine Schande decken, und vor Gott bestehen kann? Keine weiß ich, als die Wunden, die vom Haupte bis zum Fuß, meine Seel' an dem gefunden, der am Kreuz verbluten muß. 4. Aber meiner Schulden Menge( ach, sie sind wie Sand am - 136 Meer!) bringt mich heftig ins Gedränge, wo, wo kommt die Zahlung her? Keine weiß ich, als die Wunden und sein Blut, das Lösegeld. Schuld und Rechnung ist verschwunden. Er versöhnt die ganze Welt. 5. Weiß denn niemand eine Quelle, die den Durst des Herzens löscht, und den Wust der Sündenfälle ganz von meis ner Seele wascht?- Keine weiß ich, als die Wunden und des heilgen Lammes Blut. Ach, es labt mich alle Stunden; ach, es macht mich rein und gut! - 6. Wo ist aber eine Hütte, Tag und Nacht daheim zu seyn; Daß mein Herz sich nicht zerrütte? Sagt, wo geh' ich aus und ein? -Reine weiß ich, als die Wunden, die der Herr dem Thomas wies. Wer sich da hineingefunden, hat ein ewig Paradies. Waf. 26. Jarz. 86. Wir müssen bedenken, daß unser alter Mensch mit Christo gekreuziget worden, damit der Leib der Sünde zerstört werde, daß wir nich. mehr der Sünde dienen. Rom. 6,6. Jch bin mit Christo gekreuziget Es sey fern von mir, mich zu rühmen, als des Kreuzes unsers Herrn Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuziget ist, und ich der Welt. Gal. 2, 19. und 6, 14. Wie viele Worte werden dem lieben Apostel so gern nachgesprochen, aber diese hört man felten wenigstens nicht in Wahrheit sprechen. Und doch kann der wahre Christ nicht über sie wegkommen, wie die leichten Schmetterlinge, die über die Blumen wegfliegen, ohne Honig daraus zu saugen. Und doch wåre gerade hierin der beste Honig. Das Kreuz, der Gekreuzigte muß, wenn wir wahrhaft an ihn glauben, in uns seyn; und wenn dieser Fels des Heils in uns ist, werden sich alle anschlagende Wellen und Wogen der stürmischen Leidenschaften, alle Versuchungen des Fleisches, der Welt und des Teufels daran brechen und den Kopf zerstoßen, ihre - - 137 Kraft verlieren und sterben. Christus und sein Kreuz oder Verdienst sey dir ja nicht ein Sündendiener, sondern ein Sündentilger, der der Schlange in dir den Kopf zertritt nicht nur außer dir. Wenn dir die Welt und Sünde, und jede Regung, ja schon der Gedanke an die Sünde ein Kreuz ist, und du sie eben darum mit dem Kreuze oder an dem Kreuze Christi tödtest, so bist du, oder dein alter Mensch mit Christo gekreuziget, und kannst dich in Wahrheit des Kreuzes Christi rühmen, aber auch allein des Kreuzes Christi, denn nur dieses kann die Sünde, den alten Menschen in dir kreuzigen; ohne ihn und sein Kreuz ist all dein Bemühen vergeblich, und all dein Ruhm lauter Schande und Schaden. - Mel. 24. 2ch, wie tief bist du gefallen. 1. Leidender, dein Leiden stårke mich zu jedem guten Werke. Laß mich, laß mich alle Sünden durch dich siegreich überwinden! Denn bey jedem Sündenreize flich' ich nur zu deinem Kreuze, und umfass am Kreuz ich dich, schnell verläßt die Sünde mich. 2. Fühlt von deinen tiefen Wunden, von der Qual, die du empfunden, oft mein Herz nur einen Schatten, muß die Kraft der Sünd' ermatten. Da muß eigner Wille brechen, da kann ich die Lüfte schwächen, die sonst gar nichts schwächen kann; deine Någel heften's an. 3. Seh' ich dich von Gott verlassen, lerne ich die Sünde haffen. Fühl von fern ich deine Schmerzen, kann ich mit der Sund' nicht scherzen. Seh' ich dich, o Jesu, bluten, fühl' ich Kraft zu allem Guten; und dein ausgedehnt Gebein läßt mich niemal tråge seyn. 4. Sollt' ich auch nicht alle lieben? sollt' ich Einen noch betrüben, für die du am Kreuze littest, du, der du für Feinde bittest? Ja, ich will für Brüder leiden; ihnen Gutes thun mit Freuden; will mit Schuldnern milde seyn, mehr als siebenmal verzeihn. 5. Laß auf Golgatha mich schwingen, wenn die Leiden mich umringen, mich im Geiste vor dir stehen, bluten dich und sterben sehen; sehn dich, Unschuld, stille schmachten, Kreuz erdulden, Schmach verachten, treu, gehorsam bis zum Tod', deinem Vater, deinem Gott. 138 27. März 87. Wenn wir nun gestorben sind mit Christus, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben wer den. Rom. 6, 8. vergl. Vers 5. Christus ist für uns gestorben, daß wir, wir mögen wachen, oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. 1 Theff. 5, 10. Er hat uns erworben, da er für uns gestorben. Wir sollen sein, sein ewig seyn, dafür starb er. Wehe dem, der sich ihm entzieht, der vorgiebt, er glaube an ihn, und lebt ihm doch nicht. Wer ihm lebt, oder in ihm lebt, mit ihm zusammen lebt, wie es Paulus haben will, so wie der Schüler mit dem Meister, in einem Hause und in einer Werkstätte, wer mit ihm so vertraulich und gemeinschaftlich lebt, kann mit der Sünde leicht fertig werden. Kommt sie, so sieht der Schüler nur den Meister an- und fertig ist er mit ihr- sie zieht abkommt aber wieder- nun ja, es ist uns wieder ein Blick auf ihn erlaubt je öfter, je besser- er hat's gerne fo- ein nach ihm geschickter Blick, bringt allemal einen Donnerschlag für die Sünde, und zugleich ein Práservativ mit zurück. Ueberhaupt das mit Jesu Zusammenleben ist das seligste Leben; wenn's die Leute nur wüßten, sie würden gar nichts Besseres wünschen. Und zwar, wachend und schlafend- wir mögen im Bette oder im Grabe schlafen, hier oder drüben wachen- so sollen wir allezeit mit ihm seyn, und ihn nicht aus Aug', Herz und Sinn bringen können, es auch wohl nicht versuchen. Dafür, dafür ist Christus gestorben. So nahe gehst du ihm. Ein solches Leben will dir sein Tod geben hier und dort- denn es soll ein ewiges, ununterbrochenes Zusammenleben seyn und bleiben. mel. 24. 2ch, mie tief bist du gefallen. 1. Wenn mich meine Sünden krånken, laß mich an dein Leis den denken. Laß mit allen Seelenkråften mich mit dir ans Kreus - — 11 139 ze heften, deine Leidens- Nächte schauen, gleich dir lernen Gott vertrauen; fließen sehn dein göttlich Blut, denn du starbst auch mir zu gut. 2. Da dein Blut für mich geflossen, kannst du mich ja nicht verstoßen. Gnade, Gnade kann ich finden, die Vergebung aller Sünden. Leben, Leben willst du geben allen, die sich dir ergeben. Deinem Worte bleibst du treu, machst von aller Sünd' mich frey. 3. Auch in bangen Todesstunden blick' ich nur auf deine Wunden, wenn ich in dir bleib' und lebe, dich zu lieben mich bestrebe, darf ich freudig zu dir blicken, du wirst meinen Geist erquicken, ich fürcht' nicht dein Strafgericht, du bleibst meine Zuversicht! 4. Dann wird alle Angst verschwinden, muthig werd' ich überwinden, Tod und Grab ich überfliegen, ewig dir im Schooße liegen! Unaussprechliches Entzücken, dich von Angesicht erblicken, der mich wäscht von Sünde rein! welche Wonne wird das seyn! 5. Freude jener Ewigkeiten, dich zu schauen, dich begleiten, hören dich, und dich umfangen, ewig, ewig an dir hangen, für die Liebe sonder Schranken, dir, o Jesus Christus, danken, der auf Golgatha einst starb, dort mir dieses Heil erwarb! 8. März. 88. Sich das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt! Joh. 1, 29. Wisset, daß ihr nicht mit vergånglichem Silber oder Golde erlöset seyd von eurem eitlen Wandel nach der Våter Weise; sondern mit dem theuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 1 Petr. 1, 18. 19. Ja, er ist das Lamm, auf welches im Alten und Neuen Bunde alle Boten Gottes hingewiesen haben. Schon Jesaias, der Evangelist Israels, sah es und deutete darauf hin: ,, Da er gestraft und gemartert ward, that er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummet 140 vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht aufthut." Jef. 53, 7. Er ist aber das Lamm, nicht nur wegen seiner stillschweigenden Geduld im tiefsten, kránkendsten Leiden, sondern vorzüglich als das Opfer und die Versöhnung für unsre Sünden. Mit seinem Blute sind wir erlöset und erkaufet von der Knechtschaft der Sünde und von der Gewalt des Satans, zu dienen dem lebendigen Gott. Was ist schöner anzusehen, was lieblicher und anziehender, als daß uns Gott den, welchen er zu unserm Heile in die Welt fandte, als ein Lamm darstellen läßt. Vor einem Richter und Herrn würden wir erschrecken und zittern. Aber ein Lamm zieht die Kinder an, und ist allen Menschen lieblich. Wie freundlich ist der Herr, auch in dieser Hin ficht. Schreckt die Hölle dich, wird dir der Satan fürchterlich, droht dir des Gerichtes Entsetzen, schau aufs Lamm, Johannes zeigt es dir mit Fingern. Was uns aber dieses Lamm gar so lieblich und schön macht, ist, daß es unsre Sünde trågt, und für uns geschlachtet ward, als vollgültiges Opfer für unsre Sünde. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du verbrochen. 1. Du Gottes Lamm, das alle Sünde tråget, auf das der Herr die Strafen weislich leget, daß er die Schuld an den verlornen Schafen nicht dürfe strafen! 2. Wie grundlos sind die Tiefen deiner Liebe! wie treu, wie zärtlich deine Jesustriebe! Kein Mutterherz gleicht deinem treuen Herzen, du Mann der Schmerzen! 3. Was ist der Mensch, daß du sein so gedenkest, daß du für ihn dich in das Elend senkest? Was findest du an mir und an uns allen für Wohlgefallen? 4. Verdient Berachtung göttlicher Gesetze, verdient Verschwendung unschätzbarer Schätze, verdient ein selbstgemachter böser Schade des Richters Gnade? 5, Des Höchsten Sohn stirbt für die Menschenkinder, der Heilige bezahlet für die Sünder, der Richter läßt am Kreuze die Verbrechen an ihm selbst rächen. 6. Der frommste Held, den fremde Sünde naget, schwitzt 141 Blut vor Angst, er zittert, bebt und zaget; der Seligste fühlt an der Menschen Stelle die Qual der Hölle? 7. Wer kann dies faffen? Lehr' mich's selbst erkennen, o Herr, laß mich dich glaubig Jesum nennen! Erbarme dich, und heile meinen Schaden, du Brunn der Gnaden! 8. Ich bin verderbt vom Fuße bis zum Scheitel; mein Herz ist widerspenstig, trokig, eitel; mein bestes Thun isi mangelhaft und sündlich; so fehl' ich stündlich. 9. Ach, wasche mich mit dem Versöhnungs- Blute! Was du verdienet hast, komm' mir zu gute! Streich meine Schuld samt dem gedrohten Fluche aus Gottes Buche. 10. Dir, Jesu, leb' ich, dir will ich auch sterben. Laß den ja nicht, der dir vertraut, verderben! O, hilf mir jetzt und in den letzten Stunden durch deine Wunden! E. Liebich. 29. März. 89. Christus hat gelitten für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr seinen Sußstapfen nachfolgen sollt- welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dråuete, da er litte, er stellte es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unfre Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem( Kreuz) Bolze, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. 1 Petr. 2, 21-24. Das Leiden Jesu ist, wie wir es immer betrachten, für uns von unaussprechlichem Werthe und Verdienste. Er litt für uns in jeder Hinsicht, allervörderst zur Ver= gebung unsrer Sünden, als unser Versöhner, da sein Verdienst mein Verdienst wird durch den Glauben, und ich ihn ansehe als das Lamm, das meine Sünden büßet und wegnimmt, mir einen gnädigen Gott und Vater machet durch seinen Gehorsam bis zum Tode. Dann zweitens litt und starb er, um uns Gnade, Geist, Kraft und Leben zu erwerben und zu schenken, zur Heiligung 142 und Erneuerung des innern Menschen. Sein Tod ist cine Lebensquelle, ein Heilbrunnen, wodurch alle, die davon trinken, gesund werden. Drittens litt er und starb zum Vorbild und Troste für uns in unserm Leiden und Sterben, daß wir auf ihn sehen und in seine Fußstapfen treten, wie die Apostel deutlich schreiben. Wer ihn immer nur als Versöhner, und nie auch als Vorbild betrachtet, denkt und handelt nicht apostolisch, so wenig als die, welche ihn nur als Beispiel und Tugendbild, aber nie als Versöhner vorstellen. Er ist uns alles. Wir müssen ihn auf keine Weise theilen und zer: stůckeln, sondern ganz nehmen, wie er sich uns darstellt wie die Apostel ihn uns verkündigen. Mel. 126. Oder: 85. Mir ist Erbarmung wiederf. Oder: Wie groß ist des. 1. Wenn meine Seel' den Tag bedenket, da meine Sonn' zur Nacht geeilt, da mein geliebter Arzt gekrånket, durch seine Wunden mich geheilt; da er die letzten Wort' gesprochen, da meinem Haupt das Herz gebrochen, da wein' ich, weil ich weis nen kann, und stimme solche Seufzer an. 2. O Herr, der du mit heißen Thränen im Tod' noch batst für deine Feind', laß deine Chránen mich versöhnen, du hast ja auch für mich geweint. Laß mich die Nach' dir überlassen; gieb. daß ich liebe, die mich hassen. Bergieb den Feinden ihre Schuld, gieb ihnen Reu' und mir Geduld! 3. Gieb, daß ich nicht die Buß' verschiebe bis auf den letzten Todesschweiß; gedenk' an mich mit Gnad' und Liebe, nimm mich vom Kreuz ins Paradeis, da der krystallne Strom mich stillet, der aus dem Thron des Lammes quillet. Dort find' ich Freuden, welche man hier nicht verstehn, doch nennen kann. 4. Laß mich, wenn alles flüchtig gehet, bey deinem Fähnlein halten Stand; wer unter deinem Kreuz hier stehet, steht dort zu deiner rechten Hand. Laß mich die Wittwen und die Waisen als deine Unverwandten speisen; und wenn ich mir nicht helfen kann, so nimm dich meiner Nothdurft an. 5. Wie soll ich nicht die Sünde hassen, um welche Gott dich selbst verläßt? Ich halte dich, du kannst nicht lassen, den, der wie Jakob dich umfäßt. Wenn dich die Zorndeck mir verstecket, wenn mich des Todes Schatten schrecket, so höre, was mein Schreien spricht: Mein Gott, mein Gott! verlaß mich nicht! 143 6. Quell, von dem viel Strome fließen, es dürftet dich nach mir, nach mir; dein Durst muß Adams Bissen büßen; mich dürstet auch nach dir, nach dir! Gieb, daß auch mir die Effiggüsse dein scharfer Essigtrank versüße, bis du mich dort, o Lebensfürst, mit Wonne ewig trånken wirst. 7. Es ist vollbracht, ich hab' gekämpfet! rufft du. Der Vater ist vergnügt; die Schrift erfüllt, die Sünd' gedämpfet, Tod, Teufel, Hölle sind besiegt, daß sie mir nicht mehr schaden werden; gieb, daß ich, wenn ich geb' der Erden an meinem Freitag gute Nacht, gleich fröhlich rühm': Es ist vollbracht! 8. Alsdann komm deine Braut zu holen; nimm HimmelsNoah, deine Taub'! Mein Geist sey deiner Hand befohlen, mein frisches Dehlblatt ist der Glaub'! Neig' gegen mir dein Haupt im Leiden, scheid' nicht von mir, wenn ich soll scheiden, führ' aus der Marterwoche Pein mich zu den Himmels- Ostern ein! Wegleiter. 30. März. 90. Es prüfe sich aber der Mensch selbst, dann esse er dieses Brod, und trinke diesen Kelch; denn wer unwürdig ist und trinkt, trinkt sich selbst einGericht hinein, weil er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind z. 1 Kor. 11, 28-30. Die Selbstprüfung ist immer, tåglich, stündlich nothig, am allerwenigsten aber soll man sie beim Genusse des heil. Abendmahls versäumen oder verschieben auf gelegnere Zeit. Da ist sie durchaus unentbehrlich, und so wesentlich nothwendig, daß Leben und Tod, Segen und Fluch, Gnade und Gericht an ihr hångt und von ihr abhångt. Paulus schreibt dem ungeprüften oder unwürdigen Genuß, was ihm Eines ist, schwere Gerichte zu, und weist auf Thatsachen und Beispiele seiner Zeit hin, wo der unwürdige Genuß vielen leibliche und geistliche Schwäche, Krankheiten und selbst den Tod zugezogen hat. So züchtigt der Herr, die seinen, für sie in 144 den bittersten Tod hingegebenen Leib, sein für sie theuer vergossenes Blut ungeprüft, leichtsinnig, unwürdig genie ßen, die seinen Leib von einer gewöhnlichen irdischen Speise nicht unterscheiden. Hole dir also keine Krankheit, iß nicht Tod und Gericht beim Abendmahle, denn das kannst du eben so leicht da finden, als das Leben und die Seligkeit. Für Kranke ist die gesunde Speise nicht, sie macht sie noch krånker, elender, und kann gar tödten. Die Kranken dürfen keineswegs effen, was die Gesun den essen; was den Gesunden zur Gesundheit, Nahrung und Stärkung dient, wird den Kranken, wenn sie es in ihrem Zustande genießen, Gift und Tod. So hute dich denn, dir die Speise des ewigen Lebens, das göttliche Brod, das himmlische Manna durch deinen Leichtsinn und Frevel in Gift und Fluch, Gericht und Hölle zu verwandeln. Prüfe dich, erforsche dich, bete um Licht und Erkenntniß deiner selbst; bekenne die erkannten Sunden Gott und deinem beleidigten Nächsten; mache das gegebene Nergerniß gut, so viel du kannst, und gieb doch wenigstens nicht neues Aergerniß, daß du bey einem leichtsinnigen, unordentlichen Wandel doch dem heiligen Tische dich näherst. Versöhne dich mit Gott, mit deinem Nächsten und mit deinem eignen Herzen Suche Frieden in dir und außer dir herzustellen, und zeige un zweideutig, daß du Reue, Buße, Glauben und Besserung fest im Sinne habeft. Zeige, daß du wissest und fühlest, wem du dich näherst dem, der Augen hat wie Feuerflammen, und Nieren und Herzen prüft und forscht; der da weiß was in dir ist, der alle verborgenen Anschläge deines Herzens kennt. - Mel. 13. Jesus Christus herrscht als König. Oder: O wie felig sind die Seelen, 1. Jesus, darf ich Sünder nahen, Gnade, Gnade zu empfahen, ich, der nichts als Fluch verdient? Darf ich Úrmer vor dich treten, tief im Staub' dich anzubeten? Hast du mich, auch mich versöhnt? 145 2. Ja, auch mir bist du gestorben, hast auch Leben mir erworben, mich auch ladst du zu dir ein! Laß mich diese Huld bedenken, mir auch willst du Alles schenken, deiner soll auch ich mich freun! 3. Aber prüfen in der Stille soll ich mich, das ist dein Wille; heut, nicht morgen, heute noch, Seele! prüfe deinen Glauben, laß dir keine Stunde rauben. Eins ist noth! ach, eile doch! 4. Ich soll täglich mich erneuern, dir im Herzen Sabbath feiern, ganz mein Herze dir zu weihn! Ich soll deinen Tod verkunden, heiße Lieb' zu dir empfinden, soll dein treuer Jünger seyn! 5. Deine Brüder herzlich lieben; immer mich im Wohlthun üben; leben, aber nicht für mich; auf dich sehen, wenn ich leide, dir zum Ruhm und dir zur Freude leben, immer nur für dich! 6. Hab' ich einen felsenfesten Glauben, daß auch mir zum Besten ewiglich dein Opfer gilt? Würden Freudenthrånen flieBen, säh' ich dich dein Blut vergießen? Ist mein Herz von Dank erfüllt? L. 31. März. 91. Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe ich leide. Luk. 22, 15. Ihn verlangt herzlich nach dir, du lieber Abendmahlsgenosse! Ihn hungert mehr nach dir, als dich nach ihm, als wenn er der Speisende, und du die Speise vårest. Darum sagt er auch anderswo: ich habe eine Speise, die ihr nicht kennet und was war es dort? Eine arme Sünderin. Joh. 4. So ist es wirklich eine Speise für ihn, nach der er hungert und sehnlich verlangt, wenn du zu seinem Tische kommst mit der brunstigen Begierde und dem heißesten Verlangen, ihm recht nahe zu werden, dich innigst mit ihm zu vereinigen, dich seiner so zu erinnern, ihn so vor dein Geistes- Auge im Glauben hinzustellen, als wäre er vor dir gekreuziget, als reichte er sich selbst dir dar, als sähest du sein Blut fließen, ihn sein Haupt neigen und für dich sterben. Der Heiland hat Großes im Sinne bey diesem Mahle. K - 146 Er giebt uns nicht leere Zeichen seines Todes, Er giebt sich selbst; darum will er auch keine kleine, enge Herzen, sondern erweiterte, einen großen Glaubens- Mund, einen heißen Hunger, um viel, um Alles, um sich selbst geben zu können. Je mehr Raum in dir für ihn bereitet ist, desto mehr wirst du von ihm empfangen; je größer dein Verlangen, desto mehr wirst du Christi theilhaftig werden. Hebr. 3, 14. Mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. O Lamm! wie groß war dein Verlangen nach deinem letzten Passa- Mahl! Da sah man deine Seele hangen ganz an der Jünger kleinen Zahl. Man sah den Strom des Lebens fließen, voll Huld aus deinem holden Mund. Da konnt' fich deine Lieb' ergießen. So thatst du dich den Deinen kund. 2. Die Lieb' ist groß, ja unermessen, die solche Wunder an uns thut! Den Deinen giebst du hin zu essen in Wein und Brod dein Fleisch und Blut. Für unsre Sund' am Kreuz zu sterben, war dir zu wenig, theures Lamm? Auch selbst um unsre Seele werben willst du, o Seelenbrautigam! 3. Wie machtig ist die Liebesflamme! Sie ist viel stärker als der Tod. Aus Liebe ward zum Opferlamme der Schöpfer felbst, der starke Gott! Den, vor dem Erd' und Himmel beben, den hat sie in das Grab gebracht! Den, in dem alle Dinge leben! So wirkt die Lieb' in ihrer Macht! 92, Erster April Gott war in Christo, und versöhnte die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu- denn er hat den, der von keis ner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Ge rechtigkeit Gottes. 2 Kor. 5, 19-21. Also hat Gott die Welt geliebt die fündige, tren lose, versunkene und undankbare, daß er ihr seinen un — 147 schuldigen, heiligen und gerechten Sohn opferte, als wenn ihm die große schåndliche Sünderin lieber wäre, als sein allerliebster Sohn. Wer heute, wenn er Gottes Sohn am Kreuze sterbend erblickt, sterbend für alle Sünder, getödtet für die Todten, wer hier nicht lesen lernet die heilige Schrift Gottes, die er allen Menschen geschrieben hat, um sie einzuladen zu seinem großen Abendmahle, um sie zu bitten: Lasset euch versöhnen mit Gott! Wer am Kreuze dies nicht lesen, nicht verstehen, nicht glauben lernet, wird es nimmermehr lernen; denn da steht es mit Flammenschrift geschrieben, da wird es so laut und allgemein verstehbar, so nachdrücklich und so einnehmend wie möglich, gepredigt, was Moses schon ahnte und sprach: Wie hat doch der Herr die Leute so lieb!- O stellt euch alle hin auf Golgatha zum Kreuze Christi, und schaut ihn im Geiste so lange an, bis die Fülle der Liebe Gottes, womit er uns im Tode seines Sohnes geliebet hat, Herz, Geist und Seele, Mark und Bein und euer ganzes Wesen durchdrungen hat, bis ihr mit ganzer Seele sagen könnet: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet! Doch hier helfen nicht Worte; du mußt selber gehen nach Golgatha, mußt schauen den Sohn der Liebe am Kreuze für dich bluten, mit unverwandtem Blicke bey ihm verweilen. Er, sein Blut, sein Tod, seine Wunden, das Neigen seines Hauptes soll zu dir sprechen horche nur! und alles in dir schweige. Mel. 98. un banket alle Gott. 1. Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen, Herr Jesu! dir sey Dank für alle deine Plagen, für deine Seelenangst, für deine Band' und Noth, für deine Geißelung, für deinen bittern Tod! 2. Ach, das hat unsre Sünd' und Missethat verschuldet, was du an unsrer Statt, was du für uns erdüldet. Ach, unfre Sunde bringt dich an das Kreuz hinan. O unbeflecktes Lamm, was hast du sonst gethan? K2 148 3. Doch deine Herzenslieb' beweiset unsern Herzen, wie lieb wir dir gewest; durch Leiden, Tod und Schmerzen hat Gott nun mit ihm selbst versöhnet diese Welt, hat Gnade uns gebracht, den Frieden hergestellt. 4. Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben. Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld der armen Sünder Theil. 5. O hilf, daß wir uns auch zum Kampf und Leiden wagen, und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen! Hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron', wenn's kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn! 6. Dein Schweiß komm' uns zu gut, wenn wir im Schwei ße liegen; durch deinen Todeskampf laß uns im Tode fiegen; durch deine Banden, Herr, bind' uns, wie dir's gefällt; hilf, daß wir freuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt. 7. Laß deine Wunden seyn Arzney für unsre Sünden; laß uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen! O Jesu, laß an uns durch dein Kreuz, Angst und Pein, dein Leiden, Angst und Pein ja nicht verloren seyn! A. Thebesius. 1652. 2. April. 93. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und ban den ihn in Leintücher mit Spezereyen.. war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt ward, ein Garten, und im Garten ein neues Grab, darin niemand je gelegt war. gelegt war. Und Joseph nahm den Leichnam, und legte ihn in sein Grab. Jho. 19, 40. 41. Matth. 27, 59. 60. — Das Leiden Christi fing sich im Garten an, und endigte sich im Garten. Gesegneter Garten! der den Leib, für uns dahingegeben, aufnahm; ausgezeichnetes Grab, welches den Leichnam dessen in sich schloß, der alle, die in den Gräbern liegen, hervorrufen und auferwecken wird, zur Auferstehung des Lebens oder des Gerichts! Seliger Joseph, der du den Leichnam Jesu vom Kreuze 149 herabnehmen und in dein neu Grab legen durftest, wer beneidet dich nicht? Und doch haben wir vielmehr als du, wenn wir durch Glauben Jesum im Herzen wohnend haben, wenn wir im Sakramente den lebendigen Leib Jesu in unsere Herzen aufnehmen und empfangen! Möge nur unser Herz aufhören das Grab der Sünde zu seyn, möge es das Grab Christi werden, worin Jesus, eingewickelt in Glauben und versiegelt mit der brünstigsten Liebe, ewig bleibe! Uebrigens aber müssen wir beim Grabe Christi betrachten, was Paulus sagt Róm. 6, 4.: Wisset ihr nicht, daß wir alle, die wir in Christo getaufet sind, in seinen Tod getaufet sind; daher sind wir durch die Taufe in den Tod mit ihm begraben. Das wiederholt er auch Kol. 2, 12., und will daraus folgern, daß wir nicht mehr der Sünde dienen, die Sunde nicht mehr herrschen lassen, weil wir mit Christo, oder durch Christi Tod der Sünde gestorben und gekreuziget sind, und also die Sünde zu Grabe getragen haben. Wecket sie nicht mehr auf, ihr Lieben! Lasset sie, laffet sie getödtet und begraben bleiben ewig; ja, wer= fet vielmehr den todten Leichnam der Sünde und bösen Lust hinaus aus euren Herzen, und nehmet Jesum auf, daß er in euch lebe und herrsche ewiglich. Mel. 54. O du, der einst im Grabe lag. Oder: Christ, der du bist der helle. 1. Nun ist es alles wohl gemacht, weil Jesus ruft: Es ist vollbracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, and stirbt, das Leben, das niemals verdirbt, Er dir erwirbt! 2. Erschrecklich, daß der Herr erbleicht der Herrlichkeit, dem niemand gleicht, der Lebensfürst! Die Erde kracht, weil Gottes Sohn wird umgebracht, und es wird Nacht! 3. Die Sonn' verlieret ihren Schein, des Tempels Vorhang reißet ein; der Heilgen Gråber öffnen sich, und sie stehn auf gar sichtbarlich. Wie wunderlich! 4. Weil denn die Kreatur sich regt, so werd', o Mensch, hierdurch bewegt. Zerreißt em Fels; und du wirst nicht bewogen, daß dein Herze bricht durch dies Gericht? 150 5. Du bist die Schuld, nimm dies in Ucht, daß Jesus ist ans Kreuz gebracht; ja, gar zum Tod und in das Grab, weil er, ach! mit Geschrey schied ab, den Geist aufgab! 6. Ach, Vater! ach, dein ein'ger Sohn erbleicht am Kreuz mit Schmach und Hohn! Nun, dies geschieht für meine Schuld! drum zeig' in Jesu Gnad' und Huld, und hab' Geduld! 7. Ich will mit ihm zu Grabe gehn, und wo die Unschuld bleibet, sehn; ja, ich will ganz begraben seyn mit ihm und selig schlafen ein, im Tod allein. 8. O, Jesu Christe, stårke mich in meinem Vorsat kräftig lich! Laß mich den Kampf so setzen fort, daß ich die Kron' er lange dort, nach deinem Wort. 9. So will ich dich, Herr Jesu Christ, daß du für mich gestorben bist, von Herzen preisen in der Zeit, in Freud' und Wonn' in Ewigkeit, nach kurzem Streit. L. Laurenti. 3. April. 94. Und sieh, ein großes Erdbeben geschah, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel her ab, wälzte den Stein weg, und sprach: Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten! Was suchet ihr den Lebendigen bey den Todten: Er ist nicht hier, er ist auferstan den. Matth. 28, 2. Luk. 24, 5. 6. Mark. 16, 6. Engel waren bey dem ersten Eintritt Jesu in diese Welt die Boten,( Evangelisten) und Verkündiger der großen Freude, daß der Heiland geboren wåre, und bey feiner Wiedergeburt, da er aus dem Tode wieder ins Leben hervortritt, sind sie es wiederum, die sein Wiederaufleben aus dem Grabe, seine zweite Erscheinung unter den Lebendigen, seine Wiedergeburt ankündigen. Sie strafen freundlich die frommen Sucherinnen, daß sie den Herrn des Lebens, der schon auferstanden, noch unter den Todten suchten. Welche Freude muß es diesen liebevollen Wesen gewesen seyn, daß sie zuerst dieses große, ewige Evangelium aussprechen durfter in dieser Welt 151 der Todten- Gråber; daß sie die ersten waren, die als Herolde des Reichs rufen durften: Er ist auferstanden! Freuen sich nun die Engel so sehr darüber, die es doch eigentlich nicht zunächst angeht, wie vielmehr sollen wir uns freuen, danken und singen-- denn uns starb, uns erstand er, uns lebt er, und wir mit ihm, wenn wir mit ihm auferstehen und in einem neuen Leben wandeln. Aber wie können wir uns freuen, wenn wir in den Banden der Sünde und des Todes liegen bleiben? So suchen wir den Lebendigen bey den Todten, und da werden wir ihn nicht finden. Er ist nur bey den Lebendigen, die erwecket und mit ihm aus dem Grabe des Verderbens auferstanden sind, zu finden. Mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut. 1. Triumph! verlaßt die leere Gruft. Triumph! der Heiland lebet. Hört, wie der Kreis der heitern Luft von Siegestonen bebet. Sen uns gegrüßt, erstandner Held! Die Höll- und Tod- entrißine Welt ruft dir Triumph entgegen. 2. Ihr Himmel, laßt den Jubelklang durch alle Wolken hdren! Kommt, wiederholt den Lobgesang in allen Geister- Choren! Ja, ehrt den Tag, wie jene Nacht, die diesen Held ans Licht gebracht, verherrlicht seine Siege! 3. Es müsse 3ions Heiligthum von Jauchzen wiederhallen: Gott, in der Höhe, dir sey Ruhm, den Menschen Wohlgefallen! Ihr Kreaturen, stimmt mit ein, auf Erden müsse Friede seyn, im Himmel hohe Wonne! 4. Doch, ach, mein Herz, was hindert mich, die Freude zu empfinden? Gott macht uns frey; du läsfest dich mit Todesfesseln binden. Wie! du erkennst doch deine Noth, und fliehst und wählest doch den Tod in seinen Sündenfrüchten. 5. Soll, Jesu, denn an mir allein, nach so viel schweren Siegen, dein Schmerz und Tod verloren seyn? Laß deine Blutfahn' fliegen! O decket mich nur dies Panier, so wird der nahe Tod von mir mit Hdll' und Teufel fliehen. 6. Du kannst, mein Haupt und Lebensfürst, nicht deine Glieder hassen; ich weiß gewiß, ich weiß, du wirst mich nicht im Tode lassen. Denn Satans angefülltes Reich blieb sonst des Himmels Größe gleich. Auf, rette deinen Namen! 7. Laß, laß mich, dein ersiegtes Gut, doch nicht verloren ges 152 Hen; laß meines todten Glaubens Muth lebendig auferstehent Oja, mein Angstschweiß hdret auf; mein Heiland steiget frey herauf, und läßt sein Schweißtuch liegen. 8. Nun Jesus Grab die Siegel bricht, steht mir der Himmel offen. Nun stürzt den eitlen Glauben nicht ein unerfülltes Hoffen. Du lebst, du lebst und lebst in mir; du kannst, du wirst, ich folge dir, mich auch zum Vater führen. V. Pietsch.+ 1733. 4. April. 95. Da a die Jünger versammelt, und aus Surcht vor den Juden die Thüren verschlossen waren, tam Jesus und trat in ihre Mitte, und sprach zu ihnen: Der Sriede sey mit euch! Ich bin's, fürchtet euch nicht. Joh. 20, 19. Luk. 24, 36. Die Jünger liefen doch nicht zur Welt, da ihr Meifter todt war und im Grabe lag, sie versperrten sich vielmehr vor ihr, denn sie fürchteten die Welt wohl nicht mit ganz edler Furcht. Sie fürchteten, auch gegriffen und gekreuziget zu werden; dazu hatten sie jetzt weder Lust noch Kraft. Doch war diese Furcht für sie heilsam, weil sie dadurch vor der Welt bewahret blieben, und in der Stille ihres Heilandes warteten. Benn Jesus in dir auferstehen soll, und du seines Lebens in dir gewiß werden willst, mußt du erstens die Welt aus dcinem Herzen hinaussperren und dein Herz nur dem Heilande offen halten, nur nach ihm verlangen; dann zweitens dich auch gern mit denen versammeln, die auf den Trost Israels warten, die mit einem todten BuchstabenChristus nicht zufrieden sind, sondern Jesum, den lebendigen, haben wollen. Bey den Todten wirst du todt, bey den Lebendigen lebendig werden und bleiben. Wenn du so, wie die Jünger, entfernt und losgerissen von der Welt, versammelt im stillen Gebete, im Harren und Flehen, vereinigt mit allen Frommen und Gläubigen, dich - 153 nach Jesu sehnest, so wird er auch in Mitte deines Herzens, in Mitte der Deinigen im Geiste erscheinen, und dir den Frieden, der allen Verstand übersteigt, die rechte Osterbeute, die er durch seinen Sieg und Kampf errungen hat, bringen, wodurch du gewiß wirst, daß er es ist, daß es kein Hirngespenst, kein Phantom ist. Mel. 52. Die Gnade sey mit allen. Oder: Befiehl du deine Wege. 1. Willkommen, Held im Streite, aus deines Grabes Kluft. Wir triumphiren heute um deine leere Gruft. Der Feind wird Schau getragen, und heißt nunmehr ein Spott. Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott! 2. In der Gerechten Hütte schallt schon das Siegeslied. Du trittst selbst in die Mitte, und bringst den Osterfried'. Ach, theile doch die Beute bey deinen Gliedern aus! O komm, und bring' noch heute den Fried' in Herz und Haus. 3. Schwing' deine Siegesfahne auch über unser Herz, und zeig' uns einst die Bahne vom Grabe himmelwärts. Laß unfer aller Sünden mit dir begraben seyn. Laß uns den Schatz hier finden, der ewig kann erfreun! 4. Sind wir mit dir gestorben, so leben wir mit dir. Was uns dein Tod erworben, das stell' uns täglich für! Dann wollen wir ganz fröhlich mit dir zu Grabe gehn, wenn wir nur dorten selig mit dir auch auferstehn. 5. Der Tod kann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nunmehr stumpf. Wir stehn bey Gott in Gnaden, und rufen bald: Triumph! Komm nur in unsre Herzen, besiege Sünd' und Tod, dämpf in uns Pein und Schmerzen in unsrer letzten Noth! B. Schmolke. 5. April. 96. Gelobet sey Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen offnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unverganglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Zimmel. 1 Petr. 1, 3. Der Tod ist verschlungen in den Sieg, 1170 154 Tod, wo ist dein Stachel: Zölle, wo ist dein Sieg: 1 Kor. 15, 55. Die Auferstehung ist das Hauptstück der christlichen Lehre; es hångt unser Glaube und unsre ganze Hoffnung an ihr; wie Paulus 1 Kor. 15. darthut. Wäre Christus nicht auferstanden, so gåbe es kein Christenthum, so wäre unser Glaube eitel, unsre Hoffnung nichtig, die Lehre falsch, das ganze Evangelium vergeblich; es gåbe keine Vergebung der Sünden; wir wüßten gar nicht, wie wir daran wåren, weder in diesem, noch im künftigen Leben, das wir gar nicht glauben, nicht hoffen könnten. Die Auferstehung aber begründet alles, was wir als Christen glauben, hoffen und lieben; besonders aber ist sie uns die Wiedergeburt der lebendigen Hoffnung des ewigen Lebens; indem sie alle Furcht des Todes verschlingt, und uns das künftige Leben in unferm auferstandenen Heilande anschaulich macht. Er ist unser Haupt, wenn wir im lebendigen Glauben und brünstiger Liebe als Glieder seines Leibes an ihm hangen; und da wir das Haupt über Tod, Hölle und Satan siegen, und sie, diese fürchterlichen Feinde des Menschen, verschlingen und zertreten sehen, so können wir nicht nur nicht zagen, wir müssen mit unserm Haupte mit triumphiren und uns des Sieges mit freuen; denn er hat nicht für sich, sondern für uns, über unsre Feinde gesiegt. Der Sieg ist unser, also auch der Triumph. Wenn ein Held die Feinde des Reiches schlägt und vernichtet, wenn er siegt und triumphirt, so ist der Sieg und Triumph des ganzen Reiches, so freut sich der geringste Bewohner des Reiches mit; denn er hat es auch zu genießen, wie der Sieger selbst. Darum triumphiren alle Christen mit Christo in seiner herrlichen Auferstehung. Mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut. 1. Auf, danket ihm mit Herz und Mund am Tage seiner Freuden, er hat den ewgen Gnadenbund gegründet durch sein 155 Leiden. Er hat dem Tod entwandt die Macht, das Leben aber wiederbracht und unvergånglichs Wesen. 2 Tim. 1, 10. 2. Nun tritt, was Christo ähnlich ist, in Glaubenskraft zusammen; weil Christus auferstanden ist, wer will sein Volk verdammen? Hier ist der Mann, der überwand, und nach zerrißnem Todesband zur Rechten Gottes fizet. 3. Du wohlgeplagtes Christenheer, vergiß, was drückt und naget! Gesetzt, es hauft sich mehr und mehr, nur frisch mit dem gewaget, der durch des Grabes Siegel brach und zu dem Tode machtig sprach: Wo ist nunmehr dein Stachel? 4. Doch Christi Sieg ist gut dafür, der lehrt uns überwinden, und öffnet Riegel, Schloß und Thür, trotz Teufel, Welt und Sünden. Mit diesem großen Siegesmann ist alles kurz und gut gethan, wo bleibt dein Sieg, o Hölle? 5. 3um Siegel solcher Seligkeit giebt uns der Herr zu essen die Speise der Unsterblichkeit, die niemand soll vergessen. Der Lebenssaft uns heilsam trånkt, den das erwürgte Lamm uns schenkt; o edler Östersegen! 6. Gott, unserm Gott, sey Lob und Dank, der uns den Sieg gegeben, der uns, was hin ins Sterben sank, hat wiederbracht zum Leben! Der Sieg ist unser, Jesus lebt, der uns zur Herrlichkeit erhebt. Gott sey dafür gelobet! V. E. Löscher. 6. April. 97. Nun aber ist Christus für alle gestorben, damit die, so da leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 2 Kor. 5, 15. Euch zuvorderst hat Gott seinen Sohn erweckt, und ihn gesandt euch zu segnen, damit sich ein jeder von seiner Bosbeit bekehre. Apostg. 3, 26. Se= get den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seyd, wie ihr denn ungesäuert seyn follet; denn unser Osterlamm, Christus, ist für uns geschlachtet. 1 Kor. 5, 7. Wie der Grund unserer Hoffnung des ewigen Lebens in der Auferstehung Jesu liegt, so liegt eben darum 156 ruch der Grund und die Ursache unserer eigenen Erwekung und Bekehrung zu einem neuen Leben darin. Denn wie konnten wir hoffen, mit ihm zu leben, wenn wir nicht mit ihm aufständen vom Tode. Wie könnten wir hoffen, mit ihm zu triumphiren über Sünde, Tod und Grab, Teufel und Hölle, wenn wir freiwillig Sklaven der Sünde, des Teufels und des Todes bleiben wollten. Wie könnten wir die ewige Osterfreude mit unserm verklärten Osterlamme feiern, wenn wir den alten Sauerteig nicht ausfegten. Unser alter Sauerteig, Fleisch und Blut, Sünde und Verderben kann das Reich Gottes nicht erben. Der die Feinde außer uns besiegt hat, kann und will sie auch in uns besiegen; der für uns gestorben und auferstanden ist, kann und will uns Kraft genug geben, daß wir der Sünde sterben und ihm leben; daß wir mit ihm auferstehen, allen Sauerteig der Bosheit und Schalkheit ausfegen, und ein neuer Süßteig voll Lauterkeit und Wahrheit werden. Mel. 76. un ruhen alle Wälder. 1. Willkommen, Ueberwinder! willkommen, Trost der Sünder! willkommen, Heil der Welt! Willkommen, Schlangentreter und Hoffnung aller Våter! willkommen größter Wunderheld! 2. Für wen hast du gelitten? für wen hast du gestritten und obgesiegt, o Held! Für Adams böse Kinder, für hingeworfne Sünder, für eine lastervolle Welt! 3.O, wer begreift die Triebe so wunderbarer Liebe! und wer erstaunt hier nicht? Für freche Sündenknechte erduldet der Gerechte ein unverdientes Strafgericht! 4. Laß uns doch nicht vergessen, die Gnade zu ermessen, die heut' uns widerfährt; laß uns das Herz erneuern, und so die Oftern feiern, wie Dank und Pflicht von uns begehrt! 5. Kein Sauerteig der Sünden sey mehr in uns zu finden, der uns bisher befleckt! Laßt uns hinfort das Leben blos dessen Dienst ergeben, den Gott für uns vom Tod erweckt! 6. Hilf, Jesu, selbst uns kämpfen, die böse Lust zu dämpfen, die uns zur Sünde treibt. Wir können sonst nicht siegen, und müssen unterliegen, wo nicht dein Beistand bey uns bleibt. W. Triller. 157 7. April. 98. Sie kamen sehr früh zum Grabe um die Zeit des Sonnenaufgangs, und sagten: Wer wird uns den Stein vom Grabe wälzen: Als sie aber hinblickten, sahen sie, daß der Stein weggewälzt war. Marc. 15, 2-4. Die Jüngerinnen des Herrn sind früh aufgestanden, um den Herrn ohne Furcht und Säumen zu suchen. Weder die Wache, noch der große Stein, den sie nicht heben konnten, noch das Siegel, das die Pharisäer darauf drückten, noch sonst eine Besorgniß konnte ihre heiBe Liebe abschrecken. O wenn die Liebe sucht, so findet sie allemal; denn sie glaubt alles, und hoffet alles, und duldet alles, um zum Zwecke zu kommen. Sie denkt: ich muß ihn finden, denn ich muß ihn haben, und wenn tausend Steine, wenn Berge im Wege lågen. Wo aber Gott solchen Ernst der Liebe sieht, da hebt er auch die Steine weg, die wir nicht heben können,.und wirft die Berge ins Meer, die wir nicht übersteigen können. Findest du auch große Steine in deinem Wege und mancherley Hindernisse in deinem Gange, wie die Frauen beim Grabe; findest du Jesum nicht sogleich in dir, so harre sehnsuchtsvoll, stehe früh auf, und laß nicht ab, so wirst du ihn gewiß finden. Du kannst dir alle Tage einen Ostermorgen, eine Osterfreude verschaffen, wenn du alle Morgen so frühe aufstehst, so sehnsuchtsvoll suchest, so unverdrossen harrest, und so heiß und brünstig verlangest nach dem auferstandenen Heiland, wie Maria. Wer sicht, der findet. mel. 103. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 1. Herr, laß uns mit dir auferstehn! wir liegen noch im Grabe, und können noch das Licht nicht sehn, die Kraft von deiner Gabe, die du durch Macht uns mitgebracht. Führ' uns heraus zum Leben, laß fest an dir uns kleben! 2. Vertreib' den Schlaf der Sicherheit, daß wir bey frühem 158 Morgen zu suchen dich, Herr, sind bereit, wenn du dich gleich verborgen, und weichen ab vom Sündengrab', weil du die Thür' gebrochen, und unsern Feind gerochen. 3. Es liegen tausend Hüter hier, die unser Herz berennen, daß wir aus dieser Grabesthur' nicht zu dir kommen können. Der Sünde Macht hält selbst die Wacht, die Welt mit ihren Schätzen steht da, es zu besetzen. 4. Die Wollust, Sorge, Neid und Geld schiebt vor die stärksten Riegel, der Pharisäer dieser Welt drückt selbst darauf das Siegel. Wer wälzet ab von diesem Grab' den schweren Stein der Sünden, den wir in uns empfinden? 5. Herr Jesu, du, du bist's allein, du kannst die Fessel lösen, worin wir eingewickelt seyn, die Tücher zu dem Bösen. Wälz ab den Stein, und führ' uns ein zum Reiche deiner Gnaden, daß uns die Feind' nicht schaden. 6. Ach, laß das wahre Auferstehn auch unser Herz erfahren, uns aus den Todtengräbern gehn, daß wir den Schatz bewahs ren, das theure Pfand, das deine Hand zum Siege uns geges ben; so gehn wir ein zum Leben. D. Böhmer. 8. April. 99. Gott hat den Herrn auferweckt, und wird uns auch auferwecken durch seine Kraft. 1 Cor. 6, 14. Jft Chriftus in euch, so ist zwar der Leib um der Sünde willen todt, der Geist aber lebendig um der Gerechtigkeit willen. So nun der Geist deß, der Jesum von den Tod: ten auferwecket hat, in euch wohnet, so wird er, der Christum auferwecket hat von den Tod: ten, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen um deßwillen, daß sein Geist in euch wohnet. Rom. 8, 10. 11. Du glaubst an Christum, daß er von den Todten auferstanden ist; glaubst, daß auch du auferstehen wirst. Hast du aber den Geist, der Jesum auferweckte? hast du das Zeugniß des Geistes Christi, daß du erweckt und auferstanden bist vom Grabe der Sünden? Ist Christus, 159 der Auferstandene, in dir? hat er dich erweckt, belebt, beseelt? Ist dein Geist durch seine Gerechtigkeit lebendig? So mag dein Leib immer sterben; du wirst doch einst auferstehen, wie Christus auferstanden ist. Aber ohne den Geist, und ohne das Zeugniß des Geistes Gottes, der Jesum auferweckte, an Christum, an seine und unsere Auferstehung glauben, ist eine verzweifelte Sache; sich der künftigen Auferstehung trösten, und doch hier todt und ohne den Geist seyn, der allein erwekken, und uns schon jezt der ersten Auferstehung, des Lebens in Christo, theilhaftig machen kann, und muß, wenn wir an der zweiten Auferstehung Theil haben wollen, das ist ein Selbstbetrug, und eine Täuschung, von der man sich je eher je lieber heilen lassen soll. Ist aber Christus in uns( und das erkennen wir an dew Geiste, den er uns gegeben hat, an der Salbung und dem unnachahmlichen, unbegreiflichen Frieden, an der Liebe Gottes, die er in das Herz ausgießet), ist Christus und sein Geist in uns ,. und sind wir hier schon wirklich auferweckt, wahrhaft Erweckte, lebendige, in Christo lebende und wandelnde Christen; so ist kein Zweifel, daß uns der Herr so wenig im Grabe lassen wird, als er darin bleiben konnte. Denn, wo das Haupt ist, da müssen auch die lebendigen Glieder seyn. —— Mel. 14. un sich der Tag geendet hat. Oder: Für Chris stus geb'. 1. Ich sag' es jedem, daß er lebt und auferstanden ist, daß er in unsrer Mitte schwebt, und ewig bey uns ist. 2. Ich sag' es jedem, jeder sagt es seinem Freunde gleich, daß bald an allen Orten tagt das neue Himmelreich. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn erst wie ein Vaterland; ein neues Leben nimmt man hin entzückt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer versank des Todes Graun. and jeder kann nun leicht und hehr in seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, geht in den Himmel aus; und wer nur hört auf seinen Rath, kommt auch ins Baters Haus. 160 6. Er lebt, und wird nun bey uns seyn, wenn alles uns verist, und so son dieser Tag uns seyn ein WeltverjüngungsFest. v. Hdbg. 9. April. 100. Er aber, der Gott des Friedens, der den gro Ben irten der Schafe durch das Blut des ewigen Bundes, unsern Herrn Jesus Christus, von den Todten erwecket hat, mache euch tuchtig zu jedem guten Werke, damit ihr seinen Willen erfüllet. Gebr. 13, 20. Denn gleichwie Christus durch die Zerrlichkeit des Vaters von den Todten auferweckt wurde, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. Rom. 6, 4. Warum hat er den Hirten schlagen lassen? warum ihn wieder auferwecket? Blos um der Schafe willen. Der Vater liebet die zerstreuten Schafe, und konnte sie nicht in der Irre gehen lassen, darum erweckte er den Hirten und gab ihn den Schafen wieder. Sollen nun die Schafe doch verloren gehen? Wird Er nun nicht eben um des auferweckten Hirten willen auch die Schafe erwecken und neu zu beleben suchen, daß Hirt und Heerde mit einander Eins seyn, und in den ewigen Schafstall eingehen? Wir sollen auf dieselbe Kraft vertrauen und in derselben Kraft wandeln, durch dieselbe Kraft ein neues Leben führen, durch welche Christus auferweckt wurde. Dieselbe Kraft ist unser, wenn wir sie nur gebrauchen wollen, und nicht auf eigne Kräfte bauen oder gern und mit Absicht ohnmächtig bleiben wollen, um im Tode der Sünde liegen bleiben zu können. Schäflein! sehet auf euren großen Hirten: er war sehr zerschlagen, aber er lebet wieder, lebet ewig und stirbt nicht mehr. Er hat die Binden und Grabtücher, womit er im Tode 161 gebunden und eingewickelt war, aufgelöst, zusammengewickelt und im Grabe begraben,( Joh. 20, 6. 7.) cr aber ging frey heraus, und nun bindet ihn nichts mehr an diese Erde, als die Liebe zu uns. So, liebe Seele, sollst du auch auferstehen, und die Binden und Banden, die dich an Erde, Welt und Sünde fesseln, zerbrechen, sie im Grabe dieser Welt liegen lassen, und deinem Hirten nachfolgen im Auffluge zum Himmlischen, zu zu dem er dich erwecket hat. Mel. 76. un ruhen alle Wälder. 1. Auf, fingt heut' Jubellieder! der Hirte lebet wieder; ihn hält kein enges Grab. Umsonst war das Verriegeln, vergebens das Versiegeln, der Stein wälzt sich von selbsten ab. 2. Der Erden Grund erschüttert, die Wache bebt und zittert, und wird von Furcht gejagt; der Glanz, der sie umringet, und aus dem Grabe dringet, macht sie bestürzet und verzagt. 3. Der Abgrund heult und brüllet, ein Klaggeschrey erfüllet die weite Höllenluft. Der Himmel jauchzt und lachet, dieweil der Held erwachet, trotz der verschloßnen Todten- Gruft. 4. Du bist von Todes- Banden, Herr, fiegreich auferstanden und aus dem Tod erwacht. Nur deine Sterbebinden sind in der Gruft zu finden, du aber hast dich frey gemacht! 5. Der Kampf ist dir gelungen; du hast den Feind bezwungen, der sich den Sieg versprach. Du hast sein Heer geschlagen, und er muß Fesseln tragen, zu deinem Ruhm, zu seiner Schmach. 6. Er meinte, dich zu fällen, und fiel im Grimm der Höllen mit Ungestům auf dich. Doch hast du keine Wunden von seiner Wuth empfunden, als einen schwachen Fersenstich. W. Triller. 10. April. 101. Aber ich will sie erlösen aus der ölle, und vom Tode erretten. Tod, ich will dir ein Gift seyn; ölle, ich will dir eine Pestilenz seyn. of 13, 14. Derselbe soll dir den Kopf zerL 162 treten; du aber wirst ihn in die Sersen stechen. 1 Mos. 3, 15. Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe. Joh. 11, 25. Wer den Tod und die Hölle fürchtet, der eile doch zu dem, der hier so nahe steht und ihm zuruft: Komm, ich will dich erlösen aus der Hölle, und erretten vom Tode! Wer dem nicht glaubt, der zum Tode furchtlos spricht: ich will dir ein Gift seyn! und zur Hölle: ich will dir eine Pestilenz seyn! Wer dem nicht glaubt, der da sagt: wer an mich glaubt, stirbt nicht; ich bin das Leben, ich gebe ewiges Leben dem, der an mich glaubt; wer dem nicht glaubt und nicht glauben will, der durch seinen Tod dem die Macht nahm, der des Todes Gewalt hatte, dem Teufel, und diejenigen erlösete, die aus Todesfurcht ihr Lebenlang Knechte sind( Hebr. 2, 14. 15.); wer lieber Sklave der Todes- und der Höllens furcht bleibt,( warum doch? ja, um der elenden Lust, seinen Begierden als Knecht zu dienen, und noch die kurze Beit dieses vergånglichen Lebens zu genießen,) wer, sage ich, dem nicht glaubt, der muß ja sein Verderben, seinen ewigen Untergang mehr lieben als sein Leben und seine Seligkeit; der muß ja schrecklich verblendet seyn von dem Gott dieser Welt( 2 Kor. 4, 4.), daß er nicht sieht und nicht sehen will das helle Licht, das aus der Auferstehung Christi herstrahlt, das uns zum seligsten Triumph über Tod und Hölle, über Sünde und Teufel einladet. Erkennt uns die Hölle schon als ihr Eigenthum, beherrscht uns der Tod schon als seine Sklaven, so müssen sie uns doch frey und unangefochten lassen. wenn wir nur wollen; wir können ihnen ein Gift und eine Pestilenz finden, wodurch sie sterben und verderben müssen. Warum fürchtest du den Tod? weil du den Stachel des Todes, die Sünde, liebst? Nimm vielmehr die Arzney, die des Todes Gift und der Hölle Pestilenz 163 ist, die den Tod in dir tödtet, nimm Christum ein, so wirst du leben und selig seyn. mel. 109. Jesu, meines Lebens Leben. 1. Höllbezwinger! nimm die Palmen, die dein Zion heute bringt, das mit frohen Osterpsalmen den erkämpften Sieg befingt. Wo ist nun der Feinde Pochen? Ja, ihr Stachel ist gebrochen; Tod und Teufel liegen da, Gott sey Dank, Halleluja! 2. Was kann deiner Krone gleichen? Held und König tritt hervor! Stecke nun die Siegeszeichen auf der dunklen Gruft empor! Laß dir tausend Engel dienen, weil dein Siegestag erschienen. Welt und Himmel jauchzen da, Gott sey Dank! Halleluja! 3. Theile, großer Fürst, die Beute deiner armen Heerde mit die in froher Sehnsucht heute vor den Thron der Gnade tritt! Deinen Frieden gieb uns allen, so muß Furcht des Todes fallen; tritt der Schlangen Kopf entzwey, mach' uns aller Fesseln frey! 4. Laß, o Sonne der Gerechten! deinen Strahl ins Herze gehn; gieb Erleuchtung deinen Knechten, daß sie geistlich auferstehn. Hålt der Schlaf uns noch gefangen, da die Schatten angst vergangen, ey, so fördre selbst den Lauf; rufe fleißig: Wachet auf! 5. Tilge das verwöhnte Grauen, wenn die letzte Stunde schlägt, weil in den saphirnen Auen schon die Krone beigelegt. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, denn du kannst und willst erretten; unsre Hoffnung blühet ja, Gott sey Dank, Halleluja! 6. 3eige, wenn der blöde Kummer über Gruft und Bahre weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich hier geboren, bleibt der Staub doch unverloren, unser Hirte hütet da, Gott sey Dank, Hallelujal 7. Rufe die verdorrten Glieder endlich aus der dunklen Nacht, bis der Aschenhause wieder in verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben, und wir werden dich erheben; ja, wir fingen auch allda: Gott sey Dank, Halleluja! * C. L. Taddel. 11. April. 102. Der Engel sprach: Gehet hin, sagtet seinen Jüngern und dem Petro- in Galiläa werdet 22 164 ihr ihn finden. Mark. 16, 7. Der Herr ist wahr. baftig auferstanden und dem Simon erschie nen. Luk. 24, 34. - Das merkwürdigste in der Geschichte seiner Aufer stehung ist, wie es die Evangelisten auch besonders bemerken, daß der Herr den größten Sündern zuerst er schienen ist, der Magdalena und dem Petrus. Lieber! das steht nicht umsonst in der Geschichte Jesu. Ist er dem Simon erschienen? besonders und zuerst er schienen? möchte man verwundert fragen; hat ihn doch keiner mehr betrübt, keiner schåndlicher verleugnet, keiner so wortbrüchig und treulos an ihm gehandelt, bey allen Warnungen und Ermahnungen, die von Seiten des Herrn vorausgegangen sind? Ja, das ist wohl wahr. Er war es nicht werth, der Fall war groß- aber sieh, Petrus weinte bitterlich; keiner fühlte so tief seine Schwachheit, sein Verderben, seine Treulosigkeit, wie er. Keinem war so bange; keiner wartete mit solchem Schmerz, mit folcher Sehnsucht, wie er. Wie eilte er mit Johannes der erste zum Grabe, als er eine beunruhigende Nachricht von dem im Grabe vermißten Leichname des Her landes hörte; wie lief er der erste ins Grab hinein!Sieh, das alles sah und wußte der Heiland auch der nicht nur auf deinen Fall, auf deine Verleugnung und Untreue sieht, sondern auch auf deine Thränen, auf dei nen Schmerz, auf dein heißes Verlangen von ihm begnadigt, getröstet und wieder angenommen zu werden. D ihr tiefgebeugten, ihr über eure Sünden zerrissenen Her zen, seyd getrost! wenn der Heiland die Seinen besucht und tröstet, besucht und tröstet er euch zuerst; denn er weiß, ihr habt es nöthiger, als andere. - Mel. 95. Das ist unbeschreiblich. Oder: Warum sind der Thränen. 1. Jesus ist erstanden, freu' dich, Osterherz! Freuden sind vor 165 handen, weg ist aller Schmerz! Nach dem Marterleiden trösten immerhin Auferstehungs- Freuden den betrübten Sinn. 2. Deine Osterwonne, großer Osterheld, dringt wie Gottes Sonne durch die důstre Welt in die treuen Herzen, die dich todt geglaubt, die, voll Trennungs- Schmerzen, aller Freud' beraubt. 3. Ja, an deinem Grabe, Jesu, höchstes Gut! meine Lust ich habe, und bin wohlgemuth. Denn da du erstanden, hoff' ich felsenfest, daß von Todes- Banden du mich auch erlös'st. 4. Welch ein treu Gemüthe bringst du aus der Gruft! Deine Huld und Güte armen Sündern ruft, die mit Petro weinen. S, wie plötzlich ist uns durch dein Erscheinen aller Schmerz ver= füßt! 5. Für dein Auferstehen laß mich dankbar seyn; laß mich se lig gehen zu der Wonne ein, wo in Osterfreuden man dir fröhlich singt, und dir für dein Leiden Halleluja bringt. 12. April. 103. Maria aber stand vor dem Grabe und weinte- und sprach: Sie haben meinen Gerrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie dies gesagt, wandte sie sich um, und sahe Jesum stehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war. Joh. 20, 11- 14. Wer so suchen könnte, wie Maria, müßte auch so finden. Ihr Sucher und Sucherinnen des Suchenswürdigsten, die ihr nicht findet, gehet hier bey dieser se ligen Finderin in die Schule. Die Kunst ist leicht, ein jeder kann sie lernen; und sie bringt den größten Gewinn. Man hat ihn, wo man um ihn weint. Das war auch hier wahr, und ist allemal wahr. Thränen, die von Herzen gehen, um ihn geweint, verfehlen ihren Zweck nie; denn sie sind schon ein unzweifelhafter Beweis, daß er vor dem Herzen stehe und anklopfe, sonst würde unser Herz nicht um ihn bekümmert und bewegt seyn. Den Hunger, das Verlangen nach ihm, kann in 166 unserm Herzen niemand erwecken, als er selbst. Wer aber an unserm Herzen rüttelt, muß unserm Herzen nahe stehen. Man kennt ihn nur nicht allemal, wie hier Maria bis er einen beim Namen nennt. Wer mit solcher Herzens- Ungelegenheit den Verlust des Herrn beklagt, so aufrichtig um ihn weint, so ernstlich sucht, so sehnsuchtsvoll nach ihm sich umsieht, wie diese brünstige Seele, der wird und muß ihn auch bald finden. Ja, liebe Seele, ehe du ausgeweint, auf einmal, ehe du dich umwendest, steht er da und grüßet dich, wie nur er grüßen kann. Und ein solcher Gruß ist aller Mühe des Suchens wohl werth. - mel. 86. Jch bete an. Oder: Erquice mich, du Seil d. S. 1. Wer feiert rechte Osterfreuden? Wer ist's, dem Jesus Christ erscheint? Ein Herz, das über Jesu Leiden aus heißer Lieb' sich weich geweint. Denn alle wahre Osterfreuden, entspringen aus der Liebe Leiden. 2. Gewiß nur dem verliebten Fragen: Wo haben sie ihn hins gelegt? Wer hat den Heiland weggetragen? der Heiland sich zu schenken pflegt. Eh' man sich recht hat umgesehen, sieht man ihn freundlich vor sich stehen. 3. O könnte ich) zu seinen Füßen mit solcher Herzens- Innigs Feit wie ein Marienherz zerfließen, gewiß er stände da noch heut'. Er sucht nur die zerfloßnen Herzen, er heilet nur der Sehnsucht Schmerzen! 4. Doch Sündern auch und Sünderinnen, die, über ihren Fall gebeugt, in Reu' und Liebe fast zerrinnen, hat er sich im mer nah' gezeigt, so wie den warmen Liebesthrånen des Petrus und der Magdalenen. - 5. Du bist auch heut' in unsrer Mitte; es ist, ich seh dich vor mir stehn, drum wag' ich meine Osterbitte, was selbst dem Thos ma ist geschehn, die Maal' an Hånd' und Seit' und Füßen, dichy, meinen Herrn und Gott, zu grüßen. * Mofer. 13. April. 104. Ich will euch wiedersehen, und euer Herz foll sich freuen, und eure Freude soll niemand von 167 euch nehmen. Joh. 16, 22. Als nun die Jünger versammelt waren- trat Jesus in ihre Mitte, und sprach zu ihnen: Sriede sey mit euch! Zeigte ihnen seine ånde und seine Seite; da freueten sich die Jünger, daß sie den Serrn sahen. Joh. 20, 19. 20. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.( Vers 29.) Sie freuten sich seines Wiedersehens, wie die Weisen aus Morgenland, daß sie den Stern wiedersahen, den sie bey Herodes verloren hatten. So freuten sich die Jünger, Jesum wieder lebendig zu sehen, und ihre Freude hat bis heute niemand von ihnen genommen, und wer wird sie jetzt von ihnen nehmen? O, wer diese Freude kennt, wie ekelt dem an aller andern Freude, die nicht von dieser Freude ausgeht oder nicht zu ihr führt! Bist du dieser Freude, Jesum lebendig in dir auferstanden, in dir wohnend zu wissed, theilhaftig geworden? Hast du je die Schmerzen, die Traurigkeit, Jesum nicht zu haben, oder ihn verloren zu haben, auch empfunden? Hast du dich je so, wie die Jünger, versammelt, so cingesammelt in dein Herz, um des Herrn zu harren, seiner zu warten, seiner theilhaftig zu werden? O, dann ist et gewiß schon in dein Herz gekommen, oder er kommt und besucht dich bald, wenn du verharrest, und keine andere Freude kennst, als ihn zu haben. Du kannst zwar die Freude, ihn zu sehen, wie die Jünger, hier nicht genießen; aber deswegen soll dir doch an der wahren und viel größern Freude, ihn zu haben und seine Nähe zu genießen, nichts abgehen, sondern das Nichtsehen und doch glauben, und durch Glauben ihn im Herzen wohnend haben, soll die Freude noch erhöhen und dich vielmehr seliger machen, als dir schaden. Mel. 108. O du Liebe m. g. 1. Auferstanden, auferstanden bist du, Herr, der uns versöhnt 168 O, wie hat nach Schmerz und Schanden, Gott mit Ehren dich gekrönt! Um dich weineten Betrübte, die da glaubten, bu seyst todt! und du kamst als der Geliebte, und sie riefen: Herr und Gott! 2. O du Todesüberwinder! Unbezwungner Gottesheld! D du Heiland aller Sünder, o du König aller Welt! Schnell entriffen allen Banden hat dich Gott! Wie schön bist du, Herr, wie herrlich auferstanden, nach der kurzen Todes- Ruh! 3. Deine Freunde, deine Brüder sahen neulebendig dich, und berührten deine Glieder, deine Wunden, freuten sich- Konnten Feine Worte finden, keine Namen ihrer Freud'! All ihr Schauen war Empfinden, ihr Empfinden Seligkeit. 4. So, so freuen sich die Deinen deines Lebens jetzt und einst, wenn du ihnen, wenn sie weinen, herrlich, brüderlich erscheinst, und sie Brüder, Schwestern heißeft, fie dich nah- und ewig fehn, wenn du sie dem Grab' entreißest, sie zu deiner Rechten stehn. 5. Jesus, Jesus, diese Freude, dich zu schauen, wünsch' ich mir. Was ist alles, was ich leide, steh' ich einst erweckt vor dir. Doch auch hier schon kannst du geben, daß ich deiner Näh' mich freu'! Spüre ich in mir dein Leben, so ist Alles in mir neu! 14. April. 105. Weib, was weinst du: wen suchst du: Sie aber, in der Meinung, daß er der Gärtner sey, sprach zu ihm: Herr! hast du ihn weggetragen, so sage, wo hast du ihn hingelegt, damit ich ihn holen kann.- Da sprach Jesus zu ihr: Maria! Sie wandte sich um und sprach zu ihm: Rabbuni! Joh. 20, 16. Er hat ihn freilich weggetragen; er hat sich selbst weggehoben aus dem Grabe, und wohin hat er sich ge legt? Maria! in dein Herz; denn, wer ihn so sucht, wie du, der hat ihn schon. Du willst ihn holen in der Ferne? und er steht vor dir, den du nicht kennst, und doch unaussprechlich liebst. O schöne Frage: Wo haft du ihn hingelegt? Mein Herz, stelle diese Frage recht oft an ihn, wenn er sich dir entzogen hat. Stelle fie 169 aber auch an dich selbst, wenn du ihn selbst weggelegt. selbst verlassen und verloren hast; denn gar oft ist das Herz es selbst, das ihn sich wegnimmt, und dann låst er sich gar lange suchen. Wenn man jedoch nicht můde wird, so wird Er müde; er kann uns nicht so lange in Wehmuth suchen lassen, er kommt und nennt uns beim Namen. Und ein Wort von ihm, seine Stimme schon, macht uns so glücklich, als das: Maria!- Wie wenig und wie viel war dieses Wort für ihre Seele! Wer die Sprache der Liebe versteht, bedarf nicht vieler Worte, nicht langer Beweise, um an die Liebe zu glauben und die Liebe zu lieben. Wenn er mich einstens, wenn er uns entgegen kommt, aur so beim Namen nennt, wie hier die Maria, bin ich alle Ewigkeiten durch selig. Und in dieser Absicht, um von ihm einst genannt zu werden, wollen wir ihn jetzt gern suchen, lieben und sein bleiben, bis er kommt, und alle seine Schafe mit Namen ruft. Joh. 10, 3. Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Chriftus! etwas deiner Freuden, nach dem ausgelittnen Leiden, einen Tropfen deiner Wonne, da die Osterfonntagss Sonne, auferstanden, dich erblickte, Ullvollendung dich erquickte, einen Tropfen dieser Lust tröpfle heut' in meine Brust! 2. Einen Funken von der Liebe, die dich zu den Deinen tries be, zu den stillen, frommen Freunden, welche dich so sehr beweinten. Möchtest du mir so begegnen, wie der bangen und vers legnen Sucherin, die dich nicht kennt, und dich nur den Gärtner nennt! 3. Sie, die meint, du hätt'st gestohlen, die dich frågt so unverholen, wo denn wäre der Entwandte? sich, dich suchend, von dir wandte, blitzschnell doch sich wieder wandte, dein Maria! gleich erkannte, dich entzückt: Rabbuni! hieß, deines Auferstehns gewiß. 4. Solch ein Wert aus deinem Munde, wäre Balsam auf die Wunde! O daß du mich's hören ließest, mich, auch mich den Deinen hießest! Nur ein Tropflein dieser Gute tröpfle heut' in mein Gemüthe, das von Sehnsucht nach dir brennt, wenn es, Herr und Gott! dich nennt. 170 15. April. 106. Hierauf ist er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen. Julegt von allen erschien er auch mir, als einer unzeitigen Geburt. 1 Kor. 15, 6. 8. Man sieht daraus, daß der Heiland nicht nur den auserwählten Aposteln und vorherbestimmten 3eugen seiner Auferstehung erschienen ist, sondern allen, die damals seine Erscheinung lieb hatten, die seines Lebens, seiner Gnade und Huld gewiß werden wollten, die auf ihn harrten und alle ihre Hoffnung auf ihn setzten. Dies muß dir Muth und Zuversicht einflößen, daß er auch dich gewiß nicht zu kurz kommen läßt, wenn du ihn mit Ernst suchst. Seine Augen gehen durch alle Lande, und schauen in alle Herzen, heute noch, wie damals fah er, fand er einst die fünfhundert BrüderHerzen, die sich nach ihm sehnten, und konnte er sie nicht ungetröstet nach ihm schmachten lassen; so sieht er und findet er auch jetzt noch dich und dein Herz, wenn es nach ihm verlangt, und wird dir gewiß den Trost, die Freude, die Kraft erscheinen lassen, die du bedarfst zu deinem Heile Und wåren fünftausend sol che Herzen im Lande, desto lieber wäre es ihm, wenn er nur recht viele besuchen und erfreuen könnte, er wür de darum kein Einzelnes, auch dich nicht übersehen. - mel. 109. Jefu, meines Lebens Leben. 1. Herr, dir danken wir, wir Sünder, der du's herzlich mit uns meinst; und als Todesüberwinder, Suchenden so gern erscheinst. Du, der todt war, lebest wieder, mit dir leben deine Glieber; uns, die Tod und Grab erschreckt, hat Gott mit dir auferweckt. 2. O, mit welchen Gottesfreuden strahlst du aus des Grabes Nacht! ewig fern ist alles Leiden, ganz dein großes Werk vollbracht! Liebreich eilest du, den Deinen im Triumphe zu erschei nen: ,, Seht mich, Freunde, die ihr bebt! Jauchzet, euer Jesus lebt! 171 3. Lebend, zu verschiednen Stunden sahen sie dich dort und hier, fie berührten deine Wunden, sprachen, aßen oft mit dir. Deinen Trost und deine Lehren, dich, dich konnten oft sie hören; freudig beteten sie an, die dich wieder lebend sahn. 4. Ja du lebst, o Jesus, wieder, lebst, so wahr du lebst, für mich! Mehr als fünfmal hundert Brüder sahn mit ihren Augen dich. Freundlich sprachest du mit ihnen; bist dem Saulus selbst erschienen; dein und deiner Freunde Feind, sahe dich, und ward dein Freund. 5. Unser Leben! unser Leben! willst du, kannst du, Jesus Christ! nicht auch uns Beweise geben, daß du auferstanden bist? Laß uns, daß du lebst, empfinden! Mach' uns frey und rein von Sünden. Laß uns in des Glaubens Licht schaun dein holdes Ungesicht! L. 16. April. 107. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken und werde mit dieser meiner Haut umgeben in meinem Fleische- Gott schauen. Ziob 19, 25. Welcher unsern nichtigen Leib ver klären wird, daß er seinem verklärten Leibe ähnlich werde. Phil. 3, 21. - So wußte Hiob schon, daß unser Erlöser lebt, so sah er schon mit der lebendigen Hoffnung in die Zukunft, über Tod und Grab hinüber in ein Leben hinein, das uns, mit Leib und Seele wieder vereinigt, vor Gottes Angesicht stellen wird. Mit welcher Zuversicht sprach der Glaubensheld, ehe Gottes Offenbarungen auf Sinai und das Licht auf Golgatha erschienen waren. Wie sollen Christen zittern vor der Trennung des Leibes von der Seele- denn anders ist der Tod doch nichts als eine kurze Scheidung, um bald auf ewig und herrlich wieder vereinigt zu werden. Das Caamenkorn des Leibes muß unter die Erde, um herrlich, um lebendig, ewig unsterblich wieder aufzustehen. - 172 Der verklärte Leib Christi ist das schöne Bild und Oris ginal, nach dem Er unsere Leiber verklåren und verherrlichen wird. Wer sollte nicht gerne den befleckten und verhaßten Rock des Fleisches ausziehen um mit einem neuen, unsterblichen, herrlichen, Christus- ähnlichen Leibe überkleidet zu werden?! mel. 107. Er lebt, das ist das Loosungsw. Oder: Wir halten mit dir Liebesm. 1. Was zagst du denn, o meine Seel', den Körper zu verlas sen? Dort wird dich dein Immanuel recht brüderlich umfassen, und deinen Leib, der nichtig war, voll Sünden, voller Schwären, an jenem Tage ganz und gar, wie seinen Leib verklåren. 2. Es hat ja Gott, durch seine Macht, das Höllenreich zerstöret, und unsre letzte Todes- Nacht in einen Schlaf verkehret. Ins Grab gehn heißt: sein Kämmerlein versperren ohne Sorgen, sich halten vor der größern Pein ein'n Augenblick verborgen. Wolt, Molan. de 17. April. 108. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue, und führet mich zu frischem Wasser. Er erquicket meine Seele, und führet mich auf rechter Stras ße, um seines Namens willen. Sein Stecken und Stab trösten mich. Pf. 23. Läßt er nicht neun und neunzig in der Wüste, und geht dem Verlornen nach. Luk. 15, 4. - Ist Jesus dein Hirte, so mußt du sein Schäflein seyn, das heißt: Du mußt fleißig auf die Weide gehen.. auf welche er dich führt; sein Wort muß dir süßer als Honig und Honigseim seyn; du mußt dich zu seiner Heerde, zu seinen Schafen halten, und die Bocke der argen Welt fliehen. Die grünen Auen dieses Hirten sind seine Worte in der Bibel, und der innere Umgang mit ihm im Geiste ist die köstliche Weide seiner Schafe. Da 173 fließen auch Strôme des frischen Waffers, womit er seine Schafe trånkt. Ein Wasser, wie kein Wasser auf Erden quillt. Joh. 7, 38. Aber die Schäflein müssen dem Hirten folgen, wenn er sie zu diesen Waffern führen soll, müssen wirklich gerne auf seinen grünen Auen weiden, in ihm bleiben, und kindlich, herzlich mit ihm umgehen. Sobald sie sich von ihm entfernen, und eine andere Weide, ein anderes Wasser suchen, verlieren sie den Geschmack an seiner Weide, und an seinem frischen Wasser, verirren sich von der Heerde und gehen verloren. Er aber kann die verlornen nicht ewig verloren gehen lassen; er sucht sie, er geht ihnen auf all ihren eitlen Wegen nach, und nimmt sie, wenn er sie findet, nicht nur gern wieder an; sondern er trågt sie, wie eine Mutter ihr Kind, auf seinen Achseln, er freut sich, als wenn er einen Schatz gefunden hatte. Bleiben sie nun bey ihm, so fehlt es ihnen an keinem Guten: denn der Hirte ist überschwenglich reich, und eben so gütig und milde; er will, daß seine Schafe alles haben, was er hat. Führt er sie auch manchmal durch dunkle Wege, die rauhe Straße, so ist es doch der rechte Weg zum Schafstalle. Und wenn es auch durchs finstere Todesthal geht, so ist sein Schäferstecken und Hirtenstab ihr Trost und ihre Staße, an den sie sich halten, daß sie sich nicht fürchSein Stecken und Stab ist dem Tode und der Hölle fürchterlich, und eine Siegesfahne für seine Schafe. Sie schlagen damit den Tod und den Teufel in die Flucht. Alle Wölfe fliehen, wenn man seinen Stecken und Stab ergreift. Kennst du ihn, du Schäflein Christi? Kennst du deines gekreuzigten Hirten Stab und Stecken? Er ist schön, ist herrlich, mit seinem Blute gefärbt, denn der Hirte starb daran für seine Schafe, für dich! Mel. 16. Bleib bey Jesu. Oder: Beilge Liebe, Simmelsflamme. ten. 1 1. Seht ihr nicht auf Gottes Fluren jenen lieben Hirten ziehn? Seht ihr ihn auf blutgen Spuren sich um seine Schafe 174 mühn? Kennt ihr die erkaufte Heerde? Kennt ihr seinen Hirtenstab, der dem Himmel und der Erde neues Licht und Leben gab? 2. Seht, ein Lamm hat sich verlaufen, und er eilet schnellers Lauf, läßt den ganzen andern Haufen, suchet sein Verlornes auf. Auf den Schultern heimgetragen, bringt er es, der treue Hirt. Keines darf mehr ångstlich zagen, sey es noch so weit verirrt. 3. Möchtet ihr auf dieser Erden fühlen solche treue Hut, müßt ihr Schåflein Christi werden; denen giebt er selbst sein Blut. Herr, mein Gott, auf deine Weiden, an dein Brünnlein leite mich, so durch Freuden, als durch Leiden, führe du mich seliglich! v. Schkdf. * 53 18. April. 109. Du bist der Schönste unter den Menschen. Kindern. Pf. 45, 3. Der du mich erhebest aus den Thoren des Todes, auf daß ich erzähle allen deinen Preis in den Thoren der Tochter Jion, daß ich fröhlich sey über deiner Hülich fröhli fe. Pf. 9, 15. Wo find' ich denn das schönste, getroffenste Bild von meinem Heilande, daß meine Seele sich recht daran freuen kann? Ich weiß kein schöneres, als das, welches Jefaia, der Prophet,( Kap. 53, 2.) von ihm entwarf, ins dem er sagt: Er hatte keine Gestalt noch Schöns heit, die uns gefallen håtte; er war der als lerverachtetste und unwertheste u. s. w. Dieser Entwurf des Propheten ward dann auf Golgatha lebendig und wahrhaftig ausgeführt und vollendet. Und gerade da, wo er keine Schönheit, keine Gestalt hatte, die den Augen der Welt gefallen könnte; gerade da, wo er der verachtetste und unwertheste war, ist er am schönsten. Dort am Kreuze, wo er von allen verschmäht und verworfen war, vereinigen sich alle Reize der Schönbeit in ihm; deswegen erhält er vor allen andern den 175 Preis. Wenn wir Himmel und Erde durchwandern, an allen ihren Ecken und Enden suchen, finden wir nichts Schöneres, nichts Herrlicheres, als den für uns Blutenden und Sterbenden am Kreuze auf Golgatha, wo er alle seine göttliche, himmlische Schönheit und Herrlichkeit ausgezogen hatte, mit der tiefsten Schmach, mit Kreuz, Schande und Tod ganz bedecket war. Wenn ihn ein zerknirschtes Herz da lebhaft erblickt, so gefällt er ihm viel besser als auf Thabor, und es baut sich lieber eine Hütte auf Golgatha als auf Thabor: weil es sich an seiner Kreuzes- Schönheit nicht satt sehen kann, und ihm in diesem Leben nirgend so wohl ist, als beim Kreuze; denn da findet es allein Trost, Heil, Ruhe, Kraft und Leben. Da finden wir alles. Sein Tod, seine Schmach hat die Thore des Todes, die uns ewig gefangen ge= halten hätten, gesprengt, geöffnet, uns ausgeführt und erhoben aus dem Kerker des Todes; hat uns versetzet in die Thore der Tochter Zions, des neuen Jerusalems, daß wir nicht genugsam rühmen und erzählen können, was er an uns Gutes gethan, wie er uns gerettet, erlöset, ges rechtfertiget, geheiliget und verherrlichet hat. Ewigkeiten reichen kaum hin, es zu genießen, geschweige zu er= zählen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit werden wir neuen Stoff zu seinem Preise erhalten, und es wird seines Ruhmes nie ein Ende seyn. Ligne mel. 92. Oder: Dir Jesu, Gottes Sohn, fey Preis. 1. Vor allem, was ich Schönes weiß, erhält mein Heiland doch den Preis. Er ist mein höchstes Gut. Seitdem ich ihm verbunden bin, denkt meine Seele stets an ihn. 2. Erhebt ihr Menschen dieser Welt nur immer, was euch wohlgefällt. Ihr kennet Jesum nicht. O wie ist er so liebenswerth! Wohl dem, wohl dem, der ihn verehrt! 3. Mein Heiland giebt der Seele Ruh, drum flieht sie seinem Schooße zu. Er zürnet mit mir nicht. Er hat mir auch die Schuld geschenkt; hat mich mit Himmelslust getränkt. 4. Mein Heiland kam zu mir herab, erwählte Krippe, Kreuz 176 und Grab; er büßte meine Schuld. Er giebt mir Leben, Gut und Blut. Wo ist ein Mensch, der dieses thut? 5. Mein Heiland starb am Kreuzesstamm, als das von Gott versehne Lamm; und hat das Lösegeld, das mehr ist als die ganze Welt, dem Vater für mich dargezählt. * Whe. 19. April. 110. Wer kann die großen Thaten des Herrn aus. sprechen, und alle seine löblichen Werke preisen: Pf. 106, 2. So werden sie erkennen, daß du mit deinem Namen heißest err allein, und der höchste in aller Welt. Pf. 83, 19. Unaussprechlich sind seine Thaten und Werke, die er an der Welt und an seinen Kindern thut; wer sie aber erwäget und betrachtet mit dem Lichte des heiligen Gei stes, der hat Lust daran, deß Herz freuet sich und ist selig. Wo wir hinsehen, erblicken wir ihn und seine Hand, die alles allenthalben schaffet, die wir bewundern und anbeten müssen; denn alle seine Werke sind lauter Wir kungen seiner unaussprechlichen Liebe gegen die Menschen. Unter allen seinen Werken aber dünkt uns doch keines schöner und herrlicher als das Werk unserer Erldfung: seine Liebe zu den Sündern, sein offener Schooß, seine Tag und Nacht ausgespannten Arme, die er nach Sündern ausstreckt, seine Treue, Langmuth, Geduld, Freundlichkeit, womit er Sünder annimmt, Gefallene wieder aufrichtet, Frrende sucht, Schwache trågt und Müde stärkt. Und wer kann all das Schöne an ihm beschrei ben? Herz, fühle es, stelle dich unter sein Kreuz und schaue dich satt an seiner Liebe und Schönheit, so erhält er gewiß auch von dir den Preis von allem, was du je gesehen und gehöret, genossen oder geahnet hast. Er sey dir da her ewig Alles allein, der Höchste, Beste, Schönste und Liebste in aller Welt. 177 mel. 92. Wie die vorige. Oder: Warum betrübst du dich. 1. Ihr Menschen, liebet Jesum doch, er macht euch frey von Satans Joch, und führet euch zu Gott. Dort giebt der holde Menschen- Sohn euch Herrlichkeit vor seinem Thron. 2. Verachtet nicht das Gotteslamm, das euch zu gut ins Elend kam. Verlaßt der Sünde Lust, die euch so sehr gefangen hålt, zu glauben an das Heil der Welt. 3. Flieht, Menschen, flieht der Spotter Zunft; den Fries den, höher als Vernunft, euch Jesus Christus giebt. Die Ruhe ist es wahrlich werth, daß man ihm nicht den Rücken kehrt. 4. Mein Ruhm erschalle weit und breit; die Zeit erzähl's der Ewigkeit, daß du mein Heiland bist, und daß du auch, Friedefürst! mein Ein und Alles bleiben wirst. 5. Mein Heiland ist's allein und gar. Der Auserwählten ganze Schaar rühm' ihn in Ewigkeit! So hat mein Heiland stets den Preis vor allem, was ich Schönes weiß.* Whe. 20. April. 111. Schmecker und seher wie freundlich der Herr ist! Wohl dem, der auf ihn trauet. Pf. 34, 9. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Ps. 103, 8. err, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, und ist niemand, der thun kann, wie du. Pf. 86, 8. Du Freundlicher! hast du schon den frommen Våtern in der Stiftshütte, die von Händen gemacht, die zum Abbruche bereitet war, so süß und freundlich geschmecket, wie wirst du denen schmecken, die dir im neuen Heiligthume, im Geiste und in der Wahrheit dienen, wo du deinen Tempel nicht mehr von Stein gebaut, sondern lebendig im Herzen aufgerichtet hast, indem du deine ewige Wohnung in uns erwählest, deine Herrlichkeit nicht mehr in einer Wolke, sondern ohne Hülle in jeder Seele offenbarest, die dir im Glauben und Liebe ganz ergeben ist! Deine Freundlichkeit ist es allein, die uns zu dir hina M 178 zieht und bey dir erhålt, sonst hätten wir ja nicht Muth Wie durfte die Sünde, die wir sind, es wagen, dir, der Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes zu nahen, wenn deine Freundlichkeit uns nicht so einnehmend, so reizend, so einladend wie ein Magnet, an sich zöge. Alles in uns verbote uns zu kommen, unser durchaus fündiges Weser müßte uns abschrecken; aber deine Liebe und Freundlichkeit überwindet alles, macht uns vergessen, wer wir sind, und beschäftigt uns nur mit dir, erfüllt unsere Hers zen und Sinnen so sehr, daß wir nicht wegbleiben können, daß wir in deinem Lobe, und in deiner Liebe zu se lig sind, als daß wir deinem Zuge widerstehen, und deine Liebe, die ohne uns nicht selig seyn kann, beleidigten. mel. 66. O leide, leide gern. 1. Er ist das wahre Licht, das schönste Angesicht. Wer ihm die Seele weiht, schmeckt seine Freundlichkeit. Sein unschät bares Blut erquicket Herz und Muth. Ich lieb' ihn herzlich schr; weh' mir, wenn er nicht wär'! 2. Komm her, spricht er zu mir, die Sünd' erlaß ich dir. Ich bin's, erschrecke nicht! Ich geh' nicht ins Gericht. Durch Leiden und Geduld erwarb er Gottes Huld mir- der ihn hat betrübt! Seht, wie mein Heiland liebt! - 3. Wer nun sein Elend sieht, und glaubig zu ihm flieht, der schaut sein Angesicht, und stirbt dann ewig nicht. Durch seinen bittern Tod hilft er aus aller Noth. Obetet ihn doch an, der also lieben kann. 4. Noch ruft sein Blut: Pardon! Küßt diesen MenschenSohn, der Sünde tilgen kann. Ach, nehmet ihn doch an! Denn wer ihn herzlich liebt, wird nie von ihm betrübt. Schwirt heut' zu seinem Reich. Eilt, eilt, er liebet euch! 5. Du Auserwählter, du! giebst mir die süß'ste Ruh. Was alle Welt nicht kann, thust du, und hast's gethan. Du bist das wahre Licht, das schönste Ungesicht! Wer dir die Seele weiht, schmeckt deine Freundlichkeit! * Whe. 21. April 112. Du bist mein Sohn, heute( d. i. von Ewig 179 Rüffet keit) habe ich dich gezeuget. Pf. 2,7. den Sohn, daß er nicht zurne und ihr umkommet auf dem Wege. Ps. 2, 12. Der Vater hat den Sohn lieb, und hat ihm Alles in die and gegeben. Joh. 3, 35. Vom Sohne heißt es: dein Thron, o Gott, währet von Ewigkeit zu EwigFeit. Die Zimmel sind deiner Hände Werk, du hast die Erde gegründet. Er trågt alle Dinge mit dem Worte seiner Kraft. Hebr. 1, 3.8-12. Ein Christ kann nicht erhaben genug denken und glauben von Christus. Gott, Herr Gott, und Christus müssen ihm gleichbedeutende Namen, Einer und derselbe seyn. Was. wir von Gott in der Bibel lesen, in der Natur sehen, in unserm Gemüthe ahnen und bedürfen, das gilt. alles auch von dem Sohne, wie vom Vater. Sie sind Eins, wie er selbst sagte. Joh. 10, 30. Darum rede, glaube und denke du nie anders von ihm, als vom Vater, trenne sie nicht; denn sie können ewig nicht getrennt werden. Bete den Sohn an, oder du betest den Vater nicht an; denn der Vater will nur im Sohne und mit dem Sohne angebetet seyn. Denkest du an Jesum ohne den Vater, oder trennst du die Gottheit vom Sohne, so hast du die Gottheit für dich unzugänglich gemacht, du hast keinen Gott. 2 Joh. V. 9. Himmel und Erde hat er gegründet, Himmel und Erde trågt und erhålt er mit seiner Allmacht. Darum küsse den Sohn, d. i. ehre ihn, bete ihn an als deinen Gott und Herrn; liebe ihn als deinen Heiland und Retter, daß er nicht als Richter über dich zürne, und du nicht in seine Hände fallest, wenn er kommen wird, die Welt zu richten durchs Feuer. - - Mel. 22. Die Seele Christi. Oder: Kommt her, ihr I. Christen. 1. Anbetung, Jesus Christus, dir, mit frohem Herzen fingert wir dir Lobgesänge, Gottes Sohn, du Herrscher auf des Bas M 2 180 ters Thron!- Wir freun uns dein und zagen nicht, denn Liebe strahlt dein Angesicht! du, der du Alles sichtbar bist, was unsichtbar dein Vater ist! 2. O du bist Gott und Menschen gleich! dein ist die Allmacht, dein das Reich! in deinem Gotteshauche schwebt, was in den Höh'n und Tiefen lebt. Der Sonne strömst du Flammen zu, den Mond erfüllst und leerest du! des Morgensternes edle Pracht ist dein, ja dein ist Tag und Nacht. 3. Dein Flammenaug', dein Sonnenblick schaut vorwärts, ſeitwärts und zurück, durchdringt die unzählbare Zahl der Wesen und der Welten all.- Du kennst und prüfest jedes Herz, kennst aller Freude, aller Schmerz; vernimmst den leis'sten Saitenklang im Cherubinen- Lobgesang! 4. Un Gnade unermeßlich reich! die Liebe, deinem Vater gleich! du gingst in seiner Kraft einher und liebtest uns und halfft, wie er!- Du lehrtest uns voll Gotteshuld, zu thun, zu leiden mit Geduld, was Gott uns thun und leiden heißt, und giebst dazu uns Gottes Geist. 5. Sanft, mild, nicht blendend war dein Licht, doch Finsterniß begriff dich nicht, und um dich stürmte Höllenwuth, sie durstete nach deinem Blut! Du gabst, nach Gottes Wort und Sinn, dich rohen Mörderhånden hin! die hefteten im wilden Stolz dich, Demuth, ans verfluchte Holz! L. - 22. April. 113. Alles ist euer, ihr aber seyd Christi, Christus ist Gottes. 1 Kor. 3, 22. 23. Er hat seines cis genen Sohnes nicht verschoner, sondern ihn für uns hingegeben, wie! sollte er uns mit ihm nicht alles geschenket haben. Rom. 8, 32. Durch welchen uns die theuersten und aller größten Verheißungen geschenket sind, nemlich daß ihr durch dasselbe( Erkenntniß Jesu) theilhaftig werdet der göttlichen latur, wenn ihr die vergångliche Lust der Welt fliehet. 2 Petr. 1, 4. Ihr Lieben! wie reich können wir in Christo wers den, unter der geringen Bedingung, wenn wir flichen, 181 was uns ohnehin bald verlassen wird- die vergångs liche Lust der Welt. Alles, alles, was Gott ist und hat, was der Himmel und die Ewigkeit in sich faßt, ist Euer, ihr sollt es haben und genießen, entsaget nur ganz der Anhänglichkeit und dem sinnlichen Genusse dieser Welt. Denn beide Welten- Himmel und Erde, Gottes Reich und der Welt Reich, Christus und Belial, können nicht neben einander bleiben in Eurem Herzen. Wollt ihr das Alles, was Gott in Christo euch darreichet, so müßt ihr fahren lassen, was Fleisch, Welt und Satan anbieten, und nur anbieten, denn sie geben nicht, was sie verheißen, sondern nehmen dir alles wieder, ehe du recht darnach gegriffen, ehe du sie genossen hast. Gott macht dich durch Christum seiner Natur, seines Wesens, seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit, Seligkeit und Herrlichkeit theilhaftig; du sollst heilig und selig seyn, wie er, und also mit regieren und mit genießen ewig im Himmel. Wer kann die Liebe fassen! warum wird uns nicht alles zum Ekel außer Gott und seinem Worte, das uns solche Verheißungen vorhålt? Wer kann diese Verheißungen glauben, und sich doch noch der Welt gleich stellen? doch noch mit der Welt genießen wollen? doch noch sein Herz an etwas anderes hången, als an das große Alles, das schon sein ist, wenn er es ergreift im Glauben und festhålt mit ganzem Herzen? Wenn kein Wort der Schrift uns erwecken und ganz bekehren könnte, so sollte uns dieses ganz für Christus einnehmen, und uns alle Welt, Fleisch und Teufel auf ewig aus dem Sinne und Herzen treiben. Mel. 61. Lobet den Herren, den mächtigen König. 1. Alles ist euer! O Worte des ewigen Lebens! Fühl' es, begnadigter Sünder, voll heiligen Bebens! Alles ist dein! Irdischen Menschen allein tonen die Worte vergebens. 2. Göttliche Würde! entzückende Hoheit des Christen! Ist er gleich dürftig, ein Pilger in traurigen Wüsten; aber er faßt, statt der vergånglichen Last, Güter, die nimmer vergehen. 182 3. Jede geheiligte Gabe des größeren Mannes, Paulus und Kephas, Apollo, Jakobus, Johannes, und jeder Held, den sich der Herr hat erwählt, daß er hier Segen verbreite: 4. Alle Geschenke der Erde, die Menschen umgeben, Dinge, die künftig die Allmacht des Schöpfers erheben, Leben und Tod ist euch auf Gottes Gebot unter die Füße gegeben. 5. Alles ist euer! Erlös'te! Vom Heiligthum nieder schauet der Heiland auf seine gewonnene Brüder, freut sich, und spricht, Gnade und Fried' im Gesicht: Alles ist euer nun, Brüder! — 6. Himmel und Erde und Welten und Sonnen und Meere, Geistergestalten, der Engel unzählige Heere, Alles ist dein, Bruder! o jauchze mit drein; finge des Ewigen Ehre. 7. Bist du auf Erden verlassen und krank und gefangen, triefen die Båhren des Kummers von blasseren Wangen; droben im Licht, freu' dich, dort triefen sie nicht. Dort ist das Alte vergangen. 8. Singt denn, ihr künftigen Herrscher, in heiliger Feier, eure erstaunliche Herrlichkeit, die euch so theuer Jesus erwarb, als er auf Golgatha starb. Amen! Ja, Alles ist euer! Schbt. 23. April. 114. Meine Seele ist zermalmet vor Verlangen nach deinen Rechten. Meine Seele verlanget nach deinem Heil. Pf. 119, 20. 81. Das Verlangen der Elenden hörest du, herr. Pf. 10, 17. Wir werden ihm gleich seyn; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder aber, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich, gleichs wie er rein ist. 1 Joh. 3, 2. 3. Wer geschmecket hat, wie freundlich der Herr ist, dem ist es unmöglich und widernatürlich, nicht nach ihm zu verlangen. Sollten wir, wenn wir Jesum kennen, weniger nach ihm verlangen, als die vor Verlangen zermalmte Seele Davids? Sollte der Gott neuen Testaments, der blutende, leidende, sterbende Heiland, der 183 gute Hirt, das Lamm, der Bräutigam zc. weniger unser Herz an sich ziehen, nicht viel mehr unsere Begierde reizen, als der donnernde und blitzende Jehova des alten Bundes? Sollte unsere Liebe kälter seyn gegen den, der uns bis in den Tod geliebet hat, und den wir vor Liebe sterbend am Kreuze erblicken? Nein, wer ihn kennt, deß Verlangen brennt, der sehnt sich Tag und Nacht nach ihm, der kann sich nur mit seinem Willen trösten, und mit der lebendigen Hoffnung, ihn einst desto gewisser und herrlicher zu schauen, je långer er hier abwesend von ihm pilgern muß. Lieber! wie stehts mit beiner Seele? Verlangt fie nach ihm? oder erschråkst du etwa, wenn du ihn heute noch sehen müßtest? Wer eine freudige, lebendige Hoffnung, ihn zu schauen, haben will, der reinigt sich von allem Unflath der Welt, von aller Selbstsucht und Eitelkeit, der reinigt sich, gleich wie Er rein ist. Denn die Unreinen werden Gott und Jesum nicht schauen. - mel. 62. Es glänzet der Christen. 1. Wie feurig, wie brünstig ist doch mein Verlangen! mich bürstet, mich dürstet, dich, Jesus, zu sehn, dich ewig vom Leibe befreit zu umfangen; dich, dich, den ich glaube, mit Augen zu sehn; zu sehen dich, Mittler, der ewig mich liebte, auch dann noch, wenn ich ihn mit Sünden betrübte. 2. Ach, schau doch von dernen unendlichen Höhen, mein Heiland, mein Bruder, mein zärtlichster Freund! erbarmend herab auf mein gläubiges Flehen; o du, der einst selber auf Erden geweint! erbarm' dich, erhöre das brünstige Sehnen der schmachtenden Seele, die flehenden Thränen. 3. Dir schmachtet die kämpfende Seele entgegen, gedrückt von der Last der verdorbnen Natur; zerrissen und blutend von dornigten Wegen, ach såb' sie dich, Jesus, von ferne doch nur! Ach könnte sie näher mit dir sich vereinen! Ach müßte sie nicht mehr so fern von dir weinen! 4. Wann wirst ou mich, der ich im Staube noch walle, mich täglich vor Seelengefahren muß scheun, mit Elend noch kámpfe, in Sünden noch falle, wann mich von der Sünd' und vom 184 Elend befrein? Ach, laß den Gedanken mich niemals verlieren: ich werde bald ewig bey dir triumphiren. 5. Wie herrlich wirst du mich, mein Jesus, belohnen! giebst mehr als ich bat und verstehen kann, mir. Ich nenne dich Bruder, Beherrscher der Thronen, und bin mit unzähligen Brüdern bey dir! Dann schenkst du für Sorgen und Ihránen und Leiden mir Ruhe, mir Fülle der himmlischen Freuden. 6. O Jesus, mit welchem erhabnen Entzücken werd' ich voll Anbetung entgegen dir gehn? Wie dich in dem Himmel der Himmel erblicken! Uch, könnt' ich noch heute, noch heute dich sehn! Wie werd' ich, wenn du mich dem Elend entrissen, der Seligkeit sicher, in Wonne zerfließen. 24. April. 115. Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenom men, daß sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünde hinter dich zurück. Jcf. 38, 17. Jch tilge deine Missethat wie eine Wolke, und deine Sünde wie den Nebel. Rehre dich zu mir, denn ich erlöse dich. Jef. 44, 22. Wem bange wird über seine Sünden, dem sey diese Bangigkeit ein Pfand, daß der Herr und sein Heil ihm so nahe als die Bangigkeit stehe; denn er ist in der Bangigkeit, er erwecket sie, er unterhält sie, sonst würde uns wohl hier über unsre Sünden nie bange werden. Der dich nun bange macht, wird dich auch froh und selig machen; denn als ein weiser und guter Arzt verwundet er, um zu heilen, schneidet in die Wunde nur, um gesund und froh zu machen. Er schickt zuerst Trostlosigkeit, oder Trostbedürftigkeit ins Herz, um den Trost nachschicken zu können, um Aufnahme zu finden. Aber wenn die trostlose, bange Seele zu ihm schreit, auf ihn traut: o dann kommt er mit Trost und mit seinem freundlichen Angesichte, und vor ihm und seinem Gnadenworte, mit dem er vor die thrånenden Augen der bangen 185 Seele tritt, schwinden die Sünden, die Anklagen des Gewissens, die Schrecken des Gerichts, wie die Nebel oor der Sonne, wie die Wolken, wenn sie der Wind jagt. Dann wird der trübe Himmel der Seele helle und heiter, dann lacht die Sonne in dein Herz, dann legt er dir Lobpsalmen in deinen Mund, daß du ihm- wie alle, die er rettete, das Zeugniß geben mußt: Er hat sich meiner Seele herzlich angenommen. Bleibe dann nur in dieser herzlichen Gnade, und fahre säuberlich mit ihr. So sehr sie dich erfreut, so treu brauche und bewahre sie; sonst tritt die Sünde, die Gott weit hinter sich geworfen, wieder hervor, und nimmt von dir Besitz mit siebenfach verstärkter Kraft. Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Ach, um Trost ist mir sehr bange! Jesu! Jesu! ach, wie lange! hilf mir beten, wachen, fiegen! Meister! laß dein Werk nicht liegen! Doch ich weiß es, dein Verweilen ist nichts anders, als ein Eilen; drum will ich nicht zaghaft seyn, denn du hörst gewiß mein Schrein! 2. ,, Kommt, ihr Sünder, eilt zum Sohne, rufst du mir vom ,, Gnadenthrone: Weg mit eurem Trauerkleide; ich bin eure Kron' und Freude, A und O, Anfang und Ende, eilt in meine Gnadenhånde. Gnade! Friede sey mit euch! Sünder sind ,, mein Himmelreich." 3. ,, Tritt doch her zu mir, du Armer, ich bin Jesus, dein Er,, barmer! Weine nicht zu meiner Schande! Sieh, ich löse deine ,, Bande! Hör' doch auf, mein Kind, mit Klagen; ich will dich ,, in Himmel tragen. Sieh, dein Jammer ist mein Schmerz; glaub', ich hab' ein Mutterherz!" 4. du Retter banger Seelen! willst du denn auch mich erwählen? Uch, wie groß ist mein Verderben! Doch, du schwörst: Ich soll nicht sterben. Alle Sünder, die gekommen, hast du liebreich angenommen. Ja, dein Herz sehnt sich nach mir. Heiland, hilf, ich flieh' zu dir! 5. Meister! führ' du meine Sache, alles taugt nichts, was ich mache. Doch du weißt aus bösen Dingen Gutes selbst hervorzubringen. Herrlich führt dein Arm die Kriege in mir vdilig aus zum Siege, bis das Höllenheer erlegt, bis mein Haupt die Krone trågt. 186 25. April. 116. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen. Of. fenb. 13, 10. Seyd Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld ererben die Verheißungen. Gebr. 6, 12. Wisset, daß euer Glaube, wenn er rechtschaffen ist, Geduld wirket.- Die Geduld aber soll fest bleiben. Jak. 1, 3. 4. Wenn das Gold ins Feuer geworfen wird, zeigt es sich, ob es Gold oder nur Schlacken und falscher Glanz und Schein war. Du meinst, du habest Glauben? Ist dein Glaube auch schon geprüft? im Feuer der Trübsal gewesen? hast du auch Geduld? Glaube ohne Geduld ist kein Glaube, der Gott gefällt. Darum sagt Paulus, der Glaube ist nicht Jedermanns Ding. Warum? weil die Geduld gar ein seltenes Ding ist. Man lernt wohl leicht die Worte des, Glaubens auswendig, und spricht sie sehr geläufig nach; aber die Geduld des rechtschaffnen Glaubens bleibt weit unten am Berge stekken, wenn der Weg nicht immer eben und gerade geht. Auch beweisen einige wohl im Anfange Geduld, aber fie halten nicht aus- ihre Geduld ist nicht fest, weil der Glaube auf schwachen Beinen steht, und sich nicht an den rechten Mann lehnt, der ihn halten kann. Man hat sein Haus auf lauter Sandkörner, nachgesprochner Worte, gebaut, von denen nie eine Kraft ins Herz ge= kommen ist. Kommt nun die Fluth, der Sturm der Anfechtung, so stürzt die Strohhütte des schwachen Glaubens zusammen, oder das Feuer der Trübsal verzehret sie. Es müssen eben nicht Verfolgungen, Feuer und Schwert seyn, mit welchen der Glaube der ersten Christen geprüft wurde und herrlich bestand; es darf nur Krankheit, oder sonst eine zeitliche Noth kommen, so ist keine Geduld zu finden, und wenn man sie mit Laternen suchte.. Wenn etwa der nahe Tod erschreckt, so 187 schickt man sich ein wenig darein; aber ist die Gefahr des Todes vorüber, so hat Glaube und Geduld ein Ende. Wer es also bey sich findet, der bete um Vermehrung des Glaubens; und wessen Glaube noch nicht geprüft ist, der sehe zu, daß er nicht falle. Mel. 13. Jesus Christus herrscht als König. Oder: O wie selig sind die Seelen. 1. Willig leiden, alle Schmerzen tragen mit zufriednem Herzen, bester Heiland, lehre mich! Weisheit gieb mir und Vertrauen, Stärke; nur auf dich zu schauen! anzulehnen mich an dich! 2. Ach, die Schwäche meiner Hütte lehre täglich mich die Bitte: Herr, erinnre mich ans Grab! Immer wandl' ich an der Schwelle, Gott, du weißt, an welcher Stelle, wann ich sinke da hinab! 3. Sanfte Warnung, ernste Lehre, daß ich stets zu dir mich kehre, sey Beschwerd' und Krankheit mir! Hilf mir Leichtsinn unterdrücken! will Genesung mich anblicken, laß mein Herz nicht fliehn von dir! 4. Jesus Christus! Freund der Kranken! Quell von Kraft und Trost- Gedanken! sende mir von deiner Kraft, die mich retten kann und stärken, lehrt auf deinen Willen merken, die in Leiden Freuden schafft! 5. Lamms- Geduld und heitres Wesen sey mir stets im Uug' zu lesen! Ruh' erfülle meine Brust! Hoffnung stårke mich und Freude, sey mein Glaube, wenn ich leide, Liebe meiner Seele Lust! 26. April. 117. Wenn ich nur dich habe, fratte ich nichts nach Himmel und Erde. Pf. 73,25. Ich achte alles für Schaden gegen der überschwenglichen Erkenntniß Jesu Christi, meines Herrn ich achte es für Roth auf daß ich Christum gewinne. Phil. 3, 8. - - Affaph und Paulus, so wie alle, die Jesum wahrhaft kennen, finden nichts Wünschenswertheres als Ihn, 188 finden in ihm, hier schon, auf dem Glaubenswege, mehr als Himmel und Erde uns darbietet. Was werden sie dort, wo man ihn sieht, wie er ist, und ihm gleich ist, in ihm finden und ewig genießen? Allein dieſe Glaubenshelden haben jetzt wenige Nachfolger; denn die meisten führen die entgegengesetzte Sprache, und sagen, wie sie denken: wenn ich nur die Erde und ihre Schätze, wenn ich nur die Lüste des Fleisches, wenn ich nur alle Ehre der Menschen habe, was frage ich nach Jesus? Einige, die es besser machen wollen, denken: wenn ich nur einst in den Himmel komme, was frage ich jetzt nach der Erkenntniß Christi? Ihr Menschenkinder! ihr begehret zu wenig; ihr könnet mehr, unendlich mehr haben, als die ganze Erde, die gesammte Menschheit, als selbst der Himmel hat und ist. Jesus Christus will sich euch schenken, und in ihm habt ihr mehr als tausend Welten, mehr, als aller Himmel Himmel. Ihn erkennen, und in ihm den Vater, das ist das ewige Leben, ist mehr als aller Reichthum der Erde, seliger als alle Lust des Fleisches, herrlicher als alle Ehre der Menschen. Ohne ihn und außer ihm ist Alles lauter nichts selbst der Himmel kein Himmel mehr, sondern eine Wüste, eine Hölle. Ohne ihn und außer ihm ist alles weniger, häßlicher als Nichts; denn es ist, wie Paulus sagt, alles Schaden, Koth, Auskehricht. Lasset euch also nicht blenden vom irdischen Glanze, vom eitlen Ruhme. Wer Jesum hat, hat alles, hat unendlich mehr, als wenn er, alles andre ohne ihn hätte. Wer aber ihn nicht hat, der hat ihn gegen sich, und wer ihn zum Gegner hat, ist sich gewiß an keiner Freude satt. Und nicht nur dieses; erkennst du ihn nicht als deinen Gott und Herrn, hast du ihn nicht als deinen Heiland und Seligmacher, ist er dir nicht dein Ein und Alles, so ist er dein Richter, und wird dich, weil du ihn verworfen, ihn verachtet, und ihm andere Dinge vorgezo= - — -- 189 gen hast, auch verwerfen. Was hilft dir dann die gans ze Welt, mit all ihrer Lust und Ehre? Was kann dir Geld und Gut, Reichthum und Menschenehre vor seinem Richterstuhle nützen? Was kann dich vor seinem zukünftigen Zorne erlösen? Darum bleibt es dabey: Es ist nicht nur kein Gewinn über Christum, sondern aller Gewinn ist Verlust und Schaden, wenn man ihn nicht hat. Wer aber ihn hat, der hat alles satt. mel. 16. leib bey Jesu. Oder: Heilge Liebe, Zimmelsflamme 1. Großer Heiland, deine Eriebe schenke mir zum LiebesSeil! Für ein Tröpflein deiner Liebe sind mir tausend Welten feil. 2. Denn was wären tausend Welten? und was nützt mir ihr Gewinn? Wenn du anfängst mich zu schelten, ist mein ganzes Glück dahin. 3. Aber wenn ich dich besitze, sind die Welten alle mein. D wer sagt's, wie viel es nüße, deiner Huld versichert seyn? 4. Darum will ich dich erkennen. Ueberschwenglich ist dies Licht. Alles will ich Schaden nennen, seh' ich nur dein Angeficht. Wdf. 27. April. 118. Mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des Nachts schweige ich auch nicht. Pf. 22, 3. Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Hort, so schweige mir nicht, auf daß nicht, wo du schweigest, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Pf. 28, 1. Meine Seele ist sehr erschrocken, ach, err! wie so lange: Pf. 6, 4. Wie lange willst du mein fo gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Pf. 13, 1. Nergere dich nicht an dem lieben Gott, wenn er mit dir verfährt, wie mit seinen liebsten Freunden, die er oft lange rufen und schreien läßt, ohne ein Zeichen 190 zu geben, daß er höre; daß sie beinahe verzagen, und daß sie sich schon wie in der Hölle glauben. Nergere dich nicht, wenn du auf alle deine Gebete keine Un wort erhältst, wenn du immer rufen mußt: Ach, wie so lange?!! Wenn es dir scheint, der Herr habe deiner vergessen, er achte gar nicht auf dein Gebet. Sieh, so haben es alle Lieblinge Gottes vor dir erfahren. Keine Antwort auf deine heißen Gebete ist doch Antwort, und die heißt: Warte, harre, schweige, leide, ringe, hoffe, Am Ende wirst du doch auch mit David, der noch mehr, als du, klagte, sagen können, was er Pf. 13, 6. be kannte. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. So sehr jetzt der Herr schweigt und dich betrübt, so laut und er= freuend wird er sprechen. So voll Klagen jetzt dein Herz ist, eben so voll Freude und Frohlocken wird dein Mund werden, wenn der Herr für gut findet, dir zu antworten. Mel. 29. Sier legt mein Sinn sich. Oder: Wir sind vom Vater. 1. Wie, sollte der nichts von mir wissen, der Licht ist in den Finsternissen? Und Er, der selbst mein Ohr gemacht, gåb' auf mein ångstlich Schrein nicht Acht?- 2. Nein, hören muß er meine Klagen, die Schmerzen sehn, die mich zernagen; doch wenn er sieht und hört, warum stellt er sich denn so taub und stumm? 3. Doch dieses scheinst du nur, du Weiser! Du schweigest nicht, du sprichst nur leiser, daß lauter, dringender ich fleh', und herrlicher dich helfen seh'! 4. Vielleicht bewahrt dies Nichtempfinden von deiner Huld mein Herz vor Sünden, die ich, wenn Freude mich umfing, vielleicht in Sicherheit beging! 5. Und wer erforscht die weisen Gründe, warum ich, Hert, dich nicht empfinde? Du mußt- und dabey will ich ruhn- Herr, was du thust, aus Liebe thun. 6. Im Dunkeln will ich dich umfassen; du starbst für mich, fannst mich nicht hassen! Und wenn ich auch nicht weinen kanne du siehst doch mein Verschmachten an. 191 28. April. 119. Das weiß ich fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Tob. 3, 22. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Surcht. Pf. 34, 5. Er wird den Armen erretten, der da schreiet, und den Elenden, der keinen Zelfer hat. Pf. 72, 12. Frage die Alten, frage alle, die je in Trübsal und Anfechtung, in Noth und Angst waren, ob sie der Herr. wenn sie fest auf ihn vertrauten, anhaltend ihn anriefen, ob er sie nicht errettet, getröstet und beseliget habe. Was sagt dir Tobias, der viel geprüfte? David, der oft versuchte und sehr geplagte Kämpfer Gottes? Frage ihn, seine Psalmen antworten dir, und versichern dich, daß der Herr treu, gütig und gnädig ist; daß er das Gebet, das Geschrey der Elenden und Verlassenen, der Angefochtenen und Geplagten aller Art höre und erhöre, sie errette und stärke. Kurz, daß man in keine Lage kommen, in keine Tiefe fallen könne, aus welcher die Hand des Herrn, des Allmächtigen und unendlich Gütigen, nicht herausreißen könnte oder nicht wollte. Nur der Fürst der Finsterniß, oder decine kurzsichtige Vernunft künstelt dir Nebel vor die Augen; dein unruhiges, stürmisches Herz treibt Staubwolken auf, blendet dein Auge, daß du nicht erblickest die rettende Hand, die der Herr dir entgegenfireckt; deine Zaghaftigkeit, die Halbheit deines Willens hindert dich, diese Hand zu ergreifen, und dich fest an ihr zu halten. Thust du aber dieses, ohne auf den Satan, auf mißtrauische Gedanken, und alle Einfälle und Einwürfe des Unglaubens zu achten, o wie bald, wie herrlich wirst du er= rettet seyn und den Herrn preisen. 192 Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. Du sollst Satans finstern Träumen auch nicht einen Fuß tritt räumen; schick' ihn nur zum Höllenpfade, dir gehört das Lamm, die Gnade' Dein Weg geht durchs Weltgetümmel grade in den offren Himmel. Glaube nur, verzage nicht! Jesus giebt dir Trost und Licht! 2. Er will,( laß nicht ab vom Beten!) dich mit starker Hand erretten. Bald wird dir sein Licht erscheinen. Dann wirst du vor Freude weinen weinen in des Mittlers Armen, wenn er sich wird dein erbarmen, wenn er in sein Herz dich zieht, und dann Furcht und 3agen flieht. 3. Kommen wird sie bald die Stunde, denn er sagt's mit eignem Munde: Laß mich deinen Retter bleiben, dir ziemt stille seyn und glauben. Ja, er ist der Held in Kriegen, niemal kann er unterliegen. Harre nur, doch ohne Grau'n; lerne kindlich auf ihn schau'n. 4+ 29. April. 120. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Pf. 104, 2. Denn bey ihm ist eitel Licht. Dan. 2, 22. Gott, der da hieß das Licht aus der Sinsterniß hervorleuchten, hat in unsern Herzen ein Licht angezündet. 2 Kor. 4, 6. Das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Joh. 1, 9. Der Schöpfer des Lichtes,- von dem alles Licht ausgeht, weil er selbst lauter Licht ist, kann allein in unsere finstere Seele Licht hineinsprechen, wenn es in uns dunkel ist. Wir sind von Natur in unserm Geiste, was die Welt ohne Sonne, ohne Licht wäre. Geht Chri stus, die Sonne der Gerechtigkeit, nicht in uns auf, so ist lauter Finsterniß, Tod und Kälte, Unfruchtbarkeit und Unlust zu allem Guten in uns. Wie nun im dußern die Sonne alle Tage neu aufgehen und jeden Tag erleuchten muß, wenn er nicht in ewiger Nacht begraben bleiben soll, so muß Christus, der Morgenstern, alle 193 Morgen neu in uns erscheinen, muß uns leuchten den ganzen Tag; und weil in dem Christen keine Nacht mehr seyn soll-- denn wir sind Kinder des Tages, die Nacht ist vergangen muß er uns Nacht wie Tag unsere Sonne, Licht und Leben seyn. Frage dich, wenn das Tageslicht anbricht, jeden Morgen, ob der Morgenstern aufgegangen sey in deinem Herzen. Frage dich jede Nacht, ob die Nacht auch Licht bey dir sey, ob der Herr dein Licht sey, oder ob du nicht wandelst im Schatten des Todes, wie die Kinder der Nacht. Mel. 22. Es kam die gnadenvolle Nacht. Oder: Die Seele Christi heilge mich. 1. Und hätt'st du nichts geschaffen, nichts, Gott, wärst du Vater nur des Lichts, wo náhm' ich Wort' und Kräfte her zu fagen: Gott, wie groß ist Er! Das Licht, Strahl deiner Herrlichkeit, es strahlt vom Himmel und erfreut, und deckt im wunderschnellen Lauf uns Millionen Wunder auf. 2. Voll Gottes- und voll Lebenskraft durchdringt's, erweicht's, erwärmt's, und schafft, verwandelt schnell die dde Nacht in eine Welt voll Freud' und Pracht.- Der Pflanzen Heer, der Thiere Schaar, es stellt mir Erd' und Himmel dar; schafft um mich Hügel, Berg und Thal, und neue Welten ohne Zahl. - a - - 3. Jm liebevollen Menschenblick, wie strahlt's so herrlich mir zurück! wie führt's mir Freudenströme zu! O Quell des Lichts, wie gut bist du! Gott sprach, sey Licht! da strahlte Licht auch in mein dunkles Angesicht. Wer freut sich nun anbetend nicht, daß Gott Erleuchtungs- Freuden spricht? -- 4. Denn heller als die Sonne ist des Lichtes Schöpfer, Jesus Christ. Der Abglanz Gottes Ebenbild, der alle Welt mit Licht erfüllt. Ja, wår' auch allenthalben Nichts, als du, o Jesus! Quell des Lichts, wo náhm' ich Wort' und Kräfte her, zu sagen: Seht, wie schön ist Ér! 30. April. 121. Ich bin der Weinstock, ihr seyd die Reben. Wer in mir bleibet, und ich in ihm, der brinN 194 get viel Srucht; denn ohne mich könnet ihr nichts thun. Joh. 15, 1-8. Mein Lieber hat einen Weinberg an einem fetten Orte.- Was sollte man noch mehr thun an meinem Weinberge, das ich nicht gethan habe an ihm: Warum hat er denn eerlinge gebracht, da ich wartete, daß er Trauben brachte: Jes. 5, 1-7. Heiligstes Geheimniß der innigsten Vereinigung der Seele mit ihrem Haupte Christus! Ja wohl, was håttest du mehe thun können an deinem Weinberge! Du in uns, und wir in dir! Könntest du uns näher kommen? Sollten nicht göttliche Früchte an den Reben zu erwarten seyn, da der Weinstock göttlich ist? Mußt du nicht zürnen, wenn du bey allem dem, was du an uns ge than haft und thust, dennoch keine Trauben, keine Früchte, sondern Heerlinge an uns wahrnehmen mußt? Ihr Lieben! sehet euch doch an, was ihr für Reben seyd! Wo sind die Trauben? wo die Früchte? Gal. 5, 22-24. Findet ihr diesen nicht, so muß es wohl an der rechten Verbindung und Gemeinschaft mit dem Weinstocke fehlen; so könnet ihr unmöglich in Christo seyn. Findet ihr etwa gar noch die Heerlinge Gal. 5, 19-21, an euch, oder doch einige davon, so ist's offenbar, daß ihr den Weinstock nie gesehen noch erkannt habt, denn so wandelt ihr im Fleische und nicht im Geiste, im Belial, nicht in Christo. O lasset uns doch von der herrlichen Gnade Gebrauch machen! Ist es denn nicht Gnade, daß er unser Weinstock seyn will, uns mit sich wie Reben vereinigen, und in uns und durch uns Früchte bringen will, die wir zu genießen haben? Würde er die Früchte von uns fordern, ohne selbst in uns zu seyn, oder uns in ihm seyn zu lassen, so würden wir freilich ohne Hoffnung verloren gehen. Aber nun haben wir keine Entschuldigung, wenn wir nicht in ihm bleiben. 195 Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Ihr Reben! send ihr fest gebunden an ihm? Senkt ihr euch tiefer ein? Begrabt ihr euch in seine Wunden? Könnt ihr in ihm ganz selig seyn? Klebt fest an ihm durch Lieb' und Glauven! Last niemand euch dies Kleinod rauben. 2. Seyd voll der unverrückten Liebe! Wer Liebe hat, in dem bleibt er. Nur liebt durch seines Geistes Trebe. Er giebt von seiner Fülle her. Ja. wen der Geist der Liebe treibet, der weiß, daß er in Christo bleibet. 3. Bereit zum Dulden und zum Tragen(- in ihm ist keine Last zu schwer--) sollt ihr mehr loben, nicht stets klagen, sonst bleibt eu'r Herz von Christo leer. Hier ist der Schmuck die Dornenkrone. Dort- sist der Dulder auf dem Throne. 4. Will euch im Ernst das Niedrigwerden viel lieber als Erhöhung seyn? Macht euch Gehorsam noch Beschwerden? Seyd ihr in allem arm und klein? Ist Christi Sinn an euch zu finden? Muß Adams Bild in allem schwinden?. 5. Strebt thr nach Heiligung auf Erden? Sagt ihr der Welt und Sünde ab? Die Gnad' lehrt täglich besser werden, sieht nur auf Christi Hirtenstab. Wenn so nach Heiligung wir jagen, wird sich der Weinstock nicht beklagen. 122. TET Erster May. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Pf. 32, 8. Jch nahm Ephraim bey seiner Hand, und leitete ihn( wie ein Rind). 3of. 11, 3. err, leite mich in deiner Gerechtigkeit- in deiner Wahrheit und lehre mich;- um deines Namens willen wollest du mich führen und leiten. Pf. 27, 11. 25, 5. 31, 4. Ohne Leiter, wer wird den Weg zum verborgenen, unbekannten, nie gesehenen Vaterlande finden? Eigne Leitung täuschet sich. Menschenleitung ist nicht ganz zu verwerfen; man kann sich aber auch nicht ganz auf N 2 196 sie verlassen. Ein weiser, frommer, in den Wegen Gottes erfahrner Diener Gottes kann dir wohl den Weg zeigen und dich leiten; aber wenn du bey ihm stehen bleibst, kommst du doch nicht zum Herrn; und wenn du, bey allem guten Rath und bey aller Leitung von guten Menschen, nicht noch den Herrn und seinen Geist selbst zum Führer und inwendigen Handleiter hast, und dich nicht recht an ihm fest håltst, ihm nicht gewissenhaft folgest, kommst du doch nicht zum Ziele. Der Herr ist auch so freundlich und zuvorkommend, daß er sich dir selbst anerbietet, und die köstliche Verheißung giebt Pf. 32, 8. und Hof. 11, 3. Er will dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst, will dich mit seinen Augen leiten, will dich bey der Hand fassen, und dich führen, daß du sicher wandelst. Willst du diese fromme, sichere Hand nicht ergreifen, nicht auf diese Augen sehen, die dich so freundlich leiten wollen? Aber, wie kann ich die Winke seiner Augen verstehen? frågst du. Er winkt dir von innen, nicht von Außen. Wenn dein Auge lauter, redlich, einfältig, nicht doppelsichtig ist; wenn du gern einkehrest in dein Herz, und den Herrn im Gebete fragen lernest, so wirst du seine Antworten und seine Winke vernehmen und verstehen lernen; wirst seine Hand spüren, wirst erfahren, was er verheißt; seine Augen werden so kräftig winken, seine verborgene Hand wird dich so mächtig anfassen, und dich leiten und führen, wie ein Vater sein Kind leitet, hebt und trägt, und es nie aus dem Auge, nie von der Hand läßt. Allein diese besondere Leitung fordert auch eine besondere Treue im innern Leben, ein wachsames Auge, ein ge sammeltes, stets zu dem Herrn gerichtetes Herz; sonst übersieht man die Winke seiner Augen, und spürt nicht seine leitende Hand. 197 mel. 93. Sey Lob und Ehe'. Oder: Was hilft es mie, ein Christ zu seyn. 1. Vergessen laß michs, Heiland nie, du bist und bleibst die Liebe! Gieb auch nicht zu, daß ich mich je durch Zweif len betrübe! Vergiebst du mir nicht gern die Schuld? Ist grenzenlos nicht deine Huld, nicht ewig deine Liebe? 2. Ja, Herr, ich wende mich zu dir, dir will ich mich ergeben; schenk' wahren Ernst, schenk' Eifer mir, mit Freuden dir zu leben! Bewahre nur vor Heucheley, o Jesus, mich! Aufrichtig sey und redlich mein Bestreben! 3. Ach jeden, jeden Augenblick möcht', Heiland! ich dir weihen! Zich von der Erde mich zurück, laß nichts den Geist zerstreuen! Nicht Glück der Welt, nicht Eitelkeit, nur du, nur deine Freundlichkeit soll meine Seele freuen! 4. Und zum Gebete schenke mir stets Freudigkeit und Stårs ke! Mein Herz sey niemals fern von dir, nie tråg' zum guten Werke! Will gleich der Geist, das Fleisch ist schwach, drum hilf, o Heiland! mir, und mach', daß ich dich in mir merke! 5. Du weißt, wie wenig ich vermag; du mußt die Seele leiten, du meine Seele Nacht und Tag durch deinen Geist bereiten. Dann leb' ich, Herr, nicht mehr für mich, dann such' und lieb' ich nichts als dich in allen Ewigkeiten. L. 2. Maij. 123. Dazu ist Christus gestorben, und auferstanden, daß er über Todte und Lebendige err sey. Rom. 14, 9. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unferm Leibe, auf daß auch das Leben unsers Herrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. 2 Kor. 4, 10. Das Leiden, der Tod, das Verdienst Jesu sey nicht nur in deinem Munde, sondern auch in deinem Herzen. Der Gekreuzigte und Auferstandene will und soll dein Herr seyn; das heißt: Du sollst nicht blos Herr, Herr! zu ihm sagen, sondern, du sollst ihn als deinen Herrn erkennen, ihm folgen, ihm ergeben seyn von ganzem Herzen; ihn herrschen und regieren lassen in deinem Herzen, Sinn und Wandel. Er starb für dich, um in dir leben 198 zu können. Er gab sein Leben für dich, daß du dein Leben auch für ihn hingiebst, und nicht mehr dir selbst, sondern ihm lebest. Das heißt das Sterben und Leben Jesu an sich, in sich herumtragen allezeit. Es soll an dir, an deinem Sinn und Wandel offenbar werden, daß Christus für dich starb und auferstand. Es soll in die Augen fallen, daß du nicht mehr dir selbst angehörst, sondern ein Eigenthum Jesu bist; daß du dich in keinem Stücke nach dir selbst und deinem eigenen Willen, sondern ganz nur nach Jesu richtest. So wird sein Tod und Verdienst an dir zu sehen seyn, so wirst du deinen Heiland preisen an Leib und Geist. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du. 1. Gottes Lamm! was sind doch das für Wunden, die du an deinem Herzen haft empfunden? Was mußtest du für groBen Schmerz erdulden für meine Schulden! 2. Ich bin der Knecht, der Speer ist meine Sünde; hilf, daß ich es mit wahrer Reu' empfinde, damit ich dich nicht wiederum aufs neu verwunde, zu keiner Stunde. 3. Ich will allein auf deine Wunden trauen, will all mein Heil, mein Haus darinnen bauen. Mein Himmelreich wird hier ja nur gefunden in deinen Wunden. 4. Es ist ja in dem Blut des Menschen Leben, wie sollt uns nicht dein Blut das Leben geben? Es tilgt den Tod und macht uns neugeboren, die wir verloren. 5. Es bringt uns die Vergebung aller Sünden, und da ist ja das Leben auch zu finden. In diesem Blut hab' ich Erlösung funden, hab' überwunden. 6. Und warum fließt auch Wasser aus den Wunden? Weil du den Geist mit deinem Blut verbunden. Dein Lebens- Geist soll sich gleich Wasserflüssen in uns ergießen. 7. Du hast uns, da du dort für uns gestorben, das LebensWasser, deinen Geist, erworben. Den wolle mir dein Blut recht appliziren, mich ganz regieren! 8. Du hast nicht nur dein Blut für uns gegeben. Du willst durch deinen Geist auch in uns leben. S laß dieß reis ne Wasser auf mich fließen, mich ganz begießen. 9. Du machst auch durch dein Blut gerecht auf Erden, drum 199 wollst du meine Heiligung auch werden; denn darum fließt von deinem Stuhl so helle die Heil'gungs- Quelle. 10. Dieß Wasser woll' in mich sich so ergießen, daß ich wie Weiden an den Wasserflüssen recht wachsen mög', und als dein Erbgedinge viel Früchte bringe! 11. So hab' ich denn, Herr Jesu, deine Wunden, im Blut und Wasser mir zur Heil'gung funden; du hast sie mir zum Heilbrunn auserlesen; ich muß geneſen. 12. Du bist ein Gift dem Tod, ein Gift der Sünden, ja selbst der Arzt, du wirst mich recht verbinden. Ich darf in keiner Schwachheit an dir zagen, nicht hilflos klagen. 13. Bin ich gleich voller Wunden, voller Beulen; du wirst durch deine Wunden alle heilen. Kein Uebel ist so tief im Tod und Leben, du wirst es heben. 3. Majj. 124. Wenn mir angst ist, so rufe ich den Herrn an. Pf. 18, 7. Du läsfest mich erfahren viele und große Angst. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörete mich. Pf. 71, 20. 118, 5. Es mag dich ångsten oder quålen, was da will, so hat es der Herr aus keiner andern Ursache über dich kommen lassen, als um dich beten und glauben zu lehren, um dich zu sich zu rufen. Jede Angst oder Noth sey dir ein Bote Gottes, der dir sagt: Nun wäre es einmal Zeit, dich von ganzem Herzen zu deinem Heilande zu wenden. Sind es deine Sünden, die dich ångsten, so sen dir diese Angst ein Brief vom Himmel, der aber versiegelt ist; öffne ihn, und erbrich das Siegel; durch anhaltendes Gebet kannst du es brechen; und dann liesest du darin geschrieben von Gottes eigner Hand, was Jef. 1, 1519. steht. Ist es ein großes Leiden, oder was immer für eine Noth, so ist es ein Denkzettel vom Herrn, der dir sagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich) preisen. Pf. 50, 45. Der 200 Herr ångstet keine Menschenseele ohne Ursache, sondern nur aus Liebe, um sie zu ihm mit der Ruthe zu treiben, weil sie sich gewöhnlich nicht durch Liebe ziehen lassen; um sie also mit Gewalt gleichsam zu nöthigen und zu zwingen, daß sie sein Angesicht suchen und sich helfen lassen. Konnten sich die Alten trösten in ihrer Angst, konnten sie Gottes Angesicht finden, wie vielmehr wir, da uns in Christo der Schooß Gottes so weit aufgethan ist; der ja nur gekommen ist in diese Welt für Elende und Geångstete. Er, der keinen zurückstößt, der zu ihm kommt, der selbst allen ruft und freundlich bittet: kommt alle zu mir 2c. Mel. 109. Ach, wie hat mein Herz gerungen. Oder 59. Reich an jeder. 1. Kann ich keinen Frieden finden, Ruhe meiner Seele nicht, schweben meiner Jugend Sünden vor dem müden Angesicht; Fehler jüngst vergangner Tage, werden sie mir Laft und Plage, jeder Gott entzogne Blick, fällt er auf mein Herz zurück; 2. Heiland, dann umfaff ich wieder, küsse kindlich deine Hand. Milde blickst du auf mich nieder, du, den, wer dich suchte, fand! O, in stillen Andachtsstunden hat dich manches Herz gefunden, das sonst ferne von dir lief, einsam wieder nach dir rief. 3. Heiland aller Menschenkinder, Hirt und Hüter aller Welt! Dulder, auch der frechsten Sünder, der die Schwachen führt und hålt! Tåglich allen alles giebet, immer ſegnet, immer liebet; meine Seele harret dein, nie kannst du mir ferne seyn! 4. Jesus! dieser Nam' erweitert jede Brust voll Angst und Schmerz; wie der Mond die Nacht erheitert, blickst du Ruh'. in jedes Herz, das nach deiner Tröftung weinet; eh' die Sonne wieder scheinet, o wie oft verwandelst du heißen Schmerz in süBe Ruh'! * L. - 4. Jajj. 125. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Pf. 145, 18. ahe dich zu mir, wenn ich dich anrufe, und sprich: Sürchte dich nicht! Klagl. Jer. 3, 57. 201 Wen dieser Gedanke, diese Wahrheit, daß ihm Gott, Christus nahe ist, so oft ez ihn mit Ernst anruft, nicht erweckt und beseligt, was wird den beseligen? Was ist für den Menschen betrübender, seitdem Adam vom Angesichte Gottes verstoßen, aus Eden gejagt; seitdem der Cherub mit dem Flammenschwerte vor die Thüre des Paradieses gestellt wurde; was ist betrübender, seitdem Christus durch eine Wolke den Blicken seiner Jünger, und den Augen aller Erdbewohner entzogen worden ist; was ist betrübender für uns, als diese Entfernung des sichtbaren Gottes von der Erde? Unser einziger Trost bleibt daher, daß Gott und Christus dennoch nahe ist, nahe gefunden, gefühlt und im Geiste genossen werden kann, wenn wir nur mit Ernst wollen, anhaltend suchen, Leib, Seele und Geist von allem losreißen, und durch Glauben und Liebe uns in seine unsichtbare Nähe versehen. Der Herr wird uns auch gewiß, wenn wir ihn und sein Antiik suchen, nicht erschrecken, uns nicht fürchterlich erscheinen, sondern wie Jeremias ihn bat, zu uns sprechen: Fürchte dich nicht, mein Kind! nahe dich zu mir, so nahe ich mich zu dir! O wie freundlich empfängt er die wiederkehrenden Menschenkinder! wie sehnt sich sein Herz nach uns! Wer sich eine rechte Freude machen will, wer die höchste Freude, die ein Mensch auf Erden haben kann, genießen will, der suche die Nähe Gottes und Jesu Christi. Eine höhere Seligkeit läßt sich auf Erden nicht denken, als Ihn nahe haben. Mel. 109. 2ch wie hat mein Herz gerungen. Oder 59: Reich an jeder. 1. Heiland, still an dich zu denken, o wie das mein Herz erfreut! Geist und Herz in dich zu senken, höchste Menschen- Seligkeit! Dich empfinden, dich genießen, o der unaussprechlich füßen, göttlich reinen Himmels- Lust! Komm, o komm in mcine Brust! 2. Gottes Nähe! Gottes Nähe! Quell der höchsten Freude mir! wie, wenn dich mein Auge såhe, cilt' die Seele hin zu dir! 202 Dir, der Freud' und Leiden sendet, Gnaden spendet, Unglück wendet, Heiland, der bey Tag und Nacht über Wurm und Engel wacht! 3. Heiland! viele Brüder weinen, viele Schwestern schmachten nun! Aber du verläsfest keinen, heißest wachen, heißest ruhn! Trocknest unzählbare Thränen, weckest und erfüllst das Sehnen unzählbarer Leidenden, die um Trost und Lindrung flehn. 4. Heiland! sende Trost den Deinen, Licht in jedes dunkle Herz! Allen, die beklommen weinen, mildere den heißen Schmerz! Laß sie deine Näh' genießen, laß sie, laß sie alle wissen, wie du allen freundlich bist, allen, aller Jesus Christ! L. 5. Maij. 126. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden; daß sie alle Eins seyn, gleichwie du, Vater, in mir, und ich in dir, daß sie in uns Lins seyn- Jch in ihnen und du in mir- daß die Liebe, womit du mich liebst, sey in ih nen und ich in ihnen. Joh. 17, 20-26. Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit. Rol. 1, 27. Christus hat eine Gemeinschaft und Verbindung gestiftet, die ihres gleichen nicht haben kann im Himmel und auf Erden. Der Vater in ihm, Er im Vater, und in uns; wir in ihm und in dem Vater? Was heißt das? wer erklärt das? wer begreift das? Das sollen wir wohl auch nicht, weil wir es nicht können. Aber in ihm seyn und bleiben, das sollen wir. Theil nehmen, genießen, festhalten sollen wir alles das, was er uns in uns seyn will. Was ist das? Alles, was er ist und hat, ist unser, weil er ganz unser ist. Wie niemand in den Hims mel hinaufsteigen und seine Höhe messen kann, so kann niemand die Tiefe des Geheimnisses ergründen. Bemůhe dich nicht darum! Wirf dich nur hinein, mit allem, 203 was du bist und hast, und bleibe und lebe darin. Über ist es denn auch für Jeden? auch für dich? Wenn du glaubst; so ists dir von ihm ausgebeten; so bist du wie Petrus und Johannes, Theilnehmer und Erbe; denn er bat ausdrücklich für alle, die durch das Wort der Apostel an ihn glauben würden. Glaubst du nun, so kannst du es haben. Wenn du aber doch nichts davon hast, wenn denn doch dein Herz leer, ohne Christus, ohne seine innige Gemeinschaft lebt; dann glaubst du nicht; dann hast du nur das Wortlein, Glaube im Munde, aber die Kraft des Glaubens nicht im Herzen. Wer glaubt, der hat Alles, was Christus dem Glauben verheißen hat, wenigstens im Anbruche, im Keime. Glauben wir Ihm, so haben wir Ihn; haben wir Ihn nicht, so glauben wir Ihm nicht. Mel. 38. Noch wallen wir im. Oder: Kommt her zu mir, spricht. 1. Mein Freund ist mein und ich bin sein. Wir haben Freud' und Leid gemein. Wie nah' sind wir verbunden! Der Vater giebt ihn selbst mir hin, und mich ihm wieder zum Gewinn. Ich bin in seinen Wunden. 2. Mein ist er mit Gerechtigkeit, mein seine Unschuld als ein Kleid, mein ist sein ganzes Leben. Mein seine Angst und Todesnoth, als wenn ich selber wär' in Tod zur Strafe hingegangen. 3. Mein ist sein Grab und Auferstehn, weil Haupt und Glied zusammen gehn; ich bin mit ihm erstanden. Mein seine Auffahrt in die Höh', da ich schon oben mit ihm steh', ganz frey von allen Banden. 4. Mein ist sein ganzes Himmelreich, sein Geist, sein Vater auch zugleich, sein Herz ist ganz mein eigen. Was ich nur immer wünschen kann, das treff' ich hier beisammen an. Dies kann ich nicht verschweigen. 6. Maj. 127. Mein Freund ist mein und ich bin sein. o hel. 2, 16. u. 6, 2. Reiner lebt sich selber — 204 leben wir dem Herrn. Rom. Leben wir, fo 14, 7. 8. Ist Er in uns und unser, so folgt von selbst, daß wir in ihm sein seyn müssen. Es giebt keine wah re Gemeinschaft, die nicht Alles gegenseitig mit einander theilt. Eigenheit, Selbstgesuch, Eigenliebe hebt alle Gemeinschaft auf. Wer Christum haben, ihn ganz genießen, seines Verdienstes, seiner Gnade und Inwohnung, seiner künftigen Herrlichkeit kurz, ganz Christi theilhaftig seyn will: der muß auch ganz des Heilandes seyn, sich ganz, ohne Vorbehalt, ohne Ausnahme an ihn hingeben, und hingegeben bleiben, im Leben und im Tode, in Freuden und Leiden, ohne sich je wieder zurück zu nehmen. Viele rühmen sich Christi und seines Verdienstes; viele nehmen Christum an; aber sie geben sich nicht hin für Christus, sie behalten sich für sich selbst zurück. Christus soll nicht theilen, soll sich ihnen ganz, soll ihnen Alles hingeben; sie aber theilen, und zwar schåndlich: sie geben ihm Worte, Zunge und äußern Schein, und das Herz lassen sie an der Welt, an der Sünde und ihnen selbst hängen. Das sind nur Titular: Christen; sie haben den Namen Christ; eine Einbildung vom Verdienste und von der Gemeinschaft Christi, aber Christum haben sie nicht. Christi werden sie in Ewigkeit nicht theilhaftig, so lange sie sich nicht ganz an ihn ergeben. - - Mel. 38.( Fortsegung des vorigen Liedes.) 5. Sft er nun aber gänzlich mein, so ist auch wieder alles sein, mein Sch, mein ganzes Leben. Sein ist mein ganzer Sinn, mein Herz, sein bin ich auch in Freud' und Schmerz, ihm ewig hingegeben. 6. Sein ist mein Wille, meine Wahl, er leite mich nur allemal, will ich etwas beginnen! Sein ist nun, was ich hab' und bin; ich gebe mich ihm gånzlich hin, er herrsch' in Herz und Sinnen! 7. Willst du mein Freund, mein Alles seyn, so kehr' in mei 205 nem Herzen ein, es sey dir ganz ergeben! Wo du nicht bist, ist lauter Pein, drum nimm, o nimm es gånzlich ein, dann find' ich Ruh' und Leben. 8. Ach, laß mir doch kein Plätzchen frey, was nicht von dir belebet sey, beherrschet und versüßet! Das eigne bringt nur Luft. und Last; was du hingegen inne hast, da wird kein Gut vermisfet. 9. Bist du mein Freund, so wie ich will, du, meiner Seele Hüll und Füll', von Gott mir selbst gegeben, so muß ich ja auch immerhin nach deinem Willen, Wink und Sinn, nur als der Deine leben. 10. So zieh', ach zieh' mich ganz nach dir, und wohn' und wirk' allein in mir; ich will nichts Fremdes leiden. So trifft mein Wahlspruch ewig ein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! Es soll kein Tod uns scheiden. 7. Maij. 128. Und so ich im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht. Mich. 7, 8. Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen, und Freude den frommen erzen. Pf. 97, 11. Hier unterm Monde bleibt der Kampf zwischen Licht und Finsterniß in uns, wie außer uns. So erleuchtet du seyn magst, so mußt du doch wieder durch finstere Nächte und tiefe Dunkelheiten durchwandeln. Es wird dir oft so finster und dunkel vor deinem Geistes- Auge werden, als wenn Sonne, Mond und Sterne am Himmel deiner Seele ausgelöscht wären, als wenn sie nie wieder leuchten würden, als wenn du in ewiger Finsterniß begraben wäreft, und keinen Strahl des Lichtes wie der schauen würdest. Deine Sonne, die Nähe des Herrn, wird sich so verbergen, als wenn sie dir nie geleuchtet hätte, daß du von dem Zweifel geplagt wirst, ob es nicht Traum, Tauschung- ob es denn je Tag gewesen sey in deiner Seele? Es giebt kein Licht, du hast dich betrogen, wird der Versucher sagen. Aber da mußt du harren und glauben an das unsichtbare Licht, als sähest du 206 es. Es kommt bald wieder anders. Jede Nacht wird wieder verschlungen vom Tage. Die Sonne kann nicht unten bleiben, wenn ihre Stunde kommt, muß sie wieder herauf und ihre Bahn durchlaufen. Wenn du dir im Dunkeln nicht selbst eine Sonne, ein Licht schaffen willst; wenn du lieber auf den Herrn vertrauest und harrest, so wird er auch im Finstern dein Licht seyn, wird dich mit verborgener Hand leiten, und dir das Licht und die Freude wieder aufgehen lassen, so bald es Zeit iſt. Wenn also Leiden den Himmel deiner Seele trüben, und du die Sonne nicht siehest, wenn dir auch nicht Ein Sternlein leuchtet; so glaube doch, und zweifle nicht, daß Sonne und Sternlein dennoch am Himmel sind und bleiben, ob sie dir gleich durch Wolken verdeckt sind. Sie sind an demselben Orte, du magst sie sehen oder nicht. Ein guter Schiffer weiß, wie er daran ist, wo die Sonne, wo die Sterne sind, wenn ihm gleich Sturm und Wolken den Himmel bedecken. Er richtet sich eben so darnach, als wenn er sie beim klaren Himmel sieht. Christus ist derselbe, auch dann, wenn du ihn nicht siehst, oder nicht fühlst. Die Hand des Herrn ist dennoch über dir, wenn sie dir gleich verborgen ist. Mel. 22. Die Seele Christi. Oder: Es kam die gnadenvolle. 1. Er ist, Gott ist, o Gott ist mein, so nah' er sey, so fern er schein', ob ihn mein Herz auch nicht empfind', er ist mein Bater, ich sein Kind! 2. Was will ich mehr? was will ich mehr! Auch unempfunden Gott ist er! Die Liebe dann auch, wann er schreckt, mein Licht, wenn eine Wolk' ihn deckt! 3. Ich warte, schweige, dulde nur, såh' ich von ihm auch keine Spur; sucht' ich auch lang' vergebens ihn, mein ist er, so gewiß ich bin. 4. Sein bin ich, so gewiß er ist, sein so gewiß, als Jesus Christ zu uns vom hohen Himmel kam, und Theil an unserm Elend nahm! 5. Ich seh' ihn nicht; doch er sieht mich! er kennt mich, weiß 207 es, Staub bin ich! Der Vater zürnt von Herzen nicht! O GlauI. C. L. be! sey mein Trost und Licht! 8. Maij. 129. Herr, auf dich trauet meine Seele. Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorüber gehe. Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meines Jammers ein Ende macht. Pf. 57, 1. 2. Wer, wenn er diesen ganzen Psalm durchliest, sich etwa in gleicher oder ähnlicher Lage mit David findet, da er, von Saul verfolgt, in die Höhle floh; 1.Sam. 22, 1. wer von irgend einer Anfechtung und Trübsal niedergebeugt ist, der schlage denselben Weg ein, wie David: er fliehe und setze sich unter den Schatten der Flügel des Herrn, da kann er ruhig und sicher warten, bis das Wetter vorüber geht. Wo finden wir den Schatten seiner Flügel? wo breitet er sie über uns aus? wo bedecket er uns mit seinem Schuße? Ueberall, wo wir ihn suchen; wo wir ihn anrufen, wo unser Herz sich nach ihm sehnet. Mitten im Gluth- Ofen und in der Hitze der Trübfal wird er uns Kühlung und Labung, wenn wir nicht erst anderswohin laufen, sondern ihn gerade da, wo er uns mit Trůbsal heimsucht, aufsuchen, in unsern Herzen; denn da wird er sich gewiß finden lassen. Ich bin bey dir in der Trübsal, sagte er. Er ist uns nie nåher, er ist nic leichter zu finden, als wenn er uns durch Leiden heimsucht. Fallen wir unter die Zähne der Menschen, daß sie uns wie mit Spießen und Pfeilen, mit scharfen Schwertern ihrer Zungen stechen, schlagen, zerreißen, so bleibt uns kein ander Mittel, als gerade aufzublicken zu dem, der sie über uns schickt; der kann nicht fern seyn. Sie sind nur Werkzeuge in seiner Hand. Die Hand muß so nahe als das Werkzeug seyn, weil sie es führt und regiert. Der 208 die Trübsal anfångt, wird sie auch zu enden wissen. Indeß ist dir sein Schatten genug. Mel. 19. Theures Wort. Oder: Liebster Jesu, du wirst kommen. 1. Unter meiner Feinde Menge, aus dem heißen Angstgedrånge flieht dir meine Seele zu! Meine Hoffnung, Herr, bist du! Unter deinen Flügeln findet, bis das Wetter mir verschwindet, meine Seele Sicherheit, Vater der Barmherzigkeit. 2. Schau von deinem Himmel, sende meinem Jammer bald ein Ende! nur ein Strahl von deinem Licht stårkt mein můdes Angesicht! Halte mich, laß mich nicht fehlen, um mich her sind Löwenseelen; wen sie hassen, o den trifft Hohngelächter, Schlangengift! 3. Hart wie Eisen, und noch hårter ist ihr Zahn, die Zungen Schwerter; wer, wer kann der Wuth entgehn? welche Sanft muth widerstehn? Der nur, der an dich sich lehnet, sich nach deinem Schilde sehnet, den erklärst du dir zum Ruhm herrlich für dein Eigenthum. 4. Mögen sie, um mich zu fällen, mir verborgne Netze stellen, tiefe Gruben graben mir, Herr! ich halte mich an dir! Deiner Führung, deiner Güte, dankt noch einst mein froh Gemůthe, Freudenthrånen fließen dir, hilfft dit, treuer Helfer mir. 5. Meine Zunge wird erwachen, hilfft du, Mächtiger, mir Schwachen, rühmen will ich aller Welt, Gott ist's, der mich führt und hält. Bis zum hohen Himmel reichet deine Güte, der nichts gleichet! Ueber Mond und Sterne geht deiner Allmacht Majestät. 6. Beige, Gott des Himmels, zeige, wenn ich rede, wenn ich schweige, zeige mir und aller Welt, du hilfft dem, der's mit dir hält. L. - 9. Maj. 130. Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch. Joh. 14, 18. Ich gehe bin. aber ich komme wieder zu euch; hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe. Joh. 14, 28. Welche heilige, herrliche Verheißungen hat uns der 209 Heiland zurückgelassen! Wie zärtlich, freundlich, tröstlich spricht er seinen Kindern zu, indem er von der Entfernung seiner sichtbaren Gegenwart redet! Selig ist das gläubige Herz, welches den Heiland beim Worte nimmt, und sich mit der unsichtbaren Gegenwart und Nähe des selben so erfreut und tröstet, sich so daran hålt, als sähe es ihn. Sollte er sich einem solchen kindlichen Gemůthe entziehen, sein theures Wort nicht halten, er, der allzeit hocherfreut war, wenn er nur ein Senfkörnlein Glauben an sein Wort erblickt hat? Sollte er sich nur gefreut haben, wenn die Leute zeitliche Hülfe, Heilungen ihrer kranken Leibesglieder von ihm in Glauben nahmen? Soll er nicht vielmehr himmlische Freude haben, wenn wir nicht nur seine Gaben, sondern Ihn im Glauben- erfassen, wenn wir ihn bey dem Worte nehmen: Ich komme zu euch, ich lasse euch nicht Waisen?-wenn wir diese Verheißung nicht nur für Worte, sondern für Wahrheit halten und bewahren. Wer so sein Wort hält, hat ihn, ihn selbst. Mel. 106. fall' auf die Gemeine. Oder: Freu dich sehr, o. m. S. 1. Hier auf Erden muß ich leiden, und bin oft voll Angst und Weh. Warum willst du von mir scheiden? warum fährst du in die Höh'? Nimm mich Urmen auch mit dir, oder bleibe doch bey mir, daß ich dich und deine Gaben täglich möge bey mir haben! 2. Laß dein Herze mir zurücke, und nimm meines mit hinauf! Wenn ich Seufzer zu dir schicke, mache mir den Himmel auf! Und wenn ich nicht beten kann, rede du den Vater an; denn du sig'st zu seiner Rechten, darum hilf uns, deinen Knechten! 3. 3euch die Sinnen von der Erde über alles Eitle hin, daß ich mit dir himmlisch werde, ob ich gleich noch sterblich bin; und im Glauben meine Zeit richte nach der Ewigkeit, bis auch wir zu dir gelangen, wie du bist vorangegangen. 4. Dir ist alles übergeben; nimm dich auch der Deinen an! Hilf mir, daß ich chriftlich leben, und dir heilig dienen kann! Kommt der Satan wider mich, o so wirf ihn unter dich, zu dem Schemel deiner Füße, daß er ewig schweigen müsse. 5. Sey bey mir stets gegenwärtig, wenn ich gehe ein und D 210 aus! Mache meine Wohnung fertig droben in des Vaters Haus! Bringe mich zu deiner Ruh! Du bist selbst der Weg dazu. Und nimm an dem letzten Ende meinen Geist in deine Hände! 6. Komm auch, wann es Zeit ist, wieder, denn du hast es zugesagt, und erlöse deine Glieder, die es so empfindlich nagt, wenn die frevelhafte Welt, Herr, dein Wort für Lügen hält. Und nach ausgestandnen Leiden, führ' uns ein zu deinen Freuden! G. Arnold. 10. Maij. 131. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; ich gehe hin, für euch eine Stätte zu be reiten. Ich werde wieder kommen, und euch zu mir nehmen, damit ihr auch seyd, wo ich bin. Joh. 14, 2. 3. O Wort des Trostes für alle Leidende und Troftlose auf Erden; wer dich im Glauben auffaßt, muß sich im Leiden freuen, und in der trostlosesten Lage doch getröstet, in Unzufriedenheit zufrieden seyn. So kann nur Gottes Sohn, der Sohn der ewigen Liebe trösten. Solche Verheißungen fürs ewige Leben, wer kann sie uns geben? wer erfüllen? Darum sollst du ja allein unser ganzes Herz haben, du Stättebereiter, du Baumeister himmlischer Wohnungen, du Bote des Vaters, der uns selbst abholen und einführen wird in seine krystallnen, diamantnen Pallåste. Wenn das arme, schwache Herz denkt: Wo du bist, soll ich auch seyn! und wie du bist, so herrlich, so selig, so erhaben! soll auch ich werden. Wenn das Herz dieses Wort in seinem ganzen Umfange, in seiner Höhe und Tiefe erfaßt, so vergeht es fast vor seliger, herrlicher Hoffnung. Warum willst du uns denn bey dir, so nahe, und ewig bey dir haben? Was gefällt dir an uns so sehr? Was machen wir dir für Freude? Werden wir deine Scligkeit erhöhen? Ja, wir werden deiner Lie 211 be ein Gegenstand seyn, an dem sie sich satt lieben kann; denn kein Geschöpf bedarf so sehr deiner Liebe und Huld, als wir arme, schwache Sünder.- Wer kann den Him mel ansehen, ohne an dich, und an deine himmlische Verheißung zu denken? ohne sich dieser Verheißung mit Entzücken zu freuen?! Himmel, du våterliches Haus! du Heimath der Jünger Jesu! wie schön bist du, wenn dich Jesu Worte uns verklåren! wenn wir an die Wohnungen denken, die seine Hand für uns in dir bereitet! Wer kann sich in dieser Hinsicht satt an dir sehen- auch nur von außen? Wie muß es drinnen seyn!? Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. Oder: Erquicke mich, oheil. 1. Wie trostvoll blick' ich von der Erde zu dir, o Herr, gen Himmel auf, wo ich einst frey von Fesseln werde; denn du fuhrst ja doch nur hinauf, um mir die Ståtte zu bereiten, und unverdiente Seligkeiten! 2. Wie reich belohnt die Müh' des Strebens! Wie eitel ist der Erde Pracht! Wie schon die Hoffnung jenes Lebens! Wie lichthell wird des Todes Nacht! Dank dir, Erbarmer deiner Brüder! du kommst und holst zu dir uns wieder! 3. Wenn sich mein Geist zu dir geschwungen, schau' ich in hellerm, reinerm Licht dich unter Engels Huldigungen von Ungesicht zu Angesicht! Mir fehlen Worte, auszudrücken, wie hoch die Hoffnungen beglücken! 4. Doch auch im Schweigen siehst du Liebe! Mein Leben sey dir ein Gesang! Boll von des Dankes reinstem Triebe hörst du im Lallen seinen Dank. O nimm mich an, ich weih' aufs neue mich dir, gieb mir nur Kraft und Treue! 11. maij. 132. Da wir denn nun, lieben Brüder, die Freudigkeit haben zum Eingang in das Zeilige durch das Blut Christi, welchen er uns zubereitet hat zum neuen und lebendigen Wege, durch den Vorhang, das ist, durch sein Fleisch; und haben einen Sohenpriester über das aus O2 Gottes, so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben u. s. w. Sebr. 10, 19-22. Vergl. ebr. 6, 19. 20. Ja, wer mit dem Blute Christi besprenget ist, darf nun mit Freudigkeit, das ist, mit froher, kindlicher Zuversicht in das Allerheiligste, in Gottes Gemeinschaft im Geiste schon hier, und einst in den Himmel eingehen; dazu steht uns ein neuer, lebendiger Weg offen, den uns Christus durch sein Leiden, Sterben, Auferstehen und Himmelfahren geöffnet hat. Er hat den Weg gebahnt, er ist als Vorgänger vor uns eingegangen, und hat uns Weg und Thüre nicht nur offen gelassen, sondern er will uns selbst Weg und Thüre seyn; will uns nach sich ziehen an dem dreifachen und haltbaren Seile der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung. Wenn wir uns dar an fest halten, und das Seil nicht aus den Händen las fen, wird er uns unfehlbar nach sich ziehen auf dem neuen, lebendigen Wege. Wie schön drückt sich Paulus aus, da er den Weg lebendig nennt.- Warum doch? Ift nicht Christus selbst der Weg? Joh. 14, 6. Ist der nicht lebendig? nicht der Weg und das Leben und die Wahrheit? ist er nicht auch neu? Wo ist vor ihm und nach ihm ein Weg zum Himmel, zum Vater zu finden? Freund, verlaß die alten Wege der Welt und Sünde, und wähle dir diesen neuen, lebendigen Weg. Wie gut wandelt sichs auf einem neuen- und wie leicht auf einem lebendigen Wege, der dar-. um lebendig heißt, weil er die Wanderer selbst belebt, stårkt, wenn sie fallen, ihnen wieder aufhilft; wenn sie můde sind; ihnen neue Kräfte giebt, wenn sie abweithen oder irre gehen, sie wieder einlenket und zurückführt der Alles allen ist, die auf ihm wandeln. Welch ein Weg! Wo ist ein Weg, wie dieser Weg? Und so wenige wandeln auf ihm!!! - 212 - . 213 mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut. 1. Herr Jesu, deiner Glieder Rubm, bu starkes Haupt der Schwachen! Du hast ein ewig Priesterthum, kannst allzeit ſelig machen. Du bist's, der das Gebet erhört, und der des Glaubens Wunsch gewährt, sobald wir zu dir kommen. 2. Du läss'st uns durch die Himmelfahrt den Himmel offen stehen; du hast den Weg geoffenbart, wie wir zum Himmel gehen. Der Glaube weiß und hofft gewiß, du habest uns im Paradies die Ståtte zubereitet. 3. Du gingst ins Heiligste hinein, mit Blut aus deinen Wunden, und hast ein ewiges Befrein, Berherrlichter, erfunden. Du haft allein durch deine Macht uns die Gerechtigkeit gebracht, die unaufhörlich währet. 4. Zeuch uns dir nach, so laufen wir; laß uns ein himmlisch Wesen, in Worten, Werken und Begier, von jehund an erlesen. Beuch unser Herz dem Himmel zu, laß uns den Wandel, Schak und Ruh nur in dem Himmel haben! 5. Was droben ist, laß künftighin uns unablässig suchen; was drunten ist, das laß uns fliehn, laß uns die Sünd' verfluchen. Weg, Welt! dein Trost und Lust und Schein ist viel zu elend, viel zu klein für himmlische Gemüther. 6. Kleinod, das im Himmel strahlt, ich will nach dir nur laufen! O Perle, die die Welt nicht zahlt, ich will dich hier noch kaufen. Erbtheil voll Zufriedenheit! O Himmel voller Seligkeit! sey mein aus Jesus Gnaden! 133. Himmelfahrt Christi. 12. Majj. Gott fährt auf mit Jauchzen, und der Herr mit hellen Posaunen. Pf. 47, 6. Er ist in die Zöhe gefahren, und hat die Gefangenschaft gefangen geführt, und den Menschen Gaben gegeben. Der herunter gefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle immel, auf daß er alles erfüllete. Eph. 4, 8. 10. Er hat uns mit versetzt ins Zimmlische durch Christum. Eph. 2, 6. 214 Die Himmelfahrt Jesu erfüllte alles Himmel und Erde mit großer Freude. Sie ist der Triumph über alle Feinde, denn er ist als das Haupt der Menschheit über alle Himmel aufgefahren; wo aber das Haupt ist, da müssen ja die Glieder auch seyn. Er wird sie alle nach sich ziehen. Das Haupt hat gesiegt, und sich durchgeschlagen; unmöglich können die Glieder zurückbleiben. Er hat die Gefangenschaft, in der wir von der Sünde und dem Teufel gefangen waren, gefangen geführt, d. h. alles, was dem Menschen Fesseln anlegte, feinen Lauf hemmte, ihn von Gott zurückhielt, hat Jesus überwunden und gefangen nehmen müssen durch sein Leiden und Sterben. Er hat den, der uns alle gefangen hielt, er hat, den Kerkermeister gefangen und ins Gefängniß geworfen. Sißt der Kerkermeister gefangen, so sind die Gefangenen frey. Er hat uns aber nicht nur von Fesseln und Gefängniß frey gemacht, nicht nur Vergebung der Sünden zuwege gebracht; sondern auch Gaben gegeben, Gaben des heiligen Geistes, daß wir uns nicht wiederum fangen lassen, sondern die Welt, den Satan und die bösen Lüste, die uns immer wieder gefangen nehmen wollen, überwinden können. Er hat uns Kraft und Flügel erworben und geschenket, daß wir uns zu ihm ins Himmlische erschwingen, uns von dem Sichtbaren ins Unsichtbare, in sein Reich, in seine Nähe, in den Himmel versetzen können. Mel. 100. Kommt Brüder, laßt uns gehen. Oder: Von Gott will ich nicht lassen. 1. Gott fåhret auf gen Himmel mit frohem Jubelschall! O schaut ihm nach gen Himmel, ihr, seine Kinder, all'! Lobfingt, lobfinget Gott! Lobsinget ihm mit Freuden! Ein Ende hat sein Leiden, ein Ende unsre Noth. 2. Der Herr wird aufgenommen. Der Himmel freuet sich. Es freun sich alle Frommen mit ihm herzinniglich. Es holen Jesum ein die reinen Cherubinen, die hellen Seraphinen; er muß willkommen seyn. 3. Wir wissen nun die Stiege, die unser Haupt erhöht, wir 215 wissen zur Genüge, wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, kann uns nicht nach sich lassen, er zeiget uns die Straßen, er bricht uns sichre Bahn. 4. Wir sollen himmlisch werden; der Heiland macht uns Plaß, wir schwingen von der Erde uns hin, wo unser Schatz. Ihr Herzen! schwingt euch auf! wo Jesus hingegangen, dahin geh' eu'r Verlangen, dahin ziel' euer Lauf! 5. Ach, wann wird es geschehen? wann kommt die liebe Zeit? wann werden wir ihn sehen in seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du seyn, daß wir den Heiland grüßen, daß wir den Heiland küssen? Komm, brich doch bald herein! * W. Sacer. 13. maij. 134. Er führte sie hinaus nach Bethanien. Da hob er seine Hände auf, und segnete sie. Und es geschah, indem er sie segnete, schied er von ihnen, und ward in den Himmel aufgenommen. Luk. 24, 50. 51. Zum letzten Male wandelte der Menschen- Sohn mit seinen Jüngern auf Erden- und zwar, nach seinem geliebten Bethanien. Da, war es bestimmt, da sollte er diese Erde sichtbar verlassen, um ihr unsichtbar recht nahe seyn zu können. Zum letzten Male hob er seine heiligen Hånde, ach! die durchbohrten, auf über seine Jünger, sie zu segnen. Glückliche Jünger, die ihr diese segnenden Hände über euch erblickt habt mit euren Augen!---- Welch ein Segen muß das gewesen seyn! Sollte er aber nur euch, nicht auch allen Gläubigen künftiger Jahrhunderte gegolten haben? wie dort seine heilige Fürbitte, Joh. 17, 20. O gewiß! Ich stelle mich einmal gerade so hin unter deine Jünger, o Herr! als sähe ich dich, deine durchbohrten Hände über. mich aufheben, als ståndest du noch heute da vor meinen Augen, und ergésfest deine himmlischen Segnungen über mich und uns alle, die wir deinen Namen 216 lieben und auf dich und deine Gnade hoffen. Und ich weiß gewiß, du segnest jedesmal, jetzt noch, wenn man lebendig an dich glaubt, nicht weniger als dort, da man dich sah. Denn segnen ist deine Lust, und du bist uns dazu gesendet vom Vater, uns zu segnen. UpG. 3, 26. Segnend gingst du von der Erde zum Himmel; segnend blickst du gewiß immer herab auf uns, so oft wir glaubig, flehend, sehnsuchtsvoll zu dir aufblicken. Mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut. 1. O schöner Tag! o Tag voll Pracht! welch herrliches Entzücken, da du das große Werk vollbracht, entströmte deinen Blikken! Da Gottes Wolken- Wagen kam, dich im Triumph der Welt entnahm, die du vom Fluch befreitest. 2. Noch sprachst du Segen deiner Schaar, und Segen kam hernieder, auf sie, die da versammelt war, auf alle deine Glieder. Sie beteten im Staub dich an, da sie dich auf der Wolke sahn, gekreuzigter Verklärter! 3. Mit heißen Freudenthrånen sehn wir, Herr, der Herrlichs keiten, dich hin in deinen Himmel gehn, uns Wohnung zu bereiten! Denn dort bey deinem Vater bist Fürsprecher uns, o Jesus Chrift: auch dort noch unser Bruder! 4. Dort, dort ist unser Vaterland, du håltst die Pforten offen! Dorthin führt, Herr, uns deine Hand! wie viel ist da zu hoffen? Zwar Majestät und Himmelsglanz umgiebt dich dort, o Jesus, ganz, doch schaust du auf uns nieder! 5. Du kennst uns; möcht' auf dich allein in Freude und in Schmerzen, stets unser Sinn gerichtet seyn! Auf! auf! zu ihm, ihr Herzen! Dahin gestrebt, wo Jesus Christ, wo euer Haupt und König ist, das Heil der Emigkeiten! 14. Jaj. 135. Christus ist in den Zimmel eingegangen, um vor Gottes Angesicht für uns zu erscheinen. Gebr. 9, 24. Daher kann er auch selig machen immerdar,( alle) die durch ihn zu Gott nahen, da er immer lebet, und bittet für uns. Gebr. 7, 25. Wir haben einen Sürsprecher beim Va 217 ter, Jesum Christum, den Gerechten. 1 Joh. 2, 1. Wie erfreulich und tröstlich! Nicht verlassen hat er uns, nicht entzogen hat er sich uns durch seinen Hingang zum Vater; sondern für uns, um unsertwillen ging er hin, für uns, um unsertwillen ist er dort. Wir haben einen Verklåger dort, einen Feind, der Tag und Nacht gegen uns spricht, alle unsre Versehen und Uebertretungen im schwärzesten Lichte darstellt, und Gottes Gerechtigkeit und Rache über uns herausfordert. Offenb. 12, 10. Der dabey uns auch noch verleumdet. Hiob 1, 9. 3ach. 3, 1. Wie gut ist es daher, daß wir auch einen Freund, einen Advokaten oder Fürsprecher dort haben, und zwar einen solchen, vor dem all unsre Feinde und Anklåger verstummen müssen, weil er sie alle besiegt hat. Darum sagt er: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Ja wohl gut, o Herr, daß wir dich dort und doch auch hier haben! Wenn wir im Gebete zu Gott nahen, soll uns ja nie entgehen, daß schon Einer für uns vor Gottes Angesicht steht, der immer lebet, nie schläft, nie schlummert, immer für uns bittet, immer selig machen kann, und will alle, die sich zu Gott nahen. Herzen erhebender Gedanke! verlaß mich nie! Der Herr kann selig machen immerdar! Der Herr bittet immer für mich! Der Herr hebt seine durchbohrten. Hånde auf für mich vor dem Throne des Vaters! Der Herr ist nur für dich dort, um mich zu vertreten. Mel. 118. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. Oder: Ich habe mich ihm. 1. Ich seh' empor, zu dir, Vertreter, dich bet' ich still mit Thränen an! Ich weiß, daß auch ein schwacher Beter im Staube dir gefallen kann. Dir fallen zwar die Himmel nieder, doch hunderttausend Jubellieder verdrängen nicht mein schwaches Lied! Bon meinen aufgehobnen Händen wirst du nicht weg dein Auge wenden, du siehst den Dank, der in mir glüht. 2. Gieb meinem Glauben Muth und Leben, sich über Erde 218 Welt und Zeit in starken Schwingen zu erheben zu dir und deiner Herrlichkeit! O du, der mich vom Tod errettet, von Erd' und Himmel angebetet, durch den sich Gott mit uns vereint; du bist, um mir, um uns zu dienen, vor Gottes Ungeficht erschienen, du bist mein Bruder, bist mein Freund! 3. wie mich der Gedank' entzücket, wie selig werd' ich, wenn mein Geist zu Gottes Ungesicht hinblicket, wo du für uns zu seyn verheißt! Ganz, ganz möcht' ich in Dank zergehen, in Sehnsucht, Jesus, dich zu sehen von Angesicht zu Angesicht! Dich, der auch dort für uns nur lebet, für uns nur seine Hånd' aufhebet, uns Gnade sendet, Heil und Licht! 15. Maij. 136. Und er ward vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke entrückte ihn ihren Blicken. ApG. 1, 9. Und er fuhr auf gen Zimmel. Sie aber beteten ihn an. Luk. 24, 51. 52. Die Jünger sahen ihn am Kreuze blutend, sterbend sein Haupt neigen, begraben werden und sein Grab versiegeln. Da war ihr Glaube wohl auch ganz begraben, und wie schwer würde es ihnen geworden seyn, zu glauben, wenn auch ein Engel zu ihnen damals gesayt hätte, dieser Jesus im Grabe, an dem keine Spur eines Lebens mehr ist, wird vor euren Augen, auf den Wolken gen Himmel fahren. Und sieh, das geschah doch, so schwer es zu glauben war. So klein und schwach damals der Glaube der Jünger Jesu war, so groß war nachher ihre Freude und Anbetung, als sie sahen, mit Augen sahen das schwer zu Glaubende. So ist es mit allen Verheißungen Gottes, so mit uns selbst; wir, die wir jetzt im Staube wandeln, sollen glauben, daß wir einst leuchten werden wie die Sterne, daß wir ihn sehen, wie er ist, und ihm gleich seyn werden. So unglaublich dies scheint, so wird es dennoch erfüllt werden. Was der Herr zusagt, das hålt er gewiß, und mehr noch. Alles * - 219 wird geschehen, und unsre kühnste Erwartung weit übertreffen. Wir werden beschämt dastehen, wie die Junger, aber uns doch freuen, daß der Herr größer ist, und treuer, und wahrhaftiger, als ihn unser schwacher Glaube sich denken konnte. Wie klein war Jesus in der Krippe, wie arm, wie gering! Hernach am Kreuze, wie zerschlagen! wie verachtet! wie verworfen! wie ohnmächtig! wie erniedriget! und bald darnach am Auffahrtstage, wie groß! wie herrlich! wie måchtig! wie über Alles erhaben!- Da beteten die Jünger an; das glaub' ich, da hätte ich's auch gethan. Aber im Stalle? am Kreuze? wo alles ihm fluchte, wo alle låsterten? Mel. 88. Jesu, hilf siegen. 1. Sünde, Tod, Teufel und höllische Macht ist überwunden, zu Boden gelegt, unser Immanuel hat es vollbracht. Seht, wie er die siegende Fahne bewegt! Gott ist versöhnet, der Hims mel erbeutet, Gnade und Friede, ja Alles bereitet. 2. ,, Da, da, er liegt, und wird nimmer aufstehen;" rief dort beim Kreuze die wüthende Rott'; ,, was er gewirket, wird nun ,, untergehen, seht ihn verbluten mit Schande und Spott!"Schweiget, ihr Feinde, ihr irret, ihr lüget! Jesus, der Sterbende, lebet und sieget. 3. Traurige werden vollkommen erquickt, nun wird vor Freude ihr Innerstes reg', was sie vorhero zu Boden gedrückt, fällt ihnen alles vom Herzen hinweg. Jesu! dein Leben, dein lieblich Erscheinen läßt sie nicht langer mehr trauern und weinen. 4. Sehet, da stehn sie, und schauen mit an, was dem erhabenen Mittler geschicht. Jeder frohlocket: der Herr hats gethan. Herzen und Augen sind auf Ihn gericht't, wie er sich sichtbar und siegreich aufschwinget, wie er mit Jubel die Himmel durchdringet. 5. So ist ja Gottes Hand noch nicht verkürzt, sie ist erhöhet, sie herrschet, sie siegt; Feindes Heer sieht sich geschlagen, gestürzt, vor dem allmächtigen Sieger es liegt. So ist's dem Löwen aus Juda gelungen. So sind die Pforten der Hölle bezwungen. 6. Menschen! kommt alle, kommt eilend herzu! Auch ihr, Abtrünnige, macht euch herbey! Hier ist die Quelle, hier findet ihr Ruh! holet euch Gaben! o trinket nur frey! Darum ift. 220 dieser Heilbrunnen gegraben, Herzen, erstorbene Herzen zu laben. 16. Majj. 137. Er ist in die Höhe gefahren, und hat Gaben empfangen für die Menschen, auch für die Abtrünnigen. Pf. 68, 19. Gelobt fey Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns ge fegnet hat mit allem geistigen Segen und himmlischen Gütern durch Christum. Eph. 1, 3. Er ist aufgefahren zum Vater, um in Empfang zu nehmen, was er sich durch Leiden und Sterben, durch seinen Gehorsam bis zum Tode am Kreuze verdienet hat; aber nicht nur, um sich mit Ehre und Herrlichkeit krdnen zu lassen, sondern vorzüglich, um die Gaben und Gnaden, die Segnungen und Güter des Himmels, die er der Erde, den Menschen erworben hat in Empfang zu nehmen, und auszugießen über die Erlöften. Er ging nicht in den Himmel ein, um da auszuruhen von seiner Mühe und Arbeit, viel weniger, um sich zu rächen an den gottlosen Menschen, die ihn auf Erden schmähten und kreuzigten; sondern sie mit Gnaden und Wohlthaten zu überschütten und an sich zu ziehen zu ihrer Seligkeit. Seine Herrlichkeit und Ehre, die er auf Gottes Throne genießt, ist, so groß und unermeßlich sie ist, doch nicht zu groß für ihn, daß er nicht mehr herabsehen könnte auf uns Würmer im Staube. Nein, er bleibt in ewiger Verbindung mit den Seinen auf Erden; er reicht uns seine Hand, voll Gaben und Gnaden, bis vom hohen Himmel herab, und erfüllt ans mit Segen und Heil, so oft wir Herz und Hände zu ihm erheben. Er reicht uns seine Hände herab in unsre Tiefe, um uns aus dem Schlamme der Erde hinaufzuziehen in sein Lichtreich. Er ruht nicht, bis wir alle bey ihm sind, und bis wir alle 221 die Gaben, die er für uns- fürs künftige Leben, wie für dieses erworben hat, in Besitz nehmen, und genießen werden. Wir sollen Alles haben, was er hat. So segnet uns der Vater durch den Sohn. — Mel. 22. Die Seele Christi heilge mich. Oder: Es kam die gnadenvolle Nacht. 1. O du, der Menschen Bruder, du, du strahlst uns Licht und Freude zu! Du theilst in deines Vaters Haus die Freuden Gottes alle aus. Ach, welche Menschen- Seele faßt, was du für uns erduldet haft? Ach, welche Engel- Sprache nennt die Liebe, die nicht Grenzen fennt? 2. O du, einst Mensch, wie wir, und todt- du aller Menschen Herr und Gott! O du, der einst am Kreuze hing! Die Erde, die dein Blut empfing, kennst du sie noch? O GottesLamm, in dieser Tiefe, diesem Schlamm, wo heiße Thránen du geweint, hier weinen wir noch, Menschenfreund! 3. Und klimmen deinem Pfade nach! erleucht' uns, Sonne! wir sind schwach! Allmächtig, fern und nah, bist du! o strom' uns Licht und Gnade zu! S Glaube, Hoffnung, Liebe viel! halt uns, und führ' uns fort zum Ziel herauf vom Staub zu deinen Höhn, wo wir dich, dich, Geglaubter, sehn! - 4. Wo du, nur du, o Jesus Christ, uns Freund, und Welt, und Himmel bist!- O Seligkeit, o Seligkeit des Herzens, das sich deiner freut, das deiner Liebe Kraft erfährt, empfängt von dir, was es begehrt! und nichts begehrt, als dein zu seyn, J. C. L. daß dein sich alle Menschen freun! 138. 17. maij. Der Herr Jesus aber sizzet nun zur Rechten Gottes. Mart. 16, 19. Wer will verdammen: Christus- ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Rom. 8, 34. Wir haben einen solchen Sohenpriester, der da fizet zur Rechten auf dem Stuhle der Majestät im Zimmel. Zebr. 8, 1. Den hat Gott erhöher zu einem Sürsten und Zeiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden. ApG. 5, 31. - 222 Stephanus sah ihn dort sizen, Ap.7, 55. und wer sich im Geiste zu ihm erhebt, und ihn herzlich, gläubig anfleht, wird es erfahren, daß seine rechte Hand gewaltiglich hilft, Pf. 20, 7. daß seine Rechte voller Gerechtigkeit ist, Pf. 48, 11. daß seine rechte Hand alles åndern kann, Pf. 77, 11. daß seine Hand stark, und hoch seine Rechte ist, Pf. 89, 14. Was es heiße, zur rechten Hand Gottes sißen, hat uns der Heiland selbst erklärt, indem er sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Er regiert, ist König aller Könige, Herr aller Herren, der Allgewaltige- und dennoch unser Freund, unser Bruder, unser Fürsprecher, unser Hoherpriester, unser Heiland, der sich des Geringsten so annimmt, als wäre er der Größte. Er trågt alle als Hoherpriester auf seinem Herzen, nicht nur im Brustschildlein, wie Naron die Kinder Israel, sondern in sein Herz und in seine Hände gegraben. Mit eben so viel Gewalt und Macht, als Liebe und Freundlichkeit herrscht er über alles, gedenkt er aller, die an ihn glauben und auf ihn trauen. Kein Menschenherz kann es fassen, welche Seligkeit, welche Gnade darin liegt, daß Jesus, Mensch wie wir, unser Blutsverwandter, und Gott über alles, erhöht zur Rechten der Majestät Gottes, unser Fürst und unser Heiland ist; der seine Macht und Grödße nicht gebraucht, zu verderben und zu zerstören, sondern Buße und Vergebung der Sünde zu schenken denen, die ihn darum bitten. Mel. 38. Noch wallen wir im Thränenthal. Oder: Kommt her zu mir. 1. Zur Rechten Gottes sitzest du, in unausdenklich süßer Ruh, im Meere deiner Freuden. Dich beten alle Himmel an, der Erdkreis ist dir unterthan, als Lohn für deine Leiden! 2. Wie herrlich bist du, Herr, mein Heil, ich hab' an deiner Klarheit Theil, für mich fuhrst du gen Himmel. Du, Hoherpriester, gehst mit Ruhm für mich auch in dein Heiligthum! dir folg' ich in den Himmel! 223 3. Du, dessen Wort die ganze Welt allmächtig rief, allmächtig hält, bist dort auch unser Leben! So lang' ich wall' im Staube hier, soll sich mein ganzes Herz zu dir, vom Staub' empor erheben! 4. Entreiß durch deines Geistes Kraft, die alles allenthalben schafft, mein Herz dem Land der Erde. Gieb Buße mir durch deine Huld, und die Bergebung aller Schuld, daß ich gerettet werde! 5. Ja du, du schaust auf mich herab, du, der dahin für mich sich gab; laß das mich stets ermesser! Du kannst, obgleich du Jesus Christ im Himmel aller Himmel bist, doch meiner nicht vergessen! J. C. L. 18. Maij. 139. Wenn ihr nun mit Christo auferstanden seyd, so suchet, was droben ist, wo Christus ist, der zur Rechten Gottes sigt; was droben ist, habet im Sinn, nicht was auf Erden ist. Rol. 3, 1. 2. Wer da glaubt, daß Christus für ihn in den Himmel gefahren ist, und dort für ihn zur Rechten Gottes sige, ihn vertrete, für ihn bitte, und seiner gedenke, der beweise seinen Glauben durch einen himmlischen Sinn, durch einen Wandel im Himmel. Wo dein Schatz ist, da sey dein Herz. Ist Christus zur Rechten Gottes dein Schat und ewiges Erbe, so sey und wandle auch dein Herz mehr dort bey ihm, als hier auf Erden, wo deine Füße wandeln. So lange du aber noch immer mehr das Irdische als das Himmlische suchst, mehr nach vergånglichen als nach ewigen Dingen trachtest; oder gar mit ganzem Herzen an der Ehre und dem Ansehen der Menschen hångst, die Lust und Freude des Fleisches für deinen Himmel hältst, so lange betrügst du dich selbst, und Wahn ist dein Glaube an Christum! Der lebendige Glaube an den zur Rechten Gottes Erhöhten läßt uns nicht an der niedrigen Erde hången, sondern erhebt uns 224 zu dem, an den wir glauben. Ist Christus im Himmel dein Haupt und Heiland, so mußt du, als sein Glied, auch bey ihm seyn. Bist du mit Leib und Seele ganz nur hier unten auf Erden, so ist das Glied weit vom Haupte getrennt; wie kann ein getrenntes Glied die wehlthätigen Einflüsse des Hauptes genießen. Du kannst nicht an ihn glauben, nicht an ihm hangen, ohne ihm im Geiste nahe, ohne bey ihm zu seyn, ohne dich zu ihm zu erheben. Ja, das Herz eines wahren Christen ist hier nicht zu Hause, ist bey seinem Heilande im Himmel. Mel. 93. Sey Lob und Ehr. Oder: Was hilft es mir, ein Christ. 1. Ist unser Schatz im Himmelreich, wie die Apostel schreiben, so muß das Herz mit ihm zugleich auch in dem Himmel bleiben. 3og unser Haupt in Himmel ein, wie könnten wir ihm ferne seyn! wie ohne ihn hier leben! 2. Herr Jesu, zieh uns all' zu dir, daß wir mit den Gemüs thern nur oben wohnen für und für, in deinen Himmelsgůs tern! Sieh uns ins Heiligthum hinein, laß unsern Sinn und Wandel seyn, wo du regierst und thronest! 3. O suche, Herz, doch nicht dein Heil in diesem armen Les ben. Sieh, dort will Jesus deinen Theil dir mit den Engeln geben. Drum suche nur, was droben ist, auf Erden ist nur Trug und List, da findst du keine Ruhe. 4. 3ich, Jesu, uns, so laufen wir, gieb uns der Liebe Flüs gel! so fliegen wir hinauf zu dir, auf deine Sternenhügel. Mein Geist schau immer freudenvoll dir nach, wie er dir folgen soll in jenes Lebens Freuden! 5. Dies ist die Fahrt, dies ist der Weg, den Vater bald zu finden; dies ist auch der geheime Steg, wo wir entgehn den Sünden. So zieh denn unser Herz hinauf, bis wir hier enden unsern Lauf, bis wir dein Untlik schauen. 19. Majj. 140. Ich will euch ein neu erz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne 225 Herz aus eurem Sleische wegnehmen, und euch ein fleischern Herz geben. Ezech. 11, 19. 36, 26. Wenn es fehlt bey einem Menschen,( und bey welchem fehlt es nicht?) so fehlt es am Herzen. Das Herz des Menschen, oder sein Dichten und Trachten ist böse von Jugend auf. Es ist für alles Böse empfänglich, weich, um alle böse Eindrücke blitzschnell aufzunehmen; nur für Gott und göttliche Dinge gewöhnlich hart wie Stein und ohne Gefühl. Wer kann diese Härte erweichen? diesen Stein zermalmen? Der Herr hat es verheißen, er ist treu, er wird's auch thun. Trage du dein Herz nur fleißig zu ihm, setze dich den Strahlen seines erwärmenden und erweichenden Feuers der Liebe recht aus, in herzlichem, innigem Gebete, so wird, so muß sich dein Herz ändern. Alle Dinge åndern sich, wenn sie dem Feuer nahe kommen, sie schmelzen, erweichen oder verhärten, werden geläutert, gereinigt, verschönert oder verzehrt. Der Herr ist ein verzehrendes Feuer; versenkest du dich in ihm, wie der Goldschmidt das Gold in das Feuer hält, so muß, was hart ist, weich, was unrein, rein, was böse ist, verzehrt werden. Kein Mensch kann sich entschuldigen mit seinem schwachen oder harten Hers zen, das er von Natur bekommen hat, seitdem der Herr so deutlich und bestimmt versprochen hat, uns ein neues Herz und einen neuen Geist zu geben, das steinerne Herz wegzunehmen und uns ein fleischernes, weiches, für seine Eindrücke und Einwirkungem empfängliches Herz zu geben. Er giebt gewiß, wenn du dir geben laßt, er nimmt gewiß das alles hinweg, wenn du es nehmen läßt. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. Oder: Erquicke mich, du Heil. 1. Du Geist des Lebens! deine Fülle ergieße sich in meinen Geist, und lehre mich in heilger Stille, wie man dich kennt und würdig preist! O komm und nah' dich mir von innen, mit Licht erfülle meine Sinnen! D 226 2. Dein Feuer läuft durch alle Lande, du bist ein allgemeis ner Geist, dein Blitz zerschlägt die starken Bande, die Satan um die Menschen schleußt; dein Licht strahlt durch die Finsternissen, du bist ein Richter der Gewissen. 3. Wie göttlich wirkst du, Geist der Wahrheit, dein Wort voll Kraft und Majestát! Es rührt mit ewig heller Klarheit, ein Schwert, das durch die Seele geht. Das Wort von Kraft des Geistes sausend, bekehrte einst viel Tausend Tausend. 4. So wirkst du noch, du schmelzest Herzen, die geistlich todt, gefühllos sind; du wirkest seelenbange Schmerzen bey dem, der deinen Zug empfindt. Nur du erweckst ein höher Sehnen, das Auge fließt von herben Thränen. 5. Doch Seelen, die mit Noth beladen, um einen Heiland fehnlich flehn, eröffnest du den Thron der Gnaden, und läss'st sie ihren Mittler sehn. Hier wandelt sich ein ångstlich Sehnen in einen Guß von Freudenthränen. 6. Dir opfern sich all meine Triebe, die du mit deiner Kraft erfüllst, so wie du, Quell der reinsten Liebe! in aufgethane Seelen quillst; dein Feuer wallt und brennt auf Erden, dein Altar sollen Herzen werden. 7. Dein Wind soll stets ihr Feuer mehren, von deiner reinen Gluth entflammt; soll alle fremde Gluth verzehren, die nicht aus deiner Quelle stammt. Kein wildes Feu'r soll mich beleben. Ich will ein reines Opfer weben. 1131053 141. idman Spor degilm 20. Jan. nada Die Menschen wollen sich von meinem Geiste nicht strafen lassen, denn sie sind Sleisch. 1 Mos. 6, 3. Dein guter Geist führe mich auf ebener Babn. Pf. 143, 10. Jhr aber seyd nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnet. Rom. 8, 9. furt Der Geist Gottes arbeitet demnach an allen Menschen, auch an den gottlosesten, wie an der ersten Welt, mit der er sich so lange bemühte, sie durch innere und äußere Zucht und Strafe wieder zurechte zu bringen suchte, bis sie ihm ganz und gar widerstanden und kein Gehör mehr gaben. Aber dann vertilgte er sie auch alle 227 durch die Fluth. Wenn nun der Mensch Gottes Geist nicht mehr hört, so wird er ganz, Fleisch, wird ThierMensch. Welche Gnade ist es daher, daß sich der heilige, reine Geist Gottes mit den gefallenen Menschen so einlassen mag. Und wenn er sogar nicht aufhört, die bösen Menschen zu strafen und zu züchtigen, um sie zu retten; was wird er denen thun, die um ihn weinen, seufzen, und Tag und Nacht flehen? Mit welcher Freude wird er in ihnen wirken? mit welcher Geduld und Liebe sie tragen und führen? Prüfe dich nun, ob du geistlich oder fleischlich bist, ob Gottes Geist nicht nur an dir arbeite, wie an der argen Welt, sondern ob er in dir wohne? ob du ihm folgest und dich von ihm auf der ebenen Bahn der Wahrheit und Gottseligkeit leiten låssest? oder ob du ihn betrübst, und mehr dem Fleische als ihm Gehör giebst? So stehst du in Gefahr, ihn ganz zu verlieren, und ganz fleischlich und thierisch zu 321 werden. - - mel. 118. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. Oder: Ich habe mich ihm ganz ergeben. 1. O möcht' ich allzeit deine Lehren, wenn deine Salbung in mir spricht, mit wahrem Jüngerherzen hören! o blend'te mich kein falsches Licht! Ja möchten meine Geistes- Augen mit heiterm Blick zu sehen taugen, was Wahrheit oder fal scher Schein. Und möcht' ich, fern von eignen Höhen, stets in dem Thal der Demuth gehen, und ganz an dich gewöhnet seyn! 2. Ja du allein, du Geist der Wahrheit, machst meinen Wanderschritt gewiß, und leitest mich in heil'ger Klarheit durch unbekannte Finsterniß. Du bist der Führer meines Lebens; dir ruf ich, irrend, nie vergebens, wenn je mein Fuß den Pfad verliert. Dein Trost ist meiner Schwachheit Stüße, dein Wort die Kraft, die mich beschüße, du selbsten bist es, der mich führt. 3. Doch Lehrer, wer kann dich verstehen? wem leuchtet dein durchdringend Licht? Wer reicht an deiner Weisheit Höhen? Ein in sich selbsten Kluger nicht. Du bist ein Licht, doch nur den Kleinen, die über Sünd' und Thorheit weinen. Nur Solchen ist dein Trost bereit. Nur dem bist du des Lebens P2 228 Quelle, der an des nahen Todes Schwelle, an sich verzagt, um Hülfe schreit. 21. Maij. 142. Mir ist alle Gewalt gegeben im Zimmel und auf Erden. Matth. 28, 18. Der Herr hat sei nen Stuhl im Himmel bereitet, und sein Reich herrscher über alles. Pf. 103, 19. Des Herrn Augen schauen alle Lande, daß er stårke, die von ganzem Herzen auf ihn trauen. 2 Chron. 16, 9. Jch bebe meine Augen auf zu dir, Herr, der du im Himmel sigest. Pf. 123, 1. Wenn wir dieses mit all den köstlichen Verheißungen, die der Heiland uns vor seiner Himmelfahrt gegeben hat, zusammennehmen, so ist unser Trost und unsre Freude vollkommen. Seine Liebe und Treue, seine Gnade und Huld ist unermeßlich, wie wir aus allen seinen Verheißungen wissen; eben so ist es aber auch seine Macht und Größe, seine Gewalt und Herrschaft. Kein 3weifel, ob er wohl auch könne, darf bey uns Statt haben, so wenig als, ob er wolle. Er ist die allgenugsame, allgewaltige, allmächtige, allregierende Liebe und Güte. Wer ist ihm gleich? Wer kann wider uns seyn, wenn er für. uns ist? Wer kann ihm widersteher? Wer uns fluchen, wenn er fegnet? Und so hoch er über alles erhaben ist, so schauet er doch auf den Wurm im Staube; warum nicht auch auf seine gläubigen Beter, cuf fromme Herzen herab, die ihn sein Blut kosteten? Wie könnte er, der nichts übersieht, die übersehen, die sehnsuchtsvoll zu ihm auf blicken und von ganzem Herzen auf ihn trauen? O Herz, sey nur ganz, ganz auf ihn gerichtet; sein Auge verfehlt, übersieht dich nicht. Und wenn das Auge der allmächtigen Liebe auf dich schauet, was fürchtest du? 229 Mel. 16. Ach alle Welt läuft her und hin. Oder: Ich dank dir schon. 1. Hoch über Erd' und Welt und Zeit thronst du zu's Vaters Rechten, ihm gleich an Gottes Herrlichkeit, zum Heile der Gerechten. Dir ist in die durchgrabne Hand der Scepter übergeben; du herrscheft über Meer und Land, und über Tod und Leben. 2. Allwaltend schauest du vom Thron auf glaub'ge Herzen nieder; schaust liebend, du, der Liebe Sohn, auf die erlds'ten Brüder! Wie heiter macht mich dieser Blick zu dir, dem Hocherhöhten! Er giebt mir Trost im Mißgeschick, und Muth in allen Nöthen. 3. Ein sichres Zoar zeigt er mir in Trubsals Ungewittern. Versöhnt durch dich, vereint mit dir, könnt' ich wohl sorgen, zittern? Wenn ich zu dir, o Jesus Christ, das bange Herz erhebe, dann fühl' ich, daß du wahrhaft bist mein Weinstock, ich dein Rebe. 4. Da trink' ich neuen Lebenssaft aus deinen reichen Füllen, die Sorgen meiner Pilgrimschaft vor dir, mein Gott! zu stilden. Wie vor dem Morgenstrahl die Nacht- muß schnell mein Kummer schwinden; ich kann in deiner Lieb' und Macht, Trost, Ruh' und Frieden finden. 1 5. Der Pfad durchs dunkle Thal der Zeit sey dornicht meinen Füßen; laß deiner Nähe Freundlichkeit nur stets mich hier genießen. Ein Fels sey mir die Zuversicht, so lang' im Staub ich walle: Das Haupt låßt seine Glieder nicht, pflegt, schützt und liebt sie alle. 143. Pfingstfest. 22. Maij. Als nun der Pfingsttag eintrat, waren alle einmüthig versammelt. Da entstand plößlich ein Brausen vom Zimmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze aus, da sie saßen; und man sahe an ihnen Jungen zertheilet, als wären sie feurig und wur - 230 den alle voll heiligen Geistes u. f. w. Apostg. 2, 1-3. Was wirkte hier das einmüthige Gebet der Gläubigen! Muß es nicht allemal dieselbe Wirkung haben, wenn es mit derselben Zuversicht auf die göttliche Verheißung, die für alle Beter gegeben ist, geschieht? O gewiß. Kein Gebet des Herzens bleibt ohne Pfingst- Segen. Kein Beter betet im Geiste und im Glauben, ohne mit dem heiligen Geiste und mit dem Feuer der Liebe Gottes erfüllt zu werden. Man kommt nie leer aus dem Gebete zu rück, wenn anders das Gebet diesen Namen verdient. Es ist alle Tage ein Pfingsttag für dich möglich, wenn du alle Tage brünstig und innig betest um den heiligen Geist. Bist du nicht voll von dir, bist du leer von deinem eignen Geiste, und schreiet dein Herz, wie ein dürres Land um Regen, zum Himmel im Geist, so wird der heilige Geist dein Herz gewiß nicht leer lassen. Aber wo das Herz des eigenen Geistes voll ist, da kann der heilige Geist nicht hineingehen; denn der eigne Geist ist ein unreiner Geist, und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsterniß? Mel. 22. Die Seele Chrifti. Oder: Schon deines Namens Süßigkeit. 1. Vereinigt im Gebete war einst deiner Jünger erste Schaar; ein Strom voll Feu'r ging von dir aus, und füllte ihnen Herz und Haus. Ein neues Leben drang durch sie. So was empfanden sie noch nie. In nie erhörten Sprachen preis't durch ihren Mund dich, Herr, dein Geist. 2. Religion! Religion! wie schnell schwingst du dich auf den Thron! Der Jünger Schwächste ist ein Held, der Welten sich entgegen stellt. Wie zeugt ihr Mund, daß Jesus lebt! der Fromme jauchzt, der Spotter bebt. Ein Wort nur ging aus ihrem Mund', der Kranke glaubt's und wird gesund. 3. Und wer die Zeugen Gottes hört, und Gott in ihnen glaubt und ehrt, ergriff das, was der Herr verheißt, auch der enipfing den neuen Geist.-Kein Christenthum wår', wärst bu nicht. Du riefft: Es werd'! und es ward Licht! Du 231 Geist des Herrn, nur deine Kraft ist's, die uns neue Herzen schafft! 4. Du bist's, der Kinder Gottes treibt, uns lehrt und stårket, bey uns bleibt! Du bist's, wenn uns die Welt betrübt, der uns im stillen Dulden übt! Du machst uns Jesu Christo gleich, bist Pfand uns auf sein Himmelreich. O du, des Himmels beste Gab', senk' dich in unser Herz herab! 5. Nimm dir uns ganz zu eigen hin, bild' in uns Jesu Christi Sinn! Lehr' uns des Vaters Willen thun, in seiner Führung kindlich ruhn! Erquick' uns in der Dunkelheit, verfichre uns der Seligkeit! Mach' uns von jedem Flecken rein, und lehr' uns, uns des Todes freun! 23. Majj. 144. Der Geist Gottes giebt Zeugniß unserm Geiste, daß wir Gottes Kinder sind. Rom. 8, 16. Niemand weiß, was in Gott ist, als der Geist Gottes Der Geist erforschet alles, auch die Tiefen der Gottheit. 1 Kor. 2, 10.11. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Pf. 51, 13. Wir lesen wohl alle Wahrheit in der Schrift, und wissen, wenn wir gelesen oder Gottes Wort gehört haben, was uns Gott verheißen hat. Aber ob Gott gerade dich und mich gemeint habe, dir und mir dieses Versprochene geben wolle und gegeben habe, daran zweifelt unser Geist gewöhnlich und kann nicht lebendig und unzweifelhaft glauben, bis wir ein göttliches Zeugniß davon in unserm Herzen haben. Gott weiß, wie es mit dem Glauben derjenigen stehet, die ohne inneres Zeugniß des heiligen Geistes blos dem äußern Worte glauben; die nur einen historischen Glauben haben, d. h. die Sache für wahr halten und sich zueignen, ohne die Gnadenwirkungen des heiligen Geistes im Herzen zu spůren. Es ist unmöglich, daß ein solcher Glaube felig machet, weil er das alte Wesen nicht neu schaffet, und 232 das Herz nicht wahrhaftig mit Christo vereiniget. Wenn aber der Geist Gottes meinem Geiste Zeugniß giebt, d. h. das, was im außern Worte steht, mir auch) im Herzen bezeugt und versiegelt, so weiß ich nicht nur, was in der Bibel, sondern auch, was in Gottes Va: terherzen für mich, ja für mich besonders, geschrieben steht; denn der Geist Gottes forschet die mir verborge nen Tiefen der Gottheit und bezeuget sie mir. Doch dieses Zeugniß des Geistes darf, wenn man es einmal hat, nicht wieder verloren gehen. Wenn mir Gottes Geist gestern bezeuget hat: Du bist ein Kind Gottes; so möchte ich heute auch wissen, wie ich mit Gott stehe, ob er an mir nichts auszusehen habe; oder ich kann nicht ruhig seyn. Darum heißt es 1 Joh. 5, 10, die Gläubigen haben dieses Zeugniß in sich fie haben es nicht nur einmal gehabt. Darum bittet David: Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Laß ihn mir beståndig, daß er mir täglich Zeugniß gebe, mich tåglich) deiner Huld und Gnade versichere. Wer in Christo bleibt, in dem bleibt Christus, und also auch sein Geist, wie es Christus versprochen hat Joh. 14, 16. 17., daß er ben euch bleibe ewiglich; denn er wird in euch wohnen, und in euch wird er seyn. - mel. 86. Jch bete an die Macht. Oder: Erquicke mich, du Seil der Seelen. 1. O Geist, des neuen Menschen Stärke, die jeder Fromme in sich trågt; du Prüfer unsrer Wort' und Werke, du Puls, der im Gewissen schlägt; verleihe mir mit deinem Frieden des Himmels Vorschmack schon hienieden! 2. Du, frommer Seelen Aug' und Leiter! du dringst in alle Geister ein, und deine Lehre leuchtet weiter und schöner als der Morgenschein; entflamme mich mit deinen Trieben, in deiner Liebe mich zu üben. 3. So tief und reich sind keine Seen, wie deiner Reden tiefer Sinn; dein Wort zu hören, zu verstehen, ist mehr als aller Welt Gewinn; mehr, als ein Ohr je hat vernommen, und vor ein Auge ist gekommen. 233 4. Ach, lehre du mich recht von innen, und weihe mich zu deinem Haus, und sprich beständiglich darinnen der GottesKindschaft Zeugniß aus! Ja, heilige mein ganz Beginnen, sammt Seele, Leib und allen Sinnen. 5. Du, der mich zu den Seligkeiten schon auf der Erde tüchtig macht, du kannst allein mich vollbereiten, du nur durchhellest meine Nacht. Du kannst in alle Wahrheit leiten! Im Kriege lehrst nur du mich streiten! 6. Du bist des Himmelreichs Verwalter, der mütterlich die Welt regiert, der allgemeinen Kirch' Erhalter, der Geist, der sie dem Herrn gebiert, und auch durch alle Zéiten leitet, befeelt, vereinigt und verbreitet. * Spreng. 24. maij. 145. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Ps. 42, 1. Da sollst du den Sels schlagen, da wird Wasser heraus laufen, daß das Volk trinke. 2 os. 17, 6. Sie hatten keinen Durst in der Wüste; er ließ ihnen Wasser aus dem Selfen fließen. Jef 48, 21. Der Sels war Christus. 1 Kor. 10, 4. Wer sich mit dem lauen Wasser des bloßen Wissens nicht begnügen kann, wer der löchrichten Sodbrunnen der faden Welt- Weisheit müde ist; wer nach frischem lebendigem Wasser dürstet, wie ein Hirsch in der Brunst; wer den Felsen kennt, aus dem Lebenswasser quillt; wer den Schlag an den Felsen versteht, dem wird Wasser des Lebens genug fließen in der dürren Wüste dieses Lebens; daß er und sein Volk, seine Kinder, seine Freunde und Angehörigen zu trinken haben, hat doch der Herr seinem Volke in der Wüste so reichlich Wasser verschafft, daß sie die vierzig Suhre, die sie in der Wüste verweilten, keinen Durst leiden durften. Mußte doch ein Fels Wasser hergeven für sein Volk! War dieser Fels nicht Bild von Christus? war er nicht, wie Paulus sagt, Christus selbst? Ja, meine Lieben, wir ha 234 ben diesen lebendigen Felsen unter uns und in uns; wer an ihn glaubt, von deß Leibe fließen Ströme des lebendigen Wassers. Joh. 7, 37. Dieser Fels giebt Waffer für alle durstige Herzen aller Nationen der Erde im Ueberfluß. So oft wir mit dem Stabe des gläubigen, innigen Gebetes und der kindlichen Zuversicht an sein Herz anschlagen, strömt der Strom des Lebens, Geist und Salbung, Friede und Gnade heraus und in unser durstiges Herz ein, daß wir an keinem Guten Mangel leiden. Er giebt den Geist ohne Maaß. Aber Hirt und Heerde, Prediger und Zuhörer, Lehrer und Schüler, Weltern und Kinder, Leib und Seele müssen verschmachten und vertrocknen in der Wüste dieses Lebens, wenn sie nicht dursten, nicht schreien nach diesem Wasser, nicht an den Felsen glauben, nicht beten im Glauben, nicht verharren im Gebete, nicht wandeln im Genusse. Laß dir dieses gesagt seyn, du, der du andere lehren, andere erziehen, führen, oder ihnen etwas leisten und seyn sollst. Laß dir zuvor selbst geben, schreie nach frischem Wasser, schlage an den Felsen, daß Wasser heraus laufe, daß dein Volk, deine Kinder, Schüler, Zuhörer, Untergebenen, oder doch dein Herz trinke. Das Herz Jesu, das jetzt im N. B. schon geöffnet ist, seine Wunden, die ein offener Born sind, diese sind es, an die du mit deinem Gebete anschlagen mußt; sie sind die Quelle des lebendigen Wassers. Jesus giebt den Geist. Joh. 16, 13. In seinem Namen, auf seine Fürbitte sendet ihn der Vater. Joh. 14, 16. 26. Das merke dir, damit du bey deinem Gebete keine Luftstreiche thust, sondern den rechten Fels, und die rechte Stelle treffest, wo unfehlbar Was ser heraus strömet, so oft du anschlågst. Schlag an den Felsen, daß dein Herz, daß dein Volk trinke. Der Fels ist Christus! mel. 98. Vun danket alle Gott. 1. Herr, der du alle Ding', die Wasser mit der Erden, burch 235 dein allmächtig Wort im Anfang hießest werden. Kann auch, Immanuel! in Israets Gemein' ein Mangel, wo du bist, an frischem Wasser seyn? 2. Hirte! willst du nicht an deine Heerde denken? wer wird sie sonst als du in dieser Wüste trånken? Wer ist wie du, der Stein zu Wasser machen kann? aus Felsen Quellen? wer hat das, was du gethan? Ps. 105, 41. 3. Fels, unsre Zuversicht! laß heute dich erweichen! Du bist der Fels, von dir war jener Fels ein Zeichen. Du bist der Fels, aus dem lebendig Wasser quillt; du bist, der allen Durst nach Lebens- Wasser stillt! 4. Wir schlagen an dein Herz. Herr, laß uns nicht verschmachten. Du pflegest kein Gebet, kein Schreien zu verachten. So geuß denn über uns, durch deine milde Hand, den Gnadenregen aus! so jauchzet dir das Land! 146. 25. Maj. Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie fichs gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichen Seufzern. Rom. 8, 26. Daran erkennen wir, daß er in uns bleibet, an dem Geist, den er uns gegeben hat. 1 Joh. 3, 24. Wer Lust zum Gebete hat, ist gewiß nicht ohne den heil. Geist, und also auch nicht ohne Jesus. Wo der Geist des Gebetes wohnt, wohnt Jesus und sein Vater. Es ist ein sicheres Kennzeichen einer Wohnung Gottes im Geiste, wenn man seine größte Freude daran hat, im Geiste mit Gott umzugehen und in der Nähe Jesu zu wandeln, das heißt, gerne zu beten. Denn das Gebet ist nicht blos ein Murmeln und Plappern des Mundes, sondern das wahre, heilige Gebet ist ein unaussprechliches, merke dir: ein un aussprechliches Seufzen des Geistes. So lange man beim Gebete viel sprechen kann, ist immer noch viel Eignes bey demselben, 236 nicht ganz reines, vielleicht gar fremdes, unheiliges Feuer. Aber wenn der heilige Geist die Kohlen ins Rauchfaß des Gebetes legt und Weihrauch darauf streut; so hebt uns die heilige Flamme höher, und es vergeht uns das Sprechen- man kann nicht mehr Worte finden- das Herz, der Geist sagt mehr ohne Worte vor Gott, als die Zunge lallen kann. Uebrigens will man keineswegs das mündliche Gebet verwerfen. Alles hat seine Zeit. Ich will nur sagen, wer nur mündlich beten kann, läßt den heiligen Geist noch nichts oder nicht viel gelten; kann selbst zu viel, daß er diesen göttlichen Vertre ter nicht zu bedürfen glaubt. mel. 10. Wadh) auf, mein Herz, und singe. Oder: Kommt, laßt uns wie die. 1. Des Herzens Wunsch und Klagen vor Gott im Himmel sagen, zu bitten und ihn loben, lehrt nur der Geist von oben. Er wecket uns vom Schlafe. Wir fühlen Schuld und Strafe. Da treibt uns Noth und Jammer hinein in Gottes Kammer. 2. Daß wir die Thüre finden, zeigt er uns armen Blinden im Glauben Jesu Wunden, da wird der Weg gefunden. Von diesem Geist getrieben muß uns der Vater lieben. Der Sohn wird uns vertreten, der Geist wird in uns beten. 3. Da muß es wohl gelingen, durch alle Himmel dringen, gekrönt mit Preis und Ehren, erfüllet wiederkehren. Hört, Heuchler! euer Schwätzen ist Greueln gleich zu schätzen. Wer Gott mit Lügen ehret, wird nimmermehr erhöret. 1 4. Kommt, fleht im Geist und Wahrheit, so leuchtet euch die Klarheit von Jesu Ungesichte mit holdem Gnadenlichte. Begehrt ihr, daß sein Wille sich ganz an euch erfülle, so bittet, was ihr wollet. Wißt, daß ihr's haben sollet. 5. O seht den Jakob ringen und seinen Gott bezwingen. Ja, seht ein Weib dort kriegen und über Jesum siegen.( Matth. 15, 22.) Kommt, betet, sucht und klopfet, die Quell' ist nicht verstopfet. Durch heißes Geistes- Flehen wird großes Heil geschehen. W.df. 26. Maij. 147. Ihr sollt es erfahren, daß ich mitten unter 237 Israel sey. Joel 2, 27. Wo zwey oder drey versammelt find in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Matth. 18, 20. Ja, man kann es erfahren, daß er in unsrer Mitte sen, ob nur zwey, oder zweitausend beisammen sind in seinem Namen. Man kann es erfahren, wenn gleich die ganze Welt nicht nur nicht daran glaubt, sondern es als Schwärmerey verwirft und verlåstert. Man kann es crfahren; das wisset ihr alle, die ihr den Heiz land lieb habt von ganzem Herzen. Gott hats gesagt: Ihr sollt es erfahren, daß ich mitten unter euch bin. Also muß es möglich, muß erfahrbar seyn. Und daß cs wirklich geschieht, weiß nur der, der es erfährt; denn es liegt im Herzen, und läßt sich nicht herauslegen. Es muß auch drinn bleiben. Möchten wir nur dem Heilande allemal, so oft wir zusammenkommen, die Freude machen, daß er sich uns zu erfahren geben könnte Möchten wir allemal so in seinem Namen, im lebendigen Glauben und in der innigen Liebe zu seinem Namen stehen, wenn wir beisammen sind, so würde er gewiß nie fehlen; er fehlt ohnehin nicht; er fehlt nie, er kann nicht von uns abwesend seyn wir fehlen ihm, wit nehmen seiner nicht wahr. Stehen wir aber gesammelt im Geiste, ganz zu ihm gekehrt, nur nach ihm verlangend, so werden wir seine Nähe, die immer Statt hat, gewiß wahrnehmen. Leben und freuen sich nicht Leib und Seele im lebendigen Gott, wenn Er sich wahrnehmen läßt? Ist nicht alles lebendig, kräftig, gesalbt und schön, wenn er sich in unsrer Mitte spåren läßt? Ist nicht alles todt, kalt, finster, ungenießbar, wenn er dem Herzen abgeht, wenn wir ihn nicht in und unter uns haben? Darum suche niemand bey christlichen Versammlungen etwas anderes als ihn und seine Nähe, weil alles andere Gesuch doch lauter Spreu ist, die der Wind verweht. Die schönste Predigt, das beste Buch gefällt - 238 uns nicht, und soll uns auch nicht gefallen, wenn er nicht darin gefunden wird. Ich in eurer Mitte! „ Ihr sollt's erfahren!" Dabey bleibet es! mel. 15. Ach, alle Welt läuft. Oder: Ich dank' dir schon. 1. Wo ihrer zwey beisammen sind, die sich in mir verbinden, da stell' ich selbst mich mitten ein, daß sie mich fühlen, finden. So lautet unsers Heilands Wort; so muß man's auch erklären, wie wir's an einem andern Ort aus Pauli Reden hören. UpG. 17, 28. 2. Er spricht, man fühlt sich von dem Herrn, wie von der Luft umgeben. Er ist von uns gewiß nie fern; in ihm wir leben, schweben. So hat man zur Apostelzeit des Heilands Näh' empfunden; und diese Gnad' und Seligkeit ist seitdem nicht verschwunden. 3. Er ist uns innig nah' und hält, was er so theu'r versprochen; bis zu dem letzten Tag der Welt wird sein Wort nicht gebrochen.( Matth. 28, 20.) Ja jede klein' und große Schaar ist eine Gotteshütte. Er wohnt, ist er ihr Alles gar, gewiß in ihrer Mitte. 4. 3war sieht ihn unser Auge nicht, doch fühlt das Herz die Nähe, und wenn er Friede zu uns spricht, ist's, ob das Aug' ihn såhe.- Wie wenig wird dies doch bedacht, daß das, was unser Leben zum Himmel auf der Erde macht, nur Jesu Nåh' kann geben. 5. Wenn man den Heiland bey sich hat, vor seinen Augen schwebet, ihn kindlich liebt und früh und spat in seinem Lichte lebet; so kann man hier im Jammerthal ein göttlich Leben führen, und wenn man schwach wird, allemal gewisse Hülfe spüren. * E. R. Rchl. 27. Jajj. 148. Ich will Wasser gießen auf die Durstigen, und Strôme auf die Dürren; ich will meinen Geist auf deinen Saamen gießen, Segen auf deine Nachkommen; daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasserbachen. Jef. 44, 3. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Was 239 fers umsonst. Offenb. 21, 6. Ich will lebendig Wasser auf euch sprengen. Ezech. 36, 25. Wer nicht dürstet, wird nicht trinken, wenn auch Wasser im Ueberfluß quillet. So ist es auch im Geistlichen. Es fehlt nicht an lebendigem Wasser, nicht an Geistes- Ausgießung; es kann, gemäß der wahrhaftigen Verheißung Gottes, nicht daran fehlen; aber an durstigen Seelen fehlet es. Es ist zu viel Durst nach irdischen Dingen, nach Gold und Geld- Regen, nach den kothigen Pfüßen der Lust und fleischlichen Vergnügungen; zu viel Heißhunger nach Ehre und Ansehen der Menschen, nach Lob, Ruhm 2c., wo soll der Durst nach himmlischen Gütern, nach dem Pfingst- Regen herkommen? Gott kann und will sein lebendiges Wasser nur denen geben, die darnach dürsten; die wie ein dürres, ausgetrocknetes Land, wenn es im Sommer dürre und von der Sonnenhize alles verbrannt ist, nach Labung, nach Trost, Kraft und Leben von oben dürsten, Tag und Nacht darum gen Himmel schreien. Wer in sich selber satt ist, kann den Geist aus Gott nicht empfangen. Wer sich wohl arm und dürre fühlt, aber nicht betet, nicht ringt und anhålt im Gebete, wird den Geist auch nicht, wenigstens nicht reichlich empfangen. Und ohne Geist bist du todt in Sünden. Darum dürfte. bete, ringe und harre, bis der Regen kommt, bis die Brunnen der lebendigen Wasser sich aufthun; bis der Heiland sein Lebenswasser auf dich sprengt, bis er seinen Geist ausgießt auf dich und deine Nachkommen; bis du und die Deinigen grünen und wachsen, wie das Gras, wie die Weiden an Wasserbächen. So stehts geschrieben, so muß es erfüllt werden. Was der Herr in die Bibel schreiben ließ, das will und kann und wird er auch thun. Glaube, bete, ringe. 240 Mel. 119. Wie schön leucht't uns. Oder: Gott, unser Gott, vir danken. 1. Komm, Gottes Geist! komm, Herzens- Gast, du, den der Himmel nicht umfaßt, noch dieser Kreis der Erde! Komm, of fenbare dich auch mir, ich dürste, mich verlangt nach dir, daß ich tein theilhaft werde! Leite heute Geist und Sinnen, mein Beginnen und mein Leben, deiner Liebe nachzustreben! 2. Erquicke mich, du sanfter Wind, du Brunn, wo Lebenswasser rinnt, du süße Friedensquelle, die allen Durst der Seelen stillt, die aus der Gottheit Tiefe quillt, ganz rein und ewig helle. Fließe, gieße deine Gaben, mich zu laben, wenn ich schwitze in der Angst und Seelenhize! 3. Sey meiner Ohnmacht Kraft und Macht, mein helles Licht in dunkler Nacht, mein Weg, bin ich verführet; mein Lehrer in Unwissenheit, mein starker Beistand in dem Streit, bis mich die Krone zieret. Schüße, stüße, Herr, mich Schwachen, stark zu machen meinen Glauben. Laß mir nichts die Krone rauben! Wenigk. 28. Jajj. 149. Ueber das Haus Davids und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Zach. 12, 10. Schaffe in mir, o Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Pf. 51, 12. Zum Hause Davids und zur Bürgerschaft Jerusalems gehören alle wahre Jünger Christi. Denn Christus und sein Reich ist das Haus Davids, das neue Jerusalem und dessen Bürger sind die Gläubigen, welche nur trachten nach dem, was droben ist; welche, wie David, nur flehen und beten um einen neuen gewissen Geist, um ein reines Herz. Der Herr kommt all unsern Bitten zuvor; er hat uns alles in den Mund gelegt, was wir von ihm begehren sollen; er will uns sogar selbst den Geist des Gebets geben, ohne den wir ja nicht beten können. So gütig ist der Herr, und doch ist das Vertrauen in uns so klein une schwach. Eben darum 241 follten wir uns ohne Aufhören getrieben fühlen, um den Geist der Gnade und des Gebetes zu flehen; denn Gnade macht das Herz fest und gewiß, und der Geist allein kann uns beleben. All unser Elend kommt von unsrer Geistlosigkeit her; die Magerheit der Seele, das sinnliche Wesen, die Leere des Herzens, wie tief soll uns all dies beugen, wie machtig uns treiben, tåglich um die Ausgießung des Geistes der Gnaden und des Gebetes zu flehen. Denn der Herr will einmal seinen Geist nur geben, wenn wir um ihn bitten, wenn wir ihn heißhungrig verlangen. Aber da die meisten alles im eignen Geiste anfangen, auch sogar das Gebet, als wenn sie des Geistes Gottes nicht bedürftig wåren, so bleiben sie in ihrer Armuth und Geistesleerheit krüppelhafte Christen, die mehr wissen, als sie thun; die weiter sehen, als sie gehen wollen. Mel. 22. Die Seele Chrifti heilge mich. Oder: Schon deines amens. 1. Wer täglich Pfingsten feiern will, der werd' in seinem Hers zen still. Ruh', Friede, Lieb' und Einigkeit sind Zeichen einer solchen Zeit, worin der heilge Geist regiert, der uns zur wahren Undacht führt. Die Seele, wo der Geist kehrt ein, muß frey vom Weltgetümmel seyn. 2. Willst du den heilgen Geist aus Gott, der Frommen Trost, der Bösen Spott, mußt du den Lüsten dich entziehn; die Buße thun, empfahen ihn. Wer ihn in tiefer Demuth fleht, wird von dem Geiste nicht verschmåht. Auf wem er ruhet, der wird rein, er geht zu keinem Stolzen ein. 3. Er ist der Odem und der Wind, der Feu'r anblåst, der's Herz entzündt; der, was erstorben ist, belebt, das Herz in Undacht hocherhebt. Er ist ein Wort, das neugebiert, deß Deutung man im Werke spürt; ein Zeugniß, das zum Glauben treibt, und das Gesetz ins Herz einschreibt. 4. Er ist die Kraft, die alles regt, ein Strahl, der durch die Felsen schlägt; ein heller Glanz, der uns erleucht't, ein Licht, dem Nacht und Schatten weicht; ein Rath, der uns zurechte weist, ein Labsal, das mit Gnade speist. Er ist ein Dehl, deß Lauterkeit zu Königen und Priestern weiht. 5. Er ist der Ausfluß aus der Höh', der Weisheit unerschöpfa 242 ter See; ein Wasser, das von Unrecht wäscht, ein Quell, der Durst und Sehnsucht löscht; ein Brunnen, welcher ewig quillt, das Herz mit ewgen Gütern füllt; ein Abgrund, drinn die Wahrheit steckt, die sich dem innern Aug' entdeckt. 150. Sonntag Trinit.( Dreieinigkeit.) 29. Majj. Geher hin, lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Matth. 28, 19. Es sind also Drey, die da zeugen im Zimmel: Der Vas ter, das Wort und der heilige Geist, und dies se Drey sind Eins. 1 Joh. 5, 7. Es ist uns, Gott Lob! nicht befohlen, das Geheimniß der Dreieinigkeit zu erforschen oder zu erklären, denn da würden wir stecken bleiben- sondern zu glauben, und zu genießen. Wir wissen genug vom Vater, vom Sohae, und vom heiligen Geiste, um ganz selig seyn zu können. Und was wir nicht wissen, würde uns wohl in unsern jetzigen Umstånden, nicht seliger und nicht besser. machen, wenn wir es wüßten, sonst hätte es uns Gott, der die Liebe ist, nicht verborgen. Zerbrich dir also den Kopf nicht darüber, sondern gieb dein Herz ganz dazu her, und liebe den Gott, von dem dir alle seine Worte und Werke bezeugen, daß er die Liebe ist, und ewig nur lieben kann. Wie hat dich armes Menschenkind der Vater so lieb, daß er dir seinen Sohn gab! Wie hat dich der Sohn so lieb, daß er sich selbst für dich hingab! Wie hat dich der heilige Geist so licb, daß er dich mütterlich lehret, dir Jesum, deinen Heiland, im Herzen verklåret, dich neu schafft, und zum Kinde und Erben Gottes bildet! Wie kommst du dazu, daß der Vater und Sohn zu dir kommen und bey dir Wohnung ma- 243 chen wollen? Joh. 14, 23. Wie hast du verdient, cin Tempel des heiligen Geistes zu seyn? 1 Kor. 6, 19. Was hast du dem dreieinigen Gott zuvorgegeben, daß du in der Taufe von ihm in seine Familie aufgenommen, aller Rechte und Ansprüche seiner Kinder und Er ben theilhaftig geworden? Halte inne, und bete an liebe, glaube, hoffe, gieb dich hin! Das Geheimniß ist schon, so weit du es verstehst, groß genug- wie wird dir seyn, wenn du einst schauen wirst die tiefen Abgründe seiner Gnade und Liebe! - - Mel. 98. Nun danket alle Gott. Oder: O Gott, du frommer G. 1. O dreimal großer Gott, dem Erd' und Himmel dienen, dem heilig, heilig singt die Schaar der Seraphinen! Du höchste Majestät, du Helfer in der Noth, du aller Herren Herr, Jehova Zebaoth! 2. Ich bet' im Staub' dich an, dir Lob und Dank zu bringen, ein Halleluja dir mit Herz und Mund zu singen; du allerhöchstes Gut, du gnadenvolle Sonn'! du aller Gaben Meer! du unerschöpfter Brunn! 3. Es muß dich Jedermann als treuen Vater preisen, du führest wunderbar, willst Leib und Seele speisen; erhörest das Gebet, erfrischest unsern Muth, wir sind viel zu gering, was deine Treue thut. 4. Heiland, Immanuel, Lamm Gottes, ohne Sünden, mein Jesu, deine Lieb' kann kein Verstand ergründen; das Halleluja fingt dir, als dem wahren Christ, das menschliche Geschlecht, deß Heil und Haupt du bist. 5. Du nahmest Fleisch an dich, und tratst in unsre Mitten, trugst unsre Sündenschuld, haft bis aufs Blut gelitten. Doch dies dein Blut und Cod, erwirbt uns lauter Heil; durch dich wird uns selbst Gott, und Gottes Reich zu Theil. 6. Herr, Gott, heilger Geist, du Geist voll reiner Flammen; durchs Evangelium bringst du das Volk zusammen, das Christum kennt und ehrt; du, du giebst alles Licht, giebst neue Feuergluth, damit kein Glaub' gebricht. 7. Ach, allerhöchster Trost und bester Weisheit Lehrer, Erleuchter, Heiliger, Aufrichter und Bekehrer; du theilst die Gaben aus, erfüllest uns mit Kraft, die der Verderbniß wehrt, und Gutes in uns schafft. 8. Laß, o dreiein'ger Gott! dein Gnaden- Untlik leuchten, dein 2 244 edler Gnadenthau woll' unser Herz befeuchten; wir hoffen ja auf dich, du läßt uns nicht im Spott, wir singen Gloria, gelobt, gelobt sey Gott! 30. maij. 151. Des Todes Surcht ist auf mich gefallen. Pf. 55, 5. Christus hat durch den Tod dem die Macht genommen, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teufel, und erlösete die, so durch Surcht des Todes im ganzen Leben Knechte seyn mußten. Zebr. 2, 14. 15. Jesus hat uns durch seinen Tod vom ewigen Tode, vom Tode der Seele, also auch von der Furcht dieses Todes erlöset; aber der Leib muß den Sold der Sünde bezahlen, muß sterben. Sind wir also gleich, wenn wir an Christum lebendig und wahrhaftig glauben, versiegelt mit seinem Geiste, des ewigen Lebens gewiß, weil der Herr sagt: Wer an mich glaubt, der stirbt nicht, sondern hat das ewige Leben, und wird leben, ob er gleich sterben muß dem Leibe nach; so bleibt uns doch der Durchgang durch das Todesthal übrig, und das hat nicht nur dem lieben David, sondern schon manchen großen Männern, denen man Glauben und Gottseligkeit nicht absprechen konnte, Furcht und Schrecken eingejagt, so daß sie sagen mußten, des Todes Furcht ist auf mich gefallen. Der Herr führt die Seinen, und führt sie Wege, die für sie heilsam sind; wenn Er sie führt, můs sen sie es seyn. Nichts kann all das Verborgene in dem Innersten des verzagten und trokigen Herzens so sehr aufdecken, als Todesfurcht; und wenn diese Eigenheiten durch alle andere Mittel nicht herauszubringen sind, jagt sie der Herr mit der Todesfurcht heraus, und übt eben dadurch den Glauben am allermeisten. Denn, wenn dich der Tod mit all seinen finstern und gewaltigen Wafe 245 fen der Furcht und Beangstigung überfällt, wirst du und mußt du dem Tod einen Herrn suchen. Wo ist der zu finden? in Christo. Er soll dich also nur dem Leben, dem Herrn des Lebens, in die Arme jagen. Laß dich dahin jagen, oder fliehe selbst dahin, ehe du gejagt wirst. Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Schnell verfließen meine Tage! kurz ist jede Luft und Plage. Bald werd' ich die Welt verlassen, ja, ich seh' mich schon erblassen. Bald komm' ich aus allen Leiden zu der Quelle aller Freuden! und aus allem Schmerz und Noth führt zu dir, Herr, mich der Tod. 2. Wie könnt mich das Grab erschrecken? Jesus wird mich auferwecken; wird, was er versprach, erfüllen, allen meinen Kummer stillen. Es sey, Seele, dir nicht bange, denn es währet nicht mehr lange, bis dich Jesus zu sich nimmt. Welch ein Loos ist dir bestimmt?! 3. Doch ich will mich Ihm ergeben, lange oder kurz zu leben; denn ich lebe oder sterbe, bleibt ein unverwelklich Erbe, das er mir am Kreuz erworben, wo er für die Welt gestorben, mir aus Gnaden zuerkannt, und ich bin in seiner Hand. 4. Muthig, Seele, nur gestritten, ausgeharrt und fortgelitten! Bald ist jene Kron' errungen, bald der Tod in Sieg verschlungen! Eh' ich dies vollendet habe, liegt vielleicht der Leib im Grabe. Seele, kämpf' und siege du, deiner Arbeit folget Rub'! 31. maij. 152. So wollest du deinem Knechte geben ein gehorsames Herz. 1 Kon. 3, 9. Erhalte mein Herz bey dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Pf. 86, 11. eige mein Herz nicht auf etwas Böses. Pf. 141, 4. Jch will ihnen ein Herz geben, daß sie mich kennen sollen, daß ich der Herr sey. Jer. 24, 7. Wer mit Ernst und wahrhaftig fromm und selig werden will, traut seinem eignen Herzen nicht; denn es 246 ist ein trohig und verzagt Ding, und zum Bösen ge= neigt von Jugend auf, darum bittet er um ein anderes Herz. Und der, der alles neu zu machen versprochen hat, wird am allerliebsten das Herz des Menschen erneuern und åndern, weil er gerade das Herz vom Menschen vor allem andern verlangt und in Besitz nehmen will. Er hat sich eingeladen und versprochen, in deinem Herzen Wohnung zu nehmen, Joh. 14, 23. nun kann er aber ja in ein altes, verdorbenes Herz nicht kommen, nicht bleiben darin; darum muß er es sich vorher zurecht machen, wie jeder, der in eine Wohnung, in ein Haus einziehen will. Das mache dir Muth, und stårke dein Vertrauen: Er ist willig dazu, dich zu erhdren, wenn du mit allen Frommen um ein neues, gehorfames Herz bittest. Seine Verheißung: Ich will es geben, ist älter als dein Gebet: Gieb mir! Er hat vor mehr als zweitausend Jahren schon verheißen, was du iezt erst bittest. Er war schon so lange vorher bereit zu geben, ehe du verlangtest. Darum laß es dir Ernst seyn, und flehe so lange, bis du erhältst, bis du ein anderes Herz im Leibe fühlst, und dein altes nicht mehr finden kannst. Mel. 116. Ein Lämmlein geht und trägt. 1. Du, Wort des Vaters, rede du, und stille meine Sinnen. Sag' an, ich höre willig zu; ja, lehre frey von innen. So schweigt Vernunft mit ihrem Land, und du bekommst die Oberhand nach deinem Rath und Willen. Dir geb' ich all mein Innres ein; das wollest du, ja du allein, mit deinem Geist erfüllen! 2. Um Eins, mein Jesu, bitt' ich dich, um das laß dich erbitten! Dein Herz, dein Herz, das gieb in mich, ein Herz, von guten Sitten; ein Herz, das wie ein kleines Kind einfältig, gütig, rein, gelind, unschuldig, klein sich achtend; ein Herz, das heimlich Leide trägt, und sich in Staub und Usche legt, ein Herz, in Liebe schmachtend! 3. Ein Herz, das Gott in Lauterkeit, und Gottes Kinder liebet, ein Herz, das sanfte Folgsamkeit und wahre Demuth übet; ein Herz, das måßig, wachsam, klug, das ohne Murren, ohn' 247 Betrug, mit dem wohl auszukommen; ein Herz, das allenthalben frey, von gar nichts mehr gefangen sey, die Liebe ausgenommen. 4. Du bist, mein Jesu, mir zu gut, vom Vater ausgegangen, und wie man sonst den Mördern thut, für mich am Kreuz gehangen. Nun denn, so überwind' in mir des Satans List der Welt Begier und meines Fleisches Pochen! Vollführe deine Wunderschlacht in mir, durch deines Geistes Macht! du hast mir's ja versprochen! 5. Leben, Arbeit, Leiden, Noth des Heilands meiner Seelen, o meines Jesu Angst und Tod! euch will ich mich befehlen. Geht in mich ein und laßt mich sehn, das Leben aus dem Tod aufstehn, in allen meinen Kräften! Hilf mir, o du geschlachtes Lamm! an deines süßen Kreuzes Stamm den Leib des Todes heften! 6. Uch präge deinen Tod in mich, der all mein böses Wesen in mir ertödte kräftiglich, so werd' ich recht genesen. Gieß aus dir selber in mich ein dein Leben, das so heilig, rein, holdselig, ohne Tadel! Mach' mich von aller Heucheley, von allen Missethaten frey, und schenk' mir deinen Adel. 7. Alsdann wird deine Majestät mich ganz zum Tempel haben, worin sie ihren Ruhm erhöht durch ihre hohe Gaben. Es wird an solchem stillen Ort die Weisheit ihr geheimes Wort nach ihrem Willen führen, und ihren Sitz je mehr und mehr mit ihren Wundern, Pracht und Ehr', mit großen Thaten zieren. 8. Wohlan! so lebe Gott in mir; ich leb' und web' in ihme, damit mein Ich ihn für und für nach allen Würden rühme; und meine Liebe ganz allein, in Lieb' und Leid, in Lust und Pein, an seiner Liebe hange, bis ich nach ausgestandner Prob' in vollem Licht, zu Gottes Lob, die Gottes- Schau erlange! J. A. Bengel. 153. Erster Juny. Wer er misset die Wasser mit einer Saust: wer wer faffet den Zimmel mit der Spanne: wieger die Berge:--Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen, so im Eimer - 248 bleibet, wie ein Scherflein, so in der Waage bleibet. Siehe, die Inseln sind wie ein Staublein. Er sitzet über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie euschrecken. Weißt du nicht, hast du nicht gehört, der Herr, der ewige Gott, wird nicht müde noch matt. Jef. 40, 12- 28. Die Größe des Herrn ist unbeschreiblich und unbe greiflich so erhaben Sefaia davon spricht, soist es doch nur ein Tropflein aus dem Meere, nur ein klein SandFornlein von allen Welten. Wer sollte aber glauben, daß der, von dem der Prophet hier spricht, derselbe ist, den er im 53. Kap. ganz anders beschreibt? Und doch ist er am Kreuze kein anderer, als der über dem Erdkreis fißt, Himmel und Erde umfaßt. So viel Ehrfurcht uns diese Größe, Allmacht und Erhabenheit unsers Heilandes, gegen den wir alle nur Staub sind, einflößen muß, so sehr muß uns das, was er im Fleische für uns gethan hat, wie im 53. Kap. Jesaia nachzulesen ist, mit Vertrauen, Liebe, Dank und Freude erfüllen. Sich, der große Gott, der die Meere mit seiner Faust mißt, die Himmel mit der Spanne umfaßt, streckt seine Hände dar, sie für uns durchbohren zu lassen: Der, vor dem alle Nationen der Erde nur wie ein Tropflein am Eis mer sind, giebt den letzten Tropfen seines Blutes für sie hin, um sie durch Blut und Tod an sich zu ziehen und zu gewinnen. Was sollen wir mehr bewundern, seine Größe oder seine Erniedrigung? was mehr anbeten, seine Macht oder seine Liebe?! Wohl beides mit gleicher Freude und Danksagung. Er ist alles, was er ist, für uns, und wird es ewig bleiben; denn seine Macht und Liebe wird nicht müde noch matt. mel. 93. Ser Lob und Ehr dem höchsten Gut. Oder Aus tiefer Noth. 1. O liebe Hand, die Alles hält und lenket, Erd' und Meere, 249 den Ufersand, den niemand zählt und alle Sonnenheere! S Quell des Lebens und des Lichts, Gott, ohne dich wär' alles nichts! Anbetung dir und Ehre! 2. O du, vor dessen Angesicht, zehntausend Sonnen prangen! O welche, welche Zuversicht kann fest gnug dich umfangen? Du bist, was ich nicht bin! Du hast viel mehr, als meine Seele faßt, als alle Seelen fassen! 3. Jch bete dich mit Ehrfurcht an, allmächtiger Beleber! Du giebst, was niemand geben kann, unendlich reicher Geber! in jeder Ohnmacht, jeder Noth, verlassen ganz- in Nacht und Tod - o Liebe! bist du nahe! - 4. O Liebe!( Ullmacht!) außer mir zu sehn, und in mir zu empfinden; in allen Tiefen, allen Höhn zu suchen, leicht zu fin den. Liebe!( Allmacht!) die mich schuf und trägt, mich ganz belebt, mich ganz bewegt, wie kann ich dich anbeten! - J. C. L. 154. 2.Juni. Wir fehlen alle gar mannigfaltiglich. Jak. 3, 2. Unsre Missethat stellest du vor dich, und unfre unbekannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Pf. 90, 8. Mache dich los von deinen Sünden durch Gerechtigkeit. Dan. 4, 24. Apostel reden von mannigfaltigen Fehlern, Propheten und Männer nach dem Herzen Gottes, sprechen von Missethaten und unerkannten Sünden. So fühlt denn alles, was im sterblichen Fleische lebt, Sünde und Missethat, und ist keiner rein unter der Sonne. Es ist daher wohl sträfliche und gefährliche Unwissenheit oder Unachtsamkeit, wenn ein Mensch sein Herz und seinen innern Sinn so wenig beobachtet, daß er sich fehlerfrey und rein dünkt. Wer wird einen Reinen finden unter den Unreinen? sagt Hiob 14, 4. Ein solcher ist blind und todt, und tappt im Finstern. Er rühmt sich zu seinem eignen Schaden mit eitlem Selbstbetrug seiner Gerechtigkeit. Wer aber Fehler sieht, und mit Gleichgültigkeit an sich 250 duldet, sich getroft berufend auf diese Bibelsprüche, der kennt den Sinn der Apostel und Propheten nicht; die wohl zu ihrer Demüthigung, aber nicht zur Einschläferung, nicht zur falschen Sicherheit, nicht zum Troste der Faulen so redlich ihre Fehler bekannten. Wer redlich strebt, fehlerfrey zu werden, dem sey es ein Trost und eine Beruhigung, aber kein Kissen der Trågheit. Mache dich los, sagt ein anderer Prophet, und das sagen im Grunde alle, mache dich los, überwinde die Sünde durch die Gerechtigkeit, durch die Kraft, die dir in Jesu Christo dargereicht wird umsonst und aus Gnaden; nicht so um sonst, daß du sie, wie der faule Knecht, im Schweißtuche vergrabest, sondern daß du damit wucherst. Mel. 119. Wie schön leucht't uns der. Oder: Gott, unser Gott, wir danken. 1. Mitleidiger Immanuel! es ist mein Leben, Leib und Seel' voll Mängel und Gebrechen. Doch ist dein Herz auch voller Gnad', willst weder Sünd' noch Missethat am armen Staube råchen. Deine reine Mutterliebe ist voll Triebe hier im Leben, täglich reichlich zu vergeben. 2. Führt Gnad' in dir das Regiment, macht sie der Sklaverey ein End', besiegt Gebrech' und Sünden. Drum willst du frey und fröhlich seyn, laß Jefum und die Gnade ein, so kannst du überwinden. Seelen quålen, Sünden= Kräfte, Nachtgeschäfte und dergleichen muß der Macht der Gnade weichen. 3. Gieb, Jesu, Blut und Wasser her, und nimm dadurch je mehr und mehr die Schlacken recht herunter! Du hast mich dir, Immanuel, gar theu'r erkauft mit Leib und Seel', zum Preise deiner Wunder. Kleiner, reiner muß ich werden, noch auf Erden, bis ich droben dich kann ohne Sünde loben. 3. Juny. 155. Der Herr hat das Recht lieb, und verlässet seine eiligen nicht, ewiglich werden sie be wahret. Pf. 37, 28. Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Ar 251 gen. 2 Theff. 3, 3. Bergl. 1 Petr. 1, 5. Jeige mir, Herr, den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre bis ans Ende. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesez, und halte es von Serzen. Pf. 119, 33. 34. Das sey dein tägliches Gebet, daß du, aus Gottes Macht durch Glauben bewahret werdest zur Seligkeit, die dir bereitet ist. Wer kann sich selbst bewahren, wenn er nicht im Herrn und in der Macht seiner Stärke einhergeht, wenn er nicht durch Gebet und Flehen in steter Verbindung mit dem bleibt, der das gute Werk angefangen hat und auch vollenden muß! Doch sage nicht leichtsinnig, ich kann mich doch nicht bewahren, Gott muß es thun. Nein, Gott muß es nicht thun; Gott kann es wohl, und will es auch; aber er wird es nicht thun, wenn du, unbekümmert um dein Heil, nicht wachest und betest, daß du nicht in Versuchung fallest. Der Herr bewahret seine Heiligen, das ist, diejenigen, die der Heiligung nachjagen mit Ernst und Eifer. Er verläßt die nicht, die ihn nicht verlassen. Er sieht auf die, welche auf ihn sehen. Er hålt die mit seiner Hand, die seis ne Hand ergreifen und halten. Die sind seine Heiligen, die werden ewiglich bewahret. Über die sichern, trågen, unwachsamen, schläfrigen Heiligen, die, statt ihre Lampen zu schmücken, und sich um Dehl umzusehen, schlafen, oder sich zerstreuen und ihre Sinne belustigen, die wers den nicht bewahret, die werden draußen bleiben, wenn der Bräutigam in seine Kammer geht. Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. Oder: Erquicke mich, du Seil. 1. Bewahr vor sündlichen Gedanken, vor eitlen Lüsten mein Gemüth! Laß, Gott, im Glauben nie mich wanken, auch wenn kein Menschenaug' mich sieht! Auch dann nicht, wenn man meiner lachet, die Frömmigkeit mir bitter machet. 2. Laß Boses mich stets böse finden, das Gute sey mir stets gleich gut! Die schönste Lust zu überwinden, verleih' mir Red 252 lichkeit und Muth; auch dann noch, wenn ich Herzgeliebte durch reinen Christensinn betrübte! 3. Hilf mir mit unbewegtem Schritte auf deinem Pfade weiter gehn; und wenn ich noch so vieles litte, doch niemals, niemals stille stehn! Daß ich mich nach dem Kleinod sehne, das Kleinod ist allein doch schöne. 4. Du kennst ja meines Herzens Schwäche! du weißt, wie ich so oft schon fiel; wie oft ich mein Gelübde breche, zurücke geh' von meinem Ziel. Nur deine Gnade macht mich tüchtig, ohn' dich steht es ben mir nicht richtig. 5. Du, du kannst meine Seele stärken, Muth sprichst du nur den Schwachen ein; låff'st oft zu großen Heldenwerken ein Herz voll Einfalt mächtig seyn. O laß mich deinen Beistand merken, bey allen, allen meinen Werken! 6. Laß mich nicht fallen, nicht verzagen, bin ich dem Net der Sünde nah! Laß deinen Geist dem meinen sagen: ,, Sey stark und redlich, ich bin da!" Die sanfte Stimme laß mich hören, so werd' ich niemal dich entehren! 7. Laß stets mich deine Lieb' empfinden, ach weiche, Jesus, nicht von mir! Bewahre mich vor allen Sünden! ganz wende sich mein Herz zu dir. Laß mich auf dich, mein Vorbild, sehen, den Weg nur, den du gingest, gehen! * J. C. L. 4. Junij. 156. Ermahnet euch unter einander, und erbauet einer den andern, wie ihr denn auch thut. 1 Theff. 5, 11. Solches rede, und ermahne, und strafe mit ganzem Ernst. Tit. 2, 15. O daß mein Leben deine Rechte mit ganzem Ernst bielte! Pf. 119, 5. Willst du Gott dienen, so laß es dir einen Ernst seyn. Sit. 18, 23. Es ist nichts schåndlicher und årgerlicher, als ein lauer Christ, der keinen Ernst beweifet, und doch für einen Christen gehalten seyn will, doch viel vom Christenthum spricht, ohne das wahrhaft christliche Leben mit einem Finger zu berühren. Gott wird solche Menschen aus 253 speien; denn die Welt nimmt Anlaß, das ganze Christenthum zu låstern oder sich in ihrem bösen Wesen zu bestårken. Möchten doch solche Menschen lieber Christo und dem Namen Christ ganz entsagen, als sich Christ nennen lassen, und sich doch vom Leben und dem Ernste des wahren Christen lossagen. Wer aber weiß, daß in Christo ein rechtschaffenes Wesen ist, und wirklich sich mit allem Ernste als ein wahrer Christ in Wort und That beweiset, der nehme sich auch seiner Brüder mit Ernst an; er versäume nicht, seine Brüder zu ermahnen, zu warnen, zu strafen mit allem Ernst, um Christi willen, daß der Name Gottes und Christi nicht gelästert werde. Vergiß dich aber selber nicht, und laß vorzuglich dein Beispiel und deinen ernsten Wandel in Christo eine Ermahnung und Strafpredigt für andere seyn. Die Welt verliert nie den Ernst für ihre Sachen, die doch alle nur zu ihrem Verderben gereichen; und der Christ sollte in seinen ewigen Angelegenheiten und in Gottes heiliger Sache, wovon seine Seligkeit und Christi Ehre abhängt, lau, tråge, gleichgültig und lässig seyn dürfen? Nein, wer dem Himmelreiche keine Gewalt anthut, wird es nicht an sich reißen; Welt, Fleisch und Satan werden es ihm zehnmal aus den Händen schlagen, wenn er es nur mit halbem Ernste anfasset, und nicht mit heldenmüthiger Treue ergreifet. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. Oder: Erquicke mich, du Seil. 1 Bereit zum Wachen, Flehn und Beten, von Leichtsinn und von Trägheit fern, laßt euch die Wege nicht vertreten. Ihr kennt den wunderschönen Herrn! Er giebt euch Geist, Licht, Kraft und Stärke, und fördert euch in seinem Werke. 2. Auf, auf, zu großem Ernst, zur Treue in dem, was uns der Herr gebeut. Werft ab das Alte, übt das Neue, was Jesus schafft; kauft aus die Zeit, um für die Ewigkeit zu såen! Bleibt auf dem Felsen feste stehen! 3. Ermahnt das Herz, die faulen Glieder, und faßt euch an, und rafft euch auf! Mahnt tausendmal von neuem wieder. 254 Ermahnung treibt zum muntern Lauf. Ermahnen hilft in vies len Stücken; es lehrt die Lampen immer schmücken. 4. Ermahnt und laßt euch gern ermahnen. Der Heuchler will ermahnt nicht seyn. Die Wege dürft ihr ja nicht bahnen; Er führt zum Thor im Schnellschritt ein. Sagt nur den Brüdern, daß sie machen; das Uebrige wird er schon machen. 5. Ermahnt euch, bauet euch zusammen; doch thut nach dem Ermahnungswort; so werdet ihr zu lauter Flammen, so kommt ihr mit einander fort. Gilt kein Ermahnen bey den Schafen, so werden sie gewiß verschlafen. * Wdf. 5. Junij. 157. Hat denn Gott vergessen, gnådig zu seyn, und seine Barmherzigkeit vor Jorn verschlossen. Pf. 77, 10. Gottes Barmherzigkeit währet ewig. 2 Chron. 5, 13. Herr, deine Barmherzigkeit ist groß, und deine Güte währet ewiglich. Pf. 119, 156. Pf. 118. und 136. So überzeugt David war, daß die Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen habe, seine Güte und Gnade ewig währe; so kam er doch oft in solche Gemüthszustände, daß es ihm schien, seine Barmherzigkeit habe denn doch jetzt ein Ende gegen ihn, und seine Gnade und Güte habe sich von ihm gewendet. Wenn dich, Lieber, der Herr, in ähnlichen Wegen führt; wenn er sein Angesicht vor dir verbirgt oder dir unfreundlich und zürnend er scheint, so verzage nicht. Das haben die Vertrautesten Gottes erfahren müssen. Rede dann nur auch so, wie sie, mit ihm, und sage und klage ihm, was dein Herz fühlt. Mußt du heute zu ihm sagen: Ist es denn ganz und gar aus mit deiner Gnade! so wirst du morgen oder ein andermal seine Gnade nicht genug rühmen können. Der Herr wird dir ein neues Lied in deinen Mund geben. Aut Ende wirst du allemal laut bekennen müssen: Seine Güte währet ewiglich. Hast du dieses einmal recht 255 erkannt und erfahren, so glaube daran, und halte es im Glauben fest, auch dann, wenn du es nicht fühlst, wenn du das Gegentheil erfährst. Glaubst du doch, daß die Sonne hell und leuchtend ist und bleibt, auch wenn sie bey einer Finsterniß wie mit einem schwarzen Flor bedeckt ist. Der Herr ist immer derselbe, auch wenn er dir des Tages siebenmal anders erscheint. Halte du dich an sein Wort, nicht an die Erscheinungen deiner Sinne. Mel. 29. Sier legt mein Sinn sich. Oder: Wir sind vom Vater. 1. Un deinem Worte bleib' ich feste. Was du verheiß'st, das ist das Beste, ist ewig wahr, wenn alle Welt es nur für Wahn und Thorheit hält. O wie viel tausend schwache Herzen hast du von Schwachheit, Ungst und Schmerzen mit brüderlicher Zärtlichkeit durch Einen Wink, Ein Wort befreit! 2. Hat deine Kraft jetzt abgenommen? Gilt nun nicht mehr das Flehn der Frommen? Bist du an Huld nicht mehr so reich? Nicht ewig, Herr, dir selber gleich? Ist jetzo Elend, Elend minder? Bist du nicht Heiland mehr der Sünder, die voll von Demuth, voll Bertraun auf dich aus ihrem Jammer schaun? 3. Die Himmel werden eh' vergehen, eh' du den Glauben wirst verschmähen; ein Glaube, der dich feste hålt, besiegt das Elend einer Welt.- O Jesus, zeige daß du lebest, daß du den Müden Stärke gebeft, daß du die Trauernden erfreust, daß du der alte Heiland seyst. 4. Kein Kranker kam, dir anzuhangen, du stilltest eilends sein Verlangen! Nein, keinen, der sich dir ergab, du wiesest auch nicht Einen ab. Auch mich wirst du nicht von dir weisen, auch ich möcht' dich durch Glauben preisen, durch Glauben, der von Liebe glüht, und dich umfaßt, wo er nichts sieht. L. - 6. Junij. 158. Der Herr aber richte eure Herzen zur Liebe Gottes und zur Geduld Christi. 2 Theff. 3, 5. In allen Dingen lasset uns beweisen als die 256 Diener Gottes-.n ungefärbter Liebe. 2 Kor. 6,4-6. Die schönste Richtung des Herzens ist, wenn es sich nach Pauli Wunsch zur Liebe Gottes und Geduld Christi richtet. Alle andere Richtung des Herzens ist verkehrt. Prüfe dich, wohin dein Herz gerichtet ist? wohin zielt es? was wünscht es am meisten und am heißesten? mit welchen Dingen beschäftigt es sich am liebsten und öftersten? Wer wohnt eigentlich in deinem Herzen? was geht gewöhnlich bey dir aus und ein? was betrübt, was erfreut dein Herz am meisten? Diese Fragen stelle öfters unter Gebet und Flehen an dein Herz, so wirst du die Richtung deines Herzens erkennen, ob es zur Liebe Gottes und Geduld Christi, oder zur Liebe der Welt, zur Eigenliebe, Geld- oder Ehrliebe, oder zur Lust des Fleisches ges neigt und gerichtet sey. Findest du die falsche Richtung, die verkehrte Hinneigung deines Herzens zu Dingen außer Gott und Christus, so beweine dein Elend, und seufze und ringe, flehe ohne Unterlaß zu Gott und Christus, daß er deinem Herzen die gerade Richtung zu seiner Liebe, zu seinem Kreuze gebe. Die Geduld Christi ist sein Dulden, Leiden und Sterben für uns, ist sein Gehorsam bis zum Tode, der uns versöhnen und auch geduldig und gehorsam machen muß. Sey kein Schönfärber! Fårbe deine Liebe nicht- d. i. heuchle nicht Liebe mit der Zunge, sondern erbitte dir ungefärbte, unverstellte, aufrichtige Liebe, die sich innerlich und äußerlich gleich brünstig und thätig beweist, und in gerader Richtung nur auf Gott und Christus zielt. Mel. 22. Die Seele Christi heilge. Oder: Schon deines Namens. 1. Nach dir, o Gott, verlanget mich. Mein Gott, o dacht' ich stets an dich! Zieh mich nach dir! zu dir mich wend'; aus 3ion beine Hülfe send'.- Die Sonnenblume folgt der Sonn'. O solgt' ich dir so, meine Wonn'! Ich bitt, ich bitt', o laß mich bier, ganz frey von Sünden folgen dir! 257 2. Doch leider hat das Sündengift solch Uebel in mir angestift't, daß sich der matte Geist nicht kann zu dir recht schwingen himmelan. Ach, wer wird mich befreien doch von diesem schweren Sündenjoch? O Herr, ich sehne mich nach dir, befreie mich und hilf du mir! 3. Es ist mein Will' nach dir gericht't, doch das Vollbringen mir gebricht. Ich laufe zwar, doch bin ich matt; ach, laß den Willen finden Statt!- Gedenke doch, ich bin dein Kind; vergieb und tilge meine Sünd', daß ich zu dir mit freiem Lauf mich könne schwingen himmelauf. 4. Den Sinn der Welt tilg' in mir aus, sey du nur Herr in meinem Haus; den Schild des Glaubens mir verleih', und brich des Feindes Pfeil entzwey.- Nach dir, mein Gott, laß stets forthin gerichtet seyn den ganzen Sinn! ich eigne dich mir gånzlich zu, und such' in dir nur meine Ruh'. 5. Hinweg, hinweg, du schnöde Lust, bleib mir auf ewig un bewußt. Was mein Herz fort vergnügen soll, deß ist allein der Himmel voll.- Ach alles, was mich reißt von dir, o höchstes Gut, das treib von mir! In dir, mein Gott, in dir allein, laß hinfort meine Freude seyn! 7. Junij. 159. Wer da sagt, daß er in ihm bleibet, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. 1 Joh. 2, 6. Daran ist die Liebe völlig bey uns, auf daß wir eine Sreudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 1 Joh. 4, 17. Wer da sagt: Im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke; der lasse die Gerechtigkeit und Stärke Christi, die er glaubt, auch in seinem Wandei und Leben offenbar werden; damit sein Leben und seine Werke ihn nicht auf den Mund schlagen, mit welchem er Christum und seine Gerechtigkeit bekennt. Viele rühmen sich der Gerechtigkeit Chrifti, aber wenige haben und zeigen sie in der That. Paulus, Gal. 3, 27. sagt: Alle auf Christum Getaufte haben Christum angezogen. So muß R 258 man ihn ja doch sehen. Hast du den Rock der Gerechtigkeit Christi angezogen, wo ist er? zeige ihn. Ist Christi Blut und Gerechtigkeit dein Schmuck und Ehrenkleid, so mußt du wohl schön, so schön, wie Christus anzusehen seyn; und jedermann muß es sehen und sagen können, der ist gekleidet und wandelt in dem Kleide der Gerechtigkeit Christi. Es ist kein Faden von dem schmutzi gen Kleide der Welt, von dem befleckten Rocke des Flei sches, von Adams Feigenblåttern mehr an ihm. O möchten wir nicht mit Worten spielen, die wir ohne Herz ergriffen haben, ohne Wahrheit und Zustimmung des Herzens nachsprechen! Möchten wir uns nicht blos in eine Einbildung und in einen Wahn und Maulglauben einkleiden; uns nicht zueignen und zurechnen, was wir doch nicht haben, und nicht durch die That beweisen können, was kein Auge an uns finden kann! Das wäre fein haltbares Kleid, sondern Spinnengewebe, in dem wir vor Gott nicht bestehen würden. Möchten wir wirklich Chris stum und seine Gerechtigkeit im Glauben ergreifen, Herz, Sinn und Wandel in sie einkleiden, und darin leben und sterben! Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. Oder: 3eige dich uns ohne Hülle. 1. Wenn ich, Heiland, hier im Staube, dich anbet' und an dich glaube, kann ich Theil an deinen Gaben, Theil an deinem Himmel haben. Du willst ewig selig's Leben, mir, wenn ich dir glaube, geben. Nun, so sey der Bund erneut: Ganz sey dir mein Herz geweiht. 2. Mocht' ich täglich mich bestreben, wie du hier gelebt, zu leben, wie du, eitle Freud' zu meiden, wie du, Unrecht still zu leiden; möcht' ich, was du hassest, hassen, ganz von dir mích leiten lassen. D, daß ich dich nie betrüb'; was du liebest, sey mir lieb! 3. Dlaß mich auch deine Glieder, Jesus Christ, als meine Brüder, immer mit den reinsten Trieben, immer wie mich selber lieben! Gieb mir Gnad', daß ich von Herzen meiner Brüder Noth und Schmerzen brüderlich mich nehme an, Elend mindre, wo ich kann. 259 4. Welt und Tand und alle Güter eitler, fündiger Gemüs ther sollen nie mein Herze locken, mein Gewissen nie verstocken. 3war ich kenne meine Schwäche, Jesus, da ich dies verspreche; ich, der oft schon morgen brach, was ich heute dir versprach. 5. Darum hilf mir du, und stårke mich zu jedem guten Werke! Komm, und eile mich vom Bösen, das ich thun will, zu erlösen! Hilf den ersten Reiz der Sünden schnell und gänzlich überwinden, daß sich Aug' und Herz verschließt, eh' die Seele Lust genießt! 6. Laß mich ihre Folgen schrecken; des Gewissens Freuden schmecken, die mein Herz so oft empfunden, wenn ich Sünden überwunden. Ewig seyst du angebetet! Jesus, du hast uns errettet! Danke, lob' und preis', mein Herz, ewig ihn für seinen Schmerz! 8. Junij. 160. Sager den verzagten Zerzen: Seyd getrost, fürchtet euch nicht! Sehet, euer Gott, der kommt zur Rache( sich an euren Seelenfeinden zu rächen); Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen( nicht verdammen). Jes. 35, 4. Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben. Jef. 40, 1. 2. Das ist das Evangelium für arme, blöde, weinende; traurige, über die Sünde Leidtragende, und mit Verzagtheit und Verzweiflung ringende Seelen; aber nicht für lustige, leichtsinnige Sünder, oder für schlafende, sichere, laue und tråge Christen, die sich gern alle Trostworte der Schrift aussuchen und sich zueignen, was sie gar nicht angeht, um nur ruhig fortschlafen, sicher bleiben und sich mit falschem Trost beruhigen zu können. Denen aber, welchen es Ernst ist, die mit der Sünde und Schuld ringen, in ihrem Gewissen zerschlagen sind, R 2 260 und sich nicht trösten lassen können, denen kann man diese Trostsprüche nicht oft genug wiederholen, um ihnen Muth einzusprechen. Ja, liebe, gebeugte, zermalmte Seele! Muth, Vertrauen zum unendlich freundlichen Erbarmer ziemt dir! denn das hilft dir, das rettet dich; das gefällt dem Herrn. Aber deine Verzagtheit und Muthlosig keit dienet ihm weder zur Ehre noch zur Freude; und dir bringt sie den gewissen Tod an Leib und Seele. Wag' es einmal, wirf dich dem, der dich in obigen Sprüchen so freundlich einladen, so göttlich mild trösten läßt; wirf dich deinem Erbarmer in die Arme, die er durch diese Worte dir öffnet und nach dir ausstreckt. Stürze dich nicht durch Mißmuth, Verzagtheit und Verzweiflung dem Feinde und Mörder deiner Seele in die Klauen, der dich mit allen deinen mißmuthigen Gedanken nur verderben und zu sich in den Abgrund ziehen will; stürze dich liever ins Meer der Erbarmungen Gottes, der Liebe und Gnade Chrifti, welches tief, groß, breit und hoch genug ist, um dich noch aufzunehmen, dich zu waschen, zu reinigen und zu beseligen. tel. 24. 2ch, wie tief bist du gefallen. 1. ,, Ist denn keine Gnad' vorhanden? wird mein Bitten ganz zu Schanden? bin ich ewig denn verloren? hat mich Gott zum Zorn erkohren?"- Seele, schweig mit den Gedanken; setz' der Gnade keine Schranken. Gott bleibt Liebe, Liebe nur! Glaub', so findst du seine Spur. 2. Du bist gottlos, voller Sünden, daß kein årgrer Mensch zu finden! Nun, es sey! ich lass' das gelten; dein Verderben sollst du schelten. Ist nicht Jesu Blut geflossen? ward's für Heilige vergossen?-Nein, für Sünder, auch für dich gab der Sohn der Liebe sich. 3. Deine Schuld ist nicht zu zählen? Wahr ists. Wird fie darum fehlen in der Hand- Schrift, die zerrissen*), da der Sohn hat zahlen müssen?- Nicht ein Heller ist geblieben, Quittung ist schon unterschrieben, daß durch die durchbohrte Hand aller Fluch wie Nebel schwand.*) Kol. 2, 14. 4. Hatt' dich Gott dahin gegeben, würdest du ganz ficher leben. Aber dich drückt dein Berderben, du willst nicht in 261 Sünden sterben. Ticf fühlst du ja deinen Schaden, dürftest nach dem Geist der Gnaden. Sieh, das ist schon Gnadenstand- bald reicht Gott dir seine Hand! * Wdf. 9. Juny. 161. Er wird mich erhalten bey meiner Kraft und wird mir Frieden schaffen; Srieden wird er mir dennoch schaffen. Jef. 27, 5. Jch bin dein Schild und dein sehr großer Lohn. 1 Mof. 15, 1. Er ist ein Schild allen, die auf ihn trauen. Pf. 18, 31. Das gläubige Dennoch war der Schild aller Propheten und Apostel, aller gläubigen Dulder und Streiter des Herrn, womit sie alle Pfeile der Versuchung, die uns verzagt und můde machen wollen, zerbrochen und abgewiesen haben. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, dennoch bleib ich stets an dir, sagt David. Israel hat dennoch Gott zum Troft. Pf. 73, 1.23.26. So ruft auch Jesaias: Frieden wird er mir dennoch schaffen, wenn auch allenthalben Krieg in und außer mir und um mich her wåre. Er wird mich dennoch erhalten wenn ich auch alle Augenblicke zu versinken scheine; wenn ich nur das Vertrauen auf ihn nicht wegwerfe. Und wie ruft er uns selbst durch alle Propheten zu: daß wir uns bey allen furchtbaren Stürmen und schrecklichen Gefahren des Lebens dennoch nicht fürchten, nicht verzagen sollen; daß er uns helfen, stårken, erhalten, erlösen wo le durch die starke Hand seiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. diese Hand läßt dich nicht. Halte, halte nur du dich daran; ihr ist kein Abgrund zu tief, sie kann dich heraufholen; ihr ist kein Berg zu groß, sie kann ihn weg oder dich drüber hin heben. Und nach allen Plagen des Lebens will er, er selbst, dein Lohn seyn, so wie er jetzt mit seinem mächtigen Arm selbst dein Schild ist. 262Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Und mußt' ich auch noch Jahre weinen und leiden, dulden ohne Zahl; der Tag, der Tag wird doch erscheinen, der Frieden bringt für jede Qual! Der Abend fehlet keinem Tage, und Freude quoll aus jeder Plage. 2. Erreicht, erkämpft ist bald die Stunde, die mir für Thrånen Wonne giebt! Bertilgt die Narbe jeder Wunde, durch den, der züchtigt, weil er liebt! O frohe Aussicht bessern Lebens, 3iel meines täglich heißen Strebens! 3. Soll ich jetzt still stehn und ermatten? Nein, meine Seele, fasse dich! Die Sehnsucht nach dem kühlen Schatten, nach Ruhe Gottes sporne mich! Fels Gottes, den mein Arm umschlinget, wenn Nacht und Trübsal mich umringet! 4. O dann, o dann, wer kann sie denken die Wonne, die mein Herz erfüllt! Wann keine Schmerzen mich mehr krånken- Licht Gottes mir aus Christus quillt! O dann, dann ist mein Geist genesen, und Freiheit, Freiheit all mein Wesen! 5. Um Felsen deiner Grabeshöhle, wie war dir Jesus ChriTus! wie? War nicht ein Himmel deine Seele! so war dem ersten Engel nie! Die Freude wirst du mit mir theilen, wo du bist, soll ich ewig weilen. 6. Es löschen Sonnen, Welten wanken, eh' deine Liebe dich gereut! Dort, dort, wie werde ich dir danken!- ist mei ne Seele Seligkeit! Denn du wirst ewig in mir leben, und was du hast, wirst du mir geben! * L. - 10. Juny. 162. Gott ist tren, durch welchen ihr berufen seyd zur Gemeinschaft unsers Herrn Jesu Christi. 1 Kor. 1, 9. Vertraue Gott, so wird er dir aushelfen. Sir. 2, 6. Bey dem Herrn ist Gnade und viel Erlösung. Pf. 130, 7. Man kann sich, wenn man in Anfechtung ist, die Fülle der Gnaden, die uns in Chrifto aufgethan ist, nicht groß genug denken; sie ist doch größer, als sie ein Sterblicher glauben oder sich vorstellen kann. Wer kann das Meer ergründen? wer die Höhe des Himmels messen und ersteigen? Und doch ist das Meer kein Tropflein gegen 263 Gottes Gnadenfülle in Christo. Seine Güte und Huld ist unendlich höher und größer als der Himmel. Aber in der Stunde der Anfechtung, oder im heißen Kampfe mit Welt und Sünde sieht und erkennt man das nicht; da scheint uns die Gnade so fern, daß uns der Berg Gottes kaum wie ein Sandkörnlein vorkommt, und das Meer seiner Gnadenfülle kaum ein Tröpfchen zu seyn dünkt; oder, wenn man auch an seine Treue und Güte glaubt, so kann man sie doch nicht auf sich anwenden, andern wohl, aber sich nicht zueignen. Doch der Geist kommt auch da unsrer Schwachheit zu Hülfe und zeigt uns, wenn wir bitten, suchen und anklopfen, gewiß die offne Gnadenthür. Ist das Herz redlich, so wird es dieselbe auch wohl finden, aus der Angst gerissen und getröstet werden. Aber es sind oft heimliche Tücke im Herzen verborgen, geheime Bande, von denen das Herz nicht los werden will, und so bleibt man gefangen. Wer aufrichtig und von ganzem Herzen, ohne Vorbehalt sich auf Gnade und Ungnade ergiebt; wer ganz des Heilandes seyn will, der findet sogleich Gnade, weil er sie ernstlich will. Wer aber die Bande mit einer Hand noch hålt, so gern er mit der andern sie zerreißen möchte, dessen Wille und Herz ist getheilt, der bleibt doch eigentlich gern in seinen Banden, und die Gnade kann ihn nicht frey machen gegen seinen Willen. Gieb dich ganz hin, so giebt sich Christus und seine Gnade dir auch ganz hin, mit all seiner Fülle. mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Ist kein Jesus mehr vorhanden? oder bist du gern in Banden? Steht die Gnadenthür nicht offen? Darf nicht jeder Sünder hoffen? oder willst du dich denn schämen, Gnade frey, umsonst zu nehmen? Treu ist er, verzage nicht! Er giebt wieder Trost und Licht. 2. Nein, wer will, der soll nur kommen, er wird plößlich angenommen, unrein, arm und voll Gebrechen. So ließ Gott es uns versprechen. Keiner ist zum 3orn geboren; nein, zum 264 Treu ist er, verzage nicht! er giebt dir 3. Fluch und Hölle sind begraben, Jesus muß uns alle haben, die ihr Kleid ins Blutmeer tauchen, fühlend, daß sie Seiner brauchen, oder wenn sie gar gedachten, daß sie da ertrinken mochten; die verläßt der Heiland nicht, er giebt ihnen Kraft und Licht. * Wdf. Heil sind wir erkohren. bald Trost und Licht! 11. Junij. 163. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 2 Ror. 4, 8. Derzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Hebr. 12, 5. Da meine Seele bey mir verzagte, dachte ich an den Herrn. Jon. 2, 8. Die Apostel und Propheten wissen auch von Bangigkeiten und Versuchung zum Verzagtwerden zu sagen. Du glaubst, das wäre nicht möglich, daß solche Männer, die von Gottes Geist so unmittelbar regiert wurden, auch solche Erfahrungen machen mußten; du meinst, es soll dit nun nicht mehr bange werden, nachdem du angefangen hast, den Herrn zu lieben; er werde dich nun auf den Händen tragen. Das thut er auch mitten in der Angst und Bangigkeit. Wo würdest du sonst bleiben? Bange wird dem Christen oft, und muß ihm bange werden, aber zum völligen Verzagen soll es nicht kommen. Ist es aber schon nahe daran, so denke an den Herrn, wie Jonas, dem sehr enge und bange war im Abgrunde, im Bauche des Fisches; aber er dachte an den Herrn, der im Abgrunde nicht weniger mächtig ist zu retten, als auf dem festen Lande; der im Bauche des Ungeheuers eben so leicht helfen kann, als in der stillen Kammer. Hätte dich also die Trübfal und Noth des Leidens schon verschlungen und umgeben von allen Seiten, wie den Jonas der Fisch, und wärest du von Unglück und Sammer bedeckt, wie er von den Meereswellen, so denke nur an den 265 Herrn, dem auch bange war, Luc. 12, 50. und der den Bangen, Verzagten zuruft, daß sie sich nicht fürchten, sondern getrost seyn sollen. Jef. 35, 4. mel. 22. Es kam die gnadenvolle. Oder: Schon deines amens. 1. Wenn Bangigkeit mein Herz umgiebt, so glaub' ich doch, daß Gott mich liebt. Und wenn er noch so ferne scheint, so weiß ich doch, wie gut er's meint. So weiß ich doch, daß er verzeiht die Sünden, die mein Herz bereut; und wåren meiner Sünden mehr als meiner Haar', als Sand am Meer. 2. Wenn ihn mein Glaube fest umfaßt, erleichtert er die schwerste Last! wenn Elend und Gefahr mir draut, ist er's, der fanft mein Herz erfreut! Noch nie hat er mir Trost versagt, wenn Angst mein banges Herz zernagt; floh nur mein banges Herz ihm zu, ich fand, so oft ich suchte, Ruh! 3. Und folgte nicht auf Nacht der Tag! wenn nur die Seele warten mag; nur still im dunklen Glauben liegt, nur sanft an Christi Herz sich schmiegt.- Die frohe Stunde kommt mit Macht, und bringt mir Licht für diese Nacht. Vergebens harrt die Seele nicht auf Gott und feines Trostes Licht! L. 12. Junij. 164. Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt. Pf. 41, 2. Wohl dem, der sich des Elenden erbarmet. Sprüch. 14, 21. Wohlthun ist ein gesegneter Garten. Sir. 40, 17. Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl. Zebr. 13, 16. Wie wohl hat uns der Herr gethan? wie viel hat er an uns gewendet? Blut und Leben gab er, nicht nur all das Seinige, Sich Selbst gab und giebt er ewig uns hin. Nun verlangt er zwar nichts von uns für sich, aber unsern armen elenden Brüdern, die er seine Brüder, seine Elenden nennt, sollen wir geben, was wir ihm gerne geben möchten und geben sollten, wenn er es bedürfte. Was würdest du thun, wenn du beim Anblick des schreienden Elendes deinen Heiland in dem Armen 266 erblicktest? wenn er dir seine Wunden zeigte, die er für dich empfangen; wenn er zu dir språche: Sieh, das hab' ich für dich gethan, da ich dich in deinem Blute liegen sah! Was thust du nun für mich? Sage mir, was würdest du thun, wenn du den Heiland leibhaft im Armen sähest, hörtest?- Das thue nun; denn sein Wort muß dir so viel seyn als seine Person. Wer wohlthut den Leidenden, pflanzet sich einen Garten, dessen Früchte ihn zur Zeit der Noth und in der Ewigkeit noch erquicken werden. Jede Wohlthat ist ein Saamenkorn für die Ewigkeit ausgestreut, das unfehlbar Früchte bringen wird. Pflanze tåglich nur ein oder zwey Bäumchen in diesen Garten- so hast du nach einem Jahre schon 365 Bäume zuletzt wird es ein Wald. Doch sieh ihn nicht an, um dir darin wohlzugefallen, sondern laß deine Linke nicht wissen, was die Rechte gepflanzet hat. — Nach eigner Mel. 127. Oder: Gieb dich zufrieden und sey stille. 1. Erwacht und herrscht ihr heilgen Triebe! die Liebe leb' in meiner Brust! Mein ganzes Leben sey nur Liebe, und Wohlthun meine größte Lust! Ja nimm, mein Herz, durch dein Erbarmen, die Last des Jammers von den Armen! und lade sie auf dich! 2. Mach' dir, mein Herz, die hohe Freude, des ganz Berlaßnen Trost zu seyn, in seinem lang' gefühlten Leide, das Gott nur kennt, ihn zu erfreun. Ja, du mein Bruder, ich will eilen, ganz deine Noth mit mir zu theilen. Gott, du hörst den Entschluß! 3. Sey mir gesegnet, niedre Hütte! wo unbekanntes Elend wohnt! Sey ruhig, Armer, deine Bitte hört der doch, der im Himmel thront! Er kennt die Leiden, die dich quälen, du darfst fie alle mir erzählen; mich sandte Gott zu dir. 4. Laß, Bruder, dich mein Herz umfangen, der, der mich schuf, der schuf auch dich! ich habe, was ich hab', empfangen! Gott gab mir Gaben nicht für mich! Wie sollt' ich dich nicht bald erquicken, nicht ganz an Leib und Seel' beglücken! so viel ich durch Gott kann. 5. Wir sind ja Jesu Christi Glieder; nimm, was dir nöthig 267 ist, von mir! Er giebt mir, was ich gebe, wieder, drum bring' ich fröhlich Labsal dir. Was soll ich dir, für den sein Leben der Herr hingab, o Freund, nicht geben? Ich geb's ja Jeſu selbst! 6. Stets will ich liebreich an dich denken, komm nur in meinen Bruderschooß, so oft dich neue Leiden krånken! Nie sey dein Leiden mir zu groß! Ja, ich will gern verlaßnen Frommen, zuvor mit meiner Liebe kommen. Gott kam auch mir I. C. L. zuvor! 13. Junij. 165. Wohl dem, dem die Ulebertretungen vergeben sind, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet. Pf. 32, 1. Wohl dem Volk, deß der Zerr ein Gott ist. Pf. 44, 15. Wohl dem, der auf ihn trauet, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn. Pf. 34, 9. 40, 5. Wohl denen, die ohne Wandel( unstråflich) leben, die seine Jeugnisse halten: Pf. 119, 1. 2. Wohl seyn, froh seyn, wollen und suchen alle Menschen, nur gewöhnlich da nicht, wo es zu finden ist. Che ein Mensch Vergebung der Sünden, von Gott in Christo, durch seinen Geist bezeuget und verpfändet, erhalten hat, kann ihm nirgend wahrhuft wohl, er kann nicht selig seyn. Vergebung, Gnade erlangen, ist die Thüre, der Anfang des wahren Wohlseyns. Geht er in der Gnade fort, låßt er sich von seinem Erbarmer auch heilen von allen Gebrechen, auch stärken in aller Schwachheit, erleuchten in dunklen Wegen, reinigen, heiligen durch seiz nen Geist gewöhnt er sich an Ihn, lernt in ihm bleiben, in ihm wandeln ohne Wandel, untadelich; so zeigt ihm der gute freundliche Heiland seine Gnadenschåthe, seine Heilsgüter, und macht ihn trunken von den reichen Gütern seines Hauses; läßt ihn täglich mehr schmecken seine Freundlichkeit, schenkt ihm die göttliche Natur, den reinen heiligen Sinn, macht ihn seinem Eben- 268 bilde gleichförmig an Gerechtigkeit, Seligkeit und Herr lichkeit. Und nun hat die Seele das wahre Wohlseyn, die Freude und Seligkeit gefunden, die ihr nicht wird genommen werden. Sie ruht in Jesu Armen. Wer will sie daraus reißen? wer ihr die Freude nehmen? wenn sie nicht selbst will, darf sie niemand aufwecken, niemand stören. Hohel. 2, 7. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: 0 daß ich tausend Jungen. 1. Wie wohl ist mir in Jesu Armen, an seiner Brust, in seinem Schooß! hier schmeck' ich ewiges Erbarmen; da werd' ich aller Sünde los. Da hab' ichs unaussprechlich gut; er wäscht mich rein mit seinem Blut. 2. Uch Gott! wie groß war mein Verderben! ich war verloren, blind und todt. Er rief mir zu: Du sollst nicht sterben; ich helfe dir aus aller Noth. Komm, armes Kind! komm doch heran; ich mache frey von Fluch und Bann." 3. Ich war mit Finsterniß umgeben; er fragte, was soll ich dir thun? Herr, daß ich sehe- dich, mein Leben! rief ich; er sprach: So siehe nun!- Sch sah ihn, ihn das Licht der Welt, der, was er uns verspricht, auch hält. 4. Ich war ein ungerechter Sünder; mein Heiland gab zur Buß' mir Zeit; Er zählt mich unter seine Kinder, und schmückt mich mit Gerechtigkeit. Umsonst macht er mich bösen Knecht von Sünden rein, froh und gerecht. 5. Ich war so ganz und gar verloren, mein Thun ging blos zur Hölle hin. Er aber hat mich neu geboren, und ändert täglich meinen Sinn. Er gießt mir Kraft und Leben ein, er macht, daß ich kann felig seyn. 6. Wie wohl ist mir in Jesu Armen, an seiner Brust, in seinem Schooß! Da schmeck ich ewiges Erbarmen, da nehm' ich zu und werde groß; doch bleib' ich klein in seinem Blut, und hab' es ewig in ihm gut. 14. Junij. 166. Da a es Gott wohlgefallen, daß er seinen Sohn in mir. offenbarte alsobald fuhr ich zu, und besprach mich nicht mit Sleisch und Blut. Gal. 1, 16. Der Geist der Wahrheit - 269 wird mich verklären. Joh. 16, 14. Wir alle aber schauen die Klarheit des Herrn mit aufgedecktem Angesicht.- 2 Kor. 3, 18. Chriftum kann man nicht durch Buchstaben und menschlichen Unterricht wahrhaft kennen lernen, nicht mit der Vernunft erforschen; man kann ihn auf keine andere Weise ergreifen, als wenn ihn uns der Vater offenbaret, und der Geist verklärt, wenn er uns sein Bild, wie er am Kreuze sich für uns hingab und starb, selbst vor die Augen des Herzens mahlt, und uns im Lichte Gottes klar macht, was das für uns zu bedeuten habe. Da schauen wir die Klarheit und die Liebe Gottes in ihrem schönsten Glanze mit aufgedecktem Angesicht, weil uns der heilige Geist die Decke weggehoben, die auf unserm natürlichen Verstande liegt, und unser Herz für seine Eindrücke und Strahlen geöffnet hat. Wem aber Christus also offenbar wird, der geht, wie Paulus, nicht mehr mit Fleisch und Blut zu Rath, frågt die Eigenliebe nicht, wie es ihr gefalle, sondern er fährt ungefragt zu, und ergiebt sich mit allem, was er ist und hat, an den hin, der sich ihm geschenket hat, und ist und bleibt ewig sein. Uch, wo Christus, das Heil der Welt, eingekehrt hat, da kann keine Frage mehr seyn: darf ich, soll ich nun Welt und Sünde und mich selber fahren lassen? Was wird die Welt dazu sagen? Was dieser oder jener denken? Nein, da hat man kein anderes Verlangen, keinen Wunsch und keine Frage mehr, als: Wie kann ich ihm gefallen? Wie kann ich ihn ununterbrochen genießen, unablässig ben ihm seyn? Wie kann ich mir alle Tage, ja so oft wie möglich, die Freude machen, ihn so zu haben, wie er sich mir in seiner Liebe und Freundlichkeit offenbaret? Mel. 13. Jef. Chr. herrscht als König. Oder: O wie selig sind die Seelen. 1. Unter allen frohen Stunden, so im Leben ich gefunden, bleiben die mir ewig neu, die, wo ich nach tausend Schmerzen das erfuhr in meinem Herzen, wer für mich gestorben sey. 270 2. Da ich stets im Stillen krankte, ewig weinte, weg vers langte, und nur blieb vor Angst und Wahn, ward mir plötzlich, wie von oben, weg des Grabes Stein gehoben, und mein Innres aufgethan. 3. Frag' nicht, wen ich da erblickte; und wer dann mein Herz erquickte; ewig werd' ich ihn nur sehn. Und von allen Lebensstunden, werden die nur, wie die Wunden, ewig heiter offen stehn. 4. Wenn sie Seine Liebe wüßten, alle Menschen würden Christen, ließen alles andre stehn; liebten alle nur den Einen, würden alle mit mir weinen, und in lauter Lieb' vergehn. v. Hdbg. 15. Junij. 167. Ich freue mich des Herrn. Pf. 104, 34. Jch will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Pf. 34, 2. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünde vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen 2c. Pf. 103, 2. 3. O wohl dir, wenn du aus des Herzens Fülle in Wahrheit sagen kannst: Ich freue mich des Herrn! Selig bist du, wenn dein Herz Ursache hat, sich wirklich des Herrn zu freuen; wenn nicht nur Lob und Freude im Munde, sondern Gnade und Erbarmen des Herrn in deinem Herzen ist, und der Mund nur davon überfließt, wovon das Herz voll ist! Hast du die Vergebung der Sünden von ihm erhalten, und dafür Brief und Siegel in deinem Herzen, die nicht veraltet, nicht ausgelöscht und unlesbar gemacht sind durch neue Sünden und Untreuen, sondern vielmehr alle Tage durch neue Gnaden- Beweise des Herrn erneuert und wieder aufgefrischt werden, so daß es dir täglich bezeugt wird vom heiligen Geiste, daß er dir alle Sünden vergeben hat; und nicht nur dieses, sondern, daß er auch alle deine Gebrechen heilt, daß sein 271 Blut dich reinigt von aller Untugend; wer soll dir dann die Freude wehren? wer nicht in dein Lob einstimmen? Nie sollst du diese Gnade vergessen, alle Tage dich wieder neu daran erinnern. Allein viele wollen zwar Vergebung der Sünden von ihm nehmen, aber von dem Gebrechen wollen sie sich nicht heilen lassen; deswegen kann ihre Freude nicht vollkommen feyn; Gott gebe, daß sie nicht falsch und heuchlerisch ist! Vergeben und heilen, beides mill dein Heiland. Das sagt schon sein Name: Heiland. So heißt er, weil er heilet und gesund macht. Wer sich nicht auch heilen läßt von Gebrechen, nachdem ihm die Sünden vergeben sind; der ist in Gefahr, der Reinigung seiner vorigen Sünden zu vergessen und ganz blind zu werden. 2 Petr. 1, 9. Mel. 22. Es kam die gnadenvolle Nacht. Oder: Herr Jesu Christ. 1. O du, der mir den Ödem gab, der mich auch führt ans offne Grab! Herr, bis ans Ende meiner Bahn bet' ich dich stets als Heiland an. O du, den nie mein Auge sah, bist unsichtbar mir immer nah, und giebst mir täglich wundervoll, was mich mit dir vereinen soll. 2. Was alles thust du, Heiland, mir? Für alles, alles dank' ich dir! was deine Huld mir- gab und nahm vom Morgen bis der Abend kam. Nicht auszusprechen ist die Huld- zu preis sen, Gott, nicht die Geduld, die mich, mich Sünder schonend trug! wie, Langmuth, dank' ich dir genug? 3. Du lehrtest, lenktest, schütztest mich, und offenbartest herrlich dich in mir, durch mich, und deine Hand war bey mir, wo ich ging und stand. O Jesus Christus, meine Lust, blick' Huld herab in meine Brust! Die ganze Seele hångt an dir! ich glaube, mehre Glauben mir! 4. O sey mein Leben, Kraft und Licht! Verlaß mich, Jefus Christus, nicht! Und wenn auch alles mich verläßt, so halte dich mein Glaube fest! Du, der mir Fried' und Ruhe giebt, du, der mich unaussprechlich liebt! Du, der für mich einst litt und starb, mir leben durch den Tod erwarb! 5. O deine Liebe, Jesus Christ! wenn alles mir verschwun den ist, erfreue meinen bangen Geist, wenn er der Hütte fich entreißt! Du innig naher Jesus, du! des Schwachen Kraft, - des Müden Ruh! des meine Wonne seun! 272 Todten Leben! Du allein sollst ewig L. 16.Junij. 168. Und es fiel eine Stimme aus den Wolken, die sprach: Dieser ist mein lieber Sohn, den follt ihr hören. Und indem solche Stimme ge: schah, finden sie Jefum allein. Luk. 9, 35. 36. Auf diese Stimme, die aus den Wolken fiel, sollte billig alle Welt horchen. Über die Menschen können ihren Kopf und ihre Ohren hart in die Höhe halten, ge= blendet und betäubt von den Stimmen, die sie von unten hören. Die Welt liegt ihnen zu sehr in den Ohren, als daß sie Gottes Stimme Gehör geben könnten. Gott hat hiemit Jesum, als seinen liebsten Sohn, und als den glaubwürdigsten, hörenswürdigsten Prediger erklärt, feierlich, öffentlich vor den Jüngern auf Thabor, so wie dort am Jordan, Matth. 3, 17. und Joh. 12, 28. vor allem Volke. Aber der liebe Gott muß, wie alle seine Boten, selbst klagen: Wer glaubt unsrer Predigt? Gott hat hier vom Himmel herab gepredigt, und seinem Sohne ein wunderbares Zeugniß gegeben, hat ihn der Welt angeboten, ihn als Prediger und Lehrer installirt und confirmirt; und sieh! die Welt hat seiner gespottet, hat ihn am Ende als Gotteslästerer gekreuziget; den, den Gott selbst als seinen Sohn erklärt hat? Ja, sie will ihn auch bis auf den heutigen Tag nicht hören. Aber wer soll denn der Welt predigen; wenn sie diesen Prediger nicht hört, der eine so hohe, erhabene Kanzel hat, der aus den Wolken prediget, der so lieblich und freundlich prediget? Willst denn du nicht, lieber Leser! des Vaters Predigt vom Sohne glauben? Willst du nicht dem Worte und Zuge des Vaters folgen und zum Sohne gehen? wie ge= schrieben steht Joh. 6, 44.: Wer es vom Vater hört und 273 lernet, der kommt zu mir. Willst du nicht den über alles lieben, den der Vater über alles liebt? Willst du ihn nicht annehmen, da der Vater aus den Wolken ihn dir anbeut und schenket?- Als die Jünger die himmlische Predigt hörten, fanden sie niemand mehr als Jesum allein. Moses war weg, Elias war weg; damit fie gewiß wissen sollten, der Vater predigt vom Sohne, nicht von Moses und Elia, den Sohn sollten sie hören allein; den Sohn sollten sie predigen, nicht den Moses. Wer da Zuhörer seyn will, kann alle Tage die Predigt des Vaters hören; denn der Vater zeugt immer vom Sohne und zieht immer zum Sohne; wenn wir nur hören und folgen wollten! - mel. 24. Ach, wie tref bist du gefallen. Oder: Jeige dich uns ohne Sülle. 1. Prediger der süßen Lehre, die ich mit Erstaunen höre! Großer Arzt der Menschenkinder! du Evangelist der Sünder! Du Prophet des neuen Bundes! laß die Worte deines Mun des mir in Freude und in Pein lauter Geist und Leben seyn! 2. Herr, dein Wort ist mir ein Hammer, schlågt und zeigt Sen Seelenjammer. Es erquickt mich, wie der Regen, leuchtet mir auf allen Wegen, ist ein Stab für matte Glieder, ist ein Schwert, dem Feind zuwider; es giebt neue Geistes- Kraft, schmeckt wie Milch und Honigsaft. 3. Lehre mich dein Wort betrachten, mit Begierde darauf achten. Lehr' es mich im Geist verstehen; laß es mir zu Herzen gehen, daß ich es lebendig glaube, feinen Zweifel mir erlaube; daß ichs mit Gehorsam ehr', dich, sonst keine Stimme hör'! 4. Laß mich deine Worte essen, deine Lehren nicht verges fen, fest an der Verheißung bleiben, die Gebote willig treiben, keinen Schritt vom Worte weichen, deines Weges Ziel erreichen. Was die Welt erdenkt und lehrt, werde nie von mir gehört. 5. Weg mit euch, ihr falschen Geister! mir genügt an Einem Meister. Wißt, daß euch, der Fluch verzehret, wenn ihr auch selbst Engel wåret! Selig, selig find die Seelen, die allein sich Jesum wählen. Selig, wer den Vater ehrt, der uns zu ruft: Sesum hört! 19 274 17. Junij. 169. Gedenke, Herr, an David und an alle seine Leiden. Pf. 132, 1. 3able meine Slucht, fasse meis ne Thränen in dein Gefäß. Ohne Zweifel, du zähleft sie. Pf. 56, 9. Du speisest sie mit Thrdnenbrod, und tránkest sie mit großem Maaß voll Chránen. Du setzest uns unsern Nachbarn zum Jank, und unsre Seinde spotren unsrer. Herr Jebaoth, tröste uns; laß leuchten dein Antlig, so genesen wir. Pf. 80, 6. 7. Der Herr hat, wie wir aus diesen Klagen sehen, seine Auserwählten allezeit ir schwere Leiden und Prüfungen kommen lassen, daß man ihrer spottete, und sie sich in Thrånen badeten. Das muß keine Seele irre machen, sondern vielmehr bestårken und trösten. Klage dem Herrn deine Noth, wie David, da er von den Philistern ergriffen ward, den Herrn bat, daß er seine Flucht zählen, das ist, auf alle seine Leiden sehen und genaue Aufsicht darüber haben möge; daß er seine Thránen aufbehalte, daß er sie nicht umsonst geweint seyn, und vor seinem Angesicht nicht verloren gehen lasse; damit auf die Thrånensaat eine Freudenerndte folgen möchte durch die Barmherzigkeit des Herrn. So beteten diese alten Glaubenshelden, weil sie fest überzeugt waz ren, daß Gott alle Thränen zähle, und keine umsonst geweint sey; daß der Herr eine genaue Aufmerksamkeit auf unsre Leiden habe. Und dies ist ein großer Trost, wenn man im Leiden aufblickt zu dem Allsehenden, wenn man glaubig sagen kann: Herr, du siehst mich! Kein Mensch kann den Leidenden recht verstehen, das kann nur der Herr. Der versteht deine Blicke, die du zu ihm erhebest. Darum vertraue nicht auf Menschen und suche nicht Menschentrost suche das Untlig des Herrn; das allein hilft, tröstet und stärket, versüßet und vergutet alle Leiden. - 275 Mel. 76. un ruben alle Wälder. 1. O Allmacht, Weisheit, Güte! erquicke mein Gemüthe! Bist du nicht stets dir gleich? Gewohnt die heißen Zähren der Deinen zu erhören, nicht unaussprechlich mild und reich? 2. Oft thust du über Flehen, mehr, als wir Menschen sehen, und mehr als wir verstehn. Und jetzt sollt' ich vergebens zur Quelle meines Lebens, zu meinem Heiland, Jesus, flehn? 3. Nein, ich will dich nicht lassen, dich fest im Glauben fassen, als ståndest du vor mir! Ich weiß, du hörst mein Sehnen, ich weiß es, meine Thränen find alle schon gezählt von dir! 4. Ruf mich nur an in Nothen, sprichst du, ich will dich retten, harr' meiner im Gebet! Du håltst, was du versprochen, hast nie dein Wort gebrochen, so lange Erd' und Himmel steht. 5. Zeig', daß du bist und lebest, auf Menschen Achtung ges best, und Herr im Himmel seyst! Sich' doch mein Herze beben! wie will ich dich erheben, wenn du mein Herz recht bald errests and man freust! 6. Wie trostlos müßt' ich klagen, an deiner Huld verzagen, erhörtest du mich nicht. Wenn Sünder meiner lachten, mußt' ich, Herr, nicht verschmachten vor dir, vor deinem Ungesicht? 7. Es würden freche Rotten, Herr, deiner selber spotten, als hörtest du nicht mehr. Drum laß dich überwinden, und laß sie bald empfinden, Ein Gott sey heut' noch, der erhör'; 8. Ein Heiland, der die Seinen nicht trostlos lasse weinen; ein Fels der Zuversicht. Ach, laß michs bald empfinden, gedenk' nicht meiner Sünden. Ich las', ich lass', o Herr, dich nicht! J.C.L. 18. Junij.aids 170. Niemand jammerte dein- ich aber ging vor dir vorüber, und sahe dich in deinem Blute lies gen, und sprach zu dir: Du sollst leben. Ezech. 16, 5. 6. Die Elenden werden wieder Freude haben an dem Herrn, und die Armen unter den Menschen werden fröhlich seyn in dem Zeiligen Ifraels. Jef. 29, 19. Wenn unsern Jammerstand niemand bejammert, wenn die arme Seele nirgend Trost und Ruhe findet, S2 276 so geht der Herr bey ihr vorüber, nicht wie der Priester und Levit, sondern wie der Samaritan; und da er tiefer als dieser in die Wunden deiner Seele hineinsieht, die Gefahr, in der du schwebst, viel besser kennt, so naht er sich dir mit herzlicherm Erbarmen. Sieht er dich nun in deinem Blute, das ist, in deinen Sünden, und in den blutigen Thränen über deine Vergehungen, seufzen und schmachten, so bricht ihm sein Herz, ereilt dir zu helfen, er spricht zu dir: Du sollst leben und nicht sterben! Ich will, sey rein! Und was er spricht, das geschieht, was er gebeut, das steht da. Deine Ohren, die bisher taub waren, werden hören, deine Augen, die bis jetzt blind waren, werden sehen, wie freundlich er vor deinem Herzen steht, wie lieblich er Friede spricht in dein Herz. Dein Herz, das bisher verschlossen war allem Troste, wird aufgethan seyn, und sein allbelebender Trost wird eingehen und dir neues Leben und neue Freude in solcher Fülle mittheilen, daß du sagen wirst: Es ist zu viel, Herr, es ist zu viel; ich bin allzu gering der Barmherzigkeit, die du an mir thust. Da wird die arme Seele Freude haben an dem Herrn, der die Sünder nicht verschmåht, die zu ihm schreien; da wird dein Herz fröhlich seyn in dem Heiligen in Israel, der dir alle deine Sünde vergiebt und heilet alle deine Gebrechen. mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Denke nicht: Was soll ich machen? Långst gemacht sind deine Sachen. Sieh auf deines Jesu Thaten, da ist dir schon lang' gerathen. Lobe lieber seine Treue, freu' dich, daß er dein sich freue! Du sollst harren, stille seyn; bald kehrt Jesus bey dir ein! 2. Kannst du nichts, bleib vor ihm liegen, seines Geistes Kraft wird fiegen. Durch Beharrlichkeit im Glauben können auch die Lahmen rauben.*) ch, er weiß, wie dir zu Muthe, sieht dich wohl in deinem Blute, naht sich dir, erbarmet sich, heilet und erlöset dich.*) Jef. 33, 23. 3. Kannst du dich nicht selbst erheben, hör', er ruft dir: Du sollst leben! Er macht Sünder zu Gerechten, zählet sie zu 277 Gottes Knechten. Und das thut er dir noch heute, denn ou bist schon seine Beute. Glaube und errette dich; fieh, der Herr erbarmet sich! 4. Brennt die Hill' in deinem Herzen? Sie verlöscht durch Jesu Schmerzen. Er verwundet Seel' und Glieder, und er heilet sie auch wieder. Laß doch deine Klagelieder, setz' bey seinem Kreuz dich nieder; trink sein Blut, ergreif sein Herz! D dann schwindet aller Schmerz. 19. Tunij. 171. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen, und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen. Pf. 55, 23. Denn er wird des Armen nicht so ganz vergessen, und die Hoffnung des Elenden wird nicht verloren feyn. Pf. 9, 19. Wir können alles leicht wegwerfen und fallen lassen, nur das, was wir wegwerfen und auf den Herrn werfen sollen, dieses Werfen verstehen wir nicht oder sehr schlecht. Der Heiland steht, gemäß diesem und andern Sprüchen seines Mundes, vor uns, sieht uns in unserm Jammer, in unsrer Angst, Furcht und Bangigkeit, es bricht ihm sein Herz, er ruft uns zu: ,, Mein Kind, gieb nur her, was dich jammert, wirf auch mich die Last, die dich niederdrückt, ich sehe, du kannst sie nicht tragen." Und wir wollen nicht, wir können uns nicht trennen von der verhaßten Last: wir geben ihm nicht, was wir doch nicht tragen können; wir halten fest, was er uns gütig abnehmen will. Sind wir nicht verkehrt und eigensinnig zu unserm eignen Schaden? Wer aber die Kunst gelernet hat, alles auf den Herrn zu werfen, wer weiß, wie nahe er uns steht, wie gerne er alles annimmt, was wir auf ihn legen, der bleibt ohne Furcht und Angst; er hålt sich an seine Zusage, an den Trost der Schrift, die nicht lügen kann. Der Herr kann unmöglich eines armen Leidenden, der auf ihn hofft, vergessen oder ihn verlassen. 278 Nein, nicht vergessen, nicht verlassen, prüfen will er nur deine Hoffnung, dein Vertrauen, deine Gelassenheit. Wie könntest du denn deine Heffnung und Zuversicht beweisen, wenn keine Leiden über dich kämen? Wie könnte deine Geduld geübt werden, ohne Uebung, ohne Stoff zur Uebung, ohne Trübsal? Also wirf, wirf all deinen Kummer auf den, der seine Hand, seinen Schooß offen hålt, um ihn dir abzunehmen. Hoffe auf ihn, er wirds wohl machen. Dein Kummer ist ein Dornbette, das du dir selbst bereitest; wirf dich dem Herrn in seine Arme, so liegst du auf Rosen und Flaum. Mel. 92. Vor allem, was ich Schönes weiß. Oder: Warum betrübst du dich. 1. Mein Herz, warum betrübst du dich, und willst in mir so angstiglich voll Gram und Unruh' seyn? Ach, stille dich und denke doch, es lebt ja unser Herr Gott noch. 2. Er lebt und stirbt auch nimmermehr; so ist kein Trauern nicht so schwer, das er nicht åndern kann; er prüfet nur auf kurze Zeit die Hoffnung und Gelassenheit. 3. Dwie verkehrt ist unser Sinn! wir betten uns auf Dornem hin, wenn wir voll Sorgen sind, und könnten, wenn wir's wollten thun, bey Gott auf lauter Rosen ruhn. 4. Du hast ja Gott in Gottes Wort, den theuren Schab, den starken Hort. Wie! gnüget dies dir nicht? Wer sich an diesen Reichthum hålt, ist reicher als die ganze Welt. 5. E3 thut zwar weh, doch gieb dich drein, Geduld wird hier der Balsam seyn, der alle Wunden heilt. Geduld und unverzagter Muth macht endlich alles Böse gut. 6. Ja, harr' und hoffe fest auf ihn; die Hoffnung wird voll Segen blühn, der Leib und Seel' erfreut; die Zeit rückt morgen wohl heran, daß ich ihm fröhlich danken kann. 20. Junij. 172. Der Herr wird dein ewiges Licht, und dein Gott wird deine Zierde seyn. Deine Sonne wird nicht mehr untergeben, noch der Mond den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht seyn, und die Tage deines Leis 279 dens werden ein Ende haben. Und dein Volk follen lauter Gerechte seyn. Jef. 60, 19-21. Hier ist ein ewiger Wechsel der Dinge. Bald haben wir Freude, bald Leid. Jetzt wandeln wir im hellsten Mittagslichte, in lauterm Frieden, in der seligsten Nähe des Herrn; dann wird wieder alles dunkel vor unserm Auge, und schwarze Nacht decket uns die Nähe des Herrn zu, die Sünde stürmet auf uns los, die Feinde drohen uns zu verschlingen. Wie müde Wanderer im finstern, fremden und gefährlichen Lande, wo lauter Rauber und Mörder wohnen, pilgern wir und sehnen uns nach dem Vaterlande, wo lauter Gerechte wohnen, wo Gute und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich kissen, Pf. 85, 11.; wo die Sonne nicht mehr untergeht, wo der Herr unser ewiges Licht ist. Doch könnten wir auch hier schon eine bleibendere Ruhe und einen ungestörteren Frieden genießen, wenn wir nur auf Ihn Lähen, der als die ewige Sonne in unsrer Seele leuchtet, auch im Finstern unser Licht ist, Mich. 7, 8. Nur die Unbeständigkeit des Herzens, der schwache Glaube erzeugt diesen Wechsel in uns, daß wir nicht unwandelbar in unserm unwandelbaren, ewig treuen und unveränderlichen Heiland stehen bleiben. Wer in ihm bleibt, der hat den unveränderlichen Trost, der ihn nie verzagen läßt: Der Herr wird unser ewiges Licht seyn. Mel. 22. Es kam die gnadenvolle Nacht. Oder: Herr Jesu Christ. 1. Evangelium für mich! wie elend wär' ich ohne dich! Was bist du, Jesus, Jesus mir! wie bet' ich an, wie dank' ich dir! 2. Wie froh schließ ich mein Auge zu; denn dein bin ich, denn mein bist du! Wie voll von Hoffnung schlaf' ich ein! wie frob wird mein Erwachen seyn! 3. Du zeigst ein herrlich Erbe mir! wär' ich schon, ach schon bey dir! Doch harr' ich noch, die Stunde naht, wo Freu Denernote wird die Saat! TEAD 4. Wo jede Zähre, hier geweint, wo jede Wehklag', jeder 280 Feind, wo jeder Kampf und jeder Schmerz, wird Wonn' und Segen für sein Herz! 5. Nicht ferne mehr, wie nahe schon die Stunde Gottes! Gottes Lohn! die ewge Freiheit, die dem Geist des Glaubenden der Herr verheißt! 6. Anbetung dir, Erlöser dir! durch dich wird Alles, Alles mir! O unaussprechliches Gefühl! Anbetung ohne Maaß und Biel!- L. 21. Junij. 173. Es ist gut, dem Zerrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Menschen. Pf. 118, 8. 9. Bey Gott ist mein Zeil, meine Ehre, der Sels meis ner Stärke, meine Zuversicht ist auf Gott. Ps. 62, 8. Die ganze Schrift vom ersten bis legten Worte ermahnt und fordert uns auf zum Vertrauen auf den Vertrauenswürdigsten, und warnet uns vor dem Verz trauen auf Menschen, auf Geschöpfe; ja, sie verflucht den, der auf Menschen vertraut, der Fleisch zu seinem Arm macht. Sie verspricht allen Segen und alles Heil dem, der auf den Herrn vertrauet. Jer. 17, 5. 7. Der ist wie ein Baum an Wasserbächen, wie ein Fels im Meere. Deß ungeachtet vertrauet man so gern auf Menschen, sieht sich immer nach menschlichen Stüßen um, und vergißt den Herrn und seinen Arm, als wenn er nicht wäre, als wenn er uns nichts verheißen hätte. So schwer wird es dem Menschen, sich an das ewigfeste, unvergångliche, das er nicht sieht, zu halten; lieber hält er sich an einen Strohhalm, den er sieht; lieber stützt er sich auf ein Moosrohr, das er mit der Hand faffen kann, das aber bald, ehe er sich recht darauf stågt, bricht und ihm durch die Hand geht. Wer nun gelernt hat, auf den Herrn zu vertrauen, der auch im Meere Wege, und in tiefen Wassern Bahn machen kann, der steht mits 4 281. ten in Ungewittern wie ein Fels im Meere, angefochten, verfolgt, aber doch unbeweglich, unerschütterlich, fest auf dem Grunde seiner Zuversicht, der nicht wanket. Wer nicht auf die Gefahr, nicht auf die schwankenden Wellen und Wogen der Trübsal, sondern auf den Steuermann sieht, der noch niemals Schiffbruch gelitten, dessen Schiff noch nie untergegangen ist, der sitt ruhig und steht fest in seinem Gott, als wenn nichts wåre, als wenn nur er und Gott, als wenn kein Unglück und keine Gefahr waren. - mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. Wie gut, wie gut ists, Gott vertrauen! so tief, so innig fühlt' ich's nie; sanft Bonnethrånen niederthauen, denn deine Huld entlockten sie. Da steh' ich wie ein Fels im Meere, bestürmt und doch versenkt in Ruh, so voll Vertrauen, Gott, als wäre nichts auf der Welt, als ich und du! 2. Wie gut, wie gut ists, Gott vertrauen! Ich fühls, wenn mich das Elend würgt, wenn hinter schwarzer Wolken Grauen sich jeder Stern vor mir verbirgt. Was ists, wenn Peiniger uns hassen, wenn um uns zischt der SchlangeSpott? Wenn Brüder selber uns verlassen? Wir sind doch stark, wir haben Gott! 3. Gott! wie gut ists, dir vertrauen! Was that dein Sohn? Er traute dir. Er ließ die Skorpionen hauen, und sprach: Der Vater ist mit mir. Er trug die Schmach der Dornenkrone, der Geißel Zug, des Kreuzes Pein, und hüllte sich beim lauten Hohne der Holl' in sein Vertrauen ein. 4. Gott! wie gut ists, dir vertrauen! Auf Fürsten, den erhöhten Staub, sollt' ich den Thurm der Hoffnung bauen? Auf Fleisch, des Wurms gewissen Raub? Onein, du Helfer aus den Nöthen, in dich, in dich bau' ich hinein. Für meinen Fürsten will ich beten; doch mein Vertrauen, Gott, ist dein! 5. Wie gut, wie gut ists, dir vertrauen! der helfen kann und helfen will; ich wandle fort auf meinem rauhen bethränten Pfad und schweige still. Dein Sohn steht ja auf diesem Pfade, und spricht: Die Leiden dieser Zeit sind lauter Zeugen meiner Gnade, und enden sich mit Seligkeit. 6. Wie gut, wie gut ists, dir vertrauen! Mich dünkt, ich seh' dich voller Huld auf meine Leiden niederschauen, als hört' ich dich: ,, Geduld! Geduld! Dich decken meiner Liebe Flügel! Vertrau' nur Gott, und sey getreu! Bald sprengen deines Kerkers Riegel; mein bist du dann und ewig frey." Schbt. 282 22. Junij. 174. Einer trage des andern Last. Gal. 6, 2. Wir aber, die wir stark sind, sollen die Gebrechlichkeit der Schwachen tragen. Rom. 15, 1. Seyd aber unter einander freundlich, herzlich, und vergebet einander, so wie euch Gott vergeben hat in Christo. Eph. 4, 32. 11 Welche Lasten haben wir unserm Heilande aufgelegt fürwahr, er trug unsre Krankheit Gott warf all unsre Sünden auf ihn und wie sanft, wie stille ging das Laním unter unsrer Last, ohne seinen Mund aufzuthun. Er sagt wohl: Du hast mir Arbeit gemacht mit deinen Sünden, du hast mir Mühe gemacht mit dei nen Missethaten- aber nicht, um sich zu beklagen oder zu beschweren, oder uns Vorwürfe zu machen - denn er sett gleich bey:- Ich, ich tilge deine Uebertretung um meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht. Jes. 43, 24. 25. Er will uns also nur zeigen, wie auch wir die Arbeit, Mühe und Last, die uns andere mit ihren Gebrechen auflegen, stillschweigend tragen und ihrer gar nicht gedenken, alle Beleidigungen vergessen und vergeben sollen. Oder wollten wir Vergebung von ihm nehmen, und unsern Brüdern ihre Sünden behalten? Würde er es uns nicht machen, wie dem Knecht im Evangelio? Matth. 18, 33. 34. Wem die Last, die ihm andere auflegen, zu schwer wird, der sehe auf den Rücken des Lammes Gottes, und frage: Wer hat dir diese schwere Bürde aufgelegt? Wer hat dich so geschlagen? verwundet? getödtet? und warum schweigst du so stille und leidest so geduldig?- Die Antwort wird sich dann von selbst geben. L 283 Hauslied. Mel. 108. O du Liebe m. L. Oder: Jesus Christus ist die Liebe. 1. Mocht' hier eine Gotteshütte bey uns Menschenkindern seyn! Liebe, komm in unsre Mitte! fehr' in unserm Hause ein! Laß den Frieden bey uns wohnen, alle Eines Sinnes seyn, die wir hier beisammen wohnen, alle deiner, Herr, uns freun! 2. Laß uns treu und redlich handeln! sey du immer uns im Sinn! Laß uns kindlich vor dir wandeln, schenk' uns stillen, sanften Sinn! Daß doch keins das Undre plage, Keines unzufrieden sey; Eins das Andre willig trage, fern von Zorn, von Unmuth frey! 3. Ach, wir sind doch alle Sünder! Keines ist vom Bösen rein; sey'n wir Greise oder Kinder, allen macht die Sünde Pein. Und doch trågt uns Gottes Güte, trågt uns liebvoll allzumal; im Pallaste, in der Hütte, trågt uns hier und überall. 4. Eines müssen wir noch) lernen, durch das Leben still zu gehn, uns von Liebe nie entfernen, wenn wir Brüder fehlen sehn. Gott, mein Gott, verzeiht mir gerne." Das, das muß dir tröstlich seyn. Nun so merk' es dir und lerne, als sein * Fnbg. Kind, wie er, verzeihn. 23. Junij. 175. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Pf. 77, 4. Der Herr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrüber wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Klagl. 3, 31. 32. Herr, aus der Tiefe rufe ich zu dir. Pf. 130,1. Wer in die Höhe will, muß zuvor in die Tiefe, wer in den Himmel will, muß zuvor durch eine Hölle. Ohne schwere Betrübniß wird in dieser Welt wohl keiner durchkommen. Mußte nicht Paulus, mußten nicht alle Auserwählte des alten und neuen Bundes durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen? Mußte nicht Christus in alle Tiefen und Abgründe des menschlichen Leidens hincin, mußte nicht seine Seele betrübt werden bis zum Tode! Ist dies wohl vorzüglich zur Versöhnung für unsre 284 Sünden geschehen, weil Gott all unsre Missethat auf ihn warf; so ist es doch nicht weniger auch zu unserm Troste geschehen, und destomehr zum Troste, jemehr wir glauben, daß er durch seine Betrübniß die ewige Betrübniß von uns abgewendet hat, und daß wir uns jetzt in aller Traurigkeit zu ihm mit Zuversicht wenden können und dürfen. Wenn du also betrübt bist und mit David in der Tiefe liegst, so geselle dich zu deinem Heiland am Delberg; er kann dich trösten, er weiß, was es um cin betrübtes Herz ist. Er betrübt dich aber, daß du auch weißt, was er für dich gelitten, und wie sehr er dich ge= liebet hat. Er wird dich nicht sterben lassen in deiner Betrübniß, er erbarmet sich wieder. Such' du nur ihn, so findest du das Ende deiner Traurigkeit. Mel. 76. un ruhen alle Wälder. 1. Uch Sesus! Jesus! höre, was ich von dir begehre! ach neige doch dein Ohr! Aus meiner Seele Ticfen, wie je Beklemmte riefen, schrey ich zu dir, o Herr, empor! 2. Erbarmer deiner Kinder! Begnadiger der Sünder, erbarme meiner dich! Gedenk' an dein Versprechen! Mir will mein Herz zerbrechen! Erhör', erhör', erhöre mich! 3. Schau, Helfer aller Urmen, mit göttlichem Erbarmen, schau meine Thránen an! Du bist die Kraft der Schwachen, kannst Todte lebend machen; du bist's, der Ulles, Alles kann! 4. Laß diesen Trostgedanken nicht in der Seele wanken, er sey mir Licht und Kraft! Laß, Jesus! diesen Glauben mir keinen Zweifel rauben, du bist's, der Alles, Alles schafft. 5. Gieb, daß ich zu dir flehe, als wenn ich hier dich sähe, der du unsichtbar bist! Ja, du bist in der Nähe, wenn ich dich gleich nicht sehe, bist in mir, treuster Jesus Christ! 6. Drum will ich nicht verzagen, dir kindlich Alles sagen, was meine Seele hofft. Laß deine Macht mich sehen, erhör' mein heißes Flehen, du hörtest mich ja doch schon oft! 7. Wie viele tausend Herzen hast du von großen Schmerzen, hast du vom Tod erldst! Gern hilfst du den Betrübten, halfft Allen, die dich liebten, an dir, an dir halt' ich mich fest! L 285 24. Junij. 176 Gott, deine Gerechtigkeit ist hoch, der du große Dinge thust. Gott, wer ist dir gleich? Pf. 71, 19. Der sich selber für uns dahin gegeben hat für unsre Sünden 2c. Gal. 1, 4 Berr, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich; ich will sie verkündigen und davon sagen, obwohl sie nicht zu zählen sind. pr. 40, 6. Alle Werke Gottes sind hoch, groß und unbegreiflich; aber sein größtes Werk und Wunder, das er an uns Menschenkindern that, ist und bleibt ewig, daß der Schöpfer aller Dinge selbst so geringe, und ein Bürge, das Lösegeld für seine verschuldeten Geschöpfe geworden ist. Die Welten alle erschaffen, kostete ihn nichts, kaum ein Wort: Es werde! so stand es da; aber die verdorbenen Geschöpfe wieder gut und neu zu schaffen, kostete ihn die tiefste Erniedrigung in den Staub, in das sündliche Fleisch, die größte Schmach, den bittersten Schmerz, den schmählichsten Tod. Darum kann eine Seele, die die Liebe ihres Heilandes am Kreuze, die ihn in seiner Schmach und Todesnoth betrachtet, nicht oft genug vor Verwunderung ausrufen: Herr, wer ist wie du? wer ist dir gleich? Groß sind die Wunder und Gedanken, die du an uns beweisest! Man kann sie nicht zählen, und kann doch nicht davon schweigen; man kann sie nicht würdig genug preisen, und doch- wer sollte was anders preisen, als diese Großthaten Gottes, vor denen alles Großgenannte zu nichts wird, und alles für herrlich gehaltene wie ein Traum verschwindet. mel. 119. Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 1. Wo ist ein solcher Gott, wie du! du schaffst den müden Herzen Ruh', Ruh', die nicht zu ergründen! Ein Abgrund der Barmherzigkeit verschlingt ein Meer voll Herzeleid; du Herr 286 vergiebst die Sünden! Jesu! ja du låßt dich würgen als den Bürgen aller Sünden, mich dir ewig zu verbinden. 2. Herr, unsere Gerechtigkeit! wie hoch wird der im Geist erfreut, der dich im Glauben kennet! Du bist sein Schmuck, die Gottespracht, die ihn vollkommen schöne macht, die ihm das Herz entbrennet. Laß mich ewig, Himmelssonne! Seelenwonne! dich genießen, mich in deinem Lob zerfließen! 3. Holdselig süßer Friedefürst! wie hat dich nach dem Heil gedürft't der abgewichnen Kinder! Du stellest dich als Mittler dar, verbindest, was getrennet war, Gott und verdammte Sünder! Freude! Beide werden Eines, ungemeines Werk der Güte! Jesu, du bist unser Friede! 4. O süßes Lamm! dein treuer Sinn nimmt Schuld und Strafe von mir hin. Sie liegt auf deinem Rücken! Du blutest an dem Kreuzespfahl; ich seh' dich, unerhörte Qual, nach Leib und Seele drücken. Diese füße Fluth der Gnaden heilt den Schaden; durch die Wunden hab' ich ewig heil gefunden. 25. Junij. 177. Nehmer und esset, das ist mein Leib, der für euch dahin gegeben wird; thut das zu meinem Andenken. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; thut dieß, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. So oft ihr also dieses Brod esser und diesen Kelch trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen. 1 Kor. 11, 24-26. - Es war dem Heiland so sehr daran gelegen, sich uns unvergeßlich zu machen, sich so in unser Herz und unsern Sinn einzuschreiben, daß wir ihn nicht mehr aus dem Andenken und nicht aus dem Herzen verlieren sollten. Dazu gab er, was wohl vor und nach ihm keiner zum Andenken geben wird, sein Fleisch und Blut, seinen Leib und Leben Sich selbst. Wer giebt sich selbst seinem Freunde zur Erinnerung, zum Beweis der Liebe? Darum follen wir auch nicht blos an ihn denken, und sein Abend— 287 CARCAS mahl soll uns nicht nur ein Gedächtnißmahl, nicht blos cine feierliche Erinnerung seines Todes- obwohl auch dieses seyn, sondern mehr noch, Nahrungsmittel, innige Gemeinschaft, Verbindung und Erneuerung des Lebens und Todes, und der Auferstehung Jesu in uns. Wer sichs lebhaft denken, zuversichtlich glauben kann: Diesen Leib, für dich dahin gegeben; dieses Blut, für dich vergoffen, ist dir zugleich Pfand des Lebens Jesu in dir, Pfand deines ewigen Lebens bey und mit ihm in seinem Reiche; ist die Speise, Nahrung, Weg- Zehrung auf der Pilgerreise durchs Erdenleben; dieses Mahl ist dir lebendiger, anschaubarer Beweis deiner Versöhnung mit Gott, der Vergebung der Sünden, der Gemeinschaft mit Christus und dem Vater, der Verbrüderung aller auserwählten Glieder des Leibes Jesu- denn da wir Viele Ein Brod essen, sind wir Alle Ein Leib- dieses Manna, das wahrhaftig aus dem Himmel kommt, giebt und erhält dir das ewige Leben; diese Brod des Lebens bewahrt dich vor dem ewigen Tode, und wird auch deinen Leib einst wieder erwecken. Dieses alles und noch mehr, denn auszusprechen ist es nicht, was alles in diesem Sakramente liegt, dieses alles recht lebendig gedacht und geglaubt, und gegessen und genossen, und in Saft und Kraft verwandelt wie reich, wie selig, wie stark macht es deine Seele! mel. 13. Jesus Christus herrscht als König. Oder: O wie se= lig find also wound de 1. Müßt' ich nicht mit Wehmuth ringen, könnt' ich wohl den Schmerz bezwingen, wenn noch heut' mein treuster Freund hin zum Martertode ginge, mich zum letztenmal umfinge, und an meinem Halse weint'; 2. Und für mich nun wollte sterben, er ernennte mich zum Erben, und vergosse dann sein Blut? Und ich hätt' ihn kalt geliebet, und ich hätt' ihn oft betrübet; Herz, wie wäre dir zu Muth? 3. Ach, wer zählte meine Thränen! O mie heiß würd' ich mich sehnen nach dem Freunde, der sich trennt; noch dich letzten 288 Augenblicke sich vergißt und für mein Glücke sorgt, noch sterbend Freund mich nennt? 4. Wie! wenn er mich selber båte: Freund, gedenke früh und späte Meiner! ach vergiß mich nicht! Tåglich lies in meinem Worte, denke mein an jedem Orte! Ach vergiß, vergiß mein nicht! 5. Größter aller Menschenfreunde! Jesus, so liebst du die Feinde, wie kein Herz sie lieben kann. So, du Schöpfer aller Welten, statt uns Rache zu vergelten, so nimmst du dich unser an! 6. Ach, wie muß dein Herze glühen! Brüder willst du dir erziehen, Himmelserben aus dem Staub! Sohn Jehova's! Friedensbote! Lebensfürst, du stirbst für Todte; nimmst dem Satan seinen Raub. L 26. Juný. 178. Mein Fleisch ist die rechte Speise, mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich in ihm- der hat das ewige Leben, und ich wers de ihn am jüngsten Tage auferwecken. Joh. 6, 55-57. Es ist also das Abendmahl eine wesentliche Theilnahme, ein wahrer Genuß der Früchte des Todes Jesu, oder Jesu Christi selbst. Wer im lebendigen Glauben ist, ist Jesum, und wer Jesum ist, hat das Leben Jesu, Jesum in ihm lebend, und lebt durch und in ihm. So sagte er selbst( Vers 58). Es effen wohl so viele im Abendmahle, aber ohne durch Jesum genährt und gestårkt zu werden; weil sie nicht im lebendigen Glauben effen. Was lebt, das hungert nach Speise und muß es sen, oder sterben. So auch der lebendige Glaube; Jesus ist seine Speise, nach der hungert, durch deren Genuß lebt und besteht er, ohne den stirbt er. Wo kein Hunger nach Jesu ist, ist kein Glaube, kein Leben des Glaubens, also auch kein wahres Essen; sondern da ist 289 nur Wort, Wahn und Gedanke, nur äußerliches, körperliches Essen, das die Seele nicht speiset und nähret. Ein Todter verstehts nicht und kann nicht effen. Wer lebt und hungert, den darf man das Essen nicht lehren. Der todte Glaube aber fragt staunend und spottend: was soll das seyn, Christum essen? Das ist es, was Jesus( Joh. 6, 58.) fagt, und Paulus Eph. 5, 14. u. 3, 17. Wache auf, der du schläfft, stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten, und dir zeigen, was es hei ße, Christum durch den Glauben essen, und im Herzen wohnend haben. Du wirst hungrig werden nach ihm, und der Hunger wird dich essen lehren. Das Abendmahl ward daher immer ein Sakrament der Lebendigen genannt, weil es als geistige Speise ein geistiges Leben voraussetzt, welches diese Speise nähren und erhalten soll; denn wo kein Leben ist, bedarf es keiner Speise. Die Todten können nicht effen. Die Taufe soll die Todten wecken, das Abendmahl die Erweckten und Lebendidigen nåhren, erhalten und stårken. Gewiß, da hat man ihn, so nahe man ihn auf Erden haben kann. mel. 13. Jesus Christus herrscht. Oder: O wie selig sind die Seelen. 1. Gott, geopferter Erbarmer, darf ein Sünder, darf ich Armer, unter deinen Freunden stehn? Mich schmückt nicht der Tugend Seide; nur im Demuth- Trauer- Kleide will ich, Heiland, zu dir gehn! 2. Tief bet' ich dich an im Staube; zwar noch bebt und wankt mein Glaube. Jesus, stårke mein Vertraun, wie einst jenen Christen- Schaaren, die, wie ich, auch Sunder waren, und doch glaubten, und jetzt schaun. 3. Den Gedanken darf ich wagen, darf ihn laut voll Freude sagen: Ich soll Eins mit Jesu seyn! Dieses Heil mir zu er werben, wollt' er für mich Sünder sterben. Ewig, ewig bin ich dein! 4. Ja, wer kann die Liebe fassen! Jesus wollt' am Kreuz erblassen, mich zu retten von dem Tod. Blut des Lamms, du wolltest fließen, daß wir ewig nun genießen, himmlisch Manna, Lebens- Brod! 22 290 5. Gnade Jesu, sonder Schranken, dich erreichen nicht Gedanken! werden soll ich, was er ist! Himmel sind für mich zu wenig: Jesus, aller Himmel König, Gott ist mein in Jesu Christ! 6. Nicht mehr sterblich, nicht verloren soll ich seyn, nein, neu geboren, rein für Gottes Vaterland! Halleluja, nicht mehr Sünder, Gottes Freunde sind wir, Kinder, deß ist uns sein Geist ein Pfand! 7. Pfand ist Christi Tod und Leben, wenn wir ihm, nicht uns mehr leben, Siegel unsrer Seligkeit! Aber Siegel des Gerichtes, wenn wir fliehn den Weg des Lichtes, wenn uns noch die Sünde freut! L. 27. Junij. 179. Sein Name wird ewiglich bleiben; so lange die Sonne währet, wird sein Name auf die Nachkommen reichen, und werden durch den felben gesegnet seyn; alle Nationen werden ihn preisen. Pf. 72, 17. Und es soll geschehen, wer den Namen des Herrn anruft, der soll se lig werden. UpG. 2, 21. Joel 3, 5. Welche Freude für uns, daß Er nicht nur Jesus, Hei land, hieß für die Apostel und ersten Christen, nicht nur für Ein Volk oder Eine Nation; nicht nur für ein Jahrhundert, sondern für alle Jahrhunderte, für alle Zeiten und Ewigkeiten, für alle Menschen, ewig, ewig Jesus, Heiland heißt und bleibt. Wenn wir auch nicht blieben, sein Name bleibt. Darum wollen wir auch bleiben im Glauben an seinen Namen. Er hat uns errettet, wird uns erretten, weil wir an seinen Namen glauben. Er wird alle ewig erretten, die ihn anrufen und ihre Kniee vor ihm beugen. Darum verzage nicht, hoffe, hoffe für dich und für alle Menschen. Sein Name bleibt ewig, das heißt: Sein Name wird und muß siegen auf Erden und im Himmel durch alle Ewigkeiten. Lebt dein Herz in der Kraft und in dem 291 Heile seines Namens, so wirst du wünschen und hoffen können, wirst zuversichtlich beten können, daß er, der Heilbringende, ja allen bekannt, von allen geglaubt, und allen zur Rettung und Beseligung werde, für die er gestorben ist. Liebst du seinen Namen, und weißt du, was er dir ist; strömt er dir Friede und Gnade zu, so oft du seiner gedenkest, so wirst du dieses Heil quch allen deinen Brüdern, aller Welt gönnen, und dich mit innigem Flehen sehnen nach dem Tage Jesu Christi, wo er herrlich erscheinen wird in allen seinen Heiligen, wo er angebetet wird von allen Zungen. Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Herr, ich falle vor dir nieder, finge deinem Namen Lieder. Wer, o Tilger meiner Sünden, wer kann deine Lieb' ergründen! mit welch erhabnem Herzen littest du die tiefsten Schmerzen, für mich Armen Schmach und Spott, für mich Sünder Kreuz und Tod! 2. Lob und Dank sey dir, mein Netter, mein Erbarmer, mein Vertreter! Meine Sünden willst du lösen, heilen mich von allem Bösen. Laß mich, weich' ich ab vom Guten, Herr, dich sehn am Kreuze bluten. O vergåß' ich Deiner nie, deiner treuen Liebe nie! 3. Liebe schlug dir deine Wunden! das soll mich in dunklen Stunden, wenn mich Ungst und Zweifel drücken, mit erhabnem Trost erquicken! Gieb, daß ich und alle Christen sich auf deine Zukunft rüsten, daß, wenn heut dein Tag gleich kám', Keiner, Herr, vor dir sich scham'! 4. Schaff', o Heiland aller Sünder, dir viel Junger, viele Kinder, die dir leben, leiden, sterben, deine Herrlichkeit zu erben! Komm, die Juden und die Heiden, großer Hirte! bald zu weiden; daß Ein Hirt und Eine Heerd' bald aus allen Volfern werd'! 5. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich sehn und ewig ehren! Halleluja! welche Freuden sind die Früchte deiner Leiden! Halleluja, ewig lebt, wer sein Herz zu dir erhebt! * L. T 2 292 28. Junij. 180. Lasser uns laufen durch Geduld in dem Rampfe, der uns verordnet ist. Jhr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde. Zebr. 12, 1.4. Verflucht sey, wer des Herrn Werk lässig treibt. Jer. 48, 10. So sprach der Herr durch Jeremia, da er zum Kampf gegen die Moabiter aufforderte; verflucht sey, der sein Schwert aufhålt, daß er nicht Blut vergieße Moab muß zerstöret und ihre festen Städte erstiegen werden spricht der König, welcher heißt der Herr Bebaoth. Ist dem Herrn an der Zerstörung der Moa biter so viel gelegen, und fordert er dagegen so sehr zum Kampfe auf; wird ihm nicht noch viel mehr angelegen seyn, daß die Moabiter in dir, das ist alles, was dir die Ruhe und den Frieden der Seele streitig macht, alles, was nicht dem Herrn anhångt, was Fleisch und Weltsinn heißt, zerstöret, und das Reich des Herrn in dir aufgerichtet werde. War jeder verflucht vom Herrn, der nicht blutig kåmpfte, sondern lässig war gegen Moab: wirst du Segen ererben, wenn du låffig bist im Kampfe gegen Welt und Sünde, gegen Fleisch und Blut, das alle Augenblicke deine Grenzen beunruhigt, vielleicht gar dein Land, dein Inneres eingenommen hat und dich beherrschet. Dagegen mußt du das Schwert des Herrn, und den Schild des Glaubens ergreifen und kämpfen ohne müde zu werden, bis Ruhe im Lande, bis Moab zerstört und die Festungen des Satans erstiegen und geschleifet sind. Lässigkeit, Trågheit bringt Fluch; ernster Kampf, unermüdeter Lauf im Kampfe bringt Segen, Heil und Frieden. Höre den Paulus, wie er die Hebråer schilt, daß sie schon den Muth sinken ließen, schon müde werden und die Waffen niederle — 293 gen wollten, da sie doch noch nicht bis aufs Blut gekämpfet, noch keinen rechten Ernst bewiesen hätten. So lange ein Moabiter, ein Feind deines innern Friedens, in deinem Herzen lebt, darfst du die Waffen nicht niederlegen. Läffigkeit ist der Weg zur Hölle; ernster Kampf der Weg zum ewigen Frieden. Mel. 86. Ich bete an die Macht der Liebe. Oder: Erquicke mich, du Seil. 1. O werdet doch des Kampfs nicht müde, weil man den Leib der Sünde trägt. Ob mancher Feind gleich von uns schiede, so sind darum nicht all' erlegt. Send stets bereit zu neuem Streite, verstårket euch von jeder Seite. 2. Laßt euch die Mühe nicht verdrießen, dies Wort der Warnung oft zu sehn; ein wenig Brod recht gut genießen, giebt Kraft den weitsten Weg zu gehn. man sicht nicht gleich sein eigen Wesen; man muß es oft bedachtsam lesen. 3. Der Blode wird Ermuntrung finden, was ihm die fal=sche Furcht benimmt; dem Leichtsinn wird die Hoffnung schwinden; und was noch in der Trågheit glimmt, das wird in neue Kräfte gehen, und jeder für sich etwas sehen. 4. O daß doch alles munter liefe, was von dem Herrn ergriffen ist! Die Tochter Zions nicht mehr schliefen! o merkten fie des Feindes List! Auf! auf! der Bräutigam ist nahe, daß jeder seinen Lohn empfahe! 29. Junij. 181. Dulden wir, so werden wir mit herrschen. 2 Tim. 2, 12. Die Liebe duldet alles. 1 Kor. 13, 7. Der Gerechte muß viel leiden, aber der Herr hilft ihm aus dem allen. Pf. 34, 20. Sreuet euch, daß ihr mit Christo leidet. 1 Petr. 4, 13. Nehmet euch zum Erempel das Leiden und die Geduld der Propheten. Jak. 5, 10. Der Christ ist zum Leiden auf dieser Welt bestimmt, 1 Theff. 3, 3. wie ihm dort im andern Leben ewige Freude und Wonne bestimmt ist. Lasset euch also di. Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch etwas 294 Seltsames; freuet euch vielmehr, des Kreuzes Christi und der Gemeinschaft seiner Leiden theilhaftig zu wer den, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung und Verherrlichung eures gekreuzigten Meisters Freude und Bonne haben möget. 1 Petr. 4, 12. 13. Wer hier aus dem Leidenskelch trinkt, wird dort auch von dem Freudenweine trinken. Wer sich die Freude und Herrlichkeit, die den frommen, gläubigen Duldern dort bereitet ist, recht lebhaft denken und sie immer im Auge haben könnte, dem würden Zentnerlasten des gegenwärtigen Leidens kaum wie ein Sandkörnchen erscheinen gegen die himmelhohen Berge der Freuden Gottes. Er würde sich schámen, ein Sandkörnchen zu scheuen, über eine solche Kleinigkeit nicht wegkommen zu können; er würde in das Lied des Apostels 2 Kor. 4, 17. 18. einstimmen, und sich sogar der Trúbsal rühmen, weil Trůbsal Geduld bringet, Geduld Erfahrung, Erfahrung Hoffnung, und Hoffnung nicht zu Schanden werden läßt. Rom. 5, 3. 4. mel. 16. 23leib bey Jesu. Oder: Ringe recht. 1. Dulde, Christ, des Lebens Leiden, dich dem Heiland ganz zu weihn. Besser sind sie oft als Freuden, als des Glückes Sonnenschein. Ob fie noch so schwer dich drücken, sind sie doch für dich Gewinn. Dulden führet zum Entzücken; Schmerz führt dich zur Wonne hin. 2. Duldend lernst du Gott vertrauen; selbst die Engel freun sich dein; lernest andere erbauen und dich selbst dem Himmel weihn. Flüchtgem Schmerze folgt die Krone, kurzem Kampfe ewger Sieg. Zu der treuen Zeugen Lohne führet Gott durch Leiden dich. 3. Wird nicht Gold bewahrt durchs Feuer, Glas durch Hitze klar und rein? So wirst du von Fehlern freier, besser durchdes Leidens Pein. Du hast Jesum dann zum Freunde, wirst den Heilgen ähnlicher, stårker selbst als deine Feinde, deinen Lieben lieblicher. 4. Hoff' in deinem ganzen Leben auf den Herrn, sey fromm und klein! Beuge dich, sey Gott ergeben, so gehst du zur Ruhe ein! Sey mit wenigem zufrieden, handle recht und rede wahr so findst du den ewgen Frieden, und bist selig immerdar. Adversa Mundi tol. Th. v. Kempis. 295 30. Junij. 182. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Joh. 14, 6. viele - Viele Wege, aber nur ein wahrer Weg Worte, und wenig Wahrheit; viel Schein, und wenig Wesen und Leben unter den Menschen, weil Christus so wenigen alles in allem ist. Man will nicht ganz und allein in Christo stehen, aus Furcht, man müsse in ihm wandeln- den Weg, der er selbst ist, und den er gegangen. Man lernt die Worte, ohne die Wahrheit zu ergreifen. Man redet von der Wahrheit, aber wandelt nicht in der Wahrheit. Man will Chriftum zum Troste auf der Zunge haben, aber nicht als sein Leben und Wesen im Herzen. Fern, daß dies Christenthum sey. So kommt man nicht zum Vater, so geht man nicht ins Leben ein, weil man den wahren Weg, die Wahrheit und das Leben nicht hat, nicht in ihm steht und geht, das Leben nicht in sich, sondern blos auf der Zunge, und in der Einbildung hat. Eine eingebildete Reise, ein unbetretener Weg führt uns nicht zum 3iele. Ist Christus dein Weg, so wandle ihn, sonst kommst du auch mit ihm nicht weiter. Ifst Christus deine Wahrheit, so laß fie dich frey machen von der Sünde Joh. 8, 32. 36.; denn das kann sie, das will sie, das muß sie, sonst wirst du nicht frey und kommst nicht zum Bater. Ist Christus dein Leben, wo lebt er denn? in dir? und du durch ihn? wo nicht, so bist du lebend todt, und wirst den Vater nicht sehen. So ergreife denn das ewige Leben und wandle den Weg der Wahrheit, auf daß du durch den Sohn zum Vater kommeſt. - Mel. 25. Wer Ohren hat, zu hören. Oder: Befichl du deine Wege. 1. Aus irdischem Getümmel, wo Glück und Luft vergeht, wer ist mein Weg zum Himmel, dahin die Hoffnung steht? 296 er spornet unser Streben, wenn es das Siel vergißt? Wer führt durch Tod zum Leben? Der Weg heißt: Jesus Christ. 2. Wenn Irrthum uns befangen, kein Strahl die Nacht durchbricht, wie können wir gelangen zum wahren LebensLicht? Getrost! es strömt die Klarheit von Gottes ewgem Thron, denn Christus ist die Wahrheit, der Eingeborne Sohn. 3. Wer schenkt in Noth und Leiden, wenn bang das Herz verzagt, die Hoffnung ewger Freuden, daß einst der Morgen tagt? Wer stillt der Seele Beben? Wer giebt im Tode Ruh'? Heil! Christus ist das Leben, führt uns dem Vater zu. * Adt. 183. Erster July. Sey getroft und unverzagt, fürchte dich nicht und zage nicht! 1 Chron. 23, 13. Jch sprach in meinem Jagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen; dennoch hörtest du meines Stehens Stimme, da ich zu dir schrie. Pf. 31, 23. Merke auf mich und erhöre mich, wie ich so klåglich zage und heule. Pf. 55, 3. 3age, wenn du nicht anders kannst; nur verzage nicht. Hebr. 12, 5. Die Propheten zagten und heulten, wie obige Verse beweisen, aber sie jauchzten auch wieder; den Aposteln ward bange, aber sie verzagten nicht. 2 Kor. 4, 8. Der Heiland fing an zu trauern und zu zagen, Matth. 26, 37. aber überwand und ging entschlossen seinen Mördern entgegen. Die Heiden müs fen verzagen. Pf. 46, 7. Die Ungläubigen, die keinen Gott haben, aber die Christen nicht. Es kommt wohl manchmal so weit, daß sie Gottes Schrecken leiden und fchier verzagen. Pf. 88, 16. Aber der Herr tröstet sie, wenn sie müde werden, daß sie nicht verzagen. Sir. 17, 20. Die aber ihre Hoffnung und ihr Vertrauen so ganz 297 fallen lasfen oder wegwerfen, daß sie nicht mehr glauben, was Gott in seinem Worte verheißen hat, und also von Gott abfallen, im geistlichen Kampfe unterliegen und dem Feinde den Platz lassen, deren Theil wird seyn im Schwefel- Pfuhl. Offenb. 21, 8. Darum muß ein Christ, wenn es noch so schlimm aussieht, sich der Schwermuth oder Verzagtheit nie gefangen geben; er mag heulen mit David, er mag winseln und klagen vor Gott, wie Jeremias, aber nur die Hoffnung nicht aufgeben: denn Hilfe kommt gewiß, wenn man nicht verzagt, nicht ablåßt mit Gebet und Flehen, Hoffen und Harren. Schien es doch den Geliebtesten Gottes oft, als hätte sie Gott verstoßen, und als wåre es ganz und gar aus mit seiner Barmherzigkeit, als káme keine Hülfe mehr; verzog doch der Herr auch bey ihnen so lange, daß fie kaum mehr aushalten konnten- aber endlich, endlich kam die Hülfe, der Trost, die Kraft dennoch, und sie waren destomehr erfreuet. Es mag also die Ursache deines Zagens seyn, welche sie wolle: Leiden, Unglück, Verfolgung, oder Versuchung, oder Schwachheit des Fleisches, die du so gern überwinden möchtest, und immer nicht überwinden kannst- verzage nicht, harre, hoffe so lange, bis Hülfe kommt; sie kommt gewiß, und solltest du bis ans Ende kämpfen und harren müssen. Denn giebst du dich der Verzagung preis, so weißt du schon, wohin du gehörst, so bist du gewiß verloren. Aber so lange du noch harrest, so lange ist noch Hoffnung der Rettung, und deine Seligkeit möglich. mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. Soll ich denn nun immer zagen? keinen heitern Blick mehr wagen? Nimmst du deinem müden Dulder keine Last von seiner Schulter? Schickst du, Gott, zu dem ich schreie, keinen Tag, wo ich mich freue? wird mir keine Hülfe mehr? Schickst du keinen Engel her? 2. Doch ich fühl', daß ich mich irre, wenn ich ungeduldig girre, viel zu schwer die Lasten schätze, kein Vertrauen in dich sezze, 298 deiner Liebe Wunderthaten so, als wär' ich unberathen, mir aus meinem Auge růck', nur auf meine Leiden blick'. 3. Vater, ach verzeih' dem Kinde meiner vielen Zweifel Sünde, meinen Unmuth, wenn ich leide; hilf, daß ich ihn ganz bestreite, von der Noth gebeugt, im Staube noch an deine Liebe glaube, vor dir niedersinken lern', denn du bist mir niemals fern. 4.O ich darf dich Vater heißen, ja, ich werd' dich ewig preisen, dich, der långst in Lieb' entbrannte, seinen Sohn dem Sünder sandte, der in seinem Elend thrånet. Du, durch seinen Tod versöhnet, dort am Kreuz auf Golgatha, du, du bist mir Schwachen nah! 5. Kann ein Vater was verderben an dem Kinde, an dem Erben? Kann die Liebe was versäumen? Nein, das sollte mit nicht träumen. Du gehst nicht vor mir vorüber; machst durch Leiden dir mich lieber, ziehest auf der Dornenbahn meines Heilands Bild mir an! 6. Jesus Christus, dein Geliebter, einst bis in den Tod Betrübter, blieb in seinen Marterstunden überdeckt mit Blut und Wunden. Sollt' ich mich denn nicht bequemen, seinen Kelch von dir zu nehmen? Denn ein solcher Leidensstand ist des Himmels Unterpfand. * G. Schöner. 2. Julij. 184. Und nun, Kindlein, bleibet in ihm, damit, wenn er erscheinet, wir Zuversicht haben, und nicht zu Schanden werden vor ihm bey seiner Jukunft. 1 Joh. 2, 28. Wer seine Gebote hält, der bleibet in ihm, und Er in ihm. Daß er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geiste, den er uns gegeben hat. 1 Joh. 3, 24. u. 4, 13. Wer böse ist, bleibet nicht vor dir. Pf 5, 5. Wer zurücktritt und bleibet nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott. 2. Job.9. Das Kommen zu Jesu, und seyn in Jesu, ist noch nicht alles; wer da bleibet in ihm bis ans Ende, der wird selig. Wenn einige etwas von der Nähe Jesu gekostet haben, so halten sie sich schon für ewig geborgen, 299 werden sicher und stolz, oder kalt, endlich gar lau; und anstatt in Jesu zu bleiben, bleiben sie in der Einbildung, in der falschen Zurechnung seiner Gnade und Gerechtigkeit, oder in dem eitlen Ruhme, Jesum einmal gehabt und erfahren zu haben. Bleiben, sagt Johannes, bleiben follt ihr in ihm. Fortwährend sollet ihr seiner theilhaftig seyn. Alle Tage ihn in euren Herzen erfahren, ihn immer nahe haben; den Glauben, die Liebe, die Gemeinschaft mit ihm tåglich erwecken, erneuern, und immer lebendig brünstig zu erhalten suchen. Dazu gehört das unablässige Gebet, das Jesus und Paulus so sehr empfiehlt, das auch alle, die in Jesu geblieben sind, treu geübt haben. Uch, man ist wohl bald erweckt, und freuet sich des Kommens Jesu in sein Herz; aber man hålt ihn nicht fest, und bleibet nicht in ihm. Man hat den Schatz gefunden, bewahret ihn aber nicht; man will nicht alles für ihn hingeben; man möchte Jesum und die Welt zugleich mit ihm behalten; möchte sinnliche Freuden, Ehre, Güter neben ihm genießen, möchte in Jeſu und zugleich in sich selber bleiben. Das geht aber nicht; bleibst du in dir und in deinem alten Wesen, so bleibt Jesus nicht in dir. Du mußt von dir ausgehen, dich selbst gånzlich verleugnen, deinen alten Menschen ans Kreuz schlagen, oder du kannst nicht Jesu Jünger seyn, nicht in ihm bleiben. Mel. 87. Wie herrlich ist's, ein Schäflein. 1. Nun Kindlein bleibt an Jesu Mutterherzen, und drückt euch fest an diese zarte Brust; sie giebt euch Ruh' in Seelund Leibes- Schmerzen; sie stillet euch mit reiner Himmelslust. Kommt nur, die ihr an Jesum glaubt, getrost herbey; er macht euch frey; drum Kindlein bleibt! 2. Nun Kindlein bleibt bey ihm; er bleibt euch stehen, wenn aller Kreaturen Trost zerrinnt; wenn Erd' und Himmel wird im Feu'r zergehen, und alle Welt mit ihrer Lust verschwindt; wenn Gott das Götzenvolk zerstäubt, wie leichte Spreu, steht er euch bey; drum Kindlein bleibt! 300 3. Nun Kindlein bleibt, wo könnt ihr's besser finden, als eben hier bey dieser Lebensquell', die trånket euch und reinigt euch von Sünden, erfreuet euch am Geist, an Leib und Seel. Ja, dieses Lebensbrod vertreibt die Hungersnoth; erhält im Tod; drum Kindlein bleibt! 4. Nun Kindlein bleibt in ihm, daß er euch schmücket mit reiner Seide der Gerechtigkeit, der euch bereits das Siegel aufgedrücket, daß er euch kennt und ihr die Seinen seyd; der euch sein treues Herz verschreibt mit eignem Blut. O welch ein Gut! Drum Kindlein bleibt! 5. Nun Kindlein bleibt in Jesu süßer Liebe, bis euch die Flamme ganz durchdrungen hat; ach, laß hinfort dem, was vom Sünden- Triebe noch in euch ist, nicht die geringste Statt. Wem Jesus sich ganz einverleibt, der hat das beste Theil er wählt; drum Kindlein bleibt! 6. Nun Kindlein bleibt in ihm in Kreuz und Leiden! Ging er, der Sohn, doch selbst den Dornenpfad; drum will er euch das Reich auch so bescheiden, wie es der Vater ihm beschieden hat. Wer nun den Sündenleib betäubt, bey Schmach und Hohn, empfängt die Kron'. Drum Kindlein bleibt! 7. O Kindlein bleibt mit Wachen, Flehn und Beten in eurem allerbesten Seelenfreund; so könnt ihr dann mit Freuden vor ihn treten, wenn er in seiner Herrlichkeit erscheint; wenn er im Fluche von sich treibt die fichre Welt, bleibt ihr bey ihm. Drum Kindlein bleibt! 8. Nun Kindlein bleibt in ihm mit stillem Herzen, so nimmt der innre Mensch beständig zu; denn die Zerstreuung macht euch lauter Schmerzen, und läßt die arme Seele nie in Ruh'; wer aber seine Zeit vertreibt im stillen Geist, hat Fried' und Freud'. Drum Kindlein bleibt! 9. Nun Kindlein bleibt in Jesu Wundenhöhle; dies Platz chen faßt ins Aug' beim letten Stoß; da, da hinein schickt eure theure Seele; so finden wir uns dort ins Baters Schooß. Herr, hör', was meine Schwachheit schreit, ruf' selbst den Deis nen zu: O Kindlein! Kindlein! bleibt! L. Laurenti. 3. Tulij. 185. daß ich wäre wie in den vorigen Tagen, da mich Gott behütete; da seine Leuchte über 301 meinem aupte schien, und ich bey seinem Lichte in Sinsterniß ging, wie zur Zeit meiner Jugend, da Gottes Geheimniß über meiner Hütte war. Hiob 29, 2-4. Wir harren aufs Licht, siehe, so wirds finster; auf Schein, siehe, so wandeln wir im Dunkeln. Jef. 59, 9. Das Volk, so im Sinstern wandelt, siehet ein gro ßes Licht, und über die da wohnen im Sinstern, scheinet es helle. Jes. 9, 2. Die Wege des Herrn, die er die Seinen führt, sind oft sehr dunkel, daß man kaum einen Schritt vor sich sieht, und nicht weiß, wo man hintreten foll. Schwarze Nacht umgiebt die Seele von allen Seiten, kein Sternlein leuchtet- Sonne und Mond sind untergegangen; der Weg rauh, uneben und gefährlich; da denkt man, wie Hiob, an die vorigen Tage und Jahre der schönen herrlichen Erleuchtung, wo man wie am hellen Tage im Lichte, in der Sonne der Gerechtigkeit wandelte, und wo man auch in der Finsterniß noch Licht genug hatte, um freudig und sicher zu wandeln. Aber Hiob mußte doch durch diese Nacht, und der Herr führte ihn auch durch. Hiobs Gott ist auch dein Gott- überlaß dich nur ihm, halte dich im Glauben, wenn du nichts siehſt, an seiner verborgenen Hand fest.- Sie hält dich, wenn du sie gleich nicht spürst; sie läßt dich nicht. Und wenn du auch mit Jefata sagen mußt: Wir harren aufs Licht, so wirds dunkel- statt des erharrten Lichtes froh zu werden, bricht immer mehr Finsterniß herein; so sey doch unverzagt: denn das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein großes Licht, wenn es nur im Glauben verharret. Der Herr ist gestern und heute und in Ewigkeit derselbe- wie er war in der Jugend meines Glaubens, da sein Geheimniß über meiner Hütte war, so ist er jetzt noch, wenn jett gleich nur Finsterniß meine Hütte - — 302 bedecket; Er åndert sich nicht-Er bleibt die Liebe, Treue und Wahrheit, in der Nacht, wie am Tage, beim Sturm, wie beim ruhigen heitern Sonnenschein. Wendere du nur deinen Glauben, deine Zuversicht nicht. Er åndert sich nicht. Mel. 122. Süter, wird die Nacht. 1. Ach, was wollt ihr trüben Sinnen, doch beginnen? traurig seyn hebt keine Noth. Es verzehret nur die Herzen, nicht die Schmerzen, und ist årger als der Tod. 2. Sich in tausend Thrånen baden, bringt nur Schaden and verlöscht der Jugend Licht. Unser Seufzen wird zum Winde; wie geschwinde åndert sich der Himmel nicht? 3. Heute will er Hagel streuen, Feuer drauen; bald gewährt er Sonnenschein. Manches Irrlicht voller Sorgen wird uns morgen ein bequemer Leitstern seyn. 4. Auf, o Seele! du mußt lernen, ohne Sternen, wenn das Wetter tobt und bricht, wenn der Nächte schwarze Decken dich erschrecken, dir zu seyn ein eigen Licht. 5. Du mußt dich in dir ergößen mit den Schäßen, die kein Feind zu nichte macht; die kein falscher Freund kann kranken mit den Rånken, die sein leichter Sinn erdacht. 6. Von der süßen Kost zu scheiden und zu meiden, was des Trostes Trieb begehrt, sich in sich stets zu bekriegen, und besiegen, ist der besten Krone werth. Ch. Hoffmann. 4. Julij. 186. Und des Mondes Schein wird seyn wie der Sonnenschein, und der Sonnenschein wird sie. benmal heller seyn, denn jegzt; zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volkes verbinden und seine Wunden heilen wird. Jes. 30, 26. Denn so das Amt, das die Verdammniß( das Gesetz, welches verdammt) prediger, Klarheit hat, wie vielmehr hat das Amt,( des Evangeliums) das Gerechtigkeit verkündiget, überschwengliche Klarheit. 2 Kor. 3, 9. Sie haben im alten Bunde wohl auch Licht gehabt; 303 denn der Messias, Jesus, leuchtete in allen Jahrhunders ten, doch war dort nur erst die Dämmerung, die Morgenråthe, jetzt aber im neuen Bunde leuchtet die Sonne im vollen Mittage. Seitdem wir ihn, Mensch- geboren, am Kreuze hångend gesehen, auferstanden, zur Rechten Gottes sißend wissen, seitdem er mit Feuer und Geist taufet, ist es doch ganz anders; und wir sehen am Kreuze mehr, als die Israeliten an der ehernen Schlange. Vor Zeiten redete Gott wohl auch mit den Menschen, aber nur durch seine Knechte; jetzt redet er mit uns durch seinen Sohn. Das geht besser zu Herzen. Denn seine Kreus. zespredigt ist doch das herrlichste, was man sich auf der sündigen Erde wünschen kann. Wenn der gekreuzigte Sohn zum Himmel schreiet: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen da unten nicht, was sie thun!( sonst hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuziget.- Wenn der Wiedererstandene uns seine Wunden zeigt und sagt: Der Friede sey mit euch! Nehmet hin den heiligen Geist! so ists doch ganz anders, als wenn Moses spricht: Verflucht sey, wer nicht alles hålt, was im Gesetze geschrieben ist! Vom Kreuze Jesu strahlt uns also das hellste, erfreulichste Licht in unsre Herzen, denn es bringt Gnade, Friede, Gerechtigkeit und Freude mit ins Herz; da hingegen Mosis Laterne nur die Schulden und Verbrechen aufsucht, das Gericht und die Hölle beleuchtet, um uns zu erschrecken doch auch heilsam, uns dadurch zum Kreuze zu treiben. Darum danken wir für beides; bleiben aber nur beim Kreuze bis wir ihn sehen werden wie er ist. Was wirds dann seyn?! Mel. 22. Die Seele Christi heilge mich. Oder: Schon dei: nes Namens. 1. Als Moses in die Felskluft trat, und um den GnadenAnblick bat, so kam der Herr zu ihm heran, und fing die große Predigt an. Er sprach: Der Herr ist, merket's euch, barmherzig, gut und gnadenreich, voll unermeßlicher Geduld, und ewig treu und voller Huld. — 304 2. Sein Wohlthun geht auf tausend Glied, und wo er Sunden- Elend sieht, da zeigt sich erst, wie sehr er liebt, und Sünd' und Missethat vergiebt. Vor ihm ist Keins von Sünde rein, so, daß wer nicht will Sunder seyn, das ist, sich für unschuldig hålt, dadurch in größre Strafe fällt. 3. So sprach der Herr, und dieses drang dem Moses durch sein Herz, er sank fußfällig vor ihm hin, und bat noch brünsti ger um Trost und Gnad'. Er schrieb die Predigt Gottes auf, und seßte sein Vertrauen drauf, daß es der Herr gewiß erfüllt, und seinen großen Kummer stillt. 4. Bey unserm Evangel'schen Licht, kann man in Jesu Ungesicht weit heller noch, als dort geschehn, den Abgrund des Erbarmens sehn. Wir sehn, wie er vom Throne kam und unser Fleisch und Blut annahm, und in die tiefste Noth versank, ja in des Todes Rachen sprang. - 5. Da wird uns erst die Predigt klar, die damals Mosis Trostlicht war, da strahlt in unser Herz hinein der Liebe Gottes heller Schein. Da wird die Seele so erquickt, daßß aller Kummer, der uns drückt, dem heilgen Freudengeiste weicht; da wird uns alle Mühe leicht. Rchl. - 5. Julij. 187. Der Herr Jebaoth ist mit uns, der Gott Ja kobs ist unser Schur. Pf. 46, 12. Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn: Wer will die Auserwählten Gottes anklagen( beschuldigen)! Gott ists, der fie gerecht macht. Rom. 8, 31-33. Wer in Gott steht, der steht fest und sicher, unbeweg= lich wie ein Fels im Meere, den alle Fluthen und Wogen nicht von der Stelle bringen, und wankend machen können. Die Auserwählten, die der Herr von der Welt erwählet und ihnen das Siegel des heiligen Geistes auf gedruckt hat, daß sie sein Eigenthum sind, die durch das Pfand des Geistes Gottes wissen, daß sie Kinder Gottes sind, weil sie von seinem Geiste getrieben werden, weil sein Geist ihrem Geiste Zeugniß von dieser Kindschaft 305 giebt; diese Auserwählten, die sich dem Herrn ganz hingegeben haben, unbedingt, ihm zu leben und zu sterben, sind unantastbar, Gott bewahrt sie wie seinen Augapfel. Weder Welt noch Teufel können sie beschuldigen oder verKlagen; denn Gott nimmat sich ihrer an, Gott vertheidigt sie und nimmt sie in Schuß; wer will gegen ihn aufkommen und bestehen? Sie fürchten niemand, wer könnte auch denen etwas anhaben, die Gott bedeckt und schützt? Und daß sichs Gott angelegen seyn läßt, ihr Hort, ihre Burg, ihre Zuversicht und Festung zu seyn, wissen sie ganz gewiß daraus, daß er sogar seines eignen Sohnes nicht schonte, sondern ihn für sie opferte. Wer das erKennt, wem das im Lichte Gottes offenbar und ins Herz geschrieben ist: Gott hat für dich, ja für dich seines Sohnes nicht geschonet, sondern ihn für dich hingegeben! der kann nicht mehr wanken im Vertrauen, in der Zuversicht zu seinem Gott. Was will ich mehr? denkt er. Ich habe ja schon so viel von Gott, daß ich nicht mehr erhalten kann. Wie fasse ich, wie genieße ich dieses alles, was ich bereits habe? Gottes Sohn ist mein! Herz, erweitere dich! wie kannst du diese Gabe fassen? Wer nun dieses Geschenk recht zu halten und zu bewahren versteht, dem ist nicht bange, alles, was er sonst nöthig hat, zu erhalten; ja er hat und findet in dem Einen schon alles andere. Nur sey jeder darauf bedacht, daß er ihn habe, und nicht nur sich einbilde, Theil an ihm zu haben. Wer den Sohn hat, der hat auch den Vater für sich und in sich. Und der kann mit Paulus sagen: Ich bin gewiß tc. Rom. 8, 38. mel, 36. Verföhner Gottes, was hast du verbrochen. 1. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, noch Engel, die des Höchsten Thron umgeben, noch Teufel, noch Gewalt, noch Feind und Leiden, von Gott mich scheiden. 2. Der Ewige, der über Sonnen thronet, hat für mich seines Sohnes nicht verschonet, voll Huld hat er, damit wir alle leben, ihn hingegeben. it 306 3. Wie sollt er nun, wenn uns die Sünden kránken, mit Jesus uns nicht Alles, Alles schenken? Ja Ulles, o des Wunders von Erbarmen! schenkt er uns Armen! 4. So knieet denn, Erlöste, theure Brüder, voll heißen Danks vor seinem Throne nieder, ihm alles, was wir haben, unser Leben, ganz zu ergeben. 5. Hier sind wir, Gott, du schenktest uns Verlornen das Liebste, Jesum, deinen Eingebornen, und wir, wir bringen dir voll reinster Triebe ein Herz voll Liebe. Münter. 6. Julij. 188. Wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht, und wenn man mit dem Munde beFennt, so wird man selig. Rom. 10, 10. Denn wenn wir muthwillig fündigen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit erlangt haben, so ist uns kein Opfer mehr für die Sünde übrig, sondern es wartet unser ein schreckliches Gericht und ein Seuer- Eifer, der die Widerwärtigen verzehren wird. Hebr. 10, 26. 27. Viele glauben, und rechnen sich die Gercchtigkeit Chris sti kühn zu; aber sie glauben nicht mit dem Herzen, sondern nur mit dem Munde. Mit dem Herzen glaubt man, der Herzens- Glaube macht gerecht, macht das Herz ges recht, macht das Leben, den Sinn und Wandel gerechtund mit dem Munde bekennt man, und das macht selig, wenn Herz und Mund zusammenstimmen. Wenn aber dein Mund die Gerechtigkeit Christi bekennt und sich zurechnet, aber dein Herz die Ungerechtigkeit liebt, so wirst du dich in deiner Rechnung betrügen, Gott wird einen Strich durch sie machen, und sagen: Jch kenne dich nicht, weiche von mir, du Uebelthäter! Wenn sich ein solcher todter Glaube das Verdienst Christi zurechnet, kann er sich die Hölle, den Zorn Gottes, verdienen. Denn, wer da sagt: er glauz be an Christum, er sey gerecht durch ihn, und lebt doch - 307 freiwillig und ohne Scheu in der Lust und Liebe zur Welt und Sünde; låßt sich von seinen Leidenschaften beherrschen, und ergiebt sich unbezähmt dem Zorn, der Lust, dem Ehrgeiz, dem Neide, dem Hasse, dem Geize, der Vergnügungssucht, zerstreuenden Welt- Freuden, dem Trunke oder der Unmåßigkeit, von was immer für einer Art, der lese sein Urtheil Hebr. 10, 28. 29. Abraham glaubte, und das ward ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, weil sein Glaube Gott gehorsam war. Du glaubst und bist ungehorsam, und rechnest dir selbst es zur Gerechtigkeit, Gott aber wird es dir zur Ungerechtigkeit ans rechnen. Denn, wem er Gerechtigkeit zurechnet, der hat sie, der ist gerecht, wie er auch gerecht ist. Wie Johannis 1 Br. 3, 7. sagt: Kindlein, lasset euch von niemand verführen. Wer recht thut, der ist gerecht, wie auch er gerecht ist. Mel. 98. Stun danket alle Gott. Oder: Der Herr sah Petrus. 1. Nie mus, o Jesus! doch bey falschen Christen- Heerden dein heiliges Verdienst der Sünde Schutzbrief werden! Man treibet alle Schand' und Greuel ohne Scheu, und schreit, daß alles schon durch dich gebüßet sey. 2. Der heißt ein Gläubiger, der nach dem Eitlen rennet, wenn er nur mit dem Mund im Tempel dich bekennet. Die Sünde, die ihn schwärzt, soll kühnlich dir allein, und was du je gethan, ihm zugerechnet seyn. 3. Er trott auf diesen Wahn, als auf den wahren Glauben, den soll ihm, ist sein Trost, tein Teufel jemals rauben. Und irret ihn gewiß auch Satan nicht hierin; er steiset ihn vielmebr in dem verstockten Sinn. 4. Doch weh' der blinden Schaar, die dieser Glaube wieget, und die ihr frecher Trost mit Schrecken einst betrüget, wenn deine Donnerstimm' vom Richterthrone spricht: Ihr Uebelthäter weicht; weg, weg! ich kenn' euch nicht! 5. Dich, Jesus, soll mein Herz den Herrn und Heiland nennen, und nicht der Mund allein vor Menschen nur bekennen. Man soll dein Ebenbild in meinem Wandel schaun, und dieser Wandel soll den Nächsten auch erbaun. 6. Erleucht und stärke mich daß ich den Reiz der Sünde 112 308 der in die Seele schleicht, bekämpf' und überwinde; daß ich von Selbstbetrug, vom Joch der Sünde frey, und nichts als Du allein mein Herr und Meister sey. 7. So laß mich nach dem Heil mit Furcht und Zittern trachten, und ja dein theures Blut nicht frevelnd unrein achten! Verhüte, daß ich nicht den Geist der Gnade schmäh', noch je ein Schattenbild an seiner Stell' erseh'! 8. So werd' ich allem Reiz der Sicherheit entfliehen; so wird der Glaube mich dir immer näher ziehen; so sterb' ich die ser Welt und lebe nur in dir; und du allein nur lebst mit dei nem Geist in mir. J. J. Spreng. 7. Hulý. 189. Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht: Joh. 3, 10. Etliche wissen nichts von Gott, das sage ich euch zur Schande. 1 Kor. 15., 34. Ich weiß, an welchen ich glaube. 2 Tim. 1, 12. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Siob 19, 25. Ach, daß sie es wüßten, daß sie es erkännten, was zu ihrem Frieden dient! sagte Jesus mit Thränen im Auge vor Jerusalem. So möchte man ja auch von vielen, die sich Christen nennen, ja, die sich zu den Erweckten bekennen, sagen. Denn viele wissen, bey allem, was sie von der Sache sprechen, doch nicht, wie sie daran sind. Es ist keine göttliche Gewißheit, kein Wissen aus Erfah rung in ihnen, kein Wissen des Herzens,( wenn es erlaubt ist, so zu reden?) sondern nur ein Wissen des Kopfes, des Gedächtnisses; nur ein Auswendiggelerntes, Gehörtes, Nachgebetetes. Sie haben gar nicht geschmeckt, oder viel zu wenig gekostet, wie freundlich der Herr ist. Sie haben die Worte im Munde, aber nicht die Wahrheit, das Wesen der Worte. nicht die Kraft der Wahrs heit im Herzen. So ist viel Gerede von Wiedergeburt, Bekehrung und Erweckung, aber es giebt wenig Wieders 309 11 geborne, Bekehrte und Erweckte. Viele wissen vielesvon der Wiedergeburt zu reden, nur ihre eigne Wiedergeburt und Erneuerung des Geistes wissen sie nicht; und darum verstehen sie im Grunde davon so wenig als Nikodem. Paulus flagte auch über Einige seiner Korinther; die wohl schwagen, richten und urtheilen, Partheien anrichten konnten und vieles wußten; aber was sie wis sen sollten, wußten sie nicht. Von Gott wisset ihr nichts", sagte Paulus, d. h. sie standen nicht im lebendigen, thätigen Wissen, nicht in der Erfahrung der Wahrheit. Das Herz wußte nichts von ihm. Paulus wußte, kannte den lebendig, an den er glaubte. Hiob wußte, erfuhr wahrhaftig, daß sein Erlöser lebt, d. h. er hatte die Kraft des lebendigen Gottes an seinem Herzen erfahren. So war es bey allen wahren Chris sten. Sie wußten, wie man wissen soll, sie hatten, was sie wußten, erfuhren das Leben deffen, was sie glaubten, trugen den in sich, an den sie glaubten, sie lebten in ihm und er in ihnen. Mel. 86. Ich bete an die Macht der Liebe. 1. O daß doch alle faule Christen, die stets ohn' alle Sorge gehn, fich einmal fragten, ob sie wüßten, daß sie ben Gott in Gnaden stehn? Wie wird sonst ihre Hoffnung schwinden, wenn sie sich einst betrogen finden? 2. In dem Besiz der Erdengüter sucht ihr ja so gewiß zu seyn, und zur Erlangung ewger Güter, fållt euch denn gar kein Kummer ein? wie werdet ihr denn dort bestehen, wenn wir den Richter kommen sehen? 3. Des Satans List hat das erlogen, daß man nur gar nicht zweifeln soll. Wie viele sind dadurch betrogen? Das eben macht die Hölle voll. Mit Ernst nach seinem Heiland fragen, das heißt man nicht an Gott verzagen. 4. Bedenket doch, wie wird es werden, wenn es mit euch zum Sterben geht? Wist ihr es nicht schon hier auf Erden, wie es um eure Seele steht, so wird euch des Gerichtes Schrecken aus diesem Todesschlummer wecken. 5. Dagegen denket, wie voll Freuden muß doch ein Herz im Tode seyn, das sagen kann: Durch Jesu Leiden ist ganz gewiß 310 der Himmel mein! Das schon mit Ernst auf dieser Erden sucht in der Gnade fest zu werden? 6. Wie froh und selig kann der sterben, der sterbend von sich sagen kann: Mich kann kein Tod, kein Grab verderben, denn Jesus nahm mich Sünder an. Da müssen alle Zweifel schwei gen, weil's Gottes Wort und Geist bezeugen. 7. O darum, Sünder! sey gebeten, der du dies liest, der du dies hörst; ach, eile zu dem Thron zu treten, dem du bis heur den Rücken kehrst. Mit Freuden wird dich Jesus hören; er wird dich segnen und bekehren. 8. Wie wartet deiner dein Erbarmer! wie gern schenkt er dir Seligkeit! Komm doch! ruft er dir zu, du Armer! verlaß einmal die Sicherheit! Versäume nicht, dich zu erretten, sonst bleibst du ewig in den Ketten! * Wdf. 8. Julij. 190. Denn ich weiß, er wird befehlen seinen Rindern, und seinem Hause nach ihm, daß sie des Herrn Wege halten. 1 Mof. 18, 19. Es ist bes fer ein frommes Kind, als tausend gottlo se. Sir. 16, 3. Ihr Våter, erbittert eure Kinder nicht, daß sie nicht scheu werden. Kol. 3, 21. Gott hat Abraham versprochen, daß alle Völker in ihm sollen gesegnet werden. Warum? das sagt dir der liebe Gott selbst, nämlich, weil er vorhersah, daß er seinen Kindern und seinem Hause die Wege des Herrn lehren und führen würde. Sieh, das war der rechtfer tigende Glaube Abrahams, der solche Werke zeugte. So offenbarte er seinen Glauben, und dieser thåtige Glaube ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Du glaubst auch, aber was thust du deinen Kindern und Hausges noffen? Gott weiß, ob du sie des Herrn Wege lehrest und sie mit deinem Beispiele führest. Gott sicht nicht nur auf deinen Glauben im Munde, sondern auf deinen Glaus ben im Leben und Wandel, in Erziehung deiner Kinder. 311 Dein Blaube kann dich nicht selig machen, wenn du deine Kinder verdammt werden läßt. Du gehst nicht den Weg des Herrn, den Weg des seligmachenden Glaubens, wenn du nicht auch deine Kinder und Untergebenen auf den rechten Weg leitest. Haft du es früher versehen, da du selbst noch böse und verkehrte Wege wandeltest, und kannst du jetzt deine von dir selbst irrgeführten Kinder nicht mehr auf den rechten Weg zurückbringen, mit allem Ernst und Fleiße, den du anwendest, so höre doch nicht auf, sie zu ermahnen, zu warnen und zu bitten; ermůde nicht im Wachen und Flehen zum Herrn; verzage nicht, der dich selig machte, wird auch deine Kinder retten, wenn du nur nichts versäumest. Wie könntest du ohne deine Kinder selig seyn? Besser wäre es ja, sie wåren dir nicht geboren, als ewig verloren. Doch erbittere fic nicht durch Zwang zum Seligwerden. Das låst sich nicht zwingen, wohl aber hindern und sie noch tiefer ins Verderben stoßen. Erziehe und führe sie, wie Gott dich geführt hat. Thue ihnen, wie der Herr dir gethan hat. Habe Geduld, doch nicht Helis Geduld; sondern die Ge duld der brünstigen Liebe, die Geduld Gottes, die jedermann zur Buße leitet.( Für Kinder gilt dasselbe, wenn sie unbekehrte, ungläubige Eltern haben.) - Mel. 85. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Wie heilig sollen Eltern wandeln, da ihre Kinder auf sie sehn! wie nöthig, daß sie weise handeln, mit ihnen heilsam umzugebn, weil den, der Aergernisse stift't, ein unertråglich Wehe trifft. 2. Gebt Acht auf sie, und wenn ihr sehet, daß Jesus ihre Seclen rührt, ja, daß ihr Herz wohl heimlich flehet, so sorgt, daß ihr sie weiter führt. O löscht das Funklein ja nicht aus! Blast zu, so wird ein Feuer draus. 3. Ach, laßt euch keine Mühe reuen; denkt, wie geschäftig Jesus war. Die Kinder pflegen sich zu scheuen, und machen nicht gleich offenbar, was öfters schon im Herzen liegt, drum fragt, daß ihr's zu wissen kriegt. 4. O faßt sie recht mit heißer Liebe! Laßt euch herab, be 312 weist Geduld; doch zeigt auch heilgen Ernstes Triebe. Erst führt sie recht auf ihre Schuld, hernach zum Glauben an das Lamm; dann liebt ihr Herz den Bråutigam. 5. Mit seinen Kindern selig werden, das muß wohl große Freude seyn. Allein, wenn dort bey ganzen Heerden die Kinder über Eltern schrein, und so zusammen untergehn, da muß es wohl erbármlich stehn! 6. Herr Jesu! Heiland aller Sünder! Ich habe mir dein Wort gefaßt, das Wort: Hier bin ich und die Kinder, die du mir übergeben hast. Ogieb auch mir solch Segenstheil, sey mein und meiner Kinder Heil! 27. Du sagst: Ich habe Keins verloren. Wie gerne sagt ich dir es nach! Sie sind ja doch für dich geboren. Du trugst für alle deine Schmach. O mache mich doch frey und rein, daß kein Kind über mich kann schrein Wdf. 9. Juli. 191. Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Wer die Welt lieb hat, in dem ist die Liebe des Vaters nicht. Denn alles in der Welt ist Augenlust, Sleischesluft und offarth des Lebens. 1 Joh. 2, 15. 16. Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet. Matth. 26, 41. Ihr schlafet noch? sagte der Heiland zu den Jüngern, als er von seinem ersten Gebete am Oehlberge zurůck kam, und sie voll Schlafs fand, vor dem er sie vorher so nachdrücklich gewarnet hatte. Er sah die Gefahr voraus, kannte ihre Schwachheit, darum empfahl er ihnen Wachen und Beten. Sie verschliefen aber das Wachen und Beten und fielen alle schåndlich. Du schlässt noch, du Menschenkind! und du hast drey Hauptfeinde in dir und um dich; denn du haft die Welt in dir, und in der Welt ist nichts als Augenlust, Fleischesluft und Hoffarth des Lebens. Das sind drey gewaltige Feinde, die du unmöglich überwinden kannst, wenn du nicht Ver 313 stårkung von oben suchst, und nicht beständig auf deiner Hut bist. Wer nicht wachet, wer sein Christenthum schläfrig treibt. giebt diesen Feinden selbst Waffen in die Hand, und liefert seinem Gegner Nahrungsmittel und Hülfstruppen in seine Festung, daß er sich långer halten kann und zuleßzt unüberwindlich wird. Du hast den Feind, den Dieb im Hausc, und schläfft ruhig, als wenn keine Gefahr wäre. Wie sehr erleichterst du ihm seinen Sieg und Raub. Das Fallen ist uns sehr leicht, wir sind geboren als Gefallene; wir bringen die Neigung zum Fall mit auf die Welt, und können das Feststehen und Geradegehen nur lernén durch Gnade und tågliche Erneuerung des innern Menschen, die durch den Geist von oben geschehen muß. Wer sich diesen Geist der Kraft nicht täglich von Gott ausbittet, und nicht beſtåndig in diesem Geiste wachet, liegt dem Feinde im Schooße und schläft- welch ein schreckliches Erwachen, wenn ihn am Ende der tiefe Sturz in den Abgrund aufwekken wird! Ligne Mel. 99. Oder: Bet' Gemeine. 1. Mache dich mein Geist bereit, wache, bete, finge, daß dich selbst im harten Streit, nie dein Feind bezwinge. Unverhofft hat er oft Frommen nachgestellet, und sie auch gefället. 2. Liegst du etwa,( prüfe dich!) noch im sichern Schlafe? Schnell steh' auf, denn fürchterlich ist des Richters Strafe; und der Tod, eh' er droht, reißt oft schnell aus Sünden in der Hölle Schlünden. 3. Schläfst du noch; erwach', erwach'! daß dich der erleuchte, der so oft dir Heil versprach, oft die Hand dir reichte; aber du schliefst in Ruh, sankst wohl ohne Kummer in noch tiefern Schlummer. 4. Höre nur, sobald er ruft, und, durch ihn erstanden, geh aus deiner Todtengruft, aus des Fleisches Banden. Werde Licht! såume nicht! Weisheit, Licht und Leben kann nur er dir geben. 5. Wache, daß dich Satans List nicht aufs neu' betrüge. Du, sobald du schlåfrig bist, hilsst ihm selbst zum Siege. Gott giebt zu, daß auch du, wenn du sorglos wallest, in sein Netz ihm fallest, 314 6. Wache, daß dich nicht die Welt mit Gewalt bezwinge, noch ihr, wenn sie sich verstellt, ihre List gelinge. Wach' und sieh, daß du nie auf Verführer hörest, Weltgunst nie begehrest. 7. Wache, daß dein eignes Herz dich nicht schnell bethore, niemals sich in Freud' und Schmerz wider Gott empore. Denn es ist voller List, kann sich selber heucheln und mag gern sich schmeicheln. 8. Aber bet' auch stets dabey! Bete bey dem Wachen. Gott muß dich von Trägheit frey und behutsam machen. Dir verleiht Munterkeit, die dir nichts kann rauben, nur sein Wort vom Glauben. 9. Auf, und nahe dich nur frey hin zu seinem Throne! Er, ist auch dein Herz dabey, höret dich im Sohne. Mit dir wacht Gottes Macht, daß Fleisch, Welt und Hölle dennoch dich nicht fålle. 10. Auch Gesang erhöht den Muth und kann Sorgen dampfen; setzt das ganze Herz in Gluth, reizt mich fort zu kämpfen. Drum will ich, wenn schon mich Furcht und Streit umringen, Muth ins Herz mir singen. 11. Auf denn, daß du immerdar wachest, betest, singest, trot der schrecklichen Gefahr nach dem Kleinod ringest! Sen gewiß, nie vergiß, Gott wird einst dich richten und die Welt vernichten. Freistein u. Schlgl. 10. Hulfj. 192. Die mit Thränen såen, werden mit Freuden erndten. Sie gehen hin und weinen, und tra gen edlen Saamen, und kommen mit Freuden, und bringen ihre Garben. Pf. 126, 5. 6. Die se mit weißen Kleidern angethan, woher sind sie: woher kommen sie: Es sind die, welche aus großer Trübsal kommen, und ihre Kleider gewaschen und weiß gemacht haben im Blute des Lammes. Offenb. 7, 13. 14. - Ohne Thránensaat keine Freudenerndte. Ohne große Trübsal keine große Freude; ohne Kreuz keine Krone; ohne Kampf kein Sieg. Ohne Wehen keine Geburt. 315 Nicht, als müßten wir durch Leiden, Kreuz und Kampf die Freude und Seligkeit verdienen. Keineswegs! Frage den Apostel Paulus, der auch davon zu sagen weiß: daß, obwohl wir aus Gnaden und ohne Verdienst der Werke gerecht und selig werden, wir doch nicht ohne Trubsal, Verfolgung und große Leiden ins Reich Got tes eingehen können. Wenn du die ganze Bibel liesest, so wirst du beides finden. Theile nicht, was untheilbar 谁 ift. Dein Glaube an Christi Gerechtigkeit taugt nicht, wenn er nicht siebenmal im Schmelztiegel der Trúbsal, wie das Gold im Feuer, bewährt worden ist. Und wer könnte wissen, daß du deinen Heiland lieb hast, wenn du nichts für ihn littest, und auf Rosen in den Himmel wandeln wolltest? Frage alle wahre Christen aller Jahrhunderte, ob sie nicht vieles litten, und mit Thränen fåeten, ehe sie mit Freuden erndten konnten. Und wie uns Johannes, der Seher, der weiter sah als ich und du, berichtet, so weiß man dort, wo das Lamm sammt seinem Gefolge mit den Palmen und Kronen, in weißen Kleidern wandelt, auch nichts anders zu sagen, als daß alle, die dort weiß gekleidet sind, hier von der Hitze der Trübsal recht schwarz gebrannt waren; daß alle, die dort in die Herrlichkeit eingegangen, hier nicht auf Baumwolle wandelten, sondern über Dornen und durch rauhe Wege, durch Feuer und Schwert, Spott und Schande in die Freude ihres Herrn eingehen mußten. Willst du diese Wege gehen, so wirst du aus Gnaden selig, und deine Krone vor dem Lamme niederlegen. Mel. 106. Freu dich sehr, o. m. S. Oder: Fall' auf die Gemeine. 1. Alle Sorgen, alle Plagen nehmen mit der Zeit ein End'. Alles Seufzen, alles Klagen, das der Herr alleine kennt, wird, Gott Lob! nicht ewig seyn; nach dem Regen wird der Schein mit viel tausend Sonnenblicken meinen matten Geist erquicken: 2. Meine Saat, die ich gesået, wird zur Freude mir gedeihn; wenn die Felder abgemåhet, werd' ich mich der Erndte freun. Sturm und Wetter gehn vorbey, und dann bleibt der Himmel 316 frey. Nach dem Weinen, nach dem Streiten folgen die Erquicungszeiten. 3. Will man frische Rosen brechen, will man leiden in der Still, daß uns auch die Dornen stechen, es geht alles, wie Gott will. Er hat uns ein Ziel gezeigt, das man nur durch Kampf erreicht. Willst du einst das Kleinod finden, mußt du hier erst überwinden. 4. Unser Weg geht zu den Sternen, aber er ist steil und schmal. Jesu mußt du folgen lernen auch durch manches finstre Thal. In das Reich der Ewigkeit kommt doch niemand ohne Streit. Die in Salems Hütten wohnen, kämpften hier um ihre Kronen. 5. Sind nicht alle jene Frommen, die des Himmels Klarheit sehn, aus viel Trůbsal hergekommen? Darum werden sie auch stehn vor des Lammes ewgem Thron, prangen in der Ehrenkron', und mit Palmen ausgezieret, weil ihr Glaube triumphiret. 6. Gottes Ordnung stehet feste und bleibt ewig unverrückt, feine Freund' und Hochzeitgäste werden nach dem Streit erquickt. Ifrael behålt den Sieg, und dann endiget der Krieg: Nur die alles überwunden, haben Canaan gefunden. 7. Darum trage deine Ketten, meine Seel, und dulde dich. Gott wird dich gewiß erretten. Das Gewitter leget sich. Nach dem Blit und Donnerschlag folgt ein angenehmer Tag: Auf den Abend folgt der Morgen, und die Freude nach dem Sorgen. 11. Julij. 193. Ich harre taglich, dieweil ich streite, bis daß meine Veränderung komme. Siob 14, 14. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir: Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Pf. 42, 12. Das Leben des Christen besteht darin, daß er sich Gott mit Leib und Seele ergiebt und auf die vollkommne Erlösung harret, auf die vollendete Befreiung von allem Uebel, von aller Sünde, von allem Leiden, Kåmpfen, 317 und was immer den Himmel der Seele trüben kann. Dieses Harren und Hoffen will uns aber oft zu schwer werden, so, daß wir mit uns selbst in Kampf gerathen; man möchte es doch einmal anders haben. Man sehnt sich nach der großen Verånderung, aus dem Zeitlichen in das Ewige versetzt zu werden, von dem Streite in die Ruhe zu kommen. Allein, wenn es zu schwer werden will, macht man es, wie die tapfern Kriegesleute, die, wenn sie auch einen zu machtigen Feind gegen sich haben, doch nicht davon laufen, sich auch nicht gefangen geben, fondern sich tapfer wehren, in der sichern Hoffnung, daß ihnen ihr oberster Feldherr Hülfstruppen, oder Verstärkung zu rechter Zeit senden werde, daß sie nicht unterliegen. müssen. Und wer kann und darf dies mehr hoffen, als ein Chrift, desfen oberster Feldherr selbst hier gekámpfet hat, der dem Kampfe eines jeden seiner Streiter immer zusieht, immer selbst nahe und wohl gar in dem Streite selbst gegenwärtig ist, wenn er sich auch nicht spüren läßt? Nebst diesem Troste blickt der Christ noch hinaus auf die Krone der Herrlichkeit, die ihm, wenn er besteht und beharret bis ans Ende, zu Theil wird. Er denkt: Jetzt muß ich seufzen und leiden; einst, einst werde ich danken und lobpreisen, und gerade dafür am meisten, was mir in diesem Leben die größte Noth und Betrübniß verursacht. Ja gerade das wird meine größte Freude werden. Der jetzt sein Angesicht vor mir verbirgt, wird doch meines Angesichts Hülfe und mein Gott seyn; ich werde ihn schauen, ihn haben und genieBen; und das ist des Kampfes wohl werth. 20 mel. 100. Kommt Brüder, laßt uns gehen. Oder: Aus meines Herzens Grunde. 1. Dich krönte Gott mit Freuden, nach deinem schweren Streit; du gingst durch Schmach und Leiden zu deiner Herrlichkeit. Triumph war dir dein Zod. Dein Kampf war ausgekämpfet, der stolze Feind gedämpfet. Nun fuhrst du auf zu Gott. 318 2. Ich, Herr, dein Pilger, walle dir, meinem Führer, nach, und strauchle noch und falle, denn ich bin müd' und schwach. Du führst mich auch durch Streit, durch Kummer und durch Leiden zu meiner Zukunft Freuden, zu deiner Herrlichkeit. 3. Wie du des Todes Schrecken allmåchtig überwandst, als du, ihn ganz zu schmecken, Herr, im Gerichte standst; so stårkest du auch mich, durchs finstre Thal zu gehen; denn deine Frommen sehen im finstern Thal auf dich. 4. Mich, der ich hier ermůde durch einen schweren Streit, erquickt jetzt Gottes Friede, und dann in Ewigkeit. Der müde Kämpfer sinkt am späten Abend nieder; gestärkt erwacht er wieder, wenn ihm der Morgen winkt. 5. Ich wart' auf deinen Segen, ich wart' auf meinen Tod. Froh seh' ich ihm entgegen, dem Helfer aus der Noth. Er endigt meinen Lauf, und du nimmst meine Seele, die ich dir, Herr, empfehle, in deinen Himmel auf. 6. Drum harr' ich hier und streite, bis meine Stund' erscheint, und du stehst mir zur Seite, mein Retter und mein Freund! Der du mich ewig liebst, du tröstest mich im Leiden, und fåttigst mich mit Freuden, selbst wenn du mich betrübst. 7. Wenn ich nun bis zum Grabe vollendet meinen Streit, genug gekämpfet habe um meine Seligkeit; dann lohnest du auch mir den Streit, den ich gestritten, die Angst, die ich gelitten auf meiner Bahn zu dir. 8. Mit freudigem Vertrauen darf ich vom Kampfplat schon nach Salems Höhen schauen, auf meines Glaubens Lohn. Sinkt in dem Kampfe mir mein Urm ermüdet nieder, dies stärkt und hebt ihn wieder: Mein Lohn ist groß bey dir. 9. Erhalt' mir den Gedanken, groß ist bey dir mein Lohn, so werd' ich nimmer wanken von dir, o Gottes- Sohn! so bleib' ich dir getreu, der sich für mich gegeben, daß bald ein besser Leben mein ewig Erbtheil sey 12. Julij. 194. Durch Ihn haben wir beide( Juden- und Seiden- Bekehrte) in Einem Geiste den Zutritt zum Vater. Demnach seyd ihr nicht mehr Gåste und Fremdlinge, sondern Mitbürger mit den Zeiligen und ausgenossen Gottes. Eph. 2, 18. 19. 319 Wer Christum angezogen hat und in Christo wahrhaftig ist, und lebt, dessen Name ist im Himmel eingeschrieben, wo ihn niemand auslöschen kann, als die eigne Hand des Menschen, wenn er sie wieder nach der Welt und Sunde ausstreckt und von Christo zurückzieht. Wer aber in ihm bleibt, der hat sein Pläßchen im Himmel gewiß, das ihm niemand nehmen wird. Und wer dessen. gewiß ist, wird der sich nicht freuen, das Bürgerrecht im Himmel zu haben? Wird er sich nicht über alles Irdische stets erheben? wird er nicht mit seinem Herzen mehr droben als hier unten seyn? Ein Christ ist kein Gast und Fremdling im Himmel, im Reiche Gottes, in der unsichtbaren Welt, sein Geist ist dort schon wie daheim. Er kennt seine Heimath wohl, und weiß da Weg und Steg. Wer dort noch nicht so daheim ist, sondern noch fremde thut, und sich wie ein Gast nur selten dort einfindet, sich nur mit Mühe daran erinnert, der muß wohl kein wahrer Hausgenosse Gottes, kein Mitbürger der Heiligen seyn. Er bildet sichs etwa nur ein, er hat davon reden gehört, und es nachbeten gelernt. Die Hausgenossen kennen ihr Haus, sey es groß oder klein. Gottes Hausgenossen sollten Gottes Haus und Reich nicht kennen? sollten dort Fremdlinge, dort nicht daheim seyn? Lieber! an deinem Wandel im Geiste erkenne deine Bürgerschaft- ob du Welt- oder Himmelsbürger bist. Des Weltbürgers Herz hångt und wandelt in der Welt, des Himmelsbürgers Geist wandelt im Himmel und hängt an seiner Heimath. Mel. 15. Ich dank dir schon. Oder: 107. Er lebt, das ist das Losungsw. 1. Erheb', o Christ, dein Herz und Sinn, flieh' denkend von der Erden! Hinauf! schwing' dich zum Himmel hin! Ein Christ muß himmlisch werden. Was bist du in der Welt? Ein Gast, ein Fremdling und ein Wandrer. Wenn du kurz hausgehalten hast, so erbt dein Gut ein andrer. 2. Was hat die Welt? was beut fie an? nur schlecht und eitle Dinge; wer Gottes Himmel heffen kann, der schätzt die 320 Melt geringe. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch den Sinn aufs Niedre lenken? Nur wer an Gott denkt, denket hoch, So müssen Christen denken. 3. Sieh, Christ! nie sorgsam unter dich, wenn dich die Leiden drücken, sich glaubig in die Höh', und sprich: der Herr wird mich erquicken. Der Christen hohes Bürgerrecht ist dort im Vaterlande; der Christ, der irdisch denkt, denkt schlecht und unter seinem Stande. 4. Dort ist das reiche Canaan, wo Lebensströme fließen: blick' oft hinauf! der Anblick kann den Leidenskelch versüßen.Dort oben ist das Friedenshaus, Gott theilt zum Gnadenlohne den Ueberwindern Kronen aus, kámpf auch um Ruh' und Krone. 5. Dort fingen Engelchör' aus Pflicht von Gott und seinen Werken; Freund Gottes, sehnest du dich nicht, dies Loblied zu verstärken? Dort herrscht dein Heiland, Jesus Christ, der Tilger deiner Sünden; mit dem, durch den du selig bist, muß sich, dein Herz verbinden. 13. Julh. 195. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, damit euer ganzer Geist, Seele und Leib unstråflich erhalten werden auf die 3ukunft unsers Herrn Jesu Christi. Treu ist, der euch berufen bat, er wirds auch thun. 1 Theff. 5, 23. 24. Eine Heiligung durch und durch, eine Heiligung des ganzen Menschen, des Geiftes, der Seele und des Leibes will der Apostel; eine Unstråflichkeit bis zum Tage Chri sti, bis der Herr kommt, soll den Wandel des Christen zieren, sonst kann er nicht bestehen vor seiner Zukunft. Nun ist aber viel Gefahr in dieser Welt, viel Verder= ben in uns selbst, und unmöglich für uns, durchzukommen, und zu dieser Heiligung und unstråflichkeit zu ge= langen; darum weist der Upostel uns die rechte Quelle und den richtigen Weg dazu. Er sagt: Der Gott des Friedens soll uns heiligen; und das will er auch; dazu 321 giebt er uns reichlich seinen heiligen Geist, der da durch und durch, nicht nur äußerlich, nicht nur oberflächlich, pharisäisch, sondern wesentlich Geist, Seele und Leib heilig und unbefleckt machen und erhalten kann. Der Weg dazu ist gläubiges Gebet und Uebung in der Gottseligkeit, mit der Zuversicht auf die Treue des Herrn, der uns gewiß hilft und stårkt, wenn wir ihn nicht hindern, wenn wir uns ihm dazu alle Tage unbedingt hingeben. Wen er berufen hat, mit welchem er einmal in Gnaden angefangen hat, bey dem will er es auch hinausführen; wen er gerechtfertiget hat, den will er auch heiligen und verherrlichen, daß er dem Ebenbilde seines Sohnes gleichförmig werde. Nichts steht ihm aber da so sehr im Wege, als wenn wir kleingläubig, mißtrauisch sind, wenn wir denken, es wåre nicht möglich, dahin könnte man es doch nicht bringen 2c. Dergleichen Gedanken lähmen uns und versperren der Gnade den Eingang in unser Herz, betrüben den heiligen Geist, und machen uns am Ende aller Gnade verlustig. Denn wer nicht ganz rein und heilig seyn will, taugt nicht ins Reich Gottes; halbe Heilige, oberflächlich Geheiligte kann man im Himmel nicht brauchen. Durch und durch, oder gar nicht. Bedenke dich: Treu ist Gott; Er, Er, merke! Er will's auch thun. Dein Kleinglaube soll ihn nicht hindern. Nach eigner Mel. 71. Oder: Vater unser im Himmelreich. 1. Hier ist noch unsre Prüfungszeit, hier sind wir immerdar im Streit. Hier, wo uns Satan leicht berückt, das schwache Fleisch sich selbst verstrickt, die Sinne jedes Blendwerk rührt, auch böses Beispiel oft verführt. 2. Oft nehmen Laster überhand, und stromen übers ganze Land. Drum hûte dich! des Herrn Gericht bringt alle Sünden an das Licht. O sey im Glauben stets bereit, und flieh den Schlaf der Sicherheit! 3. Mein Vorsatz ist, ich will ihn fliehn; doch wie gelingt mir mein Bemühn? Gefahr nehm' ich hier bey Gefahr, und ein Netz bey dem andern wahr. Wie so viel Feinde drohen mir! Ach, wie entrinn' ich Schwacher hier? * 322 4. Die Welt hüllt in der Tugend Schein oft ihre Laster künstlich ein, preift den Genuß des Lebens an, schilt Frömmigkeit für finstern Wahn. Ihr Weg ist lustig, breit und voll; sie winkt mir, daß ich folgen soll. 5. Auch Satan reizt das Herz und sagt: ,, O Eine Sund' ist leicht gewagt! Die Ewigkeit ist ja noch fern." Und, ach, mein Fleisch gehorchet gern. Denn wie so leicht ist es bethört, da es verführt zu seyn begehrt. 6. Du, Jesu, mußt das Beste thun, mein Hoffen soll auf dir beruhn. Uch, durch dein Blut bin ich ja dein, dein Bruder, Herr, dein Fleisch und Bein! Mein Gott, mein Gott! laß nicht von mir, damit auch ich nicht lasf' von dir! 7. 3war ist mein Glaube klein; doch du, du starker Held, sagst Hülfe zu. Mein ganzes Herz ergiebt sich dir, ich weiß, durch dich gelingt es mir. Auf dich verläßt in aller Noth mein Herz sich fest bis in den Tod. 8. Wenn schon die Trübsal auf mich dringt, und überall mich Angst umringt, bleib ich doch stets in deiner Hand, die hålt mich in dem Prüfungsstand'. Gestatt' du dem Versucher nie, daß er mich deiner Hand entzieh'. 9. Mit dir, o Herr, kann ich bestehn, sollt' auch der Weltfreis untergehn. Ich will nicht zagen; ins Gericht kommt ja, wer an dich glaubet, nicht. Herr, steh in jedem Streit mir bey, daß ich durch dich ein Sieger sey! 14. Julij. 196. 12Stellet euch dieser Welt nicht gleich; sons dern lasset euch umwandeln durch Erneuerung eures Sinnes, so daß ihr prüfet, was Gottes Wille, was gut, was wohlgefällig, was vollkommen sey. Rom. 12, 2. Jch beschwöre euch in dem Herrn, daß ihr nicht mehr wandelt, wie die übrigen Geiden, in der Eitelkeit ihres Sinnes 20. Eph. 4, 17-24. - Es ist nichts Widersprechenderes, nichts Schåndli cheres, als wenn sich Einer Christi, des Gekreuzigten, seines Verdienstes und seiner Gnade rühmt, und die Welt, die den Herrn gekreuziget hat und tåglich kreuziget, noch 323 so lieb hat, daß er fich ihr gleichstellt, und dem Sinne des Gekreuzigten ganz entgegen handelt; wenn er Ehre sucht, und ihn jede Zurücksetung oder Nichtachtung seiner Person so sehr angreift und beleidigt, daß er sich unglücklich fühlt und auf Rache oder Selbsterhebung sinnet; wenn er nach irdischen Gütern trachtet, die Jesus verschmåht hat; wenn er die Lüste, die Bequemlichkeit, das unthätige Leben liebt, da Jesus sichs hat so sauer werden lassen in dieser Welt, ihn zu erlösen; wenn er noch Haß, Feindschaft, Abneigung, Groll in seinem Herzen nährt, und in seinem Betragen gegen Feinde blicken låßt, da Jesus für Feinde und Mörder betet, den Verråther küßt, und uns befiehlt, ein Gleiches zu thun; wenn er in keinem Dinge der Welt nachstehen oder von ihr zurückbleiben, sondern es ihr in allem nachthun will, um kein Aufsehen zu machen, um nicht verachtet zu werden, um in Ehren zu bleiben; wenn er Jesum und seine heilige Lehre nicht in Wort und Wandel bekennen will, sondern sich schåmt, als wahrer treuer Jünger Jesu aufzutreten in allen Stücken. Was thut er da anders, als die Heiden thun? als er vorher gethan hat, da er Jesum noch nicht kannte? Ich beschwöre euch, ihr Lieben! mit Paulus beschwore ich euch, daß ihr lieber aufhöret, euch Jesu Christi zu rühmen, wenn ihr nicht aufhören wollt, euch der Welt gleichzustellen und das heidnische Wesen rein abzulegen! Fürchtet ihr denn den Spott der vergånglichen Welt mehr, als den ewig unveränderlichen Ausspruch Christi: Ich kenne euch nicht?! Mel. 34. O Ewigkeit, du Donnerwort! 1. Der du der Strafen schwere Last an meiner Statt getragen hast, für mich den Tod gelitten! Wie soll ich dir doch dankbar seyn, daß du durch Leiden, Tod und Pein das Leben mir erstritten? Du, dessen Eigenthum ich bin, nimm ganz zu deinem Dienst mich hin! 2. Nichts ist, was mich gefesselt hält, da du den Himmel, Herr der Welt, für mich hintangesehet! Selbst was mein Herz € 2 324 liebt, opfert's doch dir auf, weil es sonst nichts so hoch, als deine Liebe schäßzet. O, wie so viel hab' ich in ihr! Du dankt'st mir nichts, ich alles dir. 3. Du König trugst die Dornenkron', und mich erschreckt ein eitler Hohn, wenn rohe Spotter spotten? Und sollt' auch alle Welt zugleich sich wider dich, Herr, und dein Reich voll Stolz zusammenrotten. Der Feige scheu' der Frevler Spott! Mich ehrt er; er ist Ruhm vor Gott. 4. Nach Ehre dürft' ich lüstern seyn? und du, du ließest dich verspei'n, da ich nach Ruhm noch geize? Nach Hoheit strebt ich ohne Ruh' und, Gott- Mensch! dich erniedrigst du gar bis zum Tod am Kreuze! wo du, der du den Tod bezivingst, verachtet zwischen Mördern hingst. 5. Dem Nächsten dürft' ich mich entziehn? Gemächlich jede Bürde fliehn? Und du trugst, was für Bürden! Ach Bürden. die( trugst du sie nicht, uns einst von Gottes Ungesicht zur Hölle stürzen würden! In Schweiß und Müh', von Trägheit fern, dien' auch nun ich dem Nächsten gern. 6. Wer hier nach Weltlust nur begehrt, der ist, o Jesu, dein nicht werth, ist fleischlich, ist verblendet. Soll's Leiden seyn, ich bin bereit, du Herzog meiner Seligkeit! bist auch durch sie vollendet. Dir, der mir diese Bahn erst brach, trag' ich mein Kreuz nun willig nach. 7. Mein Leiden sey dann noch so schwer! Für mich ist's nun nicht Strafe mehr. Kreuz ist der Christen Leiden. Otheurer Name, reich an Trost! du machst in jeder Noth getrost; du wandelst fie in Freuden; weil man mit ihm, der für uns litt, durch Kreuz in die Gemeinschaft tritt. 8. D Jesu! gieb mir deinen Sinn, daß nun, wie du, auch ich forthin, wornach die Welt strebt, meide. Herr, bilde mich nach dir, daß ich dir ähnlich werd', und williglich mit dir hienieden leide. So herrsch' ich dort dereinst mit dir; hier aber lebest du in mir. J. A. Schlgl. 15. Julij. 197. Die Gefangenen sollen dem Riesen genom men werden, und der Raub des Starken soll los werden; und ich will mit deinen Zaderern badern, und deinen Rindern helfen. und ich will deine Schinder speisen mit ihrem eignen 325 Sleische 2c. Jef. 49, 25. 26. Sürchtet euch nicht; wenn euch die Leute schmähen; und entferzet euch nicht, wenn sie euch verzagt machen. Jef. 51,7. Kennt ihr den Riesen, den Goliath der Hölle? den Starken, den Räuber und Mörder von Anfang? Fürchtet ihn nicht, doch scherzet auch nicht mit ihm. Denn die Schrift nennt ihn nicht umsonst den Starken, den Riefen. Ganz Israel zitterte vor Goliath? Nur David wagte sich an ihn, und überwand ihn mit einem Kieselsteine; weil er nicht auf Sauls Waffenrüstung, nicht auf seinen Arm und Kieselstein, sondern auf den Herrn, den Stárkern, vertraute. Nichts hat der Christ zu fürchten, wenn er in Christo ist, denn dieser ist uns von Gott dazu gemacht, uns dem Riesen, wenn wir schon in seinen Klauen wåren, zu nehmen, uns, wenn wir schon ein Raub der Hölle wåren, ihr zu entreißen. Viel wenis ger sollen wir Menschen fürchten, die zwar auch oft wie von der Hölle entzündet, und vom Satan inspirirt und belebt sind. Wenn sie noch so teuflisch wüthen, empfehlen wir die Sache dem Herrn im brünstigen Gebete, der verheißen hat, mit unsern Haderern zu hadern; unsre Schinder mit ihrem eignen Fleische zu speisen; sie in ihren Schlingen zu fangen, sie in die Grube, die sie den Kindern Gottes graben, fallen zu lassen. Wie sollten wir uns fürchten, wenn der Herr vom Himmel ruft: Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen; zit= tert nicht, wenn sie euch bange und verzagt machen wollen, sie, die vor ihm alle sind wie der Tropfen am Eimer. Lerne nur, liebe Seele, von den Schmähungen der Menschen, die unten auf Erden sind, wegsehen, dein Ohr davon abwenden, und aufsehen und hinhorchen zu dem, der von oben herab sieht, und das: Fürchte dich nicht! in unfre Seele spricht. Vergiß dies Wörtchen nicht, es ist ein cherner Schild, womit du alle feurige Pfeile des Satans auslöschen kannst. - 326 mel. 22. Kommt her, ihr lieben Christen. Oder: Die Seele Christi heilge mich. 1. Mit unsrer Macht ist nichts gethan. Allein Er ist auf unserm Plan. Und frågt der Teufel: Wer Er ist? so ruf ein jeder: Jesus Christ- Herr Zebaoth, kein andrer Gott,- der siegt, der Satan wird zu Spott. Das Wort soll dir zum Schild bestehn, so wollen wir wohl sicher gehn. 2. Sein Geist und Gaben sind dabey, wir sehn, daß Jesus unser sey. Und wenn es heißt: Der Feind ist da! singt ihm zum Troß: Halleluja!- So fau'r sich stellt der Fürst der Welt, thut er uns nichts. Der Herr ihn fållt. Man sieht als Kettenhund ihn an, weil ihn ein Wörtlein fällen kann. 3. Gefeßt, der Teufel wåren mehr, so fürchten wir uns nicht so sehr. Und füllten sie die ganze Welt, so wissen wir, wer unser Held.- Und geht er aufs Verschlingen los, so jagt er mehr in Jesu Schooß. Hinein! ihr Seelen! da hinein! Glaubt daß die Wunden offen seyn! 4. O werdet elend, arm und bloß, und reißt das Herz von allem los. Die Glaubensleiter steigt hinan, daß euch der Feind nicht packen kann. Es breite sich die Liebe aus; fie sey eu'r Himmel, Schild und Haus, die, was nicht Gott- gefällig heißt, von Herzen haßt und von sich weißt. - 16. Julij. 198. Den ganzen Tag strecke ich meine Hände aus zu einem ungehorsamen Volke, das seinen Ge danken nachwandelt auf einem Wege, der nicht gut ist. Jes. 65, 2. Immer irren sie mit ihrem Herzen. Hebr. 3, 10. O daß du meine Gebote merktest, so würde dein Friede seyn wie ein Wasserstrom, und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen. Jef. 48, 18. Wie will ich dir so wohl thun, Ephraim! wie will ich dir so wohl thun, Juda! Denn die Gnade, die ich euch erzeigen will, soll seyn, wie eine Thauwolte 2c. of. 6, 4. Streckt der Heiland seine Hände aus nach einem ungehorsamen, widerspenstigen Volke, das ihn immer nur 327 erzurnte, aber doch nicht ermüden konnte, den ganzen Tag, d. h. ihre ganze Lebenszeit hindurch, seinen Urm für sie offen zu halten; was wird er denen thun, die ihre Hånde nach ihm ausstrecken, deren ganzes Sehnen und Begehren nur auf ihn gerichtet ist, die mit dem Psalm sagen: Herr, wenn ich nur dich habe 2c. Sind ihm die hartnäckigen Juden so lieb, wie wird er die Christen lieben, die sich ihm ganz ergeben haben. Sehnt er sich nach denen, die ihren Gedanken auf Irrwegen nachwandeln; wie brünstig wird er nach denen verlangen, deren Gedanken nur Ihm nachwandeln auf dem gesegneten Wege des Glaubens, der Liebe? Will er Ephraim und Juda, über die er in demselben Kapitel so viel zu klagen hat, dennoch so wohl thun; Seele, wie wohl wird er dir thun, wenn du ihm dein Herz zum Opfer bringst, und dich ihm in die Arme wirfst mit allem was du hast und bist? Welche Ströme des göttlichen Friedens werden in deine nach ihm dürftende Seele strömen! Welch ein Meer der Gnade und Gerechtigkeit, des Heils und der Wonne wird sich in deinem Herzen ergießen, wenn du auf seine Gebote: Liebe mich von ganzem Herzen, bleibe in mir! Komm zu mir, du Mühseliger! 2c. merkest! O, wenn du zu ihm aufblickest, so stelle dir ihn ja nie anders vor, als wie er sich selbst vorstellt in obiger Stelle Jef. 65, 2. Mahle dir ihn nie anders vor dein Geistesauge, als mit nach dir ausgestreckten Armen, mit offnem Herzen, aus denen Ströme des Friedens ,, der Gnade und Gerechtigkeit fließen und in dein Herz eindringen wollen. Mache dir ja kein andres Bild von ihm! Copire nach dem Original, das er von sich selbst hiemit für dich entworfen hat, so wirst du ihn treffen. Mel. 16. Bleib bey Jefu. Oder: Welch ein süßer, hoher Friede! 1. Habt ihr es denn nie erfahren, wie er ist- so reich und gut? wie er seit viel tausend Jahren allen Wesen Liebes thut?- - 328 2. Liebend hat sein Aug' gesehen manches lange Jahr nach euch; wollet endlich ihn verstehen! Menschen! Kommt in Got tes Reich! 3. Segnend in der Menschen Mitte, ist er jeder Seele nah, zu gewähren jede Bitte, steht er immer freundlich da. 4. Soll der Muthwill' ewig währen, daß ihr ihm entflieht und irrt? Wollt ihr nicht zu Jesu kehren, welcher winkt, ein treuer Wirth? 5. Kommt und laßt uns Herberg' nehmen! Kehret bey dem Heiland ein! Da wird Unruh' bald und Gråmen, Welt und Schmerz vergangen seyn. 6. Wie sich alle Blumen wenden zu dem hellen Sonnenlicht, nehmt aus den durchbohrten Händen jeder an, was ihm gebricht. v. Schkdf. 17. Julj. 199. Meine Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen( sie erstarre mir). Junge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich dein nicht gedenke, wo ich nicht lasse Je rusalem meine höchste Freude seyn. Pf. 137,5.6. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. Pf. 63, 7. Wie? ihr Kinder Israels! ihr konntet eures Jerusalems, eures Tempels, eures dußern Heiligthums, das doch nur der Schatten der zukünftigen Güter war, konntet es nicht vergessen in fremdem Lande; es war eure höchste Freude, euer Herz hing ganz an dem Orte, wo der Herr der Herrlichkeit sich in Wolken und Feuerglanz offenbar te. Ihr wolltet lieber nicht mehr leben, nicht mehr dens ken und reden können, als Jerufalem vergessen, als nicht davon sprechen. So kann man ein äußeres Heiligthum lieb haben? Und ihr Kinder des Neuen Bundes, die ihr Jerusalem, euren Tempel, euer Heiligthum, eure Bundeslade, die Herrlichkeit und Nähe des Herrn mit euch 329 im Herzen überall herumtraget, ihr solltet weniger daran hängen? Ihr solltet euch weniger freuen; ihr solltet an etwas anderm mehr Freude haben, etwas auf Erden und im Himmel lieber denken können, als Ihn- der in uns wohnen und wandeln, unsers Herzens Herz, unfers Lebens Leben seyn will? Er, Er sollte nicht unfre höchste Freude seyn? nicht am Abend unser letzter, am Morgen nicht unser erster Gedanke seyn? unsere Zunge sollte noch was anders sprechen können, und nicht am Gaumen kleben bleiben, sobald sie von andern lieber spricht als von ihm? Unsre Seele, Herz, Sinn und alle Kräfte sollten nicht an Ihm hången, der für uns am Kreuze hing, der für uns sich ausschüttete wie Waffer? Sollte denn ein Jude seine steinerne Herrlichkeit mehr lieben können, als wir Christen den lebendigen Gott? Sollte das Gesetz, das nur Fluch und Tod verkündigte, nur Zorn anrichtete, mehr vermögen über die Herzen der Juden, als das Evangelium, das Leben und Seligkeit mittheilt, und Friede bringt, über die Herzen der Christen vermag? Sollte Moses mit den Hörnern und mit dem Stecken tiefern Eindruck machen, als der Heiland mit den Wunden und mit der Salbung seines Geistes? Auf, Brüder! auf! Lasset uns ihn lieben, denn erhat uns zuerst geliebt! Die Juden in Babylon müssen uns ja beschämen, und im Gerichte gegen uns auftreten, wenn wir den nicht von ganzer Seele liebten, nicht unablässig und herzlich sein gedachten, der uns geliebet hat, da wir noch Feinde waren, der uns aus lauter Gnade und Liebe zu ihm zog, und nun ewig unsrer Seele alles seyn will! Mel.126. Wenn meine Seel' den Tag. Oder: 85. Mir ist Er barmung wiederf. 1. Welch ein Gefühl, an ihn zu denken! O wie das meine Seel' erfreut! Mit Leib und Geist in ihn zu senken, o welche, welche Seligkeit! Ihn, Ihn empfinden, ihn nur wissen, o dieses unaussprechlich süßen Vorschmacks der reinsten Hinimetslust für eine arme Menschenbrust! 330 2. Willst du mit Jesus Christus halten, so halt' es innig und allein. Allein muß er im Herzen walten, das Herz in seinem Herzen seyn, muß stets vor Liebe sich bewegen, sonst fühlst du nicht des Heilands Segen in himmelvollem Gottverein; er kehrt bei Liebenden nur ein. 3. Ihn lieben ist das wahre Leben, ihn fliehen ist der wahre Tod. Ihn liebe, liebe nichts daneben, sonst schmeckst du nicht sein Himmelsbrod. Ja, willst du Jesum ganz erfassen, so mußt du dich und alles lassen. Wer sich und alles andre läßt, der hat und bålt ihn ewig fest. 18. Julij. 200. Kehret um, ihr Rinder Israel! die ihr sehr abgewichen seyd. Jes. 31, 6. Denn ich bin barmherzig, spricht der Herr, und will nicht ewiglich zürnen. Jer. 3, 12. Rehret euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren. Zach. 1,3. So wahr ich lebe, ich habe keinen Gefal len am Tode des Gottlosen, sondern daß er sich bekehre von seinem Wesen und lebe. Ezech. 33, 11. Jm Zimmel ist Freude über einen Sünder, der Buße thut, mehr als über neun und neunzig Gerechte, die der Buße nicht be dürfen. Luc. 15, 7. Der Satan sagt dir, du abtrünniger, du gefallener Bruder! Gott nimmt dich nicht mehr an; die Kinder Gottes werden dich auch nicht mehr erkennen. Das sagt der Teufel; und Gott sagt: Kehre wieder, kehre dich zu mir, ich helfe dir, ich erlöse dich!- Willst du nun lieber dem Lügner und Feinde deiner Seele, als der Wahrheit und Liebe glauben, die dich lieber gerettet und selig, als verloren und verdammt wiffen will. Gott, dein Heiland, nimmt dich nicht nur an; es ist ein Freu denfest im Himmel; meine lieben Engel, sagt Jesus, freuen sich eben so oder noch mehr, als über neun und neun 331 zig, die nicht gefallen, sondern nach ihrer Bekehrung treu geblieben sind. ,, Ja, ich hab's zu grob gemacht; ich habe den Heiland schon so oft verlassen;" desto größer wird seine und seiner Engel Freude seyn, wenn sie den oft verlornen dennoch wieder finden, und wenn du dich einmal so zu ihm bekehrest, daß dich nichts mehr von ihm trennen kann; desto mehr Gnade wird er dir diesmal geben, daß du standhaft bleiben kannst, und er sein wiedergefundenes Schåflein nicht wiederum verliere. Was den gefallnen Sünder aufhält, zurückzukehren, hålt gewöhnlich auch den Frommen, wenn er sich zerstreut oder vergessen hat, ab, das Untlik des Herrn wieder zu suchen und zu seinem Umgange sich zu wenden. So darf ich jetzt nicht kommen, denkt er, mit einem so zerstreuten, untreuen Herzen; ich muß erst warten, bis es besser wird." Mein Freund, es ist derselbe Lügner und Mörder, der dir dies eingiebt, welcher den Abtrünnigen betrügt und abhålt von der wahren Bekehrung. Denn der Heiland sagt allezeit: Kommt alle, alle zu mir! und je långer du wegbleibst, desto schlechter wirst du. Der Heiland will nicht, daß jemand wegbleibe, sondern daß sich Jedermann zu ihm kehre; so schreibt er dir 2 Petr. 3, 9. Kehre dich zu mir, du Abgekehrter, du Zerstreuter, so sammle und helfe ich dir von deiner Zerstreuung, so kehre ich mich zu dir. So spricht er zu dir Jes. 44, 22. 3ach. 1, 3. Lies doch diese Schrift des Herrn an dich. mel. 39. ch alles, was Himmel. Oder: Ich rühme mich einzig. 1. Was wollt ihr euch fürchten? Was wollet ihr scheuen? Der Herr will sich selbst eurer Wiederkunft freuen. Der Feind, der den Rückfall so leicht euch gemachet, erschwert es nun, daß ihr nicht wieder erwachet. 2. Er weiß euch so schreckliche Berge zu zeigen, als sey es nicht möglich hinüber zu steigen. Der aber gerufen hat: Kehret doch wieder! der schlägt seinen Widerstand mächtig darnieder. 3. Drum laßt euch vor Belials Lügen nicht grauen. Ihr verdet Immanuels Herrlichkeit schauen. Wohlan denn! so 332 eilet und wagt es aufs neue, und schwöret dem Heiland die ewige Treue. 4. So sind euch die Schulden des Rückfalls vergeben; ihr findet bey Jesu das ewige Leben. Doch müßt ihr euch täglich im Geiste erneuen, und Leichtsinn und Sicherheit ewiglich scheuen. 5. O Jesu! du Hirte der gläubigen Heerde! Ach hilf doch, daß niemand mehr abtrünnig werde! Doch was sich verloren, das wollest du suchen. Du kannst keinen reumüthigen Sunder verfluchen. 6. O Mutterherz, gieb ihnen Buße zum Leben! Bey dir ist ja Gnade und vieles Vergeben. Noch Eins! du barmherziger Bischof und König: Die Deinen ermahnen einander zu wenig. 7. Entzünde doch, Jesu! die Liebe der Brüder, und was sich getrennet, verbinde du wieder, daß Einer für Alle und Alle für Einen beståndig als Mauern des Friedens erscheinen!* W. 19. July. 201. Danket dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat, Theil zu nehmen an dem Erbe der Heili gen im Lichte; und uns errettet hat aus der Gewalt der Sinsterniß, und uns versetzet in das Reich seines lieben Sohnes, in welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nehmlich die Vergebung der Sünden. Kol. 1, 12-14. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthat, die er an mir thut. Ich will den heilsamen Relch nehmen und des Herrn Namen predigen. Pf. 116, 12. 13. vergl. Pf. 103, 1-4. Ein dankbares Gemüth ruft sich gern die Wohlthaten und Segnungen Gottes ins Gemüth zurück, die es sein Leben hindurch empfangen hat, und vergißt nicht, was ihm der Herr Gutes gethan hat; denn herzlicher Dank ist eine neue und erhörliche Bitte. Wer Vergebung der Sünden empfangen hat, soll ja die Reinigung 333 seiner vorigen Sünden nie vergessen, damit er nicht in neue falle. Wer ein Kind Gottes geworden und mit Gottes Geist versiegelt ist, betrübe diesen Geist nicht durch Undank und Unachtsamkeit; freue sich vielmehr alle Tage darüber mit gerührtem demüthigen Danke, so wird sein Gnadenstand immer fester werden. Wer Gott als Vater anrufen darf, und Jesum als Fürsprecher und Vertreter, als Versöhner und Heiland erfahren hat, der versäume ja nicht, durch ergebenen Dank und Lobpreisung seines Retters den Vater kindlich anzurufen und ihn um Bewahrung dieser Gnade zu bitten, durch den Mittler Jesum, damit er diese Gnade ungebraucht nicht verliere. Gewiß, wer sich der Liebe und Güte, Gnade und Huld seines barmherzigen Gottes und Heilandes immer recht aufrichtig freuet und mit gerührtem Herzen dafür dankt, sich diese unverdiente Gnade immer wieder vor die Augen stellt und in seinem Herzen erwägt, der lebt darin, und nichts wird ihn scheiden können von der Liebe Gottes in Christo Jesu. Mel. 22. Die Seele Christi. Oder: Schon deines Namens. 1. Neig', o mein Gott, dein Ohr zu mir! Ich Erd' und Asche fleh' zu dir. Ich Sünder fleh': Ach wende nicht von mir dein gnädig Angesicht- Du Bater schufft im Wohlthun mild, auch mich zu deinem Ebenbild. Da ich's verlor, erneutest du, mich selbst in deinem Sohn dazu. 2. Nun giebst du, der mich nicht verwarf, mir jeden Tag was ich bedarf. Errettet hast du mich schon oft, zur Stunde, da ich's nicht gehofft; da rings um mich nichts als Gefahr, schon Tod in meinen Gliedern war. Walt' auch noch ferner über mir; Leib, Seel' und Geist befehl' ich dir! 3. Gott Sohn! du hast mich durch dein Blut erkaufet von der ewgen Gluth; du bist's, der kräftig für mich spricht, in Schmerz mein Trost, in Nacht mein Licht. Wenn mich der Satan hart verklagt, mein Herz schon vor Verdammung zagt, hemmst, Mittler! du den Richterspruch, und kehrst in Segen mir den Fluch. -- 4. Gott heilger Geist, nur deine Kraft ist's, die in Sündern Gutes schafft. Und findet Gutes sich in mir, ist's wahrlich 334 ganz ein Werk von dir Von dir ist's, daß ich Gott erkannt und Christum, den er mir gesandt, auch in der reinen Lehre treu, des Worts vom Kreuz mich herzlich freu' 5. Daß ich fest in Versuchung steh'; daß ich im Elend nicht vergeb'; daß stets, je mehr es niederdrückt, mich mehr dein reicher Trost erquickt. Mein Herz ist ganz des Dankes voll, denn das, mein Gott, erkenn' ich wohl, daß du weit mehr an mir gethan, als ich verstehn und rühmen kann. 6. Hilf, daß dein Heil mein Augenmerk, mein Glaube nicht Gedächtnißwerk, mein Gottesdienst nicht Gleißnerey, nicht Heuchelschein mein Wandel sey! Erlaß mir alle meine Schuld, trag' ferner auch mit mir Geduld! Und fehl' ich, so verwirf mich nicht, bring' selbst mich bald zurück zur Pflicht. 7. Mein Herz erhalt', Herr, unverderbt, den Glauben laß stets ungefärbt, die Liebe herzlich, thätig, rein, die Hoffnung stets lebendig seyn.- Hilf, daß ich selig sterben mag, und kommt dereinst dein großer Tag, erweck' ins ewge Leben mich. Du thust es; ja, ich hoff auf dich. Ges. od. Bodo v. Hodbg. 20. Julij. 202. Uebe dich in der Gottseligkeit, denn die leib. liche Ulebung ist wenig nüge; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüge, und hat die Derheißung dieses und des zukünftigen Lebens. 1 Tim. 4, 8. Um gottselig zu seyn, mußt du in Gott und Gott muß in dir seyn. Die Liebe ist gewiß gottselig, denn sie bleibt in Gott und Gott bleibt in ihr. Liebe also Gott von ganzem Herzen, so wirst du gleich erfahren, was Gottseligkeit, was in Gott selig seyn heiße. Suche seine Gnade und die Vergebung deiner Sünden durch deiz nen Heiland, oder, wenn du dieses große Gut schon empfangen hast, so bleibe in dem, der dir vergeben hat, und habe deine Lust an ihm, so wirst du unaussprechlich selig seyn, eine Freude und einen Frieden genießen, den dir niemand nehmen kann. Was nun diese Freude und Seligkeit erhålt und erhöht, darin mußt du dich üben. Und 335 was könnte dich denn seliger in Gott machen, als der kindliche Umgang im Geiste mit Ihm, und das Leben der thätigen Liebe gegen deinen Nächsten. Gott, Christus ist die Seligkeit selbst, die Quelle aller Seligkeit; wer sich an diese Quelle von ganzem Herzen hålt, sich beståndig darin übt, daß er sich der Quelle nähert, darnach dürstet und verlangt, der wird auch reichlich aus ihr zu trinken bekommen, wird trunken werden von den reichen Gütern seines Hauses. Wer dann im Gefühle seiner Gottseligkeit auch andere dieser Freude theilhaftig zu machen sucht, und sie zu dieser Quelle führt, der wird noch seliger werden, indem Underer Freude nun auch seine Freude wird, und die seinige erhöht. So hat die Gottseligkeit die Verheißung, daß sie hier und drüben den größten Gewinn verschafft, was kein Gut und Glück der Erde verschaffen kann; sie ist selig, immer selig- im Leben und im Tode, in dieser und in der zukünftigen Welt; denn nichts kann sie trennen von Gott, ihrem Urheber und ihrer Quelle. ( ipio 190 Mel. 38. Noch wallen wir im. Oder: Kommt her zu mir, spricht. 1. Die Welt möcht' auch gern selig seyn; ach, war nur nicht des Kreuzes Pein, des Christen banges Leiden. Erschrokken bebet sie zurück, ihr gilt ein kurzes eitles Glück mehr als des Himmels Freuden. 2. Doch der, den man heut' blühen sah, liegt morgen frank und kraftlos da, und muß vielleicht schon fierben. Schnell, als die Blumen auf dem Feld, sieht man die Herrlichkeit der Welt verwelken und verderben. 3. Wie manchen überrascht sein Tod! oft denket in der Sterbensnoth der erst noch fromm zu werden, der sich des Leides Pfleg' erlas, und seiner Seele ganz vergaß, so lang er lebt' auf Erden. 4. Dem Reichen hilft nicht großes Gut, nicht eitle Pracht, nicht stolzer Muth, er muß aus seinen Freuden; besäß er auch die ganze Welt, vom Tode hilft kein Lösegeld, er muß von hinnen scheiden. 5. Dem Weisen hilft nicht Witz noch Kunst, den Edlen nicht der Fürsten Gunst, sie müssen dennoch sterben. Weh' dem, der 336 in der Gnadenzeit nicht schaffet seine Seligkeit! er stürzet ins Verderben. 6. Drum, die ihr Gott in Christo liebt, Gottfeligkeit von Herzen übt, laßt keine Müh' euch reuen! Stets haltet fest an Gottes Wort; der Heiland, euer Trost und Hort, wird euch zuletzt erfreuen. 7. Sorgt nur, daß ihr in Christo lebt, nicht haßt, nicht neidet, gern vergebt; mag cuch die Welt doch höhnen. Ihr tragt das Kreuz dem Heiland nach. Gott wird auch euch nach aller Schmach, wie ihn, mit Ehren krdnen. 8. War't ihr, so wie das Fleisch begehrt, stets glücklich, reich. gesund, geehrt, ihr würdet leicht erkalten. Drum trifft euch öfters Angst und Noth. Durch Züchtigungen will euch Gott zur ewgen Freud' erhalten. 9. Drum glaubet fest und zweifelt nicht, was Gott in seinem Wort verspricht, beschwört bey seinem Namen, fürwahr, das hält und giebt er euch; er hilft auch uns zu seinem Reich durch Jesum Christum, Amen! Ringwald u. Schlgl. 21. Julij. 203. D Land! Land! Land! höre des Herrn Wort. Jer. 22, 29. Das ist mein Trost in meinem Elende, denn dein Wort erquicker mich. Wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, fo wäre ich vergangen in meinem Elende. Pf. 119, 50. 92. Hört doch, wie die Propheten ins Land hinein schreien, um Liebe und Aufmerksamkeit für des Herrn Wort zu erwecken. Ist denn gar so viel daran gelegen? Allerdings, mehr als eine Propheten- Zunge aussprechen kann. Wir müßten vergehen in unserm Elende, in unsern Sünden und den Mühseligkeiten dieses Lebens, wenn wir Gottes Wort nicht hätten; das sagt uns David. Wie oft kommen wir nahe an den Abgrund des Verderbens, des Verzagens, bis wir Gottes Wort lebendig ergreifen und uns mit Glauben und Zuversicht an Gottes Wahrhaftigkeit 337 und Treue halten können? Dieses, nur dieses reißt uns wieder aus allem heraus. Und håtte uns die Hölle schon in ihrem Rachen, der Satan schon in seinen Klauen, die Sünde schon in ihrem Nete: können wir das Wort des ewigen, allmächtigen Gottes, unsers Heilandes erreichen und es im Glauben erfassen; so muß uns Tod, Teufel und Hölle, Sánd' und Welt, und alle Heere unserer Feinde wieder herausgeben, los lassen und auf freien Fuß stellen. Der Strick des Fågers ist zerrissen, heißt es dann; und wir sind frey. Das Wort des Herrn ist wie ein Seil, vom Himmel herab gelassen bis auf die Erde, das jede Menschenhand, jedes Herz, wenn es nur glauben will, erfassen und halten kann. Wer es wirklich ergreift, und nicht loslåßt, wenn auch alle Welt wehret oder sportet, oder ihn mit Gewalt wegstoßen will, wer dennoch festhält, der ist geborgen, schwingt sich daran über alle Berge weg, und wird aus allen Abgründen heraus, und in den Himmel hinauf gezogen. Denn die Hand, die es herab läßt, zieht auch hinauf; und sie läßt nicht los, sie låßt dich nicht fallen. Sey ohne Kummer; das Seil bricht nicht. Es ist stark und gut, auf die Ewigkeit haltbar; ist dreifach. Bater, Sohn und Geist halten fest, und eine dreifache Schnur bricht nicht. Pred. Sal. 4, 12. Mel. 52. Wer Ohren hat. Oder: Befiehl du deine Wege. 1. Wohl dem, der Jesum liebet und an sein Wort sich hålt, wird er gleich oft betrübet in dieser argen Welt, so ist das Wort des Lebens ihm mehr als Freud' und Leid; da sucht er nie vergebens, er findet Seligkeit. 2. Bist du vielleicht verirret vom rechten Lebenspfad, weil dich die Welt verwirret und ganz verlocket hat; hier ist das Wort der Wahrheit, das zeiget dir die Bahn, auf der man bey der Klarheit des Lichts nicht irren kann. 3. Bist du vielleicht betrübet und zweifelst fort und fort, ob Gottes Herz dich liebet? Komm, hier ist Gottes Wort! das zeigt in Jesu Schmerzen dir die Barmherzigkeit, die tief betrübte Herzen mit ewgem Trost erfreut. Y 338 4. Hast du nicht Kraft zum Guten, bist du lebendig todt, so mag dein Herz wohl bluten in solcher großen Noth. Doch wird das Wort dich stårken, es giebt den Müden Kraft, er, der zu guten Werken in Christo neu uns schafft. 5. Und wenn kein Licht sich findet an jenem dunkeln Ort, wenn dir die Welt verschwindet, so hast du Gottes Wort! daß ist dein Stab und Stecken, ein Trost, der ewig bleibt, der alle Todes- Schrecken besieget und vertreibt. 22. Huiff. 204. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreif das ewige Leben. 1 Tim. 6, 12. Wenn jemand auch kämpfet, so wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. 2 Tim. 2, 5. Wer will die Feinde leugnen, die dem Frommen von allen Seiten entgegenstehen, und ihm sein Kleinod rauben wollen? Will er es behaupten, so muß er kämpfen, doch nicht mit der Faust, nicht mit Schwert und Degen, nicht mit menschlichem Arm; sondern mit dem Schilde des Glaubens und mit dem Schwerte des Wortes Gottes, mit Gebet und Flehen zu dem, durch den und mit dem, wenn er in uns ist und wir in ihm sind, wir allein streiten und unsre Feinde besiegen können; was wir ohne ihn auf keine Weise vermögen. Wer mit seinen Seelenfeinden selbst, aus eigner Kraft, kämpfet, Festungen von allerley Sandkörnern menschlicher, selbsterdachter Mittel baut, und sich in denselben verschanzt, sich sicher glaubt, wird im Kampfe nicht bestehen. Die Feinde spotten seiner Festungen. Wo sie aber den Herrn, der der rechte Held im Streite ist, erblicken, da weichen sie und geben die Flucht. Zitterst du vor deinen Feinden, wenn du deine Schwachheit und ihre Stärke betrachtest, so ziehe nicht mit deinen eignen Truppen ins Feld gegen sie; sondern wirf dich auf dein Angesicht nieder vor dem, vor dessen Namen die Hölle zittert; bitte ihn, daß er für 339 dich streite, und daß er auch deine Hände streiten lehre. Hoffe auf ihn, er wirds wohl machen, und deinen Kampf zum Siege hinausführen. Vertraue durchaus nicht auf dich selbst und deine eigne Vorsätze oder Waffen, sondern allein auf ihn, und verharre deswegen im Gebete, im lebendigen Vertrauen auf ihn, bis du gesiegt haft. Das ist der Kampf des Glaubens, des gläubigen, beharrlichen Gebetes, den Paulus empfiehlt. Dadurch ergreift man Christum, das ewige Leben. Wer da kämpfet, aber nicht also, der kämpfet nicht recht, und wird nicht gekrönt, weil er nicht siegt und nicht siegen kann. Mel. 82. Ach, was sind wir ohne Jesu. 1. Herr, wie lange muß ich ringen, eh' ich auf der steilen Bahn deines Rechts zum Himmel dringen und vom Kampfe ruhen kann? werd' ich meinen Hang zu Sünden endlich völlig überwinden? 2. Ach, wenn mich die Lust der Erde oder frecher Sünder Spott reizet, daß ich tråge werde, wirst du mein vergessen. Gott? wirst du mich nicht unterstützen? wirst du eilen mich zu schützen? 3. Ach, ich zittre, Herr, wie lange soll ich kämpfen? dieser Streit meiner Schwachheit macht mir bange, und der Welt Gefährlichkeit, daß ich doch noch unterliege, und mein Kleinod nicht ersiege. 4. Schaue her zu deinem Kinde! höre mich und steh' mir bey! Herr, bewahre mich vor Sünde! mache mich getrost und treu, daß ich standhaft deine Wege wandle und nicht straucheln möge. 5. Daß die Welt mich nicht verführe! daß sie mich nicht ungetreu mach' und spottend triumphire, daß ich auch gefallen sey; daß sie sich nicht ihrer Siege rühme, wenn ich unterliege! 6. Der du Kraft und Muth gewährest, hilf des Schwachen Schwachheit auf; ja, ich hoffe, daß du hörest und ich freue mich darauf. Rühmen will ichs und dir singen, daß du Stårke giebst zu ringen. 23. Julij. 205. So wender denn allen Sleiß an, und zeiget bey Y2 340 eurem Glauben Tugend Mäßigkeit- Geduld- Gottseligkeit- brůderliche und allgemeine Liebe.- Darum beeifert euch um so mehr, euren Beruf und eure Erwählung fest zu machen, denn wenn ihr dieß thut, so werdet ihr nicht straucheln. 2 Petr. 1, 5-10. - Bescheidenheit- - Es giebt sogenannte Erweckte, die eine kurze Bibel haben, in der nichts steht, als was ihr faules Fleisch beruhiget und tröstet; das heißt, sie reißen aus der Bibel nur Trostsprüche an sich, die sie nicht angehen, und darum sie nicht angehen, weil sie von allem andern, was in der Bibel steht, nichts wissen wollen. So wird die Bibel für sie ein Baum, der sie hålt, daß sie nicht über Fleisch und Blut weg und zu Christo hinkommen. Sie follte ihnen aber ein Sporn werden, der sie täglich nåher zu ihrem Erlöser treibt. So ein Sporn ist auch diese Stelle Petri, die ganz gelesen und ernstlich betrachtet seyn will. Er hat die köstlichsten Verheißungen Gottes vorangeschickt, und darauf läßt er dann diese heilsamen Ermahnungen folgen, die jedoch niemand für überflüssig halten wolle, wåre er auch mit Petrus auf Ta bor, oder mit Paulus im Paradiese gewesen. Du magst schon viele Gnaden erhalten haben; dafür danke Gott. Aber wenn du nicht Fleiß anwendest, deine Gnadenwahl, die ich dir nicht streitig machen will, und deinen Beruf zu wahrem Christenthum fest zu machen, und mit deinem: ,, Ich glaube an Gott Vater, Ich glaube an esum, den Heiland 2c." auch christliche Tugend und wahre Gottseligkeit, Geduld und Enthaltsamkeit, und alles, was das Auge Jesu an den Seinen gerne sieht, zu verbinden, so höre, was Petrus dir sagt: Du bist blind und tappest im Finstern, und hast vergessen der Vergebung deiner vorigen Sünden. Du wirst fallen, oder bist schon tief gefallen, weil du verlassen hast die treue Nachfolge 341 und Aehnlichkeit Christi. Hast du aber alle jene von Petrus geforderte Dinge an dir, und bist du in der Erkenntniß Jesu nicht unthätig und nicht unfruchtbar, so bist du ein wahrer Jünger Jesu, und weißt, wie man mit der Bibel umgehen muß. Nun aber lieben die meisten die Bibel in Taschenformat. Doch auch darin stånde genug, was sie schlagen und heilen könnte, wenn sie sich schlagen und heilen lassen wollten. mel. 11. Jesu, komm doch selbst. 1. Ewge Liebe, Jesu Christ, der du mein Erlöser bist, hast du meine Sündenschuld nicht getilgt durch deine Huld?- Giebt mir deine treue Hand, nicht der Gnade Unterpfand? Hatt' ich nicht den Siegelring, als ich deinen Geist empfing? 2. O wie hatt' ich dich betrübt! o wie hast du mich geliebt! o wie fern war ich von dir! o wie freundlich riefst du mir! Neigte nicht mein ganzer Sinn sich zu dir, o Jesu, hin? als die Liebe, die mich zog, den Unglauben überwog! 3. Als ich mich nun zu dir wandt', machtest du dich mir bekannt. Ach du warst in mir verklärt! Selig, wer das recht er fährt! So viel Jahre kenn' ich schon, dich, mein Heiland, Gottes Sohn! und noch nie verließ'st du mich! Aber wie, o Herr! war ich? 4. Ward mir doch das Ehrenkleid durch die Gnade schon bereit't; angezogen hatt' ich dich, und dein Vater liebte mich.Rein war ich, von Sünden rein! dein war ich, o Jesu, dein. Aller Segen, alles Heil ward aus Gnaden mir zu Theil. 5. Aber ach, Eins fehlet hier, was ich noch nicht find' an mir. Ach, wie bin ich noch so weit von des Herzens Festigkeit! Ach, wie oft reißt meinen Sinn jede schnöde Wollust hin. Und doch willst nur du allein, Jesu, meine Freude seyn. 6. Wie du nun, mein Heiland, dich, ganz gegeben haft für mich, wie du mir Gewißheit giebst, daß du ewig, ewig liebst, o so zieh' auch meinen Sinn ganz in deine Liebe hin! Mach' mein Herz beständig treu, mach' mich doch von Allem frey! 7. Ich begehre dich allein; sonst kann ich nicht selig seyn. Ohne dich ist alles todt, Jesu, du mein Herr und Gott!- S daß nie kein Augenblick mich von dieser Liebe rück, nichts zu wollen, nichts zu thun, als in dir, mein Heil, zu ruhn! 8. Lieber Herr! versag' mir nicht Heiligung, Kraft, Lieb' und Licht! Schenke mir zu jeder Zeit Friede, Freude, Selige keit!- Sich', ich bin dein Eigenthum; dieß ist meine Freud' - 342 und Ruhm! Tod und Leben ist mir gleich, alles führt zum Himmelreich. 24. Julij. 206. Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen thue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. Joh. 4, 34. Die er vorher gesehen, die hat er auch vorher bestimmt, daß sie dem Bilde seines Sohnes gleichförmig werden, so daß er der Erstgeborne unter vielen Brüdern sey. Rom. 8, 29. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr auch thut, wie ich euch gethan habe. Joh. 13, 15. Wie könnte ein wahrer Christ von Jesu täglich Gnade um Gnade nehmen, sich stets von ihm so unverdient lieben lassen, nur von seinem Verdienste und Schweiße leben, mit seinem Blute sich waschen, aus seinem Tode das Leben schöpfen, ohne den Wunsch, das Streben und ernstliche Verlangen in sich zu fühlen, seinem Meister ähnlich zu werden, und auch so zu seyn in dieser Welt, wie er war. Jeder Schüler bildet sich nach seinem Meister, sieht ihm auf Mund und Hand. Der Christ aber sollte bleiben dürfen in seiner natürlichen Verderbniße follte aus Gott geboren seyn, Christum im Herzen wohnend haben durch den Glauben, und dennoch keinen gött lichen Wandel führen, wie sein Meister, nicht ihm gleichförmig zu werden suchen? Nein, schon ein Freund sucht seinem Freunde alles nachzumachen; der Liebende ruht nicht, bis er das Bild des Geliebten in sich hergestellt hat. Dadurch zeigt sich erst die Liebe, daß man thut wie der, den man liebt. Dazu sind wir auch von Gott bestimmt und erwählet, vor Grundlegung der Welt, daß wir ihm in Liebe ähnlich werden. Ephef. 1, 3. Seine Leibspeise Joh. 4, 34. muß auch die unsere seyn, sein 343 Sinn und Wesen muß unser Sinn und Wesen werden, oder wir haben keinen Theil an ihm. Unser Auge muß stets auf ihn und sein heiliges Leben gerichtet seyn, daß wir immer so denken, reden, handeln, wie er denken, reden und handeln würde, wenn er an unsrer Stelle wäre. Wie dem Moses gesagt war: Mach' alles nach dem Vorbilde, daß dir auf dem Berge gezeigt wurde; so heißt es beim Christen: Schaue auf das Vorbild, das dir auf dem Berge Golgatha gezeigt wurde, und richte dein ganzes Leben darnach ein. 2 Mof. 25, 40. Apostg. 7, 44. mel. 107. Er lebt, das ist das Losungsw. Oder: Ich dank dir schon. 1. Kommt, die ihr nicht gewohnet seyd, daß ihr euch selbst entfaget, die ihr noch stets nach Eitelkeit, Ruhm, Vortheil, Wolluft fraget! Kommt, schauet Jesu Leben an! dieß, dieß muß euch beschämen. Kommt, lernt, geheilt von eurem Wahn, durch ihn euch selbst bezähmen. 2. Gott war sein Alles, nur an dem hing seine ganze Liebe. Ihm dienen war ihm angenehm, Ihm weiht' er seine Triebe. Wo er nur ging und wo er stand, war seine Speis', den Willen des Vaters, welcher ihn gesandt, vollkommen zu erfüllen. 3. Hoch über Welt und Eitelkeit, ganz heilig, ganz Gott eigen, vermied er nie aus Schüchternheit, sich wie er war, zu zeigen. Und wenn er Bosheit freveln sah, war er voll edler Schmerzen. Wenn aber Gottes Wort geschah, quoll Freud' aus seinem Herzen. 4. Die Freude, die die Welt verheißt, verlangt' er nicht zu schmecken, und rein bewahrte sich sein Geist, ganz rein von allen Flecken. In allem sah er immerdar mit Eifer, nie zum Scheine, auf das, was seinem Bruder war, und nie blos auf das Seine. 5. Stets floh er das Geräusch des Ruhms, blieb niedrig und geringe, entschlug sich alles Eigenthums,- Er, Erbe aller Dinge. Arm ward er selber, daß wir reich durch seine Armuth würden. Er ist der Herr, sein ist das Reich; doch trug er fremde Bürden. 6. War Gottes Hand auf ihm schon schwer, er fands doch gut und billig, denn jeden Tropfen Bluts war er ihm aufzuopfern willig. Stets zeigt' er, daß ihn keine Noth auch nur zur Klage reize. Er ward gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze. 344 7. Von Gott verlassen blieb sein Herz an ihm, trok alles Spottes. Sein Sehnen war im bangsten Schmerz nichts, als das Untlitz Gottes. Folgt, Brüder! seinem Vorbild nach. Er hat für euch gelitten. Er selbst hat euch, seyd ihr schon schwach, die Kraft dazu erstritten. 8. Hilf meinem Glauben, daß ich dir, mein Heiland, ähnlich werde; bezähm' das Fleisch, vertilg' in mir die Liebe dieser Erde; daß ich dein großes Beispiel mir stets vor mein Auge sebe; des Vaters Willen thun, gleich dir, für Freud' und Leben schäze. Ramb. u. Schlgl. 25. Julij. 207. Wie ein Nachtgesicht im Traume, so soll seyn die Menge aller Zeiden. Gleichwie einem Sungrigen träumet, daß er effe, wenn er aber aufwacht, so ist seine Seele noch leer. Jef. 29, 8. und 13. Was schlafet ihr: stehet auf und betet. Luk. 22, 46. Der Herr schauer vom Zimmel auf die Menschenkinder, daß er sehe, ob jemand klug sey, und nach Gott frage. Pr. 14, 2. Der Herr ist freundlich der Seele, die nach ihm frågt. Klagl. Jer. 3, 25. Sie sind wie die Träumenden, die falschen Christen, die scheinbar Erweckten, die in schlaftrunkner Sicherheit dahin gehen, sich blos mit Worten speisen, mit Gedanken und idealischen Vorstellungen nähren. Werden sie einmal aufgeschreckt aus ihrem Schlafe, so sehen und fühlen sie erst, wie leer, mager und geistlos sie gewesen sind. Erkenne dich, erforsche dich, ob du im Traume, oder wachend issest; ob du lebendiges Wort, oder nur todte Buchstaben habest, mit denen du dich speisest; lebendige Speise nährt, stårkt; die Kost des Traumes läßt den vermeintlichen Effer leer, kraftlos und wie todt liegen. Bist du nun so ein sicherer, schlaftrunkener Erweckter, der den Namen hat, daß er wache, aber dennoch 345 schläft und nur träumet: so stehe auf, so höre das Wort des Herrn, womit er seine schläfrigen Jünger weckte; so schaue auf gen Himmel, der Herr schaut herab, zu sehen, ob du erwacht seyst, ob du nach ihm fragest. Er ist bereit, dir zu antworten; Er ist freundlich jedem ernsten Frager nach Heil und Seligkeit. Ist dein Gewissen erwacht, oder wenn es einmal erwacht, so wisse, daß der Herr schon lange wacht über dir, schon lange gewartet hat auf dich, und sich nun freut, daß du endlich nach seinem Heile hungrig bist, und Worte des Lebens, KraftSpeise, zu genießen verlangst. Verzage nicht wegen der verlornen und verträumten Zeit, sondern fange heute an, jeden Augenblick zu deinem Heile zu benutzen, so wird es dir werden. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Uch Gott, mein Herz ist aufgewachet, so daß ich nirgend bleiben kann; bis mich mein Heiland selig machet. Was soll ich thun? was fang' ich an? Ich dachte nie an meine Sünde, die ich so schmerzlich jetzt empfinde! 2. Uch Gott! ich bin noch unbekehret, mein Herz ist todt, nichts in mir rein. Die Welt hat schåndlich mich bethöret; wie könnte ich so ruhig seyn? Mein Wahn- Glaub' hat mich selbst betrogen, und mein Gebet hat Gott gelogen. 3. Was soll ich thun? ich bin verdammet! Der Sünd' ist ewger Fluch bereit't. Die Rache Gottes droht und flammet; wo find' ich Ruh' und Seligkeit? All meine Selbstgerechtigkei= ten verlassen mich auf allen Seiten. 4. Soll ich mit Lust verloren gehen? Soll ich getroft und ficher seyn? Ich muß ja vor dem Richter stehen. Das fällt dem Rasenden nur ein. Bey ungewissem, todten Hoffen steht mir der Hölle Rachen offen. 5. Wo send ihr, ihr verlornen Tage? wo bist du, o Vergangenheit? Das macht, daß ich mit Thrånen frage: Was soll ich thun? Es ist nun Zeit. Das Heucheln kann ja hier nicht taugen, denn unser Gott hat Flammen- Augen. 6. Soll ich mich zu der Welt gesellen? Was soll ich thun? Was thut die Welt? Gott wird ihr einst das Urtheil fällen, weil sie nicht thut, was ihm gefällt. Die mit der Welt noch laufen können, die müssen mit ihr ewig brennen. 346 7. Was soll ich thun? Das Herz zerstreuen, und mit zu lust, gen Brüdern gehn? Ach nein, das wird mich ewig reuen; wie konnte ich vor Gott bestehn? Gott! laß den rechten Weg mich finden, sonst sterb' ich ja in meinen Sünden! 26. Julij. 208. Es ist Sutter bey uns, und Raume genug zu herbergen. 1 Mof. 24, 25. Saget den Gelade: nen: Rommet! denn es ist alles bereit.- Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, es ist aber noch Raum da. So gehet auf die Landstraßen, und an die Jaune, und nöthiget sie, herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Luk. 14, 16- 23. - Wie Rebecca und Laban so gastfreundlich den Knecht Abrahams einluden, aufnahmen, und beherbergten, weil Raum genug im Hause ihres Vaters war, so und unendlich gastfreundlicher ist der Sohn des ewigen Vaters, in dessen Hause so viele Wohnungen sind, als Menschen selig werden wollen, und mehr noch. Oder sollte je mals von Gottes unermeßlichem Reiche gesagt werden können, wenn ein armes, sündiges, aber reumüthiges, Gnade- durstiges Menschenkind anklopft, um ein- und aufgenommen zu werden, sollte jemals gesagt werden können: das Haus ist voll, es ist kein Raum mehr da für dich. Der Heiland sagt es uns anders: nicht nur für die, welche sich selbst freiwillig melden, oder auf den ersten Ruf gleich kommen, ist Raum; sondern, wenn sie alle schon da sind, die berufen und geladen wurden, so ist noch Raum da für die, welche genöthiget, durch die Gewalt der Liebe gezwungen werden müssen. Wenn alle ehrbaren Leute schon an der Tafel sitzen, so ist noch Raum da, für die Krüppel, Lahmen, Blinden und alle die, welche niemand gerne in sein Haus aufnimmt. Und wenn diese auch alle eingebracht sind, so ist noch 347 Naum dafür die, die auf den Land straßen erbärmlich da liegen, daß ihr Anblick, ihr Elend den Wanderer beleidigt; für die hinter den Hecken und Zäunen, die gewöhnlich keine vornehmen und gebildeten Leute sind,- ja für die ist Raum da, und der Herr will sie mit Gewalt an seiner Tafel haben; Er würde zürnen, wenn sie nicht kámen, er würde sie mit Feuer verbrennen, wenn sie sein Haus, seinen Tisch verschmåhten, wie jene, welche sich durch ihre Ochsen, Güter und Weiber von seinem Abendmahle abhalten ließen. So ernstlich will der Herr alle selig wissen; so viele Plåße sind bereitet in seinem Hause, so viel Raum ist da, daß Keiner abgewiesen, daß Alles angenommen wird. Fürchte also nicht, daß du nicht angenommen werdest; fürchte vielmehr, daß du nicht kommest, daß du zurückbleibest aus eigner Schuld, zum Verdruß dessen, der dich berufen hat. 1 mel. 128. Es ist genug, so nimm, Herr. 1. Es ist noch Raum, mein Haus ist noch nicht voll. Mein Tisch ist noch zu leer. Der Platz ist da, wo jeder sizzen soll. O bringt doch Gäste her! Geht, nöthigt sie auf allen Straßen; ich habe viel bereiten lassen. Es ist noch Raum. 2. Es ist noch Raum; ein freier, offner Born, der in den Wunden quillt! hier badet, wascht, verkriecht euch vor dem Sorn; er wird durchs Blut gestillt. Hier ist ein Lazareth der Kranken, die ihrem Arzt mit Freuden danken. Hier ist noch Naum. 3. Es ist noch Raum. Das ist dir nicht genug, daß viele selig sind. Du zögest gern durch deinen Gnadenzug ein jedes Menschenkind. Du rufft mit heißem Liebesschalle: Mein Herz umfaßt euch Sünder alle! Da ist noch Raum. 4. Es ist noch Raum, der Gnadenflügel Schuß nimmt alle Küchlein ein. Sie sollen warm, und( der Gefahr zu Truk) bedeckt und sicher seyn. Hier kann sie kein Verderber rauben; o kommt doch alle, fommt im Glauben! Da ist noch Raum. 5. Es ist noch Raum; die Arme Jesu sind zum Tragen stark und weit; die Hände stehn für jedes Gnadenkind zu heben ausgebreit't; er will sie auf die Achseln legen, und ihrer gar im Busen pflegen. Da ist noch Raum. 6. Es ist noch Raum, auch für das schwächste Kind, das 348 gar nicht gehen kann; und derer auch, die alt und můde sind, nimmt er sich treulich an. Ihr sollt ihm in dem Arme liegen, und dürft an seine Brust euch schmiegen. Da ist noch Raum. 7. Es ist noch Raum, wenn hier kein Raum mehr ist; wenn uns der Tod vertreibt. Gott Lob! es glaubt, es weiß ein jeder Christ, wo er auf ewig bleibt. So mag ihn wohl die Welt verjagen. Genug, was Jesu Lippen sagen: Es ist noch Raum. 8. Es ist noch Raum, ein Haus, das göttlich groß, das viel Quartiere hat. Da ruht man aus, und ist in Abrahms Schooß. Da wird der Glaube satt. Die Schaar, die Jesum angenommen, wird da mit mir zusammenkommen. Da ist noch Raum. Wdf. 27. Julij. 209. Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt. 1 Joh. 5, 4. Wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die ich thue, und wird noch größere, denn diese, thun. Joh. 14, 12. Der Glaube ist der Weg, und die Thüre, und der Schlüssel zu allen Schäßen Gottes. Alles ist möglich dem, der da glaubt, sagt der Heiland Mark. 9, 23. Was der Heiland that und konnte, kann der Glaube auch thun, ja noch größere Werke kann er thun, wie der Herr den Gläubigen verheißen hat. Es ist unglaublich, und doch, wer will der Wahrheit widersprechen. Denn Jesué sagt nicht, daß er nicht größere Werke håtte thun können, sondern nur, daß er die, welche an ihn glauben, werde größere Werke thun lassen. Ists ja auch nur Er, der im Gläubigen wirkt, und daher sind es ja auch seine Werke. Das größte Werk ist unstreitig, sich selbst und die Welt in sich überwinden. Denn es hat Welteroberer gegeben, die alles außer sich überwunden haben, nur sich selbst, und die Welt in ihnen selbst, konnten sie nicht besiegen. Das hat sich der Glaube der Christen vors 349 behalten. Das findet man außer ihm nirgend. Doch auch in andern und für andere siegt der Christenglaube; wenn er im Gebete ringt und unablässig für sie fleht, erobert er die unüberwindlichen, verhärtetsten Herzen und macht sie Christo unterwürfig. Er treibt alle Teufel der Sünde und Bosheit aus den Herzen der Menschen, wenn er sich in seiner Kraft zum Herrn erhebt, der die Schlüssel des Todes und der Hölle hat. Was ist stårker als der Tod? wer kann ihn zwingen? Der Glaube fürchtet ihn nicht, er verschlingt ihn, und macht die Todten lebendig, und schafft eine neue, lebendige Welt aus lauter todten Gebeinen. Ezech. 37, 4. ,, Wenn einer nichts als glauben kann, so kann er alles machen." Doch ein solcher Glaube ist eine beståndig lebende und sich regende Gebetskraft, die immer in der innigsten Verbindung mit der Allmacht steht, ohne die kein Glaube möglich ist. Glaube ist Gott in uns. Selig, wer ihn bewirthen und halten kann. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: O daß ich tau send Zungen. 1. Wenn heiße Thränen mir entfließen, mein Herz mit Angst und Schmerzen ringt, dann sink' ich, Herr, zu deinen Füßen, und finde, was mir Tröstung bringt. Dann wird der Glaube mir ein Licht, der meines Kummers Nacht durchbricht. 2. Du Heiland bietest jedem Müden Erquickung, Muth und Hoffnung an, und giebst ihm jenen innern Frieden, den ihm die Welt nicht geben kann. Durch dieses Friedens Kraft erfreut, wird ihm der Glaube Seligkeit. 3. Auch wenn wir zweifelnd oft uns gråmen, wenn Kleinmuth unsern Geist verstimmt, willst du uns Schwache nicht beschämen, so lang ein Funke Glaubens glimmt; du fachst ihn an, du nåhrest ihn, und bald wird er von neuem glühn. 4. Du stärkst die schon gesunknen Hände, du stårkst des matten Kämpfers Fuß, giebst der Versuchung solch ein Ende, daß unser Dank dich preisen muß, und führest durch die Prüfungszeit uns nur zu größrer Herrlichkeit. 5. Wir würden immer unterliegen im Kampfe mit der Leidenschaft, wir könnten keinen Feind besiegen, erfüllt' uns nicht des Glaubens Kraft; doch wenn dein Geist nur auf uns ruht, so siegen wir mit Heldenmuth. 350 6. Des Glaubens Kraft ist unsre Stärke, er überwindet alle Welt, und wirket in uns Allmachts- Werke, und thut stets, was dem Herrn gefällt. Und jeder Sieg, den er verschafft, belebet uns mit neuer Kraft. 7. Verleih, o Herr, mir diesen Glauben, fern sey mir jeder Heuchelschein; laß nichts mir deinen Frieden rauben; in Liebe laß mich thätig seyn. Dann werd' auch ich in jener Welt den Auserwählten zugeſellt. Brde. 28. Julij. 210. In Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Gal. 5, 6. Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts, sondern die altung der Gebote Gottes. 1 Kor. 7, 19. Du hast den Glauben- zeige mir deinen Glauben ohne Werke.- Willst du wissen, thörichter Mensch, daß der Glaube ohne Werke todt sey. Jak. 2, 18. 20. Der lebendige Glaube pflanzet Christum, den Baum des Lebens, ins Herz, daß er fest in ihm gegründet, eingewurzelt ist, und Früchte bringt zum ewigen Leben. Wo keine Früchte sind, da ist der gute Baum nicht, so viel Geschwätz von ihm daseyn mag. Ehe wirst du das Licht von der Sonne und die Wärme vom Feuer trennen können, als die Liebe und die Werke der Liebe vom wahren Glauben. Was eine Sonne ohne Licht, ein Feuer ohne Hiße, das ist der Glaube ohne Werke. Was soll dir eine Gerechtigkeit, die dich ohne Gerechtigkeit, ohne gerechte Werke låßt? Was ein Christus, der vor 1800 Jahren lebte, litt und starb, nun aber dich leer und todt in Sünden läßt? Was soll dir ein Kleid, das du nicht am Leibe trägst? Hat dir Christus durch den Glauben den Rock seiner Gerechtigkeit, das Hochzeitkleid geschenket: wo hast du es? zeige es, ziehe es- an, wandle 351 darin; sonst wirst du beim Hochzeitmahle nicht eingelassen, oder wieder hinausgeworfen. Ist Gott für uns, ist Christus für uns, so muß er auch in uns seyn. Ein Gott, ein Christus außer mir, ist nicht mein Gott, nicht mein Christus. Was nicht mit meinem Wesen zusammengeschmolzen ist, ist nicht mein, gehört mir nicht an und ich ihm nicht. Ich kann es mir nicht zurechnen, wenn ich es mir nicht zueigne, nicht in meinen Sinn, in Herz und Geist aufnehme. Was in mir lebt, ist mein Leben. Wer Christi Geist nicht hat, ist nicht sein. Wer Christi Gerechtigkeit nicht hat, dem gehört sie auch nicht. Was hilft dir die Anweisung einer großen Summe Geldes, wenn du das dir geschenkte Papier nicht wirklich versilberst, nicht zu Geld machst, und die angewiesene Summe nicht erhebst und gebrauchst? Wem Gott, wem Christus etwas schenkt, dem giebt er es auch zu genießen und zum Besitze. Prüfet euch also, ob ihr habet, was ihr glaubet; ob euch Christus das wirklich ist, wozu er euch von Gott gemacht ist? 1 Kor. 1, 30. mel. 98. un danket alle Gott. Oder: 0 Gott, du frommer Gott. 1. Bersucht und prüft euch selbst, ob ihr im Glauben stehet? ob Christus in euch ist, ob ihr ihm auch nachgehet in Demuth und Geduld? ob ihr in Freundlichkeit und Liebe jedermann zu dienen seyd bereit? 2 Kor. 13, 5. 2. Der Glaube ist ein Licht, im Herzen tief verborgen, doch bricht sein Licht hervor, scheint gleich dem hellen Morgen, beweiset seine Kraft, macht Christo gleichgesinnt, erneuert Herz und Muth, macht dich zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, und Kraft, nach Christi Art dem Nächsten zu vergeben. Weil er in Christo reich an Gnade worden ist, so preiset er sein Heil, bes kennet Jesum Christ. 4. Er hofft auf das, was Gett in seinem Wort geschrieben, drum muß der Zweifel fort, die Schwermuth wird vertrieben. So folgt dem Glauben stets die sichre Hoffnung nach; die hält im Wetter aus, besteht im Ungemach. 5. Gott gab uns seinen Sohn, da wir noch Feinde waren, erbarmt sich våterlich und läßt uns Gnad' erfahren; jetzt Liebe 352 gegen Haß. Hat dies der Glaub' erkannt, so wird die Lieb' erweckt, und 3orn und Haß verbannt. 6. Und wie uns Gott geliebt, so lieben wir die Brüder. Wir geben, flucht man uns, den Segen Gottes wieder, das Leben für den Tod. Bey Schimpf, bey Spott und Hohn, getrosten wir uns stets der ewgen Ehrenkron'. 7. Giebt Gott uns väterlich ein schweres Kreuz zu tragen; der Glaube bringt Geduld, erleichtert alle Plagen. Statt Zorn und Ungeduld wird das Gebet erweckt: der Glaube weiß, daß Gott der Noth ein Ziel gesteckt. 2 Petr. 1, 5. 2c. 8. So prüfe dich denn wohl, ob Christus in dir lebet; denn Christi Leben ists, wornach der Glaube strebet. Erst machet er gerecht vor Gott, und treibt sodann( spürst du auch diesen Trieb?) zur Heiligung uns an. 9. Herr, so mehre du in mir den wahren Glauben; dann" kann mir nichts die Kraft zu guten Werken rauben. Wo Licht ist, ist gewiß zugleich der helle Schein. Laß meine Seligkeit des Glaubens Ende seyn! * Breithpt 29. Julh. 211. Jakob stand auf in der Nacht- und blieb allein. Da rang ein Mann mit ihm. bis die Morgenrothe anbrach; und da er( der Mann) sah, daß er ihn nicht übermochte, rührte er das Gelenke seiner Hüfte an, und das Gelenke ward über dem Ringen mit ihm verrenkt, und er sprach: Laß mich gehen, denn die Mor genröthe bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segneft mich denn.... 1 Mos. 32, 22. 24-26. Der Mann, mit dem Jakob rang, war der- Sohn Gottes, wie Jakob nachher erkannte, da er ihn segnete. ( Vers 29. und 30.) Sie rangen mit einander, daß der Staub sich erhob. Es war ein heftiger Kampf, den du nicht verstehen kannst, wenn du es nicht erfährst. Gott fetzt sich manchmal seinen Glaubens- Helden gewaltig entgegen, und will durch Gewalt und ernsten Kampf übers 353 wunden werden; gewiß aus keiner andern Ursache, als daß wir im Glauben geübt werden, und das schwer Errungene desto höher schätzen und besser bewahren. Ohne folches Ringen wird man nicht viel von Gott erhalten. Du sollst auch nicht übersehen, wie sich Jakob dazu anschickte; er stand des Nachts auf, wo man am ungestörtesten beten und mit Gott umgehen kann; er schickte seine Weiber und Kinder über den Bach, um allein bey Gott seyn zu können. Es ist ein großes Werk, mit dem Allmächtigen ringen, wobey wir alles auf die Seite schaf fen sollen. Er ließ nicht nach mit Ringen, bis Gott ihn bat: Laß mich gehen, der Tag bricht an- bis ihm Gott die Hüfte verrenkte, bis er ihn segnete, bis Jakob hatte, was er wollte. Da lerne beten, und ringen im Gebete, wenn es dir mit deiner Seligkeit Ernst ist. Der Heiland ließ öfters mit sich ringen, z. B. Matth. 15, 22. 2c. Er rang selbst mit dem Tode. Luk. 22, 44. Paulus rang auch unter vielen Leiden im Gebete nach der Wirkung deß, der da in ihm kräftig wirkte. 2 Tim. 4, 7. Er erzählt von Epaphras, daß er für die Colosser ringe. Col. 4, 12. Er beschwört und bittet die Brüder beim Herrn Jesus Christus 2c. daß sie gemeinschaftlich im Gebete mit ihm zu Gott für ihn ringen sollten. Róm. 15, 30. Das Gebet ist daher nicht ein bloßes Murmeln des Mundes, ist nicht eine Gabe des rednerischen Talentes, sondern ein mächtiger Kampf mit Gott im Geiste. Herr, lehre uns also beten und ringen, wie deine Freunde mit dir rangen. Stårke mich, daß ich dich nie lasse, du segnest mich denn. mel. 11. Jefu, komm doch selbst. 1. Jesu, fieh, ich liege da, warte auf dein Hephata! Ich bin unrein, blind und todt, inn- und außen voller Noth. 2. Lamm, du nimmst mich, wie ich bin, gern in deine Arme hin; machst, daß mich die Sünde reut, schmückst mich mit Ges rechtigkeit. 3. Sieh, ich strecke mich nach dir; Jakobs Glaube zeiget 3 354 mir, wie man heftig mit dir ringt, bis man dich zum Segnen zwingt. 4. Herr, ich fasse dich mit Macht, würd' ich auch verrenkt gemacht. Du kommst doch von mir nicht los, bis du sprichst: Dein Glaub' ist groß! 5. Meine Thrånen, mein Geschrey lassen dich nicht so vorbey; wenn ich auch nicht weinen kann, seh' ich dich doch sehnlich an. 6. Ehe laß ich dich nicht hin, bis ich ganz gesegnet bin; bis ich weiß, du seyest mein; denn ich muß errettet seyn. 7. Amen! ja, du hörest mich, und ich Armer fasse dich, ja zum Voraus will ich schrein: Jesus muß mein Alles seyn! Wdf. 30. Julij. 212. Das ist ja gewißlich wahr, und ein theuer wer thes Wort, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. 1 Tim. 1, 15. Ich bin gekommen zu rufen den Sündern zur Buße, und nicht den Gerechten. Mark. 2, 17. Welcher will, daß allen Menschen geholfen werde, und daß sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. 1 Tim. 2, 4. Es ist wahr, wie Paulus sagt, es ist kein schöneres Wort auf Erden, man wird keines finden, wenn man alle Bibliotheken und alle Schriften der Welt durchsucht, wenn man alle Aussprüche der Weisen und Thoren hört; es ist kein schöneres, lieblicheres, tröstlicheres Wort auf Erden, als das aller Annahme werthe, theure Wort: Jesus Christus, Gottes eingeborner Sohn, ist in diese Welt gekommen, die Sünder selig zu machen. Wenn dies Wort in die rechten Ohren fällt, so macht es wirklich den gans zen Menschen reicher, als wenn man ihm tausend Welten schenkte, seliger, als wenn ihn alle großen und kleinen Menschen der Erde ihre Gunst versicherten. Und was der Apostel schrieb, hat der Heiland selbst zum Voraus 355 bestätiget und in die Welt voll Sünder hineingerufen. Ja, ja, ich bin wirklich nur deswegen in diese Welt ge= kommen, Sünder zur Buße, zur Seligkeit zu rufen. Merket es: nicht Heilige, nicht Gerechte suche ich auf Erden. Ich weiß wohl, daß die Welt voll Sünder ist, aber eben für diese bin ich da- gesandt von dem Gott der Liebe, der keine Menschen- Seele verloren gehen lassen, sondern alle, alle selig wissen will. Da sollte ja doch alle Welt aufs Angesicht fallen und anbeter.. Wenn sie es nun nicht thut, lieber Leser, so thue du es! Laß du dieses Wort zuerst recht in dein Herz fallen, dann wirst du gewiß auf dein Antlitz niederfallen. Das Wort, wenn du es recht auffassest, wird dich niederwerfen, wenn dich nichts in der Welt beugen kann. Selig sind die Ohren, die aufgethan sind, dich, Wort des Lebens, zu hören! Mel. 85. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. O Mensch! wer Ohren hat, zu hören, der höre, denn die Beit ist da. Gott ruft, die Sünder zu bekehren, von Sinai, von Golgatha, mit Donnern und im süßen Ton; erwacht und eilt zum Gnadenthron! 2. daß es durch die Seele schallte! O möchten's Spieß' und Någel seyn! Herr, schlage, daß das Herz zerspalte! Uch, bring' sie mit Gewalt herein! bis keine Seele übrig bleibt, die sich nicht Jesu ganz verschreibt. 3. O kommt doch endlich zum Besinnen, und zur Erkenntniß eurer Schuld! Durchforschet euch von Auß- und Innen; bewundert eures Herrn Geduld, die euch bis diese Stunde trug; bald spricht er sonst: Es ist genug! 4. Ja, Amen, ja wahrhaftig, Amen! Das will der Herr, so soll es seyn! So lesen wir's in seinem Namen. Nicht eines soll des Todes seyn. Und welche Seele doch verdirbt, stirbt darum, weil sie gerne stirbt. 5. O Jesu! höre unser Flehen, errette uns und jedermann; gieb, daß wir unser Elend sehen, denn du siehst uns mit Thranen an! Zieh alle, bis ein jeder weiß: Ich bin des Lammes! Ihm sey Preis! Waf. 32 356 31. Julij. 213. Dir, Berr, ist niemand gleich, du bist groß und dein Name ist groß, und kannst's mit der That beweisen. Jer. 10, 6. Jch, ich bin der Herr, und ist außer mir kein Zeiland. Jes. 43, 11. Ju der Zeit wird man sagen: Sich, das ist unser Gott, auf den wir harren, und er wird uns helfen. Das ist der Herr, auf den wir harren, daß wir uns freuen und fröhlich seyn in seinem Namen. Jef. 25, 9. Jesus ist uns alles. Er ist ganz so, wie wir fündige, schwache, blinde Menschen ihn bedürfen. So kann uns niemand thun, wie er uns thut. Die Hülfe, den Trost, die Kraft und Gnade, das Leben, den Frieden und die Seligkeit, die wir bey ihm finden können, suchen wir überall vergebens. Kein Mensch könnte wahre Ruhe und Frieden seiner Seele finden, kein Mensch rein und gut werden, keiner vor Gott im Gerichte bestehen, keiner ein besseres Leben hoffen, keiner selig werden, keiner den an dern trösten, keiner für sich und die Seinigen Gutes hof fen, wenn Jesus nicht der wäre, der er ist, ,, Heiland, Erlöser, Seligmacher, Sündentilger, Todtenerwecker, Licht, Wahrheit, Leben, ewig Vater, Friedefürst, Kraft, Rath, Wunderbar." Wo nähme die gesammte Menschenheerde einen Hirten her, der sie übersehen, sie weiden, schützen und bewahren könnte? Wo kame das Opfer her, das genugthuend wåre, alle Sünden und Schulden aller Sünder, von Adam bis auf den letzten vom Weibe geboren, zu tilgen? Wo wäre der Arzt, die Arzney, die Fülle des Geistes, der Kraft, der Salbung zu finden, die erfordert wird, um alle Schwachheit, Untugend, alle Gebrechlichkeit, Krankheiten der Seele zu heilen und den ganzen Menschen wieder neu zu schaffen? Wo wäre das Meer der Freude, der Seligkeit zu entdecken, aus dem alle 3 357 Freude Dürftige und nach Seligkeit schmachtende Menz schenherzen schöpfen und sich satt trinken könnten? Wer hätte die Geduld, Langmuth, Treue, Zärtlichkeit und Herzlichkeit, die zur Erweckung, Bekehrung, Erziehung und Heiligung der schwachen Geschöpfe nöthig ist, um nicht an ihnen zu ermüden, und zu verzagen, und sie zu verwerfen? Aber nun haben wir ihn gefunden, den Mann, der alles dieses in sich vereinigt, und mehr noch, als eine Menschenzunge aussprechen kann, mehr, als wir bedürfen. Nun können wir sagen, was Jef. 25, 9. vorausgesagt ist: Das ist unser Gott, den wir bedürfen; das ist der Herr, den unsre Erwartung übertrifft, so daß wir uns freuen und fröhlich sind in seinem Namen. mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. - 1. Wo ist ein Jesus, wie der Meine? Wo ist ein Heis Iand, so wie er? O, nirgend! es ist nur der Eine. Wenn dieser Einzige nicht wär', so müßt die Welt zu Grunde gehen; um alle Menschen wär's geschehen. 2. Wo könnt' im Himmel und auf Erden ein solcher Bürge für die Welt und ihre Schuld gefunden werden, der ein genugsam Lösegeld für Einen Sünder zahlen könnte, geschweige, daß er All' versöhnte? 3. Wo nåhm' der Sünder, so ein wüster, ein Opfer für die Sünde her? Wo fánde man den Hohenpriester, der selber ohne Sünde wär'. Wenn der sich nicht der Welt zum Leben als Lamm und Priester hingegeben? 4. Wo hat die Heerde je ein Hirte mit seinem eignen Blut erkauft? Wer sucht so sehnlich das Verirrte, das ihm wohl hundertmal entlauft? Wer läßt sich wie ein Wurm zertreten, um nur sein Schåflein zu erretten? 5. Wo findet sich die treue Henne, die, wenn das Küchlein fich zerstreut, daß es nicht ins Verderben renne, zu todt sich gluckt, und ruft, und schreit? Und wenn es nicht gleich kommen sollte, ihm Tag und Nacht doch locken wollte? 6. Wo ist die Mutter, der am Ende das Kind nicht wird zum Ueberdruß, wenn sie stets.fort und fort die Hände mit ſeinem Koth beflecken muß, weil es, so bald's gewaschen, wieder sich wälzt im Koth mit Leib und Glieder. 7. Wo hat ein Bråutgam solche Liebe jemals zu einer Braut gefaßt, die keine Stund' ihm treu verbliebe, die ihn vers 358 achtet und gehaßt, daß er, damit er sie gewinne, sein Blut vers goß aus treustem Sinne? 8. Wo ist der Mann, der sich nicht schåme, daß er ein liederliches Weib vom andern Manne wiedernähme, die Tag und Nacht selbst ihren Leib zum ehebrecherischen Leben den feilen Buhlern hingegeben? 9. Wo ist der Arzt, der alle Schmerzen, was seine Kranken quålt und grimmt, aus mitleidsvollem treuen Herzen, ja ihren Tod, selbst übernimmt? der ihre Wunden unverweilet selbst durch sein Blut und Wunden heilet? 10. Das ist das Lamm, das thut alleine mein Jesus. So giebts feinen mehr; Er ists, und es ist nur der Eine. Wenn dieser Einzige nicht wär', so mußt' die ganze Welt vergehen; um alle Sünder wär's geschehen. * Pf. 214. Erster August. Wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns geliebet hat, und sich selbst dargegeben zum Opfer Gott zu einem süßen Geruch. Ephef. 5, 2. Wandelt weislich gegen die, die draußen sind. Col. 4, 5. Lasset uns wandeln im Lichte des Herrn. Jes. 2, 5. Daß niemand seinem Bruder Anstoß oder Aergerniß darstelle. Rom. 14, 13. Wer seinen Bruder lieber, der bleibet im Lichte und ist kein Aergerniß in ihm. 1 Joh. 2, 10. Der süßeste Geruch vor Gott ist die Liebe; darum hat Christus, der sich aus Liebe für uns Sünder geopfert hat, Gott am meisten gefallen; darum gefallen ihm auch alle die, welche in der Liebe wandeln und an ihren Brü dern thun, was Christus an uns gethan hat, die sich für ihre Brüder, für ihren Nächsten aufopfern; die sich das Liebste versagen gelernt haben, den Schein alles Bösen meiden, um nur niemand zu ärgern; die alles thun, was fie durch Gnade vermögen, um ihren Nächsten zu erbauen, 359 ihn selig zu machen, und vom Verderben zu retten. Willst du dem Herrn ein süßes Rauchwerk anzünden, so laß die Flamme der Liebe in dir brennen, laß sie auflodern in Werken der Liebe; erhalte, nåhre und vermehre sie durch brünstiges Flehen und beständiges Ueben der Liebe, durch einen Wandel im Lichte der Liebe, ohne Anstoß und Wergerniß. Was hat die Heiden an den ersten Christen so sehr erbauet? Ihre Liebe zu einander und zu allen Menschen. Seht doch, wie sie einander lieben! sagten die Heiden, wenn sie Christen einander begegnen oder versammelt sahen. Kein Licht leuchtet so helle, keines strahlt so in die Augen, als das Licht der Liebe, in dem kein Schatten, kein Flecken des Vergernissee oder Anstoßes ist. Alles Licht ist nur ein gemahltes, ist Finsterniß, wenn es nicht lauter Liebe ist. Alle Süßigkeit und Geberde der Liebe ist fade und ein übler Geruch vor Gott, wenn sie nicht erbaut, nicht thätig ist, nicht zum Wandel in der Liebe treibt, nach dem Sinne und Beispiele Christi. Wer nur Einen Menschen verachtet, oder nicht achtet, sey er auch, wie Paulus sagt, draußen, außer der Gemeinschaft Christi, ein Welt- oder Satanskind, dessen Licht ist Finsterniß, dessen Liebe ist kalter Schein, ist ein Nordlicht, das wohl schimmert, aber nicht wärmet. Mel. 22. Die Seele Christi. Oder: Es kam die gnadenvolle Nacht. 1. Wer Brüder liebt, der liebet sich. O seyd barmherzig, brüderlich! Send freundlich und von Herzen klein! Ein jeder woll' der Kleinste seyn. 2. Die Welt giebt sehr begierig Acht, was doch die kleine Heerde macht. Sie ärgert sich, die blinde Welt, weil Jesus ihr schon nicht gefällt. 3. Drum liebt und gebt im Wandel Acht, daß Jesus fie noch selig macht. Den Bruder tragt, und euch seyd scharf, weil jed's zuerst der Zucht bedarf. 4. Ihr habt es doch wahrhaftig gut; und was der Feind zuwider thut, das muß zuletzt noch Segen seyn; es dring' auch immer tiefer ein. 5. Herr Jesu! unser Herr und Haupt, an den das arme 360 Häuflein glaubt, auf dich ist unsre Zuversicht und unser Auge hingericht't. 6. Durch deine Gnabe ganz allein wird unser Wunsch gewähret seyn. Laß uns aus Gnad' in Gnade gehn, und als verbundne Mauern stehn! 7. Ach, würden doch durch deine Macht noch Schaaren in dein Reich gebracht! Erhör' uns, daß, o großer Fürst, du mit uns nicht zu Schanden wirst! Wdf. 2. August. 215. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes- fo laffet uns nun fleißig seyn, einzukommen zu dieser Ruhe daß unser keiner das hinten bleibe. Gebr. 4, 1-11.. Sie werden nicht mehr hungern noch dursten; es wird nicht mehr auf sie fallen die Sonne, oder irgend eine Zizze- Gott wird alle Thránen von ihren Augen abwischen. Off. 7, 16. 17. Als die Kinder Israel durch die Wüste geführt wurden, wurde ihnen versprochen, sie zur Ruhe, d. i. zum ruhigen Besite des Landes Canaan einzuführen. Weil sie aber der Stimme Gottes nicht glaubten, nicht gehorchten, son dern, von bösen Lüften betrogen, ihr Herz gegen ihn verhårteten, schwur Gott in seinem heiligen Zorn: Sie sol len zu meiner Ruhe nicht eingehen. Er ließ sie alle sterben in der Wüste, und führte nur ihre Kinder und Nachkommen dahin. Nun sagt Paulus: Wir haben auch ein Land der Verheißung, auch ein Canaan, es ist noch ein Land der Ruhe vorhanden: hier, das Reich Gottes inwendig in uns, und dort, der Himmel, das Reich Gottes in der ewigen Herrlichkeit. Da will und wird uns der Herr einführen. Paulus giebt uns dabey wohl zu bedeuken Kap. 3, v. 12 u. f. w., daß wir uns vor Verhårtung unsers Herzens hüten, daß wir nicht vom lebendigen Gott abfallen, uns nicht von der Sünde verführen - 301 laffen; daß wir in der Theilhaftigkeit Christi verharren, den Anfang seines Wesens, den er uns geschenkt hat, nicht verlieren; daß wir ja nicht unthätig, låssig, verdrossen, tråge, schläfrig und kalt werden; daß sich niemand durch Trübfale, Leiden, Kåmpfen ermüden und abschrecken las se, oder aus Trågheit nicht sich selbst gern in der Wüste aufhalte, weil er sich durch die Feinde nicht durchschlagen mag zu dieser wahren Ruhe, da er die Ruhe des Fleisches zu sehr liebt. Davor warnt er uns, daß unser keiner zurückweiche oder dahinten bleibe, und den Eingang in die ewige Ruhe, ins himmlische Canaan, versäume. Denn, was hilft es uns, daß wir es wissen, daß es uns gepredigt wird, und einige etwa gar noch mehr von dem Reiche Gottes, von der Zeit seines Anbruchs, von Ort und Umstånden sagen und schreiben können? Das hilft uns nichts, wenn wir nicht gehorchen der Stimme des Herrn, nicht wachen, beten, auf daß nicht jemand falle in dasselbe Erempel der Juden, auf daß nicht Gott auch wieder schwöre in seinem 3orn: Sie sollen nicht kommen in meine Ruhe. Man lese, betrachte das 3te u. 4te Kap. Hebr. ja recht aufmerksam. mel. 118. Ich habe mich ihm ganz erg. Oder: Wie wohl ist mir, o fr. der S. 1. Es ist noch eine Ruh' vorhanden. Auf, můdes Herz, und werde Licht! Du seufzest hier in deinen Banden, und deine Sonne scheinet nicht. Sieh' auf das Lamm, das dich mit Freuden dort wird vor seinem Stuhle weiden. Wirf hin die Last und eil' herzu! Bald ist der schöne Kampf geendet, bald, bald der saure Lauf vollendet; dann gehst du ein zu deiner Nuh'! 2. Die Ruhe hat Gott auserkohren, die Ruhe, die kein Ende nimmt. Es hat da noch kein Mensch geboren, die Liebe sie uns schon bestimmt. Der Sohn des Vaters mußte sterben, um diese Ruh' uns zu erwerben. Drum ruft und lockt er weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, versäumet nicht, heut' einzukommen zu meiner Ruhe Lieblichkeit! 3. So kommet denn, ihr müden Seelen, die manche Last und Bürde drückt; eilt, eilt aus euren Kummerhöhlen geht 362 nicht mehr krumm und eingebückt. Ihr habt des Tages Last getragen, dafür läßt Gottes Lamm euch sagen: Ich will selbst eure Ruhstätt' seyn. Ihr seyd sein Volk, gezeugt von oben, ob Sünde, Welt und Teufel toben, seyd nur getrost und gebet ein! 4. Da wird man Freudengarben bringen, denn unsre Thrdnensaat ist aus. Mit welchem Jubel wird man singen, welch' süßem Ton ins Vaters Haus! Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und dergleichen wird ewig, ewig von uns weichen. Wir werden ja das Lamm dort sehn; es wird beim Brünnlein uns erfrischen, die Thrånen von den Augen wischen; wer weiß, was sonst noch soll geschehn? 5. Kein Durst und Hunger wird uns schwächen; denn die Erquickungszeit ist da. Die Sonne wird uns nicht mehr stechen. Das Lamm ist seinem Volke nah. Er will selbst über ih nen wohnen, und ihre Treue wohl belohnen, mit Licht und Trost, mit Ehr' und Preis. Da werden die Gebeine grünen, der große Sabbath ist erschienen, da man von keiner Arbeit weiß. 6. Da ruhen wir und sind im Frieden und leben ewig forgenlos. Ach, fasset dieses Wort, ihr Müden; legt euch dem Lamm in seinen Schooß! Uch, Flügel her! wir müssen eilen, und uns nicht långer hier verweilen; dort wartet schon die große Schaar. Fort, fort mein Geist zum Jubiliren, begürte dich zum Triumvhiren! Auf! auf! es kommt das Ruhejahr! J. S. Kunth. 3. August. 216. Gott ist unsre Zuversicht und Stärke in den großen Nöthen, die uns getroffen haben. Wenn gleich das Meer wüthete und wallete, und die Berge einfielen vor seinem Ungestüm. Dennoch soll die Stadt Gottes fein fröhlich bleiben mit ihrem Brünnlein, da die heiligen Woh nungen des öchsten sind. Gott ist bey ihr drinnen, darunt wird sie wohl bleiben; Gott hilft ihr früh. Pf. 46. vergl. mit Pf. 48. Wir haben eine feste Stadt, Mauern und Wehre sind Seil. Jef. 26, 1. 363 Die Stadt Gottes ist die Kirche Christi, die Gemeinschaft der Heiligen, die Versammlung der Gläubigen. Sie schwebt in dieser Welt immer in großen Nöthen, und kann doch nicht untergehen. Sie wird von ihren Feinden, von Fleisch, Welt und Teufel immer belagert, bedroht, verfolgt, verjagt, gelåstert und bleibt doch eine feste, unüberwindliche Stadt, so schwach sie von außen scheint, ohne Bollwerk, ohne Geschüß und Waffen, blosgestellt allen feindlichen Angriffen, mitten im Lager des Feindes. Warum fürchtet sie sich nicht? warum darf sie sogar fröhlich seyn? Der Herr ist bey ihr drinnen. Jesus wohnt in seinen Gläubigen; sie sind alle Wohnungen Gottes im Geist. Eph. 2, 22. u. 3, 17. Darum darf und kann sie fröhlich seyn; sie hat ein Brünnlein, ja einen Strom des lebendigen Wassers in ihr, Joel 3, 23. Joh. 7, 38. Ezech. 47, 1. Die Tröstungen des heiligen Geistes erfreuen, stårken und erhalten sie, daß sie doch bleibt und besteht, wenn auch die Welt untergeht, und die Berge ins Meer stürzen. Sie ist ein Fels im Meere; alle Fluthen und Wogen brechen sich an ihr, und sie überwindet alles in dem, der bey ihr ist, der sie nie verläßt, und sie mächtig und stark macht. Darum, gläubige Seelen! zaget nicht; so lange ihr den Herrn bey euch habt, werdet ihr wohl bleiben. Sorget nur dafür, daß er bey euch drinnen ist und bleibt. Wenn er von euch weicht, oder ihr von ihm, wenn ihr nicht fest an ihm hanget, und in ihm, wie in einer Festung eingeschlossen, von ihm, wie von einer Wagenburg umgeben seyd, so werdet ihr zu Schanden. Aber wer in ihm bleibt, der singt: Um Jerusalem her sind Berge, und der Herr ist um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit. Pf. 125, 2. Mel. 52. Wer Ohren hat, zu hören. Oder: Befiehl du det: ne Wege. - 1. Der Herr ist der Begründer, der Kirche Zuversicht. Wir flehn um Hülf' als Kinder, und er versagt sie nicht. Laß alle 364 Haffer toben, laß sinken Berg' ins Meer; der Herr hat sie erhoben, der Herr ist um sie her. 2. Sie ist ein Fels im Meere; es brauf der Wogen Fluth. Doch bricht sich, Gott zur Ehre, an diesem Fels die Wuth. Ob auch schon oft auf Erden, in Nacht verhüllt ihr Licht, schien ausgelöscht zu werden, erlosch es dennoch nicht. 3. Gott ist in ihren Mauern, erbaut auf Golgatha, die Stadt des Herrn wird dauern, die ihn dort bluten sah. Die Erde wird vergehen, der Himmel nicht bestehn; die Kirche wird es sehen, und nicht mit ihm vergehn. 4. Sie hat schon viele Sünder, doch oft bedrångt durch Spott, zu dir bekehrt, viel Kinder für dich geboren, Gott! Noch spotten ihrer viele, sie aber achtet's nicht, sie schauet dort am Ziele die Kron' und das Gericht. 5. Schmåht immer, schmåht, ihr Spotter! Denn fruchtbar ist sie noch; der Herr ist ihr Erretter, fie triumphiret doch. Er wird den Kriegen steuern, die wider sie ihr führt; sie wird ein Siegsfest feiern, das ewge Wonn' gebiert. Crmr. 4. August. 217. Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Ich habe Lust abzuscheiden, und bey Christo zu seyn. Phil. 1, 21. 23. Wir werden dann immerdar bey dem Herrn seyn. So tro stet cuch nun unter einander mit diesen Wor ten. 1 Theff. 4, 16. 17. Christen haben den Austritt aus diesem Leben nie anders angesehen als einen Heimgang, eine Rückkehr in die Heimath. Wie ein Kind, das in der Fremde ist, mit Jubel die Nachricht, das Aufgebot vernimmt, in das våterliche Haus, in das Heimathland zurückkehren zu dürfen, so freut sich der Christ auf sein letztes Stündlein des Lebens auf Erden, das ihn in seine ewige Heimath, ins Vaters Haus versetzt. In dieser und noch vielfacher Hinsicht ist der Tod ein großer, ja der größte Gewinn; wenn anders Christus unser Leben ist. Denn das muß nicht übersehen werden. Wer dem Apostel das erste: Christus 365 ist mein Leben; in Wahrheit nachsprechen kann, wird auch das zweite: und Sterben mein Gewinn; mit froher Seele und voller Zustimmung seines Herzens sagen können. Wenn Christus in dir lebt, wirst du nicht sterben, sondern durch das, was man Sterben nennt, unendlich gewinnen; wirst außer Gefahr geseht, das Leben, das du hier in Christo anfingst, je wieder zu verlieren, wirst in Sicherheit gebracht, ewig in. Christo und bey Gott herrlich und selig zu leben. Wer diese schöne, liebliche Gestalt des aller Welt so fürchterlichen Todes ins Auge faßt, soll der nicht Lust haben mit Paulus abzuscheiden; soll der nicht schon seinen Wandel mehr dort haben, wo er ewig bleiben zu důrfen versichert ist, als hier, wo er nur durchpilgert, und keine bleibende Ståtte hat? Es muß freilich, wie bey Paulus, mit vollkommner Ergebung geschehen, so, daß man um des Herrn und um seiner Brüder willen gerne noch bleibt, so lange es frommt; aber ohne Heimweh, ohne Wandel im Himmel ist kein Christ; die freudige, lebendige Hoffnung, einst immerdar beim Herrn zu seyn, reißt ihn schon jetzt oft mit sich fort, hinüber in die heimathlichen Wohnungen des Friedens. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Herr, lehr' mich auf den Himmel achten; ich seh' ihn ja als Heimath an. Soll ich nicht nach der Wohnung trachten, in der ich ewig bleiben kann. So wird mein Haus hier auf der Welt, und auch im Himmel wohl bestellt. 2. Mein Herz wohnt schon im Himmel droben, denn dort ist auch mein Schatz und Theil; den hat mir Jesus aufgehoben; dort ist das mir versprochne Heil. Die Weltlust ist mir viel zu schlecht; im Himmel ist mein Bürgerrecht. 3. Wohlan, so will ich täglich sterben; ich lebe so, als lebt' ich nicht; und also kann ich nicht verderben, wenn mir der Tod die Augen bricht. Erfreulich ist mein Heimgang mir, denn du, mein Jesus, lebst in mir. 4. Dein Bote kann mich nicht erschrecken, die Welt nur schreckt sein traurig Bild; mir soll er lauter Lust erwecken, weil du burch ihn mich holen willt. Wo man mit ihm Bekanntschaft hat, da hat sein Schrecken keine Statt. 366 5. So kommt, ihr angenehmen Stunden! Komm, eile mein Erldsungstag; da ich von aller Noth entbunden, zum Leben sterbend bringen mag. Dort find' ich in des Höchsten Hand mein Eden und gelobtes Land. 6. Dir will ich gånzlich mich ergeben, du, dessen Eigenthum ich bin. Du, Jesus Christus, bist mein Leben, und Sterben bleibet mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir! Sey du nur mein, so gnüget mir. 7. Laß mich, dich und die Welt erkennen; dich, daß du mir mein Alles bist; mich, daß ich Staub und Nichts zu nennen, die Welt, daß sie mein Kerker ist Wer dich, sich und die Welt erkennt, der macht ein richtig's Testament. L. R. v. Senft. 218. 5. August. Ich flehe vor deinem Angesicht von ganzem erzen, sey mir gnädig nach deinem Wort. Pf. 119, 58. Bittet, so wird euch gegeben; su. chet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn jeder, der bittet, empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgethan. Matth. 7, 7. 2. Die Erlaubniß, oder das uns geschenkte Recht, vor Gottes Angesicht erscheinen und beten zu dürfen, ist eine unschäßbare, von keinem Menschenkinde genug erkannte und gewürdigte Gnade, ein Privilegium über alle Prievilegien, ein Reichthum, oder Schak, den man allen Reichthümern, Schäßen und was genannt werden mag, weit vorziehen soll. Eine Goldgrube, ein Silber- Bergwerk, ein Meer voll Perlen und Edelsteine, wenn dir ein solches fren und offen stůnde, sollte dir nicht so lieb und theuer seyn, könnte dich nicht so glücklich, reich und herrlich machen, als dich die Gnade, beten, zu Gott und seinem Gnadenschak kommen und daraus nehmen zu dürfen, was du bedarfst, machen kann. Ach, wenn es doch die Menschen verstånden! wenn sie es doch wüßten, was 367 da verborgen liegt für die, welche Gebrauch davon mas chen, welche sich durchs Gebet zu Gott nahen! Wer das weiß, der geht immer zuerst und vor allem, und so oft er nur kann, dahin; dem ist jede Minute köstlich, die er dazu verwenden kann. Wenn andere denken: Ich muß und will mich dahin, dorthin wenden, wo ich Vortheile, Gunst, Ehre, oder Vergnügen finde; so denkt der Kenner des Gebets: Und ich weiß mir keinen bessern Ort, keinen glücklichern Gang, keine reichere Quelle aller Güter, Ehren und Freuden, als das Gebet, den Umgang mit meinem Gott; da werde ich reich, geehrt, begünstigt, erfreut und herrlich, wie an keinem andern Orte, wie bey keinem Wesen im Himmel und auf Erden. Darum geht er auch am liebsten und am öftersten dahin, und läßt sich durch kein Glück, durch keinen Reiz, um keinen Preis davon abhalten. mel. 10. Mein Jesu, sey gegrüßet. Oder: Wach' auf, mein Herz, und singe. 1. Mensch! Sünder! Staub und Made! bewundre diese Gnade; der Wurm, so voll Gebrechen, darf mit Jehova sprechen. Den das Gesetz verfluchet, weil er Gott nicht gesuchet, der wird durch Jesu Wunden versöhnt, gesucht, gefunden. 2. So kann er alles hoffen, der Zugang steht ihm offen, vor seinem Gott zu stehen, und mit ihm umzugehen. Sein Herz ihm zu entdecken und Gottes Herz zu schmecken, zu bitten, zu begehren. Kein Satan kann es wehren. 3. Er darf die Schuld bekennen, und doch Gott Vater nennen, ihm danken und ihn preisen, ihm Ehr' und Dienst erweis fen. Sein Elend darf er klagen, Wunsch und Verlangen ſagen, für sich und andre bitten, sein ganzes Herz ausschütten; 4. Bor Gott beständig bleiben, die Arbeit betend treiben; wenn Worte gleich gebrechen, auch ohne Worte sprechen; Allein zum Bater treten, und in Gemeinschaft beten; mit Singen, Flehen, Weinen, auch öffentlich erscheinen. - - - 5. Gott kennt uns aus dem Grunde, doch unsre Red' im Munde soll uns erinnern, lehren, erwecken, zu ihm kehren.- Groß ist die Noth der Armen. Reich ist des Herrn Erbarmen, verheißt sich auszuschütten, gebietet ihm zu bitten. 6. Mit diesem Geber sprechen, vertreibet die Gebrechen. 368 Man geht von diesem Lichte mit glänzendem Gesichte.- Wer bittet, der wird haben; wer sucht, der findet Gaben. Wer Klopfet und nicht schweiget, dem wird der Schatz gezeiget. 7. Was wir nur bitten wollen, ist, was wir haben sollen. Mehr als man fucht und denket, wird Bittenden geschenket.- Zu dir heb' ich die Augen! Herr, laß mich vor dir taugen, daß Gnad' und Wahrheit walte, wenn ich die Hände falte. 8. Wenn ich die Kniee beuge, so sey dein Geist mein Beuge, laß Seufzen, Beten, Ringen durch alle Himmel dringen.- Vor dir, Herr, laß mich wandeln, im Glauben alles handeln, dir singen und dich loben. Die Harfe schlag ich droben. Of fenb. 14, 2. Wdf. 6. August. 219. An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an 3ion gedachten. Unsere Harfen hingen wir an die Weiden. Wie sollten wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande: Pf. 137, 1. 4. Weine nicht. Weiner nicht, sie ist nicht gestorben, sie schläft nur. Luk. 7, 13. und 8, 52. Ihr werdet weinen und heulen, und die Welt wird sich freuen. Joh. 16, 20. Weine nicht; sieh', es hat überwunden der Löwe. Offenb. 5, 5. - Sollen die Kinder Israel nicht weinen, wenn sie, von ihrem Zion losgerissen, an den Wassern Babels sizzen müssen, im fremden Lande? sollen sie nicht weinen, wenn ihnen ihr Liebstes genommen ist, und sie unter Babel hingeworfen sind? Sie mögen es thun, weil sie doch nicht anders können, und der Herr es selbst voraus sagt: Ihr werdet weinen.-- Jedoch Babel hätte mehr Ursache zu weinen, welches sich doch freut und lachet über die Zucht der Kinder Gottes. Sie mögen weinen, die, Kinder Gottes, wenn sie gedrückt und gedrångt werden von Babel; aber daber nicht trostlos, nicht verzagt seyn, ihre Hoffnung nicht aufgeben; sie mögen weinen über die 369 Gegenwart, aber zugleich sich der Zukunft und ihrer Verheißung freuen. Denn die Erlöseten des Herrn werden wiederkehren und gen Zion kommen mit Ruhm, und ewige Freude wird über ihrem Haupte seyn. Wonne und Freude wird sie ergreifen ic. Siehe Sef. 51, 11. 12. Soll eine Wittwe nicht weinen, wenn sie ihres einzigen Kindes, ein Lehrer, wenn er seiner Schüler, eine Gemeine, wenn sie ihres Lehrers beraubt, Wittwe, Waise geworden ist? Nein, weine nicht! sagt der Herr, der da hilft und vom Tode errettet. Soll man nicht weinen, wenn man in die dunkle Zukunft schaut, und nichts sieht, wenn niemand das Buch der verborgnen Rathschlüsse Gottes öffnen und darin lesen kann? wenn von allen Seiten schwarze Nächte, schwere Leiden drohen, und nirgend ein Strahl der Hülfe, des Trostes zu erblicken ist? Soll man nicht weinen? Nein, weine nicht! sagt die Stimme; es hat überwunder der Löwe aus Juda's Stamm. In der Welt habt ihr Angst, aber seyd getrost, denn ich habe die Welt überwunden. Joh. 16, 33. Man kann sich wohl des Weinens nicht erwehren, aber man weint doch ganz andere Thränen, als die Welt in ihrer Traurigkeit; sie sind mit Trost und Hoffnung vermischt, wodurch sie schnell und leicht getrocknet werden. mel. 22. Es kam die gnadenvolle. Oder: Gelobt seyst du, Herr Jesu Christ. 1. O süßes Wort, das Jesus spricht zur armen Wittwe: Weine nicht! Es kommt mir nie aus meinem Sinn, zumal, wenn ich betrübet bin. Wenn Noth und Elend mich anficht, spricht gleich mein Jesus: Weine nicht! Gott ist dein Vater! trau nur ihm; erhört er doch der Raben Stimm'. - 2. Bin ich sehr kraftlos, krank und schwach, und ist nichts da, als Weh und Ach; so tröstet Jesus mich und spricht: Ich bin dein Arzt, drum weine nicht!- Raubt mir der Feind mein Gut und Hab', daß ich muß fort mit einem Stab, sagt Jesus wieder: Weine nicht! denk', was dem frommen Job geschicht! 3. Bertreibt mich des Verfolgers Hand, man gönnt mir keinen Sie im Land; im Herzen Jesus zu mir spricht: Dein ist 20 a 370 der Himmel; weine nicht!- Reißt mir der Tod das Liebste hin, sagt Jesus: Weine nicht! ich bin, der's wiedergiebt; gedenke dran, was ich zu Nain hab' gethan. 4. Muß ich selbst ringen mit dem Tod, ist Jesus da, ruft in der Noth: Ich bin das Leben, weine nicht! wer an mich glaubt, wird nicht gericht't.- O süßes Wort, das Jesus spricht in al len Nöthen: Weine nicht! Ach, klinge stets in meinem Sinn, so fåhret alles Trauern hin. J. Höfel. 7. August. 220. Wo du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten, und sollst mein Prediger bleiben. Und wo du die Srommen lehrest, sich sondern von bösen Leuten, so sollst du mein Lehrer seyn. Und ehe du solls zu ihnen fallen, sollen sie zu dir fallen. So spricht der Herr zu Jeremia 15, 9. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; wer nicht mir sammelt, der zerstreuet. Luk. 11, 23. Der Herr hat dem Prediger Jeremia auch geprediget und ihm gezeigt, was er die Leute lehren soll, wenn er sein Prediger und Lehrer ferner bleiben wolle. Und was ist dieses? Was sollen die Prediger und Lehrer des Herrn, die er selbst beruft und anstellt, lehren und predi gen? Was sollen sie halten? Zu Ihm sollen sie sich halten- Lehrer und Zuhörer, nicht zu den bösen Leuten. Was hilft alles Predigen und Predigt hören, wenn man sich nicht scheidet von der argen Welt? Was hilft es, Gottes reines, lauteres Wort sprechen oder hören, wenn man sich dann wieder zu den Unreinen gesellt? sich wieder zerstreut, belustigt und mit der argen Welt berauscht? Gott hält sich nur zu denen, die sich zu ihm halten. Christus bleibt nur in denen, die in ihm bleiben. Wer nicht in Christo, mit Christo im Geiste versammelt, oder gesammelt bleibt, der zerstreut. Wer nicht alle seine Gedanken, Begierden und Regungen des Herzens, Leibes 371 und der Seele zusammennimmt, und stets auf Christum hinrichtet, der ist ausgeschüttet wie Wasser, zerstreut, wie Spreu vom Winde verweht; wie kann er Christum besitzen und genießen? wie Seiner theilhaftig seyn? Christus will das ganze Herz, das ganze Wesen des Menschen, alle Kräfte der Seele gesammelt, vereinigt auf ihn, zu ihm und in ihm. Wer nicht also mit ihm ist und mit ihm sammelt, der ist wider ihn und zerstreuet, zersplittert seine Kraft und wirft sich selber weg. Die Absonderung von der Welt, von den bösen Leuten, die Gott und Gottes Wort, Erbauung ,, Gebet und Andacht hassen, und nur fade Unterhaltung, Neuigkeiten nnd Kurzweil lieben, ist eine wesentliche Bedingung, die Gott, der Herr, den Predigern und Zuhörern macht; und sie hat zugleich die Verheißung, daß, wenn man standhaft darauf hålt, und sich nicht zu der Welt zu den bösen Leuten schlägt, sie cher zu uns fallen und sich auch zum Guten wenden werden. Låßt du dich von den Bösen nicht verkehren, so lassen sich die Bösen durch dich bekehren. Sey standhaft, so, daß die gottlose Welt eher durch dich fromm, als daß du durch sie gottlos wirst. Mel. 22. Die Seele Christi heilge mich. Oder: Kommt her, ihr lieben Christen. 1. Warum zerstreust du dich, mein Herz, und machst durch manchen Fall dir Schmerz? Warum bewahrest du dich nicht? Denn also fleucht der Bösewicht.- Folgst du im Glauben Christo nach, so sage nicht: Ich bin so schwach! Wem Gott Vergebung mitgetheilt, den hat er gründlich ausgeheilt. 2. Die Schuld ist dein, und nicht des Herrn; er ist dir nah, er hilft dir gern. Hältst du dich immer fest an ihn, hålt er auch fest dein Herz und Sinn.-Durch Stilleseyn und Wachsamkeit, durch Zuversicht und Nüchternheit, Gebet und treuen Widerstand erhält der Geist die Oberhand. 3. So geht man Tag und Nacht dahin, behält den eingefehrten Sinn. Man bleibt vergnügt und aufgericht't, man schåndet seinen Heiland nicht. Der Wandel zeigt vor jedermann, daß man sich Christi rühmen kann. Das heißt denn, recht in Christo stehn und alle Tage weiter gehn. 2 a 2 - 372 4. So leuchtet unser Lebenslicht der finstern Welt ins Ange sicht. Denn was man redet oder thut, das wäscht man erst in Christi Blut.- So werden mehr, als man sichs denkt, von bösen Leuten uns geschenkt; und eh' man sich zu ihnen schlägt, wird manches Herz zur Buß' erweckt. Wdf. 8. August. 221. Nun wartet meiner die Krone der Gerechtigkeit, die mit der Herr, der gerechte Richter, geben wird an jenem Tage; nicht aber allein mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.-So wird mich der Zerr von al Iem Ulebel erlösen und mur aushelfen zu seinem himmlischen Reiche. 2 Tim. 4, 8. 18. Schöne Aussicht! So trübe es oft unter den Wolken ist, so helle und schön ist es über den Wolken. Wer auf einem hohen Gebirge ist, der hat das Wetter, die Wol ken unter seinem Fuße und schaut geradezu in den unbewölkten Himmel auf. Wer sich im Glauben erhebt über die Betrübnisse und Leiden dieser Zeit; wer sich an Got tes Wort und Verheißung hålt, der sieht den klaren Himmel vor sich, sieht mit unbewölktem Auge die Krone und Herrlichkeit, die ihm sein Heiland in seinem Worte vorhålt und dort in seinem Reiche aufbewahrt. Er denkt: Sie ist in einer sichern Hand, es wird sie ihm niemand aus Seiner Hand reißen. Wer kann mir nehmen, was er mir aufbehalten hat? Wer diese lebendige Hoffnung hat, der kann nicht anders, er muß sich darnach sehnen, muß sich damit trösten. Er kann sein Herz nicht halten, es entflieht ihm oft und weilt dort, wo seine ewige Heimath und zukünftige Herrlichkeit ist. Denn das stärkt den alten můden Pilger, das hebt die Füße und ist der beste Labetrunk, die kräftigste Fußsalbe für den Wanderer. Erfreulich ist, was Paulus so bestimmt sagt: Der Herr wird mir die Krone der Gerechtigkeit geben, aber nicht 373 nur mir, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben. Wer Seiner harret von einer Morgenwache zur andern, wer es kaum erwarten kann, bis er kommt, wer ihn lieber heute als erst morgen sehen möchte, wer so in heißer Sehnsucht nach ihm lebt: der wird die Krone und Herrlichkeit aus seiner Hand so gewiß als Paulus erhalten. Mel. 122. üter wird die Nacht. 1. In den Auen jener Freuden sollst du weiden! Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleuch behende; Jesu Hän= de öffnen schon das Perlenthor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen zu dem Haufen derer, die des Lammes Thron, nebst dem Chor der Seraphinen, schon bedienen, mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bruder! doch die Ruder meines Schiffleins! Laß mich ein in den sichern Friedenshafen, zu den Schafen, die der Furcht enfrücket seyn! 4. Nichts soll mir am Herzen kleben, süßes Leben! das die Erde in sich hålt! Sollt' ich noch in dieser Wüsten långer nisten? Nein, ich eil' ins Himmelszelt. 5. Herzens- Heiland! schenke Glauben deiner Eauben, Glauben, der durch alles dringt! Nach dir girret meine Seele in der Höhle, bis sie sich von hinnen schwingt. 6. O wie bald kannst du es machen, daß mit Lachen unser Mund erfüllet sey! Du kannst durch die Todes- Thüren träumend führen, und machst uns auf einmal frey. 7. Du hast Sund' und Straf' getragen; Furcht und Sagen muß nun ferne von mir gehn. Tod, dein Stachel ist gebrochen; meine Knochen werden fröhlich auferstehn. 8. Herzens- Lamm! ich will dich loben, hier und droben, in der zartsten Liebsbegier. Du hast mir zum ewgen Leben dich gegeben. Hole mich, mein Lamm, zu dir! J. L. A. Allendorf. 9. August. 222. Habe ich Gnade vor deinen Augen gefunden, so laß mich deinen Weg wissen, damit ich dich kenne- wo nicht dein Angesicht gehet, so füh re uns nicht von dannen hinauf. Denn wobey 374 soll ich und dein Volk erkennen, daß wir Gna: de vor dir gefunden haben, wenn du nicht mit gehest. 2 Mos. 33, 13-16. 34, 9. Der Herr sprach zu Moses: Gehe, zeuch von dannen, du und das Volk; ich will dir einen Engel mitgeben. Aber Moses sprach: Wenn du, Herr, nicht selber mitge hest, so laß uns bleiben, wo wir sind. Ohne dich gehen wir nicht. So hing Moses an dem Herrn und an sei nem Angesicht, wie ein Kind an der Mutter, er wollte keinen Schritt ohne ihn thun; wollte das Volk nicht selbst führen, der Herr sollte ihn und das Volk mit fei nem Angesicht leiten. Wie kann ich den Weg wissen? So sprechen auch die Jünger Jesu. Joh. 14. So denkt und spricht jeder Jünger Christi; er wagt keinen Schritt ohne den Herrn. Er will nicht nur einen Engel, nein, er will den Herrn selbst. Und hat sich der Herr von Moses und dem hartnäckigen Volke, das ihn so oft erzürnete, bewegen lassen mitzugehen, wird er dir deine Bitte abe schlagen, wenn du ihn so ernstlich verlangst, wie Moses. Wird er dich allein lassen, der dir versprach: Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch! Ich bleibe bey euch alle Tage bis ans Ende der Welt? Wo zwey oder drey sind in meinem Namen, bin ich in eurer Mit te? Wie schön, wie sicher wandelt man, wenn er vor uns hergeht, wenn sein Angesicht uns leuchtet! Wer sich aber ohne ihn selber führt und traut, oder sich von Menschen gångeln läßt, wird manchen sauren Tritt thun, und mehr zurückgehen als fortschreiten; wird in manche Grube fallen. Wer dagegen fleißig auf die Wolken- und Feuersäule, die Gegenwart des Herrn im Herzen, schaut, und sich im Gehen und Stehen nur nach ihr richtet, wie die Kinder Israel, der wird auch sicher und getrost durch die Wüste dieses Lebens durchkommen, und das gelobte Land des Friedens finden. Sollte das Volk des alten Bundes eine bessere Leitung gehabt haben, als das Volk - 375 des Herrn im neuen Bunde? Sollten wir nicht auch eine Feuersäule haben, die uns voran geht? Sollte der Herr nur mit den Knechten des Gesetzes, nicht mit den Kindern des Friedens gehen? — Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. O Baterherz, o Licht und Leben, o treuer Hirt, Immanuel! Dir bin ich einmal ganz ergeben, dir, dir gehöret Leib und Seel'. Ich will mich nicht mehr selber führen, der Vater soll das Kind regieren. 2. Ich geh',( ach hör', o Herr, mein Bitten!) für mich nicht einen Schritt allein. O leite mich nach allen Tritten, und gehe mit mir aus und ein. Laß mich auf deine Winke sehen, bey allem kindlich zu dir flehen. 3. Du gångelst mich, ich werd' nicht gleiten; dein Wort muß ewig feste stehn. Du sprichst: dein Auge soll mich leiten, dein Ungesicht soll vor mir gehn. Ja, deine Güte, dein Erbarmen soll mich umfangen und umarmen. 4. Uch, mach' mich einmal treu und stille, daß ich dir immer folgen kann. Nur dein, nur dein vollkommner Wille sey hier mein' Schranken, Lauf und Bahn. Laß mich nichts mehr für mich verlangen, ja laß mir nichts am Herzen hangen. 5. Nichts ohne dich mir anzumaßen, und unverrückt auf deiner Bahn, erhalt' mich deinem Wink gelassen; sonst lauf' ich vor, da lauf' ich an. Sey du, nur du, mein Ziel auf Erden, ach, laß mirs nie verrůcket werden! 6. So lob' und lieb' ich in der Stille, und ruh' als Kind in deinem Schooß; das Schäflein trinkt aus deiner Fülle, die Braut steht aller Sorgen bloß; sie sorget nur allein in allen, dir, ihrem Bråutgam zu gefallen. 7. O daß ich auch im Kleinsten merke auf deine Weisheit, Güt' und Treu'! O daß ich auch bey jedem Werke dich lieb und lob' und ruhig sey! Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; was du nicht bist, laß ganz zerrinnen.* Bgtzky. 223. 10. August. Ich bin jung gewesen, und alt geworden, und habe noch nie gesehen den Gerechten verlassen. Pf. 37, 25. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. 2 Kor. 4, 9. Der Herr verläßt sein Volk nicht, um seines großen Namens willen. 1 Sam. 12, 22. 376 David hat alles erfahren und gesehen in der Welt, nur das nicht, daß Gott den, der auf ihn traut, verlassen oder seine Hand von ihm abgezogen håtte. Der Gerechte, sagt er, muß wohl viel leiden; aber das heißt nicht, von Gott verlassen seyn, sondern vielmehr von Gott geliebt und besucht werden; und dann setzt er bey: denn der Herr hilft ihm aus dem allem. Ps. 34, 20. Wenn er so in der Enge war, daß er nirgend keinen Trost mehr sah, so sprach er: Nun, Herr! weß soll ich mich jetzt trösten? Ich hoffe auf dich. Pf. 39, 8. Es ist eine verkehrte Denk- und Redens- Art, wenn man von Leiden, Verfolgungen, die Gott über uns kommen låßt, urtheilt, daß er uns deswegen verlassen habe. Umgekehrt, heimgesucht hat er uns dadurch. Das soll uns ein Beweis seyn, daß er an uns denkt. Gerade im Leiden, in der Verfolgung erfährt man ihn, seine Nähe, seine wunderbare Hülfe und Dazwischenkunft am meisten. Man sollte lieber, wenn man nicht verfolgt wird, oder nichts zu leiden hat, sagen: Der Herr hat mich vergessen und verlassen. Frage einen in Christo Leidenden und Verfolgten, ob ihm Gott je näher gewesen als da, wo alle Menschen wie die Teufel wider ihn waren und gegen ihn wütheten. Wenn alle Menschen, Freunde und Feinde, gegen uns sich erheben, Vater und Mutter uns verlassen, so nimmt uns der Herr auf. Ps. 27, 10. Dieser Pfalm zeigt, wie dem Verfolgten und von Menschen Verlassenen zu Muthe ist, wenn er den Herrn kennt und wenn ihm sein Licht leuchtet. - Mel. 11. Wie groß ist des Allm. 1. Mein Geist, o Herr, nach dir sich sehnet, nach dir, der du ihm alles bist, mein Herz sich hoffend auf dich lehnet, o Fels, der bleibet, wie er ist; laß nicht mit Schande mich bestehen, damit mein Feind nicht freue fich; mit Schand' laß vielmehr untergehen den, der sich setzet wider dich. 2. Denn keiner ist zu Schanden worden vom Anfang bis auf diese Stund', der sich gefunden in dem Orden der Gläubis 377 gen von Herzensgrund; du hast der Keinen nie verlassen, der dich zu seinem Gott erwählt; du hassest nur, die dich, Herr, hassen. Wer dich liebt, dem hat's nie gefehlt.! 3. Gedenk', o Herr, an dein Erbarmen, das weder End' noch Anfang kennt; ach, schau in Gnaden auf mich Armen, der fich nach deinem Namen nennt! Gedenke nicht der Jugend Sünden, und was ich immer hab' verschuldt. Uch, laß für Recht mich Gnade finden, und habe stets mit mir Geduld. 4. Der Herr ist gut, ja lauter Güte, er ist von Herzen treu und fromm; leutselig, sanft ist sein Gemüthe; drum spricht er zu dem Sünder: Komm! und leitet ihn auf seinen Wegen, die voller Ruh' und Sicherheit. Bey Gott ist für ihn lauter Segen; wer elend ist, sich deß erfreut. 5. Noch Eins, Herr, will ich von dir bitten, bewahre mich durch deine Macht, will seinen Grimm der Feind ausschütten, so hab' auf meine Seele Ucht; laß schlecht und recht sie stets behüten, sey gnådig deinem Israel, und rett' von seiner Feinde Wüthen, o Heiland! deines Volkes Seel'! 11. August. 224. So laffer nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten. Rom. 6, 12. Welche Christo angeboren, die kreuzigen ihr Sleisch sammt den Lüsten und Begierden. Gal. 5, 24. Sliehe die Lüste der Jugend. 2 Tim. 2, 22. Wir werden nicht frey von Versuchung zur bösen Lust allerley Art, aber von der Herrschaft der Lüste müfsen wir frey seyn, oder fren werden durch den Glauben an Christus. Denn wenn Christus in uns regiert, kann nicht zugleich die Sünde mit ihren Lüften in uns regieren. Ist sie noch Meisterin im Hause, so ist Christus nicht in uns. Doch muß man wohl unterscheiden zwischen Anfechtung und Herrschaft. Du kannst zu allem Bösen angefochten, versucht werden, und doch von allem Bösen fren seyn, und gerade durch die Anfechtung immer mehr frey werden. Viele gute Seelen meinen, 378 wenn sie in Christo sind, sollen sie keine Versuchung mehr spüren; und gerade da hat man am meisten damit zu thun, so lange man noch im Hause der Sünde, im Fleische wohnt. Die Sünde ist durch die Bekehrung zu Christo um ihren Thron und Szepter in dir gekommen; das kann sie nicht gleichgültig mit ansehen; wer läßt sich gern sein( auch vermeintliches) Recht und Regiment nehmen? Darum sucht sie immer Christum zu verdrången und wieder ihre alte Herrschaft an sich zu reißen. Dies wird sie nie aufgeben, bis sie mit dem Leibe zu Gra be getragen wird. Darum sey nie sicher. Sie ist oft wie die Schlange im Grase versteckt, und überfällt dich plöglich, wo du es am wenigsten erwartest. Bist du aber in Christo, und bleibst du ohne Unterlaß in ihm, so kann sie dich wohl anfechten, aber nicht überwinden, kann nur deinen Glauben, deine Treue und Liebe zu Christus üben, dich stark im Streite und immer mehr zu ihrem größern Feinde und Widersacher machen. Mel. 107. Was mein Gott will. Oder: Er lebt, das ist das. 1. Du armer Mensch, laß deinen Sinn nicht eitle Lust verführen, sie reißt dich zu der Hölle hin, eh' du es wirst verspüren. Sie füllt dein Herz mit Angst und Schmerz; und scheint dich gleich zu küssen ihr Honigmund, trifft doch zur Stund' ihr Stachel dein Gewissen. - 2. Du armer Mensch, vergiß es nicht, erkenne deine Banden; wenn gleich die Lust nicht stets ansicht, ist sie doch noch vorhanden; spürst du auch gar nichts von Gefahr, darfst du nicht sicher werden; brichst du ihr Joch, so bleibt sie doch dein alter Feind auf Erden. 3. Du armer Mensch hast schon zu viel auf deinen Hals geladen; ach seze heut' den Sünden Ziel, vermehre nicht den Schaden; doch mußt du dies, das glaub' gewiß, auf Gottes Kraft nur wagen, und im Gebet ihm früh und spät dein Unvermögen klagen. 4. Sprich: Bater, sieh den Jammer an, die große Macht der Sünden, wie ich mir selbst nicht helfen kann, ach, laß mich Gnade finden! Ich bin zu schwach, das Ungemach der bösen Lust zu dämpfen; erbarme dich, und lehre mich durch deine Kraft zu kämpfen. 379 5. Laß mich stets ausgerüstet seyn, mit deines Geistes Waffen, daß, wenn die Lust sich findet ein, sie nichts an mir mög' schaffen. Verleihe Sieg in diesem Krieg, und laß mich überwinden; ach wehr' und steur' dem Ungeheu'r, das mich stets sucht zu binden. 12. August. 225. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Bornes ein wenig vor dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Denn es sollen wohl Berge weichen, und Zügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jef. 54, 8. 10. Der liebe Gott spricht selbst von seinem Zorn, und bekennet frey, daß er bisweilen zürne, und im heiligen, gerechten Borne sein Angesicht wegwende, auch von denen, die er liebt und deren er sich mit ewiger Gnade erbarmet. Nun können wir uns freilich keinen leidenschaftlichen Zorn in Gott denken, wie wir Menschen ihn haben; bey Gott ist alles lauter Liebe und Weisheit, auch sein Zorn, d. h. sein Mißfallen, seine Mißbilligung unserer Untreuen. Wenn wir abweichen, und untreu werden, seinen Geist betrüben, so wendet er fein freundlich Untlih von uns weg, und das fühlt ein Kind Gottes so sehr, als wenn Gottes Ungesicht in lauter Ungnade und Zorn verwandelt wäre. Gott ist Vater, das wissen wir wohl; aber er ist kein Heli; er läßt es seine Kinder auf der Stelle fühlen, wenn sie nicht im Geleise bleiben. Unser Zeitalter denkt sich einen Gott, wie Heli war, der mit seinen Kindern, wenn sie noch so böse Buben sind, nicht zürnen kann. Aber der liebe Gott sagt's uns anders; und wer ihn erfahren hat, und aus Erfahrung und Umgang kennt, weiß es, daß er oft ein saures Gesicht macht, 380 das man kaum ertragen kann. Doch wenn du manch mal den Zorn des Vaters fühlen mußt, so verzage nicht; er zürnet nicht, um dich zu verderben; sein 3orn scha= det dir nicht, er ist so heilsam wie seine freundliche Liebe. Seine Schläge helfen dir mehr als seine Küsse. Und schnell wendet er sich wieder zu dir; ewig bleibt dir seine Gnade, wenn du dich nur immer wieder zu ihm kehrest; und dir sein Zürnen zur Besserung dienen läßt. mel. 52. Wer Ohren hat. Oder: Befiehl du deine Wege. 1. Hier lieg' ich, Herr, im Staube vor deinem Angesicht. Wo ist mein froher Glaube, wo meine Zuversicht! Wo sind die hellen Stunden, wo ich im Licht dich sah? Ach, alles ist verschwunden, und nur mein Schmerz ist da. 2. Ich bebe vor Gefahren, womit mir alles droht, als hätt' ich nie erfahren dich, Herr, in meiner Noth. Bist du nicht, der du warest? Ist es nicht, Herr, dein Wort, wo du dich offenbarest, als unser Schild und Hort? 4. Sieh', Bater, voll Erbarmen, voll Gnade und Geduld, hernieder auf mich Armen, vergieb mir meine Schuld.. Hilf, daß ich nicht versinke, reich' mir die starke Hand. Mit Einem deiner Winke ist alles abgewandt. 4. Du sprichst: Wer kann ermessen dein väterliches Herz? Kann auch ein Weib vergessen des lieben Kindes Schmerz, daß sie sich nicht erbarme des Sohns, den sie gebar, nicht höre, wenn der Arme laut klaget in Gefahr? 5. Und ob ohn' alle Liebe auch selbst ein Mutterherz kalt und verschlossen bliebe bey ihres Kindes Schmerz, kann ich doch nimmer, nimmer vergessen deiner; sieh', dein Name stehet immer vor mir. Verzage nie. 6. Ich habe nur Gedanken des Friedens über dich. Mein Rath wird nimmer wanken, bau' du nur fest auf mich. Sch will dir alles geben, was dir mein Wort verspricht, dein Weg ist Weg zum Leben; drum wanke, weiche nicht. 7. Was ich mir hab' erkohren, das bleibet immerdar. Ging Einer je verloren, der mir ergeben war? Die meine Kinder heißen, die sind mir wohl bekannt. Wer, wer will sie entreisen der starken Vaterhand? 8. Laß Berg' und Hügel weichen, mein Friedensbund steht fest. Der wird das Ziel erreichen, der still sich führen läßt; der, wie die Bahn sich lenket, die er hier wandeln soll, bey jeder Schickung denket: Der Herr macht alles wohl! 381 9. Drum fasse dich, o Seele, und traure nicht so sehr. Wie viel zum Trost dir fehle, bald klagest du nicht mehr. Er kommt, er kommt der Retter, er kommt und zögert nicht. Auch durch das trübste Wetter dringt seiner Sonne Licht. Drewes. 13. August. 226.. Mangelt jemand unter euch Weisheit, so bitte er sie von Gott, der allen reichlich giebt, und es niemand vorrückt, und sie wird ihm ges geben werden. Jak. 1, 5. Wer ist weise und Flug unter euch: der erzeige mit seinem guten Wandel seine Werke in der Sanftmuth und Weisheit. Jak. 3, 13. Gott lieben ist die allerschönste Weisheit. Sir. 1, 13. Die Welt hålt für Weisheit, was vor Gott Thorheit ist; dagegen ist der, welcher vor Gott weise ist, ein Thor in den Augen der Welt. Darum sagt Paulus: Da sie fich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Rom. 1, 22. Und: Wer sich unter euch weise zu seyn dünkt, der werde ein Narr vor dieser Welt, daß er möge weise seyn. 1 Kor. 3, 18. Er sagt auch geradezu, daß nicht viele Weise nach dem Fleische berufen seyen, sondern fast lauter Thörichte vor der Welt; denn ein Christ werden und ein Narr oder verrückt werden, ist in den Augen der Welt Eins und dasselbe. Nach Weisheit streben heißt also, nach dem wahren Christenthum streben, und weise seyn, heißt Christ seyn; denn alle Schäße der Weisheit liegen in dem Geheimniß Gottes und Jesu Christi verborgen. Kol. 2, 3. Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit. Wer Christum anziehet, der hat die Weisheit angezogen. Wer aber ohne Christum ist, ist ein Thor, und weiß nichts, so viel er wissen mag. Das Wort vom Kreuze ist die Schule der wahren göttlichen Weisheit, obwohl es der Welt lauter Thorheit und Unsinn ist. 1 Kor. 1, 23. 24. Wenn du dich für den 382 größten Thoren und Sünder hältst, und Jesum als dein einziges Heil mit ganzer Seele ergreifest, auf ihn allein vertrauest, und dir ohne ihn keinen Gedanken, keinen Schritt erlaubst, so bist du der weiseste Mann auf Erden. Nichts wissen als Jesum Christum, und zwar den Gekreuzigten, ist die Weisheit des neuen Bundes, und wird die Weisheit des ewigen Bundes bleiben. tel. 106. fall' auf die Gemeine. Oder: Freu dich sehr, o m. S. 1. Gieb die Weisheit meiner Seele, daß ich deines Wortes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle, und ihr trau' mit Zuversicht. Denn die Klugheit dieser Welt, die der Thor für Weisheit hält, fördert nicht mein Wohlergehen, und wird nie vor Gott bestehen. 2. Weisheit ist es, darnach trachten, recht mit sich bekannt zu seyn, sich nicht für vollkommen achten, allen Eigendünkel scheun Gern auf seine Fehler sehn, sie gebeugt vor Gott gestehn, eifrig stets nach Beßrung streben, und sich deß doch nie erheben. 3. Weisheit ist es, Christum ehren, ihm, als Heiland, ganz vertraun, so auf seine Stimme hören, so auf seinen Wandel schaun, daß man falsche Wege flieht, und mit Eifer sich bemüht, seinem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 4. Weisheit ist es, alles meiden, was mit Reu' das Herz beschwert, und sich hüten vor den Freuden, die der Sünde Dienst gewährt; Menschenrubm, der bald verbleicht, Lust, die im Genuß schon fleucht, nicht für seinen Himmel achten; nein, nach Gottes Nähe trachten. 5. Weisheit ist es, Gottes Gnade sich zu seinem Ziel ersehn, und auf seiner Wahrheit Pfade ewgem Heil entgegen gehn. Gern nach Gottes Willen thun, froh in seiner Fügung ruhn, und wenn Leiden uns beschweren, ihn durch frohe Hoffnung ehren. 6. Weisheit ist es, stets bedenken, daß wir hier nur Pilger sind, und sein Herz nur dahin lenken, was nicht mit der Zeit zerrinnt; seine Augen unverwandt nach dem ewgen Vaterland richten, und mit Eifer streben für die Ewigkeit zu leben. 7. Diese Weisheit ist auf Erden unsrer Seele bestes Theil; die von ihr geleitet werden, deren Weg ist Licht und Heil; diese Weisheit kommt von dir: Herr, verleihe sie auch mir! Laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg des Friedens leiten. Frigshsn u. Bruhe. 383 14. August. 227. Wenn irgend eine Ermahnung( hilft)- so machet meine Freude vollkommen, daß ihr von gleichem Sinn und gleicher Liebe beseelt, einmüthig und einträchtig seyd, daß ihr nichts thut aus Streitsucht oder eitler Ehre, sondern in Demuth jeder den andern. höher achte als sich selbst. Phil. 2, 1-3. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder; und ihr wisset, daß kein Mörder das ewige Leben bleibend in sich haben kann. 1 Joh. 3, 15. Um die Einigkeit hat Jesus Joh. 17. so angelegent= lich gebetet zu seinem Vater. Es muß daher sehr wichtig seyn, sie zu haben und zu erhalten, und große Gefahr, sie zu verlieren. Wer nicht wachet und betet, wird sie nicht behalten. Es kostet oft große Kämpfe, ein ernstes Ringen im Geiste, den Teufel, der immer darauf ausgeht, 3wietracht unter den Brüdern zu stiften, niederzuschlagen und wegzubeten. Wo Uneinigkeit ist, da ist gewiß der Satan dazwischen. Denn wo 3wietracht ist, da hat er sein Reich, da herrscht er. Er sucht immer zu trennen, was Gott vereiniget. Seine Maxime ist: divide et impera; trenne, so wirst du herrschen. Dur um seyd wachsam und betet beståndig, daß euch der Gott der Liebe, der Dreieinige, die Einigkeit erhalte, den Satan unter eure Füße trete, und die Liebe, das Band der Vollkommenheit, nicht reißen lasse. Wenn keiner das Seine, sondern das sucht, was andern frommt; wenn jeder Eitelkeit, Ehrgeiz und Eigendünkel in sich bekämpft, und nur Jesum in seinem Herzen zu haben trachtet, ſo wird die Liebe nie weichen, der Friede nie gestört werden, und Gott beständig unter euch wohnen. Gönnet dem Satan die höllische Freude nicht, euch von einander und von Christo zu trennen. Denn wenn ihr mit einander nicht Eins seyd, seyd ihr auch mit Christo nicht Eins. 384 Wer die Liebe und Demuth, Eintracht und Frieden verloren hat, der hat Christum und das ewige Leben verloren. Aus Zwietracht wird Haß geboren; und wo Haß ist, kann Christus, das ewige Leben, nicht bleiben. Da herrscht der Tod und die Hölle. Mel. 21. Lobsingt dem Herrn. Oder: Gott ist mein Lied. 1. In aller Welt, aus jedem Volk auf Erden gefällt dem Herrn, wer ihm will ähnlich werden, und sein Gebot von Herzen hält. 2. Des Herrn Gebot erfüllt, wer Liebe übet. Wer Menfchen haßt, wer immer nur betrübet, der, der verletzt des Herrn Gebot. 3. Der Glaube soll in uns die Liebe stärken. Den Glauben hat, wer sich in Wort und Werken beweiset wahrer Liebe voll. 4. Lobfingt dem Herrn, der uns dies Licht gegeben. Er ist die Lieb', von ihm strömt Licht und Leben auf alle Menschen nah und fern. 5. Groß ist sein Reich, unendlich seine Treue. Er will und giebt, daß jeder sich erfreue. O Brüder, liebt und freuet euch. 6. Auf finstrer Bahn gehn fern von Gott, und lassen den Weg des Heils, die Frevler, die sich hassen. Ihr Glaube ist ein schnöder Wahn. 7. Wer Jesum kennt, der kennt der Liebe Segen, und Bri der, ihr, ihr wollet 3wietracht hegen, durch Neid und Eifersucht getrennt! 8. Es ist ein Gott, auf den wir alle hoffen; Ein Mittler nur; Ein Himmel steht uns offen, und Ein Gericht uns nach dem Tod. 9. Drum richtet nicht, der Herr selbst wird einst richten. Empfingt ihr viel; dann übet eure Pflichten getreuer bey des Glaubens Licht. 10. Stimmt alle ein! fingt heilger Eintracht Lieder! Der Erdkreis soll ein Aufenthalt für Brüder, ein Tempel selger Eintracht seyn. J. J. Mess. 15. August. 228. Ich hasse die Versammlung der Bösen, und sige nicht bey den Gottlosen. Ich wasche meis ne ånde mit Unschuld, und halte mich, Herr, 385 zu deinem Altar. Pf. 26, 6. Soll's denn umsonst seyn, daß mein Herz unsträflich lebet, und ich meine Hände in Unschuld wasche: Pf. 73, 13. Hier ist nicht die Rede von der Unschuld, die wir vor Gott haben sollen, aber alle nicht haben; denn vor Gott ist kein Mensch unschuldig, sondern alle Sünder, Róm. 3, 23. Hiob 14, 4.; sondern nur vergleichungsweise mit den Gottlosen, die ohne Gott und ohne Gebot in der Welt leben, kann der Fromme, begnadigte Sünder, der sich an Gottes Wort hålt, und die Sünde flieht, so viel er mit Gottes Gnade vermag, unschuldig genannt werden. Und so meint es der Psalmist, wenn er sagt: Ich wasche meine Hände in Unschuld, ich will keinen Theil haben an dem gottlosen Wesen der Welt. Und da er sah, daß es dem Gottlosen so wohl ging, und der Gerechte so viel leiden muß, wåre er beinahe irre geworden an Gott, so daß er fragte: Soll's denn umsonst seyn, daß ich unstråflich lebe, und mich vom Bösen enthalte, und bin doch so geplagt? Ich hätte schier so ge= fragt, aber damit hätte ich verdammt alle deine Kinder, alle Frommen, die je gewesen sind; denn diese mußten ja alle leiden und geplagt seyn, und die Gottlosen neben ihnen glücklich sehen. Aber da ich auf ihr Ende merkte, wie plößlich sie zu nichts wurden; so hielt ich doch für besser, unstråflich leben und leiden, als gottlos leben im Glücke, und dann zu Grunde gehen. Diese Gedanken sind wichtig und der ernsten Betrachtung werth; um sich zu stärken und von der Einfalt in Christo nicht verrücken zu lassen durch die Arglist der Welt, die stets die Frömmigkeit verlacht, sich mit ihrem Glücke brüstet, und den Gerechten für einen Thoren und Schwärmer ansicht und verachtet. Allein das sollst du nicht achten; sieh du auf den, deß Beifall dir ewig bleibt und dich ewig glücklich macht. Die Welt vergeht mit ihrem Glück; der Bb 386 Herr aber bleibt ewig, und wer ihm anhångt, wird selig seyn, wenn alle Welt heulen und Zähnklappern wird. mel. 66. O leide, leide gern. 1. Du liebe Unschuld du, wie schlecht wirst du geacht't! Wie oftmals wird dein Thun von aller Welt verlacht! Du dienest deinem Gott, und wirst darob zu Spott, du håltst dich an sein Wort, man drückt dich aller Ort. 2. Du gehst geraden Weg, fliehst von der krummen Bahn; ein andrer liebt die Welt, und wird ein reicher Mann. Du strafft der Bösen Werk, und sagst, was unrecht sey; ein andrer braucht die Kunst der süßen Heucheley. 3. Die bringt ihm Lieb und Huld, und hebt ihn in die Höh'n; du aber bleibst zurück und mußt da unten stehn. Du sprichst: Die Tugend sey der Christen schönste Kron'; hingegen hålt die Welt auf Reputation. 4. Salt' fest, o frommes Herz, halt' fest und bleib' getreu in Widerwärtigkeit; dein Heiland steht dir bey. Gefällst du Menschen nicht, das ist ein schlechter Schad', genug ist's, wenn du hast des ewgen Vaters Gnad'. 5. Spricht er nur: Du bist mein. Dein Thun gefällt mir wohl; wohlan, so sey dein Herz getrost und freudenvoll. Schlag' alles in den Wind, was Bosheit hat erdicht't; sey still' und siehe zu; sie wird von Gott gericht't. 6. Stolz, Uebermuth und Pracht hålt in die Långe nicht; wenn's Glas am hellsten scheint, fällt's plötzlich hin und bricht. Und wenn des Menschen Glück aufs allerhöchste steigt, so stürzt es unter sich, und sich zum Boden neigt. 7. Du aber, der du Gott von ganzem Herzen ehrst, und deine Füße nicht von seinen Wegen kehrst, wirst in der schönen Schaar, die Gott mit Manna speist, einst stehn mit Lob' und Ehr' gekleidet und gepreist. 8. Drum fasse deine Seel' ein wenig mit Geduld, fahr' im mer fort, thu' recht, leb' außer Sündenschuld; glaub', daß den höchsten Schat, dort in der andern Welt, des Höchsten milde Hand aus Gnaden dir vorhält. 9. Was hier ist in der Welt, da sey nur unbemüht; wird dir's ersprießlich seyn, wie's Gott am besten sieht; so glaube du gewiß: Es wird dir, was dir Noth, gegeben, und mit Freud' dein Wunsch gestillt von Gott. * P. Gerhd. 387 16. August. 229. Gehe hin zur Ameise, du Sauler, siehe ihre Weise an und lerne; ob sie wohl keinen Sürsten, noch hauptmann, noch Herrn hat, bereitet sie doch ihr Brod im Sommer, und sammelt ihre Speise in der Erndte 2c. Spr. 6, 6-11. Das ist eine Ermahnung zum Fleiß und zur Thåtigkeit im Zeitlichen, zur Erwerbung seines eignen Brodes, die allerdings sehr nothwendig und empfehlenswerth ist, weil diese Thiere alle Menschen durch ihre Emsigkeit beschåmen. Sollen wir aber in dieser irdischen Beziehung von ihnen lernen, warum nicht vielmehr in geistlicher Hinsicht. Die ganze Lebensweise der Bienen ist ein Bild eines wahren Gläubigen. Sie holen ihren Saft, woraus sie Honig und Wachs, angenehme und nühliche Dinge, und zugleich ihre Wohnungen bereiten, auf den Blumen des Feldes, wo sie sich so tief wie möglich in den Kelch der Blume hineinsenken, und heraussaugen, so viel sie tragen können. Dem Christen ist Gottes Wort und Christi Kreuz der lieblichste, süßeste und reichste Blumengarten, in dem er sich bald auf diese, bald auf jene Blume setzt, und auch so tief wie möglich in den Kelch der Leiden und des Kreuzes Jesu sich einsenkt, und Saft und Kraft herauszieht, es in sich durch Gebet und Ucbung bereitet, zu seiner und anderer Erbauung und Seligkeit, so daß seine Worte und Werke nicht nur freundlich, süß und lieblich, sondern auch nüßlich, segnend und heilbringend sind. Er schafft Freude und Nußen um sich her. Wer durch die Betrachtung des Wortes Gottes und durch sein Verweilen beim Kreuze Christi mit Segen und Kraft so erfüllt wird, als die Biene reichbeladen von den Blumen zurückkehrt, der wird ein Segen des Landes, in dem er wohnt, ein Licht derer, die ihn umgeben. Die Anhänglichkeit der Bienen an ihren König, ist nicht weniger erfreulich für das Christenherz, das ohBb2 388 ne Christum nicht leben und nicht bestehen kann, das ihm überall nachfolgt, und nur bleibt, wo er bleibt. Besonders nachahmungswürdig ist aber ihr verborgnes Wirken, wobey sie durchaus von keinem Auge wollen gesehen seyn, als von ihrem Könige. Sie sind unermüdet geschäftig und decken es sorgfältig zu, verbauen alle Fensterchen und Deffnungen, durch die man sie beobachten will. So will der Christ selbst seine Linke nicht wissen lassen, was seine Rechte thut. Es ist ihm genug, daß es der weiß, der ins Verborgne sieht. Er stellt seine Werke nicht zur Schau aus, und thut das Gute nicht, um vor den Menschen gesehen zu werden. Die Biene spinnt auch nicht aus sich selbst heraus, wie die Spinne; sie sucht, was Gott gegeben hat. So sucht der Christ nichts in sich selbst, sondern da, wo der rechte Saft zu finden ist, in Christi Wort und der Gemeinschaft seiner Leiden. mel. 81. Geht, werft uch. Oder: Mir nach, spricht Christus. 1. Das ist der Bienen Element, die Blumen auszusaugen, so weiß es jeder, der sie kennt, und sieht's vergnügt mit Augen. O möcht' mein Sitzen, Gehn und Stehn ins Wort des Kreuzes Christi gehn! 2. Die Bienen kriechen gar hinein in tiefe Blumenhöhlen. Was könnte doch wohl besser seyn für mich und arme Seelen, als ganz in Jesu Wunden gehn, die alle Stunden offen stehn? 3. Die Biene wird auch niemals satt; sie kommt beständig wieder. Und wo sie was gefunden hat, läßt sie sich eifrig nieder. Herr Jesu! liebe du mich sehr, so hungert mich noch immermehr! 4. Wie fleißig trägt die Biene ein, und läßt sich nicht ers müden. O möcht' ich so geschäftig seyn, so hätt' ich vielen Frieden. Wer Vieles sucht, und Bieles nimmt, für den wird immer mehr bestimmt. 5. Die Biene baut vom Blumensaft zugleich die kleine Zelle. Mein Jesu, deines Geistes Kraft dient mir auf alle Fälle. Ich baue mir ein festes Haus von deiner Gnade an und aus. 6. Die Bienen machen Wachs bereit, daß Menschen Lichter brennen; so soll des Glaubens Freudigkeit dem Nächsten Freu 389 de gönnen. Ach Bienen, fliegt doch alle her; hier ist ein Licht und Freudenmeer! 7. Ihr König ist die Augenlust der ganzen kleinen Heerde; fie folgen ihm, und sein Verlust vertilgt sie von der Erde. Mein König! lenke meinen Sinn so stark zu deinem Herzen hin! 8. Die Bienen können niemals mehr als einen König leis den; ach Jesu, laß uns alle sehr die Göten in uns meiden, daß unser Herz in Lieb' und Treu' dir ganz allein ergeben sey. 9. Wie sehr bewundert jedermann das schöne Werk der Bie nen, das dennoch niemand sehen kann, wiewohl sie jedem dies nen. Die Welt sieht unser Werk nicht ein, doch soll's zum Preise Gottes seyn! 10. Die kleine Biene pranget nicht und wohnt in schlechter Hütten; doch was sie heimlich zugericht't, kann reichen Seger schütten; o, möchte ich doch arm und klein, und voll vom Se gen Jesu seyn! 11. Im trüben Wetter sind sie still und bleiben gern zu Hause. Sobald die Sonne scheinen will, hört man auch ihr Gesause. Du bist mir immer einerley, hilf, daß ich still und fröhlich sey. 12. Sobald die Biene jemand sticht, muß sie das Leben las Sen. Ihr Glieder Jesu streitet nicht, vermeidet Grimm und Hassen. O traget, duldet, liebt und wacht, daß ihr euch nicht zu Schanden macht. Wdf. 17. August. 230. Shr gedachtet es böse mit mir zu machen; aber Gott gedachte es gut zu machen. 1 Mos. 50, 20. Gottes Werke sind unsträflich; denn alles, was er thut, das ist recht. Tren ist Gott und kein Böses an ihm. 5 Mof. 32, 4. So harret nun aus unter der Züchtigung, Gott verfährt mit euch, wie mit Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget: Hebr. 12, 7. Man vergißt so leicht, daß Gott Vater ist und alles, was er über uns kommen låst, våterlich, gut meinet, und daß er es nicht böse meinen kann. Wie könnte der 390 ewig Gute etwas Böses thun oder etwas zulassen, was schadet, wenn wir ihn lieben? Und wenn es die Menschen noch so böse mit uns meinen, wie die Brüder Jos sephs, da sie ihn nach Egypten verkauften, so meint es Gott, wenn er so etwas zuläßt, am allerbesten; so sieht er beim Verkaufe des Bruders schon die Brod kaufenden Brüder beim verkauften Bruder, der durch den Vorz rath seines Brodes sie und ihren Vater vom Hungertode rettete. Wenn Joseph in die Grube geworfen wird, sieht Gott, daß diese Grube der Weg zum Throne ist. So wird es jeder Gott Vertrauende erfahren, und am Ende zu allen seinen Verfolgern sagen können: Ihr habt's böse mit mir gemeint, aber Gott gedachte es gut mit mir zu machen. Gott braucht die Bosheit der Mens schen als Ruthe, seine Kinder zu züchtigen und sie gut zu machen. Darum murret nie, verzaget nie, werdet nicht irre an Gott, wenn er Dinge zuläßt, die keine menschliche Vernunft begreifen kann; denket immer das ben wie Joseph, wie Moses: Gottes Werke sind unsträflich; alles was er thut, ist recht. Treu ist Gott, Vater ist er, und erzieht uns wie seine Kinder, die der Züchtigung bedürfen. Wären wir nicht böse, so würde Gott nichts Böses über uns kommen lassen; aber so will er das Böse in uns durch das Böse außer uns bessern, durch Leiden, die in seiner Hand gut, heilsam für uns werden, uns von Leiden befreien. Mel. 10. Mein Jesu, sey gegrüßet. Oder: Wach auf, mein Herz. 1. Du kannst's nicht böse meinen, mein Jesu, mit den Deinen, du Brunnquell aller Güte, du treuestes Gemüthe.- Du kannst's nicht böse meinen; dein Blut verläßt ja Keinen, dein Wort låßt alle hoffen, dein Herz steht allen offen. 2. Du kannst's nicht böse meinen, wenn du das Glück läßt scheinen, du willst alsdann mit Segen zur Buße uns bewegen. Du kannst's nicht böse meinen, wenn du uns låsfest weinen, die schweren Kreuzeshiebe sind Schlåge deiner Liebe. 3. Du kannst's nicht böse meinen, und züchtigst nur die Deis nen, damit sie in den Wehen als reines Gold bestehen.- Du - 391 Fannst's nicht böse meinen; das kann kein Mensch verneinen; die milde Vatertreue ist alle Morgen neue. 4. Wohlan, drauf will ich's wagen, mich nicht mit Grillen plagen, ich hab' gnug an dem Einen: Gott kann's nicht böse meinen. Das will ich stets bedenken; es soll mein Leben lenken; mich recht mit Gott vereinen; Er kann's nicht böse meinen. 5. Es ist mein Licht im Leide, mein Wahlspruch, meine Freude, es tröst't in Mark und Beinen, Gott kann's nicht böse meinen. Herr, laß dein treues Meinen mir stets im Herzen scheinen, erhalt' mich bey dem Einen: Du kannst's nicht böse E. Löscher. meinen. 18.Auguft. 231. Wenn ich alle Sprachen der Engel und Menschen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wåre ich ein tonendes Erz und eine klingende Schelle. 1 Kor. 13.( Das ganze Kapitel.) Der Apostel, der so viel vom Glauben spricht und den Glauben zur einzigen Bedingniß der Seligkeit macht, zeigt in diesem Kapitel, so wie in allen seinen Briefen, deutlich genug, was er für einen Glauben verstehe, und daß Glaube und Liebe bey ihm Eines und dasselbe sind; daß ein Glaube ohne Liebe eine Schaale ohne Kern, das Gerede vom Glauben ohne Liebe eine klingende Schelle, ein todter Leichnam ohne Seele sey. Möchten doch alle, die so unbedingt vom Glauben sprechen, und sich so gern auf den Paulus berufen, nicht übersehen und vergessen, daß hier derselbe Apostel den Glauben so an die Liebe bindet und von ihr abhängig macht, daß er ohne sie schlechterdings nichts taugt und vor Gott zu Schanden wird. Man glaubt sogleich darauf los, wenn man ein Wort der Schrift gehört hat, und denkt: Das geht mir ein; wenn ich nichts thun darf, als glauben, so will ich bald fertig seyn. Man vergißt nachzusehen und zu fra gen: Was meint der Apostel für einen Glauben? Der wahre Glaube muß ja doch ein großes Ding seyn da er 392 so große Dinge wirkt; er kann nicht jedermanns Ding seyn, weil der gewöhnliche Glaube so wenig wirkt. Kurz, wenn alle die eingebildeten Glaubenshelden dieses Kapi tel recht ansehen, werden sie wohl bald an ihrem Glauben Schiffbruch leiden, oder entdecken ,. daß ihr Glaube auf einer Sandbank sitzt, und sie im Grunde gar keinen haben, weil sie die Liebe nicht haben. Ach, wie find der Täuschungen so viele in der heiligsten und wichtigsten Angelegenheit der Menschen! Wie sehr haben wir zu machen, zu beten, uns vor Gott zu prüfen, daß uns die Eigenliebe nicht betrüge und uns selig spreche, ohne daß wir das wahre, untrügliche Kennzeichen der seligen Kinder Gottes, die Liebe, an und in uns haben. Es ist doch alles Nichts, alles Gute auch eitel, wenn nicht Liebe es heiligt. Komm, Liebe! komm! und erfülle uns ganz und gar! tel.125. Sollt' ich meinen Gott nicht singen. 1. Unter allen großen Gütern, die uns Christus zugetheilt, ist die Lieb' in den Gemüthern, wie ein Balsam, der sie heilt; wie ein Stern, der herrlich blinket, wie ein Kleinod, dessen Preis niemand zu benennen weiß; wie die Schönheit, die uns winket, und die Macht, die jedermann zwingen und erfreuen kann. 2. Liebe kann uns alles geben, was auf ewig nügt und schmückt, kann zum höchsten Stand erheben, der vom Tand empor uns rückt; Menschen- oder Engelzungen, wo sich keine Liebe findt, wie beredt und reich sie sind, wie beherzt ſie angedrungen, sind verhallender Gesang, sind ein Erz- und Schellenklang. 3. Was ich von der Weisheit höre, die in alle Tiefen bringt, von geheimnisvoller Lehre, von dem Glauben, dem gelingt, daß er Berge schnell versetzet; was sich sonst in uns verklárt, mir giebt es so wenig Werth, daß es wird für nichts geschätzet, wenn ich Liebe nicht erstrebt, mich das Beste nicht belebt. 4. Hått' ich meiner Güter Menge auch den Armen zugewandt; scheut' ich in der Noth Gedränge tapfer keiner Flam men Brand, daß ich 3euge wär' auf Erden, ewger Wahrheit zum Gewinn; wäre liebeleer mein Sinn, würd' es mir nichts nütze werden. Solche Thaten ehret Gott, nur wenn Liebe sie gebot. 393 5. Geist vom Vater und vom Sohne, senke du dich in mem Herz, daß darin nur Liebe wohne, wie in Freuden, so im Schmerz. Glaube, Lieb' und Hoffnung grånzen hin bis an die Ewigkeit; und doch wird die Liebe weit über Glaub' und Hoffnung glänzen. Lieb' ist größer noch als die; Geist der * E. Lange. Liebe, gieb mir sie! 19. Augst. 232. Da a sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und ihre eigne Gerechtigkeit festsetzen, so unterwerfen sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht. Rom. 10, 3. Es sollen alle Gemeinen erkennen, daß ich's bin, der Herzen und Nieren erforschet. Off. 2, 23. Jch bin dein Knecht; unterweise mich, daß ich erkenne deine Jeugniffe. Pf. 119, 125. - Die Ursache, daß die Menschen die Gerechtigkeit, die er durch Christum in uns schaffen will, nicht erkennen, ist, daß sie ihre eigne Ungerechtigkeit und Sündhaftigkeit nicht erkennen, und nicht erkennen wollen. Man lügt sich selbst gerecht und tugendhaft, und glaubt daher, der Gerechtmachung durch Christum nicht zu bedürfen. Es kommt die Menschen schwer an, zu glauben, daß sie alle den größten Mangel an Ruhm vor Gott leiden, daß sie sich gar keines einzigen Dinges rühmen können vor Gott, der Herzen und Nieren prüft, der tiefer schaut als das Menschenauge, der die geheimen Triebfedern der Handlungen sieht, die gewöhnlich mehr oder weniger unrein und also ungerecht sind. Deswegen iſt in Gottes Augen die gepriesenste Gerechtigkeit der Menschen eine häßliche Ungerechtigkeit, ein beflecktes Kleid, um so mehr, da ein so schöner Schild ausgehängt ist, und ein so schlechter Wirth inwendig wohnet; da die Waare von außen so schön zugerichtet, und innerlich so 394 verdorben ist. Wer sich selbst erkennt durch Gottes Licht, weil er mit David betet: Unterweise mich, daß ich erkenne deine Zeugnisse, was du von meiner und deiner Gerechtigkeit zeugest, der vertraut nicht auf seine Gerechtigkeit; sondern bittet um die Gerechtmachung durch Christum, daß ihm die Sünde vergeben und die Seele von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes geheilt und gereiniget werde. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du verbrochen. 1. Wie leicht verkenn' ich meines Herzens Schwäche, wenn ich zu viel mir von mir selbst verspreche, und dann, aus Wahn und Stolz nur, Tugend lüge, und mich betrüge! 2. Gieb, daß ich mir nie thöricht Nachsicht gönne, daß ich mich selbst und meine Schwächen kenne! wie könnt' ich meine Triebe sonst beschränken und weislich lenken? 3. Nie laß, o Herr, mich selbst die kleinsten Sünden entschuldigen und unerheblich finden! Hilf, daß ich sie voll tiefer Scham bereue, und ernstlich scheue! 4. Wenn mein Gemüth der Wahrheit Weg verfehlet, gern gut seyn will und doch das Böse wählet; so gieb ihm Licht, daß es nicht långer irre und sich verwirre! 5. Verhehl' ich mir beim Heiligungsgeschäfte, aus Stolz und Wahn den Mangel meiner Kräfte; so lehre selbst mich redlich ihn gestehen und Hülf erflehen. 6. Wenn ich so oft mich meiner Thaten freue und doch nicht ganz mich deinem Dienste weihe; so zeige mir, wie wenig fie genügen, wie leicht betrügen! 7. Wie manche That entquillet niedrem Triebe, dem Eigennuß, und nicht dem Geist der Liebe! Wie manche kann, auch hochgerühmt von allen, doch dir mißfallen! 8. So gern ich auch mich vor mir selbst verhehle, Herr, lehre mich erkennen, wo ich fehle, und gieb, daß ich mit frommer Vorsicht handle, und vor dir wandle! J. C. Grot, P. zu S. Petbg. 20. August. 233. Hore mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine 395 Thränen; denn Ich bin beides, dein Pilger und dein Bürger, wie alle meine Våter. Laß ab von mir, daß ich mich erquicke, ehe denn ich hinfahre und nicht mehr hier sey. Pf. 39, 13. 14. Denn wir haben hier keine bleibende Ståtte, sondern suchen die zukünftige. Zebr. 13, 14. vergl. 1 Chron. 30, 15. Sie fühlten alle, daß sie hier nicht daheim waren. Sie litten alle am Heimweh. Als Fremdlinge, als Gåste, die nur auf fremdem Grund und Boden angenommen worden und eine Zeitlang da geduldet werden, sahen sie sich hier an, und konnten sich der Sehnsucht nach dem Vaterlande nicht erwehren. Wer sein Vaterland lieb hat, dem ist es nirgend, so gut es ihm gehen mag, so wohl, als auf heimathlichem Boden. Den kann man nicht vergessen. Selig, wer sich hier als einen Ausländer fühlt! Selig, wer hier nie ganz wohl ist, als in sofern er seinen Wandel schon im Himmel hat. Wenn den Erben des Himmels hier auch noch so viele Freuden anlachen, so denkt er: Dort ist's doch ganz anders; hier ist doch alles nichts; wäre ich nur daheim! Hier ist doch alles nur Zucht und Prüfung; und nur in dieser Beziehung ist er noch etwas gerne hier, weil kein Ungeprüfter, kein nicht gezüchtigtes Kind dort angenommen und eingelassen wird. Dabey dringt's ihn aber doch, zu seufzen: Laß ab von mir, laß doch ein wenig nach mit der Bucht, daß ich erquickt werde, ehe ich von hinnen scheide! Man seufzt um Gnadenblicke, und sehnt sich, daß die Sonne manchmal durch die Wolken breche, daß man doch nur etwas vom heitern Himmel, von seiner Heimath, sehen könne. So hångt das Herz an der Heimath, wenn es seiner Kind- und Erbschaft gewiß ist. Mel. 14. un sich der Tag geendet hat. Oder: Für Christus geb'. 1. Wir wallen, Pilger allzumal, von mancher Noth bedraut, durch dieser Erde dunkles Chal hinan zur Ewigkeit. Ein 396 Weg voll Unruh' und Gefahr, der müde Wandrer keicht, und hofft und suchet immerdar, was immer weiter weicht. 2. Ach, nirgend Heimath, Vaterland! tie Ruhstått' nirgend hier! Der Geist, in diesem Prüfungsstand, ringt schmachtend vor Begier. Und findet nimmer was ihm gnügt, woran das Herz sich letzt, ist oft ein Gift, das Heilung lügt, und tiefre Wunden ått. - 3. Ja, alle Erdenfreuden sind ein Rausch, der süß betäubt, sind Wasserwogen, die der Wind schnell an das Ufer treibt.- Wir bauen auf und reißen ein, und wechseln Last mit Last; das Ding, deß wir uns heute freun, ist morgen uns verhaßt. 4. Der Stolz, das eitle Wissen blåht, führt irre den Verstand; Ein Blinder ruft zu Blinden: Seht! ich fand, was keis ner fand!- Befrei uns, Heiland! in der Höh', von allem eitlen Wahn; gieb, daß dein Will' an uns gescheh'; ach, nimm dich unser an! 5. Wo Einfalt sich mit Zuversicht an dein Wort gläubig hålt, da strahlt ein unverfälschtes Licht, und führt uns durch die Welt. Du, Geist der Wahrheit! schweb' herab, im weißen Himmelsglanz, und zeig' uns über Tod und Grab des Pilgers Siegeskranz! Brde. — 21. August. 234. Solches Erkenntniß ist mir zu wunderlich und zu hoch, ich kann's nicht begreifen. Pf. 139, 6. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen rede, wie werdet ihr mir glauben, wenn ich euch himmlische Dinge sage? Joh. 3, 12. David konnte die Allgegenwart und Allwissenheit Gottes nicht begreifen, stellte sie sich aber recht lebhaft vor Augen, und lebte in dem Genusse des Geheimnisses, daß er nicht verstand; und that wohl daran. Nikodem wollte die Wiedergeburt faßlicher erklärt haben, und sie begreifen, ehe er sie ergriff; und das hat ihm der Heiz land übel genommen und ihm den Verweis gegeben, daß er nicht auf sein Zeugniß hin glaube, was er doch nicht 397 zu begreifen im Stande wåre. Esdra zerbrach sich den Kopf über den Ursprung des Bösen und die wunderbaren Wege und Führungen Gottes, bis er sich verstiegen hatte, und ihm Uriel herunter half durch die dreifache Aufgabe: Wåge mir das Feuer, messe mir den Wind, oder. bringe den gestrigen Tag zurück. Da nun Esdra antwortete: Wer unter dem Himmel wird das können? so sagte Uriel: Wenn du das nicht verstehst, was mit dir aufwächst und dir so nahe ist, wie wirst du denn verstehen? was so hoch liegt, wie willst du den Weg des Allerhöchsten begreifen?( Siehe 4te B. Esra, 4 Kap.) Das diene dir zur Warnung, daß du nicht begreifen wollen sollst, was dir noch zu hoch oder zu tief ist, sondern zu ergreifen suchen sollst, was dir Gott so nahe gelegt hat; indem er selbst in deinem Herzen alle heilsamen Wahrheiten mit dem Lichte seines Geistes dir erklären, dich im Genusse derselben selig machen will. Grüble nicht über unerforschliche Geheimnisse, der Erwählung, Vorherbestimmung, Wiederbringung aller Dinge u. dgl.; sondern wende allen Fleiß, alle Kräfte und Augenblicke der Zeit daran, daß du als ein auserwählter, vorherbestimmter, und wieder erlöster Christ denkest, redest und handelst. Grüble nicht über den Ursprung des Bösen; treibe es lieber aus deinem Herzen, und verstopfe die Quelle desselben in dir durch die innige Gemeinschaft des Guten, in die du durch Christum versetzt worden bist. Grüble nicht über die Ewigkeit der Höllenstrafen; werde gut und selig durch die Gnade deines Erbarmers, daß du der seligen Ewigkeit werth und gewiß werdeft, und dem zukünftigen Zorn entrinnest. Denn die Augenblicke, die dir dazu gegeben sind, sind kurz, und es ist auch nicht Einer übrig für andere Dinge. Wenn du errettet werden willst, darfst du keine Stunde verschwenden. Eile und errette dich! 398 mel. 16. Bleib' bey Jesu. 1. Frdisches muß all' verwesen; was die Zeit bringt, raubt die Zeit. Was der Höchste mir erlesen, bleibt ein Schatz in Ewigkeit. Kann ich mit dem Adler fliegen? Wasser gründen. wie der Hay? Kann ich mich zum Monde fügen? sehn, was in der Sonne sey? 2. Hab' ich meinen Leib geründet? meiner Knochen Wuchs erhöht? Meines Geistes Licht entzündet? Odem durch mein Fleisch geweht? Was denn streb' ich mir zu geben ein Geschenk nach meinem Sinn, der ich nur ein fremdes Leben, Werk von andern Händen bin? 3. Kann ich sehn, was morgen waltet? was die nächste Stund' erwirbt? Oder was noch heut' veraltet des bestimmten Todes stirbt? Und ich will in Träumen schreiten in die Nachtumhüllte Bahn? Will der Liebe vorbereiten einen bessern Sea gensplan? 4. Ich will zweifeln, ich will zagen, der kein Jetzt noch Künftig kennt? Will, mein eigner Wurm, mich nagen? Feuer, das mich selbst verbrennt?- Nein, du Treuster, laß mich hoffen. laß mich glauben, daß du bist. Morgen steht der Himmel offen, der noch heut' verschlossen ist. 22. August. 235. Thr Warum muß ich so traurig gehen, da mein Seind mich drånget. Pf. 42, 10. 43, 2. werdet euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit traurig seyd in mancherley Anfechtung. 1 Petr. 1, 6. vergl. ebr. 12, 11 u. 2 Kor. 7, 10. Den Abend lang währer das Weinen, des Morgens die Freude. Pf. 30, 6. Die ersten Gnadenerfahrungen machen das Herz so selig, daß es sich in den Himmel versetzt zu seyn glaubt, und es für unmöglich hålt, je wieder traurig zu werden. Es fühlt nur Freude in Jesu und an Jesus, achtet alles andere für nichts; alle Leiden dünken ihm süße und angenehm, und es freuet sich, sie um Jesu willen zu ertragen. Aber es kommt wieder anders. Und dann will sich das 399 Herz nicht darein finden. Das arme Herz ist noch nicht der vollkommnen, ununterbrochenen Freude fähig, es liegt noch vieles darin verborgen, was erst durch Leiden herausgetrieben werden muß. Es ist noch viele Unlauterkeit in seiner Freude, die wie Schlacken vom Golde, nur durch die Hiße der Trübsal wegschmelzen. Aber durch jedes neue Leiden wird, wenn die Seele sich dem Schmelzer kindlich überläßt, ihr nur neue und größere Freude geboren. In der Freude kennt man sich nicht, und hält sich schon für ganz heilig und gut. Leiden und Anfechtung aber deckt den bösen Grund auf, und läßt uns Blikke in unser Inneres thun, und Dinge sehen, die man nie in sich gefunden håtte, wenn der Herr nicht mit der Kreuzlaterne unser Herz erleuchtet hätte. Es ist keip Licht reiner und heller, als das Kreuzes- Licht; die Hitze der Trübfal. Dabey sieht man, was man beim hellen Tage nicht sieht. Es scheint in der Anfechtung, als wenn alle Lichter ausgelöscht, als wenn es nun finster geworden wäre, und doch sieht man in dieser Dunkelheit mehr, als beim Lichte der Freude. Mel. 126. Wenn meine Seel' Oder: 85. Mir ist Erbarmung. 1. Du bist ja, Jesus, meine Freude, warum ist denn mein Herz betrübt? Kann denn die Freud' auch bey dem Leide seyn in dem Herzen, das dich liebt! Ach ja, mein Jesu, wenn ich übe mein Herz in deiner süßen Liebe, so regt sich solche Freud' in mir, als hätt' ich schon den Himmel hier. 2. Weil aber noch nicht ganz gedämpfet in mir mein böses Fleisch und Blut, und noch der Geist dawider kämpfet, wird oft dadurch gekránkt der Muth. Drum leg' ich mich vor dich mit Flehen, mein Heil, laß Hülfe mir geschehen, und stärke mich in diesem Streit; denn durch dich überwind' ich weit. 3. Ich trau' allein auf deine Gnade, die mir dein theures Wort verspricht; es sagt, daß nichts den Deinen schade, weil's nie an deiner Kraft gebricht. Nun hast du mich ja angenommen, als ich gebeugt zu dir gekommen; mein Herz hat's inniglich gespürt, als mich dein Gnadenblick gerührt. 4. Weil ich denn nun an deinem Leibe ein Glied, wiewohl unwürdig, bin; so gieb, daß ich stets in dir bleibe, und gieb mir, 400 Jesus! deinen Sinn. Laß mich nicht andre Helfer suchen; laß falsche Lüste mich verfluchen; besige du mein Herz allein; dein Leben laß mein Leben seyn. 5. Gieb, daß ich mich in dir stets freue, weil dein Herz mich beständig liebt; doch auch dabey kein Leiden scheue, weil Leiden meinen Glauben übt; mich treibt, daß ich viel stärker ringe, und immer nåher in dich bringe, bis endlich, nach besiegter Pein, in mir wird lauter Freude seyn. Koitsch. 23. August. 236. Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst. Lut. 9, 23. Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt; wer nicht allem entsagt, was er hat, der kann mein Jünger nicht seyn. Luk. 14, 27. 33. So seyd nun Got tes Nachfolger, als die lieben Kinder. Eph. 5, 1. Daß ihr nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer seyd, die durch den Glauben und Geduld ererben die Verheißungen. Gebr. 6, 12. - Christus hat uns durch sein Verdienst von der Sünde, aber nicht von seiner Nachfolge, sondern zu seiner Nachfolge erlöst. Wer so an sein Verdienst und an die Rechtfertigung glaubt, daß er durch ihn nicht nur von Strafe und Fluch der Sünde, sondern auch von der Macht, Herrschaft und Gewalt der Sünde frey und los gemacht sey, so, daß er nicht mehr der Sünde dienen muß, wie ein gebundener Sklave, sondern durch Christum Gnade, Kraft und Leben, Lust und Freudigkeit erhalten habe, und täglich erhalten könne; daß er nun frey dem Herrn, dem Erlöser anhångt, und ihm nachfolgt, ihm ähnlich wird, der glaubt recht an die Erlösung. Die andern bleiben im Kerker und in den Banden der Sünde, des Fleisches und der Welt, und schreien: Wir sind erldset! Wer wird den Thoren glauben, daß sie erlöset sind, so lange sie die Ketten tragen und im Gefängnisse sitzen? 401 Christus hat die Nachfolge seines heiligen Lebens, die Verleugnung und Geduld, ausdrücklich zur Bedingniß seiner Jüngerschaft gemacht; wer sich davon lossagt, der entsagt Christo, seinem Geiste und Evangelio. Denn dieses ist eine Kraft Gottes, selig zu machen den ganzen Menschen. Es brüsten sich viele mit der Lehre von der Rechtfertigung, und lachen über die Nachfolge Christi, oder setzen sich darüber weg als eine Gesetzlichkeit; als wenn Christus für die Sünder gestorben wäre, daß sie gesetzlos der Sünde und Welt leben dürften, und nicht dem, der für sie gestorben ist. Nach Paulus wirst du die Verheißung nicht ererben durch einen Glauben, der Christum zum Sündendiener macht, sondern durch Glauben und Geduld; das ist, durch einen Glauben, der Geduld wirket, der dir Kräfte giebt, dein Kreuz zu tragen, dich selbst zu verleugnen, und Christo ähnlich, Gottes Nachfolger zu werden. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: O daß ich tausend Jungen. 1. Wohl dem, der sich mit Ernst bemühet, daß er ein Streiter Christi sey, der nicht am Lasterseile ziehet, von Wollust, Geiz und Hochmuth frey, die arge welt in sich bekämpft, und seinen eignen Willen dämpft. 2. Der heißt allein ein Chrifti- Streiter, wer ihm in allem folget nach. Wem er soll Weg seyn, Licht und Leiter, der trågt auch willig seine Schmach. Wer nicht den Oehlberg mit ihm steigt, wird Tabors Glanz auch nicht gezeigt. 3. Was hilft's, daß Christus hier empfangen und unsers Fleisch's theilhaftig ward, wenn wir nicht auch dazu gelangen, daß Gott in uns sich offenbart? Und soll er in dir kehren ein, so mußt du erst Maria seyn. 4. Was hilft's, daß Christus uns geboren, und uns die Kindschaft wiederbringt? Wenn man dies Recht schon längst verloren, und nicht dazu durch Buße dringt? Als Kind im Geist sich neu gebiert, und stets ein göttlich Leben führt. 1 Mos. 5, 22. 5. Was hilft dem Herzen Christi Lehre, wenn es ein Sklav der Sünde bleibt, nach eigner Weisheit, Wahn und Lehre sein S c 402 Leben, hun und Wandel treibt? Ein Chrift, der die Verleugnung ehrt, folgt dem nur, was sein Jesus lehrt. 6. Was hilft uns Christi Thun und Leben, was Demuth, Lieb' und Freundlichkeit, wenn wir dem Stolz und Haß ergeben, und schånden seine Heiligkeit? Was hilft's, nur im Verdienst allein und nicht im Geiste Christi seyn? 7. Was hilft uns Christi Angst und Leiden, wenn man nicht will ins Leiden gehn? Nur nach der Pein sind süß die Freuden, und nach der Schmach steht Purpur schön. Wer hier nicht seinen Adam kränkt, wird Christi Kron' auch nicht geschenkt. 8. Was hilft uns Christi Tod und Sterben, wenn wir uns selbst nicht sterben ab? Du liebst dein Leben zum Verderben, führst du die Lust nicht in sein Grab. Es bleibt dir Christi Tod ein Bild, wenn du der Welt nicht sterben willt. 9. Was hilft sein Lösen und Befreien, wer mit der Welt im Bunde steht? Was hilft: Herr, Herr und Meister! schreien, wer nicht aus Satans Banden geht? Wie denkt doch der, er sey versühnt, wer noch der Welt und Sünde dient? 10. Was hilft dir Christi Auferstehen, bleibst du doch in den Sünden todt? Was hilft dir sein gen Himmel gehen, klebst du noch an der Erden Koth? Was hilft dir sein Triumph und Sieg, führst du mit dir nicht selber Krieg? 11. Wohlan! so lebe, thu', und leide, wie Jesus dir ein Vorbild war. Such, daß dich seine Unschuld kleide, so bleibst du in der Streiter Schaar. Wer Jesum liebt, tracht't nur allein ein Weltbestreiter stets zu seyn.( Offenb. 2, 26. 3, 5. 21.) 24. August. 237. Ich zweifle nicht, daß Gott meine heißen Thrdnen und mein Gebet erhört hat. Tob. 7, 13. O duKleingläubiger, warum zweifelst du: Matth. 14, 31. Abraham zweifelte nicht an der Verheißung durch Unglauben. Rom. 4, 20. Wer muthwillig zweifelt, hat keinen Glauben und kein Vertrauen, oder ein tückisches, falsches Herz, das nicht aufrichtig ist vor Gott, die Sünde oder Untreue gegen seinen Heiland nicht erkennen, nicht bereuen, nicht 403 gestehen will, um sie nicht ablegen zu müssen. Wer, wenn er auch schwach ist, doch redlich vor Gott bekennt und bereut, um Gnade und Erbarmen bittet durch Jesum, seinen Versöhner, der darf nie zweifeln an seiner Güte und Treue; oder er leugnet Gottes Wahrhaftigkeit, schåndet sein Wort und widerspricht den klaren Aussprüchen und Verheißungen Gottes, die uns, was wir immer mit aufrichtigem Herzen, mit zuversichtlichem Glauben, im Namen Jesu bitten, alles zusichern und verpfänden. Doch giebt es auch schwache, angefochtene Gemüther, die bey aller Redlichkeit des Herzens, dennoch zweifeln, oder doch von unwillkührlichen, verhaßten Zweifeln geplagt werden, die aus der Hölle kommen, und die, wenn sie sich mit allem Fleiße durch Gebet und Wachen derselben nicht erwehren können, aber ihnen doch mit ihrem Willen nicht zustimmen, sondern sie sogleich verwerfen und verdammen, ihnen nicht nur nicht schaden, sondern sie mehr im Glauben üben. Man muß sich aber doch immer prüfen, ob der Grund der Zweifel nicht im eignen Herzen liege, ob sie nicht aus einer Unlauterkeit des Herzens aufsteiz gen. Bete crnstlich, bete anhaltend, es wird dir Licht gegeben und aufgedeckt werden, wenn etwas Verborgenes in deinem Herzen ist. Sey nur redlich, so darfst du nicht zweifeln, der Herr erhört dich), denn er hat's gesagt. Mel. 50. Wort aus Gottes. Oder: Jesu, meine Freude. 1. Quälende Gedanken machen mich oft wanken, hemmen meinen Lauf. Wenn ich Jesu traue, und auf ihn nur schaue, richtet er mich auf. Christi Blut macht alles gut, wenn, was ich verschuldet habe, ich mit ihm hegrabe. 2. Freilich bin ich blöde, urrein, schlecht und schndde, aller Sünden voll. Aber mein Erbarmer, dessen Blut ich Armer glaubig trinken soll, locket mich so stark zu sich, daß ich's zuversichtlich wage, und ihm alles klage. 3. Weil ich denn die Sünde tiefgebeugt empfinde, die mein Herz beweint; weil ich sie verfluche, und nichts anders suche als den Seelenfreund, so bin ich ganz sicherlich von ihm selber eingeladen zu dem Quell der Gnaden. Cc2 404 4. Ruft er denn die Frommen? Sünder sollen kommen; Sünder nimmt er an. Die sich gottlos sehen, redlich Gnade flehen, die sind wohl daran. Wer die Kraft, die Gutes schafft, gar nicht in sich selbst erblicket, wird von ihm erquicket. 5. Nun so will ich's wagen, ganz getrost zu sagen: Christi Blut ist mein! Ich hab' Gnad' gefunden. Durch des Lammes Wunden werd' ich Sünder rein. Christi Huld hat meine Schuld, meine Furcht, den Tod verschlungen. Ihm sey Lob gesungen! 6. Weg, verworrne Zweifel! Weg, verlogner Teufel! störe mich nicht mehr! Du willst mir den Glauben und den Frieden rauben. Jesus liebt mich sehr. Tag und Nacht ist er bedacht, mich im Glauben recht zu üben. O möcht' ich ihn lieben. Wdf. 25. August. 238. Siehe, mein Freund, du bist schön und lieblich. Zobel. 1, 16. Wie groß ist deine Güte, die du verborgen hast denen, die dich fürchten. Pf. 31, 20. Ich habe euch lieb, spricht der Herr. Mal. 1, 2. Wenn Gott eine Liebe von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften von uns fordert, so fordert er nicht zu viel; er verdient es, und es gebührt ihm, daß wir ihn über alles lieben. Er ist allein all unsrer Liebe werth, denn es ist nichts an uns, nichts in uns, nichts außer und über und unter uns, es ist in allen Wel ten und in allen Himmeln nichts, was nicht seine Liebe und Güte uns unverdient geschaffen, gegeben oder versprochen hat. Und wenn uns alles dieses nicht zu seiner Liebe bewegen könnte, so wåre ja das allein, daß er uns Jesum zum Tilger unsrer Sünden und zur Quelle des ewigen Lebens gesandt und geschenkt hat, schon genug, ihn als den Liebenswürdigsten uns darzustellen. Diese seine Gnade und Wohlthat giebt allen andern göttlichen Werken der Liebe erst den wahren Werth. Denn was 405 wäre für uns alles andere, Himmel und Erde, wenn kein Jesus wäre, der uns Gott versöhnte, uns rechtfertigte, reinigte und heiligte. Wir könnten weder Gott, noch etwas Göttliches, wir könnten nichts genießen, uns keiner Freude freuen, wenn Jesus uns nicht dazu tüchtig und dafür empfänglich gemacht håtte. Wir waren und blieben todt in Sünden. Wie könnten die Todten lieben? wie sich freuen? Da nun Jesus unser Leben ist, ist er auch unsre Freude, unsre Liebe; und es geht uns nichts über ihn. Ja, mein Freund! sagt die Seele; du bist lieblich! du bist schön! Es ist nichts Lieblicheres, nichts Schöneres als du; denn durch dich wird uns alles Liebliche erst lieblich, alles Schöne erst schön. Aber diese Güte und Liebe, diese selige Erkenntniß ist verborgen; nur die Herzen kennen seine Liebenswürdigkeit und Schönheit, welche ihn fürchten, d. h. welche sich fürchten vor seinem Worte, welche sich scheuen, ihn zu beleidigen, welche besorgt sind, daß sie nicht außer ihm etwas lieben; welche ihm ihr ganzes Herz geschenkt haben, weil er ihnen alle ihre Sünden vergeben, und in ihren Herzen Wohnung genommen hat. Diese können sich nicht genug seiner Liebe freuen, sich nicht satt lieben an ihm; er erscheint ihnen immer lieblicher und schöner, je mehr sie ihn lieben; sie finden in seiner Liebe den Himmel, die höchste Seligkeit. Mel. 81. Geht, werft euch. Oder: Mir nach, spricht Christus. 1. Du bist allein nur liebenswerth, du Brautigam der Seelen! O selig, wer nur dich begehrt! Wer könnt' was Anders wählen? Nichts reicht an deiner Liebe Werth. Du bist allein nur liebenswerth! 2. Die Jünger, die beim kleinen Schein schon Hütten wollten bauen, erblickten endlich dich allein; o Glück, nur dich zu schauen, der, wenn man fremdes Licht vermißt, uns dennoch allgenugsam ist. 3. Doch fühlt sich oft mein Herz so fern, so kalt in seinen Trieben. O möcht' ich doch den guten Herrn recht über alles lieben, der nur mein armes Herz begehrt, das doch gar keiner Liebe werth! 1 406 4. Das Feuer, das dein Herz entzündt, als du dein göttlich Leben zum Lösegeld für meine Sünd' freiwillig hingegeben, entbrenne mich mit neuem Muth zur stärksten Gegenliebe Gluth! 5. Ach, lautre doch noch in der Zeit, was deinen FlammenAugen im klaren Licht der Ewigkeit an mir noch nicht kann taugen; mach' mich auch von dem Liebsten frey, daß ich dein reines Opfer sey! 6. Dir weihet sich mit neuer Treu' Geist, Seel' und Leib und Leben, um alles, was nicht deine sey, in deinen Tod zu geben, daß sonst mein Auge nichts begehrt, was nicht ganz deiner Liebe werth. 7. Ja, werde mir, mein theures Lamm! in meiner Seele größer! Entzünde deine reine Flamm' in meinem Herzen bes fer! Bis mir dein Geist durchaus verklärt, du seyst allein nur liebenswerth. F C. v. Moser. 26. August. 239. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels; denn wir haben nicht nur mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Sürsten und Gewaltigen, nemlich mit den Herren der Welt, die in der Sinsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Zimmel 2c. Ephef. 6, 11-18. Wenn der Satan und sein Einfluß oder seine Angriffe auf uns eine leere Einbildung einer kranken Phantasie wåren, so würde uns Paulus und der heilige Geist durch ihn doch nicht also sorgfältig warnen, nicht eine solche Waffenrüstung gegen ihn darbieten, nicht also mächtig zum Kampfe und Widerstande gegen ihn auffordern. Ja, ihr Lieben, der Feind ist, ist fürchterlich, listig, verschlagen und stark, seine Nachstellungen und Anläufe sind recht künstlich ausgedacht und heimlich angelegt; das ist nur allzu wahr. Man erfährt aber nichts davon, bis man Christum ergriffen und angezo - 407 gen hat. Denn so lange man der Welt anhångt und Fleisch und Blut dient, hat er gar nichts wider uns; vielmehr, da lebt man in seiner Gunst, unter seinem Schutz und Schirm. Entsage aber der Welt und dem Fleische, so hast du alle Teufel gegen dich, die mit geistiger Bosheit und List dir Netze stellen und feurige Pfeile auf dich schießen; und wenn du nicht mit dem Harnische Gottes, den Paulus in den folgenden Versen des 6. Kap. beschreibt, angethan bist und gegen diese geistlichen Fürsten und gewaltigen Beherrscher der Finsterniß nicht tapfer streitest, so wirst du das Feld nicht behalten, sondern ermüden, unterliegen, verzagen, und dich auf die Seite der Welt und des Satans schlagen, überwunEs werden die alten Lüfte den und gefangen werden. in dir erwachen, du wirst nachgeben und dich von ihnen hinreißen lassen. Daher gilt es hier: Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet! Mel. 22. Die Seele Christi heilge. Oder: Schon deines Samens. 1. Ihr Seelen! flieht zu Jesu Bin mit einem eingekehrten Sinn; Er ist der Hirt, der Tag und Nacht für seine ganze Heerde wacht. Der Feind hat Herzenslust daran, wenn er der Heerde schaden kann, sucht Schafe, die zum Hirten fliehn, in sein verfluchtes Netz zu ziehn. 2. Der alte böse Feind ergrimmt, wenn man ihm eine Seele nimmt. Sein ganzes Reich erreget sich, er ist wahrhaftig fürchterlich. Ihr lieben Schafe! seht euch vor, erwecket Herz, und Aug', und Ohr; sucht Gottes Harnisch, Kraft und Muth, ihr kämpfet nicht mit Fleisch und Blut. 3. Ihr wißt, daß große Macht und List des Feindes starke Rüstung ist; die große Macht reißt uns dahin, ergreifet plötzlich Herz und Sinn. Er hat es oft so weit gebracht, daß er uns fast zu Schanden macht, und wo nicht ganz und gar verschlingt, doch Wunden in die Seelen bringt. - - 4. Die List betrügt uns tausendmal; er schmiedet Rånke ohne 3ahl; wo man's am wenigsten gedenkt, da hat er uns schon halb versenkt.-( Wir singen aus Erfahrung so.) Der Feind war wohl schon beimlich froh, und meinte, daß uns seine Macht vielleicht nun ganz zum Fall gebracht. 5. Allein der Ärge wird zu Spott; die feste Burg ist unser 408 Gott, der gute Wehr und Waffen reicht; zu Schanden wird der Feind, und weicht. Er riecht, der Schalk, er merket was; das Feld wird schon vom Regen naß; die alte Saat erholet sich, die neue steht nicht kümmerlich. 6. Macht nun der Herr die Erndte groß, bricht Satan al lenthalben los. Doch dieses Zeichen ist sehr gut. Nur tief hinein in Jesu Blut.- Ihr Schafe, dringt zum Lamm hinan, wo sich ein jedes halten kann; ja, dringt zusamm' in Eins hin ein; die Liebe soll da doppelt seyn. * Wdf. 27. August. 240. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, um was ihr immer den Vater in meinem amen bittet, das werdet ihr erhalten. Bisher habt ihr nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen sey. Joh. 16, 23. 24. Darum hof fen auf dich, die deinen Namen kennen. Pf. 9, 11. Um deines Namens willen, Herr, sey gnädig meiner Missethat. Pf. 25, 11. Unsere Hülfe, unser Heil steht also ganz im Namen des Herrn, wie David sagt. Ps. 124, 8. Das ist auch vorher verkündigt durch Zeph. 3, 9. Alsdann( im N. B.) will ich den Völkern anders predigen lassen daß sie alle sollen des Herrn( Christi) Namen anrufen. Und wer den Namen des Herrn anruft, soll selig werden. Joel 2, 32. Selig also, wer den Namen Jesu kennt, nicht die zwey Sylben: Je- sus sondern die Kraft, das Heil dieser Person, dieses Gott ganz gleichen Wesens; in dem die Fülle der Gottheit, und der Geist ohne Maaß wohnt; der unser ist, mit allem, was er ist und hat, weil er für uns starb, und sich für uns hingab. Darum ist sein Name, und was er in sich enthält, all sein Verdienst, Würdigkeit, Kraft und Wohlgefallen Gottes, das auf ihm ruht, alles ist unser; und wir dur- 409 fen uns vor Gott darauf berufen, dürfen vor Gott darauf bestehen, dürfen vor Gott eingekleidet, eingewickelt in ihn und in seinem Namen, mit ihm angezogen, und überkleidet kommen. Wer so vor Gott erscheint, der wird und muß angenommen, erhört und begnadigt werden; der wird und muß alles erhalten, was er auf diese Weise von Gott bittet oder begehret. Wer so vor Gott steht, steht fest und unbeweglich. Wer sich aber ohne Recht auf den Namen Jesu beruft, wie jene Teufelsbanner, Ap. 19, 13. zc. den wird weder Gott noch der Teufel respectiren, sondern es wird heißen: Jesum kenne ich, aber wer bist denn du? Du gehörst Jesu nicht an, und er dir nicht. Man muß daher Jesum wirklich angezogen, und seinen Namen ins Herz geschrieben haben; dann läßt sich erhörlich im Namen Jesu beten. Wer aber Jesum auf der Zunge, die Welt und den Teufel im Herzen hat, beruft sich vergeblich vor Gott auf den Namen seines Sohnes. mel. 10. Wadhy' auf, mein Herz, und singe. Oder: Mein Je su, sey gegrüßet. 1. Kommt her zu Gottes Fülle; kommt all', es ist sein Wille. Doch kommt, wie Jesus lehret. Wer ihn hört, wird erhöret. Nur Ein Gott ist vorhanden; der hilft in allen Landen. Der Mittler ist nur Einer, und außer ihm ist Keiner. 2. All' andre Helfer lügen; all' andre Mittler trügen. Was lauft ihr hin und wieder? Sest euch zur Quelle nieder.In Ihm zum Vater treten, das heißt erhörlich beten. Durch sein Verdienst und Namen wird alles Ja und Amen. 3. Sein Blut und seine Thrånen, sein Seufzen und sein Stöhnen, sein Flehn und Händeringen muß uns Erhörung bringen. All' unser Flehn und Weinen darf nicht allein erscheinen. Der Mittler muß vertreten, ohn' Ihn hilft uns kein Beten. M - 4. Auf dem Gesicht und Knieen hat er zu Gott geschrieen. Olegt Gebet und Lieder zu diesem Opfer nieder.- So werden sie gefallen. Das Vaterherz wird wallen; auf seinen Sohn hinblicken, und euch in ihm erquicken. 5. Als er am Kreuz gehangen, ergoß sich voll Verlangen, mit Blut aus jeder Bunde, Gebet aus seinem Munde. - 410 Rief Abels Blut um Rache, sein Blut führt unsre Sache. Des Blutes Stimm' ist besser, die Kraft unendlich größer. 6. Und nun er ausgelitten, hört er nicht auf zu bitten, der Sünder Noth und Klagen dem Vater vorzutragen.- Drum wenn ihr weint und flehet, glaubt, daß er bey euch stehet, daß er euch kräftig schützet, und machtig unterstüzet. 7. Ihm wird nichts abgeschlagen. Shm dürft ihr alles sagen. Es wird von ihm betrieben, und Amen unterschrieben.- So bringt denn, bringt zum Throne die Bitten all' im Sohne. Sie werden angenommen; und eure Freud' vollkommen. * Waf. 28. August. 241. Gelobet feyst du, herr, Gott Israels, unsers Vaters, ewiglich! Dir gebühret die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank! Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein ist das Reich, und du bist erhöhet über alles zum Obersten. Dein ist Reichthum und Ehre vor dir, du herrschest über alles; in deiner and stehet Kraft und Macht 2c. 1 Chron. 30, 10. 2c. Dies war das Gebet und der Lobgesang Davids, des Königs, da ihm das Volk Geschenke zum Bau des Tempels brachte, viele tausend Zentner Goldes, Silbers, Edelsteine 2c., denn sie gaben's fröhlich und freiwillig, von ganzem Herzen. Da freute sich der fromme König auch, und lobte und pries Gott, den König Israels. Man sieht daraus, wie voll sein Herz war von der Erkenntniß der Größe und Herrlichkeit Gottes, des Messias. Er bekennt, daß alles Gottes ist in allen Himmeln und Welten; daß Gott der Oberste über alle Obersten und Obern, über alles Hohe und Niedere erhöht ist, und daß alles in seiner Hand, von ihm regiert, gehalten und ge leitet werde. Unser Herr ist König in drey Reichen, die alles, was war, was ist und seyn wird, umfassen: König 411 des Himmels und der Erde, König des sogenannten Natur- Reiches, des Gnaden- Reiches, und des Reiches der ewigen Herrlichkeit, dessen kein Ende seyn wird von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ja, Christus herrscht über alles, wie er selbst sagte: Mir ist alle Gewalt gegeben, im Himmel und auf Erden. Matth. 28, 18. Wie freut sich dessen das Herz derer, die ihn als ihren Herrn, als ihr Haupt, als ihren Hirten, Bruder und Freund erkennen, haben und besitzen! Was sie ansehen, oder sich denken, am Himmel, im Himmel, und auf Erden, dabey können sie denken und sprechen: Das gehört meinem Herrn und Bruder: Die Erde ist des Herrn, und alles was darinnen ist. Ps. 24, 1. Der Himmel ist sein Stuhl und die Erde sein Fußschemel. Jes. 66, 1. Wie erhebt sich das Herz deffen, der ein Knecht, ein Kind, ein Schaf dieses Herrn und Königs ist? Was soll ein solches Herz fürchs ten, das da weiß, alles ist in der Hand dessen, der mich geliebet und sich selbst für mich hingegeben hat? Er ist unser, ist also nicht auch alles unser zu unserm Heil, was sein ist? Darum sagt Paulus: Alles ist euer. Wenn nur er in uns ist, und sein Gnadenreich in unsern Herzen aufgerichtet ist, so sind alle seine Reiche, fo ist alles unser. Das sey also deine Sorge, daß er in dir ist. - Mel. 24. Ach, wie tief bist du gefallen. 1. König, dem kein König gleichet, dessen Ruhm kein Mund erreichet; dem als Gott das Reich gebühret, der als Mensch den Zepter führet, den so viel Vollkommenheiten kronen, zieren und begleiten, dem das Recht gehört zum Thron', als des Vaters eingem Sohn'! 2. Himmel, Wasser, Luft und Erde, nebst der unzählbaren Heerde der Geschöpfe in den Wäldern, in den Seen, auf den Feldern, sind, Herr, über Tod und Leben, dir zum Eigenthum gegeben. Thiere, Menschen, Geister scheu'n, Menschen- Sohn dein mächtig Drau'n! 3. In des Gnaden Reiches Grenzen sieht man dich am schönsten glänzen. Wie viel tausend treue Seelen dich zu ihrem Haupt' erwählen, die, wie du das Unrecht hassen, sich von 412 dir regieren lassen, durch den Zepter deines Mund's, nach dem Recht des Gnadenbund's. 4. O Monarch in dreien Reichen, dir ist niemand zu vergleichen, an dem Ueberfluß der Schäße, an der Ordnung der Gesetze, an Vortrefflichkeit der Gaben, welche deine Bürger haben. Du beschützest deinen Freund, du bezwingst selbst deinen Feind. 5. Herrsche auch in meinem Herzen über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen! Laß mich deine Nåh genießen; laß mich dich im Glauben küssen, ehren, fürchten, loben, lieben, stets mich im Gehorsam üben, daß ich hier mit leid' und schwitz', dort mit auf dem Throne sitz'. J. J. Rambch. 29. August. 242. Beweise deine wunderliche Güte, du Zeiland derer, die dir vertrauen. Pf. 17, 7. Der err tödtet und macht lebendig, er führt in die Hölle, in die Grube, und wieder heraus. 1 Sam. 2,6. Er verwundet, und seine and heilet wieder. iob 5, 18. 3of. 6, 1. 2. Gott ist wunderbar in seinen Zeiligen. Pf. 68, 36. Keine Menschen- Vernunft kann sich in die Führungen Gottes schicken, in die Wege, die er seine Heiligen und Auserwählten führt; die meistens wunderlich, unbegreiflich, widersinnig, verkehrt und dem Ziele ganz entgegengesetzt zu seyn scheinen, und sich doch recht selig, herrlich, und im Triumphe endigen. Man sehe nur nach Golgatha hin. Er tödtet den, der alle lebendig machen follte. Er läßt den von allen verdammt, verflucht und verworfen werden, durch den alle gerettet, gesegnet und zur Kindschaft angenommen werden sollen. Er läßt den Hirten von den Wölfen zerreißen, um die Schafe zu sammeln. Er låßt Finsterniß bey seinem Tode auf der ganzen Erde entstehen, damit das Licht allen Augen der Menschen aufgehe. So führt er alle seine Lieben. Nach dem Exemplar auf Golgatha werden alle Copieen ge= macht. Das merke dir, und sieh fleißig dorthin, auf 413 den Weg, auf dem der Sohn Gottes, der Liebste des Vas ters, wandelt; denn diesen Weg mußt du auch gehen, inwendig und auswendig; wenn du anders dich vom Herrn führen läßt, und nicht dich selber führest. Dein Herz wird sich oft recht zerschlagen, verwundet, finster, verlassen, ja todt und erstorben fühlen, so, daß du glaubst, es sey ganz und gar aus mit dir, du lågest schon in der Hölle. Wenn dein Herz aber doch nicht vom Herrn weicht, dennoch auf ihn hofft, dennoch seine Arme nach ihm ausstreckt, und sich auf ihn verläßt: so wird er dich wieder beleben, erleuchten, erfreuen und wie in einen Himmel versehen. Er giebt dir wieder ein neues Lied in den Mund. Doch sey nicht stolz, nicht sicher. Die Sonne geht wieder unter, der Himmel wird wieder trübe aber auch wieder helle werden. Laß dich diesen Wechsel nicht er schrecken. Hier gehts schon nicht anders. Bleibe du nur an ihm im Glauben hangen. Er führt durch alles, durch Licht und Finsterniß, durch Tod und Leben, Hölle und Himmel sicher zum Ziele. Mel. 75. Auf meinen lieben Gott. Oder: 33. Du Freude. 1. Wie oft sucht' ich betrübt, den meine Seele liebt! Kaum hab' ich ihn gefunden, so ist er schon verschwunden. Kommt mir ein Gnadenblick, bleibt mir doch nicht mein Glück. 1 2. Was denket ihr hieben, die ihr so kummerfrey in voller Wollust stehet, und nur von außen sehet, ja fast nicht glaubt, daß hier ein Gott sey, der regier'? 3. Uch nein, gedenket doch, der Höchste lebet noch; sein Aug' ist nicht entschlafen; er hat es so geschaffen, der alle Ding' regiert, ist's, der uns heimlich führt, 4. Bald in den Freudensaal, bald in das Jammerthal; bald läßt er fröhlich singen, bald Todesangst umringen; bald drückt und schlägt er wund; heilt bald und macht gesund. 5. So führt' er Abraham und die von seinem Stamm, ſo Hiob und die andern, die durch das Kreuzthal wandern. Was fag' ich? Gottes Sohn ging selber so zur Kron'. 6. Drum geh' es, wie es will; ich streck' mich nach dem Ziel, das mir ist vorgestecket; ob mich gleich Satan schrecket, so bleibt mir doch zum Lohn' die ewge Ehrenkron'. J. Schellenhauer. 414 30. August. 243. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das lebendige Brod, vom Himmel gekommen, wer davon ist, wird leben in Ewigkeit. Joh. 6, 47. 51. Ich will ihnen Wasserflüsse auf den Höhen öffnen, und Brunnen mitten auf den Seldern. Jef. 41, 18. Gottes Brünnlein hat Wassers die Sülle. Pf. 65, 10. Es ist kein Zweifel, daß das Abendmahl des Herrn das gesegnetste Mittel ist, Seiner immermehr theilhaftig zu werden, und sich mit ihm in der innigsten Gemeinschaft zu erhalten, so, daß er in uns bleibt und wir in ihm. Joh. 6, 57. Wer zweifelt aber daran, daß man ihn auch außer dem Abendmahle eben so nahe haben, und durch den Glauben und die innigste Liebe Seiner eben so theilhaftig werden kann, als Er sich jeden Augenblick je dem hungrigen und sehnenden Gemüthe gerne mittheilen will. Er ist auch außer dem Sakramente, er ist immer, das Brod des Lebens, welches das ewige Leben der Seele nährt, welches uns täglich, stündlich unentbehrlich zur Erhaltung, Stärkung und zum Wachsthume unsers geistigen Lebens ist. Ein gesunder Mensch muß täglich zu essen haben, kann nicht ohne tägliches Brod seyn. Wem Jesus nicht eben so unentbehrlich als das tägliche Brod, als tägliches Essen und Trinken ist, der lebt gewiß nicht in Christo; wie er selbst sagte. Joh. 6, 54. Ohne Essen des Herrn, kein Leben des Herrn in uns. Darum macht das heilige sakramentliche Abendmahl das geistige, immerwährende, tägliche Abendmahl nicht entbehrlich, sondern viel mehr nothwendig und unentbehrlich; wer ihn einmal recht genossen hat, der hungert tåglich, durstet beständig nach ihm. Und nach ihm hungern und dursten, ihn sehnlich begehren, heißt ihn essen, sein Leben in uns unterhalten und nähren. Er hat auch diese geistige Communion, die 415 ses tägliche Abendmahl Johannes 6, wo er wenigstens nicht ausschließend vom Sakramente spricht, oder doch gewiß Offenb. 3, 20. versprochen. ,, Ich gehe zu ihm ein, und halte Abendmahl mit ihm und er mit mir." Demnach kann er mit uns, und wir mit ihm immer Abendmahl halten, die Art und Weise muß er uns selbst lehren. Redet doch auch David schon davon. Ps. 23. Und alle Heiligen aller Zeiten, vor und nach Christi Erscheinung auf Erden, haben von ihm gegessen und durch ihn gelebt, sind trunken worden von den reichen Gütern seines Hauses, haben sich gelabt an den Wasserflüssen in den Höhen und an den Brunnen, die er mitten auf den Feldern und überall, wo sie darnach durfteten, quillen ließ. Das Brünnlein Gottes, das so reichlich Wasser giebt, war ihnen wohl bekannt. Kommet, kommet alle, die ihr durstig seyd, kommet alle Tage, und schöpfet mit Freuden aus dem Heilbrunnen! Mel. 81. Geht, werft euch. Oder: Mir nach, spricht Christus. 1. Ein Sünder hat sonst keine Kost, das Herz gar keine Freude; du, Jesus, bist allein sein Trost, dein Kreuz nur seine Weide. Ach gieb doch, daß ich Tag für Tag nach dir recht sehnlich hungern mag. 2. Wie köstlich schmeckt das Sakrament, das Abendmahl der Liebe! Wer dich im Glauben sucht und kennt, der eilt mit frohem Triebe, so oft er es genießen kann, zu diesem Gnadentisch hinan. 3. Doch kann man dich auch jeden Tag, ja jede Stunde schmecken, weil man beständig glauben mag, und ohne Furcht und Schrecken zu deiner Gnaden- Fülle gehn, du låsseft sie ja offen stehn. 4. Der Glaube wagt, dich, se in en Herrn, vom Kreuz herab zu nehmen, das wünscheft du, das hast du gern. Wer wollte sich denn schämen? Du sprichst: Eröffne deinen Mund, ich fülle dich von Herzensgrund. Ps. 81, 11. 5. So ist man dich, und trinkt dein Blut, und schmeckt in dir Vergebung. Wie hat man's da so innig gut! Erquickung und Belebung vertreibt den Tod, der Sünde Qual. Das ist ein täglich Abendmahl. 6. Zwar diese Weid' ist unbekannt. Denn wer noch Sünde 416 liebet, der haffet das aus Unverstand, mas dein Erbarmen giebet. Den Gläubgen aber schmeckt es gut; ihr Heil und Trost ist Lammes Blut. 7. Sie singen mit, wenn David singt: Jehova ist mein Hirte! Und wenn sein Loblied herrlich klingt, wie ihn der Herr bewirthe; so fingen sie ihr Amen drein: Jehova schenkt auch mit voll ein. Ps. 23. 8. Denn wie ein Bach die Schafe trånkt, ein Bach aus frischer Quelle, so wird uns Jesu Blut geschenkt; der Brunn ist frisch und helle. O Gottes Lamm! dein theures Blut schmeckt unserm Glauben köstlich gut. 9. So laß es denn, o lieber Herr, bey deinen selgen Heerden noch alle Tage herrlicher mir und den Deinen werden! Dein Schäflein möcht' ich doch allein, und täglich auf der Weide seyn! * Wdf. 31. August. 244. So will ich nun, daß die Männer( auch die Frauen) aller Orten beten, und heilige ånde aufheben ohne Zorn und Zweifel. 1. Tim. 2, 8. Er bitte aber im Glauben, und zweifle nicht. Jak. 1, 6. Der Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn darum bittet. Matth. 6, 8. Jch sage nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde, denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich lieber und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Joh. 16, 27. Gläubiges, freudiges, kindliches Vertrauen ist die Seele des Gebetes, ohne welche es todt und unfruchtbar, eine Plage und Marter ist. Der Beter muß zuerst wif sen, was er thut; er geht zu Gott, der ihn gerufen und ihm befohlen hat, daß er kommen und bitten soll in der Noth, in allen Anliegen. Phil. 4, 6. Das giebt schon einen guten Grund des Vertrauens. Zweitens die Ueberzeugung, der Glaube, Gott weiß, was ich fühle, wie's mich drückt, ehe ich's ihm sage; es geht dem Vater selbst nahe, was dem Kinde am Herzen liegt. Drittens endlich, 417 des Sohnes Versicherung, der Vater hat euch lieb, es bedarf meiner Fürbitte nicht einmal. Aber dennoch bittet er für uns, zum Ueberfluß, daß wir ja nicht zweifeln sollen. Das ist die Ursache, warum uns die Apostel Paulus und Jakobus ermahnen, wir sollen unsre Hände und Herzen ohne Zweifel zu Gott erheben; denn wer zweifelt an dem Worte der Verheißung des Wahrhaftigen und Treuen, der schåndet und låstert Gott; dessen Gebet ist also vielmehr Sünde und Lästerung, als Verehrung und Anbetung Gottes. Gott hat es gesagt, ich soll bitten, er wolle geben. Jesus hat es gesagt, der Vater wird geben er weiß, er kennt eure Noth, er liebt euch. ,, Daran hålt sich der Glaube, und schickt die Zweifel zum Teufel, vom dem sie kommen." Ja, lieber Beter, du mußt Gott und seine Treue erfassen mit beiden Armen, nicht loslassen, wenn dich alle Teufel losreißen wollten. Ich halte dich, ich will dich nicht lassen, du segnest mich denn;" so spricht schon der Israelit, was soll der Christ thun, der Gott zum Bruder im Fleische hat? Es darf kein Bruder seinen Bruder, keiner seine eignen Glieder verlassen. Dafür muß Christus stehen. - Mel. 10. Wach' auf, mein Herz und singe. 1. Im Glauben und Vertrauen ins Herz des Vaters schauen, recht kindlich zu ihm treten, das heißt erhörlich beDie Zuversicht der Kinder erlangen schnöde Sünder durch seines Sohnes Liebe, durch seines Geistes Triebe. ten. 2. Im Kleid' des Eingebornen erscheinen die Berlornen, und nehmen Seinetwegen vom Vater allen Segen.- Wenn Jesus auch nicht båte, noch sie so stark vertråte; Gott selbst, der fie gezogen, ist ihnen wohl gewogen. 3. Der Vater kann nicht lassen, die seinen Sohn umfassen. Er sieht's, wenn sie von weiten sich zum Gebet bereiEr nahet sich zum Hören, und thut, was sie begehren. Die Hülfe wird gesendet, eh' ihr das Flehn vollendet. ten. 4. Da sie noch sicher schliefen, noch gar nicht zu ihm riefen, da sprach er schen: Hier bin ich, und auf Erbarmen finn' ch. Daß fie fich ihm entdecken, geschieht durch sein Erwekken. Wie sollte nicht ihr Flehen bald in Erfüllung gehen? - 418 5. Sein göttliches Vermögen hat Millionen Segen; je mehr wir nehmen wollen, je mehr wir nehmen sollen.- Er hat's ja selbst befohlen, die Gaben abzuholen. Die Wahrheit kann nicht lügen; die Treue kann nicht trügen. 6. Sein Wort, das er versprochen, wird nimmermehr gebrochen. Selbst seines Namens Ehre verlangt, daß er uns höre. Wenn er sich anders stellet, weiß man, was ihm gefållet. Er wird kein Ohr verstopfen, man soll nur stårker klopfen. - 7. Wie Bettler stehen bleiben; man kann sie nicht vertreiben. So sollst du stetig beten, nicht von der Stelle treten.- Wenn lauter Nein erscheinet, ist lauter Ja gemeinet. Wo der Berzug am größten, da wird die Hülf' am besten. 8. Sind wir nur erst empfänglich, so thut er überschwenglich, mehr als wir denken können, mehr als wir selbst uns gönnen.-Drum laßt uns glaubig bitten, kein 3weifel sey ges litten. Wir flehn in Jesu Namen. Sein Nam' und Wort ist Amen. 9. Wir sehn im Geist die Gaben, die wir gebeten haben, von jest bis zum Vollenden vor Augen und in Händen. 1 Joh. 5, 15.- Und wenn wir Berge wüßten, die wir versetzen müßten, sie werden, wenn wir beten, bald aus dem Wege treten. Matth. 17, 20. Wdf. 245. Erster September. Durch Ihn feyd ihr in Christo Jesu, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, zur Ges rechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung; damit wer sich rühmet, sich des Herrn rühme. 1 Kor. 1, 30. 31. Jhr seyd meine Freunde, wenn ihr thut, was ich euch gebiete. Joh. 15, 14. Seyd ihr in Christo Jesu, so ist Jesus Christus in euch, so gehört er euch, und ihr ihm. Wer ihn hat, der halte was er hat, damit seine Krone kein anderer nehme. Wer hat, dem wird gegeben, damit er die Fülle habe. Ist er uns von Gott zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heili 419 gung und Erlösung gemacht, so ist uns alle seine Weisheit und Gerechtigkeit, alle seine Kraft zu heiligen und zu erlösen geschenket. So ist er nur für uns da mit allem, was er ist und kann; so ist er unser. O Wort voll Heil und Freude! Er ist unser. Könnten wir mehr haben, mehr empfangen?- Das ist ausgemacht; aber es liegt nun alles nur daran, daß wir dieses große Geschenk des Vaters nach seiner großen Würde und seinem unendlichen Werthe würdigen oder zu schätzen und zu gebrauchen wissen; sonst wird es uns wieder genommen. Es liegt nun nur daran, daß wir uns wirklich durch ihn weise und gerecht machen, heiligen und erlösen lassen. Er ist uns dazu gemacht, geschenkt, gegeben. Die Hand Gottes reicht ihn uns dazu dar. Wir müssen ihn aber von ihr nehmen, festhalten, ihn in uns sein Werk und Wesen, wozu er uns gemacht ist, treiben lassen. Wir müssen ihm unsre Thorheit, Sündhaftigkeit, Ungerechtigkeit, und alles, was uns fesselt und gefangen hält, zum Opfer bringen, und uns durch den Sohn frey machen, erlösen lassen, dann sind wir wahrhaft frey; dann ist er uns nicht nur nach dem Sinne Gottes dazu gemacht, sondern- auch in uns all das wirklich uns geworden. Dann singt man: - mel. 118. Wie wohl ist mir, o fr. Oder: Ich habe mich ihm ganz ergeben. 1. Mein Freund ist mein! wohl meiner Seelen! die großen Trost bey sich verspürt! Nun kann mir ewig nichts mehr fehlen, weil mich mein Hirt, mein Heiland führt. Weg Eitelkeit! weg Weltgetümmel! ich sehe schon den offnen Himmel, und fliege glaubensvoll hinein. Aus Jesu ausgespannten Armen erlang' ich Leben und Erbarmen. O reicher Trost! Mein Freund ist mein! 2. Mein Freund ist mein! mein ist sein Leiden; mein ist sein Kreuz, mein ist sein Grab. Ich weiß von nichts als Seligkeiten, seitdem ich meinen Jesum hab'. Sein Blut wascht rein mich von den Sünden; sein Tod låst mich das Leben finden; so muß auch mein sein Himmel seyn. Denn ich bin fest mit ihm verbunden. Mein Herz wird ganz in ihm erfunden. Freud' über Freud'! Mein Freund ist mein! Dd2 420 3. Mein Freund ist mein! wir sind vereinigt; daß uns kein Satan trennen kann. Sein Herz, das mich von Sünde reinigt, ist meiner Seele Canaan. Hier lassen sich wohl Hütten bauen; vor allem andern kann mir grauen; die ganze Welt ist mir zu klein. Ihr Glanz, der blinde Menschen bindet, ist Rauch, der in der Luft verschwindet; ich acht' ihn nicht, mein Freund ist mein! 4. Mein Freund ist mein! je mehr ich singe, was Jesus meiner Seele ist, je mehr erfahr' ich Wunderdinge, je mehr wird mir mein Herz durchfüßt; je mehr empfind' ich Kraft und Leben; je mehr muß ihn mein Lied erheben; je mehr raum' ich ihm alles ein; je mehr erwachsen Gluth und Flammen; dann spricht der Glaub': Wer will verdammen? Mein Jesus lebt! Mein Freund ist mein! 5. Mein Freund ist mein! auch wenn die Sünde in meiner Brust sich heftig regt; wenn ich des Feindes Grimm empfinde, der mir den Muth fast niederschlågt. Denn wie mich dieses Leiden quålet, so fühlt es der, der mich erwählet; und weil die eigne Kraft zu klein, dergleichen Elend zu ertragen, ſo schmeck' ich unter allen Plagen die Kraft des Herrn: Mein Freund ist mein! 6. Mein Freund ist mein! so will ich siegen; der Hoffnungsanker wanket nicht. Er läßt sein eigen Werk nicht liegen, und wenn die ganze Welt zerbricht; so werd' ich dennoch fest bestehen, und ihn dereinst mit Augen sehen, auch ewig um und bey ihm seyn. Ich sterbe selig, wenn ich sterbe; ich bin sein Kind, ich bin sein Erbe. Ihr Himmel! hört's! Mein Freund ist mein! St. a. Z. 2. September. 246. Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet ewig. 1 Job. 2, 17. Denn alles Sleisch ist Gras, und alle seine errlichkeit wie des Grases Blumen. Das Wort des Herrn aber bleibt ewig. 1 Petr. 1, 24. 25. - Die Lust der Welt reißt viele von Christo und seinem Worte weg; weil sie nicht glauben können, daß Christus denen, die ihn lieben, größere Freuden verschaffen kann, 421 als die Welt ihnen darbietet; weil sie die Verbindung und Gemeinschaft mit ihm für die traurigste Sache der Welt, für Kopfhängeren ansehen, wo man keine frohe Stunde mehr haben kann. Wie betrügen sich die Blinden, die nicht wissen wollen, daß bey ihm Freude die Fülle und liebliches Wesen immer und ewiglich ist! Ps. 16, 11. Sie haben gar keinen Begriff und Geschmack von der wahren Freude und reinen Lust des Herzens, sonst konnten sie die Lust und Freuden der Welt für keine Lust und Freuden halten, die so vergånglich, so wenig befriedigend sind, als die Freuden des Traumes, die beim Erwachen nicht mehr sind, wie die Seifenblasen, die beim Unfassen verschwinden. Wer nun die Freude Christi nicht kennt, dem ist es noch eher zu verzeihen, wenn er sie nicht sucht, als dem, der sie geschmeckt und erfahren hat, und doch wieder verläßt, hingerissen von der betrüglichen und vergånglichen Lust der Welt. Darum, ihr Lieben! geht der Welt aus dem Wege! Nåhert euch nicht ihrem LuftKreise; laßt euch lieber verspotten und låstern, wie Petrus von den ersten Christen sagt. 1 Petr. 4, 1 4. Was Gott will, was Christo gefällt, sey eure Lust und Freude; denn diese Lust und Freude kann euch nicht genommen werden. Was euch im Tode nicht freuen wird, was nicht über das Grab mit hinübergeht, das sey euch im Leben nicht suchenswerth; das verachtet. Die Freude am Herrn sey eure Stårke; denn die bleibt ewig. Mel. 14. un sich der Tag geendet. Oder: Für Christus geb'. 1. Was mich auf dieser Welt betrübt, das währet kurze Zeit, was aber meine Seele liebt, das bleibt in Ewigkeit. Drum fahr', o Welt, mit Ehr' und Geld und deiner Wollust hin; in Kreuz und Noth kann mir mein Gott erquicken Herz und Sinn. - 2. Die schndde Freude dieser Welt, wie süß sie immer lacht, hat schleunig ihr Gesicht verstellt und den in Leid gebracht- der auf sie baut, wer aber traut allein auf Gottes Treu', der fiehet schon die Himmelskron', und freut sich ohne Reu'. 3. Mein Jesus bleibet meine Freud', was frag' ich nach der 422 Welt? Sie lohnt mit banger Traurigkeit dem, der sich zu ihr hält. Ich bin ja schon mit Gottes Sohn im Glauben hier vertraut, der droben sitzt, und mich beschüßt, und gnädig auf mich schaut. 4. Ach Jesu, tödt' in mir die Welt, und meinen eitlen Sinn, der sich dir stets entgegenstellt; Herr, nimm mich gånzlich hin. Verbinde mich recht inniglich, mit dir, o Herr, mein Hort! so irr' ich nicht in deinem Licht, ich traue deinem Wort. - 3. September. 247. Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande, daß sie bey mir wohnen. Pf. 101, 6. Lasset uns halten an dem Bekenntniß der Hoffnung und nicht wanken, denn er ist treu, der sie verheißen hat. Zebr, 10, 23. Der treue Gott will treue Herzen. Wer abweicht, an dem hat er kein Wohlgefallen. Wer Gnade erlangt hat, muß sie bewahren, und in ihren Schranken laufen. Die Treulosen, die den Glauben nicht halten, und den Schatz, das Kleinod der Barmherzigkeit Gottes, das ihnen geschenkt war, aus Leichtsinn oder Liebe zur Welt, wieder wegwerfen und gering achten, werden schrecklicher gestraft werden, als wenn sie es nie gekannt hätten. Lasset uns aus heiliger Furcht vor uns selbst, die Gnade zu verlieren und treulos zu werden, wachen und beten, daß uns der Herr, der treue Gott, bewahre und befestige in seiner Gnade. Wer von sich selbst etwas erwartet und sich eine standhafte Treue bis ans Ende zutrauet, wird gewiß untreu werden. Wer aber, mißtrauisch auf sein schwankendes Herz, desto fester dem Herrn anhångt, und sich von ihm alle Tage ein treues Herz ausbittet, wird erhalten werden. Suche doch oft die Augen, die von oben herab auf die Treuen im Lande schauen; suche sie, du wirst es ihnen bald abfühlen, ob sie an dir den Treuen, den sie suchen, finden. Nur die Treuen sollen bey ihm wohnen. Und die Treulosen? im Pfuhl. Off. 21, 8. 423 mel. 38. Toch wallen wir im. Oder: Kommt her zu mir, spricht. 1. Ermuntre, Seele, dich und sey, dem, der dich zweimal schuf, getreu, o folge seinen Trieben! Nie, glaub' es, wird es dich gereun, unsträflich, bis er kommt, zu seyn, aufrichtig ihn zu lieben. 2. O horche nicht auf Fleisch und Blut! gehorch' dem Geist, er meint es gut; was er gebeut, ist Segen. Dein Heiland liebt dich väterlich, führt auf dem schmalen Wege dich dem höchsten Ziel entgegen. 3. Er theilt dir seine Stärke mit, drum gehe stets mit festem Schritt fort auf dem Kreuzespfade. Die Lust verführt; die Treue nie; und Gott, dein Gott, bekrönet sie mit namenloser Gnade. 4. Laß dir die schreckenvolle Pein der Sünde hell vor Augen seyn, wenn sie dich lockt zu Freuden. Gott kennt den quälenden Verdruß, der auf die Sünde folgen muß, und will sie dir verleiden. 5. Gott sieht der Ewigkeiten Nacht, wo Sünder, die ihn hier verlacht, in tiefem Jammer schmachten. Du kennst der Gnade hohen Werth, die dich zu deinem Gott bekehrt, und den willst du verachten? 5. Nun wach' und kämpf und bete du, dein Gott, dein Heiland schaut dir zu. Einst wird er dich belohnen. bleib O ihm treu und wanke nicht! denk' an den Tod, und ans Gericht; denk' an die Siegeskronen! 4. September. 248. Thr seyd der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott selbst spricht. Ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln; ihr Gott will ich seyn, und sie sollen mein Volk seyn. 2 Kor. 6, 16. 3 25. Mof. 26, 12. Wo ist ein so herrlich Volk, zu dem Götter also nahe sich thun, als der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen: 5 23. Mos. 4, 7.. — Welch eine Gemeine, die ein Tempel des lebendigen Gottes ist! Ein lebendiger Gott muß einen lebendigen Tempel haben. Die todten Gößen wohnen in todten, steinernen Häusern. Welche Herablassung Gottes zu uns! Wie 424 soll uns diese Liebe beschåmen? wie sollen wir als Tempel Gottes Leib und Geist dem Herrn heiligen. 1 Kor. 6, 20. Seele, wie kannst du je vergessen, wer in dir wohnet, wessen Haus und Tempel du bist? Dein Herz ist dem Herrn geheiliget durch das Blut Christi, mit dem du erkaufet bist; zerstöre, entweihe, schånde diesen Gott geweihten Tempel nicht durch unwürdige Gedanken und Gesinnungen; vielmehr soll dich der Gedanke: Gott wohnet und wandelt in mir! zur unermüdeten Wachsamkeit erwecken, und darin beständig erhalten, daß du des Gottes würdig wandelst, denkest, redest und handelst, der sich so tief zu dir herabläßt, so nahe bey dir bleibt und dich so hoch erhebt und ehret, da er dein Herz zu seiner Wohnung, zu seinem Throne erwählet hat. Wir könnten das alles ja kaum glauben, denn es ist zu groß, zu viel, zu gnådig; aber Christus hat es selbst gesagt. Joh. 14, 23. Und da der Herr es schon im alten Bunde so feierlich angekündiget und verheißen hat; da wirklich jede fromme Seele, die in ihr Herz einkehrt, und mit Glauben und Demuth den Herrn inwendig sucht, ihn findet und seinen Umgang genießt, so können wir nicht zweifeln; wir haben was wir glauben, und was uns der Wahrhaftige verheißen hat. Laßt uns nur sein Volk seyn, d. h. ihm von Herzen treu ergeben, mit Blut und Gut anhånglich seyn, so wird er nicht aufhören, unser Gott, unser Immanuel zu seyn. Mel. 86. Jch bete an die Macht. 1. Wie majestätisch sind die Worte, die Gott zu seinem Volke spricht denk: göttliche Verheißungs Worte! und die Berheißung trüget nicht. Er spricht: Ich will in ihnen wohnen, in ihrer Mitte will ich thronen. 2. Er spricht: Ich will in ihnen wandeln, ich will ihr Gott, in ihnen, seyn; will väterlich an ihnen handeln, sie sollen alle mein sich freun. Ich will sie für mein Volk erkennen, fie sollen sich die Meinen nennen. 3. Wo aber ist das Volk zu finden, mit dem in solcher Segensfüll, sich Gott so inniglich verbinden und Wohnung bey - -- 425 ihm machen will? Ich wollt' könnt', ich dies kennen lernen, von aller Welt mich gern entfernen. 4. Wo finden wir die heilgen Thüren, durch die man in den Himmel dringt? Wer kann den selgen Weg uns führen, der uns zu diesem Volke bringt? Den Weg zu diesem Glücke müs sen wir doch vor allen Dingen wissen. 5. Gott Lob, wir dürfen nicht viel fragen, wo denn der Weg des Lebens ist; ich höre dich, mein Jesus, sagen, daß du. und du allein es bist, durch den wir zu dem Vater kommen, durch dich wird jeder angenommen. 6. Du kannst es uns so schön erklären, wie unaussprechlich Er uns liebt; wie nahe wir ihm angehören, weil er dich selbst zum Pfand uns giebt. Du schreibst dies selbst in unsre Herzen durch deine bittre Todesschmerzen. 7. Sobald wir aus verlornen Sündern nun deine Glieder worden sind, nimmt uns dein Vater an zu Kindern, daß nichts Verdammlichs mehr sich findt; weil du dich selbst mit uns vereinigst und uns mit deinem Blute reinigst. 8. Dann schmelzen deine Liebesflammen mit ihm uns so zu Einem Geist, und auch mit seinem Volk zusammen, daß man in die sich glücklich preist; weil wir daben schon hier auf Erden der Himmelslust theilhaftig werden. * Rchl. 5. September. 249. Man soll nicht so sehr trauern über den Todten, denn er ist zur Ruhe gekommen. Sir. 22, 11. Gott ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen.- Jhm leben sie alle. Luc. 20, 38. Selig sind die Todten, die im Zerrn sterben; denn sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Off. 14, 13. So ruft uns die Schrift zu, in Hinsicht der Todten, und welchen bessern Trost könnte sie uns geben? Wir weinen wohl auch nicht eigentlich über die Todten, die im Herrn leben, sondern über uns, die wir noch im SterbensLeben zurückbleiben müssen. Denn es wäre thòricht, wenn du, der du noch des Tages Hitze und Last trågst, den beweintest, der schon Feierabend machen durfte, der schon 426 ruht von seiner Arbeit und daheim ist bey dem Herrn; too keine Hiße auf ihn fallen, keine Sonne ihn stechen wird; wo alle Thrånen und aller Schweiß abgetrocknet ist und bleibt in Ewigkeit. Es ist falsch, wenn wir sie die Todten nennen; sie leben, und wir sind noch im Todes: leibe. Sie leben ihrem Gott, und ihr Gott lebt nun ganz in ihnen; denn Gott ist ein Gott der Lebendigen, der die, welche er zu sich nimmt, lebendig erhalten kann und wird in Ewigkeit. Der Gedanke an die Heimgegangenen, beim Herrn Lebenden, müsse dich also nicht tödten, nicht niederschlagen, sondern beleben und aufrichten. Müsse dich nicht ins Grab zur verwesenden Hütte des Verblichnen beugen, sondern hinüber heben über Grab und Verwesung ins Land der Unsterblichkeit, in die Arme des Erldsers, in die Wohnungen des Vaters, wo sie ruhen, leben und herrlich sind, von wo sie herüberwinken zu uns, und uns einladen, auffordern, und ermuntern, auszuharren bis ans Ende, daß wir mit ihnen zusammenkommen und gleiche Herrlichkeit und Seligkeit genießen mögen. mel. 118. Ich habe mich ihm ganz erg. Oder: Wie wohl ist mir, o fr. der S. 1. Einst ruht die Seel' in Jesu Urmen, der Leichnam in der Erde Schooß. Die ewge Huld wird sie erwarmen, die Ruh' wird unaussprechlich groß, die sie nach wenig Kampfesstunden bey ihrem holden Freund gefunden, am strahlenden Crystallenmeer. Getrocknet find all' ihre Thränen, gestillt ihr seufzenvolles Sehnen, und alles göttlich um sie her. 2. Dann ist sie aller Qual entnommen, ihr Weh und Weis nen ist dahin; sie ist in Salem angekommen und steht als Braut und Königin, im Gold der Himmelsherrlichkeiten, dem großen Könige zur Seiten, ihn schauend nun von Angesicht. Sie ist in seinem Wonnewesen für alle Ewigkeit genesen, und ewig Licht in seinem Licht. 3. Sie jauchzt Erlösten dort entgegen: Mir ist so unaussprechlich wohl; ich bin durch meines Heilands Segen des ewgen Lebens wonnevoll. Mir ist in seinem ewgen Heile ein schönes, herrlichs Loos zu Theile; ich wandle in des Lammes Pracht! Man kann in allen Himmels- Chören an ihren Hars fen- Tönen hören: ,, Der Herr hat Alles wohl gemacht!" 427 4. Ja, wohl gemacht durchs ganze Leben, auch wohl durch jene Todespein; sein våterliches Tragen, Heben half mir heraus, hindurch, hinein; heraus, aus allen Erdenlusten, hindurch, durch die Versuchungswüsten, hinein, ins schöne Canaan; wo ich auf Milch- und Honig- Auen den rechten Josua darf schauen, der große Ding' an mir gethan. 6. September. 250. Ich bin die Thüre, wenn jemand durch mich eingehet, so wird er selig werden. Er wird einund ausgehen und Weide finden.- Ich gebe meinen Schafen das ewige Leben, und sie werden nicht verloren gehen in Ewigkeit. Nie mand wird sie aus meiner and reißen. Joh. 10, 9. u. 28. Da aber die Taube nicht fand, wo ihr Suß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm. zum Rasten - Da that Noah die Hand heraus, und nahm sie zu sich in den Kasten. 1 Mos. 8, 9. Wie sollte, wer als Schäflein die Stimme Christi hört, ihm als seinem Hirten folgt, und die Stimme eines Fremden,( Fleisch und Blut, Welt und Satan) nicht hört, wie sollte der den Tod fürchten, da ihm sein Hirt nicht nur die Thüre zum Leben gezeigt und aufgethan sondern hier schon den Anfang des ewigen Lebens geschenket, und ihn versichert hat, daß er es ihm dort ohne Ende erhalten und ihn ewig nicht umkommen, oder aus seiner Hand reißen lassen werde. Sieh', in seiner Hand bist du jetzt; in seiner Hand wird er dich ewig tragen, dich selbst nähren, weiden, und erquicken. Wer dieſer Hand nicht traut, muß wohl recht mißtrauisch seyn. Was fürchtest du denn? Sie möchte dich fallen lassen, und dich dem Satan und der Hölle zur Beute geben? Die Hand, die für dich durchbohrt ist? die für dich in der Hölle und in des Todes Rachen war? Nein, liebe 428 Seele! wenn du dich nicht selbst aus seiner Hand reißest, ihr nicht selbst davon läufst, sie låßt dich gewiß nicht. Sollte er dich, sein theuer erkauftes Schåflein, nicht mehr lieben, als Noah seine Taube? O gewiß, wenn du einst, wie jene Taube, kein Pläßchen mehr findest auf Erden, wo dein Fuß ruhen kann, und du fliegst des Himmels Arche zu: o dann, glaube fest, streckt dein guter Hirte ſeine Hand heraus und nimmt dich zu sich ein; seine Hand, in der du ja jetzt schon und immer liegst, die sich ja nie von dir zurückzieht. Strecke nur du jetzt recht oft deine Hånde nach ihm aus, und lege dich alle Tage mit Leib und Seele zuversichtlich in seine Hände, so wird es am Ende gar keine Noth haben. mel. 118.( Fortsetzung des vorigen Liedes). 5. Einst wird die Taube eingenommen, die nirgends hier sonst Ruhe fand; zu ihrem Noah heimgekommen, ruht fie in seiner milden Hand. Da kann sie nun gesichert sitzen vor allen den Verfolgungs- Bliten des Seelenfeinds und Mörders frey, vertraulich an des Freundes Herzen, der mit so namenlos sen Schmerzen beweist, daß sie die Seine sey. 6. Das Lamm ist dann bey seinem Hirten, der es mit seinem Blut gewann, und der so viele der BVerirrten zurückrief auf die rechte Bahn. Sein Lieben ist so unermessen; es muß von seinen Bissen essen, und trinkt aus seinem Becher mit; es liegt in seinem Schooß und Armen, und schmeckt deß göttliches Erbarmen, der für sein Lamm den Kreuztod litt. 7. Es ist der Seele neu erschienen, der ihr der Ein und Alles war. Das große Wort: Ich bin in ihnen, ist ihr nun völlig offenbar. Ein unergründlich Meer des Guten, ein Ungrund ewger Segensfluthen beseligt den verklärten Geist. Er schauet Gott von Angesichte, und weiß was Gottes Erb' im Lichte, und ein Miterbe Jesu heißt. 8. Wir, die wir noch durch Mara reisen, wir halten in dem Glauben an, und denken unter Thrånen- Speisen an jenes schöne Canaan, wo einst wir mit der Schaar der Frommen, wer weiß wie bald, zusammenkommen, um ewig bey dem Herrn zu seyn. Wie wohl, wie wohl wird uns geschehen, wenn wir ihn ewig, ewig sehen in aller himmlischem Verein! 429 7. September. 251. Die Wege des Herrn sind eitel Güte uno Wahrheit. Pf. 25, 10. Wie groß ist deine Güte, die du verborgen hast denen, die dich fürchten. Gelobt sey der Herr, daß er hat eine wunderliche Güte mir bewiesen. Pf. 31, 20. 22. Wer auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfangen. Pf. 32, 10. Wer die Güte des Herrn erfährt, der kann nicht genug Rühmens von ihr machen, wie David in allen seinen Psalmen. Schien es ihm wohl manchmal, sie habe ein Ende, daß er ausrief: Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte? hat denn Gott vergessen, gnädig zu seyn? Ps. 77, 9. 10. so dachte er an die Thaten des Herrn, an die vorigen Wunder, die er an ihm und seiz nem Volke bewiesen hat, und dann konnte er sich nicht mehr halten, gleich wieder die Güte des Herrn zu rühmen, und sich derselben zu freuen. Der Herr bleibt immer derselbe, immer die überschwengliche Güte, auch wenn er uns anders erscheint. Das vergiß nicht, Lieber! denn er wird dich, wenn du ihn und seine Güte gleich in ihrer ganzen Größe erfahren båttest, doch wieder in solche Umstände von innen und außen kommen lassen, daß es dir Mühe macht zu glauben, daß er noch gut sey, wenigstens wirst du stark versucht werden, zu zweifeln, ob er dir noch gut sey. Da mache es wie David, denke an die vorigen Wunder seiner Güte, die er an deinem Herzen, oder an andern, bewiesen hat. Oft aber wird er dir, wenn du ihn anders innig und brünstig, treu und beständig lieb hast, so gut erscheinen, daß du wieder Mühe haft zu glauben, ob er es denn wirklich sey, ob es nicht Täuschung oder Betrug sey; weil du nicht begreifen kannst, warum er gegen dich so gut und freundlich ist. Und je mehr du dich vor ihm beugst und dich seiner Güte unwürdig achtest, desto mehr wird er dich mit 430 Gnade und Huld überschütten. Darum sey demüthig, wenn er freundlich und gnådig ist, und sey unverzagt und zuversichtlich, wenn er ungnådig und unfreundlich scheint. Mel. 119. Wie schön leucht't uns. Oder: Gott, unser Gott, wir danken. 1. Mein Herr ist unbeschreiblich gut, und was er täglich an mir thut, kann niemand besser machen. Sein Herz, fein Wort, sein Geist, sein Blut, sein duldender, sein sanfter Muth find unerhörte Sachen. Laßt mich ewig mit Verlangen an ihm hangen, und mit Freuden unter seinem Stabe weiden. 2. Wo ist ein solcher guter Herr, der alle Tage freundlicher, sich gegen mich bezeiget? Ich weiß, so wahr er mir vergiebt, ich weiß nicht, was er an mir liebt, und was ihn zu mir neiget. Heftig, kräftig, unbeschreiblich, ganz unglaublich sind die Triebe feiner wunderbaren Liebe? 3. Er ist mein Gott, und wird mein Lamm. Er låßt mit meinem Sündenschlamm sein Angesicht bedecken. Sein treuer Sinn macht mich gerecht. Er dient mir als ein armer Knecht, und läßt mich nirgends stecken. Ruthen, bluten, Dornenſpitzen, höllisch Schwitzen, Fluch und Sterben leidet er für mein Verderben 4. Ach, lieber Herr, wer bin ich doch? und was empfind' ich heute noch in dem vergift'ten Herzen? Ist's möglich, bringt dich meine Noth durch Macht der Liebe bis in Tod, in unerhörte Schmerzen? Stündlich, sündlich, blind und schåndlich, unerkanntlich, wüst' und öde, ach, mein Herr, ich bin zu schnöde! 5. So oft mein Herz sich selbst erblickt, so oft fühl' ich mich ungeschickt zu allen deinen Sachen. Was aber dich nicht liebt und ehrt, und was mein eignes Heil zerstört, das kann ich hurtig machen. Kannst du, Jesu! mich noch achten und betrachten, und mich lieben?- Wahrlich ja, es steht geschrieben. Waf. 8. September. 252. Hoffnung macht nicht zu Schanden.- Ist ja Christus, da wir noch elend waren, zur bestimmten Zeit für uns Gottlose gestorben. Nun 431 wird kaum jemand für einen Gerechten sterben; für einen Wohlthåter möchte vielleicht jemand sterben wollen. Röm 5, 5-7. Christus litt für unsre Sünden, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führte. 1 Petr. 3, 18. Der Gekreuzigte muß dir immer wieder vor dein Auge treten. Dieses Bild der reizendsten Liebe Gottes muß in deiner Seele mit solchen lebhaften Farben abgemahlt seyn, daß es keine Menschenhand, keine Höller macht, keine Zeit und kein Tod mehr auslöschen kann. Darum gehe immer wieder und wieder nach Golgatha, schaue heute, wie gestern und ehegestern, und morgen und alle Tage auf den Gerechten, den die Liebe zu den Ungerechten tödtete; auf den Heiligen, den Mitleiden zu den Sündern durchbohrte und tödtlich verwundete; laß ihn in dieser allerschönsten Gestalt- nicht vorübergehen vor deinem Auge, sondern stille stehen, fasse ihn bleibend in dein Auge und in dein Herz, daß du Seiner nicht mehr los werden könntest, wenn du auch wolltest. Dieser Standpunkt unter dem Kreuze ist es, von dem alle wahre Christen nicht aus, nicht weggehen, sondern, wo sie alle zusammentreffen und innig und ewig verbunden werden; wo sie wie dahin gegossen, wie angeheftet bleiben wie mit Ihm angenagelt. Die Liebe heftet und hålt stårker, fester an, als eiserne Någel. Ach, wer Ihn, Ihn am Kreuze so leicht verlieren und vergessen kann, der beweine sein kaltes Herz, der halte sich für den Elendesten, und eile, eile zum Kreuze, bis er es in sein Herz gepflanzet hat, wie eine lebendige Pflanze, die mit ihm wächst und lebt, ohne je wieder zu verwelken oder zu sterben. - - mel. 36. Versöhner Gottes. Oder: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 1. Hier steh' ich, Vater, bey des Sohnes Kreuze, ganz auBer mir vor göttlich schönem Reize der Liebe, die aus seinem Tode strahlet, mit Blut sich mahlet. 432 2. Unmöglich kann die Liebe höher steigen; wie du sie zeigst, kann kein Geschöpf fie zeigen; nichts bleibt uns übrig, als zurückzutreten, und anzubeten. 3. Du giebst den Sohn; was kannst du Größres schenken? Der Sohn, entbrannt auf unser Heil zu denken, bedenkt sich nicht, sein Himmelreich, sein Leben, für uns zu geben. 4. Kaum läßt sich Jemand für den Frommen tödten, viel wår' es für den besten Freund in Norhen. Er will für Sünder, für der Feinde Schulden, den Tod erdulden. 5. Das ist das Werk der allerhöchsten Liebe! daß diese nicht der Welt verborgen bliebe, muß Golgatha der Sonne Glanz verdunkeln; denn Sie soll funkeln. 6. Sie ist die Sonne, sie, die nun Verklärte, die SünderLiebe, die sich selbst verzehrte, die heiß und rauchend in dem Blut geflossen, das Gott vergossen. 7. Hier ist der Vorhang ganz und gar zerrissen; hier läßt die Lieb' uns ihr Geheimniß wissen. Was so viel Schattenbilder sonst verstecket, wird hier entdecket. 8. Sie sprach: Ich bin's. Sie stand wie Felsenklippen; sie nahm den Kuß von Judas falschen Lippen. Sie, ganz verlassen von den besten Freunden, gab sich den Feinden. 9. Sie ging und trug mit Schmerz, mit bitterm Hohne die auf ihr Haupt gedrückte Dornenkrone. Sie trug, die Liebe, ( Gott! was ist wohl treuer?!) das Holz zum Feuer! Waf. 9. September. 253, Denn ich hielt mich nicht dafür, daß ich et was wüßte unter euch, als allein Jesum Chri stum, und zwar den Gekreuzigten. 1 Kor. 2, 2. Solget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns zum Vorbilde habt; denn viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich's euch mit Thränen, als Feinde des Kreuzes Christi. Phil. 3, 17. 18. Wer Jesum, den Gekreuzigten, so weiß, daß er alles andere Wissen darüber vergißt, und nichts mehr wissen will, als ihn, der weiß Jesum, wie Paulus ihn wußte; 433 und der hat den Himmelsschlüssel zur Erkenntniß Gottes und zu allen Geheimnissen der Gottheit gefunden; denn die am Kreuze sich für uns opfernde Liebe Gottes schließt uns alles auf, was uns ohne sie ewig verborgen geblieben wäre. Dieses Wissen des Gekreuzigten ist aber kein gemeines, gewöhnliches Wissen, wie man geleſene oder gehörte Zeitungs- Artikel weiß und für wahr hält, wenn sie wahrscheinlich dargestellt sind. Dies Wissen muß ein lebendiges, Geist, Seele und Leib durchdringendes, den ganzen Menschen ergreifendes und heiligendes Wissen seyn. Denn Paulus sagt von einigen Philippern, die Jesum, den Gekreuzigten, gewiß auch wußten, sein Verdienst kannten, sich dessen rühmten, und darauf verließen, mit Thränen: sie wandeln als Feinde des Kreuzes Christi, ihr Ende ist die Verdammniß; warum? weil bey allem Wissen des Gekreuzigten dennoch der Bauch ihr Gott war, und sie ihre Ehre in der Schande suchten. Darum muß der Glaube und die Erkenntniß des Gekreuzigten so auf dein Herz wirken, daß Er, der Gekreuzigte, dein Gott und Herr wird; daß du ihm, und nicht mehr deinem Bauche Gottesdienst erzeigest, nicht mehr der Welt und der Sünde oder deinem Fleische, sondern dem lebendigen Gott dienest. Liebe erzeugt Liebe. Weißt du, daß Christus sich für dich opferte, so sollst du dich auch für ihn opfern. Hat er dich geliebet bis in den Tod des Kreuzes, und kennst, weißt, glaubst du diese Liebe, wie kann dein Herz ohne alle aufopfernde Liebe gegen ihn bleiben? Kannst du also sagen in der Wahrheit: Ich weiß nichts als Jesum, den Gekreuzigten? Wehe dir, wenn das nur deine Zunge spricht, und dein Wandel und Sinn dich als Feind des Kreuzes Christi darstellt! mel, wie die vorige.( Fortsetzung.) 10. Seht, Menschen, die ihr Jesu Tod betrachtet, ihr, die ihr noch auf seine Marter achtet, seht diese Lieb' aus seinen Wundenmaalen recht göttlich strahlen! 11. Sie ist der Himmelschlüssel zur Erkenntniß; sie öffnet Ee — 434 erst den Blinden das Verständniß; durch ihre Macht wird Sinn, Herz und Gewissen dahin gerissen. 12. Nun wirkt die Lieb' ein himmelfestes Schwören, von nun an keinen andern zu begehren, als diesen Herrn, den unbeschreiblich Guten, in Liebesfluthen. 13. Mein Gott und Herr! ich mag nichts anders wissen, nichts denken, suchen, glauben und genießen; sonst nichts bekennen, lehren, fingen, sagen, in meinen Tagen. 14. Nichts, als dein ganz erstaunlich großes Lieben, sey Lebenlang tief in mein Herz geschrieben. Nur dieses laß mir in der Todesstunde zum Licht und Grunde! 15. So sag' ich's noch auf meinem Sterbebette: Was hätt' ich, wenn ich nicht sein Lieben hätte? Dies Lieben soll mein letzter Odem preisen, so will ich reisen. 16. So hab' ich gnug auf Zeit und Ewigkeiten, sie wird mir dort die Ståtte zubereiten; sie werd' ich schauen, sie werd' ich erhöhen, und ganz verstehen. 17. Gott! hier ist ein Tröpflein schon so süße, wenn ich in deiner heißen Lieb' zerfließe; was wird das ganze Meer in jenem Leben für Wonne geben? 18. Mein Herz entbrennt, ich denke, sing' und sage, und wenn ich alle meine Brüder frage, so sagen sie von deiner Lieb' o König! noch viel zu wenig. 19. Nur Lallen kann ich, weil doch ihr Erquicken mir ganz unmöglich wird recht auszudrücken. Vor seinem Chron, da wird es mir gelingen, mich satt zu singen. Wdf. 10. September. 254. Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Achseln mit Freuden. So freuen sich die Engel Gottes über einen Sünder, der BuBe thut. Luk. 15, 5. 10. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund des Brautigams aber steht da, und hört ihn, und freut sich hoch über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllet. Joh. 3, 29. Johannes sah die Schäflein zum Hirten, die Braut zum Bräutigam kommen, wie sollte er, als ein treuer Freund - 435 des Brautigams sich nicht freuen? Jünger sammelten sich um Jesu her. Deß freut sich der Vorläufer und Hochzeitlader. Wenn die Geladenen zum Mahle eilen, seyen es Krüppel, Lahme, Blinde, von den Zäunen oder von den Landstraßen, wenn sie nur kommen, daß das Haus des Herrn voll werde; so freuen sich die treuen Knechte, und ist ihnen nur Leid um die, welche zurückbleiben und sich mit ihren Ochsen, Weibern und Gütern entschuldigen. Sollte es nun Lehrer nicht freuen, wenn die Zuhörer nach Jesu fragen, ihn suchen und ihn finden? Freuen sich doch die Engel! Was geht's diese an? Sie lieben Ihn; darum können sie nicht kalt und gleichgültig bleiben, wenn er seinen Lohn, den Lohn für seine Schmerzen kriegt, womit er sein Verlornes gesucht hat. Was geht's diese an? frågst du. Und du freuest dich doch nicht. So laß es doch dich angehen, und dir angelegen seyn, daß der Hirte seine Schafe bekommt. Rufe laut in alle Enden und Ecken der Welt hinein, daß die Braut die Stimme des Bräutigams hört, und zu ihm eilt. Alle Welt, alle Menschen- Seelen sind seine Braut, aber wie viele noch eine entlaufene, vagirende, treulose!-Dennoch will er sie alle. Man soll sie ihm rufen. Ey, so schlafet doch nicht, bis der Bräutigam alles besitzt, was sein ist; damit nicht der Satan zum Raube behalte, was eures Brautigams ist. Mel.95. Das ist unbeschreiblich. Oder: Warum sind der Thränen. 1. O der großen Freude, wenn ein irrend Schaf von des Satans Weide aus dem Sündenschlaf, gründlich aufgewecket, Gnade suchen geht, und die Liebe schmecket, die wie Felsen steht! 2. O der Freudenthränen, die man fließen läßt! Auf be klemmtes Sehnen folgt ein Jubelfest; wenn, Herr, deine Knechte solche Wunder sehn, die durch deine Rechte, durch dein Wort geschehn. 3. Ja, des Brautgams Stimme, wenn man hört und sieht, wie sein Feuer glimme, wenn er Seelen zieht. Das ist unsre ( Se 2 436 Freude, unser Lohn und Ruhm, unsers Geistes Weide, unser Eigenthum! 4. Wer kann es beschreiben, was für Luft man spürt, wenn sein sanftes Treiben selbst die Schafe führt. Wenn er seine Beute eingesammelt hat, so sind seine Leute schon vor Freuden fatt. 5. Geht, ihr faulen Schäfer! dient um Lohn und Brod! Schlaft, ihr stolzen Schläfer! predigt kalt und todt! Suchet Ruhm und Schäße, sucht die Gunst der Welt. Laßt uns, unsre Netze sind schon aufgestellt. 6. Wir sind davon trunken, was ihn selbst entzückt. Alles sey versunken, was nach Sodom blickt! Seelen,-ja nur Seelen, Seelen rufen wir zu den Wundenhöhlen, zu der offnen Thur. 7. Macht uns doch schon Eine unaussprechlich froh; werden viele Seine, welch ein Jubilo! Lamm! Lamm! deine Weide faßt sie ohne Zahl. Mach' uns solche Freude Millionenmal! Wdf. 11. September. 255. Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand. Gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Spr. 3, 5. 6. Kann der Herr, der Heiland, nicht eben so über vie le Christen klagen, wie David über seine Nachbarn: Mein ist bey ihnen vergessen im Herzen, wie eines Todten, Pf. 31, 13. der långst aus den Augen und aus dem Sinne ist. Ja, vielen ist er so wenig erinnerlich als einer, der vor 1800 Jahren gestorben ist, und den sie nie gekannt haben. Da heißt es denn auch: Im Tode gedenket man deiner nicht! Ps. 6, 6. Wenn kein Leben aus Gott, sondern der Tod im Herzen ist, so gedenket das Herz nicht an seinen Erlöser; kann es auch nicht. Aber wo der Herr im Herzen lebt, da lebt auch sein Andenken; da denkt man nicht nur an ihn, da lebt man in ihm, da ist das Herz voll Freude über ihn; da schaut es sein holdes Un 437 gesicht, da spürt es feine Nähe, ist entzückt darüber, vergißt aller andern Dinge, und spricht zu ihm: Ich halte dich, ich will dich nicht lassen. Hohel. 3, 4. Ist der Morgenstern aufgegangen im Herzen, so strahlt er immer so ins Auge, daß man seiner nicht mehr vergessen kann; denn er leuchtet Nacht und Tag, und geht niemals unter, wenn wir nicht selbst das Auge von ihm abwenden, oder uns Sand in das Auge werfen; wenn wir unser Gemüth von Dingen rein bewahren, die den Blick auf Ihn verdunkeln, und den Himmel der Seele trüben. Wer ernstlich reines Herzens und selig in ihm seyn will, der weiß wohl auch, daß er ihn nicht einen Augenblick entbehren kann; der wagt keinen Schritt ohne ihn, weil er selbst gerade zu gehen, und im Geleise zu bleiben so wenig vermag, als ein Kind, das jetzt erst geboren ist. Und wer kann leiden ohne Ihn? Je mehr also Leiden auf uns zudringen, desto mehr sollen wir ihn festhalten und nicht lassen; denn jedes Kreuzchen zerdrückt uns und macht uns ganz unglückselig, wenn er nicht in uns ist und die Schwachen stårkt, die Sinkenden aufrichtet, die Verwundeten heilt, die Betrübten tröstet? D meine liebe Seele! halte ihn, und laß ihn nicht, denn ohne ihn ist all dein Glück dahin. Mel. 109. Jesu, meines Lebens Leben. 1. Sesus schwebt mir in Gedanken; Jesus liegt mir stets im Sinn. Von Ihm will ich nimmer wanken, weil ich hier im Leben bin. Er ist meiner Augen Weide, meines Herzens höchste Freude, meiner Seele schönste Zier. Jesum halt' ich für und für. 2. Jesus funkelt mir im Herzen, wie ein goldnes Sternelein; er vertreibt mir Angst und Schmerzen; er ist mein und ich bin sein. Drum ergreif' ich ihn mit Freuden, muß ich einst von hinnen scheiden. Er ist in der Nacht mein Licht. Jesum halt' ich, laß ihn nicht. 3. Jesus soll in allen Leiden mein getreuer Beistand seyn. Nichts, nichts soll mich von ihm scheiden. Nicht der Hölle heiß'ste Pein, keine Trübsal, keine Schmerzen reißen ihn aus 438 meinem Herzen. Ob mir gleich mein Herz zerbricht, Jesum halt' ich, laß ihn nicht. 4. Jesu leben, Jesu sterben, Jesu einzig eigen seyn, und mit Jesu dorten erben, halt' ich für Gewinn allein. Jesu will ich seyn und bleiben, nichts, nichts soll mich von ihm treiben. Laß ich gleich Gut, Blut und Ehr', Jesum laß ich nimmermehr! von 1692. 12. September. 256. Die Reichen müssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgend einem Gute. Der Herr ist nahe bey denen, die zerbrochenes Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagen Gemüth haben. Pf. 34, 11. 19. — Die geistlich Reichen, voll stolzer Einbildung von sich selbst, sind gewöhnlich sehr arm und dürftig an wahren Gütern des Heils, und darben im Geiste des Gemüthes, sind ohne die lebendige Erfahrung des Herrn, ohne seine Liebe, obwohl sie viel davon sprechen können, und Kopf und Mund immer voll haben. Die sich aber arm, elend, dürftig fühlen, und deswegen nichts in ihnen selber, sondern alles in dem Herrn, und nur den Herrn ſuchen, sich in ihrem Gemüthe versammeln, und auf Ihn und seine Gaben warten, die werden immer gesättiget, ge= tröstet, erleuchtet und beseliget. Es kann ihnen nichts fehlen, weil sie Ihn haben. Wie hat, wie bekommt man Ihn? Ein zerbrochenes Herz, ein zerschlagenes Gemüth hat ihn allemal, so oft es ihn will. Ein hochmüthiger Geist, ein aufgeblasenes Gemüth, ein sattes, zerstreutes, leichtsinniges Herz entfernt ihn von sich, oder sich von ihm immer mehr. Willst du ihn? Hättest du ihn gerne immer nahe? Nun so gehe den Weg, auf welchem er den Herzen begegnet; bereite ihm die Herberge, in ein welcher er gern einkehrt und bleibt. Die heißt - zerschlagenes Gemüth, ein zerbrochenes Herz. Aber wie kann ich immer so zerbrochen und zerschlagen seyn? Wem sein Herz nicht bricht, so oft er sich zu Gott nahet, der hat sich seine innere Gestalt des Herzens im Spiegel der Wahrheit noch nie betrachtet. Es ist keine Kunst, sein Herz zerbrechen und sein Gemüth zerschlagen. Man darf sich nur in der wahren Gestalt selbst ansehen mit Augen, die das Lamm giebt, so bricht's von selbst. Und das zieht ihn an, mächtiger als alle Vorkehrungen, Zubereitungen, Dienstleistungen, Geistesübungen u. s. w. Wie! alle Welt weiß nun, kann es wissen, wo er, und wie er zu finden ist, und doch haben ihn so wenige, selbst fromm und erweckt genannte Herzen! Wenn man ihn weit suchen müßte, dürften wir uns allenfalls entschuldigen. Aber im Herzen, so nahe, und in einem zerknirschnicht in einem reichlich begabten, oder geistreichen, sondern in einem zerschlagenen Gemüthe kann man ihn haben. Und doch! und doch! wie fern bist du den Herzen! ten 11 - 439 - Mel. 86. Jch bete an die Macht der Liebe. 1. Wohlan! ich will, was Gott mich lehret! Er zeigt mir ja die kürz'ste Bahn, auf der man sich zu ihm bekehret. Da trifft man Heil und Leben an. Der Freund klopft an, mein Herz steht offen; ich lass ihn ein, so kann ich hoffen. 2. Das will ich thun, was er mich lehret; ich schreie meinen Heiland an; ich weiß, daß er die Stimme höret, und daß er kommen will und kann. Wohlan! so will ich zu ihm treten, und mit zerknirschtem Herzen beten. 3. Das will ich thun! Herr, laß mich finden in mir die selge Traurigkeit, da man die Schuld und Schand' der Sünden vor dir beweinet und bereut. Zerknirsch' mich, daß ich Urmath fühle; denn meiner Sünden sind zu viele! 4. Das will ich thun! mein Herr, ich bitte zerschlag' mein armes, sündig's Herz, bis daß mein Geist und mein Gemüthe verwundet ist von Reu und Schmerz! bis daß ich dich im Herzen spüre; du gehst nur durch die enge Thüre. 5. Das will ich thun! mein Heil, ich liebe, und fasse dich mit Glaubenskraft, bis daß dein Geist die reinsten Triebe und neues 440 Leben in mir schafft! bis daß er mir Versichrung schenket, und ganz mich in dein Herz versenket. 6. Das will ich thun! ich bitt', Herr, stårke mit deiner mächtgen Gnade mich, daß mein zerbrochnes Herze merke, du giebst zerschlagnen Herzen dich, daß ich dich hier und einst dort oben mit allen Engeln möge loben. 13. September. 257. Uleber ein Kleines werdet ihr mich nicht se ben, und abermal über ein Kleines werdet ihr mich sehen. Wenn das Kind geboren ist, gedenkt( die Mutter) ihrer Wehen nicht mehr. -Joh. 16, 16-21. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Jes. 54,7. - - Wie der Heiland seine Jünger führte, so führt er alle seine Lieben, die ihm von ganzem Herzen anhangen, und sich unbedingt von ihm führen lassen;( denn die sich selbst führen, gehen ihre eignen Wege, und kennen den Weg des Herrn, den Weg des Friedens nicht.) Sie was ren immer selig und wie im Himmel, wenn sie ihn sahen und in ihrer Mitte hatten. Aber Traurigkeit erfüllte ihr Herz, wenn sie ihn aus den Augen verloren. Desto mehr erhöhte sich ihre Freudigkeit, als sie ihn, nachdem sie ihn schon ganz todt und verloren glaubten, wiedersahen. So führt Jesus noch die frommen, innigen Seelen; er offenbart sich ihnen eine Weile in großer Freundlichkeit, und sie sind dabey wie im Himmel; er entzieht sich ihren innern Augen wieder, und sie sind wie in der Hölle, in der größten Trostlosigkeit. Er kommt wieder; ihr Himmel wird noch schöner und herrlicher, und immer schöner und immer herrlicher, je öfter er sich wieder dem Herzen mittheilt und seine Nähe und Freundlichkeit offenbaret. Aber auch ihre Hölle, ihre Traurigkeit, ihr Schmerz wird immer größer, peinlicher, 441 je öfter er sich verbirgt und sie nicht wissen, nicht glauben können, daß sie ihn wiederfinden, wiedersehen werden. Warum wollen sie das nicht wissen? hat er es doch selbst gesagt: Ueber ein kleines werdet ihr mich wiedersehen und euch freuen?- Das glaubt und hofft die arme Seele wohl, aber nicht so lebendig und freudig, daß sie den Schmerz seiner scheinbaren Abwesenheit nicht fühlte. Und den muß sie auch fühlen, als Geburtsschmerzen der höhern Freuden, die ihr bereitet sind. Müssen doch jeder Geburt Schmerzen vorangehen und sie begleiten. Sollte die Seele, in der Christus, das beste, das einzig wahre ewige Leben, geboren werden und eine Gestalt gewinnen soll, nicht Wehen bey dieser seligsten und glücklichsten Geburt empfinden? Der Gekreuzigte kann nicht ohne Kreuz in dein Herz verpflanzet, der Mann der Schmerzen nicht ohne Schmerz dein werden. Mel. 119. Gott, unser Gott, wir danken. Oder: Wie schön leucht't uns der. 1. O Gottes Sohn von Ewigkeit, wie selig war dieselbe Zeit, da man dich hat gesehen! Ihr Augen voller Herrlichkeit! Ihr Ohren voller Lieblichkeit, wie wohl ist euch geschehen? Viele, viele Majestäten und Propheten wollten schauen, was die Jünger konnt erbauen. 2. Doch war nur eine kleine Frist, daß solches Licht erschienen ist im Fleisch und Wunderblicken. Bald, sprach der Herr, bald wird es seyn, so wird euch nicht mehr dieser Schein durchs Angesicht erquicken. Ein klein Stündlein muß ich scheiden und viel leiden, und entschlafen; ich trag' eurer Sünden Strafen. 3. 3war ist er drauf erstanden bald in schöner Klarheit und Gestalt, war vierzig Tag' auf Erden. Doch dann sollt' ihnen abermal der freudenvolle Sonnenstrahl hinweggenommen werden. Selig ewig, die nicht sehen, doch bestehen fest im Glauben! Diesen Trost kann niemand rauben. 4. Drum, liebe Seel', ermuntre dich, dein Jesus bleibt unsichtbarlich, er ruht in deinem Herzen! Ey! hûte dich vors Teufels Strick, es ist ein kleiner Augenblick, so wirst du mich verscherzen. Mit mir, in dir, sollst du kämpfen; ich will dampfen alle Sünden, Welt und Satan überwinden. 442 5. Allein wie kommt's, Herr Jesu Christ, daß du mir oft so ferne bist mit deinem Licht im Glauben. Wie mancher Seufzer flieget aus, und bringt kein Dehlblatt mir zu Haus, wie Noah seine Tauben? Stille, Wille, laß dein Girren und Verwirren, mein Vertrauen muß auf Gott ohn' Fühlen bauen. 6. Ein Weib, wenn sie gebåren soll, befindet sich der Schmers zen voll, und weiß von keiner Freude. Bald, wenn der Mensch zur Welt gebracht, gedenkt sie nur an Gottes Macht, und weiß von keinem Leide. Warum? Darum, daß die Plage, Ungst und Klage unterm Sagen edle Früchte hat getragen. 7. So ist der Glaube manches Mal in großer Noth, in Furcht und Qual, und klagt, man sey verlassen. Halt im Gedächtniß Jesu Tod und dessen wundergroße Noth, der schreiet gleichermaßen. Blinder Sünder, der da meinet, wenn man weinet, Gott sey ferne. In der Nacht gehn auf die Sterne. 8. Durch solche Weg' geht Christus hin, und lenket feines Baters Sinn, wie er vorhin gegangen. Ein Kleines läßt er sich nicht sehn, wird aber in dir auferstehn; er hålt sich nur gefangen. Auf! auf! Sein Lauf ist die Sonne, meine Wonne; nichts denn Segen folget mir auf diesen Wegen. 9. Und sollt' ich mit der Kreuzgestalt, die du, mein Heil, ge tragen, bald bis in den Tod dich ehren; so ist's doch ein geringes Nu, darauf mir bald, bald folget Ruh' in Freuden ohn' Aufhören. Endlich werd' ich Jubilate und Cantate fröhlich fingen. Drum will ich nur tapfer ringen. J. J. Breithpt. 14. September. 258. Gott hat uns nicht gesetzt zum 3Jorn,( zur Verdammniß), sondern die Seligkeit zu besigen durch unsern Herrn Jesum Christum. 1 Theff. 5, 9. Wir müssen Gott danken allezeit, daß uns Gott erwählet hat zur Seligkeit durch Heiligung des Geistes, und den Glauben an die Wahrheit. 2 Theff. 2, 12. Seligkeit, Seligkeit hat uns Gott zugedacht von Ewigkeit. Wer kann dafür genug danken? Aber worin besteht diese Seligkeit? In keinem bloßen Wahn. Der Heiland erklärt es uns Matth. 5, 3-11, worin die 443 wahre Seligkeit bestehe. Man průfe seine Seligkeit an diesem åchten, untrüglichen Prüfstein. Es ist auffallend, daß der Heiland die Seligkeit der Kinder Gottes auf Erden ganz in Widerspruch setzt mit der gepriesenen Glückseligkeit der Welt. Armuth, Hunger, Leidwesen, Verfolgung, ein reines Herz, sind Dinge, die die ganze Welt unglücklich machen; und die Kinder Gottes machen eben diese Dinge selig. Ein Reicher kann im Reiche Gottes nicht selig werden, wenn er nicht arm im Geiste wird, wenn er nicht sein ganzes Herz von allem zeitlichen und geistlichen Reichthume losreißt, und arm und dürftig zu Jesu flieht, um seiner unerforschlichen Reichthümer der Gnade theilhaftig zu werden. Ein Satter, Glücklicher, Ueppiger kann nicht selig in Gott werden, wenn er nicht alle seine Wollüste verleugnet, und hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, die Gott durch Jesum Christum darreicht im Glauben. Ein lustiger leichtsinniger Sünder kann nicht selig werden, wenn er nicht trauert und Leid trågt über sein lustiges Leben, und die Freude und den Frieden in Christo sucht. Ein Wüstling, dessen Gemüth von allerley Lüsten erfüllt ist, kann nicht selig seyn, wenn er nicht alle unreine Begierden, die er durch Fleisches Lust, oder durch Rache, oder durch einen andern sinnlichen Genuß zu befriedigen sucht, aus seinem Herzen verbannt, und seine einzige Lust nur in Christo und der Gemeinschaft mit ihm sucht. Zu dieser Seligkeit sind wir berufen, die in der Armuth des Geistes, im Hunger nach Gerechtigkeit, und in einem Herzen, das der Welt, der Sünde gestorben ist, allein zu Hause ist, und nur durch das Anhangen an Christum im Glauben zu finden ist; der der Urheber unsrer wahren Seligkeit geworden ist; der arm ward, damit wir durch seine Armuth reich würden; der hungerte und durstete, um uns zu sättigen; der statt der himmlischen Freude, die ihm zu Gebote stand, das Kreuz erduldete, damit wir durch seinen Schmerz zur wahren Seligkeit gelangen möchten. 444 Mel. 95. Das ist unbeschreiblich. 1. Eelig, die da dürsten nach Gerechtigkeit; von dem Himmelsfürsten ist ihr Ehrenkleid. Schnöde Sündenwerke hab' ich viel von mir; zu dem Guten Stärke kommt nur, Herr, von dir. 2. Selig sind die Armen, ihnen ist das Reich; göttliches Erbarmen macht sie Jesu gleich. Die ihr Nichts erkennen, sie sind hochbegabt; die von Sehnsucht brennen, werden sanft gelabt. 3. Selig find die Reinen, denn sie schauen Gott. Aber die nur scheinen, trifft am Ende Spott. Herr, ich durst' und darbe, wahrhaft rein zu seyn; deines Blutes Farbe macht mich hell und rein. 15. September. 259. Wie hat doch der Herr die Leute so lieb! 5 Mof. 33, 3. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist: der die Sünde vergiebt, und erlässet die Missethat. Er wird alle unsre Sünde in die Tiefe des Meeres werfen. Mich. 7, 18. 19. Der niemand Unrecht gethan hat. Aber der Herr wollte ihn so zerschlagen. Durch sein Erkenntniß wird er, der Gerechte, viele ge recht machen; denn er trågt ihre Sünden. Jes. 53, 9-11. 1 - - Das unbegreiflichste und anbetungswürdigste aller Wunder ist die Liebe Gottes in Christo, auf die wir immer wieder zurückkommen, bey der wir immer stehen bleiben sollen; die uns alle Tage neu werden muß. Moses wunderte sich schon: Wie hat doch der Herr die Leute so lieb! die es doch so gar nicht verdienen. Er kannte das hartnäckige Volk, und sah, wie sehr Gott sie liebe. Wenn er nun aber vollends den Sohn Gottes am Kreuze in Blut und Wunden, zerschlagen und gemartert, ja als wie von Gott zerschlagen, erblickt hätte, wie würde ihm geworz den seyn? Es beleidigt die weichen, gebildeten Ohren 445 unsrer Zeitgenossen, wenn die Schrift sagt: Der Herr hat seinen Sohn geschlagen und gemartert. Ich weiß ihnen aber nicht zu rathen; denn mich dünkt es schön, wenn gleich unerforschlich, daß Gott den Gerechten für die Ungerechten zerschlug, nicht um des Schlagens und Plagens willen: sondern, daß er viele gerecht machte, duß er Saamen habe, und die Fülle habe, daß er eine große Menge zur Beute erhalte; daß wir alle Sein würden. Darum hat Gott ein so großes Opfer gebracht, daß er den, der ihm der Liebste und Wohlgefälligste war, wie im Zorn behandelte, um die, welche ihn haßten, und die seinen Zorn verdient hatten, zu gewinnen, und von Gericht und Zorn zu befreien. Laßt uns dieses Wunder der Liebe nicht erforschen, denn dies können wir nicht, sondern genießen; das sollen und können wir mit Gottes Gnade. mel. 9. Jesus Christus blick dich an. Oder: Christus, der uns. 1. Ich erwåg' es oft und viel, was dich doch getrieben, uns ohn' alles Maaß und Ziel, wie du thatst, zu lieben; daß du Angst, Gewalt und Noth, Schläge, Hohn und Banden, Låsterung und Kreuz und Tod willig ausgestanden. 2. War es unsre Würdigkeit? Nein, des Vaters Güte, deines Herzens Freundlichkeit, und dein treu Gemüthe, das hat dich ans Kreuz gebracht, daß kein Mensch verzagte, wenn der Sünden Meng' und Macht die Gewissen nagte. 3. Welch ein wunderbarer Rath, den man nie ergründet! Welche unerhörte That, als man nirgend findet! Sünden, deren Gott zum Hohn, Menschen sich erfrechen, die läßt Gottes eigner Sohn, an sich strenge rächen. 4. Herr, dein Friede sey mit mir; und auf mein Gewissen, wenn es zaget, laß von dir Trost und Freude fließen! Jesu, meiner Seelen Hort! treib durch deine Schmerzen alle Seelenangst hinfort fern aus meinem Herzen. 5. Laß mich, wenn ich dich erblick", sobald Gnade finden, als mein banges Herz erschrickt, über Straf' und Sünden. Sieh', ich fall' zerknirscht von Neu', mit wahrhaftger Buße und dem Vorsatz beßrer Treu', Jesu, dir zu Fuße. 6. Nun ich weiß, worauf ich bau', und bey wem ich bleibe, wessen Fürsprach' ich vertrau', und an wen ich gläube. Sesu, 446 du bist es allein, welcher mich beschirmet, wenn gleich alle Höllenpein meinen Geist bestürmet. H. Held. 16. September. 260. Der Geist( Gottes) ist in den( demüthigen) Leuten. Ziob 32, 8. Betrůbet nicht den heilis gen Geist Gottes, womit ihr versiegelt seyd auf den Tag der Erlösung. Eph. 4, 30. Jhr aber seyd nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn anders der Geist Gottes in euch wohnt. Rom. 8, 9. Geistloser ist kein Mensch, als der Stolze. Den Demüthigen nur giebt Gott seine Gnade und seinen Geisſt: den Stolzen widersteht er, denn sie haben des Satans Geist. Werdet voll heiligen Geistes! heißt also: werdet recht demüthig; beuget euch recht tief vor Gott in euren Herzen, so neigt er sich zu euch herab, und erfüllt euch mit seinem Geiste. Das ist das Geheimniß aller Geheimnisse, das die Einfältigen wissen, das den Stolzen verborgen ist. Sie sind ohne Geist, also ohne wahres Licht, und lernen nie, obwohl sie immer lernen, was ihnen zum Frieden dient. Wer aber den heiligen Geist besitzt, der bewahre ihn auf dem Wege, auf dem er ihn erlangt hat. Noch tiefer beuge er sich unter andere, je mehr ihn Gott durch diese große Gabe über andere erhöht hat. Nichts betrübt und vertreibt den Geist so leicht von uns, als Selbsterhebung oder Selbstgenügsamkeit, wenn man nicht achtet auf seine Stimme, nicht gehorchet seiner Führung. Man kann vom Geiste leicht wieder ins Fleisch herabsinken, aus einem geistlichen ein fleischlicher Mensch werden, wenn man nicht mit Treue und Demuth im Geiste wandelt. Ihr Kinder Gottes, die ihr vom Geiste Gottes getrieben werdet, weil ihr ihn in euch habet, v bewahret dieses unvergleichbare Gut; die Welt kann euch 447 nicht mehr schaden, als wenn ihr euch den Geist nehmen oder auslöschen lasset. Betet unablässig um den heiligen Geist; bleibet beståndig in seiner Gemeinschaft, und lasset euch von ihm wie Kinder leiten, strafen, lehren, trösten und bewahren. mel. 9. Jesus Christus blick' dich an. 1. du Geist der Herrlichkeit! Geist der Kraft und Liebe, schenk' uns jetzt und allezeit deine selgen Triebe!- Sünder sind es zwar nicht werth, daß sie dich verlangen; doch wer dein mit Ernst begehrt, soll dein Licht empfangen. 2. Denn des heilgen Lammes Blut ist für all geflossen; darum wirst du, höchstes Gut, reichlich ausgegossen.- Da dein Volk versammelt war mit Gebet und Flehen, hat man an der ganzen Schaar deine Kraft gesehen. 3. Gläubig, fröhlich und entbrannt, und im Geist verbunden, machten sie der Welt bekannt, was ihr Herz empfunden.- Flamm' uns auch so brünstig an, fülle uns mit Segen, daß ein jeder fühlen kann, du, Herr! seyst zugegen. 4. Reden, Schweigen, Bitten, Flehn, ja des Herzens Denken, laß in deiner Kraft geschehn und nach deinem Lenken. Laß des eignen Geistes Kraft ganz zu Schanden werden. Denn was dieser in uns schafft, macht uns nur Beschwerden. 5. Stiller Geist! du sanfter Wind! deiner harrt der Glaube zuversichtlich wie ein Kind, niedrig als im Staube.- Mach uns deines Heils gewiß, wie dein Volk begehret, frey von aller Finsterniß, in dein Bild verklåret! 6. Feu'r des Himmels, zünd' uns an, daß die Liebe brenne, daß dein Volk für Einen Mann muthig streiten könne.- Bes ten wir, so rufe du unsers Vaters Namen! Sprich dem Her zen göttlich zu! Sprich in uns das Amen! Wdf. 17. September. 261. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; er ist zu meiner Rechten, darum werde ich wohl bleiben. Pf. 16, 8. Der 3weifler gleicht einer Meereswoge, die vom Winde hin und her getrieben wird.- Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen. Jak. 1, 6. 8. Thut als 448 les ohne Murren und ohne Zweifel. Phil. 2, 14. Des Glaubens Gift, Pestilenz und Tod sind Wankelmuth und Zweifel, die aus einem unbeständigen, schwankenden Gemüthe kommen, das gerne zweifelt, nicht, weil es angefochten wird, sondern weil es die Wahrheit nicht liebt, und die Zweifel selbst erkünstelt. Wenn Zweifel nur Anfechtungen sind, und auch öfter kommen, sind sie nicht anders zu achten, als Mücken, die man wegs schlågt. Wenn aber das Herz selbst sie aufsucht und freis willig hegt, dann ist es um den Glauben geschehen. Ein solcher Mensch hat der ernsten Buße und Aenderung seines Sinnes nothig; muß von vorne anfangen und um ein neues Herz bitten. Sind Zweifel Versuchungen des Satans, der einen mit hundert Bedenklichkeiten verzagt machen will, indem er das Auge in die Zukunft führt, dem verzagten Herzen nur seine Schwäche, nur die Gefahren, nicht die Kraft und Gnade Gottes zeigt: so wird weiter nichts erfordert, als daß du dein Ohr vom Lügenredner abwendest, und zu Gott und Gottes Wort hinkehrest, welches dir Muth und Trost einspricht, und den Schwachen Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden vers heißt. Vertrauen auf den, der mächtig ist in denSchwachen, ist der Schild, womit man alle Anfechtungen zur Kleinmuth und Verzagtheit überwinden kann. Ein Blick auf Christum am Kreuze, der nun einmal für uns gelitten, uns zu sich gezogen, und bisher viele Gnaden erzeigt hat; ein Glaubensblick auf den treuen Hirten, der die Lämmer trågt, das Schwache stårkt, das Verwundete verbindet, schafft Muth und Freudigkeit, und alle Zweifel müssen weichen. Der in dir anfing, wird auch voll enden das gute Werk der Erlösung und Heiligung. Er hat vorausgesehen, wer und wie schwach du bist, und hat doch angefangen. Deine Schwachheit ist es nicht, die ihn hindert, dich selig zu machen; dein Wille und dein 449 Unglaube allein können ihn hindern, wenn du nicht ernste lich willst, ihm nicht unbedingt vertraust, nicht auf Gnade und Ungnade dich ihm hingiebst, nicht ohne Vorbehalt sein seyn willst. mel. 106. Jefum über alles. Oder: Freu dich sehr, o m. S. 1. Uch die zweifelnden Gedanken: ,, Werd' ich treu und standhaft seyn? Werd' ich siegen oder wanken? Wank' ich, wird mir Gott verzeihn?" Dieser Zweifel sind so viel, diese suchen, Gott! das Ziel deines Rufes meinen Blicken zu verdunkeln, zu entrücken. 2. Die Versucher meiner Seele sagen: Fruchtlos, thöricht sey's, daß ich fromm zu seyn mich quale, allzu hoch des Glaubens Preis; ja so blumicht ist, so breit nicht der Weg der Seligkeit, wie der ebne Weg der Lüste, ist nur Dornenpfad der Wüste. 3. Aber du haft auch gelitten, o mein Heiland! nicht für dich; einen harten Kampf gestritten, der Versuchung Kampf für mich. Meine Hülfe sey denn du! Gieb der müden Seele Ruh'! Was du hassest, will ich hassen; du, du kannst mich nicht verlassen. 4. Weicht denn, zweifelnde Gedanken: ,, Werd' ich treu und standhaft seyn? Werd' ich siegen? Werd' ich wanken? Wank' ich, wird mir Gott verzeihn?" Mein versuchter Heiland giebt Hülfe jedem, der ihn liebt, giebt mir heilige Gedanken, Muth und Stärke, nicht zu wanken. Crmr. 18. September. 262. Herzlich lieb habe ich dich, herr, meine StårEe. Pf. 18, 2. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist die Liebe- und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. 1 Joh. 4, 8. 16. Du sollst Gott, deinen Serrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele zc. Matth. 22, 37. Willst doch du nicht nur mit der Zunge, nicht nur mit Worten, sondern mit der That, und von Herzen geliebt werden von deinem Bruder, von deinen Kindern F f 450 und Freunden! Und Gott sollte mit deiner Lippen- oder Zungen- Liebe, die keine Liebe, sondern nur eine klingen= de Schelle ist, vorlieb nehmen? Nein, wer die herzliche Barmherzigkeit Gottes, die Liebe und Gnade Christi kennt, die sich ganz für uns geopfert hat, mit Leib und Seele, mit allen Kräften, der besinnt sich keinen Augenblick, sein ganzes Herz, Leib, Seele und alle Kräfte der Liebe Gottes und Jesu Christi so vollkommen hinzugeben, daß er nichts für sich übrig behålt; daß er ganz seines Gottes und Heilandes ist, ihm lebt und stirbt, seiner selbst vergißt, sein Ich ganz aus dem Auge und Andenken verliert, und voll Gottes, voll seines Heilandes wird, Ihm, nur ihm athmet, geht und steht, wacht und schläft, arbeitet und ruht... Es ist auch nicht der Lohn, nicht die Süßigkeit und Lieblichkeit, die die Liebe schon mit sich führt, oder künftig verheißt; es ist nichts anderes, weder Furcht noch Hoffnung, weder Strafe noch Lohn, weder Schaden, noch Gewinn- was die Liebe treibt und be lebt es ist nur Liebe, reine Liebe, was die Liebe lieben macht. Es ist die innere Schönheit, Herrlichkeit, Güte, Unvergleichbarkeit und Liebenswürdigkeit Gottes und Jesu Christi, was die Seele zur Liebe erweckt, in der Liebe erhält und immer mehr erhöht, je mehr sie Ihn kennen lernt, je mehr sie ihn lieben lernt. Denn ihr Aus ge ist immer auf Ihn gerichtet, sie ist immer in Gott, und Gott in ihr; sie wohnt immer in Christo, und Christus immer in ihr- sie schauen einander immer an- und werden dadurch immer mehr in Liebe gegen einander entzündet.- Die Liebe wächst; so wie das Anschauen, die Erkenntniß des Geliebten, der Blick auf die Liebenswürdigkeit des Geliebten zunimmt. Darum sagt Johannes so wahr: Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe die Liebenswürdigkeit- wer ihn kennt, muß ihn lieben; ein Blick auf Gott, auf Chris stum ist hinreißend zur Liebe; die Seele kann nicht mehr - - - 451 anders, sie muß ihn lieben; er ist zu schön, zu lieblich; sie wüßte nicht, wie sie es machen müßte, um ihn nicht zu lieben. Mel. 22. Es kam die gnadenvolle. Oder: Die Seele Chrifti heilge mich. 1. Ich liebe dich, mein Herr und Gott! dein bin ich lebend und auch todt. Frey seyn begehr' ich nicht ohn' dich; dir unterwerf ich gånzlich mich. 2. Nimm mein Gedächtniß und es lenk', daß es an dich allein gedenk'; nimm den Verstand, gieb ihm das Licht, daß dir zur Ehr' er alles richt't. 3. Mein Will' sey dein, und deiner mein; denn dein und mein soll Ein Will' seyn. Was du willst, das gefällt auch mir; Nichts will ich, was mißfället dir. 4. Nimm hin, o Herr, dein ist die Gab'- was ich nur bin, und was ich hab'! Mach' du damit, wie dir's gefällt; dir sey es völlig heimgestellt! 5. Nur deine Gnad', nur deine Lieb', o Gott, mein Herr! dagegen gieb! Mit der will ich zufrieden seyn, wenn ich nur dein bin, und du mein. 6. Ich lieb' dich, Herr, doch nicht darum, daß ich durch Lieb' in Himenel komm'; nicht, weil dort in der Höllenpein, die dich nicht lieben, strafbar seyn. 7. Du, Herr, bist ja wohl liebenswerth, für mich traf dich das Racheschwerdt. Sollt' ich denn nun nicht lieben dich, der du so theu'r erkauftest mich? 8. Wenn schon kein' Holl', noch Himmel wår', ich doch zu lieben dich begehr', umsonst, um Nichts! gleichwie du mich, o Gott, geliebt, so lieb' ich dich. 9. Dich lieb' ich jetzt, auch bis in Zod, nur drum, weil du mein Herr und Gott; weil du mein Heiland, und ich dein, wird Lieb' auch dort mein Erbe seyn. M. Gejer. 19. September. 263. Denn aus Gnaden seyd ihr selig geworden, durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Ephef. 2, 8. 9. Ff2 452 Es ist nichts leichteres als selig werden, und doch können die wenigsten Menschen dazu kommen. Wenn ein verschuldeter Mensch im Thurm frågt: Wie kann ich Schuld- und Banden- frey werden? und man sagt ihm: " Der Mann, dem du schuldig bist, ist der beste Mann, klage ihm deine Noth, beuge dich vor ihm, gieb ihm gute Worte, bitte ihn, so schenkt er dir alle deine Schulden, segt dich in Freiheit und beschenkt dich obendrein mit großen Reichthümern;" so wird er glauben, und das, was er zu thun hat, nicht nur gerne thun, sondern fagen: Ist's nur das? das ist ja so viel als nichts, das kann ich ja leicht thun. Und ist es geschehen, und er frey und reich gemacht, so wird ihm ja der unsinnige Ge danke nicht einfallen: Ich habe mir meine Freiheit verdient, sondern er wird ewig bekennen: Ach, mein gnädiger Herr hat mir aus lauter Gnaden und umsonst alles vergeben und mich noch reichlich dazu beschenkt! Wie kann ich ihm genug danken? So denken, so handeln die Menschen im Zeitlichen. Aber im Geistlichen, mit ihren Sundenschulden und mit Christus wissen sie gar nicht umzu gehen. Das leichteste Ding von der Welt wird und ist ihnen das schwerste, wenn sie es thun sollen, und haben sie es gethan, so machen sie das größte Werk und Verdienst daraus; als hätten sie die Seligkeit verdient. Nun sagt Paulus in den obigen Worten freilich nicht, daß man nichts zu thun habe um selig zu werden; sondern nur, man soll, wenn man selig geworden ist, es nicht seinen Werken und seinem Thun zuschreiben, sich nicht rühmen, als hätte man es mit seinen Werken verdient. Thun, wirken mußt du allerdings alles, was du mit der zuvorkommenden Gnade kannst: Weinen, beten, seufzen, flehen, harren, ringen, und was dich der gute Geist, der dich zur Buße und zum Glauben leitet, lehrt; aber wenn du es gethan hast, es so wenig achten, und rühmen, als wenn du nichts gethan hättest, und dir die Seligkeit nicht 453 um dieser Werke willen, sondern lauter umsonst und aus Gnaden geschenkt sey; denn was du gethan hast, ist auch seine Gnade und sein Werk in dir. So ist ja alles sein, und dir bleibt Nichts als Gnade. 1 Mel. 10. Mein Jesu, sey gegrüßet. Oder: Wach' auf, mein Berz, und singe. 1. Wenn ich zum Richter trete, und um Vergebung bete, so trau' ich nicht auf Weinen, auf Flehn und redlich meinen. Ich danke Gott fürs Weinen, und für das redlich meinen, denn er hat mir's gegeben, es zeuget schon von Leben. 2. Er zählet auch die Thränen; er hört das bange Sehnen; er sammelt alle Bitten, und wird sie nicht verschütten. Sein Werk muß ihm bey allen von Herzen wohlgefallen. Und wer es nicht empfindet, der ist noch nicht gegründet. 3. Allein, was mich verfühnet, was mir zum Frieden dienet, ist nur das Blut des Lammes, die Frucht des KreuzesStammes. Er ist der Stuhl der Gnade, die güldne Bundeslade, die, vom Verdienst erfüllet, den Durst des Glaubens stillet. 4. Drum ist mein erstes Denken, mich da hinein zu senken, hinein in Jesu Wunden, bis ich sein Herz gefunden.- Da find' ich viel Vergeben, das giebt mir neues Leben, die Sünde zu verlassen, mich und die Welt zu hassen. 5. Wenn ich für meine Sünde so reiche Gnade finde, da wird mein Herz getaufet; es lebt, steht auf und laufet.- Es lebt, es liebt, es brennet, wenn man ihm Jesum nennet. So hab' ich in den Wunden die Seligkeit gefunden. Wdf. * - 20. September. 264, Ich sage euch, meinen Freunden: Sürchtet euch vor denen nicht, die den Leib tödten 2c. Luk. 12, 4. Er schämet sich nicht, sie seine Brüder zu nennen. Hebr. 2, 11. Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Sleische, von seinem Gebeine. Eph. 5, 30. Und nun spricht der, der dich geschaffen hat:- Sürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset; ich habe dich bey deinem Lamen gerufen; du bist mein. 454 So du durchs Wasser gehest, will ich bey dir seyn- so du durchs Seuer gehest, sollst du nicht brennen. Jef. 43, 1. 2. Was kann der Liebe gleichen? Er nennt uns Freunde, Brüder; er sagt zu jedem: Du bist mein! Er will in Feuer und Wasser bey uns stehen. Wir sind seines Leibes Glieder, von seinem Fleisch, von seinem Gebein! Seele, wiederhole es dir siebenmal, und siebenzig siebenmal, und freue dich jedesmal inniger und herzlicher, und schöpfe daraus, was du nur kannst. Welcher Bruder nimmt sich seiner Brüder nicht brüderlich an? Welcher Mensch sieht nicht auf seine Glieder, auf sein eigen Fleisch und Bein vor allem andern? Was sollen wir fürchten, da wir einen solchen erhabnen Freund und Bruder haben, ein solches Haupt? Wo ist dein Vertrauen? dein Glaube? deine Liebe zu diesem großen und doch herablassenden Bruder? Stehst du in so engen, brüderlichen, Freundschaftlichem Bunde des Herzens mit ihm? Ist er dir wirklich, was er dir seyn will, und kann? Läßt du es ihn seyn? Un ihm fehlt es gewiß nicht. Erfährst du ihn nicht also; o so erbarme dich deiner, und verscherze nicht einen Augenblick långer dieses unaussprechlich große Glück; versäume nicht diese unschätzbare, einzige Gnade, Gott in der Höhe zu deinem Freund und Bruder zu haben, seine brüderliche, freundschaftliche Liebe zu genicßen? Unter allen deinen Lieben sey Er dir der Liebste, unter allen deinen Freunden Er der Erste, Höchste und Beste. Er will sich dir ja geben, so nimm ihn doch! Eigne Mel. 118. Oder: Ich habe mich ihm ganz ergeben. 1. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich steige aus der Schwermuthshöhle, und eile deinen Armen zu; da muß die Nacht des Trauerns schei den, wenn mit so angenehmen Freuden die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden, wer wollte nicht vergnüget werden, der in dir suchet Ruh' und Lust? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen; es sey also, ich trau' 455 ihr nicht, will sie gleich Liebe mir erweisen mit falschem freundlichen Gesicht. In dir vergnügt sich nzeme Seele; du bist mein Freund, den ich erwähle; du bleibst meiri Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, weil in den stärksten Unglückswellen mir deine Treu' den Anker reicht. 3. Will mich des Mosis Eifer drücken, blitzt auf mich des Gesetzes Weh! Droht Straf und Hölle meinem Rücken, so steig' ich glaubig in die Höh', und flieh' in deine offne Wunden; da hab' ich schon den Ort gefunden, wo mich kein BannStrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen; du bist mein Heil! Wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, ich folg' und lehne mich auf dich; du nåhrest aus den Wolkenbrüsten, und labest aus den Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, sie enden sich in Lieb' und Segen. Genug, wenn ich dich bey mir hab'. Ich weiß, wen du willst herrlich zieren, und über Sonn' und Sterne führen, den führest du zuvor hinab. 5. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen! so wohl, wenn ich mich lehn' auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen; denn du, mein Gott, beseligst mich. Laß diese Ruh' in dem Gemüthe, nach deiner unbegrenzten Güte, das Vorgefühl des Himmels seyn! Weg Welt mit allen Schmeicheleyen! Nichts kann, als Jejus, mich erfreuen. O reicher Trost: Mein Freund ist mein! Ch. Dessler. 21. September. 265. Die Eltern brachten das Kind Jesu in den Tempel.- Gingen alle Jahre nach Jerusalem. Luk. 2, 27.41. Dann brachten sie Kinder zu ihm, daß er sie berühren möchte. Er sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn Solcher ist das Himmelreich. Marc. 10, 13. 14. Das schöne Beispiel der Eltern Jesu, die Jesum als Kind in den Tempel brachten und als Knaben mit nach Jerusalem auf das Fest nahmen; das Beispiel jener 456 frommen Mütter, die ihre Kinder zu Jesu brachten, daß er ihnen die Hände auflegte und sie segnete, ist ein rechtes Hand- und Hausbuch für Eltern zur Erziehung der Kinder. Sie könnten daraus alles lernen, wie sie es anfangen sollen, um ihre Kinder gut und selig zu machen. Führet sie zu Jesu, bringet sie in den Tempel der Wahrheit und Liebe; opfert sie Gott, leget sie mit Gebet und Flehen dem Heiland ans Herz, denn er drückt sie wirk lich gern an sein Herz. Man konnte ihm keine größere Freude machen, als wenn ihm fromme Eltern ihre Kinder brachten, sie zu segnen. Wie dort, so jetzt. Er ist derselbe. Das Nichtsehen macht in dieser Sache nichts. Der Kinderfreund ist, lebt und segnet ungesehen eben so, wie dort, wo man ihn sah. Seine Freude ist gleich groß, wenn du, liebe Mutter, lieber Vater, ihm dein Kind im Gebete zuführst, es ihm ans Herz legst und glaubest: Nun fegnet er's, nun legt er ihm seine durchbohrten Hände auf, nun drückt er es an seine himmelvolle Brust; nun strömt Segen und Friede, Geist und Leben aus seiner Fülle in die kleine Kinderseele. Siehe, so geschieht dir, wie du glaubst; deine Kinder werden gesegnet seyn und bleiben, wenn du es nicht an Ermahnungen, an Handleitung und Belehrung zum Guten fehlen läßt. Der Heiland hat den Kindern das Himmelreich beschieden und geradezu verheißen: Solcher ist das Himmelreich. Das sollen Eltern bedenken, daß sie an ihren Kindern Bürger des Himmelreichs vor sich haben, über welche sie wachen sollen, wie Engel Gottes, daß sie dieselben nicht dem Himmel rauben und der Hölle überliefern. Die unfreundlichen Jünger wiesen unfreundlich die Mütter mit ihren Kindern ab, und wollten sie nicht zu Jesu lassen. Ein Bild unsers Zeitalters, das die Kinder nicht zu Gott, nicht zu Christus lassen will; sie verstehen's nicht; heißt es; es ist zu früh. Nein, sagt Jesus; die sollen zu mir kommen, wehret ihnen nicht ich und die Kinder, wir ge - 457 hören ganz besonders zusammen Ich bin vom Himmel gekommen, und ihrer ist das Himmelreich; sie sind meine liebsten Reichsgenossen. Selig sind die Eltern, die das fassen und darin leben. mel. 85. O, daß ich tausend 3. Oder: Wer nur den lieben. Gott laßt walten. 1. Der Herr hat euch ein Wort zu sagen, die seiner Låmmer Hüter sind. Wollt ihr sie nicht zu Jesu tragen; er fodert doch ein jedes Kind, als ein euch anvertrautes Pfand gewiß einmal von eurer Hand. - 2. Habt ihr das Wort noch nicht vernommen, das er zu euch besonders spricht: Laßt eure Kindlein zu mir kommen! was macht ihr? wehret ihnen nicht! Für sie gehöret Gottes Reich. Kommt, werdet selbst erst Kindern gleich! 3. O hört's, der Herr bedarf der Kinder, der Lust für seine Herzlichkeit. So eilet doch zu nichts geschwinder, als daß ihr sie ihm alle reicht. Ja werdet selber arm und klein, und laßt ihn erst zu euch hinein! 4. Wollt ihr das wieder niederreißen, was man an zarten Kindern baut? Wollt ihr der Kinder Mörder heißen, die Gott euch heilig anvertraut? Ein unerträglich Wehe trifft, wer Uergerniß an Kindern stift't. 5. Wollt ihr sie bey dem Wissen lassen und stehlet ihnen Sesus Sinn? Ihr lehrt sie grobe Sünden lassen, und führet sie zum Eitlen hin. Das heißt doch sie der Welt erziehn, weil sie das Herz dem Herrn ent- ziehn. 6. Ihr heißt fie fromm und selig werden, und wißt selbst nicht, was Gnade thut; so åndern sie sich in Geberden; allein ihr Herz wird niemals gut. Sucht selbst als Sünder Gnad' und Ruh', dann reizt die Kindlein auch dazu. 7. ,, Sey fromm, sonst kommst du in die Hölle!" Das ist den Kindern gleich gesagt. Wie nahe Jesus sich geselle zu dem, der seine Sünd' beklagt, und wie er Sündern freundlich sey, das geht man mehrentheils vorbey. 8. Geht hin und fallt vor Jesu nieder, und nehmt die Kinder mit dazu; sprecht: Herr! wir Sünder kommen wieder, wir können nichts; o zeige du, wie köstlich, heilsam une dein Blut, und was das Lamm den Lammern thut. Waf. 22. September. 266. Freuer euch und frohlocket; denn groß ist euer 458. Lohn in dem Zimmel. Matth. 5, 12. Der Gott: lofen offnung ist wie ein Staub, vom Winde verweht.- Aber die Gerechten werden ewiglich leben, und der Herr ist ihr Lohn. Weish. 5, 15. 16. So tröstet uns der Heiland in seinem Worte über die Leiden und Verfolgungen dieser Zeit. Wahrlich, ein großer Lohn, wenn kein anderer wäre, als Ihn zu sehen, wie er ist, und ewig sein zu seyn! Die Züchtigung, so lange sie hier währet, důnkt zwar nicht Freude, sondern Traurigkeit zu seyn; aber in der Folge bringt sie denen, die durch sie geübt werden, eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit. Hebr. 12, 11. Und man schauet dann, was man hier nicht allemal freudig glauben kann, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sind der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar wird, wenn wir ihn haben werden von Angesicht zu Angesicht. Ein Blick auf ihn, wie er ist, muß schon unsre ganze Natur verändern, und uns himmlisch und ewig verklåren. Was wird es seyn, wenn wir ihn ewig haben und schauen. O ihr Augen der Menschen, warum sehet ihr so neugierig umher auf dieser Erde, wo ihr doch nicht findet den, der cure Seele ewig erfreuen kann? Warum schauet ihr nicht im Glauben hinaus auf Ihn, dessen Blick euch ewig befriedigen und beseligen wird? Wie viel Ursache haben wir also bey unserm Berufe zum himmlischen Erbe uns zu freuen auf das Hinüberkommen? Wie viel Ursache zu frohlocken; denn der Lohn ist unbeschreiblich groß, größer als der Himmel selbst. Wir freuen uns hier so sehr, wenn wir lang vermißte Freunde auf einmal wiedersehen, oder einen Mann kennen lernen, dessen Bekanntschaft wir lange gerne gemacht hätten. Was wird es seyn, wenn wir Ihn sehen, kennen lernen von Angesicht, Ihn, vor dem die Engel auf ihren Angesichtern liegen? Und was wer den wir bey ihm und in ihm finden? Alle Lieben, alle - 459 Kennenswürdigen, über deren Gemeinschaft und Umgang die Cherubim sich freuen? Wie ferne werden alle Feinde, alle Anfechtungen und Betrübnisse seyn? Vor ihm ist Freude die Fülle, und liebliches Wesen zu seiner Rechten ewiglich. Pf. 16, 11. Eigne Mel. 31. Oder: Soldselig's Gotteslamm. 1. Wird das nicht Freude seyn, nach gläubigem Vertrauen, dort selbst den Heiland schauen, in unserm Fleisch und Bein, mit seinen holden Blicken und Worten sich erquicken? Wird das nicht Freude seyn? 2. Wird das nicht Freude seyn, wenn, was der Tod entnommen, uns wird entgegenkommen, und jauchzend holen ein? Wenn man wird froh umfassen, was thrånend man verlassen? Wird das nicht Freude seyn? 3. Wird das nicht Freude seyn, sehn untern Füßen liegen, womit man hier muß kriegen? Gott dienen engelrein? Von Schmerzen, Leid, Verdrüssen nicht das Geringste wissen. Wird das nicht Freude seyn? 4. O das wird Freude seyn! Weg Güter dieser Erden, ihr Ehren voll Beschwerden; ihr Freuden auf den Schein! Gehabt euch wohl, ihr Lieben! Muß ich mich jetzt betrüben; denkt, dort wird Freude seyn. Schwrtz. 23. September. 267. Henoch, weil er ein göttliches Leben führte, nahm ihn Gott hinweg, und ward nicht mehr gesehen. 1 Mof. 5, 24. Auch Noah war ein frommer Mann, und ohne Wandel( ohne Tadel), und führte ein göttliches Leben. 1 Mos. 6, 9. Moses bielt sich an den Unsichtbaren, als säbe er ihn. Zebr. 11, 27. Ein göttliches Leben führen, heißt, in Gott, mit Gott leben, vor seinen Augen wandeln, in seiner Kraft und Gnade, in der Geistes- Gemeinschaft mit ihm stehen; seiner Einflüsse, seiner Nähe, seines Friedens theilhaftig seyn, und das Herz darin leben lassen. So lebten diese Patriarchen. Sie waren Tempel des lebendigen Got 460 tes. Der Herr war ihrem Herzen Alles; die Liebe Gottes war ausgegossen in ihren Herzen durch seinen Geist; Gott in ihnen und sie in Gott, durch das Band der Liebe so innig mit ihm verbunden, daß sie nichts auf Erden davon trennen konnte. Das ist der lebendige Glaube, der sich an Gott, dem Unsichtbaren, so fest, so stark hålt, als wenn er ihn leibhaft sähe, als stånde er da vor uns. Der zukünftige Christus war ihnen schon so nahe im Glauben, als wäre er schon da. Sollte uns der dagewesene, und bis ans Ende, alle Tage unsichtbar gegenwärtige Christus nicht auch so lebhaft nahe seyn im Glauben, als schauten wir ihn leibhaftig? Ja, die geistige Gegenwart des Herrn muß uns unendlich näher seyn, als seine leibliche Gegenwart. In uns ist er uns viel mehr nahe, als wenn er äußerlich vor uns da stånde. Wer im Glauben an den Unsichtbaren nicht seliger ist, als wenn er den Sichtbaren sehen könnte, deß Glaube ist noch nicht, wie ihn der Herr haben wollte. Joh. 20, 29. mel. 86. Ich bete an die Macht der Liebe. 1. Wer dacht', daß bey den dunklen Schatten der Våter in der alten Zeit, die kein so helles Licht noch hatten, doch eine Herzvertraulichkeit mit dem, den wir im Fleisch genießen, den Gang der Frommen könnt' versüßen? 2. Wie tröstlich finden wir geschrieben, daß Henoch schon dreihundert Jahr mit ihm im Umgang ist geblieben; wie herzvertraulich Noah war mit ihm, das dient uns allzuſammen zum Beispiel, die wir von ihm stammen. 3. Wie schön bey tiefster Selbsterkenntniß war Abraham mit ihm bekannt, der im vertrautsten Einverständniß, im süßsten Umgang mit ihm stand! Wie war vor Freud' er übernommen, wenn er Jehova sahe kommen. 4. Wie liebte Moses seine Nähe, wie hielt er sich an Jehova, als ob er ihn leibhaftig såhe, bis daß er ihn fast täglich sah, und mit ihm so vertraulich redte, als ob er seinen Bruder hätte. 5. Auch wissen wir, mit welchem Loben der Mund des Davids überfloß, wenn Gott ihn aus der Noth gehoben; und was fein Herz dabey genoß. Er konnt' beim Eilger seiner Sünden den Himmel schon auf Erden finden. 6. Wenn Gott so nahe war den Frommen, wenn man schon 461 dort so glücklich war, da Gott noch nicht ins Fleisch gekommen, so ist's ja doch ganz sonnenklar: Uns ist noch mehr mit ihm gegeben, die wir im neuen Bunde leben. 7. So hat ihn Keiner dort gefunden, so nah' ihn kein Prophet gehabt, daß er wie wir an seinen Wunden, an seinem Tode sich gelabt. Von fern' nur haben sie gesehen das Wunder, das am Kreuz geschehen. 8. In welche Seligkeit versetzet uns seine Liebe bis in Tod? Wie wird das Herz durch ihn ergoßet, wenn er uns labt mit Himmelsbrod? Durch seinen Umgang überwindet man alle Noth, die sich noch findet. * Rchl. 24. September. 268. Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Jer. 31, 3. Laß deine Güte und Treue allewege mich behüten. Pf. 40, 12. Jch aber will in dein Haus gehen auf deine große Güte. Pf. 5, 8. Das soll eine Antwort seyn, wenn das Herz voll Verwunderung frågt, wie kann der Herr ein so schlechtes, sündiges, unwürdiges Wesen so lieb haben? Aus lauter Güte, ohne dein Verdienst, sagt der Herr; ich habe dich von Ewigkeit her schon geliebt, wo ich dich in deinen Sünden sah. Es stand ihm ja vor seinem Auge, ehe wir waren, wie böse und undankbar wir seyn. würden; und dennoch bezeugt er uns selbst, daß er uns in diesem elenden, hassenswürdigen Zustande geliebet, und aus Liebe und Güte zu sich gezogen habe. Was ist doch das für eine Güte? wie kann sie das Schlechte, das Bise lieben? Ach, sie liebt nicht das Böse, das in uns ist, sondern das Gute, das sie in uns hervorbringen und wirken will. Sie liebt, das Böse gut zu machen. Fühlst du dich also recht schlecht und unwürdig seiner Güte, so stoße deswegen seine gute Hand nicht zurück sondern glaube und halte für gewiß: diese gute Hand ist über dir, um dich gut, rein und heilig zu machen, wie du nach ih- s - 462 rer Absicht seyn sollst. Wehre ihr also nicht durch unverständige Demuth, sondern, wenn du das Gute liebst, so laß dich von der guten Gnadenhand Gottes gut machen, vollbereiten, kräftigen und gründen. Willst du bôse bleiben? Das wirst du bleiben, und in Ewigkeit nicht anders werden, wenn du seine Güte nicht ergreifest, und nicht in dir wirken låßt. Bitte lieber mit David, der sich auch unwürdig und als großer Sünder fühlte; bete mit ihm, wie oben Pf. 40, 12. und entschließe dich eben deiner Schwachheit wegen, wie er: Ich aber will in dein Haus gehen, deine Nähe, dein Untlig suchen, auf deine große Güte vertrauend. In sein Herz gehen, heißet, in sein Haus gehen, denn im Herzen wohnet er, wie in seinem Hause, und wer da im Geiste und in der Wahrheit betet und bey ihm verweilet, der erfährt seine Gute und Treue. Da läßt er sein Antlik über uns leuchten. mel. 119. Gott, unser Gott, wir danken. Oder: Wie schön leucht't uns der. 1. Komm, glaube, lies und fasse das, wie lohnt mein Herr den bittern Haß der groben Undankbaren? Erstaune! denn er liebet sie. Nun schließe muthig: Liebt er die, die ſeine Feinde waren. Sollte, könnte er denn lassen, könnt' er hassen, Fönnt' er fluchen mir und andern, die ihn suchen? 2. Nein, nein, das kann unmöglich seyn; er liebt, ich faff ihn, er ist mein, ja mein ist seine Liebe! So wahr er liebt, ich laß ihn nicht, ob auch sein holdes Angesicht mich zürnend von sich triebe. Wenn ich herzlich seine Füße fest umschließe, glaub' und weine, spricht er doch: Du bist der Meine. 3. Seht, wie er seine Arme dehnt, und sich am Kreuz nach Sündern sehnt, die seines Bluts begehren! Wie wallt und brennt sein reines Herz, und wünscht, ich soll für allen Schmerz ihm nur den Lohn gewähren, daß ich selbst mich ihm verschreibe, bey ihm bleibe, Glauben fasse und mich selig machen lasse. 4. Da bin ich, theures Gotteslamm, zum Lohn für die am Kreuzesstamm von dir getragne Bürde! Ach, daß in mir Leib, Seel' und Geist, ja alles, was Mensch ist und heißt, dir ganz geopfert würde! König, wenig ist die Gabe, die ich habe, die ich bringe. Doch sie macht dich guter Dinge. 463 5. So wahr du lebst, mein Gott und Herr, du wirst mir täglich herrlicher, je långer, desto lieber! Denn, weil mein Glaube dich versteht, so weiß ich, wenn's durch Proben geht: Die Proben gehn vorüber. Ewig wird mich mein Begehren, dich zu ehren, nie gereuen, alle Tage mehr erfreuen. Wdf. 25. September. 269. Wer ist unter euch, der den Herrn fürchtet, der seines Knechts( Jesu) Stimme gehorchet? ( wer ist) der im Sinstern wandelt, und scheinet ihm nicht: der hoffe auf den Namen des Herrn, und verlasse sich auf seinen Gott. Jes. 50, 10. Du Elende, über die alle Wetter gehen! und du Trostlose! siehe, ich will deine Steine wie einen Schmuck legen- und großen Frieden deinen Kindern. Jef. 54, 11. So tröstet der Herr selbst seine betrübten, verfolgten, verachteten und gedrückten gläubigen Seelen auf Erden. Ein Trost, der vom Himmel aus dem Munde des Heilandes kommt durch seinen Geist; und sein Wort kommt nicht leer. Denn unser Gott macht nicht leere Worte und spottet unser nicht in unserm Elende. Was er verspricht, das hålt er gewiß. Sikest du also im Finstern, und scheint dir das Licht der Freude und des Trostes nicht, du hast aber den Herrn lieb und gehorche seiner Stimme, und sind dir alle seine Worte theuer und heilig: o so weißt du nun aus seinem Munde selbst, daß es dir von ihm erlaubt, ja befohlen ist, auf ihn zu hoffen, dich auf ihn zu verlassen. So wahr er lebt und dieses geredet hat, so gewiß wird dir das Licht des Trostes und der Hülfe wieder aufgehen. Suche nur ihn, ihn, nicht den Trost, so findest du beides, ihn und den Trost. Denn wer ihn hat, was bedarf der noch? Sieh doch, wie er dich aus Mitleid nennt: Du Elende, über die - 464 alle Wetter gehen! Er weiß zu gut, wie es seiner Kitche, seiner Gemeinde der Gläubigen, seinen lieben Schäf lein geht. Ach, sie sind es ja freilich, über die alle Wetter der Verfolgung gehen. Allein er weiß es, und sieht und verspricht dagegen auch große Dinge, die nicht auszusprechen sind einen großen Frieden ihren Kindern allen Kindern Gottes. Ja die Wetter der Trübsal bringen einen Frieden, den die nicht kennen, über die nie ein Wetter gekommen ist. - mel 86. Ich bete an die Macht der Liebe. 1. Wer einsam sigt in seiner Kammer, und schwere bittre Thränen weint; wem nur, gefärbt von Noth und Jammer, all das, was ihn umgiebt, erscheint: der blicke hin auf jenen Lieben, den Lieb' in Noth und Tod getrieben. 2. Die Zukunft liegt in der Dürre entsetzlich lang und bang' vor ihm; er schweift umher allein und irre und sucht sich selbst mit Ungestům. Und doch steht Einer vor dem Herzen, der lindert gerne alle Schmerzen. 3. Ey, fall' ihm weinend in die Arme, auch mir war einst wie dir zu Muth; doch ich genaß von meinem Harme, und weiß nun, wo man ewig ruht. Ich hab' in ihm für trübe Stunden den süß'sten Quell des Trosts gefunden. 4. Dich muß, wie mich, derselbe trösten, der innig liebte, litt und starb; der selbst für die, die ihm am weh'sten gethan, mit tausend Freuden starb. O wie er dich zu trösten wüßte, er, der selbst den Verräther küßte. 5. O such' ihn, such' ihn alle Tage, vernimmst du seine Lieb' und ihn, und kannst getrost in jeder Lage ihm zärtlich in die Arme ziehn. Such' nicht in Höhen, nicht in Gründen, er ist in deinem Grund zu finden. 6. Mit ihm kommt neues Blut und Leben in dein erstorbenes Gebein, und wenn du ihm dein Herz gegeben, so ist auch Seines ewig dein. Was willst du mehr? Nein, ohn' Bedens ken, sollst du dich ihm auf ewig schenken. 7. Was du verlorst, hat er gefunden, du triffst bey ihm, was du geliebt, und ewig bleibt mit dir verbunden, was seine Hand dir wiedergiebt. Laß allen deinen Kummer sinken, und folge deines Freundes Winken. * v. Hrdbg. 465 26. September. 270. Wirket euer Zeil mit Surcht und Zittern damit ihr ohne Tadel und lauter seyd, als uns sträfliche Kinder Gottes mitten unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlechte, unter welchem ihr leuchtet als Himmels: Lichter in der Welt, indem ihr festhaltet am Worte des Lebens, mir zum Ruhm am Tage Christi, daß ich nicht vergeblich gelaufen, noch ver: geblich gearbeitet habe. Phil. 2, 12-16. Wie könnte es einem Lehrer, einem Vater oder einer Mutter gleichgültig seyn, ob die, an denen man arbeitet, gedeihen oder nicht? Welche Freude für jeden Gärtner, wenn seine Pflanzen wachsen, seine Bäume Früchte bringen! Welche Freude für den Landbauer, wenn sein Acker, den er mit Mühe gepflüget, im Schweiße besået hat, reichliche Erndte gicbt. Doch freuet man sich mit Zittern und bittet die, an denen man arbeitet, wie Paulus die Philipper bat: Fürchtet euch vor euch selbst, zittert vor eurer Schwachheit und Geneigtheit zum Schlafe, zur Sicherheit, zur Trågheit, und laßt euch diese heilsame Furcht ( denn knechtische Furcht sey fern von euch!), dieses von der Gnade erweckte Zittern nicht verzagt machen, sondern vielmehr treiben, desto mehr auf den Herrn zu vertrauen, der Wollen und Vollbringen in euch wirken kann und will; daß ihr wirklich Lichter in der finstern Welt send, daß ihr durch euren frommen, lautern Wandel euch so auszeichnet und unterscheidet von den Ungeschlachten, wie sich die Sonne von der Nacht unterscheidet. So sollt ihr da stehn, wo ihr stehet, in eurem Hause, in eurer Familie, oder in der Umgebung, in dem Kreise, in dem ihr lebet, wie ein Licht auf dem Leuchter; so solltet ihr euer Licht leuchten lassen, daß es den finstern, blinden Ungläubigen in die Augen falle, daß sie fragen: wo kommt dies Licht her? 3 9 466 Dann weiset ihr auf den, der euer Licht ist, und der alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Haltet fest am Worte des Lebens, so werdet ihr leben und leuchten. Wo Leben ist, wo lebendiges Wort ist, wo das Wort lebt im Herzen, da ist Licht, da bricht es heraus und leuchtet. Wo aber nur das todte Wort in Kopf gefaßt ist, und auf der Lippe schwebt, da ist kein Licht und keine Wärme des Lebens, sondern Tod und Finsterniß; da ist keine Erbauung, kein Wachsthum, kein Wirken des Heils. Und solche sollten billig anfangen mit Furcht und Zittern, vor ihrem todten Wesen, ihr Heil zu suchen und zu wirken. mel. 39. Ich rühme mich einzig. Oder: Ach alles, was himmel. 1. Man fået und pflanzet, man sieht das Gedeihen, man fångt auch nun an, sich mit Zittern zu freuen. Und plößlich ( o dürft' ich doch nicht davon sagen!) und plötzlich entdeckt man so viel zu beklagen! 2. Wer sollte nicht bitterlich seufzen und weinen, wenn grünende Pflanzen verwelkend erscheinen? Du kennst, Herr, die Thränen der Engel des Friedens! Du hörest die Stimme des klagenden Liedes! 3. Uch laß dich ihr Seufzen zum Helfen vermögen, du hast sie berufen und dein ist der Segen! Sie beugen sich weinend, du hörst sie bekennen; sie wollen sich Sünder und Schuldige nennen. 4. Sie wünschen sich Feuer und Flammen im Munde, mit brennender Liebe von innerstem Grunde, daß leuchtende Funken aus ihnen entspringen, erstorbene Kohlen zum Glühen zu bringen. 5. Uch, Meister! wir sehn es ja deutlich vor Augen, daß Rennen und Laufen nicht helfen noch taugen, wenn du nicht von oben die Herzen bewegest, und selber dein Eigenthum wartest und pflegest. 6. Wir fassen dich aber, du ewige Liebe, bey deinem Erbarmen und brünstigen Triebe, bey deinem so reichlich vergossenen Blute; das kommt ja der sämmtlichen Heerde zu gute. 7. Du ewiger Fels, du beständige Treue! wir glauben nicht, daß dich dein Anfang gereue. Denn was du erst anfångst, das willst du vollenden. So ziemt es den weisen und machtigen Hånden. Wdf. 467 27. September. 271. Erkennet doch, daß der Herr seine Zeiligen wunderlich führt. Pf. 4, 4. Ich bin der Herr, und keiner mehr, der ich das Licht mache, und schaffe die Sinsterniß; der ich Frieden gebe, und schaffe das Ulebel. Ich bin der Herr, der solches alles thut. Jef. 45, 7. Wunderlich, ja wunderlich, sehr wunderlich, führt der Herr die Seinen, aber doch seliglich, doch herrlich; es ist doch kein Weg wie des Herrn Wege. So viel sie Dornen haben, die blutige Füße machen, und oft durch die Fußsohlen fahren, daß man schreien möchte, und oft auch schreit, so haben sie doch etwas anziehendes, das man um aller Welt Glück und Gut und Lust nicht hingiebt. Die Welt läßt er ihre lustige Wege gehen; die Seinen wirft er bald ins Wasser, bald ins Feuer; führt und hebt sie bald über alle Berge hin, dann wirft er sie wieder in Abgründe, aus denen keine Errettung möglich scheinet. Jetzt umgiebt er sie mit Ehre und Herrlichkeit, wie Jesum auf Tabor, dann bedeckt er sie wieder mit Schande und Spott, daß kein Hund sie ansieht; und der schlechteste, verruchteste Missethåter ehrlicher zu seyn scheint, als so ein Schooßkind Gottes. Ihr Herz ist oft so voll von ihm, daß sie glauben, der ganze Himmel habe sich in sie herabgelassen; dann aber wieder so verlassen und trübe, als wenn die Hölle bey ihnen eingekehrt håtte. Oft glauben sie in der Sonne zu stehen, dann wieder in egyptischer Finsterniß zu wandeln. Jetzt haben sie die Allmacht in ihren Hånden, und ein andermal sind sie gebunden und gelähmt, daß sie keinen Strohhalm heben, sich selbst kaum tragen können. Und warum So? Die Antwort steht oben Jes. 45, 7. Shm sey Dank! Wenn nur Er führt, um das Wie? kümmere dich nicht, sondern nur um das Wer? Bete mit David: Um deines Namens willen wollest Du 6 g2 468 mich leiten und führen! Pf. 31, 4. Gehe es hin, wohin es wolle, wenn nur seine Hand führt. Mel. 76. un ruhen alle Wälder. Oder: 0 Welt, sich hier. 1. Komm, Herz, und lerne schauen auf die, die Gott ver trauen. Schau, wie es um sie steht. Uch siehe doch die Wege, die wunderbaren Stege, die Gott mit seinen Kindern geht! 2. Sie sind die Hochgeliebten, und doch die Hochbetrübten, sie sind den Aermsten gleich. Sie schrei'n oft um Erbarmen mit Lazaro, dem Armen, und erben doch das Himmelreich. 3. Gott ståupt sie mehr wie Sünder, und liebt sie doch als Kinder; er macht sie voller Schmerz. Er schlägt zu manchen Stunden in ihre Seele Wunden, und heilt doch ihr verwundtes Herz. 4. Sie glänzen wie die Sterne, und stehn doch oft von ferne als ohne Glanz und Schein. Sie gehn im finstern Thale, und sollen doch im Saale des Himmels lauter Sonnen seyn. men. 5. Sie sind zerbrochne Halmen, und blühen doch wie Pal Sie sind voll Bangigkeit. Es muß sich oft voll Zittern ihr banges Herz erschüttern, und stehn doch da beherzt im Streit. 6. Wie geht es dem Getreide, dem Gråstein auf der Weide? Manch Wetter bricht herein; der Regen drückt es nieder, der Wind erhebt es wieder, und drauf erfolgt der Sonnens schein. 7. So hålt's Gott mit den Seinen; sie gehen hin und weinen, wenn sie im Kreuze stehn. Das Herz ist voller Sehnen, die Augen voller Thränen, doch auf den Regen wächst es schön. 8. Nun, Vater, das gewähre! Steht meine Glaubensåhre vom Regen ganz verblüht, so wollst du dein Gedeihen von oben her verleihen, bis man vollkommne Früchte sieht. G. Kleiner. 28. September. 272. Sieher an den Herrn Jesum Christum. Rom. 13, 14. Jch sterbe tåglich- ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir. 1 Kor. 15, 21. Gal. 2, 20. Phil. 3. 469 Wenn uns kein neues Kleid dargereicht wurde, müßten wir in unserm alten Kleide der Sünde und der Sterblichkeit bleiben und verderben. Aber es ist da; es ist uns von Gott geschenket, wird uns angeboten durchs Evangelium, wird uns dargereicht und angezogen, wenn wir nur unsere Hånde darnach ausstrecken, wenn wir nur das alte gern ausziehen und fahren lassen. Wer aber seinen alten Menschen samt seinen Lüsten und Begierden so lieb hat, daß er sich nicht von ihm trennen kann, dem kann der neue Mensch, Christus, nicht zu Theil werden. Paulus sagt: Gal. 3, 27. So viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen; und doch sagt er Róm. 13, 14. zu schon Getauften: Ziehet Jesum Christum an? Muß man denn anziehen, was man schon angezogen hat? Allerdings; weil man gar oft wieder auszieht, was man im ersten Eifer angezogen hat, weil man ihn noch nie so fest angezogen hat, daß man beständig in ihm bleibt. Wer in ihm bleibt, hat nicht nöthig, ihn immer wieder anzuziehen; er darf ihn nur halten, und Herz und Sinne in seinem Frieden bewahren. So sagt er auch: Ich bin mit Christo gekreuzigt: Gal. 2, 19. und sagt doch wieder: ich sterbe tåglich. Es ist daher mit dem Anziehen des Neuen und mit dem Ausziehen des Alten, oder mit dem Leben in Christo und Sterben des alten Menschen eine Sache, mit der selbst die Apostel nicht so schnell fertig geworden; um so weniger dürfen wir uns für vollkommen halten; sondern das tägliche Sterben, und das tägliche Hineinleben in Jesum, uns immer empfohlen seyn lassen. Würden wir das schmutzige Kleid des Alten Menschen im hellen Licht sehen und erkennen, wie übel es uns steht, wie es uns vor Gott entstellt: wir würden hassen den befleckten Rock des Fleisches, wir würden eilen, seiner lieber heut als erst morgen los zu werden. Hätten wir einen rechten klaren Begriff von der Schönheit und Herrlichkeit des Neuen Menschen, wäre uns Christus recht offenbaret; glaubten wir, daß er uns 470 geschenkt ist zum Anziehen, zum Bleiben und Leben in ihm: wir würden nicht so lange außer und ohne Ihn bleiben, wir würden ihn ergreifen und in ihn hineineilen, wie der Nackte in das Kleid, wenn er sich seiner Blöße schämt. mel. 75. fahr' hin, du eitle Welt. Oder: 33. Herr Jesu, Gnaden- Sonne. 1. Unbetungswürdigs Lamm, du starbst am Kreuzesstamm! ich will dein Blut erheben, im Sterben und im Leben; denn deine Liebeswunder sind meiner Liebe Zunder. 2. Mich, mich hast du geliebt, da du so schwer betrübt, mich selbst und meinen Schaden dir wirklich aufgeladen, bey Gott mich ausgefühnet, mir Gnad' und Heil verdienet. 3. Nimm mich und stell' mich dar,- nicht, wie ich in mir war, wie ich in dir erscheine, und wie ichs wünsch' so reine, wie ich mit dir verbunden, und in dir werd' erfunden! 4. Der Vater liebet dich, um deinetwillen mich. Durch dich ich liebe wieder, und bringe Herz und Lieder, denn auch die besten Sachen mußt du, Gott, würdig machen. - 5. Durch dich veredle dann mich selbst und was ich kann; Verlangen, Beten, Ueben, mein Leiden, Loben, Lieben, mein Leben und mein Ende, geh' nur durch deine Hände! 6. Nun, ich bin dir geschenkt, und ewig eingesenkt; verschling' dann alles Alte, und mich in dich gestalte, daß man nur Jesum finde, sonst weder mich noch Sünde. 7. Dank, Lob und Herrlichkeit sey dir in Ewigkeit, erwürgtes Lamm, geſungen, von mir und allen Zungen, von der erkauften Menge, mit himmlischem Gepränge. G. T. St. 29. September. 273. Wenn ihr betet, so machet nicht viele Worte wie die Zeiden; denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viele Worte machen. Matth. 6,7. Ich bin müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht 2c. Pf. 6, 7. Meine Thränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: wo ist nun dein Gott: Wenn ich deß inne werde, so 471 schütte ich mein Herz heraus bey mir selbst. Pf. 42, 4. 5. Viele Menschen meinen, das Gebet bestehe blos im Wortemachen; dem lieben Gott etwas vorpredigen, mit beredter Zunge zu Gott sprechen, das heiße beten, je mehr, je besser. Christus sagt: Worte thun's nicht; viele Worte machen beim Gebet ist heidnisch, nicht christlich. Man soll aber doch långer, ja man soll unablåssig, aller Orten beten. Was und wie soll man ihm denn thun? wenn man nicht Worte, wenigstens nicht viele brauchen darf? Frage den David, der antwortet dir im Namen aller wahren Beter in obiger Stelle, Ps. 6, 7. und 42, 4. Underswo sagt er gar: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Pf. 62, 1. und Jesaias( 30, 15.) macht es zur Bedingniß, um Hülfe und Kraft zu erlangen, müsse man stille seyn und hoffen, nicht Wortkriege mit Gott führen. Christus selbst, in seinem heißesten Gebete, in der tiefsten Angst, wie wenige Worte machte er? dieselben Worte wiederholte er dreimal. Der Irrthum liegt bey den Leuten darin, daß sie glauben, das Gebet sey eine Sache der Zunge, nicht des Herzens. Die Zunge muß freilich im Dienste des Herzens stehen, wenn man ihrer bedarf; aber das Herz muß beten, ringen, harren, hoffen, glauben und seufzen. Manchmal müssen Thrånen mehr- sagen als Wor= te. So waren gewiß auch der Blutschweiß und die Thrånen des Heilandes ein größeres Geschrey in den Ohren des Vaters, als seine wenigen und kurzen Worte. Moses schrie auch zu Gott, da er den Mund nicht aufthat. 2 Mos. 14, 15. In den Psalmen hört man den David oft schreien, und ich glaube, daß wohl immer ein solches innerliches Schreien zu verstehen ist. Doch will ich dir nicht wehren, wenn du auch manchmal laut schreien willst und mußt. Es hat alles seine Zeit. Daraus kann man denn auch schließen, was von Gebetbüchern, und dem Be= ten aus denselben zu halten sey. Doch möchte ich gute 472 Gebetbücher nicht unbedingt verwerfen, noch verwehren. Ein guter Beter kann auch damit recht umgehen. Sonst aber sind sie wie die Rechnungsbücher, wo man alles ohne Mühe gleich finden kann, ohne selbst die Rechnung zu machen oder zu verstehen, und die man in meinem Vaterlande Faullenzer heißt. mel. 10. Wach' auf, mein Herz, und singe. 1. Dem allerhöchsten Wesen im Buche vorzulesen, was man zu beten habe, ist nicht des Geistes Gabe.- Wie manches Buch verführet, wo man den Sinn nicht spüret, den uns die Schrift gelehret, wo man Gott selber höret. 2. Die Bücher, welche sagen, wie wir nach Jesu fragen, in Buß' und Glauben treten, in Geist und Wahrheit beten;- die sind nicht zu verachten, beim Beten und Betrachten. Doch wie ich Jesum suche, lern' ich aus keinem Buche. 3. Da hör' ich viele beten, und wenn sie vor Gott treten, so find' ich aller Enden ein Buch in ihren Händen. Wenn mich das Buch gelehret, wie man zum Herrn sich kehret, so wird mein Herz zum Buche, daß ich ihn selber suche.. 4. Erinnert mich, ihr Blåtter, an mich und meinen Retter! entzündet mein Verlangen, die Gabe zu empfangen.- Nur follt ihr mich im Beten nicht binden und vertreten. Alsdann geht auf die Seite, daß ich mich selbst ausbreite. 5. Wenn ich nun mit ihm spreche, sag' ich, was mir gebreche, was meine Seele krånke, so wie ich fühl und denke.- So steht's in keinem Buche. Und eh' ich's da erst suche, gießt sich mein Herz schon über. Das ist dem Vater lieber. - 6. Wer hat ein Kind gesehen vor seinen Eltern stehen, und was sein Wunsch gewesen, aus einem Buche lesen?- nein, die Noth lehrt schreien und an der Brust gedeihen. Die Mutter stillt es gerne. Sie hört das Schrei'n von ferne. 7. Das Kind kann sein Begehren nicht ordentlich erklären. Die Mutter muß das Flehen mehr als das Kind verstehen.- Und wenn die Kinder stammeln, erst halbe Worte sammeln; den Eltern ist ihr Lallen das größte Wohlgefallen. 8. Sie dürfen nicht mit Sorgen sich fremde Worte borgen; Sie kaum, daß sie angefangen, so weiß man ihr Verlangen. werden endlich größer und reden dann auch besser. Allein der Kleinen Lallen erhört man doch vor Allen. 9. Der Vater aller Kinder erhört noch viel geschwinder, versteht uns auch viel besser; denn seine Huld ist größer. — 473 hort des Herzens Sprache. Das ist die ganze Sache. Der Trieb vom Seelengrunde macht erst die Red' im Munde.* Waf. 30. September. 274. Vor allem hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher ist heucheley. Luk. 12, 1. So leget nun ab alle Bosheit, und Betrug, und Seucheley 2c. 1 Petr. 2, 1. Siehe zu, daß deine Gottesfurcht nicht eucheley sey, und dies ne Gott nicht mit falschen Herzen. Sir. 1, 34. Die Heuchler sprechen: Wir haben Lügen zu unfrer Zuflucht, und Heucheley zu unserm Schirm gemacht. Jef. 28, 15. Aber welch ein schlechter Schirm, welch eine elende Zuflucht. Denn der Herr merket ihre Heucheley. Mark. 12, 15. Leset die acht Wehe, die der Heiland Matth. 23. über die Heuchler ausgesprochen hat, und sehet da, daß Gott kein Laster so sehr verabscheuet und verflucht als dieses schåndlichste aller Laster, das bald auf grobe, bald auf feine Art getrieben wird. Man will fromm scheinen, wenn man gleich selbst erkennt, daß man es nicht ist, und wenn man mit einem sündhaften Leben auch andern genug beweist, daß man es nicht seyn könne; dennoch will man vor Andern scheinen, als wenn einem Religion auch am Herzen låge. Das ist die grobe Heucheley. Eine künstlichere und feinere ist's, wenn man sich wirklich die schmeichelhafte Einbildung gemacht hat, man sey fromm, und auch von andern dafür gehalten wird. Heimlich aber lebt man in Sünden, die man, um sich selbst nicht zu krånken, für keine Sünden hält, sondern nur unter die Schwachheiten zählt, oder durch ein falsches Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Christi Verdienst alles zudeckt, leicht darüber weggeht, sich beruhigt und sicher macht. Eine andere Art ist die Heucheley der falschen Eiferer, die von Leidens schaften getrieben, andere verfolgen, in der Meinung, Gott einen Dienst zu thun, und für Gott zu eifern; da doch nur natürliche Hitze und blinde Wuth, seine Leidenschaften zu befriedigen, die eigentliche Triebfeder ist. Die årgsten Heuchler sind die Kinder des Teufels, die falschen Apostel, die vom Vater der Heuchelen geboren, sich in Engel des Lichts verstellen, um nur recht viele Kinder der Hölle zu machen. 2 Kor. 11, 14. Hüte dich vor der feinen, wie vor der groben Heucheley; denn der Herr prüft Nieren und Herzen, und Aufrichtigkeit ist vor ihm angenehm. Pf. 7, 10. mel. 16. O der alles hätt' verl. Oder: Bleib bey Jeſu. 1. Falsches Blendwerk eitler Sinnen, Larve der verkehrten Zucht, Gott von außen, Welt von innen, scheinbar schöne Sodomsfrucht! Uebertünchtes Leichgerüste, Taubenart im Schlangenfell; Zuckermund und Otterbrüste, Todesgift im Honigquell. - 474 2. Heucheley, der Laster Laster, Heucheley, der Seelen Mord; Heucheley, der Bosheit Pflaster; Heucheley, der Höl len Port!- Wer sich mahlt mit deiner Schminke, ist des Satans Conterfey; und wer folget deinem Winke, ist noch Gott, noch Menschen treu. 3. Weg, du Mißgeburt der Höllen, wo die Einfalt Christi wohnt; hier wird Stellen und Verstellen mit Verspottung nur belohnt. Lauterkeit gefällt dem Himmel; Schlecht und Recht ist Gott beliebt, wenn man bey dem Weltgetümmel fich in reiner Unschuld übt. - 4. Gott, du hasfest falsche Seelen, laß mich keinen Heuchler seyn. Man kann dir ja nichts verhehlen, dit siehst in das Herz hinein. Trågt die Welt bey diesen Zeiten, Gift in goldnen Schaalen für; laß mich Einfalt nur begleiten, Schlecht und Recht sey mein Panier. B. Schmolke. 275. Erster October. Gott rüstet mich mit Kraft, und machet meis ne Wege ohne Wandel. Er machet meine Süs 475 Be gleich den Hirschen, und stellet mich auf meine Höhe. Pf. 18, 33. 34. Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse, wir aber denken an den Namen des Herrn, unsers Gottes. Pr. 20, 8. Er wendet sich zum Gebet der Verlas fenen und verschmähet ihr Geber nicht. Pr. 102, 18. Denn er kennet, was für ein Gemächte wir sind; er denket daran, daß wir Staub sind. Pf. 103, 14. Der natürliche Mensch traut sich alles selbst zu, und kann nichts recht machen. Alles ist verkehrt, was seine Hand anfaßt, was er thut; weil sein Herz und Sinn verkehrt ist. Der Begnadigte, Erleuchtete, erkennt sein gånzliches Unvermögen zu allen Zeiten, und traut daher nicht auf die Streitwagen und Rosse der eignen Kraft; sondern allein auf den Namen des Herrn, betet, ringt und harret zu Gott, durch welchen er alles vermag. Denn Gott růstet jeden, der ihn darum anruft, mit Kraft, und bewahrct ihn vor Fehltritten. Ja, der Herr kann den Schwächsten, der allein auf ihn vertraut, so stårken und beleben, daß er gleich den Hirschen muthig und brünstig in seinen Wegen wandelt, über alle Höhen und Berge der Trübsal, und Beschwernisse hineilt und zum Ziele dringt. Kein Schwacher, kein Elender, der sich wirklich so fühlt, verzage, er bete nur fleißig und zuversichtlich um Kraft; denn der Herr kennt unser Elend und unsere Schwachheit bes ser, als wir selbst, weiß besser als wir, daß wir nichts, gar nichts ohne ihn vermögen, und daß wir erliegen, und verloren gehen müssen, wenn er uns nicht hilft. Da er nun ernstlich will, daß wir nicht verloren gehen, sondern selig und herrlich werden, so muß er ja helfen, wenn wir auch wollen und um Hülfe bitten. Das glaube fest; denn es ist Wahrheit, und diese Wahrheit macht dich stark, und deine Füße gleich den Hirschen. Mel. 116. Ein Lämmlein geht. Oder: Der du die Liebe selber. 1. Erbarm' dich, Herr, du kennst mein Herz, geneigt zu Ei 476 telkeiten, läßt sich's durch Freude und durch Schmerz oft auf den Frrr eg leiten. So wankt ein Rohr, vom Wind regiert; so rrt, von Leidenschaft geführt, sehr oft auch meine Secle. Herr, hilf mir, daß ich als ein Christ, das flieh', was vor dir strafbar ist, nur dich, nur dich erwähle. 2. Laß doch mein Herz nicht fernerhin in seiner Neigung wanken. Erhebe den verkehrten Sinn zu himmlischen Gedanken! Wenn von dem Dienst der Eitelkeit mich deines Geistes Kraft befreit, so wird es mir gelingen. Ich halte deinem Geiste still; ich will mich åndern, Herr, ich will. Gieb du mir das Vollbringen. 3. Umsonst such' ich der Tugend Bahn, wenn du mich nicht begleitest, und mich, befreit von Menschenwahn, zu deiner Wahrheit leitest. Du hafsest jeden falschen Schein; mit Ernst willst du geliebet seyn. Herr, hilf, um Jesu willen! Erhebe den gebeugten Muth, hilf mir der Leidenschaften Wuth durch deme Gnade stillen! 4. Mein Gott, mein Gott, gedenke nicht, der Sünden meis ner Jugend! Wie hart schien mir nicht meine Pflicht, wie rauh die Bahn der Tugend! Jedoch, du trugst mich mit Geduld. Laß, Vater, laß mich diese Huld nicht undankbar verachten! Dir folgen ist mein wahres Heil. O laß mich's als mein bes stes Theil, auch immerfort betrachten. 5. Ich bin ein Mensch, du kennest mich; wie schwach find meine Kräfte! Doch meine Seele hofft auf dich; du wirst zu dem Geschäfte der Heiligung mir Kraft verleihn und mich mit deiner Hülf' erfreun, vor dir gerecht zu leben. Ich, dein ers kauftes Eigenthum, will dafür deines Namens Ruhm in Ewigkeit erheben. 2. October. 276. Dort wird der Gerechte stehen mit großer Sreudigkeit gegen die, so ihn geångstet haben. Wenn diese dann solches sehen, werden sie ers schrecken vor solcher Seligkeit u. f.w.B. Weish. 5,1-6. Nachdem es recht ist vor Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen. Euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun unser Herr Jesus wird ge- 477 offenbaret werden vom Zimmel- mit Scuers flammen Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen und nicht gehorsam sind dem Evangelio. 2 Theff. 1, 6-10. Lies, ich bitte, dieses ganze 5. Kapitel des Buchs der Weisheit und betrachte es mit Aufmerksamkeit. Da siehst du, wie herrlich, wie unangefochten, wie verklärt, wie selig alle dort stehen werden, die sich hier der Heiligung beflissen haben, und deswegen Schmach, Spott und Verfolgung vor der Welt erdulden mußten. Da siehst du auch, welche Reue die dort anwandeln wird, welche hier die Frömmigkeit und den Glauben verspotteten, die Frommen verfolgten. Dort werden sie beichten, und redlich bekennen, wer und wie sie hier gewesen sind. Jetzt bilden sie sich ein, weise und aufgeklärt zu seyn; und jetzt schelten sie die Frommen, und nennen sie Narren, Schwärmer, und überspannte, fin stere Köpfe; aber dort werden sie einsehen, daß sie- sie selbst dieses gewesen, daß sie des rechten Weges verfehlt, in der Finsterniß gewandelt, und das wahre Licht nicht erkannt haben. Dann werden sie die verspotteten und verachteten Frommen unter den Kindern Gottes sehen, und sich unter den Kindern des Teufels und der Finsterniß; werden sehen, wie leer, unnüß und verkehrt ihr geschäftiges Leben war, womit sie der Welt so wichtige Dienste zu leisten glaubten. Sieh, so weiß der heilige Geist voraus zu sagen, wie es den Frommen, und wie es den Gottlosen dort gehen wird: jenen zur Aufmunterung und Stärkung, diesen zur Warnung und Erweckung, daß sie sich bekehren, und sich diese ewige Reue und Schande ersparen möchten. Ihr Lieben, die ihr um der Gerechtigkeit willen Spott und Verfolgung leidet, seyd getrost, und nehmet wohl zu Herzen, was euch in diesem Kapitel vorgehalten wird. Sehet aber zu, daß ihr auch wirklich der Heiligung nachjaget und wahrhaft um der Gerechtigkeit willen leidet, 478 nicht um eurer eignen Gebrechen willen. Wer um des Guten willen leidet, o der sey unverzagt- seine Freude und Herrlichkeit wird bald groß und ewig seyn. Mel. 109. Jesu, meines Lebens Leben. 1. O wie wohl, wie froh und selig, werd' ich einst dort bey ihm seyn! Dort, dort erndten wir unzählig unsers Glaubens Früchte ein. Dort wird ohne Leid und Zähren unsre Freude ewig währen. Herr, zu welcher Seligkeit führst du uns durch diese Zeit! 2. Dort wirst du dich meiner Seele offenbaren, wer du bist, daß mir keine Freude fehle, wo das Land der Wonne ist. Zu vollkommnenSeligkeiten wird mein Heiland mich dort leiten, Er, der alles mir erwarb, als am Kreuz er für uns starb. 3. Dort wird Seiner Frommen Menge Ein Herz, Eine Seele seyn, Liebe, Dank und Lobgesänge Gott und Gottes Lamm zu weihn; Gott und dem, der selbst sein Leben willig für uns hingegeben. Mit ihm, unserm größten Freund, sind wir ewig dann vereint. 4. O wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und dort zu seyn, wo, nach ausgeweinten Thránen, ewge Güter uns erfreun! Wo sich unser Kampf in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Angst in Lust verkchrt, die forthin kein Kummer stört. 5. Sey, o Seele, hocherfreuet über das erhabne Glück, das dir einst dein Gott verleihet! Richte deines Glaubens Blick oft nach jener Stadt der Frommen, mit dem Ernst, dahin zu kom men; trachte, weil du hier noch bist, nur nach dem, was droben ist. 6. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel gehn; o so mache immer reiner hier mein Herz, dich einst zu sehn! Hilf, ach hilf du meiner Seele, daß sie nicht den Weg vers fehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig Lob dir singt. Schmolke u. Diterich. 3. October. 277. Die ihr den Herrn liebet, hasset vas Arge; der Herr bewahrer die Seelen seiner Zeiligen, von der Gottlosen Hand wird er sie erretten. Pf. 97, 10. Aber ich habe etwas weniges gegen dich zc. Off. 2, 14. 20. aber nicht Gemein 479 schaft mit den unfruchtbaren Werken der Sinsterniß. Eph. 5, 11. Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Sinsterniß. 2 Kor. 6, 14. Sagt schon David: Ein verkehrtes Herz muß von mir weichen, den Bösen leide ich nicht. Ich hasse die Uebertreter, und lasse sie nicht ben mir bleiben. Pf. 101, 3. 4. Wie sollte der Höchste und Heiligste wohnen in einem Herzen, das noch die Sünde liebt, das nicht allem ganz entsagt, was vor seinen Augen ein Greuel ist. Wer sagt, er liebe den Heiland, und liebt nicht, was er liebt, und haßt nicht, was er haßt, der ist ein Lügner, und hat ihn nie erkannt. Man denkt und spricht: Das sind ja nur Kleinigkeiten, was sollte der Herr das übel nehmen, oder uns das nicht gönnen? Er ist nicht so streng, er nimmt es nicht so genau 2c. Ey, wie falsch und schlecht ist dieses gedacht: Nimmst es doch du genau mit andern, wenn sie sich nur mit einem Worte oder mit einem Blick gegen dich vergehen. Dann sieh, wie er Off. 2, 14. 20. auch mit Kleinigkeiten es genau nimmt, und wenn er an einem nur etwas weniges sieht, es gleich rügt und mit scharfen Drohungen zu bessern sucht. Was eine solche Majestät und Liebe, wie er ist, beleidigt, sollst du nicht klein nennen. Und wenn du es so gering achtest, wenn es so wenig und klein ist in deinen Augen, ist es desto schlimmer, wenn du ihm diese Kleinigkeit nicht upfern kannst. Wie wirst du große Dinge lassen, wenn du den kleinen nicht Meister wirst? Das Auge, das helle sehen und gesund bleiben soll, kann auch kein Stäubchen in sich dulden. Das Feuer will durchaus rein seyn; es verzehrt alles, was ihm nahe kommt. Das Licht leidet keine Flekken, keine Dunkelheit; es muß ganz lauter seyn. mel. 93. Was hilft es mir, ein Christ. Oder: Es ist gewißlich an der Zeit. 1. Damit ich dir gefällig sey und vor dir Gnade finde, so mache mich, o Heiland, frey von aller Lust zur Sünde; erwecke 480 mich zu deinem Preis, und mir zum Heil, mit stetem Fleiß nach Heiligung zu streben. 2. Du, Heiligster, kannst ewig nicht mit Sündern dich vereis nen. Nur Frommen strahlt dein Gnadenlicht; du wohnst nur bey den Reinen. So reinige denn mein Gemüth! Gieb, daß es jede Sünde flieht, auch selbst die Allerkleinste. 3. Vor dir sind keine Sünden klein, wie klein sie immer scheinen. Nur wenn wir ganz das Herz dir weihn, nur dann sind wir die Deinen, und preisen dich durch Wort und That, daß uns dein Tod erlöset hat, damit wir selig werden. 4. Wer nur der kleinsten Pflicht entweicht, kann großes Heil verlieren; der kleinste Fehltritt kann uns leicht zum größten Laster führen, und wer nur Eine Sünde liebt, und ihrer Herrschaft sich ergiebt, verscherzet deine Gnade. 5. Hilf, daß ich stets mit stillem Schmerz den kleinsten Fehl bereue, mit heilgem Ernst mein ganzes Herz nur deinem Willen weihe. Es wird dir ja zur Ehre seyn, wenn du mir täglich wirst verleihn, an Heiligung zu wachsen.* J. S. Diterich. 4. October. 278. Ich weiß, Herr, des Menschen Thun stehet nicht in seiner Gewalt, und steht in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang rich te. Jer. 10, 23. Mein Angesicht soll gehen, da mit will ich dich leiten. 2 mos. 33, 14. Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten. Pf. 43, 3. Die Gottlosen denken nicht an Gottes Leitung, sondern glauben, sie thun was sie wollen. Aber der Mensch denkt es, und Gott lenkt es. Der Mensch hat Böses im Sinn bey seinem Thun, Gott aber leitet es denen, die auf ihn vertrauen, zum Besten. Gott legt der Freiheit des Menschen keinen 3wang an, er låßt aber ihn die Absicht und den Zweck seiner bösen Anschläge und Thaten nicht erreichen, wenn sie nicht zum Besten seines Reichs dienen. Der Mensch will wohl freithätig handeln, aber das Vollbringen, das Thun steht nicht in seiner Macht 481 und Freiheit. Gott kann's hindern oder fördern, nach seinem Wohlgefallen. Der Fromme aber soll nie sich selbst leiten und regieren wollen, sondern keinen Schritt thun, ohne sich vom Ungesicht des Herrn, wie Moses, leiten zu lassen. 2 Mos. 33, 22. Ohne wie David zu beten: Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten! Wer nicht das Antlitz des Herrn sucht, wie Moses, ben allen seinen Handlungen, der irrt gewiß in der Wüste dieses Lebens herum, ohne den Weg zum Lande des Friedens zu finden. Wer nicht betet um Licht und Erkenntniß des Willens Gottes bey allen seinen Unternehmungen, dem gelingt gewiß sein Anschlag nicht, oder das Gelingen gereicht ihm nicht zum Heile, sondern zum Verderben. Er schreibt sich es selber zu, wird stolz darauf und erhebt sich; so, daß es besser wäre, es wäre ihm nicht gelungen. Der Herr hat verheißen, uns mit seinen Augen zu leiten, uns seinen Willen allzeit kund zu thun: Wenn sie weinend kommen und beten, dann will ich sie leiten. Jer. 31, 9. Sieh', da hast du sein Wort. Wenn du recht in die Enge und Klemme kommst, wenn du keinen Rath weißt, so weine vor dem Herrn, klage mit Thránen ihm deine Noth, und er muß dich leiten, denn Er hat's gesagt: Ich will dich leiten. Auch Ps. 32, 8. - mel. 38. Oder: 51. Da Jesus an dem Kreuze. 1. Ich weiß, mein Gott, daß all' mein Thun und Werk auf deinem Willen ruhn. Von dir kommt Glück und Segen; was du regierst, das geht und steht auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in feines Menschen Macht, daß sein Rath werd' ins Werk gebracht, und seines Gangs sich freue. Des Höchsten Rath, der macht's allein, daß Menschen- Rath gedeihe. 3. Oft denkt der Mensch in seinem Muth, dies oder jenes sey ihm gut, und ist doch weit gefehlet. Oft sieht er auch für schädlich an, was Gott doch selbst erwählet, 4. So fångt auch oft ein weiser Mann ein gutes Werk gar fröhlich an, und bringt's doch nicht zu Stande. Er baut ein Schloß und festes Haus, doch nur auf lauterm Sande. H b 482 5. Wie mancher ist in seinem Sinn fast über Berg' und Spizzen hin, und eh' er sich's versiehet, so liegt er da; es hat sein Fuß vergeblich sich bemühet. 6. Drum, lieber Vater, der du Kron' und Zepter trågst im Himmelsthron, und aus den Wolken blitest, vernimm mein Wort und höre mich vom Stuhle, da du sikest. 7. Gieb Licht und Wahrheit aus der Höh', damit ich ja nicht ruh' und steh' auf meinem eignen Willen. Sey du mein Freund und treuer Rath, was gut ist, zu erfüllen. 8. Pruf alles wohl, und was mir gut, das gieb mir ein; was Fleisch und Blut erwählet, das verwehre. Der höchste Zweck, das beste Theil sey deine Lieb' und Ehre. 9. Was dir gefällt, das laß auch mir, o meiner Seele Sonn' und Zier! gefallen und belieben. Was dir zuwider, laß mich nicht in Werk und That verüben. 10. Ist's Werk von dir, so hilf zum Glück; ist's Menschenthun, so treib's zurück, und åndre meine Sinnen. Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst in kurzem zu zerrinnen. 11. Tritt du zu mir und mache leicht, was mir sonst fast un möglich däucht, und bring' zum guten Ende, was du selbst an gefangen hast, durch Weisheit deiner Hände. 12. Sst gleich der Anfang etwas schwer, und muß ich gleich ins tiefe Meer der bittern Sorgen treten; so treib mich nur ohn' Unterlaß zum Seufzen und zum Beten. 13. Wer fleißig betet und dir traut, wird alles, da ihm sonst vor graut, mit tapferm Muth bezwingen. Sein Sorgen stein wird in der Eil in tausend Stücke ſpringen. 14. Der Weg zum Guten ist fast wild, mit Dorn und Hels ken ausgefüllt; doch wer ihn freudig gehet, kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, wo Freud' und Wonne stehet. 15. Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bey mir nicht hab' und find', hast du zu aller Gnüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand wohl halt und herrlich siege. 16. Dein soll seyn aller Ruhm und Ehr', ich will dein Thun je mehr und mehr aus hocherfreuter Seelen vor deinem Volk, vor aller Welt, so lang' ich leb', erzählen. P. Gerhard. 5. October. 279. Israel hat dennoch Gott zum Trost, wer nur reines Herzens ist. Ich aber håtte schier ges strauchelt mit meinen Süßen- denn es vers droß mich auf die Ruhmräthigen, daß es den Gottlosen so wohl ging. Denn sie sind in keiner Gefahr, stehen fest wie ein Pallast aber-- aber wie werden sie so plönlich zu nichte. Pf. 73. -- - 483 Das ist der allgemeine Stein des Anstoßes bey vies len auch guten Gemüthern; an dem einige schier straucheln, andere wirklich fallen; weil sie nicht Geduld genug haben, das Ende abzuwarten. Man lese den ganzen Psalm aufmerksam, und betrachte, wie wahr alle Worte sind. Gott låßt es den Gottlosen, Ungläubigen und Ungerechten wirklich wohl gehen und gelingen, als wenn er ihr Freund und Patron wåre; und die Frommen müssen leiden und unterdrückt werden, als wenn Gott ihr Feind und Widersacher wäre. Sieh, das ist eine alte Geschichte. Davon wußte Assaph und alle alten Frommen schon zu sagen; das war vor Jahrtausender so, ist noch so, und wird so seyn, so lange diese Welt in diesem jetzigen Zustande sich befindet. Wenn du deswegen die Frömmigkeit, den Glauben an Gott und Christus verwirfst oder gering schåßest, und dich etwa gar davor fürchtest, weil es den Gläubigen nicht wie den Uebelthätern, wohl geht; so verwirfst und verdammst du alle Heiligen und Gerechten aller Zeiten, die Gott auserwählet und geliebet hat. Alle, alle wurden durch viele Trübsal geprüft, aber ihr Ende- war herrlich, und dort- dort leuchten sie wie die Sonne, und der Höchste ist ihr Lohn. Und das Ende der Gottlosen, die hier glücklich sind, ist schrecklich und ihr Loos wird ewig schrecklich seyn. Weish. 5, 15. 16. Willst du also nicht lieber mit den Gerechten eine kurze Zeit leiden, und dann ewig herrlich seyn, als mit Frevlern hier Gott vergessen, schwelgen, prassen und dann in die Hölle begraben werden?- Nein, fagst du mit Affaph: Dennoch bleib' ich stets an dirwenn ich nur dich habe zc. Hh2 - -- 484 mel. 93. Was hilft es mir zc. Oder: Es ist das Seil uns kommen her. 1. Sey wohlgemuth, o Christen- Seel', im Hochmuth deiner Feinde. Es hat das wahre Israel ja dennoch Gott zum Freunde. Wer glaubt und hofft, der wird geliebt von dem, der unsern Herzen giebt Trost, Friede, Freud' und Leben. 2. 3war thut es weh und árgert sehr, wenn man vor Augen fichet, wie dieser Welt gottloses Heer so schön und herrlich blůhet. Sie sind in keiner Todsgefahr, erleben hier so manches Jahr, und stehen wie Pallåste. 3. Sie haben Glück und wissen nicht, wie Armen sey zu Mus the; Gold ist ihr Gott, Geld ist ihr Licht, sind stolz bey großem Gute. Sie reden hoch, und das gilt schlecht, was andre sagen, ist nicht recht; ihr Frevel nur muß gelten. 4. Des Póbelvolks unweiser Hauf' ist auch auf ihrer Seite; fie sperren Maul und Nase auf, und sprechen: Das sind Leute! Das sind ohn' allen Zweifel die, die Gott vor allen andern hie zu Kindern auserkohren. 5. Was sollte doch der große Gott nach jenen andern fragen, die sich mit Urmuth, Kreuz und Noth bis in die Grube tras gen? Wem hier des Glückes Gunst und Schein nicht leuchtet, kann kein Christ nicht seyn; er ist gewiß verworfen. 6. Solls denn, mein Gott, vergebens seyn, daß dich mein Herze liebet? Ich liebe dich, und leide Pein, bin dein, und doch betrübet? Ich hätte bald auch so gedacht, wie jene Rotte, die nichts acht't, als was vor Augen pranget. 7. Ach, aber sieh! in solchem Sinn wär' ich zu weit gekommen; ich hätte bloß verdammt dahin die ganze Schaar der Frommen. Denn hat auch je einmal gelebt ein frommer Mensch, der nicht geschwebt in großem Kreuz und Leiden? 8. Ich dachte hin, ich dachte her, ob ich es möcht' ergründen, es war mir aber allzu schwer, den rechten Schluß zu finden; bis daß ich ging ins Heiligthum, und merkte, wie du, unser Ruhm, die Bösen führst zu Ende. 9. Ihr Gang ist schlüpfrig, glatt ihr Pfad, ihr Tritt ist un gewisse. Du suchst sie heim nach ihrer That, und stürzest ihre Füße. Im Nu ist alles umgewendt, da nehmen sie ein plößlich End', und fahren hin mit Schrecken. 10. Heut' grünen sie gleich wie ein Baum, ihr Herz ist froh und lachet, und morgen sind sie wie ein Traum, von dem man leer erwachet. Ein bloßer Schatten, todtes Bild, das weder Hand noch Auge füllt, verschwindt im Augenblicke. 11. Es mag drum seyn, es währe gleich mein Kreuz so 485 lang' ich lebe; ich habe gnug am Himmelreich, wohin ich täglich strebe. Hålt mich die Welt gleich als ein Thier; so lebst du, Gott, doch über mir, bist meine Ehr' und Krone. 12. Du heilest allen meinen Schmerz mit deiner süßen Liebe, und wehrst dem Unglück, daß mein Herz sich nicht zu sehr betrübe. Du leitest mich mit deiner Hand, und wirst mich endlich in den Stand der höchsten Ehr' erheben. 13. Hab' ich nur dich, o starker Held! bleibst du bey mir im Leide, so acht' ich's nicht, wenn gleich zerfällt das große Weltgebaude. Du bist mein Himmel und dein Schooß bleibt allzeit meine Burg und Schloß, wenn Erd' und Himmel weichen. 14. Wenn mir gleich Leib und Seel' verschmacht't, so kann ich doch nicht sterben. Denn du bist meines Lebens Macht, und läßt mich nicht verderben. Was frag' ich nach dem Erb' und Theil auf dieser Welt? Du bist mein Heil, du bleibst mein ewig's Erbe. 15. Das kann die Gott- vergeßne Rott' mit Wahrheit nimmer sagen; sie weicht von dir und wird zu Spott, verdirbt in großen Plagen. Mir aber ist's, wie dir bewußt, die größte Freud' und höchste Lust, daß ich mich zu dir halte. P. Gerhard. 6. October. 280. Fürchte dich nicht, und zage nicht. Josua 8, 1. vgl. Josua 1, 9. Er wird den Erdboden recht richten, und die Leute regieren rechtschaffen. Pf. 9, 9. Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und ist unbegreiflich, wie er regiert. Pf. 147, 5. Die Tochter Juda sind fröhlich, Herr, über deinem Regimente. Pf. 97, 8. Wer zagt, hat vergessen, daß Gott mit ihm ist, und daß Gott alles regiert, daß nicht Ein Haar von seiz nem Haupte fallen kann, ohne den Vater. Zaghaftigkeit entspringt aus Unwissenheit oder Vergessenheit Gottes, des Heilandes, der uns versprochen hat, bey uns zu seyn alle Tage bis ans Ende der Welt. Wer ihn, seine göttlichen Eigenschaften, feine Weisheit, Allmacht, Liebe, Geduld und Allgegenwart kennt, und lebendig glaubt; wer 486 es weiß, und nie vergißt, daß er einen allmächtigen, wei fen, gütigen und freundlichen Heiland und Gott beståndig, alle Tage, bey sich habe, der ihn hört, ehe er ruft, und der versichert hat, selbst in uns zu wohnen; wer dieses lebendig glaubt, darf nicht, kann nicht zagen, es mag gehen wie es will; es mag auch scheinen, als ob kein Gott wäre, kein Gott der Weisheit und Liebe in der Welt regiere; er regiert dennoch, aber seine Gedanken und Wege sind nicht unsere Gedanken und Wege; sondern so viel der Himmel höher ist denn die Erde, so sind seine Gedanken und Wege höher als die unsrigen. Jef. 55, 9. Der Glaube, der die ihm stets gegenwär tige Allmacht und Liebe faßt und hålt, steht unverzagt und ohne Grauen, ist voll Dank und Anbetung, ist fröhlich über das Regiment der weisesteu Liebe Gottes; ist es ihm gleich unbegreiflich, wie er regiert, wie es dem David und allen, auch den erleuchtetsten Freunden Gottes immer unbegreiflich, aber doch anbetungswürdig erschien; so ruht er doch voll Zuversicht in den Armen der alles recht und wunderbar regierenden Liebe des Vaters. Mel. 103. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 1. Was zagst du? Gott regiert die Welt. Ift Gott denn nicht allmächtig? Den Arm, der dieses Weltthal hält, was macht dir den verdächtig? Wenn Meeresfluth und Feuersgluth uns schon ereilet håtten; er kann uns dennoch retten. 2. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott weiß alle Dinge. Selbst was der Mensch für kleinlich hålt, ist ihm nicht zu geringe. Sein Auge fieht in dein Gemüth. Die Bitte, die du thatest, vernahm er, eh' du batest. 3. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist der Allweise. Einst weckt dich, was dir jetzt mißfällt, zu seines Namens Preise. Er führt gewiß durch Finsterniß, durch jede Nacht der Leiden zum Lichte reiner Freuden. 4. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und ist allge genwärtig. Der Fromme, der an ihn sich hålt, ist seines Heils gewärtig. O glaub' es gern, Gott ist nicht fern. Wo Menschen zu ihm flehen, da eilt er beizustehen. 5. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und ist er nicht die 487 Liebe? Nichts ist, was dem, der ihm gefällt, ein Quell bes Elends bliebe. O fasse Muth, selbst Jesu Blut sagt dir bey jedem Leiden: Gott segnet uns mit Freuden. 6. Was zagst du? Gott regiert die Welt; ist gnådig und geduldig. 3war, wenn er vor Gericht uns stellt, sind selbst die Frommen schuldig. Doch sein Gericht trifft Fromme nicht. Er schonet als Erbarmer. Was wärst du sonst, du Urmer? 7. Drum, Gott, weil du die Welt regierst, wie könnt' ich je verzagen? Ich folge dir, wie du mich führst; nichts soll mich niederschlagen. Ich hoff' auf dich, du segnest mich; wenn ich auf dich nur schaue, und freudig dir vertraue. J. A. Schlgl. 7. October. 281. Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich einnehmen, und werden's immer und ewiglich besitzen. Dan. 7, 18. Der höchste sorgt für sie, darum werden sie empfangen ein herrliches Reich, und eine schöne Krone von der and des Herrn. Weish. 5, 16. 17. vergl. Of fenb. 2, 10. Die Heiligen, die sich dem Herrn ganz widmen und heiligen, die angezogen haben Jesum Christum, das Heil und die Gerechtigkeit Gottes, die in ihm hier wandeln und unstråflich bewahrt bleiben bis zu seinem Tage, die werden sein Reich einnehmen, und ewiglich besitzen. Die mit Paulus 2 Tim. 4, 7. den edlen Kampf kämpfen, die Laufbahn vollenden, den Glauben bewahren, die werden empfangen ein herrliches Reich und eine schöne Krone, die Krone der Gerechtigkeit, die ihnen darreichen wird die Hand des Herrn, des gerechten Richters. O du schöne Krone! du herrliches Reich! wer dich nie aus den Augen verlore, dem würde kein Leiden dieser Zeit zu schwer, das er nicht gern trüge; dem würde keine Lust, keine Ehre, kein Gut der Welt zu reizend seyn, das er nicht gern verleugnete! Dem würde der Weg zu dir nicht zu steil, nicht zu rauh, nicht zu beschwerlich seyn. 488 Auf Flügeln der Liebe und Sehnsucht würde er sich über alles wegschwingen und sein Herz schon dort haben, wo du, schöne Krone, du herrliches Reich, bist! Vergeffen würde er, was hier unten ist, und nur im Sinne haben, was von dort ihm herüber winkt. Ihr Lieben! laffet uns nicht vergessen, was unser wartet beim Herrn. 66 ist groß, es ist schön, es ist herrlich. Nichts, nicht des Nennens werth ist alles, was wir leiden und thun. Laßt uns noch mehr thun, noch mehr leiden, es ist doch alles nichts gegen jene Krone. mel. 78. Jesus, meine Zuversicht. Oder: Meinen Seiland laß ich nicht. 1. Steil und dornigt ist der Pfad, der zum ewgen Leben leitet. Selig ist, wer ihn betrat und als Jünger Jesu streitet! Selig, wer den Lauf vollbringt und das hohe Ziel erringt. 2. Ueberschwenglich ist der Lohn der bis in den Tod Getreu en, die der Lust der Welt entflohn, willig sich dem Heiland weis hen; deren Hoffnung unverrückt nach der Siegeskrone blickt! 3. Den wir lieben und nicht sehn, der hat uns den Lohn errungen; hat vom Kreuz zu Gottes Höhn siegreich sich empor geschwungen. Sieger in der Todesnacht, sprach er selbst: Es ist vollbracht! 4. Herrlicher Vollender! der folgen wir, die Schaar der Streiter! Sturm und Nacht umfängt uns hier, jenseits ist es still und heiter; Hoffnung sieht das Morgenroth schimmern hinter Grab und Tod. 5. Auf denn, Mitgenossen, geht hin zum Streite evider Lüste! Seht auf Jesum, wacht und fleht, daß Gott selbst zum Kampf euch rüste. Der in Schwachen mächtig ist, giebt uns Sieg durch Jesum Christ. Brde. 8. October. 282. Herr, ich breite meine Hände aus zu dir; meis ne Seele dürftet nach dir, wie ein dürres Land, Pf. 143,6. Erfreue die Seele deines Knechtes; denn nach dir, Herr, verlanget mich. Pf. 86,4. So steht es in den Herzen der Frommen geschries ben. So ruft jede Seele, die den Herrn liebt, tausend 489 mal, so schreit ihr ganzes Wesen unablässig, ohne Worte, ohne Laut von außen, zu dem unsichtbaren nahen, aber verborgenen Gott. Wer geschmecket hat, wie freundlich er ist, kann ohne ihn nicht mehr leben. Es ist ein ewiges Verlangen, Schnen, Hungern und Dursten nach ihm im Innersten der Seele, das zu Zeiten laut wird, und ausbricht in solche Psalmen, wie David, Assaph und andere Freunde des lebendigen Gottes fangen. Es hat nichts Reiz für sie, was sie immer finden in der Welt, was man ihnen immer vorlegt; es schmeckt ihnen nichts so, als Er. Sie haben, wie einer sagte, eine Passion, und die ist Er, nur Er. Bald giebt sich nun der Herr ihnen zu genießen, und da trinken sie aus den Strömen des ewigen Lebens, die vom Paradiese Gottes herüber fließen; bald verbirgt er sich ihnen, o dann sind sie wie vom Himmel in die Hölle geworfen, und fühlen diese Prüfung als das strengste und beißendste Läuterungsfeuer, welches noch heißeren Durst nach ihm erweckt, daß die Seele viel brünstiger nach ihm verlangt und mit glühendem Sehnen sein Untlig wieder sucht. Sie halten ihn im Glauben und lassen ihn nicht, wie er es immer mit ihnen macht. Nichts kann sie von ihm scheiden. Scele, wie hast du es mit ihm? Bist du so mit ihm verbunden? Hångst du also an ihm? Verdient er es etwa nicht? Weißt du andere Dinge, die du ihm mit Recht vorziehen könntest? Kann eine Liebe zu groß für ihn seyn? zu viel für ihn thun? Ist bey dir Gefahr zu besorgen, daß du zu sehr an ihm hångst, zu brünstig nach ihm verLangst? Ich zweifle. Verzeihe mir meinen Unglauben. Mel. 119. Wie schon leucht't uns. Oder: Gott, unser Gott, wir danken. - 1. Mein Jesus, süße Seelen- Lust! mir ist nichts außer dir bewußt, das meine Seele stillet, als deine Näh', die köstlich ist, so daß auch seiner selbst vergißt, den du mit ihr erfüllest. Zieh' mich kräftig, zu der Liebe reinstem Triebe von der Erde, daß ich ganz dir eigen werde. - 490 2. Was hatt' ich doch für Trost und Licht, als ich dein holdes Angesicht, mein Jesus, noch nicht kannte! Wie blind und thöricht ging ich hin, da mein verkehrter Fleischessinn von Weltbegierden brannte! Bis mir von dir Licht und Leben ward gegeben, dich zu kennen, dich mein höchstes Gut zu nennen. 3. Die Lust der Welt hat wohl den Schein, als wäår ihr schlechtes Fröhlichseyn ein herrliches Vergnügen. Allein wie eilend flieht's vorbey, sich lohnend nur mit bittrer Reu', und des Gewissens Rügen. Drum muß Jesus mit den Schätzen mich ergößen, die bestehen, sich von Kraft zu Kraft erhöhen. 4. Ja, wer ihn fest im Glauben hålt, der kann die Freuden jener Welt im Vorgenuß schon schmecken. Pflegt Jesus gleich zu mancher Zeit, bey großer Herzenstraurigkeit, sein Antlik zu verdecken; ist doch sein Joch frey von Plagen, welche nagen, welche quälen, Welt- und Sünd' ergebne Seelen. 5. Ich weiß denn auch aus deinem Wort, daß du, mein Heiland und mein Hort, cich ewig nicht verhüllest. Du thust es, ewge Liebe, du, auf daß mit desto größrer Ruh' du mich hernach erfüllest; wenn ich treulich in dir lebe, in dir leide, in dir sterbe, bin ich deines Himmels Erbe! 6. Es soll, o Herr, mich keine Noth, und wår' es Marter, Kreuz und Tod, von deiner Liebe schrecken; ich weiß, wie treu dein Herz mich liebt, darum geh' ich auch unbetrübt mit dir durch Dorn und Hecken. Plage, schlage, ich bin stille, ist dein Wille, was mich kránket, weiß ich doch, wer mein gedenket. 7. Und soll ich, als dein Pilger hier, des Geistes Tröstung nicht in mir in reichem Maaß empfinden; will hoffnungsvoll ich unverwandt hinschauen auf mein Vaterland, wo ich dich werde finden; wo ich ewig vor dir stehen, dich soll sehen, und am Throne prangen in der Siegeskrone. 8. Ich kenne, holder Menschen- Schn, dein Herz voll Lieb' und Treue schon, ich denk' an dein Versprechen; dein Herz, das mich in Trau'r versetzt und sich verschließt, muß doch zu letzt vor lauter Liebe brechen. Eine kleine Zeit betrübest du und liebest doch die Deinen, wie könnt'st du es bóse meinen? 9. Du salbest mich mit Freudendhl, so daß sich öfters Leib und Seel' recht inniglich erfreuen. Ich weiß wohl, daß du mich betrübst, doch weiß ich, was du denen giebst, die deine Bucht nicht scheuen. Drum gieb den Trieb dir in allen zu gefallen, treu zu bleiben und recht fest an dich zu glauben. 10. Der Glaube, der mich dir verband, soll halten dich mit 491 starker Hand; Herr, mehre mir den Glauben: Im Glauben kann mich niemand dir; im Glauben kann dich niemand mir, allmächtger Jesus, rauben. Durch dich werd' ich tapfer ringen und bezwingen Welt und Sünden, und den Argen überJoach. Neander. winden. 9. October. 283. Ich danke dir, daß du mich gedemüthiget hast und hilfst mir. Pf. 118, 21. Wenn du mich demüthigst, machst du mich groß. 2 Sam. 22, 36. Pf. 18, 36. und tröstest mich wieder. Pf. 71, 21. Wenn Leiden, Versuchungen, Dunkelheiten, Unglück, oder was immer für Prüfungen und Heimsuchungen Gottes da sind, um uns zu demüthigen, ist es freilich schwer für das arme Menschenherz, es weiß sich nicht mehr zu helfen; doch wenn es aufblickt zu dem, der ales ordnet, und ohne den uns nichts geschehen und begegnen kann; wenn es zurückdenket, wie oft er schon aus der Noth geholfen, die bange Seele getröstet, Freuden auf Leiden gesendet, und allezeit einen großen Segen auf große Leiden folgen ließ, so kann es nicht verzagen, und wird, wenn es aushält, am Ende danken für den großen Gewinn, den die Seele dadurch erhalten hat. Leiden demüthigen, machen die Seele klein, gebeugt, führen zur Erkenntniß und zum Bekenntniß der Sünde und den Demüthigen giebt Gott Gnade; den Hoffårtigen widersteht er. Darum muß er zuerst unsre Hoffart, unsern Uebermuth niederschlagen, damit er den Gedemůthigten Gnade erzeigen und sie aufrichten kann. Er sucht und bahnet sich also durch Leiden und Kreuz einen Weg zu unsern Herzen, wenn er sie vor unsrer Hoffart nicht finden kann. Er hat also nur Gnade, Friede und Verherrlichung im Sinn, wenn er dich gleich niedergeworfen, geschlagen oder gedemüthiget hat. Er will dich groß - 492 und herrlich machen, darum hat er dich klein und niedrig gemacht. Willst du ihm das nicht erlauben? willst du ihm wehren? So kann er nichts aus dir machen; und du bleibst ein stolzer- Narr, indem du den Weg zu deiner wahren Erhöhung fliehst. Mel. 93. Was hilft es mir, ein Chr. Oder: Es ist gewißlich an der Zeit. 1. Noch, dennoch mußt du drum nicht ganz in Traurigkeit versinken; Gott wird des süßen Trostes Glanz schon wieder lassen blinken. Steh' in Geduld, wart' in der Still' und laß Gott machen, wie er will. Er kann's nicht böse machen. 2. Ist denn dieß unser erstes Mal, daß wir betrůbet werden? Was haben wir für Angst und Qual bisher gehabt auf Erden? Sind wir nicht oft so hoch gekrånkt, doch hat Gott uns darauf geschenkt ein Stündlein voller Freuden. 3. So ist auch Gottes Meinung nicht, wenn er uns Unglück sendet, als wäre nun sein Angesicht darum von uns gewendet. Nein, sondern dieses ist sein Rath, daß der, so ihn verlassen hat, durchs Unglück wiederkehre. 4. Denn das ist unsers Fleisches Muth, wenn wir in Freuden leben, daß wir dann unserm höchsten Gut am ersten Urlaub geben; wir sind von Erd' und halten werth vielmehr, was hier auf dieser Erd', als was im Himmel wohnet. 5. Drum fährt uns Gott durch unsern Sinn und läßt uns weh' geschehen; er nimmt oft, was uns lieb, dahin, damit wir aufwärts sehen, und uns zu seiner Güt' und Macht, die wir bisher nicht groß geacht't, als Kinder wieder finden. 6. Thun wir nun das, ist er bereit, uns wieder anzunehmen, macht aus dem Leide lauter Freud' und Jubel aus dem Gråmen. Und das ist ihm gar schlechte Kunst, wen er um fångt mit Lieb' und Gunst, dem ist geschwind geholfen. 7. Drum falle du, betrübtes Herz, in Demuth vor ihm nieder; sprich: Herr, wir geben dir die Ehr'; ach! nimm uns Sunder wieder in deine Gnade; reiß' die Last, die du uns aufgeles get hast, hinweg; heil' unsern Schaden. 8. Denn Gnade gehet doch für Recht, Zorn muß der Liebe weichen; wenn wir erliegen, muß uns schlecht Gott sein Er barmen reichen. Dieß ist die Hand, die uns erhält, wo wir die lassen, bricht und fällt all unser Thun und Lassen. 9.AufGottesLiebe mußt du sehn, und dich nicht lassen fällen, 493 wenn auch der Himmel wollt' zergehn, und alle Welt zerschellen; Gott hat uns Gnade zugesagt, sein Wort ist klar, wer sich drauf wagt, dem kann es nimmer fehlen. P. Gerhd. 10. October. 284. Sorget nicht! Matth. 6, 25. Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch. 1 Petr. 5, 7. Kümmert euch nichts; sondern in allen Dingen lasset euer Anliegen in Geber und Slehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Phil. 4, 6. - Wenn ein Kind Gottes sich von Sorgen einnehmen und martern läßt, so hat es aufgehört an Gott, als seiz nen Vater, und an Jesum, als seinen Heiland und Hirten, zu glauben; verleugnet eben durch das unglaubige Sorgen den Glauben an Gott und Jesum, und ist årger als ein Heide; weil ein Heide von Gott und seinem Worte nichts weiß, und also nicht glauben kann. Du arme Seele! wach' auf! Hast du vergessen, daß Gott dein lieber Vater ist und für dich sorgt, wie der allerliebevollste und zärtlichste Vater auf Erden unmöglich sorgen kann? Hast du vergessen, daß Jesus dein Bruder, Hirt und Heiland ist, der dir ewiges Leben verheißen und hier schon ein Vorgefühl davon gegeben hat? Sollte er dir, was du hier bedarfst, nicht geben? Hast du aufgehört, zu glauben, daß er dich mit Blut erkauft hat? sollte er dich nun wegen geringer Dinge verlaffen? seine für dich durchbohrten Hände von dir abwenden? Sieh' doch einmal wieder in seine Hände hinein, ob dein Name nicht drinnen steht? Sehau ihm doch einmal wieder unter die Augen, oder in sein Herz, und du wirst sehen, daß dich dein Hoherpriester noch nicht weggeworfen, die Henne ihre Küchlein noch nicht zertreten, der Hirte sein Schäflein nicht von sich gejagt hat- Du wirst sehen, 494 daß er dich noch mütterlich im Schooße trågt- Aber schaue auf zu ihm, sonst kannst du das nicht sehen. Sieh' nicht nur in die Erde und in das Irdische, nicht nur in dich hinein und um dich her, auf das Neußere, auf deine Umgebungen-Auf! auf! zu ihm, mit Herz und Sinn! Er sorgt für dich, und muß; er kann nicht an ders; du bist sein, und er kann dich nicht lassen. mel. 9. Jefus Christus blick. Oder: Schwing' dich auf zu. 1. Sorge, Vater! sorge du! sorge für mein Sorgen; sorge selbst für meine Ruh', heut' sowohl als morgen; sorge für mich allezeit; sorge für das Meine, o du Gott der Freundlichkeit, sorge du alleine! - 2. Sorge, wenn der Tag anbricht, sorg' für Leib und Seele; sorge, daß ich niemand nicht sie, als dir, befehle. Sorge, Höchster, für und für auch für meine Sinne; sorge, daß zuwider dir ich ja nichts beginne. 3. Sorge, laß dein Wort uns auch bis an unser Ende, daß ich bis zum letzten Hauch nie mich von dir wende. Sorge für die Obrigkeit, Diener deines Wortes, und dazu für alle Leut' jedes Stand's und Ortes. 4. Sorge, großer Menschenfreund! für uns, deine Kinder; forge, Herr, für Freund und Feind, sorge für uns Sünder! Sorge für mein täglich Brod; sorge doch für alle, die in Urmuth und in Noth; sorge, wenn ich falle. 5. Sorge, Herr, wenn mich anficht Satan hier auf Erden; sorge, wenn ich vor Gericht soll gefordert werden. Sorg' für meine Grabesstatt; serg' fürs ewge Leben; sorge, wenn mein Geist sich hat dir einst übergeben. I.E. C. S. 11. October. 285. Ich nenne euch nun nicht mehr Knechte, denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr thut; sondern Freunde nenne ich euch, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kund gethan habe. Joh. 15, 15. Jch will einen ewigen Bund mit ihnen machen, daß ich nicht will ablassen, ihnen Gutes zu thun; und es foll meine Lust seyn, ihnen Gutes zu thun. 495 Jer. 32, 40. 41. Ich bin bey ihnen in der Noth. Pf. 91, 15. Alle die Eigenschaften, die Sirach und die jeder Freund von seinem Freunde fordert, findet man an keinem Wesen im Himmel und auf Erden so vereinigt und in dem Grade, als an Jesu, unserm Herzens- und Seelenfreunde. Ein treuer Freund ist ein starker Schuß, mit keinem Geld oder Gut zu bezahlen, ein Trost des Lebens er wird aber in der Noth erkannt. Sir. 6, 7. 8. u. 12, 7. 8. 14- 16. Von welchem Menschen können wir all dieses mehr erwarten, als von Jesu, der gerade in der Noth am liebsten bey uns ist, und uns herausreißen will? Und in aller Noth, in der Sündenund Todesnoth, wo uns alle Freunde nichts helfen. Wenn es Sprüch. 18, 24. heißt: Ein treuer Freund liebt mehr, und steht fester bey, als ein Bruder; so ist dies gewiß auch von keinem so wahr, als von unserm Freunde zur Rechten Gottes. Er hat uns ewige Freundschaft und Liebe geschworen, hat sich verbunden, nicht abzulassen, uns Gutes zu thun.. Es ist seine Lust, nicht nur uns Gutes zu erweisen, sondern bey uns zu seyn und zu bleiben. Sprüch. 8, 31. Er vertrauet uns die Geheimnisse seines Vaters, hålt von allen dem, was er bey seinem Vater gehört hat, nichts zurück, sondern schüttet es in den Schooß seiner Freunde aus. O Freund! sey ein Freund Jesu! und halte dies für das größte Glück, ein Freund Jesu werden zu können; die Bedingniß steht Joh. 15, 14. Und Vers 13. liefest du den höchsten Beweis seiner Freundschaft gegen dich, so daß 3weifel, ob er dein Freund sey und werden wolle, sobald du willst, die schåndlichste Sünde wäre. Denn wer einmal für mich stirbt, der kann doch mein Feind nicht seyn; kann mir doch seine Hand nicht entziehen, wenn ich sie anfassen will. Stch' zu seinem Kreuze hin, und sieh' deinem Freunde ins Herz; was liesest du? - 496 Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: Mir ist Erbar: mung wiederf. 1. Der beste Freund ist in dem Himmel, auf Erden sind die Freunde rar; denn bey dem falschen Weltgetümmel ist Red lichkeit oft in Gefahr. Drum hab' ich's immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Menschen sind wie eine Wiege; mein Jesus stehet felsenfest, daß, wenn ich gleich darnieder liege, mich seine Freundschaft doch nicht läßt. Er ist's, der mit mir lacht und weint: Mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkauft stets ihre Liebe dem, der am meisten nüßen kann; und wird der Glanz des Glückes trübe, so steht die Freundschaft hinten an. Doch hier ist es nicht so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich tödten, vergießt für mich sein eigen Blut. Er steht mir bey in allen Nöthen, er macht all mein' Schulden gut. Er hat mir niemals was verneint: Mein Jesus ist der beste Freund. 5. Mein Freund, der mir sein Herz gegeben; mein Freund, der mein ist und ich sein. Mein Freund, der mich wird ewig lieben, mein Freund bis in das Grab hinein. Wie? hab' ich's nun nicht recht gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde, sie sind doch gar zu wandelbar; und hätt' ich hundert tausend Feinde, so krümmen sie mir nicht ein Haar. Hier immer Freund, und nimmer Feind: Mein Jesus ist der beste Freund. B. Schmolke. 12. October. 286. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen fey. Job. 15, 11. 16, 24. Sey nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr thut dir Gutes. Pf. 116, 7. Die Jünger aber wur den voll Freude und heiligen Geistes. Apostg. 13, 52. Die wahre Freude und der unzerstörbare ewige Friede kommt erst in das Herz des Menschen, wenn der heilige Geist einkehrt, wenn der Herr selbst zum Herzen spricht, und ihm Gutes thut. Die Gottlosen und Un 497 gläubigen, die Unbekehrten oder lauen Christen haben keinen Frieden und keine reine bleibende Freude. Unfriede und Unruhe ist in allen Herzen, in welchen der Gott des Friedens, in welchen Christus nicht wohnet durch den Glauben. Auch der Gläubige hat den Frieden verloren, sobald er vom Glauben abweicht, oder lau und tråge wird, so daß er nicht in Jesu bleibt, und Jesum aus dem Auge und Herzen verliert. Darum kommet alle, ihr Herzen, die ihr Friede und Freude suchet, kommet zu Jesu, dem Friedefürsten, nehmet ihn durch den Glauben in Liebe auf in eure Herzen; er will da seine Friedenshütte aufschlagen, will bey euch einkehren, und euch lauter Freude bringen. Mit ihm kehrt der Himmel in eurer Seele ein. Aber so lange wir hier leben, ist es ein gefährlich Ding. Wir tragen den Schak in zerbrechlichem Gefäße, und müssen sehr wachsam und treu seyn, um ihn nicht zu verlieren. Wird er uns, mit oder ohne unsere Schuld, aus weiser Absicht des Herrn, auf eine Zeit entzogen, so sollen wir deswegen nicht verzagen, sondern nur desto mehr in unser Herz einkehren, desto eifriger vor seiner Thüre warten, bis er sich unser wieder crbarmet. mel. 16. Seilge Liebe, Zimmelsflamme. Oder: Bleib bey Jesu. 1. In den selgen Augenblicken, die mir deine Gnade giebt, schaut die Seele mit Entzücken dich, den meine Seele liebt. Hier strömt mir der Gnaden Fülle, ferne weicht das SündenHeer, in der Gott geweihten Stille wird mein Innres voll und leer. 2. Leer von allen Eitelkeiten, die das Herz mit sich entzwei'n, voll des Drangs, dem Ewigkeiten kaum genügen, sein zu seyn. Eh ich dich, mein Leben, kannte, kam kein Friede in mein Herz, das von böser Lust entbrannte, blutete von manchem Schmerz; - 3. Ungefüllt mit Stolz und Tücken, ohne Demuth, Licht und Recht, ließ es sich so leicht berücken, blieb, oft ungern, Sünden- Knecht. Hirtenlos, auf oder Haide, irrt' ich, ein 498 verlornes Schaf, das für Hunger nirgends Weide, lechzend, keine Quelle traf. 4. Schwermuth ging mir lang' zur Seite; du erfreutest Herz und Sinn; lauter Friede, Seligkeiten hab' ich, seit ich deine bin. seit jenen heilgen Zagen sieg' ich über die - O Begier, über Schwermuth, finstre Klagen, reiner Himmel iſt in mir. - 5. Keine Neigung könnt' ihn trüben, stets hielt er in mit sich klar, würd' ich dich allein stets lieben, sonder Dunkel, treu und wahr.- Ach der Welt, die dies nicht fasset, diese Seligkeit zerstört, weil sie diese Liebe hasset, durch den Trug der Lust bethort! 6. Laß mich nicht, du ewig treuer, ob du mir dich auch vers hüllst! Lautre mich wie Gold im Feuer, bis ich bin, wie du mich willst. Daß ich einst, nach Lautrungs- Leiden, diesem Todes- Leib entgeh', und im Lande reiner Freuden darf ich's denken Herr, dich seh'. Mkn. - - 13. October. 287. Wer bist du? Joh. 1, 19. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. alter euch nicht selbst für klug. Rom. 12, 16. 17. Wer sich dünken läßt, er sey etwas, da er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Gal. 6, 3. Wer bist du? fragten die Priester und Pharisäer den Johannes, und sie hätten besser gethan, wenn jeder diese Frage an sich selbst gestellt haben würde. Denn diese Frage soll jeder Mensch des Tages siebenmal sich selbst zum Lösen aufgeben; so würde weniger Dunkel, mehr Demuth und Liebe unter den Christen seyn. Wer bist du? Bist du Etwas in deinen Augen? so bist du nicht nur Nichts wie wir alle sind, sondern du bist das ben auch ein aufgeblasener Thor und Selbstbetrüger, oder ein Betrogener. Betrachte dich nach dem Beispiele Christi und seiner lieben Nachfolger, der Apostel. 499 Märtyrer und anderer ausgezeichneten Frommen, so wirst du finden, daß du noch weit zurück bist. Betrachte dich nur nach deinen Christen-, Standes- und Berufspflichten, so wirst du dich gewiß als einen großen Schaldner und Uebertreter erkennen. Am allerwenigsten kennen sich Menschen, und besonders Fromme, die nach hohen Dingen, hohen Erkenntnissen, tiefen Einsichten, und nach besondern Sachen trachten, die andere nicht wissen und nicht kennen: denn diese versteigen sich so sehr, daß sie den Weg zu sich selbst zurück nicht mehr finden. Hüte dich schau nicht nach Höhen hin; Gott weiß, was dort ist; und wenn du es sehen und wissen sollst, wird er dir in einem Angenblick mehr zeigen, als du in hundert Jahren nicht erforschen kannst schau nicht nach Höhen hin, schau in dich hinein, steig herab zu den Demůthigen, Niedrigen, und bleib unten im Thale der Selbsterkenntniß und Selbsterniedrigung: so wird dich Gott erhöhen, und dir Dinge offenbaren, die du auf schwindelnden Höhen nie finden kannst, wenn er sie dir nicht zeigt auf dem Wege des demüthigen Glaubens. - Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: Mir ist Erbar: mung wiederf. 1. Wer bin ich? welche wichtge Frage! Gott, lehre sie mich recht verstehn! Gieb, daß ich mir die Wahrheit sage um mich, so wie ich bin, zu sehn. Wer nicht sich selbst recht kennen lernt, bleibt von der Wahrheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Hånden, erkauft um einen theuren Preis. Für dich mein Leben zu verwenden, ist meine Pflicht, und dein Geheiß. Doch leb' ich, als dein Eigenthum, auch wie ich soll, zu deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntniß. Doch bin ich's, Herr, auch in der That? O öffne du mir das Verständniß, recht einzusehn, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh', ob ich auch recht- im Glauben steh'. 2 Kor. 13, 5. 4. Du kennest unsers Herzens Tiefen, die uns selbst unergründlich sind. Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, wie ich, o Herr, vor dir gesinnt! Befreie mich vor falschem Wahn, der auch den Klügsten täuschen kann. Ji2 500 5. Wer alles weiß, und doch verborgen und unbekannt fich selbst noch bleibt; wie will er für sein Bestes sorgen? Was ist, das den zum Heiland treibt? Sich selbst recht kennen, bringt uns Noth, die treibt zu Jesu Kreuz und Tod. 6. Was mir zu meinem Heile fehlet, mein Heiland, das entdecke mir! Hab ich der Wahrheit Weg erwählet, so gieb, daß ich ihn nicht verlier'! Erleuchte mich mit deinem Licht, so tauscht mich Eigenliebe nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Stege, der mich zum ewgen Leben führt: so bringe mich zurück vom Wege, der ins Verderben sich verliert. Gieb mir zur Umkehr Lust und Kraft; du bist's, der beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war, was ich gethan. O laß mich's nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kann. Herr, mache mich zum Himmel klug, und hier schon frey von Selbstb.trug! Diterich P. in Blin. disid 288. 14. October.r al Wie ein Knecht sich sehnet nach Schatten, und ein Tagelöhner, daß seine Arbeit aus sey; also habe ich wohl ganzer Monden vergeblich gearbeitet. Elender Nächte sind mir viele worden. Ziob 7, 2. 3. Du machest Sinsterniß, daß es Nacht wird. Pf. 104, 20. Wir müßten die Führungen aller Glaubens- und Ge duld- Helden verwerfen, wenn wir nicht in ihre Fußstapfen treten, wenn wir nicht gelten lassen wollten, daß auch der erleuchtete, claubige Christ in tiefe Nächte, Dunkelheiten hinein gerathen müsse, um erst recht erleuchtet und erfahren zu werden. War Hiob nicht ein Mann, der Gott geftel, vnd den der Herr führte? Höre ihn, was er dir zu erzählen weiß; wie ihm oft Mondenlang gewesen ist. Kein Tagellhner sehnet sich so nach Ruhe, kein Arbeiter in der Sonnenhibe so nach Schatten, als die in dunkeln Wegen wandelnie Seele nach Licht und Trost vom Herrn. Merke dir doch das eine Wort von 501 Hiob: Es sind mir der elenden Nächte viel geworden. Das waren wohl nicht Nå hte, wie sie der Leidenschaftlt= che, der Geizige, der um das Irdische Bekümmerte hat, den überflüss ge Sorgen des Geizes oder Unglaubens, den Neigungen, den Rache 2c. plagen und schlaflos machen. Nein, das Elend dieser Nächte bestand in innern. Kämpfen mit Finsterniß des Geist.s, da sich der Herr mit seinem Lichte verbirgt, und die Seele ihr allein überläßt, bis sie sich herausseufzet, mit Gebet und Flehen durchdringt und ihr das hellleuchten e Antlitz des Herrn wieder scheint. David sagt: der Herr macht diese Finsterniß, daß es Nacht wird. Er giebt und entzieht das ticht aus weisen Ursachen. Er macht dunkel und helle in der Seele, daß sie wisse, wohin sie sich um Licht zu wenden habe. Herr, laß leuchten dein Antliş über uns, so genesen wir. Mel. 8. Ruft getrost, ihr Wächterstimmen. 1. Jesus Christus, Trost der Deinen, meines Lebens Kraft und Licht! O du Tilger aller Sünden! Laß dich finden, laß dich finden! neige her dein Angesicht. Laß die Sonne wieder scheinen! meines Lebens Trost und Licht! 2. In der dunklen Nacht der Erde, sprich Ein: Friede sey mit dir! Weiß ich doch, auf Kreuz und Leiden folgen immer Trost und Freuden. Zeige deine Liebe mir! Laß mein Herz ermuthigt werden: sprich Ein: Friede sey mit dir! 3. Alle deine Liebeswege lehre mich, Herr, recht verstehn! Wird es dunkel, währt es lange, wird dem armen Herzen ban= ge, wolist du mir zur Seite stehn. Laß mich deine Leidensstege voll Vertraun und muthig gehn! 4. Gieb mir Flügel, gieb mir Flügel, zu entfliehn der bangen Nacht! Will die Furcht ins Herz sich stehlen, will ich deine Treu' erzählen, die bis heut' für mich gewacht. Was geschah, sen mir ein Siegel deiner Huld und deiner Macht. 5. O du Tilger meiner Sünden! meines Lebens Trost und Licht! Ich will flehen, ringen, wachen; dir empfehlen meine Sachen; deine Treue läßt mich nicht. Laß dich finden, laß dich finden, Herr, Herr, meine Zuversicht! 502 15. October. 289. Sey getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Off. 2, 10. Sich, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone raube. Off. 3, 11. Treu seyn ist eine Sache, die nur uns selbst nüht, wodurch Gott nichts gewinnt; und doch verspricht er uns eine Krone dafür. Und doch achten wenige diese Krone. Auch ist uns Treue nicht möglich ohne seine Gnade, wenn er sie nicht in uns wirkt, und doch krönt er sie als ein Werk, das wir gethan håtten. So treu und gütig ist der Herr! Verdient er nicht Treuc? Er war für uns selbst getreu bis zum Tod am Kreuze; nun ist doch nichts billiger, als daß er von uns auch eine sol che Treue fordere, die doch nur uns die Krone aufsetzt. Aber du untreues Herz, das täglich Bund und Treue bricht! Wo willst du Treue bis in den Tod hernehmen? Wo ich alle Gnade und Tugend hernehme; von dem treuen Gott, der mir alles versprochen hat, und da er treu und wahrhaftig ist, auch täglich, und wenn ich's täglich tausendmal nöthig habe, täglich tausendmal giebt, ohne vorzurücken; der alle seine treuen Knechte und Mågde, die je gewesen sind, treu gemacht und treu erhalten hat bis ans Ende. Der treu bleibt, wenn wir auch untreu werden; der uns viel weniger vergessen und verlas sen kann, als eine Mutter ihr Kind; als eine Henne ihre Küchlein. Wohnt dies Vertrauen in deiner Brust, und der Eifer, den Herrn zu bitten, so oft du Mangel leidest, so wirst du halten, was du hast, und deine Krone keinem andern lassen; denn der Herr hat für andere schon noch andere Kronen. Behaupte du die deine; die dir dein Heiland sauer erworben hat, und die du nicht deiner Treue, sondern doch nur seiner Gnade zu schreibenmußt. So wird er sie dir auch geben. Kros die - 503 ne, in der Hand unsers Mittlers! Strahle uns recht oft ins Auge, daß wir nach dir greifen, dich halten, und dich nicht lassen! Herr! stårke die Schwachen! mel. 75. fahr' hin, du eitle Welt. Oder: 33. Du Freude der. 1. Mir, ruft der Herr, mir sey bis in den Tod getreu! Du follst zu deinem Lohne des ewgen Lebens Krone, worin die Meinen prangen, aus meiner Hand empfangen. 2. Doch weichen darfst du nicht, dies fordert deine Pflicht. Für dich bin ich gestorben, dich hab' ich mir erworben; bereit, von allem Bösen, dich ewig zu erlösen. 3. Wohin? wohin von dir, o Jesus! gingen wir? Nein, Retter unsers Lebens! Die Welt lockt uns vergebens! Sie kann mit ihren Schätzen dein Heil uns nicht ersetzen. 4. Daß doch so viele schon, dich, Jesus, wieder flohn; erst glaubten, voller Freuden; und dann, bedroht mit Leiden, an dir, o Herr, verzagten, und deinem Dienst entsagten? 5. Du, Jesus, liebtest mich, und ich verließe dich? Ich sollte dein nicht denken? Mein Herz, dir, Herr! nicht schenken, der du dein theures Leben für mich dahin gegeben? 6. O mache mich getreu, daß ich nie Menschen scheu', und nie des Kampfes Mühe, noch Leiden mich entziehe; auch nie in meiner Plage an deiner Gnad' verzage. 7. Wer mit dir leidet, soll auch mit dir wonnevoll einst leben, soll nicht sterben, soll deinen Himmel erben; begnadigt schon auf Erden, und einst dort selig werden. J. A. Schlgl. 16. Octotter. 290. Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm. Matth. 9, 9. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Job. 10, 27. Ich bitte euch: Seyd meine Nachfolger, gleichwie ich Christi Lachfolger bin. 1 Kor. 4, 16, und 11, 1. Wer von Christo Gnade, lebendigmachende Gnade erlangt hat; wer wirklich aufgeweckt ist vom Sündenschlafe, wie könnte der liegen bleiben, ohne sich aufzuraffen, und dem, der ihn weckte, der ihm beståndig ruft: Folge mir! mir nach! mir nach! wie könnte ein wahrer 504 Erweckter von Christo ihm nicht nachfolgen? Wåre et denn ein Schäflein Christi zu nennen, wenn er nicht auf Christum såhe, seine Stimme nicht hörte, ihm nicht nachfolgte? Jesus ruft dem cevi, dem Matthaus und ander... Jungern; sie standen auf und folgten ihm, nicht nur auf dem Fuße nach, sondern auch im Geiste, in seinem Sinn und Wandel; sie sahen darauf, wie er dachte, redete und handelte, und bildeten sich nach ihm. Wem willst denn du nachfolgen, wem ähnlich werden, wenn nicht Christo? Willst du dem Paulus folgen? Gut, sieh, er folgte Christo nach. Wenn der Heiland sichtbar um dich wäre, würdest du dein Auge nicht auf alle seine Mienen und Geberden richten? Nicht alles ihm nachzumachen suchen? Schau nun im Geiste so auf ihn, schau in sein Buch, in sein Leben hinein, und er wird dir alles zeigen, wie du denken, reden und handeln sollst, um ihm ganz ähnlich zu seyn. Folgest du Christo nicht nach, so hast du nie eine Gnade von ihm empfangen, oder du hast Gnade und Christum wieder weggeworfen; bist kein Schäflein Christi, sondern ein Kind der Welt, und außer der Bürgerschaft Israels.. mel. 106. Fall auf die Gemeine nieder. Oder: Freu dich sehr, o m. S. 1. Heiland, dich nur zu erheben, und mit großer Zuversicht, deinem Bilde nachzustreben, ist dein Ruf und meine Pflicht. ,, Sich, ein Beispiel laß ich dir," sprichst du ,,, komm und folge mir!" O welch Vorbild sonder Gleichen! Hilf, Herr! hilf es mir erreichen! 2. Urmuth, Haß, Verfolgung, Schmerzen, trugst du still und mit Geduld; du vergabst mit edlem Herzen deinen Feinden ihre Schuld; hörtest der Verlaßnen Flehn, eiltest, ihnen beizustehn; und die Lindrung ihrer Leiden schaffte dir des Himmels Freuden. 3. Laß auch mich in Noth und Schmerzen standhaft und geduldig seyn; mich mit friedevollem Herzen meinen Feinden gern verzeihn. Nie soll mir des Elends Flehn, unerhört vorübergehn; fest und innig laß mich streben, deinem Beiſpiel nachzuleben. 505 4. Du, den ich zum Vorbild wähle, hebst selbst meine Seel' empor! Wenn ich wanke, wenn ich fehle, stelle mir dein Beispiel vor! Dir geheiligt sey mein Geist! Wann er sich dem Staub' entreißt, dann, o dann werd' ich im Sterben HimmelsFreuden ewig erben. Elis. C. Recke. 17. October. 291. Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich: O Volk, das du durch den Herrn selig wirst, der deiner Hülfe Schild, und das Schwerdt deines Sieges ist! 5 Mof 33, 29. Wohl dem Volke, deß der Herr ein Gott ist. Pf. 33, 12. Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten. Wohl dem, der sich auf dich verläßt. Pf. 84, 6. 13. Pries Moses das Volk Israel schon selig, daß sich der Herr ihrer in ihren Kriegen mit andern Völkern annahm, und alle ihre äußern Feinde besiegte; wie viel mehr sollen wir uns und alle die selig preisen, die mit uns an Jesum glauben, ihn von ganzem Herzen lieben, seine beseligende Gnade und Liebe im Herzen tragen, von ihm Vergebung der Sünden, und Geist und Leben em pfangen haben, ihm zu dienen in lebendiger Hoffnung des ewigen Lebens?! Ja, wohl dir, du Volk! das durch den Herrn selig wird, deß Herr und Gott Jesus Christus ist: wohl dir, daß du ihn für deine Stärke håltst, daß du dich allein auf ihn verläßt, nur auf sein Verdienst und auf seine Gnade bauest. Er wird deiner Hülfe Schild, und das Schwerdt deines Sieges seyn; du wirst, wenn du von ganzem Herzen an ihm hångst, ihn mit ganzer Seele liebst, du wirst durch den Schild des lebendigen Glaubens an ihn alle feurigen Pfeile des Satans auslöschen; du wirst mit dem zweischneidigen Schwerdte feines lebendigen Wortes alle deine Feinde der Seele schlagen, in allen Kriegen des Geistes siegen, und die 506 Krone des Lebens davon tragen. O wohl dir, Israel Gottes! wer ist dir gleich?! Wo ist ein Volk, das einen solchen König, ein solches Haupt, solche Rechte, solche Schäße und Reichthümer, solche Hoffnungen und Aussichten in die Ewigkeit hat?! Dein König ist bey dir, in dir, ist dein, und mit ihm Alles! Mel. 118. Wie wohl ist mir, o fr. Oder: Ich habe mich ihm ganz ergeben. 1. Wie wohl ist mir in meiner Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich traure nicht; was kann mich quålen? mein Licht, mein Heil, mein Trost bist du! Bey dir vergess' ich meine Leiden, und schmecke schon die reinsten Freuden der Ewigfeit, vereint mit dir. Ich hab' den Himmel schon auf Erden; wie könnt' ich jemals muthlos werden? Du, du bist überall bey mir! 2. Hab' ich, Erlöser, dich zum Freunde; was brauch' ich dann? du sorgst für mich. Hätt' ich auch eine Welt voll Feinde; ich bin getrost; ich trau auf dich. Darf ich doch in den trübsten Tagen nicht wegen meiner Sünden zagen; ich weiß, was du für mich gethan. Stürmt alles wider mich zusammen; ich bebe nicht; wer will verdammen? Du nimmst dich meiner gnådig an. 3. Hier wall' ich zwar auf rauhen Wegen; doch du bist meine Zuversicht. Auch, Leiden werden einst mir Segen. Auf dunkle Nächte glänzt dein Licht. Nur Sünder zittern vor dem Grabe; ich, der ich dich zum Freunde habe, kann selbst des Grabes mich erfreun; denn ich gehöre zu den Deinen: bald wird mein Auge nicht mehr weinen; bald bin ich ewig, ewig dein. 4. Gelobt seyst du, o Freund der Seelen! in deiner Näh', wie wohl ist mir! Was kann, wenn du mich liebst, mir fehlen? Ich finde alles Heil in dir. In noch so drückenden Beschwerden, hab' ich den Himmel schon auf Erden: denn du bist in der Liebe mein. Ich darf, ich will nicht angstlich klagen; wer kann, wo Jesus ist, verzagen? Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 18. October. 292. Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen; der Herr hat meiner vergessen. Rann auch 507 ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes: Und ob sie desselbigen vergåße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die ände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir. Jef. 49, 14. 2c. Der Zerr denket an uns, und segnet uns. Ps. 115, 12. Er gedachte an uns, da wir unterdrückt waren. Pf. 136, 23. Wer hat uns je so seiner Liebe und Treue versichert? Wer uns je so unsers Mißtrauens wegen bestraft? Wo ist eine Liebe, Seines gleichen? Alle Mutterliebe ist nur ein Schatten gegen der Seinigen. Seine Wunden an Hånden und Füßen, sein durchbohrtes Herz, worin wir, worin unsere Namen geschrieben stehen, sind uns Beweise davon, die nicht überzeugender, und einnehmender seyn könnten. Würden wir nur mehr darauf sehen, worauf er uns doch selbst hinweiset; wir würden unmöglich auch nur einen Augenblick, selbst im größten Herze= leid, an seiner Liebe zweifeln können. Aber das Kopfhången, das unverwandte Hinblicken auf das Sichtbare, auf die Schaale der Dinge, auf den äußern Schein, verbirgt dir seine Wunden, verdeckt dir die Flammenschrift seiner Liebe. Auf! auf! in die Höhe mit deinem Blick! auf Golgatha hin! Dort siehst du, wo du angeschrieben, wie tief du eingeschrieben bist in das Herz dessen, der des Sperlings auf dem Dache, und der jungen Raben in ihrem Neste nicht vergißt. Wie sollte er dein vergessen, du Kleingläubiger! Gott schickt dir die Trübsal nicht, um dich niederzuschlagen, sondern dich aufzurichten; nicht, daß du den Kopf hängen, sondern aufblikken sollst zu dem, von dem sie kommt. Fållt irgend et= was von Oben, vom Dache, dir auf den Kopf, so siehst du schnell in die Höhe, woher es komme, wer es dir auf den Kopf werfe. Warum nicht auch, wenn dir der Herr - 508 ein Kreuz vom Himmel herabschickt? Wie verkehrt siehst du die Heimsuchung Gottes, das Leiden an, indem du glaubst, jetzt habe der Herr dein vergessen! Ger.de umgekehrt: sie soll dir beweisen, daß Gott dein gedentet, daß er dich heimgesucht, bey dir eingekehrt hat, daß er dich lieb habe, und dich auserwählt machen wolle im Ofen des Elends; daß du zu ihm aufblicken sollst. Mel 100. Von Gott will ich nicht. Oder: Kommt Brüder, laßt uns. 1. An Jesum will ich denken, denn er denkt auch an mich, und will mich etwas krånken, so hebt mein Herze sich sogleich zu ihm empor; dann weichen alle Schmerzen, denn er stellt meinem Herzen nichts als Vergnügen vor. 2. Denk' ich an seine Liebe, wie werd' ich da entzückt? daß, wenn es noch so trůbe, mir gleich die Sonne blickt. Da fållt mir immer ein: Er hat sich hoch vermessen, er will mich nicht vergessen, wie könnt' ich traurig seyn? 3. Denk' ich an seine Güte, die alle Morgen neu, so freut sich mein Gemüthe, bey solcher Jesustreu'. Die Last werf' ich auf ihn, so wird die Arbeit süße, wenn ich den Schweiß vergieße; denn Gott ist mein Gewinn. 4. Denk' ich an sein Erbarmen, er schenket mir sein Kind, o Gnade für mich Armen! heißt das nicht treu gesinnt? Gott ist in Christo mein. Gott müßte Jesum hassen, wenn er mich wollte lassen; das kann unmöglich seyn. 5. Drum will ich an ihn denken, die Welt mag immerhin den Sinn aufs Eitle lenken, hier ist ein andrer Sinn. Ich trage Gott allein im Herzen und im Munde, so kann mir keine Stunde mit ihm zu lange seyn. 6. An ihn nur will ich denken, so lang' ich denken kann Will man ins Grab mich senken, so geh' ich zwar die Bahn, wo mein die Welt vergißt; doch darf ich sicher hoffen, daß Gottes Herz mir offen, der meiner nie vergißt.* B. Schmolke. 19. October. 293. Ich vermag alles durch den, der mich machtig macht, Christus. Phil. 4, 13. Die Waffen unserer Ritterschaft sind göttlich machtig, 509C zu zerstören die Festungen( des Teufels). 2 Kor. 10, 4. Mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen. 2 Sam. 22, 30. So sprachen und handelten die Gott vertrauenden Streiter und Helden Christi, die ihre Schwachheit besser kannten, als alle, die sich mit der menschlichen Schwachheit entschuldigen, und sie zum Deckmantel ihrer Trågheit und Feigheit im Kampfe machen. Weißt du, daß du schwach bist, und daß der Feind måchtig und stark ist, daß du von ihm bedorht bist: so suche dir Hülfe, Kraft und Stárke, daß du ihn überwinden kannst, sonst bleibst du sein Sklave. Der Satan, die Sünde und die Welt, dieser dreifaltige Feind, hört deswegen nicht auf, dich anzufechten, weil du schwach bist und dich mit SchwachheitsEntschuldigungen bedeckest, und verschanzest; sondern eben darum wagt er sich an dich, weil er des Sieges gewiß ist, wenn er dich allein sindet. Bist du aber in Christo, und Christus in dir, so laß tausend Höllenheere ,. laß alle Reize des Fleisches, alle Lockungen und Drohungen von Millionen Welten auf dich losstürmen, laß sie Festungen von den verfänglichsten Ueberredungskünsten gegen dich aufthürmen, du wirst sie doch besiegen, sie werden nichts gegen dich vermögen. Unsre Ritterschaft ist göttlich machtig, wenn wir in Gott sind, und Gott in uns ist. Außer ihm sind wir entsetzlich schwoch, und gewiß gleich verloren. Darum trachte in Jesu, deinem Gott und Heiland zu seyn und zu bleiben; und wage dich auch nicht einen Schritt ohne ihn zu thun. Mel, 107. Er lebt, das ist das Loosungsw. Oder: Durch Adams Fall. 1. Wer sich auf seine Schwachheit steu'rt, der bleibt in Sünden liegen; wer nicht Herz, Sinn und Muth erneu'rt, wird sich gewiß betrügen; den Himmelsweg und schmalen Steg hat er nie angetreten; er weiß auch nicht in Gottes Licht, was Kampfen sey und Beten. 2. Was jezt die Welt nur Schwachheit heißt, ist ihrer Bosheit Stärke; dadurch vermehrt der böse Geist sehr mächtig seine - 510 Werke. Auf! Seele, auf! richt' deinen Lauf zur Allmacht, die dich rettet, des Heiland3 Blick zerreißt den Strick, womit du angefettet. 3. Der erste Schritt im Christenthum heißt: von der Sünd' sich scheiden; denn bey dem wahren Glaubens- Ruhm muß man die Weltlust meiden; wenn Christi Geist die Seel' entreißt von ihren Todesbanden, so spürt sie Kraft, die Jesus schafft, mit dem sie auferstanden. 4. Mein Heiland, fördre selbst dein Werk, laß mich bekräftigt werden, es ist Gerechtigkeit und Stårk' mein bestes Theil auf Erden. Du machst gerecht uns, dein Geschlecht, und willst zugleich uns stårken, daß wir in dir des Glaubens Zier, die Macht der Gnade, merken. 5. Brich durch, o starker Gottes Sohn, damit auch wir durchbrechen. Laß uns in dir, o Gnadenthron! nicht mehr von Schwachheit sprechen, wenn deine Hand das theure Pfand des Geistes uns gegeben, wodurch wir frey von Heucheley im Streit stets siegreich leben. 6. Gieb Kraft, wo keine Kraft mehr ist, gieb Kraft, das Fleisch zu dämpfen; gieb Kraft, wenn Satans Macht und List uns schwächen will im Kämpfen. Wenn uns die Welt viel Anstoß stellt, gieb Kraft, sie zu vernichten, so wird in Noth, ja selbst im Tod, uns deine Kraft aufrichten. W. Marperger. 20. October. 294. Was du willst, das muß geschehen. Judith 9, 3. und 16, 16. Ich bin der Zerr, was ich rede, das soll geschehen, und nicht länger verzogen werden. Ezech. 12, 25. Vertraust du dem Herrn, so darfst du ganz ruhig seyn über alle künftige Dinge, und ohne alle Sorge, wie es dir gehen werde. Was der Herr für dich ausersehen und beschlossen hat, das wird und muß zu seiner Zeit geschehen und dir werden; ohne daß es jemand hindern kann; du nicht und kein Mensch nicht. Sey du treu in deiner Sache, und überlaß alles übrige, was nicht von dir abhångt, ganz dem, der alles wohl machen wird. 511 Oder, wo ist dein Glaube an sein Wort? Hat er dir nicht geredet und versprochen, daß er dein Vater und Versorger seyn, und dich tragen wolle bis ins Alter, bis du grau werdest? Hat er dir nicht geredet und versprochen, daß dir ohne ihn kein Haar gekrümmt werden könne? Daß alle deine Haare auf deinem Haupte von ihm gezählt seyen? Daß er sich um das Geringste, was dich betrifft, våterlich annehmen, und dir, wenn du ihn nur liib hast, alles zum Besten leiten werde? Wo ist dein Glaube an Gottes Wort? Was plagst du dich mit unnöthigen Gedanken, mit denen du kein Haar schwarz und keines weiß machen kannst? Liebe du ihn, und zweifle nicht, daß er dich auch liebe. Dein Zagen und Sorgen beschuldigt ihn der Lügen, als hätte er dir versprochen in seinem Worte, was er nicht halten wolle oder nicht könne? Wie! willst du zu einem solchen Sünder werden, daß du in deinen Gedanken Gott immer einen Lügner schiltst? Sage und rühme vielmehr wie Judith: Was du gesagt, das muß geschehen! Amen. mel. 86. Jch bete an die Macht. 1. Was soll ich mich mit tausend Grillen selbst martern, und mein Henker seyn? Wo Gott nicht will den Wunsch erfüllen, reißt auch die klugste Vorsicht ein. Was mir mein Gott hat außersehen, das soll und wird und muß geschehen. 2. Ich weiß, Gott kann ja alles machen, auch, was man für unmöglich hält. Er giebt den Ausschlag allen Sachen, obgleich das Loos uns widrig fällt. Was mir mein zc. 3. Wer seinem Heiland fest vertrauet, der fischt und fångt auch allzeit was; und wer die Hoffnung auf ihn bauet, den trifft kein Neid, kein Zorn, kein Haß. Was mir mein zc. 4. Laß Unglück und Verhängniß toben, so bin ich dennoch wohl daran; der für mich wacht, der wohnt dort oben, der ist's, der allen helfen kann. Was mir mein 2c. 5. Die Zentnerlast der schwersten Plagen, die Gott auf meine Schulter legt, will ich nach seinem Willen tragen, mein Herz bleibt dennoch unbewegt; es weiß, was mir Gott ausersehen 2c. 6. Uch! Herr, regiere meine Wege, und gieb mir einen sol 512 chen Sinn, der sich dir niemals widerlege, so weiß ich, daß ich ficher bin: So muß, was du mir außersehen, mir endlich doch gewiß geschehen. 21. October. 295. David schwur dem Herrn: Ich will nicht in die Zütte meines Hauses gehen ich will meine Augen nicht schlafen lassen, bis ich eine Ståtte finde für den Herrn, zur Wohnung dem Mächtigen Jakobs. Pf. 132, 2- 5. Du, lieber David, wie eifrig warst du, um dem Herrn eine äußere Wohnung zu finden, und wir können so ruhig schlafen und schlummern, ehe wir dem Heiland unfrer Seelen eine Wohnung in uns gefunden und erbauet haben. Will doch der Herr jetzt nicht mehr wohnen in Tempeln von Menschen- Händen gemacht. Apost. 7, 48. Will er sich doch jetzt unsere Herzen zu seinem Tempel erwählen, wie geschrieben stehet 2 Kor. 6, 16. Shr seyd der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott selbst spricht: In ihnen will ich wohnen, in ihnen will ich wandeln. Wer bist du, wenn du diese Verheißung glaubst, und Gott nicht für einen Lugner hältst? Wer bist du, wenn du noch eine Nacht, von heute an, ruhig schlafen kannst, ehe du dem Höchsten eine Wohnung in deinem Herzen gesucht und gefunden hast, daß er noch heute zu dir kommen und Wohnung ben dir nehmen kann? Er, der schon vor der Thüre steht, um eingelassen zu werden und Abendmahl mit dir zu halten. Joh. 14, 23. Off. 3, 20. Wie kannst du glauben: Gott will zu mir kommen, will heute noch in mir wohnen; und doch kalt und gleichgültig bleiben? und doch nichts thun, um ihn aufzunehmen, um ihm dein Herz einzuräumen? um ihn zu bitten: Komm herein, du Gesegneter des Herrn! warum willst du draußen stehen? Wahr- 513 haftig, es sollte kein Schlaf mehr in deine Augen kommen, bis diese köstliche Verheißung an dir erfüllt ist. Oder sage nicht mehr, daß du Glauben habeft, daß dir etwas an Gott und deiner Seligkeit gelegen sey. Mel. 36. Versöhner Gottes, was hast du verbrochen. 1. Was ist, o Gott! im Himmel, was auf Erden, das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Was ist, das meinen Durst nach Heil so stille, wie deine Fülle? 2. Dich suchen, ist die edelste der Sorgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen; doch willst du, wenn wir nur dein Licht nicht hassen, dich finden lassen. 3. Mit bauter Stimme lehren deine Werke uns deine Weis heit, deine Gut' und Stärke; auch hast du selbst in Christo, sey gepriesen, uns unterwiesen. 4. Und in uns selbst willst du dich offenbaren, wenn wir nur deine Worte treu bewahren, wenn wir den Weg, den sie uns führen sollen, nur wandeln wollen. Joh. 14, 21. 23. 5. Zu diesem mir so seligen Geschäfte erhebe, stårke meines Geistes Kräfte; und laß mich ihn, um mich zu dir zu schwingen, zur Stille bringen. 6. Ergreife dann, und leite meine Seele, daß sie den Weg zur Wahrheit nicht verfehle; gewähre mir, damit sie nicht ermüde, Ernst, Lust und Friede! 7. Dann werd' ich immer heller dich erkennen, dann tåglich mehr von deiner Lieb' entbrennen, dir gern gehorchen, frühlich dich erheben, dir ewig leben. I. Crmr. 22. October. 296. Der Herr ist mein Gut und mein Theil. Du erhältst mein Erbtheil. Das Loos ist mir gefallen aufs Lieblichste; mir ist ein schönes Erbtheil worden Pf. 16, 5. 6. Es ist noch um ein Kleines, so ist der Gottlose nimmer- aber die Elenden werden das Land erben und Lust haben in großem Srieden. Pf. 37, 10. 11. Reich, glücklich und herrlich ist, wer Jesum gefunden hat. Ein schöneres Loos kann keiner Seele hier werden, ein reicheres Erbe kann dir nicht zufallen. Alles, K t - 514 was die Welt für groß, schön und reich hålt, verschwindet wie Schatten dagegen, und vergeht wie Rauch in der Luft; aber der Herr bleibt ein ewiges Erbe den Gläubigen, und wer ihn hat, der hat keinen Mangel an irgend einem Guten, der ist in allen Stücken reich gewor= den. 1 Kor. 1, 5. 6. Schnell fährt dahin das Glück der Gottlosen; aber die, welche sie für elend halten, weil sie ihre Hoffnung nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare, die Elenden, die sich in ihnen selbst arm und fündig fühlen, und deswegen sich ganz allein an den Reichthum der Gnade Chrifti halten, die werden das gelobte Land, die Ruhe des Friedens erben. Ihr Erbtheil kann ihnen durch den Tod nicht genommen werden; fångt dann erst recht an, ihr ewiges Eigenthum zu werden. Selig, wer sich nicht blenden läßt von den Schein- Gütern, Schein- Freuden, und von der eingebils deten Ehre dieser Welt, sondern von allem wegsieht und sein Glaubens- Auge nur auf den Herrn richtet, in ihm alles sieht und findet, daß er in Wahrheit sagen kann: Der Herr ist mein Gut und mein Theil! Er allein ist mir genug! mel. 9. Jesus Christus blick dich an. 1. Deines Heilands freue dich, dank' ihm, meine Seele! sorgt er denn nicht brüderlich, daß kein Gut dir fehle? Schützt dich seine Gnade nicht, wann Gefahren drauen? Ist es dir nicht süße Pflicht, Seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Herr, ich hab' an dir, was das Herz begehret, einen Hirten, der mich hier milde pflegt und nåhret. Der mich durch sein göttlich Wort hier zu Christo lenket, und mit ewgem Leben dort meine Seele trånket. 3. Wenn ich ernstlich dein Gebot und mit Freuden übe, kindlich dich, mein Herr und Gott, fürchte, ehre liebe; o wie ist mir dann so wohl, wie ist mein Gemüthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuversicht nach dem Himmel blicken; meiner Leiden acht' ich nicht, weil sie mich nicht drücken. Je fus und sein guter Geist wohnen mir im Herzen, und ihr Trof erhebt mich weit über alle Schmerzen. 515 5. Du bist mein, so jauchz' ich dann, wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ich rufen kann: Mein ist deine Gnade! Jesus ist nach deinem Rath in die Welt gekommen, hat all' meine Missethat leidend weggenommen. 6. Lichtstrahl in der Sterblichkeit, Jesus, Heil des Lebens; dich, des Himmels Seligkeit, such' ich nicht vergebens. Wann mein Lauf vollendet ist, und vollbracht mein Leiden, ruft mein liebster Jesus Christ mich zu seinen Freuden. 7. Meine Freud' an dir, mein Gott! wird dann ewig wahren. Kein Geschrey, kein Leid, kein Tod kann sie ferner stören. Auch mein Fleisch und mein Gebein mag Verwesung sehen; Herr, dein Tag bricht schnell herein, es wird aufersteh 8. Gieb mir, Herr, so lang' ich hier in der Fremde walle, Geistes Zeugniß, daß ich dir, als dein Kind gefalle. Diese hohe Freudigkeit, die zu dir ich habe, sey mein Heil in dieser Beit und mein Trost im Grabe. 9. Lust der Sünde müsse nie dieses Heil mir rauben. Rüste selbst mich wider sie mit lebendgem Glauben; gieb mir deinen Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertraun auf dich ewig nicht verliere. Müntr. 23. October. 297. Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, und zwar Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlichet werden. Denn ich halte dafür, daß die Leiden dieser Zeit nicht werth sind der zukünftigen Zerrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Rom. 8, 17. 18. Wenn nur das Erste seine Richtigkeit hat, dann wird es an allem übrigen ganz und gar nicht fehlen. Bist du ein wahres Kind Gottes, aus Gott geboren, mit feinem Geiste beseelt und versiegelt, von seinem Geiste getrieben, von seiner Liebe voll, kindlich gehorsam deinem Vater, so daß man dir die Eigenschaften eines Kindes Gottes nicht streitig machen kann, daß dir der Geist Gottes selbst Zeugniß davon giebt: so bist du auch Erz KE 2 * 516 be Gottes und Miterbe Christi, und eine Herrlichkeit wartet auf dich, mit der alle Leiden dieser Welt nicht zu vergleichen sind; der man, wenn man alle Schmerzen der Märtyrer und alle Pein der Verdammten litte, doch nicht werth wäre, die man durch keine Leiden verdienen, um keinen Preis kaufen kann; die Gott nur seinen Kindern schenkt, denen, die an den Namen seines Sohnes von ganzem Herzen glauben, und durch Glauben und Liebe feinem Ebenbilde ähnlich werden. Damit tröste dich, wenn du hier als Kind Gottes verfolgt und geplagt wirst, wenn die Welt dich haßt, weil du nicht ihr Kind bist. Hinaus mit deinem Blicke in jene Welt, wenn dir diese Welt zu enge wird! Jene ist dein, diese nicht. Verlange, erwarte daher hier nichts von der Welt, als den freien Durchzug in dein Vaterland. Und wenn dir auch dieser erschwert wird, wie es denn zu geschehen pflegt: so tröste dich damit, daß selbst all dies, was du auf dieser Welt in deinem Durchzuge erfahren mußt, deine Herrlichkeit dort erhöhen wird. mel. 119. Wie schön leucht't uns. Oder: Gott, unser Gott. 1. Mein ganzes Wesen wird entzückt, wenn's Aug' hinauf zum Himmel buckt, den du, Herr! mir bereitet; wo deine milde Segenshand aus neuen Wundern wird erkannt, die deine Macht verbreitet! Kräftig fühl ich mich erhoben, dich zu loben, der zum Leben, das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, die dort bey dir zu finden! Du stellst uns hier auf Erden zwar viel Wunder deiner Güte dar, zum fröhlichen Empfinden. Doch hier sind wir bey den Freuden noch mit Leiden stets umgeben; dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab; dort trocknest du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrey; denn du, o Herr, machst alles neu; das Alte ist vergangen. Hinfort sind dort von gerechten Gottes Knechten keine Plage mehr zur Prüfung zu ertragen. 4. In unsers Gottes Heiligthum schallt seines hohen Namens Ruhm von lauter frohen Jungen. Dort strahlt die Herrlichkeit des Herrn; dort schaut man sie nicht mehr von 517 fern; dort wird sie ganz besungen. Völlig giebt sich den Er-. lösten, sie zu trösten, den zu kennen, den sie hier schon Vater nennen. 5. Vor seinem Untlig wandeln sie, auf ewig, frey von aller Müh', und schmecken seine Güte. Dort stört den Frieden ihrer Brust, und ihre tausendfache Lust kein feindliches Gemüthe. Kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe reiner Liebe unter Seelen, die hinfort nur Gutes wählen. 6. Gott, welche Schaar ist dort vereint! Die Frommen, die ich hier beweint, die find' ich droben wieder. Dort sammelt deis ne Vaterhand, die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Ewig werd' ich ohne Trennen, ohn' Mißkennen, Liebe üben. Was kann solchen Umgang trüben? 7. Wo ist mein Freund, des Höchsten Sohn, der mich gelicht? wo glänzt sein Thron? In jenes Himmels Hdhen. Da werd' ich dich, Herr Jesu Christ, so menschenfreundlich als du bist, felbst mit Entzücken sehen. Da wird, mein Hirt! von den Freuden nichts mich scheiden, die du droben deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, die Gott den Frommen vorbehålt, die in dem Heiland sterben! O Jesus, Herr der Herrlichkeit! für Viele ist dies Heil bereit; hilf es auch mir ererben! Laß mich eifrig darnach streben und so leben hier auf Erden, daß es einst mir möge werden! Diterich. 24. October. 298. Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenns hoch kommt, so sinds achtzig Jahre, und wenns köstlich gewesen ist, so ists Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.- Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir Flug werden. Pf. 90, 10. 12. Der Heimgang ist erwünschter und besser als die Pilgerschaft. Das versteht sich. Wer geht nicht lieber heim, als daß er wandere im fremden, unbekannten und unsichern Lande? Das ist aber doch nicht allen Leuten so. Denn es giebt deren genug, die die Heimath nicht 518 lieben, die lieber im Walde irren und in der Wüste im Sande waden, als nach Hause gehen. Warum doch so unsinnig? Weil sie die Finsterniß mehr lieben als das Licht, die Wollust mehr lieben als Gott; weil sie wohl wissen, daß sie zu Hause nichts Gutes zu erwarten haben. Sie könnten doch alle alles Gute dort haben? Ja, sie wollen's aber nicht. Nun, so ist ihnen nicht zu helfen. Wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß er ist, und daß er denen, die ihn suchen, ein Vergelter ist. Hebr. 11. Sie bringen ihre Jahre zu wie ein Geschwäß; fie blühen wie das Gras, das bald welk wird und verdorret. Ach, mochten sie bedenken, daß sie verdorren müssen! und dann weggeworfen werden. Ihr Kinder des Reichs ihr send doch klug geworden und habt es långst bedacht, daß ihr davon nicht můsset- sondern, dürfet; daß es euch erlaubt wird, bald auszuwandern aus dem Leibe und daheim zu seyn bey dem Herrn. Deß send ihr fröhlich; weil ihr eure Heimath lieb habet, weil euer Herz schon bey dem ist, der euch dort winket: Kommt herüber! Ihr habt nichts Gutes hier, als die Gnade des Herrn. Das Leben ist euch eine Plage, die unerträglich wäre, wenn die Liebe zum Herrn sie nicht er leichterte. Wer legt aber die Last nicht gern ab? Wer macht nicht gern Feierabend? Mel. 52. Wer Ohren hat, zu hören. Oder: Befiehl du deis ne Wege. 1. Ich bin ein Gast auf Erden, und hab' hier keinen Stand. Der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier reif' ich nur zum Grabe, dort in der ewgen Ruh' ist Gottes Gnaden- Gabe, die schließt all' Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an, als Müh' und Noth gewesen? So lang' ich denken kann, hab' ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Begen manch harter Sturm er schreckt; Blit, Donner, Wind und Regen hat mir viel Angst erweckt. Verfolgung, Haß und Neiden, ob ich's gleich nicht verschuld't, hab' ich doch müssen leiden und tragen mit Geduld. - 519 4. So ging's den lieben Alten, an deren Fuß und Pfad wir uns noch täglich halten, wenn's fehlt an gutem Rath. Wie mußte sich doch schmiegen der Vater Abraham, eh' als ihm sein Bergnügen und rechte Wohnstadt kam! 5. Wie manche schwere Bürde trug Isaak, sein Sohn! Und Jakob, dessen Würde stieg bis zum Himmelsthron; wie mußte der sich plagen! In was für Weh und Schmerz, in was für Furcht und 3agen sank oft sein armes Herz? 6. Die frommen heilgen Seelen, die gingen fort und fort, und ånderten mit Quålen den erst bewohnten Ort. Sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt' in des Grabes Schooß. 7. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was will ich besser leben, als solche große Leut'? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten seyn; wer hier nicht wohl gerungen, geht nicht zur Freude ein. 8. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt; doch denk' ich nicht zu bleiben in diesem fremden 3elt. Ich wandre meine Straßen, die zu der Heimath führt, da mich ohn' alle Maßen mein Vater trösten wird. 9. Mein' Heimath ist dort oben, wo aller Engel Schaar den großen Hirten loben, der alles ganz und gar in ſeinen Hånden tråget, und für und für erhält, auch alles hebt und leget, so wie's ihm wohlgefällt. 10. 3u dem steht mein Verlangen, da wollt' ich gerne hin. Die Welt bin ich durchgangen, daß ich's fast müde bin. Je långer ich hier walle, je wen'ger find' ich Lust, die meinem Geist gefalle, das Meist' ist Graul und Wust. 11. Die Herberg' ist zu böse, der Trübsal ist zu viel; ach! komm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will. Komm, mach' ein seligs Ende an meiner Wanderschaft. Und was dich frånkt, das wende, durch deines Urmes Kraft. 12. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemessen, so tret' ich dann hinaus; und was ich hier gebrauchet, das leg' ich Alles ab, und wann ich ausgehauchet so gråbt man mir ein Grab. 13. Du aber, meine Freude, du meines Lebens Licht, du ziehst mich, wann ich scheide, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll gleich als die helle Sonne, mit andern leuchten soll. 14. Da will ich immer wohnen, und nicht nur als ein Gast, bey denen, die mit Kronen du ausgeschmücket hast; da will ich 520 herrlich singen von deinem großen Thun, und, frey von schndden Dingen, in meinem Erbtheil ruhn. P. Gerhrd. 25. October. 299. Wenn ihr den Herrn verlasset, und einem fremden Gott dienet, so wird er sich von euch wenden und euch plagen. Jef. 24, 20. Wirst du ihn verlassen, so wird er dich verwerfen ewiglich. 1 Chron. 29, 9. Wenn aber seine Kinder mein Gesetz verlassen, so will ich ihre Sünde mit der Ruthe heimsuchen. Pf. 89, 31. Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie, und machen ihnen hier und da ausgehauene Brunnen, die löchericht sind und kein Wasser geben. Jer. 2, 13. 17. Wer dem Herrn anhångt, der ist Ein Geist mit ihm und hat also alles, was sein Herr hat, zu genießen. Wie sollte er anderswo mehr finden, als bey ihm; wenn es ihm doch nur um das Haben und Genießen zu thun ist, und wenn ihm nicht der Herr selbst mehr ist als alles, was er giebt und hat, und tausendmal mehr, als alle Himmel und Welten geben können. Der Herr aber wird den, der ihn einmal kennt, und wieder verläßt, sich von der lebendigen Quelle zu löcherichten, trocknen Brunnen wendet, nicht ungestraft lassen, sondern zuerst mit der Ruthe der heilsamen Zucht heimsuchen; und wenn er durch diese nicht in sich geht, und zu seinem Heiland zurückkehrt, sondern in seiner Verkehrtheit verharret, wird der Herr sich auch von ihm wenden und ihn plas gen, am Ende aber ewiglich verwerfen. Wer also je geschmeckt hat, wie freundlich der Herr ist, und dennoch von ihm weicht, anderswo, bey Göten, sein Heil sucht, der hat nichts Gutes zu erwarten; bey dem werden die letzten Dinge årger als die ersten. Gott wird ihn schår 521 fer züchtigen und endlich hårter ftrafen als die blinde Welt, die Gott nie erkannte. Darum bleibet bey dem Herrn, der euch erlöset, und zu seinem himmlischen Reiche berufen hat. Warum wolltet ihr ihn verlassen? Was habt ihr über ihn zu klagen? Was hat er euch nicht recht gemacht? Wo findet ihr einen bessern Herrn? Welt, Fleisch und Teufel sind die drey Tyrannen, denen ihr, wenn ihr von Jesu weichet, in die Hände fallet, die euch erst viel Schönes vorlůyen, kein Versprechen halten, und mit Schmerz, Krankheit, Schande und Elend, Noth und Tod, Gericht und Hölle lohnen. Mel. 9. Jesus Christus blick dich an. 1. Sollt' ich jetzt noch, da mir schon deine Güt' erschienen, dich verlassen, Gottes Sohn, und der Sünde dienen? Mit den Lüsten dieser Zeit wieder mich beflecken, und nicht mehr die SüBigkeit deiner Liebe schmecken? 2. Hab' ich doch allein bey dir meine Ruh' gefunden! Mittler, heiltest du doch mir alle meine Wunden! Und ich sollte dein Gebot, wie die Sünder hassen? Und mein Recht an deinem Tod wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib' ein Chrift, halte deine Lehren; las se mir nicht Noth noch List meinen Glauben wehren. Fielen Tausend ab, ich nicht! Mag's die Welt verdrießen! Sie wird mein Vertraun auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Beigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden? Den Bedrängten Trost und Ruh? Sündern Gottes Fries den? Giebt sie mir die Zuversicht, daß ich trotz dem Grabe, deiner Ewigkeiten Licht zu erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wenn vor Gott einst die Völker stehen, und das Leben und den Tod ihm zur Seite sehen? Wenn der Sichre nun zu spåt aus dem Schlaf erwachet; und der Spotter, der hier schmåht, bebt und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich, Gottes Huld genieße! Da ich weiß, auf wessen Wort ich die Hoffnung gründe; daß auch ich unfehlbar dort Gnad' und Leben finde. 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trůbsal nicht, nicht Freuden, mein Erlöser und mein Gott, soll von dir mich scheiden. Welt und Sünd und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, alles überwind' ich weit, Herr, durch deine Liebe. 522 26. October. 300. Danke allezeit Gott, und bete, daß er dich regiere, und du in deinem Dornehmen seinem Worte folgest. Tob. 4, 20. Der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seyd. Col. 3, 15. Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, und leite mich auf richtiger Bahn, um meiner Seinde willen, denn mich verlanget nach dir. Ps.27, 11. und 143, 8. 10. Einem christlichen, zarten Gemüthe, das seinen Heiland innig liebt, ist alles daran gelegen, daß es in allem, ben jedem Schritte, den Willen und die Wege des Herrn treffe; es will auch nicht einen Tritt wider Gottes Wohlgefallen thun. Der Beifall des Herrn ist ihm alles, das einzige Triebrad aller seiner Gesinnungen und Hand lungen. Weil wir den Willen und das Wohlgefallen Got tes nicht allemal gewiß wissen können, so betet ein sol ches liebhabendes Herz ohne Unterlaß, daß ihm der Herr seine Wege kund thue, und ihn auf der ebenen Bahn feines Wohlgefallens leite; daß es von ihm und seinem Geiste regiert werde. Denn anders können wir den Frieden Gottes, der uns seines Wohlgefallens versichert, und ein Pfand und Siegel seiner Liebe ist, nicht in uns bewahren. Dieser Friede weicht oder nimmt ab, sobald wir aus dem Wege treten, den uns sein ewiger, heiliger Wille vorschreibt, und gehen heißt. Wer eigne Wege wandelt, seinem eignen Willen folgt, kann unmöglich den wahren Frieden haben. Er betrügt sich, wenn er glaubt, Gottes Frieden zu genießen; es ist gewiß ein falscher Friede, der nicht aus Gott ist. Darum betet, betet ohne Unterlaß, daß Gottes Friede, der allen Verstand übersteigt, eure Herzen regiere, und euch in Jesu Christo bewahre. Ist der Friede verloren gegangen, so bekennet eure 523 Sünde, und suchet ihn wieder durch Buße und glaubiges Gebet. Mel. 35. Wie wohl ist mir, wenn ich an dich gedenke. 1. O Heiland, laß mich deine Gnade merken, und steh' mir ben in allen meinen Werken; laß deinen Willen nur von mir geschehn, und mich in meinem Thun auf dich nur sehn! 2. Allein durch dich kann mir mein Werk gelingen, du wirs test selbst das Wollen und Vollbringen. Fang' ich's nur recht in deinem Namen an, so ist es schon so gut als halb gethan. 3. Regiere denn mein Herz und meine Sinnen, mein Werk und Wort, mein Denken und Beginnen; und flöße mir durch deiner Gnade Schein, beständig Trieb und Kraft zum Guten ein! 4. Laß deines Geistes Segens- Quell mir fließen, und reichlich stets sich in mein Herz ergießen! Ach, laß dieß Herz nicht mehr auf sich beruhn; in dir, o Herr, laß mich das Gute thun! 5. Gieb, daß mich nur dein heilger Geist regiere, der meinen Geist in deine Wahrheit führe; er leite mich auf der geraden Bahn, aus Kraft in Kraft, und täglich himmelan! 6. Er mache mich getreu im Thun und Leiden, und helfe mir mit ernster Sorgfalt meiden die schnöde Lust des Fleisches und der Welt, daß ich nur suche, was dir wohlgefällt! 7. Er leite mich, daß ich sonst nichts begehre, als einzig nur, Herr, deines Namens Ehre. Des Nächsten Wohl und mein zukünftges Heil, sey stets die Frucht der Arbeit und mein Theil! 8. Er lasse mich erwünschten Fortgang sehen, und alles wohl zu seiner Zeit geschehen; daß gute Saat zur frohen Ewigkeit durch all' mein Thun von mir werd' ausgestreut. 9. Wie fröhlich wird mein Herz, wenn jenes Leben den Glauben front, mein Heiland, dich erheben! Wie sanft werd ich dort nach der Arbeit ruhn! Wie wohl wird mir die FreudenErndte thun! Stresow. 27. October. 301. Ich habe gegen dich, daß du die erste Liebe verlassen. Offenb. 2, 4. Wir sind Christi theilhaftig geworden, wenn wir anders den Anfang seines Wesens bis ans Ende festhalten. Zebr. 3, 14. Matth. 24, 13. Wer überwindet, 524 dem will ich von dem Baume des Lebens zu effen geben. Off. 2, 7. Nichts ist schöner und lieblicher als ein neugebornes Kind Gottes, das in der ersten Liebe steht. Allein, wer beharret bis ans Ende, der wird selig. Wem Christus sich mittheilt, der ist wohl recht brünstig in der Liebe; wenn er aber den Anfang, die erste Liebe, die das Wesen, die Natur Christi ist, nicht bewahret, sondern erlöschen läßt, durch Sicherheit oder Selbsterhebung, so ist auch nichts traurigeres, als ein solch zweimal erstorbener Baum, ein solch verwüsteter Garten Gottes. Ach, wer die erste Liebe hat, der sollte sie sich um alle Welt nicht nehmen lassen; der sollte lieber alles leiden, alles wagen, um nur dieses Kleinod zu bewahren. Wer da merkt, daß sie abnehmen, daß sie erlöschen will, der flehe, ringe und suche sie wieder zu beleben, und zu erwerben; er krieche zum Kreuze Christi; das Kreuzholz ist die beste Nahrung, und das geeignete Mittel, dieses Feuer, wenn es schon erlöschen will, wiederum zu beleben, und in helle Flammen zu sehen. Darum verzage nicht, liebe Seele, wenn du die erste Liebe verloren hast, sich, der Heiland wirft dich deswegen noch nicht weg; er hält es dir aber vor, und sagt dir Offenb. 2, 5. Bedenke, woraus du gefallen bist, thue Buße, und thue die ersten Werke. Fange wieder von verne. an; mach' es wieder wie im Anfange, wo du zur ersten Liebe gekommen bist; auf demselben Wege wird sie dir wieder begegnen. Laß dir's angelegen seyn; wo nicht, so wird dein Leuchter weggerücket, dein Licht ganz ausgelöscht, und du ein Kind der Finsterniß werden. Wenn du dir aber von dem Heiland Muth einsprechen läßt, wenn du ein Ohr haft zu hören, und deine Trägheit und Sicherheit überwindest, so wird er dir vom Baum des Lebens zu essen geben. Er wird dir hier zu Hülfe kommen mit står kender Speise, und dort wirst du volle Sättigung finden. 1 525 mel. 109. Jesu, meines Lebens Leben. 1. Du, der Herz und Nieren kennet, Ewiger, erforsche mich! Uch, ich war von dir getrennet, aber du erbarmtest dich; börtest mein Gebet, mein Sehnen, sahst die Inbrunst meiner Thránen; nahmst mich auf mit Baterhuld, und vergabst mir meine Schuld. 2. Wenn, von Undacht hingerissen, ich den Himmel offen sah, lag die Welt zu meinen Füßen, deinem Thron, Erbarmer, nah'; mischt' ich in der Engel Chöre den Gesang von deiner Ehre, pries die Huld, die ewig liebt, Sünden tilget und vergiebt. 3. Welche Nuhe, welch ein Friede, wohnte da in meiner Brust! Eitelkeit, dein war ich müde! Welt, ich fluchte deiner Lust; gern verschmäht' ich deine Gaben; mir war, einen Hei land haben, und ein Herz, das sein begehrt, mehr als Erd' und Himmel werth. 4. Ihr, dem Beten heilge Stunden, voller Ruhe, voll Gewinn; ach, wohin seyd ihr verschwunden? Gluth der Andacht, ach, wohin? Oft zwar such' ich noch durch Zähren, durch Gebet, dich, Herr, zu ehren; doch der Welt Geräusch zerstreut meiner Andacht Innigkeit. 5. Forsch', Herr, selbst in meinem Herzen! Sieh, es fehlt, es wanket noch, und mit unruhvollen Schmerzen fühlt es oft der Sünde Joch. Strauchelnd, ungewiß und träge geht mein Fuß nun deine Wege, und zu oft noch schaut mein Blick auf des Lasters Bahn zurück. 6. Wer getreu bleibt bis ans Ende, und nicht achtet Schmach und Hohn, dem bereiten Gottes Hände eine ewge Siegeskron'. Kampf und Müh' ist nicht vergebens, Gott giebt ihm vom Baum des Lebens, und er kommt nicht ins Gericht, stirbt den Tod der Seele nicht. Eschbrg. 28. October. 302. So sollt ihr gefinnet seyn, wie Jesus Christus gesinnet war. Phil. 2, 5. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Matth. 11, 29. Könnten wir uns denn seine Schüler und Jünger, 526 = - ihn unsern Meister und Herrn nennen, wenn wir nicht von ihm lernen, ihm nicht gleich gesinnt werden wollten? Auch fordert er nicht, daß wir von ihm lernen sollen eine Welt erschaffen, auf dem Meere wandeln, Todte auferwecken, Sturm und Wind gebieten, sondern, demüthig und sanftmüthig seyn. Forderte er von uns Nachahmung seiner Ullmachts= Werke, so würden wir etwa eine Entschuldigung haben, obwohl er auch sagte: Dem, der da glaubt, sind alle Dinge möglich- ein Senfkorn Glauben kann Berge versetzen und die an mich glauben, werden größere Werke thun, denn ich.- Doch wenn wir dieses nicht lernen, so will er es uns gerne erlassen; aber Demuth und Sanftmuth ist unerläßlich. Ja, sagst du: gerade dieses ist unserm stolzen, ungeduldigen Sinn schwerer, als Berge versetzen, und die Stürme des Meeres stillen, oder Todte erwecken. Wenn du die Kraft dazu in dir suchst, allerdings, so kannst du Eins so wenig als das Undre. Wenn du sie aber von ihm erbittest, wird es dir an keinem Guten fehlen. Der dir das Gebot giebt, giebt dir auch die Kraft. Der sanftmüthige und demüthige Jesus will selbst zu dir kommen, und in deinem Herzen wohnen; und wenn er in dir wohnt, was soll dir unmöglich seyn? Wir können seinen Sinn nicht haben, wenn wir Ihn nicht haben. Wer aber ihn hat, der hat auch seinen Sinn. Wer seinen Sinn nicht hat, der hat ihn nie gesehen, noch erkannt. Mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. Ein Hirte stirbt für seine Schafe, der Schöpfer zagt für seine Welt. Und ich verschmåh' die linde Strafe, die dir zu meinem Heil gefällt. Vernichtet ist die Kron' der Größe, der Herr voll Himmels- Majestät. Und ich deck' meiner Armuth Bloße mit Stolz, den jeder Hauch verweht. 2. O laß mich Kreuz und Schmach erdulden, und gern in die Vernichtung gehn; um dir vereint, todt meinen Schulden, in deiner Reinheit aufzustehn. Und hab' ich nichts, daß ich dir gebe, was deiner Liebe würdig ist; gieb, daß ich dir zum Nachbild lebe, der du für mich gestorben bist. - - 527 303. 29. October. Dennoch bleibe ich stets an dir. Pf. 73, 23. Das sey ferne von uns, daß wir den Herrn verlassen, und andern Göttern dienen. Josua 24, 16. O wehe der schåndlichen Kinder, die den Herrn verlassen! Jes. 1, 4. Da Josua das Volk Israel ins verheißene Land geführet hatte, und den letzten Landtag hielt, so sagte er unter andern zum Volke: So fürchtet den Herrn, und dienet ihm treulich. Gefällt es euch aber nicht, daß ihr dem Herrn dienet, so erwählet euch heute, wem ihr dienen wollet, dem Gott eurer Våter, oder den Göttern der Umoriter. Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Wir bleiben bey ihm. Da antwortete das Volk: Es sey ferne von uns, daß wir den Herrn verlassen 2c. Josua setzte ihnen noch mehr zu: Ihr könnet dem Herrn nicht dienen, denn er ist ein heiliger Gott zc. Da nun das Volk es dennoch bejahte, so sprach er: Ihr send Zeugen über euch, daß ihr den Herrn erwählet habt.- So thut nun von euch die fremden Götter und neiget euer Herz zu dem Herrn. Hier, Lieber, halt inne, und betrachte diese ganze Geschichte, Jof. 24, aufmerksam, und frage dein Herz, ob es sich zum Herrn neige, ob es nicht andern Göttern neben dem Herrn anhange. Denn dieses arme Volk hat nachher doch den Herrn fast immer verlassen. Ein Gelübde ist bald gemacht; man muß sich aber selbst prüfen, ob man Kraft habe, es zu halten, und nicht versprechen, was man nicht kann; sondern zum Herrn in Demuth und anhaltendem Eifer flehen, daß er unser Herz zu ihm ziehe, fest ben ihm erhalte und uns Treue und Beharrlichkeit bis ane Ende schenke. Schön und groß ist die Erklärung Josua's, daß er unangesehen, was die ganze Nation thun würde, frey und laut, sich mit seinem ganzen Hause zum 528 Herrn bekennet. So fest muß dein Herz am Herrn hangen, es mag Einer oder Keiner neben dir, deine Gesinnung theilen, und mit dir halten; hange du mit deinem Hause dem Herrn an; und wenn alle Welt fremden Götz tern dient. Mel. 98. un banket alle Gott. 1. Ich lasse Jesum nicht! Mit Jesu ist gut leben. Er ist's der Anfangs mir das Leben hat gegeben. Er ist, der mir's vermehrt, er ist's, der mir's erhålt, wenn diese ganze Welt vergehet und zerfällt. 2. Ich lasse Jesum nicht! Mit Jesu ist gut leiden; er lindert mir mein Kreuz, er führet mich zu Freuden durchs Kreuz und Traurigkeit; wenn Jesus bey mir ist, so wird die Bitterkeit des Kreuzes mir versüßt. 3. Ich lasse Jesum nicht! Mit Jefu ist gut streiten; will Sünde, Welt und Tod sich rüsten und bereiten, zu streiten wis der mich; so steht mir Jesus bey; er kåmpfet selbst für mich, macht mich von Feinden frey. 4. Ich lasse Jesum nicht! Mit Jesu ist gut sterben; wenn er nur bey mir ist, so kann ich nicht verderben. Er führet durch den Tod in jene beßre Welt; drum laß ich Jesum nicht, er ist's, der mir gefällt. 5. Ich lasse Jesum nicht! Denn wenn ich ihn nur habe, so hab' ich hier und dort die allerbeste Gabe; ohn' dieses höchste Gut acht' ich nichts für Gewinn; er ist mein Lebenslicht; nach ihm strebt nur mein Sinn. 6. Drum laß ich Jesum nicht! Ich mag vom Schlaf erwas chen, ich mag zur Ruhe gehn, so bleibt in allen Sachen, nur Jesus meine Lust; auf ihn nur ist gericht't mein Dichten und mein Thun. Ich lasse Jesum nicht! 30. October. 304. Geduld ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut, und die Verheißung erlanget. Gebr. 10, 36. Durch Geduld werdet ihr eure Seelen erhalten. Luk. 21, 19. Lasset uns laufen durch Geduld in den Kampf, der uns vers ordnet ist. Hebr. 12, 1. 529 Die Geduld hat der Heiland so sehr empfohlen, und zus unerläßlichen Bedingniß gemacht, daß wir unsere Seele und Seligkeit nicht anders bewahren, und davon bringen werden, als durch Geduld. Eben so dringend empfiehlt Paulus die Nothwendigkeit der Geduld, indem er- behauptet, daß wir ohne Geduld die Verheißungen Gottes nicht erlangen, den Willen Gottes nicht erfüllen können. Er zählt sie unter die Früchte des Geistes. Gal. 5, 12. Er empfiehlt sie als ein Kleidungs- Stück des neuen Menschen, des schönsten Gewandes, das die Auserwählten, Heiligen und Geliebten anziehen sollen. Col. 3, 12. Er hålt sie dem Timotheus vor, als das Ziel, dem er nachjagen soll. 1 Tim. 6, 11. Er ermahnt den Titus, den Alten zu sagen, daß sie eben so gesund in der Geduld als im Glauben seyn sollen. Tit. 2, 2. Denn wer an der Geduld krånkelt, dessen Glaube ist gewiß nicht gesund. Er sagt den Corinthern, daß sich unser Heil darin offenbare, wenn wir leiden in Geduld, und empfiehlt ihnen, in allen Dingen sich als Diener Gottes zu beweisen, in großer Geduld. 2 Cor. 1, 6. und 6, 4. Besonders aber ist die Geduld nothwendig, wenn die Verfolgung und die Stunde der Versuchung über die Gläubigen kommen wird. Off. 13, 10. Dort wird keine Gewalt, dort wird nichts helfen, als Geduld und Glaube der Heiligen. Off. 13, 10. Ach, diese vor allen andern nöthige, schöne, seltne, schwere, starke und edle Tugend, wo finden wir sie? Da, wo wir alles finden, beim Kreuze Jesu. Wer beim größten, heiligsten Dulder verweilen gelernt hat, und unverwandt in sein duldendes, liebendes Herz schaut, der lernt und erhält von dem Lamme Lammes Art. Nach eigner Mel. 44. 1. Nichts ist schöner als Geduld. Unter ihren Lorbeerblättern zittert man vor keinen Wettern, freut sich nur bey Gottes Huld. Nichts ist schöner als Geduld. 2. Nichts ist seltner als Geduld. Dieses Lamm wird bey L I 530 viel Heerden nur umsonst gesuchet werden. Fleisch und Blut ist daran Schuld. Nichts ist seltner als Geduld. 3. Nichts ist schwerer als Geduld; denn man will nicht gleich die Plagen mit gelaßnem Herzen tragen, ob man sie gleich wohl verschuldt. Nichts ist schwerer als Geduld. 4. Nichts ist nothger als Geduld; will man nicht sein Herze fressen, muß man manchen Schmerz vergessen, oder ist ihm selbst nicht huld. Nichts ist nöthger als Geduld. 5. Nichts ist stårker als Geduld. Sie kann auf der Feinde Schanzen ihre Sieges- Palmen pflanzen, und lacht bey der Welt Tumult. Nichts ist stärker als Geduld. 6. Nichts ist edler als Geduld. Laß, mein Gott, in allen Leis den mich in diese Tugend kleiden. Die Geduld hat deine Huld. Nichts ist edler als Geduld. B. Schmolke. 31. October. 305. Hoffe auf den Herrn und thue Gutes- er wird deine Gerechtigkeit hervorbringen wie das Licht, und dein Recht wie den Mittag. Sarre auf den Herrn, und halte seine Wege, so wird er dich erhöhen. Bleibe fromm und halte dich recht; denn solchen wird es zulegt wohl gehen. Der Herr hilft den Gerechten und wird ihnen beistehen, und wird sie erretten. Pf. 37.. Wer auf Gott, auf Jesum hofft, wird nicht zu Schanden. In dieses Lied haben alle Frommen aller Zeiten eingestimmt, und es ist noch nie als falsch erfunden worden. Du wirst der erste nicht seyn, den Gott verläßt, und an dem sein Wort zur Lüge wird. Bleibe du nur an ihm hången; so stehst du, so lang er steht, und wirst nur dann fallen, wenn er fällt. Das wirst du nicht erwarten; aber die Hülfe, den Trost, die Rettung wirst du gewiß erwarten. Was Gott verheißen hat, kommt endlich doch gewiß, und kann nicht immer ausbleiben. Alles nimmt ein Ende- auch deine Noth, dein Jammer, deine Klage. Nur Gott und seine Hül 531 fe, sein Trost, der nimmt kein Ende, der bleibt ewig. Die Liebe hört niemals auf. Ich habe alles Dinges ein Ende gesehen, aber dein Gebot währet; sagt David. Ps. 119, 96. Ich harrete des Herrn, und er neigete sich zu mir, und hörete mein Schreien. Ps. 40, 1. Das wirst auch du von dem Herrn bekennen, wenn du beharrest bis ans Ende. Es bleibt nichts unter der Sonne, wie es ist, alles verändert sich. Himmel und Erde wer= den veralten wie ein Gewand; aber der Herr, dein Gott, bleibt unveränderlich, ewig derselbe. Hebr. 1. Ist dein Himmel noch so trübe, er wird doch wieder heiter wer= den, wenn das Wetter vorüber ist. Harre des Herrn, sey getrost und unverzagt, und harre des Herrn; denn solchen wird es endlich wohl gehen. Pf. 27, 14. NO mel. 78. Meinen Jesum laß ich nicht. 1. Endlich, endlich muß es doch mit der Noth ein Ende nehmen; endlich bricht das harte Joch, endlich schwindet Angst und Gråmen; endlich muß der Kummerstein auch in Gold verwandelt seyn. 2. Endlich bricht man Rosen ab; endlich kommt man durch die Wüsten; endlich muß der Wanderstab sich zum Vaterlande rüsten; endlich bringt die Thrånensaat, was die FreudenErndte hat. 3. Endlich sieht man Canaan nach Egyptens Diensthaus liegen; endlich trifft man Tabor an, wenn der Delberg überstiegen; endlich zieht ein Jakob ein, wo kein Esau mehr wird feyn. 4. Endlich, o du schönes Wort, du kannst alles Kreuz versüßen; wenn der Felsen ist durchbohrt, läßt er endlich Wasser flies ßen. Ey, mein Herz! Drum merke dies: Endlich, endlich kommt gewiß. B. Schmolke. 306. Erster November. Höret mir doch zu, und esset das Gute, so wird eure Seele in Freude fett werden und leben. Suchet den Herrn, weil er zu finden 212- - 532 ist, rufet ihn an, weil er nahe ist.- Jes. 55, 2-6.- Du wirst seyn, wie ein gewässerter Garten, und wie eine Wasserquelle, der es nimmer an Wasser fehlt. Jes. 58, 11. Der Herr ruft aller Welt; und alle Welt verstopft ihr Ohr vor seinem Rufen. Er ruft auswendig, er ruft inwendig, und findet überall und immer taube Ohren. Er ruft nicht, um zu fordern, um zu richten, zu strafen. Effet das Gute! ruft er, das ich euch bereitet habe." Zum Essen sind die Menschen sonst leicht zu laden, und zu berufen. Nur das Gute, das der Herr allen umsonst giebt, die darnach hungern, das achten sie nicht, das wollen sie nicht. Höre doch du, liebe Seele, höre doch du ihm zu, wie er so klåglich ruft, und dir sein Gutes anbeut in deinem Inwendigen! Kehre doch du zu ihm ein, er giebt dir eine Speise, davon deine Seele fett wird und ewig lebt. Er verspricht viel, und giebt mehr, als er verspricht. Du findest sonst überall magere Kost für deine arme Seele, wobey sie nicht erstarken, nicht leben kann. Es ist besonders, daß der Herr uns nicht zum Bereiten, sondern nur zum Essen des Guten einla det, das er uns schon bereitet hat. Wer liebt nicht gut Effen? So leicht macht es uns unser Heiland; er hat alles zu unserm Genusse bereitet; es ist schon fertig, und auf dem Tische fren aufgesetzt, daß wir nur nehmen und genießen dürfen. Und das wollten wir nicht?-Dasselbe fagt auch sein Gleichniß von Berufung der Gäste zur Hochzeit. Matth. 22, 4. Er ließ rufen und ankünden, es ist alles bereit; aber sie wollten nicht kommen. Dieser gesegnete Tisch ist in deinem Herzen gedeckt und vollbes reitet, wenn du mit Hunger einkehrst, so wirst du in Freuden fett werden und leben. O möchte doch deine Seele hungrig werden nach dieser guten, Herz, Seel- und Leib- stärkenden Speise, die der Heiland bereitet hat; möchtest du alle Tage zu ihm kommen, 533 und dich satt bey ihm essen; wie würdest du leben und selig seyn! = Mel. 93. Was hilft es mir, ein Christ. Oder: Aus tiefer Toth. 1. Verborgne Gottes= Liebe du! O Friedens Stadt! du Schöne! Ich seh' von ferne deine Ruh', nach der ich mich so sehne. Ich bin nicht stille, wie ich soll; ich fühl', es ist dem Geist nicht wohl, weil er in dir nicht stehet. 2. Es lockt mich zwar ein sanfter Zug zur Einkehr und zur Stille. Doch kann ich ihm noch nicht genug mich lassen, wie mein Wille. Ich werd' durch mancherley gestört, und unvermerkt davon gekehrt. So bleibt stets meine Plage. 3. Daß du in mir dich meldest an, ich zwar als Gnad' erkenne; doch weil ich dir nicht folgen kann, ich's billig Plage nenne. Ich hab' von ferne was erblickt. O Liebe, könnt' ich unverrückt, nur deiner Spur nachgehen! 4. Mein eignes Wirken nůbet nicht, die Liebe davor fliehet; ein allzu frey und stark Gesicht macht, daß sie sich entziehet. O Liebe, setze mich in Ruh', schleuß selber meine Augen zu, daß ich in die mich sehe. 5. Was ist es denn? was hindert mich, daß ich nicht ein kann gehen in deine Ruhe wesentlich, und feste darin stehen? Es ist dir ja, o Liebe, kund; ergründe du den tiefsten Grund, und zeig' die Hindernisse. 6. Ist etwas, das ich neben dir in aller Welt sollt' lieben; so nimm es hin, bis nichts in mir, als du, seyst überblieben. Ich weiß, ich muß von allem los, eh' ich in deinem Friedensschooß kann bleiben ohne Wanken. 7. Entdeck', mein Gott, die Eigenheit, die dir stets widerstrebet, und was noch von Unlauterkeit in meiner Seele lebet. Soll ich erreichen deine Ruh', so muß mein Aug' geradezu dich meinen und ansehen. 8. Liebe! mach' mein Herze frey von Ueberlegen, Sorgen; den Eigenwillen brich entzwey, wie sehr er steckt verbor gen. Ein recht gebeugt, einfältig Kind am ersten dich, o Liebe, findt; da ist mein Herz und Wille! 9. Ach nein, ich halte nichts zurück, dir ist mein Herz verschrieben; ich weiß, es ist das höchste Glück, nur dich, nur dich zu lieben. Hilf, daß ich nimmer weich' von dir, bis ich in dir, und du in mir, bis ich den Schatz erreiche. 10. Indessen zeuch zu aller Stund', laß mich zu dir mich kehren. Herr, rede du im Seelengrund, da laß mich stets dich 534 hören! Ach, setze mit Maria mich zu deinen Füßen inniglich; dies Eins will ich erwählen! G. T. St. 2. Dovember. 307. Weiner nicht über die Todten, und gråmet euch nicht darum. Jer. 22, 10. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist; also wird Gott auch, die so entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. 1 Theff. 4, 13. Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Rammern. Jef. 57, 2. Was der Heiland zu den weinenden Töchtern Jerusalems fagte: Weinet nicht über mich, weinet über euch selbst und über eure Kinder, dürfte jeder beweinte Todte, der selig*) im Glauben aus der Zeit gegangen ist, zu denen sagen, die ihn beweinen. Denn wahrlich, wer ist mehr zu beweinen, die noch im gefahrvollen Meere fahren und von den Stürmen und Wellen herumgewor= fen werden, oder die, welche schon in den Hafen der ewigen Ruhe glücklich angekommen, und das bessere Land erreicht haben? Die Todten, die im Herrn starben, sind zu beneiden, nicht zu beweinen; denn sie haben erreicht und erlangt, was wir noch mit Gefahr erwarten. Darum ist der Christ gern auf Gottes- Neckern, die mit Recht diesen schönen Namen tragen, weil da der Saame der sterblichen Leiber ausgestreut lieget, daß er ersters be, und dann auferstehe, mit verjüngter Schönheit und Unsterblichkeit. Die Stille, in der die entschlafenen Brüder liegen, hebt das Gemüth hinüber über Grab und Zeit, in die selige, stille Ewigkeit, wo aller Krieg der Leidenschaften, wo alle Unruhe, die den Frieden Got - *) Die nicht selig, nicht im Herrn starben, sind allerdings zu beweinen und zu bedauern. 535 tes stören könnte, ein Ende hat. Geh' doch, Lieber! keis nen Gottesacker vorbey, ohne deine entschlafenen Brüder zu besuchen, ohne dich bey ihren Schlafkammern den Gedanken, die sich dir da von selbst aufdringen werden zu überlassen. Weine da, aber ja nicht über sie; sondern, wenn's dir weinerlich ist, weine über dich und deine noch pilgernden Brüder; den selig heimgegangenen aber schaue mit Sehnsucht nach, strecke deine Hände aus nach dem Unsichtbaren, und ergreif das ewige Leben, das über dem Grabe liegt, und fasse davon in dein Herz auf, so viel du davon hier fassen und aufnehmen kannst. Man sieht Morgendämmerung und spürt Frühlingsluft auf den Gråbern: und das soll sehr gesund seyn.... Mel. 63. Jesu, den ich meine. Oder: Den die Engel droben. 1. Kirchhof, heilge Ståtte! wenn ich dich betrete, sprech' ich: Herr, mach Ende! Treuer Vater, sende deine Friedensboten! Selig sind die Todten! 2. Hier, wo meine Brüder, hier, wo Christi Glieder, nach erkämpften Siegen, als ein Saamkorn liegen; hier, ben Jesu Schafen, wünsch' ich auszuschlafen. 3. Hier ist alles stille; Krieg und Noth erfülle Länder, die mit Sünden Gottes Born entzünden. Satan schnaub' und brülle; hier ist alles stille. 4. Hier ruht der Verzagte; hier hat der Geplagte nach den bittern Stunden seinen Port gefunden. Auf den ThränenRegen wird das Grab sein Segen. 5. Freue dich, mein Glaube, mit dem Menschen- Staube thut der Gott der Stårke neue Wunderwerke. Er giebt alle Glieder mir aus Staube wieder. 6. Freudiges Getümmel! Gråber werden Himmel. Was einst starb, erwachet; was einst weinte, lachet. Fromme, gleich der Sonne, jauchzen voller Wonne. E. Liebich. 3. Dovember. 308. Befiehl dem Herrn deine Wege, er wirds wohl machen. Pf. 37, 5. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun; du wirsts 536 wohl machen. Pf. 39, 10. Wir wissen auch, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatze zu Hei ligen berufen sind. Rom. 8, 28. Es kann kein Leiden, kein Unglück, keine Noth, kein Jammer erdacht werden, es kann dir nichts begegnen, was dir schaden könnte, wenn du Gott lieb hast. Went deine Noth den höchsten Grad erreicht hat, wenn du in den tiefsten Abgründen des Elends liegest, so denke es dir noch årger, so arg du kannst, und glaube, wenn du einen allmächtigen und gütigen Gott und Heiland be kennest, daß er dennoch helfen, retten und alles wohl machen könne. Keine Noth wird Gott zu groß. Kein Uebel kann so übel seyn, daß es Gott nicht wohl machen könnte und wollte. Das ist- bey aller Plage und Noth, der erste Gedanke des Gott liebenden und Gott vertrauenden Herzens: Gott wirds doch wohl machen. Wenn du das nicht mehr hoffen und glauben kannst, hat dein Glaube ein Bein gebrochen oder Schiff bruch gelitten; lauf dann geschwind zur Bibel und zum Gebete, und suche dir ein Bret, auf dem du dich noch retten und ans Land der Herzens- Ruhe und Zuversicht schwimmen kannst. Der Herr wird ihn wieder aufrichten und wird auch das wohl machen. Was du Gott befehlen kannst, das wird gemacht, so, daß du dich wundern wirst. Wenn du es aber selber wohl machen willst, oder zu Menschen deine Zuflucht nimmst, auf sie vertrauend, das wird schlechter am Ende, als am Anfange. Du wirst dich so verwirren und verwickeln, daß du dich nicht mehr herausfindest. Ergreifst du aber die Hand des Herrn, die alles wohl macht, und die sich dir immer darbietet, so hebt sie dich über alle Berge hin, und giebt dir den Lobpsalm in den Mund: Des Herrn Rath ist wunderbar; aber er führt alles herrlich hinaus. 537 Mel. 50. Wort aus Gottes. Oder: Jefu, meine Freud 1. Christ, aus deinem Herzen banne Gram und Schmerzen! schöpfe neuen Muth! Wie schwer Kreuz dich drücket; Gott ist's, der es schicket. Was er schickt, ist gut. Wenn dich Noth ringsum bedroht; Sorgen stets mit dir erwachen, Gott wird's doch wohl machen. 2. Soll die Wahrheit schweigen, drohet ihren Zeugen der Verfolgung Schwerdt; will man deinen Glauben dir vom Herzen rauben, fleh' zu Gott, er hört; schäumt voll Wuth schon Fluth auf Fluth wider dich der Hölle Nachen, Gott wird's doch wohl machen. 3. Ist der Himmel trůbe, wankt der Freunde Liebe, wird die Last zu schwer; stürzt mit jedem Tage eine neue Plage über dich daher; weicht das Glück stets mehr zurück; scheint's dich nicht mehr anzulachen, Gott wird's doch wohl machen. 4. Burden abzunehmen, hilft nicht Angst noch Gramen, schafft auch keine Rast. Ungeduld macht Bürden, die dir leicht seyn würden, nun zur Felsenlast. Zagend Herz, zähm' deinen Schmerz! Drückt die Bürde schon den Schwachen; Gott wird's doch wohl machen. 5. Du führst Christi Namen; Christum nachzuahmen, das ist deine Pflicht. Werde nicht, erschüttert, wenn die Welt erzittert, und der Himmel bricht. Der steht fest, der Gott nicht laßt. Laß rings um die Wetter krachen; Gott wird's doch wohl machen. 6. Herrlich ist die Krone, die der Christ zum Lohne seiner Treu' empfängt. Nur nichts selbst verschuldet! Und dann froh erduldet, was dein Gott verhångt! Sieg' als Held! mag doch die Welt deiner Hoffnung spottisch lachen, Gott wird's doch wohl machen. 7. Nun, so soll es bleiben; ich will nie mich sträuben, stets Gott folgfam seyn.- Stets, im Tod und Leben, bleib' ich Gott ergeben. Ich bin sein, er mein. Was er will, sey stets mein Ziel. Wunderbar mag Gott es machen, wohl wird er's doch machen. J. A. Schlgl. 4. Dovember. 309. Ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Seuer nicht verlöschen. Jes. 66, 24. Marc. 9, 44. Und der Rauch ihrer Qnal wird aufsteigen 538 von Ewigkeit zu Ewigkeit. Off. 14, 11. Und sie werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Off. 20, 10. Das Dunkel der ewigen Sinsterniß ist ihnen aufbehalten. 2 Petr. 2, 17. Das steht auch nicht vergeblich in der Bibel. Ist's für dich nicht, wie du etwa glaubst, so mag's für deinen Bruder oder Nachbar seyn. Hast du dich vor der Ewigkeit nicht zu fürchten, und nicht manchmal nöthig, durch die Erinnerung an dieselbe, dich vom Schlaf zu wecken, vor der Sünde Reiz zu bewahren: so bedenke doch, daß noch Tausende deiner Brüder der unseligen Ewigkeit und dem unauslöschlichen Feuer, der ewigen Qual blind und unaufhaltsam zueilen; und indem du diese Worte Jesu betrachtest, so laß dich, statt aus 3årtlichkeit die Ewigkeit abzukürzen, wie viele wollen, und das Feuer, wenigstens nach einer Reihe von Jahren, auszulöschen, und den Wurm, den Jesus unsterblich ge macht hat, früher sterben zu lassen, um dich und deine Brüder damit süßiglich zu trösten; statt dessen, sage ich, laß dich zum Gebet und Flehen für dich und deine Brüder erwecken, daß sie der liebe Gott erschüttere, bekehre, erleuchte und selig mache, damit sie nicht in die Qual kommen; sie möchte doch zu lange dauern; denn Abraham sagte dem reichen Manne, es führe kein Weg und keine Thüre mehr von unten nach oben, es könne keiner die große Kluft überspringen, die dort befestigt ist. Bete, sage ich, bete und thue was du kannst, dich und deine Brüder vom Untergange zu retten. Es ist doch besser, in dieses Feuer gar nicht fallen; und mit diesem Wurm nie in Berührung kommen; gesetzt auch, daß, wie einige meinen, die Ewigkeit nicht ewig, und das unauslöschliche Feuer doch auslöschlich, der unsterbliche Wurm doch sterblich wäre, und Jesus und seine Zeugen sich nicht eigentlich so recht nach dem mitleidigen Geschmack unse 539 rer Zeit ausgedrückt hätten. Besser, sage ich, ist besser. Rette dich und deinen Nachbar, ehe das Feuer anbrennet, und der Rauch aufzusteigen anfångt. Das folgende Lied soll der neuen, jungen Welt zeigen, wie die Al ten hierüber dachten. Ligne Melodie. 34. 1. Ewigkeit, du Donnerwort! du Schwerdt, das durch die Seele bohrt! Anfang sonder Ende! O Ewigkeit! Beit ohne Zeit, vielleicht schon Morgen oder Heut' fall' ich in deine Hånde! Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, daß mir die Zung' am Gaumen klebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, das endlich mit der Zeit nicht fällt; nichts, nichts ist ohne Ende. Die Ewigkeit nur hat kein Ziel; man mag da denken was man will, sie hat und kennt kein Ende. Wie selbst der Sünder Heiland spricht: Ihr Wurm, ihr Feu'r vergehen nicht." 3. O Ewigkeit! du machst mir bang'! Denn ewig, ewig ist zu lang! hier gilt fürwahr kein Scherzen! Drum, wenn ich diese lange Nacht mit all der großen Pein betracht', erschreck' ich recht von Herzen. Nichts ist für Sünder weit und breit so schrecklich, als die Ewigkeit! 4. Uch Gott, wie bist du so gerecht! wie strafest du den bdsen Knecht mit ewger Qual und Schmerzen! Den Sinn, dem Sünde wohlgefällt, nimmt er mit in die andre Welt. O Mensch, fass' es zu Herzen! Hier, hier nur ist die GnadenSeit, dort strafet Gott, wie er gedraut. 5. Ach! fliehe doch des Teufels Strick, die Luft kann einen Augenblick, nicht långer, dich ergößen. Dafür willst du die arme Seel' auf ewig in des Teufels Höhl', o Mensch! zum Pfande segen? Für eine kurze Lust der Welt hast du so lange Pein erwählt. 6. Wach' auf, o Mensch, vom Sündenschlaf! ermuntre dich, verlornes Schaf und beßre bald dein Leben! Wach' auf, denn es ist hohe Zeit, dich übereilt die Ewigkeit, dir deinen Lohn zu geben. Dein letzter Tag ist heut' vielleicht, und deines Lebens Hauch entfleucht! 7. Ach! laß die Wollust dieser Welt, Pracht, Hoffart, Reichthum, Ehr' und Geld nicht länger dich besiegen. Schau' an die große Sicherheit, die falsche Welt, die böse Zeit in Satans Stricken liegen. Vor allen Dingen hab' in Acht die ewig, cwig lange Nacht! 540 8. Uch du verlornes Menschenkind! bist du denn toll, von Herzen blind? willst du dies nicht bedenken? Willst du denn nicht dein Herz und Sinn zur sel'gen Ewigkeit Gewinn mit Ernst und Eifer lenken? Wo ist ein so beredter Mann, der dies ses Werk aussprechen kann? 9. Ewigkeit! du Donnerwort, du Schwerdt, das dem das Herz durchbohrt, der hier in Sünden wandelt! Wer denkt es ganz, das ewge Leid, das Gott dem Sünder hat gedråut, der gottlos lebt und handelt?- Ach, segn' uns Gott mit Jesu Heil! Sey jetzt und ewig unser Theil. Amen!* J. Rist. 5. Dovember. 310. Und die Gerechten werden eingehen in das ewige Leben. Matth. 25, 46. Unsere gegen wärtige Trübsal, die zeitlich und leicht ist, verschafft uns eine unermeßliche, ewige, über alle Maßen wichtige Zerrlichkeit. 2 Kor. 4, 17. Wir rühmen uns der Hoffnung der zu künftigen Serrlichkeit, die Gott geben wird. Rom. 5, 2. Welcher einem jeden nach seinen Werken vergelten wird: denen, welche mit Beharrlichkeit in guten Werken nach Herr lichkeit, Ehre und Unsterblichkeit trachten, ewiges Leben 2c. Rom. 2, 6. 7. Wie die Ewigkeit ein Donnerwort ist für die Un gläubigen und Gottlosen, Lauen und Treulosen, so ist sie ein Freudenwort für die Frommen, Gerechten und Begnadigten, so lange sie in der Gnade bleiben, und das Kleinod des Glaubens, der Liebe und Geduld bewahren. Wenn dich die Liebe deines Heilandes, die ewige Freude und Krone, die er dir dort bereitet hat, so anzieht, daß du Sünde, Welt und dich selbst darüber vergißt, so hast du nicht nöthig, an Gericht und Hölle, ewige Strafe und Qual zu denken; sondern weide dich an der Herrlichkeit der Kinder Gottes, wandle im Himmel, wohin du berufen bist, und laß dein Herz stets voll der Freude 541 seyn, die der Herr den Seinen schon hier zum Vorgeschmack giebt. Will aber dieses nicht auf dein Herz wirken, oder dich etwa gar tråge und sicher machen, so mag dich die Erinnerung an das Gegentheil, an die unselige Ewigkeit, an die Verbannung vom Angesichte Gottes, die den Treulofen, Sichern und Lauen zu Theil wird, aufwecken und dir zur ernsten Betrachtung des Himmels und der seligen Ewigkeit wieder Lust machen. Ist aber der Himmel in deinem Herzen, so wird dich niemand mit der Hölle schrecken können. Und ist die Hölle in deinem Herzen, so eile aus ihr heraus, weil es noch Zeit ist, und suche in Christo, dem Erlöser aus Tod und Hölle, Gnade, Vergebung, und die lebendige Hoffnung der Erbschaft und Kindschaft Gottes, damit du dich mit Freuden an die Ewigkeit erinnern kannst. Denn wer sich damit helfen will, daß er die Ewigkeit ganz aus dem Sinne schlägt, und weder an die unselige noch selige Ewigkeit denken mag, dem ist wahrlich nicht geholfen; denn dadurch, daß du die Ewigkeit vergisfest, kannst du weder die Hölle auslöschen, noch den Himmel gewinnen. Ewigkeit bleibt Ewigkeit, und du mußt hinüber, du magst daran denken oder nicht. Die vorige Melodie. 1. O Ewigkeit, du Freuden- Wort! du bist der Seele RuhePort, du Anfang sonder Ende! Du kennest weder Raum noch Zeit. Ich weiß vor großer Freudigkeit, nicht, wo ich mich hinwende. Mir ist mein ganzes Herz so voll der Freude, die da kommen soll! 2. Wo ist die Freude in der Welt, die nicht zu ihrer Zeit zerfällt, die nicht ein Schmerz begleitet? Du, Ewigkeit, bist ohne Biel; der Seligkeiten, o wie viel! sind uns in dir bereitet! Ja, Paulus sagt es ohne Scheu, daß es dort unaussprechlich sey. 3. O ewig freudenvoller Gang! o Ewigkeit, verzeuch nicht lang'! wir warten dein mit Schmerzen. Betracht ich deine Herrlichkeit, mit all der namenlosen Freud', so freu' ich mich von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit so lieblich, als die Ewigkeit. 4. Die Lust, die uns die Welt beschert, ist nicht einmal des 342 Namens werth. Wie lange wird es währen? Was ist's, wenn einer lustig lebt, und funfzig Jahr' in Freuden schwebt? wie wird der Tod ihn stören! Dort währt die ungestörte Freud' von Ewigkeit zu Ewigkeit. 5. Ja dort, wenn du schon immerdar viel hundert tausend tausend Jahr' die höchste Freud' genossen, und in dem Schooße Jesu Christ mit allen Engeln selig bist, wird nie die Freud' ge schlossen. Die Zeit, die niemand zählen kann, fångt stets von neuem wieder an. 6. Gott, barmherzig und gerecht, wie lohnèst du dem frommen Knecht mit ewger Freud' und Wonne! Auf kurzes Leiden lange Freud', auf Eine Nacht der Traurigkeit scheint ewge Freudensonne. Und diese Sonne bleibet dein, so lange Gott dein Gott wird seyn. 7. Wach' auf, betrübter Mensch! vom Schlaf, ermuntre dich, verlornes Schaf! denk' auf das Freuden- Leben! Wach' auf! es kommt die schöne Zeit, es kommt die frohe Ewigkeit, die Jesus dir wird geben. Wer weiß, ob er heut' kommen mag? Komm heut', du ewger Freudentag! 8. Die Luft ist Last in dieser Welt, die nur den Ueppigen ges fällt; nicht aber Gottes Kindern. Drum laß dich keine Sicher heit in deines Herzens Fröhlichkeit durch Erdenfreuden hin dern. Vor allen Dingen habe Acht auf das, was Christus dir gebracht. 9. Komm, du erlöstes Menschenkind! verlaß die Welt und eil' geschwind, tracht' nach des Geistes Siegel; und schwing' dein Herze dort hinein, wo alle Gottes Kinder seyn; mach' deiner Seele Flügel. Wo ist die Zunge, wo der Mann, der jene Freud' beschreiben kann? * J. Gigas. 10. Ewigkeit, o Freuden- Wort zc. 2c. 6. Dovember. 311. Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pfors te eingebet; ich sage euch: Viele werden suchen einzugehen, und es nicht vermögen. Luc. 13, 24. Nicht jeder, der zu mir sagt: Zerr, Herr! wird in das Zimmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters thut. Matth. 7, 21. ( u. V. 13. 14.) 543 Das sind Worte des Herrn selbst, die er zu seinen Aposteln sagte, als sie ihn fragten: ob wenige selig würden? Er sagte ihnen nicht wie viele, sondern er ermahnte sie vielmehr, daß sie selbst ringen und trachten sollten, selig zu werden. Was würde er denn dir antworten, wenn du ihn fragtest: Herr, werde ich selig werden? Sieh, da liest du seine Antwort. Das ist dir geſagt, nicht nur dem Petrus und Johannes- dir, dir sagt der Herr: Ringe! Denn viele glauben, den Himmel schon im Schooße zu haben, und werden ihn doch nicht sehen. Sie suchen einzugehen, sagt der Herr, und vermogen's doch nicht. Warum? weil sie es nicht auf dem rechten Wege suchen. Das ist schrecklich!" sagst du; ja möchte es dich heilsam erschrecken. Deswegen sagt es der Herr, daß du den Himmel nicht auf die leichte Achsel nimmst, und nicht mit ihm spielst. Du glaubst an Christum, und wer glaubt, wird selig? Ist aber dein Glaube der Art, daß er dich auf dem schmalen Wege führet, und zur engen Thüre hinein bringt; daß er dich von der Welt, Lust und Sünde losreißet, und dich vorwärts, aufwärts zu ringen treibt? Viele suchen einzugehen, aber sie suchen einzugehen auf eignen Wegen und bey selbsterwählten Thüren, und nicht auf dem vom Herrn bes zeichneten schmalen Wege, nicht durch die von ihm benannte Thüre, die enge ist und alles abstreift, was von Welt und Sünde anklebt, die sogar das eigene Ich wegreißt; oder sie suchen mit vieler Mühe und Anstrengung, aber aus eignen Kräften, nicht im lebendigen Glauben an Christus, nicht in Vereinigung mit ihm, nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Kopfe; oder sie nehmen zu viel mit auf den Weg, sie laden sich zu viel von dieser Zeitlichkeit auf, daß sie, von der Last niedergedrückt, sich nicht zum Himmlischen schwingen können. Darum werden sie es nicht vermögen Jesus ist der Weg und die Thüre, wer in ihm wandelt, durch ihn ringet, der wird eingehen und Weide finden. 544 Mel. 16. 23leb bey Jesu. 1. Ringe recht, wenn Gottes Gnade dich nun ziehet und bes kehrt, daß dein Geist sich recht entlade von der Last, die ihn beschwert.- Ringe, denn die Pfort' ist enge und der Lebensweg ist schmal. Hier bleibt alles im Gedrånge, was nicht zielt zum Himmels- Saal. 2. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, dring' hinein in Gots tes Reich! Will der Satan widerstreben, werde weder matt noch weich.- Ringe, daß dein Eifer glühe, und die erste Lies be dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich.. 3. Ringe mit Gebet und Schreien; halte damit feurig an; laß dich keine Zeit gereuen, wär's auch Tag und Nacht gethan. Hast du dann die Perl' errungen, denke ja nicht, daß du nun alles Böse schon bezwungen; o, es ist noch viel zu thun. 4. Laß dein Auge ja nicht gaffen nach der schnöden Eitelkeit, bleibe Tag und Nacht in Waffen; fliehe Tråg- und Si cherheit. Laß dem Fleische nicht den Willen, gieb der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierd' erfüllen, so verlöscht das Gnadenlicht. - 5. Fleisches- Freiheit macht die Seele sicher, frech und voller Kålt, läßt nicht merken, wo man fehle, was das Herz gefan gen hålt.- Wahre Treu' führt mit der Sünde bis ins Grab beständig Krieg, richtet sich nach keinem Winde, sucht in jedem Kampf den Sieg. 6. Dies bedenket wohl, ihrStreiter, streitet recht und fürchtet euch; geht doch alle Tage weiter, bis ihr kommt ins Himmel reich. Denkt bey jedem Augenblicke, ob's vielleicht der letzte fey; bringt die Lampen ins Geschicke: holt stets neues Dehl herbey. T — 7. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht Sodom in der Gluth? Seele, wer kann dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. Eile, wenn du mit errettet und nicht mit verderben willt; mach' dich los von allen Ketten, fleuch als ein gejagtes Wild. - - 8. Lauf der Welt doch aus den Händen, bring' ins stille 3oar ein; eile, daß du mögst vollenden, mache dich von allem rein. Eile, zähle Tag und Stunden, bis dein Heiland dir erscheint, und wenn du dann überwunden, ewig sich mit dir vereint. Winkler. - 7. Dovember. 312. Verlaffet euch nicht auf Sürsten, sie sind 5458 Menschen, können ja nicht helfen. Wohl dem, deß Hülfe der Gott Jakobs ist, deß hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, stehet, der im mel, Erde, Meer und alles, was darinnen ist, gemacht hat; der Glauben( Treue) hålt ewiglich; der Recht schaffet denen, so Gewalt leiz den. Pf. 146, 3-7. Pf. 118, 8. 9. Der Gott Jakobs- sey dein Gott. Ist der Glaube Jakobs dein Glaube, so ist auch der Gott Jakobs dein Gott. Betrachte die ganze Geschichte Jakobs, wie ihm sein Glaube, seine Zuversicht zu Gott überall durchgeholfen, ihn gesegnet, getröstet und erhalten hat. Der Gott Jakobs, der eine Leiter hat, die vom Himmel bis zur Erde, und von der Erde bis zum Himmel reicht, durch die er uns zugänglich ist und in der innigsten Verbindung und Gemeinschaft mit uns stehet, so, daß unsere Gebete hinauf, und seine Hülfe herab steigt; der Gott Jakobs, der überall nahe und gegenwärtig ist, wo du ihn anrufst, so, daß du auch in der Wüste, in der Nacht der Leiden wo du immer bist verlassen und verstoßen von allen Menschen in der weiten Welt allein die Pforte des Himmels, das Haus Gottes finden kannst. Der Gott Jakobs, der durch glaubiges Ringen und Flehen sich überwinden läßt, und dich nie ungesegnet von sich läßt, dieser Gott, der dich vor deinem Verfolger Esau schüßen und ihn dir freundlich und geneigt machen kann, der sey dein Gott, auf den du trauest. Über Menschen, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, seyen es ja nicht, die du zu deinem Gott und Helfer machest, denn sie können nicht, oder wollen nicht helfen. Gott kann wohl durch sie helfen; aber ihm bleibt doch die Ehre, und er verdient doch allein unser Vertrauen; zu ihm muß auch unser Gebet gerichtet seyn. Solltest du dich nicht schämen, daß dir der Gott, der Himmel und Erde zc. gemacht hat, nicht mächtig genug ist, daß du auf M m - - -- 546 ihn Mißtrauen sehest, als wenn er dir nicht helfen könnte. Ben Gott ist kein Ding unmöglich. Und was er zusagt, das hålt er gewiß. Ist aber auch ein Fall ge= denkbar, in dem er nicht gewisse Hülfe versprochen hat, denen, die auf ihn trauen? Mel. 98. un danket alle Gott. 1. Wohl dem, der Jakobs Gott zum Helfer sich erwählet, der, was sein Herze kränkt, voll Hoffnung ihm erzählet; der seine Zuversicht fest auf den Heiland stellt, der alle Hülfe thut und ewig Glauben hält. 2. Unmöglich ist's, daß den sein Hoffen kann betrügen, der Gottes Wahrheit traut, die nimmermehr kann lügen; der Herr ist gut und fromm, und was sein Wort verspricht, das folget in der That gewiß, und fehlet nicht. 3. Wie gut ist's, auf den Herrn und nicht auf Menschen bauen! Wie eitel, schwach und falsch ist doch ein solch Vertrauen, das sich auf Fleisch verläßt und auf ein Menschenkind; denn auch die Götter selbst auf Erden sterblich sind. 4. Viel fichrer ist mein Trost, ich weiß, an wen ich glaube, troß, daß die größte Noth mir solch Vertrauen raube zu dem, der ewig bleibt, dem rechten Wundermann, dem keine Noth zu groß, der helfen will und kann. 5. Drum halt' ich mich zu Gott, und das ist meine Freude, wenn mein erquicktes Herz, nach überstandnem Leide, sich seiner Wohlthat rühmt, und ihm mit ganzem Fleiß ein Danklied fine gen kann zu seines Namens Preis. 6. Gieb, Gott, daß ich auch stets an dir fest hangen bleibe, daß weder Glück noch Noth mich von der Bahn abtreibe, die dein Gebot mich weist; gieb neuen Geist und Kraft, zu üben immerdar hier gute Ritterschaft. 7. Daß ich, was eitel ist, nicht für mein Wohlseyn achte, noch Fleisch für meinen Urm; daß ich nach dem nur trachte, wonach sich sehnt ein Christ. Ach, bist du alles mir, so schmeichle gleich die Welt, ich folge dennoch dir. 8. Laß mich in allem Kreuz und auch im Tode schmecken, wie freundlich du mir bist, laß mich die Schuld nicht schrecken, die Jesus, schmerzlich gnug, schon långst an meiner Statt gebüßt, und dir, mein Gott, durch sich bezahlet hat. 547 8. Dovember. 313. Ich bin der gute Zirte, ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. Joh. 10, 14. Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, zu seinem Volk, und zu Schafen seiner Weide. Pr. 100, 3. Ich bin ein verirrt und verloren Schaf; suche deinen Knecht. Pf. 119, 176. Die gute Bekanntschaft, in welcher Christus und seine Schafe mit einander stehen, haben sie blos ihm zu danken. Wir gingen alle in der Irre, wie Schafe, die keinen Hirten haben. 1 Petr. 2, 25. Aber er hat uns gesucht und zu ihm bekehrt. Sind wir denn aber wirklich alle schon so ganz bey ihm? Kennen wir ihn als uns fern Hirten, der sein Leben für uns gelassen, und uns ewiges Leben gegeben hat? Hören wir eben darum seis ne Stimme? Folgen wir seinen Winken, und gehen wir auf seiner Weide? Manchmal mag es doch wohl nöthig seyn, daß er die Hunde an uns hetzen, uns dadurch zus sammentreiben, und uns nöthigen muß, daß wir näher zu ihm hinfliehen und uns unter seinen Hirtenstab retten. Bleiben wir bey ihm und lassen wir uns von seinem Stecken und Stabe regieren, so braucht er die Hunde nicht. Es ist sehr schön anzusehen, wie bey einer Heers de Schafe, wenn sie sich zerstreuet, und vom Hirten zu weit entfernt hat, die Hunde so nüßlich und dienlich sind, daß die Schafe, sobald sie ihr Gebell hören, blitzschnell alle zusammenlaufen und dem Hirten zueilen. Sie dürfen keinem Schafe einen Schaden zufügen; das duldet der Hirt nicht. Ihr Gebell muß bloß dazu dienen, die Schafe zum Hirten und zur Heerde zu treiben. Sind die Schafe fromm, und bleiben sie bey dem Hirten auf der guten Weide, dann haben die Hunde nichts zu thun, und der Hirte braucht sie nicht, sondern wehrt ihnen, daß sie die Schafe nicht stören. Oft verläuft sich ein M m 2 548 Schäflein von der Heerde und verliert den Hirten ganz aus den Augen. Wenn es sich aber nun wieder zurück sehnt und mit David schreiet: Herr, ich bin ein verirrt und verloren Schaf; suche deinen Knecht; so wird der Hirt gewiß nicht säume 1, dem ohnehin alles an jedem einzelnen Schåflein gelegen ist; er wird die Stimme des rufenden Scháfleins bald hören, er, der selbst allen Verlornen Tag und Nacht ruft. Wie muß es ihn freuen, wenn ein Verlornes nach ihm schreiet, und sich wieder zu ihm zurücksehnt! mel. 109. Jefu, meines Lebens Leben. 1. Jesu, frommer Menschen- Heerden guter und getreuer Hirt, laß mich auch dein Schäflein werden, das dein Stab und Stimme führt. Ach, du hast aus Lieb' dein Leben für die Schafe hingegeben, und du gabst es auch für mich; laß mich wieder lieben dich! 2. Heerden ihre Hirten lieben, und mein Hirt liebt ſeine Heerd'. Laß uns auch so Liebe üben, du im Hinimel, ich auf Erd'. Schallet deine Lieb' hernieder, soll dir meine schallen wieder. Wenn du rufft, ich liebe dich; ruft mein Herz: Dich liebe ich. 3. Hore, Jesu, und erhöre, meine, deines Schäfleins Stimm', mich auch zu dir beten lehre, wenn mich schreckt der Feinde Grimm. Laß mein Rufen dir gefallen, deinen Trost herniederschallen. Wenn ich bete: Höre mich! sprich: mein Kind! Ich höre dich. 4. Höre, Jesu, und erhöre, wenn ich rufe, klopf und schrey! Jesu, dich von mir nicht fehre, steh' mir bald in Gnaden bey! Ja, du hörst, in deinem Namen ist ja alles Ja und Amen. Nun, ich glaub' und fühle schon deinen Trost, o Gottes- Sohn! 9. Dovember. 314. 81 Sein Rath ist wunderbar, aber er führt es herrlich hinaus. Jef. 28, 29. All sein Thun ist Wahrheit, und seine Wege sind richtig. Daniel 4, 34. Gott, dein Weg ist heilig. Pf 77, 31. Oft führt der Herr seine Kinder solche schmale Wege, daß es auch bey ihnen heißt: Das Bett ist so enge.. 549 daß nichts übrig ist, und die Decke so kurz, daß man sich darein schmiegen muß. Jef. 28, 20. Es scheint jeden Augenblick, daß es nicht mehr auszuhalten sey; und dennoch halten sie aus, denn seine verborgene Hand hålt sie. Er weiß auch das rechte Ziel und Maaß, wenn er daran sehen, wenn er davon thun muß, wie weit er es kommen lassen, wie viel er auflegen darf. Denn man drischt die Wicken nicht mit Eggen, so låßt man auch nicht das Wagenrad über denKümmel gehen; sondern die Wikken schlägt man aus mit einem Stabe, und den Kümmel mit einem Stecken. Man mahlt es, daß Brod werde, und drischt es nicht gar zu nichte.- So verfährt der Herr auch mit seinen Lieben. Wenn er sie gleich hart zu behandeln scheint, so ist es doch nicht zu hart; was aber seyn muß, kann nicht erlassen werden. Ohne Schläge kann man den Weizen nicht von Spreu sondern. Welche Menschenhand schlägt aber so stark, daß sie den Weizen zerschlägt? Und die Hand des Herrn sollte das thun? Nein, sie läutert, sie scheidet nur das Geld von den Schlacken; sie führt wunderbar, aber führt herrlich hinaus, daß man ihr am Ende das Zeugniß giebt: All sein Thun ist Wahrheit, alle seine Wege sind richtig, und nicht nur richtig, sondern heilig. Man betet an und freuet sich. Man wünscht nicht nur nichts zurück, sondern dankt ewig und bedauert nur, daß man es nicht früher erkannt und sich gelassen dabey betragen hat. Mel. 103. Was Gott thut, das ist wohl gethan. 1. Fest halt' ich, daß, was mir geschieht, zu meinem Heil mir diene. Gut ist, was mir mein Gott beschied, wenn's noch so traurig schiene. Allweisheit ist, was Gott beschließt. Allweisheit, so wie Gnade, find alle seine Pfade. 2. Schon hat, seit Erd' und Himmel stehn, sein Regiment gewähret, und niemals hat noch ein Versehn sein Regiment entehret. Nein, was er thut, ist alles gut; ist seines Namens Ehre, wenn's noch so dunkel wäre. 3. Wie war die kleine Zahl betrübt, als Jesus scheiden wollte, weil den, den sie so hoch geliebt, ihr Aug' nun missen sollte. 550 Was weinen fie? Sie hätten nie, wär' er nicht hingegangen, des Geistes Füll' empfangen. 4. Sehr herbe zwar, doch reich an Frucht, sind Gottes Züchtigungen. Was Gûte selbst umsonst versucht, ist ihm durch Zucht gelungen. Wohlthätger Schmerz heilt oft das Herz von schädlichen Gebrechen, die leicht den Glauben schwächen. 5. Ich weiß, was auch für Elend droht, daß er doch meiner schone, der mich zu seiner Herrlichkeit berief in seinem Sohne. Wie sollte der, der mich so sehr in Jesu konnte lieben, von Hers zen mich betrüben? 6. Herr, führe mich denn, wie du willst. Dir bin ich über geben. Wenn du dich schon in Dunkel hüllst, sollt' ich zurücke beben? So wunderbar der Weg auch war, den mich dein Rath geführet, hab' ich doch dich gespüret. 7. 3war schien der Weg, den ich erlas, mir besser; doch ich irrte. Bald pries ich selbst dich über das, was erst mich ganz verwirrte. Drum fass' ich Muth. Ja, er ist gut, der Kreuzpfad, den ich gehe, wenn ich's schon nicht verstehe. J. A. Schlgl 10. November. 315. Rächer euch selbst nicht, Geliebte, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es stehet geschries ben: Mein ist die Rache; ich will vergelten. Rom. 12, 19. Sehet zu, daß Reiner Gottes Gnade versäume, daß keine bittre Wurzel auf wachse und Verderben verbreite, und durch sie Viele angesteckt werden. Hebr. 12, 15. Verföhne dich mit deinem Bruder mit deinem Widersacher bey Jeiten. Matth. 5, 24. 25. - Wer sich an seinem Feinde oder Beleidiger råchet, greift Gott vor und in seine Rechte; der es sich vorbes halten hat, jedes angethane Unrecht zu rächen und zu vergelten. Sprüch. 20, 22. Gebet also Raum, lasset Plah dem Zorn, dem Gerichte Gottes, will Paulus sagen; er wird schon richten und råchen. Das ist aber einem liebhabenden Gemüthe noch nicht genug; es will 551 sich versöhnen, es will das Herz des Widersachers gewinnen; es will nicht nur selbst nichts gegen andere in sich herumtragen, sondern es kann auch in andern nichts dulden, was gegen die Liebe und Eintracht ist; daher sucht es jede bittere Wurzel der Rache, der Abneigung, des Hasses auszurotten, nicht nur in seinem eigenen Herz zen, sondern auch in andern. Der Christ bietet gerne seine Hand wieder, und ruht nicht, bis der andere Theil feine Hand auch reichet, und sie wieder Hand in Hand den anbeten und lieben, der seine Hände den ganzen Tag nach seinen Feinden ausstreckt, der seine Hände für uns alle durchbohren ließ, der uns alle in seine Hände gezeichnet hat. Sieh doch in die durchbohrte Hand Jesu; darin stehst du, darin steht dein Feind gezeichnet; ihr werdet beide von seiner Hand getragen; denn er trågt alle Dinge mit seinem kräftigen Worte. Wie wollt ihr also uneins seyn, und euch die Hände nicht reichen, da Eine Hand euch vom Himmel herab gereicht ist, um euch zu retten; die einst auch alle Thrånen von uns abwischen, und uns alle zu Ihm erheben wird? Mel. 93. Aus tiefer oth. Oder: Was hilft es mir, ein Christ.. 1. Gieb, Jesu, Sanftmuth mir ins Herz, daß ich mich selbst nicht råche; nicht Lindrung mir für meinen Schmerz, aus fremdem Schmerz verspreche; auch wenn mein Fleisch sich schon emport, und durstiglich nachRach' begehrt, des Fleisches Willen breche. 2. Ein Vater hat uns ja gemacht, zu Eines Hauses Kindern; nur Ein Herr hat uns Heil gebracht, uns ganz erstorbnen Sündern; so wie auch Ein Geist uns regiert, zu Einem Erb' uns alle führt, wenn nur nicht wir ihn hindern. 3. Mein Gott, wie darf doch ich, dein Kind, den schwachen Bruder haffen? Ach, wie so große Schulden sind mir selbst von dir erlassen! Wer wår' ich, stånd' ich nicht bereit, alsbald versöhnt, in Einigkeit den Bruder zu umfassen? 4. Komm, Bruder!( Schwester!) komm, reich' her die Hand! wir wollen uns versöhnen, uns auch von dem, was uns entbrannt, von Stolz und Neid entwöhnen! Verzeihn hält zwar die Welt für Schmach; doch wir, wir folgen Jesu nach. Mag gleich die Welt uns höhnen! 552 5. Wir tragen ein gleich sanftes Joch, die wir uns Christen nennen. Wie dürften wir, wir Glieder doch an Einem Leib', uns trennen? Und sprich, woran läßt sich der Christ, wenn er doch Gott nicht ähnlich ist, für Gottes Kind erkennen? 6. Wir haben alle Gottes Gnad' in Einem Herrn zu finden; auch wascht Ein heilig Wasserbad uns alle rein von Sünden, da auch Ein Nachtmahl alle speist, wie soll denn nicht Ein Herz und Geist uns allesamt verbinden! 7. Und haben wir denn Einen Geist, wie kannst du Racha sprechen? Da dein Leib Gottes Tempel heißt, wie darf ich ihn zerbrechen? Nein, Bruder! Grimm sey von uns fern! wir stes hen einst vor Einem Herrn; der möcht' an uns sich rächen. * J. Mauk. 11. November. 316. Abraham hoffte, da nichts zu hoffen war- und war nicht schwach im Glauben. Rom. 4, 18. 19. Durch stille seyn und hoffen werdet ihr stark seyn. Jef. 30, 15. Soffet auf ihn allezeit, lieben Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus. Gott ist unsre Zuversicht. Pf. 62, 9. Die göttliche Hoffnung, die aus dem lebendigen Glauben geboren wird, hålt sich an das was sie nicht sieht, als såhe sie es; weil sie aus dem Glauben weiß, daß Gott das, was nicht ist, hervorruft, wie das, was ist; und daß es Gott gleichviel ist, aus Nichts etwas, oder aus Etwas nichts zu machen. Sie ruht aber auf der Verheißung Gottes, nicht auf einer Einbildung. Das Wort, was Gott verheißen hat, das hålt er gewiß; ist ihr Grund und Eckstein, an den sie sich lehnt, und nicht zu Schanden wird. Wer nicht hofft, was Gott versprochen hat, macht Gott zum Lügner; vertraut dem Vertrauenswürdigsten nicht, setzt Zweifel in die Wahrheit, ob sie nicht gelogen haben könnte. Schrecklicher Gedanke! der da zweifelt, ob Gott wahrhaftig, ob sein Wort keine Lüge sey? Fort mit diesem Kind der Hölle 553 aus deiner Seele! verbanne ihn, und laß ihn auch nicht einen Augenblick in dir herbergen; denn es ist der leidige Satan, dieselbe alte Schlange, die deiner Mutter Heva fagte: Sollte Gott das gesagt haben? zc. 1 Mos. 3, 1.2. Nein, wende dich schnell weg, geh' in deine Kammer, klage dem Herrn deine Noth, schütte dein Herz vor ihm aus, laß es vor ihm still und stark werden. Denn durch stils les Harren vor dem Angesicht des Herrn wird dein Glaube, deine Hoffnung aufleben und Füße kriegen, daß du der Schlange auf den Kopf trittst, auf Felsen stehest, und alles, was dir der Herr geredet hat, ruhig erwarten kannst; es mag von außen so dunkel scheinen und stürmen wie es will; es wird bald helle werden. mel. 16. Bleib bey Jesu. Oder: Heilge Liebe, Simmelsfl. 1. Ich soll harren, ich soll hoffen, ich soll glauben, daß du bist. Morgen steht der Himmel offen, der noch heut' verschlosfen ist. Heute lagern Wolkenhügel vor der Gnade goldnem Thor; morgen rauschen auf die Flügel, und sie tritt im Glanz hervor. - 2. Heute darbt, von Eis umstarret, fumpfig oder dürr das Land; wer des nahen Lenzes harret, füllt mit Blumen seine Hand. Ich soll glauben, soll bekennen, Treu' und Wahrheit feyen dein; soll allein von Eifer brennen, deinem Willen still zu seyn. - - 3. Wider Hoffnung hofft, ein Segen aller Völker, Abraham; und der Allmacht starb entgegen das erwürgte GottesLamm. Ich soll nichts mir selber nehmen, Bande nicht, noch Kreuz verschmåhn; Gottes Treu' in vollen Strömen läßt mich meine Wünsche sehn. 4. Augen haben's nie gefunden, keinem Ohr ist's je erzählt, kein Gedanke mag's erkunden, was mir Gutes Gott erwählt. Giebt der Herr, der Sterne streute, der der Himmel Heer gemacht, Bettler sind die stolzen Leute, Leimen all ihr Glanz und Pracht. — 12. Dovember. 317. Jds beuge meine Kniee daß ihr mächtig gestärkt werdet durch seinen Geist am innern - 554 Menschen, daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne- durch welchen wir freudiges Vertrauen und zuversichtlichen Jutritt haben, durch den Glauben an ihn. Ephef. 3, 16. 17. und 12. Ja, wenn Christus im Herzen wohnt, darf das Herz frey und zuversichtlich zu Gott hintreten. Wer den Sohn hat, der hat den Vater auch auf seiner Seite. Aber wer den Sohn aus seinem Herzen verbannet, wie will der zum Vater kommen? Es geht kein anderer Weg, sagte der Sohn, als durch mich, durch mich. Wer da nicht durch will, kommt nicht durch. Ach, warum wollt ihr ihn denn nicht, ihr Menschenkinder! da ihr ihn doch leicht haben könnet? Saget doch nicht: Sollen wir in Himmel hinauf steigen und Christum herabholen? Sollen wir-. Nichts, nichts von alle dem, was ihr immer sagen und einwenden wollt, sollt ihr Ihr Uebertreter, in euer Herz, zu euch selbst sollt ihr zurückkehren; das Wort ist dir nahe in deinem Munde und in deinem Herzen. Rom. 10. Er wartet schon deis ner drinnen. Er ist nahe allen, die ihn im Ernste an rufen. Es ist unverzeihlich, unverantwortlich, Ihn, ihn warten lassen, Off. 3, 20., ihm, ihm den Rücken kehren; sein Herz vor dem verschließen. der es gemacht und erliset hat. Was macht denn dein Herz glücklicher, als er es machen könnte, wenn du es ihm einräumest. O beuge deine Kniee mit Paulus, daß dein innerer Mensch durch seinen Geist gestärkt werde, Christum aufzunehmen und durch den Glauben in dir bleibende Wohnung nehmen zu lassen. Durch Ihn steht dir dann der Himmel im Leben und im Tode offen; durch ihn hast du freien Zutritt zu allen Schäßen Gottes; durch ihn wirst du reich in allen Stükken; durch ihn wird dir Alles geschenket. Ach, möchte Jesus nicht auch deinetwegen sagen müssen: Wie oft wollte ich in dein Herz kommen, und du hast nicht gewollt! - 555 Mel. 123. Dir, dir, Jehova, will. 1. Der Himmel ist uns aufgeschlossen, der Weg dahin ist uns durchs Blut gebahnt, das unser Bürge hat vergoffen, als unsre Sünde an ihm ward geahnd't. Nur frisch herzu, der Vorhang ist entzwey; nun steht uns Gnad' um Gnad' zu nehmen frey. 2. Er selbst ist hin zu Gott gegangen, wo er als unser Mittler uns vertritt. Seht, wie er brennet vor Verlangen, zu thun, was von ihm heischet unsre Bitt'. Der Reichthum, den er hegt in seinem Schooß für uns, ist theu'r, ist unaussprechlich groß. 3. Nun kann und darf ich nimmer zagen, mein SündenElend machet mich nicht scheu. Im Glauben will ich's fröhlich wagen, im Geist ich Abba, lieber Vater! schrey, und weiß, weil ich im Namen Jesu Christ ihn bitte, daß es ihm gefällig ist. 4. Herr, lehre mich nur recht so beten, denn es ist deines Geistes Gnadengab'; laß mich nie anders vor dich treten, als daß ich deinen Sohn im Herzen hab'. Ach, mache mich nur von mir selbsten frey, daß Christus Alles mir in Allem sey. 5. Sein Nam' sey mir ins Herz geschrieben! Mein Werk sey nichts, nur sein's allein sey groß! In Christi Schmuck mußt du mich lieben, ohn' ihn steh' ich beschämet, nackt und bloß; bring' ihn ich mit, steht offen mir dein Haus; ohn' ihn stößt dein gerechter Zorn mich aus. 6. Nun, Bater, fülle meine Hände, so oft ich sie in Christo hebe auf; aus seiner Fülle mir zusende, was mächtig ist zu fördern meinen Lauf. Wohl mir, durch ihn darf ich mich unterstehn, ins Heilige zu Gott ohn' Furcht zu gehn! 13. Dovember. 318. Freuen und fröhlich müssen seyn an dir, die nach dir fragen, und die dein eil lieben, immer sagen: hochgelobet sey Gott. Pf. 70, 5. Die Gott suchen, denen wird das Herz leben. Pf. 69, 33. Welche Verheißungen haben alle, die den Herrn suchen und auf Ihn allein ihre Hoffnung setzen! Gebet doch alle dem Herrn eure Herzen ganz und unbedingt, wie wird er sie erfüllen mit Freude und Seligkeit! Wer 556 sollte denn fröhlich seyn und Gott loben, wenn die nicht, mit denen Gott ist, in denen Christus lebt? Mit wem sollte denn Gott seyn, in wem sollte Christus wohnen, wenn nicht in denen, die ihn suchen und lieben? Sein Herz neigt sich zu allen Herzen auf der Stelle, die sich zu ihm hinneigen. O ihr Herzen, was suchet ihr außer Ihm, dem Herzensfreunde; euer Herz kann nicht leben, nicht selig seyn, wenn ihr ihn nicht suchet, wenn ihr euch nicht mit ganzem Herzen zu ihm bekehret. Wisset ihr denn nicht, daß ihr überall Herzeleid findet; Ruhe und Friede des Herzens könnt ihr nur bey dem finden, der euer Herz gemacht hat, und der es wieder umschaffen will und kann. Sein Reich ist ein Herzens- Reich. Er kehrt gern in den Herzen ein und macht sie selig. Das ist seine Lust. Habt ihr nun einmal Ihn im Herzen: so habt ihr die Quelle der Freude in euch, die unerschöpflich ist. Was kann euch dann betrüben? Welch ein Himmel ist ein solches Herz! Welch ein Himmel der Himmel, wenn mehrere solche Herzen zusammenkommen, die den Herrn inwendig in ihnen haben, wer wird ihre Freude stören? Aber wie werden alle geångstiget werden und fallen, die Ihn nicht haben, Ihn nicht suchen? Ewig selig ist die Seele, in welcher Gott, Jesus, wohnt. Se lig, herrlich wie der Himmel, ist jedes Herz, das in Chris sto ist! Aber elend, jåmmerlich und arm ist jede Seele, die ohne Gott, ohne Jesus, ohne Gnade dahin lebt. mel. 33. Du Freude der Erlöften. Oder: Herr Jesu, Gnas densonne. 1. Herr Jesu Christ, mein Leben und meine Zuversicht, bir hab' ich mich ergeben, verlaß, verlaß mich nicht! Ach, laß mich deinen Willen mit Treue stets erfüllen; ach wohne du in mir! 2. O schenke deine Liebe mir, deinem Eigenthum, daß ich dich nie betrübe; dir sey zum Preis und Ruhm! Ach, laß mich an dir hangen, im Herzen dich umfangen, denn du bist liebenswerth. 3. Hilf, daß in deiner Liebe ich bleibe für und für. Was ist, das mich betrübe, halt' ich mich stets zu dir? Ach, laß mich mit dir sterben, und laß mich dann auch erben das Reich der Herrlichkeit! 557 4. Gieb, daß ich allzeit bleibe ein grüner Reb' an dir. Dir will ich mich verschreiben, ach, weiche nicht von mir! Ich bleib' dir ganz ergeben, im Tode und im Leben, bleibst du mein Trost, mein Licht. 5. Nun, Jesu, sey mein Leben, mein Alles ganz allein; nach dir laß mich stets streben, so werd' ich selig seyn. Ach, laß mich dich stets suchen, und alles das verfluchen, was mich von dir abhält. 6. Mein Heiland, möcht'st du kommen, ja komm! ach komme doch, erlöse deine Frommen von ihrem Sündenjoch. Uch Sesu, komm und dåmpfe das Fleisch, gieb, daß ich kämpfe allein durch deine Kraft. 14. Dovember. 319. Stehe auf, Herr! erhebe deine Hand. Vers giß der Elenden nicht. Pf. 10, 12. Er vergißt nicht des Schreiens der Armen. Pf. 9, 13. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott! sey nicht ferne von mir! Pf. 38, 22. Verstoße meine Seele nicht. Pf. 141, 8. 44, 24. Der Herr wird sein Volk nicht verstoßen. Er verstößt nicht ewiglich. Pf. 94, 14. Rig. Jer. 3, 31. Auf diese Gebete finden sich Antworten und Verheißungen genug in dem Worte des Herrn. Wenn keine wäre als dic Jef. 49, 15. und Joh. 6, 37. die allein alle Betrübte und Traurige, alle 3agende und 3weifelnde trösten können, wenn sie es im Glauben ergreifen und dem lieben Gott so viel zutrauen, daß er nicht lüge, der armen Menschen nicht spotte, sondern das, was er ihnen in seinem Worte verheißen hat, auch gewiß halte. Möchten wir nur immer so flehen und in diesem kindlichen, zudringlichen Gebete verharren; möchten wir nur an seinem våterlichen Herzen recht oft ans klopfen, an der Untwort würde es nie fehlen. Was könnte die Muttertreue, die zärtliche Liebe und Sorgfalt unsers Bräutigams übertreffeu? Was, was sollten und - 558 dürften wir nicht von ihm erwarten? O wir Kleingläubigen! Stånden wir recht in und auf seinem Worte, wir würden fester als Berge stehen, würden nie wanken; denn der Himmel wird wohl zerfallen und vergehen, aber sein Wort und seine Treue fällt und vergeht nicht. Gott hat die mit Blut, mit dem Blute seines Sohnes, am Kreuze auf Golgatha geschrieben: geh' bin, was liefest du dort? Wenn du kein Wort mehr lesen, keins mehr glauben kannst, so sollst du doch diese Handschrift Got tes des Vaters in den Wunden und im Blute des Sohnes noch lesen und glauben können. Denn lesbarer, kräftiger, überzeugender und lebendiger kann kein Schrei ber schreiben, kein Sprecher sprechen. Da steht's so måchtig, wie möglich geschrieben: Ich vergesse euch nicht! Ich verlasse euch nicht! Ich verstoße euch nicht! Mel. 70. fort aus der Welt. 1. Vergiß mein nicht! daß dein ich ewig nicht vergesse, mit Dank all' deine Huld ermesse; und gieb mir stets, was fünftig mir gebricht. Vergiß mein nicht! 2. Verlier' mich nicht, aus deinem Schooß, aus deinen Ar men, mein Hirt, ich bitt' durch dein Erbarmen. So lang' dein Hirtenstab sein Umt verricht't, verlier' mich nicht! 3. Verlaß mich nicht! Mein Herr, mein Führer und mein Lehrer, schütz' mich vor jedem Friedensstörer. Dein Aug' sey unverwandt auf mich gericht't! Verlaß mich nicht! 4. Dein Liebspanier laß mich mit tausend Schilden decken, des Feindes Heer mich nicht erschrecken. Dwache selbst, und schwinge über mir dein Liebspanier! 5.Verstoß mich nicht! Doch, wie könnt'st du mich, Lamm, verstoBen, für den du selbst dein Blut vergoffen? Du, dem sein liebend Herz so gerne bricht. Verstoß mich nicht! 6. Vergiß auch nicht, Herr, aller deiner Reichsgenossen, auf die dein theures Blut geflossen. Erinnre fie stets ihrer theuren Pflicht; vergiß sie nicht! 7. Vergiß uns nicht! daß sich dein Zion dein bald freue, dir stift' ein Denkmal deiner Treue! Entzieh' uns nicht dein helles Gnadenlicht! Vergiß uns nicht! 8. Wir denken dein! Wer könnte dich, o Freund, vergessen? wer das Geheimniß ganz ermessen, daß du in uns, wir in dir sollen seyn; wir denken dein! 559 9. Vergiß mein nicht! Wie solltst du nicht an mich gedenken, da du dich willst in mich versenken? Nein, du bleibst ewig mein! Du, du, mein Licht! Bergiff'st mein nicht! To 320. 201 15. Dovember. Gieb mir, mein Sohn! dein Herz, und laß deinen Augen meine Wege wohl gefallen. Spr. 23, 26. Seiliget Gott( Christum) den Herrn in euren Zerzen. 1 Petr. 3, 15. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Matth. 5, 8. Weß das Herz voll. deß geher der Mund über. Matth. 12, 34. Gott sein Herz geben, heißt sein Herz vor allem, was nicht Gott ist, rein bewahren; an keinem Dinge, außer Gott und Christo, mit seinem Herzen hången. Mit Gott nur Einen Willen haben, sich alles wohlgefallen lassen, was Gott wohlgefällt, und alles verabscheuen, was Gott mißfållt. Der heiliget Gott oder Christo sein Herz, welcher immer voll Gottes, voll Liebe Christi ist, sich in allen Dingen nur von der Liebe Christi dringen und treiben låßt; welcher nicht frågt: Was werden die Menschen, was wird die Welt dazu sagen? sondern: was will meine Liebe? Was gefällt dem Gott meines Herzens? Wie kann ich seinen Sinn am besten treffen? Was ist sein wohlgefälliger Wille? Wer sich das kleinste Unrecht, ja selbst erlaubte Dinge, und wenn er eine Welt dadurch gewinnen könnte, doch nicht erlaubt, weil er weiß, Gott, Christus will das nicht, oder er will, daß es jetzt nicht von dir geschehe; der hat Gott sein Herz gegeben, geheiligt; dessen Herz ist rein, und ein solches Herz schauet Gott. Wer nun so voll Liebe Gottes im Herzen ist, dessen Mund kann nichts anders hervorbringen, als was Gottes ist. Der Mund ist der Verråther des Herzens. Er ist aber oft auch ein Betrüger und Lügner; denn er kann bey Heuchlern von Gott und der 560 Liebe Christi sprechen, ohne daß Gott und Liebe zu Christus im Herzen wohnt. Aber doch nicht immer; er verråth denn doch wieder, was im Herzen ist, weil sich der Mund derer, die im Herzen nicht recht mit Gott stehen, verändert und sich nicht immer gleich bleibt. mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: Mir ist Erbars mung wiederf. 1. Was giebst du denn, o meine Seele, Gott, der dir täglich Alles giebt? Was ist, das er zum Opfer wähle? Was ist die Gabe, die er liebt? Nur Eins kann deinen Gott erfreun: Du selbst mußt dieses Opfer seyn. 2. Du mußt, was Gottes ist, Gott geben; sag', Seele, wem gebührt das Herz? Dem Teufel nicht, er haßt das Leben; wo er regiert, ist Höllenschmerz. Dir, dir, o Gott, dir soll allein mein ganzes Herz gewidmet seyn! 3. So nimm nun hin, was du begehrest, du, der du meine Liebe bist; das Herz, das du zu dir bekehrest, und das alsdann dein Tempel ist. Dir geb' ich's willig, du allein hast es erkauft, drum ist's ja dein. 4. Wem sollt' ich mein Herz lieber gönnen, als dem, der mir sein Ulles giebt? Dich kann den Treuesten ich nennen, denn du bast dich zu Ted' geliebt. Dein soll, o Jesus, nur allein mein Herz und keines Undern seyn! 16. Dovember. 321. Herr, zu wem sollen wir gehen: Du hast Wor te des ewigen Lebens. Joh. 6, 69. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Orte, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. 2 Petr. 1, 9. Alle die Menschen, die Gottes Wort nicht haben, oder nicht glauben; die Jesum nicht hören, sind in der dicksten Finsterniß und Blindheit, ohne wahren Trost und ohne Heil im Leben und im Tode, sind elend und unselig, wenn sie es auch noch nicht so fühlen. Das 561 weiß jeder, der da Jesum und sein lebendiges Wort kennen gelernt hat. Vorher wußte er nicht, wie elend er war; aber nun weiß er es, nachdem er die Seligkeit ge= schmecket hat, die man in Jesu erfährt. Unbezahlbar, unschätzbar, wird uns das Wort des Herrn erst, wenn der Tag der Erweckung und Bekehrung anbricht, wenn der Morgenstern, Christus, der lebendige Gott, das wahre Licht, in une aufgeht. Da schaut man das Licht in seinem Lichte. Da wird alles klar und helle, da wird es lebendig. Was ihr aber da erhalten habet, das haltet fest im Herzen, im lebendigen Undenken, damit euch nichts mehr von Jesu wegbringe. Es kommen allerley Versuchungen und Prüfungen über die Gläubigen; wenn sie aber im Gedächtniß halten Jesum Christ, wenn sie geschmecket haben die Kräfte der zukünftigen Welt, erfahren haben das lebendige Wort Gottes, das die Seele vom Tode zum Leben, von der Finsterniß zum Lichte gebracht hat, wenn sie dieses Licht und Leben immer zu bewahren suchen, so können sie ben jeder Anfechtung, die sie von Christo abfällig machen will, mit Petrus sagen: Wo sollen wir hin? Wir bleiben bey dir, Herr! denn du haft Worte des ewigen Lebens. Mel. 98. un banket alle Gott. 1. Uch Gott, ich suchte dich, und konnte dich nicht finden. Unendlich fern von dir lag ich in meinen Sünden. Mit aller Kreatur war ich im Widerspruch. Der nahe Tod war mir ein Donnerschlag, ein Fluch! 2. Ich rief: wer rettet mich? Doch, ach! ich rief vergebens. Denn in mir fand ich nichts. Und Freude dieses Lebens war wie die Trunkenheit, aus der man in der Nacht betäubt, geångstet, krank und jammervoll erwacht. 3. Kein Weiser gab mir Rath, was können Menschen wis sen? Sie irren stets umher in dicken Finsternissen! Die Welt ist wie die Stadt, in welcher ein Altar, dem unbekannten Gott, vergeblich heilig war. 4. Doch seht, ich fand ein Buch, von Menschen zwar geschrieben; doch watrlich, Gottes Geist hat sie dazu getrieben. Hier N n 562 lese ich, was nie ein menschlicher Verstand, so scharf er immer war, nach allem Forschen fand. 5. O welch ein heilig Buch, das mich die Weisheit lehret, die man im Himmel nur, auf Erden nie gehöret, bis Gott es kund gemacht. Anbetend steh' ich da, und seh' das Heil der Welt am Kreuz, auf Golgatha! 6. Herr, wohin sollt' ich gehn? Du hast das Wort des Lebens! Du rufft zur Buße mich, o Jesu, nicht vergebens, will ich dein Leiden sehn und deine Seelennoth! O wär' ich auch betrübt! betrübt bis in den Tod! 7. Du rufft zum Glauben mich; ich soll's auch zitternd wagen, die ganze Wahrheit dir, wie jenes Weib*) zu sagen. Auch ich Unwürdigster nehm' deine Gnade hin, und glaube, daß ich nun versöhnt und selig bin.*) Mark. 5, 33. 8. Nun soll die Liebe mich unendlich dir verbinden. Ich foll, als Gottes Kind, die Welt nun überwinden! Und, in dein Bild verklärt, soll ich nun heilig, rein, ja gar Ein Geist mit dir, ein Tempel Gottes seyn. 9. O du, Dreieiniger, ich danke dir im Staube! Ich glaube deinem Wort, o lieber Herr, ich glaube. Hier bin ich, mach's mit mir in meiner Lebenszeit nach deinem heil'gen Wort, und in der Ewigkeit. 322. 17. Dovember Siehe, Gott steht mir bey, der Herr erhält meine Seele. Pf. 54, 6. Jch will wohnen in deiner Hütte ewiglich, und trauen unter deinen Sittigen. Pf. 61, 5. Der dich gemacht hat, der ist dein Mann, Herr Jebaoth heißt sein ame, und dein Erlöser, der heilige in Israel, der aller Welt Gott genannt wird. Jef. 54, 5. Gott hat sich uns geschenket. Ich will euer Gott seyn, und ihr sollt mein Volk seyn. So spricht er oft in seinem Worte. 3 Mof. 26, 12. Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ja im Glauben will ich mich mit dir vermählen, sagt er Hof. 2, 19. 20. Darum heißt es Jef. 54.: Der dich gemacht hat, dein Schöpfer, 563 ist dein Mann, dein Verlobter, und Vermählter, der dich so angenommen hat, wie ein Mann ein verlassenes Weib, der sich dir so geschenket hat, so dein seyn will, daß du dich darauf berufen und zu ihm sagen kannst: du bist mein Gott! Du mußt dich meiner annehmen, wie sich ein Bräutigam seiner Braut annimmt. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an. Pf. 22, 11. Auf dich hab' ich mich verlassen von Mutterleib an. Pf. 71, 6. Du warest über mir( hast mich bedeckt und erhalten) im Murterleibe. Pf. 139, 13. So redeten die Gott- vertrauenden Menschen mit Gott. So muß auch dein Glaube sprechen. Gott ist dein Gott- und alles, was sein ist, ist dein. Seine Liebe hat dir alles, was er ist, geschenket. Er ist für dich da, als wäre er nur für dich allein Gott, für dich allein allmächtig, barmherzig, gnädig und allgegenwärtig. Alles, was Er ist und kann, hat er dir in seinem Worte verheißen und geschworen. Du mußt Gott leugnen oder bekennen, daß er dein Gott ist, der dich nie verlassen, sich nie verleugnen kann, denn er ist dein Schöpfer und dein Mann. Er hat sich dir verbunden und geschworen: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Jos. 1, 5. 5 Mos. 31, 6. 8. Wir können also getroft sagen: Der Herr ist mein Helfer; ich fürchte nichts, was kann mir ein Mensch thun? Ps. 55, 5. tel. 103. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 1. Ich habe Gott, und hab' genung! Was sollt' ich Befres haben? Er giebt allein Befriedigung, und kann die Seele laben. Wer ihn nur hat, hat Rath und That; wer ihn festhålt auf Erden, kann nicht gefährdet werden. 2. Ich habe Gott, und hab' genung! Was sollt' ich mehr begehren? Er kann ja einen Wassertrunk in süßen Wein verkehren. Wenn er nur giebt, was ihm beliebt, so muß mir's auch gedeihen; er kann allein erfreuen. 3. Ich habe Gott, und hab' genung! will andern alles lassen; hab' ich nur die Versicherung, auf seine Huld zu fassen; so bin Nn 2 564 Ich reich, und ob ich gleich der Aermste wår' auf Erden; Gott muß mir alles werden. 4. Ich habe Gott, und hab' genung! Was sollt' ich mich denn Frånken? Wollt' er mir gleich den Wermuthstrunk in seiner Liebe schenken; so weiß ich doch, daß dieses Joch nur seine Jünger drücket, die er auch wohl erquicket. 5. Ich habe Gott, und hab' genung, auch wenn ich gleich jetzt sterbe. Mein Tod ist die Beförderung zum göttlich reichen Erbe. Denn Gut und Geld bleibt in der Welt. Wer selig ist gestorben, hat ewig gnug erworben. B. Schmolke. 18. Dovember. 323. Lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und den Vaz ter im Zimmel preisen. Matth. 5, 16. Du glaubst, daß ein Gott ist; du thust wohl; die Teufel glauben auch und zittern. Jak. 2, 19. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, wird er wohl Glauben finden auf Erden? Luk. 18, 8. Wie viel Glauben giebt es in der Welt! aber wie wenig leuchtendes und wärmendes Licht des Glaubens. Der Glaube soll ein Licht seyn aus Gott und dem Himmel, das alles Finstere um sich her erleuchtet, soll durch Werke der Gerechtigkeit sein Feuer, seine Kraft, seine Abkunft aus Gott beweisen; sonst ist er ein todter, kals ter Schein und Schimmer, der nur trügt und nichts taugt, ist ein Teufels- Glaube, ein bloßes Fürwahrhalten. Der Teufel kann nicht leugnen, daß Gott ist, ja er glaubt so fest an Gottes Daseyn, daß er vor ihm zittert; was viele sogenannte Gläubige nicht einmal thun. Darum hat wohl der Teufel noch einen bessern Glauben. Allein ein solcher Glaube macht euch weder gerecht noch selig, sonst müßte der Satan wohl långst gerecht und selig seyn, wenn sein zitternder Glaube etwas taugte. Siehst du, wie der Apostel Jakob deinen Maul- und 565 Heuchel- Glauben herabsetzt; und doch erschrecken die Menschen nicht. Jesus selbst bejammerte schon die letzten Zeiten, und zeigt deutlich an, daß er bey seiner Zukunft wenig wahren Glauben finden werde. Darum, Lieber! beeifere dich, daß du unter diesen Wenigen senest, an denen der Herr Glauben finden wird. Ich wünsche mir und dir den Glauben der Römer( zu Pauli Zeiten), von dem man in aller Welt sagte. Rom. 1, 8. Wie herrlich muß der gewesen seyn, wie lebendig und kraftig, daß er ganz andere Menschen aus ihnen machte, wie Paulus Rom. 8. es beschreibt. Darnach prüfe man seinen Glauben; denn ohne den wahren, lebendigen, thås tigen Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Hebr. 11, 6. Mel. 93. Was hilft es mir, ein Chr. Oder: Sey Lob und Ehr' dem. 1. Der Glaub' ist eine Zuversicht zu Gottes Gnad' und Gü te, der bloße Beifall thut es nicht, es muß Herz und Gemüthe durchaus zu Gott gerichtet seyn und gründen sich auf ihn allein, ohn' Wanken und ohn' Zweifel. 2. Wer sein Herz also starkt, und fest im völligen Vertrauen, auf Jesum Christum, sich verlåßt, auf sein Verdienst kann bauen, der wandelt in des Glaubens Licht, und wenn des Todes Macht einbricht, ist er ohn' Furcht und Grauen. 3. Das aber ist kein Menschenwerk; Gott muß es uns gewähren; drum bitt', daß er den Glauben stårk' und in dir woll' vermehren. Zeig aber auch des Glaubens Kraft, die gute Werke in dir schafft, sonst ist dein Glaube eitel. 4. Es ist ein schåndlich böser Wahn, des Glaubens sich nur rühwen. und gehen auf der Sünden- Bahn, das Christen nicht kann ziemen. Wer dieses thut, dem sag' ich frey: Dein Glaube ist nur Heucheley, und stürzt dich in die Hölle. 5. Drum sey es dir, o frommer Christ, mit Ernst hier angelegen, daß du aufrichtig, wo du bist, dich håltst in Gottes Wegen; daß Glaube ohne Heucheley, vor Gott dem Herrn rechtschaffen sey, und vor dem Nächsten leuchte. 19. november. 324. Was kann euch schaden, wenn ihr dem Guz 566 ten nachtrachtet: 1 Petr. 3, 13. Der Herr ist mein Licht und mein Zeil, vor wen sollte ich mich fürchten: Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen:- Denn er decket mich in seiner Zütte zur bösen Zeit; er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelt, und erhöher mich auf einem Selsen. Pf. 27, 1. 5. David hatte nur Eine Bitte zum Herrn, nur einen Wunsch, und der war- im Hause des Herrn zu blei ben sein Lebenlang, die schönen Gottesdienste des Herrn zu schauen, und seinen Tempel zu besuchen. Er hatte aber nur das äußere Heiligthum, den Tempel, von Hånden gemacht. Und doch fand er da den Herrn so kräftig, daß er sich vor nichts fürchtete; fand Schuß und Decke vor allen Feinden, fürchtete weder Kriege noch Heere, die sich wider ihn erhoben, und ihn verzehren. wollten. Sie werden anlaufen, sagt er, und fallen; denn der Herr deckt mich in seiner Hütte, er verbirgt mich heimlich in seinem Gezelte, und erhöhet mich auf einem Felsen, den sie nicht erklimmen können. Er suchte, fand und genoß im außern Heiligthume auch das innere im Geiste, und das machte ihn so stark und selig. Was David konnte und hatte, muß der Christ viel besser können und haben. Du Hütte, du Haus, du Gezelt des Herrn! sollst du nicht mehr zu finden seyn? Es ist wahr, der Tempel, den David äußerlich besuchte, ist lange zerstört, aber das Heiligthum, welches er vorbildete, die Hütte Gottes bey den Menschen, die er weisfagte, ist und wird seyn, so lange Herzen sind, die Gott im Geiste und in der Wahrheit suchen. Du kannst den Herrn selbst, nicht nur seine Hütte, finden und besuchen. Du kannst Jesum immer bey dir und in dir haben. Ich bleibe bey euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Dies Wort hat er dir gegeben; und er ist gewohnt, Wort zu halten. Himmel und Erde vergehen wohl, aber seine - 567 Worte nicht- auch dieses Wort nicht. Ist es dir wie dem David: Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des Herrn, inwendig im Geiste bey ihm, bleiben könnte mein Lebenlang, daß er in mir und ich in ihm so beståndig wohnte, daß uns nichts mehr trennen kann, und ich sagen darf: Ich habe ihn, und will ihn nicht lassen; so darfst du so furchtlos als David seyn, so bist du eben so bedeckt, geschüßt und ver= borgen vor aller Gefahr, als er; so stehst du auf einem Felsen, auf den dich kein Arm, keine Gewalt, kein Unglück, kein Sturm erreichen kann. - Mel. 37. Das wahre Christenthum. 1. Wer Jesum bey sich hat, kann feste stehen, wird auf dem Unglücks- Meer nicht untergehen. Wer Jesum ben sich hat, was kann dem schaden? sein Herz ist überall mit Trost beladen. 2. Wer Jesum ben sich hat, der hat den Himmel, wünscht zu verlassen nur das Weltgetümmel. Wer Jesum ben sich hat, der lebt zufrieden, vergnügt mit dem, was Gottes Hand ihm hat beschieden. 3. Wer Jesum bey sich hat, der mag nicht haben die Eitelfeit der Welt und ihre Gaben. Wer Jesum ben sich hat, hat gnug auf Erden, und mag in Ewigkeit nicht reicher werden. 4. Wer Jesum bey sich hat, kann sicher reisen; er wird ihm schon den Weg zum Himmel weisen. Wer Jesum bey sich hat in höchsten Nothen, den kann kein Teufel nicht, noch Mörder tödten. 5. Wer Jesum ben sich hat, ist wohl beschüßet, wenn's heftig donnert, wenn's erschrecklich bliget. Wer Jesum ben sich hat, darf nicht erschrecken, wenn seine Sünden Furcht und Angst er wecken. 6. Wer Jesum ben sich hat, darf nicht verzagen, er kann den Teufel selbst leicht von sich jagen. Wer Jesum bey sich hat, wird nicht verderben; wer Jesum ben sich hat, kann fröhlich sterben. GUIN 20. Dovember. 325. Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus zu dem, was vor mir ist, und jage 568 nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo. Phil. 3, 13. 14. Jch achte alles für Unrath, auf daß ich Christum gewins ne und in ihm erfunden werde 2c. Phil. 3, 8.9. Du suchst dir vieles, du strebst nach allerley. Eins, Eins fehlt dir doch, ein Kleinod, das alles in sich faßt. Suchst du und findest du dieses nicht, so wirst du am Ende nichts haben, weil du das Eine nicht hast, außer dem Alles nichts ist. Weißt du nicht, wer die Hand an den Pflug legt und zurück sieht, der taugt nicht ins Reich Gottes? Vorwärts! Vor dir liegt das Kleinod; siehe nicht zurück auf das, was hinten liegt; laß alles liegen und folge mir, ruft dir Einer von oben, der dir dies Eine vorhålt. Achte alles für Schaden, was Gewinn genannt wird auf Erden. Es ist nur Ein Gewinn. Christum gewonnen, Alles gewonnen; Christum verloren, Alles verloren. Wie Vieles liegt dir noch in deinem Sinn, in deiner Begierde! Wer nach einem vorgesteckten Ziele läuft, hat nur dasselbe Ziel immer im Auge; denn, so wie er dieses aus dem Auge verliert, läuft er Gefahr, sich von dem Ziele eher zu entfernen, als sich ihm zu nähern, oder auf Seitenwege zu gerathen, oder lauter vergebliche Schritte zu thun. Unser Beruf ist himmlisch, göttlich: darum sey auch unser Sinn, unser Streben und unser ganzes Wesen und Wirken zum Himmel, zu Gott, zu Christus gerichtet. Weg Welt! weg Sünde! weg Ehre und Lust! weg alles aus meinem Sinn und Herzen! Christus! Christus! du allein sey mein Biel, mein Kleinod, nach dem ich ringe, bis ich dich ganz besitze, und ganz in dir erfunden werde! - Mel. 61. Lobet den Herren, den mächtigen König. 1. Christus, mein Leben, mein Hoffen, mein Glauben, mein Ballen, du sollst mich einzig erfreuen, mir einzig gefallen! 569 Richte den Sinn, freundlicher Heiland, dahin, dich nur zu preisen vor allen. 2. Einzig Geliebter! Du Wonne, dich will ich erheben; dir, dir will ich gänzlich mich schenken, mich völlig hingeben; nimmst du mich hin; ist es mein größter Gewinn. Dir will ich sterben und leben. 3. Eins nur, das Noth thut, laß machtig vor allem bestehen, Ruhe der Seele. Laß alles, was eitel, vergehen. Einzige Lust ist mir in dir nur bewußt, den ich mir ewig ersehen. 4. Herzog des Lebens, du wolleft mich selber regieren, daß ich mein Leben mög' heilig und seliglich führen. Gieb du den Geist; gieb mir, was Heiland, dich preis't; laß mich dein Naheseyn spüren! 5. Friedefürst, laß mich im Glauben dir treulich anhangen; eile, zu stillen dies Wünschen, mein höchstes Verlangen. Gieb dich mir her! O wie verlangt mich so sehr! Laß mich nur dieses erlangen! 6. Nun denn, so will ich auch immer und ewiglich haffen Schäße, die Christum, das Kleinod, nicht in sich einfassen. Er soll mir seyn Reichthum und Alles allein. Gott, Gott, wer wollte dich lassen? 21. Dovember. 326. Kindlein, es ist die letzte Stunde. 1 Joh. 2, 18. Denn, noch über eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht säumen. Hebr. 10, 37. Denn ihr wisser selber wohl, daß der Tag des Herrn kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht. 1 Theff. 5, 2. So dachten sich die Apostel die Zukunft des Herrn; sie hielten sich keinen Augenblick sicher, wachten Tag und Nacht, und blieben immer bereit, ihn zu empfangen. Hat dort, vor 1800 Jahren, schon die letzte Stunde angefangen; wie viel mag jetzt noch übrig seyn? Wer kann auch nur auf den tausendsten Theil einer Sekunde rechnen? Wie sollten wir daher, nach der Ermahnung 2 Petr. 3, 11-15. uns befleißigen, mit heiligem Wandel und Gottseligkeit, zu erwarten und entgegen zu eilen 570 der Ankunft des Tages des Herrn; wie sollten wir uns becifern vor ihm, wenn er morgen káme, unbefleckt und unstråflich erfunden zu werden! Der Heiland selbst warnet uns Luc. 21, 34-36. Das alles ist in unsern Tagen wohl zu bedenken; denn wir sind diesem Tage, der gewiß nicht ausbleiben wird, um 1800 Jahre nå her, als die ersten Christen, die ihn noch zu erleben hoff ten, und sich täglich darauf bereiteten. Ach, wer weiß, wie nahe uns die schrecklichen Gerichte sind, die diesem Tage vorangehen! Niemand glaubt es, bis er die Men schen wie ein Fallstrick, wie ein Dieb in der Nacht überfallen wird. Ihr Kinder des Lichts! schlafet nicht! wa chet auf! Ihr Töchter und Bråute des Lammes, der Bräutigam ist nahe! Er steht vor der Thüre. Keine Stunde ist uns gewiß; er kann uns schnell und plößlich überfallen. Selig, wer da wachet, und sich mit der Braut Offenb. 22, 17. 20. nach seinem Kommen sehnet und ihm entgegen ruft: Komm, Herr Jesu! Prüfet euch tåglich, ob ihr mit Zuversicht so rufen könnt, ob ihr vor ihm bestehen werdet. Er hat Augen wie Feuerflammen, die alle Unredlichkeit, jede Untreue, fie sey noch so verborgen im Herzen, entdecken und ans Licht bringen wird. Säumet euch nicht, alles wegzuräumen aus euren Herzen, was seine Augen nicht ertragen können. 19 mel. 63. Jesu, den ich meine. Oder: Gottes Sohn ist kommen. 1. Jauchzet all' ihr Frommen, Er wird wiederkommnen, mas jestätisch, prächtig, herrlich, groß, allmächtig, Welten zu vernichten, alles Fleisch zu richten. a Oro seslis 2. Wenn nun alles klaget, jammert, heult und zaget, fehn getroft die Deinen, Richter, dich erscheinen, freun sich, dich zu sehen, und vor dir zu stehen. 3. Euch zum Trost, ihr Frommen, wird er wiederkommen, im Triumph- Geprånge wird er mit der Menge aller Engels schaaren schnell herniederfahren. 4. Eilt dem Herrn entgegen, er bringt ewgen Segen allen 571 Gotteskindern; aber Fluch den Sündern, sie zur Qual der Flammen ewig zu verdammen. 5. Da wird er sie scheiden; zu des Himmels Freuden führt er Gottes Kinder, aber alle Sünder müssen mit den Teufeln heulen und verzweifeln. 6. 3war ihr Frommen müsset, bis der Lauf sich schließet, oft beschwert mit Plagen, Last und Hike tragen, Müh' und Kampf nicht achten, weinen, seufzen, schmachten. 7. Seufzet nicht! Behende eilt der Lauf zu Ende, da wird er vom Bösen eure Seel' erlösen, sie erhöhn zu Ehren, herrlich sie verklären. 8. Herr, du wollst uns stårken, selbst zu guten Werken, immer fort zu machen, lehr' uns flehn und wachen, daß dann Preis und Segen uns dort krönen mögen. 22. November. 327. Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit sondern wer sich rühmen will, rühme sich, daß er mich kenne und wisse, daß ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit über auf Erden. Jer. 9, 24. Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist seinen heiligen Namen. Pf. 103, 1. Die Menschen wenden gewöhnlich alles, was in ihnen ist, für sich selbst an, brauchen alle ihre Kräfte des Leibes und der Seele blos für sich, zu ihrer Selbsterhaltung, Selbsterhebung, zu ihrer Lust, Ehre und zu ihrem eignen Nußen, und glauben dabey, es nicht besser machen zu können. Das heißt: sie stehen unter dem Gesetz der Glieder, der Eigenliebe, und halten streng an ihrGebot: Du sollst dich selbst lieben von ganzem Herzen, aus ganzer Secle und aus allen deinen Kräften. Wenn dieses das Gebot Gottes wåre, so wäre die Welt voll von ausbündigen Heiligen und vollendeten Christen. Aber nun ist es anders; Gottes Gebot und Willen geht gerade gegen diese Selbstvergötterung und Selbstanbetung der Eigenliebe -- 572 an und sagt: wer nicht sich selbst haßt und den Herrn, seinen Gott, von ganzem Herzen und aus allen Kräften liebt, der ist kein Jünger Christi. Wenn der Weise, Verständige, Gelehrte sich seiner Weisheit rühmet, das heißt, sie blos zu seiner Ehre und zu seinem Vortheil anwendet, so låstert er seinen Gott, und macht sich selbst zum Gott. Wenn der Starke, Machtige sich sei ner Macht rühmt, oder, was eines ist, sie blos für sich gebraucht, so spricht er dem Allmächtigen Hohn, stürzt ihn in seinem Herzen vom Thron und setzt sich darauf. Wenn der Reiche sich seines Reichthums rühmt, nur für sich reich ist, und alles, was er hat, als Eigenthum, sich nicht als Verwalter ansieht, der Gott Rechenschaft schuldig ist, so ist er sein selbst Gott, und wird am Ende Mammons- Lohn erhalten, er wird mit seinen Gözen vergehen. Wer sich rühmen, und nicht in seinem Ruhme eitel werden will, der rühme sich, daß er Gott kenne und wisse, daß er nichts und Gott alles, daß er nur für Gott und durch Gott da ist. Alles in dir und an dir preise den Herrn; alles, was in dir ist, suche nur den Herrn zu verherrlichen, von dem, durch den, und zu dem alle Dinge sind. Mel. 22. Die Seele Christi. Oder: Kommt her, ihr I. Christen.. 1. Auf, Seele! auf! und preis' den Herrn! wer preis't, was herrlich ist, nicht gern? Dwelch ein Glanz, der Gott verklärt! wer ist, wie er, des Lobes werth? Lobt ihn, sein ganzer Nam' ist Ruhm; Unendlichkeit sein Eigenthum. Dies grånzenlose Meer von Licht, durchschauet selbst der Engel nicht. 2. Ja, eure Lust sey, ihn erhöhn; solch Lob ist heilsam, liebs lich, schön; schårft den Verstand, erhebt das Herz und stillt im Leid den herbsten Schmerz. Wie wird der Geist dadurch entzickt, hinauf gen Himmel hingerückt; mit seinem hocherhabnen Freund, mit Gott, stets inniger vereint! 3. Welch ein so herrlicher Beruf, zu dem Gott selbst die En gel schuf! welch eine theure, süße Pflicht, fie, die so reichen Lohn verspricht! Wie billig, daß ihr ihn befingt, von dem ihr euer Herz empfingt, das sich zu Gott in Inbrunst nahn und seine Liebe fühlen kann. - - 573 4. Auch durch den Mund, so oft er spricht, ruft Gott euch zu: Vergiß mein nicht! Die Sprache dankst du ihm allein, und woll test nicht voll Rühmens seyn?-Was gebet ihr nun ihm dafür? Ist nicht ein Herz voll Dankbegier, das ganz in seiner Liebe brennt, das Einzge, was ihr geben könnt? 5. Auf, Brüder! preist mit mir den Herrn! wer preist nicht milde Geber gern! Gedenkt, wie viel er uns gewährt! Wer ist, wie Er, des Dankes werth?- Du, meine Seele, preise ihn, gieb ihm dich ganz zu eigen hin. Ein jeder Pulsschlag sey ein Dank, und jeder Uthem Lobgesang. I. A. Schlgl. 23. Dovember. 328, Wer unter dem Schirme des höchsten sitzet und unter dem Schatten des Allmächtigen bleiber, der spricht zu dem Zerrn: Meine Zuversicht und meine Burg! Ps. 91, 1. 2. Wohl allen, die auf ibn trauen. Pf. 2, 12. Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte, allen, die dich anrufen. Pf. 86, 5. Der Herr ist Schirm und Schild, ein Schatten in der Hiße der Trübsal, der uns die Müdigkeit benimmt, uns erquickt und stärkt, wenn wir unter seinen Schatten fliehen. Die Zaghaftigkeit des menschlichen Herzens ist die Quelle aller Leiden. Unglaube die Mutter aller Angst und Bangigkeit im Leiden. Wer Gott zum Freunde hat, wer an seine schüßende und schirmende Hand glaubt, die Tag und Nacht ausgereckt ist, uns zu bedecken, und ohne welche uns kein Haar gekrümmet werden kann; wer, sage ich, diese Hand im Glauben erfaßt, was sollte der fürchten? Wir suchen Schuß bey Menschen, und sie können uns dennoch nicht schützen, wohl aber durch ihren Schuß im Vertrauen auf den Schutz des Herrn schwächen und am Ende sigen lassen. Darum drückt sich Jeremia 17, 5. so stark aus, indem er spricht: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt, und Fleisch für seinen Arm hält, und( wohlge 574 merkt!) mit seinem Herzen vom Herrn weicht. Wer nåmlich so allein auf Menschen- Hülfe traut, daß er von Gott gar nichts erwartet oder nicht glaubt, daß Gott es ist, der ihm durch Menschen hilft, der ist verflucht, und wird den zukünftigen Trost nicht sehen, sondern in der Dürre, verlassen bleiben. Aber gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verläßt, und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflan-= zet, und am Bach gewurzelt; dessen Blätter auch in der Hitze der Trübsal nicht verwelken, sondern immer grün bleiben. Ja wahrlich, die Hoffnung auf den Herrn ist ein Immergrün, trågt immer Früchte, zu jeder Jahres. zeit, Hitze und Kålte kann sie nicht in ihrer Fruchtbarkeit stören; sie trott allen Stürmen, und allen Gefahren, und bleibt noch, wenn alles untergeht. Mel. 81. Mach's mit mir Gott. Oder: Geht, werft euch. 1. Wohl dem, der sich auf seinen Gott recht findlich kann verlassen! den mag gleich Sünde, Höll' und Tod, und alle Teufel hassen: so bleibt er dennoch wohl vergnügt, wenn er nur Gott zum Freunde kriegt. 2. Die böse Welt mag immerhin mich hier und da befeinden; kann sich nur mein Gemüth und Sinn mit meinem Gott bes freunden; so frag' ich nichts nach ihrem Haß: Ist Gott mein Freund, wer thut mir was? 3. Und hab' ich gleich darüber oft viel Unglück leiden müssen, so hat Gott dennoch unverhofft mich stets herausgerissen. Da lern' ich erst, daß Gott allein der Menschen bester Freund muß seyn. 301 MA 4. Ja, wenn gleich meiner Sünden Schuld sich häuft' in mir zusammen, wenn sie mir abspricht Gottes Huld, und will mich ganz verdammen; so fürcht' ich doch dieselbe nie: denn Gott, mein Freund, vertilget sie. 5. Dahero Trotz dem Höllen- Heer! Troß auch des Todes Rachen! Trotz aller Welt! mich kann nicht mehr ihr Drohen traurig machen. Gott ist mein Freund, mein Schuß und Rath, Wohl dem, der Gott zum Freunde hat! 575 24. Dovember. 329. Wo ist ein Volk auf Erden, wie dein Volk Israel- welches du dir erlöset hast! 1 Sam. 7, 23. Und wo ist ein so herrlich Volk, das so gerechte Sitten und Gebote hat: 5 Mos 4, 7. 8. So thut der Herr keinen Seiden, noch läßt sie wissen seine Rechte. Pf. 147, 20. So priesen sich die Israeliten glücklich vor allen Nationen der Erde, und sie waren es auch, wenigstens als le wahren Kinder Israels; denn sie hatten göttliche Vorzüge, und hatten ihren Gott so nahe, als sie ihn nach der Haushaltung Gottes im 2. B. haben konnten. Allein bald hieß es: Das Volk, das geschaffen werden. soll, wird den Herrn loben. Ps. 102, 19. Ich will das mein Volk heißen, das nicht mein Volk war, und meine Liebe, die nicht meine Liebe war. Hof. 2, 23. Das heißt, ich will das Juden- Volk verwerfen, und mir aus den Heiden ein Volk sammeln. Und davon heißt es: Ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln, sie sollen mein Volk seyn, und ich will ihr Gott seyn. 2 Kor. 6, 16. Und dein Volk sollen citel Gerechte seyn. Jef. 60, 21. Nachdem er nun dieses neue Volk gesammelt hatte. hieß es: Ihr seyd das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk des Eigenthums, damit ihr die Tugenden deß verkündiget, der euch berufen hat aus der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte. Ihr waret vordem nicht mein Volk, nun aber send ihr das Volk Gottes. Ihr waret die Nichtbegnadigten, nun aber seyd ihr die Begnadigten. 1 Petr. 2, 9. 10. Dieser Herrlichkeit des neuen Bundes, des Christenthums, ist nichts zu vergleichen. Wer nur recht darin wandelt, und die Gnade und Seligkeit, die ein Kind Gottes haben kann, wirklich genießt! Das sey deine Sorge und dein Streben. Rühme dich nicht dessen, 576 was du nicht hast oder nicht bist. Man eignet sich leicht die schönen herrlichen Worte zu, die man in der Bibel liest, und vergißt darauf, nach der Sache selbst sich umzusehen. Selig, herrlich und groß ist, wer ein wahrer Christ ist, wer das in der That besitzt und genießt, was dem Christen versprochen ist! miel. 119. Wie schön leucht't uns. Oder: Gott, unser Gott, wir danken. 1. Wie groß ist deine Herrlichkeit, o Christ! schon hier in dieser Zeit, und noch vielmehr dort oben! Wenn anders, was dein Name heißt, dein Wesen und die That beweist, und deine Werk' dich loben. Christus Jesus, heilt aus Gnaden deinen Schaden; Geistes- Gaben kannst du reichlich bey ihm haben. 2. Du bist selbst göttlichen Geschlechts, der Kindschaft und des Kinderrechts macht Christus dich theilhaftig. Sieh', welche Lieb' und Ehr' ist dies! Hålt's gleich die Welt für ungewiß, so bleibt es doch wahrhaftig. Laß sie dich hie nur verachten, laß fie trachten, dich zu hassen; sie muß dir den Ruhm doch lassen. 3. Du bist ein Priester und Prophet, der vor dem Thron des Höchsten steht, du wirst von Gott gelehret. Du bist ein König, dessen Macht weit größer ist, als man gedacht, ob dich gleich niemand ehret. Freilich, heilig und so herrlich bist du schwerlich ohne Glauben, den dir doch kein Feind kann rauben. 4. Du stehst, bedenk's, mit Gott im Bund, sein Thron ist deines Herzens Grund, in dem er Wohnung machet. Aus dir macht er sich einen Ruhm, du bist sein bestes Eigenthum, worüber er stets wachet. Mein Christ! Gott ist, der dich Armen, voll Erbarmen, hier stets tråget und mit Muttertreue pfleget. 5. Wer ist, der alles sagen kann, was dir für Ehre angethan schon hier auf dieser Erden? So ist's auch noch nicht offenbar, doch bleibt's gewiß und ewig wahr, du wirst Gott ähnlich werden. Deine reine Liebesaugen werden taugen, Gott zu sehen, wenn du wirst verklärt aufstehen. 6. Christ! o Christ! bedenk' den Stand, worein dich Got tes Gnadenhand gesetzt; bedenk' die Würde! Rühm' deine Hdhe jederzeit in aller deiner Niedrigkeit, trag' aber auch die Bürs de. Lebe, strebe, daß dein Udel ohne Tadel immer bleibe; daß dich Gottes Geist nur treibe! E. Schmidt. 577 25. Dovember. 330. Erforsche mich, Gott, und erfabre mein Herz; prüfe mich, und erfahre, wie ichs meine; und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Pf. 139, 23. 24. err, zeige mir deine Wege, und lebre mich deine Steige. Pf. 25, 4. Prüfe mich, Zerr, und versuche mich, läutere meine Tieren und mein Herz. Pf. 26, 2. Wir armen Menschen sind keinem Betruge so sehr unterworfen, als dem Selbst- Betruge. Wir tauschen uns gar so gern in der allerwichtigsten Angelegenheit unserer Seligkeit. Das fühlte der Psalmist sehr, sonst wäre wohl der 139. Psalm nicht entstanden, der uns die beste Anleitung zur Selbstprüfung geben kann. Wir scheinen es gut mit uns zu meinen; es ist aber doch rathsamer, daß wir Gott fragen und bitten, er möchte dieß Meinen untersuchen, und uns prüfen, wie wir es denn eigentlich meinen? Ja, wem im Ernste um seine Seligkeit zu thun ist, wer sich am Ende von seinem eigenen Herzen nicht betrogen finden will, der stelle sich oft vor das allsehende Auge Gottes hin, und bitte: Ach Herr, du kennest mich besser, als ich mich selbst kenne; du weißt, was in meinem Innersten ist; du siehst in die Falten meines Herzens, in die mein partheiisches Auge nicht eindringt; entdecke mir alles, was dir nicht gefällt! Es ist das Schrecklichste, was man von dem Menschen sich denken kann, daß er sich selbst betrügt, und doch geschieht das so gewöhnlich. Bedenke doch einmal recht ernstlich, was du thust, traue dir selbst nicht, lege dich offen hin vor Gott, mit heißem, innigen Flehen, daß er sich deiner annehme, dir alles Falsche und Betrügliche in dir auf decke, dich lautere und einige von allen schiefen Absich= ten und betrüglichem Wesen, und dich auf den Weg der 578 Wahrheit und Lauterkeit führe. Kein Frommer nehme sich davon aus, denn es ist keiner frey davon, wenn er nicht durch beständiges Wachen und Beten von dem Herrn frey gemacht wird. Mel. 98. Vun danket alle Gott. 1. Herr, höre mein Gebet, und laß es dir gefallen. Es ist mein ganzer Ernst, auf deiner Bahn zu wallen. Ergreife, leite, Herr, den Schwachen, der dir fleht, weil seine Bitte nicht aus falschem Munde geht. tillion done No Angor 2. Gieb, daß ich endlich mich in deinen Wegen übe; der Glaube, den du willst, soll fruchtbar durch die Liebe, in wahrer Heiligkeit, in guten Werken seyn. Ich will's, ich will dir, Herr! mein ganzes Leben weihn. ( ૧૦) ન 3. Doch täuscht mein Herz sich oft, mir immer unergründlich; bleibt, nach der Heiligung durch deinen Geist, noch fündlich. Das Wollen hab' ich wohl, zum Thun auch Licht und Kraft; wie unvollkommen bleibt's dennoch, wie mangelhaft! SOUR 4. Du kennst mich ganz, du kannst mich reinigen und lautern, den Geist, wenn Licht ihm fehlt, mit deinem Licht erheis tern. Wenn eine Leidenschaft erwachen will, kannst du durch mein Gewissen ihr gebieten, daß sie ruh'. 5. Erhalte meinen Gang auf deinem Weg, und leite mit deinem Rathe mich, damit mein Fuß nicht gleite! Mein Auge laß allein auf deine Winke schaun! So hilf mir, denn du bist mein Heiland, mein Vertraun! 6. Ich bin ein Fremdling hier, umringt von vielen Sündern, ihr Beispiel könnte leicht den schwachen Eifer mindern. Bewahre deinen Knecht vor ihnen, ihre Lust vergift' entweihe nie die dir geweihte Brust! 7. Bewahre mich, wenn sie, verstrickt von eiteln Lüsten, sich ihrer Sünden freun, mit ihren Lastern brüsten; des Sünders Lachen wird in Heulen einst verkehrt, zu Schmerzen seine Lust, wenn er sich nicht bekehrt. 26. Dovember. 331. Herr, du kannst wohl Sieg geben, ohne alle Menge. Judith 9, 13. Man singet mit Sreus den vom Sieg in den Zütren der Gerechten. 579 Die Rechte des Herrn behält den Sieg. Pf 118, 15. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er ausführe das Gericht zum Siege. Matth. 12, 20. Du hast den Feind in dir, du bist dir selbst der årgste Feind; denn im Grunde kann dir kein Feind deiner Seele schaden, wenn du nicht willst, wenn du dich nicht auf seine Seite schlägst. Du hast auch den Sieger und Ueberwinder aller deiner Feinde in dir, der immer deine Parthey nimmt, wenn du nur auch die seine nimmst und dich zu ihm hältst. Hast du gleich nur eine kleine Kraft, so hat Er desto mehr; er ist die große Kraft Gottes; er schlägt alles nieder. Bist du schwach, er ist stark genug, um alles zu besiegen. Ich in ihnen;" sagt er: Wer will die überwinden, in welchen Er wohnt? In ihm, sagt Paulus, überwinden wir weit. Rom. 8, 37. Ihm ist es gleichviel, mit Wenigen oder mit Vielen, in einem Schwachen oder Starken streiten. Er kann Sieg geben ohne die Menge der Kräfte. Ist deine Kraft nur ein Kräftchen, nur wie ein glimmender Docht, wie ein zerbrochenes Rohr, er wird doch das Gericht, das über dich kam, zum Siege ausführen, siegreich bestehen in dir, wenn du nur in ihm bleibst, und nur auf ihn vertrauest. Mach' du nur die Thore deines Herzens weit, und die Thüre hoch, daß der König der Ehren einziehe. Wer ist derselbe? Es ist der Herr, stark und mächtig, mächtig im Streit. Pf. 24, 7. 8. Ohne ihn mußt du es mit keinem Feinde aufnehmen. Mit ihm aber wollen wir Thaten thun. Er wird unsere Feinde untertreten. Pf. 108, 14. Seine Rechte behålt den Sieg. Und wenn man seine Rechte walten läßt, wenn man sich mit Leib und Seele stets ihm in seine Rechte wirft, so singt man allzeit mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten. D02 - 580 Eigne Mel. 88. 1. Jesu, hilf fiegen, du Fürste des Lebens! Sieh', wie die Finsterniß dringet herein; wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens mächtig aufführet, mir schädlich zu seyn. Satan, der finnet auf allerley Rånke, wie er mich sichte, mich fälle und frånke. 2. Jesu, hilf siegen, wenn in mir die Sünde, Eigenlieb', Hoffarth und Mißgunst sich regt; wenn ich die Last der Begierden empfinde, und sich mein tiefes Verderben darlegt! Hilf dann, daß ich vor mir selber erröthe, und durch dein Leiden mein sündlich Fleisch tödte! 3. Jesu, hilf siegen, und lege gefangen in mir die Lüste des Fleisches, und gieb, daß bey mir lebe des Geistes Verlangen, aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb! Laß mich eindringen ins göttliche Wesen, so wird mein Geist, Leib und Seele genesen! 4. Jesu, hilf siegen, im Wachen und Beten; Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein; laß dein Gebet mich unendlich vertreten, der du versprochen Fürsprecher zu seyn. Will ich verschlafen, so wollst du mich wecken, will ich ermüden, so laß mich nicht stecken! 5. Jesu, hilf fiegen, wenn alles verschwindet, und ich mein Nichts und Verderben nur seh'; wenn kein Vermögen zu beten fich findet, wenn ich mich fühl', wie ein schüchternes Reh. Ach, Herr, dann laß du im Grunde der Seelen mir nicht den Trost deines Nahesenns fehlen! Schroeter. 332. I. Advent- Sonntag. 27. Dovember. Ja, ich komme bald! Amen. Romm, Herr Jes fu! Off. 22, 20. Selig, die ihre Kleider im Blute des Lammes rein waschen, daß sie Macht erhalten zum Baume des Lebens, und durch die Thore einzugehen in die Stadt. Off. 22, 14. Sich, ich stehe vor der Thür, und klos pfe an. So jemand meine 2c. Off. 3, 20. Es giebt eine dreifache Zukunft Jesu ein drei 581 faches Advent. Er kam, er kommt, er wird kommen, das sagt, der da ist, der da war, der da kommen wird. Off. 1, 8. Er kam bey seiner Menschwerdung und Geburt in die Welt, und war da für die Menschen. Er kommt tåglich in die Menschen durch den Glauben und die Wiedergeburt des innern Menschen, wohnt und lebt im Herzen. Off. 3, 20. Joh. 14, 23. Er wird kommen am Tage seiner Offenbarung. wider die Welt und Ungläubigen, sie zu strafen und zu richten, und die Frommen zu belohnen. Die erste Unkunft hilft uns nicht, und die dritte wird uns fürchterlich, wenn wir uns der zweiten nicht theilhaftig machen. Kommt er nicht in uns, so ist er zuerst nicht für uns gekommen, und wird am Ende wider uns kommen. An seinem Kommen in uns ist daher alles gelegen; wie Paulus sagt: Ist Christus nicht in euch, so send ihr verworfen und verdüstert. 2 Kor. 13, 5. Da nun seine dritte Ankunft sehr nahe scheint, und wir ohnehin nie wissen, wie schnell und plötzlich sie den Erdkreis überfallen wird, da er kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht, so sollen wir ja vor allem uns um seine zweite Ankunft in unsere Herzen bestreben. Wer wird bestehen vor seinem Zorn, wenn er ihn nicht selbst in sich wohnend hat? Kein Mensch wird die letzten Prüfungen, die große Versuchungsstunde aushalten, der Christum nicht in seinem Herzen aufgenommen hat, und nicht durch ihn selbst erhalten wird, vor Gottes Zorn wird kein Gottloser, keiner ohne Gott, ohne Christus, bestehen. Nicht auf der Zunge, nicht im Kopfe im Herzen muß er wohnen, oder er hilft dir nicht vor seinem Gerichte. Wer ihn nicht in sich hat, wird als Spreu ohne den Kern, zu leicht erfunden, und ins Feuer geworfen. Wer ihn nicht in sich wohnend hat, kann nicht sagen: Komm! komm, Herr Jesu! Oder, er ruft seinen Feuerflammen, daß sie ihn verzehren. O Herr Jesu, komm erst in un- 582 ser Herz, daß wir dich auch mit Freuden kommen sehen können, zum Gericht und zur Vergeltung. mel. 75. fahr' hin, du eitle Welt. Oder: Auf mein L. Gott trau. 1. Die Zeit ist nunmehr nah'; Herr Jesu, du bist da. Die Zeichen, die den Leuten dein' Ankunft sollen deuten, die sind, wie wir gesehen, in großer Zahl geschehen. 2. Was soll ich denn nun thun? Ich soll auf dem beruhn, was du mir hast verheißen, daß du mich wollest reißen aus meines Grabes Kammer und allem andern Jammer. 3. Uch Jesu! wie so schön wird mir's alsdann ergehn? Du wirst mit tausend Blicken mich durch und durch erquicken, wenn ich hier von der Erde zu dir mich schwingen werde. 4. Ach, was wird doch dein Wort, du süßer Seelenhort! Was wird doch seyn dein Sprechen, wie wird dein Herz ausbrechen zu mir und meinen Brüdern, als deines Leibes Glies dern! 5. Was für ein schönes Licht wird mir dein Angesicht, das ich in jenem Leben zuerst werd' sehen, geben! Wie wird mir deis ne Güte entzücken mein Gemüthe! 6. Dein Auge, deinen Mund, den Leib für uns verwund't, auf den wir fest vertrauen, das werd' ich alles schauen, herzinniglich begrüßen die Maal' an Hånd' und Füßen. 7. Ach Herr, mein schönstes Gut, wie wird sich all mein Blut in allen Undern freuen, mein Herz sich ganz erneuen, wenn du zu's Himmels Thüren mich selber wirst einführen! 8. Komm her, komm und empfind', du auserwähltes Kind! Komm, schmecke, was für Gaben Ich und mein Vater haben; komm, wirst du sagen, weide dein Herz in ewger Freude! 9. Ach, du so arme Welt, was ist dein Gold und Geld, hier gegen diese Kronen und mehr als goldne Thronen, die Christus hingestellet, dem Volk, das ihm gefället. 10. Ach, wie ist mir so weh, eh' ich dich aus der Höh' her zu uns sehe kommen. Ach! daß zum Heil der Frommen du meinen Wunsch und Willen noch heute mögst erfüllen! 11. Doch, du weißt deine Zeit: Mir ziemt nur, stets bereit und fertig da zu stehen, und so einher zu gehen, daß alle Stund' und Tage mein Herz zu dir mich trage. P. Gerhard. 28. Dovember. 333. Ich will dich erhöhen, mein Gott, und deinem 583 Namen lobsingen immer und ewiglich.. Gnds dig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Aller Augen warten auf dich. Er thut was die Gottesfürchtigen begehren 2c.( Der ganze Psalm 145.) - — — Wer den Herrn kennt, und auf seine Werke und Führungen beständig Acht hat, deß Herz muß immer voll Dank, deß Mund voll Lobpreisung Gottes seyn; er kann seine Größe, Macht und Güte nicht genug bewundern, weil er mit jedem Schritt auf Spuren und Fußstapfen des allenthalben wandelnden und segnenden Gottes stößt. Man möchte ihn allen Menschen kund thun, alle sollten es wissen, Ulle, damit alle ihn lobten und priesen; denn alles, was lebt, lebt ja nur durch ihn. Alle Geschöpfe warten nur auf seine Erhaltung, Belebung und Ernährung. Was er nicht erhält, kann sich selbst nicht erhalten. Und er thut seine Hand- die große, reiche Hand, auf, und segnet und erfüllt.alles, Himmel und Erde, mit Leben, Kraft und Freude. Scheint es auch oft, daß etwas nicht so seyn sollte, wie es ist, kann man nicht begreifen, wie Gott dieses oder jenes zulassen könne; so darf doch ohne Bedenken von ihm gerühmt werden: Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen, und heilig in allen seinen Werken. Kein Geschöpf wird ihn einer Sünde, eines Versehens, bezüchtigen können. Und welch eine herzerhebende Wahrheit: Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen: Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er hört ihr Schreien, und hilft ihnen. Wer sich fürchtet vor seinem Wort, wer sich hütet, es auch im Geringsten nicht zu übertreten, auf den sieht der Herr, und läßt gewiß keinen Wunsch seines Herzens unerfüllt. Er behütet alle, die ihn lieben. Es ist nicht zu beschreiz ben, welche Vorrechte seine Geliebten haben, wie sehr er auf die sieht, die auf ihn sehen. Wer ihn aber, gottlos, nicht achtet, der wird verachtet und vertilgt. 584 Mel. 93. Sey Lob und Ehr dem höchsten G. Oder: Was hilft es mir. 1. Ich will dir mit der Morgenroth' mein täglich Opfer bringen; so oft die liebe Sonn' aufgeht, so oft will ich befingen den großen Namen deiner Macht; das soll auch in der spåten Nacht mein Werk seyn und Geschäfte. 2. Die Welt, die dăucht uns schön und groß, und was für Gut und Gaben sie trågt in ihrem Arm und Schooß, das will ein jeder haben. Und ist doch alles lauter nichts, eh', als man's recht genießt, zerbricht's, und geht im Nu zu Grunde. 3. Gott ist alleine groß und schön, unmöglich gnug zu loben; auch denen, die doch allzeit stehn vor seinem Throne droben. Laß sprechen, wer nur sprechen kann, doch wird kein Engel noch ein Mann, des Höchsten Größ aussprechen. 4. Wie mancher hat vor mir dein Heil und Lob mit Fleiß getrieben! Und siehe, mir ist doch mein Theil zu loben übrig blicben. Ich will von deiner Wunder Macht, und der so herrlich schönen Pracht bis an mein Ende reden. 5. Wer ist so gnädig, Herr, wie du? Wer kann so viel erdulden? Wer sieht mit solcher Langmuth zu bey so viel schweren Schulden, die aus der ganzen weiten Welt, ohn' Unterlaß, bis an das Zelt des hohen Himmels steigen? 6. Es muß ein treues Herze seyn, das uns so hoch kann lieben, da wir es doch, statt zu erfreun, gar oftmals noch betrus ben. Gott muß nichts anders seyn, als gut, daher fließt seiner Gute Fluth auf alle seine Werke. 7. Du, Herr, bist bis in unsern Tod beständig bey uns allen, erleichterst unsers Kreuzes Noth, und hältst uns, wenn wir fallen. Du thust auf deine milde Hand, machst froh und fatt, was auf dem Land, im Meer und Lüften lebet. 8. Nein, Gott vergißt der Seinen nicht, er ist uns viel zu treue, sein Herz ist stets dahin gericht't, daß er uns letzt, erfreue. Geht's gleich bisweilen etwas schlecht, ist er doch heilig und ges recht in allen seinen Wegen. 9. Der Herr ist nah' und stets bereit für jeden, der ihn ehret, und wer nur ernstlich zu ihm schreit, der wird gewiß erhöret. Gott weiß wohl, wer ihm günstig sey, und dem steht er dann treulich bey, hilft ihm aus Ungst und Nothen. 10. Den Frommen wird nichts abgesagt, Gott thut, was sie begehren; er mißt das Unglück, das sie plagt, und zählt all' ih re Zähren, und reißt sie endlich aus der Last, den aber, der fie krånkt und haßt, den stürzt er ganz zu Boden. P. Gerhard. 585 29. Dovember. 334. Vor allem ermahne ich, daß man Bitten, Ges bete, Sürbitten und Danksagung verrichte für alle Menschen, für Könige, Obrigkeiten 2c. denn das ist gut, und wohlgefällig vor Gott, welcher will, daß alle Menschen selig werden. 1 Tim. 2, 1-4. Wenn aber jemand die Seinen, besonders seine ausgenossen, nicht versorgt, der hat den Glauben verleugnet, und ist ärger als ein Zeide. 1 Tim. 5, 8. Einem wahren Christen liegt das Heil aller Menschen am Herzen: Er sieht in jedem Menschen den Preis und Werth des theuren Blutes Christi. Es fällt ihm beim Anblick jedes Menschenkindes ein: Ach! auch für diesen starb mein Erlöser am Kreuze; auch dieser ist erkauft mit seinem Blute; auch für diesen ist Heil und Seligkeit bereitet; auch der ist geladen und berufen zum Abendmahle des Lammes. Und wie könnte ein Herz, das Jesum und sein Reich liebt, solche Gedanken haben, ohne zugleich mit Gebet und Flehen sie dem zu empfehlen, welcher die Schlüssel zu allen Herzen hat, welcher einen Hammer hat, der Felsen zerschmettert, welcher die Herzen der Menschen lenken kann, wie Wasserbäche? Vor andern muß jedem frommen Gemüthe die Jugend am Herzen liegen, welche der Satan und die Welt besonders in ihr Verderben zu ziehen suchen. O du blühende Jus gend! wenn ich dich erblicke, so möchte ich dich dem Herrn Jesu in die Arme legen; der würde dich schön führen; der würde dir so wohl thun. Warum sollte denn das Blut Jesu an dir verloren gehen! Laß es doch auffassen! Laß mich es dir in dein Herz legen! Es wird dir Freude und Friede bringen, die dir die Welt nicht geben kann. Ist aber dem Christen am Heile aller Menschen gelegen, wie vielmehr muß es ihm angelegen seyn, daß seine Kin= 586 der, Freunde, Hausgenossen gerettet werden. Wie könnte er andere retten und die Seinigen verloren gehen sehen? Paulus nimmt das so genau, daß die Verwahrlosung seiner Hausgenossen in seinen Augen eine Verleugnung der Religion, und årger als das Heidenthum ist. Willst du nun nicht allen Glauben verleugnen, oder all dein Beten, Lesen, Singen, all dein Wissen, Glauben und Hoffen auf Christum vereiteln, willst du nicht schlechter und årger als ein Heide dastehen: so beeifere dich um dein und der Deinigen Heil mit mehr Ernst als bisher, und ruhe nicht, bis du dich und dein Haus selig gemacht hast. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. Oder: O daß ich tausend 3. 1. Mich dürftet, Herr, ich kann nicht schweigen, so wenig du am Kreuze schwiegst. Ja, seh' ich dich zur Erde beugen, da du im Schweiß und Blute liegst, und denk', daß dies für alle gilt, so wird mein Herz mit Gluth erfüllt. 2. Ich schrey: o Jesu! reiß sie alle dem Satan so aus dem Gebiet, daß keins ihm in die Klauen falle, daß er sie nimmer wieder sieht. Ich will die Lämmer nicht für mich, nein, GottesLamm, allein für dich! 3. Es beugt mich freilich oft zur Erde, und schmiegt mich um dein Kreuz herum. O könnt' ich recht zum Bettler werden, ja unverschämt und niemals stumm! Ich weiß, wie sehr dein Herz sie liebt, wie dich ihr Untergang betrübt? 4. Sind manche gleich noch freche Herzen, falsch, stolz und üppig, blind und todt; das macht mir freilich bittre Schmerzen; ich klag' dem Heiland diese Noth. Ich lasse Jesum wahrlich nicht, bis er auch hier den Segen spricht. 5. Es soll dem Satan nicht gelingen. Ich weiß es wohl, er såhe gern, daß wir nicht im Gebete ringen, und ließen ihm, dem alten Herrn, den guten Bissen junger Schaar, und alles bliebe wie es war. id sodations 6. könnt' ich recht beweglich bitten, der Kinder Herzen aufzuthun! O hätt' ich Worte, die da schnitten, so könnten sie nicht langer ruhn! O wär' ich selbst ein kleines Kind, so oft die Kinder um mich find! 7. Ja, wenn auch mancher Saame schiene, als wär' er fruchtlos ausgestreut; so gieb doch, daß er fünftig grüne, fo 587 bald der Winter ausgeschneit. Es zeige noch die spåte Beit, Herr, deines Wortes Fruchtbarkeit! 8. So wollen wir im Glauben ringen, denn Jesus, unser Herr, regiert! Wir wollen kühner in ihn dringen, dann wird ihm Vieles zugeführt. Gesegnet sey, wer sich bemüht, und betend mit am Neßze ziebt! * Waf. 30. Dovember. 335. Wachet, denn ihr wisser weder den Tag noch die Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Matth. 25, 13. Daran ist die Liebe Gottes völlig bey uns, daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts. 1 Job. 4, 17. Wer nicht im Rausche der Sinnlichkeit dahin lebt, sondern aufgewacht ist vom Schlafe, in dem die Kinder der Welt und der Nacht schlafen, sicher fortschlafen, der kann nicht anders, er muß seine Tage zählen; um sie recht zu benutzen, wozu sie ihm gegeben sind. Er thut dies auch mit Freuden, weil jeder Tag ihn nåher bringt dem herrlichen Ziele, nach dem sich sein Herz, Seele und Leib inniglich sehnet. Der Christ, ein Kind der Ewigkeit, ein Bürger des Himmels und Hausgenoffe Gottes, bereitet sich, so lange er auf Erden wandelt, immer auf den Tag seiner Hochzeit, auf die Stunde, wo er eingeführt wird, als eine Braut des Lammes, in die Kammer des Bräutigams. Er steht immer und wacht vor der Thüre, auf daß, wenn der Bräutigam kommt und aufthut, er sogleich mit ihm eingehen kann. Er ist immer ein Sterbender, der diesem Leben täglich abstirbt, und immer ein Erweckter, der täglich lebendiger wird, der das ewige Leben immer fester ergreift, zu dem er berufen ist. 1 Tim. 6, 12. Was er im Tode können muß, hat er im Leben gelernet, die Thüre des ewigen Lebens zu finden. Er trågt die Thüre, den Weg 588 in sich Christus ist sein Leben und Sterben sein Gewinn. Das ist der sicherste Weg, selig zu werden. Daran erkennet man die Kinder Gottes, sie haben die Liebe Gottes in sich, und die läßt sie nicht zittern vor Grab, Tod und Gericht; denn die vollkommne Liebe treibt die Furcht aus. - mel. 66. O leide, leide gern. 1. So geht's von Schritt zu Schritt zur großen Ewigkeit. So unvermerkt verswind't der kurze Traum der Zeit. Wo blieb so mancher Tag? Und wo so manches Jahr? Was hat ein Sterblicher von dem, was gestern war? 2. Du, Gott der Ewigkeit! der mir dies Leben gab! ich geb' es dir zurück, sammt was ich bin und hab'.- Ich lebe hier nur dir, und dir nur sterb' ich auch! Gieb, daß ich Zeit und Kraft zu deinem Dienst gebrauch'! 3. Verlaß ich diese Welt, darf ich zum Vater gehn. Hier bin ich nicht zu Haus; hier will ich nichts ansehn.- Der kurze Rest der Zeit soll dir gewidmet seyn. O mach' mich, Heiland, dir und jener Welt gemein! 4. Bereite mich; und wann dies Leben ist vorbey, mein ewig bleibend Gut, mein wahres Leben sey!- Verlaß mich denn auch nicht im letzten Augenblick; laß mich auf dich nur sehn, und nicht auf mich zurück! 5. Ich leer' mich gånzlich aus vor dir mit höchstem Recht; ich bin ein armer Wurm, und ein unnüger Knecht;- so ganz entblöst sink' ich in Jesu Wunden ein; will auch nur itzt und dann in Ihm erfunden seyn. 6. Der Feind hat nichts an mir; mein Herz in Jesu ruht. Tief in mein Nichts versenkt, ist Jesus all mein Gut.- O wie verdank' ich's dir, daß du zu mir gewandt'dein offnes Baterherz und wurdest mir bekannt! 7. Dich, Vater, Sohn und Geist, ich meinen Gott bekenn', den ich als Schöpfer ehr', und meinen Heiland nenn'.- Es ist mir herzlich lieb, daß du bist, der du bist; und daß mein ganzes Heil in deinen Händen ist. 8. Ich zeuge, daß du bist das ewge, selge Gut, worin der Geist allein lebt und im Frieden ruht.- Wer dich, nur dich vers ehrt, deß Dienst ist Seligkeit, und dazu wünsch' ich mir die ganz ze Ewigkeit. 9. Ich lege meinen Geist in deine treue Hand. Mein Heis land, du bewahrst vies dir vertraute Pfand!- Mein letzter 589 Athemzug soll reine Liebe seyn. Ausgehend geh' mein Geist zu deiner Ruhe ein! G. T. St. 336. Erster December. Mache es mit uns, wie dirs gefällt; allein errette uns zu dieser Zeit. Richt. 10, 15. Der Herr aber thue, was ihm gefällt. 2 Sam. 10, 12. Wir hören nicht auf zu beten, daß ihr ers füller werdet mit der Erkenntniß seines Willens- daß ihr würdiglich wandelt, dem Herrn zu allem Gefallen. Coloff. 1, 9. 10. Der Wille und das Wohlgefallen Gottes, seines Heilandes, ist der Compaß des Christen auf dem Meere dieses Lebens, nach dem er seinen Gang richtet, auf den er immer schauet, ohne den er keinen Schritt zu thun wagt; denn er weiß zuvor, daß er Schiffbruch leidet, oder auf Sandbånke geråth, oder ganz verkehrte Wege einschlägt, die seinem Heile und Ziele entgegengesette Richtung nimmt, sobald er den Willen und das Wohlgefallen Gottes aus dem Auge läßt, oder wissentlich dagegen handelt. Heiliger, wichtiger ist ihm daher nichts auf Erden und im Himmel, als dieser heilige, wohlgefällige Wille Gottes; der ist ihm mehr, als alle Menschen- Weisheit, mehr, als Engels- Verstand. Er opfert ihm alle eigne und fremde Klugheit auf. Er kann nicht ruhen, bis er weiß, daß er auf der Bahn und in der Richtung ist, die ihm Gottes Wille, sein Compaß, anweiset. So dachte wohl auch Paulus, darum bat er und flehte ohne Unterlaß für die schon erleuchteten Coloffer, daß sie Gott mit der Erkenntniß seines Willens erfüllen möchte. Es war ihm alles daran gelegen, daß sie würdiglich) wandelten, dem Herrn in Allem zu gefallen. Denn unser ganzes Christenthum, alle Erkenntniß, Gaben, Tus 590 gend- und Wunderwerke haben keinen Werth, wenn wir dabey nicht den Willen und das Wohlgefallen des Herrn im Auge haber; wenn uns eine andere Absicht, etwa Selbst- oder Menschengefälligkeit leitet. Das ist das Zünglein in der Waage, darauf du sehen mußt; das soll immer gerade stehen, sich weder rechts noch links neigen Aufwärts, aufwärts! mel. 54. Erschienen ist der herrliche Tag. Oder: Ø du, der einst im Grabe lag. 1. Was Gott gefällt, mein frommes Kind, nimm fröhlich an, stürmt gleich der Wind und braust, daß alles kracht und bricht, so bleib' getrost: denn dir geschicht, was Gott gefållt. 2. Der beste Will' ist Gottes Will'; auf diesem ruht man sanft und still; da gieb dich allzeit frisch hinein: begehre nichts, als nur allein, was Gott gefällt. 3. Der klügste Sinn ist Gottes Sinn, was Menschen sinnen, fällt dahin, wird plötzlich kraftlos, můd' und laß, thut oft, was bds, und selten das, was Gott gefällt. 4. Der frommste Muth ist Gottes Muth, der niemand Urges gönnt und thut; er segnet, wenn uns schilt und flucht die böse Welt, die niemals sucht, was Gott gefällt. 5. Das treu'ste Herz ist Gottes Herz, treibt alles Unglück hinterwärts, beschirmt und schüßzet Tag und Nacht den, der stets hoch und herrlich acht't, w as Gott gefällt. 6. Sein Häuflein ist ihm lieb und werth. Doch wenn es sich zur Sünde kehrt, so winkt er mit der Vaterruth', und locket, bis man wieder thut, was Gott gefällt. 7. Was unserm Herzen dienlich sey, das weiß sein Herz, ist fromm dabey, der keinem je was Guts versagt, wer Gutes sucht und dem nachjagt, was Gott gefällt. 8. Ist dem also; so mag die Welt behalten, was ihr wohlges fällt; du aber, mein Herz, halt genehm, und nimm vorlieb mit Gott und dem, was Gott gefällt. 9. Laß andre sich mit stolzem Muth erfreuen über großes Gut. Du aber nimm des Kreuzes Last und sey geduldig, wenn du hast, was Gott gefällt. 10. Lebst du in Sorg' und großem Leid, hast lauter Gram und keine Freud', ey! sey zufrieden, trågst du doch in dieses sauren Lebens Joch, was Gott gefällt. 11. Mußt du viel leiden hier und dort, so halte fest an deis 591 nem Hort; denn alle Welt und Kreatur ist unter Gott, kann nichts als nur, was Gott gefällt. 12. Wirst du veracht't von jedermann, höhnt dich dein Feind und speit dich an: sey wohlgemuth, dein Jesus Christ erhöret dich, weil in dir ist, was Gott gefällt. P. Gerhard. 2. December. 337. Der Herr ist mein Sels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und horn meines Zeils; denn es umfingen mich des Todes Banden- und er führete mich aus in den Raum, und er riß mich heraus. Pf. 18, 3. 5. 20. Und zog mich aus der grausamen Grube und aus dem Schlamm, und stellete meine Süße auf einen Sels, daß ich gewiß treten kann. Und hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben. pr. 40, 3. 4. dan wel mons Das sind Worte eines Geretteten, Erlösten, Beynadigten, der lange mit Fleisch und Blut, mit Welt und Teufel gekämpfet und gerungen hat, um los zu werden von der Macht und Herrschaft der Sünde; der endlich Heil, Ruhe und Kraft zum Siege gefunden hat im Glauben an Jesum, seinen Versöhner, und nun mit Herz zenslust dem Herrn anhångt, voll Freude und Dankgefühl, daß er nun der Sünde und dem Teufel nicht mehr dienen muß; daß nun die Ketten des Sündenzwanges, das Joch des Treibers zerbrochen ist, daß nun sein Herz allein seine Freude und Lust daran findet, dem Herrn zu dienen, und sich von seinem Geiste leiten zu lassen. Ist es also mit dir bestellt, lieber Leser? Bist du wirklich aus dem Schlamm, aus der grausamen Grube der bösen Lust? Bist du nicht vielleicht nur von einer Grube in die andere gesprungen, aus einem Schlamm heraus, und in den andern hineingestürzt? Blick' doch in dein Herz, ob 592 kein Schlamm darin, ob Jesus allein darin ist? Stehst du auf diesem Feis? Bist du in dieser Burg? und so von ihr eingeschlossen, daß deine Feinde dich nicht mehr stürzen können? Nimm dich in Ucht! Lieber! Sing das neue Lied nicht zu laut- tritt noch nicht zu sicher auf - es könnte wieder Fehltritte geben. Das heißt: Laß bey deinem Vertrauen auf Gott kein Selbstvertrauen, keine Selbstgefälligkeit herbergen. Sey demüthig bey aller Freude deines Heils; und doch unverzagt; dein Herr ist wirklich ein Fels, auf dem du gewiß auftreten kannst nur vor dir, vor dir selbst hûte dich, daß du dich selbst nicht für einen Fels haltest. Mel. 118. Ich habe mich ihm ganz erg. Oder: Wie wohl ist mir, o fr. der S. 1. So hab' ich nun den Fels erreichet, worauf die matte Seele ruht. Ein Fels, der keinem Sturme weichet; ein Fels, an dem die wilde Fluth, und wär's die ganze Macht der Höllen, entkräftet muß zurückeprellen, nimmt mich in seinen sichern Schuß. Mein Herz verbanne Furcht und Grauen, hier kannst du fichre Hütten bauen, hier biete deinen Feinden Truß. 2. Mich warf die Menge meiner Sünden als ein erbostes Meer herum. Ich ward ein traurig Spiel den Winden unt des Verderbens Eigenthum; mir drohte mein befleckt Gewis sen mit ewig bangen Finsternissen, mit unaussprechlich großer Noth. Ich schwamm auf diesen wilden Wellen ganz hülflos an dem Rand der Höllen, und rang mit Leben und mit Tod. 3. Doch mitten in den Todesndthen erblickte Jesus meinen Schmerz. Es drang mein thránenvolles Beten in des Versöhners liebend Herz. Er half mir, stårkte meinen Glauben, den mir der Zweifel wollte rauben; und nun erquickt mich Fried' und Ruh'. Wie groß ist, Jesu, dein Erbarmen! wie sanft ruh' ich in deinen Armen! Wer tröstet, wer erfreut wie du! 4. Und o, wie ist nun meiner Seele, du süßer Fels! so wohl in dir! Wie weicht mein Schmerz, wie schwind't mein Qualen, wie eilt die wilde Fluth von mir; weil du mein lechzendes Gemůthe bey einem Paradies der Güte mit Kräften jener Welt erfüllst. Mein Fels! ich bin dergleichen Dinge, ja allzuviel, zu viel geringe. Doch nehm' ich's, weil du's geben willst. 5. Nun laßt die Tiefen immer rauschen! Seyd, Wind und Meer, nur ungestum! Laßt selbst des Todes Fluthen rauschen; 593 verdopple, Satan, deinen Grimm! Ihr werdet mich nicht mehr erschrecken; der Schild des Glaubens wird mich decken, auch in der allerschwersten Zeit. Laßt Erd' und Sonne selbst vergehen! Der Fels, auf dem ich ruh', bleibt stehen, und wird die Thür zur Seligkeit. 6. Darum, wo könnt' mir's besser werden? Mein Fels! wo soll ich weiter hin? O, nein kein zeitlich Gut der Erden verándert meinen festen Sinn. Es soll vielmehr, so Lust als Schrekken, mich nur zu größerm Ernst erwecken, in dich noch mehr zu dringen ein. Der Tod selbst kann mich nicht vertreiben, du sollst dabey muß es verbleiben- mein Haus, mein Sarg, mein Himmel seyn. 3. December. 338. Machet die Thore weit, und die Chüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziche. Pf. 24, 7. Thut mir auf die Thore der Gerechtigkeit, daß ich da binein gehe und dem Herrn danke. Pf. 118, 19. Saget der Tochter Jion, siehe, dein Geil kommt; siehe, dein Lohn ist bey ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm. Jes. 62, 11. Du Tochter Zion freue dich sehr, dein König kommt zu dir, ein Gerechter, ein Belfer.- 3ach. 9, 9. So ward der Sohn Gottes angekündigt den frommen Israeliten. So harrten und warteten sie Seiner. Nun er da ist, will ihn fast niemand. Dort machten sie die Thore weit auf, und die Thüren ihres HerzensWunsches hoch, daß er eingehen könnte; jetzt, nachdem er gekommen, versperrt man Thür und Thor. Nicht also, liebe Seele! erweitere dein Herz; schließ die Thore deiner Sinne vielmehr der Welt nach außen zu, und offne sie nach innen dem kommenden, dem anklopfenden Erldser. Verlange nach Ihm mit all deiner Begierde. Er klopft ja auch bey dir an, durch sein Wort in der Schrift, und durch seinen Geist inwendig: Thu' mir p p ― 594 auf! mach' die Thore weit! Er läßt sich durch seine Boten bey dir anmelden, sie müssen auf seinen Befehl dir zurufen: Du Tochter Zion! Dein König kommt zu dir! Willst du nicht hören? willst du mit aller Welt ihm långer dein Herz versperren, ihn immer warten lassen, bis seine Geduld und Barmherzigkeit ein Ende hat, und die Zeit deiner Heimsuchung vorüber ist! Jetzt, jetzt, da er anklopft, da er sich melden låst, jest öffne ihm dein Herz und verlange nach ihm, so wird er bey dir eingehen, er, der Gerechte, und dich gerecht machen; er, der Helfer, wird dir helfen, in allem, wo du dir selbst nicht helfen kannst, in deiner Heiligung und Beseligung, in dem Streite mit Sünde, Welt und Teufel; denn es heißt: Wer ist der König der Ehren, dem ich die Thore öffnen soll Untwort: Es ist der Herr Zebaoth, der mächtig und stark im Streite. Einen solchen bedarfst du; ohne ihn kannst du nicht überwinden. Also: - Mel. 22. Die Seele Chriffi heilge mich. Oder: Kommt her, ihr lieben Christen. 1. Macht hoch die Thür', die Thor' macht weit! es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich', ein Heis land aller Welt zugleich; der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobt sey Gott, gelobt sey Gott! mein Schöpfer, reich von Gnad' und Rath! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt', sein' Königskron' ist Heiligkeit, sein Scepter ist Barmherzigkeit; all' unsre Noth zum End' er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobt zc. bulsp 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt! so diesen König ben sich hat; wohl allen Herzen insgemein, da dieser König zie het ein! Er ist die rechte Freudensonn', bringt mit sich lauter Outrada? Freud' und Wonn'! Gelobt zc. 4. Macht hoch die Thür', die Thor' macht weit! eu'r Herz zum Tempel zubereit't, die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf, mit Andacht, Lust und Freud'; so kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobt sey Gott,:: der Herr, voll That, voll Rath, voll Gnad'. 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ! des Herzens Thür dir offen ist. Ach, zeuch mit deiner Gnade ein, dein' Freundlich 595 keit auch uns erschein'; dein heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Gelobt ic. G. Weissel. HOO od Jillian Smod 339. no fulge 4. December. Da die Zeit erfüllet war, sandte Gott feinen Sohn, geboren vom Weibe, dem Gesetze unterworfen, damit er die, so unter dem Gesetze waren, erlösete, und wir an Kindes Statt angenommen würden. Gal. 4, 4. 5. Russet den Sohn, daß er nicht zurne, und ihr umkommet auf dem Wege, denn sein Jorn wird bald anbrennen; aber wohl allen, die auf ihn trauen. Pf. 2, 12. Der Sohn kam, uns in unserm Blute zu suchen, uns als seine elenden Brüder zu küssen, zu umarmen, zu trösten und zu heilen. Er hat sich unsers Elends nicht geschämt. Wenn aber nun du dich seiner schämen, und ihm nicht seine für dich durchbohrten Hände und Füße küssen, d. i. dich ihm nicht vollkommen unterwerfen, ihm nicht mit ganzer Seele huldigen, und dich von ihm retten und selig machen lassen willst, so wird am Ende, nachdem er dich das ganze Leben durch langmüthig ge= tragen hat, sein 3orn anbrennen, und um so stårker und heftiger brennen, je långer er dir nachgegangen ist und dich vergeblich gesucht hat, um dich küssen zu können. Wenn wir bedenken, sein Name heißt Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewig- Bater, Friedefürst, Jes. 9, 6. soll uns ja das Herz leben, und vor Freude hüpfen, daß wir diesen Hohen und Erhabenen küssen, d. i. kindlich, zuversichtlich, wie zu einem Bruder hinzunahen, uns in seine Arme werfen und Alles von ihm erwarten dürfen. Wer dies verachtet, verdient der nicht am Ende seinen Zorn? Dies Lanım kann fürchterlich zürnen, wenn man seine Geduld mißbraucht und verachtet. Und da die Welt P p 2 596 nun immer dreister wird, auf seine Geduld hin zu sün= digen, Seiner gar nicht mehr zu achten, so mag sein Zorn mohl bald anbrennen. Es ist hohe Zeit; wer sich retten will, der küsse den Sohn, der nahe sich ihm, so lange es Tag ist; es kommt die Stunde, wo er nicht mehr als Friedefürst, Vater und Rath erscheint, sondern als Richter und Rächer, der mit Feuerflammen Rache nehmen wird an allen, die seinem Evangelio nicht glaubten. 2 Theff. 1, 8. Menschenkinder! warum wollt ihr den jeht nicht küssen, der euch jetzt so freundlich erscheint, einst so furchtbar werden wird? Mel. 14. un sich der Tag geendet. Oder: Für Christus geb', 1. Singt dem Versöhner, singt ihm Dank: Herr Gott, dir danken wir! Es danket dort der Lobgesang der Ueberwinder dir! Er, welcher schon von Unbeginn der Welt mein Netter war, wird Fleisch, wie ich, und was ich bin. Wie göttlich Wunderbar! - 2. Gerecht ist Gott, und sein Gericht ist so gerecht, wie er; es gelten alle Himmel nicht vor dir, Erschrecklicher!- Sterbt, sprachst du, mehr als einen Tod! Da lagen wir vor dir, umringt mit Elend und mit Noth, und starben für und für. 3. Dein Zorn, Herr, soll versöhnet seyn, dein Sohn erbarmet sich, und geht den Tod des Kreuzes ein, für eine Welt, für mich! Und als die Zeit erfüllet war, da fandte seinen Sohn hier staunet selbst der Engel Schaar! Gott sandte seinen Sohn. 4. Der, welcher Erd' und Himmel trågt, hüllt sich in Dunkelheit. In eine Krippe wird gelegt der Herr der Herrlichkeit. Die Welt erkennt nicht ihren Herrn. Die Himmel kennen ihn, und leuchten treu durch einen Stern die Weisen zu ihm hin. 5. Im Staube lieg ich und bet' an, mein König und mein Gott! Ich, dein Geschöpf, dein Unterthan, bin reich durch deine Noth! Mein ganzes Leben will ich dir, Herr, dir zum Danke weihn; mit Freuden arm, ein Pilger hier, und dort ein Bürger feyn. Pf. 39, 13. 6. Hier gingst du, Herr, in Knechtsgestalt, dort aber, im Gericht, ist dir gegeben die Gewalt, und Finsterniß und Licht. Kommt, Brüder, kommt, und küßt den Sohn! eh' noch sein Born entbrennt, und eh' er euch vor seinem Thron: Weh' euch! Verfluchte! nennt. Th. Hippel. - - 597 5. December. 340. Die auf den Herrn hoffen, die werden nicht fallen, sondern ewiglich bleiben, wie der Berg 3ion. Um Jerusalem her sind Berge; und der Herr ist um sein Volk her, von nun an bis in Ewigkeit. Pf. 125, 1-5. Der Engel des Zerrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Pf. 34, 8. Welch eine Festung! welch eine Burg! Unbeweglich, unerschütterlich, wie der Berg Zion, auf dem der Tempel und die Burg Davids war; ewig, unzerstörbar, steht der Gott vertrauende Christ Berge Gottes sind um ihn her, wie um Jerusalem; ja, der Herr, der Herr felbst, der Himmel und Erde hält, ist um ihn her, ist um alle die her, die auf ihn hoffen! Und überdies noch Engel Gottes, die starken Helden, die Gottes Befehle ausrichten, umgeben ihn wie ein verschanztes Lager. Verlassen sich die Feldherren der Erde auf ihre Lager, Festungen und Heere, sollte sich der Christ nicht verlas en auf diese Macht und Güte des Herrn, die ihn von allen Seiten umgiebt? sollte er sich fürchten? Welch eine Festung ist also ein Christen- Herz! welch ein Lager, wenn mehrere solcher gläubigen Herzen beisammen sind, und gemeinschaftlich beten und ringen? Wie fürchterlich muß es dem Feinde seyn! wie unüberwindlich! wie schrecklich der Hölle und allen Kindern der Finsterniß. O håtten wir Augen, zu sehen, was den Gläubigen umgiebt! wer in ihm ist! Berge würden wir sehen, die keine Macht der Hölle wegheben kann, eine Burg, eine Feste, würden wir sehen, die den Satan zittern macht. Denn in den Gläubigen wohnt der Herr. Wer will den überwältigen. Wer will das Herz, die Festung, überwinden, in der der Höchste wohnt? welche der Allmächtige um giebt? vor der die Engel lagern? Ihr Lieben, wenn euch — 598 Furcht anwandeln will, wenn der Satan schrecken, die Feinde drohen wollen, vergesset den nicht, der in euch, und der stårker ist, als der in der Welt ist. 1 Joh.4, 4. Bergesset nicht, wer euch umgiebt. mel. 88. Jesu, hilf fiegen. Oder: Großer Prophet. 1. Christen erwarten in allerley Fällen Jesum mit seiner allmächtigen Hand. Mitten in Stürmen und tobenden Wellen, find sie gebauet auf felsigtes Land. Wenn sie bekümmerte Nächte bedecken, kann doch ihr Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken; hauet und frisfet das blinkende Schwerdt; lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, denen sich Jesus im Herzen verklärt; wüthen die Feinde mit Schnauben und Zoben, lernen sie Gottes Gerechtigs keit loben. 3. 3weifel und Sorgen verstellen die Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bey Gott. Seele, verlangst du zur Ruhe zu kommen? hoffe, den Feinden des Glaubens zu Spott. Ob auch die göttliche Hülfe verborgen; traue dem Höchsten, und meide die Sorgen. bon 3023 4. Freue dich, wenn du statt freundlichen Blicken mancherley Jammer, Unfechtung und Noth duldest, und wisse, was Gott will erquicken, müsse mit Jesu durch Kreuz und durch Tod. Willst du mit leben, so mußt du mit sterben; anders kann Keiner den Himmel ererben. ogody wallp 5. Bollige Wonne, weit reinere Freude, himmlische Güter, unendliches Heil, werden dir einstens auf ewiger Weide unter den Engeln und Menschen zu Theil, wenn der Herr herrlich am Ende wird kommen, und zu sich sammeln die Heerde der Frommen. SHE NË 191 6. Seine allmächtige Stärke beweiset in dem Ohnmächtigen mächtige Kraft; dann wird alleine sein Name gepreiset, wenn er dem Bagenden Freudigkeit schafft. Gieb mir, o Jesu, daß ich dir vertraue, wenn ich die Hülfe nicht sichtbarlich schaue. du C. L. Edeling. how myspnet din. 6. December. 341. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen mei ne Feinde; du salbest mein Zaupt mit Oehl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barm 599 herzigkeit werden mir folgen mein Lebenlang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Pf. 23, 5. 6. Darum hat David immer geflehet; das war sein einziger Wunsch, Pf. 27, 4. im Hause des Herrn zu bleiben sein Lebenlang. Was hat er denn da gefunden? Gutes und Barmherzigkeit. Was fehlt dem Menschen mehr als dieses? Um Guten gånzlich arm, am Bösen sehr reich, bedarf er ja nichts mehr als Barmherzigkeit. Und diese findet er nur beim Herrn, nur im Hause des Herrn, nicht in den Hütten der Gottlosen. Darum wollte David lieber der Thürhüter, der Pförtner, der Geringste im Hause Gottes seyn, als der Vornehmste in den Hütten der Gottlosen. Was fand er noch? Einen Tisch bereitet für ihn mit Speise, die ihn stårkte und waffnete, daß er seinen Feinden fürchterlich und unüberwindlich ward. Was noch? Eine Dehlquelle, eine Salbe für sein Haupt, womit ihm voll eingeschenkt wurde; woran er nie Mangel leiden durfte, das sieht man an seinen gesalbten Psalmen, aus denen wir immer noch Dehl und Salbung vollauf schöpfen. Kann man denn jetzt nicht mehr zu diesem Tische, zu dieser Salbungs- Quelle kommen? O freilich, jetzt vielmehr; nun ist sie Allen aufgethan; nun sind Alle zu diesem Tische geladen; nun ist Mlen alles bereitet in Christo Jesu. Luk. 14, 17. Du kannst alle Tage, ja jede Stunde von diesem Tische essen, aus dieser Dehlquelle schöpfen. Wer an Jesum glaubt, der wird selbst zu einer Quelle lebendigen Waffers. Joh. 7, 38. Wer an Jesum glaubt, der hat das Brod des Lebens in sich, den wird nicht hungern noch dürften. Joh. 6, 35. Ach, warum glauben sie denn nicht alle an Ihn? Weil der Satan, der Gott dieser Welt, ihre Augen verblendet hat, daß sie das helle Licht des Evangeliums nicht schen. 2 Kor. 4, 4. Weil sie die Ehre bey Menschen mehr lieben als Gottes Ehre. Joh. 5, 44. fistnachtsm - 600 Mel. 10. Wach auf, mein Herz, und singe. Oder: Mein Jesu, fey gegrüßet. 1. Der Herr, der aller Enden regiert mit starken Händen, der Brunn der ewgen Güter, der ist mein Hirt und Hüter.- So lang' ich diesen habe, fehlt's mir an keiner Gabe; der Reichthum seiner Fülle giebt mir auch Füll' und Hülle. 2. Er låsset mich mit Freuden auf grüner Aue weiden; führt mich zu frischen Quellen, schafft Rath in allen Fällen. Er lehrt mich thun und lassen, führt mich auf rechter Straßen, läßt Furcht und Angst sich stillen um seines Namens willen. 3. Und ob ich gleich vor andern im finstern Chal muß wandern, benimmt dein Stab und Stecken mir alle Furcht und Schrecken. Denn du stehst mir zur Seiten, schüß'st mich vor böfen Leuten. Du sehest mich zu Tische; machst, daß ich mich erfrische. 4. Du falbst mit Freudendhle mein Haupt, und füllst die Seele mit Gütern deiner Gnade, daß mir kein Mangel schade. Barmherzigkeit und Gutes wird mein Herz gutes Muthes, voll Lust, voll Freud' und Lachen, so lang' ich lebe, machen. 5. Ich will dein Diener bleiben, und dein Lob herrlich treiben im Hause, wo du wohnest, und Frommseyn wohl belohnest. Ich will dich hier auf Erden und dort, da wir dich werden selbst schau'n, im Himmel droben, hoch rühmen, preisen, loben. P. Gerhard. - - - 7. December. 342. Gott, man lobet dich in der Stille zu Zion, -du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir. Pf. 65, 1. 2. Rommet her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist mit seinem Thun. Du hast Menschen lassen über unser Haupt fahren. Wir sind in Feuer und Wasser gekommen; aber du hast uns ausgeführet und erquicker. Pf. 66, 5. 12. Ja, wie viel stille Lobpsalmen steigen zu Gott auf in den Herzen derer, die ihm vertrauen, die ihn anrufen in ihren Nöthen! O die wissen, wie gerne, wie herrlich, wie wunderbar er hilft. Die können, wie der Psal- 601 mist, 3eugniß geben und die Menschen einladen: Kommt und sehet die Wunderwerke des Herrn, die er an den Menschenkindern thut. Er führt durch Feuer- und Wasfer- Gefahren unverletzt hindurch; er läßt Menschen uns über den Kopf herfahren, und weiß uns doch zu erhalten, und noch zu erquick en dabey. Ja gewiß, wer im Leiden den Herrn bey sich hat,( und wer ihn anruft, der hat ihn bey sich,) der fühlt große Erquickung auch in der Hitze der Trübsal. Darum ruft in der Noth doch alle Welt, alles Fleisch, den Herrn an. Die Noth kann sie zu dem treiben, der allein aus der Noth erretten kann, den sie außer der Noth nicht zu bedürfen glauben. Wie würde er ihnen aber thun, wenn sie nicht blos von der Noth gedrungen, sondern auch aus Liebe und Sehnsucht zu ihm kämen? Wie würde er sie dann erquicken! Er ruft ja allen zur Erquickung, die mühselig und beladen sind. Dies Wort belebe unsern Glauben, unser Vertrauen zu ihm, daß wir an seiner Hülfe nie verzagen. Er, er führt hinein, hindurch, heraus, hinüber. mel. 107. Er lebt, das ist das Loosungsw. Oder: Durch Adams Fall. 1. Barmherzger Vater, höchster Gott! gedenk' an deine Worte: Ruf', ruf mich an in deiner Noth, und klopf an meine Pforte: so will ich dir Errettung hier nach deinem Wunsch erweisen, daß du mit Mund und Herzensgrund in Freuden mich sollst preisen. 2. Befiehl dem Herren früh und spat all deine Sorg' und Sachen; er weiß zu geben Rath und That, kann alles richtig machen. Wirf auf ihn hin, was dir im Sinn liegt, und dein Herz betrübet. Er ist dein Hirt, der wissen wird zu schützen, was er liebet. 3. Der fromme Vater wird sein Kind in seine Arme fassen, und die gerecht und glaubig sind, nicht stets in Unruh' lassen. Drum, lieben Leut', hofft allezeit auf den, der völlig labet; dem schüttet aus, was ihr im Haus und auf dem Herzen habet. Ps. 62, 9. 4. O süßer Hort! wie tröstlich klingt, was du versprichst dem Frommen: Ich will, wenn Trübsal auf ihn dringt, ihm selbst zu Hülfe kommen; er liebet mich; drum will auch ich ihn lieben 602 und beschüßen, er soll bey mir im Schooße hier frey aller Sorgen sitzen. Ps. 91, 15. 5. Der Herr ist allen denen nah', die gern zu ihm sich finden; wenn sie ihn rufen, steht er da, hilft fröhlich überwinden all Angst und Weh'; hebt in die Höh', die schon darnieder liegen. Er macht und schafft, daß sie viel Kraft und große Stårke kriegen. 6. Hort, was dort jener Richter sagt: Ich muß die Wittwe hören, dieweil sie mich so treibt und plagt. Soll denn sich Gott nicht kehren zu seiner Schaar, die hier und dar bey Nacht und und Tage schreien? Ich sag' und halt', er wird sie bald aus aller Angst befreien. 7. Wenn der Gerechte bitter weint, will Gott ihn fröhlich machen; und wer zerknirscht vor ihm erscheint, der soll auch wies der lachen. Wer fromm will seyn, muß in der Pein- und Jammerstraße wallen; doch steht ihm bey des Höchsten Treu' und hilft ihm aus dem Allen. 8. Ich hab' dich einen Augenblick, o liebes Kind! verlassen. Sieb aber, fieh, mit großem Glück und Trost ohn' alle Maßen will ich dir schon die Freudenkron' aufsetzen und verehren; dein kurzes Leid soll sich in Freud' und ewges Heil verkehren. P. Gerhard. 8. December. 343. Wenn sich schon ein Zeer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht. Wenn sich Krieg wider mich erhebet, so ver lasse ich mich auf ihn. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich bleiben möchte im Hause des Herrn mein Lebenlang 2. Pf. 27. Diesen ganzen Psalm wollen wir heute betrachten, denn er ist voll Glaubens- Muth, voll von Gefühl für Gottes Nähe. Wer Gott fürchtet, hat nichts zu fürchten. Wem Gottes Licht leuchtet, wen Gottes Heil trostet, dem darf nicht grauen. Und wenn die Gottlosen wider ihn anziehen, ihn lebendig zu fressen, so werden sie anlaufen und fallen; denn sie haben es mit Gott zu thun, der 603 die Gottesfürchtigen beschützet und eine feurige Mauer um sie her ist. Und wenn ganze Heere von Feinden und Teufeln auf den Gläubigen losgehen, so soll sein Herz doch nicht erschrecken, denn sie sind alle nichts gegen Gott; und derer, die für uns streiten, sind immer mehr als derer, die wider uns zu Felde liegen. Gott verläßt keinen, der sich auf ihn verläßt. Wer aber so auf Gott vertrauen, und sich in allem so auf seine Macht und Güte verlassen will, der muß auch keinen andern Wunsch haben, als in der Nähe des Herrn zu wandeln, Gott immer im Auge und Herzen zu haben, und wie ein Hausgenosse Gottes mit Gott beständig umgehen, ihn eben so oft wieder suchen, als er ihn aus den Augen verloren hat. Das ist das Eine, das er sich erbittet vom Herrn, das hätt' er gern Seine Freude und sein Glück iſt Gottes Wort und Befehl: Ihr sollt mein Untlik suchen! Dies Gebot ist ihm mehr als tausend Welten; er ist kindlich, ja königlich vergnügt, daß ihm nicht nur erlaubt, sondern geboten ist, Gottes Antlitz zu suchen; und also Hoffnung gemacht ist es zu finden; darum sucht er bestandig Gottes Untlik, die Nähe des Herrn. Wenn ihm diese Feuersäule leuchtet von innen, was soll er fürchten? Er ist getrost und unverzagt, denn der Herr zieht voran, und bahnet ihm den Weg. mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut 1. Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil, den ich erwählet habe; er ist die Kraft, dahin ich eil' und meine Seele labe. Was will ich mich denn fürchten nun? Und wer kann mir denn Schaden thun auf dieser ganzen Erde? 2. Wenn mich die böse Rott' anfällt, will sie mich gar verschlingen, so kann sie Gott, der starke Held, gar leicht zu Boden, bringen. Wenn sich auch gleich ein ganzes Heer legt um mich. her, was ist's denn mehr? Mein Gott kann sie bald schlagen. 3. Eins bitt' ich nur, das hätt' ich gern, wenn mir's Gott wollte geben, daß ich bey ihm, als meinem Herrn, stets wohnen follt' und leben, und alle meine Tag' und Jahr' in seinem Hause bey det Schaar der Heiligen verbringen. 604 4. Herr, mein Gott! höre, wie ich schrey' und seufz' in meis nem Sinne. Gieb, daß mein Bitten kräftig sey, und dein Herz mir gewinne. Mein Herz hålt dir, o treuer Hort! beständig vor dein eigen Wort: Ihr sollt mein Untlits suchen. 5. Nun such' ich jetzt,( ach, laß mich nicht entgelten meine Sünden!) Ich suche, Herr, dein Angesicht, das laß mich gnådig finden! Verstoße ja nicht deinen Knecht, denn du bist's, der mir hilft zurecht, mich reißt aus allen Nöthen. 6. Mein Vater, Mutter, und was hier sonst ist von guten Leuten, die sind zu schwach, und können mir nicht treten an die Seiten. Ich bin entsetzt von aller Welt, Gott aber nimmt mich in sein Belt, da find' ich alle Gnüge. 7. Herr, mache mir gerade Bahn, halt mich in deiner Gnade, und nimm dich meiner herzlich an, daß mir der Feind nicht schade; denn viele reden wider mich, und zeugen, was sie ewiglich nicht können überweisen. 8. Und dennoch hab' ich guten Muth, und glaube, daß ich werde im Land des Lebens Gottes Güt' dort sehn, und schon auf Erde. Frisch auf, getrost und unverzagt! Wer's nur mit Gott im Glauben wagt, der wird den Sieg erhalten. P. Gerhard. 9. December. 344. Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht( Grundfeste) deß, das man hoffet, und ei ne zweifellose lleberzeugung von dem, was man nicht siehet. Hebr. 11, 1. Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, er kann meine Beilage bewahren bis an jenen Tag. 2 Tim. 1, 12. Abraham wußte aufs gewisseste, was Gott verheißen hat, das kann er auch thun. Rom. 4, 21. Ist dein Glaube ein Werk Gottes, so bist du gåttlich gewiß, so kann dein Glaube so wenig wanken, als Gott wanket. Wenn er Gott, Gottes Zeugniß und Kraft im Herzen zur Grundfeste hat, so steht er so fest als Gott selbst. Ist er aber nur Wahn und Einbildung, oder ein Fürwahrhalten aus menschlichen Gründen, ei 605 ne selbstgemachte, Ueberzeugung, so ist er der Verånderung unterworfen, wie alles Menschliche. Den Glauben, den Gott im Herzen wirkt, den kann niemand umstoßen; und der ist ein großes Gnadengeschenk Gottes. Viele machen sich ihren Glauben selbst, und deswegen ist er so menschlich, schwach und schwankend, als sie selbst sind, weil er ganz von ihrer Laune und von der Witterung abhängt. Ist es schön Wetter, so ist ihr Glaube groß"; stürmt es aber, so hat ihnen der Wind den Glauben weggenommen, wie dem Petrus auf dem Meere. Nein, da der Glaube so viel in dem Menschen ausrichten soll, da er Welt, Fleisch und Teufel besiegen, den Tod überwinden, den Himmel und die Ewigkeit, ja Gott selbst, umfassen soll; da er den ganzen Menschen neu schaffen und ihn in ein himmlisches Wesen mit Christo versehen, ihn Christi und seiner göttlichen Natur theilhaftig, zum Kinde und Erben Gottes, zum Mitbürger mit den Heiligen und Hausgenossen Gottes, heilig und gerecht, herrlich und selig, wie Gott, machen soll: so muß er mehr als ein eignes selbstgemachtes Werk des Menschen, muß göttlicher Natur, aus Gott geboren, von Gott selbst ins Menschenherz gelegt, und ganz von Gottes Geist beseelt, belebt und erhalten werden. Und darum haben wir Urfache zu bitten: Herr, mehre uns den Glauben! mel. 93. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut. 1. Der Glaub' ist feste Zuversicht zu Gottes Gnad' und Treue, daß ihn der Tod des Sünders nicht, daß ihn sein Leben freue; ist unsrer Kindschaft sichrer Grund, auf Gottes Wort und seinen Bund von Jesu selbst gegründet. 2. Ist hoher, göttlicher Beweis, daß Gott nicht gern betrübe, daß er zu seiner Güte Preis, in feinem Sohn uns liebe. Er macht mein banges Herz gewiß, daß Jesus mich dem Fluch entriß, dem ich entgegeneilte. 3. Er richtet auf und giebt mir Muth, zum Vater mich zu nahen, Vergebung durch des Sohnes Blut und Gnade zu empfahen. Was er mir giebt und noch verheißt, mir einst zu geben, sieht mein Geist, als wär's mir gegenwärtig. 606 4. Er giebt mir Kräfte, daß ich hier zum Unsichtbaren dringe, daß ich in Hoffnung selig bin, und nach dem Himmel ringe. Gott ist mein Gott, mein Heil sein Sohn, sein Geist mein Pfand, mein Schild und Lohn ist seine Vaterliebe. 5. Ich fürchte nicht der Hölle Heer, noch ihrer Strafen Flammen; ich bin kein Kind des Zornes mehr, Gott wird mich nicht verdammen. Weicht, alle meine Feinde, fort! ich höre meines Heilands Wort; die Sünd' ist mir vergeben. 6. Stürmt Sorg' und Unruh' auf mich zu, voll zweifelnder Gedanken, sein Geist versichert meine Ruh', und läßt mein Herz nicht wanken. Der Glaube fürchtet keinen Schmerz, er blickt auf Gottes Baterherz und seines Sohnes Leiden. 7. Mein Glaube sey oft schwach und klein, wenn Trubsal sich erhebet; er darf sich dennoch Gottes freun, wenn er nach Hülfe strebet. So lang' ich Jesum Christum gern verehr' und lieb' als meinen Herrn, so lebt der Glaub' im Herzen. 8. Gott übt in solchen Kämpfen mich, um mein Vertrau'n zu stärken, und so vermehrt er våterlich den Fleiß zu guten Werken; denn meine Hoffnung bleibet fest, daß mich mein Vater nie verläßt, wie hart mein Kampf auch werde. 9. Ich weiß, auf wen ich bauen kann; ich weiß, an wen ich glaube. Mein Gott nimmt mich zu Ehren an, erhebt mich aus dem Staube. Die Welt mag um mich her vergehn, ich falle nicht ich bleibe stehn; ich hang' an seinem Worte. Gotter od. Schroeter. 345. 10. December. Ich fürchte, daß ich bey meiner Ankunft euch nicht finde, wie ich wünsche, und ihr mich auch nicht findet, wie ihr wünschet; ich fürchte, es möchten Streitigkeiten, Eifersucht, Zorn, Zwist, Verläumdungen, Ohrenblåsereyen, Auf geblasenheit, Unordnungen unter euch seynund daß ich also viele betrüben müsse, die vors her gesündiget und nicht Buße gethan haben 2c. 2 Kor. 12, 20. 21. m Es kann sich bey erweckten Christen viel einschleichen, und manche Sünde wieder erwachen, wenn die Erweck 607 ten nicht wachen. Alle die von Paulus genannten Dinge kommen oft wieder zum Vorschein, und wenn man denn leicht darüber hingeht, sich dennoch immerhin für gläubig, erweckt und bekehrt hålt, ohne darüber Leid zu tragen, Buße zu thun, und solche Dinge auszurotten, so geht man in einem verblendeten und verkehrten Zustande das hin, der årger ist, als wenn man nie etwas von Christo gehört hätte. Man hålt fest an seinen Andachten, am Singen, mündlich Beten, Lesen, Stunden halten, und was so gång und gåbe ist, åndert und bessert sich aber nicht, und hält sich doch für einen Christen. Da steht man 2 Petr. 2, 20. 21. 22. O ihr Lieben! denket immer, wenn Paulus, wenn Christus käme, und unter uns hereintråte, wenn er Zeuge all unserer Handlungen wäre, würde er uns nach Wunsch finden? würden wir ihn finden, wie wir ihn wünschen? Hat Paulus in seinen Gemeinen solche schåndliche Dinge angetroffen; könnte er's nicht auch noch in den unsrigen finden? Und was für ein Gesicht würde er dazu machen? ,, Soll ich euch loben? oder soll ich mit der Ruthe kommen? Denn nicht in Worten besteht das Reich Gottes, sondern in der Kraft. 1 Kor. 4, 20. 21. Es betrüge sich doch niemand, der sich selbst wohlgefällt, sondern er betrachte sich in dem Spiegel des Wortes, und prüfe seinen Wandel nach der Richtschnur der Wahrheit. and Mel. 82. Ach, was sind wir ohne Jesu. 1. Seinem eignen Herzen heucheln, Sünde thun und sicher seyn, sich mit falscher Tugend schmeicheln, und dann fagen: Sch bin rein; selbst sein Elend nicht empfinden, welche bittre Frucht der Sünden! 2. Wer so schläft ohn' allen Kummer für der Seele Seligkeit, eingewiegt in tiefen Schlummer einer trågen Sicherheit; ach! wie fürchterliche Schrecken werden endlich den erwecken! 3. Bin ich, wenn ich das nur hasse, was die Menschen has sen, rein? Wenn ich das nur unterlasse, was auch Heiden nicht verzeihn? Jst's genug schon, nichts verbrechen, was der Menschen Strafen råchen? 608 4. Bin ich darum fromm und besser, darum Gottes Kind und Freund, weil des Nächsten Schuld viel größer, als die meis nige, mir scheint? oder weil versteckte Sünden Menschenblicke nicht ergründen? 5. Darum, darum sollt' ich wähnen: ich bedürf der Befrung nicht; feiner Reue, feiner Ehránen, feiner bessern Zuversicht? Darum mich zu Gottes Kindern zählen, und nicht zu den Sündern? 6. Nein, dies Blendwerk eitler Lügen täusche meine Seele nie; můsse nie mein Herz betrügen; Heiligster! du hasseft fie; sie, die mir den wahren Glauben, sie, die deine Gnad' mir rauben. 7. Rein in allen meinen Trieben, frey van falscher Zuversicht, müss' ich keine Sünde lieben, auch den Wunsch nach Sünde nicht. Deine Kinder müssen streben, heilig und gerecht zu leben. 8. Laß mich streiten mit den Lüsten, fliehen Stolz und Sicherheit, muthig mich zum Kampfe rusten, aber rein von Eitelkeit; daß ich nicht vergebens ringe, und gewiß zum Ziele dringe! Crmr. 11. December. 346. Denen zu zion wird ein Erlöser kommen, und denen, die sich bekehren von den Sünden in Jacob. Jes. 59, 20. Siehe, ich komme, wie im Buche von mir geschrieben ist, deinen Willen, Gott, zu erfüllen. Zebr. 10, 7. Des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist. Luk. 19, 10. Es war verheißen; er wollte kommen, und siehe er kam; und kam nicht, um die Welt zu richten, zu verdammen, sondern alle Menschen, die verloren waren selig zu machen. Wer hátte ihn zwingen können, zu kommen, zu den Verlornen? Niemand, als seine Liebe, die trieb und zwang ihn, daß er, indem er das Verderben, das Elend und den ewigen Jammer der Menschen sah, zu sich selbst und zu seinem Vater sprach: Siehe, ich komme! Schone ihrer; ich will deinen Willen erfüllen. 609 Also war es auch des Vaters Wille, daß er kommen, und die Verlornen retten sollte. Er ist nicht im 3orn gesandt, nicht im Zorn gekommen, sondern in lauter Liebe. Die Liebe hat ihn uns gesendet. Die Liebe můssen wir anbeten; denn ihr haben wir diese große Himmelsgabe zu danken. Liebe riß ihn von dem Thron, Liebe schlug ihn ans Kreuz hier an.- Aber wem nützt sein Kommen? für wen ist er gekommen? Für Zion, für die, die sich bekehren von ihren Sünden. Wer sich von der Sünde und Welt nicht trennen will, kann und darf sich seines Kommens nicht freuen. 3u 3ion gehört jeder, der sich zum Herrn, seinem Gott, von ganzem Herzen wendet; der sich eines Erlösers bedürftig fühlt, und deswegen zu Gott seufzet und flehet, daß er ihm Hülfe aus Zion sende. Alle, die ihr Angesicht nach 3ion richten. auf Gott vertrauen und sich aus der Sklaverey der Sünde heraussehnen; für die ist er da; ihnen ist er von Gott gemacht zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. 1 Kor. 1, 30. Mel. 63. Jesu, den ich meine. Oder: Gottes Sohn ist kommen. 1. Jauchzet all', ihr Frommen! Er ist nun gekommen, der da kommen sollte, und uns helfen wollte, Gottes Auserkohrner, Gottes Eingeborner. 2. Dessen Wink' und Willen Engel schnell erfüllen, der ist, selbst zu dienen, nun im.Fleisch erschienen, der die Welt hieß werden, wird ein Knecht auf Erden. 3. Daß wir nicht verderben, kamst du, um zu sterben, Heiland deiner Brüder, aus der Höhe nieder; kehrst dann, uns zum Glücke, in die Höh' zurücke. 4. Auf der Gottheit Throne sehn wir nun im Sohne, mächtig uns zu schüßen, unsern Bruder sitzen, sehn für uns den bitten, der für une gelitten. 5. Doch, auch selbst hienieden nicht von dir geschieden, können die Erlösten deiner stets sich trösten; denn mit deinem Segen bleibst du stets zugegen. 6. Du willst nicht verschmähen, zu uns einzugehen, willst mit Himmelsfreuden durch dein Wort uns weiden, läss'st in süBen Lehren deine Stimme hören. 2.9 610 7. Ja, du kommst noch heute, stehst uns treu zur Seite, und stillst selbst die Schmerzen der zerbrochnen Herzen. Uch wohl alien denen, die nach dir sich sehnen! 8. Du, Herr, dem sie dienen, wohnst und lebst in ihnen, bildest ihre Sitten, giebst, was sie dich bitten, weißt auch in Gefahren, sie wohl zu bewahren. 9. Und wenn sie einst scheiden, bringt aus allen Leiden ihrer Wallfahrt Ende sie in deine Hände, daß dort ihrer Seele nie kein Gutes fehle. J. C. Schlgl. 12. December. 347. Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetze und die Propheten schreiben, Jesum, den Sohn Josephs von Nazareth. Joh. 1, 45. Jch liebe, die mich lieben, und die mich frühe suchen, finden mich.- Wer mich liebet, der findet das Leben, und wird Wohlgefallen an dem Herrn bekommen. Spr. 8, 17. 35. Hiob rief( 23, 3.): Ach, daß ich wüßte, wo ich ihn finden könnte! Die Jünger: Wir haben ihn gefunden! Was sagst du, Lieber? Der Heiland ist gekommen, um sich finden zu lassen, ist Mensch geboren, um sich von Menschen finden zu lassen. Du hast deine ganze Bestime mung als Mensch verfehlt, wenn du ihn nicht gefunden hast, oder nicht suchest. Es wäre dir besser, du wärest nie ein Mensch geboren, wenn du den Mensch- gewordnen Gott- Heiland nicht suchest und nicht findest. Ein Thier ist dann glücklicher, als du. O Menschenkinder! Gott ist ein Menschenkind geworden, daß ihr ihn desto leichter finden sollt, und ihr wollt nicht zu ihm kommen, um das Leben von ihm zu erhalten? Gottes Weisheit und Liebe steht in Person leibhaftig in eurer Menschengestalt vor euch, und ruft: Ich liebe, die mich lieben, und die mich frühe suchen, finden mich, und wer mich findet, findet das Leben. Wer nicht an mich glaubet, bleibet im Tode und wird das Leben nicht sehen, sondern der Born Gottes bleibet auf ihm.- --Wie kann auf eine A 611 solche Einladung noch eine Menschen- Seele zurückbleiben und säumen, ihn zu suchen?! Wenn uns Gott seinen Sohn nicht in die Welt herabgegeben hätte, wir dürften uns zu Tod' suchen, wir würden nichts finden, was uns vollkommen ruhig und selig machen könnte. Nun ist er da, der alle erquicken, alle retten und selig machen willund wer hat ihn gefunden? — Mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. Nur Ein Erlöser, Christus, lebet, den uns die ewge Liebe giebt. Ihn findet jeder, welcher strebet nach ihm, der alle, alle liebt. Er war, wird ewig seyn, und rettet, wo keine Macht er= retten kann, beseligt jeden, der ihm betet, nimmt alle, die da kommen, an. 2. O du, du Gottes Eingeborner, der Erst' und Letzte, Jesus Christ! Du Licht der Welt, du Heil Verlorner, bist, was der Wesen keines ist. Ja, schon die frühsten Zeiten sangen von deiner Gottes- Herrlichkeit; dir, aller Heiligen Verlangen, ward Andacht, eh' du kamst, geweiht! = 3. Dich sah', mit Gottes Licht umleuchtet, der größte Erdensohn, und schwieg, da aus des Jordans Fluth befeuchtet, die Gottes volle Menschheit stieg. Welch' himmlisch süße Wabrheit lehrte dein Mund, auf dem nur Wahrheit war, den Vater hörte, wer dich hörte! Dein Nam' ist Rath und Wunderbar. 4. du, dem tausend Kranke riefen: Sohn Davids, ach, ers barme dich! Versunkne riß dein Urm aus Tiefen; du winktest, und das Elend wich. Du dientest, halfest und befreitest, warst Gnade, wo dein Fuß hintrat. Je mehr du schwiegst, je mehr er freutest du den, der unablässig bat. 5. O Inbegriff von allem Schönen! O Summe aller Lieblichkeit! Du höchstes Ziel von allem Sehnen, vollkommenste Vollkommenheit! Dir selbst nur gleich in allen Seiten, ganz Ullmacht, Liebe nur, und Licht, durch alle künftgen Ewigkeiten der Einzige, von dem man spricht! 6. Du bist, durch Leiden aller Leiden vollendet, deinem Va ter gleich, bist ewig Freude aller Freuden in Gottes unbegrenztem Reich; wie innigst habe ich in Stunden, da ich in Andacht vor dir lag, dich unaussprechlich nah gefunden, in dir für meine Nächte Tag. 7. Dich ernstlich suchen, heißt dich finden; dich schau'n und felig seyn, ist Eins; doch, deine Größe zu ergründen, vermag der Engelherzen keins. O möchten alle dich nur wählen, du 292 612 Alles uns in Ullem seyn! Ström' allen Heils- begier'gen Seelen dein ewges Leben ewig ein! 13. December. 348. - Mit uns aber ist der Herr, unser Gott, den wir nicht verlassen. Siehe, mit uns ist an der Spitze der Herr und seine Priester. 2 Chron. 13, 10. 12. Mit Gott wollen wir Chaten thun. Er wird unsere Seinde untertreten. Psalm 108, 14. Wo der Herr nicht bey uns wäre, wenn die Menschen sich wider uns setzen, so verschlängen sie uns lebendig, wenn ihr Jorn über uns ergrimmete, so ersäufete uns Wasser 20. Pf. 124, 2-4. Der Streit des Abia mit Jerobeam verdient nachge lesen zu werden im angezeigten Capitel. 2 Chron. 13. Abia siegte mit 400,000 Mann, mit der Hälfte streitbarer Männer, über den Jerobeam mit 800,000 Mann. Denn dieser hatte die Priester des Herrn vertrieben, und Goßendienst eingeführt; Abia konnte sagen: Mit uns ist der Herr, und die Priester des Herrn. Dieser Eine ist stårker, als 800,000 Mann. Wer den auf seiner Seite, an der Spiße seiner Streitkräfte hat, wird allemal siegen, auch im Unterliegen. Wie es im weltlichen Streite, fo ist es vielmehr im geistlichen Kampfe mit Fleisch, Welt und Teufel, wenn die Sünde, die bösen Lüste, der Satan, oder die Feinde Christi und der Wahrheit, uns verfolgen, und sich mit aller Macht der Hölle verstärken, so werden sie uns doch nicht überwältigen, wenn Gott, wenn Christus mit uns und in uns ist. Wer aber den Herrn verläßt, und einen andern Schutz und Menschenhülfe sucht, der wird verschlungen. Nur der Herr ist in diesem Streite mächtig und stark. Nur Er kann überwinden. Keiner vertraue auf seinen Arm; jeder gebe 613 alle seine Hoffnung auf sich selbst verloren, und hange dem Herrn an. Mit Gott wollen wir Thaten thun, und unsere Feinde untertreten. Der Ullmächtige, der Unüberwindliche, der Allbesiegende ist mit uns, ist unser Schuß und unsre Wehr, wer will wider uns seyn? Nur sey das Wahrheit, daß der Herr mit uns und wir mit ihm sind. Es sey nicht bloße Einbildnng oder Wahn, denn die Einbildung, die falsche Zueignung des Schutzes Gottes schüßt nicht gegen Einen Feind, geschweige gegen Tausende. Wenn der Herr mit dir seyn soll, mußt du mit ihm seyn, in ihm bleiben im Glauben, in der Liebe, im innigen, unablässigen Umgange und Gebete. Dut mußt beständig in dieser deiner Festung bleiben; denn wenn dich der Feind außer ihr findet, bist du verloren. mel. 93. Es ist das Seil uns kommen her. Oder: Was hilft es mir 2c. 1. Ist Gott für uns in aller Pein, in allem Kreuz und Leiden, wer mag uns denn zuwider seyn? Wer mag von ihm uns scheiden? Ist Gott für uns in Angst und Noth, so kann uns, Teufel, Holl' und Tod, auch sonst kein Feind mehr schaden. 2. Sft Gott für uns, so können wir ausüben große Thaten, denn er ist bey uns für und für, und weiß uns wohl zu rathen. Wir können Krieges- Volk mit Gott zerschmeißen, daß es noch mit Spott und Schande muß bestehen. 3. Ist Gott für uns, so dürfen sich die Feind' an uns nicht wagen. Er kann sie alle måchtiglich zum Spott mit Blindheit schlagen. Gott fennet feine Kinder wohl; er weiß wohl, wann er helfen soll den Schafen seiner Weide. 4. Ist Gott für uns, wie er denn ist bey uns aus lauter Gnaden; was kann uns denn Betrug und List, Haß, Neid und Feindschaft schaden? Gott ist so stark, daß Roß und Mann er auch mit einem Wortlein kann gar leicht zu Boden schlagen. 5. Ist Gott für uns, so wird er wohl für seine Lehre kampfen; und wird wohl wissen, wie er soll, die uns verfolgen, dåmpfen. Er schickt es oft so wunderlich, daß die Verfolger selbsten sich zu ihm bekehren müssen. 6. Ist Gott für uns, so sind zugleich die Engel uns zur Seiten, die uns in diesem Jammerreich beschützen und begleiten; durch sie wird, wenn es Gott gefällt, allein in einer Nacht gefällt ein ganzes Heer der Feinde. 6147. Ist Gott für uns, so muß die Welt und Fleischeslust er liegen; mit Gott man stets das Feld behålt, mit Gott kann man obsiegen. Der Teufel selbst kann nicht bestehn, er muß beschämt doch von uns gehn, er kann kein Haar uns krůmmen. 8. Drum soll uns auch zu aller Zeit, weil Gott für uns, nichts scheiden von seiner Liebe; ja, kein Streit, kein Kummer, Schmerz und Leiden, kein Krieg, kein Schwert, kein Hohn und Spott soll uns von unserm starken Gott und seiner Liebe trennen. 14. December. 349. Herr, du erforschest mich, und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es, du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich ge he oder liege, so bist du um mich, und siehest alle meine Wege 2c. Pf. 139. Die Gesinnungen, die dieser Psalm ausdrückt, find es, die den, der Glauben an Gott hat, beseelen. Wer da sagt, daß er einen Gott glaube, und nicht glaubt, daß Gott sieht, alles sieht, was im Herzen und auf der Zunge und in der Hand des Menschen ist; wer sich nicht fürchtet vor diesem allsehenden Auge, der ist ein Lügner; es ist nicht wahr, er glaubt nicht an Gott. Glaube Davids! belebe uns! verlaß uns nie! du Allsehender! du Allwaltender, Heiliger und Gerechter! Laß uns nicht ei nen Angenblick vergessen, daß du uns erforschest und kennest; daß du allenthalben und allezeit uns umgiebst, daß sich kein Gedanke vor dir verbergen, kein Wort auf unserer Zunge dir entgehen kann! Wer kann dir, wer deinem Geiste entfliehen? Führe ich in den Himmel, so bist du da; bettete ich mir in die Hölle, so bist du auch da! Nähme ich Flügel der Morgenrothe, und bliebe am äußersten Meere, so würde mich doch deine Hand daselbst führen, und deine Rechte mich halten. Finsterniß kann mich dir nicht verdecken; denn bey dir ist die Nacht auch 615 Licht! Wer nichts als diese Wahrheit im Geiste Jesu beständig lebendig vor Augen hätte, und in diesem gottesfürchtigen Sinn wandelte, wie heilig, wie gerecht. wie zerknirscht und gebeugt, wie zuversichtlich und kindlich würde der immer leben und wandeln! Wer aber diese Wahrheit ganz vergißt, des Allsehenden und Allwissenden, Allforschenden und Allgegenwärtigen Heilandes vergißt, wie kann Gottesfurcht, Glauben und Gottseligkeit vor seinen Augen seyn? Eitel ist sein Christenthum, gottlos ist seine Religion, Heucheley seine Tugend, Sünde und Laster seine Gerechtigkeit. Mel. 98. un banket alle Gott. 1. Ich danke dir, mein Gott, denn du hast mir gegeben den Sinn, daß ich dir gern hier möcht' zur Ehre leben. Regier' nun auch mein Herz, steh' mir bey früh und spat, in allem meinen Thun, gieb selber Rath und That. 2. Laß meine Augen stets auf deine Augen sehen, die sehen, was ich thu' und was von mir geschehen. Laß die Gedanken stets auf dieser Probe stehn: Gott sieht's, Gott hört's, Gott straft's, du kannst ihm nicht entgehn. 3. Lehr' mich bedenken wohl in allen meinen Sachen: Ist's denn auch recht, wenn ich's der Welt gleich wollte machen? It's denn auch recht, fieht's gleich kein Menschen- Auge nicht? Ist's recht vor Gott? Ist's recht vor deinem Ungesicht? 4. Uch, führe mich, mein Gott, und laß ja nicht geschehen, daß ich sollt' ohne dich nach eignem Willen gehen! Denn wo ich selbst mich führ', stürz' ich mich in den Tod; führst du mich aber, Herr, so hat es keine Noth. 5. O Herr, verlaß mich nicht, befreie mich von Sünden, daß ich nicht suche mich, nur dich, so werd' ich finden der Seele wahre Ruh'. Such' ich sie ohne dich, so weiß ich ganz gewiß, niemals beglückt sie mich. 6. Ach, deine Gnade sey an mir ja nicht vergebens! Erfülle mich vielmehr mit Kräften deines Lebens; so daß ich meine Seel' in Ewigkeit erhöh', und ich mich auch in dir hier glücklich fühl' und seh'. 15. December. 350. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Chris 616 sti. 2 Tim 2, 3. Ein jeder, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges: jene, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergångliche. 1 Kor. 9, 25. Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet 2c., den mache ich zum Pfeiler im Tempel meines Gottes 2c. Off. 3, 5. 12. Es ist kein Zweifel, wer in Christo lebt, den läßt weder der Teufel, noch die Welt, noch sein eigen Fleisch unangefochten. Diese drey Feinde haben einen schwarzen Bund gegen dich gemacht; wenn du bestehen, und nicht wieder in ihre Hände und Gewalt fallen willst, mußt du einen heiligen Bund mit Christo und seinem Geiste gegen sie machen; mußt die Waffenrüstung Gottes anziehen und beständig in derselben einhergehen, immer gerůstet mit Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; immer wachsam, immer bereit, alles zurückzus schlagen und niederzutreten, was dir Welt, Fleisch und Hölle anbieten, oder wozu sie dich reizen wollen. Doch hüte dich vor Luftstreichen, die dem Feinde nichts schaden, und dir nichts helfen. Paulus sagt: Ich kämpfe, aber nicht wie einer der Luftstreiche thut. 1 Kor. 9, 24. Man kämpft oft heftig gegen die Feinde außer dem Hause, und läßt den Feind im Hause unangefochten; man versagt sich außere Dinge, und nährt und pflegt innere Feinde ohne Bedenken. Ein rechter Kämpfer enthält sich alles Dinges; er entsagt sich selbst, seiner Eigenliebe, dem Ehrgeize in jeder Beziehung, der Habsucht, der Weichlichkeit, der Einnenlust, sie sey fein oder grob; dem Stolze, der Selbstgefälligkeit, sie sey geistlich oder weltlich. Wer alles überwindet, auch sich selbst, der wird gekrönet- wenn du nur Einen Feind nicht besiegst, so bist du kein Ueberwinder, und wirst die Krone nicht ſe= hen. Wenn du Eine Neigung in dir herrschen läßt, so hast du doch einen Dieb im Hause, einen Feind in den 617 Grenzen deines Reiches, der dir deine Ruhe und den Frieden streitig macht, und dich zum vollen Siege, zum Triumphe und zur Krone nicht gelangen läßt. mel. 115. Es wolle Gott uns gnädig seyn. 1. Ihr Mitgenossen, auf zum Streit, damit uns Gott belohne! Es gilt das Reich der Herrlichkeit, der Ueberwinder Krone. Der Weichende wird nicht gekrönt. Wie hat der Herr gestritten! Der Herr, der uns mit Gott versöhnt, als er den Tod gelitten am Dehlberg und am Kreuze. 2. Miterben, haltet an und seht empor zum großen Lohne! Denn nur durch unsre Feinde geht der Weg zu jener Krone. Ob Tausend auch zur Rechten euch, zur Linken Tausend sånken; so finkt doch nicht, den Schwachen gleich! Wird Gott sein Reich uns schenken, wenn wir im Streit erliegen? Ps. 91, 7. 3. 3war groß ist unsers Kampfs Gefahr, doch laßt uns ihre Schrecken nicht größer machen! Wunderbar wird Gottes Schuß uns decken. Er stärkt, der mächtig stärken kann, wenn wir um Hülfe flehen. Er reicht den Harnisch, zieht ihn an; so könnt ihr muthig stehen und freudig überwinden. Eph.6, 11. 4. Wer überwindet, soll den Tod, den ewgen Tod, nicht sehen. Berging' er auch in seiner Noth; dort wird er nicht vergehen! Nach dieses Lebens kurzem Streit, nach seinem kurzen Leiden, wird ihn der Unschuld weißes Kleid, Gerechtigkeit, bekleiden, hell durch das Blut des Lammes! 5. Und, Hüter, ist die Nacht schier hin, die dunkle Nacht der Erden. Wenn ich einst Ueberwinder bin;( laß mich's, mein Hüter, werden!) wenn ich einst Ueberwinder bin, so seh' ich meinen Namen im Lebens- Buch, du führst mich hin, Vollender, Mittler! Amen! zu deines Vaters Throne! 6. Wie saumt's? wie saumt's? o lange Nacht! Bis Berg' und Hügel fallen? O Hüter, bis dein Tag erwacht, und uns Posaunen schallen? Wer überwindet, der wird seyn mit Gottes Sohn ein Erbe! O Gottes Sohn, laß du mich seyn der Hoffnung, wenn ich sterbe! Und dann sey ihr Vollender! Kipstck. 16. December. 351. Ochäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn- der uns erlöset und berufen hat mit seinem heiligen Ruf- nach der Gnade- die 618 nun offenbaret ist durch die Erscheinung un. fers Heilandes Jesu Christi, der den Tod vers nichtet unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium. 2 Tim. 1,8-10. - Alle Welt schämt sich Christi und seines Evangeliums von unserer Erlösung. Willst du Christ seyn, so schåme du dich ja nicht und niemals dieses allerheiligsten und herrlichsten Werkes. Der Teufel hat es dahin gebracht, daß man sich nicht nur Christi, sondern selbst Gottes und alles Göttlichen schämt. Man will ganz profan, weltlich und irdisch, finnlich und fleischlich seyn. So tief ist die Welt gesunken; so weit entfernt von Gott!-Wer will sie retten? Der barmherzige Gott läßt doch nicht nach, ihr sein seligmachendes Evangelium, so sehr sie es verachtet, immer noch anzubieten und zu verkündigen. Die Stimme der Zeugen von Gottes Heil in Christo ist noch nicht verhallt, sie ertönt noch allenthalben. Die Gnade wird gepriesen, die durch die Menschwerdung, das Leben und Leiden Jesu offenbaret ist. Es erschallt noch hie und da laut: Christus hat durch den Tod den Tod zernichtet, hat unvergångliches Wesen ans Licht gebracht, hat uns versöhnt, erlöst, hat uns Gott erkauft, und ein ewiges, unverwelkliches Erbe im Himmel erworben. Deß schäme dich nicht, deß freue sich dein Herz, wenn es dieser Gnade theilhaftig geworden; preise deinen Erlöser und rühme, und bekenne ihn und sein Werk der Erlösung vor aller Welt; denn es ist's werth, und es kann dem armen Menschen einmal nicht anders geholfen werden, als durch den, der im Stalle geboren, am Kreuze starb, und nun zur Rechten Gottes sitzt. Bekenne und rühme aber das Christenthum nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit deinem ganzen Wesen und Wandel, so wirst du bald mehr Mitgenossen derselben Gnade und Freude zählen. 619 Mel. 98. un banket alle Gott. 1. Beginnt ein Lied voll Dank, mit freudigem Gemüthe! Erlöste Gottes! singt dem Vater aller Güte, dem Albarmherzigen, dem, welcher, groß von Rath, uns seinen eignen Sohn zum Heil gesendet hat. 2. Gefallen waren wir, und niemand konnte retten; kein Bater sein Geschlecht, kein Bruder Brüder retten. Erlösen konnte nur die abgefallne Schaar, der eingeborne Sohn, er, der ihr Schöpfer war. 3. Er hat's gethan, er hat erlöset. Feiert! feiert! Er hat zur Seligkeit die Sündenwelt erneuert; er hat errettet, er. Durch seiner Gnade Macht hat er Unsterblichkeit für uns ans Licht gebracht. 4. Verheißen war's, er sollt', ein Mensch, geboren werden; ein Mensch, wie wir, ein Mensch, erfunden an Geberden; herab, zur Knechtsgestalt erniedrigt, bis zum Tod erniedriget, und doch in seiner Schwachheit Gott! 5. Er lehrt; sie hören's nicht; thut Wunder, sie verstehen nicht seines Armes Kraft; er spricht, und Lahme gehen; er rührt die Blinden an; die Blinden sehn das Licht, und dennoch kennt sein Volk den Welterlöser nicht. 6. Er spricht, der Sieche hebt sein Bett' auf, und der Taube vernimmt ihn; Todte selbst erweckt er aus dem Staube; vom Grabe kommen sie herauf und sehn das Licht; und dennoch kennt sein Volk den Heiland Gottes nicht. 7. Doch, dankend wird ihn bald der Heiden Menge kennen; bald, bald wird sie mit Lust ihn ihren Heiland nennen. Noch ist er unwerth; noch voll Schmerzen; noch entehrt; geplagt noch; mit der Last der Sünder noch beschwert. 8. Lobsingt! nun ist er schon zum Golgatha gegangen. Lobfingt! nun hat er schon am Holz, ein Fluch, gehangen. Lobfingt! wir sind versöhnt. Er hat das Werk der Macht, der Liebe schwerstes Werk; er hat's, er hat's vollbracht! 9. Der Tod hat keine Macht an ihm, er ist erstanden! Erlöst sind wir mit ihm, o Tod, aus deinen Banden! Die Sünder sind mit Gott durch Jesu Blut versöhnt; nicht Kinder mehr des Borns; versöhnt, versöhnt, versöhnt! 10. Er fuhr zum Himmel auf, goß seines Geistes Gaben auf seine Beugen aus, und ihre Thaten haben den Gößendienst gestürzt, die finstre Welt verklärt, und uns den Weg des Lichts, den Weg zu Gott, gelehrt: 11. Wo sind die Götter nun? die Tempel, die Altäre der 620 Hölle!, Singet Dank, bringt Gott dem Vater Ehre! Bringt Ehre seinem Sohn! Er hat's, er hat's gethan, der Liebe schwerstes Werk! der Erdkreis bet' ihn an! 17. December. 352. Komm herein, du Gesegneter des Herrn, warum stehest du draußen: Ich habe das Haus gerdumet. Also führte er den Mann ins Haus. 1 Mof. 24, 31. 32. und 26, 29. Ich will kom men. Matth. 8, 7. Wer mich liebet, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bey ihm machen. Joh. 14, 23. Möchtest du so gastfreundlich und so bereitwillig seyn, den, der vor der Thüre deines Herzens steht und bey dir anklopft, aufzunehmen, ihn so freundlich und herzlich einzuladen und einzuführen in dein Herz, als Laban den Knecht Abrahams aufnahm, da er die Armspangen und Ringe, die schönen Geschenke fal), die dieser seiner Schwester gebracht hatte; möchtest du deinen Heiland so sehnlich verlangen zu besitzen; er würde dir mehr mitbringen als Elieser der Rebekka und dem Laban brachte. Er würde eben so bereitwillig zu dir eingehen, und sieh! auch seinen Vater mitbringen. Er würde dir nicht nur Armbänder und Ringe, sondern das Band der Vollkommenheit, die ewige Liebe, den himmlischen Frieden, das ewige Leben, das Himmelreich in dein Herz pflanzen. Da der Hauptmann, Matth. 8, nur bat, daß er ein Wort spres chen möchte, seinen Knecht zu heilen, es nicht wagte ihn einzuladen, daß er selbst zu ihm komme; sagte der Heis land doch: Ich will kommen. Sollte er zu dir nicht kommen, wenn du Tag und Nacht zu ihm rufft: Herr Jesu, komm doch selbst zu mir! Ja, er kommt zu jeder Seele, die ihn herzlich verlangt. Er bleibt gewiß nicht aus. Er ist darum Mensch geboren, weil es seine Lust 621 ist, bey den Menschenkindern zu seyn. Er kann uns nicht Waisen lassen, er kommt zu uns und bleibt bei uns alle Tage, denn er hat's gesagt, und nicht nur Einmal, sondern oft gesagt. Sollte er nicht Wort halten, der wahrhaftige und treue Zeuge? mel. 106. fall' auf die. Oder: Werde munter, mein Gemüthe. 1. Warum willst du draußen stehen, du Gesegneter des Herrn? Eile, zu mir einzugehen, mein Geliebter, tritt nicht fern! Helfer! in der rechten Zeit, der mit ewgem Trost erfreut; hilf, o Jesu, meinem Herzen von den Wunden, die mich schmerzen! 2. Will ich je mein Elend lindern, und erleichtern meine Pein, bey der Welt und ihren Kindern, fall' ich nur noch tiefer drein. Da ist Friede, der betrübt, Trost, der nicht Erquickung giebt; Helfer, die mir Herzleid machen, Freunde selbst, die meiner lachen. 3. Aller wahrer Trost im Leide ruht in dir, o Jesu Christ! du, nur du allein giebst Freude, die ganz rein und lauter ist. Ach, wie sehn' ich mich nach dir! Eile, Jesu! komm zu mir. Jesu, komm, laß dich erblicken! Du nur kannst mein Herz erquicken. 4. Herz, sey froh! du bist erhöret; Jesus zieht bey dir auch ein. Zu dir ist sein Gang gekehret. Auf! heiß' ihn willkommen seyn! Er verspricht dir Heil und Ruh'. Auf, bereite dich ihm zu, öffne dein Gemüth und Seele, daß er dich zur Wohnung wähle. 5. Wohl dir, daß dich Jesus liebet! Sprich, was nun dir schaden kann? Was du Böses selbst verůbet, das sieht Gott nun nicht mehr an. Auch wird, was sich in der Welt Böses dir entgegenstellt, statt dich in den Staub zu legen, dir nun lauter Glück und Segen. 6. Ja, selbst das dient dir zum Heile, was die Sünder schreckt und qualt; denn du hast zum besten Theile, deinen Jesus, dir erwählt. Sey ihm, wie er dir ist, treu, und es bleibet fest daben, daß du mit den Engeln droben Ihn dort ewig werdest loben. P. Gerhard. 18. December. 353. Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle 622 Thaler sollen erhöhet werden 2c. Jef. 40, 3. 2c. Matth. 3, 3. Sich, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet. Mal. 3, 1. Der Herr fordert uns auf, daß wir ihm den Weg zubereiten sollen, und verheißt zugleich, daß er seinen Engel senden wolle, der ihm den Weg bereiten werde. Darum sind wir es nicht allein, die es thun, darum sollen wir auch nicht verzagen, und sagen: Wie kann ich Gott, dem Höchsten, den Weg bereiten? Wolle du nur; laß es dir nur recht seyn, daß der Herr auch zu dir in dein Herz komme. Gieb nur dein Herz dazu her; verlange nur nach ihm; gieb nur Abschied den bisherigen Inwohnern deines Herzens, dem Stolze, der Verzagtheit, der Kålte und Trägheit 2c. wolle nur, weil der Herr will; gieb dich nur her; der Herr wird dir seinen Engel, seine vorlaufende Gnade der Bußfertigkeit, die Kraft zur Sinnesänderung, entgegensenden, die dem Herrn alle Fußsteige ebnet, und die schönste Bahn in dein Herz macht. Der Herr giebt auch das, was er von uns fordert, was er bey seiner Zukunft ins Herz bey uns voraussetzt. Wenn er sagt: bereite mir den Weg, daß ich zu dir kommen kann, so heißt dieß, laß mich den Weg in dein Herz bereiten; laß mich kommen zu dir, thu' mir auf, wenn ich anklopfe: höre meine Stimme, wenn ich dir rufe; lauf' mir nicht aus dem Wege; vertritt mir nicht den Weg; kehre dich nicht von mir weg, wenn ich mich zu dir kehre. Sey nicht satt in dir selber, vertraue nicht auf deine Tugend und Kraft; denn das ist ein Berg im Wege; der muß abgetragen werden. Verzage nicht an meiner Güte und Gnade; denn das ist ein Thal, das mit Vertrauen zu mir ausgefüllt werden muß. Suche nicht dich selbst, oder Ehre, Lust, und was immer für andere Dinge, neben mir; denn das sind krumme Wege, die müssen gerade 623 werden durch die reine Absicht, mir zu gefallen. Alle hockerichte Vorurtheile sollen eben werden, und in die reinste Sehnsucht, und in die Begierde, mit mir Eins zu werden, sich verwandeln. Mel. 100. Kommt, Brüder, laßt uns gehen. Oder: Aus meines Herzens Grunde. 1. Mit Ernst, ihr Menschenkinder! macht euer Herz bereit! Es kommt das Heil der Sünder, der Herr der Herrlichkeit! Er kommt aus seinem Thron ins Elend gern hernieder, wird Einer unsrer Brüder, Er, Gottes ein'ger Sohn. 2. Er dürstet voll Verlangen, zu euch auch sich zu nahn, ihn würdig zu empfangen, macht eilig ebne Bahn. Der erst im Fleisch erschien; seht, der will nicht verschmähen, zu euch auch einzugeben; drum auf, empfanget ihn! 3. Die ihr gerecht euch dünket, legt euren Dunkel ab. Die ihr euch blähet, sinket von eurem Stolz herab! Die ihr um Gnade fleht, wißt, daß ihr hier sie findet; denn wer sein Nichts empfindet, der wird von ihm erhöht. 4. Ein Herz, das Demuth übet, ist ihm vor allem werth; da der, der Hochmuth liebet, einst Zorn und Angst erfährt. Ein Herz, das reuig ist, glaubt und sein Fleisch bestreitet, das hat sich recht bereitet; zu dem kommt Jesus Christ. 5. Doch, was vermag ich Schwacher! ich Sünder, ohne dich? Mein Hirt, mein Seligmacher, bereite selber mich! Schon seufzt mein Herz nach dir! Schon jauchz' ich dir entgegen! Komm, komm mit deinem Segen, und wohne stets in mir! 6. Da du dich uns gegeben, möcht' ich dir dankbar seyn; möcht' einzig dir nur leben, ach, zeuch in mich hinein. O Herr, Gott! mach' auch mich zu deines Kindes Krippen, so preisen meine Lippe, so lieb' ich ewig dich! * Val. Thilo. 19. December. 354. Jesus Christus, gestern, heute und in Ewigkeit derselbe. Lasset euch nicht von mancherley und fremden Lehren umbertreiben, das Beste ist, das Herz mit Gnade zu stärken. Hebr. 13,8. 9. Der Herr bleibet in Ewigkeit. Pf. 19, 10. Die Gnade des Herrn währet( und waltet) von 6240 Ewigkeit zu Ewigkeit über die, so ihn fürch. ten. Pf. 103, 17. und 117, 2. Der Unglaube stüßt sich immer auf den Sandgrund: Es ist jetzt nicht mehr, wie vor Zeiten; Gott thut jetzt nicht mehr die Wunder, und offenbaret sich nicht mehr so, wie vor Alters. Er mußte aber aufgehört haben Gott, Heiland, Erlöser und Vater der Menschen zu seyn, müßte seine Natur und sein Wesen verändert haben, der Unveränderliche, wenn dies wahr wäre. Habe du nur den Glauben, die Gottesfurcht der Alten, so hast und erfährst du den alten Gott. Alle seine Verheißungen in der Bibel gehen auf ewige Zeiten, auf alle Tage, bis ans Ende. Matth. 28, 20. Sein Name bleibt ewiglich, so lange Sonne und Mond währet fein Name wird auf die Nachkommen reichen. Pf. 72, 17. Alle Geschlech ter der Erde sollen in ihm gesegnet werden. 1 Mos.12,3. Zu allen Zeiten, in allen Jahrhunderten, aller Orten und Enden ist und bleibt er derselbe, und thut dieselben Wunder, erweiset dieselben Gnaden, wenn nur Empfånglichkeit, Aufnahme, Glaube da ist. Wer nicht denselben Gott, wie die Alten, hat, der hat nicht denselben Glauben, der ist abgefallen vom lebendigen Gott. Wer nicht denselben Christus hat und erfährt, wie die Apostel und ersten Christen, der hat nicht denselben Glauben, wie sie ihn hatten, der ist abgefallen vom christlichen, apostoli schen Glauben. Christus ist nie gewesen, wie wir von ihm lesen im Evangelio, oder er ist noch derselbe, und bleibet es in Ewigkeit. Warum hat er in seiner Vaterstadt nicht so viele Wunder gewirkt, als in Judåa? Um ihres Un glaubens willen. Matth. 13, 58. Warum scheint er unserm Jahrhundert nicht mehr derselbe? Um seines Unglaubens willen. Glaube, wie Paulus; liebe, wie Johannes; so hast du den Christus des Paulus, des Johannes. Mel. 8. Ruft getrost, ihr Wächterstimmen. 1. Jesus Christus ist noch heute, gestern, ewig unser Ruhm! Dankt dem Herrn, ihr Gottes- Knechte! er hält seinen Bund - 625 und Rechte seinem Volk und Eigenthum. Jesus Christus, gestern, heute, ewig, ewig unser Ruhm. 2. Sprich nicht, Gott thut dieser Seiten nicht mehr, wie es vormals war. Gott, der Gott der Ewigkeiten, macht jetzt seine Heimlichkeiten so, wie ehmals, offenbar. Sprich nicht zc. 3. Gott bleibt Gott, bleibt stets derselbe; ruf ihn an, ring', bet' und wach'. Schwächer sind nicht seine Hände, seine Güte hat kein Ende. Er ist gnådig vor wie nach. Gott bleibt Gott zc. 4. Er ist heute wie vor Jahren; er macht uns von Allem frey. Mit ihm muß es uns gelingen; halte dich in allen Dingen nur an seine Macht und Treu'. Er ist heute zc. > 5. Auf, ihr Menschen- Kinder, glaubet, wer nicht glaubt, der bleibt im Tod. Wer sich nicht zu ihm bekehret, wer nicht thut, was er gelehret, der entfernet sich von Gott. Auf, ihr Menschen- Kinder zc. 6. Auf, ihr Knechte Gottes, wecket, weckt die Welt, denn sie ist todt. Der geht irr', der geht zurücke, und verscherzt sein ewig's Glücke, der ihn nicht erkennt für Gott. Auf, ihr zc. 7. Weift die Schafe zu den Hirten, denn er nimmt Verlorne an. Die nur, die auf ihn stets schauen, ihm von ganzem Hers zen trauen, gehen auf der rechten Bahn. Weis't die Schafe zc. 20. December. Selig sind, die zum Hochzeitmahle des Lammes berufen sind. Offenb. 19, 9. Sreund! wie bist du herein gekommen, da du kein HochzeitEleid anhaft: Matth. 22, 12. 355. Die Hochzeit des Lammes wird herrlich beschrieben Offenb. 19. Was für ein Jauchzen und Freudengeschrey wird da gehört( v. 6. 7.), wie die Stimme einer großen Schaar, wie das Rauschen vieler Wasser, wie das Rollen starker Donner ertönte es: Lasset uns freuen und frohlocken; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, feine Braut ist geschmückt zur Hochzeit und wie geschmückt! in glänzender Seide, eine Seide, nicht vom Seidenwurm doch auch vom Baume, und von einem, der sie am Holze des Kreuzes würkte, und sprach: Ich bin ein Wurm und kein Mensch; in dessen Seide, in dessen Rr - 626 Gerechtigkeit gekleidet, erscheinet die Braut bey seinem Hochzeitmahle. Sie wird ihr gegeben; und sie nimmt sie und zieht sie an, und erscheinet in seinem Schmucke. Wie herrlich wird die Braut des Lammes da stehen! Wie selig, wer dazu berufen ist, und wer dabey erscheinen wird in der glänzenden Seide seiner Gerechtigkeit, im Hochzeitkleide! Denn der Schmaroßer Matth. 22., der kein Hochzeitkleid anhatte, und deswegen wieder hinausge worfen ward, ist ohne Zweifel der Patron derer, die sich die Gerechtigkeit Christi nur so zurechnen, ohne sie anzuziehen und in ihrem glänzenden Schmucke wirklich zu erscheinen. Wenn es heißt: Und es ward der Braut gegeben, daß sie sich kleide in glänzender Seide; die Seide aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen, so ist beides wohl zu merken: Erstens, das dieses Kleid gegeben, geschenkt, umsonst dargereicht werden muß, daß es sich kein Mensch selber aus eignen Kräften weben kann; und zweitens, daß aber die Heiligen es annehmen, sich zueignen, anziehen und darin wandeln; darum heißt dann die Gerechtigkeit Christi auch die Gerechtigkeit der Heiligen, weil sie Jesum Christum, seinen Sinn und Geist ange zogen, sich eigen gemacht haben, und weil das ihr eifri ges Streben und Wesen auf Erden ist, daß sie sich stets mit dieser Seide der Braut des Lammes schmücken auf den Tag des Bräutigams, um ihm zu gefallen. Mel. 111. Wie groß ist des Allmächtgen Güte. 1. So bin ich nun kein Kind der Erden, kein Bürger dieser Eitelkeit; mein Hierseyn soll nicht eroig werden; ich walle eilend durch die Zeit. Mein Vaterland ist in der Höhe, wo mein ges liebter Abba wohnt, und wo ich meinen Bruder sehe, der als Monarche herrscht und thront. 2. Ich bin dazu geschaffen worden, ich bin dazu mit Blut erkauft; ich bin zum Himmelsbürger- Orden, zur Braut des Kóniges getauft. Der Geist, der mich aus Gott gezeuget, macht meinen Geist gewiß und fest, daß auch bey allem, was mich beuget, mein Glaube mich nicht zweifeln läßt. 3. Nur Eines liegt mir an der Seele, und macht mein Herze 627 forgenvoll, daß mir der rechte Schmuck nicht fehle, wenn ich zur Hochzeit kommen soll. Ich weiß, in meines Königs Augen kann nur ein losgemachter Geist, ein ausgeleertes Herze taugen, das alles andre Schaden heißt. 4. Ein Glaube, der nur ihn erwählet, der still in seinen Wunden ruht, der uns mit heißer Lieb' beseelet, der seinen Willen kindlich thut; der ihn bis an das Kreuz begleitet, der gerne ſeine Dornen trägt; der tapfer um die Krone streitet, so oft die Welt sich in uns regt. 5. Dies ist die Zierde seiner Tauben; so siehet seine Fromme aus; den Glauben kann ihr niemand rauben, er wächst vielmehr bey Kampf und Strauß. Stellt sie sich dann in dem Geschmeide dem König auch gleich thrånend für; so ist sie dennoch seine Freude; er reicht den Liebes- Zepter ihr. 6. Nun, Bräutigam, du wirst wohl wissen, wie viel mir noch hieran gebricht; mein Auge ist voll Finsternissen, ich Urmer kenn' mich selber nicht. 3um wenigsten ist viel Verlangen in mir durch deinen Geist erweckt, mein Lamm, dir einzig anzuhangen, bis meinen Leib die Erde deckt. 7. Was ich nicht hab', das kannst du geben, was ich nicht bin, das bist du mir. Nimm hin mein Herz, es zu beleben, ich überlass es gånzlich dir. Erfülle mich mit Glaub' und Liebe, und bild' mich ganz nach deinem Bild. Entzünde mich mit heißem Triebe, zu leiden, wenn du's haben willt. 8. So komm' ich dir geschmückt entgegen; du nahst in Licbe dich zu mir, mir Kron' und Purpur anzulegen, du öffnest mir die Himmelsthur. Wann werd' ich dich, mein Lamm, umfangen? Und wann, ach wann umarmst du mich? Laß mich fein bald dazu gelangen; dann lob' und lieb' ich ewig dich. 21. December. 356. Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Sinsterniß bleibe. Joh. 12, 46. Denn es ist die Gnade( Güte und Leutseligkeit) Gottes, unfers Zeilandes, allen Menschen erschienen. Tit. 2, 11. u. 3, 4. Seine Geburt war wie die aufgehende Sonne für eine in Nacht und Finsterniß begrabene Welt. Ja, et Rr2 628 ist der Aufgang aus der Höhe, Luc. 1, 78. der uns besucht hat im Schatten des Todes. In Ihm war das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen. Joh. 1, 4. Darum rufen die Apostel so freudig: Und das Leben ist erschienen, wir haben es gesehen, und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches beim Vater war, und uns erschienen ist. 1 Joh. 1, 2. Dieses Leben, dieses Licht ist voll Gnade und Wahrheit, Joh. 1, 14., voll Gúte und Menschenfreundlichkeit. Welch eine Nacht war also die Nacht der Geburt Christi. Da hat die hellste Sonne geleuchtet. Nicht umsonst ward Christus in einer Nacht geboren. Da sollst du sehen, daß mit ihm das Licht in die Nacht dieser Welt herein geboren wurde; daß alles lauter Finsterniß und schwarze Nacht ist in allen Menschen, wenn nicht Christus, das Licht der Welt, in ihnen aufgeht und geboren wird. Wer dieses Lebenslicht nicht hat, ist und bleibet todt und fins ster in Ewigkeit. Ein todtes Licht hilft den Todten nichts. Ein lebendiges, belebendes Licht mußten alle, und müssen wir haben. Dieses Licht verlöscht nicht, wenn alle Lichter des Himmels und der Erde verldschen. Es ist aber erschienen, daß es dir leuchte, und du dich von ihm erleuchten låssest, daß du in seinem Lichte wandelst. Denn wenn du jetzt noch in der Finsterniß wandelst, und die Werke der Finsterniß liebst, so gehörest du zu den Kindern der Nacht und des Todes, die die Finsterniß mehr lieben, als das Licht. Mel. 85. Wer nur den lieben Gott. 1. Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit. Und dieses Welt- und Himmels- Licht weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele! versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein. Er treibet weg der Höllen Macht, der Sün den und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Se 629 ligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles seyn. 4. Laß nur indessen helle scheinen dein Glaubens- und dein Lebenslicht. Mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst hi ft dir diese Sonne nicht. Willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel seyn. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachts- Sonne, bestrahle mich mit deiner Gunst; dein Licht sen meine Weihnachts- Wonne, und lehre mich die Weihnachts- Kunst, wie ich im Lichte wandeln soll, und sey des Weihnachts- Glanzes voll. C. F. Nachtenhöfer. 22. December. 357. Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben hingebe zum Lösegeld für Viele. Matth. 20, 28. Damit er uns erlöfete von aller Ungerechtigkeit, und uns reinigte zum Volke des Eigenthums, das eifrig wäre in guten WerEen. Tit. 2, 14. Er hat wahrhaftig Knechts- Gestalt angenommen, er, der in Gottes Gestalt, göttlicher Natur war, den als le Engel Gottes anbeteten und bereit standen, alle seine Winke blitzschnell zu befolgen der erscheinet auf Erden, ein Knecht der Menschen zu werden, und sich ganz zum Dienste der Menschen hinzugeben. Man sahe auch gar keine äußere Herrlichkeit an ihm, so lange er auf Erden wandelte. Er war der Allerverachtetste und Geringste. Er hat sich, obwohl er der Herr aller Herren war, selbst in die Gefangenschaft begeben, um die Knechte aus ihrer Gefangenschaft zu erlösen. Wenn das ein Mensch, der ein Herr genannt wird, für seine Knechte thåte, so würde man es bewundern, und es wäre doch nichts gegen das, was Gottes Sohn an uns gethan hat. Denn er ist nicht für Seinesgleichen Knecht geworden, - 630 sondern, der Schöpfer für seine Kreaturen, ja für gefallene, treulose, fündige und gottlose Kreaturen. Da stelle dich nun hin vor die Krippe des Herrn, und betrachte ihn in Beziehung auf dich selbst. Sieh, liebe Seele, der Gott des Himmels und der Erden liegt für dich und um deinetwillen in Knechts- Gestalt in solcher Armuth und Niedrigkeit, mit Windeln gebunden, als ein ohnmächtiges Kind. Um deinetwillen diente er wie ein Knecht drey und dreyßig Jahre auf Erden, um dich von der Knechtschaft frey zu machen. Und du willst dich ihm, da er nun über alles erhaben ist, und alle Gewalt im Himmel und auf Erden in seiner Hand hat, doch nicht vollkommen ergeben? willst es nicht für die höchste Ehre halten, diesem Herrn zu dienen, der für dich so lange Knecht gewesen ist? Bedenke dieses wohl! mel. 63. Jeju, den ich meine. 1. Den die Engel droben mit Gesången loben, dem sie ewig dienen, der ist uns erschienen, uns als Knecht zu dienen, ist er uns erschienen, uns von allem Bösen durch sein Blut zu lösen. 2. Er, der Gott der Ehren, läßt sich winselnd hören, weil ihn meine Sünden in der Krippe binden. Jesu, lieber Meister! Urquell aller Geister! gieb, daß ich dich kenne, und dich Bruder nenne! 3. Niemand kann dich finden wegen seiner Sünden. Aller Menschen Leben ist der Welt ergeben. Gieb uns erst das Wollen, wenn wir kommen sollen, zeuch' uns dir entgegen, daß wir kommen mögen! 4. Hunderttausend Sünden wirst du bey mir finden. Gift und Eiterbeulen kriegst du da zu heilen. Mich von meinen Ketten gånzlich zu erretten, mußt du in der Wiegen angefesselt liegen. 5. Kommt, ihr Engel, schauet, was mir Gott vertrauet! Mir, mir, mir zu Gute, wohnet Gott im Blute. Den ich angefein det, der wird mir befreundet, der wird mein Bekannter und mein Blutsverwandter. 6. Das ist meine Freude in dem größten Leide; denn auf diesem Kinde lieget meine Sünde. Wenn ich dich nur habe, o du Wunderknabe; alle Teufel sollen nichts mehr an mir wol len. * Ziegler. 631 23. December. 358. Siche, du wirst empfangen in deinem Leibe und einen Sohn gebåren- Dieser wird groß seyn, und der Sohn des höchsten genannt werden. Luc. 1, 31. 32. Und das Wort ist Sleisch geworden, und hat unter uns gewohnet. Joh. 1, 14. Ründlich groß ist das Ge heimniß, Gott geoffenbaret im Sleisch. 1 Tim. 3, 16. Darum schämt er sich auch nicht, uns seine Brüder zu nennen. Hebr. 1, 11. Denn da die Kinder, die er dem Vater zuführen wollte, Fleisch und Blut hatten, wollte er's gleichfalls annehmen, Hebr. 1, 14. um sie davon zu erlösen. Seine Liebe hat ihn getrieben, Alles mit uns gemein zu haben, nur die Sünde ausgenommen. Es ist ein nie genug zu bewunderndes und anbetungswürdiges Geheimniß: ,, Das Wort ist Fleisch geworden," ein Wort, bey dem die Alten, so oft sie es aussprachen, ihren Hut gezogen, und ihre Kniee gebeugt haben. Willst du dieses nicht thun, so beuge sich doch dein Herz. Wir waren ja nie zu Gott gekommen, wenn Gott nicht zu uns gekommen wåre. Wir lagen zu tief im Verder= Gott mußte von seiner Höhe herabsteigen; keine andere Hand reichte so tief herab; keine Macht, keine iebe war so groß, uns aufzuhelfen. Nun aber ist unser Glück unaussprechlich, und schon der Gedanke, Gott ein Mensch! Gott im Fleische! sollte uns über alles erheben und unsre Seele ganz glücklich machen. Allein, Christus außer uns, im Fleische geoffenbaret, kann uns doch nicht seyn, was er uns seyn soll und seyn will: er muß in unserm Fleische, d. h. in uns offenbar werden. Das hat er auch Joh. 14, 21. 23. jedem verheißen. Davon spricht auch Paulus, als von einer unter den Christen bekannten Sache: da Gott seinen Sohn in mir ben. 632 offenbarte 2c. Gal. 1, 16. So unbekannt diese Wahrheit jetzt werden will, so bleibt sie doch die unentbehrlichste, so daß unmöglich ein Mensch Gott gefallen kann, wenn er nicht in Christo, und Christus in ihm offenbaret ist. Mel. 30. Wort aus Gottes. Oder: Jesu, meine Freude. 1. Gottes Sohn ist kommen! Dankt ihm, seine Frommen, dankt ihm, daß er kam; daß er hier auf Erden, unser Heil zu werden, seine Wohnung nahm! Mensch, wie wir, erschien er hier; der zur Schöpfung sprach: Entstehe! Der einst spricht: Vergehe! 2. Laßt uns niederfallen, danken, daß er Allen Freund und Bruder ist! Gott auf seinem Throne, liebt uns in dem Sohne, Bruder, Jesu Chrift! Welch ein Heil, am Sohne Theil, Theil durch seiner Zukunft Gaben an Gott selbst zu haben. 3. Keine Macht der Leiden kann von ihm uns scheiden; Er bleibt ewig treu! Dort wird er vom Bösen gånzlich uns erlösen, hier steht er uns bey. Unser Freund, mit Gott vereint, kann nicht seine Brüder hassen, noch sie hülflos lassen. 4. Wann wir einst ermüden, führt er uns im Frieden in des Grabes Nacht. Unsre todten Glieder giebt die Erde wieder ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, er, der selbst den Tod einst schmeckte, den das Grab bedeckte. 5. Auf dem Richterthrone werden wir im Sohne unsern Bruder schau'n. Heil und ewig's Leben wird er allen geben, die noch dann ihm trau'n. Er ward hier versucht, wie wir. Ueberschwenglich wird er lohnen, und der Schwachheit schonen. 6. Eilet, eilt ihr Sünder! werdet Gottes Kinder! werdet Seiner werth! Eilet, eilt ihr Frommen! Seyd, wie er, vollkommen! bleibet Seiner werth! Preiset ihn, daß er erschien, daß er sich für euch gegeben, durch ein göttlich Leben! Münter. 359. Christ nach t. 24. December. Denn da dies dem Gesetze unmöglich war, weil es durch's Sleisch geschwächt war, so hat 633 Gott seinen Sohn gesandt in der Gestalt des sündlichen Sleisches- damit die vom Gesetze erforderte Gerechtigkeit in uns erfüllet würde, indem wir nicht nach dem Sleische, sondern nach dem Geiste wandeln. Rom. 8, 3. 4. Nichts Gutes war von uns zu erwarten, ehe er kam; aber nun erwartet Gott alles von uns, nachdem er uns seinen Sohn, und durch ihn Alles geschenket hat. Er erwartet also doch nicht mehr, sondern nur so viel, als er gegeben hat.- Jesu Bild und Wesen soll in uns ausgebildet, und wir ihm gleichförmig werden. Dazu ist er uns gegeben. Wer ihn nicht dazu braucht, dem wird genommen, was er hat, oder zu haben scheint. Jesus will sich oder sein Bild und Wesen selbst uns eindrücken, will in uns geboren werden, wachsen und das vollkommne Manns- Alter erreichen. Ephes. 4, 13. Die wenigsten Menschen wissen, wozu ihnen Jesus gegeben ist, was er ihnen seyn will, soll und kann. Wer es erkennet, der kann die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes nicht genug bewundern, der wendet allen Fleiß an, diesen Zweck und die liebenswürdige Absicht Gottes zu erreichen. Der Vater hat seinen Sohn so lieb, daß er in allen Menschen Abdrücke von ihm, fein Bild in ihnen und aus ihnen hervorstrahlen lassen möchte. Es kann ihm und wird ihm in Ewigkeit kein Mensch gefallen, in welchem er nicht Jesum, seinen Sohn, sein Bild und Wesen erblickt. Weißt du nun, mein Lieber! wozu du da bist? was du für eine Aufgabe haft? Es ist Zeit, daß du dazu thust, Jesum in dein Herz, in deinen Sinn und in dein ganzes Wesen aufzunehmen, sonst wird er dir wiedergenommen, wie dem faulen Knecht sein Pfund. mel. 119. Gott, unser Gott, wir danken. Oder: Wie schön leucht't uns der. 1. O Jesu, göttlich Wunderkind, das mir mein ganzes Herz entzünd't, du wollst mich nicht verschmähen; ich setz' mich sanft in stillem Sinn, im Geist zu deiner Krippe hin, und will dich 634 recht beschen. Laß dein Auge mich anblicken, in mich drücken deine Klarheit und dein Kinderbild in Wahrheit. 2. O Unschuld, mehr als engelrein, du läßt kein Sonnenstäubchen ein, o Spiegel ohne Flecken. Du kleines Lamm nichts Arges denkst, bist allen hold und niemand krånkst, und mußt den Tod doch schmecken. Jesu, wie du, laß mich werden noch auf Erden, fremd dem Bösen, rein, unschuldig sey mein Wesen. 3. Du großer Schöpfer aller Ding', liegst da so klein und ganz gering, o aller Demuth Wunder! Du håltst verborgen deinen Schein, und willst veracht't und niedrig seyn, wie läſſ'ſt du dich herunter! Jesu, wie du, laß mich werden noch auf Erden, daß ich gerne von dir deine Demuth lerne! 4. Dein Herz ist voller Gütigkeit, ich kann die süße Freundlichkeit aus deinen Augen lesen. Holdselig du dich allen zeigst, und allen deine Gnade reichst, du sanftes Kinderwesen! Jesu, wie du, laß mich werden, noch auf Erden, allen gütig, ganz gebrochen und sanftmüthig. 5. Da liegst du so veracht't und schlecht, bist Gottes Sohn und wirst ein Knecht, von einer Magd geboren. Die Hoheit, Ehr' und Herrlichkeit verleugnest du als Eitelkeit, hast lieber Schmach erkohren; Jesu, wie du, laß mich werden, noch auf Erden und begehren lieber Schmach, als Lob und Ehren. 6. Du bist wohl recht ein Leidenskind, jetzt büßest du schon meine Sünd', es zeigen's deine Thrånen. Du willst schon früh im Leiden seyn, und willig dich zu Kreuz und Pein, von Mutterleib gewöhnen. Jesu, wie du, laß mich werden noch auf Erden; wollst mir eben solchen Leidenssinn auch geben. 7. Du schönes, liebes Engelein, ich müßt' ein harter Felsen seyn, wenn ich dich nicht sollt' lieben. Was an dir ist, ist liebenswerth, du bist es, den mein Herz begehrt, es sey dir ganz verschrieben. Sesu, nur du bist's alleine, den ich meine, laß auf Erden mich dein liebes Kind noch werden. 8. Mein Jesu, ich umarme dich, komm, drůck' dein Kinderbild in mich, laß mich dir ähnlich werden; ein klein unschuldig Kindlein seyn, so geh' ich in den Himmel ein, noch weil ich leb' auf Erden; lebe, schwebe, abgeschieden, still im Frieden, werd' auch droben dich in Unschuld ewig loben. G. T. St. 360. Der heilige Christtag. 25. December. Und sie gebar ihren erstgebornen Sohn, wits 635 kelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, weil in der Zerberge sonst kein Platz für sie übrig war. Luc. 2, 7. Wer sich nun demüthiget, wie dieses Kind, der ist der Größte im Zimmelreich. Matth. 18, 4. Der den Geringen aufrichtet aus dem Staube, und erhöhet den Armen aus dem Roth. Pf. 113, 7. Gottes Eingeborner wird der Erstgeborne einer armen Jungfrau, liegt im Stalle, in einer Krippe, in schlechte Windeln gewickelt, der den Himmel ausbreitet wie einen Teppich, der das Meer und alle Enden der Erde wie mit einer Spanne umfaßt. Welche Größe! welche Kleinheit! Gottes Sohn in Windeln!- Da sehen wir ja, was Gott will. Hat Er auch seinen Sohn, wie sie sagen, nur zum Beispiel und Vorbild in die Welt gesandt: nun, so kommt her da, und sehet, welch ein Beispiel in der Krippe liegt; kommt her, und lernet von diesem Vorbilde der Gottheit Demuth und Kleinheit. Lernet hier euren Stolz, Hochmuth, Eigendůnkel, Ehrgeiz, Ruhmbegierde, Selbstgefälligkeit und all das hochherfahrende Wesen ablegen und diesem Kindlein zum Opfer bringen. Der Schöpfer Himmels und der Erde hat kaum ein Plätzchen, wo er geboren werden kann, und eurem breiten und dicken Stolze ist die Welt zu enge, und nirgends Raum genug, euch auszubreiten und groß machen zu können, wie ihr gerne wolltet. Nun, so sey es, Jesus sey blos euer Beispiel! Lasset es ihn doch seyn, werdet so klein, wie er, dann werdet ihr die Größten im Himmelreiche. Versuchet es nur einmal, so werdet ihr bald finden, daß er euch noch mehr werden und seyn muß, daß ihr ohne ihn das Kleinste, das Kleinwerden, nicht einmal vermöget; wie wollt ihr denn groß werden?! Fanget erst beym 2, beim Kleinwerden an, wie Jesus. Werdet geringe in euren Augen, arm im Geiste, so wird sich dieses kleine, arme Kindlein euch ins Herz legen; 636 wird euch erheben aus eurem Staube und Koth, wird euch groß machen. Denn was ist eure stolze Einbildung und Hoffart anders, als Staub und Koth? Weg damit, zum Kindlein hin! Betrachtet es recht; ergebet euch ihm, so wird etwas aus euch sonst ewig nichts. mel. 29. Sier legt metn Sinn sich. 1. Da liegt das Kindlein in der Krippe. Noch schweigt des Himmels Kindes Lippe. Sein Wesen mir doch sagen will: wårest du so rein und still! = 2. Gott nahm die Menschheit an auf Erden, und mußte erst ein Kindlein werden; denn's kann durch Kindlichkeit allein der Mensch mit Gott vereinigt seyn. 3. Ein sanftes, stilles Kinderwesen, die Schönheit hat sich Gott erlesen. Ein unverstellter Einfalts- Sinn führt uns zur ersten Unschuld hin. 4. Wer sich vom Geist dahin läßt ziehen, wird einst im Garten Gottes blühen, wie Blümchen in dem Paradies. Du, lieber Leser, merke dies! * G. T. St. 26. December. 361. Und dies sey cuch das Zeichen, ihr werdet ein Rind finden in Windeln eingewickelt und in der Krippe liegend.- Und sie kamen eilend, und fanden Maria und Joseph, und das Kind in der Krippe liegend. Luc. 2, 12. 16. Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Jef. 9, 6. - Ach, daß sich Gott erbarme! Gottes Sohn in Windeln eingewickelt und in welchen armen, schlechten Windeln in einer Krippe! Ach, daß sich Gott erbarme! werden die guten Hirten gedacht haben, da sie das Kindlein sahen. Und dies sollte das Zeichen seyn, an wel chem sie den Sohn Gottes, den Messias, erkennen muß ten. An dieses Zeichen haben gewiß alle Zeichendeuter in ganz Israel nicht gedacht. Aber die armen Hirten wußten es jetzt, denn der Herr hat es ihnen zur rechten - — 637 Stunde noch gesagt. Sen nur fromm und treu deinem Herrn, das Zeichen wird er dir schon sagen. Berbrich dir den Kopf nicht- zerbrich dein Herz, und bereite dem Kindlein eine Wohnung, eine Krippe und Windeln; es wird schon kommen, und wird dir schon sagen, wie? und wann? Ich glaube es gerne, daß sich die ganze Welt nicht in Gottes Wege, in die Windeln, in einen Heiland in Windeln dargeboten, finden kann; er geht ja gerade lauter solche Wege, die aller Welt entgegen und zuwider sind. Und wer sich in ihn finden will, muß der Welt und ihrem Sinn und Wesen ganz den Rücken kehren, oder er ärgert sich an Gott und Jesu alle Augenblicke. Komm, mein Lieber! wir wollen uns an die Welt nicht kehren, laß sie, komm zur Krippe, und årgere dich an den schlechten Windeln nicht, an der Krippe, am Stalle nicht. Siehe auf das, was drinnen liegt. Was hilft dir ein goldnes Haus, wenn Fledermäuse oder Raubvögel darin wohnen. Ziere und verziere dich nicht nach der Welt Art, bilde dich nicht nach der Menschen Sitte; sondern so, wie es Gott will, rein und klein, arm und gering, so legt dir Gott seinen Sohn ins Herz; und du hast genug. Mel.20. Jesu, deiner zu gedenken Oder: In den ersten Gna: dentagen. 1. O du wundervoller Knabe, Kind des Himmels, Segensgabe, wenn ich dich im Herzen habe, hab' ich ewiglich genug. 2. Sehnlich will ich nach dir blicken, fest an meine Brust dich drücken, freundlich dir die Wohnung schmücken; komm herein, veracht' sie nicht. 3. Nein, du wirst mich nicht verschmähen, noch mein Haus vorübergehen; schon verspür' ich's Friedenswehen, Kindlein, deine Gegenwart. 4. Selig's, innres Festgeläute ladet mich zur Feier heute, da als Heiland sünd'ger Leute, als mein Heiland du erscheinst. 5. O, daß doch der Geist der Liebe mir's mit Flammengriffeln schriebe tief ins Herz! daß meine Triebe alle dir erglüheten! v. A. 638 27. December. 362. Abraham war froh, daß er meinen Tag sehen follte, und er sahe ihn und freuete sich. Joh.8, 56. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns freuen und fröhlich seyn darinnen. Pf. 118, 24. In denselbigen Tagen will ich dem David ein gerecht Gewächs aufgehen lassen, und soll ein König seyn, der wohl regieren wird, und soll Recht und Gerechtigkeit anrichten auf Erden. Jer. 33, 15. Alle Propheten haben von diesem Tage verkündigt. Apg. 3, 24. Wie lange voraus hat sich Abraham auf die Menschwerdung des Sohnes Gottes gefreuet, und wir sollten uns nicht freuen? nachdem wir die Geschichte wissen, und die Gnade derselben an unsern Herzen erfahren können. Wie war das ganze Alte Testament darauf gespannt, wie streckten sie alle ihre Hålse, wie hoben sie alle ihre Häupter in die Höhe, und schauten nach diesem Tage hin, ob er nicht bald komme! Und so viele Christen, denen der Tag erschienen ist, freuen sich nicht! Doch, wer da weiß und genießet, was ihm dieser Tag der Geburt des Herrn gebracht hat, der kann sich der Freude nicht ers wehren. Das gerechte Gewächs, das Jesaia ankündigt, ist aufgegangen; der Baum des Lebens steht da, in den wir uns alle einpfropfen lassen können, in ihm gerecht und selig zu werden, und zur göttlichen Größe heran zu wachsen. Der König ist da, der wohl regiert, der Recht und Gerechtigkeit anrichtet in allen, die sich ihm als freiwillige Unterthanen unterwerfen und sich ihm ergeben, denn er zwingt niemand in sein Reich. Er ruft zwar mit Freundlichkeit, und macht uns die allergrößten Vers heißungen; aber wer sich dadurch nicht ziehen läßt, den beweint er, und trågt ihn so lange wie möglich mit Ge 639 duld. des göttlichen Königes! O des herrlichen Tas ges, der uns diesen König gebracht hat! Doch weißt du auch den Tag, wo er dir geboren, wo er dein König geworden ist? Mel. 22. Es kam die gnadenvolle Nacht. Oder: Die Seele Christi zc. 1. Empor zu Gott, mein Lobgesang, er, dem das Lied der Engel klang, der hohe Freudentag ist da! Lobsinget ihm! Halleluja! 2. Vom Himmel kam in dunkler Nacht, der uns des Lebens Licht gebracht! Nun leuchtet uns ein milder Strahl, wie Morgenroth, im dunklen Thal. 3. Er kam, des Vaters Ebenbild, von schlichtem Pilgerkleid umhüllt, und führet uns mit sanfter Hand, ein treuer Hirt, ins Vaterland. 4. Er, der dort oben herrlich thront, hat unter uns, ein Mensch, gewohnt! Damit auch wir ihm werden gleich auf Er den und im Himmelreich! 5. Einst führet er zur Himmelsbahn uns, seine Brüder, auch hinan! und wandelt unser Pilgerkleid in Sternenglanz und Herrlichkeit. 6. Empor zu Gott, mein Lobgesang! ihm, dem der Engel Lied erklang; der hohe Freudentag ist da! singt heilig! und Krmmcher. Halleluja! 28. December. 363. Ehre sey Gott in der Zöhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! Luc. 2, 14. So sangen Gettes Engel in den Wolken am Tage der Geburt des Erlösers der Welt. So singt nun ewig die erlösete Menschheit; alle Kinder des Friedens, denen wirklich Gnade, Vergebung der Sünden und Friede durch seine Menschwerdung und durch seinen Tod zu Theil geworden ist. So können aber die noch nicht singen, in welchen Christus, unser Friede, Eph. 2, 14. noch nicht geboren ist. Wo die Sünde und Welt noch lebt und herrscht, kann kein Gesang von Friede und Ehre Gottes 640 Statt haben. Denn so lange der Mensch den nicht in fein Herz aufnimmt, den ihm Gott gesandt hat zu seinem Heile, giebt er Gott die Ehre nicht, und so lange giebt ihm Gott den Frieden nicht. Menschenkind! gieb Gott die Ehre, so giebt er dir den Frieden, giebt dir seinen Sohn. Gieb Gott die Ehre, bekenne vor ihm, daß du ein verdammter, verfluchter Sünder bist, für welchen Gottes Sohn vom Himmel hat kommen müssen, um seine Schuld und Sünden zu büßen, ihn zu retten und selig zu machen. Erkenne und bekenne dies mit gebeugtem, zerknirschtem Sinne, und bitte Gott um seinen Sohn, daß du Seiner aus Gnaden theilhaftig wirst- so giebst du Gott die Ehre, und die Engel Gottes singen dann auch über dir diesen Lobgesang. Nun hat Gott seine Ehre: darum Friede diesem Menschen! Gottes Wohlges fallen ruht auf ihm. Was hilft dir sonst der Engelge= sang, wenn in dir noch der Welt- und Sünde- Klang erschallt, wenn immer kein Friede in dir ist? - mel. 61. Jauchzet ihr Simmel, frohl. Oder: Lobe den Ser ren, den macht. 1. Ehre sey Gott in der Höhe! Der Herr ist geboren. Lasset uns singen, o Brüder! uns hat er erkohren, hier schon uns Sein, seiner Erbarmung zu freun. Uns ist der Heiland geboren. 2. Schatten und Dunkel bedeckten den Erdkreis; es irrten Völker umher, wie die Schaafe, verlassen vom Hirten. Jesus erschien! Nächte verschwanden durch ihn, die auch die Weisen verwirrten. 3. Kinder des Vaters, erkohren, ihn liebend zu ehren, haften mit Bitterkeit sich an der Gottheit Altåren. Jesus erschien! und es ward Friede durch ihn. Singt dem Erbarmer zu Ehren! 4. Gnade und Wahrheit entkeimten des Göttlichen Schrits ten; Trost und Erquickung trug er in der Weinenden Hütten; ward ihnen Freund, hatte gleich ihnen geweint, hatte gleich ih nen gelitten. 5. Ehre sey Gott in der Höhe! ein ewiges Leben hat er durch ihn uns, o Preis ihm! durch ihn uns gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, um uns zum Himmel zu heben. 641 6. Selige Aussicht, wenn dort einen Retter ich sehe, ihn mit den Schaaren Vollendeter preisend erhöhe! Danket schon hier, felige Brüder mit mir: Ehre sey Gott in der Höhe! Nmyr. 29. December. 364. Meine Kinder, welche ich abermal mit Aengsten gebåre, bis daß Christus in euch eine Ge stalt gewinne. Gal. 4, 19. Wisset ihr nicht daß unsere Leiber Glieder Christi sind! daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist: darum so preiset Gott an eurem Leibe und Geiste, welche sind Gottes. 1 Kor. 6, 15. 19. 20. - - ― Wozu wäre der heilige Geist in den Herzen der Christen, wenn er nicht Christum in ihnen zeugte und verklärte? Der heilige Geist hat kein ander Umt und Geschäft bey den Menschen, als den neuen Menschen, Jesum Christum, in allen wieder herzustellen, das in uns 21len das Ebenbild Gottes, welches Christus ist, wieder erneuert und verherrlichet werde. Wie Christus im Leibe der Jungfrau Maria durch den heiligen Geist leiblich gestaltet wurde, so muß er in jedem wahren Christen geistlich gestaltet werden. Das war auch der Sinn der Apostel; darauf gingen sie aus, dafür litten fie oft große Angst und Schmerzen, bis endlich Christus in den Gläubigen eine Gestalt gewann; bis sie Jesum ganz angezogen hatten, Jesu gleich gefinnt wa= nicht nur im gewöhnlichen profanen Sinne der Moralisten, einige seiner Gesinnungen annahmen: nein, Christi Sinn und Geist, Christi Leben und Wesen, Natur und Eigenschaften, nicht durch menschliche, eigne Kraft und Kunst, sondern wiedergeboren, von oben durch den heiligen Geist gezeugt, so daß nicht mehr sie lebten, sondern Christus in ihnen. Das ist wahre, ins ren 642 nere Weihnacht, das heißt die Geburt Christi feiern. Wer also das neugeborne Kind in seinem Herzen findet und anbetet, der ist Christi theilhaftig geworden, Hebr. 3, 6., der kann sich der Geburt Christi freuen. Die übrigen wissen nicht, was sie thun; sie feiern das Geburtsfest Christi, wie man den Geburtstag eines Fürsten feiert, oder nicht einmal so, weil Christus sie nicht einmal so nahe anzugehen scheint. mel. 52. Wer Ohren hat. Oder: Befiehl du deine Wege. 1. Drum heißt er ja der Heiland, der ewge Trost und Rath, weil er noch stets, wie weiland, sich allen Sündern naht. Mit seinem Geist und Gaben ist er noch immer hier; man kann ihn immer haben; er steht vor jeder Thür. 2. Den Gottes Magd geboren, den Gottes Magd gesaugt, der wird noch heut' geboren, und immerfort erzeugt. In frommen Menschen Herzen gewinnt er die Gestalt zu Lust und auch zu Schmerzen, mit himmlischer Gewalt.= 3. Das ist das Pfand der Gnade, die uns der Herr geschenkt, die ewge Bundeslade, in die er sich gesenkt. Das ist das ewge Leben, das jeder haben kann, das liebend sich gegeben zur Speise jedermann. 4. Das ist die dritte Weihnacht, wenn er in uns erscheint; das ist die schönste Weihnacht, nach der sein Jünger weint. O komm, o komm, du Liebe! und kehre bey mit ein! Beherrsche meine Triebe! mein ganzes Herz ist dein! 30. December. 365. Simeon nahm das Kind auf seine Arme, und lobte Gott und sprach: un läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, nach deinem Wort. - Meine Augen haben dein Heil gesehen, das du bereitet haft im Angesichte aller Völker, das Licht, das die heiden erleuchten soll, die Zierde des Hauses Israel. Luc. 2, 28-32. Beneide den frommen Simeon nicht denn du kannst Jesum so nahe, ja noch näher haben, als er. Er hatte ihn in den Armen; Jesus will zu dir in dein Herz - 643 kommen, und Ein Geist mit dir werden, in dir leben, wohnen und wandeln. Strecke die Arme deiner Seele, Glaube und Liebe, so nach ihm aus, öffne dein Herz dem neugebornen Heiland, so wie Simeon sich nach ihm sein ganzes Leben hindurch sehnte, auf Ihn, als den Trost Israels, wartete, und keine andre Freude kannte, als Ihn zu sehen, und da er ihn sah, nun gerne starb. Sok che Herzen müssen ihn haben, und haben ihn gewiß. Ist nichts in deinem Innern, als die heißeste Begierde, der brennendste Durst nach Ihm: so ist er gewiß in diesem Durste, so offenbart er sich gewiß deinem sehnenden, durstenden Herzen so, daß dir die Freude, ihn zu besiten über alle Freuden des Lebens geht; und du nun nicht mehr der Welt, nicht mehr dir, nicht mehr der Sünde, sondern nur dem lebst, der sich dir geschenket hat. Ist uns doch allen dieses Kind geboren. Ses. 9, 6. Liegt es doch allen vor Augen in seinem Worte; wird es uns doch durch die Verkündigung des Evangeliums dargeboten und uns ins Herz eingepflanzt. Jak. 1, 21. Ey! so nimm es doch auf deine Arme, so hebe es doch mit Glauben und Liebe aus dem Worte heraus und schließ es in dein Herz ein; denn es kann und wird deine Seele felig machen. mel. 38. toch wallen wir im. Oder: Kommt her zu mir, spricht. 1. Wohl auf, mein Herz, verlaß die Welt, dem, der für dich sich dargestellt, nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sey gewiß: er wird auch deine Finsterniß durch seinen Glanz erbellen. 2. Auch du sollst ihm sein Tempel seyn; er selbst macht dich von Sünden rein, und hat hier Lust zu wohnen. Doch finstres Herz, auf! werde Licht! denn Jesus wohnt in Herzen nicht, die noch der Lüste schonen. 3. Was nur dem Fleische wohlgefällt, das opfre die verkehrte Welt dem Satan, ihrem Gotte. Sie erndtet Schaden blos für Müh'. Für ihren Sündendienst wird sie einst ewiglich zu Spotte. 4. Doch wer begehret Gottes Sohn, vom Geist erweckt, wie Simeon, zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt 532 644 entwöhnt, aus ihr sich nach dem Himmel sehnt, der opfert rechte Gaben. 5. Wer auf das Wort der Wahrheit baut, im Glauben nur auf Jesum schaut, der kann im Frieden fahren. Der Heiland hålt, was er verspricht, er wird sich ihm in seinem Licht selbst herrlich offenbaren. 6. Herr, mache mich gerecht und rein! Herr, laß mich stets voll Glaubens seyn, laß stets im Geist mich leben! bis du auch mich, wenn dir's gefällt, in Friede wirst aus dieser Welt in deine Wonn' erheben. * L. Laurenti. 31. December. 366. Ich dachte: Laß die Jahre reden. Ziob 32, 7. Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn her aufgegraben und Dünger daran gelegt habe. Luc. 13, 8. Ich will ihnen noch Srift geben 120 Jahre. 1 Mos. 6, 3. Wenn deine Jahre reden, was hörst du? Was hört Gott von dir? Was hören deine Mitbrüder? Das Ende der Schluß dieser Rede, den du daraus ziehen sollst, wird wohl kein anderer als der seyn: Thue Buße! Alle deine Jahre rufen dir zu: Bessere dich! Der Gärtner kommt heute in seinen Garten, und sucht Früchte. Wenn er sich nun vor den Baum deines Lebens stellt, und deine Jahre frågt, dieses Jahr besonders frågt; was antwor= ten sie? was spricht dieses Jahr von dir? Findet Er die erwünschten Früchte? Er hat viele Gnaden an dich gewandt, hat dir viel gegeben: und wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert. Wenn nun der Vater spricht: So viel Jahre komme ich schon, und suche Frucht an diesem Baume, und finde keine; hane ihn um!- Wie! wenn wirklich heute dieses im Himmel beschlossen würde! Und könnte es nicht seyn? Håttest du es nicht verdient? Ich wohl.- Was wollen wir also thun? Wir wollen uns ohne Verzug und mit ganzem Herzen zu Jesu wenden, vor ihm niederfallen auf - - - 645 unser Angesicht, als vor unserm einzigen Mittler und Versöhner, daß er uns vertritt und für uns bittet beim Vater; so wird er auch für uns, für dich, und für mich zu dem Vater sagen: Laß ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn her aufgrabe und Dünger daran lege, vielleicht bringt er dann Frucht. Wo nicht, so kannst du ihn umhauen. Sieh, der Fürbitte Jesu hast du es allein zu verdanken, daß dir Gott so viel Jahre schenket. Aber vielleicht ist das kommende das lehte. Darum wende es so an, halte dich so an deinen Gott und Heiland, daß er nicht Ursache habe, zu sagen: Haue ihn weg ,. was soll er das Land umsonst einnehmen. Gott ist sehr langmüthig; das sehen wir an seiner Geduld zu - aber, den Zeiten Noahs: Er gab ihnen lange Frist je långer die Frist, je größer ihre Bosheit. Endlich brach er los mit seinen Gerichten. Der alte Gott lebt noch. Schließe daher dieses Jahr mit besonderm Gebete und innigem Flehen, daß Gott nicht ins Gericht mit dir gehe, sondern dein Herz durch Jesum zur wahren Buße und Besserung erneuere, und dir ein Leben nach seinem Wohlgefallen schenke. Mel. 98. Nun danket alle Gott. 1. Ein Jahr der Sterblichkeit, der kurzen Lebenstage ist abermal dahin, mit aller Lust und Plage; auf immer ist ein Theil der kurzen Pilgerschaft, wie schnell! zurückgelegt. Gott fordert Rechenschaft! 2. Herr, deine Huld ist's nur,( die nimmer uns zu lieben ermüdet, noch vergißt,) daß wir sind übrig blieben. Nimm unfers Herzens Dank in Gnaden von uns an, für das, was du an uns in diesem Jahr gethan. 3. Wir schließen uns aufs neu' in dein so treues Sorgen, in deine Obhuth ein, da sind wir wohl geborgen; da ist das feste Schloß vor aller Feinde Truß. Da birgt sein Volk sich hin, und findet sichern Schub. 4. Gieb mit dem neuen Jahr uns neue Stårk im Glauben; laß uns den alten Grund der Wahrheit niemand rauben! Erneure Herz und Sinn, und das gegönnte Licht des ewig wahren Worts erlösche bey uns nicht. 646 5. Erwecke neue Lieb' und Hoffnung in uns allen! Und sollt im neuen Jahr uns neue Noth befallen, so stårke die Geduld, und mache deine Treu', o Heiland! über uns mit jedem Tage neu! 6. Gieb, daß wir mehr und mehr des Fleisches Lüste tödten! Verleih' an Seel' und Leib, was jedem ist von Nöthen; und laß uns, Herr, mit dem, was deine Weisheit thut, stets wohl zufrieden seyn; du machst doch alles gut. 7. Wem du im neuen Jahr, aus dieser Welt zu scheiden, das Ziel gesehet hast, den laß in dir mit Freuden, im Glauben ſelig hier beschließen seinen Lauf, und nimm in deine Hand die Seele gnadig auf! Amen. Alphabetisches Verzeichniß der Lieder im Schatzkästchen. Num. A. Num. Ach, die zweifelnd. Gedank. 261 Bereit zum Wachen... 156 Ach, Gott, ich suchte dich. 321 Bewahr' vor fündlichen G. 155 Ach Gott, mein Herz ist. 207 Ach Jesus, Jesus höre.. Uch Seelen, wo bleibt denn Ach, was wollt ihr, trübe S. Ach, war ich ganz ein Geist Ach, wo findet meine Seele Ach, um Trost ist mir sehr Ach, unser Herz war in der Alles ist euer. Alle Sorgen, alle Plagen. ♦ CS. 175 Christ, aus deinem Herzen 308 42 Christen erwarten in allerl 340 185 Christus, etwas deiner Fr. 105 8 Christus, mein Leben, m. H. 325 85 3. 115 Da liegt das Kindlein.. 360 51 Damit ich dir gefällig 277 113 " 52 ♦ Das ewige Erbarmen... 192 Das ist der Bienen * 229 Alles will Gott drinnen. ♦ 47 Das ser alle meine Tage. 28 Als Moses in die Felskluft 186 Das Wollen und Vollbring. 53 Anbetung, Jesus Christus, 112 Deines Heilands freue dich. 296 Anbetungswürdigs Lamm. 272 Dem allerhöchsten Wesen. 273 An deinem Worte bleib' ich 157 Den die Engel droben.. 357 Un Jesum will ich denken 292 Denke nicht, was soll ich 170 Auf, danket ihm mit Herz 96 Der beste Freund ist in d. H. 285 Auferstanden, auferstanden 104 Der du der Strafe schwere. 196 Auf Jesum mußt du dich. 39 Der ewge Gott, der Morgen 63 Auf hohem lichten Berge. 44 Der Glaub' ist eine Zuvers. 323 Auf, Seele, auf und preis 327 Der Glaub' ist feste Zuvers. 344 Auf, singt heut Jubellieder 100 Der Herr, der aller Enden 341 Aus irdischem Getümmel. 182 Der Herr hat euch ein W. 265 A und Immanuel... 2 Der Herr ist der Begründer 216 Der Himmel ist uns aufg. 317 Des Herzens Wünsch' und 146 342 Dich fronte Gott mit Freuo. 193 351 Dieß ist die Nacht, darin. 356 B. Barmherzger Vater, hochster Gott Veginnt ein Lied voll Dank Die Strafe lag auf ihm. Die Welt mocht' auch gern Die Zeit ist nunmehr nah. Drum heißt er ja der Heil. Du armer Mensch, laß d. Du bist allein nur liebensw. Du bist ja, Jesus, meine Fr. Du, der Herz und Nieren Du Geist des Lebens, d. F. Du Gottes Lamm, d.alles. Du großer Schmerzensm. Du kannst's nicht böse m. Dulde Christ, des Lebens. Du liebe Unschuld du... Du schmachtest unter d. B. Du sollst Satans finstre. Du tödtend Gift der Eigenl. Du Wort des Vaters, rede E. Ehre sey Gott in der Höhe Ein Gärtner geht in f. G. Ein Hirte stirbt für seine S. Ein Jahr der Sterblichkeit Ein Kindlein lebet frey. Ein Nam' ist mir ins Herz Einst ruht die Seel' in Jesu Einst wird die Taube Ein Sünder hat sonst keine Empor zu Gott, mein Lobg. Endlich, endlich muß Erbarm' dich, Herr, du. Erhebe dich mein Herz ,. Erheb', o Christ, dein Herz und Sinn ♦ ♦ ◆◆ ◆> 648 Num. Num. 69 Es strömt auf dich von all. 75 202 Ewge Liebe, Jesu Christ. 205 332 F. 364 224 Falsches Blendwerk eitler. 274 238 Fest halt' ich das, was.. 314 235 Für mich hast du den Tod. 79 301 S. 140 Geheimnisvolles Osterl.. 136 88 Gieb du Weisheit m. S. 226 92 Gieb Jesu, Sanftmuth. 315 230 Gieb mir des Glaub. Licht 30 181 Gott, du Bater, deine L.. 228 Gottes Lamm ruft Gnade 17 6 77 Gottes Sohn ist kommen 358 119 Gott fåhret auf gen H... 133 43 Gott, geopferter Erbarmer 178 152 Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil.... 343 Großer Heiland, deine Tr. 117 363 24 55. 302 Habt ihr es denn nie erf.. 198 366 Halleluja! Der Mensch sell 62 49 Hått' ich Flügel..... 36 1 Heiland, dich nur zu erheb. 290 249 Heiland, still an dich zu d. 125 250 Herr, der du alle Dinge.. 145 243 Herr, dir danken wir, wir 106 362 Herr, höre mein Gebet.. 330 305 Herr, ich falle vor dir nied. 179 275 Herr Jesu Christ, mein L. 318 70 Herr Jefu, deiner Glieder. 132 Herr, laß uns mit d. auferst. 98 194 Herr, lehr' mich auf den H. 217 111 Herr, wie lange muß ich. 204 128 Hier auf Erden muß ich leid. 130 247 Hier ist noch unsre PrůEr ist das wahre Licht. Er ist, Gott ist, o Gott.. Ermuntre Seele dich und. Erquicke du mit deinem F. 41 fungszeit. Erwacht und herrscht, ihr 164 Hier lieg ich, Herr, im St. 225 Es ist noch eine Ruh' vorh. 215 Hier liegt mein Heiland.. Es ist noch Raum, mein. 208 Hier steh ich, Vater, bey des 252 195 .. 67 Hoch über Erd' und Welt und Zeit.... Holl- Bezwinger nimm die Jauchzet alle Frommen, er Jauchzet all' ihr Frommen, er wird 649 ◆ Num. In aller Welt aus jedem. 227 142 In den Auen jener Freude 221 101 In den selgen Augenblick. 286 In jenen dunklen JamNum. 326 merstunden.... 66 Irdisches muß all' verwes. 234 Ist denn keine Gnad' vorh. 160. 298 Ist er nun aber gånzlich. 127 187 Ist Gott für uns in all.. 348 349 Ist kein Jesus mehr vorh. 162 259 Ist unser Schaß im Himmelreich.. 322 .. 139 356 Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin gewiß, daß weder T. Ich danke dir, mein Gott. Ich erwag es oft und viel. Ich habe Gott, und hab' g. Ich kenne ein. Steuermann 2c. sieh: Mein Heiland ist mein Steuermann Ich lasse Jesum nicht.. Ich liebe dich, mein H.u.G. Ich sag' es jedem, daß er l. Ich seh' der Sonne goldne. Ich seh' empor zu dir.. Ich soll harren, ich soll h.. Ich weiß mein Gott, daß. Ich weiß nicht, was ich w. Ich weiß noch keinen bess. Ich will dir mit der Morg. Jesu, frommer Menschenh. Jesu, hilf siegen.... Jesus Christus ist noch h. Jesus Christus, Trost der. Jesus, darf ich Sünder.. 90 Jesus hängt in seinem Bl. 83 M. 22 ♦ Jesus schwebt mir in G.. 255 Mache dich mein Geist ber. Jesu, sich, ich liege da.. 211 Macht hoch die Thür.. Jesus ist erstanden, frey. 102 Man sået und pflanzet Ihr habt Barmherzigkeit. 21 Man starb der Welt. Ihr Menschen, liebet Jesum 110 Mein Freund ist mein u. ich 126 Ihr Menschen möget euch 60 Mein Freund ist mein! Ihr Mitgenossen, auf.. 350 wohl meiner Seelen.. 245 Ihr Neben, send ihr fest g. 121 Mein ganzes Wesen wird 297 Ihr Seelen flieht zu Jefu 239 Mein Geist, o Herr, nach 223 Im Glauben und Vertr.. 244 Mein Gott, ach sieh, die M. 72 K. Kann ich keinen Fried. find. 124 56 Kirchhof, heilge Stätte.. 307 303 Komm, glaube, lies und f. 268 262 Komm, Gottes Geist, komm 99 68 Herzensgast...... 148 9 Komm Herz und lerne.. 271 135 Komm Kind der Nacht.. 64 316 Komm mit, o Seele nach G. 278 Kommt, die ihr nicht gew. 206 59 Kommt her zu Gottes Fülle 240 57 König, dem kein König. 241 333 L. 29 313 Laß dich denn nun wiederf. 5 331 Lebst du in mir, o wahres 354 Leidender, dein Leiden stårke 86 288 Liebe, Liebe komm hern.. ◆ ● ♦ 191 338 270 650 Num. Num. Mein Heiland, du hast mich Mein Heiland ist mein Steuermann 10 du, du bester Menschenfr. 73 O du Geist der Herrlichkeit 260 56 O du wundervoller Knabe 361 Mein Herr ist unbeschreibl. 251 O Evangelium für mich. 172 Mein Herr und Gott, ich 35 D ewge Schönheit, die du 15 Mein Herz, warum betr.. 171 DO Ewigkeit, du Donnerw. 309 Mein Jesus süße Seelen- L. 282D Ewigkeit, du Freudenw. 310 Mein Immanuel! leucht' O 37 O Geist des neuen Mensch. 144 in meiner Seel' 120 Gottes Sohn von Ewk. 257 Mensch, Sünder, Staub. 218 DO großer Heiland, den ich Mich dürstet, Herr, ich E.. 334 D Heiland, laß mich dein G. Mir ruft der Herr, mir.. 289 D Herr, gieb meinem Gl. Mit Ernst, ihr Menschenk. 353 O Jesu, göttlich Wunderk. Mitleidiger Immanuel.. 154 D Lamm, wie groß war d. Mit unsrer Macht ist nichts 197 D Leben, Arbeit, Leiden. 123 Mit welchem Jammer mußt 76 O Liebesglut, wie soll ich. 45 Mocht' hier eine Gottes H. 174 D liebe Hand, die alles hålt 153 Müßt ich nicht mit Wehmuth ringen 359 91 Nur Ein Erlöser Chr. lebt Nur nicht, nur nicht betrübt 177 N. Nach dir, o Gott, verlang. 158 Neig', o mein Gott, d. Ohr. 201 Nein, nicht immer weinen 46 Nichts ist schöner als Ged. 304 Noch, dennoch mußt du dr. 283 Noch liegt das Kreuz, es w. 74 Nun ist es alles wohlgem. Nun kann man alle Wahrh. Nun Kindlein bleibt... Nun so bleibt es fest dabey Nun steht er auf dem Tcdeshügel. O liebe Seele könnt'st auf 48 O Mensch, der selig werden 7 O Mensch, wer Ohren hat 212 möcht' ich allzeit deine L. 141 sanfter Jesu, stillesLamm 58 schöner Tag, o Tag.. 134 Seele, willst du Ruhe. 38 seht, beseht euch recht. sieh mich Armen, welchem 14 40 93 O süßes Wort, das Jesus 219 23 O Vaterherz, o Licht u. L. 222 184 werdet doch des Kampfs 180 32wer giebt mir Adlerflug. 4 71 O wie wohl, wie sanft u. f. 276 P. 347 Prediger der süßen Lehre. 168 11 81 300 Quälende Gedanken... 237 R. Ringe recht, wenn Gottes 311 S. O Allmacht, Weisheit, G. 169 O daß doch alle faule Chr. 189 O der großen Freude... 254 O dreimal heilger Gott.. 150 O du, der Menschen Br.. 137 Schnell verfließen m. Tage 151 O du, der mir den Obem. 167 Seht ihr nicht auf Gottes 108 Num. 253 Was giebst du denn, o m.S. 345 Was Gott gefällt m. fr. K. 258 Was ist o Gott im Himmel 84 Was mich auf dies. Welt b. 279 Was soll ich mich mit taus. 339 Was war ich ohne dich gew. Was wollt ihr euch fürcht. Was zagst du denn, o m. S. 355 Was zagst du, Gott regiert Weil Gnade alles giebt.. Welch ein Gefühl, an ihn z. 299 Wenn Bangigkeit mein H. 284 Wenn heiße Thränen m.. 65 Wenn ich, Heiland, hier im 25 Wenn ich werd' in Himmel 281 Wenn ich zum Richter trete 61 Wenn meine Seel' den Tag Wenn mich meine Sünden Wer bin ich? welche wicht. 94 Wer Brüder liebt, der 1. s. T. Triumpf, verlaßt die leere. 11. Wer dacht', daß bey den d. Umgeben noch von Schmerz 16 Wer einsam sigt in s. Kam, Und hått'st du nichts gesch. 120 Wer feiert rechte Osterfr.. Und müßt ich auch noch F. 161 Wer Jesum bey sich hat. Unglückliche Seelen bed.. 33 Wer ist der Braut des L. g. Unter allen frohen Stund. 166 Wer sich auf seine Schwachh. Unter allen großen Gütern 231 Wer sich verdorben fühlet. Unter m. Feinde Menge 129 Wer tågl. Pfingsten feiern Seht Menschen, d. ihr Jesu Seinem eignen Herz. heuch. Selig, die da dürsten n. G. Sey mir tausendmal gegr. Sen wohlgemuth, o Chr.S. Singt dem Versöhner, f.. So bin ich nun kein Kind So gehts von Schritt zu S. So hab' ich nun den Fels So kann ich mich mit Fr. Soll ich denn nun immer z. Sollt ich jetzt noch, da mir. Sorge Vater, sorge du.. So ringt und dringt d. T. So trage denn u. hebe mich Steil und dornigt ist der Pf. Sünder freue dich von H.. 651 ♦ 335 337 55 183 Num. 320 336 295 246 294 50 200 107 280 3 199 163 ◆ 209 159 31 263 87 287 214 267 269 103 324 19 293 20 149 V. Wie feurig, wie brünstig. 114 Wie groß ist deine Herrl.. 329 78 Wie gut, wie gut ists Gott 173 306 Wie heilig sollen Eltern.. 190 143 Wie leicht verkenn' ich mei122 nes Herzens Schw. 319 Wie lieblich ist es in der St. Wie majestätisch sind die. 210 Wie! mein Jesu, soll der 109 Wie Mosi auf dem Berg. 232 18 54 Verblutet hat des Herz. W. Verborgne Gottes- Liebe du Vereinigt im Gebete war. Vergessen laß michs, H. n. Vergiß mein nicht, daß.. Verschmachten muß d. m. Versucht und prüft euch f. Vor allem, was ich Schön. W. Wie muß, o Jesus! doch. 188 Wann meine Seele finnend 26 Wie oft sucht' ich betrübt.. 242 Warum willst du draußen 352 Wie sollte der nichts von m. 118 Warum zerstreust du d. m. 220 Wie trostvoll blick' ich von 131 248 34 27 Wie wohl ist mir in Jesu A. Wie wohl ist mir in m. S. Wie wohl ist mir, o Fr.d.S. Willig leiden alle Schmerz. Willkommen, Held im Str. Biukommen, Ueberwinder Wird das nicht Freude seyn Wir wallen, Pilger allzum. Wohlan, ich will was Gott Wohlauf mein Herz, verl. Wohl dem, der Jakobs Gott 882 652 Num. Num. 165 Wohl dem, der Jesum liebt 203 291 Wohl dem, der sich auf f. G. 328 204 Wohl dem, der sich mit Ernst 236 116 Wo ihrer zwey beisammen 147 95 Wo ist ein Jesus wie der m. 213 97 Wo ist ein solcher Gott wie 176 266 Wunder ohne Namen! kein 82 233 256 3. 365 3erstreuung, Leichtsinn.. 13 312 3ur Rechten Gottes figest. 138 888 Berzeichniß aller in Johannes Goßners Schatzkästchen angeführten Tertstellen, nach der Reihenfolge der biblischen Bücher geordnet. 1 B. Mose. Cap. 3, S 5, 6, P Bers 13. 15. 24. 3. -. 9. 9. 8, 15, 1. 18, 19. 24, 25. 17, 21, 24, 33, 31 ff. - 26, 29. 14. 9. 32, 22 ff. 50, 20. 2 B. Mose. 15, 11. 6. 14. 2. 7. 4. 6. 3. 29. No. 59 145 85 27 13-16. 222 278 222 ff. 101 267 141 366 267 34, 3 B. Mose. 26, 12. 5 V. Mose. 4, 32, 9. 1. 2. 3. 22 10, 16, 1. B. Samuel. 2, 6. 7, 3. 23. 22. 20, 24, 16. 211 230 250 161 12, 190 208 2. B. Samuel. 352 248 248 329 B. Jofua. 1, 8, B. d. Richter. Cap. Bers 15. 15. 280 85 303 230 46 259 291 16, 19. No. 336 10, 12. 22, 30. 36. 1. B. d. Könige. 3, 19, 12. 242 20 329 223 2 B. d. Könige. 5, 18. 7, 31 29, 32, 14, 19, 10, 15. 18, 6. 1. B. d. Chronica. 2. 3. 14. 25. 152 26 23, 13. 29, 9. 30, 10 ff. 15. - 17. 2. B. d. Chronica. 5, 13. 157 13, 10 ff. 348 142 B. Hiob. 336 293 283- 31 32 183 299 241 233 28 B. Hiob. Cap. Bers No. Cap. 19, 25. 189 22, 2-4. 185 7. 366 8. 260 2, ....... ܗ ܂ ܟ|||| ܘ| ܘ ܘ ܚ ܞ ܐ ܂ ܣ....... ܣ.... - - 10, Pfalm. 16, T 12. 7. 12. 112 328 339 271 9 184 26, 268 118 27. 273 - 280 240 3 319 28, 109 30, 171 31, 319 J 114 12 - 4. 4. 5. 8. 4. 242 288 193 22, 107 7. 9. 20, 11. 13. 12, 8. 15. 19. 12. 17. 13, 1. යය ය සකසප ථ. එස්. ස 14, 2. 118 207 5. 6. 296 261 242 262 337 124 337 161 17, 7. 8. 18, 2. 3. 5. 7. 20. 31. 19, 10. 14. 33. 34. 275 35. 36. 1 8. 3. 13. 61 m 72 283 354 12 - 23. 275 118 71 - 24, 25, - T - Pfalm. Bers 15. 17. 18. 19. 33, 34, - 5. 6. 341 338 15 330 122 251 240 15 330 226 343 324 122 300 118 235 122 238 251 183 165 5. 6. 40 122 251 291 167 119 340 111 165 11. 19. 236 ܘ ܝ ܘ ܘ ܝ ܘ ܘ ܪܝ ܘ ܘ ܒ ܣ ܩ ܐ ܗ ܘ ܐ ܩ ܐ ܕ ܐ ܩ ܐܘ ܘ ܐ ܘ ܘ ܝ ܐܢ ܐܢ ܘ 10. 1. 5. 20. 4. 181 305 57 308 26 10. 11. 296 223 5. 7. No. 72 71 108 22. 25. Cap. 五 踢踢 「 短 鸦 一, - 40, 铝丝 『 涵 骗 一张 张 一 45, 46. 47, 48. 51, 44, 15. 54, 站 玩 「 隔 一 江山江” 一 「 站 「 一 临“ 能够 「 「 俱 化 「 一 2 一 3 55, 56, 1 61, Pfalm. 69, Bers 70, a: ܫ ܣ ܝ ܘ ܗ ܒ ܐ ܘ ܐ ܐ ܞ ܐܝ ܗ ܘ ܒ ܐܬ ܘ ܐܢ ܐ ܗ ܐ ܢ ܕ ܪܘ ܩ ܘ ܘ ܒ ܘ ܘܘ ܘܘ ܐ ܐܬ ܘ ܗ ܐ ܒ ܢܝ ܘ ܐܢ ܐ ܪܗ ܒ ܐ ܘܘ ܘܘ ܒ ܘ ܗ ܟ 13. 3. 73. P 4. 5. 57, 1. 2. 129 322 3. 4. 8. No. Cap. Bers 155 73, 25. 319 308 14. 233 4. 337 165 176 80, 83, 268 164 84. 145 3. 15 6. 273 12. 235 193 13. 4. 5. 8. 235 278 - 319 165 86, 11. 89, 9. 31. 8. 109 216 90, 56 187 91, 133 216 94, 97, 1. 2. 65, 1. 2. 342 71, 19. 149 144 322 183 5. 72, 12. 12. 13. 201 151 100, 36 101, 171 102, 169 103, 72 77, II 26 50 173 316 5 104, 32 14. 17. 19. 2. 20. 34. 1. 2. 106, 8 19 66, 5. 12. 342 108, 5. 68, 16. 17. 44 1 137 242 14. 113, 7. 115, 12. 318 116, 7. 117, 2. 118, 5. - 176 124 283 119 - -654 ]]]]] Pfalm. 179 279 228 119, 303 P 28. 4. 10. 31. 6. 7. 19. 10. 12. 1. 2. 15. 8. 9. 12. 14. 319 8. 10. 11. 280 277 140, 128 141, 3. 313 6. 247 18. 275 143, 1. 327 1-4. 201 2. 3. 167 145. 8. 111 55 146, 275 147, 354 142 19 11. 1. 15. 19. 21. 24. Pfalm. 2. No. Cap. Vers No. Cap. Vers 50 119, 20. 114 6, 25. 41 8, 33. 34. 155 117 7. 32 175 50. 203 157 58. 218 314 81. 114 169 203 110 92. 125. 156. 176. 5. 6. 232 157 313 36 44 142 192 1. 1. 2-4. 348 1-5. 340 5. 6. 1. 7. 1. 2-5. 23. 1: 4. 5. 6. 175 162 169 295 292 219 199 349 6. 234 23. 24. 330 12 152 31, 6. 319 12 35, 282 38, 17. 4. 1. 2. 5. [[ 18 5 291 120, 9 121, 291 123, 282 124, 328 125, - 111 126, 152 130, 59 299 132, 154 298 136, 328 137, 285 - 25 139. 19 - ၃ တံ 5. 4. 8. 9. 6. ا در ان دو در ان 3, 10. 5. 20. 120 Sprüchwörter. 288 167 55 110 3, 5. 6. 1255 6, 6-11. 229 8, 17. 35. 347 14, 21. 164 2. 6 348 16, 360 17, 3. 292 23, 26. 286 28, 13. 354 124 173 312 331 338 283 362 165 156 5, 280 329 Hohelied. 5. 6. 1, 16. 14. 16. 391 320 40 Hohelied. 19 238 85 127 1. 2. 16 12-17. 24 1. 1, = c|=| c--| E| S| 2, 5, 7, 26, TE||| 27, 9, 2. 29, 30, 10, 24, 20. 25, 6. |||||||||||||||||||| 40, Jesaja. 45, ܘ ܘ ܘ ܘ ܕ ܒ ܐ ܐ ܐ ܐ ܐ ܒ ܘ ܗ ܐ ܐ ܒ ܩ ܪܘ ܪܢ 5. 11. 46, 48, 19 9. 1-7. 121 37 185 361 56 299 6. 28, 16. 8. 10. 300 141 333 18. 125 3-7. 312 41, 17. 18. 22. 1. 4. 8. 5. 3 59 161 37 314 8. 13. 207 170 316 186 29. 19. 15. 26. 1. 2. 7. 22. 8. 18. 21. 49, 14 ff. 25. 26. 50, 10. 51, 7. 4. 5. 53, 5. 6. 200 160 115 160 353 1. 2. 3 ff. 12-28. 153 29-31. 1. 11. 3. 8. 22. — Ne. 127 35 303 44 214 85 60 9-11. 12. 5. 44 213 216 4 54 243 68 264 213 148 57 33 115 271 6 13 198 145 292 197 269 197 63 69 84 259 73 322 Daniel. No. Cap. Bers 257 2, 22. 225 4, 24. 269 34. 2-6. 306 7, 18. 307 12, 7. 41 52 306 185 346 60, 19-21. 172 61, 10. 71 62, 11. 338 63, 16. 1 65, 2. 198 66, 24. 309 Jeremia. 2, 13. 17. 299 12. 33 200 Jesaia. Cap. Bers 54, 7. - 8. 10. 55, 57, 1 درسو ل ام||||||||** 58, 11. 59, 9. 20. 3, 10, 22, 9, 24. 6. 23. 9. 20. 10. 29. 11. J. 2. 15. 33, 24, 7. 29, 13. 14. 30, 12. 17. 31, 3. 37, -. 23. 15. 9. 10. 13. 18. 20 25. 41 40. 41. 285 6-9. 17 362 22 48, 10. 3, 25. S 50 327 213 278 220 12 307 203 152 38 84 268 60 11 207 31. 32. 175 57. Ezechiel. 11, 19. 12, 25. 16, 33, 11. 5. 6. 34, 11. 12. 36, 25. 26. 79 42 180 6, 3 140 294. 170 200 60 148 140 11, ၂ 13. S 2, 12. 27. 5. Am o s. 3, 2, 9, 13. Hosea. 1. 2. 4. 3. 7. 14. Joel. 19 — 4, 1. 7, 8. Klagelieder. 1, 2. 3, 1. Jona. 8. Micha. Q 434 18. 19. 6. 7. 319 B. d. 125 5, 4, 2. 9, 19 Habakuk. 3, 20.| 27 Bacharia. 1, 3. 2, 13. 9. 9, 12, 10. 13, 1. - 655 14, 21. No. Cap. Bers 120 3, 22. 4, 20. 7, 13. 154 314 281 13 242 198 122 13 101 20 147 179 Malachja. 44 136 Judith. 3. 13. 16, 16. 44 128 259 200 27 338 149 48 83 61 Weisheit. 1-6.1276 15. 16. 16. 17. 266 281 22 238 353 9 294 331 294 1, Sirach. 13, 33. 34. 6. 3. 2, 16, 18, Tobia. 22 40, JITIBIIIIIIPFIFF.llllllll 13. 23. 11. 17. Ev. d. Matth. 3. 8. 26, 12. බිම 16. 24. 25. 7. 8. 25. 7. 27. 9. 10, 22. 11, 29. 12, 20. 34. 14, 31. 3. 4. 20. 14. 25. 28. 12. 37. 24, 13. 25, 13. No. 119 300 237 46. 30. 37. 39. 41. 34. 39. 46. 59. 60. 2. 226 116 284 218 7. 13. 14. 311 21. 18. 19. 274 162 190 25 156 249 164 353 320 266 323 315 273 244 352 56 290 7 302 331 320 237 48 360 147 48 82 7 357 355 262 301 335 310 64 67 Ev. d. Markus. Cap. Vers 2, 7. 9, 44. 10, 15, 27. 16, 7 ܚܕ ܝܨ. ܙ 1, 6. 7. 19. Ev. d. Lukas. 2, 309 13. 14. 265 U 15, J 73 2-4. 98 94 41. 9 7, 13. 8, 52. 9, 24, 14. 16. 27. 11, 23. 12, 19 31. 32. 358 7. 360 12. 361 363 361 265 28-32. 365 265 219 [[[ r 23. 236 35. 36. 168 220 1. 4. 32. 8. 13, 311 14, 16-23. 208 27. 33. 236 4. 108 254 200 254 36 323 346 249 304 91 No. 212 24. 9 17, 18, 8. 19, 10. 20, 38. 21, 19. 22, 15. 44. 46. J 23, 28. 5. 7. 10. 22. 34. 39, 43. 46. 102 138 5. 6. 1, 9. 14. 19. 29. 45. 274 264 47 366 S966 00 65 207 81 7475 78 94 102 34. 36. 95 50. 51. 134 51. 52. 136 191 74 Ev. d. Johannes. 75 76 93 94 142 150 1120 358 287 88 347 Ev. d. Johannes.] Cap. Bers 3, 10. 12. [ Ï Ï Ï Ï Ï Ï Ï 4, 5, 6, 7, 37. 8, 56. 9. 11. 14. 10, 29. 35. 34. 40. 44. 47. 51. 243 55. 57. 178 66. 53 69. 321 15 362 250 51 313 290 250 27. 28. 25. 52. 12, 46. 13, 15. 14, 3 1. 2. 3. 6. 12. 18. - 23. 28. 1-8. 11. 14. 15. 14. 20. 22. 23. 24. 24. 27. - 16. 19. No. Cap. Bers 189 3, 24. 26. 12. 234 285 166 16-21. 257 219 104 210 286 46 1-3. 9 254 4, 112 5, 13. 206 13, 52. 21. 11 131 182 209 51 130 352 17, 20-26. 18, 36. 47 19, 17. 18. 70 75 26. 28. 29. 77 78 30. 40. 41. 11-14. 93 103 105 95 29. 104 130 121 286 245 Apostelgesch. 1, 9. 2, 51 53 Br. a. d. Römer. 244 126 101- 80 356 206 Apostelgesch. 1. Korinther. 300 136 143 179 PJEJELIEBTIBIIII!!!!!!!!!!!! AN 2, 5, 6, 12, - 656 1 14, 15, TAUPOINT 4. 6.- 5. 8. 2, 12. 3. 4. 9. 6. 7. 310 18. 19. 316 20. 21. 237 344 310 2. 5-7. 252 15, 8-10. 82 19. 13, 14. 32. 34. 359 141 260 10. 11. 99 16. 144 17. 18. 297 26. 146 28. 29. No. Cap. Vers 362 6, 17. 97 1 138 286 16, 19. 20. 3. 10. 2. 16. 17. 287 1-3. 43 1. Korinther. 1, 9. 3, 18. 4, 16. 5, [ 11111111 308 206 31-33. 187 113 79 6, 138 7. 6, 14. 15. 7, 9, 1162 30. 31. 245 2. 253 10. 11. 144 22 22. 23. 113 290 10, * 7. 20. 6. 8. 21. 100 34. 86 55. 87 16, 13. 224 1. 35 39. 29 232 188 10, 196 12, 13, 13, 97 99 364 1 4, 9 ا ا ا ا ا ا 2. Korinther. 3, 315 272 7. 8. 127 9. 123 1, 4. 13. 214 16. 1. 174 2, 19. 20. — 49 4, 34 HISTJAN P 32 19. 20. 364 19. 210 25. 350 145 L 14. 16. 7, 10. 4. 20. 21. 4. 4. 1. 290 24-26. 177 28. 28 28-30. 90 32. 25 231 181 49 106 272 189 a. d. Philipper. 96 37 9. 18. 6. 8. 9. 10. 17. 15. ܚ.. 186 166 120 163 223 123 310 97 19-21. 92 4-6. 158 2, a. d. Galater. No 19. 5, 6. 4. 5. 24. 6, 2. 3. 4. 14. 277 248 235 293 345 14 176 166 a. d. Ephefer. 86 272 339 364 210 224 174 287 28 86 a. d. Epheser. Cap. 2, 3, 4, 5, ]]]]]] ∞!!!!!! مر مع الام No. Bers 18. 19. 194 12. 317 16. 17. 8. 10. 264 6, 11-18. 239 2, 133 49 17-24. 196 260 174 236 214 277 10 1, 21. 23. 217 2, 1-3. 227 5% 302 62 7. 8. 12-16. 270 53 261 38 272 117 14. 30. 32. 5, 1. 2. 11. 14. 30. a. d. Coloffer. 1, 12-14. 201 126 22 ci 13. 14. 21. 3, 8. - 9. 325 13. 14. 17. 18. 253 20. 21. 6. 13. 15. 21. 4, 5. 27. 4. 1. 2. J 13. 1. Thessalonicher. 4, 10, 11. 16. 17. 6. 9. 10. 18 107 284 293 139 300 2, 12. 3. ci 190 214 3. 137 2. Thessalonicherz 6. 133 8. 9. 263 15. 16. 80 258 87 11. 156 23. 24. 195 58 307 217 10 258 155 2. Thessalonich. Cap. Vers 3, 5. 11. 12. S 1. Timotheus. 1, 15. 2, D 4, 5, 6, - [[[[^ ²+ - 212 1-4. 334 4. 212 63 244 358 202 334 30 204 588812 3, 5. 6. 8. 2. Timotheus. 1, 8-10.1351 16. JJJJ 8. 8. 11. 12. 12. -. 13. 3. 5. 2, 21. 14. a. d. Titus. 350 204 12. 181 224 22. 1-4. 43 8. 18. 221 15. 4. No. Cap. 158 58 1. Petri. 1, 3. 189 344 30 ခံ ထိ 5. 6. 13. 18. 19. 356 357 156 356 96 155 235 3 88 1. Petri. No. Vers 24. 25. 246 1. 21-24. 24. 274 4. 13. 15. 18. 13. 18. 5, 7. 1, 2, !!!!!! J 3. - مر ا ا در ا من 2. Petri. 1, 3, 8.9. rrrrrrrrrrrrrrr 19. 17. 17-22. 9. 4. 113 5-10. 205 321 309 23 33 1. Johannes. 2, 1. 6. 10. 17. 135 159 214 15. 16. 191 246 326 184 46 114 227 146 18. 28. 3, 1. 2. 3. 15. 24. - 8. 657 9. 13. 89 84 58 324 320 252 181 81 284 34 16. 484 17. 184 262 45 184 262 159 335 1. Johannes. Cap. Bers 4, 19. 5, 4. 19 19 - JJJJJJJJJFIFIIIIII! 2. Johannes. 1. 7. 10, 9. a.d. Hebräer. 1, 3.8-12. 112 2, 11. 264 14. 15. 151 198 21 11, 10. 12. 13. 14. 7. 6, 12. 7, 25. 301 1-11. 215 76 236 135 138 135 346 83 1. 9, 24. ܥܕ ܒ ܕܢ ܠ 7. 14. 22. 19-22. 132 1. ܕ ܕ ܕ|| ܟܕ ܗܘ ܒܕ ܗܘ ܒܕ ܚܕ ܟܕ 23. 26. 27. 188 36. 37. 27. No. 45 37 209 150 1. 5. 184 7. 11. A 247 304 326 344 267 42 a.d. Hebräer. 2 Cap. Vers 12, 15. 13, 1, ا ا ا م ا ا م ا Br. Jafobi. 3, 4. 5. 6. 6. 8. 3, 18. 19. 20. 2. 13. 5, 10. - rrrrrr 8. 9. 3, 5, 180 304 7, 66 68 180 163 230 235 42 14. 16. 20. Offenb. Joh. 1, 8. 2, 22, 4. 7. 10. - 14. 20. 23. No. 315 354 233 164 100 5. 11. 12. 19. 20. 21. 5. 13. 14. 16. 17. 14, 11. 13. 9. 19, 20, 10. 21, 116 226 244 261 210 323 210 154 126 181 2 301 281 289 277 232 350 289 350 11 332 66 219 192 215 309 249 355 309 148 6. 14. 20. 332 Mel. Ach, wie tief bist du gefallen? 00 100) Ο ΤΟ ΤΟΥ ΤΟ 1000 Ο ΠΟΥ ( 70 va ·) ΠΟ 0 0 000 ΤΟ 100. το 60 00 000 00 O Dal 00 Ο Φ DODOL OLDO 9: 6 ( 700_700 000 7000 Τ Ο 100 0 0 0 0 1000 00. ΟΟΙ 0 0 700.00 70000 10.000 ΦΟ Froc Δια TOO QQ..... FOOO.O. Ο TOOOO AG₂ ΤΟ Ο 700 στο( · 0000 ΤΟ ΠΟΙΟ 000) FOOD 10,00 -0000 DCO TO COO ΤΟ sef] 10000 με το 0 0 000 0.000. ΤΟ Ο Ο 1000 ΤΟ Φ 0000 00 D) ΤΟΦ Προ 100 00 ΤΟΥ 00 700 2 F Vipp Mel. Die Gnade sey mit allen. 952 F Ħf P 000. bis # 5 12 TO E git 부 Dit Mel. O leide, leide gern. Diz r- r r- r 아 (-7000 000) 피 Mel. Ich bete an die Macht der Liebe. 부부 HIO 부부 rr 01 ||| T 3 to op op 春. 100 请 000 000. -) 造 金 ++ 小 8: 0 三室 16.654, Xr 100. Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 ₂ Farbkarte# 13 Green Cyan 14 2 15 6 3 8 M Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 14 6 15 Magenta White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black