9 Gb 807 G6 807 A. Schleich so. JN JR DIE ABNEHMUNC VOM KREUZ. Mainz bei Ioseph Stenz. im mgonge mit Gott. Auraground für Farbelifce ChristenM. A. Nickel, Are GutheisungMair Sapph so fremde mit O der allerfreundlichsten A. Schleich so. DIE ABNEHMUNC VOM KREUZ. Mainz bei Joseph Stenz. Der Shrift et im Umgange mit Gott. Andachtsbuch für katholische Christen M. A. Nickel, geistlichem Rathe und Regens des bischöflichen Elerical- Seminars in Mainz. von Fünfte Auflage. Mit bischöflicher Gutheisung. Mit einem Kupfer Main Jen, Hingege so fremde mit ver allerfreundlichsten Gb 807 Thie gri 10 the quagmilUNIOhind A. Schleich so. Univ.- Bibl. Giessen www DIE ABNEHMUN Mainz bei Joseph Stenz. Vorwort. Der Christ im Umgange mit Gott. Wenn es tiefgefühltes Bedürfniß des Menschen ist, an vertraute, liebende Herzen sich anzuschließen, wenn das Gemüth uns drängt, unser Innerstes geliebten Freunden zu offenbaren, und diese Ergießung unsere Freuden vervielfältigt, unsern Schmerz erleichtert, unsere Sorgen beruhigt, meine Lieben, warum eilen wir denn nicht jeden Augenblick in die Arme der huldreichsten Liebe, an das Herz des Allmächtigen, Der Seinen Eingebornen für uns hingegeben!... Warum thun wir so fremde mit Ihm? Mit Ihm, der allerfreundlichsten D 1 IV Freundlichkeit, der alles tragenden und duldenden Langmuth? Warum wandeln wir nicht stets an Seiner Hand, und blicken empor mit kindlich kühner Zuversicht in Sein mildes, ewiges Leben verheißendes Auge?... Ich glaube dieses Fremdethun wird bei Manchen dadurch erzeugt, daß sie das Gebet, den Umgang, die Sprache, die Unterhaltung mit Gott, als schwer sich vorstellen; als eine hohe Kunst. Aber wie sollten wir denn verlegen sein, mit unserm Gott, mit Jesus, und dem heiligen Geiste zu reden? Ist denn nicht der Herr unser Vater? Beim Vater bedarf es nicht, daß wir uns anmelden, herauspußen, Umstände machen; oder mit weitläufigem Berichte und fünftlichem Redeschmuck vor Ihm erscheinen. Sind wir denn verlegen mit dem allvertrautesten Freunde? Ist das Kind verlegen auf der Mutter Schooße? Wem V unbehaglich ist mit Gott umzugehen, zu reden, zu flehen zu Ihm, wie es dem schüchternen Unterthan ist, wenn er zum erstenmal mit einem glanzumgebenen Erdenfürsten reden soll, und der nun sich ängstet, wie er das Wort wähle und setze: der kann nicht beten. Gott weiß, was wir meinen, obgleich wir nur stammeln; unser Leben mit allen seinen Bedürfnissen, unser Geist mit allen Gedanken, unsere Brust mit allen Negungen ist vor Ihm. Dem Vater, Der in's Verborgene sieht, ohne Scheu, aber auch ohne Hehl, in Lauterkeit und Wahrheit, mit kindlichem, einfältigem Sinne sich darstellen, wie man ist, das ist des ächten Gebetes Geist. Und wen dieser beseelt, wie könnte er mißtrauen? Wer, wenn er betet in Jesus Namen, wer dürfte da vom Vater Unväterliches erwarten? Wer zweifeln, ob auch die VI Weisheit wisse, die Allmacht vermöge, die Allgegenwart gegenwärtig, und die Liebe liebevoll sei? Wem, wenn er recht betet, im Geiste Jesus betet, könnte bangen, ob er Erhörung finden werde? Seid ihr, meine Lieben, Gottes nicht gewiß, wenn ihr betet, so habet ihr nie gebetet. Warum suchet ihr Ihn denn auf? Was flehet ihr, wenn ihr nichts erwartet?- Seid aber gewiß, ihr seid nie verlassen, wenn ihr Gott habet. Treibet auch dieses heilige Geschäft nie gleichgültig und kalt, ohne Sinn und Leben! Lasset die ganze Seele dabei sein, und das volle Gefühl; ringet mit dem Allmächtigen, als wolltet ihr's Ihm abringen! Haltet an im Gebet, und ist's nicht gethan mit stummer Sprache, werdet laut, sprechet: Die Welt kann mir nicht helfen, die Kreatur ist ohnmächtig, wie ich; darum eile ich zu 11 VII Dir, daß Du Dein Kind an Dein Herz nehmest; Bater, ich kann mich nicht abweisen lassen! Du mußt mich hören!"- und verspüret ihr keine Wirkung von dem himmelan gerichteten Blicke, fallet auf euere Kniee, und stehet nicht eher auf, bis ihr gefunden habet, was ihr suchet; und will Ein Versuch nicht helfen, waget zwei, waget drei, kommet Mittags, kommet Abends wieder, wenn euch der Morgen nicht vollauf gab. Die zu Gott aufsehen und bitten, deren Angesicht wird nicht zu Schanden werden!" Dann, meine Lieben, ist das Gebet, der Umgang mit Gott, bei vielen Menschen Förmlichkeit; nichts weiter. Es ist eine Verbeugung, welche sie Gott machen; es ist eine Lüge, die sie sich selbst vorlügen; Lippengeplärr. So soll es nicht sein! Seiner Natur nach ist das Gebet Bedürfniß der Seele; alle Frommen von VIII Anbeginn haben es dafür erkannt. Der göttliche Erlöser hat es in Seiner heiligen Menschheit lebenslang als eine Sache behandelt, die Er nicht entbehren konnte; so hat Er es den Seinen empfohlen als Stärkung gegen die Schwachheit, und als Schild und Schirm in der Noth. Auch haben sie Zeugniß gegeben, daß das ernstliche Gebet des Gerechten viel vermöge. Zugleich liegt am Tage, warum Beten Bedürfniß sei. Das Seelenleben des Menschen besteht in der Richtung auf Gott, welche Sein Denken, Empfinden und Wollen hat. Seelenleben ist folglich ohne Gemeinschaft mit Gott ungedenkbar, und um seines Seelenlebens willen muß der Mensch die Gemeinschaft, den Umgang mit Gott unterhalten. Der Geist dieſer Gemeinschaft ist die Luft, die er athmet; die Frucht dieses Geistes, die wachsende Sehnsucht, die in volleren Zügen den IX Himmel einathmen möchte; das Gebet ist die Nahrung, die er genießt. Und dann, ist wahres Leben in Gott allein: so ist auch nur im Umgange mit Gott wahre Lebensstärkung. Dieser Geistesspeise bedarf der Christ, daß er innerlich gedeihe, und emporwachse aus der Niedrigkeit, aus dem Erdenstaube, sich hinaufarbeite in die Höhe, zur himmischen Herrlichkeit; daß er abwerfe alles Rohe, alles Schlechte; und muthig ringe nach der Aehnlichkeit mit dem Allheiligen; die heilige Sonne des Gebetes ertheilt dem Christen erst das rechte Licht, die befruchtende Wärme, daß er fröhlich entgegenreife seiner himmlischen Bestimmung und Früchte bringe in aller Gottseligkeit. Der göttliche Gebetsgeist umhaucht ihn, daß er fröhlich und glücklich gedeihe; das stete Wandeln an der Hand Gottes befestigt in dem überirdischen Gebiet seiner Heimath X die Wurzel seines Seelenlebens, damit er dort im wahren Vaterlande heimisch werde; und so ertönen seine eignen Empfindungen in den Worten Davids: Wenn ich Dich nur habe, o Gott, dann schwindet mir Erd' und Himmel! Meine Wonne ist's, daß ich mich halte zu Dir!" Dann fühlt er mit dem heiligen Augustinus: ,, Unruhig ist unser Herz, bis es ruhe in Gott!" Wir begleiten diese neue kleine Sammlung christlicher Gebete, welche theils dem eignen Herzen, theils andern frommen Seelen entflossen sind, mit dem alten Wunsche: ,, Es möge ihr mit der Gnade Gottes verliehen sein, auch etwas mitzuwirken zur Geistessättigung, und zu zerstreuen in der hehren Stille des Morgens oder des Abends, und im Hause des Herrn das Dunkel der Erde, und zu erheben das Gemüth über der Welt Angst und Sorgen; und zu bilden für die seligen Wohnungen XI dahin unser Herr und Gott, Jesus, uns vorangegangen, auch uns eine Stätte zu bereiten." Ihm und dem Vater und dem heiligen Geiste sei Anbetung, Dank und Preis in alle Ewigkeit! Sein Segen ruhe auf Allen, welche diese Zeilen zu ihrer Erbauung lesen! Vorrede zur fünften Auflage. Der Christ im Umgange mit Gott" begibt sich hiermit zum fünftenmal auf den Weg in die Häuser seiner lieben Mitchristen, und zwar mit zuversichtlichem Vertrauen auf eine gütige Aufnahme. Die Thüren vieler Häuser haben sich ihm bereits geöffnet. Jesus Christus, Der mit ihm gewesen ist auf seiner ersten und XII zweiten Wanderung, wolle ihn segnen auch auf und zu seiner fünften! Liebe Brüder und Schwestern! Ihr seid ja alle beladen und mühselig; Ihr sehet euch so oft um nach einem Wesen, das euch entlaste, an dessen Herz ihr euch ausweinen, mit dem ihr all' euer Leid und eure Freude theilen könntet.... Nur Ein Wesen ist mächtig genug, alles Kreuz von euern Schultern zu heben, und einen Frieden Gottes in cure Seele zu senden, der alle Vernunft übersteigt; nur Ein Herz schlägt in Gottes unendlicher Schöpfung, das euch ganz versteht: Es ist Jesus Christus; Er, Der uns gegeben ist von Gott, auf daß wir Weise, Gerechte, Heilige und Erlösete würden.- Möchtet ihr Ihn stets als Solchen erkennen, und im seligen Umgange mit Ihm leben, leiden, fröhlich sein, wirken, sterben! Er, der König aller Könige XIII Christus wohne in unsern Herzen durch den Glauben; daß wir in der Liebe gewurzelt, mit allen Heiligen begreifen können, Seine alle Kenntniß übertreffende Liebe; daß wir erfüllt werden mit aller Fülle Gottes! Er mache uns fertig zu allen guten Werken und schaffe in uns, was Ihm wohlgefällig ist!- Lasset mich, liebe bekannte und unbe kannte Freunde! euerm liebreichen Andenfen vor Gott empfohlen bleiben, wie auch Euer täglich vor dem Angesichte der anbetungswürdigsten Güte, in welcher wir Alle schweben, leben und sind, mit Liebe gedenket - Der Verfasser. Mainz am Fefte der heiligen Anna 1845. XIV Beherzigung. ( Worte der Nachfolge Christi 1. Buch, 5. Kap.) ad baud Wie die Biene, honigfanimelnd von Violen, Auch zur magern Haide wiederkehrt: Sollst du Weisheit dir aus jedem Buche holen, Sei es wenig oder viel geehrt. Reine Wahrheitsliebe darf dich nur beseelen, Und kein Vorurtheil dir deine Bücher wählen; Frage nimmer weiter: Wer hat dies gelehrt? Ueberlege nur: Was er erklärt! Menschen gehen unter mit den. Lehrgebäuden, Die der rege Geift der Zeit fich schuf; lundag Wahrheit Gottes überlebt die Ewigkeiten, Kenntlich ist in jedem Mund ihr Ruf. FOR 30 ECI Vorwort. Vorrede zur dritten Auflage... Flehen zu Gott um die Gnade würdig beten 201 zu können Tägliche Andachten. Andacht am Morgen ... 6 ,,-Abend 9 Andacht bei dem heiligen Mesopfer.. 13 vor der Beicht.. 301 35 nach der Beicht 42 vor der heiligen Kommunion.. 47 nach der heiligen Kommunion.. 56 Anbetung des Dreieinen. En m Gott dem Vater 11 • Inhalt. ● Seite ♦ Gott dem Sohne Jesus Christus, der Heiland 353uruf XI 1 62 67 73 77 Liebesklager h J.# 79 Gott dem heiligen Geiste. . 81 Feftfeier des Chriften. MHP a m Gebet am Neujahrstage. 88 Seite .. 91 96 100 Die Himmelfahrt des Herrn 102 Am Pfingstfeste.. 104 Am Fefte der allerheiligsten Dreieinigkeit. 107Am Frohnleichnamsfefte 109 Die Feier der Geburt des Herrn 111 Gebet in der heiligen Fastenzeit am heiligen Ostertage Christus, der Todesüberwinder ♦ ♦ ♦ ♦ Am Feste Mariä Reinigung. Am Schmerzensfeste Mariä ● ♦ ♦ Am letzten Tag im Jahr 114 Verehrung der allerfeligsten Jungfrau Maria 116 Loblied.. .. 127 ♦ ● Kirchengebete an den Festender allers feligsten Jungfrau Maria. · Am Fefte der unbefleckten Empfängniß Mariä 132 Am Fefte der Geburt Mariä 133 133 134 134 .. 135 136 ♦ Am Namensfefte Mariä Am Feste Mariä Opferung Am Feste Mariä Vermählung Am Feste Mariä Verkündigung. Am Feste Mariä Heimsuchung Am Fefte Mariä Erwartung der Geburt Jefu Chrifti ♦ ● ♦ ● ◆ ● . 136 137 137 Am Fefte der Aufnahme Mariä in den Himmel... Kirchengesänge zu Ehren der allerfeligsten Jungfrau Maria.. 139 Die heiligen Engel 144 . 147 .. 158 ◆ " 1 Verehrung der Heiligen Gottes Lied zu allen Heiligen Gottes Bitten des Chriften. Das Gebet des Herrn. Allgemeines Gebet zu allen Zeiten Gebet um Muth und Standhaftigkeit im Guten Gebet um Liebe ... 138 ♦ um zeitliche Wohlfahrt Seufzer eines Leidenden ◆ ♦ Seite .. 159 . 163 . . 166 um Sanftmuth des Herzens . 177 um Reinigkeit des Herzens. um chriftliche Tugend.... 180 um geistliche und leibliche Güter. 183 zu Gott um Schuß und Hülfe gegen alle Feinde des Heils. 191 um Berufssegen .. 198 um Vereinigung der Getrennten mit der wahren Kirche Jesu . 169 . 173 201 . 204 212 ♦ Seite Bußgebete im Geiste der Kirche.. 217 Danke und Bittgebete. 228 ● Der dankbare Christ.. Empfindungen des Dankes Jesus! mein Eins und Alles Fürbitte des Christen. Für alle Menschen. Die Eltern für ihre Kinder. Troftwort... Lezte Bitte - • ♦ ♦ ● + ♦ Flehen eines Kindes für seine Eltern. Für einen Kranken. Für einen Sterbenden. Chriftliches Andenken an die Todten und Fürbitte für ihr Heil ... 247 252 229 235 243 • 255 258 . 261 ♦ 264 268 260 Flehen zu Gott um die Gnade würdig beten zu können. Unsichtbarer, den die ganze Natur mir verkündigt! Allgegenwärtiger, der Alles in Allem wirkt! Dich zu kennen, und deinen Sohn, den Du uns in unendlicher Liebe gesandt haft, ist ewiges Leben, ift das innigste Verlangen meines nach Glückseligkeit schmachtenden Herzens! Dich würdig anzubeten, zu loben und zu preifen, sei der höchfte, heißeste Wunsch meiner Seele! O Du, dessen Herrlichkeit die Himmel erzählen, ich bete Dich an im Staube der Erde! Du, dessen wundervolle Güte an jedemt Geschöpfe sich erweiset, ich unterwinde mich mit Dir zu reden, ich, Staub und Asche! Hocherhabener, wer ist es würdig Deinen allerheiligsten Namen auszusprechen? Allmächtiger, wer ist fähig Dich würdig anzubeten?... O Du, der Du weißt, was wir für ein Gebilde sind, Du gedenkest daran, daß wir Staub find! Du lehreft die Menschen, was sie wissen; und wer dürfte es wagen mit Dir zu sprechen, hättest Du Dich nicht zu uns Sterblichen herabgeneigt! Menschen, welche so Der Christ. 5. Auflage. 1 2 schwach waren, wie wir, haft Du die Erlaubnis gegeben, Dich anzurufen; Sünder, wie wir sind, haft Du selbst beten gelehrt, und ermuntert zur Unterredung mit Dir! Solltest Du, Du, den wir, wie Dein Eingeborner uns ermuthigte, Du, den wir Vater nennen dürfen, unser Flehen nicht achten? unser Gebet verwerfen, wenn wir zu Dir emporseufzen: ,, Lehre uns beten!"... Sollteft Du uns unerhört lassen, wenn wir rufen:„ Wir wissen nicht zu beten, wie es Dir wohlgefällt; o Du, der Alle Alles lehrt, lehr' uns beten, wie Du Tausende vor uns beten gelehrt haft!" Bist Du nicht Vater Aller, und auch mein Vater?... Bist Du nicht huldreich gegen Alle, und huldreich auch gegen mich? Bist Du nicht reich genug für Alle, die Dich anrufen, und reich genug auch für mich?... Bist Du nicht ewig Derselbe? Ewig die Liebe?- Ich fühle, daß ich nicht beten kann, wenn Du mich nicht beten lehrst; o lehre mich beten, daß mein Flehen Dir wohlgefällig, und für mich eine nimmerversiegende Quelle der Kraft und der Beruhigung werde! Ich empfinde tief die Unentbehrlichkeit des Gebetes. O gib mir sie immer noch lebhafter zu meinem Heile zu empfinden! 3 Lehre mich, o mein Gott, mein Erlöser, o heiliger Geist, Dich und mich täglich besser kennen! Mich in meiner Ohnmacht, Dich in Deiner Kraft! Mich in meiner Armuth, Dich in Deiner Allgenügsamkeit! Mich in meiner Verlassenheit, Dich in Deiner Bereitwilligkeit allen Verlaffenen zu helfen! Herr, lehre mich beten nach Deinem Willen, denn Du bist mein Gott! Dein guter Geift führe mich auf ebner Bahn! Alles, Bater, ist Dir möglich! Alles Gute kannst Du in mir erwecken, beleben, nähren, ausbilden, vervollkommnen!- Wirke in mir den lebendigen, kindlichen, demüthigen Heldenglauben Abrahams; den Ernst, und die Ueberwindungskraft Jakobs; die Inbrunst Deines Dieners Moyses; die Vertraulichkeit Samuels; die Andacht Davids; den Gebetseifer des Elias; die Zuversicht Daniels; das kühne Vertrauen aller Heiligen des neuen Bundes, welche je zu Dir beteten! Laß mich, o Herr, nie vergessen der Tausenden von Betern, welche Du schon erhörtest! Lehre mich recht lebendig glauben Alles, was Dein Wort sagt von der Alkraft des Gebetes, von der Erhörung des glaubenvollen Flehens! Gib mir Unwürdigen, was Du Andern gabst, die Menschen waren, - 4 und gleichen Versuchungen unterworfen, wie ich es bin! Wehre der Trägheit! Verscheuche fern jeden bösen Zweifel! Ersticke in seinem Keime jedes Mißtrauen! Verbanne jede Zerstreuung! Entferne jeden fremden Gedanken! Unterstüße jedes Streben nach Andacht! Sei mir gewisser, als alles Gewisse, wenn ich bete! Gegenwärtiger, als alles Gegenwärtige! Zerstöre, reisse nieder jede Scheidewand zwischen Dir und mir! Deffne mein Herz Deinen segnenden Einflüffen, Deiner spürbaren Huld, Deiner augenscheinlich stärkenden Allmacht! O Du, der das Auge gestaltet hat, laß mich nie daran zweifeln, daß Du stets auf mich herniederschaueft! Du, der das Ohr gepflanzt hat, nie zweifeln laß mich, daß Du mein Nufen vernimmst! Du, der Alles wirkt in Allem, laß mich nie zweifeln, daß Du auch Deinen Einfluß erwahrest an mir, daß Du auch mir Alles anerschaffen kannst, was Dir wohlgefällig ist! D Du, der Tausende erhört hat, laß es mir gewiß werden, daß es Dir nicht an Willen und Kraft und Liebe fehlt, auch mich zu erhören! Ein theuerwerthes, hochbeglückendes, beseligendes, heiliges, gewisses Wort sei mir die Aufforderung, 5 welche Du durch den Mund Deines ewigen Sohnes, unsers Herrn und Gottes, Jesus Christus, ausge= sprochen haft:„ Bittet, so werdet ihr empfangen!" Ermunternd sei mir auch das Wort: ,, Bittet, und ihr werdet erhalten, daß eure Freude vollkommen fei!" Meine Unwürdigkeit mache mich demüthig, aber nicht verzagt. Deine Gnade heile alle meine Gebrechen! Deine Kraft vermag meine Schwachheiten alle zu befiegen! Vater meines Erlösers, Jesus Chriftus! lehre mich beten, in Seinem Namen, als Sein treuer Jünger und Nachfolger! Sende Dein Licht in meine Nächte! Dein heiliger Geist, der von Dir und dem Sohne ausgeht, wirke in mir unaussprechliche Seufzer des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe! Er treibe mich an, und feure mich an zum Gebete! Er bezwinge Alles in mir, was die Gebetsluft ersticken, die Gebetskraft schwächen dürfte! O Du, Vater, Sohn, und heiliger Geist! Du, der Alles vermag über Bitten und Verstehen, erhöre mein Flehen! laß meine demüthige Bitte: um die hohe Gnade würdig zu beten, nicht fruchtlos sein! Amen. 6 Tägliche Andachten. Andacht am Morgen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Mein Gott! zu Dir erwache ich im neuen Glanze des Lichtes! Neige gnädig Deine Augen hernieder auf mich, Vater und Erhalter meines Lebens! Würdige Dein auf seinen Knieen vor Dir in Andacht liegendes Kind eines Blickes Deiner reinen Liebe und Huld! Laß Dir wohlgefallen meinen Dank für den Schuß, womit auf Dein Wort die heiligen Engel an meinem Lager wachten, damit kein Unfall meines Körpers Ruhe und Schlummer stören möchte! Empfange Dank auch für die neue Lebensluft, welche freudig izt durch meine gekräftigten Adern strömt! Segne, o mein Vater! mein Tagwerk, damit es begonnen und vollendet werde zu Deiner Ehre, zum Nußen meiner Mitmenschen, zu meinem Seelenheile! Verleihe mir, was ich bedarf! Nimm von mir, was mir schaden dürfte; auch dann, wenn es mein thörichter Wunsch wäre, es zu befißen! Schenke Kraft meinem Körper zur Thätigkeit in meinem Berufe! erhelle meine Seele, die Wunder Deiner Fügungen täglich beffer zu erkennen; laß mich durch Alles, was ich thue, Deiner Vaters liebe, wornach ich einzig trachte, immer würdiger werden! Jesus Christus! mein Herr und mein Gott! Dein göttlich- menschliches Bild schwebe heute fiets vor meinem Blicke, damit ich strebe Dir immer ähnlicher zu werden! öffne mein Herz der Liebe, tilge jede Leidenschaft des Stolzes, des Zornes, des Neides, der bösen Luft in mir, damit ich demüthig, fanft, theilnehmend, keusch und rein werde, wie Du! 3ft mir heute Angenehmes bestimmt: so laß es mich mit frohem Aufblicke zu Dir genießen; soll aber ein Leiden Thränen meinem Auge entlocken: Herr! Dein Wille geschehe!" Du trankft ja den bittersten Kelch! Nur sei mir heute und immerdar gnädig um Deines Versöhnungstodes willen! Heiliger Geift der Wahrheit, der Du schwebeft über der dunkeln Erde, begabe mich mit Einsicht, daß ich weise werde, stark, wahr, geduldig, klar über mein Vollbringen, und rein in meinen Begehrungen; auf daß ich richtige Pfade wandle, und auf der Himmelsbahn nicht strauchle! Was ich rede, denke, schreibe, alles feien Deine heili 8 gen Eingebungen, und ihre Wirkung auf Andere fei Dein himmlisches Werk! Heiligste Dreifaltigkeit, segne und erhalte mich, auf daß Dein Name geheiligt werde in mir, durch mich; daß Dein Reich lebe in mir, und von mir Dein Wille geschehe immerdar! Maria! Mutter meines Gottes, heilige, unbefleckte Jungfrau! Deine Freude war es hienieden, den Willen Gottes in Allem zu vollbringen; Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn!" sprachst Du flets, und wandelteft unfträflich in allen Gcboten! Dein Muster sei mir ermunternd, das Geseß des Herrn zum Grunde aller meiner Gedanken und Handlungen zu machen, auf daß ich auch, wie Du, beseligt werden möge! Erflehe mir, mächtige und gütige Jungfrau, Segen zu diesem heiligen Entschlusse! Ihr heiligen Schußgeister! die der Herr ausgesandt hat zu unserm Heile, wachet über mich, damit ich stets, wie ihr, den Willen Gottes vollbringe; ich empfehle mich euerer sichern Leitung; warnet, tröstet, belehret mich, euern Pflegling! Im Himmel will ich euch ewig danken! Shr Heiligen Gottes, bittet bei dem Herrn, daß ich heute und immerdar Gott lieben, Jhm 9 glauben, auf 3hn hoffen, Ihm trauen möge, wie ihr es thatet; daß ich kämpfe, wie ihr, und aus= harre im Guten, bis die letzte Stunde schlägt! Amen. Lebens- Weisheit. Lebe ftets so, wie du dereinst auf deinem Sterbebette, und vor dem Richterfluhle Gottes wünschen wirft, gelebt zu haben: und dann haft du weise, glücklich, fromm gelebt, und deiner harret ein ewigseliges Leben! Andacht am Abend. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen. Herr der Welten! ehe ich meinen Körper dem Schlummer und der Ruhe überlasse, muß fich meine Seele noch anbetend und dankend zu Dir emporheben! Du hast heute wieder mich genährt durch das Brod des Leibes, und das Wort des Lebens; hast mich geprüft nach Deinem Rath, mich, wie an Vaterhand in Huld geleitet; mich 1* 10 erfreuet durch Deine Liebe! Ich preise Deinen Namen, und bete Dich in Demuth an; breite Deinen Schuß über mein Lager, und gewähre mir eine ruhige Nacht! Ist es mir mit Hülfe Deiner mächtigen Gnade heute gelungen, nur in etwas Deinem heiligen Willen zu genügen, so bleibe mir dieser Tag gefeiert! Habe ich aber gefündiget vor Dir, Gerechtefter, o so flehe ich hier auf meinen Knieen reuevoll um Deine barmherzige Vergebung und um Kraft zur Buße und Befferung meines Wandels. Göttlicher Erlöser, der Du durch das an betungswürdige Wunder der Menschwerdung auch meine Sünden auf Dich nahmst, wende Deinen Liebesblick nicht von Deinem schwachen Erlösten; schaue, wie einst auf Petrus und Magdalena, so auch auf mich versöhnend herab; verbirg mich in Deine heiligen Wunden; schließ mich gütig ein in Deine Mittlerarme, und wehre dem bösen Feinde durch das Siegeszeichen Deines heiligen Kreuzes, daß er keine Macht ausübe über mich, noch in bösen Träumen Täuschungen mir vorspiegle, die meinen Geist irre leiten, und meiner Einbildungskraft eine falsche Richtung geben könnten, auf daß ich schlafend, wie wachend, im 11 Schirme Deiner hulbvollen Liebe ficher athme und lebe! Du aber, heiliger Geist, empfange meinen Herzensdank für jeden Rath, den Du mir heute mittheilteft; für Alles, was Gutes war durch Dich in meinem Beschließen; durch die heitere Hoffnung einer besseren Zukunft, die Du in mir ftets nährteft! Sende Deine heiligen Boten, die freundlichen Engel, zu mir, und laffe sie über mir walten, und über allen meinen Mitgeschaf fenen, in dieser Nacht; und auch wenn der Körper schläft, die Seele erfüllen mit heiligen Bildern! Heilige Dreifaltigkeit laß den Troft Deiner Liebe fanft mich einwiegen! Nimm alle meine Verschuldungen, welche ich herzlich bereue, von mir, auf daß Deine Gnade und Leitung mir nicht fehle zur Besserung! Segne mich mit Deinem Frieden; erhebe Deine Augen auf mich zum gnädigen Schuße; behüte mich wachend und schlafend izt und in Ewigkeit! Liebe Mutter Gottes! Du Hülfe der Chriften! Du Zuflucht der Sünder! flehe bei Deinem göttlichen Sohne, daß Er Sich meiner erbarmen wolle, und, wenn diese Nacht die letzte wäre, zu 12 mir sprechen möge: ,, Heute noch wirst du bei Mir sein im Paradiefe!" Ihr Heiligen Gottes, bittet für mich, daß ich, wenn der liebe Vater im Himmel mein Hiersein verlängert, stets wachsen möge in Gnade und Weisheit, und die künftigen Tage reiner, Gottähnlicher beschließen möge, als den heutigen! ad Gott, Vater, Sohn, heiliger Geist! Dir leb' ich, Dir sterb ich, Dein bin ich todt und lebendig! Andacht bei dem heiligen Mellopfer. da 13 Eingang. Welch ein seliges Geschäft ist die andachtsvolle Unterhaltung mit Dir, guter Vater im Himmel, und Deinem eingebornen Sohne Jesus Christus, den Du aus unendlicher Liebe vom Throne der Herrlichkeit in die Armuth der Erde herniederfandteft, damit durch seinen Tod am Kreuze die Sünder gerettet würden, und versöhnt durch seine Aufopferung für ihr Heil! Wie fühl' ich in fol chen Augenblicken meinen Geift erhoben über alles Irdische, mein Herz gestärkt und erfreut, wenn ich erneuert sehe im ehrwürdigen Tempel und vergegenwärtigt dieses allerheiligste Opfer! Wie freu' ich mich da der Begnadigung, welcher Du uns gewürdigt! Wie fühl ich mich aufgemuntert, meines Herzens Wünsche und Empfindungen in Ehrfurcht und demüthiger Ergebung Dir zu eröffnen! Da frohlockt meine Seele, daß fie Dich erkennen, lieben, anbeten kann, da 14 empfindet sie inniger die Himmelswonne, Dich, Vater, nennen zu dürfen; da getröftet fich mein Herz Deines allmächtigen Schußes, und Deiner weisen Führung! Lobe den Herrn, meine Seele! und Alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen; vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat; auch dann nicht, wenn Kummer und Schmerz dich ängstigen, Furcht und Besorgniß dich quälen sollte. Bergiß nicht, daß du zu Dem beteft, welcher überschwenglich wohl thut über alles, was du bitteft und versteheft! Gott, was soll ich ist, wo Du uns Bittende im Namen Jesus, so gerne erhöreft, von Deiner Güte erflehen? Du kenneft alle meine Hoffnungen, alle Wünsche und Bedürfnisse meiner Seele; Du weißt, welche Gebrechen mich drücken, welche Uebel mich beunruhigen, und wie mich das Bewußtsein quält, daß ich so oft Deine Gnade verscherzte! Nimm, durch dieses allerheiligste Versöhnungsopfer Alles von mir, was Deinen Augen mißfällt! Siehe, ich spreche mit Deinem geliebten Sohne in voller Ergebung: Nimm hinweg das Glück, das Du mir geschenkt, die Freude, mit welcher Du mein Herz erfüllet, nimm selbst das Leben von mir, welches Du mir so lange durch Deine Güte ge 15 fristet haft: nur laß mich Deiner Gnade und Liebe gewiß sein, in dem Bewußtsein meines innern Richters, in der Gewißheit deinen Segen er= rungen zu haben, durch Jesus Chriftus, durch die Treue meiner guten Entschließungen, durch das inbrünftige Verlangen nach Deinem Wohlgefallen! Allgütiger, ich opfere Dir dieses heilige Lamm, das hier auf dem Altare geschlachtet wird, wie ehevor auf Golgatha, für die Angelegenheiten der heiligen Kirche, threr Vorsteher und Aller, welchen das Heil der Seelen anvertrauet ist! Ströme über fie die Fülle Deines Segens hernieder! Ich flehe für alle meine Mitgeschaffenen, für Alle ist dein Sohn gestorben! O wie viele Bedrängte, Leidende, Kranke, Sterbende mögen heute wieder Dein Antlig suchen? Laß fie es gnädig finden; blicke auf sie mit erbarmender Liebe; damit in Palästen und Hütten der Troft des Glaubens und der Hoffnung von Allen empfunden werde, die nach Labe sich sehnen! Versage Deine Gnade auch Jenen nicht, die Deiner unwürdig, zu stolz sind ihre Kniee vor Dir zu beugen! Laß durch diese heilige Handlung die Sünder gebeffert, die Schmachtenden erquickt, die 16 Sterbenden selig vollendet werden! Herr, wir laffen Dich nicht, Du habeft uns denn Alle gefegnet! Chriftus, erbarme Dich unser, erhöre unser demüthiges Flehen! Jeff an Der Lobgesang. D, befter aller Väter, wie, Wie können wir Dir danken?... Wie ohne Nam' und Schranken! D Liebe! von dem höchsten Thron Der Himmelsthronen kam Dein Sohn, Dein Eingeborner nieder! In Finsternissen irrten wir, Befleckt von Wahn und Sünden! Den Weg zur Wahrheit und zu Dir Wie konnten wir ihn finden? Wir sehneten uns immerdar Nach Luft, die uns Verderben war, Und hatten Dein vergessen! Doth Du vergaßest unser nicht, Dich jammert das Verderben! Mit liebevollem Angesicht Sprachst Du: ,, Ihr sollt nicht sterben! 17 „ Der Sünder ist noch Mensch, und Mein! Soll besser werden, selig sein! ,, Sei, Sohn! der Todten Leben! Da famest Du, o Jesus Chrift, Mit göttlichem Erbarmen, Mit Allem, was des Vaters ist, Hernieder zu uns Armen! Und Du, durch Den die Welten sind, Du Hocherhab'ner, wirft ein Kind, Wirft Bruder der Verlornen! tub? D sei mit dankerfüllter Brust Gepriesen, großer Retter! Du, unser Bruder, höchste Luft! Herr, Mittler, Heil, Vertreter! Unendlich mehr haft Du gethan, Als je ein Mensch erfassen kann! Anbetung Dir, und Liebe! Gebet. Allgegenwärtiger, sei immer nahe meinen Gedanken, sei nie fern von meinem Herzen! Alles, was Dir gefällt, gefalle auch mir! Dein Wille fei der meinige! Dein Gesetz sei mir lieb, wie Du selbst; Du aber sei mir lieber als Alles, 18 was ich liebe! Laß täglich meinen Geift wachsen in Deiner Erkenntniß, und lebendiger fets inne werden, daß dieses das ewige Leben ist. Flöse mir tiefen Abscheu ein vor allem Unrecht! Bewahre mein Herz vor Thorheit, Sünde und Lafter! Halte rein meine Lippen von jedem Worte des 3ornes, der Unwahrheit, der Verlänmdung! Erwecke mich zu wahrem Ernste an meiner Veredlung zu arbeiten! Laß mich Dir treu bleiben bis zum Tode! Diese Gnaden erflehe ich von Dir, himmlischer Vater, im Namen Jesus, Deines Sohnes, Der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Die Epistel. " Ich ermahne euch, daß ihr des Berufes, der an euch ergangen, würdig wandelt; Mit aller Demuth und Sanftmuth, mit schonender Nachficht ertrage einer den Andern in Liebe! Laffet euch recht angelegen sein: Einigkeit des Geiftes durch das Band des Friedens zu erhal ten! Ein Leib und Ein Geist: so wie auch the berufen worden zu Einer Hoffnung eueres Bea rufes; Ein Herr, Ein Glaube, eine Taufe, Ein Gott und Vater Aller, der da ist über Alle, und 19 durch Alle, und in uns Allen. Einem Jeden von uns ist die Gnade zu Theil geworden nach dem Maße der Gabe Chrifti.... Wandelt nicht mehr, wie die Heiden, in der Thorheit des Sinnes, verfinstert im Verstande, entfremdet dem Leben aus Gott; leget den alten Menschen ab, erneuert euch nach Geift und Sinn; ziehet an den neuen Menschen, der nach Gott gebildet ist, in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit." ( Paulus an die Ephefer IV. Kap.) Evangelium. " Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du diese Dinge den Weisen und Klugen verborgen, aber den Kleinen geoffenbaret haft! Ja, Vater, so gefiel es Dir! Alles ist Mir von meinem Vater übergeben; und Niemand kennt den Sohn, als der Vater, so wie Niemand den Vater kennt, als der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will! Kommet her zu Mir Alle, die ihr mit Mühen und Lasten beladen seid, Ich will euch erquicken; nehmet Mein Joch auf euch, und lernet von Mir, denn Ich bin sanftmüthig, und von Herzen demüthig, 20 und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele; denn Mein Joch ist sanft und Meine Bürde leicht." 11 So wurde in Jesus erfüllt, was durch den Propheten Isaias gesagt ist, da er spricht: Siehe, Mein Diener, Den ich mir außersehen habe, Mein Geliebter, an Dem Meine Seele Wohl= gefallen hat: Auf Ihm wird Mein Geist ruhen, und Er soll den Völkern das Recht verkündigen; Er wird nicht zanken, noch schreien; Niemand wird auf den Straßen Seine Stimme hören; das geknickte Rohr wird Er nicht brechen, und das glimmende Docht nicht löschen, bis das Recht wird gesiegt haben. Dann werden die Völker auf Ihn vertrauen." ( Matthäus XI. t. XII.) Das Glaubensbekenntniß. An Dich glaube ich, o Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde! Unendlich ist Deine Güte, Deine Weisheit unergründlich, tröstlich Deine Liebe und Allmacht, nachahmungswürdig Deine Heiligkeit und Gerechtigkeit! Allgegenwärtig, allwissend, ewig, unveränderlich, vollkommen bist Du! Du bist Vater aller Deiner Geschöpfe nach Deinem Bilde! Du liebeft die 21 Frommen, und züchtigeft die Sünder, um sie zu bessern und zu befeligen. Ein dreieiniger Gott bift Du! Ich glaube an Jesus Christus, den Eingebornen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Er ist das Wort vom Anfange, ist Gott, wie der Vater; Er wurde empfangen von dem heiligen Geiste und geboren aus Maria, der allerseligsten Jungfrau; uns Sündern zu Liebe nahm Er Fleisch an, und erniedrigte sich bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Er wurde in eine versiegelte Felsengruft begraben, aber, wie Er geweifsagt, erstand Er am dritten Tage aus dem Grabe, und vierzig Tage nachher fuhr Er wieder empor, zur Rechten des Vaters Sich niederzuseßen und zu herrschen über Alles, bis Er wiederkommen wird in den Wolken des Himmels, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den heiligen Geift; Gott ist Er, wie der Vater und Sohn, mit Ihnen wird Er verherrlicht und angebetet. Er ist's, Der durch den Mund der Propheten, der Apostel zut uns geredet. Der uns heiligt im Bade der Wiedergeburt und uns einweihet zu Seinem Heiligthume. Durch Den aller Segen unsrer 22 Handlungen, durch Den alle guten Gedanken kommen! Ich glaube eine einzige wahre, heilige allgemeine, apoftolische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, eine allgemeine Auferstehung des Fleisches, und endlich erwarte ich, o mein Gott, o allerheiligste Dreieinigkeit, voll tindlichen Vertrauens auf die une endlichen Verdienste meines Versöhners ein ewiges, seliges Leben! Amen. Die Aufopferung. Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! Nimm dieses unbefleckte Opfer, welches ich Dir mit Deinem Stellvertreter auf Erden, dem Pries ster, darbringe, mit Wohlgefallen auf! Tilge durch dasselbe unsre unzählbaren Vergehungen und Sünden! Laß es ein Versöhnungsopfer werden für alle Menschen, für alle Lebenden und Abgestorbenen! Erhöre unser Flehen, um Deines Sohnes willen, der Sich für uns in den Tod gab! Lehre in Dir und sonst nirgends unsre Seelen ihr Heil erkennen; veredle zur Freude in Dir den Genuß der Glücklichen, und der Dulder stilles Sehnen nach Erlösung! Laß strömen den Segen dieses heiligen Opfers über Kirche und 23 Staat, daß er Alle Deine Kinder zu Dir wohlgefälligem Leben weihe. Schenke Freude allen frommen Eltern an ihren Kindern, allen treuen. Arbeitern an ihrem Tagwerke; Seelenfreude gib, wem Du Prüfung bestimmt; erschüttere die Zweifelnden, daß sie glauben; tröste die Zagenden, daß sie ihrer Sorge vergessen; labe die Kranken, daß fie Leben und Tod Dir anheimstellen; die Sterbenden laß nicht blos die nahe finstere Erdengruft, sondern den hellen Himmel offen sehen! Freude und Seligkeit schenke Allen, die noch in den Peinen des Reinigungsortes geläutert werden von den Schwachheiten der Erde, und las fie bald schauen Dein Vaterantlig! So opfern wir Dir Alles auf, Leib und Seele. Mache mit uns nach Deinem Wohlgefallen. Wir sprechen mit dem wahren Opferlamm: ,, Herr! Dein Wille geschehe in Allem!" Die Präfation. Lasset uns unsere Herzen empor zum Allerhöchsten erheben. Danken wollen wir Dir, Vater im Himmel, und preisen deinen heiligen Namen. Du bist würdig, zum empfangen Lob und Preis und Ehre und Ruhm. Du haft Dich geoffenbaret 24 als die Liebe, da Du uns sandteft Deinen Eingebornen, Jesus Christus, damit Alle, die an Ihn, den Weg, die Wahrheit und das Leben glauben, nicht zu Grunde gingen, sondern selig würden! Billig und gerecht und heilsam ist es, Dir an allen Orten und in Ewigkeit unseren Dank darzubringen für Deine unendliche Erbarmung, Dir, den Allerheiligsten, dem Allmächtigen, dem Ewigen. Alle Engel und Erzengel fingen durch Jesus Christus Dein Lob, preisen Deine Majestät und Herrlichkeit; alle Gewalten beten Dich an; alle Mächte fürchten und verehren Deinen heiligen Namen! Ja die Himmel alle, und alle Kräfte der Himmel, die heilige Schaar der Cherubim und Seraphim preifen vereint Deine Gottheit, Deine Güte und Barmherzigkeit im höchsten Entzücken der reinsten Wonne. Vergönne uns, o Herr, daß wir unsere schwachen Stimmen mit dem Jubel der seligsten Geifter vereinigen, und mit ihnen Dir zujauchzen können: Heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, unser Gott! Hosanna dem Allerhöchften! Angebetet fet, Der da kommt im Namen des Herrn! 25 Die Stillmesse. Vergegenwärtigen will ich meinem Geiste izt die Größe des Opfers, welches Du, o mein göttlicher Erlöser, für unser Heil darbrachteft! Speise und Trank war es Dir, zu thun den Willen des Vaters, der Dich gesandt hat. Zeit, Ruhe und Lebensgenuß und jede Kraft des Geistes und Körpers wendeteft und wagtest Du an diese große Aufgabe, und als dieses alles nicht hinreichte, brachtest Du Dein Leben dar, opferteft hin Dein Fleisch und Blut! Nie ist am Altare Gottes ein heiligeres und herrlicheres Opfer gefallen! Du kamst den Sünder zu verföhnen; den Irrenden auf den Weg der Wahrheit zu leiten, den verschlossenen Himmel zu öffnen, ach, und die Menschen verkannten, verfolgten Dich, erklärten Dich für ein gefährliches Haupt, das nicht länger geduldet werden dürfe; treu dem Rufe des Vaters willst Du dennoch das begonnene Werk der Erlösung vollführen und ein Opfer desselben werden! Du eileft nach Jerusalem, um nach der Vorschrift des Vaters, das Ostermahl zu genießen. Mit den Zwölfen setest Du Dich zum Tische, mit dem Gefühle: Der Christ. 5. Auflage. 2 pom 26 dies sei zum Abschiede, und Du werdeft hienieden nicht mehr trinken vom Gewächse des Weinstockes, sprichst Du: ,, Mich hat herzlich verlangt, dieses Mahl mit euch zu halten, ehe Ich leide." Nun erhebst Du Dich, nimmst das Brod in Deine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhebest dankend Deine Augen empor zu Deinem himmlischen Vater, fegneft es, brichst es, und reichest es Deinen staunenden Jüngern dar, mit den Worten:„ Nehmet hin, und effet Alle davon: dieses ift Mein Leib, der für euch hingeopfert wird, indem Ich sterbe, wird für euch das Heil geboren. Aus den Trümmern dieses Leibes ersteigt das verheiffene Gottesreich, und herrlich wird es da stehen!" Nun ergreifft Du, o mein Jesus, den Kelch, gefüllt mit dem Weine des Festes, dankeft dem Vater im Himmel, segneft ihn, und bieteft ihn Deinen Jüngern dar und sprichst: ,, Trinket Alle daraus, das ist Mein Blut, das für euch und für Viele wird vergoffen werden zur Vergebung der Sünden! Thut dieses zu meinem Gedächtniffe! Erinnert euch an meinen Versöhnungstod; Ich liebte euch mehr als Mein Leben! O bleibt in Meiner Liebe, damit J3ch auch bleiben möge in euch!" Univ.- Bibl. Giessen 27 Wandlung. O mein Jesus, was Du dort in Jerusalem am Vorabende Deines Leidens thateft, erneuert nach Deinem Befehle der Priester hier auf dem Altare! Ich bete Dich hier im Staube an, unter den Gestalten des Brodes, gegenwärtiger Gott! Ich glaube an Dein Wort, Du bist die ewige Wahrheit; ich hoffe von Deiner unendlichen Güte Vergebung meiner Sünden und ewiges Leben; ich liebe Dich über Alles, Du bist das liebenswürdigste Gut! Ich bete hier unter den Gestalten des Weins Dein heiliges Blut an, und flehe: laß es an mir nicht umsonst vergoffen sein; wasche ab durch dasselbe Alles, was Dir an mir mißfällt, damit ich sei ein wahres Bild Gottes auf Erden! Dir, o Jesus, will ich mein Leben weihen, Du gabft ja auch für mich das Deinige! Dir, o Jefus, empfehle ich meinen Tod, laß auch mich Dir nachstammeln können in der Abschiedsstunde:" Herr, es ist vollbracht! In Deine Hände sei mein Geift übergeben!" Dein will ich sein, o Jesus, todt und neulebendig! Nach der Wandlung. Göttlicher Heiland! Du hast Dich Deinem 28 himmlischen Vater zum Versöhnungsopfer für unsere Sünden hingegeben, o laß mich ist einige Augenblicke verweilen bei der Größe Deiner Leiden, damit ich Deine Liebe und meine Vergehen recht einsehen möge! Wer vermag Dir, o Jesus, die Schmerzen nachzufühlen, welche Deine heilige Seele durchdrungen! Welches Wort schildert uns Deine Marter! Ohnmächtig, bis zur Erde gesenkt, betrübt bis zum Sterben, liegst Du da, und erringest in lautem Flehen Stärke Dir vom Himmel, um nicht zu versinken in der Leiden Tiefe. Schon haben Dich die Schauer des furchtbarsten, qualvolleften, schimpflichsten Todes era griffen; Blut, wie Schweiß, träuft von Deinem bleichen Angesichte. Nun erscheint eine unmenschliche Rotte von Kriegsknechten, Judas an ihrer Spiße, Dein Jünger! Du wirst verrathen durch einen Kuß, gefesselt, wie der größten Verbrecher Einer; wirst Deiner Gewande beraubt, gegeiffelt, in's Angesicht verhöhnt, geschlagen; wie ein Betrüger und Thor verspottet; Dornen durchbohren Dein göttliches Haupt. Ach, wo ist ein Schmerz dem Deinen gleich! Nun sehe ich Dich wegges schleppt, ein schweres Kreuz beugt Dich Entkräfteten nieder; Du wankeft zur Schädelstätte, wirft It ein 29 auf's Kreuz niedergeworfen, Hände und Füße werden Dir durchbohrt, erhoben schwebeft Du nun, und beteft für Deine Mörder, und wie Liebe Dein Leben, so auch Dein Tod nur Liebe, und Ergebung! O ich muß weinen, wenn ich Deiner Schmerzen gedenke, und doch auch vor Freude jubeln, wenn ich erkenne, Du habeft mich erlöset, habeft mir den Namen: Kind des Vaters im Himmel, und Erbe Seines Reiches, wieder erworben! O mit welcher Zuversicht darf ich nun zu Gott emporflehen, und Dir nachsprechen das Gebet, so Du uns gelehrt haft: Das Gebet des Herrn. Vater Unser! der Du droben Ueber alle Welten thronft: Haft zu Kindern uns erhoben, Die Du minder strafft, als schonft. Dir zum Tempel sei die Erde, Unser Geift und Herz geweiht, Daß darin geheiligt werde Deines Namens Herrlichkeit! Laß Dein Reich, das für die Frommen Hier auf Erden schon beginnt, 30 Einstens zu uns Allen kommen, Die wir Deine Kinder find! Möge nie, o nie vergebens Zu uns sprechen Dein Gebot! Und für jeden Tag des Lebens Gib uns unser täglich Brod! Laß dem Friedenssinn uns weihen, Daß wir mit versöhntem Geist Unsern Schuldigern verzeihen, Wie Du unsre Schuld verzeihst! Gieb uns Deine Kraft zur Seite Auf dem anstoßvollen Pfad; Hilf uns, wenn mit wildem Streite Sich uns die Versuchung nah't! Las im Kampf der Leidenschaften, Wenn mit uns das Böse ringt, Nicht an uns das Böse haften, Das uns um den Himmel bringt! FEESTE Die Kommunion. Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Ach, wie wehe thut's meinem Herzen, daß meine mannigfachen Sünden und Schwachheiten mich ferne halten von Deinem heiligen Mahle! Ich 31 bin nicht würdig, daß Du, der Reinste, eingeheft in mein unreines Herz! Sprichst Du aber nur Ein Wort: so genese ich von aller Seelenkrankheit, so weichen die bösen Geister der Erde und der finnlichen Lüfte! Nein, o mein Erlöser, ich schmachte nicht vergebens nach Dir, Du wirst auch zu mir kommen, und stillen den Durst des Schmachtenden, und sättigen mit dem Brode des Lebens den Hungernden nach Gerechtigkeit! O mit welcher sehnsuchtsvollen Erwartung, mit welcher heiligen Inbrunft sehe ich jenem seligen Augenblicke entgegen, da ich erscheine an Deinem Tische, und der Priester mir darreicht Dich, das Lamm Gottes; welches alle Sünden der Welt tilgt! Wo ich vereint werde mit Dir; wo nicht mehr ich lebe, sondern Du lebest in mir! O Seligkeit des Himmels! Sch Dein, Du mein! O meine Seele zerfließe in Dankesthränen! Dein Herr will zu dir kommen, und Wohnung bei dir nehmen! O komme, Jesus, komme, komme bald! Schlußgebet. Göttlicher Sohn des ewigen Baters, Jesus Christus! Du haft uns durch Lehre und Beispiel in Deinem Erdenwandel, vorzüglich aber in Dei10 32 nem Opfer am Kreuze, welches hier auf dem Altare erneuert worden, deutlich gezeigt, wie wir Gott und den Nächsten lieben und ehren müßten, um das ganze Gefeß zu erfüllen! D, wir flehen Dich an, durch dieses heilige Versöhnungsopfer, grabe Du selbst dieses hohe Geseß der reinen Gottes und Nächstenliebe tiefer in unser Herz ein; daß alle unsere Gedanken, Worte und Werke mit solcher Liebe beginnen und enden! Gib uns Deinen Erlöseten, auch die Gnade, daß wir Dich recht erkennen, Den der Vater zu unserm Heile gesandt hat, auf daß wir durch Dich, durch Den wir allein zum Vater kommen können, das ewige Leben gewinnen! Wenn wir Dich suchen, Dich in unserm Wandel darfstellen, Dich bekennen in Wort und That, Deine Lehren befolgen, Dir zu Liebe alle Widerwärtigkeiten geduldig leiden: so wirst Du uns dereinst gnädig sein als Nichter der Lebendigen und Todten! Erhöre unser Flehen, o Jesus, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebst und regierst, als gleicher Gott in Ewigkeit. Amen. Schluß der heiligen Messe. Wie Gott, so liebst auch, Jesus, Du! Du kamst zu uns, o Gnade! Und eilteft den Verlornen zu; Und gingst der Menschen Pfade! Mit Deiner Kraft, mit Deinem Blick Bracht'st Du zum Vater sie zurück; Bist unser Mittler worden! O Du, durch Dessen Blick und Hand, Gott, Sonn' und Sterne lenket, Du, Deffen Hoheit kein Verstand Kein Engel überdenket, Du nahmft, Du Gott, die Menschheit an, Und Menschenschwachheit; ach, wer kann, Wer kann im Staub' Dir danken! In Ohnmacht, Blöße, Noth und Schmerz Sinkst Du aus Gottesfreuden, Herab aus Licht in Nacht; Dein Herz Will Menschenleiden leiden Will lernen in der herbsten Pein Gott duldend, Gott gehorsam sein, Uns Gottes Tugend lehren! 33 Bei Gott, Selbst Gott, und göttlich- reich, Der Schöpfer aller Wesen, 2* 34 Erschienst Du Schwachgebornen gleich, Die aufblüh'n und verwesen! Du weintest, hülflos, dürftig, bloß, Gleich Sündenkindern auf dem Schooß Der jungfräulichen Mutter! Du saheft Deinen Tod vorher; Sah'st Dich voll Schweiß im Garten; Sah'st ein unendlich Qualen- Heer Auf Deine Seele warten: Doch kamst Du zu uns, kamst, und bliebst; Wie Du uns unaussprechlich liebst! Bliebst bei uns, litteft, ftarbest! Anbetung unfrer Lippen Dir! Anbetung warmer Herzen! In Freudenstunden preisen wir, Wir preisen Dich in Schmerzen! D Du, der unsre Noth erfuhr, O wären wir Anbetung nur, Nur Lieb' und Freudethränen! Andacht vor der Beicht. 35 Bater, ich habe gefündigt in den Himmel und vor Dir, ich bin nicht werth Dein Kind zu heißen! So muß ich ist in Demuth, in Herzenszerknir= schung zu Dir flehen, mein Herr und mein Gott, wenn ich mein Leben, meinen Wandel vergleiche mit Deinem heiligen Gefeße! Ich bin ein Sünder. Vor Dir und meinem Gewissen bin ich mit vielen Schulden beladen. Wie darf ich, Allwissender, Herzenskenner, nur noch an Deine Allwissenheit denken? Welche Scham sollte mich niederbeugen? Welcher Schrecken über mich selbst follte mich durchschauern? Welche Thränen der Wehmuth und Reue sollten meinen Augen ent= strömen? Wie tief hab' ich mich erniedrigt! Was soll ich sagen, o mein Gott? Um welche Gnade darf ich Dich noch anflehen? Was ist furchtbarer, aber nöthiger ist für mich als Erkenntniß meiner Sünden und der Schändlichkeit derselben? Was ist mir nöthiger, als Deine Huld, Deine Vergebung? Ich bitte und ersuche Dich, Allgütiger, 36 um diese Gnade mit aller Kraft, mit welcher ich flehen kann! Es ist an keine Buße zu denken, wenn ich nicht klar einsehe, wie verderblich für mich, und wie schändlich in Deinen Augen die Sünde ist! Ach, mein armes Herz will nicht daran, diese Schändlichkeit tief genug einzusehen! Mir ist oft, als ständ' ich in einem heimlichen Einverständnisse mit der Sünde, auch wenn ich wider sie kämpfe. Gott, entferne diesen Leichtfinn und diese Doppelherzigkeit! Dein heiliger Geift erleuchte mich jeden Tag heller einzusehen, wie mißfällig Dir die Sünde ist! Er stärke mich, sie immer muthiger zu bekämpfen! Nichts sei mir verhaßter, als das, was Dir verhaft ist! Ferne bleibe von meinem Herzen, was es befleckt, was mein Gewissen beunruhigt! Sünde, häßliche Sünde fei mir alles, was mich von Dir entfernt, oder mir das Andenken an Dich und Deine Liebe erschwert; Alles, was Dich, lieber Vater, mir furchtbar machen dürfte! So oft ich ja wider meine Ueberzeugung handle, so raube ich mir die frohe Zuversicht, mich Dir zu nahen; das weiß ich, und doch vergeff' ich es so oft wieder. Darum flch' ich mein Vater, laß immer herzlicher werden meinen Abscheu gegen das Böse, zärter meine 37 Gewissenhaftigkeit, ftrenger und fester meine Pflichtliebe, inniger meine Luft Dir wohlzugefallen, treuer, wärmer meinen Eifer, unsträflich vor Dir erfunden zu werden. Barmherziger Vater, vergib mir meine Schulden! Was Du allen reuevollen Sündern verhießest, laß auch mir angedeihen! Laß keinen Zweifel in mir aufsteigen wider Deine Bereitwilligkeit, Kraft und macht mir zu vergeben; keines meiner Vergehen kann zu groß sein, daß Du nicht durch Deinen Eingebornen tilgen könnteft.- Ja, Jesus Chriftus, Du bist mein Hoffen, mein Troft, meine Beruhigung! Entfündigung ist Deine höchste Freude, Begnadigung Deine Luft. Da Du noch als Menschensohn auf Erden lebteft, vergabst Du so gerne den Neuigen, verzicheft Deinen Todfeinden mit unvergleichbarer Großmuth; die schrecklichfte aller Sünden, Deinen Mord am Kreuze, tilgteft Du durch Dein liebevolles Flehen um Gnade! Du entfündigteft viele aus den Tausenden, die Deine Wunder sahen, und doch riefen: Kreuzige!" Auch mich wirft Du nicht verstoßen! Wer getauft ist auf Deinen Namen, eingeschrieben in das Buch des Lebens, hat Ansprüche auf Deine Barmherzigkeit. Ja, wer ein Mensch ist, hat Zutritt zu Deiner men= 38 schenfreundlichsten Liebe! Ich glaube an Deine unendliche Hüld und Allmacht. Der kennt Dich nicht, wer an Deiner Versöhnlichkeit zweifelt; der glaubt nicht an Dich, wer nicht an Deine Vergebung glaubt, wenn er bereut und vor Dir fich demüthigt. Reuige behandelft Du so, als ob fie Dich nicht beleidigt hätten; und Großmuth willst Du denen beweisen, die Du ftrafen könnteft, das glaub' ich, Allbegnadiger! Dein Name, o Jesus, verbürgt mir diesen Glauben. Er schenkt mir die Schulden, die ich ewig nicht vergüten kann! Laß ihr Andenken mich nicht entmuthigen, ihre Folgen mich nicht zu sehr erschrecken! Laß mich Deiner Huld so froh werden, wie Einer, dem eine un geheure Schuldenlast geschenkt worden ist!- Heiliger Geist! Geist des Vaters und des Sohnes, der Du mich in der heiligen Taufe zum reinen Tempel des Allerhöchsten eingeweiht, geheiligt haft, verzeihe mir, daß ich Deinen Einsprechungen so lange kein Gehör gab! Der Geist der Welt hat mich irregeleitet, ich erkenne izt meine Thorheiten, meinen Selbstbetrug, und flehe mit aller Inbrunft: Guter Geift, kehre zu mir zurück; erleuchte, tröfte, beffere, befelige mich; entferne von mir den bösen Weltgeist, den Geist P 39 des Unglaubens, der Sünde, und des Verderbens! Liebe Mutter des Erlösers, Der die Liebe selbst ist, Du bist ja die Zuflucht der Sünder! Du wärest nicht die Mutter des großmüthigen, erbarmenden Jesus, wenn du uns nicht liebteft, wie Er uns liebt. Nein, du kannst nicht hart anfassen das Wunde, leise berührst du es, du zerbricht nicht das zerstoßene Rohr, sorgfältig trägst du es, damit du es heileft. Siehe auf mein Vertrauen herab, und laß mich, armen Sünder, nicht zu Schanden werden. Siehe, liebe Mutter, ich stehe, wie ehedem du, unter dem Kreuze, wo das Blut der Versöhnung auch für meine Sünden floß, und sehe mit thränendem Auge zu meinem Heilande hinauf! O, erflehe durch deine mächtige Fürbitte deinem Pflegkinde das Trostwort in die beklommene Seele:„ Gehe hin, sei gutes Muthes, mein Kind, deine Sünde ist dir vergeben. Friede den Menschen, die eines guten Willens find!" Liebe Engel im Himmel, die ihr euch über die Rückkehr eines Sünders zu Gott mehr freuet, als über neun und neunzig Gerechte, betet für mich! D, daß meine Buße euch, selige Geister, 40 dieses himmlische Vergnügen, und mir das Glück verschaffte, cinst zu euch zu gelangen, und mit euch den versöhnten Vater ewig zu preisen! Heilige Gottes, ihr kennet unsre Armseligkeit, unsre Schwäche; ihr wandeltet voreinst auch in diesem Thale der Sünde und Versuchung. Flehet mit mir zu jener Gnade, die auch euch liebreich vergab, euch heimrettete in das Land der Ruhe, wo kein Kampf mehr uns bestürmet. Bittet, daß der Herr mir die Gnade verleihe, vollkommen zu bereuen alle Beleidigungen, die meine Sünden Ihm zufügten, daß ich alle bösen Gelegenheiten sorgfältig fliche; daß ich wache und bete, um nicht mehr in die Vergehungen des vorigen Lebens zu gerathen. Nun will ich mich aufmachen, und zu dem Seelsorger hineilen, der meine Seele retten und heilen kann; dem der Herr die Lösegewalt anvertraut. Willkommen sei mir izt die heilige katholische Kirche, diese heilige Mutter des wahren Heils. Willkommen seien mir die heiligen Sakramente, diese Arzneimittel meiner tödtlichverwundeten Seele. Wenn ich nun vor dem Priester kniee, sei es mir, als habe ich mich vor Dir, o Jesus, Sünderfreund, niedergeworfen; 41 ich will so aufrichtig sein, als wenn ich mit Dir redete; und wenn er mir die Worte der Lossprechung spricht: so will ich glauben, Du habeft fie mir zugerufen. Gib mir Glauben, Neue und Demuth, daß ich gereinigt den Richterstuhl der Buße verlasse. Amen. 42 Andacht nach der Beicht. Meine Seele lobfinge dem Herrn, all mein Innerstes preise Seinen heiligen Namen! Vergis nie, was der Herr, dein Gott, dir Gutes erwiesen. Er ist es, Der dir alle deine Sünden vergibt, Der alle deine Gebrechen heilt. Er nur ist es, Der dein Leben vom ewigen Tode errettet, und dich mit Seinen Erbarmungen, mit Seinen Gnaden, wie ein schüßender Wall umgibt. Zärtlich, wie ein liebender Vater, der seinem gefallenen Kinde gern aufhilft, hat Er auch mit dir Mitleid getragen, wie mit allen denen, die Ihn fürchten. Denn der Allwissende kennt unsre Gebrechlichkeit wohl; Er weiß es, welche Schwächen uns ankleben, die wir von Staub sind, und zum Staube zurückkehren. D Du lieber Gott, beflätige izt die Vergebung, so Du mir durch Deinen Priefter ertheilt haft, auch in Deinem ewigen Himmel, auf daß ich Deine Güte schauen, Dir unaufhörlich danken, und Dich von nun an durch ein frommes, 43 fündenreines Leben verherrlichen könne! O daß künftig nichts meinen Glauben zu erschüttern, mein Vertrauen auf Dich wankend zu machen vermöchte; daß mein Fuß nie mehr abwiche von der Bahn des Rechten, und mein Herz nie des Gelübdes vergäße, und wider Dich, Allheiliger, fündigte! Ach, es bedarf, ich fühle es tief, hier eines Mittels zur Unterstüßung feiner unbewährten Kraft, feines un befestigten Willens. Und sollte ich, ein Chrift, dessen entbehren? Nein, mein göttlicher Erlöser hat es allen irrenden Herzen empfohlen; Er hat es in einer großen Stunde Seinen Jüngern zugerufen, als Er fie befangen und überwältigt fand von menschlicher Schwäche, da Er von ihnen ging, um durch Leiden und Tod Sein erhabenes Werk auf Erden zu besiegeln. ,, Wachet und betet", so sprach Sein heiliger warnender Mund. Wache und bete! will ich mir zurufen auf der gefahrumdrohten Bahn meines Lebens; wachen soll der Geist in mir, daß kein Zweifel mich umstricke, kein Sohn der Spötter mich verwirre, kein Leichtfinn der Charakterlosen mich bethöre, keine Leidenschaft mich besiege. Beten will ich gern, kindlich, inbrünstig, und in der Erhebung des Herzens zu meinem Gott mich zurechtfinden aus Bangigkeit und Furcht, aus 3rrthum 44 und Wahn, aus Unmuth und 3erftreuung, aus Leichtsinn und Weltluft, aus Trübfinn und Schmerz. Wachen will ich, auf daß in den Geschäften meines Berufes keine Trägheit mich abstumpfe, keine Sorglosigkeit mir Nachtheil, keine Uebereilung mir Beschämung bereite; wachen bei meinem Umgange mit Menschen, daß ich, nach der Lehre meines göttlichen Heilandes, Niemanden je thue, was ich nicht will, daß mir geschehe; wachen, daß mein Inneres rein bleibe vom Gifte bösen Beispiele, damit ich bekannt, vertraut, befreundet bleibe mit mir selbst, und sich kein Feind meiner Ruhe unbemerkt in mein Inneres schleiche, wachen will ich über meinen Frieden mit Gott. Wird sie mir aber schwer die Uebung meiner Pflichten: so will ich betend hinfinken vor dem Ewigen, der die Gebete Seiner Kinder erhört, und Ihn anflehen um Kraft und Stärkung, und nicht aufhören, und immer kindlicher, immer inbrünftiger beten. Beten will ich, wenn der junge Tag glänzend anbricht, dankend beten, für Leben und Gefühl des Wohlseins; beten, wenn die finkende Sonne die Wolken röthet, zu Dem, Der mir Pflichten auferlegte, und Deffen guter Geist mich zu ihrer Uebung kräftigte; beten will ich am Tage heiterer Freude; beten in der Stunde der nahenden 45 Prüfung; beten im Augenblicke des errungenen Sieges über Schwachheit und Leidenschaft; beten, wenn Wehe die Bruft und des Schmerzes Thräne das Auge füllt; beten, wenn die stille Nacht zur Ruhe winkt, und nie mich dem Schlummer überlassen, bevor ich mich im Gebete vor Dem geprüft habe, Dessen Auge durch Finsternisse schaut, und Dessen liebender Schuß das sterbliche Leben behütet! So erhöre mich auch, mein Gott und Vater, mein Erlöser, wenn ich meine betende Seele sehnsuchtsvoll zu Dir erhebe! Laß mich wandeln in Deiner Furcht und in Deiner Wahrheit, schaffe in mir ein reines Herz, gib mir einen neuen Geist! Segne liebend meine Vorfäße an diesem wichtigen Tage, und fördere Du selbst in mir durch die Kraft Deines Geiftes das Wollen und das Vollbringen. Es ift Dir, Allwissender, unverborgen, wie ich es meine; Du durchschaueft mich ganz. Erhalte mir den rechten Ernst zu meiner Besserung und Heiligung. Mein Wachen und mein Beten begleite mit Deinem Gedeihen, und laß mich überall vor Dir wandeln zu Deiner Ehre und zu meinem Heile. Schüße mich in den Gefahren meines Lebens! Erfülle mich mit Kraft und Muth bei der Uebung meiner Pflichten; stehe mir in allen Prüfungen kommender Tage - 46 mit Deiner Hülfe bei, und wie nahe oder fern Du meines Lebens Ziel gestellt haft, so leite mich liebend an Deiner Hand, auf daß ich es erreiche in Unsträflichkeit! 適? naine olhé manlam anhu alad Andacht vor der heiligen Kommunion. 47 Sammle dich, meine Seele, zur frommen Feier des Gedächtnißmahles deines Herrn und Erlösers Jesus Chriftus! O wie wünschte ich, daß der stillen Andacht sanfte Rührung mit ihrem Geifteshauche mich anwehe, damit ich fühlen könnte recht lebendig, was der Sohn Gottes für mich gethan hat! Er, durch Welchen die Welten entstanden, und die Erde in ihre Laufbahn trat, Er stieg hernieder von Seinem ewigen Throne; kleidete Sich in das Staubgewand Seiner Brüder und Schwestern; wählte der Erde Armuth und Schmach und Tod, damit wir unsterblich, reich und verherrlicht würden. Un fertwegen betrat Er die Leidensbahn. Ach, mit welcher zärtlichen Liebe und unendlichen Erbarmung umfasseft Du, Gottmensch, uns elende Geschöpfe! Deine Huld kennt keine Schranken. Deiner Güte war es nicht genug Dich ganz zum blutigen Opfer der Versöhnung hinzugeben. Du willst nicht nur für uns bluten und sterben, Du reichest Dich auch noch zur Speise, als 48 Pfand Deiner Liebe und unsrer Erlösung!- Als Deine Stunde gekommen war, wo Du wieder zum Vater zurückkehren solltest, von Welchem Du herabkamst, und Du doch die Deinen so zärtlich liebteft und von ihnen nicht zu trennen Dich vermochteft, fie nicht als Waisen zurücklaffen wollteft, da versammeltest Du fie am Vorabende Deines Leidens und Todes für das Heil der Welt, zum letztenmale um Dich her. Umschwebt von dem Bilde des nahen Abschiedes und Todes, mit Muth und Hoffnung, mit Wehmuth und Liebe, theilnehmend und feierlich trittst Du in ihren Kreis. Im vollen Gefühle des kraftvollen Lebens, und doch geweiht dem nahen Tode, trauernd in dem Bewußtsein der ersten Trennung und doch erheitert durch die Seligkeit des baldigen Wiedersehens: so figest Du in ihrer -Mitte, und im Tone des Sterbenden, des balb Vollendeten, sprichst Du zu ihnen: ,, Ich fühle sehnliches Verlangen mit euch, meine Lieben, dieses Oftermahl zu halten. Es ist das leztemal vor Meinem Tode, daß Ich beim freundschaftlichen Mahle in eurem Kreise Mich befinde."... Dann gegen das Ende der Mahlzeit nahmst Du das Brod in Deine heiligen und ehrwürdigen Hände; 49 erhobeft Deine Augen gegen Himmel zu Deinem Vater, dem Allmächtigen; dankteft Jhm, segneteft das Brod, brachest es, und boteft Deinen Jüngern daffelbe mit den Worten: ,, Nehmet es hin und genießet es, das ist Mein Leib, der für euch hingeopfert wird!"... So ergriffest Du auch den Kelch, gefüllt mit dem Weine des Feftes, blickteft wieder empor zu Deinem himmlischen Vater, segneteft ihn, und sprachst: ,, Trinket Alle daraus, das ist Mein Blut, welches vergoffen wird zur Vergebung der Sünden! Thut dieses zu meinem Andenken!" —— Göttlicher Erlöser, Sohn des ewigen Vaters, Sohn der allerfeligsten Jungfrau Maria! So bist Du also wirklich hier gegenwärtig unter den Gestalten des Brodes und Weines!... Meine Sinne bezeugen das nicht, mein Verstand erreicht nicht dieses hohe Geheimniß! Meine Seele in diesen verweslichen Leib eingeschlossen, ist noch zu schwach, zu unrein, als daß sie Dich, ewiger Gottessohn, gleich den Seligen in Deinem Reiche der Unsterblichkeit von Angesicht zu Angesicht anschauen könnte! Sch soll Dich izt unter den sichtbaren Gestalten anbeten mit dem Auge des Glaubens, ehe ich Dich unverhüllt Der Christ. 5. Auflage. 3 50 in vollem Glanze Deiner Gottheit anschauen darf!- Jesus Christus, mein Herr und mein Gott, ich glaube feft Deine unsichtbare Gegenwart unter dem sichtbaren Brode und Weine, ich bete Dich an mit der tiefften Ehrfurcht! Du hast uns selbst diese Lehre gegeben, und Du bist die lauterste Wahrheit, Du haft gesprochen: " Ich betheure euch, nicht Moses gab euch Brod vom Himmel, sondern Mein Vater gibt euch wahres Himmelsbrod. Denn Gottes Brod ist das, welches vom Himmel fommt, und der Welt das Leben ertheilt. Ich bin das Brod des Lebens; wer zu Mir kommt, den wird nicht hungern, und nie wird dürften, wer an Mich glaubt! Eure Väter haben in der Wüste Manna gegeffen, und sind gestorben: aber dieses ist das Brod, so vom Himmel kommt, daß, wer davon iffet, nicht sterbe. Das Brod, das Ich geben will, ist mein Fleisch, welches Ich geben werde für das Heil der Welt. Ich betheure euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht genießet, und nicht trinket Sein Blut: so habet ihr das Leben nicht in euch! Wer Mein Fleisch iffet und trinket Mein Blut, der hat das ewige Leben, 51 und Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Denn Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und Mein Blut wahrhaft ein Trank. Wie der Vater, der Mich gesandt hat, lebt, und Ich durch den Vater lebe: so wird auch der, welcher Mich ge= nießt, durch Mich leben! Wer Mein Fleisch iffet, und Mein Blut trinket, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Wer Mich liebt, wird auch halten Mein Wort; und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Neben; wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt reichliche Früchte. So ihr in Mir verharret: werdet ihr bitten, was ihr wollet, und es wird euch werden! Vater, Sch flehe zu Dir: laß fie alle Eins sein mit Mir, wie Du und Ich Eins find!" Sohn des Allerhöchsten, ewige Wahrheit des Vaters, diese sind Deine eigenen Worte, und in Deinem Munde ist kein Trug erfunden worden! Deine Worte find Geist und Leben! Dein Zeugniß ist wahrhaft! Du bist ein verborgener Gott, aber doch der Gott meines Heils, auf Den ich vertraue! Dein Wort verschwindet nicht, mögen auch Himmel und Erde verschwinden! 1 52 O meine Seele, überdenke es nun im göttlichen Lichte der Wahrheit, welche ist sogar deine Speise werden will; denke den Himmelsgedanken mit Himmelsvorgefühl: zu diesem Mahle der unendlichen Liebe bist du eingeladen! Diesem Mahle des Erlösers, deines Herrn und Gottes willst du dich nähern?... O Jesus Christus, wie ist es über alle Sinne und Begriffe erhaben, daß Du Dein eigenes Fleisch und Blut uns zur Speise darreichest; wie hätte jemals in eines Menschen Geist der Gedanke sich erheben können, Dich, den Gott des Himmels und der Erde zu empfangen: hättest Du, der Stifter dieses Gottesmables, Deine Bekenner nicht ausdrücklich dazu eingeladen! Wer dürfte diese Würdigung nur ahnen, nur wünschen, wäreft Du nicht die unendliche Liebe! Wer aus uns dürfte sich erkühnen zu Dir zu kommen, wenn Du uns nicht zuriefeft: ,, Kommet Alle zu Mir, die ihr belastet seid mit Müheseligkeit und Sorgen und Aengsten des Lebens! Ich erquicke euch! Nehmet und effet, das ist Mein Leib! Trinket, das ist Mein Blut der Erlösung! D Jesus, wer wird in Ewigkeit Deine Hult, Deine Güte, Deine Liebe begreifen, wer fie aus 53 denken, aussprechen können! Staunet, ihr Engel, über den Reichthum der göttlichen Erbarmnisse! Den Unendlichen, den ihr im Himmel von Angeficht zu Angesicht schauet, anbetet, Den soll ich izt in der Brodsgestalt genießen, in mein Herz aufnehmen?... Euch nähret, befeliget Er mit Seiner unverhüllten Gegenwart: mich bereitet Er schon hicnieden zur Theilnahme eures Lebens und eurer Seligkeit vor, mit dem Genusse Seines Leibes und Blutes! Verschmähe nicht, mein Herr und mein Gott, das sehnliche Verlangen nach Vereinigung mit Dir. Komme zu mir in mein Herz, laß heute meinem Hause Heil widerfahren! Du befiehlt es ja, mein Heiland, Du, der mit Deinem Blute mich erlöst hat; ich soll zu diesem göttlichen Mahle kommen, wenn ich an Dir Theil haben will; ich soll ja in Dir die Speise genießen der Unsterblichkeit, und des ewigen Lebens! Welch' ein zärtlicher Ruf, welches Mitleiden meines Gottes gegen unsre Schwäche und Sündhaftigkeit! Ich komme zu Dir, mein Jesus, mit innigstem Seelenvergnügen, mit der tiefften Ehrfurcht, mit findlichem Verträuen; Du wirft mich in Deinem 54 Blute rein waschen von meinen Sünden, wirft erneuern meine Seele, herstellen an ihr Dein Ebenbild; wirft tilgen in mir Alles, was mich Deiner Gnade unwürdig macht, damit ich nicht, gleich dem Verräther, der mit Dir am Tische saß, Tod und Verderben effen möge. Mein Herr und mein Gott! Deine unendliche Liebe ruft mich; siehe, ich komme, ich ge= horche Deiner fanften Stimme, und bete nochmals mit der heiligen Kirche: Glaube. O mein Jesus, ich glaube mit lebendiger Ueberzeugung, von ganzem Herzen alle Lehren, welche Du uns geoffenbaret, und durch Deine heilige katholische Kirche vorgestellt haft, zu glauben; besonders glaube ich, daß Du wahrhaftig, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blute hier gegenwärtig bist unter den Gestalten des Brodes, weil Du die ewige, untrügliche Wahrheit, dieses Geheimniß uns hinterlaffen haft! Hoffnung. O mein Jesus, mit kindlichem Vertrauen, mit unerschütterlicher Zuversicht hoffe ich auf Dich, und erwarte aus Deiner Hand Alles, was mir zur Erlangung des ewigen Lebens heilsam ist und nöthig; ich hoffe es von Dir, 55 weil Du, der allmächtige, barmherzige und getreue Gott, mir Deine Verheiffung gegeben haft! Liebe. O mein Jesus, ich liebe Dich von ganzem Herzen, aus allen Kräften, von ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, über Alles, weil ich in Dir das höchste, liebenswürdigste Gut anerkenne und anbete! Anbetung. O mein Jesus, ich bete Dich an in diesem allerheiligsten Sakramente des Altars, als meinen Herrn und Gott, meinen Erlöser und Seligmacher! Reue. O mein Jesus, alle meine Sünden bereue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele, weil ich dadurch Dich, meinen liebenswürdigsten Gott, beleidigt habe! Demuth. O mein Jesus, ich bin nicht würdig, daß Du in mein Herz eingeheft! Doch nur ein Wort aus Deinem Munde, und rein ist meine Seele, und würdig Dein Tempel zu sein! Sehnsucht. O mein Jesus, mein Erlöser, mein Herr und mein Gott, mein Eines und Alles, ich verlange nach Dir! Komme, suche mich heim, stärke und erhalte mich in Deiner Gnade! O Jesus, komme zu mir! Amen. 56 Andacht nach der heiligen Kommunion. Jesus, Dir leb' ich, Jesus, Dir sterb' ich, Dein bin ich todt und lebendig! mein Jesus, ich glaube an Dich, als an die ewige Wahrheit; ich hoffe auf Dich, als auf die unendliche Barmherzigkeit, ich liebe Dich von Herzen, als das allerhöchste und liebenswürdigste Gut! Woher, o mein Jefus, kommt mir die hohe Gnade, daß Du, mein Herr und Gott, Dich gewürdigt haft, zu mir, armen Sünder, zu kommen?... Ich bete Dich in meinem Herzen an, als meinen Herrn und Gott, meinen Erlöser und Seligmacher! Ich fage Dir unendlichen Dank, daß Du Dich gewürdigt haft, in mir einzukehren! Ich opfere Dir auf meinen Leib und meine Seele, und Alles, was ich habe, zu Deinem heiligen Dienste! O mein Jesus, bleibe bei mir mit Deiner Gnade; stärke mich durch den Genuß dieses heiligsten Sakramentes, izt und in der Stunde meines Hinscheidens!... Eingeborner des himmlischen Vaters, der Du 57 izt als wahrer Gott und Mensch in mir gegenwärtig bist, ich huldige Dir aus allen Kräften meiner Seele! Heilig, heilig, heilig bist Du und gepriesen in alle Ewigkeit; Du haft Wunder der Gnade und Barmherzigkeit an mir gethan!- Selig preisen mich Deine Auserwählten Alle!- Du, o Jesus, bist bei mir! O laß mich, so weit ein menschlicher Verstand zu tiefer unermeßlichen Seligkeit und Höhe sich emporschwingen kann, den Werth dieses Mahles, dessen Gaft ich war, erkennen, um ganz von dem Uebermaße Deiner göttlichen Erbarmung durchbrungen zu werden! Was ich bin und habe, mein Dasein und meine Fortbauer, ift eine Würtigung Deiner Gnade, ich bin aus mir nichts als belebter Staub, und ein sündhaftes, so oft Dir untreu gewordenes, von Dir abgefallenes Geschöpf. Und zu mir bist Du gekommen, Du, der Herr der Heerschaaren, der gewaltige Gott, ohne Anfang und Ende, das Wort des Vaters von Anbeginn, wodurch Er Seine unzähligen Welten, mit Allem, was darinnen ist, erschaffen hat; Du, der Du mit Ihm von gleicher Wesenheit bist, ewig und unumschränkt, wie Er selbst, die Urquelle des Lichtes, des Lebens, und aller Seligkeit! Genossen habe 58 ich das Fleisch und Blut Deffen, vor Dem fich beugen müssen alle Kniee der Erschaffenen im Himmel und auf Erden, vor Deffen Glanze und Herrlichkeit alle Geister ihr Antlig verhüllen; vor Dessen Throne fie anbetend liegen im Staube, Der zur Rechten des Vaters fizt, Dem Er alle Macht übergeben; Der die Schlüffel hält des Todes und des Lebens; Der in dieser Gnadenzeit unser Mittler ist und Versöhner, dereinft am großen Vergeltungstage, als Weltrichter, mit göttlicher Majestät in den Wolken erscheinen wird, um Jebem nach seinem Thun und Unter Laffen zu lohnen! DJesus, welchen Dank kann ich Dir für diese unaussprechliche Gnade bringen? Und was ist der Dank eines armseligen Geschöpfes gegen die seligmachende Liebe, womit Du mich heute so überschwenglich beglückt haft! Nur ein demüthiges, von dem Gefühle Deiner Wohlthaten innigst durchdrungenes Herz kann ich Dir zum Opfer anbieten, und mein Glaube gewährt mir die troftreiche Versicherung, daß Du nachdem Du Dich so liebevoll zu mir herabgelafsen haft, daffelbe nicht verschmähen wirst! son Du bedarfst meiner nicht, Du bist der All 59 mächtige, Algenügsame, der Schöpfer aller Dinge Aber was bin ich ohne Dich! Aus Nichts haft Du meine Seele, aus dem Staube meinen Leib ge= schaffen! Meinen Geist haft Du für Dich gebildet, aber wie sehr drückt ihn der verwesliche Leib darnieder! Wie heftig streitet das Gefeß des Fleisches gegen den unsterblichen Geift; wie fo verderbend herrschen Tod in mir und Sünde! In Dir allein sollte meine ganze Freude sein, in Dir meine ganze Sehnsucht sich vereinen und ausruhen, Dir sollte ich stets nachfolgen, der Du bift der Weg, die Wahrheit und das Leben! D Gott, wie leer ist noch immer mein Herz von diesen Tugenden; wie kalt gegen Dich! Ich rede zu Dir, als zu dem Allwissenden! Du kenneft meine Blindheit, Eitelkeit, Schwachheit und Elend! Gottmensch, sei mein Licht, meine Stärke, meine Hülfe, meine Erlösung! Dir vertraue ich! Du wirst mir nichts verweigern zu meinem Heile, nachdem Du Dich mir selbst geschenkt haft! In dieser Deiner allerheiligsten Gegenwart faffe ich nun den aufrichtigen Vorsaß, von nun an Dir allein anzuhangen, Dir allein zu leben, und zu sterben! An Dein heiliges Wort will ich stets feft mich 60 halten, und unaufhörlich mich bemühen, nach Deiner Lehre und Deinem Muster unsträflich vor Dir zu wandeln! Ich will die Liebe, mit der Du für mich in den Tod gegangen bist, aus ganzer Seele erwiedern, und gleichwie ich, um Deines vergoffenen Blutes willen, Gnade vor dem himmlischen Vater gefunden habe, so will auch ich gegen meine Miterlöfeten versöhnlich, liebreich und sanftmüthig sein! Ich will fie alle, wie mich selbst, und Dich in ihnen lieben, weil sie Alle um einen so theuern Werth von Dir find erkauft worden! O entziehe mir zu diesen heiligen Entschlüssen nicht Deine mächtige Gnade; der Segen Deiner Menschwerdung, Dein Leiden, Dein Opfer am Kreuze komme mit all Deinen Verdiensten auf mich herab! Sende mir den heiligen Geist, damit Er mich zu einem neuen Menschen umbilde, und heilige alle meine Handlungen, Gedanken und Werke durch den unerschöpflichen Werth der Deinigen, auf daß der himmlische Vater Wohlgefallen an mir habe! Endlich, o Gott, erquicke meine Seele, ehe Du sie von hier abrufeft, mit Deinem Fleische und Blute, und laß mich, wie Simeon, wenn 61 meine Augen Deinen Heiland geschen, im Glauben, in Hoffnung und Liebe, im Frieden dahinfterben! Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen! Vergis nicht, was Er dir Gutes gethan hat! Er hat deine Wunden geheilt, dich mit Seinem Leibe und Blute genährt! Bleibe bei mir, o Jesus! Dir leb' ich, Dir sterb' ich, laß mich dereinst Dein sein in der Ewigkeit, wie Du izt mein bist in der Zeit! Amen. 62 Anbetung des Dreieinen. ( Besonders an dem Nachmittage der Sonntage und Fefte.) Gott, unfer Vater. Wer bin ich, daß ich den Namen Deffen nenne, der ist und war und sein wird! Darf ich mich unterwinden mit dem Unsichtbaren, mit dem Allmächtigen zu sprechen, und zu Dem, der die Erde schuf und die Himmel, es wagen zu rufen: Ich will Dich loben, mein Gott, und Deinen Namen preisen immer und ewig? D Du, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, wie soll ich Dich anbeten, daß ich gewürdigt bin, Dich anbeten zu können, und zu dürfen? Wie soll ich Dich preisen, daß Du mich, und Tausende mal Tausende mit mir schufft, Dich zu erkennen, zu verehren, zu lieben, und in Dir selig zu sein? O Leben der Seele, Dich zu erkennen! O Wonne des Herzens, Dich anzubeten! Ich weiß, meine Anbetung ist nichts gegen Deine Anbetungswürdigkeit, und von Deiner Erhabenheit spricht keine Lobpreisung würdig! Dein größtes Lob ist, ewig und unendlich über alles Lob erhaben zu sein, und keines Lobes zu bedürfen. Meine Seligkeit 63 ist's, Dich zu erkennen, als den Alleinfeligen; Dich zu verehren, als den Alleinweisen; Dich anzubeten als Den, der allein die Unsterblichkeit hat; an Dich zu glauben, als an die Liebe, die nichts wollen kann, als Liebe und Seligkeit. D Du reinstes Licht, in welchem feine Finsterniß ist, o Du ewige Vollkommenheit, wie freue ich mich genug Deines ewigen Seins! D Du, aus Deffen Lebensfülle alle Lebendigen Leben schöpfen, wie nah' ich mich Dir, um in Deiner Nähe lebendiger zu werden! Wie nichts find alle Sterblichen gegen Dich, aus Welchem, durch Welchen, und in Welchem alle Dinge find! O Du, von Welchem alle Unsterblichen nur Strahlen sind, Du Sonne der Geifter, mit welcher Ehrfurcht soll ich an Dich denken; mit welcher Demuth von Dir sprechen, Du einziger Urheber aller Ursachen und Wirkungen, was ist groß gegen Dich! Alles, was auf Erden erhaben genannt wird, wie nichtig ist Alles, mit Dir verglichen! Alle Kräfte und Mächte aller Naturen, was sind sie anders, als Schatten von Deiner Allkraft und Allmacht! O Du, der allen Weisen Weisheit, 64 und allen Verständigen den Verstand gibt, welche Weisheit kann Dich ergründen, welcher Verstand Dich erreichen? Dennoch läsfest Du Dich, Unausdenklicher, zu uns Sterblichen herab, und Du, Unendlicher, gibst Dir einen Namen, mit welchem wir Dich preisen und anrufen dürfen! Wir dürfen Vater sagen zu Dir, der Millionen hocherhabener Naturen Dasein verlich und Unsterblichkeit! Wir dürfen kindlich mit Dir sprechen, o Du, vor Dem sich alle Naturen neigen; vor Deffen Herrlichkeit alle herrlichen Geister sich vorhüllen! Derhebe meinen Geist, Deine heilige Verehrungswürdigkeit besser zu kennen; und gönne mir die Gnade, Dich jeden Tag froher, reiner, weifer, würdiger anzubeten! Allheiliger, welcher Heilige kann vor Deiner Heiligkeit bestehen? Du willst ewig, unveränderlich das Beste! Die höchste Vollkommenheit aller geschaffenen Naturen ist Dein einziger, ewiger Zweck; ich und Alles, was lebt, soll durch Dich und nach Deinem Willen immer vollkommner, übereinstimmender mit Dir, Dir immer ähnlicher Dich verkünden alle Deine Werke! Dich preisen Alle, die Dich kennen; Deiner freuen fich alle Seligen; Dich suchen alle denkenden Wesen! werden! 65 Allgegenwärtiger, den die Himmel und aller Himmel Himmel nicht beschränken, Deine Wirkfamkeit umfaßt alles Geschaffene, und Dein ewiger Geist ist in allen Dingen! Der sternenvolle Himmel ist ein tausendfacher Zeuge von Dir, und ein einfacherer, größerer Zeuge noch von Dir, ist das Herz in unserer Brust, ist unser fittliches Gefühl, ist unser rechtsprechendes Gewissen. Welch' ein tausendfaches Wunder der gestirnte Himmel! Welch' ein gröfseres Wunder wir selbst, wir, die Bewunderer des gestirnten Himmels, wir, das Ebenbild Deiz ner Heiligkeit, wir, die ein göttliches Geseß in ihrer Brust tragen, das von Dir und Deiner Heiligkeit zeugt! D Du heiliges, gerechtes, gutes Wesen aller Wesen! Wer kann Dich von ferne kennen, ohne fich Deiner zu freuen! O Dein Sein, Dein ewiges, unveränderliches Sein sei unsrer Freuden höchste, Dir näher zu kommen, unsrer Bestrebungen Erste, Dich in uns darzustellen, unser ernster Wille! Tausendfach offenbarst Du Dich den Sterb lichen und Unsterblichen, am herrlichsten in den weiseften und liebevolleften Naturen! Wo Weis 66 heit ist und Liebe, da bist Du! Wo Wohlwollen ist und Luft an dem Recht' und der Wahrheit, da ist ein Strahl von Dir! Wo Edelsinn und Großmuth die Seele beherrscht: da wirst Du felbst sichtbar! D werde sichtbar in mir, unsicht= bare, höchste Liebenswürdigkeit, immer mehr sichtbar, wie in Deinem liebevolleften Ebenbilde, in Deinem Eingebornen, Jesus Christus! Dann wird Dir meine Lobpreisung gefallen, und die Stimme meiner Anbetung wird sich mit den Stimmen der Anbetung in Deinen höheren Wel ten vereinigen. Ohne Liebe, was wäre meine Lobpreifung, ohne heiligen Sinn, was meine Anbetung? Dir in der Liebe ähnlicher zu werden: sei mein herzlichster Wunsch; Dich durch mein Leben zu preifen, meine innigste Sehnsucht; meine Mitge= schaffenen Deines Daseins froh zu machen, meine süßeste Freude, meine tägliche Luft; Dich auf alle Weise zu verherrlichen, in mir darzustellen, zu beweisen, in Deinem Namen, und nach Dei nem Sinne, als Dein gutes, gehorsames Kind zu denken, zu sprechen, zu handeln, sei mein Himmel hienieden, bis ich dereinst Deines Anschauens bort oben, gewürdigt werde! Amen. 67 Gottes Sohn- unfer Erlöfer. Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Dich bete ich an, Dich, den kein Flug erfliegt des kühnften Gedankens, den kein Gefühl erreicht der finkendsten Demuth! Du bist das Wort, das im Anfange war, das bei Gott war, das Gott felbft ift! Schöpfer bist Du Alles deffen, was geschaffen worden! Du bist das Licht und das Leben! Dich entsandte in unendlicher Huld die ewige Liebe aus dem Himmel, aus Deiner ewigen Herrlichkeit zu unsrer Erlösung von Sünde, Tod und Unwissenheit. Du bist Fleisch geworden, haft unter uns gewohnt, wir sahen Deine Herrlichkeit, als des Eingebornen vom Vater voll Gnade und Wahrheit! Dich bete ich an, dem Adam seine Stirne neigte; den Abraham im Geifte sah; Dich, zu dem Isaak flehte; Dich, mit dem der kämpfende Jakob rang; Dich, der flammend stand im Gebüsche Horeb, vor dem Moses zitterte, Sinat bebte; Dich, der aus Donnerwolken lauter als der Donner sprach! Den die Scher im Tempel Gottes saben auf saphirnem Throne; dem die Seraphim: Heilig, heilig, heilig fingen mit verhülletem Blicke! Dich, den Verkündigten, durch 68 die Weltenalter, den Erflehten von Jahrtausenden; Dich bete ich an, der herabkam auf unsere Welt! Dich, den unter ihrem unentweiheten Herzen Maria tiefanbetend trug, den fie in stiller Mondesnacht in Wonneschmerz gebar; Dich, zu dessen Verherrlichung zahllose Engelheere niederwalleten, der Erde Glück zu wünschen; Dich, o Jesus, den Weinenden, den bebend trug die Heilgebärerin; Dich, den Säugling, den in der Nacht des Schrektens eilend fortrettete die bange Mutter; Dich, vor dem Könige in den Staub fanken und das Beste opferten in Herzensdemuth. Dich, mein Jesus, möcht' ich verherrlichen, den auf dem hohen, vor Freude bebenden, verjüngten Arme der greise Simeon hielt! 3hm rann die Thräne von der Wange hin auf Dich, den Wundersohn, den Felsen der Auferstehung und des Falles Vieler; Gott war in Dir, Jesus Chriftus, im Knaben, der in Salems Tempel Lehrer ward der Lehrer und das Erstaunen der Väter Israels; im Jünglinge, der am Vaterherde das ftillste, kindlichsle Leben lebte; der des Vaters weiser Troft und Unterstüßer, der leise Quell geheimer Himmelswonne für die heilige Mutter war! In Dir war Gott, dem Manne, der unbekannt der Erde, von 69 Himmeln angebetet zu den Fluten des Jordan kamt; in Dir, vor Dem, unwürdig 3hm der Schuhe Band zu löseu, der Täufer zur Erde fant, und Freude bebend rief: Sehet Gottes Lamm, das aller Welt Sünden tilgt!" In Dir, vor Dem die Himmel fich theilten, und den eine Stimme, entschollen keines Geschaffenen Lippen: den Vielgeliebten" pries, über den ein Strom reinen Himmelslichtes, Gottes Geift sich fanft ergoß. Gott, mein Herr bist Du, Jesus Chriftus, der in die Schauer und Deden der Wildniß sich begab; zu Dem in Engelslichtgestalt der Todesvolle, finstere Fürst des Abgrundes dem Lichte Gottes Dich zu entlocken, umsonst des Freundes Zaubersprache redete! Der Gottheit ewig unerschöpfliche Fülle wohnte in Dir, Menschensohn! Im Blicke trugst Du das Licht der Blinden; auf Deinen Lippen schwebte der Stummen Sprache; Gnade und Gesundheit und Leben sprach Dein Mund. Du laseft der Menschen Gedanken in ihren Augen; Deine Rechte gebot den Stürmen Nuhe, Niedersinken den gethürmten Wogen. Dein Wort entriß der verschlingenden Verwesung den geliebten Freund. Denn in Dir war Ewig 70 teit, war Fülle der Schöpfungskraft; war die Quelle des Lichtes und des Lebens! Dich verehre ich als den treuesten Menschenbruder, dem an der Brust der stilleste, wärmste der Geliebten rubte; der fich entkleidete, und gürtete die Schürze um die Lenden, um demuthvoll den Staub der Füße den stolzen Jüngern wegzuwaschen; Dich liebe ich aus ganzer Seele, der am lezten Mahle Sich selbst reichte zur Speise und zum Tranke; Dich, den Weinenden, der tief im Staube von heißen Thränen feucht im Delgarten Sein müdes Antlig beugte, das Antliß, ach, von glühendem Blute triefend! Dich umfasse ich als den Allmächtigen, den uns zu liebe Ohnmacht fesselte, Dem ein Endlicher vom Himmel niederstieg, um Tröftung Gottes und Kräfte jener Welt in die ausgeschüttete Seele zu wehen; Lebensfunken zu hauchen in's jammervolle Mark. D Geheimnis! Du bist mein Herr und Gott, mein Alles! Sehe ich Dich auch von den Stricken der Schergen gebunden, bluten unter der Peitsche des fühllosen Römers, Du bist mein König, wenn Dir schon spottend nur eine Mörderband die Dornen um die zerrissenen Schläfe geschlungen, Den Judäa sab mit dem Rohre des Sohnes in 71 Seiner blutenden Rechten; Dem die Hölle durch tausend Mörderzungen zurief: ,, Er blute! An's Kreuz mit Ihm!" den der Richter hinausführte mit dem mitleidweckenden Worte:„ Sehet! Welch' ein Mensch!" Du bist mein Erlöfer! Dir neig' ich mein weinendes Antlig; Dir, dem unter eines Kreuzes Laft die Wuth den wunden Rücken warfi Dir, den wilde Hammerschläge an das hohe Kreuz angeheftet, daß warmes Blut den Schlagenden an Stirn und Wange sprizte; Der für Mörder um Vergebung flehte, und den Mitgekreuzigten mit Paradiesestroft tröstete; Der für die trauernde Mutter, für den theuern Liebling sorgte; Der vor Durft verschmachtete, und im Himmelsgefühle der Vollendung zum lezten Schlage des Herzens, das schönste Haupt, von Gottes Hand gebildet, das Entstelltefte von Satans Wuth, in den Tod neigte. Dich bete ich an, Getödteter für mein Leben, Dem aus offener Seite ein Wunderstrom von Wasser floß; Der in der Felfengruft begraben lag; Der neubelebt aus der Felsengruft entflieg; Dich, Lebender, vor dem die Sünderin zur Erde fant, als Er, ach, Er selbst: ,, Maria!" rief; Der dem Thomas die Hände reichte, durchbohrt vom scharfen Stahl, und die Seite vom 1 72 schärferen Speere geöffnet! Dich bete ich an, Vollender, den von des Delbergs Hügeln die Strahlenwolke empor trug; Der Sich gesezt zur Rechten des Vaters, Dem alle Gewalt gegeben ist über Himmel und Erde; Den der lezten Tage Donnerwolke der Erde wiederbringt, als Richter des Lebens und Todes! O mein Herr und Gott, mein Erster und Lezter, Jesus Christus, Gottes und Maria's Sohn! Dein ist Alles, was Deines Vaters ist! Welche Zunge der Erde, welche Lippe des Sünders preift würdig Deinen Namen, in welchem allein Heil ist! D, daß ich in Liebe für Dich mich hingeben könnte, für Dich, der Du Dich für mich Sünder opferteft! Belebe mich mit Deiner Liebe! O Du hatteft Worte der Gnade für Alle, habe sie auch für mich! Laß meine Gedanken, Worte und Werke ein treues Bild sein Deines Wandels hienieden, daß ich Dich bekenne vor Gott und den Menschen, und dereinst bekannt werde von Dir, vor Gott und den Engeln! Dir leb' ich, sterb' ich, Dein bin ich todt und lebendig! Amen. Jesus Christus, der Heiland. Was wär' ich ohne Dich gewesen? Was würd' ich, ohne Dich, nicht sein? 3u Furcht und Aengsten auserlesen, Ständ' ich in weiter Welt allein. Nicht wüßt' ich sicher, was ich liebte, Die Zukunft wär' ein dunkler Schlund; Und wenn mein Herz fich tief betrübte: Wem thät' ich meine Sorgen kund? Einsam, verzehrt von Lieb' und Sehnen, Erschien' mir nächtlich jeder Tag; Ich folgte nur mit heißen Thränen, Dem wilden Lauf des Lebens nach; Ich fände Unruh' im Getümmel, Und hoffnungslosen Gram zu Haus; Wer hielte ohne Freund im Himmel, Wer ohne Freund auf Erden aus? Hat Christus Sich mir fund gegeben, Und bin ich Seiner erst gewiß: 73 Wie schnell verzehrt mein lichtes Leben Die bodenlose Finsternis! Mit Ihm bin ich erst Mensch geworden; Das Schicksal wird verklärt durch Ihn; Der Christ. 5. Auflage. 4 74 Und Indien muß selbst im Norden Um den Geliebten fröhlich blüh'n. Das Leben wird zur Liebesstunde, Die ganze Welt spricht Lieb' und Luft; Ein heilend Kraut wächst jeder Wunde, Und frei und voll klopft jede Bruft. Für alle Seine tausend Gaben, Bleib' ich Sein demuthvolles Kind, Gewiß Ihn unter uns zu haben, Wenn zwei auch nur versammelt find! D geht hinaus nach allen Wegen, Und holt die 3rrenden herein, Streckt Jedem eure Hand entgegen, Und ladet froh sie zu uns ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden, 3m Glauben schauen wir Ihn an; di Die Eines Glaubens mit uns werden: Auch denen ist er aufgethan! Ein alter, schwerer Wahn von Sünde War fest an unser Herz gebannt; Wir irrten in der Nacht wie Blinde, Von Reu' und Luft zugleich entbrannt; Ein jedes Werk schien uns Verbrechen, Der Mensch ein Gottesfeind zu sein; Und schien der Himmel uns zu sprechen: So sprach er nur von Tod und Pein! Das Herz, des Lebens reiche Quelle, Ein böses Wesen wohnte d'rinn; Und ward's in unserm Geifte helle: So war nur Unruh' der Gewinn. Ein eisern Band hielt an der Erde Die bebenden Gefang'nen feft; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Ueberreft. 75 Da kam ein Heiland- ein Befreier, Ein Gottmensch voll von Lieb' und Macht; Und hat ein allbelebend Feuer In unserm Innern angefacht. Nun sah'n wir erst den Himmel offen, Als unser altes Vaterland, Wir konnten glauben nun und hoffen, Und fühlten uns mit Gott verwandt. Seitdem verschwand bei uns die Sünde, Und fröhlich wurde jeder Schritt; Man gab zum schönsten Angebinde Den Kindern diesen Glauben mit. Durch ihn geheiligt, zog das Leben Vorüber, wie ein sel'ger Traum, 76 Und ew'ger Lieb' und Luft ergeben, Bemerkte man den Abschied kaum. Noch steht im wunderbaren Glanze Der göttliche Geliebte hier; Gerührt von Seinem Dornenkranze, Und Seiner Treue weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, Der Seine Hand mit uns ergreift; Und in Sein Herz mit aufgenommen, Zur Frucht des Paradieses reift. G 3uruf. Ich weiß nicht, was ich suchen könnte, Seit unser lieber Heiland mein, Seit Er mich Seine Freude nennte, Und ist bei mir, als wär' ich Sein. So viele geh'n umher und suchen Mit wild verzerrtem Angesicht; Sie heißen immer sich die Klugen, Und kennen diesen Schaß doch nicht. Der Eine denkt, er hat's ergriffen, Und was er hat, ist nichts als Gold; Der will die ganze Welt umschiffen, Nichts als ein Name wird sein Sold. Der läuft nach einem Siegeskranze, Und der nach einem Lorbeerzweig'; Und so wird von verschied'nem Glanze Getäuscht ein Jeder, Keiner reich. Hat Er Sich euch nicht kund gegeben? Vergeßt ihr, Wer für euch erblich? Wer uns zu Lieb' aus diesem Leben In bitt'rer Qual verachtet mich? 77 78 Nimm Du mich hin, Du Held der Liebe! Du bist mein Leben, meine Welt! Wenn nichts vom Irdischen mir bliebe, So weiß ich, Wer mich schadlos hält! Du gibst mir reichlich alles wieder, Du bleibst in Ewigkeit mir treu; Anbetend finkt der Himmel nieder, Und dennoch wohneft Du mir bei! aft 23 Liebesklage. Wenn alle untreu werden: So bleib' ich Dir doch treu; Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sei. Für mich umfing Dich Leiden, Vergingst für mich in Schmerz; Drum geb' ich Dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. Oft muß ich bitter weinen, Daß Du gestorben bist, Und Mancher von den Deinen Dich Lebenslang vergißt!... Von Liebe nur durchdrungen, Haft Du so viel gethan, Und doch bist Du verklungen, Und Keiner denkt daran. Du stehst voll freuer Liebe Noch immer Jedem bei; Und wenn Dir Keiner bliebe, So bliebst Du dennoch treu. 79 80 Die treufte Liebe fieget, Am Ende fühlt man fie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an Dein Knie. Ich habe Dich empfunden; Olaffe nicht von mir! Las innig mich verbunden Auf ewig sein mit Dir! Einft schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts, Und sinken liebend nieder, Und fallen Dir an's Herz. 81 Gott dem heiligen Geiste. In stille, heilige Einsamkeit entfliehe ich entreiffen will ich mich ist den holden Winken der reizevollen Sterblichkeit, von Allem hinwegeilen zu Dir, verborgener, allgegenwärtiger, heiliger Geift! Weicht Gedanken, entfleucht ihr eiteln Begierden; steh' still für alles Sterbliche, mein Odem! Denn leiser Freude und tiefer Demuth voll, gelüftet's meine Seele anzubeten, den Ewigen, den Schöpfer, das Urbild meines Geiftes; mit jedem Blicke meiner Augen, mit jeder Regung meiner Menschheit, anzubeten Dich, meines Geistes Vater! In diesen lichten Stunden der Erhebung zu Dir, heiliger Geift, die Du selbst vom Himmel sendest, schwindet alle Unruhe der Seele, die mit Nacht und Donnerwolken fürchterlich uns umrauscht. Ich bete Dich mit lebendigem Glauben, mit schwachen Tönen meiner Lippen an, die Erde find: Heiliger Geift! Ich bete Dich in Demuth an, als meinen Herrn und Gott! Heiliger Geift, der Du vom Vater und dem Sohne ausgeheft! Ich bete Dich in Demuth an, als meinen Herrn und Gott! Jehrs) 4* 82 Heiliger Geift, der Du 3cugniß gibst von Jesus Chriftus! Heiliger Geift, der Du über Maria herabkameft! Heiliger Geift, der Du uns alle Wahrheit lebreft! Heiliger Geift, der Du den Erdkreis erfülleft! Heiliger Geift, der Du im Herzen der Frommen throneft! Heiliger Geist der Weisheit und der Er kenntniß! Heiliger Geift des Rathes und der Stärke! Heiliger Geift der Wissenschaft und der Frömmigkeit! Heiliger Geift der Furcht Gottes! Heiliger Geift der Gnade und Barmherzigfeit! Heiliger Geift der Andacht, der Liebe und Mäßigkeit! Heiliger Geift des Glaubens und der Hoffnung! Heiliger Geift der Demuth und Sanftmuth des Herzens! Heiliger Geist der Zerknirschung und Bußfertigkeit! Ich bete Dich in Demuth an, als meinen Herrn und Gott! Heiliger Geift, der Du im Anfange über den Waffern schwebteft! Heiliger Geift, der Du die Propheten er leuchteteft! Heiliger Geift, der Du alles, auch die Geheimnisse Gottes ergründeft! Heiliger Geift, der Du für uns mit unnennbaren Seufzern fleheft! Heiliger Geift, der Du über Christus in der Taufe niederstiegeft! Heiliger Geift, durch Dessen Gnabe wir wiedergeboren worden! Heiliger Geist, der Du die Liebe ausgießeft in die Herzen der Menschen! Heiliger Geist der Gotteskindschaft! Heiliger Geift, der Du uns in der Schwachheit stärkeft! Heiliger Geift, der Du am Pfingstfefte über die Jünger herabkamft, und sie zu Aposteln bildeteft! Heiliger Geift, der Du über der heiligen Kirche schüßend und belebend schwebeft! 83 Steige auch über mich herab! Heiliger Geift, der Du die Lehre Jesu bisi an's Ende rein bewahrest! 84 Doch, Unendlicher, was ist meine Anbetung, mein Preis gegen die Lobgesänge, welche die Geifter aller Ewigkeiten Dir jauchzen, was gegen ihren würdigeren Jubel! Doch, wird Dich je, o Namenloser, der ganzen Unermeßlichkeit volltönender Preisgefang auch nur von fern erreichen, Dich, Sonne aller Sonnen erschöpfen, Dich, der Geifter Quell? Ich stehe still und finke ohnmächtig, denn ein Gedanke, ein Lichtstrahl Gottes, ein Pfeil, der Wahrheit trifft die erstaunte Seele, mein Herz schlägt glühender! Du göttlicher, heiliger Geift bift izt, schon izt in diesem Augenblicke, da ich Dich menschlich nur mit eines tadellosen Wurmes Ohnmacht, ach, nicht empfinde, ach, nur in dunkeln Worten von ferne höre, und Dir den Preis des Staubes nur athme, in dieser Stunde, da ich noch tief, tief unter dem tiefften Deiner Seher wandle, noch in der Nacht, in meines Staubes lichtleeren Tiefen irre und schmachte; Du bist, ach, darf ich's denken, Du bist izt schon Der, den mein erhabenstes, mein kühnstes Himmelslied nie erreichen wird, Der, welchen nach Jahrtausenden noch immer höher, herrlicher, noch 85 unaussprechlicher, unausdenkbarer meine Seele fich denken, unausempfindbarer mein Herz empfinden wird. O heiliger Geift, Du bist izt schon, da ich mit tiefer Ehrfurcht ftill, ich Staub, Deis nen heiligen Namen anbete, da mein ganzes Wesen nur Dir, Wesen aller Wesen, ein Opfer, fich niederlegt auf den Altar der Erde; Du bist, Du, der Allerfüllende, der Allgegenwärtige( ach, darf ich's stammeln?), Du bist in mir! Ich, Dein Tempel, Dein Heiligthum! Ach, ewig Unerreichbarer, heiliger Geist, Dich fleht meine Seele an, wenn die Lippe betet: Wohne stets in unserm Gemüthe mit Deinem) Trofte! Vollende in uns, was Du in der heiligen Taufe in uns begonnen haft! Erleuchte täglich mehr unsern Geift, durch den heiligen Glauben! Entzünde stets glühender in uns die Flamme der heiligen Liebe! Befestige stets unerschütterlicher unsere Hoffnung! Erweitere stets die Gränzen der heiligen Kirche Jesus! og Erhöre stets, heil. Geist, unser Flehen! 86 Vermehre die Zahl der wahren Bekenner des Gottmenschen! Bilde unsern Geift nach Deinem Wohlgefallen! Schenke uns den Geift der wahren Frömmigkeit! Bewahre uns vor Leichtsinn, Trägheit und Stolz! Behüte uns vor dem Gifte der Spötter des Glaubens und der Tugend! Schüße uns im heißen Kampfe mit der Sünde! Verleihe uns kindlichen Gehorsam, schweigende Geduld! Gib uns warme Menschenliebe, Freundlichkeit und Sanftmuth! Tröste uns mit Deinen Gotteströftungen! Führ' uns heilig durch dieses Pilgerleben! Erlös' uns von allem Uebel! Laß uns dereinst Deine Herrlichkeit sehen! Bleibe ftets unser Heiligmacher! Heiliger Geist! Erhöre ftets, heiliger Geift, unser Fleben! Kirchengebet. O Gott, der Du die Herzen Deiner Gläubigen 87 durch die Erleuchtung des heiligen Geiftes gelehrt haft; gib, daß wir durch eben diesen heiligen Geift, was recht ist, erkennen, und Seines Troftes uns stets erfreuen mögen. Durch Jesus Chriftus, unsern Herrn, der mit Dir und dem heiligen Geifte lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. O Gott, der Du den heiligen Aposteln den heiligen Geift gegeben haft; verleihe auch uns, Deinem Volke, die Gaben dieses heiligen Geistes, die wir von Dir erflehen; schenke uns, denen Du den Glauben ertheilteft, auch den Frieden des Herzens. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. on Phas ante G te 88 Festfeier des Christen. Gebet am Neujahrstage. Mit Dir, und in Deinem Namen beginne ich dieses neue, irdische Lebensjahr. Du, dessen theurer Jesus Name mir heute besonders wichtig sein soll, göttlicher Jesus, Dein Name sei von. mir gepriesen! Meine Secle frohlocke, daß Dir dieser Name von Gott gegeben ward; mein Herz fei freubenvoll, daß Du dieses Namens ewig würdig bift! Retter, Erlöser, Begnadiger, Befeliger, dieses Alles bist Du für Millionen, fei es auch für mich! Ich glaube an Dich, Sohn Gottes, und an Deine Hülfsluft und Hülfskraft! Aber ach, nur so fern bin ich von dem Grade des Glaubens, der mich immer Deiner und Deines Namens froh macht! Allgenugsamer Jesus, erbarme Dich meiner, wie Du Dich voreinst auf Erden Aller erbarmteft, die Deiner Hülfe bedurften! Dieses neue Jahr sei ein Jahr des Heiles für mich! Dieses Jahr bringe mich Dir, Dich mir immer näher!- Allmächtiger Jesus, sei mir Lichtbedürftigen, mir nach Kraft und Hülfe = 89 Schmachtenden ein wahrer Jesus, ein Helfer, wo Niemand mir helfen kann; ein Begnadiger, ein Stärker, ein Erfreuer, wie es kein Sterblicher, wie es Niemand auffer Dir sein kann! Es sei kein leeres, kein blos nachgesprochenes Wort mehr auf meinen Lippen, wenn ich Dich, Jesus nenne. Die Kraft und Wahrheit Deines Namens müsse eine selige Erfahrung für mich werden! O Jesus, vor Deffen hochheiligem Namen alle Kniee fich beugen, sei mir heiliger mit jedem Tage dieses neuen Jahres! In jeder Verlegenheit müsse sich mein Herz zu Dir, Du Allhörender, Allsehender, Allwaltender, Albeseliger erheben! Kein Leiden müsse mich von Dir zurückschrecken! Jedes Leiden müsse mich näher zu Dir hinführen! Sei mein Troft, mein Beruhiger, mein Helfer in jeder Noth! Deine Huld gegen alle Menschen, Deine Huld auch gegen mich, werde mir mit jeder Stunde gewisser! Mein Leben sei mir lieb um Deinetwillen, und um Deines Namens willen! Mein Herz hüpfe vor Wonne und schlage lauter, so oft ich Deinen Namen ausspreche! Wenn Du mein 90 Helfer bist, was, so mir in diesem Jahre begegnen mag, kann mir furchtbar sein? Ich vertraue auf Deinen göttlichen Namen! Du bist meine Stärke, wenn ich schwach bin; meine Freude in der Traurigkeit; mein Helfer in der Noth; mein Begnadiger, wenn ich mich demüthige; mein Befeliger, wenn ich sterbe! O Jesus, mein Gott, fei Du mir täglich lieber, heiliger, anbetungswürdiger in diesem neuen Jahre! Sei und bleibe Du mein höchftes Gut, mein Alles; Du, 0 Jesus, mit dem Vater und dem heiligen Geiste. Amen. 91 Gebet in der heiligen Fastenzeit. Jeder Tag dieser heiligen Zeit sei, o mein Herr und mein Gott, Jesus Christus, für mich ein Tag des ernsten Nachdenkens; ohne Betrachtung Deiner leidenvollen Liebe soll mir keiner entschwinden! Was ist würdig von mir beherzigt zu werden, wenn nicht Deine unausdenklichen Schmerzen, Du allerunschuldigste Unschuld; wenn nicht Deine unvergleichbare Liebe, o Du göttliche Langmuth in Menschengestalt! Und wann will ich das Beherzigungswerthefte erwägen, wenn nicht izt, in diesen Tagen, die von der heiligen Kirche in der ganzen Christenheit zu diesem Zwecke bestimmt find! Erwecke mich zum gewissenhaftesten Ernste, zur möglichsten Sammlung aller meiner Gedanten, zur weiseften und chriftlichsten Benußung dieser heiligen Zeit! Rein Leichtsinn bemächtige sich meiner; keine Trägheit müsse mich fesseln; kein Kaltsinn mich beschleichen; keine Zerstreuungssucht mich ableiten von dem heiligen Geschäfte des Hinblickens auf Dich, den Stifter und den Bollender meines Glaubens, Jesus Christus! Durch den heiligen Geist vergegenwärtige mir 92 die Geschichte Deines Leidens, Deine Furchten und Aengsten, Deine Gebundenheit und Mißhandlung, Deine Geißelung und Krönung, Deine Ausführung zum Tode, das Tragen Deines schweren Kreuzes, Deine Entkleidung und Anheftung, Dein Schweben zwischen Himmel und Erde! Dein heiliger Geift erleuchte mich, zu erkennen, o Gottessohn, die Reinheit Deiner Unschuld, die Vollkommenheit Deiner Geduld und Ergebung, Deiner Gottes- und Menschenliebe, Deine Langmuth und Großmuth. Dein heiliger Geift lehre mich in neuem Lichte erkennen alle Zwecke und Absichten Gottes bei Deiner Aufopferung für das Menschengeschlecht! Es werde mir klarer das Verdienst Deines Leidens und Todes! Nicht um Deinetwillen konntest Du leiden und sterben! Was Du litteft, das duldeteft Du der gefallenen Menschheit wegen; um der Sünde willen starbft Du des härtesten Todes, den wir Sünder verdient hätten! Dein heiliger Geift lehre mich täglich deutlicher einsehen die unendlich seligen Folgen und Wirkungen Deines Leidens und Todes, und verstehen die troftvollen Worte in ihrem ganzen unendlichen Umfange: Jesus ist um unfre Sün 93 den dahingeopfert worden; Er ist das Versöh nungsopfer für die Sünder der ganzen Welt; Er hat Sein Leben hingegeben zum Lösegeld für die Gefangenen von Tod und ewigem Verderben!" So wenig ich davon verstehen mag, ift es mir doch klar genug, daß ich Deinem unschuldigen Tode die Vergebung und Vergütung meiner Sünden zu verdanken habe, daß Dein allervollkommenster Gehorsam bis zum Tod am Kreuze Dir unendliche Rechte über das Menschengeschlecht gab, Begnadigungsrechte. Gott, Dein Vater, gab Dir einen Namen, der über alle Namen ist, und macht über alle Mächte! Gekreuzigter, Du bist König der Erde und des Himmels! Alle Gewalten, gute und böse, sind Dir unterthan! Vollkommen selig machen kannst Du nun Alle, welche durch Dich zu Gott kommen wollen! Deine unergründlichen Leiden führten Dich zu unbeschreiblicher Herrlichkeit! Deine Liebe ist Befeltgungsluft, und Deine Herrlichkeit ist Beseligungstraft. Jesus, Du bist das Haupt der Menschheit! Es weiche nun alle Furcht. Du starbft aus Liebe für uns! Es verschwinde alles Mißtrauen. Du bist unser Versöhner und Mittler bei Gott! Du - 94 bift die Liebe, dies zeigt Dein Kreuztob! Du bift allmächtig; das erwahrt mir Deine Aufer stehung und Erhöhung über Alles; kein Mensch, kein Engel kann so lieben, wie Du uns liebteft, und noch liebst, und in Ewigkeit lieben wirft, kann helfen, retten, befeligen, wie Du es vermagft. D Du in allen menschlichen Leiden Geprüfter, durch Geduld zum vollkommensten Hohenpriester und Vertreter der Menschen Vollendeter! Du unsträfliches Lamm Gottes, das die Sünden der Welt tilgt in Seinem Blute, wie soll ich Dich in diesen heiligen Tagen auch nur einiger maßen würdig anbeten, wie Dir danken für Deine ewig allbeseligende Liebe, wie in Deinen heiligen Liebessinn eindringen, wie etwas mir zu eigen machen von Deiner heldenmüthigen Geduld, von Deiner kindlichen Ergebung in den Willen des Vaters, der Dich die dunkelsten und unerklärbarften Wege führte; wie etwas von Deiner allerfreundlichfien Liebe und allerlangmüthigsten Großmuth? Ach, wenn ich nichts von dem in mir aufnähme: wie könnten Dir meine Lobpreifungen gefallen? Soll nicht der Zweck aller meiner Be trachtungen und Uebungen, Aehnlichkeit mit Dir sein? O daß doch dieser allerwürdigste Zweck 95 mir immer gegenwärtiger, wichtiger, dringender, erweckender erschiene! Herr, Du kenneft meine Schwäche, unter deren Last ich verfinken sollte, und doch nicht verfinken darf um Deinetwillen, Du Stärke der Schwachen! D Du Mitleidigfter aller Menschen und Menschenfreunde! D Du Mächtigfter, Du Allmacht des Vaters! O laß Dich erflehen, Dich in meiner Schwachheit mächtig zu beweisen, daß diese heiligen Tage mir unvergeßlich, und ihre heiligen Wirkungen in mir unvertilgbar seien. Amen. on 96 Gebet am heiligen Ostertage. Alleluja! Mein erstes Wort an diesem Hochfestlichen Tage sei Jesus der Erstandene! Freude und Anbetung sei die berrschende Empfindung meines Herzens! Jesus Christus, Deine allerheiligste, wundenvolle Leiche ward wieder lebendig! Preis und ewiges Lob der Allmacht, die Dich aus der Felsengruft erstehen ließ, und Dich Deinen trauernden Jüngern wiederschenkte! Deine heilige Menschengestalt ging unsterblich aus dem rabe hervor. Alleluja! Dieses Wort sollte heut' aus allen Christenherzen erschallen! Preis und Anbetung dem Geber der Unsterblichkeit, und dem Verherrlicher der Menschheit, dem Recht= fertiger der Unschuld, und dem Kröner der vollkommensten Tugend! Befieger des Todes, Jesus, wie bet' ich Dich an? Erwerber des ewigen Lebens, wie soll ich die Kniee vor Dir beugen? Sink' in den Staub hin, vor Jesus Christus, fterbliches Menschengeschlecht! Wer als Kind Adams starb, wird unsterblich durch Dich, Jesus Chriftus! Alleluja! Besieger des Todes, voll Anbetung Deiner Allmacht und Liebe sei Jeder, der Deinen 97 Namen nennt, und glaubt, daß Du, Gekreuzigter, Gemordeter, unsterblich auferstandeft! Dein Triumph über Tod und Grab ift Triumph der Wahrheit über die Verläumdung, der Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit, der Sieg der Allmacht Gottes über die Arglist des Satans. Alleluja! Du warst todt, und lebst von Ewigkeit zu Ewigkeit! Welches Leben ist Deinem Leben gleich, als das Leben des Vaters, der alles Lebendigen Lebensquell ist! Dein Leib ist der heiligste, lebendigste Tempel Dessen, der allein die Unsterblichkeit in Sich hat! Wie der Vater das Leben hat in Sich selbst: so gab Er Dir, das Leben in Dir selbst zu haben. Dein Leben, Jesus, Haupt der erlöfeten Menschheit, ist unser Leben! Von Jahrhundert zu Jahrhundert rufft Du durch den heiligen Geift in die Seele der Deinigen: Ich lebe, und auch ihr sollt leben!" Du haft das Größte vollbracht, was Liebe vollbringen konnte! Du starbft am Kreuze, Gerechtester für die Ungerechten! Was können wir von dieser Liebe Alles erwarten? Wird ein Wort Deiner Verheißungen unerfüllt bleiben? Wer dürfte an Deiner unbegränzten Kraft zweifeln, Du Auferstandener vom Tode? Wer an der ewig gültigen Der Christ. 5. Auflage. 5 98 Wahrheit Deiner Worte:„ Ich bin die Auferstehung und das Leben; Ich gebe meinen Schafen ewiges Leben!" Aus Deiner Hand, allmächtige Liebe, gekreuzigter Beherrscher aller Welten, wie froh, wie anbetend empfang' ich das größte aller Geschenke. Leben, Unsterblichkeit, und zwar Dein Leben, Deine eigene Unsterblichkeit!... Wie Gottes Leben Dein Leben ist: so soll Dein Leben das meinige werden! Was sterblich an mir ist, soll verschlungen, und auf ewig von mir entfernt werden! Mein künftiger Leib soll durch Dich und Deine allschaffende Kraft Deinem verklärten Lichtleibe ähnlich werden! Keine Bedrückung, keine Gebundenheit mehr! Die wirksamste Lebendigkeit, die thätigste Freiheit wird ihn schmücken! Nichts, was Krankheit, Schmerz oder Tod heißt, darf sich dann meinem Körper mehr nahen, wie dem Deinigen nicht! Aus der Fülle Deines neuen Gotteslebens schöpfen Millionen Adamskinder Leben und Herrlichkeit; in Dir, o du Erstgeborner von den Todten, leben sie Alle; und durch Dich, gekreuzigte, begrabene, auferstandene Liebe, können sie Alle vollendet, verherrlicht, unsterblich und Deiner göttlichen Natur theilhaftig sein! ( 99 Durch Dich, großer Anfänger und Vollender, wird möglich werden das scheinbar Unmögliche; durch Dich im vollkommensten Sinne erfüllt werden das erhabenste Wort der Verheißung, und Deine Auferstehung ist ein Siegel auf alle Deine Verheißungen:" Ich habe Ihnen die Herrlichkeit gegeben, die Du Mir gegeben haft; auf daß fie alle Eins feien, wie wir Eins find; Ich bin in ihnen, Du in Mir!" O Jesus, warum verfink' ich nicht in Wonne; Deine Liebe ist lauter Leben, Dein Leben ewige Liebe! Amen. He AD # 2 100 Christus, der Todesüberwinder. Ich fag' es Jedem, daß Er lebt, dan Und auferstanden ist! amis Daß Er in unsrer Mitte schwebt, Und ewig bei uns ist! sds Ich sag' es Jedem, Jeder sagt Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. Izt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin, Entzückt aus Seiner Hand. Sinunter in das tiefe Meer, Versank des Todes Grau'n: Und Jeder nun kann leicht und hehr In seine Zukunft schau'n. Der dunkle Weg, den Er betrat, Geht in den Himmel aus, Und wer nur hört auf Seinen Rath, Kommt auch in's Baterhaus. Nun weint auch keiner troftlos hier, Wenn Ein's die Augen schließt; Vom Wiederseh'n, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. Es kann zu jeder guten That Ein Jeder frisch erglüh'n; Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönern Fluren blüh'n! Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn Alles uns verläßt, Und so soll unser Tod uns sein: Ein heil'ges Freudenfest! 101 102 Die Himmelfahrt des Herrn. Himmelan, zum ew'gen Frieden Zieht Dich, Jesus, Vaterhand, Von der Erde leicht geschieden, Zu dem süßen Heimathland. Hier haft Du gekämpft, geduldet, Und gesühnt, was wir verschuldet, Dort ist Fried' und Freud' allein; Ehre, Kraft und Reich ist Dein! Himmelan zieht Deine Liebe Deiner treuen Jünger Schaar; Daß uns Himmelssehnsucht bliebe: Ward Dein Weg uns offenbar; Dahin, wo Du hingegangen, Trägt uns gläubiges Verlangen; Was wir suchen, ist nicht hier Unfre Heimath ist bei Dir! Himmelan aus schwerem Streite, Ueber eiteln Erdentand, - D erhöhter Heiland, leite Uns in's sel'ge Vaterland! Send' uns Deinen Geift hernieder, Daß wir, Deines Leibes Glieder, Wandeln auf des Glaubens Bahn, In der Liebe himmelan! 103 Jesus Chriftus, ziehe mich Dir nach in den Himmel, in welchen Du mir vorangingft; fei mir noch in Deinem Scheiden von der Erde, was Du mir in Deinem Leben, und in Deiner ganzen Lehre bist: ein Leitstern und ein Wegweiser für meinen Wandel, ein Stab, für den müden Erdenpilger und mein Licht im finstern Thale des Todes! Lehre mich durch Deine Auffahrt, Dir ähnlich leben, leiden und freudig sterben! Gegen Himmel will ich stets Dir nachschauen, um meinem Thun heilige Weihe zu ertheilen, um ergeben meine Leiden zu ertragen, um nicht zu schaudern vor der Todesstunde. Offen stehen ja diese Pforten des Vaterhauses, das den Erlöften des Eingebornen aufnehmen, und mit seligen Freuden beglücken wird. D darum will ich, o Jesus, mit Deiner Gnade ringen, mich dieser Seligkeit würdig zu machen und nie es vergessen, daß nur für den, der gleich Dir auf Erden schon für den Himmel lebte, der Ausgang aus dieser Welt nichts anders sein kann, als eine Himmelfahrt! Amen. 104 Am Pfingstfeste. heiliger Geift, Du ewiges Licht, Laß leuchten uns Dein Angesicht, Tränk uns aus Deiner Wahrheit Quell, Entzünd' in uns den Glauben hell: Oheiliger Geift, Du ewiges Licht! Oheiliger Geift, Du Tröster in Noth, Stärk' uns, wenn uns der Feind bedroht, Daß wir fest in Versuchung steh'n, Im schweren Kampf nicht untergeh'n: O heiliger Geift, Du Tröfter in Noth! O heiliger Geift, so mächtig und mild, Erneu're uns zu Gottes Bild! D heil'ge uns durch Deine Kraft, Die Wollen und Vollbringen schafft; Dheiliger Geist, so mächtig und mild! O heiliger Geift, Du göttlicher Hort, Lehr' uns versteh'n Dein Himmelswort, Daß es uns Licht und Leben sei; Und mache uns in Chriftus frei- Oheiliger Geift, Du göttlicher Hort! Oheiliger Geist, voll Liebe und Huld! D trag' uns ferner mit Geduld! 105 Gib Liebe uns und Einigkeit, Und Frieden Deiner Christenheit! O heiliger Geist, voll Liebe und Huld! O heiliger Geift, empor strebt alles, was in uns ift. Gib uns Deine Schwingen, und trag' uns in das Lichtreich! Wer kann noch dem Staub' anhangen, dem Du himmlische Güter vorhältst! Wer noch tobt sein, den Du anbaucheft! Wer noch Knecht sein, den Du frei macheft! Wer noch traurig sein, den Du erfröhlichst! Geift vom Vater und vom Sohne, komm', o komm' hernieder! Wir können nichts ohne Dich, aber mit Dir Alles. Diese Gewißheit drückte der heutige Festtag auf die Wunden unfres Herzens! Wenn wir bedenken, wie Du so frühe schon in der heiligen Taufe und Firmung mit uns geredet haft, und weiterhin in so viel schönen, seligen, feftlich- hohen Stunden uns nachgegangen bist mit Lehr' und Bitte, und wie oft wir dennoch von Dir wichen im Rausche der Luft, oder im Drange der Noth; wenn wir das heute erwägen, heiliger Geist, wie tief müssen wir uns vor Dir demüthigen? Wie müssen wir uns schämen im Glanze Deiner unverdienten Liebe! O Heiliger, verwirf 5* 106 uns nicht! D Mächtiger, verlaß uns nicht! Mit Dir erneuern wir heute unsre heiligsten Entschlüsse! Vollbringen wir mit Dir unfre schwersten Werke, überwinden wir mit Dir unfre größten Versuchungen! Siegen können wir mit Dir über Tod und Grab! Komme zu uns! Führe, ftärke, segne, tröfte uns mit Deiner Hülfe und Freudigkeit! Zu den Glücklichen bringe Weisheit, und zu den Bekümmerten Rettung und hohe Freude! Verbundene segne durch Liebe, und Getrennte durch Hoffnung! Die Lebenden weihe durch Todesgedanken, und die Sterbenden mit der Unsterblichkeit heiligen Schauern! Von Dir durchdrungen rufen wir: Dir leben, Dir sterben wir, Dein sind wir todt und lebendig! Amen. spon 107 Am Festtage der allerheiligsten DreiEinigkeit. An Gott den Vater glauben wir, Der uns das Leben gab, um hier 3u reifen in dem Strahl der Zeit Für eine beff're Ewigkeit; Der einst aus Liebe diese Welt Erschuf, und liebend fie erhält. Wir glauben feft an Gott den Sohn, Gekommen von des Himmels Thron, Um von der Sünd' uns zu befrei'n, Und Lehrer, Mittler, Troft zu sein; Der für uns starb, und auferstand, Und einst uns führt in's Vaterland. Wir glauben an den heiligen Geift, Der Seine Kraft an uns beweift, Und unser Herz zum Guten weiht, Daß Gott auch unsrer Schuld verzeiht; Durch den die Kirche Jesusblübt, Die für den Himmel uns erzieht.- — Gebet der Kirche. Allmächtiger, der Du uns die Gnade vers liehen haft, in dem Bekenntnisse des christlichen 108 Glaubens die Herrlichkeit Deiner ewigen dreieinigen Gottheit anzuerkennen, und in ihr die Macht und Majestät der Einheit anzubeten; wir bitten Dich: verleihe uns die Kraft, daß wir durch treue Anhänglichkeit an diesen Glauben gegen alle Widerwärtigkeit immerbar beschüzt werden. Amen. Am Frohnleichnamsfeste. Das Geheimniß sei gepriesen, Das den Leib des Herrn enthält! Ehre sei dem Blut erwiesen, Das einst floß zum Heil der Welt; Das, dem Alle dienen müssen, Jesus gab, als Lösegeld! Uns geboren, uns gegeben Aus der Jungfrau, hehr und rein, War hienieden Sein Bestreben: Saat der Wahrheit auszuftreu'n; Und am Schluff' von Seinem Leben, Wundervoll Sich uns zu weih'n! Nachts, vor Seinem Heilvollenden, Als Er, Seiner Jüngerschaar Ofterspeisen auszuspenden, Bei'm Gefeßesmahle war: Da gab Er mit eignen Händen, Sich zur Opferspeise dar! Fleisch geword'nes Wort umwandelt, In Sein Fleisch die Brodsgestalt; Segnend wird in Blut verwandelt, Was als Wein dem Aug' fich malt! 109 110 Glaube ift's, wo Allmacht handelt, Der in's Herz Gewißheit strahlt! Last daher uns tief verehren, Beten dies Geheimniß an! Bande alten Bundes hören Auf im Bund', der hier begann! Glaube nur kann Licht gewähren, Wo der Sinn blos staunen kann! Sei mit lob' und Lieb' umfangen, Gott, das Herz sei Dein Altar! Vater Du, und Der empfangen, Als Dein Sohn geboren war, Geist, von Beiden ausgegangen, Sei gepriesen immerdar! O Gott, der Du uns in dem wunderbaren Geheimniß des heiligsten Altarssakramentes ein hohes Andenken Deines Leidens und Deiner Liebe hinterlassen haft; verleihe uns die Gnade: daß wir, die an diesem Feste dieses Geheimniß ehrfurchtsvoll verehren, auch die Früchte der Erlösung in uns tief und innig empfinden mögen! Amen. 111 Die Feier der Geburt des Herrn. Lobt den Herrn! Die Gnadensonne Gehet auf mit mildem Schein, Und des Himmelreiches Wonne Strömt mit ihrem Licht' herein! Heil sei Dir, vor Deffen Nähe Himmelsglanz die Nacht durchbricht, Heller Aufgang aus der Höhe, Licht vom unerschaff'nen Licht! Ehr' und Preis sei Dir gesungen, Laut in jubelvollem Ton! Engelchöre, Menschenzungen Rühmt und preift den Menschensohn! Freud' und Dank last hell erschallen, Ihm, der unser Bruder ward, Frieden bringt den Menschen allen: Gott im Fleisch geoffenbart! Jauchzt dem Herrn in Jubelpsalmen, Der die Sünder nicht verfließ! Seht, des ew'gen Lebens Palmen Blüh'n im neuen Paradies! 112 Gotteskind, uns Gott zu weihen, Wurdest Du ein Menschenkind! Kindlich dürfen Sein fich freuen, Die mit Dir verbündet sind! Gotteskind, Du Heil der Sünder, Nimm Dir alle Herzen ein! Daß wir Alle Gotteskinder, Und des Lichtes Kinder sei'n! Nimm uns hin, Pfand ew'ger Liebe, Gottes und des Menschen Sohn! Nimm der Herzen zarte Triebe, Liebe sei der Liebe Lohn! Sei uns gesegnet, du stille, heilige, geweihte Nacht, die einst dem Menschengeschlechte Jesus, den Heiland, den Erlöser von Sünd' und Tod und ewiger Verwerfung, den göttlichen Lehrer der Wahrheit, des lebendigmachenden und beseligenden Wortes Gottes schenkte! Jhn, den Stifter und Vollender unfres Heiles, den Führer zum Himmel! Auch uns umleuchtet am Geburtsfefte des Sohnes Gottes Klarheit, aus der Höhe, und in diesem himmlischen Lichte erkennen wir uns selbst als Gegenstände der höchsten, väter- 113 lichen Fürsorge und Liebe, an denen Gott der Vater ein Wohlgefallen hat; erkennen uns selbst als Brüder und Schwestern Jesus, der uns in Seinen Worten, Schicksalen und Thaten, die hohe Würde, den Adel der Menschennatur darstellte als Kinder, Erben des Vaters, als Bild Gottes, Tempel des heiligen Geiftes! Wir erkennen uns als Wesen, die einer göttlichen Er lösung immerdar bedürftig find, und Hülfe von Oben stets auf unser Flehen erlangen! Ehre sei Gott in der Höhe, der uns nach Seinem Bilde geschaffen, und uns durch Jesus, Seinen Eingebornen, zur Kindschaft Gottes erhoben, und turch Ihn zum Genuffe der ewigen Seligkeit befähigt hat! Friede auf Erden, mit uns selbst, mit allen unfern Miterlöseten; ewiger Friede mit Gott, werde uns durch die würdige Feier des heutigen Festes! Wir haben einen kindlichen Geist durch Jesus empfangen, durch Den wir freudig rufen: Gott, Du bist auch unser Vater, auch wir find Deine Erlöften, auch uns haft Du durch Deinen ewigen Sohn die Pforten des Himmels eröffnet! Amen. 114 Am letzten Tag im Jahr.ir Was sind wir Menschenkinder, Daß Du Dich so erbarmst? Ach, nichts als arme Sünder, Die Du dennoch umarmst! Du machteft Deine Güte Auch im verfloff'nen Jahr, An Leib und an Gemüthe Uns gnädig offenbar! Sich' uns in Staub gebücket Voll Dankbarkeit gesteh'n, Daß Du uns hochbeglücket, Gehört der Kinder Fleh'n! Ja selbst im schwersten Leide Haft Du uns Troft geschickt, Haft unser Herz mit Freude, Und mit Dir selbst erquickt! D Gott, wer mag Dir danken Für solche Güt' und Treu'? Gesunden ward und Kranken Sie jeden Morgen neu! Doch wir bekennen schmerzlich: Wir sind der Lieb' unwerth, Womit Du uns so herzlich Verfloff'nes Jahr beschert! Kannst Du uns wohl vergeben Die Größe unsrer Schuld? Ja, Herr, bei Dir ist Leben, Ift Langmuth und Geduld! Vergib uns unsre Schulden Um Chrifti Deines Sohn's, Und nimm uns an aus Hulden Zu Erben Deines Thron's! So bringen wir auf's neue Dir unsre Herzen dar: D laß an Dir voll Treue Uns hangen Jahr für Jahr! 115 116 Verehrung der allerfeligsten Jungfrau Maria. Blick vom Himmelsthron, dem reinen, Maria, auf dieß Thränenthal! Süße Mutter, auf die Deinen Nur ein einzig, einzig Mal! Reget dann sich von Erbarmen Nicht Dein Herz bei diesem Blick: O dann wende von uns Armen Immerhin den Blick zurück. Sich', wie Undant uns entweihte Wie mit Gottes Herz die Schuld, Mit dem milden, uns entzweite, Wir verwirkten Seine Huld! Willst Du, daß Er mild erscheine: O so sprich ein einzig Wort! Du, Maria, kannst alleine Deffnen und des Heiles Pfort! Daß Er Sich mit uns versöhne, Süße, theure Mutter sprich, Sprich: wir seien Deine Söhne! Sieh', und schnell erbarmt Er Sich! shil Sind wir, ob der Schuld, auch nimmer Deine Kinder werth zu sein, Wird Dein Mutterherz doch immer Voll von Huld und Liebe sein! Breite, süße Mutter, Deinen Mantel aus, uns zu umpfah'n! Laß uns furchtlos dort erscheinen, Sieh' uns Kinder liebreich an! si machi bu Theure, süße Mutter, höre: TOPO Fleht zu Dir die Andacht laut, Rette, wer Dich liebt, erhöre, www. Wer sich kindlich Dir vertraut! 117 # 0 Mächtig bist Du, und hoch zu preisen, o allerfeligste Jungfrau Maria, in der Stadt Gottes, in den himmlischen Höhen, in der Versammlung der Auserwählten! Milde und Barmherzigkeit quillt in Deinem Herzen, und strömet uns Armen, der Huld und Güte bedürftigen Kindern Evens in Gnaden zu! Alle Erlöseten Jesus, Deines vielgeliebten Sohnes, verkünden Dein Lob hochentzückt; der Allerhöchste hat Dich, Seiner Werke herrlichstes, hochbegnadigt! 118 Marta, süße Mutter unseres Heils, blicke barmherzig hernieder auf Deine Verehrer; heile unsern Schmerz, und wandle in Freude die Angst unserer Seele! Mit den süßesten Worten ruft die Sprache aller Nationen Dich an, o Königin der Herzen; denn Du schirmeft die Dich lieben und retteft fie am Tage der Trübfal! Meeresstern, laß Dein Licht uns strahlen in den Finsternissen dieses Todes; wende Deine huldreichen Augen nicht von uns ab, verlaß uns nicht, Du Hoffnung, Troft und sichere Zuflucht der Sünder! Merk auf unsere Hülfe, o Mutter der Christenheit! Siehe, zu Dir rufen und seufzen wir in diesem Thale der Thränen! Mund und Herz erheben wir zu Dir in Versuchung und Trübfal; o laß uns nicht zu Schanden werden; denn nimmer ward es erhört, daß, wer Dich anflehte und verehrte, nicht Gnade fand! Mächtige Königin der Herrlichkeit, Dein Zepter lenke uns; breite Deinen Mantel über uns: schüße uns vor Gefahr und Sünde! 119 Mutter Jesus des Eingebornen vom Vater, des Menschgewordenen zu unsrer Erlösung, vertritt uns bei Deinem Sohne; erflehe Reinigung und Heilung allen zerknirschten, büßenden und wunden Herzen; erquicke sie mit dem Balsam Deiner Barmherzigkeit! Aufrufen will ich zu Dir, o Maria, Mutter meines Herrn! Liebreich erhöreft Du, die zu Dir emporfleben, und spendest himmlische Gaben den trauernden Herzen! An allen Tagen meines Lebens will ich Deines heiligen Andenkens mich freuen! laut, o himmlische Königin, will ich Dein Lob verkündigen, Dich preisen in der Versammlung der Gerechten! Alle, so Dich lieben, wandeln auf Deinen Spuren und blicken staunend hin auf die Werke Deines heiligen Herzens! Andacht weihen Dir und Liebe alle Nationen; selig preisen Dich alle Geschlechter der Erde; Dich feiert mit dem Gruße des Engels die heilige Kirche! Aus der Tiefe seufzen empor zu Dir die Sünder! Du fühneft des Rächers Zorn, und 120 retteft aus dem Abgrunde des Todes die Seelen, welche zu Dir flüchten! Achtet der Gebote ihres Sohnes, ihr Völker des Herrn, und schauet hin auf die leuchtenden Beispiele ihres Erdenwandels! mme Also hat Gott Sie geliebt, daß Er Ihren unbefleckten, keuschen Schooß zum lebendigen Tempel Seines ewigen Sohnes erwählte! Auserkoren war Sie vor den Tagen der Ewigkeit; geschmückt mit Schönheit und Herrlichkeit; vor ihrem Lichte schwindet der Feinde Schaar; ihr füßer Blick lächelt Freude in aller Engel Herzen! bom po malla Adamsföhne und Töchter, blicket hinauf zu Maria; flimmet festliche Loblieder an; Sie hat alle Schmach von Euch gewendet! An Sie richtet alle Seufzer und eure Thränen, die ihr in der Traurigkeit Nächten schmachtet; Sie wendet des Todes Gefahren ab, denn Sie hat das Leben geboren! Wer vor Deinem Throne liegt, an Deiner Pforte anklopft, o heilige Mutter Gottes, findet Rath, Troft und Hülfe, denn Du bist die 121 Mächtige, deren Lilienfüße der alten Schlange das Haupt zertreten! Ruhm und Preis weißen Dir darum die Chöre der Gerechten; vertrauend ruft die Kirche Deinen süßen Namen an! o mächtige Helferin und Fürsprecherin der Christenheit! Reichthum und Ehre ist bei Deinen Pforten, in Deinen Händen liegen Schäße der Ewigkeit; Du zeichneft die Auserwählten auf in das Buch des ewigen Lebens! Regiere unsre Herzen, o himmlische Königin! Dein Zepter lenke unser Gemüth! Berbirg uns schüßend unter dem mächtigen Schatten Deiner Flügel, bis die Nacht der Bosheit vorüber ift! Rufet auf zu Maria, die ihr in den Feffeln der Sünde seufzend und rettungslos lieget! Hülfe wird Sie euch senden von Sion, und ihr werdet den Namen Maria's verherrlichen! Rede Gutes für uns, o süßeste Jungfrau, keine Bitte versagt Dir Dein Sohn; blicke herab auf die Demuth Deiner Diener, und wende in Freude unsre Traurigkeit! Neiche Deine starke und milde Hand den Kleinen, welche zu Dir rufen; schirme die Armen, erleuchte die Blinden; kräftige die PilDer Christ. 5. Auflage. 6 122 ger, die auf dem Wege des Lebens einherwallen! Reinste der Jungfrauen, spende uns Reinigkeit, damit wir wohlgefällig feien in den Augen Deines Sohnes, und Er uns einführe in das Reich, wohin nichts Unreines eingehen kann! Richte auf die Niedergeschlagenen, die beklommenen Herzen der Verzagten; flöße ein den Lauen das heilige Feuer Deiner Gottes- und Nächstenliebe; Alle, die Deinen Schuß anflehen, umfaffe Dein süßes Mutterherz! Rette uns, o mächtige Schirmerin, wenn unsre fündige, zagende Seele von hinnen scheiden foll! Zeige Dich uns dann als unsre Mutter, und laß unser kindliches Vertrauen auf Deine Macht und Huld mit Erfolg gekrönt werden! Jungfrau aller Jungfrauen, zu Dir erschwingt fich meine Zuversicht! Dich, o süße Mittlerin zwischen Jesus und den Sündern, preisen Alle, welche Deinen Namen und Deine Mutterzärts lichkeit kennen! In Banden der Schuld schmachtet meine Seele; abgewichen bin ich von dem Pfade des Himmels und der Gebote meines Gottes. D erwirke mir Kraft, meine Bande zu sprengen, 123 Stärke, auf den Spuren Deines Erbenwandelns einherzuwallen! Innig empfehle ich Deinen milden Händen meine Seele! Laß strahlen mir die Sonne Deiner Barmherzigkeit; laß erfahren mich die Hülfe Deiner Macht, o mächtiger Schuß der Schwachen! Jammer und Noth erfüllt die Erde, Finsterniß bedeckt ihr Antlig: o bitte für uns, die Du das Heil und das Licht der Welt gebareft! Ihr Kinder der Menschen flehet zu den Füßen ihres Thrones, ihr Herz ist das Heiligthum, der Wohnfiß der Gnade, das Leben findet, wer Sie findet! 3rre geht, wer sich immer weggewendet von Maria; ohne Troft und Freude wandelt, wer ihre Lieblichkeit nicht kennt und empfindet! Jubel ist ihr Name dem Herzen, Wohllaut dem Ohre, Honig der Zunge ihren Kindern; dem Wohlgeruche ihrer Salbungen eilen die keuschen Seelen nach! 3hr vertrauet der Gerechte; auf Sie hofft der reuige Sünder! Sie rufet die blühende Jugend an; und Männer und Mütter und Greise, fliehen in tühner Zuversicht unter den Mutterschuß der seligsten Jungfrau! 124 Jeglichem ift Sie hold; seglichen nimmt Sie liebreich auf; bis an das Ende der Zeiten ist Sie eine milde Fürsprecherin für Alle, die Ihr Sohn in Seinem Blute erlöfte! Immerdar ertöne 3hr Lob im heiligen Vereine ihrer Kinder: immerbar erschalle Preisgefang dem Herrn, Der uns an Maria eine barmherzige Mutter schenkte! Als ich in der Nacht der Trübsale schmachtete, rief ich zu Maria; und Sie neigte 3hr Ohr in die Tiefe und erhörte mich barmherzig von Ihrem Throne! Andere rühmen sich des Goldes und flüchtiger Eitelkeit; rühmen will ich mich Deines Schußes, o süße Mutter, da Du den gerechten Zorn des Richters von meinem Haupte abgewendet haft! Gegrüßt seift Du Maria, Du Gnadenvolle! Mit Dir ist der Herr im Glanze des Himmels; mit Dir ist der Herr auf Erden, Der auf Deine kräftige Fürsprache Wunder thut Seiner Gnade und Allmacht! Angethan hat Er Dich mit dem Gewande Seiner Herrlichkeit, Dich erhoben über die Chöre 125 der Engel, Dich gekrönt mit der Krone der Unfterblichkeit, denn Du gebareft Ihm den Sohn, an Dem Er ewig Wohlgefallen hatte! 3mmerdar seufzen zu Dir die müden Erdenwaller, und hoffen von Dir, o himmlische Netterin, Troft und belebende Kühle in des Kampfes fengenden Mittagsgluten! Auf Deine Hände sehen Alle, welche Dir dienen, wie die Mägde auf die Hände ihrer Gebieterinnen; o erhöre unsere Bitten, damit wir preisen die Wunder Deiner Erhabenheit und Milde! Eröffnet ward durch Deinen Sohn die Pforte des Paradieses, welche Eva ihren Kindern verschlos; darum sollen alle Erdgebornen Dir in freudiger Entzückung danken! Ach, rette uns, süße Mutter, durch Deinen milden Fürspruch; daß der Herr unfre Werke richte mit Barmherzigkeit! Verschmähe die tiefen Seufzer unfres Herzens nicht! Anmuth und Holdseligkeit hat auf Deine Lippen sich ergoffen; Ein Wort Deines Mundes versöhnt den Zorn Deines Sohnes! Dein LilienHauch spendet ewigen Frieden, verscheucht die bösen Geister Alle! 126 Alle Völker sollen ewig Dich ehren; alle Chöre der Engel sollen in den himmlischen Höhen Dich preisen! Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste! Lob sei Dir Maria, der Königin des Him mels, in alle Ewigkeit! Loblied. Festlich preisen alle Zungen Dich, Maria, Heil der Welt! Stern, den Jakob früh besungen: Mutter, der das Licht entquellt! Deines Namens Züge brannten Feurig in der Sternengruft; Und die alten Seher kannten, Was noch spät die Zukunft ruft! Deines Schußes süße Feier Weiht zur Freude das Gemüth, Wie der Nächte dunkler Schleier Vor der Morgensonne flieht! Sünder und Gerechte rufen, Dich, o Himmelsfürstin, an; Denn zu Deines Thrones Stufen Darf getroft ein Jeder nah'n! Süßer Quell im Paradiese, Der mit Friedensthau begabt, Wunderbar ist Deine Süße, Die mit Troft die Menschen labt! 127 128 Dein geliebter Muttername, Der wie Balsam fich ergießt, Heilt das Herz vom tiefsten Grame, Und sein Schmerz wird mild versüßt! D, laß heut' uns Gnade finden; Zeige Deines Namens Sinn; Laß uns seine Kraft empfinden, Milde Himmelskönigin! Sich', ein Wort aus Deinem Munde Sühnt uns Jesum, Deinen Sohn; Und es strahlet uns zur Stunde Huld herab von Gottes Thron! Litanci. Herr, erbarme Dich unser! Chriftus, erbarme Dich unser! Christus, höre uns, Chriftus, erhöre uns! Gott Vater von den Himmeln! Erbarme Dich unfer! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme Dich unser! Gott heiliger Geift! Erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme Dich unser! Heilige Maria! Heilige Gottesgebärerin! Heilige Jungfrau aller Jungfrauen! Mutter Chrifti! Mutter der göttlichen Gnade! Du allerreinste Mutter! Du allerkeuschefte Mutter! Du ungeschwächte Mutter! Du unbefleckte Mutter! Du liebliche Mutter! Du wunderbarliche Mutter! Du Mutter des Schöpfers! Du Mutter des Erlösers! Du allerweisefte Jungfrau! Du ehrwürdige Jungfrau! Du lobwürdige Jungfrau! Du mächtige Jungfrau! Du gnädige Jungfrau! Du getreue Jungfrau! Du Spiegel der Gerechtigkeit! Du Siß der Weisheit! Du Ursache unserer Fröhlichkeit! Du geiftliches Gefäß 1 Du ehrwürdiges Gefäß! 6* 129 Bitte für uns! 130 Du vortreffliches Gefäß der Andacht! Du geistliche Rose! Du Thurm Davids! Du elfenbeinerner Thurm! Du goldenes Haus! Du Arche des Bundes! Du Pforte des Himmels! Du Morgenstern! Du Heil der Kranken! Du Zuflucht der Sünder! Du Tröfterin der Betrübten! Du Hülfe der Christen! Du Königin der Engel! Du Königin der Patriarchen! Du Königin der Propheten! Du Königin der Apostel! Du Königin der Märtyrer! Du Königin der Bekenner! Du Königin der Jungfrauen! Du Königin aller Heiligen! D Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Verschone unser, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Erhöre uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Bitte für uns! 131 Sünden der Welt! Erbarme Dich unser, o Herr! Chriftus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gebet. Unter Deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin; verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unfre Frau, unfre Mittlerin, unsre Fürsprecherin! Versöhne uns Deinem Sohne, empfehle uns Deinem Sohne, stelle uns vor Deinem Sohne! Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti! Ich sehe Dich, in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt; Doch kein's von Allen kann Dich schildern, Wie meine Seele Dich erblickt! Ich weiß nur, daß der Erd' Getümmel Seitdem mir, wie ein Traum verweht; Und ein unnennbar süßer Himmel Mir ewig im Gemüthe steht. D 132 Kirchengebete an den Festen der allerfeligsten Jungfrau Maria. Am Feste der unbefleckten Empfängniss Mariä. Wir bitten Dich, o Herr! theile Deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade mit, auf daß Jenen, welchen der Sohn der allerfelig= ften Jungfrau Maria zum Beginne des Heiles geworden ist, durch die Feier ihrer Empfängniß, Wachsthum des Friedens werden möge; durch Denselben Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. 133 Am Feste der Geburt Mariä. Laß, o Herr! Deine Diener einer fteten Gefundheit an Geift und Leibe froh, und durch die herrliche Fürbitte der seligen, stets unbefleckten Jungfrau Maria, deren Geburtsfeft wir heute feiern, von den zeitlichen Trübfalen frei, und im Genusse ewiger Freuden selig werden; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. Am Namensfeste Mariä. Allmächtiger Gott! wir bitten Dich, verleihe, daß Deine Gläubigen, welche sich des Namensfeftes der allerfeligften Jungfrau Maria, und ihres Schußes erfreuen, durch ihre mächtige Fürbitte von allen Uebeln auf Erden befreit werden, und zu den ewigen Freuden dereinst im Himmel gelangen mögen; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen! 134 Am Feste Mariä Opferung. O Gott! Der Du die allerfeligste Jungfrau Maria, dieses Heiligthum des heiligen Geistes, in Deinem Tempel Dir heute darstellen ließeft; verleihe, wir bitten Dich, daß wir auf ihre Fürbitte dereinst in dem Tempel Deiner Herrlichkeit Dir vorgestellt zu werden, würdig sein mögen; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. Am Feste Mariä Vermählung. O Gott! Der Du den heiligen Joseph zum Bräutigam der allerfeligsten Jungfrau Maria und zum Pflegvater Deines eingebornen Sohnes, unfers Herrn und Heilandes, Jesu Chrifti, bestellt haft; wir bitten Dich, verleihe uns durch die kräftige Fürbitte Mariä und Josephs Reinigkeit des Leibes und der Seele, daß wir unbefleckt und mit dem hochzeitlichen Gewande geschmückt, zur himmlischen Vermählungsfeier zugelassen wer 135 den; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unfern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. Am Feste Mariä Verkündigung. Gott! Der Du uns durch die Ankündigung Deines Engels die Menschwerdung Deines Sohnes, Jesu Chrifti, haft bekannt werden lassen: sende nun auch Deine Gnade in unser Herz, daß wir durch Sein Leiden und Sterben zur herrlichen Auferstehung gelangen mögen; durch Denfelben Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. 136 Am Feste Mariä Heimsuchung. Gott! es war Dein Wille, daß Dein Wort im Leibe der seligen Jungfrau Maria Mensch werden sollte; laß Allen, die zu ihr flehen, und die in ihr Gottes Gebärerin erkannt haben, durch ihre Fürbitte bei Dir geholfen werden; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. Am Feste Mariä Erwartung der Geburt Jesu Christi. Erwecke, wir bitten Dich, o Herr, erwecke Deine Macht und komme! damit wir aus den drohenden Gefahren der Sünde durch Deinen Schuß errettet, und durch Deine Errettung selig werden; Der Du lebeft und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeiten. 137 Am Feste Mariä Reinigung. Allmächtiger, ewiger Gott! vor Deine Majestät bringen wir unser Flehen, daß, wie Dein einges borner Sohn heute in der Wesenheit unsers Fleisches im Tempel ist dargestellt worden, also auch wir in vollendeter Lauterkeit unsrer Gemüther Dir dargestellt werden mögen; durch Denselben Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unfern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit. Amen. Am Schmerzensfeste Mariä. Göttlicher Heiland! bei Deinem Kreuztode durchbohrte, nach der Weiffagung des Propheten Simeon, ein Schwert der Schmerzen die uns schuldige Seele der preiswürdigsten JungfrauMutter Maria; verleihe gnädigst, daß wir, die ihre Leiden und Marter mit Andacht verehren, durch die Verdienste und Fürbitte der bei Deinem Kreuze stehenden Heiligen, die glückseligen Wirkungen Deines Leidens an uns empfinden 138 mögen; Der Du lebeft und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeiten. Am Feste der Aufnahme Mariä in den Himmel. O Gott! wir flehen zu Dir, verzeihe Deinen Dienern ihre Sünden! auf daß wir, die wir nach unserm Thun und Lassen Dir nicht wohlgefallen können, durch die Fürbitte der Mutter Deines lieben Sohnes mögen gerettet werden; Der Du lebeft und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeiten. Kirchengesänge z ut Ehren der allerfeligsten Jungfrau Maria. Mutter des Barmherzigen! Maria, sei gegrüßet! Wenn wir Dich Gott vertrauen seh'n, Wird jedes Leid versüßet. Sieh'! gleich Verbannten seufzen wir Im dunkeln Thal der Thränen hier. 139 Owende Du Dein Angesicht Auf uns vom Lichtgefilde! Den Tugendpfad hell' uns ein Licht Aus Deinem Aug', o Milde! Vom Abgrund' warn' uns sanft Dein Blick, Wenn die Verführung lockt, zurück! In aller Trübsal, Angst und Noth, Zeig' uns das Bild des Sohnes, Verklärt im hehren Morgenroth Vom Land des Tugendlohnes. Strahl' uns noch Troft im Tode zu, O füße, süße Mutter Du! 140 O Mutter Jesu, freue Dich! Frei von des Todes Banden Ift Er, Der an dem Kreuze starb; Er lebt! Er ist erstanden! O bitt' für uns, daß wir den Weg Der Tugend muthig gehen; Damit auch wir vom Grab' erwedt Zur Herrlichkeit erstehen! Heil Dir, Himmelskönigin! Heil, der Engel Herrscherin! Aus Dir, Wurzel, Gnadenthor, Ging das Licht der Welt hervor. Höchste Jungfrau! Freue Dich! Schönste, welcher Keine glich! Heil, der Frauen Zier und Krone! Bitt' für uns bei Deinem Sohne! Theure Mutter unsers Herrn! Himmelspforte, Meeresstern! Unterstüße liebreich Alle, Daß fie aufersteh'n vom Falle! Du allein vermochteft nur, Zum Erstaunen der Natur, Mit dem Jungfraukranz in Ehren, Deinen Schöpfer zu gebären! Gabriel, des Engels Mund, Machet Dir die Botschaft kund! Zeig' Erbarmen allen Sündern, Bleibe Mutter Deinen Kindern! O Gottesmutter! hocherhaben Ift Deine Würde! Deinen Schöpfer, Den Schöpfer aller Welten haft Du Gefängt! Was wir durch Eva's Schuld verloren, Das hat uns Dein Gebären wieder Erseßt; der Himmel ist durch Dich uns Eröffnet! 141 Frohlocket, ihr Erlöften alle! Maria hat uns Licht und Leben Und Frieden, Troft, und Heil und Segen Gebracht! 142 O Jesu, Sohn der Jungfrau! Ehre. Und Ruhm sei ewig Dir! dem Vater! Dem heil'gen Geiste Ruhm und Ehre Ewig! Dank, o Heiland! daß Du einstens Aus Maria unbeflecktem Leib den Menschenkörper haft Angenommen! O Maria! Gnadenvolle! Mutter Du der Huld und Milde! Schüße uns im Tode! nimm unse In Dein Reich auf! Ave Meeresstern! Mutter unsers Herrn! Jungfrau stets im Flor, Sel'ges Himmelsthor! Nach des Engels Sinn Nimm das Ave hin, Das uns Frieden bringt, dull Und wie Eva klingt. Brich die Haft der Schuld! Bring' des Lichtes Huld! Scheuch' der Uebel Fluth, Spende jedes Gut! Laß Dich, Mutter, seh'n;" 3hm bring' unser Fleh'n, Den Du uns gebarft, Dem Du Mutter warft! Jungfrau wunderbar, Und durch Sanftmuth klar, Laß von Sünden rein, Sanft und keusch uns sein! Führ' auf fich'rer Bahn Rein zu leben an, Daß in Gottes Au'n, Froh wir Jesum schau'n! Preis, o Bater; Dir! Chrifto Ruhm und Zier! Gleiche Ehre preift Gott, den heil'gen Geift! 143 144 Die heiligen Engel. Herr, an Deines Thrones Stufen Steht der Engel heil'ge Schaar; Heilig, heilig, heilig rufen Dir zum Preis fie immerdar. Ihre Pfalmen, stets erneut ,Strömen fort in Ewigkeit; Denn selbst von der Engel Zungen Wird Dein Lob nicht ausgesungen! Engel sind die starken Streiter Gegen Satans Lift und macht; Sind der Gläubigen Begleiter, Sind der Kinder treue Wacht; Freu'n fich, wenn sie Christen seh'n Feft im Gnadenbunde steh'n; Und, wenn Sünder sich bekehren, Weinen sie der Wonne Zähren! Heil uns Chriften, wir empfinden 3zt schon heil'ger Geifter Luft, Wenn den Heiland wir verkünden Froh mit Dank erfüllter Bruft, Wenn wir preisen unsern Herrn, Sind vom Himmel wir nicht fern; Wenn Ihm tönen unsre Lieder: Sind wir schon der Engel Brüder! Chriften, kämpfet unverdroffen Gegen Eures Feindes Wuth; Engel find euch Kampfgenoffen, Sieg verleiht des Lammes Blut! Eilet fort im Glaubenslauf, Nehmt den Schwachen freundlich auf, Führt die Kinder zu dem Kinde, Das uns reinigt von der Sünde! Wenn von dieser Welt zu scheiden, Herr, Dein Rathschluß uns gebeut, Führ' uns zu der Engel Freuden, In der Himmlischen Geleit'! Dort in Deinem lichten Reich Sind wir ganz den Engeln gleich, Werden ewig dort mit ihnen Dich anbeten, und Dir dienen! 145 D Gott, welche frohe Verheißungen zeigt uns die heilige Religion Deines Eingebornen! Wie wohl ist uns unter ihrem sanften Joche, unter ihrer leichten Bürde; wie überschwenglich wohl in Deiner Nähe, und in der Nähe der Der Christ. 5. Auflage. 7 146 heiligen Boten, die Du aussendest zu unsrer Seligkeit! Auch in dieser Andachtsstunde, wo wir ihre Nähe fühlen, haben fie Theil an uns genommen, die Engel des Himmels, und sich unsrer gefreut! Und während wir im Staube Dein Lob stammeln, erschallt ist um Deinen Thron her ihr vollkommenes Alleluja! Sei gepriesen für diese Gewißheit, die uns Dein Wort gibt, und laß uns von den heiligen Engeln geleitet, gestärkt, getröstet unsre Wanderschaft fortseßen; wir flehen zu Dir noch mit der heiligen Kirche: O Gott, Du theileft die Dienste der Engel und Menschen nach Deinen weiseften Absichten und göttlicher Bestimmung auf die bewunderungswürdigste Art aus: verleihe uns gnädigst, daß wir auf Erden durch jene, die ftets im Himmel zu Deinem Dienste bereit stehen, von allen Gefahren des Leibes und der Secle beschützt werden! Durch Jesus Christus, unsern Herrn! Amen. sid tox 300 147 Verehrung der Heiligen Gottes. SD Gott, Du haft dem Menschen feine fittlichen Pflichten nahe an das Herz gelegt; seine Vernunft schon zeigt ihm den hohen Beruf nach Heiligkeit und Vollkommenheit zu streben. In dem Gefühle seiner Freiheit und seiner Unabhängigkeit von allen äußeren Reizen erkennt er die strenge Nothwendigkeit, seine Neigungen zu beherrschen, seiner Pflicht alle Antriebe und Lockungen der Sinnlichkeit aufzuopfern, sich nach allen seinen Kräften in der Tugend zu üben, und sein ganzes Leben hinturch dem Urbilde der Heiligkeit sich nachzubilden, welches ihm durch die heilige Religion in Gott, feinem Schöpfer, und im Sohne Gottes, Jesus Christus, dargestellt wird. So weit die Nachrichten des Menschengeschlechtes reichen, finden wir auch stets vortreffliche Menschen, welche die Bewunderung selbst der spätesten Nachwelt auf sich zogen, welche dem, in ihnen wohnenden, Gesetze der Heiligkeit und Gottähnlichkeit durch edle Handlungen Zeugnis gaben; welche ihren Mitgeschaffenen nachahmungswürdige Muster der Sittlichkeit aufstellten; welche durch Gott wohlgefällige, reine und - 148 schöne, in dem Lichte der Gottes- und Menschenliebe glänzende, durch das Gefühl der Pflicht beseelte und geleitete Thaten, auch unsre ganze Verehrung verdienen. An ihrem Dasein dürfen wir uns freuen; an ihrer Asche sollen wir uns zu gleicher Liebesglut für Gott und den Nächsten erwärmen.- O ihr lieben Heiligen, ihr tugendhaften, edlen Seelen, wie lieb' ich euch; wie seid ihr mir werth und theuer! Wel= ches Lob verdient ihr, die ihr strebtet, Jeder in seinem eigenen Berufe, nach dem Maaße des empfangenen Lichtes und der verliehenen Gnade, heilig zu werden, wie unser Vater im Himmel heilig und vollkommen ist! - Die christliche Geschichte liefert uns Nachrichten von Menschen, welche die herrlichsten Thaten vollbracht, als Beweise von dem würdigen Gebrauche ihrer Freiheit, als Ausflüffe ihres guten, unverdorbenen Willens, als Beispiele, welche uns die Kraft und die mächtigen Anregungen des Gefeßes Gottes verkünden; fie zeigt uns große Menschen, welche über alles ungöttliche Wesen erhaben, todt für jede unfittliche Begierde, durch heldenmüthige Verläugnung aller finnlichen Lüfte, niedriger Vortheile, einer eiteln Ehre, anstecken 149 der böser Sitten, nach dem einzigen, großen Ziele ihrer fittlichen Vervollkommnung strebten; welche in allen Verhältnissen ihres Lebens, in den verwickeltsten Lagen, bei den gefährlichsten Versuchungen, deren sie ausgesetzt waren, muthvoll an Gott und Seinem Gefeße hielten; und durch die Liebe Desselben begeistert, die größten und manchfaltigsten Beispiele der Heiligkeit für uns zurückließen. Wir dürfen sie verehren, diese Helden der Tugend, diese erhabenen Freunde alles Guten! Was ist unter Menschen wohl verehrungswürdiger als Heiligkeit und Lebensunschuld? Wir dürfen fie in frommem Andenken erhalten; wir dürfen auch zu ihnen rufen, wenn uns der Drang des Leidens überwältigt, und wir dann uns näher an gefühlvolle Seelen anzuschließen genöthigt find. Wir dürfen ja alle unsere lebenden Mitgeschaffenen zur Vereinigung ihres Gebetes mit dem unsrigen auffordern; aber vergessen dürfen wir nicht, daß sie nicht aus eigner Kraft Retter und Helfer sein können, sondern nur durch Gottes Allmacht, Welcher Seine auserwählten Freunde dadurch besonders ehrt, daß Er ihnen nichts Heilsames verweigert. Das Andenken an heilige und tugendhafte Men 150 schen sei uns also vorzüglich darum wichtig, weil wir aus der Betrachtung ihrer Tugenden lernen, was der Mensch Gutes thun kann, wenn er mit Ernst und Nachbrucke will, und Deiner Gnade, o Gott, mit thätiger Mitwirkung stets entspricht! Sie zeigen uns die Kraft und den Sieg unsrer Freiheit über alle Reize und Lockungen der Sinnlichkeit! Wir sind frei, welch' ein edles Gefühl, und können, wie sie voreinst, die Feffeln böser Gewohnheiten zerreiffen, wenn wir wollen; wir sind frei, welch' ein ermunternder Gedanke, und können mit der Hülfe des Herrn, wie sie, den beschwerlichen Weg der Pflicht wandern, sobald es unser ernstlicher Entschluß ist. Keine Versuchungen, keine finnliche Luft, nichts kann uns Gewalt anthun, nichts uns zwingen, böse zu sein! Es wohnt, unterstüzt mit dem Beistande von Oben; eine Gnade Gottes in uns, unsere fittliche Freiheit, welche jedem Reize zur Sünde troßen kann; und wenn sie sich hinreissen läßt zum Bösen, durch eigenen Willen, und nicht durch äußere Macht dazu verleitet wird. Das, o Gott, lernen wir aus dem Beispiele der Heiligen, die, durch Deine Gnade und die Wahrheiten der Religion gekräftigt, Sieger wurden ihrer Sinnlichkeit, und 151 mit unerschütterlicher Treue den Pfad walleten zum Himmel, ohne zu straucheln, ohne zur Nechten noch zur Linken hinzusehen, ohne durch die tausendfachen Versuchungen des Geizes, des Stol zes, der Wolluft, der bösen Gelegenheiten überwältigt zu werden! Sie zeigen uns, die lieben Heiligen, daß wir in jedem Stande, in jeder Lage des Lebens tugendhaft, gottgefällig sein und bleiben können. Wir finden überall Zeugen Jesus, unter rohen, wie unter gebildeten Nationen, auf den glänzendsten Thronen der Erde, wie in der ärmlichsten Strohhütte, im weltlichen wie im geistlichen Stande, in der zarteften Jugend, wie im grauesten Alter, überall vortreffliche Menschen, welche der erkannten Pflicht in ihren Verhältnissen mit bewunderungswürdiger Treue nachlebten, welche unsere Schwäche durch ihre Treue, unsern Wankelmuth durch ihre ausdauernde Kraft, unsere sclavische Hinneigung zur Sünde durch ihre edle Freiheit in der Wahl des Guten beschämen. So gib uns denn Deinen Kindern in der fireitenden Kirche, o Gott, Deinen reichlichen Segen, daß wir die izt beherzigten Wahrheiten nie aus unserm Gedächtnisse entschwinden lassen, daß wir immer mehr den ist gefaßten Entschlüssen 152 zur Heiligung unseres Lebens entsprechen! Laß uns im frommen Hinblicke auf die Unschuld, auf die Unbeflecktheit Deiner lieben Heiligen immer neue Antriebe zur treuen Ausübung unsrer eignen Berufspflichten finden; damit wir Alle von eben so heißer Liebe für Dich und alle unsere Mitgeschaffenen, von so warmem Drange für das Gute und Edle, wie sie, entflammt und geleitet, unaufhörlich zum Ziele unserer Bestimmung, zu immer größerem Wachsthum in Tugend und Heiligkeit streben, und mit ihnen dereinst auch an den Belohnungen Antheil nehmen, welche Du Allen versprochen haft, welche nach Deinem Bilde leben, welche Jesus nachfolgen, und den Einsprechungen des heiligen Geistes nachkommen, und in der Heiligkeit des Wandels ausharren bis an das Ende! Diese Herrlichkeit verleihe uns durch die Fürbitte Deiner Heiligen, o Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen. Litanei zu Ehren aller Heiligen. Herr, erbarme Dich unser! Chriftus, erbarme Dich unser! Herr, erhöre unser Flehen! Christus, erhöre unser Flehen! 153 Gott, unser Vater im Himmel! Erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt! Erbarme Dich unser! Gott, heiliger Geif! Erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! Erbarme Dich unser! Heilige Maria, Mutter Gottes und Jungfrau aller Jungfrauen, Königin der Heiligen! Bitte für uns! Alle heiligen Erzengel und Chöre der seligen Geister! Bittet für uns! Heiliger Johannes, Vorläufer und Täufer unsers Erlösers! Bitte für uns! Heiliger Joseph, Du Nährvater Jesus und Tröster Maria's! Bitte für uns! Alle heiligen Apostel und Evangeliften und Jünger des Herrn! Alle heiligen unschuldigen Kindlein! Alle heiligen Blutzeugen, Bischöfe und Be kenner! Alle heiligen Lehrer der Kirche Jesus! Alle heiligen Priester und Leviten! Alle heiligen Mönche und Einsiedler! Alle heiligen Jungfrauen und Wittwen! 7* Bittet für uns! 154 Alle lieben Heiligen und Auserwählten Gottes! Bittet für uns! Sei uns gnädig! Verschone uns, o Herr, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! Sei uns gnädig! Erhöre uns, o Herr, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! Von allem Uebel, besonders aber von aller Sünde! Von Deinem gerechten 3orne! Von einem gähen und unversehenen Tode! Von den heimlichen Nachstellungen des bösen Feindes! Von Neide, Haffe, und allem bösen Willen! Vom Geiste der Unreinigkeit! Vom Bliße und Ungewitter! Von der ewigen Verwerfung! Durch das Geheimniß Deiner Menschwerdung! Durch Deine Ankunft auf unsrer Erde! Durch Deine Geburt!, paul nigili Durch Deine Taufe und Dein heiliges Faften! Durch Dein Kreuz und bitteres Leiden! Durch Deinen Tod und Dein Begräbniß! Durch Deine glorreiche Auferstehung aus dem Grabe! Erlöse uns, o Herr, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! 155 Durch Deine wunderbare Himmelfahrt! Erlöse uns, o Herr, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! Durch die Sendung des heiligen Geistes! Erlöse uns, o Herr, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! Am Tage des allgemeinen und besonderen Gerichtes! Erlöse uns, o Herr, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! Wir Sünder! Verschone und verzeihe uns Armen und Elenden! Bekehre unsern Sinn und unser Herz zur wahren Buße! Negiere und erhalte Deine heilige Kirche! Erhalte in heiliger Gottesfurcht den apo stolischen Oberhirten, und alle geistlichen Stände! Erleuchte alle 3rrenden, und bekchre alle Feinde Deiner göttlichen Religion! Verleihe allen christlichen Königen und Für sten Frieden und wahre Einigkeit! Verleihe Deinem ganzen chriftlichen Volke Frieden und wahre Einigkeit! Wir bitten Dich, erhöre unsdurchdie Fürbitte Deiner H. 156 Stärke und erhalte uns Alle in Deinem heiligen Dienste! Erhebe unser Gemüth zu himmlischen Begierden! Belohne alle unsre Wohlthäter mit den Gütern Deines Hauses! Beselige unsere und unserer Brüder, Freunden und Gutthäter Seelen und errette fie von dem ewigen Tode! Segne und erhalte die Früchte der Erde! Schenke allen unsern heimgegangenen Mitgeschaffenen und Miterlöseten ewige Ruhe und ewiges Licht! Verwirf nicht unser andächtiges Flehen, Sohn Gottes! Wir bitten Dich, erhöre uns durch die FürbitteDeiner H. D Jesus Christus, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! O Jesus Christus, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erhöre uns, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! 157 DJesus Christus, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser, durch die Fürbitte Deiner Heiligen! Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott, Der Du uns die Verdienste aller Deiner lieben Heiligen in Einer frommen Feier zu verehren vergönnt haft: wir flehen in Andacht und Vertrauen empor zu Dir! Du wolleft auf die kräftige Fürsprache so vieler Deiner auserwählten Freunde, mit welchen wir dereinst ein gleiches Loos theilen möchten, den ersehnten Ueberfluß Deiner mächtigen Gnade hierzu ertheilen, durch Jesus Chriftus, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir und dem heiligen Geifte lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. 158 Lied zu allen Heiligen Gottes. Kinder nennst Du, Gott, uns Alle, Weil Dein Wesen Liebe ift! Liebe hebt vom Sündenfalle, Liebe schwingt zur Himmelshalle, Die Dein heil'ger Glanz umfließt, Heilig, Vater, sollen Alle Werden, wie Du heilig bist! - Heilig preifen wir die Guten, Deren Geift für Wahrheit rang; Die unbell'ger Lüfte Gluten Siegreich dämpften; die nicht ruhten, Wenn der Ruf zur Pflicht erklang, Die für's Heiligthum zu bluten Gingen mit Triumphgefang! Laß, o Gott, ihr Vorbild Spiegel Uns im Kampf des Lebens sein! Der Begierde werd' es Zügel, Unsrer Unschuld leih' es Flügel; In der Hoffnung Dämmerschein Weih' es unsern Grabeshügel Zu des Himmels Vorhof ein! - 159 Bitten des Christen. Das Gebet des Herrn. Herr, Schöpfer des Himmels und der Erde, Vater nennen wir Dich, Deine lieben durch Jesus Blut neuerworbenen Kinder! Brüder sind wir Alle, und versammelt zu Einer heiligen Familie beten wir Dich an, und Du fießeft hernieder in unser Herz, blickft herab in den Abgrund der Seele. Blos und entdeckt stehen wir Alle vor Dir! Laß Dir wohlgefallen das Gespräch unseres Herzens mit Dir! Erkannt werde von uns Dein heiliger Name, erkannt von den Millionen der Erdbewohner, die noch nicht als Allvater Dich kennen; Deine Kinder sind wir, Deine Kinder find fie; errette fie aus Finsternis, Nacht und Jammer. Dich und Jesus, Deinen Eingebornen, Den Du uns gesandt haft, erkenuen, ist ewiges Leben; Dich nicht erkennen, ist Tod. Voll Deiner Ehre, voll Deines Heiles sei unser Land, seien alle Welttheile! Erkannt und in Wort und That neu dargestellt werde von uns und allen Brüdern und Schwestern der ganzen Erde, Jesus Christus, 160 der Herr! Göttlich ist Seine Lehre, trofivoll find Seine Verheißungen, und herrlich Sein Reich. Glaube an Ihn, den Gottmenschen, bringt Freuden des Herzens; Festhalten an 3hn und Seine heilige Braut auf Erden, die katholische Mutterkirche, Gehorsam gegen Seine Befehle, und ihre Vorschriften, ist Seligkeit. Wer 3hm, dem Wege, der Wahrheit, dem Lichte nachwandelt, tappt nicht. im Finstern umber, er lebt der Eugend, lebt aus dem Glauben. Als Freund kennt und begrüßt er dereinst den Tod! Dein Wille, o Gott, wie weise ist er, wie selig ift er, o wie gut! Ihn ganz vollbringen, ist Vollkommenheit; fich's schon redlich bestreben, ist der Weg zum Glücke; deß freuen sich unzählige Schaaren vor Deinem göttlichen Throne, erfüllend in unnennbaren Seligkeiten Deine Befehle, Hinauf sei er gerichtet der Blick von uns Pilgern im Erdenthale! Stärke uns, Deinen Willen zu thun, wie ihn, Deinen Engeln gleich, izt thun unsere Heimgegangenen! Sie leiden nicht mehr, wir hoffen es zu Deiner Barmherzigkeit, und zu Jesus Erlösung. Bald leiden auch wir nicht mehr. Olaß uns auch unter den Leiden Dich, Vater nennen! Du bist's ja auch im Schmerzensdrange, bift's ja auch in 161 Herzensqual, Bater, Dein Wille geschehe!- Erdenbürger sind wir! als solche sind unsrer Bedürfnisse viel; doch alle kennst Du fie besser als wir; der Paläste Bedürfniß, der Hütten Bedürfniß; nicht erst nennen dürfen wir sie, Du kennst fie, Vater der Reichen, Vater der Armen! Du gibst, gibst Allen gerne, mit mildester Hand! Es freuc fich Deiner Güte, wer lebet! Ein zufricdener, dankbarer Empfänger sei Jeder!... Ach, wären wir ohne Tadel vor Dir! Spräch' unser Gewissen uns rein, beim Rücksehen auf all' unser Denken und Thun! Sei uns gnädig, Du Allbarmherziger! Verschone, Allgütiger! Unfere Ohnmacht kennst Du ja; Menschen sind wir! Beffer, täglich besser zu werden, sei Dir gelobt. Vater, verzeih' dem Freunde, der uns beleidigte, dem Feinde, der uns kränkte, sei von uns wieder verziehen. Unser Herz verdammt nicht, Du verdammt uns dann auch dereinst nicht! Wie schmeichelnd ist die Stimme des Lafters, wie lockend sein Neiz! Erhalte uns auf dem Wege der Tugend, dem Gefallenen hilf auf, des Wankenden Stüße sei. Du! 3mmer gewiffer, fester werde unser Schritt auf der Bahn zum Leben, zur Seligkeit! Erlöser aus aller Noth, unser 162 Retter sei Du, und aller Nothleidenden Retter! An Deiner Hülfe verzage der Leidende nie; er rufe Dich an, Du, erhöre ihn, auf daß er Dich preise mit freudigem Danke! Flehend rufen wir zu Dir, uns würdig zu machen zu Deinem ewigen Preise. Amen. 163 Allgemeines Gebet zu allen Seiten. Wo ich immer sein mag, o Gott, da bin ich vor Deinen Augen! Wo ich immer Dich ansprechen mag, da vernimmt Dein allhörendes Ohr mein Wort! Zu Dir erhebe sich oft mein Herz, und es freue fich hoch und innig, daß es zu Dir fich erheben kann und darf! Mit Dir unterhalte sich meine Seele täplich findlicher, vertraulicher, furchtloser! D Du reiner, allwirksamer Geift, Vater aller Geifter, auch meines Geistes Vater, wie kann ich mich genug erfreuen, daß ich bin, daß Du bist, daß ich durch Dich bin, daß ich Dich erkennen, an Dich glauben, auf Dich hoffen, Dich lieben, zu Dir beten kann und darf und soll! O ziehe doch meinen Geist immer kräftiger empor zu Dir, öffne mir die Augen, Deine Hand, Deinen Geist, Deine Kraft in Allem zu sehen; lehre mich in allen meinen Schicksalen Deine Leitung, und Deinen Willen verehren, in Allem, was geschehen mag, Dich anbeten, Der Alles, was geschieht, geschehen läßt! Erwecke mich, immer vor Deinen Augen zu wandeln, als vor Deinen Ohren zu sprechen; läutere, reinige mein Inneres! Unsträflich vor Dir seien meine 164 leiseften Gedanken! Du fiehst sie alle! Alle müssen Dir wohlgefällig sein! Täglich müffe mein Geist Fortschritte machen in Deiner Erkenntniß, und mein Herz neu aufglühen in reineren Liebesflammen zu Dir, Liebenswürdigster. Nie sei mein Herz gleichgültig oder unkindlich gegen Dich! Nie unaufmerksam auf Deine Wohlthaten, nie unachtsam auf Deine Winke, nie undankbar gegen Deine Gnaden, nie ungehorsam Deinen Befehlen; nie träge mein Geift zur Erfüllung seiner Pflichten! Heilige Ehrfurcht gegen Dich, o Du allein Verehrungswürdigster, erfülle meine Seele; frohes Vertrauen auf Deine Huld und Allmacht verlaffe mich nie; auch in den dunkelsten Stunden nicht; auch nicht in der heißesten Leidensglut! Es rege fich stets in mir die Luft an allem Guten, der Eifer Deinen Willen zu thun, die Begierde Dir wohlzugefallen; das Streben Dir in Deiner Liebe ähnlicher zu werden! Nie erlösche in mir der Trieb an meiner eignen Besserung und Heiligung zu arbeiten. Erwecke in mir immer mehr gute Gedanken, fromme Empfindungen, edle Entschlüsse! Stärke mich in allen guten Gefinnungen! Reinige mich täglich von Allem, was 165 in Deinen Augen mich mißfällig machen könnte! Lehre mich, was mich Niemand lehren kann, als Du! Gib mir, was ich nöthig habe, und was Keiner, ausser Dir, mir verleihen kann! Schaff in mir Alles, was Dir wohlgefällig ist, durch unsern Herrn, Jesus Christus! Laß mich immer mehr der Menschheit zum Segen, und Dir zur Freude leben! Du kennst meine großen und manchfaltigen Schwächen, und die zahllosen Fehler und Versuchungen, mit wel chen ich zu kämpfen habe. Schenke mir Weisheit fie alle zu erkennen; und Redlichkeit und Muth, fie alle zu bestreiten, und zu besiegen! Nach möglichster, Dir ähnlichen Vollkommenheit und Heiligkeit lehre mich streben! Der heilige Geift leite mich in alle Wahrheit und Weisheit; Er stärke mich zu jeder Tugend; Er unterstüße mich in jedem Leiden; Er erheitere mich in jeder Dunkelheit! Er bewahre mich vor Irrthum und Schwäche, damit ich weise werde zur Seligkeit. Diese Gnaden verleihe mir, o Vater, durch Jesus, Deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland! Amen. 166 Gebet um Muth und Standhaftigkeit im Guten. Wankend, o mein Gott, bin ich so oft in der Erfüllung meiner Pflicht! Ich bin nicht fest genug Allem zu widerstehen, was mich von strenger Befolgung meines Gewissens abhalten will. Ich schäme mich meiner Schwäche und Ohnmacht, meiner Unbeständigkeit! Wie selten kann ich auf mich selbst mich verlaffen! Wie selten bin ich ficher, daß nichts meinen Pflichten mich entschmeicheln oder entdrohen kann! Wie felten bin ich mir selbst gleich! Wie selten handle ich nach denselben guten Grundsäßen! Wie bald bin ich von einem Vorurtheil, einem Beispiele, einer Begierde, einem sinnlichen, vernunftlosen Triebe hingerissen! Herr, mein Gott, mir fehlt unerschütterlicher Muth, unüberwindliche Standhaftigkeit, Beharrlichkeit in guten Entschlüffen! Ich suche Stärke bei Dir, Allmächtiger! Ich stelle mich vor Dein Angesicht, bekenne meine schwer überwindliche Schwachheit! Alles kann ich aber durch Dich werden, was ich werden soll! Verzagen darf ich nie um meiner Schwäche willen; denn Du, o Gott, bist in den Schwachen mächtig! 167 Wie viele Deiner ersten Jünger, o Jesus, waren schwach, ohnmächtig, wankend im Guten, wie ich, und find durch Dich standhaft, Helden geworden der Tugend, heilig und unbefleckt durch die Kraft des heiligen Geistes! Auch ich kann es werden durch Dich und den heiligen Geift! Ich muß es werden, wenn ich Dir gefallen soll; ich muß ganz gut, zuverlässig gut werden, unverführbar zum Bösen, unabwendbar von dem, was ich als gut, als meine Pflicht erkenne; ich muß meiner Unveränderlichkeit im Guten gewiß und sicher werden; vor Allem aber muß ich recht lebendig glauben, daß ich es nie aus mir selbst, nur durch Dich und mit Dir es werden könnne! So laß denn, o mein Herr und mein Gott, mein Flehen um die Hülfe Deines heiligen Geistes nicht vergebens sein i So erwecke denn in mir den festen Vorsaß, immer fester zu werden in jeder guten Gefinnung; so stärke. Du denn mein Herz; so flöße Du mir immer mehr Muth ein Allem zu widerstehen, was meinen Muth niederschlagen könnte! Meine Tugend sei immer redlicher und stärker; meine.Demuth immer reiner und unbefleckter von allem Stolze, aller Eitelkeit! 168 Meine Geduld immer ausharrender und heiterer! Meine Liebe fern von aller Laune, widerstrebend aller Trägheit; fie sei immer unermüdeter, wohlthätiger, geneigter zum Geben und Verzeihen, immer wirksamer zur Hülfe, unwandelbarer! Meine Andacht sei nie kalt, fie sei und werde täglich inbrünftiger! Keine Beredsamkeit verführe mich zur Sünde; keine Schmeichelei, kein Lob, kein Tadel locke mich zum Lafter; kein irdischer Vortheil oder Schaden mache mich untreu meiner Pflicht und meinem Gewissen! Bilde Du mich, o mein Gott, durch den heiligen Geift zu einem leuchtenden Beispiele unverführbarer Tugend und Unsträflichkeit, damit ich dereinst theilhaftig werden möge des ewigen Reiches, wohin Du Alle berufen haft, welche auf dem schmalen Pfade Deiner Gebote gewandelt, wo Du ihnen aufbewahreft die Krone der Gerechtigkeit! Diese Gnade verleihe mir, o Vater, o Sohn, o heiliger Geift! Amen. 169 Gebet um Liebe. Gott, allschaffende Liebe, was kann Dir an Deinen Kindern gefallen, wenn nicht Liebe, uneigensüchtiges Wohlwollen, Theilnahme am Wohl und Wehe des Nächsten, Mitfreude mit seiner Freude, Mitleiden mit seinem Leiden! Liebe ist Deine Natur, Dein Leben! D Du Reinster aller Geifter! Du licht ohne alle Finsternis! Beseligung Deiner Geschöpfe ift Deine Luft! Freude an ihrer Vervollkommnung ist unzertrennbar Eins mit Deinem Wesen! Du liebst Alles, was Du geschaffen haft! Du beseligeft auch Alles, was Du liebst! Nur, was liebt, ist Deiner Beseligung fähig; nur, was Dir ähnlich zu werden strebt, kann Dir gefallen! Du willst, daß wir heilig und unsträflich vor Dir in Liebe seien; daß wir Dir, und dem göttlichen Ebenbilde Deiner Liebe, unserm Heilande Jesus Chriftus, ähnlich werden sollen! Liebevollfter Vater, erleichtere und segne mein Streben nach der Liebe! Warne mich vor jeder lieblosen Regung, vor jeder Handlung, jedem Worte, jeder Geberde, so wider die Liebe streiten! Mein ganzes Leben sei ein unermüdetes Ringen und Mühen nach Der Christ. 5. Auflage. 8 170 reinerer und vollkommnerer Liebe! Mache mir Alles verhaßt, was Liebe, Wohlwollen und Wohls thun meinem Herzen erschweren dürfte! Schenke Muth mir und Kraft die Eigenliebe zu bekämpfen, zu ertödten in meiner Seele! Erwecke mich, täglich meine Liebe vor Deinem Auge, Du Liebe, die nur Liebe will, zu prüfen! Lehre mich, täglich aufmerksamer hinschauen auf Deinen Eingebornen, Jesus Christus, und auf Seine freundliche, dultsame, vergebende, helfende, segenvolle Menschenlicbe! Ja, Jesus Chriflus Du mein Herr und mein Gott! Du allein Guter, Du Liebe, schwebe meinem Geifte und Herzen stets gegenwärtig vor in Deiner Huld und Güte! Immer mehr beseele mich Deine Liebe! Der heilige Geift, Den Du Deinen Aposteln fandteft, reinige mich, läutere täglich mein immer noch unreines Herz von Allem, was noch lieblos an mir sein mag; von Allem, was der wahren Liebe im Wege steht; wie Du liebteft, o mein Erlöser, lehre mich lieben! Durch den heiligen Geift mache mich aufmerksam auf jede Gelegenheit, wo ich liebe beweisen, Elend erleichtern, Thränen trocknen, Troft mittheilen, Freude und Segen verbreiten kann! Willig und schnell sei meine 171 Liebe zu allen guten Werken! Deine Menschenfreundlichkeit leuchte mir aus den Augen, Dein Wohlwollen aus allen meinen Worten und Handlungen! Etwas von Deiner Liebe, Deiner Hülfsbegierde, Deinem Mitleiden und Deiner Theilnahme an den Leiden Anderer, müsse leicht an mir wahrgenommen werden können! Deine Liebe, o mein Heiland, erfülle mein Herz mit stets duldsamerer, thätigerer Liebe! Alles, was im fernsten lieblos heißen, oder auch nur scheinen dürfte, entweiche schnell aus meinem Herzen, beim Hinblicke auf Deine reine, duldsame, thätige Liebe! Möchtest Du durch den heiligen Geist mir oft Deine Liebe recht klar machen, damit es mir leichter werde Deine göttlich- menschliche Liebe in mein Herz aufzunehmen! Nur Liebe, welche der Deinigen gleicht, kann an Deiner Seligkeit Theil nehmen! Liebe, welche nicht strebt der Deinigen ähnlich zu werden, bleibt untüchtig zu des Himmels Genusse, zu Deinem Anschauen! So erwecke denn durch Alles, wodurch Du Liebe erwecken kannst, Liebe in mir, der Deinigen ähnlich. Nur Liebe, nur Wachsthum in der Liebe, ist meines Daseins Zweck! Du, mein Gott und 172. mein Heiland, bist die Liebe; und wer verharret in der Liebe, der bleibt in Gott und Gott in ihm, im Herzen des Liebenden! Oft erschalle das Wort in meiner Seele:„ Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe!" Amen. the brin 173 Gebet um Sanftmuth des Herzens. Ein sanfter, filler, duldsamer Geift ift theuer und werth in Deinen Augen, himmlische Liebe! Wir erblicken Dich, göttliche Langmuth, in dem huldvollen, freundlichen Antlige unsers Herrn und Gottes, Jesus Chriftus! O göttlicher Erlöser sei mein Vorbild und mein Muster! Ich bin nicht sanftmüthig, wie ich es sein sollte; oft regt sich in meinem Herzen Ungeduld und 3orn; oft der Stolz, der so leicht beleidigt und aufge= bracht ist; dann vergeff' ich Deiner, o Du sanftmüthiges, duldsames Gotteslamm; dann sprech' ich Worte, die ich als Dein Jünger nicht sprechen sollte; dann kränk' ich meine Brüder und meine Schwestern, welche ich mit herzlicher Liebe und innigem Wohlwollen umfassen sollte. Wenn ich nicht die Schwachheiten meiner Mitgeschaffenen ertragen will, was will ich ertragen? Wenn ich den Fehlern meines Nächsten keine Nachficht beweisen will, wo soll ich Nachsicht beweisen? D mein Gott, ich schäme mich meiner Schwäche! Tausendfache Schonung und Nachsicht bedarf ich von Deiner Güte, und ich sollte gegen meine weit minder fehlenden Miterlöseten keine sanfte, 174 duldsame Schonung beweisen? Lehre mich, Herr, die Schändlichkeit des Stolzes, die Gefährlichkeit des Zornes, und das Unwürdige eines unduldfamen Wesens recht lebendig erkennen, und mit Verachtung und Widerwillen ansehen! Auf Dich, Jesus Christus, Sohn Gottes, unsers himmlischen Vaters, auf Dich, Der Du die Liebe selbst bist; auf Dich, göttliche Sanftmuth und Demuth in Menschenhülle, set fiets mein Auge gerichtet! Stets müffen Deine Worte vor meinem Geiste schweben und mir über Alles heilig fein:„ Selig sind die Sanftmüthigen, fie werden dereinst das Erdreich befizen, wo Gerechtigkeit wohnen wird und Güte!" Es dringe unauslöschlich tief in meine Seele Dein Wort: " Lernet von Mir, denn Ich bin fanftmüthig und demüthig von Herzen, dann werdet ihr auch Ruhe finden für eure Seelen!" Dein wohlwollender, gutmüthiger, verzeihender Sinn, o Du liebenswürdigste Freundlichkeit, gehe täglich mehr in mich über! Auch an meiner Sanftmuth müffe ich erkannt werden als Dein wahrer Jünger! Viele tausend Stolze hat der heilige Geist, Den Du, o Jesus, herabgesandt, Demuth gelehrt! Er lehre auch mich die Dir gefällige, dem 175 schwachen, sterblichen Sünder geziemende Demuth! Viele tausend Zornmüthige, Unduldsame hat Dein Geift befänftigt, milde gemacht und duldsam, auch an mir beweise sich die Kraft dieses heiligen Geistes der Liebe, des Friedens! Ohne Demuth ist an keine Sanftmuth zu denken; wo Demuth ist, da nur ift Sanftmuth und Duldung. Lehre mich, o mein demüthigster Jesus, die wahre Selbsterniedrigung, und Du haft mich Sanftmuth gelehrt! Unnatürlicher ist nichts für den gebrechenvollen Menschen als der Stolz; und doch ist es das Eigenthum unsrer Natur. O Gott, Bezähmer aller Naturen, bezähme auch den Hochmuth meiner Natur, den ich ohne die Gnade des heiligen Geistes nicht verscheuchen kann! Den Demüthigen schenkeft Du Deinen Segen, den Stolzen widersteheft Du! Ein demüthiges Herz öffnet sich den wohlthätigen Einflüssen des heiligen Geistes; ein fanftmüthiger Geift hat große Kraft zum Gebete; ohne demüthige Sanftmuth kann ich Dir nicht gefallen! Bilde mich nach Dir! Würdige mich ein Nachbild Deiner liebenswürdigen Sanftmuth und Demuth zu werden! Erleichtere mir den Kampf und Sieg über den Zorn und den Stolz! Schwebe mir immer vor in Deiner huldreichen Duldfamkeit! Dein 176 heiliger Geift warne mich zur rechten Stunde vor jeder Aufwallung einer feindseligen Gemüthsbewegung! Dein freundliches Auge blicke mich an, wenn Unmuth in mein Auge treten will! Will ein heftiges Wort über meine Lippen kommen: es werde unterdrückt durch den Gedanken an Dein allhörendes Ohr! Will ein unseliges Feuer in meinen Adern auflodern: so ersticke Du es durch den Hauch Deiner Liebe! Laß mich immer mehr ähnlich werden Deinem Bilde, 0 göttliche Sanftmuth, o höchste Demuth, Jesus Christus! Amen. 177 Gebet um Reinigkeit des Herzens. So oft, mein Gott, will ich mehr, als ich wollen soll; genieße ich mehr, als ich genießen soll. Mir fehlt so oft der Muth und die Kraft, da stille zu stehen, wo ich stille stehen sollte; mir das zu versagen, dessen Genuß nichts als Schaam und Neue nach sich zieht!- Nur zu oft wird mein Fleisch Meister über den Geift; meine finnliche Natur widerstrebt so oft meiner Vernunft und meinem Gewissen. Ich bin so oft ein Sclave eines finnlichen Genusses, den Vernunft und Gewissen, und Dein Geseß, o Gott, mißbilligen! Ich habe nach meinem fittlichen Gefühle eine Luft an der Tugend, und an Deinen heiligen Geboten: aber, ach, es ist ein anderes Geseß, eine entgegenstehende Kraft in meinen Gliedern, wodurch es mir so oft, ach, so oft recht schwer wird, das zu thun, was mir vorgeschrieben; das zu unterlaffen, was ich meiden sollte. Herr, mein Herz ist in Deiner Hand! Du kannst mich Schwachen auf tausendfache Weise stärken! Dut fannst meinem Geifte Kraft verleihen zu besiegen das schwer zu besiegende Fleisch der Sünde! Dein heiliger Geist kann mir alle fürchterlichen Folgen 8* 178 der Unenthaltsamkeit so klar schildern, daß es mir ernst werden muß, daß ich Muth und Stärke fühle, meiner Sinnlichkeit zu gebieten, ihr die engsten Schranken zu feßen! Eine finnliche Seele kann Dir, allergeistigste Natur, unmöglich gefallen; sie macht sich untüchtig Deiner geistigen Einflüsse! Sie erniedrigt zum Thier herab, und schändet ihre Würde! Zum Engel soll ich mich erschwingen, nicht mich zum Thiere herab erniedrigen! Veredeln soll ich mich, nicht zum Sclaven des Fleisches soll ich werden; fagen soll ich mir oft: ,, Der fleischliche Sinn ift Feindschaft wider Gott!"... So lehre mich denn, o mein Gott, durch Deinen heiligen Geist, den Geist der Reinigkeit und Herzensunschuld, wie ich Herr meines Fleisches und meiner finnlichen Natur werden kann! Der heilige Geift mache mich immer geistiger! Er erhebe mein Gemüth immer mehr empor über alles Sichtbare und Vergängliche! Er lehre mich Alles nach seinem wahren Werthe schäßen, dem Leibe geben, was dem Leibe, dem Geifte, was dem Geifte ge ziemt! Er erinnere mich oft an meine höhere, unsterbliche Natur! Er flöße Kraft ein meinem Geifte, wenn sinnliche Triebe mich zur Sünde - 179 versuchen und reizen wollen! 3mmer menschlicher, weiser, chriftlicher werde meine Natur, der Deinigen immer ähnlicher, o Du Muster der Reinigkeit, Jesus Christus, damit ich auch dereinst hören möge das Wort: ,, Selig bist du, du wareft reines Herzens, gehe ein zur Anschauung des Herrn!" 180 Gebet um christliche Tugend. Ich glaube an Dich, o mein Gott! stärke meinen Glauben; ich hoffe auf Dich, befestige meine Hoffnung; ich liebe Dich, verdopple meine Liebe. Es ist mir leid, daß ich gefündiget habe, vermehre meine Neue. D Ich bete Dich an, als das erste, höchste Wesen, ich verlange nach Dir, als nach meinem letzten Ziele; ich danke Dir, als meinem größten Gutthäter, ich rufe Dich an, als meinen höchsten Beschützer. D mein Gott, ich flehe Dich an, mich durch Deine Weisheit zu leiten, durch Deine Gerechtigkeit im Gehorsam zu erhalten, durch Deine Barmherzigkeit zu trösten und durch Deine Allmacht zu beschützen. Ich opfere Dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke, alle meine Leiden und Widerwärtigkeiten, damit ich hinfüro nur an Dich gedenke, von Dir rede, mein Thun und Lassen nach Deinem Namen verrichte, und um Deinetwillen leide. Mein Gott! ich will Alles, was Du willst; wie Du es nach Deiner göttlichen Weisheit beflimmest. 181 Verleihe mir die Gnade, daß ich jederzeit in meinem Gebete aufmerksam, im Essen und Trinken mäßig, in meinen Geschäften emsig und in meinen guten Vorfäßen beständig sei. Mein Gott, gib, daß allezeit gegen jene, welche mir ihre Geheimnisse anvertraut haben, Treue und Verschwiegenheit, gegen Jedermann Ehrbarkeit, in meinen Reden Erbauung, und in meinem ganzen Wandel eine gewisse Ordnung hervorleuchte. Mache, daß mein Herz Deine Güte anbete, meine Fehler hasse, den Nächsten liebe und die Welt verachte. Mein Gott, laß mich vermittelft Deines Beistandes, die Wollust durch die Abtödtung, den Geiz durch das Almosen, den Zorn durch die Sanftmuth, und die Lauigkeit durch die Andacht überwinden. Gib mir in den Unternehmungen Weisheit, in den Gefahren Herzhaftigkeit, in den Trübsalen Geduld und in dem Wohlergehen Demuth. Mein Gott, erleuchte meinen Verstand, ent zünde meinen Willen, reinige meinen Leib und heilige meine Seele. Gib, daß ich ohne Unterlaß arbeiten und 182 mich befleißigen möge, die Natur zu bezwingen, der Gnade nachzufolgen, das Gesetz zu halten und das Heil zu erwerben. Mein Gott! offenbare mir die Niedrigkeit der Erde, die Größe des Himmels, die Kürze der Zeit und die ewige Dauer der Glückseligkeit. Mache, daß ich mich zum Tode bereite, Dein Gericht fürchte, die Hölle meide und endlich das Paradies erlange, durch die Verdienste unsers Herrn, Jesus Chriftus, Der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in Ewigkeit! Amen. 183 Gebet um geistliche und leibliche Güter. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meines Heiles! Der Du mich trößteft in jeder Angst, sei mir gnädig, und erhöre mein Gebet. Allmächtiger, gnädiger, gütiger, barmherziger, wohlthätiger Gott und Vater, Schöpfer aller Dinge! Geber alles Guten! Quelle aller vollkommenen Gaben, Erhalter deffen, was da ist, und gewal= tiger Negierer der ganzen Welt! Siehe, in dieser Stunde komme ich zu Dir als ein Armer zu dem Reichen, als ein Schwacher zu dem Starken, als ein Verlaffener zu dem Nothhelfer, als ein Kind zu seinem Vater. Im Namen Jesu Chrifti, auf Deinen Befehl und wegen Deiner Zusage, bitte ich Dich izt um Alles, um was Du, lieber Gott! gebeten sein willst. So gib mir nun, was ich bitte; reiche, was ich bedarf; verleihe, was mir gut und heilsam ist; schicke es in allem, wie Du willst, und sei heut' und allezeit und so lang ich lebe, mein Gott, Der mir hilft, mein Hirt, auf Den ich traue, und mein Licht auf meinen Wegen. 184 Herr, Gott, Vater! fei mein Gott, Deine Weisheit regiere mich, Deine Gnade erhalte mich, Deine Liebe erfreue mich, Deine Barmherzigkeit trößte mich, Deine Gerechtigkeit stärke mich, Deine Allmacht schüße mich.. Gottes Sohn, Jesus Chriftus, sei mein Hei land! Deine Menschwerdung sei meine Freude, Deine Lehre mein Unterricht, Dein Wandel mein Vorbild, Dein Leiden meine Erlösung, Deine Demuth mein Beispiel, Deine Geduld meine Nachahmung, Deine Schmach meine Ehre, Deine Unschuld meine Heiligung, Dein Gehorsam meine Gerechtigkeit, Dein Tod mein Leben, Deine Auferstehung mein Troft, Deine Himmelfahrt meine Hoffnung, Dein leßtes Gericht mein Eingang in den Himmel. Gott heiliger Geist, sei mein Troft! bekehre mich, denn ich bin ein sündiger Mensch; mache mich neu- lebendig, denn ich bin todt in dem Gnadenleben; wecke mich auf, denn ich schlafe im Sündenschlummer; reinige Du mich, Reinster! denn ich bin unrein, und bereite mich zum ewigen Leben. Erleuchte meinen Verstand, heilige meinen Willen, zähme meine Begierden, und stärke meinen schwachen Geift! 185 Sei, wohne, bleibe bei mir, Du hochgelobte Dreieinigkeit erschrecke mich alle Tage mit Deinem Gerichte, tröfte mich wieder durch Dein Evangelium, unterweise mich in Deinem Worte: auf daß ich meine Sünden erkenne, den Zorn Gottes befänftige, vor der Hölle mich fürchte, die Uebertretung bereue, an Jesus glaube, Seines Verdienstes mich getröste, mein Leben beffere, und also selig werde. Rüfte mich aus, lieber Gott! mit Allem, was Dir wohlgefällt, und mache mein Herz allzeit Dir gefällig, fröhlich in der Hoffnung, willig in der Demuth, heilig in der Andacht, emfig im Gebete, eifrig in der Liebe, fertig im Gehorsam, kindlich in der Furcht, und hilf, daß ich stets suche, was droben ist. Pflanze in mein Herz rechte Luft zu Deinem Worte, und wenn ich in Deinem Hause bin, so erleuchte, bereite, erbaue, erhöre, erfreue, beffere mich; und wenn ich zu Deinem hochheiligen Abendmahle komme, so laß mich cin würdiger Gaft fein. Laß mich rein in Gedanken, wahrhaft in Worten, verschwiegen in Neden, treu in der That, schamhaft in Geberden, züchtig in Sitten, 186 mäßig in der Freude, bescheiden im Zürnen, richtig im Thun, fleißig in Geschäften, glücklich im Vornehmen, und beständig sein in Allem. Gib mir eine Seele, die da verständig ist, damit ich überall mich selbst erkenne, und chriftlich handle, vorsichtig wandle, weislich rede, behutsam frage, das Böse von dem Guten unterscheide, und vernünftig urtheile. Vor allen Dingen laß die Liebe in mir wachsen, und mache mich gerecht, daß ich meinem Nächsten thue, was ich soll; gebe, was ihm ge= hört; laffe, was er hat, und das gern gönne, was Du ihm beschereft. Erweiche mein Herz zur Barmherzigkeit und laß meine Hände freigebig sein, daß ich der Verlaffenen mich annehme, den Irrenden rathe, die Unwissenden lehre, für Unmündige rede, den Armen helfe, die Schwachen stärke, die Unterdrückten hebe, die Nothdürftigen fördere, die Betrübten tröfte, und Allen mit einander Gutes erweise. Schaffe auch, daß ich versöhnlich sei, und liebe meine Feinde; segne, die mir fluchen; wohlthue denen, die mich haffen; für die bitte, die mich beleidigen; deren schone, die sich an mir vergreifen. 187 Ja, daß ich fie speise, wenn sie hungert; tränke, wenn sie dürftet; und so das Böse mit Gutem vergelte. Endlich laß mich allen Menschen begegnen, wie ich soll; ehrerbietig gegen die Geistlichkeit, gehorsam gegen die Obrigkeit, vertraulich gegen die Nachbarn, bei den Hohen demüthig, bei den Niedrigen freundlich, bei meines Gleichen dienstfertig, dankbar gegen die Wohlthäter, aufrichtig unter den Freunden, fröhlich mit den Fröhlichen, traurig mit den Traurigen, damit meine Liebe rechtschaffen sei, und ich mit Jedermann Frieden, haben möge. Jedoch, weil in der Welt der Gefahren so viele find, so regiere mich in der Gesellschaft, daß ich die Bösen meide, zu den Frommen mich halte, den Guten es nachthue, Alle erbaue, und als ein wahrer Chrift, und ein gehorsames Kind Gottes erfunden werde. Beschere mir auch, lieber Vater! von Deinem zeitlichen Segen fo viel, als Dein gnädiger Wille ift, und gib mir, so lang ich lebe, einen klugen Verstand, ein fröhliches Herz, einen gefunden Leib. Erhalte, was Du mir gegeben haft; stärke mein Gedächtniß, schärfe meine Sinne, vermehre, 188 meine Kräfte, bewahre meine Gliedmaffen, und friste meine Jahre, so lang es Dir gefällt. Wenn ich effe, segne mir's; wenn ich schlafe, wache für mich; wenn ich aufwache, so ermuntere mich; wenn ich ausgehe, so führe mich; wenn ich eingehe, so bewahre mich; wenn ich reise, so begleite mich; wenn ich daheim bin, so behüte mich; wenn ich alt werde, so trage Nachficht mit mir, und laß Deinen guten Engel allzeit bei mir sein an allen Orten. Seße mich in einen solchen Stand, wie Du weißt, daß es mir gut ist; wenn es Zeit ist, so erhebe mich, und gib mir alsdann so viel Ehre, als mir dient; so viel Ansehen, als ich tragen kann und so viel Gewalt, als ich zu gebrauchen weiß. Laß mich aber meinen Geschäften wohl vorstehen, und gib mir Luft zur Arbeit, Verstand zu jeder Sache, Glück in den Anschlägen, Geschicklichkeit in allen Dingen, und laß mich, so viel möglich, bei allen Menschen beliebt werden. Segne meine Nahrung, mein Einkommen, und Alles, was ich habe, damit ich so viel erschwinge, als ich bedarf, meinen Mund zu sättigen, meinen Leib zu kleiden, die Meinigen zu 189 versorgen, mich in der Noth zu retten, meinem Nächsten zu dienen, den Armen zu helfen, und Deine Ehre zu befördern. Und weil Niemand in der Welt sich allein helfen kann: so verleihe mir auch Gunft bei den Menschen, Gnade bei meiner Obrigkeit, und Liebe bei Allen, damit es mir niemal mangelt an treuen Freunden, an guten Gönnern, an mächtigen Förderern, sondern ich allezeit haben möge Rath, wenn ich des Rathes bedarf; Hülfe, wenn ich Hülfe, Schuß, wenn ich Schuß nothwendig habe. Auch wird es mir wohl nie an Kreuz fehlen, weil ich Mensch bin; darum gib mir nur Geduld, wenn Trübsal da ist; Demuth, wenn ich verachtet Sanftmuth, wenn ich beleidiget werde; Zufriedenheit, wenn ich Schaden leide. Nimm mich auf, wenn ich verlaffen bin; trößte mich, wenn ich traurig, stärke mich, wenn ich schwach, erfreue mich, wenn ich betrübt bin, und wenn etwas nicht zu ändern ist, so bilf, daß ich mich alles unnüßen Kummers entschlage. Zuleßt, wenn ich krank bin, so sei mein Arzt; wenn ich Schmerzen leide, so lindere fie; wenn ich Mittel brauche, so segne sie; wenn es mir gut ist, so bilf mir; soll es aber nicht sein, so / 190 beschere mir doch nach Deinem heiligen Willen nur bald und bei guter Vernunft ein seliges Ende, und die unaussprechliche Gnade, Jesum als stärkende Wegzehr in der heiligen Kommunion zu empfangen. C ug 191 Gebet um Schutz und Hülfe gegen alle Feinde des Heils. D Herr! wie groß ist die Zahl der Feinde meines Heils, wie Viele sind ihrer, die sich seßen wider mich! Siehe an meinen Jammer, meine Gefahr, mein Elend, und sei mir gnädig nach der Fülle Deiner Liebe! Errette, erlöse, erhalte, bewahre, behüte, beschüße mich Du, mein Vater, mein Heiland, meine Kraft, mein Schirm und Schild; hilf mir aus allen meinen Nöthen ist und alle Tage meines Lebens! Rechne mich nicht, o mein Gott, unter die Gefäße Deines Zorns, unter die Kinder des Verderbens, unter den Haufen der Gottlosen, nicht unter der Zahl derer, welche einft verloren gehen! O mein Jesu! laß nicht zu, daß an mir armfeligen Menschen Deine Menschwerdung vergebens, Dein Leiden umsonst, Dein Blut ohne Verdienst, Deine Wunden ohne Frucht, Dein Sterben ohne Kraft, und Deine Auferstehung und Himmelfahrt ohne seligen Nußen sei! 192 Entreiß' meine Seele den Feffeln der Sünde; rette fie aus den Händen des ewigen Todes, befreie fie aus dem Rachen der Hölle, erlöse fie aus der Macht des Satans, laß fie bestehen vor Deinem Richterstuhle! Verlaß mich nicht, o Gott, heiliger Geift! weiche nie mehr aus dem Innersten meines Herzens; ohne Dich weiß ich nichts, ohne Deine Erleuchtung verstehe ich nichts, ohne Deine Kraft vermag ich nichts, ohne Deine Gnade habe ich kein Leben in mir; und wo Du mir nicht beides verleiheft das Wollen und das Vollbringen, verrichte ich nichts Gutes in Gottes Augen. Bewahre mich in dem Bekenntniffe meiner heiligen katholischen Religion; las nie eine irrige Lehre meine Vernunft betrügen, keine Verfolgung mich abtrünnig machen; halte mich, daß die Welt mich nicht verführe, das Ansehen der Erde mich nicht verblende; daß nichts Irdisches, keine Ehre, kein Gewinn, kein Tod den wahren Glauben, die beseligende Hoffnung auf Dich, die Liebe zu Dir mir zu rauben vermögen. - Himmlischer Vater! göttlicher Heiland! heiger Geift! verleihe, daß meine Gottesfurcht nicht Heuchelet, meine Frömmigkeit nicht Scheinheilig 193 keit, mein Glaube nicht menschliche Ansicht, mein Kirchenbesuch nicht Gewohnheit, mein Beten nicht Lippenwerk ohne Andacht, mein Beichten nicht ohne Besserung, und daß meine Liebe zu Dir nicht lau und unthätig sei! Bewahre mich vor der Sünde auf Deine Langmuth und Barmherzigkeit, daß ich nicht wider die Stimme und das Einreden meines Gewissens das Böse liebe, die Fehler gering achte, die Warnungen verschmähe, das Laster entschuldige, lobe oder beschönige, mich nicht der Bosheit rühme, und so in der Verstockung des Herzens mich selbst verdamme!- Vertreibe aus meiner Seele allen Hochmuth, alle Verwegenheit, allen Stolz und Eigendünkel, damit mein Herz sich nicht erhebe, daß ich mich nicht beffer halte als Andere, meiner Geschicklichkeit nicht zu viel vertraue, mich nicht selbst für flug und weise ansehe; daß ich meine Gewalt nicht mißbrauche, nicht trachte nach hohen Din gen, nicht in ein fremdes Amt eingreife; daß ich nichts unternehme, was meinen Kräften überlegen, und unausführbar ist, daß ich mich allen hoffärtigen Gedanken entschlage, und mich entreiße allen schändlichen Begierden; dämpfe alle Der Christ. 5. Auflage. 9 194 unreinen Lüfte; daß. ich mir abgewöhne alle unnüßen und fündigen Reden, und nie faffe einen bösen Entschluß! Stärke mich, o Allmächtiger! daß ich bewahrt bleibe vom Fluchen und Schwören, vom Lügen, Stehlen, vom Betruge und der Lästerung; daß ich meide alle Verläumdung, alle Fleischesluft, alle Augenluft, alle Hoffart des Lebens; den Geiz und die Ungerechtigkeit, Mißgunft und Feindschaft, Ehrsucht und Falschheit; daß ich Alles fliehe, was Liebe des Zeitlichen, Abneigung gegen das Ewige in mir entzünden könnte, was Deinem heiligsten Willen zuwider liefe. Laß mich in meinen folgenden Lebenstagen nie werden: Leichtsinnig im Gemüthe, eitel in Gedanken, unzüchtig in Worten, häßlich in Geberden, ftolz in Kleidungen, hoffärtig im Herzen, ficher über die Zukunft, wollüstig in der Freude, verzweifelnd im Elende, verschwenderisch, wenn Du mir Güter beschereft! Gib, o Herr! daß ich mein Auge nicht von meinen Fehlern hinweg auf meine Mitmenschen wende, über meinen Nächsten nicht freventlich urtheile, Niemand verdamme, die Unschuldigen nicht ärgere, die Frommen nicht beleidige, die 195 Armen nicht verachte, die Schwachen nicht unter= drücke, die Gefallenen bemitleide, der Elenden nicht spotte, Niemand schaden möge; daß ich keinen Menschen betrüge und betrübe weder mit Worten noch in der That. 62 Halte mein Fleisch und Blut, meine Sinne und Vorstellungen im Jaume, wehre den Versuchungen des bösen Geistes, entferne von mir die Neize der argen Welt, und hilf, daß ich von Niemand Dir entführt werden könne. Wenn ich aber, o unendlich gnädiger Gott ind Vater! aus menschlicher Schwachheit falle, oder auch jemals das Böse wissentlich thue, und das Gute unterlaffe: o so handle nicht mit mir nach Deiner strengen Gerechtigkeit, züchtige mich armen Sünder nicht in Deinem Grimm, ftrafe mich Elenden nicht in Deinem Zorn, verschone mich nach Deiner grundlosen Barmherzigkeit! O Herr! behüte auch mich und die Meinigen vor Allem, was uns schaden kann, meinen guten Namen vor Schande, meine Nahrung vor Verluft, mein Vermögen vor Diebstahl, mein Haus vor Feuer, meine Wohnung vor Ungewitter, meine Früchte vor Hagel, meinen Leib vor Krankheit, mein Herz vor unnöthiger Besorgnis, 196 meine Augen vor Schrecken, meine Ohren vor bösen Nachrichten, und mein Leben vor einem schnellen, unversehenen Tode! Nimm mich nicht, o Ewiger! hinweg in der Hälfte meiner Tage; beraube mich nicht durch Trennung oder Tod der lieben Meinigen; laß mich nicht ihnen zum Kummer und zur Betrübniß, sondern zur Freude, und zum Segen werden! O Herr! gib auch, daß ich nicht Fremden muß beschwerlich sein, nicht durch anderer Mens schen Gnade leben, nicht meine Verfolger und Feinde um Brod bitten, nicht Hülfe suchen muß bei harten, unfreundlichen und unbarmherzigen Menschen! D Gott! ift es aber Dein Wille, mich mit einem schweren Kreuze zu beladen, so schaffe es also, daß ich nicht murre wider Deine Züchtigung, nicht ungeduldig sei im Leiden, nicht kleinmüthig werde in der Trübsal; nicht verzage, wenn die Angst zunimmt; daß ich nicht verzweifle, wenn Du mit Deiner Hülfe verweileft! Schlage mich nicht in meinem Wandel mit Geiftesblindheit und Unbedachtsamkeit, daß ich nicht irre in meinem Thun, nicht fehle in meinen Rathschlägen, nicht nachläßig sei in meinem Berufe. 197 nicht unaufmerksam in meinen Geschäften, nicht thöricht in meinen Unternehmungen; auf daß ich nicht vor den Menschen zu Schanden werde! O Herr! schüße Du mich wider alle Feinde meines Heils; und entferne von mir alle falschen Freunde; wenn ich verläumdet werde: so bringe meine Unschuld an's Licht; wenn sie mich verfolgen, rette Du mich! wenn sie einen Nath wider mich schließen, mache ihn zu nichte; wenn Menschen meiner fluchen: fegne Du mich! Und wenn ich endlich das Ziel meiner Erdenpilgerschaft in diesem Thale der Thränen erreicht habe: so erlöse mich durch einen sanften Tod von allem Uebel. Amen. 198 Gebet um Berufssegen. Herr, mein Gott, segne mich! Sprich Gutes aus über mich und meine Verrichtungen! Laß mir gelingen, was ich aus Berufspflicht, und was ich sonst Gutes zu üben beginne! Wirke immer Gutes mit mir, und durch mich! Ich glaube, Allwaltender, an die Unentbehrlichkeit Deines Segens! Dein Segen ist mir kein finnleeres Wort, keine fromme, ungegründete Meinung, oder veralteter Wahn. In Deiner Hand steht all' mein Thun, und alles Gelingen deffen, was ich unternehme! Herzenlenker, laß mich täglich gewisser und froher werden Deiner Herzenlenkenden Kraft! Führer aller Menschen, Beherrscher aller Schicksale, lenke die Herzen aller Menschen, mit welchen ich umgehe, so, daß ich ihnen nüßlich werden könne! Leite Alles so, daß kein Tag ohne Spuren Deines Segens und Deiner Mitwirkung dahinschwinde! Gib mir Weisheit zu allen meinen Geschäften, daß ich nichts umsonst, nichts 3weckwidriges thue! Deffne mir die Augen, Alles zu bemerken, was Du mir zur Erleichterung meines Berufes und meiner nüßlichen Verrichtungen an die Hand legest! 199 Alles müsse gewissenhaft benutzt werden! Du segneft immer augenscheinlicher den, der Deinen Segen redlich benutzt, und jedes Mittel forgfältig anwendet, wodurch er sich in seinem Berufe vervollkommnet! Ohne. Deinen Segen gedeiht nicht die Mühe des Landmannes; ohne Deine Mitwirkung ist jedes noch so gut gemeinte Unternehmen vergebens. Segne, Vater, all' mein Wirken, wie es immer Namen haben mag; laß nichts ohne guten Erfolg von mir unternommen werden! Kröne mein Wollen des Guten mit den besten Wirkungen! Ohne Dich, ohne Hinblick auf Dich, ohne Andenken an Dich werde nichts von mir begonnen! Meine Abhängigkeit von Dir und Deinem allwirksamen Segen werde nie von mir vergessen! Freuen sollt' ich mich noch immer mehr, daß ich so ganz von Dir abhänge, daß Alles in Deiner Hand steht, daß Du die Quelle alles Segens bift, daß Du so gerne zur Seite steheft dem, der Deiner bedarf, und ohne Dich sich schwach fühlt und ohnmächtig. D Gott, gib mir Weisheit, an Dir, Quelle alles Segens, nie vorbeizugehen. Bewahre mich vor der Thorheit, zu denken: ich könnte Deines mitwirkenden Segens je entbehren! Verleihe mir 200 Weisheit, die Nächsten zu erkennen, welche Du fegneft, weil fie Deinen Segen suchen, und verwehre mir nicht eine freundschaftliche Verbindung mit ihnen, damit ich mit ihnen, und durch fie gefegnet werde! Gestatte nicht, daß ich mich mit ungesegneten Menschen verbinde, die Deines Segens spotten; daß ich nicht Theil nehme, weder an ihrem ungöttlichen Sinne, noch an ihrer Verwilderung, und nicht stürze in gleiches Elend! Erleuchte meinen Geift, alle Spuren Deines Segens wahrzunehmen; erwecke mein Herz zur findlichen Dankbarkeit für jede Deiner Segnungen, für jedes Gelingen, wobei Deine mitwirkende Hand unverkennbar ist. Amen. Gebet um Vereinigung der Getrennten mit der wahren Kirche Jesus. Höre, Gott, mein heißes Flehen! Laß die Völker weit und breit Dich im wahren Glauben sehen In der Kirche Einigkeit! Treuer Hirt, laß bald auf Erden Alle Eine Heerde werden! Alle Eines Leibes Glieder, Einem Haupte unterthan: Dir, Der Du zu uns hernieder Kamst, uns ziehest himmelan; Alle Eines Stammes Sproffen, Alle Deines Reich's Genoffen! Dann von vielen tausend Jungen Tönt das wahre Glaubenswort, Das den Geist der Welt bezwungen, Und gesiegt an jedem Ort. Dann, wohin das Auge schauet, Ist Ein Tempel aufgebauet! 201 Dann ein Tempel ist das Leben, Jedes Herz dann ein Altar, 9* 202 Und es find des Weinstocks Neben Still im Lichte offenbar. Alle herrschen, Alle dienen, Jedem ist das Heil erschienen. Friede wird dann seghend walten Auf dem ganzen Erdenkreis, Jede Blüthe fich entfalten Zu des Höchsten Ehr' und Preis; Liebe wird dann All' umschlingen Und den lezten Feind bezwingen! Jesus, guter Hirt, vereine Alle diesem Liebensbund! Deine heilige Gemeine Werde aller Orten fund! Hilf uns gläubig Dir vertrauen, Bis wir einst im Licht Dich schauen! Jesus Chriftus, Dein heißester Wunsch in Deinem hohenpriesterlichen Gebete war es: ,, Vater, laß Alle Eins werden, wie wir Eins find!" Siehe herab auf Deine verlornen, irrenden Schafe, erleuchte sie, wie Du voreinft Paulus erleuchtet haft mit einem Strahle Deines Lichtes; suche fie beim in Deine wahre Kirche, 203 laß sie erkennen, daß auffer ihr kein Heil zut finden sei; nimm den Schleier von ihrem Antlige; erweiche ihr Herz und stärke ihre Vernunft zum lebendigen Glauben an alle Deine Lehren, welche Du in Deiner katholischen Kirche niedergelegt, bei welcher Du sein willst bis an das Ende der Zeiten, alle Tage; damit wir Alle, einig im Glauben, heilig im Wandel, trauend auf Eine Hoffnung des Heiles, dereinstens zu Dir versammelt werden, mögen, und Du Keinen verloren habest, welchen der Vater Dir übergeben! Amen. Le 204 Gebet um zeitliche Wohlfahrt. Dein, o Herr, ist Weisheit und macht! Du regiereft den Erdboden und Alles, was darin ist, mit Gerechtigkeit; Deine Wege find Güte und Wahrheit! Nicht immer kannst Du unsere Wünsche erfüllen, nicht Jedem verleihen, was er verlangt; denn oft wiffen wir nicht, was wir bitten, oder wir flehen um Nachtheiliges. Du, o Vater, überschaueft das Ganze; wir aber nur einen kleinen Theil desselben; und diesen nicht immer völlig. Du sorgest für die ganze Schöp fung, und für jedes Wesen insbesondere; nicht nur für den Seraph, der Deinem Throne am nächften steht, sondern auch für das Würmchen, daß im Staube seine Wohnung hat! Sollte Ordnung und Manchfaltigkeit in Deinem Reiche herrschen, und alle Deine Eigenschaften verherrlicht werden: so konnteft Du jedem Geschöpfe nicht gleiche Vorzüge verleihen; nicht einmal alle vernünftigen Geschöpfe konnten gleiche Wohlthaten von Dir empfangen; Du mußteft Jedem seine Stelle und sein Geschick so anweisen, wie es zum Besten des Ganzen erfordert wurde. Dieses erkenne ich, o mein Gott und Vater, mit Ueber 205 zeugung und Demuth! Ich weiß auch, daß ich kein Recht habe irgend eine Gabe, oder einen Vorzug vor andern Geschöpfen von Dir zu erflehen; vielmehr würde es strafbare Undankbarkeit sein, wenn ich darüber murren wollte, daß ich nicht ganz so glücklich bin, als manche meiner Mitgeschaffenen; oder als andere Wesen von vollkommener Art! Ich habe doch wahrlich viel Gutes von Dir empfangen, und noch entschwindet kein Augenblick, den nicht neue Gaben und Wohlthaten Deiner Hand bezeichneten! Deine Güte ist alle Morgen neu und Deine Barmherzigkeit währet für und für! Ich bin vergnügt, daß ich ein Mensch bin, Dein Kind, ein Erlöseter Deines Eingebornen, ein Mitglied der heiligen Gemeine, die Er mit Seinem Blute gegründet; ich bin zufrieden mit dem Stande und dem Berufe, worein Du mich gefeßt haft; auch preise ich Dich dankbar für alle noch übrigen Wohlthaten, von welchen meine Lebenstage erfüllt find! Du bist, o ich fühle es tief und lebendig, Du bist ein guter Gott, ein liebevoller Vater! Bift ganz Huld und Güte gegen mich, das sagt mein Herz mit froher, dankbarer Empfindung in der Stille; das soll auch mein Mund bei jedem 206 Anlaffe laut vor der Welt bekennen und rühmen! Es soll, o Herr, mein tägliches Geschäft sein Deinen Namen zu loben und zu preisen! Diese felige Ueberzeugung, daß Du der Urheber meines Lebens bist und alle meine Schicksale regiereft, daß Du gütig bist und gerne wohlthuft, daß Du auch mein Gebet nicht verwirfft, sondern mit Freuden gibst, was ich erflehe, und mehr noch als ich erflehen kann, wenn Deine Weisheit es zuläßt: dieses Alles, mein treuer Gott und Vater, bewegt mich mein Anliegen Dir zu eröffnen; nicht in der Absicht Dir vorzuschreiben, was Du thun sollst, sondern die Bedingungen zu erfüllen, unter welchen Du Deine Gaben zugesagt haft; mein kindliches Vertrauen auf Dich an den Tag zu legen, und den Segen des Gebetes zu erlangen: Stärkung in der Liebe, in der Gottseligkeit, in der christlichen Hoffnung! Ich will daher mit Dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater; will Dir sagen, was mein Herz in Absicht auf zeitliche Wohlfahrt sich wünscht, will es aber Deinem unendlich weisen Nath überlaffen, meine Bitte zu erfüllen. Nicht mein Wille, nur der Deinige, o Vater, geschehe! Erhalte mir vor allen andern Gaben: den 207 Gebrauch meiner Vernunft, fo lang ich auf Erden leben soll. Ich erkenne den Werth meiner Verstandeskräfte, und den unglücklichen Zustand derer, die ihrer beraubt sind, so lebhaft, daß ich unter allen irdischen Gütern nichts Größeres zu erflehen wüßte. Durch Vernunft erhebt fich mein Geift zu Dir, seinem Urheber, lernt Dich kennen, verehren, anbeten, lieben; durch sie werd' ich zuerst in den Stand gefeßt: Irrthum von der Wahrheit zu scheiden, und das Gute, nach meiner Ueberzeugung, dem Bösen vorzuziehen; durch sie bin ich Mensch, zu vernünftigen Geschäften, zur Erfüllung der Pflichten meines Berufes, und der Menschenliebe kräftig, der Tugend und ihres herrlichen Lohnes in der Zeit und Ewigkeit fähig. O allweises, allvernünftiges Wesen, fichere mir diese hohe Gabe! Durch ihren zweckmäßigen Gebrauch kann ich selbst Dir ähnlich zu werden mich bestreben, kann Deine Absichten als Mensch und Chrift erfüllen! Bewahre mich vor solchen Zufällen des Alters, oder der Krankheit, welche mich um diesen Vorzug entweder ganz, oder zumt Theile bringen könnten; und seße mich nach Deiner Güte in solche Umstände, worin ich meine Vernunft immer besser ausbilden möge, damit 208 ich mit jedem Tage verständiger werde, mithin auch vernünftiger und chriftlicher handeln lerne, bis ich einmal nach wohl vollendeten Prüfungsjahren dahin gelange, wo ich mit völlig geläuterter, himmlischer Vernunft in Gesellschaft aller heiligen Geister die Wunder Deiner Liebe vollkommner erkennen und unaufhörlich loben, und anstaunen kann. Schenke mir dann, o gütiger Vater, Gesundheit des Leibes! Und ob ich schon als ein sterblicher Mensch zu viel begehren würde, wenn ich auf ununterbrochenen Gesundheitszustand Rechnung machen wollte: so flehe ich Dich darum an, sofern es Deinem weisen Rathe nicht zuwider ist; bewahre mich vor solchen verderblichen Krank heiten, die meine Gesundheit auf immer zerrütten, und vor solchen anhaltenden Zufällen von Krankheit, die mich auffer Stand seßen, meinem Berufe und meinen Pflichten genügend abzuwarten! Gerne wollt' ich zu Deiner Ehre, zu meiner eignen Wohlfahrt und zum Besten meines Nächsten thätig sein! Dazu hab' ich Gesundheit nöthig! Gib fie mir, als ein unverdientes Gnadengeschenk, das nächst einer gesunden Vernunft unter allen irdischen Gütern, das vorzüglichste ist. Ich will Dich 209 preisen, wenn Du mich erhöreft; will aber dennoch auf Deine Güte hoffen, und durch stille, demüthige Gelaffenheit Dich zu verehren suchen, wenn Du ein anderes über mich beschloffen haft! Große Reichthümer begehre ich nicht von Dir! Gib mir: ein redliches Auskommen, gib mir so viel Dir gefällig und mir heilsam ift. Ich weiß, daß Gold und Silber das ungewisseste, betrüglichste Gut ist; und daß ich um deßwillen allein noch nicht glücklich bin, wenn ich es im großen Ueberflusse befize. Doch darum bitte ich Dich, huldvoller Vater, behüte mich vor drückenden Nahrungssorgen, die den Geist schwächen, und die Thätigkeit in guten Werken hindern. Kann es sein, so beschere mir so viel, daß ich meine nothwendigen Bedürfnisse damit bestreiten, und allenfalls auch Andern in der Zeit der Noth beistehen kann. Ach, Herr, bewahre mich, daß ich nie in die traurige Versuchung falle, durch Lift und Ungerechtigkeit mein tägliches Brod zu suchen, und durch Noth und Hunger gezwungen, meine Hand nach fremdem Gute auszuftrecken! Segne Du meine Arbeiten, segne mein geringes Vermögen, daß ich weit damit ausreiche! Erwecke mir Wohlthäter, wenn ich ihrer bedarf; schaffe Du Rath, wenn ich keinen sehe! 210 Ehrentitel, Würden, allgemeinen Beifall verlang' ich nicht! Nur bewahre mir das unschäßbare Gut: Achtung meiner Mitmenschen. Ich überlasse es völlig Deinen weiseften Einsichten, was Du hierin über mich verfügen willst. Verleihe mir nur Weisheit, treu in meinem Berufe zu sein, und meine Geschäfte so zu verrichten, daß ich allezeit das Zeugniß eines guten Gewissens behalte! Mein Wunsch zielt dahin: mir selbst und auch Andern recht nüßlich zu werden; dazu schenke mir: Kräfte, Mittel und Gelegenheit! Seße mich in folche Lagen, daß ich mit Vergnügen und Segen nach dem Maaße meiner Fähigkeiten arbeiten kann; daß ich dabei so viel Aufmunterung finde, als nöthig ist, und dagegen vor so traurigen Schicksalen bewahrt bleibe, die mir Muth, Luft und Ents schloffenheit zur Arbeit rauben könnten! Laß Friede in meinem Hause wohnen, und Freude an meinen Angehörigen mich erleben! Erheitere meine Tage, so viel es möglich ist, durch das Glück der Freundschaft und Liebe, und laß mir wenigstens einige redliche Freunde übrig bleiben, mit welchen ich meine Sorgen und Freuden theilen, und auf deren Treue ich mich verlassen kann! 211 Das Ziel meines Lebens, o Gott, sei Dir ganz anheimgestellt! Um ein hohes Alter fleh' ich nicht, denn ich weiß auch hierin nicht, was mir nüßlich und heilsam ist! Willst Du mich aber so lange leben lassen, daß ich nicht nur für das Glück meiner Lieben beffer sorgen, sondern auch mich selbst zu jener ewigen Erntezeit mehr zubereiten kann; so werd' ich Dir mit kindlichem Herzen dafür danken! Sei Du, wenn ich alt und schwach werden sollte, meine Stüße, be= wahre mich vor einer schrecklichen Todesart, gib mir ein sanftes, vernünftiges, durch ein thätiges Bekenntniß meines Glaubens an Jesus Christus verdienstvolles Entschlafen! Sieh', o Herr, so hab' ich Dir mein zeitliches Glück anempfohlen! Thue nun mit Deinem Kinde was Dir gefällt! Ich weiß, daß ich glücklich bin, wenn es mir nach Deinem Rathe geht! Befiehl' dem Herrn deine Wege, Er wird Alles wohl machen!" Amen. 212 Seufzer eines Leidenden. Allgegenwärtiger, Du erhörst das Gebet der Demuth und des Kummers, darum wenden sich alle Sterblichen zu Dir in ihrer Noth, und Alle, die etwas von Dir wußten, suchten Dich in ihren Verlegenheiten. Wer Dich mit Ernst suchte, fand Dich; wer Dich herzlich anrief, dem warb geholfen! Ich flehe zu Dir in meiner Noth, ich suche Hülfe bei Dir, Allmächtiger, in meiner drückenden Lage. Ich weiß mir nicht zu helfen in meiner Ohnmacht! Hilf mir durch Deine Allmacht! Menschenhülfe feb' ich keine! Sende Du mir Hülfe, Du Zuflucht aller Verlaffenen! So gewiß es Dein Wort ist: Rufe Mich an in der Zeit der Noth: so will Ich dich erretten",... fo gewiß ist's nicht Unvernunft, zu Dir zu flehen; so gewiß ist's Dir gefällig, wenn wir uns an Dein Wort halten; glauben und nicht zweifeln: Du läsfest uns nicht umsonst rufen, wenn wir auf Dich vertrauen; nicht zu Schanden werden die, so auf Dich hoffen. Du naheft Dich denen, welche sich zu Dir nahen; Du hilfft denen, welche zerschlagene Gemüther haben. Wer in der Noth ist, und Dich sucht, der hat ein Recht auf 213 Dich; und wer verlassen ist, den verläffest Dut nicht, wenn er sich zu Dir wendet! Tausend Wege find Dir offen, wo ich keinen einzigen erschauen kann! Ich will nicht sehen, glauben nur will ich, dann werd' ich auch sehen! Du weißt meine Noth, und haft Mittel ohne Zahl, mir aus meiner Noth zu helfen; hilf mir, wie Du helfen willst! Nur beweise Deine Treue an dem, der an Deine Treue glaubt! Laß mich nicht wanken in meinem Vertrauen! Je dringender meine Noth, defto dringender mein Gebet! Je dunkler die Nacht, die mich umhüllt, desto zuversichtlicher laß auf Dein Licht mich hoffen! Deine Allmacht werde mir gewiß wie meine Ohnmacht! Deine unwandelbare Treue werde mir klar, wie meine vielfältige Untreue gegen Dich! Demüthig mache mich meine Schwäche und Untreue, aber fie entmuthige mich nicht! Du halfft dem Joseph aus seiner Noth, hilf mir aus der meinigen, Du bist ja heute und gestern, und ewig Derselbe! Du retteteft Ifrael aus seinen Bedrängnissen, und verwandelteft seinen Kummer in Wonne; rette mich aus meinen Mühfalen, und schaffe um in Freude meinen Jammer! 214 Aus welchen Tiefen heraus zogst Du Deinen Knecht David? Du kannst heute noch, was Du ehemals vermochteft, und vergibst heute noch, wie Du vorhin vergabft! Retter Davids, lehre mich vertrauen, wie er vertraute, damit auch ich gerettet werde, wie er gerettet wurde! Erhörer des Ezechias, erhöre auch mich! Ich breite meine Noth vor Dir aus, wie er Dir Ifraels Noth klagte! Begnadiger des Manaffes, begnadige auch mich! Zerbrecher seiner Ketten, Erlöser aus dem Gefängniffe, erlöse auch mich, und laß mich froh inne werden Deiner rettenden Hand! Ich erliege, wenn Du mir nicht hilfft, ich versinke, wenn Du nicht eileft mich zu retten! Halte mich, mein Erbarmer! Rette mich, allmächtiger Retter! Vergib mir meine Sünden, und gedenke nicht meiner Uebertretungen in dieser Stunde der Noth! Gedenke meiner nach Deiner grenzenlosen Barmherzigkeit! Ich bin einsam und elend, die Angst meines Herzens ist groß geworden! Führe mich hinaus aus allen Nöthen! 215 Siehe an meinen Jammer und mein Elend! Nimm hinweg meine Bedrängniffe, denn ihrer find viele! Herr, verlasse mich nicht! Ziehe Deine Hand nicht ab von mir! Stehe Du zu meiner Rechten, damit ich nicht erschüttert werde! Sage Du zu meiner Seele: Ich bin dein Heil! Ruf in mein Herz hinein: Fürchte dich nicht, glaube nur! Sprich zu mir: Ich bin bei dir in der Stunde der Noth, Ich will dich erlösen! Aus der Tiefe ruf' ich: Vater, Gott, zu Dir! Erhöre meine Bitten und Seufzer; laß mein Angstgeschrei empordringen zu Deinen Ohren! Ist Ein Wort in der heiligen Schrift wahr: so erhörst Du das Gebet des Vertrauens, so hilfft Du dem Elenden, der um Rettung fleht! „ Sollte Gott Seinen Auserwählten nicht Rettung schaffen, die Tag und Nacht zu Ihm rufen!" Ich halte mich fest an diesem Worte; wer Dir glaubt, ist Dein Auserwählter, und wer Dich sucht, ist Dein Liebling! Erlöse, trößte, rette mich, daß auch ich Deine Kraft erfahre, und hilf mir, damit auch ich Deine Barmherzigkeit preise und Deine Freude zu er freuen meinen Brüdern und Schwestern verkünde! 216 Ich bin gebunden, und Niemand kann mich befreien; ich bin beschwert, Niemand kann mich entlassen, wenn nicht Du es thuft, o Allmächtiger! Alle meine Hoffnung steht zu Dir, laß mich nicht zu Schanden werden! Ich gelobe Dir, meinen Brüdern zu helfen, wo ich helfen kann, sie zu erfrenen, wo ich fie erfreuen darf und kann, wenn Du mir helfen, und mich erfreuen wirst! Ich half, wo ich helfen konnte, Du weißt es, hilf mir, Du vermagft es! Herr, erhöre mich, so wie auch ich erhören, und stets erhören will, wenn meine Hülfe nachgesucht wird! Verherrliche Dich an mir, und durch mich! Vergiß nicht das Gebet eines Ohnmächtigen! Kröne das Vertrauen des Zuversichtsvollen! Mache Deine Huld groß an dem, der izt, wie noch nie, Deiner rettenden Hand bedarf! Herr, Dein Wille geschehe! Dein Name feit gepriesen! Was Du thuft, ist wohlgethan! Amen. 217 Bußgebete im Geiste der Kirche. Gott! Deffen Gnade über dem ruhet, der fich vor Dir demüthiget, und Deffen Versöhnung den Thränen der Buße begegnet: neige Dein Ohr gnädig herab zu unserm Flehen, und gieß' über Deine Diener den reichen Segen Deiner Gnade amit sie mit dem Geifte der Zerknirschung erfüllet werden, und das, um was fie bitten, wie fie sollen, ficher erhalten, und das, was sie erhalten, in ihnen auf die Dauer befestiget, und von allem Hauche des Bösen unangefteckt verbleibe; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du den Bürgern von Ninive, die in Asche und Trauergewand Buße gethan, Vergebung ihrer Sünden Der Christ. 5. Auflage. 10 218 gnädig haft angedeiben laffen: verleihe auch uns, daß wir Buße thun, wie sie, und Vergebung unferer Sünden erlangen, wie fie; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Bewahre, o Herr! Dein Volk, und laß es durch Deine Güte von allen Sünden rein werden: denn, wo keine Sünde herrscht, da kann keine Trübfal schädlich werden; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Löse, o Herr! alle Bande unsrer Sünden, und wende gnädig ab alle Strafen, die wir dadurch verdienet haben; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. 219 Sieh', o Herr! auf Deine Familie herab, und verleihe, daß, indem der Leib durch Fasten gezüchtiget wird, das Gemüth im regen Verlangen nach Dir lichthell und glänzend vor Dir werde; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Laß, o Herr! unsere Gemüther durch das Licht Deiner Herrlichkeit erleuchtet werden: damit wir sehen können, was wir thun sollen, und zu thun vermögen, was recht ist; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unserr Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Sich', o Herr! gnädig auf die Andacht Deines Volkes herab: damit, wie wir durch Enthaltsamkeit die Lüfte des Fleisches schwächen, durch die Frucht guter Werke am Geifte stark werden; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, 220 unfern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Laß, o Herr! Deinen Segen, nach dem Deine Gläubigen sich sehnen, über ihnen ruhen: damit sie, von Dir gestärkt, Deine Gebote nie übertreten, und Deiner Wohlthaten sich stets erfreuen; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Laß, o Gott! das Fleben Deines Volkes bei Dir Erbörung finden! Laß uns, durch Deine Barmherzigkeit, zur Ehre Deines Namens, von den Trübfalen erlöset werden, mit denen uns Deine Gerechtigkeit um unsrer Sünden willen heimgesucht hat; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. 221 Allmächtiger Gott! wir bitten Dich, laß es in Gnade geschehen, daß Dein Volk, das durch Enthaltsamkeit von Speisen den Leib abtödtet, durch Enthaltsamkeit von Sünden und durch Vollbringung guter Werke sein Faften vollkommen mache; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Gott! Du Liebhaber und Wiederhersteller der Unschuld, leite die Herzen Deiner Diener zu Dir; damit sie den Eifer Deines Geiftes empfangen, und im Glauben beständig und in guten Werken unermüdlich erfunden werden; durch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Komm', o Herr! Deinen Dienern zu Hülfe, und laß sie in Allem, um was fie bitten, Deine Güte ftets erfahren: damit sie in Dir den Urheber 222 ihres Seiles erkennen, und Deiner Regierung fich erfreuen: indem Alles, was sich vor Dir versammelt, von Dir zum Guten erneuert, und Alles, was zum Guten erneuert ist, von Dir im Guten erhalten wird; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Allmächtiger Gott! wir flehen um die Gnade Deines allmächtigen Schußes: so verleihe uns denn, daß wir von allem Uebel erlöset werden, und Dir mit furchtlosem, freudigem Gemüthe dienen mögen; turch Jesum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Laß Dein Volk, o Herr! das Deiner Macht unterthan ift, durch Deine Erbarmungen immer blühender werden, und Deinen Geboten allezeit von ganzem Herzen ergeben sein; durch Jefum 223 Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Herr! reiche Deinen Gläubigen Deine helfende Hand vom Himmel herunter: damit sie von ganzem Herzen nach Dir fragen, und das, um was sie mit Vertrauen bitten, mit Freude erhalten; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Herr! laß unser Gebet bei Dir Gnade finden, und weil Du uns Luft zum Beten geschenket haft: so laß uns also auch die Kraft Deiner Hülfe erfahren; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. 224 Gott! Deines Volkes Stifter und Beherrscher, treibe aus von uns die Sünden, von denen wir bestürmet werden: damit wir allezeit Dir wohlgefällig, und unter Deinem Schuße ficher leben; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Gott! Der Du die, welche auf Dich hoffen, lieber die Milde Deiner Erbarmungen, als den Ernst Deiner Gerechtigkeit willst fühlen laffen: verleihe uns, daß wir die Sünden, die wir begangen haben, von ganzem Herzen beweinen, und dadurch würdig werden, die Gnade Deiner Tröstungen zu erfahren; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Gib, o Herr! Deinem Volke die Gesundheit des Leibes und der Seele: damit es in guten Werken nie müde, und Deines allmächtigen 225 Schußes immer würdiger werde; durch Jefum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Gib uns, o Herr! einen Willen, der in Einigung mit dem Deinen ftets beharret: damit das Volk, das Deinem Dienfte sich ergeben hat, sowohl an der Zahl der Dienenden, als an Würde des Dienstes in unsern Tagen neues Wachsthum gewinne; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Allmächtiger Gott! Erböre unser Fleben, daß die Würde der menschlichen Natur, die durch Unmäßigkeit verwundet worden, durch die Arznei der Mäßigkeit wieder geheilt werde; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geiftes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. 10* 226 Serr! laß Deine Gnabe in unser Herz kommen: damit wir unsere Luft zur Sünde durch freiwillige Selbstzüchtigung bezähmen, und durch eine zeitliche Abtödtung der ewigen Strafe entkommen; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Laß, o Herr! Dein Volk, das Du zu Deinem Dienste eingeweiht haft, stets an Andacht zunehmen: damit es in guten Werken bewährt, Deiner Majestät immer gefälliger, und in demselben Maße von Deiner Güte mit herrlichen Gaben bereichert werde; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. Allmächtiger! unfre Sünden liegen schwer auf uns, und tief beugen uns die Leiden, die aus der Sünde entstehen: laß durch das Leiden Deines 227 Eingebornen die Sünde getilget, und die Leiden aufgehoben werden; Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. *** Did pin old 228 Dank: und Bittgebet. Gott! Deine Erbarmungen find ohne Zahl, und die Schäße Deiner Güte ohne Maaß! Du gibst den Flehenden, um was fie bitten, und bift nahe bei denen, die Dich anrufen! wir danken Deiner Majestät, die ganz Liebe ist, für alle Gaben, die Du uns geschenkt haft, und flehen ohne Unterlaß iu Deiner Milde, die ganz Weisheit ist, daß Du uns zu der Belohnung des kommenden Lebens weise vorbereiteft, und gütig hinüberleiteft; durch Jefum Chriftum, Deinen Sohn, unfern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geißes, Gott, in alle Ewigkeit! Amen. 229 Der dankbare Christ. Was mich froh macht des irdischen Daseins, das ist Wohlthat; sollte ich mich nun der Wohlthat nicht freuen, die mir Wonne schenkt und Vergnügen? Und sollte ich meine Freude Dem nicht laut äuffern dürfen, von Dem alle guten Gaben herniederströmen! Einziger Wohlthäter, Gott, Der durch tausend Hände wohlthut, und mich meines Lebens auf so manchfache Weise froh macht, wie kann ich meine Freude Dir lebhaft genug bezeugen? Wie Dir würdig danken für die zahllosen Wohlthaten, womit Du alle Tage meines Hierseins tröneft? Deffne mir die Augen zu sehen, was Du mir Gutes thuft, damit alle Undankbarkeit aus meinem Herzen weiche! Kann ich je zählen, auch wenn ich tausende von Jahren fortzähle, und Berge häufte von Zahlen, alles Gute, alle Gnaden, womit ich gesegnet bin? Bin ich nicht selbst ein Zusammenfluß Deiner Wohlthaten? Sind nicht alle meine Sinne, Glieder, Kräfte, Deine Geschenke! Kann ich mich je genug freuen, daß ich bin, daß ich mein Dasein empfinde, daß ich ein vernünftiger Mensch bin, und über mich selbst nachzudenken vermag? 230 Almächtige Liebe, durch Dich bin ich, was ich bin; Du wolltest mein Dasein: da wurde ich; mein Geist ist ein Strahl von Dir, Du Sonne, Du Quelle der Geister! Alle Kräfte meines Geiftes und Herzens find Deine Gaben; Alles beweist mir, Daß Du mir eine hohe Bestimmung gegeben, daß Du mir wohl willst, daß Du väterliche Gesinnung gegen mich begeft. Undank gegen die unbedeutendsten Wohlthaten ist Sünde, ist schändlich. Undank gegen Dich wär' eine himmelschreiende Sünde, wäre der schändlichste Undank! Und doch, auch dieser befleckte mich so oft; und doch, wogegen hat meine arme, finnliche Natur mehr zu kämpfen?... Ich schäme mich meines Undanfes, und darf mein Auge nicht gegen Dich aufheben, immer gütiger, langmüthiger Geber! Immer milder Verschoner! Immer huldreicher Führer! Ich sehe Dich nicht, aber ich sehe, und follte fehen taufend von Deinen, mich stets beglückenden Wohlthaten! Ich sollte nie träge zum Danke, in Deiner Lobpreisung nie kalt und matt, nie unempfindlich bei der zahllosen Menge Deiner Erbarmungen sein! Allmächtiger Herzenlenker, Du haft tausend Mittel auf mein Herz zu wirken. Erwecke dankbare Gefühle in dem Herzen, das 231 seiner Undankbarkeit sich schämt, und dankbarer zu sein wünscht! Du bedarfst meines Dankes nicht, aber es ist unnatürlich dem größten, den einzigen Wohlthäter keinen empfindungsvollen, innigen Herzensdank darzubringen. Dankempfindungen erheben, erweitern, beglücken meine Seele, und machen sie für neue Wohlthaten empfänglich. Dir, o Vater, gefällt mein Dank, weil Dir Alles gefällt, was recht ist; weil Du freier und wohlthätiger auf ein dankbares Herz wirken kannst. Du kannst dem Undankbaren nicht wohlthun, wie dem Dankbaren! Den Stolzen kannst Du nicht befeligen, wie den Demüthigen; Du gibst dent Menschen, was er empfangen kann, und Deine Gnadenerweisungen fließen in vollen Strömen nur den Dankbaren zu! Doch, wenn auch keine neue Gnade dem Dankbaren zufließen würde: Dankbarkeit wäre meine Pflicht, Danksagung sollte meine Luft sein! Schon dieses, daß ich denken kann, ist Gnade. Welch' ein hohes Glück, daß ich ein dankfähiges Geschöpf bin! Ach, es möge Dir gefallen, daß ich mich Deiner freue, o mein Wohlthäter; daß Deine Gnaden und Gaben mich nicht ungerührt laffen, o Du mein Beseliger! Welch' ein wohl= 232 thatreiches Wundergeschöpf bin ich! Kann ich mich meiner Menschheit und meines Christenthums vor Dir und in Dir genug freuen? Welche Wohlthaten erzeigteft Du mir von früher Jugend an! Nie fehlte es mir an Nahrung, an Kleidern, nie an dem, was ich zu meinem Lebensunterhalte und Fortkommen bedurfte! Du gabft mir Lehrer, Freunde, Wohlthäter, Rathgeber. Du ließeft es mir nie an Gelegenheit fehlen, Gutes zu lernen und zu üben. Nicht ungerührt bleibe mein Herz, besonders deswegen, daß ich gleich bei meinem Eintritte in dieses Leben Dir wiedergeboren wurde zum Erben des Himmelreiches, aufgenommen wurde in die wahre Kirche Deines Eingebornen, und gereinigt von aller Schuld und Strafe der Sünde meiner Stammeltern, daß ich frühbe schon zu Deiner Erkenntniß geleitet worden bin; nicht gefühllos bleibe meine Seele, daß ich im Schooße der wahren Religion geboren, und von Kindheit an zu jener Quelle der befeligendften Wahrheit geführt ward! Voll Dankes sei mein Herz, daß ich Dein Erlöseter, Dein Erkaufter, Jesus Chriftus, Dein Bruder geworden bin! Voll Dankes sei mein Herz für Alles, was 233 Du dem Menschengeschlechte Gutes gethan haft, täglich thuft, und in Ewigkeit thun willst! Kein Tag meines Lebens entschwinde ohne neue, innige Danfgefühle für Deine, allen Verstand und alle Vernunft übersteigende, unendlich erbarmungsvolle Liebe zu uns tief gefallenen rettungslosen Sündern! Deine Verdienste um uns find in Ewigkeit nicht von uns zu berechnen! Du bist's, durch Den wir ewig leben, und ewiger Seligkeit fähig werden! Dein Gottesname sollte nie von mir ohne Dankbarkeit ausgesprochen, ohne Freudenempfindung sollte nie an Dich gedacht werden! Die geringste Gabe verdient Dank, follte die größte keinen verdienen! Erbarmer, Verdiener, Geber des ewigen Lebens; Entfündiger, Veredler der Menschheit, welcher Dank entspräche jemals Deinen Verdiensten um unser Heil! Du allein kannst uns würdigen Dank lehren! Nur Dein heiliger Geift kann uns unterweisen, Gott in Dir, und durch Dich als den böchsten über allen Dank erhabenen Wohlthäter zu kennen, und zu empfinden, anzubeten und zu preifen. Dentferne doch aus meinem Herzen jeden Undank! O erwecke mich doch Deiner und Deiner Huld und Wohlthaten recht froh zu werden! Mein = 234 Herz sei voll inniger Dankempfindung, und mein Leben beweise, daß ich Dir, unferm einzigen Woblthäter, gefallen möchte; daß meine Danfbarkeit mich treibt und stärkt Dir zur Freude zu werden! Ehre und Lob sei Dir izt und ewig, Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen. 235 Empfindungen des Dankes. Lobe den Herrn, meine Seele! und Alles, was in mir ist, preise Seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat! O Du ewiger, starker, gewaltiger Gott! wie unerforschlich ist Deine Weisheit! wie groß ift Deine Gnade! wie unendlich Deine Liebe! wie überschwenglich Deine Güte! wie unergründlich Deine Barmherzigkeit! wie unermüdet Deine Langmuth! wie frenge Deine Gerechtigkeit! wie lauter Deine Wahrheit! wie unbegreiflich Deine Allmacht! wie tröstend Deine Allgegenwart! wie beruhigend Deine Treue! wie schauervoll Deine Allwissenheit! wie himmlisch erquickend die Vaterhuld, die Du an mir geoffenbaret baft! Ja, Herr! ich erkenne meine Niedrigkeit und Deine Hoheit! meine Nichtigkeit und Deine Vortrefflichkeit! meine Unwürdigkeit und Deine Majestät. Ich bin nichts, und Du bist Alles; ich bin elend und Du bist barmherzig; ich bin Sünder, und Du bist der Allheilige; ich bin unverständig und Du bist weise; ich bin ungehorsam, und Du 236 bift geduldig; ich bin arm, und Du btft freigebig; ich bin schwach, und Du bist mächtig; ach! ich bin nicht würdig aller Wohlthaten, die Du mir erwiesen haft. Wunderbar find Deine Werke, schrecklich find Deine Drohungen, väterlich sind Deine Strafen, gnädig und beffernd find Deine Züchtigungen, wahrhaft find Deine Verheißungen, treu find Deine Zusagen, und Deine Liebe ist über Alles; denn sie ist höher als die Himmel, tiefer als die Meere, fie umfaßt Himmel und Erde, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich bin Dein Geschöpf, und Du bist mein Schöpfer; ich bin Dein Kind, und Du bist mein Vater; ich bin Dein Diener, und Du bift mein Herr; ich bin Dein Schuldner, und Du bist mein Wohlthäter; denn von Dir habe ich Alles, und ohne Dich habe ich nichts. Sei gelobt, mein Gott, himmlischer Vater! daß Du mich erschaffen haft, da ich nicht war! daß Du mich zu Deinem Ebenbilde gemacht, daß Du mir einen gefunden Leib und eine vernünftige Seele gegeben, daß Du mich in dem Schooße Deiner seligmachenden katholischen Kirche von 237 chriftlichen und chrlichen Eltern so wunderbar auf diese Welt haft laffen geboren werden. Sei auch ewig gepriesen, daß Du Dich, als das ganze menschliche Geschlecht verloren war, meiner und aller Menschen erbarmet, der Gefallenen Dich angenommen, Deinen Sohn uns geschenket, den Himmel wieder aufgeschloffen, und Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott und ewige Seligkeit der ganzen Welt haft vertündigen laffen. Habe Dank, allerliebster Jesus! Du ewiger Sohn Gottes! daß Du mein Freund, mein Bruder, mein Fürsprecher, mein Erretter, mein Erlöser, mein Seligmacher, und mein Mittler geworden bist. Habe Dank, holdseligfter, freundlichfter, mil defter Jesus! für Deine Liebe und Treue, für Deine Menschwerdung und Geburt, für Deine Lehre und Thaten, für Deine Angst und Noth, für Deinen Hohn und Spott, für Deine Wunden, für Dein Kreuz und Deinen Tod, für Deine Auferstehung und Himmelfahrt. Ach! wie erfreulich ist Dein Evangelium, wie tröftlich find Deine Berheißungen, wie theuer ist 238 Deine Erlösung, wie heilsam find Deine Wunden, wie kräftig ist Dein Blut! Habe Dank, daß Du mir den Rath Deines himmlischen Vaters geoffenbaret, daß Du mich mit Gott versöhnet, daß Du mich von der ewigen Verwerfung erlöset, daß Du mich in der Taufe an Kindesstatt angenommen, und daß Du mich noch in Deinem heiligsten Abendmahle mit Deincm Leibe speiseft und mit Deinem Blute tränkeft. Und Du, Gott, heiliger Geift, kräftiger Tröfter in aller Noth! Dich bete ich an, Dich rühme ich, Dich lobe ich, Dich preise ich, Dir danke ich. Von Dir habe ich alles Gute, was ich denke, rede und thue; von Dir bekomme ich das Wollen und das Vollbringen, und Du allein machst mich geschickt zum ewigen Leben. Du rufeft mir, ehe ich das Gute thue, Du warteft, bis ich es thue, Du hilft mir, daß ich es thue. Mild sind Deine Gaben, reich ist Dein Trost, erfreulich ist Deine Güte, kräftig ist Deine Gemeinschaft. Sei gelobt in alle Ewigkeit, daß Du mich armen verderbten Menschen aus meinem Elende geriffen, durch das Wort des Evangeliums bes 239 rufen, durch das Bad der heiligen Taufe wiedergeboren, meine unwissende Seele erleuchtet, mein unreines Herz geheiliget, meine verlornen Kräfte erneuert, und mich zu einem neuen Menschen, zu einem Chriften, zu einem Mitgliede Deiner katholischen Kirche, zu einem Kince Gottes, und zu einem Erben des ewigen Lebens gemacht haft. D heilige, hochgelobte Dreifaltigkeit! wir loben alle miteinander Deine unendliche Güte, und danken Dir für Alles, was Du uns an Leib und Seele Gutes gethan haft; daß Du unsere Kirche rein erhalten von jeder Irrlehre, so unbefleckt, wie ihr göttlicher Stifter fie aus dem Himmel herniedergebracht, fie so fiegreich beschüzt haft im Kampfe mit der Finsternis; daß Du unsern Landesfürften ausgerüstet mit Weisheit und Gerechtigkeit, mit Menschenliebe und Eifer für die geistliche und zeitliche Wohlfahrt seiner Unterthanen; laß seinen Lohn groß sein dereinstens in Deinem Reiche!- Dank Dir für den lieben Frieden, worin Du die Völker erhalten, und für seine Segnungen; Dank Dir, daß Du alle Stände in gutem Verhältnisse zu einander festhielteft! Dank Dir, daß Du auch unser liebes deut 240 sches Vaterland bisher vor Krieg und Blutvergießen, vor Unfriede, Haß und Streit, vor Theurung und Hungersnoth, vor Krankheit und Peft, und sonstigen Uebeln behütet haft. Deiner Treue danken wir es, daß wir noch find: denn Du läffeft Deine Sonne alle Morgen noch über uns aufgeben, Du gibst uns früh und spät Regen, Du segneft das Land, daß es seine Frucht bringe, und beschereft uns noch immer unser tägliches Brod. Mein Gott! wie viel bin ich Dir schuldig? Du hast mich von meiner Jugend an bis auf diesen gegenwärtigen Tag recht mächtig erhalten, recht väterlich verforget, recht wunderbar ge= führet, aus mancher Noth errettet, in mancher Angst beschüßet, vor manchem Unglücke behütet, von drohenden Gefahren erlöset, in quälendem Kummer getröstet, in Widerwärtigkeiten versorget, und mir in wichtigen Anliegen geholfen. Wenn ich frank gewesen bin, so haft Du mich wieder laffen gefund werden; wenn ich geirret babe, bast Du mich wieder zurecht gelei tet; wenn ich gefündiget, baft Du Geduld mit mir getragen; wenn ich Buße gethan, haft Du mir vergeben; wenn ich gebetet habe, haft Du 241 mich erhöret; wenn ich etwas unternommen habe, haft Du es gesegnet, und wenn mich Andere gehindert haben, hast Du mir doch fortgeholfen. In der Kindheit hast Du schon für mich geforget, in der Jugend hast Du mich regieret, und in dem Alter wirst Du Dich meiner auch annehmen. Durch Deine Hülfe habe ich in der Welt manchen Gönner und Förderer, in der Fremde manchen guten Freund, und endlich überall mein Auskommen gefunden. Sei gelobt und gerühmt für Alles, was ich jemals von Dir bekommen habe, und noch bekomme, für die Zeit, für das Jahr, für den Tag und für diese gegenwärtige Stunde, die Du mich haft erreichen lassen. Für die sichere Ruhe, die Du mir in der vergangenen Nacht verliehen, für das gesunde Leben, das Du mir geschenkt, für einen jeden Biffen, den ich heute genoffen Habe Dank für den Stand, in welchen Du mich gefezt haft, für die Ehre, die Du mir gegeben, für die Würde, die Du mir zugetheilt, für alles Glück, das Du mir zugewiesen, und für alle andere Freuden, die Du mir gemacht haft. Der Christ. 5. Auflage. 11 242 Ach! lieber Gott! wie viele Menschen find heute in dieser Stunde, und in diesem Augenblicke hier und anderswo elender, ärmer, verlaffener, unglücklicher, betrübter als ich. Sei gepriesen für mich und alle die, welchen Du so wohl thuft, wie mir, und habe auch endlich dafür Dank, das Du mich solches haft erkennen laffen. Meine Seele soll Dich rühmen, mein Herz soll Dich preisen, mein Muud soll Dir danken. Lobet den Herrn, alle Engel! lobet den Herrn, alle Heilige! lobet den Herrn, alle Völker! Ehre sei Gott dem Vater, Der mich erschaffen! Ehre sei Gott dem Sohne, Der mich erlöset! Ehre sei Gott dem heiligen Geiste, Der mich geheiliget hat! Ehre sei der heiligen hochgelobten Dreieinigkeit von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Jesus! mein Eins und Alles. Welch' ein süßer, hoher Frieden! Welche Wonne, welch' ein Gut 3f dem Gläubigen beschieden, Der am Herzen Jesu ruht! D! ich fühl' es, Freund der Seelen, Daß Du mir mein Alles bift! Wer kann's faffen, wer erzählen, Wie man glücklich bei Dir ist! Und doch sähe ich so gerne, Daß es alle Welt erführ'! Daß es Jedermann doch lerne, Wie man selig ist bei Dir! Ach verkläre Deinen Namen Doch in jeder Sünderbruft! Denn das ist der Lebenssaamen, Seine Frucht ist Himmelsluft. 243 244 Oft wird mir das Herz zu enge, Wenn ich Deine Nähe fühl', Und ich Deiner Wonnen Menge, Schönffer, Dich! umfaffen will! Da beweine ich die Schwere, ne Die dem Geist die Freiheit raubt, Die dem Herzen nicht die Leere, Die es wünscht für Dich, erlaubt. Doch, auch in der engen Krippen Bautest Du Dir Deinen Thron, Zum Bekenntniß aller Lippen: Hier ist Jesus, Gottes Sohn! Nun, das hab' auch ich erfahren, Daß Du groß im Kleinen bist! Daß Dein göttlich Offenbarend Deiner Liebe Werk nur ist! Du siehst nicht auf mein Gebrechen, Das Dein Bild in mir entfstellt; Auf die Centnerlaft von Schwächen, Die mich noch im Elend hält. Komm', o Du, mir immer näher, Und erfüll' mich ganz mit Dir! Mach' mein Herz Dir immer leerer, Zur Verherrlichung in mir! o nis Einmal haft Du mich entzündet! Ganz begehr' ich, Schönster, Dich! Was mein Glauben in Dir findet, Hat so sehr entflammet mich! Ich begehr' aus allen Trieben Und aus aller meiner Macht, Dich zu ehren, Dich zu lieben, 3u genießen Tag und Nacht! Alle meine Lebensstunden, 20 Jesu! Dir allein zu weih'n; Stets in Deinem Dienst gefunden, Keines Untern Knecht zu sein! All' mein Sebnen, mein Verlangen Ist allein nach Dir gericht't, Liebend stets an Dir zu hangen, omg Etwas Anders wünsch' ich nicht! Jesu! Der Du dieses Dürften, Diesen Hunger mir erweckt, Und nach Dir, dem Lebensfürsten, Meine Seele ausgestreckt; 245 246 Der Du mich nach Deiner Fülle So begierig haft gemacht, Daß mein Herz, mein Geift, mein Wille Innig Dich zu haben tracht't; Der Du mir schon so viel Blicke In Dein Heiligthum gewährt; Und von allem Erdenglücke Längst mein Auge abgekehrt; Der Du mir das Herz genommen, Seit ich gläubig an Dich ward, Seit mir Deine Stunde kommen, Wo Du Dich mir offenbart; Was Du in mir angefangen, Mich, das Werk von Deiner Hand, Eil' vollend' es! mein Verlangen If Dir, Jesu, ja bekannt. Freudig, Jesu! willig, gerne Wart' ich Dein auf Golgatha, Wo mein Glaubensblick von ferne, Schönster, Dich auf Tabor sah! 247 Fürbitte des Christen. Für alle Menschen. Alle Menschen auf Erden, Bater, sind Deine Kinder! Geschwister sind wir Alle; Du haft alles Geschlecht der Menschen aus Einem Stoffe ge= bildet. Alle haben wir Einen Vater. Als Geschwister sollen wir uns lieben; dies gefällt Dir, liebster Vater! Dich freut unsere innigste Theilnahme an dem Schicksale unsrer Nebenmenschen; Du billigst unsere Fürbitte für fie, wenn wir ihnen nicht Selbst rathen und helfen können. Unser Flehen kann nicht fruchtlos, nicht umsonst sein, weil Du es uns noch gebeutft! Du kannst nichts Unnüßes gebieten! Jesus Christus, mein Herr und mein Gott, Du Selbst beteteft für Nabe und Ferne; für Freunde und Feinde; Du lehrteft uns glauben an die Kraft Deiner Fürsprache beim Vater! Wer an die Kraft des Gebetes glaubt, glaubt auch an die Kraft der Fürbitte; ich glaube fest daran, weil der heilige Geift, Den Du, o Erlöser, uns gesandt haft; mich für Andere beten 24 heißt!... Glauben- und Liebevoll lehre mich, guter Geift, für alle meine Mitgeschaffenen beten! Höre in Gnaden an, o Vater im Himmel, mein herzliches Flehen für alle meine Brüder und Schwestern hienieden! Auch um meines schwachen Gebetes willen ertheile Gaben und Gnaden meinen hülfsbedürftigen Mitmenschen! Ich bitte Dich, Vater aller Deiner Geschöpfe, erwecke Du selbst mich durch Deinen heiligen Geift zur kräftigen Fürbitte für alle Menschen! O lehre fie Alle Dich erkennen, Dich lieben und in Dir selig sein! Leite fie Alle durch Deinen eingebornen Sohn, Jesus Christus, zu Dir! Durch den heiligen Geift führe fie Alle hin zu Chriftus, und zur Einen, wahren, heiligen Kirche, die Er gegründet hat mit Seinem Blute! Erwecke immer mehr Menschen, denen es hoher Ernst ist, und denen es gelingt, ihre Mitgeschaffenen zu beglücken, zu lehren, in alle heilsame Wahrheit einzuleiten! Segne den Stellvertreter Deines Sohnes hienieden, unsern heiligen Bater, alle Bischöfe und Priester, daß fie würdig Jesus in sich darstellen, und Sein Reich ausbreiten, und als Schußgeister da stehen im Leben, von welchen ungesegnet Reiner gehe! 249 Erbarme Dich Aller, die keine Kenntniß haben von Dir, o Kennenswürdigster, kein Bedürfniß fühlen nach Dir, o Du Unentbehrlichster! Erbarme Dich aller Unwissenden, und erleuchte fie; aller Irrenden, und führe fie auf den Pfad des Heils; aller Bösen, und erwecke sie zu guten Gesinnungen! Erbarme Dich aller Schwachen, und gib ihnen Kraft und Muth zur Erfüllung ihrer Pflichten! Tröste alle Trauernden! Stärke alle Angefochtenen! Erquicke alle Schmachtenden! Erleichtere die Lasten aller Tiefgebeugten! Labe die Kranken auf ihrem Dornenlager! Belebe den Glauben und die Hoffnung aller Sterbenden! Laß den Guten ihre edeln, frommen Anschläge gelingen! Flöße Muth ein allen Bekennern der Wahrheit! Segne alle Freunde des Rechts und der Tugend! Nimm die miskannte, leidende Unschuld in Deinen Schuß! Stärke das Vertrauen der Armuth und erfreue sie durch wohlthätige Herzen! Laß alle Wittwen und Waisen Deiner väterlichen Fürsorge empfohlen sein! Erbarme Dich Aller, so sich in Gefahr befinden; erwecke sie, zu Dir ihre Zuflucht zu nehmen! Erbarme Dich aller Gefangenen; erwecke sie zu herzlicher Demüthigung vor Dir, damit sie Deiner 11* 250 Begnadigung empfänglich werden! Erbarme Dich aller Verfolgten und Unrecht Leidenden, aller Verwundeten und Beraubten, aller Bedrängten, Aller, die ihres Kummers kein Ende, keinen Ausweg sehen! Gib Jedem, was Jeder bedarf! Noch tausend Bedürfnisse der Menschheit find Dir bekannt; Du bist mächtig genug, sie Alle zu befriedigen! Doch gefällt es Dir, so lehre mich sie erkennen, daß ich sie in mein Gebet aufnehme, und dadurch liebevoller und so Dir gefälliger werde! Dir gefällt, o mein Gott, das Gebet für meine Obrigkeit, für meine Regenten und Lehrer! Leite fie Alle zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit, alle Regierten aber zum Gehorsam, alle Beamten zur gewissenhaften Treue; Alle, die im Ansehen stehen, zur Demuth und Menschenfreundlichkeit; alle Reichen zur Barmherzigkeit; alle Mächtigen zum heilsamen Gebrauche ihrer anvertrauten Macht; alle Krieger zur Menschlichkeit; alle Bekriegten zur Unterwürfigkeit, und zum Vertrauen auf Dich! Wirke in Allen Alles, was die Menschen veredelt, beseligt, und was fie Dir wohlgefällig machen kann, durch Deinen eingebornen Sohn, 251 Jesus Christus, unsern Herrn und Heiland, Der mit Dir und dem heiligen Geifte lebt und regiert in Ewigkeit! Amen. Betet für einander, auf daß ihr selig werdet." Jakobus V., 16. 252 Die Eltern für ihre Kinder. Vater, das Theuerste, was Du uns auf Erden gabft, find unsere Kinder! Befiehlst Dut uns für alle Menschen, ja sogar für unsere Feinde zu bitten: mit welcher Vaterhuld wirft Du das Gebet für das werthefte Geschenk Deiner Liebe anhören! Sie find Dein, Vater, unsere Kinder; mehr Dein, als sie unser find! Du bist der Vater aller Geister und alles Fleisches! Wir dürfen sie Deiner Vaterhuld furchtlos und ver= trauensvoll empfehlen. Du liebst fie mehr, als wir sie lieben können. Dir, Vater, gefällt auch besonders die demüthige Bitte, die herzliche Fürbitte der Eltern für ihre Kinder. O lege Du Selbst die kraftvolleften und weiseften Gebete für fie in unsere Herzen! Dein heiliger Geist leite und erwecke uns zu den weisesten, Dir angenehmsten Fürbitten! Lehre uns das Beste für Zeit und Ewigkeit in ihr Herz pflanzen; allem bösen, unedeln, eigensüchtigen Wesen, das sich in ihnen regen mag, mit christlicher Weisheit und Kraft entgegenarbeiten! Sie müssen Weisheit von uns lernen! Unsere Liebe zur Wahrheit, zum Nechte, zur Pflicht müsse ihnen vorleuchten, 253 und zu gleicher Gewissenhaftigkeit fie begeisternd, durch uns auf fie und ihre Enkel fich fortpflanzen! Die Bitte, welche wir, Vater, Dir an das Herz legen, ist die: Unser eignes Beispiel müsse mit unwiderstehlicher Kraft auf sie wirken! Lehre uns Alles lieben und thun, was Du liebst, was Du von uns gethan wissen willst, damit fie Deinen Willen an unserm Wandel erkennen lernen! Heiligkeit des Lebens und Tugend müffe ihnen lieb werden auch um unsertwillen! Religion und christlicher Sinn müsse sich ihnen empfehlen durch den religiösen, chriftlichen Sinn, den sie an uns wahrnehmen! An uns und an ihnen müsse der Sinn und der Geift Jesus wahrgenommen werden können! Wir, wie sie, und sie, wie wir, müssen unter dem Einflusse des heiligen Geistes Feinde werden alles Lasters und Unrechts, Freunde und Verehrer jeder Dir gefälligen Tugend! Alles, was Dir gefällt, und löblich ist, erscheine in ihrem Wandel! Nüzlich sei ihr Leben; unsträflich ihr Sinn und Handeln! Erwecke in ihnen gute Ge: danken, edle Empfindungen, schöne Entschlüsse, und bringe zur vollkommenen Reife alles Gute, welches in ihnen schlummert im Reime. Gib ihnen Weisheit und Klugheit, Tauben 254 cinfalt! Las gelingen ihre Unternehmungen, fegne ihre Geschäfte! Sei Du bei Allem ihr Augenmerk! Ihre Absicht sei immer rein; ihr Endzweck immer gut; schenke Gedeihen Allem, was sie in Deinem Namen beginnen! Sie müffen Dich täglich mehr als ihren Vater, Freund und Schußgott erfahren; täglich wachsen in chriftlicher Weisheit und demüthiger Liebe; Dir zur Freude und Ehre, der Menschheit zum Segen leben! Gott, laß fie Vieles hienicden aussäen, um dereinstens dort Vieles einernten zu können. Vater, fie, unsre lieben Kinder, müssen Dir und uns zur Freude werden, damit wir dereinst mit dem Troftworte an Deinem Throne erscheinen können: ,, Keines ist verloren von denen, so Du uns anvertrauet haft!" 255 Flehen eines Kindes für seine Eltern. Vater im Himmel, mein Vater und meiner Eltern Vater, erlaube mir mit herzlichem Gebete für meine lieben Eltern vor Dir zu erscheinen. Mein Gebet müsse Dir wohlgefällig und nicht fruchtlos sein. So bitte ich Dich dann mit kindlichem Vertrauen: thue Gutes denen, welche mir so viel Gutes erweisen; segne die, welche mir ftets zum Segen find! Ich empfehle fie, Vater, mit aller Inbrunft der Liebe, Deiner Barmher= zigkeit! Bewahre fie vor jeder Gefahr! Schüße fie in der Versuchung! Nette sie aus dringender Noth! Stärke fie, wo sie Deiner Stärke bedürfen! Lehre sie, was sie zu wissen nöthig haben! Trößte sie in bangen Stunden! Sei Du ihre Zuflucht in Verlegenheiten; ihre Hoffnung in der Trübsal! Erleichtere ihre Laften; mindere ihre Beschwerden! Sprich ihnen Muth ein, wenn sie muthlos werden wollen! Ich empfehle fie der Leitung Deines heiligen, guten Geistes, dem Schuße der allerseligsten Jungfrau, der lieben Engel und aller Auserwählten! Segne ihre Arbeiten und Unternehmungen; erfreue sie auf manchfache Weise! Führe fie immer weiter 256 auf der Bahn der Wahrheit und Weisheit! Las fie täglich Fortschritte machen in Deiner Erkennt niß und Liebe! Vollende alles Gute, was Du in ihnen begonnen haft! Führe fie immer näher zu Dir, und laß fie in Deiner Gemeinschaft immer froher und seliger werden! Jch bitte Dich auch, Vater im Himmel, lehre mich täglich etwas zur Erleichterung ihrer Lasten, und zur Freude ihres Lebens beitragen! Würdige mich auch ein Werkzeug ihrer Beglückung zu sein! Mein Betragen gegen fie sei so beschaffen, wie ich wünsche, daß alle Menschen gegen mich gefinnt sein mögen. Lenke mein Herz zu Allem, was ihnen und ihrem christlichen Sinne Freude machen kann! In ge= sunden und kranken Tagen müsse mein Herz zu allen Diensten findlicher Liebe und zur gelaffenften Duldsamkeit bereit sein! Deines Beifalls, Wohlgefallens und Segens müsse mich mein Betragen gegen fie gewiß machen! Nie müffe meine Liebe gegen fie erkalten, wenn es auch möglich wäre, daß ihre Liebe und Zärtlichkeit gegen mich ersterben, oder manche drückende Schwachheit an ihnen wahrgenommen werden sollte! Weffen Fehler will ich mit Geduld tragen, wenn ich Fehler meiner Eltern nicht mit schweigender Ergebung 257 übersehen will! Meine Geduld und Nachficht gegen fie dürfe nie ermüden! Mein Gebet für sie müsſe nie nachläßig und matt, meine Aufmerksamkeit auf alle ihre Bedürfnisse müsse nie schläfrig werden! Meine Begierde, ihnen ihre Sorgfalt und Mühe mit mir, zu erwiedern, müsse durch nichts geschwächt werden! Herr, mein Gott, erwecke Du mich selbst zur gewissenhaftesten Erfüllung aller meiner heiligen Pflichten gegen sie, und lehre mich täglich mehr Dich selbst in meinen lieben Eltern verehren, lieben und erfreuen! Amen. topik 258 Für einen Kranken. Vater im Himmel, Vater aller Deiner Kinder auf Erden, fiehe, ich komme vor Dein Antlig mit Bitten und Flehen für meinen kranken Mitchristen; Du befiehlft uns, daß wir einander Alle in brüderlicher Liebe umfassen, und wo Menschenhülfe nicht mehr frommt, zu Deiner Allmacht flüchten sollen! So heißest Du uns auch beten für Kranke! Darum will und darf ich empor= flehen zu Dir; wie könntest Du das Wort vergeffen: ,, Rufe mich an in der Zeit der Noth, Ich will Dich retten!"... Feft halte ich an diesem Worte! Immer ist es das Beste, was es uns heißt. Ich flehe um Gesundheit für diesen Leidenden! Ich glaube an Deine Macht, o laß mich nicht in diesem Glauben wanken! Du bist's, Vater, Der Allen helfen kann und will; o hilf ihm, allmächtiges, allgütiges Wesen! Laß ihn bald aufstehen vom Dornenlager, worauf Schmerz und Krantheit ihn gebettet; mache auch ihn zu einem neuen Zeugen jener Allmacht, welche Leben aus dem Tode schaffen kann! Kräftige feine geschwächten Glieder! Ertheile ihm einen neuen, fröhlichen Geist! Entreiß' ihn mit Deiner treuen Hand 259 dem Abgrunte des nahen Todes! O wie viele tausend Kranke, wie viele matte Herzen haft Du mit zärtlicher Liebe durch Einen Wink, durch Ein Wort von allen Wunden geheilt, von allen Nengsten befreit und Ergebung verliehen in ihren Nöthen! Deine Allmacht hat ja doch nicht abgenommen; Dein rettender Arm ist nicht abgekürzt, noch höreft Du auf Deiner Kinder Flehen; bift so reich an Huld und ewig Derselbe, die Liebe und Güte selbst! Und Du, o mein Jesus, bist der Heiland aller Müheseligen und Beladenen; erquickest sie noch heute, wie ehedem, mit Deinem Himmelstrofte! O liebster Jesus, komm' und fiehe, Dein Erlöseter leidet! Tief gebeugt im Staube bitte ich, nicht für mich, für das Leben meines Geliebten nur! Zeige, o Jesus, daß Du lebeft für uns am Throne und daß Dir alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden! daß Du Dein liebevolles Herz, das keinen Flehenden zurückweift, mit hinaufgenommen haft auf den Siß Deiner Herrlichkeit! Ja, wenn ich auch nicht sehe, so glaube ich doch, Du werdest meinem Beißen Sehnsuchtswunsche entsprechen, um Deines Namens, um Deines Wortes willen: ,, Was ihr den Vater bittet in Meinem Namen, wird Er 260 euch geben."... Saft Du in Deiner Weisheit die Erhörung beschloffen, so laß noch während meiner Bitten den Leidenden Deine Hülfe sehen, und nach seiner Genesung Dir leben, Dir anhangen, Dich hocherheben, Der ihn erlöst hat. Laß ihn unsträflich wandeln, und durch Thaten in Gott gethan, den innigsten Dank Dir weißen bis an sein Ende! Amen. da fam And mote 261 Für einen Sterbenden. Liebster Vater im Himmel, ich erhebe mein Herz zu Dir, und flehe in demüthiger Bitte für meinen Geliebten, dem Tode Nahen. Nichts mehr vermag ich ihm zu thun, aber Du vermagst Alles! Du kennst alle Betürfniffe seines Geistes und Herzens, befriedige fie! Stärke den Schwachen, den ich nicht mehr stärken kann! Erheitere, erfreue, trößte den scheidenden Geist! Entferne von ihm alle Furchten, Schrecken und Beängstigungen! Glaube an Dich, an Deine Liebe weiche nie von ihm! Jesus Christus, Den Du auch zu seinem Heile herniedersandteft, bleibe sein Troft, sein Augenmerk, seine Hoffnung! Der heilige Geist wirke unaussprechliche Seufzer und frohe Ahnungen der Seligkeit in seinem Geifte! Mache dem Sterbenden sein Hinscheiden leicht, löse sanft die Bande des Leibes und der Seele! Sende Deine heiligen Engel ihm entgegen, und scheuche alle bösen Geifter fern von Deinem Kinde! Laß ihn Gnade finden vor Deinen Augen! Vergib ihm, Liebevoller, alle seine Sünden, laß ihn empfinden den Frieden der Versöhnung mit Dir; reinige und vervollkommne 262 ihn zu Deinem Anschauen durch seine lezten Kämpfe, damit er begnadigt unb unbefleckt vor Deinem Gerichte erscheine, und eingehe in die ewige Herrlichkeit! O göttlicher Erlöser, auch für diesen Sterbenden haft Du die Bitterkeiten des Todes versucht! Dein Sterben müffe ihm sein Hinscheiden verfüßen! D rufe ihm in die zagende Seele: ,, Bürchte dich nicht, Mein Erlöfeter; Ich bin bei dir, dein Herr und dein Gott, dein Mittler beim Vater, dein Versöhner! Ich bin bei dir in der Todesnoth, Ich will dich herausretten; Ich will mit ewigem Leben dich ersättigen, und Mein Heil dir zeigen! 3ch, dein Richter, will dir gnädig sein!" aby Jesus Christus, dieser Troft verlaffe den Sterbenden nicht Einen Augenblick, nicht Einen nur! Scin Glaube werde immer fester, seine Liebe inniger, feine Hoffnung lebendiger, fein Herz reiner im Glutofen der Todesfurcht, sein Geift fähiger Dich anzuschauen! dupa) Ich danke Dir, o Gott, für alle Wohlthaten, welche Du vom Anbeginne seines Lebens dem Sterbenden verliehen; für alle Kräfte, womit Du ihn ausgerüftet; für alles Gute, so Du durch 263 ihn gewirkt haft! Noch einmal flehe ich: Vergib ihm seine Versäumnisse; belohne ihm huldreich seine Tugenden; ich danke Dir für das Gute, das ich durch ihn genossen; dafür belohne ihn in der besseren Welt! Laß sein Sterben an mir gesegnet und heilsam sein! Seine Schwachheiten und Fehler seien mir Warnung; seine guten Werke Erinnerung und Beispiel! Laß mich Erbe fein seiner Tugenden und Nachahmer seiner edeln Gesinnung! Unvergeßlich seien mir seine warnenden und belehrenden Worte; heilig seine menschenfreundlichen Grundfäße! Er müsse für mich nicht umsonst gelebt haben, nicht umsonst gestorben. sein, nicht umsonst Gutes ausgefäet haben! 3m andern Leben müsse er reichlich einernten, was er hienieden ausgestreuet in frommer, gottergebener Hoffnung! Lehre mich sterben, o Gott, täglich sterben, damit ich chriftlich und nach Deinem Willen leben möge! Laß mich so handeln, denken, und das unterlassen, was ich dereinst auf meinem Todesbette wünschen werde, gethan, gedacht, unter laffen zu haben! Dir leb' ich, Dir sterb' ich! Laß uns Alle dereinft, die wir hienieden gelebt, dort vereint sein in Deinem ewigen Reiche! Amen. - 264 Chriftliches Andenken an die Todten und Fürbitte für ihr Heil. Zu euch, geliebten Miterlöfeten, die ihr jenseits des Grabes in eine bessere Welt abgerufen worden vom Vater alles Lebens; zu euch, die ihr euern Pilgerlauf hienicden schon vollendet, erhebt liebend und sehnend meine Seele fich in tiefer Andachtsstunde! Sie blickt hin auf euch nicht mit dem Schmerze wilder Verzweiflung, nein, mit den fanfteren, frommen Schmerzen der Wehmuth, ergeben in Deffen heiligen Willen, Deffen Barmherzigkeit euch zu Sich heimholte, Euch, theuere Vorangegangenen in jenes Leben, wohin des Vaters Hand auch uns führen wird; wenn es Seine Weisheit für gut bält, ist jedes Räthsel schon gelöst, welches wir umsonst zu deuten uns abmühen. Ihr seid jeder Verführung Reiz, jeder lockenden Versuchung zum Verbotenen entnommen; enthoben jeglicher Noth der Erde, und entgangen ihren Schmerzen, allen Leiden, welche das Leben täglich uns bietet. O welch' ein Tag der Himmelswonne, wenn wir uns wiedersehen! Wenn neu vereinigt, felig, vor Gottesthron wir Alle uns einst wieder finden, 265 welche der Tod von einander trennte; wenn Väter und Mütter ihre guten Kinder wiedererblicken, umarmen dürfen; wenn dankbare Kinder ihre lieben Eltern wieder schauen; wenn treue, langgetrennte Freunde voreinft, die Liebe wieder vereinigt!... Wenn Jesus Chriftus Alle einführet in jenes Reich, welches Sein Versöhnungstod uns erwarb; wenn wir den Vater sehen von Angesicht zu Angesicht; im Lichte der beseligenden Wahrheit uns freuen können; ferne von der trügenden Nacht des Irrthums mit fscherem Schritte die Pfade wandeln, die wir hier strauchelnd so oft verfehlten! Welch' ein Tag, o Gott, Herr, unser Vater; welch' ein erhabenes Ziel hat Deine Liebe uns Allen vorgezeichnet! Herr, unser Mittler, unser Erlöser, Gottmensch, Jesus Chriftus, was für ein Glück haft Du lebend, sterbend für uns, Deine Brüder und Schwestern, erkauft! O daß der heilige Geist, wie einst Deine Apostel, auch uns stets führete, auf ebener Bahn! Daß doch Dein Gotteswort stets wäre unseres Lebens Licht, und unser Troft und Hort der Glaube an die Erbarmung der ewigen Liebe! In Deinen Händen, mein Herr und mein Gott, Richter alles Der Christ. 5. Auflage. 12 266 Lebens, ruht auch der Lieben Loos, die, früh vollendet, vor uns in Deinem Reiche dem großen Tag der Auferstehung und des Gerichtes entgegen. harren! O Vater, laß fie, Deine Kinder, ge= reinigt von allen Flecken der Sünde, schauen Dein Angesicht, und einft uns selig Alle dort wiedersehen, dem guten Hirten angehörend, Der uns erlöfte mit Seinem Blute! Erbarm' Dich gnädigst Aller, welche der Sünde Schuld hienieden auf fich luden; wende der Sünde Strafe und Fluch um Deines Eingebornen willen, Vater, Erbarmer, von Deinen Kindern! Wir fehlen Alle, wer kann vor Dir bestehen, gehst Du nach Strenge und Gerechtigkeit mit uns in's Gericht?... Doch größer noch als unsre Verschuldungen ist ja Deine Liebe und Gnade! Vergelte die Liebe, welche unsre heimgegangenen Brüder und Schwestern übten, nach der Verheißung, o Herr, welche Dein Wort uns gibt, wenn wir getreu, selbst bis zum Tode unsre Nächsten, wie Jesus, lieben! Segne, beselige bei Dir Alle, welche uns wohlgethan, Eltern, Verwandte, Brüder, Schwestern, Freunde, welche unserm Danke zu früh durch den Tod entrückt, uns sehnsuchtsvoll zurück 267 ließen! Auch unsre Feinde fegne, Allgütiger! Vergib allen Seelen ihre Schuld! Und naht auch einstens unsre Todesstunde, so laß uns Alle vor Dir Gnade und Erbarmung finden! Amen. 268 Trostwort. Wenn in bangen trüben Stunden Unser Herz beinah verzagt; Wenn von Krankheit überwunden, Angst in unserm Innern nagt; Wir der Treugeliebten denken, Wie fie Gram und Kummer drückt; Wollen unsern Geift beschränken, Die kein Hofinungsstrahl durchblickt: D dann neigt Sich Gott herüber, Seine Liebe kommt uns nah'; Sehnen wir uns dann hinüber: Steht Sein Engel vor uns da, Bringt den Kelch des frischen Lebens, Lispelt Muth und Troft uns zu; Und wir beten nicht vergebens Auch für ter Geliebten Ruh'! Lezte Bitte. Stärke mich durch Deine Todeswunden, Heiland, wann die seligste der Stunden, Welche Kronen auf der Waage hat, Meinem Sterbebette naht; Wenn die Hand ist im Gebet gefaltet, Dann in mattem Todesschweiß erkaltet, Wenn das Haupt, das izt sich aufrecht hält, Dann zur Brust hernieder fällt; 269 Wenn die Meinen um mein Lager stehen, Stumm, als sollten sie vor Schmerz vergehen: O dann stärk' uns, Helfer in der Noth, Sie zum Leben mich zum Tod! - A. 3. G. E. G. Kupferberg'sche Buchdruckerei. گی ۔ Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 2 Cyan 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 5 11 12 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8