Lauva Ston Gb 1811 16Giessen 1. 20Aty. 201010 2 Für Adelheid 31.7.1954 G.M. aum m Kunhance- 31.7.1860. tratation LAUDA SION. HYMNOS SACROS ANTIQUIORES LATINO SERMONE ET VERNACULO EDIDIT CAROLUS SIMROCK PH. DR. COLONIAE AGRIPPINAE, SUMPTIBUS J. M. HEBERLE( H. LEMPERTZ). MDCCCL. TYPIS J. S. STEVEN. Lauda Sion. Altchristliche Kirchenlieder und geistliche Gedichte lateinisch und deutſch. Von Dr. Karl Simrock. Köln am Rhein, Verlag von J. M. Heberle( H. Lempert). 1850. Druck von J. S. Steven. дв 1811 10 LAUDA SION. 2Hymnus matutinus. Lucis largitor splendide, Cuius sereno lumine Post lapsa noctis tempora Dies refusus panditur. Tu verus mundi Lucifer, Non is, qui parvi sideris Venturae lucis nuntius Angusto fulget lumine; Sed toto sole clarior, Lux ipse totus et dies, Interna nostri pectoris Illuminans praecordia. Adesto rerum conditor, Paternae lucis gloria, Cuius admota gratia Patescunt nostra pectora. Tuoque plena spiritu, Secum Deum gestantia, Ne rapientis perfidi Diris patescant fraudibus. 3Morgenlied. Lichtspender, hehrer, der die Welt Mit seinem klaren Schein erhellt, Durch dessen Macht nach jeder Nacht Der Tag erglänzt in Stralenpracht. Du führst das Licht herbei allein, Nicht jener Stern, des schwacher Schein Am Himmel blinkt und Kunde bringt, Daß bald der Tag den Sieg erringt. Du überstralst der Sonne Glanz, Bist selber Tag und Sonne ganz; Uns unbewust in tiefster Brust Erweckst Du lichter Flammen Lust. Schick immer, Weltenschöpfer Du, Uns deines Lichtes Wonne zu, Daß weit sich dieses Herz erschließt, Wenn Deine Gnade niederfließt. Bis es des heilgen Geistes voll, In sich den Gott bewahrend, schwoll, Für Trug und List des Widerchrist Auf ewig dann verschloßen ist. - 4- - Ut inter actus saeculi, Vitae quos usus exigit, Omni carentes crimine Tuis vivamus legibus; Probrosas mentes castitas, 1973 Carnis vincat libidines, Sanctumque puri corporis Delubrum servet spiritus. Haec spes precantis animae, Haec sunt votiva munera, Ut matutina nobis sit Lux in noctis custodiam. S. Hilarius. - 5- Dann komme was da kommen mag, Dann bringe was da will der Tag, Wir leben gar der Sünde bar Nach Deinem Willen immerdar. Dann überwindet keuscher Brust Unschuldger Sinn die Fleischeslust, Dann mag sich rein der Busen weihn, Des Geistes Heiligthum zu sein. Das ist der Seele brünstig Flehn; Dieß Heil, o Herr, laß uns geschehn, Daß wenn Dein Licht die Nacht durchbricht Wir Dein gedenken und der Pflicht. - 6-- Hymnus ad Matutinum. Splendor paternae gloriae, De luce lucem proferens, Lux lucis et fons luminis, Dies diem illuminans. Verusque sol illabere Micans nitore perpeti, Iubarque sancti spiritus Infunde nostris sensibus. Votis vocemus et patrem, Patrem perennis gloriae, Patrem potentis gratiae, Culpam releget lubricam. Informet actus strenuos, Dentem retundat invidi, Casus secundet asperos, Donet gerendi gratiam. Mentem gubernet et regat Casto, fideli corpore; Fides calore ferveat, Fraudis venena nesciat. -7Morgenlied. Abglanz von Gottes Herrlichkeit, Der aus dem Licht uns Licht verleiht, Des Lichtes Licht, der Klarheit Quell, Tag, der den Tag erleuchtet hell. Du wahre Sonne, wirf den Schein, Der immer licht ist, klar und rein, Und mit des heilgen Lichtes Stral Erfüll uns Herz und Sinn zumal. Gott Vater auch sei angefleht, Gott Vaters ewge Majestät, Gott Vaters hehre Gnadenkraft Entfeßl uns von der Sünde Haft. Er gebe Muth zu tapferm Streit, Er stumpfe dir den Zahn, o Neid, Er ebne allzurauhen Pfad, Er schenke Kraft zu frischer That. Uns sei der Geist von Ihm gelenkt, Der Leib von Lüsten ungefränkt, Der Glaube glühe lichterloh, Der stäts das Gift des Irrthums floh. -8Christusque nobis sit cibus, Potusque noster sit fides: Laeti bibamus sobriam Ebrietatem spiritus. Laetus dies sic transeat, Pudor sit ut diluculum, Fides velut meridies, Crepusculum mens nesciat. Aurora cursum provehat, Cum luce nobis prodeat In patre totus filius Et totus in verbo pater. S. Ambrosius. -9Christus soll unsre Speise sein, Es sei der Glauben unser Wein, Daß nüchtern sich das Herz erweiſt Und trunken doch vom heilgen Geiſt. So bringt der Tag uns keine Noth, Die Scham sei wie das Morgenroth, Der Glaube wie des Tages Pracht, Dem Geiste fern des Zweifels Nacht. Beginne nun der Tag den Lauf, Und mit dem Lichte geh uns auf Der Sohn im Vater gar und ganz Und ganz im Wort des Vaters Glanz. 1* - 10- Hymnus ad Matutinum. Aurora iam spargit polum, Terris dies illabitur, Lucis resultat spiculum: Discedat omne lubricum. Phantasma noctis decidat, Mentis reatus subruat, Quidquid tenebris horridum Nox attulit culpae, cadat. Ut mane, quod nos ultimum Hic deprecamur cernui Cum luce nobis effluat, Hoc dum canore concrepat. S. Ambrosius. 11- Morgenlied. Das Frühroth färbt die Lüfte schon, Es naht der Tag dem Erdensohn, Aufzuckt des Lichtes holder Stral: Ihr Reizungen, entflieht zumal. Erbleiche, du Gespenst der Nacht, Entweiche vor des Lichtes Macht, Erstirb, sündhafter schwarzer Rath, Den Finsterniss geboren hat. Daß uns am Morgen wird zu Theil, Das knieend wir erflehn, das Heil, Und uns das Licht den Segen bringt, Indem noch unser Lied erklingt. - 12- Hymnus ad laudes. Aeterna coeli gloria, ad to 2 Beata spes mortalium, Celsi tonantis unice Castaeque proles virginis. Da dexteram surgentibus, Exsurgat ut mens sobria Flagrans, et in laudem Dei Gratas rependat debitas. the Ortus refulget Lucifer the mos Sparsamque lucem nuntiat, Cadit caligo noctium: Lux sancta nos illuminet, Manensque nostris sensibus Noctem repellat saeculi, Omnique fine temporis Purgata servet pectora. Quaesita iam primum fides Radicet altis sensibus, Secunda spes congaudeat, Quo maior exstat caritas. 12 -DOCS. Ambrosius. - 13- Morgenlied. Des Himmels ewge Kron und Zier, Uns Hoffnungsstern auf Erden hier, Dem Gott, der in den Wettern groß, Geboren aus der Jungfrau Schooß. Beim Aufstehn reich uns mild die Hand, Daß rein der Geist zu dir gewandt Zu Deinem Preise sich erschwingt, Dir würdgen Dankes Opfer bringt. Schon glänzt der Morgenstern in Pracht Und meldet daß der Tag erwacht, Die Finsterniss versinkt in Nichts: Erleucht uns, Stral des heilgen Lichts. In unsern Sinnen wohne gern, So bleibt die Nacht der Weltlust fern, Und bis zum Schluß der Zeitlichkeit Die lautre Brust von Schuld befreit. Bei deinem Scheine wurzle fest Der Glaube, der von Gott nicht läßt; Gieb uns der Hoffnung Freudigkeit Und Liebesüberschwenglichkeit. - 14- Hymnus ad Matutinum. Rerum creator optime, Rectorque noster aspice, Nos a quiete noxia Mersos sopore libera. Te sancte Christe, poscimus, Ignosce tu criminibus, Ad confitendum surgimus Morasque noctis rumpimus. Mentes manusque tollimus, Propheta sicut noctibus Nobis gerendum praecipit, Paulusque gestis censuit. Vides malum quod gessimus, Occulta nostra pandimus, Preces gementes fundimus, Demitte quod peccavimus. DOCE S. Ambrosius. 15- Morgenlied. Allgütger Schöpfer aller Welt, Schau, Lenker, her vom Himmelszelt, Heb von uns trägen Schlummers Laſt, Erweck uns aus zu langer Raft. Wir flehen, Christ, um deine Huld, Vergieb uns unsrer Sünden Schuld, Die wir bekennen in der Nacht, Wenn wir vom Schlafe sind erwacht. Sieh Herz und Hand zu dir gekehrt Bei Nacht, wie der Prophet gelehrt, Der so zu thun uns giebt den Rath, Und wie es Paulus ſelber that. Dir sind all unsre Sünden kund, Und gern gesteht sie unser Mund. Mit Seufzen flehen wir dich an: Erlaß uns, Herr, was wir gethan. 3900€ 16- Hymnus matutinus. Ales diei nuntius Lucem propinquam praecinit; Nos excitator mentium Iam Christus ad vitam vocat. Auferte, clamat, lectulos, Aegro sopore desides, Castique recti ac sobrii Vigilate: iam sum proximus. Iesum ciamus vocibus Flentes, precantes, sobrii: Intenta supplicatio Dormire cor mundum vetat. Tu Christe, somnum discute; Tu rumpe noctis vincula, Tu solve peccatum vetus, Novumque lumen ingere. Aurelius Prudentius Clemens. - 17- Morgenlied. Des Tages Herold ruft, der Hahn, Und zeigt des Lichtes Nahen an; Uns weckt zum neuen Lebenslauf Christus der Geist- Erreger auf. Erhebt euch, ruft er, aus der Rast, Die träge Schlafsucht noch umfaßt. Seid nüchtern, seid gerecht und rein Und wacht, denn Ich will bei euch ſein. So laßt uns Christi Gunst erflehn, Mit Weinen nüchtern vor ihm stehn: Der Bitten Innigkeit allein Mag unser Herz von Schlaf befrein. Bezwinge, Christ, des Schlafes Macht, Die Feßeln brich der alten Nacht, Entbind uns der ererbten Schuld Und schenk uns neuen Lichtes Huld. 18- Hymnus Ambrosianus. Te Deum laudamus, Te Dominum confitemur, Te aeternum patrem Omnis terra veneratur. Tibi omnes angeli, tibi coeli Et universae potestates, Tibi Cherubim et Seraphim Incessabili voce proclamant: Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth! Pleni sunt coeli et terra Maiestate gloriae tuae. Te gloriosus apostolorum chorus, Te prophetarum laudabilis numerus, Te martyrum candidatus Laudat exercitus. Te per orbem terrarum Sancta confitetur ecclesia, Patrem immensae maiestatis, Venerandum tuum verum unicum filium, Sanctum quoque paracletum spiritum. Tu rex gloriae Christus, Tu patris sempiternus es filius, Tu ad liberandum suscepisti hominem, Nee horruisti virginis uterum. 19 Der Ambrosianische Lobgesang. Herr Gott, Dich loben wir, Dich Herr, bekennen wir, Dich ewigen Vater Verehrt von Pol zu Pol die Welt. Dir rufen die Engel, Dir die Himmel, Dir die Gewalten allzumal, Dir Cherubim und Seraphim Mit nieverhallender Stimme zu: Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde füllt Die Größe Deiner Herrlichkeit. Dich preist der Apostel glorreicher Chor, Dich der Propheten gottseelige Schar, Dich der Märtyrer Verklärtes Geleit. Ueber den weiten Kreiß der Erde Bekennt die heilige Kirche Dich, den Vater unermeßlicher Herrlichkeit, Deinen erhabenen wahren eingebornen Sohn, Und den heiligen Geist unsern Tröster. Du König der Herrlichkeit, Christus, Bist des Vaters unerschaffener Sohn; Du unternahmst die Menschen zu erlösen Und verschmähtest den Schooß der Jungfrau nicht. - 20Tu devicto mortis aculeo Aperuisti credentibus Regna coelorum. - Tu ad dexteram Dei sedes In gloria patris; Judex crederis esse venturus. Te ergo quaesumus: Tuis famulis subveni, Quos pretioso sanguine redemisti. Aeterna fac cum sanctis tuis Gloria munerari. Salvum fac populum tuum, domine, Et benedic haereditati tuae, Et rege eos et extolle illos Usque in aeternum. Per singulos dies benedicimus te, Et laudamus nomen tuum In saeculum et in saeculum saeculi. Dignare, domine, die isto Sine peccato nos custodire. Miserere nostri, domine, Miserere nostri. Fiat misericordia tua super nos Quemadmodum speravimus in te. In te, domine, speravi, Non confundar in aeternum. - 21- Du besiegtest den Stachel des Todes Und erschloßest den Gläubigen Die Reiche der Himmel. Du sigest zur Rechten Gottes In des Vaters Herrlichkeit; Einst sollst du kommen die Welt zu richten. So bitten wir dich: Hilf deinen Erlösten, Ter Die dein kostbares Blut erkaufte. Laß sie mit Deinen Heiligen Des ewigen Ruhms genießen. Gieb Deinem Volke Heil, o Herr, Und segne Dein Erbtheil, Pflege sie und erhebe sie In Ewigkeit. Wir segnen Dich Tag für Tag, Und loben deinen Namen In Ewigkeit und in der Ewigkeiten Ewigkeit. Geruhe, Herr, uns diesen Tag Vor allen Sünden zu beschüßen. Erbarme Dich unser, Herr, Erbarme Dich unser. Deine Milde laß ergehen über uns Gleich wie wir auf Dich vertraut haben. Auf Dich hab ich vertraut, o Herr, Laß mich nicht zu Schanden werden ewiglich. 22 Hymnus vespertinus. O lux beata trinitas Et principalis unitas, Iam sol recedit igneus: Infunde lumen cordibus. Te mane laudum carmine, Te deprecamur vesperi, Te nostra supplex gloria Per cuncta laudet saecula. S. Ambrosius. 23- Abendlied. Dreieinigkeit, holdselger Schein, In drei Personen Eins allein; Die Sonne stralt uns länger nicht: In unsre Herzen geuß Dein Licht. Wir preisen Dich zur Morgenstund, Am Abend preist Dich unser Mund; Von Ewigkeit zu Ewigkeit Sind Preis und Ehre Dir geweiht. 24 - Hymnus ad Completorium. Christe, qui lux es et dies, Noctis tenebras detegis, Lucisque lumen crederis. Lumen beatum praedicans. Precamur sancte domine, Defende nos in hac nocte, Sit nobis in te requies, Quietam noctem tribue. Ne gravis somnus irruat, Nec hostis nos surripiat, Nec caro illi consentiens Nos tibi reos statuat. Oculi somnum capiant, Cor ad te semper vigilet, Dextera tua protegat Famulos qui te diligunt. Defensor noster aspice, Insidiantes reprime, Guberna tuos famulos, Quos sanguine mercatus es. Memento nostri, domine, In gravi isto corpore, Qui es defensor animae, Adesto nobis domine. S. Ambrosius. 25 Abendlied. O Christ, du bist der lichte Tag, Der durch die Finsternisse brach; Du bist des Lichtes lichter Schein, Sein selger Glanz bist Du allein. Wir flehn, erhabner Herr, zu Dir: Behüte diese Nacht uns hier. In Dir verleih uns sanfte Ruh, Daß uns die Nacht nicht Schaden thu. Ein schwerer Schlaf bedrück uns nicht, Der Seele Feind berück uns nicht: Das Fleisch, zu gern ihm unterthan, Verleit er nicht von Deiner Bahn. Dieweil das Auge Schlummer deckt, Sei stäts zu Dir das Herz erweckt, Und mächtig schüße Deine Hand Die Dir in Liebe sind entbrannt. Beschüßer unser, steh zur Wacht, Bezwinge der Verführer Macht, Nimm Deine Gläubigen in Hut, Für die am Krenze floß Dein Blut. Steh, Herr, uns bei mit Deiner Kraft, In dieses trägen Leibes Haft: Der unsrer Seelen Schußherr bist, Verlaß uns nicht, Herr Jesu Christ! - 2 - 26- Hymnus de Adventu Domini. Veni redemptor gentium, Ostende partum virginis, Miretur omne saeculum: Talis partus decet Deum. Non ex virile semine, Sed mystico spiramine Verbum Dei factum est caro, Fructusque ventris floruit. Alvus tumescit virginis, Claustra pudoris permanent, Vexilla virtutum micant, Versatur in templo Deus. Procedens thalamo suo, Pudoris aula regia, Geminae gigas substantiae Alacris ut currat viam. Egressus eius a patre, Regressus eius ad patrem, Excursus usque ad inferos, Recursus ad sedem Dei. Univ.- Bibl. Glessen - 27- - Adventlied. Komm, Völkerheiland, Jesu Christ, Der von der Magd geboren ist; Erstaunt gestel die Welt es ein: Der Ursprung ziemte Gott allein. Dir blieb des Mannes Same fern: Geheimnissvoll vom Geist des Herrn Ist Gottes Wort zu Fleisch gediehn, Als Leibesfrucht uns zu erblühn. Der Schooß erschwoll der Jungfrau rein, Verschloßen blieb der Keuschheit Schrein. Weit glänzt der Tugend Kriegspanier; Gott weilt in seinem Tempel hier. Tritt aus dem Zelt nun, Bräutigam, Dem königlichen Hof der Scham, Ein Riese doppelter Gestalt Strebst du zum Ziel mit Siegsgewalt. Vom ewgen Vater giengst Du aus; Nun kehrst Du zu des Vaters Haus. Zur Hölle siegreich gieng Dein Lauf, Zu Gottes Thron nun schwing Dich auf. - 28 Acqualis aeterno patri Carnis tropaeo accingere, Infirma nostri corporis Virtute firmans perpetim. Praesepe iam fulget tuum Lumenque nox spirat novum, Quod nulla nox interpolet Fideque iugi luceat. Gloria tibi Domine, Qui natus es de virgine Cum patre et sancto spiritu In sempiterna saecula. S. Ambrosius. 29 Dem ewgen Vater gleich an Macht Hast Du das Fleisch zunicht gemacht, Uns dauernd mit der Tugend Kraft Gestärkt in schwachen Leibes Haft. Schon glänzt uns Deine Krippe licht, Ein neuer Schein die Nacht durchbricht, Und keine Macht bezwingt ihn mehr: Des Glaubens Licht stralt hell und hehr. Gelobt sei, Heiland, immerdar, Den einer Jungfrau Schooß gebar; Du Vater auch und heilger Geist In Ewigkeit seid hochgepreist. - 30- - De Adventu Domini. Est virgo coeli rore Repleta desuper, Cui par in decore Non datur mulier; Hanc veneremur ore Et sanctis moribus Et sauciis amore Divino cordibus. Novum summus creavit In terris dominus: Virgo virum portavit Castis visceribus, Qui, sicut nunciavit De coelo Gabriel, Geret post regem David Sceptrum in Israel. Finis appropinquabat Iam novem mensium, Et virginis instabat Nunc puerperium: Cum subito describi Augustus imperat Orbem totum, quem sibi Roma subiecerat. - 31- Adventlied. Dich, Jungfrau, übergoßen So ganz von Himmelsthau, Von Liebesreiz umfloßen Wie feine andre Frau, Soll reiner Wandel ehren, Und nicht der Mund allein: Es muß das Herz verzehren Göttlicher Liebe Pein. Wie neue Wunderdinge Nun Gott der Herr ersann! Die keusche Jungfrau bringe Zur Welt den theuern Mann, Der, wie ihr anzusagen Gesandt ward Gabriel, Das Scepter einst soll tragen Davids in Israel. Bald füllten sich die Zeiten Und nahe war der Tag, Da der nun Gott Geweihten Das Kind im Schooße lag, Als all die Völker zählen August der Kaiser ließ Soweit sich Roms Befehlen Dienstbar die Welt erwies. 32 - Mox Ioseph festinabat Promptus in Bethlehem; Inde nam numerabat Suam progeniem. Sponso pudico comes It mater Numinis, Quam nullus unquam fomes Infecit criminis. O urbium cunctarum Regina Bethlehem! Exsurge tam praeclarum Visura hospitem. Quidquid palatiorum Apud te splendicat, Id omne iam coelorum Rectori pateat. Di Daturae filium, Vel unius diei Det diversorium. Daivale Sed heu! hac urbe tota Quaerunt hospitium; Nec mente tam devota Est ullus civium, Ut virgini, mox Dei Cogunt ut ruinosa Adirent stabula, Haec Deo pretiosa Dabant cunabula; 33 Da zog auf kurzen Bahnen Joseph gen Bethlehem, Weil seines Stammes Ahnen Dort all gewohnt vordem. Der keusche Jüngling führte Die Gottgebärerin, Die Sünde nie berührte, Als Braut mit sich dahin. O Bethlehem, zu preisen Der Städte Königin, So hehrem Gast erweisen Sollst du ergebnen Sinn: Wieviel du Prachtgebäude Siehst ragen himmelan, Die sei'n der Himmelsfreude Gebieter aufgethan. Doch ach, vergebens spähn sie Nach Obdach in der Stadt, Der Bürger keinen sehn sie, Der ein Erbarmen hat, Der Aufenhalt gewähren Der Magd will einen Tag, Daß Gottes Sohn gebären Bei ihm die Reine mag. Man weist sie, wie zum Spotte, Ins alte Stallgebäud, Da ists, wo man dem Gotte Die stolze Wiege beut. 2* - 34- - Paupertas gloriosa, Tu quantum es homini Vilissimo perosa, mandi Tam grata es Numini.2 Adeste posterorum d Adae reliquiae, 19d immo Gaudete gaudiorumdi Quidquid est undique. u 1909 En prodit exoptatus Tam diu gentibus, i ir ndë Succurrere paratus Cunctis languentibus. ber - - 35- Glorreiche Armut, widrig Den Menschen, selbst dem Knecht Und wär er noch so niedrig, Der Gottheit bist Du recht! Ihr All aus Adams Blute, Kommt her und betet an, Mit freudenvollem Muthe Laßt uns dem Knaben nahn. Er ist es, den mit Sehnen Erharrt die alte Zeit: Er trocknet alle Thränen, Er lindert alles Leid. 36- De Adventu Domini. Vox clara ecce intonat, com ind Obscura quaeque increpat: haud si Pellantur procul somnia, hand Ab aethere Christus promicat. mode Mens iam resurgat torpida, 11270113 Quae sorde exstat saucia, Sidus refulget iam novum Ut tollat omne noxium. & host 80 till dull ThE sursum agnus mittitur, Laxare gratis debitum. Omnes pro indulgentia Vocem demus cum lacrymis. id moll 161 A03 1502 * 2 Secundo ut cum fulserit, 8C d HE TO BAT Mundumque horror cinxerit, Non pro reatu puniat, Sed nos pius tunc protegat.pie S. Ambrosius. 37 in Adventlied. Hört was die helle Stimme spricht, Die durch die Finsternisse bricht: edo Erwacht, ihr Trägen, schlaft nicht mehr, Schon nahet Christus himmelher. da Erstarrter Geist, ermanne dich, agić Wenn schon das Böse dich beschlich. Es leuchtet nun ein neuer Stern bie Und hält Verderben von dir fern. Vom Himmel ward das Lamm geschickt, Das löst die Schuld, die dich umstrickt. Mit Thränen laßt uns Alle flehn, Daß Gnade mög an uns ergehn. Daß, wenn er einst hernieder schwebt Und alle Welt vor Schrecken bebt, Er uns nicht strafe nach der Schuld, Nein gnädig schüße seine Huld. - 38- Hymnus de Nativitate Domini. A solis ortus cardine Ad usque terrae limitem Christum canamus principem, Natum Maria virgine. Beatus auctor saeculi Servile corpus induit, Ut carne carnem liberans Non perderet, quos condidit. Castae parentis viscera Coelestis intrat gratia: Venter puellae baiulat Secreta, quae non noverat. Domus pudici pectoris Templum repente fit Dei: Intacta, nesciens virum Verbo concepit filium. Enixa est puerpera Quem Gabriel praedixerat, Quem matris alvo gestiens Clausus Joannes senserat. 39 Von des Herrn Geburt. Vom Aufgang bis zum Niedergang Erschalle Preis und Lobgesang Dem Herrn der Welt, Herrn Jesu Christ, Der aus Marien geboren ist. Der aller Welten hat Gewalt Hüllt sich in niedern Knechts Gestalt, Das Fleisch im Fleische zu befrein; Sollt Keiner ihm verloren sein. Die Mutter frei von aller Schuld Nimmt in sich auf des Himmels Huld; Ein ungeahnt Geheimniss liegt Im Schooß der reinen Maid gewiegt. Zum Tempel wählte Gott mit Luſt Das Heiligthum der keuschen Bruſt: Durchs Wort empfieng sie wunderbar, Die unberührt vom Manne war. Geboren hat ihn nun die Magd, Den Gabriel vorhergesagt, Den hüpfend schon im Mutterschooß Johannes fühlte hehr und groß. 40- Foeno iacere pertulit, Praesepe non abhorruit, Parvoque lacte pastus est, Per quem nec ales esurit. Gaudet chorus coelestium Et angeli canunt Deo, Palamque fit pastoribus Pastor, creator omnium. -0-0-0-0-0-0Coelius Sedulius. 41 - Des schlechten Heus nicht schämt er sich, Der Krippe selbst bequemt er sich, Ein wenig Milch den Gott ernährt, Der auch dem Vogel Kost bescheert. Des Himmels Heerschar jauchzt empor, Dem Herrn lobsingt der Engel Chor, Und Hirten wird er offenbar, pit Der aller Hirt und Schöpfer war. -0-0-0-0-0-0 42 De Nativitate Domini. Christe, redemptor gentium, De parte patris unice, Solus ante principium Natus ineffabiliter. Tu lumen, tu splendor patris, Tu spes perennis omnium, Intende quas fundunt preces Tui per orbem famuli. Memento rerum conditor, Nostri quod olim corporis Sacrata ab alvo virginis Nascendo formam sumpseris. Testatur hoc praesens dies Currens per anni circulum, Quod solus e sinu patrisdog Mundi salus adveneris. full JR Hunc astra, tellus, aequora, o Hunc omne quod coelo subest, Gull Salutis auctorem novae I m Novo salutet cantico. Nos quoque qui sancto tuo Redempti sumus sanguine Ob diem natalis tui Hymnum novum concinimus. S. Ambrosius. - 43 Von des Herrn Geburt. O Christus, der die Welt befreit, Dem Vater gleich an Herrlichkeit, Der eh die Welt erschaffen war Geheimnissvoll den Sohn gebar. O Du des Vaters Glanz und Licht, Der Menschen stäte Zuversicht, Erhöre Deiner Diener Flehn, Die heute bittend vor Dir stehn. O Allerschaffer, denk daran, Du nahmest unsern Leib einst an, Da aus dem Schooß der reinen Magd Dir menschliche Geburt behagt. Der heutge Tag soll Zeuge sein, Daß Du die Menschheit zu befrein Herab vom Schooß des Vaters kamſt Und Menschenbildung an Dich nahmst. So preise Himmel, Erd und Meer, Und aller Erdenbürger Heer Den Tag, der Dich uns hat gebracht, Mit frohem Schall, aus aller Macht. Auch wir, die durch Dein heilig Blut Erkauft sind von des Feindes Wuth, Begrüßen durch ein neues Lied Den Tag, Herr, der Dich uns beschied. - 44 De Nativitate Domini. Agnoscat omne saeculum Venisse vitae praemium, Post hostis asperi iugum Apparuit redemptio. Esaias quae cecinit Completa sunt in virgine, Annunciavit angelus, Sanctus replevit spiritus. Maria ventre concipit Verbi fidelis semine: Quem totus orbis non capit Portant puellae viscera. Radix Iesse floruit Et virga fructum edidit: Foecunda partum protulit Et virgo mater permanet. Praesepe poni pertulit Qui lucis auctor exstitit, Cum patre coelos condidit, Sub matre pannos induit. 45Von des Herrn Geburt. Hörs alle Welt im Freudenton, Gekommen ist des Lebens Lohn, Von unsers Feindes Grimmigkeit Ist uns Erlösung nun bereit. Was einst Jesaias sang verhüllt Hat in der Jungfrau sich erfüllt, Was ihr der Engel fund gemacht, Das hat der heilge Geist vollbracht. Marias Schooß empfangen hat Von des urewgen Wortes Saat, Der zarten Jungfrau Busen hält an Den nicht umfaßt die ganze Welt. 1 Die Wurzel Jesse wunderbar zibad Trieb Blüthen, brachte Früchte gar; Die Magd ward fruchtbar und gebar, Und blieb doch Jungfrau immerdar. Der Krippe Bett verschmäht er nicht, Der einst erschaffen hat das Licht, In Windeln lauscht der Mutter Ruf, Der mit dem Vater Welten schuf. 46 Legem dedit qui saeculo, Cuius decem praecepta sunt, Dignando factus est homo Sub legis esse vinculo. —— Adam vetus quod polluit Adam novus hoc abluit, Tumens quod ille deiicit Humillimus hic erigit. Iam nata lux est et salus, Fugata nox et victa mors: Venite gentes, credite Deum Maria protulit. Venantius Fortunatus. 47 Der ihr Gesetz der Welt verlieh, Uns zehn Gebot auf Sinai, Ist Mensch geworden und genügt Selbst dem Gesetz, das er verfügt. Von Adam einst verwirktes Glück, Der neue Adam bringts zurück, Durch dessen Demuth wiederkam Was Jenes Hoffart uns benahm. Geboren ist das Licht uns heut, Der Tod besiegt, die Nacht zerstreut: So nahe, gläubger Völker Schar, Maria ists, die Gott gebar. 48 De Nativitate Domini. Corde natus ex parentis Ante mundi exordium, Alpha et 2 cognominatus, Ipse fons et clausula Omnium quae sunt, fuerunt, Quaeque post futura sunt Saeculorum saeculis. O beatus ortus ille, Virgo cum puerpera Edidit nostram salutem Foeta sancto spiritu, Et puer redemptor orbis Os sacratum protulit Saeculorum saeculis. Psallat altituto coeli, Psallant omnes angeli, Quidquid est virtutis usquam Psallat in laudem Dei, Nulla linguarum silescat, Voce et omnis consonet Saeculorum saeculis. Ecce, quem vates vetustis Concinebant saeculis, Quem prophetarum fideles Paginae spoponderant 49 Von des Herrn Geburt. Du des Vaters Brust entsproßen Vor der Welt in Ewigkeit, A und O, Beginn und Ende Aller Dinge weit und breit, Die da sind und die da waren, Die da werden mit der Zeit Immerdar in Ewigkeit. Selig preisen wir die Stunde, Wo die Jungfrau sündenbar Von dem heilgen Geist beschattet Segen uns in Ihm gebar, Und der Welt sein süßes Antlitz Stralte, der ihr Heiland war Immerdar in Ewigkeit. Jauchzt, ihr Himmel in der Höhe, Jauchzt, ihr lichten Engelreihn, Weihe Preis und Lob dem Herren Was Ihm Preis vermag zu weihn, Keine Zunge stock und schweige, Stimmet alle Stimmen ein Immerdar in Ewigkeit. Den im grauen Alterthume Schon der Seher Mund besang, Der in Liedern der Propheten War voraus verfündigt lang, 3 50 - Emicat promissus olim, Cuncta collaudent eum Saeculorum saeculis. Te senes et te iuventus, Parvulorum te chorus, DR pake Turba matrum virginumque, S Simplices puellulae Go 100 Voce concordes pudicis Perstrepant concentibus Saeculorum saeculis. HA Aurelius Prudentius Clemens. — - 51- Der Verheißne ist erschienen: d Feiert Ihn mit Sang und Klang Immerdar in Ewigkeit. Frohe Jugend, greises Alter, T Säugling an der Mutter Bruſt, Schöne Jungfraun, würdge Frauen, Mägdlein kaum der Welt bewust, Singt Ihm all aus reinen Herzen Eurer Jubellieder Lust Immerdar in Ewigkeit. 52De Nativitate Domini. Puer natus in Bethlehem Unde gaudet Ierusalem. Hic iacet in praesepio, Qui regnat sine termino. Cognovit bos et asinus Quod puer erat dominus. Reges de Saba veniunt, Aurum, thus, myrrham offerunt. De matre natus virgine Sine virili semine. Sine serpentis vulnere De nostro venit sanguine. In carne nobis similis, p Peccato sed dissimilis. Ut redderet nos homines th Deo et sibi similes. In hoc natali gaudio do ma Benedicamus domino, 11072) Laudetur saneta Trinitas, pili Deo dicamus gratias. 199 53 Von des Herrn Geburt. Ein Kind gebar uns Bethlehem, Des freuet sich Jeruſalem. In dieser Krippe liegt er bloß, i Des Reich soll währen endelos. Der Esel fühlt es und das Rind, Der Herr der Welt sei dieses Kind. Aus Saba bringen Könge drei Ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold herbei. Geboren ist er von der Magd, Der Mannesliebe nie behagt. Vom Biß der Schlange blieb in Hut, Der doch von unserm Fleisch und Blut. Uns allen gleich an Sinnlichkeit Ist er von Sünde doch befreit. Gern macht' Er alle Menschen gleich Sich und dem Herrn im Himmelreich). An diesem frohen Weihnachtstag Lobpreise Gott wer preisen mag. Der heiligen Dreifaltigkeit, Dem Herrn sei Lob und Dank geweiht. 54 De Nativitate Domini. dan? Quem pastores laudavere, Quibus angeli dixere: A SIG Absit vobis iam timere!! Si alk Natus est rex gloriae; HE HD Ad quem reges ambulabant,;, 19) Aurum, myrrhum, thus portabant, Haec sincere immolabant Principi victoriae. Exultemus cum Maria Et coelesti hierarchia, Iubilando voce pianon sdn Dulci cum symphonia.sil mit this e m nad ist VITSER unte mind Christo regi incarnato, Per Mariam nobis dato, i molt Accinatur hoc affato: etlinbirn 113 Laus, honor et gloria! e ardo - 55- Von des Herrn Geburt. Dem der Hirten Lieder klangen, mutt Die von Engeln Trost empfangen, Als sie sprachen: Laßt das Bangen! Kam zur Welt, der Glorie Fürst. Er, zu dem die Könge giengen, A Weihrauch, Myrrhen, Gold zu bringen, Reines Opfer ihm begiengen, self Welcher der Victorie Fürst. Iqtis Mit Marien ihn zu loben en Bei den Himmelsfürsten droben, Werde Jubel fromm erhoben, xdicat Stimmet lieblich All mit ein. isloh Christus, Geist zu Fleisch gediehen, Von Marien uns verliehen, 169 Dir erschallts in Melodieen:/ Ehre, Preis und Ruhm sei dein! 56 - De Nativitate Domini. Dies est laetitiae di mingg In ortu regali, da po Nam processit hodie De ventre virginalis. Puer admirabilis, Totus delectabilis In humanitate, Qui inaestimabilis Est et ineffabilis In divinitate. ths I Orto Dei filio Virgine de pura 9 525 Ut rosa de lilio to bandia bole Stupescit natura, al Quem parit iuvenculada C Natum ante saecula Conditorem rerum, Quod uber munditiae et d Dat lac pudicitiae Antiquo dierum. Ut vitrum non laeditur Sole penetrante, Sic illaesa creditur Post partum et ante. She - 57- - Von des Herrn Geburt. Freuden ist der Tag geweiht, Den uns Gott gegeben, Aus dem Schooß der reinen Maid Kommt uns ewges Leben, Kommt ein Knabe wonniglich, Dem das Antlig sonniglich Stralt im Menſchenbilde, Den die Engel grüßen all, Dem lobsingt mit süßem Schall Himmlisches Gefilde. Gottes Sohn gebiert die Maid Wie Lilien Rosen bringen, Alles rühmt es weit und breit, Staunt den Wunderdingen, Daß die Magd im Schooß ihn trägt, Der der Erde Looße wägt, Aller Dinge Rather, Ihn mit Milch der Reinigkeit Labt, der die Dreieinigkeit Ist mit Geist und Vater. Wie durch unverlegtes Glas Sonnenstralen fahren, Also konnte, die genas, Reinigkeit bewahren. 3* - - 58- Felix haec puerpera, Cuius casta viscera Deum genuerunt, Et beata ubera In aetate tenera Christum lactaverunt. Angelus pastoribus Iuxta suum gregem Nocte vigilantibus Natum coeli regem Nunciat cum gaudio Iacentem in praesepio Infantem pannosum, Angelorum dominum Et prae natis hominum Forma speciosum. 59 Selig soll die Mutter ſein, Die aus feuschen Busens Schrein Uns den Gott geboren, Selig immerdar die Brust, Die dem Kinde war zur Lust, Uns zum Heil erkoren. Hirten bei der Heerden Wacht Künden Engelheere, Daß geboren in der Nacht Unser Heiland wäre: In der schlechten Krippe Stroh Liegt er, der die Erde froh Soll und selig machen, Liegt der Herr der Engelschar Aller Erdenmängel bar, Lieblich ist sein Lachen. Setela <- 60— De Nativitate Domini. In Bethlem transeamus jugn? Amoris gressibus, modelis 10 Et natum videamus IR GD Mentis excessibus, sthimsful tike Eia eia mentis excessibus. pis pr A saeculis optate, is daljno Iesu dulcissime, dux is issue Cunctis desiderate, illo moll Salve gratissime! tie nomme10189 Ergo Rex saeculorum, bad 2 Creator omnium, 96 Tb Rex terrae, Rex coelorum in Fit frater hominum. du ha Si regis heic maiestas, sil 082 Ubi sunt famuli, na 15tass#R mi? si@ Aula, thronus, potestas Et stratum lectuli? lis film HC Huc amor te vocavit od 14 die Humani generis, dai2 pruun( 3) Huc mei reclinavit Te noxa sceleris. - 61- Von des Herrn Geburt. Laßt auf der Liebe Füßend n Gen Bethlehem uns ziehn, Das Kindlein zu begrüßen Mit lustberauschtem Sinn, Eia eia mit lustberauschtem Sinn. Erfleht seit tausend Jahren, Mein Jesu süß und lind, Von aller Völker Scharen, Willkommen Gottes Kind! Der durch sein mächtig Werde Erschuf der Sterne Reihn, Den Himmel und die Erde Will unser Bruder sein. Wo ließest, Herr der Welten, Du Scepter, Kron und Macht? Die Diener sind Dir selten, Du mangelst aller Pracht. Dich hat hieher gerufen Erbarmung, Lieb und Huld, Von Deines Thrones Stufen Stiegst Du um unsre Schuld. 62Infantis heic amorem Omnes attendite Et grates et honorem Coelo rependite. Quid tantae caritati, Quid Iesu deferam? Ah! quid humanitati Tuae nunc referam? Pro stabulo me dedo, Corpus pro stramine, Cor pro praesepi cedo Et pro solamine. O verbum incarnatum, Rerum principium, Pro me humiliatum Velut mancipium! Eia eia velut mancipium! 63- So kommt herbei und neiget Dem Kind euch allzumal, Dem Himmel Dank erzeiget Der Gnaden ohne Zahl. Wie kann ich, Herr, erwiedern Was Du mir Liebes thust? Daß Du in Menschengliedern In dieser Krippe ruhst! Nimm mich zur Ruhestätte, Kehr ein in meiner Bruſt, Und nimm mein Herz zum Bette, Darin Du ruhst mit Luſt. O Wort, Beginn der Dinge, Das Welten schuf dereinst, Wie Du für mich geringe, In Knechtsgestalt erscheinst! Eia eia in Knechtsgestalt erscheinſt! - 64- De Nativitate Domini. Resonet in laudibus was 63 Cum iucundis plausibusl Sion cum fidelibus. Apparuit, apparuit Quem genuit Maria! Natus est Emanuel, Quem praedixit Gabriel, Testis est Ezechiel. Apparuit, apparuit Quem genuit Maria! Natus est rex gloriae De Maria virgine, Non virili semine. Apparuit, apparuit Quem genuit Maria! Pueri concinite, c Nato regi psallite, Voce pia dicite: Apparuit, apparuit Quem genuit Maria! <- 65 Von des Herrn Geburt. Töne, Sion, Lobgesang, at ni Joonest Daß der Freude Feierklang novi mu Schalle weit die Welt entlang. Erschienen ist, erschienen ist Den uns gebar Maria. quo nole 380 ENDA Kam zur Welt Emanuel, Den verkündigt Gabriel, ibang mon So bezeugt Ezechield 29 siesT Erschienen ist, erschienen ist Den uns gebar Maria. Kam der Fürst der Herrlichkeit, a Ihn gebar die reine Maid she st Ohne Mann, in Züchtigkeit. i nok Erschienen ist, erschienen ist sqqA Den uns gebar Maria.mon Knaben singt, wir singen schon, in Dem gebornen Königssobn Lobgesang in frommem Ton. Erschienen ist, erschienen ist Den uns gebar Maria. 66 - Sion lauda dominum, ut pois Salvatorem hominum, Lavatorem criminum. Thi Apparuit, apparuit Quem genuit Maria. udź NE DE hing) T Qui regnat in aetheren 192 Venit ovem quaerere, Nullum volens perdere. di lines Apparuit, apparuitione Quem genuit Maria. 3 Ergo nostra conciono malo De hoc tanto gaudio 4 tpis Benedicat domino.due protondos Apparuit, apparuit mitr Quem genuit Maria! Deo patri sit gloria, Natoque victoria, ndo Laus sancto paracleto! Apparuit, apparuit Quem genuit Maria! monft 1600 113 1000 T 67 Sion, stimme preisend eind nois Jhn, den Herrn und Heiland dein, Der uns wäscht von Sünde rein... Erschienen ist, erschienen iſt A Den uns gebar Maria. Der im Himmel hehr gebeut, 100 Kam die Lämmer suchen heut, the Weil ihn Eins zur missen reut. Erschienen ist, erschienen ist k Den uns gebar Maria. Solcher Wonne frohbewust en ond Singt die Kirche Dir mit Lusti Lobgesang aus voller Brust.ibonoll Erschienen ist, erschienen ist Den uns gebar Maria. Ruhm und Preis Gott Vater Dir, Dir Gott Sohn des Sieges Zier, Gott den Geist, dich loben wir. Erschienen ist, erschienen ist Den uns gebar Maria. - 68- De Nativitate Domini. Cur relinquis, Deus, coelum Et in terrae venis coenum? An exspectas hic amores? An requiris hic honores? Nescit mundus te amare, Nescit mundus honorare In maligno positus. Iesu, qui in casa friges, Omnibusque membris riges, Fuge patens ventis tectum. Madidumque nive lectum: En, me totum do in lectum Et cor meum do in tectum, Quo quiescas melius. Ardet meum cor amore, Hine fovebis te calore, Tuque me fovebis magis Et amore inflammabis, Nam es amor et es ignis, Qui inflammas sine lignis. Corda te amantium. - 69 Bei des Herrn Geburt. Was verließest Du die Himmel, Gott, und kamst ins Weltgetümmel? Denkst Du Liebe hier zu finden? Willst Dich Ehren unterwinden? Ach, die Welt kann Dich nicht ehren, Kann Dir Liebe nicht gewähren, Sie, die so im Argen liegt. Jesu, der Du frierst im Stalle, Dem die Glieder zittern alle, Flich dieß Dach, das winddurchstürmte, Das Dein Bett vor Schnee nicht schirmte: Wähle mich zur Wohnungsstätte, Nimm mein Herz zu Deinem Bette, Das Dir beßre Ruh verspricht. Meines Herzens Liebesbrennen Wird auch Dich erwärmen können; Und noch wärmer wirst Dus machen, Heißre Flammen noch entfachen: Bist Du selbst doch Lieb und Feuer, Glühst Du doch mit immer neuer Gluth im Herzen, das Dich liebt. 70- Eia veni ignis, Deus! Eia, veni amor meus, Subi cordis mei tectum, Ubi stravit amor lectum, Quo nos simul quiescamus adible Et aeterna diligamus Mutuis amoribus. iar cumi SO DOOGE in 2 71 Komm denn Gott, mein heiß Verlangen, Laß mich, Feuer, Dich empfangen, Komm zu meines Herzens Stätte, Wo Dir Liebe schmückt das Bette: Beide ruhn wir da zusammen, og Wechselseitger Liebe Flammen 19 Anzuschüren ewiglich, auditorus Antal DOOGE -- 72- Mater cum filio. Parvum quando cerno Deum Matris inter brachia, Colliquescit pectus meum Inter mille gaudia. Gestit puer, gestit videns Tua, mater, viscera, Puer ille dum subridens Mille figit oscula.com Puro qualis in lucenti Sol renitet aethere, Talis puer in lactanti Matris haeret ubere. Talis mater speciosa Eminet cum filio, Qualis ros in molli rosa, 1542 Viola cum lilio. 19 Se Inter sese tot amores, Tot alternant spicula, Quot in pratis fulgent flores, f Quot in coelo sidera. O! ut una ex sagittis, Dulcis o puerule! Quas in matris pectus mittis, Cadat in me, Jesule! 03C00 73- Die Mutter mit dem Kinde. Seh ich in der Mutter Armen Ruhn den kleinen Gott der Welt, Bis zum Schmelzen mir erwarmen Will das Herz, das Freude schwellt. Hüpfend schaut der Himmelsknabe, Hüpfend, Mutter, deine Brust, Lächelnd langt er nach der Labe, Küsst dich tausendmal mit Luſt. Wie durch reine Himmelsbläue Sonne Stralen leuchten läßt, 103 Also saugt sich der getreue Knab am Mutterbusen ſest.UAL Mit dem Knaben auf dem Schooße Ist so schön die holde Fraud Wie der Thau im Kelch der Rose, Lilienweiß bei Veilchenblau.dor V Soviel Küsse wechseln Beide, 19 Liebespfeile her und hin Als mit Blumen prangt die Weide, Als am Himmel Sterne ziehn. daß einer von den Pfeilen, Die du Knabe zart und rein Schickst der Mutter Brust zu theilen, Mich durchdränge, Jesulein! > 007 30c 03 Co 4 - 74- Iesus in praesepio. Altitudo, quid hic iaces In tam vili stabulo? Qui creasti coeli faces Alges in praesepio. O quam mira perpetrasti, Jesu, propter hominem! Tam ardenter quem amasti Paradiso exulem. Fortitudo infirmatur, Parva fit immensitas; Liberator alligatur, Nascitur aeternitas. O quam mira perpetrasti, Jesu, propter hominem! h Tam ardenter quem amasti Paradiso exulem. Premis ubera labellis, Sed intactae virginis, Ploras uvidis ocellis Coelum replens gaudiis. O quam mira perpetrasti, Jesu, propter hominem! Tam ardenter quem amasti Paradiso exulem. -- 75- Jesus in der Krippe. Allerhabner, hier im Stalle Magst Du, in dem niedern, ruhn? Schufft des Himmels Feuer alle, In der Krippe friert dich nun. Was du Alles doch vollendest Um den Menschen, Jesu Christ, Wie du heiße Lieb ihm spendest, Der verbannt aus Eden iſt. Allmacht sehen wir entkräftet, Klein was unermeßlich groß, Unser Heil ans Kreuz geheftet, Ewigkeit auf Mutterschooß. Was du Alles doch vollendest Um den Menschen, Jesu Christ, Wie du heiße Lieb ihm spendest, Der verbannt aus Eden ist. Deine zarten Lippen saugen Unberührter Jungfrau Brust, Weinst mit thränenfeuchten Augen, Alle Himmel schauns mit Lust. Was du Alles doch vollendest Um den Menschen, Jesu Christ, Wie du heiße Lieb ihm spendest, Der verbannt aus Eden ist. 76di Mater cantans filio. siC Dormi fili, dormi! mater in163 Cantat unigenito; odpis in die Dormi puer, dormi pater, Nato clamat parvulo: Millies tibi laudes canimus, b Mille mille millies. t Lectum stravi tibi soli, Dormi nate bellule: bi Stravi lectum foeno molli: Dormi, mi animule! Millies tibi laudes canimus, Mille mille millies.si Dormi, decus et corona: Dormi, nectar lacteum: Dormi, mater dabo dona, Dabo favum melleum. de olind mibe anoth inchis blin Quidquid optes, volo dare: Dormi, parve pupule; junt junt ilh3 Tim 1663 un- blike Millies tibi laudes canimus, dugu. I Mille mille millies.ddnst Dormi, nate mi mellite, Tid Dormi, plene saccharo, Dormi, vita meae vitae, julh Casto natus utero. Millies tibi laudes canimus, sum Mille mille millies. As durims Ballk alus -- - 77- Die Mutter singt dem Kinde. Schlaf mein Sohn, die Mutter singet Dir, mein eingeboren Kind, sing') Schlaf, mir Sohn und Vater, klinget Ihr Gesang, schlaf süß und lind. Tausend Lieder singen wir, Tausend, tauſendfache dir. Schlaf im Bettchen, das ich streue, Schönes Kindchen, schlaf in Ruh, Bettchen ist von lindem Heue, sila Seelchen schließ die Aeuglein zuel Tausend Lieder singen wir, Tausend, tausendfache dir. oli offit Schlafe, du mir Zier und Krone, Schlaf, milchweißer Himmelswein, Schlaf, so reich ich dir zum Lohne Milch und mische Honig drein. ACE Tausend Lieder singen wir, oil Tausend, tausendfache dir.ali offd4 Schlaf, du selbst wie Honig eben, Süß wie Zucker mir fürwahr, Schlaf du meines Lebens Leben, Den ein feuscher Schooß gebar. Tausend Lieder singen wir, Tausend, tausendfache dir. Was du willst, soll dich erfreuen, Schlaf, mein Liebling nur in Ruh, - 78- Dormi fili, dormi carae Matris deliciolae. Millies tibi laudes canimus, Mille mille millies. Dormi, cor et meus thronus, Dormi, matris iubilum: Aurium coelestis sonus Et suave sibilum. Millies tibi laudes canimus, Mille mille millies. Dormi fili; dulce, mater, Dulce melos concinam: Dormi nate; suave pater, Suave carmen accinam. Millies tibi laudes canimus, Mille mille millies. Nequid desit, sternam rosis, Sternam foenum violis: Pavimentum hyacinthis Et praesepe liliis. Millies tibi laudes canimus, Mille mille millies. Si vis musicam, pastores Convocabo protinus; Illis nulli sunt priores, Nemo canit castius. Millies tibi laudes canimus, Mille mille millies. -0-0-0-0-0-0 79 - Schlaf, mein Söhnchen, deiner treuen Mutter Augentrost bist du. Tausend Lieder singen wir, Tausend, tausendfache dir. Schlaf, du mir zur Lust geboren, Meines Herzens Freudenthron, Himmelsklang in Mutterohren, Kind, ist deiner Stimme Ton. Tausend Lieder singen wir, Tauſend, tauſendfache dir. Schlaf, mein Kind, der Mutter Singen Tönt dir süßer Lieder Luſt, Sohn und Vater, hold erklingen Soll dir Preis aus voller Bruſt. Tausend Lieder singen wir, Tausend, tausendfache dir. Nichts gebreche, Rosen bind ich, Veilchen in das duftge Heu, Hyazinthenkränze wind ich, Lilien in der Krippe Streu. Tausend Lieder singen wir, Tausend, tausendfache dir. Willst du Flöten, vom Gefilde Ruf ich Hirten dir herbei, Niemand bläst so süß und milde, Singt so lieblich zur Schalmei. Tausend Lieder singen wir, Tausend, tausendfache dir. -0-0-0-0-0-0 - 80— De S. Ioanne Evangelista. Magna Ioannis merita Sancta promat ecclesia, Quam tenebris evacuat, Vitae verbis irradiat. Huius cor in sublimibus Sanctus suspendit spiritus, Ut profunde latentia Cernat alta mysteria. En illa felix aquila Ad escam volat avida, Quae coeli cives vegetat Et nos in vita recreat. Hie in choro tot millium Primatum tenet virginum, Fit agno sic pedissequus, Ut matris individuus. Petrus Damiani. - 81- Von Johannes dem Evangelisten. Die Kirche preist wie herrlich ist Johannes der Evangelist; Das Dunkel weist er aus ihr fort, Durchstralt sie mit des Lebens Wort. Zur höchsten Höhe hob emporal! Der heilge Geist ihm Herz und Ohr, Daß er vernehme rein und flar Was tief der Welt verborgen war. Ein selger Adler stürmtest du Der Himmelsspeise gierig zu, Die alle Gottesbürger nährt, Das ewge Leben uns gewährt. Du führst, jungfräulich immerdar, So vieler tausend Jungfraun Schar, Dem Lamme folgst du jederzeit, Der Mutter Trost und treu Geleit. 4* - 82 De Innocentibus. Salvete, flores martyrum! In lucis ipso limine Quos saevus ensis messuit, Ceu turbo nascentes rosas. Vos prima Christi victima, Grex immolatorum tener, Aram sub ipsam simplices Palma et coronis luditis. Quo proficit tantum nefas; Quid crimen Herodem iuvat? Unus tot inter funera Impune Christus tollitur. Cunae redundant sanguine, Sed in Deum frustra furit: Unum petit tot mortibus; Mortes tot unus effugit. Inter coaevi sanguinis Fluenta solus integer; Ferrum, quod orbabat nurus, Partus fefellit Virginis. 83- Von den unschuldigen Kindern. Euch Martyrblüthen, Gruß und Heil, So früh gefällt vom Henkerbeil, Da kaum euch schien der Erde Licht, Wie Sturmwind junge Rosen bricht. Ihr zarte Lämmlein weiß und klar, Des Heilands erste Opferschar, In Einfalt habt ihr noch geſpielt Mit Palm und Kronen, eh ihr fielt. Was half Herodes Grausamkeit, Der Euch so früh dem Tod geweiht? Christus entgieng dem Schwert allein, Um den ihr littet solche Pein. Aus allen Wiegen strömt das Blut, Doch fehlt den Gott des Mörders Wuth; Dem Einen gilt so Vieler Noth, Doch der entflieht vielfachem Tod. Soviel Gespielen tilgt das Schwert, Im Blute Christ steht unverſehrt; Der Mütter viel beraubt' es schon, Verschont allein der Jungfrau Sohn. - 84 Sic dira Pharaonis mali Edicta quondam fugerat, Christi figuram praeferens Moses, receptor civium. Matres, querelis parcite! Quid rapta fletis pignora? Agnum salutis obsidem Denso sequuntur agmine. Aurelius Prudentius Clemens. 85Gerettet ward auch Moses so, Da schwer ihm dreute Pharao. Der früh des Heilands Bild erschien Hat Freiheit seinem Volk verliehn. - Ihr Mütter, stellt das Klagen ein Um die geraubten Kindelein. Im langen Zug begleiten sie Das Lamm, das uns das Heil verlieh. 4444 - 86De Epiphania Domini. Hostis Herodes impie, Christum venire quid times? Non eripit mortalia Qui regna dat coelestia. Ibant magi quam viderant Stellam sequentes praeviam: Lumen requirunt lumine, Deum fatentur munere. Caterva matrum personat, Collisa deflens pignora, Quorum tyrannus millia Christo sacravit victimam. Lavacra puri gurgitis Coelestis agnus attigit: Peccata quae non detulit Nos abluendo sustulit. Miraculis dedit fidem Habere se Deum patrem, Infirma sanans corpora, Resuscitans cadavera. Novum genus potentiae: Aquae rubescunt hydriae, Vinumque iussa fundere Mutavit unda originem. Coelius Sedulius. - - 87- Erscheinung des Herrn. Herodes, arger Gottesfeind, Was fürchtest du, da Gott erscheint? Der greift die irdsche Macht nicht an, Der Gottes Reich verleihen kann. Die Weisen sehn den neuen Stern Und folgen seiner Führung gern, Beim Lichte suchen sie das Licht, Dem Herrn zu opfern scheun sie nicht. Der Mütter Menge jammert laut, Da sie der Kinder Mord erschaut, Viel tausend hat des Wüthrichs Hand Für Christus in den Tod gesandt. Zur Taufe an den Jordan kam Das unbefleckte Gotteslamm: Es wusch uns aller Sünde rein Und nahm sie hin uns zu befrein. Daß Er der Sohn des Vaters sei Zeigt er durch Wunder mancherlei, Heißt Lahme wandeln, Blinde sehn, Die Todten aus dem Grab erstehn. Und wunderbar! Auf Sein Gebot Färbt sich im Krug das Waßer roth, Die Flut verkehrt Natur und Kraft Und wird zu edelm Rebensaft. 88- Iubilus rhythmicus de Nomine Jesu. Iesu, dulcis memoria, Dans vera cordi gaudia, Sed super mel et omnia bo Eius dulcis praesentia.se if Nil canitur suavius, Auditur nil iucundius, Nil cogitatur dulcius Quam Iesus Dei filius. Nec lingua valet dicere, Nee littera exprimere, Expertus potest credere Quid sit Iesum diligere. 53 2 195, 47 hit t at 5 2 mil 1838 di mot Iesu dulcedo cordium, adil MiX It Fons vivus, lumen mentium, Excedens omne gaudium Et omne desiderium. Iesu, spes poenitentibus, Quam pius es petentibus, Hath Quam bonus te quaerentibus, Sed quid invenientibus! Qui te gustant, esuriunt, Qui bibunt, adhuc sitiunt, Desiderare nesciunt Nisi Iesum, quem cupiunt. dan 2 13 ill 7501 CX 1468 - 89- Vom süßen Namen Jeſu. Dein süßer Name, Jeſu, leiht Dem Herzen wahre Freudigkeit, Doch über Most und Honig weit Ist Deiner Nähe Süßigkeit. Es geht kein Lied so lieblich ein, Es mag kein Laut holdselger sein, So fein Gedanke Trost verleihn Wie Du Gott Sohn, Herr Jesu mein. Kein Wort genügend sich erweist Und keine Schrift es würdig preist, Nur fühlen kanns ein gläubger Geist Was es Dich Jesum lieben heißt. Dich lieben, süße Herzenspflicht, Du Lebensquell, Du Seelenlicht! Das höchste Glück vergleicht sich nicht, Der höchste Wunsch erreicht es nicht. Dem Büßer sprachst Du nimmer Hohn, Bist dem Verlangen nie entflohn; Wer Dich nur sucht, der hat Dich schon, Und wer Dich findet, welch ein Lohn! Wer Dich genießet, hungert noch, Wer von Dir trinket, dürstet noch, Wer Dich besitzt, verlanget doch Nur, Jesu, Deiner Liebe Joch. - 90- - Iesum quaeram in lectulo, Clauso cordis cubiculo, Privatim et in populo Quaeram amore sedulo. Quocunque loco fuero Mecum Iesum desidero: Quam laetus, cum invenero, Quam felix, cum tenuero. Quando cor nostrum visitas Tune lucet ei veritas, Mundi vilescit vanitas Et intus fervet caritas. Mane nobiscum Domine Et nos illustra lumine Pulsa noctis caligine Mundum replens dulcedine. Coeli cives! occurrite, Portas vestras attollite, Triumphatori dicite: Iesu salve, rex inclyte! S. Bernardus. - 91- Dich such ich auf dem Lager mein, Dich in des Herzens stillem Schrein, Im Weltgewühle wie allein Denk ich in süßer Liebe Dein. Wo ich noch stand, gieng oder saß, Sucht ich Dich, Herr, ohn Unterlaß, Wenn ich Dich fand, wie freute das, Wie selig, wenn ich Dich besaß! Kehrst Du in unsre Herzen ein, So glänzt die Wahrheit klar und rein, Uns trübt sich aller eitle Schein; Der Liebe Gluth besteht allein. O lieber Herr, bleib uns geſellt Mit Deinem Licht, das wohlgefällt, Mit holdem Schein die Nacht erhellt, Mit Süßigkeit erfüllt die Welt. Ihr Bürger Gottes, seid bereit, Erschließt des Himmels Pforten weit; Es naht der Siegeskönig, weiht Ihm Ruhm und Preis in Ewigkeit. 92.- Hymnus Quadragesimalis. Audi, benigne conditor, mag Nostras preces cum fletibus, im In hoc sacro ieiunio Fusas quadragenario. 19doin bie Scrutator alme cordium, Infirma tu seis virium, fl x2 Ad te reversis exhibet und h Remissionis gratiam. madid! RGE K Multum quidem peccavimus, Ingels Sed parce confitentibus; hi ha? Ad laudem tui nominis di dall Confer medelam languidis. Coll sin Sic corpus extra conterin ndi Dona per abstinentiam, slls Ieiunet ut mens sobria A labe prorsus criminum. id 802 ln Hots S. Gregorius Magnus. 93allom Fastenlied, unmeli Allgütger Gott, der uns erschuf, buA Vernimm der Flehnden Jammerruf, In dieser heilgen Fastenzeit od ni Sieh nieder mit Barmherzigkeit. Du schauest aller Herzen Grund, Dir ist all unsre Schwachheit fund, Erlaß dem Reuigen die Schuld hi Und nimm ihn wieder auf in Huld. Wohl vielfach haben wir gefehlt, Doch schone sein, der nichts verhehlt Und gieb zu Deines Namens Preis Uns Kraft, zu halten Dein Geheiß. Gieb, daß wir durch Enthaltsamkeit Ertödten alle Sinnlichkeit, Ho Daß die entwöhnte Seele freidol Von allen Sündenflecken sei. del# 94In Annunciatione Beatae Virginis. Fit porta Christi pervia Referta plena gratia Transitque rex et permanet Clausa ut fuit per saecula. Genus superni numinis Processit aula virginis Sponsus, redemptor, conditor Suae gigas ecclesiae. Honor matris et gaudium, Immensa spes credentium Per atra mortis pocula Resolvit nostra crimina. S. Ambrosius. 95- - Zu Mariä Verkündigung. Zur Pforte Christi ward die Maid Voll aller Gnaden Süßigkeit: ad Der König schritt hindurch und doch Blieb sie und bleibt verschloßen noch. Des höchsten Gottes Sproß erbrach Und ließ das keusche Brautgemach, Erlöser, Gründer, Bräutigam Der Kirche, der ihr Rieſe kam. Der Mutter Lust und höchste Zier, Uns Gläubgen Trost und Hoffnung hier, Hat uns von schwerer Schuld befreit Indem er trank das bittre Leid. - 96In Annuntiatione Beatae Virginis. Mittit ad virginem Non quemvis angelum, Sed fortitudinem Suam, archangelum, Amator hominis. Fortem expediat Pro nobis nuntium, Naturae faciat Ut praeiudicium In partu virginis. Naturam superat Natus rex gloriae, Regnat et imperat Et zyma scoriae Tollit de medio. Superbientium Terat fastigia, Colla sublimium Calcet vi propria Potens in proelio. Foras eiiciat Mundanum principem, Matremque faciat Secum participem Patris imperii. 97Zu Maria Verkündigung. Nicht jeder Himmlische Wurde der Magd gesandt, Nur ein Gewaltiger: Seiner Erzengel schickt Einen des Menschen Freund. int. Herrlich wohl muß er sein, Den er zum Boten wählt, Daß er Gewalt will thun Ewgem Naturgeſetz Bei der Geburt des Sohns. Bezwingen soll die Welt Des Ruhms geborner Fürst, König und Herrscher sein Und mit der starken Hand Dämmen der Sünde Pfuhl. Soll von dem stolzen Thron de Stürzen den Uebermuth Und mit des Fußes Macht g Nacken Gewaltiger sig Treten ein Held der Schlacht.ngo' Den Herrn der sündgen Weltor Zwing er zur Flucht in Eil, Gönne der Mutter auch Neben sich selber Theil An ihres Vaters Reich. 5 - 98Exi qui mitteris, Haec dona dissere, Revela veteris Velamen literae Virtute nuncii. Accede, nuncia, Dic Ave cominus, Die plena gratia, Dic tecum dominus Et die ne timeas Virgo suscipiens Dei depositum, In quo perficiens Castum propositum Et votum teneas. Audit et suscipit Puella nuntium, Credit et concipit Et parit filium Sed admirabilem. Consiliarium Humani generis Et Deum fortium Et patrem posteris, In fide stabilem. Qui nobis tribuat Peccati veniam, Reatus diluat Et donet patriam In arce siderum. the 9052 ande Petrus Abaelardus. 99Geh denn vom Herrn gesandt Bote so hohes Glücks, Hebe den Schleier weg Alten Verheißungen Kraft deines Heroldsamts. Nah ihr, Verkündiger, Sprich: O gegrüßet ſei, 99 Sprich: Du der Gnaden voll, " Sprich:„ Der Herr ist mit Dir, Und sprich: Nicht fürchte dich. Nimm von dem Herren an, Magd, den vertrauten Schatz: Sieh, dein Gelübde bleibt, Maidliche Reinigkeit, Heilig und unverletzt“. 99 Demüthig hört die Magd Des Himmelsboten Wort, Gläubig empfängt ſie jetzt Und sie gebiert den Sohn Wunderbar aller Welt. Der ein Berather soll Werden des Menschenheils, Selber er Mensch und Gott, Vater zukünftgem Volk, König und Friedensfürst. Der uns gewähren mag Nachlaß der Sündenschuld; Frieden verleih er auch, Gönne die Heimat uns In seiner Himmelsburg. - 100- Hymnus dominica in ramis palmarum. Gloria, laus et honor tibi sit rex Christe, redemptor, Cui puerile decus prompsit Hosanna pium. Israel tu rex, Davidis et inclyta proles, Nomine qui in domini rex benedicte venis. Coetus in excelsis te laudat coelicus omnis Et mortalis homo, cuncta creata simul. Plebs Hebraea tibi cum palmis obvia venit, Cum prece, voto, hymnis adsumus ecce tibi. Hi tibi passuro solvebant munia laudis, Nos tibi regnanti pangimus ecce melos. Hi placuere tibi, placeat devotio nostra, Rex bone, rex clemens, cui bona cuncta placent. Gloria, laus et honor tibi sit rex Christe, redemptor, Cui puerile decus prompsit Hosanna pium. S. Theodulphus. - 101- - Lied am Palmsonntag. Lob sei Dir und herrlicher Ruhm Christ, König, Erlöſer, Dem Hosannagesang schallet aus kindlichem Mund. Israels König gegrüßt und Davids erhabener Sprößling Kamst Du im Namen des Herrn, der Dich gesegnet, zu uns. Dir lobsinget der Chor glückseliger Scharen des Himmels, Dir lobsinget der Mensch, alle Geschöpfe zumal. Palmengeschmückt einst zog hebräisches Volk Dir entgegen; Wir auch nahen Dir heut singend mit Bitten und Dank. Israel weihete Dir sein Loblied, eh Du den Tod littst, Herrscher, zur Feier des Siegs schalle Dir unser Geſang. Jene gefielen Dir einst, so gefalle Dir unsere Demuth, Alles was gut ist gefällt König Dir, gütig und mild. Lob sei Dir und herrlicher Ruhm Christ, König, Erlöser, Dem Hosannagesang schallet aus kindlichem Mund. 102- Hymnus de Passione Domini. Vexilla regis prodeunt, et ma Fulget crucis mysterium, Quo carne carnis conditor Suspensus est patibulo. É Qui vulneratus insuper Mucrone dirae lanceae ist das? Ut nos lavaret crimine Manavit unda et sanguine. Impleta sunt quae concinit wurde David fideli carmine Dicens: In nationibus i Regnabit a ligno Deus! Arbor decora et fulgida, Ornata regis purpura, Electa digno stipite Tam sancta membra tangere. site Beata cuius brachiis Pretium pependit saeculi, Statera facta corporis Praedamque tulit tartaris. En Aroma fundis cortice, Vincis saporem nectaris, Iucunda fructu fertili Plaudis triumpho nobili.h 103- Von des Herrn Leiden. Des Königs Fahnen gehn hervor, Auf strebt das Kreuz zum Himmelsthor, Daran Er Fleisch geworden starb Der Leben allem Fleisch erwarb. Verwundet schaut ihn überdieß, Durch seine Seite drang der Spieß Und Waßer strömt herab und Blut: Von Sünden reinigt uns die Flut. Nun ist erfüllt was David sang In seiner Harfe treuen Klang: Vom Holz herab als seinem Thron Beherrscht die Völker Gottes Sohn. O Baum, Du glänzest hochbeglückt, Da Dich des Königs Purpur schmückt! Zu tragen so hochheilge Last Schien werth dein auserwählter Aft. An Deinen Armen, selig Holz, Hieng aller Zeiten Preis und Stolz; Als Wage wägtest Du den Gott, Der Sieg der Hölle ward zu Spott. Süßer als Neckar würzt die Luft, Der Deiner Rind entfließt, der Duft, Und froh der Frucht, die Du gebracht, Siegprangst Du wie nach blutger Schlacht. 104 Salve ara, salve victima De passionis gloria, Qua vita mortem pertulit Et morte vitam reddidit. - O crux ave, spes unica, Hoc passionis tempore, Piis adauge gratiam, Reisque dele crimina. Venantius Fortunatus. - - 105- Heil Dir Altar, Heil Opfer Dir! Des Heilands Leiden feiern wir, Wo einst der Tod das Leben nahm Und Leben aus dem Tode fam. Sei Kreuz gegrüßt, alleinger Hort, In Leidenszeit uns Hoffnungsport! Gerechten mehre Gottes Huld, Die Sündigen befrei der Schuld. 5* I - 106- In Passione Domini. Rex Christe, factor omnium, Redemptor et credentium, Placare votis supplicum Te laudibus colentium. Cuius benigna gratia Crucis per alma vulnera Virtute solvit ardua Primi parentis vincula. Qui es creator siderum Tegmen subisti carneum, Dignatus hanc vilissimam Pati doloris formulam. Ligatus es ut solveres Mundi ruentis complices, Per probra tergens crimina, Quae mundus auxit plurima. Cruci redemptor figeris, Terram sed omnem concutis; Tradis potentem spiritum, Nigrescit atque saeculum. Mox in paternae gloriae Victor resplendens culmine Cum spiritus munimine Defende nos, rex optime. S. Gregorius Magnus. - 107- - Von des Herrn Leiden. Christ, König, Schöpfer aller Welt, Zum Heil den Gläubigen bestellt, Laß Dich versöhnen unser Flehn, Die Dir lobsingend vor Dir stehn. Hat doch uns Deiner Gnade Kraft, Dein Leiden an des Kreuzes Schaft Des ersten Paars vererbte Schuld Getilgt durch Demuth und Geduld. Die goldnen Sterne schufst Du all Und lagst ein Kind im niedern Stall, Erlittest grimmen Kreuzestod Und alle Schmach, die man Dir bot. Der Feßel botest Du die Hand Und löstest unser Knechtschaft Band, Die Sünde, die die Welt beschwert, Verfühnte Deiner Tugend Werth. Man schlägt ans Kreuz Erlöser Dich, Die Erde schwankt und schüttelt sich, Aushauchst Du Deines Geistes Macht Und alle Welt deckt schwarze Nacht. Bald fährst Du auf im Siegeskleid Zu Deines Vaters Herrlichkeit: Dann send uns Deinen heilgen Geist Zur Stärkung, König hochgepreist. - 108- De Passione Domini. Pange, lingua, gloriosi Proelium certaminis Et super crucis tropaeo Die triumphum nobilem, Qualiter redemptor orbis Immolatus vicerit. De parentis protoplasti Fraude factor condolens, Quando pomi noxialis Morsu in mortem corruit, Ipse lignum tunc notavit Damna ligni ut solveret. Hoc opus nostrae salutis Ordo depoposcerat, Multiformis proditoris Ars ut artem falleret Et medelam ferret inde Hostis unde laeserat. Quando venit ergo sacri Plenitudo temporis, Missus est ab arce patris Natus orbis conditor Atque ventre virginali Caro factus prodiit. 109- Von des Herrn Leiden. Kündet, Lippen all, den hehren Kampf, der uns den Sieg errang, Das erhabne Kreuzeszeichen Feiert im Triumphgesang, Meldet wie des Welterlösers Opfertod den Tod bezwang. Ob des ersten Elternpaares Fall bekümmert, das den Tod An des Baumes Frucht gegeßen, Die ihm Sein Geheiß verbot, Wählte selber uns zum Heile Gott den Baum, den Quell der Noth. Solcher Rath, uns zu erlösen, War von Ewigkeit erdacht, Daß durch hohe List zu Falle Sei des Bösen List gebracht Und derselbe Baum die Heilung Spende, der uns wund gemacht. Als daher der heilgen Zeiten Fülle nun sich eingeſtellt, Steigt der Sohn vom Siz des Vaters, Der mit ihm erschuf die Welt, Jetzt im jungfräulichen Schooße Sich dem schwachen Fleisch gesellt. 110 Vagit infans inter arcta Conditus praesepia, Membra pannis involuta Virgo mater alligat, Et pedes manusque crura Stricta cingit fascia. - - Lustra sex qui iam peracta, Tempus implens corporis Se volente, natus ad hoc, Passioni deditus Agnus in cruce levatur, Immolandus stipite. Hic acetum, fel, arundo, Spina, clavi, lancea, Mite corpus perforatur, Sanguis unda profluit, Terra, pontus, astra, mundus Quo lavantur flumine. Crux fidelis, inter omnes Arbor una nobilis, Nulla talem silva profert Fronde, flore, germine: Dulce lignum, dulce signum Dulce pondus sustinens. 111- Weinend liegt das neugeborne Kind in enger Krippe Raum, Mit der Windel deckt die Blößen Ihm die Magd und Mutter kaum, Eng um Hand und Fuß und Schenkel Gürtet sie den Wickelsaum. Als er jetzt nach dreißig Jahren Sah vollbracht die Lebenszeit, Zu dem selber auserfornen Leiden willig und bereit Ward das Lamm ans Kreuz gehoben Und dem Opfertod geweiht. Sich hier Geißel, Kelch und Nägel, Dornenkrone sich und Sper, Sieh den Leib durchbohrt, den süßen, Sieh, ein Blutstrom fließt daher Reinzuwaschen aller Sünden Himmel, Erd und tiefes Meer. Kreuz des Heilands, unter allen Bäumen bist Du ehrenreich, Dir an Laub und Blüth und Früchten Ist kein Baum des Waldes gleich, Süße Bürde, Baum der Würde, Trägst Du allem Erdenreich. 112 - Flecte ramos arbor alta, Tensa laxa viscera Et rigor lentescat ille, Quem dedit nativitas, Ut superni membra regis Miti tendas stipite. Sola digna tu fuisti Ferre pretium saeculi, Atque portum praeparare Nauta mundo naufrago, Quem sacer cruor perunxit Fusus agni corpore. Venantius Fortunatus. 113- - Hehrer Baum, die Aeste biege, Fülle sie mit weichem Saft, Daß die Starrheit sei gemildert Deiner angebornen Kraft, Du des höchsten Königs Glieder Sanfter dehnst an deinem Schaft. Du nur warest ihn zu tragen Werth, dem unser Heil entsproß, Du an dem der Welt ein Hafen Sich, der scheiternden, erschloß, Du, gesalbt vom heilgen Blute, Das dem Opferlamm entfloß. 115 De Passione Domini. O caeli obstupescite! di biropë O gentes erubescite! O facta detestanda! Ab impiis ut reus Damnatur ipse Deus: O res abominanda! 15: 3 Sie mundu darbuia Nummis triginta venditur: min Tam parvi Deus penditur, dg 19 Rex summae maiestatis. 162 02 Discipulus venumdat; he Iudaeus hunc circumdatu Gidl Militibus armatis.slist time Deus ut latro capitur is thisto Et per plateas rapitur Circumdatus catenis! Hune vexat, vellit, ludit, Hune caleat, pulsat, trudit Obiicitur furentis Ludibriis cohortis. sa dull but m of d Servorum grex effrenis. hor di Ipsam in innocentiambil Iniquitas sententiam Profert acerbae mortis, 8C Rex caeli virulentiss dis het no 114- Von des Herrn Leiden. Erschrick und staune, himmlisch Haus, Sieh Erde schamroth, welchen Graus Die Menschheit hat begangen. O Gott selbst den höchsten Richter da Verdammen Bösewichter: Fluchwerthes Unterfangen! Verkauft um dreißig Silberling! Ei gilt denn Gott euch so gering, Der König höchster Ehre? Sein Jünger selbst verrieth ihn, paid Und Judenvolk umzieht ihn roabul Mit feilem Söldnerheere. Gleich einem Diebe greift man ihn, Durch alle Straßen schleift man ihn, Und Ketten trägt der Gute! Ihn necken, höhnen, plagen, Ihn stoßen, treten, schlagen Die Knecht in wildem Muthe. ult So thut der Ungerechten Mund Das Urtheil dem Gerechten fund, Daß sie ihn wollen morden. Des Himmelsfürsten Leben Wird da zum Spiel gegeben Der Wuth ergrimmter Horden. - 116 - Regem virtutum niveo Rex vanus tectum linteo Spernit, ut morionem; Prae mundi conditore Et vitae largitore Plebs eligit latronem! Innocens gnatus Virginis, Lapsi salvator hominis Foede diverberatur Et manibus tortorum Instar maleficorum Virgis dilaniatur! Ecce, Sionis filia! Haec specta mirabilia: En regem Salomonem Portantem diadema, Quo ornat gens blasphema Eius desponsionem. En vultum plagis lividum, En caput spinis obsitum, En latus, dorsum, pectus Largo fluit cruore: Hoc purpurae colore Rex tuus est contectus. 117- Der König aller Tugend steht Vor dem Tyrannen da, geschmäht, In weißem Kleid zum Spotte. Statt Des, der uns das Leben Und aller Welt gegeben, Den Schächer wählt die Rotte. - So muß der Jungfrau schuldlos Kind, Durch den erlöst wir Sünder sind, Der Schläge Schmach erleiden: Gleich einem Miſſethäter Zerfleischen die Verräther Ihn mit geflochtnen Weiden. Nun, Tochter Sions, schaue Du Dem wundersamen Schauspiel zu: Sieh Salomon gekrönet, Den neuen König ziehen Im Brautschmuck, ihm verliehen Vom Volk, das ihn verhöhnet. Sich bleich von Wunden sein Gesicht, Sieh, wie sein Haupt der Dorn umflicht; Aus Rücken, Brust und Seiten Kommt rothes Blut geschoßen: So purpurübergoßen Sieh deinen König schreiten! 118 De Passione Domini. Patris sapientia, og 103 Veritas divina, u od 40 Deus homo captus est de Hora matutina, A suis discipulis stel Cito derelictus Iudaeis est traditus, Venditus, afflictus. Hora prima ductus est Iesus ad Pilatum, Falsis testimoniis Multum accusatum; In collum percutiunt Manibus ligatum, Vultum Dei conspuunt, Lumen coeli gratum. Crucifige, clamitant Hora Tertiarum; Illusus induitur Veste purpurarum, Caput eius pungitur Corona spinarum, Crucem portat humeris Ad locum poenarum. At HE ME — 119 Von des Herrn Leiden. Der vom Vater uns gebracht zizis't Ewger Wahrheit Kunde, vi assins/ Gottes Sohn gefangen ward d avo Um die Morgenſtunde. Seine Jünger flohen all, tom oli Mochten ihn nicht retten, oh on An der Juden Volk verkauft vahu Schmachtet er in Ketten.s anibro V Um die erste Stunde bringt Man ihn vor Pilaten, ausal Falsches Zeugniss war erdachtale? Um ihn zu verrathen.asulul Dir die Hände banden sie, Schlugen Dich und traten, 14 Dir ins Antlig spieen sie, Fürst der Himmelsstaaten. Um die dritte, Kreuzespein Heißt das Volf Dich leiden Und in Purpur eilen sie be Dich zum Spott zu kleiden, Einer Krone Dorngeflecht Dir aufs Haupt zu drücken, Heißen selber Dich Dein Kreuz Tragen auf dem Rücken. 120Hora sexta Iesus est Cruci conclavatus - - Et est cum latronibus Pendens deputatus, Prae tormentis sitiens Felle saturatus, Agnus crimen diluit Sic ludificatus. Hora nona dominus Iesus exspiravit, Heli clamans animam Patri commendavit, Latus eius lancea Miles perforavit; Terra tunc contremuit Et sol obscuravit. De cruce deponitur Hora vespertina, Fortitudo latuit In mente divina. Talem mortem subiit Vitae medicina: Heu corona gloriae Iacuit supina. Hora completorii Datur sepulturae Corpus Christi nobile, Spes vitae futurae, - 121 Um die sechste Stunde wird Christ ans Kreuz geheftet, Wo er zwischen Schächern hängt Blutend und entkräftet. Da ihn dürstet in der Noth Tränkt man ihn mit Galle: So verspottet tilgt das Lamm Unsre Sünden alle. Um die neunte Stunde stirbt Unfres Heils Berather, Heli ruft er und befiehlt Seinen Geist dem Vater. Seine Seite wird durchbohrt Von des Ritters Lanze: Da erbebt der Erde Grund, Sonne läßt vom Glanze. Um die Vesperstunde Christ Wird vom Kreuz genommen, Die verhüllte Gotteskraft Scheint an ihm verkommen. Seiner Krone Herrlichkeit Lag vor ihm darnieder: Solchen Tod erlitt, der uns Bringt das Leben wieder. Als der Tag vollendet war, Ward zu Grab geſenket Jesu Christi edler Leib, Der uns Leben schenket. 6 - 122 - Conditur aromate, Complentur scripturae; Iugis sic memoria Mors est mihi curae. Has horas canonicas Cum devotione Tibi Christe recolo Pia ratione, Ut qui pro me passus es Amoris ardore Sis mihi solatium In mortis agone. 000 123 Gute Salben goß man auf, Wie die Schrift verheißen; Des zu denken mir zum Trost Will ich mich besleißen. Dieser Zeiten Siebenzahl Will ich nicht vergeßen, Jeder Stunde scharfe Qual In mein Herze pressen, Daß wie Du am Kreuze littst Mir zu Liebe Wunden, Du ein Tröster zu mir trittſt In des Todes Stunden. 000 - 124 - Septem Iesu morientis verba. In crucis pendens arbore, Toto cruentus corpore Et summo cum dolore Quae verba Dei filius Divino fudit pectore, Pari penses amore. His orat primo vocibus: Ignosce, Pater, omnibus, Qui cruci me affigunt; Da veniam peccantibus, Ignoscas ignorantibus, Qui Deum sic affligunt. Post haec latronis precibus Benignis favet auribus Eidem pollicendo: Ad paradisi gloriam Te ducam, tibi gloriam Salvator hanc impendo. Ad matrem amatissimam, Ligno trabali proximam, Conversus sic profatur: En filium, hunc accipe; En matrem, istam suscipe, Discipulum affatur. - 125- Die sieben Worte am Kreuz. Als Gottes Sohn am Kreuze hieng Und Blut aus seinen Wunden gieng Mit bitterlichen Schmerzen, Die sieben Worte, die er sprach Bevor ihm Herz und Auge brach, Erwäg in deinem Herzen. Er bat zuerst mit mildem Ton: Verschone, Vater, Die den Sohn Dir an dieß Kreuz gehangen; Den Sündigen vergieb in Huld: Sie wißen nicht wie schwere Schuld Sie, Herr, an Dir begangen. Des Schächers Bitte: Denke mein, So Du zum Vater gehest ein," Ward dann Gehör gegeben. Er sprach: Fürwahr ich sage Dir, Du sollst noch diesen Tag mit mir Eingehn zum ewgen Leben. Darauf zur Mutter wandt er sich, Am Kreuze stand sie trauriglich, Und sprach zu der geliebten: Johannes sei dein Sohn hinfort; Sich, Jünger, deine Mutter dort: Thu wohl an der Betrübten. 126 - Iam diris cruciatibus Et anxiis doloribus Exanimatus clamat: Ah sitio: doloris est Haec sitis, et amoris est, Quae mundi vitam amat. Mox desolatus angitur, Mortisque lucta frangitur: O Eli! Eli! Deus! Cur derelinquis hominem, Doloribus exanimem, O Deus, Deus meus! Post flagra tandem, effera Tormenta, sputa, verbera Clamat: Est consummatum. O Pater mi, quod perfero, Quod moriturus offero Sit holocaustum ratum. Hic dictis patrem reverens, Ad ipsum vota referens Ad metam, dixit, tendo. Ad ultimum anhelitum In manus tuas spiritum, 0 Pater mi, commendo. O homo! Jesu vulnera Contritus corde pondera, Et miser non peribis, Sed vitae post solatia Coelorum ad palatia Aeternum felix ibis. some - 127- Nun fast entseelt von scharfer Qual Und von des Todes Angst zumal, Mich dürftet! ruft er bange: Der Durst kommt von den Schmerzen her, Und von dem Wunsch im Herzen mehr, Daß ich Euch Heil erlange. Doch bald ergreift sein Herz der Krampf, Er ruft im letzten Todeskampf: Eli Eli, Vater! Warum verläßest Du mich jetzt, Auf den ich mein Vertraun geſetzt, Mein Gott und mein Berather! Nach aller Marter, die er trug Seit man ihn anspie, stieß und schlug, Spricht er zum Herrn der Dinge: Es ist vollbracht, vorbei die Pein; Laß Herr, Dir wohlgefällig sein Das Opfer, das ich bringe. Dann in sein himmlisch Vaterland Verlangend schon den Blick gewandt Sagt er: Ich steh am Ende; Beim letzten Hauche fleh ich Dich), Nimm, Herr und Vater, gnädiglich Den Geist in deine Hände! Erwäge Jesu Wundenpein, Dir präge seine Wunden ein, Mensch, daß Du nicht verderbeſt, Nach dieses Lebens Lust und Leid Dort in der Himmel Herrlichkeit Das ewge Leben erbeſt. - 128- In passionem Domini. Ite moesti cordis luctus, Tristes ite gemitus, Lacrymarum ite fluctus Et ciete fremitus! Corpus totum, os et genae, Oculorum lumina, Membra, sanguis, cor et venae Abeant in flumina. Nam aeterni natus patris, Veri proles numinis, Idem homo natus matris Illibatae virginis, Post immanes cruciatus Scommatis affligitur, Diris flagris laniatur, In crucem configitur. Caput spinis cruentatur, Flagris livent brachia, Vultus sputis defoedatur, Caesa tument labia, Sacrae manus perforantur, Artus hiant vulnere, Clavis pedes terebrantur, Corpus tumet ulcere. 129 Bei des Herrn Leiden. Bange Herzensklagen schallet, Schallet angstvoll Weh und Ach, Zährenbäche rinnt und wallet, Ruft die tiefsten Seufzer wach, Leib und Glieder, Mund und Wangen Löst euch auf in Thränenflut, Ganz zerfloßen und zergangen Augen, Adern, Herz und Blut. Denn des ewgen Vaters Erbe, Gottes Sohn von Ewigkeit, Den, damit der Mensch nicht sterbe Trug die unberührte Maid, Wird nach greuelvollen Qualen Mit Verhöhnung überdeckt, Ganz zerfleischt von Geißelmalen An des Kreuzes Holz gestreckt. Seht ihn scharfe Dornen krönen, Beide Arme geißelwund, Speichel ihm die Wangen höhnen, Schläge schwellen seinen Mund. Seht, durchbohrt sind ihm die süßen Hände, segnend für und für, Nägel stecken in den Füßen Und den Leib bedeckt Geschwür. 6* 130 Iesu, nostra qui portare Voluisti vulnera, Qui dignatus es sanare Nostri cordis ulcera, Dona nobis, hoc precamur, His in terris gratiam, Ut post mortem consequamur Sempiternam gloriam. -0-0-0-0-0-0 131 - Jesu, da, die uns gebühren, Du die Wunden auf dich nahmst, Auszuheilen von Geschwüren Unsre Brust hernieder kamst, Deine Gnade zu erlangen Gönn auf Erden unserm Flehn, Daß hinüber einst gegangen Wir die ewge Freude sehn. - De beatae Virginis compassione. O quam moestus Cordis aestus Piam matrem conficit, Suum natum Dum libratum Super ligno conspicit. 132 Obstupescit, Inardescit, Ingemiscit, aestuat: " 9 Sic dolore, Sic amore, Sic utroque fluctuat: O decora Quondam ora, Quam sunt modo pallida! Ah! perfossa Ante ossa Quam sunt modo squalida! Quot cruenta Sunt tormenta, Quae te, fili, lacerant, Violenta Tot lamenta Genetricem macerant. - 133 Der h. Jungfrau Mitleiden. In wie bittern Qualen zittern Muß der Mutter Herz voll Huld, Da den süßen Sohn sie büßen Sieht am Kreuz der Menschen Schuld. Sprachlos stand sie, Hände wand sie, Seufzt' und ächzt' in heißer Qual: Schmerz durchwühlte, O das lichte 22 Liebe fühlte Die erhabne Frau zumal. Angesichte, Wie so bleich ist jetzt sein Schein! Sie zerbrachen, Sie durchstachen, Sohn, dein blutend Fleisch und Bein. Wieviel schwerer Marter, Hehrer, Dir zerriß den schönen Leib, Soviel herbe Schmerzen erbe Von dem Sohn ich armes Weib. - 134- Fundat coelum, Fundat solum Lacrymarum flumina; Aruere, Marcuere Mea pridem lumina! Novus luctus, Quasi fluctus Denso surgit cumulo, Quia natus Est humatus Hoc ferali tumulo. O clientes, Large flentes Humi vos prosternite! Vita functum En, hic unctum Deum vestrum cernite! Ecce friget, Ecce riget Mersus alto funere, Qui caloris, Qui vigoris Cunctos beat munere! 135- Himmel fließe, Erd ergieße Zährenbäche um mein Kind, Mir versiegen, Trocken liegen Mir die Augen thränenblind. Ach! mir schwellen, Meereswellen Gleich, die Qualen Tag für Tag, Denn sie haben, Kind, begraben Dich in diesem wilden Hag. Werft euch nieder, Gläubge Brüder, Klaget mit mir um den Sohn, Seht, entflohen Ist des Hohen, Des Gesalbten Leben schon. „ Seht, als bleiche, Kalte Leiche Liegt er in das Grab gesenkt, Der das Leben Uns gegeben, Der uns Kraft und Wärme schenkt. 136 Postquam totum Corpus lotum Lacrymis calentibus, Vestrum deum, Natum meum Sepellite mentibus. - Coelo pulchro, 39 Non sepulcro Hunc decebat pendere: Sub lugente Vestra mente Mavult se abscondere". - 137- 11 Wäscht die Glieder, Augenlieder, Ihm mit heißen Thränen rein, Senft den theuern, Senfet euern Gott dann in die Herzen ein. „ Nicht im Grabe, Nein, er habe Seinen Sig in Edens Lust: In der Herzen Mitleidschmerzen Berget ihn, in frommer Brust!" 138- Sequentia de Compassione Beatae Virginis. Stabat mater dolorosa Iuxta crucem lacrymosa, Dum pendebat filius, Cuius animam gementem Contristatam et dolentem Pertransivit gladius. O quam tristis et afflicta Fuit illa benedicta Mater Unigeniti! Quae moerebat et dolebat Et tremebat, cum videbat Nati poenas inclyti. Quis est homo, qui non fleret, Christi matrem si videret In tanto supplicio! Quis non posset contristari, Piam matrem contemplari Dolentem cum filio. Pro peccatis suae gentis Vidit Iesum in tormentis Et flagellis subditum, Vidit dulcem suum natum Morientem, desolatum, Dum emisit spiritum. 139 Bullet Das Stabat Mater. Stand die Mutter voller Schmerzen, Weinte bei dem Kreuz von Herzen, Wo der Sohn den Tod erlitt. Ihre Seele voll Verzagens, Voll der Seufzer, voll des Klagens Bittern Leides Schwert durchschnitt. Owie traurig ihm zur Seite Muste die Gebenedeite Eingen Sohnes Mutter sein! Klagerhebend, sich ergebend, Angsterbebend, nun erlebend Des erhabnen Sohnes Pein. Wo ein Auge, das nicht thaute, Wenn es Christi Mutter schaute Von so herber Qual ereilt? Wer gewahrte sonder Schauer Hier der frommen Mutter Trauer, Die des Sohnes Schmerzen theilt? Für des Volkes Sündenschulden Sieht sie Jesum Marter dulden Und der Geißel bittre Noth, Sieht den süßen Sohn verderben, Sieht ihn so verlaßen sterben, Sterben hier am Kreuz den Tod. - 140 — Eia mater, fons amoris! Me sentire vim doloris Fac, ut tecum lugeam. Fac, ut ardeat cor meum In amando Christum Deum, Ut sibi complaceam! Sancta mater, istud agas, Crucifixi fige plagas Cordi meo valide; Tui nati vulnerati Tam dignati pro me pati Poenas mecum divide. Fac me vere tecum flere, Crucifixo condolere Donec ego vixero. Iuxta crucem tecum stare, Te libenter sociare In planctu desidero. Virgo virginum praeclara, Mihi tam non sis amara, Fac me tecum plangere; Fac ut portem Christi mortem, Passionis fac consortem Et plagas recolere. 1 141 Laß, o Mutter, Liebesbronnen! Mich in gleichem Schmerz zerronnen Mit dir trauern Tag für Tag, Mach, daß mein Gemüth entbrenne, Daß es Christum lieb und fenne Und auch Ihm gefallen mag. Heilge Mutter, dieß erwäge, Christi Wundenmale präge Kräftig ein in dieses Herz; Der sich Wunden unterwunden, Ungesunden Heil gefunden, Gieb mir Theil an seinem Schmerz. Mach mein Weinen gleich dem Deinen, Den Gekreuzigten beweinen Laß mich, weil ich lebend bin. An dem Kreuze bei Dir weilen Als Genoße redlich theilen Deinen Schmerz, wär mir Gewinn. Magd der Mägde, reich an Segen, Sei mir, fleh ich, nicht entgegen Daß ich mit dir weinen darf. Christi Plagen laß mich tragen, Daß ich fühl, ans Kreuz geschlagen, Seiner Wunden Pein ſo scharf. - 142 - Fac me plagis vulnerari, Cruce hac inebriari Ob amorem filii. Inflammatus et accensus Per te, virgo, sim defensus In die iudicii! Fac me cruce custodiri, Morte Christi praemuniri, Confoveri gratia! Quando corpus morietur Fac, ut animae donetur Paradisi gloria. gelde Jacobus de Benedictis. 143 Gieb mir, Wunden zu ertauschen, An dem Kreuz mich zu berauschen In der Liebe zu dem Sohn. So entglüht in Liebesflammen Laß mich, Jungfrau, nicht verdammen Vor des Weltenrichters Thron. - - Leih mir Christi Kreuz zur Stüße, Daß mich Christi Tod beschütze, Laß mich ruhn im Gnadenschooß. Sinkt der Körper in die Erde, Paradieseswonne werde Dann durch Dich der Seele Looß. - 1441 EX GUILELMI II REGIS ROMANORUM MEDITATIONIBUS CIRCA MYSTERIA PASSIONIS DOMINICAE. I. Christus se vendi ac tradi permittit. Te das Deus, ut servos redimas, Prudens tanti nos emtos aestimas, At te pro nobis quantum deprimas, Ultro poenis perpessis intimas. Quid est homo, quem sic magnificas, Et te ipso mercatum venditas! Pretio nos quam ames indicas, Dum te vinclis reorum implicas. Rogo, Iesu, me recognoscere Et electis velis inserere; Huius vitae completo tempore, Sempiterno me donans munere. - 145- Aus den Betrachtungen über die Geheimnisse des Leidens Christi von Wilhelm II., Römischem König. I. Christus läßt sich verkaufen und verrathen. Uns zu erkaufen gabst Du, Herr, Dich hin, Ein Lösegeld, das allzutheuer schien. Wie tief erniedrigt hast Du Dich für ihn, Des Leid du willig trugst aus mildem Sinn. Was ist der Mensch, den Du verherrlicht haſt, Für ihn zu Kaufe botst so hehren Gast? Der Kaufpreis zeigt uns Deine Liebe fast Zu groß, Du trugst gemeiner Feßeln Laſt. Nun würdge, Jesu, mich Unwürdgen zwar Doch einzureihn in der Erwählten Schar, Daß nach der Zeit, die mir gemeßen war, Die Ewigkeit mir strale hell und klar. 7 - 146 - II. Christus hortulum ingreditur oraturus. Nube luges, sol, interposita, Gigas langues virtute indita, Coelorum lux dum plangis vetita, Non tulisti quae solvis perdita. Nam ut rivi dum fluunt lacrymae, Patrem oras pro nobis intime, Totis dicens medullis animae: Homo vivat, et tu me perime. Da, precor, ut commissa defleam, Cum plorantem pro me te videam, Duro corde sum, si non lugeam, Deliquisse vel non erubescam. III. Prima Iesu Christi oratio. Grave iugum humani sceleris, Summe Deus, quo sic opprimeris, Qui cuncta scis, quanti sunt ponderis, Molem prodis gemendo oneris. Nostri victus amore generis, Iesu, doles pro nobis miseris, Tanto volens moerore laederis, Quasi Deus esse desiveris. 147II. Jesus tritt in den Garten zu beten. Du trauerst, Sonne, in der Wolken Haft, Verließ Dich, Held, die angeborne Kraft? Du wirkst nicht, Licht, das Dunkel das dich rafft, Hast nicht verschuldet was dir Leiden schafft. Denn wie die Thränen fließen, Bächen gleich, Flehst Du zum Vater auf im Himmelreich, Und rufft aus Herzenskraft, vor Kummer bleich: Der Mensch soll leben, treffe Mich der Streich. Nun laß mich selbst beweinen mein Vergehn, Da ich für mich Dich weinen sah und flehn. Könnt ichs hartherzig ohne Thränen sehn? Kein Schamroth sollt auf meiner Wange stehn? lil. Das erste Gebet Jesu Christi. Unsrer Sünden Bürde, wie ist sie schwer, Die dich darniedergebeugt, Du Himmlicher! Weil du allwißend, drückt sie um so mehr, Die Schuld, Dein Aechzen zeigt es, laſtet ſehr. Wie groß zu uns muß Deine Liebe sein, Die Dich zu tragen zwingt so herbe Pein. Dein Herz um uns nimmt solcher Kummer ein, Daß deine Gottheit schwach erscheint und klein. 148 Veritatis immisso radio Cor compungat culpae cognitio, Lacrymarum ut hoc remedio Tuta petat coelos oratio. - IV. Secunda oratio, in qua sanguinem sudasse legitur. Sanguis toto decurrens corpore Omni sponsum expurgat decore, Mortem timens supremo tempore Tuos firmas invicto robore. Maledicta spinarum germine Terra madens mundatur sanguine, Foecundata rubro stillamine, Plus quam Nili Aegyptus flumine. Me rubentis uvae spectatio, Rogo, reddat constantem proelio, Agni ponens cruorem ostio Cordis, hostis non laedar gladio. V. Iesus a Iudaeis comprehenditur. Tristis oda impletur carminis, In peccatis nostrae propaginis Christus captus, dum, fili hominis, Vincla dantur super te criminis. 149 Entzünde nun mein Herz der Wahrheit Stral, Zerknirsch es ganz der Reue bittre Qual, Daß auf der Thränen Flut mein Herz einmal Sich aufwärts schwinge zu des Himmels Saal. IV. Das zweite Gebet, bei welchem Er Blut geschwitzt hat. Von allen Gliedern triefend Schweiß und Blut Raubt, Bräutigam, Dir Zier und Lebensgluth. Durch Deine Todesangst, o Heiland, ruht Auf uns in letzter Stunde Kraft und Muth. Zu lange hat der Fluch auf dir geruht, Dornen zu tragen, Erd, um Abels Blut; Nun wirst du fruchtbar durch ein Tröpfchen Blut Mehr als Egypten durch des Niles Flut. So gebe mir der rothen Traube Gluth, Fleh ich mit Brunst, zum Kampfe freudgen Muth. An meines Herzens Thür des Lammes Blut Sei mir zum Schutze vor des Feindes Wuth. V. Jesus wird von den Juden gefangen genommen. Der Seher Trauerspruch erfüllt sich schon: Um unsrer Sünden Schuld mit Spott und Hohn Wird Christ gefangen, sieh, der Menschenſohn, Verbrecherhaft ist Seiner Güte Lohn. - 150Arcam captam dum rumor spargitur, Heli cadens sacerdos moritur, Cum captivum te plebs persequitur, Obdurescit qui non compungitur. Philistaeis ut trepidantibus Samson vinctus catenis grandibus Caecus lusit cunctis spectantibus, Irridendus sic pates omnibus. VI. Quod coram Caipha passus sit Dominus. Hinc profundae noctis in tenebris Lucem famae perosus celebris Leo rugit surgens e latebris: Corda perflat conventus funebris. Agnum lupi circumdant rigidi, Innocentem condemnant invidi, Fontem spernunt coelestem aridi, Panem vitae canesque rabidi. Sordes mentis depella varias, Manusque nostras serva innoxias, Ut te duce noctis insidias Declinemus et orci furias. 151- Kund wird der Arche drenende Gefahr, Der Hohepriester sinkt am Frohnaltar. Dem Opfer lärmend folgt des Pöbels Schar: Wen da nicht Reue faßt, verstockt sich gar. In schwere Ketten schlugen, feiggesinnt, Philister ihn, der Delila geminnt, Dem Volk zum Spotte stand der Starke blind: So spie Dich, Schöpfer, an Dein eigen Kind. VI. Die Leiden Christi vor Caiphas. Erzürnt, daß bald Dein Ruhm die Erde füllt, Wagt aus der Finsterniss, die ihn verhüllt, Sich jetzt der Höllenleu hervor und brüllt, Daß Mörderlust das Blutgericht erfüllt. Von giergen Wölfen steht das Lamm bedroht, Unschuld verdammen Neidische zum Tod, Verschmähn des Heiles Quell in Durstes Noth, Hungrige Hunde scheun das Himmelsbrot. Du laß uns rein von Seelenschmuß erstehn, An unsern Händen sei kein Fleck zu sehn, Daß wir durch Dich der List des Feinds entgehn, Der Hölle Schrecken und der Seele Wehn. 152VII. Pharisaei cum Pontifice consilium ineunt. Quid, plebs caeca, Christus commeruit? Cui molestus fuit aut nocuit? Veritatem ipse vos docuit Et defunctos vitae restituit. Num sancta eius quae gessit opera, Ut plectatur, creduntur scelera? Sed suadente vos agit vipera Livor, torquens iam olim viscera. Obsecramus totis praecordiis, Ne perversis ducti consiliis Condemnemus iustum suppliciis, Vel laedamus fratres iniuriis. VIII. Iesus Pilato sistendus deducitur. Dudum cultus honore regio, Cui biceps canebat concio Dicens: Hosanna David filio! Iudicaris dignus exitio. Mititatem cum illic nimiam, Hic veram perfers patientiam, Nos vincendi docens scientiam Fortunamque blandam et contrariam. - 153 -- VII. Die Pharisäer verschwören sich mit dem Hohenpriester. Was that dir Christ, verblendet Volk, sag an? Wem hat Er Leid, wem jemals weh gethan? Die Wahrheit bracht er euch für dumpfen Wahn, Hieß Todte wandeln neue Lebensbahn. Gilt Seiner Himmelswerke Heiligkeit Für Missethat, die man dem Tode weiht? Doch nein, euch treibt der Schlange Gift, der Neid, Das längst gezehrt an euerm Eingeweid. Aus ganzer Seele flehen wir zu Dir, Daß nicht vom schlimmen Rath verführt auch wir Verdammen, die da krönt der Tugend Zier, Die Brüder morde unsre Blutbegier. VIII. Jesus wird vor Pilatus geführt. Der sich empor zu Königsehren schwang, Dem leichtbewegten Volkes Lobgesang „ Hosanna Davids Sohn!" noch jüngst erklang, Hast nun den Tod verbrochen, Kreuz und Strang. Der uns im Glück Bescheidenheit gelehrt, Im Unglück zeigst Du uns der Demuth Werth. Ob es Gesicht ob Rücken zugekehrt, Des Glückes Sieger hast Du Dich bewährt. - 154 - Ob futuram illic angustiam Populi plangis ignorantiam, Fletu compensans reverentiam Detestaris mundi laetitiam. IX. lesus perfidae plebis accusationem tacens audit. Testibus haud falsis convinceris, Tributa quod danda dissuaseris, Paupertatis qui auctor nosceris, Docens nempe, quid observaveris. Redemtorem totius saeculi, Qui das artem vitandi iaculi, Truces coram Pilato aemuli Seductorem te dicunt populi. Mititatis qui formam discere Ex te mones et nos submittere, Dum culparis te regem facere, Fuga monstras, te sceptrum spernere. Quem legatum Deus a latere Misit, terris pacem indicere Et dispersos in unum cogere, Hostem pacis audent astruere. X. Iesus mittitur a Pilato ad Herodem. Putas, Pilate, non delinquere, Innocentem potens absolvere, Qui Iudaeos timens offendere Agnum iubes ad lupum pergere? 155 Der Strafen eingedenk der Ewigkeit Beklagst Du jetzt des Volks Unwißenheit. Wie sie Dir jauchzten hörtest Du mit Leid, Verachtend irdsche Größ und Herrlichkeit. IX. Jesus hört die falschen Anklagen des Volkes schweigend an. Mit falschen Zengen klagen sie, o Wahn! Der Kaisersteuer halb Dich Dürftgen an, Dich, den sie stäts in Knechtsgestalt erſahn, Der nichts gelehrt hast als was Du gethan. Bist Du der Erde Friedensbringer nicht, Der Streit zu meiden lehrt als Liebespflicht? Und schamlos heischen Lügner vor Gericht, Daß Dichs der Volksauswieglung schuldig ſpricht. Der nur der Mild und Demuth Samen säst, Uns selbst voran in Mild und Demuth gehst, Der nun verklagt als Thronenräuber stehst, Flohst auf den Berg, weil Du den Thron verſchmähst. Den Gott von seiner Seite hat gesandt Den Frieden anzusagen allem Land, Zerstreute bindend durch der Liebe Band, Der wird ein Feind des Friedens frech genannt. X. Jesus wird von Pilatus zu Herodes geschickt. Wähnst du, Pilatus, ohne Schuld zu ſein, Der doch der Unschuld solltest Schutz verleihn, Da du, vom Judenhaß dich zu befrein, Dem Wolf das Lamm gabst, aller Sünde rein? - 156- - Terris formidandus et inferis, Dux peregrinis et lux superis, Ad Herodem rex regum mitteris, Qui sublimes virtute conteris. Per te rogamus malis eripi Et peccantes hic pie corripi, Ne dum vitam mors coget abripi, Tenebrarum tradamur Principi. XI. Iesus coram Herode. Diu optatus nunc praesens sperneris, Iustus iudex iniquus diceris, A factura creator luderis, Albis Deus, ut stultus, cingeris. Iesu mitis, illusus retices, Illusores et corde duplices Delusurus, cum iuste iudices, Fictos damnans, et salvans simplices. XII. Iesus ad Pilatum alba veste tectus remittitur. Miror, Deus, cur sperni pateris, Quod ab aeterno Verbum exseris. Cur tantum nefas non ulcisceris, Sceleratos demergens inferis? 157- Der Welt und Hölle siegreich überwand, Der Pilger Hort, der Himmel Licht genannt, Der alle Throne stürzt mit starker Hand, Wirst schuldig vor Herodes Thron geſandt. - Wir hoffen daß es Dein Verdienst erringt, So uns der Sünden Buße hier gelingt, Daß nicht, wenn bald der Tod die Hippe schwingt, Frohlockend uns der Hölle Fürst verschlingt. XI. Jesus vor Herodes. So lang ersehnt, verhöhnt Dich jetzt die Welt, Sie spottet Dein, Der sie erschafft, erhält, Gerechter Richter, Schächern zugesellt Wirst Du im Narrenkleid zur Schau gestellt. Still trägst Du, sanfter Jesus, jetzt den Hohn, Die Frevler ziehst Du einst vor Deinen Thron, Wenn an des Vaters Seite sißt der Sohn, Den Bösen Strafe wägend, Frommen Lohn. XII. Jesus wird im weißen Kleide zu Pilatus zurückgeschickt. Wie läßest Du verachten, Gott, Dein Wort, Das ewig lebte, leben wird hinfort, Daß Du nicht wehrst so frevelmüthgem Mord, Die Frevler senkst zu der Verdammniss Ort! 158 - Sed perire non vis quempiam, Quin et Verbi fers contumeliam, Quo perversis et indulgentiam. Polliceris et offers gratiam. Princeps pacis sedans discordias, Quocunque pacem pergens nuntias, Deo Patri nos reconcilias, Ut cum ipso nos unum facias. Pilatum et Herodem regulum Dissidentes concordas clanculum: Sed ignorant te pacis baiulum Unitatis et dulce vinculum. XIII. Iesus tanquam fatuus exhibetur. Dum, aeternae fons sapientiae, Signum defers nostrae vesaniae, Veste nos donans innocentiae Summae facis consortes gloriae. Aeterni Patris sapientia, Sapienter disponis omnia: Nam quot tulisti volens tristia, Tot cumulantur nobis gaudia. Insons compulsus ad praetoria Nostra deles iustus flagitia. Et dum innocens das supplicia, Per te reis praestatur venia. 159- Doch nicht verloren soll der Sünder sein, Drum duldest Du des Sohnes Schmach und Pein, Willst den Verworfnen selbst durch ihn befrein, Ihm alle Schuld, wenn er bereut, verzeihn. Du Friedensfürst, der alle Zwietracht stillt, Wohin Du trittst, der Lieb und Güte Bild, Den Vater uns versöhnen willst Du mild, Vor seinem Zorn uns sein ein fester Schild. Pilatus und Herodes, sie sogar Willst Du gewinnen für der Selgen Schar; Doch sie verkennen, frommer Ahnung bar, Dich, der ihr Mittler, ihr Erlöser war. XIII. Jesus wird als einfältig zur Schau gestellt. Der Weisheit Brunnquell und Gerechtigkeit, In Menschenthorheit hüllst Du Dich zur Zeit Und schenkst uns dort der Unschuld Feierkleid: So gehn wir ein zu Deiner Herrlichkeit. Dir ist des ewgen Vaters Weisheit klar, Mit Weisheit lenkst Du Alles wunderbar: So viel auf Erden Deiner Schmerzen war, Wird uns der Freuden in der Engel Schar. Unschuldig vor den Richterstuhl geſtellt Wird Dir für unsre Schuld der Spruch gefällt. Am Kreuze schuldlos Schuldgen zugeſellt, Erledigst Du der Schuld die sündge Welt. 160- XIV. Iudaei Iesus ut morti traderetur latroni parceri maluerunt. Manu flatum qui tenes hominis, Mare tuis circumdas terminis, Omne creatum ictu fulminis Delere potens, vel vi fluminis: Seditioso dum perversior Et latrone putaris saevior, Fons vitalis astris limpidior Turbato coeno fit inferior. XV. Pilatus Iesum flagellari iubet. Summi Patris dum Unigenitum Duris flagris sic cerno subditum, Sane pudet ob meum debitum Lacerari sic opus inclitum. Super vulnus conciso vulnere Sanguinis guttae dum fluunt libere: Plenae patent amoris literae, Quibus prodit se nos diligere. XVI. Pilatus capiti Iesu coronam spincam imponi iubet. Quam miserando, mater, schemate, Spinoso premis diademate Salomonem et multo stigmate, Quem Pater sacro perunxit chrismate. - 161- XIV. Die Juden bitten für den Schächer um Schonung, damit Jesus sterben müße. Der Menschen Leben steht in Deiner Hand, Die Grenze weisest Du dem Meer, dem Land, Vernichten kannst Du, die Du schufst, zuhand Durch Wogenungestüm, durch Blizesbrand. Als Volksverführer fiengen sie Dich ein, Verdammten Dich, den Schächer zu befrein. Der Lebensquell, mehr als die Sonne rein, Soll schwärzer als der Schmuß der Pfüße sein. XV. Pilatus läßt Jesum geißeln. Da Dir, des Vaters eingebornem Sohn, Der unbarmherzigen Geißel Streiche drohn, Ergreift mich tiefe Scham, daß solcher Hohn Dich trifft und ich der Schande bin entflohn. Da Wunde sich an Wunde grauſam reiht, Entrieselt Deines Blutes Süßigkeit In rother Schrift uns mahnend: Sohn der Zeit, So große Liebe hab Ich dir geweiht. XVI. Pilatus läßt Jesu eine Dornenkrone aufsetzen. Mit herber Trauer, bittern Leids Gewand, Mit Dornenkranz schmückst Du im Knechtesstand, Mutter, den Sohn, dem Salomon verwandt, Jhn, den Gesalbten von des Vaters Hand. 8 162 Spinis septum cum pie recolo Regis frontem motu malevolo, Ad ramum hunc virentem advolo Et me simul, ut figar, immolo. - - XVII. Quanto dolore ex spinea corona premitur. Verticem sacrum penetrare iussa Omnium rerum species tenentem, Intimos sensus Domini serenos Spina revelat. Frontis excelsi foribus revulsis, Transitus nostris precibus patebit, Alta rimandi datur et potestas Omnipotentis. Omnium sensus superant capaces, Quas foris poenas patitur libenter, Quos et angores animo ferebat Compatiendo. Pondus excedunt, numerum, modumque, Cordis afflicti quot erant dolores, Nempe quos vincens iubet esse tantos Ignis amoris. 163 - Blick ich zu Deiner bleichen Stirn hinan, Die Bosheit Dornenkrone ließ empfahn, Muß ich dir flehend, grüner Palmzweig nahn: O würdge Mich als Opfer zu empfahn. XVII. Die Dornenkrone verursacht ihm die grösten Schmerzen. Eingedrückt hochheiligen Hauptes Scheitel, Drin das Urbild lag der erschaffnen Dinge, Deckst Du, Dornkranz, auf die geheimsten Tiefen Göttlichen Geiſtes. Offen steht ihr, Thore der hohen Stirne, Nichts verwehrt mehr unserm Gebet den Eingang; Höchstem nachzusinnen erschließt sich uns allmächtige Weisheit. Doch die Pein mag menschlicher Sinn nicht faßen, Die Er litt freiwillig an Leibesgliedern, Noch das Weh all, das im betrübten Herzen Fühlte der Dulder. Weder Maß mag, Zahl noch Gewicht ergründen, Welche Qual Sein trauerndes Herz empfunden: Unermeßlich wollte sie Seiner Liebe Siegendes Feuer. 164- XVIII. Regalis Christi dignitas humiliatur ut nos exaltaremur. Quem Deus cunctis tribuens praeesse Unxerat regem Deitate summum, Obsitus plagis tegeris per omne Sanguine corpus. Membra sublimas, caput exhonorum, Liberas caesus Dominus ministros; Sanguis erumpens pietatis index Est sceleratis. Qui tibi subdi populus recusat Dextere ridens calamum tenentem, Spretus in vastas sine rege terras Exul oberrat. Angeli summe venerantur ipsum Ictibus crebris caput impetitum, Illitam foedis faciem salivis Cernere gliscunt. XIX. Iesus coronatus et flagellatus a Pilato praesentatur. Dum foris nudus venis et cruentus, Et palam toti populo videtur Corpus ex flagris lacerum severis Excoriatum: 165 - XVIII. Christi königliche Würde wird erniedrigt zu unsrer Erhöhung. Dem der Herr Machtfülle verlieh ohn Ende, Den die Gottheit salbte zum höchsten König, Uebersät ist Dem der geweihte Leib mit Quellenden Wunden. Schänden läßt ein Haupt sich der Glieder willen, Geißeln läßt ein Herr sich anstatt des Knechtes, Ketten sprengt heißquellender Strom des Blutes Armen Gefangnen. Das Dir einst, Dein Volk, den Gehorsam wehrte, Dir ein Schilfrohr reichte mit Hohn statt Scepters, Sieh, die Welt durchirrt es verachtet, ohne König und Heimat. Doch Dir fnien lobpreisender Engel Scharen Um das Haupt, das Schläge so häufig trafen, Ihnen ist vom Speichel entstellt Dein Antlig Wonniger Anblick. XIX. Pilatus stellt Jesum nach der Geißelung und Krönung dem Volke vor. Nackend kommst Du wieder und blutberonnen, Allem Volk zur kläglichen Schau gewiesen, Weil von unbarmherziger Geißel Schlag zerfleischt und geschunden. - 166 - Candidus nec non rubicundus olim Tabidus lepra facie videtur, Dum superiectis tegitur salivis Sanguine mixtis. Corpus attritum nimium flagellis Sic cruor extit roseo colore, Vulneri nullus locus inferendo Ut remaneret. Lividos artus rubra vestis ambit, Qui rubrum stillant medicumque rorem: Hinc manet per te duplicis renatis Gloria stolae. XX. Iudaei Iesum reum mortis conclamant. Bos herum noscit rationis expers Sedulo impensas redimens labore: Te suum quaerit scelerata proles Perdere patrem. Nec tuas in se recolens patratas Turba virtutes, malesuasa namque Tolle" clamabant, ,, Crucifige", nec non Ingeminando. Nec satis credit fore quod flagellis Corpus effractum, fluidum cruore, Spinea pressum caput et corona, Conspiciatur. 167 Der in Purpur königlich prangte, Dir scheint Jezt von Aussag widrig entstellt das Antlig, Denn es deckts Dein Blut mit der Widersacher Speichel gebunden. Ach so grausam hat dich zerfetzt die Geißel, So den Leib Dein rosiges Blut begoßen, Heiler Raum wär nirgend der Geißel übrig Neuer Verwundung. Purpur hüllt auch heute die blassen Glieder, Rother Thau entträufelt, ein süßer Balsam: Röthlich stralt ein Doppelgewand an uns auch, Wiedergebornen. XX. Die Juden verlangen Jesu Kreuzigung. Seinen Herrn kennt ohne Vernunft der Ochs doch, Und vergilt ihm Pflege mit nüßer Arbeit, Aber dieß ruchlose Geschlecht verdürbe, Könnt es, den Schöpfer. Denn nun denkst du übel berathner Haufe Keiner Wohlthat mehr, noch empfangner Gnade: Fort mit Ihm und freuziget Ihn" so rufst du Wieder und wieder. " Alles scheint dir noch, da die grimme Geißel Ihm den Leib durchschlug, der im Blute fließet, Da sich tief ein Dorn in die Stirn Jhm drückte, Nicht zu genügen. 168- XXI. Iesus morti adiudicatur. Praeses externi cupidus favoris Limites dum non timet aequitatis Transgredi, celsa cruce sublevandum Iudicat hine te. Cuius ad nutum cineres resurgent, Pristinas nec non species resument; Cuius et iussu tuba personabit, Nuncia finis: Pauper et dives populi, potentes Principes, reges, humiles, superbi Ad tuum stabunt pavidi tribunal, Discutiendi. Quique pro vitae meritis rependens Cuncta pravorum reprobabis acta, Debitos iustis dabis et honores, Fine carentes. XXII. Iesu crucem humeris baiulat. Dum cruentatis humeris ferendum Dant crucis lignum grave, subgemiscens Rapta non abs te, velut agnus insons, Solvere pergis. Ligna fers iussu Patris immolandus, Et subis montem nimis anxiatus, Lassus et spargens iter ulcerosus Sanguine multo. - 169- XXI. Jesus wird zum Tode verurtheilt. Nach des Volks Gunst haschte, der, Recht zu pflegen Eingesetzt, nicht scheute das Recht zu brechen, Denn es hieß sein Spruch an das Kreuz dich heften, Dich den Erhabnen; Dich der machtvoll moderndem Staub gebietet: Aufersteh und wandle verklärten Leibes," Dich, des Wink einst heißt die Posaunen tönen, Ende zu künden; Des in Demuth Mächtiger harrt und Schwacher, Arm und Reich, und niedrig und hoch Gestellter, Dem sie angstvoll stehn vor dem Richterstuhle, Spruch zu gewärtgen. Jedem wird sein Looß, das verdiente, werden, In Verdammniss sinken die sündge Seele, Aber endlos himmlisches Glück genießen Welchem Du hold bist. XXII. Jesus trägt sein Kreuz auf den Schultern. Schultern giebt man, die von der Geißel bluten, Noch der Kreuzwucht Bürde zu tragen: seufzend Gehst Du, ein unschuldiges Lamm, und büßest Unsere Strafe. Trägst das Holz, Schlachtopfer, der Vater will es, Steilen Berg hinan in der Angst der Seele, Müd und matt aus wiedererschloßnen Wunden Färbend die Wege. 8* — 170 - Sarcinae vires superant ruentes Fasce sub tanto, satis hinc patescit, Quam nocens olim fuerit, negatum Mandere fructum. Spiritus promtus, caro sed fatiscens; Caritas dum vult animam levare, Lassa subsistens recidit ab ipso Pondere ligni. XXIII. De verbis Domini in cruce. Corporis tensa cithara suavis Fit sonus Patris moderans furorem; Quando pro saevis pius advocatus Hostibus oras. Quid piis tandem precibus negabis? Gratiam iustis, veniam scelestis Spondet impensus favor execrandis, Quos miseraris. Abel occisi cruor ultionem Quaerit: hinc frater tremulus vagusque Cogitur vastas peragrare terras, Sicque perire. Fert tum Paulus melius loquentem, Nempe quod poscit veniam scelestis, Congregat sparsos, animat mutantes, Et trahit ad se. 171Doch die Kraft lahmt unter der schweren Bürde, Bald erliegst Du, Starker, zu klarem Zeichen, Welchen Fluch uns brachte der Biß in einst verbotenen Apfel. Ist der Geist noch willig, das Fleisch ermüdet, Strebt die Lieb auch, daß sie den Muth belebe, Selber endlich sinkt sie zurück, die Kreuzlast Ringt sie zu Boden. XXIII. Die Worte des Herrn am Kreuze. Deines Leibs sanftklingende Harfe mäßigt Süßen Tons Gott Baters gerechten Ingrimm, Da Du mild Fürsprecher zu werden würdigst Roben Verhöhnern. Was wird nun nicht frommes Gebet vermögen? Da Du Huld nicht bloß den Gerechten sicherst, Auch dem Feind, ruchlosestem selbst, verheißest Gnad und Erbarmung. Abels schuldlos Blut, des erschlagnen, schrie um Rache; unstät muste der Mörder flüchten, Weit die Welt durchirren, und doch im Elend Endlich vergehen. Deines Spruchs weiß Paulus die frohe Deutung: Ja, Verzeihung will er erflehn dem Sünder, Die zerstreut sind, sammeln, die Schwachen stärken Und sie emporziehn. - 172 XXIV. Hodie mecum eris in paradiso. Qui sui tantum memorem petebat, Unico latro moriens precatu Flexit, ut tecum mereatur esse In Paradiso. Si cui victum tulerit rapina, Poenitens homo reus in suprema Hoc capit, si quis male conscius sit, Mente resurgat. XXV. Mulier, ecce filius tuus. Tum sub aspectu pia mater astans Sensit, infixo Simeonis ense, Pressius porro fuerat futurum, Cor laniari. Quam volens verbis relevare moestam Durius quicquam muliebre misces Nomen: ,, Hic natus tuus est Ioannes", Moestior inquis. Impium prorsus siluisse visum est, Sed nec affatu poterat levari, Quin et hinc maior gemitus novatur Pectoris imo. 173- XXIV. Noch heute wirst du bei mir sein im Paradieſe. Der um Eins nur bat mit bescheidner Bitte: „ Denke mein", dem wurde zu Theil, dem Schächer, Einzugehn mit Dir, da er starb, zu ewgem, Himmlischen Frieden. Hättest du vom Raube dich stäts gefriſtet, Wie es that reumüthig zuletzt der Schächer, Hoffe doch, wie spät das Gewissen mahnte, Sünder, Vergebung. XXV. Weib, sich deinen Sohn. Dich zu schaun am Kreuz die erhabne Mutter Fühlte schon, von Simeons Schwert getroffen, Ob ihr bald noch grimmiger Weh geschah, das Herz sich zerreißen. Süßen Trost zusprechend der Tiefbetrübten, Leisen Vorwurf mischtest Du nur dem Troste: „ Sich den Sohn hier, Mutter, Johannes, ist es," Flüsterst du schmerzlich. Schweigen war unmöglich dem vollen Herzen; Doch der Zuspruch konnte den Schmerz nicht stillen, Ja, er brach jetzt heftiger noch hervor aus Tiefen der Seele. - 174 XXVI. Deus meus quid dereliquisti me. Adeo questus Patre te relictum, Intuebaris mala, quae futuris Imminent membris: tibi non, sed illis Prospiciebas. Liberos optans fore nos reatu, Spiritum iamiam tibi tradituro Mens erat, centum posuisse vitas, Quam pereamus. Saeva mors quanto magis imminebat, Crevit affectus miserationis, Te salus nostro generi paranda Huc adigebat. XXVII. Consummatum est! Christe, pro nobis probra pertulisti, Sputa, livores, colaphos, flagella, Iura nec mortis renuens subire, Examinandus. Quidquid antiqui cecinere vates, Constat impletum: moriendo iustos Inclitam ad terram remeare donans, Melle fluentem. Pauperes ditat tua nos egestas, Nuditas vestit, decorant probrosa, Diluunt fletus, recreant labores, Vivificat mors. - 175- XXVI. Mein Gott wie hast du mich verlaßen! Da Du Dich vom Vater verlaßen klagteſt, Sah voraus Dein Geist die Beschwer, die künftig Wir bestehn: für unsre Gefahr, nicht Deine, Härmte Dich Sorge. Weil Du gern uns jeglicher Schuld erlöstest, Möchtest Du, aushauchend die süße Seele, Hundertfach Dein Leben für unsres opfern, Eh wir verdürben. Näher tritt, stäts näher des Todes Grauen, Doch Dein Herz fühlt heißer zugleich Erbarmung, Denn nur Sehnsucht führte dich her, uns Menschen Heil zu erwerben. XXVII. Es ist vollbracht! Gern für uns, Christ, littest Du Schimpf und Schmähung, Quetschung gern, Anspeiung und Geißelhiebe, Tratest ſelbst, unschuldig verklagt um Todschuld, Hin vor den Richter. Was der Vorzeit Seher im Geist erschauten, Wird erfüllt an Dir, der Gerechte sterbend In das Land heimführst, da von Milch und Honig Schwellen die Bäche. Uns erwirbt Armut, die Du duldest, Schäße, Kleider Nacktheit, Ehre die Schmach, Erholung Schenkt Dein Mühn, rein waschen die Thränen, Leben Kaufst Du uns sterbend. 176- XXVIII. Pater in manus tuas commendo spiritum meum. In manus tradens animam paternas Voce clamabas moriens stupenda: Gentium summi, hinc, militum magister, Plebsque fatetur. Invicem flentes recreant vicissim Corporis partes, simul et perenni, Quaesumus passo tibi condolentes, Luce fruamur. XXIX. Christus ad limbum descendit. Corporis linquens onus absque labe Spiritus limbum petiit, repente Carcer, exclusis tenebris, refulsit Luce corusca. Qui satis verbis valeat referre Gaudium priscis patribus refusum, Quando cernebant, sibi diu negatum Lumen adesse. 177- - XXVIII. Vater in Deine Hände befehl ich meinen Geist. Deine Seel empfehlend des Vaters Händen Rufst Du einmal noch mit erhabner Stimme, Daß der Kriegsschar Führer, das Volk Dir zeugt, Dir Zeugen die Fürsten. Noch entfließt heißquellender Zähren Fülle, Und der Leib vollbracht es; doch ewgen Lichtes, Flehen wir, glückwünschend dem Ausgerungnen, Laß uns genießen! XXIX. Jesus steigt zur Vorhölle hinab. Makellos dir, Erde, den Leib vermachend, Flog der Geist, Vorhölle zu dir, und plötzlich Weicht am Ort unheimlichen Banns das Dunfel Blendendem Lichte. Zunge mag nicht künden und Herz nicht faßen, Welche Lust Allvätern den Sinn entzückte, Als das Licht nun endlich, das lang versagte, Stralend hereinbrach. - 178- - Hymnus Paschalis. Aurora lucis rutilat, Coelum laudibus intonat, Mundus exultans iubilat, Gemens infernus ululat, Cum rex ille fortissimus Mortis confractis viribus Pede conculcans tartara Solvit a poena miseros. Ille qui clausus lapide Custoditur sub milite, Triumphans pompa nobili Victor surgit de funere. Solutis iam gemitibus Et inferni doloribus, Quia surrexit Dominus!" Resplendens clamat angelus. S. Ambrosius. 179- Ofterlied. Des holden Tages Schein erglimmt, Zu seinem Preis der Himmel stimmt, Die Hölle heult, da sie ihn schaut, Auf hüpft die Welt und jubelt laut. Des starken Königs Siegerschaft Bewältigte des Todes Kraft; Sein Fuß zertrat der Hölle Thor Und die Gefangnen gehn hervor. Den eingesargt im Felsenschacht Ein Haufen Söldner hielt bewacht, Er schwang sich auf aus Grabesnacht Wie Morgenlicht in Siegespracht. Hellglänzend rief ein Engel aus: Bezwungen ist der Hölle Graus; All irdisch Leid ist abgeſtellt, Erstanden bist du, Herr der Welt! - 180 - Hymnus Paschalis. Tristes erant Apostoli De nece sui domini, Quem poena mortis crudeli Servi necarant impii. Sermone blandus angelus Praedixit mulieribus: In Galilaea dominus Videndus est quantocius. Illae dum pergunt concite Apostolis hoc dicere, Videntes eum vivere Osculantur pedes domini. Quo agnito discipuli In Galilaeam propere Pergunt, videre faciem Desideratam Domini. Paschale mundo gaudium Sol nuntiat formosior, Cum Christum iam Apostoli Visu cernunt corporeo. Ostensa sibi vulnera In Christi carne fulgida Resurrexisse Dominum Voce fatentur publica. Rex Christi elementissime, Tu corda nostra posside, Ut tibi laudes debitas Reddamus omni tempore. S. Ambrosius. 181Osterlied. Die Jünger trugen Leid und Noth Um ihres Herrn und Meisters Tod, Den mit des Kreuzes grimmer Pein Belegt die schlimmen Feinde sein. Den Frauen auf des Heilands Grab Ein Engel holde Kunde gab: In Galiläa zeiget sich Der Herr, eh kurze Zeit verwich. Da eilen jene hin sofort, Den Jüngern melden sie das Wort: „ Wir sahn ihn lebend und gesund, Wir küssten Füße ihm und Mund.“ Als dieß den Jüngern wird bekannt, Sie ziehn in Galiläas Land, Das vielersehnte Angesicht Des Herrn zu sehn nach dem Bericht. Mit österlicher Wonne stralt Die Sonne, die die Hügel malt, Da naht dem Herrn der Jünger Schar, Er stellt sich leiblich ihnen dar. Fünf Wunden sehen sie verklärt An seinem Leib, die ihn versehrt, Daß laut ihr Mund ihm Zeugniss gab: Der Herr erstand aus seinem Grab. O gnadenreichster König Christ, Im Herzen wohn uns alle Frist, Daß schuldgen Dank die gläubge Schar Dir zolle heut und immerdar. 182 - Hymnus de resurrexione Domini. Salve festa Dies, toto venerabilis aevo, Qua Deus infernum vicit et astra tenet. Ecce renascentis testatur gratia mundi Omnia cum domino dona redisse suo. Namque triumphanti post tristia tartara Christo Undique fronde nemus, gramina flore favent. Legibus inferni oppressis super astra meantem Laudant rite Deum lux, polus, arva, fretum. Qui crucifixus erat, Deus ecce per omnia regnat, Dantque creatori cuncta creata precem. Venantius Fortunatus. 183Von der Auferstehung. Heil dir, festlicher Tag, ehrwürdig den kommenden Zeiten, Wo die Hölle bezwang Gott und zum Himmel sich hob. Anmuthstralend bezeugt es die wiedergeborene Erde, Jeglicher Reiz der Natur kehre zurück mit dem Herrn. Der stegprangend vom Schlund des traurigen Tartarus aufstieg, Jhm nun belaubt sich der Wald, schmückt sich mit Blumen die Au. Jhn, der die Rechte der Hölle zerbrach, nun über Gestirne Wandelt, den Gott preist Licht, Luft und Gefilde und Meer. Sieh, der am Kreuze verblich, allmächtig beherrscht er die Welten, Alles Geschaffene fleht laut zu dem Schöpfer empor. 184 Sequentia Paschalis. Mundi renovatio Nova parit gaudia, Resurgenti domino Conresurgunt omnia. Elementa serviunt Et auctoris sentiunt Quanta sint sollemnia. Ignis volat mobilis, Et aer volubilis, Fluit aqua labilis, Terra manet stabilis. Alta petunt levia, Centrum tenent gravia, Renovantur omnia. Coelum fit serenius Et mare tranquilius, Spirat aura levius. Vallis nostra floruit, Revirescunt arida, Recalescunt frigida, Postquam ver intepuit. Gelu mortis solvitur, Princeps mundi tollitur, Et eius destruitur In nobis imperium. - 185- Osterlied. Die erneute Erde lacht, Neue Freude füllt die Brust, Mit dem Auferstandnen wacht Alles auf zur Lebensluſt. Dienen muß Ihm die Natur, Freudig ist die Creatur Seines Festes sich bewust. Funke zündet, Feuer fliegt, Lüftchen lose Zweige biegt, Helle Flut vorüber treibt, Erd auf ihrer Stelle bleibt. Leichtes in die Höhe schwebt, Schweres nach der Tiefe strebt, Alles fühlt sich neu belebt. Himmel lächelt blau und klar, Still das Meer das stürmisch war; Fühle lau den Wind entfacht, Sieh im Thal die Blumenpracht. Wieder grünen dürre Aun, Flüße eilen aufzuthaun: Wunder hat der Lenz vollbracht. Auch des Todes Frost erliegt, Da der Fürst des Lebens siegt: Ueber uns ist seiner Macht Gar ein Ende nun gemacht. 9 186 Dum tenere voluit In quo nihil habuit Ius amisit proprium. — Vita mortem superat: Homo iam recuperat, Quod prius amiserat, Paradisi gaudium: Viam praebet facilem Cherubim versatilem Ut Deus promiserat Amovendo gladium. Adam de S. Victore. 187- Da er Dein sich hat erfrecht, Gottgewidmetes Geschlecht, Ist verwirkt sein altes Recht. Leben überwand den Tod: Mensch, so endet deine Noth. Die du meiden einst gemust, Winkt, des Paradieses Lust. Eintritt ist dir unverwehrt, Sieh der Cherub senkt das Schwert Vor des Ueberwinders Macht: Die Verheißung ist vollbracht. 188Sequentia Paschalis. Victimae paschali Laudes immolent Christiani. Conflixere mirando, Dux vitae mortuus 11 Agnus redemit oves, Christus innocens patri reconciliavit peccatores. Mors et vita duello Regnat vivus.. Dic nobis, Maria, Quid vidisti in via? Sepulcrum Christi viventis Et gloriam vidi resurgentis, Angelicos testes, Sudarium et vestes. Surrexit Christus spes mea, Praecedet vos in Galilaea." Credendum est magis solae Mariae veraci Quam Iudaeorum turbae fallaci. Scimus, Christum surrexisse ex mortuis vere: Tu nobis victor Rex miserere. 189 Ostergesang. Lob hohes Klanges Opfert Christen, statt des Osterlammes. Das Lamm erlöste die Schafe, Christi reines Blut befreite die Sünder von ewiger Strafe. Einen Kampf voll Angst und Noth Stritt das Leben mit dem Tod; Der Herr des Lebens, gestorben Hat Leben und Herrschaft erworben. Woll uns, Maria, antworten: Was sahest du dorten? „ Christi Grab, des Lebenden, Den Glanz des Emporschwebenden, Von englischen Zeugen umstanden Das Schweißtuch mit den Gewanden. Erstanden ist Christus, mein Verlangen, Euch voraus gen Galiläa gegangen.“ Mehr glaubet Marieen, der wahren, alleine Als der falschen Juden ganzer Gemeine: Von den Todten erstanden ist Christus in Wahrheit, Erbarme Dich unser, König in Siegesklarheit! - 190- In resurrectionem Domini. Ite noctes, ite nubes, Ite moesta sidera, Plaude coelum, plaude terra, Loca plaudant infera, Plaudat aether, plaudat unda, Turba plaudat squamea. Plaudant silvae, plaudant prata, Laeta plaudant nemora, Et quaecunque campis nata, Laeta plaudant flumina, Plaudant valles, plaudant montes, Fontes, flores, germina. Plaudant rupes et torrentes, Christo plaudant omnia, Iacent hostes, iacent postes, Victa gemunt tartara, Fracta sera gaudet terra, Rident patrum agmina. - 191- Osterlied. Schwindet Nächte, schwindet Wolfen, Trübe Sterne löschet aus, Jauchze Himmel, jauchze Erde, Jauchze, unterirdscher Graus, Jauchze Aether, jauchze Welle, Fische jauchzt im feuchten Haus. Jubelt Wiesen, jauchzet Wälder, Jauchzt und jubelt Haid und Hain, Was da sprießen sehn die Felder, Flüße jubelt mit darein, Jubelt Thäler, jubelt Berge, Quellen, Kräuter, Blümelein. Jauchzet Felsen, Waßerfälle, Christo jauchze was da lebt, Denn erliegen seinen Siegen Muß der Feind, der knirschend bebt; Erd ist heiter, da befreit der Väter Chor zum Himmel schwebt. - 192Hymnus Paschalis. Plaudite caeli! Rideat aether! Summus et imus Gaudeat orbis! Transivit atrae Turba procellae, Subiit almae Gloria palmae. Surgite verni, Surgite flores, Germina pictis Surgite campis. Teneris mistae — Violis rosae, Candida sparsis Lilia calthis. Currite plenis, Carmina, venis! Fundite laetum Barbita metrum: Namque revixit Sicuti dixit Pius illaesus Funere Iesus! 193 Osterlied. Jubelt ihr Himmel, Lächelt ihr Lüfte, Jauchzet der Erde Höhen und Grüfte! Dreuende Schauer Schwanden der Trauer: Schauet dadroben Palmen erhoben. Blumen des Lenzes, Dringt aus dem Boden, Sprießet, ihr Keime, Wachset ihr Lohden; Rosen, die zarten Veilchen sich paarten, Nelken, die frischen Lilien dazwischen. Herzen erschwellet, Lieder entquellet! Fröhlicher Feier Töne die Leier: Christ ist erstanden Aus Todesbanden; Was er gelehret Hat er bewähret! 9* 194 Plaudite montes, Ludite fontes, Resonent valles, Repetant colles: 11 Io, revixit 2, Sicuti dixit Pius illaesus Funere Iesus". 195- Berge lobsinget, Quellen erklinget, Hügel hallt wieder, Thäler, die Lieder: Christ hat bewähret Was er gelehret, Aus Todesbanden Ist er erstanden. 1 196Magdalena de sepulcro rediens. Pone luctum Magdalena! Et serena lacrymas: Iam non est Simonis coena, Non cur fletum exprimas: Causae mille sunt laetandi, Causae mille exultandi: Halleluia resonet! Sume risum Magdalena! Frons nitescat lucida; Demigravit omnis poena, Lux coruscat fulgida: Christus mundum liberavit Et de morte triumphavit: Halleluia resonet! Gaude, plaude Magdalena! E sepulcro rediit; Tristis est peracta scena: Tumba Christus exiit! Quem deflebas morientem Nunc arride resurgentem: Halleluia resonet! Tolle vultum Magdalena! Redivivum aspice: Vide, frons quam sit amoena, Quin que plagas inspice: 197 - Magdalena da sie vom Grabe kam. Laß dein Trauern, Magdalene! Dieß ist nicht mehr Simons Mal, Aus dem Auge wisch die Thräne, Grund ist heute nicht zur Qual, Grund die Sorgen zu zerstreuen, Tausend Gründe sich zu freuen, Halleluja schalle laut! Lächle wieder, Magdalene, Glätte froh dein Angesicht, Alle Noth verschwand, die schöne Sonne stralt in neuem Licht: Sieh, der Heiland ist gekommen, Hat dem Tod die Macht benommen, Halleluja schalle laut! Süße Grüße, Magdalene, Send ihm, der erstanden ist, Ganz verwandelt sich die Scene, Aus der Höhle trat der Chriſt. Weintest, da wir todt ihn fanden, Lächl ihm jetzt, er ist erstanden: Halleluja schalle laut! Blick empor nun, Magdalene, Sieh Jhn leben, sieh Jhn blühn! O wie hold die Stirn und jene Fünf Todwunden, wie sie glühn, - 198 Fulgent sic ut margaritae, Ornamenta novae vitae: Halleluia resonet. Vive, vive Magdalena! Tua lux reversa est: Gaudiis turgescat vena: Mortis vis eversa est. Maesti procul sint dolores: Laeti redeunt amores! Halleluia resonet. 03 Co 199 Glänzen wie die Edelsteine Mit des neuen Lebens Scheine: Halleluja schalle laut. Lebe, lebe Magdalene, Neu erglänzt dein Morgenroth, Freude schwelle jede Sehne, Ueberwunden ist der Tod. Alles Harms bist Du entbunden, Liebe fehrt und frohe Stunden: Halleluja schalle laut! 03 - 200Hymnus de Ascensione Domini. Iesu nostra redemptio, Amor et desiderium, Deus creator omnium, Homo in fine temporum. Quae te vicit clementia Ut ferres nostra crimina, Crudelem mortem patiens Ut nos a morte tolleres. Inferni claustra penetrans, Tuos captivos redimens, Victor triumpho nobili Ad dextram patris residens. Ipsa te cogat pietas, Ut mala nostra superes, Parcendo et voti compotes Nos tuo vultu saties. Tu esto nostrum gaudium, Qui es futurus praemium, Sit nostra in te gloria Per cuncta semper saecula. do oltt S. Ambrosius. - 201- Von Christi Himmelfahrt. Du unsrer Seele Heil, o Christ, Der unsre Lieb und Sehnsucht bist, Der erst die Welt erschaffen hast, Dann menschlich trugst des Kreuzes Last. Wie mächtge Liebe zwang dich doch Zu tragen unsrer Schwäche Joch, Zu dulden bittre Todesnoth, Daß uns Vernichtung nicht bedroht. Der Hölle Riegel sprengtest du, Gabst Deiner Schar die ewge Ruh. Im Glanz des Sieges fuhrst Du, Sohn, Nun auf zu Deines Vaters Thron. So zwinge Dich die gleiche Huld, Uns zu erlaßen alte Schuld, Daß uns der höchste Wunsch erfüllt, Dein Antlig mild uns werd enthüllt. Sei unser Glück auf Erden schon, Sei einst im Himmel unser Lohn. In Dir ruh unsre Herrlichkeit Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Doolll - 202- - Hymnus Pentecostalis. Beata nobis gaudia Anni reduxit orbita, Cum Spiritus paraclitus Effulsit in discipulos. Ignis vibrante lumine Linguae figuram detulit, Verbis ut essent proflui Et caritate fervidi. Linguis loquuntur omnium, Turbae pavent gentilium, Musto madere deputant, Quos spiritus repleverat. Patrata sunt haec mystice Paschae peracto tempore, Sacro dierum numero, Quo lege fit remissio. Te nunc, Deus piissime, Vultu precamur cernuo, Illapsa nobis coelitus Largire dona spiritus. Dudum sacrata pectora Tua replesti gratia; Dimitte nunc peccamina Et da quieta tempora. S. Hilarius. 203- Pfingstlied. Ein hohes freudenreiches Glück Bringt uns des Jahres Kreiß zurück: Der heilge Geist erglänzte klar Heut auf des Heilands Jüngerschar. Da senkt' in jähem Schwunge sich Die Gluth, die einer Zunge glich, Ließ ihre Rede Feuer sprühn Und Lieb in ihren Herzen glühn. In allen Sprachen tönt' ihr Wort: Ein Schreck ergriff das Volk sofort; Sie, die des heilgen Geistes voll, Schalt man vom Geist des Weines toll. Dieß ist geschehen wundersam, Da Passas Fest ein Ende nahm Und jener heilgen Tage Zeit, Die aller Schuld Erlaß verleiht. Nun, gütger Vater, flehen wir Dich mit gesenktem Haupte hier: Des heilgen Geistes Gaben send Auch uns vom herab Firmament. Der Dir geweihten Herzen Brunst Erquickte Deiner Gaben Gunst. Erlaß uns nun der Sünden Zahl Und schenk uns Frieden allzumal. 204 Hymnus in die Pentecostes. Veni creator spiritus, Mentes tuorum visita, Imple superna gratia Quae tu creasti pectora. Qui paraclitus diceris Donum Dei altissimi, Fons vivus, ignis, caritas Et spiritalis unctio. Tu septiformis munere, Dextrae Dei tu digitus, Tu rite promissum patris, Sermone ditans guttura. Accende lumen sensibus, Infunde amorem cordibus, Infirma nostri corporis Virtute firmans perpetim. Hostem repellas longius, Pacemque dones protinus, Ductore sic te praevio Vitemus omne noxium. Per te sciamus da patrem, Noscamus atque filium; Te utriusque spiritum Credamus omni tempore. Carolus Magnus. 205Pfingstlied. Komm heilger Geist, der Alles schuf, Herab auf deiner Gläubgen Ruf, Füll uns mit hoher Gnade Schein Die Herzen die Du schufft allein. Der Du der Tröster wirst genannt, Ein Gut vom höchsten Gott gesandt, Lebendger Quell, Licht, Liebe heißt Und Salbung für des Menschen Geist. Der Du die sieben Gabe schenkst, Die Welt als Gottes Finger lenfst, Den uns des Vaters Wort verhieß, Der stumme Zungen reden ließ, Dein Licht erleucht uns Sinn und Muth, Entzünde Deiner Liebe Gluth, Und wenn des Leibes Schwäche wankt, Seist Du es, dem er Kraft verdankt. Des Feindes List vereitle Du Und gieb dem Herzen Friedensruh, Daß wenn Du uns ein Führer bist Wir meiden was vom Uebel ist. Den Vater auf dem Himmelsthron Erkennen lehr uns und den Sohn Und laß uns glauben ewiglich, Der beider Geist bist, Geist, an Dich. 206- De Spiritu Sancto. Veni Sancte Spiritus Et emitte coelitus Lucis tuae radium. Veni pater pauperum, Veni dator munerum, Veni lumen cordium. Consolator optime, Dulcis hospes animae, Dulce refrigerium. In labore requies, In aestu temperies, In fletu solatium. O lux beatissima, Reple cordis intima Tuorum fidelium. Sine tuo numine Nihil est in homine, Nihil est innoxium. Lava quod est sordidum, Riga quod est aridum, Sana quod est saucium. 207- An den heiligen Geist. Komm o heilger Geist zu Thal, Sende von des Himmels Saal Deines Lichtes holden Stral. Komm der gern die Armen nährſt, Dürftgen Gaben mild gewährst, Komm der uns die Herzen klärst. Bester Trost in aller Noth, Komm der Seele süßes Brot, Der uns süße Labung bot. Ruhe schenkst Du nach den Mühn, Schatten bei der Sonne Glühn, Läst im Leid uns Trost erblühn. Selger Lichtglanz, rein und klar, Fülle der getreuen Schar Lautre Herzen ganz und gar. Ohne deinen Wonneschein Mag im Menschen nichts mehr rein, Mag das Herz nicht schuldlos sein. Reinige was unrein war, Feuchte was der Feuchte bar, Heile was verwundet war. —— 208 - Flecte quod est rigidum, Fove quod est frigidum, Rege quod est devium. Da tuis fidelibus, In te confidentibus, Sacrum septenarium. Da virtutis meritum, Da salutis exitum, Da perenne gaudium. Robertus rex Franciae. Antiphona de Spiritu Sancto. Veni Sancte Spiritus, Reple tuorum corda fidelium, Et tui in eis ignem accende, Qui per diversitatem linguarum cunctarum Gentes in unitate fidei congregasti. Alleluia, Alleluia. - - 209- Biege was unbeugsam iſt, Wärme was der Wärme misst, Weise was des Wegs vergißt. Deine sieben Gaben gieb Jhm, der werth dich hielt und lieb, Dir vertrauend treu verblieb. Gieb der Tugend Lohn zur Zeit, Gieb im Tode Freudigkeit, Gieb uns Heil in Ewigkeit. Anrufung des heiligen Geistes. Komm hernieder, heilger Geiſt, Erfülle Deiner Gläubigen Herz und Sinn, Entzünde Deiner Liebe Gluth in ihnen, Der Du die Vielheit der Völker und Zungen Zur Einheit des Glaubens vereinigt haſt. Alleluja, Alleluja. 10 - 210De Sancto Spiritu. Almum flamen, vita mundi, Cuius virtus vegetat Quidquid aequoris profundi, Soli quidquid et rotundi Spatium progerminat. Motor omnis creaturae, Vita vitae sub tellure Motus atque requies Spiritus tu unus es. Veni spiritus creator, Dono largus septuplo, Veni terrae renovator, Pacis atque boni sator, Locuples solatio! O tu mentibus beatis Gaudium, sed pravitatis Inventori barathro Maxima confusio. Super aquas ferebatur Divus ille spiritus, Quando mundus condebatur, Totus et animabatur Variis virtutibus. Tum quem primum animavit Mox collapsum recreavit, Largiter vivificam Nobis fundens gratiam. - 211- Pfingstlied. Hehre Gluth, in deren Bunde Lebenskraft empfängt die Welt, Die, was da im Merresgrunde Lebt und auf dem Erdenrunde, Schafft, beseelt und aufrecht hält. Du bist alles Lebens Leben, Regung haft ihm Du gegeben, Die Bewegung wie die Ruh, Heilger Geist, allein bist Du. Woll uns, Schöpfergeist, erfreuen Mit der Gabe siebenfach, Komm die Erde zu erneuen, Glück und Frieden auszustreuen, Tröster, dem nie Trost gebrach. Freude bist Du guter Geister; Jhn, der alles Bösen Meister Lauert in der Hölle Schacht, Hast du stäts zu Fall gebracht. Auf den Waßern sah man schweben Jenen Geist, des Allgewalt, Als die Schöpfung trat ins Leben, Allen Wesen hat gegeben Kraft und Tugend mannigfalt. Als der Erste war gefallen, Den er Leben lieh vor Allen, Hob ihn Der, des Gnadenruf Neuen Lebens Heil erschuf. - 212 - Orbi tubas excitasti Sacri Evangelii, Per quas mundum suscitasti, Mortuumque praeparasti Ad fulgorem praemii. Nostrum roborasti pectus, Homo quo ceu scuto tectus Spiritu lethiferum Debellaret spiritum. Huic ergo inclinemur Salva gens Spiritui, Huius dona demiremur, Sanctitatem veneremur In amore cernui. Geminemus: Sanctus, Sanctus! Effundamus corde planctus Coram patre gratiae Memori miseriae. Ad te gratiarum fontem Nostra currit anima: Firma spiritum insontem, Animumque lava sontem Exundante gratia. Praesulum inspira mentes, Mundi dirige potentes, Sacra sit communitas, Mera pax et unitas. 213 - Denn Du warst es, der ertönen Ließ die Botschaft Deines Worts, Wecktest mit der Tuba Dröhnen Neue Kraft den Erdensöhnen Zum Erwerb des ewgen Horts. Hast das Herz uns stark gebildet, Daß der Mensch durch Dich beschildet, Und von Dir, o Geist, bewacht Ringe mit dem Geist der Nacht. Vor dem heilgen Geist denn senke Dich aufs Knie, befreite Schar, Freu dich köstlicher Geschenke, Seiner Heiligung gedenke, Bring dein Herz ihm knieend dar. Laßt uns Heilig, Heilig! sagen, Aus den Herzen gießt die Klagen Vor dem Vater aller Huld, Der uns mild erläßt die Schuld. Denn zu Dir, dem Quell der Gnaden, Flüchtet unsre Seele bang: Stärke, die nicht schuldbeladen, Laß die Schuldgen rein sich baden In der Gnaden Ueberschwang. Heilge Du der Großen Geister, Lenke Du der Erde Meister, Heilige Gemeinschaft gieb, Frieden und der Eintracht Trieb. 214- Omnium repurga pectus A fermento saeculi, Cedat Satan carne tectus, Operosae quisque rectus Corde subsit fidei, Et primaevo sub ardore, Mutuoque sub amore Totus grex fidelium Colligatur ovium. 215Alle Herzen auch befreie Von dem Sauerteig der Zeit, Eh sie Satanslust entweihe; In den Guten neu gedeihe Thätgen Glaubens Emsigkeit. Und in diesem ersten Triebe, Und in gegenseitger Liebe Sei vereint die treue Schar Aller Gläubgen immerdar. - - - 216Hymnus in die Corporis Christi. Pange lingua gloriosi Corporis mysterium Sanguinisque pretiosi, Quem in mundi pretium Fructus ventris generosi, Rex effudit gentium. Nobis datus, nobis natus Ex intacta virgine, Et in mundo conversatus Sparso verbi semine, Sui moras incolatus Miro clausit ordine. In supremae nocte coenae Recumbens cum fratribus Observata lege plene Cibis in legalibus, Cibum turbae duodenae Se dat suis manibus. Verbum caro, panem verum Verbo carnem efficit, Fitque sanguis Christi merum; Etsi sensus deficit, Ad firmandum cor sincerum Sola fides sufficit. 217- Frohnleichnamslied. Kündet Lippen all des hehren Leibs Geheimniss unentstellt Und des edeln Blutes Ehren, Womit hat entsühnt die Welt Der die Magd sich ließ gebären, Er der Völker Fürst und Held. Uns erforen, uns geboren Von der unberührten Braut, Als er Jüngern unverloren Seines Wortes Saat vertraut, Hat er an des Todes Thoren Noch ein Wunderwerk erbaut. Bei dem letzten Mal im Kreise Ruhend mit der Jünger Schar, Als in des Gesetzes Weise Nun das Lamm genoßen war, Gab den Zwölfen Er zur Speiſe Sich mit eignen Händen dar. Wort ward Fleisch, so schafft der Gute Fleisch aus Brote durch sein Wort, Schafft den Wein zu Christi Blute; Mag der Sinn auch nicht mit fort, Dem einfältgen Herzensmuthe Gnügt des heilgen Glaubens Hort. 10* — 218 Tantum ergo sacramentum Veneremur cernui, Et antiquum documentum Novo cedat ritui: Praestet fides supplementum Sensuum defectui. Genitori, genitoque Laus et iubilatio, Salus, honor, virtus quoque Sit et benedictio, Procedenti ab utroque Compar sit laudatio. S. Thomas Aquinas. 219 Solch erhabnes Bundeszeichen Beten wir mit Ehrfurcht an; Mag die alte Sitte weichen, Da der neue Brauch begann: Was die Sinne nicht erreichen Wird dem Glauben unterthan. Preis und Ehre sei dem Sohne Wie dem Vater zugedacht, Heil und Dank zum Himmelsthrone Schall aus vollen Herzens Macht; Auch dem Geist in gleichem Tone Sei das Loblied dargebracht. - 220De venerabili Sacramento in festo Corporis Christi. Lauda Sion Salvatorem, Lauda ducem et pastorem In hymnis et canticis: Quantum potes, tantum aude, Quia maior omni laude, Nec laudare sufficis. Laudis thema specialis Panis vivus et vitalis Hodie proponitur, Quem in sacrae mensa coenae Turbae fratrum duodenae Datum non ambigitur. Sit laus plena, sit sonora, Sit iucunda, sit decora Mentis iubilatio: Namque dies est solemnis Qua recolitur perennis Mensae institutio. In hac mensa novi regis Novum pascha novae legis Phase vetus terminat. Iam vetustas novitati, Umbra cedit veritati, Noctem lux eliminat. 221Frohnleichnamslied. Lobe, Sion, den Erhalter, Deinen Hirten, Führer, Walter In Gesang und Liedesflug. Lob ihn du nach Deinen Gaben: Der ob allem Lob erhaben, Nimmer lobst du ihn genug. Doch vor Allem was zu loben Sei insonders heut erhoben Das lebendge Lebensbrot, Das zum heilgen Abendmale Eh er schied vom Erdenthale Er der Jünger Zwölfzahl bot. Voll erschalle, lieblich klinge, Freudig sich zum Himmel schwinge Unsrer Seelen Jubelton, Denn der Tag soll wiederkehren, Wo des Nachtmals Heil und Ehren Uns gestiftet hat der Sohn. Statt des Osterlamms, des alten, Sollt ihr neuen Opfers walten Bei des neuen Königs Mal. Sieh, das Alte weicht dem Neuen, Statt des Scheins soll Wahrheit freuen, Nacht vertreibt der Sonne Stral. 222 - Quod in coena Christus gessit, Faciendum hoc expressit In sui memoriam: Docti sacris institutis Panem, vinum in salutis Consecramus hostiam. Dogma datur Christianis, Quod in carnem transit panis Et vinum in sanguinem; Quod non capis, quod non vides Animosa firmat fides Praeter rerum ordinem. Sub diversis speciebus, Signis tantum et non rebus, Latent res eximiae: Caro cibus, sanguis potus; Manet tamen Christus totus Sub utraque, specie. A sumente non concisus, Non confractus, non divisus Integer accipitur. Sumit unus, sumunt mille, Quantum isti tantum ille, Nec sumptus consumitur. 223- - Wie der Herr das Mal begangen, So geschiehts auf sein Verlangen Zum Gedächtniss seinem Tod. Nach der Vorschrift heilger Lehren Weihn wir unser Heil zu mehren Ihm zum Opfer Wein und Brot. Christen wird die Himmelskunde, Daß zu Leib und Blut zur Stunde Weihe wandelt Brot und Wein. Nicht dem Auge, nicht den Sinnen, Doch wird siegreich Raum gewinnen Glaube gegen äußern Schein. Doppelte Gestalt erleſen, Die nur Zeichen ist, nicht Wesen, Hat das Heiligthum sich mild: Blut ist Trank und Fleisch ist Speiſe; Doch ist Christus ganzerweise So in dem als jenem Bild. Nicht zu theilen ist der Segen, Läßt mit Nichten sich zerlegen, Jedem wird er ganz gewährt. Tauſend kosten so wie Einer; Dort nicht größer, hier nicht kleiner Ist das Heil, das ewig währt. - 224 Sumunt boni, sumunt mali, Sorte tamen inaequali, Vitae vel interitus: Mors est malis, vita bonis; Vide paris sumptionis Quam sit dispar exitus. Ecce panis angelorum, Factus cibus viatorum, Vere panis filiorum, Non mittendus canibus! In figuris praesignatur, Quum Isaac immolatur, Agnus Paschae deputatur, Datur manna patribus. Bone pastor, panis vere, Iesu, nostri miserere, Tu nos pasce, nos tuere, Tu nos bona fac videre In terra viventium. Tu qui cuncta scis et vales, Qui nos pascis hic mortales, Tuos ibi commensales, Cohaeredes et sodales Fac sanctorum civium. S. Thomas Aquinas. - 225 — Gut und Bösen wird die Spende, Doch verschieden ist das Ende, Hier zum Leben, dort zum Tod: Bösen Tod, den Guten Leben; Ungleich ist das Ziel gegeben Gleichgenoßnem Himmelsbrot. Dieses ist der Engel Speise, Uns gegönnt zur Pilgerreiſe: Gottes Kindern theilt sie weiſe, Werft sie Hunden nicht zum Schmaus. Vorgebildet früh in Zeichen Mußt ihr Isaaks Opfer gleichen, So das Osterlamm, desgleichen Das Geschenk des Mannathaus. Treuer Hirte, süße Labe, Christ, mit uns Erbarmen habe, Schüß uns Du mit Deinem Stabe, Gönne mild uns jede Gabe, Die da frommt im Erdenreich. Der Du Alles bist und weißest, Uns zu hüten Dich befleißest, Der uns Tischgenoßen heißest, Reine Herzen aufwärts reißest, Mach uns Deinen Heilgen gleich. 226 De Sanctissimo Sacramento. O esca viatorum! O panis angelorum, O manna coelitum! Esurientes ciba, Dulcedine non priva Corda quaerentium. O lympha, fons amoris, Qui puro Salvatoris E corde profluis! Te sitientes pota, Haec sola nostra vota, His una sufficis. 0 Iesu, tuum vultum, Quem colimus occultum Sub panis specie, Fac ut remoto velo Aperta nos in coelo Cernamus acie. 1 227Vom Sacrament des Altars. Labsal der Erdenreise, Der Engel liebste Speiſe, Des Himmels Mannabrot, Der Herzen Hunger stille, Daß uns Erquickung quille Im Leben und im Tod. Du Quell, der Liebe Bronnen, Der lauter kommt geronnen Uns aus des Heilands Brust, Die nach Dir dürsten, tränke: Dem Wunsch Erhörung schenke, So füllt uns Himmelslust. O Herr, auf den wir bauen, Den wir verborgen schauen In dieses Brotes Kleid, Zeig in des Himmels Hallen, Wenn einst die Schleier fallen, Uns Deine Herrlichkeit. - 228 Rhythmus ad Sanctam Eucharistiam. Adoro te devote, Latens deitas, Quae sub his figuris Vere latitas. Tibi se cor meum Totum subiicit, Quia te contemplans Totum deficit. Visus, tactus, gustus In te fallitur, Sed auditu solo Tuto creditur: Credo quidquid dixit Dei filius; Nil hoc veritatis Verbo tutius. In cruce latebat Sola deitas, At hic latet simul Et humanitas. Ambo tamen credens Atque confitens Peto quod petivit Latro poenitens. Plagas sicut Thomas Non intueor, Deum tamen meum Te confiteor: - 229 - Abendmalslied. In Demuth Dich, verborgne Gottheit, bet ich an, Die sich in diese Zeichen Hüllte sonder Wahn: Dir gänzlich untergeben Hab ich Herz und Sinn, Da ich Dich zu faßen Unvermögend bin. Meinen Sinnen allen Giebst Du Dich nicht fund; Nur dem Gehör zu glauben Hab ich allen Grund: Gottes Sohnes Worten Glaub ich ganz allein; Das ist das Wort des Lebens, Nichts kann wahrer sein. Am Kreuze hieng verborgen Deine Gottheit nur; Hier ist auch verborgen Deiner Menschheit Spur. Doch an beide glaub ich Und erbitte mir Was der reuge Schächer Sich erbat von Dir. Ich lege Dir die Hände In die Wunden nicht, Als meinen Gott erkenn ich Dich voll Zuversicht: 230Fac me tibi semper Magis credere, In te spem habere Ac diligere. O memoriale Mortis domini, Panis vivus, vitam Praestans homini: Praesta meae menti De te vivere Et te illi semper Dulce sapere. Pie pelicane, Iesu domine, Me immundum munda Tuo sanguine, Cuius una stilla Salvum facere Totum mundum quit ab Omni scelere. Iesu, quem velatum Nunc adspicio, Oro, fiat illud Quod tam sitio, Ut te revelata Cernens facie Visu sim beatus Tuae gloriae. 231 Lehr mich immer feſter Glauben an dein Wort, Gönne Deiner Hoffnung, Deiner Liebe Hort. Heilig Angedenken An des Herrn Tod, Ewges Leben schenken Willst Du, lebend Brot: So gieb von Dir zu leben Meinem Geiste Kraft, Nur von Gott zu wißen Süße Wißenschaft. Laß Jesu, Herr und Heiland, Frommer Pelican, Von Deinem Blut mich Sünder Reinigung empfahn, Da ein einzger Tropfen, Der hernieder fällt, Alle Sünden tilgen Mag der sündgen Welt. Jesu, dessen Anblick Jeßt sich mir verhüllt, Eins, wonach ich dürste, Werde mir erfüllt: Daß, wenn unverschleiert Stralt Dein Angesicht, Ich dich schauen dürfe Dort im ewgen Licht. - 232 - Hymnus ad Sacram Eucharistiam. Sancti venite, Christi corpus sumite Sanctum bibentes, Quo redempti, sanguinem. Salvati Christi Corpore et sanguine, A quo refecti Laudes dicamus Deo. Dator salutis, Christus filius Deo Mundum servavit Per crucem et sanguinem. Pro universis Immolatus dominus, Ipse sacerdos Exstitit et hostia. Lege praeceptum Immolari hostias, Qua adumbrantur Divina mysteria. Lucis indultor Et salvator omnium Praeclaram sanctis Largitus est gratiam. 233 Gesang bei der Abendmalsfeier. Ihr Frommen nahet, Die ihr Christen ſeid getauft, Den Leib empfahet Und das Blut, das euch erkauft. Von allem Bösen Gab der Heiland Leib und Blut Uns zu erlösen: Dankbar naht dem höchsten Gut. Sein Reich erworben Hat uns Christus, Gottes Sohn, Für uns gestorben Ist er unter Spott und Hohn. Des Heils Bewahrer Litt er an des Kreuzes Stamm, Der Priester war er Selber und das Opferlamm. Mit Blut besiegelt Ward das alte Bündniss auch; Im neuen ſpiegelt Sich geheimnissvoll der Brauch. Des Lichts Verleiher, Der die Seelen nährt und tränft, Hat als Befreier Uns der Schuld Erlaß geschenkt. 11 234 - Accedant omnes Pura mente creduli, Sumant aeternam Salutis custodiam. Sanctorum custos, Rector quoque dominus, Vitam perennem Largitur credentibus. Coelestem panem Dat esurientibus, De fonte vivo Praebet sitientibus. Alpha et Omega Ipse Christus dominus Venit venturus Iudicare homines. - 235 1 Wer mit Verlangen Ihm ein gläubig Herz geweiht, Ein Pfand empfangen Soll er ewger Seligkeit. Der Frommen Hüter Und Beschüßer Jesu Christ Die höchsten Güter Giebt er dem, der gläubig ist. Den Hunger stillet Er mit süßem Himmelsbrot, Der Brunnen quillet Ewgen Heils in Durstes Noth. Das Weltreich endet Christ, der es begonnen hat, Als Richter sendet Der Vater ihn an Seiner Statt. - 236- De S. Maria Magdalena. Lauda mater ecclesia, Lauda Christi clementiam, Qui septem purgat vitia Per septiformem gratiam. Maria soror Lazari, Quae tot commisit crimina, Ab ipsa fauce tartari Redit ad vitae limina. Aegra currit ad medicum, Vas ferens aromaticum, Et a morbo multiplici Verbo curatur medici. Contriti cordis punctio Cum lacrymarum fluvio Et pietatis actio Ream solvit a vitio. Post fluxae carnis scandala Fit ex lebete phiala; In vas translata gloriae De vase contumeliae. - 237- Von Maria Magdalena. Lobpreise, Mutter Kirche, heut Wie milde Gnade Christus beut, Der selbst die siebenfache Schuld Erläßt durch siebenfache Huld. Marie, die Schwester Lazarus, Die viel verbrach im Weltgenuß, Kehrt zu des ewgen Lebens Glück Noch von der Hölle Schlund zurück. Beim Arzte stellt sie frank sich ein Mit dem Gefäß voll Specerein Und auf des Arztes Machtgebot Genest sie von der Sünde Tod. Ihr Herz, das sich der Reu erschloß, Der Thränen Strom, die Sie vergoß, Ihr frommes Thun, an Liebe reich, Tilgt ihre Schuld, unsäglich gleich. Mit Fleischessünden einst bedeckt, Aus Schmach zur Ehre nun erweckt Wird ein Gefäß der Herrlichkeit Aus dem Gefäß der Sinnlichkeit. - 238 Surgentem cum victoria Iesum videt ab inferis, Prima meretur gaudia Quae plus ardebat caeteris. Uni Deo sit gloria Pro multiformi gratia, Qui culpas et supplicia Remittit et dat praemia. DOCE S. Odo Cluniacensis. 239 Sie sah den Herrn im Siegsgewand Zuerst, als er vom Grab erstand, Gewürdigt seinen Glanz zu schaun, Die Jhn geliebt vor andern Fraun. - —— Dem Herrn allein sei Ruhm und Preis Für unerschöpfter Huld Beweis. Die Schuld erläßt er gnadenreich Und lohnt uns dort in seinem Reich. DOCE 240 In festo Assumptionis B. Mariae Virginis. Eja Phoebe, nunc serena Luce pingue faciem: Victrix redit ab arena Bellidux post aciem. Stygias Iudith Phalanges fudit, Maria, terror hostium, Et serpentem Invidentem Pressit rectrix coelitum. Surge victrix! et angusta Terrae linque spatia: Eleva te ad augusta Coelorum palatia! Tot proeliorum, Tot meritorum Parata sume praemia: Tibi, mater, Nati pater Digna ferat gaudia. Cinge currum triumphalem, Coelitum militia: Duc ad coelos hanc ovalem Pompam cum laetitia! 241 - Zu Mariä Himmelfahrt. Phöbus auf, dein Antlig schmücke Heut mit voller Stralen Pracht, Sieh, im Siegeskranz zurücke Kehrt die Fürstin aus der Sch Der höllischen Geiſter Ward Judith Meister, Maria aller Feinde Schreck, Jene lange Zischende Schlange Zertrat die Himmelsherrin keck. Ueberwinderin, nun hebe Dich aus engem Erdenthal, Zu des Himmels Pforten schwebe, Weitgeöffnet steht der Saal. So vieler Siege In manchem Kriege Ist dir erhabner Dank bereit: Dir, des Sohnes Mutter, lohn es Nun des Vaters Herrlichkeit. Schirrt euch an den Siegeswagen, Gottesstreiter, zieht ihn all, In den Himmel sie zu tragen Mit Triumphgesang und Schall. 11* - 242 Lauros inflecte Coronas necte, - Da rosas, sparge lilia; Nam regina Nunc divina Haec subibit atria. Festos ignes excitate O ardores, Seraphim! Dulces hymnos personate, O melliti Cherubim! Io triumphe" " Dux paranymphe, Gabriel, laetus praecine! Haec est verbi Nuntiati Mater: hanc suscipite! Surge, Iesu! in occursum Matri tende brachia, Et ad patrem refer sursum Casta inter basia! Fili! felices Repende vices, Quae te lactavit, virgini; Ad paratum, Ad beatum Duc hanc decus imperi. 243 Den Lorber bindet, Siegskränze windet, - Brecht Rosen, streuet Lilien aus: Die gottgleiche, Tugendreiche Naht dem hohen Himmelshaus. Freudenfeuer laßet wallen, Wonneglühnde, Seraphim, Holder Lieder Klang erschallen, Honigsüße Cherubim! Siegsruf erklinge, Gabriel singe, Brautführer bist du, Allen vor: Die den Hehren Zu gebären Ward gewürdigt, naht dem Thor. Jesu, beide Arme breite Zum Empfang der Mutter, Sohn, Und mit feuschem Kuss geleite Sie zu deines Vaters Thron. Trag sie auf Händen, Den Dank zu spenden, Der Deiner Pflegerin gebührt; Hohem Throne Sei vom Sobne Des Himmels Zierde zugeführt. - 244 Diva trias personarum! Da coronam gloriae, Io, ter io," 29 - Praebe sceptrum auro clarum Reginae victoriae! Regina, pio Consalutemus cantico; Gratulamur, Veneramur Tanto dignam solio. Nunc e terris semper ave, O regina! subditis, Nunc e coelis semper fave Nobis usque miseris. Fortis Bellona, Clemens patrona, Nos tuere servulos, O Maria, Mater pia! Post de trahe filios. Innocentius III. 114 245- - Heilge Dreiheit der Personen, Reich ihr ewgen Ruhmes Kranz, Königin des Siegs, dir lohnen Soll des goldnen Scepters Glanz. Jubelt entgegen Auf allen Wegen Der Königin mit Lobgesang, Neigt mit Grüßen Euch der Süßen, Die zum Thron sich würdig schwang. Königin, aus Erdengründen Steigt Dir brünstiges Gebet; Gnade droben sei von Sünden, Himmlische, uns mild erfleht. Tapfre Streiterin, Gnädige Leiterin, Sei deiner Treuen fester Schild. O Marie! Aufwärts ziehe Uns zum himmlischen Gefild. - 246 Maria sponsum quaerens. Tandem audite me, Sionis filiae! Aegram respicite, Dilecto dicite: Amore vulneror, Amore funeror. Fulcite floribus Fessam languoribus; Stipate citreis Et malis aureis; Nimis edacibus Liquesco facibus. Huc odoriferos, Huc soporiferos Ramos depromite, Rogos componite: Ut Phoenix morior, In flammis ovior. An amor dolor sit, An dolor amor sit, Utrumque nescio; Hoc unum sentio: Blandus hic dolor est, Qui meus amor est. 247- Die schmachtende Maria. Höret mein Bitten doch, Schwestern von Sion, noch; Ich steche, schauet an, Saget dem trauten Mann, Sehnen ermatte mich, Sehnsucht bestatte mich. Stärket die bangende, Labung verlangende; Auf Blumen bettet mich, Ihr Duften rettet mich: Von heißen Schmerzen wund Ist meines Herzen Grund. Schichtet mir heilende, Schlummerertheilende, Knisternde Ruthen auf, Legt mich den Gluthen auf: Als Phönix sterb ich so, Leben erwerb ich so. Ob Liebe Leiden ſei, Ob Lust im Meiden sei Weiß meine Seele nicht; Aber ich hehle nicht, Daß süß das Leiden ist, Wenn Liebe Leiden ist. 248 Quid amor crucias? Aufer inducias! Suavis tyrannus es, Momentum annus est; Tam tarda funera Tua sunt vulnera. - Iam vitae flamina Rumpe, o anima! Ignis ascendere Gestit, et tendere Ad coeli atria: Haec mea patria! 03 1 Co - 249 Liebe, du quälest mich, Triffst und verfehlest mich Mit zu gelinder Pein; Must viel geschwinder sein. Bring schärfre Wunden bei, Daß ich entbunden ſei. Zum Himmel schwinge dich, Seel, und entringe dich. Das Feuer eilt hinauf Mit unverweiltem Lauf Pforten des Himmels zu: Dorten ist Fried und Ruh. 03 CO 250 De Beata Virgine. Salve Regina, Mater misericordiae, Vita, dulcedo Et spes nostra, salve. Ad te clamamus exules filii Hevae, Ad te suspiramus gementes et flentes In hac lacrimarum valle. Eia ergo advocata nostra, Illos tuos misericordes oculos ad nos converte, Et Iesum benedictum fructum ventris tui Nobis post hoc exilium ostende, O clemens, o pia, O dulcis virgo Maria. Hermannus Contractus. 251 An die selige Jungfrau. Gegrüßt sei, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, Unfres Lebens Süßigkeit Und einzige Hoffnung. Zu Dir rufen wir, Evas verbannte Kinder; Zu Dir seufzt und ächzt unser Sehnen In diesem Thal der Thränen. Ach, unsre Fürsprecherin, schicke Hernieder die milden erbarmenden Blicke Und laß uns Jeſum schauen, Die gebenedeite Frucht Deines Leibes, do Einst in des Himmels Auen. O Jungfrau, ich grüße Maria dich milde, dich süße. 252- De Beata Virgine. Quem terra, pontus, sidera Colunt, adorant, praedicant, Trinam regentem machinam Claustrum Mariae baiulat. Cui luna, sol et omnia Deserviunt per tempora, Perfusa coeli gratia Gestant puellae viscera. Beata mater munere, Cuius supernus artifex Mundum pugillo continens Ventris sub arca clausus est! Beata coeli nuntio, Foecunda sancto spiritu, Desideratus gentibus Cuius per alvum fusus est! Quod Eva tristis abstulit, Tu reddis almo germine: Vitam datam per virginem Gentes redemptae plaudite. Iesu, tibi sit gloria, Qui natus es de virgine, Cum Patre et almo Spiritu In sempiterna saecula! Venantius Fortunatus. 253 - An die heilige Jungfrau. Dem Erde Meer und Sternenkreiß Anbetung zollen, Ehr und Preis, Der allen drein gebietet, liegt Nun in Mariens Schooß gewiegt. Dem Sonne, Mond, die Welt so weit Als Herren dient in Ewigkeit, Den trägt der Leib der reinen Maid Durchhaucht von Himmelsgnädigkeit. Beglückte Mutter, selig Looß! Den Schöpfer birgt ihr keuscher Schooß, Den Hocherhabnen, der umspannt Das Weltall hält mit ſeiner Hand. Des Engels Gruß hat Dich beglückt, Der Geist gesegnet und entzückt, Dir in den Schooß gegoßen ward, Der längst den Völkern war erharrt. Durch Evas Schuld verlornes Glück, Dein hehrer Sprößling giebts zurück. Das Leben dankt der Himmelsbraut, Erlöste Völker, jauchzt ihr laut. Lobsinget Jesu immerdar, Den uns die reine Magd gebar, Und ewig seien lobgepreist Der Vater und der heilge Geist. DEREC 254 De beata Virgine, mit Ave maris stella, Dei mater alma Atque semper virgo, Felix coeli porta. Sumens illud Ave Gabrielis ore Funda nos in pace, Mutans nomen Evae. Solve vincla reis, Profer lumen coecis, Mala nostra pelle, Bona cuncta posce. Monstra te esse matrem, Sumat per te precem, Qui pro nobis natus Tulit esse tuus. Virgo singularis, Inter omnes mitis, Nos culpis solutos Mites fac et castos. 255 - An die heilige Jungfrau. Ave, Stern der Meere, A Fleckenlose, Hehre, Mutter doch dem Worte, Selge Himmelspforte. Ave gab Dir Kunde Aus des Engel Munde Evas Namen wendend, Uns auch Segen spendend. Unsre Feßeln löſe, toniz Wend uns alles Böse, Mach die Blinden sehend 14 Ewges Heil erflehend. Dich als Mutter zeige Und erhörend neige Dir sich), Der zur Erden Kam dein Sohn zu werden. Hochgebenedeite, Uns von Schuld Befreite Mache keusch und milde, Maid, nach Deinem Bilde. 256Vitam praesta puram, Iter para tutum, Ut videntes Iesum Semper collaetemur. Sit laus Deo Patri, Summo Christo decus, Spiritui Sancto: Tribus honor unus. C - - 257- Laß in lauterm Handeln Uns unsträflich wandeln, Daß wir Chriſtum schauen In der Selgen Auen. Laßet Lob dem Vater, Christo, dem Berather, Und dem Geist erschallen, Gleiche Ehre allen. 12 - 258 De B. Virgine. O sanctissima, O piissima, Dulcis virgo Maria, Mater amata, Intemerata, Ora, ora pro nobis. Pias lacrymas, Pios gemitus Audi, bona, precamur. Ingruunt hostes, Suffice vires, Ora, ora pro nobis. In miseriis, In augustiis, Ora, virgo, pro nobis; Pro nobis ora In mortis hora, Ora, ora pro nobis. Ut axe sunt serena Nocturna sidera, Ut verna sunt amoena In campis lilia, Sic, virgo, claritatis Es flore fulgida, Sic, mater, caritatis Es rore limpida. DE - 259- - An die heilige Jungfrau. allerſeligste, Liebreich holdseligſte, Süße Jungfrau, erbarme; Mutter, verehrte, Stäts unversehrte, Bitte, bitte für uns Arme. Frommer Thränenflut, Heißer Seufzergluth Laß Dich gnädig erbarmen. Die Feinde dreuen, Hilf sie zerstreuen, Bitte, bitte für uns Arme. In aller Hemmung, In Angstbeklemmung Süße Jungfrau, erbarme; Am letzten Ende Fürbitte spende, Bitte, bitte für uns Arme. Wie hell am Himmelsbogen Die Sterne nächtig glühn, Wie in des Maien Strale Die Lilien prächtig blühn, So Magd, ist deinem Bilde Der Blüthe Glanz erlaucht, So Mutter bist Du milde, Von Güte ganz durchhaucht. - 260 Nautarum cantilena. Congregavit deus aquas Sacro spiritus afflatas, Et vocavit maria: Ego aquas calidarum Congregabo lacrymarum Et vocabo Mariam: O Maria, Semper dulcis, semper pia! Inter tristes cordis luctus, Ite fontes, ite fluctus Sacro tacti flamine! Ite noctes, ite dies: Nulla sit pupillis quies Naufragantis animae! O Maria, Semper dulcis, semper pia! Omnes rivi cursim fluunt Et in sinum maris ruunt, Mare hinc non effluit; Ad Mariam tanquam mare Peccatores currunt: quare? Quia nullum respuit. O Maria, Semper dulcis, semper pia! Si te culpae labes tangit Aut gehennae metus angit, Mentem non deiicies; Habes evadendi viam: 261- Schifferlied. Mit des heilgen Geistes Wehen Rief Gott Vater Flüß und Seeen All herbei zum Ocean; Ich, ein Meer von Thränen gießend, Ganz von Zähren überfließend Will Marien rufen an: D, Du fromme, Süße Magd Maria, komme! Eh das Herz vor Jammer breche Fließet Quellen, fließet Bäche Von des Geistes Gluth durchweht; Schwindet Nächte, schwindet Tage, Nimmer ruht der Seele Klage Bis sie scheiternd untergeht. O Du fromme, Süße Magd Maria, komme! Eilends alle Ströme fließen In das Meer sich zu ergießen, Das doch nimmer überfließt; Wie zum Meere zu Marieen Sieht man alle Sünder ziehen, Weil sie Keinem sich verschließt. D Du fromme, Süße Magd Maria, komme! Wenn dich Sünden schwer belasten, Dich der Hölle Schrecken faßten, Laß den Muth nicht sinken gar: Eine Zuflucht bleibt dir offen, 262 Curre tandem ad Mariam! Haec te non despiciet. 0 Maria, Semper dulcis, semper pia! --Si ventorum murmur fremit, Tempestatum furor premit Cymbam inter scopulos, Ecce maris stella lucet, Cymbam haec in portum ducet, In hanc verte oculos! O Maria, Semper dulcis, semper pia! Maris stella est Maria, Quae te certa ducet via: Stellam maris invoca! Inter tribulationem Fluctus et tentationem Hoc celeusma insona: 0 Maria Semper dulcis, semper pia! Ergo parce, o Maria! Parce servo, mater pia, Si ad te clamaverit; Non recordor me audisse Quemquam te deseruisse, Qui te invocaverit: O Maria, Semper dulcis, semper pia! -0-0-0-0-0-0 263 Auf Marieen darfst du hoffen, Die noch Allen gnädig war: O du fromme, Süße Magd Maria, komme! Hörst du wild die Windsbraut wettern, Will des Sturmes Wuth zerschmettern Zwischen Klippen deinen Kahn, Sieh, der Meeresstern wird lachen, In den Hafen ziehn den Nachen, Gläubig blick zu ihm hinan! Du fromme, Süße Magd Maria, komme! Meerstern ist die Magd geheißen, Die dem Tod dich wird entreißen: Blick empor zum Meeresstern. Wenn des Leides Flut sich thürmet, Die Versuchung ihn umstürmet, Ruft der sündge Schiffer gern: Du fromme, Süße Magd Maria, komme! Schüße denn, Maria, schüße, Sei des Armen Trost und Stütze, Fromme Mutter, der dir naht. Nimmer hat die Welt vernommen, Daß er hilflos sei verkommen, Welcher flehend vor dich trat. O du fromme, Süße Magd Maria, komme! -0-0-0-0-0-0 264S. Casimiri Hymnus de Beata Virgine. Omni die Die Mariae Mea laudes anima: Eius festa, Eius gesta Cole devotissima. Contemplare Et mirare Eius celsitudinem, Die felicem Genitricem, Die beatam virginem. Ipsam cole Ut de mole Criminum te liberet; Hanc appella, Ne procella Vitiorum superet. Haec persona Nobis dona Contulit coelestia; Haec regina Nos divina Illustravit gratia. 265Aus König Casimirs von Polen Lobgesang an die h. Jungfrau. Alle Tage, Seele, sage Von Mariens Lob und Preis; Ihr Vollbringen, Ihr Erringen, Jedes Fest begeht mit Fleiß. Stäts bedenke, Stäts versenke Dich in ihre Herrlichkeit, Die den Hehren Zu gebären Ward erwählt, die reine Maid. Sie verehre, Daß dir wehre Gottes Ingrimm ihre Huld; Zu ihr blicke, Daß sie schicke Kraft zu meiden neue Schuld. Himmelsgaben, Jungfrau, haben Deine Siege uns gewährt; Dir zum Lohne Ward vom Sohne, Daß uns seine Huld verklärt. 12* - - 266Lingua mea, Die trophaea Virgini puerperae, Quae inflictum Maledictum Miro transfert germine. Sine fine Die reginae Mundi laudum cantica; Huius bona Semper sona, Semper illam praedica. Omnes mei Sensus ei Personate gloriam, Frequentate Tam beatae Virginis memoriam. Nullus certe Tam disertae Exstat eloquentiae, Qui condignos Promat hymnos Eius excellentiae. Omnes laudent, Unde gaudent, Matrem Dei virginem, Zunge finge, Daß erklinge - 267- Laut der Magd und Mutter Lob, Die das herbe Fluches- Erbe Kraft des Kindes von uns hob. Immer klinget, Sich erschwinget Königin, Dir unser Sang, Deine Güte Mein Gemüthe Preis und predge lebenslang.? Alle meine Sinne eine, Magd, Dein Dienst, Dein lauter Ruhm, Stäts der Süßen Bild zu grüßen Eil ich in Dein Heiligthum. Wenge haben Rednergaben Auszusprechen Deinen Werth; Wem gelänge, Daß er sänge Lieder, wie Dein Preis begehrt? Ob auch Alles Lauten Schalles Singt der Magd und Mutter Lob, - 268Nullus fingat, Quod attingat Eius celsitudinem. Sed nceesse, Quod prodesse Piis constat mentibus, Ut intendam, Quod impendam Me ipsius laudibus. Cuius vita, Erudita - Quamvis sciam, Quod Mariam Nemo digne praedicet, Tamen vanus Et insanus Est, qui illam reticet. Disciplina coelica, Argumenta Et figmenta Destruxit haeretica. Huius mores Tanquam flores Exornant Ecclesiam, Actiones Et sermones Miram praestant gratiam. — 269Glaube Keiner, Daß sich Einer Je zu ihrer Höhe hob. Dennoch will ich, Weil es billig Ist und frommen Sinn verschönt, Alle Kräfte Dem Geschäfte Widmen, daß Dir Lob ertönt. Weiß ich freilich Dich so heilig, Daß kein würdig Lob Dir steigt, Doch bethörten, Ganz verstörten Sinn hat, wer es gar verschweigt. Deren Leben, Fromm ergeben In das Wort, von Gott erdacht, Allem Grübeln, Aller übeln Keßerweisheit nahm die Macht. Lieblich blühte Ihr Gemüthe, Nun der Kirche Stolz und Lust, All ihr Wandeln, All ihr Handeln Sproß aus anmuthreicher Brust. - 270Evae crimen Nobis limen Paradisi clauserat; Haec dum credit Et obedit Coeli claustra reserat. Propter Evam Homo saevam Accepit sententiam; Per Mariam Habet viam, Quae ducit in patriam. Haec amanda Et laudanda Cunctis specialiter: Venerari - Et precari Eam decet iugiter. Ipsa donet Ut, quod monet Natus eius, faciam: Ut finita Carnis vita Laetus hunc aspiciam. - 271- Evas Wanken Hat die Schranken Uns versperrt der Seligkeit, Doch der Hallen Riegel fallen, Glaubt und dient ihr wie die Maid. Evas Schwächen An uns rächen Wollte Gottes strenge Hand; Durch Marieen Heimzuziehen Ist gewährt ins Vaterland. Sie zu lieben Wird getrieben, Sie zu loben Herz und Mund: Im Vereine, Christgemeine, Thu ihr Lieb und Andacht fund. Selbst nun walte, Daß ich halte Deines hehren Sohns Gebot, Dort in Frieden Mir beschieden Sei Sein Anblick nach dem Tod. 272 Laudismus de S. Cruce. Recordare sanctae crucis, Qui perfectam vitam ducis Delectare iugiter. Sanctae crucis recordare, Et in ipsa meditare Insatiabiliter. Quum quiescas aut laboras, Quando rides, quando ploras Doles sive gaudeas; Quando vadis, quando venis, In solatiis, in poenis. Crucem corde teneas. Crux in omnibus pressuris, Et in gravibus et duris Est totum remedium. Crux in poenis et tormentis Est dulcedo piae mentis Et verum refugium. Crux est porta Paradisi, In qua Sancti sunt confisi, Qui vicerunt omnia. Crux est mundi medicina, Per quam bonitas divina Facit mirabilia. - 273 Preis des heiligen Kreuzes. Denk an Christi Kreuzesleiden; Sich an eiteln Freuden weiden Ist das rechte Leben nicht. An das Kreuz des Herren denken, In sein Leid das Herz versenken Unersättlich sei dir Pflicht. Magst du schlafen, magst du wachen, Magst du weinen oder lachen, In der Freude wie im Schmerz, Magst du gehen oder kommen, So beim Schaden wie beim Frommen Schließe Christi Kreuz ins Herz. Christi Kreuz ist dir auf Erden In den härtesten Beschwerden Stäts ein zuverläßger Hort. Labsal bringt es frommen Herzen, In der Marter, bei den Schmerzen Ists ein sichrer Zufluchtsort. Christi Kreuz schenkt ewges Leben, Hat den Heilgen Kraft gegeben Zu bestehn der Feinde Wuth. Zur Arznei der Welt zu dienen Ist uns Christi Kreuz erschienen, Das die grösten Wunder thut. T - 274- Crux est salus animarum, Verum lumen et praeclarum, Et dulcedo cordium. Crux est vita beatorum Et thesaurus perfectorum, Et decor et gaudium. Crux est speculum virtutis, Gloriosae dux salutis, Cuncta spes fidelium. Crux est decus salvandorum, Et solatium eorum Atque desiderium. Crux est arbor decorata, Christi sanguine sacrata, Cunctis plena fructibus; Quibus animae eruuntur, Cum supernis nutriuntur Cibis in coelestibus. Crucifixe! fac me fortem Ut libenter tuam mortem Plangam donec vixero. Tecum volo vulnerari, Te libenter amplexari In cruce desidero. S. Bonaventura. 275 Aller Herzen Heil und Woune Ist das Kreuz, des Lebens Sonne, Süße Labe jeder Brust. Ist das Leben der Verklärten, Ist der Schaß der Treubewährten, Ihre höchste Zier und Lust. Aller Tugend ist ein Spiegel Christi Kreuz, des Heiles Siegel, Dem die Gläubgen einzig traun. Wen die Sünde hält befangen, All sein Wunsch und sein Verlangen Ist zum Kreuz empor zu schaun. Christi Kreuz ist der geschmückte, Durch sein heilig Blut beglückte, Guter Früchte volle Baum: Die das Leben fromm verhauchen Sollen solcher Kost gebrauchen Dort im selgen Himmelsraum. Gott am Kreuze, gieb mir Stärke Deines Tods bei jedem Werke Zu gedenken weil ich bin. Deine Wunden mitzutragen, Mit Dir an das Kreuz geschlagen Dich zu küssen, wünscht mein Sinn. - 276- De sancta Cruce. Crux ave benedicta! Per te mors est devicta, In te pependit Deus, Rex et Salvator meus. O arborum regina, Salutis medicina, Pressorum es levamen, Et tristium solamen. O sacrosanctum lignum, Tu vitae nostrae signum, Tulisti fructum Iesum, Humani cordis esum. Dum crucis inimicos Vocabis et amicos, O Iesu, fili Dei, Sis, oro, memor mei. - - 277- - An das Kreuz des Herrn. Dir Kreuz mein Gruß und Segen, Dir ist der Tod erlegen, An dir hat Gott gehangen, Das Heil mir zu erlangen. Du aller Bäume Krone, Arznei dem Erdensohne, Befreist die Unterdrückten, Machst Dulder zu Beglückten. Hochheilig ohne Gleichen, Du unsres Lebens Zeichen, Du trugst in Fruchtbaums Weiſe Jesum, der Herzen Speiſe. Einst rufst Du die Gemeinde, Die Freunde wie die Feinde Des Krenzes: hab Erbarmen Dann, Gottes Sohn, des Armen. - 278Columbae suspirium. Ecquis binas Columbinas Alas dabit animae, Ut ad almam Crucis palmam Evolet citissime, In qua Iesus Totus laesus Nobis dat refugium, Praesentatis Ad hoc gratis Quinque plagis vulnerum. O insignis Amor ignis, Cor accende frigidum; O divini Vis camini, Cor consume carneum; Fac me tecum Permanere, Fac me te diligere; Da coniungi, Da defungi Tecum, Iesu, vivere! -- 279 Die schmachtende Taube. Daß ich Schwingen Könnt erfingen, Schwingen wie die Taube hat, Hinzufliegen, Mich zu schmiegen An der Kreuzespalmen Statt, Wo der Heiland Sterbend weiland Uns erwarb des Himmels Port; Bäche floßen, Uns vergoßen, Fünf ihm aus den Wunden dørt. Gottes Güte, Mein Gemüthe Laß es nicht mehr spröd und falt; Zehre, hohe Himmelslohe, Es mit deiner Allgewalt. Dein zu denken, Ganz zu senken Gönne mir in Dich den Sinn, Laß mein Leben Zu Dir streben, Sei im Tode mein Gewinn. - 280 - Per felices Cicatrices Precor et per sanguinem, Perque trucis Necem crucis, Fac me tuum militem! Dum hic certo, In aperto Tuo corde me insere Ut columbam Gemebundam Petrae in foramine. Haec caverna Sit aeterna Mei cordis mansio, Hic quiescam, Hic senescam, Hic morando moriar, Ut supernae Et paternae Consors fiam gloriae, Qui amati Vulnerati Non recessi latere. - 281- Deine Narben Fünf erwarben, Mir dein Blut verströmt mit Pein, Mir am herben Kreuz dein Sterben, Daß ich darf dein Kämpfer sein. Weil ich streite In die Seite, In dein Herz, Herr, schließ mich ein, Wie in Sorgen Seufzt verborgen Eine Taub im hohlen Stein. In die Höhle Meine Seele Flücht ich vor der Erdennoth, Da zu bauen, Zu ergrauen, Zu erwarten meinen Tod, Daß nach Oben Einst erhoben Ewge Freude kröne mich, Der im Streite Von der Seite Dir, Erlöser, nimmer wich. 90 13 S - 282Hymnus de Martyribus. Aeterna Christi munera Et martyrum victorias, YR Laudes ferentes debitas, Laetis canamus mentibus. Al Ecclesiarum principes, Belli triumphales duces, Coelestis aulae milites Et vera mundi lumina. Terrore victo saeculi Poenisque spretis corporis Mortis sacrae compendio Vitam beatam possident. Traduntur igni martyres Et bestiarum dentibus, Armata saevit ungulis Tortoris insani manus. Nudata pendent viscera, Sanguis sacratus funditur, Sed permanent immobiles Vitae perennis gratia. Devota sanctorum fides, Invicta spes credentium, Perfecta Christi caritas Mundi triumphat principem. 283 Lob der Märtyrer. Vom ewgen Lohn, den Christus leibt, Der Märtrer Siegesherrlichkeit Stimmt frohe Lobeslieder an Und laßt sie würdgen Preis empfahn. Der Kirche Fürsten hoch und hehr Vorkämpfend in des Heilands Heer, Der Himmelsburg zum Schuß beſtellt, Die wahren Lichter dieser Welt. Die Schrecken sind der Welt besiegt, Die Schmerzen all, die sie bekriegt; Ein schöner Tod, wie kurz er war, Gab ihnen Freuden immerdar. Sie scheuen nicht des Feuers Gluth, Sie schreckt nicht wilder Thiere Wuth, Zerfleischt von roher Henkershand Mit scharfem Stahl, sie halten Stand. Zerrißen hängt ihr Eingeweid, Ihr Blut entströmt, das Gott geweiht, Sie bleiben standhaft, wohlbewust, Den Schmerz vergilt des Himmels Lust. Der feste Glauben an den Herrn, Die Hoffnung, allem Zweifel fern, Die Liebe, die zu Christus hält Besiegt die Zwingherrn dieser Welt. - 284 - In his paterna gloria, In his voluntas spiritus, Exsultat in his filius, Coelum repletur gaudiis. Te nunc redemptor quaesumus Ut ipsorum consortio Iungas precantes servulos In sempiterna saecula. S. Ambrosius. - 285- So kämpfen sie des Vaters Schlacht, So siegt des Geistes Willensmacht, So wird des Sohnes Glanz enthüllt, Mit Lust die Himmel all erfüllt. Nun flehn wir Dich, Erlöser, an, Laß alle Gläubgen Theil empfahn An Deiner Streiter Herrlichkeit Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - 286- - Mundi vanitas. Cur mundus militat Sub vana gloria, g Cuius prosperitas Est transitoria? Tam cito labitur Eius potentia Quam vasa figuli, Quae sunt fragilia. Plus crede literis Scriptis in glacie Quam mundi miseri Vanae fallaciae. Fallax in praemiis Virtutis specie, Qui nunquam habuit Tempus fiduciae. Credendum magis est Vitris fallacibus, Quam mundi miseris Prosperitatibus, Falsis insomniis Et voluptatibus, Falsisque studiis Et vanitatibus. - 287- Eitelkeit der Welt. Was ringt die Welt so sehr Nach Schein und Nichtigkeit? Kennt man doch ihres Glücks Unstäte Flüchtigkeit. Siehe, so schnell zergeht Irdische Herrlichkeit Als ein Gefäß von Thon Voller Zerbrechlichkeit. Beßer geschriebnem Wort, Stünd es in Eis gehaun, Als auf der eiteln Welt Leere Verheißung traun. Täuschend verspricht sie dir Tugendlich anzuschaun, Nimmer doch war darauf Hütte noch Haus zu baun.. Ehe dem Glasſe trau, Welches ein Nu zerbricht, Doch auf der Welt Gewinn Ist keine Zuversicht. Was sie von Glück und Lust, Frieden und Ruh verspricht, Willst du dem Traume nachjagen? o thu es nicht. 288 Die ubi Salomon Olim tam nobilis, Vel ubi Samson est Dux invincibilis, Vel pulcher Absalon Vultu mirabilis, Vel dulcis Ionathan Multum amabilis? Quo Caesar abiit Celsus imperio, Vel dives splendidus Totus in prandio? Die ubi Tullius Clarus eloquio, Vel Aristoteles Summus ingenio? Tot clari proceres, Tot retro spatia, Tot ora praesulum, Tot regna fortia; Tot mundi principes, Tanta potentia: In ictu oculi Claudentur omnia! Quam breve festum est Haec mundi gloria! Ut umbra hominis Sic eius gaudia, 289Sprich, wo ist Salomon, Zierde des Morgenlands? Wo ist nun Samson hin, Feldherr im Siegeskranz? Schönheit des Absalon, Wo ist ihr Liebesglanz? Jonathans wonnevoll Angesicht, blieb es ganz? Wo schwand nun Gäsar hin, Prangend in Herrschermacht? Xerres beim Festgelag Prassend bis in die Nacht? Sprich wo ist Tullius, Schimmernd in Redepracht? Wo Aristoteles, Welcher so tief gedacht? So hoher Fürsten Zahl, So vieler Zeiten Raum, So viel Gewaltige, Reiche, man zählt sie kaum, So viele Herrn der Welt: Alle der Herrschaft Traum, In einem Augenblick Schwindet er hin wie Schaum. welch ein kurzes Fest Bist du, o Erdenlust! Freude dem Schatten gleich Bald du verschwinden must. 13* - 290 11 Quae semper subtrahunt Aeterna praemia, Et ducunt hominem Ad dura devia. O esca vermium, O massa pulveris, O ros, o vanitas Cur sic extolleris? Ignoras penitus Utrum cras vixeris: Fac bonum omnibus Quamdiu poteris! Haec carnis gloria, Quae magni penditur, Sacris in literis Flos foeni dicitur. Ut leve folium, Quod vento rapitur, Sic vita hominum Hac via tollitur. Nil tuum dixeris Quod potes perdere, Quod mundus tribuit Intendit rapere. Superna cogita, Cor sit in aethere: Felix qui poterit Mundum contemnere. S. Bernardus. - 291- Ach und den ewgen Lohn Raubst du der Menschenbruſt, Führst auf dem irren Weg Nur zu des Heils Verlust. Speise der Würmer du, Asche nach kurzer Frist, Thau vor dem Sonnenstral, Der sich so hoch vermißt. Ist dir doch unbekannt Ob du noch morgen bist: Eile dich wohlzuthun Weil es noch thunlich ist! Weltliche Herrlichkeit, Die für so werthvoll gilt, Schildert uns Gottes Wort Unter des Laubes Bild. O leicht entführtes Blatt, Wie nur ein Lüftchen schwillt! Flüchtiges Leben, dieß Führest du auch im Schild. Was sich verlieren läßt Eigne sich keiner an: Die Welt nimmt ihr Geschenk Wieder von Jedermann. Denk an das Bleibende, Herz, strebe himmelan: Selig ist in der Welt Wer sie verachten kann. - 292- De Novissimis. Hora novissima Tempora pessima Sunt, vigilemus! Ecce minaciter Imminet arbiter Ille supremus. Imminet, imminet Ut mala terminet, Aequa coronet, Recta remuneret, Anxia liberet, Aethera donet. Auferat aspera, Duraque pondera Mentis onustae; Sobria muniat, Improba puniat, Utraque iuste. Ille piissimus, Ille gravissimus Ecce venit rex. Surgat homo reus, Instat homo Deus, A patre iudex. - 293- - Vermeßenheit der Zeit. Stündlich, ach, wächst der Zeit Arge Vermeßenheit: Laßet uns wachen! Siehe mit Drohewort Nahet der Hohe dort Ende zu machen. Nahet schon, nahet schon, Wendet der Uebel Drohn, Redliche frönend; Gutes er treu vergilt, Löset von Sorgen mild, Himmlisch versöhnend. Tilget was rauh und schief, Hebet die Schwere tief Geistigen Leides; Lohnt der Enthaltſamkeit, Züchtigt Gewaltſamkeit, Billig ist Beides. Sieh, dieser liebende, Strenge doch übende König, schon naht er. Sündiger Mensch, ersteh, Gottmensch ist in der Näh, Er für den Vater. - 294- Carmen poenitentium. O caeca mens mortalium, Quousque quaeris vanitatem, f Oblita spiritualium Non cogitas aeternitatem? Quo tendis, ah, quo properas? Cur finem haud consideras? Honores, opes, praedia 60 of Et sceptra transeunt momento; Venustas formae, media Sunt saepe nobis nocumento: Mundana quid sunt omnia Quam fumus, umbra, somnia? Sic ergo cuncti vivite Vivatis ut aeternitati; Sic mori iam nunc discite Ne moriamini damnati: Aeternitas vos terreat, Aeternitas vos urgeat. 295- Ermahnung zur Neue. Wie lang, o blinder Menschensinn, Willst Du in Eitelkeit dich senken, Vergeßend was dem Geist Gewinn Nicht an die Ewigkeit gedenken? Wo strebst du hin? Du eilst so sehr Und achtest nicht des Endes mehr. Ach Ehre, Reichthum, Herrlichkeitoll Vergehn, ein Scepter bricht in Scherben, Ein schöner Leib und Ueppigkeit, Sie dienen oft nur zum Verderben, Und mehr ist alles Irdsche kaum Als Rauch und Schatten, flüchtger Traum. Drum lebet so, daß ihr erwerbt Das Leben in den Ewigkeiten; Daß ihr den ewgen Tod nicht sterbt, Lernt hier euch auf den Tod bereiten: Seid eingedenk der Ewigkeit! Die laßt euch schrecken allezeit. - 296Rhythmus de die mortis. Gravi me terrore pulsas, Vitae dies ultima, Moeret cor, solvuntur renes, Laesa tremunt viscera, Tuam speciem dum sibi Mens depingit anxia. Quis enim pavendum illud Explicet spectaculum, Quum dimenso vitae cursu Carnis aegra nexibus Anima luctatur solvi Propinquans ad exitum. Perit sensus, lingua riget, Resolvuntur oculi, Pectus palpitat, anhelat Raucum guttur hominis, Stupent membra, pallent ora, Decor abit corporis. Ecce! diversorum partes Confluunt spirituum: Hic angelicae virtutes, Illic turba daemonum; Illi propius accedunt, Quos invitat meritum. 297 Vom Todestage. Wie du mich mit Schrecken schüttelst, Tag, wo mir die Seel entschwebt; Wie mir Herz und Nieren kranken, All mein Eingeweide bebt, Wenn dein Bild, o Schreckensanblick, Sich vor meinem Sinn erhebt. Wer mag dich zu Ende denken, Furchtbar unvermeidlich Looß, Wenn des Lebens Pulse stocken, Von des Fleisches Banden los Sich die sieche Seele ringet Und der Leib zum Grabesschooß. Zunge stockt, die Sinne schwinden, Das verwandte Auge bricht, Zuckend ächzt das Herz, die Lunge Lechzt nach Luft und findet nicht, Starr die Glieder, bleich die Lippen, Tief entstellt das Angesicht. Ha, jetzt drängen vor dein Lager Geister sich, von zweier Art: Hier der Tugend Engelbilder, Lasterteufel dort geschart; Doch die treten dir am nächsten, Welchen du dein Herz gepaart. - 298 Praesto sunt et cogitatus, and Verba, cursus, opera; Et prae oculis nolentis Glomerantur omnia: of Illuc tendat, huc se vertat, Coram videt posita. Torquet ipsa reum suum 41 Mordax conscientia, Plorat, acta corrigendi Defluxisse tempora, Plena luctu caret fructu Sera poenitentia. domes Falsa tunc dulcedo carnis In amarum vertitur, Quando brevem voluptatem Perpes poena sequitur, 204 JUR Iam quod magnum credebatur Nil fuisse cernitur.f. Atsi mens in summae lucis. Gloriam extollitur, Aspernatur lutum carnis Quo mersa provolvitur, Et ut carcerati nexu Laetabunda solvitur. Quaeso, Christe, rex invicte, Tu succurre misero, 299- All dein Wandel, Thun und Trachten, Worte selbst, Gedanken gar, Ob dein Auge sich verschließet, 13 Dichter füllt sich stäts die Schar: Wie Du hin und her dich wendest, Du erblickst sie nur zu klar.net) - An des Schuldgen Busen naget f Des Gewissens scharfer Zahn: nol Ach, daß er in Sack und Asche ort Buße nicht zur Zeit gethan! ziad Wie er traure jetzt und schaure, of Keine Buße mag verfahn.ne in Weh, der falschen Freuden Süße Wandelt sich in Bitterfeit, Jenem kurzen Sinnenrausche buæ00) Folgt der Strafe Nüchternheit: 1999 Was des Wunsches würdig deuchte Zeigt nun seine Nichtigkeit. Wenn die Seele zu des Lichtes Lauterm Glanz erhoben wird, Eckelt sie der Pfuhl der Lüste, Drein sie schwelgend sich verirrt, Froh daß sich der Kerker aufthat, Und die Kette nicht mehr flirrt. Christus, fleh ich, Siegeskönig, Hilf dem Armen gnädiglich, - 300- - Sub extrema mortis hora Quum iussus abiero, Nullum in me ius tyranno Praebeatur impio. Cadat princeps tenebrarum, Cadat pars tartarea; Pastor ovem iam redemptam Tunc reduc ad patriam, Ubi te videndi causa Perfruar in saecula. S. Petrus Damiani. Antiphona de morte. Media vita In morte sumus: Quem quaerimus adiutorem Nisi te, domine, Qui pro peccatis nostris Iuste irasceris. Sancte Deus, Sancte fortis, Sancte et misericors salvator: Amarae morti ne tradas nos. -301- Daß, wenn einst nach deinem Willen Auch mein Geist der Erd entwich, Keine Macht dem grimmen Zwingherrn Sei verstattet über mich. Fluch dir, Fürst der Finsternisse, Fluch des Abgrunds schwarzer Brut! Führe, Hirt, dein Schäflein wieder Heim in deiner Hürde Hut, Daß es stäts an deinem Anblick Dort sich weide, höchstes Gut. Vom Tode. Mitten im Leben Sind wir vom Tod umfangen: Willst Du nicht Hülfe geben, Wo sollen wir Trost erlangen? Herr, den unsre Missethat Mit Recht erzürnet hat. Heiliger Gott, Allmächtiger Gott, Erhabner, barmherziger Heiland: Gieb uns nicht Preis dem bittern Tod. gooltto 302- - do De terrore mortis. matk Horrenda mors, tremenda mors, 192 Telo minax et arcu, Fatale torquet spiculum, n Nulla quod arte vites. Ceu fumus evanescimus, Eliminamur omnes: an Abibis hinc! fulgentibus Non flectitur metallis.hr A Genae rigebunt cereae, Fax luminum fatiscet; Nec pectus eluctabitur, In ore vox dehiscet. ng Laudata forma concidet, Arteriae pavebunt, Gelu madebis horrido Obsessus a Charonte. Te lectus uret anxius, Curis cor exedetur; Cui vivens vita" dictus es, 17 1708 99 Defunctus ipsa mors es. Avere te qui millies Iussit, iubet valere! Postesque furtim transvolat, Quos ante basiabat. MR 303 - Von den Schrecken des Todes. Der Tod ist schlimm, der Tod ist grimm; Er zielt mit Pfeil und Bogen og I Und trifft gewiss, es hat sich ihm Noch keine Kunst entzogen.p Wie loser Rauch zergehn wir auch, Er wird uns All vertreiben: niand Fort must, du fort, er läßt den Mord Für Gold nicht unterbleiben. Erbleiche, voller Wangen Roth, Der Augen Glanz verglimme, Die starke Brust bezwingt die Noth, Im Mund versagt die Stimme. Der Leib zerfällt, ihn pries die Welt, Die Pulse stocken bange, Bald kalt bald heiß ergreift ein Schweiß Dich in des Tods Umfange.f Ein brennend Bett der Angst ist dieß, Das Herz zerreißen Sorgen: Der lebend dich sein Leben hieß, Todt bist du Tod ihm morgen.b Der tausendfach„ Gott grüß dich" sprach, Sagt jego:„ Gott befohlen!" Wie war genehm dein Haus vordem! Vorbei ihm nun verstoblen. 304 Prope post mortem mortui Cadaver efferere: Lamenta erunt solatia Uxoris et nepotum: Cras lacrymae reconditos Vertentur in cachinnos! Sed tu subi scrobem, subi! Haec fossa sorbet orbem. - Specum iacentis incolunt Venena, bufo, vermes: Hos aulicos haec aula fert, His gratus imperabis. Tributa pendes vermibus Stipendiumque blattis: Fas his erit grassarier Per ossium medullas. Cognata gentis atria Mox finient dolorem: Semestre ducent lugubre, Vertentque mox amorem. Levem precata cespitem Perenne te silebunt! Haeres talenta dividet, Te divident lacertae. 09600 Co 305Kaum bist du todt, so eilet man Den Leib hinauszutragen; Der Gattin, den Verwandten kann Nichts wehren lautes Klagen. Die Thränenflut, die heut nicht ruht, - Wird morgen Lachen bringen: So fahre Du der Grube zu, Die alle soll verschlingen. Im Schooß des Grabes bei dir sind Viel Kröten, Schlangen, Unken, Das ist des Hofes Hofgesind, Wo du sollst herrschend prunken. Du zahlst den Sold dem Würmervolf Und Zins dem Madenheere, Daß es mit Lust an deiner Bruſt, Am Mark der Knochen zehre. Derweil zerrinnt bei Weib und Kind Die Trauer gar im Sande, Eh halb das Jahr verfloßen war Schloß Liebe neue Bande. An Grabes Ranft ein„ Schlummre sanft," Auf ewig dann vergeßen; Dein Sohn verthut dein Hab und Gut, Dich frißt der Wurm indessen. 03CO Co 14 - 306- Cygnus exspirans. Parendum est, cedendum est, Claudenda vitae scena, Est iacta sors, me vocat mors: Haec hora est postrema. Valete res, valete spes: Sic finit cantilena! O magna lux, sol, mundi dux! Est concedendum fatis; Duc lineam ecclypticam: Mihi luxisti satis! Nox incubat; fax occidit, Iam portum subit ratis. Tu cythara argentea, Vos aurei planetae, Cum stellulis ocelluli Nepotibus lucete! Fatalia, lethalia Mi nunciant cometae. Ter centies, ter millies Vale, immunde munde! Instabilis et labilis Vale, orbis rotunde! Mendaciis, fallaciis Lusisti me abunde. - 307- Schwanenlied. Es ist vorbei, geschieden sei, Des Lebens Vorhang sinket, Der Würfel fiel, ich steh am Ziel, Die letzte Stunde winket. Leb Hoffnung wohl, auch du bist hohl, So schließt das Lied und hinket. Schein immer, Licht der Welt, doch nicht Hinfort auf meine Sachen, Zieh himmelan auf stolzer Bahn, Mir sollst du nicht mehr lachen. Es sinkt die Nacht, es ist vollbracht, Den Hafen sucht mein Nachen. Der Either trauter Silberlaut, Ihr goldenen Planeten, Ihr Sternelein, Weltäugelein, Scheint Andern, seid gebeten! Mir schlimme Noth, den grimmen Tod Verkünden die Cometen. Lebwohl vielmal, vieltauſendmal, Unfeste Erdenveste, Lebwohl, du tollst, lebwohl du rollst Und täuschest deine Gäste. Mit Lug und Trug hast du genug Auch mich gehabt zum Besten. 308- Lucentia, fulgentia Gemmis, valete, tecta, - Seu marmore, seu ebure Supra nubes erecta! Ad parvulum me loculum Mors urget equis vecta. Lucretiae, quae specie Gypsata me cepistis, Imagines, voragines, Quae mentem sorbuistis, En oculos, heu! scopulos Extinguit umbra tristis. Tripudia, diludia Et Fescennini chori Quiescite, rauceseite! Praeco divini fori Mors intonat et insonat Hunc lessum: debes mori. Deliciae, laetitiae Mensarum cum culina; Cellaria, bellaria Et coronata vina, Vos nauseo! dum haurio Quem scyphum mors propinat. - 309Lebt wohl auch Ihr, Palläste, mir Mit edelm Erz beschlagen, Die mit Gestein und Elfenbein Die Wolken überragen; Klein ist der Ort, zu dem mich fort Arabiens Hengste tragen. - Ihr Mädchen hold, die mit dem Gold Der Locken mich gefangen, Die mich entzückt, ach, ganz berückt Habt mit bemalten Wangen; Der Lippen Zier, einst Klippen mir, Jm Tod erlischt das Prangen. Aus ist der Tanz, der Mummenschanz, Die ausgelaßnen Lieder Verstummen all; mit rauhem Schall Ruft Gottes Herold nieder, Der Tod, und weiß nicht andre Weis Als: Werde Erde wieder. Ihr Leckerein, ihr Schleckerein, Der Schüßeln langer Reigen, Wildbrät und Lachs voll Wohlgeschmacks, Der Pfropfen knallend Steigen, Ihr schafft mir Noth, da nun der Tod Credenzen will die Neigen. 310Facescite, putrescite Odores vestimenti! Rigescite deliciae, Libidinum fomenta! Deformium me vermium Manent operimenta. O culmina, heu! fulmina, Horum fugax honorum! Tam subito, dum subeo Aeternitatis domum. Ridiculi sunt tituli Foris et agunt momum. Lectissimi, carissimi Amici et sodales! Heu! insolens et impudens Mors interturbat sales. Sat lusibus indulsimus: Extremum dico vale! Tu denique, corpus, vale! Te, te citabit totum, Te conscium, te socium Dolorum et gaudiorum! Aequalis nos exspectat sors Bonorum vel malorum. 311 Ihr Kleider fort! und modert dort Sammt Seifen und Pomaden, Ihr wart gemacht nur und erdacht Zur Wollust einzuladen: Gar übel riecht, das in mich kriecht, Der Würmer Heer und Maden. Die Lust war kurz und jäh der Sturz Der Aemtersucht, der leeren, Zerplagt zur Stund, wenn sie mit Grund Die Lade mir beschweren: Nur Narrentand sind allesammt Die Titel und die Ehren. Erlesene geweſene Genoßen und Gespielen, Es mengt Freund Hain und drängt sich ein In unsre losen Spiele: Den Bogen spannt die Knochenhand Und nimmt mein Herz zum Ziele. Lebwohl dir jetzt, mein Leib, zuletzt, Dich will er ganz verderben, In Freud und Leid mir jederzeit Getreu, doch must du sterben. Klein oder groß, ein gleiches Looß Soll Seel und Leib erwerben. - 312In exequiis defunctorum. Iam moesta quiesce querela, Lacrymas suspendite matres; Nullus sua pignora plangat, Mors haec reparatio vitae est. Quid nam sibi saxa cavata, Quid pulchra volunt monumenta, Res quod nisi creditur illis Non mortua, sed data somno. Nam quod requiescere corpus Vacuum sine mente videmus, Spatium breve restat ut alti Repetat collegia sensus. Venient cito saecula, cum iam Socius calor ossa revisat, Animataque sanguine vivo Habitacula pristina gestet. Quae pigra cadavera pridem Tumulis putrefacta iacebant, Volucres rapientur in auras Animas comitata priores. Sic semina sicca virescunt Iam mortua, iamque sepulta, Quae reddita cespite ab imo Veteres meditantur aristas. 313- Beim Leichenbegängniss. Nun laßet die Klage verstummen, Nun wehret, ihr Mütter, den Thränen, Das Leben entblühet dem Tode: Warum sich denn härmen und sehnen? Denn was fünden uns diese Gewölbe, Und das herrliche Mal, das ihr richtet? Als daß sie nur Schlummernde decken, Die keine Verwesung vernichtet. Die nun von der Seele verlaßen Hier rastet, die sterbliche Hülle, Eine kurze Frist, so vermählt sie Sich dem Geist in erneuerter Fülle. Nicht lang so gesellt dem Gebeine Die belebende Wärme sich wieder, Und dem Geiste zur Wohnung bereitet Durchdringen mit Blut sich die Glieder. Die so lange, verwesende Leichen, Hier lagen im Moder der Grüfte, Nun schwingen sie Vögeln vergleichbar Sich dem Geiste vermählt in die Lüfte. So feimen die Körner des Samens, Begraben, so schiens in der Erden; Doch dringen sie bald aus dem Grunde Schwernickende Halme zu werden. 14* 314Nunc suscipe terra fovendum. Gremioque hunc concipe molli: Hominis tibi membra sequestro, Generosa et fragmina credo. 1 - Animae fuit haec domus olim, Factoris ab ore creatae; Fervens habitavit in istis Sapientia principe Christo. Tu depositum tege corpus: Non immemor ille requiret Sua numera fictor et auctor Propriique aenigmata vultus. Veniant modo tempora iusta, Quum spem Deus impleat omnem, Reddas patefacta necesse est Qualem tibi trado figuram. Aurelius Prudentius Clemens. voor - 315- Nimm Erde den schlummernden Pflegling Und birg ihn im traulichen Schooße, Die herrlichen Glieder des Menschen, Geschaffen zu schönerem Looße. Dieß war einst der Seele Behausung, Die vom Munde des Schöpfers gefloßen; Hier hat sich von Christus entzündet Das Feuer der Weisheit ergoßen. Bewahre nun, Erde den Leichnam, Einst fordert die göttliche Milde, Sein Werk einst heischet der Meister, Das er schuf nach dem eigenen Bilde. Gott wird die Verheißungen tilgen, Wenn der Tag der Erfüllung erschienen, Dann muß dein Schooß sich erschließen, Zu entlaßen den Leib, den geliehnen. 84 - 316Rhythmus de gloria et gaudiis paradisi. Ad perennis vitae fontem Mens sitivit arida; Claustra carnis praesto frangi Clausa quaerit anima: Gliscit, ambit, eluctatur Exul frui patria. Dum pressuris ac aerumnis Se gemit obnoxiam, Quam amisit, dum deliquit, Contemplatur gloriam, Praesens malum auget boni Perditi memoriam. Nam quis promat summae pacis Quanta sit laetitia? Ubi vivis margaritis Surgunt aedificia, Auro celsa micant tecta, Radiant sublimia. Solis gemmis pretiosis Haec structura nectitur, Auro mundo tanquam vitro Urbis via sternitur; Abest limus, deest fimus, Lues nulla cernitur. - - 317- Die Herrlichkeiten des Paradieses. Nach des ewgen Lebens Quelle Lechzet meiner Seele Brand, Der gefangne Geist durchbräche Gern des Leibes engend Band, Ringt und mühet sich und kämpfet Ums verlorne Vaterland. Seufzend fühlt er sich von Leiden, Von Entbehrung schwer gedrückt, Ach, verloren durch die Sünde Gieng der Glanz, der ihn geschmückt, Und sein Elend schärft Erinnrung, Wie er einst war hochbeglückt. Denn wer mag die Wonne schildern In des Himmels Freudensaal? Wo aus Perlen stehn errichtet Prachtgebäude sonder Zahl, Und die hohen Dächer golden Leuchten in der Sonne Stral. Nur aus echten Edelsteinen Ist erbaut die Himmelsstadt, Klares Gold ist alles Pflaster In den Straßen, die sie hat, Wie zum Putze rein von Schmutze, Denn fein Unrath findet Statt. - 318 Hiems horrens, aestas torrens Illic nunquam saeviunt, Flos perpetuus rosarum, Ver agit perpetuum; Candent lilia, rubescit Crocus, sudat balsamum. Virent prata, vernant sata, Rivi mellis influunt; Pigmentorum spirat odor, Liquor et aromatum; Pendent poma floridorum Non lapsura nemorum. Non alternat luna vices, Sol vel cursus siderum, Agnus est felicis urbis Lumen inocciduum; Nox et tempus desunt ei, Diem fert continuum. Nam et sancti quique velut Sol praeclarus rutilant; Post thriumphum coronati Mutue coniubilant, Et prostrati pugnas hostis Iam securi numerant. Omni labe defaecati Carnis bella nesciunt, - 319. - Winters Härte, Sommers Dürre Schaffet Niemand hier Beschwer, Immer blühen hier die Rosen, Ewger Frühling ists umher, Lilien glänzen, Balsam duftet, Röthlich glüht ein Crocusheer. Zwischen Wiesen, frischen Saaten Wallen Honigbäche hin, Alle Kräuter hauchen Düfte, Die die Lüfte süß durchziehn, Und von immer reifen Früchten Schwankt des Waldes Baldachin. Sonn und Vollmond, alle Sterne Sieht man stäts am Himmel stehn: Gottes Lamm, der heilgen Stätte Licht, mag niemals untergehn; Da ist weder Nacht noch Stunde, Stäter Tag ist da zu sehn. Auch der Heilgen Leiber leuchten Dort wie Sonnen hell und klar, Jetzt im Siegeskranze prangend Wünscht sich Glück die werthe Schar, Zählt im Frieden die Besiegten, Zählt die Schlachten voll Gefahr. Alles Wankens überhoben Und des Kampfs mit Fleischeslust 320 Caro facta spiritalis Et mens una sentiunt; Pace multo perfruentes Scandalum non perferunt. - — Mutabilibus exuti Repetunt originem, Et praesentem veritatis Contemplantur speciem, Hinc vitalem vivi fontis Hauriunt dulcedinem. Inde statum semper idem Existendi capiunt; Clari, vividi, iucundi Nullis patent casibus: Absunt morbi semper sanis, Senectus iuvenibus. Hinc perenne tenent esse, Nam transire transiit; Inde virent, vigent, florent, Corruptela corruit, Immortalitatis vigor Mortis ius absorbuit. Qui scientem cuncta sciunt, Quid nescire hi queunt? Nam et pectoris arcana Penetrant alterutrum; Unum volunt, unum nolunt, Unitas est mentium. 321 Ist der lautre Leib sich gleichen Zieles mit dem Geist bewust, Im Genuß des vollen Friedens Ruht von allem Drang die Brust. Keinem Wechsel mehr erliegend, Jeßt zum Urſprung heimgekehrt, Sehen sie das Bild der Wahrheit Unverschleiert, unverwehrt, Schöpfen aus des Lebens Quelle Lebenskraft, die ewig währt. Solch ein immer gleicher Frieden Lächelt in der Ewigkeit; Klar und heiter, voller Leben, Ohne Widerwärtigkeit, Blühn sie in gesunder Jugend, Krankheit bleibt und Alter weit. Hier ist wandellose Dauer, Das Vorüber ist vorbei; Alles treibt, gedeiht und blühet, Von Verwesung bleibt es frei, Denn die Kraft des ewgen Lebens Brach des Todes Macht entzwei. Die Den kennen, der allwißend, Was mag denen noch entgehn? In der Brust geheimste Tiefen Können sie einander sehn; Troß und Eigenwille schweigen, Sinneseinheit bleibt bestehn. 322 Licet cuiquam sit diversum Pro labore meritum Caritas hoc facit suum Quod amat in altero: Proprium sic singulorum Fit commune omnium. Ubi corpus illic iure Congregantur aquilae, Quo cum angelis et sanctae Recreantur animae, Uno pane vivunt cives Utriusque patriae. Avidi et semper pleni Habent quod desiderant, Non satietas fastidit, Neque fames cruciat: Inhiantes semper edunt Et edentes inhiant. Novas semper harmonias Vox meloda concrepat, Et in iubilum prolata Mulcent aures organa, Digna per quem sunt victores Regi dant praeconia. Felix coeli quae praesentem Regem cernit anima, 323 Ob auch Jeder nach Verdienſte Seiner Thaten Lohn empfängt, Wird des Andern, den er liebet, Glück doch Jedem aufgedrängt, Und Gemeingut muß es werden Was dem Einzlen schien verhängt. - - Wo ein Leichnam ist, da stellen Gerne sich die Adler ein; Hier, wo mit den heilgen Engeln Selge sollen selig sein, Leben Bürger beider Welten Nur von Einem Brot allein. Stäts verlangend, stäts erlangend Haben sie im Ueberfluß, Von des Hungers Noth gemieden, Unbeschwert von Ueberdruß, Im Begehren schon genießend, Noch begehrend im Genuß. Immer neue Harmonieen Dringen aus den Kehlen vor, In der Sänger Jubel stimmend Rührt der Orgel Klang das Ohr: Ihn der König aller Siege Preist des Volkes froher Chor. Selge Seele, die du schauen Darfst der Himmel höchsten Herrn! 324 Et sub sede spectat alta Orbis volvi machinam, Solem, lunam et globosa Cum planetis sidera! - Christe, palma bellatorum, Hoc in municipium Introduc me post solutum Militare cingulum, Fac consortem donativi Beatorum civium. Praebes vires in infesto Laboranti proelio, Nec quietem post certamen Deneges emerito, Teque merear potiri Sine fine praemio! S. Augustinus. 325- Blickst herab vom hohen Size Auf das Weltgewölbe fern, Siehst um ihre Achse kreisen Sonne, Mond und Wandelstern. — Christus, Palme Deiner Streiter, Führ in diese Stadt mich ein, Löse mir den Kriegergürtel Dort in Deiner Kämpfer Reihn, Laß mich theilhaft auch der Freuden Deiner selgen Bürger ſein. Gabst dem Kämpfer in der Hitze Des Gefechtes Kraft und Muth: Gönne dem verdienten Streiter, Daß er nach dem Kampfe ruht; Laß ihm dann auf ewig werden Dich zum Lohn, du höchstes Gut! 326- De gaudiis Sanctorum. O gens beata coelitum, Sanctorum phalanx principum, O quanta Dei gratia Inundat vos per omnia! Supremus vobis Dominus Summum dat bonum cominus, Quo frui licet omnibus. O quanta super sidera Vibratis omnes lumina! Splendore solem vincitis Et quidquid micat sideris; Et si qua stella clarius Fulgeret, quam sol aureus, Lux vestra maior omnibus. Corpus crystallo purius, Ut sol refulget animus, Venae corallo similes Nec auri filo dispares; In venis sanguis gratius Flagrabit, rosis suavius Et balsamo iucundius. In paradiso vivitis, Florum corollas flectitis, Rosas miscete liliis, Ligustra cum narcissulis. 327- Die Freuden der Heiligen. Beglückte Schar in Gottes Land, Ihr Himmelsfürsten auserkannt, Wie überströmt euch allzumal Der Herr mit seiner Gnade Stral! Da Euch der Fürst der Herrlichkeit Genuß des höchsten Guts verleiht Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wie herrlich überm Sternenzelt Beschämt ihr alles Licht der Welt! Ihr überstralt der Sonne Glanz Und was da blinkt im Sternenkranz: Ob ein Gestirn noch eins so rein Erglänzte wie der Sonne Schein, Müst euer Licht doch heller sein. Der Körper wie Crystall so klar, Die Seele wie die Sonne gar, Die Adern den Corallen gleich, Wie Fäden Goldes zart und weich. Und in den Adern wallt das Blut So lieblich wie der Rose Gluth, So labend wie des Balsams Flut. Ihr lebt in Paradieses Höhn, Ihr windet Kränze wunderschön, Mit Rosen Lilien licht gemengt Und Blüth an Blüthe dicht gedrängt. 328- Flos unus, hic cultissimus, Plus mille voluptatibus Puris redundat mentibus. Hic mensa semper epulis Instructa manet coelicis; Cum Deo vos accumbitis, Eius fruentes ferculis. Hic nulla desunt dulcia, Haud nectar, haud ambrosia, Illis abundant omnia. O quanta hic sunt gaudia, Quam dulcis sonat musica, Quae vocum hic concordia, Quae fidum est harmonia. O quam miscentur dulciter, Quam tinniunt suaviter: Nil est auditum taliter! Deum videtis principem De facie ad faciem, Ex quo vobis coelestia Nascuntur tanta gaudia, Quanta nec videt oculus, Nec ullus cepit auribus Hic mundus sordet omnibus. 329 Und eine Blume hier erblüht Mit tausendfacher Lust durchglüht Sie euer Herz und rein Gemüth. - - Mit himmlischen Gerichten ist Der Tisch gedeckt zu jeder Frist: Da sizet ihr mit Gott dem Herrn, Der gönnt euch seine Malzeit gern. Was je der Gaum sich ausersah, Im Ueberfluß ist Alles da So Nectar als Ambrosia. Wie sind hier Freuden überviel, Wie lieblich tönt Gesang und Spiel, Wie wohl die Stimmen lauten all; Wie stimmt so wohl der Lauten Schall! Und wenn sich finden Sang und Klang Wie dann sich binden Klang und Sang, Das möcht ich hören lebenslang. Ihr schauet Gott im ewgen Licht Von Angesicht zu Angesicht, Davon beglückt euch solche Lust, Entzückt euch Wonne so die Bruſt, Daß nie ein Auge Gleiches sah, Keinem Ohre je so wohl geschah: Die Erde widert Allen da. 15 - 330Urbs Ierusalem beata. Urbs Ierusalem beata, Dicta Pacis visio, Quae construitur in coelis Vivis ex lapidibus Et ab angelis coronatur Ut sponsata comite. Nova veniens e coelo Nuptiali thalamo, Praeparata ut sponsata Copuletur domino, Plateae et muri eius Ex auro purissimo. Portae nitent margaritis Adytis patentibus, Et virtute meritorum Illuc introducitur Omnis, qui ob Christi nomen Hoc in mundo premitur. Angulare fundamentum Lapis Christus missus est, Qui compage parietum In utroque nectitur, Quem Sion sancta suscepit, In quo credens permanet. 331- - Das himmlische Jerusalem. Stadt Jerusalem, beglückte, Friedschau nach des Namens Laut, Die aus lebendem Gesteine In den Himmeln wird erbaut Und gekrönt von Engelchören Wie vom Bräutigam die Braut. Jung zum bräutlichen Gemache Schwebt sie von des Himmels Saal, Festlich prangend, nur verlangend Zum Verein mit dem Gemahl, Ihre Mauern, ihre Straßen Aus des Goldes reinstem Stral. Perlen glänzen von den Pforten, Offen stehn die Flügel weit, Gute Werke geben Jedem In die Himmelsstadt Geleit, Der um Christi Namens willen Stritt auf Erden herben Streit. Grund und Eckstein hier zu werden Ward gesendet Jeſu Christ, Der die Wände zu verbinden Beider Pfeiler Träger ist: Sion hat Ihn aufgenommen, Dessen Schutz sie nie vermisst. ― 332 - Omnis illa Deo sacra Et dilecta civitas Plena modulis et laude Et canoro iubilo Trinum Deum unicumque Cum favore praedicat. Hoc in templo, summe Deus, Exoratus adveni, Et clementi bonitate Precum vota suscipe, Largam benedictionem Hic infunde iugiter. Hic promereantur omnes Petita acquirere Et adepta possidere Cum sanctis perenniter, Paradisum introire Translati in requiem. -0-0-0-0-0-050 333 - Gottgeheiligt, Gottgeliebet Jene ganze Himmelsstadt Süßen Klanges voll und Sanges Wird des Jubels nimmerſatt, Den Dreieinigen zu preisen, Dessen Preis kein Ende hat. Höchster Gott, zu diesem Tempel Schweb hernieder vielerfleht, Höre mit geneigtem Sinne Deiner Gläubigen Gebet, Deinen reichen Segen spende Vater, Sohn und Paraclet. Allen gönne zu verdienen Das erflehte Segenslooß, Das Erlangte zu besißen Mit den Heilgen endelos, Einzugehn zum Paradieſe In der ewgen Ruhe Schooß. -0-0-0-0-0-0 334- - Hymmus de die iudicii. Apparebit repentine Dies magna domini, Fur obscura velut nocte Improvisos occupans. Brevis totus tum parebit Prisci luxus saeculi, Totum simul cum clarebit Praeterisse saeculum. Clangor tubae per quaternas Terrae plagas concinens Vivos una mortuosque Christo ciet obviam. De coelesti iudex arce Maiestate fulgidus Claris angelorum choris Comitatus aderit: Erubescet orbis lunae, Sol et obscurabitur, Stellae cadent pallescentes, Mundi tremet ambitus; Flamma, ignis anteibit Iusti vultum iudicis, Coelos, terras et profundi Fluctus ponti decorans. Gloriosus in sublimi Rex sedebit solio, Angelorum tremebunda Circumstabunt agmina. Huius omnes ad electi Colligentur dexteram, - 335 - Der jüngste Tag. Plößlich wird uns überraschen Jener große Tag des Herrn, Wie der Dieb in dunkeln Nächten Ueberfällt die Schläfer gern. O wie kurz dann wird uns scheinen Dieses Lebens Prunk und Tand, Wenn, die wir unendlich meinen, Wie ein Hauch die Zeit verschwand. Dröhnend schallet die Posaune, Die durch alle Räume bricht, Ruft die Lebenden und Todten Vor des Heilands Angesicht. Von des Himmels Veste nieder Schwebt der Richter im Geleit Seiner lichten Engelschöre, Stralend selbst von Herrlichkeit. Dann erlischt der Glanz der Sonne, Röthet sich des Mondes Rund, Niederfallen bleich die Sterne, Schütternd bebt der Erde Grund. Lodernd gehen Feuerflammen Vor des Richters Antlig her, Schmücken mit dem rothen Scheine Himmel, Erd und tiefes Meer. Prangend sieht man dann den König Sißen auf erhabnem Thron, Bangend vor dem Weltenrichter Steht der Engel Legion. Sich zur Rechten wird er weisen Dann der Auserwählten Schar, 336 Pravi pavent a sinistris Hoedi velut foetidi. Ite, dicit rex ad dextros, Regnum coeli sumite, Pater vobis quod paravit Ante omne saeculum; Caritate qui fraterna Me iuvistis pauperem, Caritatis nunc mercedem Reportate divites. d Laeti dicent: quando Christe Pauperem te vidimus, Te rex magne vel egenteme Miserati iuvimus? Magnus illis dicet iudex: Cum iuvistis pauperes Panem, domum, vestes dantes, Me iuvistis humiles. Nec tardabit et sinistris Loqui iustus arbiter: In gehennae maledicti Flammas hinc discedite: Obsecrantem me audire Despexistis mendicum, Nudo vestem non dedistis, Neglexistis languidum. Peccatores dicent: Christe, Quando te vel pauperem, Te rex magne vel infirmum Contemnentes sprevimus? Quibus contra iudex altus: HR 337 Räudgen Böcken gleich zur Linken, Wer ihm feind auf Erden war. Gehet, spricht er zu den Guten, Ein zu meiner Herrlichkeit, Die der Vater euch zu Lohne Hielt von Anbeginn bereit. Euch, die brüderlich mich Armen Habt geſpeiset und getränkt, Wird des Reichthums Ueberfülle Zu des Mitleids Lohn geschenkt. Fröhlich sagen fie: Wann hätten Wir, o Herr, dich arm gesehn, Wann vermocht, dir großer König, In Bedrängniss beizustehn? Doch der Richter spricht, der hohe: Was ihr Armen habt gethan, Hungrigen, Nackten, Obdachlosen, Hab ich selbst von euch empfahn. Zu den Bösen wird dann sprechen Des gerechten Richters Mund: Weg von mir, Vermaledeite, Zu der Hölle Flammenschlund. Wenn ich Hülfe mir erflehte, Wieset ihr den Bettler fort, Gabt mir Speise nicht, noch Kleider, Gönntet mir kein tröstlich Wort. Sagen dann die Sünder: Christus, Wann wohl haben wir dich arm Oder frank verschmäht, Erhabner, Wann versäumt in deinem Harm? Wird der hohe Richter sprechen: 15* 338 Mendicanti quandiu Opem ferre despexistis, Me sprevistis improbi. Retro ruent tum iniusti Ignes in perpetuos, Vermis quorum non morietur, Flamma nec restinguitur, Satan atro cum ministris Quo tenetur carcere, Fletus ubi mugitusque, Strident omnes dentibus. Tunc fideles ad coelestem Sustollentur patriam, Choros inter angelorum Regni petent gaudia, Urbis summae Hirusalem Introibunt gloriam, Vera lucis atque pacis In qua fulget visio. Christum regem iam paterna Claritate splendidum, Ubi celsa beatorum Contemplantur agmina. Ydri fraudes ergo cave, Infirmantes subleva, Aurum temne, fuge luxus, Si vis astra petere. Zona clara castitatis Lumbos nunc praecingere, In occursum magni regis Fer ardentes lampades. 339- Wenn ein Armer hat gesleht, Ihr ihn lieblos von euch wieſet, Habt ihr Argen Mich verschmäht. Jählings stürzen da die Bösen In die ewge Feuersgluth, Wo die Schlange rastlos naget, Zehrend nie die Flamme ruht, Wo umsonst sich mit den Seinen Satan wider Gott verschwört, - Wo nur Heulen stäts und Stöhnen, Zähneklappern wird gehört. Doch die Treuerfundnen schweben In des Vaters Reich empor, Ewge Freuden zu genießen In der Engel lichtem Chor. In die Gottesstadt da droben Ziehen sie als Sieger ein, Wo das wahre Licht wird leuchten, Wo der Friede blüht allein, Wo sie Christum den Erlöser In des Vaters Glorie sehn, Und des Himmels hohe Fürsten Vor dem Thron des Ewgen stehn. Darum meide Trug und Falschheit, Schwachen sei und Kranken hold, Fliehe Gold und eiteln Schimmer, Daß dir wird des Himmels Sold. Deine Lenden halt umgürtet Mit der Demuth keuschem Band; Trittst du einsmals vor den Richter Sei die Lampe hell entbrannt. 340 - De die iudicii.mods Dies irae, dies illat 90 Solvet saeclum in favilla Teste David cum Sibylla Quantus tremor est futurus, Quando iudex est venturus, Cuncta stricte discussurus! Tuba mirum spargens sonum Per sepulcra regionum1 STYC Coget omnes ante thronum. Mors stupebit et natura, Quum resurget creatura Iudicanti responsura.34 mé dis Liber scriptus proferetur, is Guil In quo totum continetur. 10 Unde mundus iudicetur. Lise Iudex ergo cum sedebit, 1819 Quidquid latet apparebit, or n Nil inultum remanebit! कसुर Quid sum miser tunc dicturus! Quem patronum rogaturus, Cum nec iustus sit securus? Rex tremendae maiestatis! Qui salvandos salvas gratis, Salva me, fons pietatis! - 341 - Vom jüngsten Tage. Tagt der Nache Tag den Sünden, Wird das Weltall sich entzünden Wie Sibyll und David künden. Welch Entsetzen wird da walten, Wenn der Richter kommt zu schalten, Streng mit uns Gericht zu halten! Die Posaun im Wundertone Sprengt die Gräber jeder Zone, Fordert alle zu dem Throne. Staunend sehen Tod und Leben Sich die Creatur erheben, Rechenschaft dem Herrn zu geben. Und ein Buch wird aufgeschlagen, Da ist Alles eingetragen, Welt, daraus dich zu verklagen. Sißt der Richter dann und richtet, Wird was dunkel ist gelichtet, Keine Schuld bleibt ungeschlichtet. Ach was werd ich Armer sagen, Welchen Schutz und Rath erfragen, Da Gerechte selber zagen? König furchtbar hoch erhaben, Frei sind Deiner Gnade Gaben: Wolle, Gnadenbronn, mich laben! - 342 Recordare, Iesu pie! Quod sum causa tuae viae: Ne me perdas illa die! Quaerens me sedisti lassus, Redemisti, crucem passus: Tantus labor non sit cassus! Iustae iudex ultionis, Donum fac remissionis Ante diem rationis. Ingemisco tanquam reus, Culpa rubet vultus meus: Supplicanti parce Deus! Qui Mariam absolvisti, Qui latronem exaudisti, Mihi quoque spem dedisti. Preces meae non sunt dignae, Sed tu, bone, fac benigne, Ne perenni cremer igne. Inter oves locum praesta, Et ab hoedis me sequestra, Statuens in parte dextra. Confutatis maledictis, Flammis acribus addictis, Voca me cum benedictis. Oro supplex et acclinis Cor contritum quasi cinis: Gere curam mei finis. Thomas de Celano. 343 Frommer Jesu, denk in Gnaden, Ziel einst war ich Deinen Pfaden: Wende jenes Tags den Schaden. Sankst Du doch für mich zur Erden, Trugst für mich am Kreuz Beschwerden: Laß dieß Leid nicht unnüz werden. - - Richter du gerechter Rache, Uebe Gnad in meiner Sache, Eh der Rache Tag erwache. Als ein Sünder seufz ich lange, Röthlich färbt mir Schuld die Wange: Schone, Herr Gott, fleh ich bange. Ledig sprachest Du Marieen, Selbst dem Schächer ward verziehen: Hoffnung ist auch mir verliehen! Zwar unwürdig ist mein Flehen, Doch laß Gnade mild ergehen Vor des ewgen Feuers Wehen. Zu den Schafen laß mich fahren, Ferne von der Böcke Scharen Dir zur Rechten Raum gewahren. Wenn die Bösen dann zur Linken In die heißen Flammen sinken, Laß mir ewge Freude winken. Mit zerknirschtem Herzen wende Ich im Staub zu dir die Hände: Gönne mir ein selig Ende! SEENE 1 - 344- - S. Augustini Antidotum contra tyrannidem peccati. Proper Thoug Quid Tyranne, quid minaris? Quid usquam poenarum est, nek Quidquid tandem machinaris, Hoc amanti parum est. Dulce mihi cruciari, Parva vis doloris est: ,, Malo mori quam foedari," 19 Maior vis amoris est. Para rogos, quamvis truces, tato Et quidquid flagrorum est, ent Adde ferrum, adde cruces: Nil adhuc amanti est. Dulce mihi cruciari, Parva vis doloris est. ,, Malo mori quam foedari," Maior vis amoris est. Nimis blandus dolor ille, entr Una mors, quam brevis est! Cruciatus amo mille, Omnis poena levis est. Dulce mihi sauciari, Parva vis doloris est: ,, Malo mori quam foedari," Maior vis amoris est. 345 Des h. Augustinus Gegengift wider die Tyrannei der Sünde. Zwingherr, eitel ist dein Dreuen: Was die Welt an Strafen fennt, Was du heut erfinnst von Neuem Wirkt nichts, wo die Liebe brennt. Süß sind Marter mir und Bande, Keiner Schmerzen hab ich Acht: Lieber Tod als Sündenschande", Größer ist der Liebe Macht. 14 29 Grause Scheiterhaufen schichte, Geißle, stäupe mich aufs Blut, Kreuz und Eisen, Bleigewichte, Nichts erschreckt den Liebesmuth. Süß sind Marter mir und Bande, Keiner Schmerzen hab ich Acht: Lieber Tod als Sündenschande", Größer ist der Liebe Macht. Allzusüß sind diese Qualen, Schön der kurze Todesschmerz, Kreuzestod zu tauſendmalen Trüge gern ein liebend Herz. Mir ist wohl im Wundenbrande, Keiner Schmerzen hab ich Acht: Lieber Tod als Sündenschande", Größer ist der Liebe Macht. 346 De Angelo Custode. Angelice Patrone, Beate spiritus, Custos et tutor bone Mi date coelitus! Tuo grates amori Mens gestit dicere, Quo sine nolim mori Nec ausim vivere. O comes et antistes Vitae individuus, A me ne longe distes, Sis dux assiduus; Me protege, tuere, Accende, dirige, Instruere, docere Me doctor satage. Infirmum me conforta, Sustenta debilem, In manibus me porta, Ne fors ad lapidem Pedes meos offendam, Sed recto tramite Da, facilis ascendam Culmen iustitiae. 347An den Schutzengel. Engel, meinem Leben Ein selger Geist geſellt, Als Wächter beigegeben Mir aus der Himmelswelt, Laß mich den Dank dir spenden Für treuer Liebe Hut: Ach ohne sie zu enden, zu leben wär nicht gut. Begleiter und Geleiter Auf jedem Lebenspfad, weiche niemals weiter Von mir, mein Trost und Rath; Behüte mich, bewahre, Belehre, lenke mich, Den guten Rath nicht spare, Mit Weisheit tränke mich. Dem Schwachen steh zur Seite, Dem Kranken spende Kraft, An deiner Hand mich leite, Wenn je mein Fuß erschlafft, Daß er den Stein im Wege Vermeidet und sich nicht Verliert vom schmalen Stege Der Tugend und der Pflicht. 348 Si daemon infernalis Struat insidias, Divine mi sodalis Adfer suppetias; - Hostemque procul pelle, Ut mecum superes, Fac me nil unquam velle Quam quod tu cuperes.net In viam duc salutis, Errantem moneas, Obstacula virtutis De via moveas; Mens sceleris sit pura, Ah mens ne pereat! Huic Deus una cura Infixus haereat. re A teneris fuisti Qui mihi socius, In hora mortis tristi Accurras ocius, Et animam defende A fraude daemonis, Modumque tunc ostende Placandi Numinis. Ah mortis in agone Fac vere doleam, Pura confessione Peccata deleam, de 349 Wenn mich der Geist der Hölle Mit Negen schlau umgarnt, ik Mein göttlicher Geselle, Sei ich von dir gewarnt. A Bis wir den Feind geschlagen Steh mir getreulich bei Und laß mir nie behagen Was dir zuwider sei. f - Den Weg des Heiles zeige, al Mahn ab von falscher Bahn, d Kein Hinderniss verschweige, Das sich hervorgethan. Den Geist nur halt geborgen, Den Geist, den Schuld verdirbt: Laß mich um nichts mehr sorgen Als was mir Huld erwirbt.zinl Du warst mir treu im Bunde Von Kindesbeinen an: In bittrer Todesstunde Sollst du mir eilend nahn, A Die Seele zu befreien mies Von des Verführers List, bus A Und guten Rath verleihen Wie Gott zu fühnen ist. Im letzten Kampf bewillge Mir wahrer Reue Gluth, Daß reine Beichte tilge Die Schuld, die auf mir ruht. —1 350- Spe, fide, caritate, Et patientia Munitus pietate Linquam praesentia. 2 Hanc animam, tremendo Cum sistar iudici, Tibi, Praeses, commendo, Illi tu subveni. O Angele mi custos Migrantem tollito, Et laetus inter iustos Ad dextram ponito. dooltto 351- Gieb Glauben, Liebe, Hoffen, Geduld und Gottvertraun, Daß ich die Grube offen Mag ohne Schrecken schaun. Wenn meine arme Seele Dann vor dem Nichter bangt, Dir Freund, ich sie befehle, Daß sie das Heil erlangt. Die treuen Arme flechten Sollst du um mich, mein Hirt, Bis mir zu Gottes Rechten Die selge Stelle wird. 352 - Vita bellum. Vita nostra plena bellis, Inter hostes, inter arma More belli vivitur, Nullae luces absque pugna, Nullae noctes absque luctu Terrae dantur filiis. Sed timoris omnis expers Stabo firmus inter arma Nec timebo vulnera, Non morabor hostis iras, Non timebo publicasve, Callidasve machinas. Ecce coeli lapsus arcu Atque spissa nube tectus Rector ipse siderum Contra saevos mentis hostes Proeliantem me tuetur, Bella pro me suscipit. Franget arcus et sagittas, Ignibusque sempiternis Arma tradet hostium: Tunc ovabo laureatus, Tune Io" perenne dicet Angelorum buccina. - 353 Das Leben ein Krieg. Unser Leben ist ein Kriegen: Feinde rings, Geschoße fliegen Wie im Kriege stäts umher, Kämpfen must du alle Tage, Keine Nacht ist ohne Plage Für uns Erdensöhne mehr. Aber aller Angst enthoben Steh ich fest in Kriegestoben, Fürchte weder Hieb noch Stich. Scheue nicht des Feindes Wüthen, Nicht die Ränke die er brüten Heimlich mag und öffentlich. Der da schaut vom Himmelsbogen Von der Wolfe dicht umzogen, Der da lenkt der Sterne Schar, Der wird mir zur Seite kämpfen, Feindesgrimm mir helfen dämpfen, Für mich streiten immerdar. Brechen wird er Pfeil und Bogen, In des ewgen Feuers Wogen Werfen meiner Feinde Wehr: Siegreich werd ich triumphieren Und dazu wird jubilieren Lieblich aller Engel Heer. 16 - 354- Oratio ad Deum. O Deus, ego amo te, Nec amo te, ut salves me, Aut quia non amantes te Aeterno punis igne. Tu, tu mi Iesu! totum me Amplexus es in cruce, Tulisti clavos, lanceam, Multamque ignominiam. Innumeros dolores, Sudores et angores, Ah mortem, et haec propter me, Ah! pro me peccatore. Cur igitur non amem te, 0 Iesu amantissime! Non ut in coelo salves me Aut ne aeternum damnes me; Sic Deus! semper amem te, Ut ipse tu amasti me, Sed amem te, quod mea spes, Quod meum summum bonum es. - 355- Gebet. Jesu mein, ich liebe dich Und nicht weil Du erlösest mich, Noch auch weil in der ewgen Gluth, Der dich nicht liebte, Buße thut. Nein, Du mein süßer Jesu, hast In Liebe mich am Kreuz umfaßt, Die Nägel littst du und den Spieß, Den man erst anspie, schlug und stieß. Du trugest Schmerzen ohne Zahl Und unaussprechlich bittre Qual, Zuletzt den Tod am Kreuze noch Für mich, der ich ein Sünder doch. Wie sollt ich denn nicht lieben dich, O Jesu, der so liebtest mich! Nicht um das Himmelreich allein, Nicht zur Vermeidung ewger Pein: Ich will dich lieben immerdar Wie Deine Lieb unendlich war, Weil meine Hoffnung in Dir ruht Und weil Du bist mein höchstes Gut. INDEX HYMNORUM. Adoro te devote. Ad perennis vitae fontem Aeterna Christi munera Aeterna coeli gloria Agnoscat omne saeculum. Ales diei nuntius Almum flamen vita mundi Altitudo quid hic iaces Angelice patrone. Apparebit repentine Audi benigne conditor Aurora iam spargit polum Aurora lucis rutilat Ave maris stella Beata nobis gaudia Christe qui lux es et dies Christe redemptor gentium Congregavit Deus aquas Corde natus ex parentis Crux ave benedicta. Cur mundus militat. . . Cur relinquis Deus coelum Dies est laetitiae. Dies irae dies illa Dormi fili dormi mater Ecquis binas columbinas Eia Phoebe nunc serena Est virgo coeli rore . . P. 228 316 282 12 44 16 210 74 346 334 92 10 178 254 202 24 42 60 48 276 286 68 56 340 76 278 240 30 Fit porta Christi pervia Gloria laus et honor Gravi me terrore pulsas Hora novissima Horrenda mors tremenda mors Hostis Herodes impie Iam moesta quiesce querela Iesu dulcis memoria Iesu nostra redemptio In Bethlem transeamus In crucis pendens arbore. Ite moesti cordis luctus Ite noctes ite nubes Lauda mater ecclesia Lauda Sion salvatorem Lucis largitor splendide Magna Ioannis merita Media vita in morte sumus Mittit ad virginem Mundi renovatio O caeca mens mortalium O coeli obstupescite O Deus ego amo te O esca viatorum O gens beata coelitum O lux beata Trinitas 358Omni die dic Mariae O quam moestus cordis aestus. O sanctissima. Pange lingua gloriosi corporis Pange lingua gloriosi proelium Parendum est cedendum est Parvum quando cerno Deum Patris sapientia Plaudite coeli. Pone luctum Magdalena Puer natus in Bethlehem. P. 94 100 296 292 302 86 312 88 200 60 124 128 190 236 220 2 80 300 96 184 294 115 354 226 326 22 264 132 258 216 108 306 72 118 192 196 52 - 359Quem pastores laudavere. Quem terra pontus sidera Quid Tyranne quid minaris. Recordare Sanctae crucis Rerum creator optime. Resonet in laudibus Rex Christe factor omnium Salve festa dies Salve Regina Salvete flores Martyrum Sancti venite. Splendor paternae gloriae Stabat mater dolorosa Tandem audite me Te das Deus ut servos Te Deum laudamus. Tristes erant apostoli. Urbs beata Ierusalem Ut axe sunt serena Veni creator spiritus Veni redemptor gentium Veni sancte spiritus et Veni sancte spiritus repie Vexilla regis prodeunt Victimae paschali Vita nostra plena bellis Vox clara ecce intonat P. 54 252 344 272 14 64 106 182 220 82 232 . . 138 246 144 18 180 330 258 209 26 206 208 102 188 352 36 118 21 CORRIGENDA. Pag. 246 lin. 19 lege: orior. 248 7 stamina. 79 VORE 99 Loudd Ston Inches 1 Centimetres Blue ¹2 1 3 2 Cyan 15 6 7 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 4 10 Red 11 01 5 12 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8