Gb 1288 Fulk. Friedbed. 18/ 5.5 Evangelisches Brevier in Lied und Gebet. Herausgegeben. von franz Schwabe, Professor am Predigerseminar und Stadtpfarrer in Friedberg. Friedberg. C. Scriba's Buchhandlung. 1857. Gb 1288. Also soll dir singen Nicht der Mund allein, Noch mein Lied erklingen Blos mit Schall und Schein: Nein, Gesang und Loben Herzlich soll geschehn: Mit den Engeln droben Wirds noch besser gehn. Univ.- Bibl. Giessen G. Terstegen. Vorwort. Eine Nebenfrucht anderweitiger durch Beruf und Neigung veranlaßter hymnologischer Arbeiten und aus dem eignen Bedürfnisse, sowie aus dem Wunsche, eine bandliche Sammlung der besten zur Privaterbauung sich eignenden Kirchen- und geistlichen Lieder zu besitzen, wird vorliegendes Büchlein auf das Begehren von Freunden, welche ein ähnliches Bedürfniß fühlten, auch weiteren Kreijen angeboten. Sie meinten, daß deren sich wohl mehr sinden möchten, die, troß der großen Menge von Liedersammlungen, welche die Strömung der Zeit uns entgegen bringt, doch durch dieselben theils wegen ihres Umfangs, theils wegen ihrer Auswahl oder ibrer Redaktion nicht befriedigt, eine neue, wie die gegenwärtige, willkommen heißen würden. Nachdem einmal die Herausgabe beschlossen worden, verband sich mit dem ersten und nächsten Zwecke der IV andere, die Sammlung zugleich so auszustatten und einzurichten, daß dieselbe auch für den Gebrauch in höhern und niedern Lehranstalten, sowie bei Versammlungen kirchlicher Vereine sich geeignet erweise. Bei der großen Bedeutung, welche das Kirchenlied für das religiöse und damit zusammenhängend für das ganze Culturleben eines Volkes hat, schien es mir wichtig, nur wirkliche Poesie zu, bieten. Daß wir nicht erst durch die Aufklärungsperiode mit einer Menge poesieloser Versifikationen sind beschenkt worden, sondern daß auch schon die gute alte Zeit in ihren Gesangbüchern an solchen nicht arm gewesen ist, weiß Jeder, der in der Geschichte des Kirchenlieds sich etwas umgesehen hat. Auch stellt die Sache sich dadurch nicht besser, daß hier gereimte Dogmatif oder auch Geschichte und dort gereimte Moral geboten wird. Wenn übrigens in Zeiten, wo der Liedervorrath noch nicht bedeutend war oder in seinem Umfange und seiner Bedeutung noch nicht übersehen werden konnte, wo es zudem an einem entwickelten Verständniß für Pocsie noch vielfach fehlte, nur geringe ästhetische Forderungen an das Kirchenlied gemacht wurden, sobald es nur dogmatisch correkt befunden ward, so ist das für damals ganz natürlich und auch wohl unbedenklich gewesen. Wenn wir aber jetzt, wo wir den reichen Liederschatz unserer Kirche zu überschauen vermögen und an den besten Liedern einen Maaßstab zur Beurtheilung der geringen und schlechten besigen, dennoch dergleichen wieder ins Volk bringen wollten, nachdem die frühere Tradition fast ganz verloren gegangen ist, so würden wir um des guten Zweckes willen ein sehr bedenkliches Mittel wählen. Was wir durch den Glaubensinhalt gut zu machen gedächten, das würden wir auf der andern Seite durch schlechte Poesie verderben, da Schönbeitssinn und sittliches Gefühl in genauem inneren Zusammenhang stehen. Kirchenlieder sollen wohl dogmatisch correft sein, aber sie sollen nicht Dogma predigen; dafür gibt es andre Wege und andre Formen, als die des Liedes, welches wohl die durch Lehren und Thatsachen geweckte Stimmung, jene aber nur insoweit auszusprechen hat, als die Motivirung dieser erfordert. Obgleich hierüber wohl unter allen Einsichtsvollen Uebereinstimmung herrscht, so scheint es doch nicht überflüssig. immer aufs neue daran zu erinnern, da das praktische Verfahren vieler neuern und neuesten Sammlungen mit der bessern Einsicht nicht im Einklang steht. Die Aufnahme völlig poesieloser, reflektirender und betrachtender Lieder scheint mir etwa nur in dem Falle gerechtfertigt zu sein, wenn ein solches Lied sich in der Uleberlieferung bis auf heute erhalten hat, wie dieß z. B. bei dem in seinen sechs ersten Versen poetisch werthlosen, Gott, du frommer Gott" der Fall ist. Immerhin bleiben jedoch solche allzu lehrhaften und reflektirenden Lieder, zumal, wenn sie einfach und natürlich sind, und nicht etwa auf Stelzen einhergehen, wie G. Arnolds sonst gedankenreiches ,, So führst du doch VI recht selig, Herr, die Deinen" weniger bedenklich, als jene weichlichen und süßlichen Lieder, wie deren schon 3. Scheffler nicht wenige geliefert hat, und wie sie dann aus der pietistischen Schule und deren Ausläufern, in den sogenannten Köthnischen Liedern, in den Liedern der Separatisten und Herrnhuther in großer Menge uns überkommen sint. Es ist nun wohl ganz natürlich gewesen, daß bei dem Wiedererwachen religiösen Lebens in unserer Zeit und bei dem noch mangelnden eigentlich firchlichen Bewußtsein zunächst auf den alten Pietismus zurückgegangen und in seinen Erzeugnissen geistliche Nahrung gesucht wurde. Aber es lag die Gefahr nahe, und man ist derselben vielfach erlegen, daß man oft gerade an das Falsche oder an das mit Falschem Behaftete desselben sich hielt, daß man ins besondere auch an solchen Liedern Gefallen fand, welche .nach Inhalt und Melodie die krankhafte Manier des Pietismus besonders stark an sich tragen. Der nachhaltige Gebrauch solcher Lieder kann aber nicht anders als religiös entnervend wirken, weil dieselben, statt wahre gesunde Erbauung zu gewähren und zu befördern, weichliche Gefühligkeit nähren und einem blos sinnlichen Wohlgefallen Vorschub leisten. Und daß wir darüber troß der jetzt so starken Betonung des Kirchlichen im Gegensatz zum Pietistischen noch nicht völlig hinaus sind, daß vielmehr gerade das Falsche altorthodorer Kirchlichkeit mit pietistischer Manier vielfach sich brüderlich verbindet, kann man auf vielen Gebieten VII religiösen Lebens, kann man auch aus vielen der neuesten Liedersammlungen ersehen. Ich meine nun natürlich nicht, daß der reiche aus den Zeiten des Pietismus stammende Liederschas in firchlichen oder gar Privat- Gesangbüchern keine Vertretung finden solle; ich will vielmehr nu., daß die Auswahl sich streng auf solche Erzeugnisse beschränke, in welchen die tiefe innige Frömmigkeit desselben in reiner von Manier freier Weise sich ausspricht, und welche deßhalb für das religiöse Leben eine gesunde Nahrung sind. Das Bestreben, in vorliegender Sammlung das Beste deutschen evangelischen Liederschatzes zu bicten, mußte jedoch eine Beschränkung erleiden, zunächst durch den Zweck, da es sich nicht blos darum handelte, eine Blumenlese des Vorzüglichsten zum Genusse zu veranstal ten, sondern den verschiednen Bedürfnissen der häuslichen, privaten und Schul- Erbauung zu dienen; dann aber auch durch die Rücksicht auf die Möglichkeit der Aneignung für unsere Zeit. Es giebt Lieder, über deren Vortrefflichkeit unter solchen, die sich reflektirend in eine ganz andere Zeit, andere Verhältnisse, andere Sprache 2c. verseßen können, kein Zweifel herrscht, die aber nicht einmal von diesen, wie viel weniger von der unendlichen Mehrzahl unserer Gebildeten und Ungebildeten auch bei aller Zustimmung zum Inhalt als ein wahrer Ausdruck, als ein Ausdruck eignen Lebens gebraucht werden können. Dann gehören sie aber auch nicht in Sammlungen, VIII welche für die Erbauung bestimmt sind. Bei dem einzelnen Liede ist es freilich bisweilen schwer, die Frage, ob es einer Erneuerung fähig sei oder nicht, zu beantworten; es wird darüber oft erst die Erfahrung des wachsenden und sich wieder in seine Geschichte vertiefenden religiosen Lebens eine Entscheidung bringen können. Doch sollte man jedenfalls mit den Versuchen, uns nach Sprache und Behandlung ganz fremd Gewordnes für und durch den gottesdienstlichen Gebrauch wieder einzuführen, etwas sparsamer sein, als dieß in manchen der neuern und neuesten, officiellen und nichtofficiellen Gesangbücher der Fall gewesen ist. Möglich, daß ich seltst in einigen wenigen Fällen gegen diesen Grundsatz verstoßen und bei einigen reformatorischen Liedern die Frage nach einer möglichen Aneignung zu schnell bejaht babe. Aber gerade bei dem eigentlich reformatorischen Kirchenlied, der Grundlage, auf welcher unser reicher Liederschatz erwachsen ist, glaubte ich am wenigsten ängstlich und sparsam sein zu dürfen, weil dort der Maßstab für die Beurtheilung gesunder Continuität des ſpäteren zufinden ist. Zudem erscheint mir die Härte und Sprödigkeit der Form in jenen ältesten Liedern viel weniger bedenklich, als der Ungeschmack vieler spätern. Eine weitere Rücksicht, welche die Auswahl leitete, war endlich die auf die verschiedenen Zeiten, bis auf die unsere, insofern in denselben nach Inhalt und Form Geeignetes und Werthvolles gefunden wurde. Ist auch die reformatorische und und dann die P. Gerhardtsche IX begreiflicher Weise am reichsten vertreten, so bot doch auch die Mystik Schefflers und seiner Nachfolger, sowie diejenige der Reformirten Neander, Lampe, Terstegen, der Pietismus der Hallenser und Würtemberger und wiederum die Liederdichtung der mehr an Gerhardts Zeit fich anschließenden Orthodoren S. Franck, Schmold, Neumeister nicht unbedeutenden Beitrag. Auch einzelnes Werthvolle Herrnhuthschen Gesanges blieb nicht ausgeschlossen, viel weniger der noch heute im Volke lebende und Segen verbreitende Gellert; selbst die Zeit der Liederrevolution konnte mit einigen Liedern vertreten werden. Gern habe ich auch ein Anzahl von Liedern neuerer, zum Theil noch lebender Dichter, aufgenommen, weil gerade diese, wenn es ihnen, wie z. B. Arndt, Rückert, Spitta, Knapp u. 2. hier und da gelingt, den Ton des alten Kirchenlieds mit Glück zu reproduciren, besonders geeignet sind, vielen unserer Zeitgenossen Verständniß und Liebe für jenes zu vermitteln. Gewissermaßen eine concrete Geschichte des Kirchenlieds darstellend, zu deren weiterer Veranschaulichung von mir innerhalb der einzelnen Rubriken die chronologische Folge gewählt, auch als Beihülfe ein biographisches Verzeichniß der Dichter hinzugefügt wurde, scheint mir eine solche die verschiedenen Epochen berücksichtigende Auswahl auch am ersten geeignet, den verschiedenen Bedürfnissen und Geistesrichtungen zu entsprechen, in so fern dieselben innerhalb unserer evangelischen Kirche berechtigt sind. Wiederholen sich doch X die Entwicklungsstufen religiösen Lebens, aus denen auch die verschiednen Perioden unsers Kirchenlieds mit ihrem eigenthümlichen Charakter erwachsen sind, in der Geschichte der Kirche und selbst in dem Leben des Einzelnen in verjüngter Weise immer aufs neue, bald vorwärts, bald rückwärts, vom subjektiven Pietismus zum objektiven Orthodorismus und umgekehrt. Daher die Vorliebe der einen Zeit und des einen Menschen für die Eigenthümlichkeit dieser oder jener Periode kirchlichen Lebens. Unsere gährende und kämpfende Zeit nun beherbergt fast alle die Elemente, welche je unsere Kirche bewegt haben, freilich meist nur als Epigonen früherer Größen, und noch in vielfacher Vermischung. Für sie mag es eine heilsame Mahnung sein, wenn sie in der Geschichte des Kirchenlieds sieht, wie die im Leben der Welt oft hart wider einander stoßenden Geister da, wo sie ihrem Herrgott gegenüber treten und das eigenste Bedürfniß eines heilsbegierigen und heilsbewußten Herzens aussprechen, allen Haber vergessen und in den mannichfaltigsten Tönen und Weisen dennoch eine große und reiche Harmonie darstellen. Mir hat das immer als eine schöne Weissagung evangelischer Union erscheinen wollen, die sich auch da, wo Menschen sie hindern wollen, im Leben, in der Kunst und selbst in der sich sträubenden Wissenschaft immer aufs neue vollzieht. Ihr zu Dienst, trotz aller Ungunst, die sie heute erfährt, sei auch dieß Büchlein gestellt. XI Was die Redaktion der einzelnen Lieder betrifft, so kam es nicht darauf an, die, wie man heut zu Tage caluminöser Weise zu sagen pflegt, unverfälschte Lesart zu bieten. Es sind vielmehr dogmatische und ethische, grobe sprachliche und ästhetische Anstöße unbedenklich beseitigt worden. Denn ich halte weder das Menschenwort christlicher Dichter für gleichbedeutend mit unabänderlichem Gotteswort, noch die Form für das Wesen. Auch bin ich nicht der Meinung, daß die Pietät gegen die Verfasser, die zum Theil, und gerade die besten, nicht unmittelbar für die Erbauung anderer, namentlich die firchliche, sondern aus eigenstem und für eigenstes Bedürfniß gedichtet haben, verlegt werde, wenn maßvolle, den Charakter der Zeit, des Dichters und des einzelnen Gedichts streng berücksichtigende Aenderungen vorgenommen und von ihren Liedern das allzu Menschliche und die Gebrechen der Zeit an sich Tragende abgestreift wird. Vielmehr halte ich es für ein schweres Unrecht an unserm Volke, wenn man mit dem Aechten und Guten des alten Kirchenliedes zugleich auch das ihm anhaftende Falsche und Unächte, das entweder von vornherein Anstößige oder im Laufe der Zeit es gewordene wieder in Curs seßen will. Gerade unsre besten Kirchenlieder stammen entweder aus Zeiten noch vorhandener Naivität oder aus Zeiten des Ungeschmacks. Zwar hat von dem letztern das Kirchenlied durch eine seltene Gunst des Geschicks sich weit freier erhalten, als andere Gebiete der Literatur, ganz aber ist es doch XII nicht verschont geblieben. Naivität nun, wenn sie einmal verloren ist, läßt sich nicht erneuern, und jedes Streben, sie künstlich wieder ins Volk zu pflanzen, führt zum Lächerlichen oder zu etwas noch weit Schlimmern; Rohheit und Ungeschmack aber soll nicht wieder hergestellt werden. Einem verzärtelten und verkränkelten Geschmacke freilich, der auch an der volksthümliche. Kraft und Schönheit der Bibelsprache und an ihrer Reproduktion in Lied und Gebet Anstoß nimmt, soll eben so wenig nachgegeben werden, als jenem mit dem Glauben zerfallenen Sinne, der seinen geheimen Widerspruch gegen den Inhalt durch den offnen Widerspruch gegen die Form zu bemänteln strebt. Sowie es aber ein schweres Unrecht wäre, Lieder, wie ,, Gott hat das Evangelium gegeben" von E. Alberus troß einer gervissen Kraft und Energie der Sprache wieder zur Erbauung zu bieten, so würde es ein gleiches Unrecht sein, Lieder, deren Erneuerung wegen ihrer Vortrefflichkeit im Ganzen höchst wünschenswerth ist, mit allen sie entstellenden Flecken in Gebrauch zu sehen. Außer den berührten gibt es aber noch eine andere Art von Anstößen, die ich firchliche nennen möchte. Ich meine nämlich solche Elemente eines im Ganzen ächt kirchlichen Liedes, welche den Kirchenstyl allzusehr verlegen und deßhalb nach meiner Ansicht selbst dann, wenn sie an und für sich betrachtet nichts Anstößiges enthalten, bei gottesdienstlichen Liedern beseitigt werden müssen. Es ist das ein Recht, welches die Kirche auch XIII in allen Perioden mehr oder weniger geübt hat; es muß dasselbe aber in unsern Tagen, in welchen es gilt, daniederliegendes kirchliches Bewußtsein überall erst wieder zu erwecken, viel strenger geübt werden, als in früheren firchlich glaubensvollen Zeiten, die in ihrer Naivität gar manches ohne Schaden mit in den Kauf nehmen konnten, was wir jetzt ohne Gefahr nicht mehr bieten dürfen. Nur in seltenen Fällen bedarf es einer weiter greifenden Redaktion; meist läßt sich mit leiser schonender Aenderung auskommen; oft auch kann durch Ausscheidung von Versen geholfen werden. Durch lezteres Verfahren, welches auch alle neuesten officiellen Gesangbücher mehr oder weniger angewandt haben, gewinnen viele Lieder zugleich an erbaulicher wie an poetischer Kraft, indem sie unnöthiger, beschreibender oder reflektirender, den Liedcharakter verlegender Bestandtheile entkleidet werden; andere, die nie oder nur selten in Gesangbüchern angetroffen werden, können erst durch solche Verkürzung Aufnahme neuerdings finden. Zugleich wird hierdurch das durchaus wünschenswerthe Singen ganzer Lieder im Gottesdiensie ermöglicht, während dieß bei Liedern von 16, 20, 26 und mehr Versen nicht geschehen würde, auch wirklich niemals geschehen ist, dadurch aber der Fall eintrat, daß man sehr oft immer nur in den Vorhöfen verweilte und nie bis ins Heiligthum drang. Ich bescheide mich freilic; nun gern, überall das Rechte erwählt oder getroffen zu haben; es wird des XIV Mangelhaften in Auswahl und Redaktion in gegenwärtiger Sammlung genug sich finden. Wer auf diesem Gebiete sich umgesehen und gearbeitet hat, der weiß es, wie viel auch jetzt noch nach den vielen bierher gehörigen trefflichen Leistungen, deren verdienten Verfassern ich mich zu hohem Danke verpflichtet fühle, zu thun iſt. Für diejenigen, welche keine andere Aufgabe der Redaktion anerkennen wollen, als die, einen sogenannten unverfälschten Tert herzustellen, habe ich nicht gearbeitet; denjenigen aber, welche mit mir der Meinung sind, daß wir jetzt Anderes zu thun haben, auch im Kirchenlied, als Altes einfach und ohne Weiteres zu restauriren, werde ich jede Belehrung und Beurtheilung danken. Um den verschiedenen Zwecken, welchen das Büchlein dienen will, zu genügen, ist demselben von mir eine Anordnung gegeben worden, wie sie etwa auch im Wesentlichen für ein kirchliches Gesangbuch fich eignen dürfte. Ich konnte dieß um so eher, als gegenwärtiges Brevier nach meiner Absicht die Grundbestandtheile eines Gesangbuches enthält. Aus diesem Grunde sind in die eigentlich firchlichen Rubriken mit geringen Ausnahmen auch nur im Kirchenstyl gehaltne Lieder, die ja in den meisten Fällen auch für die Privaterbauung die geeignetsten sein werden, aufgenommen worden, während dagegen in den Abtheilungen, welche der letztern ausschließlich oder doch vorzugsweise dienen sollen und wegen der nächsten XV Bestimmung des Buchs besonders reich besetzt sind, eine größere Freiheit in der Auswahl geboten oder doch möglich war. Doch habe ich hinsichtlich der auch als Gebete zu gebrauchenden Lieder bei der Auswahl denjenigen den Vorzug gegeben, welche durch Schlichtbeit und Einfalt sich auszeichnen, wenn sie auch gegen manche andere ausgeschlossene an poetischem Werthe etwa zurückstehen sollten. Gerade im Gebete soll nichts vorkommen, was im Munde des Betenden eine Phrase sein würde. Derselbe Bestimmungsgrund hat mich auch bei der Auswahl im zweiten Theile des Breviers, welcher die eigentlichen Gebete, meist ältere bewährte, nur wenige neuere und von mir selbst herrührende enthält, .geleitet. Was die Redaktion derselben betrifft, so find ähnliche Grundsäße wie bei jener der Lieder, nur noch strenger, in Anwendung gekommen. Denn der ein Gebet Lesende verweilt viel mehr bei dem Einzelnen und kann weit leichter durch das Anstößige um seine Andacht gebracht werden, als der Singende, der mehr unter dem Gesammteindrucke des Liedes steht und durch den Schwung des Rhythmus und der Melodie über Ecken und Anstöße hinweggehoben wird. Die Kinder und Schulgebete habe ich auf ausdrücklichen Wunsch von Aeltern und Lehrern hinzugefügt, welche entweder besondere Sammlungen nicht batten oder mit den in manchen derselben gebotenen unkindlichen Gebeten sich nicht befreunden mochten. XVI So bleibt mir am Schlusse des für das fleine Büchlein etwas groß gewordenen Vorworts nur der Wunsch übrig, daß der, welchen Gebete und Lieder bittend, lobend und dankend bezeugen, ihren Gebrauch an vielen Christenherzen segnen möge. -Friedberg, den 23. März 1857. Franz Schwabe. Inhalt. II. Adbent Liederbrevier. I. Der Tag des Herrn Am Morgen . Zu Anfang des Gottesdienstes Zum Schluffe.. ▸ III. Meihnachten IV. Neujahr V. Fest der Erscheinung VI. Passion Begräbniß Jesu VII. Ostern VIII. Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit IX. Pfingsten X. Trinitatis XI. Allgemeine Lob- und Danklieder. .. + + ♦ + Nro. 1- 12 1- 3 4- 9 10- 12 13- 22 23-36 37-42 43-47 48-63 61-63 64-75 76-84 85-93 94-98 99-115 XVIII XII. Kirche und Gnadenmittel A. Kirche Kirchweihe Ausbreitung der Kirche ( Missiouslieder.) B. Gnadenmittel. Inhalt. 1. Das Wort Gottes 2. Die heiligen Sacramente a. Die hl. Taufe Confirmation Das hl. Abendmahl Vor der Feier Nach der Feier B. • XIII. liedergeburt und Heiligung durch den hl. Geist A. Buße. B. Glaube und Rechtfertigung C. Heiligung ♦ 1. Morgen 2. Mittag 3. Abend ♦ a. Nachfolge Christi b Liebe c. Gebet. d. Friede und Freude e. Vertrauen Vor Tische Nach Tische. Beruf • Am Schlusse der Woche. XIV. Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse Ehe und Hausstand Obrigkeit. Predigtamt. + + ♦ • • ♦ + Nro. 116-164 116-139 129-130 131-139 140-164 140-145 146-164 146-152 149-152 153-164 153-161 162-164 165-267 165-175 179-183 184-267 184-197 198-214 215-228 229-241 242-267 268-338 268-284 285-289 285-287 288-289 290-310 309-310 311-313 314-320 - 321 322 Allgemeine Noth. Krieg und Frieden. Mißwachs und Theurung Aerute Reise Krankheit. Alter XV. Die letzten Dinge A. Tod a. Sterbelieder b. Begräbnißlieder Beim Tode von Aeltern Beim Tode von Ehegatten Beim Tode von Kindern B. Gericht und Ewigkeit gebete. I. Gebete am Morgen, Mittag und Abend 1. Morgen Am Morgen insgemein Am Sonntag Vor dem Gottesdienste Inhalt. Nach dem Gottesdienste Für Kinder 2. Mittag 3. Abend Vor Tische Nach Tische II. Festgebete Am Abend insgemein Am Sonntag Am Sonnabend Für Kinder. Advent. • 4 ● • XIX Nro 323-325 326-329 330 331-333 334 335-336 337-338 339-398 339-381 339-360 361-381 371-372 373-375 376-381 382-398 1- 67 1- 28 1- 12 13- 14 15- 17 18- 19 20 28 29- 42 29- 35 36-42 43-67 43-53 54-55 56-57 58-67 68-78 68 XX Inhalt. Weihnachten Jahresschluß Neujahr. Fest der Erscheinung Passionszeit Charfreitag Ostern. Himmelfahrt Pfingsten. Reformationsfest V. Schulgebete, . Zu Anfang der Schule Zum Schlusse der Schule. Biographisches Verzeichniß der Liederdichter. Alphabetisches Register der Lieder. Nro. III. Beicht- und Communiongebete Buße und Beichte Vor der Beichte Nach der Beichte. Vor dem heiligen Abendmahl Nach dem heiligen Abendmahl Vor der Krankencommunion. Nach der Krankencommunion. 93-94 IV. Gebete für besondere Zeiten und Lagen 95-109 Auf der Reise In Noth und Krankheit. Bei innerer Anfechtung Auf dem Sterbelager. Fürbitte für die Zurückbleib. Für einen Abgeschiedenen. 4 |||| II 配 的 7012345677 73 4 80 81 85 1994 8288 Nro. 69 79-94 78 79- 80 - 83 87 92 95-96 97-102 103-104 105-107 108 109 110-145 110-133 134-145 m die Seraphinen ic. Sorgen; Erhebe dich, geangenehme Morgen, Da Gott Gott zu ruhen hat befohlen Und ot; Auf, auf! du hast so manche Zeit Abgestohlen! Evangelisches Die Welt aus deinem Sinne, Dein irdisch stehn: Du sollst zu höherem Gewinne In Tempel gehn, Ihm zu bezahlen deine Pflichten mehrung seines Ruhms Die Werke seines Priestertiefster Andacht zu verrichten. Mein Gott! ich bin vor dir erschienen Und gebe auf Winken Acht; Wie kann ich dir gefällig dienen, Wenn Dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie fie bet ich, wenn er meine Schal Mit reinem Weihrauch Acht bestreuet? 4. Mein Jesus hat mein Herz so theuer zu seinem Tempel eingeweiht. Hier sei dein Herd, hier sei dein Feuer, Die Fülle deiner Herrlichkeit, Dein Heiligthum, dein Stuhl der Gnade; Dein Licht und Recht, das Himmelsbrod, Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. Ref III. Beicht- und Con Buße und Bein Vor der Beichte Nach der Beichte. Vor dem heiligen Aben Nach dem heiligen Aben Bor der Krantencommunt Nach der Krankencommunio IV. Gebete für besondere Zeiten und Lagen Auf der Reise In Noth und Krankhei Bei innerer Anfechtung Auf dem Sterbelager. Fürbitte für die Zurückbleib. Für einen Abgeschiedenen. V. Schulgebete, Zu Anfang der Schule Zum Schlusse der Schule.. Biographisches Verzeichniß der Liederdichter. Alphabetisches Register der Lieder. 97 103105- 1 109 110-145 110-133 134-145 I. Der Tag des Herrn. aisup Eigene Melodie oder: Mein Jesu, dem die Seraphinen ic. 1. Beschwertes Herz, leg ab die Sorgen; Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, Da Gott zu ruhen hat erlaubt, Da Gott zu ruhen hat befohlen Und selbst die Ruhe eingeweiht; Auf, auf! du haft so manche Zeit Dem Dienste Gottes abgestohlen! 2. Auf, laß die Welt aus deinem Sinne, Dein irdisch Werk muß stille stehn: Du sollst zu höherem Gewinne In deines Gottes Tempel gehn, Ihm zu bezahlen deine Pflichten Und zur Vermehrung seines Ruhms Die Werke seines Priesterthums In tiefster Andacht zu verrichten. 3. Mein Gott! ich bin vor dir erschienen Und gebe auf Dein Winken Acht; Wie kann ich dir gefällig dienen, Wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie Wie bet ich, wenn er meine Schal Mit reinem Weihrauch nicht bestreuet? 4. Mein Jesus hat mein Herz so theuer Zu seinem Tempel eingeweiht. Hier sei dein Herd, hier sei dein Feuer, Die Fülle deiner Herrlichkeit, Dein Heiligthum, dein Stuhl der Gnade; Dein Licht und Recht, das Himmelsbrod, Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. 4 Der Tag des Herrn. 5. In deinem Haus will ich mir bauen Die Hütte, bis ich scheid einmal: Indessen gieb mir dich zuschauen, O Lebenslicht und Gnadenstrahl! So find ich recht den Tag der Sonnen, So hab ich meine Ruh in dir: Ach, habe du dein Werk in mir! Vellführe, was du hast begonnen! 6. Wenn sich des Lebens Werktag enden, So ruh, von allem Frohndienst los, Mein Geist in Gottes Baterhänden, Mein Leib in seiner Mutter Schooß, Bis beides feiern wird dort oben, Wo man in sicherm Frieden ruht, Nichts denket, redet oder thut, Als dich zu lieben, dich zu loben. Chr. Wegleiter+ 1706. 2. Großer Gott von allen Zeiten, regiert, Dessen Treu auf allen Seiten geführt: Heute weckt des Tages Lauf dacht auf. Dessen Hand die Welt Mich von Jugend auf Mich zu lanter An2. Ach, wie lieb ich diese Stunden; Denn sie sind des Da mein Herren Fest, Das mit so viel Trost verbunden, Gott mich ruhen läßt Und durch seinen guten Geist mir den Weg zum Leben weist. 3. Habe Dank für diesen Morgen, Der mir Zeit zum Guten schenkt; Das sind unsre besten Sorgen, Wenn der Mensch an Gott gedenkt Und von Herzen betet, singt, Daß es durch die Wolken dringt. 4. Was ist schöner, als Gott loben? Was ist süßer, als sein Wort? Da das Herz zu Gott erhoben Offen sieht des Himmels Pfort! Selig ist, wer Tag und Nacht Also nach dem Himmel tracht. 5. O mein Gott, sprich selber Amen, Denn wir sind dein Eigenthum; Alles preise deinen Namen, Alles mehre deinen Ruhm, Bis es fünftig wird geschehn, Daß wir dich im Himmel sehn. Cafp. Neumann † 1715. 5 Zum Anfange des Gottesdienstes. Mel.: Jesus meine Zuversicht zc. 3. Licht vom Licht, erleuchte mich Bei dem neuen Tageslichte; Gnadensonne, stelle dich Vor mein muntres Angesichte; Wohne mir mit Glanze bei, Daß mein Sabbath fröhlich sei. 2. Brunnquell aller Seligkeit, Laß mir deine Ströme fließen; Mache Mund und Herz bereit, Deiner Gnade zu genießen; Streu das Wort mit Segen ein, Laß es hundertfrüchtig sein. 3. Zünde selbst das Opfer an, Das auf meinen Lippen liegt; Sei mir Weisheit, Licht und Bahn, Daß kein Irrthum mich betrüget Und kein fremdes Feuer breunt, Welches dein Altar nicht kennt. 4. Laß mich heut und allezeit Heilig, heilig, heilig singen Und mich in die Ewigkeit Mit des Geistes Flügeln schwingen; Gib mir einen Vorschmack ein, Wie es mag im Himmel sein. 5. Ruh in mir und ich in dir, Bau ein Paradies im Herzen, Offenbare dich doch mir, Sende meiner Andacht Kerzen Immer neues Feuer zu, O du Liebesflamme du! 6. Dieser Tag sei dir geweiht: Weg mit allen Eitelkeiten! Ich will deiner Herrlichkeit Einen Tempel zubereiten, Nichts sonst wollen, nichts sonst thun, Als in deiner Liebe ruhn. B. Schmold, † 1737. Zum Anfange des Gottesdienstes. 4. Komm, heiliger Geist, Erfüll die Herzen deiner Gläubigen, Und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe: Der du durch Mannichfaltigkeit der Zungen Die Völker der ganzen Welt versammelt haft Zur Einigkeit des Glaubens: Halleluja! Halleluja! Alte Kirche. 6 Der Tag des Herrn. 5. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, Den heilgen Geist du zu uns send, Mit Hülf und Gnaden uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thut auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein, Den Glauben mehr, stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohl bekannt. 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, bheilig ist Gott der Herr, Und schauen dich von Angesicht In ewger Freud und selgem Licht. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Dem heilgen Geist in einem Thron, Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Herzog Wilhelm II. von Weimar, † 1662. 6. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsterniß verhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, Aus Gott gebohren, Mach uns allesammt bereit, Deffne Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Tob. Clausnizer,+ 1684. Mel.: Ach, was soll ich Sünder c. 7. Herr, es ist ein Tag erschienen, Der mich in den Himmel weist Und an Gott gedenken heißt; Darum komm ich, dir zu dienen; Richte du mich selber zu, Daß ich deinen Willen thu. 7 Zum Anfange des Gottesdienstes. 2. Stille selbst an diesem Morgen Den verwirrten Lauf der Welt, Der uns hier gefangen hält; Brich die Nacht der eitlen Sorgen, Daß ich heut, von Allem frei, Dir allein ergeben sei. 3. Kröne mich mit deinen Gaben, Zieh mich an mit deiner Kraft, Die den neuen Menschen schafft; Ach, was Freude werd ich haben, Wenn das Herz in meiner Brust Sucht am Herren seine Lust. 4. Laß die Predigt wohlgelingen, Steh auch deinem Worte bei, Daß es in mir kräftig sei. Unser Beten, unser Singen Und was sonst noch wird gethan, Siehe du mit Gnaden an. C. Neumann, † 1715. Mel.: Gott des Himmels 2c. 8. Thut mir auf die schöne Pforte, Führt in Gottes Haus mich ein; Ach, wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht; Hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, Komme du nun auch zu mir; Wo du Wohnung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier. Zeuch doch in mein Herze ein, Laß es deinen Tempel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilge du Leib, Seel und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Ein gefällig Opfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, Zeuch das Herze ganz empor. 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Samkorn in mich fällt; Gib mir Licht in dem Verstande, Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, Laß dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben; Halte stets dein 8 Der Tag des Herrn. Wort mir für, Daß es mir zum Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, Und dein Wille werd erfüllt. Nichts laß meine Andacht stören, Wenn der Brunn des Lebens quillt; Speise mich mit Himmelsbrod, Tröste mich in aller Noth. B. Schmold, † 1737. Mel.: O du Liebe meiner Liebe ic. 9. O wie freun wir uns der Stunde, Da wir dir, Herr Jesu, nahn, Um aus deinem heilgen Munde Lebensworte zu empfahn! Laß uns heute nicht vergebens Hörer deines Wortes sein: Schreibe selbst das Wort des Lebens Tief in unsre Herzen ein. 2. Sieh, wir sitzen dir zu Füßen: Großer Meister, rede du; Sieh, wir hören deiner süßen Nede heilsbegierig zu. Lehr uns, wie wir selig werden; Lehr uns, wie wir unsre Zeit, Diese turze Zeit auf Erden, Nützen für die Ewigkeit. 3. Nun so lege Licht und Liebe, Kraft und Feuer auf dein Wort; Laß es mit lebendgem Triebe In uns wirken fort und fort; Hilf uns, daß wir treu bewahren, Was wir in das Herz gefaßt, Und laß Andre auch erfahren, Daß du Lebensworte haft. K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. Zum Schlusse des Gottesdienstes. Mel.: Liebster Jesu, wir sind hier sc. 10. Unsern Ausgang segne, Gott, Unsern Eingang gleichermaßen; Segne unser täglich Brod, Segne unser Thun und Laffen, Segne uns mit selgem Sterben Himmelserben. Und mach uns zu Hartm. Schent, t 1681. Zum Schlusse des Gottesdienstes. Mel.: Herr, ich habe mißgehandelt zc. 11. Bater, dir sei Preis gesungen, Daß du uns so wohl gelehrt, Daß dein Werk an uns gelungen, Daß wir jetzt dein Wort gehört; Laß die Lehr den Glauben stärken, Mach uns reich an guten Werken. 9 2. Jesu, dein Wort ist sehr süße, Habe Dank für diese Lehr! Lenke nun auch unsre Füße, Daß wir werden dir zur Ehr; Laß uns deinen Trost erquicken, Bis wir deinen Thron erblicken. 3. Heilger Geist, schreib alle Worte Nun in unsre Herzen ein, Daß man stets an allem Orte Deren eingedenk mag sein, Daß wir täglich Früchte bringen Und im Himmel Amen fingen. Mich. Wiedemann, † 1719. Mel.: Ach bleib mit deiner Gnade zc. 12. Ach sei mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, . Daß uns fortan nicht schade Des bösen Feindes List. 2. Ach sei mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her; Denn wenn uns die nicht bliebe, Fiel uns die Welt zu schwer. 3. Ach heilger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit Mit unserm Geist und walte Nun und in Ewigkeit! C. B. Garve, † 1841. II. Advent. 13. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer, reich von Rath! 10 Advent. 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königskron ist Heiligkeit, Sein Scepter ift Barmherzigkeit; All unsre Noth zu End er bringt, Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland, groß von That! So diesen 3. Owohl dem Land, o wohl der Stadt, König bei sich hat; Wohl allen Herzen insgemein, Da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, Bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit, Eur Herz zum Tempel zubereit; Die Palmen der Gottseligkeit Streut hin mit Andacht, Lust und Freud; So kommt der König auch z ench, Ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, Des Herzens Thür dir offen ist; Ach zeuch mit deiner Gnade ein, Dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein heilger Geist uns führ und leit Den Weg zur ewgen Seligkeit; Dem Namen dein, v Herr, Sei ewig Preis und Ehr! G. Weißel,+ 1635. Mel. Nun komm der Heidenheiland 2c. 14. Gott sei Dank durch alle Welt, hält und der Sünder Trost und sendet hat. Der sein Wort beständig Nath Zu uns herge2. Was der alten Väter Schaar Sehnen war, Und was sie geprophezeit, lichkeit. Höchster Wunsch und Ist erfüllt nach Herr3. Zions Hülf und Abrams Lohn, Jacobs Heil, der Jungfrau Sohn, Wunderbar, Rath, Kraft und Held Hat sich treulich eingestellt. Advent. 11 4. Sei willkommen, o mein Heil, Dir Hosianna, o mein Theil! Richte du auch eine Bahn Dir in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, Es gehöret dir allein; Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sündenlust. 6. Und wie deine Zukunft war Voller Sanftmuth, ohn Gefahr: Also sei auch jederzeit Deine Sanftmuth mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, Weil ich schwach und blöde bin, Und des Satans schlaue List Sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, Daß ich, aller Aengsten frei, Dir im Glauben um und an, Selig bleibe zugethan. 9. Daß, wenn du, o Lebensfürst, Prächtig wieder kommen wirft, Ich dir mög entgegen gehn Und vor dir gerecht bestehn. H. Held, um 1650. Mel.: Von Gott will ich sc. 15. Mit Erust, o Menschenkinder, Das Herz in euch bestellt! Bald wird das Heil der Sünder, Der wunderstarke Held, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, Bei allen kehren ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast, Macht seine Steige richtig, Laßt Alles, was er haßt; Macht eben jeden Pfad, Die Thal laßt sein erhöhet, Macht niedrig, was hoch stehet, Was krumm ist, macht gerad. 3. Ein Herz, das Demuth liebet, Bei Gott am höchsten steht, Ein Herz, das Hochmuth übet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen In dieser Gnadenzeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein 12 Advent. Herz hinein, Mach es zu deiner Krippen: So werden Herz und Lippen Dir ewig dankbar sein. V. Thilo, † 1662. Mel: Aus meines Herzens 2c. 16. Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Der König kommt heran, Empfahet unverdrossen Den großen Wundermann! Ihr Christen, geht herfür, Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist nicht feru. Hinweg all Angst und Schmerzen! Dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen; Er will euch Hülf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. 3. Frisch auf in Gott, ihr Armen, Der König sorgt für euch, Er will durch sein Erbarmen Euch machen groß und reich; Der Alles hat bedacht, Der wird auch euch ernähren; Was Menschen nur begehren, Das steht in seiner Macht. 4. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, Der König kommt mit Macht; An uns, die Herzgeliebten, Hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst, noch Pein, Noch Zorn hinfür uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gnaden Läßt seine Kinder sein. 5. Auf, auf, mit schnellen Schritten! Den König eilt zu sehen! Er kommt in unsre Mitten Stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlösen kann. 6. Der König will bedenken Die, So er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns gibt Durch seine Gnad mud Wort; Drum, König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort. J. Rift, † 1667. Advent. 13 In voriger Melodie. 17. Nun jauchzet all ihr Frommen, In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit; Zwar öhne stolze Pracht, Doch mächtig, zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er auf dieser Welt: Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt; Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Gehorsamlich vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an, Wollt ihr berathen werden Und gehn die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt; Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Des Herren Zorn euch rührt. 4. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seid dennoch wohlgemuth, Laßt eure Lieder klingen Dem König lobzufingen, Der ist das höchste Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit, Und euer Leid und Weinen Verwandeln ganz in Freud; Er ists, der helfen kann; Macht eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig, Er ist schon auf der Bahn. M. Schirmer, † 1673. 18. Wie soll ich dich empfangen? Und wie begegn' ich dir, O aller Welt Verlangen, O meiner Seele Zier! O Jesu, Jesu, setze Mir selbst die Fackel bei, Damit, was dich ergöße, Mir hund und wissend sei. 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin; Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 14 Advent. 3. Was hast du unterlassen, Zu meinem Trost und Frend? Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid, Als mir das Reich genommen, Da Fried und Frende lacht, Bist du, mein Heil, gekommen und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Sport und Schanden, Du kommst und machst mich groß, Und hebst mich groß zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irdisch Reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als das geliebte Lieben, Damit dn alle Welt In ihren tausend Plagen Und großer Sammerslast, Die kein Mund aus kann sagen, So fest umfangen haft. 6. Das schreib dir in dein Herze, Du berzbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerze Sich häuft je mehr und mehr; Seid unverzagt, ihr habet Die Hülfe vor der Thür; Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht; Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb und Lust, All Angst und Noth zu stilleu, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschreden Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken Mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zum Trost und wahren Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem alle Macht und Lift Der Der Feinde viel zu wenig Zum Widerstande ist. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht, Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt Advent. und sucht. Ach komm, ach komm, o allzumal zum ewgen Licht und Wonne 15 Sonne, Und hol uns In deinen Freudensaal. P. Gerhardt,+ 1676. Mel.: Freu dich sehr, o meine ic. 19. Warum willst du draußen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, Wohlgefallen, du mein Stern, Du, mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit! Hilf, o Heiland meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen. 2. Meine Wunden sind der Jammer, Welchen oftmals Tag und Nacht Des Gesetzes starker Hammer Mir mit seinem Schrecken macht. Oder schwereu Donnerstimm, Die mir Gottes Zorn und Grimm Also tief ins Herze schläget, Daß sich all mein Blut beweget. 3. Will ich dann mein Elend lindern Und erleichtern meine Pein Bei der Welt und ihren Kindern, Fall ich nur noch tiefer drein; Da ist Trost. der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mit Herzleid machen, Gute Freunde, die mein lachen. 4 In der Welt ist alles nichtig, Nichts ist, das nicht kraftlos wär; Hab ich Hoheit, die ist flüchtig; Hab ich Reichthum, was ists mehr, Als ein Stäublein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie werth? Was ists, das mich heut erfreue, Das mich morgen nicht gereue? 5. Aller Trost und alle Freude Rubt in dir, Herr Jesu Christ; Dein Erfreuen ist die Weide, Da man erst recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, Ehe mir mein Herze bricht; Laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich erblicken! 6. Freu rich, Herz, du bist erhöret, Jetzo kommt und zeucht er ein; Sein Gang ist zu dir gekehret, Heiß ihn nur 16 Advent. willkommen sein Und bereite dich ihm zu, Gib dich ganz zu seiner Ruh, Deffne dein Gemüth und Seele, Klag ihm, was dich drückt und quäle. 7. Nun, du hast ein süßes Leben, Alles, was du willst, ist dein; Christus, der sich dir ergeben, Legt sein Reichthum bei dir ein. Seine Gnad ist deine Kron, Und du bist sein Stuhl und Thron; Er hat dich in sich geschlossen, Nennt dich seinen Hausgenossen. 8. Alles dient zu deinem Frommen, Auch was bös und schädlich scheint, Weil dich Christus angenommen Und es treulich mit dir meint. Bleibest du dem wieder treu, Ists gewiß und bleibt dabei, Daß du mit den Engeln droben Ihn dort ewig werdest loben. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Komm Herr Jesu, oder: Großer Gott, dich loben sc. 20. Hosianna! Davids Sohn Kommt in Zion eingezogen, Ach, bereitet ihm den Thron, Setzt ihm tausend Ehrenbogen; Streuet Palmen, machet Bahn, Daß er Einzug halten fann! 2. Hosianna, sei gegrüßt! Unser Herz ist schon gerüst, Zeuch zu unsern Thoren ein, Komm, wir gehen dir entgegen: Will sich dir zu Füßen legen; Du sollst uns willkommen sein! 3. Hosianna, Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite! Alles, was du schaffen wirst, Das ist unsre Siegesbente. Deine Rechte bleibt erhöht, Und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna, lieber Gast! Wir sind deine Reichsgenossen, Die du dir erwählet hast; Ach so laß uns unverdrossen Deinem Scepter dienstbar sein; Herrsche du in uns allein! 5. Hosianna! komme bald, Laß uns deine Sanftmuth küſsen; Wollte gleich die Knechtsgestalt Deine Majestät verschließen, Ei, so kennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. Advent. 17 6. Hosianna! fteh uns bei! O Herr, hilf, laß wohlgegelingen, Daß wir ohne Heuchelei Dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, Der dir nicht gehorchen kann. 7. Hoftanna nah und fern! Eile bei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, Warum willst du draußen stehen? Hosianna! Bist du da? Ja du kommst, Halleluja! B. Schmolck, † 1737. Mel.: Wie groß ist des Allmächtgen 2c. 21. Was wär ich ohne dich gewesen? Was würd ich ohne dich nicht sein? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, Ständ ich in weiter Welt allein! Nichts wüßt ich sicher, das ich liebte; Die Zukunft wär ein dunkler Schlund, Und wenn mein Herz sich tief betrübte, Wem thät ich meine Sorge kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb und Sehnen, Erschien mir nächtlich jeder Tag; Ich folgte nur mit heißen Thränen Dem wilden Lauf des Lebens nach; Ich fände Unruh im Getümmel Und hoffnungslosen Gram zu Haus; Wer hielte ohne Freund im Himmel, Wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Christus sich mir fund gegeben, und bin ich seiner erst gewiß, Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsterniß! Durch ihn erhalt ich tansend Gaben, Durch ihn bin ich ja Gottes Kind: Gewiß, ihn unter uns zu haben Wo zwei auch nur versammelt sind. 4. O geht hinaus auf allen Wegen Und holt die Irrenden herein; Streckt jedem eure Hand entgegen Und ladet froh sie zu uns ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden, Im Glauben schauen wir ihn an; Die eines Glaubens mit uns werden, Auch denen ist er aufgethan. 5. Das Herz, des Lebens reichste Quelle, Ein böses Wesen wohnte drin; Und wards in unserm Geiste helle, So war 2 18 Advent. nur Unruh der Gewinn. Ein eisern Band hielt an der Erde Die bebenden Gefangnen fest; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Ueberrest. 6. Da kam ein Heiland, ein Befreier, Ein Menschensohn voll Lieb und Macht, und hat ein allbelebend Feuer In unserm Innern angefacht. Nun sahn wir erst den Himmel offen Als unser wahres Vaterland, Wir konnten glauben nun und hoffen Und fühlten uns mit Gott verwandt. 7. Noch steht in wundersamem Glanze Der heilige Geliebte hier; Gerührt von seinem Dornenkranze Und seiner Trene, weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, Der seine Hand mit uns ergreift Und, in sein Herz mit aufgenommen, Zur Frucht des Paradieses reift. Novalis( Fr. v. Hardenberg),+ 1801. Mel.: Er ist mein Himmel 2c. 22. Dein König kommt in niedern Hüllen, Sanftmüthig auf der Eslin Füllen, Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenszweige, Bestreu mit Palmen seine Steige! So ists dem Herren angenehm. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, Gewaltger Kämpfer ohne Speere, O Friedensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren: Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden: Doch aller Erden Reiche werden Dem, das du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten Zieht Deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen; Es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften und schlägst in Fessel Sünd und Tod. Weihnachten. 19 5. O Herr von Großer Huld und Treue, O komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuern deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 6. laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus, Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus. F. Rückert, geb. 1789. III. Weihnachten. 23. Es ist ein Ros entsprungen Aus einer Wurzel zart, Als uns die Alten sungen, Von Jesse kam die Art, Und bat ein Blümlein bracht Mitten im falten Winter, Wohl zu der halben Nacht. 2. Das Röslein, das ich meine, Davon Jesaias sagt, Hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd. Nus Gottes ewgem Rath Hat sie ein Kind geboren Wohl zu der halben Nacht. Aus dem 15. Jahrhundert. 24. Ein Kindelein so löbelich Ist uns geboren heute Von einer Jungfrau tugendlich zu Trost uns armen Lenten. Wär uns das Kindlein nicht geboren, So wären wir allzumal verloren, Das Heil ist unser aller. Ei, du süßer Jesus Christ, Der du Mensch geboren bist, Behüt uns vor der Hölle. Aus dem 15. Jahrhundert. 25. Gelobet feist du, Jesu Christ, Daß du Mensch geboren bist Von einer Jungfran, das ist wahr, Deß freuet sich der Engel Schaar. Hallelujah. 20 Weihnachten. 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippen findt, In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ersig Gut. Halleluja. 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, Der lieget in Mariens Schooß. Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Halleluja. 4. Das ewig Licht geht da herein, Gibt der Welt ein neuen Schein, Es leucht wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. Halleluja. 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hie ward, Und führt uns aus dem Jammerthal, Macht Erben uns in seinem Saal. Halleluja. 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm Und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja. 7. Das hat er alles uns gethan, Sein große Lieb zu zeigen an; Deß fren sich alle Christenheit Und dank ihm deß in Ewigkeit. Halleluja. Luther, † 1546. 26. Tom Himmel hoch da komm ich her, Ich bring euch gute neue Mähr, Der guten Mähr bring ich so viel, Davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn Von einer Jungfrau auserkorn, Ein Kindelein, so zart und fein, Das soll eur Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, Der will euch führn aus aller Noth. Er will eur Heiland selber sein, Von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, Die Gott der Vater hat bereit, Daß ihr mit uns im Himmelreich Sollt leben nun und ewiglich. Weihnachten. 21 5. So merket nun das Zeichen recht: Die Krippen, Windelein so schlecht, Da findet ihr das Kind gelegt, Das alle Welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröhlich sein Und mit den Hirten gehn hinein, Zu sehn, was Gott uns hat bescheert, Mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Sei uns willkommen, edler Gast, Den Sünder nicht verschmähet hast, Und kommst ins Elend her zu mir: Wie soll ich immer danken dir? 8. Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding, Wie bist du worden so gering, Daß du da liegst auf dürrem Gras, Der in dem Schooß des Vaters saß! 9. Und wär die Welt vielmal so weit, Mit Edelstein und Gold bereit, So wäre sie doch viel zu klein, Um eine Wiege dir zu sein! 10. Der Sammet und die Seiden dein, Das Lüffen Heu und Windeln sein! Worin du König, groß und reich, Herprangst, als wärs dein Himmelreich. 11. Das hat also gefallen dir, Die Wahrheit anzuzeigen mir: Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch thut. 12. Ach, du herzlieber Jesu mein, Mach dir doch eine Krippe fein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, Daß ich nimmer vergesse dein. 13. Davon ich allzeit fröhlich sei, 3u springen, fingen immer frei Das rechte Wiegeliedlein schon, Mit Herzenslust den süßen Ton. 14. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, Der uns schenkt seinen eingen Sohn; Deß freuet sich der Engel Schaar Und singet uns solch neues Jahr. Buther, † 1546. 22 Weihnachten. 27. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich In seinem höchsten Thron, Der heut schleußt auf sein Himmelreich Und schenkt uns seinen Sohn:,: 2. Er kommt aus seines Vaters Schooß Und wird ein Kindlein klein, Er liegt dort elend, nackt und blos In einem Krippelein.:,: 3. Er äußert sich all sein'r Gewalt, Wird niedrig und gering, Nimmt an sich eines Knechts Gestalt, Der Schöpfer aller Ding.:,: 4. Er wechselt mit uns wunderlich, Fleisch und Blut nimmt er an, Und gibt uns in des Vaters Reich Die flare Gottheit dran. 5. Er wird ein Knecht und ich ein Herr, Das mag ein Wechsel sein! Wie könnte doch sein freundlicher Das liebe Christkindlein.:, 6. Heut schleußt er wieder auf die Thür Zum schönen Paradeis; Der Cherub steht nicht mehr dafür; Gott sei Lob, Ehr und Preis.:,: N. Hermann, † 1561. Mel.: Allein Gott in der 2c. 28. 3ch steh an deiner Krippe hier, O Jesu, du mein Leben! Ich stehe, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben; Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm Alles hin Und laß dirs wohlgefallen. 2. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren Und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt, erforen; Eh ich noch war ans Licht gebracht, Da hat dein Herze schon bedacht, Wie du mein wolltest werden. 3. Ich lag in tiefster Todesnacht; Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud Weihnachten. 23 und Wonne. O Sonne, die das werthe Licht Des Glaubens in mir zugericht, Wie schön sind deine Strahlen! 3. Ich sehe dich mit Frenden an und kann nicht satt mich sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So preis ich, was geschehen. daß mein Sinn ein Abgrund wär Und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen! 5. Wenn oft mein Herz vor Leide weint Und feinen Trost kann finden, Da ruft mirs zu: ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden, Was trauerst du, mein Fleisch und Bein? Du sollst ja guter Dinge sein, Ich zahle deine Schulden!" 6. Du fragest nicht nach Lust der Welt Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seele Trost und Freud Durch dein selbsteignes Herzeleid, Das will ich dir nicht wehren.. 7. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht -versagen: Daß ich dich möge für und für Sn, bei und an mir tragen. So laß mich deine Wohnung sein, Komm, komm und fehre bei mir ein Mit allen deinen Freuden. 8. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich bewirthen werde; Du bist ein Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde; Doch bist du ein so lieber Gast, Daß du noch nie verschmähet hast Den, der dich gerne siehet. P. Gerhardt,+ 1676. 29. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud Alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Choren Alle Luft Jauchzt und ruft: Christus ist geboren! 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu Gute; Gottes Kind, Das verbindt Sich mit unserm Blute. 24 Weihnachten. 3. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns gibt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott gibt, unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Aus dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Nun er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset fahren, lieben Brüder, Was euch quält! Was euch fehlt, Ich bring Alles wieder. 5. Ei, so kommt und laßt uns laufen! Stellt euch ein, Groß und Klein, Kommt mit großen Haufen! Liebt den, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 6. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 7. Wer sich findt beschwert im Herzen, Wer empfindt Seine Sünd Und Gewissensschmerzen, Sei getrost: hier wird gefunden, Der in Eil Machet heil Die vergiften Wunden. 8. Die ihr arm seid und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Dran ihr sollt Eure Herzen laben. 9. Süßes Heil! laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen. Du bist meines Lebens Leben: Nun kann ich mich durch dich Wohl zufrieden geben. 10. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier Und mit dir heimfahren. Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud Ohne Zeit Dort im andern Leben. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Erschienen ist der herrlich zc. 30. Wir singen dir, Immanuel, Du Lebensfürst und Gnadenquell, Du Himmelsblum und Morgenstern, Du Jungfrausohn, Herr aller Herrn! Halleluja. Weihnachten. 25 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft, Lob Preis und Ehr, Daß du, o lang gewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet hast. Halleluja. 3. Vom Anfang, da die Welt gemacht, Hat so manch Herz nach dir gewacht; Dich hat gehofft so lange Jahr Der Väter und Propheten Schaar. Halleluja. 4. ,, Alch, daß der Herr aus Zion käm Und unsre Bende von uns nähm! Ach, daß die Hülfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich sein." Halleluja. 5. Nun, du bist hier, da liegest du, Hältst in dem Kripplein deine Ruh; Bist klein und machst doch Alles groß, Befleidst die Welt und kommst doch bloß. Halleluja. 6. Du kehrst in fremde Hausung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Du liegst an einer Menschenbrust Und bist doch aller Engel Lust. Halleluja. 7. Du bist der Ursprung aller Freud, Und duldest so viel Herzeleid; Du bist der süßste Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind. Halleluja. 8. Ich aber, dein geringster Knecht, Ich sag es frei und mein es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Halleluja. 9. Der Will ist da, die Kraft ist klein; Doch wird dir nicht zuwider sein Mein armes Herz, und was es kann, Wirst du in Gnaden nehuten an. Halleluja. 10. Darum hab ich so guten Muth, Du wirst auch halten mich für gut; O Jesu Christ, dein frommer Sinn, Macht, daß ich so voll Trostes bin. Halleluja. 11. Und bin ich gleich der Sünde voll, Hab ich gelebt nicht, wie ich soll, Ei kommst du doch deßwegen her, Daß sich der Sünder zu dir tehr. Halleluja. 26 Weihnachten. 12. So faß ich dich nun ohne Scheu: alles Jammers frei, Du trägst den Zorn, Tod, Verkehrst in Freud all Angst und Noth. Du machst mich Du würgft den Halleluja. 13. Du bist mein Haupt, hinwiederum Bin ich dein Glied und Eigenthum Und will, so viel dein Geist mir gibt, Stets dienen dir, wie dirs beliebt. Halleluja. 14. Ich will dein Halleluja hier Mit Freuden ingen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal Solls schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja. P. Gerhardt, † 1676. Mel: O, daß ich tausend 2c. 31. Dieß ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein; Er treibet weg der Höllen Macht, Der Sünden und des Todes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der klaren Seligkeit. Wenn Sonne, Mond und Stern sergehen Vielleicht noch in gar kurzer Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens- und dein Liebeslicht; Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht. Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst; Dein Licht sei meine Weihnachtswonne Und lehre mich die Weihnachtskunst, Wie ich im Lichte wandeln soll Und sei des Weihnachtsglanzes voll. K. F. Nachtenhöfer, † 1685. Univ.- Bibl. Giessen Weihnachten. 27 Mel.: Lobet den Herrn, den 2c. 32. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket ihr Engel in Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen zu Ehren! Sehet doch da, Gott will so freundlich, so nah Zu den Verlornen sich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden; Friede und Freud Wird uns verkündiget heut. Freuet euch, Hirten und Heerden! 3. Sebet dieß Wunder, wie tief sich der Höchste geneiget! Sehet die Liebe, die ganz sich als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kind, Träget und hebet die Sünd; Alles anbetet und schweiget. 4. Gott ist im Fleische! wer kann dieß Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen; Tretet hinein, Eins mit dem Kinde zu sein, Die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herze der Liebe mir schenken; Sollt nicht mein Sian Innigst sich freuen darin Und sich in Demuth versenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herz in der Liebe verbinde, Du sollst es sein, Den ich erwähle allein; Ewig entfag ich der Sünde. 7. Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren; Komm doch, mein Heiland, und laß mich nicht länger verloren, Wohne in mir; Mach mich ganz einig mit dir, In dir zum Leben erforen. 8. Menschenfreund, Jesu, dich lieb ich, dich will ich erheben, Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun leben; Gib mir auch bald, Jesu, die Kindesgestalt, Völlig mich dir zu ergeben. G. Tersteegen, † 1769. 28 Weihnachten. Mel: Vom Himmel hoch zc. 33. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht, Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward, Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn! 3. Wenn ich dieß Wunder faffen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still, Er betet an und er ermißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch zu unsrem Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir: ,, ich komm, im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern." Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott, mein Heiland, bet ich an! 7. Du, unser Heil und Höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ists, der fie erhält. Was zagt der Mensch, wenn Der ihn schützt, Der in des Baters Schooße sitzt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt, Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 10. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. Chr. Fr. Gellert, † 1769. Weihnachten. 29 Mel.: Kommt her zu mir sc. 34. Brich an, du schönes Morgenlicht! Das ist der alte Morgen nicht, Der täglich wiederkehret. Es ist ein Leuchten aus der Fern, Es ist ein Schimmer, ist ein Stern, Von dem ich längst gehöret. 2. Nun wird ein König aller Welt, Von Ewigkeit zum Heil bestellt, Ein zartes Kind geboren. Der Teufel hat sein altes Recht Am ganzen menschlichen Geschlecht Verspielt und schon verloren. 3. Der Himmel ist jetzt nimmer weit, Es naht die ſelge Gotteszeit Der Freiheit und der Liebe. Wohl auf, du frohe Christenheit, Daß jeder sich nach langem Streit In Friedenswerken übe. 4. Ein ewig festes Liebesband Hält jedes Haus und jedes Lend Und alle Welt umfangen; Wir alle sind ein heilger Stamm, Der Löwe spielet mit dem Lamm, Das Kind am Nest der Schlangen. 5. Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt? Hier in der Krippe liegt ein Kind Mit lächelnder Geberde. Wir preisen dich, du Sternenheld! Willkommen, Heiland aller Welt! Willkommen auf der Erde! M. v. Schenkendorf,+ 1817. Mel.: Aus meines Herzens Grunde sc. 35. Der heilge Christ ist kommen, der theure Gottessohn; Deß freun sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, Soll preisen hoch und loben Mit allen Engeln droben Den lieben heilgen Christ. 2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf einem sichern Steg. 30 Weihnachten. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder Verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gnadenschooß; Er will, daß Alle, rein Von ihren alten Schulden, Vertrauend seinen Hulden, Gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, Ihr Seelen fern und nah! Der euch den Vater weiset, Der heilge Christ ist da; Er ruft so freundlich drein Mit süßen Liebesworten: Geöffnet sind die Pforten, Ihr Kinder, kommt herein! E. M. Arndt, geb. 1769. Mel.: Wie soll ich dich empfangen 2c. 36. Erfüllt sind Stund und Zeiten, Der neue Tag bricht an; Das Licht der Ewigkeiten Tritt auf die Siegesbahn; Zur Mitternacht verschwiegen Hat es sich eingestellt; Die Engel Gottes fliegen, Und rufens in die Welt. 2. Hier liegts im Mutterschooße, Und ist noch schwach und klein; Nur zu geringem Loose Scheint es bestimmt zu sein, Als sollt es sich verlieren In tiefer Dunkelheit, Und doch soll es regieren Die Welt in Herrlichkeit. 3. Es muß vor diesem Lichte Der Erde Glanz vergehn, Vor diesem Angesichte Die Sonne finster stehn. Sein still verborgnes Wesen Hat eine solche Macht, Daß Kranke drin genesen Und Todtes neu erwacht. 4. Es freuen sich die Armen, Die Müden in dem Schein; Es ladet voll Erbarmen Die Schwachen zu sich ein. Die Stolzen nur erquicken Sich nicht an seinem Strahl. Nur den verkehrten Blicken Ist dieses Licht zur Qual. 5. O Licht, laß uns hienieden Als deine Kinder stehu, Bis wir dereinst in Frieden Den höhern Aufgang sehn! O Jesu, Stern der Gnade, Des Vaters Glanz und Zier, O leucht auf unsre Pfade, Damit sie gehn zu dir! Chr. R. Puchta, geb. 1808. Neujahr. IV. Neujahr. 31 In eigner Melodie oder: Herr, ich habe mißgehandelt zc. 37. Hilf, Herr Jesu, laß gelingen, Hilf, das neue Jahr geht an; Laß es neue Kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben Wollest du aus Gnaden geben. 2. Meiner Hände Werk und Thaten, Meiner Zunge Red und Wort Müsse nur durch dich gerathen Und ganz glücklich gehen fort. Neue Kraft laß mich erfüllen, zu verrichten deinen Willen. 3. Was ich dichte, was ich mache, Das gescheh in dir allein; Wenn ich schlafe, wenn ich wache, Wollest du, Herr, bei mir sein; Geh ich aus, Wollst du mich leiter, Rehr ich heim, steh mir zur Seiten. 4. Laß mich beugen meine Kniee Nur zu deines Namens Ehr; Hilf, daß ich mich stets bemühe, Dich zu preisen mehr und mehr. Laß mein Bitten und mein Flehen zu dir durch die Wolken gehen. 5. Laß dieß sein ein Jahr der Gnade, Laß mich büßen meine Sünd; Hilf, daß sie mir nimmer schade Und ich bald Verzeihung find, Herr in dir; denn du, mein Leben, Kannst die Sünd allein vergeben. 6. Tröste mich mit deiner Liebe, Nimm, o Gott, mein Flehen hin, Weil ich mich so sehr betrübe, Ja voll Angst und Zagen bin. Stärke mich in meinen Nöthen, Daß mich Sünd und Tod nicht tödten. 7. Herr, du wollest Gnade geben, Daß dieß Jahr mir beilig sei, Und ich christlich könne leben Sonder Trug und 32 Neujahr. Heuchelei, Daß ich noch allhier auf Erden Fromm und felig möge werden. 8. Jesu, richte mein Beginnen, Jesu, bleibe stets bei mir; Jesu, zähme mir die Sinnen, Jesu, sei nur mein Begier; Jefu, sei mir in Gedanken, Jesu, laffe nie mich wanken. 9. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefangne Jahr; Trage stets mich auf den Händen, Halte bei mir in Gefahr. Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Joh. Rift,+ 1667. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren 2c. 38. Nun laß uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hierher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom alten zu dem neuen. 3. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier anf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 4. Also auch, und nicht minder Läßt Gott ihm seine Kinder, Wenn Noth und Trübsal blitzen, In seinem Schooße sitzen. 5. Ach, Hüter unsers Lebens, Führwahr, es ist vergebens Mit unserm Thun und Machen, Wo nicht dein Augen wachen. 6. Gelobt sei deine Trene, Die alle Morgen nene! Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! 7. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 8. Gib uns und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 9. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensorne scheinen. Neujahr. 33 10. Sei der Verlaffnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und habe. 11. Hilf gnädig allen Kranken, Gib fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seeien, Die sich mit Schwermuth quälen. 12. Und endlich, was das Meiste, Fill uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 13. Das alles wollst du geben, O unsers Lebens Leben, Uns und der Christenschaare Zum selgen neuen Jahre. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Werde munter sc. 39. Aberinals ein Jahr verflossen Näher zu der Ewigkeit! Wie ein Pfeil wird abgeschossen, So vergehet meine Zeit, Jehovah Zebaoth! Unveränderlicher Gott! Ach was soll, was soll ich bringen, Deiner Langmuth Dank zu singen? 2. Ich erschrecke, mächtig Wesen! Ich versink in Angst und Noth; Denn mein Beten, Singen, Lesen, Ach, das ist so träg und todt. Heilig! Heilig! Heiliger! Großer SeraphinenHerr! Wehe mir! ich muß vergehen; Denn wer kann vor dir bestehen? 3. Aber du bist auch sanftmüthig, getreues Vaterherz! In dem Bürgen bist du gütig, Der gefühlt des Todes Schmerz. Steh ich nicht in deiner Hand Eingezeichnet als ein Pfand, Das du ewig willst bewahren Vor des bösen Feindes Schaaren? 4. Auf, mein Herz! gib dich nun wieder Ganz dem Friedensfürsten dar! Opfre dem des Dankes Lieder, Welcher krönet Tag und Jahr! Fang ein neues Leben an, Das zum Ziel dich führen kann, Wo du durch ein selig Sterben Wirst die Himmelskron ererben. 5. Soll ich denn in dieser Hütten Mich ein Zeit lang plagen noch, So wirst du mich überschütten Mit Geduld, das 3 34 Neujahr. weiß ich doch. Trag auf deinem Herzen mich, Jesu Christe, du und ich Wollen ewig treu verbleiben und von neuem uns verschreiben. 6. An dem Abend und dem Morgen, Gott, mein Rath, besuche mich! Laß der Heiden Nahrungssorgen Nimmer scheiden mich und dich! Prüf mich jeden Augenblick, Gib, daß ich mein Haus beschick, Daß ich wache, bete, stebe, Ehe denn ich schnell vergebe! Joachim Neander, † 1680. Mel.: Wie soll ich dich zc. 40. Durch Trauern und durch Plagen, Durch Noth, durch Angst und Bein, Durch Hoffnung und durch Klagen, Durch Sorgen groß und klein, Bin ich, Gott Lob! gedrungen, Dieß Jahr ist hingelegt: Dir, Gott, sei Lob gesungen! Das Herz ist mir bewegt. 2. Der du mich haft erbauet, In dir besteht mein Heil; Dir ist mein Glück vertrauet, Du bist und bleibst mein Theil. Du hast mich wohl erhalten, Du bist mein Trost und Hort; Dich laß ich ferner walten: Herr, führ mich fort und fort. 3. Mein Gott, o meine Liebe, Was du willst, will auch ich, Gib, daß ich nichts verübe, Was irgend wider dich; Dir ist mein Will ergeben, Ja er ist nicht mehr mein, Dieweil mein ganzes Leben Dein eigen wünscht zu sein. 4. Nach dir soll ich mich schicken, Und, Herr, ich wills auch thun. Soll mich die Armuth drücken? Ich will dabei be ruhn. Soll mich Verfolgung plagen? Ja, Herr, befiehl du mir. Soll ich Verachtung tragen? Ach, ich gehorch auch hier. 5. Soll ich verlassen leben? Herr Gott, dein Wille gilt. Soll ich in Aengsten schweben? Mein Heiland, wie du willt. Soll ich denn Krankheit leiden? ich von hinnen scheiden? Herr, dein Will ist auch mein. Ich will gehorsam sein. Soll Neujahr. 6. Heut ist das Jahr beschlossen; Herr, deine Gnade sei Heut auf mich neu ergossen, Mein Herze werd auch neu. Laß ich die alten Sünden, So werd ich, Gott, bei dir Auch neuen Segen finden, Dein Wort verspricht es mir. G. W. Sacer, † 1699. 35 Mel.: Komm, Herr Jesu zc. oder: Großer Gott dich loben 2c. 41. Sesus soll die Losung sein, Da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein Denen zum Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn Und auf seinen Wegen gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in der Gemeinde schallen; Und so oft wir an den Ort, Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligthum. 3. Sein Verfühnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu Theil, Wird sich täglich bei uns mehren; Auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 4. Unsre Wege wollen wir Nun in Jesu Namen geheu; Geht uns dieser Leitstern für, So wird Alles wohl bestehen Und durch seinen Gnadenschein Alles voller Segen sein. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns ein Segen werden müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, Welcher allen Kummer stillt. 6. Jesus, aller Bürger Heil, Unserm Ort ein Gnadenzeichen, Unscrs Landes bester Theil, Dem kein Kleinod zu vergleichen, Jesus, unser Schutz und Hort, Bleib mms Losung fort und fort. Benj. Schmolck, † 1737. Mel.: Es ist das Heil uns sc. 42. Gott ruft der Sonn und schafft den Mond, Das Jahr darnach zu theilen. Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und heißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; Auf, 36 Neujahr. laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen. 2. Herr, der da ist und der da war! Von dankerfüllten Zungen Sei dir für das verfloffne Jahr Ein heilig Lied gefungen, Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, Für Fried und Ruh, für jede That, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dieß Jahr gesegnet sein, Das du uns neu gegeben. Verleih uns Kraft- die Kraft ist dein In deiner Furcht zu leben. Du schützest, Herr, und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach wahrer Weisheit streben. - 4. Hilf deinem Bolte väterlich In diesem Jahre wieder, Erbarme der Verlaffnen dich und der bedrängten Glieder; Gib Glück zu jeder guten That Und laß dich, Gott, mit Heil und Rath Auf unsern Fürsten nieder: 5. Daß Weisheit und Gerechtigkeit Auf seinem Stuhle throne; Daß Tugend und Zufriedenheit In unserm Lande wohne; Taß Tren und Liebe bei uns sei: Dieß, lieber Vater, dieß verleih In Christo, deinem Sohne! Chr. Fr. Gellert,+ 1769. V. Jeft der Erscheinung. Mel.: Unser Herrscher, unser c. 43. Werde Licht, du Stadt der Heiden, Und du, Salem, werde Licht; Schane, welch ein Glanz mit Freuden Ueber deinem Haupt anbricht: Gott hat derer nicht vergessen, Die im Finstern sind gefeffen. 2. Dunkelheit, die mußte weichen, Als dieß Licht kam in die Welt, Dem kein andres ist zu gleichen, Welches alle Ding Fest der Erscheinung. erhält: Die nach diesem Glanze sehen, Dürfen nicht im Finstern gehen. 3. Ach, wie waren wir verblendet, brach an! Ja, da hatte sich gewendet Jedermann: Unsre Augen und Geberden Erden. 37 Ehe noch dieß Licht Schier vom Himmel Hingen einzig an der 4. Gottes Rath war uns verborgen, Seine Gnade schien uns nicht; Klein und Große mußten sorgen, Jedem fehlt es an dem Licht, Das zum rechten Himmelsleben Seinen Glanz uns sollte geben. 5. Aber wie hervorgegangen Ist der Aufgang aus der Höh, Haben wir das Licht empfangen, Welches so viel Angst und Weh Aus der Welt hinweggetrieben, Daß nichts Dunkles ist geblieben.. 6. Dieses Licht läßt uns nicht wanken In der rechten Glaubensbahn; Ewig, Herr, will ich dir danken, Daß du bast so wohlgethan Und uns diesen Schatz geschenket, Der zu deinem Reich uns lenket. 7. Gib, Herr Jesu, Kraft und Stärke, Daß wir dir zu jeder Zeit Durch geliebte Glaubenswerke Folgen in Gerechtigkeit Und hernach im Freudenleben Heller als die Sterne schweben. 9. Jesu, laß mich endlich gehen Welt, Dein so helles Licht zu sehen. bestellt, Wo wir sollen unter Kronen heit wohnen. 8. Dein Erscheinen müß erfüllen Mein Gemüth in aller Noth; Dein Erscheinen müsse stillen Meine Seel auch gar im Tod; Herr, in Frei.den und im Weinen müsse mir dein Licht erscheinen. Frendig aus der bösen Das mir dort schon iſt In der schönsten KlarJoh. Rist,+ 1667. 38 Fest der Erscheinung. Mel.: Valet will ich dir sc. 44. Herr Jesu, Licht der Heiden, Der Frommen Schatz und Lieb! Wir kommen jetzt mit Freuden Durch deines Geistes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier Nach Simeons Exempel Dich, Herr und Gott, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden, O Herr, an jedem Ort, Dahin du dich verbunden Durch dein Verheißungswort; Vergönnst noch heut zu Tage, Daß man dich gleicherweis Auf Glaubensarmen trage, Wie hier der fromme Greis. 3. Sei unser Glanz in Wonne, Ein helles Licht in Pein, In Schrecken unsre Sonne, Im Kreuz ein Gnadenschein, In Zagheit Gluth und Fener, In Noth ein Freudenstrahl, In Banden ein Befreier, Ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß auch uns gelingen, Daß einst wie Simeon Ein jeder Christ kann singen Den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab erblickt. 5. Ja, ja, ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Kein Feind kann dich mir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn in deinem Herzen, Und in dem meinen du; Uns scheiden keine Schmerzen, Kein Angst, kein Tod dazu. 6. Hier blickst du zwar zuweilen Auch hart und ernst mich an, Daß oft vor Angst und Heulen Ich dich nicht kennen kann; dort aber wirds geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Joh. Frank, † 1677. Mel.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich zc. 45. Auf, Seele, auf und säume nicht! Es bricht das Licht herfür; Der Wunderstern gibt dir Bericht, Der Held sei vor der Thür.:,: Fest der Erscheinung. 39 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu suchen solchen Herrn, Laß deine Augen sein gewandt Auf diesen Morgenstern.:,: 3. Gib acht auf diesen hellen Schein, Der aufgegangen iſt, Er führet dich zum Kind hinein, Das heißet Jesus Christ.:,: 4. Er ist der Held aus Davids Stamm, Der alle Feinde schlägt; Er ist das theure Gotteslamm, Das unsre Sünde trägt.:,: 5. Drum mache dich behende auf, Befreit von aller Laſt, Und laß nicht ab von deinem Lauf, Bis du dieß Kindlein hast.:,: 6. Halt dich im Glauben an das Wort, Das fest ist und gewiß; Das führet dich zum Lichte fort Aus aller Finsterniß.:,: 7. Drum sinke nur vor seinem Glanz In tiefste Demuth ein Und laß dein Herz erleuchten ganz Von solchem Freudenschein.:,: 8. Gib dich ihm selbst zum Opfer dar Mit Geist und Leib und Seel Und singe mit der Engel Schaar:„ Hier ist Immanuel!":: 9. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, Wo man zum Leben geht; Hier ist des Paradieses Pfort, Die wieder offen ſteht.:,: 10. Hier fallen alle Sorgen hin, Zu Luft wird alle Pein; Es wird erfreuet Herz und Sinn, Denn Gott ist wieder dein.:,: 11. Der zeigt dir einen andern Weg, Als du vorher gefannt: Den stillen Ruh- und Friedenssteg zum ewgen Vaterland.:,: M. Müller,+ 1704. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht sc. 46. Jesu, großer Wunderstern, Der aus Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an deinem Fefte dienen; Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken kann. 40 Fest der Erscheinung. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, Wie ichs von dir selber habe Und damit beschenket bin, So ist dirs die liebste Gabe; Laß es auch bewährt und rein In dem Trübfalsfener sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, Laß ihn gnädig dir genügen; Herz und Lippen sollen stets, Ihn zu opfern, vor dir liegen; Wenn ich bete, nimm es auf, Und sprich Ja und Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Neu; Ach, mich schmerzet meine Sünde! Aber du bist fromm und treu, Daß ich Trost und Gnade finde Und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. E. Neumeister, † 1756. In eigener Melodie, oder: Kommt her zu mir zc. 47. Wohlauf, mein Herz, verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sei gewiß, Er wird auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. 2. Ach, du sollst ihm ein Tempel sein! Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust, hier zu wohnen; Doch, finstres Herz, auf, werde Licht! Denn Jesus wohnt in Seelen nicht, Die noch der Lüste schonen. 3. Wer dich begehret, Gottes Sohn, Vom Geist erweckt, wie Simeon, Zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt entwöhnt, Aus ihr sich nach dem opfert rechte Gaben. Himmel sehnt, Der 4. Wer auf die Treue Gottes baut, Im Glauben seinen Heiland schaut, Der kann im Frieden fahren. Der Heiland bält, was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. Passton. 41 5. Herr, mache mich gerecht und rein, Herr, laß mich stets voll Glaubens sein, Mich stets in Christo leben, Bis du auch mich, wenn dirs gefällt, Im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn ergeben. I. A. Schlegel, † 1793. VI. Paffion. 48. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wareft verachtet. All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet. All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarm dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du wareft verachtet. All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Gib deinen Frieden, o Jesu! N. Decius, tum 1529. Mel.: Zion klagt mit Angst sc. 49. Jesu, deine tiefen Wunden, Deine Qual und bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in Leib- und Seelennoth; Fällt mir etwas Arges ein, Denk ich bald an deine Pein, Die verleidet meinem Herzen Mit der Sünde je zu scherzen. 2. Will sich dann in Lüsten weiden Mein verderbtes Fleisch und Blut, So gedenk ich an dein Leiden, Bald wird Alles wieder gut. Kommt der Satan und setzt mir Heftig zu, halt 42 Passion. ich ihm für Deine Gnad und Gnadenzeichen, Bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf die breite Wollustbahn, Da nichts ist als Jubiliren, Alsdann schau ich emsig Deiner Marter Centnerlast, Die du ausgestanden haft, So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust vertreiben. all 4. Ja, für Alles, das mich fränket, Mir dein Leiden Hülfe schafft, Wann mein Herz hinein sich senket, Schöpf ich neue Lebenskraft. Deines Trostes Süßigkeit Wendet mir das bittre Leid, Der du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen, Du bist meine Zuversicht; Dein Tod hat den Tod zerhauen, Daß er mich kann Jödten nicht. Daß ich an dir habe Theil, Bringet Trost mir, Schutz und Heil; Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab ich dich in meinem Herzen, Du Brunn aller Gütigkeit, So empfind ich keine Schmerzen Auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich, Kein Feind kann verletzen mich; Wer vertraut auf deine Wunden, Der hat selig überwunden. Joh. Heermann, † 1647. 50. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, Daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Missethaten Bist du gerathen? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, Du wirst mit Effig und mit Gall getränket, Ans Kreuz gehenfet. 3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; Ich, o Herr Jesu, habe dieß verschuldet, Was du erduldet! Passion. 43 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe: Der gute Hirte leidet für die Schafe, Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße; Ich lebte mit der Welt in Lust und Frenden, Und du mußt leiden. 6. Ach, großer König, groß zu allen Zeiten; Wie kann ich gnugsam solche Treu ausbreiten? Kein Menschenherz vermay es auszudenken, Was dir zu schenken. 7. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen; Wie kann ich dir denn deine Liebesihaten Im Werk erstatten? 8. Doch ist noch etwas, das dir angenehme: Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, Daß sie aufs neue nicht mein Herz entzünden Mit alten Sünden. 9. Weils aber nicht besteht in eignen Kräften, Fest die Begierde an das Kreuz zu heften, So gib mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 10. Dann werde ich dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz mehr achten, keine Schmach und Plagen, Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen Nehmen zu Herzen. 11. Dieß alles, obs für schlecht zwar ist zu schätzen, Wirst du es doch nicht gar bei Seite setzen, In Gnaden wirst du dieß von mir annehmen, Mich nicht beschämen. 12. Wenn dort, Herr Jesu, wird von deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ehrenfrone, Da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann, † 1647. 51. Wenn meine Sünd mich kränken, mein Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist 44 Passion. und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, Wer es betrachtet recht! Es hat sich martern lassen Der Herr für seinen Knecht; Selbst seinen eingen Sohn hat Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; Die Schuld ist allzumal Bezahlt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Gluth. 4. Drum sag ich ich dir von Herzen, Jetzt und mein Leben lang, Für deine Bein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Noth und Angstgeschrei, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lies und Tren. 5. Herr, laß dein bittres Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier, Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Sollts auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen; Gib, o mein Herr und Gott, Daß ich verläugne diese Welt Und folge dem Exempel, Das du mir vorgestellt: 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jedermann Ohn Eigennutz und Heuchelschein, Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wunden Mich trösten kräftiglich In meinen letzten Stunden, Und deß versichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur trau, Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau. Just. Gesenius,+ 1671. Passion. 45 Mel.: Herzlich thut mich verlangen ze. 52. Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn; O Haupt zum Spott gebunden Mit einer Dornenfron; O Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr und Zier, Jetzt aber höchst verhöhnet, Gegrüßet seist du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor das Reich der Welt Erschrickt und wird zu nichte, Wie bist du so entstellt, Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht mehr gleichet, So schändlich zugericht? 3. Nun, was du, Herr, erduldet, st Alles meine Last, Ich hab es selbst verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, sier steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat; Gib mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! 4. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan: Dein Wort hat mich gelabet Mit süßer Gnadenkost, Dein Geist hat mich begabet Mit mancher Himmelsluft. 5. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht; Von dir will ich nicht gehen, Wenn dir dein Herze bricht; Wenn dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schooß. 6. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 7. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deines Todes Schmerzen, Da dus so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. 8. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir, Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; 46 Passion. Wenn mir am allerbängsten Wird im das Herze sein, So reiß mich aus den lengsten Kraft deiner Angst und Pein. Da 9. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnoth; will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken: Wer so stirbt, der stirbt wohl. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Welt, ich muß dich 20. 53. Welt, sieh hier dein Leben Am Stanım des Kreuzes schweben, Dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren Fäßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Wie er mit Todesschweiße Und Blut ist überfüllt; Aus seinem edeln Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Von Uebelthaten weißt du nicht. 4. Ich, ich, und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Du setzest dich zum Bürgen, Ja läsfest dich erwürgen Für mich und meine Schuld; Mir läsfest du dich krönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest Alles mit Geduld. 6. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr. Passion. 47 7. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben, Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 8. Ich wills vor Augen setzen, Mich stets daran ergötzen, Ich sei auch, wo ich sei. Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb und unverfälschten Treu. 9. Ich will darin erblicken, Wie ich mein Herz soll schmücken Mit stillem, sanftem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 10. Ich will mich mit dir schlagen absagen, Was meinem Fleisch gefällt; baffen, Das will ich fliehn und lassen, ganzen Welt. Ans Kreuz und dem Was deine Augen Gefiel es auch der 11. Dein Seufzen und dein Stöhnen Und die viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schooß und Hände Begleiten zu der ewgen Nuh. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: An Wasserflüssen Babylon zc. 54. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und frank, Ergibt sich auf die Würgebant, Vérzicht auf alle Freuden; Es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Krenz und Tod Und spricht: ich wills gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland unsrer Seelen; Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen: Geh hin, mein Kind, und nimm dich an Der Kinder, die vom Anfang an Verdienet Straf und Ruthen; Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten. 48 Passion. 3. Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, Leg auf, ich wills gern tragen; Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen. O Wunderlieb, o Liebesmacht, Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abdringen; Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen. 4. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleich wie du mich, Mit Liebesarmen fassen; Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mir auch mein Herz zerbricht, Sollst du mein Herz: bleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. 5. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen, Und was dit mir zu gut gethan, Das will ich stets, so gut ich kann, In mein Gedächtniß schließen. P. Gerhardt, † 1676. 55. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, Der du dich für mich gegeben In die tiefste Seelennoth, In das äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben; Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 2. Du, ach du haft ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Haft getragen Strick und Banden, Du gerechter Gottessohn; Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 3. Du hast wollen sein geschlagen, Mich zu lösen von der Pein, Fälschlich laffen dich anklagen, Daß ich könnte sicher Paffion. sein; Daß ich möchte trostreich prangen, gehangen. Tausend, tausendmal sei dir, dafür. 49 Hast du sonder Trost Liebster Jesu, Dank 4. Deine Demuth hat gebüßet Meinen Stolz und Uebermuth, Dein Tod meinen Tod versüßet, Es kommt Alles mir zu gut; Dein Verlassen sein, dein Schreien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 5. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für geſammte Noth, Für die Wunden für die Schmerzen, Für den herben, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Deine tausendfachen Plagen, Für dein Ach und tiefe Pein Wilt ich ewig dankbar sein. E. F. Homburg, † 1681. 56. du Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens, mir zu Gute, Als ein Opfer eingestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Mifsethat der Welt. 2. Liebe, die mit heißen Thränen An dem Delberg sich betrübt; Liebe, die mit heißem Sehnen Unaufhörlich fest geliebt; Liebe, die den eignen Willen In des Vaters Willen legt, Und, den Fluch der Welt zu stillen, Tren die Last des Kreuzes trägt. 3. Liebe, die mit starkem Herzen Alle Schmach und Hohn gehört; Liebe, die mit Angst und Schmerzen strengste Tod versehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, Athem geht zu End; Liebe, die sich liebend neiget, Leib und Seele trennt. Nicht der Da der Da sich 4. Liebe, die für mich gestorben Und ein immerwährend Gut An dem Kreuzesholz erworben, Ach, wie denk ich an 4 50 Paffion. dein Blut! Ach wie dank ich deinen Wunden, Du verwundte Liebe du, Wenn ich in den letzten Stunden Sanft an deinem Herzen ruh. 5. Liebe, die sich tobt gekräufet Und für mein erfaltet Herz in ein kaltes Grab gesenket, Ach, wie dank ich Deinem Schmerz! Habe Dank, taß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erworben; Nimm mich, liebster Jesu, an! Vor 1698. Mel.: Ich hab mein Sach Gott re. 57. Nun ist es Alles wohlgemacht, Weil Jesus ruft: Es ift vollbracht! Der reigt sein Haupt, o Mensch und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, das niemals verdirbt. 2. Erschrecklich, daß der Herr erbleicht Der Herrlichkeit, dem Niemand gleicht, Der Lebensfürst, die Erde fracht Und es wird Nacht, Weil Gottessohn wird umgebracht. 3. Die Sonn erlischt in ihrem Lauf, Der Heilgen Gräber thun sich auf, Der Vorhang reißt von oben an, Daß Jedermann Ins Heiligthum nun schauen kann. 4. Weil denn die Kreatur sich regt, So werd auch du, o Mensch, bewegt!. Ein Fels zerreißt und du wirst nicht Durch dieß Gericht Erschüttert, daß dein Herze bricht? 5. Du bist ja Schuld, dieß nimm in Acht, Daß Jefus ist ans Kreuz gebracht: Ihm, der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Gräul der Sünden ab. 6. Ach, Bater, ach, dein einger Sohn Erbleicht am Kreuz mit Schmach und Hohn! Nun, dieß geschieht für meine Schuld; Drum hab Geduld und zeig in Jesu Gnad und Huld. 7. Ich will nun abgestorben sein Der Sind und leben ihm allein. Es hat sein Tod das Leben mir Gebracht herfür Und aufgethan die Himmelstbür. Passion. 8. O Jesu Christe, stärke mich In meinem Vorsatz kräftiglich; Laß mich den Kampf so führen fort Nach deinem Wort, Daß ich die Kron erlange dort. 51 9. So will ich dich, Herr Jesu Christ, Daß du für mich gestorben bist, Von Herzen preisen in der Zeit Und nach dem Streit In Freud und Wonn in Ewigkeit. 2. Laurenti, † 1722. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein sc. 58. Es ist vollbracht! Er ist verschieden, Mein Jesus schließt die Augen zu; Der Friedefürst entschläft im Frieden; Die Lebenssonne geht zur Ruh Und sinkt in stille Todesnacht; O großes Wort: es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Er hats gesprochen; Das ewge Wort muß sprachlos sein, Das Herz der Treue wird gebrochen, Den Fels des Heils umschließt ein Stein; Die höchste Kraft ist nun verschmacht; O wahres Wort: es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! Ihr meine Sünden, Verdammet nun mein Herz nicht mehr. Vom Himmel her hör ich verkünden: Des Sohnes Blut erlangt Gehör; Am Kreuz hats Frieden uns gemacht. O süßes Wort: es ist vollbracht! 4. Es ist vollbracht! o welch Verlangen Zieht mich zu deinem Grabe hin; Dich wünschen Engel zu umfangen: Rub auch in meinem Herzen drin, Wo dir die Liebe Raum gemacht; O tröstlich Wort: es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! Ich will mich legen Zur Rub auf Chrifti Grabesstein; Die Engel find allhie angegen; Ich schlummre sanft mit Jakob ein; Die Himmelspfort ist aufgemacht. O Lebenswort: es ist vollbracht! Salomon Frankf, † 1725. 52 Passion. Mel.: Werde munter mein sc. 59. Der am Kreuz ist meine Liebe, Meine Lieb ist Jesus Christ. Weg, ihr argen Sündentriebe, Welt und Fleisch mit ihrer Lift! Eure Lieb ist nicht von Gott, Eure Lieb ist gar der Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe; Frevler, was befremdets dich, Daß ich mich im Glauben übe? Jesu gab sich selbst für mich. So ward er mein Friedeschild, Aber auch mein Lebensbild. Der am Krenz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe; Sünde, du besiegst mich nicht. Weh mir, wenn ich den betrübe, Der für mich ging ins Gericht! Kreuzigt ich nicht Gottes Sohn? Spräch ich seinem Blut nicht Hohn? Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe, Was ist mir nech fürchterlich? Schweig, Gewissen! er die Liebe, Jesus opfert sich für mich. Schaue, wie er blutend ringt Mit der Sünd und sie bezwingt. Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe; Keine Macht ist nun so groß, Daß sie mich von Jesu triebe, Von ihm reißt kein Schmerz mich los, Hunger, Blöße, Gold, noch Ruhm, Engel nicht, kein Fürstenthum. Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! Komm, Tod, komm Tein bester Freund! Wenn ich wie ein Staub zerstiebe, Wird mein Jesu mir vereint. Da, da schau ich Gottes Lamm, Meiner Seelen Bräutigam. Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. Joh. Menzer(?), † 1734. Passion. 53 Mel.: Sieh, hier bin ich Ehrenkönig sc. 60. Ruhe hier, mein Geist ein wenig Und schau an dieß Wunder groß; Wie dein Herr und Ehrenkönig Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben Hat getrieben Zu dir ans des Vaters Schooß. 2. Ob dich Jesus liebt von Herzen, Kannst du hier am Kreuze sehn; Schau, wie bittre Todesschmerzen Ihm durch Leib und Seele gehn. Fluch und Schrecken Ihn bedecken; Höre doch sein Klaggetön. 3. Dieß sind meiner Sünden Früchte; Die, mein Heiland ängstgen dich; Dieser Leiden schwer Gewichte Sollt zum Abgrund drücken mich; Diese Nöthen, Die dich tödten, Sollt ich fühlen ewiglich.- 4. Doch du haft für mich besieget macht, Gottes ewgem Recht genüget, vollbracht und mir eben Zu dem Leben Bahn gemacht. Sünde, Tod und HöllenSeinen Willen ganz Durch dein Sterben 5. Ach, ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zu gut? Soll dein Feind erlöset werden Durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen Und mich beugen Für dieß unverdiente Gut. 6. Seel und Leben, Leib und Glieder, Alles gibst du für mich hin, Sollt ich dir nicht schenken wieder Alles, was ich hab und bin? Ich bin deine Ganz alleine; Dir verschreib ich Herz und Sinn. 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte Mich in deinen Tod hinein; Laß mein Fleisch und sein Geschäfte, Herr, mit dir gekreuzigt sein, Daß mein Wille Sanft und stille Und die Liebe werde rein. 8. Laß in allen Leidenswegen Deine Leiden stärken mich, Daß mein Leiden mir zum Segen Mag gedeihen stetig 54 Paffion. lich; Daß mein Herze Auch im Schmerze Ohne Wanten liebe dich. 9. Wenn mich schrecken meine Sünden Wenn mich böse Luft anficht, Ich nicht Kraft noch Gnad kann finden, Wollst du mich verlassen nicht: Laß dein Sterben Mir erwerben Troft im Tod und im Gericht. 10. Jesu, mun will ich ergeben Meinen Geist in deine Hand, Laß mich dir alleine leben, Bis ich nach dem Leidensstand Bei oir wohne, In der Krone Dich beschau im Vaterland. Gerh. Tersteegen, † 1769. Begräbniß Jesu. 61. Traurigkeit, Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einig Kind Wird ins Grab getragen. 2. O große Noth, Der Herr liegt todt! Am Kreuz ist er geſtorben, Hat dadurch das Himmelreich Uns aus Lieb erworben. 3. O Menschenkind, Nur deine Sünd Hat dieses angerichtet, Da du durch die Missethat Warest ganz vernichtet. 4. Dein Bräutigam, Das Gotteslamm, Liegt hie mit Blut beflossen, Welches er ganz mildiglich Hat für dich vergoffen. 5. O felig ist Zu aller Frist, Der dieses recht bedenket, Wie der Herr der Herrlichkeit Wird ins Grab versenket. 6. O Jesu, du Mein Hülf und Ruh, Ich bitte dich mit Thränen: Hilf, daß ich mich bis ins Grab Nach dir möge sehnen! Joh. Rist, † 1667. Mel.: Nun laßt uns den Leib ic. 62. Der du, Herr Jesu, Ruh und Rast In deinem Grab gehalten hast, Gib, daß wir in dir ruhen all Und unser Leben dir gefall. Begräbniß Jesu. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk und Muth, Die du erfanft mit deinem Blut, Und führ uns in des Himmels Licht Zu deines Vaters Angesicht. 55 3. Wir danken dir, o Gottes Lamm, Geifdtet an des Kreuzes Stamm; Laß ja uns Sündern deine Bein Den Eingang in das Leben sein. G. Werner, † 1671. Mel.: O Traurigkeit sc. 63. So ruhest du, O meine Ruh, In deiner Grabeshöhle Und erweckst durch deinen Tod Meine todte Seele. 2. Man senkt dich ein Nach vieler Pein, Du meines Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 4. O Lebensfürst, Ich weiß du wirst wecken; Sollte denn mein gläubig Herz schrecken? 3. Ach, du bist falt, Mein Hort und Halt! Das macht die heiße Liebe, Die dich in das kalte Grab Durch ihr Fener triebe. Mich wieder auferVor der Gruft er5. Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich im Frieden liege, Weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 6. Gar nichts verdirbt; Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen und in ganz verflärter Zier Aus dem Grabe gehen. 7. Indeß will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken und an deinen bittern Tod Bis in Tod gedenken. S. Frant, 1725. 56 Oftern. VII. Oftern. 64. Christ ist erstanden von der Marter alle! Deß solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Wär er nicht erstanden, Die Welt, die wär vergangen; Seit daß er erstanden ist, So lobn wir den Herrn Jesum Christ. Halleluja! Halleluja, Halleluja, Halleluja! Deß solln wir alle frob sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Vor 1300. 65. Christ lag in Todesbanden, Für unsre Sünd gegeben, Der ist wieder erstanden und hat uns bracht das Leben; Deß wir sollen fröhlich sein, Gott loben und ihm dankbar sein Und singen Halleluja! Halleluja! 2. Den Tod Niemand bezwingen konnt Bei allen Menschenkindern; Das machte alles unsre Sünd, Kein Unschuld war zu finden. Davon kam der Tod sobald Und nahm auch über mns Gewalt. Sein Reich hielt uns gefangen. Halleluja! 3. Jesus Christus, Gottes Sohn, An unser Statt iſt kommen und hat die Sünde abgethan, Damit dem Tod genommen All sein Recht und sein Gewalt; Da bleibet nichts denn Todsgestalt, Den Stachel hat er verloren. Halleluja! 4. Es war ein wunderlicher Krieg, Da Tod und Leben rungen; Das Leben das behielt den Sieg, Es hat den Tod verschlungen, Die Schrift uns die Kunde bringt, Wie da sein Tod den Tod bezwingt; Ein Spott der Tod ist worden. Halleluja! Ostern. 57 5. Hier ist das rechte Osterlamm, Davon wir sollen leben, Das ist uns an des Kreuzes Stamm Aus heißer Lieb gegeben. Deß Blut zeichnet unsre Thür, Das hält der Glaub dem Tode für; Nicht rührn kann uns der Würger. Halleluja! 6. So feirn wir das hohe Fes: Mit Herzensfreud und Wonne, Das uns der Herr scheinen läßt; Er selber ist die Sonne, Der durch seiner Gnaden Glanz Erleuchtet unsre Herzen ganz: Der Sünd Nacht ist vergangen. Halleluja. Luther, † 1546. Mel.: Heut triumphiret Gottes Sohn 2c. 66. Früh Morgens, da die Sonn aufgeht, Mein Heiland Christus aufersteht. Halleluja, Halleluja! Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja, Halleluja! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang Hält meinen Heiland Todeszwang; Halleluja, Halleluja! Am dritten Tag durchs Grab er dringt, Mit Ehren seine Siegsfahn schwingt. Halleluja, Halleluja! 3. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt Mit Schmach am Kreuz gefangen hält; Halleluja, Halleluja! Drauf folgt der Sabbath in dem Grab, Allda ich Ruh und Frieden hab. Halleluja, Halleluja! 4. In Kurzem wach ich fröhlich auf, Mein Ostertag iſt schon im Lauf; Halleluja, Halleluja! Ich wach auf durch des Herren Stimm, Veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja, Halleluja! 5. O Wunder den er nicht fällt? groß, o starker Held, Wo ist ein Feind, Halleluja, Halleluja! Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Halleluja, Halleluja! 58 Oftern. 6. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Halleluja, Halleluja! Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab. HalleInja, Halleluja! 7. Er nährt, er schützt, er tröstet mich, Sterb ich, so nimmt er mich zu sich; Halleluja, Halleluja! Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil seines Leibes Glied ich bin. Halleluja, Halleluja! 8. Durch seiner Auferstehung Kraft Komm ich zur Engel Brüderschaft; Halleluja, Halleluja! Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt Und mit Gerechtigkeit gefrönt. Halleluja, Halleluja! 9. Mein Herz darf nicht entsetzen sich: Gott und die Engel lieben mich; Halleluja, Halleluja! Die Freude, die mir ist bereit, Vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja, Halleluja! 10. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt; Halleluja, Halleluja! Dort wollen wir mit größerm Fleiß Erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja, Halleluja! Joh. Heermann, † 1647. Mel. Nun freut euch lieben c. 67. Wach auf mein Herz, die Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen! Ermuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu empfangen, Der heute durch des Todes Thor brochen aus dem Grab hervor, Der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben, Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Vergiß nur, was dahinten ist, Und tracht nach dem, was droben, Damit dein Herz zu jeder Frist Zu Jefu sei Oftern. 59 erhoben. Tritt unter dich die böse Welt Und strebe nach dem Himmelszelt, Wo Jesus ist zu finden. 4. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuz und Pein In Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und forge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 5. Es hat der Löw aus Judas Stamm überwunden ,. Und das erwürgte Gotteslamm Heil gefunden Das Leben und Gerechtigkeit, überwundnem Streit Die Feinde Schan getragen. Hent fiegreic Hat uns zum Weil er nach 6. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwunden; Er wird auch überwinden weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dieneſt. 7. Sei hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern, Und ewig in der Herrlichkeit von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut. Herr Jesu gib uns Kraft und Muth, Daß wir auch überwinden. L. Laurenti, † 1722. Mel.: Herzlich thut mich sc. 68. 3ch geh zu deinem Grabe, Du großer Osterfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehen, Auch mit des Himmels Erben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde Und hast sie eingeweiht, Wenn ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen, Was Asch und Staub sermehrt, Weil dir doch allerwegen Die Erde zugehört. 3. Tu schläfest in dem Grabe, Daß ich auch meine Nub An diesem Orte habe; Drüchst mir die Augen zu: So soll 60 Oftern. mir gar nicht grauen, Wenn mein Gesicht vergeht; Ich werde Den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab war wohl versiegelt, Du sprengtest es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt; Da werd ich den erblicken, Der mich vom Tode weckt. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich, Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, O meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben In meiner letzten Noth. Ich will mein Lager machen In deine liebe Gruft, Da werd ich schon erwachen, Wenn deine Stimme ruft. B. Schmold, † 1737. Mel.: Christus, der ist mein sc. 69. Willkommen, Held im Streite, Aus deines Grabes Kluft! Wir triumphiren hente Um deine leere Gruft. 2. Der Feind wird Schau getragen Und heißt nunmehr ein Spott; Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott. 3. In der Gerechten Hütten lied; Du trittst selbst in die Osterfried. 4. Ach, theile doch die Beute Bei deinen Gliedern aus; Wir alle kommen heute Deßwegen in dein Haus. Schallt schon das SiegesMitten Und bringst den 5. Schwing deine Siegesfahne Auch über unser Herz, Und unsern Weg uns bahne Vom Grabe himmelwärts. 6. Laß unser aller Sünden Ins Grab verscharret sein, Uns einen Schatz bier finden, Der ewig kann erfreun. Oftern. 61 7. Wir sind mit dir gestorben, So leben wir mit dir; Was uns dein Tod erworben, Das stell uns täglich für. 8. Wir wollen hier ganz fröhlich Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir nur dorten selig Mit dir auch auferstehn. 9. Der Tod kann uns nicht schaden, Sein Pfeil ist nunmehr stumpf: Wir stehn bei Gott in Gnaden Und rufen schon Triumph! B. Schmolck, † 1737. Mel.: Alle Menschen müssen ze. 70. 3ween der Jünger gehn mit Sehnen Ueber Feld nach Emmaus, Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seele voll Verdruß; Man hört ihre Klageworte; Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche. Herzen Ihrem stillen Kummer nach, Sie bejammern ihre Schmerzen, Ihre Noth und Ungemach. Manches wandert gar alleine, Daß es nur zur Gnüge weine; Doch mein Jesus ist dabei, Fragt, was man so traurig sei. 3. Oft schon hab ichs auch empfunden, Jesus läßt mich nie allein: Jesus stellt zur rechten Stunden Sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, Gleich als ob er ferne wäre, O so ist er mehr als nah Und mit seiner Hilfe da. 4. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe ferner noch bei mir; Kommt die Welt mich anzufeinden, Ach, so sei du auch allhier. Wenn mich Trübsalswetter schrecken, Wollst du kräftig mich bedecken; Komm in meinem Geist zu ruhn, Was du willst, das will ich thun. 5. Bin ich traurig und betrübet, So gib nur in meinen Sinn, Daß mich deine Seele liebet, Und daß ich der deine 62 Oftern. bin. Laß dein Wort mich feste gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe Lrennt besser kennt. Und dich immer 6. Tröst auch Andre, die voll Jammer Einsam durch die Fluren gehn Oder in der stillen Kammer Tiefbekümmert zu dir flehn! Wenn sie von der Welt sich tremen, Daß sie fatt sich weinen können, So sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? 7. Hilf, wenn es will Abend weiden, Und der Lebenstag sich neigt, Wenn dem dunkeln Aug auf Erden Nirgends sich ein Helfer zeigt; Bleib alsdann in unsrer Mitten, Wie dich deine Jünger bitten, Bis du sie getröstet haft; Bleibe, bleibe theurer Gast! J. Neunherz, † 1737. Mel.: Jesus meine Zuversicht ic. 71. Jesus lebt, mit ihm auch ich: Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich Von den Todten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; Dieß ist meine Zuversicht. 2. Jefus lebt, ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben; Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; Dieß ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt, wer nun verzagt, Sindigt wider Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; Dieß ist meine Zuversicht. 4. Jefus lebt, sein Heil ist mein; Sein sei auch mein ganzes Leben; Reines Herzens will ich sein und den Lüften wiederstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; Dieß ist meine Zuversicht. Oftern. 63 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsterniß, Keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; Dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt, nun ist der Tod Mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth Wird er meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! S. F. Gellert, 1769. Mel.: Ewig sei dir Lob gesungen sc. 72. Ueberwinder, nimm die Palmen, Die dein Volf dir heute bringt, Das mit frohen Osterpfalmen Den erkämpften Sieg befingt. Wo ist nun der Feinde Pochen Und der Würger Mordgeschrei, Da des Todes Nacht vorbei, Und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da: Halleluja! Gott sei Dant, 2. Stecke nun dein Siegeszeichen Auf der dunkeln Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen; Leidenszeit Ist dein Tag der Herrlichkeit, erschienen, Erd und Himmel jauchzen da: Halleluja! Held und König, Denn nach harter Höchste Majestät, Gott sei Dank, 3. Theile, großer Fürst, die Beute Deiner armen Heerde mit, Die in froher Sehnsucht heute Vor den Thron der Gnade tritt. Deinen Frieden gib uns allen, O so jauchzet Herz und Muth, Weil das Loos uns wundergut Und aufs lieblichste gefallen; Denn der Delzweig grünet da: Gott sei Dank, Halleluja! 4. Laß, o Sonne der Gerechten, Deinen Strahl ins Herze gehn; Gib Erleuchtung deinen Knechten, Daß sie geistlich auf 64 Ostern. erstehn. Hält der Schlaf uns noch gefangen, so fördre du den Lauf; Rufe mächtig: wachet auf! Denn die Schatten sind vergangen Und der helle Tag ist da: Gott sei Dank, Halleluja! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, Wenn die letzte Stunde schlägt, Weil du denen, die dir trauen, Schon die Krone beigelegt. Gib uns in den höchsten Nöthen, Gib uns mitten in der Pein Deinen Trost und Glauben ein, O so kann der Tod nicht tödten; Denn die Hoffnung blühet da: Gott sei Dank, Halleluja! 6. Zeige, wenn der blöde Kummer Ueber Sarg und Grüften weint, Wie die Schwachheit nach dem Schlummer Dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich bier geboren, O so streift das fühle Grab Nur, was sterblich heißt, uns ab, Und der Staub ist unverloren, Unser Hirte hütet da: Gott sei Dank, Halleluja! 7. Rufe die zerfallnen Glieder Endlich aus der dunkeln Nacht, Wenn der Deinen Asche wieder In verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben; Dann wird die verjüngte Brust, Herr, mit engelgleicher Lust Ewig deinen Sieg erheben, Und wir sprechen auch allda: Gott sei Dank, Halleluja! Chr. L. Taddel, † 1775. Mel.: Nun sich der Tag geendet ac. 73. Sch jag es Jedem, daß er lebt Und auferstanden ist, Daß er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 2. Ich jag es jedem, jeder sagt Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin einer Hand. Erst wie ein Entzückt aus Ostern. 65 4. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, Und jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, Geht in den Himmel aus, Und wer nur hört auf seinen Rath, Kommt auch ins Vaterhaus. 6. Nun weint auch keiner mehr allhie, Wenn eins die Augen schließt, Vom Wiedersehn, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. STE 7. Es kann zu jeder guten That Ein jeder frischer glühn; Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn Alles uns verläßt; Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungsfest. SORD O Novalis( F. v. Hardenberg), t † 1801. Mel.: O du Liebe meiner Liebe 20. 74. Wandle leuchtender und schöner, Ostersonne, deinen Lauf; Denn dein Herr und mein Versöhner Stieg aus seinem Grabe auf. Als das Haupt er sterbend beugte, Bargst du dich in nächtgen Flor; Doch jetzt komm hervor und leuchte, Denn anch er stieg längst empor. Proto 2. Erde, breite dich in Frieden Unter deinem Himmel aus; Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zerbrach des Todes Haus. Deine starken Felsen bebten, Als er seinen Geist verhaucht, Grüße nun den Neubelebten Wonnevoll in Licht getaucht! 3. Doch, du selber, meine Seele, Sag, wie feierst du den Tag, Da der Herr des Grabes Höhle Mit gewaltgem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehn Auch in rechter Ofterfreud? Kann man an dir selber sehen, Welch ein hoher Festtag heut? 4. Bist du mit ihm auferstanden Aus der Sünde Todesnacht? Hast Du dich von ihren Banden Losgerungen, freige5 66 Ostern. macht? Oder liegst noch verborgen Und in deinen Sünden todt? Kündet deinen Ostermorgen Noch kein helles Morgenroth? 5. O dann laß dich nicht bedecken Länger mehr die finstre Nacht; Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken, Nach dem Tode aufgewacht! Komm, vom Schlaf dich zu erheben, Komm, der Fürst des Lebens ruft: Wache auf zum neuen Leben, Steig herauf aus deiner Gruft!" #t 6. Sieh, er reicht dir hilfreich gnädig Die durchbohrten Hände hin, Macht dich der Betäubung ledig, Weckt mit Liebesruf den Sinn; Keine Strafe sollst Du scheuen, Darum bleibe nicht zurück, Raff dich auf, dich zu erfreuen An des neuen Lebens Glück! 7. Sieh, dein Herr ist auferstanden, Daß du könntest auferstehn, Aus der Sünde, Haft und Banden In die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich nun ergeben, Streift er deine Ketten ab, Und du siehst dein altes Leben Hinter dir als leeres Grab. 2. J. Ph. Spitta, geb. 1801. Mel.: Wenn meine Sünd mich se. 75. Der Herr ist auferstanden! Singt, Osterboten, singt, Daß laut von Land zu Landen Der Jubelruf erklingt, Daß alle Gräber beben, Die Todten sich beleben; Singt, Boten: Jesus lebt! 2. Sa, tragt den Gruß, ihr Boten Des Friedens, durch die Welt! Nicht laßt sie ruhn die Todten, Denn rettend lebt der Held. Sie sollen, ihm ergeben, Trotz Tod und Teufeln leben und ewig leben ihm. 3. O tommt zur Osterfeier, Ihr Brüder, all herbei! Herbei zu dem Befreier Aus Satans Tyrannei! Die Bande find zerrissen; Eilt aus den Finsternissen In Jesu Lebensreich! Der 4. Seht die verklärten Wunden, Seht seinen Gottesblid! Der Sieger ist gefunden, Mit ihm das böchste Glück! Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 67 Tod ist nun geschlagen, Die Hölle muß verzagen, Das Himmelreich beginnt. 5. Wir hören, Herr, dein Grüßen, Wir schauen deine Pracht; Wir knien zu deinen Füßen, Du Licht in unsrer Nacht! Du Heil der armen Sünder, Du Haupt der Gotteskinder, Nimm uns in deinen Bund! 6. Laß dringen in die Grüfte Der Gnade Morgenroth! Dann tönts durch alle Lüfte:„ Wo ist dein Stachel, Tod? Wo ist dein Sieg, o Hölle?" Daß fern die Meereswelle Vom Halleluja hallt! J. P. Lange, geb. 1802. VIII. Chrifti Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. Mel.: Nun freut euch lieben: c. 76. Auf diesen Tag bedenken wir, Daß Christus aufgefahren, Und flehn mit herzlicher Begier, Er wolle wohl bewahren Uns arme Sünder hier auf Erd, Die wir von Noth und Tod beschwert Ohn ihn kein Hoffnung haben. Halleluja! Halleluja! 2. Gottlob, nun ist der Weg gemacht, Uns steht der Himmel offen! Christus schleußt auf mit großer Pracht, Vorhin konnts Niemand hoffen. Wers glaubt, deß Herz ist freudenvoll, Dabei er sich doch rüsten soll, Dem Herren nachzufolgen. Halleluja! Halleluja! 3. Wer nicht folgt und sein Willen thut, Dem ist nicht Ernst zum Herren; Denn Gott wird auch vor Fleisch und Blut Sein Himmelreich versperren. Am Glauben liegts, so der ist ächt, Wird auch gewiß das Leben recht Zum Himmel sein gerichtet. Halleluja! Halleluja! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, Bis wir den Vater finden Und fliehen stets die weltlich Bahn, Thun uns zu 68 Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. Gottes Kindern; Wir sehn hinauf, Gott sieht herab, An Treu und Lieb geht uns nichts ab, Bis wir zusammenkommen. Halleluja! Halleluja! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, Wenn Gott uns zu sich nehmen Und seinem Sohn wird machen gleich, Als wir dann jetzt bekennen! Da wird sich finden Freud und Muth 3u ewger Zeit beim' höchsten Gut. Gott woll, daß wirs erleben! Halleluja! Halleluja! J. Zwick,+ 1542. Mel.: Nun freut euch lieben 2c. 77. Auf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiermit stets überwinde. Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan Und große Gab empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgends Ruh erlangen. Denn wo mein Schatz gekommen hin, Dahin steht auch mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach, Herr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög meine Nachfahrt zieren und dann einmal, Wenn dirs gefällt, Mit Frenden scheiden aus der Welt; Herr, höre dieß mein Flehen! Nach Josud Wegelin, † 1640; von J. Gesenius, † 1671. Mel.: Wie schön leuchtet c. 78. Ach wundergroßer Siegesheld, Du Sündenträger aller Welt, Heut hast du dich gesetzet Zur Rechten deines Vaters Kraft, Der Feinde Schaar gebracht zur Haft, Bis auf den Tod verletzet. Mächtig, Prächtig Triumphirest, Jubilireft; Tod und Leben, Ist, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, Viel tausend hohe Seraphim Dich Siegesfürsten loben, Weil du den Segen wiederbracht, Mit Majestät und großer Stacht Zur Freude bist Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 69 erhoben; Singet, Bringet Jubellieder, Fallet nieder, Rühmt und ehret Den, der auf zum Himmel fähret. 3. Du, Herr, bist unser Haupt, und wir Sind deine Glieder; nur von dir Kommt auf uns Heil und Leben; Trost, Friede, Freude, Licht und Kraft, Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns durch dich gegeben. Dringe, Zwinge, Ewge Güte, Mein Gemüthe, Daß es preise, Dir Lob, Ehr und Dank erweise! 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir! Hilf, daß wir forthin für und für Nach deinem Reiche trachten. Laß unsern Wandel himmlisch sein, Daß wir der Erde eiteln Schein Und Ueppigkeit verachten; Unart, Hoffart Laß uns meiden Christlich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schirm und Hort Und gründ uns auf dein göttlich Wort, Darauf wir uns verlassen. Laß suchen uns, was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und List, Und Feinde, die uns haffen. Lügen, Trügen, Angst und Zagen, Ach, wie plagen, Ach, wie quälen Sie die armen Christenseelen! 6. Herr Jesu, komm, du Guadenthron, Du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen! Du, du bist allen uns zu gut, O Jesu durch dein theures Blut Ins Heiligthum gegangen. Dafür Soll dir Von uns allen Preis erschallen, Nimm am Ende, Herr, uns auf in deine Hände! E. Chr. Homburg, † 1681. Mel: Aus meines Herzens 2c. 79. Der Herr fährt auf gen Himmel Mit frohem Jubelschall, Mit prächtigem Getümmel Und mit Posaunenhall. Lobsingt, lobfinget Gott! Lobsingt, lobfingt mit Freuden Dem Könige der Heiden, Dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufgenommen, Der ganze Himmel lacht, um ihn gehn alle Frommen, Die er hat frei gemacht. 70 Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. Es holen Jefum ein Die lautern Cherubinen, Den hellen Seraphinen Muß er willkommen sein. 3. Wir wissen nun vom Siege, Der unser Haupt erhöht; Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht; Der Heiland geht voran, Will uns zurück nicht laffen; Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. Wir sollen himmlisch werden, Der Herre macht uns Platz; Wir gehen von der Erden Dorthin, wo unser Schatz. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, Dahin sei das Verlangen, Dahin sei euer Lauf! 5. Laßt uns gen Himmel dringen Mit herzlicher Begier, Laßt uns zugleich auch singen: Dich, Jesu, suchen wir! Dich, o du Gottes Sohn, Dich Weg, dich wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich, unsers Hauptes Kron. 6. Fahr hin mit deinen Schätzen, Du trugesvolle Welt! Dein Staub kann nicht ergößzen; Weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis, Der Herr ist unsre Freude Und köstliches Geschmeide; Zu ihm gilt unsre Reis. 7. Wann soll es doch geschehen? Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir den Heiland grüßen Und fallen ihm zu Füßen? Komm, stelle dich doch ein! G. W. Sacer, † 1699. Mel.: Fren dich sehr, o meine zc. 80. Herr, auf Erden muß ich leiden Und bin voller Angst und Weh; Warum willst du von mir scheiden, Warum fährst du in die Höh? Nimm mich Armen doch mit dir, Oder bleibe du in mir, Daß ich dich und deine Gaben Täglich möge bei mir haben. 71 Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 2. Laß dein Herze mir zurücke Und nium meines mit hinauf; Wenn ich Seufzer zu dir schicke, Thue mir den Himmel auf, Und so ich nicht beten kann, Rede du den Vater an; Denn du sitzst zu seiner Rechten; Darum hilf uns, deinen Knechten. 3. Zeuch die Sinnen von der Erde Ueber alles Eitle hin, Daß ich mit dir himmlisch werde, Ob ich gleich noch sterblich bin, Und im Glauben meine Zeit Richte nach der Ewigkeit, Bis wir auch zu dir gelangen, Wie du bist vorangegangen. 4. Meine Wohnung mache fertig Droben in des Vaters Haus, Da ich werde gegenwärtig Bei dir gehen ein und aus. Dahin bringe mich zur Ruh, Denn der Weg dahin bist du; Und nimm an dem letzten Ende Meinen Geist in deine Hände. 5. Komme, wenn es Zeit ist, wieder, Denn du hast es zugesagt Und erlöse meine Glieder, Die der Tod im Grabe nagt; Richte dann die böse Welt, Die dein Wort für Lügen hält, Und nach ausgestandnem Leide Führ uns ein zu deiner Freude. C. Neumann, † 1715. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele 2c. 81. König, dem kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch den Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne AlS des Vaters ewgem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten. 2. Himmel, Erde, Luft und Meere Nebst dem ungezählten Heere Der Geschöpfe in den Feldern, In den Seen, in den Wäldern Sind, Herr über Tod und Leben, Dir zum Eigenthum gegeben. Thiere, Menschen, Geister scheren, Menschensohn, dein mächtig Dränen. 72 Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 3. In des Gnadenreiches Gränzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes, Nach dem Recht des Gnadenbundes, Sich von dir regieren laffen Und, wie du, das Unrecht hassen. 4. In dem Reiche deiner Ehren kann man stets dich loben hören Von dem himmlischen Geschlechte, Von der Menge deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein verklärtes Antlitz schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr und Dienst erweisen. 5. Herr, in allen diesen Reichen, Ist dir Niemand zu vergleichen An dein Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vollkommenheit der Gaben, Welche deine Bürger baben; Du beschützest deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. 6. Herrsche auch in meinem Herzen Ueber Zorn, Luft, Furcht und Schmerzen, Laß mich deinen Schutz genießen, Gläubig dich ins Herze schließen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich in Gehorsam üben; Hier mit ringen, dulden, streiten, Dort mit herrschen dir zur Seiten. J. J. Rambach, † 1735. Mel.: Alle Menschen müssen 2c. 82. Siegesfürst und Ehrenkönig, Höchst verklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber hoch erhöht; Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, Und mein Herz vor Frende wallen, Wenn mein Glaubensaug entzückt Deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit sich ergießt, Daß ein Strom von Glanz und Wonne Durch die Himmelsgeister fließt; Prächtig wirst du aufgenommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, dein armes Kind auch hier Rufet Cosianna dir! Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 73 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit seh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen, Nicht vor Welt und Teufel grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. 4. Geist und Kraft nun überfließen; Drum wirk in mir Fräftiglich; Bis zum Schemel deinen Füßen Alle Feinde legen sich. Herr, zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende, Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 5. Du kannst Alles aller Orten Nun erfülln und nahe sein; Meines armen Herzens Pforten Stehen offen, komm berein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkehren; Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmelsthron. 6. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah; Lehr mich nur im Geiste leben Als vor deinen Augen da; Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, Bei dir abgeschieden drinnen, In das Himmelreich versetzt, Da mich Jesu nur ergötzt. G. Tersteegen, † 1769. Mel.: Alles ist an Gottes Segen 2c. 83. Jesus Christus herrscht als König, Alles wird ihm unterthänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Alle Zange soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß. 2. Fürstenthümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, Geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft dort im Himmel, Hier im irdischen Getümmel, Ist zu seinem Dienst bereit. 74 Christi Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, Und demselben gleichet Keiner; Nur der Sohn, der ist ihm gleich); Deffen Stuhl ist unumstößlich, Deffen Leben unanflöslich, Deffen Reich ein ewig Reich. 4. Nur in ihm, o Wundergaben! haben, Die Erlösung durch sein Blut. erschienen, Und ein ewiges Verfühnen zu gut. Können wir Erlösung Hörts! das Leben ist Kommt in Jeju uns 5. Alles dieses nicht alleine; Die begnadigte Gemeine Hat auch ihn zu ihrem Haupt. Er hat sie mit Blut erkaufet, Mit dem Geiste sie getanfet, Und sie lebet, weil sie glaubt. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, Klagt, ihr Kranten, ihm die Schmerzen, Sagt, ihr Armen, ihm die Noth! Er kann alle Wunden heilen, Reichthum weiß er auszutheilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 7. Eil, es ist nicht Zeit zum Schämen! Willst du Gnade? du sollst nehmen! Willst du leben? es soll sein! Willst du erben? du sollst sehen! Soll der Wunsch aufs Höchste gehen: Willst du Jesum? Er ist dein! 8. Zwar auch Krenz drückt Christi Glieder hier auf turze Zeit darnieder, Und das Leiden geht zuvor; Doch Geduld! Es folgen Freuden; Nichts kann sie von Jesu scheiden, Und ihr Haupt zieht sie empor! SP 9. Ihnen steht ein Himmel offen, Welcher über alles Hoffen, Ueber alles Wünschen ist. Die gereinigte Gemeine Weiß, daß eine Zeit erscheine, Wo sie ihren König grüßt. 10. Jauchz ihm, Menge heilger Knechte; Rühmt, vollendete Gerechte, Und du Schaar, die Palmen trägt, Und ihr Märtrer mit der Krone, Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfe schlägt! Christi Himmelfahrt and himmlische Herrlichkeit. 11. Ich auch auf der tiefsten Stufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als König, Alles sei ihm unterthänig! Ehret, liebet, lobet ihn! Ph. F. Hiller, † 1769. 75 Mel.: Lobet den Herrn, den ze. 84. Lamm, das gelitten und Löwe, der siegreich gerungen, Blutendes Opfer und Held, der die Hölle bezwungen; Brechendes Herz, Das sich aus irdischem Schmerz Ueber die Himmel geschwungen! 2. Du hast in schauriger Tiefe das Höchste vollendet, Gott in die Menschheit gehüllt, daß sein Licht uns nicht blendet. Würdig bist du, Jauchzt dir die Ewigkeit zu,- Preises und Ruhms, der nicht endet. - nennen! 3. Himmlische Liebe, die Namen der Erde nicht Fürst deiner Welten, den einst alle Zungen bekennen: Gingest du nicht Selbst in der Sünder Gericht, Sünder entlassen zu fönnen? 4. Ucber des Todes umnachteten, graunvollen Klüften Schwangst du die Palme des Sieges in himmlischen Lüften; Wer an dich glaubt, Trägt nun, von Hoffnung umlaubt, Ewiges Leben aus Grüften. 5. Menschensohn, Heiland, in dem sich das ewge Erbarmen Milde zu eigen gegeben den schuldigen Armen: Dir an der Brust Darf nun in Leben und Lust Jeder Erstarrte erwarmen. 6. Wahl voller Wunder! der einzige Reine von allen Eint sich mit Seelen, die fündig im Staube hier wallen, Trägt ihre Schuld, Hebt in unendlicher Huld Das, was am tiefsten gefallen. 76 Pfingstea. 7. Mir auch ist süß überwindend dein Rufen eriönet, Herr, auch mein feindliches Herz hat dein Lieben versöhnet; Ja, deine Hand, zu dem Verirrten gewandt, Hat mich mit Gnade gekrönet. 8. Lobe den Herrn, meine Seele! Er hat dir vergeben, Heilt dein Gebrechen, legt in dich ein ewiges Leben; Frieden im Streit, Wonnen im irdischen Leid Weiß dir dein Heiland zu geben. 9. Hoffnung und Glaube und Liebe, sie tragen auf Flügeln Dich in das Land der Verheißung zu ewigen Hügeln, Wo deine Wahl, Dort in der Herrlichkeit Strahl, Lieb und Erbarmen besiegeln. 10. Jauchze, Natur, in des Frühlings beginnendem Wehen; Singe, du Welt, die das Werk der Erlösung gesehen! Jauchze, du Heer Dort am krystallenen Meer: ,, Ehre sei Gott in den Höhen!" M. Häußer- Schweizer, geb. 1797. IX. Pfingsten. Mel.: Komm, Gott Schöpfer 2c. 85. Komm heiliger Geist, o Schöpfer du, Sprich deinen armen Seelen zu; Erfüll mit Gnaden, süßer Gast, Die Brust, die du geschaffen hast. 2. Der du ein Tröster bist genannt, Des allerhöchsten Gottes Pfand, Du Liebesquell, du Lebensbronn, Du Herzenssalbung, Gnadensonn! 3. Du siebenfaches Gnadengut, Du Hand des Herrn, die Wunder thut, Du löseft aller Zungen Band, Gibst frei das Wort in alle Land. 4. Zünd uns ein Licht an im Verstand, Entflamm das Herz in Liebesbrand, Stärk unser schwaches Fleisch und Blut Durch deiner Gottheit starken Muth. Pfingsten. 77 5. Den Feind treib von uns fern hinweg Und bring uns auf des Friedens Steg, Daß wir, durch deine Huld geführt, Vom Argen bleiben unberührt. 6. Lehr uns den Vater kennen wohl, Und wie den Sohn man ehren soll; Im Glauben mache uns bekannt, Wie du von beiden wirst gesandt. Alte Kirche. 86. Komm, heiliger Geist, Herre Gott, Erfüll mit deiner Gnaden Gut Der Gläubigen Herz, Muth und Sinnen, Dein brünstig Lieb entzünd in ihnen! Herr, durch deines Lichtes Glanz Zum Glauben du versammelt haft Das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen! Halleluja! Halleluja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, Laß uns leuchten des Lebens Wort Uud lehr Gott uns recht erkennen, Von Herzen unsern Vater nennen. D Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum Christ mit rechtem Glauben, Und ihm aus ganzer Macht vertrauen; Halleluja! Halleluja! 3. Du heilige Gluth, süßer Trost, Nun hilf uns fröhlich und getrost In deinem Dienst beständig bleiben, Die Trübsal uns von dir nicht treiben. Durch deine Kraft uns, Herr, bereit Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hier ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja! Halleluja! M. Luther, † 1546. 87. Nun bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte an unserm Ende, Wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Herr, erbarm dich unser! 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein, Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, dem 78 Pfingsten. treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Herr, erbarm dich unser! 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen einander lieben und in Frieden auf einem Sinn bleiben. Herr, erbarm dich unser! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand, noch Tod, Daß in uns die Sinne nimmer verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Herr, erbarm dich unser! M. Luther,+ 1546, 2. 1. aus dem 13. Jahrhundert. Mel.: Wie schön leuchtet der 2c. 88. heitger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein, O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein Zu steter Freud und Wonne! Sonne, Wonne, Himmlisch Leben, Willst du geben, Wenn wir beten; Zu dir kommen wir getreten. 2. Du Qnell, draus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören; Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch andre in der Christenheit Dein wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath Und fähr uns selbst den rechten Pfad, Die wir den Weg nicht wissen. Gib uns Beständigkeit, daß wir Getren dir bleiben für und für, Auch wenn wir leiden müssen. Schaue, Bane, Was zerrissen Und beflissen, Dich zu schauen Und auf deinen Trost zu bauen. 4. Laß uns dein edle Balsamkraft Empfinden und zur Nitterschaft Dadurch gestärket werden; Auf daß wir unter deinem Schutz Begegnen aller Feinde Trutz Mit freudigen Pfingsten. 79 Geberden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, Daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 5. O starker Held und Lebenshort, Laß uns dein himmelfüßes Wort In unsern Herzen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitreichen Lehr Und reinen Liebe trennen! Fließe, Gieße, Deine Güte Ins Gemüthe, Daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 6. Du süßer Himmelsthau, laß dich In unsre Seelen kräftiglich Und schenk uns deine Liebe; Daß unser Sinn verbunden sei Dem Nächsten stets mit Liebestreu Und sich darinnen übe. Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe, Fried und Liebe Müsse schweben; Fried und Freude wirst du geben. 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre Lebenszeit; Sei unsers Geistes Stärke! Daß uns forthin sei unbewußt Die Eitelkeit, Des Fleisches Lust Und seine todten Werke. Rühre, Führe Unser Sinnen Und Beginnen Von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. M. Schirmer, † 1673. 89. 3euch ein zu deinen Thoren, Sei meines Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neu geboren hast. O bochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hülf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 3. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll, Dein Beten wird erhöret, Dein Singen flinget wohl, Es steiget himmelan, Es steiget sonder Ende, Bis der sich zu uns wende, Der allen helfen kann. 4. Du bist ein Geist der Frenden, Das Trauern willst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Liit deines Trostes Licht. 80 Pfingsten. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßen Worten mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Freudensaal! gk tr 5. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit; Der Feindschaft Feind du bist, Willst, daß in Liebesflammen Sich wieder thu zusammen, Was voller Zwietracht ist. 6. Du, Herr, haft selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wenden, Wie dir es wohlgefällt; So gib doch deine Gnad Zu Fried und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat. 7. Beschirm die Obrigkeiten, Ban unsere Fürsten Thron, Gib Glück zu unsern Zeiten; Schmück, als mit einer Kron, Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 8. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für; Vertreib den bösen Geist, Der dir sich wiedersetzet Und, was dein Herz ergötzet, Aus unserm Herzen reißt. 9. Richt unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wirs sollen geben In Todes Hände hin, Wenns mit uns hie wird aus, So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Freu dich sehr, o meine sec. 90. O du allersüßte Freude! O du allerschönstes Licht! Der du uns in Lieb und Leide Unbesuchet läsfest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst Ohn Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe. 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen fann, Wenn ich dich erwünsch und habe, Geb ich alles Pfingsten. 81 Wünschen dran. Ach ergib dich, komm zu mir In mein Herze, das dn dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserforen. 3. Du wirst als ein milder Regen Ausgegossen von dem Thron, Bringst uns nichts als lauter Segen Von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du haft Und verwaltst nach deinem Willen, Mich an Leib und Seel erfüllen. Wenn du mich 4. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, nur nicht verstößt; Bleib ich von dir ungeschieden, Ei so bin ich gnug getröst! Laß mich sein dein Eigenthum! Ich versprech binwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 5. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hülfe nöthig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue, Und mein Gott sich meiner freue. Wenn ich sinke, sei Wenn ich liege, 6. Sei mein Retter, halt mich eben, mein Stab; Wenn ich sterbe, sei mein Leben; sei mein Grab; Wenn ich wieder aufersteh, Ei so hilf mir, daß ich geh Hin, wo du in ewgen Freuden Wirst die Auserwählten weiden! P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Nun ist auferstanden 2c. 91. Schmückt das Fest mit Maien, Lasset Blumen streuen, Zündet Opfer an; Denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen: Machet ihm die Bahn. Nehmt ihn ein, So wird sein Schein Euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rath und That, Starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, 6 82 Pfingsten. Licht auf unserm Pfad, Gib uns Kraft Zur Pilgrimschaft, Laß uns deine theuern Gaben Herz und Seele laben. 3. Laß die Zungen brennen, Wenn wir Jesum nennen; Führ den Geist empor. Gib uns Kraft zu beten und vor Gott zu treten, Sprich du selbst uns vor. Gib uns Muth, Du höchstes Gut, Tröst uns träftiglich von oben Bei der Feinde Toben. 4. Goldner Himmelsregen, Schütte deinen Segen Auf das Kirchenfeld; Laffe Ströme fließen, Die das Land begießen, Wo dein Wort hinfällt, Und verleib, Daß es gedeib; Hundertfältig Frucht zu bringen, Laß ihm stets gelingen. 5. Schlage deine Flammen Ueber uns zusammen, Heilge Liebesgluth; Laß dein sanftes Wehen Ueber uns ergeben, Dämpfe Fleisch und Blut; Laß uns doch Am Sündenjoch Mit der Welt nicht ferner ziehen Und das Böse fliehen. 6. Gib zu allen Dingen Wollen und Bollbringen, Führ uns ein und aus; Wohn in unsrer Seele, Unser Herz erwäble Dir zum eignen Haus. Werthes Pfand, Mach uns bekannt, wie wir Jesum recht erkennen Und Gott Bater nennen. 7. Mach das Krenz uns füße Und durch Finsterniffe Sei du unser Licht; Trag nach Zions Hügeln Uns mit Glaubensflügeln Und verlaß uns nicht, Wenn der Tod Die letzte Notb. Mit uns will zu Felde liegen, Daß wir fröhlich fiegen. 8. Laß uns hier indessen Nimmermehr vergessen, Daß wir Gott verwandt. Dem laß uns stets dienen Und im Guten grünen Als ein fruchtbar Land, Bie wir dort, Du werther Hort, Bei den grünen Himmelsmaien Ewig uns erfreuen. B. Samold, † 1737. Mel.: Grquide mic, Du heil x. 92. Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Das uns im Todesschatten scheint, Du scheinst und locft so lang vergebens, Weil Pfingsten. 83 Finsterniß dem Lichte feind! O Geist, dem Keiner kann entgehen, Dich laß ich gern mein Herze sehen. 2. Entdecke Alles und verzebre, Was nicht in deinem Lichte rein; Benn mirs gleich noch so schmerzlich wäre, Die Wonne folget nach der Bein. Du wirst mich aus dem finstern Alten In Jesu Klarbeit ungestalten. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern, Das ist dein Werk, du Quell des Lichts! Du mußt von Grund aus mich erneuern, Sonst hilft mein eignes Trachten nichts. O Geist, sei meines Geistes Leben; Ich kann mir selbst kein Gutes geben. 4. Du Odem aus der ewgen Stille, Durchwebe sanft der Seele Grund, Füll mich mit aller Gottesfülle; Und da, wo Sünd und Gränel stund, Laß Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, In Geist und Wahrheit Gott zu dienen. 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen Sei findlich folgsam deinem Trieb; Bewahr mein Herz mit allen Sinnen Untadelig in Gottes Lieb. Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen Laß mich auf keine Weise dämpfen. 6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne Eröffnet unt frystallenrein Aus Gottes und des Lammes Throne Nun quillt in stille Herzen ein, Ich öffne meinen Mund und sinke Hin zu der Quelle, daß ich trinke. 7. Ich laß mich dir und bleib indessen, Bon Allem abgefebrt, dir nab; Ich will die Welt und mich vergefien, Dieß innigst glauben: Gott ist da! O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Man barret deiner nie vergebens. G. Zersteegen, † 1769. Mel.: Rommt her zu mir ic. 93. Es saß ein frommes Häuflein dort Und wollte nach bes Herren Wert Einmüthig Pfingsten balten. Ach laß une jest 84 Pfingsten. im Christenstand, Herr Jesu, deiner Liebe Band Bei frommen Gliedern walten! 2. Schnell fiel hernieder auf das Haus Ein starker Wind, der mit Gebraus Sich wundersam erhoben. O Gotteshauch, ach laffe dich Bei uns auch spüren kräftiglich Und weh uns an von oben. 3. Er füllete die Wohnung ganz, Zertheilter Zungen Feuerglanz Ließ sich anf jedem spüren. Ach nimm auch unsre Kirchen ein, Laß feurig unsre Lehrer sein, Und deine Sprach uns rühren! 4. Sie wurden all des Geistes voll und fingen an zu reden wohl, Wie er gab auszusprechen. Erfüll auch uns mit heilger Gluth, Daß wir des Herzens blöden Muth Mit freier Rede brechen. 5. Das Volk von allen Zungen kann, Was Gott zum Heil der Welt gethan, In seiner Sprache hören. Ach heb der 3.ungen Irrsal auf; Laß, Jesu, deinem Wort den Lauf, Daß dich die Völker ehren. 6. Die Welt zwar treibt nur ihren Spott, Und wer nicht merkt die Kraft von Gott, Spricht leider: ,, Sie sind trunken!" Den rechten Freudenwein uns gib, Erquick, o Herr in deiner Lieb, Was noch in Angst versunken! 7. Dein Licht treib in des Herzens Haus Mit hellen Strahlen gänzlich aus Die alten Finsternisse, Daß Blindheit, Frrthum, falscher Wahn Und was uns sonst verleiten kann, Auf ewig weichen müsse. 8. Dein Feuer tödt in unsrer Brust, Was sich noch regt von Sündenluft; Erwecke reine Triebe, Auf daß wir schmecken wahre Freud Anstatt der schnöden Eitelkeit, In Jesu süßer Liebe. Hieron. Annoni, † 1770. Trinitatisfest. 85 X. Trinitatisfeft. 94. Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir feine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren, Allem Unfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren, Er sorgt für uns, Hüt und wacht, hüt und wacht, Es steht Alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gleicher Gott von Macht und Ehren, Von Maria, der Jungfrauen, Ist ein wahrer Mensch geboren Durch den heilgen Geist im Glauben, Für uns, die wir warn verloren, Am Kreuz gestorben Und vom Tod und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt Und mit Gaben zieret schön; Die ganz Christenheit auf Erden Hält in einem Sinn gar eben; Hier all Sünd vergeben werden. Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend Ift bereit, ist bereit Uns ein Leben in Ewigkeit. Luther,+ 1546. 95. Allein Gott in der Höh sei Ehr Und Dank für seine Gnade, Tarum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir lobn, preisn, anbeten dich Für deine Ehr, wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessen ist dein Macht, Allzeit geschieht, was du bedacht: Wohl uns des feinen Herren! 86 Trinitatisfest. 3. O Jesu Chrift, Sohn eingeborn Deines himmlischen Baters, Versöhner derer, die verlorn, Du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, Nimm an die Bitt von unsrer Noth, Erbarm dich unser aller! 4. Oheilger Geist, du höchstes Gut, Allerheilsamster Tröster! Vor Teufels Macht fortan behüt, Die Jesus Chrift erlöset, Durch Marter groß und bittern Tod, Wend unsern Jammer ab und Noth; Darauf wir uns verlassen! N. Decius(?), † um 1529. Mel.: Nun danket alle Gott sc. 96. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Licht, mein Leben, Mein Schöpfer, der mir hat Mein Leib und Seel ge= geben, Mein Vater, der mich schützt Bom Mutterleibe an, Der alle Augenblick Viel Guts an mir gethan. 2. Gelobt sei der Herr, Mein Gott, mein Heil, mein Leben, Des Vaters liebster Sohn, Der sich für mich gegeben, Der mich erlöset bat Mit seinem theuren Blut, Der mir im Glauben schenkt Sich selbst, das höchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Trost, mein Leben, Des Vater werther Geist, Den mir der Sohn gegeben, Der mir mein Herz erquidt, Der mir gibt neue Kraft, Der mir in aller Noth Rath, Trost und Hilfe schafft. 4. Gelobet jei der Herr, Mein Gott, der ewig lebet, Den Alles rühmt und lobt, Was durch ihn lebt und webet! Gelobet sei der Herr, Deß Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn Und Gott, der werthe Geist. 5. Dem wir Halleluja Mit Freuden laffen klingen Und mit der Engelschaar Das Heilig! Heilig! singen, Den herzlich lobt und preift Die ganze Christenheit; Gelobet sei mein Gott In alle Ewigkeit! 9. Olearius, † 1684. Trinitatisfest 87 Mel.: Wie schön leucht uns 20. 97. Halleluja! Lob, Preis und Ehr Sei unserm Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Ewigkeit Sei in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, Singet Jubellieder, Hallet wieder, Preis und Ehre Sei dem Herrn der Himmelsheere. 2. Halleluja! Preis, Ehr und Macht Sei auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Das uns mit seinem Blut erkauft, Damit besprenget und getauft und sich mit uns vermählet. Heilig, Selig Ist die Freundschaft Und Gemeinschaft, Die wir haben, und darinnen uns erlaben. 3. Halleluja! Gott heilger Geist, Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glauben ausgeziert, Dem Bräutigam uns zugeführt, Den Hochzeittag ertoren. Heil uns! Heil uns! Da ist Freude, Da ist Weide, Da ist Manna Und ein ewig Hosianna! 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr, Sei unserm Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsschaar Und singet nun und immerdar, Mit Freuden: Amen, Amen; Klinget, Singet Jubellieder Hallet wieder, Preis und Ehre Sei dem Herrn der Himmelsheere. Barthol. Craffelius.+ 1690. Mel.: Wie schön leucht uns der ic. 98. Was frenet mich noch, wenn dus nicht bist, Herr Gott, der doch mein Alles ist, Mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, wer decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich Im Finstern eine Sonne? Keine Reine Wahre Freude, Auch im Leide, Auch für Sünden, Ist, Herr, außer dir zu finden. 2. Was freut mich noch, wenn dus nicht bist? Mein Herr Erlöser, Jesus Christ, Mein Friede und mein Leben! Heilst 88 Allgemeine Lob- und Danklieder. du mich nicht, wo find ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Theil? Gibst du nicht, wer wird geben? Meine Eine Wahre Freude, Wahre Weide, Wahre Gabe Hab ich, wenn ich Jesum habe. 3. Was freut mich noch, wenn dus nicht bist, O Geist, der uns gegeben ist Zum Führer der Erlösten? Bist du nicht mein, was sucht mein Sinn? Führst du mich nicht, wo komm ich hin? Hilfst du nicht, wer will trösten? Meine Eine Wahre Freude, Troft im Leide, Heil für Schaden Ist in dir, o Geist der Gnaden! Vers 1 u. 2 von Ph. F. Hiller+1769. Vers 3 von A. Knapp geb. 1798. XI. Allgemeine Lob- und Danklieder. 99. Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir danken dir! Dich, Gott Vater in Ewigkeit Ehrt die Welt weit und breit: All Engel und Himmelsheer, Und was dienet deiner Ehr, Auch Cherubim und Seraphim Singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Der Herre Zebaoth. 2. Dein göttlich macht und Herrlichkeit Geht über Himmel und Erden weit: Der heiligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Propheten all, Die theuren Märtrer allzumal Loben dich, Herr, mit großem Schall: Die ganze werthe Christenheit Rithmt dich auf Erden alle Zeit: Dich, Gott Vater, im höchsten Thron, Deinen rechten und eingen Sohn, Den heiligen Geiſt und Tröster werth Mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ewger Sohn du bist; Haft nicht verschmäht der Jungfrau Schooß, zu machen uns von Sünden los; Du hast dem Tod zerstört Allgemeine Lob- und Danflieder 89 sein Macht Und all Christen zum Himmel bracht; Du sitzest zur Rechten Gottes gleich mit aller Ehr ins Vaters Reich; Ein Richter du zukünftig bist Alles, das todt und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die durch dein theur Blut erlöset sein; Laß uns im Himmel haben Theil Mit den Heilgen in ewgem Heil. Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, was dein Erbtheil ist; Wart und pfleg ihr zu aller Zeit und beb sie hoch in Ewigkeit. 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich und ehrn dein Namen stetiglich. Behüt uns heut, o trener Gott, Vor aller Sünd und Missethat; Sei uns gnädig, o Herre Gott, Sei uns gnädig in aller Noth; Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu dir steht; Auf dich hoffen wir lieber Herr, In Schanden laß uns nimmermehr! Amen. Luther, † 1546. 100. Nun lob, mein Seel den Herren, Was in mir ist, den Namen sein; Sein Woblthat thut er mehren, Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir Dein Sünd vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Erlöst dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schooß, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Der Herr schafft Recht, behüttet, Die leiden in dem Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein beilig Recht und sein Gericht, Dazu sein Güt obn Maßen; Es mangelt an Erbarmung nicht; Den Zorn läßt er wohl fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Die Gnad thut er nicht sparen, Den Blöden ist er hold; Sein Güt ist hoch erhaben Ob dem, der fürchtet ihn; So fern der Ost vom Abend, Ist unsre Sünd dahin. 3. Wie Väter sich erbarmen Ob ihrer jungen Kindelein: So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihr findlich fürchten 90 Allgemeine Lob- und Danflieder. rein; Er kennt uns arme Knechte Und weiß, wir sind nur Staub, Ein nichtiges Geschlechte, Wie Gras und fallend Laub; Der Wind nur drüber wehet, So ist es nimmer da; Also der Mensch vergehet, Sein Ende ist ihm nah. - 4. Die Gottes Gnad alleine Steht fest und bleibt in Ewigfeit; Sie bleibt bei der Gemeine, Die steht in seiner Furcht bereit, Will seinen Bund bewahren. Er herrscht im Hunmelreich: Lobt ihn, ihr Engelschaaren, Thut sein Befehl zugleich. Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein Seel soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. Joh. Gramann, † 1541. 101. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit; Lob ihn mit Schalle, wertheste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden, Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Frene dich, Israel, seiner Gnaden! 2. Der Herr regieret über die ganze Welt; Was sich nur rühret, Alles zu Fuß ihm fällt; Viel Tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfe ihm Ehre geben.:: 3. Wohlauf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein, Zur grünen Weiden stellet euch willig ein, Da läßt er uns sein Wort verkünden, Machet uns ledig von allen Sünden.:,: 4. Er giebet Speise reichlich und überall, Nach Vaters Weise sättigt er allzumal, Er schaffet Früh- und späten Regen, Füllet uns alle mit seinem Segen.:,: 5. Drum preis und ehre seine Barmherzigkeit, Sein Lob vermehre, wertheste Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden; Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Frene dich, Israel, seiner Gnaden! Math. A. v. Löwenstern, 1648. 102. Nun danket Alle Gott Mit Herzen. Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der Allgemeine Lob- und Danklieder. 91 uns von Mutterleib und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unserm Leben Ein immer fröhlich Herz Und edeln Frieden geben und uns in seiner Gnad Erhalten fort und fort Und uns aus aller Noth Erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne, Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Dem dreimaleinen Gott; Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jetzund und immerdar! M. Rinkart, † 1649. 103. Nun danket All und bringet Ehr, Ihr Menschen in der Welt, Dem, dessen Lob der Engel Heer Im Himmel stets vermeldt. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unfrem höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält Und, wo kein Mensch mehr belfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gutes Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergibt Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Erfrische Geist und Sinn Und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz Ins Meeres Tiefe hin. 6. Er laffe seinen Frieden rubn Auf seiner Christen Land; er gebe Glück zu unserm Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er laffe seine Lieb und Güt Um, bei und mit uns gehn; Was aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. 92 Allgemeine Lob- und Danklieder. 8. Solange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil, Und wenn wir scheiden von der Erd, Verbleib er unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, Uns unsre Augen zu Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ewgen Rub. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Nun danfet All und bringet Ehr ic. 104. S finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Luft! Ich sing und mach auf Erden fund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle seist, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Bater, nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most Zu feinen Zeiten findt? 6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand Den güldnen, edlen, werthen Fried In unserm Vaterland? 7. Ach, Herr, mein Gott, das kommt von dir; Und du mußt Alles thun! Du bältst die Wach an unfrer Thür Und läßt uns ficher ruhn, 8. Du nähreft uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Gerathen berzlich bei. Allgemeine Lob- und Danklieder. 93 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr, Ja endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst fie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht, Und gibst uns, was uns hoch erfreut Und dir zur Ehr gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein, Und was sein Kummer fei; Kein Zähr- und Thränlein ist so klein, Du bebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohl auf, mein Herze, fing und spring Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, Schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was fränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimmt deine Sorg und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglüdslauf Hat er zurückgelehrt? 17. Er hat noch niemals was verjebn In seinem Regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nichts darein, So wirst du hier in Frieden ruhn Und ewig fröhlich sein. B. Gerhardt, † 1676. 94 Allgemeine Lob- und Danklieder. 105. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren; Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zu Hauf, Psalter und Harfe, wacht auf, Lasset den Lobgesang bören! 2. Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret, Der wie auf Flügeln des Adlers dich sicher geführet, Der dich erhält, Wie es dir selber gefällt; Hast du nicht dieses verspüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet; In wie viel Noth Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren; was in mir ist, lobe den Namen; Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht; Lob ihn in Ewigkeit. Amen. Joachim Neander, † 1680. 106. Wunderbarer König, Herrscher von uns allen, Laß dir unfer Lob gefallen. Deines Vaters Güte Hast du lassen fließen, Ob wir schon dich oft verließen; Hilf uns noch! Stärk uns doch! Laß die Zungen flingen, Laß die Stimmen klingen! 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Stärke, Mehr als aller Menschen Werke. Großes Licht der Sonne, Schieße deine Strahlen, Die das große Rund bemalen. Lobet gern, Mond und Stern! Seid bereit, zu ehren Einen solchen Herren. 3. O, du meine Seele, Singe fröhlich, singe, Singe deine Glaubenslieder! Was da Odem holet, Jauchze, preise, Allgemeine Lob- und Danklieder. 95 klinge! Wirf dich in den Staub darnieder. Er ist Gott Zebaoth! Er nur ist zu loben Hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, Wer den Herren kennet, Wer den Herren Jesum liebet. Halleluja singe, Welcher Christum nennet, Sich von Herzen ihm ergibet. O, wohl dir! Glaube mir, Endlich wirst du droben Ohne Sünd ihn loben. J. Neander,+ 1680. Mel.: Es ist das Heil uns sc. 107. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt: Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer, Herrscher aller Thronen, Und die auf Erden Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfermacht, Die Alles also wohl bedacht: Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade valten. In seinem ganzen Königreich Ist Alles recht, ist Alles gleich: Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost gedeihen. Drum dant, ach Gott, drum dank ich dir; Ach danket, danket Gott mit mir, Gebt unserm Gott die Ebre. 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden, Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin und her: Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hülfe mangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt und hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer 96 Allgemeine Lob- und Danklieder. selbst und neiget Die Bateraugen denen zu, Die sonsten nirgends finden Ruh: Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott, von nun an ehren: Man soll Gott deinen Lobgesang An allen Orten hören; Mein ganzes Herz ermuntre fich, Mein Geist und Leib erfreue dich: Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr die ihr Christi Namen nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott; Der Herr ist Gott! der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht bringen, Bezahlet die gelobte Pflicht fingen: Gott hat es alles wohl hedacht gemacht; Gebt unserm Gott die Ehre! Mit Sauchzen Dank zu Und laßt uns fröhlich Und alles, alles recht Joh. J. Schüße † 1690. Mel.: Allein Gott in der Höh 2c. 108. Bringt her dem Herren Lob und Ehr Aus freudigem Gemüthe! Ein jeder Gottes Ruhm vermehr Und preise seine Güte! Ach, lobet, lobet Alle Gott, Der uns befreiet aus der Noth, Und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit Die großen Wunderwerke, Die Majestät und Herrlichkeit, Die Weisheit, Kraft und Stärke, Die er beweist in aller Welt Und dadurch alle Ding erhält: Drum danket seinem Namen! 3. Lobt Gott, der uns erschaffen hat, Leib, Seele, Geist und Leben Aus lauter väterlicher Gnad Uns allen hat gegeben, Der uns durch seine Engel schützt Und täglich giebet, was uns nützt: Drum danket seinem Namen! 4. Lobt Gott, der uns schenkt seinen Sohn, Der für uns ist gestorben Und uns die selge Lebenskron Durch seinen Tod Allgemeine Lob- und Danklieder. 97 erworben, Der Tod und Hölle macht zu Spott Und uns versöhnt mit unserm Gott: Drum danket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geift Den Glauben angezündet und alles Gute noch verheißt, Uns stärket, kräftigt, gründet, Der uns erleuchtet durch sein Wort, Regiert und treibet fort und fort: Drum danket seinem Namen! 6. Lobt Gott, der auch das gute Werk, So in uns angefangen, Vollführen wird und geben Stärk, Das Kleinod zu erlangen, Das er hat Allen dargestellt Und seinen Gläubgen vorbehält: Drum danket seinem Namen! 7. Lobt Gott, ihr starken Seraphim, Ihr Fürstenthum und Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, Die hier auf Erden wohnen. Lobt Gott und preist ihn früh und spat! Sa Alles, was nur Odem hat, Das danke seinem Namen! C. Günther, † 1704. 109. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis zum Tod; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat; Halleluja, Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, Und kehren um zu ihrem Staub; Ihre Anschläge sind auch verloren, Wenn nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil dann kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hülfe an. Halleluja, Halleluja! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hilfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nichts läßt trennen Und hofft getroft auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Halleluja, Halleluja! 7 98 Allgemeine Lob- und Danklieder. 4. Dieser hat Himmel und Meer und Erden Und, was darinnen ist, gemacht; Alles muß treulich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja, Halleluja! 5. Zeigen sich welche, Lie Unrecht leiden, Er ists, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bescheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebundenen macht er frei, Und seiner Gnad ist mancherlei. 6. Schende Augen gibt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn; Wo er kann einige Fromme finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist des Fremden Truß, Wittwen und Waisen hält er Schutz. Halleluja. Halleluja! 7. Aber der Gottesvergessnen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich; Zion, dein Gott sorgt stets für dich. Halleluja, Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen eß, der so große Wunder thut! Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Veter und Sohn und heilgen Geist. Halleluja, Halleluja! J. D. Herrnschmidt, † 1723. 110. O daß ich tausend Zungen hätte Und einen tauſendfachen Mund, So stimmt ich damit um die Wette Vom allerVon tiefsten Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an dem, was Gott an mir gethan. 2. O daß doch meine Stimme schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, Solang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! Allgemeine Lob- und Danklieder. 3. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euern Fleiß Und stehet munter im Geschäfte Zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich Und lobe Gott herzinniglich. 99 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet fcin Und stimmet lieblich mit mir ein. 5. Ach Alles, Alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehülfen geben, Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allentbalben um mich stehn. 6. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuls Unsäglich gnädige Geduld. 7. Auch hab ich es mein Lebetage Schon so manch liebes Mal pürt, Daß du mich unter vieler Plage Zwar wunderbar, doch wohl geführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 8. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden In deinem steten Lobe stehn? Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphirend einhergehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein! 9. Ich will von deiner Güte fingen, Solange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, Solange sich mein Herz bewegt; Ja wenn der Wund wird kraftlos sein, So stimm ich doch mit Seufzen ein. 10. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin; Im Himmel soll es besser werden,. Wenn ich bei deinen Engeln bin; Da sing ich dir im höhern Chor Viel tausend Halleluja vor! Joh. Menger, † 1734. 100 Allgemeine Lob- und Danklieder. Mel. Alle Menschen müssen sc. 111. Womit soll ich dich wohl loben, Mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen Deine Gnad und Liebeszeichen? Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Gemüthe, Daß ich deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu und Güte, Stets erhebe Tag und Nacht; Denn von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König Dank dafür! 3. Denk ich, wie ich dich verlassen Und gehänfet Schuld auf Schuld, So möcht ich vor Scham erblassen, Vor der Langmuth und Geduld, Womit du, o Gott, mich Armen Haft getragen voll Erbarmen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer Rönig, Dank dafür! 4. Bald mit Lieben, bald mit Leiden Kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, Nur mein Herze zu bereiten, Ganz sich zu ergeben dir, Daß mein gänzliches Verlangen Möcht an deinem Willen hangen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König Dank dafür! 5. Wie ein Vater nimmt und giebet, Nachdems Kindern mizzlich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist, Und dich meiner angenommen, Wenns auch gleich aufs Höchste kommen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 6. Mich hast du auf Adlersflügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich; Wenn schien Alles zu zerinnen, Ward doch deiner Hülf ich innen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 7. Fielen tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehnmal mehr, Ließest du mich doch begleiten Durch der Engel starkes Heer, Daß den Nöthen, die mich drangen, Ich bin Allgemeine Lob- und Danklieder. 101 dennoch stets entgangen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 8. Vater, du hast mir erzeiget Lauter Gnad und Gütigkeit; Und du haft zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit; Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 9. Tausendmal sei dir gefangen, Herr, mein Gott, Preis Lob und Dank, Daß es mir bisher gelungen; Ach, laß meinen Lebensgang Ferner doch durch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten! Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir. 2. A. Gotter, † 1735. Mel. Wunderbarer König zc. 112. Unumschränkte Liebe, Gönne blöden Augen, Die sonst kaum auf Erden taugen, Daß sie in die Strahlen Deiner Langmuth blicken, Die den Erdkreis wärmend schmücken, Und zugleich Freudenreich Bösen und den Deinen Mit der Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, Ja dein ganz Gebiete Ist ein Schauplatz deiner Güte; Deiner Langmuth Ehre Wird durch neue Proben Immer herrlicher erhoben. O wie weit, O wie breit Ueber Berg und Hügel Streckt sie ihre Flügel! 3. Was wir davon denken, Was wir sagen können, Ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu leiden, Tag und Tag zu dulden So viel Millionen Schulden, Und dazu Ohne Ruh Lieben für das Hassen: Herr, wer kann das fassen? 4. Du vergiebest Sünde, Hörst der Sünder Flehen, wenn sie weinend vor dir stehen; Deine Rechte dräuet Und erbarmt sich wieder, Legt die Pfeile gerne nieder. Tiefen Schmerz Fühlt dein Herz, Wenn durch ernste Strafen Du mußt Beßrung schaffen. 5. Herr, es hat noch keiner, Der zu dir gegangen, Statt der Gnade Recht empfangen. Wer zu deinen Füßen sich mit 102 Allgemeine Lob- und Danklieder. Thränen senket, Dem wird Straf und Schuld geschenket. Unser Schmerz Rührt dein Herz, Und du willst der Armen Gnädig dich erbarmen. 6. König, sei gepriesen, Daß du so verschonest Und uns nicht nach Werken lohnest; Deiner Hand sei Ehre, Die so wohl regieret Und mit Ruhm den Scepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmuth auszuüben Und die Welt zu lieben. Joh. Jak. Nambach, † 1735. Mel.: Es ist das Heil uns 2c. 113. Wenn ich o Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für Alle wacht, Anbetend überlege: So weiß ich, von Bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke; Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preift dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mit dem Winde seinen Lauf, Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, Mit Vorrath uns zu segnen? Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, Bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet, Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, Dich zu erkennen, leitet, Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist! Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, und elle Welt sag Amen! Und Allgemeine Lob- und Danklieder. 103 alle Welt fürcht ihren Herrn Und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Chr. Fr. Gellert, † 1769. 114. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch. den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergeffen; Bergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf; Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, deffen Rath ich oft verwarf; Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ists nicht sein Arm, der Alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist; Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, Durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du fönntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? Den W: 3, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben; Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über Alles lieben und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dieß ist mein Dank, dies ist sein Wille, Ich soll vollkommen sein, wie er. Solang ich dies Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht, Und ob ich schon aus Schwachheit feble, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. Gott! laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk in mir die guten Triebe, Metn ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, 104 Allgemeine Lob- und Danklieder. Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten- Augenblics. Chr. Fr. Gellert, † 1769. Mel: O, daß ich tausend zc. 115. Gehet hin, ihr gläubigen Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit; Erbebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Erwägt, daß Gott die Liebe sei, Die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war noch nicht gemacht, So hat Gott schon den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Da ich noch nicht geschaffen war, Da reicht er mir schon Gnade dar. 3. Sein Rathschluß war, ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn; Den wollt er mir zum Mittler geben, Den macht er mir zum Gnadenthron, In dessen Blute sollt ich rein, Geheiliget und selig sein. 4. Wunderliebe, die mich wählte Vor allem Anbeginn der Welt Und mich zu ihren Kindern zählte, Für welche sie das Reich bestellt! O Vaterhand, o Gnadentrieb, Der mich ins Buch das Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe empor zu dieser Quelle steigt, von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugniß giebt: Gott hat mich je und je geliebt! 6 Wer bin ich unter Millionen Der Creaturen seiner Macht, Die in der Höl und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hierher gebracht! Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 7. Ja freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barmherzigkeit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich Deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! Allgemeine Lob- und Danklieder. 105 8. 3m sichern Schatten deiner Flügel Find ich die ungestörte Ruh. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du! Laß Erd und Himmel untergehn, Dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 9. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Muth und Kraft gebricht, So salbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit alles schafft. 10. Die Hoffnung schauet in die Ferne Durch alle Schatten dieser Zeit. Der Glaube schwingt sich durch die Sterne und sieht ins Reich der Ewigkeit; Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbtheil und gelobtes Land. 11. Ach, könnt ich dich nur beffer ehren, Welch edles Loblied stimmt ich an! Es sollten Erd und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan; Nichts ist so köstlich, nichts so schön, Als, höchster Vater, dich erhöhn.j 12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhern Chor mit frohem Munde Dich, schönste Liebe, schöner preist; Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit und sehnt sich nach der Ewigkeit. Joh. Gottfr. Herrmann,+ 1791. XII. Kirche und Gnadenmittel. A. Kirche. 116. Ach Gott vom Himmel, sieh Larein Und laß dich deß erbarmen: Wie wenig sind der Heilgen dein, Berlassen sind wir Armen. Dein Wort man läßt nicht haben wahr, Der Glaub ist auch verloschen gar Bei allen Menschenkindern. 106 Kirche und Gnadenmittel. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was eigen Witz erfindet: Ihr Herz nicht eines Sinnes ist, In Gottes Wort gegründet; Der wählet dieß, der Andre das, Sie trennen uns ohn alle Maß Und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren, Dazu ihr Zung stolz offenbar Spricht: trotz! wer wills uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, Was wir setzen, das gilt gemein; Wer ist, der uns soll meiſtern? 4. Darum spricht Gott: ich muß auf sein, Die Armen sind verstöret; Ihr Seufzen dringt zu mir herein, Ich hab ihr Klag erhöret: Mein heilsam Wort soll auf den Plan, Getrost und frisch sie greifen an Und sein die Kraft der Armen. 5. Das Silber, durchs Feur siebenmal Bewährt, wird lanter funden: An Gottes Wort man warten soll Dese gleichen alle Stunden. Es will durchs Kreuz bewähret sein; Da wird sein Kraft erkannt und Schein Und leucht stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein Geschlechte; Und laß uns dir befohlen sein, nicht flechte. Der gottlos Hauf sich umher losen Leute sind In deinem Volk erhaben. Vor diesem argen Daß sichs in uns findt, Wo diese 7. Ehr sei dem Vater und dem Sohn Und auch dem heilgen Geiste, Als es im Anfang war und nun, Der seine Gnad uns leiste, Daß wir wandeln in seinem Pfad, Daß uns die Sünd der Seel nicht schad, Wer das begehrt sprech: Amen. M. Luther, † 1546. Vers 7 späterer Zusag. 117. Ein feste Burg ist unser Gott, Ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Noth, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind Mit Ernst ers jetzt meint, Groß Kirche. 107 Macht und viel List Sein grausam Rüstung ist, Auf Erd ist nicht seins Gleichen! 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit für uns der rechte Manu, Den Gott bat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist: Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott, Das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Tenfel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sanr er sich stellt, Thut er uns doch nicht, Das macht, er ist gericht, Ein Wörtlein kann ihn fällen! 4. Das Wort sie sollen lassen stan und kein Dank darzu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Rind und Weib; Laß fahren dahin, Sie habens kein Gewinn: Das Reich muß uns doch bleiben! M. Luther, † 1546. 118. Erhalt uns Herr bei deinem Wort Und steur des Papsts und Türken Mord, Die Jesum Christum, deinen Sohn, Wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis deine Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist, Beschirm deine arme Christenheit, Daß fie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heilger Geist, du Tröster werth, Gib deinem Volk einerlei Sinn auf Erd, Steh bei uns in der letzten Noth, Leit uns ins Leben aus dem Tod. M. Luther,+ 1546. 119. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. 108 Kirche und Gnadenmittel. 2. In dieser schwer betrübten Zeit Verleih uns, Herr, Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Behalten rein bis an das End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, Wir sind gar sicher, faul und kalt; Gib Glück und Heil zu deinem Wort, Gib, daß es schall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord, Gib deiner Kirchen Gnad und Huld; Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu; Auf dieser Erd ist keine Ruh; Viel Secten und groß Schwärmerei Jetzt kommen haufenweis herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die mit Gewalt sich heben hoch Und bringen stets was Neues her, Zu fälschen deine rechte Lebr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, sondern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, dich verlassen frei. Nicht unser, Die sich auf 8. Dein Wert ist unsers Herzens Truß Und deiner Kirche wahrer Schutz; Dabei erhalt uns, lieber Herr, Das wir nichts Anders suchen mehr. 9. Hilf leben uns nach deinem Wort Und darauf muthig fahren fort Von hinnen aus dem Jammmerthal Zu dir in deinen Himmelsfaal. Nic. Selnecker, † 1592. 120. Verzage nicht, du Häuflein klein, Obschon die Feinde Willens sein, Dich gänzlich zu zerstören, Und suchen deinen Untergang, Davon dir wird ganz angst und bang: Es wird nicht lange währen. Kirche. 109 2. Deß tröst dich nur, daß deine Sach Ift Gottes! Dem befiel die Nach Und lasse ihn nur walten; Er wird durch seinen Gideon, Den er webl fennt, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort, Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott; Gott ist mit uns, und wir mit Gott; Den Sieg wolln wir erlangen! Gustav Adolphs Feldlied. Mel.: Christus der ist mein Leben c. 121. Ach bleib mit deiner Gnade Christ, Daß uns hinfort nicht schade Bei uns, Herr Jesu Des bösen Feindes List. 2. Ach bleib mit deinem Worte Bei uns, Erlöser werth, Daß uns beid hier und dorte, Sei Güt und Heil bescheert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze Bei uns du werthes Licht; Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Dein Gnad und all Vermögen In uns reichlich vermehr. 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht trutze, Noch fäll die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, Hilf uns aller Noth! Jos. Stegmann, † 1632. Mel.: Zion tlagt mit Angst 2c. 122. Zion, gib dich nur zufrieden, Gott ist noch bei dir darin; Du bist nicht von ihm geschieden, Er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch, Dieß ist sein geliebter Brauch: Zion, lerne dieß bedenken; Warum willst du dich so fränken? 110 Kirche und Gnadenmittel. 2. Treiben dich die Meereswellen In der wilden, tiefen See, Wollen sie dich gar zerschellen, Mußt du rufen: Ach und Weh! Schweigt dein Heiland still dazu, Gleich als schlafend in der Ruh: Zion, laß dich nicht bewegen; Diese Fluth wird bald sich legen. 3. Berg und Felsen mögen weichen, Ob sie noch so feste stehn; Sa die ganze Welt deßgleichen Möchte gar auch untergehen; Dennoch hat es keine Noth In dem Leben und im Tod: Zion, du kannst doch nicht wanken Aus des ewgen Bundes Schranken. 4. Müssen schon allhier die Thränen Deine schönsten Perlen sein; Stellt sich Seufzen nur und Stöhnen Dir statt schöner Lieder ein; Ist der Spott dein täglich Brot Und dein Trank die bittre Noth; 5. Droht man dir mit Schmach und Banden, Mit viel Qual und Herzeleid, Dennoch wirst du nicht zu Schanden, Denk nur an die Ewigkeit; Sei getroft und wohlgemuth; Denn der Herr ists, der es thut: Zion, Gott wird dich schon stärken; Dieses mußt du eben merken. 6. Freue dich, es kommt das Ende Und der Abend schon herbei; Gib dich nur in Gottes Hände, Der macht dich von allem frei. Für die Trübsal, Spott und Hohn Gibt er dir die Freudenkron: Zion, Gott, dein Schutz, wird wachen Und die Welt zu Schanden machen. 7. Halleluja! deine Wonne Bricht anjetzt mit Macht herfür; Denn die schöne Gnadensonne, Jesus Christus naht zu dir, Gibt dir einen Freudengruß Und den rechten Friedensfuß: Zion, wo ist nun dein Klagen? Jetzt kannst du von Freuden sagen. 8. Freuet euch, ihr Himmelserben, Freuet euch mit Zion hier! Die vor Jammer wollten sterben, Sollen leben für Kirche. und für.. Dort ist nicht mehr Angst und Qual In dem schönen Himmelssaal: Zion, wer will dich nun scheiden Von dem Lamm und ewgen Freuden? Joachim Pauli, um 1660. 111 Mel.: Wie soll ich dich zc. 123. Erhalt uns deine Lehre, Herr, zu der letzten Zeit! Erhalt dein Reich und mehre Dein edle Christenheit; Erhalte festen Glauben, Der Hoffnung hellen Strahl; Laß uns dein Wort nicht raube. In diesem Jammerthal! 2. Erhalt dein Ehr und wehre Dem, was dir widerspricht! Erleuchte und bekehre, Allwissend ewges Licht, Was dich noch nicht erkennet! Entdecke doch der Welt, Der du dein Licht gegönnet, Was einzig dir gefällt! 3. Erhalt, was du gebauet Und durch dein Blut erkauft, Was du dir haft vertranet Und mit dem Geist getauft. Ob grimme Feinde stürmen Zu deiner Kirche Fall, So wolleft du sie schirmen Als Hort und Felsenwall. 4. Erhalt uns, Herr, dein Erbe, Dein werthes Heiligthum! Zerbrich, zernicht, verderbe, Was wider deinen Ruhm! Laß dein Gesetz uns führen, Gönn uns dein Himmelsbrot; Laß deinen Schmuck uns zieren, Heil uns durch deinen Tod! -5. Erhalt und laß uns hören Dein Wort, das selig macht, Den Spiegel deiner Ehren, Das Licht in finstrer Nacht; Laß diesen Born uns tränken Im dürren Thal der Welt; Laß diese Stimm uns lenken Hinauf zum ewgen Zelt. 6. Erhalt in Sturm und Wellen Der Kirche heilig Schiff Und laß es nicht zerschellen An Sand und Felsenriff; Gib Herr, daß wir entrinnen Der wilden Fluth der Zeit, Laß uns den Port gewinnen Der selgen Ewigkeit. Adam Gretgen, † 1660. 112 Kirche und Gnadenmittel. Mel.: Wo ist wohl ein süßres Leben 2c. 124. Löwen, laßt euch wieder finden, Wie im ersten Christenthum, Die nichts konnte überwinden! Seht nur an ihr Märtyrtbum, Wie in Lieb sie glühten, Wie sie Fener sprühten, Daß sich vor der Sterbenslust Selbst die Hölle fürchten mußt! 2. In Gefahren unerschrocken Und von schnöden Lüften rein, Die zum Eitlen konnten locken, War damals des Herrn Gemein. Ihr Sinn drang zum Himinel; Fern aus dem Getümmel War erhoben Herz und Geist, Suchte nicht, was zeitlich beißt. 3. Ganz großmüthig sie verlachten, Was die Welt für Vortheil hält, Nach dem Reiche Gottes trachten, Darauf war ihr Sinn gestellt. Im Unglück glückselig Waren sie fröhlich, Fern von Menschensclaverei Und von ihren Banden frei. 4. O daß ich, wie diese waren, Mich befänd auch in dem Stand! Laß mich doch im Grund erfahren Deine starke Helfershand, Mein Cott, recht lebendig! Gib, daß ich beständig, Bis zum Tod durch deine Kraft Uebe gute Ritterschaft! 5. Gib, daß ich mit Geisteswaffen Kämpf in meines Jesu Stärk Und ja niemals mög erschlaffen, Daß mir dieses große Werk Durch dich mög gelingen Und ich tapfer ringen, Daß ich in die Luft nicht streich, Sondern bald das Ziel erreich! 6. Es dürft wieder dazu kommen, Daß der Feinde tolle Wuth Zu der Schlachtbank deine Frommen Führte und vergöß ihr Blut. Nach gemeiner Sage Große Trübfalstage Werden kommen uns zu Hans Und noch ein sehr harter Strauß. 7. Ei wohlan, nur fein standhaftig! O ihr Brüder, tapser drauf! Lasset uns doch recht herzhaftig Folgen jener Zeugen Lauf! Steht als Jesu Glieder, Wenn der Feind sich wider euren Christenglauben setzt Und das Schlachtschwert auf uns weßt. Kirche. 113 8. Gebt euch in das Leiden wacker! Mit dem Bhit der Märtyrer Wird getränkt der Kirchenacker Und so treibt er um so mehr; Alle Pflanzen sprossen, So damit begossen, wie trägt er reichlich Frucht, Von der Trübsal heimgesucht! 9. Komm, befrucht, o goldner Regen, Uns, dein Erb, die dürre Erd, Daß wir dir getreu sein mögen Und nicht achten Feur und Schwert, Als in Liebe trunken Und in dir versunken. Mach die Kirch an Glauben reich, Daß das End dem Anfang gleich! 1720. 125. Fahre fort, fabre fort, Zion, fabre fort im Licht! Mache reinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle! Zion, dringe durch die enge Pfort! Fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich, Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne! Sei bis in den Tod getren Siehe auf die Lebenskrone! Zion, fühlest du den SchlangenStich, Leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht, Zion, folge nicht der Welt, Wenn sie dich sucht groß zu machen! Achte nichts ihr Gut und Geld, Nichts ihr Dränen, nichts ihr Lachen! Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, Folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, Der dir ruft zu beiden Seiten! Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten! Zion, beides, was da gut und schlecht, Prüfe recht, prüfe recht! 5. Dringe ein, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht, wie die Andern, todt; Sei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein, dringe ein! 8 114 Kirche und Gnadenmittel. 6. Brich herfür, brich herfür, Zion, brich herfür in Kraft! Weil die Bruderliebe brennet, Zeige, was der in dir schafft, Der als seine Braut dich kennet. Zion, durch die dir gegebne Thür Brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Zion, balte deine Treu! Laß nicht lau und träg dich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse, was dahinten! Zion, in dem letzten Kampf und Strauß, Halte aus, halte aus! J. E. Schmidt, † 1745. Mel.: O du Liebe meiner Liebe zc. 126. Herz und Herz vereint zusammen, Sucht in Gottes Herzen Ruh, Laffet eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu. Er das Haupt, wir seine Glieder, Er das Licht und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder, Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder Und erneuert euern Bund! Schwöret unserm Ueberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, O so flehet um dic Wette, Bis sie Jesus wieder stäblt. 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder Auch das Leben lassen kann. So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er dort sein Blut: Jeder Jünger ihn betrübet, Der nicht gleich dem Meister thut. 4. Halleluja! Welche Höhen, Welche Tiefen reicher Gnad, daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß du, unsichtbarer Meister, Uns so fühlbar nahe bist! 5. O, du treuster Freund, vereine Selbst die dir geweihte Schaar, Daß sie es so herzlich meine, Wies dein letzter Wille Kirche. 115 war, Und daß, wie du eins mit ihnen, Also sie auch eines fein, Sich in wahrer Liebe dienen Und sich an einander freun. 6. Liebe, hast du es geboten, Daß man Liebe üben soll, O so mache doch die todten, Trägen Geister lebensvoll! Zünde an die Liebesflamme, Daß ein jeder sehen kann, Wir, als die von einem Stamme, Stehen auch für einen Mann. 7. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist, und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein: Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sein. N. L. v. Zinzendorf, † 1760. Mel.: Ein feste Burg ic. 127. Wenn Christus seine Kirche schützt, So mag die Hölle wütben; Er, der zur Rechten Gottes sitzt, Hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hilfe nah; Wenn er gebeut, stehts da. Er schützet seinen Ruhm und hält sein Heiligthum; Mag doch die Hölle wüthen. 2. Gott sieht die Fürsten auf dem Thron Sich wider ihn empören; Denn den Gesalbten, seinen Sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des Worts, Des Heilands, unsers Horts; Sein Kreuz ist selbst ihr Spott; Doch ihrer lachet Gott, Sie mögen sich empören. 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmähn; Uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widerstehn; Wi halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier fein Jünger ist, Sein Wort von Herzen hält, Dem kann die ganze Welt Die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein Drohn erschrecken! Der Gott, der von dem Himmel schaut, 116 Kirche und Gnadenmittel. Wird uns gewiß bedecken. Der Herr Herr Zebaoth Hält über fein Gebot, Gibt uns Geduld in Noth Und Kraft und Muth im Tod; Was will uns denn erschrecken? Chr. F. Gellert,+ 1769. Mel: Wachet auf! ruft uns 2c. 128. Gottes Stadt steht fest gegründet Auf heilgen Bergen; es verbündet Sich wider sie die ganze Welt: Dennoch steht fie und wird stehen; Man wird an ihr mit Staunen sehen, Wer bier die Hut und Wache hält. Der Hüter Israels Ist ihres Heiles Fels. Halleluja! Lobsingt und sprecht: Wohl dem Geschlecht, Das in ihr hat das Bürgerrecht. 2. Zions Thore liebt vor allen Der Herr mit gnädgem Wohlgefallen, Macht ihre Riegel stark und fest, Segnet, die darinnen wohnen, Weiß überschwänglich dem zu lohnen, Der ihn nur thun und walten läßt. Wie groß ist seine Huld, Wie trägt er mit Geduld All die Seinen! O Gettes Stadt, Du reiche Stadt, Die solchen Herrn und König hat! 3. Große, heilge Dinge werden In dir gepredigt, wie auf Erden Sonst unter keinem Volk man hört. Gottes Wort ist deine Wahrheit, Du haft den Geist und hast die Klarheit, Die alle Finsterniß zerstört. Da hört man fort und fort Das thenerwerthe Wort Ewger Gnade. Wie lieblich tönt, Was bier versöhnt und dort mit ewgem Leben krönt. 4. Auch die nichts davon vernommen, Die fernsten Völker werden kommen und in die Thore Zions gehn. Denen, die im Finstern saßen, Wird auch der Herr noch, predgen lassen, Was einst für alle Welt geschehen. Wo ist der Gottessohn? Wo ist sein Gnadenthron? Wird man fragen. Dann kommt die Zeit, Wo weit und breit Erscheint der Herr der Herrlichkeit? Kirchweihe. 117 5. Darum stellet ein die Klagen! Man wird einst zu Zion sagen: Wie mehrt sich deiner Bürger Zahl! Voll Erstaunens wird man schauen, Wie Gott sein Zion mächtig bauen Und herrlich weitern wird einmal. Erhebet Herz und Sinn! Es ift die Nacht schier hin Für die Heiden; Es kommt ihr Tag, Sie werden wach, Und Israel folgt ihnen nach. 6. Gottes Stadt, du wirst auf Erden Die Mutter aller Völker werden, Die ewges Leben fanden hier. Welch ein Jubel, wie im Reigen, Wird einst von dir zum Himmel steigen! Die Lebensbrunnen sind in dir. In dir das Wasser quillt, Das alles Dürsten stillt. Halleluja! Von Sünd und Tod, Von aller Noth Erlöst nur Ein er, Zions Gott. K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. Kirchweihe. Mel.: Jesus meine Zuversicht sc. 129. Ach, wie heilig ist der Ort! Ach, wie selig ist die Stätte! Hicr, hier ist des Himmels Pfort; Hier erhöret Gott Gebete; Hier erschallt sein theures Wort; O wie heilig ist der Ort! 2. Heil war in des Zöllners Haus, Weil er Christum aufgenommen; Und hier rufet Jesus aus: Selig sind, die zu mir kommen! Deren Herzen nimmt er ein, Daß sie seine Tempel sein. 3. O welch Heil ist bis hierher Diesem Hanse widerfahren! Wenn der Herr nicht bei uns wär, Der sich uns will offenbaren, Woher hätten wir den Geist, Der den Weg zum Himmel weist? 4. O wie lieblich, o wie schön Sind des Herren Gottesdienste! Laßt uns froh zu ihnen gehen; Hier erlangt man zum Gewinnste Einen Schatz, der ewig währt, Den kein Rost noch Raub verzehrt. 118 Kirche und Gnadenmittel. 5. Bleibe bei uns, liebster Gast; Speis uns gnädig mit dem Worte, Das du uns gegeben hast, Jesu, stets an diesem Orte! Laß die Kirche feste stehn, Bis die Welt wird untergehn! B. Schmold, † 1737. Mel.: Wie schön leuchtet der sc. 130. Gott Vater, aller Dinge Grund, Gib deinen Vaternamen fund An diesem heilgen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Herzen wallen auf zu dir; Hier ist des Himmels Pforte. Wohne, Throne Hier bei Sündern, Als bei Kindern, Voller Klarheit; Heilge uns in deiner Wahrheit. 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit, Dieß Gotteshaus ist dir geweiht; O, laß dirs wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, Dein Segen walte fort und fort In diesen Friedenshallen. Einheit, Reinheit Gib den Herzen; Angst und Schmerzen Tilg in Gnaden; Heil uns ganz vom Sündenschaden. 3. Gott, heilger Geist, du werthes Licht, wend her dein göttlich Angesicht, Daß wir erleuchtet werden. Geuß über uns und dieses Haus Dich mit allmächtgen Flammen aus; Mach himmlisch uns auf Erden. Lehrer, Hörer, Kinder, Väter, Früher, später Gehts zum Sterben; Hilf uns Jesu Reich ererben. 4. Dreieinger Gott, Lob Dank und Preis Sei dir von Allen gleicherweis Für dieß dein Haus gesungen! Du hafts geschenkt und auferbaut, Dir ists geheiligt und vertraut Drit Herzen, Händen, Zungen. Ach, hier Sind wir Noch in Hütten; Herr, wir bitten, Stell uns droben In den Tempel, dich zu loben. A. Knapp, geb. 1798. Ausbreitung der Kirche. 119 Ausbreitung der Kirche( Missionslieder). 131. Es wolle Gott uns gnädig sein Und seinen Segen geben, Sein Antlitz uns mit hellem Schein Erleucht zum ewgen Leben, Daß wir erkennen seine Werf Und Jesus Christus Heil und Stärk Bekannt den Heiden werden Und fie zu Gott bekehren. 2. So danken, Gott, und loben dich Die Heiden überalle, Und alle Welt die freue sich Und sing mit großem Schalle, Daß du auf Erden Richter bist Und läßt die Sünd nicht walten; Dein Wort die Hut und Weide ist, Die alles Volk erhalten, In rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Thaten. Das Land bringt Frucht und bessert sich, Dein Wort ist wohl gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, Uns segne Gott der heilig Geist, Dem alle Welt die Ehre thu, Vor ihm sich fürchte allermeiſt. Nun sprecht von Herzen: Amen. Luther,+ 1546. Mel.: Dir, dir Jehova x. 132. Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, Der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, Die Tag und Nächte nimmer schweigen Und die getrost dem Feind entgegengehn, Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Scharen zu dir bringt. 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht es doch in alle Lande gehn! Gib zu der Aernte doch die Hände! Gib Knechte, die in treuer Arbeit stehn! Herr der Nernte, siehe doch darein: Die Aernt ist groß, die Zahl der Knechte klein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt. O fiehe, wie an allen Orten Sich 120 Kirche und Gnadenmittel. deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzinbrünstig darum anzuflehn; Drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 4. So gib dein Wort mit großen Scharen, Die in der Kraft Evangelisten sein; Laß eilend Hilf uns widerfahren Und brich in Satans Reich und Macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach, daß die Hilf aus Zion käme! O daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefängniß nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei Und kommi herab zur Hilf und mach uns frei! 6. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf Und also segne deines Wortes Lauf! 7. O beffre Zions wüste Stege, Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räume bald aus jedem Wege; Vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn Und mach uns bald von jedem Miethling frei, Daß Kirch und Schu! ein Garten Gottes sei. 8. Laß jede hoh und niedre Schule Die Werkstatt deines guten Geistes sein; Ja sitze du nur auf dem Stuhle Und präge dich der Jugend selber ein, Daß treue Lehrer wir und Beter sehn, Die kräftig vor den Riß der Kirche stehn. C. B. Bogatky, † 1774. Mel.: 0 Durchbrecher aller Baude zc. 133. Bater, deines Geistes Weyen Durch die ganze Christenheit Läßt uns schon von ferne sehen Deines Reiches Herrlichkeit; Ausbreitung der Kirche. Denn dein Wort wird ausgespendet Durch die ganze weite Welt, Millionenweis versendet Auf das große Ackerfeld. 2. Dieser Same wird bald blühen Allenthalben hoch und behr; Denn Evangelisten ziehen Ueber Inseln, Land und Meer, Um die Saaten zu begießen; Geist der Pfingsten, fomm herab, Laß uns Lebensströme fließen Bis zum Grabe tief hinab. 3. Sei gegrüßt, du ewger Morgen! Steige, Sonne, bald empor, Weicht nun all ihr bangen Sorgen, Tagverkünder tritt hervor. Seht, der Berge Spitzen glühen Schon im ewgen Morgenlicht und die Frühlingsblumen blühen: Brüder alle, forget nicht. Joh. H. Jung, gen. Stilling, † 1817. 121 Met. Nun komm, der Helden Heiland 2c. 134. Walte, walte nah und fern, Herrn, Wo uur seiner Allmacht Ruf mel schuf. Allgewaltig Wort des Menschen für den Him2. Wort vom Vater, der die Welt men hält Und aus seinem Schooß berab Heil uns gab. Schuf und in den ArSeinen Sohn zum 3. Wort von des Erlösers Huld, Der der Erde schwere Schuld Durch des heilgen Todes That Ewig weggenommen hat. 4. Kräftig Wort von Gottes Geist, Der den Weg zum Himmel weist Und durch seine heilge Kraft Wollen und Vollbringen schafft. 5. Wort des Lebens, start und rein, Alle Völker barren dein. Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht. 122 Kirche und Gnadenmittel. 6. Auf, zur Aernt in alle Welt! Weithin wogt das reife Feld; Klein ist noch der Schnitter Zahl, Biel der Garben überall. 7. Herr der Aernte, groß und gut, Lust und Muth, Laß die Völker allzumal Lichtes Strahl. Weck zum Werke Schauen deines Jonath. F. Bahnmaier, † 1841. Mel.: Komm, Herr Jesu, ic. oder: Großer Gott, dich loben sc. 135. Eine Heerde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wenn sein Tag erscheinen wird, Freue dich, du kleine Heerde! Mach dich auf und werde Licht: Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht: Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, du treuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht: Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrothes Helle, Und der Sohn der Wüste kuiet Dürstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufgethan; Rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn! Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Ausbreitung der Kirche. 123 Fried und Wonne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. F. A. Krummacher,+ 1845. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme 2c. 136. Einer ists, an dem wir hangen, Der für uns in den Tod gegangen Und uns erkauft mit seinem Blut. Unsre Leiber, unsre Herzen Gehören dir, o Mann der Schmerzen; In deiner Liebe ruht sichs gut! Nimm uns zum Eigenthum, Bereite dir zum Ruhm Deine Kinder! Verbirg uns nicht Das Gnadenlicht Von deinem heilgen Angesicht. 2. Nicht wir haben dich erwählet; Du selbst hast unsre Zahl gezählet, Nach deinem ewgen Gnadenrath. Unsre Kraft ist schwach und nichtig, und keiner ist zum Werke tüchtig. Der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn, Denn Armuth ist Gewinn Für den Himmel! Wer in sich schwach, Folgt, Herr, dir nach, Und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. Herr Jesu, Ehrenkönig! Die Aernt ist groß, der Schnitter wenig, Drum sende treue Zeugen aus; Send auch uns hinans in Guaden, Viel frohe Gäste einzuladen Zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl Beruft zum Abendmahl Im Reich Gottes! Da ruht der Streit, Da währt die Freud Heut, gestern und in Ewigkeit. 4. Schau auf deine Millionen, Die noch im Todesschatten wohnen, Von deinem Himmelreiche fern! Seit Jahrtausenden ist ihnen Kein Evangelium erschienen, Kein gnadenreicher Morgenstern. Glanz der Gerechtigkeit, Geh auf, denu es ist Zeit! Komm, Herr Jesu! Zeuch uns voran Und mach uns Bahn; Gih deine Thüren aufgethan. 5. Deine Liebe, deine Wunden, Die uns ein ewges Heil erfunden, Dein treues Herz, das für uns fleht, Wollen 124 Kirche und Gnadenmittel. wir den Seelen preisen Und auf dein Kreuz so lange weisen, Bis es durch ihre Herzen geht. Denn kräftig ist dein Wort; Es richtet und durchbohrt Geist und Seele; Dein Joch ist süß, Dein Geist gewiß, Und offen steht dein Paradies. 6. Heiland, deine größten Dinge Beginnest du still und geringe; Was sind wir Armen, Herr vor dir? Aber du wirst für uns streiten Und uns mit deinen Augen leiten; Auf deine Kraft vertrauen wir! Dein Senfkorn, arm und klein, Wächst endlich ohne Schein Doch zum Baume, Weil du, Herr Christ, Sein Hüter bist, Dem es von Gott vertrauet ist. A. Knapp, geb. 1798. Mel.: Wie soll ich dich empfangen zc. 137. Der du zum Heil erschienen Der allerärmsten Welt Und von den Cherubinen Zu Sündern dich gesellt, Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am Marterholze Versöhntest ihre Schuld. 2. Damit wir Kinder würden, Gingst du vom Vater aus, Nahmst auf dich unsre Bürden Und bautest uns ein Haus. Von Westen und von Süden, Von Morgen ohne Zahl Sind Gäste nun beschieden zu deinem Abendmahl. 3. Im schönen Hochzeitkleide, Bon allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerscharen ein; Und welchen nichts verkündigt, Kein Hcil verheißen war, Die bringen un entsündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Drum kann nicht Ruhe werden, Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt, Bis du im neuen Leben Die ausgeföhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vors Angesicht gestellt. 5. Und siehe, tausend Fürsten Mit Völkern ohne Licht Stehn in der Nacht und dürsten Nach deinem Augesicht. Auch Ausbreitung der Kirche. 125 fle hast du gegraben In deinen Priesterschild, Am Brunnquell fie zu laben. Der dir vom Herzen quillt. 6. So sprich dein göttlich„ Werde!" Laß deinen Odem wehn, Daß auf der finstern Erde Die Todten auferstehn, Daß, we man Götzen fröhnet Und vor den Teufeln kniet, Ein willig Volk versöhnet Zu deinem Tempel ziebt. 7. Wir rufen, du willst hören; Wir fassen, was du sprichst; Dein Wort mnß sich bewähren, Womit du Feffeln brichst. Wie viele sind zerbrochen! Wie viele sinds noch nicht! O du, ders uns versprochen, Werd aller Heiden Licht! A. Knapp, geb. 1798. Mel.: Herzlich thut mich sc. 138. Der du in Todesnächten Erkämpft das Heil der Welt, Und dich als den Gerechten Zum Bürgen dargestellt, Der du den Feind bezwungen, Den Himmel aufgethan, Dir stimmen unsre Zungen Ein Halleluja, an! 2. Sm Himmel und auf Erden Ist alle Macht nun dein, Bis alle Völker werden zu deinen Füßen sein, Bis die von Süd und Norden, Bis die von Ost und West Sind deine Gäste worden Bei deinem Hochzeitfest. 3. Noch werden sie geladen, Noch gehn die Boten aus, Um mit dem Ruf der Gnaden zu füllen dir dein Haus. Es ist kein Preis zu theuer, Es ist kein Weg zu schwer, Zu streun dein Lebensfener Ins weite Völkermeer. 4. So ziehen deine Flammen Wie Sonnen um die Welt; Getrenntes fließt zusammen, Das Dunkle wird erhellt; Und wo dein Name schallet, Du König Jesu Christ, Ein selig Häuflein wallet Dahin, wo Frieden ist. 5. O sammle deine Heerden Dir aus der Völker Zahl, Daß viele selig werden Und ziehn zum Abendmahl! Schleuß 126 Kirche und Gnadenmittel. auf die hohen Pforten! Es strömt dein Volk beran: Wos noch nicht Tag geworden, Da zünd ein Feuer an! C. G. Barth, geb. 1799. Mel.: Komm, o komm, du Geift zc. 139. Licht, das in die Welt gekommen, Sonne voller Glanz und Pracht, Morgenstern, aus Gott entglommen, Treib hinweg die alte Nacht. Zeuch in deinen Wunderschein Bald die ganze Welt hinein. 2. Gib dem Wort, das von dir zeuget, Einen recht gepriesnen Lauf, Daß noch manches Knie sich beuget, Sich noch manches Herz thut auf, Eh die Zeit erfüllet ist, Wo du richteft, Jesu Christ. 3. Heile die zerbrochnen Herzen, Baue dir Jerusalem Und verbinde unsre Schmerzen; Denn so ist dirs angenehm. Herr, thu auf des Wortes Thür; Rufe Allen: Kommt zu mir! 4. Es sei keine Sprach noch Nede, Da man nicht die Stimme hört, Und kein Land so fern und öde, Wo nicht dein Gesetz fie lehrt. Laß den hellen Freudenschall Siegreich ausgehn überall. I 5. Geh, du Bräutgam, aus der Kammer, Laufe deinen Heldenpfad; Strable Tröstung in den Jammer, Der die Welt umdunkelt hat. O erleuchte, ewges Wort, Ost und West und Süd und Nord. 6. Komm, erquick auch unsre Seelen; Mach die Augen bell und klar, Daß wir dich zum Lohn erwählen. Vor den Stolzen uns bewahr; Ja, laß deinen Himmelsschein Unsers Fußes Leuchte sein. R. Stier, geb. 1800. Gnadenmittel; Wort Gottes. B. gnadenmittel. 127 a. Wort Gottes. Mel.: Freu dich sehr, o meine zc. 140. Rede, liebster Jesu, rede! Denn dein Kind gibt Acht darauf. Stärke mich; denn ich bin blöde, Daß ich meines Lebens Lauf Dir zu Ehren setze fort. Ach, laß stets dein beilig Wort In mein Herze sein verschlossen, Dir zu folgen unverdrossen. 2. Ach, wer wollte dich nicht hören, Dich, du liebster Menschenfreund! Sind doch deine Wort und Lehren Alle herzlich wohlgemeint. Sie vertreiben alles Leid; Aller Freuden Süßigkeit Muß vor deinen Worten weichen, Nichts ist ihnen zn vergleichen. 3. Deine Worte sind mein Stecken, Dessen ich mich trösten kann, Wenn der Teufel mich will schrecken Auf der schmalen Lebensbahn; Diese führen ohne Qual Mich selbst durch des Todes Thal, Schirmen mich auf allen Wegen, Machen auch das Kreuz zum Segen. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben, Deine trosterfüllte Lebr Will ich in mein Herze graben; Ach, nimm sie doch nimmermehr Von mir weg in dieser Zeit, Bis ich in der Ewigkeit Werde kommen zu den Ehren, Dich, o Jesu, selbst zu bören. 5. Unterdeß vernimm mein Fleben, Liebster Jesu, höre mich! Laß bei dir mich feste stehen, So will ich dich ewiglich Preisen mit Herz, Sinn und Mund; Ich will dir zu jeder Stund Ehr und Dank in Demnth bringen und dein hohes Lob befingen. Anna Sophie, Landgräfin von Hessen- Darmstabt,+ 1683. 128 Kirche und Gnadenmittel. Mel.: Gott des Himmels und der se. 141. Theures Wort aus Gottes Munde, Das mir lauter Segen trägt, Dich allein hab ich zum Grunde Meiner Selig feit gelegt. In dir treff ich Alles on, Was zu Gott mich fübren kann. 2. Will ich einen Verschmack baben, Welcher nach dem Himmel schmeckt, So kannst du mich herrlich laben, Weil bei dir ein Tisch gedeckt, Der mir lauter Manna schenkt Und mit Lebenswasser tränft. 3. Du mein Paradies auf Erden, Schleuß mich stets im Glauben ein; Laß mich täglich flüger werden, Daß dein heller Gnadenschein Mir bis in die Seele bringt Und die Frucht des Lebens bringt. 4. Geist der Gnaden, der im Worte Mich an Gottes Herze legt, Deffne mir des Himmels Pforte, Daß mein Geist hier recht erwägt, Was für Schäße Gottes Hand Durch sein Wort ihm zugesandt. 5. Gib dem Samen einen Acker, Der die Frucht nicht schuldig bleibt: Mache mir die Augen wacker Und, was hier dein Finger schreibt, Präge mir im Herzen ein, Laß den Zweifel ferne ſein. 6. Was ich lese, laß mich merken; Was du sageſt, laß mich thun; Wird dein Wort den Glauben stärken, Laß es nicht dabei beruhn, Sondern gib, daß auch dabei Ihm das Leben ähnlich sei. 7. Hilf, daß alle meine Wege Nur nach dieser Richtschnur gehn; Was ich hier zum Grunde lege, Müsse wie ein Felsen stehn, Daß mein Geist auch Rath und That In den größten Nöthen bat. 8. Laß dein Wort mir einen Spiegel, Jesu, deines Vorbilds sein; Drück darauf dein Gnadenfiegel, Schließ den Wort Gottes. 129 Schatz im Herzen ein, Daß ich fest im Glauben steh, Bis ich dort zum Schauen geh. Benj. Schmold, † 1737. Mel.: O Durchbrecher aller sc. 142. Herr, dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir; Denn ich zieh es aller Habe, Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tansend Welten, Aber um dein Wort zu thun. 2. Halleluja, Ja und Amen! Herr, du wolleft auf mich sehn, Daß ich mög in deinem Namen Fest bei deinem Worte stehn! Laß mich eifrig sein befliffen, Dir zu dienen früh und spat Und zugleich zu deinen Füßen Sitzen, wie Maria that. Nic. Ludw. Graf v. Zinzendorf,+ 1760. Mel.: Schmücke dich, o liebe sc. 143. Prediger der süßen Lehre, Die ich mit Erstaunen höre, Großer Arzt der Menschenkinder, Du Evangelist der Sünder Und Prophet des neuen Bundes, Laß die Worte deines Mundes, Deine Stimme an die Heerden Mir zu Geist und Leben werden. 2. Herr, dein Wort ist wie ein Hammer, Schlägt und zeigt den Seelenjammer; Es erquickt mich wie der Regen, Leuchtet mir auf allen Wegen, Stärket meines Geistes Kräfte, Gibt mir neue Lebenssäfte, Ist ein Stab für matte Glieder Und ein Schwert dem Feind zuwider. 3. Diesem Worte will ich trauen Und darauf beständig schauen; Sonst ist doch kein Licht vorhanden; Fremde Lehre macht zu Schanden; Aber dein Gesetz und Gnade Leitet mich auf rechtem Pfade. Herr, mein Glauben und mein Lieben Hat den Grund: Es steht geschrieben. 9 130 Kirche und Gnadenmittel. 4. Lehre mic dein Wort betrachten, Mit Begierde darauf achten; Lehre michs im Geist verstehen, Laß es mir zu Herzen gehen; Mache, daß ichs fröhlich glaube, Mir den Zweifel nie erlaube; Daß ichs mit Gehorsam ehre Und sonst keine Stimme höre. 5. Was die Welt bekennt und lehret, Was mein Herz erdenkt und ehret, Was der böse Geist erdichtet, Wird von Gottes Wort gerichtet; Weg mit euch, ihr falschen Geister! Mir ist gnug an Einem Meister; Wißt, daß euch der Fluch verzehret, Wenn ihr selbst auch Engel wäret. 6. Selig, selig sind die Seelen, Die sich sonst kein Licht erwählen, Als allein das Wort des Lebens! Diese glauben nicht vergebens, Weil sie Gottes Rath ergründen Und sein Herz im Worte finden. O ein unschätzbares Wissen! Andre Weisheit kann ich missen. 7. Licht und Kraft und Muth und Freude, Wahrer Trost im tiefsten Leide, Schutz vor allerlei Gefahren und ein ewiges Bewahren: Das sind dieses Wortes Früchte. Alles Andre wird zu nichte; Alles andre muß vergehen; Gottes Wort bleibt ewig stehen. E. G. Woltersdorf,+ 1761. Mel.: Ach Gott und Herr 2c. 144. Gott ist mein Hort, Und auf sein Wort Soll meine Seele trauen; Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; Laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken. Laß keinen Spott, O Herr, mein Gott, Mich von dem Glauben schrecken! 3. Wo hätt ich Licht, Wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie Verstünd ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. Wort Gottes. 4. Dein Wort erklärt Der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben; Zur Ewigkeit Ist diese Zeit Von dir mir übergeben. 131 5. Den ewgen Rath, Die Missethat Der Sünder zu verfühnen, Den kennt ich nicht, Wär mir dieß Licht Nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz In Reu und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lebrst meinen Geist Ein gläubig Abba sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Heils Geschäfte. Durch meine Müh Vermags ichs Wort gibt mir die Kräfte. Ist meines nie,- Dein 8. Herr, unser Hort, Laß uns dieß Wort; Denn du hafts uns gegeben. Es sei mein Theil, Es sei mir Heil Und Kraft zum ewgen Leben. Chr. F. Gellert,+ 1769. Mel.: Was Gott thut, das ist sc. 145. Dein Wort, o Herr, ist milder Thau Für troftbedürftge Seelen; Laß keinem Pflänzchen deiner Au Den Himmels- Balsam fehlen; Erquickt durch ihn Laß jede blühn Und in der Zukunft Tagen Dir Frucht und Samen tragen. 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, Ein Blizz der Felsen splittert, Ein Feuer das im Herzen, zehrt Und Mark und Bein durchschüttert. O laß dein Wort Noch fort und fort Der Sünde Macht zerscheitern Und alle Herzen läutern! 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern Für unsre Pilgerreise; Es führt die Thoren hin zum Herrn Und macht die Einfalt weise. Dein Himmelslicht Verlösch uns nicht Und leucht in jede Seele, Daß keine dich verfehle. 132 Kirche und Gnadenmittel. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht, Da ward das Wort der Gnade Mein Labsal, meine Zuversicht, Die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte inir Den Weg zu dir meinen Schritten Bis zu den ewgen Hütten. Und leuchtet 5. Auf immer gilt dein Segensbund: Dein Wort lift Ja und Amen; Nie weich es uns aus Herz und Mund Und nie von unserm Samen. Laß immerfort Dein helles Wort In allen Lebenszeiten Uns trösten, warnen, leiten. 6. O sende bald von Ort zu Ort Den Durst nach deinen Lehren, Den Hunger aus, dein Lebenswort Und deinen Geist zu hören; Und send ein Heer Von Meer zu Meer, Der Herzen Durft zu stillen Und dir dein Reich zu füllen. C. B. Grave,+ 1841. b. Die hl. Sakramente. a) Die hl. Taufe. Mel.: Liebster Jesu, wir sind hier sc. 146. Liebster Jesu! wir sind hier, Deinem Worte nachzuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, geben, Daß man sie zu Christo führe; ist ihre. Weil du den Befehl geDenn das Himmelreich 2. Ja, es schallet allermeist Dieses Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir, Nimm das Pfand von unsern Armen, Tritt mit deinem Glanz herfür Und erzeige dein Erbarmen, Daß dein Kind es hier auf Erden Und im Himmel möge werden. Die hl. Sakramente; die Hl. Taufe. 4. Hirte, nimm dein Schäflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede, Himmelsweg, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, Sei du sein Friede, Weinstock, bilf, daß diese Rebe Auch im Glauben dich umgebe! 133 5. Nun, wir legen an dein Herz, Was vom Herzen ist gegangen; Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen; Ja den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben. B. Schmold, † 1737. In voriger Melodie. 147. Nun Gottlob! es ist vollbracht Und der Bund mit Gott geschlossen; Was uns rein und selig macht, Ist auf dieses Kind geflossen, Jesus hat es eingesegnet Und mit Himmelsthau beregnet. 2. O du dreimal selig Kind! Vom Dreieinigen geliebet, Dem der Vater sich verbindt, Dem der Sohn das Leben giebet, Dem der Geist ist eingeflossen Und der Himmel aufgeschlossen. 3. Nun so denk an diesen Bund, Weil du einen Odem begest, Daß auf einen festen Grund Du stets deinen Glauben legest. Wer sich läßt auf Jesum taufen, Muß in Jesu Wegen laufen. 4. Werde fromm und wachse groß, Werde deiner Aeltern Freude, Und dein jetzt erlangtes Loos Tröste dich in allem Leide, Deine Taufe sei die Thüre, Welche dich zum Himmel führe. B. Schmold, † 1737. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele ze. 148. O du reicher Herr der Armen, Mit welch herzlichem Erbarmen Bist du uns zuvorgekommen, Hast dich unser angenommen! Wie kamst du mit allem Segen Uns erbarmungsvoll 134 Kirche und Gnadenmittel. entgegen Schon an deines Reiches Pforte Durch das Wasserbad im Worte! 2. Sind wir selbst doch unaussprechlich Kraftlos, hilflos und gebrechlich, Ja, als Fleisch von Fleisch geboren, Sündlich, sterblich und verloren; Aber reinigend und heilend, Geist und Leben uns ertheilend, Schenktest du uns reiche Gnade In der Taufe heilgem Bade. 3. Und wir glauben deinem Worte! Darum bringen wir zur Pforte Deines theuren Gnadenreiches Dieses Kind; thu an ihm ein Gleiches! Die Verheißung, die zum Leben Deinem Volke du gegeben, Geht nach deiner Huld nicht minder Ueber deines Volkes Kinder. 4. Sei auch diesem Kinde gnädig, Mach es aller Sünde ledig; Schenke ihm die reine Seide der Gerechtigkeit zum Kleide; Salbe es mit deinem Geiste Und ihm alle Hilfe leiste, Daß der Segen deiner Hände Auf ihm bleibe bis ans Ende! K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. Confirmation. Mel.: Wer nur den lieben Gott sc. 149. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christum eingesenkt, Ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du haft zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt; Du willst in aller Noth und Pein, guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt; Ich habe mich aus reinem Triebe Dein Confirmation. 135 Eigenthum zu sein gewagt; Hingegen sagt ich bis ins Grab Der Sünde schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste stehn, Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn. Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, Wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt: So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und für. 3. J. Rambach,+ 1735. Mel.: Auf dem ewgen Felsen stehn 2c. 150. Volt des Herrn, bring dein Geschlechte Nach dem alten Licht und Rechte Her zum König aller Knechte; ,, Herr, hier ist dein Geschöpf!" Sprich: 2. Dämpfe Fleisch und Blut in ihnen, Laß sie nicht der Sünde dienen! Ziehe sie durch dein Verfühnen, Eh sie sterben, an dein Herz! 3. Kommt, ihr Kinder, die wir haben, Als vieltheure Gottesgaben! Nehmt vom Schatz, dran wir uns laben, Den euch zugedachten Theil. 4. Einen Theil am Liebesbande Mit dem ewgen Vaterlande, Aber auch am Kreuzesstande Und am Weltverlängnungssinn, 136 Kirche und Gnadenmittel. 5. Wollet ihr euch binden lassen? Jesu den fassen und die falsche Ruhe hassen? Kindervolk? Kreuz mit FreuWillst du, liebes 6. Ach, die ewig treue Liebe Schenk euch ihre selgen Triebe, Daß ein jedes Glauben übe, Bis ihr seht, was ihr geglaubt! Graf Nic. Ludwig von Zinzendorf, † 1760. Mel.: Freu dich sehr, o meine 2c. 151. Großer König unsrer Erden, Jesu, dem die ganze Welt Ewiglich muß dienstbar werden, Dessen Hand das Scepter hält, Wir, dein Volk und Eigenthum, Wollen deines Namens Ruhm Mit verdientem Lob erheben Und dir Preis und Ehre geben. 2. Herr, wir danken dir einmüthig, Daß du dir ein Volk erwählt Und auch uns Verlorne gütig Deiner Kirche zugezählt: Wir sind Christen, wir sind dein, Laß uns, was wir heißen, sein Und aufrichtig darnach streben, Wie wir dir zu Dienste feben. 3. Dir sei Dank für deine Gaben, So du in die Kinder legst, Die den Bund bestätigt haben, Die du in den Armen trägst. Herr, laß ihnen ewig nicht, Was ihr Mund allhier verspricht, Was sie heut sich vorgenommen, Aus dem Sinn und Herzen kommen. 4. Gib, daß sie durch deinen Segen, Dir, o Heiland, treugesinnt, Bessre Christen werden mögen, Als wir leider alle sind. Durch sie sei dein Reich vermehrt, Durch sie werdest du geehrt, Bis wir all in Zions Höhen Einst dein Jubelfest begeben. Mel.: O du Liebe meiner Liebe zc. 152. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, Deine Das hl. Abendmahl. 137 Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft. 2. Könnt ichs irgend besser haben, Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getrofter werden, Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist? 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem eignen, theuern Blut? Sollt ich dem nicht angehören, Der sein Leben für mich gab? Sollt ich ihm nicht Treue schwören, Trene bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich, So in Freude, wie in Leid; Bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit! Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Rufs aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nur auf dieser Erden Nahe, bis mein Tag sich neigt. Wenn es einst will Abend werden und die Nacht herniedersteigt, Wenn mein Aug wird dunkler, trüber, Dann erleuchte meinen Geist, Daß ich fröhlich zieh hinüber, Wie man nach der Heimath reist. K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. 8) Das hl. Abendmahl. Vor der Feier. 153. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd der Welt, Erbarm dich unser! 2. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd der Welt, Erbarm dich unser! 138 Kirche und Gnadenmittel. 3. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd der Welt, Gib uns dein Frieden. Amen. Alte Kirche. 154. Schmücke dich, o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans belle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg in dir balten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der mit süßen Gnadenworten Klopft an deines Herzens Pforten; Eile sie ihm aufzuschließen, Wirf dich hin zu seinen Füßen; Sprich: o Herr, laß dich umfassen, Bon dir will ich nimmer lassen! 3. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte; Ach, wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen; Ach, wie pfleget mich zu dürften Nach dem Trank des Lebensfürsten; Daß mit diesem Brod und Weine Sich mein Heiland mir vereine. 4. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, Hier fall ich zu deinen Füßen! Laß mich würdiglich genießen Dieser deiner Himmelsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preise. 5. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel hergetrieben, Daß du willig haft dein Leben In den Tod für uns gegeben Und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 6. Jesu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Das hl. Abendmahl. 139 Tisch geladen; Laß mich durch dieß Seeleneffen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mag dein Gaft im Himmel werden. Joh. Frant, † 1677. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit se. 155. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, Du Brunnquell aller Gnaden! Wir kommen, deinen Leib und Blut, Wie du uns haft geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit Und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. 2. O Jesu mach uns selbst bereit Zu diesem hohen Werke! Schenk uns dein schönes Ehrenfleid Durch deines Geistes Stärke; Hilf, daß wir würdge Gäste sein Und werden dir gepflanzet ein Zum emgen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir Auch bis ans Ende bleiben; Laß Sünd und Noth uns für und für Von dir nicht wieder treiben, Bis wir durch deines Nachtmahls Kraft In deines Himmels Bürgerschaft Dort ewig selig werden. Vor 1698. Mel.: Erquice mich, du Heil sc. 156. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden In deiner letzten Tranernacht Uns hast die Früchte deiner Leiden In einem Testament vermacht: Es preifen gläubige Gemüther Dich, Stifter dieser hchen Güter! 2. So oft wir dieses Mahi genießen, Wird dein Gedächtniß bei uns neu; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Erneuern sich in unsern Herzen. 3. Es wird dem zitternden Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief sei zerriffen, Daß unsre 140 Kirche und Gnadenmittel. Handschrift sei zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blutgen Wunden finden. 4. Und fester, als es je gewesen, Wird nun das Band, das uns vereint; Bon allem Seelenschmerz genesen Schaun wir in dir den liebsten Freund; Wir fühlen uns in solchen Stunden Mit dir in einem Geist verbunden. 5. Dieß Brot kann wahre Nahrung geben, Und dieser Kelch erquickt den Geist; Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dich geneußt; Wir fühlen neue Kraft und Stärke in unserm Stampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein;-Wir müssen all in solchem Stande ein Herz und eine Seele sein; Der Geist muß mehr zusammenfließen; wir Ein Fleisch und Blut genießen. 7. Dein Leib muß uns zum Pfande dienen, Daß unser Leib, jetzt schwachheitsvoll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja, daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. 8. D theures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher boher Liebesschein Verdient, daß aller Engel Zungen zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommen loben. J. J. Rambach, † 1735. Mel.: An Wasserflüssen Babylon xc. 157. 3ch tomme, Herr, und suche dich, Mühselig und beladen; Gott, mein Erbarmer, würdge mich Des Wunders Das hl. Abendmahl. 141 Sohn deiner Gnaden! Ich liege hier vor deinem Thron, Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten; Ich fühle meiner Sünden Müh, Ich suche Ruh und finde sie Im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder, Dir hast die Handschrift abgethan, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht Und an dein Wort: es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet; Du haft für mich dich dargestellt: Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir: Er tilget deine Sünden Und läßt in seinem Mahle hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: Sei getroft mein Sohn, Die Schuld ist dir vergeben; Du bist in meinen Tod getauft, Und du wirst dem, der dich erkauft, Von ganzem Herzen leben. Dir deine Krone vereine mich mit dir, Ich bin der Wein4. Dein ist das Glück der Seligkeit; Bewahr es hier im Glauben Und laß durch keine Sicherheit rauben. Sieh, ich stock, bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, Ich will es treu erfüllen und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig sein, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen! Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt beweisen! Chr. F. Gellert,+ 1769. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele zc. 158. Sesu, Freund der Menschenkinder, Heiland der verfornen Sünder, Der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzes 142 Kirche und Gnade mittel. schmach hat wollen dulden, Wer kann faffen das Erbarmen, Das du trägest mit uns Armen! In der Schar erlöster Brüder Fall ich dankend vor dir nieder. 2. Ja auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll entgegen; In dem Elend meiner Sünden Soll bei dir ich Hilfe finden; Meine Schulden willst du decken, Mich befrein von Furcht und Schrecken, Willst ein ewig selig Leben Als des Glaubens Frucht mir geben. 3. Herr, du kommst, dich mit den Deinen In dem Nachtmahl zu vereinen; Dn, der Weinstock, gibst den Neben Neue Kraft zum neuen Leben: Nun, so steh mir bei und stärke Mich zu jedem guten Werke; Hilf, daß ich die Lust der Sünde Durch dich kräftig überwinde. 4. Nun so sei der Bund erneuet, Unser Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild wolln wir sehen Und dir nach, mein Heiland, gehen. Schaff ein neues Herz uns Sündern, Mache uns zu Gotteskindern, Die dir leben, leiden, sterben, Deine Herrlichkeit zu erben. 5. Großes Abendmahl der Fremmen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, Daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich schaun und ewig ehren? Halleluja! welche Freuden Sind die Früchte deiner Leiden! Danket, danket, fromme Herzen, ewig ihm für seine Schmerzen. K. Lavater,+ 1801. Mel.: Wachet auf, ruft uns ze. 159. Herr, du wollst uns vollbereiten zu deines Mahles Seligkeiten; Sei mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, Mit glaubensvollem Herzen nahen Und sprich uns los von Sünd und Tod. Wir sind, o Jesu, dein: Dein laß uns ewig sein! Amen, Amen! Anbetung dir! Einst feiern wir Das große Abendmahl bei dir. Das hl. Abendmahl. 143 2. Nehmt und eßt zum ewgen Leben Das Brot, das euch der Herr gegeben; Die Gnade Jesu sei mit euch! Nehmt und trinkt zum ewgen Leben Den Kelch des Heils, auch euch gegeben; Ererbt, erringt des Mittlers Reich! Wacht! eure Seele sei Bis in den Tod getreu! Amen, Amen! Der Weg ist schmal; Klein ist die Zahl, Die dort eingeht zum Abendmahl. F. G. Klopstocf, 1803. Mel: Aus meines Herzens 2e. 160. Kommt her! ihr seid geladen, Der Heiland rufet ench; Der süße Herr der Gnaden, An Huld und Liebe reich, Der Erd und Himmel lenkt, Will Gastmahl mit euch halten Und wunderbar gestalten, Was er in Liebe schenkt. 2. Kommt her, verzagte Sünder, Und werft die engste weg! Kommt her, versöhnte Kinder, Hier ist der Lebenssteg! Empfangt die Himmelslust, Die heilge Geistesspeise, Die auf verborgne Weife Erquicket jede Brust. 3. Kommt ber, betrübte Seelen, Die Noth und Jammer drückt, Mit Gott euch zu vermählen, Der wunderbar beglückt! Kommt, legt auf ewig ab Der Sünde bange Säumniß; Empfanget das Geheimniß, Das Gott vom Himmel gab. 4. O wunderbare Treue! So lockst du mich zu dir? O wunderbare Weihe! So nahst du selig mir? Ich soll der Sünden Tod In deinem Blute trinken, Bergehen und versinken In deiner Lieb, o Gott! 5. Wonne tranfer Herzen, Die mir von oben kam! Verschwunden sind die Schmerzen, Getröstet ist der Gram; Was von dem Himmel flenßt, Hat lieblich sich ergoffen; Mein Herz ist gar durchflossen Bom süßen Liebesgeist. 6. Drum jauchze, meine Seele, Hell aus der Sündennacht! Verkünde und erzähle Die tiefe Wundermacht, Die 144 Kirche und Gnadenmittel unermeßlich süß, Ein Born der Liebe, quillet Und jeden Jammer stillet, Der fast verzweifeln ließ. 7. Drum jauchze, meine Seele, Drum jauchze deinem Herrn, Verkünde und erzähle Die Gnade nah und fern, Den Wunderborn im Blut, Die felge Himmelsspeise, Die auf verborgne Weise Dir gibt das höchste Gut! ( s. M. Arndt, geb. 1769. Mel.: Herzlich thut mich verlangen: c. 161. Wen hast du dir geladen, Mein Heiland, mild und gut, zu deinem Tisch der Gnaden? Nicht, die voll Kraft und Muth, Die Reichen nicht und Satten, Sind dir willkommen dran; Die Kranken und die Matten Rufst du voll Huld heran. 2. Da dürfen wir es wagen Und treten mit heran; Wir müßten wohl verzagen, Gings nur die Starken an. Zu dir, dem guten Hirten, Stelln wir voll Muth uns ein: Du willst ja den Verirrten Von Herzen gnädig ſein. 3. Es sei dir, unserm Fürsten, Fortan das Herz geweiht, Mit Hungern und mit Dürsten Nach der Gerechtigkeit. Act, laß uns doch genießen Das wahre Himmelsbrod Und Lebensbäche fließen Auf uns bis in den Tod. - 4. Laß uns danieder sinken An deinem Sühnaltar, Und reiche uns zu trinken Den Kelch des Lebens dar! Wenn auf der Pilgerreise Das Herz so matt und krank, Ist das die rechte Speise, Ist das der rechte Trank. 5. Wer glaubensvoll genoffen Den Leib, dazu das Blut, Für unsre Schuld vergossen, Der hat es ewig gut; Der ist vom Fluch entbunden, Der jedem Sünder droht, Hat Troft in schweren Stunden und in der letzten Noth. F. A. G. Tholuck, geb. 1799 n. Ch. F. Tiez. Das hl. Abendmahl. 145 Nach der Feier. Mel.: Nun laßt uns Gott, den Herren sc. 162. O Sesu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsam schätzen Dieß himmlische Ergötzen Und diese thenern Gaben, Die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dirs verdanken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja, selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg und Wunden, Die du für mich empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden, Dir dank ich für dein Sehnen Und deine heißen Thränen. 6. Dir dank ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben, Dir dank ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Herr, laß mich nicht vergessen, Daß du mir zugemessen Die kräftge Himmelsspeise, Wofür mein Herz dich preise. 8. Laß mich die Sünde meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten. 9. In meinem ganzen Leben Laß mir vor Augen schweben, Wie herrlich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! 10. Nun kann ich nicht verderben, Drauf will ich jelig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen. Joh. Rist, † 1667.. Mel.: Alle Menschen müssen 2c. 163. Danket, danket Gott mit Freuden, Danket ihm mit Herz und Mund! Macht die großen Seligkeiten Dieses heilgen 10 146 Kirche und Gnadenmittel. Mahles fund, Was der Herr für Gnaden schenket, Da er selbst uns speist und tränket; Danket ihm vor dem Altar, Daß er uns so freundlich war! 2. Ja, wir preisen Gottes Güte, Denn sie währet ewiglich! O wie freut sich das Gemüthe, Daß der Herr so gnädig sich Gegen uns auch jetzt erwiesen! Immerdar sei er gepriesen; Groß ist seine Huld und Treu; Sie war diesesmal auch neu! 3. Heilig, heilig, beilig werde, Gott, dein Nam uns mehr und mehr! Alle Himmel sammt der Erde zeugen laut von deiner Ehr! Dir, Herr, singen Seraphinen Dreimal heilig,- die dir dienen! Droben in dem Heiligthum Schallet deines Namens Rubm! 4. Gott, der Herr und Vater, segne Uns in seinem lieben Sohn; Und des Vaters Sohn begegue Uns von seinem Gnadenthron; Und der Herr, der Geist, bereite Uns zur Herrlichkeit und leite Uns zu seinem Frieden! Ja! Amen! sprecht: Halleluja! N. Kaiser,+ 1800. Mel.: Wer nur den liebe: se. 164. Nimm hin den Dank für deine Liebe, Erhöhter Mittler, Der Jesus Christ! Gib, daß ich dich nicht mehr betrübe, du für mich gestorben bist; Laß deines Leidens Angst und Pein Mir immerdar vor Augen sein! 2. Im Streite hilf mir überwinden, Und stärke mich zu jeder Pflicht! Bewahre mich vor neuen Sünden, Verlaß mich in Versuchung nicht; Und dein für mich vergossenes Blut Schenk mir im Todeskampfe Muth. 3. Hilf, daß ich deines Leibes Glieder, Die heut dein Heil, wie mich erfreut, Von Herzen lieb, als meine Brüder, Als Erben einer Herrlichkeit. Wir haben einen Herrn und Gott, Uns speist und tränkt ein Kelch, ein Brod. Wiedergeburt und Heiligung.( Buße.) 4. Wie jetzt, o Herr, in deinem Namen Dein Volk vor dir versammelt war, So bring einst wieder uns zusammen, Daß wir mit deiner Engelschar, Anbetend als dein Eigenthum, Stets preisen Deines Namens Ruhm. G. J. Zollikofer,+ 1788 und J. C. Lavater,+ 1801. 147 XIII. Wiedergeburt und Heiligung. A. Buße. 165. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne; Denn so du willst das sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan: Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts, denn Gnad und Gunst, zu vergeben: Es ist doch unser Thun umsonst besten Leben; Vor dir niemand sich rühmen kann; dich fürchten Jedermann Und deiner Gnaden leben. Die Sünde Auch in dem Deß muß 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn allein verlassen mich Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort: Das ist mein Trost und treuer Hort; Deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu das Volk von rechter Art, Das aus dem Geist erzeuget ward, Und seines Gottes harre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. M. Luther,+ 1546. 148 Wiedergeburt und Heiligung. 166. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein Hoffnung steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, Auf Erden war kein Mensch geborn, Der mir aus Nöthen helfen kann: Dich ruf ich au, Du bist der rechte Helfersmann. 2. Mein Sünd ist schwer und übergroß Und renet mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch deinen Tob und Schmerzen Und nimm bich mein beim Bater an, du genug für mich gethan, So werd ich los der Sünden Last; Mein Glaub erfaßt, Was du mir, Herr, versprochen hast. 3. Ach, stärke durch Barmherzigkeit In mir ein recht Vertrauen, Auf daß ich deine Freundlichkeit Mög inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich; Und kommt mir einst das letzte End, Dein Hilf mir send, Damit sein Graun sich von mir wend. 4. Ehr sei Gott in dem höchsten Throu, Dem Vater aller Güte, Und Jesu Christo, seinem Sohn, Der uns allzeit bebüte, Und Gott dem werthen heilgen Geist, Der uns sein Hilfe allzeit leist, Daß wir ihm sein zum Dienst bereit, Hier in der Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Joh. Schneesing(?), † 1567. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei deinem sc. 167. O frommer und getreuer Gott, Ich hab gebrochen dein Gebot Und sehr gesündigt wider dich: Das ist mir leid und reuet mich. 2. Weil aber du, o gnädger Gott, Nicht Lust hast an des Sünders Tod, So ist dein herzliches Begehr, Daß ich mich wieder zu dir kehr. 3. Auf dieß Wort, lieber Vater fromm, Ich armer Sünder zu dir komm Und bitt durch deines Sohnes Tod: Erbarm dich mein in meiner Noth! Buße. 149 4. Verschon, o Herr, laß deine Huld Zudecken alle meine Schuld! So werd ich arm verlornes Kind Ledig und los all meiner Sünd. 5. Ich will, o Herr, nach deinem Wort Mich beffern, leben fromm hinfort, Damit ich mög nach dieser Zeit Gelangen zu der Seligkeit. B. Ringwaldt(?), † 1598. 168. Ach, Gott und Herr, Wie groß und schwer Sind mein begangne Sünden! Da ist Niemand, Der helfen kann, In dieser Welt zu finden. 2. Lief ich gleich weit zu dieser Zeit, Bis an der Welt ihr Ende, Und wollt los sein Des Elends mein, Würd ichs doch so nicht wenden. 3. Zu dir flieh ich, Verstoß mich nicht, Wie ichs wohl hab verdienet! Ach, geh doch nicht, Gott, ins Gericht: Dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so sein, Daß Straf und Pein Auf Sünde folgen müssen: So fahr hie fort Und schone dort Und laß mich hier wohl büßen. 5. Gib, Herr, Geduld, Vergiß die Schuld, Schaff ein geborsam Herze, Daß ich mein Heil, Mein bestes Theil, Durch Murren nicht verscherze. 6. Handle mit mir, Wies dünket dir, leiden, Nur wollst du mich Nicht ewiglich scheiden! Ich will es gerne Von deiner Gnade Rutilius, † 1618. M. Mel.: Aus tiefer Noth zc. 169. Vater der Barmherzigkeit, Ich falle dir zu Fuße: Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut noch endlich Buße! Was ich begangen wider dich, Verzeih mir Alles gnädiglich Durch deine große Güte. 150 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir, was mich quälet; Durch deine Weisheit schaffe Rath, Worin es mir sonst fehlet; Gib Willen, Mittel, Kraft und Stärk, Daß ich mit dir all meine Werk Anfange und vollende. 3. Jesu Christe, der du haft Am Kreuze für mich Armen Getragen aller Sünden Last, Wollst meiner dich erbarmen! O wahrer Gott, o Davids Sohn, Erbarm dich mein und mein verschon, Hör auf mein kläglich Rufen. 4. Laß deiner Wunden theures Blut, Dein Todespein und Sterben, Mir kommen kräftiglich zu gut, Daß ich nicht muß verderben! Bitt du den Vater, daß er mir nicht möge lohnen nach Gebühr, Wie ich es hab verschuldet. 5. O heilger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, Wenn mich die Sündenlust ansicht, Laß mich von dir nicht wanken; Verleih, daß nun und nimmermehr Begierd nach Wollust, Geld und Ehr In meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Satans Truß und List Durch Christi Sieg mag dämpfen; Auf daß mir Krankheit, Angst und Noth Und dann der letzte Feind, der Tod, Nur sei die Thür zum Leben. Dav. Denicke, † 1680. Mel.: Herr, laß deines Eifers sc. 170. Ach, was bin ich, mein Erretter Und Vertreter Bei dem unsichtbaren Licht? Ich verzag in meinem Muthe; Denn das Gute, Das ich will, das thu ich nicht. 2. Ach, was bin ich, mein Erbarmer? Sieh, ich Armer Bin ein schwankes Rohr im Wind; Wie ein Weberschifflein ihießet, So verfließet Meines Lebens Lauf geschwind. Buße. 151 3. Ach, was bin ich, mein Erlöser? Immer böser Find ich meiner Seele Stand, Drum, mein Helfer, nicht verweile, Jesu eile, Reiche mir die Gnadenhand! 4. Ach, wenn wirst du mich erheben Zu dem Leben? Komm, ach, komm, und hilf mir doch! Elend kann dich bald bewegen, Lauter Segen Wirst du lassen fließen noch. 5. Trotzig ist, o Gott, mein Herze, Mir zum Schmerze, Ja es ist mir leid dazu! Höre mich, sieh an das Quälen; Arzt der Seelen, Schaffe meinem Herzen Ruh! 6. Gib, daß mir der Tod nicht schade; Herr, gib Gnade, Laß mich sein dein liebes Kind! Ein Demüthiger und Kleiner, Aber Reiner, Endlich Ruh und Gnade findt. Joachim Neander, † 1680. 171. Mein Gott, das Herz ich bringe dir Zur Gabe und Geschenk. Du forderst dieses ja von mir; Deß bin ich eingedenk. 2. Gib mir, mein Sohn, dein Herz, sprichst du, Das ist mir lieb und werth; Du findest anders auch nicht Ruh Im Himmel und auf Erd. 3. Nun du, mein Vater, nimm es an, Mein Herz, veracht es nicht. Ich gebs, so gut ichs geben kann; Kehr zu mir dein Gesicht. 4. Zwar ist es voller Sündenlust Und voller Eitelkeit, Des Guten aber unbewußt Und wahrer Frömmigkeit. 5. Doch aber steht es nun in Ren, Fühlt seinen Uebelstand Und träget jetzt vor allem Schen, Daran es Lust erst fand. 6. Zermalme meine Härtigkeit, Erweiche meinen Sinn Und ziehe mich in Neu und Leid Zu deinem Herzen hin. 7. Schenk mir, Herr Christ, nach deiner Huld, Gerechtigkeit und Heil; Du trugst ja meine Sündenschuld Und meiner Strafe Theil. 152 Wiedergeburt und Heiligung. 8. In dich wollst du mich kleiden ein, Dein Unschuld ziehen an, Daß ich, von allen Sünden rein, Vor Gott bestehen kann. 9. Gott, heilger Geist, nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein; Ergieß um Jesu willen dich Tief in mein Herz hinein. 10. Dein göttlich Licht schütt in mich aus Und Gluth der reinen Lieb; Tilg Finsterniß, Haß, Falschheit aus; Schenk mir stets deinen Trieb. 11. Hilf, daß ich sei von Herzen tren Im Glauben meinem Gott, Daß mich im Guten nicht mach scheu Der Welt List, Macht und Spott. 12. Hilf, daß ich sei von Herzen fest, In Hoffen und Geduld, Daß, wenn nur du mich nicht verläßt, Mich tröste deine Huld. 13. Hilf, daß ich sei von Herzen rein Im Lieben, und erweis, Daß mein Thun nicht sei Heuchelschein, Durch Werke dir zum Preis. 14. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit; Ja, laß es auch dein Wohnhans sein In jener Ewigkeit. 15. Dir geb ichs ganz zu eigen hin; Brauchs, wie es dir gefällt, Ich weiß, daß ich der Deine bin, Der Deine, nicht der Welt. 16. Weg, Welt, Weg, Sünd, dir geb ich nicht Mein Herz; nur, Jesu, dir Ist dieß Geschenke zugericht; Behalt es für und für. J. C. Schade,+ 1698. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein c. 172. Sch armer Mensch, ich armer Sünder Steh hier vor Gottes Angesicht: Ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder Und Buße. geh nicht mit mir ins Gericht! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 153 2. Wie ist mir doch so angst und bange, Wie kränkt mich meine große Sünd, Hilf, daß ich wieder Gnad erlange, Ich armes und verlornes Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 3. Hör, ach erhör mein seufzend Schreien Und neig zu mir dein Vaterherz! Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meines Herzens Schmerz! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 4. Nicht, wie ich hab verschuldet, lohne, Und handle nicht nach meiner Sünd; O treuer Vater, schone, schone, Erkenn mich wieder für dein Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben; Sag, daß ich ormer Sünder hör: Geh hin, die Sünd ist dir vergeben; Nur fündige hinfort nicht mehr! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 6. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zweifelsfrei; Weil sich der Trost im Herzen mehret, Drum will ich enden mein Geschrei: Ich weiß ja, du erbarmest dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Mel.: Sieh, hier bin ich Ehrenkönig 2c. 173. Meine Seele Voller Fehle Licht; Jesu, neige Dich und zeige sicht; Auf mein Flehen Laß dich länger nicht. Chr. Titius,+ 1703. Suchet in dem Dunkeln Mir dein tröstlich Angesehen Und verbirg dich 2. Ich empfinde, Meine Sünde Sei an allem Kummer Schuld; Ich gestehe Dirs und flehe Um Vergebung und 154 Wiedergeburt und Heiligung. Geduld. Du, mein Leben, Kannst mir geben Neue Hülfe, neue Huld. 3. Ach, von Herzen Und mit Schmerzen Such ich dich, mein Trost und Heil. Wie so lange Ist es bange Meiner Seele! komm in Eil, Laß dich nieder, Komme wieder, Meines Herzens bestes Theil! 4. Richtig wandeln, Weise handeln, Wollst du künftig mir verleihen; Gib die Triebe Reiner Liebe Voller in mein Her hinein. Welch ein Segen Ist zugegen, Wenn es heißt: Du mein, ich Dein! 5. Lehre, leite, Vollbereite Mich, wie du mich haben willt; Gib mir Klarheit, Geist und Wahrheit, Daß ich gleich sei deinem Bild; Daß man merke Deine Stärke Sei in dir, und du mein Schild. 6. Bis im Lichte Dein Gesichte Mir sich droben völlig zeigt, Wenn die Deinen Nicht mehr weinen Und die Klagestimme schweigt. Drum so zeige Mir die Steige, Da man auf zum Himmel steigt. Magd. Sib. Rieger,+ 1786. 174. Kehre wieder, kehre wieder, Der du dich verloren haſt! Sinke renig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen. Kehre wieder, zaudre nicht! 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung In die Einsamkeit zurück, Wo in geistiger Erneuung Deiner harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen. Die das Herz so wild bewegen; Wo des heilgen Geistes Mahnen Du mit stillem Beben hörst Und von neuem zu den Fahnen Jesu Christi heilig schwörst. Buße.. 155 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes trenes Herz Bent Vergebung deinem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz; Sieh auf den, der voll Erbarmen Dir mit ausgestreckten Armen Winket von des Krenzes Stamme: Kehre wieder! fürchte nicht, Daß der Gnädge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht. 4. Kehre wieder, nenes Leben Trink in seiner Liebeshuld; Bei dem Herrn ist viel Vergeben, Große Langmuth und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen; Er hat Trost für alle Schmerzen; Er kann alle Wunden heilen, Macht von allen Flecken rein; Darum kehre ohne Weilen Zu ihm um und bei ihm ein. 5. Kehre wieder, endlich kehre In der Liebe Heimath ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein; Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klarbeit, Aus dem Tode in das Leben, Aus der Welt ins Himmelreich! Dou) was Gott dir beut will geben, Nimm auch heute: febre gleich! Ph. Spitta, geb. 1801. Mel.: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig sc. 175. Gott der Guaden! Schwer beladen neigt sich unser Haupt vor dir; Unsre Herzen Sind voll Schmerzen, Staub und Asch ist unsre Zier. Hab Erbarmen Mit uns Armen! Aus der Tiefe rufen wir. 2. Wir verzagen, Denn wir tragen Auf uns aller Sünden Last, Aller Qualen Volle Schalen, Die du ausgegossen hast. Hab Erbarmen Mit uns Armen! Angst und Noth hat uns erfaßt. 3. Wir bekennen, Herr, wir nennen Laut vor dir die Missethat; Es ist keiner Hier ein Reiner, Jeder ärntet böse Saat. Hab Erbarmen der für uns bat. Mit uns Armen! Sieh auf ihn, 156 Wiedergeburt und Heiligung. 4. Herr, verzeihe! Jesu, Icibe Uns dein priesterlich Gebet! Sott, verschone, Wenn vom Sohne Das Erbarmen zu dir fleht! Hab Erbarmen Mit uns Armen, Wenn der Mittler vor dir steht! 5. Jesu, rette! Brich die Kette Unsrer Finsterniß entzwei, Daß der Glaube Tief im Staube Unser Trost und Zuflucht sei. Hab Erbarmen Mit uns Armen, Jesu, mach uns wieder frei! 6. Sei uns gnädig, Mach uns ledig, Führ uns aus dem finstern Thal! Du tannst lindern Und vermindern Alle Noth und Herzensqual. Hab Erbarmen Mit uns Armen; Jesu, hilf noch diesesmal! 7. Du mußt siegen, Wir erliegen; Du bist frei, wir sind in Haft; Du alleine Bist der Reine, Wir sind schwach, Dein ist die Kraft. Hab Erbarmen Mit uns Armen; Denk an deine Pilgrimschaft! 8. Wenn du Frieden uns beschieden, Fürchten wir die Strafe nicht; Dein Versöhnen Wird uns krönen Mit Gerechtigkeit und Licht; Dein Erbarmen Hilft den Armen, unsre Zuversicht! Du bist H. Puchta, geb. 1808. B. glaube und Rechtfertigung. 176. Nun freut euch, lieben Christen gmein, und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und all in ein Mit Luft und Liebe singen: Was Gott an uns gewendet hat, seine süße Wunderthat, Gar theur hat ers erworben. Und 2. Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren, Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich Es war kein war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Guts am Leben mein, Die Sünd hat mich beseffen. Glaube und Rechtfertigung. 157 3. Mein gute Werk, die galten nicht, Es war mit ihn verdorben; Der frei Will haßte Gotts Gericht, Zum Guten gar erstorben; Die Angst nich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Sterben bei mir blieb, Zur Höllen mußt ich sinken. 4. Da jammerts Gott in Ewigkeit Mein Elend übermaßen, Er dacht an sein Barmherzigkeit, Er wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir das Vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz, ließ sichs sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Es ist Zeit zu erbarmen; Fahr hin, meins Herzens werthe Kron, Und sei das Heil dem Armen Und hilf ihm aus der Sünden Noth, Erwürg für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn so gern gehorsam ward, Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jungfrau rein und zart, Er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, Er ging in meiner armen Gestalt, Den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen, Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein, und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du sein, Uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben: Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein Unschuld trägt die Sünde dein, Da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich von diesem Leben, Da will ich sein der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten soll und lehren mich erkennen wohl und in der Wahrheit leiten. Das sollst du thun 10. Was ich gethan hab und gelehrt, und lehren, Daß Gottes Reich hier werd gemehrt zu seinem 158 Wiedergeburt und Heiligung. Lob und Ehren; Und büt dich vor der Menschen Satz, Davon verdirbt der edle Schatz; Das laß ich dir zuletzte. Luther, † 1546. Mel.: Herzlich thut mich verlangen ic. 177. Ich bin bei Gott in Gnaden Durch Christi Blut und Tod; Was kann mir endlich schaden? Was acht ich alle Noth? Ist er auf meiner Seiten, Gleichwie er wahrlich ist, Laß immer mich bestreiten Auch alle Höllenlist. 2. Was wird mich können scheiden Von Gottes Lieb und Treu? Verfolgung, Armuth, Leiden und Trübsal mancherlei? Laß Schwert und Blöße walten; Man mag durch tausend Pein Mich für ein Opfer halten: Der Sieg bleibt dennoch mein. 3. Ich kann um dessentwillen, Der mich geliebet hat, Gnug meinen Unmuth stillen Und fassen Trost und Rath; Denn das ist mein Vertrauen, Der Hoffnung bin ich voll, Die weder Drang noch Grauen Mir ewig rauben soll: 4. Daß weder Tod noch Leben und keiner Engel Macht, Wie hoch sie möchte schweben, Kein Fürstenthum, kein Pracht, Nichts dessen, was zugegen, Nichts, was die Zukunft trägt, Nichts, was da hochgelegen, Nichts, was die Tiefe begt, • 5. Noch sonst, was je erschaffen, Von Gottes Liebe mich Soll scheiden oder raffen, Denn diese gründet sich Auf Jesu Tod und Sterben; Ihn fleh ich gläubig an, Der mich, sein Kind und Erben, Nicht lassen will noch kann. S. Dach, 1659. Mel.: Freu dich sehr, o meine sc. 178. Ewge Liebe, mein Gemüthe Waget einen fühnen Blick In den Abgrund deiner Güte: Send ihm einen Blick zurück, Einen Blick voll Heiterkeit, Der die Finsterniß zerstreut, Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket. Glaube und Rechtfertig..ng. 159 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich erbarmet haſt, Und aus einem freien Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt, Der im Fluch versenkten Welt Durch ein theures Lösegeld Und des eignen Sohnes Sterben Gnad und Freiheit zu erwerben. 3. O ein Rathschluß voll Erbarmen, Boller Huld und Freundlichkeit, Der so einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hilfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schooße wohnt, Um die Sünder zu eretten Aus den schweren Sündenketten. 4. Doch du hast, o weise Liebe, Eine Ordrung auch bestimmt, Daß sich der darinnen übe, Der am Segen Antheil nimmt: Wer nur an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Sondern Heil und Leben sehen. 5. Liebe, dir sei Lob gesungen Für den weisheitsvollen Schluß, Den die Schar verklärter Zungen Rühmen und bewundern muß, Den der Glaub in Demuth ehrt, Die Vernunft erstaunet hört Und umsonst sich unterwindet, Wie sie dessen Tief ergründet. 6. Liebe, laß mich dahin streben, Meiner Wahl gewiß zu sein! Nichte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Den dein Geist in mir geschafft, Mir zum Zeugniß dienen möge, Ich sei auf dem Himmelswege. 7. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens stehn; Dann so werd ich ohne Granen Selbst dem Tod entgegengehn. Keine Kreatur wird mich, Deinen Liebling, ewiglich Deiner Hand entreißen können, Noch r Liebe trennen. deiner 1 Joh. Jak. Rambach, † 1735. 160 Wiedergeburt und Heiligung. Mel.: Jesus, meine Zuversicht 2c. 179. Sesus nimmt die Sünder an! Saget doch dieß Trostwort Allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder all. 2. Keiner Gnade sind wir werth, Doch hat er in seinem Worte Eidlich sich dazu erklärt; Sehet nur, die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet trenlich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesns nimmt die Sünder an. 4. Kommet Alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder, Jesus rufet euch und er Macht aus Sündern Gottes Kinder; Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden; Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dieß Wort mich trösten kann: Sesus nimmt die Sünder an. 6. Nun so faß ich frohen Muth, Auf dich werf ich meine Sünden; Dein am Kreuz vergossnes Blut Läffet mich Vergebung finden, Daß ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Mein Gewissen schreckt mich nicht, Will mich das Gesetz verklagen; Der mich frei und ledig spricht, hat die Schulden abgetragen, Daß mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 8. Jesus nimmt die Sünder an! Er hat mich auch angenommen' Inden Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. G. Neumeister, † 1756. Glaube und Rechtfertigung. 161 Mel.: Wer nur den lieben Gott 2c. 180. Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anter ewig hält; Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt, Deß, der mit offnen Liebesarmen Sich zu uns armen Sündern neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; Deßwegen kam sein Sohn auf Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deßwegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden; Hier findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getroft vertraun, Und wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles Andre weggerissen, Was Seel und Leib erquicken kann, Darf ich von keinem Troste wissen und scheine völlig ausgethan, Ist die Errettung noch so weit: Mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewandelt bin, Viel Unvollkommenheit bemerken, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist auch hier der Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit, 8. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist; Er wolle selbst mein Herze stillen, Damit es dieß 11 162 Wiedergeburt und Heiligung. nur nicht vergißt: So stebet es in Lieb und Leid In, durch und auf: Barmherzigkeit. 9. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, Solange noch ein Glied sich regt; So sing ich einst in Ewigkeit: 0 Abgrund der Barmherzigkeit! J. A. Rothe, † 1758. Mel.: Wer nur den lieben Gott ze. 181. Aus Gnaden soll ich selig werden; Herz, glaubst dus, oder glaubst dus nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein! 2. Aus Gnaden! merk dieß Wort ,, aus Gnaden", So oft dich deine Sünde plagt, So oft dir will der Satan schaden, So oft dich dein Gewissen nagt; Was die Vernunft nicht faffen kann, Das bent dir Gott aus Gnaden an. 3. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und übernahm die Sündenlast; Was nöthigt ihn, dein Freund zu werden? Sprich, wo du was zu rühmen hast. Wars nicht, daß er dein Bestes wollt Und dir aus Gnaden helfen sollt? 4. Aus Gnaden! dieser Grund wird bleiben, So lange Gott wahrhaftig heißt; Was alle Knechte Jesu schreiben, Was Gott in seinem Worte preist, Worauf all unser Glaube rubt, Ist Gnade durch des Sohnes Blut. 5. Aus Gnaden! doch, dn sichrer Sünder, Denk nicht: woblan, ich greif auch zu." Wahr ists, Gott rufet Adams Kinder Aus Gnaden zur verheißnen Ruh, Doch nimmt er nicht zu Gnaden an, Der noch auf Gnade sündgen kann. 6. Aus Gnaden! wer dieß Wort gehöret, Tret ab von aller Heuchelei, Nur wenn der Sünder sich bekebret, Dann Glaube und Rechtfertigung. lernt er erst, was Gnade sei; Beim Sündgen scheint die Gnad gering, Dem Glauben ists ein Wunderding! 163 7. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenns unter Angst und heißen Schmerzen, Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich ofte mals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär? 8. Ans Gnaden! hieranf will ich sterben; Ich glaube, darum ist mir wohl, Ich kenn mein sündliches Verderben Doch den auch, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, Weil mich die Gnade selig macht. Chr. L. Scheidt, † 1761. Mel.: Wer nur den lieben Gott 2c. 182. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth; Das zähl ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte nich's als Zorn verdienet Und soll bei Gott in Gnaden sein; Er hat mich mit sich selbst verfühnet, Macht durch das Blut des Sohns mich rein. Warum? ich war ja Gottes Feind! Erbarmung bats so tren gemeint! 3. Tas muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dieß laß ich kein Geschöpf mir rauben, Dieß soll mein einzig Rühmen sein; Auf dieß Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet ich auch allein, Auf dieses duld ich in der Noth, Auf dieses hoff ich noch im Tod. 164 Wiedergeburt und Heiligung. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hocherfreut Und rühme die Barmherzigkeit. PH. F. Hiller, † 1769. Mel.: Valet will ich dir sc. 183. Ich weiß, an wen ich glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn Alles hier im Staube Wie Staub und Rauch verweht; Ich weiß, was ewig bleibet, Wo Alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen hält. 2. Ich weiß, was ewig dauert, Ich weiß, was nie verläßt; Auf ewgen Grund gemauert Steht diese Schutzwehr fest: Es sind des Heilands Worte, Die Worte fest und klar; An diesem Felsenhorte Halt ich unwandelbar. 3. Auch kenn ich wohl den Meister, Der mir die Feste baut: Es ist der Herr der Geister, Auf den der Himmel schaut, Vor dem die Seraphinen ubetend niederknien, Um den die Heilgen dienen! Ich weiß und kenne ihn. - 4. Das ist das Licht der Höhe, Das ist mein Jesus Christ, Der Fels, auf dem ich stehe, Der diamanten ist; Der nimmer. Die mehr kann wankten, Mein Heiland und mein Hort, Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort. - 5. Er, den man blutbedecket Am Abend einst begrub; Er, der, von Gott erwecket, Sich aus dem Grab erhub; Der meine Schuld versöhnet, Der seinen Geist mir schenkt, Der mich mit Gnade frönet Und ewig mein gedenkt. 6. Drum weiß ich, was ich glaube, Ich weiß, was fest bestebt und in dem Erdenstaube Nicht mit zu Staub verweht. Es bleibet mir im Grauen Des Todes ungeraubt; Es schmückt auf Himmelsauen Mit Kronen einst mein Haupt. ( F. M. Arndt, geb. 1769. Heiligung; Nachfolge Christi. 165 C. heiligung. Nachfolge Chriſti. Mel.: Machs mit, Gott, nach deiner Güt c. 184. Mir nach, spricht Christus, unser Held, Mir nach, ibr Christen alle, Verlengnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle! Nehmt euer Krenz und Ungemach Auf euch, folgt meinem Wandel nach. 2. Ich bin das Licht, ich lencht euch für Mit beilgem Tugendleben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben; Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, Voll Sanftmnth meine Seele; Des Vaters Will ist jederzeit Auch das, was ich erwähle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist. Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, Und cuer Herz von arger List Zu reingen und zur scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort und führ euch zu der Himmelspfort. 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh euch an der Seite, Ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, Bin Alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn! 6. Wer seine Seel zu finden meint, Wird sie ohn mich verlieren; Wer sie hier zu verlieren scheint, Wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, Sft mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit unserm Krenz nachgehen Und wohlgemuth, getroft und gern In allen Leiden stehen. Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. Joh. Scheffler † 1677. 166 Wiedergeburt und Heiligung. Mel.: Gwig fei dir fob gesungen sc. 185. Laffet uns mit Jesu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt entfliehen, Auf der Bahn, die er uns brach, Immerfert zum Himmel reisen, Irdisch noch, schon himmlisch sein, Glauben recht und leben rein, In der Lieb den Glauben weisen! Trener Jesu bleib bei mir! Geh voran! ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild werden gleich! Nach dem Leide folgen Freuden, Armuth hier macht droben reich; Thränensaat, die ärntet Lachen, Hoffnung tröstet mit Geduld; Es kann leichtlich Gottes Huld Aus dem Regen Sonne machen. Jesu hier leid ich mit dir; Frend mit mir. Dort theil deine 3. Laffet uns mit Jesu sterben! Sein Tod rettet uns vom Tod, Rettet von der Seel Verderben, Von der ewiglichen Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, Unser Fleisch, ihm sterben ab, So wird er uns aus dem Grab In das Himmelsleben heben. Jesu, sterb ich, sterb ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben! Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du biſt: Wir sind deines Leibes Glieder; Wo du lebst, da leben wir; Ach, erkenn uns für und für, Treuer Freund, als deine Britder! Jesn, dir ich lebe hier, Dorten ewig auch bei dir. Siegmund von Birken,+ 1681. Mel.: Eins ist noth sc 186. Herzog unsrer Seligkeiten, Zeuch uns in dein Heiligthum, Da du uns die Stätt bereiten Und zu deines Namens Ruhm Als deine Erlösten siegprächtig willst führen! Laß unsere Bitte dein Herze jetzt rühren; Wir wollen dem Vater zum Opfer dastehn Und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehn. Nachfolge Chrifti. 167 2. Er hat uns zu dir gezogen, Und du wieder zu ihm ihn; Liebe hat uns überwogen, Daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben Dem ganzen natürlichen Seelenveiderben; In deinen Tod, Herr, laß verpflanzet uns sein, Sonst dringen wir nimmer ins Leben hinein. 3. Fürst des Lebens, komm und eile, Führ das Todesurtheil aus; Brich entzwei des Mörders Pfeile, Wirf die Schlange ganz hinaus! Ach, laß sich dein neues, erstandenes Leben In unsern erstorbenen Herzen erheben; Erzeig dich verkläret und herrlich noch hier Und bringe ein neues Geschöpfe berfür. 4. Kehre die zerstreuten Sinnen Aus der Vielheit in das Ein, Daß sie wieder Raum gewinnen, Nur von dir erfüllt zu sein! Ach, wirf du die Mächte der Finsterniß nieder, Erneure die Kräfte des Geistes uns wieder, Daß er aus der Fülle der Gnade fich nähr Und gegen der Gottheit Verächter sich wehr. 5. Lebe dann und lieb und labe In der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die genesene Natur! Erwecke dein Paradies wieder im Grunde Der Seelen und bringe noch 1: äher die Stunde, Da du dich in aller den Deinen verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens gewährst. 6. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu sein, Deinem Bilde gleich zu werden, In dem Tod zu nehmen ein Des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte, Als eines vollendeten Heilands Geschlechte! Der Unglaub mag denfen: wir bitten zu viel. Du hörst unsre Bitten, thust über ihr Ziel! G. Arnold,+ 1714. 187. Durchbrecher aller Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schaden, Spott und Schande Lauter Lust und Himmel ist! Uebe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so tren Gesichte Führet aus dem Kerker hin. 168 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Ists doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk; Hiezu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb und Stärk, Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es aus dem Treiben führest Zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht! Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht, Ob wir wohl von allen Leuten Als gefangen sind geacht, Weil des Kreuzes Niedrigkeiten Uns der Welt zum Spott gemacht. 4. Ach, erheb die matten Kräfte, Daß sie ganz sich reißen los Und, durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen, stehen bloß! Weg mit Menschenfurcht und Zagen! Weich, Vernunftbedenklichkeit! Fort mit Schen vor Schmach und Plagen! Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 5. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Ob auch schon der Geist in Zeiten Sich auf etwas Beßres schickt. 6. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigfeit; Wie dus nöthig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit; Aber unser Geift, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 7. Herrscher, herrsche; Sieger stege; König, brauch dein Regiment; Führe deines Reiches Kriege, Mach der Sklaverei ein End! Denn die Last treibt uns zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn! Nachfolge Christi. 169 8. Ach, wie theur sind wir erworben, Nicht der Menschen Knecht zu sein! Drum so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen Und verklärt ins beste Bild! Der hat Gnad um Gnad genommen, Der aus deiner Füll sich füllt. ( 9. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht lässig sein! Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht berein! G. Arnold,+ 1714. Mel.: O Jesu Christ, meins Lebens ic. 188. Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, Schleuß zu der Sünden Thor und Thür, Vertreibe sie und laß nicht zu, Daß fie in meinem Herzen rub. 2. Dir öffn ich, Seju, meine Thür, Ach komm und wohne du bei mir, Treib all Inreinigkeit hinaus Aus deinem Tempel, deinem Haus. 3. Laß deines guten Geistes Licht und dein hellglänzend Angesicht Erleuchten mein Herz und Gemüth, O Brunnen unerschöpfter Güt! 4. Und mache denn mein Herz zugleich An Himmelsgut und Segen reich, Gib Weisheit, Stärke, Rath, Verstand Aus deiner milden Gnadenhand. 5. So will ich deines Namens Ruhm Ausbreiten als dein Eigenthum Und dieses achten für Gewinn, Wenn ich nur dir ergeben bin. H. G. Neuß,+ 1716. Mel.: Straf mich nicht in deinem 2c. 189. Mache dich, mein Geist, bereit, Wache, fleh und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete; Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. 170 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe; Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe; Und die Noth Sammt dem Tod Möchte dich in Sünden Unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Klarheit ſehen; Wache, sonst wird dir sein Licht Ewig ferne stehen; Denn Gott will Für die Füll Seiner Guadengaben Offne Augen haben. 4. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge, Oder, wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe; Wach und sieh, Daß dich nie Falsche Brüder fällen, Die dir Netze stellen. 5. Wache dazu auch für dich, Für dein Fleisch und Herze, Damit es nicht freventlich Gottes Gnad verscherze; Denn es ist Voller List, Und kann bald sich heucheln Und in Hoffahrt schmeicheln. 6. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herr uur kann dich frei Von dem Allem machen, Was Eich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 7. Sa, er will gebeten sein, Wenn er soll was geben; Er verlanget unser Schrein, Wenn wir wollen leben, Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 8. Doch wohl gut, es muß uns schon Alles glücklich gehen Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Gebet anflehen; Denn er will Alle Füll Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir glaubend bitten. 9. Trum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit ist nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt vernichten. Joh. Burchh. Freystein, um 1720. Nachfolge Christi. 171 Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme sc. 190. Rüstet euch, ihr Christenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute; Ja, Satan selbst hat eur begehrt; Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, Hier ist Immanuel, Hosianna! der Starke fällt Durch diesen Held, Und wir behalten mit das Feld. 2. Neinigt euch von euern Lüsten, Besieget ste, die ihr feid Christen, Und stehet in des Herren Kraft; Stärket euch in Jesu Namen, Daß ihr nicht strauchelt, wie die Lahmen; Wo ist des Glaubens Ritterschaft? Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel, Da ist Freude! Wohlan, so seid Zum Kampf bereit, So krönet euch die Ewigkeit 3. Streitet recht die wenig Jahre, Eh ihr kommt auf die Todtenbahre; Kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Todten wecken, Und Christus wird die Welt erschrecken, So stehen rir mit Freuden auf. Daß uns die Welt noch höhnt, tes Sohu Hat längstens schon Gottlob, wir sind versöhnt! Währt nicht lange; Und GotUns beigelegt die Ehrenkron. 4. Jesu, stärke deine Kinder und mach aus ihnen Ueberwinder, Die du erkauft mit deinem Blut! Schaff in uns ein neues Leben, Daß wir uns stets zu dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Genß aus auf uns den Geist, durch die Liebe fleußt In die Herzen, So halten wir Getren an dir Im Tod und Leben für und für. W. E. Arends,+ 1721. Mel.: Wachet auf, ruft uns die 2c. 191. Heilger Jesu, Heilgungsquelle, Mehr als Crystall rein. klar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Aller Glanz der Cherubinen, Die Heiligkeit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir, Ach, bilde mich nach dir, Du mein Alles! Hilf, Jesu, du Auch mir dazu, Daß ich mag heilig sein, wie du. 172 Wie dergeburt und Heiligung. 2. Stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war, Also mach auch gleichermaßen Mein Herz und Willen dir gelassen, Ach, stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleichgesinnt, Wie ein gehorsam Kind, Stille, stille; Hilf Jesu, du Auch mir dazu, daß ich fein stille sei, wie du. 3. Wacher Jesu, ohne Schlummer, In großer Arbeit, Müh und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht; Mußtest täglich viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Gott mit Fleben Und haft gebetet und gewacht. Gib mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach und bete! Hilf, Jesu, du Auch mir dazu, Daß ich stets wachsam sei wie du. 4. Gütger Jesu, ach wie gnädig, Wie liebreich bist du und gutthätig Doch gegen Freund und Feind gesinnt! Deine Sonne scheinet Allen, Dein Regen muß auf Alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Herr, ach lehre mich, Damit auch hierin ich Dir nacharte! Hilf, Jesu, du Auch mir dazu, Daß ich so gütig sei, wie du. 5. Sanfter Jesu, ganz unschuldig Ertrugst du alle Schmach geduldig Und übtest niemals Rache aus. Wer kann deine Sanftmuth messen, Bei der du dennoch nie vergessen Den Eifer um des Vaters Haus! Mein Heiland, ach verleih Mir Sanftmuth und dabei Guten Eifer! Hilf, Jesu, du Auch mir dazu, Daß ich sanftmüthig sei, wie du. 6. Hober Jesu, Ehrenkönig, Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering; Du wandeltest einher auf Erden In Demuth und in Knechtsgeberden, Erbobst dich selbst in feinem Ding. Herr, solche Demuth lebr Mich auch je mehr und mehr Stetig üben! Hilf, Jesu, du Auch mir dazu, Daß ich demüthig sei, wie du. Nachfolge Chrifti. 173 7. Liebster Jesu, liebstes Leben, Mach nich in Allem dir ergeben und deinem heilgen Vorbild gleich; Gib, daß mich dein Geist durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd zu deinem Reich. Ach zeuch mich ganz zu dir, Behalt mich für und für, Trener Heiland! Hilf mir dazu, Daß ich wie du, Und wo du bist, einst finde Ruh! Nach dem Holländ. des Jod. v. Lodenstein, von B. Crasfelius,+ 1724. 192. Sesu, bilf siegen, du Fürste des Lebens! Sieh, wie Finsterniß dringet herein, Wie sie ihr drohendes Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein! Schau, wie sie sinnet auf allerlei Ränke, Daß sie mich sichte, verstöre und fränke. 2. Jesu, hilf siegen, ach, wer muß nicht flagen! Herr, mein Gebrechen ist immer vor mic: Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für! Ach, laß mich schmecken dein kräftig Verfühnen Und dieß zu meiner Demüthigung dienen. 3. Jesu, bilf siegen, wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffahrt und Mißgunst sich regt. Wenn ich die Last der Begierden empfinde, Und sich mein tiefes Verderben darlegt. Hilf dann, daß ich vor mir selber erröthe Und durch dein Leiden die Sündenluſt tödte. 4. Jesu, hilf siegen und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gib, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb. Laß mich einbringen ins göttliche Wesen, So wird der Leib und die Seele genesen. 5. Jesu, hilf fiegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt, und ich mich so in dein Wollen verhülle, Daß sich die Seele zur Ruhe hinlenkt. Laß mich mir 174 Wiedergeburt und Heiligung. sterben und alle dem Meinen, Daß ich mich zählen darf unter die Deinen. 6. Jefu, hilf fiegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrbeit sich schminken, Laß doch viel beller dann deine Kraft fehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen and prüfen die Geister. 7. Sesu, bilf siegen im Wachen und Beten; Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein! Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, Fürsprecher zu sein. Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 8. Jesu, bilf siegen, wenn Alles verschwindet, Und ich mein nichts und Verderben nur seh; Wenn kein Vermögen zu beten sich findet, Wenn ich muß sein ein verschüchtertes Reb: Ach, Herr, so wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen. 9. Jesu, bilf siegen, wenns nun kommt zum Sterben; Mach du mich würdig und stetig bereit, Daß ich mich nenne des Himmelreichs Erben Dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit. Jesu, mein Jesu, dir bleib ich ergeben, Hilf du mir siegen, mein Heil, Trost und Leben! J. H. Schröder, † 1728(?). Mel.: O, daß ich tausend Jungen sc. 194. Was hinket ihr betrognen Seelen Noch immerhin auf beider Seit? Fällts euch zu schwer, das zu erwählen, Was euch des Himmels Ruf anbeut? O febts mit offnen Augen an Und brecht hindurch auf schmaler Bahn. 2: Bedenkt, es sind nicht Kaiserkronen, Nicht Reichthum, Ehr und Lust der Welt, Womit euch Gott will ewig lohnen, Nachfolge Christi. 175 Wenn euer Kampf den Sieg erhält: Gott selbst ists und die Ewigkeit, Voll Lust und Ruh, voll Seligkeit! 3 Es gilt bier nur ein ganzes Leben, Cott frönet fein getheiltes Herz; Wer Jesu sich nicht recht ergeben, Der macht sich selber Müh und Schmerz Und träget zum verdienten Lohn Hier Qual und dort den Sieg davon. 4. Wer aber mit Gebet und Ringen Auf ewig Allem Abichied giebt Und Gott, den Herrn von allen Dingen, Von Herzen und allein nur liebt, Der wird der Krone werth ge= schätzt Und auf des Königs Stuhl gesetzt. 5. Zerreißt doch die gelegten Schlingen, Die euch in diesem schönen Lauf Verhindern und zum Säumen bringen, Und rafft ench heut von neuem anf: Auf, anf, verlaßt die falsche Rub! Auf, auf, es geht dem Himmel zu. 6. Die Allmacht stehet euch zur Seiten, Die Weisheit hält bei euch die Wach, Die Gottheit selber will euch leiten, Folgt nur mit treuen Schritten nach: Wie manchen hat nicht diese Hand Schon durchgeführt ins Vaterland! 7. Nur spart es nicht auf andre Zeiten, Ihr habt schon jego viel versäumt: Ihr mehrt ench selbst die Schwierigkeiten, Wenn ihr das süße Heut verträumt. Eilt, eilet, denn die Gnadenzeit Rennt zügellos zur Ewigkeit. 8. Eilt, faßt einander bei den Händen! Seht, wie ist unser Ziel so nah! Wie bald wird unser Kampf sich enden; Da steht dann unser König da: Der führt uns ein zur stillen Ruh Und urtheilt uns das Kleinod zu. Leop. Franz Friedr. Behr,+ 1744. Mel.: Aus meines Herzens Grunde 2c. 195. Kommt, Brüder, laßt uns gehen; Der Abend kommt berbei! Es ist gefährlich stehen In dieser Wüstenei. Kommt, 176 Wiedergeburt und Heiligung. stärket euern Muth, Zur Ewigkeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut. 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad; Wir kennen ja den Trenen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und tranet dem! Ein jeder sein Gesichte Mit ganzer Wendung richte Fest nach Jeruſalem. 3. Schmückt euer Herz aufs beste, Und mehr als Leib und Haus; Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Wir gehn ins Ewge ein. Mit Gott muß unser Handel, Im Himmel unser Wandel Und Herz und Alles sein. 4. Kommt, Brüder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit! Er selbst will bei uns stehen In jedem sauern Tritt. Das Aug nur eingekehrt, Da seine Liebe winket Und dem, der folgt und sinket, Den wahren Ausgang lehrt. 5. Kommt, Brüder, laßt uns wandern; Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am Andern In diesem fremden Land. Kommt, laßt uns findlich sein, Uns auf dem Weg nicht streiten; Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Reihn. 6. Und sollt ein Schwacher fallen, So greif der Stärkre zu; Man trag, man helfe Allen, Man pflanze Fried und Ruh. Kommt, schließt euch fester an! Ein jeder sei der Kleinste, Doch wohl auch gern der Reinste Auf unsrer Pilgerbahn. 7. Kommt, laßt uns munter wandern; Der Weg nimmt immer ab! Ein Tag, der folgt dem andern; Bald fällt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Muth, Nur noch ein wenig treuer, von allen Dingen freier, Gewandt zum ewgen Gut! 8. Es wird nicht lang mehr währen; Halt noch ein wenig a18! Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus: Da wird man ewig ruhn, Wenn wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen; Wie wohl, wie wohl mirds thun! Nachfolge Christi. 177 9. Drauf wollen wirs denn wagen, Es ist wohl Wagens werth, Und gründlich dem absagen, Was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein! Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten: Es soll mur Jesus sein. G. Tersteegen, † 1769. Mel.: Wie soll ich dich 2c. 196. Es tennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekaunt, Die Großen und die Kleinen In jedem Volk und Land; Er läßt sie nicht verderben, Er führt sie aus und ein; Im Leben und im Sterben Sind sie und bleiben sein. 2. Er kennet seine Scharen Am Glauben, der richt schaut Und doch dem Unsichtbaren, Als säh er ihn, vertraut; Der aus dem Wort gezeuget Und durch das Wort sich nährt Und vor dem Wort sich beuget Und mit dem Wort sich wehrt. 3. Er kennt sie als die Seinen An ihrer Hoffnung Muth, Die fröhlich auf dem Einen, Daß er der Herr ist, ruht, In seiner Wahrheit Glanze Sich sonnet frei und fühn, Die wunderbare Pflanze, Die immerdar ist grün. 4. Er kennt sie an der Liebe, Die seiner Liebe Frucht, Und die mit lauterm Triebe Ihm zu gefallen sucht; Die Andern so begegnet, Wie er das Herz bewegt; Die segnet, wie er segnet, Und trägt, wie er jie trägt. 5. So kennt der Herr die Seinen, Wie er sie stets gefannt, Die Großen und die Kleinen, In jedem Volk und Land: Am Werk der Gnadentriebe Durch seines Geistes Stärk, An Glauben, Hoffnung, Liebe, Als seiner Gnade Werk. 6. So hilf uns, Herr, zum Glauben Und halt uns feft dabei; Laß nichts die Hoffnung rauben; Die Liebe herzlich sei! Und wird der Tag erscheinen, Da dich die Welt wird sehn, So laß uns als die Deinen Zu deiner Rechten stehn! K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. 12 Wiedergeburt und Heiligung. tam, Mel.: O Durchbrecher ic. 197. Bleibt bei dem, der euretwillen Auf die Erde niederDer, um euern Schmerz zu stillen, Tausend Schmerzen auf sich nahm! Bleibt bei dem, der einzig bleibet, Wenn auch alles untergeht, Der, wenn alles auch zerstäubet, Siegend überm Staube steht. 178 2. Alles schwindet, Herzen brechen, Denen ihr euch hier ergabt, Und der Mund hört auf zu sprechen, Der euch oft mit Trost gelabt, Und der Arm, der euch zum Stabe Und zum Schilde ward, erstarrt, Und das Auge schläft im Grabe, Das euch sorgsam einst bewahrt. 3. Alles stirbt, das Irdsche findet In dem Irdischen sein Grab; Alle Lust der Welt verschwindet, Und das Herz stirbt selber ab. Irdsches Wesen muß verwesen, Frosche Flamme muß verglühn, Irdsche Fessel muß sich lösen, Irdsche Blüthe muß verblühn. Alles Irdischen 1 4. Doch der Herr steht überm Staube und spricht: Stüße dich auf mich und glaube, Hoffe, lieb und fürchte mich! Darum bleibt bei dem, der bleibet, Und der geben kann, was bleibt, Der, wenn ihr euch ihm verschreibet, Euch ins Buch des Lebens, schreibt. K. J. Ph. Spitta, geb 1801. Liebe. 198. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, Ich bitt, wollft sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gnaden! Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd und Himmel frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben. Und wenn mir gleich mein Herze bricht, So bist doch du mein Zuversicht, Mein Theil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut bat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr. Liebe. 179 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab Mein Leib und Seel und, was ich hab, In diesem armen Leben. Damit ichs branch zum Lobe dein, Zu Nuß und Dienst des Nächsten mein, Wollst deine Gnad mir geben! Behüt mich, Herr vor falscher Lehr, Des Satans Mord und Lügen wehr, In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst mir mein Seel in Todesnoth! 3. Ach Herr, laß einst die Engel dein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schooß tragen, Den Leib in seinem Kämmerlein Gar sanft ohn einge Qual und Pein Ruhn bis zum jüngsten Tage; Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottessohn, Mein Heiland und mein Gnadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich. Mart. Schalling,+ 1608. 199. Wie schön leuchtet der Morgenstern, Voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, Aus Juda aufgegangen! Du Davids Sohn, aus Jakobs Stamm, Du Menschensohn und Gotteslamm, Erfüllst mich mit Verlangen, Lieblich, Freundlich, Schön und mächtig, Groß und prächtig, Reich an Gaber, Ueber alles hoch erhaben. 2. O meine Perl, du werthe Kron, Sohn Gottes und Marien Sohn, Ein hochgeborner König! Du bist des Herzens schönste Blum; Dein süßes Evangelium Ist lauter Milch und Honig. Jesu, Jesu, Hosianna! Himmlisch Manna, Das wir essen, Deiner kann ich nicht vergessen. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du Sonne voller Gluth und Schein, Die Flamme deiner Liebe; Und stärt nech, daß ich ewig bleib An deinem auserwählten Leib Ein 180 Wiedergeburt und Heiligung. Glied voll Lebenstriebe; In dir Laß mir Ohn Aufhören Sich vermehren Lieb und Frende, Daß der Tod uns selbst nicht fazeide. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Wenn mich die heilgen Augen dein So mildiglich anblicken. O Jesu, di mein trautes Gut, Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken! Tröst mich Freundlich, Hilf mir Armen Aus Erbarmen, Hilf in Gnaden! Auf dein Wort komm ich geladen. 5. Gott Vater, o mein starker Held, Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut, Auf ihn mein Herz mit Frenden schaut, Drum mich auch nichts betrübet. Heil mir, Heil mir! Himmlisch Leben Wird er geben Mir dort oben: Ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Spielt unserm Gott mit Saitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz frendenreich erschallen; Ich will mit meinem Jesus Christ, Der mir mein Eins und Alles ist, In steter Liebe wallen. Singet, Klinget, Jubiliret, Triumphiret, Dankt dem Herren, Groß ist der König der Ehren. 7. Wie freu ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der Erst und Letzte bist, Der Anfang und das Ende! Du wirst mich einst zu deinem Preis Aufnehmen in dein Paradeis; Drauf faß ich deine Hände. Amen, Amen, Komm du schöne Frendenkrone, Bleib nicht lange, Deiner wart ich mit Verlangen. Ph. Nikolai,+ 1608. 200. Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden, Gottes und Mariä Sohn! Dich will ich lieben, dich will ich ehren, Meiner Seelen Frend und Kron! Liebe. 181 2. Schön sind die Wälder, Noch schöner sind die Felder In der schönen Frühlingszeit: Jesus ist schöner, Jesus ist reiner, Der unser trauriges Herz erfreut! 3. Schön leucht der Monden, Noch schöner leucht die Sonne, Als die Sternlein allzumal: Jesus leucht schöner, Jesus lercht reiner Als die Engel im Himmelssaal. 4. All die Schönheit des Himmels und der Erden Ist nur gegen ihn als ein Schein; Keiner auf Erden Uns lieber kann werden, Als der schönste Jesus mein! 5. Jesus ist wahrhaftig hoch von uns geliebet, Jesus ist wahrhaftig hochgebenedeit; Jesu, wir bitten dich, Sei uns gnädig Bis an unsre letzte Zeit. Altes geistliches Volkslied. 201. Such, wer da will, Ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein Bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr; Sein Werk ist klar; Sein heilger Mund Hat Kraft und Grund, All Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, Der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil Durch ihn zu Theil; Uns macht gerecht Der trene Knecht, Der für uns ist gestorben. 3. Ach, sucht doch den, Laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret; Er ist der Herr, Und keiner mehr, Der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund Von Herzensgrund, Sucht ihn allein; Denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein Herzenskron, Mein Freudensoun Sollst du, Herr Jesu, bleiben; Laß mich doch nicht Von deinem Licht Durch 182 Wiedergeburt und Heiligung. Eitelkeit vertreiben; Bleib du mein Preis, Dein Wort mich speis; Bleib du mein Ehr, Dein Wort mich lehr, An dich stets fest zu gläuben. 5. Wend von mir nicht Dein Angesicht, Laß mich in Kreuz nicht zagen; Weich nicht von mir, Mein höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen; Hilf mir zur Freud Nach diesem Leid, Hilf, daß ich mag Nach dieser Klag Dir ewig dort Lob sagen. G. Weißel,+ 1635. 202. Meinen Jesum laß ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Unverrückt nur ihm zu leben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Sesum laß ich nicht. 2. Jesum laß ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab, ergeben; Alles ist auf ihn gericht, Meinen Jesum laß ich nicht." 3. Laß vergehen das Gesicht, Alle Sinne mir entweichen; Laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen: Wenn der Lebensfaden bricht, Meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angesicht Meiner Väter Glaube pranget; Mich erfreut sein Angesicht, Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht eine Seele wünscht und sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet Und befreiet vom Gericht; Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jesum laß ich nicht von mir, Geh ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für Zu den Lebensbächen leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Christ. Keymann,+ 1662. Liebe. Eigne Melodie oder: Gott des Himmels und der Erden 2c. 203. Jesus, Jesus, nichts als Jesus Soll mein Wunsch sein und mein Ziel! Jetzund mach ich ein Verbündniß, Daß ich will, was Jesus will; Denn mein Herz, mit ihm erfüllt, Rufet nur: Herr, wie du willt. 183 2. Einer ist es, dem ich lebe, Den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, Was er mir gegeben hat; Ich bin in dein Blut verhüllt, Führe mich, Herr, wie du willt. 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, wider dir, Ach so nimm es bald zurücke, nützet mir; Gib dich mir, mein Jesu mild, Herr, wie du willt. 5. Sei auch, Sesu, stets gepriesen, dazu Haft geschenkt und mir erwiesen, nu; Mir geschehe, Gott mein Schild, wie du willt! Und ist doch zu= Jesu, gieb, was Nimm mich dir, 4. Und vollbringe deinen Willen In und an mir, o mein Gott; Deinen Willen laß erfüllen Mich im Leben, Freud und Noth, Sterben als dein Ebenbild, Herr, wann, wie und wo du willt. Der du dich und viel Daß ich fröhlich singe Wie du willt, Herr, Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt,+ 1672. 204. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier, Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will dich lieben, und erheben, Solange mich dein Glanz bescheint; Ich will mit reiner Liebesflamm Dich lieben, Gotteslamm. 184 Wiedergeburt und Heiligung. 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Liebe du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht: Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmelswonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du güldner Mund, Daß du mich machst geſund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du starker Himmelsglanz. 7. Gib meinen Augen heilge Thränen Und meinem Herzen reine Glut; Laß meine Seele sich gewöhnen, zu üben treuen Liebesmuth; Laß meinen Sinn, Geist und Verstand Stets sein zu dir gewandt. 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Ich will dich lieben, meinen Gott, Dich lieben auch bei Schmach und Hohne, Auch in der allergrößten Noth; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. J. Scheffler,+ 1677. Mel.: Gott des Himmels und der Erde zc. 205. Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit haft gemacht, Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall zurückgebracht, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Liebe. 185 2. Liebe, die du mich erforen, Eh denn ich geschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten Ewge Lust und Seligkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe, die sich ganz ergeben Mir zum Heil und Seelenhort, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn, Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin, Liebe, dir ergeb ich ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 6. Liebe, die mich ewig liebet, Die für meine Seele litt, Liebe, die das Lösgeld giebet Und mich kräftiglich vertritt, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 7. Liebe, die mich wird erwecken Aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 3. Scheffler,+ 1677. Mel.: Jesu, meines Lebens c. 206. Jesu, meiner Seele Leben, Meines Herzens höchste Freud, Dir will ich mich ganz ergeben, Jetzo und in Ewigkeit, Meinen Gott will ich dich nennen Und vor aller Welt bekennen, Daß ich dein bin und du mein; Ich will keines Andern sein. 2. Deine Güt hat mich umfangen, Eh mich noch die Welt empfing; Du bist mir schon nachgegangen, Als ich noch nach 186 Wiedergeburt und Heiligung. dir nicht ging; Und du hast mich aufgenommen, Da ich an das Licht gekommen; Ich bin dein, und du bist mein; Ich will teines Andern sein. 3. Auf der Kindheit wilden Wegen Folgte mir stets deine Güt; Deines Geistes Trieb und Segen Regte mir oft mein Gemüth, Wenn ich etwa übertreten, Daß ich wiederkäm mit Beten: Ich bin dein, und du bist mein; Ich will keines Andern sein. Deine Gnadenhand War in meinem 4. Ach, wie oft hat meine Jugend gefaßt, Wenn die Frömmigkeit und Tugend Sinn verhaßt. Ach ich wäre längst gestorben Ohne dich, und längst verdorben! Ich bin dein, und du bist mein; Ich will teines Andern sein. 5. Sa, in meinem ganzen Leben Hat mich stets dein Licht geführt; Du hast, was ich hab, gegeben, Du hast meinen Lauf regiert; Deine Güt, die täglich währet, Hat mich immerdar ernähret: Ich bin dein, und du bist mein; Ich will keines Andern. 6. Irr ich, sucht mich deine Liebe; Fall ich, hilfet sie mir auf; Ist es, daß ich mich betrübe, Tröst sie mich in meinem Lauf; Bin ich arm, sie gibt mir Güter; Schlaf ich ein, fie ist mein Hüter: Ich bin dein, und du bist mein; Ich will teines Andern sein. Das im Himmel berWo man meine 7. Dein Geist zeiget mir das Erbe, gelegt; Ich weiß, wenn ich heute sterbe, Seel hinträgt: Zu dir, Jesu in die Freude, Trotz dem, der mich von dir scheide! Ich bin dein, und du bist mein; Sch will keines Andern sein. 8. Drum ich sterbe oder lebe, Bleib ich doch dein Eigenthum; Dir allein ich mich ergebe, Du bist meiner Seelen Ruhm, Meine Zuversicht und Freude, Meines Herzens Trost Liebe. 187 im Leide; Ich bin dein und du bist mein; Ich will keines Andern sein. 9. Höre, Jesu, noch ein Flehen, Schlag mir diese Bitt nicht ab: Wenn die Augen nicht mehr sehen, Wenn ich keine Kraft mehr hab, Mit dem Wund mein Leid zu klagen, Laß mich noch im Sterben sagen: Ich bin dein, und du bist mein; Ich will keines Andern sein. Christian Scriver,+ 1693. 207. Seelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm! Habe Dank für deine Liebe, Die für mich aus reinem Triebe Starb am Kreuzesstamm, Jeju, Gotteslamm! 2. Deine Liebesgluth stärket Muth und Blut; Wenn du freundlich mich anblickest Und mit deinem Geist erquickest, Macht mich, wohlgemuth Deiner Liebe Gluth. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Noth und Tod, Du bist darum Mensch geboren, zu ersetzen, was verloren, Durch dein Blut und Tod, Wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht! Salbe mich mit Freudenöle, Daß hinfort in meiner Seele Ja verlösche nicht meines Glaubens Licht. 5. So werd ich in dir Bleiben für und für; Deine Liebe will ich ehren Und in mir dein Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd in dir. 6. Held aus Davids Stamm, Deine Liebesflamm Mich ernähre und verwehre, Daß die Welt mich nicht versehre, Ob sie mir auch gram, Held aus Davids Stamm! 7. Deinen Frieden gib Aus so großer Lieb Uns, den Deinen, die dich kennen Und nach dir sich Christen nennen; Deneu du bist lieb, Deinen Frieden gib! 188 Wiedergeburt und Heiligung. 8. Wer der Welt abstirbt, Sich mit Ernst bewirbt, Dir zu leben und zu trauen, Der wird bald mit Freude schauen, Daß Niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 9. Nun ergreif ich dich, Du mein ganzes Ich; Ich will nimmermehr dich lassen, Sondern gläubig dich umfassen, Weil im Glauben ich Nun ergreife dich. 10. Hier durch Spott und Hohn, Dort die Ehrenkron; Hier im Hoffen und Vertrauen, Dort im Haben und im Schauen; Denn die Ehrenkron folgt auf Spott und Hohn. 11. Jesu, hilf, daß ich Allhier ritterlich Alles durch dich überwinde Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritterlich Du gekämpft für mich. 12. Du mein Preis und Ruhm, Werthe Himmelsblum! In mir soll nun nichts erschallen, Als was dir nur kann gefallen, Werthe Himmelsblum, Du mein Preis und Ruhm! A. Drese, 1701. Mel.: Es ist gewißlich an der Zeit sc. der 208. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Den Heiland, auf Erden Vom Thron des Himmels kommen ist, Dein Bruder da zu werden; Bergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut; Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Ja, gar am Kreuz gestorben ist Und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll und Tod Und dich erlöst aus aller Noth; Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der auch am dritten Tage Siegreich vom Tod erstanden ist, Befreit von Noth und Plage; Bedenke, daß er Fried gemacht und ewges Leben dir gebracht; Dank ihm für diese Liebe! Liebe. 189 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der nach den Leidenszeiten Gen Himmel aufgefahren ist, Die Stätt dir zu bereiten, Da du sollst bleiben allezeit Und sehen seine Herrlichkeit; Dank ihm für diese Liebe! 5. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der einst wird wiederkommen und sich, was todt und lebend ist, zu richten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst Und mit ihm in sein Reich eingehst, Ihm ewiglich zu danken. 6. Gib, Jesu, gib, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen Und nie, was du an mir gethan, Mög aus dem Herzen lassen, Daß dessen ich in aller Noth Mich trösten mög and durch den Tod Zu dir ins Leben dringen. Cyriak. Günther, † 1704. 209. Eins ist Noth, ach Herr, dieß Eine Lehre mich erkennen doch! Alles Andre, wies auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang ich dieß Eine, das Alles ersetzt, So werd ich mit Einem in Allem ergötzt. 2. Seele, willst du dieses finden, Suchs bei keiner Creatur, Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie dieß Eine zu genießen Sich Maria dort befliß, Da sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ: Ihr Herze entbrannte, allein nur zu hören, Was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, Ihr Alles war gänzlich in Sejum versenkt, Und wurde ihr Alles in Einem geschenkt. 4. Also ist auch mein Berlangen, Liebster Jesu, nur nach dir, Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir. 190 Wiedergeburt und Heiligung. Wie viele dich auch mit der Menge verlaffen, So will ich in Liebe dich dennoch umfaffen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist, Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt! 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt; Gib nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jefum recht fenne und weiß, So hab ich der Wahrheit volltommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen Durch dein heilig theures Blut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erwor ben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, Die Klei der des Heils ich da habe erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt! 7. Nun so gib, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht; Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ift in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Luft, Dein Leben sei. Jesu, mir einzig bewußt. 8. Ja, was soll ich ich mehr verlangen? Auf mich strömt die Gnadenfluth; Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut, Da hast du die ewge Erlösung erfunden, Daß ich nun von Tod und Verdammniß entbunden; Dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, Im findlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude Jetzo meine Seel ergötzt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt Jesus mich gesetzt. Nichts Süßres tann also mein Herze erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; Nichts, nichts ist, Liebe. 191 das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein Ein und Alles sein; Prüf, erfahre, wie ichs meine, Tilge allen Henchelschein; Sieb, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege; Laß Schmach mich nicht achten, nicht Leiden noch Tod Und Jesum gewinnen; dieß Eine ist noth. J. H. Schröder, † 1728. Mel.: Nun freut euch lieben ze. 210. Liebesgluth, wie soll ich dich Mit Lobe würdig zieren? In deine Tiefen will ich mich, O volle See, verlieren. Es flammet Gottes Herrlichkeit, Es brennt die ganze Ewigkeit: Bleibt noch mein Herz erkaltet? 2. O Liebe, die Gott seinen Sohn Aus seinem Schooß genommen! Er ist von dem gestirnten Thron Zu uns herabgekommen: Sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab Sind uns ein Bild, zu malen ab, Wie stark Gott lieben könne. 3. Hör auf zu grübeln, glaub allein! Kannst du dieß Meer nicht gründen, So wirf dich blindlings nur hinein Mit allen deinen Sünden: Laß dem das Herze sein gewährt, Der dir sein Herz hat ausgeleert; Gib Herz für Herz zum Opfer. 4. O liebster Vater, nimm es hin, Gib Kraft, um dich zu lieben; Herz und Begierden, Muth und Sinn Sein dir hiermit verschrieben: Brenn aus das Feuer böser Lust, Laß ewig nichts in dieser Brust, Als deine Liebe glühen. F. A. Lampe,+ 1729. Mel.: O fröhliche Stunden c. 211. Ursprung des Lebens, Dewiges Licht, Da niemand vergebens Sucht, was ihm gebricht! Lebendige Quelle, So lauter und belle, Sich aus seinem beiligen Tempel ergießt Und in die begierigen Seelen einfließt. 192 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Du sprichst: Wer begehret zu trinken von mir, Was ewiglich nähret, Der komme; allhier Sind himmlische Gaben, Die kräftiglich laben: Er trete im Glauben zur Quelle heran; Hier ist, was ihn ewig beseligen kann. 3. Hier komm ich, mein Hirte, Mich dürftet nach dir; Mein Heiland bewirthe Dein Schäflein allhier. Du kannst dein Versprechen Mir Armen nicht brechen; Du siehest, wie elend und dürftig ich bin, Auch giebst du die Gaben aus Gnaden nur hin. 4. Du süße Fluth labest Geist, Seele und Muth, Und wen du begabest, Hat ewiges Gut; Wenn man dich genießet, Wird Alles verfüßet; Es jauchzet und springet das fröhliche Herz, Es weichet zurücke der bittere Schmerz. 5. Drum gieb mir zu trinken, Wie dein Wort verheißt, Laß gänzlich versinken Den sehnenden Geist Im Meer deiner Liebe; Laß heilige Triebe ich immerfort treiben zur Himmlischen hin; Es werde mein Herze ganz selig darin. 6. Wenn du auch vom Leiden Was schenkest mit ein, So laß mich mit Frenden Gehorsam dir sein; Denn alle die, welche Mittrinken vom Kelche, Den du hast getrunken im Leiden allhier, Die werden dort ewig sich freuen mit dir.! 7. Drum laß mich auch werden, Mein Jesu, erquickt, Da wo deine Heerden Kein Leiden mehr drückt, Wo Freude und Fülle, Wo liebliche Stille, Wo Wonne und Jauchzen, wo Herrlichkeit wohnt, Wo heiliges Leben wird ewig belohnt. Chr. Jak. Koitsch,+ 1735. Mel.: Schmücke dich, o liebe 2c. 212. Heiland, deine Menschenliebe War die Quelle deiner Triebe, Die dein trenes Herz bewogen, Dich in unser Fleisch gezogen, Dich mit Schwachheit überdecket, Dich vom Krenz Liebe. 193 ins Grab gestrecket. Oder ungemeinen Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 2. Ueber seine Feinde weinen, Jedermann mit Hilf erscheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Betrübten Klagen hören, Sich in Andrer Dienst verzehren, Sterben für die ärgsten Sünder, Das ist Lieb, o Menschenkinder! 3. du Zuflucht der Elenden, Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hilf und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, Wenn dich Krante angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Gebetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, Zu den Kleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu befehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Täglich liebreich zu sich locken: Das war deines Werkes Weise, Herr, und deine liebste Speiſe. 5. Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Für die Lästerung zu segnen, Für der Feinde Schar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 6. Demuth war bei Spott und Hohne Deiner Liebe Schmuck und Krone; Diese machte dich zum Knechte Einem sündlichen Geschlechte, Diese war gleich wie die Tauben, Ohne Falsch, voll Treu und Glauben, Mit Gerechtigkeit gepaaret, Durch Vorsichtigkeit bewahret. 7. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschätzbar theures Leben In den ärgsten Tod gegeben! Da du in der Sünder Händen, Alle Leiden zu 13 194 Wiedergeburt und Heiligung. vollenden, Und den Segen zu erwerben, Als ein Fluch haft wollen sterben! 8. Herr, laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng und Flecken; Du hast das Gesetz erfüllet, Seinen Fluch hast du gestillet; Laß mich wider dessen Stürmen Deiner Liebe Schild beschirmen; Heilge meines Herzens Triebe, Salbe sie mit deiner Liebe. J. J. Rambach, † 1735. Mel.: Wie wohl ist mir, o Freund 2c. 213. Lebst du in mir, o wahres Leben, So sterbe nur, was du nicht bist; Ein Blick von dir kann mehr mir geben, Als was der Welt vergnüglich ist. O Jesu, du sollst mein verbleiben, Nichts wird mich von der Liebe treiben, Die du mir zugefaget hast. O süße Wonne, die mich tränket, Wenn sich die Seel in dich versenket Und dich, o Seelenfreund, umfaßt! 2. Herz, das in Liebesgluth gestorben, Ach, laß mein Herz in Flammen stehn; Entzünd ein Herz, das du erworben, Und laß darinnen untergehn, Was du nicht bist, o mein Vergnügen; Laß mich in deiner Liebe siegen, Sa, siege du nur selbst in mir: So werd ich fröhlich triumphiren, So wird dein Todessieg mich zieren, So leb und leid und sterb ich dir. 3. Zünd auch in mir die Liebesflammen Zum Dienste deiner Glieder an; Bind mich und ihre Noth zusammen, Damit ich mich versichern kann, Ich sei also wie du gesinnet. Wenn mein Geist die Gestalt gewinnet, Die deinem Sinn recht ähnlich ist, So werd ich Freund und Feinde lieben, So wird ihr Kummer mich betrüben, Wie du mir vorgegangen bist. 4. Gib mir des Glaubens Licht und Kräfte, Damit er wahre Früchte zeigt; Mach mich zur Rebe voller Säfte, Die sich nach dir, dem Weinstock, neigt: Du bist der Fels, auf Liebe. 195 den ich baue, Du bist mein Heiland, dem ich traue, Du bist des Glaubens fester Grund: Wenn sich die Zweifelsstunden finden, So laß die Hilfe nicht verschwinden lind mach den franken Geist gesund. 5. Hilf, daß die Hoffnung nicht erlieget, Und daß dein Kreuz ihr Anker ist; Gib, daß sie alle Angst besieget Durch dich, der du mein Alles bist: Die Welt mag auf das Eitle bauen, Ich aber will auf dich nur schauen, O Jesu, meiner Hoffnung Licht; Ich will dich stets in Lieb umfassen, Dich, der du mich nicht wirst verlassen; Denn deine Liebe wanket nicht. 6. Willst du mich noch im Leben wissen, So leb ich, weil es dir beliebt; Werd ich vom Tode hingerissen, So bin ich gleichfalls nicht betrübt: Dein Leben laß stets in mir leben, Dein Sterben laß mir Stärke geben, Wenn meines Lebens Ziel erscheint! Ich will dir meinen Willen schenken, Ich will im Tod und Leben denken, Daß du es gut niit mir gemeint. Ph. Balth. Sinold, † 1742. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 214. Von dir will ich nicht weichen, weiche nicht von mir! In aller Dinge Reichen Gleicht keine Güte dir. Wenn ich gen Himmel flöge, Wenn ich zum Brunn des Lichts Durch ferne Meere zöge: Geliebtres find ich nichts! 2. Bringt Edelstein und Schätze, her! Was ist, das mich ergötze, er? Bringt Kronen her und Güter, nur weiß: Dir, Labsal der Gemüther, Preis! Bringt Glück und Wonne Fehlt mir mein Leben, Bringt, was ein Wunsch Mein Jesu, bleibt der 3. Wenn bittres Leid mir sprießet In Furchen meiner Flur: Durch dich ists mir versüßet, Verwandler der Natur! Soll heut ich Lust genießen, Des Lebens Freudenwein: Noch will ich dir zu Füßen Ein treuer Jünger sein! 196 Wiedergeburt und Heiligung. 4. Geh ich durch Nacht und Nöthe, Bloß, hungrig und verbannt: Du bist mir Morgenröthe, Brot, Heimath und Gewand; Wird voll mein Mund von Gaben, Glänzt um mich Herrscherschein: Ich kann es Alles haben, Doch lieben dich allein! 5. Du läsfest Felsen grünen Und schaffest Saat im Meer; Dir müssen Welten dienen, Und Sterne find dein Heer; Doch Demuth blüht und Liebe Zum Kranze deiner Macht; Es bleibt kein Auge trübe, Wo deine Milde lacht. 6. Weckt mich zum Kampf das Leben, So waffne sie den Sinn; Will Schlummer mich umschweben, Sie ist mir Wächterin; Und wird mein Leib erblaffen, Ift fie des Friedens Thür. Von dir will ich nicht lassen, Olaffe nicht von mir! J. F. v. Meyer, † 1848. Gebet. 215. Vater unser im Himmelreich, Der du uns alle heißeſt gleich Brüder sein und dich rufen an Und willt das Beten von uns han: Gib, daß nicht bet allein der Mund, Hilf, daß es geh von Herzens Grund. 2. Geheiligt werd der Name dein, Dein Wort bei uns hilf halten rein, Daß auch wir leben heiliglich, Nach deinem Namen würdiglich; Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, Das arm verführte Volk bekehr. 3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit in Ewigkeit, der heilge Geist uns wohne bei mancherlei; Des Satans Zorn und groß vor ihm dein Kirch erhalt. Und dort hernach Mit seinen Gaben Gewalt Zerbrich; 4. Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich Auf Erden, wie im Himmelreich; Gib uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam Gebet. 197 sein in Lieb und Leid; Wehr und steur allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen thut. 5. Gib uns heut unser täglich Brod, Und was man darf zur Leibesnoth; Behüt uns vor Unfried und Streit, Vor Seuchen und vor thenrer Zeit, Daß wir in gutem Frieden stehn, Der Sorg und Geizes müßig gehn. 6. All unsre Schuld vergib uns, Herr, Daß sie uns nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern Schuldigern Ihr Schuld und Fehl vergeben gern; Zu dienen mach uns all bereit In rechter Lieb und Einigkeit. 7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, Wenn uns der böse Feind ansicht; Zur linken und zur rechten Hand Hilf uns thun starken Widerstand, Im Glauben fest und wohl gerüst, Und durch des heilgen Geistes Trost. 8. Von allem Uebel uns erlös, Es sind die Zeit und Tage bös; Erlös uns von dem ewgen Tod Und tröst uns in der letzten Noth; Bescheer uns auch ein selig End, Nimm unsre Seel in deine Händ. 9. Amen, das ist, es werde wahr! Stärk unsern Glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Das wir hiermit gebeten han Auf dein Wort, in dem Namen dein: So sprechen wir das Amen fein. M. Luther, † 1546. 216. 3ch ruf zu dir, Herr, Jesu Christ, Ich bitt, erhör mein Klagen! Verleih mir Gnad zu jeder Frist, Laß mich doch nicht verzagen. Den rechten Glauben, Herr, ich mein, Den wollest du mir geben, Dir zu leben, Dem Nächsten nütz zu sein, Dein Wort zu halten eben. 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott! Du kannst es mir wohl geben: Daß ich werd nimmermehr zu Spott; Die 198 Wiedergeburt und Heiligung. Hoffnung gib daneben: Voraus, wenn ich muß hie davor, Daß ich dir mög vertrauen Und nicht bauen Auf all mein eignes Thun, Sonst wirds mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich ans Herzensgrund Den Feinden mög vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund, Schaff mir ein neues Leben! Dein Wort mein Speis laß allweg sein, Damit mein Seel zu nähren, Mich zu wehren, Wenn Unglück geht daher, Das mich bald möcht verkehren. 4. Laß mich nicht Lust noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden; Beständigsein ans End gib mir; Du hasts allein in Händen! Und wem dus gibst, der hats umsonst; Es mag Niemand erwerben, Noch ererben Durch Werke deine Gnad, Die uns errett vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und widerstreb; Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! Durch deine Gnad allein ich leb; Du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung und Gefahr, Wollst du mich nicht verlassen, Fest mich fassen, Behüten immerdar: Ich weiß, du wirsts nicht lassen. P. Speratus(?), † 1554. 217. In dich hab ich gehoffet, Herr, Schanden werd Noch ewiglich zu Spotte. Erhalte mich Dir treu, dir, meinem Gotte. Hilf, daß ich nicht zu Das bitt ich dich: 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Bitt, thu dich herfür, Eil, bald mich zu erretten. In Angst und Weh Ich lieg und steh; Hilf mir in meinen Nöthen. 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, Sei mir ein Burg, darin ich frei und ritterlich mög streiten, Ob mich bedräng Der Feinde Meng Hier und auf allen Seiten. 4. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, Mein Schilo, mein Kraft, sagt mir dein Wort, Mein Hilf, mein Gebet. 199 Heil, mein Leben, Mein starker Gott In aller Noth: Wer mag mir widerstreben? 5. Mir hat die Welt oft zugericht Viel Lug und Trug und falsch Gedicht, Viel Neß und heimlich Stricke; Nimm meiner wahr, Herr, in Gefahr; Behüt vor falscher Tüde. 6. Herr, meinen Geist befehl ich dir; Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, Aus aller Noth Hilf mir am letzten Ende! 7. Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit Sei Bater, Sohn und Geist bereit: Lobt Gottes heilgen Namen! Die göttlich Kraft Mach uns sieghaft Durch Jesum Christum. Amen. A. Reißner, t um 1563. Mel.: Aus tiefer Noth c. 218. Herr, wie du willt, so schicks mit mir Im Leben und im Sterben! Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst ote du willt; gib mir Geduld, Denn dein Will ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, Und Lieb zu deinem Worte! Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr Und gib mir hier und dorte, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend ab all Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben! 3. Soll ich einmal nach deinem Rath Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad, Daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir; O Herr, ein selig End gib mir Durch Jesum Christum. Amen. Kaspar Bienemanu,+ 1591. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 219. Laß mich dein sein und bleiben, Du treuer Gott und und Herr! Von dir laß mich nichts treiben, Halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, Gib mir Beständigkeit; Dafür will dir danken In alle Ewigkeit! Nic. Selnecker,+ 1592. 200 Wiedergeburt und Heiligung.. 220. Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben, Gefunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Ein unverletzte Seel Und rein Gewissen bleib. 2. Gib, daß ich thu mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozn mich dein Befehl In meinem Stande führet; Gib, daß ichs thue bald, zu der Zeit, da ich soll, Und wenn ichs thu, so gib, Daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnützlich Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Ant Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß. 4. Findt sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen, Gib einen Heldenmuth, Das Kreuz hilf selber tragen; Gib, daß ich meinen Feind Mit Sanftmuth überwind Und, wenn ich Rath bedarf, Auch guten Rath erfind. 5. Laß mich mit Jedermann In Fried und Freundschaft leben, Soweit es christlich ist; Willst du mir etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gib auch dieß dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauern Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gib Geduld, vor Sünd und Schanden mich bewahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End Auf Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir Hinauf zu deinen Freuden; Dem Leib ein Räumlein gönn Bei frommer Christen Grab, Auf daß er seine Ruh An ihrer Seite hab. 8. Wenn du die Todten wirst An jenem Tag erwecken, So woll auch deine Hand zu meinem Grab ausstrecken; Laß Gebet. 201 bören deine Stimm, Erwecke mein Gebein Und führ mich schön verklärt In deinen Himmel ein. Joh. Heermann, † 1647. Mel.: Singen wir aus 2c. 221. 3weierlei bitt ich von dir. Zweierlei trag ich dir für, Dir, der Alles reichlich gibt, Was uns dient und dir beliebt; Gib mein Bitten, das du weißt, Eh ich sterb und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt. 2. Gib, daß ferne von mir sei Lügen und Abgötterei; Armuth, das die Maße bricht, Und groß Reichthum gib mir nicht; Allzuarm und allzureich Ist nicht gut, stürzt beides gleich Unsre Seel ins Sündenreich. 3. Laß mich aber, o mein Heil, Nehmen mein bescheiden Theil, Und bescheere mir zur Noth Hier mein täglich Bißlein Brod; Ein klein wenig, da der Muth Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut. 4. Sonst wohl möcht im Ueberfluß Ich empfinden Ueberdruß, Dich verläugnen, dir zum Spott Fragen: wer ist Herr und Gott? Denn das Herz ist Frechheit voll, Weiß oft nicht, wenn ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. 5. Wiederum, wenns stehet bloß Und die Armuth wird zu groß, Wirds leicht untreu, stiehlt und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, Thut Gewalt, braucht Ränk und List, Fragt gar nicht, was christlich ist. 6. Ach, mein Gott, mein Schatz, mein Licht! Dieses beites ziemt mir nicht; Beides schändet deine Ehr, Beides stürzt ins Höllenmeer: Drum so gib mir Hüll und Füll Also, wie dein Herze will, Nicht zu wenig, nicht zu viel. P. Gerhardt,+ 1676. 202 Wiedergeburt und Heiligung. 222. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring ich dir, du Menschensohn. Laß dich finden, Laß dich finden, Von mir, der ich Asch und Thon. 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn; Dich alleine Ich nur meine, Dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, Laß dich finden! Gib dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre, Ich begehre Nichts als deine freie Gnad, Die du giebest, Wo du liebest, Und man dich liebt in der Thaf. Laß dich finden, Laß dich finden! Der hat Alles, wer dich hat. 4. Hör, wie kläglich, Wie beweglich Dir die arme Seele fingt, Wie demüthig Und wehmüthig Deines Kindes Stimme klingt. Laß dich finden, Laß dich finden! Denn, mein Herze zu dir dringt. 5. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, Laß dich finden! Großer Gott, ich bin bereit! J. Neander,+ 1680. 223. Dir, dir, Jehova, will ich singen! Denn, wo ist doch ein solcher Gott wie du? Vor dich will ich mein Bitten bringen; Ach, gib mir deines Geistes Kraft dazu, Daß ich es thu im Namen Jesu Christ, So wie es dir durch ihn ge= fällig ist! 2. Zeuch mich, o Bater, zu dem Schne, Damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir! Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinnen und Verstand regier, Daß ich den Frieden Gottes schmeck und fühl Und dir darob im Herzen fing und spiel. Gebet. 203 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, So wird gewiß mein Singen recht gethan, So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet dich im Geist und Wahrheit an, So hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, Daß ich dir Psalmen sing im höhern Chor. 4. Dein Geist kann mich bei dir vertreten Mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; Der lehret mich recht gläubig beten, Gibt Zeugniß meinem Geist, daß ich dein Kind Und ein Miterbe Jesu Christi sei, Daher ich Abba, lieber Vater, schrei. 5. Wenn dieß aus meinem Herzen schallet Durch deines heilgen Geistes Kraft und Trieb, So bricht dein Vaterherz und wallet Ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb; Daß mirs die Bitte nicht versagen kann, Die ich nach deinem Willen hab gethan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, Dem neiget sich dein gnädger Wille zu, Das wird gewiß von dir erhöret, Weil ichs im Namen deines Sohnes thu, Durch welchen ich dein Kind und Erbe bin Und nehme von dir Gnad um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dieß Zeugniß habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit Und weiß es, alle gute Gabe, Die ich von dir verlanget jederzeit, Die gibst du und thust überschwänglich mehr, Als ich verstehe, bitte und begehr. 8. Wohl mir! Ich bitt in Jesu Namen, Der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; In ihm ist alles Ja und Amen, Was ich von dir im Geist und Glauben bitt. Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, Daß du mir schenkest solche Seligkeit! Barthol. Grasselius,+ 1724. 204 Wiedergeburt und Heiligung. Mel.: Jesu, bilf siegen zc. 224. Jesu, hilf beten, und bete, du Treuer, Durch mich und in mir in allerlei Noth; Eigenes Opfer mit eigenem Feuer Rettet uns nicht vom Verderben und Tod! Nein, nur dein Opfer mit Danken und Flehen Darf bis ins innerste Heiligthum gehen. 2. Jesu, hilf beten, ach Jesu, hilf beten! Siebe, mir mangelts an Weisheit und Kraft; Wirst du mich, Mittler, nicht selber vertreten, Ist es mit Beten vergeblich geschafft. Soll es gelingen, so mußt du mich lehren, Und muß dein Geist mir das Abba gewähren. 3. Sesu, hilf beten, sei du mir nur günstig! Tilge die Unluft, und wecke mich auf; Mache mich munter, andächtig und brünstig, Bringe das Wirken des Glaubens in Lauf! Mache mein Räuchwerk durch deine Hand steigen, Lasse dein Fürwort zur Seiten nicht schweigen. 4. Jesu, hilf beten, ach laß es gelingen! Richte Gedanken und Worte mir ein; Lasse mein Beten im Sterben und Ringen Heftiger, kräftiger, findlicher sein! Beten kann retten aus jeglichen Nöthen Und aus dem Tode selbst: Jesu, hilf beten! Ph. H. Weissenſee,+ 1767. Mel: O, daß ich tausend zc. 225. Herr von unendlichem Erbarmen, Du unergründlich Liebesmeer! Ich danke dir mit andern Armen, Mit einem ganzen Sünderheer Für deine Huld in Jesu Christ, Die vor der Welt gewesen ist. 2. Für dein so allgemein Erlösen, Für die Verfühnung aller Schuld, Für deinen Ruf an alle Bösen Und für das Wort von deiner Huld, Ja, für die Kraft in deinem Wort Dankt dir mein Herze hier und dort. Gebet. 205 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, Der Glauben wirkt in unserm Geist, Weil doch des Glaubens Kraft und Triebe Ein Werk der Allmacht Gottes heißt, Für die Befestigung darin Dankt dir mein neu geschaffner Sinn. 4. Für dein so tröstliches Versprechen, Daß deine Gnade ewig sei; Wenn Berge stürzen, Hügel brechen, So bleibt dein Bund und deine Treu; Wenn Erd und Himmel weicht und fällt, So lebt doch Gott, der Glauben hält. 5. Für deine theuern Sakramente, Die Siegel deiner wahren Schrift, Wo Gott, damit ich glauben könnte, Ein Denkmal seiner Wunder stift, Für diese Gnaden in der Zeit Dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 6. Ja Mund und Herze soll dir danken ,. Doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken, Und gründe mich auf diesen Grund; Erhalte nur durch deine Treu Auch bis ans Ende mich dabei! 7. Laß mir dein allgemein Erbarmen, Das allgemeine Lösegeld, Den allgemeinen Ruf der Armen, den allgemeinen Trost der Welt, Die Mittel, welche allgemein, Den festen Grund des Glaubens sein. 8. Du gabst ja mir auch solche Gnaden, Auch ich, ich habe Theil daran; Ich lag ja mit in gleichem Schaden, Für mich ist auch genug gethan; An deinem Worte, Trost und Heil Gehört mir mein besondres Theil. 9. Laß mich in Liebe heilig leben, Unsträflich dir zum Lobe sein; Versichre du mein Herz daneben, Es reiße keine Luft noch Pein Mich von der Liebe Gottes hin, Weil ich in Chrifto Jefu bin. 10. Tod, Leben, Trübsal, Angst und Leiden, Was Welt und Hölle in sich schließt, Nichts soll mich von der Liebe 206 Wiedergeburt und Heiligung. scheiden, Die da in Christo Jesu ist. Ja, Amen! Vater aller Treu, Zähl mich den Auserwählten bei. P. Fr. Hiller,+ 1769. Mel. Wunderbarer König zc. 226. Gott ist gegenwärtig; Lasset uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten! Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Schlagt die Augen nieder; Kommt, ergebt euch wieder, 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen. Heilig, Heilig, heilig! Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm Unsre Stimm, Da auch wir Geringen Unsre Opfer bringen. 3. Wir entfagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden; Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben Dir zum Eigenthum ergeben; Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre; Dir gebührt die re. 4. Majestätisch Wesen, Möcht ich recht dich preisen Und im Geist dir Dienst erweisen! Möcht ich, wie die Engel, Smmer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in Allen. 5. Geist, der Alles füllet, Drin wir sind und weben, Aller Dinge Grund und Leben! Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk mich in dich hinunter; Ich in dir, Du in mir, Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest Alles, Laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte; Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten, Laß mich so Still und froh Deine Strahlen fassen und dich wirken lassen. Allgemeine Fürbitte. 207 7. Mache mich einfältig, Innig abgeschieden, Sanfte und im stillen Frieden; mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schauen mag im Geist und Wahrheit; Laß mein Herz Himmelwärts Wie ein Adler schweben Und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir wohnen, Laß den Geist auf Erden Dir ein Heiligthum noch werden; Komm, Du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre; Wo ich geh, Sitz und steh, Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken. 6. Tersteegen, † 1769. Allgemeine Fürbitte. Mel.: Welt, ich muß dich 2c. 227. Herr, höre! Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus! Behüte alle Stände; Durch deiner Allmacht Hände Beschütze Kirche, Land und Haus. 2. Ach, laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schallen Zu unsrer Seelen Nutz! Bewahr uns vor den Notten, Die deiner Wahrheit spotten, Beut allen deinen Feinden Trutz. 3. Gib du getreue Lehrer und unverdroßne Hörer, Die beide Thäter sein; Auf Pflanzen und Begießen Laß dein Gedeihen fließen Und Früchte reichlich ärnten ein. 4. Du wollst uns hochbeglücken, Mit hellen Gnadenblicken Auf unsern Fürsten sehn; Ihn schützen auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone In vollem Glanze laffen stehn. 5. Laß Alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen, Schaff jedermann sein Recht, Daß Fried und Treu sich müssen In unserm Lande küssen; Segn uns als dein erwählt Geschlecht. 208 Wiedergeburt und Heiligung. 6. Erhalt in jeder Ehe, Beim Glücke wie beim Wehe Rechtschaffne Frömmigteit; In Unschuld und in Tugend Ge deihe unsre Jugend, zu deines Reiches Dienst bereit. 7. O Bater, wend in Gnaden Krieg, Seuche und den Schaden Der Elemente ab! Bewahr des Landes Früchte Und mache nicht zu nichte, Was deine milde Hand uns gab. 8. Gedente voll Erbarmen Der Leidenden und Armen; Verirrte bring herein; Die Wittwen und die Waisen Wollst du mit Troste speisen, Wenn sie zu dir um Hilfe schrein. 9. Hilf als ein Arzt den Kranken Und, die im Glauben wanken, Laß nicht zu Grunde gehu; Die Alten heb und trage, Damit sie ihre Plage Geduldig können überstehn. 10. Die Reisenden beschütze, Bleib der Verfolgten Stütze, Die Sterbenden geleit Mit deinen Engelscharen, Daß sie im Frieden fahren Zu Zions Freud und Herrlichkeit. 10. Nun, Herr, du wirst erfüllen, Willen In Demuth jetzt begehrt; Amen In unsers Jesu Namen, gewährt! Was wir nach deinem Wir sprechen gläubig So ist gewiß der Wunsch Benj. Schmolek, † 1737. Mel.: Alles ist an Gottes Segen ic. 228. Sesu, der du bist alleine Haupt und König der Gemeine, Segne mich, dein armes Glied! Wollst mir neuen Einfluß geben Deines Geistes, dir zu leben; Stärke mich durch deine Güt. 2. Ach, dein Lebensgeist durchdringe, Gnade, Kraft und Segen bringe Deinen Gliedern allzumal, Wie sie hier zerstrenet wehnen Unter allen Nationen, Die du kennest überall. Allgemeine Fürbitte. 209 3. O wie lie's ich, Herr, die Deinen, Die dich suchen, die dich meinen; Owie köstlich sind sie mir! Du weißt, wie michs oft erquicket, Wenn ich Seelen hab erblicket, Die sich ganz ergeben dir. 4. Sch umfasse, die dir dienen, Ich vereinge mich mit ihnen, Und vor deinem Angesicht Wünsch ich Allen tausend Segen: Stärke sie in deinen Wegen, Führ sie selbst zu deiner Pflicht. 5. Die in Kreuz und Leiden leben, Stärke, daß sie ganz ergeben Ihre Seel in deine Hand; Laß sie dadurch werden kleiner Und von allen Schlacken reiner, Lauterlich in dich gewandt. 6. Laß tie Deinen noch auf Erden Ganz nach deinem Herzen werden; mache deine Kinder schön, Abgeschieden, klein und stille, Sauft, einfältig wie dein Wille, Und wie du sie gern willst sehn. 7. Sonderlich gedenke deren, Die es, Herr, von mir begehren, Daß ich für sie beten soll. Auf dein Herz will ich sie legen; Gib du jedem solchen Segen, Wie es noth; du kennſt sie wohl. 8. Ach, besuch zu dieser Stunde Ihre Herzen und im Grunde Sie erfreu in dir allein; Zeuch mit deinen Liebeszügen Ihre Lust und ganz Vergnügen Wesentlich in dich hinein. 9. Ach, du hast uns theur erworben, Da du bist am Kreuz gestorben: Denke, Jesu, wir sind dein! Halt uns fest, solang wir leben Und in dieser Wüste schweben; Laß uns nimmer mehr allein. 10. Bis wir einst mit allen Frommen Dort bei dir zusammen kommen Und, von allen Flecken rein, Da vor deinem 14 210 Wiedergeburt und Heiligung. Throne stehen, Uns in dir, dich in uns seher, Ewig Eins in dir zu sein. G. Terstegen, † 1769. Friede und Freude. In eigner Melotie oder: Ewig sei dir Lob ic. 229. Sollt ich meinem Gott nicht singen, Sollt ich ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir mein. Ists doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch immer wieder Mich des Höchsten Arm gedeckt, Alsobald im Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, Nein, er gibt ihn für mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer Durch sein theures Blut gewinn; O du Brunnen ohn Ergründen, Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deines Grundes Tiefe finden? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edeln Führer, Gibt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort, Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle ſelbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seelen Wohlergehen Hat er ja recht wohl bedacht; Will dem Leibe Noth entstehen, Nimmt ers gleichfalls Friede und Freude. 211 wohl in Acht; Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an, Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Arg hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält: Thier und Kräuter und Getreide, In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See: Ueberall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüth, Daß ich alle liebe Morgen Schaue neue Lieb und Güt. Wäre nicht mein Gott gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär ich nicht Aus so mancher Argst genesen! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. An wie mancher schweren Plage Hat er mich vorbei. geführt, D sie mich mein Lebetage Niemals noch bisher berührt; Und der Engel, den er sendet, Hat das Böse, das der Feind Anzurichten war gemeint, In die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Niemals ganz sein Herz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und von der Bahn abweicht, Also hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Ruth Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, Ob es mir gleich bitter scheint, Sing, wenn ich es recht erwäge, Dennoch Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der ganzen Welt, Die uns bart gefangen hält, Durch 212 Wiedergeburt und Heiligung. das Kreuze zu sich lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn; Wenn der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein: Also wird auch nach der Pein, Wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Ewigkeit. Gottes Lieb in 12. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe findt, Ei, so heb ich meine Hände Zu ein Kind, Bitte: wollst mir Gnade geben, meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht, ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Ewigkeit. P. Gerhardt, † 1676. dir, Vater, als Dich aus aller Hier in meinem Lob und lieb in 230. Sesu, meine Freude, Meines Herzens Weide, Jeſu, meine Zier! Ach, wie lang, ach lange Ist dem Herzen bange, Und verlangt nach dir! Hab ich dich, Wie reich bin ich! Außer dir soll mir auf Erden Nichts sonst lieber werden. 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei; Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern, Mir steht Jesus bei. Wenn die Welt In Trümmer fällt, Wenn gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz des Feindes Lauern, Trotz des Todes Schauern, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, geringe Halt ich dich und finge In gar sichrer Ruh; Gottes Macht Hält mich in Acht; Erd und Abgrund muß sich scheuen, Ob sie noch so dränen. 4. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust. Weg! ihr eiteln Ehren, Ich mag euch nicht hören, Friede und Freude. 213 Bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht; Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht; Gute Nacht, Du Stolz und Pracht; Dir sei ganz, du gottlos Leben, Gute Nacht gegeben! 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lanter Freude sein; Duld ich schon Hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Joh. Frand, † 1677. 231. Es glänzet der Christen inwendiges, Leben, Obgleich sie von außen die Sonne verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist Keinem, als ihnen nur selber bekannt; Was niemand verspüret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Denn innerlich sind sie von göttlichem Stamme, Geboren aus Gott durch sein mächtiges Wort; Es lodert in ihnen die himmlische Flamme, Entzündet von oben, genähret von dort; Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen holdselig und inniglich singen, Das muß denn ganz herrlich und prächtig erklingen! 3. Sie wandeln auf Erden, und leben im Himmel; Sie bleiben ohnmächtig, und schützen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie haben, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, und bleiben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den äußeren Sinnen, Und führen das Leben des Glaubens von, innen. 214 Wiedergeburt und Heiligung. 4. Wenn Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, Wenn er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphiren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. 5. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen geneußt; Denn das ist des Ewigen göttliches Siegel, Zum Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wenn erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 6. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heimliche Bierde der inneren Welt, Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenn gleich uns die Larve des Kreuzes entstellt! Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Chr. F. Richter, † 1711. 232. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen, Wenn ich in deiner Liebe ruh; Ich steige aus der Schwermuthshöhlen Und eile deinen Armen zu; Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit so angenehmen Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden; Wer wollte nicht vergnüget werden, Der in dir suchet Ruh und Lust? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: Es sei also! ich trau ihr nicht, Wenn sie mir gleich will Lieb erweisen Bei einem freundlichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärksten Unglückswellen Mir deine Tren den Anker reicht. 215 Friede und Freude. 3. Will mich der Sünde Last erdrücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh, Droht mir die Strafe schon im Rücken, So steig ich gläubig in die Höh Und flieh in deine heilgen Wunden, Da hab ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt Alles wider mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will verdammen? fich meiner an. Die Liebe nimmt 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, Ich folg und lehne mich auf dich, Du nährest aus den Wolkenbrüsten Und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb und Segen: Genug, wenn ich dich bei mir hab! Ich weiß, wen du willst herrlich zieren und über Sonn und Sterne führen, Den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag Andern düster scheinen, mir nicht, weil Seele, Herz und Muth In dir, der du verläsfest Keinen, In dir, mein liebstes Leben, ruht! Wen macht des Weges End erzittern, Wenn aus Gefahr und Ungewittern Er eingeht in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden Aus dieser finstern Wildniß scheiden Zu deiner Ruh der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Rub in dem Gemüthe Nach deiner unumschränkten Güte Des Himmels süßen Vorschmack sein. Weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann als Jesus mich erfreuen. O reicher Trost: Mein Freund ist mein! Wolfg. Chr. Deßler, † 1722. 233. Friede, ach Friede, ach göttlicher Friede, Vom Vater durch Christum im heiligen Geist, Welcher der Frommen Herz, Sinn und Gemüthe In Christo zum ewigen Leben aufschleußt! 216 Wiedergeburt und Heiligung. Den sollen die gläubigen Seelen erlangen, Die Alles verläugnen und Christo anhangen. 2. Richte deßwegen, friedliebende Seele, Dein Herze im Glauben zu Jesu hinan! Was da ist droben bei Christo, erwähle; Verläugne dich selbst und den irdischen Wahn; Nimm auf dich das sanfte Joch Christi hienieden, So findest du Rube und göttlichen Frieden. 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmerzen, Sünder mit Gott zu versöhnen, auf sich. Nimm dieß, o Seele, recht fleißig zu Herzen Und siehe, was thut nicht dein Jesus für dich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege Und hilft dir, daß Jammer und Unruh sich lege. 4. Nun dafür bist du ihm ewig verbunden, Du sollst dafür gänzlich sein Eigenthum sein! Er hat die ewge Erlösung erfunden Und schließt in den Bund seines Friedens dich ein; Drum siehe, daß du dich ihm gänzlich ergibest Und immer beständig von Herzen ihn liebest. 5. Siehe, von all seinen Friedensgenossen Erfordert er herzliche Liebe und Treu; Drum sollst du treulich und tapfer ausstoßen, Was Jesu dir zeiget, daß wider ihn sei. Welt, Satan und Sünde, die mußt du bestreiten, Was Jesu zuwider ist, fliehen und meiden. 7. Liebe und übe, was Jesus dich lehret, Und was er dir faget, daffelbige thu! Hasse und lasse, was sein Wort verwehret, So findest du Frieden und ewige Ruh! Ja, selig, die also sich Jesu ergeben Und gläubig und heilig nach seinem Wort leben. 8. Sefu, du Herzog der Friedensheerscharen, König des Friedens, ach, zeuch uns nach dir, Daß wir den Friedensbund treulich bewahren, Im Wege des Friedens dir folgen Friebe und Freuie. 217 allhier; Ach laß uns doch deinen Geist kräftig regieren und dir nach im Frieden zum Vater binführen! B. Crasfelius, † 1724. Mel.: Gott des Himmels und der sc. 234. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel, Brechet alle Felsen ein! Gottes Gnade hat das Siegel: Sie will unverändert sein; Laßt die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn. 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, Gott bat einen Bund gemacht, Der wird nimmermehr gebrochen, Bis er Alles hat vollbracht; Er, die Wahrheit, trüget nicht; Was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, Wenn gleich Alles bricht und fällt, Sondern ihren Zweck erreichen, Bis sie mich zufrieden stellt. Ist die Welt voll Heuchelei, Gott ist fromm und gut und treu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, Hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer sein Versprechen; So fällt aller Zweifel hin, Als wär er nicht immerdar, Was er ist, und was er war. 5. Laßt sein Antlitz sich verstellen, gesinnt Und bezeugt in allen Fällen, Kind, Dem er beide Hände reicht, Boden weicht. Ist sein Herz doch treu Daß ich sein geliebtes Wenn auch Grund und Wenn die Welt sich 6. Er will Friede mit mir halten, auch empört; Ihre Liebe mag erkalten, Achtet doch me Gott mich werth; Ob die Sonne sich verhüllt, Bleibt er mir doch Sonn und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, So hat er sich selbst genennt; Das ist Trost: so werd ich Armer Nimmermehr 218 Wiebergeburt und Heiligung. von ihm getrennt; Sein Erbaimen läßt nicht zu, Daß er mir was Leides thu. 8. Nun, so soll mein ganz Vertrauen Ankerfest auf ihm beruhn; Felsen will ich auf ihn bauen; Was er saget, will er thun. Erd und Himmel kann vergehn, Sein Bund bleibet feste stehn. B. Schmold, † 1737. Mel.: Seelenbräutigam. 235. Wer ist wohl wie du, Jesu, süße Ruh? Für uns alle auserforen, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Rub! 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth zu erlösen, hat geschmecket, Meine Sünden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch gesenket In der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt Haft du mächtig überwunden Und ein ewig Heil erfunden Durch das Lösegeld Deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, Wie Maria dir zu Füßen Sitzen früh und spät, Höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigenthum, Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen, Als dein Eigenthum, Allerschönster Ruhm! 7. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege; Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. Friede und Freude. 219 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei du mein Gewinn, Gib mir deinen Sinn. 9. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsetze Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 10. Deines Geistes Trieb In die Seele gib, Daß ich wachen mög und beten, Frendig vor dein Antlitz treten; Ungefärbte Lieb In die Seele gib. 11. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstrecken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 12. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gib mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut! 13. Solls zum Sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durchs Todesthal begleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. J. A. Freylinghausen, † 1739. Mel.: O du Hüter Israel ic. 236. Christen sind ein göttlich Volk, Aus dem Geist des Herrn gezeuget, Ihm gebeuget, Und von seiner Flammenmacht Angefacht; Vor des Bräutgams Augen schweben, Das ist ihrer Seelen Leben, Und sein Blut ist ihre Pracht. 2. Königskronen sind zu bleich Für der Gottverlobten Würde; Eine Hürde Wird zum himmlischen Palast; Und die Last, Drunter sich die Helden plagen, Wird den Kindern leicht zu tragen, Die des Kreuzes Kraft gefaßt. 3. Ehe Jesus unser wird, Ehe wir uns selbst vergessen Und gesessen zu den Füßen unsers Herrn, Sind wir fern 220 Wiedergeburt und Heiligung. Von der ewgen Bundesgnade, Von dem schmalen Lebenspfade, Von dem hellen Morgenſtern. 4. Pilgrimschaft zur Ewigkeit Bleibet immerdar beschwerlich, Ja gefährlich, Bis man ringt und dringt zu dir, Enge Thür, Einge Ursach der Vergebung, Gluth der göttlichen Belebung, Jesu, unser Liebspanier! 5. Zench uns hin, erhöhter Freund! Zeuch uns an dein Herz der Liebe! Deine Triebe Führen mich, du Siegesheld, Durch die Welt, Daß ich deine Seele bleibe Und solange an dich gläube, Bis ich lieb im innern Zelt! 6. Da ist meine Hand und Herz! Du hast deine Seel gewaget, Unverzaget, Und das Alles blos allein, Daß ich dein Und du meine heißen könntest; Wenn du nicht von Liebe brenntest, Hätte das nicht können sein. 7. Nun, ihr Kronen, fahret hin, Fahre hin, erlaubte Freude! Meine Weide Sei des Herren letztes Mahl Vor der Qual, Meine Ehre seine Schande, Meine Freiheit seine Bande, Meine Zier die Ros im Thal! Nic. Ludw. Graf v. Zinzendorf,+ 1760. Mel.: Jesu, meine Freude zc. 237. Allgenugsam Wesen, Das ich hab erlesen Mir zum höchsten Gut, Du vergnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Muth. Wer dich hat, Ist still und satt; Wer dir kann im Geist anhangen, Darf nichts mehr verlangen. 2. Wem du dich gegeben, Kann in Frieden leben; Er bat, was er will; Wer im Herzensgrunde Lebt mit dir im Bunde, Liebet und ist still. Bist du da Und innig nah, Muß das Schönste bald erbleichen Und das Beste weichen. 3. Höchstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüther, Trost in aller Pein, Was Geschöpfe haben, kann den Geist nicht 221 Friede und Freude. 4. Was genannt kann werden laben; Du vergnügst allein. Was ich mehr, Als dich begehr, Kann mein Seligsein nur hindern und den Frieden mindern. Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu; Einer kann nur geben Freude, Ruh und Leben, Eins ist noth: nur du! Hab ich dich Nur wesentlich, Will ichs doch nicht So mag Leib und Seel verschmachten: achten. 5. Komm, du selges Wesen, Das ich mir erlesen, Werd mir offenbar! Meinen Hunger stille, Meinen Grund erfülle Mit dir selber gar! Bleib nur du Mein Gut und Ruh, Bis du wirst in jenem Leben Dich mir völlig geben. G. Terstegen,+ 1769. Mel.: O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 238. Mein Glaub ist meines Lebens Ruh Und führt mich deinem Himmel zu, O du, an den ich glaube! Ach gib mir, Herr, Beständigkeit, Daß diesen Trost der Sterblichkeit Nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu sein! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht Zur selgen Ewigkeit ein Recht Durch deinen Tod erworben; Zum Staube kehrt zurück der Staub, Der Geist wird nicht des Todes Raub: Du bist für mich gestorben, Mir, der ich dein Erlöster bin, Ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst, ich bin ein Chrift! Und mein beruhigt Herz vergißt Der Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, Und bin des hohen Trostes voll: Ich leide nicht vergebens; Gott selber mißt mein Theil mir zu, Hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit, Wenn ich auf jene Herrlichkeit Mit froher Hoffnung schaue? Bald ruft mein Herr 222 Wiedergeburt und Heiligung. und Heiland mich, Und er belohnt mich ewiglich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet jeder Schmerz, Urd Himmelsfreuden schmeckt mein Herz. 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünde schmählich Joch In meinem Lauf auf Erden; Mit Freuden üb ich meine Pflicht: Doch fühl ich wohl, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mich beuget täglich meine Schuld; Doch weiß ich auch: Gott trägt Geduld. 6. Der du den Tod für mich bezwangst, Du hast mich, Mittler, aus der Angst, in der ich lag, gerissen; Nur dir verdank ich meine Ruh; Denn meine Wunden heiltest du Und stilltest mein Gewissen; Und fall ich noch in meinem Lauf, So richtest du mich wieder auf. 7. Dank sei dir Vater, Dank und Ruhm, Daß mich dein Evangelium Lehrt glauben, hoffen, lieben; Was mir schon jetzt in dieser Zeit Den Vorschmack gibt der Seligkeit, Wie sollt ich das nicht üben? Gott, präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu sein! Bath. Münter, † 1793. Mel.: Nun bitten wir den heilgen sc. 239. Ac, mein Herr Jesu, dein Nahesein Bringt großen Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenblick macht uns so selig, Daß Leib und Seel darüber fröhlich Und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freundliches Angesicht Voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele kanns schon gewahren, Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, Auch ungesehn. 3. O, wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu ge nießen recht wär bedacht! Der hätt ohn Ende von Glück 223 Friede und Freude. zu sagen, Und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig sein, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Heilen und stillen, erfreun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Luft. 5. Ach, gib an deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommnen Theil, Und laß unsre Seelen sich immer schicken, Aus Noth und Liebe nach dir zu blicken Ohn Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald Mit deiner beilgen Todesgestalt; Ja, laß fie uns immer vor Augen schweben, und dein wahrhaftiges Inunsleben zu sehen sein. 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit Sei unsre Zierde zu aller Zeit, Und die Tröstung aus deinen Todeswunden Erhalt uns Frieden zu allen Stunden, Bei Freud und Leid. 8. So werden wir bis in Himmel hinein In dir vergnügt, wie die Kinder sein. Muß gleich unser Aug sich noch manchmal netzen: Wenn sich das Herz nur an dir ergößen Und stillen kann. 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Drandenken beschämt dastehen, Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Chr. Gregor, † 1801. 240. Wenn ich ihn nur habe, Wenn er mein nur ist, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie vergißt: Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts, als Andacht, Lieb und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, Laß ich Alles gern, Folg an meinem Wanderstabe Treu gesinnt nur meinem Herrn; Laffe still die Andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 224 Wiedergeburt und Heiligung. 3. Wenn ich ihn nur habe, Schlaf ich fröhlich ein; Ewig wird zu süßer Labe Seines Herzens Fluth mir sein, Die mit sanftem Zwingen Alles wird erreichen und durchbringen, 4. Wenn ich ihn nur habe, Hab ich auch die Welt, Weil des Himmels schönste Gabe Meinen Blick nach oben hält; Hingesenkt im Schauen kann mir vor dem Irdischen nicht grauen. 5. Wo ich ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbtheil in die Hand: Längst vermißte Brüder Find ich nun in seinen Jüngern wieder. Novalis( Fr. v. Hardenberg),+ 1801. Mel.: Herzlich thut mich ic. 241. Jesu, meine Sonne, Vor der die Nacht entfleucht, O Jesu, meine Wonne, Die alle Noth verscheucht! Im Herzen klingt mir täglich Der eine helle Ton: Wie hast du so unsäglich Geliebt, o Gottes Sohn! 2. Es faßt mich so ein tiefes, Ein himmlisches Gefühl; Es ist mir stets, als rief es: Hier ist dein einzig Ziel! Ja, wenn mir gar nichts bliebe, Ich gäb mit frohem Sinn Um Jefu Chrifti Liebe Auch noch das Letzte hin. 3. Um diese Perle wäre mir alles Andre feil, Selbst Hab und Gut und Ehre, mein ganzes Erdentheil. Wie gerne will ich meiden Das Alles froh und still, Wenns von dem Herrn mich scheiden Und ihn mir rauben will! A 4. Ich kenn auch gar kein Leben, Von dir, mein Herr, getrennt; Du bist mein einzig Leben Und Lebenselement. Ich kenne gar kein Sterben, Seitdem ich leb in dir; Denn was mich fonnt verderben, Die Sünde, nahmst du mir. 5. Ich weiß nichts mehr von Leiden, Denn alles Kreuz und Leid Kann mich von dir nicht scheiden, Du Born der Vertrauen. 225 Seligkeit; Ja, wenn ich dich nur habe, Dann gilt mir Alles gleich, Ich bin am Bettelstabe Noch wie ein König reich. 6. Ich bin schon hier auf Erden So selig und so leicht; Und was wird dort erst werden, Wo alle Schwachheit weicht! Das macht ein selig Sterben, Daß ich als Gnadenlohn Ein Königreich soll erben und eine ewge Kron. 7. O, lieber Herr, so präg es Recht meinen Sinnen ein, Olieber Herr, so leg es mir tief ins Herz hinein, Daß ohne deine Liebe Ich ganz verloren wär Und ohne Hoffnung triebe Auf wüstem Meer umber. 8. Doch daß du mich allmählig Zum Hafen haft gebracht Und mich so überselig Aus Gnaden hast gemacht, Daß ich vor nichts erschrecke, Was Andern schrecklich ist, Weil ich es feh und schmecke, Wie du mein Heiland bist. K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. Vertrauen. 242. Was mein Gott will, gescheh allzeit, Sein Will der ist der beste; Zu helfen dem er ist bereit, Der an ihn glaubet feste. Er hilft aus Noth, Der fromme Gott, Er züchtiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, Fest auf ihn Laut, Den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost, mein Zuversicht, Mein Hoffnung und mein Leben; Was mein Gott will, das mir geschicht, Will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, Denn all mein Haar Er selber hat gezählet. Er schützt und wacht, Nimmt uns in Acht, Auf daß uns gar nichts fehle. 3. Nun muß ich Sünder von der Welt Hinfahrn nach Gottes Willen Zu meinem Gott, wenns ihm gefällt; Ich will ihm halten stille. Mein arme Seel Ich Gott befehl In meiner 15 226 Wiedergeburt und Heiligung. letzten Stunden; Du, frommer Gott, Sünd, Höll und Tod Hast du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, Du wirst mirs nicht versagen: Wenn mich der böse Geist ansicht, Laß mich, Herr, nicht verzagen; Hilf und auch wehr, Ach, Gott, mein Herr, Zu ehren deinen Namen. Wer das begehrt, Dem wirds gewährt; Drauf sprech ich fröhlich Amen. Markgraf Albrecht von Brandenburg(?),+ 1557. Mel.: Mag ich Unglück nicht zc. 243. Sch weiß, daß mein Erlöser lebt; Was widerstrebt Die Welt denn meinem Glauben? Ohn meinen Gott krümmt sie fürwahr mir nicht ein Haar, Er woll es denn erlauben. Führt mich sein Rath Auf rauhem Pfad Durch diese Welt: Wies ihm gefällt! Nur daß ichs mög ertragen. 2. Ich weiß, daß mein Herr Jesus Christ Viel größer ist, Als alle Macht der Erden. O liebe Seel, was zagest du? Gib dich zur Rub! Es kann bald besser werden. Aus aller Noth Hilft dir dein Gott, Das ist gewiß; Trau fest auf dieß! Im Glauben muß mans faffen. 3. Von Herzen, Herr, vertrau ich dir; Bleib stets bei mir, Du König aller Ehren! Mein Hoffen steht zu dir allein; Laß ferne sein, Was mich von dir möcht kehren, Daß ich dein Wort, Du treuer Hort, Bekenne frei, Ohn alle Schen, Auch in den größten Nöthen! 4. Ich weiß, daß du mein Heiland bist, O Jesu Chrift! Drum laß ich mir nicht grauen. Mein Helfer ist des Höchsten Sohn Auf Gottes Thron; auf den will ich fest bauen. Lebt er doch noch, Im Himmel hoch! Er wird mich wohl, Wenns werden soll, Nach meinem Leid ergötzen. C. Bienemann,+ 1591. Vertrauen. 227 244. Von Gott will ich nicht laffen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechter Straßen, Sonst ging ich in der Irr; Er reicht mir seine Hand, Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch sei im Land. 2. Wenn sich der Menschen Treue Und Wohlthat all verkehrt, So wird mir bald aufs neue Sein Macht und Gnad bewährt; Er hilft aus aller Noth, Befreit von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Und wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; So kann mir gar nicht grauen, Er wendet alles Leid. Ihm sei es beimgestellt; Mein Leib, mein Seel, mein Leben Sei Gott, dem Herrn, ergeben; Er schaffs, wies ihm gefällt. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Denn was mir nützlich ist; Er meints gut mit uns allen, Schenkt uns den Herren Christ, Den eingebornen Sohn; Durch ihn er uns bescheeret, Was Leib und Seel ernähret; Lobt ihn im Himmelsthron. 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Die er uns beide schenkt; Das ist ein selge Stunde, Darin man sein gedenkt; Sonst ist all unsre Zeit Verloren hier auf Erden; Wir sollen selig werden und lebn in Ewigkeit. 6. Auch wenn die Welt vergehet Mit ihrer stolzen Pracht, Nicht Ehr noch Gut bestehet, Das erst war groß geacht. Wir werden nach dem Tod Tief in die Erd begraben; Wenn wir geschlafen haben, Will uns erwecken Gott. 7. Darum, ob ich schon dulde Hier Widerwärtigkeit, Wie ichs auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit, Ist aller Freuden voll, Die, weil ich Christum kenne Und mich von ihm nicht trenne, Mir widerfahren soll. 228 Wiedergeburt und Heiligung. 8. Das ist des Vaters Wille, Der uns geschaffen hat; Sein Sohn hat Guts die Fülle Erworben uns und Gnad; Auch Gott der heilge Geist Im Glauben uns regieret, Zum Reich der Himmel führet; Drum sei er hoch gepreist! Ludwig Helmbold, † 1598. 245. Auf meinen lieben Gott Trau ich in Angst und Noth; Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden: Es steht in seinen Händen. 2. Ob mich mein Sünd ansicht, Will ich verzagen nicht; Auf Christum will ich bauen Und ihm allein vertrauen; Ihm will ich mich ergeben Im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, Sft sterben mein Gewinn, Und Christus ist mein Leben; Dem hab ich mich ergeben. Ich sterb heut oder morgen, Mein Seel wird er versorgen. 4. O, mein Herr Jesu Christ, Der du geduldig bist Für mich am Kreuz gestorben, Haft mir das Heil erworben, Uns allen auch beschieden Den ewgen Himmelsfrieden. 5. Erhöre gnädig mich, Mein Trost, das bitt ich dich: Hilf mir am letzten Ende, Nimm mich in deine Hände, Daß selig ich abscheide Zur ewgen Himmelsfreude. 6. Amen zu aller Stund, Sprech ich aus Herzensgrund. Du wollest selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, Auf daß wir deinen Namen Ohn Ende preisen. Amen. Siegmund Weingärtner(?), um 1600. 246. In allen meinen Thaten Laß ich den Höchsten rathen, Der Alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben Rath und That. 2. Nichts ist es, spät und frühe, Um alle meine Mühe, Mein Sorgen ist umsonst; Er mags mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen, Ich stells in seine Gunst. Vertrauen. 229 3. Es kann mir nichts geschehen, Als was er ausersehen, Und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers gibet; Was ihm von mir beliebet, Das hab ich auch erkiest. 4. Ich trane seiner Gnaden, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Uebel schützt. Leb ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verletzen, Nichts fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urtheil sprechen und haben noch Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder zieh ich fort, In Schwachheit und in Banden, Und was mir stößt zu Handen, So tröstet mich sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird je zu hart mir fallen, Ich will ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut; Es sei heut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen, Er weiß die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, Dein Vater aus der Höhe, Weiß allen Sachen Rath. P. Flemming, † 1640. 247. Gib dich zufrieden und sei stille In dem Gotte deines Lebens; In ihm ruht aller Frenden Fülle, Ohn ihn mühst du dich vergebens; Er ist dein Quell Und deine Sonne, Scheint täglich hell Zu deiner Wonne; Gib dich zufrieden. 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Ungefärbten treuen Herzens; Wo er steht, thut dir nicht Schaden Auch die Pein des größten Schmerzens; Kreuz, Angst und Noth Kann 230 Wiedergeburt und Heiligung. er bald wenden, Ja auch den Tod Hat er in Händen; Gib dich zufrieden. 3. Wie dirs und andern oft ergehe, Ist ihm wahrlich nicht verborgen; Er steht und fennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sorgen; Er zählt den Lauf Von heißen Thränen Und faßt zu Hauf All unser Sehnen; Gib dich zufrieden. 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, Dessen Treue tu darfst trauen, Alsdann will er dein Treuster werden Und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid Und heimlich Grämen, Auch weiß er Zeit, Dirs zu benehmen; Gib dich zufrieden. 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stille Klagen, Und was du keinem darfst erzählen, Magst du Gott gar fühnlich sagen; Er ist nicht fern, Steht in der Mitten, Hört bald und gern Der Armen Bitten; Gib dich zufrieden. 6. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird auch Unterhalt bescheren. Er hat die Hand Voll aller Gaben, Davon sich Land Und See muß laben; Gib dich zufrieden. 7. Sprich nicht: ich sehe keine Mittel; Wo ich such, ist nichts zum besten; Denn das ist Gottes Ehrentitel: Helfen, wenn die Noth am größten. Wenn ich und du Ihn nicht mehr spüren, Schickt er sich zu, uns wohl zu führen; Gib dich zufrieden. 8. Bleibt gleich die Hülf in etwas lange, Wird sie dennoch endlich kommen; Macht dir das Harren angst und bange, Glaube mir, es ist dein Frommen. Was Faßt man gewisser, Und was verzencht, Ist desto süßer; Gib tich zufrieden. langsam schleicht, Vertrauen. 231 9. Es kann und mag nicht anders werden, Alle Menschen müssen leiden, Was lebt und webet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab Schlägt unsre Lenden Bis in das Grab, Da wird sichs enden; Gib dich zut= frieden. 10. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen; Er wird uns reißen aus den Banden Dieses Leibes und vom Bösen. Es wird einmal Der Tod herdringen Und aus der Qual uns sämmtlich bringen; Gib dich zufrieden. 11. Er wird uns bringen zu den Schaaren Der Erwählten und Getreuen, Die hier mit Frieden heimgefahren, Sich auch nun in Frieden freuen, Da sie den Grund, Der nicht kann brechen, Den ewgen Mund Selbst hören sprechen: Gib dich zufrieden. P. Gerhardt, † 1676. 248. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich fam, Da ich nahm Meinen ersten Odem; Nackend werd ich auch hinziehen, Wenn ich werd Von der Erd Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich fehren, Nehm ers hin, Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schidt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 232 Wiedergeburt und Heiligung. 5. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergötzt, Sollt ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß fie lachen, Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen; Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Da man kann Gehn zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergötzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß wie Rauch verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edeln Gaben, Da mein Hirt Christus wird Mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich Und ich dich Ewig werd umfangen. P. Gerhardt, † 1676. Vertrauen. 233 Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 249. Befiehl du deine Wege Und, was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel leukt; Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Ter wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohlergebn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk foll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott ihm gar nichts nehmen: Es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, O Vater, weiß und sieht, Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geblüt; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rath gefällt. 4. Weg hast du allerwegen, An Mitteln fehlts dir nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann Niemand hindern, Dein Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thut. 5. Und obgleich alle Teufel Hier wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn: Was er ihm vorgenommen Und, was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf! auf! gib deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht; Bist du doch nicht Regente, Der Alles führen soll: Gott sitzt im Regimente Und führet Alles wohl. 234 Wiedergeburt und Heiligung. 8. Jhn, ihn laß thun und walten; Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rath Die Sach hinausgeführet, Die dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben Und solltst du für und für In Angst und Nöthen schweben, Als fragt er nichts nach dir. 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm tren verbleibst, So wird er dich entbinden Da dus am mindsten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Trene, Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie Den Sieg und Ehrenfron! Gott gibt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand Und du fingst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth; Stärk unsre Füß und Hände Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Singen wir aus Herzens Grund od. Da Christus geboren war ic. 250. Auf den Nebel folgt die Sonn, Auf das Trauern Freud und Wonn; Auf die schwere, bittre Pein Stellt sich Trost und Labsal ein. Meine Seele, die zuvor Sank bis zu des Todes Thor, Steigt mun bis zum Himmelschor. 2. Gott läßt feinen traurig stehn, Nech mit Schimpf zurücke gehn, Der sich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze senkt: Wer auf Gott sein Hoffnung setzt, Findet endlich und zuletzt, Was ihm Leib und Seel ergötzt. Vertrauen. 235 3. Kommts nicht heute, wie man will, Sei man nur ein wenig still: Ist doch morgen auch ein Tag, Da die Wohlfahrt kommen mag. Gottes Zeit hält ihren Schritt; Wenn die kommt, kommt unsre Bitt Und die Freude reichlich mit. 4. Als ich furchtsam und verzagt Mich mit schwerem Gram geplagt, Als ich manche liebe Nacht Mich mit Wachen frank gemacht, Als mir aller Muth entfiel, Tratest du, mein Gott, ins Spiel, Gabst dem Unfall Maaß und Ziel. 5. Nun, so lang ich in der Welt Haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Stets vor meinen Augen sein; Ich will all mein Lebenlang Meinem Gott mit Lobgesang Hiefür bringen Lob und Dank. 6. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ewgen Vaters Herz Mir schon jetzo zugezählt Oder künftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lanf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf. 7. Ich will gehn in Angst und Noth, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn ins Grab hinein Und doch allzeit fröhlich sein. Wem der Stärkste bei will stehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Valet will ich dir geben ic. 251. Ist Gott für mich, so trete Gleich Alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht Alles hinter sich; Hab ich das Haupt zum Freunde und bin ich geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Nott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Schen, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mein Freund und Bater sei; Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und, was mir bringet Weh. 236 Wiedergeburt und Heiligung. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ewge wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, Mein Glanz und helles Licht; Wenn der nicht in mir wäre, Könnt ich bestehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, Hab einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 5. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meine Siun, Vertreibt mir Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Gibt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. 6. Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schwachheit findt, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Erstehet seine Lust. 7. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Troftwort zu, Wie Gott dem Hülfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh, Und wie er hab erbauet Ein edle neue Stadt, Da Aug und Herze schauet, Was es geglaubet bat. 8. Da ist mein Theil, mein Erbe Mir prächtig zugericht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten Mit Thränen meine Zeit, Mein Jesus und sein Leuchten Durchfüßzet alles Leid. 9. Die Welt die mag zerbrechen, Du stehst mir ewiglich; Nicht Feur und Schwert der Frechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Kein Armuth, keine Pein, Kein Zorn des großen Fürsten Soll mir ein Hindrung sein. 10. Kein Engel, keine Freuden, Kein Thron, kein Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Kein Angst, kein Herzeleid, Vertrauen. 237 Was man nur fann erdenken, Es sei klein oder groß, Der feines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schooß. 11. Mein Herze geht in Sprüngen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein: Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ; Das, was mich sirgen machet, Ist, was im Himmel ist. P. Gerhard,+ 1676. 252. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du Gott zum Spott In der Schwermuthshöhle? Merkst du nicht des Satans list? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erworben, dämpfen. 2. Stürme, Feind und Welt und Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seinen Gnaden, Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst geschenkt aus Liebe, Daß der ewge Spott und Hohn Mich dort nicht betrübe. 3. Was ist unterm Himmelszelt, Was im tiefen Meere, Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sternenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? dient es nicht mir und meinem Leben? 4. Meine Seele lebt in mir Durch die süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinnen, Daß sie seines Geistes Gnad In sich ziehen können. 5. Nun auf diefen heilgen Grund Bau ich mein Gemüthe, Sehe, wie der Feind zur Stund Zwar dawider wüthe; Gleichwohl muß er laffen stehn, Was Gott aufgerichtet, Aber schändlich muß vergehn, Was er selber dichtet. 6. Ich bin Gottes, Gott ist mein: Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide; 238 Wiedergeburt und Heiligung. Laß es dringen, kommt es doch Von geliebten Händen; Schnell zerbricht des Kreuzes Joch, Wenn es Gott will wenden. 7. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die gerathen selten wohl Ohne Zucht und Ruthen: Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd Will zum Guten ziehen? 8. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen; Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen, Sondern hat vollkommne Lust Dort in Chrifti Garten, Dem allein er ist bewußt, Endlich zu erwarten. 9. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen, Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen; Denn es kommt die Aerntezeit, Da ste Garben binden, Da wird all ihr Gram und Leid Ewiglich verschwinden. 10. Ei so faß, o Christenherz, Alle deine Schmerzen! Wirf sie fröhlich hinterwärts, Laß des Trostes Kerzen Dich entzünden mehr und mehr! Gib dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr; Er wird helfen! Amen. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: on, Gott will ich nicht ze. 253. Geduld ist euch vonnöthen, Wenn Sorge, Gram und Schmerz Und, was euch mehr will tödten, Euch schneidet in das Herz. O auserwählte Zahl! Soll ench kein Tod nicht tödten, Ist euch Geduld vonnöthen: Das sag ich noch einmal! 2. Geduld ist Gottes Gabe Und seines Geistes Gut; Er schenkt sie uns zum Stabe, Sobald er in uns ruht. Der edle, werthe Gast Erlöst uns von dem Zagen Und hilft uns treulich tragen Die größte Bürd und Last. 3. Geduld kommt aus dem Glauben Und hängt an Gottes Wort; Das läßt sie sich nicht rauben, Das ist ihr Heil und Vertrauen. 239 Hort, Das ist ihr hoher Wall, Da hält sie sich verborgen, Läßt Gott, den Vater, sorgen Und fürchtet keinen Fall. 4. Geduld ist wohl zufrieden Mit Gottes weisem Nath, Läßt sich nicht leicht ermüden Durch Aufschub seiner Gnad, Hält frisch und fröhlich aus, Läßt sich getroft beschweren Und denkt: wer wills ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus. 5. Geduld kann lange warten, Sie hat indeß ihr Theil In Gottes schönem Garten, Durchsucht zu ihrem Heil Das Paradies der Schrift Und schützt sich früh und späte Mit eifrigem Gebete Vor Schlangen List und Gift. 6. Geduld dient Gott zu Ehren Und läßt sich nimmermehr Von seiner Liebe kehren; Und schlüg er noch so sehr, So ist sie doch bedacht, Die heilge Hand zu loben, Spricht: Gott, der hoch erhoben, Hat Alles wohlgemacht. 7. Geduld macht große Freude, Bringt aus dem Himmelsthron Ein schönes Halsgeschmeide, Dem Haupt ein edle Kron, Ist wie ein schönes Licht, Davon, wer an ihr hanget, Mit Gottes Hülf erlanget Ein fröhlich Angesicht. 8. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Lust, Nach der ich oft gegangen: Das ist mir wohl bewußt!' Herr, voller Gnad und Huld, Ach, gib mir und gewähre Mein Bitten: ich begehre Nichts anders, als Geduld. 9. Geduld ist meine Bitte, Die ich sehr oft und viel Aus dieser Leibeshütte Zu dir, Herr, schicken will. Kommt dann der letzte Zug, So gib durch deine Hände Auch ein geduldig Ende: So hab ich Alles gnug. P. Gerhardt,+ 1676. 254. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen, Ueber alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, Der behält ganz unverletzet Einen freien Heldenmuth. 240 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Der mich hat bisher ernähret Und so manches Glück bescheret, Ist und bleibet ewig mein; Der mich wunderlich geführet Und noch leitet und regieret, Wird forthin mein Helfer sein. 3. Viel bemühen sich um Sachen, Die nur Sorg und Unruh machen und ganz unbeständig sind; Ich begehr nach dem zu ringen, Was den Frieden pflegt zu bringen Und was jetzt man selten findt. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken, Was ich wünsche, wird sich schicken, So es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben Hab ich seiner Gnad ergeben Und ihm Alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlangen zu erfüllen; Es hat Alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; Wie Gott will, so muß es bleiben; Wann Gott will, ich bin bereit. 6. Soll ich länger allhier leben, Will ich ihm nicht widerstreben; Ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet; Alles Irdische vergehet Und fährt wie ein Strom dahin. Vor 1676. 255. Wer nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller Noth und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerböchsten traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsers Gottes Gnadenwille, Wie sein Vertrauen. Allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 241 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sei; Wenn er uns nur hat tren erfunden Und merket feine Heuchelei, So kommt Gott, eh wirs uns verfehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, Daß du von Gott verlassen seist, Und daß ihm der im Schooße sitze, Der sich mit stetem Glücke speist; Die Folgezeit verändert viel Und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen, Und ist dem Höchsten Alles gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, Der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verricht das Deine nur getreu Und trau des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu; Denn welcher seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. C. Neumark,+ 1681. Mel.: Freu dich sehr, o meine 2c. 256. Meine Sorgen, Angst und Plagen Laufen mit der Zeit zu End; Alles Seufzen, alles Klagen, Das der Herr alleine fennt, Wird Gottlob nicht ewig sein; Nach dem Regen wird ein Schein Von viel tausend Sonnenblicken Meinen matten Geist erquicken. 2. Meine Saat, die ich gesäet, Wird zur Freude wachsen aus; Wenn die Dornen abgemähet, Träget man die Frucht nach Haus; Wenn ein Wetter ist vorbei, Wird der Himmel wieder frei; Nach dem Kämpfen, nach dem Streiten Kommen die Erquicungszeiten. 16 242 Wiedergeburt und Heiligung. 3. Unser Weg geht nach den Sternen, Der mit Kreuzen ist besetzt; Hier muß man sich nicht entfernen, Ob er gleich mit Blut benetzt. Zu dem Schloß der Ewigkeit Kommt kein Mensch hin ohne Streit; Die in Salems Mauern wohnen, Zeigen ihre Dornenkronen. 4. Es sind wahrlich alle Frommen, Die des Himmels Klarheit sehn, Aus viel Trübsal hergekommen; Darum siehet man sie stehn Vor des Lammes Stuhl und Thron Prangend in der Ehrenfron Und mit Palmen ausgezieret, Weil sie glücklich triumphiret. 5. Gottes Ordnung stehet feste und bleibt ewig unverrückt: Seine Freund und Hochzeitsgäste Werden nach dem Streit beglückt. Israel behält den Sieg Nach geführtem Kampf und Krieg; Kanaan wird nicht gefunden, Wenn man nicht hat überwunden. 6. Darum trage deine Ketten, Meine Seel, und dulde dich! Gott wird dich gewiß erretten, Das Gewitter leget sich; Nach dem Blitz und Donnerschlag Folgt ein angenehmer Tag; Auf den Abend folgt der Morgen, und die Freude nach den Sorgen. Freylinghausens Gesangbuch, 1704. 257. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm balten stille. Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er wird mich nicht betrügen, Er führet mich auf rechter Bahn; So laß ich mir genügen. An seiner Huld und hab Geduld, Er wird mein Unglück wenden; Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er wird mich wohl bedenken; Er ist der beste Arzt und kann Nicht Gift für Balsam Vertrauen. schenken Zur Arzenei; Gott iſt getreu; ihn bauen Und seiner Güte trauen. 243 Drum will ich auf 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Freud und Leid, Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nichts schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd ergött Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Dabei will ich verbleiben; Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. S. Rodigast,+ 1708. 258. 3ch laß dich nicht, du Hilf in allen Nöthen; Leg Joch auf Joch, Ich hoffe doch, Auch wenn es scheint, als wolltest du mich tödten. Machs, wie du willst, mit mir, Ich weiche nicht von dir; Verstelle dein Gesicht, Du Hilf in allen Nöthen, Ich laß dich nicht, ich laß dich nicht! 2. Ich laß dich nicht! sollt ich den Segen lassen? Mein Jesu, nein, Du bleibest mein, Dich halt ich noch, wenn ich nichts mehr kann fassen. Nach kurzer Nächte Lauf Geht mir der Segen auf Von dir, dem Segenslicht: Sollt ich den Segen lassen? Ich laß dich nicht, ich laß dich nicht! 3. Ich laß dich nicht, mein Gott, mein Herr, mein Leben! Mich reißt das Grab Von dir nicht ab, Der du dich haft für mich in Tod gegeben: Du starbst aus Liebe mir; Ich sag in Liebe dir, Ach wenn das Herz zerbricht: Mein Gott, mein Herr, mein Leben, Ich laß dich nicht, ich laß dich nicht! W. Chr. Deßler, † 1722. 244 Wiedergeburt und Heiligung. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht sc. 259. Meine Seele senket sich hin in Gottes Herz und Hände Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende, Liegt fein stille, arm und bloß In des liebsten Vaters Schooß. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit Allem wohlzufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Christi Grab gelegt. 3. Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an nichts gedenken, Was gleich spitzen Dernen sticht Und den Frieden nur kann fränken; Sorgen kommt dem Schöpfer zu: Meine Seele sucht nur Rub. 4. Meine Seele grämt sich nicht, Liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, Trifft und ängstet nur die Heiden; Wer Gott in dem Schooße liegt, Bleibt in aller Noth vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hängt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wenn er will tödten; Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird der Freudengeist verjagt. 6. Meine Seel ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden; Also hab ich allen Spott, Alle Schmerzen überwunden, Bin gleich wie ein stilles Meer Voll von Gottes Preis und Ehr. J. J. Winkler, † 1722. 260. Gott wills machen, Daß die Sachen Gehen, wie es beilsam ist; Laß die Wellen Ringsum schwellen, Wenn du nur bei Jefu bift! 2. Wer sich fränket, Weil er denfet, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Daß der Unglaub leide Straf. Vertrauen. 245 3. Du Verächter! Gott dein Wächter Schläfet ja noch schlummert nicht; Zu den Höhen Aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibt er stets ein Vaterherz; Laß dein Weinen Bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, ſei; Wenn dein Wille Kummer frei. 6. Willst du wanken In Gedanken, Faß dich in Gelassenbeit; Laß den sorgen, Der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. Daß das Beste Nur ist stille, Ueber dich beschlossen Wirst du von dem 7. Gottes Hände Sind ohn Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel: Ists beschwerlich, Scheints gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. 8. Wenn die Stunden sich gefunden, Bricht die Hülf mit Macht herein; Und dein Grämen zu beschämen, Wird es unversehens sein. 9. Eignen Willen zu erfüllen, Leidet sichs noch ziemlich wohl; Da ist Plage, Noth und Klage, Wo man leiden muß und soll. 10. Drum wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh! Auf das Wollen Fällt dem Sollen Bald auch das Vollbringen zu. 11. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Leiden Und die Freuden Nur mit Hiobs Augen sehn. 12. Nun so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld! Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 246 Wiedergeburt und Heiligung. 13. Die da weichen Und das Zeichen Ihres Königes verschmähn, Müssen fahren Mit den Scharen, Die zur linken Seite stehn. 14. Aber denen, Die mit Thränen Küffen ihres Jesu Joch, Wird die Krone Vor dem Throne Shres Heilands werden noch. 15. Amen, Amen! In dem Namen Meines Jesu halt ich still; Es geschehe Und ergehe, Wie und wann und was er will. J. D. Herrnschmidt, † 1723. Mel.: Jesu, meine Freude 2c. 261. Seele, sei zufrieden! Was dir Gott beschieden, Das ist alles gut; Treib aus deinem Herzen Ungeduld und Schmerzen, Faffe frischen Muth. Ist die Noth Dein täglich Brod, Mußt du weinen mehr als lachen: Gott wirds doch wohl machen! 2. Scheint der Himmel trübe, Und der Menschen Liebe Stirbt dir ganz dahin; Kommt das Mißgeschicke Fast all Augenblicke Und quält deinen Sinn, Nur Geduld! Des Himmels Huld Sieht auf alle deine Sachen: Gott wirds doch wohl machen! 3. Ungeduld und Grämen Kann nichts von uns nehmen, Macht nur größern Schmerz. Wer sich widersetzet, Wird nur mehr verletzet; Drum Geduld, mein Herz! Aus dem Sinn Die Sorgen hin! Drücket gleich die Last die Schwachen: Gott wirds doch wohl machen! 4. Auf die Wasserwogen Folgt ein Regenbogen, Und die Sonne blickt; So muß auf das Weinen Lauter Freude scheinen, Die das Herz erquickt. Laß es sein, Wenn Angst und Bein Mit dir schlafen, mit dir wachen: machen. Gott wirds doch wohl Vertrauen. 247 6. Kronen sollen tragen, Die des Kreuzes Plagen In Geduld besiegt; Fröhlich auszuhalten Und Gott lassen walten, Das macht recht vergnügt; Drum nimm dir, O Seele, für, Stets zu beten und zu wachen: Gott wirds doch wohl machen. 6. Also soll es bleiben! Ich will mich verschreiben, Gott getreu zu sein; Beides, Tod und Leben, Bleibet ihm ergeben, Ich bin sein, er mein; Denn mein Ziel Ist: wie Gott will! Drum sag ich in allen Sachen: Gott wirds doch wohl machen. B. Schmolck, † 1737. Mel.: Was Gott thut, das ist 2c. 262. Gott lebt! wie kann ich traurig sein, Als wär kein Gott zu finden? Er weiß ja wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden; Er kennt inein Herz Und meinen Schmerz, So darf ich nicht verzagen Und ihm nur Alles klagen. 2. Gott bört! wenn niemand hören will; Was will der Feind denn sprechen, Als würde meiner Seufzer Ziel Nicht durch die Wolken brechen? Schrei ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hülfe rieder, So schallt das Amen wieder. 3. Gott sieht! wie flaget denn mein Herz, Als säh er nicht mein Weinen? Vor ihm muß auch der tiefste Schmerz Ganz offenbar erscheinen; Kein Thränlein fällt, So er nicht zählt Und sich vor Augen setzet, Bis er uns drauf ergötzet. 4. Gott führt! so geh ich immer fort Auf allen meinen Wegen; Und wenn die Welt durch List und Mord Will ihre Stricke legen, So pflegt er mich Zwar wunderlich, Doch selig auch zu führen, Daß mich kein Fall kann rühren. 5. Gott gibt! und wär ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben; Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt ich Hungers sterben; Er hat ja Brod, Und wenn die Noth Uns nach der Wüsten weiset, Doch werden wir gespeiset. 248 Wiedergeburt und Heiligung. 6. Gott lebt! wohlan, ich merke das; Gott hört, ich wills ihm sagen; Gott sieht, er hat ein Thränenmaß; Gott führt, ich darf nicht klagen; Gott gibt und liebt, Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben, Auch dort mit ihm zu leben. B. Schmold, † 1737. Mel.: Was Gott thut, das ist sc. 263. Gott ist mein Gott, er sorgt für mich, Was sollt ich mich denn grämen? Will er doch allen Trost auf sich Von meinen Schultern nehmen. Wenn noch so schwer Mein Kreuz auch wär, Es sollt mich nicht erdrücken; Er will mich stets erquicken. 2. Gott ist mein Schild, er decket mich wittern, Auch wenn der Hölle Pforten sich erbittern; Ift sein Panier Nur über mir, der Schrecken Mir keine Furcht erwecken. Bei allen Ungemit aller Macht So kann ihr blin3. Gott ist mein Licht, er leitet mich Auf allen meinen Wegen, Und führet mich ganz wunderlich Bei Sonnenschein und Regen; Sein Wort geht mir Als Leitstern für, Und leuchtet meinen Füßen Bei allen Finsternissen. 4. Gott ist mein Fels, er träget mich; Laßt alle Berge sinken, So steh ich unveränderlich Und werde nicht ertrinken; Obgleich die Fluth Mit aller Wuth An meinen Anker schläget: Doch werd ich nicht beweget. 5. Gott ist mein Theil, er sättigt mich; Mir wird kein Gutes fehlen; Was sollte denn mein Herze sich Mit vielen Sorgen quälen? Wer Gott nur bat, Ist in der That Der reichste Mensch auf dieser Erden, Ihm muß der Himmel werden. 6. Gott ist mein Heil, er segnet mich; Ich soll in Christo leben; Mein Heiland bat aus Liebe sich Für mich in Tod gegeben. So fiel mein Loos In Gottes Schooß; Wer kann in diesem Glauben Mir Gott und Himmel rauben? Vertrauen. 249 7. Gott ist mein Hirt, er weidet mich Auf reinen grünen Auen, Und seiner treuen Hut kann ich mich ohne Furcht vertrauen; Zeigt hier und dar Sich auch Gefahr, Er gehet mir zur Seiten, Sein Auge muß mich leiten. 8. Gott ist mein Alles hier und dort, Im Himmel und auf Erden; Es soll mir auch mein Gott hinfort Noch immer lieber werden, Bis ich dorthin Gelanget bin, Wo ich mit Gott verbunden Das höchste Gut empfunden. 264. Fortgekämpft und fortgerungen, Bis zum Lichte durchgedrungen Muß es, bange Seele, sein. Durch die tiefsten Dunkelheiten kann dich Jesus hinbegleiten; Muth spricht er den Schwachen ein. 2. Bei der Hand will er dich fassen; Scheinst du gleich von ihm verlassen, Glaube nur, und zweifle nicht! Bete, kämpfe sonder Wanken: Bald wirst du voll Freude danken, Bald umgibt dich Kraft und Licht. 3. Bald wird dir sein Antlitz funkeln: Hoffe, harre, glaub im Dunkeln! Nie gerent ihn seiner Wahl. Er will dich im Glauben üben; Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 4. Weg von aller Welt die Blicke! Schau nicht seitwärts, nicht zurücke, Nur auf Gott und Ewigkeit; Nur zu deinem Jesus wende Aug und Herz und Sinn und Hände, Bis er himmlisch dich erfreut. 5. Aus des Jammers wilden Wogen Hat dich oft herausgezogen Seiner Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist seine Rechte; Wo ist einer seiner Knechte, Der bei ihm nicht Nettung fand? 6. Schließ dich ein in deine Kammer, Geh und schütte deinen Jammer Ans in Gottes Vaterherz; Kannst du gleich 250 Wiedergeburt und Heiligung. ihn nicht empfinden, Worte nicht, nicht Thränen finden, Klag ihm schweigend deinen Schmerz! 7. Kräftig ist dein tiefes Schweigen: Gott wird sich als Vater zeigen; Glaube nur, daß er dich hört! Glaube, was du mögest beten, Daß dich Jesus will vertreten Und der Vater es gewährt. 8. Drum, so will ich nicht verzagen, Mich vor Gottes Antlitz wagen, Flehen, ringen fort und fort; Ja, ich werde überwinden: Wer ihn sucht, der wird ihn finden, Wird ihn haben hier und dort. J. K. Lavater,+ 1801. Mel.: Herr Jesu Christ, war Mensch zc. 265. Der Himmel hängt voll Wolken schwer, Ich seh das blaue Zelt kaum mehr, Doch über Wolken hell und klar Nehm ich ein freundlich Auge wahr. 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, Sie wird so dunkel oft, die Nacht; Doch, wenn auch meine Seele bebt, Sie weiß, daß dort mein Heiland lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus Ins große, weite Vaterhaus; Doch hält in seiner. Kraft sie still, Bis er, bis er sie lösen will. 4. Die Erd ist mir ein morsches Boot, Das unter mir zu finken droht; Ich steh, nach oben hingewandt, Mit einem Fuß auf seinem Rand: 5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, So schleudr ichs hinter mich zurück Und schwinge mich an deiner Hand Hinauf, hinauf und jauchze: Land! 6. Ich ginge gern, so gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier In Sturm und dunkeln Nächten läßt, So halt du meine Seele fest. Vertrauen. 251 7. Daß sie in Sturm und Nächten treu, zu deiner Ehre wacker sei, Bis du mir rufft: ,, nun ist mirs recht, Nun kannſt du kommen, treuer Knecht!" H. Möwes,+ 1834. Mel.: Herzlich thut mich verlangen sc. 266. Ich habe viel gelitten, Doch Jesus litt wohl mehr; Was er so hart erstritten, Ist mir nun Kraft und Wehr. Hinan zu seinem Hügel, Du müder Sinn, hinan, Und lern in diesem Spiegel, Wie man ertragen kann. 2. Geh ein in seine Leiden, Geh ein in seinen Tod Und laß dich willig scheiden Von aller deiner Noth; Sei dir in ihm gestorben, So weicht, was dich betrübt! Der hat die Ruh erworben, Der sich sein selbst begibt. 3. Was ist es, das mir fehle, Schweigt erst mein Anspruch still? O süßes Loos der Seele, Die Gottes Rath nur will! Dieß duldende Verlangen Führt Jesum himmelein, Und wo er hingegangen, Da soll sein Diener sein. 4. Nur Eines, was ich heische, Sei mir noch hier gewährt: Hilf, daß der Welt Geräusche Nicht meine Seele stört; Doch kommts nach deinem Willen, So laß mich findlich, klein, Auch dann dein Bild erfüllen Durch Harren und Verzeihn. 5. Ich hab ein neu Verlangen: Was du willst, will auch ich; Nicht rauben, nur empfangen Mag ich mein Wohl durch dich. Gott wohnt in meiner Seele, Erquickt mich täglich viel; Umsonst, daß ich mich quäle, Sein Himmel ist mein Ziel. J. F. v. Meyer,+ 1849. Mel.: Freu dich sehr, o meine 2c. 267. O mein Herz, gib dich zufrieden! O verzage nicht so bald! Was dein Gott dir hat beschieden, Nimmt dir keiner Welt Gewalt. Keiner hindert, was er will; Harre nur, 252 Wiedergeburt und Heiligung. still; Geh des Wegs, den er dich sendet! Er begann, und er vollendet. 2. Hüllt er dich in Dunkelheiten, So lobsing ihm aus der Nacht; Sieh, er wird dir Licht bereiten, Wo dus nimmermehr gedacht. Häuft sich Noth und Sorg umher, Wird die Last dir allzuschwer, Faßt er plötzlich deine Hände Und führt selber dich ans Ende. 3. Wär auch alle Welt dir feindlich, Rottete sich wider dich: Dank ihm! o der Herr ist freundlich, Seine Huld währt ewiglich. Sind auch Trauer, Angst und Leid Seines Segens dunkles Kleid: Dank ihm! er schickt seinen Segen Auf geheimnißvollen Wegen, 1 4. Endlich wird dein Morgen grauen; Kennst du nicht sein Morgenroth? Darfst du zagend rückwärts schauen, Wenn dich Glut und Sturm bedroht? Denn auch Feuerflamm und Wind Boten seines Willens sind; Und kanns nur ein Wunder wenden: Auch ein Wunder kann er senden! 5. O so laß denn alles Bangen! Wirke frisch, halt muthig aus! Was mit ihm du angefangen, Führet er mit dir hinaus. Und ob Alles widersteht: In Vertraun und in Gebet Bleib am Werke deiner Hände, So führt ers zum schönsten Ende. V. v. Strauß, geb 1809. XIV. Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniffe. Morgen. 268. Aus meines Herzens Grunde Sag ich dir Lob und Dank In dieser Morgenstunde Und all mein Lebelang, Herr Gott in deinem Thron, Zu Lob dir, Preis und Ehren Durch Christum unsern Herren, Dein eingebornen Sohn. Morgen. 253 In der vergangnen 2. Daß du mich haft aus Gnaden Nacht Vor Noth, Gefahr und Schaden Behütet und bewacht. Ich bitt demüthiglich, Wollst mir mein Sünd vergeben, Womit in diesem Leben Ich hab erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten mich gnädig diesen Tag Vor Satans Lift und Wüthen, Vor Sünden und vor Schmach, Vor Fur- und Wassersnoth, Vor Armuth und vor Schanden, Vor Ketten und vor Banden, Vor bösem schnellen Tod. 4. Mein Seel, mein Leib, mein Leben, Mein Weib, Gut Ehr und Kind Sei dir, Herr, übergeben, Dazu mein Hausgefind, Als dein Geschenk und Gab, Die Aeltern und Verwandten, Geschwister und Bekannten Und Alles, was ich hab. 5. Laß deine Engel bleiben Und weichen nicht von mir, Den Satan zu vertreibeu, Auf daß der Feind allhier In diesem Jammerthal Sein Tück an mir nicht übe, Noch Leib und Seel betrübe und bringe mich zu Fall. 6. Gott will ich lassen rathen, Der alle Ding vermag; Er segne meine Thaten Auch an dem heutgen Tag. Ihm hab ich heimgestellt Leib, Seele, Gut und Leben. Und was er sonst gegeben; Er machs, wies ihm gefällt, 7. Darauf so sprech ich Amen Und zweifle nicht daran, Gott wird es allzusammen In Gnaden nehmen an. Nun streck ich aus die Hand, Greif an mein Werk mit Freuden, Das Gott mir will bescheiden In meinem Amt und Stand. Joh. Matthesius(?), † 1565. Mel.: Herr Jesu Christ, dich sc. 269. Die Nacht nunmehr vergangen ist, Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du uns frei von aller Plag Gesund läßt sehen diesen Tag. 254 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. 2. Wir bitten dich, du Gnadenstrahl, Leucht uns in diesem Erdenthal; Beschirm uns täglich und auch heut, Bewahr uns ferner allezeit. 3. Daneben gib uns Fried und Ruh Und, was uns nöthig ist, dazu; Durch deine starke Gnadenhand Beschütze uns und unser Land. 4. All Sünd und Schwachheit uns verzeih, Ein gut Ge wissen stets verleih; Gib, daß wir deines Namens Ehr Ausbreiten immer mehr und mehr. 5. Und wenn es dir, o Herr, gefällt, Uns abzufordern aus der Welt, So gib ein selig Ende hier, Daß wir dort ewig sein bei dir. 6. O Jesu Christ, erbarme dich, Hör unsre Bitten gnädiglich; Durch dein Verdienst, durch deinen Tod Erlöse uns aus aller Noth. 270. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und beilger Geist, Der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, Deffen starke Hand die Welt Und, was drinnen ist, erhält. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Haft behütet und bewacht, Daß des bösen Feindes List Mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Jetzt mit dieser Nacht vergehn; O Herr Jesu, laß mich finden Stets dein Herz mir offen stehn, Da alleine Hülf und Rath Ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wenn nun dein Morgen. 255 großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch hente Mein Beschützer und mein Hort! Nirgends. als von dir allein, Kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starte Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende Und mich halt in guter Acht; Der auch endlich mich zu Ruh Trage nach dem Himmel zu! H. Albert,+ 1668. 271. Brich an, du schönstes Tageslicht, und mir dein strahlend Antlitz zeige; Dn heller Morgenstern, jetzt richt Den lichten Glanz ins Herz und neige, Mein Jesu, Seel und Geist zu dir, O wunderschöne Himmelszier! 2, Du haft mit deiner Liebeshand So manche Noth und große Schmerzen So oft schon von mir abgewandt, Ich dank es dir mit frohem Herzen; Für diese überlebte Nacht Sei dir auch ewig Lob gebracht. 3. Laß nun bei jetzt erlebtem Tag Dein göttlich, geistlich, himmlisch Leben Neu werden in mir, daß ich mag Durch deinen Geist nach Wahrheit streben, Damit nicht lebe ich allhier, Nur Christus in mir für und für. 4. Erneure mich, mein Gott und Herr, In wahrem Glauben stets zu grünen, Dir eingepflanzt je mehr und mehr, Dem Nächsten und dir tren zu dienen; Zu deines großen Namens Ehr dein heilig Lob durch mich vermehr. 256 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniffe. 5. Mein Vater! ich ergeb mich dir Aufs neu zu deinem Wohlgefallen, So nimm mich an und schaffs mit mir, Wie rechte Christen dir wallen, Daß ich dein Kind in Gnaden sei, Wozu dein Geist mich benedei. 272. Die güldne Sonne, Voll Freud und Wonne, Bringt unsern Gränzen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, Die lagen darnieder, Aber nun steh ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, Was Gott gebauet zu seinen Ehren, Und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß, Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wenn sie mit Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erden vergänglichem Schooß. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Alles das sei Gott zum Opfer gesetzt. Die besten Güter Sind unsre Gemüther; Vor ihn zu treten Mit Danken und Beten, Das ist ein Opfer, dran er sich ergötzt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; Wenn wir aufstehen, So läßt er aufgehen Ueber uns seiner Barmherzigfeit Schein. 5. Ich hab erhoben Zu dir hoch droben All meine Sinnen; Laß mein Beginnen Ohn allen Anstoß und glücklich ergehn. Laster und Schande, Der Finsterniß Bande, Fallen und Tüde Trieb ferne zurücke; Laß mich auf deinen Geboten beftehn. 6. Laß mich mit Freuden, Ohn alles Neiden, Seben den Segen, Den du wirst legen In meines Bruders und Morgen. 257 Nähesten Haus. Geiziges Brennen, Unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Von meinem Herzen Und wirf es hinaus. 7. Menschliches Wesen, Was ists gewesen? In einer Sturde Geht es zu Grunde, Sobald die Lüfte des Todes drein wehn. Alles in Allem Muß brechen und fallen, Himmel und Erden, Die müssen das werden, Was sie gewesen vor ihrem Bestehn. 8. Alles vergehet, Gott aber stehet Ohn alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Willen hat ewgen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, Vergib und schone! Laß meine Schulden In Gnad und Hulden Von deinen Augen sein ferne gewandt; Sonsten regiere Mich, lenke und führe, Wie dirs gefället: Ich habe gestellet Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dieß heilge Wort: Gott ist das Größte, Das Schönsie, das Beste, Gott ist das Süßte Und Allergewißte, Aus allen Schätzen der edelste Hort. 11. Willst du mich fränken, Mit Gallen tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen, Wohlan! so mach es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Das weißt du alleine, Hast niemals einen zu sehr noch betrübt. 12. Kreuz und Elende, Das nimmt ein Ende; Nach Meeresbrausen Und Windessausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Geficht. Frende die Fülle Und selige Stille Darf 17 258 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisſe. ich erwarten Im himmlischen Garten; Dahin sind meine Gedanken gericht. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Nun laßt uns Gott dem Herren 2c. 273. Wach auf, mein Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter. 2. Heut, als die dunkeln Schatten Mich ganz umfangen hatten, Bedecktest du mich Armen, O Vater, mit Erbarmea. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun liege, Kein Schrecken dich besiege; Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, das ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen; Von Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich erneuet. 5. Du willst ein Opfer haben: Hier bring ich meine Gaben Und opfere dir wieder Mein Herz und meine Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins Herze sehen und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts Beßres habe. Sigis Dein Werk an mir und 7. So wollst du nun vollenden senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, rathen, Den Anfang, Mitt und Ende, sten wende. miallo ne Hilf selbst das Beste Ach Herr, zum Be9. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reiſe. P. Gerhardt, † 1676. no sme spinst did ng sid Morgen. 259 Mel.: Welt, ich muß dich 2c. 274. Die Nacht hat sich verborgen, Es bricht am frühen Morgen Der Sonne Glanz herfür; Laß mich gefund aufstehen Und an die Arbeit gehen, Mein Jesu, aller Sonnen Zier. 2. Dir will ich Dank abstatten, Daß unter deinem Schatten Ich meine Ruh vollbracht, Daß deiner Engel Scharen, Mein Lager zu bewahren, Die Wagenburg um mich gemacht. 3. Beleuchte heut mein Herze, Du helle Himmelskerze, Daß nicht in Dunkelheit Ich von dem Glauben weiche, Die Sünde mich beschleiche Und stürz in tausend Seelenleid. 4. Ich will zu deinen Ehren, Wirst du mir Hilf gewähren, Begehen diesen Tag; Ich will mich heut befleißen, zu thun, was du geheißen, So gut ich es vollbringen mag. 5. Behüt mich und die Meinen Vor Trauern und vor Weinen, Vor einem bösen Tod; Dir sei mein Thun und Leben Und, was ich hab, ergeben, Dir, mein Erlöser, Herr und Gott. yan 275. Morgenstern der finstern Nacht, Der die Welt voll Freude macht; Jesu mein, Komm herein, Leucht in meines Herzens Schrein! 2. Schau, dein Himmel ist in mir Und begehrt dich, seine Zier! Säume nicht, o mein Licht; Komm, bevor der Tag anbricht! 3. Deines Glanzes Herrlichkeit Uebertrifft die Sonne weit; Du allein, Jesu mein, Mußt vor tausend Sonnen sein. 4. Du erleuchtest Alles klar, Was da ist und kommt und war; Voller Pracht Wird die Nacht, Wenn dein Glanz sie angelacht. 260 Vieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 5. Deinem freudenreichen Strahl Wird gedienet überall; Schönster Stern, Nah und fern Chrt man dich wie Gott den Herrn. 6. Nun, du goldnes Seelenlicht, Komm herein, und säume nicht; Komm herein, Jesu mein, Leucht in meines Herzens Schrein! Joh. Scheffler,+ 1677. 276. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte lind vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgenthau Fall auf unser matt Gewissen; Laß die dürre Lebensau Lauter süßen Trost genießen Und erquick uns, deine Schar, Immerdar. 3. Gib, daß deiner Liebe Gluth Unsre kalten Werke tödte, Und erweck uns Herz und Muth Bei erstandner Morgenröthe, Daß wir, eh wir gar vergehn, Recht aufstehn. 4. Ach, du Aufgang aus der Höh, Gib, daß auch am jüngsten Tage Unser Leib dir aufersteh Und, entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnadensonne; Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Wo die Luft, die uns erhöht, Nie vergeht. Knorr v. Rosenroth, † 1689. Mel.: Hüter, wird die Nacht ic. 277. Seele, du mußt munter werden, Denn der Erden Blickt hervor ein neuer Tag; Komm, dem Schöpfer dieser Strahlen zu bezahlen, Was dein schwacher Trieb vermag. 2. Deine Pflicht, die kannst du lernen Von den Sternen, Deren Gold die Sonne weicht; So laß auch vor Gott zerrinnen, Was den Sinnen Hier im Finstern schöne däucht. Morgen. 261 3. Schau, wie das, was Odem ziehet, Sich bemühet Um der Sonne holdes Licht, Wie sich, was nur Wachsthum spüret, Frendig rühret, Wenn ihr Glanz die Schatten bricht. 4. So laß dich auch fertig finden, Anzuzünden Deinen Weihrauch, weil die Nacht, Da dich Gott vor Unglücksstürmen Wollen schirmen, Ist so glücklich hingebracht. 5. Bitte, daß er dir Gedeihen Mag verleihen, Wenn du auf was Gutes zielst, Aber daß er dich mag stören Und bekehren, Wenn du böse Regung fühlst. 6. Kränkt dich etwas diesen Morgen, Laß ihn sorgen, Der es wie die Sonne macht, Welche freundlich pflegt die Höhen Anzusehen, Und auch in die Thäler lacht. 7. Denk, daß er auf deinen Wegen Ist zugegen, Daß er alle Sündenlust, Auch die Schmach verborgner Flecken kann entdecken Und errathen, was du thust. 8. Wir sind an den Lauf der Stunden Fest gebunden, Der entführt, was eitel heißt, Und der dein Gefäß, o Seele, Nach der Höhle Eines Sterbgewölbes reißt. 9. Drum, so seufz ich, daß mein Scheiden Nicht ein Leiden, Sondern sanftes Schlafen sei, Und daß ich mit Lust und Wonne Seh die Sonne, Wenn des Todes Nacht vorbei. F. Rud. Ludw. Freih. v. Canig, † 1699. 278. Hüter, wird die Nacht der Sünden Nicht verschwinden? Hitter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsterniß der Sinnen Bald zerinnen, Darein ich verhüllet bin? 2. Möcht ich wie das Rund der Erden Lichte werden! Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe; Jesu, Liebe, Komm, beeile deinen Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, Da die Stunde Der Erscheinung kommen ist; Und ich muß mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist. 262 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen; Aber ich bin lauter Nacht; Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke In der Finsterniß vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demuth lieben und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Ach, daß länger meine Seele Sich nicht quäle, Zünd dein Feuer in mir an! Laß mich finstres Kind der Erden Helle werden, Daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken, Jesus muß die Sonne sein. 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, Seine Klarheit kann nicht ein; Wenn sein helles Licht den Seinen Soll erscheinen, Muß das Auge reine sein. 9. Jesu, gib gesunde Augen, Die was taugen, Nühre meine Augen an! Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann. Ch. F. Richter,+ 1711. Mel.: Ewigkeit, du Donnerwort zc. 279. Nun tret ich wieder aus der Ruh Und geh dem sauern Tage zu, Wie mir ist aufgeleget. Nicht weiß ich, was für neue Plag Mir heute noch begegnen mag; Doch weiß ich, daß mich träget Mein frommer Gott in seiner Hut, Daß mir die Last nicht Schaden thut. 2. Zwar meine Bürd ist täglich neu, Doch ist mein Gott auch täglich treu, Der träget meine Sorgen; Vor Abends keiner recht vernimmt, Was ihm den Tag all ist bestimmt; bahnt ein jeder Morgen Mir einen frischen Weg zur Pein, Der kann mit Gott erstiegen sein. Morgen. dooist abi andm 263 3. Weil ich denn deß versichert bin, Was trauerst du, verzagter Sinn, Die Bürd auf dich zu legen? Trag, was du kannst; Gott träget mit, Der Herr der Welt, der strauchelt nicht, Bei ihm ist lauter Segen; Mit ihm geh ich stets frisch daran Und scheue nicht die Leidensbahn. 4. So ist getroft mein frischer Muth, Wenn ich mich in des Höchsten Huth Kann eingeschlossen sehen; Doch, daß ich deß versichert sei, Muß ich von Sünden leben frei Und Gottes Wege gehen: Mein Gott geht nimmer meinen Steg, Wo ich nicht wandle seinen Weg. 5. Drum, liebster Gott, leit meinen Fuß, Daß ich dir folg in wahrer Buß, Und läutre mich von Sünden: So kann ich, als ein fühner Held, Bestreiten diese böse Welt, Mit dir fie überwinden; So tret ich muthig an den Tag Und scheue nicht, was kommen mag. 6. Ich leg auf dich, mein Gott und Herr, Was mir zu tragen wird zu schwer, Die Last, die mich gebogen; Ich lege meine Würd und Stand In deine große Allmachtshand, Die du mir nie entzogen; Mit der hast du von Jugend auf Geleitet meinen Lebenslauf. 7. Ich leg in deinen Schooß hinein, Die meine Blutsverwandten sein, Da sind sie wohl beschlossen; Ich leg die arme Seele mein In Jesu treues Herz hinein, Du wirst ste nicht verstoßen, Wenn sie vom Leibe scheidt der Tod: Ich leg mich ganz in dich, mein Gott. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig,+ 1714. Mel.: Ich armer Mensch zc. 280. Mein Gott, nun ist es wieder Morgen, Die Nacht vollendet ihren Lauf; Nun wachen alle meine Sorgen Auf einmal wieder mit mir auf. Die Ruh ist aus, der Schlaf dahin; Ich sehe wieder, wo ich bin. 264 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, Wo jeder Tag sein Elend hat, Wo ich nur immer älter werde Und niemals rein von Missethat. O Gott, von dessen Brot ich zehr, Wenn ich dir doch auch nütze wär! 3. Du fiebst am Morgen mich aufstehen, Regier mich auch in dieser Welt. Ich weiß nicht, wie mirs heut wird gehen, Mach Alles so, wie dirs gefällt. Schließ mich in deine Vorsicht ein; Dein will ich todt und lebend sein. 4. Vergieb mir, Vater, meine Sünden, Die ich bei Tag und Nacht beging, Und laß mich vor dir Gnade finden, Erhöre was ich bet und sing; Denn wenn ich nur bei dir wohl steh, So acht ich gar nicht, wie es geh. 5. Hilf du in allen Sachen rathen; Denn ich bin selber mir nicht flug; Behüte mich vor Missethaten, Vor böjer Menschen List und Trug; Laß mich Sen Tag wohl legen an Und Gutes schaffen, wo ich kann. 6. Behüte mir mein Leib und Leben, Mein Weib und Kind, mein Hab und Gut, Und laß den Himmel Segen geben, Wenn meine Hand das Ihre thut; Hilf, daß ich Alles wohl verricht! Du wirst es thun, ich zweifle nicht. C. Neumann, † 1715. Mel.: Freu dich sehr sc. 281. Gott, du Licht, das ewig bleibet, Das ohn allen Wechsel ist, Das die Finsterniß vertreibet, Der du bleibeft, wie du bist; Ich verlasse meine Ruh, Rufe: werde Licht! mir zu, Daß ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. Auch die Seele geistlich 2. Wecke, da der Leib geschlafen, auf; Gib ihr deines Lichtes Waffen, Lauf; Laß mich sein des Lichtes Kind, Hilf mir, weil ich Richt und leite ihren Morgen. 265 geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe Und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, Was die arme Seele stillt; Ach erneure und verkläre Stets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geist der Kraft, Der ein neues Leben schafft, Daß ich himmlisch auf der Erde Und ein Geist mit Christo werde. 4. Segne meiner Hände Werke, Fördre mich in meiner Pflicht; Bleibe meiner Schwachheit Stärke, Kraft und Licht; Laß mein Lebensziel allein Ehre sein; Hilf, daß ich stets wahre Liebe Nächsten übe. Meines Lebens Deines Namens Gegen meinen 5. Führ mich einst zu jenem Lichte Deiner höchsten Majeſtät, Wo vor deinem Angesichte Die verklärte Seele steht, Heller, als der Sonnenschein, Schön, unsterblich, engelrein; Laß sie sein mit dir vereinet, Wenn mein letzter Tag erscheinet. Salomon Frant, † 1725. Mel.: Den die Hirten lobten sehre sc.. 282. Früh am Morgen Jesus gehet Und vor allen Thüren stehet, Klopfet an, wo man geflehet: Komm, Herr Jeſu, unser Gast! 2. Nun, so lasset ihn nicht dorten, Thut ihm auf des Herzens Pforten Und ruft ihn mit süßen Worten: Eile, Jesu, fehre ein! 3. Wollest täglich bei uns bleiben, Alle Feinde von uns treiben, Uns ins Buch des Lebens schreiben und der gute Hirte sein; 4. Weiden uns auf grünen Auen, Daß wir deine Fülle schauen Und auf deinen Reichthum bauen, Mit dir gehen aus und ein. 266 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 5. Amen, ja, es soll geschehen! Jesus wird heut mit uns gehen und wir werden fröhlich sehen, Daß er uns nicht läßt allein. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 283. Jesu, süßes Licht, Nun ist die Nacht vergangen; Nun hat dein Gnadenglanz Aufs neue mich umfangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlafe aufgeweckt Und hat sich, Herr, nach dir Verlangend ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnade senten Mit Leib, mit Seel, mit Geist, Heut diesen ganzen Tag; Das soll mein Opfer sein, Weil ich sonst Nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott: Da hast du meine Seele; Sie sei dein Eigenthum, Mit ihr dich heut vermähle In deiner Liebeskraft; Da hast du meinen Geist, Darinnen wollst du dich Verklären allermeist. 4. Da sei denn auch mein Leib Zum Tempel dir ergeben, Zur Wohnung und zum Haus; Ach, allerliebstes Leben, Ach wohn, ach leb in mir, Beweg und rege mich: So hat Geist, Seel und Leib Mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt Die Kleider angeleget: Laß meiner Seele sein Dein Bildniß eingepräget Im güldnen Glaubensschmuck, Ju der Gerechtigkeit, So allen Seelen ist In Das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesu, schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit und Geduld Durch deines Geiste Triebe; Auch mit der Demuth mich Vor allem kleide an, So bin ich wohlgeschmückt Und köstlich angethan. 7. Laß mir doch diesen Tag Stets vor den Augen schweben, Laß dein Allgegenwart Mich wie die Luft umgeben, Auf daß Morgen. 267 mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund! 8. Ach segne, was ich thu, Ja rede und gedenke; Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß alles nur gescheh Zu deines Namens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib dein Eigenthum. J. Lange,+ 1744. Mel.: Ich dank dir schon 2c. 284. Mein erst Gefühl sei Preis und Dank; Erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; Lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, Lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? 3. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mirs jetzt nen gegeben. 4. Gelobet seist du, Gott der Macht, Trene, Daß ich nach einer sanften Nacht erfreue. Gelobt sei deine Mich dieses Tags 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Auf dich hofft meine Seele; Sei mir ein Netter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. 7, Gib mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. 8. Daß ich als ein getreuer Knecht Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züchtig und gerecht Durch deine Gnade lebe. 268 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. 9. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe. Chr. Fr. Gellert, † 1769. Mittag. Bor Cische. Mel.: O Jesu Christ, meins Lebens Licht 2c. 285. Gesegn uns, Herr, die Gabe dein, Die Speis laß unsre Nahrung sein; Hilf, daß dadurch erquicket werd Der dürftge Leib auf dieser Erd! 2. Doch dieses zeitlich Brot allein Kann uns nicht gnug zum Leben sein; Dein göttlich Wort die Seele speist, Hilft uns zum Leben allermeist. 3. Drum gib uns beides, Herr und Gott; Hilf endlich auch aus aller Noth, So preisen wir dein Gütigkeit Hier und auch dort in Ewigkeit. Vor 1552. 286. Dich bitten deine Kinder, O Vater Herre Gott, Mach unsre Sorgen minder, Gib uns das täglich Brot; Erhalt uns unser Leben, Das du uns haft gegeben, Bis wir jens erben dort. 2. Gesegn in dieser Stunde, Was du uns haft bescheert, Daß es uns sei gesunde; Die Kraft werd uns gemehrt, In deinem Dienst zu bleiben, Die Werk der Lieb zu treiben Allzeit an Jedermauit. 3. Wollst deine Lieb beweisen Und allen schaffen Rath, All Hungerige speisen, Mit Gütern machen satt, Daß wir dich alle loben, Dein Güt herab von oben Erkennen stets mit Dank. Vor 1553. Mittag. 269 Mel.: Schmücke dich, o liebe zc. 287. Speis uns, Vater, deine Kinder, Tröste die betrübten Die wir jetzo vor Sünder, Sprich den Segen zu den Gaben, uns haben, Daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, Bis wir endlich mit den Frommen zu der Himmelsmahlzeit kommen. Joh. Heermann, † 1647. Nach Cisch e. 288. Wir ten Gott für seine Gaben, Die wir von ihm empfangen haben, Wir bitten unsern lieben Herrn, Er woll hinfort uns mehr bescheern; 2. Und speisen uns mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier und dort; Ach lieber Gott, du wollst uns geben Nach dieser Welt das ewge Leben. Vor 1589. Mel.: Da Christus geboren ic. 289. Unser Vater, der uns liebt, Der uns, was uns gut ist, gibt, Gab auch jetzt uns Speis und Trank: Lobt ihn, sagt ihm froher Dank. Aller Segen kommt vom Herrn: Dankt ihm und gehorcht ihm gern, Liebt ihn, freuet euch des Herrn! Abend. Mel.: Erhalt uns, Herr 2c. 290. Hinunter ist der Sonnen Schein, Die finstre Nacht bricht stark herein; Leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, Laß uns im Finstern wandeln nicht. 2. Dank sei dir, daß du uns den Tag Vor Schaden, Angst und mancher Plag Durch Gottes Engel haft behüt Aus lauter Gnad und großer Güt. 3. Womit wir, Herr, erzürnet dich, Dasselb verzeih uns gnädiglich und rechn es unsrer Seel nicht zu; Laß schlafen uns in Fried und Ruh. 270 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisſe. 4. Die Engel dein zur Wach bestell, Daß uns der böse Feind nicht fäll; Vor Schrecken, Angst und Feuersnoth Behüt uns heut, o treuer Gott. N. Heermann,+ 1561. In eigner Melodie oder: Ach bleib bei uns sc. 291. Christe, der du bist und Licht, Vor dir, Herr, ist verborgen nichts; Du väterlichen Lichtes Glanz, dehr nus bent Weg der Wahrheit ganz. 2. Wir bitten deine göttlich macht, Behüt uns, Herr, in dieser Nacht; Bewahr uns, Herr, vor allem Leid, Gott, Vater der Barmherzigkeit. 3. Vertreib den schweren Schlaf, Herr Christ, Daß uns nicht schad des Feindes Lift: Das Fleisch in Züchten reine sei, So sind wir mancher Sorgen frei. 4. So unsre Augen schlafen ein, So laß das Herz doch wachsam sein; Beschirm uns, Gottes rechte Hand, Und lös uns von der Sünde Band. 5. Beschirmer, Herr der Christenheit, zeit sei bereit; Hilf uns, Herr Gott, aus deine Qual und bittern Tod! Dein Hilf uns allaller Noth, Durch 6. Gedenk, o Herr, der schweren Zeit, Darinnen wir noch sind im Streit; Der Seele, die du hast erlöst, Gib, o Herr Jesu, deinen Trost. 7. Gott Vater sei Lob, Ehr und Preis, llnd seinem Sohne gleicherweis, Des heilgen Geistes Gütigkeit Von nun an bis in Ewigkeit. Wolfg. Meußlin, † 1563. Eigne Melodie oder: Im finstern Stall zc. 292. Mein schönste Zier und Kleinod bist Auf Erden du, Herr Jesu Christ; Dich will ich lassen walten. Und allezeit, In Lieb und Leid In meinem Herz behalten. Abend. 271 2. Dein Lieb und Tren für Alles geht, Kein Ding auf Erd so fest besteht, Das muß ich frei bekennen; Drum soll nicht Tod, Nicht Angst, nicht Noth Von deiner Lieb mich trennen. 3. Dein Wort ist wahr und trüget nicht Und hält gewiß, was es verspricht, Im Tod und auch im Leben. Du bist nun mein, Und ich bin dein; Dir hab ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab; ach schönste Zier, Herr Jesu Christ, bleib du bei mir; Es will nun Abend werden; doch dein Licht Auslöschen nicht Bei uns allhier auf Erden. Aus dem sechszehnten Jahrhundert. 293. Werde munter, mein Gemüthe, Und ihr Sinnen, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag Durch sein gnadenreiches Walten Hat beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir ist mein Werk gelungen, Daß du mich vor allem Leid Und vor Sünden mancher Art So getreulich haft bewahrt, Auch die Feinde weggetrieben, sehrt geblieben. Daß ich unver3. Herr, ich bin von dir gewichen; Doch ich stell mich wieder ein; Denn dein Sohn hat ausgeglichen Meine Schuld durch seine Pein.. Ich verlengne nicht die Schuld; Aber deine Gnad und Huld Ift viel größer, als die Sünde, Die ich täglich in mir finde. 4. O du Licht der frommen Seelen, Ewigkeit, Dir will ich mich ganz befellen alle Zeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, dunkel hier; Daß kein Unfall mich betrübe, deiner Liebe. du Glanz der Diese Nacht und Weil es nunmehr Tröste mich mit 272 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 5. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanft und süße Ruh; Alles Uebel laß verschwinden, Decke mich mit Segen 311; Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freunde, Feind und Hausgenossen Sein in deinen Schutz geschlossen. 6. Ach, bewahre mich vor Schrecken, Schütze mich vor Ueberfall; Laß mich Krankheit nicht aufwecken, Treibe weg des Krieges Schall; Wend ab Feur- und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel verderben. 7. O, du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat; Jesn, den ich stets verehre, Bleibe du mein Schutz und Rath; Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. J. Rist, 1667. Mel.: O Welt, ich muß dich sc. 294. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder; Es schläft die ganze Welt; Shr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was euerm Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind; Fahr hin! ein andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen; prangen Am blanen Himmelsfaal: stehen, Wenn mich wird heißen gehen Jammerthal. Die güldnen Sternlein Also werd ich auch Mein Gott aus diesem 4. Der Leib, der eilt zur Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit; Die zieh ich aus, Abend. 273 dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sei: Herz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder; Der Betten ihr begehrt; Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten in der Erd. Zur Ruh ein Bettlein 7. Mein Augen stehn verdrossen, Im Nu sind sie geschlossen, Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, So laß die Englein singen: Dieß Kind soll unverletet sein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr: Gott laß euch ruhig schlafen, Stell cuch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Helden Schar. P. Gerhard, † 1676 295. Der Tag mit seinem Lichte Fleucht hin und wird zu nichte; Die Nacht kommt angegangen, Mit Ruhe zu umfangen Den matten Erdenkreis. Der Tag der ist geendet; Mein Herz zu dir sich wendet, Der Tag und Nacht geschaffen Zum Wachen und zum Schlafen, Will singen deinen Preis. 2. Wohlauf, wohlauf, mein Psalter! Erhebe den Erhalter, Der mir an Leib und Seelen Viel mehr, als ich kann zählen, 18 274 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. Hat heute Guts gethan. All Augenblick und Stunden hat sich gar viel gefunden, Womit er sein Gemüthe lind unerschöpfte Güte mir klar gezeiget an. 3. Gleich wie des Hirten Freude, Ein Schäflein an der Weide, Sich unter seiner Treue Ohn alle Furcht und Scheue Ergötzet in dem Feld Und sich mit Blumen füllet, Den Durst mit Quellen stillet, So hat mich heut geführet, Mit manchem Gut gezieret Der Hirt in aller Welt. 4. Gott hat mich nicht verlassen, Ich aber hab ohn Maßen Mich nicht gescheut, mit Sünden Und Unrecht zu entzünden Das treue Vaterherz. Ac, Bater! laß nicht brennen Den Eifer, noch mich trennen Von deiner Hand und Seiten; Mein Thun und Ueberschreiten Erweckt mir Reu und Schmerz. 5. Erhöre, Herr, mein Beten, Und laß mein Uebertreten Zur Rechten und zur Linken Ins Meeres Tiefe sinken Und ewig untergehn. Laß aber, laß hingegen Sich deine Engel legen Um mich mit deinen Waffen; Mit dir will ich entschlafen, Mit dir auch auferstehn. 6. Darauf so laß ich nieder Mein Haupt und Augenlieder, Will ruhen ohne Sorgen, Bis daß der güldne Morgen mich wieder munter macht. Dein Flügel wird mich decken, So wird mich nicht erschrecken Der Feind mit tausend Listen, Der mich und alle Christen Verfolget Tag und Nacht. 7. Ich lieg hier oder stehe, Ich sitz auch oder gehe, So bleib ich dir ergeben, Und du bist auch mein Leben, Das ist ein wahres Wort. Was ich beginn und mache, Ich schlaf ein oder wache, Woha ich, als wie im Schlosse In deinem Arm und Schooße, Bin selig hier und dort. Paul Gerhardt, † 1676. Abend. 275 Mel.: Werde munter mein sc. 296. Unsre müden Augenlieder Schließen sich jetzt schläfrig zu, Und des Leibes matte Glieder Grüßen schon die Abendruh; Denn die dunkle finstre Nacht Hat des hellen Tages Pracht In der tiefen See verdecket Und die Sterne aufgestecket. 2. Ach bedenk, eb du gehst schlafen, Du, o meines Leibes Gast, Ob du den, der dich erschaffen, Heute nicht erzürnet haft; Thu, ach thu bei Zeiten Buß, Geh und falle ihm zu Fuß Und bitt ihn, daß er aus Gnaden Dich der Strafe woll entladen. 3. Sprich: Herr, dir ist unverholen, Daß ich diesen Tag verbracht Anders, als du mir befohlen; Ja, ich habe nicht bedacht Des Berufes schmalen Steg, Deinen vorgeschriebnen Weg, Sendern dich, mein Gott, verlaffen, Bin gefolgt der Weltlust Straßen. 4. Ach, Herr, laß mich Gnad erlangen, Gib mir nicht verdienten Lohn; Laß mich deine Huld umfangen, Sieh an deinen lieben Sohn, Der für mich genug gethan; Vater, nimm den Bürgen an! Dieser hat für mich erduldet, Was ich Sünder hab verschuldet. 5. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken; In dir schlaf ich sanft und wohl; Gib mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröth angehet Und die Sonn am Himmel stehet. 6. Vater droben in der Höhe, Dessen Nam nns theuer werth; Dein Reich komm, Tein Will geschehe, Unser Brot werd uns bescheert, Und vergib uns unsre Schuld, Schenk uns deine Gnad und Huld; Laß uns nicht Versuchung tödten, Hilf uns, Herr, aus allen Nöthen. J. Frant,+ 1677. Vers 6 späterer Zusaz. 276 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 297. Der Tag ist hin, mein Jesu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, o Herr, denn es ist Zeit! 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen; Dir sei die Ehr, wenn Alles wohl gelungen Nach deinem Ratb, ob ichs gleich nicht versteh; Du bist gerecht, es gehe, wie es geh. 3. Nur Eines ist, das mich empfindlich quälet, Beständigkeit im Guten mir noch fehlet; Das weißt du wohl, o Herzensfündiger, Ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 4. Bergib es, Herr, mir sagt es mein Gewissen, Der Sünde Lust hat mich von dir geriffen; Es ist mir leid, ich stell mich wieder ein, Hier ist mein Herz! ich dein, Herr, und du mein! 5. Mein Herr und Gott, mein Hüter und mein Hirte, Zu deinem Trost dein steghaft Schwert umgürte; Bewahre mich durch deine große Macht, Wenn mir der Feind nach meiner Seele tracht. 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen; Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen; O Lebensfonn, erquicke meinen Sinn; Dich laß ich nicht, mein Fels; Der Tag ist hin! J. Neander,+ 1680. 298. Nun sich der Tag geendet hat und keine Sonn mehr scheint, Schläft Alles, was von Arbeit matt, Und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, Du schläfft noch schlummerft nicht; Die Finsterniß ist dir verhaßt, Weil du bist selbst das Licht. Abend. 277 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich In dieser finstern Nacht Und schirme du mich gnädiglich mit deiner Engel Wacht. 4. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, dir klagt an; Doch deines lieben Sohnes Huld mich gethan. Die mich bei Hat gnug für 5. Drauf thu ich meine Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, Wer wollte traurig sein? 6. Weicht, nichtige Gedanken, hin! Zu End ist euer Lauf; Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 7. Soll diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, Herr, führ mich in den Himmel ein Zur auserwählten Zahl. 8. Und also leb und sterb ich dir, Du Herr Gott Zebaoth; Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Noth. J. F. Herzog, † 1699. Mel.: Werde munter, mein 2c. 299. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir auch selber an, Eo ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, Das dir nicht gefallen Wort hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, und That, Und zu jeder Tagesstund Pfleget Herz und Hand und Mund So geschwind und oft zu fehlen, Daß ichs selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden! Habe noch einmal Geduld; Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergib mir alle Schuld. Deine große Vatertreu Werde diesen Abend neu; So will ich noch deinen Willen künftig mehr als heut erfüllen. 278 Vieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. 4. Heilige mir das Gemüthe, Daß der Schlaf nicht sündlich sei; Decke mich mit deiner Güte, Und dein Engel steh mir bei. Lösche Licht und Feuer aus Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Unglück müsse weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun; Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn, So zerstöre du den Rath Und verhinderc die That; Wend auch allen andern Schrecken, Den die Bosheit kann erwecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird; Denn du bleibeft ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seine Heerde wacht: Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich dann gesund erwachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, lieber Gott, Heut bestimmet meinen Tod? So befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Casp. Neumann, † 1715. Mel.: Ach, was soll ich Sünder 2c. 300. Ach, mein Jesu, sieh ich trete, Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsterniß sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete: Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn geschwinde Wie ein Pfeil zur Ewigkeit; Auch die allerlängste Zeit Rauscht vorüber wie die Winde, Fließt dahin, als wie ein Fluß Mit dem schnellsten Wasserguß. 3. Aber Jesu, sich, ich Armer Nehmc mich doch nicht in Acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Abend. 279 Erbarmer; O wie mancher Tag geht hin, Daß ich kalt und träge bin. 4. Ach, ich muß mich herzlich schämen; Du erhältst und schützest mich Tag und Nacht so gnädiglich, Und ich will nich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sei. 5. Nun, ich komme mit Verlangen, O mein Herzensfreund zu dir: Neige du dein Licht zu mir, Da der Tag nunmehr vergangen; Sei du selbst mein Sonnenlicht, Das durch alles Finstre bricht. 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen willt; Von dir sei mein Herz erfüllt: So wird mich nichts können quälen; Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. Lev. Joh. Schlicht,+ 1723. Mel.: Herr Jesu Christ, meins Lebens 2c. 301. Ein Tag geht nach dem andern hin, Da ich noch stets im Leben bin; Die Zeit verläuft und ich mit ihr, Nur du, mein Gott, bist stets bei mir. 2. Du gibest, daß ich manchen Tag Mit Segen hinterlegen mag, Und wenn mich eine Last gedrückt, So bist du es, der mich erquickt. 3. Hingegen ist mein Wandel nicht Nach deinem Willen eingericht; Ich bin nicht werth, daß deine Gnad So lange mich verschonet hat. 4. Doch trau ich fest auf deine Huld, Die größer ist, als meine Schuld; Ich halte dich und laß dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. 5. Ach segne, Vater, meine Ruh Und gib mir dein Geleite zu; Da schlaf ich froh und sicher ein, Weil deine Engel bei mir sein. 280 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 6. Getreuer Jesu, steh mir bei, Und brich der Sünde Macht entzwei, Daß, wenn mich böse Lust bekriegt, Sie bald zu meinen Füßen liegt. 7. Gib, heilger Geist, daß mir dein Licht Auch in dem Dunkeln nicht gebricht; Verleih mir einen solchen Sinn, Daß auch im Schlaf ich wachsam bin. 8. Du heilige Dreifaltigkeit, Dein bin und bleib ich allezeit; Soll diese Nacht die letzte sein: Ich leb und sterbe dir allein. B. Schmold, † 1737. Mel.: Jesu, meine Freude 2c. 302. Hirte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag, Deine Wundergüte War mir Schild und Hütte Den vergangnen Tag; Sei die Nacht Auch auf der Wacht Und laß mich von deinen Scharen Um und um bewahren. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld; Ein versöhnt Gewissen Sei mein Ruhekissen: Drum vergib die Schuld! Denn dein Sohn Hat mich davon Durch die tiefgeschlagnen Wunden Gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben; Sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen In den Vater armen Ohne Sorgen ein. Du bei mir Und ich bei dir: Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel; Unter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein; Deck uns zu Mit Schutz und Ruh, So wird uns kein Grauen wecken, Noch der Feind uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Doch, hast du beschlossen, Daß mein Abend. 281 Ziel verflossen, Kommt die Todesnoth, So will ich Nichts wider dich. Gerne, weil ich dich gefunden, Sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlau! ich thue In vergnügter Ruhe Meine Angen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, Treuer Hüter du! Gute Nacht, Nimm mich in Acht; Und erleb ich noch den Morgen, Wirst du weiter sorgen. 201 miss Tan 3. Schmolck, † 1737. Mel.: OKönig aller Ghren 2c. 303. Herr, es gescheh dein Wille! Der Körper eilt zur Ruh; Es fallen in der Stille Die müden Augen zu: Vergib der Schwachheit Sünden, Verschon mit Zorn und Straf; Laß mich bereitet finden Zum Tode wie zum Schlaf. 2. Dein Heil hab ich gesehen; In Frieden fahr ich hin, Weil ich beim Auferstehen In deinem Reiche bin; Wohl dem, der bis ans Ende Sich als ein Christ erweist! Mein Gott, in deine Hände Befehl ich meinen Geist. J. F. v. Cronegt,+ 1758. Mel.: Welt, ich muß 2c. 304. Nun sich der Tag geendet, Mein Herz zu dir sich wendet Und danket inniglich: Dein holdes Angesichte Zum Segen auf mich richte; Erleuchte und entzünde mich. 2. Ich schließe mich aufs neue In deine Batertreue Und Schutz und Herze ein: Die fleischlichen Geschäfte Und alle finstern Kräfte Vertreibe durch dein Nahesein. 3. Daß du mich stets umgiebest, Daß du mich herzlich liebest Und rufft zu dir hinein; Daß du vergnügst alleine So wesentlich, so reine, Laß immer mir vor Augen sein. 4. Ein Tag, der sagts dem andern, Mein Leben sei ein Wandern Zur großen Ewigkeit: O Ewigkeit, du schöne, Mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieſer Zeit. 6. Terstegen, † 1769. 282 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. Mel.: Welt, ich muß 2c. 305. Herr, der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet ich kindlich an. Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe Fren ich mich deiner Güte; Ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke Und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn, Auf deine Güte hoffen, Im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn. 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil. Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden, Und in dem Himmel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil ich der Ruh entgegen; Dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein; in deine Hände Befehl ich, Vater, meinen Geist. Chr. F. Gellert, † 1769. Mel.: In dich hab ich gehoffet sc. 306. Für alle Güte sei gepreist, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, Den Lobgesang, Den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast Großes heut an mir gethan, Mir mein Gebet gewähret; Haft väterlich Mein Haus und mich Beschützet und genähret. 3. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk; Der Geist, mit dem ich dein gedenk, Ein ruhiges Gemüthe, Was ich vermag Bis diesen Tag, Ist alles deine Güte. 4. Sei auch nach deiner Lieb und Macht Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht; Vergieb mir meine Sünden; Und kommt mein Tod, Herr Zebaoth, So laß mich Gnade finden. Chr. F. Gellert, † 1769. Abend. 283 In eigener Melodie oder: O Welt, ich muß dich lassen sc. 307. Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar. Der Wald ist schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, Die wir getroft belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehen. 4. Wir stolzen Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel, Wir spinnen Luftgespinnste Und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß dein Heil uns schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen, Nicht Eitelkeit uns freun; Laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden Wie Kinder froh und fröhlich sein. 6. Wollst endlich sonder Grämen Von dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod; Und wenn du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denu, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt ist der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen, Und unsern franken Nachbar auch. M. Claudius, † 1815. Für Kinder. Mel.: Jesus, komm doch sc. 308. Mide bin ich, Geh zur Ruh, Schließe beide Nenglein zu; Vater, laß die Augen dein Ueber meinem Bette sein! 284 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. 2. Hab ich Unrecht heut gethan, Sieh es, lieber Gott, nicht an! Deine Gnad und Jesu Blut Macht ja allen Schaden gut. 3. Alle, die mir sind verwandt, Hand; Alle Menschen, groß und klein, Gott, laß ruhn in deiner Sollen dir befohlen sein. 4. Kranken Herzen sende Ruh, Nasse Augen schließe zu; Laß den Mond am Himmel stehn, Und die stille Welt besehn! Louise Hensel, geb 1798. Am Schlusse der Woche. Mel.: Du Lebensbrot 2c. 309. Gott Lob, ein Schritt zur Ewigkeit Ist abermals vollendet; Zu dir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, O Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt zu meiner Seele Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr zulange, Bis es erscheine, daß ich gar, fange, Damit, was sterblich ist an mir, ganz in dir Und ich unsterblich werde. Und wird mir allO Leben, dich umVerschlungen werde 3. Doch sei dir ganz anheimgestellt Die rechte Zeit und Stunde, Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, Daß ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße und darauf Von nun an richte meinen Lauf, Daß ich dir komm entgegen. 4. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen, Und daß ich frei vor Jedermann Dich meinen Freund darf nennen, Und daß du dort, o Lebensfürst, Dich ganz mit mir vereinen wirst Und mir dein Erbe schenken. 5. Drum preis ich dich aus Dankbarkeit, Daß sich die Wach geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein neuer Am Schlusse der Woche. 285 Schritt vollendet; Und freudig schreit ich weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 6. Wenn meine Hände lässig sind Und meine Kniee beben, So biet mir deine Hand geschwind, Mich wieder zu erheben; Erfüll mit deiner Kraft mein Herz, Damit ich freudig himmelwärts Ohn Unterlaß aufsteige. 7. Geh, Seele, frisch im Glauben dran Und sei nur unerschrocken; Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken; So dir der Lauf zu langsam däucht, So eile, wie ein Adler fleucht, Mit Flügeln süßer Liebe. 8. O Jesu, meine Seele ist Zu dir schon aufgeflogen; Du hast, weil du voll Liebe bist, Mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit! Ich bin schon in der Ewigkeit, Weil ich in Jesu lebe. A. H. Francke, † 1727. Mel.: Valet will ich dir geben 2c. 310. Die Woche geht zu Ende, Nicht aber Gottes Tren; Denn wo ich mich hinwende, Da ist sie immer neu. Die Zeit kann wohl verschwinden, Nur Gottes Güte nicht; Sie läßt sich täglich finden Und gibt mir Trost und Licht. 2. Du gnädigster Erhalter Von Allem, was ich bin, Hör meines Mundes Psalter Und nimm mein Opfer hin. Unzählbar sind die Gaben, Die du geschenket mir, Und was ich nur kann haben, Ist alles ja von dir. 3. Ich bin dein Kind aufs neue; Drum gib, daß diese Nacht mich auch dein Schutz erfreue, Der Alles sicher macht. Ich werde gleichsam sterben; Der Schlaf ist wie ein Tod, Doch kann ich nicht verderben: Du lebst in mir, mein Gott. Von deiner Gütigkeit, Die du 4. Die ganze Woche zeuget zu mir geneiget, Getreu zu jeder Zeit. Auf meines Lebens 286 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. Pfade Rühmt jeder Augenblick Im Glück und Mißgeschick. Die Wunder deiner Gnade 5. Allein mein Herze bebet, Wenn es zurücke denkt, Wie übel ich gelebet Und dich, mein Gott, gekränkt; Drum ruf ich: Herr, erbarme, Erbarm dich über mich! Ich fall dir in die Arme: Ach, schone gnädiglich! 6. Mein Glaube heißt mich hoffen, Es sei durch Christi Blut Ein neuer Bund getroffen, Und Alles wieder gut: Drum will ich dir geloben, Auf ewig treu zu sein; Dein guter Geist von oben Wird mir die Kraft verleihn. 7. Soll das in diesem Leben Die letzte Woche sein, Will ich nicht widerstreben, Nein, mich im Geiste freun Auf jenen Feierabend, Den Christi Tod gemacht, Und diese Hoffnung babend Sprech ich nun: Gute Nacht! B. Schmolck,+ 1737. Beruf. Mel.: Welt, ich muß dich lassen 2c. 311. Du sollst in allen Sachen Mit Gott den Anfang machen Aus treuer Schuld und Pflicht. Wem hast du Dank zu geben, Als ihm, für Heil und Leben? Von dir entspringt es nicht. 2. Was will dein kaltes Sinnen, Du Staub der Zeit, beginnen, Legt er nicht Hilfe bei? Der Mensch mit seinem Dichten Weiß wenig anszurichten, Das gut zu heißen sei. 3. Drum sei nicht zu verwegen Auf des Berufes Stegen Und bilde dir nicht ein, Als könntest du Vertrauen Auf deine Kräfte bauen; Denn sie sind ja nicht dein. 4. Wo Gottes Hand sich reget, den Grund zur Arbeit leget, Da zieht der Segen ein; Verkehrt er sein Gesichte, So wird ein Werk zunichte, Wie gut die Meister sein. Beruf. 287 5. Schlag an die Himmelpforten Mit starken Glaubensworten, Da bitte Beistand aus. Daher wird Segen fließen Und reichlich sich ergießen Auf dich und auf dein Haus. A. Tscherning,+ 1659. Mel.: Alle Menschen müssen 2c. 312. Jesu, komm, sei eingebeten! Meine Hände leg ich an; Wollest mir zur Seite treten, Daß mein Thun sei wohigethan. Auf dein Wort, zu deiner Ehre, Will mein Netz ich senken ein; Einen guten Zug bescheere, Laß es voller Segen sein, 2. Ohne dich macht nichts mein Machen, Nichts kann alle meine Kunst; Ohne dich in allen Sachen Alle Müh ist ganz umsonst. Ach, du mußt mit Hand anlegen, Meine Hand ist viel zu schwach. Ei, so komm mit Hilf und Segen, Meine Ohnmacht mächtig mach. 3. Gerne will ich thun das Meine, Will es thun auf dein Geheiß, Thu auch du dabei das Deine Und beglücke meinen Fleiß. Laß mich und mein Haus erfreuen Einen reichen guten Zug; Doch sollt es nicht gleich gedeihen, Hab ich dich, hab ich genug. 4. Zwar, wie sollt es mir nicht glücken, Da du selbst Mithelfer bist? Ach du kannst und, willst erquicken, Wenn man fromm und gläubig ist. Ist nur Gott, so ist daneben Alles Andre auch im Haus; Du wirst segnen, du wirst geben, Der du Allen theilest aus. 5. Ich versel) mich deiner Gnaden, Ob ich keines Segens werth; Wirst du mir mein Netz beladen, Sollst du sein mit Dank verehrt; Gibst du, ich will wiedergeben, Ja, ein Theil davon soll dein, Dein, o Gott, und auch daneben Meines armen Nächsten sein. S. von Birken, † 1681. 288 lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisſe. Mel.: Erschienen ist der herrlich sc. 313. Das walte Gott, der helfen kann! Mit Gott fang ich mein Arbeit an, Mit Gott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch dieß mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert Gottes Kraft und Stärk; Mein Herz sucht Gottes Angesicht; Drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts; Wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und thut mir alles Guts; Drum sprech ich nun auch gutes Muths: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, sein dafür; Auf sein in meiner Arbeit stets: So will ich dankbar Wort werf ich aus mein Netz Und sag Das walte Gott! 5. Anfang und Mitte sammt dem End Stell ich allein in Gottes Händ; Er gebe, was mir nützlich ist; Drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei Nach seiner großen Güt und Treu, So gnügets mir zu jeder Stund; Drunt sprech ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück: unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott gewagt; Er wird mir gnädig stehen bei; Drum dieß auch meine Losung sei: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat Er gibt und nimmt, machts, wie er will; Drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Noth Und gibt mir auch mein täglich Brot. Nach seinem alten Vaterbrauch Thut er mir Guts; Drum sprech ich auch: Das walte Gott! Ehe und Hausstand. 289 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst, Nichts hilft Verstand, Witz oder Kunst; Mit Gott gehts wohl, daß ich kann sagen glaubensvoll: Das fort, geräth auch walte Gott! 11. Theilt Gott was mit ans Gütigkeit, So acht ich keiner Feinde Neid: Laß hassen, wers nicht lassen kann; Ich simme doch mit Freuden an: Das walte Gott, 12. Thu ich dann was mit Gottes Rath, Der mir beistehet früh und spat, Dann Alles wohlgerathen muß; Drum sprech ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! J. Betichius, um 1700. Ehe und Hausstand. Mel.: Nicht so traurig, nicht so sehr zc. 314. Voller Wunder, voller Kunst, Voll von hoher Weisheit Preis, Boller Hulde, Gnad und Gunst, Labsal bei des Lebens Schweiß, Voller Wunder, sag ich noch, Ist der keuschen Liebe Joch. 2. Die sich nach dem Angesicht Niemals je zuvor gekannt, Auch sonst im Geringsten nicht Mit Gedanken zugewandt, Derer Herzen, derer Hand Knüpft Cott in ein Liebesband. 3. Dieser Vater zeucht sein Kind, Jener seins dagegen auf, Beide treibt ihr sondrer Wind Ibre fondre Bahn und Lauf; Aber wenn die Zeit nun dar, Wirds ein wohlgerathnes Paar. 4. Hier wächst ein geschickter Sohn, Dort ein edle Tochter 3n; Eines ist des andern Kron, Eines ist des andern Ruh, Eines ist des andern Licht, Wissens aber beide nicht.. 5. Bis so lang es dem beliebt, Der die Welt im Schooße hält Und zur rechten Stunde gibt Jedem, was ihm wohlgefällt: Da erscheint im Werk und That Der so tief verborgne Rath. 6. Jeder findet, jeder nimmt, Was der Höchst ihm ausersehn; Was im Him.nel ist bestimmt, Pflegt auf Erden zu 19 290 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. geschehn, Und was denn nun so geschicht, Das ist sehr wohl ausgericht. 7. Defters denkt man: dieß und das Hätte können besser sein, Aber wie die Finsterniß Nicht erreicht den Sonnenschein, Also geht auch Menschensinn Hinter Gottes Weisheit hin. 8. Laß zusammen, was Gott fügt, Der weiß, wies am besten sei; Unser Denken fehlt und trügt, Sein Gedank iſt mangelfrei; Gottes Wert hat festen Fuß, Wenn sonst Alles fallen muß. 9. Siehe frommen Kindern zu, Die im heilgen Stande stehn, Wie so wohl Gott ihnen thu, Wie so schön er laffe. gehn Alle Thaten ihrer Händ Auf ein gutes selges End. 10. Ihrer Tugend werther Ruhm Blüth, Wenn sonst aller Liebe Blum verzieht, Und wenn aufhört alle Treu, Steht in steter voller Als ein Schatten sich Ist doch ihre Treue neu. 11. Ihre Lieb ist immer frisch Und verjüng: fich fort und fort; Liebe zieret ihren Tisch Und versüßet alle Wort, Liebe gibt dem Herzen Rast In der Müh und Sorgenlaſt. 12. Gehts nicht allzeit, wie es soll, Ist doch diese Liebe still, Hält sich in dem Kreuze wohl, Denkt, es sei des Herren Will, Und versichert sich mit Freud Einer künftig bessern Zeit. 13. Unterdessen geht und fleußt Gottes reicher Segenbach, Speist die Leiber, tränft den Geist, Stärkt des Hauses Grund und Dach, Und was flein, gering und bloß. Macht er mächtig, viel und groß. 14. Endlich, wenn nun ganz vollbracht, Was Gott hier in dieser Welt Frommen Kindern zugedacht, Nimmt er sie ins Himmelszelt Und drückt sie mit großer Lust Selbst an seinen Mund und Brust. Ehe und Hausstand. 15. Nun so bleibt ja voller Gunst, heit Preis, Voller Wunder, voller Kunst, Schweiß, Voller Wunder, sag ich noch, Liebe Joch. 291 Voll von hoher WeisLabsal bei des Lebens Bleibt der keuschen P. Gerhardt,+ 1676. Mel.: Wie schön leucht uns der sc. 315. Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Sm Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heilgen Höhe, Wenn sich An dich Fleißig halten Jung und Alten, Die im Orden Eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn Und unverrückt zusammengehn Im Bunde reiner Trene, Da geht das Glück in vollem Lauf, Da sieht man, wie der Engel Hauf Im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschlagen, Kann zernagen, Was Gott gibet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Der Mann wird einem Baume gleich, An Aesten schön, an Zweigen reich, Das Weib gleich einem Reben, Der seine Träublein trägt und nährt Und sich jemehr und mehr vermehrt Mit Früchten, die da leben. Wohl dir, O Zier, Manneswonne, Hausessonne, Ehrenkrone! Gott denkt dein auf seinem Throne. 4. Sei gutes Muths! nicht Menschenhand Hat aufgerichtet solchen Stand: Es ist ein höhrer Vater; Der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, Der beste Freund und Rather. Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Wir gedenken, Wird er wohl und weislich lenken. 5. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, ba man leidensvoll Die Thränen lässet fließen: Doch wer 292 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. sich still und in Geduld Ergibt, deß Leid wird Gottes Huld In großen Freuden schließen. Zage, Trage Nur ein wenig! Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 6. Wohl denn, mein König, nah herzu! Gib Rath in Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude! Deß sollst du haben Ruhm und Preis; Wir wollen singen bester Weis Und danken alle beide, Bis wir Bei dir, Deinen Willen Zu erfüllen, Deinen Namen Ewig loben werden. Amen! P. Gerhardt, 1676. Mel.: Werde munter, mein 2c. 316. Sorge doch für meine Kinder, Vater, nimm dich ihrer an; Ob sie gleich vor dir sind Sünder, Sind sie dir doch zugethan, Und du hast sie in der Tauf väterlich genommen auf, Daß sie, wenn sie sollten sterben, Wären deines Reiches Erben 2. Du hast sie bisher ernähret Und so manchen Unglücksfall Mehr als väterlich gewehret, Der sie hier und überall Hätt in Angst und Noth gestürzt, Ja das Leben abgekürzt; Aber deine Vatertreue Bleibt bei ihnen täglich neue. 3. Sollt ich nicht für solche Güte Immer dir verpflichtet fein Und mit dankbarem Gemüthe Solchen Glücks- und Segensschein Rühmen und für Jedermann Deine Wohlihat zeigen an, Ach so müßt ic) ganz vermessen Gottes, meines Heils, vergessen. 4. Sammeln andre große Schätze, Suchen in der Welt ihr Heil, Daß sie Geld und Gut ergötze, So bist du mein einzig Theil. Bleib auch meiner Kinder Gott, Laffe sie in keiner Notb Und in keinem Kreuz verderben, Bis sie endlich selig sterben. 5. Schütze sie vor bösen Leuten Und vor der Verführer Schar, Daß ihr Fuß nicht möge gleiten; Laß sie ihre Lebensjahr In der Gnade bringen zu, Bis du sie, wie mich, zur Ehe und Hausstand. 293 Ruh Wirst ins tühle Grab versenken und die Seligkeit uns schenken. 6. Können sie in diesem Leben Hier und, wo es dir gefällt, Was zu deiner Ehre geben, So laß in der ganzen Welt Ihnen, wo sie immer gehn, Deine Furcht vor Augen stehn, Daß sie dich im Thun und Lassen Stets in ihre Herzen faffen. 7. Gönne mir die große Freude, Daß einst an dem jüngsten Tag, Nach so vielem Kreuz und Leide, Ich mit Jauchzen sagen mag: Liebster Vater, ich bin hier Und die Kinder, die du mir Hast in jener Welt bescheeret; Ewig sei dein Nam geehret! L. H. Schlosser, † 1723. Mel.: Seelenbräutigam zc. 317. Jesu, geh voran Auf der Lebensbahn; Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen; Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. 2. Solls uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden, O so gib Geduld zu beiden; Richte unsern Sinn Auf das Ende hin. 4. Ordne unfern Gang, Jesu, lebenslang; Führst du uns turch rauhe Wege, Gib uns auch die nöthge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. N. 2. Graf v. Zinzendorf,+ 1760. Mel.: Wo Gott zum Haus zc. 318. Wohl einem Haus, da Jesus Christ Allein das All in Allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär, So stünd es öd und wüft und leer! 294 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisſe. 2. Wohl, wenn sich Mann und Weib und Kind In einem Glaubenssinn verbindt, Zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Werk nichts ist, noch heißt! 4. Wohl, wenn das Räuchwerk und Gebet Beständig in die Höhe geht, Und man nichts treibet fort und fort, Als Gottes Werk und Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger getreuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Im Glauben seine Pflicht bewahrt! 6. Wohl, wenn die Aeltern gläubig sind, Und wenn sie Kind und Kindeskind Versäumen nicht am ewgen Glück, So bleibet ihrer feins zurück. 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht; Die Aeltern werden hoch erfreut, Und ihren Kindern sieht mans an, Wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach ich denn zu dieser Stund Sammt meinem Hause diesen Bund: Wenn alles Volk vom Herren wich, dienen wir ihm ewiglich! CH. C. L. v. Pfeil,+ 1784. Mel.: Wie schön leucht uns 2c. 319. Sch und mein Haus, wir sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein; Gib deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen. Eine Klein, Fromme, reine Hausgemeine Mach aus Allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort Tein guter Geist stets fort und fort. An unser aller Seelen; Es leucht uns wie das Ghe und ausstand. 295 Sonnenlicht, Damits am rechten Lichte nicht Im Hause möge fehlen. Reiche Gleiche Seelenspeise Auch zur Reise Durch dieß Leben uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und alle die drin wohnen aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen sein bereit, Demüthig, sanft, gelinde. Liebe Uebe Jede Seele; Keinem fehle, Dran man fennet Den, der sich den Deinen neunet. 4. Laß unser Haus gegründet sein Auf deine Gnade ganz allein Und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue Hülfe schaun Mit kindlichem Gemüthe; Selig, Fröhlich, Selbst mit Schmerzen In dem Herzen Dir uns lassen Und dann in Geduld uns fassen. 5. Gibst du uns irdisch Glück ins Haus, So schließ den Stolz, die Weltluft aus, Des Reichthums böse Gäste; Denn wenn das Herz an Demuth leer Und voll von eitler Weltluft wär, So fehlte uns das Beste: Jene Schöne, Tiefe, stille Gnadenfülle, Die mit Schätzen Einer Welt nicht zu ersetzen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, Daß in dem Haus kein andrer Geist, Als nur dein Geist regiere; Daß er, der Alles wohl bestellt und gute Zucht und Ordnung hält, Uns Alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns allen, Bis wir wallen Heim und droben Dich in deinem Hause loben. K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. In eigener Melodie oder: So führst doch recht sc. 320. selg Haus, wo man dich aufgenommen, Du wahrer Seelenfreund, Herr Jesu Christ! Wo unter allen Gästen, die da kommen, Du der gefeiertste und liebste bist; Wo aller Herzen dir entgegenschlagen und aller Augen freudig auf dich sehn; Wo aller Lippen dein Gebot erfragen und alle deines Winks gewärtig stehen. 296 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 2. Oselig Haus, wo Mann und Weib in einer, In deiner Liebe eines Geistes sind, Als beide eines Heils gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; Wo beide unzertrennbar an dir hangen In Lieb und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen, An jedem guten, wie am bösen Tag. 3. Oselig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als die Seinen Mit mehr als Mutterliebe hegt und pflegt; Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland du! 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in einem Eifer brennen: Daß es nach deinem Willen mag geschehn, Als deine Diener, deine Hausgenossen, In Demuth willig und in Liebe frei, Das Ihre schaffen, froh und unverdrossen, In kleinen Dingen zeigen große Treu. 5. O felig Hans, wo du die Freude theilest, Wo man bei teiner Freude dein vergißt, O selig Haus, wo du die Wunder heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist, Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich geſendet, Jus große, freie, schöne Vaterhaus! K. J. Ph. Spitta, geb. 1801. Obrigkeit. Mel.: Aus meines Herzens Grunde sc. 321. Jehova, Herr und König Der Könige und Herrn, Dir sind wir unterthänig Du herrschest nah und fern; Du, Herr im Himmelszelt, Läßt unter deinem Leiten Bestehn die Obrigkeiten, Zu herrschen in der Welt. Obrigkeit. 297 2. Es zeugen deine Knechte, Daß keine Obrigkeit, Als nur durch deine Rechte und deine Macht gebeut. Du hast sie hoch geschätzt; Wer ihr zuwider lebet, Der trotzt und widerstrebet Dem, was du selbst gesetzt. 3. Du Gott der Ordnung, lehre Mich selbst durch deinen Geist, Daß ich die Obern ehre, Wie uns dein Wort es heißt. Sie tragen ja dein Bild; Gib, daß ich Demuth übe Und sie mit Ehrfurcht liebe, Wie du es haben willt. 4. Verleihe deine Güte Und sende Recht und Licht; Gib ihnen ins Gemüthe Viel Weisheit zum Gericht. Du herrschest selbst im Land; Das Herz der Obrigkeiten Kannst du wie Bäche leiten; Es steht in deiner Hand. 5. Gib, daß durch ihr Regieren Wir mit Zufriedenheit Ein ruhig Leben führen In wahrer Frömmigkeit. Laß sie die Pfleger sein Der gläubigen Gemeinde Und als getreue Freunde Ihr geilge Sorgfalt weihn. 6. Die uns allhier regieren, Herr, die regiere du; Laß deinen Geist sie führen, Dein Rath sprech ihnen zu. Herr Gott, du segnest gern; O, walte du bienieden, Gib deinem Volke Frieden, Durch Jesum, unsern Herrn. Ph. Frd. Hiller,+ 1769. Predigtamt. Mel.: Wie schön leucht uns sc. AVA 322. Jeju, Herr der Herrlichkeit, Du König deiner Christenheit, Du Hirte deiner Heerde, Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst sie, wie es dir gefällt, Sorgst, daß sie selig werde. Von dir Sind wir auch erwäblet, Zugezählet Den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. 2. Wohl deinem Volk, daß du es liebst, Nach deinem Sinn ihm Hirten gibst, Die es zum Himmel führen, Und die voll 298 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſse. Eifer, Geist und Kraft, Voll Glaubens, Liebe, Wissenschaft Tas Herz der Sünder rühren. Treue Hirten Laß den Seelen Niemals feblen Und die Heerden Mit den Hirten selig werden. 3. Wir nehmen hier von deiner Hand Den Lehrer, den du uns gesandt; Herr segne sein Geschäfte! Die Seelen, die sich ihm vertraun, Durch Lehr und Leben zu erbaun, Gib Weisheit ihm und Kräfte. Lehr ihn, Hilf ihm Thun und leiden, Dulden, streiten, Beten, wachen, Selig sich und uns zu machen. 4. Herr, deinen Geist laß auf ihm ruhn; Laß ihn sein Amt mit Frenden thun; Nichts sei, das ihn betrübe; Wenn er uns deine Wahrheit lehrt, Gib uns ein Herz, das folgsam hört, Ein Herz voll treuer Liebe. Lehrer, Hörer Laß in Freundschaft Ind Gemeinschaft Feste stehen und den Weg zum Himmel gehen. 5. Wenn einst dein großer Tag erscheint, Laß unsern Lehrer, unsern Freund, Uns dir entgegen führen, Du gibst ihm unter seine Hand Die Seelen als ein Unterpfand; Laß feine ihn verlieren. Jesu, Hilf du, Beut die Hände, Daß am Ende Hirt und Heerde Treu vor dir erfunden werde. 6. Sei uns gesegnet, Knecht des Herrn! Wir heißen dich willkommen gern In Jesu Christi Namen. O Hirte, nimm uns bei der Hand, Führ uns zum ewgen Vaterland. Gott mit dir! Amen! Amen! Mit dir Gehn wir Durch die Leiden Dieser Zeiten zu dem Leben, Das uns unser Gott will geben. J. D. C. Bickel, † 1809. Allgemeine Noth. 323. Wenn wir in höchsten Nöthen sein Und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rath, Ob wir gleich sorgen früh und spat: Allgemeine Noth. 299 2. So ist dieß unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Ren und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung. 4. Die du verheißest gnädiglich All denen, die drum bitten dich Im Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, Und klagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon in Gnaden los, Steh uns in unserm Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei; 7. Auf daß von Herzen können wir Nachmals mit Freuden danken dir, Gehorsam sein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. P. Eber, 1569. Mel.: Da Christus geboren ic. 324. Trener Wächter Israel, Daß sich freuet Leib und Seel, Der du weißest alles Leid Deiner armen Christenheit; O du Wächter, der du nicht Schläfft noch schlummerst, zu uns richt Jetzt dein hilfreich Angesicht! 2. Schau, wie große Noth und Qual Trifft dein Volk jetzt überall! Täglich wird der Trübsal mehr; Hilf, ach hilf, schütz deine Ehr! Ach, wir Arme, wir vergehn, Trost wir nicht vor Augen sehn, Wo du nicht bei uns wirst stehn! 3. Kläglich schreien wir zu dir, Klopfen an die Gnadenthür, Wir, die du zu deinem Ruhm Haft erkauft zum Eigenthum. 300 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. Dein Erbarmen hat kein End, Deines Vaters Zorn abwend, Der jetzt wie ein Fener brennt. 4. Jesu, der du Jesus heißt, Als ein Jesus Hilfe leist! Hilf mit deiner starken Hand, Menschenhilf hat sich gewandt; Eine Maner um uns bau, Daß dem Feinde davor grau Und mit Zittern fie anschau. 5. Höchster Hort, Immanuel, Du Beschützer meiner Seel, Gott mit uns in aller Noth, Gott um uns und in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit! Trotz dem, der uns thut ein Leid; Gottes Straf ist ihm bereit. 6. Du des Vaters starker Arm, erbarm; Laß jetzt sehen deine Macht, und Nacht; Aller Feinde Rotten trenn, erkenn, Aller Herren Herrn dich nenn. Komm, und unser dich Drauf wir hoffen Tag Daß dich alle Welt 7. Du bist ja der Held und Mann, Der den Kriegen stenern kann, Der da Spieß und Schwert zerbricht, Der die Bogen macht zunicht, Der die Wagen gar verbrennt, Der der Menschen Herzen wendt, Daß der Krieg gewinnt ein End. 8. O du wahrer Friedensfürst, Der der Schlange Kopf zerknirscht Und durch seinen Kreuzestod Frieden wieder bracht bei Gott, Gib uns Frieden gnädiglich! So wird dein Volk freuen sich und dich preisen ewiglich. J. Heermann,+ 1647. Mel.: Herzlich thut mich verlangen ic. 325. In tiefen Aengsten schreien Wir dich, Erbarmer, an, Dich, der allein befreien, Allein erhören kann. Hast du denn ganz verborgen Dein Vaterangesicht? Kommt uns in finstern Sergen Nicht mehr ein Strahl von Licht? 2. Die Noth von so viel Seiten Beraubt uns aller Ruh; Wir sehn dem Sturm der Zeiten Mit bangem Herzen zu. Kriez und Frieden. 301 Die Hülfe im Gedränge, Wonach das Auge thränt, Verzieht sich in die Länge und ist noch nicht ersehnt. 3. Wir fallen, müd im Herzen, Nachts auf die Lagerstait Und träumen, was mit Schmerzen Uns Tags gefoltert hat; Erwachen wir, so beben Wir vor der neuen Last. Wie qualvoll ist dieß Leben! Herr, wir erliegen fast! 4. Willst du noch länger schweigen Zu unserm Kummerstand? Nicht uns Verlassnen zeigen Die Allmacht deiner Hand? Laß endlich dich bewegen! Errett uns dir zum Ruhm! Kehr doch den Fluch in Segen, Das Leid in Frenden um! 5. Verdienten wir als Sünder Die Ruth, ach, so vergib; Hab uns und unsre Kinder In Christo dennoch lieb! Gib uns, daß wir dich ehren, Den Sinn, der dir gefällt! Komm, fomm, uns zu erhören, Erbarmer aller Welt! J. G. Schöner,+ 1818. Krieg und Frieden. 326. Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten; Es ist ja doch kein andrer nicht, Der für uns könnte streiten, Denn du, unser Gott, alleine. M. Luther,+ 1546. Gib uns auch Mel.: Werde munter, mein Gemüthe c. 327. Gott, gib Fried in deinem Lande, Da du wohnst mit deinem Wort; Glück und Heil in allem Stande an allem Ort; Mach des Kriegs bald ein End, den zu uns wend, unhindert treiben. Deinen FrieDaß wir stehen mögen bleiben, Dein Wort 2. Gott, gib Fried in der Gemeine, Die dich ehrt und recht erkennt, Jefum Chriftum auch alleine Ihren Seligmacher nennt; Beut ihr Schutz und Frieden an, Daß ihr nichts mehr schaden kann; Gegen die, die sie bestreiten, Steh ihr bei auf allen Seiten. 302 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 3. Gott, gib Fried an allen Enden, Da dein Wort im Schwange geht; Laß es sich nicht von uns wenden, Wei! darauf dein Ehre steht; Wende von uns falsche Lehr, Die dein Wort verdunkelt sehr; Laß dein Wort uns helle scheinen Zu der Seligkeit der Deinen. 4. Gott, gib Fried zu allen Zeiten, Weil sonst Niemand retten kann; Du allein kannst für uns streiten, Ohne dich ist nichts gethan; Darum du, Herr Jesu Christ, Der du unser Kriegsfürst bist, Streit für uns, als deine Freunde, Und stürz alle deine Feinde. 5. Gott, gib Fried! es ist vonnöthen, Da der Feind so grausam ist Mit Verheerung, Plündern, Tödten, Ohne Schonen Blut vergießt. Näche das unschuldge Blut, Steure ferner aller Wuth Und errette uns aus Gnaden Aus Gefahr, Angst, Noth und Schaden. 6. Gott, gib Fried, den nicht kann geben Die gottlose böse Welt, Die da Krieg sucht zu erheben Nur um Ehre, Gut und Geld. Jesu Christ, du Friedefürst, Wenn du Friede geben wirst, Wollen wir dir Ehr erweisen, Deine Macht und Gnade preisen. G. Edelmann, † 1727. Mel.: Nun lob, mein Seel, den Herien ic. 328. Gottlob, nun ist erschollen Das edle Fried- und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf! und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor, O Deutschland, und sing Lieder Im hohen vollen Chor; Erhebe dein Gemüthe Und danke Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte Bleibt dennoch ewiglich! 2. Wir haben nichts verdienet, Als schwere Straf und Zorn, Weil stets noch bei uns grünet Der freche, schnöre Sündendorn. Wir sind fürwahr geschlagen Mit harter, scharfer Krieg und Frieden. Ruth, Und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße thut? Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei. 303 3. Sei tausendmal willkommen, Du theure werthe Friedensgab! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Beiunsrohnen in sich hab. In dich hat Gott versenket All unser Glück und Heil; Wer dich betrübt und kränket, Der drückt sich selbst den Pfeil Des Herzleids in das Herze Und löscht aus Unverstand Die güldne Freudenkerze Mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns Niemand besser In unsre Seel und Herz hinein, Als ihr zerstörten Schlösser, Ihr Städte voller Schutt und Stein; Ihr vormals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und Haid; Ihr Gräber voller Leichen Und tapferm Heldensch, weiß Der Helden, deren Gleichen Auf Erden man nicht weiß. dürre wüste 5. Hier trübe deine Sinnen, Mensch, und laß den Thränenbach Aus beiden Augen rinnen; Geh in dein Herz und denke nach: Was Gott bisher gesendet, Das hast du ausgelacht; Nun hat er sich gewendet Und väterlich bedacht, Von Grimm und scharfem Dringen Zu deinem Heil zu ruhen, Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb und Gutesthun. 6. Ach, laß dich doch erwecken! Wach auf, wach auf, du du harte Welt, Eh, als das letzte Schrecken Dich schnell und plötzlich überfällt. Wer aber Christum liebet, Sei unerschrocnen Muths: Der Friede, den er giebet, Bedeutet alles Guts. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu, Da sollt ihr bei Gott leven In ewigem Fried und Ruh. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Nun danket alle Gott 2c. 329. Herr Gott, dich Wir rühmen deine Macht loben wir, Wir preisen deine Güte, Mit herzlichem Gemüthe: Es steiget 304 Lieber für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. unser Lied Bis an des Himmels Thür Und tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir! 2. Herr Gott, dich loben wir Für deine großen Gnaden, Daß du das Vaterland Von Kriegeslaft entladen, Daß du uns blicken läßt Des güldnen Friedene Zier: Drum jauchzet alles Volf: Herr Gott, dich loben wir! 3. Herr Gott, dich loben wir, Die wir in bangen Jahren Der Waffen schweres Joch Und frechen Grimm erfahren; Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Begier: Gottlob! wir sind in Ruh! Herr Gott, wir danken dir! 4. Herr Gott, dich loben wir, Daß du uns zwar gestrafet, Jedoch in deinem Zorn Nicht gar haft weggeraffet. Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür Jetzt wieder aufgethau; Herr Gott, wir danken dir! 5. Herr Gott, wir danken dir und bitten, du wollst geben, Daß wir auch künftig stets In guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, Erfülle für und für, O Vater, unsern Wunsch; Herr Gott, wir danken dir! Johann Franck,+ 1677. Mißwachs und Theuerung. Mel.: Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens c. 330. Christen erwarten in allerlei Fällen Jefum mit seiner allmächtigen Hand; Mitten in Stürmen und tobenden Wellen Sind sie gebauet auf felsiges Land. Wenn sie die Nächte der Trübsal bedecken, Kann doch ihr Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, Drohet und hauet ihr blinkendes Schwert, Lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, Denen sich Jesus im Herzen verklärt. Wüthen die Feinde mit Schnauben und Toben, Lernen sie Gottes Gerechtigkeit loben. Mißwachs und Theurung.. 305 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, Bringen die Gärten und Auen nichts ein, Schlagen die Schlossen die Früchte darnieder, Brennen die Berge vom hitzigen Schein: Kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, Weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängstlichen Sorgen Kräfte, Gesundheit und flüchtige Zeit, Da doch im Rathe des Höchsten verborgen, Wann und wo jedem sein Ende bereit. Sind es nicht alles unnöthige Schmerzen, Die ihr euch machet, ihr thörichten Herzen? 5. Zweifel und Sorgen verderben die Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott; Seele, verlangst dn zur Ruhe zu kommen: Hoffe, dem höllischen Feinde zum Spott! Ob auch die göttliche Hülfe verborgen, Traue dem Höchsten und meide die Sorgen! 6. Gutes und alle erwünscheten Gaben Folgen dir, bis man dich leget ins Grab, Ja, du wirst selber den Himmel noch haben; Ei, warum sagst du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und stille! Das ist des Vaters, des Ewigen Wille. 7. Frene dich, wenn du statt freundlicher Blicke, mancherlei Jammer érduldest und Noth! Willst du, daß Gott dich erhöh und erquicke, Mußt du mit Jesu durch Trübfal und Tod. Willst du mitleben, so mußt du mitsterben; Anders kann keiner den Himmel ererben. 8. Völlige Wonne, verklärete Freude, Himmlische Güter, undenkliches Heil Werden dir dort auf der ewigen Weide Unter den Menschen und Engeln zu Theil, Wenn Christus prächtig am Ende wird foinmen Und zu sich sammeln die Heerde der Frommen. 9. Seine allmächtige Stärke beweiset In den Ohnmächtigen mächtige Kraft; Dann wird alleine sein Name gepreiset, Wenn 20 306 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. er den Zagenden Freudigkeit schafft. Darum, o Jesu, gib, daß ich dir traue, Wenn ich die Hülfe nicht sichtbarlich schaue. Ch. L. Edeling,+ 1742. Aernte. Mel.: O daß ich tausend sc. 331. Gott, von dem wir Alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus; Du aber theilest deine Gaben Recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns Alle reich; Ach, lieber Cott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen alle zählen, Die heut bei dir zu Tische gehn? Doch muß die Nothdurft keinem fehlen; Denn du weißt Allem vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brod bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolfe, die das Land begießt, Des Himmels Thau, der Sonne Strahl Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker selbst wird ihm zu- Brot; Es mehret sich vielfältger Weise, Was anfangs schien, als wär es todt, Bis in der Aernte Jung und Alt Erlanget seinen Unterhalt. 5. Nun Herr, wer kanns genug bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel. So reich, als du, kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr bescheert, Als wir zusammen alle werth. 6. Wir wollens auch niemals vergessen, Was uns dein Segen bringet ein; Ein jeder Bissen, den wir essen, Soll deines Namens Denkmal sein; Und Herz und Mund soll lebenslang Für unsre Nahrung sagen Dant. C. Neumann, † 1715. Aernte. 307 Mel.: Unser Herrscher, unser c. 332. Herr im Himmel! Gott auf Erden! Herrscher dieser ganzen Welt! Laß den Mund voll Lebens werden, Da man dir zu Füßen fällt, Für den reichen Aerntefegen Dank und Opfer darzulegen. 2. Bater, du hast aus Erbarmen Uns Unwürdige genährt. Du hast Reichen, du hast Armen Milder Gaben viel gewährt. Gott, der uns viel Guts erwiesen, Sei gelobt und hoch geprieſen. 3. Du haft Früh- und späten Regen Uns zu rechter Zeit geschickt, Und so hat man allerwegen Auen voller Korn erblickt; Berg und Thäler, Tief und Höhen Saben wir im Segen stehen. 4. Ach, wer ist, der solche Güte Dir genug verdanken kann? Nimm ein dankbares Gemüthe Für die große Wohlthat an. Alle Felder sollten schallen: Du machst fatt mit Wohlgefallen. 5. Lehr uns auch wohl anzuwenden, Was uns deine Huld gewährt; Nie zur Sünd es zu verschwenden, Daß es nicht der Fluch verzehrt. Bleiben wir in alten Sünden, kann der Segen leicht verschwinden. 6. Schenk uns auch vergnügte Herzen, Stolz und Geiz laß ferne sein; Laß den Undank nichts verscherzen, Streu das Samkorn wieder ein, Daß wir jetzt und künftig haben, Auch die Armen zu begaben. 7. Laß dein Wort auch Früchte bringen, Daß man reichlich ärnten kann, So wird man hier jährlich singen, Wie du uns so wohl gethan. Gib auch nach dem Thränensamen Freudenärnt im Himmel, Amen. Nach B. Schmold, † 1737. Mel.: Was Gott thut, das ist 2c. 333. Was Gott thut, das ist wohlgethan; So denken Gottes Kinder. Wenn man nicht reichlich ärnten kann, Liebt er uns 308 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisſe. doch nicht minder. Er zieht das Herz Doch himmelwärts, Ob wir gleich oft auf Erden Bei Mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan: Im Nehmen und Und können im Geben Sind wir bei ihm stets wohl daran ruhig leben. Er nimmt und gibt, Weil er uns liebt, Und seine Hände müssen Wir stets in Temuth küffen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan: Er zeigt uns oft den Segen, Und ehe man ihn ärnten kann, Muß sich die So Hoffnung legen; Weil er allein Der Schatz will sein, nimmt er andre Güter, Und bessert die Gemüther. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Es geh nach seinem Willen; Und läßt sichs auch zum Hunger an, So weiß er ihn zu stillen. Obgleich das Feld Nicht viel enthält, Man kann bei wenig Gaben Satt werden und sich laben. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Das Feld mag traurig stehen, Wir gehn getrost auf seiner Bahn Und wollen ihn erhöhen. Sein Wort verschafft Uns Lebenskraft, Er nennt uns Gottes Erben; Wie können wir verderben? 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, So wollen wir stets schließen; Ist gleich bei uns kein Canaan, Wo Milch und Honig fließen, Doch haben wir Genug allhier, Wenn Gott das wenge segnet Und uns mit Huld begegnet. Nach B. Schmold, † 1737. Auf der Reise. Mel.: In allen meinen Thaten 2c. 334. Sch zieh in ferne Lande, 3u nüßen einem Stande, Zu dem mich Gott bestellt; Sein Segen wird mich lassen, Was gut und recht ist, fassen, Zu dienen seiner Welt. 2. Gott wird zu diesen Reisen Gewünschten Fortgang weisen, Wohl helfen hin und her; Gesundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben Und, was ich noch begehr. Auf der Reise. 309 3. Sein Engel, der getreue, Macht meine Feinde scheue, Tritt zwischen mich und sie; Durch seinen Schutz, den frommen, Bin ich so weit gekommen und weiß doch fast nicht wie. 4. Leg ich mich späte rieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder zieh ich fort, In Schwachheit und in Banden Und, was mir stößt zu Handen, So tröstet mich sein Wort. 5. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird je zu hart mir fallen: Ich will ihn überstehn. 7. Gefällt es seiner Nicht was vergeblich zu, manchen schönen Weisen 6. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut; Es sei beut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen, Er weiß die rechte Zeit. Güte, Und sagt mir mein Gemüthe So werd ich Gott noch preisen Mit Daheim in meiner Ruh. 8. Indeß wird er den Meinen Mit Segen auch erscheinen, Ihr Schutz wie meiner sein, Wird beiderseits gewähren, Was unser Wunsch und Zähren Ihn bitten insgemein. 9. So sei nun, Seele, seine Und traue dem alleine, Der dich erschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, Dein Vater in der Höhe Weiß allen Sachen Rath. P. Flemming,+ 1640. In Krankheit. Mel.: Welt, ich muß dich lassen 2c. 335. Ich hab in guten Stunden Des Lebens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl; So will ich denn gelassen Mich auch in Leiden fassen; Welch Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der Mensch verdient. Sollt ich, beschwert mit 310 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältnisse. Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh, mein Leben Mehr lieben, als den Herrn; Dir, Gott, will ich vertrauen Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfest und du rettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, Mich alle meine Sünden Erkennen und bereun. Jetzt hat mein eift Kräfte; Sein Heil laß ein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe; Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau ich deiner Gnade; Du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, Im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken; Der Herr wird Alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. Chr. F. Gellert,+ 1769. Mel.: Alles ist an Gottes Segen 2c. 336. Endlich bricht der heiße Tiegel, Und der Glaub empfängt das Siegel, Gleich dem Gold, im Feur bewährt; 31 des Himmels höchsten Freuden Werden nur durch tiefe Leiden Gottes Lieblinge verklärt! 2. Unter Leiden prägt der Meister In die Herzen, in die Geister Sein allgeltend Bildniß ein. Wie er dieses Leibes Töpfer, Will er auch des fünfigen Schöpfer Auf dem Weg der Leiden sein. 3. Leiden bringt empörte Glieder Endlich zum Gehorsam wieder, Macht sie Christo unterthan, Daß er die gebrochnen Kräfte Zu dem Heiligungsgeschäfte Sauft und still erneuern kann. In Krankheit. 311 4. Leiden sammelt unsre Sinne, Daß die Seele nicht zerrinne In den Bildern dieser Welt, Ist wie eine Engelwache, Die im innersten Gemache Des Gemüthes Ordnung hält. 5. Leiden stimmt des Herzens Saiten Für den Psalm der Ewigkeiten, Lehrt mit Sehnsucht dorthin sehn, Wo die selgen Palmenträger Mit dem Chor der Harfenschläger Preisend vor dem Throne stehn. 6. Leiden fördert unsre Schritte, Leiden weiht die Leibeshütte Zu dem Schlaf in kühler Gruft; Es gleicht einem frohen Boten Jenes Frühlings, der die Todten Zum Empfang des Lebens ruft. 7. Leiden macht im Glauben gründlich, Macht gebeugt, barmherzig, kindlich; Leiden, wer ist deiner werth? Hier heißt man dich eine Bürde, Droben bist du eine Würde, Die nicht jedem widerfährt. 8. Brüder, solche Leidensgnade Wird in mannigfachem Grade Jesu Jüngern fund gemacht, Wenn sie mancher Schmerz durchwühlet, Wenn sie manchen Tod gefühlet, Nächte seufzend durchgewacht. 9. Wenn auch die gesunden Kräfte Zu des guten Herrn Geschäfte Wurden willig sonst geweiht: O so ifts für sie kein Schade, Daß sie ihres Führers Gnade Läutert in der Prüfungszeit. 10. Im Gefühl der tiefsten Schmerzen Dringt das Herz zu seinem Herzen Smmer liebender hinan, Und um eins nur fleht es sehnlich: Mache deinem Tod mich ähnlich, Daß ich mit dir leben kann. 11. Endlich mit der Seufzer Fülle Bricht der Geist durch jede Hülle Und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermisfet dann hienieden, Welch ein Meer von Gottesfrieden Droben ihm bereitet sei! 312 Lieder für besondere Zeiten, Stände und Verhältniſſe. 12. Sesu, laß zu jenen Höhen Heller stets hinauf uns sehen, Bis die letzte Stunde schlägt, Da auch uns nach treuem Ringen Heim zu dir auf lichten Schwingen Eine Schar der Engel trägt! Karl Harttmann, † 1815. Im Alter. Mel.: Alle Menschen müssen 2c. 337. Höchster Helfer, sei nicht ferne! Mein Beschirmer, steb mir bei; Hilf mir, daß ich thu und lerne, Was dein heilger Wille sei. Leite mich nach deiner Güte Und erleuchte mein Gemüthe; Laß mir deine Batertren Alle Morgen werden neu. 2. Halte mich, o mein Erhalter! O mein Führer, weiche nicht; Führe mich in meinem Alter, Wenn mir Lebenskraft zebricht. Gib, daß ich recht christlich lebe Und stets nach dem Himmel strebe; Hilf mir durch, wenn Qual und Schmerz Bricht mein halb zerbrochnes Herz. 3. Stoß mich nicht von deiner Seiten, Wenn sich Angst und Ohumacht häuft, Wenn die schwachen Tritte gleiten Und man nach dem Stabe greift; Fasse du mich bei dem Arme, O mein Heiland, und umarme Mich auch in der letzten Noth, Bis erfolgt ein selger Tod. 4. Herrscher über Tod und Leben, Höchster Tröster, tritt herbei! Wenn ich soll den Geist aufgeben, So vernimm mein Angstgeschrei; Wenn mein Auge wird erblinden Und die Lebensgeister schwinden, so sei du selbst mein Licht, Daß ich seh dein Angesicht. 5. Meine Seele soll erheben Dich, o Herr der Herrlichkeit, Dort in jenem Freudenleben, Wenn ich nach vollbrachtem Streit Dir mein Danklied werde bringen Und vor deinem Throne fingen, Daß du mich so wohl bedacht Und zum Himmel haft gebracht. Bach. Hensel, um+ 1736. Im Alter. 313 Mel.: Welt, ich muß dich zc. 338. Gott hat in meinen Tagen Mich väterlich getragen Von meiner Jugend auf; Ich sah auf meinen Wegen Des Höchsten Huld und Segen: Er lenkte meines Lebens Lauf. 2. Sein Weg war oft verborgen; Doch wie der helle Morgen Aus dunkeln Nächten bricht, So hab ich stets gespitret: Der Weg, den Gott mich führet, Bringt mich durchs finstre Thal zum Licht. 3. War Menschenhilf vergebens, So kam der Herr des Lebens Und half und machte Bahn; Wußt ich mir nicht zu rathen, So that Gott große Thaten Und nahm sich meiner mächtig an. 4. Bis zu des Alters Tagen Will ich dich heben, tragen Und dein Erretter sein: Dieß hat mir Gott versprochen, Der nie sein Wort gebrochen; Ich werde sein mich ewig freun. 5. Er wird mir schwachem Alten, Was er verheißen, halten; Denn er ist fromm und treu. Bin ich gleich matt und müde, Er gibt mir Trost und Friede Und steht mit Muth und Kraft mir bei. 6. Noch wenig bange Stunden, Dann hab ich überwunden: Ich bin vom Ziel nicht weit. O welche große Frenden Sind nach dem letzten Leiden Vor Gottes Thron für mich bereit! 7. Ich harre froh und stille, Bis meines Gottes Wille Mich nach dem Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende Sint ich in Jesu Hände, Der mich dem Vater hat versöhnt. I. F. Feddersen,+ 1788. 314 Die letzten Dinge. XV. Die letzten Dinge. A. Tod. Sterbelieder. 339. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Und ich soll fahrn mein Straße, Geleit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hilf mich nicht verlasse! Mein Seel an meinem letzten End Befehl ich dir in deine Händ, Du wollst sie mir bewahren! 2. Mein Sünde mich wird kränken sehr und mein Gewissen nagen; Denn ihr ist viel, wie Sand am Meer, Doch will ich nicht verzagen; Will denken in der letzten Noth, Herr Jesu Christ, an deinen Tod, Der wird mich wohl erhalten! 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen! Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen; Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir: Ein ewig Leben hast du mir mit deinem Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Kann Todesfurcht vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. Nicolaus Hermann, † 1561. Mel.: Vater unser im Himmelreich sc. 340. Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott, Der du littst Marter, Angst und Spott, Für mich am Kreuz auch endlich starbst Und mir des Vaters Huld erwarbst: Ich litt durchs bittre Leiden dein, Du wollst mir Sünder gnädig sein. Sterbelieder. 315 2. Wenn ich nun komm in Sterbesnoth Und ringen werde mit dem Tod, Wenn mir vergeht all mein Gesicht, und meine Ohren hören nicht, Und meine Zunge nicht mehr spricht, Und mir vor Angst mein Herz zerbricht; 3. Wenn mein Verstand sich nichts befiunt, Und mir all menschlich Hilf zerrinnt: So komm, Herr Christe, mir behend Zu Hilf an meinem letzten End Und führ mich aus dem Jammerthal, Verkürz mir auch des Todes Qual! 4. Die bösen Geister von mir treib, Mit deinem Geist stets bei mir bleib, Bis sich die Seel vom Leibe trennt; Dann nimm sie, Herr, in deine Händ! Der Leib hab in der Erd sein Ruh, Bis naht der jüngste Tag herzu. 5. Ein fröhlich Auferstehn verleih, In dem Gericht mein Fürsprech sei Und meiner Sünd nicht mehr gedenk, Aus Gnaden mir das Leben schenk; Wie du haft zugesaget mir In deinem Wort, das trau ich dir. 6. Fürwahr, fürwahr, euch sage ich, Wer mein Wort hält und glaubt an mich, Der wird nicht kommen ins Gericht, Den Tod auch ewig schmecken nicht; Und ob er gleich hie zeitlich stirbt, Mit nichten er drum gar verdirbt. 7. Sondern ich will mit starker Hand Ihn reißen aus des Todes Band Und zu mir nehmen in mein Reich, Da soll er denn mit mir zugleich In Freuden leben ewiglich! Dazu hilf uns ja gnädiglich. 8. Ach Herr, vergib all unsre Schuld; Hilf, daß wir warten mit Geduld, Bis unser Stündlein kommt herbei, Auch unser Glaub stets wacker sei, Aufs Wort zu tranen festiglich, Bis wir entschlafen seliglich. P. Eber,+ 1569. 316 Die legten Dinge. Mel.: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht zc. 341. In Christi Wunden schlaf ich ein, Die machen mich von Sünden rein; Ja, Christi Blut und Herrlichkeit Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid. 2. Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich zum Himmel werd eingehn; Mit Fried und Freud ich fahr dahin, Ein Gotteskind ich allzeit bin. 3. Dank hab, mein Tod! du führeft mich, Ins ewge Leben wandre ich, Mit Christi Blut gereinigt sein; Herr Jesu, stärk den Glauben mein! P. Eber(?), † 1569. 342. Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; Dem hab ich mich ergeben, Mit Fried fahr ich dahin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth: Durch seine heilgen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen, Nimm, Herr, mein Seufzen auf. 5. Wenn Sinnen und Gedanken Zergehn, als wie ein Licht, Das hin und her muß wanten. Wenn ihm die Flamm gebricht; 6. Alsdann fein sanft und stille Laß mich, Herr, schlafen ein, Wie es dein Rath und Wille, Wann kommt mein Stündelein. 7. Ach, laß mich gleich den Reben Anhangen dir allzeit Und ewig bei dir leben In Himmels Wonn und Freud. Vor 1669. Sterbelieder. 317 343. 3ch hab mein Sach Gott heimgestellt; Er machs mit mir, wies ihm gefällt! Ob ich allhier noch länger leb, Nicht widerstreb, Dem Willen sein ich mich ergeb! 2. Mein Zeit und Stund ist, wann Gott will; Ich schreib ihm vor nicht Maaß noch Ziel; Es sind gezählt all Haare mein, Groß oder klein, Fällt keines ohn den Willen sein. 3. Es ist allhier ein Jammerthal, Angst, Noth und Trübsal überall; Des Bleibens ist ein kleine Zeit, Voll Müh und Leid, Und wers bedenkt, ist stets im Streit. 4. Heut sind wir frisch, gesund und stark, Schon morgen liegen wir im Sarg; Hent blühn wir wie die Rosen roth, Bald frank und todt! Sst allenthalben Müh und Noth. 5. Man trägt Eins nach dem Andern hin: Wohl aus den Augen, aus dem Sinn! Die Welt vergisset unser bald, Jung oder alt, Auch unsrer Ehren mannichfalt. 6. Ach, Herr, lehr uns bedenken wohl, Daß wir sind sterblich allzumal; Auch wir allhier kein Bleiben sehn: Wir müssen gehn, Gelehrt und reich, jung, alt und schön. 7. Das macht die Sünd, du treuer Gott, Dadurch kam uns der bittre Tod, Der reißt dahin all Menschenkind, Wie er sie findt, Fragt nicht, von welchem Stand sie sind. 8. Doch ob mich schon mein Sünd ansicht, Dennoch will ich verzagen nicht; Ich weiß, daß mein getrener Gott Für mich in Tod Den eingen Sohn gegeben hat. 9. Dem leb und sterb ich allezeit, Von ihm der Tod mich nimmer scheidt; Leb oder sterb ich, bin ich sein; Er ist allein Der einge Trost und Helfer mein. 10. Das ist mein Trost zu aller Zeit, In allem Kreuz und Traurigkeit; Ich weiß, daß ich am jüngsten Tag Ohn alle Klag Werd auferstehn aus meinem Grab. 318 Die letzten Dinge. 11. Den lieben Gott von Angesicht Werd ich dann schaun, dran zweifl ich nicht, In ewger Freud und Seligkeit, Die mir bereit; 3hm sei Lob, Preis in Ewigkeit! 12. Amen, mein lieber frommer Gott, Bescheer uns einen felgen Tod; Hilf, daß wir deinen Engeln gleich In deinem Reich Mit dir dann leben allzugleich. J. Pappus, † 1610. 344. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal. Aus Trübsal und großem Leid Sollst du fahren in die Freud, Die kein Ohr hat je gehöret, Die in Ewigkeit auch währet. 2. Tag und Nacht hab ich gerufen Zu dem Herren, meinem Gott, Weil mich stets viel Kreuz betroffen, Daß er mir hilf aus der Noth. Wie sich sehut ein Wandersmann Nach dem Ende seiner Bahn, So hab ich gewünschet eben, Daß sich enden mög mein Leben. 3. Denn gleichwie die Rosen stehen Unter Dornen spitzig gar, Also auch die Christen gehen Stets in Aengsten und Gefahr. Wie die Meereswellen sind Und der ungestüme Wind, Also ist allhier auf Erden Unser Lauf voll von Beschwerden. 4. Welt und Teufel, Sünd und Hölle, Unser eigen Fleisch und Blut Plagen stets hier unsre Seele, Lassen uns bei keinem Muth. Wir sind voller Angst und Plag, Lauter Krenz sind unfre Tag; Wenn wir nur geboren werden, Findt sich Jammer gnug auf Erden. 5. Wenn die Morgenröth aufgehet Und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer uns umstehet, Müh sich findt an allem End; Unsre Thränen sind das Brot, So wir essen Sterbelteder. 319 früh und spat; Will die Sonne nicht mehr scheinen, So ist nichts denn Klag und Weinen. 6. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, Der du ewiglich aufgehst, Sei du jetzt von mir nicht ferne, Weil dein Blut mich hat erlöst. Hilf, daß ich mit Fried und Freud Mög von hinnen fahren heut! Ach, sei du mein Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasse! 7. Ob mir schon die Augen brechen, Das Gehör auch gar verschwindt Und mein Zung nichts mehr kann sprechen, Mein Verstand sich nichts besinnt: Bist du doch mein Licht, mein Hort, Leben, Weg und Himmelspfort, Du wirst felig mich regieren Und die Bahn zum Himmel führen. 8. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal. Seine Freud und Herrlichkeit Sollst du sehn in Ewigkeit, Mit den Engeln jubiliren Und auf ewig triumphiren. K. v. Warnberg(?), vor 1620. 345. Herzlich thut mich verlangen Nach einem selgen End, Weil ich hier bin umfangen Mit Trübsal und Elend. Ich hab Lust abzuscheiden von dieser argen Welt, Sehn mich nach ewgen Freuden; O Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja erlöset Von Sünde, Tod und Höll; Es hat dein Blut gekostet, Drauf ich mein Hoffnung stell; Warum sollt mir denn granen Vor Hölle, Tod und Sünd? Weil ich auf dich kann bauen, bin ich ein selig Kind. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, Der Tod sehr bitter mir, Will ich mich doch ergeben, zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, Da meine Seel fährt hin: Deß freu ich mich gar eben; Sterben ist mein Gewinn. 320 Die legten Dinge. 4. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferwecket werden Durch Christum, schön verkärt, Wird leuchten als die Sonne Und leben ohne Noth In ewger Freud und Wonne; Was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, Länger zu leben hier, Und mir auch immer zeiget Ehr, Gut und all ihr Zier: Doch ich das gar nicht achte, Das währt nur kurze Zeit; Das Himmlisch ich betrachte, Das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun scheide Von meinen Freunden gut, Für mich und sie zum Leide: Doch tröstet meinen Muth, Daß wir in größern Freuden Zusammenkommen schon, Wo nichts uns mehr wird scheiden, Dort an des Himmels Thron. 7. Ob ich auch hinterlasse Betrübte Waifelein, Dern Noth mich über Maße Jammert im Herzen mein: Will ich doch gerne sterben Und trauen meinem Gott; Er wird sie wohl ernähren Und retten aus der Noth. 8. Gesegn euch Gott der Herre, Ihr Vielgeliebten mein! Trauert nicht allzusehre Ueber den Abschied mein! Beständig bleibt im Glauben! Wir werden in kurzer Zeit Einander wiederschauen Dort in der Ewigkeit. 9. Nun will ich mich ganz wenden Zu dir, Herr Christ, allein; Gib mir ein selig Ende, Send mir die Engel dein; Führ mich ins ewge Leben, Das du erworben hast, Durchs Leiden dein und Sterben Und blutiges Verdienst. 10. Hilf, daß ich gar nicht wanke Von dir, Herr Jesu Christ; Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist! Hilf ritterlich mir ringen, Dein Hand mich halt mit Macht, Daß ich mög fröhlich singen: Gottlob es ist vollbracht! Chr. Knoll,+ 1621. Sterbelieder. 321 346. Wenn ich in Todesnöthen bin Und weiß nicht Nath zu finden, So nehm ich meine Zuflucht hin zu Christi Tod und Wunden; Darinnen fins ich Hilf und Rath Für meine Schuld und Missethat Und wider Tod und Hölle. 2. Es ist kein Schmerz, kein Leid, kein Noth, Kein Angst so groß auf Erden, So nicht durch Christi Blut und Tod Geheilet fönnte werden; Sein Tod mein Leben und Gewinnst, Mein Hoffnung, Zuflucht und Verdienst, Mein Schatz, mein Ehr und Krone. 3. O Bater, hoch im Himmelsthron, Laß mich in Frieden scheiden; Jesu Christe, Gottes Sohn, Du wollest mich geleiten! Oheilger Geist, thu auf die Thür, Und mich zum Baum des Lebens führ Und zu dem Brunn der Gnaden. 4. Nun hab ich Schutz, Trost, Ruh und Freud In deinem Kreuz gefunden; Nun ist mein Leid und Traurigkeit Aus meinem Herz verschwunden; Fahr hin, mein Seel, Gott wartet dein, Und führet mit den Engeln sein Dich ein zum Himmelsfaale. Joh. Kempf, † 1625. 347. Balet will ich dir geben, Du arge, falsche Welt: Dein sündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein Begier; Da wird Gott herrlich lohnen Dem, der ihm dient allhier. 2. Rath mir nach deinem Herzen, O Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, Hilf mir, Herr Christ, davon; Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Muth, Laß selig mich abscheiden, Schenk mir dein ewig Gut. 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde: Drauf kann ich fröhlich sein. 21 322 Die letzten Dinge. Erschein mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du dich, Herr, so milde Geblutet haft zu todt. 4. Herr, meinen Namen schreibe Ins Buch des Lebens ein; Laß mich an deinem Leibe Ein Glied mit jenen sein, Die hoch im Himmel grünen Und vor dir leben frei: So will ich ewig rühmen, Daß treu dein Herze sei. V. Herberger, † 1627. 348. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt, Hilf mir in meinem Leiden! Ruf ich dich an, versag mirs nicht; Wenn meine Seel will scheiden, So nimm sie, Herr, in deine Händ! Ist Alles gut, wenn gut das End. 2. Gern will ich folgen, liebster Herr, Du läßt mich nicht verderben; Ach, du bist doch von mir nicht fern, Ob ich gleich hie muß sterben Und lassen meine lieben Freund, Dies mit mir herzlich gut gemeint. 3. Ruht doch der Leib sanft in der Erd, Die Seel fich zu dir schwinget, In deiner Hand sie unversehrt Durch Tod ins Leben dringet. Hier ist doch nur ein Thränenthal, Angst, Noth und Mühe überall. 4. Tod, Teufel, Höll, die Welt, die Sünd Mir können nichts mehr schaden; An dir, o Herr, ich Rettung find, Ich tröst mich deiner Gnaden: Dein einger Sohn aus Lieb und Huld Für mich bezahlt hat alle Schuld. 5. Was sollt ich denn nun traurig sein, Weil ich kann wohl bestehen, Geschmückt mit Christi Unschuld rein zu meinem Gotte gehen! Gehab dich wohl, du schnöde Welt! Bei Bott zu leben mir gefällt! J. H. Schein, † 1630. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 349. Ich hab mich Gott ergeben, Dem liebsten Vater mein; Hier ist fein Immerleben, Es muß geschieden sein. Der Sterbelieder. 323 Tod kann mir nicht schaden, Er ist nur mein Gewinn; In Gottes Fried und Gnaden Fahr ich mit Freud dahin. 2. Mein Weg geht jetzt vorüber; O Welt, was acht ich dein? Der Himmel ist mir lieber, Da muß ich gehen ein, Und mich nicht mehr beladen, Weil ich wegfertig bin; In Gottes Fried und Gnaden Fahr ich mit Freud dahin. 3. Ach, selge Freud und Wonne Hält mir der Herr bereit, Da Christus ist die Sonne Der ewgen Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, Weil ich bei Christo bin? In Gottes Fried und Gnaden Fahr ich mit Freud dahin. 4. Gesegn euch Gott, ihr Meinen, Ihr Liebsten allzumal! Um mich sollt ihr nicht weinen; Ich weiß von keiner Qual. Was Christus euch beschieden, Laßt nicht aus euerm Sinn; In Gottes Gnad und Frieden Fahrt dann auch ihr dahin. J. Siegfried,+ 1637. Mel.: Mag ich Unglück 2c. 350. Mein Lauf, Gott Lob! ist bald vollbracht: Welt, gute Nacht! Wir müssen uns nun scheiden: In Jesu Namen sanft und still Ich wandern will Zur Seligkeit mit Freuden. In dieser Welt War mir bestellt Nur Angst und Noth, Zuletzt der Tod; Jetzt endet sich mein Leiden. 2. In Jesu Namen schlaf ich ein; Er führt allein Mich aus dem Tod ins Leben: Denn sein am Kreuz vergoßnes Blut Kommt mir zu gut, Macht fröhlich mich darneben; Er gibt mir Kraft, Mir Hülfe schafft, Stärkt mir mein Herz In Todesschmerz, Kann Freud und Wonne geben. 3. In Jesu Namen fahr ich bin; Denn mein Gewinn Ist Christus, wenn ich sterbe; Ich weiß, daß er mich nicht verläßt, Und glaube fest, Im Tod ich nicht verderbe! Mir 324 Die letzten Dinge. ist bereit In Ewigkeit Von Gottes Sohn Die Ehrenkron, Das rechte Himmels- Erbe. 6. Werner, † 1671. Mel.: Herzlich thut mich verlangen sc. 351. In Christo will ich sterben, Wenns meinem Gott gefällt: Hier ist nichts zu erwerben In dieser argen Welt. Es ist ein elend Leben In dieser schnöden Zeit: Dort wird ein bessers geben Gott in der Ewigkeit. 2. Mit Christo will ich scheiden Von dieser Erdenqual, Der wird mich selber leiten Durchs finstre Todesthal; Drum laß ich mir nicht grauen Vor diesem Augenblick; Bald werd ich ewig schauen Mein einzig wahres Glück. 3. Zu Christo will ich fahren In das gelobte Land, Der wird mich wohl bewahren In seiner starken Hand. Trotz sei dem Feind geboten, Daß er mich reiß heraus: Dort will ich seiner spotten Im schönen Friedenshaus. 4. Bei Christo will ich bleiben In alle Ewigkeit, Und ohn Aufhören treiben Sein Lob mit höchster Freud: Mit Sauchzen und mit Singen Will ich ihm dankbar sein; Nun laß mirs, Herr, gelingen zu deinem Preis allein. Peter Frant,+ 1676. Mel.: Herzlich thut mich verlangen sc. 352. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier reif ich nur zum Grabe, Dort in der ewgen Ruh Ist Gottes Gnadengabe; Die schleußt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen Bon meiner Jugend an, Als Müth und Noth gewesen? Solang ich denken kann, Hab ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. Sterbelieder. 325 3. Ich habe mich ergeben In alles Glück und Leid: Was will ich beffer leben In dieser Zeitlichkeit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein; Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Frend hinein! 4. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt; Ich wandre meine Straßen, Die zu der Heimath führt, Da mich ohn alle Maßen Mein Vater trösten wird. 5. Mein Heimath ist dort oben, Da aller Engel Schar Den großen Herrscher loben, Der Alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch Alles hebt und leget, Nachdems ihm wohlgefällt. 6. Zu dem steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin: Die Welt bin ich durchgangen, Daß ichs fast müde bin; Je länger ich hier walle, Je wenger find ich Freud, Die meinem Geist gefalle; Das Meist ist Eitelkeit. 7. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel: Ach, komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende An meiner Wanderschaft Und, was mich kränkt, das wende Durch deinen Arm und Kraft. 8. Wo ich bisher gesessen, Ist nicht mein rechtes Haus; Wenn mein Ziel ausgemessen, So tret ich dann hinaus Und, was ich hier gebrauchet, Das leg ich alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So scharrt man mich ins Grab. . Du aber, meine Freude, Du meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ewgen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nächst Andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket hast; 326 Die letzten Dinge. Da will ich herrlich singen von deinem großen Thun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn. P. Gerhardt, † 1676. 353. Ach, was ist doch unsre Zeit? Flüchtigkeit, Nebel, Rauch und Wind und Schatten: Menschen können nicht bestehn; Sie vergehn Wie die Blumen auf den Matten. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende. 2. Menschen sind zerbrechlich Glas, Nichtig Gras, Blumen, die nicht lange stehen; Ach wie bald wird ihre Kraft Hingerafft, Wenn die Todeslüfte wehen. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende. 3. Jugend, die den Rosen gleicht, Die verbleicht, Shre Schönheit muß verschwinden; Es vergeht durch Todesnacht Alle Pracht, Die wir an den Menschen finden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende. 4. Menschen sind der Zeiten Spiel Und ein Ziel, Drauf die Todespfeile fliegen: Die wie schlanke Cedern stehn, Groß und schön, Müssen durch den Tod erliegen. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende. 5. Ach, der Tod ist dir gewiß; Drum vergiß Alles Eitle dieser Erden; Lenke dich zur Ewigkeit Jederzeit, Willst du dort unsterblich werden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende. 6. Schwinge dein Gemüth und Herz Himmelwärts, Wo nicht Tod, nicht Noth, nicht Leiden; Denk an das, was ewig ist, Lieber Christ, Soll dich einst der Himmel weiden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende. Um 1692. Sterbelieber. 327 354. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, ich bitt durch Chisti Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; Denn weil ich leb auf dieser Erden, Leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken Und, wenn ich einmal sterben muß, Die Seel in Jesu Tod versenken Und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Hans bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 5. Ach, Herr, mach süße mir den Himmel Und bitter mir die Lust der Welt; Gib, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach, Vater, deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Darauf ich mich festgläubig gründe, Das gibt mir recht erwünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen, Haft mich 328 Die letzten Dinge. zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesu Leib gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen! Ich bleib in ihm, und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 10. So komm mein End heut oder morgen: Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Ich bin und bleib in deinen Sorgen, Mit Jesu Gnaden schön geschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn alle Kümmerniß; Mir gnüget, wie mein Gott es füget; Ich glaub und bin es ganz gewiß, Durch deine Gnad und Christi Blut Machst dus mit meinem Ende gut. Gräfin Aemilie Juliana von Rudolstadt, † 1706. Mel.: O Gott, der du ein sc. 355. Mein Leben ist ein Pilgrimstand; Ich reise nach dem Vaterland, Nach dem Jerusalem dort oben, Wo eine ewge Ruhestadt Gott selber mir gegründet hat; Da werd ich ohne End ihn loben. Mein Leben ist ein Pilgrimstand; Ich reise nach dem Vaterland. 2. Es rinnet ohne Unterlaß Auch meines Lebens Stundenglas, Und was vorbei ist, kommt nicht wieder; Ich eile zu der Ewigkeit; Herr Jesu mache mich bereit Und öffne meine Augenlieder, Daß ich, was zeitlich ist, veracht Und nur nach dem, was ewig, tracht. 3. Der Sonnen Glanz mir oft gebricht, Der Sonnen, die mit Gnadenlicht In unverfälschte Herzen strahlet. Wind, Regen stürmen auf mich zu, Mein matter Geist findt nirgend Ruh; Doch alle Müh ist schon bezahlet, Wenn ich die güldne Himmelsthür Mir stell in festem Glauben für. Sterbelieder. - 329 4. Du treuer Hüter, Jesu Christ, Der du ein Pilgrim worden bist, Da du mein Fleisch hast angenommen, Zeig mir im Worte deine Tritt; Laß mich bei einem jeden Schritt Zu deinem Heil stets näher kommen. Mein Leben fleucht, ach, eile Und fleuch mit Gnad und Hilf herzu. du 5. Durch deinen Geist mich heilig leit, Gib in Gebuld Beständigkeit; Vor Straucheln meinen Fuß beschütze. Ich falle stündlich, hilf mir auf und richte zu dir meinen Lauf; Sei mir ein Schirm in Trübfalshitze; Laß deinen milden Gnadenschein In Finsterniß nie ferne sein. 6. Wenn mir mein Herz, o Gnadenfüll, Vor Durst nach dir verschmachten will, So laß mich dich zum Labsal finden, Und schließ ich meine Augen zu, So bring mich zu der Siegesruh, Wo Streit und alle Müh verschwinden, Und wo ich kann, von Sünden rein, Dein Freund und Hausgenosse sein. 7. Bin ich dann hier, im fremden Land, Der blinden Welt gleich unbekannt: Dort sind die Freunde, die mich kennen; Dort werd ich mit der Himmelsschar Dir jauchzend dienen immerdar Und in der reinsten Liebe brennen. Mein Heiland, komm, ach, bleib nicht lang, Hier in der Fremde wird mir bang. F. A. Lampe, † 1729. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir sc. 356. 3ch sterbe täglich, und mein Leben Eilt immerført zum Grabe hin. Wer kann mir einen Bürgen geben, Ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her: Ach, wer nur immer fertig wär! 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, Ist immer reif zu Sarg und Grab; Der Apfel, der den Wurm schon heget, Fällt endlich unversehens ab. Der alte Bund schließt keinen aus; Mein Leib ist auch ein Todtenhaus. 330 Die letzten Dinge. 3. Es schickt der Tod nicht immer Boten; Er kommet oft unangemeldt Und fordert uns ins Reich der Todten; Wohl dem, der Haus und Herz bestellt! Denn ewig Unglück oder Glück Hängt nur an einem Augenblick. 4. Herr aller Herren, Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand. Wie lange du mir Frist gegeben, Das ist und bleibt mir unbekannt; Hilf, daß ich jeden Glockenschlag an meinen Abschied denken mag. 5. Es kann vor Abend anders werden, Als es am Morgen mit mir war; Den einen Fuß hab ich auf Erden, Den andern auf der Todtenbahr; Ein kleiner Schritt ist nur dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. 6. Ein einzger Schlag kann Alles wenden Und Fall und Tod beisammen sein; Doch schlage nur mit Baterhänden Und schleuß in Christi Tod mich ein, Daß, wenn der Leib zu Boden fällt, Die Seel an Jesu Kreuz sich hält. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wenn Auge Mund und Herz sich schleußt, Drum bet ich bei gesunden Tagen: Herr, ich befehl dir meinen Geist! Verschließen meine Lippen sich, So schreie Jesu Blut für mich. 8. Kann ich die Meinen nicht mehr segnen, So segne du sie mehr als ich; Wenn lauter Thränen um mich regnen, O Tröster, so erbarme dich und lasse der Verlaßnen Schrein Durch deinen Trost erhörlich sein. 9. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, So schließe mir den Himmel auf; Verkürze mir des Todes Schmerzen Und hole mich zu dir hinauf; So wird mein Abschied keine Pein, Zwar eilig, dennoch selig sein. B. Schmold, † 1737. Sterbelieder. 331 Mel.: Jesus, meine Zuversicht sc. 357. Meine Lebenszeit verstreicht, Stündlich eil ich zu dem Grabe, Und wie wenig ists vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Denk, o Mensch, an deinen Tod, Säume nicht; denn Eins ist Noth. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun; Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugniß gibt, Wird dir deinen Tod versüßen; Dieses Herz, von Gott erneut, Ist des Todes Freudigkeit. 4. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott und bet und wache; Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. 5. Ueberwind ihn durch Vertraun, Sprich: ich weiß, an wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun; Denn er weckt mich aus dem Stanbe; Er, der rief: es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht. 6. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich stets bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag. Christ. Fürchtegott Gellert, † 1769. Mel.: O du Liebe meiner Liebe ic. 358. Unser Reiner lebt ihm selber, Unser Keiner stirbt ihm hier; Was wir leben, was wir sterben, Kommt, o Herr, allein von dir! Du mußt helfen tragen, heben, Du bist unser bestes 332 Die letzten Dinge. Theil, Bleibst im Tode, bleibst im Leben Unser Trost und unser Heil. 2. Glauben, schauen, leben, sterben, Gilt mit dir uns Alles gleich; Wenn wir nur mit Chrifto erben, Macht der Tod uns ewig reich. Dann erst fängt des Christen Leben Und das rechte Wohlfein an, Wenn er sich zu dir erheben Und dein Antlitz schauen kann. - 3. Nun, es scheiden oder bleiben Unsre Lieben oder wir: Jesu, dir uns einverleiben, Das sei unsre Sorge hier! Selig, wer entschläft im Frieden, Selig wir, die noch nicht todt! Sind die Leiber auch geschieden, Sind die Geister doch in Gott. 4. Heil und Weisheit, Kraft und Stärke Gibt Jehova mehr und mehr! Alle seine Weg und Werke Sind voll Herrlichkeit und Ehr! Singet ihm, ihr Gotteskinder, Der uns liebt am Kreuzesstamm! Bringet Ruhm, ihr Ueberwinder, Gott dem Vater und dem Lamm! Ph. H. Weissensee,+ 1767. Mel.: Valet will ich dir sc. 359. Die auf der Erde wallen, Die Sterblichen sind Staub. Sie blühen auf und fallen, Des Todes sichrer Raub. VerHorgen ist die Stunde, Da Gottes Stimme ruft; Doch jede, jede Stunde Bringt näher uns der Gruft. 2. Getrost gehn Gottes Kinder Die öde, dunkle Bahn, Zu der verstockte Sünder Verzweiflungsvoll sich nahn, Wo selbst der freche Spötter Nicht mehr zu spotten wagt, Vor dir, vor seinem Retter, Erzittert und verzagt. 3. Wenn diese Bahn zu gehen, Dein Will einst mir gebeut, Wenn nahe vor mir stehen Gericht und Ewigkeit, Wenn meine Kräfte beben, und nun das Herz mir bricht: Herr über Tod und Leben, dann verlaß mich nicht! Sterbelieder. 4. Hilf, Todesüberwinder, Hilf mir in dieser Angst, Der du zum Heil der Sünder Selbst mit dem Tode rangst; Und wenn des Kampfes Ende Gewaltiger mich faßt, Nimm mich in deine Hände, Den du erlöset haſt. 333 5. Des Himmels Wonn und Freuden Faßt nie ein sterblich Herz: O Trost für kurze Leiden, Für kurzen Todesschmerz! Dem Todesüberwinder Sei ewig Preis und Dank; Preis ihm, der auch für Sünder Den Kelch des Todes tranf. 6. Heil denen, die auf Erden Sich schon dem Himmel weihn, Die aufgelöst zu werden, Mit heilger Furcht sich freun! Bereit, es Gott zu geben, Wenn er, ihr Herr, gebent, Gehn fie getrost durchs Leben Hin zur Unsterblichkeit. G. Bened. Funt, † 1814. Mel.: Christus, der ist mein Leben ic. 360. Sch weiß, an wen ich glaube, lebt, Der aus dem Todesstaube Den Und daß mein Heiland Geist zu sich erhebt. 2. Ich weiß, an wem ich hange, Wenn Alles wankt und weicht, Der, wenn dem Herzen bange, Die Retterhand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, Und, wenn mein Auge bricht, Daß ich ihn ewig schaue, Ihn selbst von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thränen So tröstend und so mild, Und mein unendlich Sehnen Wird nur durch ihn gestillt. 5. Ich weiß, beim Auferstehen, Wenn ich verkläret bin, Werd ich mit Tesu gehen Durch Ewigkeiten hin. Vers 1-4 von A. H. Niemeyer, † 1828, V. 5 von A. Knapp, geb. 1798. Begräbnißlieder. Mel.: Schwing dich auch zu sc. 361. Einen guten Kampf hab ich Auf der Welt gekämpfet; Denn Gott hat mir gnädiglich All mein Leid gedämpfet, Daß 334 Die letzten Dinge. ich meines Lebens Lauf Seliglich vollendet und die Seele himmelauf Christo zugesendet. 2. Forthin ist mir beigelegt Der Gerechten Krone, Die mir wahre Freud erregt Vor des Himmels Throne; Forthin meines Lebens Licht, Dem ich hier vertrauet, Meines Gottes Angesicht Meine Seele schauet.mp3 3 3. Diese gar verderbte Welt Ist, was meinem Leben Nunmehr gänzlich nicht gefällt; Drum mich ergeben Meinem Jesu, da ich bin Setzt in lauter Freuden; Denn sein Tod ist mein Gewinn, Mein Verdienst sein Leiden. 4. Gute Nacht, ihr meine Freund, Shr, o meine Lieben! Alle, die ihr um mich weint, Laßt euch nicht betrüben Diesen Schritt, den ich nun thn In die Erde nieder; Schaut, die Sonne geht zur Rub, Kommt doch morgen wieder. H. Albert, † 1668. 362. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsamkeit! Rubet, bis das End erscheine, Da der Herr euch zu der Freud Rufen wird aus euern Grüften Zu den freien Himmelslüften. 2. Nur getroft, ihr werdet leben, Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein theuer werthes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. 3. Und wie sollt ihm Grabe bleiben, Der ein Tempel Gottes war, Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwählten Schaar, Die er selbst mit seinem Sterb.a Hat gemacht zu Himmelserben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, Die des Herren Glieder sind. Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche findt: Wenn des Herren Hauch drein bläset, Grünet neu, was hier verweset. Begräbnißlieder. 5. Jesus wird, wie er erstanden, Auch die Seinen einst mit Macht Führen aus des Todes Banden, Führen aus des Grabes Nacht zu dem ewgen Himmelsfrieden, Den er seinem Volk beschieden. Menit 335 6. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine In des Grabes Dunkelheit! Ruhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da follt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegen schweben. F. C. Hiller,+ 1726. Mel.: Jesus, meine Zuversicht sc. 363. Heute mir und morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Verstorbnen hier Auf den Gottesacker bringen. Aus den Gräbern rufts herfür: Heute mir und morgen dir! 2. Heute roth und morgen todt! Unser Leben eilt auf Flügeln; Und wir habens täglich noth, Daß wir uns an Andern spiegeln; Wie bald ruft des Herrn Gebot: Heute roth und morgen tobt! 3. Mensch, es ist der alte Bund, Und der Tod zählt keine Jahre; Bist du heute noch gesund, Denk an deine Todtenbahre; Jedem kommt die letzte Stund: Mensch, das ist der alte Bund. 4. Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! Ich will sterben, eh ich sterbe; So wird mir die letzte Noth, Wenn sie kommt, doch nicht so herbe. Rüste mich dazu, mein Gott! Ach, wer weiß, wie nah mein Tod! 5. Selig, wer in Christo stirbt! Denn ihm wird der Tod zum Leben; Der das Leben hier erwirbt, Dem nur wird es dort gegeben. Wer nicht lebet, der verdirbt: Selig, wer in Christo stirbt! B. Schmold, † 1737. 336 Die letzten Dinge. Mel.: Der lieben Sonne Licht und sc. 364. Die Christen gehn von Ort zu Ort Durch mannichfaltgen Sammer Und kommen in den Friedensport Und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf Mit seinen Armen auf; Das Waizenkorn wird in sein Beet Auf Hoffnung reicher Frucht gesät. 2. Wie seid ihr doch so wohl gereist! Gelobt sein eure Schritte, Du allbereit befreiter Geist, Du jetzt verschloßne Hütte! Du, Seele, bist beim Herrn, Dir glänzt der Morgenstern; Euch Gieder deckt mit sanfter Ruh Der Liebe stiller Schatten zu. 3. Wir freun uns in Gelassenheit Der großen Offenbarung; Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß! In Jesu Arm und Schooß! Die Liebe führ uns gleiche Bahn, So tief hinab, so hoch hinan. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, † 1760. Eigne Melodie oder Mel.: Himmel, Erde, Luft und sc. 365. Aller Gläubgen Sammelplatz Ist da, wo ihr Herz und Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ Und ihr Leben hier schon ist. 2. Eins geht da, das Andre dort fort, Ungefragt, ob die und der Uns lich wär. In die ewge Heimath nicht hier noch nütz3. Doch der Herr kann nichts versehn; doch geschehn, Hat man nichts dabei zu thun, und zu ruhn. Und wenn es nun Als zu schweigen 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich innig nah; Doch, o Liebe, wir sind dein, Und du willst uns Alles sein. N. L. Graf v. Zinzendorf, † 1760. Vers 2. von Chr. Gregor, † 1801. Begräbnißlieder. 337 Mel.: Nun sich der Tag geendet Eat zc. 366. Ach, wie so sanfte schläfest du Nach manchem schweren Stand Und liegst nun da in süßer Ruh, In deines Heilands Hand! 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Von aller Angst ind Pein; Sein letztes Wort: es ist vollbracht! Das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Verwandelung in diese Felder sän, Mit Hoffnung und Versicherung, Viel schöner aufzustehn. 4. Verbirg dein liebes Angesicht Im kühlen Erdenschooß; Du hast das Deine ausgericht, Empfängst ein selig Loos. 5. Wir wissen, daß dein Seelenfreund, Der ewig treue Hirt, Ders hier mit dir so wohl gemeint Dich dort empfangen wird. 6. Er führe seine ganze Heerd, Die sich zu ihm gesellt, Und die so theuer ihm und werth, Auch vollends durch die Welt. G. Neumann, † um 1778. Mel.: Nun laßt uns den Leib sc. 367. Nun bringen wir den Leib zur Ruh Und decken ihn mit Erde zu, Den Leib, der nach des Schöpfers Schluß zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch und Staub, Nicht immer der Verwesung Raub; Er wird, wenn Christus einst erscheint, Mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; Lern hier, was unser Leben ist. Nach Sorge, Furcht und mancher Noth Kommt endlich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit; Auf Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, So folgt der Lohn aus Gottes Hand. 22 338 Die letzten Dinge. 5. So währen Reichthum, Ehr und Glück, Wie wir selbst, einen Augenblick; So währt auch Kreuz und Traurigkeit, Wie unser Leben, kurze Zeit. S. O sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich. In Allem, was du denkst und thust, Bedenke, daß du sterben müßt. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, Soll jeder zu dem Bater flehn: Ich bitt, o Gott, durch Christi Blut, Machs einst mit meinem Ende gut. 8. Laßt alle Sünden uns bereun, Vor unse.m Gott uns findlich scheun. Wir sind hier immer in Gefahr; Nehm jeder seiner Seele wahr! 9. Wenn unser Lauf vollendet ist, So sei uns nah, Herr Jesu Christ! Mach uns das Sterben zum Gewinn; Zieh unsre Seelen zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, Die Gräber mächtig öffnen wirst, Dann laß uns fröhlich auferstehn Und dort dein Antlitz ewig sehu. Ehrenfr. Liebich, † 1780. Eigne Mel. oder: Jesus Christus, unser Heiland 2c. 368. Auferstehn, ja, auferstehn wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh! Unsterblichs Leben Wird, der dich schuf, dir geben! Halleluja! 2. Wieder aufzublühn, werd ich gesät! Der Herr der Aernte geht Und sammelt Garben Uns ein, uns ein, die starben! Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag! Du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe Genug geschlummert habe, Erweckst du mich! Begräbnißlieder. 339 4. Wie den Träumenden wirds dann uns sein! Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt ich Im Heiligthume Zu seines Namens Ruhme. Halleluja! F. G. Klopstock, † 1803. Mel.: Jesus, meine Zuversicht 2c. 369. Geht mun hin und grabt mein Grab, Denn ich bin des Wanderns müde; Von der Erde scheid ich ab, Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh Von den Engeln dreben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab; Meinen Lauf hab ich vollendet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Irdsche endet; Lege selbst mich nun hinein In das Bette sonder Pein. 3. Was soll ich hienieden noch In dem dunkeln Thale machen? Denn wie mächtig stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand zergehn, Wenn die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden sind nur Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne, Fahret wohl mit eurer Pracht! Denn ich reis in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Worin ihr verschwindet ganz. 6. Shr, die nun in Trauer geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde; Was von oben niederweht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde; Weint nicht ob dem eitlen Schein, Droben nur kann ewig sein. 340 Die letzten Dinge. 7. Weinet nicht, daß ich nun will Von der Welt den Abschied nehmen, Daß ich aus dem Irrthum will, Aus dem Schatten, aus dem Schemen, Aus dem Eiteln, aus dem Nichts Hin ins Land des ewgen Lichts. 8. Weinet nicht! mein süßes Heil, Meinen Heiland hab ich funden Und ich habe auch mein Theil In den warmen Herzenswunden, Woraus einst sein heilges Blut Floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht, mein Erlöser lebt; Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt, Und der Himmelsheld, der Glaube, Und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! G. M. Arndt, geb. 1769. Mel.: Ich hab mein Sach sc. A. 370. Wohlauf, wohlan, zum letzten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh ist lang. Gott führet ein, Gott führet aus, Wohlan, hinaus! Kein Bleiben ist im Erdenhaus. 2. Du Herberg in der Wanderzeit, Gehab dich wohl rind laß dein Leid! Schleuß nur getroft die Pforte zu! Was trauerst du? Dein Gast geht hin zur ewgen Ruh. 3. Tragt ihn fein sanft ins Schlafgemach, Ihr Lieben, følgt ihm segnend nach; Hab gute Nacht! Der Tag war schwül Im Erdgewühl: Hab gute Nacht, die Nacht ist kühl. 4. Ein Festschmuck ist des Sarges Tuch, Ein Siegeszug der Leichenzug. Triumph! der Herr macht gute Bahn, Sein Kreuz voran, Das winkt und deutet bimmelan. 5. Ihr Glocken, tönt hochfestlich drein Und läutet hell den Sabbath ein, Der nach des Werktags turzer Frist Durch Jesum Christ Für Gottes Voll vorhanden ist. Begräbnißlieder. 341 B. 6. O selig, wer das Heil erwirbt, Daß er im Herrn, in selig, wer, vom Lanfe matt, Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunden hat! Christo stirbt! 7. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und Eins ist Noth! Die Welt beut ihre Güter feil; Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Theil! 8. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz; Schau himmelwärts! Da, wo dein Schatz ist, sei dein Herz. 9. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, Eh dich der Tod an Todte reiht; Sie rufen: gestern wars an mir, Hent ists an dir: Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 10. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, ist Gott bewußt; Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 11. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, Da blüht zu schön kein Wangenroth; Im Finstern droht Der Tod und überall der Tod. 12. Ach, banges Herz im Leichenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Gräbernacht Das Leben hat ans Licht gebracht. 13. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr: ,, Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr!" Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 14. Wohl dem, der, Herr, mit dir vertraut, Schon hier die ewgen Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern Und känipfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. 342 Die legten Dinge. C. 15. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein! hier schließt die Wallfahrt sich. Ihr Schlummernden im Friedensreich, Gönnt allzugleich auch ihm( ihr) ein Räumlein neben euch. - 16. Viel Gräber sind an diesem Ort, Viel Wohnungen im Himmel dort; Bereitet ist die Stätte schon Am Gnadenthron, Bereitet ihm hr) durch Gottes Sohn. 17. Sein ist das Reich mit Allgewalt; Er zeugt und spricht: Ich komme bald! Ja, komm, Herr Jesu, führ uns ein! Wir harren dein: Amen, dein laß uns ewig sein! Chr. Fr. H. Sachse, geb. 1785. Beim Tode von Aeltern. Mel.: Ruhet wohl, ihr sc. 371. Bater, hier im Erdenschooße Ruhst du lange nun forthin; Bald wird auch mit grünem Moose Sich dein stilles Grab unziehn; Stürme werden drüber fliegen, Schnee auf deinem Bette liegen. 2. Doch in unsern treuen Herzen Wird dein Geist, dein Bild, dein Wort Unter tiefen Liebesschmerzen Unvergänglich leben fort, Wie du liebend uns umfangen und in Frieden hingegangen. 3. O wie heilig ist dies Bette, Da dich Jesus hingelegt! O wie thener diese Stätte, Die nun dein Gebeine hegt, Das im ewgen Osterwehen Himmlisch flar soll auferstehen! 4. Schlafe wohl, o Vater, schlafe Deiner Wallfahrt Leiden aus, Bis der Hirte seine Schafe Sammelt in des Vaters Haus! Sanft sei dir der letzte Schlummer, Dein Erwachen ohne Kummer! Beim Tode von Aeltern. 343 5. Jesus Christus, Herr der Todten! Der du nichts von dem verlierst, Was dein Vater dir geboten, Daß dus zur Vollendung führst: Dieses Vaters Geist und Ende Legen wir in deine Hände! 6. Komm, in unser Herz zu geben Deiner Wahrheit hellen Schein, Daß, wenn sich die Todten heben, Unser Vater ohne Pein Spreche bei des Herrn Erscheinen: ,, Sieh, hier bin ich und die Meinen!" Albert Krapp, geb. 1798. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele zc. 372. Eingesargt zum letzten Schlummer, Blaß, in weißem Sterbekleid, Ohne Schmerzen, ohne Kummer, Seh ich dich mit stillem Leid, Vielgetreue Mutter du! Jezzo trägt man dich zur Ruh: Schlummre süß im tühler: Grunde Bis zur Auferstehungsstunde! 2. Auge, das mit Lieb und Sehnen Oft die Seinen angeblickt, Segnend mit viel tausend Thränen Haben wir dich zugedrückt. Nie auf dieser Erde mehr Blickst du zärtlich auf uns her; Doch zu Wiedersehens Grüßen Wirst du heller dich erschließen. 3. Hand, die treulich uns geleitet, Die uns nichts als Liebe gab, Freud und Trost um uns verbreitet, Ruhe nun im stillen Grab! Unermüdet war dein Fleiß, Und dein Tagewerk war heiß. Wenn die Todten cuferstehen, Wird in dir die Palme wehen. 4. Edler Mund, zum Reinen, Großen, Und zu Lieb und mildem Wort Freundlich, lieblich aufgeschloffen, Nimmer tönest du hinfort; Aber was die Lippe sprach, Tönt in unsern Herzen nach, Bis nach langer Grabesstille Halleluja dir entquille. 344 Die letzten Dinge. 5. Herz, das ohne Falsch geschlagen Für den Gatten, für das Kind, Das uns sterbend noch getragen, wie ruhest du so lind! Weinend, dankend rufen wir: Ewger Segen folge dir! Wenn die Grüfte sich bewegen, Schlage wieder uns entgegen! 6. Dann wird froh die Thräne fließen, Wie sie jetzt in Trauer fließt; Froh wird dich dein Kind begrüßen, Das dich heut in Thränen grüßt; Dann, dann wird der schwere Stein Weg von deinem Grabe sein. Christus war im Tod dein Leben,- Ewig darfst du vor ihm schweben. Albert Knapp, geb. 1798. Beim Tode von Ehegatten. Mel.: Wenn mein Stündlein 2c. 373. Ach Gott, ich muß in Traurigkeit Mein Leben nun beschließen, Dieweil der Tod von meiner Seit So eilend hat ssen Mein treues Herz, der Tugend Schein; Deß muß ich jetzt beraubet sein; Wer kann mein Elend wenden? 2. Wenn ich an ihre Freundlichkeit Gedenk in meinem Herzen, Die sie mir hat zu jeder Zeit, In Freud und auch in Schmerzen, Erwiesen ganz beständiglich, Mein Kreuz und Weinen mehret fich, Vor Angst möcht ich vergehen. 3. Bei wem soll ich auf dieser Welt Rechtschaffne Liebe finden? Der meiste Th.il nicht Glauben hält, Die Treu will gar verschwinden. Ich glaub und red es ohne Scheu: Die best ist die getraute Tren, Die muß ich jetzt entrathen. 4. Fürwahr, mir geht ein scharfes Schwert Jetzund durch meine Seele, Die abzuscheiden oft begehrt Aus ihres Leibes Höhle; Wo du nicht, o Herr Jesu Christ, In solchem Kreuz mein Tröster bist, Muß ich vor Leid verzagen. Beim Tode von Ehegatten. 345 5. O treugeliebtes selig Herz, Zu dir will ich mich wenden In diesem meinem großen Schmerz, Ob sich mein Angst wollt wenden: Sch will betrachten deinen Stand, Wie Gott dir alles Kreuz gewandt In höchste Frend und Wonire. 6. Kein Angst und Trübsal, Web und Noth Kann dich jegund verletzen; Im Himmel will der fromme Gott Mit Liebe dich ergötzen. Die Seele schaut mit Lust und Freud Den Herrn in seiner Herrlichkeit Mit aller Auserwählten. 7. Du kommst nicht wieder her zu mir In dieß betrübte Leben, Ich aber komm hinauf zu dir; Da werd ich ewig schweben In höchster Freude, Wonn und Lust, Die deine Seele täglich fost, Drauf ich mich herzlich freue. 8. O wie mit großer Freudigkeit Wolln wir einander kennen, Da wird uns dann zu feiner Zeit Der bittre Tod mehr trennen. Ach, welche Freude wird dann sein, Wenn ich dich, die ich jetzt bewein, Mit Frenden werd umfangen. 9. Dieß will ich jetzt in Traurigkeit Mir zu Gemüthe führen, Erwarten in Geduld die Zeit, Wie Christen will gebühren. Gott alles Trostes steh bei mir und mich durch seinen Geist regier, Zu seines Namens Ehren. J. Heermann, † 1647. Mel.: Wer nur den lieben Gott se. 374. Betrübtes Herze, sei zufrieden, Ob dich schon tausend Kummer plagt; Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Kein Kummer, keine Noth und Pein Kann dir, mein Herz, im Wege sein. 2. 3war schwimmest du in heißen Thränen, Das ist der Wittwen täglich Brot; Du quälest dich mit bangem Sehnen, Denn dein Geliebter ist ja todt; Ists möglich, wenn das Herz entzwei, Daß noch der Mensch lebendig sei? 346 Die leßten Dinge. 3. Die Krone fiel von deinem Haupte, Der Baum starb, so dir Schatten gab; Die Sonne, die kein Nebel raubte, Geht unter und sinkt in ihr Grab: O welch ein Schmerz, welch eine Nacht, In welche dich der Tod gebracht! 4. Die armen Waisen stehn verlaffen, Wie Schäflein, wenn der Hirte fehlt; Ihr Herze weiß sich nicht zu fassen, Indem es sieht, was deines quält; Shr fragend Wort, ihr Schmerzensblick Ruft dir, was du verlorst, zurück. 5. So weine nur, betrübtes Herze Und klage Gott dein schweres Leid: Er ist auch in dem größten Schmerze Mit seiner Hilf und Trost bereit; Er ists, der, was dich jetzt erfüllt, Er ists, der deinen Jammer stillt. 6. Drum halte ein mit deinen Thränen, Bersinke nicht in ihrem Meer; Es bringt kein Klagen und kein Sehnen Dir, was du wünschest, wieder her; Doch wirst du, glaub, es wird geschehn. Einst, den du liebest, wiedersehn. 7. Da wird kein Tod die Herzen scheiden, kein Kummer um das Lager stehn; Da werdet ihr in tausend Freuden Auf Salems schönen Höhen gehn Und, heller als der Sterne Schein, Mann, Weib und Kinder ewig sein. 8. Indessen stille dein Gemüthe, Dein Jesus sorget selbst für dich; Er hört der frommen Wittwen Bitte, Sein treues Herz erbarmet sich; Er ist und bleibet allezeit Auch dir mit Hilf und Trost bereit. Mel.: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig 2c. 375. Get zum Schlummer Ohne Kummer, Theures, gottvertrautes Herz! Nun ists stille; Deine Hülle Schläft hier aus den letzten Schmerz, Und die Liebe, Wenn auch trübe, Schaut durch Thränen himmelwärts. Beim Tode von Kindern. 2. Geh zur Ruhe, Thu, o thue Friedevoll die Augen zu! Vielgeliebte, Vielgeübte, Deines Gatten Wonne du! All die Deinen, Die hier weinen, Gönnen doch dir deine Ruh! 247 3. Schlafe, schlafe! Seine Schafe Kennt auch hier der treue Hirt. O hier schwindet, Was da bindet, Was die Seelen quält und irrt! Dieß Verwesen Schafft Genesen, Das dich ewig freuen wird. 4. Jauchzend stehen, Wiedersehen Wird dich unsre Liebe dann, Deren Zähre, Gott zur Ehre, Bitter, doch im Glauben rann. Dann beim Krönen Wird ertönen, Was die ewge Liebe kann. 5. Herr, umfaffe Uns und lasse Leuchten hell dein Angesicht; Stets behüte Deine Güte Dieses Grab mit Freudenlicht! Laß dich loben Hier und droben, Denn die Liebe stirbet nicht! A. Knapp, geb. 1798. Beim Tode von Kindern. Mel.: Ermuntre dich sc. 376. Du bist zwar mein und bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein; Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Kind, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle. -1 - 2. Ach, gält es wünschen, wollt ich dich, Du Sternlein meiner Seelen, Vor allem Weltgut ewiglich Mir wünschen und erwählen; Ich wollte sagen: ,, Bleib bei mir; Du sollst sein meines Hauses Zier; An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben." 3. So sagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch beffer; Groß ist die Lieb in meinem Muth; In Gott ist 348 Die letzten Dinge. sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell, daraus die Jungen Und Alten sind entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel solle leben. Ich sprech: ach weh, mein Licht verschwindt; Gott spricht: willkomm, du liebes Kind; Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben. 5. O jüßer Rath, o schönes Wort Und beilger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, kein Unglück und kein Kränken, Kein Angst, kein Mangel, kein Versehn; Bei Gott kann Keinem Leid geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Ach, dürft ich doch von ferne stehn Und nur ein wenig hören, Wenn deine Sinne sich erhöhn Und Gottes Namen ehren, Der heilig, heilig, heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist; Ich weiß, ich würde müssen Vor Freuden Thränen gießen. 7. Nun es sei ja und bleib also! Ich will nicht um dich weinen; Du lebst und bist von Herzèn froh, Siehst lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Rub: Da leb und bleib nur immerzu; Wills Gott, will ich mit Andern Auch bald hinüber wandern. P. Gerhardt,+ 1676. Wel: Herzlich thut mich verlangen 2c. 377. Ich war ein kleines Kindlein, Geborn auf diese Welt, Jedoch mein Sterbestündlein Hat mir Gott bald bestellt. Ich weiß gar nichts zu sagen, Was Welt ist und ihr Thun, Nur Noth in meinen Tagen Hab ich gebracht davon. 2. Mein allerliebster Vater, Der mir viel Guts bescheert, Und mein herzliebste Mutter, Die beten mich gelehrt, Die Beim Tode von Findern. folgen mir zum Grabe Mit Seufzen inniglich; wollen haben, Er nimmt mich auf zu sich. 349 Gott hats so 3. Er nimmt mich auf zu Gnaden, Zum Erben in sein Reich; Der Tod kann mir nicht schaden, Ich bin den Engeln gleich; Mein Leib wird wieder leben In Ruh und ewger Frend Und sammt der Seele schweben In großer Herrlichkeit. 4. Ade! ihr meine Lieben, Du Vater- und Mutterherz, Thut euch nicht mehr betrüben, Vergesset diesen Schmerz: Mir ist sehr wohl geschehen, Ich leb in Wonn und Freud, Ihr jollt mich wiedersehen Dort in der Ewigkeit. Vor 1654. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 378. So hab ich obgesteget, Mein Lauf ist nun vollbracht; Ich bin gar wohl vergnüget Und sag ench gute Nacht! Ibr aber, meine Lieben, Klagt nicht so ängstiglich, Was wollt ihr euch betrüben? Stehts doch sehr gut um mich. 2. Fahr hin, o Angst und Schmerzen, Fahr immer, immerhin! Ich freue mich von Herzen, Daß ich erlöset bin: Ich leb in tausend Freuden In meines Schöpfers Hand; Mich trifft und rührt kein Leiden, So dieser Welt bekannt. 3. Die noch auf Erden wallen In irrthumsvoller Zeit, Vermögen kaum zu lallen Von froher Ewigkeit: Viel beffer wohl gestorben, Als in der Welt gelebt; Die Schwachheit ist verdorben, Worinnen ich geschwebt. 4. Zum Schmucke bringt mir Kränze, Damit mein Sarg noch prangt; Aus jenem Himmelslenze Hat meine Seel erlangt Die ewig grüne Krone; Die werthe Siegespracht Rührt ber von Gottes Sohne, Der hat mich so bedacht. 5. Noch netzet ihr die Wangen, Ihr Aeltern, über mir; Euch hat das Leid umfangen, Das Herze bricht euch schier. Die letzten Dinge. Des Vaters treue Liebe Sieht sehnlich in mein Grab, Die Mutter stehet trübe Und kehrt die Augen ab. 350 6. Ich war euch nur geliehen Auf eine kurze Zeit; Gott will mich zu sich ziehen, Drum werfet hin das Leid Und sprecht: Gott hats gegeben, Gott hats zu nehmen Macht; Er nimmts zum ewgen Leben; Er hat es wohlgemacht. G. W. Sacer, † 1699. Mel.: Es ist genug so 2c. mein Kind! Gott selber fordert dich Aus 379. 3euch hin, dieser argen Welt; Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlaß ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin mein Kind!:: 2. Zeuch hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt geliehn; Die Zeit ist aus, darum befiehlt er dir, Nun wieder fortzuziehn. Zeuch hin, Gott hat es so versehen; Was dieser will, das muß geschehen; Zeuch hin, mein Kind!:,: 3. Zeuch hin, mein Kind! im Himmel findest du, Was dir die Welt versagt; Denn nur bei Gott ist wahrer Trost und Ruh, Kein Schmerz, der Seelen plagt; Hier müssen wir in Nengsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben; Zeuch hin, mein Kind!:,: 4. Zeuch hin, mein Kind! wir folgen alle nach, Sobald es Gott gefällt; Du cilest fort, eh dir das Ungemach Verbittert diese Welt. Wer lange lebt, steht lang im Leide, Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude; Zeuch bin, mein Kind!:,: 5. Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon Auf deinen frommen Geist; Nun siehest du, wie Gottes lieber Sohn Dir selbst die Krone weist. Nun wohl, die Seele ist entbunden, Du hast durch Jesum überwunden; Zeuch bin, mein Kind!:,: G. Hoffmann,+ 1712. Beim Tode von Kindern. 351 Mel.: O Welt, ich muß dich sc. 380. Wenn fleine Himmelserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater aufgehoben, Damit sie unverloren sein 2. Sie sind ja in der Taufe, Zu ihrem Christenlaufe, Für Jesum eingeweiht; Sie sind bei Gott in Gnaden: Was soll es ihnen schaden, Wenn er nun über sie gebaut? 3. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde; Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu sind. A. Rothe, † 1758. Mel.: Vater unser im Himmelreich zc. 381. So geh nur hin, dem Grabe zu, Du liebes Kind so hold und fein! Geh hin und schlaf in stiller Ruh; In deinem engen Kämmerlein! Schlaf, bis der Todten Schar erwacht; Schlaf sanft! viel tausend gute Nacht! 2. Wohl dir, du schlosseft früh den Lauf In diesem armen Fremdlingsland; Die Seele eilte himmelauf, zu ruhen in des Herren Hand. Schlaf, bis der Todten Schar erwacht, Schlaf sanft! viel tausend gute Nacht! 3. Dich hat noch nie die Welt betrübt Mit ihrer falschen Sündenluft; Nun hast du, was dir Wonne gibt, Du ruhst an deines Jesu Brust Und schläfft, bis alle Welt erwacht; Schlaf sanft! viel tausend gute Nacht! 4. Dich hat des Vaters Herz versorgt, Du lebst in seinem Himmelshaus; Hier hat er deinen Leib geborgt Der Erd, daß fie ihn geb heraus, Wenn wieder alle Welt erwacht; Schlaf fanft! viel tausend gute Nacht! 5. Ihr Engel stehet um die Gruft, Bewahret freundlich dieß Gebein, Bis dermaleins die Stimme ruft: Komm her, mein 352 Die legten Dinge. Kind, ach komm herein!" Nun schlaf, bis alle Welt erwacht; Schlaf sanft! viel tausend gute Nacht! 6. Geh hin! ich folge dieser Bahn, Die Seligkeit mit dir zu sehn; Da werd ich, nen dir zugethan, Erfreut vor meinem Heiland stehn. Wohl mir, wenn ich, dir gleich gemacht, Der Welt darf geben gute Nacht! Knapp's Gesangbuch. B. Gericht und Ewigkeit. 382. An dem Zorntag, an dem hoben, Stürzt die Welt in Feuerlohen, Wie Prophetenschwüre drohen. 2. Welch ein Graun wird sein zur Stunde, Wenn der Richter kommt und Kunde Nimmt von allem bis zum Grunde! 3. Die Posaun im Wundertone Dröhnt durch Grüfte jeder Zone, Sammelt alle vor dem Throne. 4. Erd und Tod wird schaun mit Beben Alle Creatnr sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 5. Und ein Buch wird aufgeschlagen, Drin steht Alles eingetragen, D: ß die Welt ist, anzuklagen. 6. Wenn der Richter also sitzet, Wird, was dunkel war, durchblitzet, Vor der Nache nichts beschützet. 7. Ach, wie werd ich Armer stehen? Wen zum Anwalt mir erflehen, Wenn Gerechte schier vergehen? - 8. König voll erhabner Schrecken! Gnade nur deckt unsre Flecken, Gnade, Gnade laß mich decken! 9. Jesu, milder Heiland, stehe, Wie ich Ziel war deiner Mühe, Daß ich jenem Zorn entfliehe! 10. Hast dich matt um mich geschritten, Hast am Kreuze mich erstritten; Das sei nicht umsonst gelitten! Gericht und Ewigkeit. 353 11. Richter mit der heilgen Wage, Tilge wider mich die Klage Vor dem großen Rachetage! 12. Sieh, ich seufze schuldbeladen, Schamroth über schweren Schaden! Hör mein Flehen, Gott, in Gnaden! 13. Du, der schuldfrei sprach Marien Und dem Schächer noch verziehen, Hast auch Hoffnung mir verlieher.. 14. Mein Gebet gilt nicht so theuer, Aber laß mich, o du Treuer, Nicht vergehn im ewgen Feuer! 15. Zu den Schafen mich geleite, Von den Böcken in die Weite Stelle mich zur rechten Seite. 16. Wenn Verworfne sich entfärben, Die du hinsprichst ins Verderben, Rufe mich mit deinen Erben. 17. Tief im Staub ring ich die Hände; Zum zerknirschten Geist dich wende; Herr, verwalte du mein Ende! Nach dem Lateinischen des Thomas von Celano(+ um 1255) von A. Knapp. 383. Mitten wir im Leben sind Mit dem Tod umfangen. Wen suchen wir, der Hilfe thu, Daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürret hat. Heiliger Herre Gott, Heiliger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Noth! Erbarm dich unser. 2. Mitten in dem Tod ansicht Uns der Höllen Rachen. Wer will uns aus solcher Noth Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein Barmherzigkeit Unsre Sünd und großes Leid. Heiliger Herre Gott, Heiliger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gett, Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Höllen Gluth! Erbarm dich unser. 23 Die letzten Dinge. 3. Mitten in der Höllen Angst Unsre Sünd uns treiben. Wo sollen wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine! Vergoffen ist dein theures Blut, Das guug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, Heiliger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost! Erbarm dich unser. M. Luther,+ 1546. 354 384. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr boch auf der Zinne, Wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitter= nacht heißt diese Stunde, Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampe nehmt! Halleluja! Macht euch bereit Zu der Hochzeit; 3hr müsset ihm entgegengebn. 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz will ihr vor Freuden springen, Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrbeit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen und mit Engelzungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen find die Thore An deiner Stadt, wir stehn im Chore Der Engel boch um deinen Thron. Kein Aug hat je gesehn, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude; Drum jauchzen wir Und singen dir Das Halleluja für und für. Ph. Nicolai,+ 1598. 385. Jerusalem, du hochgebaute Stadt, Wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat Und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. Gericht und Ewigkeit. 355 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, Wann wirst du kommen schier, Da ich mit Lust und freiem Freudenmund Die Seele geb von mir In Gottes treue Hände, Zum auserwählten Pfand, Daß sie mit Heil anlände In jenem Vaterland? 3. Im Augenblick wird sie erheben sich Bis an das Firmament, Wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich Die Stätt der Element, Fährt auf Eliä Wagen, Mit heilger Engel Schar, Die sie in Händen tragen, Umgeben ganz und gar. 4. Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir, Thu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, Eh ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und mir hat Gott gegeben Das Erb der Ewigkeit! 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schar Kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, Seh ich, die beste Kron, Die Jesus mir der Herre Entgegen hat gesandt, Da ich noch war von ferne In meinem Thränenland. 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland trugen dort des Kreuzes Joch Und der Tyrannen Pein, Schar ich in Ehren schweben, In Freiheit überall, Mit Klarheit hell umgeben, Mit sonnenlichtem Strabl. 7. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin Ins schöne Paradeis, Von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, Der Mund von Lob und Preis; Das Halleluja reine Man singt in Heiligkeit, Das Hosianna feine Ohn End in Ewigkeit. 8. Mit Jubelflang, mit Instrumenten schön, In Chören ohne Zahl, Daß von dem Schall und von dem süßen Ton sich regt der Freudensaal, Mit hunderttausend Zungen, Mit Stimmen noch vielmehr, Wie von Anfang gesungen Das selge Himmelsheer. J. M. Meyfart, † 1642. 356 Die letzten Dinge. 386. wie felig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen Aller Noth, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hier kennen, Ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr dagegen ruht in eurer Kammer, Sicher und befreir von allem Jammer; Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euern Frenten. 4. Christus wischet ab euch alle Thränen; Ihr habt das schon, wornach wir uns sehnen; Euch wird gesungen, Was in feines Ohr allhier gedrungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hier bleiben, Sich vom Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm uns auszuspannen, Lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, Sonne, Ist der frommen Seeien Freud und Wonne. S. Dach, † 1659. 387. Sefus, meine Zuversicht Und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich, sollt ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland, lebt; Ich werd auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt Gericht und Ewigkeit. 357 befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden, Dieses weiß ich; Doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn sein mög allezeit. 5. Was hier kranket, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen, Hier geh ich natürlich ein, Dort, da werd ich geistlich sein. 6. Seid getroft und hocherfreut, Jesus trägt euch, meine Glieder; Gebt nicht statt der Traurigkeit: Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wenn einst die Bosaun erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. 7. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen; Denn ihr sollt euch aus der Gruft Euerm Heiland zugesellen, Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter enerm Fuß. 8. Nur, daß ihr den Geist erhebt Von den Lüften dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt sollt werden; Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Luise Henriette Churfürstin von Brandenburg, † 1667. 388. Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende! Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, Wenn mir dieß Wort im Sinne schwebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, Das endlich mit der Zeit nicht fällt, Nicht endlich muß vergehen. Nur die unselge 358 Die letzten Dinge. Ewigkeit Ist ohne Maße, Ziel und Zeit, Bleibt unverändert stehen; Ja, wie mein Heiland selber spricht: Ihr Wurm und Feuer stirbet nicht. 3. Ewigkeit, du machst mir bang! O ewig, ewig ist zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum wenn ich diese lange Nacht Zusammt der großen Pein betracht, Erschreck ich reht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit schrecklich, als die Ewigkeit. 4. Ach, Gott, wie bist du so gerecht; Wie strafest du den bösen Knecht So hart mit ewgen Schmerzen! Auf furze Sünden dieser Welt Hast du so lange Pein bestellt. Ach, nimmm es wohl zu Herzen! Betracht es oft, o Menschenkind: Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. Ermuntre Wach auf, 5. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf; dich, verlornes Schaf, Und beffre bald dein Leben! es ist sehr hohe Zeit, Es kommt beran die Ewigkeit, Dir deinen Lohn zu geben; Vielleicht ist heut der letzte Tag; Wer weiß doch, wenn er sterben mag! 6. Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Ich weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freudenzelt. Joh. Rist, † 1667. Mel.: O Ewigkeit, du Donnerwort ac. 389. Ewigkeit, du Freudenwort, Das mich erquicket fort und fort, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Freud ohne Leid, Ich weiß vor Herzensfröhlichkeit Ganz nichts mehr vom Elende, Das uns in diesem Leben quält, Weil ich die Ewigkeit erwählt. 2. Kein Herrlichkeit ist in der Welt, Die endlich mit der Zeit nicht fällt und gänzlich muß vergehen; Allein die selge Gericht und Ewigkeit. 359 Ewigkeit Bleibt ohne Jahre, Ziel und Zeit, Bleibt unverändert stehen; Ja, wie das Wort des Herren spricht: Sie welket nud vergehet nicht. 3. Ewigkeit, du währest lang! Wenn mir auf Erden gleich ist bang, Weiß ich, daß dieß aufhöret; Drum, wenn ich diese lange Zeit Erwäge sammt der Seligkeit, Die ewig nichts zerstöret, So acht ich alles Leiden kaum Als einen ängstlich bösen Traum. 4. Im Himmel lebt der Christen Schar Bei Gott viel tausend, tausend Jahr Und werden deß nicht müde; Sie haben mehr als Sonnenlicht, Sie sehen Gottes Angesicht, Sie haben goldnen Friede, Da Christus gibt, wie er verheißt, Das Manna, so die Engel speist. 5. Ach, wie verlanget doch nach dir Mein mattes Herze mit Begier, Du überselig Leben! Ach, bringe mich, mein Gott dahin, Wonach jetzt Seele, Muth und Sinn Mit allen Kräften streben. Der schnöden Welt vergeß ich ganz Und sehn mich nach des Himmels Glanz. 6. Ewigkeit, du Freudenwort, Das mich erquicket fort und fort, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Frend ohne Leid, Ich weiß von keiner Traurigkeit, Wenn ich mich zu dir wende. Herr Jesu, gib mir solchen Sinn, Bis ich dort ewig bei dir bin. C. Heunisch, † 1690. 390. Alle Menschen müssen sterben, Alles Fleisch vergeht wie Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit. 2. Drum so will ich dieses Leben, Weil es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben, Bin darüber nicht 360 Die letzten Dinge. betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 3. Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben: Drum fahr ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron, Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. 5. Da die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal; Wo auf ihren Ehrenthronen Sizet der Apostel Zahl; Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren, Da wir unserm Gott zu Ehrn Ewig Halleluja hörn. 6. O Jerusalem, du schöne, Ach, wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne! Segund gehet auf die Sonne, Jetzund gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket Alle diese Herrlichkeit; Jetzo werd ich schön geschmücet Mit dem weißen Himmelskleid, Mit der güldnen Ehrenkrone, Stehe da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. J. G. Albinus, † 1679. Mel.: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt sc. 391. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, Wie eilet mau zur Ewigkeit! Wie wenig denken an die Stund Von Herzensgrund, Wie schweigt davon der träge Mund! Gericht und Ewigkeit. 361 2. Das Leben ist gleichwie ein Traum, Ein nichtger leerer Wasserschaum; Im Augenblick es bald vergeht Und nicht besteht, Gleichwie ihr dieses täglich seht. 3. Nur du, Jehova, bleibest mir Das, was du bist: ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, Mir ist Gewinn, Wenn ich allein bei Jesu bin. 4. So lang ich in der Hütten wohn, So lehre mich, o Gottes Sohn! Gib, daß ich zähle meine Tag Und munter wach, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag. 5. Was hilft die Welt in letzter Noth? Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu! Das merke du, Du kommst sonst nicht zu wahrer Ruh. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Lust! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such ich nur, das bleibet mir; O mein Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz nach dir! 7. Was wird das sein, wenn ich dich seh Und bald vor deinem Throne steh? Du unterdessen lehre mich, Daß stetig ich Mit flugem Herzen suche dich. J. Neander,+ 1680. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 392. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke deinen Tod, Der Tod kommt oft behende; Der heute frisch und roth, Kann morgen und geschwinder Hinweggestorben sein; Drum bilde dir, o Sünder, Ein täglich Sterben ein. 2. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke das Gericht, Es müssen alle Stände vor Jesu Angesicht; Kein Mensch ist ausgenommen, Dort muß ein jeder nahn Und wird den Lohn bekommen, Nachdem er hier gethan. 3. Bedenke, Mensch, das Ende, Der Hölle Angst und Leid, Daß dich die Welt nicht blende Mit ihrer Eitelkeit. 362 Die letzten Dinge. Hier ist ein kurzes Freuen, Dort aber ewiglich Ein kläglich schmerzlich Schreien: Ach, Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke doch die Zeit, Daß dich ja nichts abwende Von jener Herrlichkeit, Womit vor Gottes Throne Die Seele wird gepflegt; Dort ist die Lebenskrone Den Frommen beigelegt. 5. Herr, lehre mich bedenken Der Zeiten letzte Zeit, Daß sie nach dir zu lenken Mein Herze sei bereit. Laß mich denTod betrachten Und deinen Richterthron, Laß mich auch nicht verachten Der Hölle Sündenlohn. 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten Auf meinen letzten Tag Mit Buße mich bereiten Und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gerichte Steh mir, o Jesu, bei, Daß ich im Himmelslichte zu wohnen würdig sei. Sam. Liscov,(?) † 1689. Mel.: Mein Jesu, der du vor 2c. 393. Sch ruhe nun in Gottes Armen, Mein Leib schläft sanft und selig ein; Die Liebe lässet mich erwarmen Bei ewig gnadenreichem Schein. Dort hatt ich wenig Ruhestunden, Hier hab ich sie in Gott gefunden. 2. Hier hab ich Alles zu genießen, Worauf mein Glaube sich gefreut; Der Lebensquell läßt auf mich fließen Die Ströme seiner Seligkeit. Mein Freudenmeer ist Gottes Fülle; Bei dem ist meine Seele stille. 3. Mein matter Leib schläft in der Erden, Er schläft, bis ihn mein Freund erweckt. Die Asche wird zur Sonne werden, Ob sie gleich finstre Nacht jetzt deckt; Er wird mit Freuden auferstehen, Mit mir vereint zur Hochzeit gehen. 4. Da wird das Lamm mich ewig weiden Auf Auen selger Sicherheit; Da ist das Himmelsbrot der Freuden In Ewigkeit Gericht und Eisigkeit. 363 für mich bereit: Das hab ich schon von Gott empfangen Mit denen, die vorangegangen. 5. Ihr, die ihr jetzo Thränen speiset, Denkt an des Himmels Freudenmahl; Ob ihr noch durch die Wüste reiset, Gott bringt euch in den Ehrensaal: Da werdet ihr mit Freuden sehen, Wie wob! mir durch den Tod geschehen. Vor 1694. Mel.: Gott des Himmels und se. 394. Wer sind die vor Gottes Throne, Was ist das für eine Schar? Jeder träget eine Krone, Glänzet gleich den Sternen flar; Halleluja singen all, Loben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen, Wie ein Sieger, in der Hand, Wenn er seinen Feind erschlagen, Hingestrecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg Hat gezeuget diesen Sieg. 3. Wer sind die in reiner Seide, Welche ist Gerechtigkeit, Angethan mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit Und veraltet nimmermehr? Wo sind diese kommen her? 4. Es sind die, so wohl gekämpfet Für des großen Gottes Ehr, Haben Fleisch und Blut gedämpfet, Folgend nicht dem Sünderheer; Die erlanget auf den Krieg Durch des Lammes Blut den Sieg. 5. Es sind die, so durchgedrungen Durch viel Trübfal, Angst und Noth, Im Gebet auch oft gerungen Mit dem hochgelobten Gott; Nun hat dieser Kampf ein End, Gott hat all ihr Leid gewendt. 6. Es sind die, so stets erschienen Hier als Priester ror dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel geopfert gern; Nunmehr steln sie all herum Vor dem Stuhl im Heiligthum. 364 Die legten Dinge. 7. Dahin streck auch ich die Hände, O Herr Jesu, zu dir aus; Mein Gebet zu dir ich wende, Der ich noch in deinem Haus Hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 8. Hilf mir in dem Kampfe siegen Wider Sünde, Höll und Welt; Laß mich nicht darnieder liegen, Wenn ein Sturm mich überfällt; Führe mich aus aller Noth, Herr, mein Fels, mein treuer Gott. 9. Daß mein Theil sei bei den Frommen, Welche, Herr, dir ähnlich sind Und aus großer Trübsal kommen; Hilf, daß ich auch überwind Alle Trübsal, Noth und Tod, Bis ich komm zu meinem Gott. 10. O wie groß wird sein die Wonne, Wenn ich mit der heilgen Schar In dem Strahl der reinen Sonne Leuchte wie die Sterne flar! Amen, Lob sei dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! Th. Schent, † 1727. Mel.: Jesu, der du meine Seele sc. 395. O wie fröhlich, o wie selig sein! Droben ärnten wir unzählig Gehen wir hier hin und weinen, nen; Dort ist Tag und keine Thränen lacht. Werden wir im Himmel Unsre Freudengarben ein. Dorten wird die Sonne schei Nacht, Wo man nach den 2. Ach, wer wollte sich nicht sehnen, Dort in Zion bald zu stehn Und aus diesem Thal der Thränen An den Freudenort zu gehn, Wo das Kreuze sich in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unsre Last in Lust verkehrt Und das Jauchzen ewig währt. 3. O wie werden wir so schöne Bei der Klarheit Gottes sein! Wie wird uns das Lobgetöne Seiner Engelschar erfreun! Wie wird unsre Krone glänzen Bei so vielen Siegeskränzen! Wie wird unser Kleid so rein, Heller als die Sonne sein. Gericht und Ewigkeit. 365 4. Ach, wann werd ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlitz schau! Werd ich nicht bald aufgenommen In den schönen Himmelsbau, Deffen Grund den Perlen gleichet, Dessen Glanz die Sonne weichet, Deffen wundervolle Pracht Alles Gold beschämet macht? 5. Nun, so stille mein Verlangen, du großer Lebensfürst! Laß mich bald dahin gelangen, Wo du mich recht trösten wirst. Unterdessen laß auf Erden Schon mein Herz recht himmlisch werden, Bis mein Loos in jener Welt Auf das allerschönste fällt. Benj. Schmolck, † 1737. Mel.: Wie wohl ist mir, o Freund 2c. 396. Es ist noch eine Rub vorhanden; Auf, müdes Herz, und werde Licht! Du seufzeft hier in deinen Banden, und deine Sonne scheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Frenden Dort wird vor seinem Stuhle weiden; Wirf hin Die Laft und eil ihm zu; Bald ist der heiße Kampf geendet, Bald, bald der saure Lauf vollendet; So gehst du ein zu deiner Rub. 2. Die Ruhe hat Gott auserforen, Die Ruhe, die kein Ende nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon bestimmt. Der gute Hirte wollte sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben; Er ruft, er locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäumet nicht, heut einzukommen zu meiner Ruhe Lieblichkeit. 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt; Eilt, eilt aus euern Kummerhöhlen, Geht nicht mehr müde und gebückt. Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt sein. Ihr seid sein Volk, gezeugt von oben; Ob Sünde, Welt und Hölle toben. Seid nur getrost, und gehet ein. 366 Die letzten Dinge. 4. Da wird man Freudengarben bringen; Denn unsre Thränensaat ist aus. O, welch ein Jubel wird erklingen Und süßer Ton im Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid wird ferne weichen, Es wird kein Tod uns mehr erreichen, Wir werden den Erlöser sehn; Die Thräne wird vom Aug er wischen, Sein Lebensstrom wird uns erfrischen; Wer weiß, was sonst noch wird geschehn! 5. Kein Durst noch Hunger wird uns schwächen; Denn die Erquickungszeit ist da; Die Sonne wird uns nicht mehr stechen: Der Herr ist seinem Volke nah. Er selbst will über ihnen wohnen Und ihre Treue wohl belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen, Der große Sabbath ist erschienen, Da man von keiner Arbeit weiß. 6. Da ruhen wir und sind in Frieden und leben ewig sorgenlos. Ach, fasset dieses Wort, ihr Müden! Legt euch dem Heiland in den Schooß! Ach, Flügel her! wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen; Dort wartet schon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubilizen; Auf, gürte dich zum Triumphiren! Auf, auf, es kommt das Rubejahr! J. S. Kunth,+ 1779. Mel.: Wie schön leuchtet der sc. 397. Mein ganzer Geist, Gott, wird entzückt, Wenn er binauf gen Himmel blickt, Dahin dein Rath uns leitet; Wo deine milde Vaterhand Aus neuen Wundern wird erkannt, Die du daselbst verbreitet. Mächtig Fühl ich mich erhoben, Dich zu loben, Der zum Leben, Das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, Die dort bei dir zu finden! Du stellst uns hier auf Erden zwar Viel Wunder deiner Güte dar, Zum fröhlichen Empfinden: Doch hier Sind wir Bei den Frenden Noch mit Leiden Stets umgeben; Dort nur ist vollkommnes Leben. Gericht und Ewigkeit. 367 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab, Dort wischest du die Thränen ab Von deiner Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrei; Denn du, o Herr, machst Alles neu, Das Alte ist vergangen; Hinfort Sind dort Von gerechten Gottesknechten Keine Plagen Mehr zur Prüfung zu ertragen. 4. In unsers Gottes Heiligthum Schallt seines Namens hoher Ruhm Von lauter frohen Zungen. Hier strahlt die Herrlichkeit des Herrn; Hier schaut man sie nicht mehr von fern; Hier wird sie ganz besungen. Völlig Gibt sich, Sie zu trösten, Den Erlösten zu erkennen Jer, den sie schon Vater nennen. 5. Vor seinem Antlitz wandeln sie, Auf ewig frei von aller Müh, Und schmecken seine Güte. Hier stört den Frieden ihrer Brust Und ihre tausendfache Lust Kein feindliches Gemüthe; Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Triebe Reiner Liebe Unter Seelen, Die hinfüro nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schar ist dort vereint! Die Frommen, die ich hier beweint, Die find ich ewig wieder. Dort sammelt deine Vaterhand, Die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder; Ewig Werd ich, Frei von Mängeln, Selbst mit Engeln Freundschaft pflegen: O ein Umgang voller Segen! 7. Wo ist mein Freund, des Höchsten Sohn, Der mich geliebt? Wo glänzt sein Thron? In jenen Himmelshöhen. Da werd ich dich, Herr Jesu Christ, So menschenfreundlich als du bist, Auch mit Entzücken sehen; Da wird, mein Hirt, Von den Freuden Nichts mich scheiden, Die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält! Kein Mensch kann sie erwerben. O Jesu, Herr der Herrlichkeit, Du hast die Stätt auch mir bereit; Hilf sie mir auch ererben. Laß mich Eifrig Darnach streben Und so leben auf der Erde, Daß ich dort dein Erbe werde. J. S. Diterich, † 1797,( Nach Ahasverus Fritsch, † 1701.) 368 Die letzten Dinge. Mel.: Nun preiset alle 2c. 398. Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben!:,: 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn! Du bist allmächtig; Drum ist dein Licht so schön! Könnt ich an diesen hellen Thronen Doch schon von bent an ewig wohnen!:,: 3. Nur bin ich sündig, Der Erde noch geneigt; Das hat mir bündig Dein heiliger Geist gezeigt; Ich bin noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt.:,: 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben.:,: 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn; Und ohn Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen, goldnen Gaffen Lebenslang nicht aus den Augen lassen.:,: J. Timotheus Hermes, † 1821. 315 12 Evangelisches Brevier. Gebet e. 24 I. Gebete am Morgen, Mittag und Abend. L. Morgen. Auf alle Tage. 1. Wir danken Dir, Herr Gott, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, daß Du uns diese Nacht vor allen Schaden und Gefahr behütet hast, und bitten Dich, Du wolleft uns diesen Tag auch behüten vor Sünden und vor allem Uebel, daß Dir all unser Thun und Leben gefalle; denn wir befehlen uns, unsern Leib und Seele und Alles in Deine Hand; Dein heiliger Engel sei mit uns, daß der böse Feind keine Macht an uns finde. Amen. 2. Ewiger, allmächtiger Gott und Vater! Ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß Du mich auch wieder in der vergangenen Nacht vor allem Uebel und aller Gefahr Leibes und der Seele gnädiglich behütet, und bitte Dich von Grund meines Herzens, vergib mir meine Sünde, womit ich Dich je erzürnet habe, und zünde mein Herz an mit Deinem heiligen Geist, daß ich in Deiner Erkenntniß täglich zunehme und wachse. Verleihe mir auch Gnade, daß ich mich diesen Tag vor Sünden und 372 Gebete am Morgen. Schanden hüte und in Deinem göttlichen Willen erfunden werde, damit ich also wandeln möge, daß ich vor allem Uebel behütet Dich stets und ohne Unterlaß in meinem Herzen und Gedanken behalte. Und wenn endlich mein Sterbestündlein sich nahet und ich von hinnen scheiden soll, so reiche mir Deine Hand und laß mich im Bertrauen auf Deine Gnade und auf das Verdienst meines lieben Herrn und Heilandes selig entschlafen zu dem ewigen Leben. Amen. 3. Wir loben, preisen und rühmen Dich und danken Dir, Gott unsrer Väter, daß Du uns aus dem Schatten der Nacht herausgeführt und uns von neuem das Licht des Tages haſt fehen laffen. Zu Deiner Güte flehen wir: sei gnädig über unsere Sünde und nimm an unser Gebet nach der Fülle Deiner Erbarmungen. Denn Du bist unsre Zuflucht für und für, barmherziger, allmächtiger Gott! Laß scheinen in unsre Herzen die wahrhaftige Sonne Deiner Gerechtigkeit, erleuchte unsern Verstand und behüte alle unsere Sinnen, auf daß wir als am Tage ehrbarlich wandeln den Weg Deiner Gebote und das ewige Leben erlangen, wo wir uns freuen werden in Deinem ewigen Lichte. Denn Du bist die lebendige Quelle, und in Deinem Lichte sehen wir das Licht. Amen. 4. Herr Jesu Christe, Sohn Gottes, der Du zu aller Zeit und Stunde im Himmel und auf Erden angebetet und gepriesen wirst, Du Gnädiger, Barmherziger und Geduldiger, der Du die Gerechten liebst und der Sünder Dich erbarmst, der Du alle zur Seligkeit rufst durch die Verheißung der zukünftigen Güter: Herr Christe, nimm selbst zu dieser Morgenstunde unser Gebet an, und richte den Weg unsers Lebens nach Deinen Geboten. Heilige unsere Seelen, reinige unsere Leiber, lenke unsere Gedanken, läutere unsere Sinnen und erlöse uns von allem Trübsal, Leid und Schmerz. Beschirme uns durch Deine heiligen Engel, Auf alle Tage. 373 damit wir, durch ihre Macht beschützt, zur Einigkeit des Glanbens und zur Erkenntniß Deiner ewigen Herrlichkeit gelangen. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen. 5. Herr, unser Gott, der Du den Schlummer der Nacht von uns verschencht und uns versammelt hast, unsere Herzen aufzu heben zu Dir und Deine Gerichte zu preisen: nimm an unser Gebet und Flehen, und schenke uns Glauben, der nicht zu Schanden wird, zuversichtliche Hoffnung und ungeheuchelte Liebe; segne unsern Eingang und Ausgang, unsere Gedanken, Worte und Werke, und laß uns diesen Tag beginnen unter Lob, Preis und Ruhm Deiner überschwänglichen Güte. Geheiligt werde Dein Name; Dein Reich komme, das Reich des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. 6. Ich danke Dir, Herr, von ganzem Herzen, daß Du mich bisher so gnädig erhalten und auch die vergangne Nacht so väterlich behütet hast. Ach Vater, vergib mir auch um Jesu Christi willen alle meine Sünde und nimm mich diesen Tag in Deinen Schutz. Regiere und erleuchte die Augen meines Verstandes durch Deinen heiligen Geist, daß ich im Lichte wandle, auch nichts denke, rede oder thue, als was Dir wohlgefällig ist. Behüte mich vor aller Gefahr und jedem Unfall, daß meine Tritte nicht gleiten und segne durch Deine Güte all mein Thun und alle Werke meiner Hände. Unterweise mich, daß ich bewahre Dein Gesetz und es halte von ganzem Herzen. Erneuere mich im Geiste meines Gemüthes, daß ich mich dieser Welt nicht gleich stelle, sondern verläugne das ungötliche Wesen und die weltlichen Lüfte Laß mich nicht murren über Deine Züchtignng, aber auch nicht stolz werden, wenn Du mich segnest; richte alle meine Gedanken und Begierden auf den Himmel und lehre Du mich selbst immer besser Deinen heiligen Willen vollbringen. Begleite mich in allen Veränderungen meines Lebens, daß 374 Gebete am Morgen. ich willig hinnehme, was Du mir sendest, und alles zu meinem wahren Heile gereiche. Sei, lieber himmlischer Vater, auch mit allen den Meinen; erfreue sie mit Deinem himmlischen Segen und laß sie Deinen Beistand zu allem Guten, Teine Kraft auf dem Wege der Heiligung, Deine Hilfe und Deinen Trost in allen Nöthen reichlich erfahren. Ja, hilf uns, Gott unser Helfer, um Deines Namens Ehre willen. Hilf uns, so ist uns geholfen. Schaffe Frieden allen betrübten Gewissen; hilf den Armen und Nothleidenden und allen, die keinen Helfer haben. Sättige die durstigen Seelen, und erfülle die Hungrigen mit Gütern. Laß uns leben in Deiner Furcht und, wenn unsere Stunde gekommen ist, selig abscheiden in Deinem Frieden. Amen. 7. Barmherziger, gnädiger Gott, Du Vater des ewigen Lichtes und Trostes, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage Dir Lob und Dank, daß Du mich in dieser Nacht gnädiglich behütet und mir einen sanften Schlaf und Ruhe verliehen hast, und das liebliche Tageslicht für mich wiederum anbrechen läsfest. Laß mich nun auch in Deiner Gnade und Liebe, in Deinem Schutz und Schirm wieder fröhlich aufstehn, und das liebe Tageslicht nützlich und froh gebrauchen. Vor allen Dingen aber erleuchte mich mit dem ewigen Licht, welches mit meinem Herrn Jesus aufgegangen ist. Bewahre in meinem Herzen das Licht des Glaubens, mehre und stärke es. Erwecke Deine Liebe in mir, befestige die Hoffnung; gib mir wahre Demuth und Sanftmuth, daß ich wandeln möge in den Fußstapfen meines Herrn und Erlösers. Erwecke in mir den Hunger und Durst nach Deiner Gerechtigkeit, bewahre mich vor der Sünde, behüte mich vor der Versuchung und lehre mich thun nach Deinem Wohlgefallen. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Sei Du mein Schutz und Hort auf allen meinen Wegen, mein Trost und meines Herzens Theil. Ich befehle Dir meine Gedanken, mein Herz, Sinne und alle meine Anschläge; ich befehle Dir Auf alle Tage. 375 meinen Mund und alle meine Worte; ich befehle Dir alle meine Werke, daß sie zu Deines Namens Ehre und zum Besten meines Nächsten gereichen. Segne alles mein Thun; laß meinen Beruf glücklich fortgehen und wehre alle dem, so ihn hindern könnte; ich befehle Dir Leib und Seele, Ehre und Gut. Herr, sei Du mit mir allezeit; laß Deine Gnade mich immer begleiten, und halte Deine Hand über mich; behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 8. Gnädiger, barmherziger Gott, Bater und Herr meines Lebens! Ich danke Dir und rühme Deinen herrlichen Namen. Leben und Wohlthat hast Du an mir gethan, und Dein Aufsehen bewahrer meinen Odem. Du hast mich behütet und unter dem Schatten Deiner Flügel beschirmet; Deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu, und Deine Treue ist groß. Laß meinen Mund Deines Ruhmes täglich voll sein, und vergib mir alle meine Sünden. Thue mir wohl nach Deiner Barmherzigkeit; weise mir Deinen Weg und leite mich auf richtiger Bahn. Laß mir auch heute Deine Gnade widerfahren; verlaß mich nicht und ziehe Deine Hand nicht ab von mir. Herr, mein Gott, sei mir freundlich und fördere das Werk meiner Hände. Erhalte meinen Gang auf Deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Leite mich in Deiner Wahrheit und lehre mich. O Gott, groß von Rath und mächtig von That, stärke mich durch Deinen guten Geist, daß ich Deinen Namen fürchte. Behüte meinen Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 9. Herr Gott, himmlischer Vater! In dieser Morgenstunde befehle ich Dir meinen Leib und meine Seele in deine liebreiche und gnadenvolle Regierung, in Deinen mächtigen Schutz, in Deine väterliche Aufsicht, Fürsorge und Treue. Laß mir heute nichts Uebles begegnen und keine Plage meinem Hause sich nahen, sendern nimm mich und die lieben Meinigen in Deinen allmächtigen 376 Gebete am Morgen. Schutz und begleite uns auf allen unsern Wegen. Laß Deinen guten Geist uns kräftig regieren und unser Herz zum findlichen Gehorsam lenken, daß wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Laß mir in allem meinem Vornehmen Dein himmlisches Licht leuchten, Deine Kraft mich stärken, Deine Liebe mich dringen, Deine Furcht mir beiwohnen, daß ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Taufbund stets vor Augen habe, meinem Nächsten mit Liebe, Sanftmuth, Freundlichkeit, Dienstwilligkeit und Wahrheit begegne und die Worte im Herzen habe: Wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr! Gieb, daß ich die Zeit, die ich noch zu leben babe, wohl und christlich anwende, zu Deines Namens Ehre, meines Nächsten Dienst und meiner selbst Besserung. Gieb mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige lenke. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet und das Ziel, so Du mir in Gnaden gesetzt, erreicht habe, so verleihe mir nach Deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen ein sanftes, fröhliches und seliges Ende. Gieb mir die Gnade, daß ich alles Irdische verlassen und, um bei Dir zu sein, mit Luft abscheiden möge. Nun so laß mich weder( Engel noch Fürstenthum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andre Creatur von Dir und Deiner Liebe scheiden, die da ist in Christo Jeſu, meinem Herrn! Amen. - 10. Herr, himmlischer Vater, ewiger Gott, gelobt sei Deine ewige Kraft und Allmacht, Deine grundlose Güte und Barmberzigkeit, Deine ewige Weisheit und Wahrheit, Daß du mich in dieser Nacht mit Deiner Hand bededet und unter dem Schatten Deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor aller Gefahr bewahret und väterlich beschirmet hast. Dafür lube ich Dich um Deine Güte und um Deine Wunder, die Du an Auf alle Tage. 377 den Menschenkindern thust, und will Dich in der Gemeine preisen. Dein Lob soll allewege in meinem Munde sein. Meine Seele soll allezeit Dich, meinen Herrn, rühmen und was in mir ist, Deinen heiligen Namen preisen; nimmermehr will ich vergessen, was Du mir Gutes gethan hast. So laß Dir nun gefallen das Lob aus meinem Munde, welches ich Dir am frühen Morgen in Einfalt meines Herzens bringe. Ich rufe zu Dir von ganzem Gemüthe, Du wollst mich auch diesen Tag behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seelen, und Deinen Engelu über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgib mich rings mit Deinem Schilde und führe mich auf den Steig Deiner Gebote, daß ich unsträflich wandle in Deinem Dienst, wie die Kinder des Tags, zu Deinem Wohlgefallen. Wehre allen Anfechtungen des Bösen und allen Aergernissen dieser Welt; stenre meinem eignen Fleische und Blute, daß ich nicht, von ihnen überwältigt, wider Dich handle und Dich mit meinen Sünden betrübe. Regiere mich mit Deinem heilgen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein, was Dir gefällig ist und zu Ehren Deiner göttlichen Majestät gereichet. Siebe, mein Gott, ich übergebe und opfere mich heute ganz und gar zu eigen in Deinen Willen mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, innerlich und äußerlich. Mache Du mich Dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und Dir wohlgefällig sei, Damit ich Dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum, heiliger Vater, allmächtiger Gott, laß mich Dein Eigenthum sein, regiere mein Herz, Sinn und Gemüth, daß ich vor Allem Dich suche und bewahre, wisse und verstehe. Herr, frühe wollest Du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu Dir schicken und darauf merken, frühe will ich Dich loben und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum. Amen. 378 Gebete am Morgen. 11. Lieber himmlischer Vater, ich lobe und preise Dich auch für diese Nacht, die Du mich überleben, und für diesen Tag, den Du mich haft erleben lassen. Laß das rechte göttliche, geistliche und himmlische Leben, das aus Dir ist, durch den Geiſt der Gnaden in mir neu werden, damit nicht ich lebe, sondern Christus in mir, und ich im Glauben des Sohnes Gottes stets erneuert werde, als eine Pflanze der Gerechtigkeit zu grünen und zu blühen, Dir zum Preise, und auszubrechen in lebendige und Dir wohlgefällige Früchte des Geistes, meinem Nächsten zu Nutz und Dienst. Ich ergebe mich Dir aufs neue, o Vater: mache mit mir, was Dir wohlgefällt. Reinige, läutere und bewahre mich, daß ich ein rechtschaffner Christ sei und zu dem Bolke Gottes gehöre, über welchem ist Friede und Barmherzigkeit. Ich begehre feine Ehre als Deine Kindschaft, keinen Reichthum als die Gerechtigkeit Jesu Christi, keine Freude als die gnadenreiche Einwohnung des heiligen Geistes. Für mein Leibliches wirst Du wohl sorgen, denn Du hast gesagt: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Doch bewahre mich vor Müßiggang; laß mich arbeiten, nicht aus Geiz, sondern aus herzlicher Liebe gegen meinen Nächsten. Laß Deine Barmherzigkeit sich ausbreiten über alle Menschen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen, und Deine Güte über alle Deine Geschöpfe. Gedente Deiner Kinder, die Dich kennen und in der Einigkeit des Geistes verbunden sind als lebendige Glieder an ihrem Oberhaupte Jesu Christo. Laß unser aller Gebet ein Gebet sein vor Dir durch Christum, in welchem Du uns Dir selbst angenehm gemacht hast. Sei Dn selbst eine ewige Vergeltung allen denen, die mir Liebe beweisen. Meine Beleidiger siehe mit erbarmendem Auge an und vergieb ihnen, gleichwie ich ihnen von Herzen vergebe. Alle meine Anverwandte lege ich in Deine Liebesarme. Kirchen und Schulen, Obrigkeit und Unterthanen befehle ich Dir, mein Gott. Ach, siehe an den elenden Zustand in allen Ständen, mache Dich auf und hilf uns, daß Deine Ehre gerettet und des gottloser - Am Sonntag. 379 Wesens ein Ende werde. Hilf den Armen und Elenden, die zu Dir schreien. Herr, mein Gott, verschmähe mein Gebet nicht, sondern erhöre mich um Jesu Christi willen. Amen. 12. Herr mein Gott, himmlischer Vater, ich sage Dir von Herzen Lob und Dank für jede Gnade, Liebe und Wohlthat, die Du mir an Leib und Seele bis auf die gegenwärtige Stunde erwiesen hast. Besonders danke ich Dir, daß Du mich diese vergangene Nacht vor allem Uebel und aller Gefahr gnädiglich behüttet, mir Leib und Leben, Gut und Vermögen väterlich beschirmet hast, und mich gesund von meinem Schlafe erwachen und aufstehen lassen. Herr, mein Gott, wie theuer ist Deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten Deiner Flügel Dir vertrauen dürfen! Ich bitte Dich, mein himmlischer Vater, Du wollest mich auch diesen Tag mit Deiner Güte erfreuen, mich beschützen und beschirmen, durch Deinen heiligen Geist mich leiten und führen und mich lehren thun nach Deinem Wohlgefallen. Ja, behüte mich, mein Gott, daß ich nicht wider Dich fündige und mein Gewissen nicht beflecke. Stärke mich in meinen Werken und christlichem Vorhaben; tröste mich in allen mir zustoßenden Leiden und sei mir mit Deinem Beistande nahe auf allen meinen Wegen. Herr, sei mir, Deinem Kinde, gnädig; fülle mich frühe mit Deiner Gnade, so will ich rühmen und fröhlich sein in Dir mein Lebenlang, durch Jesum Christum. Amen. Am Sonntag. 13. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater unsers Herrn und Heilandes Jesu Chrifti, ich danke Dir von Grund meines Herzens für alle Gnade und Wohlthat, die Du mir von Jugend an bis auf diese Stunde mildiglich erzeiget, insonderheit, daß Du mich( und die Meinigen) auch die vergangne Nacht vor Schaden und Gefahr so väterlich behütet und bewahret und mich 380 Gebete am Morgen. diesen Sonntag aufs nene gesund hast erleben lassen. Ich bitte Dich herzlich, Du wollest mir auch heute zur Seite stehen, damit ich Deinen Sabbath, den Du in Deinem Worte zu heiligen geboten hast, mit keinen Sünden entweihe, sondern mich heute und allezeit davor hüte, sie fliehe und hasse. Dagezen hilf Du, getreuer Gott, daß ich Dein seligmachendes Wort und die Predigt nicht versäume, sondern gerne höre, fleißig fasse und zu Herzen nehme, damit ich durch meiner selbst Besserung Dich lobe und Dir danke, und mit heiligen, Dir wohlgefälligen Gedanken und Werken diesen Tag und mein ganzes Leben nach Deinem Willen vollbringe und vollende. In deine Hände befehle ich mich und alle die Meinen jetzt und allezeit; laß uns heute und immerdar in Deiner Gnade bleiben, auf daß wir uns im Leben und im Sterben Deiner Hilfe und Deines Trostes erfreuen können. Erhöre mein Flehen, barmherziger Vater, um Deiner Liebe willen. Amen. 14. Du Vater des Lichts, der Du das natürliche Licht dieser Welt uns scheinen läsfest, sende doch auch uns allezeit das wahrhaftige Licht, Jesum Christum, in unsere Herzen, und laß ihn darin leuchten und alle Finsterniß vertreiben, damit wir Dich, o ewiger Gott, in Deinem Sohne erkennen und lieb gewinnen. Siehe, wir sind noch immer in Sünden gefangen, und unsere Herzen sind durch Eitelkeit bethört und verfinstert. Darum lehre Du uns selber, wie wir uns zu Dir bekehren und Dir im Glauben gehorsam werden können. So werden wir uns erst recht mit Lob und Dank zu Dir wenden und Dir in Deinem Lichte dienen und gefallen können. O Herr Jesu, Du Sonne der Gerechtigkeit, gehe Du uns auf als ein Morgenstern und schenke uns Dein Heil, damit uns alle Tage unsers Lebens zu rechten Sonntagen werden. Lehre uns aufwachen von allem Schlafe der Sicherheit und aufstehn von allen todten Werken, damit Du uns erleuchten mögest. Gieb, Vor dem Gottesdienst. 381 daß wir nicht uns selber leben, sondern Dir, der Du für uns gestorben und auferstanden bist. Brich an, Du helles Licht, in unsern Herzen, und siege über alle Finsterniß. Und Du, o heiliger Geist, richte unsere Herzen heute zu, daß sie Deine Tempel werden, darinnen du den ganzen Tag lehren könnest. Heilige alle Gedanken und Sinne, Dein Wort zu fassen und zu behalten, auch Dir ohne Falsch zu gehorchen und in täglicher Buße die ganze Woche und allezeit fortzugehen. Heiliger Gott, halte Du selbst Deinen Ruhetag in uns, und habe Dein Werk in unsern Herzen, daß wir Dir gefällig seien in Zeit und Ewigkeit. Amen. Vor dem Gottesdienste. 15. Herr Gott, himmlischer Vater, ich bitte Dich, Du wollest durch Deinen heiligen Geist mich also regieren und führen, daß ich mit ganzem Herzen Dein Wort höre und annehme und dadurch geheiligt werde, auf Jesum Christum, Deinen Sohn, all mein Vertrauen und Hoffnung setze, vor Allem Aergerniß und aller Hoffahrt mich hüte und durch Deine Guade in Christo ewig selig werde, durch denselbigen Deinen Sohn, Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 16. Erwecke meine Andacht, lieber Vater, daß ich diesen Sonntag in rechter geistlicher Weise nach Deinem Willen feiere. Verleihe mir Gnade, mich Dir ganz zu ergeben und Deinem heiligen Geiste stille zu halten, daß er mich in Glauben und Liebe fertig mache zu allem guten Werk, und schaffe in mir, was vor Dir gefällig ist, durch Jesum Christum. Amen. 17. Herr Gott, himmlischer Vater, weil ich denn hier erschienen bin in Deinem Haase, so komme Du nun auch und wohne in meinem Herzen als in Deinem Tempel, wie du versprochen hast, zu uns zu kommen und Wohnung bei uns zu machen. Reinige 382 Gebete am Morgen. mein Herz von allen irdischen Gedanken und von aller weltlichen Unreinigkeit, damit es Dir allein ganz und gar ergeben ſei. Bereite mein Herz zu einem fruchtbaren guten Lande, daß ich den ausgestreuten Samen Deines Wortes nicht allein mit Freuden aufnehme, sondern auch behalte in einem feinen und guten Herzen, und Frucht bringe in Geduld. Amen. Nach dem Gottesdienste. 18. Sch danke Dir, mein-himmlischer Vater, für die große Gnade, daß Du auch jetzt wieder Dein heiliges Wort uns allen zum Trost hast verkündigen lassen. Verleihe, daß wir in Deiner Erkenntniß allezeit wachsen und zunehmen, und mache das gehörte Wort in uns Allen lebendig und kräftig, auf daß wir Alles, was wir thun und lassen, nach Deinem Willen einrichten und allezeit als Deine gehorsamen Kinder erfunden werden. Amen. 19. Herr, barmherziger Gott, ich sage Dir Lob und Dank, daß Du uns aufs neue aus Deinem seligmachenden Worte erquickt hast. Segne aber, was ich gehört habe, auch ferner an meinem Herzen, damit ich nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Wortes sei; mache dasselbe zur Leuchte meiner Füße, und zum Licht auf meinem Wege, damit ich hier im Glauben Dir diene und einst in Frieden eingehen könne in Dein unendliches Reich. Amen. Für Kinder. 20. In Gottes Namen steh ich auf; Herr Jesu, leite meinen Lauf! Begleite mich mit Deinem Segen, Behüte mich auf meinen Wegen. Amen. 21. O, wie hab ich sanft gerubt! es gut. Du bist mein, und ich bin und fleißig sein. Amen. Lieber Gott, Du meinst Dein; Hilf mir fromm Für Kinder. 383 22. Mein Gott, durch Deine Güt und Macht Bin ich von Schlaf gesund erwacht; Laß heut mich meines Lebens freun, Das Gute thun, das Böse scheun. Amen. 23. Wie fröhlich bin ich aufgewacht! Wie sanft hab ich geschlafen die Nacht! Du warst mit Deinem Schutz bei mir: O Bater im Himmel, hab Dank dafür, Und sieh auf mich auch diesen Tag, Daß mir kein Leid geschehen mag. Amen. 24. In Jesu Namen steh ich auf, Beginne fröhlich meinen Lauf. Dank sei Dir für die Rub der Nacht und für der lieben Engel Wacht! Nimm mich, Du Hirte treu und gut, In Deine gnadenreiche Hut, Und leite mich aus dieser Zeit zu Dir und Deiner Seligkeit. Amen. 25. Ein gutes Kind gern wär ich nun Und wollte nie was Böses thun, Daß Vater und Mutter alle hier Säben ihre Lust und Freude an mir. Du lieber Gott, der Alles thut, O bilf auch mir und mach mich gut! Amen. 26. Hilf, lieber Gott, und steh mir bei, Daß ich fromm und fleißig sei. Amen. 27. Vater und Mutter gehorsam sein, Freundlich und friedlich bei Groß und Klein, Beten mit Lust und lernen mit Fleiß, So lautet des Herrn Jesu Geheiß. Amen. 28. Lob und Dank sei Dir gesagt, o lieber Gott und Vater, daß Du mich diesen Morgen wieder gesund hast erleben lassen. Ich gebe dir mein ganzes Herz, mache es gut, gehorsam und fromm. Dich will ich findlich lieb haben, Tir zur Ehre will ich leben, das Böse und allen Leichtsinn will ich meiden und am Guten meine Freude haben. Gib mir dazu Deine Gnade und Kraft, so will ich Dir auf den Abend fröhlich und herzlich dafür danken. Amen. 384 Gebete am Mittag. 2. Mittag. Vor Tische. 29. Aller Augen warten auf Dich, Herr, und Du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, Du thust Deine milde Hand auf und sättigest Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Amen. 30. Herr, Gott himmlischer Bater, segne uns und diese Deine Gaben, die wir von Deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 31. Segne, Bater, diese Speise, Uns zur Kraft und Dir zum Preise. Amen. 32. Speis uns, Herr, in dieser Zeit, Bis wir in der Ewigkeit Einst mit Dir und allen Frommen zu der Himmelsmahlzeit fommen. Amen. 33. Segne Speisen und Getränke, Die Du giebst, o Gott, und schenke Uns ein Herz, das Dir vertraue Und auf Deine Hilfe baue. Was uns dient zum selgen Leben, Wollest Du auch ferner geben. Amen. Die 34. Gelobt sei Deine Treue, O Vater voller Gnad, e ute uns aufs neue So reich gesegnet hat; Gieb uns allzeit bienieden Doch unser täglich Brot Und segne uns mit Frieden Im Leben und im Tod. Amen. 35. Du bist der Gott, der väterlich An Alles, was da lebt, gedenket, Und Aller Augen sehn auf Dich, Damit Du ihnen Speise schenkest; Du giebst auch uns, was uns ernährt, Und was uns frohen Muth gewährt; O laß uns stets für Deine Gaben Ein Herz voll Dank und Liebe haben. Amen. Nach Tische. 385 Nach Tische. 36. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Amen. 37. Wir danken Dir, Herr Gott, himmlischer Vater, durch Jesum Chriftum, Deinen lieben Sohn, für alle Deine Gabe und Wohlthat, der Du lebeft und regierest in Ewigkeit. Amen. 38. Herr Jesu Christ, wir danken Dir, O bleibe bei uns für und für; Speis uns mit Deinem Himmelsbrot, Stärk uns im Leben und im Tod. Amer. 39. Herr Gott, nun sei gepreiset! Wir sagen dir großen Dank; Du hast uns wohl gespeiset, Gegeben einen guten Trant, Deine Mildigkeit zu merken Und unsern Glauben zu stärken, Daß Du seist unser Gott. Amen. 40. Lieber Gott, für Deine Trene Danken unsre Seelen Dir; Du hast gnädig jetzt aufs neue Uns gesättigt alle hier; Darum sei in Jesu Namen Von uns hochgelobet! Amen. 41. Gott, durch den wir sind und leben, Dir sei herzlich Preis und Dank, Daß Du uns auch jetzt gegeben, Was wir brauchen, Speis und Trank. Nimm dich an der Armen Noth, Brich den Hungrigen Dein Brot, Und laß allen, die noch weinen, Deine Freudensonne scheinen. Amen. 42. Wir wollen Deiner nie vergessen, Da Deine Gaben uns erfreun; Für unser Brot, das wir gegessen, Soll unser Herz Dir dankbar sein, Und unser ganzes Leben lang Erheb Dich unser Lobgesang. Amen. 25 386 Gebete am Abend. 3. A ben d. Anf alle Tage. 43. Wir danken Dir, Herr Gott, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, daß Du uns diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitten Dich, Du wollest uns vergeben alle unsere Sünden, so wir gethan haben, und uns auch diese Nacht gnädiglich behüten; denn wir befehlen uns, unsern Leib und Seele und Alles in Deine Hände. Dein heiliger Engel fei mit uns, daß der böse Feind keine Macht an uns finde. Amen. 44. In Deine Gnade und Barmherzigkeit, in Deinen Schutz und Schirm befehl ich Dir, Herr Jesu Christe, diese Nacht meinen Leib und meine Seele, mein Weib, Kinder und Gesinde, mein Glauben und gut Gewissen, mein Thun und Lassen, meinen Beruf, Amt und Stand, meinen Rath und Gedanken, mein Wort und Werk, meinen Ausgang und Eingang, mein Leben und Sterben, meine Ehre und guten Namen, mein Hab und Gut, und Alles, was ich von Deiner Güte empfangen; segne, behüte, beschütze, führe und regiere mich und Alle, für welche ich schuldig bin zu bitten, jetzt und allezeit bis zu der unendlichen Ewigkeit. Amen. 45. Herr, allmächtiger Gott und himmlischer Vater, ich danke Dir von Grund meines Herzens für alle Deine Güte und Wohlthat, die Du mir auch diesen Tag wieder so väterlich erzeiget, und daß Du mich vor allem Uebel gnädiglich behütet hast. Auch bitte ich Dich als Dein liebes Kind, Du wollest mich bei Deinem alleinfeligmachenden Worte bis an mein Ende erhalten und mein Herz mit Deinem heiligen Geiste erleuchten, daß ich allezeit erkennen möge, was vor Dir gefällig ist. Du wollest auch alle meine Sünde, so ich heute wissentlich und unwissentlich gethan Auf alle Tage. 387 habe, auch die verborgne Fehler durch Deine Barmherzigkeit zudecken und mir in dieser Nacht eine christliche Ruhe verleihen, daß ich frisch und gesund zu Deinem Lobe wieder aufstehe. Hilf auch, lieber Vater, daß ich durch Deine Gnade ein neues Dir wohlgefälliges Leben anfange zu meiner Seelen Seligkeit, in Jesu Christo, Deinem lieben Sohne, unserm einigen Helfer. Amen. 46. Ewiger, barmherziger Gott, ich hebe meine Hände auf zu Dir und sage Dir von Herzen Lob, Preis und Dank, daß Du mich diesen Tag und die Zeit meines Lebens vor so manchem Uebel und Unfall gnädiglich beschirmet haft. Ich bitte Dich, Du wollest mir vergeben, worin ich Unrecht gethan habe, und mich auch diese Nacht schützen mit Deinem mächtigen Arme. Ich harre Deiner Güte, und meine Seele hoffet auf den lebendigen Gott; denn Du bist meine Zuflucht, mein Helfer und Retter. Siehe, Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir Dein, wir leben oder sterben, so bist Du ja unser Gott, der uns erschaffen. Darum beschirme mich mit Deinem Schilde, daß ich ruhig liege, sanft einschlafe und fröhlich wieder erwache. Verleihe mir Deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele aber zu Dir wache, daß ich Dich stets im Herzen habe und Du nimmermehr aus meinem Gemüthe kommest. Bewahre mich vor schädlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnützen Sorgen, vor argen schweren Gedanken und vor aller Qual. Siehe, mein gnädiger Gott und Herr, in Deinen Schutz befehle ich Dir mich selbst an Leib und Seele, meine Angehörigen und Freunde, meine Nachbarn und diese ganze Gemeinde. Wende Deine Barinherzigkeit nicht von uns, laß Deine Sorge und Treue uns allerwege behüten. Darum bedecke uns diese Nacht mit Deiner Güte, umfabe uns mit Deiner Gnade auf allen Seiten; trage uns mit Deiner Barmherzigkeit, daß wir recht behütet bleiben. Amen. 388 Gebete am Abend. 47. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! Ich sage Dir Lob und Dank, daß Du Tag und Nacht geschaffen, Licht und Finsterniß unterschieden hast, den Tag zur Arbeit, die Nacht zur Ruhe, auf daß sich das Geschaffne darin erquicken möchte. Ich lobe und preise Dich in allen Deinen Wohlthaten und Werken, daß Tu mich durch Deine göttliche Gnade und Schutz den vergangenen Tag haft vollenden und seine Laft und Plage haft überwinden und zurücklegen lassen. Ich danke Dir von Herzen für alles das Gute, das ich diesen Tag von Deiner Hand empfangen habe. Ach, Herr, ich bin zu geringe aller Deiner Barmherzigkeit, die Du täglich an mir thust. Ich danke Dir auch für die Abwendung des Bösen, so mir diesen Tag hätte begegnen können, und dafür, daß ich unter dem Schatten des Höchsten und unter dem Schirme des Allmächtigen vor allem Unglück und vor schweren Sünden behütet geblieben bin, und bitte Dich herzlich und kindlich: vergieb mir alle meine Sünde, die ich diesen Tag begangen habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach fei mir gnädig, mein Gott, sei mir gnädig! Laß bente alle Sünde mit mir absterben, und gieb, daß ich immer gottesfürchtiger, heiliger, frömmer und gerechter wieder aufstehe; daß mein Schlaf kein Sündenschlaf sei, sondern ein beiliger Schlaf; daß meine Seele und Geist immer zu Dir wache, mit Dir rede und handle. Segne meinen Schlaf, wie den des Erzvaters Jakob, da er im Traum die Himmelsleiter sah und sie heiligen Engel, und den Segen empfing; daß ich von Dir iede, wenn ich mich zu Bette lege, und an dich gedenke, wenn ich aufstehe; daß dein Name und Gedächtniß in meinem Herzen bleibe, ich wache oder schlafe. Laß keinen plötzlichen Schrecken mich überfallen, sondern gib, daß ich ruhig und sicher schlafe. Behüte mich vor schrecklichen Träumen, vor Einbruch der Feinde, vor Feuers- und Wassersgefahr. Siebe, der uns behütet, schläft nicht; siehe, der Hüter Israels schläfet noch schlummert nicht! Sei Du, o Gott, mein Schutz, wenn ich schlafe; laß Deine Auf alle Tage. 389 heiligen Wächter mich behüten, wecke mich morgen wieder auf zu Deinem Lobe und Preise, daß ich mit neuen Kräften Dir dienen möge. Wenn aber diese Nacht nach Deinem unerforschlichen Rathschluß die letzte sein soll und mein Stündlein vorhanden ist, so verleihe mir einen seligen Schlaf und eine selige Ruhe in Christo Jesu, meinem Herrn. Amen. 48. Durch Deine Gnade, o Gott, habe ich den heutigen Tag glücklich zu Ende gebracht. Große Barmherzigkeit hast Du auch heute an mir bewiesen. Wie soll ich Dir vergelten alle Deine Wohlthat, die Du an mir gethan haft? Nimm gnädig an das Dankopfer meines Herzens. Schenke mir aber auch immer mehr Lust und Kraft, alle von Dir empfangenen Güter und Gaben nach Deinem Wohlgefallen anzuwenden. Verzeih mir alle Sünden, Fehltritte und Versäumnisse, so ich mir habe zu Schulden kommen lassen. Du bist ja gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Treue, und erbarmst Dich über Alle, die Deine Snade im Glauben an Jesum Christum ernstlich suchen und bewahren. Stärke mich aber auch durch Deinen Geist in dem ernsten Vorsatz, Alles, was Dir mißfällt, zu haffen und zu lassen, und mit Freuden zu thun, was Dein Wille von uns fordert. Hilf mir mit jedem Tage meiner irdischen Pilgerschaft fertiger werden in allem guten Werk und mich auf jenes bessere Leben in der Ewigkeit vorbereiten. Gott alles Trostes! Nimm Dich auch in dieser Nacht aller Kranken und Nothleidenden väterlich an; höre die Seufzer aller Sterbenden und stehe ihnen in ihren letzten Augenblicken mächtig bei. Dir, Herr und Vater, übergebe ich mein Leben und alle meine Schicksale. Dein allmächtiger Schuß bedecke mich, daß mich ein sanfter Schlaf erquicke, und meine Kräfte auf den kommenden Tag stärke. Erhöre mein Flehen um Jesu Christi willen. Amen. 49. O emiger Gott, getreuer Vater, wir fallen nieder vor Deinem Gnadenthrone im Gefühle unserer Sündhaftigkeit und 390 Gebete am Abend. bitten Dich demüthiglich um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen: Sei uns gnädig; verzeihe uns unsere Sünden, damit sie uns in diesem Leben nicht betrüben und im Zukünftigen nicht verdammen. Laß uns die Kraft und Wirkung des Todes Jefu Chrifti in uns fühlen, die Sünde zu tödten in unsern sterblichen Leibern, damit durch die Kraft seiner Auferstehung auch unsere Seelen zu einem neuen Leben erweckt werden. Bekehre unsere Herzen zu Dir, hilf uns unsere Begierden überwinden und reinige uns von aller Untugend. Mache uns täglich je länger je mehr ähnlich dem Ebenbilde Deines Sohnes, auf daß wir Dir in Heiligkeit und Gerechtigteit also dienen mögen, daß wir in Deiner Huld leben und sterben und endlich zu seiner Zeit mit allen Auserwählten zu dem ewigen Lichte auferstehen. Vermehre in uns den wahren Glauben, wie Du uns verheißen hast; verleihe uns wahre Buße, rechtschaffenes Vertrauen und Zuversicht auf Deine Verheißungen, und die Liebe gegen Alle, die unserer Hilfe bedürfen, auf daß wir aus den Früchten der Gottesfurcht und eines heiligen Lebens der Jnwohnung des heiligen Geistes und unserer Kindschaft versichert seien. Verleihe uns Gesundheit und Frieden und Alles, wovon Du weißt, daß es uns gut und heilsam ist. Du hast uns, o Gott, unzählige große Wohlthaten in diesem Leben erwiesen, aber noch viel größere mit Deinem geistlichen Segen, womit Du uns gesegnet hast zu dem ewigen Leben. Darum sagen wir Dir Dank für Alles, was Deine Liebe uns geschenkt hat. Dir allein gebührt Ehre, Lob und Preis von nun an bis in Ewigkeit. Insonderheit aber danken wir Dir, daß Du uns den heutigen Tag so gnädiglich behütet und in keines Deiner Gerichte haft fallen lassen, so wir durch unsere Sünden verschuldet haben. Wir bitten Dich, Du wollest uns auch die fünftige Nacht in Deinen Schutz und Schirm nehmen; Du wollest wachen, o lieber Vater, wenn wir schlafen, und Deinen heiligen Engeln Befehl thun, daß sie uns behüten auf unserem Auf alle Tage. 391 Lager, bis wir von Dir auferweckt werden zur rechten Zeit. Sei barmherzig und gnädig, o Herr, Deiner Kirche; nimm in Deinen Schutz unsre Obrigkeit und alle unsere armen Mitchriften, welche mit Krankheit heimgesucht sind oder Verfolgung leiden. Gib uns Standhaftigkeit, daß wir unsere Trübsale mit Geduld ertragen, und erlöse uns von denselben, wenn es Dein heiliger Wille sein wird. Laß uns, o Herr, unsers letzten Endes nicht vergessen, damit wir allezeit in Deiner Furcht wandeln und dereinst, wenn Du uns rufen wirst, als Deine getreuen Knechte erfunden werden. Amen. 50. Barmherziger Gott, lieber himmlischer Vater! Ich sage Dir Lob und Dank für alles Gute, was Du mir in meinem bisherigen Leben erwiesen hast; für allen Segen, mit welchem Du mich im Leiblichen wie im Geistlichen reichlich gekrönt, für alle Hilfe und allen Beistand, den Du mich immer wieder erfahren und alle Rettungen, die Du mir ohne mein Verdienst und Würdigkeit hast zu Theil werden lassen. Insonderheit danke ich Dir von ganzem Herzen für Deine Gnade und Wohlthat, die Du mir, o Gott, an dem vergangenen Tage erzeiget hast. Vor allem Uebel Leibes und der Seele haft Du mich beschützet, mit mannichfacher Wohlthat mein Leben erfreut und mit großer Langmuth und Geduld meine Fehler getragen. Ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Trene, die Du an mir gethan haft, und bitte Dich mit herzlicher Reue um Vergebung alles Bösen, das ich begangen, und womit ich bis heute und auch diesen Tag Deine Gnade gemißbraucht habe. Herr, gehe nicht ins Gericht mit mir, sondern erbarme Dich mein, und laß Deine Güte und Treue mich auch diese Nacht und auch ferner behüten. In Deine Hand befehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Gut und Vermögen, mein Wachen und Schlafen, mein Leben und Sterben. Decke mich mit Deinem Schilde und bewahre mich vor allem Uebel, vor Furcht und Schrecken und 392 Gebete am Abend. vor aller Gefahr. Laß mich morgen wieder fröhlich erwachen, damit ich aufs neue Dir die Opfer meines Dankes bringe und meinen Christenlauf zu Deinem Preise fortsetze. Und wenn einst die Nacht auch für mich kommt, da niemand mehr wirken kann, dann reiche mir Deine allmächtige Hand und nimm mich auf zu Dir in Dein himmlisches Reich. Amen. 51. Lieber, barmherziger Gott und Vater, wir kommen vor Dein Angesicht, um Dir zu danken, daß Du uns auch diesen Tag wieder durch Deinen Schutz vor Schaden und Gefahr gnädiglich behütet und bewahret hast. Wir sind nicht werth aller der Güte und Treue, die Du auch heute wieder an uns allen gethan hast. So Du, Herr, wolltest Sünde zurechnen, wer würde vor Dir bestehen? Aber Du bist langmüthig und freundlich und laffest Dich gnädig finden denen, die Dich suchen. Darum bitten wir Dich, Du wollest uns alle Sünden vergeben, so wir in Gedanken, Worten und Werken begangen haben, und wollest uns auch jetzt in dieser Nacht und alle Zeit unsers Lebens vor aller Gefahr und Schaden Leibes und der Seele gnädiglich beschirmen. Zu Dir steht unsere Hoffnung; denn Du bist unser Gott; der Hort, auf den wir bauen. Darum laffe Deine Augen offen stehen über uns und decke uns alle mit Deinem Schilde. Laffe uns heute in Frieden entschlafen und morgen fröhlich und zu Deinem Preise wieder erwachen. Führe uns durch Nacht zum Licht, bis endlich der letzte Abend unsers Lebens kommt und ein Tag anbricht, der kein Ende nimmt; dann nimm uns gnädig auf in die ewigen Hütten. Amen. 52. Lieber, himmlischer Vater, Du hast uns auch heute wieder mit Deiner großen Barmherzigkeit geleitet; Du hast uns viel Gutes gethan und unsre Herzen erfüllet mit Speise und Freude; Du hast Geduld gehabt mit unserer Schwachheit und Langmuth mit unsern Sünden. Darum kommen wir in dieser Auf alle Tage. 393 Abendstunde vor Dein Angesicht lobend und daufend; aber wir bitten Dich auch, Du wollest uns ferner Deine Gnade erweisen. Errette uns aus der Finsterniß der Sünde und erleuchte und stärke uns durch Deinen heiligen Geist, auf daß wir immer besser Deinen heiligen Weg erkennen und Deine Gebote halten und in Deinem Lichte wandeln. Laß im Geistlichen uns Deinen reichen Segen erfahren, und auch im Irdischen wollest Du uns das aus Gnade gewähren, was Du für uns heilsam findest. Wehre allen Versuchungen, die unsere Seele bedrohen, und sei unser Beistand, unser Trost und unsere Hilfe in aller Noth und Gefahr dieses irdischen Lebens. Sei auch in dieser Nacht unser Schutz und bedecke uns mit dem Schatten Deiner Flügel; laß uns alle den kommenden Morgen gesund wieder erleben, auf daß wir mit fröhlichem Herzen durch unsere Lippen und unsern Wandel Dich preisen. Das wollest Du geben, Herr, der Du die Liebe bist. Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen. 53. Sch komme vor Dein Angesicht, gnädiger und barmherziger Gott, in dieser Abendstunde, um Dich zu loben und zu preisen für alle Wohlthat Leibes und der Seele, so Du mir und den Meinen auch heute wieder haft zu Theil werden lassen. Ich weiß es wohl, daß ich nicht werth bin aller Güte und Treue, die Du alle Tage über mich neu werden läsfest, aber ich kenne auch Deine Erbarmung, und bitte Dich darum mit getrofter Zuversicht, Du wollest mir auch jetzt wieder vergeben, was ich beute in Gedanken, Worten und Werken gesündigt habe. Laß Dir wohlgefallen die Gelübde neuer Treue und neuen Gehorsams, welche ich Dir bringe. Aber weil ich von mir selber zu schwach bin, den Weg des Friedens zu finden und zu wandeln, so verleihe Du mir Deinen gnädigen Beistand und gib zum Wollen das Vollbringen nach Deinem Wohlgefallen. Laß Deinen Segen ruhen auf mir und meinem Hause; sei mein Schutz in Gefabr, meine Hilfe in der Noth, mein Retter in den Versuchungen 394 Gebete am Abend. dieser argen Welt; lege Deinen Segen auf die Werke meines Berufes, damit alles geschehe zu Deiner Ehre, mir selbst zum Heile und meinem Nächsten zum Nutzen. Laß Deine Augen über mich wachen auch in dieser Nacht, damit kein Unfall mich betrübe; behüte mir gnädiglich Leib und Seele und Alles, was mir Deine Liebe geschenkt hat. Erbarme Dich aller Menschen, sonderlich derer, die in Noth und Kümmerniß sind; richte sie auf in ihrem Elende und erquicke sie mit Deinem himmlischen Troste. Ja, Herr, sei mit uns jetzt und immerdar, bis wir zur ewigen Ruhe kommen in Christo Jesu, Deinem Sohne. Amen. Am Sonntag. 54. Wir loben und preisen Dich, Herr Gott, Vater Himmels und der Erden, daß Du uns an dem heutigen Tage aus lauter Güte und Barmherzigkeit reichlich versorget hast, nicht allein dem Leibe nach mit dem täglichen Brote, sondern auch an unsern Seelen mit der himmlischen Speise Deines Wortes. Verleihe, o treuer Gott, daß es in unsern Herzen wurzle und großen Nutzen schaffe, zu Deiner Ehre und unserer Seligkeit. Wir bitten auch Deine väterliche Gnade, Dit wolleft uns ja Dein lauteres Wort und reinen Kirchendienst nicht entziehen. Laß uns auch, barmberziger Vater, unsre Schuld und Sünden, mit welchen wir diesen heutigen Tag möchten entheiligt haben, nicht entgelten, sondern vergib sie und wende sie uns zu Gnaden durch das bittere Leiden und Sterben Deines lieben Sohnes Jesu Christi. Wir befehlen Dir auch die ganze übrige Zeit unsers Lebens in Deinen göttlichen Schutz und väterlichen Segen. Laß Deine heiligen Engel sich um uns lagern, damit der böse Feind keine Macht an uns finde. Weil aber der Abend dieser Welt immer näher kommt und der Tag fich geneiget hat, so verleihe uns die Gnade Deines Am Sonntag. 395 Geistes, damit wir stets wachen, und in lebendigem Glauben, in brünstiger Liebe, fester Hoffnung und heiligem Wandel marten der seligen Erscheinung der Herrlichleit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi, wenn er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten: auf daß wir ihn alsdann würdig und mit Freuden empfangen, ins ewige Leben mit ihm eingehen und den ewigen Feier- und Freudentag mit allen Auserwählten erlangen und ohne Ende halten mögen. Erbarme Dich, o Herr, der ganzen Christenheit, und erhalte Deine kleine Heerde wider alle Pforten der Hölle und wider alle Bosheit und Verfolgung dieser argen Welt. Tröste alle geängsteten und betrübten Gewissen durch den wahren Tröster, den heiligen Geist, und sende uns Allen Deinen Frieden durch Jesum Christum, unsern Fürsprecher und einigen Mittler. Amen. 55. Dir sei allein Preis und Lob gebracht, heiliger Herr und Gott, der Du mir heute Dein Licht hast lassen helle werden nnd so viel Gnade an Seel und Leib gegönnet. Verwahre Dr. doch selbst in meinem Herzen, was Dein Geist durch Dein Wort in mich gepflanzt hat, damit ich viel Frucht bringe in Geduld zum ewigen Leben. Vergib mir Alles, worin ich Deinem vollkommenen Willen nicht nachgelebt habe, und laß aufs neue Deine Gnade groß werden über Deinem Kinde. Auch wollest Du mich heute Nacht bewahren und in Gnaden wachen über Alles, was Du mir gegeben und anvertraut haft. Sei mein Licht in meiner Seele, wenn es dunkel wird, und meine Kraft bei aller Schwachheit, mein Schutz, Heil und Leben. In Dein liebevolles Herz, o Jesu, ergebe ich mich, Du ewiges Heil meiner Seele. Setze Deinen heiligen Willen in mir doch beständig fort, und laß mich auch im Schlafe nicht von Dir geschieden sein. Erinnere mich des gehörten Wortes stetiglich, daß alle meine Sinnen und Gedanken zu Dir gerichtet bleiben, damit es immerfort Sonntag und ein heller Schein Deines Lichtes in meinem Gemüthe bleibe, 396 Gebete am Abend. der Du meine wahre Ruhe und Seligkeit sein willst ewiglich. Amen. Am Sonnabend. 56. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! Ich sage Dir abermal Lob und Dank, daß Du Dich meiner allezeit so väterlich angenommen, und mich diesen Tag und die ganze Woche bis auf diese Stunde vor allem Unglück Leibes und der Seele gnädiglich behütet hast. Ich bitte Dich, Du wolleft alle meine Sünde, so ich wider Dich und meinen Nächsten wissentlich und unwissentlich gethan, durch Deine Gnade zudecken und derselben nimmermehr gedenken. Hilf auch gnädiglich, daß ich aus der alten Woche in ein neues christliches Leben trete und Dir und allen Auserwählten gefallen möge. Laß mich auch diese Nacht in Deine Hände befohlen sein, damit ich sicher ruhe und schlafe, und frisch und gesund zu Deinem Lobe wieder aufstehen möge. Und wenn mein Sterbestündlein vorhanden ist, so laß mich in Frieden von binnen fahren und nimm mich auf ins Reich der Herrlichkeit, daß ich Dein heiliges Angesicht mit Freuden schaue und mit allen Auserwählten Dich lobe und preise in Ewigkeit. Amen. 57. Allmächtiger Gott und Vater! Nachdem wir durch Deine Gnade abermals eine Woche unserer irdischen Wallfahrt zurückgelegt haben, so sagen wir Dir von Grund unserer Herzen Lob und Dank für alle Deine Güte und Wohlthat, so du uns an Leib und Seele erwiesen hast. Wir sind viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, welche Du alle Tage unsers Lebens an uns thust. Alle gute und vollkommene Gabe kommt von Dir, dem Vater des Lichts, wir aber sind fündig und müssen uns schämen vor Deinem heiligen Angesicht. Ach, Herr, gedenk: nicht unserer Sünden, aber gedenke unser nach Deiner Barmherzigkeit; strafe uns nicht, wie wir es verdienet haben, sondern Für Kinder. 397 laß uns Gnade widerfahren um des Verdienstes Jesu Christi willen. In Deine Hände, Vater im Himmel, befehlen wir unser Aller Leib und Seele, und bitten Dich, Du wollest uns behüten und segnen, zeitlich und ewiglich. Erhebe auch in dieser Nacht Dein göttlich Angesicht über uns und bewahr uns vor allem Uebel; laß uns alle in Sicherheit und Frieden ruhen und gib, daß wir das Tageslicht in guter Gesundheit und mit Freuden schauen. Mache den morgenden Sonntag zu einem Tage des Segens für uns und die ganze Christenheit. Gib Deinen Geist und Deine Kraft allen Lehrern und Predigern, daß durch sie Dein Volk erbaut werde in Christo Jesu, unserm Herrn! Hilf, daß Dein Wort laufe und die Seelen erleuchte und heilige und tröste! Bringe zurecht die Ungläubigen und Verführten, und erschüttere die verstockten und unbußfertigen Herzen; bereite eine Erquichung den Mühseligen und Beladenen, und richte auf die Niedergeschlagnen und Angefochtnen; erwecke uns alle, daß wir Dein Wort gern annehmen, dasselbe festiglich glauben und darnach ein gottfeliges Leben führen. Das hilf uns, lieber Herr m. Gott, dieweil wir in dieser Hütte wallen, und wenn einst unsere Wallfahrt vollendet ist, so laß uns sanft und selig einschlafen und erwecke uns am jüngsten Tage zur ewigen Freude und Seligkeit. Erhöre uns um Jesu Christi willen. Amen. Für Kinder. 58. Lieber Gott, ich bin klein; Mach mein Herzchen rein, Daß niemand drin wohne, als Jesus allein. Amen. 59. Gott, der Du heute mich bewacht, Beschütze mich auch diese Nacht; Du wachst für Alle, groß und klein; Drum schlaf ich ohne Sorgen ein. Amen. 398 Gebete am Abend.. 60. Lieber Gott, so schwach und klein Neugelein; Beschütze mich doch diese Nacht; Deine Macht. Amen. Schließ ich meine Ich traue ganz auf 61. Du lieber Gott, Du bist so gut, Dein Auge nimmer schläft noch ruht; Auf all die Deinen gibst Du acht, So still und traulich, Tag und Nacht. Willst Du auch auf mich wohl sehen, Daß mir kann kein Leid geschehen? Amen. 62. Lieber Gott, wir danken Dir; Hast auch diesen Tag das Leben, Hast viel Gutes uns gegeben; Deine Kinder danken Dir. Bleibe bei uns in der Nacht, Der Du wachest, wenn wir schlafen, Wie der Hirte bei den Schafen, Wenn sie ruhen, treulich wacht. Laß uns, bricht der Morgen an, Mit den Aeltern froh erwachen, Und dann hilf uns besser machen, Was wir heut nicht recht gethan. Hilf uns fromm und folgsam sein, Bis wir einst mit unsern Lieben In dem schönen Himmel drüben Ewig werden selig sein. Amen. 63. Lieber Gott, kannst lles geben, Gib auch, was ich bitte nun: Schütze diese Nacht mein Leben, Laß mich sanft und sicher ruhn; Sich auch von dem Himmel nieder Auf die lieben Aeltern mein; Laß uns alle morgen wieder Fröhlich und Dir dankbar sein. Amen. 64. Der Tag ist hin, nun kommt die Nacht; Nun hälst Du, Herr, die beste Wacht; Ich aber thu die Augen zu Und schlaf in sanfter, guter Ruh. Amen. 65. Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich zu Dir in den Himmel komm. Amen. 66. Schaff, Gott, ein reines Herz in mir, Ein Herz voll Lieb und Furcht zu Dir, Ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, Ein ruhig Herz mein Leben lang! Amen. Festgebete. 399 67. mein liebreicher Gott, ich danke Dir, daß Du mich diesen Tag gesund erhalten hast, und daß mir kein Unglück begegnet ist. Bewahre mich auch diese Nacht vor allem Uebel! Laß mich und meine lieben Aeltern und Anverwandten ruhig schlafen und gesund wieder aufwachen, und thue allen mir bekannten und unbekannten Menschen Gutes durch Jesum Christum. Amen. II. Festgebete. Advent. 68. Allmächtiger, ewiger Gott! Wir danken Dir von Herzen, daß Du Deinen eingebornen Sohn Jesum Christum, als die Zeit erfüllet war, zu uns hernieder gesendet und durch ihn ein unvergängliches Reich und eine ewige Erlösung gestiftet haft. Verleihe uns die Gnade, daß wir dieser seiner Erscheinung im Fleische uns allezeit zuversichtlich getrösten, und festiglich glauben an das theuer werthe Wort, daß er in die Welt gekommen ist, auch uns arme Sünder selig zu machen. Gib, o getreuer Gott, daß er noch jetzt durch seir Wort und die heiligen Sakramente zu uns komme, und wir unsere Herzen durch deine Kraft also bereiten, daß er in uns seine Wohnung beständig haben möge. Erwecke uns aus aller Trägheit und Sicherheit zu nenem geistlichen Leben, damit wir bei seiner letzten Zukunft Freudigkeit haben, in das Reich seiner Herrlichkeit eingehen, und bei ihm sein mögen allezeit. Dir aber, dem ewigen Könige, dem Unvergänglichen und allein Weisen, der da ist und der da war und der da kommt, sei Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen. Weihnachten. 69. Allmächtiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi! Gelobt sei Dein heiliger Name immer und ewiglich! Du bist ein 400 Festgebete. Gott, der Wunder thut, der Gnade und Barmherzigkeit erweiset. Du hast Großes an uns gethan, deß sind wir fröhlich; denn uns ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr. Gott, wir erkennen Deine väterliche Güte, und danken Dir von Herzen, daß Du solche Liebe uns erzeiget und Deinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt haft, auf daß wir nicht verloren gehen, sondern durch den Glauben an ihn Deine Kinder und Erben deines Reiches werden. Ehre und Preis sei Dir, Herr Jesus Christus, Du hochgelobter Gottessohn! Du bist ein Menschenkind geworden, auf daß wir Gottes Kinder werden; Du bist arm geworden, auf daß wir durch Deine Armuth reich würden; Du hast Dich zur Knechtsgestalt erniedrigt, damit wir zum Bilde Gottes durch Dich erneuert werden. Ach, Herr, wir säßen Alle in Finsterniß und Schatten des Todes, aber Du hast uns zugewendet die herzliche Barmherzigkeit Gottes; Du hast Friede und Freude herniedergebracht und aus Deiner Fülle nehmen wir Gnade um Gnade. Darum frohlocket auch unsere Seele: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Menschen ein Sohlgefallen. O ziehe nun ein, unser Herr unt Heiland, in unsere Herzen, die nach Dir verlangen, und erfülle uus mit allen Gaben Deiner himmlischen Güte und Milde. Regiere uns, du König der Herrlichkeit, mit Deinem Geiste, und heile uns durch Deine Gnade von allem Elend der Sünde. Verleihe uns, treuer Herr und Erlöser, Trost in allem Leid, Hilfe in jeder Noth, Kraft in den Versuchungen dieser argen Welt, und selige Hoffnung im letzten Kampfe. Erbarme Dich über uns, und gib uns Deinen Frieden. Amen. Jahresschluß. 70. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Liebe und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großzes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Also, Vater, spricht meine in Jahresschluß. 401 Deiner Gnade sich freuende Seele, da ich nun abermals unter Deinem Schutz und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie theuer ist Deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten Deiner Flügel trauen! Der Tage im Jahre sind viel, aber der Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahre kann man zählen, aber Deine Wohlthaten, die Du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke Dir, daß Du mir dieses Jahr Dein heilig Wort haft lassen lauter und rein predigen, und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heile gewiesen. Ach, versiegle Alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen, und gieb mir Deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke Dir, daß Du mich in Deinem heiligen Mahle gespeist und getränkt haft; ach, laß es mir zur dauernden Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke Dir, daß Du mir oft die Sünde vergeben und die verdienten Strafen abgewendet hast. Ach gieb mir Kraft, daß ich mich im neuen Jahre davor hüte und sie nicht wieder vorsätzlich begehe. Ich danke Dir, daß Du meinen Beruf gesegnet, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich treulich behütet, haft in Noth mich erhöret und mein Gebet durch die Wolken vor Deinen Thron lassen dringen. Du hast mir in meiner Trübsal von Deinem Heiligthum Hülfe gesendet und mich gestärkt; Du hast Deinen Segen über mich ausgeschüttet und Dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu Dir schrie. Du liebreicher Vater hast mich an Deiner Hand geführt; Du mächtiger König hast mich wider meine Feinde beschützet; Du getreuer Hirt haft mich auf grüner Aue geweidet. Deine Weisheit hat mich das ganze Jahr durch geleitet, Deine Liebe hat mich bedeckt, Deine Hülfe hat mich erfreut, Deine Gnade hat mich erhalten, Deine Allmacht hat mic jederzeit ausgeholfen, Deine milde Baterhand hat mir Alles gegeben, was ich bedurfte, 26 402 Festgebete. Dein allsehendes Auge hat Acht auf mich gehabt und meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Uebel begegnete. Hast Du mich auch zuweilen viele und große Angst erfahren lassen, so hast Du mich doch wieder lebendig gemacht; hatte ich auch zuweilen viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch Deine Tröstungen meine Seele ergötzt. War mir oftmals Gefahr und Noth nahe, so war auch Deine Hülfe nahe, und Dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen. Ach, mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach, verzeihe sie mir um Jesu willen! Herr, gedenke nicht der Sünden meiner Ingend und meiner Uebertretungen, gedenke aber meiner nach Deiner Barmherzigkeit um Deiner Güte willen. Herr, Herr, so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe Dich demüthig an: bleibe auch mein Schutz und gnädiger Gott in dem neuen Jahre; halte Deine Hand über mich, und laß mich Deinem Schutz. Deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Amen. Nenjahr. 71. Herr, allmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, Tag und Nacht ist Dein; Du machest, daß beide, Soun und Gestirn, ihren gewissen Lauf haben; Sommer und Winter machest Du. In Deiner Hand sind wir selbst und unser Leben und alle unsere Wege. Weil wir denn hente nach Deinem Willen und durch Deine Güte und Allmacht wiederum ein neues Jahr anfangen, so kommen wir vor Dein heiliges Angesicht und rufen zu Dir, daß Du uns, Gott, erhören wolleft. Neige Deine Ohren zu uns, erhöre unsere Rede, laß unser Gebet Dir zu Ehren und unserm Besten geschehen. Erleuchte und bekehre uns, daß wir von uns ablegen den alten Menschen, der durch Lüfte in Irrthum sich verderbet, und den neuen Menschen anziehen, Neujahr. 403 der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Gieb Gnade, daß wir das ungöttliche Wesen verleugnen, hingegen anlegen die Waffen des Lichts und ehrbarlich wandeln als am Tage, und unsere Leiber begeben zum Opfer, das da lebendig, beilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei unser vernünftiger Gottesdienst. Gott, sei uns gnädig und segne uns in der Kirche; lege Dein Wort in den Mund unserer Prediger, daß sie mit frendigem Aufthun Sesselben das Geheimniß des Evangelii tund machen, uns lehren, trösten, vermahnen und strafen mit ganzem Ernst. Segne unsre Obrigkeit und gib ihr wahre Furcht Gottes, Weisheit und Verstand, seliglich und wohl zu regieren, Friede und Einigkeit zu erhalten, auf daß wir unter ihrem Regimente noch länger mögen haben Gottes Wort, zeitlichen Frieden und Nahrung. Siehe auf den Hausstand und förderc das Werk unserer Hände. Hilf, daß Aeltern Freude an ihren Kindern haben, die Kinder aber ihre Aeltern ehren. Hilf, daß Brüder eins sein, die Nachbarn sich lieb haben, Mann und Weib sich wohl mit einander begehen. Gieb uns Allen in unserm mannichfaltigen Beruf und Wirkungsfreise Glück und Segen zur Nahrung und Haushaltung. Siehe an die Thränen der Wittwen und Waisen, erhöre ihr Geschrei und verachte nicht ihr Gebet und ihre Klagen. Rette Alle, die in Krenz und Trübsal, in Krankheit und Schmerzen, Kindesnöthen und andern Anfechtungen sind. Tröste Alle, die um Deines beiligen Namens und der Wahrheit willen gefangen oder sonst verfolgt werden: gieb ihnen Geduld und Trost, daß sie solches Alles für Deinen väterlichen Willen aufnehmen und erkennen. Hilf den Armen, daß sie sich genügen lassen und in Dir reich sein mögen. Behüte die Reichen, daß sie nicht stolz sein und nicht hoffen auf den ungewissen Reichthum, sondern auf Dich, den lebendigen Gott, der Du allein ihnen noch ferner darreichen kannst die Güter, die sie genießen. Himmlischer Bater, Du weißt, was wir bedürfen, damit es uns und unsern Kindern wohl gehe: darum bescheere uns, was wir 404 Festgebete. bedürfen, und gieb uns Alles, was uns gut ist, zeitlich und ewiglich. Lebre uns thun nach Deinem Wohlgefallen, Dein guter Geist führe uns auf ebner Bahn, daß wir Alles, was du, Herr Gott, uns befiehlst, hören und thun, und davon nicht weichen, weder zur Rechten noch zur Linken. Steure allen Feinden, und bekehre, die zu bekehren sind; segue alle fromme Herzen, und wenn Du uns in diesem Jahre willst aus diesem Jammerthale absondern, wie wir denn nicht wissen, was heute oder morgen sich begeben mag, ach Herr, so erzeige uns die Gnade und nimm unsern Geist weg in Frieden, und laß uns selig einschlafen in Deinem lieben Sohne, unserm Eriöser und Heilande Jesu Christo. Amen. Fest der Erscheinung. 72. Ehre, Preis und Dank sei Dir, Vater unsers Herrn Jesu Christi, daß Du deinen eingebornen Sohn hast erscheinen lassen, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis Deines Volkes Israel! Du hast auch unsre Väter gnädig errettet von der Obrigkeit der Finsterniß und hast sie und uns versetzt in das Reich Deines Sohnes. Erhalte uns dasselbe auch fernerhin und hilf uns, daß wir wandeln als die Kinder des Lichts, würdiglich des Evangeliums Jesu Christi. Segne dasselbe heute und alle Tage an unsern Herzen. Dein heller Morgenstern stehe auch über unserm Hause und leuchte Allen, die darin wohnen, daß wir uns freuen des Heilandes, ihm auhangen im rechten Glauben und ihm dienen im beiligen Schmuck Deiner Kinder! Ja, Herr Jesu, erscheine uns in Deiner Demuth beim Glück des Lebens, damit wir von Dir lernen demüthig sein von Grund der Herzen! Erscheine uns in Deiner Geduld unter dem Krenz dieser Zeit, auf daß wir wie Du sprechen: Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Erscheine uns in Deiner Sanftmuth, wenn wir Unrecht leiden, damit wir von Herzen vergeben wie Du, und segnen, die uns fluchen, und Fest der Erscheinung. 405 bitten für die, so uns beleidigen. Erscheine uns in Deiner Krenzesnoth, wenn wir zur Sünde versucht werden, damit wir gedenken, daß wir theuer erkauft sind, und das Böse hassen und lassen. Erscheine uns endlich in unserer Todesnoth und sprich uns den Trost zu: Deine Sünden sind dir vergeben! und hilf uns aus zu Deinem himmlischen Reiche! Um das bitten wir Dich für uns, für die aber, so noch ferne sind, flehen wir: Schicke Arbeiter in Deine Aernte und bekehre zu Deinem Lichte Alle, die noch sitzen in Schatten und Finsterniß des Todes! Behüte die Boten Deines Evangeliums und gieb Deines Geistes Kraft zu ihrem Wort! Hilf, Herr, laß Dein Heil offenbar werden bis an der Welt Ende, daß die Menge der Heiden sich zu Dir bekehre und Israel Deine Herrlichkeit erkenne, daß Alle bekehrt werden zu Dir, dem Hirten und Bischof unsrer Seelen. Dein Name werde geheiligt, daß alle Lande voll werden Deiner Ehre und alle Menschen gesegnet und selig durch Deine Gnade! Amen. Passionszeit. 73. Herr Jesu, der Du die Sünde der Welt getragen hast am Stamme des Kreuzes; der Du ein Menschensohn geworden bist, um alle unsere Sünden auf Dich zu nehmen und unsere Schuld zu tilgen, o rede Du von Deinem Kreuze zu unsern Herzen; predige uns die Größe Deiner Leiden und die Ueberschwenglichkeit Deiner Liebe, daß wir Dich wieder lieben von ganzem Herzen. dem Blute, Laß uns Theil haben an Deinen Verdiensten zur Vergebung der Sünden vergossen; mache uns so bußfertig, mache uns so arm am Geiste und so willig, uns Dir zu ergeben, daß wir Dich allein erwählen als unsern Heiland und Seligmacher. Auf Dich sehen unsere Augen: o gedenke denn auch an 406 Festgebete. uns in Deinem Reiche und sprich zu unsern Herzen: Du wirst mit mir im Paradiese sein. Laß uns durch die Kraft Deines Heils immer mehr abgezogen werden von alle dem, das auf Erden ist, damit wir mit Dir der Welt gekreuzigt werden. Führe uns in die Abgeschiedenheit des Herzens, daß nur Du und Dein Königreich das Einzige ist, was wir suchen, was wir verlangen. Mache uns getreu; laß uns mit Dir vereinigt sein, durch ein stetes Bleiben in Dir; lehre uns den schmalen, den geheimen Weg ins Paradies, durch Lieben, Glauben und durch Beten. O, wie bist Du so nahe, wie bist du so willig, den Sündern zu helfen! Aber wie wenige Herzen kennen Dich, wie wenige Herzen erfahren Dich! O mache Dich bekannt. Zeuch uns zu Dir; zeuch uns an Dein Kreuz; zeuch uns in Dein Paradies. Laß uns keine Ruhe in den Dingen dieser Erde suchen; laß unsere Seele himmlisch gefinnt werden, damit wir als Kinder des Paradieses leben hier in der Fremde, bis Du uns würdigst zu erfahren die Kraft Deines Wortes: Du wirst mit mir im Paradiese sein! O Herr Jesu, erbarme Dich über alle, die Dich noch nicht kennen; schone der Sünder; gehe ihnen mit Deiner züchtigenden Gnade nach, bis sie sich Dir ergeben. Würdige auch uns Deiner Fürbitte, erwirb uns Gnade, erwirb uns einen offnen Eingang in Dein ewiges Neich. Amen. Charfreitag. 74. Herr Gott, heiliger, barmherziger Vater, der Du kein Gefallen haft an unserm Tod, sondern willst, daß wir uns bekehren und leben, in tiefer Demuth preisen wir den wunderbaren Rathschluß Deiner Gnade, daß Du Deines eingebornen Sohnes nicht verschonet hast, sondern haft ihn für uns alle dahingegeben zum Charfreitag. 407 Opfer und zum Lösegeld für unsere Sünden. Hochgelobet sei Dein heiliger Name und Deine große Barmherzigkeit! Herr Jesus Christus, Du Mittler des neuen Bundes! O demüthige uns heute aufs tiefste durch den Anblick Deines heiligen Leidens und Sterbens. Wir, wir haben Dir Mühe und Arbeit gemacht mit unsern Sünden, und um unserer Missethaten willen bist Du verwundet. O laß es uns nie vergessen, wie schwer die Strafe auf Dir lag, damit wir Frieden hätten für unsere Seelen. Treuer Heiland und Versöhner! Du hast das große Werk unserer Erlösung vollbracht. O laß Dein Sterben unser Leben, Deine Gerechtigkeit unser Heil, Deinen Todeskampf unsern Sieg und ewigen Frieden werden. Ergreife uns mit der Kraft Deines heiligen Geistes und versetze uns in die Gemeinschaft Deines Lebens, daß von heute an unser alter Mensch sammt Dir gefreuzigt und begraben werde in den Tod, und wir zu einem neuen Leben mit Dir auferstehen. Entzünde unsere Herzen durch die Liebe, womit Du uns geliebet hast bis in den Tod, daß wir Dich wiederum lieben mit rechter Inbrunst des Geistes, und Dir Dein Krenz nachtragen in Glauben und in Geduld. Herr Jesu, wie Du selbst Deinen Geist befohlen hast in die Hände Deines himmlischen Vaters, so befehlen auch wir im festen Vertrauen auf die Kraft Deiner Erlösung unsern Geist ganz, sammit Seele und Leib, in Deine allmächtige Hand. Laß, o Herr, das Wort vom Kreuze eine Gotteskraft und Friedensbotschaft werden bei allen Menschen und unter allen Völkern, damit auch die, so noch ferne steben, erlöst werden von ihren Sünden und sammt uns Deiner Gnade und Herrlichkeit rühmen dürfen. Denn Du, Herr, haft uns erkauft mit Blut und bist würtig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft und Gewalt, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 408 Festgebete. Ostern. 75. Allmächtiger, barmherziger Gott, wir sagen Dir Lob und Dank, daß Du uns Deinen lieben Sohn Jesum Christum ge= schenket, der um unserer Sünden willen wieder auferstanden ist, und alle unsere Feinde, Tod, Sünde und Welt überwunden, und die Gerechtigkeit und das Leben uns erworben und wiedergebracht hat. Wir bitten Dich, Du wollest durch Deinen heiligen Geist auch uns aus dem Tode der Sünden zu einem neuen Leben erwecken, daß wir die Kraft der Auferstehung Jesu Christi an unsern Herzen erfahren, und von Tage zu Tage, je länger je mehr, ihm einverleibt werden, bis endlich auch unsere sterblichen Leiber, aus dem Staube der Erden erweckt und mit ihren Seelen wieder vereinigt, ähnlich werden seinem verklärten Leibe, und zu ihm kommen in die ewige Freude und Herrlichkeit. - Erbarme Dich, Herr, aller unserer Mitmenschen, die noch in der Eitelkeit dieser Welt dahin leben; laß auch sie der seligen Früchte des Todes und der Auferstehung unsers Erlösers theilhaftig werden; gib ihnen Deinen Beistand, daß sie das Grab der Sünde verlassen und als Kirder des Lichts in einem neuen Leben wandeln. Sieh mit Gnaden herab auf alle, die in Jammer und Elend schmachten; laß sie Deinen Trost und Deine Hilfe reichlich erfahren; stärke alle schwachen und betrübten Gemüther und sende Deinen Frieden allen Bekümmerten und Angefochtnen; laß sie immer fester gegründet werden in dem Glauben an den, der dem Tode die Macht genommen und Leben und unvergängliches Wesen an das Licht gebracht hat, damit auch sie seiner herrlichen Zukunft sich getrösten, bis sie, aller Furcht und Angst dieser Welt entnommen, sein Entlitz schauen dürfen in Ewigkeit. Uns alle aber, o Herr, laß Ostern halten im im Geiste der Lauterkeit und Wahrheit; mache uns fertig zn Himelfahrt. 409 allem guten Werk und schaffe in uns, was vor Dir gefällig ist. Amen. Himmelfahrt. 76. Heiland, der Du aus Liebe zu uns Dich aller Deiner Herrlichkeit entäußert und Knechtsgestalt angenommen hattest und gehorsam worden warest bis zum Tod am Kreuze, dem aber auch Gott einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist, o laß die Kraft Deiner Herrlichkeit unsern Herzen bekannt werden, damit auch wir in Deinem Namen uns beugen und Dir, unserm Könige, dienen und anhangen. Wir danken Dir, Herr Jesu, daß Du durch Deine Himmelfahrt uns den Weg zum Himmel gebahnt und Deines Vaters Herz uns aufgeschlossen hast. Du sitzest zur Rechten der Kraft Gottes, damit Dir alle Herzen als ihrem rechtmäßigen Könige unterthan werden sollen. Siehe, hier sind Herzen, worüber Du als Herr und König herrschen und regieren solltest: ach, sende einen Blick der Freundlichkeit auf uns herab. Herr Jesu, gib uns ein himmlisches Herz, und laß uns durch Deine Gnade bewahrt werden vor allen eitlen irdischen Gedanken; sammle uns in Deiner Gegenwart, stille unser Gemüth durch Deine gnadenreiche Mittheilung; laß uns vor Deinem Angesichte gesegnet sein. Herr, der Du den rechten Schlüssel der Erkenntniß hast, schließe durch Deinen heilgen Geist unsere Augen auf, daß wir sehen mögen die Größe Deiner Herrlichkeit und die Ueberschwänglichkeit Deiner Liebe; damit wir anfangen mögen, mit ganzem Herzen, Sinn und Gemüthe gen Himmel zu wandeln, vor deinem Angesichte heilig zu leben und Tich zu lieben, der Du uns alle so hoch geliebet hast. O Herr, vergib um Deiner Liebe willen, daß wir so oft von Dir und von Deiner Auffahrt zur Herrlichkeit gehört und noch so wenig ihre Kraft in unsern Herzen erfahren haben. O daß 410 Festgebote. wir Dir die Ehre geben und uns Deinem allmächtigen Scepter unterwerfen möchten. Verherrlichter Jesus, verherrliche Dich an unsern Herzen. Werde erkannt in Deiner Größe, werde geehrt und geliebet von uns, und ziehe ein in unsere Herzen. Laß sie Deine Werkstatt sein; schließ sie auf, daß wir mögen ermuntert werden, Dir getrost nachzuwandeln, wie Du uns vorangegangen bist und das Ziel erreicht hast. Erhöre unser Gebet und Flehen, großer Hoherpriester zur Rechten Gottes, und erwirb uns kraft Deiner Verdienste ein kräftiges Ja und Amen. Pfingsten. 77. Gnadenreicher Gott, der Du verheißen, Deinen Geist auszugießen auf alles Fleisch, und solche gnädige Verheißung an dem heiligen Pfingstfeste erfüllt und Deinen heiligen Geist über die Apostel reichlich ausgegossen hast, gieb auch uns solche herrliche Gaben. Du werther heiliger Geist, ergieß Dich über uns in reichem Maaße; erleuchte uns zum ewigen Leben, daß wir Jesum Christum wahrhaftig erkennen; heilige unsern Willen, daß wir nichts begehren und wünschen, als was Dir gefällt. Gieb uns Muth und Kraft, in Deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen und als wahre Kinder Gottes zu leben. Mache uns fruchtbar zu allen guten Werken; erquicke uns in der Hitze der Anfechtung, und versiegle uns den Trost und die Freudigkeit, daß wir in der Gnade Gottes stehen. Ruhe auf uns, Dit Geist der Weisheit, daß wir wandeln in der ewigen Wahrheit. Behüte unsern Geist vor Irrthum, und vertreibe daraus alle Finsterniß der Unwissenheit und Eigenliebe. Ruhe auf uns, Du Geist der Furcht des Herrn; pflanze Deine heilige Furcht in unsere Herzen, daß wir mehr mit Wissen und Willen fündigen. Ruhe auf uns, Du Geist der Liebe, und reiße Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und Nachgier aus unserm Gemüthe. Sei unser Tröster in Trübsal, Reformationsfest. 411 wenn die Wellen über uns zusammenschlagen. Sei unsere Stärke, wenn wir schwach sind; bilf die Lüfte des Fleisches dämpfen, und laß in uns wachsen Glauben und, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Sei unser Führer, der uns allezeit leite auf ebner Bahn, damit wir nicht anstoßen oder thun wider Gottes Gebot. Hilf, daß wir durch Deine Kraft Jefumt in der That einen Herrn heißen mögen, nämlich unsern Erlöser und Seligmacher, den Grund unsers Heils und unserer Seligkeit. Haben wir Dich, werther heiliger Geist, bisher betrübt, ſo tragen wir darüber herzlich Leid. Siehe, unsere Herzen stehen Dir offen; o kehre in dieselben mit Deinen reichen Gnadengaben ein; erfülle sie mit allen christlichen Tugenden; befestige uns, gründe uns und vollende in uns das gute Werk, das Du in uns angefangen hast. Ach, schaffe in uns reine Herzen; tilge aus denselben alle böse Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünde; wohne in uns und mache uns zu Deinen Tempeln; dann haben wir das Pfand der Kindschaft und unserer Seligkeit. Bleibe auch bei uns in der letzten Noth, und gieb uns dann einen Blick in jene Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen grende, wo nach dem Kampfe zur Krone und dem Leide zur Wonne gelangen werden. Heiliger Geist, Du Kraft der Frommen, fehre bei uns ein, ruhe auf uns, und sei ewiglich unser Theil! Amen. Reformationsfest. 78. Herr Gott, himmlischer Bater, mit Dank und Frende kommen wir heute vor Dein Angesicht, um Dich zu loben und und zu preisen, daß Du Deiner Kirche Dich angenommen und die reine Lehre des Evangeliums aus dem Dunkel des Irrthums und des Aberglaubens wieder an das Licht gezogen hast. Sei Du auch ferner mit ihr und erhalte sie bei dem Worte der Wahrheit; schütze sie wider die Anfechtungen ihrer Feinde und bewahre sie bis ans Ende der Welt; gründe alle ihre Glieder 412 Buß-, Beicht- und Communiongebete. immer fester in dem Evangelium des Friedens und mehre unter ihnen die Einigkeit im Geiste; erbarme Dich aber auch derer, so noch in Finsterniß sitzen, und in Schatten des Todes; laß sie ihr Elend erkennen und sich zu Dir von ganzem Herzen bekehren. Erhalte uns allezeit treue Hirten und Lehrer; rüste sie aus mit Kraft aus der Höhe, und laß ihre Arbeit an den Seelen gesegnet sein. Gieb uns aller Orten fromme und getreue Obrigfeiten; lenke Du ihre Herzen, daß sie Deine Ehre suchen und Deine Ordnungen halten und das zeitliche und ewige Wohlergeben aller derer mit Eifer fördern, über die sie gesetzt sind. Lieber Vater im Himmel, erhalte auch uns in dem Erbe, das wir empfangen haben; bewahre uns vor Irrthümern, welche die Seele verderben, und hilf uns, daß wir allezeit im rechten Glauben Dir dienen und im Bekenntniß Deines Namens beharren bis ans Ende: Erlöse nns und alle Auserwählten von allem Nebel und hilf uns aus zu Deinem himmlischen Reiche. Amen. III. Buss-, Beicht- und Communiongebete. Buße und Beichte. 79. Gerecht bist Du, o Herr, und recht ist Dein Gericht. Alle Deine Gerichte sind gerecht und wahr. Darum flehe ich zu Dir in Demuth, daß Du mir nicht thust nach meinen Sünden, die Deine Strafe verdienen, sondern nach Deiner großen Barmherzigkeit, die allen Reuigen verzeihen will. Erbarme Dich meiner und hilf mir nach der Liebe, womit Du mich in Jesu, Deinem Sohne, geliebet bast, und würdige mich Teiner Gnade in dem Verdienste meines Heilandes. Ich bekenne Dir meine Ungerechtigkeit und verschweige nicht, wie die Sünde auf mir lastet. Meine Fehltritte kann ich nicht Buße und Beichte. 413 zählen, und meiner Vergehungen sind viel. Wo soll ich hingehen, mein Gott, wenn Du Dich nicht zu mir wendest? Wo soll ich mich verbergen, wenn Du mir nicht gnädig bist und Dich meiner annimmst? Züchtige mich, aber vergib mir; strafe mich, aber laß mich nicht verloren gehen. Kann auch eine Mutter vergessen des Sohnes ihres Leibes, so willst Du, o Vater, doch mein nicht vergessen; darum rufe ich zu Dir, und komme vor Dein Angesicht, und meine Klage hofft Erhörung. Ich habe gesündigt, und mein Gewissen verdammet mich, und meine Rene kann nicht genugthun Deiner Gerechtigkeit. Ich kann nicht bestehen an jenem Tage, da Du alle Werke der Menschen vor Gericht bringst, und einem jeglichen geben wirst nach seinen Werken. Dann werde ich verstummen müssen, und meine Sünde wird wider mich zeugen und meine Ungerechtigkeit wider mich aufstehn. Dann ist all mein Rühmen eitel, und wollte ich mich selbst rechtfertigen, so würde das Zeugniß Deiner Allwissenheit mich verdammen. Doch du, o Herr, willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Du sandtest Jesum Christum, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. In seinem Tode sollen sie aufleben und Versöhnung empfangen und der Vergebung gewiß sein. Darum komme ich zu Dir und setze meine Zuversicht auf Dich und hoffe auf Deine helfende Gnade. Dich soll ich suchen, o Herr, und Du willst Dich von mir finden lassen. Wenn ich Dich rufe, hast Du Erhörung zugesagt. Siehe, ich klopfe an, daß Du mich aufnehmest und mir Dein Angesicht leuchten lassest. Sei mir gnädig, wenn ich mich Deiner Hand übergebe. Wenn ich mich Dir nahe mit allen meinen Sünden, so verwirf mich nicht. Nimm mich auf und ziehe mich zn Dir, daß ich Dein sei rnd bleibe, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. 414 Buß-, Beicht- und Communiongebete. Dir, o Bater, befehle ich mich und dem gnädigen Walten Deines heiligen Geistes. Wache über meine Sinne und Gedanken, vertilge alle Hoffart in mir, und gib mir Demuth und Beugung des Herzens. Lehre mich thun nach Deinem Willen und laß mich erkennnen die Tiefe Deiner Güte. Stehet Deine Kraft mir bei, so lebe ich, denn ohne Dich kann ich nichts thun. Heilest Du mich, so wird meine Seele gesund, und sendest Du mir Dein Licht, so wird mich die Finsterniß nicht überwinden. Schaue herab auf mich, o Herr, von der Wohnung Deiner Herrlichkeit, und laß alles Dunkel meiner Seele vor dem Strahl Deines Glanzes verschwinden. Erfülle mich mit heiliger Liebe und thue mir auf die Schätze Deiner Erkenntniß. Alle meine Begierde ist Dir bekannt; darum vollende, was Du begannst, und was Du mich durch die Erwedung Deines Geistes bitten ließest. Ich suche Tein Angesicht: wende Dein Angesicht zu mir und enthülle mir Deine Herrlichkeit; dann wird meine Sehnsucht gestillt und meine Freude vollkommen sein. Amen. 80. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater! ich armer elender Sünder bekenne Dir alle meine Sünden und Missethaten, womit ich Dich je beleidigt und Deine gerechte Strafe zeitlich und ewiglich wohl verdient habe. Sie sind mir alle von Herzen leid und reuen mich sehr; darum bitte ich Dich um Deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen bittern Leidens und Sterbens Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, Du wollest mir armen sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein, und mir alle meine Sünden aus Gnaden vergeben, auch den heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mildiglich verleihen. Amen. Vor der Beichte. 81. Mein Gott, ich bitte von ganzem Herzen, sei mir gnädig und vergib mir alle meine Sünden, um des theuren Verdienstes Jesu Christi, meines Heilandes, willen. Mein Heiland, Du Nach der Beicht. 415 bast gesagt, wer zu Dir komme, den wollest Du nicht hinausstoßen: auf diese Deine tröstliche Verbeißung komme ich, und bitte: laß mich Gnade finden vor Deinen Augen und vertritt mich bei Deinem himmlischen Vater zu meiner Seelen Heil und Seligkeit. Heiliger Geist, erwecke mein Herz, daß ich nicht allein in wahrer Bußfertigkeit mit Mund und Herzen beichte, sondern auch die Stimme Deines Dieners annehme als Deine Stimme, zur Stärkung meines Glaubens und zu gewisser Versicherung der gnädigen Vergebung meiner Sünden, um Jeſu Christi willen. Amen. Nach der Beichte. 82. Ach liebster Herr Jesu, ich danke Dir von Grund meines Herzens, daß Du mir armen Sünder durch den Diener Deines Wortes abermal die gnädige Vergebung meiner Sünden hast ankündigen lassen. Ach, verleihe mir nun auch ferner Deine Gnade, daß ich auf meine Zusage möge anfangen, frömmer zu werden. Schaffe doch Du, o Gott, in mir ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht vor Deinem Angesicht und nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir; tröste mich wieder mit Deiner Hilfe, und der freudige Geist erhalte mich. Ach, laß mich doch ablegen nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste in Frrthum sich verderbet, und laß mich dagegen erneuert werden im Geist meines Gemüths und anziehen den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Laß mich ablegen von mir den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung und schandbare Worte. Laß mich tödten Alles, was der Erde angehöret, alle Unreinigkeit und böse Lust. Hingegen was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem laß mich nachdenken. Gieb, daß ich verläugne das ungöttliche Wesen und 416 Buß-, Beicht- und Gommuniongebete. die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig lebe in dieser Welt, und warte auf die selige Hoffnung und Erscheinung Deiner Herrlichkeit und Deines allerheiligsten Namens willen. Amen. 83. allmächtiger, gnädiger und barmherziger Gott und Bater, ich sage Dir von Grund meines Herzens Lob, Ehre und Dank für die große Wohlthat, die Du mir heute väterlich erzeiget hast, indem Du mich armen Sünder abermals zu Gnaden angenommen, mir durch die heilige Absolution alle meine Sünden verziehen und vergeben, und mir das ewige Leben aufs neue wiederum zugesaget und versprochen hast um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Ich bitte Dich herzlich, Du wollest mich in solcher Gnade allezeit väterlich erhalten und mir Deinen heiligen Geist verleihen, daß ich dieser jetzt empfangenen gnadenreichen Vergebung zuversichtlich glaube, mich derselben jetzt und allezeit in allen Anfechtungen und Widerwärtigkeiten trösten und mich daher alles Guten zu Dir versehen möge. Verleihe mir auch die Gnade Deines heiligen Geistes, daß ich der Sünde hinfort je länger je mehr feind werde, mich davor fleißig hüte und meinem Fleische nicht mehr seinen Willen lasse zu fündigen, sondern daß ich demselben in meinem Beruf widerstehen und mein ganzes Leben nach Deinem Willen einrichten und führen möge. Und was ich darin zu schwach bin, wie ich Dir denn meine Schwachheit mit tiefem Seufzen noch immerdar bekenne, so wollest Du durch Dein starkes Wort und Deinen heiligen Geist mir beistehen und überwinden helfen, Alles um und durch Deinen lieben Sohn, meinen Herrn und Heiland, Jefum Christum. Amen. Vor dem heiligen Abendmahle. 84. Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirt und Bischof meiner Seele, der Du gesagt hast: ich bin das Brot des Lebens; wer Vor dem hl. Abendmahle. von mir isset, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürsten: Ich komme zu Dir und bitte Dich demüthiglich, Du wollest mich durch den wahren Glauben bereiten und zum würdigen Gast machen dieser himmlischen Mahlzeit. Du wollest mich, Dein armes Schäflein, heute weiden auf Deiner grünen Aue, und zum frischen Wasser des Lebens führen; Du wollest mine Seele erquicken und mich auf rechter Straße führen, um Deines Namens willen; Du wollest mich würdig machen zu Deinem Tisch und mir voll einschenken den Becher Deiner Liebe und Gnade. Ach, Du wahres Himmels. brot, erwecke in mir einen geistlichen Hunger und heiligen Durst, daß ich nach Dir verlange; vor allen Dingen aber gieb mir wahre herzliche Reue und Leid über meine Sünde, und wirke Du selbst in mir den rechten Glauben, durch welchen ich Dein heiliges Verdienst ergreife und dasselbe festhalte und bewahre, damit ich nicht ein unwürdiger Gast bin. Gieb mir ein versönliches Herz, daß ich meinen Feinden von Herzensgrund vergebe; tilge aus meinem Herzen die Wurzel aller Bitterfeit und Feindseligkeit, pflanze dagegen in meine Seele Liebe und Barmherzigkeit, daß ich meinen Nächsten, ja alle Menschen in Dir lieb habe. Ach wollte Gott, ich möchte Dich in einem ganz reinen Herzen bewahren! Aber Du, Herr, hast ja selbst gesagt: die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ach, ich bin frank, ich bedarf Deiner als meines himmlischen Arztes der Seele. Du hast ja gesagt: Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nun, Herr, ich komme, mit vielen Sünden beladen, nimm sie von mir, erledige mich dieser großen Bürde. Ich komme als ein Unreiner, reinige mich, als ein Blinder, erleuchte mich; als ein Armer, mache mich an meiner Seele reich; als ein Verlorner, suche mich; als ein Verdammter, mache mich selig. Ach, Herr - 417 -- 27 - 418 Buß-, Beicht- und Communiongebete. Jesu, treuster Freund meiner Seele, führe mich von mir selber ab, und nimm mich auf zu Dir, ja in Dich. Denn in Dir lebe ich; in mir selber bin ich todt. In Dir bin ich gerecht; in mir bin ich Sünde. In Dir bin ich selig; in mir bin ich lauter Verdammniß. In Dir habe ich volle Genüge, Du bist mir Alles. Bleibe ewig in mir, und laß mich ewig in Dir bleiben, wie Du gesagt haft: Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Amen. 85. Du Sohn des lebendigen Gottes, der Du, als das wahre Brot des Lebens, alle betrübte Seelen, geängstete Gewissen, hungrige und durstige Herzen mit Deinem Leib und Blut sättigest, speisest und tränkest, auch zu dieser himmlischen Mahlzeit Jedermann aufforderst und einladest: nimm auch mich in Gnaden an, erquicke und speise mit Deinem Leibe und Blute meine arme Seele zum ewigen Leben. Amen. 86. Gott sei mir armen Sünder gnädig, gib mir Deinen heiligen Geist in mein Herz, daß ich das heilige Sakrament würdiglich empfangen, meinen schwachen Glauben stärken, mein blödes Gewissen trösten, mein Leben bessern und ewig selig werden möge. Solches verleihe mir, o Gott, um Jesu Christi willen. Amen. 87. Herr Jesu, der Du alle Mühseligen und Beladenen zu Dir rufeft, um sie zu erquicken, siehe, ich komme zu Dir im Gefühl meiner Unwürdigkeit, aber dennoch in fester Zuversicht zu Deiner Treue und Barmherzigkeit: laß mich hören das Wort Deiner Gnade: sei getrost, Deine Sünden sind dir vergeben! Ziehe ein in mein Herz und weihe es zu einem Tempel des heiligen Geistes; laß mich sehen und schmecken, wie freundlich Du bist, daß ich mit dankbarem Herzen Dich lobe und mich Dir aufs neue ergebe. Amen. Nach dem Hl. Abendmahle. 419 Nach dem heiligen Abendmahl. 88. Ich danke Dix, Herr Jesu, daß Du mich jetzt abermals durch den Genuß Deines Leibes und Blutes gestärkt haft. Ich bitte Dich, um Deiner großen Barmherzigkeit willen, Du wollest mir dieses heilige Mahl gedeihen lassen zu standhaftem Glauben an Dich, zu herzlicher Liebe gegen alle Menschen, zu ausharrender Geduld in Leiden und zu einer seligen Hoffnung des ewigen Lebens. Amen. 89. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund Deinen Ruhm verkündige. Ich danke Dir, ich lobe Deinen Namen, daß er so tröstlich ist. Ich habe Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist. Meine Seele ist genesen. Ich habe geschmeckt und gesehen, wie freundlich Du bist. Sei gelobt und gepreiset für Deine Treue und Barmherzigkeit immer und ewiglich. Amen. 90. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! Du haft mir aus lauter väterlicher Güte durch den Genuß des heiligen Abendmahls die Vergebung aller meiner Sünden versiegelt und mich zu Gnaden angenommen, um Jesu Christi, Deines lieben Sohnes willen. Ich habe Dir auch von Herzen gelobet, mein Leben Dir zu heiligen. Ach Herr, mein Gott, weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf, und wir nicht tüchtig sind, etwas Gutes zu denken oder zu thun von uns selber, so bitte ich Dich demüthiglich: Gib mir ein neues Herz, daß ich aller Sünde feind werde; laß mich wandeln in Deiner Furcht und ein neues Leben führen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Dir gefällig ist. Laß mich Deiner Guade und meines Gelübdes nimmermehr vergessen. Gib mir Kraft und Muth, ernstlich zu streiten wider mein Fleisch und Blut und wider alle böse Lüste desselben, auf daß ich nicht wieder in Sünde ge= rathe oder gar zu muthwilligem, vorsätzlichem Unrechte mich verleiten lasse. Herr, erbarme Dich und schenke mir Gnade, 420 Buß-, Beicht- und Communiongebete. daß ich gerecht und gottselig lebe in dieser Welt und warte der seligen Hoffnung und der Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi, und Dich, Gott Bater, Sohn und heiliger Geist, für alle Deine Wohlthaten loben, ehren und preisen möge in Ewigkeit. Amen. 91. allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, der Du mich nun abermals um Deines Sohnes willen zu Gnaden angenommen und Deiner Huld und aller himmlischen Gnadenschätze von neuem im heiligen Abendmahle versichert hast: wie soll ich doch diese hohen Wohlthaten vergelten und mich dankbar gegen Dich erzeigen? Liebster Bater, Du forderst ja nichts von mir, als daß ich Dich fürchte und in allen Deinen Wegen wandle, daß ich Dich liebe, Dir von ganzem Herzen und ganzer Seele diene, Deine Gebote halte und Dir anhange, auf daß es mir wohl gehe; denn es ist mir ja deutlich gesagt, was gut ist und was Du, Herr, von mir forderst, nämlich: Dein Wort halten, Liebe üben und demüthig sein vor Dir. Ja Bater, mein Begehren wäre es wohl, von Sünden zu lassen und nach Deinem Willen zu leben: ich finde aber so viel Stärke und Vermögen nicht in mir; Wollen hab ich wohl, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht: darum beuge ich meine Knie vor Dir und bitte demüthiglich, Du wollest mir ein andres Herz und einen neuen Geist geben, und einen solchen Menschen aus mir machen, der Dich erkenne, Dir treulich folge, und in Deinen Geboten wandle und darnach thue. Gib mir, o Herr, Dein Gesetz und Deine Furcht in mein Herz, daß ich nicht mehr von Dir abweiche, sondern Deinem Wort und Deiner Stimme gehorche, Dir treulich und rechtschaffen diene und Dir allein anhange. Hilf, daß ich den alten Menschen ablege, des Fleisches Geschäfte tödte, hingegen im Geist meines Gemüths mich erneuere und den neuen Menschen anziehe, der nach Dir geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Neziere mich, o Bater, Vor der Kranken- Communion. 421 mit Deinem heiligen Geist, daß ich mich hinfort nicht mehr verunreinige mit allerlei Sünden, und dadurch mich selbst verwerflich mache, sondern daß ich alles Böse von Deinem Angesicht wegthue, meine Hand vom Ungerechten kehre und nach Deinen Geboten wandle. Gib, daß ich hinfort nicht mir selbst lebe, sondern Dir und Deinem lieben Sohne Jesu Christo, der für mich gestorben und auferstanden ist und jetzt wiederum mich zu einem neuen Leben gespeiset und getränket hat. Gib, daß ich an meinem Leib und in meinem Geist Dich preise und Dir die ganze Zeit meines Lebens diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die Dir gefällig ist. Dazu verleihe mir Deine göttliche Gnade und Kraft, um Jesu Christi willen. Amen. Vor der Kranken- Communion. 92. Herr Gott, barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch habe mir vorgenommen, mich mit Dir zu verföhnen, meine Sünde Dir herzlich abzubitten, die ich zeit meines Lebens begangen; ich will in dem Tode meines Herrn Jesu Gnade und Vergebung der Sünde suchen und also zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat Dir gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen, weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen und das Uebrige Dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit Dir und darum auch mit allen meinen Mitmenschen versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich noch besinnen kann über meine Sünden; ich will Dich um Verzeihung bitten, da ich noch beten kann, und Friede suchen mit allen, die etwas wider Dich haben, ebe Du meine Seele mit allen ihren Schulden von mir forderst. Darum will ich jetzt Dir beichten und das heilige Abendmahl empfangen, sodann aber geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie Du 422 Buß-, Beicht- und Communiongebete. es mit mir machen wirst. Deßwegen komme ich bißfertig zu Dir, mein himmlischer Vater, und spreche: Ach, sei Deinem Kinde guädig, ach rechne mir nicht zn die Sünde, so ich zeit meines Lebens begangen habe. Ach, Herr, erbarme Dich mein, um Jesu, meines Heilandes willen. Gib mir Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ich es zu Deiner Ehre und zu meinem Heil im rechten Glauben vollbringen möge. Amen. Nach der Kranken- Communion. 93. Ach, mein treuer Heiland, nun hast Du Dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, Du haft mich gespeiset mit Deinem Leibe und getränket mit Deinem Blute, Du hast mir elenden Sünder aus Deiner freien Gnade GcrechWie kann ich armer tigkeit, Leben und Seligkeit geschenkt. schwacher Mensch Dir genug danken für solche unaussprechliche Wohlthat? Ach, nimm mein armes Lob in Gnaden an. Laß mich nun recht stark werden an dem inwendigen Menschen, ob auch mein äußerer Mensch abnimmt. Ich bin nun mit Dir vereinigt, darum will ich nun Dein Eigenthum bleiben in Zeit und Ewigkeit. Herr Jesu, Dir leb ich, Herr Jesu, Dir sterb ich, Herr Jesu, Dein bin ich, todt und lebendig; mache es mit mir in meiner Krankheit, wie es Dir wohl gefällt, nur daß ich ewig selig werde: so will ich Dich preisen und Deinen Namen verherrlichen in alle Ewigkeit. Amen. 94. Du gaädiger und getreuer Gott und Vater, ich sage Dir Lob und Dank, daß Du mich durch dieses heilige Mahl erquickt gestärkt baft. Ich bitte Dich um Deiner Barmherzigkeit willen, Dn wollest durch diese himmlische Speise und durch diesen Trank des Lebens meine Seele heiligen, damit ich meinen Lauf im Glauben vollende, Deinem väterlichen Willen mich demüthig unterwerfe und auch unter Kreuz und Trübsal Deinen Namen 423 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. preise. Gib, daß ich ewig Dein Eigenthum bleibe, und daß weder Gegenwart noch Zukunft, weder Leben noch Tod mich scheiden möge von Deiner Liebe in Chrifto. Amen. IV. Gebete für besondere Seiten und Lagen. Gebet beim Antritt einer Reise. 95. Allmächtiger Gott, in Deinem Namen will ich meine Reife antreten. Denn Du bist unser Gott, Du behüteſt unſern Eingang und Ausgang und richtest unsere Füße auf ebner Bahn, daß sie nicht gleiten. Ich bitte Dich, Du wolleft Deine heiligen Engel mir senden und ihnen Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen und ich unter dem Schatten Deiner Flügel reisen und bleiben möge. Führe mich auf rechter Straße und bringe mich gesund und frisch wieder heim zu den Meinen. Bewahre mich vor allem Uebel Leibes und der Seele, laß alle Unglücksfälle, Krankheiten und andere Nöthen ferne von mir bleiben, und gib Glück und Segen zu allem meinem Vornehmen; hilf, daß ich alles wohl ausrichte und mit Deiner Hilfe im Frieden wieder heimkehre. In Deine Hände befehle ich meinen Leib und meine Seele, desgleichen Haus und Hof und Alles, was mir gehört. Hilf, daß ich, wenn ich zurückkomme, alle die Meinen gesund und frisch, unversehrt und unbeschädigt wieder finde, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Auf der Reise. 96. Lieber Gott, himmlischer Vater! Ich sage Dir von Grund meines Herzens Lob, Ehre, Preis und Dank, daß Du mich auf 424 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. meinem Wege gnädiglich behütet, meinen Leib gesund erhalten und Alles, dessen ich bedarf, mir bescheeret hast, daß ich nun in Deinem Namen mein Vorhaben fortsetzen kann. Höre und erhöre auch jetzt meine inbrünstige Bitte. Sei auch heute und fortan mein Reisegefährte, und bewahre mich auf meinen Wegen. Hilf meinen Gang und Beruf also einrichten und befördern, daß es mir ersprießlich sei und ich doch babei in all meinem Thun und Lassen, bei Gott und Menschen Glauben und gutes Gewissen behalten möge. Laß mich redlich und flüglich mit den Menschen handeln und lehre mich in ihrem Umgang und an ihrem Beispiel Gutes und Böses, das Eine lieben, das Andere haffen und meiden. Sei auch indessen daheim den lieben Meinigen ein treuer Besorger und Berather, erhalte sie in Frieden und in guter Gesundheit, bewahre das Meine nach Deinem Wohlgefallen und hilf, daß ich durch Deine Gnade frisch und gesund wieder beim komme und mit Frieden Eines das Andere empfangen und umfangen möge: so wollen wir sämmtlich mit Loben, Tanken und Preisen Deinen heiligen Namen erheben in Christo Jesu, Deinem Sohne, unserm Herrn! Amen. In Noth und Krankheit. 97. Barmherziger Gott, der Du bist die Stärke der Schwachen, die Kraft der Mühseligen, der Trost der Betrübten, die Freude der Traurigen, die Zuflucht der Verlassenen, die Hilfe der Angefochtenen, das Leben der Sterbenden: ich weiß, daß denen, die Dich lieben, alle Dinge und also auch allerlei Trübsal und Widerwärtigkeit zum Besten dienen müssen. Denn Trübfal bringt Geduld, Geduld bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt mich nicht zu Schanden werden. Darum weigere ich mich auch nicht des Kreuzes, mit dem Du mich heimsuchest, und bitte Dich herzlich, Du wollest mich im Glauben und christlicher Geduld fest erhalten, daß ich allein In Noth und Krankheit. 425 darauf hoffe, daß Du so gnädig bist und mein Herz sich freue, daß Du so gerne hilfft. Du, Herr, bist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf Dich hoffen; denn Du bist freundlich dem, der auf Dich harret, und der Seele, die nach Dir fragt. Du wirst des Armen nicht so ganz vergessen, und die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich, sondern ihr Verlangen hörst Du, Herr; ihr Herz ist gewiß, daß Dein Ohr darauf merket. Darauf will ich leben und sterben; stärke, o Herr, das in mir angefangne Werk im Glauben, und meine Arbeit in der Liebe, meine Geduld in der Hoffnung, welche ist mein Herr Jeſus Christus, mein Leben und ewiger Trost. Amen. 98. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil Du uns geboten haft und gesprochen: Rufe mich an in der Noth, so will ich Dich erretten, und Du sollst mich preisen, deßwegen ruf ich zu Dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, und bitte Dich, Du wollest mich armen fündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auf, daß ich genèse, um Deiner Barmherzigkeit willen, auf daß ich Deine Macht und Kraft an mir verkündige und preise. Wo es mir aber nützlicher ist, zeitlich zu sterben, so geschehe, o Herr, Dein göttlicher Wille, wie im Himmel, also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in Deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und in wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von Dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu Dir in Dein Reich, durch Deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 99. Herr, Jesu Christe, Du haft einen Boten zu mir geschickt, nämlich diese meine Krankheit, und mich zur Buße ermahnen laffen. Siehe, mein Herr, ich erkenne Deinen gnädigen Willen, bin gehorsam und kehre mich zu Dir. Mein Gott, ich sende 426 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. Dir wieder einen Boten, nämlich mein armes Gebet und Seufzen. O Herr, nimm mein Flehen an, und laß mein Seufzen vor Dich kommen; gefällt es Dir, mein Erlöser, ist es mir gut und selig, daß ich leben soll: nun so richte mich auf, und hilf, daß es ein neues, gesundes, christliches Leben sei bis an mein Ende. Gefällt es Dir nicht, daß ich lebe, sondern daß dieses mein Ende sein soll: nun, so sei es ein seliges. So komm, o Herr Jesu, und nimm meine Seele in Deine Hände. Amen. 100. mein himmlischer Vater, Du hast mich lassen frank werden. Was aber soll meine Krankheit für ein Ende nehmen? Soll ich leben, oder soll ich sterben? Und was willst Du, daß ich thun soll? Meine Seele sollte wohl Luft haben, abzuscheiden und bei Christo zu sein; aber mein Fleisch und Blut entsetzet sich vor dem Tode, und also lieget mir beides hart an. Ich aber weiß nicht, was Du über mich beschlossen hast; ich verstehe auch nicht, was mir und den Meinen gut ist, und also weiß ich selber nicht, was ich von Dir soll bitten. Jedoch, Herr, ich will Dir nichts vorschreiben und auch mir selber nichts auslesen. Soll ich diesmal sterben, so geschehe Dein Wille; Dir überlaffe ich Alles und bin zufrieden mit Allem. Ja, Herr, ich befehle Dir meinen Weg auch in das Grab, und hoffe auf Dich, Du wirsts wohl machen. Amen. Morgens. 101. Lieber Gott, ich habe wieder einmal, auch bei meinem franken Leibe, eine Nacht dieses mühseligen Lebens überstanden und zurückgelegt. Dazu aber hast Du mir geholfen, und Deine Kraft ist in mir Schwachen mächtig gewesen, daß ich noch lebe. Darum Dank sei auch Deiner großen Güte und Barmherzigkeit für den Beistand, welchen Du mir diese Nacht in der Finsterniß haft geleistet, für die wenige Ruhe, welche ich dabei noch genossen, und für alle die guten Gedanken, mit welchen ich meine Zeit zugebracht habe, wenn ich aufwachte. Ach aber, mein lieber In Noth und Krankheit. 427 Vater, es ist wohl ein anderer Tag gekommen, aber ich bin doch noch krank, und meine Plage wird alle Morgen neu; darum bilf mir nun auch diesen Tag überstehen bis auf den Abend, und verkürze mir die Zeit, wenn sie will zu lang werden; lindere meine Schmerzen; segne, was ich heute brauchen werde. Und weil es gar leicht noch vor Abend anders mit mir werden könnte, als es am Morgen gewesen ist, ach so wende Du Alles, was mir heute begegnen wird, zu meinem zeitlichen und ewigen Besten, damit ich Dir auf den Abend könne mit Freuden danken, der Du bist hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Abends. 102. Barmherziger Gott, gnädiger Vater, der Tag hat sich geendet, aber die Krankheit, welche Du mir aufgeleget hast, fühle ich noch. Jedoch ich danke Dir gleichwohl von Grund meines Herzens, daß ich noch lebe, und daß Du mich zum wenigsten bei solchem Verstande und so viel Kräften noch haft erhalten, daß ich jetzt an Dich kann gedenken und Dir danken. Ach, hilf mir nun auch die wiederum angehende betrübte Nachtzeit überwinden, und lege mir in derselben nicht mehr auf, als ich ertragen kann. Gib ferner immer das Gedeihen zu den Mitteln, die ich heute gebraucht habe; gönne meinem armen Leibe ein wenig Ruhe; gib mir gute Gedanken ein, wenn ich erwache; erhalte mich in der Geduld, wenn mir die Stunden wollen zu lang werden, und laß mich nur Dir leben und Dic sterben, um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Bei innerer Anfechtung. 103. Lieber himmlischer Bater, ich danke Dir, daß Du mich zu Deinem Kinde erwählet und mich durch Dein Wort geheiligt und bisher erhalten haft. Weil ich aber mit großer Traurigkeit meines Herzens bela-/ den und täglich geängstet werde, daß ich meine Betrübniß nicht 428 Gebete für besondere Zetten und Lagen. aussagen noch aussprechen kann: so bitte ich Dich, treuer Gott, verlaß mich doch nicht, nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir, halte mich fest bei Deiner Hand, daß ich nimmermehr sinke, noch von Dir geschieden werde. Mit traurigen Herzen stehe ich des Morgens auf, mit Angst und Schmerzen lege ich mich wieder nieder und habe keine Ruhe in mir: ach Gott, siehe an meinen Jummer und Elend; ich wollte Dir gerne mit fröhlichem Herzen und Munde dienen, aber ich vermag es nicht; wie stark ich mich wehre und dawider streite, ich bin zu schwach zu diesem großen Kampfe. Darum hilf mir Schwachen, o Du starker Gott, und gieb mir Deinen heiligen Geist, der mich erfreue und tröste in all meiner Traurigkeit. Ich weiß ja, daß ich Dein bin, im Tode und im Leben; es kann mich nichts von Dir scheiden, obgleich ich jetzt in Angst und Kümmerniß schwebe. Herr, ich hoffe auf Deinè Gnade, Du wirst mich nicht unerhört von Dir lassen, sondern alle Angst aus meinem Herzen reißen und mir ein neues Freudenlied in meinen Mund geben. So will ich Dich für Deine Güte rühmen, loben und preisen, Dir danken und Dir dienen hier und in Ewigkeit. Amen. 104. Lieber himmlischer Valer, der Du in uns wirkest beides, das Wollen und Vollbringen, nach Deinem Wohlgefallen, ich komme vor Dein Angesicht und bitte Dich, daß Du Dich meiner in Gnaden erbarmen und meiner angefochtenen Seele Dich annehmen wollest. Ach, die Angst meines Herzens ist groß; siehe an meinen Sammer und Elend; da ist Niemand, der helfen kann; darum verlaß Du mich nicht und nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir; halte mich bei Deiner Rechten, daß ich nimmermehr sinke noch von Dir geschieden werde. Auf Dich trane ich; laß mich nicht zu Schanden werden! Du weißt es ja, wie ich vergeblich ringe und kämpfe; denn meine Kraft ist schwach, daß ich nichts ausrichte. Darum bilf Du mir, barmherziger Gott; gieb mir Deinen heiligen Geist, daß er mich Auf dem Sterbelager. 429 tröste, stärke, fräftige und gründe; daß ich mit seinem Beistande niederkämpfe alle Zweifel und alle bösen Gedanken, so mir an die Seele wollen; daß ich Alles wohl ausrichte und das Feld behalte. Das ist mein einziger Trost in meinem Elende, daß Du das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen und das glimmende Docht nicht anslöschen willst. Darum baue ich fest auf Deine Gnade, und bin gewiß, daß nichts in der Welt, nicht Gegenwärtiges noch Zukünftiges, nicht Trübsal noch Angst mich scheiden werde von einer Liebe in Chrifto. Ich hoffe auf Dich, Du wirst es wohl machen. Amen. Auf dem Sterbelager. 105. Du frommer und getreuer Gott und Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi, ich bitte Dich von Herzen, Du wolleft mich in meiner Noth nicht verlassen, sondern mit dem Lichte Deiner wahren Erkenntniß erleuchten, daß ich in demselben aus dieser Finsterniß zu Dir, dem ewigen Lichte, möge wandeln. O Herr, sei Du bei mir, wenn ich sterben soll; stehe Du mir zu meiner rechten Hand, wenn ich soll meinen Geist aufgeben; errette mich aus der Hand des Feindes, tröste und stärke mich, erhalte mich in Deiner Erkenntniß und in festem, starkem Vertranen auf Deine große Gnade und Barmherzigkeit. Ach, Herr Gott, laß das letzte Wort Deines lieben Sohnes am Stamme des Kreuzes auch mein letztes Wort sein, daß ich mit starkem und gläubigem Vertrauen im Herzen sagen darf: Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist; denn Du hast mich erlöfet, Du treuer Gott. Und wenn ich aus Schwachheit und Größe meiner Krankheit solches mit dem Munde nicht könnte ausreden, so laß doch mein Herz also in der Stille zu Dir rufen und seafzen. Amen. 106. Herr Christe, Du Fürst des Lebens und Herzog der Seligkeit, ich fühle, daß ich meine Hütte bald ablegen werde; 430 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. ich bin Erde und werde wieder zur Erden werden, davon ich genommen bin. Laß, o Herr, mir nicht granen vor dem Tod, den ich vor Augen sehe, sondern tröste mich in Todesnöthen und Schmerzen. Ich danke Dir, Du Gott meiner Väter, daß Du mich aus Gnaden zur Gemeinschaft der christlichen Kirche gebracht, daß Du mir zum seligmachenden Glauben geholfen und mich bisher darin erhalten; erhalte mich doch darin bis an mein Ende; laß daß mich nicht abfallen von dem rechten Glauben und Troste, mir fein Leid geschehe von dem andern und ewigen Tode. Himmlischer Vater, es will Abend werden, und die Tage meines Lebens haben sich geneiget; bleibe bei mir; weise mich zur Ruhe, Herr Christe, und laß mich sanft einschlafen; laß mich bei meiner Heimfahrt wie Stephanus den Himmel offen sehen. Herr Gott heiliger Geist, weiche nicht von mir, bis sich Leib und Seele scheiden, verkürze mir die Todesqual, und nimm mich in Gnaden von diesem elenden Leben zu Dir in den Himmel. Herr Christe, der Du um unserer Sünden willen gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen von den Todten erstanden bist: wenn mein irdisch Haus, diese sterbliche Hütte, zerbrochen und mein Leib zu Erden und Aschen wird, so gib Du mir einen geistlichen Leif, und was verweslich in Unehre und Schwachheit gefäet wird, das laß unverweslich auferstehen in Herrlichkeit und Kraft; verkläre meinen Leib, daß er ähnlich werde Deinem verklärten Leibe. Ich sehne mich bei mir selber nach der Kindschaft, freue mich der zukünftigen Güter, Ehre und Herrlichkeit, und warte auf die freudenreiche Zukunft und meines Leibes Erlösung, auf ein ewiges Leben nach der Verheißung Gottes. Ich glaube, daß noch eine Ruhe vorhanden sei dem Volke Gottes, für alle die Deinen, darin sie sich ewig freuen, und die Gerechten leuchten werden wie die helle Sonne in ihres Vaters Reich. Herr Christe, Dir leb ich, Dir sterb ich, Dein bin ich, todt und lebendig. Ich bin Dein, und Du bist mein, Dir sei meine Fürbitte für die Zurückbleibenden. 431 Seele befohlen, Du wirst sie wohl bewahren, Du hast sie erlöset, Du wahrhaftiger und getrener Gott. Herr, der Du kommen wirst, zu richten die Lebendigen und die Todten, verleihe mir eine fröhliche Auferstehung mit allen Seligen, und laß mich mit gutem Gewissen und fröhlichem Angesichte vor Deinem Richterstuhle erscheinen. Sei Du mein Fürsprecher, stelle mich unter Deine Schäflein zu Deiner Rechten, und laß mich mit Freuden das Wort hören: Gehe ein zu Deines Herrn Freude! Laß mich in der zukünftigen Welt mit Dir leben, und mit Gebet und Freudengesang Dir ewig dienen um Deiner Gnade willen. Amen. 107. Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände: Du hast mich erlöset und wirst mich auch jetzt erlösen, o Herr, Du treuer Gott! Ach Herr, erlöse mich aus allem meinem geistlichen und leiblichen Uebel, und hilf mir zu Deinem himmlischen Reich! Herr, ich warte auf Dein Heil, das Du mir durch Christum erworben hast; führe mich nach Deinem Wort ins rechte Vaterland. Herr, laß mich Deinen Dieuer ewig sein und bleiben, und in Frieden hinfahren. Laß meine Glaubensaugen Deinen Heiland sehen, als mein Licht, mir vorzuleuchten bis in die Ewigkeit. Herr Jesu, Dein bitter Leiden und Sterben komme mir zu Hilf in meiner Todesstunde und vor Deinem Gericht. Amen. Fürbitte für die Zurückbleibenden. 108. Barmherziger Gott, treuer, himmlischer Vater, Du eileft mit mir zum Ende, und willst mich in Dein ewiges Himmelreich abfordern, dahin ich Dir herzlich gern will folgen. Weil ich aber die lieben Meinigen in großer Traurigkeit zurücklasse, so bitte ich Dich um meines Vertreters Jesu Christi 432 Schulgebete. und um seines theuren Verdienstes willen, Du wollest sie in ihrer Betrübniß reichlich trösten, Dein Vaterherz nicht von ihnen wenden, Deine milde Hand ihnen nicht entziehen, sondern sie es reichlich erfahren lassen, daß Du Deine Vaterhand nicht von ihnen abgezogen. Laß sie endlich zur bestimmten Zeit mir in das rechte Vaterland selig nachfolgen, da wir alle miteinander Dich in Freuden ohne Aufhören loben und preisen wollen. Nun, Wie du mir sie gegeben und vertrauet, so gebe und vertrane ich Dir sie wieder; Du, trautes Vaterherz, wirst es besser machen, denn wirs meinen; ich werfe alle meine und ihre Sorge auf Dich, Du wirst sie wohl versorgen. Amen in Jesu Namen. Amen. Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden ist. 109. Herr, allmächtiger Gott und Vater, verleihe diesem unserm verschiedenen Mitchristen um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen die ewige Freude und Ruhe, laß ihm leuchten Dein cwiges Licht, erwecke ihn am jüngsten Tage und gib ihm das ewige Leben. V. Schulgebete. Zu Anfang der Schule. 110. Herr Jesu, komm herein! Sieh, wir armen Kinder wollen gerne selig sein! Amen. 111. Behüt uns, Herr, auch diesen Tag, Daß uns kein Uebel treffen mag! Mach unser Herz von Sünden rein Und lehr uns Dir geborsam sein. Amen. 112. Laß unser Wert gerathen wohl, was ein Jeder ausrichten soll, daß unsre Arbeit, Müh und Fleiß Gereich zu Deinem Lob und Preis. Amen. Zu Anfang der Schule. 433 113. Ach, segne, was ich thu, Ja rede und gedenke; Durch Deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß Alles nur gescheh Zu Deines Namens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib Dein Eigenthum. Amen. 114. Mit Jefu fang ich an, Mit Jefu will ich enden; Was ich nur immer thu, Wohin ich mich mag wenden, Soll meiner Augen Zweck Nur einzig Jesus sein; In meinem Herzen nichts, Als Jesus, wohn allein. Amen. 115. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk in Deinem Willen ruhn, Von Dir kommt Glück und Segen; Was Du regierst, das geht und steht Auf rechten guten Wegen. Amen. 116. Ich komme vor Dein Angesicht, Verwirf, o Gott, mein Flehen nicht; Vergieb mir alle meine Schuld, Du Gott der Gnaden und Geduld. Schaff Du ein reines Herz in mir, Ein Herz, voll Lieb und Furcht zu Dir, Ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, Ein treues Herz mein Lebenlang. Amen. 117. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach Deinem Wort; Sei und bleibe Du auch heute Mein Beschützer und mein Hort! Nirgends als von Dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. 118. Zur Arbeit, Vater, gieb mir Kraft, Und Lust zu jeder Tugend; Wohl dem, der Gutes lernt und schafft, Dich fennt schon in der Jugend. Ja, Deiner soll mein Herz sich freun, Kein Tag soll mir verloren sein, Verloren keine Stunde. Amen. 119. Gott, wie groß, wie gut bist Du! Wie schön ist Deine Welt! Hilf, daß ich Dir zu Lieb auch thu, Was Dir, o Herr, gefällt! Amen. 120. Gelobet seist Du, Gott der Macht, Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Gelobt sei Deine Mich dieses Tags 28 434 Schulgebete. erfreue. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich Deine Wege wallen, Und lehre Du mich selber thun Nach Deinem Wohlgefallen. Amen. 121. Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend, Den heilgen Geist Du zu uns send; Mit Hülf und Gnad er uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ. Amen. 122. Romme, Herr des ewgen Lebens, Tritt in unsern Kreis berein; Hilf, und laß uns nicht vergebens Deines Wortes Schüler sein! Nimm Du selbst ses Lehrers wahr, Segne Deiner Kinder Schaar, So wird Alles wohl gedeihen Und Dein Herz sich unser freuen. Amen. 123. Laß uns, o Herr, gewissenhaft Des Lebens Bahn durchlaufen, Und gib auch heut uns Luft und Kraft, Die Stunden auszukaufen; Nie werd uns unsre Pflicht zur Last; Laß uns wie Jesus ohne Rast, So lang es Tag ist, wirken! Amen. 124. Bater, schenk uns Deinen Geist, Dich lebendig zu erkennen, Jesum unsern Herrn zu nennen, Weil er unser Mittler heißt; Laß uns Deine Liebe treiben, Daß wir Deine Kinder bleiben. Amen. Unser Herz für Dich 125. Sefu, hilf uns weise werden, erneun, Daß als Kinder wir auf Erden Frühe guten Samen streun, Bis Du uns beim Aerntefest Selig dort erscheinen läßt. Amen. 126. Jesu, der Du allezeit Bei den Deinen bist auf Erden, Laß auch unsre Schul: heut Dir zu einem Tempel werden, Wo Dein Antlitz sich verklärt, Wo Dein Geist die Kinder lehrt! Amen. 127. Herr, mach uns zum guten Lande, Wenn Dein Saatforn auf uns fällt; Gib uns Licht in dem Verstande, Und Nach der Schule. 435 was uns wird vorgestellt, Präge Du den Herzen ein, Laß es uns zur Frucht gedeihn. Amen. 128. Herr Jesu Christ, o hilf, daß wir Auf Dein Wort achten für und für Und Deines Lichts uns freuen, Bis einst durch Deine große Macht Uns wird nach dieser finstern Nacht Dein ewges Licht erneuen! Amen. 129. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich Allhier dem guten Lande Und an des Geistes Kräften reich Zu jedem Amt und Stande, Viel Früchte bringen in Geduld, Bewahren Deine Lehr und Huld In seinen, guten erzen. Amen. 130. Herr, öffne uns das Ohr und Herz, Daß wir Dein Wort recht faffen, In Lieb und Leid, in Freud und Schmerz Es ans der Acht nicht lassen; Daß wir nicht Hörer nur allein Des Wortes, sondern Thäter sein, Frucht hundertfältig bringen. Amen. 131. Liebster Jesu, wir 2c., siehe Liederbrevier Nr. 6. 132. Das walte Gott 2c., s. Liederbrev. Nr. 313 V. 1 und 2. 133. Sesu, leite und bereite Uns nach Deinem heilgen Bild! Gib uns Klarheit, Geist und Wahrheit, Mach uns gläubig, sanft und mild, Daß man merke, Unfre Stärke Sei in Dir, Du unser Schild. Amen. Nach der Schule. 134. Laß mich Dein sein 2c. s. Liederbrev. Nr. 218. 135. Unsern Ausgang segne 2c. s. Liederbrev. Nr. 10. 136. Heilger Geist, schreib alle Worte Nun in unsre Herzen ein, Daß man stets an allem Orte Deren eingedenk mag sein; Daß wir täglich Früchte bringen Und im Himmel Amen fingen. Amen. 436 Schulgebete. 137. Eh wir aus der Schule gehn, Laß uns dankend auf Dich sehn, Lieber Gott im Himmel droben, Dich für alle Gaben loben. Amen. 138. Herr, segne und behüte mich! Erleuchte mich, Herr, gnädiglich! Herr, heb auf mich Dein Angesicht Und Deinen Frieden auf mich richt! Amen. 139. Gib uns, eh wir gehn nach Haus, Deinen väterlichen Segen. Breite Deine Hände aus, Leite uns auf Deinen Wegen; Laß uns hier im Segen gehn, Dort gesegnet auferstehn. Amen. 140. Herr, der Du mir das 2c. s. Liederbrev. Nr. 305. V. 1. 2. 5. 141. Vater, Dir sei Preis 2c. s. Liederbrev. Nr. 11. V.`1. 142. Unsern Ausgang segne Du, Segne jedes Wort der Lehre; Gib uns Sammlung, Fleiß und Ruh, Daß sich unser Wissen mehre; Präge tief dem Herzen ein: Jede Stunde, Herr, sei Dein. Amen. 143. Noch einmal blicken wir Auf die enteilten Stunden; Durch Dich, o Gott, sind sie Gesegnet uns entschwunden; Nimm unsern frommen Dank Für Deine Vatertren, Und steh auch morgen uns, wie heute huldreich bei. Amen. 144. Gott, präge alle Lehren, Die wir hier täglich hören, Tief unfern Herzen ein; Laß sie uns oft erwägen, So werden sie ein Segen Für unser ganzes Leben sein. Amen. 145. Herr, laß zu allen Zeiten Uns Deine Gnade leiten Auf guter, ebner Bahn; Führ uns in früher Jugend Durch Gottesfurcht und Tugend zum ewig selgen Leben an. Amen. Biographisches Verzeichniß der Liederdichter. [ Die Zahlen bedeuten die Nummern der von jedem Dichter aufgenommenen Lieder.] Aemilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt, geborne Gräfin von Barby, geboren den 19. August 1637 zu Rudolstadt, gestorben daselbst den 2. December 1706. Sie dichtete 587 Lieder. Nr. 354. Albert, Heinrich, geb. d. 28. Juni 1604 zu Lobenstein im sächsischen Voigtlande, studirte die Rechte, und starb d. 6. October 1668 als Organist am Dom zu Königsberg; als Dichter und Liedercomponist gleich ausgezeichnet. Nr. 270. 361. Albinus, Johann Georg, geb. d. 6. März 1624 zu Unternessa bei Weißenfels, starb d. 25. Mai 1679 zu Naumburg a. d. Saale, wo er zuerst Rektor und dann Pastor zu St. Othmar war. Verfasser von 4 Liedern. Nr. 389. Albrecht der Jüngere, Markgraf zu Brandenburg- Bayreuth, geb. d. 28. März 1522 zu Anspach, starb nach einem unruhigen Leben d. 8. Januar 1557 zu Pforzheim im Badischen. Als Verbannter soll er in Frankreich oder Lothringen das hier mitge= theilte Lied gedichtet haben. Nr. 242. Anna Sophia, Landgräfin zu Hessen- Darmstadt, geb d. 17. December 1638 zu Marburg, starb den 13 December 1683 als Aebtissin des vormaligen faiserlich freien weltlichen Stiftes zu Quedlinburg. Man hat von ihr 32 geistliche Lieder. Nr. 140. Anna, Gräfin zu Stolberg, lebte um 1600, nnd soll Verfasferin sein des Liedes N. 342. 438 Biographisches Verzeichniß Annoni, auch d'Annone, M. Hieronymus, geb. d. 12. September 1679 zu Basel, starb den 10. October 1770 als Pfarrer in Muttenz, Canton Basel. Er gab unter dem Titel: ,, Erbaulicher Christenschatz" ein Gesangbuch heraus, in dessen siebenter nach seinem Tode erschienenen Ausgabe sich 80 Lieder von ihm finden. Nr. 93. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig- Lüneburg, geb. d. 4. Oktober 1633, geft. d. 27 März 1714. Verfasser v. 61 geistlichen Liedern. N. 279. Arends, Wilhelm Erasmus, starb 1721 als Pastor zu St. Petri und Pauli in Halberstadt; vielleicht Verfaffer von Nr. 190. Arndt, Ernst Moritz, geb. d. 26 December 1769 zu Schoritz auf der Insel Rügen, seit 1818 Professor der Geschichte in Bonn; hat durch seine Schrift: Von dem Worte und dem Kirchenliede. Bonn 1819." und seine eignen Lieder sich große Verdienste um Erneuerung des Kirchenlicds erworben. Nr. 35. 160. 183. 369. Arnold, Gottfried, geb. d. 5 September 1666 zu Annaberg, starb den 30 Mai 1714 als Pastor und Inspektor zu Perleburg in der Altmark in Folge eines beftigen Schreckens, den ihm preußische Werber, welche am Pfingsttage während des Gottesdienstes in die Kirche eindrangen, verursacht hatten. Verf. der bekannten Unparteiischen Kirchen- und Ketzerhistorie." Man schreibt ihm 130 Lieder zu. Nr. 186. 187, 11 Bahnmaier, Dr. Jonathan Friedrich, geb. d. 13. Juli 1774 zu Oberstenfeld im K. Würtemberg, starb den 18. August 1841 als Defan und Stadtpfarrer zu Kirchheim unter Teck auf einer Visitationsreise zu Owen. Nr. 134. Barth, Dr. Christian Gottlob, geb. d. 31. Juli 1799 zu Stuttgart, wurde 1824 Pfarrer zu Möttlingen, und lebt seit 1838 als Privatmaun zu Calw. Nr. 138. Betichius, Johann, lebte vor 1700. Nr. 313. Bickel, Johann Daniel Carl, geb. d. 24. Juni 1737 zu Altenweilnau, starb als Nassau- Usingscher Consistorialrath und Superintendent zu Mosbach d. 28 Juni 1809. Herausgeber des Nassau- Usingischen Gesangbuchs von 1779. Nr. 322. Bienemann, Dr. Caspar, oder Melissander, geb. 1540 zu Nürnberg, starb den 12. September als Generalsuper der Liederdichter. 439 intendent zu Altenburg. Auf den Gedenkspruch der Aebtissin von Quedlinburg, Maria, geb. Prinzessin von S. Weimar, deren Erzieher er gewesen war, dichtete er das Lied Nr. 218; auf den der Herzogin von Sachsen, Dorothea Susanna, geb. Pfalzgräfin bei Nhein, Nr. 243. Birken, Siegmund von( eigentlich Betulins, welchen Namen er bei seiner Erhebung in den Adelstand durch Kaiser Ferdinand III. in den deutschen Birken übersetzte), geb. d. 25. April 1626 zu Wildenstein bei Eger, Prinzenlehrer an mehreren Höfen, starb d. 12 Juni( Juli?) 1681 als Privatmann zu Nürnberg und kaiserlicher Pfalzgraf, sowie Mitglied des Ordens der Pegnitzschäfer Nr. 185. 312. Bogatzky, Karl Heinrich von, geb. d. 7 September 1690 zu Jankowe in Niederschlesien, studirte zuerst in Jena und Halle die Rechtswissenschaft, später die Theologie, konnte aber wegen seiner schwachen Gesundheit kein Predigtamt annehmen. Seit 1746 lebte er in Halle und starb daselbst d. 15. Juni 1774. Bekannt durch seine erbaulichen Schriften( Schatzkäftlein, Hausbuch u. A.) und Verfasser v. 411 Liedern, die er unter dem Titel: Uebung in der Gottseligkeit in allerlei geistlichen Liedern, Zuerst Halle 1749 herausgab. Nr. 132. 11 Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig Freiherr von, geb. zu Berlin d. 27. November 1654, gest. ebendaselbst als königl. preuß. Gebeimerstaatsrath. Nr. 277. Claudius, Matthias( Asmus, der Wandsbecker Bote), geb. d. 2 Januar( 15 August?) 1743 zu Rheinfeld im Herzogthum Holstein, starb d. 21 Januar 1815 in Wandsdeck als Revisor der Bank zu Altona. Nr. 307. Clausnitzer, Lic. Tobias, geb. 1619 zu Thum bei Annaberg, starb d. 7. Mai 1684 als Kirchenrath, Inspektor und Stadtpfarrer zu Weiden in der Oberpfalz. Man kennt 3 Lieder von ihm. Nr. 6. Crasselius, Bartholomäus, geb. d. 21. Februar 1677 zu Wernsdorf bei Glaucha in Sachsen, 1701 Pfarrer zu Nidda iu der Wetterau, starb als evangelischer Prediger zu Düsseldorf d. 10 November 1724. Unter dem Titel: Der singende und lobende David, Halleluja!" gab er die in der reform. rheinischen Kirche gebrauchten Psalmen in einer Bearbeitung nach 11 440 Biographisches Verzeichniß bekannten evang. Kirchenmelodien heraus, und fügte in einem Anhange sein freigedichtetes Loblied:" Halleluja, Lob, Preis und Ehr" hinzu. Auch übersetzte er des Niederländers I. von Lodenstein( s. d.) Lieder ins hochdeutsche, darunter das schöne Heiligster Jesu, Heiligungsquelle." Nr. 97. 191. 223. 233. Cronegk, Johann Friedrich Freiherr von, geb. d. 2. September 1731 zu Anspach, studirte zu Halle, dann zu Leipzig, wo Gellert sein Lehrer und Freund wurde, und ward, nachdem er eine größere Reise durch Stalien und Frankreich gemacht, Anspachischer Regierungs- und Justizrath, als welcher er bereits d. 31. December 1758 zu Nürnberg an den Blattern starb. Man hat von ihm 8 geistliche Lieder. Nr. 303. Dac, M. Simon, geb. d. 29, Juli 1605 zu Memel, starb den 15. April 1659 zu Preußen als Professor der Dichtkunst; vorher Conrektor an der Domschule daselbst. Er hat ungefähr 150 geistliche Lieder gedichtet. Nr. 177. 386. Decius, Nicolaus, anfangs Mönch, dann Prior im Kloster Steterburg bei Braunschweig; bald nach der Reformation um 1520 trat er zur evangelischen Lehre über, ward Lehrer an der Katharinenschule in Braunschweig und soll 1529 als Prediger in Stettin durch Vergiftung gestorben sein. Nach alten lateinischen Originalen dichtete er Nr. 48. 95. Denice, David, geb d. 31. Januar 1603 zu Zittau, studirte in Wittenberg, Jena und Königsberg die Rechte und starb d. 1. April 1680 zu Hannover als Consistorial- und Klosterrath. Mit seinem Freunde 3. Gesenius( s. d.) gab er 1646 ein Gesangbuch heraus, zu welchem er selbst viele theils neugedichtete- Lieder, theils Bearbeitungen älterer Originale lieferte. Nr. 169. Deßler, Wolfgang Christoph, geb. zu Nürnberg d. 11. Februar 1660, gestorben ebendaselbst d. 11. März 1722 als Conrektor der Schule zum heiligen Geist. Verfasser von 66 geistlichen Liedern. Nr. 232. 258. Diterich, Johann Samnel, geb. d. 15. December 1721 zu Berlin, gest. ebendaselbst d. 14. Januar 1797 als Prediger an der Marienkirche und Oberconsistorialrath. Durch sein im Jahre 1765 unter dem Titel: ,, Lieder für den öffentlichen Gottesdienst" herausgegebnes Gesangbuch gab er den Anstoß zu der der Liederdichter. 441 sogenannten Gesangbuchsrevolution, durch welche die alten Kirchenlieder völlig verändert und verwässert wurden. Eine Umdichtung eines Liedes von Ahasverus Fritsch( s. d.) ist Nr. 397. Drese, Adam, geb. um 1630, war anfangs Kapellmeister des Herzogs Bernhard von S. Weimar zu Jena und nach dessen Tode in gleicher Stellung bei dem Fürsten Günther von Schwarzburg zu Arnstadt, wo er im Jahre 1701( nicht, wie gewöhnlich angegeben wird, 1718) starb. Es sind 3 Lieder von ihm bekannt geworden. Nr. 207. Eber, Dr. Paul, geb. d. 8. November 1511 zu Kitzingen in Franken, gest. d. 10 December 1569 als Professor der Theologie, Generalsuperintendent und Pastor an der Stadtkirche zu Wittenberg; Melanchthons vertrauter Freund. Nr. 323. 340. 341(?). Edeling, Christian Ludwig, aus Lobegün im Saalkreise, war erst Informator des Grafen Nit. L. von Zinzendorf, nachher Inspector und Oberpfarrer zu Schwanebeck bei Halberstadt, wo er 1742 starb. Nr. 330. Edelmann, M. Gottfried, geb. zu Marklissa in der Oberlausitz d. 20. December 1660, gest. als Oberpfarrer zu Lauban im 3. 1727. Nr. 327. Fabricius, Dr. Jakob, geb. d. 13. Juli 1593 zu Köslin, Feldsuperintendent der schwedischen Armee in Deutschland und Beichtvater des Königs Gustav Adolph, gest.d. 11. August 1654 als Generalsuperintendent, Pastor und Professor zu Stettin, soll das Lied Nr. 120., welches Gustav Adolph in Prosa verfaßt, in Verse gebracht haben. Feddersen, Jacob Friedrich, geb. d. 31. Juli 1736 zu Schleswig, gest. d. 31. December 1788 zu Altona als Hauptpastor und Propst. Nr. 338. Flemming, Dr. Paul, geb. d. 5. Oktober 1609 zu Hartendstein im Voigtlande, gest. d. 2. April 1640 zu Hamburg, wo er sich als Arzt niederlassen wollte. Er war einer der bedentendsten weltlichen Dichter seiner Zeit. Im Jahre 1633 begleitete er eine Gesandtschaft des Herzogs Friedrich III. von Holstein nach Moskau, und im 3. 1635 nach Persien, von wo er 1639 zurückkehrte. Vor dem Antritt der ersten Reise dichtete er Nr. 246. 334. 442 Biographisches Verzeichniß Franck, Johann, geb. d. 1. Juni 1618 zu Guben in der Niederlausitz, gest. ebendaselbst d. 18. Juni 1677 als Bürgermeister und Landesältester der Markgrafschaft Niederlausitz. Seine Lieder, 110 an der Zahl, gehören zu den besten des Jahrhunderts. Nr. 44. 154. 230. 296. 329. Franck, Peter, geb. d. 27. September 1616 zu Schlensingen, gest. im 3. 1675 als Pastor zu Gleußen im Koburgschen. Man tennt 9 Lieder von ihm. Nr. 351. Frand, Salomo, geb. den 6. März 1659 zu Weimar, gest. ebendaselbst d. 11. Juni 1725 als Oberconsistorialsekretär; Verfasser von beinahe 300 Liedern. Nr. 58. 63. 281. Frande, Dr. August Hermann, geb. d. 12. März 1663 zu Lübeck, gest. d. 8. Juni 1727 zu Halle als Professor der Theologie, Pastor zu St. Ulrich und Direktor des von ihm gegründeten Waisenhauses. Als er auf die ungerechteste Art von seinem Amte als Diakonus an der Augustinerkirche zu Erfurt vertrieben wurde und innerhalb 48 Stunden die Stadt verlassen mußte, dichtete er auf dem Wege nach Gotha das Lied Nr. 309. Freylinghausen, Johann Anastasius, geb. d. 2. December 1670 zu Gandersheint im Braunschweigschen, gest. d. 12. Februar 1739 zu Halle als Oberpfarrer zu St. Ulrich und Director des Waisenhauses; Freund, Schwiegersohn und Amtsnachfolger A. H. Franckes, Herausgeber eines Gesangbuchs und einer der bedeutendsten Liederdichter der aus dem Pietismus bervorgegangenen Dichterschule. Verfasser von 44 Liedern. Nr. 235. Freystein, Dr. Johann Burchhard, Hof- und Justizrath zn Dresden, starb um 1720. Nr. 189. Fritsch, Dr. Ahasverus, geb. d. 16. December 1629 zu Mücheln bei Freiburg an der Unstrut, gest. d. 24. August 1701 zu Rudolstadt als Consistorialpräsident und Kanzler; wahrscheinlich Verf. des Liedes:" Ists oder ist mein Geist entzückt", welches dem Liede Nr. 397 von Diterich( s. d.) zu Grunde liegt. Funk, Dr. Gottlieb Benedikt, geb. den 29 November 1734 zu Hartenstein in der Grafschaft Schönburg, starb als Rektor der Domschule und Consistorialrath zu Magdeburg d. 18 Juni 1814. Nr. 359. Garve, Karl Bernhard, geb. d. 24. Januar 1763 zu Seinsen bei Hannover, gest. d. 21. Juni 1841 zu Herrnhut, nachdem der Liederdichter. 443 er in verschiedenen Brüdergemeinden das Predigtamt verwaltet und zuletzt seit 1816 zu Neusalz an der Oder als Prediger ge= standen hatte. Nr. 12. 145. Gellert, M. Christian Fürchtegott, geb. d. 4. Juli 1715 zu Haynichen im sächs. Erzgebirge, gest. d. 13. December 1769 als außerordentlicher Professor der Philosophie zu Leipzig, hat 54 geistliche Lieder gedichtet. Nr. 33. 42. 71. 113. 114. 127. 144 157. 284. 305, 306. 335. 357. Gerhardt, Paul, geb. 1606 oder 1607 zu Gräfenhainichen bei Wittenberg, gest. d. 7. Juni 1676 als Archidiaconus zu Lübben in der Lausitz. Früher Probst zu Mittenwalde, dann Prediger zu St. Nikolai in Berlin, welcher Stelle er jedoch 1667 freiwillig entsagte, um sich nicht durch die von dem Churfürsten gegen die namentliche Widerlegung der Reformirten bekannt gemachten Edikte in seiner Lehrfreiheit einschränken zu laffen." Der bedeutendste Kirchenliederdichter der evangelischen Kirche. Er hat 124 Lieder hinterlassen. Nr. 18. 19. 28. 29. 30. 38. 52. 53. 54. 89. 90. 103. 104. 221. 247. 248. 249. 250. 251. 252, 253. 272, 273, 294, 295. 314. 315. 328. 352 376. Gesenius, Dr. Justus, geb. v. 6. Juli 1601 zu Eßbeck im Haunöverschen, gest. d. 18. September 1671 zu Hannover als Oberhofprediger, Kirchenrath und Generalsuperintendent. In Gemeinschaft mit seinem Freunde Denicke( ₁. d.) gab er 1646 eine Liedersammlung heraus, welche die Grundlage des Hannoverschen Gesangbuchs v. 1659 wurde, und wegen der von ihnen vorgenommenen Veränderungen und Umarbeitungen älterer Lieder merkwürdig ist. Nr. 51. 77. Gotter, Ludwig Andreas, geb. d. 26. Mai 1661 zu Gotha, gest. ebendaselbst d. 19. September 1735 als Hof- und Assistenzrath; Verf. von 231 geistlichen Liedern. Nr. 111. Graumann, auch Gramann( Poliander), Dr. Johann, geb. d. 5. Juli 1487 zu Neustadt in Baiern, wohnte 1519 als Amanuensis des Dr. Eck der bekannten Leipziger Disputation mit Luther bei, trat nachher auf des letzteren Seite und ging auf dessen Anrathen nach Preußen, wo er Pfarrer in der Altstadt Königsberg wurde und mit Paul Speratus und Johann Brißmann die Einführung der Reformation in Preußen bewirken half, und d. 29. April 1541 starb. Nr. 100. 444 Biographisches Verzeichniß Gregor, Christian, geb. d. 1. Januar 1723 zu Diersdorf in Schlesien; seit 1742 Mitglied der Brüdergemeinde, vieljähriger Organist und Musikdirektor in Herrnhut, zuletzt Bischof und Mitglied der Unitätsdirektion, als welcher er d. 6. November 1801 in Berthelsdorf starb. Im Jahr 1778 gab er das neue Gesangbuch und 1787 das neue Choralbuch der Brüdergemeinde heraus, von welchen das erstere 106 von ihm selbst gedichtete Lieder ent= hält. Nr. 239. Gretgen, Adam, Advokat zu Sorau in der Niederlausitz; starb im 3. 1660. Nr. 123. Günther, Cyriacus, geb. d. 15. Januar 1650 zu Goldbach bei Gotha und starb daselbst im Oktober 1704 als dritter Lehrer am dortigen Gymnasium; Verfasser von etlichen 30 Liedern. Nr. 108. 208. Hardenberg, Friedrich Ludwig von, geb. d. 2 Mai 1772 zu Wiederstädt in der Grafschaft Mansfeld, starb den 25. März 1801 zu Weißenfels als churfürstl. sächsischer Salineninspektor und designirter Amtshauptmann. Als Dichter ist er unter dem Namen Novalis bekannt. Nr. 21. 73. 240. Harttmann, M. Karl Friedrich, geb. d. 4. Januar 1743 im Kloster Adelberg, Professor an der Carlsakademie auf der Solitude, dann in kirchlichen Aemtern an verschiedenen Orten, zuletzt in Lauffen am Neckar, und starb im Privatstande d. 31. August 1815 zu Tübingen. Nr. 336. Häußer Schweizer, Meta, geb. d. 6. April 1797 zu Hirzel bei Zürich, lebt als Ehefrau des Arztes Häußer in ihrem Geburtsort. Nr. 84. Heermann, Johann, geb. d. 11. Oktober 1585 zu Randen in Schlesien, gest. d. 17. Februar 1647 zu Lissa in Polen als Privatmann, nachdem er das Pastorat zu Köben im Fürstenthum Glogau seiner Kränklichkeit wegen im 3. 1634 niedergelegt hatte. Nr. 49. 50. 66. 220. 287. 324. 373. Held, Lic. Heinrich, lebte um 1650 und soll Sachwalter zu Guhrau in Schlesien gewesen sein. Nr. 14. Helmbold, M. Ludwig, geb. d. 13 Januar 1532 zu Mühlhausen in Thüringen, gest. d. 12 April 1598 als Pastor und Superintendent ebendaselbst. Nr. 244. der Liederdichter. 445 Hensel, Luise, geb. d. 30. März 1798 zu Linum in der Mark Brandenburg, Schwester des im Gebiet der christlichen Kunst ausgezeichneten Historienmalers Wilhelm Hensel; sie lebt in Cöln. Nr. 308. Hensel, Dr. Zacharias, war Pastor und Inspector zu Frankfurt a. d. Oder; gest. nicht lange vor 1736. Nr. 337. Herberger, Valerius, geb. d. 21. April 1562 zu Franstadt in Polen; gest. ebendaselbst d. 18. Mai 1627. Während der Bestzeit dichtete er das Lied Nr. 347. Hermann, Dr. Johann Gottfried, geb. d. 12 Oktober 1707 zu Alt- Jeßnitz bei Bitterfeld, starb als Oberhofprediger, Kirchenund Oberconsistorialrath zu Dresden d. 30. Juli 1791. Nr. 115. Hermann, Nicolaus, geb. um 1480, gest. d. 3. Mai als Cantor in Joachimsthal, einer Bergstadt in Böhmen, wo er mit seinem Freunde, dem Pfarrer Joh. Matthesius, für Beförderung des deutschen Kirchengesangs eifrig wirkte; unter den Liederdichtern des Reformationszeitalters einer der bedeutendsten. Nr. 27. 290 339. Hermes, Dr. Johann Timotheus, geb. d. 31. Mai 1738 zu Petznick in Hinterpommern, gest. d. 24. Juli 1821 als Oberconsistorialrath, Probst und Professor der Theologie zu Halle. Verfaffer des seiner Zeit berühmten Romans: Sophiens Reise von Memel nach Sachsen, in welchem sich auch das hier aufgenommene Lied findet. Nr. 398. Herrnschmid, Dr. Johann Daniel, geb. d. 11. April 1675 zu Bopfingen in Schwaben; gest. d. 5. Februar 1723 als Professor der Theologie und Subdirektor des Waisenhauses und Pädagogiums zu Halle. Man fennt von ihm 17 Lieder. Nr. 109. 260. Hertog, Dr. Johann Friedrich, geb. d. 5. Juni 1647 zu Dresden; gest. ebendaselbst d. 21. März 1699 als Rechtsconsulent. Nr. 289. Heunisch, M. Kaspar, geb. d. 17. Juli 1620 zu Schweinfurt, gest. ebendafelbst 1690 als Superintendent. Nr. 389. Hiller, Friedrich Conrad, geb. 1662 zu Stuttgart; geft. ebendaselbst als Würtemberg. Canzleiadvokat im 3. 1726; hat 172 Lieder gedichtet. Nr. 362. 446 Biographisches Verzeichniß Hiller, M. Philipp Friedrich, geb. d. 6. Januar 1699 zu Mühlhausen an der Enz; gest. d. 24 April 1769 zu Steinheim bei Heidenheim im Würtembergschen, wo er seit 1748 Pfarrer gewesen war, aber schon nach drei Jahren seine Stimme verloren hatte. Ein sehr fruchtbarer Dichter, der mehr als tausend Lieder hinterlassen hat. Nr. 83. 98. 182. 225. 321. Hoffmann, M. Gottfried, ges. d. 5. December 1658 zu Plagwitz bei Löwenberg in Schlesien; gest. d. 1. Oktober 1712 als Rektor des Gymnasiums zu Zittau. Nr. 379. Homburg, Ernst Christoph, geb. 1605 zu Mühla bei Eisenach; gest. d. 2. Juni 1681 zu Naumburg als Gerichtsaktuarius und Rechtsconsulent. Nr. 55. 78. Jung, Dr. Johann Heinrich, genannt Stilling, geb. d. 12. September 1740 im Grund, Amts Hilgenbach im NassanSiegenschen, Arzt in Elberfeld, später Professor an der Cameralschule zu Lantern, dann Professor der Dekonomie und Cameralwissenschaften zu Marburg und Heidelberg, brachte seine letzten Lebensjahre in Karlsruhe zu, wo er d. 2. April 1817 starb. Nr. 133. Kayser, Nicolaus, geb. 1734 zu Redwitz; gest. im. 3. 1800 als Prediger zu Hof. Nr. 163. Kempf, M. Johann, oder Kämpf, Diakonus zu Gotha, starb im 3. 1625. tr. 346. Keymann oder Keimann, M. Christian, geb. d. 27. Februar 1607 zu Pancraz in Böhmen, ohnweit Zittau; gest d. 13. Jan. 1772 als Rektor zu Zittau. Das hier mitgetheilte Lied wurde veranlaßt durch die Worte, welche Johann Georg I., Churfürst zu Sachsen, auf die Frage seines Beichtvaters Dr. Weller: 05 Churfürstl. Durchlaucht Jesum im Herzen bätten", erwiederte. Nr. 202. Klopstod, Friedrich Gottlicb, der Sänger des Messias, geb. d. 2. Juli 1724 zu Quedlinburg, gest. d. 14. März 1803 zu Hamburg im Privatstande mit dem Titel eines königl. dänischen Legationsraths und markgräfl. badischen Hofraths; begraben im Dorfe Ottensen. Seine geistlichen Lieder bestehen aus 65 eignen und 26 Bearbeitungen älterer Originale. Nr. 159. 368. der Liederdichter. 447 Knapp, M. Albert, geb. d. 25 Juli 1798 zu Tübingen, Stadtpfarrer zu St. Leonhard in Stuttgart, Mitherausgeber des neuen Würtemberg. Gesangbuchs, und besonders bekannt durch seinen großen evangelischen Liederschatz", in welchem sich die besten seiner Lieder finden. Nr. 98. 130. 136. 137. 371. 372. 375. Knoll, Christoph, geb. 1563 zu Bunzlau in Schlesien; gest. 1621 als Diafonus zu Sprottau. Während einer Pestepidemie soll er das Lied Nr. 345. gedichtet haben. Knorr von Rosenroth, Christian, geb. d. 15. Juli 1636 zu Altrauden in Schlesien, gest. d. 4. Mai 1689 zu Sulzbach in der Oberpfalz als Geheimerath und Kanzleidirector. Nr. 276. Koitsch, Christian Jacob, aus Meißen gebürtig, 17001705 Inspektor des Pädagogiums zu Halle, starb 1735 als Rektor des Gymnasiums zu Elbing. Nr. 211. Krummacher, Dr. Friedrich Adolph, geb. d. 13. Juli 1768 zu Tecklenburg in Westphalen, gest. d. 5. April 1845 als Prediger zu St. Ansgarii in Bremen. Besonders bekannt als Parabeldichter. Nr. 135. Kunth, M. Johann Siegmund, geb. d. 3. October 1700 zu Liegnitz; gest. d. 7. September 1779 zu Baruth in der Oberlausitz als Pastor und Superintendent. Nr. 396. Lampe, Dr. Friedrich Adolph, geb. d. 19. Februar 1683 zu Detmold; gest. d. 8. December 1729 zu Bremen als Prediger zu St. Ansgarii und Professor der Theologie. Nr. 210. 355. Lange, Dr. Joachim, geb. d. 26. Oktober zu Gardelegen in der Altmark; gest. d. 7. Mai 1744 als Professor der Theologie in Halle. Nr. 284. Lange, Dr. Johann Peter, geb. d. 10. April 1802 zu Sonnborn auf der Birs bei Elberfeld, früher Landwirth, widmete sich erst später der Theologie, ward Pfarrer in Duisburg, dann Professor der Theologie in Zürich, und lebt jetzt in gleicher Eigenschaft zu Bonn. Nr. 75. Laurenti, Laurentius, geb. d. 8. Juni 1660 zu Husum in Schleswig, Cantor und Musikdirektor am Dom zu Bremen, starb daselbst d. 29. Mai 1722, nachdem er kurz vorher wegen Kränk 448 Biographisches Verzeichniß lichkeit seine Stelle niedergelegt hatte. Man kennt von ihm 150 Lieder. Nr. 57. 66. Lavater, Johann Caspar, geb. d. 15. November 1741 zu Zürich, gest. d. 2. Januar 1801 ebendaselbst an den Folgen einer von einem französischen Soldaten bei der Einnahme der Stadt erhaltenen Wunde nach langen schweren Leiden als Pfarrer zu St. Petri; Verfasser von mehr als 700 Liedern. Nr. 158. 164. 264. Lehr, Leopold Franz Friedrich, geb. d. 7. September 1709 zu Cronenberg bei Frankfurt a. M., Diafonus an der lutherischen Kirche zu Köthen, als welcher er auf einer Reise zu Magdeburg d. 27. Januar 1744 starb. Man kenut von ihm 28 Lieder. Nr. 194. Liebich, Ehrenfried, geb. d. 13. Juni 1713 zu Probsthayn im Fürstenthum Liegnitz, war zuerst für das Geschäft seines Vaters, eines Müllers bestimmt, studirte dann Theologie und starb als Pastor zu Lomnitz und Erdmannsdorf bei Hirschberg d. 23. December 1780. Verf. von 236 Liedern. Nr. 367. Liscov, M. Salomo, geb. d. 25. Oftober 1640 zu Niemitzsch in der Niederlausitz, starb d. 5. December 1689 als Subdiakonus zu Wurzen. Man schreibt ihm das hier mitgetheilte Lied zu. Nr. 392. Lodenstein, Jodocus von, aus einer vornehmen adligen Familie, geb. 1620 zu Delfft in Holland, wo sein Vater Bürgermeister war, widmete sich aus innerem Triebe dem Studium der Theologie, zuerst in Utrecht als ein eifriger Schüler des berühmten Gisbert Voet, von welchem er die Liebe zur Mystif empfing, dann in Franeker, als Schüler und Hausgenosse des nicht minder bedeutenden Johannes Koch. Bereits im S. 1644 ward er Prediger zu Zoetemer in Holland, später zu Sluys in Flandern, bald darauf aber zu Utrecht, wo er die letzten fünfundzwanzig Jahre seines Lebens wirkte und für die Erweckung der vielfach verweltlichen und in todte Kirchlichkeit versunkenen reformirten Kirche mit großem war. Er starb daselbst den 6. August 1677. lichen Lieder erschienen zuerst in der unter dem spannungen" 1676 herausgelommenen Ausgabe seiner geistlichen und weltlichen Poesien, und wurden zum Theil von Barth. Craffelius( f. d.), darunter sein berühmtes hier mitgetheiltes Erfolge thätig Seine geistTitel ,, Aus11 der Liederdichter. 449 Heiligster Jesu, Heiligungsquelle", einige andere von G. Terstegen übersetzt. Nr. 191. Löwenstern, Matthäus Apelles von, geb. d. 20. April 1594 zu Polnisch Neustadt im Fürstenthum Oppeln, erst Musikdirektor des Herzogs Heinrich Wenzel von Bernstadt, zuletzt nach mehreren andern Aemtern vom Kaiser Ferdinand III. in den Adelstand erhoben, zum kaiserlichen Rathe und vom Herzog Karl Friedrich von Dels und Münsterberg zu seinem Staatsrathe ernannt, als welcher er d. 11. April 1648 zu Breslau starb. Verf. von 30 geistlichen Liedern. Nr. 101. Ludämilia Elisabeth, Tochter des Grafen Günther von Schwarzburg- Rudolstadt und seiner Gemahlin Aemilie Antonie, welche die Samen beider Aeltern in ,, Ludämilia" vereinigte, geb. d. 7. April 1640 zu Rudolstadt; gest. daselbst d. 12. März 1672 als Verlobte ihres Vetters, des Grafen Christian Wilhelm von Schwarzburg- Sondershausen. Verf. von 215 Liedern. Nr. 203. Luise Henriette, älteste Tochter des Erbstatthalters von Holland Friedrich Heinrich, Prinzen von Oranien, geb. d. 17. November 1627 im Haag, vermählt mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg d. 27. November 1646, gest. zu Berlin d. 8. Juni 1667. Nr. 387. Luther, Dr. Martin. geb. d. 10. November 1483 zu Eisleben; gest. ebendaselbst d. 18 Februar 1546 als Professor der Theologie und Prediger zu Wittenberg; Vater des deutschen evangelischen Kirchenlieds und Kirchengesangs. Die Zahl seiner Lieder beträgt 37, darunter 19 Originale, 9 Bearbeitungen älterer Lieder und 9 Uebersetzungen. Nr. 25. 26. 65. 94. 99. 116. 117. 118. 131. 165. 176. 215. 229. 326. 383. Matthesius, Johannes, geb. d. 24. Juni 1504 zu Rochlitz im Meißnischen; seit 1526 mit Luthers Schriften bekannt geworden und dadurch zum evangelsichen Glauben geführt, ging er 1529 nach Wittenberg, wo er einige Jahre Luthers Tischgenosse war; starb, auf der Kanzel vom Schlage gerührt, d. 8. October 1565 als Pastor in Joachimsthal. Sein Kantor und Freund Nicolaus Hermann( s. d.) brachte öfters seine Predigten in Verse. Besonders bekannt durch seine Predigten über Luthers Leben. Man schreibt ihm 15 Lieder zu. Nr. 268. 29 450. Biographisches Verzeichniß Menter, Jobann, geb. d. 27. Juli 1658 zu Jahma in der Oberlausitz, gest. d. 24. Februar 1734 zu Kemnitz bei Bernstadt in der Oberlausitz. Man kennt von ihm 34 Lieder. Nr. 59(?). 110. Meußlin, Wolfgang( auch Meusel, Mösel, Musculus) geb. 1497 zu Dieuze in Lotharingen, Pfarigebülfe in Straßburg, dann Pfarrer in Augsburg, starb als Professor der Theologie in Bern d. 30. August 1563. Eine Bearbeitung des lat. Hymnus: Christe, qui lux es et dies etc." ist das Lied Nr. 291. 11 Meyer, Dr. Johann Friedrich von, geb. d. 12. September 1772 zu Frankfurt a. M., diente seiner Vaterstadt in wichtigen Aemtern als Schöff und Syndikus, Bürgermeister, Bundestagsgesandter, Präsident der gesetzgebenden Versammlung, und starb daselbst d. 28. Januar 1849; bekannt als Verfasser der berichtigten lutherischen Bibelübersetzung, der Blätter für höhere Wahrheit u. a. Nr. 214. 266. Meyfart, Dr. Johann Matthäus, geb. d. 9. November 1590 zu Wahlwinkel im Gothaischen, gest. d. 26. Januar 1642 zu Erfurt als Professor der Theologie, Pastor an der Predigerfirche und Senior des Ministeriums. Nr. 385. Möwes, Heinrich, geb. d. 25. Februar 1793 zu Magdeburg, zuletzt Pastor in Altenhausen und Joenrode, welchem Amte er jedoch 1830 Krankheits halber entsagte, starb d. 14. Oktober 1834. Nr. 265. Müller, Michael, geb. 1673 zu Blankenburg am Harz, starb als Candidat der Theologie und Informator bei einem Freiherrn von Gaisberg in Schaubeck bei Klein- Bottwar in Würtemberg d. 13. März 1704. Nr. 45. Münter, Dr. Balthasar, geb. d. 24. März 1735 zu Lübed, starb als erster Prediger der deutschen Petrigemeinde zu KopenLagen d. 5. Oftober 1793. Das hier mitgetheilte Lied hat er zur Bekehrung des zum Tode verurtheilten freigeistischen Ministers Struensee, mit dessen Vorbereitung er beauftragt war, gedichtet. Nr. 238. Nachtenhöfer, M. Kaspar Friedrich, geb. d. 5. März 1624 zu Halle a. d. Saale; gest. d. 23. November 1685 zu Coburg als Pastor an der Hauptkirche zu St. Moriz und Subsenior. Nr. 31. der Liederdichter. 451 Neander, Joachim, geb. um 1650 zu Bremen, seit 1674 Rektor der reformirten lateinischen Schule zu Düsseldorf, feit 1679 Hülfsprediger an der St. Martinikirche zu Bremen, wo er bereits d. 31. Mai 1680 starb. Nr. 39. 105. 106. 170. 222. 297. 391. Neumann, Gottfried, Fürstlich Ysenburgscher Fruchtschreiber um die Zeit, als der aus Sachsen verbannte Graf Zinzendorf( 1. d.) auf der Ronneburg bei Büdingen durch den Grafen von Ysenburg eine Zufluchtsstätte fand, dichtete das hier mitgetheilte Lied auf den am 31. Mai 1736 erfolgten Tod des jungen Christian Ludwig v. Zinzendorf, eines dreijährigen Söhnleins des Grafen. Nr. 366. Neumann, M. Kaspar, geb. d. 14. September 1648 zu Breslan; gest. ebendaselbst d. 27. Januar 1715 als Hauptprediger zn St. Elisabeth, Inspektor der evang. Kirchen und Schulen, Professor der Theologie an beiden Gymnasien und Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Seine Lieder finden sich in vielen Ausgaben seines bekannten, Kern aller Gebete" und in dem von ihm 1710 herausgegebenen Gesangbüche; Verfasser von 39 Liedern. Nr. 2. 7. 80. 280. 299. 331. Neumark, Georg, geb. d. 16. März 1621 zu Mühlhausen in Thüringen; gest. d. 8. Juli 1681 zu Weimar als Archivsefretär und Bibliothekar, auch kaiserlicher Pfalzgraf. Das hier mitgetheilte Lied soll er in Hamburg gedichtet haben, als er durch unerwartete Anstellung aus einer sehr bedrängten Lage gerissen und dadurch in den Stand gesetzt wurde, seine aus Noth versetzte Viola di Gamba wieder einzulösen. Nr. 255. Neumeister, M. Erdmann, geb. d. 12. Mai 1671 zu Uechteritz bei Weißenfels; gest. d. 18. August 1756 in Hamburg als Hauptpastor zu St Jacobi und Scholarch. Er hat nahe an 700 geistliche Lieder gedichtet. Nr. 46. 179. Neunherz, M. Johann, geb. d. 16. August 1653 zu Schmiedeberg in Schlesien, gest. d. 26. November 1737 als Senior und Pastor an der Gnadenkirche zu Hirschberg. Nr. 70. Neuß, Dr. Heinrich Georg, geb. d. 11. März 1644 zu Elbingerode im Harz; gest. d. 30. September 1716 als Superintendent und Consistorialrath zu Wernigerode. Man hat von ihm 134 geistliche Lieder. Nr. 188. 652 Biographisches Verzeichniß Niemeyer, Dr. August Hermann, geb. d. 1. September 1754 zu Halle a. d. Saale; gest. daselbst d. 7. Juli 1828 als Professor der Theologie, Director der Frankeschen Stiftungen und Kanzler der Universität. Nr. 360. Nikolai, Dr. Philipp, geb. d. 10. August 1556 zu Mengeringhausen im Waldeckschen; gest. d. 26. Oktober 1608 zu Hamburg als Hauptpastor zu St. Katharinen und Scholarch. Nr. 199. 384. Novalis s. Hardenberg. Olearius, Dr. Johann, geb d. 17. September 1611 zu Halle a. d. Saale; gest. d. 14. April 1684 als Oberhofprediger Kirchenrath und Generalsuperintendent zu Weißenfels. Er hat ungefähr 250 Lieder gedichtet. Str. 96. Lindau am Pappus, Johann, geb. d. 16. Januar Bodensee, ward bereits 1571 Professor der hebräischen Sprache, 1578 Professor der Theologie und Pfarrer am Münster zu und Straßburg, 1581 zugleich Präsident des Kirchenconvents, starb d. 13. Juli 1610. Nr. 343. Pauli, Joachim, lebte nm 1660 als Prediger in der Nähe von Berlin. Nr. 122. Pfeil, Christoph Karl Ludwig von, Reichsfrei- und Pannerherr, geb. d. 20. Januar 1712 zu Grünstadt im Leiningschen; geft. d. 15. Februar 1784 als preuß. Geheimerath und bevollmächtigter Minister beim fränkischen und schwäbischen Kreise auf seinem Gute Deufstetten bei Dinkelsbühl. Er hat gegen 1200 Lieder gedichtet. Nr. 318. Poliander, siehe Graumann. Puchta, Christian Rudolph Heinrich, geb. d. 19 August 1808 zu Cadolzburg in Mittelfranken, Pfarrer zu St. Jacob in Augsburg. Nr. 36. 175. Rambach, Dr. Johann Jacob, geb. d. 24. Februar 1693 zu Halle a. d. Saale, gest. d. 19. April 1735 zu Gießen als Professor der Theologie, Superintendent und Consistorialaffessor. Um den Kirchengesang hat er sich sowohl durch seine Lieder( 132 an der Zahl), als auch durch die von ihm besorgten Sammlungen, fein geistreiches Hausgesangbuch, Frankfurt und Leipzig. 1735." und das, ueueingerichtete Hessen- Darmstädt. der Liederdichter. 453 Kirchengesangbuch, Darmstadt 1733" große Verdienste erworben. Nr. 81. 112. 149. 156 178. 212. Reißner, Adam, geb. 1471(?), studirte unter Reuchlin die griechische und hebräische Sprache, war nachher Erzieher der Söhne des berühmten Georg von Frundsberg, sodann dessen Geheimschreiber, war 1530 auf dem Reichstage zu Augsburg, und starb als Privatmann in Frankfurt am Main ums Jahr 1563. Er hat eine Beschreibung der Stadt Jerusalem in drei Foliobänden geschrieben, in welcher sich auch das hier mitgetheilte Lied findet. Nr. 217. Richter, Dr. Christian Friedrich, geb. 1676 zu Sorau in der Niederlausitz. studirte in Halle Medicin und hernach auch Theologie, war erst Inspektor des Pädagogiums und nachher praftischer Arzt am Waisenhause zu Halle und starb d. 5. October 1711. Verfasser von 33 Liedern. Nr. 231. 278. Rieger, Magdalene Sibylla, geb. in Maulbronn d. 29. December 1707, Tochter des Prälaten Philipp Heinrich Weissensee in Denkendorf, verheirathet mit dem als Stadtoberamtmann in Stuttgart verstorbenen Immanuel Rieger, starb als Wittwe d. 31. December 1786 zn Stuttgart. Nr. 173. Ringwaldt, Bartholomäus, geb. zu Frankfurt a. d. D. 1530, wurde, nachdem er seit 1557 an zwei andern Orten das Predigtamt verwaltet, 1567 Pfarrer zu Lengfeld bei Sonnenburg in der Neumark, wo er um 1598 gestoben ist. Nr. 167. Rinkart, M. Martin, geb. d. 23 April zu 1586 Eilenburg unweit Leipzig; gest. d. 8. December 1649 ebendafelbst als Archidiakonus nach vielen durch Krieg, Pest und Hungersnoth veranlaßten Drangfalen. Nr. 102. Nist, Johann, geb d. 8. März 1607 zu Ottensen bei Altona; gest. d. 31. August 1667 als Prediger in dem bolsteinischen Flecken Wedel a. d. Elbe, Mecklenburgischer Kirchenrath, kaiserlicher Pfalzgraf und gekrönter Dichter, auch vom Kaiser Ferdinand III. in den Adelstand erhoben; Stifter und Vorsteher des Elbschwanenordens. Er hat 658 Lieder gedichtet. Nr. 16. 37. 43. 61. 162. 293. 388. Rodigast, M. Samuel, geb. d. 19. Oktober 1649 zu Gröben unweit Jena; gest. d. 19. März 1708 zu Berlin als Rektor am 454 Biographisches Verzeichniß grauen Kloster. Sein hier mitgetheiltes bekanntes Lied hat er im 3. 1675 in Jena, dem damals krank liegenden Jenaischen Cantori Severo Gastorio, als seinem getren gewesenen Schulund akademischen Freunde, auf seine Bitte zum Troft gemacht, welcher auf dem Krankenbette die Melodie dazu componirt und bei seinem Begräbniß zu musiciren befohlen. Nachdem er aber wieder genesen, hat die Cantorei wöchentlich es ihm vor der Thüre singen müssen." Nr. 257. Rothe, Johann Andreas, geb. d. 12. Mai 1688 zu Lissa bei Görlitz wurde 1722 von Zinzendorf zum Pastor in Berthelsdorf berufen, kam 1737 als Pastor nach Hermsdorf bei Görlitz, 1739 nach Thommendorf in der Oberlausitz, wo er d. 6. Juli 1758 starb. Er war eine Zeit lang Anhänger Zinzendorfs und wirkte zur Begründung der Herrnhutischen Gemeinde mit, zog sich aber später gänzlich von derselben zurück. Nr. 180. 380. Rückert, Dr. Friedrich, geb. d. 16. Mai 1789 zu Schweinfurt, seit 1841 Professor der orientalischen Sprachen in Berlin, lebt gegenwärtig in Neuseß bei Coburg; der bedeutendste weltliche Dichter der Gegenwart. Im Taschenbuch zum gefelligen Vergnügen für 1824" erschienen von ihm sechs geistliche Gedichte, unter welchen das hier mitgetheilte Adventslied. Nr. 22. Rutilius, M. Martin, geb. 1550 zu Düben unweit Wittenberg; gest. d. 18. Januar 1618 als Archidiaconus zu Weimar. Nr. 168. Sacer, Dr. Gottfried Wilhelm, geb d. 11. Juli 1635 zu Naumburg: geft, d. 8. September 1699 als Kammerconsulent in Wolfenbüttel. Nr. 40 79. 378. Sachse, Dr. Christian Friedrich Heinrich, geb. d. 2. Juli 1785 zu Eisenberg, herzogl. sächsischer Hofprediger und Consistorialrath zu Altenburg. Nr. 370. Schade, M. Johann Kaspar. geb. d. 13. Januar 1666 zu Kühndorf im Hennerbergischen, studirte zu Leipzig, wo er A. H. Frankes Stubengenosse wurde und sich an denselben in seiner theologischen Bildung aufs engste anschloß, seit 1691 Diafonus an der Nikolaikirche zu Berlin, wo er d. 25. Juli 1698 starb; Verfasser von 44 Liedern. Nr. 171. der Liederdichter. 455 Schalling, Martin, geb. d. 21. April 1532 wahrscheinlich zu Straßburg; gest. d. 29. December 1608 zu Nürnberg als Prediger zu St. Marien. Nr. 198. Scheffler, Dr. Johann, bekannter unter dem angenommenen von einem spanischen Mystiker Joh. ab Anges entlehnten Namen Johannes Angelns Silesius, geb. 1624 zu Breslau, widmete sich der Arzneiwissenschaft, würde später Leibarzt des Herzogs Sylvius Nimrod von Würtenberg- Dels, erhielt auch von dem Kaiser Ferdinand III. den Titel eines kaiserl. Hofmedikus, und trat im 3. 1653 zur katholischen Kirche über. Nachdem er später die Priesterweihe erhalten, ward er Bischöflich Breslauischer Rath und zog sich endlich in das Jesuitenkloster St. Matthias zu Breslau zurück, wo er d. 9 Juli 1677 starb. Seine geistlichen Lieder soll er größtentheils noch als Protestant gedichtet baben. Nr. 185. 204. 205. 275. Scheidt, Dr. Christian Ludwig, geb. 1709, war Hofrath und Bibliothekar zu Hannover und starb 1761. Es wird ihm das hier mitgetheilte Lied zugeschrieben. Nr. 181. Schein, Johann Hermann, einer der berühmtesten Tonfeßzer seiner Zeit, geb. d. 20. Januar 1586 zu Grünhayn im Meißnischen, als dreizehnjähriger Knabe Diskantist an der Hofkapelle zu Dresden, dann Alumnus in Schulpforta, studirte Theologie und Philologie in Leipzig, ward später Kapellmeister in Weimar und starb 1630 als Cantor und Musikdirektor an der Thomaskirche in Leipzig. Um den Kirchengesang bat er sich durch sein bekanntes ,, Cantonial oder Gesangbuch Augsburg. Confession" verdient gemacht. Das hier mitgetheilte Lied ist ein Onomastifum und 1628 auf die Beerdigung und den Namen einer Frau Margarita Werner gedichtet. Die erste und dritte Zeile der vier ersten Strophen giebt den Vornamen an, während der Anfang des letzten Verses den ersten Buchstaben des GeschlechtsNr. 348. namens enthält, also: MA. R. G. A. R. I. T. A. W. Schent, M. Hartmann, geb. d. 7. April 1634 zu Rubla be: Eisenach, bezog 1656, um Theologie zu studiren, die Universität Helmstädt, von wo ihn im folgenden Jahre die Pest nach Jena vertrieb, ward 1662 Pfarrer zu Bibra im Hennebergischen und 1669 Diakonus zu Ostheim, wo er d. 2. Mai 1681 starb. Nr. 10. 456 Biographisches Verzeichniß Schenk, Heinrich Theobald, Pfarrer in Gießen, wo er 1727 starb. Nr. 394. Schenkendorf, Ferdinand Gottfried Max von, geb. d. 11. December 1784 zu Tilfit. Nach den Freiheitskriegen, welchen er, obgleich eben erst verheirathet und durch eine Lähmung des rechten Armes verhindert, Waffen zu tragen, beiwohnte, wurde er Rath bei der Regierung zu Coblenz, endete aber schon im S. 1817 an seinem Geburtstage sein jugendliches Leben. Nr. 34. Schirmer, M. Michael, geb. 1606 zu Leipzig, war zuerst Rektor in Freiberg, dann Pastor zu Striegnitz an der Muld:, 1636 Subrektor, 1643 Conrektor am grauen Kloster in Berlin, und starb, nachdem er mehrere Jahre gemüthskrank gewesen war, d. 4. Mai 1673. Nr. 17. 88. Schlegel, D. Johann Adolph, geb. d. 18. September 1721 zu Meißen, studirte seit 1741 auf der Universität zu Leipzig, wo er zu dem Dichterkreise von Gellert, Klopstock, Cramer u. A. gehörte, starb d. 16. September 1793 zu Hannover als Hauptpastor an der Neustädter Hof- und Stadtkirche, Consistorialrath und Generalsuperintendent des Fürstenthums Calenberg. Er hat 137 Lieder gedichtet, worunter jedoch ein großer Theil Umarbeitungen älterer Originale. Nr. 47. Schlicht, Levin Johann, geb. d. 23. October 1681 zu Calbe a. d. Mulde; gest. d. 7. Januar 1723 als Prediger an der Georgenkirche in Berlin. Nr. 300. Schlosser, Ludwig Heinrich, geb. d. 7. September 1663 zu Darmstadt, zuerst Conrektor in seiner Vaterstadt, kam von da 1697 nach Frankfurt a. M., wo er Lehrer am Gymnasium, Prediger an verschiedenen Kirchen, zuletzt zu St. Katharinen war und d. 8. August 1723 starb. Nr. 316. Schmidt, Johann Eusebius, geb. 1669 zu Hohenfelden bei Erfurt, gest. 1745; Schüler und Freund A. H. Frankes. Man kennt 42 Lieder von ihm. Nr. 125. Schmold, Benjamin, geb. d. 21. December 1672 zu Brauchitschdorf im schlesischen Fürstenthum Liegnitz, wo sein Vater Prediger war, starb d. 12. Februar 1737 zu Schweidnitz als Pastor Primarius und Schulinspektor. Einer der fruchtbarsten ber Liederdichter. 457 Liederdichter. Seine mehr als tausend Lieder sind in sechszehn verschiedenen Sammlungen erschienen. Nr. 3. 8. 20. 41. 68. 69. 91. 129. 141. 146. 147. 227. 234. 261. 262. 301. 302. 310 332. 333. 356. 363. 395. Schneesing, Johann, gewöhnlich Chiomusus genannt, gebürtig aus Frankfurt a. M., war zur Zeit der Reformation Pfarrvicar zu St. Margarethen in Gotha und von 1534 an Pfarrer zu Friemar im Gothaischen, wo er nach dem Zeugniß seiner Schüler das hier aufgenommene Lied verfertigt und in die dortige von ihm handschriftlich entworfene Kirchenordnung eigenhändig eingeschrieben haben soll. Von andern wird es demStraßburger Conrad Hubert( † 1577) zugeschrieben. Nr. 166. Schöner, Johann Gottfried, geb. d. 15. April 1749 zu Rügbeim bei Schweinfurt; gest. d. 28. Juni 1818 zu Nürnberg als Stadtpfarrer zu St. Lorenz; Verfasser von 111 Liedern. Nr. 325. Schröder, Johann Heinrich, geb. 1666 zu Hallerspringe im Calenbergischen; gest. wahrscheinlich 1728( nach Andern schon 1699 oder 1714) zu Möseberg bei Wollmirstädt im Magdeburgischen, wo er seit 1696 Pastor war. Man kennt vom ihm 4 Lieder. Nr. 193. 209. Schitt, Lic. Johann Jacob, geb. d. 7. September 1640 zu Frankfurt a. M., war daselbst Advokat und Rath verschiedener Reichsstände, ein vertrauter Freund von Ph. 3. Spener; starb d. 22. Mai 1690, Nr. 107. Scriver, M. Christian, geb. d. 2. Januar 1629 zu Rendsburg im Holsteinischen, in verschiedenen kirchlichen Aemtern zu Stendal in der Altmark und in Magdeburg, zuletzt ſeit 1690 Oberhofprediger an der hohen Stiftskirche St. Servatii und Consistorialrath zu Quedlinburg, wo er d. 5. April 1693 starb, aber seinem Wunsche gemäß in der Jacobifirche zu Magdeburg begraben wurde. Durch seine Erbauungsschriften( Seelenschatz, Zufällige Andachten u. A.) noch jetzt in gesegnetem Andenken. Nr. 206. Selneder, Dr. Nicolaus, geb. 1532 zu Hersbrück bei Nürnberg, Schüler Melanchthons, starb d. 24. Mai 1592 zu Leipzig als Professor der Theologie, Superintendent und Pastor 458 Biographisches Verzeichniß zu St. Thomä, welche Aemter er schon seit 1568 bekleidet, aber 1570 mit der Hofpredigerstelle und Generalsuperintentur in Wolfenbüttel vertauscht, dann 1577 von neuem angetreten, 1589 aber auf Veranlassung der cryptocalviniſtischen Streitigkeiten verloren und 1591 wiederum erhalten hatte. Früher Hofprediger zu Dresden, auch Professor der Theologie zu Jena. Nr. 119. 219. Siegfried, Johann, geb. d. 20. Februar 1564, war Pastor und Superintendent zu Schleiz, und starb d. 9. October 1637. Nr. 349. Sinold, Philipp Balthasar, genannt von Schütz, geb. d. 5. Mai 1657 auf dem Schlosse Königsberg bei Gießen, starb, nachdem er verschiedene Aemter begleitet batte, als Gräflich Solmsischer Geheimerath zu Laubach d. 6. März 1742. Seine geistlichen Lieder, 74 an der Zabl, gab er unter dem angenommenen Namen ,, Amatäus Creutzberg" berans. Nr. 213. Speratus, Dr. Paul, aus dem schwäbischen adligen Geschlechte von Spretten, geb. d. 13. December 1484, besuchte Paris und mebrere italienische Universitäten, wurde frühe schon durch Luthers Schriften für dessen Ansichten gewonnen und lehrte in diesem Sinne in Salzburg, Destreich und Mähren, mußte aber dafür viele Berfolgungen, und zu Wien und zu Iglan in Mähren auch Gefängniß erleiden. Er begab sich 1523 nach Wittenberg und bald darauf mit Luthers Empfehlung zum Herzog Albrecht von Preußen, der ihn 1524 zu seinem Hofprediger und 1529 zum Bischof von Bemesamien ernannte, als welcher er sich um die Einführung der Reformation in Breußen sehr verdient mach, starb t. 12. August 1551 Marienwerder. Sein Lieb: Es ist das Heil uns kommen ber" ift eins von denen, burch welche die evangelische Lebre zur Zeit der Reformation fich Eingang beim Belle verschaffte, B. in Magdeburg, Heidelberg, Baiblingen, Behnen in d. Rieberki n. a. D. infinid des hier aufgemen me Antorjaft befinem. Nr. 216. Spitta, Karl Johann Philipp, geb. b. 1. August 1801 Hannover, zuerst Pfarrcollaborator zu Gutwalte in der Grafichaft Hrva, 1830 Brediger zu Hameln, 1837 Paftor zu Becholb bei Heya, seit 1847 Superintendent und Pastor zu Wittingen. der Liederdichter. 459 Bis jetzt find 106 Lieder von ihm bekannt. Nr. 9. 74. 128. 148. 152. 174. 196. 197. 241. 319. 320. Stegmann, Dr. Josua, geb. 1588 zu Sulzfeld in der Nähe von Meiningen, gest. d. 3. August( Nach Andern d. 3. Juni) 1632 zu Rinteln als Professor der Theologie und Superintendent der Grafschaft Schaumburg. Vorher Pastor und Superintendent zu Stadthagen. Nr. 121. Stier, Dr. Ewald Rudolph, geb. d. 17. März 1800 zu Franstadt im Großherzogthum Posen, zuerst Inspektor am Schullebrerseminar zu Karalene in Litthauen, dann Lehrer an dem Missionsinstitut zu Basel, 1829 Pfarrer in Frankleben bei MerseFurg, 1840 Pfarrer zu Wichlingsbausen in Barmen, seit 1850 Superintendent und Oberpfarrer zu Schkenditz in der Nähe von Halle. Um die Hymnologie hat derselbe durch die Herausgabe eines evangelischen Gesangbuchs, Halle 1835" und durch seine Schrift über die Gesangbuchsnoth, Leipzig 1838 u. A. sich verdient gemacht. Nr. 139. Strauß, Viktor Friedrich von, geb. d. 18. September 1809 zu Bückeburg, studirte anfänglich Theologie, dann Rechtswissenschaft, wurde 1840 Archivrath und ist seit 1850 Fürstlich Büdeburgscher Gebeimer- Kabinetsrath und Bundestagsgefandter. Nr. 267. Taddel, Christian Ludwig, geb. d. 11. April 1706 zu Rostock( oder Schwerin?); gest. d. 12. Juni 1775 zu Rostock als Direktor der Justizfanzlei. Verfaffer von 5 geistlichen Liedern. Nr. 72. Terstegen, Gerbard, geb. d. 25. November 1697 neurs in Westphalen, befuchte in feiner Jugend die lateinische Schule feiner Baterstadt, fam im 15. Jahr zu seinem Schwager, dem Kaufmann Matthias Brint zu ühtheim an der Ruhr, um die Hambelsichaft zu lernen, munbe bann Keinweber und nachher Bandmader; b. b. 3. April 1769 Mühlheim. Er ist nicht Neanber ber bebentenbite grifflige Sievertüchter der reformitente. Seine Sieber, 111 an der Zahl, sind geſammelt in seinem geißliden Blumengärtlein inniger Seelen, welches zmerji 1731 erschien. r. 32. 60. 83. 92. 195. 226. 228. 237. 304. Thilo, M. Balentin, geb. t. 19. April 1607 zu Königsberg in Preußen, gest. ben 27. Suli 1662 ebenbajelbst als 460 Biographisches Verzeichniß Professor der Beredtsamkeit und königl. polnischer Geheimsekretär. Nr. 15. Tholud, Dr. Feiedrich August Gottgetreu, geb. zu Breslau d. 30. März 1799, gegenwärtig Consistorialrath und Professor der Theologie, auch Universitätsprediger zu Halle. Nr. 161. Thomas von Celano, geb. zu Celano, einem italienischen Städtchen in den jenseitigen Abruzzen, starb als Franziskanermönch nach 1255: höchst wahrscheinlich Verfasser des berühmten: ,, Dies irae, dies illa", wovon Nr. 302 Uebersetzung ist. Tiet, Christian Friedrich, hat eine Sammlung: der Herr mein Hirt, christliche Lieder für häusliche Andacht, Berlin 1836. berausgegeben, in welchem auch die bier mitgetheilten Strophen sich finden. Nr. 161. Titius, Christoph, eigentlich Tieße, geb. d. 24. Mai 1641 in dem Dorfe Wilkau bei Nams! au unweit Breslau; gest. d. 21. Februar 1703 als Pastor und Schulinspektor zu Hersbrück bei Nürnberg. Nr. 172. Tscherning, Andreas, geb. d. 18. November 1611 zu Bunzlau in Schlesien; gest. d. 27. September 1659 als Professor der Dichtkunst in Rostock. N. 311. Warnberg, Caspar von, Landeshauptmann zu Schweidnitz und Jauer, starb um 1620. Von Mamchen wird demselben das hier mitgetheilte Lied zugeschrieben. Nr. 344. Wegelin, M. Josua, geb. d. 11. Januar 1604, wurde 1627 Diafonus an der Barfüßerkirche zu Augsburg, dann seit 1633 Pfarrer im Spital zum heil. Geist daselbst, endlich seit 1635 evangelischer Pfarrer und Senior zu Preßburg in Ungarn, wo er d. 14. März 1640 starb. Er schrieb mehrere Erbauungsschriften, in denen viele Lieder vorkommen. Das bekannteste derselben ist: Allein auf Christi Himmelfahrt", welches besonders in der von Gesenius( s. d.) herrührenden hier aufgenommenen Bearbeitung Verbreitung gefunden hat. Nr. 77. Wegleiter, Dr. Christoph, geb. d. 22. April 1659 zu Nürnberg; gest. d. 13. August 1706 zu Altdorf als Professor der Theologie und Diakonus. Nr. 1. der Liederdichter. 461 Weingärtner, Sigismund, soll um 1600 Prediger in oder bei Heilbronn gewesen sein. Nr. 245. Weisse, Michael, gebürtig aus Neiße, war Pfarrer der deutschen Brüdergemeinden zu Landskron und Fulneck. Er überfetzte die alten Gesänge der böhmischen Brüder aus dem böhmischen und gab sie nebst einigen von ihm selbst gedichteten 1531 zu Jungen- Buntzel heraus. Weißel, Georg, geb. 1590 zu Domnau in Preußen, war zuerst Rektor der Schule zu Preuß. Friedland und wurde 1623 der erste Pfarrer an der neuerbauten Roßgartischen Kirche zu Königsberg, wo er d. 1. August 1635 starb. Nr. 13. 201. Weissensee, Philipp Heinrich, geb. 1673 zu Bichberg in Würtemberg, gest. als Würtemberg. Consistorialrath und Prälat zu Denkendorf d. 6. Januar 1767. Die ebenfalls als Dichterin bekannte Sibylla Magdalene Rieger, geb. Weissensee( s. d.) war seine Tochter. Nr. 224. 358. Werner, Dr. Georg, geb. 1607 zu Bopfingen in Schwaben, war Professor der Rechte zu Helmstädt und Assessor des Wolfenbüttler Hofgerichts; starb d. 28. September 1671. Nr. 62. 350. Wiedemann, Michael, geb. d. 13. April 1660 zu Geibsdorf bei Lauban, seit 1694 Prediger zu Schroeidnitz, wurde am Charfreitage 1702 auf Betrieb der Jesuiten vom Altar hinweg in Arrest gebracht und abgesetzt, erhielt darauf die Stelle eines Superintendenten und Hofpredigers zu Stollberg am Harz, wo er den 1. September 1719 starb. Nr. 11. Wilhelm II., Herzog zu Sachsen- Weimar, geb. 11. April 1598 zu Altenburg; gest. zu Weimar d. 17. Mai 1662. Nr. 5. Winckler, Johann Joseph, geb d. 23. December 1670 zu Lda im Altenburgischen; gest. d. 11. August 1722 als Oberdomprediger und Consistoriafrath zu Magdeburg. Nr. 259. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. d. 31. Mai 1725 zu Friedrichsfelde bei Berlin, war seit 1748 zweiter Prediger zu Bunzlau, wo er das dortige Waisenhaus mitstiftete und dessen Seine erster Direktor wurde; starb d. 17. December 1761. 462 Biographisches Verzeichniß Lieder, 212 an der Zahl,( unter denen etliche von 60, 100 und eins von 263 Versen) gab er unter dem Titel: Eangelische Psalmen heraus: eine vollständigere, auch die später gedichteten enthaltende, Ausgabe erschien nach seinem Tode. Nr. 143. Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von, geb. d. 26. Mat 1700 zu Dresden, wurde, da er seinen Vater schon im ersten Lebensjahre verlor, von seiner Großmutter, der als Liederdichterin bekannten Henriette Katharina von Gersdorf, erzogen, kam nachher unter A. H. Frankes Leitung auf das ballische Waisenbaus, studirte seit 1716 in Wittenberg Rechtswissenschaft und Theologie und wurde 1721 Hofrath bei der Landesregierung in Dresden. Im Jahre 1727 legte er seine Stelle nieder, zog sich auf sein Gut Berthelsdorf zurück und bildete hier aus den von ihm aufgenommenen mährischen Brüdern die evang. Brüdergemeinde, bei welcher er das Vorsteheramt übernahm; 1734 trat er in den geistlichen Stand und ließ sic 1737 von Jablonsky in Berlin zum Bischof weiben. Nach vielen in Angelegenheiten und für die Ausbreitung seiner Gemeinde unternommenen Reisen brachte er seine letzten Lebensjahre in Herrnhut zu und starb d. 9. Mai 1760. Seine Lieder, wohl gegen 2000, zeugen zum Theil ebensowohl von seiner großen Begabung, als von den gröbsten Verirrungen des Gefühls und Geschmacks, die wohl je auf dem Gebiete der Poesie, insbesondere der geistlichen, zu Tage getreten sind. Sie stehen in seinen zu Herrnhut 1735 erschienenen deutschen Gedichten", viele andere in den von ihm herausgegebnen Gesangbüchern der Brüdergemeinde. Nr. 126. 142. 150. 236, 317, 364. 365. Zollikofer, Georg Joachim, geb. d. 5. August 1730 zu St. Gallen in der Schweiz, gest. d. 22. Januar 1788 zu Leipzig als deutsch- reformirter Prediger. Er gab im Jahre 1766 für die reformirte Gemeinde zu Leipzig in Verbindung mit seinem Freunde Christian Felix Weiße ein Gefangbuch heraus, durch welches er, einer der ersten, der willkürlichen Behandlung und Bearbeitung der alten Kirchenlieder Bahn brechen half. Nr. 161. Zwick, Dr. Johann, geboren zu Constanz am Bodensee: gest. daselbst 1542 als evangelischer Prediger. Nr. 76. der Liederdichter. 463 Lieder, deren Verfasser unbekannt oder zweifelhaft sind: Nr. 4. Alte Uebersetzung der Pfingstantiphone ,, veni sancte spiritus" aus dem 11. Jahrhundert, deren Abfassung manche dem berühmten deutschen Chroristen Hermann, mit dem Zunamen Contractus( der Lahme), einem Sohne des Grafen Wolferat II. von Beringen in Schwaben, zuschreiben, welcher als Mönch im Kloster Reichenau 1054 gestorben ist. Eine freie Be arbeitung der alten Antiphone ist der erste Vers des schon vor der Reformation vorhandnen durch Luther aber verbesserten und erweiterten Pfingstliedes: Kom m, heiliger Geist, Herre Gott"( f. d.), von welchem Luther sagt, der heilige Geist habe ihn selber von sich gemacht, beide, Worte und Melodei." 11 Nr. 22. 23. 24. 56.( fälschlich dem Joh. Scheffler[ f. d.] zugeschrieben.) 59.( verschiedenen Verfassern z. B. dem J. E. Greding, der ein Lied mit gleichem Anfange gedichtet bat, beigelegt; wahrscheinlich von I. Mentzer( s. d.). 64.( das älteste deutsche Kirchenlied.) 85.( Uebersetzung des alten Karl dem Großen zugeschriebnen Pfingsthymnus: Veni creator spiritus etc." 86. ( s. Nr. 4). 120.( f. Fabricius.) 124. 151. 153.( Uebersetzung des uralten lat. Meßgesanges: ,, Agnus dei".) 155. 200.( geistliches Volkslied aus der Grafschaft Glatz, zuerst mitgetheilt in: ,, Schlesische Volkslieder mit Melodieen. Aus dem Munde des Volks gesammelt von Hoffmann von Fallersleben und Eruft Richter. Leipzig 1842;" in vielen Sammlungen fälschlich als altes Kreuzfahrerlied bezeichnet.) 216.( schon vor dem Jahre 1530 bekannt, wird ohne Grund dem P. Speratus zugeschrieben.) 242.( in den ältesten Trucken ohne Angabe des Verfassers, wird in späteren Gesangbüchern dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg zugeschrieben.) 245.( erscheint erst seit dem Jahre 1648 unter dem Namen S. Weingärtners.) 254. ( wird in manchen Gesangbüchern fälschlich dem Johann Kohlros, der um 1558 gestorben sein soll, zugeschrieben, ist aber wie Sprache und Charakter des Liedes bezeugt, viel späteren Ursprungs.) 256. 263. 268.( wird ziemlich allgemein dem J. Matthesius zugeschrieben, findet sich jedoch in den ältesten Sammlungen seiner Lieder nicht: erscheint auch in den ältesten Gesangbüchern anonym.) 269. 271. 274. 282. 285. 286. 288. 289. 292. 289. 292.( bisweilen, aber fälschlich, dem berühmten Tonfeßzer Johannes Eccard[ † 1611], der es componirt hat, und in dessen Preußischen Festliedern" 2. Ausgabe es sich findet, 464 Biographisches Verzeichniß der Lieberbichter. zugeschrieben). 341.( erscheint in den ältesten Drucken ohne Angabe des Verfassers; erst später wird P. Eber als solcher ge= naunt, in deffen Schriften es sich jedoch nicht findet.) 342,( wurde früher fälschlich dem Simon Graf zugeschrieben; in den ältesten Drucken erscheint es ohne Namen, später in einigen mit der Ueberschrift: ,, Einer gläubigen Matrone Sterbelied", was man auf Anna, Gemahlin des Grafen Heinrich von Stolberg bezogen und deßhalb dieser das Lied zugeschrieben hat.) 344.( wird von Manchen dem Simon Graf mit eben so wenig Grund zugeschrieben, als von Andern dem K. von Warnberg.) 353. 354. 377, 381.( von A. Knapp aus dem Berlichingischen Gesangbuch entnommen.) 393. Alphabetisches Verzeichniß der Fieder. Abermals ein Jahr verflossen Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ Ach bleib mit Deiner Gnade . Ach, was bin ich, mein Erretter Ach, was ist doch unsre Zeit Ach, wie beilig ist der Ort Ach, wie so sanfte schläfest Du Ach wundergroßer Siegesheld, du Allein Gott in der Höh sei Ehr Allein zu Dir, Herr Jesu Christ Alle Menschen müssen sterben, alles Aller Gläubigen Sammelplatz ist Alles ist an Gottes Segen, ♦ ♦ Ach Gott, ich mus in Traurigkeit Ach Gott und Herr, wie groß und schwer Ach Gott vom Himmel sieh darein Ach mein Herr Jesu, Dein Nahesein Ach mein Jesu, sieh, ich trete Ach sei mit Deiner Gnade ♦ ♦ ♦ Allgenugsam Wesen, das ich hab erlesen An dem Zorntag, an dem hohen 30 Nro. 39 119 121 373 168 116 239 300 12 170 353 129 366 78 95 166 390 365 254 237 382 Seite. 33 107 109 344 149 105 222 278 9 150 326 117 337 68 85 143 359 326 239 120 352 466 Alphabetisches Auf, auf, ihr Reicht genossen Auf Christi Himmelfahrt allein Auf den Nebel folgt die Sonn Auf diesen Tag bedenken wir Auferstehn, ja auferstehn wirst du Auf meinen lieben Gott trau ich Auf, Seele, auf und säume nicht Aus Gnaden soll ich selig werden Aus meines Herzens Grunde sag ich Aus tiefer Noth schrei ich zu dir • Bedenke, Mensch, das Ende. Befiehl du deine Wege und Alles Bei dir, Jesu, will ich bleiben Beschwertes Herz, leg ab die Sorgen Betrübtes Herze, sei zufrieden Bleibt bei dem, der euretwillen Brich an, du schönstes Morgenlicht Brich an, du schönstes Tageslicht Bringt her dem Herren Lob und Ehr Christe, der du bist Tag und Licht Christe, du Lamm Gottes Christen erwarten in allerlei Fällen Christen sind ein göttlich Volk, aus dem. Christ ist erstanden von der Marter alle Christ lag in Todesbanden Christus, der ist mein Leben Danket, danket Gott mit Freuden Das walte Gott, der helfen kann Tein König kommt in niedern Hüllen Dein Wort, o Herr, ist milder Thau Der am Kreuz ist meine Liebe, meine Lieb Der du, Herr Jesu, Ruh und Rast Der du in Todesnächten erkämpft Der du zum Heil erschienen Der heilge Christ ist kommen Der Herr fährt auf gen Himmel Nro. Seite. 16 77 250 76 368 245 45 181 268 165 392 249 152 1 374 197 34 271 108 291 153 330 236 64 65 342 163 313 22 145 59 62 138 137 35 79 12 68 234 67 338 228 38 162 252 147 361 233 136 3 335 178 29 255 96 270 137 304 219 56 56 316 145 288 18 131 51 54 125 124 29 69 Liederverzeichniß. Der Herr ist auferstanden Der Himmel hängt voll Wolken Der Mond ist aufgegangen Der Tag ist hin, mein Jesu bei mir bleibe. Der Tag mit seinem Lichte Dich bitten deine Kinder Die auf der Erde wallen Die Christen gehn von Ort zu Ort Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne Die Nacht hat sich verborgen Die Nacht nunmehr vergangen ist Dieß ist der Tag, den Gott gemacht Dieß ist die Nacht, da mir erschienen Die Woche geht zu Ende, nicht aber Dir, dir, Jehova, will ich singen Du bist zwar mein und bleibest mein Durch Trauern und durch Plagen. Du sollst in allen Sachen Eine Heerde und ein Hirt Einen guten Kampf hab ich. Einer ists, an dem wir hangen Ein feste Burg ist unser Gott Eingefargt zum letzten Schlummer . Ein Kindelein so löbelich Ein Lämmnlein geht und trägt die Schuld Ein reines Herz, Herr, schaff in mir Eins ist noth, ach Herr, dieß eine Ein Tag geht nach dem andern hin Endlich bricht der heiße Tiegel Erfüllt sind Stund und Zeiten Erhalt uns Deine Lehre Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort ♦ • Es glänzet der Christen inwendiges Leben Es ist ein Ros entsprungen Es ist noch eine Ruh vorhanden Es ist vollbracht! Er ist verschieden Es kennt der Herr die Seinen. Es saß ein frommes Häuflein dort Nro. 75 265 307 297 295 286 359 364 272 274 269 33 31 310 223 376 40 311 135 361 136 117 372 24 54 188 209 301 336 36 123 118 231 23 396 58 196 93 467 Seite. 66 250 283 276 273 268 332 336 256 259 253 28 26 285 202 347 34 286 122 333 123 106 343 19 47 169 189 279 310 30 111 107 213 19 365 51 177 83 468 Alphabetisches Es wolle Gott uns gnädig sein. Ewge Liebe, mein Gemüthe. Fabre fort, fabre fort, Zion Fortgekämpft und fortgerungen ◆ Freu dich sehr, o meine Seele Friede, ach Friede, ach göttlicher Friede Fröhlich soll mein Herze springen ♦ Früh am Morgen Jesus gehet und vor Früh Morgens, da die Sonn aufgeht Für alle Güte sei gepreist Geduld ist auch vonnöthen Geht hin, ihr gläubigen Gedanken Geht nur hin und grabt mein Grab Geh zum Schlummer, ohne Kummer Gelebet sei der Herr, mein Gott, mein Licht Gelobet seist du, Jesus Christ Gesegn uns, Herr, die Gaben dein Gib dich zufrieden und sei stille Gott der Gnaden! Schwerbeladen Gott des Himmels und der Erden Gott, du licht, das ewig bleibet Gottes Stadt steht fest gegründet Gott, gib Fried in deinem Lande Gott hat in meinen Tagen Gott ist gegenwärtig! Lasset uns anbeten Gott ist mein Gott, er sorgt für mich Gott ist mein Hort, und auf sein Wort Gott lebt! Wie kann ich traurig ſein Gott Lob! Ein Schritt zur Ewigkeit Gott Lob, nun ist erschollen Gott ruft der Sonn und schafft den Mond Gott sei Dank durch alle Welt. Großer Gott von alten Zeiten Großer König unsrer Erden Gott Vater, aller Dinge Grund Gott wills machen, daß die Sachen ♦ Nro. Seite. 131 119 178 158 125 264 344 233 29 282 66 306 253 115 369 375 96 25 285 247 175 270 281 128 327 338 226 263 144 262 309 328 42 14 130 260 2 151 113 249 318 215 23 265 57 282 238 104 339 346 86 19 268 229 155 254 264 116 301 313 206 248 130 247 284 302 35 10 118 244 4 136 Liederverzeichniß. Halleluja! Lob, Preis und Ehr Halt im Gedächtniß Jesum Chrift Heiland, deine Menschenliebe. Heilger Jesu, Heilgungsquelle Herr, auf Erden muß ich leiden Herr, dein Wort die edle Gabe Herr, der du mir das Leben Herr, du wollest uns vollbereiten Herr, es gescheh dein Wille Herr, es ist ein Tag erschienen Herr, es ist von meinem Leben Herr im Himmel, Gott auf Erden Herr Jesu Christ, dich zu uns wend Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir Herr Gott, dich loben wir, wir preiſen Herr, höre, Herr, erhöre Herz und Herz vereint zusammen Heute mir und morgen dir Hilf, Herr Jesu, laß gelingen Hinunter ist der Sonnenschein Hirte deiner Schafe, der von Höchster Helfer, sei nicht ferne Hosianna! Davids Sohn kommt Hüter, wird die Nacht der Sünden ♦ Herr Jesu Christ, du höchstes Gut Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott Herr Jesu, Licht der Heiden. Herr von unendlichem Erbarmen Herr, wie du willt, so schicks mit mir Herzlich lieb hab ich dich, o Herr Herzlich thut mich verlangen. Herzliebster Jesu, was bast du verbrochen Herzog unsrer Seligkeiten ♦ • Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin getauft auf deinen Namen. ♦ Jauchzet, ihr Himmel, frobledet, ihr Engel Ich armer Mensch, ich armer Sünder. Ich bin bei Gott in Gnaden • ◆ ● 469 Nro. Seite. 97 208 212 191 80 142 305 159 303 7 299 99 329 227 332 5 155 139 340 314 44 38 225 204 218 199 198 178 345 319 50 42 186 166 126 114 363 335 37 31 290 269 302 280 337 312 20 16 278 261 172 177 352 149 87 188 192 171 70 129 282 142 281 6 277 88 303 207 307 6 32 27 152 158 324 134 470 Alphabetisches Ich geh zu deinem Grabe Ich habe nun den Grund gefunden Ich habe viel gelitten Ich hab in guten Stunden Ich hab mein Sach Gott heimgestellt Ich hab mich Gott ergeben. Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt Ich komme, Herr, und suche dich mühselig Ich laß dich nicht: du Hilf in allen Nöthen. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ Ich ruhe nun in Gottes Armen Ich sag es jedem, daß er lebt Ich finge dir mit Herz und Mund Ich steh an deiner Krippe hier Ich sterbe täglich und mein Leben Ich und mein Haus, wir sind bereit Ich war ein kleines Kindlein Ich weiß, an wen ich glaube, ich weiß, was Ich weiß, an wen ich glaube, und daß mein Ich weiß, daß mein Erlöser lebt Ich will dich lieben, meine Stärke Ich zieb in ferne Lande Jehova, Herr und König. Jerusalem, du hochgebaute Stadt Jesu, deine tiefen Wunden. Jeju, der du bist alleine Jesu, Freund der Menschenfkinder Jesu, geh voran Jesu, großer Wunderstern Jesu, bilf beten, und bete, du Treuer Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens Jefu, komm, sei eingebeten Jesu, meine Freude Jesu, meiner Seele Leben Jesu, meines Lebens Leben Jesus Christus herrscht als König Jesus, Jesus, nichts als Jesus Jesus lebt, mit ihm auch ich Jesus meine Zuversicht ● ♦ • • Nrc. Seite. 68 180 266 335 343 349 398 157 258 216 293 73 104 28 356 319 377 183 360 243 204 334 321 385 49 228 158 317 46 224 192 312 230 206 55 83 203 71 387 59 161 251 309 317 322 368 140 243 197 362 64 92 22 329 294 348 164 333 226 183 308 296 354 51 208 141 293 39 204 173 287 212 185 48 73 183 62 356 Liederverzeichniß. Jesus nimmt die Sünder an Jesus soll die Losung sein In allen meinen Thaten In Christi Wunden schlaf ich ein In Christo will ich sterben In dich hab ich gehoffet, Herr In tiefen Aengsten schreien wir Ift Gott für mich, so trete. Kehre wieder, endlich wieder König, dem kein König gleichet Komm, heilger Geist, erfüll die Herzen deiner. Komm, heiliger Geist, Herre Gott Komin, heilger Geist, o Schöpfer du Kommt, Brüder, laßt ins gehen Kommt ber, ihr seid geladen Lamm, das gelitten, und Löwe, der siegreich zc. Laffet uns mit Jefu ziehen Laß mich dein sein und bleiben. Lebst du in mir, o wahres Leben Licht, das in die Welt gekommen Licht vom Licht, erleuchte mich Liebe, die du mich zum Bilde Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Worte Liebster Jefu, wir sind hier, dich und dein Wort. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren Lobe den Herren, o meine Seele Lobt Gott, ihr Christen alle gleich Löwen, laßt euch wiederfinden Mache dich, mein Geist, bereit Machs mit mir, Gott, nach deiner Güte Macht hoch die Thür, die Thor macht weit Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum laß ich nicht, weil er Mein erst Gefühl sei Preis und Dank Meine Seele sentet sich Meine Seele, voller Fehle ♦ . Nro. 179 41 246 341 351 217 325 251 174 81 4 86 85 195 160 84 185 219 213 139 3 205 146 6 105 109 27 124 189 348 13 357 202 284 471 Seite. 159 35 228 316 324 198 300 235 154 71 25 77 76 175 143 75 166 199 194 126 5 184 132 6 94 97 22 112 169 322 9 331 182 267 259 244 173 153 472 Alphabetisches Meine Sorgen, Angst und Plagen Mein ganzer Geist, Gott, wird entzückt Mein Glaub ist meines Lebens Rub Mein Gott, das Herz ich bringe dir Mein Gott, nun ist es wieder Morgen Mein Jesu, der du vor dem Scheiden Mein Lauf, Gottlob, ist nun vollbracht Mein Leben ist ein Pilgerstand Mein schönste Zier und Kleinod bist Mir ist Erbarmung widerfahren Mir nach, spricht Christus, unser Held Mit Ernst, o Menschenkinder Mitten wir im Leben sind Morgenglanz der Ewigkeit Morgenstern der finstern Nacht Müde bin, geh zur Ruh ◆ Nimm hin den Dank für deine Liebe Nun bitten wir den heiligen Geist. Nun bringen wir den Leib zur Rub Nun danfet alle Gott mit Herzen Nun danket all und bringet, Ehr Nun freut euch, lieben Christengemein Nun Gott Lob! Es ist vollbracht und Nun jauchzet, all ihr Frommen Nun ist es Alles wohl gemacht Nun laßt uns gehn und treten Nun lob, mein Seel, den Herren Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit Nun ruhen alle Wälder Nun sich der Tag geendet hat und keine Sonn Nun sich der Tag geendet, mein Herz Nun tret ich wieder aus der Ruh O, daß ich tausend Zungen hätte O du allersüßte Freude O du Liebe meiner Liebe. Durchbrecher aller Bande du reicher Herr der Armen + ♦ + Nro. Seite. 256 241 397 366 238 121 171 151 280 156 350 355 292 182 184 15 383 276 275 308 263 139 323 328 270 163 165 11 353 260 259 283 164 146 87 77 367 337 102 90 103 91 176 156 147 133 17 57 38 100 101 294 298 304 279 13 50 32 89 90 272 276 281 262 110 98 90 80 56 49 187 168 148 133 Liederverzeichniß. O Ewigkeit, du Donnerwort O Ewigkeit, du Freudenwort O frommer und getreuer Gott Gott, du frommer Gott. O Gott, o Geist, o Licht des Lebens D Gott, von dem wir Alles haben Haupt voll Blut und Wunden Oheilger Geist, kehr bei uns ein Jesu, Herr der Herrlichkeit Jesu, meine Sonne O Jesu, meine Wonne O Jesu, süßes Licht Lamm Gottes, unschuldig am Stamm Liebesgluth, wie soll ich dich mit Lebe würdig O mein Herz, gib dich zufrieden O selig Hans, wo man dich aufgenommen Traurigkeit, o Herzeleid! Ist das nicht O Ursprung des Lebens, o ewiges Licht O Vater der Barmherzigkeit. O Welt, sieh hier dein Leben Owie freun wir uns der Stunde O wie fröhlich, o wie selig Dwie selig seid ihr doch, ihr Frommen Prediger der süßen Lehre Nede, liebster Jesu, rede Rüstet euch, ihr Christenleute Ruhe hier, mein Geist, ein wenig. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine Schmücke dich, o liebe Seele Schmückt das Fest mit Maien Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden Schwing dich auf zu deinem Gott. Seele, du mußt munter werden Seelenbräutigam, Jesu, Gotteslamm Seele, sei zufrieden Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut ♦ ♦ Nro. 388 389 167 220 92 331 52 88 322 241 162 283 48 210 267 320 61 211 169 53 9 395 386 143 140 190 60 362 154 91 200 252 277 207 261 107 473 Seite. 357 358 148 200 82 306 45 78 297 224 145 266 41 191 251 295 54 191 149 46 8 364 356 129 127 171 52 334 138 81 180 237 260 187 246 95 474 Alphabetisches Siegesfürst und Ehrenkönig Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig So geh nun hin, dem Grabe zu So hab ich obgefieget Sollt ich meinem Gott nicht singen Sorge doch für meine Kinder So ruhest du, o meine Ruh Speis uns, Vater, deine Kinder Such, wer da will, ein ander Ziel Theures Wort aus Gottes Munde Thut mir auf die schöne Pforte Trener Wächter Israël, deß sich Weberwinder, nimm die Palmen Unser feiner lebt ihm selber Unsern Ausgang segne Gott Unser Vater, der uns liebt Unsre müden Augenlieder Unumschränkte Liebe, gönne blöden Augen • . ♦ ◆ ◆ ◆ Valet will ich dir geben. Vater, deines Geistes Behen Vater, dir sei Preis gesungen Vater, hier im Erdenschooße Vater unser im Hinmelreich Verleih uns Frieden gnädiglich Verzage nicht, du Häuflein klein Volk des Herrn, bring dein Geschlechte Voller Wunder, voller Kunst Vom Himmel hoch, da komm ich her Von Dir will ich nicht weichen Von Gott will ich nicht lassen Wach auf, du Geist der ersten Zeugen Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin Wach auf, mein Herz, und singe Wachet auf, ruft uns die Stimme Nro, Seite. 82 222 381 378 229 316 63 287 201 141 8 324 72 358 10 289 296 112 347 133 11 371 215 72 202 351 349 210 292 55 269 181 132 67 273 384 128 7 299 63 331 8 269 275 101 321 120 9 342 196 326 301 120 108 150 135 314 289 26 20 214 195 244 227 227 58 258 354 Liederverzeichniß. Walte, walte nah und fern Wandle leuchtender und schöner, Ostersonne Warum sollt ich mich denn grämen Warum willst du draußen stehen Was freut mich noch, wenn du's nicht bist Was Gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt. Was Gott thut, das ist wohlgethan, so denken Was hinket ihr betrognen Seelen Was mein Gott will, gescheh allzeit Was wär ich ohne dich geresen ♦ Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel, brechet Wen hast du dir geladen. Wenn Christus seine Kirche schützt Wenn ich ihn nur habe Wenn ich in Todesnöthen bin und weiß Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht Wenn kleine Himmelserben Wenn meine Sünd mich fränken Wenn mein Stündlein vorhanden ist Wenn wir in höchsten Nöthen sein Werde Licht, du Stadt der Heiden Werde munter, mein Gemüthe. Wer ist wohl wie du, Jesu, süße Ruh Wer nur den lieben Gott läßt walten Wer sind die vor Gottes Throne Wer weiß, wie nahe mir mein Ende Wie fleucht dahin der Menschen Zeit Wie groß ist des Allmächtigen Güte Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ Wie schön leuchtet der Morgenstern Wie soll ich dich empfangen. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen Willkommen, Held im Streite Wir danken Gott für seine Gaben. Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Wir singen dir, Immanuel Wohl auf, mein Herz, verlaß die Welt Wohl auf, wohl an, zum letzten Gang Wohl einem Haus, da Jesus Christ ♦ ♦ 475 Nro. Seite. 134 74 248 19 98 257 333 194 242 21 234 161 127 240 346 113 380 51 339 323 43 121 65 231 15 87 242 307 174 225 17 217 144 115 223 321 102 351 43 314 298 36 293 271 235 218 255 240 394 363 354 327 391 360 114 103 316 291 199 179 18 13 232 214 69 60 288 94 30 47 269 85 24 40 370 340 318 293 476 Alphabetisches Liederverzeichniß. Womit soll ich dich wohl loben Wunderbarer König, Herrscher von uns allen Bench ein zu deinen Thoren Zench hin, mein Kind! Gott selber fordert dich Zion, gib dich nur zufrieden Zween der Jünger gehn mit Sehnen Zweierlei bitt ich von dir Nro. 111 106 89 379 122 70 221 Buchdruckerei: Chr. Friedr. Will in Darmstadt. Seite. 100 94 79 350 109 61 201 Inches 1 Centimetres Blue ¹2 3 4 Cyan 2 5 6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8