K. Eisenring Segfeuer Stimmen Gb 802 CHRISTIAN HEILMATER Lederermeister in Emertsham. f. H.Hauer gez. Stahlstich v. Carl Mayer's KA in Nürnberg Herr! erbarme Dich unser! 439. Purgatory. Verlag, von Carl Mayer in Nürnberg. Fegfeuer- Stimmen. Betrachtungen und Beiſpiele Gebete und Andachtsübungen zum Trofe der lieben Abgeftorbenen und um Seile der Sebenden auf alle Tage des Monats insbesondere bes Aller- Seelen- Monats November. Karl Jb. Eilencing, Pfarrer. 3weite Auffage. Mit Approbation der hochwit. Bischöfe pcx St. Gallen, Bafel und Chur. Mainz, Berlag von Franz Kirchheim. 1889. Herr rebarice Dich unser! Purgatory Fegfeuer- Stimmen. Betrachtungen und Beispiele Gebete und Andachtsübungen zum Trofte der lieben Abgeftorbenen und zum Seile der Sebenden auf alle Tage des Monats insbesondere des Aller- Seelen- Monats November. Von Karl Ib. Eisenring, Pfarrer. Zweite Auflage. Mit Approbation der hochwst. Bischöfe von St. Gallen, Basel und Chur. Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1889. Gb 882 Imprimi permittitur. Moguntiae, die 1. Augusti 1889. C. A. OHLER, Can. Cap. eccl. cath. Mogunt, et cons. eccles. Alle Rechte vorbehalten. Druck von Fl. Kupferberg in Mainz. Univ.- Bibl. Giessen Bischöfliche Genehmigungen und Empfehlungen. Da das vorliegende Buch ,, Fegfeuerstimmen" nichts gegen die katholische Glaubens- und Sittenlehre enthält, vielmehr sehr geeignet ist, durch seinen Inhalt den Christen zur thatkräftigen Liebe für die armen Seelen im Fegfeuer anzuspornen, so ertheilen Wir demselben hiemit Unsere bischöfliche Genehmigung und Empfehlung. St. Gallen, den 6. September 1886. + Auguftinus, Bischof von St. Gallen. Dem Andachtsbuche Fegfeuerstimmen" erteilen Wir die bischöfliche Genehmigung und Empfehlung. Solothurn, den 8. Oktober 1886. Friedrich, Bischof von Basel. Die Fegfeuerstimmen" erhalten hiemit Unsere Genehmigung und werden dem katholischen Volke bestens empfohlen. Chur, den 29. September 1886. + Franz Konstantin, Bischof von Chur. Vorwort zur ersten Auflage. Borliegende Betrachtungen und Beiſpiele haben viele Jahre vor ihrer Drucklegung bei firchlichen Andachten zum Troste der armen Seelen gedient, zu großem Nußen und sichtlicher Erbauung der Gläubigen und zur Anspornung, den armen Seelen in ihrer Not, insbesondere im Monat November, zu Hülfe zu kommen. Die in den Beispielen vorkommenden Wunder, Offenbarungen, Gnadenerweise und Erscheinungen stammen aus den Bollandisten, von Ba= ronius, Durlandus, verschiedenen Ordenschroniken, den kirchlich approbirten Werken der hl. Brigitta, Theresia u. A., sowie ältern und neuern theologischen Werken, besonders aus dem vorzüglichen italienischen des ehrw. P. Rosignoli, S. J. Die Visionen und Privatoffenbarungen enthalten Enthüllung verborgener Wahrheiten, welche Gott auf dem Wege außerordentlicher Erleuchtung einzelnen begnadigten Menschen zukommen ließ. Die Wirklichkeit und Sicherheit derselben im allgemeinen kann nicht bestritten werden. Sie sind V Thatsachen, deren Möglichkeit, wie der hl. Auguftinus( de cura pro mortuis 10) schon sagt, nur von der Unverschämtheit( impudenter) in 3weifel gezogen werden kann. Dafür steht das Ansehen der katholischen Kirche. Ihr inneres, starkes, von Gottes Geist selbst gepflegtes übernatürliches Leben muß sich gewiß auch in übernatürlichen Wirkungen nach außen entfalten. Darum sind solche Offenbarungen, Visionen und Wunder in der wahren Religion und Kirche Jesu Christi etwas ganz Selbstverständliches und werden anderswo nirgends gefunden. Sie beanspruchen zwar im einzelnen Fall, sofern sie nicht durch den apostolischen Stuhl bekräftigte Thatsachen sind, nur menschliches Ansehen. Es wird hiemit auch ausdrücklich erklärt, daß für die Erzählungen in dieser Schrift nur diese menschliche Glaubwürdigkeit beansprucht wird, soweit die Kirche sich nicht ausgesprochen hat. Allein sie sind doch in Verbindung mit den übrigen wunderbaren Erscheinungen in unserer hl. Kirche, eben weil man sie sonst nirgends findet, für aufrichtige Seelen in und außer der Kirche tiefliegende Beweisgründe für die Thatsache der göttlichen Offenbarung im Christentum der heiligen fatholischen Kirche. ,, Das christliche Gnadenleben ist ein lebendiger Reim. Es entstammt einer höhern Welt und richtet sich aufwärts, woher es stammt. Je mehr dieses Gnadenleben wächst und steigt, desto näher kommt die Seele der andern Welt, die sich um so mehr ihr öffnet. Nur ganz auserlesene Seelen kommen dazu; es ist ihnen der süße Lohn für heroisches Kämpfen, Lieben und Leiden." VI Wie sollte denn zwischen Erde und Fegfeuer keine persönliche Annäherung stattfinden können, wenn die Heiligen im Himmel mit denen auf Erden so trauten Umgang pflegen können in Belehrung, Rat, Trost und Hülfe? Ist es nicht die gleiche Gemeinschaft der Heiligen", wenn das Ähnliche geschieht zwischen Himmel und Fegfeuer, wie zwischen Fegfeuer und Erde! Besteht ja doch zwischen Erde und Fegfeuer eine innige, mächtige Liebe; auf der einen Seite begleitet von Mitleid und Dankbarkeit, auf der andern von unbeschreiblich großer Not und Hülfsbedürftigkeit. Darum sagt der hl. Augustinus in heiliger Rührung: Meine fromme Mutter ist für mich nicht gefühllos geworden in ihrer Ewigfeit, daß fie feinen Trost hätte für ihren Sohn, wenn irgend etwas sein Herz bedrückt, für ihren Sohn, den sie so zärtlich liebte, den sie nicht traurig sehen konnte." 11 " 1 Der zwar unendlich gerechte, aber auch allbarmherzige Vater im Himmel will und verlangt diesen lebhaften und fortgesetzten Verkehr zwischen Erde und Fegfeuer und umgekehrt. Er läßt Fegfeuerstimmen in den verschiedensten Klängen auf die Erde dringen, VII besonders auch als heilsame Mahnungen, Belehrungen und Warnungen an das lebende Geschlecht; Fegfeuerstimmen, laut genug, diesem in seinem Leichtsinne, seiner Flüchtigkeit, Gleichgültigkeit und Schlaffheit und seiner thörichten Scheu vor dem Übernatürlichen dahinlebenden. Geschlechte die erschütternden Gerichte Gottes ergreifend vor die Seele zu führen. Möchten deshalb auch diese Fegfeuerſtimmen" etwas dazu beitragen, daß die Liebe und Andacht für die armen Seelen verbreitet und vermehrt werde, zur Hülfe und Erlösung dieser schmerzvoll Leidenden, zur Beförderung der Ehre Gottes, zum Heile der Lebenden, als Übungsschule der Tugend und Frömmigkeit, als Quelle reichen Verdienstes und großer Gnaden und zur Erwerbung der besonderen Liebe und Dankbarkeit dieser von Gott geliebten und Gott innig liebenden heiligen Seelen in den Flammen des Fegfeuers. Wangs, am Feste der Verklärung Jesu Christi 1886. Der Verfasſer. Vorwort zur zweiten Auflage. Die Fegfeuerstimmen" haben in der ersten großen Auflage in der Schweiz eine sehr günstige Aufnahme gefunden. Es ist zu hoffen, daß diese zweite Auflage auch in Deutschland und Desterreich Verbreitung finde. Das Büchlein ist auch in das Englische übersetzt worden.( Voices from purgatory, by E. Flury translated from the original German. Dublin: James Duffy and Co. Limited. 14& 15 Wellington Quay 1888.) Möge Gottes Segen es auch in der zweiten Auflage begleiten zum Troste der lieben armen Seelen und zum Heile der Lebenden. Wangs( St. Gallen), November 1889. Der Verfasser. Vorwort Inhalt. Erster Teil. Betrachtungen und Beispiele. Erstes Kapitel. Die Hülfsbedürftigkeit der armen Seelen. 1. Tag: Die Vortrefflichkeit der Andacht für die armen Seelen Seite V Bweites Kapitel. Die Beweggründe zur Hülfe. 2. Tag: Die Größe der Leiden. 3. Tag: Das größte Leiden 14 4. Tag: Die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit 20 5. Tag: Die menschliche Fehlerhaftigkeit 24 6. Tag: Die lange Dauer der Leiden 29 7. Tag: Die Nächstenliebe 8. Tag: Das Bedürfnis der Reinigung 9. Tag: Der eigene Nußen 3 8 34 38 43 X 10. Tag: Die Freude im Himmel 11. Tag: Maß für Maß 12. Tag: Hülfe im Tod Drittes Kapitel. Die Mittel zur Hülfe. 13. Tag: Gebet und Fasten 61 67 14. Tag: Leibliches und geistliches Almosen 15. Tag: Das Hl. Meßopfer 72 16. Tag: Die hl. Kommunion und die Ablässe 77 17. Tag: Die Andacht zur göttlichen Mutter. 82 18. Tag: Gehorsam und Geduld im Leiden. 88 Viertes Kapitel. Die Vorteile für die Seffenden. 19. Tag: Gesundheit des Leibes und der Seele 93 20. Tag: Bezähmung der Leidenschaften 98 21. Tag: Die Liebe und Hülfe Mariä 102 22. Tag: Schutz vor den Feinden 107 23. Tag: Bewahrung vor langem Fegfeuer 112 24. Tag: Sicherheit und Hülfe auch bei der Seite 47 51 56 Fünftes Kapitel. Die Dankbarkeit der Erföften. . Undankbarkeit der Hinterlassenen. 117 25. Tag: Ihre Liebe zu den Lebenden 26. Tag: Ihr Gebet für uns. 27. Tag: Ihr Dank für barmherzige Liebe . 123 129 134 28. Tag: Die dankbare Liebe gegen verstorbene Priester und Seelsorger 29. Tag: Die wechselseitige dankbare Freundschaft 30. Tag: Schlußbetrachtung Zweiter Teil. Gebete und Andachtsübungen. I. Morgengebet II. Abendgebet XI IV. Nachmittagsandachten: 1. Totenvesper 2. Kreuzwegandacht zum Troste der armen . III. Meßandachten: 1. Requiem, Seelamt f. d. Verstorbenen. 167 2. Meffe für die Verstorbenen 193 Seelen 3. Andacht zu den neun Schmerzen der armen Seelen. V. Beichtandacht. 4. Verehrung der sieben Schmerzen Mariä für die armen Seelen 5. Verehrung der sieben Freuden Mariä für die armen Seelen ♦ Seite .. 203 . ● 138 144 150 159 163 215 233 234 247 251 XII VI. Rommunionandacht VII. Litaneien: 1. Namen- Jesu- Litanei 2. Lauretanische Litanei 3. Litanei zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer VIII. Verschiedene Gebete und Gesänge für die Abgestorbenen: 1. Heldenmütiger Liebesakt für die armen Seelen 2. Für verstorbene Eltern, Geschwister, Wohlthäter, am Jahrestage 3. Beim Gräberbesuch oder am Allerseelentag 4. Kurze Ablaßgebete für die armen Seelen 5. Lieder zum Troste der armen Seelen Seite 256 266 271 .. 276 282 .. 283 283 286 291 Erster Geil. Betrachtungen Fegfeuer- Stimmen. und Beispiele. O christliche Herzen! Betrachtet die Schmerzen Der leidenden Seelen, Seht ihre Geduld! In Peinen und Qualen Sie müssen bezahlen Was ihnen noch übrig Don zeitlicher Schuld. 1 Srstes Kapitel. Die Hülfsbedürftigkeit der armen Seelen. Erster Tag. Patrone: Alle Heiligen Gottes. 1. Die Vortrefflichkeit der Andacht für die armen Seelen. Betrachtung. enden wir heute, am Feste aller Heiligen Gottes im Himmel, unseren Geist einen Augenblick weg von der Glorie und Herrlichkeit der Mitglieder der triumphirenden Kirche. Laden wir sie ein zur Hülfe für die lieben armen Seelen im Fegfeuer, die Glieder der leidenden Kirche Gottes. Sie mögen mit uns, den Gliedern der streitenden Kirche, den allbarmherzigen Gott anflehen für die Net1* 4 tung und Erlösung, für die ewige Ruhe unserer lieben Abgestorbenen im Reinigungsorte. Ueberaus vortrefflich und den Heiligen Gottes wohlgefällig ist diese Andacht, die wir zum Seelentroste der in Gottes Gnade Dahingeschiedenen diesen Monat hindurch begehen wollen. Denn durch unsere Gebete und Andachtsübungen, Opfer und guten Werke für die armen Seelen befunden wir: 1. Unsere Liebe zu Gott und ahmen seine Barmherzigkeit nach. Sagt ja Jesus Christus selbst: ,, Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist." Wenn wir nun gegen die armen Seelen barmherzig sind, so sind wir es gegen seine Kinder, seine Erlösten, Erben des Himmels, nach welchem sie mit schmerzlicher Sehnsucht verlangen; gegen unglückliche, hülflose Seelen, welche Gott so lieb und teuer sind. Wenn Gott denjenigen die Seligkeit verheißt, welche die Hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Nackten bekleiden, die Gefangenen erlösen u. s. w., wie wohlgefällig sind ihm wohl die Menschen, welche ihm zu Lieb die Andacht für die armen Seelen pflegen, die sich selbst nicht helfen können, ihre entseßlichen Schmerzen zu lindern, ihren Durst 5 nach Gott zu stillen und sie aus ihrem düsteren Kerker zu Gott in die ewige Seligkeit zu führen? . Wir bezeugen aber durch unsere Andacht für die armen Seelen auch: 2. Eine wahre christliche Nächstenliebe. Es ist wohl ein heiliges, von Gott selbst gepriesenes Werk, wenn wir uns bemühen, nach Kräften das uns umgebende Elend zu mildern, den Armen, Unglücklichen und Kranken zu helfen. Aber unzweifelhaft ist es noch viel besser, denen wohlzuthun und zu helfen, die als hülflose Seelen auf eine über alle menschliche Berechnung hinausgehende Weise leiden. Wahrlich, es kann kein herrlicheres Werk christlicher Nächstenliebe geben, als wenn wir durch Gebet, Almosen und Bußwerte unseren jammernden Brüdern und Schwestern die Thore des entsetzlichen Fegfeuerkerkers öffnen und sie zu den ewigen Freuden und zu unvergänglicher Herrlichkeit führen. 3. Eine große Verpflichtung erfüllen wir ferner, wenn wir den armen Seelen helfen. Denn Niemand hat ein größeres Anrecht auf unsere Hülfe, als diese auserwählten Seelen, die in Gottes Gnade stehen und sicher in den Him 6 mel eingehen werden, die sich aber in der äußersten Not und Hülflosigkeit befinden. Ihnen den innigst ersehnten Besitz Gottes zu erwerben und damit ein Gut, das an Wert alle Güter unendlich übertrifft, das ist eines der großmütigsten Werke der Barmherzigkeit. Endlich ist es: 4. Unser eigener Vorteil, weil kein anderes Liebeswerk für uns nüßlicher und heilsamer sein kann. Gott belohnt es häufig schon in diesem Leben durch große Gnaden, durch Vermehrung unseres Glaubens, unserer Hoffnung und unserer Liebe, durch inneren Trost im Leiden, durch besonderen Schuß in Versuchungen und Gefahren. Darum üben wir eifrig diese vortreffliche Andacht und benüßen wir fleißig diesen Monat zum Troste und zur Hülfe der armen Seelen, aber auch für unser eigenes ewiges Heil. Beispiel. Im vierten Buche der Offenbarungen der gottbegnadigten hl. Brigitta steht geschrieben, daß ihr ein Engel einst das Fegfeuer in drei verschiedenen Abteilungen gezeigt habe. Dabei sprach er zu ihr: ,, Alle Seelen, welche sich in diesen Orten aufhalten, haben Teil an den Gebeten 7 und guten Werken der hl. Kirche, welche in der Welt verrichtet werden; vorzüglich an jenen, welche sie selbst wirkten, da sie noch lebten, sowie auch an denen, welche von ihren Freunden für sie verrichtet werden. Wisse auch, daß, wie die Sünden vielfältig und verschieden sind, so auch die Strafen. Wie also der Hungrige durch den Bissen erfreut wird, den man ihm darreicht, der Durstige durch den Trank, der Traurige durch die Fröhlichkeit, der Nackte durch das Kleid und der Kranke durch das Bett, in das er tömmt; so erfreuen sich die armen Seelen und nehmen Teil an allem Guten, das in der Welt für sie verrichtet wird. Gesegnet sei derjenige, der in seinem Leben den Seelen mit seinen Gebeten und guten Werken, sowie durch die Arbeit seines Leibes zu Hülfe kommt; denn die unfehlbare Gerechtigkeit Gottes will, daß sie entweder durch die Pein des Fegfeuers gereinigt werden, oder dann durch die guten Werke der Gläubigen eine frühere Erlösung erlangen." Vorsak. Zum Trofte der armen Seelen und zu meinem eigenen ewigen Heile will ich jeden Tag dieses 8 Monats womöglich der Armenseelenandacht in der Kirche andächtig beiwohnen, oder zu Hause die Betrachtung und die Gebete verrichten. Alle Heiligen Gottes im Himmel, erflehet uns Erdenpilgern von Gott eine barmherzige Liebe für die Abgestorbenen und einen heiligen Eifer, in ihrer Not ihnen liebreich zu Hülfe zu kommen. Betet in euerer glückseligen Vollendung für uns und die armen Seelen im Fegfeuer. Amen. Zweiter Tag. Patronin: Maria, die Mutter Aller Seelen. 2. Die Größe der Leiden. Betrachtung. er hl. Kirchenlehrer Thomas von Aquin sagt von der Größe der Leiden im Fegfeuer:„ Das nämliche Feuer quält die Verdammten in der Hölle und die Gerechten im Fegfeuer." Die geringste Pein im Reinigungsorte übersteigt die größte, die man 9 auf Erden erdulden kann. Zahlreiche Grade und Abstufungen gibt es wohl in den Strafen des Fegfeuers. Nach Maßgabe ihrer Schuld müssen sie die büßenden Seelen durchwandern, ganz oder teilweise. Das Fegfeuer," sagt die Hl. Mechtildis,„ das nach diesem Leben folgt, ist so groß, daß es anhebt vor dem Schlunde der Hölle und endet vor dem Himmelsthor." Es ist die Feuerpein, es ist die Bein der Sinne, es ist die Qual des Feindes und der Reueschmerz der Seele, wodurch die lieben Seelen gequält und geläutert werden müssen. Wo ist eine Seele auf Erden, die noch einen Funken Mitleid fühlt, die bei dieser Erwägung sich nicht entschließen könnte, in diesem Monate etwas mehr als gewöhnlich zur Erquickung und Erlösung dieser armen, lieben Seelen zu beten, zu leiden oder zu wirken? Niemand wohl, der, besonders am Allerseelentag, es beherzigt und bedenkt, daß unter diesen bitter und schmerzvoll Leidenden auch seine Großeltern, Eltern, Seelsorger, Lehrer, Geschwister, Anverwandte oder Freunde sein können, ja vielleicht solche, die gerade wegen ihm an diesem Orte der Qual zurückgehalten werden, kann ohne Mitleid und 10 Erbarmen der Größe ihrer Leiden eingedent sein. Möge es ein thatkräftiges und eifervolles Mitleid und Erbarmen sein! Beispiel. Aus dem Jahre 1618 erzählen die Annalen eines Kapuzinerklosters folgende Thatsache. Ein ehrwürdiger Pater, Namens Hippolitus, zeichnete sich durch besondere Liebe für seine Mitmenschen aus, besonders für die armen Seelen im Fegfeuer. Seine Gebete und Abtötungen opferte er sehr oft für sie auf und durch Predigten und Gespräche suchte er bei seinen Mitmenschen die Liebe und das Erbarmen für die Seelen im Fegfeuer zur Linderung ihrer Leiden zu erwecken. Dennoch hatte er nur schwache Begriffe von den entseglichen Leiden des Fegfeuers, bis er einst durch folgende Erscheinung darüber in erschütternder Weise aufgeklärt wurde. Er war in einem Kloster seines Ordens in Flandern Guardian und Novizenmeiſter. Die Pflichten dieser doppelten Würde erfüllte er mit strenger Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Unter den jungen Ordensleuten, die er in alle Tugenden ihres Standes einzuführen bemüht war, machte 11 einer besonders große Fortschritte in der Vollkommenheit. In seiner Abwesenheit nun wurde dieser junge Ordensmann von einer tötlichen Krankheit überrascht und er starb zur großen Betrübnis des P. Hippolit, ohne daß er ihm die letzte Absolution und seinen väterlichen Segen mehr erteilen fonnte. Um so mehr betete er nun für die Seele des Hingeschiedenen und opferte für ihn seine Gebete und Verdienste dem barm= herzigen Gott auf. Als er in der ersten Nacht nach dem Tode des Jünglings nach vollendetem Chorgebete noch allein zurückblieb, um für den lieben Verstorbenen still für sich zu beten und ganz in seine Betrachtungen versunken war, da sah er auf einmal den Verstorbenen vor sich, ganz von feurigen Flammen umgeben und er erkannte deutlich die Stimme seines dahingeschiedenen Zöglings. Mit lauten Klagen und Seufzern klagte er sich vor seinem Obern über einen geringen Fehler an mit den Worten:„ Mein Vater, der du voll Liebe und Erbarmen bist, gib mir deinen Segen, um mich aus den Qualen zu befreien, die ich für diese Untreue leide; außerdem lege mir eine Buße auf, da der gütige Jesus mich an dich weist und aus besonderer 12 Gnade mir gestattet hat, fie erfüllen zu dürfen." Starr vor Entsegen, voll Kummer, Mitleid und Schrecken sprach der P. Guardian:„ So weit ich vermag, mein Sohn, spreche ich dich los und segne dich. Und wenn ich dir nach Gottes Willen eine Buße bestimmen soll, so bleibe nur bis morgen zur Prim( ca. 8 Uhr) noch im Fegfeuer." Mit nur so wenig Stunden glaubte der P. Guardian dem Armen eine äußerst milde Buße auferlegt zu haben. Aber dieser schien in äußerster Niedergeschlagenheit wie vom Blige getroffen und schrie laut auf: O Vater, du hast ein erbarmungsloses Herz und fühlst kein Mitleid mit deinem unglücklichen Sohne. In meinem Leben hättest du mir für diesen Fehler kaum eine leichte Geiße= lung auferlegt und jetzt bestrafft du ihn so entsezlich hart. Du kennst die Qualen des Fegfeuers nicht." Mit diesen Worten verschwand die Erscheinung. Der Pater war sprachlos vor Furcht, Staunen und Reue und seine Haare sträubten sich auf seinem Haupte. Und als er auf ein Mittel sann, seinen Ausspruch abzuändern, gab Gott ihm den Gedanken ein, die Brüder zum Chorgebete zu rufen und, wenn auch zu unge 13 wohnter Stunde, die Prim zu beten. Diese schauerliche Nacht aber schwand nie mehr aus seiner Erinnerung und oft in den fünfundzwanzig Jahren, die er noch verlebte, wiederholte er in seinen Predigten das. Wort des hl. Anselm: ,, Die geringste Pein im Fegfeuer ist größer als jedes erdenkliche Leid des Lebens." Vorfah. Aus Mitleid gegen die armen Seelen und zu meinem eigenen ewigen Heile will ich mit Ernst und Anstrengung an der Ablegung jenes Fehlers arbeiten, durch welchen ich bis jetzt Gott am meisten beleidigt und mein Seelenheil gefährdet habe. Heilige Maria, Mutter Gottes und Mutter aller armen Seelen, bitte für uns und die schmerzlich leidenden Brüder und Schwestern in den Leiden des Fegfeuers. Amen. 14 Dritter Tag. Patronin: Die hl. Jdda, Gräfin von Toggenburg. + c. 1195. 3. Das größte Leiden. Betrachtung. as größte Leiden, die härteste Pein für die armen Seelen, das ist die Entziehung der seligen Anschauung Gottes. Denn der Mensch ist einmal für Gott erschaffen, seine innerste Natur, die edelsten und höchsten Kräfte der Seele trachten und schmachten nach der ewigen Wahrheit und dürften nach dem höchsten Gut. So lange der Mensch auf Erden lebt, gibt es für ihn leider vieles, was den Blick zu Gott, den Zug nach Gott ablenkt und abschwächt. Allein nun ist von der armen Seele die Welt mit ihren Sorgen, Zerstreuungen, Reizen, Täuschungen und falschen Neigungen abgestreift. Aber geblieben, ja erhöht ist der gewaltige Zug der ungehemmten Seele nach Gott, der sie mit ungeteilter Kraft zu Gott emporreißt. Die in der Gnade Gottes vollendete Seele im Fegfeuer liebt Gott über Alles, als Quelle der Seligkeit, um Seinetwillen. 15 Ja, sie hat vielleicht in ihrem besondern Gerichte schon einen Strahl des Himmels gesehen, vielleicht einen Augenblick die erhabene Welt der Geister und Jesum selbst in lieblicher Verklärung geschaut, wie sie die Apostel einst auf Tabor hinriß und entzückte. Nun aber im dunkeln Kerker sucht ihn das Auge der Seele umsonst, ihre Liebe seufzt vergebens Tag und Nacht, ein unermeßliches Heimweh verzehrt sie nach ihrem göttlichen Freund, ihrem Lichte, ihrem Leben, ihrer Wonne. Mit dem königlichen Sänger seufzt sie: ,, Gleich wie der Hirsch verlangt nach Wasserquellen, also verlangt meine Seele nach Dir, o Herr! Meine Seele dürftet nach Gott; wann werde ich hinkommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? Meine Thränen sind meine Speise Tag und Nacht. Sie sollte nun im Himmel sein, die so arme Seele, und in seliger Vollendung, reich an Herrlichkeit Gott lieben und ewig loben. Ihre eigene Schuld ist es, daß sie noch verbannt ist. Und so treten alle ihre einstigen Sünden vor sie hin und alle Nachlässigkeiten und Unterlassungen und. ein namenloser Schmerz ergreift die arme Seele und in klarem Bewußtsein ihres großen Unglückes 16 und in voller Empfindung ihres Schmerzes fleht sie uns um unsere Fürbitte und Hülfe an, um bald der Anschauung Gottes gewürdiget zu werden. Ochriftliche Seele, eile den armen Seelen mitleidsvoll zu Hülfe. Beispiel. Im Herzogtum Luxemburg geschah folgendes vom Generalvikar von Trier untersuchtes und bestätigtes Ereignis, welches E. Nieremberg in seinem Werke ,, Die Schönheit der Seele" mitteilt: Am Feste Allerheiligen schaute ein frommes Mädchen plößlich die Seele einer kürzlich verstorbenen Frau, die ihr mitteilte, ihr schmerzliches Fegfeuer bestehe in der Entbehrung der beseligenden Anschauung Gottes. Diese Frau erschien in weißem Gewand und weißem Schleier und trug einen Rosenkranz in der Hand. So erschien sie öfters, meistens in der Kirche, kniete sich neben das Mädchen, allen Andern unsichtbar und folgte den Gebeten mit großer Andacht und tiefster Ehrfurcht. Oft wohnte sie dem hl. Meßopfer bei und während der hl. Wandlung strahlte ihr Antlitz von hl. Liebe und 17 Freude so sehr, daß das begnadigte Mädchen beteuerte, sie habe niemals etwas Schöneres gesehen. Warum erschien wohl die arme Seele dieser Frau meistens im Gotteshause? Gewiß darum, weil Jesus, nach dessen Antlitz sie seufzte, dort im hlst. Altarssakrament verborgen weilt, dessen unsichtbare Gegenwart sie wenigstens genießen wollte, bis es ihr vergönnt war, ihn von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Ebenso konnte sie an diesem Orte besser als an jedem andern die Aufmerksamkeit des frommen Mädchens auf sich ziehen. Dieses hörte auch wirklich nicht auf, für sie zu beten und für ihre Seelenruhe häufig am Muttergottesaltar hl. Messen lesen zu lassen. Einst war das Mädchen mit mehreren andern in einer Kirche beschäftigt, die Statue der lieben Mutter Gottes zu schmücken. Alle füßten die Füße derselben und das begnadigte Mädchen wurde aufgefordert, sie nochmals zu küssen und zwar in der Meinung der ihr erscheinenden armen Seele. Kaum hatte sie es gethan, so schaute sie die Verstorbene, welche ihr innig dankte und sie bat, sie möchte doch drei Hl. Messen lesen lassen, die sie versprochen habe, ohne das Versprechen Fegfeuer- Stimmen. 2 18 zu erfüllen, weßhalb sie noch mehr leiden müsse. Sie that es sofort und als sie nach Vollendung der dritten hl. Messe die Kirche verlassen wollte, sah sie die Seele freudig und strahlend herbeieilen, um ihr für die Abkürzung und Erleichterung ihrer Leiden zu danken. Oft gab sie ihr wichtige Ratschläge, damit sie nicht einst in diese Qualen komme. So sollte sie nie ein Gelübde machen, ohne volle Gewißheit, es erfüllen zu können, weil Gott streng die Erfüllung der ihm gemachten Versprechen fordere. Ferner warnte sie dieselbe vor jeder, auch der geringsten Lüge, da sie dem ewigen Richter, der die Wahrheit selber ist, ein Gräuel sei. Sie ermunterte sie zur kindlichen Andacht zu Maria, als der Schmerzensmutter auf dem Kalvarienberge. Je mehr du," sprach sie, diese erhabene Beschützerin der Christen liebst und je treuer und eifriger du ihr dienst, desto mehr wird sie deine Fürsprecherin sein in dem schrecklichen Augenblicke des Gerichtes." Auch ermunterte sie dieselbe, alle ihre Gebete und guten Werke für die armen Seelen durch Maria aufzuopfern, wodurch ihnen außerordentliche Erleichterung zu Teil würde. Als 19 sie am Feste der unbefleckten Empfängnis Mariä die hl. Kommunion empfing und mit besonderem Eifer für die leidende Seele betete, erschien fie ihr mit so strahlendem Glanze, daß sie sie kaum anzuschauen vermochte, dankte ihr herzlich für Alles, was sie für ihre Seelenruhe gethan und versprach, im Himmel ihre Fürsprecherin sein zu wollen und sie dort zu erwarten. Zwei Tage nachher erschien sie noch einmal in großer Glorie, neigte sich vor dem Altare, grüßte ihre Freundin, und schwebte an der Seite ihres hl. Schutzengels empor gen Himmel. Vorfah. Zum Troste der armen Seelen und um einst der Anschauung Gottes würdig zu werden, will ich mich täglich bemühen, öfters an Gottes Gegenwart zu denken. Heilige Idda, die du in deinem Leben die armen Seelen liebevoll getröstet hast, bitte im Himmel für sie und für uns arme, sündige Erdenpilger, damit wir alle einst der Anschauung Gottes gewürdiget werden. Amen. 2* 20 Vierter Tag. Patron: Der hl. Karl Borromäus, Kardinal und Erzbischof von Mailand.+ 4. Novbr. 1584. 4. Die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit. Betrachtung. ottes Barmherzigkeit hat auch für die in der Gnade dahingeschiedenen Seelen ihr Szepter an die Gerechtigkeit Gottes abgegeben, und da nichts Unreines in den Himmel eingehen kann, so reinigt der gerechte Gott die ihm so lieben Seelen mit der ganzen Strenge seiner Strafen. Darum legt ihnen die hl. Kirche die Worte des frommen Dulders Job in den Mund: ,, Die Hand des Herrn hat mich getroffen."( Job 19, 21.) Dem Auge Gottes sind die geringsten Unvollkommenheiten und Fehler offenbar, die wir vielleicht nicht achten. Darum ist es thöricht, das Gebet und die wirksame Hülfe für die Verstorbenen so bald zu unterlassen, auch bei den besten und tugendhaftesten Dahingeschiedenen, weil das Auge der unendlichen Gerechtigkeit Gottes auch bei den Gerechten das Unvollkommene und läßlich Sündhafte sieht und straft. 21 Denn," sagt der hl. Bernhard, wer ist so heilig, daß er, wenn er aus dieser Welt scheidet, jenem Feuer nichts schulde und seine Seele von allen Sündenschlacken durchaus geläutert hat, daß er sich rühmen könnte, er habe ein reines Herz? Wenige sind zwar auserwählt, allein auch unter diesen Wenigen gibt es, wie ich da= für halte, äußerst Wenige, die so vollkommen sind, daß sie jene Reinigung vollbracht haben, von welcher der weise Mann spricht, da er sagt: Reinige Dich mit den Wenigen von Deiner Fahrlässigkeit." Du aber, o Christ, fürchte in Deinem Leben die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit und versöhne sie für Deine Mitbrüder im Fegfeuer und bedenke, was der Hl. Job gesprochen: Die Himmel sind nicht rein vor seinem Angesichte. Wie viel mehr ist abscheulich und unnüß der Mensch, der die Missethat wie Wasser hineintrinkt."( Job 15, 15.) 11 Beiſpiel. Der hl. Papst Gregor erzählt in seinen 3wiegesprächen" von den Schicksalen des Kardinaldiakon Paschasius, der im Rufe großer Heiligkeit gelebt, viele gute Werke verrichtete, 22 die Armen sehr geliebt und ein überaus erbauliches und gottseliges Leben geführt hatte. Insbesondere lag ihm die Verbreitung des fatholischen Glaubens am Herzen und er schrieb zur Verteidigung desselben mehrere, vom Papste gutgeheißene und sehr empfohlene Werke. Als aber im Jahre 498 ein neuer Papst gewählt werden mußte und wegen diesem Ereignis in Rom viel Unruhe herrschte, trennte er sich in seinen Ansichten von den übrigen Kardinälen, die mit ihm zur Papstwahl versammelt waren. Alle stimmten für Symmachus, der als Stellvertreter Jesu Christi anerkannt wurde und auch in der Folge in den Reihen der Päpste als einer der würdigsten glänzte und nach seinem Tod wirklich heilig gesprochen wurde. Er aber gab seine Stimme dem Laurentius und ver= harrte bei seiner Ansicht auch nach der Wahl des Symmachus. Kurze Zeit nachher starb er und er wurde allgemein als ein Heiliger verehrt, der schon im Himmel sei, um so mehr, als ein Umstand dieſe allgemeine Ansicht unterstüzte. Es nahte sich nämlich an seinem Begräbnistage ein vom bösen Feinde Beseffener dem Sarge, berührte die Kleider 23 des Leichnams und wurde sofort von der Besessenheit befreit zum Danke und großen Jubel alles Voltes. Allein Gottes Gerechtigkeit ist unerforsch= lich. Als der Hl. Germanus, Bischof von Kapua, kurze Zeit nachher erkrankte und auf den Rat der Aerzte sich in ein Bad begab, da erschien ihm die Seele des Kardinals in der Gestalt eines in einem niedrigen, harten Amte Dienenden. Seufzend sprach er, Gott habe ihn verurteilt, auf diese demütigende Weise sein Verhalten gegen Papst Symmachus zu fühnen. Er flehte den hl. Bischof um Mitleid und Hülfe an mit dem Versprechen, ihm dafür ewig dankbar zu sein. Der hl. Germanus opferte alsbald für ihn das hl. Meßopfer auf, gab reichliche Almosen und betete eifrig für den verstorbenen Mitbruder, bis ihm nach einigen Tagen die Erlösung des Verstorbenen geoffenbart wurde. O göttliche Gerechtigkeit! Vor deinen Augen sind auch die Himmel nicht rein." Laß Dich von uns versöhnen für die Seelen, die arm und verlassen Dir zur Strafe verfallen sind! 11 Vorfah. Zum Seelentroste der lieben Abgestorbenen und zur Sühnung der göttlichen Gerechtigkeit 24 auch für mich, will ich täglich öfters das Ablaßstoßgebetlein andächtig sprechen und denken: O mein Jesus, Barmherzigkeit!" Heiliger Karl Borromäus, du großer Liebhaber der armen Seelen und wirksamer Versöhner der göttlichen Gerechtigkeit einst auf Erden, bitte im Himmel für uns und die lieben armen Seelen im Fegfeuer. Amen. Fünfter Tag. Patron: Hl. Zacharias und Elisabeth. 5. Die menschliche Fehlerhaftigkeit. Betrachtung. H ußer den Todsünden, die auch nach ihrer Tilgung durch wahre Buße für uns noch ihre zeitlichen Folgen und Strafen nach sich ziehen, gibt es unzählige läßliche Sünden, die bei der Hinfälligkeit der menschlichen Natur auch bei den besten Seelen vorkommen, die Gott innig lieben und selten oder nie ihn durch 25 schwere Sünden betrüben; Sünden, welche den Gnadenstand und die Freundschaft mit Gott nicht aufheben. Wer vermöchte vor seinem Tode durch Reue und Buße alle und jede solcher Sünden und deren Strafen ohne besondere Gnade Gottes zu tilgen? Der Sterbende erinnert sich derselben nicht mehr; Verwirrung, Schmerz und Todesnot erschweren die Reue und mit dem Elend der letzten Stunde und den Versuchungen des rastlosen bösen Feindes stellt sich Mißmut ein und häufig Ungeduld und Verzagtheit. Viele verlieren plößlich das Be= wußtsein, andere sterben jählings und der erste lichte Augenblick zeigt ihnen den ewigen Richter, ihre ganze Sündenarmseligkeit und die andere Welt. Da nun nichts Unreines in den Himmel eingehen kann und die Verstorbenen außer Stand sind, sich selbst zu helfen und die läßlichen Sünden und zeitlichen Strafen durch entsetzliche Leiden abzubüßen haben, so ist es Pflicht aller mitleidigen gläubigen Christen auf Erden, ihnen mit den vielen Mitteln zu Hülfe zu eilen, die ihnen in der katholischen Kirche so reichlich geboten sind. 26 Beispiel. Die hl. Brigitta, deren Offenbarungen" in der Kirche in so großem Ansehen stehen, war einst bei dem Gerichte und der Verurteilung eines Soldaten im Geiste gegenwärtig. Die Seele desselben wurde vor Gottes Gericht geführt, zur Rechten ihr Schußengel als Verteidiger, zur Linken der Teufel als Ankläger. Letterer beschuldigte ihn: 1) Er habe durch die Augen schwer gesündigt, durch freiwilliges Betrachten verbotener Dinge, die seinen Geist mit schlechten Gedanken und sein Herz mit sündhaften Begierden erfüllt hätten; 2) Er habe durch Fluchworte, Verwünschungen und leichtfertiges Schwören gesündigt und 3) durch schlechte Handlungen und schwere Unterlassungssünden. Der Schußengel aber verteidigte ihn, indem er seine Tugendübungen, Gebete, Almosen, sein Fasten und seine Bußübungen und Abtötungen selbst im Feldlager hervorhob. Besonders betonte er die Inbrunst, mit welcher er im Augenblicke des Todes sich an Maria, die Mutter Gottes, gewendet habe, die ihm eine vollkommene Reue in der Sterbestunde erlangt habe. Univ.- Bibl. Giessen 27 Als der Engel gesprochen hatte, erhob sich der ewige Richter, sprach den Angeklagten von der Hölle frei, verurteilte ihn aber zu einem langen, schmerzlichen Fegfeuer, in welchem die Sinne, durch welche er am meisten gesündigt, besonders bestraft werden sollten. Er sprach: ,, Diese Seele muß vollständig gereiniget werden. Darum sollen ihre Augen durch Anschauen schrecklicher Gegenstände leiden, ihre Zunge von unzähligen Stichen durchbohrt und von Durst ausgetrocknet werden und für die sündhaften Handlungen soll sie in einem Feuermeer gezüchtigt und gestraft werden." In diesem Augenblicke erschien Maria, die Zuflucht der Sünder und Königin des Himmels und flehte ihren Sohn um Milderung dieser Strafen an. Sie erinnerte ihn daran, daß der Soldat an den Vorabenden ihrer Feste gefastet, oft den Rosenkranz gebetet und sich häufig ihrem Schuße empfohlen habe. Durch diese liebevolle Vermittlung seiner göttlichen Mutter für den armen Sünder wurde der Heiland gerührt und willigte in eine Milderung der Strafe ein. Er fügte hinzu, daß zu noch größerer Erleichterung die Lebenden auf Erden für ihn beten, Almosen spenden und Bußwerke 28 verrichten sollen, weil diese drei Werke von der dreifachen Strafe befreien. Vorsat. Aus Liebe zu Gott, zum Troste der armen Seelen und zu meinem ewigen Heile will ich mich täglich bestreben, recht treu und gewissenhaft zu sein auch in kleinen Dingen. Heilige Zacharias und Elisabeth, glorreiche Eltern des Vorläufers unseres Erlösers, die ihr des Besuches der reinsten Jungfrau auf Erden gewürdiget worden, bittet für uns und die armen Seelen, daß das Licht uns und ihnen leuchte, das die Völker erleuchtet hat. Amen. 29 Sechster Tag. Patron: Der hl. Leonhard, Priester und Einsiedler,+ 559. 6. Die lange Dauer der Leiden. Betrachtung. anct Augustinus bemerkt, daß das Maß der Sünde auch das Maß der Zeit bestimme, welche man in den Flammen des Feg= feuers zuzubringen habe. Auch eine kurze Zeit im Fegfeuer erscheint den duldenden Seelen überaus lange. Das Fegfeuer einzelner Seelen würde ohne die Fürbitte der Gläubigen bis zum Ende der Zeiten dauern. Denn der uns richtet, ist der Herr und es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen."„ Ich litt drei Tage," rief Constantin a Salvatore, und es schienen mir dreitausend Jahre zu sein.“„ Am Ende der Zeiten aber," spricht der hl. Bonaventura, ,, vor der Ankunft des Richters, bricht das unterirdische Feuer aus der Tiefe der Erde hervor und wälzt sich über die Oberfläche der Erde. Alle zu dieser Zeit noch lebenden Menschen 30 kommen in den Flammen um, die Gottlosen unter Qualen; die ganz Reinen durch ein Wunder Gottes ohne Schmerzen; die Gerechten, die nicht ganz rein sind, unter so viel Schmerzen, als es dem Maße ihrer Strafwürdigkeit entspricht. Dann folgt die allgemeine Auferstehung und das Weltgericht". Oihr mitleidigen Christen, die ihr den armen Seelen ihre langen und entsetzlichen Leiden abkürzen fönnet, versäumt es nicht, nach allen Kräften zu helfen. Beispiel. Joseph Harolius erzählt in seiner Rede„ Von den Seelen" folgende ergreifende Geschichte. In einem Kloster hatten zwei Ordenspriester eine innige Freundschaft in Gott geschlossen, um durch gemeinsames Wirken für ihr ewiges Heil durch Gebet, Buße und Abtötung die Ehre Gottes zu befördern, ihren Mitbrüdern das Beispiel heiligen Eifers zu geben durch Pünktlichkeit beim Chorgebet, durch Wirken für das Seelenheil Anderer und durch treue Beobachtung der Hl. Ordensregeln. Da erkrankte einer aus ihnen, so daß man die Hoffnung auf Wiedergenesung aufgab. 31 Dem Kranken erschien überdies ein Engel, der ihm verkündete, er werde bald sterben und zur Strafe für einige läßliche Sünden so lange im Fegfeuer bleiben, bis eine hl. Messe für ihn gelesen sei und darauf in den Himmel gelangen, zum Lohne für seinen Seeleneifer und seine Frömmigkeit. Voll Freude erzählte er seinem Freunde die Erscheinung und beschwor ihn bei ihrer treuen Freundschaft, das hl. Mesopfer doch so bald als möglich nach seinem Tode für ihn darzubringen, damit er bald in die ewige Herrlichkeit eingehen könne. Tief ergriffen versprach der priesterliche Freund ihm alles und hielt sein Wort getreu. Kaum war sein Mitbruder am folgenden Morgen gestorben, so ging er in die Sakriſtei, legte die Hl. Meßkleider an und ging an den Altar. Mit heißer Inbrunst verrichtete er das hl. Opfer und flehte zu Gott im Namen seines auf dem Altare sich opfernden göttlichen Sohnes, sich seines verstorbenen Freundes zu erbarmen und ihn bald in den Himmel aufzunehmen. Als er nach der Hl. Messe die Danksagung verrichtete, erschien ihm sein verstorbener Freund strahlend vor Glück; allein fummer- und leid 32 vollen Antliges sprach er zu ihm:„ O mein Bruder, wie hast du dein Versprechen so schlecht gehalten: länger als ein Jahr hast du mich warten lassen; weder du noch einer der Mitbrüder hat eine einzige hl. Messe für mich dargebracht. Welch eine grausame Nachlässigkeit, da ich dadurch so schnell befreit worden wäre." Außer sich vor Staunen und Entsetzen sprach der Priester:, Soeben habe ich die Hl. Messe vollendet, die ich nach deinem Hinscheiden sofort beginnen konnte. Da siehst ja du noch deinen Leichnam, dessen Begräbnis ja noch nicht stattgefunden hat. Gewiß habe ich mein Versprechen dir treu erfüllt." Mit schmerzlichem Erstaunen starrte die Erscheinung ihn an und sprach endlich bewegt: O wie entsetzlich sind die Leiden im Fegfeuer, die so kurze Zeit als ein Jahr erscheinen lassen. Gepriesen sei die Barmherzigkeit Gottes, welche sie durch deine Güte abkürzte. Verzeihe mir, lieber Bruder, ich danke dir für deine treue Liebe. Ich eile nun zum Himmel und dort will ich Gott bitten, daß er dir vergelte, was du für mich gethan und daß er im Himmel uns in ewiger Freude vereine, wie wir auf Erden 33 in hl. Freundschaft verbunden waren. Auf Wiedersehen im Himmel!" Vorsah. Ich will durch Geduld in Kreuz und Leiden den armen Seelen helfen und wenn ich zornig werden möchte, sogleich des langen, bangen Fegfeuers gedenken, um durch Ungeduld oder Zorn Gott nicht zu beleidigen. Heiliger Leonhard, der du auf Erden so viele Gefangene befreit hast, bitte für uns und befreie durch deine mächtige Fürbitte die Gefangenen im Kerker des Reinigungsortes. Amen. Fegfeuer- Stimmen. 3 Zweites Kapitel. Die Beweggründe zur Hülfe. Siebenter Tag. Patron: Der bl. Engelbert, Erzbischof von Köln, Martyrer,+ 1225. 1. Die Nächstenliebe. Betrachtung. Sie wahre christliche Liebe ist nicht wie eine Flamme, die der Wind auslöscht; sie hört nicht auf, wenn liebe Angehörige oder Bekannte unsern Augen entschwinden; sie begleitet dieselben über das Grab hinaus. Wahrlich schon das Naturgeseß verpflichtet uns zu dieser Hülfe, indem es uns durch die Vernunft sagt: ,, Was du willst, das Andere dir thun sollen, das thue auch ihnen." Aber die christliche 35 Nächstenliebe sagt uns noch lauter, daß wir verpflichtet sind, jenen Mitmenschen zu helfen, welche wie wir mit dem kostbaren Blute Jesu Christi erlöst, einst mit uns Bewohner des Himmels sein werden, die aber jetzt Schmerzen erleiden, welche wir hienieden nicht einmal ahnen können. Und doch können wir ihnen helfen, während der Glaube uns lehrt, daß sie selbſt für sich nichts mehr zu thun vermögen. Sie sind nämlich Verbannte, fern von ihrem Vaterlande, dem herrlichen Himmel; wir können ihnen die glückselige Heimat verschaffen. Sie sind Waisenkinder. Mein Vater und meine Mutter haben mich verlassen." Die göttliche Gerechtigkeit verhüllt ihnen das liebevolle Antlig Jesu und Mariä. Wir können es ihnen enthüllen. Sie sind Gefangene, einsam im Gefängnis, allein mit ihren Gedanken, mit ihrer Liebe, mit ihrem Schmerz. Wir können sie erlösen. Wenn der, welcher ein Freund ist, allezeit liebt, wie der hl. Geist sagt, und wenn ein Bruder bewährt wird in der Not", wie sollte uns die Nächstenliebe nicht bewegen, unseren Freunden und Brüdern im Fegfeuer in ihrer größten Not zu helfen? 3* 36 Beispiel. In Münster, Westfalen, brach, wie P. Philipp Alegambe in seinem Buche„ Helden und Opfer der Liebe" erzählt, gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts eine ansteckende Krankheit aus, die jeden Tag sehr viele Opfer durch den Tod hinwegraffte. Großer Mangel an Krankenpflegern entstand durch die Furcht vor Ansteckung. Ein Priester der Gesellschaft Jesu aber, P. Johannes Fabricius mit Namen, bot sich großherzig zu diesem schweren Liebeswerke an, besuchte fleißig die Kranken, reichte ihnen Arznei, erquicte, pflegte und ermunterte sie, ihre Leiden und Schmerzen geduldig und gottergeben anzunehmen. Er war rastlos, ihre Beichten zu hören, ihnen die hl. Sterbesakramente zu spenden, im Tode ihnen beizustehen, ja sogar sie selbst zu begraben. Eine ganz besondere Liebe und einen aufopfernden Eifer hatte er ebenso sein ganzes Leben hindurch für die armen Seelen im Fegfeuer. Er opferte für sie sehr häufig die Hl. Messe auf und empfahl auch andern Priestern die Verrichtung dieses Liebeswerkes und auf seine Anregung widmeten die Väter der Gesellschaft Jesu in Münster jeden Monat einen besonderen Tag zum Gebete für 37 die Verstorbenen. Wie in vielen anderen Fällen, wurde auch hier die eifrige Liebe dieses ehrwürdigen Ordensmannes durch mehrere Erscheinungen der armen Seelen belohnt. Die Einen baten ihn um Beschleunigung ihrer Befreiung aus dem Fegfeuer, Andere dankten ihm innig für die durch seine Hülfe bewirkte Erlösung. Ein herrliches und heldenmütiges Werk der christlichen Nächstenliebe aber verrichtete er in seiner Todesstunde. Er schenkte nämlich in rührender Selbstlosigkeit und bewunderungswürdiger Liebe derjenigen armen Seele, die Gott begnadigen wolle, durch Maria die Verdienste aller guten Werke, heiligen Messen, Ablässe, Bußwerke und Almosen, welche in seinem Orden für die ver= storbenen Mitglieder aufgeopfert werden. Erhabenes Beispiel christlicher Nächstenliebe, bewunderungswürdiges Testament einer Gott in den ärmsten Menschen liebenden Seele. Gewiß hat Gott ihn durch sein Opfer nicht verkürzt werden lassen in seiner Todesstunde. Man nennt dieses Opfer den heldenmütigen Liebesaft", den auch wir mit großem Nußen vollbringen können, zum Troste der armen Seelen und zu unserem eigenen ewigen Heile. 38 Vorfah. Ich will mir eine besondere Überwindung auflegen aus Liebe zu den armen Seelen und zu meinem Seelenheile: im Essen, oder Sehen, Hören, Umgang, Bequemlichkeit und will öfters den heldenmüthigen Liebesaft" erwecken. Heiliger Engelbert, du edles Muster und Vorbild der hl. Nächstenliebe, bitte für uns, daß wir dieselbe nachahmen zum Troste und zur Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer. Amen. Achter Tag. Patron: Die vier hl. gekrönten Brüder, Martyrer, Rom, 304. 2. Das Bedürfnis der Reinigung. Betrachtung. Q enn die hl. Schrift beteuert, daß auch der Gerechte des Tages sieben Mal falle; wenn der hl. Geist sagt:„ Es ist kein Gerechter auf Erden, der das Gute thue und nicht fündige" ( Eccl. 7, 21) und der hl. Jakobus spricht: ,, In 39 vielem fehlen wir alle"; wie wird es im Jen= seits uns Sündern ergehen, die wir mit läßlichen Sünden ohne Zahl unsere Seelen beflecken; wie müssen jene Seelen unserer Mitbrüder im Fegfeuer Verlangen tragen nach der Reinigung ihrer Seelen von unzähligen Begehungen, Unterlassungen, Nachlässigkeiten und klein erscheinenden Verirrungen, die sie vielleicht gerade wegen uns begangen und im Leben nicht geachtet haben. Nicht umsonst sagt der hl. Augustinus, daß kein Mensch auf Erden lebe, der nicht zittern müsse, wenn der ewige Richter sein Leben ohne Barmherzigkeit durchforsche. Alle, auch die Gerechten und Heiligen müssen erbeben. Auch die reinste Seele sei nicht ohne Flecken. Weshalb auch der fromme Verfasser des» dies irae« flagt: Was werd' dann ich Armer sagen, Wen als Schußherrn mir erfragen, Wo Gerechte selber zagen? Wer sollte, das bedenkend, den Armen im Fegfeuer nicht helfen, daß ihre notwendige Reinigung bald vollendet werde, da nichts Unreines in den Himmel eingehen kann, und von Herzen öfters flehen: 40 ,, Den Sünder mit Erbarmen richte, Der bebt vor deinem Angesichte, O Jesu, deiner Huld gedenke, Und ewige Ruhe ihnen schenke." Beispiel. Der Geschichtsschreiber Surius erzählt in dem „ Leben der ehrw. Maria von Orgnies"( Ornji), daß mit dieser heiligmäßigen Frau eine Witwe in inniger Freundschaft gelebt habe. Diese Witwe hatte zwei Töchter, die sie sehr sorgfältig in Tugend und Herzensreinheit erzogen hatte, so daß sie selbst in der Welt mit Erlaubnis ihres Beichtvaters das Gelübde der Jungfräulichkeit ablegten, einsam und zurückgezogen lebten und der ganzen Jungfrauschaft ihrer Pfarrei zum Muster und Vorbild dienten. Da erkrankte ihre Mutter, diese fromme Witwe, sehr schwer und ihre Freundin Maria eilte herbei an ihr Sterbelager, um sie zu ermuntern und zu trösten. In das Krankenzimmer eintretend, sah sie staunend am Bette der Kranken die hl. Gottesmutter stehen, welche mit zärtlicher, mütterlicher Sorgfalt ihr beistand. 41 Auf einer andern Seite sah sie zu ihrem Schrecken die häßlichen Gestalten von Teufeln, welche mit Versuchungen und List der Sterbenden zu nahen suchten; aber als der hl. Petrus erschien mit dem hl. Kreuz in der Hand, da flohen die bösen Geister wie vom Blige getroffen. Die fromme Witwe starb wohl vorbereitet und versehen. Ihre Freundin Maria wohnte der Beerdigung bei und hatte wieder die Gnade, die Königin des Himmels, von Jungfrauen umgeben, zu sehen, welche mit lieblicher Stimme die Psalmen der Totenvesper sangen. Nun wird diese so hochbegnadigte Seele sogleich nach ihrem erbaulichen Tode in den Himmel eingegangen sein? Ach, wie schrecklich ist Gottes Gerechtigkeit! Trotz seiner unendlichen Barmherzigkeit kann sie nicht den geringsten Fehler an uns dulden. Als die ehrw. Maria nach der Beerdigung sich zu stiller Betrachtung zurückzog, sah sie den traurigen Zustand der Seele ihrer verstorbenen Freundin, welche wegen einigen Unvollkommenheiten zu schweren Leiden im Fegfeuer verurteilt war. Maria erschrak bei diesem Anblicke ihrer unglücklichen Freundin, von der sie hoffte, 42 daß sie schon im Himmel sei. Sie eröffnete ihre Erscheinung den zwei frommen Töchtern der Verstorbenen, und alle drei verdoppelten ihre Gebete, Fasten, Almosen und andere Liebeswerke und setzten sie fort, bis die Verstorbene ihnen in strahlendem Glanze erschien. Sie fürchteten von da an doppelt die strenge Gerechtigkeit des allheiligen Gottes und hüteten sich noch sorgfältiger vor den kleinen Fehlern, die man sonst so leicht begeht und einst durch Leiden und Thränen abzubüßen hat. Sie erkannten aber aus dem Schicksale ihrer Mutter und Freundin mit Dankbarkeit auch die Treue und Liebe der Mutter Gottes, mit welcher sie über jene wacht, die sie eifrig um ihren Schutz angefleht und ihr im Leben treu gedient haben. Vorsak. Zum Troste der armen Seelen und zu meinem ewigen Heile, will ich, so oft ich bemerke, daß ich in eine Sünde gefallen bin, wenn sie mir auch gering erscheint, Reue und Leid erwecken und mir eine Buße auferlegen. Auch will ich Maria oft anflehen um Hülfe und Trost für die Sterbenden und Abgestorbenen. 43 Heilige vier gekrönte Martyrer, bittet für die armen Seelen, daß sie bald gereinigt zur Anschauung Gottes gelangen, und für uns arme Sünder, daß wir auch die kleinen Sünden aus Liebe zu Gott vermeiden. Amen. Neunter Tag. Patron: Der hl. Theodor, Martyrer, Syrien, + 306. 3. Der eigene Nußen. Betrachtung. hue Gutes dem Gerechten," sagt der hl. Geist, so wird es dir recht sehr vergolten werden, wo nicht von ihm selbst, doch ganz gewiß von dem Herrn."( Sir. 12, 2.) Welche Barmherzigkeit werden wir erst zu hoffen haben im andern Leben, wenn wir auf Erden Barmherzigkeit üben gegen die gerechten Seelen im Reinigungsorte. Nicht umsonst nennen die Geisteslehrer die thätige Liebe für die armen Seelen ein zuverlässiges Zeichen der göttlichen Auserwählung zur 44 ewigen Glückseligkeit. Das ist wahr," sagt der hl. Thomas von Aquin,, wer für die armen Seelen genug thut, der thut für sich selbst noch nicht genug. Es ist aber ebenfalls wahr, daß ein solcher noch mehr verdient, als die Nachlaffung der Strafen, nämlich das ewige Leben." Denn selig ist, der des Armen und Dürftigen gedenkt; am Tage des Unglücks wird ihn erretten der Herr."( Ps. 40, 1.) Die Gerechtigfeit Gottes verhängt zudem je nach der Größe der begangenen Fehler schwerere oder leichtere Strafen über den Sünder. Wer hart war gegen die Armen, wird nach seinem Tode auch nicht Mitleid und Barmherzigkeit finden. Wer seinen Leib verzärtelt, ihm keine Lust, tein Verlangen abschlug, wird die empfindlichsten Schmerzen ohne jegliche Linderung erduiden müssen. Hingegen wird der barmherzige, mildthätige Mensch für seine verdienstlichen Almosen erquickt, die abgetötete Seele für jede Selbstverleugnung Trost und Hülfe in den Leiden erlangen. Gilt das von unserer Hülfe für Lebende, wie viel mehr, wenn wir den von Gott innigst geliebten armen Seelen helfen. Es ist unser eigener Nußen. ORSE 45 Beispiel. Vom deutschen Kaiser Otto IV. wird er zählt, daß er ein großer Wohlthäter aller Klöster gewesen sei und zugleich große Strenge gegen sich selbst geübt habe. Aus diesem Grunde wurde er in den Beinen seines Fegfeuers durch die Gebete und guten Werke der dankbaren Ordensleute getröstet und bald aus demselben erlöst. Er war sehr fromm aus diesem Leben geschieden und Jedermann glaubte, daß er im Himmel in der ewigen Herrlichkeit sich befinde. Allein er erschien eines Tages der Vorsteherin eines Klosters, die mit ihm nahe verwandt war. Diese stand an einem Fenster des Sprechzimmers, als sie an der Thüre klopfen hörte. Von selbst öffnete sich die Thüre und in bittender Stellung stand der Kaiser vor ihr und sprach zu der sprachlos Dastehenden in schmerzvollem Tone: Ich bin noch nicht in das ewige Leben eingegangen und schmachte in den Flammen des Fegfeuers. Ach, wenn du nur ein wenig Mitleid haft mit mir, so beweise es mir, ich beschwöre dich. Benachrichtige doch die Klöster von dieser Erscheinung und fordere sie auf, für mich zu beten und gute Werke und Bußübungen 46 zu verrichten. Diese freiwilligen Genugthuungen werden mich reinigen, ich weiß es gewiß; denn ich habe den geistlichen Orden viel Gutes gethan in meinem Leben und Gott will mich durch sie erlösen." Die Vorsteherin benachrichtigte dankbar fofort alle Klöster von diesem Ereignis und es wurde sehr viel für den toten Kaiser gebetet. Kurze Zeit hernach erschien er seiner begnadigten Verwandten im Ordensstande wieder in blendendem Lichtglanze, dankte mit rührenden Worten für die ihm gewordene Hülfe, die ihm den Himmel so bald geöffnet habe. Das hatte er aber den Wohlthaten vor allem zu verdanken, die er für Lebende und Abgestorbene gewirkt hatte, da er noch am Leben war. Vorsak. Ich will ein bestimmtes Werk der leiblichen oder geistlichen Barmherzigkeit zum Troste der armen Seelen zu bestimmten Zeiten ausüben und gegen Arme, Freund oder Feind, barmherzig sein, damit Gott sich auch meiner erbarme. 47 Heiliger Martyrer Theodor, bitte für uns und die armen Seelen im Fegfeuer, damit wir wie du die ewige Herrlichkeit mit ihnen erlangen. Amen. Zehnter Tag. Patron: Der hl. Andreas Avellinus, Neapel, † 1590. 4. Die Freude im Himmel. Betrachtung. enn im Himmel, nach dem Zeugnisse der hl. Schrift, größere Freude ist über einen Sünder, der Buße thut, als über neunundneunzig Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen, welche Freude bereiten wir erst den Engeln und Heiligen des Himmels und welche Vorteile uns selber, wenn wir uns bemühen, ihren und unsern leidenden Mitbrüdern den Himmel zu eröffnen, die so sehr und in solchen Qualen nach demselben seufzen und verlangen. Wahrlich werden alle von den Engeln und Auserwählten des Himmels gesegnet und Gottes 48 Barmherzigkeit und Treue wird denen zugewendet, welche großmütig für die Befreiung der armen Seelen wirken. Denn sagt der hl. Paulus, wenn ein Glied etwas leidet, so leiden alle Glieder mit; des= gleichen wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Chrifti und Glieder von Einem Gliede." ( I. Cor. 12.) Darum spricht so schön der Hl. Augustinus: ,, Gib Bußthränen, o Herr, und gewähre, daß die Heiligen und Engel sich beständig über uns freuen, damit du beständig durch sie in uns gelobt werdest und wir mit ihnen alsbald dieselbe Herrlichkeit genießen und in ihrer Gesellschaft deinen heiligen Namen preisen, o Schöpfer der Engel und Menschen." Beispiel. Die hl. Brigitta sah einst im Geiste das Fegfeuer vor sich, in welchem die armen Seelen geläutert werden, ehe sie zur ewigen Glückseligteit eingehen, wie das Gold im Schmelzofen gereinigt wird. Da hörte sie einen Engel beten: Gesegnet sei der Erdenbewohner, der durch seine Gebete und guten Werke den armen Seelen zu 49 Hülfe eilt; denn die Gerechtigkeit Gottes verlangt, daß dieselben entweder in den Flammen des Fegfeuers gereinigt, oder durch die guten Werke ihrer Freunde aus demselben befreit werden." Dann hörte sie eine große Menge klagender Stimmen flehen: O Herr Jesus Christus, gerechter Richter, wir bitten Dich um deiner unendlichen Barmherzigkeit willen, wende dein Auge von unsern unzähligen Sünden und sich an die Verdienste deines kostbaren Leidens und Sterbens. Flöße deine wahre Liebe den Herzen der Ordensleute, Priester und Gläubigen ein, damit sie uns durch ihre Gebete, Opfer, Almosen und Ablässe zu Hülfe eilen. Sie können uns helfen, wenn sie wollen, sie können unsere unbeschreiblichen Qualen erleichtern und abkürzen; sie können bewirken, daß wir mit dir, o Gott, schneller vereinigt werden." Aus der Tiefe des Leidensortes hörte die Hl. Brigitta die flehenden Bitten: ,, Gnade, tausendfältige Gnade, verleihe, o Gott, denen, die uns Hülfe bringen in unser Elend." Darauf senkte sich ein wunderbares Licht herab, halb glänzend, halb trübe, als Sinnbild des anbrechenden Erlösungstages. Und neue StimFegfeuer- Stimmen. 4 50 men sangen in ergreifenden Weisen:, Gott, dessen Macht unendlich ist, belohne es hundert= fältig allen denen, die für unsere Erlösung beten, und uns zum Eintritt in dein himmlisches Licht verhelfen." Aus diesen Fegfeuerstimmen erkennen wir den sichern Lohn derjenigen, welche für die armen Seelen beten und wirken. Diese sind unsere dankbaren Fürsprecher, die im Himmel voll Freude für uns beten. Es sind Seelen, denen wir zur Freude aller Engel und Heiligen die ewige Glückseligkeit schneller vermittelt haben. und die eine solche Wohlthat in Ewigkeit nie uns vergessen. Vorsak. Ich will oft zu den Heiligen und Engeln für die armen Seelen beten und im öftern Aufblicke zum Himmel seufzen: O wie eckelt mich die Erde an, wenn ich des Himmels gedenke." 11 Heiliger Andreas, der du im heiligen Ordensleben so treu Gott gedient und ihm so viele Seelen zugeführt hast, führe auch die Seelen 51 unserer Brüder und Schwestern im Fegfener den ewigen Freuden des Himmels zu und bete für uns arme Erdenpilger. Amen. Elfter Tag. Patron: Der hl. Martinus, Bischof von Tours, † 402. Maß für Maß. 5. Betrachtung. B eim hl. Evangelisten Markus( 4, 24) steht das ernste Wort geschrieben: ,, Merket wohl, was ihr höret! Mit demselben Maße, womit ihr messet, wird euch wieder gemessen, und es wird euch noch darüber gegeben werden." Wenn dieses große Gotteswort von den Lebenden gilt in Rücksicht auf ihre Mitmenschen auf Erden, so gilt es doppelt in Rücksicht auf unsere Pflichten für die Abgestorbenen. Darum sagt der weise Kardinal Kajetan: Jenen, welche der Abgestorbenen in diesem Leben vergessen, wird einst, wie ich dafür halte, im Fegfeuer alle Teilnahme an den guten Werken 4* 52 und Gebeten entzogen werden, wenn für sie auch noch so viel Gutes von andern geleiſtet würde, indem Gottes Gerechtigkeit so ihre einstige Unbarmherzigkeit und Herzenshärtigkeit beſtraft." Darum sagt auch die Nachfolge Christi nicht umsonst: ,, Vertrauet nicht zu sehr auf euere Freunde und Verwandte; denn sie werden euch schneller vergessen, als ihr glaubet. Wenn du für dich jetzt selbst nicht besorgt bist, wer wird in der Zukunft deinetwegen bekümmert sein?" Wer nichts für andere thut, thut nichts für sich und ohne Barmherzigkeit wird derjenige gerichtet werden, der keine Barmherzigkeit geübt hat."( Jac. 2, 13.) Beispiel. In der Chronik der Barfüßer- Karmeliten steht folgende Begebenheit aufgezeichnet: In dem Kloster ,, Von den Engeln" in einem Flecken Spaniens starb ein sehr tugendhafter Ordensmann, der ein frommes, gottgeweihtes Leben hinter sich hatte. Allein er be= durfte doch nach seinem Tode, wie wohl faſt alle Menschen, der Gebete und da man solche aus unbegreiflicher Sorglosigkeit für ihn nicht 53 verrichtete, so mußte er mehrere Jahre lang im Fegfeuer schmachten. Nach Verlauf einer bestimmten Zeit gestattete ihm Gott, einen seiner einstigen Freunde auf Erden um Hülfe zu bitten. Er erschien einem frommen Diener Gottes, seinem ehemaligen Ordensbruder Petrus. Er schilderte dem Erstaunten und Erschrockenen die Größe seiner Leiden und bat ihn, in seinem Namen den Vorsteher des Klosters um mehrere Hl. Messen zu ersuchen, da von der Erfüllung dieser Bitte seine Erlösung abhange. Bruder Petrus erfüllte sogleich seinen Auftrag, aber P. Dominikus, der Vorsteher des Klosters, glaubte ihm nicht und hielt das Ganze für eine Erfindung der aufgeregten Einbildungskraft des Bruders. Einige Tage später erschien diesem der Verstorbene wieder, flagte ihm seine Leiden und bat ihn dringend, das Mitleid seines Obern nochmals anzurufen. Dieser glaubte endlich an die Erscheinung und ließ von mehreren Priestern das hl. Meßopfer für ihn darbringen. Die Wirkung zeigte sich allen. Während des Chorgebetes in dunkler Abendstunde sahen die Ordenspriester eine Lichtfugel und in ihr die Seele des Dahingeschiedenen, wie sie lang 54 sam gen Himmel schwebte. Sie wandte sich zuerst gegen den frommen Bruder Petrus, darauf zu dem Obern und verschwand mit den Zeichen tiefster Dankbarkeit. Der Vorsteher P. Dominikus aber, welcher die Bitte des Verstorbenen nicht zuerst hatte erfüllen wollen, mußte seine zweifelsüchtige Saumseligkeit büßen. Als er nach einigen Jahren in einem andern Kloster starb, wo er ein zwar heiliges, aber eben auch mit manchen Unvollkommenheiten und Gebrechlichkeiten behaftetes Leben geführt hatte, wurde auch er im Fegfeuer zurückbehalten. Auch ihm war nach langen, schmerzensvollen Leiden gestattet, die Hülfe seiner Mitbrüder anzurufen. Er erschien einem Laienbruder, als er im Walde Holz hackte, und bat ihn, daß er seinem Obern melde, daß er schreckliche Qualen im Fegfeuer leide und einer bestimmten Anzahl heiliger Messen zu seiner Erlösung bedürfe, die er verpflichtet gewesen sei zu lesen, aber in seiner Saumseligkeit vom Tode überrascht, nicht mehr habe verrichten können. Als dem Vorsteher diese Erscheinung berichtet wurde, ließ es Gott zu, daß auch er, wie einst der Verstorbene, der Sache mißtraute und die Erfüllung der 55 Bitte vernachlässigte, wohl zur Bestrafung des ähnlichen Fehlers, den der Verstorbene einst begangen. Die Erscheinung aber wiederholte sich und bat um Mitleid in ihrem elenden Zustande, bis der Vorsteher endlich mit mehreren Mitbrüdern die Hl. Messen darbrachte. Von da an sah man die Erscheinung nicht mehr und schloß daraus, daß der Verstorbene zur Anschauung Gottes gelangt sei, aber auch, daß vor Gottes Gerechtigkeit ,, Maß für Maß" Geltung habe. Vorsat. Ich will treu und gewissenhaft halten, was ich Gott für die armen Seelen verspreche und täglich darauf bedacht sein, kurze Stoßgebete zu verrichten und die Verdienste und hl. Ablässe für die armen Seelen aufzuopfern. Heiliger Martinus, bitte für uns und die armen Seelen im Fegfeuer und erflehe uns wirksamen Eifer und heilige Liebe für ihre Erlösung. Amen. 10⁰⁰ 56 Zwölfter Tag. Patron: Der hl. Martinus, Papst und Martyrer, † 655. 6. Hülfe im Tod. Betrachtung. s gibt gewiß feine größere Not, als die Todesnot. Da die armen Seelen dieselbe aus Erfahrung kennen, so stehen sie gewiß denen mit aller Liebe bei, die ihnen im Leben ge= holfen haben und die sie nun im Sterben und in Todesnot erblicken. Wenn der göttliche Heiland die den armen Seelen erwiesene Liebe so betrachtet, als sei sie ihm selbst erwiesen, wie gerne wird er diese seinem göttlichen Herzen so lieben Seelen erhören, wenn sie für einen Sterbenden bitten, der ihnen einst im Leben durch seine Hülfe Trost, Linderung und Erlösung gebracht hat in ihre Fegfeuerqualen, der aber jetzt selbst in Todesnöten daliegt, in einem verzehrenden, langsamen Fieber, oder sterbend an einer Wunde, oder in einem Schiffbruche, oder von einem Falle, oder von einem Blige getroffen, oder vom Schlagflusse; auf dem Lande oder auf 57 dem Meere, oder im Bette, oder auf dem Erdboden, oder im Wasser, oder im Feuer, oder auf dem Wege, oder in der Kirche, in der Heimat, oder in der Fremde; über sich den gerechten Richter, unter sich die schreckliche Hölle, neben sich den quälenden Feind, um sich Angst und Schmerzen, in sich den Tod, der mit Gewalt die Seele vom Leibe trennt.„ Wahrlich, sage ich euch, was ihr einem der geringsten meiner Brüder gethan, das habt ihr mir gethan," sprach einst der Herr. Glückselig der sterbende Christ, dem Jesus einst in seiner Todesnot dasjenige tausendfach vergelten kann, was er in seinem Leben für die ärmsten seiner Brüder gethan, für die armen Seelen im Fegfeuer. Beispiel. Die hl. Margarita von Kortona war einst in ihrem Leben eine große Sünderin. Aber durch die Gnade Gottes wurde sie eine große Heilige. Unter den vielen Tugenden, die sie nach ihrer Bekehrung übte, hatte sie eine ganz besondere Liebe für die armen Seelen, für deren Erlösung sie sich ganz hinopferte. Dafür wurde ihr eine herrliche Belohnung zu teil. In 58 ihrer Todesstunde sah sie viele durch sie erlöste Seelen herbeieilen, um gleichsam ihr Ehrengeleite auf dem Wege in die himmlische Heimat zu bilden. Da die geordnete Liebe zu den Verstorbenen zuerst die Eltern begreift, so erinnerte sie sich auch zuerst ihres Vaters und ihrer Mutter, die gestorben waren. Sie opferte für dieselben eifrigst hl. Messen, Kommunionen und alle ihre guten Werke Gott auf und es wurde ihr geoffenbart, daß sie dadurch lange vor der bestimmten Zeit erlöst worden seien. Mit großem Eifer betete sie aber auch für alle Abgestorbenen und sie wurde zahlreicher Erscheinungen gewürdigt, welche die dankbare Hülfe der armen Seelen im Tode bezeugen. So wurden zwei Kaufleute in unsicherer Gegend von Räubern überfallen und ermordet. Ihre Seelen erschienen der hl. Margarita und eröffneten ihr, daß sie vor ihrem Tode noch Zeit erhalten haben, wahre Reue zu erwecken. Dank der Güte Gottes und der Fürbitte Mariä hätten sie den Todesstreich gottergeben und zur Sühne für ihre Sünden angenommen. Dadurch seien sie der Hölle entgangen, aber wegen Betrug und Lüge im verflossenen Leben leiden 59 sie noch schreckliche Qualen im Fegfeuer. Sie beschworen nun die Dienerin Gottes, daß sie ihre Verwandten bestimme, ihre Ungerechtigkeiten gut zu machen, ihre Schulden zu bezahlen und für ihre Seelenruhe Almosen zu spenden. Sie selbst beschworen sie bei ihrem Mitleide für die armen Seelen, daß sie Gott um Abkürzung ihrer Leidenszeit anflehen wolle. Freudig erfüllte Margarita ihre Bitten und erwirkte baldige Erlösung. Sie half aber nicht nur selbst den armen Seelen nach besten Kräften, sondern ermunterte auch Ordenspersonen und Weltleute, das Gleiche zu thun. Der Heiland selbst gab ihr einst einen Auftrag für den Orden der mindern Brüder des hl. Franziskus mit den Worten: ,, Empfiehl ihnen in meinem Namen, eifriger der armen Seelen zu gedenken, deren Menge in diesem Augenblicke zahllos ist, weil fast niemand mehr für sie betet." Bei diesem Eifer der hl. Margarita für die armen Seelen ist es begreiflich, daß eine große Menge der glücklichen und dankbaren Seelen, denen sie im Leben geholfen, bei ihrem Tode ihr entgegen eilten, um sie ehrenvoll und glorreich in die Herrlichkeit des Himmels zu begleiten. 60 Vorsat. Ich will aus Liebe zu den armen Seelen, und um sie für meine Todesstunde zu meinen Freunden und Schuldnern zu machen, den „ heldenmütigen Liebesakt" erwecken und oftmals erneuern. Heiliger Papst Martinus, der du aus Liebe zu Gott Kerker und Verbannung erduldet hast, bitte für uns und die armen Seelen im Fegfeuer, daß wir, wenn wir aus dem Kerter dieses Leibes ziehen, eines glückseligen Todes sterben und daß die Seelen im Fegfeuer aus ihrer Verbannung befreit werden. Amen. PATER NOSTER Drittes Kapitel. Die Mittel zur Hülfe. 11111 YX Dreizehnter Tag. Patron: Der hl. Stanislaus Kostta, S. J. Polen. + 1568. 1. Gebet und Fasten. Betrachtung. Sie hl. Schrift versichert, daß es ein heiliger und heilsamer Gedanke sei, für die Verstorbenen zu beten." Denn an diesem Gebete hat Gott sein innigstes Wohlgefallen und des halb erreicht es sicher seinen Zweck. Wenn Gott unsere Gebete willig erhört, wenn wir nur um irdische Dinge flehen, um wie viel mehr thut er es, wenn wir für die Erlösung der Seelen beten, die er innig liebt und die bestimmt und sicher 62 sind, die ganze Ewigkeit an seiner Glückseligkeit teilzunehmen. Darum spricht der Hl. Bernhard die so bewegten Worte: ,, Mit Wehklagen will ich den Herrn beschwören, mit unausgeſetzten Seufzern in ihn dringen. Mit meinen Gebeten will ich der Verstorbenen Fürbitter sein, in der Hoffnung, daß der Herr sie seines gnädigen Blickes würdigen, ihre Leiden in Ruhe, ihre große Not in unaussprechliche Glorie verwandeln wolle. Durch solche Werke kann ihre Bußzeit abgekürzt, ihr Leiden und ihr Schmerz aufgehoben werden."( Serm. 42.) Nicht weniger schön sagt der hl. Thomas von Kempis: Voll Freuden müssen wir bei unsern Gebeten aller Verstorbenen, ganz besonders aber unserer Eltern, Freunde und Wohlthäter eingedenk sein; denn es ist das Werk aufrichtiger Liebe und Barmherzigkeit. Gleichwie wir den sehnlichsten Wunsch hegen, daß man uns einst nach unserem Hinscheiden zu Hülfe eile, so müssen wir bestrebt sein, auch ihnen, so viel wir vermögen, mit der Gnade Gottes beizuspringen. Man beraubt sich, wenn man für sie betet, keineswegs der Frucht des Gebetes und wird zudem in heilsamer Weise an den Tod erinnert.- Beten wir da 63 her für unsere Lieben, da wir denselben in kurzer Zeit folgen werden, damit sie auch einst unserer Nöten und Bedrängnisse eingedenk seien; aber beten wir stets mit glühender Andacht und Aufmerksamkeit." Der Herr wird aber, wie es im Buche Judith( 4, 12) heißt, unsere Gebete um so eher erhören, wenn wir vor dem Angesichte des Herrn verharren im Fasten und Beten. Dieses Fasten kann ein leibliches, soll aber auch ein geistiges sein. Ersteres bietet den doppelten Vorteil, daß man dadurch den armen Seelen wirksam zu Hülfe eilt und zugleich die durch Unmäßigkeit oft genug angegriffene Gesundheit neu träftigt. Von letzterem aber spricht der hl. Augustinus: ,, Welchen Nußen wird es uns bringen, wenn wir uns des Weines enthalten, aber vom Zorne uns berauschen und hinreißen lassen; wenn wir auf den Genuß von Fleischspeisen Verzicht leisten, aber gleich wilden Tieren die Ehre und den guten Namen unserer Mitmenschen zerfleischen?"( Serm. 64 de temp.) Wenn lieben nichts anderes heißt, als leiden und dulden, welcher Christ wird sich dann weigern, für seine Lieben im Fegfeuer zu fasten und zu beten, damit ihre Leiden und Qualen abgekürzt werden! 64 Wenn unser Glaube lebendiger wäre, so würden wir Gebet, Fasten und fromme Bußwerke zu den gewöhnlichen Mitteln machen, um die Seelen der Abgestorbenen aus ihren Leiden zu befreien, da diese Mittel Gott so wohlgefällig und zur Erfüllung unserer Bitten so wirksam sind. Wenige sind es aber wohl, welche ihre Gebete für die armen Seelen nicht leicht verbinden können mit kleineren innern oder äußern Abtötungen, z. B. in Speise und Trank, Verjagung eines Vergnügens, Stillschweigen, Geduld in Leiden, Ergebung in Gottes hl. Willen, Bezähmung des Eigenwillens u. s. w. Und doch hat alles dieses, verbunden mit eifrigem Gebet, große Kraft zur Erlösung der armen Seelen. Beispiel. Dem ehrw. P. Peter Paul Montorfano, Vorsteher eines Theatinerklosters, sandte ein vornehmer Bürger von Venedig eine große Geldsumme, damit er einen feierlichen Gottesdienst für die Seelen seiner Vorfahren veranstalte. Der Ordensmann ließ, getreu dem Gelübde heiliger Armut, zwar ein feierliches Seelamt halten, sah aber mehr auf Andacht und würdige 65 Feier der hl. Geheimnisse, als auf Prachtentwicklung. Darüber war der prachtliebende Weltmensch unzufrieden und machte dem ehrw. Klostervorsteher Vorwürfe. Dieser sah, daß er es mit einem Manne zu thun habe, dessen Herz nicht vom Geiste des Glaubens, sondern von den Eitelkeiten der Welt erfüllt war und suchte ein Mittel, ihn davon zu befreien und seine Seele zu wahrhaft christlichen Gesinnungen zurückzuführen. Er nahm den Boten desselben bei der Hand und führte ihn in ein anstoßendes Zimmer. Dort nahm er aus einem Pulte die ihm übersendete noch vollständige Summe, schrieb auf ein Blatt den Psalm» De profundis<«<, legte dasselbe in die eine Schale einer Waage, und in die andere die Goldsumme und siehe, das Papier mit dem Psalm wog schwerer. Man wollte den Augen nicht trauen. 3weimal wiederholte man den Versuch, beide Male mit gleichem Erfolg. Der erschrockene Bote machte das Kreuz und eilte zu seinem Herrn, um ihm das Wunder zu melden. Dieser wurde bestürzt, pries aber die göttliche Vorsehung, daß sie ihn habe erkennen lassen, wie sehr das andächtige Gebet alles übertreffe, bat den Ordensobern um Verzeihung und Fegfeuer- Stimmen. 5 66 suchte fortan mehr durch Gebet und gute Werke, als durch eitlen Prunk den armen Seelen zu helfen. Vorsak. Zum Troste der armen Seelen will ich mein tägliches Gebet für sie hie und da verbinden mit freiwilliger innerer und äußerer Abtötung. Heiliger Stanislaus, du Muſter christlicher Abtötung, erflehe uns von Gott die Gabe des Gebetes und heiligen Bußgeistes, daß wir sie anwenden zur Erquickung und Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer. Amen. 3 67 Vierzehnter Tag. Patronin: Die hl. Elisabetha Bona, von Waldsee, Jungfrau, 1420. 2. Leibliches und geistliches Almosen. Betrachtung. er hl. Thomas von Aquin stellt das Almosen höher als Beten und Fasten, wenn es sich um Abtötung begangener Fehler handelt. Er sagt:„ Das Almosen hat größere genugthuende Kraft, als das Gebet, und das Gebet größere, als das Fasten." Darum haben die großen Lehrer und die Heiligen vor allem durch das Almosen den armen Seelen zu helfen gesucht. Schon der alte Tobias ermunterte seinen Sohn zum Almosen mit den Worten: ,, Wenn du wenig haft, suche auch das Wenige gern zu geben. Denn einen guten Lohn sammelst du dir auf den Tag der Not." Das Almosen errettet vom Tode und dasselbe ist es, das von Sünden reinigt und macht, daß man Barmherzigkeit und das ewige Leben finde."( Tob. 12, 9.) Frage dich nun, o Christ, ob es dir nicht etwa möglich 68 sei, in rechter Meinung und Absicht etwa Hungrige zu speisen zum Troste der armen Seelen, oder Durstige zu tränken, oder Nackte zu befleiden, oder Fremde zu beherbergen, oder Gefangene zu erledigen, Kranke zu besuchen, oder Tote zu begraben? Oder kannst du nicht etwa in deinem Kreise und nach deinen Kräften zum Troste der Abgestorbenen Sünder zurechtweisen, Unwissende lehren, Zweifelhaften recht raten, Betrübte trösten, Unrecht geduldig leiden, Beleidigern gerne verzeihen und für Lebendige und Tote Gott bitten? Das alles sind leibliche oder geistliche Almosen, von denen Gott selbst gesprochen: ,, Was ihr einem der geringsten eurer Mitbrüder gethan, das habt ihr mir gethan." Beispiel. Eine arme Frau in Neapel konnte einst kaum den Hunger ihrer Kinder stillen, weil ihr Mann ein armer Arbeiter war, der jeden Abend seinen fargen, sauer verdienten Lohn heimbrachte. Von Not gedrängt machte er Schulden und wurde ins Gefängnis geworfen, da er nicht bezahlen konnte. Auf der unglücklichen Mutter lag nun 69 die Sorge für die ganze Familie und sie hatte außer einem felsenfesten Gottvertrauen nichts, als ihre beiden Hände. Zu Gott flehte sie demütig, daß er ihr helfe und vor allem ihren Mann befreie, der ja nicht eines Verbrechens, sondern nur seiner Armut wegen im Kerker liege. Man empfahl ihr einen reichen, sehr wohlthätigen Herrn. In einer Bittschrift legte sie ihm voll Hoffnung ihre traurige Lage dar. Aber sie erhielt nur ein geringes Almosen. Trostlos eilte sie in eine Kirche und flehte wieder zu Gott, daß er sie nicht verlasse, sondern Hülfe sende, und weinend und betend flehte sie endlich zu den armen Seelen um ihre Fürbitte und Hülfe. Getröstet und gestärkt bat sie einen Priester, der gerade an den Altar zu gehen bereit war, er möchte für das letzte Geldstück, das sie noch besaß, eine hl. Messe für die Abgestorbenen darbringen. Er gewährte ihre Bitte und sie wohnte mit großer Andacht der heiligen Meffe bei. Als sie vertrauensvoll nach Hause ging, redete fie ein Greis freundlich an und fragte sie nach der Ursache ihres Kummers, der von ihren Zügen zu lesen sei. Sie erzählte ihm alles offenherzig. 70 Der Greis ermutigte fie tief gerührt und gab ihr schließlich einen Schein, mit dem Auftrage, ihn zu einem Herrn zu tragen, dessen Wohnung er ihr genau bezeichnete. Ohne Zögern ging sie in das bezeichnete Haus, fand den Herrn und übergab ihm den Schein. Sogleich erkannte er darauf die Handschrift seines vor kurzem verstorbenen Vaters. Auf seine mit dem höchsten Erstaunen begleitete Frage, woher sie diesen Schein habe, sprach die bestürzte Frau: ,, Ein barmherziger Greis redete mich auf dem Wege an; ich erzählte ihm meine traurige Lage und gerührt gab er mir den Auftrag, diesen Schein Ihnen zu überbringen. Was darin steht, weiß ich nicht; aber die Züge des Greisen sind ähnlich denen des Mannes dort auf dem Bilde, das über der Thüre hängt." Überglücklich las der Herr das Schreiben folgenden Inhalts: ,, Mein Sohn! Dein Vater ist soeben aus dem Fegfeuer befreit worden und verdankt diese Gnade einer armen Frau, die heute morgen eine Hl. Messe für die Verstorbenen hat lesen laffen. Sie bringt Dir diese Zeilen und ich empfehle sie Dir dringend, weil sie in großer Not ist." 71 Wiederholt las der Sohn tief ergriffen die von so teurer Hand geschriebenen Worte und sprach gerührt zu der armen Frau:„ Mit einem kleinen Almosen hast du meinem Vater den Himmel geöffnet; jetzt will ich dich glücklich machen und Sorge tragen für dich und deine Familie, und nichts soll euch von nun an mehr fehlen." Die Freude der armen Familie war übergroß; aber nicht weniger groß ist die in diesem Ereignis enthaltene trostvolle Lehre, daß jede Wohlthat, die man in rechter Meinung und Absicht den Gliedern der leidenden Kirche erweist, sei sie auch noch so klein, vor Gott doch groß ist; denn sie zieht vom Himmel Ströme von Gnaden auf den Wohlthäter herab. Vorsak. Zum Troste der armen Seelen und zu meinem eigenen Seelenheile will ich öfters, nach Vermögen ein leibliches oder geistliches Almosen spenden. Heilige Elisabetha Bona, liebenswürdige Trösterin der Abgestorbenen, bitte für sie um ihre Erlösung und für uns um den Geist christlicher Mildthätigkeit. Amen. 72 Fünfzehnter Tag. Patronin: Die hl. Gertrud von Eisleben, Jungfrau,+ 1334. 3. Das hl. Mesopfer. Betrachtung. aß das hl. Mesopfer das träftigste Mittel zur Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer sei, hat das hl. Konzilium von Trient in seiner 25. Sigung feierlich erklärt. Die hl. Väter der Kirche sprechen sich in der herrlichsten Weise über diese trostvolle Wahrheit aus. Da es das unblutige Versöhnungsopfer ist für Lebendige und Abgestorbene, in welchem wie am Kreuze das Blut Jesu Christi zum Himmel um Erbarmen ruft und da der Priester nach der hl. Wandlung der Abgestorbenen insbesondere gedenkt, so ist leicht zu begreifen, welch' ein erhabenes, mächtiges und hülfreiches Mittel der Christ im hl. Meßopfer besigt zur Hülfe für die armen Seelen, sei es, daß er demselben andächtig beiwohnt, oder es für dieselben darbringen läßt. Darum mahnt uns der hl. Chrysostomus mit Recht in den Worten:„ Es geziemt sich, 73 daß man aus allen Kräften den Verstorbenen zu Hülfe komme, nicht mit Weinen, sondern mit Gebet, Almosen und mit Opfern. Nicht umsonst sind wir bei den hl. Geheimnissen der Verstorbenen eingedenk; nicht umsonst treten wir hinzu und bitten jenes Lamm, welches daliegt und die Sünden der Welt hinwegnimmt; sondern damit die Verstorbenen einen Trost daraus empfangen. Es betet auch nicht vergebens jener, der bei dem Altare steht, bei den furchtbaren Geheimnissen für alle, die in Christo entschlafen sind und deren Gedächtnis wir be= gehen. So laffet uns denn, Brüder, ihnen zu Hülfe kommen, lasset uns ihrer eingedenk sein. Denn wenn das Opfer des Vaters Job die Kinder gereinigt hat, warum willst du zweifeln, daß auch ihnen Trost von uns zukomme, wenn wir für die Verstorbenen opfern?" Näheres siehe: Eisenring,„ Das hl Meßopfer, Katholiken und Nichtkatholiken besonders der gebildeten Stände zur Prüfung und Erwägung vorgelegt." Einsiedeln, Gebrüder Benziger, 1880. S. 135-142. Beispiel. Von einem Ordensmann im Kloster Clairbaur( spr. Glärwo), dem der hl. Bernhard vorstand, wird erzählt, daß er die Ordensregeln 74 schlecht beobachtet, die Einsamkeit gemieden und gerne sich außerhalb des Klosters aufgehalten habe. Er starb und mit der üblichen Feier hielt man sein Leichen begängnis. Alle Ordensbrüder umgaben die Totenbahre, in Gesang und Gebet der armen Seele gedenkend, als auf einmal einer aus ihnen, ein heiligmäßiger Greis, eine Schar böser Geister sah, welche höhnend sprachen: „ Endlich ist es uns gelungen, einmal eine Seele aus dem Kloster Clairvaur zu erhalten; diese da gehört uns." In der folgenden Nacht aber erblickte der gleiche Greis in einem Gesichte den Verstorbenen, welcher seufzte und flagte und mit demutsvoller Miene sprach: ,, Gestern haft du die Freude der bösen Geister gesehen; sich jetzt auch meine Qualen, zu denen die göttliche Gerechtigkeit mich zur Strafe für die vielen Fehler und Nachlässigkeiten meines Lebens verurteilt hat, die ich leider nicht genug abgebüßt habe." Da zeigte er ihm einen tiefen Brunnen und sprach: Siehe, die bösen Geister stürzen mich beständig in diesen Abgrund und ziehen mich wieder heraus, werfen mich wieder hinein und lassen mir niemals Ruhe." Als der fromme Ordensgreis wieder zu sich kam, eilte er, dem 11 75 hl. Bernhard von der Erscheinung Mitteilung zu machen. Dieser rief die Brüder zusammen, erzählte ihnen die Erscheinung und mahnte alle zur Treue auch in den kleinsten Dingen und zur Wachsamkeit vor den Fallstricken Satans im Kloster. Schließlich bat er alle eindringlich, daß fie inbrünstig für den Verstorbenen beten, fasten, büßen und das hl. Meßopfer darbringen, um Gottes Zorn zu besänftigen. Einige Tage nachher erschien der Verstorbene wieder dem frommen Greise, nicht mehr traurig und schmerzvoll, sondern fröhlich, glanzvoll und freudig teilte er dem Ordensmann mit, daß er, Dank der Güte Gottes und der barmherzigen Liebe seiner Mitbrüder auf Erden, glücklich sei. Als der Greis die Frage stellte, welches Genugthuungswerk ihm am meisten geholfen habe, ergriff er statt einer Antwort die Hand des Ordensmannes, führte ihn in die Kirche, wo die Hl. Messe gelesen wurde, und sprach voll Dankbarkeit:„ Siehe da mein Lösegeld, die hl. Hostie, welche hinwegnimmt die Sünden der Welt. Seiner Kraft widersteht nichts, als ein im Abgrunde der Sünde versunkenes Herz." Diese Erscheinung bekräftigte in allen Ordens 76 brüdern aufs neue die überzeugung von der großen Kraft des hl. Meßopfers für die in Gottes Gnade dahingeschiedenen Seelen im Reinigungsorte. Vorfah. Ich will von nun an dem hl. Mesopfer mit besonderer Andacht beiwohnen und es für die armen Seelen aufopfern, so oft dasselbe anhören oder darbringen lassen, als es mir möglich ist und mich nie durch Trägheit oder sündhafte Menschenfurcht davon abwendig machen lassen, im Andenken an das Fegfeuer und meine eigene kommende Ewigkeit. Heilige Gertrud, die du das hl. Meßopfer so oft und so andachtsvoll für die armen Seelen des Fegfeuers angehört und mit der hl. Kommunion aufgeopfert hast, erflehe uns einen gleichen Eifer und den armen Seelen die ewige Ruhe. Amen. 77 Sechszehnter Tag. Patron: Der hl. Othmar, Abt von St. Gallen,+761. 4. Die hl. Kommunion und die Ablässe. Betrachtung. fie hl. Kommunion ist der Genuß des Leibes und Blutes Jesu Christi, als einer Nahrung der Seele zum ewigen Leben. Sie ist deshalb die gnadenvolle Vereinigung der christlichen Seele mit Jesus Christus, dessen Leiden und Tod im Hl. Meßopfer sich allezeit wiederholt zur Sühnung unserer Unbilden und zur Mitteilung der größten Gnaden des Erlösers an uns Menschen. In der hl. Kommunion nehmen wir gleichsam persönlich Teil an diesem Opfer der Liebe. Was für ein besseres Mittel könnte es darum wohl für uns geben, den armen Seelen wirksame Hülfe zu leisten, als die würdige hl. Kommunion, wo ,, nicht mehr wir leben, sondern Christus in uns," wo er mit und in uns betet, um unsere ver= storbenen Brüder und Schwestern in ihrer Betrübnis zu trösten und auf sie die reichsten Gnaden herabzuziehen, die uns mit ihnen zum 78 ewigen Leben führen müssen? In einer solchen Gnadenstunde kann er ja für sie und uns nichts abschlagen. Es kann deshalb auch für uns gelten, wenn der Dulder Job spricht: ,, Sezze dein Brot und deinen Wein auf das Begräbnis des Gerechten; aber iß und trink nicht davon mit den Sündern." Das iß und trink nicht davon mit den Sündern" sagt uns, wie eine hl. Kommunion im Zustande der Sünde und Ungnade Gottes, statt Heil, der Seele Verderben bringt, so auch unsere Hülfe den armen Seelen viel weniger nügen kann, wenn wir nicht die Reinheit des Gewissens und die Andacht des Herzens zu bewahren und zu pflegen bestrebt sind. Durch die hl. Ablässe aber werden den Seelen im Fegfeuer sehr schwere Strafen nachgelassen und sehr große in geringere verändert, je nachdem sie vollkommene oder unvollkommene A blässe sind, die wir für sie gewinnen. Wenn nämlich unsere Gebete und guten Werke an sich diesen Seelen helfen, mit denen wir durch das Band desselben Glaubens und derselben Liebe vereinigt sind, so ist doch gewiß die Zuwendung der Gnadenschäße der Kirche, d. h. der über 79 fließenden Genugthuungen Christi und der Heiligen ihnen noch weit nüßlicher und hülfreicher, da sie durch die Kirche selbst geschieht und zwar durch unsere Fürbitte, Vermittelung und Aufopferung, wodurch wir die Zahlung für die Strafen der armen Seelen der Gerechtigkeit Gottes anbieten, mit der Bitte zu Gott, sie gnädig annehmen zu wollen. Wenn also Gott diese ihm von der Kirche dargebotene Genugthuung annimmt, so erhalten die Seelen im Fegfeuer, denen der vollkommene oder unvollkommene Ablaß zugewendet wurde, die gänzliche oder teilweise Nachlassung der zeitlichen Strafe, die sie noch erdulden müßten. Machen wir darum jeden Morgen und vor jeder hl. Kommunion die Meinung, alle Abläffe zu gewinnen und den armen Seelen zuwenden zu wollen, die mit den Gebeten und guten Werken verbunden sind, die wir vollbringen. Beispiel. Einem frommen Diener Gottes erschien nach dem Berichte des weisen Ludwig von Blois ( spr. Bloa) einst eine arme Seele aus dem Fegfeuer, und klagte ihm ihre Leiden. Sie werde, 80 sagte sie ihm, durch ein verzehrendes Feuer bestraft, weil sie die hl. Kommunion ohne gehörige Vorbereitung und mit großer Lauheit empfangen hatte. Sie sprach zu ihm: ,, Du warst im Leben mein Freund, ich bitte dich, es auch jetzt noch zu sein. Empfange für mich auch nur einmal mit Ehrfurcht und Andacht die hl. Kommunion; ich hoffe, daß es zu meiner Erlösung genügen und so meine frühere Lauheit und Kälte gefühnt werden wird." Der Diener Gottes erfüllte diesen Wunsch und die Seele erschien ihm strahlend in unbeschreiblichem Glanze und von tiefster Dankbarkeit erfüllt und sprach jubelnd vor Freude: ,, Endlich werde ich das Antlig meines anbetungswürdigsten Heilandes sehen. Ewiger Dank sei dir, mein treuer Freund, für die Gnaden deiner für mich aufgeopferten hl. Kommunion." Nicht umsonst sagt der hl. Bonaventura: „ Die Liebe soll euch zur hl. Kommunion antreiben, denn nichts ist wirksamer zur Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer." Was aber die hl. Ablässe anbetrifft, so wurden die hl. Magdalena von Pazzis und ihre Ordensschwestern in ihrem Eifer zur Gewinnung derselben für die armen Seelen bestärkt und er 81 muntert, weil ihre hl. Vorsteherin kurz nach dem Tode einer ihrer Ordensschwestern, für welche sie alle ihre hl. Ablässe aufgeopfert hatten, in die Kirche ging, um den Leichnam ihrer geliebten Schwester noch einmal zu sehen. Kaum war sie zum Gitter des Chores gekommen, so sah sie ihre Seele sich gen Himmel erheben. Außer sich vor Freude rief Magdalena laut: ,, Lebe wohl, liebe Schwester! lebe wohl, glückliche Seele! Noch ist dein Körper nicht ins Grab gelegt, und schon bist du in den Himmel eingegangen." So groß ist die Macht der hl. Ablässe und dieser Seele wurden sie nach der Offenbarung des göttlichen Heilandes an Magdalena nach nur fünfzehn Stunden im Fegfeuer deshalb zu teil, weil sie selbst in ihrem Leben so sehr bemüht war, für die armen Seelen Ablässe zu gewinnen. Vorsab. Zum Troste der Abgestorbenen will ich öfters, wo möglich alle Monate, wenigstens alle zwei, würdig die hl. Sakramente empfangen und recht viele hl. Ablässe zu gewinnen und für sie aufzuopfern trachten. Es gereicht dies noch mehr Fegfeuer- Stimmen. 6 82 zu meinem Gewinn, wie zum Troste der armen Seelen. Heiliger Othmar, im Leben einst ein ſo großer Freund und Helfer der Abgestorbenen im Reinigungsorte, bitte für uns, daß wir würdig werden, durch die hl. Kommunion und die hl. Ablässe recht viele Seelen zu trösten und zu erlösen. Amen. Siebenzehnter Tag. Patron: Der hl. Gregor, der Wunderthäter. Bischof von Cäsarea, † 270. 5. Die Andacht zur göttlichen Mutter. Betrachtung. almeron, der Gottesgelehrte, hält mit vielen andern Theologen dafür, daß die allerfeligste Jungfrau Maria vor ihrem Tode von ihrem göttlichen Sohne noch die Gnade erbeten und erlangt habe, daß alle Seelen, welche sich da= mals im Fegfeuer befanden, erlöst worden seien und sie als die Königin der Barmherzigkeit in 83 den Himmel begleitet haben, wie einst die Bewohner der Vorhölle ihren glorreich in den Himmel auffahrenden göttlichen Sohn. In der That legt die hl. Kirche der erhabenen Gottesmutter die Worte des hl. Geistes in den Mund: Ich bin die Mutter der schönen Liebe und Furcht, der Erkenntnis und heiligen, Hoffnung; bei mir ist alle Hoffnung des Lebens." ( Eccl. 24, 24). Wenn nun die Heiligen Gottes, wie wir durch die Güte Gottes hoffen, auf unsere Fürbitte zum Troste und zur Erlösung der armen Seelen so viel vermögen, wie viel vermag dann erst unsere Andacht zur göttlichen Mutter für dieselben, wenn sie selbst der hl. Brigitta ge= offenbaret hat: Ich bin die Mutter aller derjenigen, welche sich im Fegfeuer befinden; alle ihre Leiden werden auf meine Fürbitte hin alle Stunden etwas gemildert; so hat es dem Herrn gefallen." Darum sagt denn auch der große Bischof und treue Diener Mariä, der hl. Kirchenlehrer Alphons Maria von Liguori:„ Glücklich, dreimal glücklich sind die Diener dieser Mutter der Barmherzigkeit, weil ihr Schuß sie nicht nur in diesem Leben begleitet, sondern ihnen auch über das Grab in das Fegfeuer nachfolgt. Je 6* 84 unvermögender die Seelen sind, sich selbst zu helfen, desto mehr verdoppelt sie für dieselben ihre Sorgfalt und Güte." Unter den Mitteln aber, die Andacht zur göttlichen Mutter für die armen Seelen zu bethätigen, sind die vorzüglichsten die Bruderschaften vom hl. Rosenkranz und vom HI. Stapulier, mit ihren herrlichen Andachten und den reichen hl. Ablässen für die Mitglieder und die Seelen, denen sie sie zuwenden oder durch Maria, die Mutter der Barmherzigteit, zuwenden lassen wollen. Näheres siehe: Eisenring, Maria und der Pilger, Wallfahrtsandenken." Einsiedeln, Gebr. Benziger, 1884, S. 321-338. Beispiel. Der hl. Petrus Damiani berichtet, daß einst eine aus dem Fegfeuer befreite Seele versichert habe, am Feste Mariä Himmelfahrt würden mehr Seelen aus dem Fegfeuer befreit, als die Stadt Rom Einwohner zähle. Ferner sei ein Priester folgender wunderbaren Erscheinung in der Basilika der hl. Cäcilia in Rom gewürdigt worden. Es weckte den frommen Priester ein verstorbener Freund und führte ihn in eben diese Kirche. Da schaute er 85 eine Gruppe heiliger Jungfrauen, Cäcilia, Agnes, Agatha u. a. um einen herrlichen Thron, auf welchem sich Maria, die Königin des Himmels, niederließ. Unzählbare Engel und Heilige umgaben die Gottesmutter, welche ein ehrfurchtgebietendes und zugleich freundliches Antlig zeigte. Vor ihr erschien eine kleine arme Frau, in ver= nachlässigtem Kleide, deren Schultern aber bedeckt waren mit kostbarem Pelze. Sie warf sich demütig zu den Füßen der glorreichen Gottesmutter nieder und sprach weinend und seufzend: O Mutter der Barmherzigkeit! Bei deiner unermeßlichen Güte flehe ich zu dir, habe Erbarmen mit dem unglücklichen Johannes Patrizi, der soeben gestorben ist und schreckliche Qualen im Fegfeuer leidet. Dreimal wiederholte sie diese Bitte, jedesmal mit größerer Inbrunst, erhielt aber keine Antwort. Nochmals erhob sie ihre Stimme und sprach: Milde Königin, du weißt es ja, ich bin jene arme Bettlerin, die, mit armseligen Lumpen bekleidet, im Vorhofe deiner Kirche um Almosen flehte und einst so sehr bebte vor Kälte. Da kam Johannes, und als ich ihn in deinem Namen, o Jungfrau, bat, da nahm er diesen kostbaren Pelz von seinen 86 eigenen Schultern und gab ihn mir. Hilf ihm um deinetwillen für so große Barmherzigfeit." Da warf die göttliche Himmelsmutter bei dieser rührenden Bitte, die auch von den Engeln und Heiligen unterstüßt wurde, einen Blick voll Liebe auf die flehende arme Frau und sprach voll Milde: Der Mann, für den du bitteſt, ist wegen vielen schweren Sünden zu großen, langen Strafen verurteilt. Da er aber in seinem Leben Barmherzigkeit gegen die Armen und Verehrung gegen meine Heiligtümer in vorzüglicher Weise geübt hat, so will ich Gnade walten lassen." Sie befahl, den Johannes Patrizi vorzuführen. Er erschien sogleich, blaß, entstellt, mit Retten beladen. Die hlst. Jungfrau befahl, sogleich die Ketten zu lösen, damit er sich den Seligen zugeselle, die ihren Thron umgaben. Als das geschehen war, verschwand alles und in der Kirche herrschte die gewohnte Ruhe. Der Priester aber, der dieser Erscheinung gewürdigt worden war, hörte von da an nicht mehr auf, die Barmherzigkeit der hlst. Jungfrau für die armen Seelen zu verkünden, die sie in ihrem Leben treu geehrt und in ihrem Namen Werke der christlichen Barmherzigkeit geübt haben. 87 Vorsak. Ich will zur Ehre Mariä und zum Troste der armen Seelen ein treues Mitglied der Bruderschaften vom hl. Rosenkranz und vom hl. Stapulier sein und recht oft, wo möglich alle Tage, und jedesmal andachtsvoll den hl. Rosenkranz oder wenigstens ein Gesäßlein beten und für die lieben Abgestorbenen aufopfern. Heiliger Gregor, du großer und hochbegnadigter Verehrer der göttlichen Mutter, bitte für uns und die armen Seelen und erflehe uns eine innige Liebe und Andacht zu Maria, der „ Mutter der armen Seelen". Amen. 3300 elope 88 Achtzehnter Tag. Patron: Die hl. Apostel Petrus und Paulus, Weihe der Basilika, 1626. 6. Gehorsam und Geduld im Leiden. Betrachtung. OF enn Gott schon das Gebet mit Fasten und anderen Bußwerken als Genugthuung für die armen Seelen gnädig aufnimmt, so ist ihm der Gehorsam, die Ergebung in den Willen Gottes in Kreuz und Leiden und die demütige Geduld und Unterwerfung unter die Fügungen und Schickungen seiner göttlichen Vorsehung außerordentlich wohlgefällig. Denn der Gehorsam ist ein Opfer des eigenen Willens, ist die Nachahmung des bewunderungswürdigen Beispieles Jesu Christi, der gehorsam war bis zum Tode am Kreuze. Deshalb bewahrt diese Tugend den Menschen vor den Peinen des Fegfeuers, oder lindert dieselben für die Seelen, die darin schmachten, wenn die Werke des Gehorsams oder der Geduld in Kreuz und Leiden für sie Gott aufgeopfert werden, besonders wenn es geschieht 89 in Vereinigung mit dem bittern Leiden und Sterben Jesu Christi. Möchten doch alle, die unter dem Gehorsam leben, oder in Krankheit und Leiden anderer Art die Prüfung oder Strafe Gottes auszuhalten haben, statt zu murren und zu klagen, an das Fegfeuer und seine Strafen denken und alles geduldig aufopfern für die leidenden Seelen im Reinigungsorte. Am Gerichtstage erst werden sie staunend sehen, wie große Hülfe sie den armen Seelen geleistet und welchen Trost sie sich selber durch bereitwilligen Gehorsam aus Liebe zu Gott und durch Geduld in Kreuz und Leiden bereitet haben für ihre eigene Todesstunde und welche Krone für eine glückselige Ewigkeit. Beispiel. Im Leben der seligen Emilia, Oberin des Dominikanerinnenklosters zu Vercelli in Italien, wird erzählt, daß sie ihren Ordensschwestern mit großer Vorliebe die großen Verdienste des Gehorsams und des geduldigen Leidens erklärt und mit besonderer Rücksicht auf das Fegfeuer anempfohlen habe. Die Ordensregeln verboten nun, ohne besondere Erlaubnis der Oberin außerhalb 90 der Mahlzeit zu trinken. Diese Erlaubnis aber versagte sie fast immer, um so den Schwestern Gelegenheit zu kleinen Abtötungen zu geben. Dabei war sie darauf bedacht, die Nichterlaub-= nis zu erleichtern, indem sie die Schwestern ermunterte, ihren Durst dem göttlichen Heilande aufzuopfern. Denn am Kreuze habe er noch weit größeren Durst erlitten, und deshalb ermunterte sie dieselben, den gewünschten Trunk für das andere Leben aufzuopfern, bis zu dem Augenblicke, wo sie in dem brennenden Fegfeuer sich darnach sehnen würden. Die Schwester Cäcilia nun wurde eines Tages von Durst stark gequält und bat die Oberin um Erlaubnis, trinken zu dürfen. Diese aber erlaubte es nicht und bat fie, das leichte Opfer zu bringen aus Liebe zu Jesu, dem Gekreuzigten. Die Schwester gehorchte, wenn auch nicht leicht, und brachte das Opfer dem Bräutigam ihrer Seele. Kurze Zeit nachher starb sie und erschien ihrer Oberin in himmlischem Glanze und erzählte unter lebhafter Danksagung, daß sie wegen ungeordneter Anhänglichkeit an ihre Eltern zum Fegfeuer verurteilt, aber sehr schnell wieder aus demselben befreit worden sei, weil sie aus Gehorsam jenen 91 Trunk sich versagt habe. Am dritten Tag sei ihr Schutzengel in das Fegfeuer herabgestiegen, habe das dem Herrn von ihr geopferte Trinkwasser in der Hand gehalten und mit demselben die sie umgebenden Flammen gelöscht und sie mit sich in den Himmel genommen. Noch andere Begebenheiten wurden aus dem Leben der sel. Emilia erzählt, in welchen der Gehorsam in Einfalt und die Geduld in Leiden herrlich belohnt wurde, insbesondere bemerkt ihr Geschichtsschreiber, daß sie durch ihr eifriges Gebet und durch ihr geduldig ertragenes Leiden das dreitägige Fegfeuer ihres Vaters in ein dreistündiges verwandelt habe. Vorsak. Zum Troste der armen Seelen will ich alle geistigen und körperlichen Leiden und Widerwärtigkeiten mit Geduld und gehorsamer Ergebung in den Willen Gottes ertragen, meinen geistlichen und weltlichen Vorgesetzten und Obern aus Liebe zu Gott gerne gehorchen und alles in Vereinigung mit dem heiligsten Herzen Jesu Gott für die Erlösung der armen Seelen täglich aufopfern. 92 Glorreiche heilige Apostelfürsten Petrus und Paulus, die ihr für Jesus und seine heilige Kirche in Gehorsam und Geduld so viele unzählige Leiden und Widerwärtigkeiten erduldet habet; bittet für uns um die Gnade der Geduld und des Gehorsams und für die armen Seelen um ihre baldige Erlösung aus ihren Peinen. Amen. mallaan Viertes Kapitel. Die Vorteile für die Helfenden. 111 Neunzehnter Tag. Patronin: Die hl. Elisabeth von Thüringen, Witwe.+ 1231. 1. Gesundheit des Leibes und der Seele. Betrachtung. ie armen Seelen sind bereit und erhalten von Gott die Mittel, ihren Wohlthätern auch in ihren zeitlichen Nöten zu helfen, namentlich dann, wenn sie dadurch auch deren Seelenheil befördern können, das ihnen über alles geht. Sie beten mit Erfolg zu Gott für uns. Abgesehen von ihrer großen und in der Ewigkeit geläuterten reinen Liebe zu uns, liegt es auch in ihrem Interesse. In Kraft ihrer Fürbitte 94 wird eine größere Anzahl Menschen für die Seligfeit gewonnen, die ohne diese verloren gingen. Es führt dieselbe die Lebendigen zu größerer Tugend, und je tugendhafter sie sind, desto wirksamer, erfolgreicher und Gott wohlgefälliger ist auch deren Fürbitte für die Toten. Diese sind in der Gnade und Freundschaft Gottes und mit uns in heiliger, starker Liebe verbunden in der ,, Gemeinschaft der Heiligen". Darum erinnern sie sich auch unser, kennen unsere Dürftigkeit im Allgemeinen und erfahren auch im Einzelnen manches über uns auf gottbekannte Weise. Darum dürfen wir sie fromm anrufen und von ihrer Fürbitte Erhörung und Frucht erwarten auch da, wo es das Wohl, Gedeihen und die Gesundheit des Leibes und der Seele betrifft, sofern es nicht gegen Gottes Ehre ist, oder gegen unser ewiges Heil. Beispiel. In Roms Umgebung lebte um das Jahr 1620 ein Jüngling, der ein zügelloses und ärgernisvolles Leben führte und deshalb allgemein verabscheut und gemieden wurde. Seine Feinde, die durch seine Gewaltthaten erbittert waren, 95 beschlossen, ihn zu töten. Trotz seiner Ausschweifungen hatte aber der Unglückliche eine große Liebe zu den armen Seelen bewahrt. Er ließ hie und da für sie hl. Messen lesen, spendete Almosen und betete viel für sie. Dieſe Andacht rettete ihm wunderbarer Weise das Leben der Seele und des Leibes. Er begab sich nämlich eines Tages zu Pferde nach einem benachbarten Ort, um den Nachstellungen seiner Feinde auszuweichen. Diese aber waren von seiner Abreise unterrichtet, hatten sich bewaffnet in einen Hinterhalt gelegt und erwarteten seine Ankunft, um ihn sofort zu töten. Er näherte sich ihnen bald, sah aber vor sich plötzlich den Leichnam eines Verbrechers an einem Galgen. Mitleidig ließ er sein Pferd stille stehen und betete gewohnheitsgemäß für die arme, verlaffene Seele des Unglücklichen. Als er so betete, sah er plötzlich wie die Glieder des Leichnams sich regten, zur Erde fielen, sich bewegten und sich ihm näherten. Er sah mit Entsetzen, wie die Gestalt die Zügel des Pferdes ergriff und mit hohlen Worten zu ihm sprach: ,, Steige ab, laffe mich für kurze Zeit aufsteigen, es wird für dich sehr nüßlich sein. Warte hier eine kurze Weile 96 auf mich." Starr vor Schrecken stieg der Jüngling vom Pferde und überließ es dem Fordernden, der es rasch bestieg und vorwärts ritt. 11 Die Feinde des Jünglings hörten die Hufschläge des herannahenden Pferdes und feuerten sogleich vier Schüsse auf den Reiter ab. Dieser fiel vom Pferde, die Feinde flohen schnell davon in der Furcht, die Schüsse möchten Leute herbeirufen und sie verraten. Sie hielten ihren Feind für tot. Aber kaum waren sie fort, da erhob sich die Gestalt vom Boden, führte das Pferd zu dem Jüngling und sprach zu ihm mit klarer Stimme: Du hast die Schüsse gehört; sie waren für dich bestimmt und hätten dich sicher getötet; du würdest nun der Seele und dem Leibe nach tot sein, wenn die Seelen im Fegfeuer, für die du so viel betest, dich nicht durch mich vor dem zeitlichen und ewigen Tode bewahrt hätten. Danke Gott dafür, höre nicht auf, den armen Seelen zu helfen, vor Allem aber rette deine eigene Seele, ändere dein Leben und lebe als ein wahrer Christ." Als die Gestalt dieses gesagt hatte, nahm sie wieder ihren Plaß ein und eine unsichtbare Hand befestigte sie wieder am Galgen. Der Jüngling aber ging starr von Entsetzen 97 hinweg, ganz zerknirscht und entschlossen, sein Leben zu ändern, verließ nach einiger Zeit die Welt, that strenge Buße in einem Orden und lebte dort bis zu seinem seligen Tode Gott und den armen Seelen. Borsak. Ich will aus Liebe zu den armen Seelen meinen Leib nicht verzärteln und durch die tägliche gute Meinung Leib und Seele und all mein Thun und Lassen Gott aufopfern. Seilige Elisabeth, große Fürbitterin bei Gott, erflehe den lieben Seelen Trost, Erquickung und Erbarmen und uns die stete Gesundheit des Leibes und der Seele zur treuen Erfüllung unserer Berufs- und Standespflichten. Amen. Fegfeuer- Stimmen. 7 98 Zwanzigster Tag. Patron: Der hl. Felir von Valois( lies Valoa), Bekenner.+ 1212. 2. Bezähmung der Leidenschaften. Betrachtung. elcher Mensch müßte nicht mit dem hl. Paulus ausrufen: Ich unglücklicher Mensch, wer wird mich von dem Leibe dieses Todes befreien!"( Röm. 7.) Die Leidenschaften, dieses traurige Erbe der ersten Schuld, rufen uns, wie der hl. Augustinus sagt, zum Vergänglichen, stürzen uns in den Abgrund, versenken uns in die Tiefe. Es sind dieselben die Waffen, mit denen der böse Feind uns unglücklich zu machen sucht. Der Stolz, die Eitelkeit, der Geiz, die Unkeuschheit, der Neid, der Zorn, die Trägheit und die alles überwuchernde Eigenliebe bedrängen den Menschen oft so sehr, daß er mit dem hl. Augustinus, diesem hl. Ringkämpfer gegen die stärksten Leidenschaften und für die erhabensten Tugenden, ausrufen möchte: Befreie mich, o Herr, ich bitte Dich, von den Sünden und den Leidenschaften und erfülle mich mit deinen hl. 99 Tugenden." Wer aber der armen Seelen öfters gedenkt, und die Leiden erwägt, zu denen die Nachgiebigkeit gegen die Leidenschaften sie gebracht, der hat einen mächtigen Schild gegen alle Lockungen und Versuchungen der Welt, des Teufels und der eigenen verderbten Natur. Er denkt ernst daran, in den Stunden der Versuchung: Kurz ist die Lust, lange die Qual; beschwerlich der Kampf, glänzend der Sieg. Darum spricht der hl. Geist: ,, Denke an die legten Dinge, so wirst du in Ewigkeit nicht fündigen."( Eccl. 7, 40.) Überdies beten die armen Seelen, die den guten Kampf gekämpft haben und wissen, was die Krone kostet, für ihre bedrängten Helfer auf Erden und stehen ihnen bei, daß auch sie im Kampfe siegen, die Leidenschaften und ihre Ursachen überwinden und die Krone des ewigen Lebens erringen. Beispiel. e Ein hervorragendes Mitglied des Dominitanerordens, P. Stanislaus mit Namen, betete eines Abends im Garten den Rosenkranz. Da vernahm er neben sich Klagen und Seufzer. Er kehrte sich nach allen Seiten, sah aber Niemanden und dennoch stellte er die Frage: Wer 11 7* 100 jammert hier so laut? Kann ich etwas für Jemanden thun?" Er vernahm keine Antwort, aber neues Seufzen und Klagen. P. Stanislaus dachte, der böse Feind wolle ihn vielleicht durch eine List im Gebete zerstreuen, machte das hl. Kreuzzeichen und sprach: Im Namen Jesu Christi befehle ich dir zu sagen, wer du bist und was du willst!" Auf dieses hörte er die Worte: Ich bin eine Seele des Fegfeuers; hier, an diesem Orte muß ich meine Sünden abbüßen und leide entsetzliche Qualen. Wenn die Christen doch nur wüßten, wie die Sünden in der Ewigkeit gestraft werden, wie würden sie die Leiden= schaften bekämpfen und die sündhaften Genüsse voll Täuschung und Verführung fliehen. Gott befiehlt mir dir Folgendes zu sagen, daß du es überall verkündest: ,, Auch die geringsten Sünden werden im andern Leben schwer bestraft, für die Befriedigungen der Leidenschaften, diese trügerischen kurzen Freuden müssen wir entsetzlich büßen. Ein Mensch vermag keinen Teil unserer Schmerzen zu ertragen. Überzeuge dich, wenn du willst, und strecke die Hand gegen mich aus, gewiß nach dieser Probe wirst du alles aufbieten, um unseren Qualen zu entgehen." 101 Unerschrocken stredte P. Stanislaus seine Hand aus und der Verstorbene ließ einen kleinen Tropfen feurigen Schweißes auf sie fallen. Der Pater stieß einen Schrei aus vor Schmerz und fiel besinnungslos zur Erde. Man eilte ihm zu Hülfe und verschiedene angewendete Heilmittel brachten ihn endlich zum Bewußtsein. Um die Ursache seiner Wunde befragt, erzählte P. Stanislaus in ergreifenden Worten die Erscheinung und alle wurden mit Schrecken und hl. Weltverachtung erfüllt. Er bat die Brüder, diese erschütternde Begebenheit überall zu erzählen, um dadurch Andere vor den Leiden des andern Lebens nach Möglichkeit zu warnen und zu bewahren. Nur ein Jahr überlebte P. Stanislaus diese Szene, litt aber beständig an der schmerzlichen Wunde. Noch in seiner Todesstunde erweckte er in seinen Mitbrüdern die Furcht vor Gottes Gerichten und bewies ihnen durch seine Erzählung die Notwendigkeit der Buße auf Erden und der Überwindung und Bezähmung der Leidenschaften mit Gottes Gnadenhülfe. Vorfah. 3u meinem Seelenheil und zum Troste der armen Seelen will ich öfters der letzten Dinge 102 gedenken und täglich mein Gewissen in aufrichtiger Reue erforschen. Heiliger Felix, bitte für uns arme Sünder, damit wir, wenn wir uns selber richten, einst nicht gerichtet werden." Amen. Einundzwanzigster Tag. Patron: Mariä Opferung. 3. Die Liebe und Hülfe Mariä. Betrachtung. S lücklich," sagt der hl. Alphons Maria von Liguori, ja dreimal glücklich sind die Diener der Mutter der Barmherzigkeit, indem ihr Schutz sie nicht nur in diesem Leben begleitet, sondern ihnen auch über das Grab in das Fegfeuer nachfolgt. Je unvermögender dann die Seelen sind, sich selbst zu helfen, desto mehr verdoppelt sie für dieselben ihre Sorgfalt und Güte." Sollte der Vorteil der besondern Liebe und Hülfe Mariä für diejenigen, die sich in ihrem Leben der armen Seelen fleißig annahmen, uns nicht 103 anspornen, ihre Fürbitte recht oft für diese ihr so lieben Seelen anzurufen und für sie alle unsere Werke, Verdienste und Gebete voll Zutrauen in ihre gebenedeiten Hände zu legen? Denn, wenn sie in der triumphirenden Kirche, vermöge ihrer Macht und Glorie, so große Herrschaft besitzt als Königin aller Engel und Heiligen, so hat sie nicht weniger Macht vermöge der Fülle der Gnaden über die leidende und vermöge der Kraft ihrer Fürbitte über die streitende Kirche. Deshalb sagt der hl. Bernhardin, daß Maria aus dem Fegfeuer vorzüglich jene Seelen erlöse, die ihre treuen Verehrer einst auf Erden gewesen und ihnen den triumphirenden Einzug in den Himmel besonders am Feste ihrer eigenen glorreichen Aufnahme in den Himmel verschaffe. Denn so sagt für sie die hl. Kirche: Ich liebe diejenigen, die mich lieben damit ich reich mache, die mich lieben und ihre Schäße voll mache. Darum höret mich, ihr Kinder, glückselig die meine Wege bewahren, wer mich findet, findet das Leben und schöpfet das Heil von dem Herrn."( Prov. 8.) - 104 Beiſpiel. Nach dem hl. Petrus Damiani war es in früheren besseren Zeiten beim römischen Volke Sitte, in der Nacht vor dem Feste Mariä Himmelfahrt die Hauptkirchen in Rom mit brennenden Kerzen zu besuchen. Unter der Menge Volkes befand sich einst auch eine sehr fromme Dame, welche kaum in die Kirche Ara coeli eingetreten, in einiger Entfernung eine ihr wohlbekannte Frau sah, die ein Jahr vorher gestorben war. Aufs Höchste erstaunt über dieses Wiedersehen hätte sie dieselbe gerne angeredet, aber sie konnte vielleicht eine andere dieser sehr ähnliche Frau sein, und zudem war es sehr schwer, durch die Volksmasse zu dringen. Deshalb stellte sie sich in einen Winkel der Kirche in der Nähe der Thüre. Sobald die Gestalt sich näherte, ergriff sie mutig ihre Hand und sprach:„ Bist du nicht meine verstorbene Pathin Marozia?"" Ja," sprach die Gestalt, ,, die bin ich, liebe Pathin, und bis heute habe ich die schwersten Qualen des Fegfeuers ausgestanden, da ich viel gefündigt habe. Ich liebte in meiner Jugend alle Kleiderpracht, böse Reden, unerlaubte Neigungen mit meinen Gespielinnen. Zwar habe ich diese Sün 105 den oft bereut und gebeichtet, aber obschon die Schuld mir vergeben worden, erließ mir Gott die dafür wohlverdienten zeitlichen Strafen nicht und so war das Fegfeuer mit seinen entseglichen Leiden mein trauriges Loos. Allein heute, an diesem hochheiligen Feste hat die Königin des Himmels, voll Mitleid gegen die armen Seelen, bei dem strengen Richter für uns gebetet und mir und vielen andern die Gnade auserwirkt, am Festtage ihrer glorreichen Aufnahme in den Himmel einzugehen. Durch ihre mächtige Fürbitte sind heute mehr Seelen befreit, als Rom Einwohner zählt. Du siehst nur mich, aus besonderer Gnade Mariä, aber viele umgeben uns; wir alle eilen heute in die ihr geweihten Kirchen, wo wir sie im Leben verehrt haben, um ihr nach Kräften zu danken und ihre große Barmherzigkeit zu preisen." Die Dame war ganz betroffen und da sie der Erscheinung zu mißtrauen schien, sprach dieselbe zu ihr:„ Damit du ah der Wahrheit meiner Erscheinung und Worte nicht zweifelst, so wisse, daß du im nächsten Jahre am Feste Mariä Himmelfahrt sterben wirst"- und die Erscheinung war verschwunden. Lange noch blieb die Dame in der Kirche und 106 dankte Gott und Maria für diese Gnade und ernste Mahnung, entsagte den Eitelkeiten der Welt, kleidete sich ganz einfach, trug ein Bußfleid und in innigster Liebe und Verehrung lebte sie einsam und abgetötet und empfing häufig die Hl. Sakramente. Zwei Tage vor Maria Himmelfahrt erkrankte sie bedenklich und versehen mit allen Gnadenmitteln der hl. Kirche starb sie am Maria Himmelfahrtsfeste, eine treue Dienerin Maria und liebevolle Trösterin der armen Seelen. Vorfah. 11 Ich will in meinen noch übrigen Lebenstagen Maria ganz besonders als die Mutter der armen Seelen" verehren, an ihren Festtagen die hl. Kommunion für diese lieben Seelen empfangen und oftmals Stoßgebetlein für sie verrichten, besonders auch folgendes: Maria, Mutter der armen Seelen, bitte für sie! Die du in dem zarten Alter von drei Jahren dich Gott ganz geopfert hast, bitte auch für uns arme Sünder, daß auch wir im Leben und Sterben Gott ganz angehören. Amen. 107 Bweiundzwanzigster Tag. Patronin: Die hl. Cäcilia, Jungfrau und Martyrin.+ 230. 4. Schutz vor den Feinden. Betrachtung. nnere und äußere Feinde besigt mehr oder weniger jeder Mensch. Wer aber die armen Seelen zu seinen Freunden besitzt durch seine thätige Liebe und Wirksamkeit für ihre Erlösung, der hat von seinen Feinden nichts zu fürchten. Besonderen Schuß lassen sie ihm in allen Gefahren, Nachstellungen und Anfeindungen zu Teil werden und zwar in dem Maße, als man sich bemüht, ihnen, die für sich selbst nichts mehr thun können, zu Hülfe zu eilen, sie zu trösten, ihnen Linderung ihrer Leiden und Erlösung und die ewige Ruhe zu verschaffen. Lesen wir ja doch schon im alten Bunde in der hl. Schrift von den himmlischen Heerschaaren, welche den Israeliten gegen ihre Feinde halfen, so gegen Sennacharib und den König von Syrien. Und auch im neuen Bunde und in den Blättern der Kirchengeschichte sind Zeugnisse über Zeug 108 nisse vorhanden, daß arme Seelen auf Gottes Zulassung und Geheiß ihren Wohlthätern auf Erden auf wunderbare Weise zu Hülfe kamen, und in Not und Gefahr sie vor ihren Feinden schüßten. Beispiel. Ein Geschichtsschreiber erzählt in seinem Werke Großer Spiegel der Beispiele" von Eusebius, dem Herzog von Sardinien, daß derselbe eine innige Liebe und Andacht zu den armen Seelen im Fegfeuer getragen habe. Er begnügte sich mit seinen zahlreichen gewöhnlichen Almosen nicht, die er zu ihrem Troste spendete, sondern er verteilte die ganze Einnahmssumme, die er von einer seiner Städte erhielt, regelmäßig zu ihrem Troste. Das Volk nannte deshalb diese Stadt nur die Stadt Gottes". Alles Geld, welches von dort in den Staatsschaß floß, wurde zu guten Werken und zum Unterhalte einer bestimmten Anzahl von Priestern verwendet, welche nach dem Willen des frommen Herzogs alle Tage das hl. Meßopfer für die armen Seelen darbringen mußten. Es ist begreiflich, daß der Teufel eine so herrliche Stiftung haßte. Er trieb 109 den König Ostorgus von Sizilien an, dem Herzog Eusebius unter nichtigem Vorwande den Krieg zu erklären. Dieser König, mit großen Reichtümern und zahlreichen Truppen, machte sich sofort auf, belagerte, die Stadt Gottes" und eroberte sie. Der Herzog war auf diese Nachricht sehr betrübt, als hätte er nicht nur eine Stadt, sondern die Hälfte seiner Staaten verloren. Im Vertrauen auf Gott und sein gutes Recht aber versammelte er seine Offiziere, hielt Kriegsrat und beschloß, alles zu wagen, den Feind zu vertreiben. Seine Armee aber war viel schwächer als die seines Feindes. Als er ausrückte, da meldeten ausgesandte Späher, daß plöglich mehrere Legionen Reiter und Fußgänger, alle weiß gekleidet, mit glänzenden Waffen und weißen Fahnen heranrücken. In der ängstlichen Ungewißheit, ob es feindliche Hinterlist sei, oder ob Gott ihm wunderbare Hülfe sende, entschloß er sich, vier Herolde entgegen zu senden. Auf halbem Wege kamen ihnen ebenfalls vier Herolde der fremden Armee entgegen, grüßten sie und sprachen: Seid ohne Furcht, wir sind Heerschaaren des höchsten Königs zur Unterstüßung eueres Fürsten. Er möge kommen und sich mit 110 unseren Führern beraten." Der Herzog rückte vertrauensvoll mit seiner Armee vor und ver= einigte sie mit der überirdischen Macht. Als König Oftorgus das herzogliche Heer sah und die weißen, wunderbaren Legionen, wurde er von Schrecken erfaßt, besonders als die Späher, die er ausgesandt hatte, mit der Nachricht zurückkamen, niemand im Lande wisse, woher und wie diese fremden Kriegsschaaren gekommen seien. Herzog Eusebius ließ den Feind auffordern, die Stadt Gottes" wieder zurückzugeben. Der König nahm nicht nur alle Bedingungen an, sondern ersette den angerichteten Schaden und trat eiligst den Rückzug an. Herzog Eusebius aber pries Gott und dankte herzlich seinen unbekannten Helfern in der Not. Ihr Anführer erwiederte: ,, Wisse, o Herzog, daß fast alle diese Krieger Seelen sind, die durch deine guten Werke, Gebete und Stiftungen aus dem Fegfeuer erlöst worden sind. Ihnen hat Gott den Auftrag er= teilt, dich aus deiner großen Not zu erlösen. Fahre fort in der Andacht für die Verstorbenen und vergesse niemals, daß du dir eben so viele Freunde und Fürsprecher im Himmel erwirbst, als du Seelen aus dem Fegfeuer erretteſt." 111 Darauf verschwand die ganze fremde Heerschaar; der Herzog aber fiel mit seinen Kriegern auf die Knie nieder und dankte Gott, der niemals die Seinigen verläßt und den Seligen im Himmel, denen er aus dem Fegfeuer geholfen und die ihm Schutz vor den Feinden geleistet hatten. Vorsak. Ich will aus Liebe zu den armen Seelen meinen Feinden stets von Herzen verzeihen, keine Feindschaft in mir aufkommen lassen und für meine Beleidiger Gott um Erkenntnis und Barmherzigkeit bitten. Heilige Cäcilia, die du auf Erden vor deinen Feinden so wunderbar beschüßt worden bist; bitte für uns, daß wir unseren sichtbaren und unsichtbaren Feinden stets entgehen und mit den lieben armen Seelen einst zur ewigen Freude eingehen können. Bitte für sie um die ewige Ruhe und das ewige Licht. Amen. 112 Dreiundzwanzigster Tag. Patron: Der hl. Clemens, Papst und Martyrer. + 100. 5. Bewahrung vor langem Fegfeuer. Betrachtung. V ie die armen Seelen denjenigen, welche ihnen aus den Peinen des Fegfeuers geholfen haben, in ihrem Tode beistehen, so helfen sie ihnen auch nach ihrem Tode, daß sie bald aus dem Fegfeuer befreit werden. Denn sie wissen, daß sie nach ihrem Tode in den schrecklichen Leiden von jenen Menschen, die nun leiden, wie sie einst gelitten haben, zum Leben übersetzt worden sind," in die ewige Herrlichkeit. Darum verpflichtet sie die Gerechtigkeit und die heiligste Liebe und Dankbarkeit, am Throne Gottes mit wirksamer Bitte nicht nachzulaffen, bis auch ihre Befreier erlöst sind. Umgekehrt, wird Gottes Gerechtigkeit diejenigen ein langes Fegfeuer erdulden lassen, welche in ihrem Leben sich keine Mühe geben, den armen Seelen zu helfen. Darum sagt der Hl. Apostel Paulus: Vergesset nicht der Wohlthätigkeit und gegenseitigen Hülfeleistung, denn solche Opfer sind Gott wohlgefällig."( Hebr. 13, 16.) Und der Geisteslehrer Ludwig Blosius schreibt: ,, Der gütige und liebreiche Herr liebt die Seelen seiner Auserwählten, die nach dem Tode des Fleisches noch gereinigt werden müssen, so sehr und verlangt ihre Erlösung so inbrünstig, daß, wenn wir aus christlicher Liebe für sie eifrig beten und das anbetungswürdige Sakrament des Altars, oder die Verdienste Jesu Christi aufopfern, oder den Psalmengesang, oder was immer für ein heilsames Werk verrichten und für sie Gott zum Opfer darbringen, es ihm nicht weniger angenehm ist, als wenn wir unsern Herrn selbst, wenn er in einem Kerter eingeschlossen wäre, mit unseren Tröstungen aufrichteten, oder durch unsere Hülfe zu befreien suchten; denn er hat ja selbst gesagt:, Wahrlich, sage ich euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder gethan habt, das habt ihr mir gethan." Wie könnte Er, im Angesichte befreiter armen Seelen, den Befreier derselben in langen Qualen sehen können? " 1 113 Fegfeuer- Stimmen. 8 114 Beispiel. In seiner Lebensbeschreibung des hl. Malachias lobt der hl. Bernhard überaus die Andacht dieses Heiligen zu den armen Seelen und tadelt dessen Schwester, weil sie ganz andere Gesinnungen hegte. Schon als Malachias noch nicht Priester war, wohnte er fleißig den Beerdigungen und Erequien bei, begleitete die Toten zum Friedhofe und begrub sie oft mit eigenen Händen, weil dieses barmherzige Werk ihm besonders geeignet schien, die Demut und die christliche Nächstenliebe zu befördern. Seine weltlich gesinnte Schwester aber hielt es für eine Erniedrigung ihrer vornehmen Familie, daß der Bruder so niedrige Werke verrichte; aber er fuhr fort, sein demütiges Werk fortzusetzen und Gott belohnte ihn mit großen Tröstungen. Die leichtsinnige Verwegenheit seiner Schwester aber ließ Gott nicht unbestraft. Sie starb ziemlich jung und ihr hl. Bruder Malachias dachte befümmert nach ihrem Tode nur mehr an die Not ihrer Seele, die so früh vor dem gerechten Richter erscheinen mußte, um Rechenschaft auch über das Kleinste abzulegen und er betete viel und inbrünstig für sie. Lange Zeit nachher sah 115 er sie im Geiste. Sie war traurig, schwarz gekleidet im Vorhof der Kirche stehend und flehte sein Mitleid an, weil sie seit dreißig Tagen nicht die geringste Erleichterung in ihren Leiden erhalte. Der Heilige erinnerte sich sogleich, daß er die Messe seit einem Monate nicht mehr für sie gelesen hatte. Gott hatte diese Vergeßlichkeit wohl zugelassen, um dadurch die frühere Gefühllosigkeit der Verstorbenen gegen die armen Seelen zu bestrafen. Malachias brachte am folgenden Morgen das hl. Meßopfer für sie dar und hatte kurz nachher eine zweite Erscheinung derselben, in welcher er sie seufzend auf der Schwelle der Kirchthüre sah, als ob ihr der Eingang in die Kirche verwehrt sei. Als er in seinen Gebeten und hl. Meßopfern verharrte, sah er sie endlich in einer dritten Erscheinung am Altare, glücklich in strahlendem Glanze, umgeben von vielen wie sie erlösten Seelen. Dem hl. Malachias selbst aber wurde für seine große Liebe für die Verstorbenen eine herrliche Belohnung zu Teil. Er hatte gewünscht, in dem vom hl. Bernhard geleiteten Kloster Clairvaux ( Glärwo) zu sterben, weil dort nach seinem Tode so viele Hl. Messen sogleich für ihn gelesen 8* 116 würden, und als Sterbetag wünschte er den Allerseelentag, weil die hl. Kirche an demselben den Verstorbenen am meisten zu Hülfe eile. Seine Wünsche wurden von Gott alle ganz erfüllt. Zu Clairvaur starb er gottselig am Allerseelentag, um im Himmel den Lohn für seine Liebe zu den armen Seelen in reichstem Maße zu empfangen. Vorsak. Ich will öfters an die armen Seelen mitleidig denken und ihre Leiden zu Herzen nehmen und für jene verlassenen Seelen insbesondere viel beten, deren niemand mehr auf Erden gedenkt. Heiliger Clemens, bitte für uns und für jene Seelen im Fegfeuer, die zu den längsten Strafen verurteilt sind und für diejenigen, welche der Erlösung am nächsten stehen. Amen. 117 Vierundzwanzigster Tag. Patron: Der hl. Johannes vom Kreuz, Bekenner. + 1591. 6. Sicherheit und Hülfe auch bei der Undankbarkeit der Hinterlassenen. Betrachtung. Certraue nicht zu sehr auf deine Freunde und Verwandten nach dem Tode," sagt so wahr die Nachfolge Christi, denn sie werden dich schneller vergessen, als du meinst. Es ist besser, jetzt frühzeitig vorzusorgen und Gutes vorauszuschicken, als auf die Hülfe Anderer nach dem Tode zu vertrauen. Wenn du also nicht jetzt für dich besorgt bist, wer wird in der Zukunft für dich besorgt sein?"( I., 23.) Wenn das von frommen und tugendhaften Christen gilt, die doch öfters des strengen Gerichtes gedenken, wie viel mehr ist es wahr in Rücksicht auf Weltmenschen, welche selten oder gar nicht ihrer Ewigkeit eingedenk sind, sondern dem Zeitlichen leben, als ob nicht auch für sie bald die Ewigkeit sich öffne, für die sie so wenig oder nichts gethan haben. 118 Und jetzt glauben sie, daß die Erben oder Hinterlassenen für sie thun werden, was sie selbst nicht gethan haben? Kennen sie denn das Sprüchwort nicht: Aus den Augen, aus dem Sinn!" Oder das ältere: - ,, Da ich noch war auf Erden, Da wollte Jeder mein Freund werden; Als ich aber kam in Not, Da waren alle meine Freunde tot." So sehen sie doch die so bald verlassenen Gräber derjenigen, die vor ihnen dahingeschieden sind und die nichts hinterlassen zu haben scheinen, als die Undankbarkeit ihrer Hinterlassenen, die noch kurz vorher am Grabe wohlfeile Thränen vergossen und ihre Tugenden und Untugenden besprochen haben. Darum sagt mit Recht die Hl. Katharina von Genua: Wer auf Erden schon seine Sünden büßt, der bezahlt mit einem Groschen tausend Dukaten; wer aber die Buße verschiebt auf das andere Leben, wird dort für einen Groschen tausend Dukaten bezahlen." Auf Erden kannst du Gott leicht Genugthuung leisten, im Jenseits nur durch große Leiden und Schmerzen, was einst mit den Worten flar ausgedrückt worden: Was man gibt in 11 119 gesunden Tagen ist Gold, was man sterbend gibt ist Silber und was man nach seinem Tode durch Andere thun läßt, ist Blei." Wenn nun aber der Christ in seinem Leben viel betet und wirkt für die armen Seelen, so ist er nach seinem Tode der Hülfe sicher, auch wenn ihn seine Hinterlassenen vergessen und sich nach der Welt Art undankbar erweisen. Denn die Seelen, die jetzt im Himmel sind, für deren Troft und Erlösung man gewirkt hat, als sie noch im Fegfeuer waren, diese vergessen ihre einstigen Helfer nicht, wenn sie in gleicher Not im Fegfeuer sind. Das ist ein großer Trost und ein mächtiger Ansporn für jeden vorsichtigen Christen, in seinem Leben recht viel der armen Seelen zu gedenken und ihnen nach Kräften zu helfen, damit er um so sicherer der Hülfe ist im Fegfeuer, wenn ihn auch die Seinigen auf Erden undankbar oder lieblos vergessen. Beispiel. Der ehrwürdige P. Augustin von Espinosa, aus der Gesellschaft Jesu, hatte, wie die Annalen erzählen, eine außerordentliche Andacht und Liebe für die armen Seelen. Unaufhörlich ar 120 beitete er an ihrer Erquickung und Erlösung mit rührender und erfinderischer Liebe. Oft erschienen ihm leidende Seelen, um ihm für seine Hülfe zu danken oder darum zu bitten. Einst erschien ihm ein Mann, der einst sehr reich war und ihn fragte, ob er ihn noch kenne? ,, Ja," antwortete P. Augustin, und ich erinnere mich, vor Ihrem Tode Jhre Beicht gehört zu haben." " Das ist wahr," erwiederte die Erscheinung, ,, und heute komme ich, Sie zu bitten, Sie möchten der göttlichen Gerechtigkeit für mich Genugthuung leiſten, da ich mir gar nicht helfen kann. Ich bitte Sie dringend, folgen Sie mir, damit ich Ihnen an Ort und Stelle besser erklären kann, was Sie thun sollen." Der Pater erzählte seinem Obern den Vorfall und dieser gab ihm die Erlaubnis, dem Geiste zu folgen, während auf Wunsch des Obern mehrere Priester sich in die Kapelle begaben, um dort für die arme Seele zu beten. Der Geist in Menschengestalt ergriff nun den P. Espinosa bei der Hand und ohne ein Wort zu sprechen führte. er ihn auf eine in der Nähe der Stadt gelegene Brücke. Dort verschwand er einen Augenblick, kehrte aber bald mit einer großen gefüllten Geldbörse wieder, 121 übergab einen Teil des Inhaltes dem Pater und kehrte mit ihm ins Kloster. Dort übergab er dem Pater das Geld und einen Zettel mit den Worten: Dieser Zettel enthält die Namen derjenigen, welchen ich Geld schulde, samt der schuldigen Summe. Ferner habe ich einige gute Werke und Stiftungen bezeichnet zum Heile meiner armen Seele. Jch bitte Sie nur, bester Bater, berichtigen Sie meine Schulden, erfüllen Sie die guten Werke und das Übrige verwenden Sie zu frommen Zwecken, da ich weiß, daß niemand die Summe besser als Sie verwenden wird." Der Geist verschwand, der Pater erzählte alles dem Obern; man ließ die Gläubiger kommen, bezahlte ihnen zu ihrem freudigen Erstaunen die Schulden und verwendete den Rest für gute Werke. Nach acht Tagen erschien der Verstorbene dem Pater wieder und dankte ihm herzlich für seine schnelle und liebevolle Hülfe und besonders für die Hl. Messen, die er hatte lesen lassen. Denn er sprach, diese hätten ihm mehr als alle andern guten Werke geholfen, das zu ersetzen, was die Hinterlassenen nicht gethan, um ihm den Himmel zu öffnen. Dort eingegangen, werde er seines Wohlthäters nie vergessen, 122 sondern ihm auf ewig dankbar bleiben. Gewiß verdankte P. Espinosa diesem Freunde im Himmel die unzählbaren Gnaden, mit denen er in seinem Leben überhäuft worden und mit deren gutem Gebrauch er eine Leuchte und Zierde der Gesellschaft Jesu geworden ist. Vorsak. Ich will oft zu den armen Seelen beten, um eine glückselige Sterbestunde für mich, die Meinigen und jeden Tag für diejenigen zu verlangen, welche an demselben sterben werden. Heiliger Johannes vom Kreuz, bitte für uns um eine glückliche Sterbestunde und um die ewige Ruhe aller abgestorbenen christgläubigen Seelen. Amen. B+ Fünftes Kapitel. Die Dankbarkeit der Erlöften. 111111 Fünfundzwanzigster Tag. Patronin: Die hl. Katharina, Jungfrau und Martyrin.+ 307. 1. Ihre Liebe zu den Lebenden. Betrachtung. eine Wonne ist es, bei den Menschenfindern zu sein," sagt Gott im Buche der Sprichwörter, gerade als wenn die Gegenwart seiner Geschöpfe seine ewige Glückseligkeit erhöhte und er ohne sie nicht vollkommen glücklich wäre. Die armen Seelen sind die geliebten Kinder, Söhne und Töchter des Erlösers, die er mit seinem kostbaren Blute erlöset hat. Er sehnt sich nach dem Augenblicke, wo er sie aus 124 dem Gefängnisse befreien und in die Herrlichkeit des Himmels einführen kann. Wie groß wäre die Freude eines Königs, der einen langentbehrten, durch Feinde gefangenen und durch einen treuen Freund befreiten Sohn wieder in seine Arme schließen könnte. Wie freudig würde ein Gatte den Arzt begrüßen, der mit Gottes Hülfe seine Gattin von tödlicher Krankheit geheilt hätte. Nun aber liebt Gott diese hl. Seelen im Fegfeuer mit der größten Liebe; er empfängt sie mit größerer Freude, als der königliche Vater seinen erlösten Sohn empfangen würde. Unendlich größer als die Dankbarkeit des Gatten ist die Dankbarkeit Gottes gegen die Erretter der Seelen aus ihrer Gefangenschaft. Indem wir die armen Seelen aus dem Fegfeuer erlösen, senden wir überdies wahre Diener Gottes in den Himmel, welche die Majestät Gottes auf vollkommenere Weise loben und preisen, als wir es vermöchten. Denn so lange wir von den Armseligkeiten und Finsternissen des irdischen Lebens umgeben sind, werden wir die unendliche Güte Gottes gegen uns nie genügend erkennen und würdigen. Erst wenn auch wir einst unseren Körper verlassen, 125 werden wir wie sie Gott flar erkennen und lieben. Wie rührend sind wohl die ersten Ergüsse der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott der zu seiner Anschauung zugelassenen Seelen und mit welcher Ehrfurcht werden sie seine göttlichen Vollkommenheiten anbeten in unendlichem Lobpreis und Jubel. Wer aber hat an all den Akten der vollkommenen Liebe und Dankbarkeit und an allen Lobpreisungen, die sie der göttlichen Wahrheit darbringen, größeren Anteil und Vorteil, als diejenigen, welche durch fromme Fürbitten die armen Seelen schneller zur Erlösung und seligen Anschauung Gottes bringen? Wahrlich, ihre Liebe zu den Lebenden auf Erden ist eine unbegrenzte und unbeschreibliche, da sie als Erlöfte flar ihr Glück erkennen, dessen schnellere Erreichung sie nächst Gottes Barmherzigkeit der liebevollen Hülfe der Lebenden verdanken. Beispiel. Die ehrwürdige Mutter Franziska vom hl. Sakramente hatte, wie ihr Lebensbeschreiber P. Joachim von St. Maria erzählt, stets eine herzliche Liebe und Andacht für die armen Seelen und betete für sie täglich den Rosenkranz, den sie den Almosenspender" nannte. 126 Den größten Teil des Jahres legte sie sich für dieselben strenge Fasten auf, geißelte sich und unterbrach ihren Schlaf für sie durch verschiedene Abtötungen. Alle Werke, die sie verrichtete, alle Gedanken ihres Geistes, innere Leiden, körperliche Ermüdung, fortwährende Verfolgungen des Teufels, alles opferte sie auf für ihre geliebten armen Seelen im Fegfeuer. Sie machte mit den Ordensfrauen einen hl. Bund frommer Werke und Gebete für sie; Priester bat sie um die Darbringung Hl. Messen für sie, Weltleute um Almosen in gleicher Meinung. Ihnen zu helfen opferte sie alle ihre persönlichen Verdienste Gott auf für sie. Der Teufel gab ihr vor, es ſei thöricht, sich aller Genugthuungsverdienste zu berauben, so werde sie einst leer vor Gottes Richterstuhl erscheinen. Aber die Seelen der Verstorbenen, die ihr erschienen, versicherten sie, daß sie durch Gebete und Fürbitten ihr gewiß reiche Entschädigung bringen werden und daß Gott es nie gestatte, daß ihre Barmherzigkeit ihr zum Nachteil werde. Oft erschienen die Seelen ihr, um ihre Fürbitte zu erlangen, oder um für erlangte zu danken; ja man sah Seelen sichtbar bei der Thür ihrer Zelle; ja selbst ihr 127 Bett umringend, warteten sie auf ihr Erwachen, um ihr ihre Bitten vorzutragen. Franziska hatte nicht im Geringsten Furcht. Ganz intim war ihr Verkehr mit den armen Seelen. Wenn sie den Rosenkranz betete, so nahmen ihn oft die armen Seelen, füßten ihn inbrünstig und vertrauensvoll, als ein kostbares Mittel des Heiles und der Erlösung. Sie machten sie aufmerksam auf die Nachstellungen des Teufels und auf Gegenmittel gegen seine Schlauheit und Unverschämtheit und um ihr Mitleid zu erregen, zeigten sie sich in ihren Qualen in den verschiedensten Gestalten. Bald waren es Bischöfe im Meßgewand, mit Mitra und Stab, aber in Flammen und klagend über ihr Leiden wegen Nachlässigkeit in ihrer Pflichterfüllung, bald Priester in flammenden kirchlichen Gewanden, wegen Unehrerbietigkeit oder Mangel an Sammlung bei den hl. Verrichtungen, bald Ordensleute in Flammen, wegen Vergehen gegen die hl. Gelübde; bald Weltleute in den verschiedensten Qualen wegen Pflichtvernachläſsigungen, so z. B. einst ein ihr bekannter Amtsschreiber, mit den glühenden Abzeichen seines Amtes, die ihn furchtbar quälten. Er sprach: 128 ,, Dieses Tintenfaß, diese Feder habe ich bei ungerechten Aktenstücken gebraucht und mit diesen brennenden Karten bei leidenschaftlichem Spiel meine Pflichten vernachlässigt, in dieser glühenden Börse ungerecht erworbenes Geld aufbewahrt und ich wäre sicher ewig verworfen worden, wenn ich nicht durch besondere Gnade bei meinem Tode wahre, aufrichtige Reue im hl. Sakrament erhalten hätte. Ein langes, schmerzhaftes Fegfeuer leide ich nun, wenn du es nicht durch dein Mitleid mir abfürzest." Derartige häufige Erscheinungen bewegten ihr kummervolles Herz in außerordentlicher Weise; allein sie fühlte auch einen unbeschreiblichen Trost, wenn befreite Seelen ihr erschienen, um ihr zu danken und sie ihrer dankbaren Liebe für alle Ewigkeit zu versichern. Vorsak. Ich will zum Troste der armen Seelen, aus Liebe zu ihnen, und um ihre Liebe zu erlangen, öfters die hl. Stationenandacht mit ihren reichen hl. Abläffen für sie verrichten. Heilige Katharina, du jungfräulicher Seraph heiliger Liebe zu Gott und den Menschen, bitte für uns und die lieben Seelen im 129 Fegfeuer und bewahre uns vor den Beinen desselben, wie du bewahrt worden bist vor den Leiden durch das schreckliche Rad. Amen. Sechsundzwanzigster Tag. Patron: Der hl. Konrad, Bischof von Konstanz. † 976. 2. Ihr Gebet für uns. Betrachtung. W enn die armen Seelen für sich selbst auch nichts thun können, da für sie die Nacht angebrochen ist, wo man nicht mehr wirken fann," so können sie doch für uns arme Sünder auf Erden beten. Und da sie Seelen sind, die Gott überaus liebt, so ist ihr Gebet und ihre Hülfe für uns auch sehr wirksam. Denn das Gebet ist ein Werk heiliger Liebe. Wenn also die Seelen vor ihrem Hinscheiden für uns beten und manche Dienste christlicher Liebe für uns wirken konnten, als sie in der Liebe noch nicht befestigt waren, so werden sie dieses jetzt um so eher thun, da sie in der Liebe befestigt sind. Fegfeuer- Stimmen. 9 130 Der Umstand, daß die armen Seelen in der Strafe sich befinden, macht ihre Gebete für uns nicht wirkungslos. Denn auch wir sind auf Erden in einem Strafzustande und beten doch erfolgreich und wenn die armen Seelen für sich auch nichts verdienen können, so ist doch ihr Gebet für uns von großer Wirksamkeit. Sollte aber unsere Lage ihnen nicht bekannt sein, so bemerkt der hl. Thomas von Aquin, daß wir ja auch für die armen Seelen. wirksam beten können, obgleich ihr Zustand uns nicht bekannt ist. Übrigens können die Hingeschiedenen vieles von uns erfahren von jenen Seelen, die fort= während von der Erde zu ihnen kommen, oder von den Engeln, oder durch besondere Erleuchtung des göttlichen Geistes. Beten wir deshalb für die armen Seelen und helfen wir ihnen, damit auch wir ihres Gebetes und ihrer Hülfe teilhaftig werden. Beispiel. Ein Geschichtsschreiber Frankreichs erzählt von einer Frau zu Dole, die von lebensgefährlicher Krankheit ergriffen worden war, weil ein Arzt ihr beim Aderlassen die Ader sehr verlegte, 131 wodurch sie sehr viel Blut verlor. Am folgenden Morgen sah sie bei Tagesanbruch ein weiß gekleidetes, bescheidenes Mädchen in ihre Kammer treten, das sich ihr zur Pflege anbot. Als sie es mit Freuden annahm, machte das Mädchen sogleich Feuer, half der Kranken aus dem Lager und ordnete das Bett. Als sie die Kranke berührte, fühlte sich diese zu ihrem Erstaunen wohler, und als sie die Unbekannte näher be= trachten wollte, eilte sie hinweg und versprach ihr, bald wieder zu kommen. Alles im Dorfe war über die Heilung der Frau erstaunt. Am Abend erschien das Mädchen wieder in gleicher Haltung und Kleidung und sagte sogleich: ,, Wisse, meine liebe Base, ich bin deines Vaters Schwester, die vor siebzehn Jahren starb und dich zur Erbin meines kleinen Vermögens einsetzte. Ich bin durch Gottes Barmherzigkeit und die Güte Mariä, die ich stets liebte, gerettet, obwohl ein plößlicher Tod mich überraschte und ich eine schwere Sünde nicht mehr beichten konnte. Hätte mir Maria nicht die Gnade einer vollkommenen Reue erworben, so wäre ich ewig verloren gewesen. Aber nun schmachte ich siebzehn Jahre im Fegfeuer, bis mir nun der Herr gestattet hat, dich 9* 132 unter dem Geleite meines Schußengels aufzusuchen und dir zu dienen. Erweise mir die Güte, für mich drei Wallfahrten nach drei Gnadenorten Mariä zu machen, die ich dir bezeichne, dann kann ich in den Himmel eingehen." Die Frau traute der Sache nicht recht, da sie einen Fallstrick des bösen Feindes vermutete und sprach zweifelnd:„ Aber meine Tante war ja alt und gebrochen, du aber bist hübsch und jung; sie war zänkisch und eigensinnig, du aber friedfertig und voll Geduld und Liebe." Die Erscheinung aber antwortete ruhig: Zweifle nicht, meine Tochter, mein früherer Körper liegt im Grabe und wird erst am jüngsten Tage wieder auferstehen. Ich habe einen geistähnlichen Leib behalten, damit ich mit dir sprechen und dich um deine Gebete für mich bitten kann. Im Fernern glaube nur, daß ich in den siebenzehn Jahren im Fegfeuer Geduld und Sanftmut gelernt habe. Zudem sind wir in Gottes Gnade befestigt und können das Böse nicht mehr wollen oder vollbringen; vielmehr beten wir für die Lebenden, die noch in Gefahren sind und die uns helfen, und leisten ihnen jene Dienste, die der barmherzige Gott uns ihnen zu erweisen 133 geſtattet." Dankbar nahm von nun an die Frau alle Dienste der Verstorbenen an, die zur bestimmten Zeit kam und ging, mit ihr viel vom andern Leben sprach, aber sonst mit niemanden, wie auch niemand außer der Frau sie sehen konnte. Als die Frau die drei Wallfahrten gemacht hatte, hörten die Erscheinungen auf. Nur noch einmal zeigte sie sich ihrer Base in strahlendem Glanz mit einem Antlig voll Frieden und Freude, indem sie ihr dankte und versprach, für sie, ihre ganze Familie und alle ihre Lieben im Himmel zu beten. Vorsak. Ich will alle Samstage Maria besonders eifrig für die Erlösung der armen Seelen anrufen und womöglich ein Armenseelenlichtlein Abends brennen lassen. Heiliger Bischof Konrad, bitte für uns und die lieben Seelen in den Beinen des Reinigungsortes, damit wir durch deine und ihre Fürbitten das ewige Leben erlangen. Amen. edin$ 1 134 Siebenundzwanzigster Tag. Patron: Der hl. Virgilius, Bischof von Salzburg. + 780. 3. Ihr Dank für barmherzige Liebe. Betrachtung. Qirgends begegnen wir wohl einer größeren als den im Fegfeuer schmachtenden und aus demselben erlöften Seelen. Der hl. Kirchenlehrer Alphons Maria von Liguori sagt in dieser Hinsicht: ,, Derjenige, welcher dicsen sehr bedrängten Seelen Hülfe leistet, darf seine Seligkeit mit 3uversicht hoffen. Denn wenn ja eine solche Seele durch sein Gebet und seine guten Werke die Befreiung erlangt, so fleht sie gewiß unaufhörlich um dessen Rettung und Gott wird sie ihr, als seiner erlösten und zur Hochzeit des Lammes gelangten Braut nicht versagen." Liebten die Seelen uns schon auf Erden als unsere Mitgenoffen auf dem Lebenswege, als Glieder einer Kirche, als Kinder eines Vaters und Erben eines Reiches, als Verwandte, Freunde, Wohlthäter und waren sie dankbar für irdische Gaben, 135 wie viel mehr sind sie uns jetzt dankbar, da sie die Beweggründe der Liebe flar erkennen und die der Dankbarkeit in ihrem glücklich errungenen Loose nicht vergessen können, da sie durch unsere Genugthuungswerke aus ihrem Straforte zum Throne Gottes als Heilige gelangt sind und ihre Wohlthäter auf Erden im Lichte Got-= tes erkannt haben. Ihre Dankbarkeit und Liebe nimmt da nicht ab, sie wächst vielmehr im geraden Verhältnisse unserer Hülfsbedürftigkeit in den Gefahren dieses Lebens, bis wir selbst das ewige Ziel erreicht haben. Beispiel. In einem schönen Werke ,, Triumph der Seele" erzählt ein Theologe von einem Manne der Bretagne( Bretain) in Frankreich, der troß seiner vielen irdischen Geschäfte ein sehr frommes Leben führte. Er hatte eine große Liebe zu den armen Seelen, für welche er Gebete, Almosen, Bußübungen und andere gute Werke fleißig berrichtete. Er ging nie an einem Kirchhofe vorüber, ohne ein kurzes Gebet für die daselbst Beerdigten zu verrichten, indem er ohne Menschenfurcht niederkniete. Durch ein auffallendes Wunder 136 zeigte Gott sein Wohlgefallen an dieser Handlungsweise. Dieser Mann nämlich erkrankte schwer. Sogleich ließ er seinen Seelsorger kommen, bat um die hl. Wegzehrung, als das beste Stärkungsmittel in seinen Schmerzen und Versuchungen. Der Priester tröstete und ermunterte den Kranken und versah ihn mit allen Tröstungen der hl. katholischen Kirche. Als er auf dem Rückwege beim Friedhof ankam, fühlte er sich durch eine unsichtbare Hand verhindert, vorwärts zu schreiten. Erstaunt und erschreckt sah er die Kirchthüre weit geöffnet, obschon er wußte, daß er sie beim Fortgehen fest verschlossen hatte. Auf einmal vernahm er aus der Kirche folgende deutlich gesprochenen Worte: ,, Dürre Gebeine, höret das Wort des Herrn! Tote, stehet auf! Rommet alle, die ihr schon in den Himmel aufgenommen seid, um für euern soeben verstorbenen Wohlthäter zu beten. Wir werden ihm niemals genug für alles Gute danken können, das er uns in seiner Frömmigkeit erwiesen hat, besonders uns, deren Leichname auf diesem Gottesacker der ewigen Auferstehung harren!" Nach diesen Worten entstand rings um den erstaunten Priester ein unge 137 wöhnliches Geräusch; er sah die Toten aus den Gräbern steigen und die Kirche von wunderbarem Lichte erleuchtet. Die Verstorbenen ordneten sich im Chor und sangen mit überirdischen Stimmen die Totenvesper. Am Schlusse derselben befahl die gleiche Stimme, wie zuerst, den Toten, in ihre Gräber zurückzukehren und das Licht, das die Kirche erleuchtete, verschwand plöglich. Der Priester, der wie festgebannt stehen geblieben war und kaum zu atmen gewagt hatte, konnte jetzt ungehindert in die Kirche eintreten und gleichzeitig kam ein Bote mit der Nachricht, der betreffende Kranke sei im Herrn gestorben. Der Seelsorger war von allem so erschüttert, daß er die Welt verließ und in der Einsamkeit des Klosters vom hl. Martin in Tours den Rest seines Lebens dazu verwendete, für die Verstorbenen zu beten und von Gott ihre Erlösung zu erflehen, überzeugt, daß ihr Dank für barmherzige Liebe so groß sein werde in seinem Leben und in seinem Tode, wie ihr Glück im Himmel. Vorsak. Ich will zum Troste der armen Seelen suchen, jeden Tag wenigstens eine Sünde zu 138 verhüten, von lieblosem Gerede, Fluchen, böser Gelegenheit u. s. w. meinen Nächsten nach Kräften abzuhalten. Heiliger Bischof Virgilius, bitte für uns und die armen Seelen im Fegfeuer, er= flehe uns barmherzige Liebe gegen sie, damit wir durch sie einst von Gott Barmherzigkeit erlangen. Amen. Achtundzwanzigster Tag. Patron: Der hl. Sosthenes, Martyrer.+1. Jahrhdt. 4. Die dankbare Liebe gegen verstorbene Priester und Seelsorger. Betrachtung. iemand betet und wirkt wohl so viel für die armen Seelen und hat deshalb mehr Recht auf ihre Dankbarkeit, als ein gewissenhafter, gottesfürchtiger Priester oder Seelsorger. Denn im hl. Meßopfer, in den hl. Sakramenten, im Breviergebet und in allen seinen priesterlichen und seelsorgerlichen Obliegenheiten hat er große, wirksame, heilige Mittel zur Erlösung 139 und Erquickung der armen Seelen. Andererseits heben die kirchlichen Schriftsteller häufig hervor, daß vor Allem die Priester es sind, die ein besonders schmerzliches und langes Fegfeuer zu gewärtigen haben. Denn dem Priester ist eine Bürde und Verantwortlichkeit mit seiner Würde auferlegt, die für Engelsschulfern fast zu schwer ist, wie seine Würde die der Engel in gewisser Hinsicht übertrifft. Darum wird vom Priester eine viel höhere Vollkommenheit verlangt und die geringsten Fehler werden nach einem viel strengeren Maßstabe gemessen, als bei den übrigen Menschen. Ist es nun aber die gute Meinung von der Tugend des Priesters, daß man zu früh glaubt, er sei im Himmel; oder ist es eine besondere strafende Zulassung Gottes wegen Vernachläsfigung einer so heiligen Pflicht Gott und den leidenden Seelen gegenüber, Thatsache ist, daß nach dem Tode kein Mensch so leicht und verhältnismäßig schnell der Vergessenheit anheimfällt, als der Priester. Und doch ist niemand dankbarer, als die Seele eines erlösten Priesters, eines aus dem Fegfeuer befreiten Seelsorgers. Wie steht es mit dir, o Christ, - 140 und deiner Dankbarkeit gegen verstorbene Priester und Seelsorger? Fasse entsprechende Vorsäge. Beispiel. Der Geschichtsschreiber des hl. Philipp Neri berichtet von diesem großen Diener Gottes, daß er eine zärtliche Liebe zu den armen Seelen gehabt habe, für die er viel betete und denen er die Verdienste seiner guten Werke schenkte. Insbesondere wendete er seine Hülfe denen zu, deren Seelsorger er in ihrem Leben gewesen war. Er glaubte ihnen mehr zu schulden, weil er ja in seinem priesterlichen Amte am Heile ihrer unsterblichen Seelen gearbeitet habe. Viele Verstorbene erschienen ihm, um ihn um seine Fürbitte anzuflehen und nie säumte er, ihnen zu helfen, stets mit großem Erfolge. Er that es um so lieber, weil die armen Seelen ihm auffallende Gnaden erwirkten. Nach seinem Tode betete ein frommer Franziskaner in der Kapelle, wo die Leiche des hl. Philipp ausgestellt war. Der Verstorbene erschien in strahlendem Lichte der Verklärung, umgeben von seligen Geistern, von denen er offenbarte, daß sie entweder Glieder seines Ordens seien, oder 141 solche, die ihm Gutes gethan, oder die er selbst durch seine Fürbitte aus dem Fegfeuer befreit habe, die ihm jest entgegeneilen, um ihn in den Himmel zu begleiten. In seinem ganzen Orden herrschte die gleiche aufopfernde Liebe zu den armen Seelen und schien vom Stifter auf den ganzen Orden übergegangen zu sein. Ein Priester desselben Ordens hörte fast nie auf, für die armen Seelen zu beten und mit ebenso glücklichen Erfolgen für ihre Erlösung. Dieser hatte in der Stadt Aquila ein Beichtkind, Namens Elisabeth, welches reich an Tugend, aber arm an irdischen Mitteln letzteres nur deshalb bedauerte, weil es nicht in ein Kloster eintreten konnte, um dort einzig dem himmlischen Bräutigam der Seelen anzugehören. Ihr frommer Beichtvater sagte ihr aber voraus, daß sie bald von Jesus zum himmlischen Hochzeitsmahle berufen werde, sie solle sich nur dazu vorbereiten, sie werde nicht lange im Fegfeuer bleiben. In der That starb sie bald nach kurzer Krankheit eines heiligen Todes, und da ihre Familie sie sehr betrauerte, so tröstete sie der Beichtbater, daß sie jetzt eine mächtige Fürbitterin im Himmel besize. Nach kurzer Zeit erschien die 142 Verstorbene wirklich einem ihrer Brüder in voller Herrlichkeit der Auserwählten und sprach: Sage meinem Vater, er müsse zur Befreiung meiner Seele nichts mehr thun. Durch die Fürbitte meines Beichtvaters, dieses barmherzigen Freundes meiner Seele, ist die Stunde meiner Erlösung angebrochen." Dieser Priester verwendete die großen Almosen, die fromme Christen ihm übergaben, teils für die Armen, teils für Hl. Messen zum Troste der armen Seelen. Dazu fügte er seine Gebete, Fasten, Nachtwachen, die gänzliche Entsagung der Welt, mit ihren eitlen Freuden und Ehren. Ja er bat sogar den Herrn, er möge ihn einen Teil der Leiden tragen lassen, welche die armen Seelen erdulden, damit sie erleichtert werden. Dieser heldenmütige Wunsch wurde ihm erfüllt und er wurde oft von so entseg= lichen Schmerzen befallen, daß er kaum mehr seine Lage verändern konnte. 11 Für so Vieles und so Großes waren ihm aber seine früheren Seelsorgskinder im Fegfeuer überaus dankbar. Ihrer Fürbitte verdankte er zahllose kostbare Gnaden, die ihm zu Teil wurden, Errettung aus großen Gefahren und trost 143 volle Erscheinungen, wodurch sie ihre findliche Dankbarkeit ihm für alles bezeugten, was er als Priester und Seelsorger in ihrem Leben und nach ihrem Tode für sie gethan. Ebenso groß sind die Gnaden, die Gott den Seelsorgsanvertrauten durch die Fürbitte ihrer einstigen Seelsorger im Fegfeuer erwiesen, wofür der ergreifendsten Beispiele eine zahllose Menge zeugen. Vorfah. Ich will täglich ein bestimmtes Gebet verrichten für alle Priester im Fegfeuer, insbesondere für meine lieben verstorbenen Seelsorger, und wenn es auch nur ein andächtiges Vater unser" aus mitleidsvollem Herzen wäre, und O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe!" heiliger Softhenes, treuer Jünger des Hl. Apostelfürsten Paulus, bitte für uns und die armen Seelen aller Priester in den Flammen des Fegfeuers. Amen. 144 Neunundzwanzigster Tag. Patron: Der bl. Saturnin, Bischof und Martyrer, Rom, † 250. 6. Die wechselseitige dankbare Freundschaft. Betrachtung. enn die lieben armen Seelen im Fegfeuer zwar aller ihrer Mitmenschen auf Erden gedenken, so sind es aber wohl am meisten jene, mit welchen sie einst durch die Bande der Liebe, Freundschaft oder Verwandtschaft auf Erden so innig verbunden waren. Ebenso haben wir Christen auf Erden neben dem göttlichen Gesetze der Nächstenliebe noch besondere Verpflichtung, den armen Seelen zu helfen, je mehr uns Dankbarkeit, Liebe und von Gott gegebene Verbindung dazu auffordert. So wechselseitig Kinder gegen Eltern, Schüler gegen Lehrer, Eheleute und Freunde gegen einander. Nicht weniger aber sind zu dieser Hülfe verpflichtet diejenigen, die vielleicht durch Ärgernis oder böses Beiſpiel schuldig sind an dem harten Fegfeuer Dahin 145 geschiedener, wie andererseits jene eine vorzüglich strenge Pflicht haben, den hülfsbedürftigen Seelen die schuldige Hülfe nicht zu versagen, die aus dem Titel der Erbschaft, der Rückerstattung oder einer andern Verpflichtung ihnen verbunden sind. Mit Recht sagt deshalb der hl. Dionysius: Derjenige hat in der That keinen Funken christlicher und brüderlicher Liebe, der aus Nachlässigkeit oder Trägheit zuläßt, daß die armen Seelen seiner Freunde von den Flammen des Fegfeuers gequält werden." Und der hl. Chrysostomus ruft aus: Wie, die Heiden verbrennen mit den Leichnamen der ihrigen Alles, auch das Kostbarste, was ihnen zugehört, und die Christen eignen sich das an, was sie nicht zum Verbrennen, sondern zur Sühnung für ihre Abgestorbenen, um ihnen die ewigen Güter zu vermitteln, zum Opfer bringen sollten. Die Heiden verbrennen die Güter ihrer Toten, um ihrem Andenken eine eitle Ehre zu erweisen, und die Christen lassen zwar nicht die Leiber, wohl aber die Seelen ihrer Toten brennen, um sich mit ihrer Hinterlassenschaft ungerecht zu bereichern. Wenn, wie die hl. Schrift sagt, die Liebe nie aufhört," so gilt das doch gewiß vor Fegfeuer- Stimmen. 10 11 146 Allem für die wechselseitige dankbare Freundschaft der Lebenden und Abgestorbenen, die man seine Eigenen nennt. Beispiel. Das Tagebuch der Dominikaner in der Diözese Nepi in Italien enthält die Geschichte einer innigen heiligen Freundschaft der Hl. Katharina, Stifterin des Klosters, mit einer frommen Jungfrau mit Namen Bernhardina. Sie hatten sich versprochen, daß ihre Freundschaft nicht nur für die kurze Zeit ihres irdischen Lebens dauern solle, sondern auch nach ihrem Tode, und wer von ihnen zuerst sterbe, solle mit Gottes Zulassung der Überlebenden erscheinen und über ihren Zustand im Jenseits berichten. Bernhardina starb zuerst; Katharina stand ihr im Tode bei und erinnerte sie an das Versprechen, sie möchte sie vorzüglich wissen lassen, wo ihre Seele nach dem Gerichte sei, damit sie für sie bete, wenn sie dessen bedürfe, und ob ihr eigenes Leben Gott wohlgefällig sei, da sie für ihn allein leben und sterben wolle. Die Sterbende versprach, es zu erfüllen und entschlief ganz sanft im Herrn. Unterdessen hoffte Katharina, ihre 147 selige Freundin werde ihr bald erscheinen und verrichtete fleißig Gebete und gute Werke für sie. Viele Wochen und Monate bergingen und Katharina erhielt keine Erscheinung. Nun bat fie Gott dringend, daß er der Verstorbenen doch erlaube, ihr gegebenes Versprechen zu halten. Ein Jahr war vorüber seit Bernhardinas Tod und Katharina betete in frommer Betrachtung in der Kirche. Da sah sie auf einmal, wie aus dem Brunnen in einer Ecke dichter Rauch emporstieg und aus diesem eine in Dunkel gehüllte menschliche Gestalt, die immer heller wurde und endlich in blendend strahlender Schönheit dastand, während eine Schar von Engeln und Heiligen ihr entgegeneilte. Es war ihre verstorbene Freundin. Hocherfreut lief Katharina zu der Erscheinung und fragte sie, weinend vor Rührung, warum sie nicht früher gekommen? Bernhardina antwortete, daß Gottes Wille sie ein Jahr im Reinigungsorte zurückgehalten habe und sie erst jetzt erlöst worden sei.„ Freue dich," sprach sie, vielgeliebte Schwester, der Herr hat dich bestimmt, noch Großes zu seiner Ehre zu wirken auf Erden, wo du noch viele Jahre bleiben mußt, um deine Krone zu vollenden. 10* 148 Du bist auf gutem Wege und Gott hat mir wegen deiner treuen Freundschaft einen Teil deiner Verdienste zu meiner Erlösung zugewendet." Die glückliche Seele nahm ihren Flug zum Himmel, Katharina empfand große Freude über die Gewißheit, daß ihre Freundin im Himmel und sie selbst in Gottes Gnade sich befinde. Diese treue Dienerin Gottes opferte sich aber nicht bloß auf für die Seelen, die mit ihr durch die Bande der Freundschaft oder des Blutes verbunden waren, sie betete für alle Seelen im Fegfeuer, am meisten aber für ihre Eltern. Als ihr Vater starb, brachte sie volle acht Tage in Gebet, Fasten und strengen Bußübungen zu, um Gottes Barmherzigkeit und die Güte Mariä, der schmerzhaften Mutter, auf ihn herabzuflehen. Während sie einst der Hl. Messe für ihn beiwohnte, wurde sie einer himmlischen Erscheinung gewürdigt, in welcher sie den Heiland und ihre Namenspatronin, die hl. Katharina von Siena, sah. Sie wurde im Geiste in das Fegfeuer geführt, wo sie die klagende Stimme ihres Vaters vernahm, der sie dringend um ihre Fürbitte zu seiner Erlösung anflehte. Seine Klagen erfüllten ihr Herz mit unsäglichem Schmerze, Thränen 149 benetzten ihr Antlig und sie bat flehentlich zum Heilande um seine Barmherzigkeit und die hl. Katharina um ihre Fürsprache zur Erlösung ihres leidenden Vaters und bot sich selbst zur noch fehlenden Genugthuung dar. Gerührt durch diese kindliche Liebe warf der Heiland einen Blick auf die Flammen und vor diesem allmächtigen, Himmel und Erde beherrschenden Blicke zerteilten sie sich sogleich und die Seele des Vaters war befreit. Katharina aber hörte nicht auf die göttliche Erbarmung zu preisen, die das Flehen der dankbaren Freundschaft und findlichen Liebe so gütig erhört hat. Vorsat. Ich will täglich meiner hingeschiedenen Großeltern, Eltern, Geschwister, Freunde und Wohlthäter im Gebete eingedenk sein und durch ein frommes, gottesfürchtiges Leben ihr Andenken ehren. Heiliger Saturnin, glorreicher Bischof und Märtyrer, bitte für uns und unsere lieben ver= storbenen Verwandten, Freunde und Wohlthäter und führe uns durch deine Fürbitte einst zu 150 sammen in ewiger Freude und Glückseligkeit. Amen. NE Dreißigster Tag. Patron: Der hl. Andreas, Apostel.+ 62. 6. Schlußbetrachtung. ir stehen am Schlusse des trost- und segens33 vollen Monats, der den armen Seelen von uns gewidmet worden. Wir haben die Leiden des Fegfeuers, die Beweggründe der Hülfe, die Mittel zur Erlösung, die Vorteile der Helfenden und die Dankbarkeit der Erlösten in Betrachtungen und Beispielen unserer Seele vorgeführt, unser Herz mit Mitleiden erfüllt und unseren Willen zu guten Vorsägen ermuntert. Wir haben die Wahrheit der göttlichen Worte bewährt gefunden: ,, Eine sehr große Gnade ist denen vorbehalten, welche in Frömmigkeit entschlafen sind. Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden."( II Mach. 12, 45 f.) 151 O, daß die gemachten guten Vorsäge zum Troste der lieben Seelen von allen Christen recht treu gehalten würden, welcher Trost würde für sie und welcher Segen für uns daraus entsprießen. Ich wollte," ruft die Hl. Katharina von Genua aus, ,, meine Stimme wäre stark genug, um zu rufen, daß alle Menschen auf Erden mich hörten und vor Schrecken erschaudern müßten und ich würde ihnen sagen: ,, ihr Elenden! wie könnt ihr euch von dieser Welt verblenden lassen, daß ihr euch für eine so große und unendlich wichtige Angelegenheit nicht vorsehet, wie sie euch im Augenblicke des Todes bevorsteht." Klingt es nicht in unserem Herzen wieder, wenn wir zurückdenken an all die Fegfeuerstimmen aus den Flammen des Reinigungsortes, was P. Faber so ergreifend ausgesprochen:„ Wie erhaben und überwältigend ist der Gedanke an jenes Reich der Schmerzen! Alles ist da stille, stille wie Jesus vor seinen Feinden. O herrliche Region der Kirche Gottes, o liebliche Kinderschar Mariens! Wir sehen hier die Schönheit bald makelloser Seelen, die Liebenswürdigkeit ihrer Geduld, die Herrlichkeit ihrer Gaben, die 152 Würde ihres Leidens, die Beredsamkeit ihres Schweigens. Ein Licht, das vom Throne Mariens ausgeht, erleuchtet dieses Land des Schmerzes und der Sehnsucht, und Engel mit filberweißen Schwingen durchfliegen die Tiefen dieser geheimnisvollen Region. Welt! ich möchte dir entrinnen und wie eine Taube mit Freuden fliegen nach dem niedrigsten Orte in jenem reinen, sichern und heiligen Lande des Friedens und der sündenlosen Liebe." Solche Betrachtungen und Erwägungen über das Fegfeuer haben schon Tausende und Tausende begeistert, alle Werke der Genugthuung, die sie im Leben verrichtet haben und alle Fürbitten, die ihnen auch nach ihrem Tode zu Teil werden, großmütig in die Hände der allerseligsten Gottesmutter Maria zu übergeben und aufzuopfern, damit diese Mutter der armen Seelen" sie jenen Abgestorbenen zuwende, welche sie aus dem Fegfeuer in mütterlicher Liebe befreien will. Es ist dies der wiederholt genannte heldenmütige Liebesakt", wodurch man nicht nur nichts verliert, sondern hundertfältige Vergeltung von dem göttlichen Erlöser erhält, der seiner großen Dienerin, der hl. Gertrud, geoffenbaret hat: 153 Für die Liebe, mit welcher du alle deine eigenen Werke der Genugthuung an die armen Seelen abgetreten, erlasse ich dir in dieſem Augenblicke alle Strafen, welche du im Kerker des Fegfeuers hättest ausstehen müssen und überdies werde ich dir jedes einzelne Werk, welches du für sie verrichtest, hundertfältig vergelten und deine Herrlichkeit im Himmel freigebig vermehren." Nicht umsonst haben auch die Statthalter Jesu Christi auf Erden, die Päpste, für dieſe Hl. Übung Priester und Volk mit den reichsten hl. Ablässen bedacht. Möge der Hl. Apostel Andreas, der letzte Festheilige dieses Monats Allerseelen, für uns bitten, daß wir unserer Borsätze zum Troste der armen Seelen uns recht oft erinnern und sie beharrlich ausführen, damit unsere Fegfeuerstimmen Vielen zu Freudenstimmen der Ewigkeit werden, in welchen die streitende, leidende und triumphirende Kirche in heiliger Harmonie zusammenklingt zum ewigen Lobpreise Gottes, des Dreieinigen und der erhabenen Himmelskönigin Maria, der liebevollen Mutter der armen Seelen". 154 Erhebt euch also," rufen zum Schlusse die " Fegfeuerstimmen" allen mitleidsvollen Christen mit dem hl. Bernhard zu, erhebet euch und eilet den armen Seelen zu Hülfe, bittet für sie durch euere Thränen und Seufzer, betet für sie und bringet dem Herrn das heilige Versöhnungsopfer des neuen Bundes für sie dar." Mögen euere Gebete, Fasten, Almosen, euere hl. Kommunionen, Bußwerke und Abtötungen, euere fromme Andacht beim hl. Meßopfer den armen Seelen die ersehnte Erlösung erwirken. Sie werden alsdann auch euch in allen Nöten des Lebens zu Hülfe eilen und wenn ihr im Todestampfe liegt oder im Fegfeuer leidet, euch stärken, trösten und ermutigen und wenn auch ihr einst Gnade gefunden habt bei Gott, frohlockend euch einführen in die glorreiche Versammlung aller Auserwählten Gottes im Himmel. Amen. 11 Zweiter Geil. Gebete und Andachtsübungen. hoffet, ihr Seelen! Nicht ewig wird quälen Die Strafe; bald öffnet Der Himmel sich euch! Dann geht ihr aus Leiden Zu ewigen freuden; Dann denket auch unser Jm himmlischen Reich. I. Morgengebet. m Namen Gottes des+ Vaters und des + Sohnes und des+ heiligen Geistes. Amen. Der Engel des Herrn u. s. w. Gütigster Gott! Du hast mich einen neuen Tag erleben lassen, daß ich ihn zu deiner Ehre und zu meinem Heile anwenden soll. Recht herzlich danke ich Dir dafür. Ich kann nicht wissen, ob dieser Tag nicht der letzte meines Lebens sein werde. Ich will ihn daher so zubringen, als wenn ich es gewiß wüßte, mit ihm werde sich auch mein Leben enden. Ich nehme mir jetzt ernstlich vor, zur Abbüßung meiner alten Sünden heute zu wirken, so viel mir nur möglich ist, und vor neuen mich aufs sorgfältigste 160 zu hüten. Ich will mich befleißen, heute recht viel Gutes zu thun, und die Pflichten, die ich gegen Dich, gegen mich selbst und gegen meinen Nächsten habe, gewissenhaft zu erfüllen. Aber lieber Vater im Himmel! Du weißt es, wie schwach, wie leichtsinnig und veränderlich ich bin. Wenn meine guten Vorsäge in Erfüllung gehen sollen, so muß deine Gnade dabei das meiste thun. Sie muß mich erleuchten, daß ich das Gute immer recht erkenne, und sie muß mich stärken, daß ich es auch ausübe; daß ich es auch alsdann ausübe, wenn es mich schwer ankommt, wenn ich starke Versuchungen zu überwinden und viele und große Hindernisse zu besiegen habe. Versage also deinem Kinde diesen mächtigen Beistand deiner Gnade nicht, o liebreichster Vater! Unendlich wahrhafter und allwissender Gott! Ich glaube alles, was Du geoffenbaret hast, und was mir meine, vom heiligen Geiste beständig regierte Kirche zu glauben vorstellt. Laß mich nur diesen Glauben auch den ganzen Tag hindurch im Werke zeigen laß mich immer so denken, reden und handeln, wie es der Glaube von mir fordert. Allmächtiger und unendlich gütiger Gott! 161 Ich hoffe mit Zuversicht alles von Dir, was ich diesen Tag über für die Seele und den Leib notwendig habe. Liebenswürdigster Gott! O könnte ich Dich heute doch so lieben, wie Du von mir geliebt zu werden verdienst! Möchte ich doch heute deinem heiligsten Willen nie zuwider handeln! Es reuet mich von Herzen, daß ich schon so viele Tage meines Lebens nicht zu deiner Ehre, sondern zu deiner Beleidigung zugebracht habe. Heute soll es aber anders gehen. Ich will mich heute mit deiner Gnade vor jeder Sünde hüten, besonders aber vor N. ( Hier nenne die Sünde, womit du Gott bisher am öftesten und am meisten beleidigt haft.) Alles, was ich heute zu thun und zu ertragen haben werde, soll aus Liebe zu Dir und Dir zur Ehre geschehen, in Vereinigung mit den Meinungen des hlst. Herzens Jesu. Laß heute deine Batergüte nicht nur mich, sondern alle meine Mitmenschen, auch meine Feinde empfinden. Insbesondere aber empfehle ich Dir noch N. N. Endlich schenke auch allen im Fegfeuer leidenden Seelen in Ansehung alles Guten, das Fegfeuer- Stimmen. 11 162 diesen Tag in der ganzen Christenheit geschehen wird, und in Rücksicht auf die unendlichen Verdienste Jesu Christi die ewige Ruhe und himmlische Seligkeit, besonders aber N. N. Oheilige Maria, Mutter Gottes! Ich bin als ein sündiger Mensch nicht würdig, von Gott zu erhalten, um was ich Ihn eben angefleht habe, aber durch deine Fürbitte kann ich alles erlangen. Zu dir nehme ich also auch meine Zuflucht und bitte dich, du wollest mich heute in deinen besondern Schuß nehmen und mir, deinem Pflegekind, alles Gute erflehen. Heiliger Schußengel, du bist mir von Gott selbst an die Seite gestellt worden, mich zu bewahren vor allem Unheil. Beschüße mich daher vor all' dem, was mich während dieses Tages an Seele und Leib unglücklich machen könnte. Heiliger Namenspatron und alle Heiligen Gottes! Bittet für mich, daß ich von heute an Gott nach eurem Beispiele dienen, und einmal mit euch im Himmel vereinigt werden möge. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist du Maria 2c. Ich glaube an Gott Vater 2c. IT 163 II. Abendgebet. m Namen Gottes des Vaters und des † Sohnes und des+ heiligen Geistes. Amen. Der Engel des Herrn u. s. w. Nun ist wieder ein Tag meines Lebens seinem Ende nahe. Was ist billiger, o Gott, als daß ich mich noch einmal an Dich wende und Dir herzlich danke für alle Wohlthaten, mit denen Du mich an diesem Tage überhäuft haft? Wie habe ich aber diesen Tag zugebracht? Wie habe ich deine Gnade benügt? Wie habe ich das angewendet, was ich von deiner väterlichen Güte empfangen habe? ( Hier erforsche dein Gewissen so, als wenn du gewiß wüßtest, du werdest morgen nicht mehr am Leben sein.) O mein Gott! Am Morgen habe ich Dir versprochen, den mir geschenkten Tag nur zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele anzuwenden; und ich habe schon wieder nicht Wort gehalten. Ich habe meine Pflichten nicht erfüllt, wie ich es schuldig gewesen. Ich habe mehr Böses als Gutes gethan. Ach verzeihe mir doch, o liebreichster Vater, meine Untreue und meinen 11* 164 großen Undank gegen Dich! Handle mit mir jetzt und in der folgenden Nacht nicht nach meinem Verdienste und nach deiner strengen Gerechtigkeit, sondern vielmehr in gnädigster Rücksicht auf die Verdienste Jesu Christi, meines Erlösers, und nach deiner unendlichen Barmherzigkeit. Verschmähe es doch nicht, wenn ich Dir aufs neue pflichtgemäß huldige und nur mehr Dir zu dienen und Dir anzugehören verlange! Ich erkenne es als Christ sehr gut, daß nur Du es bist, an den ich mich halten kann und halten muß. Ich glaube fest und unbezweifelt alles, was Du als der allwissende und unendlich wahrhafte Gott geoffenbaret haft und was mir die vom heiligen Geiste beständig regierte römischkatholische Kirche zu glauben vorstellt. hätte ich doch diesem Glauben auch niemals zuwider gehandelt! Aber unendlich groß ist deine Barmherzigkeit, o Gott! Du bist geneigt, mir alle meine Sünden, wenn ich darüber nur Buße thun will, wieder zu vergeben. Du selbst haft mir dieses verheißen, und ich erwarte es von Dir mit desto größerer Zuversicht, je mehr auch dein eigener Sohn Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan und gelitten hat, um mir die Ver 165 zeihung von Dir zu erlangen. Dich in Zukunft über alles und meinen Nächsten wie mich selbst lieben zu können, ist jetzt der aufrichtigste Wunsch meines Herzens, das über die Vergangenheit voll der Reue, nun fest entschlossen ist, für die Zukunft sich nur nach Dir und deinen Geboten zu richten. Laß Dir diese redlichen Gesinnungen wohlgefallen von mir, deinem schwachen Kinde, o liebster Vater im Himmel! und bewahre mich die Nacht über vor allem Übel, das mir von sichtbaren und unsichtbaren Feinden begegnen könnte, durch Jesum Christum deinen Sohn, der mit Dir und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Um eben dieses bitte ich Dich demütig für alle meine Mitmenschen und besonders für N. N. Gib endlich auch allen christgläubigen Seelen die ewige Ruhe, besonders N. N. Ihnen schenke ich durch Maria alle Verdienste dieses und des kommenden Tages und meines ganzen Lebens. Nach Gott setze ich mein größtes Vertrauen auf dich, o Maria! Wie viel muß deine Fürbitte bei dem dreieinigen Gott vermögen, da du den wahren Sohn des Vaters unter Mit 166 wirkung des heiligen Geistes empfangen und geboren hast! Nimm mich doch als dein wiewohl nur unwürdiges Pflegekind während dieser Nacht in deinen mütterlichen Schuß und erflehe mir den Segen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Heiliger Schußengel! Bewahre mich vor allem, was mir in dieser Nacht schaden könnte. Heiliger Namenspatron und alle Heiligen Gottes! Bittet für mich, daß ich diese Nacht und allezeit in der Wohlfahrt des Leibes und der Seele bewahret werden möge. Herr, gib allen christgläubigen Seelen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen; lasse sie ruhen im Frieden. Amen. Vater Maria zc. DO unser 2c. Gegrüßt seist du, Ich glaube an Gott Vater zc. 158 did 167 III. Meßandachten. 1. Requiem, Seelamt für die Verstorbenen. Meinung vor dem Hl. Amte. Herr Jesus Christus! Du hast aus übergroßer Liebe das hl. Meßopfer zum Heile nicht nur der Lebendigen, sondern auch der in der Gnade Gottes Verstorbenen eingesetzt. Ich opfere Dir also diese hl. Messe und mein Gebet auch für alle armen Seelen auf, die noch im Fegfeuer leiden und ihrer endlichen Erlösung harren müssen, und zwar, um ihre großen Beinen zu lindern, um ihre Sündenschuld völlig zu bezahlen, um ihre baldige Erlösung zu erlangen und endlich, damit sie im Himmel wieder für mich. beten, daß ich noch vor meinem Tode alle Strafen meiner Sünden abbüßen möge. Ich bitte Dich deswegen, o gütigster Jesus! Du wolleft das gegenwärtige hl. Meßopfer, wie auch meine geringe Andacht, und die Fürbitte aller Heiligen, um welche ich diese die ganze Hl. Messe hindurch bitte, mit deinem blutigen Opfer und 168 mit deinen Schmerzen und Seufzern am Kreuze vereinigen und deinem himmlischen Vater aufopfern, damit durch die Kraft desselben die Seelen N. und alle andern aus dem Fegfeuer erlöst werden. Amen. Introitus. Requiem aeternam dona eis Domine! et lux perpetua luceat eis! Ps. Te decet hymnus, Deus, in Sion; et tibi reddetur votum in Requiem etc. Jerusalem; exaudi ora- richtet werden in Jerusationem meam, ad te omnis caro veniet. lem; erhöre mein Gebet, zu Dir wird alles Fleisch kommen. Herr u. s. w.... ihnen! 22 Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! Ps. Dir, o Gott! gebührt Lobgesang in Sion und Gabe wird Dir enteis! Kyrie eleison. Kyrie eleison!( 3 mal)| Herr, erbarme Dich unser! Christe eleison! Christe, erb. Dich unser! Kyrie eleison! Herr, erbarme Dich unser! 27 Collecten( Kirchengebete). 1. Für einen Verstorbenen. Neige, o Herr! Dein Ohr zu unseren Bitten, mit welchen wir vor Dir, dem Erbarmer, hingestreckt flehen, 169 Du wollest die Seele Deines Dieners N., welcher Du diese Welt zu verlassen geboten hast, in das Land des Friedens und des Lichtes versetzen, und an dem Lose Deiner Heiligen teilnehmen lassen. Durch unsern Herrn u. s. w. 2. Für eine Verstorbene. Wir bitten Dich, o Herr, erbarme Dich nach deiner Milde der Seele Deiner Dienerin N. und führe sie, von dem Verderben der sterblichen Natur befreit, in den Anteil der ewigen Seligkeit. Durch unsern Herrn u. s. w. 3. Am Sterbe- oder Begräbnistage. Herr! dem es eigen ist, sich stets zu er barmen und zu schonen; demütig bitten wir Dich für die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin) N., der Du( heute) aus dieser Welt zu scheiden geboten hast; Du wollest sie nicht den Händen des Feindes überlassen, auch nicht auf immer ihrer vergessen, sondern den hl. Engeln gebieten, sie aufzunehmen und zum Vaterlande, zum Paradiese zu führen, auf daß sie, weil sie auf Dich vertraut und an Dich geglaubt hat, die Strafen des Fegfeuers nicht erleide, sondern die ewigen Freuden befize. Durch unsern Herrn u. s. w. 170 4. Am Jahrestage. O Gott! Du Herr der Erbarmungen, gib der Seele Deines Dieners ( Deiner Dienerin), dessen( deren) Jahrgedächtnis wir begehen, den Ort der Erquickung, die Seligkeit der Ruhe und die Klarheit des Lichtes. Durch unsern Herrn u. s. w. 5. Für die Eltern. O Gott! der Du uns geboten hast, Vater und Mutter zu ehren; erbarme Dich in Güte der Seele meines Vaters und meiner Mutter; tilge ihre Sünden und verleihe mir, daß ich sie in der Freude der ewigen Herrlichkeit wiedersehe. Durch unsern Herrn u. s. w. 6. Für Brüder, Schwestern, Verwandte und Wohlthäter. O Gott! der Du Verzeihung erteilst und des Menschen Heil liebst, wir bitten Deine Güte, Du wollest die Brüder, Schwestern, Verwandten und Wohlthäter unserer Genossenschaft, die von dieser Welt abgeschieden sind, durch die Fürsprache der stets seligen Jungfrau Maria und aller Deiner Heiligen zur Teilnahme an der ewigen Seligkeit gelangen lassen. Durch unsern Herrn u. s. w. 7. Für alle Verstorbenen. O Gott! Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen 171 Vergebung aller Sünden, damit sie die Nachsicht, welche sie stets gewünscht haben, durch fromme Fürbitten erlangen, der Du lebst und regierst u. s. w. 8. Für die Seelen der Verstorbenen, die auf dem Gottesacker ruhen. Gott! durch dessen Erbarmung die Seelen der Gläubigen ruhen, verleihe Deinen Dienern und Dienerinnen und allen, die hier oder sonst irgendwo in Christus ruhen, gnädig Verzeihung ihrer Sünden, damit sie von aller Schuld er= löst, mit Dir sich ohne Ende erfreuen mögen. Durch eben diesen unsern Herrn u. s. w. Epistel. Seitdem Christus von den Toten auferstanden ist, hat der Tod zum großen Teil seine Schrecken verloren. Denn wir wissen, daß auch wir wieder zu neuem Leben auferweckt werden. Ja, wir wissen, daß uns der Tod eigentlich erst zum Leben führt. Er öffnet das Gefängnis unseres Leibes und läßt die Seele frei zu Gott sich hinbewegen. Warum also vor dem Tode sich fürchten, der uns mit Gott vereinigt? Warum so sehr an dem Leben hangen, welches uns der steten Gefahr ausseßt, Gott zu verlieren? Wo 172 fern wir nur für Gott lebten, o gewiß, wir würden gern den Tod herankommen sehen und mit dem Apostel würden wir ausrufen:„ Ich wünsche, aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein."( Phil. 1, 23.) Graduale. Requiem aeternam dona eis, Domine! et lux perpetua luceat eis! . In memoria aeterna erit justus; ab auditione mala non timebit. ( Ps. 111, 7.) Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! Im ewigen Gedächtnisse wird der Gerechte sein, sich nicht fürchten vor bösem Gerüchte. Tractus. Absolve Domine, animas omnium fidelium defunctorum ab omni vinculo delictorum. . Et gratia tua illis succurrente, mereantur evadere judicium ultionis. . Et lucis aeternae beatitudine perfrui. Erlöse, o Herr, die Seelen der verstorbenen Christgläubigen von allen Banden der Sünde. Laß sie durch die Beihilfe Deiner Gnade dem Strafgerichte entgehen; Und der Seligkeit des ewigen Lichtes teilhaftig werden. 173 Sequenz. Dies irae, dies illa, Solvet saeclum in favilla Teste David cum Sibylla. Quantus tremor est futurus. Jener Tag, der Tag der Zähren, Wird in Glut die Welt verzehren, Wie Prophetenworte lehren. Welch' ein Zittern wird da werden, Wenn der Richter aller Erden Quando judex est venturus, Cuncta stricte discus- Kommt, zu scheiden seine surus! Heerden. Mors stupebit et natura, Cum resurget creatura, Judicanti responsura. Tuba mirum spargens Die Posaune wird er= sonum, klingen, Durch die Länder, Gräber Per sepulcra regionum, Coget omnes ante thronum. dringen, Alle vor den Richtstuhl zwingen. Staunen wird da Tod und Leben, Wenn die Wesen sich erheben, Antwort vor Gericht zu geben. 174 Liber scriptus profere- Offen liegt das Buch der Sünden, tur, In quo totum continetur, Unde mundus judicetur. Alles ist darin zu finden, Um zu lösen und zu binden. Judex ergo cum sedebit, Vor des Richters Angesichte Quidquid latet, apparebit, Tritt Verborg'nes klar Nil inultum remanebit. ins Lichte, Nichts entgeht da dem Gerichte. Quid sum miser tunc dicturus, Weh! was werd' ich Armer sagen, Quem patronum rogaturus, Welchen Schuk und Rat erfragen, Cum vix justus sit se- Wo Gerechte selbst verzagen. curus. dajo p Rex tremendae maje- König aller Kraft und Ehren, statis Qui salvandos salvas mild, um Gnade zu gegratis währen, Salva me fons pietatis. Rette mich am Tag der Zähren. Recordare Jesu pie, Quod cum causa tuae viae, Ne me perdas illa die. Der Du bist herabgekommen, Fleisch für mich hast angenommen, Hilf mir, Jesu, Trost der Frommen. 175 Quaerens me sedisti las- Suchtest mich mit Huldsus, verlangen, Redemisti crucem passus, Saft am Kreuz für mich Tantus labor non sit gehangen, Jesu, laß mich Gnad' empfangen. cassus. Juste judex ultionis, Donum fac remissionis, Ante diem rationis. Ingemisco tanquam reus, Culpa rubet vultus meus, Supplicanti parce Deus. Qui Mariam absolvisti Et latronem exaudisti, Mihi quoque spem dedisti. Preces meae non sunt dignae, Sed Tu bonus fac benigne Ne perenni cremer igne. Strenger Richter aller Sünden, Laß mich hier Verzeihung finden, Eh' der Hoffnung Tage schwinden. Sieh mich seufzen voll Verzagen, Sieh die Schuld am Herzen nagen, Gott erbarm' Dich meiner Klagen! Der Mariam Du erhöret Und den Schächer noch bekehret, Hoffnung hast auch mir gewähret. Nichts verdient mein schwach' Gebete. Deine Hülfe mich errette Vor der Hölle Feuerstätte. 176 Inter oves locum praesta| Unter Deinen treuen KnechEt ab hoedis me seten, Herr, geschieden von den Schlechten, Laß mich steh'n zu deiner Rechten. questra, Statuens in parte dextra. Confutatis maledictis, Flammis acribus addictis, Voca me cum benedictis. Oro supplex et acclinis Cor contritum quasi cinis. Gere curam mei finis. Lacrymosa dies illa, Qua resurget ex favilla, Judicandus homo reus. Huic ergo parce Deus. Pie Jesu Domine, Dona eis requiem. Amen. # 3 Wann die Bösen untersinken, Ewig Glut und Qual zu trinken, Woll'st mir dann zum Frieden winken. Mit zerknirschtem Herzen wende, Gott, zu Dir ich meine Hände, Steh'mir bei am letzten Ende. Rette mich ins ew'ge Leben, Wann die Toten sich erheben, Antwort vor Gericht zu geben. Herr, verschone, Gott, verzeihe! Guter Jesu, Gnad' verleihe, Gib den Seelen ew'ge Ruh! Amen. 177 Evangelium( Johannes 5, 25-29). In jener Zeit sprach Jesus zu den Scharen der Juden:„ Wahrlich, wahrlich sage ich euch, es kommt die Stunde und sie ist schon da, daß die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben. Denn gleich wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich zu haben; und er hat ihm Macht gegeben, auch Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Verwundert euch nicht darüber. Denn es kommt die Stunde, in der alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes. Lob sei Dir, Christus! Bei der Opferung. Domine Jesu Christe! Herr Jesu Chriſte, Körex gloriae, libera ani- nig der Herrlichkeit, erlöse mas omnium fidelium die Seelen der verstorbedefunctorum de poenis nen Gläubigen von den inferni et de profundo Strafen des Fegfeuers und Fegfeuer- Stimmen. 12 178 lacu; libera eas de ore von dem tiefen Abgrunde; leonis, ne absorbeat eas bewahre sie vor dem Ratartarus, ne cadant in chen des Löwen, damit die obscurum, sed signifer Tiefe sie nicht verschlinge, sanctus Michael reprae- damit sie nicht in die Finsentet eas in lucem sternis fallen; sondern es führe sie der Hl. Michael, der deine Kreuzesfahne trägt, in das hl. Licht, welches Du einst dem Abraham und seinen Nachkommen versprochen haft. sanctam, quam olim Abrahae promisisti et semini ejus. Opfer und Gebete, Herr, bringen wir Dir dar; nimm sie an für diejenigen Seelen, deren wir heute eingedenk sind. Laß sie, o Herr, vom Tode übergehen zum Leben, welches Du einst dem Abraham und seinen Nachkommen versprochen hast. Secreta( Stillgebete). 1. Für einen Verstorbenen. Wir bitten Dich, o Herr! gewähre, daß der Seele Deines Dieners zum Heile gereiche dieses Opfer, durch dessen Darbringung Du die Sünden der ganzen Welt nachlassen wolltest. Durch unsern Herrn u. s. w. 179 2. Für eine Verstorbene. Wir bitten Dich, o Herr! laß die Seele Deiner Dienerin durch diese Opfergaben, die wir Dir darbringen, von aller Sünde befreit werden, ohne die niemand von Schuld frei ist, damit sie durch dieses heilige Versöhnungsopfer die ewige Barmherzigkeit erlange. Durch unsern Herrn u. s. w. 3. Am Sterbetage oder Begräbnistage. Sei gnädig, wir bitten Dich, o Herr! der Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin) N., für die wir Dir dieses hl. Opfer darbringen und Deine Majestät demütigst anflehen, damit sie kraft dieses heiligen Versöhnungsopfers würdig werde, zur ewigen Ruhe zu gelangen. Durch unsern Herrn u. s. w. 4. Am Jahrestage. Erhöre, o Here! in Deiner Barmherzigkeit unsere Bitten für die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin), dessen ( deren) Jahrgedächtnis wir heute feiern, und für die wir dieses Lobopfer darbringen, damit Du sie zur Gesellschaft Deiner Heiligen kommen lassest. Durch unsern Herrn u. s. w. 5. Für die Eltern. O Herr, nimm gnädig das Opfer an, welches ich Dir für die Seele meines Vaters und meiner Mutter dar12* 180 bringe! Verleihe ihnen in dem Reiche der Lebendigen die ewige Freude und vereinige mich der= einst mit ihnen in der Glückseligkeit der Heiligen. Durch unsern Herrn u. s. w. 6. Für Brüder, Schwestern, Verwandte und Wohlthäter. O Gott! dessen Barmherzigkeit unendlich ist, nimm unser demütiges Gebet gnädig auf und verleihe den Seelen unserer Brüder, Schwestern, Verwandten und Wohlthäter, denen Du die Gnade des Bekenntnisses Deines heiligen Namens gegeben hast, durch diese Geheimnisse unseres Seelenheils die Verzeihung aller ihrer Sünden. Durch unsern Herrn u. s. w. 7. Für alle Verstorbenen. Wir bitten Dich, o Herr! siehe gnädig auf das Opfer, welches wir für die Seelen Deiner Diener und Dienerinnen darbringen; damit Du denen, welchen Du das Verdienst des christlichen Glaubens gegeben haft, auch dessen Belohnung schenken mögest. Durch unsern Herrn u. s. w. 8. Für die Seelen der Verstorbenen, die auf dem Gottesacker ruhen. Nimm, o Herr! das Opfer, welches wir Dir für die Seelen Deiner Diener und Dienerinnen und aller verstorbenen Gläubigen, welche hier oder sonst irgendwo in Christo ruhen, darbringen, gnädig auf, damit sie, durch dieses ausgezeichnete Opfer von den Banden des schrecklichen Todes befreit, das ewige Leben erlangen mögen. Durch denselben Jesum u. s. w. 181 Präfation. Per omnia saecula saeculorum. Amen. Dominus vobiscum Et cum spiritu tuo. Sursum corda Habemus ad Dominum. - Gratias agamus DoDigmino Deo nostro num et justum est. - Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Der Herr sei mit euch und mit deinem Geiste. Erhebet euere Herzenwir haben sie zum Herrn erhoben. - - Lasset uns dem Herrn unserm Gott Dank sagen das ist würdig und - recht. Wahrhaftig würdig und recht ist es, billig und heilsam, daß wir Dir allezeit und überall Dank sagen! Heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! Durch Christum unsern Herrn; durch den die Engel deine Majestät loben, die Gewaltigen sie anbeten, die Mächtigen vor ihr zittern, die Himmel und die Kräfte der Himmel, 182 wie auch die seligen Seraphim sie in vereinigtem Frohlocken erheben. Gewähre unsere Bitte, daß mit diesen auch unsere Stimmen zugelassen werden, da wir anbetend bekennen und sprechen: Sanctus, Sanctus, Sanc- Heilig, heilig, heilig ist tus Dominus Deus Sa- der Herr Gott Sabaoth! baoth! Pleni sunt coeli Simmel und Erde sind voll et terra gloria tua; ho- Deiner Herrlichkeit; Hosansanna in excelsis. Be- na in der Höhe! Gebenenedictus qui venit in deit sei, der da kommt im nomine Domini, hosanna Namen des Herrn, Hosanin excelsis. na in der Höhe! Bei Aufhebung der heiligen Softie. Jesus! ich bete Dich an unter der Gestalt des Brodes; ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich. Ich bitte Dich durch Deine unendliche Barmherzigkeit, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer, besonders aber der Seelen N. N. Tröste, erquicke, befreie sie. Amen. Bei Aufhebung des heiligen Blutes. Okostbares Blut meines Heilandes! Ich bete Dich an und verehre Dich. Du bist das teure Lösegeld für unsere Sünden und Schulden. 183 Tröste, erquicke, befreie die armen Seelen im Fegfeuer, besonders aber die Seele N. Von der Wandlung bis zum Agnus Dei. Gott Vater! siehe vom Throne Deiner Majestät herab auf diesen Altar, auf welchem Dein geliebter Sohn Jesus Christus jetzt gegenwärtig ist. Jetzt kannst Du meine Bitte, welche ich für die armen Seelen im Fegfeuer an Dich richte, nicht mehr unerhört lassen. Jetzt ist es Jesus Christus selbst, welcher mit mir für sie um Erbarmung ruft. Jezt wird auf dem Altare geheimnisvoller Weise Jesu Leiden und Tod erneuert; jetzt opfert er sich Dir wiederum auf; jest bringt er Dir für die Erlösung der leidenden Seelen die allerkostbarste Gabe, sein Leben, sein allerheiligstes Blut. Da nun dieses unendlich kostbare Opfer auch mein Opfer ist, so opfere ich es Dir auf für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Erlöse also heute, gütigster Bater, durch dieses heilige Meßopfer recht viele Seelen aus den Beinen des Fegfeuers, besonders aber die Seele N. Ich bitte Dich darum, und hoffe es. Amen. 184 Bum Agnus Dei. Agnus Dei qui tollis O Du Lamm Gottes, peccata mundi, dona eis welches Du hinwegnimmst requiem! dreimal, beim die Sünden der Welt, gib letzten Male: sempiter- ihnen die Ruhe! dreimal, beim letzten Male: Gib ihnen die ewige Ruhe. nam. Pie Jesu Domine, dona eis requiem wird dreimal gesungen; beim dritten Male wird beigefügt: sempiternam. Gütiger Herr Jesus, gib ihnen die ewige Ruhe. Jesus, Heiland der Welt! erhöre unser flehentliches Gebet. Erbarmet euch meiner, erbarmet euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde; denn die Hand des Herrn hat mich getroffen. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Vor der Kommunion. Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes! der Du nach dem Willen des Vaters, unter Mitwirkung des heiligen Geistes, durch Deinen Tod der Welt das Leben wiederschenktest, erlöse mich durch diesen Deinen heiligen Leib und Dein Blut von allen meinen Sünden und von allen Übeln; gib, daß ich allezeit Deinen Geboten anhange und laß nicht zu, daß ich jemals 185 von Dir getrennt werde, der Du mit Gott dem Vater und dem hl. Geiste lebeft und regiereft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Der Genuß Deines Leibes, Herr Jesus Christus! den ich Unwürdiger zu empfangen mich erkühne, gereiche mir nicht zum Gerichte und zur Verdammung, sondern diene mir nach Deiner Güte zum Schuße der Seele und des Leibes, und gedeihe mir zu wahrer Heiligung, der Du lebest und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes in alle Ewigkeit. Amen. Ich will das Himmelsbrot nehmen und den Namen des Herrn anrufen! O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird gesund meine Seele( dreimal). Kommunion. Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was er mir erwiesen hat?- Den Kelch des Heiles will ich ergreifen und den Namen des Herrn anrufen! Lobpreisend will ich den Herrn anrufen und ich werde von meinen Feinden erlöset sein! 186 Das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Was wir mit dem Munde genossen, o Herr! laß uns mit reinem Herzen empfangen und aus dieser zeitlichen Gabe werde uns ein ewiges Heilmittel. Dein Leib, o Herr, den ich genossen, und Dein Blut, welches ich getrunken, hafte stets in meiner Seele und bewirke, daß keine Spur der Sünde in mir bleibe, nachdem so reine und heilige Sakramente mich erquickt haben, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Nach der Kommunion. Lux aeterna luceat eis, Domine; cum Sanctis tuis in aeternum, quia pius es. . Requiem aeternam dona eis, Domine! et lux perpetua luceat eis. Cum Sanctis tuis in aeternum, quia pius es. Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr! mit Deinen Heiligen in Ewigkeit! denn Du bist gnädig. Gib ihnen die ewige Ruhe, o Herr! und das ewige Licht leuchte ihnen. Mit Deinen Heiligen in Ewigkeit, denn Du bist gnädig. Sette Gebete. 1. Für einen Verstorbenen. Wir bitten Dich, o Herr! befreie die Seele Deines Dieners von allen Banden der Sünde, damit sie bei der 187 glorreichen Auferstehung unter Deinen Heiligen und Auserwählten sich befinden möge. Durch unsern Herrn u. s. w. 2. Für eine Verstorbene. Wir bitten Dich, o Herr! laß die Seele Deiner Dienerin Teilnahme an Deinem ewigen Lichte finden, da sie durch die göttlichen Geheimnisse an Deiner ewigen Barmherzigkeit teilgenommen hat. Durch unsern Herrn u. s. w. 3. Am Sterbetage oder Begräbnistage. Verleihe, wir bitten Dich, allmächtiger Gott, daß die Seele Deines Dieners( Deiner Dienerin) N., die( heute) aus dieser Welt geschieden ist, durch dieses Versöhnungsopfer gereinigt und von den Sünden befreit, die Verzeihung derselben und die ewige Ruhe erlangen möge. Durch unsern Herrn u. s. w. 4. Am Jahrestage. Gib, wir bitten Dich, o Herr, daß die Seele Deines Dieners ( Deiner Dienerin), dessen( deren) Jahrgedächtnis wir begehen, durch dieses Opfer gereinigt, Nachlaffung der noch übrigen Strafen und die ewige Ruhe erlangen möge. Durch unsern Herrn u. s. w. 5. Für die Eltern. Wir bitten Dich, 188 o Herr! verleihe, daß die Teilnahme an dem himmlischen Sakramente der Seele meines Vaters und meiner Mutter die ewige Ruhe und das ewige Licht gewähre, und daß durch Deine Gnade ich mit ihnen ewig gekrönt werde. Durch unsern Herrn u. s. w. 6. Für Brüder, Schwestern, Verwandte und Wohlthäter. Allmächtiger und barmherziger Gott, wir bitten Dich, verleihe, daß die Seelen unserer Brüder, Schwestern, Verwandten und Wohlthäter, für welche wir Deiner Majestät dieses Lobesopfer dargebracht haben, durch die Kraft des Satramentes von allen ihren Sünden gereinigt werden und durch Deine Erbarmung zur Seligkeit des ewigen Lichtes gelangen. Durch unsern Herrn u. s. w. 7. Für alle Verstorbenen. Wir bitten Dich, o Herr! laß unser demütiges Flehen den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen ersprießlich sein, damit Du sie von ihren Sünden befreiest und Deiner Erlösung teilhaftig machest. Durch unsern Herrn u. s. w. 8. Für die Seelen der Verstorbenen, die auf dem Gottesacker ruhen. O Gott! Du Licht der gläubigen Seelen! Komm 189 unsern demütigen Bitten zu Hülfe und verleihe Deinen Dienern und Dienerinnen, deren Leiber hier oder sonst irgendwo in Chrifto ruhen, den Ort der Erquickung, die Seligkeit der Ruhe und die Klarheit des ewigen Lichtes! Durch denselben Jesum Christum u. s. w. Sie mögen ruhen im Frieden. Amen. Evangelium des Hl. Johannes. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbe gemacht worden und ohne dasselbe wurde nichts gemacht, was gemacht worden ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in die Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser tam zum Zeugnisse, damit er Zeugnis von dem Lichte gäbe, auf daß alle durch ihn glauben möchten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugnis von dem Lichte geben. Dieses war das wahre Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war 190 in der Welt und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden; aber die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen: eine Herrlichfeit, als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. M. Deo gratias. Nach einem Seelenamte Libera gesungen: R. Libera me DoChor: Erlöse mich, o mine de morte aeterna, Serr! von dem ewigen Toin die illa tremenda:* de, an jenem schauervollen Quando coeli movendi Tage, wo die Himmel ersunt et terra;* Dum ve- schüttert werden und die neris judicare saeculum Erde; wo du erscheinen per ignem. wirst, die Welt zu richten durch das Feuer. An Dr. Gott sei Dank. wird bei der Tumba das 191 7. Tremens factus Priester: Zittern er sum ego et timeo, cum discussio venerit et ventura ira. greift mich und Furcht, wenn der Tag der Rechenschaft kommt und des Zornes. Ch. Wo die Himmel erschüttert werden und die Erde. R. Quando coeli movendi sunt et terra. . Dies illa, dies irae, calamitatis et miseriae, dies magna et amara valde. R). Dum veneris judicare saeculum per ignem. . Requiem aeternam dona eis Domine et lux perpetua luceat eis! R. Libera me etc... ignem. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! Pater noster etc. . Et ne nos inducas in tentationem, R. Sed libera nos a malo. P. Jener Tag, der Tag des 3ornes, des Jammers und Elendes, jener große und äußerst bittere Tag. Ch. Wo Du erscheinen wirst, die Welt zu richten durch das Feuer. P. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Ch. Erlöse mich 2c.... Feuer. Herr erbarme Dich unser! Christe erb. Dich unser! Herr erbarme Dich unser! Vater unser 2c. P. Und führe uns nicht in Versuchung, Ch. Sondern erlöse uns von dem Übel. 192 y. A porta inferi: R. Erue animam ejus! . Requiescat in pace! R). Amen. y. Domine exaudi orationem meam R. Et clamor meus ad te veniat. me y. Dominus vobiscum R). Et cum spiritu tuo. Oremus. P. Von der Pforte der Hölle Ch. Errette o Herr seine ( ihre) Seele! P. Laß ihn( sie) ruhen im Frieden. Ch. Amen. P. Herr erhöre mein Gebet Ch. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. P. Der Herr sei mit euch Ch. Und mit deinem Geifte Laffet uns beten. Absolve quaesumus Domine animam famuli tui N. N. ut defunctus saeculo tibi vivat et Wir bitten Dich o Herr! erlöse die Seele Deines Dieners N., auf daß er, der Welt abgestorben, bei peccata quae per fra- Dir ewig leben möge; tilgilitatem carnis huma- ge gnädiglich aus durch na conversatione commi- Deine Güte und Barmhersit tu venia misericordissimae pietatis absterge. Per Christum Dominum nostrum, R. Amen. zigkeit die Sünden, die er aus menschlicher Schwachheit begangen hat. Durch Christum unsern Herrn. Ch. Amen. 193 . Requiem aeternam dona ei( eis) Domine. R). Et lux perpetua luceat ei( eis). y. Requiescant in pace. R. Amen. P. Herr, gib ihm die ewige Ruhe! Ch. Und das ewige Licht leuchte ihm! P. Laß sie( alle Verstorbenen) ruhen im Frieden. Ch. Amen. 2. Messe für die Verstorbenen. Vorbereitung. Himmlischer Vater! Dein lieber Sohn Jesus Christus hat das heiligste Opfer seines Leibes und Blutes zum Heile der Lebendigen und der in Deiner Gnade Verstorbenen eingesegt. Siehe, ich bringe Dir also dieses heiligste Opfer und mit ihm mein demütiges und inständiges Gebet dar für diese Seele( oder Seelen N. N.) und für alle Abgestorbenen, besonders für meine verstorbenen Eltern. Angehörigen...... Freunde und für diejenigen, für welche ich besonders zu beten schuldig bin; auch für jene Seelen, die am verlassensten sind und am meisten zu leiden Fegfeuer- Stimmen. 13 ♦ 194 haben, und für alle, für welche ich nach Deinem heiligen Wohlgefallen beten soll. Ihr Engel und Heiligen des Himmels, und vor allem du, liebreichste und allerfeligste Jungfrau Maria, unterstüzet mein Gebet mit eurer mächtigen Fürsprache. Bom Eingang bis zum Offertorium. O himmlischer Vater! Vater der Erbarmungen, dessen Barmherzigkeit Himmel und Erde erfüllt, o zeige auch an den armen und hülflosen Seelen im Fegfeuer Deine Barmherzigkeit. Du haft sie ja nach Deinem Ebenbild erschaffen und haft für sie Deinen einge= bornen Sohn dahingegeben. Siehe! dieser Dein geliebter Sohn bringt Dir den unendlichen Wert seines fostbaren Blutes als Sühne dar. So erbarme Dich denn ihrer nach Deiner großen Barmherzigkeit. Amen. O Jesu, Sohn Gottes! Du Urquell aller Güte und Erbarmung! wie könntest Du, der Du für uns hier im Sakramente der Liebe gegenwärtig bist, der armen Seelen vergessen? Du bist ja für sie Mensch geworden, haft so viele Martern und zuletzt den bittersten Tod 195 am Kreuze für sie gelitten. O Jesus, Du treuester Liebhaber der Seelen, laß doch Dein Kreuz und Leiden, Dein Blut und Deinen Tod dieser Seele..... und allen lieben Seelen im Fegfeuer zu gute kommen. Amen. Oheiliger Geist! Du Geist der Liebe und Du Vater der Armen, erbarme Dich der armen Seelen. Du Tröster und bester Seelenfreund! Diese Seelen sind ja Dein und durch die heilige Taufe Dir zu unvergänglichen Tempeln eingeweiht;" erquicke sie daher mit dem Thaue Deiner Gnade und führe sie zu Deiner seligen Anschauung. Amen. O Maria, Mutter der Barmherzigfeit! Siehe, die Seelen deiner Kinder, die Jesus, dein Sohn, durch sein kostbares Blut so teuer erlöset hat, rufen aus ihrem tiefsten Elende zu dir; bitte für sie und zeige ihnen Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Dihr heiligen Engel, ihr Schützer der Seelen und ihr auserwählten Freunde Gottes, ihr verklärten Heiligen und Seligen! es sind ja eure Brüder und Schwestern in Christo und bestimmt, ewig die Genoffen eurer Seligkeit zu sein; so bittet also für sie, daß sie bald mit 13* 196 euch die Barmherzigkeit Gottes in der Glorie des Himmels preisen. Amen. Von der Aufopferung bis zur Wandlung. Opfere dem himmlischen Vater das Leiden Chrifti auf für die armen Seelen. O himmlischer Vater, heiliger und gerechter Gott! Die armen Seelen, für die wir Dich anflehen, haben zwar gesündigt und Deiner Gerechtigkeit nicht genug gethan; aber gedente nicht länger ihrer Sünden, sondern sich an die unendlichen Verdienste Deines geliebten Sohnes, welche wir für sie in diesem heiligen Opfer Dir darbringen. O gütigster Vater! sieh an das dornengekrönte, im Tode geneigte Haupt Deines Sohnes und erbarme Dich der armen Seelen, besonders derjenigen, deren Strafe ich mitverschuldet habe. Sieh an, gnädigster Vater, die durchbohrten Hände und Füße und das verwundete Herz Jesu und erbarme Dich der armen Seelen, be= sonders derer, für die ich jetzt bete und zu beten schuldig bin. Sieh an, o mildester Bater, die dreistündige Todesqual Deines Sohnes, und erbarme Dich 197 der armen Seelen, zumal derer, die von den Menschen am allerverlassensten sind. Blicke auch, o himmlischer Vater! herab auf ihre unaussprechlichen Leiden, welche sie Dir in Vereinigung mit dem Gehorsam und der Liebe Jesu, Deines göttlichen Sohnes, in vollkommenster Ergebung aufopfern, und erhöre unser inständiges Gebet: Du wolleft sie aus ihren Strafen erlösen und zu Dir aufnehmen; durch Jesum Christum 2c. Bei Erhebung der heiligen Softie. Jesu, mein Gott und Heiland! ich glaube, daß Du hier im heiligsten Sakramente mit Gottheit und Menschheit als unser Sühnopfer gegenwärtig bist. Ich bete Dich an und flehe zu Dir, Du wolleft die armen Seelen im Feg= feuer mit einem erbarmungsvollen Blicke ansehen und trösten. Bei Erhebung des heiligen Stelches. O gütigster Jesu, ich bete an Dein heiliges Blut, für uns am Kreuze vergossen, und, zugleich mit Deinem heiligen Leibe und Deiner heiligen Seele, hier gegenwärtig im gesegneten Kelche. Oliebreichster Heiland! erbarme Dich 198 derer, für welche Du Dein kostbares Blut geopfert hast. Nach der Wandlung. Bitte Jesus, daß er durch sein heiliges Blut der armen Seelen sich erbarme. Sei gegrüßt und angebetet, o göttliches Blut, das mein Heiland in seiner Todesangst am Ölberg so reichlich aus Liebe zu uns vergoffen hat. mein blutschwißender Jesus! reinige durch Dein heiliges Blut die Seelen der Verstorbenen( besonders diese....) von allen Flecken ihrer Sünden. Sei gegrüßt und angebetet, o kostbares Blut, das mein Heiland in seiner grausamen Geißelung aus so vielen Wunden mit unendlicher Liebe vergoffen hat. O mein gegeißelter Heiland! Befreie durch Dein heiliges Blut die Seelen der Verstorbenen( besonders diese.....) aus ihren Beinen. Sei gegrüßt und angebetet, o kostbares Blut, das von dem dorngekrönten Haupte meines Jesus herniedergeflossen ist. O mein dorngekrönter Heiland und König! schenke den armen Seelen( besonders dieser.....) einen 199 Tropfen dieses Blutes und eröffne ihnen das durch den Eingang in das Himmelreich. mein gekreuzigter Heiland! Du hast am Kreuze Dein welterlösendes Blut aus den heiligen Wunden Deiner Hände und Füße und Deines durchbohrten Herzens mit unendlicher Liebe vergossen; o laß dieses gnadenreiche Blut auch herabfließen zu den leidenden Seelen, damit sie durch dasselbe begnadigt, ewig Deine Barmherzigkeit preisen. Vom Pater Noster bis zur Kom munion. Empfiehl die armen Seelen in die heiligen fünf Wunden Jesu. O mein gekreuzigter Jesus! ich verehre demütig die heilige Wunde Deiner rechten Hand und empfehle in dieselbe die Seelen meiner verstorbenen Eltern, Brüder, Schwestern, Anverwandten, Wohlthäter, Freunde und Feinde. Durch das Blut, das daraus geflossen, und die- Schmerzen, die Du gelitten, bitte ich Dich, Du wolleft sie mit Deiner Gnade trösten und erfreuen. O gütigster Jesus! in Andacht verehre ich 200 die heilige Wunde Deiner linken Hand und empfehle in sie die Seelen derer, die besonders nach meinem Gebete und meiner Hülfe begehren. Durch Dein Blut und Deine Schmerzen bitte ich Dich, reiche ihnen Deine milde Hand und befreie sie aus ihren Strafen. Omildester Jesus! ich verehre vertrauungsvoll die heilige Wunde Deines rechten Fußes und empfehle darin die Seelen, für welche Du willst, daß ich beten soll; durch das Blut, das Du vergossen, und die Schmerzen, die Du gelitten, bitte ich Dich, Du wolleft sie das Wort der Freude vernehmen lassen: ,, Heute noch wirst Du bei mir im Paradiese sein." O gnadenreicher Jesus! mit innigster Liebe verehre ich die heilige Wunde Deines linken Fußes und empfehle darin diejenigen Seelen, die in ihrem Leben Dein hl. Leiden und die Schmerzen Deiner gebenedeiten Mutter besonders verehrt haben. Erbarme Dich ihrer durch Dein heiliges Blut und erlasse ihnen, was sie verschuldet; denn sie haben ja an Dich geglaubt und Dich geliebt. barmherzigster Jesus! Mit allertiefster Anbetung verehre ich die heiligste Wunde Deiner 201 Seite und empfehle darin diejenige Seele ( oder diejenigen Seelen), für welche ich dieses heilige Meßopfer besonders anzuhören mir vorgenommen habe; erbarme Dich ihrer und lösche aus durch das Blut und Wasser, das Deinem heiligsten Herzen entflossen, all' die Peinen und nimm sie auf in Dein ewiges Reich. Von der Kommunion bis zum Schluß. Empfiehl die armen Seelen in das heiligste Herz Jesu. O süßester Jesus, Du hast aus unendlicher Liebe nicht nur im heiligsten Sakramente Dich selbst uns zur Speise gegeben, um unser Herz mit Deinem Herzen zu vereinigen, sondern Du haft auch dieses Dein göttliches Herz nach Deinem Tode mit der Lanze eröffnen lassen und nach Deiner Auferstehung dieses glorreiche Wundmal bewahrt, damit in Deinem Herzen allen Gläubigen, den Lebenden und Abgestorbenen, die Pforte des Himmels offen stehe. O so eröffne denn jetzt durch Deine unendliche Liebe den armen Seelen( besonders.....) diese Himmelsthüre; nimm sie auf und führe sie ein zur ewigen Seligkeit. Overschließe, unendlich liebreicher Jesus! 202 ihnen nicht länger Dein Herz. Ich bitte Dich durch die Furcht und Betrübnis, durch die Beängstigung und Ohnmacht, durch die Not und. Todesangst, die Dein Herz während Deines ganzen bittern Leidens, vorzüglich aber am Kreuze empfunden hat; ich bitte Dich durch das vom Schwerte der Schmerzen durchbohrte Herz Mariä, Deiner und unserer Mutter: öffne den armen Seelen( besonders.....) die Pforte des Heils, die Thüre des Himmels, Dein glor= reiches Herz, und laß sie eingehen in ihre Ruhe, in Deine ewige Freude. Verleihe auch mir, auf ihre Fürbitte, die Gnade, chriftlich zu leben, selig zu sterben und einst ohne Aufenthalt durch Dein heiliges Herz einzugehen in die ewige Freude! Amen. IV. Nachmittagsandachten. 203 1. Totenvesper. Psalmus 114. Dank für Rettung. Antiphon: Wohlge fallen will ich dem Herrn. Lieben will ich, denn Gott höret* Meiner Stimme herzlich Flehen. Weil er mir sein Ohr hinneigte,* Soll mein Lobpreis stets bestehen. Todesqualen mich umdolores mortis* et pe- rangen,* Totenreiches ricula inferni invene- Macht mich beugte. Circumdederunt me runt me. Antiphon. Placebo Domino. Dilexi, quoniam exaudiet Dominus* vocem orationis meae. Quia inclinavit aurem suam mihi:* et in diebus meis invocabo. Custodiens Dominus: Tribulationem et dolorem inveni:* et nomen Domini invocavi. 0 Domine libera animam meam:* misericors Dominus, et justus et Deus noster miseretur. parvulos Sich erbarmend, schüßt humilia- er Kleine;* Elend war Müh' und Schmerzen mußt' ich kosen,* Rief zum Herrn wohl und bezeugte: Herr, du wirst die Seel' erlösen.* Gnadenvoll ist Gott! Gerechter. 204 tus sum, et liberavit| ich, er gab Hülfe, Daß ich me. nicht mehr trauernd weine. Kehre, Seele, ein zur Ruhe* Wohl hat an dir Gott gehandelt. Vor dem Tode er dich Thränen er in Convertere anima mea in requiem tuam:* quia Dominus benefecit tibi. Quia eripuit animam meam de morte, ocu- schütte; los meos a lacrimis, Freud' verwandelt. Meipedes meos a lapsu. Placebo Domino* in regione vivorum. Requiem aeternam dona eis Domine* Et lux perpetua luceat eis. Ant. Placebo Domino in regione vivorum. Ant. Heu mihi. nen Fuß schüßt er vom Falle. Ad Dominum cum tribularer clamavi* et exaudivit me. Domine libera animam Mit dem Herren werd' ich handeln,* In dem Land des Lebens wandeln. Herr, gib ihnen die ewige Ruh', Ewiges Licht, o leucht' ihnen du! Ant. Wohlgefallen will ich dem Herrn im Lande der Lebendigen. Ant. Wehe mir. Psalmus 119. Sehnsucht nach Ruhe. Als die Drangsal mir gekommen,* Hat mein Flehen Gott vernommen. Mach mich frei von Lü 205 meam a labiis iniquis genlippen* Und von Zunet a lingua dolosa. gen, voll von Tücke; * Quid detur tibi, aut quid apponatur tibi* ad linguam dolosam? Sagittae potentis acutae, cum corbonibus desolatoriis. * Heu mihi, quia incolatus meus prolongatus est: habitavi cum habitantibus Cedar:* multum incola fuit anima mea. Cum his, qui oderunt pacem, eram pacificus:* cum loquebar illis, impugnabant me gratis. Requiem aeternam etc. Ant. Heu mihi Domine, quia incolatus meus prolongatus est. Ant. Dominus. Welche Strafen werden ahnden* Böser Zunge Trugesstücke? Pfeile Mächt'ger aus dem Finstern,* Glühekohlen von den Ginstern. Wehe, daß so lange währet Bei den Cedern mein Verbleiben;* Lange weilet in der Fremde Schon mein Geist bei schlimmem Treiben. Siehe, bald mit Friedenshassern friedlich bin ich.* Wenn ich rede, hassen sie mich unerträglich. Sind ganz grundlos gen mich spröde. Herr, gib ihnen 2c. Ant. Wehe mir, o Herr, daß meine Pilgerschaft. verlängert ist. Ant. Der Herr. 206 Psalmus 120. Vertrauen zu Gott. Levavi oculos meos in montes,* unde veniet auxilium mihi. Auxilium meum a Domino,* qui fecit coelum et terram. Non det in commotionem pedem tuum:* neque dormitet, qui custodit te. Ecce non dormitabit, neque dormiet: qui custodit Israel. * Dominus custodit te, Dominus protectio tua:* super manum dexteram tuam. Per diem sol non uret te* neque luna per noctem. Dominus custodit te ab omni malo:* custodiat animam tuam Dominus. Dominus custodiat inMeine Augen schau'n zu den Bergen, Dorther wird mir Hülfe werden. * Meine Hülfe kommt vom Herren,* Der die Himmel schuf und Erden. Nie läßt Gott den Fuß dir wanken,* Niemals wird dein Hüter schlafen; Nie entschläft und niemals schlummert,* Der da Israel lenkt gleich Schafen. Gott wird stetsfort dich behüten,* Er ist Schirm ob deiner Rechten. Tags wird dich die Sonn' nicht stechen,* Mondsucht quälen nicht in Nächten. Gott beschirmt dich vor den Übeln,* Er wird deine Seele schützen. Dir wird Eingang sowie 207 troitum tuum, et exitum| Ausgang* Ewiglich zum tuum, ex hoc nunc, et Guten nügen. usque in saeculum. * Requiem aeternam... Ant. Dominus custodit te ab omni malo: custodiat animam tuam Dominus. Ant. Si iniquitates. Herr gib ihnen 2c. Ant. Der Herr behütet dich vor jedem Übel; es beschüße deine Seele der Herr. Ant. Wenn du Unbild. Psalmus 129. Menschenelend und Gotteserbarmen. De profundis clamavi Aus den Tiefen zu Dir ad te Domine:* Domine ruf' ich,* Herr, erhöre exaudi vocem meam. doch mein Flehen. Fiant aures tuae intendentes* in vocem deprecationis meae. Si iniquitates observaveris Domine:* Domine quis sustinebit? Quia apud te propitiatio est:* et propter legem tuam sustinui te Domine. Deine Ohren zu mir neige,* Vor Dir will ich betend stehen. Wenn Du Unbild wolltest sehen,* Herr, wer würd' vor Dir bestehen? Doch bei Dir ist ja Verföhnung,* Dein Gesek, o Herr, ich liebe. Sustinuit anima mea in verbo ejus:* speravit anima mea in Domino. tiefftem Herzenstriebe. Auf Dein Wort baut meine Seele,* Hofft aus 208 A custodia matutina| Von dem Morgen bis usque ad noctem* spe- zum Abend* Israel auf ret Israel in Domino. Gott vertraue. Quia apud Dominum misericordia:* et copiosa apud eum redemptio. Bei dem Herrn ist ja Erbarmung,* Überreich ist die Erlösung; Es ipse redimet Israel, ex omnibus iniquitatibus ejus. Requiem aeternam... Ant. Si iniquitates observaveris Domine, Domine quis sustinebit. Ant. Opera. * Confitebor tibi Domine in toto corde meo:* quoniam audisti verba oris mei. In conspectu Angelorum psallam tibi:* adorabo ad templum sanctum tuum, et confitebor nomini tuo. Israel wird Gnade finden* Durch den Nachlaß seiner Sünden. Psalmus 137. Dank und Bitte. Super misericordia tua, et veritate tua:* quoniam Herr gib ihnen 2c. Ant. Wenn Du Unbild wolltest sehen,* Herr, wer würd' vor Dir bestehen? Ant. Die Werke. Dank Dir, Herr, von ganzem Herzen,* Hörtest meines Mundes Worte. Vor der Engel Angefichte Sing' ich Dir am heil'gen Orte.* Betend wend' ich mich zum Tempel. Preise deine Gnad' und Treue;* Du machst herr magnificasti super omne| lich Deinen Namen* Über alles stets aufs neue. Wenn ich was von Dir begehre,* Huldvoll dann o Gott mich höre, Mut und Kraft in mir vermehre! Dich, Herr, sollen Fürsten preisen,* Weil sie Deine Worte hörten, 209 nomen sanctum tuum. In quacunque die invocavero te, exaudi me:* multiplicabis in anima mea virtutem. Confiteantur tibi Domine omnes reges terrae: quia audierunt omnia verba oris tui. Et cantent in viis Domini:* quoniam magna est gloria Domini. Quoniam excelsus Dominus et humilia respicit* et alta a longe cognoscit. * Si ambulavero in medio tribulationis, vivificabis me:* et super iram inimicorum meorum extendisti manum tuam, et salvum me fecit dextera tua. Auf den Wegen Gott lobsingen,* und die Glorie Gottes ehrten. Fegfeuer- Stimmen. Auf das Niedere schaut er gerne,* Hohes kennt er von der Ferne. Geh' ich mitten in Bedrängnis, So erhältst Du doch mein Leben.* Stre: est deine Hand gen Feinde, Wirst für mich Vergeltung geben. Dominus retribuet pro Herr, für immer Gnade * Domine, miseri- spende,* Achte die Werke me: cordia tua in saeculum, Deiner Hände. opera manuum tuarum ne despicias. 14 210 Requiem aeternam... Ant. Opera manuum tuarum Domine ne despicias. . Audivi vocem de coelo dicentem mihi. R. Beati mortui, qui in Domino moriuntur. Ant. Omne. Magnificat. Jobgefang für die Erlösung. Herr gib ihnen 2c. Ant. Die Werke Deiner Hände, o Herr, verschmähe nicht. P. Ich hörte eine Stimme vom Himmel, die zu mir sprach: Ch. Selig sind die Toten, die im Herrn sterben. Ant. Alles. Magnificat mea Dominum: Et exultavit spiritus meus* in Deo salutari meo. anima Hoch preiset* meine Seele den Herrn. Und mein Geist frohlocket* in Gott meinem Heilande. Quia respexit humili- Denn er hat angesehen tatem ancillae suae:* die Niedrigkeit seiner Magd; ecce enim ex hoc beatam* denn siehe, von nun an me dicent omnes gene- werden mich selig preisen rationes: alle Geschlechter. Quia fecit mihi magna, qui potens est:* et sanctum nomen ejus. Et misericordia ejus a Denn Großes hat an mir gethan,* der da mächtig ist und dessen Name heilig. Er ist barmherzig von progenie in progenies: timentibus eum. 211 * Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Fecit potentiam in bra- Er übet Macht mit seichio suo, * dispersit su- nem Arme,* zerstreuet, perbos mente cordis sui. die da hoffährtig sind in ihres Herzens Sinne. Deposuit potentes de Die Gewaltigen stürzt sede,* et exaltavit hu- er vom Throne* und ermiles. höhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern* und läßt die Reichen leer ausgehen. Suscepit Israel puerum Er nimmt sich Israels suum, recordatus mi- an, seines Knechtes,* einsericordiae suae. * Esurientes implevit bonis:* et divites dimisit inanes. Pater noster etc. Sicut locutus est ad patres nostros:* Abraham et semini ejus in saecula. Wie er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Herr gib ihnen 2c. Requiem aeternam.. Ant. Omne, quod dat Ant. Alles, was mir mihi Pater, ad me ve- der Vater gegeben, wird niet: et eum, qui venit zu mir kommen, und wer non ejiciam zu mir kommt, den stoße ich nicht hinaus. ad me, foras. gedenk seiner Barmherzigfeit. Vater unser 2c. 14* 212 . Et ne nos inducas in tentationem. R. Sed libera nos a malo. Lauda anima mea Dominum, laudabo Dominum in vita mea:* psallam Deo meo quamdiu fuero. Psalmus 145. Sob Gottes. Nolite confidere in principibus:* in filiis hominum, in quibus non est salus. Exibit spiritus ejus et revertetur in terram suam:* in illa die peribunt omnes cogitationes eorum. P. Und führe uns nicht in Versuchung, Beatus cujus Deus Jacob adjutor ejus spes ejus in domino Deo ipsius;* qui fecit coelum Ch. Sondern erlöse uns von dem Übel. Lobe, Seele, deinen Herren, Loben will ich Gott im Leben;* Meinem Gotte will ich singen Psalmgesang mein Leben lang. Nie vertrauet auf die Fürsten, Niemals auf die Menschenkinder,* Denn bei Menschen ist nicht Hülfe, Weil ihr Geist wird immer blinder. Und dann hinfährt zu dem Staube,* Wo ihr Planen straft der Glaube. Glücklich, Jakobs Gott wer trauet Und auf Gottes Sülfe bauet,* der die Himmel schuf und Erden, 213 et terram, mare et om- Meer und alles, was wird nia, quae in eis sunt. werden. Qui custodit veritatem in saeculum, facit judicium injuriam patientibus:* dat escam esurientibus. Dominus solvit compeditos:* Dominus illuminat caecos. Dominus erigit elisos,* Dominus diligit justos. Dominus custodit advenas, pupillum et viduam suscipiet:* et vias peccatorum disperdet. Regnabit Dominus in Gott, der Herr der Ewigsaecula Deus tuus Sion:* feiten,* Wird, o Sion, in generationem et ge- alles leiten. nerationem. Requiem aeternam... . A porta inferi Treue hält er ewig, immer, Hilft den Schwachen, Unterdrückten,* Nährt die Hungernden, Gebückten, Speise fehlet ihnen nimmer. Er erlöst, die da gefangen,* Und in Blindheit stehn und bangen. Er schüßt tröstend die Verbannten,* Liebt die Frommen und Verkannten. R. Erue Domine animas eorum. Wird stets helfen Witwen, Saifent,* Sündern ihre Wege weisen. Herr gib ihnen 2c. P. Von der Pforte der Hölle Ch. Rette, o Herr, ihre Seelen. 214 . Requiescant in pace. R). Amen. y. Domine exaudi orationem meam. R. Et clamor meus ad te veniat. . Dominus vobiscum. R). Et cum spiritu tuo. P. Laffe sie ruhen im Frieden. Ch. Amen. P. Herr, erhöre mein Gebet. Ch. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. P. Der Herr sei mit euch. Ch. Und mit Deinem Geifte. Oremus. Deus, qui inter apostolicos Sacerdotes famulos tuos pontificali seu sacerdotali fecisti dignitate vigere: praesta quaesumus, ut eorum quoque perpetuo aggregentur consortio. Deus veniae largitor et humanae salutis amator: quaesumus clementiam tuam, ut nostrae Congregationis fratres, propinquos et benefactores, qui ex hoc saeculo transierunt, beata Maria semper virgine intercedente cum omnibus Sanctis tuis, ad perpetuae beatitudinis consortium pervenire concedas. Fidelium Deus omnium Conditor et Redemptor, animabus famulorum famularumque tuarum remissionem cunctorum tribue peccatorum, ut indulgentiam, quam semper optaverunt, piis supplicationibus consequantur. Qui vivis et regnas 215 cum Deo Patre in unitate Spiritus sancti Deus, per omnia saecula saeculorum. 9 R). Amen. . Requiem aeternam dona eis Domine. R). Et lux perpetua luceat eis. . Requiescant in pace. R). Amen. Anmerkung. Diese Gebete siehe deutsch: Seelamt, Collecten S. 151. 2. Die Kreuzwegandacht zum Troste der armen Seelen. Der Kreuzweg stellt uns jenen heiligen Weg vor, den unser Heiland Jesus Christus in Jerusalem von der Richtstätte des Pilatus auf den Calvarienberg gegangen ist, um für uns am Kreuze zu sterben. Die Stationen sind jene Stellen dieses Weges, an welchen Christus ein besonderes Leiden. erduldet und ein neues Geheimnis seiner Liebe und Gnade gewirkt hat. Diesen Weg ist nachher die hl. Mutter Gottes unzählige Mal gewandelt und hat auf ihm, mit unaussprechlicher Liebe und Andacht, das Leiden ihres göttlichen Sohnes betrachtet und für die fündhafte Welt gebetet. Ihr haben von je 216 her die Christen nachgeahmt, indem sie in Jerusalem den hl. Leidensweg besuchten. Mit dieser so gott seligen Andacht hat die Hl. Kirche mit Recht viele und große Abläffe verknüpft. Damit aber alle Christen in der ganzen Welt, die nicht den wirklichen Kreuzweg in Jerusalem zu besuchen im Stande sind, der vielfältigen Gnaden dieser Andacht theilhaftig. werden möchten, hat man in der ganzen Christenbeit Abbildungen des hl. Kreuzweges errichtet und die Kirche hat denen, welche diese Kreuzwegandacht halten, alle jene Ablässe bewilligt, welche Diejenigen gewinnen, welche die heiligen Orte in Jerusalem selbst besuchen. Vorgesang: Seht die Mutter voll der Schmerzen, Wie sie mit zerriff'nem Herzen An dem Kreuz des Sohnes steht! Vorbereitung. Zur Ehre der heiligsten Dreifaltigkeit und meines leidenden Heilandes will ich nun den hl. Kreuzweg wandeln. Ich vereinige meine Andacht mit der Liebe und den Schmerzen, mit denen die hl. Mutter Gottes ihren göttlichen Sohn auf dem Kreuzwege begleitet hat und unter dem Kreuze gestanden. Ich begehre da 217 durch für mich die Gnade einer vollkommenen Reue und Liebe und der endlichen Beharrlichkeit, für alle Sünder und Ungläubigen die Gnade der Bekehrung, für die armen Seelen im Fegfeuer Nachlassung ihrer Strafen zu erlangen. Zu diesem Ende will ich ihnen die Abläffe zuwenden, die ich durch diese Andacht gewinnen werde. O mein Herr Jesu Christe! mit welch' großer Liebe bist Du den heiligen Kreuzweg für mich zum Tode gegangen und ich habe Dich so oft durch meine Sünden beleidigt und verlassen! Siehe aber, ich will Dich jetzt lieben von ganzem Herzen, und aus Liebe zu Dir bereue ich es aufs Innigste, daß ich Dich jemals beleidigt habe. Du gehst zum Tode aus Liebe zu mir; sieh, auch ich will lieber sterben, als mich je wieder von Dir trennen. Mit Dir vereinigt will ich leben und sterben und Dir gehören in alle Ewigkeit. Chor. Mit Dir vereinigt wollen wir leben und sterben und Dir gehören in Ewigkeit. 218 Die erste Station. Jesus wird von Pilatus zum Tode des Kreuzes verurteilt. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe, und benedeien Dich: R. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst. Priester. Erbarme Dich auch der lieben armen Seelen im Fegfeuer; gib ihnen, o Herr, die ewige Ruhe. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Jesus, nachdem er gegeißelt und mit Dornen gekrönt worden, verurteilt, und wie gelassen der Heiland dieses Todesurteil annimmt, damit du von dem Urteile des ewigen Todes befreit würdest. Jesu! ich danke Dir für die große Liebe und bitte Dich, nimm das Urteil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sünden verdient habe, von mir, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu erlangen. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Wie sie traurig seufzend ringet, Tiefes Wehe sie durchdringet, Durch die Seel' ein Schwert ihr geht! 219 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die zweite Station. Jesus nimmt das schwere Kreuz auf seine Schultern. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe zc. R. Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch 2c. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie Jesus Christus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf seine Schultern nimmt, und wie er bei diesem schmerzlichen Gang an dich denkt und für dich sein Leiden und seinen Tod aufopfert. Jesu! gib mir doch die Gnade, daß ich Dein Kreuz durch meine Sünden nicht noch schwerer mache und daß ich das meinige, alle Trübsale und Widerwärtigkeiten, mit aufrichtigem Bußgeiste willig und mutig trage. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Wie betrübt im stummen Leide Steht die Hochgebenedeite, Des Erlösers Mutter da! 220 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: B). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die dritte Station. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R. Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch 2c. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie Jesus die Last, womit er beladen ist, nicht mehr tragen kann, und von Ermattung und Schmerz erschöpft, unter dem Kreuze niedersinkt. Jesus! meine Sünden sind die Ursachen Deines Falles. Verleihe mir die Gnade, daß ich Deinen Schmerz nicht durch Rückfall in die Sünde erneuere. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Wie sie zittert, wie sie zaget, Um den Eingebornen klaget, Den so sehr sie leiden sah. 221 7. Erbarme Dich unser, o Jesus! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die vierte Station. Jesus begegnet seiner schmerzvollen Mutter. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Chrifte 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, welcher Schmerz das Herz Jesu durchdrang, als er Maria sah, und was Maria empfand, als sie ihrem göttlichen Sohne begegnete. Deine Sünden sind die Ursache dieser Schmerzen des Sohnes und der Mutter. Jesu! erwecke in mir auf die Fürbitte Deiner liebreichsten Mutter, einen großen Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein Leben lang beweine und in der Stunde meines Todes Gnade finde. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Welcher Mensch wird da nicht weinen, Sieht er unter solchen Peinen, Dort die Mutter Jesu stehn? 222 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R. Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesu das Kreuz tragen. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie die Juden beim Anblicke der großen Schwäche Jesu und aus Furcht, er möge auf dem Wege zum Calvarienberge sterben, Simon von Chrene nötigen, dem Herrn das Kreuz tragen zu helfen. Jesu! mir kommt es zu, das Kreuz zu tragen, weil ich gesündigt habe. Gib mir die Gnade, daß ich Dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite und das Kreuz der Widerwärtigkeiten aus Liebe zu Dir geduldig trage. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Kann sie Jemand ohne Trauer Ohne tiefen Mitleidsschauer Mit dem Sohne leiden sehn? 223 . Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die sechste Station. Veronika reicht Jesu das Schweißtuch dar. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R. Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch 2c. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie die heilige Veronika, als sie Jesu in solchen Leiden sah, mit Mitleid und Ehrerbietigkeit ihm das Schweißtuch reichte und Jesus fie dagegen belohnte, indem er sein heiliges Angesicht in demselben abdrückte. Jesu! reinige durch deine Gnade meine Seele, die durch die Sünde ganz befleckt und entstellt ist, und drücke in mein Herz und meinen Geist so tief Dein heiliges Leiden ein, daß ich dasselbe niemals mehr vergesse. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Für die Sünden seiner Brüder, Sieht sie, ach! wie Jesu Glieder Schwerer Geißeln Wut zerreißt. 224 . Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die fiebente Station. Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuze. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch 2c. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie sehr die Leiden und Schmerzen Jesu durch diesen zweiten Fall vermehrt wurden und bedenke, daß deine Rückfälle in die Sünde die Ursache dieser neuen Schmerzen sind. Jesu! wie beschämt stehe ich vor Dir! Gib mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzustehen, daß ich nie wieder in dieſelben zurückfalle. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Sieht den lieben Sohn erblaffen, Trostberaubt, von Gott verlassen, Still ausatmen seinen Geist. 225 . Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R. Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die achte Station. Jesus redet zu den weinenden Töchtern von Jerusalem. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe zc. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch 2c. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie Jesus diese Frauen ermahnt, nicht über ihn, sondern über sich selbst zu weinen, um dich zu belehren, daß auch du mehr über deine Sünden, als über seine Leiden weinen sollst. Jesu! gib mir Thränen einer wahren Reue über meine Sünden, damit das Mitleid, das ich über Deine Schmerzen trage, mir heilsam und verdienstlich werde. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Gib, o Mutter, Quell der Liebe, Daß ich mich mit dir betrübe, Flöße deinen Schmerz mir ein. Fegfeuer- Stimmen. 15 226 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R. Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die neunte Station. Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuze. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Sh. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie Jesus zum dritten Mal aufs schmerzlichste unter der Last des Kreuzes fällt. Daran ist dein Leichtsinn und deine Verstocktheit schuld, wodurch du stets in neue Sünden fällst. Jesu! ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um bei Deinem Leiden Dir Linderung zu verschaffen. Durch das Verdienst Deiner Ohnmacht und Schwäche, o mein Jesu, gib mir die Kraft, alle menschlichen Rücksichten und bösen Neigungen, die mich so oft zur Sünde gebracht haben, standhaft zu überwinden. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. 227 Laß mich liebend ihn umfangen, Der zum Tod für mich gegangen, Und gefallen ihm allein. 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die zehnte Station. Jesus wird seiner Kleider beraubt. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe zc. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte die Beschämung, die Jesus erduldete, als man Ihn der Kleider beraubte, und die Bitterkeit, die Er empfand, als man Ihm Wein, mit Myrrhe und Galle gemischt, darreichte. So büßte Er deine Wohlluft und Sinnlichkeit. Jesu! ich bereue und verabscheue alle sündhafte Luft, die ich mir erlaubt, und die Unmäßigkeit, wodurch ich mich je verfündigt habe. Ich fasse den festen Entschluß, mit Deinem Beistande Deine Qual und Beschimpfung nicht mehr zu erneuern, den alten Menschen mit seinen bösen Neigungen gänzlich abzulegen 15* 228 und mein künftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigkeit zuzubringen. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Drück' o Heilige! die Wunden, Die dein Sohn für mich empfunden Tief in meine Seele ein. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R) Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die elfte Station. Jesus wird schmerzlich an das Kreuz genagelt. . Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch 2c. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte die unaussprechlichen Schmerzen, welche Jesus erlitt, als die Henker seinen schon ganz verwundeten Leib auf dem Kreuze ausstreckten und Ihn mittelst der Durchbohrung seiner heiligsten Hände und Füße daran befestigten. O Jesu! Du leidest das Alles für mich; und ich sollte Deinetwegen nichts leiden wollen? Hefte meinen widerspenstigen Willen an Dein 229 Kreuz. Ich nehme mir ernstlich vor, nie mehr zu fündigen und aus Liebe zu Dir Alles geduldig zu leiden. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Ach, das Blut, das Er vergoffen, Ist für mich dahingeflossen, Laß mich teilen seine Bein. 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die zwölfte Station. Jesus stirbt an dem heiligen Kreuze. . Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe zc. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie Jesus nach dreistündigem Todeskampfe sein Haupt neiget und am Kreuze stirbt, um dein Heil zu wirken und dir die Größe seiner Liebe zu zeigen. Jesu! Du hast Dein Leben hingegeben für mich; daher ist es wohl billig, daß ich den 230 Reft meines Lebens verwende für Dich. Dies ist mein fester Vorsaß. Ich bitte Dich durch die Verdienste Deines heiligen Todes einzig um die Gnade, diesen Vorsag auch im Werke zu vollbringen. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Laß mit Dir mich herzlich weinen, Mich durchs Kreuz mit Dir vereinen, So lange hier mein Leben währt. . Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die dreizehnte Station. Der Leichnam Jesu wird vom Kreuze abgenommen und in den Schooß Mariens gelegt. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte die Betrübnis der Mutter Jesu, als sie den Leichnam ihres göttlichen Sohnes, erblaßt, mit Blut überronnen und des Lebens beraubt, mit innigster Zärtlichkeit auf ihren Schooß nahm. 231 Oheiligste Jungfrau! erbitte mir die Gnade, daß ich Jesum nicht mehr durch neue Sünden kreuzige, sondern ihm durch die Übung christlicher Tugenden in meinem Wandel allezeit getreu nachfolge. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Unterm Kreuz mit Dir zu flehen, Dort zu teilen deine Wehen, Ist es, was mein Herz begehrt. 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Die vierzehnte Station. Der Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt. 7. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Christe 2c. R). Denn durch Dein heiliges Kreuz 2c. Pr. Erbarme Dich auch zc. Ch. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Betrachte, wie der heiligste Leichnam Jesu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab, welches für Ihn bereitet war, gelegt wurde. 232 Jesu! ich danke Dir für Alles, was Du gelitten hast, um mich zu erlösen, und bitte Dich um die Gnade, daß ich den Leib, den Du für mich hingegeben, in dem allerheiligsten Sakrament allezeit würdig empfange, und laß mich so leben und sterben, daß ich Dich ewig besigen und genießen möge. Amen. Vater unser. Ave Maria. Ehre sei dem Vater 2c. Schlußstrophen: Jungfrau aller Jungfrau'n Krone Laß mit Dir mich deinem Sohne Mitleidsvolle Klage weih'n; Seinen Tod mit ihm mich tragen Seiner Wunden, seiner Plagen Eingedenk und teilhaft sein. 7. Erbarme Dich unser, o Jesu! erbarme Dich unser: R). Und sei uns gnädig wegen Deines allerheiligsten Leidens. Aufopferung. O Gott, der Du durch das kostbare Blut Deines eingeborenen Sohnes das siegreiche Zeichen des heilbringenden Kreuzes geheiliget hast; verleihe gnädiglich, daß Alle, die sich dieses heiligen 233 Kreuzes rühmen, sich auch deines Schußes überall erfreuen mögen. Barmherziger Gott! wir flehen Deine unermeßliche Güte an für die Seelen aller Abgestorbenen und opfern Dir mit der Kirche diese hl. Kreuzwegablässe zu ihrer Erlösung auf. mildere durch die Verdienste des Leidens und Todes Jesu Christi, seines allerheiligsten Herzens und des unbefleckten Herzens Mariä ihre Leiden und Schmerzen, nimm sie bald zur glückseligen Anschauung Deines glorreichen Angesichtes auf, daß sie in der himmlischen Heimat mit allen Auserwählten Dich ewig loben und preisen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - 3. Andacht zu den neun Schmerzen der armen Seelen. 6. Jaw Auch neuntägige Andacht.) Gebet. Ich empfehle Dir, o Gott und Heiland Jesus Christus, und dir, allerheiligste Mutter Maria, alle Seelen im Fegfeuer, meine Wohlthäter, 234 Freunde und Feinde, insbesondere aber jene Seelen, für die ich verpflichtet bin, zu beten. Ich opfere Dir, o Gott, mein Gebet auf, indem ich die großen Schmerzen, welche die armen Seelen zu leiden haben, betrachten will, damit es ihnen in ihren Leiden Linderung verschaffe. 1. I. 1₁ Viele Schmerzen haben die armen Seelen im Fegfeuer außzustehen; aber den größten Schmerz verursacht ihnen der Gedanke, daß sie selbst durch die Sünden, die sie in ihrem Leben begangen haben, die Ursachen der Schmerzen geworden sind, die sie jetzt ausstehen müssen. O mein göttlicher Heiland, Jesus Christus! ich habe so oft die Hölle verdient. welche Schmerzen würde mir, wenn ich jetzt verdammt wäre, der Gedanke machen, daß Du bis jetzt so große Geduld mit mir gehabt haft. O mein Gott, weil Du die unendliche Güte bist, so liebe ich Dich über Alles, und bereue es von ganzem Herzen, Dich beleidigt zu haben. Ich verspreche Dir, lieber sterben zu wollen, als Dich jemals wieder zu beleidigen. 235 Verleihe mir die Gnade der Beharrlichkeit; erbarme Dich meiner; erbarme Dich auch der armen Seelen, die im Fegfeuer leiden. Heilige Maria, Mutter Gottes! hilf ihnen durch deine mächtige Fürbitte. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. 7. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. R). Und das ewige Licht leuchte ihnen. . Lasse sie ruhen im Frieden. R). Amen. & II. 2, Ein anderer Schmerz für die armen Seelen im Fegfeuer, der ihnen große Pein verursacht, ist der Gedanke an die Zeit, die sie auf Erden verloren haben, und in der sie große Verdienste für den Himmel hätten erlangen können. Der Gedanke, daß sie diesem Übel nicht mehr abhelfen und keine Verdienste mehr sammeln können, ist für sie ein großer Schmerz. Owie armselig bin ich doch, da ich nach so langen Jahren, die ich schon hier auf Erden lebe, nur Strafen für die Hölle verdient habe! Ich danke Dir, o mein Gott, daß Du mir noch Zeit gibst, um einem so großen Übel abzuhelfen. 236 Ich bereue, daß ich Deiner unendlichen Güte mißfallen habe; stehe Du mir bei, damit ich die noch übrigen Tage meines Lebens nur dazu verwende, Dir zu dienen und Dich zu lieben. Ich verspreche Dir, 2c.( Siehe I.) Heilige Maria, Mutter Gottes! 2c. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. 7. Herr, gib ihnen u. s. w. 3. III. 3, Ein anderer heftiger Schmerz, der die armen Seelen im Fegfeuer peinigt, ist der furchtbare Anblick ihrer Sünden, für die sie leiden müssen. Hier auf Erden erkennt man nicht die Häßlichkeit der Sünde; aber in jener Welt kennt man sie vollkommen, und der Anblick ihrer Sünden verursacht deshalb den armen Seelen im Fegfeuer einen der größten Schmerzen, die sie zu leiden haben. Weil Du, o mein Gott, die unendliche Güte bist, so liebe ich Dich über Alles, und bereue von ganzem Herzen, Dich beleidigt zu haben. Ich verspreche Dir, lieber zu sterben, als Dich je wieder zu beleidigen. Verleihe mir die Gnade 237 der Beharrlichkeit, erbarme Dich auch der armen Seelen, die im Fegfeuer leiden. Heilige Maria, Mutter Gottes! 2c. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. . Herr, gib ihnen u. s. w. IV. 4 Es verursacht den armen Seelen im Fegfeuer den heftigsten Schmerz, wenn sie bedenken, daß sie auf Erden Gott, den sie so sehr lieben, durch ihre Sünden mißfallen haben. Manche Büßer sind vor Schmerz gestorben, da sie bedachten, daß sie einen so unendlich guten Gott beleidigt haben. Die armen Seelen im Fegfeuer, die Gott aus allen ihren Kräften lieben, erkennen weit besser als wir, wie liebenswürdig Gott ist, und deshalb verursacht ihnen der Gedanke, daß sie ihm auf Erden mißfallen haben, einen Schmerz, der heftiger ist, als alle andern Schmerzen. 1 O mein Gott! weil Du die unendliche Güte bist, so bereue ich von ganzem Herzen, Dich beleidigt zu haben. Ich verspreche Dir, 2c. Heilige Maria, Mutter Gottes! 2c. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. Herr, gib ihnen u. s. w. 238 5V. 5, Heftigen Schmerz verursacht ferner den armen Seelen im Fegfeuer die Ungewißheit, in der sie sich befinden, wann ihre Leiden ein Ende nehmen werden. Zwar wissen sie, daß Gott sie gewiß befreien wird, aber die Ungewißheit, wann diese selige Stunde eintreten wird, verursacht ihnen große Pein. Wenn Du, o mein Gott! mich Unglückseligen verdammt hättest, so hätte ich die traurige Gewißheit, daß ich jenen Ort der Qual nie wieder verlassen würde. Ich liebe Dich über Alles, unendliche Güte, und bereue, daß ich Dich beleidigt habe. Ich verspreche Dir, 2c. Heilige Maria, Mutter Gottes! 2c. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. . Herr, gib ihnen u. s. w. 6 VI. 6. Obgleich die armen Seelen im Fegfeuer, wenn sie an das Leiden Jesu Christi und an das allerheiligste Sakrament des Altars denken, großen Trost empfinden, weil sie durch den Tod ihres Heilandes von der Hölle befreit worden sind, und weil sie mittelst der Hl. Kommunion und Messe ehemals so große Gnaden empfangen haben und noch fortwährend empfangen, so peinigt sie dennoch der Gedanke, daß sie 239 gegen Jesus Christus so undankbar gewesen sind, obgleich er ihnen so große Beweise seiner Liebe gegeben hat. Auch für mich bist Du gestorben, o mein Gott und Heiland! auch mir hast Du Dich so häufig in der Hl. Kommunion geschenkt! und ich habe Deine Liebe mit so großem Undanke erwiedert! Aber jetzt liebe ich Dich, mein höchstes Gut, über Alles, und bereue von ganzem Herzen, Dich beleidigt zu haben. Ich verspreche Dir, 2c. Heilige Maria, Mutter Gottes! 2c. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. . Herr, gib ihnen u. s. w. For % VII. Z Die Schmerzen der armen Seelen im Fegfeuer werden noch vermehrt, wenn sie an die besonderen Wohlthaten denken, die Gott ihnen erwiesen hat; wenn sie bedenken, daß Gott ihre Buße so langmütig abgewartet, und daß er ihnen ihre Sünden vergeben hat; denn sie erkennen dadurch immer deutlicher, wie groß ihr Undant gegen Gott gewesen ist. Wer ist undankbarer gegen Dich gewesen, o mein Gott, als ich? Du hast so lange Geduld mit mir gehabt; Du hast mir liebevoll so oft meine Sünden vergeben, und, nachdem ich 240 so oft Besserung versprochen, habe ich Dich doch immer von Neuem beleidigt. Olaß nicht zu, daß ich verdammt werde; denn ich will Dich lieben, und in der Hölle könnte ich Dich ja nicht lieben. Ich bereue von Herzen, o unendliche Güte, Dich beleidigt zu haben. Ich verspreche Dir, 2c. Heilige Maria, Mutter Gottes! 2C. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. y. Herr, gib ihnen u. s. w. 8 VIII. 8. Heftigen Schmerz verursacht den armen Seelen im Fegfeuer der Gedanke, daß Gott hier auf Erden weit barmherziger gegen sie als gegen andere gewesen ist, als sie durch ihre Sünden ihn früher beleidigt und sich sein Mißfallen zugezogen haben, und daß er blos aus Barmherzigkeit ihnen ihre Sünden vergeben hat. Siehe, o mein Gott! auch ich bin einer jener Undankbaren, der nach so vielen von Dir empfangenen Gnaden dennoch Deine Liebe verachtet und so verdient hat, zur Hölle verdammt zu werden. Unendliche Güte! ich liebe Dich über Alles; ich bereue von ganzem Herzen, Dich beleidigt zu haben. Ich verspreche Dir, 2c. - 241 Heilige Maria, Mutter Gottes! 2c. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. . Herr, gib ihnen u. s. w. 8, IX. 9, Alle Peinen, welche die armen Seelen im Fegfeuer auszustehen haben, das Feuer, die Finsternis, die Ungewißheit, wann Gott sie befreien werde, und der Überdruß, den sie empfinden, verursachen diesen heiligen Seelen keinen so großen Schmerz, als der Gedanke, daß sie entfernt sind von ihrem Gott, daß sie seinen Anblick entbehren müssen. mein Gott, wie ist es nur möglich, daß ich so lange Jahre fern.von Dir und Deiner Gnade beraubt habe leben können! O unendliche Güte! ich liebe Dich über Alles; ich bereue von ganzem Herzen, daß ich Dich beleidigt habe; ich verspreche, lieber zu sterben, als Dich jemals wieder zu beleidigen. Verleihe mir die Gnade der Beharrlichkeit und gestatte nicht, daß ich je wieder in Deine Ungnade falle. Ich bitte Dich, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer, lindere ihre Schmerzen, kürze die Zeit ihrer Gefangenschaft ab und rufe sie bald in den Himmel, wo sie Dich von Angesicht zu Fegfeuer- Stimmen. 16 - 242 Angesicht schauen und lieben und Dich für uns arme Sünder bitten werden. Geliebte Mutter Gottes, heilige Maria! hilf ihnen durch deine mächtige Fürbitte, bitte auch für mich, der ich noch in Gefahr bin, ewig verloren zu gehen. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. 7. Herr, gib ihnen u. s. w. Gebet zu Jesus Christus. O süßester Jesu! um des blutigen Schweißes willen, den Du im Garten von Gethsemane vergoffen haft: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer. R). Erbarme Dich ihrer, o Herr, erbarme Dich ihrer. O süßester Jesu! um der Schmerzen willen, die Du bei der grausamen Geißelung ausgestanden haft: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer. R). Erbarme Dich ihrer, o Herr, erbarme Dich ihrer. Osüßester Jesu! um der Peinen willen, die Du bei der schmerzlichen Krönung mit Dornen ausgestanden haft: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer. 243 R). Erbarme Dich ihrer, o Herr, erbarme Dich ihrer. O süßester Jesu! um der Schmerzen willen, die Du bei der grausamen Kreuzigung ausgestanden hast: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer. R). Erbarme Dich ihrer, o Herr, erbarme Dich ihrer. O süßester Jesu! um der Peinen willen, die Du in Deinem schmerzlichen Todeskampfe ausgestanden hast: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer. R). Erbarme Dich ihrer, o Herr, erbarme Dich ihrer. süßester Jesu! um des unendlichen Schmerzes willen, den Du ausgestanden, als Du Deinen Geist aufgabst: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer. R). Erbarme Dich ihrer, o Herr, erbarme Dich ihrer. ( Diese Andacht kann auch als neuntägige Andachtsübung benützt werden, mit je einem Betrachtungspunkt auf jeden Tag). 14. Jääert 189h 16* 28 Noveler 1912. 244 4. Verehrung der sieben Schmerzen Mariä für die armen Seelen. 1. Gegrüßt seist du, Maria, du demütige Magd der allerheiligsten Dreifaltigkeit! Ich erinnere dich an die Schmerzen, welche du an Leib und Seele empfunden hast, als dein geliebter Sohn acht Tage nach der Geburt sein kostbares Blut für uns vergossen hat; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 2. Gegrüßt seist du, Maria, du allerheiligste und von Ewigkeit auserwählte Tochter Gottes des Vaters! Ich erinnere dich an all' die Schmerzen, die du an Leib und Seele empfunden hast, als du ermahnt wurdeft, dem Zorne des Herodes zu entflichen, und mit deinem göttlichen Sohne nach Ägypten, aus deinem Vaterlande in das Elend zu ziehen; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Feg= feuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria zc. 245 3. Gegrüßt seist du, Maria, du würdigste Mutter Jesu Christi, des Sohnes Gottes! Jch erinnere dich an die Schmerzen, welche du an Leib und Seele empfunden, als du deinen göttlichen Sohn drei Tage lang verloren und gesucht hast; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 4. Gegrüßt seist du, Maria, du liebliche Braut des heiligen Geistes! Ich erinnere dich an die Schmerzen, die du an Leib und Seele empfunden hast, als dein göttlicher Sohn Abschied nehmend dir anzeigte, daß er für die Sünden der ganzen Welt den bittern Tod am Kreuze leiden müsse; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria zc. 5. Gegrüßt seist du, Maria, du herrliche Königin der heiligen Engel! Ich erinnere dich an die Schmerzen, die du an Leib und Seele empfunden hast, als du gehört hast, daß dein 246 göttlicher Sohn auf das Verlangen der gottlosen Juden zum Tode verurteilt worden sei, und du ihn selbst das schwere Kreuz auf seinen verwundeten heiligen Schultern tragen saheft; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 6. Gegrüßt seist du, Maria, du glorreiche Königin der Patriarchen! Ich erinnere dich an die Schmerzen, die du an Leib und Seele empfunden, als du deinen göttlichen Sohn an das Kreuz annageln hörtest und ihn selbst am Kreuze hangen und unaussprechlich große Schmerzen erdulden sahest, bis er seine heilige Seele aufgab; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 7. Gegrüßt seist du, Maria, du den Propheten versprochene und so höchst erwünschte Mutter des Messias! Ich erinnere dich an die Schmerzen, welche du an Leib und Seele em 247 pfunden hast, als dein göttlicher Sohn vom Kreuze abgenommen, in deinen jungfräulichen Schoß gelegt und endlich in das Grab verschlossen worden ist; durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Nach jedem Gebete kann eine Strophe des Liedes ,, Seht die Mutter voll der Schmerzen" gesungen werden. ( Siehe Stationen.) NE 5. Verehrung der sieben Freuden Mariä für die armen Seelen. 1. Gegrüßt seist du, Maria, du erfahrene Meisterin der Apostel! Ich erinnere dich an die Freuden, welche du an Leib und Seele empfunden hast, als dir der heilige Erzengel Gabriel, von Gott gesandt, erschienen ist, dich gegrüßt und dir die Menschwerdung deines göttlichen Sohnes verkündet hat; durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie er 248 löst werden und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria zc. 2. Gegrüßt seist du, Maria, du wahrhafte Lehrerin der Evangelisten! Ich erinnere dich an die Freuden, welche du an Leib und Seele empfunden hast, als du deinen göttlichen Sohn zu Bethlehem ohne Verlegung der Jungfrauschaft geboren hast; durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, auf daß sie erlöst werden und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 3. Gegrüßt seist du, Maria, du Kraft und Stärke der Martyrer! Ich erinnere dich an die Freuden, die du an Leib und Seele empfunden hast, als die heiligen drei Könige deinem göttlichen Sohne ihre würdigen Opfer dargebracht und ihn als den wahren Gott und Herrn des Himmels und der Erde angebetet haben; durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 249 4. Gegrüßt seist du, Maria, du Weisheitsquelle der Kirchenlehrer und der Beichtväter! Ich erinnere dich an die Freuden, die du an Leib und Seele empfunden hast, als du deinen göttlichen Sohn nach drei Tagen wieder im Tempel gefunden hast; durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 5. Gegrüßt seist du, Maria, du holdselige Zierde aller Frauen und Jungfrauen! Ich erinnere dich an die Freuden, die du an Leib und Seele empfunden hast, als dir dein göttlicher Sohn am heiligen Ostertag nach seiner glorreichen Auferstehung mit unsterblichem Leibe erschienen ist und dich herzlich gegrüßt und getröstet hat; durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 6. Gegrüßt seist du, Maria, du glänzende Krone aller Heiligen Gottes! Ich erinnere dich an die Freuden, welche du an Leib und Seele 250 empfunden haft, als dein göttlicher Sohn aus eigener Kraft in deiner und seiner lieben Jünger Gegenwart so glorreich in den Himmel aufgefahren ist; durch diese deine Freude bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 7. Gegrüßt seist du, Maria, du bereitwilligste Helferin und Trösterin der Lebenden und Abgestorbenen! Ich erinnere dich an die Freuden, die du an Leib und Seele empfunden hast, als dich dein göttlicher Sohn zu den himmlischen Freuden eingeladen und dich nach deinem heiligen Absterben mit Leib und Seele glorreich in den Himmel eingeführt und über alle Chöre der heiligen Engel erhöht hat; durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden und zu den ewigen Freuden gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Nach jedem Gebete eine Strophe des Liedes Jungfrau wir dich grüßen." 251 V. Beichtandacht. Bor der heiligen Beicht. Sage Soft Dank. Gott der Barmherzigkeit, Du Gott alles Trostes! Ich elender Sünder komme reumütig zu Dir und werfe mich in tiefster Ehrfurcht vor Dir nieder, mit der demütigsten Bitte, Du wollest mich nicht verstoßen. Ich hoffe auf Dich, weil Du mir so viele Gnaden er wiesen und zum Troste der armen Sünder das heilige Sakrament der Buße eingesetzt hast. Ich danke Dir von ganzem Herzen für diese und alle andern Gnaden, besonders aber, daß Du so geduldig auf mich gewartet und mir Zeit zur Buße verliehen hast. Zur Danksagung opfere ich Dir auf das kostbare Blut Jesu Chrifti Deines geliebten Sohnes, welches Er so liebreich zu meinem Heile vergoffen hat. Bitte um Erleuchtung. Damit ich würdig werde, Verzeihung aller meiner Sünden zu erhalten, so bitte ich Dich, 252 o Jesu, Du Weisheit Deines himmlischen Vaters! Du wollest meinen Verstand erleuchten, daß ich alle meine Sünden erkenne; durchdringe aber auch zugleich mein Herz mit Deiner heiligen Furcht, damit ich sie auch ernstlich verabscheue und bereue, und damit ich anfange, Dich aufrichtig und von ganzer Seele zu lieben. Erforschung des Gewiffens. Erforsche dich, was du seit der letzten Beicht mit Gedanken, Worten, Werken, Wünschen, Begierden und Unterlassung des Guten wider Gott, wider den Nächsten und wider dich selbst gesündigt hast. Nach der Erforschung erwäge, wie undankbar du gewesen bist gegen Gott deinen Schöpfer, der dich mit unzählbaren Wohlthaten überhäuft hat und gegen Jesum, deinen Erlöser, der für dich am Kreuze gestorben ist, um dich vom ewigen Tode zu erlösen und dich ewig glückselig zu machen; dann erwecke folgende Reute nebst Vorsak. O mein Gott, Du höchster Herr, Schöpfer Himmels und der Erde! Ich habe Böses vor Dir gethan und Dich beleidigt, ich komme aber reumütig zu Dir, um Dich um Verzeihung zu 253 bitten; denn Du bist ein liebreicher Vater, der gerne verzeiht und die reumütigen Sünder zu Gnaden aufnimmt. Ich bereue meine Sünden von ganzem Herzen, weil ich dadurch Dich, meinen Schöpfer, meinen Erlöser, meinen höchsten Wohlthäter so oft und schwer beleidigt habe; ich kenne meinen Undank, und verabscheue ihn; vor allem aber schmerzt es mich, daß ich Dich, als das höchste Gut, welches aller Ehre und Liebe würdig ist, beleidigt habe. Wie habe ich doch so blind sein können, Dich zu verachten! wenn ich doch die Unbild, welche ich Dir angethan, durch meine Reue und Buße wieder gut machen könnte! Du weißt aber, o mein Gott, daß ich ohne Deine Gnade nichts vermag; erbarme Dich also meiner, und gib mir eine Reue, wie Du sie Deinen heiligen Büßern gegeben hast; um diese Gnade bitte ich Dich, o mein Jesu! ach wasche mich von meinen Sünden, ich bitte Dich durch Dein heiliges Leiden, durch Dein kostbares Blut, welches Du für mich vergossen haft: durch Deine ganz väterliche Güte und Barmherzigkeit bitte ich Dich, verachte nicht mein reumütiges und zerknirschtes Herz, und was meiner Reue noch 254 abgeht, das erseße Du durch Deinen blutigen Angstschweiß und durch Deine Schmerzen, welche Du wegen meiner Sünden gelitten haft. Wie ich nun meine Sünden ernstlich, von ganzem Herzen und aus Liebe zu Dir bereue, so habe ich auch den festen Vorfah, Dich, o mein Gott und höchstes Gut, nicht nur mit keiner schweren Sünde, sondern auch mit keiner freiwilligen läßlichen Sünde mehr zu beleidigen. Du weißt aber, wie schwach und unbeständig ich bin, und daß ich aus mir selbst nichts vermag; stärke mich also mit Deiner Gnade, damit ich Dir künftig allezeit getreu bleibe und Dir eifrig diene. Maria, du Mutter der Gnade und Barmherzigkeit, meine heiligen Patrone, alle lieben Heiligen Gottes, erbittet mir diese Gnade. Amen. Nach der Beichte. Preise, meine Seele, den Herrn, und alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen. Preise, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht seine Erbarmungen; Er verzeiht dir gnädig deine Sünden, und heilt dich von deinen Schwachheiten; Er hat dein Leben vom Untergange errettet, und seine Gnade und Barmherzigkeit an 255 dir gezeigt. Herr, wie langmütig, gnädig und barmherzig bist Du! Du bist mit mir nicht nach meinen Sünden verfahren, und hast mir nicht nach meiner Bosheit vergolten, sondern mich von meinen Sünden wieder gereinigt. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle reumütigen Sünder. Alle Engel des Himmels, preiſet den Herrn, aber auch du, meine Seele, preise und lobe den Herrn. Die Ehre sei dem Vater, der mich erschaffen und nach seinem Ebenbilde gestaltet hat; die Ehre sei dem Sohne, welcher mich durch sein Leiden erlöst und durch sein kostbares Blut von meinen Sünden gewaschen hat; die Ehre sei dem heiligen Geiste, welcher mich mit seiner Gnade geheiligt hat; die Ehre sei der heiligsten Dreifaltigkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bete die auferlegte Buße, erneuere den Vorsatz und bete, was dir dein dankbares Herz eingibt, insbesondere bete auch für die Mitschuldigen deiner Sünden, sowie besonders für die armen Seelen im Fegfeuer. 256 VI. Kommunionandacht. Bor der heiligen kommunion. Anbetung und Liebe. höchster Gott, Herr Himmels und der Erde, einfach in der Wesenheit und dreifach in den Personen! ich bete Dich von ganzem Herzen an, o Herr Jesu Christe, wahrer Gott und wahrer Mensch! und bekenne, daß Du mein Schöpfer und mein Erlöser bist; und weil meine Anbetung allzu gering und unwürdig ist, so opfere ich Dir auf die Anbetung der seligsten Jungfrau Maria, aller Engel und Heiligen des Himmels, welche Dich ohne Unterlaß anbeten, sowie die Anbetung aller Deiner Gläubigen auf Erden. Zugleich, o mein Jesu, liebe ich Dich von ganzem Herzen, von meiner ganzen Seele und aus allen meinen Kräften; ich will Dich auch allezeit und über alles lieben. wenn ich Dich so lieben könnte, wie Du es verdienst, geliebt zu werden! aber wie lau und unvolltommen ist nicht meine Liebe! Sieh wenigstens meine aufrichtige Begierde an, Dich inbrünstig zu lieben. Zum Ersazze dessen, was mir 257 mangelt, opfere ich Dir auf die Liebe aller Deiner getreuen Diener auf Erden, die Liebe aller Auserwählten im Himmel, und vorzüglich die Liebe Deiner heiligsten Mutter Maria. Amen. Vertrauen und Reue. Wie ist es aber möglich, daß Du, der höchste Gott, zu mir, einem elenden Erdenwurm kommst, daß Du, als eine unendliche Heiligkeit, bei mir, einem Sünder, einkehrst? Aber es ist Dir mein Elend nicht unbekannt; Du bist nicht gekommen, die Gerechten, sondern die Sünder zu rufen, und zu suchen, was verloren war. Durch den Eintritt in das Haus des Zachäus hast Du ihm das Heil gebracht; Du hast den Petrus auch nach seinem Falle barmherzig angesehen; Du haft der büßenden Magdalena viele Sünden verziehen; Du hast dem Schächer am Kreuze sogleich das Paradies versprochen, da er Dich um Gnade angerufen hat. Da Du also gegen die Sünder so liebreich und barmherzig bist, so können mich alle meine Sünden nicht abhalten, zu Dir zu kommen. Wie habe ich aber so blind sein können, Dich, den allmächtigen Gott und meinen gütigsten Vater, so sehr zu beleiFegfeuer- Stimmen. 17 258 digen? Aber leider, es ist geschehen! Wenn ich meine Sünden zurückrufen könnte, wollte ich mit Freude mein Leben hingeben; weil aber dieses nicht in meiner Gewalt ist, so will ich fie zur Ehre Deines Namens von Herzen bereuen. Sieh, o gütigster Vater, meine kindliche Reue an und verzeihe mir nach Deiner Barmherzigkeit alle meine Sünden; ich bitte Dich darum, o himmlischer Vater, durch die Verdienste und das Leiden Jesu Christi Deines eingebornen Sohnes, durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria, der heiligen Apostel und aller Heiligen. Amen. Sehnsucht. mein Jesu! ich stelle mich mit allen meinen Armseligkeiten Dir dar; ich komme als ein Geschöpf zu meinem Schöpfer; als ein Bettler zum Herrn des Himmels und der Erde; als ein Kranker zu seinem Arzte; als ein Durstiger zur Quelle des lebendigen Wassers. Es ist Dir aber mein Elend viel besser bekannt, als ich es vorzustellen vermag; verfahre also mit mir nach Deiner ganz väterlichen Liebe und nach Deiner unendlichen Barmherzigkeit. Komm, o 259 mein Jesu, und bereite Dir in meinem Herzen eine wohlgefällige Wohnung. Komm, o mein Heiland, und flöße meiner Seele jene Anmutungen ein, mit denen Du verlangst, empfangen zu werden. Komm, o Leben meiner Seele! Komm, o mein höchstes Gut! Bitte zu Maria und den Beiligen. Maria, du gebenedeite Jungfrau, du haft Gnade gefunden, du bist die Gebärerin des Lebens, die Mutter des Heiles; bewirke also, daß wir durch dich den Zutritt zu deinem Sohne finden, damit er uns durch dich auf-= nehme, nachdem er uns durch dich ist gegeben worden. Deine unversehrte Reinigkeit wolle bei ihm die Schuld unseres Verderbens entschuldigen; deine Gott so angenehme Demut wolle unserer Eitelkeit die Verzeihung erhalten; deine übergroße Liebe wolle die Menge unserer Sünden bedecken; und die Menge deiner Tugenden für unsern Mangel an Verdiensten um gnädige Nachsicht bitten. Maria, du unsere Frau, du unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne. 17* 260 gebenedeite Jungfrau! durch die Gnade, welche du gefunden, durch den Vorzug, welchen du verdient, durch die Barmherzigkeit, welche du geboren haft, erwirb uns die Gnade, daß Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr, welcher sich gewürdigt hat, durch deine Vermittlung an unserer Schwachheit und Armseligkeit teilzunehmen, uns durch deine Fürbitte ſeiner Herrlichkeit teilhaftig mache. Engel, Erzengel, Cherubim und Seraphim, alle Chöre der seligen Geister, Patriarchen, Propheten, Apostel, Martyrer, Beichtiger, Jungfrauen und Witfrauen, meine heiligen Patrone, alle Auserwählten Gottes! betet alle für mich, daß ich meinen Herrn und Heiland zu seiner Ehre, zum Nutzen der ganzen streitenden und leidenden Kirche und zu meinem Heile würdig empfangen möge. Amen. Nach der heiligen Kommunion. mein liebster Jesu! wie wunderbar ist deine Güte, und wie unbegreiflich deine Barmherzigkeit, daß Du, der Herr des Himmels und der Erde, Dich würdigest, zu mir, elenden Sünder zu kommen, ja nicht nur zu mir 261 zu kommen, sondern meine Seele auch mit Deinem Fleische und Blute zu nähren! Ich bete Dich als meinen Gott und Herrn in tiefster Demut an und danke Dir von ganzem Herzen. Lobet den Herrn alle Geschlechter, lobet ihn alle Völker, daß er seine Barmherzigkeit an mir so wunderbar gezeigt hat. Alle Engel und Heilige! lobet und preiset ihn; o Maria, meine Mutter! erstatte du deinem göttlichen Sohne, was mir an der schuldigen Dankbarkeit abgeht! Du bist also zu mir gekommen, o Jesu, mein Herr und Heiland! Du willst meine Seele mit Deinem heiligsten Fleische und Blute speisen und tränken; Du gibst Dich mir zum Unterpfand des ewigen Lebens. Die Seele Christi heilige mich! Flöße mir, o Jesu! mit Deiner Gnade heilige Gesinnungen ein! und alle Gedanken, welche wider Dein heiliges Gesetz sind, sollen aus meinem Gemüte weichen. Der Leib Christi mache mich selig! Du hast, o Jesu, zur Genugthuung für meine Sünden, Deinen heiligen Leib zum Opfer dargegeben. Das Blut Christi tränke mich! Dein heiliges Blut, o mein Jesu, ist der Wert meiner Erlösung, stärke mich dadurch in Deiner 262 Gnade und Liebe zum ewigen Leben. Das Wasser der Seitenwunde Christi wasche mich! In dieser Quelle, o mein Jesu, wasche mich immer mehr von meinen Sünden und von allen Makeln, welche deinen reinsten Augen mißfallen. Das Leiden Christi stärke mich! Durch das bußfertige Andenken an Dein heiliges Leiden, o Jesu, bewahre mich vor aller Sünde und gib mir die Kraft, daß ich zu Deiner Ehre mein Fleisch kreuzige und. der Welt absterbe. O gütigster Jesu, erhöre mich! Erhöre mich, o Jesu, zur Ehre Deines heiligsten Namens, da ich Dich um Barmherzigkeit anrufe und nur Dir zu leben verlange. In Deine Wunden verberge mich! Deine heiligen Wunden, o mein Jesu, sollen meine Zuflucht im Leben und mein Schuß im Tode sein. Gestatte nicht, daß ich von Dir geschieden werde. Laß mich doch eher, o mein Jesu, in Deiner Gnade sterben, als daß ich mich durch eine schwere Sünde von Dir trenne. In der Todesstunde rufe mich! Sende mir, wenn mein letztes Stündlein schlägt. Deinen hl. Engel entgegen. Und laß mich zu Dir kommen. Zeige mir alsdann, o Jesu, 263 als ein barmherziger Richter, Dein mildes Angesicht, damit ich mit Deinen Heiligen Dich ewig lobe. Ja, mein Jesu, nimm mich auf unter die Zahl Deiner Auserwählten, damit ich mit ihnen Dich ohne Unterlaß preisen und lieben und mich in Deiner Anschauung ewig erfreuen kann. Die Ehre sei meinem Vater, der mich erschaffen und seinen eingebornen Sohn mir zum Erlöser gegeben hat; die Ehre sei dem Sohne, der sich gewürdigt hat, aus Liebe zu mir am Kreuze zu sterben, und der mich so oft mit seinem heiligen Fleische und Blute zum ewigen Leben gespeiset hat; die Ehre sei dem heiligen Geiste, der mich geheiliget hat; die Ehre sei der heiligsten Dreifaltigkeit, wie im Anfange, so auch jetzt und allezeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Allmächtiger Bater, heiliger, ewiger Gott und Herr! ich sage Dir Dant, daß Du Dich gewürdiget hast, mich armen Sünder ohne alle meine Verdienste, nur aus Deiner milden Barmherzigkeit, mit dem kostbaren Leibe und Blute Deines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, zu speisen. Ich bitte Dich, laß nicht zu, daß mir diese heilige Kommunion zur Strafe gereiche, 264 sondern laß mich dadurch Verzeihung erlangen; laß sie mich im Glauben stärken, meinen guten Willen befestigen, mich von Sünden reinigen und von allen bösen Begierden befreien; laß sie die Liebe, die Geduld, die Demut und den Gehorsam in mir vermehren; laß sie mich wider alle Anfälle der sichtbaren und unsichtbaren Feinde beschüßen; laß sie meine Seele beruhigen, damit ich Dir, dem einzigen und wahren Gott, fest anhange und mein letztes Ziel, die ewige Glückseligkeit, erreiche. Führe mich, o ewiger Vater, zu jenem unaussprechlichen Freudenmahle, wo Du mit dem Sohne und dem heiligen Geiste Deinen Heiligen das wahre Licht, die immerwährende Freude, die gänzliche Zufriedenheit und vollkommene Glückseligkeit Deiner Auserwählten bist. Amen. Nun empfehle ich mich auch Dir, o Maria, du heiligste Jungfrau, die du Jesum, den eingebornen Sohn Gottes, welchen ich jetzt im heiligsten Sakrament in mich aufgenommen habe, vom heiligen Geiste empfangen und in deinem reinsten Leibe getragen hast. Ich bitte dich als die Mutter Gottes, daß du deinen göttlichen Sohn für mich anflehest, er wolle 265 mir gnädig verzeihen, was ich bei Empfang dieser heiligen Kommunion durch Nachlässigkeit gefehlt habe. Du hast an Gnade, Verdiensten und Heiligkeit immer zugenommen; erwirb mir durch deine Fürbitte die Gnade, daß auch ich durch diese heilige Kommunion im Guten gestärkt werde, mich vor allen läßlichen Sünden sorgfältig hüte, im Eifer und in der Andacht beständig zunehme, bis ich mit dir im Himmel deinen göttlichen Sohn ewig loben und preisen kann. Heiliger Joseph, heiliger Schußengel, heilige Patrone, alle Engel und Heilige: bittet alle für die armen Seelen im Fegfeuer, besonders für N. N., denen ich alle Verdienste und Gnaden dieser heiligen Kommunion aufopfere; bittet auch für mich und erflehet mir die Gnade, daß ich die heilige Kommunion immer mit großem Eifer und mit wahrer Andacht, vorzüglich aber auf dem Sterbebette mit herzlicher Reue und inbrünstiger Liebe empfange und so dann unter eure Gemeinschaft aufgenommen werde. Amen. Hier bete den Heldenmütigen Liebesatt" für die armen Seelen. Seite 282. Y 266 VII. Litaneien. 1. Namen- Jesu- Litanei. err, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt*), Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesu, Du Sohn des lebendigen Gottes, Jesu, Du Abglanz des Vaters, Jesu, Du Klarheit des ewigen Lichtes, Jesu, Du König der Herrlichkeit, Jesu, Du Sonne der Gerechtigkeit, Jesu, Du Sohn der Jungfrau Maria, Du liebenswürdiger Jesu, Du wunderbarlicher Jesu, Jesu, Du starker Gott, Jesu, Du Vater des zukünftigen Lebens, *) Erbarme Dich unser! Disp ( 01 267 Jesu, Du Engel des großen Rates*), Du mächtigster Jeſu, Du geduldigster Jeſu, Du gehorsamster Jesu, Jesu, sanft und demütig von Herzen, Jesu, Du Liebhaber der Keuschheit, Jesu, unser Liebhaber, Jesu, Du Gott des Friedens, Jesu, Du Urheber des Lebens, Jesu, Du Vorbild der Tugenden, Jesu, Du Eiferer der Seelen, Jesu, unser Gott, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, Du Vater der Armen, Jesu, Du Schaß der Gläubigen, Jesu, Du guter Hirt, Jesu, Du wahres Licht, Jeju, Du ewige Weisheit, Jeju, Du unendliche Gütigkeit, Jesu, unser Weg und Leben, Jesu, Du Freude der Engel, Jesu, Du König der Patriarchen, Jesu, Du Meister der Apostel, *) Erbarme Dich unser! 268 Jesu, Du Lehrer der Evangelisten*), Jesu, Du Stärke der Martyrer, Jesu, Du Licht der Bekenner, Jesu, Du Reinheit der Jungfrauen, Jesu, Du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jeſu! Von allem Übel, erlöse uns, o Jeſu! Von aller Sünde**), Von Deinem Zorne, Von den Nachstellungen des Teufels, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Vom ewigen Tode, Von der Vernachlässigung Deiner Eingebungen, Durch das Geheimnis Deiner Menschwerdung, Durch Deine Geburt, Durch Deine Kindheit, Durch Dein heiligstes Leben, Durch Deine Mühen, Durch Deine Todesangst und Dein Leiden, Durch Dein Kreuz und Deine Verlassenheit, Durch Deinen Tod und Deine Begräbnis, *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o Jesu! 269 Durch Deine Auferstehung*), Durch Deine Himmelfahrt, Durch Deine Freuden, Durch Deine Herrlichkeit, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt,-verschone uns, o Jeju! Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt,- erhöre uns, o Jesu! Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesu! Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! - Laßt uns beten. Herr Jesu Christe, der Du gesagt haft: Bittet, und ihr werdet empfangen; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgethan werden; wir bitten Dich, gib uns Flehenden die Glut Deiner heiligsten Liebe, damit wir Dich von ganzem Herzen, mit Wort und Werk lieben, und nimmer aufhören, Dich zu loben. *) Erlöse uns, o Jesu! 270 Gib, o Herr, daß wir die Ehrfurcht und Liebe gegen Deinen heiligen Namen allezeit bewahren, da Deine Leitung niemals diejenigen verläßt, welche Du in Deiner Liebe befestigt hast. Durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gott, der Du den glorwürdigen Namen Jesu Christi, Deines eingebornen Sohnes, den Gläubigen ganz lieblich und anmutig, den bösen Geistern aber furchtbar und schrecklich gemacht hast; verleihe gnädig, daß alle, welche diesen Namen Jesu auf Erden andächtig ehren, die Süßigkeit der heiligen Tröstung in diesem Leben empfangen und dort im zukünftigen die ewige Freude und unendliche Seligkeit im Himmel erhalten und genießen mögen; durch unsern Herrn 2c. bie N sto thos Bres Car 271 2. Lauretanische Litanei. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria*), Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnade, Du reinste Mutter, Du keuschefte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, *) Bitte für uns! 272 Du Mutter des Schöpfers*), Du Mutter des Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sig der Weisheit, Du Ursache unserer Freude, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Turm Davids, Du elfenbeinerner Turm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Himmelspforte, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, *) Bitt für uns! Simon E 273 Du Trösterin der Betrübten*), Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Martyrer, Du Königin der Bekenner, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin ohne Makel der Erbsünde empfangen, Du Königin des heiligen Rosenkranzes, 04 *) Bitt für uns! Fegfeuer- Stimmen. Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, D Herr! dergidria Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gegrüßt 2c. - - ins - 18 274 Antiphon. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren! O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. 7. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! R). Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten Dich, o Herr! gieße Deine Gnade in unsere Herzen, auf daß wir, die wir Christi, Deines Sohnes, Menschwerdung durch des Engels Verkündigung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. 7. Bitt für uns, o heiliger Joseph! R). Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine 275 Fürbitte geschenkt werde! Der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 7. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, R). Und das ewige Licht leuchte ihnen. 7. Von der Pforte der Hölle R). Errette, o Herr! ihre Seelen. 7. Laß sie ruhen im Frieden. R). Amen. 7. Herr, erhöre mein Gebet, R). Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gott! dem das Erbarmen und Verschonen eigen ist, wir bitten Dich in Demut für die Seelen Deiner Diener und Dienerinnen, welche Du aus dieser Welt abberufen haft: übergebe sie nicht in die Hände des Feindes und vergesse ihrer nicht gänzlich, sondern lasse sie aufnehmen von den heiligen Engeln und in das Vaterland des Paradieses geleiten, damit, weil sie auf Dich gehofft und an Dich geglaubt haben, sie nicht die Strafen der Hölle erleiden, sondern die ewigen Freuden besigen mögen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 18* 276 3. Litanei zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer. Herr, erbarme Dich ihrer! Christus, erbarme Dich ihrer! Herr, erbarme Dich ihrer! Christus, erhöre uns! Gott, Vater vom Himmel, erbarme Dich ihrer! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich ihrer! Gott heiliger Geist, erbarme Dich ihrer! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich ihrer! Heilige Maria*), Heiliger Michael, Alle heiligen Engel und Erzengel, Alle Chöre der seligen Geister, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle heiligen Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Johannes, Alle heiligen Apostel und Evangelisten, *) Bitte( t) für sie! 277 Alle heiligen Jünger des Herrn*), Alle heiligen unschuldigen Kinder, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Alle heiligen Martyrer, Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Augustinus, Alle heiligen Bischöfe und Bekenner, Heiliger Antonius, Heiliger Benediktus, Heiliger Franziskus, Alle heiligen Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Lucia, Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, Alle Heiligen Gottes, Sei ihnen gnädig! Verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig! Erlöse sie, o Herr! Von allem übel*), Von Deinem Zorne, Von der Strenge Deiner Gerechtigkeit, *) Bitte( t) für sie! **) Erlöse sie, o Herr! 278 Von ihrer tiefen Betrübnis*), Von ihrer schmerzlichen Sehnsucht, Von ihrer harten Gefangenschaft, Von der Qual des Feuers, Von ihren großen Leiden, Durch Deine wunderbare Empfängnis, Durch Deine heilige Geburt, Durch Deinen süßesten Namen, Durch Deine Taufe und Dein strenges Fasten, Durch Deine tiefste Demut, Durch Deinen vollkommenen Gehorsam, Durch Deine äußerste Armut, Durch Deine unbefleckte Reinigkeit, Durch Deine unüberwindliche Geduld, Durch die unendliche Liebe Deines Herzens, Durch Deine Arbeiten und Mühseligkeiten, Durch Deinen blutigen Schweiß, Durch Deine unmenschliche Geißelung, Durch Deine schmachvolle Krönung mit Dornen, Durch Deine schimpfliche Verspottung, Durch Deine ungerechte Verurteilung, Durch Deine schmerzvolle Kreuztragung, Durch Deine grausame Kreuzigung, 1930 *) Erlöse sie, o Herr!! 279 Durch Deine heiligen fünf Wunden*), Durch Deine qualvolle Verlaffenheit, Durch Deinen bittersten Tod, Durch Dein mit einer Lanze eröffnetes Herz, Durch Deine glorreiche Auferstehung, Durch Deine wunderbare. Himmelfahrt, Durch die Sendung des hl. Geistes, des Trösters, Durch die Verdienste und Fürbitte Deiner hl. Mutter, Durch die Verdienste und Fürbitte aller Heiligen, Wir arme Sünder! Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du die Seelen im Fegfeuer verschonen wollest**), Du Du ihnen ihre Schulden nachlaffen wollest, Daß Du sie aus ihren Qualen befreien wollest, Daß Du ihr Verlangen nach Dir befriedigen wollest, Daß Du unsern verstorbenen Eltern, Geschwistern, Verwandten, Wohlthätern und Freunden die ewigen Güter verleihen wollest, Daß Du Dich insbesondere der Seelen, an die niemand auf Erden denkt, erbarmen wolleft, Daß Du allen Gläubigen auf Erden barmher*) Erlöse sie, o Herr! **) Wir bitten Dich, erhöre uns! 280 zige Liebe zu den armen Seelen einflößen wolleft*), Daß Du unser Gebet für sie und das ihrige für uns allezeit erhören wollest, Jesu, König der Herrlichkeit, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: gib ihnen die ewige Ruhe. ODu Lamm Gottes, 2c.: gib ihnen die ewige Ruhe. Du Lamm Gottes, 2c.: gib ihnen die ewige Ruhe. Vater unser. Gegrüßt seist du, 2c. med Lasset uns beten. O Gott, Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, damit sie die gnädige Nachlaffung, die sie allezeit gewünscht haben, durch fromme Fürbitte erlangen. Amen. Gebet für die Seelen im Fegfeuer. unendlich barmherziger Gott! erbarme Dich der Seelen aller abgestorbenen Chriftgläubigen, die noch im Reinigungsorte zurückgehalten werden. Laß ihre Seufzer und ihr brennendes *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 281 Verlangen, von ihren Peinen erlöset und in Dein ewiges Reich aufgenommen zu werden, zum Throne Deiner Gnade dringen. Zum Ersage für das, was sie Deiner Gerechtigkeit noch schulden, opfern wir Dir Alles auf, was Dein geliebter Sohn auf Erden gethan und gelitten hat. Nimm an, o gnädigster Vater, für ihre Versäumnisse und Nachlässigkeiten den Überfluß seiner guten Werke und Verdienste; für die Unbilden, die sie Dir zugefügt haben, die Peinen, Schmerzen, Wunden und Leiden, die er für sie ausgestanden hat, und für die Strafen, die sie noch zu leiden haben, den bittern Tod, in den er für sie gegangen ist. Laß Dein kostbares, auch für sie vergossenes Blut, ihnen zur Reinigung, Erquicung und Erlösung gereichen. Erzeige ihnen, o himmlischer Vater, Deine unendliche Barmherzigkeit und nimm sie auf zu Dir in die ewige Ruhe, damit sie Dich im Himmel mit Deinen Heiligen ohne Unterlaß loben und preisen. Amen. 7. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe! R. Und das ewige Licht leuchte ihnen! 7. Laß sie ruhen im Frieden!). Amen. 282 VIII. Verschiedene Gebete und Gesänge für die Abgestorbenen. 1. Heldenmütiger Liebesaft für die armen Seelen. immlischer Vater! In Vereinigung mit den heiligsten Herzen Jesu und Mariä opfere ich Dir für die armen Seelen im Fegfeuer alle Genugthuungswerke meines ganzen Lebens auf; sowie auch alle einzelnen Werke, welche für mich nach meinem Tode fürbittweise werden aufgeopfert werden. Alle diese Werke übergebe ich in die reinsten Hände der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, damit sie dieselben jenen Seelen zuwende, welche sie aus dem Fegfeuer befreien will. Nimm, o mein Gott, dieses Opfer gnädigst an und laß mich um desselben willen Gnade und Barmherzigkeit, tägliche Zunahme in Deiner Liebe und einst eine glückselige Sterbestunde finden. Amen. Anmerkung. Wenn auch zum heldenmütigen Liebesaft der bloße Wille und der im Herzen gefaßte Entschluß genügt, so ist es doch ratsam, auf obige Weise denselben recht oft zu erneuern. Die Ablässe 283 für denselben sind u. A.: 1) Für jeden Priester alle Tage des Jahres das» altare privilegiatum«. 2) Für alle Gläubigen vollkommener Ablaß für die armen Seelen, so oft sie die Hl. Kommunion empfangen und eine Kirche besuchen. 3) Ein vollkommener Ablaß an jedem Montag, wenn sie einer Hl. Messe beiwohnen und für die armen Seelen aufopfern. 2. Für verstorbene Eltern, Geschwister, Wohlthäter, am Jahrestage u. s. w. siehe die Gebete im Seelamt, Kirchengebete S. 168, Stillgebete S. 178, Lette Gebete S. 186. 3. Beim Gräberbesuch und am Allerseelentage. Gott, wir stehen an den Gräbern unserer Brüder und Schwestern in Jesus Christus, unserem Erlöser. Du hast uns geboten, einander zu lieben und für einander zu beten. Unsere verstorbenen Brüder und Schwestern, die noch nicht zu Deiner Anschauung gelangt sind, sondern noch im Fegfeuer gereinigt werden, sind von 284 Deiner Liebe nicht ausgeschlossen und es ist Dir wohlgefällig, wenn wir für sie beten. Gedenke also, o barmherziger Vater, daß sie Deine Kinder sind, erkauft durch das kostbare Blut Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi. Darum halte sie nicht länger von Deiner glückseligen Anschauung zurück, sondern erzeige ihnen Deine göttliche Barmherzigkeit. Gedenke, daß sie auf Erden an Dich geglaubt, auf Dich gehofft und Dich geliebt haben. Wenn sie auch strauchelten und fielen, so haben sie doch Buße gethan und Dich mit Deiner Gnade immer wieder geliebt. Es ist meine Pflicht, o mildreichster Vater, daß ich besonders für jene Verstorbenen bete, welche mir hier auf Erden Gutes erwiesen haben, für Großeltern, Eltern, Geschwister, Seelsorger, Freunde und Wohlthäter an Leib und Seele und auch für meine Feinde. Ich kann ihnen, o Gott, nicht vergelten, was fie Gutes an mir gethan haben. Aber Du, allwissender und allmächtiger Gott! Du hast ihre guten Werke gezählt und kannst sie ihnen nach Verdienst belohnen. Gedenke nicht des Bösen, das sie geübt haben, sondern des Guten, das sie gewirkt, und zögere nicht mehr, sie dafür gnädig zu belohnen. Vielleicht sind im Fegfeuer auch 285 Seelen, die wegen mir, aus meiner Schuld zu leiden haben. Ich bitte Dich, barmherziger Gott und Vater, laß dieje armen Seelen nicht büßen, was ich verschuldet habe. Nimm sie auf in die ewige Freude und schicke lieber mir zeitliche Trübsale zur Tilgung der Schuld, die sie büßen. Gott der Güte und Liebe, ich empfehle Deiner Erbarmung besonders jene verlassenen und betrübten Seelen, für die niemand auf Erden mehr betet, und deren niemand mehr in Liebe gedenkt. Ach, erbarme Dich ihrer, sie sind ja Deine Kinder und Erlöste Deines hl. Blutes. Erhöre für alle armen Seelen im Fegfeuer die Gebete, welche Deine heilige Kirche Dir heute und täglich ununterbrochen in jeder Hl. Messe darbringt. Wir sind aus uns selbst nicht würdig, erhört zu werden, aber das Opfer Deines geliebtesten Sohnes wirst Du nicht verschmähen. Lasse das kostbare Blut, welches Jesus am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat, ihre Flammen auslöschen. Siehe, o gnädiger Gott, wie sie die Hände nach Deinen Erbarmungen ausstrecken. Nimm fie auf, die um Hülfe Rufenden und führe sie in die Wohnungen der Seligen und aller lieben Heiligen Gottes, wo wir hoffen, Dich einst mit ihnen und allen 286 Deinen Auserwählten loben und preisen zu können von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 4. Kurze Ablaßgebete für die armen Seelen. Für jeden Tag des Monats, nach P. Maurel, ,, Abläffe". 1. Heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, Gott der Heerschaaren! Die Erde ist voll Deiner Herrlichkeit. Ehre sei dem Vater, Ehre sei dem Sohne, Ehre sei dem hl. Geiste. ( 100 Tage Ablaß einmal täglich.) 2. Drei Mal Ehre sei Gott dem Vater" u. f. w.( 100 Tage täglich Morgen, Mittag und Abend.) 3. Es geschehe, werde gelobt und ewig gepriesen der gerechteste, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in Allem.( 100 Tage einmal täglich.) 4. Das Kreuzzeichen mit Im Namen des Baters" 2c.( 50 Tage.) 5. Ewiger Vater! ich opfere Dir auf das kostbare Blut Jesu Christi zur Sühne für meine Sünden und für die Anliegen der hl. Kirche. ( 100 Tage jedesmal.) 287 6. Lob und Dank sei ohne End', dem allerheiligsten und göttlichen Sakrament.( 100 Tage einmal täglich.) 7. Mein Jesus Barmherzigkeit!( 100 Tage jedesmal.) 8. Jesus, mein Gott, ich liebe Dich über Alles. ( 100 Tage.) 9. O süßester Jesus, sei mir nicht Richter, sondern Erlöser.( 50 Tage jedesmal.) 10. Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.( 50 Tage jedesmal.) 11. Jesus und Maria!( Für andächtige Anrufung jedesmal 35 Tage.) 12. Lob und Dank sei ohne End', dem heiligsten und göttlichen Sakrament.( 100 Tage täglich einmal.) 13. Gelobt, angebetet und mit dankbarem Ge( müte geliebt sei das Herz Jesu im heiligsten Sakramente in jedem Augenblicke, in allen Tabernakeln der Welt bis zur Volldendung der Zeiten. Amen.( 100 Tage täg= lich einmal.) 14. Geliebt sei überall das heiligste Herz Jesu. ( 100 Tage täglich einmal.) 15. Süßes Herz meines Jesu, mache, daß ich 288 Dich immer mehr liebe.( 300 Tage einmal 001) täglich.) 17. 16. Jesu, sanft und demütig von Herzen, mache mein Herz nach Deinem Herzen.( 300 Tage.) Das Kreuz ist mein sicheres Heil, das Kreuz bete ich immer an, das Kreuz des Herrn ist mit mir, das Kreuz ist meine Zuflucht. ( 300 Tage täglich einmal.) 18. Jesus, Maria, Joseph! Euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Jesus, Maria, Joseph! stehet mir bei im letzten Todestampfe. Jesus, Maria, Joseph! möge meine Seele mit Euch im Frieden scheiden.( 300 Tage jedesmal.) 19. Erkannt, gelobt, gebenedeit, geliebt, verehrt und verherrlicht seien allezeit und überall das göttliche Herz Jesu und das reinste Herz il Mariä. Amen.( 300 Tage einmal täglich.) 20. Siehe, o mein gütiger und geliebter Jesus, in Deiner hlst. Gegenwart zu Deinen Füßen hingeworfen, bitte ich Dich flehentlich, daß Du die Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, der Reue über meine Sünden und des Vorsatzes, Dich nicht mehr zu beleidigen, in mein Herz einprägen 289 wollest, indem ich mit aller Liebe und innigem Mitleiden Deine fünf Wunden betrachte und mir vor Augen stelle, was von Dir, o mein Jesu, der hl. Prophet David gesagt hat: Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt."( Vollkommener Ablaß vor einem Kruzifir nach Beicht und Kommunion.) 21. O meine Gebieterin, o meine Mutter! Erinnere dich, daß ich dir angehöre! Bewahre mich, verteidige mich, wie dein Eigentum.( 40 Tage jedesmal.) 22. Süßes Herz Mariä sei meine Rettung.( 300 Tage jedesmal.) 23. In deiner Empfängnis, o Jungfrau Maria, bist du unbefleckt gewesen, bitte für uns den Vater, dessen Sohn Jesus du vom hl. Geiste empfangen und geboren hast. ( 100 Tage.) 24. Gepriesen sei die heilige und unbefleckte Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria!( 100 Tage.) 25. Maria, die du ohne Makel in die Welt eingetreten, erlange mir doch von Gott, daß Fegfeuer- Stimmen. 19 290 ich ohne Schuld aus derselben scheiden möge. ( 100 Tage einmal täglich.) 26. Heiliger Joseph, du Freund des heiligsten Herzens, bitte für uns!( 100 Tage täglich einmal.) 27. Engel Gottes, mein Beschüßer, dem des Höchsten Vaterliebe mich empfohlen, erleuchte, beschüße, regiere und lenke mich! ( 100 Tage jedesmal.) 28. Fünfmal fünf Vater unser und Ave für die Abgestorbenen und dazu: Ewiger Vater, wir bitten Dich für die Seelen Deiner Diener, die Du mit dem Blute Jesu Christi erlöset hast. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen, laß sie ruhen im Frieden. Amen.( 300 Tage täglich einmal.) 29. Lasset uns beten für unsern hl. Vater Papst N. R. Der Herr erhalte ihn und belebe ihn, mache ihn glücklich auf Erden und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. Ein Vater unser und Ave.( 300 Tage täglich einmal.) 30. O gütigster, die Seelen liebender Jesus, ich bitte und beschwöre Dich durch die Todes 291 angst Deines hlst. Herzens und durch die Schmerzen Deiner unbefleckten Mutter, wasche in Deinem Blute alle Sünder in der Welt, die jetzt in den Zügen liegen und heute sterben werden. Todesangst leidendes Herz Jesu, erbarme Dich der Sterbenden. ( 100 Tage jedesmal.) 5. Lieder zum Troste der armen Seelen. 1. heiligste Dreifaltigkeit. D heiligste Dreifaltigkeit! Sieh' an die armen Seelen, Die wir in ihrem schweren Leid Dir herzlich anempfehlen. Erbarme Dich, erbarme Dich, Nimm sie vom Leidensorte; Die Finsternis schließ' ewiglich, Thu' auf die Himmelspforte. O Vater der Barmherzigkeit! Sieh' an die armen Sünder; Nicht strafe nach Gerechtigkeit, Erbarm' Dich Deiner Kinder! Erbarme Dich 2c. 19* 292 O Jesu! laß Dein heil'ges Blut Für sie um Gnade sprechen! Durch Deinen Tod lösch' ihre Glut Und heile die Gebrechen! Erbarme Dich 2c. O heil'ger Geist! o Tröster Du Den Trost den Seelen spende, Gib ihnen Licht und sel'ge Ruh', Ihr ew'ges Heil vollende. Erbarme Dich 2c. D. Mutter der Barmherzigkeit! Sieh' Deiner Kinder Zähren, Die weinend in Verlaffenheit Nach deiner Hilf' begehren! Ach bitt' für sie, ach bitt' für sie Bei Gott am ew'gen Throne, Befreie sie und führe sie Zu deinem lieben Sohne. D Engel, die ihr seid bestellt Die Seelen zu bewahren, Löst, was sie noch gefangen hält, Daß sie zum Himmel fahren. Ach bittet, daß nach kurzer Zeit Sie Alle mit euch droben Den lieben Gott in Ewigkeit Einhellig mögen loben! 293 Ihr lieben Heil'gen allzugleich Die Seelen Gott empfehlet, Damit sie in dem Himmelreich Euch werden zugezählet. Ach bittet, daß 2c. 2. Herr, gib Frieden. Herr, gib Frieden diesen Seelen, Nimm sie auf zum ew'gen Licht; Gib' Erbarmen doch und zähle, Vater, ihre Mängel nicht. Gib, Herr, was Dein Sohn erworben Durch sein schweres Kreuz und Leid, Durch den Tod, den er gestorben: Gnade für Gerechtigkeit. Wasche sie mit seinem Blute, Schaff' sie neu durch sein Gebet! Dornen, Geißel, Speer und Rute Dich für sie um Gnade fleht. Auch der süßen Mutter Schmerzen Stellen wir Dir bittend vor, Wie sie mit zerriff'nem Herzen Blickt zum Kreuzesbaum empor. 294 Ach, durch dieses Sohnes Leiden, Ach! durch dieser Mutter Schmerz Vater nimm zu ew'gen Freuden Diese Seelen himmelwärts! Langsam, qualvoll geh'n die Stunden Ihrer Läuterung vorbei; Bis in Dir sie Ruh' gefunden, Fleht zu uns ihr Schmerzensschrei. Mit der Liebe heil'gem Sehnen, Wünschen sie nur Dich zu schau'n, O, so still' doch ihre Thränen, Führ' sie zu den Himmelsau'n! Und o Vater, steh' zur Seite, Daß wir Deine Wege geh'n, Und nach dieses Lebens Streite Droben all' uns wiederseh'n. 295 3. Maria, voll der Gnaden. O Maria, voll der Gnaden, Sieh, mit welcher schweren Qual Deine Kinder sind beladen In des Fegfeu'rs Jammerthal, Fleh' in mütterlicher Treu', Daß sie sei'n von Schmerzen frei. Welchen Trost gibt den Elenden Deines Namens Süßigkeit, Wenn vertrauend sie sich wenden Zu dir in dem bittern Leid, Laß vergebens sie nicht fleh'n, Laß sie nicht in Schmerz vergeh'n. Mutter, Trösterin der Betrübten, Sprich für sie ein fühnend Wort; Eil' zu retten, die dich liebten, Aus der Qualen dunklem Ort! Was die Mutter fromm begehrt, Gern wird es vom Sohn gewährt. O Maria, wer kann sagen, Daß er je verlassen war, Wenn er dir nur wollte klagen Seelen- oder Leibs- Gefahr? O so rett' die Kinder dein, Mutter, auch aus dieser Pein! 296 Ja, laß deinen süßen Namen, .D Maria, an der Schaar, Die dort büßet in den Flammen, Sich bewähren immerdar; Deine Kinder sollen schau'n, Was es hilft, auf dich vertrau'n. Inches K. Eisenring Blue 3 1 Centimetres Segfeuer- Stimmen 3 Cyan 2 14 6 17 Farbkarte# 13 4 5 3 Green 8 Yellow 19 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8