2 0 πνιπνππάì☚—„ Oe F*. 2 2 K RIIDIIIIRRRRIeeee* SDSSSSeeeeeeeeeeeeeee. 66 — ** * ö N. V * * 4 4 . 2859 3 e e e— PF FFFFFFTFTTFIFIPFIFITIFIPIFIFITFITITITITITITIPIFITFTITITFTfTTTITTITITITITITITITITITTTTIITTTIITTTTTTTTTTTTRTRTCTRCTCRCRC mill er auch Buch⸗& Kunsthandlung Herm. Tzschaschel Görlitz, Elisabethstr. I0. * 7 N ö 2 7 C 22.... J I FXV ahe 0 er 7. 0. 0. 4 9. 6577 . 701 e J. ai 4 2—2— E. 22.— 7 435 We e. 9.————— 2., 7*. 2 2— 70 V I— 8 0 u, 2 u ahe za. 2 ain ö, . Fr2 —.. ½ 47 Joamnm. XIX, 50. „OMmDTMTa Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauche in Kirche, Schule und Haus für die evangelische Gemeinde Görlitz. Görlitz. Verlag des Waisenhauses. 1867. —— Onmv.-Siol. Giess 8 2 6 727⁵ /, μμũ/)ππ⁰⁰ì—ì WW. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge; denn du 228 mein Fels und meine Burg. Psalm, 3 C J9I9‚J7 7— I—.. zur frommen Erinnerung an Inhalts⸗Verzeichniß. TDorreo Seite IX J. Allgemeine Gebetlieder, auch Lob⸗ und Dantiiederr d. 33 II. Lieder von Gott 85 A. Gottes Wesen No. 542. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung und Engel No. 73—85. III. Sünde und Erlösunndgz 686= 30 V. Adventiieben 9 115 V. Weihnachtslieder 116 4 VI. Lehramt und Wandel Fesu 1057 VMII. Passtonslieder 1388 nt VII. Ostertieder 192—221 IX. Himmelfahrt und Hintmul 77½ Berrlichteit Zeimuu X. Psingstlieder XI. Die Kirche Chrissrђ̈zmNu. 838482 XII. Das Wort Gottes 295914 XIII. Die heiligen Sacramente:315—351 A. Die heilige Taufe und Conftuntaklen No. 315—331. B. Das heilige Abendmahl No. 332 bis 351. XIV. Das Gebelr:352—359 XV. Der Tag des Herrn und ver Gottesdienst 360—-386 IV Inhalts-Verzeichniß. XVI. Die Heilsordnung A. Buße und Bekehrung No. 38⁷430 B. Glaube und Rechtfertigung No. 431 bis 452. C. Göttlicher Friede No. 453—463. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. XVIII. Trostlieder In allgemeinen Nöthen No. 632.638. XIX. Lieder für besondere Verhältnisse und Zeiten Hausstand No. 639—658. „Jahreswechsel No. 664-676. „Jahreszeiten und Ernte No. 677 bis 692. „Tageszeiten No. 693— 749. a. Morgen No. 693—723. b. Mittag No. 724— 729. c. Abend No. 730— 749. F. Wochenschluß No. 750. XX. Die letzten Dinge A. Vorbereitung auf den Tod No. 751 bis 780. „Sterbelieder No. 781— 789. „Begräbnißlieder No. 790 814. „Auferstehung und Weltgericht No. 815—829. „Ewiges Leben 830—841. 88 SS — Liturgie Alphabetisches Reniser König und Vaterland No. 659—663. No. 387—463 751—841 „Seite 697—-700 701—716 = RY ES 41 00 16 An unsere liebe Gemeinde. Seit dem Jahre 1729 besaß die hiesige evange⸗ lische Kirchengemeinde in dem„vermehrten Görlitzischen Gesangbuche“ mit dem neuen, 1793 hinzugekommenen Anhange eine reiche Sammlung von zusammen 1101 Liedern. Nachdem dieses Gesangbuch, welches, von dem hiesigen Waisenhause verlegt, demselben eine feststehende, gesicherte Einnahme gewährt, bis zum Jahre 1818 funfzehnmal aufgelegt und in den meisten Kirchen⸗ gemeinden des Görlitzer Kreises eingeführt worden war, wurde eine neue Auflage nöthig. Da reichten unter dem 4. März 1826 vierundzwanzig angesehene und christlich gesinnte Gemeindeglieder ein Gesuch an den Magistrat ein, in welchem sie die Mängel des alten Gesangbuches hervorhoben und um die Zusammen⸗ stellung einer neuen, den Bedürfnissen der Gemeinde und den Forderungen der Zeit besser entsprechenden Lieder⸗ sammlung baten. Der Magistrat ging auf dieses Ge⸗ such ein und betraute ein Mitglied des hiesigen Kirchen⸗ VI Vorrede. ministeriums, den damaligen Ordinarius, später Super⸗ intendenten und P. Prim. Dr. Mößler, mit dieser Arbeit. Daraus ging nach vielfältigen zwischen dem Königlichen Consistorium, dem Magistrate und dem Kirchenministerium gepflogenen Verhandlungen das im Jahre 1836 erschie— nene und eingeführte Gesangbuch hervor, welches nur 564 zum großen Theile sehr veränderte, abgekürzte und gänzlich umgearbeitete Lieder enthält. Fast die Hälfte derselben war dem neuen Berliner Gesangbuche von 1829 entlehnt. Als nun der Vorrath der Exemplare dieses Ge⸗ sangbuches im Jahre 1857 zu Ende ging, veranlaßte der Präses des evangelischen Kirchen-Collegiums, Herr Ober⸗Bürgermeister Richtst eig, das unterzeichnete Kirchen— ministerium, an die Redaction einer neuen, verbesserten Auflage zu gehen. Diese Arbeit wurde auch unter fort⸗ währender lebendiger Betheiligung und Mitwirkung des Herrn Präses zuerst durch eine aus drei Mitgliedern bestehende Commission, später durch das Gesammt⸗ ministerium in Angriff genommen. Allein unter den Händen wuchs und erweiterte sich der ursprüngliche Plan einer verbesserten Ausgabe zu der Zusammen⸗ stellung einer ganz neuen, selbständigen Liedersammlung, da es sich immer mehr herausstellte, daß das vorhan⸗ dene Gesangbuch weder in Beziehung auf seinen Inhalt noch auf seine Anordnung eine tüchtige Grundlage dar⸗ bot. Aus einer den ganzen deutschen Liederschatz bis auf die neueste Zeit herab berücksichtigenden Auswahl von 3000 Liedern wurden in gemeinsamer Berathung — E—&SeT. +— ⏑ Vorrede. VII über 800 zur Aufnahme bezeichnet und nach den Ru⸗ briken des neuen Württemberger Gesangbuchs zusammen⸗ gestellt, in 30 Exemplaren lithographirt und zur Prüfung und Genehmigung dem Kirchen⸗Collegium, dem Ma⸗ gistrate und dem Königlichen Consistorium zu Breslau überreicht. Das Kirchen⸗Collegium und der Magistrat erklärten sich im Juli 1864 mit dem Entwurfe einver⸗ standen, und auch das Königliche Consistorium ertheilte die Genehmigung zum Drucke unter dem 17. September 1866, nachdem auf Verlangen desselben viele nicht un⸗ wesentliche Veränderungen mit dem ursprünglichen Ent⸗ wurfe vorgenommen worden waren. Es wurden na⸗ mentlich 57 bereits aufgenommene Lieder entfernt, 77 unberücksichtigt gebliebene hinzugefügt und 236 nach der Fassung des schlesischen Kirchen- und Hausgesang⸗ buchs umgeschrieben. Nur unter dieser Bedingung wurde die Genehmigung zum Drucke ertheilt. Bei der Auswahl der Lieder, insoweit wir dar⸗ über frei verfügen konnten, haben wir uns von dem Hauptgrundsatze unsrer evangelischen Kirche leiten lassen, daß wir nur durch die Gnade Gottes in Christo Jesu selig werden, wie der⸗ selbe in der heiligen Schrift, als der einzigen Regel und Richtschnur unsers Glaubens und Lebens, ausge⸗ sprochen ist. Maßgebend war uns außerdem der dichterische Werth der Lieder. Wir haben uns bemüht, die köstlichsten Perlen der heiligen Dichtkunst aus allen Zeiten, Ländern und Zungen an einander zu reihen, VIII Vorrede. um unsrer Gemeinde das Beste, Schönste und Herr— lichste darzubieten, was aus dem Geiste unsrer frommen Sänger hervorgegangen ist. Doch haben wir hierbei keinen zu strengen Maßstab angelegt, vielmehr auch manches Lied ohne hohen poetischen Schwung auf— genommen, welches, durch seinen christlichen Geist und durch das Eingehen in die gewöhnlichen Lebensver⸗ hältnisse und Seelenstimmungen, unsrer Gemeinde so lieb geworden ist, daß sie es schmerzlich vermissen würde. Besondere Rücksicht haben wir auf die kirchliche Bedeutung und Geltung der Lieder genommen. Die alten, kräftigen Kernlieder Luthers und seiner Genossen, bis auf Paul Gerhardt und Benjamin Schmolck herab, haben deshalb die ihnen gebührende Stelle erhalten. Auch das besondere Bedürfniß unserer Görlitzer Gemeinde ist nicht außer Acht gelassen worden. Es durften ihr deshalb eine Menge von Liedern nicht vorenthalten werden, die durch das neue Gesangbuch von 1836 ihr bekannt und lieb ge— worden sind. Ebenso aber mußten auch aus dem alten Görlitzer Gesangbuche andere wieder hinzukommen, die das neue ihr genommen hatte. Aus dem reichlich fließendem Quell der neuen und neuesten Liederdichtung haben wir nur sparsam und vorsichtig geschöpft. Den ursprünglichen Wortlaut der alten Kernlieder, der in dem Gesangbuche von 1836 vielfach verändert worden war, haben wir wiederhergestellt und nur da bereits bewährte Verbesserungen aufgenommen, wo der Vorrede. IX Ausdruck uns allzuhart, ungelenk, geschmacklos, unver⸗ ständlich oder sprachlich unrichtig erschien. Einige dieser Lieder, die in einem neuen Gewande bereits ein liebes Eigenthum der Gemeinde geworden sind, durften wir ihr jedoch in dem alten Kleide nicht wieder vorführen. Nur sehr wenige Lieder haben wir in verkürzter Form mitgetheilt, theils wegen ihrer übermäßigen Länge, theils wegen des unangemessenen Inhalts ein⸗ zelner Strophen. Wir glauben dadurch den Weizen von der Spreu gesäubert, die Goldkörner vom Staube gereinigt und den Glanz manches kostbaren Kleinods eher erhöht als beeinträchtigt zu haben. So legen wir denn dieses neue Gesangbuch, an welchem wir eine Reihe von Jahren hindurch unter Gottes gnädigem Beistande fleißig und sorgfältig gear⸗ beitet haben, unserer lieben Kirchengemeinde mit treuer Liebe und vollem Vertrauen in die Hand und an das Herz. Möchte es von ihr unter gerechter Würdigung der großen Schwierigkeiten unserer Aufgabe mit gleicher Liebe und gleichem Vertrauen auf- und angenommen und gebraucht werden, in Kirche, Schule und Haus, zur Ehre Gottes des Vaters, zur Verherrlichung des Namens unseres Herrn Jesu Christi, zur Mehrung seines Reiches, zum Heile der Seelen und zur Erbauung der Gemeinde in der Kraft des heiligen Geistes, des Geistes der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Und so rufen wir euch zu mit den Worten des Apostels Paulus, Col. 3, 16. Lasset das Wort . Vorrede. Christi unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Görlitz, den 23. Februar 1867. Das evangelische Kirchen-Ministerium. Bürger, Königlicher Superintendent a. D. und Past. primarius. Haupt, Archidiaconus. Hergesell, Diaconus. Schuricht, Diaconus. Kosmehl, Diaconus. um. Past. aconus. 2 9. I. Allgemeine Gebetlieder, auch Lob⸗ und Danklieder. Mel. Christus, der ist mein ꝛc. Luc. 24, 19. 1 ch, bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List! 2. Ach, bleib mit deinem Worte Bei uns, Erlöser werth, Daß uns beid', hier und dorte, Sei Güt' und Heil beschert! 3. Ach, bleib mit deinem Glanze Bei uns, du werthes Licht; Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht! 4. Ach, bleib mit deinem Segen, Bei uns, du reicher Herr; Dein Gnad' und all's Vermögen In uns reichlich vermehr'! 5. Ach, bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht trutze, böse Welt! 6. Ach, bleib mit deiner Treue, Bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit ver⸗ leihe, Hilf uns aus aller Noth! Dr. Josua Stegmann, 1588—1632. Roch fäll' die Mel. O Gott, du frommer ꝛe. Ps. 38, 22. 23. 2 A Gott, verlaß mich nicht, Gieb mir die Gnadenhände! Ach, führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende, Zu mei⸗ ner Seligkeit! Sei du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schutz. Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht, Regiere du mein Wallen! Ach laß mich nim⸗ mermehr In Sünd' und Schande fallen! Gieb mir 1 2 J. Allgemeine Gebetlieder, den guten Geist, Gieb Glau⸗ benszuversicht. Sei meine Stärk' und Kraft. Ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf' aus Herzens⸗ grunde: Ach Höchster, stärke mich In dieser bösen Stunde! Wenn mich Versuchung plagt Und meine Seel' ansicht, So weiche nicht von mir. Ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ach, laß dich doch bewegen, Ach Vater, kröne doch Mit reichem Himmels⸗ segen Die Werke meines Amts, Die Werke meiner Pflicht, Zu thun, was dir gefällt! Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich bleibe dir er⸗ geben. Hilf mir, o großer Gott, Recht glauben, christ⸗ lich leben, Und selig schei— den ab, Zu sehn dein An⸗ gesicht. Hilf mir in Noth und Tod. Ach Gott, ver— laß mich nicht! Salomon Frank, 1669—1725. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. Pf. 121. 3 AbYise allein bei dir Steht aller Menschen Heil. Nur du kannst segnen, gieb auch mir An deinem Segen Theil. 2. Erleuchte du mir den Verstand, Was gut ist, ein⸗ zusehn, Und leite mich an deiner Hand, Den Weg des Heils zu gehn. 3. Zeuch meine Seele ganz zu dir Und deiner Liebe hin, Und mehr sei deine Gnade mir, Als irdi— scher Gewinn. 4. Lockt mich die schnöde Lust der Welt, Dann steh mir Schwachen bei, Daß ich in dem, was dir gefällt, Fest und beharrlich sei. 5. Gieb mir zu jeder guten That, Von Oben her Gedeihn Und reize mich, mit Hilf' und Rath Den Nächsten zu erfreun. 6. Die Sorge für mein irdisch Glück Werf' ich allein auf dich, Auf mir auch ruht dein Vaterblick, Ich weiß, du sorgst für mich. 7. Gieb mir ein immer fröhlich Herz, Das dich für Alles preist, Erfülle selbst im größten Schmerz Mit Frie⸗ den meinen Geist. 8. Verleih' mir bei des Lebens Last Den Trost der Ewigkeit, Bis mich, wie du verheißen hast, Vollkommne Wonn' erfreut. Johann Samnel Dieterich, 1721—1797. 4 Hin mich bete 2 du sich Ver Sol 3 Wie elen! ist wie werd 4. gabs nunf eine dir D. höchs gege den ihm 6. mein mich glei beten —* * Wisse Glück mir 2 Mich Ich mir heil. uir den st, ein⸗ lich an deg des Seele deiner hr sei Is irdi⸗ schnöde ich, mit Rächsten r mein h allein ch ruht weiß, immer dich für elbst im t Frie⸗ bei des ost der wie du kommne 721—1797. auch Lob- und Danklieder. 3 Mel. Ich dank' dir schon ꝛc. Ps. 8, 5. 4 rn der seinen Thron Im Himmel hoch erhöhet, Erhöre mich, der Erde Sohn, Der betend vor dir stehet! 2. Aus Staube schufst du mich, der Staub Soll sich zu dir erheben, Ich, der Verwesung sichrer Raub, Soll ewig bei dir leben. 3. Was ist der Mensch? Wie arm, wie bloß, Wie elend hier auf Erden! Was ist der Mensch? Wie frei, wie groß, Wie selig soll er werden! 4. Welch einen Vorzug gabst du mir, Da du Ver⸗ nunft mir schenktest, Und einen Strahl des Lichts von dir In meine Seele senktest! 5. Ja, du hast mir das höchste Pfand Von deiner Huld gegeben, Da du auch mir den Sohn gesandt, Und in ihm Heil und Leben! 6. Darum, Herr, beug ich meine Knie Vor dir, der mich erhoben! Den Engeln gleich, soll ich, wie sie, An⸗ beten dich und loben. 7. Verleih' mir nur die Wissenschaft, Mein wahres Glück zu finden, Und gieb mir Willen, Muth und Kraft, Mich selbst zu überwinden. 8. Was das Gewissen mir verbeut, Lehr' mich voll Abscheu fliehen, Und sein Gebot mit Freudigkeit Und heil'gem Ernst vollziehen. 9. Zum Mitgefühl erweck' mein Herz, Wenn meine Brüder leiden, Und laß an meines Feindes Schmerz Sich nie mein Auge weiden. 10. Im Glück und Un⸗ glück frommen Muth, Das ist's, was ich erflehe, Was du, mein Vater, willst, ist gut, Und was du willst, geschehe! 11. Nichts hilft mir aller Menschen Gunst, Den Him⸗ mel zu erwerben, Drum lehre Du mich selbst die Kunst, Einst froh in Dir zu sterben. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Nach Justus Friedrich Wilhelm Zachariä, 1726—1777. Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛc. Pf. 34, 2. uf, ihr Christen, 5. A Gott zu loben, Seine Huld und seinen Rath, Ihn, deß Macht durch tau— send Proben Sich an uns verherrlicht hat! Zwar, kein Mensch kann ihn ermessen, Gottes Gnade, welch ein Meer! Wer sind wir, und was ist er? Doch wer kann des Danks vergessen? Und 1* 4 J. Allgemeine Gebetlieder, er nimmt das Scherflein an, Das ein Armer opfern kann. 2. Preis dem Bischof unsrer Seelen! Dank dem Hirten seiner Schaar! Nie ließ er ein Gut uns fehlen, Treu nahm er der Heerde wahr. Seines Wortes kräft'ge Nahrung, Seines Geistes Unterricht, Dieses reine Him⸗ melslicht, Seines Hirten⸗ stabs Bewahrung, Welcher Segensström' Erguß! Welch ein Himmels-Vorgenuß! 3. Daß sein geist'ger Tempel stehet Auch in Stür⸗ men unversehrt, Daß sein Friede drinnen wehet, Das ist ew'gen Dankes werth. Beben seines Zions Gründe, Wenn der Geist der Sünd' und Welt Es belagert und umstellt, Wer zerstört die Macht der Sünde? Nicht der Streiter Arm' und Fleiß, Ihm, nur ihm ge— bührt der Preis. 4. Doch mit Herzensküm⸗ mernissen Kämpft der Sei⸗ nen Dankgefühl, Weil wir, ach, bekennen müssen: Wir sind ferne noch vom Ziel! Oft gedämpft durch Nichtig— keiten, Brennt des Altars Flamme nicht, Wie doch Licht von seinem Licht Sollte O, wann strahlt sein Heilig⸗ thum Ganz in fleckenlosem Ruhm? 5. Demuth schlägt die Blicke nieder, Doch giebt Glaube Zuversicht, Hebt die feuchten Augen wieder, Und die Herzen werden Licht. Nein, du kannst uns nicht verlassen, Schonest, trägest und vergiebst; Wie du un⸗ aussprechlich liebst, Das kann kaum die Seele fassen. Groß, ja, groß ist Menschenschuld, Göttlich groß ist Gottes Huld. 6. Laß vom Jüngsten bis zum Greise Zeugen deiner Kraft uns sein, Daß sie reich sich stets erweise In der Gläubigen Verein'! Wenn wir Großes schon erfuhren, Größres ist uns aufgespart, Das uns dort wird offen— bart In des Himmels sel'gen Fluren, Wo uns Alle un— verrückt Herrlichkeit in Fülle schmückt. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛc. Pj. 103, 1. 2. 6 A, zum Dank aus vollem Herzen! O, wie freundlich, Gott, bist du! Vor dir weichen Gram und Schmerzen, Und die lautren Schein verbreiten. Seele findet Ruh'. Was Ung dein dure und 2. entf mich hes Ratl die schw. in K mir! als Herr ein zogen Herr Freu du Sag Wär barr Leben ich verl Woh denkf Fried 4. vertr weis im E Mut Heilig⸗ mnlosem igt die giebt debt die r, Und Licht. 5 nicht trägest du un⸗ as kann . Groß, nschuld, Gottes züngsten Zeugen n, Daß veise In ! Wenn rfuhren, fgespart, d offen⸗ 5 sel'gen Alle un⸗ in Fülle uch, 1829. m Gott ꝛce. Dank aus rzen! O, ott, bist en Gram Und die V. Was auch Lob- und Danklieder. 5 ich bin, vermag und habe, Strömt aus deiner Fülle her; Nichts kommt mir von Ungefähr; Alles ist nur deine Gabe, Alles wird durch deine Hand Abgewehrt und zugewandt. 2. Du gebeutst und schnell entfliehet, Was mit Sorgen mich erfüllt, Und mein fro⸗ hes Auge siehet, Wie dein Rathschluß sich enthüllt. War die Hoffnung schon ver— schwunden, Sank ich schon in Kleinmuth hin, Sah vor mir mein trüber Sinn Nichts, als bange Trauerstunden: Herr, dann sprachst du nur ein Wort, Und die Wolken zogen fort. 3. Ja, was du mir, Herr, bereitest, Das ist Freude, Heil und Glück; Daß du wunderbar mich leitest, Sagt mir jeder Augenblick. Wärest du nicht mein Er— barmer, Schirmtest du mein Leben nicht, Ach, wo fänd ich Trost und Licht? Wie verlassen wär' ich Armer! Wohl mir, daß du meiner denkst, Und mir Trost und Frieden schenkst! 4. Immer will ich dir vertrauen, Dir, der Alles weislich fügt; Auf zu dir im Glauben schauen, Ob der Muth mir fast erliegt. Preis sei dir, daß ich mich freue, Der so Großes an mir thut, Und im Segnen niemals ruht; Preis sei deiner Va⸗ tertreue! Da ich sonst Nichts geben kann, Nimm mein Loblied gnädig an. 5. O, bewahr' am guten Tage Mich vor Stolz und Sicherheit! Hilf, daß ich nicht trostlos zage Auch in schwerer Prüfungszeit! Laß mich im Genuß der Freuden Fromm auf dich, den Geber, sehn, Und noch fest im Glauben stehn, Wenn sie wieder von mir scheiden. Bis mein letzter Odem flieht, Preise dich mein frohes Lied. Dr. Johann Wilhelm Reche, 1764—1835 Mel. Valet will ich dir ꝛc. Klagelieder 3, 22 ff.— Ps. 54, 8. 7 BHsche aller Wel⸗ ten, Im Staube bet ich an! Wie könnt' ich dir vergelten, Was du an mir gethan? War nicht an jedem Morgen, Gott, deine Güte neu, Und machte mich von Sorgen, Von Gram und Kummer frei? 2. O Gott, wie viele Sünden Hast du mir schon verziehn! Ach, laß mich Gnade finden, Und segne mein Bemühn, Mich selber zu bezwingen, Zu thun, was 9 J. Allgemeine Gebetlieder, dir gefällt, Das Kleinod zu erringen, Das ew'gen Werth behält. 3. Gott, alle meine Tage Sind Zeugen deiner Huld! Wie oft traf eine Plage Mich nur aus eigner Schuld! O möchte doch dein Segen, Der mich bisher erfreut, Mich dringen und bewegen Zu thät'ger Dankbarkeit! 4. Gieb, daß ich dir vertraue, Der du die Liebe bleibst, Auch wann du mich auf rauhe Und steile Pfade treibst. Wenn in Gefahr und Schmerzen Mein Geist will muthlos sein, So flöße meinem Herzen Geduld und Hoffnung ein. 5. Zum Besten soll mir dienen Das Leiden dieser Zeit. Noch ist sie nicht er— schienen Die große Herrlich— keit Und Wonne, die die Deinen Dereinst beglücken soll; Sie säen unter Wei⸗ nen, Und ernten freudenvoll. Eberhard Friedrich Prinz von Hohenlohe⸗ Kirchberg, 1737—1804. Mel. Sei Lob und Ehr' ꝛe. 1. Sam. 7, 12. ö 8 Bie hierher hat mich Gott gebracht Durch seine große Güte, Bis hier— her hat er Tag und Nacht Bis hierher hat er mich ge⸗ leit't, Bis hierher hat er mich erfreut, Bis hierher mir geholfen. 2. Hab' Lob, hab' Ehr', hab' Preis und Dank Für die bisher'ge Treue, Die du, o Gott, mir lebenslang Bewiesen täglich neue. In mein Gedächtniß schreib' ich an: Der Herr hat Viel an mir gethan, Bis hierher mir geholfen. 3. Hilf fernerweit, mein treuster Hort, Hilf mir zu allen Stunden, Hilf mir an all und jedem Ort, Hilf mir durch Jesu Wunden, Damit ich sag' bis in den Tod: Durch Christi Blut hilft mir mein Gott, Er hilft, wie er geholfen! Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, 1637—1706. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Lue. 24, 29. 9. leibe, bleibe, Herr, bei mir, Denn es will nun Abend werden! Sieh, es zieht mich hin zu dir. Meine Stätt' ist nicht auf Erden, Nur bei dir ist Fried' und Ruh', Meine Burg, mein Fels bist du! 2. Ist mein Tagewerk vollbracht, Nahen mir des Bewahrt Herz und Gemüthe. Todes Schrecken, Wer wird Seel im! du Steh Bleib mir, bei d Dr. Jo Mel. mein nir zu nir an ilf mir Damit Tod: Ift mir wie er Schwarz⸗ 06. rsicht ꝛc. „Herr, Denn verden! hin zu st nicht dir ist e Burg, agewerk nir des er wird auch Lob- und Danklieder. 7 in der bangen Nacht, Mich mit starkem Schild bedecken? Wer im Kampf zur Seite stehn, Und mit Kühlung mich umwehn? 3. Du, mein Heiland, du allein Hilfst mir mit dem Tode ringen, Du wirst in der größten Pein Mich mit deinem Arm umschlin— gen. Wenn mir Niemand helfen kann, Nimmst doch du dich meiner an. 4. O du Freund der Seelen, sei Mir nicht fern im letzten Streite! Mache du mich stark und frei, Stehe tröstend mir zur Seite! Bleibe, bleibe, Herr, bei mir, All mein Hoffen steht bei dir! Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. Mel. Nun lob' mein' Seel' ꝛc. Ps. 104, 33. 10 Den Name werd' * erhoben, Gott, Vater der Barmherzigkeit! Du, der mir stets von Oben Auf meine Bitte Kraft ver⸗ leiht! Mein Wollen und Vollbringen Kommt, Höch— ster, nur von dir. O, send' in allen Dingen Auch ferner Hilfe mir, Daß ich das Meine thue Im Namen Jesu Christ, Bis deines Volkes Ruhe Mein Theil auf ewig ist! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Jesu Leiden, Pein und ꝛc. Offenb. 4, 8. 11 Denn; o Gott, soll ewig sein Dank und Preis und Ehre, Ruhm und Herrlichkeit ist dein. Erd' und Himmel höre: Heilig, heilig, heilig ist, Der uns Alles giebet, Der die Seinen nie vergißt, Sie als Vater liebet. 2. Laß, o Vater, lebens⸗ lang Uns einander geben — Du mir Gnade, ich dir Dank, Ich dir Lob, du Leben, Du dich mir, und ich mich dir, Ich dir mein Vertrauen, Du mir Muth und Trost dafür, Hoffnung, dich zu schauen. Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarz⸗ burg-⸗Rudolstadt, 1637-1706. Eigene Melodie. Jerem. 29, 12. 12 Der du das Loos von meinen Ta⸗ gen Und meines Lebens Glück und Plagen Mit Güt' und Weisheit mir bestimmt, Dir, Gott, dank' ich mit frohem Herzen, Das seine Freuden, seine Schmerzen Aus dei— nen Segenshänden nimmt. 2. Du hast im Lauf von meinem Leben Mehr Glück, als Leiden mir gegeben, Mehr Guts, als ich verdient, 8 J. Allgemeine Gebetlieder, beschert. Muß ich den Abend lang auch weinen, Läßt du mir doch die Sonne schei⸗ nen, Wann kaum der Mor⸗ gen wiederkehrt. 3. Soll ich nach deinem Wohlgefallen Durch mancher Prüfung Enge wallen, Die Fleisch und Blut mir schwe— rer macht; So darf mein Herz doch nicht verzagen. Ich weiß, du bist bei mei⸗ nen Plagen Stets auf mein wahres Wohl bedacht. 4. Selbst aus des Lebens Bitterkeiten Weißt du mein Glück mir zu bereiten, Und schaffst aus Finsternissen Licht. Du bahnst vor mir die rauhen Stege, und lei— test mich auf meinem Wege, Wenn Licht und Leitung mir gebricht. 5. Drum soll vor dir mein Herz sich stillen. Ich weiß, daß ohne deinen Willen Kein Haar von mei— nem Haupte fällt. Auf dich allein kann ich ver— trauen, Und meiner Zukunft Hoffnung bauen In dieser unbeständ'gen Welt. 6. Ja, Herr, es sei mein ganzes Leben Bloß deiner Leitung übergeben, Bis die— ser Leibesbau zerbricht. Ob Berge fallen, Hügel weichen, Und Welten sich zum Ein⸗ sturz neigen, So weicht doch deine Gnade nicht. Johann Samuel Patzke, 1727—1787. Mel. Vom Himmel hoch ꝛe. Ps. 32, 11. 13 Dic Herr und Va⸗ . ter aller Welt, Preist mein Gesang, und dir mißfällt Des Menschen. stammelnd Danklied nicht, Mein Gott und meine Zu⸗ versicht! 2. Vom Mutterleib' an warst du es. Wie freut sich meine Seele deß, Daß du auch mir ein Vater bist, Der seines Kindes nie vergißt. 3. Du warst, der Lang⸗ muth mir erwies, Wenn ich den rechten Pfad verließ, Und stürmte Trübsal auf mich zu, So fand ich bei dir Trost und Ruh'. 4. Herr, dessen Augen stets mich sahn, Du machst auf meiner Pilgerbahn Für mich so viele Freuden blühn, Durch Wohlthun mich zu dir zu ziehn. 5. Du bist und warest immerdar Mein Schutz, mein Retter in Gefahr, Der Stif⸗ ter meines Wohlergehns Und der Erhörer meines Flehns. 6. Wie oft entfernt' ich mich von dir! Doch du, Mel. d Va⸗ Welt, und ischen nicht, Zu⸗ — freut Daß bist, ergißt. Lang⸗ nn ich erließ, lauf ch bei Augen machst nFür blühn, ch zu warest „mein Stif⸗ gehns neines it' ich ha du, auch Lob- und Danklieder. 9 du bliebest Vater mir, Der, wenn ich reuvoll wieder kam, Auch mir voll Huld ent— gegen kam. 7. Unzählbar sind und täglich neu Die Proben dei— ner Vatertreu'. Dir rinnt, o Gott, der gern erfreut, Die Thräne meiner Dank— barkeit. 8. Nimm, da ich's nicht vergelten kann, Gehorsam statt des Opfers an. Mein Leben müsse Zeuge sein: Ich sei dir dankbar, ich sei Dein. Christoph Friedrich Neander, 1723—1802. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛe. 1. Petr. 4, 13. Hebr. 2, 17. 18. 14 Di dankt mein — Herz, dir jauchzt mein Lied, Dein freut mein Glaube sich! Im Himmel, den mein Aug' einst sieht, Lebst, Heiland, du für mich. 2. Du hast dies Thränen⸗ thal gesehn, Wo ich ein Pilger bin; Dort, wo du jetzo thronest, gehn Des Pilgers Wege hin. 3. Auf Erden warst du auch geprüft Durch Kummer, Angst und Weh;: O Trost, wenn ich in Angst vertieft, Durch schwere Proben geh'! 4. Ich weiß, voll Mitleid neigst du dich Zu deiner Brüder Schmerz; Wär' Alles fühllos gegen mich, Nie wird's dein göttlich Herz. 5. Herr, nirgends find' ich eine Lieb' Wie deine, nah' und fern: Du liebst bis in den Tod; o gieb, Daß ich's recht glauben lern'. 6. Der Liebe unerhörte Macht,— Für wen hat sie so treu Den Kampf mit Welt und Tod vollbracht? Für mich,— nun werd' ich freil 7. Ich fürchte Nichts, so lang' ich Ruh' In deiner Gnade find'; Dein Geist ruft meinem Herzen zu: „Sieh, du bist Gottes Kind!“ 8. Bricht dann die Trüb— sal bei mir ein, So tröst' ich mich mit dir Und spreche: „Ich bin nicht allein, Der Vater ist bei mir!“ 9. Was ich noch kämpfe, bahnet mir Den Weg zum Himmelreich; Du machst mich erst im Kampfe dir Und dann im Siege gleich. 10. Einst zieh' ich mit dem Sterbekleid Mein Elend alles aus; Mein Schmuck wird deine Herrlichkeit, Mein Ort des Vaters Haus; 11. Mein Umgang aller Himmel Heer, Die Wonne mein Gefühl, Mein Tag⸗ 10 IJ. Allgemeine Gebetlieder, werk ewig Preis und Ehr', Die ich dir bringen will. Johann Gottfried Schöner, 1749—1818. Mel. Ich singe Dir mit ꝛce. Pf. 36, 6. 1 5 D; bist's, dem Ehr' und Ruhm ge— bührt, Und dies, Herr, bring' ich dir! Mein Schicksal hast du stets regiert, Und stets warst du mit mir. 2. Wenn Angst und Noth sich mir genaht, So hörtest du mein Flehn Und ließest mich, nach deinem Rath, Hilf' und Errettung sehn. 3. Wenn ich in Schmerz und Krankheit sank, Und rief: „Herr, rette mich!“ So halfst du. Dich erhebt mein Dank, Denn ich genas durch dich. 4. Betrübte mich des Fein⸗ des Haß, So klagt' ich dir den Schmerz. Du halfst mir, daß ich ihn vergaß, Und gabst Geduld ins Herz. 5. Wenn ich den rechten Pfad verlor, Mich schuldbe— laden sah, Rief ich zu dir, mein Gott, empor, Und Gnade war mir nah'. 6. Seufzt' ich im Leiden: „Herr, wie lang'? Hast du dich weggewandt?“ War mir um Trost und Hülfe bang', So half mir deine Hand. 7. Er half, noch hilft er stets, der Herr, Denn er ist fromm und gut. Aus der Versuchung rettet er, Und giebt zur Tugend Muth. 8. Herr, für die Leiden dank' ich dir, Dadurch du mich geübt, Und für die Freuden, welche mir Dein milder Segen giebt. 9. Dir dank' ich, Herr, daß die Natur Mich nährt und mich erfreut. Ich schau' in jeder Creatur, Gott, deine Freundlichkeit. 10. Ich danke dir für deinen Sohn, Der für mich Sünder starb, Und der zu deinem Gnadenthron Den Zugang mir erwarb. 11. Lobt Gott in seinem Heiligthum, Erheb' ihn, Volk des Herrn! Die Erd' ist voll von seinem Ruhm, Er hilft und rettet gern. 12. Er hilft und läßt die Traurigkeit Uns bald vorübergehn, Will uns nach kurzer Prüfungszeit um v0 ew'gen Glück erhöhn. 13. Vergiß nicht Seele, deinen Gott, Und was er dir gethan; Verehr' und halte sein Gebot, Und bet' ihn ewig an. Mu. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. ft er er ist der Und eiden ch du die Dein Herr, nährt schau deine für mich er zu Den einem Volk t voll hilft läßt bald nach Zum Seele, as er und d bet' ellert,‚ auch Lob- und Danklieder. 11 Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛc. Pred. 9, 12. 16 Da kennst die rechte 2 Zeit, ich weiß sie nicht. Drum gieb, o Gott, mir deiner Weisheit Licht, Daß, was ich in dem Her⸗ ren hier vollbringe, Mir wohl gelinge. 2. Du kennst die rechte Drum lehre üben mich des Kindes Pflicht, Und mit dem innig, seligen Vertrauen Auf dich nur schauen. 3. Du kennst die rechte Zeit, ich weiß sie nicht. Drum laß, wenn einst mein sterbend Auge bricht, Getrost und freudig dieses Leibes Leben Zurück dir geben. Zeit, ich weiß sie nicht. Leopold Haupt, geb. 1797. Litanei. Dan. 9, 19. 17 wiger, 2 Erbarme dich! Herr, Herr, Gott, Erbarme dich! Ewiger, Erbarme dich! Herr, Gott Vater, du Schöpfer, Herr, Gott Sohn, du Mittler und Erlöser, Herr, Gott heil'ger Geist, du Beistand und Tröster, Erbarme dich über uns! Ach, wir sind Sünder! Verschon' uns, Herr, Herr, unser Gott! Doch wir sind dir versöhnt! So hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! N Vor Irrthum und der Spötter Gift, Vor Sünden und des Lasters Macht, Vor Leichtsinn, Stolz, Sicherheit und Trägheit, Vor der Verführung Reiz und Trug, Vor Zwietracht, Aufruhr und Empörung, Vor Krieg, Gewalt und Blutvergießen, Vor Hagel, Feuer und Wassersnoth, Vor Theurung und ansteckenden Krankheiten, Vor schnellem Tod in unsren Sünden, Vor dem ewigen Tod, 12 I. Allgemeine Gebetlieder, Behüt' uns, Herr, Herr, unser Gott! Durch deine Vaterhuld, Erbarmer, Durch deine Liebe, Sohn Gottes und Erlöser, Durch Alles, was du für uns thatst und littst, Durch deinen Tod am Kreuze, Durch dein Auferstehen, Durch deine Herrschaft auf dem Throne des Vaters, In jeder Noth, die wir empfinden, Wenn Niemand retten kann, als du, Hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Wir Sünder bitten dich, Du wollest uns erhören, Herr, Herr, unser Gott! Und deine Kirche schützen, segnen und erweitern, Alle Lehrer in der Wahrheit und des Lebens Reinigkeit erhalten, Wollest deines Geistes Kraft zum Unterrichte geben, Durch dein Wort die Welt erleuchten und verbessern, Die Irrenden zurück auf deine Pfade leiten, Allen Spaltungen und Aergernissen wehren, Den Leidenden Erquickung, Trost und Hilfe senden, Deinem Evangelio den Sieg wider Unglauben und Aber— glaͤuben verleihen, Kaiser, Könige und Fürsten mit Eintracht und mit glück— licher Regierung segnen, Unsren König mächtig schützen und erhalten, Und Heil und Macht und jedes wahre Glück ihm schenken, Und Sieg im Kampf für unsre Wohlfahrt geben, Unsrer Herrschaft Gutes thun, und segnen Alle, die ihr dienen, Unsrem Rath und der Gemeinde helfen und sie behüten, Das ganze Vaterland beschirmen und beglücken, Den Müttern und den Säuglingen Gedeihen, Kraft und Leben schenken, Unsre Jugend früh mit deiner Furcht erfüllen, Die Unterdrückten retten und befreien, Der Kranken und Verlaßnen dich annehmen, Der Wittwen und der Waisen Versorger und Vater sein, Unsren Feinden verzeihen und sie bekehren, igkeit sein, auch Lob- und Danklieder. Aller Menschen dich erbarmen, Des Landes Früchte bewahren und sie vermehren, Unsren Bergbau, Handel und Gewerbe segnen, Und unser Flehn aus Gnaden stets erhören, Erhör' uns, Herr, Herr, unser Gott! O Jesu Christe, Gottes Sohn, Erbarme dich über uns! O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt, Erbarme dich über uns! O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt, Erbarme dich über uns! O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt, Verleih' uns steten Frieden! Herr, Herr! Erhöre uns! Ewiger, Erbarme dich! Herr, Herr, Erbarme dich! Ewiger, erbarme dich unser! Amen. Aus dem Lateinischen, von Dr. Martin Luther, 1483— 1546. Mel. Aus tiefer Noth ꝛe. Ps. 4., 2. ott, üder du 18. G unser Vater bist, Im Himmel hoch er— hoben, Und schauest, was auf Erden ist, Von deinem Throne droben; Herr, unser Trost und Zuversicht, Ver⸗ wirf das Flehn der Deinen nicht, Erhör' uns, deine Kinder. 2. Preis dir, deß Name heilig ist. Laßt uns ihm Ehre geben, Wie groß und bist, wunderbar du Mit Freudigkeit erheben, Erken⸗ nen deine Macht und Treu, Dir dienen ohne Heuchelei, Im Geist und in der Wahr— heit. 3. Gieb uns in deinem Gnadenreich Des heil'gen Geistes Gaben, Daß wir mit deinem Wort zugleich Glaub', Lieb' und Hoffnung haben. Der Sünde Reich und Macht zerstör', Schütz' deine Kirch' und sie vermehr' In Einigkeit und Frieden. 4. Wie in dem Himmel für und für, Gescheh' dein ö x 14 I. Allgemeine Gebetlieder, Will' auf Erden, Daß unser Wille und Begier Dadurch gebrochen werden; Verleih' uns, Herr, in Freud' und Leid Ein ruhig Herz, daß jederzeit Dein Rath uns wohlgefalle. 5. Gieb unser täglich Brot uns heut' Durch Ar— beit unsrer Hände, Und was hier wahrhaft uns erfreut, Uns mildiglich zuwende, Gieb fromme Ob'ren, Fried' und Heil, Auch Jedem sein bescheiden Theil, Und daß daran uns g'nüge. 6. Vergieb uns gnädig alle Schuld, Womit wir sind beladen, Trag' fernerhin uns, mit Geduld, Und nimm uns an zu Gnaden; hilf uns, daß wir dir ähnlich sei'n, Von ganzem Herzen auch verzeih'n Dem Nächsten seine Fehler. 7. Herr, in Versuchung führ' uns nicht, Laß uns nicht unterliegen; Gieb uns die Kraft, die uns gebricht Das Böse zu besiegen; Doch ist die Prüfung für uns gut, So gieb durch deinen Geist uns Muth, Gieb Freudigkeit und Stärke. 8. Von allem Uebel, aller Noth Woll'st du uns, Herr, erlösen; Hilf uns im Leben und im Tod, Befrei' uns von dem Bösen; Und wenn uns Kreuz und Trübsal plagt, Gieb, daß wir froh und unverzagt Des Glaubens Ziel erreichen. 9. Dies Alles, Vater, werde wahr, Du wollest es erfüllen; Erhör' und hilf uns immerdar Um Jesu Christi willen! Denn Dein o Herr, ist allezeit Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Das Reich, die Macht, die Ehre. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛc. Col. 1, 12. 19 6¹⁰⁵ Vater, deine Gnade sei ge⸗ priesen, Die du durch deinen Sohn uns hast erwiesen, Durch ihn, der, um ein Hei⸗ land uns zu werden, Erschien auf Erden. 2. Dank dir für Alles, was er uns will geben, Dank für das Licht, die Kraft, den Trost, das Leben, Dank für die Ruhe, für den Himmelsfrieden Dort und hienieden. 3. Laß uns im finstren Thal nicht länger weilen, Laß hin uns auf die heil⸗ gen Berge eilen, Wo Christus auf uns harrt, von allem Bösen Uns zu erlösen. 4. Führ' uns zu ihm, dem Tilger unsrer Schmer⸗ zen, Gieb seinen Freudengeist den je voller Hand spende oder Als S dir. 3. durch in Al unbed In de 4. klug Sinn Alles, In 1 5. Gnad im He Wort meine Schild 6. dein froh bens ater, st es hilf Jesu Dein Von Das Ehre. 1829. as ꝛ0. deine ei ge⸗ deinen iesen, uHei⸗ schien Alles, geben, „ die eben, ir den und nstren eilen, heil⸗ ristus allem ihm, hmer⸗ ngeist auch Lob- und Danklieder. 15 in unsre Herzen, Laß weder Welt noch Tod, nicht Lust noch Leiden Von ihm uns scheiden. Leopold Haupt, geb. 1797. Mel. Vom Himmel hoch da ꝛc. Luc. 11, 9. 10. ott, Vater in 20. dem Himmel, sprich Dein Wort des Segens über mich, Daß ich im Frie— den jeden Tag Beginnen und vollenden mag. 2. Herr! was mir deine Hand bestimmt, Was sie mir spendet oder nimmt, Glück oder Weh', das gelte mir Als Segen und Geschenk von dir. 3. Gieb mir ein Herz, durch Gnade fest, Das dich in Allem walten läßt Und unbedingt mit Kindesmuth In deinem Vaterwillen ruht. 4. Hilf, daß ich züchtig, klug und treu In Worten, Sinn und Werken sei, Und Alles, was zur Sünde räth, In mir besiege durch Gebet. 5. Laß deines Sohnes Gnadenschein Beständig mir im Herzen sein; Sein Leben, Wort und Kreuzesbild Sei meiner Seele Sonn' und Schild. 6. Fällt mir ins Herz dein Lebenswort, Dann wirke du, daß es sofort, Im Inn'ren aufkeimt, Wur⸗ zel schlägt, Und Frucht für dich und Andre trägt. 7. Bedroht mich Trübsal und Gefahr, So rette Du mich immerdar; Und laß mich, wenn ich Hilfe fand, Demüthig küssen deine Hand. 8. Sinkt aus der Hand mein Wanderstab, Geh' ich ins finstre Thal hinab, So nimm, o Gott, mein Heiland, dann Dich meiner Seele herz⸗ lich an. 9. Schenk' mir im letzten Augenblick Ein Vorgefühl von jenem Glück, Das du nach Tageshitz' und Last Den Deinen dort bereitet hast. Samuel Gottlieb Bürde, 1753—1831. Mel. Gott des Himmels ꝛc. Jos. 24, 16. 21 6•¹•j von dir 5 hab' ich mein Leben, Von dir hab' ich Leib und Geist, Du hast Alles mir gegeben, Menschen— vater sei gepreist. Du bist meine Zuversicht, Dich, mein Schöpfer, laß ich nicht! 2. Jesu, du hast meine Sünde An dem Kreuze selbst gebüßt, Daß nun mir, als seinem Kinde, Gott, dein Vater, gnädig ist. Du bist 16 J. Allgemeine Gebetlieder, meine Zuversicht, Dich, mein Jesu, laß ich nicht! 3. Heilger Geist, du hast die Schätze Mir in deinem Wort gezeigt, Und mein Herze zum Gesetze, Und zum süßen Trost geneigt. Du bist meine Zuversicht, Heil'ger Geist, ich laß dich nicht! 4. Ach, mein Gott, du hast vor Vielen Mich zum Wunder dargestellt! Worauf deine Wege zielen, Das ver⸗ birgst du vor der Welt. Du bleibst meine Zuversicht, Dich, mein Vater, laß ich nicht! 5. Mit dir hab' ich an— gehoben, Mit dir schließ' ich meinen Lauf; Dort will ich dich ewig loben, Darum nimm mich zu dir auf. Dich, mein Heil und Zuversicht, Laß ich auch im Tode nicht. M. Gottfried Hoffmann, 16581712. Mel. Schmücke dich ꝛe. Ps. 73, 25. 26. ott, vor dem die 22. G Engel knieen Und in hoher Andacht glü— hen, Du erlaͤubst auch mir, zu beten, Kindlich vor dich hinzutreten, Und du blickst, wie Väter pflegen, Liebreich deinem Kind entgegen; Ja, du giebst, noch eh' ich flehe, Mir schon mehr, als ich ver— stehe. 2. Dennoch höre, Vater, höre, Was ich demuthsvoll begehre: Eifriger möcht' ich entbrennen, Dich zu suchen, dich zu kennen; Daß mich, wo ich immer lebe, Deine Herrlichkeit umschwebe, Und ich dich bei Freud' und Schmerzen Immer hab' in meinem Herzen. 3. Christus bleibe meine Freude, Daß ich nie von ihm mich scheide, Der durch Leben und durch Sterben Mich er— löste vom Verderben; Daß auch, wenn der Frevler Rot— ten Ueber seine Lehren spot⸗ ten, Niemand je den Ruhm mir raube, Daß ich treulich lieb' und glaube. 4. Deinen Geist, der Gläub'gen Führer, Gieb auch mir, Gott, zum Regierer, Daß ich stets den Pfad er⸗ wähle, Der zum Heil führt meine Seele; Daß ich ernst nach Wahrheit ringe, Und der Sünde Macht bezwinge, In des Geistes Kraft und Freude Fröhlich sei, auch wenn ich leide. 5. Willst du, Herr, in diesem Leben Auch noch Ir⸗ disches mir geben, So er⸗ halt' mir Muth und Kräfte, Segne des Berufs Geschäfte, Daß ich, Dürftige zu laben, Ferner mög' ein Scherflein —— haben ner T Lieb' Neu mein Herr, was 3. Ach, nicht deine Gnad 4. Wie l und 0 stets Wege Dann schwe dein, von 1 6. Gestä dem und dich, Sege Vater, hsvoll ht' ich uchen, mich, Deine „Und und b' in meine on ihm Leben lich er⸗ Daß 'r Rot⸗ spot⸗ Ruhm treulich „ der eb auch egierer, fad er⸗ führt h ernst „Und winge, ft und auch rr, in sch Ir— 5o er⸗ Kräfte, schäfte, laben, erflein auch Lob- und Danklieder. 17 haben, Und im Kreise dei⸗ ner Treuen Friede mich und Lieb' erfreuen. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. O Traurigkeit ꝛc. Ps. 106, 4. 23 gerr, denk an mich! 2 5 Wie oft hab' ich Mit Sünden dich verachtet! Sieh die Seele gnädig an, Die nach Hilfe schmachtet. 2. Herr, denk' an mich! Es jammre dich Dies Elend, mein Erbarmer! Dächtest, Herr, du meiner nicht, Ach, was wär' ich Armer! 3. Herr, denk' an mich! Ach, ewiglich Kannst du mich nicht vergessen! Wer kann deine Freundlichkeit, Deine Gnad' ermessen. 4. Herr, denk' an mich! Wie leicht kann ich In Sünd' und Elend fallen! Laß mich stets an deiner Hand Deine Wege wallen. 5. Herr, denk' an mich! Dann nahe sich Die Stunde schwerer Leiden. Bin ich dein, o, was vermag Mich von dir zu scheiden! 6. Herr, denk' an mich! Gestärkt durch dich Geh' ich dem Tod entgegen. Tod und Grab wird mir durch dich, Jesu Christ, zum Segen. 7. Herr, denk' an mich! Dann will ich dich für deine Huld erheben, Wenn du mir das Paradies Wirst aus Gna⸗ den geben. Nenes Görlitzer Gesangbuch, 1836. Eigene Melodie. Jes. 6, 3. 24 err Gott, dich . loben wir, Herr Gott, wir danken dir; Dich, Gott Vater in Ewigkeit Eh⸗ ret die Welt sehr weit und breit. All' Engel und Him⸗ melsheer', Und was dienet deiner Ehr', Auch Cherubim und Seraphim Singen im⸗ mer mit hoher Stimm': Hei⸗ lig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott, der Herre Zebaoth! 2. Dein' göttlich' Macht und Herrlichkeit Geht über Himmel und Erden weit. Der heiligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Pro⸗ pheten all', Die theuren Märt'rer allzumal, Loben dich, Herr, mit großem Schall. Die ganze werthe Christenheit Rühmt dich auf Erden allezeit. Dich, Gott Vater im höchsten Thron, Deinen rechten und ein'gen Sohn, Den heil'gen Geist und Tröster werth Mit 2 18 J. Allgemeine Gebetlieder, rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ew'ger Sohn du bist! Der Jungfraun Leib nicht hast verschmäht, Zu'rlösen das menschlich' Geschlecht. Du hast dem Tod zerstört sein' Macht Und all' Christen zum Himmel bracht. Du sitz'st zur Rechten Gottes gleich, Mit aller Ehr' ins Vaters Reich. Ein Richter du zu— künftig bist Alles, was todt und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit dein'm theur'n Blut erlöset sein! Laß uns im Himmel haben Theil Mit den Heile gen in ew'gem Heil. Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, was dein Erbtheil ist; Wart' und pfleg' ihr'r zu aller Zeit Und heb' sie hoch in Ewigkeit! 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich, Und ehr'n dein'n Namen stetiglich. Behüt' uns heut, du treuer Gott, Vor aller Sünd' und Missethat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, Sei uns gnädig in aller Noth. Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu dir steht. Auf dich hoffen wir, lieber Herr; In Schanden laß uns nim⸗ mermehr! Amen. Te Deum laudamus, von Ambrosius. + 3⁵73 405 423 von Dr. Martin Luther, 1483—1546 Eigene Melodie. Pf. 25, 16 25. 9* Jesu Christ, dich zu uns wend', Dein'n heil'gen Geist du zu uns send'! Mit Hilf' Imd Gnad' er uns regier', Und uns den Weg zur Wahrheit führ'! 2. Thu' auf den Mund zum Lobe dein, Bereit' das Herz zur Andacht fein! Den Glauben mehr', stärk' den Verstand, Daß uns dein Nam' werd' wohl bekannt; 3. Bis wir singen mit Gottes Heer:„Heilig, heilig ist Gott der Herr!“ Und schauen dich von Angesicht In ew'ger Freud' und sel'gem Licht! 4. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn', Dem heil'gen Geist in einem Thron! Der heiligen Dreifaltigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm II., Herzog zu 2. i Weimar, 1598—-1662 Mel. Aus tiefer Noth schrei ꝛce. Pf. 40, 5. 26. Rerr, wie du willst, 5⁰⁰ schicks mit mir Im 1—— und im Ster⸗ s nim⸗ Umbrosius. in Luther, Christ, u uns n Geist it Hilf' regier', g zur Mund it' das 1 Den ' den 5dein kannt; in mit heilig Und igesicht sel'gem Vater eil'gen Der t Sei igkeit! achsen⸗ hrei ꝛe. willst mit Ster⸗ auch Lob- und Danklieder. 19 ben; Allein zu dir steht mein' Begier, Herr, laß mich nicht verderben. Erhalt' mich nur in deiner Huld; Sonst, wie du willst, gieb mir Ge— duld; Dein Will', der ist der beste. 2. Zucht, Ehr' und Treu' verleih' mir, Herr, Und Lieb' zu deinem Worte, Behüt' mich, Herr, vor falscher Lehr', Und gieb mir hier und dorte, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend' ab all' Ungerechtigkeit In mei— nem ganzen Leben. 3. Soll ich einmal nach deinem Rath Von dieser Welt abscheiden, Verleih' mir, Herr, nur deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freu— den. Mein Leib und Seel' befehl' ich dir, O Herr, ein selig End' gieb mir Durch Jesum Christum! Amen. Dr. Caspar Bienemann, 1540—1591. Mel. O Gott, du frommer ꝛe. Matth. 6, 33. 27 ů erzallerliebster * Gott, Der du mir dieses Leben, Leib, Seele und Vernunft Aus Gnaden hast gegeben, Regiere ferner mich Durch deinen guten Geist, Daß er in allem Thun Mir Kraft und Beistand leist'! 2. Hilf, daß ich allezeit Des Fleisches Lüste meide, Hingegen emsiglich Des Gei— stes Werke treibe, Und gute Ritterschaft Ausübe, auch dabei In Hoffnung immer stark Und fest gegründet sei. 3. Gieb, daß ich als ein Christ, Wie Christus mich bezeige, Und meine Ohren stets Zu seiner Lehre neige; Im Glauben stärke mich, Daß ich der argen Welt Nicht folge, wenn sie mich Von deinem Wort abhält. 4. Entzünde du mein Herz Mit deiner wahren Liebe, Und gieb, daß ich zu⸗ gleich Am Nächsten Liebe übe. Verleihe mir Geduld, Wenn Trübsal bricht herein, Und hilf, daß ich im Glück Demüthig möge sein. 5. Verleihe, daß ich stets Nach deinem Reiche ringe, Auf daß dein Segen reich Zu mir herunter dringe: Wer nach dem Ewigen Vor allen Dingen tracht't, Der wird auch wohl mit dem, Was zeitlich ist, bedacht. 6. Haß, Falschheit, Ueber⸗ muth Und Heuchelei darne— ben Laß ja an mir nicht sein In meinem ganzen Le⸗ ben; List, Unrecht, Frevel, Geiz, Und Unbarmherzigkeit, 2* I * 20 J. Allgemeine Gebetlieder, Sei ferne weg von mir, O Gott, zu aller Zeit! 7. Mit deiner rechten Hand, Herr, wollest du mich leiten Und schützen Tag und Nacht, Daß meine Tritt' nicht gleiten; Du wollest meine Burg Und Schutz, in Nöthen sein, Wenn ich in meinem Amt, Ausgehe oder ein. 8. Zuletzt erlöse mich Von allem Kreuz und Leiden, Und wenn ich einmal soll Von dieser W Velt abscheiden, So steh, o Herr! mir bei Mit deiner Gnadenhand, Und führe mich hinauf, Ins rechte Vaterland. Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. Mel. Sei Lob und Ehr' ꝛc. Ps. 103, 1—5. 28 inauf, mein Herz, * 5 vor Gottes hron Ein neues Lied zu iuen Hinauf, dem Vater und dem Sohn, Lob, Ehr' und Preis zu bringen! Er⸗ hebe dich im heil'gen Geist Zu ihm, den Erd' und Him⸗ mel preist, Zu dem dreiein gen Gotte. Er will den Tod des Sünders nicht, Und hat nur Lust am Leben, Drum hat er Alles, was gebricht, Im Sohn uns dargegeben; Dies Erbgut ist nun unser Theil, Gerechtigkeit und Fried' und Heil Und Seligkeit ohn' Ende. Er führt die Seinen väterlich Durch Fährlichkeit und Schrecken, Und will sie nun und ewiglich Mit star⸗ kem Schild bedecken. Ob Sünde, Tod und Hölle dräun: Sie sind und blei⸗ ben dennoch sein. Wer mag sie ihm entreißen?— 4. Auch mich hat er als Kind erwählt Vor Anbeginn der Welten, Die Haar' auf meinem Haupt gezählt, Wie soll ich ihm vergelten? Wo⸗ hin gerührt mein Blick sich lenkt, Woran entzückt mein Geist gedenkt, Nur Zeichen seiner Gnade. 5. Und ob ich sänge Tag und Nacht: Doch wär's viel zu geringe, Denn seine Lieb' und Gnadenmacht Ist über alle Dinge; An Opfern hat er keine Lust, Ein stilles Herz in treuer Brust Allein ist vor ihm köstlich. 6. So will ich mich mit Herz und Sinn Nur dir, mein Gott, ergeben, Mit Allem, was ich hab' und bin, Nur deiner Ehre le— ben. Sprich Amen, Herr mein Gott, dazu, Und laß in dir allein mich Ruh' Hier und einst ewig finden. Geistliche Lieder von Adolph Nicolai, 1855. mich stän nes stres 3 vorh zu Den bist ich 4 du 1 verb Kla dir »und Ende. deinen mag r als eginn auf „Wie Wo⸗ k sich mein eichen Allein mit dir, Mit und e le⸗ Herr d laß Ruh' nden. ri, 1855. auch Lob- und Danklieder. 21 Mel. Vom Himmel hoch da ꝛc. Phil. 1, 21. 29. 4* armer Mensch doch gar nichts bin; Nur Gottes Sohn ist mein Gewinn. Er ward ein Mensch, das macht mir Muth: Ich bin erlöset durch sein Blut. 2. Gott Vater, o regiere mich Mit deinem Geist be— ständiglich! Laß deines Soh— nes Gnadenglanz Mein fin⸗ stres Herz erfüllen ganz. 3. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ! Denn ich bin dein, und du bist mein, Bei dir nur will ich ewig sein! 4. Herr Jesu Christe, hilf du mir, Daß ich ein Glied verbleib' an dir; In deiner Klarheit aufersteh', Und zu dir in den Himmel geh'! Philipp Melanchthon, 1497—1560. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. — 1 Petri 5, 7. 30 3* singe dir mit *Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust! Ich sing' und mach' auf Er⸗ den kund, Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad' Und ew'ge Quelle sei'st, Daraus uns Allen früh und spat Viel 385 il und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, Was haben wir Auf dieser ganzen Erd', Das uns, o Vater, nicht von dir, Allein gegeben werdꝰꝰ 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen netzt? 5. Wer wärmet uns in Kält' und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Oel und Most Zu seinen Zeiten find't? 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand Den güld'nen, werthen, edlen Fried' In unsrem Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, as kommt von dir, Du, mußt Alles thun; Du hältst die Wach' an unsrer Thür Und läßt uns sicher ruhn. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst im— mer fromm und treu, Und stehst uns, wenn wir in Ge— fahr Gerathen, herzlich bei. 9. Du strafst uns Sün⸗ der mit Geduld, Und schlägst nicht allzusehr, Ja endlich nimmst du unsre Schuld, 22 IJ. Allgemeine Gebetlieder, Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht, Und giebst uns, was uns hoch erfreut, Und dir zur Ehr' gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein', Und was sein Kummer sei; Kein' Zähr⸗ und Thränlein ist so klein, Du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd' entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, sing' und spring', Und habe guten Muth; Dein Gott, der Ursprung aller Ding', Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, Dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freu⸗ denlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf' und Heil, Schafft Rath, und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn, Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg' und wirf sie hin Auf den, der dich ge— macht. 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schwe— ren Unglückslauf Hat er zu⸗ rück gekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Re— giment; Nein, was er thut, und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End'. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun, Und red' ihm nicht darein; So wirst du hier in Frieden ruhn, Und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt, 1606-1676. Mel. Nun danket alle Gott ꝛc. Hebr. 12, 11. 31 J will dem Schö— * pfer Lob Und Ruhm und Ehre bringen; Zu ihm soll jetzt mein Herz, Mit Danb erfüllt, sich schwin— gen. Ich überschau' die Bahn, Die ich zurück gelegt, Und fühle mich, o Gott, Aufs Innigste bewegt. 2. Du hast mich wun— derbar Geschaffen und be— reitet, Und mich mit Vater— hand Geführet und geleitet; In drohender Gefahr, Standst Du, o Herr, mir bei, Und deine Güte war Mit jedem Morgen neu. 3. Oft, wenn ich unruh⸗ voll An ferne Tage dachte, Und manche trübe Nacht Durchweinte und durchwachte, War' Wahr gepla, mein Herr 4. Glück Stun gekan empfr Bitte: blicks selbst Glück Wort erken meine auch sahe melsl ich s hier 6. die V geliel Soh giebe Segg dienf Lebe Tode 7. zurü Sü ich R finde Gla we⸗ zu⸗ als Re⸗ hut, inumt ihn ihm t du Und 676. ptt ꝛc. . Und gen; Herz, win⸗ die legt, Bott, vun⸗ be⸗ ater⸗ itet; indst Und »dem truh⸗ ichte, kacht ichte, auch Lob- und Danklieder. 23 War's nichts, als eitler Wahn, Was meinen Geist geplagt. Mein Unglück, nicht mein Glück, Hat mir der Herr versagt. 4. Lob sei dir für mein Glück, Und Lob für trübe Stunden! Wer niemals Kreuz gekannt, Hat nie sein Glück empfunden, Es war die Bitterkeit Des jetz'gen Augen⸗ blicks Oft schon mein Glücke selbst, Oft Quelle meines Glücks. 5. Es lehrte mich dein Wort Dich, wie du bist, erkennen, Nicht bloß dich meinen Herrn, Nein, dich auch Vater nennen. Ich sahe mein Geschick Als Him⸗ melsbürger ein, Und dacht', ich sei nicht hier, Um ewig hier zu sein. 6. So hoch hat Gott die Welt, So hoch auch mich geliebet, Daß er mir seinen Sohn Und mit ihm Alles giebet. Sein Kreuz bringt Segen mir, Sein ganz Ver— dienst ist mein; Ich bin im Leben jetzt, Und einst im Tode sein. 7. Denk ich voll Angst zurück An meiner Jugend Sünden; Denk' ich: wo werd' ich Rath, Wo Trost im Tode finden? So giebt mein Glaube mir Von Neuem Zuversicht: Gott, der so gern verzeiht, Verdammt mich Armen nicht. 8. Bald ist des Lebens Bahn, Die kurze Bahn, zu Ende. Du, Gott, dem ich gelebt, Nimm mich in deine Hände! Laß mit verklärtem Blick Dein Angesicht mich sehn, Und durch ein beßres Lob Dich ewiglich erhöhn. Theodor G 417— Hippel, 1741—17 Mel. Herzlich thut mich ꝛc. Röm. 6, 16. 32. mich dein sein 2+42 und bleiben, Du treuer Gott und Herr! Von dir laß mich nichts treiben, Halt mich bei reiner Lehr'! Herr, laß mich nur nicht wanken, Gieb mir Bestän⸗ digkeit. Dafür will ich dir danken In alle Ewigkeit. Dr. Nicolaus Selnecker, 1532—1592, Mel. Dir, dir Jehovah will ꝛe. Ps. 143, 10. 33 1⁵⁵ mich, o Herr, * in allen Dingen Auf deinen Willen sehn und mich dir weihn; Gieb selbst das Wollen und Voll— bringen, Und laß mein Herz dir ganz geheiligt sein. Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin! Dein, Herr, 24 I. Allgemeine Gebetlieder, ist Alles, was ich hab' und bin. 2. Gieb meinem Glau⸗ ben Muth und Stärke, Laß ihn durch Menschenliebe thä— tig sein, Daß man an seinen Früchten merke, Er sei kein eitler Traum und falscher Schein. Er stärke mich in meiner Pilgerschaft, Und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft. 3. Laß mich, so lang' ich hier soll leben, Auch an dem bösen Tage sein ver⸗ gnügt, Und deinem Willen mich ergeben, Der mir zum Besten Alles weislich fügt. Gieb Furcht und Demuth, wenn du mich beglückst, Geduld und Trost, wenn du mir Trübsal schickst. 4. Ach, hilf mir beten, wachen, ringen! So will ich einst, wenn ich den Lauf vollbracht, Dir ewig Dank und Ehre bringen, Dir, der du Alles hast so wohl ge— macht. Dann werd' ich hei⸗ lig, rein, ganz dir geweiht, Dein Lob verkündigen in Ewigkeit. Neues Dresdner Gesangbuch, 1816. Mel. Lobe den Herren, den ꝛe. Ps. 103, 1. 34 Lobe den Herrn, — meine Seele! Du kannst ja nicht schweigen Von himmlischen Vaters; Es stei⸗ gen Freudig empor Lieder im höheren Chor, Dem auch die Engel sich neigen. 2. Das ist der gläubigen Seele beseligtes Leben, Sich zu der ew'gen Liebe anbetend erheben, Innig gerührt, Ehre, dem Ehre gebührt, Völlig sich selber hingeben. 3. Gott ist die Liebe! Wir dürfen ja Vater ihn nennen. Giebt Er doch sel— ber als Vater sich uns zu erkennen. Sollten wir nicht, Wandelnd im himmlischen Licht, Mächtig in Liebe ent— brennen? 4. Hat er nicht freund⸗ lich noch immer zu uns sich gewendet, Und uns den Sohn zum Erlöser und Heiland gesendet, Der unsre Noth Mächtig durch Leiden und Tod, Unsre Verdammniß geendet? 5. Hat er nicht oft uns errettet aus brandenden Wogen, Uns an sein Herz mit den Seilen der Liebe gezogen? Leuchtet nicht hehr, Weit über Land hin und Meer Friede verkündend sein Bogen? 6. Vater! mich hast du verschont mit Plagen, zerstörenden Hast mit Geduld der Erbarmung des unden mich Noth, umdri verza 7. Psaln Weise verkür preise du, n wirst Dr. Joh Mel. 3 besten und allein Weg bäu! dich ganze 2. meine nicht Ja, hehle mehr Besch Herze 3. Wah mein Du brech s stei⸗ Lieder auch übigen Sich betend Ehre, Völlig Liebe! rihn ch sel⸗ ns zu nicht, lischen e ent⸗ eund⸗ S sich Sohn eiland Noth und mniß uns nden Herz Liebe hehr, und sein du iden duld des auch Lob- und Danklieder. und mit Langmuth bis heut' mich getragen, Auch in der Noth, Auch von Gefahren umdroht, Ließest du nie mich verzagen. 7. Könnt' ich mit heiligen Psalmen, in himmlischen Weisen, Gott, deine Liebe verkündigen, würdig dich preisen! Seliger dort, Wo du, mein ewiger Hort, Mich wirst mit Himmelsbrot speisen. Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. Jerem. 10, 6. 35 Men Gott, du 2 dweißt am aller⸗ besten Das, was mir gut und nützlich sei; Du kannst allein mein Heil befesten: Weg mit dem eigenen Ge— bäu! Gieb Herr, daß ich auf dich nur bau' Und dir mit ganzem Herzen traub! 2. Reiß alles weg aus meiner Seelen, Was dich nicht sucht und deine Ehr'; Ja, wollte es sich auch ver— hehlen, So prüfe selbst je mehr und mehr Mein' innere Beschaffenheit Und gieb mir Herzens⸗Redlichkeit. 3. Daß ich könn' in der Wahrheit sprechen: Du bist mein Abba, Licht und Heil: Du heilest alle mein' Ge— brechen Und schenkest mir in Christo Theil; Du bist mein allerbester Freund, Der's allzeit herzlich mit mir meint. 4. Denn kann ich dich nur Vater nennen, O Ab⸗ grund der Barmherzigkeit, So muß mir alles nützen können, Was man sonst heißet Kreuz und Leid; Denn auch das Bittre süß selbst ist, Wenn du, o Gott, im Herzen bist. 5. Drum gieb, daß ich recht kindlich gläube Und nur fein, frisch und unverzagt, Jedoch in Demuth mir zu⸗ schreibe, Was mir dein hei— lig Wort zusagt. Dein Geist erkläre meinem Geist, Was deine Vatertreue heißt. 6. Du unerschaffnes höch— stes Wesen Hast vor der Welt an mich gedacht Und, da ich gar noch nicht ge— wesen, Den liebesvollen Schluß gemacht, Daß ich in Christo dein soll sein Und frei von aller Höllenpein. 7. Dein Kind, mein Je⸗ sus, hat vollendet, Was du beschlossen vor der Zeit, Hat Schuld und Strafen abge— wendet Und mir geschenkt die Seligkeit. Dein Geist, der mir dies macht bekannt, Ist alles dessen Unterpfand. 8. Ich weiß nicht, was ich sonst soll sagen Von 26 J. Allgemeine Gebetlieder, deiner Treu', die ich ver— spürt, Da du mich hast in meinen Tagen Bis hierher wunderbar geführt; Ja, dort bei dir in Ewigkeit Ist mir das Beste noch bereit'tt. 9. Nun, Herr, ich falle dir zu Füßen Und bitt', o allerhöchstes Gut, Laß mein Herz doch wie Wachs zer⸗ fließen In dieser deiner Liebesglut! Ach, gieb, daß wahre Gegentreu' Doch stets in meiner Seele sei! 10. Und weil ich auf so viele Weise, Mein Vater, bin dein Eigenthum, So gieb, daß ich auch dir zum Preise Und deines großen Namens Ruhm Stets diene in Gerechtigkeit Und dir beliebter Heiligkeit! 11. Du mußt das Gute selbst vollbringen In Wor— ten, Werken und Verstand; Drum reiche mir in allen Dingen Aus Gnaden deine Vaterhand; Denn hier gilt nicht, wer laufen kann: Bloß kommt's auf dein Er⸗ barmen an. 12. Legst du was auf, so hilf's auch tragen; Gieb nur Geduld in Leidenszeit Und sei in gut' und bösen Tagen Mein Trost, mein Rath und meine Freud'. Gieb Demuth, Einfalt, Lieb und Zucht; Was falsch und hoch ist, sei verflucht! 13. Nun Amen, es sei fest geschlossen! Nur daß des heil'gen Geistes Kraft Bleib' über mir stets ausgegossen, Als welcher alles Gute schafft: So bleibt's in Ewig⸗ keit dabei, Daß du mein und ich deine sei. Israel Clauder, 1670—1721. Meel. Wer nur den lieben Gott ꝛe. Matth. 7, 8. 36 Men Gott, ich 0. klopf'an deine Pforte Mit Seufzen, Flehn und Bitten an; Ich halte mich an deine Worte: Klopft an, so wird euch aufgethan! Ach, öffne mir die Gnaden— thür: Mein Jesus klopfet selbst mit mir. 2. Wer kann was von sich selber haben, Das nicht von dir den Ursprung hat? Du bist der Geber aller Gaben, Bei dir ist immer Rath und That; Du bist der Brunn, der immer quillt; Du bist das Gut, das im— mer gilt. 3. Drum komm' ich auch mit meinem Beten, Das voller Herz und Glauben ist; Der mich vor dich hat heißen treten, Ist mein Erlöser, Jesus Christ, Und der in v.-Siol. Slessei mir d ja dei keit. 4. nach ich, bin; Hunge aller gieb, Was heißt! 5 im Gl⸗ brünst Satan halte Damit und B u Wi 6. gut G Welt Und den 1 dieser streich Blut wieder 7˙1 dich es mi Hat gelitte billig —2 —„ duld wolle leihn t, ich Flehn halte Klopft ethan! naden⸗ klopfet 5 von nicht hat? aller immer ist der quillt; S im⸗ auch Das en ist; heißen rlöser, der in deine auch Lob- und Danklieder. 27 mir das Abba! schreit, Ist ja dein Geist der Freudig⸗ keit. 4. Gieb, Vater, gieb nach deinem Willen, Weß ich, dein Kind, bedürftig bin; Du kannst mir meinen Hunger stillen, In dir muß aller Segen blühn; Doch gieb, du Geber, allermeist Was meiner Seelen selig heißt! 5. Verleih' Beständigkeit im Glauben, Laß meine Liebe brünstig sein, Und will der Satan drüber schnauben, So halte der Versuchung ein, Damit mein armes Fleisch und Blut Dem Feinde nichts zu Willen thut. 6. Erweck in mir ein gut Gewissen, Das weder Welt noch Teufel scheut, Und laß mich meine Sün⸗ den büßen Noch hier in dieser Gnadenzeit; Durch⸗— streich' die Schuld mit Jesu Blut Und mach' das Böse wieder gut. 7. Ums Kreuz darf ich dich wohl nicht bitten, Daß es mich gar verschonen soll: Hat doch mein Jesus auch gelitten, Und also leid' ich billig wohl. Doch wird Ge— duld sehr nöthig sein: Die wollest du mir, Herr, ver— leihn! 8. Das Andre wird sich alles fügen, Ich sei bei dir arm oder reich; An deiner Huld laß mir genügen, Die macht mir Glück und Unglück gleich, Und kommt's im Ueberfluß nicht ein, So wird's doch g'nug zur Noth— durft sein. 9. Ich bitte nicht um langes Leben, Nur daß ich christlich leben mag. Laß mir den Tod vor Augen schweben Und meinen letzten Sterbetag, Damit mein Aus⸗ gang aus der Welt Den Eingang in den Himmel hält. Benjamin Schmolck, 1672—1737. M el. Wer nur den lieben Gott ꝛc. Nehem. 13, 13. ein lieber Gott, 90. M gedenke meiner Im Besten jetzt und allezeit! Denn außer dir ist nirgend Einer, Der mich mit Rath und Trost erfreut. Dein Wort macht mich voll Zu— versicht Und sagt mir, du vergißt mein nicht. 2. Gedenke meiner, wenn ich höre Dein süßes Evan⸗ gelium, Und mache mir die Himmelslehre Zu Saft und Kraft im Christenthum, Daß so dein Same wohl gelingt Und tausendfache Früchte bringt. 28 J. Allgemeine Gebetlieder, 3. Gedenke meiner, wenn ich bete, Und merke stets mit Gnade drauf; Weil ich in Christo vor dich trete, So schleuß dein Herz und Ohr mir auf: Doch gieb mir Nichts als das allein, Was mir kann gut und selig sein. 4. Gedenke meiner, wenn ich falle, Und wirf mich nicht im Zorne hin. Weil ich, wie andre Menschen alle, Im Fleische schwach und blöde bin, So fördre meinen Gang und Stand Durch Kraft und Stärke deiner Hand. 5. Gedenke meiner, wenn ich leide: Wen hab' ich sonst als dich allein, Der, bei der Menschen Haß und Neide, Mein Freund und Tröster könnte sein? Und hab' ich dich, so lacht mein Muth, Wenn Welt und Teufel böse thut. 6. Gedenke meiner auch in Allem, Woran ich nicht gedenken kann, Und blicke mich mit Wohlgefallen In meinem ganzen Leben an. Denn giebst du mir, was dir gefällt, So ist's um mich recht gut bestellt. 7. Gedenke meiner, wenn ich sterbe, Und, wenn mich alle Welt vergißt, Versetze mich in jenes Erbe, Wo du mein Theil und Leben bist. Denn bleibst du nicht im Himmel mein, So wollt' ich nie geboren sein. 8. Ich will mich über Nichts betrüben: In deine Hände hast du mich Zum Heil und Segen angeschrie— ben: Drum steht die Hoff⸗ nung bloß auf dich Und denkt im Glauben ungekränkt, Daß Gott im Besten meiner denkt. M. Erdmann Neumeister, 1671—1756. Meel. Nun sich der Tag geendet ꝛe. Ps. 51, 14. 38 I icht um ein flüch— *etig Gut der Zeit, Ich fleh' um deinen Geist, O Gott, den mir zur Selig⸗ keit Dein verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, O Vater, lehr' er mich, Die Weisheit, die das Herz ent— flammt Zur Liebe gegen dich. 3. Dich lieben, wie dein Wort gebeut, Gern thun, was dir gefällt, Wirkt rei⸗ nere Zufriedenheit, Als alles Glück der Welt. 4. Alsdann hab' ich zu dir Vertraun Durch deinen freud'gen Geist; Er lehret mich fest darauf baun, Daß du mir gnädig sei'st. theures Wort 5. Wahr stärk wenn mir a 6. reines Huld, jedem und en 39 zen, N große und von 2 beiner gut, 2. Woll' Ein i edlen uns i ten fi aus g und sei G dem Beide Himi nigen sprün auch Lob⸗ und Danklieder. 29 en bist. 5. Er leite mich zur cht im Wahrheit hin, Zur Tugend wollt' stärk er mich, Und zeige, wenn ich traurig bin, Auch h über mir als Tröster sich. u deine 6. Er schaff' in mir ein Zum reines Herz, Besiegle deine eschrie⸗ Huld, Und waffne mich in e Hoff. jedem Schmerz Mit Muth h Und und mit Geduld. ekränkt, Christoph Friedrich Neander, 1723—1802. meiner 671—1756. Eigene Melodie. Ps. 136, 1. endet ꝛe. 39 N danket Alle ö Gott Mit Her⸗ n flüch⸗ zen, Mund und Händen, Der der Zeit, große Dinge thut An uns Geist, und allen Enden; Der uns Selig⸗ von Mutterleib' Und Kindes⸗ Wort beinen an Unzählig viel zu gut, Und noch jetzund gethan. it, die 2. Der ewigreiche Gott nt, O Woll' uns bei unsrem Leben )‚, Die Ein immer fröhlich Herz Und erz ent, edlen Frieden geben; Und gen dich. uns in seiner Gnad' Erhal— vie dein ten fort und fort, Und uns nmthun, aus aller Noth Erlösen hier irkt rei und dort. Is alles 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, Dem Vater und ich zu dem Sohne, Und dem, der deinen Beiden gleich Im höchsten lehret Himmelsthrone, Dem dreiei— n, Daß nigen Gott, Als der ur⸗ sprünglich war, Und ist, und bleiben wird Jetzund und immerdar! M. Martin Rinckart, 1586—1649. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Ps. 136., 3. 4. 40 Nyn danket All' und bringet Ehr', Ihr Menschen in der Welt, Dem, dessen Lob der Engel Heer Im Himmel stets vermeld't. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unsrem höchsten Gut, Der seine Wunder überall, Und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutter⸗ leibe an Frisch und gesund erhält, Und, wo kein Mensch mehr helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet guten Muths, Die Straf' erläßt, die Sünd' vergiebt Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröh⸗ lich Herz, Erfrische Geist und Sinn, Und werf' all' Angst, Sorg, Furcht und Schmerz In Meerestiefe hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn In seines Volkes Land; Er gebe Glück zu unsrem Thun, Und Heil in allem Stand. 30 J. Allgemeine Gebetlieder, 7. Er lasse seine Lieb' und Güt' Um, bei und mit uns gehn; Was aber ängstet und be⸗ müht, Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil, Und bleib' auch, wenn wir von der Erd' Abscheiden, unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herze bricht, Uns unsre Au⸗ gen zu, Und zeig' uns drauf sein Angesicht Dort in der ew'gen Ruh', 10. Daß wir ihn loben allzugleich Um seine Gütig⸗ keit, Und singen Gott in seinem Reich Lob, Preis in Ewigkeit. Paul Gerhard, 1606—1676. Eigene Melodie. s. 103. P 41 1 un lob', mein 1* Seel', den Her⸗ ren, Was in mir ist, den Namen sein, Deß Gnaden stets sich mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Er hat die Schuld vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Be— schirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schooß, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt dem Adler gleich; Schafft Recht und treu be— hütet, Die leiden für sein Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Auch seine Güt' ohn' Maßen; Ihm mangelt's an Erbarmung nicht. Den Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Will Gnade nim⸗ mer sparen, Zeigt Blöden seine Huld; Sein Mitleid ist so labend Für die, so fürchten ihn; So fern der Ost vom Abend, Ist unsre Sünde hin. 3. Wie Väter sich erbar⸗ men, Wenn ihre schwachen Kinder schrein, So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihn fürchten kindlich rein. Gott kennt uns arme Knechte, Er weiß, wir sind nur Staub, Ein nichtiges Geschlechte, Wie Blum' und fallend Laub; Der Wind darüber wehet, So ist es nimmer da: Also der Mensch vergehet, Sein End', das ist ihm nah'. 4. Die Gottesgnad alleine Bleibt stet und fest in Ewig⸗ keit, Sie bleibt bei der Ge⸗ meine, Die steht in seiner Furcht bereit, Sein Bund ist nicht veraltet, Er herrscht im Himmelreich. Ihr star⸗ ken Engel, waltet Des Lobs und dient zugleich Dem gro— ßen H treibt Herz Sein 5. mit E und he in un⸗ aus Daß Uns Und! Mit H Daß Bis Das Amen grüne ir sein wissen ht und e Güt' ngelt's Den fahren, unsrer nim⸗ Blöden Mitleid die, so rn der t Aunsre erbar⸗ wachen jut der in wir )frein. mechte, Staub, te, Wie Laub; wehet, Also „Sein ů—ꝓ.. alleine Ewig⸗ er Ge⸗ seiner und ist herrscht r star⸗ 5 Lobs m gro⸗ auch Lob- und Danklieder. 31 ßen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein Herz soll auch vermehren Sein Lob an allen Ort. 5. Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist! Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Uns gründen ganz auf ihn Und kindlich auf ihn bauen Mit Herzen, Muth und Sinn; Daß wir ihm treu anhangen Bis zu der letzten Stund'. Das laß er uns erlangen! Amen von Herzensgrund! Dr. Johann Graumann, 1487—1541. V. 5. späterer Zufa. Eigene Melodie. Pf. 71, 5. 42 N6 preiset Alle Gottes Barm⸗ herzigkeit, Lob' ihn mit Schalle, Wertheste Christen⸗ heit; Er läßt dich freundlich zu sich laden, Freue dich, Israel, seiner Gnaden. 2. Der Herr regieret Ueber die ganze Welt, Was sich nur rühret, Ihm auch zu Fuße fällt: Viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfen ihm Ehre geben. 3. Wohlauf, ihr Heiden, Lasset das Trauren sein, Zu grünen Weiden Stellet euch willig ein! Da läßt er uns sein Wort verkünden, Machet uns ledig von allen Sünden. 4. Er giebet Speise Reich⸗ lich und überall, Nach Vaters Weise Sättigt er allzumal; Er schaffet früh und spaten. Regen, Füllet uns Alle mit seinem Segen. 5. Drum preis' und ehre Seine Barmherzigkeit, Sein Lob vermehre, Wertheste Christenheit! Uns soll hin⸗ fort kein Unfall schaden, Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Matthäus 1594—1648. Apelles von Löwenste rn, Eigene Melodie. Jerem. 10, 6. 43 O./ daß ich tau⸗ * send Zungen hätte Und einen tausendfachen. Mund, So stimmt' ich damit um die Wette Vom aller⸗ tiefsten Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan! 2. O, daß doch meine Stimme schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O, daß mein Blut mit Jauchzen wallte, So lang' es noch im Laufe geht! Ach, wär' ein. jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! 32 I. Allgemeine Gebetlieder, 3. Was schweigt ihr denn, ihr, meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß Und stehet munter im Ge— schäfte Zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich Und lobe Gott herzinniglich! 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet sein Und stim— met lieblich mit mir ein! 5. Ach, Alles, Alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehilfen geben; Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu er⸗ höhn, Die allenthalben um mich stehn. 6. Lob sei dir, allerlieb— ster Vater, Für Alles, was ich bin und hab'! Lob sei dir, mildester Berather, Für deiner Gnade reiche Gab', Die du mir in der ganzen Welt Zu meinem Heile hast bestellt. 7. Mein treuster Jesu, sei gepriesen, Daß dein er— barmungsvolles Herz Sich mir so hilfreich hat erwiesen Und mich durch Blut und Todesschmerz Von aller Teu⸗ fel Grausamkeit Zu deinem Eigenthum befreit! 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, O heilig werther Gottesgeist, Für dei⸗ nes Trostes süße Lehre, Die mich ein Kind des Glaubens heißt! Ach, wo was Guts von mir geschicht, Das wir⸗ ket nur dein göttlich Licht! 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sün⸗ denschuld Unsäglich gnädige Geduld! 10. Vor andern küß ich deine Ruthe, Die du für mich gebunden hast. Wie viel thut sie mir doch zu Gute! Sie ist mir eine sanfte Last; Sie macht mich fromm und zeugt dabei, Daß ich von deinen Liebsten sei. 11. Ich hab' es ja mein Lebetage Schon so manch liebes Mal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Ge⸗ treulich hast hindurch geführt; Denn in der größesten Ge⸗ fahr Ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 12. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden In dei— nem steten Lobe stehn? Wie sollt' ich auch im tiefsten Leider einher der H doch 1 13. jetzt schnöd rufe Mein Himm Wenn bin. höherr Halle ewig heilig dei⸗ Die bens uts wir⸗ cht! mich nicht, hützet Du, aoth! Sün⸗ ädige ß ich mich Uthut Sie Sie zeugt einen mein manch 5 du Ge⸗ ührt; Ge⸗ tlicht nun dei⸗ Wie fsten inem auch Lob- und Danklieder. 33 Leiden Nicht triumphirend einhergehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein. 13. Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle Der schnöden Eitelkeiten los Und rufe mit erhöhter Seele: Mein Gott, du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit Gehört dir jetzt und alle Zeit! 14. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zunge regt. Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich mein Herz be⸗ wegt. Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm ich doch mit Seufzen ein. 15. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Himmel soll es besser werden, Wenn ich bei deinen Engeln bin. Da sing' ich dir im höhern Chor Viel tausend Halleluja vor. Johann Mentzer, 1658—1734. Eigene Melodie. 2. Tim. 1, 7. 44 O Gott, du from⸗ * mer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn' den Nichts ist, was ist, Von dem wir Alles haben, Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'! 2. Gieb, daß ich thu' mit Fleiß, Was mir zu thun ge⸗ bühret, Wozu mich dein Be⸗ fehl In meinem Stande füh⸗ ret. Gieb, daß ich's thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und wenn ich's thu', so gieb, Daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen; Laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gieb den Worten Kraft Und Nach⸗ druck ohn' Verdruß. 4. Find't sich Gefährlich⸗ keit, So laß mich nicht ver⸗ zagen, Gieb einen Helden⸗ muth, Das Kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meine Feind' Mit Sanftmuth über⸗ wind', Und wenn ich Rath bedarf, Auch guten Rath erfind'. .5. Laß mich mit Jeder⸗ mann In Fried' und Freund⸗ schaft leben, So weit es christlich ist. Willst du mir Etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gieb auch dies dabei, Daß von unrech⸗ 3 34 J. Allgemeine Gebetlieder, tem Gut Nichts untermen⸗ get sei. 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher brin— gen, Durch manchen sauren Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gieb Geduld; vor Sünd' Und Schanden mich bewahr', Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End' Auf Christi Tod abschei⸗ den, Die Seele nimm zu dir Hinauf, zu deinen Freu⸗ den; Dem Leib ein Räumlein gönn' Bei frommer Christen Grab, Auf daß er seine Ruh' An ihrer Seite hab'. 8. Wenn du an jenem Tag' Die Todten wirst er⸗ wecken, So woll' auch deine Hand Nach meinem Grab' ausstrecken. Laß hören deine Stimm', Und meinen Leib weck' auf, Und führ' ihn schön verklärt Zum auser⸗ wählten Hauf. 9. Gott Vater, dir sei Preis, Hier und im Himmel oben; Gott Sohn, Herr Jesu Christ, Ich will dich allzeit loben; Gott heil'ger Geist, dein Ruhm Erschall' je mehr und mehr; O Herr, dreiein'⸗ ger Gott, Dir sei Lob, Preis und Ehr'! Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Lobe den Herren, den ꝛc. Sirach 43, 52—55. 45 Serle wohlauf! des Unendlichen Gnade zu loben, Die dich zur Würde des ewigen Lebens erhoben! Herrlich und groß Ist schon hienieden dein Loos, Größer und herrlicher droben. 2. Preis der erbarmenden Huld, die mit heiligem Munde, Dich, die Verlorne, berief zu dem göttlichen Bunde! Alles vergeht; Diese Ge— meinschaft besteht Ewig auf ewigem Grunde. 3. Kannst du hienieden der Hoffnungen Ende nicht sehen, Dennoch umleuchten dich Strahlen aus himmlischen Höhen. Daß du mit Muth Wählest für flüchtiges Gut Schätze, die nimmer vergehen. 4. Freue dich, Seele! um dieses gebrechliche Leben, Darfst du, auch wandelnd im finsteren Thale, nicht be— ben! Ewiges Sein Will in der Sel gen Verein Dir dein Verherrlicher geben. 5. Freut euch, ihr Erben des Himmels, in heiliger Feier Dieser Verheißung! sie hebt den verhüllenden Schleier. Welch Paradies, Das er den Treuen verhieß! Schauet, dies Alles ist euer! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. pen ꝛc. lichen ch zur bens Loos, oben. nden unde, berief nde! Ge⸗ auf ieden nicht chten schen Muth Gut ehen. eele! ben, elnd tbe⸗ Iin dein ben iger sie den ies, eß! ler! 850. plauf! 5Is auch Lob- und Danklieder. 35 Mel. Es ist das Heil uns ꝛc. Tob. 3, 23. 46 Sei Lob und Ehr' * dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt: Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', O Herrscher aller Thronen, Und die auf Erden, Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfer— macht, Die Alles also wohl bedacht: Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott er⸗ schaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich Ist Alles recht, ist Alles gleich: Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost gedeihen; Drum dank', ach Gott, drum dank' ich dir; Ach, danket, danket Gott mit mir: Gebt unserm Goct die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mut⸗ terhänden leitet er Die Sei⸗ nen stetig hin und her: Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilf' ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die sonsten nirgends finden Ruh': Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich; Mein Geist und Leib er⸗ freue dich: Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott; Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott: Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht Mit jauchzenvollem Springen; Bezahlet die ge⸗ 3* 36 J. Allgemeine Gebetlieder, lobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es Alles wohl bedacht Und Alles, Alles recht gemacht: Gebt unserm Gott die Ehre! Johann Jacob Schütz, 1640—1690. Mel. Nun danket Alle Gott ꝛce. Sir. 17, 25. 47 o lang' ich athme, „ Gott, Will ich dein Lob erheben. Du riefst mich aus dem r Du gabst mir dieses Leben; Du schenktest mir Vernunft, Die dich erkennen kann, Und bo— test ew'ges Heil In deinem Sohn mir an. 2. Was bin ich, Gott der Huld, V9 du so viel mir schenkest? Was 0 des Staubes Kind, Herr, daß du sein gedenkest? Ja, du gedachtest, Herr, Schon vor der Welt an mich, Und denkst noch immer mein, Nur ich vergeß oft dich! 3. Und dennoch nimmst du mich, Wenn ich mein Thun bereue, Voll Gnade wieder an, Und segnest mich aufs Neue. Hier in der Prüfungszeit Sei dir mein Dank geweiht, Und einst vor deinem Thron, Gott der Barmherzigkeit! Anhang des Alt⸗Görlitzer Gesangbuchs, 1794. Eigene Melodie. 227 19. 48.. ich meinem Gott nicht sin⸗ gen? Sollt' ich ihm nicht dank⸗ bar sein? Denn ich seh' in allen Dingen, Wie so gut er's mit mir mein'. Ist doch nichts, als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das 010 Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding— seine 2200 Gottes Lieb' 759 2. Wie ein Adler sein Gefieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wirder Mich des Höch⸗ sten Arm bedeckt; Alsobald im Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab' Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer; Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ew'gen Feuer Durch sein theures Blut ge— winn'. O du unergründ'ter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist Ob er gleich sich hoch befleißt, Deine Tief' ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. nen meir inem sin⸗ dank⸗ h' in gut sein ungen ch hin Höch⸗ obald rmir das Und treibe. Zeit: eit. ihm n, er Daß Feuer it ge⸗ nd'ter doch Db er Deine inen? Zeit: it. auch Lob- und Danklieder. 37 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Giebt er mir in sei⸗ nem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort'; Daß er mir mein Herz er⸗ fülle Mit dem hellen Glau⸗ benslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohl⸗ ergehen Hat er ja recht wohl— bedacht: Will dem Leibe Noth zustehen, Nimmt er's gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, Nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an, Sein Vermögen beizu⸗ legen. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt: Wo ich nur mein Aug' hinkehre, Find' ich, was mich nährt und hält, Thiere, Kräuter und Ge⸗ treide, In den Gründen, in der Höh', In den Büschen, in der See; Ueberall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüth, Daß ich alle liebe Morgen Schaue neue Lieb' und Güt'. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht ge— leitet, wär' ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage Wird vom Satan hergeführt, Die mich doch mein Lebetage Niemals noch bisher berührt! Gottes En⸗ gel, den er sendet, Hat das Böse, das der Feind Anzu⸗ richten war gemeint, In der Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus der Bahn entweicht, Also hält auch mein Ver⸗ brechen Mir mein frommer Gott zu Gut', Will mein Flehen mit der Ruth' Und nicht mit dem Schwerte rä⸗ chen. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, Ob sie gleich mir bitter sind, Dennoch, wenn ich's recht erwäge, Sind es ——π——— 38 I. Allgemeine Gebetlieder, Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein ge⸗ denke Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu sich lenke. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 11. Das weiß ich für⸗ wahr und lasse Mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausge⸗ schneiet, Tritt der schöne Sommer ein: Also wird auch nach der Pein, Wer's er⸗ warten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Ei, so heb' ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind; Bitte, woll'st mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu um— fangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Le— ben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob' und lieb' in Ewig⸗ keit. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Ps. 27, 1. 49 prich, o Herr: „Es werde Licht!“ Ja, erleuchte meine Seele, Daß dein blöder Pil— grim nicht Deinen Gnaden⸗ weg verfehle, Nicht, verirrt in dunkler Nacht, Falle in des Bösen Macht. 2. Sprich, o Herr:„Es werde Licht!“ Wenn mich Finsterniß umfangen, Wenn mir Trost und Muth ge— bricht, Und ich schweb' in Angst und Bangen, Treibe du, Gott, durch dein Wort Alle Trübsal von mir fort. 3. Sprich, o Herr:„Es werde Licht!“ Wenn des Le⸗ bens Sonne sinket, Wenn mein mattes Auge bricht, Und das finstre Grab mir winket; Dann aus Todes⸗ nacht und Graun Führe mich zu sel'gem Schaun. Leopold Haupt, geb. 1797. Mel. Es ist genug ꝛc. Ps. 38, 22. 50 Derlaß mich nicht, 2 Mein Gott, ver⸗ laß mich nicht, Da mich der Jammer drückt! Ach, sende mir In Finsterniß dein Licht, Daß es mein Herz erquickt! Ich liege vor dir, Herr, im Staube; Bald wankt, bald siegt mein schwacher Glaube: Verlaß mich nicht! 2. Verlaß mich nicht, Herr, sei von mir nicht fern! Angst ist Denn, ach, die auch Lob- und Danklieder. 39 nah'. Mein Glaube weiß: Die Hilfe kommt vom Herrn, Sonst ist kein Helfer da. Werd' ich bald deine Hilfe sehen? Ach, eile, Herr, mir beizustehen, Verlaß mich nicht! 3. Verlaß mich nicht, Sieh, wie mein mattes Herz Im matten Leibe bebt! Ich fühle kaum Vor Kummer, Angst und Schmerz Die Kraft, die mich belebt: Mein Jammer kommtmit jedem Morgen, Die finstre Nacht bringt finstre Sorgen: Verlaß mich nicht! 4. Verlaß mich nicht! Zu meinem Glück und Ruhm Geh' ich die Dornenbahn: Du bist der Herr, Dem ich sein Eigenthum Nicht vor— enthalten kann. Was ich besitz', ist deine Gabe; Auch dann ist's dein, wann ich es habe: Verlaß mich nicht! 5. Verlaß mich nicht, Da mich der beste Freund, Den du mir gabst, F verläßt! Wenn meine Treu' Verlorne Treu' beweint, So halt' nur du mich fest; Wenn du mein Liebstes von mir trennest, So zeige, daß du trösten könnest: Verlaß mich nicht! 6. Verlaß mich nicht! Wenn du nur bei mir bist, So hab' ich Hilf' und Muth; Der bittre Kelch Wird mir durch dich versüßt, Du bleibst das höchste Gut. Wenn die, die für mich lebten, ster⸗ ben, So laß mich Trost und Se⸗ gen erben: Verlaß mich nicht! Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. In allen meinen Thaten ꝛc. Luc. 22, 42. 51. Van h en. Um glaubensvoll zu beten; Mein Heil kommt nur von dir. Ich suche Nichts hie— nieden, Als, Vater, deinen Frieden! Du giebst ihn gern, verleih' ihn mir! 2. Ob ich begabt soll werden Mit Gütern dieser Erden, Leg' ich in deine Hand. Laß mir nur Das gelingen, Daß ich hindurch mag dringen Zu jenem ew'gen Vaterland. 3. Auch unter bangem Sehnen, Auch unter heißen Thränen Hoff' ich auf dich, mein Gott! Ich will mein ganzes Leben Dir kindlich übergeben, Und treu dir sein bis in den Tod. 4. Du, Vater, sollst mich führen, Mir Herz und Sinn regieren Durch deines Geistes Zug. Steh' ich bei dir in Gnaden, Was könnte mir dann schaden? Du bist mir Schutz und Schirm genug. 5. Dein Wort voll Treu' und Wahrheit Sei meiner III 3 40 J. Allgemeine Gebetlieder, Seele Klarheit Und meines Pfades Licht. Es soll mein Sehnen stillen Und meine Brust erfüllen Mit froher Glaubenszuversicht. 6. Zu dir führt mich vom Staube Einst der, an den ich glaube, Mein Hei— land, Jesus, ein; Da werd' ich, rein von Sünden, Bei dir und ihm mich finden, Und ewig deiner Huld mich freun. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. 522 Lebens ꝛe. 260, 52. W᷑ soll ich dich wohl lo⸗ ben, Mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott! Denn ich kann mit Nichts erreichen Deine Gnad' und Liebeszeichen: Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Gemüthe, Daß ich deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu' und Güte Stets er⸗ hebe Tag und Nacht! Denn von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen: Tausend ꝛc. 3. Denk' ich nur der Sünden⸗Straßen, Drauf ich So möcht' ich vor Scham erblassen Vor der Langmuth und Geduld, Womit du, o Gott, mich Armen Hast ge— tragen mit Erbarmen: Tau⸗ send ꝛc. 4. Ach ja, wenn ich überlege, Wie mit Lieb' und Gütigkeit Du durch so viel Wunderwege Mich geführt die Lebenszeit, So weiß ich kein Ziel zu finden, Noch den Grund hier zu ergrün⸗ den: Tausend ꝛe. 5. Du, Herr, bist mir nachgelaufen, Mich zu reißen aus der Glut; Denn da mit der Sünder Haufen Ich nur suchte irdisch Gut, Hießest du auf dies mich achten, Wonach man zuerst soll trachten: Tausend ꝛe. 6. O, wie hast du meine Seele Stets gesucht zu dir zu ziehn, Daß ich aus der Sündenhöhle Möchte zu den Wunden fliehn, Die mich ausgesöhnet haben Und mit Kraft zum Leben laben: Tausend ꝛe. 7. Ja, Herr, lauter Gnad' und Wahrheit Sind vor deinem Angesicht;: Du, du trittst hervor in Klarheit, In Gerechtigkeit, Gericht, Daß man soll aus deinen Werken Deine Güt' und häufte Schuld mit Schuld, Allmacht merken: Tausend ꝛc. ———99——55—— 8. Din Gew keine gesch hab' Dein preis 9 mit meir meir ganz meir Möc han 1 und Kin du meir Und men auf: send Ad! vät auf err All doe Ta zur zeh mi der auch Lob— und Danklieder. 41 ham muth „ o ge⸗ au⸗ ich und viel ührt ich koch ün⸗ mir ßen mit nur ßest en, soll ine dir der 8. Wie du setzest jedem Dinge Zeit, Zahl, Maß, Gewicht und Ziel, Damit keinem zu geringe Möcht' geschehen, noch zu viel, So hab' ich in tausend Weisen Deine Weisheit auch zu preisen: Tausend ꝛc. 9. Bald mit Lieben, bald mit Leiden Kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, Nur mein Herze zu bereiten, Sich ganz zu ergeben dir, Daß mein gänzliches Verlangen Möcht' an deinem Willen hangen: Tausend ꝛc. 10. Wie ein Vater nimmt und giebet, Nach dem's Kindern nützlich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist Und dich meiner angenom— men, Wenn's auch gleich aufs Höchste kommen: Tau⸗ send ꝛc. 11. Mich hast du auf Adlers Flügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich. Wenn schien Alles zu zerrinnen, Ward doch deiner Hilf' ich innen: Tausend ꝛe. 12. Fielen Tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehnmal mehr, Ließest du mich doch begleiten Durch der Engel starkes Heer, Daß den Nöthen, die mich dran⸗ gen, Ich je dennoch bin entgangen: Tausend ꝛc. 13. Vater, du hast mir erzeiget Lauter Gnad' und Gütigkeit, Und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit, Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd' ich stets noch einge— laden: Tausend ꝛc. 14. Tausendmal sei dir gesungen, Herr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, Daß es mir bisher gelungen! Ach, laß meines Lebens Gang Ferner noch durch Jesu leiten Nur gehn in die Ewigkeiten: Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir! Ludwig Andreas Gotter, 1661—1735. Eigene. Pf. 96, 53. Woe Kö⸗ nig, Herrscher von uns Allen, Laß dir unser Lob gefallen! Deines Vaters Güte hast du lassen triefen, Ob wir schon von dir wegliefen. Hilf uns noch, Stärk' uns doch, Laß die Zungen singen, Laß die Stimmen klingen! 2. Himmel, lobe prächtig Deines Schöpfers Werke, Mehr als aller Menschen 42 II. Lieder von Gott. Stärke; Großes Licht der Sonnen, Breit' aus deine Strahlen, Gottes Herrlich— keit zu malen; Lobet gern, Mond und Stern, Seid be⸗ reit zu ehren Einen solchen Herren! 3. O du, meine Seele, Singe fröhlich, singe, Singe deine Glaubenslieder! Was den Odem holet, Jauchze, preise, klinge, Wirf dich in den Staub danieder! Er ist II. Lieder Gott Zebaoth, Er ist nur zu loben Hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, Wer den Herren kennet, Wer den Herren Jesum liebet! Halle— luja singe, Welcher Christum nennet, Sich von Herzen ihm ergiebet! O, wohl dir! Glaube mir: Endlich wirst du droben Ohne Sünd' ihn loben! Joachim Neander, 1610—1680. von Gott. A. Gottes Wesen. Eigene Melodie. Offenb. 4, 11. llein Gott in 54. der Höh' sei Ehr' Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade! Ein Wohl— gefall'n Gott an uns hat, Nun ist groß Fried' ohn' Unterlaß, All' Fehd' hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preis'n, an⸗ beten dich Für deine Ehr', wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn' alles Wanken, Ganz uner⸗ mess'n ist deine Macht, Fort g'schieht, was dein Will' hat bedacht, Wohl uns des fei⸗ nen Herren! 3. O Jesu Christ, Sohn eingeborin Deines himmli— schen Vaters, Versöhner der'r, die war'n verlor'n, Du Stil⸗ ler unsers Haders, Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, Nimm an die Bitt' von unsrer Noth, Erbarm' dich unser Aller! 4. O heil'ger Geist, du höchstes Gut, Du all'rheil⸗ samster Tröster, Vor's Teu⸗ fels G'walt fortan behüt', Die Jesus Christ erlöset Durch große Mart'r und nur Gottes Wesen. 43 bittern Tod; Abwend' all unsern Jamm'r und Noth; Darauf wir uns verlassen. Nicolaus Decius, 4 1524. Mel. Nun lob' mein' Seel' ꝛc. Jer. 23, 23. 55 Der Herr ist in den Höhen, Auch in den Tiefen ist der Herr! Wo Menschen zu ihm flehen, Wo ihn die Engel schau'n, ist er; Ist, wo ich in Gedanken Mich denken mag, mir nah'; Ist frei von allen Schranken, In jedem Raume da; Umfaßt mit sei⸗ nen Händen Die Welten, und umspannt An allen ihren Enden, Was je durch ihn entstand. 2. Er zündet jede Sonne, Flammt jedes Sternes Fackel an; Strömt Leben, Lust und Wonne Durch Alles, was empfinden kann. Des Erd⸗ gewürms Gewimmel, Und was im Meere webt, Wer unter seinem Himmel, Und wer im Himmel lebt, Ihr, alle seine Werke, Empfindet Tag und Nacht Die Nähe seiner Stärke, Die Größe seiner Macht! 3. Allgegenwärtig schauet Sein allumfassend Aug' um⸗ her; Und wer nur ihm ver⸗ trauet, Den decket, den ver⸗ sorget er; Hört das Geschrei der Raben, Hat für die ganze Welt, Hat für den Wurm selbst Gaben, Und Schmuck für Thal und Feld. Fehlt ihm, für euch zu sor⸗ gen, Verzagte, Rath und Macht? Ihm, der auch, euch verborgen, Euch nah' ist, euch bewacht? 4. Wie könnt ihr denn, Verbrecher, Dem, der so nah' euch ist, entgehn? Könnt wähnen, er, der Rächer, Werd' euer finstres Werk nicht sehn? Eh' noch Gedanken werden, Von ferne sieht er sie, Und alle Nächt' auf Er⸗ den Verhüllen euch ihm nie; Wähnt nicht, daß er's nicht wisse, Mit seinen Schrecken füllt Er selbst die Finster⸗ nisse, Worin ihr euch verhüllt. 5. Wie schnell die Luft sich röthet, Wenn sie des Blitzes Flug durchfleugt, Trifft seine Rach und tödtet, Wenn des Vertreters Bitte schweigt. Sagt, Sünder: Mir zur Rechten, Zur Lin⸗ ken hier ist Gott; Am Tag, in allen Nächten, Und wo ich bin, ist Gott! Sagt: Wo ich sitz' und gehe Und liege, hier ist Gott! Im Thal und in der Höhe, Und überall ist Gott! 6. Er ist auch nahe denen, Und wo ich seufz', i 44 II. Lieder von Gott. Die willig thun, was er ge— bot; Hört sie, zählt ihre Thrä⸗ nen, Erscheint, verscheucht, was ihnen droht. Sagt, Fromme: Mir zur Rechten, Zur Linken hier ist Gott! In meines Kummers Nächten, st Gott! Wo keinen Freund ich habe, Wo Niemand hilft, ist Gott! Im Sturm, im Tod, im Grabe Und überall ist Gott. Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Mel. a Mos. 32., 10. 56. 1 r Herr ist treu, 2 der 255 ist ewig treu, Und alle Morgen neu Strahlt seine Güte. O, daß mein Dank ihm glühte Für alle Treu', Tagtäglich neu! 2. Der Herr ist treu, er hält, was er verspricht. Er läßt die Seinen nicht In bängster Stunde; Treu sei⸗ nem Segensbunde, Steht er uns bei, Der Herr ist treu. 3. Der Herr ist treu, und was er will und thut, Ist immer recht und gut. Nicht droht im Grimme Uns seine Donnerstimme, Nein, Liebe spricht; Wir beben nicht. 4. Der Herr ist treu, er sorget väterlich Für sein Geschöpf, für mich. Auch 2. Sünd' und Fehle Lenkt er zum Heil der Seele. Rühmt laut und frei: Der Herr ist treu. 5. Der Herr ist treu, uns stärket seine Macht, Und nimmt uns treu in Acht Vor Satans Raube. Und sinkt auch uns der Glaube, Bleibt er doch treu Und steht uns bei. 6. Der Herr ist treu, o süßes Gnadenwort! Sei du mein Fels und Hort! Ob Alles scheide, Bleibst du doch meine H Die Welt vergeht, Dies Wort besteht. Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Herr Jesu Christ, Ps. 71, 8. 57 D* den der Him— mel Loblied preist, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist! Dir weihn, obgleich mit schwachem Klang, Auch wir den frohen Lob— gesang. 2. Schon eh' die Welt ins Dasein trat, Dacht' auch an uns dein Gnadenrath, Maß segnend uns des Lebens Zeit Und krönt' uns mit Barm⸗ herzigkeit. 3. Wie sollten wir nicht dankbar sein, Uns deiner nicht lobsingend freun, Der nach der Liebe Vorbedacht dich ꝛc. er ihmt ist uns Und Vor sinkt leibt uns „ o i du Ob doch Welt steht. 841. ich ꝛc. Him⸗ blied Sohn eihn, lang, Lob⸗ t ins hean Maß Zeit Arm⸗ nicht einer Der dacht Gottes Wesen. 45 Uns schuf, erlöste, heilig macht? 4. Du thatst uns deinen Namen kund, Riefst uns in deinen Friedensbund, Der, wenn der Himmel selbst ver⸗ geht, Fest, wie dein ew'ger Thron, besteht. 5. O Bund voll Heil und Seligkeit, Kraft, Wonn' und Trost der Wallfahrtszeit Und Pfand der ew'gen Freuden⸗ welt, Die deine Lieb' uns vorbehält. 6. Was kann der Erd⸗ kreis uns verleihn? Vor dir sind selbst die Himmel klein. Der Seelen Schatz und süße Ruh' Und starker Hort bist du, nur du. 7. Allgegenwärtig bist du nah', Mit dir ist Fried' und Segen da, Mit dir ein un⸗ versiegter Schatz, Mit dir für alle Welt Ersatz. 8. Du fügtest uns, dein Volk zu sein, In die Ge⸗ meinde Christi ein. Da offenbart sich Tag und Nacht Der Gotteskräfte stille Macht. 9. Wie strömt des Vaters Segensquell! Wie strahlt des Sohnes Gnade hell! Wie wirkt der Geist, aus Gott gesandt, Des Gottes⸗ bundes heil'ges Pfand! 10. O Tag und Nacht thu unser Bund Dein Lob, du Gott der Liebe, kund! Und jedes Herz in unsren Reih'n Muß ihm ein fröhlich Danklied weihn. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Herzlich lieb hab' ich ꝛc. 1. Cor. 6, 20. 58 D. riefst mich, Vater, aus dem Nichts Zum frohen Anschaun deines Lichts, Dich soll mein Herz erheben. Schon hier im Laufe dieser Zeit Hat deine Huld und Freundlich— keit Viel Gutes mir gege⸗ ben. Doch nicht allein für diese Welt, Die kein voll— kommnes Glück enthält, Zur Wonne, die kein Ende nimmt, Hat mich dein Gnadenrath bestimmt. O Vater, Gott, Wie liebst du mich, wie liebst du mich! Dein freuet meine Seele sich. 2. Sohn Gottes, uns zum Heil gesandt, Erlöser, der mit treuer Hand Zu Gott die Seinen leitet! Für mich auch gabst du dich da⸗— hin Und hast, wenn ich dein Jünger bin, Mir ew'ges Heil bereitet. Zwar seh' ich jetzt des Himmels Glück Von ferne nur mit schwa⸗ chem Blick; Doch schon ent— zückt mich jene Welt, Die 46 II. Lieder von Gott. Gott den Gläub gen vorbe⸗ hält. Einst preis' ich dich, O Gottes Sohn, o Gottes Sohn, Im höhern Licht vor deinem Thron! 3. Geist Gottes, unsre Zuversicht, Verlaß, verlaß uns Schwache nicht Und stär' uns unsern Glauben! Zeuch uns zu Gott und sei⸗ nem Sohn, Und laß durch nichts den Gnadenlohn Der künft'gen Welt uns rauben. Lenk' von dem Eitlen dieser Zeit Uns auf das Heil der Ewigkeit, Sinn und Gemüth ergeben wir Im Leben und im Sterben dir. O Gottes Geist, Das Heil des Herrn, das Heil des Herrn Zeig' uns, so sterben wir einst gern. 4. Dreieiniger, sind wir ganz dein, Wie selig kön⸗ nen wir dann sein! Lehr' uns dies Glück recht achten. Was diese Welt beut, sät⸗ tigt nicht, Stets trügt uns ihrer Weisheit Licht; Nach dir nur laß uns trachten. Dir, Schöpfer und Erlöser, dir, Und dir, Geist Gottes, bringen wir Gemeinsam in dem Heiligthum Mit Freu— den Preis und Dank und Ruhm. Dreieiniger, In Ewigkeit, in Ewigkeit Sei unsre Seele dir geweiht! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. M el. Wer nur den lieben Gott ꝛc. Joh. 3, 16. *+ eht hin, ihr 59. gläubigen Ge⸗ danken, Ins weite Feld der Ewigkeit, Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Erwägt, daß Gott die Liebe sei, Die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Him— mel war noch nicht gemacht, So hat schon Gott den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Als ich noch nicht geschaffen war, Da reicht' er schon mir Gnade dar. 3. Sein Rathschluß war, ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn; Den wollt' er mir zum Mittler geben, Den sandt' er mir von seinem Thron, In dessen Blute soll ich rein, Gehei— liget und selig sein. 4. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe Empor zu dieser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugniß giebt: Gott hat mich je und je geliebt! 5. Wer bin ich unter Millionen Der Creaturen seiner Macht, Die in der Ott ꝛc. ihr Ge⸗ dder über alten vägt, Die Welt Him⸗ nacht, rieb Beste nicht reicht' ar. war, einen Den eittler mir dessen Gehei⸗ mir, mpor Von n der alle jeder giebt: nd je unter uren nà der Gottes Wesen. 47 Höh' und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hierher ge⸗ bracht; Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 6. Ja freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barm— herzigkeit, Womit, o Schö— pfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! 7. Im sichren Schatten deiner Flügel Find' ich die ungestörte Ruh'. Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du! Laß Erd' und Himmel untergehn, Dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 8. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Muth und Kraft gebricht, So salbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür' ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwach— heit Alles schafft. 9. Die Hoffnung schauet in die Ferne Durch alle Schatten dieser Zeit: Der Glaube schwingt sich durch die Sterne Und sieht ins Reich der Ewigkeit: Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbtheil und gelobtes Land. 10. O sollt' ich dich nicht ewig lieben, Der du mich unaufhörlich liebst? Sollt' ich mit Undank dich betrü— ben, Da du mir Fried' und Freude giebst? Verließ ich dich, o Menschenfreund, So wär' ich selbst mein ärgster Feind. 11. Ach, könnt' ich dich nur besser ehren, Welch ed— les Loblied stimmt' ich an: Es sollten Erd' und Him— mel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan! Nichts ist so tröstlich, Nichts so schön, Als, höchster Vater, dich erhöhn. 12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhren Chor mit frohem Munde Dich, Quell der Liebe, schöner preist. Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit, Und sehnt sich nach der Ewigkeit. Dr. Johann Gottfried Hermann, 1707—1791. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛc. Ps. 145, 17. 60 G n e dein Gericht Muß alle Welt sich stellen Und sich vor deinem Ange⸗ 48 II. Lieder von Gott. sicht Ihr Urtheil lassen fäl⸗ len; Du schaust von deinem hohen Thron Ohn' alles Ansehn der Person Auf alle Menschenkinder. 2. Du bist des Satans Werken feind Und hassest gottlos Wesen. Der ist ge⸗ wißlich nicht dein Freund, Der sich zum Zweck erlesen, Was dein gerecht Gesetz ver⸗ beut, Und der sich wahrer Heiligkeit Von Herzen nicht befleißet. 3. Du liebest das, was recht und gut, Und bist ein Freund der Frommen; Wer deinen guten Willen thut, Wird von dir aufgenommen; Sein Werk und Dienst ge— fällt dir wohl, Ob er gleich nicht ist, wie er soll, Nach dem Gesetz vollkommen. 4. Du öffnest deine milde Hand, Das Gute zu beloh⸗ nen, Und giebest als ein Liebespfand Den Frommen schöne Kronen; So zeigest du vor aller Welt, Daß es dir herzlich wohlgefällt, Wenn man das Gute liebet. 5. Hingegen bleibt die Bosheit auch Von dir nicht ungerochen: Ein Abgrund voller Qual und Rauch Wird denen zugesprochen, Die sich mit Sündenlust be⸗ fleckt, Ja, deine Hand ist ausgestreckt, Sie hier bereits zu strafen. 6. Der Untergang der ersten Welt, Die aus der Art geschlagen, Das Feuer, das auf Sodom fällt, Egyp—⸗ tens schwere Plagen Und andre Wunder deiner Macht, Die zeugen, wenn dein Zorn erwacht, Wie du nach Wer— ken lohnest. 7. Bleibt hier manch Bö— ses ungestraft. Manch Gu⸗ tes unbelohnet, So kommt ein Tag der Rechenschaft, Der keines Sünders schonet: Da wird sich die Gerechtig⸗ keit, Die Jedem die Vergel— tung beut, Am herrlichsten beweisen. 8. Gerechter Gott, laß meinen Sinn, Wie du, das Gute lieben, Nimm alle Lust zur Sünde hin, Wirk' inniges Betrüben, Wenn sich das Uebel in mir regt; Dein Herz, das lauter Gu⸗ tes hegt, Sei meines Her⸗ zens Muster! 9. Und weil vor dir, o ew'ge Glut, Kein Sünder kann bestehen, Der nicht des Mittlers Tod und Blut Zum Schild sich hat ersehen, So gieb mir die Gerechtigkeit, Die mich von deinem Zorn be⸗ freit, Gerechter Gott, zu eigen! Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. — Se S: 8 G — —.— ereits der der seuer, Sgyp⸗ Und dacht, Zorn Wer⸗ Bö⸗ Gu⸗ ommt chaft, onet: chtig⸗ ergel⸗ chsten laß das alle Wirk' n sich regt; Gu⸗ Her⸗ Gottes Wesen. 49 Mel. An Wasserflüssen ꝛe. Weish. 15, 1. 61 Ge Gott! wie viel Geduld Er⸗ zeigest du uns Armen, Wir häufen täglich Schuld auf Schuld, Du häufest dein Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verkehrt von Jugend auf, Sein Sinn ist dir entgegen; Und doch, o Vater, suchst du ihn Von seinen Sünden abzuziehn, Zur Buße zu be⸗ wegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; Wenn sie sich selbst verstocken, So willst du sie doch väterlich Durch Güte zu dir locken. Wie trugest du so lange Zeit Die alte Welt mit Gütig⸗ keit, Bis sie die Fluth ver⸗ heeret! Wie lange sahst und riefest du Dem Volk einst in der Wüste zu, Bis sich ihr Herz bekehret! 3. Du giebst dem Sün⸗ der Zeit und Raum, Der Strafe zu entgehen; Du lässest auch den argen Baum Nicht ohne Pflege stehen; Du wartest sein und suchest Frucht, Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf, zu bauen; Du schonest sein von Jahr zu Jahr, Und Jesus bittet immerdar, Eh' er wird ab⸗ gehauen. 4. Gerechter Gott! so große Huld Erzeigst du frechen Sündern, Und hast nicht we⸗ niger Geduld Mit deinen schwachen Kindern; Sie wer⸗ den ja, wenn Fleisch und Welt Und Satan ihnen Netze stellt, Oft sicher, matt und träge, Sie straucheln, sie verirren sich, Sie fallen oft, verlassen dich Und deine heil'gen Wege. 5. Wohl hättest du, o Herr, das Recht, Sie wie⸗ der zu verlassen, Und einen ungetreuen Knecht In Ewig⸗ keit zu hassen. Doch nein, das kann dein Herze nicht, Das von Erbarmen wallt und bricht, Wenn deine Kin⸗ der fehlen! Es hat Geduld, so lang' es kann, Es nimmt sich ihrer Schwachheit an, Und wacht für ihre Seelen. 6. Du rufest ihnen in Gefahr, So oft sie irre ge⸗ hen, Reichst ihnen deine Hände dar, Von Sünden aufzustehen; Du lockest sie mit Vaterhuld, Versprichst, durch Jesum ihre Schuld Barmherzig zu vergeben, Giebst reichlich Glauben, Geist und Kraft Und dann am Ziel der Pilgerschaft Ein ewig Freudenleben. 4 50 II. Lieder von Gott. 7. O Langmuth, der nichts gleichen kann, Leit' uns durch dein Erbarmen; Sieh künf⸗ tig auch geduldig an Die Schwachheit deiner Armen! Was hülf' es, wenn dein Herz bisher Voll Güt' und Huld gewesen wär', Und nun sich wenden sollte? Wenn deine mächt ge Gottes⸗ hand, Die bisher Strafe ab⸗ gewandt, Uns nun verder⸗ ben wollte? 8. Drum, ew'ge Güte, trag' uns noch, Um Christi Todesschmerzen! Erwecke recht und rühre doch, Die trägen, sichren Herzen, Daß deine Huld und Vatertreu' Uns ja kein Schild der Bos⸗ heit sei, Daß wir das Arge hassen, Und uns noch in der Gnadenzeit Den Reich⸗ thum solcher Gütigkeit Zur Buße leiten lassen! Johann Christian Zimmermann, 1702—1783. Mel. Es ist genug ꝛc. 1. Cor. 1, 9. ott ist getreu! 62. Sein Herz, sein Vaterherz Ist voller Freundlichkeit. Gott ist ge— treu! Bei Wohlsein und bei Schmerz, In guter, böser Zeit. Weicht, Berge, weicht, fallt hin, ihr Hügel! Mein Glaubensgrund hat dieses Siegel: Gott ist getreu! 2. Gott ist getreu! Er ist mein treuster Freund, Dies weiß, dies hoff' ich fest. Ich bin gewiß, Daß er mich keinen Feind Zu hart ver⸗ suchen läßt. Er wiegt bei jeder Prüfungsstunde Die Kraft von meinem Glau⸗ benspfunde. Gott ist ge⸗ treu! 3. Gott ist getreu! Er thut, was er verheißt, Er hält, was er verspricht. Wenn mir sein Wort Den Weg zum Leben weist, So gleit' und irr' ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lgen, Sein Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getreu! Er handelt väterlich, Und was er thut, ist gut. Sein Lie⸗ besschlag Erweckt und bessert mich, Die Ruthe meint es gut, Das Kreuz wird mir zur Himmelsleiter, Der Kampf macht mich zum guten Strei— ter. Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! Er giebt der bösen Welt Dahin sein liebes Kind. Der Hei— ligste Bezahlt das Lösegeld Für die, so Sünder sind. Um uns zu retten vom Ver⸗ derben, Ließ er den Einge⸗ Gottes Wesen. 51 bornen sterben. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! Mein Vater, deß ich bin, Sorgt für mein Seelenwohl. Sein Will' und Wunsch, Sein Zweck und sein Bemühn Ist, daß ich leben soll. Er rei— nigt mich von allen Sünden, Er läßt mich Ruh' in Christo finden. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! Sein göttlich treuer Blick Giebt sorgsam auf mich Acht. Er sieht mit Lust, Wenn mich ein zeitlich Glück Erfreut und dankbar macht. Was uns zu schwer ist, hilft er tragen; Mein Gott! was soll ich weiter sagen? Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! Mein Herz, was fehlt dir noch; Dich stets im Herrn zu freun? Sei Gott getreu, Sei unverzagt, mag doch Die Welt voll Falschheit sein! Der falschen Brüder Reid und Tücke Wirkt mit zu Josephs Ehr' und Glücke. Gott ist getreu! 9. Gott ist getreu! Ver⸗ giß, o Seel', es nicht, Wie zärtlich treu Gott ist. Gott treu zu sein, Sei deine frohe Pflicht, So lang' du denkst und bist. Halt fest an Gott, sei treu im Glauben, Laß dir den starken Trost nicht rauben: Gott ist getreu! Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Werde munter, mein ꝛc. 1. Petri 1, 16. [Mott, vor dessen 6 3. Angesichte Nur ein reiner Wandel gilt; Ew'ges Licht, aus dessen Lichte Nichts, als reinste Wahrheit quillt! Laß uns doch zu jeder Zeit Deinen Strahl der Heiligkeit So durch Herz und Seele drin⸗ gen, Daß auch wir nach Heil'gung ringen! 2. Du bist rein in Werk und Wesen, Und dein unbe⸗ flecktes Kleid, Das von Ewigkeit gewesen, Ist die reinste Heiligkeit. Du bist heilig, aber wir, Großer Schöpfer, stehn vor dir Als in einem Kleid voll Flecken, Die wir dir umsonst ver⸗ decken. 3. Nichts wird sonst von dir geliebet, Vater, als was sich allein Deiner Heiligkeit ergiebet, Und sich sehnt, dir gleich zu sein. Darum nimm dich unser an, Deren Herz Nichts lieben kann, Als was dich zum Strafen treibet, Wenn dem Fleisch die Herr— schaft bleibet. 4. Was dein Geist und 4* 52 II. Lieder von Gott. Herz ersinnet, Was dein weiser Wille thut, Was dein starker Arm beginnet, Ist stets heilig, rein und gut; Und so bleibst du ewiglich, Da wir schwache Menschen dich Durch das Böse, das wir üben, Stets von Jugend auf betrüben. 5. Wen dein Aug' in Lügen findet Und auf finstern Wegen gehn, Wen die Lust der Welt entzündet, Der kann nicht vor dir bestehn. Du bist nur der Wahrheit Freund, Und den Uebel⸗ thätern feind. Ach, das muß uns Sünder schrecken, Und uns Furcht und Schmerz erwecken! 6. Tilge solche Furcht und Schmerzen! Du bist rein und machest rein; Drum schaff' in uns solche Herzen, Die auch rein und heilig sei'n; Wasche sie, o höchstes Gut, Wasch' uns rein durch Christi Blut! Laß uns, Herr, Verstand und Willen Deinen heil' gen Geist erfüllen! 7. Hilf, o Vater, unsren Seelen, Glaubensvoll auf dich zu sehn, Deinen ew'gen Weg zu wählen, Und ihn ohne Falsch zu gehn, Bis wir mit der sel'gen Schaar Der Erlösten immerdar Hei⸗ lig, heilig, heilig singen, Und die bringen! Johann Christian Zimmermann, 1702—1783. reinsten Opfer Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Ps. 148, 1. 64 Jobsinget Gott! * Dank, Preis und Ehr' Sei unsrem Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Ewigkeit Lebt er, und herrschet weit und breit, Mit Weisheit, Güt' und Stärle. Singet, Bringet Frohe Lie⸗ der, Fallet nieder! Gott ist herrlich! Unaussprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott! Dank, Preis und Ruhm Sei von uns, deinem Eigenthum, Herr Jesu, dir gesungen. Du, Mittler zwischen uns und Gott, Hast durch Gehorsam bis zum Tod Das Leben uns errungen. Heilig, Selig Ist die Freundschaft Und Gemeinschaft Aller From— men, Die durch dich zum Vater kommen. 3. Lobsinget Gott! Du Geist des Herrn, Sei nie von unsrem Geiste fern, Mit Kraft ihn auszurüsten! Du machst uns gläubig, weis' und rein, Hilfst uns getrost und siegreich sein Im Streit —9——— ärke. Lie⸗ t ist groß ank, von Herr Du, und sam eben ꝛelig Und rom⸗ zum Du nie Mit Du veis' trost treit Gottes Wesen. 53 mit unsren Lüsten. Leit' uns, 5. Du hörest meinen Stärk' uns, In der Freude, Wie im Leide, Gott ergeben Und der Tugend treu zuleben. Wilhelm Abraham Teller, 1734—1804. Mel. Mach's mit mir Gott ꝛc. Apostelgesch. 17, 27. 65. N bist du, Höch⸗ ster, von uns fern, Du wirkf t an allen Enden. Wo 10 nur bin, Herr aller Herrn, Bin ich in deinen Händen! Ich leb' und athme nur durch dich, Denn deine Rechte schützetmich. 2. Auch, was ich denke, weißest 90— Du prüfest meine Seele; Du siehst es, wenn ich Gutes thu'; Du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, Nichts kann deinem Aug' entfliehn, Und Nichts mich deiner Hand entziehn. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit Mein 2— an dich ergebe, Und, über deine Huld erfreut, Lobsingend dich erhebe; So hörst du es, und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wenn des Herzens Rath Verkehrte Wege wählet, Und bleibt auch eine böse That Vor aller Welt verhehlet; So weißt du sie, und strafest mich Zu meiner Beßrung väterlich. Seufzern zu, Daß Hilfe mir erscheine; Voll Mitleid, Va⸗ ter, zählest du Die Thränen, die ich weine; Du siehst und wägest meinen Schmerz, Und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O, drück', Allgegenwär⸗ tiger, Dies tief in meine Seele, Daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, Mein Herz zur Zuflucht wähle; Daß ich dein heilig Auge scheu', Und dir zu dienen eifrig sei! 7. Laß überall gewissen⸗ haft Nach deinem Wort mich handeln, Und stärke mich mit deiner Kraft Vor dir getrost zu wandeln. Herr, du bist um mich; o verleih', Daß mir dies Trost und Warnung sei! M. Christoph Christian Sturm, 1740—1786. Mel. Komm heil'ger Geist ꝛc. Ps. 34, 2. 66 P Ehr' und Andacht opfern wir Gott, unsrem Gott, Je⸗ hovah, dir, Laut soll durch uns dein Ruhm erschallen. O, laß dein Lob dir wohl⸗ gefallen! Dir soll die Seele Psalmen weihn, Das Herz soll dir ein Loblied sein; Doch, o, kein Engelpsalm be⸗ 54 II. Lieder von Gott. schriebe, Was du uns bist, du Gott der Liebe! Halle⸗ luja! Halleluja! 2. Dich Gott und Vater preisen wir, Du schufest, du erhältst uns dir, Schirmst uns mit milden Vaterarmen, Schonst uns voll Lieb' und voll Erbarmen, Labst unsres Lebens Pilgerzeit, Rufst uns empor zur Ewigkeit, Und segnest uns auf allen Wegen In Freud' und Leid mit Va⸗ tersegen. Halleluja! Halle— 2185 3. Preis, Ehr' und Dank Lie, Gottes Sohn! Du kamst von deinem Himmelsthron, Für uns ein ewig Heil zu gründen, Uns zu befrein vom Fluch der Sünden. Dein Tod verschlang den ew'gen Tod, Dein Sieg reißt uns aus Sünd' und Noth, Dein Stab ist deines Volkes Freu⸗ Dein Wort ihm Kraft und Himmelsweide! Hallelu— ja! Halleluja! 4. Preis, Ehr' und Dank dir, heil'ger Geist! Du kamst; nun sind wir nie verwaist! Pfand Gottes, wahres See⸗ lenleben! O, was ist uns mit dir gegeben! Sei, milder Tröster, uns nie fern, Durch— dring' uns mit der Kraft des Herrn! Hilf uns in allen Erdenkreisen Getreu bis in den Tod ihn preisen. Halle— 955 mn Gieb, Herr, den unser Loblied preist, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, Daß jedes Volk und Land der Erde Voll deines Ruhms und Friedens werde! O selig, dreimal selig ist Das Volk, deß Hirt und Gott du bist. Jehovah, deinem großen Na⸗ men Sei Dank und Preis auf ewig! Amen. Halleluja! Halleluja! Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Gelobet sei'st du, Jesu ꝛc. 374 34, 4. 3 ihm! Er erh hält 90 Seine schuf und er wundervolle Welt! Du sprachst! da wur⸗ den, Herr, auch wir! Wir leben und wir sterben dir! Hallelusa! 2. Preis ihm! Er liebt von Ewigkeit, Wird ein Ennd, stirbt in der Zeit! Erlöst, erlöst hast du uns dir! Sir leben und dir ster⸗ ben wir! Halleluja! 3. Preis ihm! Er führt des Himmels Bahn, Führt den schmalen Weg hinan! Geheiliget hast du uns dir! Dir leben und dir sterben wir! Halleluja! 4. Sing' Psalter! Freu⸗ Gottes Wesen. 55 denthränen, fließt! Heilig, hei⸗ lig, heilig ist Gott, unser Gott! Jehovah dir, Dir leben und dir sterben wir! Halleluja! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724-1803. Mel. Jesu, meines Lebens ꝛe. Ps. 104, 33. 68. 8 Schwing' dich auf,‚ mein ganz Ge⸗ müthe, Und geh in den Himmel ein; Denn es muß des Höchsten Güte Hier und dort gepriesen sein. Mit viel tausend, tausend Malen Kann ich ihm das nicht be— zahlen, Was er mir durch Rath und That Lebenslang erwiesen hat. 2. Herr Gott zater, lau⸗ ter Segen Tꝛ 20 von deiner milden Hand, Den du mir auf meinen Wegen Ueberall hast zugewandt! Aus wie vielen Kümmernissen Hast du mich, mein Gott, gerissen? Tauf send, tausendmal sei dir, Treuer Vater, Dank dafür. 3. O Herr Jesu, Heil und Leben Ist in deinem Blute mein! Alle Sünden sind vergeben, Und ich bin gerecht und rein. Ja, du willst in meiner Seelen Dir sogar die Wohnung wählen. Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Heiland, Dank dafür. V nen Gaben Lässest du es mangeln nicht, Und was wollt' ich Größres haben, Als dies gnadenvolle Licht, Daß ich weiß, an wen ich gläube, Und ein Gotteskind verbleibe? Tausend, tausend⸗ mal sei dir, Werther Tröster, Dank dafür. 5. Ach, daß alle meine Glieder Lauter Zungen möch⸗ ten sein! Daß ich mich durch Lobelieder Könnte recht in Gott erfreun, Und daß lau⸗ ter Preis und Ehre Mein beständig Opfer wäre, Das ihm würde Tag und Nacht Tausend, tausendmal ge⸗ bracht! 6. Doch du wirst ein schwaches Lallen, O Gott Va ater, Sohn und Geist, Dir auch lassen wohhlgefallen, Das dich hier auf Erden preist Bis ich dich im Him⸗ mel oben Mit den Engeln werde loben; Ja, da lob' und preis' ich dich Ohn' Aufhören ewiglich. Neues Budißiner Gesangbuch, 1775. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Ephes. 1, 3—6. 69. Uern Gott laßt uns lobsingen, Jehova unser Opfer bringen, Nur ihm gebühret Ruhm 4. Heil'ger Geist, an dei⸗ und Ehr'! Wie im Himmel, 56 II. Lieder von Gott. so auf Erden Müss' er von uns verherrlicht werden, Der Herr ist Gott und keiner mehr. Er ist's, deß ew'ger Rath Uns All' erwählet hat In dem Sohne. Durch ihn allein Will er verzeihn Und allen Sündern gnädig sein. 2. Preis sei Jesu, Gottes Sohne, Der uns am Kreuz des Lebens Krone Und unvergäng⸗ lich Heil errang. Alle Völker müssen kommen, Ihn anzube⸗ ten mit den Frommen Vom Aufgang bis zum Niedergang. Wohl dem, der ihn bekennt, Ihn seinen Heiland nennt, Voller Glauben! Dem drohen nicht Tod und Gericht, Er dringt aus Finsterniß zum Licht. 3. Gottes Geist werd' hoch erhoben, Der unsre Herzen zieht nach oben Und reiche Gaben uns verleiht. Licht und Kraft strömt er hernie⸗ der Auf Jesu Christi heil ge Glieder, Die er zum Tempel sich geweiht. Er pflanzt des Le⸗ bens Wort In Christi Kirche fort Bis 4*8 Ende. Und sie besteht, Von Gott erhöht, Ob Erd' und Himmel untergeht. Reues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Gott des Himmels und ꝛc. Jes. 54, 10. 70. We E Srnet Brechet alle Felsen ein! Gottes Gnade hat das Sie⸗ gel: Sie will unverändert sein. Laßt die Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn! 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, Gott hat einen Bund gemacht, Der wird nimmermehr gebrochen, Bis er Alles hat vollbracht. Er, die Wahrheit, trüget nicht, Was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, Wenn gleich Alles bricht und fällt, Sondern ihren Zweck erreichen, Bis sie mich zufrieden stellt. Ist die Welt voll Heuchelei, Gott ist fromm und gut und treu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, Hat sie lauter Krieg im Sinn; Gott hält immer sein Versprechen, So fällt aller Zweifel hin, Als wär' er nicht immerdar, Was er ist, und was er war. 5. Laßt sein Antlitz sich verstellen, Ist sein Herz doch treu gesinnt Und bezeigt in allen Fällen, Daß ich sein geliebtes Kind, Dem er beide Hände reicht, Wenn auch Grund und Boden weicht. 6. Er 2.— Frieden mit mir halten, Wenn die Welt sich auch empört; Ihre Liebe mag erkalten, Achtet doch mein Gott mich werth; Und Gottes Wesen. 57 wenn Höll' und Abgrund brüllt, Bleibt er mir doch Sonn' und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, So hat er sich selbst genennt. Das ist Trost! so werd' ich Armer Nimmer⸗ mehr von ihm getrennt. Sein Erbarmen läßt nicht zu, Daß er mir was Leides thu'! 8. Nun so soll mein ganz Vertrauen Ankerfest auf ihm beruhn; Freudig will ich auf ihn bauen; Was er sagt, das wird er teun. Erd' und Himmel kann vergehn, Sein Bund bleibet feste stehn. Benjamin Schwolck, 1672—1737. Eigene Melodie. Ps. 86, 15. 71 W· groß ist des * Allmächt' gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich ge— leitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Guts genießen? Ist's nicht sein Arm, der Alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu solchen Freuden, Durch Got— tes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus lei— den, Damit du könntest se⸗ lig sein. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren, Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewig⸗ lich; Gott soll ich über Alles lieben, Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll vollkommen sein, wie er. So lang' ich dies Gebot erfülle, Stell' ich sein Bild— niß in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht, Und ob ich schon widerfahren. — 8 II. Lieder von Gott. aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. O Gott, laß deine Güt' und Liebe Mir immer⸗ dar vor Augen sein! Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg' in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks. M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Eigene Melodie. Jes. 6, 3. —0 2. Wiꝛ glauben All an Einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater eben hat, Daß wir seine 7 5 Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel' auch wohl bewahren; Allem Unfall will er weh— ren; Kein Leid soll uns Er sorget für uns, hüt't und wacht: Es steht Alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Seinen Sohn und unsren Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gleicher Gott von Macht und Ehren: Von Maria, der Jungfrauen, Ist ein wahrer Mensch geboren, Durch den heil gen Geist im Glauben, Für uns, die wir war'n verloren, Am Kreuz gestorben, und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt, Uns mit Gaben zieret schöne; Die ganze Christenheit auf Erden Hält in einem Sinn gar eben; Hier all' Sünd' vergeben werden. Das Fleisch soll auch wieder leben. Nach diesem Elend ist bereit't Uns ein Leben in Ebwigkeit. Amen. Dr. Martin Luther, 1483—1546. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung und Engel. Eigene Melodie. Jerem. 17, 7. Ps. 3, 9. 7 3 lles ist an Got⸗ * tes Segen Und an seiner Gnad' gelegen, Ueber alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein' Hoff⸗ nung setzet, Der behält ganz unverletzet Einen freien Hel⸗ denmuth. V Es cht. an 0 hn Der ist, cht ria, ein en, im wir euz od irch den mit Der 1 ißt, ne; auf inn ind' isch ach Ins eit. Schöpfung, Erhaltung, Regierung ꝛc. 59 2. Der mich hat bisher ernähret, Und mir manches Glück bescheret, Ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderlich geführet, Und noch leitet und regieret, Wird hinfort mein Helfer sein. 3. Viel' bemühen sich um Sachen, Die nur Sorg' und Unruh' machen, Und ganz unbeständig sind; Ich begehr' nach dem zu ringen, Was Vergnügung pflegt zu brin⸗ gen, Und man jetzt gar sel— ten findet. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; Was ich wünsche, wird sich schicken, So es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Le— ben Hab' ich seiner Gnad' ergeben, Und ihm Alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Ver— langen zu erfüllen, Es hat Alles seine Zeit. Ich hab' ihm Nichts vorzuschreiben, Wie Gott will, so muß es bleiben; Wann Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich länger all— hier leben, Will ich ihm nicht widerstreben, Ich ver— lasse mich auf ihn. Ist doch Nichts, das lang' be— stehet, Alles Irdische ver— gehet, Und fährt wie ein Strom dahin. Johann Kohlros, 4 1558. Mel. O, daß ich tausend ꝛe. Ps. 19, 2—4. 70 4 Der Himmel Ruf erzählt und ehret Des Höchsten Weisheit, Lieb' und Kraft, Die ausgespannte Feste lehret: Groß ist der Herr, der Alles schafft, Und alle Welten weit und breit Verkünden seine Herrlichkeit. 2. Von einem Tag zum andren klinget Laut ihr ge⸗ dankenvolles Wort, Von einer Nacht zur andren dringet Ihr Zeugniß un⸗ aufhaltsam fort. Das Ohr hört nicht der Stimme Schall, Das Herz versteht sie überall. 3. Das Loblied aller Weltenkreise Geht mächtig aus in jedes Land, Und macht zu seines Namens Preise Ihn auch der fern⸗ sten Welt bekannt, Und der Gestirne hehrer Lauf Hebt unser Herz zu Gott hinauf. 4. Sein Arm bereitete der Sonne Hoch an dem Himmel ihr Gezelt, Sie geht heraus mit Freud' und Wonne, Läuft ihren Weg, gleich wie ein Held; Ihr Glanz zerstreut die finstre 60 II. Lieder von Gott. Nacht, Und strömt hernieder Licht und Pracht. 5. Wie deiner Sterne Heer dort oben Verkündet deines Namens Ruhm, So soll auch unser Herz dich loben, Voll Ehrfurcht, in dem Heiligthum. Mehr noch, als dich der Himmel preist, Preist dich durch Christum unser Geist. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. M el. Vater unser im Himmelreich. Ps. 145, 15. 75 Ge deine weise Macht erhält Die ganze lebenvolle Welt, Und Aller Augen freuen sich, Und warten hoffnungsvoll auf dich, Auf dich, der du sie Alle liebst, Und Allen ihre Speise giebst. 2. Du öffnest deine Hand, so fließt Herab, was Jedem nöthig ist, Mit Wohlgefallen sättigt sie Dein Aufsehn, und versäumt sie nie. Nie sind Geschöpfe deiner Hand Dir unwerth oder unbe— kannt. 3. Auch mir gabst du, mein Gott und Heil, Noch täglich mein bescheiden Theil, Gabst mir's mit Huld und Freundlichkeit, So lang' ich bin, zu rechter Zeit. Kein Vater sorgt so väterlich für seinen Sohn, als du für mich. 4. Ich bin's gewiß, du kannst mich nicht Verlassen, meine Zuversicht! Ich bin's gewiß, du thust mir wohl, So lang' ich hier noch leben soll. Nicht Ueberfluß bitt' ich von dir; Was ich bedarf, das giebst du mir. 5. Der Vogel bauet nicht das Land, Du nährst ihn doch mit milder Hand. Du schmückst die Blume könig⸗ lich, Doch hat sie nicht Ver⸗ stand, wie ich. Vergiß es, meine Seele, nie: Weit mehr bin ich vor Gott, als sie. 6. Mich schufst du nicht für diese Zeit, Mein Ziel ist in der Ewigkeit. Du gabst mir Weisheit und Verstand, Und machtest selbst dich mir bekannt. Nichts, was die Erde zeugt und nährt, Gleicht mir an Hoheit und an Werth. 7. Von dir, der das an mir gethan, Werd' ich auch Speis und Trank empfahn. Selbst dem, der dich mit Sünden schmäht, Giebst du sie ohne sein Gebet; Und fleht' ich nicht darum zu dir, Gewährtest du sie den⸗ nch mir. ö 8. Laß du mich nur ge⸗ nügsam sein, Und deiner Schöpfung, Erhaltung, Regierung ꝛe. 61 Gaben mich erfreun, Mehr aber deiner, der du dich So freundlich zeigest gegen mich, Der du des Lebens Quelle bist, Aus welcher alle Wohlthat fließt. 9. Bei deiner Gaben Ueberfluß Erhalt' mich mäßig im Genuß, Bewahr' mich in der Dürftigkeit Vor Schmach und Unzufrieden⸗ heit. Du nährst mich im⸗ mer; Preis und Dank Bring' ich dir, Gott, mein Leben⸗ lang! Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. M el. Auferstehn, ja auferstehn ꝛc. Ps. 23, 1—4. 7 6 Ja, fürwahr! Uns führt mit sanf⸗ ter Hand Ein Hirt durchs Pilgerland Der dunklen Erde, Uns, seine kleine Heerde. Halleluja! 2. Wenn im Dunkeln auch sein Häuflein irrt, Er wacht, der treue Hirt, Und läßt den Seinen Ein freund⸗ lich Sternlein scheinen. Hal⸗ leluja! 3. Sicher leitet aus des Todes Graun Er uns auf grünen Au'n, Aus Sturm und Wellen Zur Kühlung seiner Quellen. Halleluja! 4. Freundlich blickt sein Aug' auf uns herab; Sein sanfter Hirtenstab Bringt Trost und Friede; Er wa⸗ chet sich nicht müde. Halle⸗ luja! 5. Ja, fürwahr! Er ist getreu und gut. Auch unser Schicksal ruht In seinen Armen. Sein Name ist Er⸗ barmen. Halleluja! Dr Friedrich Adolph Krummacher, geb. 1767. Mel. In Dich hab' ich ꝛe. Ps. 31, 15. 19. 77 7⁰ weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk' in deinem Willen ruhn; Von dir kommt Glück und Se⸗ gen. Was du regierst, das geht und steht Auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in keines Menschen Macht, Daß sein Rath werd' ins Werk ge⸗ bracht Und seines Gangs sich freue: Des Höchsten Rath der macht's allein, Daß Menschenrath gedeihe. 3. Oft denkt der Mensch in seinem Muth, Dies oder Jenes sei ihm gut, Und ist doch weit gefehlet; Oft sieht er auch für schädlich an, Was doch Gott selbst er⸗ wählet. 4. So fängt auch oft ein weiser Mann Ein gutes 62 II. Lieder von Gott. Werk mit Freuden an Und bringt's doch nicht zu S 30 15 Er baut ein Schloß und festes Haus, Doch nur auf 8 Sande. Wie mancher ist in Rmen Sinn Fast über Berg' und Klüfte hin, Und eh' er sich's versiehet, So liegt er da und hat sein Fuß Ver⸗ geblich sich bemühet. 6. Drum, lieber Vater, der du Kron Und Scepter trägst im Himmelsthron Und aus den Wolken blitzest, Vernimm mein Wort And höre mich Vom Stuhle, da du sitzest! 7. Verleihe mir das edle Licht, Das Jich von deinem Angesi icht In fromme See⸗ len strecket Und da der rech⸗ ten Weisheit Kraft Durch deine Kraft erwecket 8. Gieb mir Verstand aus deiner Höh', 350 daß ich ja nicht ruh und steh' Auf meinem eignen Willen! Sei du mein Freund und treuer Rath, Was gut ist, zu er⸗ fülle 9. Prüf Alles wohl, und was mir gut, Das gieb mir ein; was Fleisch und Blut Erwählet, das verwehre. Der höchste Zweck, das beste Theil Sei deine Lieb' und Ehre. 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seelen Sonn' und Zier, Gefallen und belieben! Was dir zuwider, laß mich nicht Im Werk und That ver⸗ üben. 11. Ist's Werk von dir, so hilf zu Glück; Ist s Menschen-Thun, so treib's zurück Und ändre meine Sinnen. Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst In Kurzem zu zerrinnen. 12. Sollt' aber dein und — er Feind An dem, was dein Herz gut gemeint, Be⸗ ginnen sich zu rächen, Ist das mein Trost, daß seinen Zorn Du leichtlich könnest brechen. 13. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich däucht, Und bring“' zum guten Ende, Was du selbst angefangen hast Durch Weisheit deiner Hände. 14. Ist ja der Anfang etwas schwer, Und muß ich auch ins tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur, ohn' Unter⸗ laß Zu seufzen und zu beten. 15. Wer fleißig betet und dir traut, Wird alles, da ihm sonst vor graut, Mit tapferm Muth bezwingen; das einer Bier, Las nicht ver⸗ dir, sts eib's steine nicht elbst n. und was Be⸗ It einen nnest und sonst Und inde, ugen iner fang ich Der Schöpfung, Erhaltung, Regierung ꝛc. 63 Sein Sorgenstein wird in der Eil In tausend Stücke springen. 16. Der Weg zum Gu⸗ ten ist fast wild, Mit Dorn'n und Disteln ausgefüllt; Doch wer ihn freudig gehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, Wo Freud' und Wonne stehet. 17. Du bist mein Vater, ich dein Kind; Was ich bei mir nicht hab' und find', Hast du zu aller G'nüge. So hilf nun, daß ich mei— nen Stand Wohl halt' und herrlich siege. 18. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr'; Ich will dein Thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter See— len Vor deinem Volk und aller Welt, So lang' ich leb', erzählen. Paul Gerhard, 1606—1676. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛe. Ps. 127, 1. 0 8 Miunt Gott, dem * wir vertrauen, Nicht unsers Werks sich an, Will er das Haus nicht bauen, Vergebens baun wir dran. Will er die Stadt nicht schützen, Er, groß durch Rath und Macht, Was wird der Wächter nützen? Umsonst 2. Ihr wachet spät und frühe, Und eßt voll Traurig⸗ keit Das Brot der Sorg' und Mühe, Und häuft euch Leid auf Leid. Was nützt der bange Kummer? Da Gott dem, den er liebt, Was er bedarf, im Schlum⸗ mer Und unerwartet giebt! Neues Budißiner Gesangbuch, 1775. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. +. Pf. 9, 2. 79. Wanme Schöpfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für Alle wacht, Anbetend über⸗ lege: So weiß ich, von Be⸗ wundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr, mein Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wun⸗ der deiner Werke. Der Him⸗ mel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, Mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht ists, daß er wacht. und Herrlichkeit, Gott, deine 64 II. Lieder von Gott. Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! 4. Dich predigt Sonnen⸗ schein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der ge⸗ ringste Wurm, Bringt mei⸗ nem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unsrem Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wun⸗ derbar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, Dich zu erkennen, leitet; Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt' und Größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, Und alle Welt sag' Amen! Und alle Welt ehr' Gott den Herrn, Und hoff' auf ihn, und dien' ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Röm. 11, 33. 34. 80 Winderbar ist Got⸗ tes Schicken, Wunderbarlich ist sein Rath; Doch ist herrlich sein Er⸗ quicken, Dies erweist zuletzt die That. Die er liebt, be⸗ trübt er auch, Dieses ist sein alter Brauch. Laß dein Herz nur nimmer wanken, Du wirst ihm dereinstnoch danken. 2. Sieh auf deine vor'⸗ gen Tage, Sieh, was dich dein Leben lehrt: Wie so manche Noth und Plage Hat dein Gott in Heil ver⸗ kehrt. In der dunkeln Kreu⸗ zesnacht Hast du oft voll Angst gedacht: Ich muß hilflos untergehen! Doch ließ Gott dich Rettung sehen. 3. Höre, was dir Gott versprochen, Was dir zuge⸗ sagt sein Mund; Nie hat er sein Wort gebrochen, Fest bleibt seiner Gnade Bund. Erd' und Himmel wird ver⸗ gehn; Gottes Wort bleibt ewig stehn. Darauf kannst du voll Vertrauen, Als auf einen Felsen bauen. 4. Hält es Gott dir gleich verborgen, Wann und wie er helfen will: Mach' dir darum keine Sorgen, Sei in deinem Gott nur still. Er will prüfen, ob auch fest Sich dein Herz auf ihn verläßt, Ob du sei⸗ nen Sinn wohl kennest, Und ihn kindlich Vater nennest. 5. Ja, mein Gott, dich Fest zund. ver⸗ Heibt annst auf dir rund Nach' rgen, nur ob Herz sei⸗ Und iest. dich Schöpfung, Erhaltung, Regier ung ꝛc. 65 laß ich walten, Dich, der du mein Vater bist, Deine Huld wird mich erhalten, Mir verleihn, was heilsam ist. Stärke meine Zuver⸗ sicht, Daß ich hoff' und zweifle nicht. Wunderbar wirst du's noch schicken, Um mich herrlich zu erquicken. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛe. Matth. 8, 18—10. 81. D., Herr der Se⸗ raphinen, Dem alle Engel dienen Und zu Gebote stehn, Du wunder— großer Meister Der reinen Himmelsgeister, Mein Mund soll deinen Ruhm erhöhn! 2. Die Fürsten und die Thronen, Die in dem Him⸗ mel wohnen, Giebst du zu meiner Wacht; Sie sehn dein Angesichte Im höchst vollkommnen Lichte, Doch nehmen sie auch mich in Acht. 3. Ich preise deine Güte Mit dankbarem Gemüthe Für diese Wunderschaar. Ich rühme deine Rechte Für diese deine Knechte, Die mich beschirmen vor Gefahr. 4. Laß ferner mich be— hüten Vor aller Feinde Wüthen Durch diese Him— melswach'. Laß sie auf meinen Wegen Die Hand mir unterlegen, So bleib' ich frei von Ungemach. 5. Doch, sollen sie nicht weichen, So laß mich ihnen gleichen In wahrer Heilig-⸗ keit. Wie sie die Kinder lieben Und sich in Demuth üben, So mach' auch mich dazu bereit. 6. Sie thun ja deinen Willen, Den laß auch mich erfüllen; Sie leben keusch und rein; O laß mich Nichts beflecken, Zu Gutem mich erwecken, Stets diese reinen Geister scheun! 7. Und endlich, wenn ich scheide, So führe mich zur Freude Auf ihren Armen ein. Da werd' ich dich erst loben, Und in dem Himmel droben Dir und den Engeln ähnlich sein. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Meinen Jesum lass' ꝛe Dan. 7, 10. 82* du hast in 2* deinem Reich Große Schaaren heil ger Engel;—0 bin ich noch nicht gleich, Denn mein Herz ist voller Mängel: Ach, wann werd' ich auch so rein, Als die guten Engel sein? 2. Mich beschweret Fleisch und Blut; Hilf du, daß ich geistlich werde; Gieb mir 66 II. Lieder von Gott. einen Engelmuth, Der sich trenne von der Erde, Daß ich als dein liebes Kind All— zeit himmlisch sei gesinnt. 3. Mache mir dein Wort bekannt Durch des heil gen Geistes Gabe, Daß ich Weis⸗ heit und Verstand Wie ein Engel Gottes habe, Bis wir einst in jenem Licht Völlig sehn dein Angesicht. 4. Herr, dein Wille soll geschehn In dem Himmel und auf Erden; Darum laß uns dahin sehn, Daß wir dir gehorsam werden, Und verleih', daß ich dabei Aller Engel Mitknecht sei. 5. Unsre Welt ist voll Gefahr, Denn sie hat viel böse Stellen. Sende deiner Engel Schaar, Daß mich Niemand könne fällen, Und da, wo wir schlafen ein, Laß sie meine Wächter sein. 6. Mach' es wie mit Lazaro, Wenn ich künftig werde sterben: Und damit ich eben so Möge Trost und Segen erben, Heiß' die En⸗ gel mich zur Ruh' Tragen nach dem Himmel zu. 7. Laß mich denn vor deinem Stuhl Bei den Aus⸗ erwählten stehen, Wenn die Bösen in den Pfuhl Mit dem Satan werden gehen, Und darnach in jenem Reich Mache mich den Engeln gleich. Caspar Neumann, 1648—1715. Mel. O du Liebe meiner Liebe ꝛc. Ps. 34, 8. 83 R Engel, un⸗ gesehen Schwebt ihr um die Menschheit her! Oder sind die Himmelshöhen, Ist das Licht an Bürgern leer? Von dem Wurme bis zum Menschen Steiget Schön⸗ heit, Kraft und Licht. Nein, der Creaturen Reihe Schließt sich mit dem Menschen nicht! 2. Um die Erd; und ihre Kinder Schwebet still die Geisterwelt. Einst nach der Vollendungsstunde, Wenn der dichte Schleier fällt, Einst, wenn wir hinüber schweben Ueber diese Sterbenszeit, Reichen Brüder uns die Hände, Brüder in der Ewigkeit. 3. Reine Wesen, Him⸗ melskinder, Schön in ew' ger Heiterkeit! Ach, der Glaube ist so selig, Daß ihr unsre Freunde seid! Daß euch unser Schicksal rühret, Daß ihr uns zur Seite steht, Unsre frommen Wünsche segnet, Und des Sünders Thränen seht. 4. O wer wollte sich nicht scheuen Vor der stillen Frevelthat? Nicht mit Scham We nun den, ruh Leid Fre dir uns 2 gen voll sie, Dei Gle schn geln 15. be ꝛc. un⸗ vebt her! hen, jern bis hön⸗ ein, ießt icht! und still nach enn inst, ben zeit, die keit. zim⸗ ger lube usre euch Daß ꝛeht, sche ders sich llen ham Schöpfung, Erhaltung, Regierung ꝛe. 67 zurücke treten Vom verborg⸗ nen Sündenpfad! Ist es möglich, daß der Pilger Sein erhabnes Ziel vergißt, Wenn ihn der Gedanke rühret, Daß er unter Engeln ist? 5. Auf, mein Geist, in jene Welten, Wenn die Erde dich umstrickt! Auf, zu jenen Freigebornen, Wenn dich deine Knechtschaft drückt! Strebe muthig zu dem Ziele, Aus der Finsterniß zum Licht! Gott und Engel sind dir nahe; Kämpfe, ringe, weiche nicht! Sperl, 1800. Mel. Alle Menschen müssen ꝛe. Luc. 16, 22. Matth. 18, 10. 8 4 Wan wir unsren Lauf vollenden, Wenn wir unsre Seelen nun Uebergeben deinen Hän⸗ den, Bald in deinem Schooße ruhn, Eilen wir aus allen Leiden Hin zu deiner Engel Freuden, Ewig, Gott, bei dir zu sein, Ewig deiner uns zu freun. 2. Wir, zu Gnaden an⸗ genommen, Hoffen, Vater, voll Vertraun, Auch, wie sie, mit allen Frommen Deine Herrlichkeit zu schaun. Gleiche Hoheit wird uns schmücken, Gleiche Wonn' uns dann entzücken. Wir, erhoben in dein Reich, Wer— den deinen Engeln gleich. 3. Dieses Heiles der Er⸗ lösten, Dieser Wonne, dich zu sehn, Dürfen wir im Tod uns trösten, Wenn wir deine Wege gehn, Wenn wir ringen, schon auf Er— den Deinen Engeln gleich zu werden, Standhaft in der Heiligkeit, Dir zu dienen stets bereit. 4. Wenn wir vor Be⸗ gierde brennen, Und, den Engeln gleich, uns freun, Immer mehr dich zu er⸗ kennen, Immer heiliger zu sein; Wenn wir hilfreich gern mit ihnen Unsren schwä⸗ chern Brüdern dienen, Wenn ohn' allen Eigennutz Wir ihr Beistand sind, ihr Schutz; 5. Wenn wir Kinder in Gefahren Leiten, nie ver⸗ führen, nie, Sie, wie Engel thun, bewahren, Kinder⸗ freunde stets, wie sie; Wenn durch Beispiel wie durch Lehren Wir sie reizen, dich zu ehren, Ihre Kindheit dir zu weihn, Fromm und tu⸗ gendhaft zu sein: 6. Welch ein Heil, Gott, schon auf Erden Engeln an Vollkommenheit Immer ähn⸗ licher zu werden, Aehnlich 93 68 III. Sünde und Erlösung. einst an Seligkeit! Laßt uns nicht in eitlen Träumen Dieses große Heil versäu⸗ men! Lehr' uns deine Wege gehn, Bis wir selig vor dir stehn. Dr Andreas Cramer, 1723—1788. Mel. Valet will ich dir ꝛe. Ps. 91, 11. 85 W manches Wort * der Freude That uns der Engel Mund Zum Trost in unsrem Leide Auf Gottes Rathschluß kund! Sie waren Christi Boten, Da er geboren ward Und aufstand von den Todten, Und bei der Himmelfahrt. 2. Mein Gott! sei hoch gepriesen, Daß du der ar⸗ men Welt Die Wohlthat hast erwiesen, Und Engel uns bestellt, Die uns auf unsren Wegen Hilfreich zur Seite stehn, Wenn wir, o Herr, um Segen Und Hilfe zu dir flehn. 3. Die Zeit wird auch einst kommen, Da ich ver⸗ klärt und rein, Und aller Angst entnommen, Bei En⸗ geln werde sein. Dann schallt in ihre Chöre Mein hoher Lobgesang, Und bringt dir ewig Ehre, Anbetung, Preis und Dank! Weimar'sches Gesangbuch, 1795. III. Sünde und Erlösung. Mel. Du, o schönes ꝛe. Hebr. 13, 8. 86. A“ du zagendes Gewissen, Sei getrost und fasse Nuch! Dei⸗ ner Noth bist du entrissen, Durch des Mittlers theures Blut. Laß dein Trauren, laß dein Weinen, Denn Gott läßt dir Gnad' erscheinen. Du bist frei, und sollst allein Ewig deines Jesu sein. 2. Drücket dich die Last der Sünden, Zitterst du, be⸗ ladnes Herz, Kannst du nir⸗ gends Ruhe finden, Stillet Niemand deinen Schmerz, Kann gleich aus den Sün⸗ denketten Dich kein Mensch, kein Engel retten; Heil dir! Jesus rettet dich, Und nimmt deine Schuld auf sich. 3. Ja, mein Heiland, Du mein Leben, Du, der Seele bestes Theil! Du hast Ruhe mir gegeben, Und in dir find' ich mein Heil. O, wie groß ist dein Erbarmen, Das III. Sünde und Erlösung. 69 du zugewandt mir Armen! Wie vergelt' ich deine Huld, Die vertilget meine Schuld? 4. Herr, mein Heil ist deine Gabe! Hilf, daß ich dir dankbar sei! Nimm mein Alles, was ich habe, Nimm es hin für deine Treu'! Richte Sinnen und Gemüthe Auf den Reichthum deiner Güte; Du sollst ewig und allein Meines Herzens Freu⸗ de sein! ö N. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Joh. 14, 1—6. 87 1.. irdischem Ge⸗ tümmel, Wo Glück und Lust vergeht, Wer zeigt den Weg zum Himmel, Dahin die Hoffnung steht? Wer leitet unser Streben, Wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durchs trübe Leben? Der Weg ist Jesus Christ. 2. Wenn Irrthum uns befangen, Kein Strahl die Nacht durchbricht, Wie mö— gen wir gelangen Zu der Erkenntniß Licht? Getrost! es strömt die Klarheit Von Gottes ew'gem Thron, Denn Christus ist die Wahrheit, Der eingeborne Sohn. 3. Wer schenkt in Noth und Leiden, Wenn bang' das Herz verzagt, Die Hoffnung ew'ger Freuden, Daß einst der Morgen tagt? Wer stillt der Seele Beben? Gewährt im Tode Ruh'? Heil! Christus ist das Leben, Führt uns dem Vater zu. Christian Karl Julius Aoschenfeldt, 1792—1856. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛc. Matth. 5, 8. 8 8 De ersten Unschuld reines Glück, Wohin bist du geschieden? Du flohst und kehrest nicht zurück Mit deinem süßen Frieden. Dein Edensgarten blüht nicht mehr, Verwelkt durch Sündenhauch ist er, Durch Menschenschuld ver— loren. 2. Ach, wider Gottes heil' gen Plan, Das Prüfungs⸗ wort der Liebe, Hebt sich in falschem Glückeswahn Die Macht bethörter Triebe. Vom Schlangenwort der Lust ver⸗ sucht, Vergällt der Mensch durch ihre Frucht Sein Glück, sein Herz, sein Leben. 3. Frei will er sein, sein eigner Gott, Will thun, was ihn gelüstet, Bald auch mit Deutelei und Spott Zum bösen Schritt gerüstet. Die Unschuld flieht, und innre 70 III. Sünde und Erlösung. Schmach Folgt auf dem Fuß der Sünde nach, Und hascht nach Feigenblättern. 4. Wer kann mit schnö⸗ dem Heuchelspiel Vor Gott die Blöße decken? Wo bist du? ruft's in Abendkühl', Umsonst ist dein Verstecken. Was thatst du? rust⸗ der Alles sieht, Dem keine Nacht die Sünd' entzieht, Der all⸗ gerechte Richter 5. Ach, neu verjüngt sich fort und fort Des ersten Falls Geschichte! Das Herz, verführt durch Schlangen⸗ wort', Verfällt dem Schuld— gerichte. Vergebens wüsch' es gern sich rein; Der Klä⸗ ger ruft: Die Schuld ist dein! Und horch, der Ew'ge richtet. 6. Die Strafe schont, o Sünder, nicht, Ihr Fuß wird nicht Lerziehen. Du fliehest Gottes Aug' und Licht, Und Zan ihm nicht entfliehen. Und dennoch lockt die Sünde noch Und drücket dich mit argem Joch, Wenn kein Er⸗ löser rettet. 7. Nehmt, was die Schrift euch lernen hieß, Zu Herzen, wie zu Ohren: Der Unschuld blüht ihr Paradies, Es geht durch Schuld verloren. Der Flammencherub tritt hervor Und schließt des Paradieses Thor; Wer will den Cherub zwingen? ö 8. Heil, Heil, daß uns ein Held erschien, Ein Heiland allen Sündern! Den Schlan⸗ genkopf zertrat er kühn, Der Sünde Sieg zu hindern. Im Glauben nehmt den Retter an; Er führt euch seine Sie⸗ gesbahn. Auf, kämpft an seiner Seite! 9. Er führt ins Paradies zurück Den schuldentladnen Schächer. Der Arge flieht vor seinem Blick, Und zittert vor dem Rächer. Das Schwert des Cherubs droht nicht mehr. Vom neuen Eden winkt daher Der Baum des ew'gen Lebens. Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Von n. 20 nicht ꝛe. 89. 55½5 V Jesu, tönt vom Staube Mei tein Lied hinauf zum Thron. In dir erblickt mein Glaube Des ew'gen Vaters Sohn. Glanz seiner Herr⸗ lichkeit! Um unser Heil zu gründen, Zu retten uns von Sünden, Erschienst du in der Zeit. 2. Wer I — 5 reicht an deine Größe? Im weiten Schö⸗ pfungsreich Fühlt Jeder seine Blöße, Fühlt Keiner dir sich erub 5 ein land hlan⸗ Der Im etter Sie⸗ an dies dnen lieht ttert Das roht euen aum 841. *t ꝛc. tönt aube zum nein ters herr⸗ zu von der eine chö⸗ eine sich III. Sünde und Erlösung. 71 gleich. Du warst, eh' Meer und Land, Eh' Sonne, Mond und Erde Durch jenes Macht⸗ wort: Werde! Hervorging und entstand. 3. Der höchste Seraph beuget Sich demuthsvoll vor dir, Verhüllt sein Antlitz, schweiget, Bewundert dich, wie wir. O, laß auch unsren Dank, Laß deiner Kinder Lallen, Erhabner dir gefallen, Hör' unsren Lobgesang! 4. Du kamst, und Nächte schwanden, Es glänzte reines Licht. Die Sterblichen em⸗ pfanden Nun ihre Würd' und Pflicht, Erkannten hoch— erfreut Den Vater auf dem Throne, In dir, dem ew'gen Sohne, Der Tugend Gött⸗ lichkeit. 5. Uns Ruh' und Trost zu geben, Und frei von Sündenschuld Zu Gott uns zu erheben, Littst du, Herr, mit Geduld. Du starbst, doch hielt dich nicht Der Tod in seinen Banden; Du, sieg⸗ reich auferstanden, Erscheinst zum Weltgericht. 6. Dein ist das Reich der Wahrheit, Wo sich, von Mängeln rein, In immer höhrer Klarheit Die Deinen ewig freun. Wie selig macht dein Licht! Dich lieben, dich verehren, Treu üben deine Lehren, Sei stets uns heil'ge Pflicht. Nach J. C. Wagner. Mel. Es ist das Heil uns ꝛe. Apostelgesch. 4, 12. 0 s ist in keinem 90. Andren Heil, Kein Nam' ist uns gegeben, Darin wir könnten nehmen Theil An Seligkeit und Leben; Nur Jesus Christus ist der Held, Der uns das Leben hergestellt. Gelobet sei sein Name! 2. Er ists, der unsre Sündenschuld Sammt aller Straf' und Plagen,— O unerhörte Lieb' und Huld! — Hat williglich getragen. Er war gerecht, doch ließ er sich Zur Sünde machen, daß ich mich In ihm gerecht kann nennen. 3. Drum heißet er nicht Jesus nur, Er ist auch, was er heißet, Weil er die sünd⸗ liche Natur Aus allem Jam⸗ mer reißet. Die That stimmt mit dem Namen ein, Er will auch, wie er heißet, sein: Mein Heil und Seligmacher. 4. O Jesusname, werd' in mir Durch Gottes Geist ver⸗ kläret! Weil, was verborgen liegt in dir, Kein irdisch Herz erfähret. Denn die Vernunft begreift es nicht, Ohn' Gottes 72 III. Sünde und Erlösung. Glanz und Gnadenlicht Bleibt es unaufgeschlossen. 5. Laß, Jesu, deines Na⸗ mens Kraft Und deine Sü⸗ ßigkeiten, Und Alles, was er Gutes schafft, Sich stets in mir ausbreiten! So wird der Sünden Noth gewehrt, So wird die Noth in Lust verkehrt, So bin ich selig. Amen. Johann Anastasius Freylinghausen, 1676—1739. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛc. Gal. 3, 13. 91 J6 bin erlöst durch meines Mittlers Blut Und seinen Kreuzestod; Mit Gott versöhnt, hab' ich nun Trost und Muth, Und fürchte keine Noth. Die Weisheit hat mein Heil er— funden, Die Liebe für mich überwunden: Ich bin erlöst. 2. Ich bin erlöst, nun trifft des Donners Spruch Vom Sinai mich nicht. Mein Heiland trug für mich den schweren Fluch. Ich komm' nicht ins Gericht. Drum quält mich nicht, bereute Sünden! Der Vater läßt mich Gnade finden: Ich bin erlöst. 3. Ich bin erlost, der Held zerriß das Band Der Feinde meiner Ruh'. Zur Hölle hat den Schlüssel seine Hand. Er schloß die Pforte zu. Ich trete frei zum Gna⸗ denthrone, Hab' alles Heil in Gottes Sohne: Ich bin erlöst. 4. Ich bin erlöst, was ist noch, das mich schreckt? Licht wird die Todesnacht, Aus der mich bald der Herr des Lebens weckt Zu seines Him⸗— mels Pracht. Werd' ich ins stille Grab getragen, So ruh' ich aus von Prüfungs-⸗ tagen: Ich bin erlöst. 5. Ich bin erlöst, in Frieden fahr' ich hin, Wenn meine Stunde da. Der Tod wird mir zum seligen Ge— winn, Mein Retter bleibt mir nah'! Er führt mich ein zum neuen Leben, Da will ich ewig ihn erheben: Ich bin erlöst. Johann Chr. Wagner, 1747—1825. Meel. Ein' feste Burg ist unser ꝛc. Hebr. 13, 6. 92 Men fester Fels 2 und starker Hort, Darauf ich mich ver— lasse, Ist dieses theuerwerthe Wort, Das ich im Glauben fasse: Jesus, Gottessohn, Ist mein Schild und Lohn, Er hat mich erkauft, Ich bin auf ihn getauft, Und er bleibt mein Erlöser. A.... . +———— III. Sünde und Erlösung. 73 2. Ich war zuvor des Todes Knecht, Weil mich der Fluch gebunden. Die Sünde hatte mich geschwächt, Ich war voll tiefer Wunden. Des Gesetzes Buch, Des Gerichtes Fluch Und der Hölle Noth Verdammten mich zum Tod; Wo war, der mich er⸗ löste? 3. Kein Bruder, welcher selbst ein Knecht, Kann mir Erlösung geben, Und das Gesetz, durchs Fleisch ge— schwächt, Hilft mir auch nicht zum Leben. Gott, mein Herr, allein Kann mein Helfer sein, Der die Schuld vergiebt. Er hat die Welt geliebt, Die Sklaven zu er⸗ lösen. 4. Das ist gewiß und theuerwerth: Mein Jesus ist gekommen, Die große Last, die mich beschwert, Hat er auf sich genommen. Der gerechte Knecht Machet uns gerecht; Für die Schuld der Welt Gab er das Lösegeld, Durch Blut uns zu er⸗ lösen. 5. Daher ist für die ganze Welt Die Zahlung auch vollkommen. Der in dem Sieg erprobte Held Ist aus der Angst genommen, Und sein heilig Blut Wird mein theures Gut. Dieses macht mich los; Wie ist das Heil so groß, Dazu es mich erlöset! 6. O, Gott sei Dank, der also mir In Jesu Sieg ge⸗ geben! Als ein Erlöster, will ich dir, Mein Herr, zu Ehren leben. Finstre Todesnacht! Teufel! deine Macht, Hölle! dein Gericht Erschrecken mich nun nicht, Ich bin von euch erlöset. 7. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, Er lebt auch mir zum Leben. Ihm will ich, wenn er mich er⸗ hebt, Lob, Preis und Ehre geben; Denn aus aller Noth Wird mich durch den Tod,‚ Und aus dieser Zeit Zu sei⸗ ner Ewigkeit Der Sohn des Vaters führen. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. 1. 30h. 5, 12. 93 L wer da r will, ein ander Ziel, Die Seligkeit zu finden: Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, sein Werk ist klar, Sein heil'ger Mund hat Kraft und Grund, All' Feind' zu überwinden. 2. Such', wer da will, 74 III. Sünde und Erlösung. Nothhelfer viel', Die uns doch nichts erworben: Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was ver⸗ dorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil, Uns macht gerecht der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. 3. Ach, sucht doch den, laßt Alles stehn, Die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr, und keiner mehr, Der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all' Stund' von Herzensgrund, Sucht ihn allein; denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein's Herzens Kron', mein Freudensonn' Sollst du, Herr Jesu, bleiben; Laß mich doch nicht von deinem Licht Durch Eitelkeit vertreiben; Bleib du mein Preis, dein Wort mich speis', Bleib du mein Ehr', dein Wort mich lehr', An dich stets fest zu gläuben! 5. Wend' von mir nicht dein Angesicht, Laß mich im Kreuz nicht zagen; Weich' nicht von mir, mein' höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen; Hilf mir zur Freud' nach diesem Leid, Hilf, daß ich mag nach dieser Klag' Dir ewig dort Lob sagen! Georg Weissel, 1590—1635. Mel. Wie groß ist des ꝛe. Luc. 1, 47. 94 Wa wär' ich ohne dich gewesen? Und ohne dich, was würd' ich sein? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, Ständ' ich in aller Welt allein. Nichts wüßt' ich sicher, was ich liebte, Die Zukunft wär' ein dunkler Schlund; Und wenn mein Herz sich tief be⸗ trübte, Wem thät ich meinen Jammer kund? 2. Einsam, verzehrt von Lieb' und Sehnen, Würd' schwarze Nacht mir jeder Tag; Ich folgte nur mit Zwang und Thränen Dem mitleidslosen Schicksal nach; Ich fände Unruh' im Ge— tümmel, Und hoffnungslosen Gram zu Haus. Wer hielte ohne Gott im Himmel, Wer ohne dich auf Erden aus? 3. Hat Christus sich mir kund gegeben, Und bin ich seiner nur gewiß, Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsterniß! Mit ihm bin ich erst Mensch geworden, Mein Schicksal wird verklärt durch ihn; Bei ihm muß mir im kalten Norden Ein neues Paradies erblühn. 4. Das Leben wird zum Liebesbunde, Die ganze Welt III. Sünde und Erlösung. 7⁵ spricht Lieb' und Lust; Ein heilend Kraut wächst jeder Wunde, Und frei und voll schlägt jede Brust. Gleich— wohl bei seinen tausend Ga⸗ ben Bleib' ich sein demuths— volles Kind, Gewiß, ihn unter uns zu haben, Wo Zwei mit ihm versammelt sind. 5. Ach, unser Herz war in die Sünde, Wie in ein schweres Joch, gespannt! Wir irrten in der Nacht, wie Blinde, Von Reu' und Lust zugleich entbrannt. Ein jedes Werk schien uns Ver⸗ brechen, Der Schöpfer unser Feind zu sein; Bang hörten das Gesetz wir sprechen, Denn, ach, es drohte Tod und Pein! 6. Da kam der Heiland, der Befreier, Der Menschen⸗ sohn voll Lieb' und Macht, Und hat ein allbelebend Feuer In unsren Herzen an⸗ gefacht. Nun sehen wir den Himmel offen, Als unser wahres Vaterland: Wir können glauben nun und hoffen, Und fühlen uns mit Gott verwandt. 7. Er tödtet nun in uns die Sünde, Macht fröhlich uns bei jedem Schritt; Er giebt zum schönsten Ange⸗ binde Den Kindern diesen Glauben mit. Durch ihn geheiligt, fließt das Leben So leicht dahin in seiner Näh', Und steter Freud' und Lieb ergeben, Genes't das Herz von Furcht und Weh. 8. Ach, geht hinaus auf allen Wegen, Und holt die Irrenden herein! Streckt Jedem eure Hand entgegen, Und ladet froh sie zu uns ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden, Im Glauben schauen wir ihn an; Die Eines Glaubens mit uns werden, Sagt's: Denen ist er aufgethan. 9. Noch steht in wunder— barem Glanze Der heilige Geliebte hier; Gerührt von seinem Dornenkranze Und seiner Treue, weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, Der seine Hand mit uns ergreift, Und, in sein Herz mit aufgenommen, Zur Frucht des Paradieses reift. Friedrich von Hardenberg, 1772—1801. Mel. Ringe recht, wenn Gottes ꝛc. Joh. 1, 16. 95 Wer doch alle Seelen wüß⸗ ten, Jesu, daß du freundlich bist, Und der Zustand wah— rer Christen Unaussprechlich selig ist! 76 III. Sünde und Erlösung. 2. Ach, wie würden sie mit Freuden Aus der Welt⸗ gemeinschaft gehn Und bei deinem Blut und Leiden Fest und unbeweglich stehn! Ernst Gottlieb Woltersdorf, 1725—1761. Mel. Seelen⸗Bräutigam ꝛc. Joh. 10, 11. 96. Wer ist 200. wie du, Jesu, süße Ruh', Unter Vielen auser⸗ koren, Leben derer, die ver— loren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh? 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu erlösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit, Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch versenket In der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld, Tod, Sünd', Höll' und Welt, Alle Kraft des gro— ßen Drachen Hast du wolln zu Schanden machen Durch das Lösegeld Deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, Kö⸗ nig und Prophet, Deinen Zepter will ich küssen, Ich will sitzen dir zu Füßen, Wie Maria thät, Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm Als dein Eigenthum Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe bren⸗ nen Als dein Eigenthum, Allerschönster Ruhm! Zeuch mich ganz in dich, Daß vor Liebe ich Ganz zerrinne und zerschmelze Und auf dich mein Elend wälze, Das stets drücket mich: Zeuch mich ganz in dich. 8. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn, noch Stolz sich rege: Vor dir sonst Nichts gilt Als dein eigen Bild. 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög' von dir wan⸗ ken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei du mein Gewinn, Gieb mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Un⸗ verrückt zu dir fortsetze Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf: Fördre meinen Lauf. 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, Daß ich wachen mög' und beten, Höchste IV. Adventlieder. 77 Freudig vor dein Antlitz treten; Ungefärbte Lieb' In die Seele gieb. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Woll'st du deine Hand ausstrecken: Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 13. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gieb mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut! 14. Soll's zum Sterben gehn, Woll'st du bei mir stehn, Mich durchs Todes-⸗ thal begleiten Und zur Herr⸗ lichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. Johann Anastasius Freylinghausen 1670—1739. IV. Adventlieder. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛe. Luc. 1, 32. 33. 97 uf, auf, ihr * Reichsgenossen! Der König kommt heran. Empfahet unverdrossen Den großen Wundermann! Ihr Christen, geht herfür! Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heili⸗ ger Begier! 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist gar nah'. Hinweg all' Angst und Schmerzen! Der Helfer ist schon da. Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn fin⸗ den können Im Nachtmahl, Tauf' und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielge⸗ plagten! Der König ist nicht fern. Seid fröhlich, ihr Ver— zagten! Dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hilf' erweisen, Ja, däm⸗ pfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sünder! Der König merket drauf, Wenn ihr verlorne Kinder Im vollen Laster⸗ lauf Auf Arges seid be— dacht, Ja, thut es ohne Sorgen; Gar nichts ist ihm verborgen, Er giebt auf Alles Acht. 5. Seid fromm, ihr Un⸗ terthanen! Der König ist gerecht. Laßt uns den Weg ihm bahnen Und machen Alles *— I I 78 IV. Adventlieder. schlecht. Führwahr, er meint es gut; Drum lasset uns die Plagen, Die er uns schickt, ertragen Mit uner⸗ schrocknem Muth. 6. Und wenn gleich Krieg und Flaͤmmen Uns Alles rauben hin, Geduld! weil ihm zusammen Gehöret der Gewinn. Wenn gleich ein früher Tod Uns, die uns lieb, genommen: Wohlan, so sind sie kommen Ins Leben aus der Noth. 7. Frisch auf in Gott, ihr Armen! Der König sorgt für euch. Er will durch sein Erbarmen Euch machen groß und reich. Der an ein Thier gedacht, Der wird auch euch ernähren; Was Menschen nur begehren, Das steht in seiner Macht. 8. Hat endlich uns be⸗ troffen Viel Kreuz, läßt er doch nicht Die so auf ihn stets hoffen Mit rechter Zu⸗ versicht. Von Gott kommt Alles her. Der lässet auch im Sterben Die Seinen nicht verderben; Sein' Hand ist nicht zu schwer. 9. Frisch, auf, ihr Hoch⸗ betrübten! Der König kommt mit Macht. An uns, sein' Herzgeliebten, Hat er schon längst gedacht. Nun wird kein' Angst und Pein, Noch Zorn hinfort uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gna⸗ den Läßt seine Kinder sein. 10. So lauft mit schnel⸗ len Schritten, Den König zu besehn, Dieweil er kommt geritten Stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet All' heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlösen kann. 11. Der König will be⸗ denken Die, so er herzlich liebt,‚ Mit köstlichen Geschen⸗ ken, Als der sich selbst uns giebt Durch seine Gnad' und Wort. O König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort! 12. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, Wirst selbst drum arm und schwach; Du liebest unvergleichlich, Du jagst den Sündern nach. Drum wolhn wir All' in ein Die Stimmen hoch er— schwingen, Dir Hosianna singen Und ewig dankbar sein. Johann Rist, 1607—1667. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Ps. 24, 7. 9 8. e e zen weit! Hier kommt der cht r⸗ IV. Adventlieder. Herr der Herrlichkeit, Der Ehrenkönig ziehet ein, Drum laßt uns Alle fröhlich sein. 2. Willkommen auf der Pilgerschaft, O Jesu, meine Ruh' und Kraft! Kein Engel kommt auf seiner Bahn Bei uns so hehr und herr— lich an. 3. Zwar ziehst du still und dürftig ein; Doch kommst du, Menschen zu erfreun, Ein Mittler zwischen uns und Gott, Und wirst gehor⸗ sam bis zum Tod. 4. Du zeigst in deiner Knechtsgestalt Dein göttlich Wesen und Gewalt. Dir, Herr, gehört die weite Welt, Du lenkst das Herz, wie dir's gefällt. 5. Wohlan, wir eilen auch zu dir, Dich zu verehren nach Gebühr. O Liebe, Jesu, nimm mich ein, Mein Herz laß deinen Tempel sein! 6. Weg Sünd' und Tod und alles Leid! Durch Buße wird die Bahn bereit. An dir, Herr Jesu, hab' ich Theil, Du bringst das längst erwünschte Heil. 7. Gelobt sei, der gekom— men ist, Und der uns noch durchs Wort begrüßt! Ge⸗ lobet sei, der kommen soll! Deß sind wir Alle freuden⸗ voll. C. H. Klesch, 1630—1706. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Jes. 40, 3. 9 9. 2 9—— 3 Dut, Denn dein König kommt gegangen, Thu ihm auf die Thore weit, Um ihn würdig zu empfangen, Ebne freudig ihm den Pfad, Wenn er deinem Herzen naht. 2. Denke, wie er für dich stritt, Und den Frieden dir erworben, Wie er Schmach und Schmerzen litt, Und am Kreuz für dich gestorben, Wie er ging zum Vater ein, daß du könnest selig sein. 3. Nimm ihn auf, den hohen Gast, Zünd' ihm an der Andacht Kerzen, Gönn' ihm eine stille Rast, Bett' ihn sanft in deinem Herzen, Gieb mit demuthsvollem Sinn Ihm dich ganz zu eigen hin. 4. Laß ihn nicht von dannen ziehn, Halt' ihn fest für alle Zeiten, Schlinge liebend dich um ihn, Und laß Nichts von ihm dich scheiden; Denn mit ihm kannst du allein Glücklich hier, dort selig sein. Julius Sturm, geb. 1816. 8⁰ IV. Adventlieder. Mel. Ach Jesu, meiner Seelen ꝛe. Hebr. 2, 17. 1 00 Dein König kommt in niedern Hüllen, Sanftmü⸗ thig, auf der Es'lin Füllen; Empfang' ihn froh, Jeru⸗ salem! Trag' ihm entgegen Friedenszweige, Bestreu' mit Maien seine Steige; So ist's dem Herren angenehm. 2. O mächt'ger Herrscher ohne Heere, Gewalt'ger Käm⸗ pfer ohne Speere, O Frie⸗ densfürst von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren, Doch du gewannst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch alle Erdenreiche werden Dem, was du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten, Zieht deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus, und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da eb'nen sich des Meeres Wogen; Es schweigt der Sturm, von dir bedroht; Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stif⸗ ten Und schlägst in Fessel Sünd' und Tod. — 5. O Herr von großer Huld und Treue, O, komme du auch jetzt aufs Neue Zu uns, die wir sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuen deinen Frieden, Dagegen sich die Welt em⸗ pört. 6. O, laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und lösch' der Zwietracht Glim⸗ men aus; Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus! Friedrich Rückert, 1789—1866. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Ps. 118, 26. 101 D. kommst, du * kommst voll Gottesmacht Herab in unsre Erdennacht, O Jesus, unser Leben! Du wirkest Wunder überall, Du richtest wieder auf vom Fall, Die dir ihr Herz ergeben. Allen, Allen, Die hier weinen, Soll er— scheinen Dein Erbarmen! Ja, du bist der Trost der Armen. 2. Was einst von dir der Täufer sprach, Das tönt in unsren Seelen nach, Daß alle Zweifel weichen. Lamm Gottes, das die Sünden IV. Adventlieder. 81 trägt, Der Welt, die an das Kreuz dich schlägt, Wer kann sich dir vergleichen? Du nur, Du nur, Geist der Geister, Bist der Meister, Dem wir trauen. Laß dein heil'ges Licht uns schauen! 3. O komm in deiner Liebe Macht Und laß die Gott geweihte Nacht, Der Tausende sich freuen, Die Nacht, da heil'ger Engel Schaar Jauchzt', daß Maria dich gebar, Sich auch für uns erneuen! Jesus Christus! Wir empfangen Mit Ver⸗ langen Dich hienieden! Komm und gieb uns deinen Frieden. Dr. Johann Aug. Köthe, 1781—1850. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. 1. Joh. 1, 1. 102 Da wesentliches Wort, Von Anfang her gewesen, Du Gott, von Gott gezeugt, Von Ewigkeit erlesen Zum Heil der ganzen Welt, O mein Herr Jesu Christ, Will— kommen, der du mir Zum Heil geboren bist! 2. Komm, o selbständ'ges Wort, Und sprich in meiner Seelen, Daß mir's in Ewig⸗ keit An Trost nicht solle fehlen. Im Glauben wohn' in mir Und weiche nimmer nicht, Laß mich auch nicht von dir Abweichen, schönstes Licht! 3. Du wesentliches Wort Warst bei Gott, eh' geleget Der Grund der großen Welt, Da sich dein Herz beweget Zur Liebe gegen mich. Ja, du warst selber Gott, Damit du macht'st im Fleisch Sünd', Höll' und Tod zu Spott. 4. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch be— wogen? Was hat vom Him⸗ melsthron Dich in die Welt gezogen? Ach, deine große Lieb' Und meine große Noth Hat deine Glut entflammt, Die stärker als der Tod. 5. Du bist das Wort, wodurch Die ganze Welt formiret; Denn alle Dinge sind Durch dich ans Licht geführet. Ach, so bin ich, mein Heil, Auch dein Ge— schöpf und Gab', Der Alles, was ich bin, Von dir empfangen hab'. 6. Gieb, daß ich dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, Auch dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe. Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz neu geschaffen sein Und dir bis in den Tod Gewidmet sein allein. 7. Laß Nichts je in mir 6 82 IV. Adventlieder. sein, Was du nicht hast ge⸗ schaffen; Reut' alles Unkraut aus Und brich des Feindes Waffen. Was bös, ist nicht von dir, Das hat der Feind gethan; Du aber führ' mein Herz Und Fuß auf ebner Bahn. 8. Das Leben— in dir Und alles Licht des Lebens: Laß an mir deinen Glanz, Mein Gott, nicht sein ver⸗ gebens! Weil du das“ Licht der Welt, So sei mein Le⸗ benslicht, O Jesu, bis mir dort Dein Sonnenlicht an⸗ bricht! Laurentii Laurentius, 1630—1722. Mel. Was Gott thut, das ist: Joh. 10, 11. 103 Er kommt, er „ kommt, dein König naht, Mit ihm sein reicher Segen! Bereitet, eb⸗ net ihm den Pfad! Eilt jauchzend ihm entgegen! O Christenschaar! Der ist und war Und sein wird, kommt, vom Bösen Die Sünder zu erlösen. 2. Erbarmend sah er unsre Noth, Und daß wir nicht verdürben, Kam er, zu retten uns vom Tod; Er starb, daß wir nicht stürben. Er kommt, er kam, Er nimmt und nahm Auf sich die Sünden aller Ge⸗ falnen e Erdenwaller. 3. O neue, sel ge Gnaden⸗ zeit, Die Christ Heil ver⸗ kündigt; Nehmt Theil daran, seid hoch erfreut, Gerettet und entsündigt! Lob, Preis und Dank Und Jubelklang Singt dann in tausend Psal⸗ men Sein Volk mit Sieges⸗ palmen. 4. Dir will ich nun mein Leben weihn, Dir ewig unterthänig; Zieh' auch in meine Seel' hinein Sanft⸗ müthig, o mein König! Ein Blick von dir Genüget mir, Er ist voll Gnad' und Wahr— heit, Durchdringt mein Herz mit Klarheit. 5. Im neuen Kirchen⸗ jahre gieb Das Wollen und Vollbringen! Gieb zur Vol⸗ lendung Kraft und Trieb, Laß Alles wohl gelingen, Bis deine Macht Den Sieg gebracht, Bis du mit ew gen Kronen Wirst treuen Strei⸗ tern lohnen! Neues Leipziger Gesangbuch, 1844. Mel. Nun komm, der Heiden ꝛce. Ps. 33, 4. 104 ⁵⁷¹ sei Dank durch alle Welt, Der sein Wort be— ständig hält Und der Sünder — IV. Adventlieder. 83 Trost und Rath Zu uns her gesendet hat. 2. Was der alten Väter Schaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und was sie geprophezeit, Ist erfüllt nach Herrlichkeit. 3. Zions Hilf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfraun Sohn, Der wohl zweigestammte Held Hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hosianna, o mein Theil! Richte du auch eine Bahn Dir in meinem Her⸗ zen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein! Es gehöret dir allein; Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sün⸗— den Wust. 6. Und gleichwie dein' Zukunft war Voller Sanft⸗ muth, ohn' Gefahr, Also sei auch jederzeit Deine Sanft— muth mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, Weil ich schwach und blöde bin Und des Satans schlaue List Sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, Daß ich, aller Aengsten frei, Dir im Glau⸗ ben um und an Selig bleibe zugethan; 9. Daß, wenn du, o Lebensfürst, Prächtig wieder⸗ kommen wirst, Ich dir mög' entgegen gehn Und vor dir gerecht bestehn. Heinrich Held, ums Jahr 1643. Mel. Meinen Jesum laß ꝛc. Mare. 11, 9. 10. 1 0⁵ osianna! Da⸗ 0 · vids Sohn Kommt in Zion eingezogen. Ach, bereitet ihm den Thron, Setzt ihm tausend Ehren— bogen! Streuet Palmen, machet Bahn, Daß er Ein⸗ zug halten kann. 2. Hosianna! sei ge⸗ grüßt, Komm, wir gehen dir entgegen; Unser Herz ist schon gerüst't, Will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsren Thoren ein, Du sollst uns willkommen sein. 3. Hosianna! Friedens⸗ fürst, Ehrenkönig, Held im Streite, Alles, was du schaffen wirst, Das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, Und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna! lieber Gast, Wir sind deine Reichsgenossen, Die du dir erwählet hast: Ach, so laß uns unverdrossen Deinem Scepter zinsbar sein, Herrsche du in uns allein! 5. Hosianna! komme bald, Laß uns deine Sanftmuth 6* — 84 IV. Ad ventlieder. küssen. Wollte gleich die Knechtsgestalt Deine Majestät verschließen, Ei, so kennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hosianna! steh uns bei, O Herr, hilf, laß wohl⸗ gelingen, Daß wir ohne Heuchelei Dir das Herz zum Opfer bringen. Du nimmst keinen Jünger an, Der dir nicht gehorchen kann. 7. Hosianna! laß uns hier An den Oelberg dich beglei⸗ ten, Bis wir einstens für und für Dir ein Psalmen⸗ lied bereiten. Dort ist un⸗ ser Bethphage: Hosianna in der Höh'! 8. Hosianna nah und fern! Eile bei uns einzu⸗ gehen. Du Gesegneter des Herrn, Warum willst du draußen stehen? Hosianna! bist du da? Ja, du kommst, Halleluja! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Nun komm, der Heiden ꝛc. Jes. 26, 9. 106 Jef, komm doch selbst zu mir, Und verbleibe für und für; Komm doch, werther Seelenfreund, Liebster, den mein Herze meint. 2. Tausendmal begehr' ich dich, Weil sonst Nichts vergnüget mich. Tausend— mal schrei' ich zu dir: Jesu, Jesu, komm zu mir! 3. Keine Lust ist auf der Welt, Die mein Herz zu⸗ frieden stellt. Dein, o Jesu, Beimirsein Nenn' ich meine Lust allein. 4. Aller Engel Glanz und Pracht Und was ihnen Freude macht, Ist mir, süßer Seelenkuß, Ohne dich Nichts als Verdruß. 5. Nimm nur Alles von mir hin, Ich verändre nicht den Sinn. Du, o Jesu, mußt allein Ewig meine Freude sein. 6. Keinem Andern sag' ich zu, Daß ich ihm mein Herz aufthu'; Dich alleine lass' ich ein, Dich alleine nenn' ich mein. 7. Dich alleine, Gottes Sohn, Heiß' ich meine Kron' und Lohn; Du, für mich verwund'tes Lamm, Bist allein mein Bräutigam. 8. O, so komm denn, süßes Herz, Und vermindre meinen Schmerz; Denn ich schrei' doch für und für: Jesu, Jesu, komm zu mir! 9. Nun, ich warte mit Geduld, Bitte nur um diese Huld, Daß du mir in To⸗ despein Woll'st ein süßer Jesus sein. Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. —8 2„6462 4& 2 2—2——2.— IRRNRN C„I EA¶‚ IV. Adventlieder. 85 Mel. Ach, was soll ich ꝛe. Jes. 60, 3. 1 07 Renmse du, * kommst du, Licht der Heiden? Ja, du kommst und säumest nicht, Weil du weißt, was uns gebricht, O du starker Trost im Leiden! Jesu, meines Herzens Thür Steht dir offen, komm zu mir. 2. Ja, du bist bereits zugegen, Du Welthei⸗ land, Jungfraunsohn; Meine Sinne spüren schon Deinen gnadenvollen Segen, Deine Wunder⸗Seelenkraft, Deine Frucht und Herzenssaft. 3. Adle mich durch deine Liebe, Jesu, nimm mein Flehen hin, Schaffe, daß mein Geist und Sinn Sich in deinem Lieben übe! Sonst zu lieben dich, mein Licht, Steht in meinen Kräften nicht. 4. Jesu, rege mein Ge⸗ müthe, Jesu, öffne mir den Mund, Daß dich meines Herzens Grund Innig preise für die Güte, Die du mir, o Seelengast, Lebenslang erwiesen hast. 5. Laß durch deines Gei⸗ stes Gaben, Liebe, Glauben und Geduld, Durch Bereu⸗ ung meiner Schuld Mich zu dir sein hoch erhaben: Dann so will ich singen dir Hosianna für und für. Ernst Christoph Homburg, 1605—1681. Eigene Melodie. Joh. 1, 29. 108. M.d Thr⸗ die Thor' macht weit! Es kommt der Herr der Herr⸗ lichkeit, Ein König aller Königreich'“, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt. Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schö— pfer, reich von Rath! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthig— keit ist sein Gefährt', Sein' Königskron' ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmher⸗ zigkeit; All unsre Noth zum End' er bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland groß von That! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, Die die— sen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insge— mein, Da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freu⸗ densonn', Bringt mit sich lauter Freud' und Wonn': Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster früh und spat! 86 IV. Adventlieder. 4. Macht hoch die Thür, die Thor' macht weit, Eu'r Herz zum Tempel zubereit't! Die Zweiglein der Gottse⸗ ligkeit Steckt auf mit An⸗ dacht, Lust und Freud'! So kommt der König auch zu euch, Ja, Heil und Leben mit zugleich: Gelobet sei mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad'! 5. Komm, o mein Hei⸗ land Jesu Christ! Mein's Herzens Thür dir offen ist; Ach, zeuch mit deiner Gnade ein, Dein' Freundlichkeit auch uns erschein'! Dein heil'ger Geist uns führ' und leit“' Den Weg zur ew'gen Seligkeit: Dem Namen dein, o Herr, Sei ewig Preis und Ehr'. Georg Weissel, 1590—1635. 5* 5 Mel. Nun lob' mein' Seel' ꝛc. Jes. 40, 10. 11. 109 Meir König, den die Liebe Herab zu mir ins Elend zieht, Mit wunder⸗ vollem Triebe Bist um mein Leben du bemüht. Du willst nicht, daß ich sterbe, Dich jammert meine Noth; Da⸗ mit ich nicht verderbe, Er— wählst du Schmach und Tod, Verläß'st des Himmels Freuden, Nimmst an dich Fleisch und Blut, Den bitt⸗ ren Tod zu leiden, Der Welt und mir zu Gut. 2. O segensvolle Zeiten, Da du der Erde wolltest nahn! Du kommst! Mit tausend Freuden Stimm' ich mein Hosianna an! Dir sing' ich meine Psalmen, Mit frohem Geist und Sinn Streu ich dir auch die Pal— men Des Glaubens freudig hin. Herr, höre doch mein Lallen, Du wollst es nicht verschmähn. Eil', laß es dir gefallen, Mich gnädig anzu⸗ sehn! 3. Erhabner Ehrenkönig! Komm, zieh' in meinem Her⸗ zen ein! Die ganze Welt, wie wenig Wird sie in mei⸗ nen Augen sein; Wenn du mit Heil und Frieden Zu mir, dem Sünder, eilst, Und gnädiglich hienieden Mir Trost und Rath ertheilst; Wenn die erfreute Seele In deiner Liebe ruht Und deines Worts Befehle Mit sanftem Willen thut. 4. Heil mir, du kommst gegangen! Sieh her, ich öffne meine Thür! Mit brünsti⸗ gem Verlangen Erwartet dich die Seele hier! Dir wallt mein Herz entgegen, Das dich in Demuth liebt Und sich in deinen Wegen h/ : 2 7 —— X.—WfSf— 3— ————..9———.‚J.— IV. Adventlieder. 87 Zu wandeln kindlich übt. Vor dir werf' ich mich nie— der Und bete gläubig an, Weil ich durch dich nun wieder Zum Vater kommen kann. 32— O/ wenn ich dich nur habe, Immanuel, was sehlt mir dann Dann acht' ich keiner Gabe, Die Erd' und Himmel geben kann. Dann bin ich hoch erhoben, An allen Gütern reich, Kind Gottes hier, und droben Den sel'gen Engeln gleich, Dann ist des Himmels Wonne Und jene Krone mein. Ein Strahl von dir, o Sonne, Verdunkelt jeden Raan Hilf, Herr, laß wohl⸗ cbncsul Hilf, Helfer, mei⸗ ner Schwachheit auf! Gieb Wollen und Vollbringen Und fördre gnädig meinen Lauf, Daß ich nur dir ge⸗ falle, Du, meiner Seele Glück, Und kindlich vor dir walle In jedem Augenblick, Daß ich dir unterthänig Und stets gehorsam sei. Ja, Herr,— in Gott, mein Kö⸗ nig, Dir schwör ich ew'ge Treu'! 7. Wenn du dereinst er⸗ scheinest, Umringt von dei⸗ ner Engels chaar, Und dann dein Volk vereinest, Das dir schon hier ergeben war; Dann blick' ich voller Freu⸗ den Auf dich, mein König, hin, Nichts kann mich von dir scheiden, Weil ich schon deine bin. RNichts ist, das mich erschrecket, Weil dein Verdienst mich schützt, Der Herr ist's, der mich decket, Der auf den Wolken sitzt! M. C. v. Silberrad, ums Jahr 1750. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛc. 1. Petri 3, 15. 1 10. Mar Hen kinder, Das Herz in euch bestellt! Bald wird das Heil der Sünder, Der wunder⸗ starke Held, Den Gott aus Gnad' allein Der Welt zum Licht und Leben Ge⸗ sendet und gegeben, Bei Allen kehren ein. 2. Bereitet doch fein tüch— tig, Den Weg dem großen Gast, Macht seine Steige richtig, Laßt Alles, was er haßt; Macht alle Bahnen recht, Die Thal' laßt sein erhöhet, Macht niedrig, was hoch stehet, Was krumm ist, gleich und schlecht. 3. Ein Herz, das Demuth liebet, Bei Gott am as sten steht; Ein Herz, das Hochmuth übet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, 88 IV. Adventlieder. das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach, mache du mich Armen Zu dieser heil'gen Zeit Aus Güte und Erbar⸗ men, Herr Jesu, selbst be⸗ reit! Zeuch in mein Herz hinein Vom Stall und von der Krippen: So werden Herz und Lippen Dir all⸗ zeit dankbar sein. Valentin Thilo, 1607—1662. Mel. Aus meines Herzens ꝛc. Sach. 2, 10. 111.U.Hemd men, In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit; Zwar ohne stolze Pracht, Doch mächtig, zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Seepter, keine Krone Sucht er auf dieser Welt; Im hohen Himmels— throne Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät ver— hüllen, Bis er des Vaters Willen Gehorsamlich voll— bracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an, Wollt ihr berathen wer⸗ den Und gehn die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt! Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Ho— heit trachtet, Des Herren Zorn euch rührt. 4. Ihr Armen und Elen⸗ den In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seid dennoch wohlge— muth, Laßt eure Lieder klin⸗ gen, Dem König zu lobsin⸗ gen, Der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald er⸗ scheinen In seiner Herrlich— keit Und alles Leid und Weinen Verwandeln ganz in Freud'; Er ist's, der hel⸗ fen kann. Halt't eure Lam⸗ pen fertig Und seid stets sein gewärtig; Er ist schon auf der Bahn! Michgel Schirmer, 1606—1673. Mel. Erschienen ist der herrlich' ꝛc. Ps. 95, 2. 112 N kommt das neue Kirchen⸗ jahr, Deß freut sich alle Christenschaar. Dein König kommt, drum freue dich, Du werthes Zion, ewiglich. Halleluja! 2. Wir hören noch das Gnadenwort, Vom Anfang immer wieder fort, Das IV. Adventlieder. 89 uns den Weg zum Leben weist. Gott sei für solche Gnad' gepreist. Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, Die unsren Glauben stets vermehrt, Laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für. Halleluja! Dr. Johann Olearius, 1611—1684. Mel. Freu dich sehr, o meine ꝛc. Ps. 24, 9. 113. Wuanen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß dir bei mir einzugehen Wohlgefallen, du mein Stern! Du, mein Jesu, meine Freud', Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Hei— land, meinem Herzen Von den Wunden, die mich schmerzen! 2. Meine Wunden sind der Jammer, Welchen oft— mals Tag und Nacht Des Gesetzes starker Hammer Mir mit seinen Schrecken macht. O der schweren Don— nerstimm', Die mir Gottes Zorn und Grimm Also tief ins Herze schläget, Daß sich all mein Blut beweget! 3. Dazu kommt des Teu⸗ fels Trügen, Der mir alle Gnad' absagt, Als müßt' ich nun ewig liegen In der Hölle, die ihn plagt. Ja auch, was noch ärger ist, So zermartert und zerfrißt Mich mein eigenes Gewissen Mit vergift'ten Schlangen⸗ bissen. 4. Will ich denn mein Elend lindern Und erleich— tern meine Noth Bei der Welt und ihren Kindern, Sink' ich vollends in den Tod: Da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, Gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist Alles nichtig; Nichts ist, das nicht kraftlos wär'. Hab' ich Ho— heit, die ist flüchtig; Hab' ich Reichthum, was ist's mehr, Als ein Stücklein ar⸗ mer Erd'? Hab' ich Lust, was ist sie werth? Was ist, das mich heut erfreuet, Das mich morgen nicht gereuet? 6. Aller Trost und alle Freude Ruht in dir, Herr Jesu Christ; Dein Erfreuen ist die Weide, Da man sich recht fröhlich ißt. Leuchte mir, o Freudenlicht, Ehe mir mein Herze bricht; Laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich er⸗ blicken! 7. Freu' dich, Herz, du bist erhöret; Jetzo kommt 90 IV. Adventlieder. und zeucht er ein; Sein Gang ist zu dir gekehret, Heiß' ihn nur willkommen sein Und bereite dich ihm zu; Gieb dich ganz zu seiner Ruh', Oeffne dein Gemüth und Seele, Klag' ihm, was dich drück' und quäle. 8. Was du Böses hast begangen, Das ist Alles ab— geschafft, Gottes Liebe nimmt gefangen Deiner Sünden Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, Und was Böses in der Welt Sich will wider dich erre— gen, Wird zu lauter Glück und Segen. 9. Alles dient zu deinem Frommen, Was dir bös und schädlich scheint, Weil dich Christus angenommen Und es redlich mit dir meint. Bleibst du dem be⸗ ständig treu, Ist's gewiß und bleibt dabei, Daß du mit den Engeln droben Ihn dort ewig werdest loben. Paul Gerhardt, 1606-1676. Mel. Meinen Jesum laß ꝛe. Hiob 33, 28. 1 1 4 W* ein Licht am Him⸗ melsthor Ist der langen Nacht entglommen? Kirche Christi, schau empor! Heiße deinen Herrn willkommen! Auf, zum Tempel und Al⸗ tar! Heut' beginnt dein neues Jahr. 2. Nicht die Sonn' am Firmament Schafft dir die— ses Tages Wonne. Den dein Glaube Mittler nennt, Er ist selbst dir Licht und Sonne, Und in seinem Schein erhellt Sich des Glaubens Wunderwelt. 3. Selig, wer an Chri⸗ stum glaubt! Leben giebt er unsrem Leben. Wir die Glieder, er das Haupt, Er der Weinstock, wir die Re⸗ ben. Die in seiner Liebe ruhn, Können ohne ihn Nichts thun. 4. Christen, unser An⸗ fang sei In des Herrn ge— weihtem Ramen!„Sieh! ich mache Alles neu!“ Ist sein Gruß; die Antwort: „Amen!“ Amen, zu des Herrn Empfang Tönt der Kirche Lobgesang! Johann Michael Uhlich, 1713—1774. Mel. Valet will ich dir ꝛe. Joh. 1, 11. 12. 115. W55 10 . dich em⸗ pfangen, Und wie begegn' ich dir? O aller Welt Ver⸗ langen, O meiner Seelen Zier! O, Jesu, Jesu, setze Mir selbst die Fackel bei, ——.—.—— Al⸗ dein am die⸗ Den nnt, und nem des hri⸗ t er die Er Re⸗ iebe ihn An⸗ ge⸗ ieh! 6 ort: des der 74. IV. Adve ntlieder. 91 Damit, was dich ergötze, Mir kund und wissend sei! 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis, Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unter⸗ lassen Zu meinem Trost und Freud'? Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, Da Fried' und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen, Und hast mich froh ge— macht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst, und machst mich los; Ich stand in Spott und Schanden, Du kommst, und machst mich groß, Und hebst mich hoch zu Ehren, Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie Erden⸗ reichthum thut. 5. Nichts, Nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als das ge⸗ liebte Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großen Jam⸗ mers Last, Die kein Mund S kann aussagen, So fest um⸗ fangen hast. 6. Das schreib' dir in dein Herze, Du hochbetrüb⸗ tes Heer, Bei denen Gram und Schmerze Sich häufen mehr und mehr. Seid un⸗ verzagt, ihr habet Die Hilfe vor der Thür! Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht: Er kommt, Q er kommt mit Willen, Ist voller Lieb' und Lust, All' Angst und Noth zu stil⸗ len, Die ihm an euch be— wußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sün⸗ denschuld: Nein, Jesus will sie decken Mit seiner Lieb' und Huld! Er kommt, er kommt den Sündern Zu Trost und wahrem Heil,— Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib' ihr Erb' und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind' und ihrer Tück'? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem wahrlich aller Feind Auf Er⸗ 92 V. Weihnachtslieder. den viel zu wenig Zum Widerstand erscheint. 10. Er kommt zum Welt⸗ gerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad' und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol' uns allzumal Zum ew'gen Licht und Wonne In deinen Freudensaal. Paul Gerhardt, 1606—1676. V. Weihnachtslieder. Erscheinung und Darstellung Christi. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Joh. 3, 16. IYlso hat Gott 116. Ane Wel geliebt, Daß er aus freiem Trieb' Uns seinen Sohn zum Heiland giebt. Wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbar⸗ mungsvoller Rath Schon in der Ewigkeit Zu unsrem Heil beschlossen hat, Voll— führt er in der Zeit. 3. Er, unser Freund und bestes Gut, Der Alle segnen kann, Des Höchsten Sohn nimmt Fleisch und Blut, Doch ohne Sünde, an. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir! Du wirst ein Mensch, wie ich, Daß ich mit Gott sei, Gott mit mir. Wie sehr beglückst du mich! 5. Du, Sohn des Aller⸗ höchsten, wirst Auch mir durch Rath und That Ein Helfer, und mein Friede⸗ fürst Auf dieses Lebens Pfad. 6. Was mir zum Selig⸗ sein gebricht, Schafft deine Lieb' auch mir: Versöhnung, Leben, Trost und Licht. Wie Viel hab' ich an dir! 7. Dein Mangel wird mein reiches Theil, Dein Leiden stillt mein Leid. Durch deine Demuth, Herr, mein Heil, Gewinn' ich Herr— lichkeit. 8. Gelobt sei Gott, Gelobt sein Sohn, Durch den er Gnad' erweist! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron, Erheb' ihn auch mein Geist! M. Heinrich Cornelius Hecker, 1699—1743. Me 1. genli Mor wied Leud Es ein läng 2. nimi selg heit auf, Daß gem werl besb und Wel sind Es Lam der Erscheinung und Darstellung Christi. 93 Mel. Kommt her zu mir ꝛe. 5 1. Joh. 4, 9. 10. 117 Biich an du schönes Mor⸗ genlicht! Das ist der alte Morgen nicht, Der täglich wiederkehret; Es ist ein Leuchten aus der Fern', Es ist ein Schimmer, ist ein Stern, Von dem ich längst gehöret. 2. Der Himmel ist jetzt nimmer weit, Es naht die sel'ge Gotteszeit Der Frei⸗ heit und der Liebe. Wohl⸗ auf, du frohe Christenheit, Daß Jeder sich nach lan⸗ gem Streit In Friedens⸗ werken übe! 3. Ein ewig festes Lie⸗ besband Hält jedes Haus und jedes Land Und alle Welt umfangen. Wir alle sind ein heil'ger Stamm, Es spielt der Löwe mit dem Lamm, Das Kind am Nest der Schlangen. 4. Wer ist noch, der da sorgt und sinnt? Hier in der Krippe liegt ein Kind Mit liebender Ge⸗ berde. Wir grüßen dich, du Gottesheld; Willkommen Heiland aller Welt, Will— kommen auf der Erde! Max von Schenkendorf, 1784—1817. Mel. Aus meines Herzens ꝛc. Joh. 1, 1—14. 1 18 D* bei dem Va⸗ ter thronet, Und Alles trägt und hält, Das Wort wird Fleisch, und wohnet Auf unsrer armen Welt! Welch Herz im Staub ermißt Dies göttlich große Lieben, Das dich zu uns getrieben, Mein Hei⸗ land, Jesu Christ! 2. Gieb Augen uns, zu sehen, Herr, deine Herr⸗ lichkeit, Und Herzen, zu verstehen Die angenehme Zeit, Und laß zu Davids Stadt Uns von dem Sterne leiten, Der alle Dunkel⸗ heiten In Licht verwan⸗ delt hat. 3. Der Sohn von gleichem Wesen, In welchem Gott uns schon Vom An⸗ beginn erlesen, Wird nun Mariens Sohn, Nimmt unsre Menschheit an, Und wird uns gleich auf Erden, Ein Mittler uns zu werden, Der Mitleid haben kann. 4. O Herrlichkeit voll Gnaden, Du Herrlichkeit des Herrn! Wie heilt der Sohn den Schaden Der Sünder⸗ welt so gern! Er stellt sich für uns dar, Vergebung zu erringen, Und für uns 94 V. Weihnachtslieder. zu vollbringen, Was uns unmöglich war. 5. O einzig wahre Gnade, Mein Trost bist du allein, Und sollst auf mei— nem Pfade Mir Stab und Stecken sein. Hier ist, was mir gebricht; Mag alles Andre schwinden, Nur hier ist Heil zu finden, Und Lebenskraft und Licht! Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch. Mel. Aus meines Herzens ꝛe. 1. Cor. 3, 11. 1—1 9 De heil'ge Christ N. ist kommen, Der theure Gottessohn; Deß freun sich alle From— men Am höchsten Himmels— thron. Auch was auf Erden ist, Soll preisen hoch und loben Mit allen Engeln droben Den lieben heil'gen Christ. 2. Das Licht ist aufge— gangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sünden⸗ angst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf ei— nem sichren Steg. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder Verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gnadenschooß. Er will, daß Alle, rein Von ihrem alten Schaden, Vertrauend seinen Gnaden, Gehn in den Himmel ein. 4. Drum freut euch hoch und preiset, Ihr Seelen, fern und nah'! Der euch den Vater weiset, Der heil'ge Christ ist da. Er ruft euch insgemein Mit süßen Liebesworten:„Geöff⸗ net sind die Pforten, Ihr Kinder, kommt herein!“ Ernst Moritz Arndt, 1769. Mel. Schatz über alle Schätze ꝛc. 2. Petri 3, 18. 120 Di. heiligste der Nächte Brach einst auf stiller Bahn Dem menschlichen Geschlechte Zum frohen Jubel an. Er kam aus Himmelsfernen Zur Erde wunderbar, Der über allen Sternen Im Schooß des Vaters war. 2. Der Heiland ist ge⸗ boren, Den Gottes Vater— huld Von Ewigkeit erkoren Zum Tilger aller Schuld. Er ist zu uns gekommen In jener Wundernacht, Und was kein Ohr vernommen, Hat er der Welt gebracht. 0 Alte ein, Ehr sein beu, Kre steie und 0 Erd Su Ser des Ty: fliel Her Lie! I der bar wie wa 27 gste ichte ahn chte Er nen Der Im ge⸗ ter⸗ Hren uld. zarstellung Christi. 95 Erscheinung und D 3. Er naht, und die Altäre Der Götzen stürzen ein, Bei allem Volk in Ehre Soll nur der Vater sein. Vor seinem Namen beuge Sich aller Welten Kreis, Zu ihm allein nur steige Der Menschheit Dank und Preis. 4. Er kommt, damit die Erde, Vom Fluch der Sünde frei, Ein Haus des Segens werde, Ein Sitz des Friedens sei; Die Tyrannei verschwinde, Es fliehe Haß und Streit, Und Herz an Herz sich binde In Lieb' und Einigkeit. 5. Er heiligt seine Brü— der, Und stärkt sie wunder⸗ bar; Er bringt die Unschuld wieder, Die längst entflohen war. Der Tugend Bahn zu wallen, Macht er sein Volk geschickt, Daß Gott mit Wohlgefallen Auf unsre Erde blickt. 6. Sei auf des Lebens Pfade Ein treuer Führer mir, Und nimm, du Herr der Gnade, Mich selig einst zu dir; Führ' aus den Kümmer⸗ nissen Mich durch die letzte Noth, Mit Frieden im Ge⸗ wissen, Zum Leben durch den Tod. Neues Leipziger Gesangbuch, 1814. 70 1 7 Mel. Vom Himmel hoch ꝛe. Pf. 118, 24. 121. Diss ist der 20 den Gott 1— 0 Sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward. Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wun⸗ der fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an und er ermißt, Daß Gottes Lieb' unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad' erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir.„Ich komm', in Buche steht von mir; Gott, deinen Willen 5—0 ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren bist, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, 96 V. Weihnachtslieder. Dich, Gott Messias, bet' ich an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 8. Gedanke voller Ma⸗ jestät! Du bist es, der das Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! Du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schooße sitzt? 10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt! Und Erde, die ihn heute sieht, Sing' ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist! M. 73 Fürchtegott Gellert, 715—1769 M el. Wer nur den lieben Gott ꝛe. Joh. 8, 12. 122. D. nach d mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel die⸗ nen, Bringt Licht in meine Dunkelheit, Und dieses Welt⸗ und Himmelslicht Weicht hundertttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein; Er treibet weg der Höllen Macht, Der Sünden und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der klaren Seligkeit, Wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen, Vielleicht noch in gar kurzer Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Al— les sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens-— und dein Liebeslicht; Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht. Willst du ge— nießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dun— kel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst! Dein Licht sei meine Weihnachts— Erscheinung und Darstellung Christi. 97 wonne, Und lehre mich die Weihnachtskunst, Wie ich im Lichte wandeln soll Und sei des Weihnachtsglaubens voll. M. Caspar Friedrich Nachtenhöfer, 1624—1685. Mel. Lobe den Herren, den ꝛc. Lue. 2, 14. 123. Elnuergabe der Herr ist geboren, Sün⸗ dern zum Heiland vom Höch— sten aus Gnaden erkoren. Lasset uns sein Dankvoll, ihr Christen, uns freun! Ist er nicht uns auch geboren? 2. Schatten und Dunkel bedeckten den Erdkreis; es irrten Völker umher, wie die Heerden verlassen von Hirten. Jesus erschien: Nächte verschwanden durch ihn, Die auch die Weisen verwirrten. 3. Menschen, bestimmt, Gott durch Liebe der Brüder zu ehren, Haßten mit Bit⸗ terkeit sich an der Gottheit Altären. Jesus erschien, Und es ward Friede durch ihn: Friede! singt's laut ihm zu Ehren! 4. Wohlthun und Segen entsprossen des Göttlichen Schritten, Trost und Er⸗ quickung trug er in der Weinenden Hütten; Selbst er, ihr Freund, Hatte viel— fältig geweint, Selbst auch geduldet, gelitten. 5. Ehre sei Gott in der Höhe! ein ewiges Leben Hat er durch ihn, seinen Sohn, uns erbarmend gegeben. Bis in das Grab Stieg er vom Himmel herab, Einst uns zum Himmel zu heben. 6. Wohl mir, wenn ich dann ihn, meinen Erretter, auch sehe Und mit den Schaaren Vollendeter ewig erhöhe. Völlig beglückt Sing' ich dann himmlisch entzückt: Ehre sei Gott in der Höhe! Dr. August Hermann Niemeyer, 1754—1828. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛc. Luc. 1, 46. 47. 12 4 CE den * Herrn, ihr Frommen! Er hält, was er verspricht. Der Heiland ist gekommen, Der Völker Trost und Licht. Gott, der uns nicht verstößt, Hat uns zum Heil und Leben Selbst sei— nen Sohn gegeben; Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o, welche Liebe Hat uns der Herr erzeigt! Mit welchem Vatertriebe Sein Herz zu uns geneigt! Von seiner Himmel Thron 7 98 V. Weihnachtslieder. Kommt, Rettung vom Ver⸗ derben Uns Sündern zu er⸗ werben, Sein eingeborner Sohn! 3. Er kommt zu uns auf Erden In tiefer Nie⸗ drigkeit; Nimmt auf sich die Beschwerden Von unsrer Pilgerzeit; Enthält sich sei⸗ ner Macht, Verleugnet Him⸗ melsfreuden, Bis er durch Todesleiden Sein großes Werk vollbracht. 4. Er hat's vollbracht. O, bringet Gott euren Lob— gesang! Erlöste Menschen, singet Dem Mittler ewig Dank! Wo Niemand helfen kann, Da hilft er gern aus Gnaden, Heilt unsrer Seelen Schaden. O, nehmt ihn gläubig an! 5. Du Freund der Men⸗ schenkinder, Verwirf uns, Jesu, nicht! Dein Name, Heil der Sünder, Ist unsre Zuversicht. Gieb unsren Seelen Ruh'; Hilf jeden Reiz zu Sünden Uns glück⸗ lich überwinden; Gieb Muth und Kraft dazu! 6. Dich wollen wir er— heben Hier und in Ewig⸗ keit, Wo uns ein beßres Leben Vor deinem Thron erfreut. Dann sind wir ewig dein, Und Nichts wird uns mehr fehlen; Dann werden unsre Seelen Voll⸗ kommen selig sein. M. Michael Schirmer, 1606—1673. Mel. Nun danket Alle Gott ꝛe. Matth. 11, 2—6. 17 er ist gekom⸗ 12. Een 5 Nuf den die Väter harrten, Und länger dürfen wir Nun kei— nes Andren warten, Er, der Propheten Wunsch, Den Könige so gern Sehn woll— ten, er ist da, Wir haben ihn zum Herrn! 2. Uns ist der Sohn ge⸗ schenkt, Er, welcher kommen sollte, Der Völker Licht zu sein, Der uns erlösen wollte; Er ist erschienen, dankt, Bringt Ruhm und Ehre her; Wer ist ein Helfer, wer Emmanuel, als er? 3. Gott ist mit uns! Wir sehn Den Sohn, den einge⸗ bornen, Des Vaters Herr⸗ lichkeit, Den Retter der Ver⸗ lornen, Der Reuevollen Trost; Ihr Sünder, nehmt ihn an! Er ist allein der Herr, Der selig machen kann. 4. Gott ist mit uns! Nun hört Der Arme seine Lehren, Und was er lehrt, ist Heil; Er ist's: die Tau⸗ ben hören, Der Blinde sieht, und schaut Voll Dank * Erscheinung und Darstellung Christi. 99 zu Gott hinauf, Der Lah⸗ men Füße gehn, Die Tod⸗ ten stehen auf. 5. Er ist gekommen, uns Dem Vater zu versöhnen, Und mit Barmherzigkeit Die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns! Er will Die Traurigen erfreun, Er will der Schwachen Kraft, Der Müden Stärke sein. 6. Gott ist mit uns! Er ist's, Auf den die Väter harrten; Lobsingt, wir dür⸗ fen nun Nicht eines Andren warten: Er schließt den Himmel auf, Er nimmt die Sünder an; Frohlockt und betet ihn Und seinen Vater an! Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Eigene Melodie. Tob. 9, 2. 126 C 2 mein schwa⸗ cher Geist, Und trage groß Verlangen, Ein kleines Kind, das Vater heißt, Mit Freu⸗ den zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam Und menschlich Wesen an sich nahm, Dadurch die Welt mit Treuen Als seine Braut zu freien. 2. Willkommen, süßer Bräutigam, Du König aller Ehren! Willkommen Jesu, Gottes Lamm! Ich will dein Lob vermehren, Ich will dir all mein Lebenlang Von Herzen sagen Preis und Dank, Daß du, da wir ver⸗ loren, Für uns bist Mensch geboren. 3. O großer Gott, wie konnt' es sein, Dein Him⸗ melreich zu lassen, Zu kom⸗ men in die Welt herein, Da Nichts, denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, Dein Kö⸗ nigreich, die Freudenpracht, Ja, dein erwünschtes Leben Für solche Feind' hingeben? 4. Ist doch, Herr Jesu, deine Braut Ganz arm und voller Schanden; Doch hast du sie dir selbst ver⸗ traut Am Kreuz in Todes⸗ banden. Ist sie doch Nichts als Aergerniß, Fluch, Elend, Tod und Finsterniß; Doch willst du ihretwegen Den Scepter von dir legen. 5. Du Fürst und Herr⸗ scher dieser Welt, Du Frie— denswiederbringer, Du klu— ger Rath und tapfrer Held, Du starker Höllenzwinger! Wie ist es möglich, daß du dich Erniedrigtest so jämmer⸗ lich, Als wärest du im Or— den Der Bettler Mensch ge— worden? 7* ͥIExx ——— 100 V. Weihnachtslieder. 6. O großes Werk, o Wundernacht, Dergleichen nie gefunden! Du hast den Heiland hergebracht, Der Alles überwunden; Du hast gebracht den starken Mann, Der Feu'r und Wolken zwingen kann, Vor dem die Himmel zittern Und alle Berg' erschüttern. 7. O liebes Kind, o süßer Knab', Holdselig an Geber⸗ den, Mein Bruder, den ich lieber hab', Als alle Schätz' auf Erden! Komm, Schön— ster, in mein Herz hinein, Komm eiligst, laß die Krippe sein; Komm, komm, ich will bei Zeiten Dein Lager dir bereiten! 8. Sag' an, mein Her⸗ zensbräutigam, Mein' Hoff⸗ nung, Freud' und Leben, Mein edler Zweig aus Ja— cobs Stamm, Was soll ich dir doch geben? Ach, nimm von mir Leib', Seel' und Geist, Ja, Alles, was Mensch ist und heißt; Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. 9. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, Sei dir von mir gesungen, Daß du mein Bruder worden bist Und hast die Welt bezwun⸗ gen. Hilf, daß ich deine Gütigkeit Stets preis' in dieser Gnadenzeit Und mög' hernach dort oben In Ewig— keit dich loben! Johann Rist, 1606—1667. Mel. O du Liebe meiner Liebe ꝛc. Phil. 4, 4. 127. 2 197 Men schenkinder, Freut euch beide, groß und klein! Freuet euch, verlorne Sünder! Selig, se— lig sollt ihr sein! Der, dem sich die Himmel neigen, Dessen Wort die Welt ge— bar, Stellt sich in der Weih— nacht Schweigen Niedrig, als ein Kindlein, dar. 2. Alle Himmelsheere sin— gen, Und die Welt, sie hö— ret's nicht, Sieht nicht durch das Dunkel dringen Das verheißne Himmelslicht. In der tiefsten Armuth Stille, Wo die Welt Nichts sucht und find't, Wird erfüllt des Ew'gen Wille, Und die Lieb' erscheint als Kind. 3. Euch ist dieses Kind geboren, Euer Heiland Je— sus Christ! Ohne den die Welt verloren Und der Hölle Vorhof ist. Höret es, ihr Menschenkinder: Hier, hier ist Immanuel! Kommet her, verzagte Sünder, Glaubt und rettet eure Seel'! 4. Jesus ist die Weih⸗ ————5———— Erscheinung und Darstellung Christi. 101 nachtsgabe, Die uns Gott vom Himmel beut; Er ist Geber und ist Gabe, Wer ihn nimmt, wird hoch er— freut; Darum greifet zu, ihr Kinder, Nehmet den zur Weisheit an, Der allein ge— recht die Sünder Und sie heilig machen kann! Christian Heinrich Zeller, geb. 1779. Mel. Warum sollt ich mich ꝛc. Lur. 2, 17. röhlich ll 128. Hen Heeß springen Dieser Zeit, Da vor Freud' Alle Engel sin⸗ gen. Hört, hört, wie mit vollen Chören Alle Luft Jauchzend ruft: Christus ist geboren! 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir Mensch zu Gute; Gottes Kind Das verbind't Sich mit unsrem Blute. 3. Sollt' uns Gott nun können hassen, Der uns giebt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott giebt, unsrem Leid zu wehren, Seinen Sohn Aus dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, Der sein Reich Und zugleich Sich selbst uns ver— ehret? Sollt' uns Gottes Sohn nicht lieben, Der jetzt kömmt, Von uns nimmt, Was uns will betrüben? 5. Hätte vor dem Men⸗ schenorden Unser Heil Einen Greu'l, Wär' er nicht Mensch worden. Hätt' er Lust zu unsrem Schaden, Ei, so würd' Unsre Bürd' Er nicht auf sich laden. 6. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir ge⸗ than, Giebt sich an, Unser Lamm zu werden, Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Heil und Fried' erwirbet. 7. Nun, er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset fahren, lie⸗ ben Brüder, Was euch quält! Was euch fehlt: Ich bring' Alles wieder. 8. Ei, so kommt und laßt uns laufen, Stellt euch ein, Groß und Klein, Kommt mit großen Haufen! Liebt den, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wah⸗ ren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den 102 V. Weihnachtslieder. Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 10. Wer sich find't be⸗ schwert im Herzen, Wer em⸗ Gaut Seine Sünd' Und Geii ssensschmerzen, Sei ge⸗ trost: hier wird gefunden, Der in Eil' Machet heil Die vergift'ten Wunden. 11. Die ihr arm seid und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Da ihr sollt Euer Herz mit laben. 12. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt an— hangen! Du bist meines Le— bens Leben; Nun kann ich Mich durch dich Wohl zu— frieden geben. 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken; Denn du hast Meine Last All' auf deinem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, Ich bin gar Rein und klar Aller meiner Sünden. Ich bin rein um dei— netwillen, Du giebst g'nug Ehr' und Schmuck, Mich drein einzuhüllen. Ich will dich ins Herze schließen; O mein Ruhm, Edle Blum', Laß dich recht genießen! 15. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier Und mit dir endlich schweben Voller Freud', Ohne Zeit, Dort, im andern Leben. Paul Gerhardt, 1606—1676. 5 Melodie. Offenb. 5, 12. 129. gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du Mensch geboren bist Von einer Jungfrau, das ist wahr! Deß freuet sich der Engel Schaar. Kyrie eleison! 2. Des ew'gen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippe find't, In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ew'ge Gut. Kyrie eleison! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, Der lieget in Mariens Schooß; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding' erhält allein. Kyrie eleison! 4. Das ew'ge Licht geht da herein, Giebt der Welt ein'n neuen Schein; Es leucht't wohl mitten in der Nacht, Und uns des Lich— tes Kinder macht. Kyrie eison! 5. Der Sohn des Va⸗ ters, Gott von Art, Ein Gast in der We It hier heimfahren. Mit dir will ich —2.—‚ I Erscheinung und D arstellung Christi. 103 ward Und führt uns aus dem Jammerthal, Macht uns Erben in seinem Saal. Kyrie eleison! 6. Er ist auf Erden kom⸗ men arm, Daß er unser sich erbarm' Und in dem Himmel mache reich Und 54934 lieben Engeln gleich. Kyrie eleison! 7. Das hat er Alles uns gethan, Sein' Lieb' zu zeigen an; Deß freu' sich alle hristenheit Und dank' ihm deß in Ewigkeit. Kyrie eleison! Dr. Martin Luther, 1483—1546. Mel. Gott des Himmels und ꝛc. Pf. 46, 2—4. 130.•⁵⁰⁵ mit uns, mit uns auf Erden! Völker, hört's in dunkler Welt! Hört, zum Paradiese werden Soll das große Dornenfeld! Er zieht ein, der Fluch hinaus, Und die Erd' ist Gottes Haus. 2. Gott mit uns! Im Fleisch erschienen Ist das göttlich ew'ge Wort! Brü⸗ „seht! mit Himmelsmie⸗— nen Lächelt ans das Kind⸗ lein dort; Der Gefallnen Iuesicht Adelt seiner Augen Licht. 3. Gott mit uns in Nacht und Jammer, Nacht und Jammer zu zerstreun! Schaut! ein Stall ist seine Kammer, Eine Lradie schließt ihn ein; Nun er⸗ blüht im hellen Raum Uns der reiche Lebensbaum. 4. Gott mit uns! für uns im Streite! Die ihr als Gebundne weint, Kommt und jubelt als Befreite, Denn er schlägt den alten Feind, Und im blut'gen Siegsgewand Reicht er uns 8 „Gott mit uns im letz⸗ —— Grauen, Er bei uns im Todesthal! Seht, des neuen Lebens Auen Leuchten uns im Osterstrahl! Christus führt uns aus dem Leid Heimathwärts zur Seligkeit. 6. Gott mit uns für Ewigkeiten— Hier und dro— ben unser Licht! Laßt die Zeit— Un⸗ ser Leben endet nicht! Auf, begrüßt den Morgenstern, Kommt zum Kindlein, kommt zum Herrn! Dr. Johann Peter Lange, geb. 1802. Mel. Herzlich thut mich ꝛe. Joh. 5, 12. 1 3 1. der Heiden, Der Frommen Schatz und Lieb'! Wir kommen jetzt mit err Jesu, Licht Freuden Durch deines Gei⸗— 104 V. Weihnachtslieder. stes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier, Nach Simeons Exem⸗ pel, Dich großen Gott all— hier. 2. Du wirst von uns ge⸗ funden, O Herr, an jedem Ort, Dahin du dich verbun⸗ den Durch dein Verheißungs— wort; Vergönnst noch heut' zu Tage, Daß man dich gleicher Weis' Auf Glau⸗ bensarmen trage, Wie hier der alte Greis. 3. Sei unser Glanz in Wonne, Ein helles Licht in Pein, In Schrecken unsre Sonne, Im Kreuz ein Gna⸗ denschein, In Zagheit Gluth und Flamme, In Noth ein Freudenstrahl, In Krankheit Arzt und Amme, Ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß auch uns gelingen, Daß einst, wie Simeon, Ein jeder Christ kann singen Den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden Mein' Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Hei— land hab' erblickt. 3. Ja, ja, ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut. Kein Feind kann dir mich rauben, Wie heftig auch dräut. Ich wohn' in deinem Herzen, Und in dem meinen du; Uns schei— den keine Schmerzen, Kein' Angst, kein Tod dazu. 6. Hier blickst du zwar zuweilen Mich hart und ernst— lich an, Daß oft vor Angst und Heulen Ich dich nicht kennen kann; Dort aber wird's geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Lich. Johann Frank, 1618—1677. Mel. O du Liebe meiner ꝛe. Matth. 21, 1—9. 132 sianna, Da⸗ 2* V vids Sohne, Dem Gesegneten des Herrn, Dem im vollen Licht und Klarheit Aufgegangnen Ja⸗ cobsstern! Heil und Glück und Sieg und Segen Sei mit diesem heil'gen Christ, Der im Namen unsres Got⸗ tes Zu uns Menschen kom⸗ men ist. 2. Hosianna in der Höhe, Lob im Himmel vor dem Thron! Macht und Herrlich— keit und Ehre Gottes ein— gebornem Sohn! Hosianna auf 15 Erden! Ruft ihm aller Odem zu. Hosianna dem, der kommet! Meine Seele, ruf' auch du! Christoph Carl 1794 von Pfeil, 1712—178 *.teeee Me ä———‚——— Erscheinung und Darstellung Christi. 105 Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Matth. 2, 11. 133. J großer Wunderstern, Der aus Jacob ist erschie nen, Meine Seele will so gern Dir an deinem Feste dienen. Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaͤubens hin: Wie ich's von dir selber habe Und damit beschenket bin, So ist dir's die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein In des Elends Ofen sein. 3. Nimm den Weih rauch des Gebets, Laß ihn gnädig dir genügen; 4Herz rz und Lippen sollen stets, Ihn zu opfern, vor dir lie— gen. Wenn ich bete, nimm es auf Und sprich Ja und Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Reu'; Ach, mich schmerzet meine Sünde! Aber du bist fromm und treu, Daß ich Trost und Gnade finde Und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. ih⸗ ihn N. Erdmann 1750.„ 671—1756 Mel. Du, o schönes ꝛc. Joh. 1, 11. 12. 134. 1˙⁷ ster Jesu, sei willkom⸗ men Hier in dieser bösen Welt, Da du nicht wirst angenommen, Da man dich verächtlich hält. Ich, ich will dich nicht verscherzen, Wohne nur in meinem Her⸗ zen. Du bist mein, und ich will dein, Mein herzli ebster Jesu, sein! 2. Zwar du kommst zu uns nicht prächtig, Aber ich bin schon vergnügt; Du bist dennoch reich und mächtig, Hast mir Alles zugefügt, Was mich Sünder, was mich Schwachen Kann ge— recht und selig machen. Du bist mein, und ich will dein, Mein herzliebster! Jesu, sein! 3. Dein so armes Kum⸗ merleben Soll mein Reich— thum allzeit sein; Nun bin ich dir ganz ergeben Und vertraue dir allein, Daß du mir in jenem Leben Wirst die Ehrenkrone geben. Du bist mein, und ich will dein, Mein herz zliebster Jesu, sein! 4. Will dich alle Welt gleich meiden, Dennoch find' ich mich zu dir; Dich und mich soll Niemand scheiden, Sondern ich will für und für Unverrückt an dich nur 106 V. Weihnachtslieder. gläuben, Todt und lebend dein verbleiben. Du bist mein, und ich will dein, Mein herzliebster Jesu, sein! 5. Deine Schmach und deine Schande, Die dir diese Welt anthut, Dienet mir zum höchsten Pfande Und versichert meinem Muth, Daß du mir in jenem Leben Wirst die Ehrenkrone geben. Du bist mein, und ich will dein, Mein herzliebster Jesu, sein! 6. Nun, mein Herze steht dir offen, Zieh', mein Heiland, bei mir ein! Laß mich nicht vergeblich hoffen, Laß mich nur dein eigen sein; Tilge du all mein Verbrechen, So kann ich stets fröhlich spre⸗ chen: Du bist mein, und ich will dein, Mein herzliebster Jesu, sein! M. Samuel Grosser, 1664—1736. Mel. Herr Jesu Christ, dich ꝛe. 1. Zoh. 3, S. 135 2* sei dem 30. J allerhöchsten Gott! Erbarmend sah er unsre Noth Und sandte Jesum, seinen Sohn, Zu uns von seiner Himmel Thron. 3. Ihn sandt' er, unser Trost zu sein, Vom Sün⸗ dendienst uns zu berfrein, Mit Licht und Kraft uns beizustehn Und uns zum Himmel zu erhöhn. 3. O, welch ein liebe⸗ voller Rath! Welch unaus⸗ sprechlich große That! Welch Gnadenwerk, dem keines gleicht, Das nie der Men⸗ schen Lob erreicht. 4. Was sind wir, daß das höchste Gut So große Dinge an uns thut? Was sind wir, daß uns Gott so liebt, Uns seinen Sohn zum Heiland giebt? 5. So nimm ihn denn mit Freuden an, Mach' ihm zu deinem Herzen Bahn, Gieb dich ihm ganz zu eigen hin, Und lebe stets in seinem Sinn. 6. Bei solcher Treu' giebt er dir Theil An dem von ihm erworhnen Heil; Doch hörst du seine Stimme nicht, So wartet deiner das Ge— richt. 7. Wie er voll Huld und Freundlichkeit Erscheint in dieser Gnadenzeit, So kommt er einst mit Majestät, Zum Richter aller Welt erhöht. 8. Dann trifst die Sün⸗ der ew'ge Pein; Die From⸗ men gehn zum Leben ein, Und in des Vaters ew'gem Reich Macht er sie seinen Engeln gleich. 9. Gelobt sei von uns — 1* gleich Thro sein uns 2. Vate ein K dort In e 3. ner und sich Der 4. Mutt ihr f die( Denn 5. entspr letzten Gott Reich. 6. wunde nimm Erscheinung und Darstellung Christi. 107 Jesus Christ, Der uns zum Heil erschienen ist! Gelobt sei Gott, der ihn gesandt, Sein Ruhm erfülle jedes Land! Neues Berliner Gesanßbuch, 1829. Eigene Melodie. obt Gott, ihr 136. 2 Christen, alle gleich—9 seinem höchsten Thron, Der heut aufschließt sein Himmelreich Und schenkt uns seinen Sohn! 2. Er kommt aus seines Vaters Schooß Und wird ein Kindlein klein; Er liegt dort elend, nackt und bloß 95 einem Krippelein. „Er äußert sich all sei⸗ ner Gwalt, Wird niedrig und gering Und nimmt an sich ein's Knechts Gestalt, Der Schöpfer aller Ding'. 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, Nimmt von ihr seine Speis', An dem die Engel sehn ihr' Lust, Denn er ist Davids Reis, 5. Das seinem Stamm entsprießen sollt' In dieser letzten Zeit, Durch welchen Gott aufrichten wollt' Sein Reich, die Christenheit. 6. Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an Und giebt uns in sein's Vaters Reich Die klare Gottheit dran. 7. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; Das mag ein Wechsel sein! Wie könnt' er doch sein freundlicher, Der liebste Jesu mein! 8. Heut' schließt er wieder auf die Thür Zum schönen Paradeis; Der Cherub steht 10 mehr dafür: Gott sei Lob, Ehr' und Preis! Nicolaus Hermann, 1561. Mel. Aus meines Herzeus ꝛc. Tit. 2, 11—14. 137 Menn Licht W auf dunk⸗ lem Pfade, Mein Heiland Jesus Christ, In welchem Gottes Gnade Der dae erschienen ist, Laß dieser Gnade Zucht Mich Selbst verleugnung lehren, Und wirke, dir zu Ehren, In mir des Glaubens Frucht. 2. Damit wir züchtig le— ben, Gottselig und gerecht, Hast du dich selbst gegeben Für's sündige Geschlecht. Zu deiner Gnade Ruhm Er⸗ schienst du, um vom Bösen Ein Volk dir zu erlösen Zu Erb' und Eigenthum. 3. Noch weilt an deiner Krippe Mein Herz anbetungs⸗ voll, Doch weiß die schwache Lippe Nicht, wie sie danken 108 V. Weihnachtslieder. soll; Noch wart' ich in der Zeit, Doch steht ein sel'ges Hoffen Den Glaubensblicken offen In deine Herrlichkeit. 4. Wann einstens all' die Deinen In dir versammelt sind, Wirst wieder du er— scheinen, Nicht mehr als schwaches Kind. Dann faßt das Herz dich ganz Und lebt in sel'ger Wonne, Du wahre Weihnachtssonne, In deines Lichtes Glanz! Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensact, geb. 1801. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛe. Jes. 49, 6. 138. R*— umhüllte rings die Erde, Da sprach noch ein⸗ mal Gott: Es werde! Und Licht entströmte seinem Thron. Christus kam, das Licht der Heiden, Der Hirt will selbst die Heerde wei⸗ den; Als Mensch erscheinet Gottes Sohn. Er hat in unsre Nacht Der Wahrheit Licht gebracht. Jauchzt ihm Alle! In seinem Schein Sollt ihr euch freun Und schon auf Erden selig sein. 2. Dieses Licht erlischt nie wieder, Sein Glanz strahlt herrlich zu uns nie— der, Und Gottes Heil ist uns bekannt. Tragt es nun von Volk zu Volke, Zer⸗ streut des Irrthums düstre Wolke, Erleuchtet werde jedes Land. Ihr Völker, nehmt ihn auf, Und richtet euren Lauf Froh gen Himmel. Er geht voran, Und macht euch Bahn, Am Ziel die Krone zu empfahn. 3. Hört im Geist der Engel Chöre: Gott in der Höh' sei Preis und Ehre! Stimmt ein in ihren Lob⸗ gesang. Kommet zu dem Mahl der Gnaden, Zu dem auch ihr seid eingeladen, Und bringt ihm ewig Preis und Dank; Entbrennt in Sinn und Muth Von heil⸗ ger Liebe Gluth. Glaub' und Hoffnung Trägt euch empor Zum Himmelsthor, Hinauf zu dem, der euch erkor. Karl August Döring, 1783—1844. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Röm. 13, 12. 3 9 R* Iuterniß entflohn, Die Heiden sehn den Morgen schon Und finden den Erretter. Du, den Gott in die Welt ge— sandt, Zerstörest mit gewalt⸗ ger Hand Die Tempel falscher Götter. Du selbst Sammelst Deine Heerde; — Him Frer Men 2. wohr durck mir Lieb sterb brich Bah blieb Mei Hoch Heile 3 Wal kindl kann Wer setzt Wor bist, Blei ter; auf der 4. zum dir Licht Tröf Dem mich bin dir Füll Frer Zer⸗ üstre edes ehmt uren mel. iacht die der der hre! Lob⸗ dem dem den, zreis in heil⸗ aub' euch thor, euch Erscheinung und Darstellung Christi. 109 Himmel, Erde, Sahn mit Freuden Gottes Sohn die Menschen weiden. 2. Der Gottheit Fülle wohnt in dir, Gott kommt durch dich, mein Heil, zu mir Und zeigt mir seine Liebe. Du nimmst mein sterblich Wesen an Und brichst zum Leben mir die Bahn, Daß ich nicht hilflos bliebe. Ewig, Herr, soll Mein Gemüthe Deine Güte Hoch erheben; Du, mein Heiland, bist mein Leben. 3. Ein Herz, das deine Wahrheit liebt Und dir sich kindlich übergiebt, Das kannst du nicht verschmähen. Wer sich zu deinen Füßen setzt Und sich an deinem Wort ergötzt, Wird, wie du bist, dich sehen. Bei dir Bleib' ich Trotz dem Spöt⸗ ter; Sonst kein Retter Ist auf Erden, Durch den Sün⸗ der selig werden. 4. Ich will mich dir zum Opfer weihn Und so dir ewig dankbar sein, Mein Licht! mein Heil! mein Tröster! Ich bete dich in Demuth an. Wer ist, der mich verdammen kann? Ich bin ja dein Erlöster. Von dir Nehm' ich Gnad' in Fülle; Fried' und Stille, Freud' und Segen Find' ich, Herr, auf deinen Wegen. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Mein Freund zerschmelzt ꝛc. Jes. 64, 1—4. 140 Liebe, die * den Himmel hat zerrissen, Die sich zu mir ins Elend niederließ, Was für ein Trieb hat dich bewegen müssen, Der dich zu mir ins Jammerthal verwies? Die Liebe hat es selbst gethan, Sie schaut als Mutter mich in meinem Jammer an. 2. Die Liebe ist so groß in deinem Herzen, Daß du für mich das größte Wun⸗ der thust; Die Liebe macht dir meinetwegen Schmerzen, Daß mir zu gut du unter Dornen ruhst. O unerhörter Liebesgrad, Der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat! 3. Die Liebe ist mein Anverwandter worden, Mein. Bruder ist selbst die Barm⸗ herzigkeit, Die Gottheit selbst lebt nun in meinem Orden, Die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit. Das Leben selbst ist Mensch gebor'n, Der Glanz der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlor'n. 4. In ihm wird nun 110 V. Weihnachtslieder. die Menschheit ausgesöhnet, Die Reinigkeit der Seelen wiederbracht; Sie wird als Braut der Gottheit nun ge— krönet, Da sie der Himmel selbst so angelacht; Die Menschheit wird nun ganz erneut Und als ein reiner Thron der Gottheit ein⸗ geweiht. 5. Die Weisheit spielt nun wieder auf der Erden, Dadurch das Paradies im Menschen grünt; Nun kön⸗ nen wir aus Gott geboren werden, Weil die Geburt des Herren dazu dient; Die neugeborne Seele spürt, Daß sie ein andrer Geist aus ihrem Ursprung rührt. 6. Kein Elend kann nun unser Herz bezwingen, Im⸗ manuel ist bei uns in der Noth; Ich darf ja nur zur Gnadenquelle dringen, So dient mir selbst das Elend und der Tod; Der Jammer hängt mir nur noch an, Der mir in Christo doch nicht schädlich werden kann. 7. Die Sünde kann mich auch nicht mehr verdammen, Dieweil sie selbst durch ihn verdammet ist; Was schaden nun der Seele ihre Flam⸗ men, Da Christi Blut und Wasser in sie fließt? Im⸗ manuel löscht ihren Trieb, Er läßt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb. 8. Ich habe nun ein ewig Leben funden, Viel Reichthum, Ehr' und Wonne schenkt er mir; Ich bin mit ihm, er ist mit mir verbun⸗ den, Den ich in mir mit Liebeswirkung spür'; Ich bin vergnügt und ganz ge⸗ stillt, Weil mich der lautre Strom aus seiner Lieb' erfüllt. 9. Auf, auf, mein Geist, vergiß die Trauerlieder, Er⸗ freue dich in dieser Liebes— macht! Des Himmels Kraft und Glanz bestrahlt dich wieder, Und der 8 6 ist völlig wiederbracht. O ewig, ewig wohl ist mir, Daß ich in Christo nun ein Wohl⸗ gefallen spür'! Dr. Christian Friedrich Richter, 1676—1711. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Pf. 116, 12. 1 41. stimm' auch du mit frohem Dank, Mein Geist, in jenen Lobgesang, Davon der Himmel tönte, Als zu der Welt hernieder kam Und unsre Menschheit an sich nahm, Der uns mit Gott versöhnte. Freu' dich Innig! Er, dein Führer Und — eu ein Viel nne mit zun⸗ mit Ich ge⸗ utre zieb' eist, Er⸗ bes⸗ Erscheinung und Darstellung Christi. 111 Regierer, Kam auf Erden, Licht und Heil auch dir zu werden. 2. Ja, Preis und Ehre, Gott, sei dir! Wie gnaden⸗ voll bist du auch mir In deinem Sohn erschienen! Du sandtest aus Erbarmen ihn, Die dem Verderben zu ent⸗ ziehn, Die schnöden Lüsten dienen. Preis dir, Daß mir Neue Pfade Zu der Gnade Offen stehen, Mich der Sünd' entrückt zu sehen! 3. Und wie vergelt' ich, Heiland, dir Die große Treue, die du mir, Schon eh' ich war, bewiesen? Du bahntest unter bittrem Leid Auch mir den Weg zur Seligkeit: Sei hoch dafür gepriesen! Durch dich Kann ich Nun hienieden Gottes Frieden Schon empfangen Und einst volles Licht er⸗ langen. 4. O gieb, daß ich an diesem Heil Nun auch im wahren Glaͤuben Theil Durch deinen Beistand nehme; Daß ich hinweg vom Eitlen seh', Die Wege deiner Wahr⸗ heit geh' Und dein mich nimmer schäme; Bis ich Durch dich, Wenn ich sterbe, Zu dem Erbe Deiner Frommen Auch dereinst werd' aufgenommen! 5. Ich bringe dir ein dankbar Herz, Bereit, in Freuden und im Schmerz, Wie dir's gefällt, zu wan⸗ deln. Verleihe du mir selbst ie Kraft, Nach deinem Wort gewissenhaft Zu den⸗ ken und zu handeln. Fröh⸗ lich Will ich Hier im Leben dich erheben Und einst droben Wonnevoll dich ewig loben. Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. 2— Mel. Wir Christenleut ꝛe. Röm. 15, 13. 142. Se hoch erfreut! Das Heil der Welt, der Mittler ist ge⸗ boren. Nimm freudig Theil An seinem Heil. Wer an ihn glaubt, wird nimmer⸗ mehr verloren. 2. Welch große That! Nach Gottes Rath Hat sich sein Sohn für uns dahin gegeben. Ein Menschenkind, Doch ohne Sünd', Wird er und bringt uns Allen Heil und Leben. 3. Er, er befreit Uns von dem Leid, Das durch der Sünde Macht auf uns gekommen. Mit uns ist Gott Nun in der Noth. Frohlockt dem Herrn, und hofft auf ihn, ihr Frommen. 112 4. Auch mein Gesang, Herr, bringt dir Dank, Du wurdest Mensch, damit ich selig würde. Du machst mich groß Und ewig los Vom Fluch der Sünd' und ihrer schweren Bürde. 5. Gelobt sei Gott! Auf unsre Noth Sah er mit Hilfe mitleidsvoll her⸗ nieder. O Christenheit! Preis ihn erfreut! Des Höchsten Sohn bringt das Verlorne wieder. Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. Mel. Nun lob' mein' Seel' ꝛc. Ephes. 5, 19. 20. 143 Von dieser Er⸗ * den Staube Steigt auf zu dir mein Lobgesang; Dir, Herr, an den ich glaube, Bringt meine Seele Preis und Dank. In dir, dem Menschgebor'nen, Soll alle Welt sich freun, Und jeder der Verlor'nen Sei froh, erlöst zu sein. Uns Sündern ward gegeben Zum Retter Gottes Sohn; Mit ihm erschien das Leben, Mit ihm des Himmels Lohn! 2. Kommt, laßt uns niederfallen Vor unsrem Mittler Jesus Christ, Ihn preisen, daß er Allen Er⸗ retter, Freund und Bruder V. Weihnachtslieder. ist. Er gleicht der Morgen⸗ sonne In ihrem ersten Strahl, Verbreitet Licht und Wonne Und Leben überall. Von ihm strömt Heil und Gnade Auf unsre Welt herab, Er führt auf lichtem Pfade Uns über Tod und Grab. 3. Frohlockt, ihr Mit⸗ genossen Der Sünde und der Sterblichkeit, Nun ist nicht mehr verschlossen Der Eingang zu der Herrlichkeit! Zu unsrer Erde nieder Kommt Gottes ew'ger Sohn Und hebet seine Brüder Empor zu Gottes Thron. Er ward das Heil der Sün⸗ der Und der Verlornen Hort, Hier sind wir Gottes Kinder, Und Gottes Erben dort. 4. Du, dem die frohe Menge Der Engel und Ver⸗ klärten singt, Vernimm die Lobgesänge, Die dir dein Volk im Staube bringt. Auch du warst hier auf Er⸗ den, Was deine Brüder sind, Erduldetest Beschwer⸗ den, Wie jeglich Menschen⸗ kind. Durch dich verklärt zu werden, Wird unser Erb⸗ theil sein, Wenn wir, ent⸗ rückt der Erden, Uns deines Anschauns freun. 5. Schmückt uns die Sie⸗ gerkrone, Wenn wir zum — Erscheinung und Darstellung Christi. 113 Himmel sind erhöht, Dann stehn wir nah' am Throne Und schauen deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne Steigt dann das Lob zu dir, Weit über Sonn' und Sterne Erhaben, jauch— zen wir, Und mit des Him⸗ mels Heere Schallt unser Lobgesang: Dem Ebwigen sei Ehre, Dem Weltversöh— ner Dank! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Jesu, meine Freude ꝛe. Matth. 21, 5. 1 4 4 W˖ hat dich bewogen Und herabgezogen In die Sünderwelt? Ach, aus freiem Triebe Hast du dich, of Liebe, Bei uns eingestellt; Mitleid zwang, Erbarmen drang, Mildes Heil, dich, zu erscheinen; Sei willkomm' den Deinen! 2. Das läßst du verkün⸗ den Einer Welt voll Sün⸗ den Ueber Land und Meer, Und es soll vor Allen Dei— nem Volk erschallen: Zion, tritt daher! Siehe hier! Er kommt zu dir, Er, dein König, will dich schmücken, Ewig dich beglücken. 3. Kirche Jesu, höre, Christenvolk, o kehre Dich mit Freuden hin! Lobe Gott von Herzen, Denke nicht der Schmerzen, Schaue nur auf ihn! Werde Licht! Sein An⸗ gesicht Wendet Gottes Sohn im Segen Herrlich dir ent⸗ gegen. 4. Nimm an deinen Kö⸗ nig, Sei ihm unterthänig, Er hat Lust an dir; Thu' ihm auf die Pforten, Sprich mit Sehnsuchtsworten: Komm herein zu mir! O mein Theil, Du mildes Heil! Sieh, wir lieben dein Erscheinen, Sei willkomm' den Deinen! Altes böhmisches Lied. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Tob. 3, 23. mas in der 1 45* W heil'gen Nacht erklang Aus sel'ger Geister Heer, Das sei auch unser Lobgesang: Gott in der Höh' sei Ehr'! 2. Von aller Welt er⸗ schalle dir, O Jesu, Dank und Lob! Dich, unsren Ret⸗ ter, preisen wir, Der uns vom Staub' erhob. 3. Du sprachst zur Fin⸗ sterniß: Entweich'! Da floh des Irrthums Nacht. Du hast das lichte Gottesreich In Herz und Welt ge⸗ bracht. 4. Nun bürgen Sorgen selbst und Schmerz Für 8 114 V. Weihnachtslieder. unsrer Kindschaft Recht. Zum Vater hebt sich unser Herz; Wir sind ja sein Ge⸗ schlecht. 5. Dank dir, daß du uns Brüder nennst! Darauf ruht unser Heil; Wen du als Bruder anerkennst, Hat ewig an dir Theil. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Ach, was soll ich Sünder ꝛc. Matth. 2, 1—12. 146 Wer im Her⸗ · zen will er⸗ fahren Und darum bemühet ist, Daß der König Jesus Christ Sich in ihm mög' offenbaren, Der muß suchen in der Schrift, Bis er die⸗ sen Schatz antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, Bis der Morgen⸗ stern aufgeht Und im Her⸗ zen stille steht; So kann man sich selig preisen, Weil des Herren Angesicht Glänzt von Klarheit, Recht und Licht. 3. Denn wo Jesus ist geboren, Da erweiset sich gar bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren. Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele kräftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sagen Wird von diesem Jesu sein Und von dessen Gnadenschein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in der That Diesen Schatz gefunden hat. 5. Ach, wie weit sind sie zurücke, Die nur fragen in der Welt: Wo ist Reich— thum, Gut und Geld? Wo ist Ansehn bei dem Glücke? Wo ist Wollust, Ruhm und Ehr'? Und nach solcher Thorheit mehr. 6. Ja, unselig sind die Herzen Und in ihrem Wan⸗ del blind, Die also beschaf—⸗ fen sind, Weil sie diesen Schatz verscherzen Und er⸗ wählen einen Schein, Der nichts hilft in Todespein. 7. Jesu, laß mich auf der Erden Sonst Nichts suchen, als allein, Daß du mögest bei mir sein, Und ich dir mag ähnlich werden In dem Leben dieser Zeit Und in jener Ewigkeit! 8. So will ich mit allen Weisen, Die die Welt für Thoren acht't, Dich anbeten Tag und Nacht Und dich loben, rühmen, preisen, Liebster Jesu, und vor dir Christlich wandeln für und für! Laurentii Laurentius, 1660—1722. —— Erscheinung und Darstellung Christi. 115 Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. 1. Joh. 4, 9. 1 47 Wi herrlich 2 strahlt der Morgenstern! O welch ein Glanz geht auf vom Herrn! Wer sollte sein nicht achten! Glanz Gottes, der die Nacht durchbricht, Du bringst in finstre Seelen Licht, Die nach der Wahrheit schmach— ten. Dein Wort, Jesu, Ist voll Klarheit, Führt zur Wahrheit Und zum Leben; Wer kann dich genug er⸗ heben! 2. Du, hier mein Trost und dort mein Lohn, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Des Himmels großer König! Von ganzem Herzen preis' ich dich! Hab' ich dein Heil, so rühret mich Das Glück der Erde wenig. Zu dir Komm' ich; Wahrlich, Keiner Tröstet deiner Sich vergebens, Sucht er dich nur, Herr des Lebens! 3. Durch dich nur kann ich selig sein. O, drücke tief ins Herz mir ein Em⸗ pfindung deiner Liebe, Da— mit ich ganz dein eigen sei, Aus Weltsinn deinen Dienst nicht scheu', Gern deinen Willen übe. Nach dir, Nach dir, Den ich fasse Und nicht lasse, Ewig wähle, Dürstet meine ganze Seele. 4. Von Gott strahlt mir ein Freudenlicht, Die Hoff— nung, daß dein Angesicht Ich einstens werd' erblicken. Du wirst indeß durch deine Kraft, Die Ruh' in müden Seelen schafft, Mich stärken und erquicken. Tröste Du mich, Seligmacher, Daß ich Schwacher Auf der Erde Himmelsfreuden inne werde. 5. Und wie, Gott Vater, preis' ich dich! Von Ewig— keit her hast du mich In deinem Sohn geliebet. Dein Sohn hat mich mit dir ver⸗ eint, Er ist mein Bruder und mein Freund: Was ist, das mich betrübet? Seele, Wähle Ihn, den Besten, Ihn, den Größten, Dir zum Freunde, Und dann fürchte keine Feinde. 6. Ihm, welcher Tod und Grab bezwang, Ihm müsse froher Lobgesang Mit jedem Tag erschallen! Dem Lamme, das erwürget ist, Dem Freunde, der uns nie vergißt, Zum Ruhm und Wohlgefallen! Tönet, Tönet, Jubellieder, Schallet wieder, Daß die Erde Voll von sei⸗ nem Lobe werde! 7. Wie freu' ich mich, o Jesu Christ, Daß du der 8* 116 V. Weihnachtslieder. Erst' und Letzte bist, Der Anfang und das Ende! Ich gebe, Heiland, meinen Geist, Wenn er sich einst dem Staub entreißt, In deine treuen Hände. Ewig Werd' ich, Herr, dert oben Hoch dich loben, Dem ich traue, Wenn ich nun dein Antlitz schaue. Dr. Johann Adolph Schlegel 1721—1793. Mel. Wir Christenleut' ꝛc. 4. Joh. 3, 1. 148. W irf, blöder Sinn, Den Kummer hin! Gott ist für dich, was will dich ferner kränken? Halleluja! Sein Sohn ist da! Wie sollt' er uns mit ihm nicht Alles schenken? 2. Schlägt dir das Herz Vor Angst und Schmerz, Empfindest du, wie sehr die Sünden kränken; Dein Heil ist hier; Wie? sollte dir Nicht Gott mit ihm auch Gnad' und Frieden schenken? 3. Ist deine Kraft Zu mangelhaft, Mußt du mit Scham an deine Schwäche denken; Er, der dir giebt Das, was er liebt, Wird dir mit ihm zur Tugend Kräfte schenken 4. Fehlt Weisheit) dir, Um glücklich hier Dich zu entziehn der Bosheit schlauen Ränken; Erschrick nur nicht, Gott ist dein Licht, Er wird dir mit dem Sohn auch Weisheit schenken. 5. Gebricht es dir Bald da, bald hier, Sorgst du, wer dich noch speisen wird und tränken; O, fasse Muth! Das höchste Gut Wird mit dem Sohn dir auch die Nothdurft schenken. 6. Wirf, blöder Sinn, Die Sorgen hin, Die dich ins Meer der Traurigkeit versenken! Dein Heil ist da. Halleluja! Wie sollt' uns Gott mit ihm nicht Alles schenken! Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. Mel. Kommt her zu mir ꝛe. 2. Cor. 5, 17. 149 W⸗auf mein * Herz, ver⸗ laß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sei gewiß, Er wird auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. 2. Ja, du sollst ihm ein Tempel sein, Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust, hier zu wohnen. Auf, finstres Herz, auf, — C VI. Lehramt und Wandel Jesu. 117 werde licht! Denn Jesus wohnt in Herzen nicht, Die noch der Lüste schonen. 3. Was nur dem Fleische wohlgefällt, Das opfert die verkehrte Welt Dem Satan, ihrem Gotte. Sie erntet Schaden bloß für Müh', Für ihren Sündendienst wird sie Einst ewiglich zu Spotte. 4. Doch wer begehret, Gottes Sohn, Vom Geist erweckt, wie Simeon, Zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt ent⸗ wöhnt, Aus ihr sich nach dem Himmel sehnt, Der opfert rechte Gaben. 5. Wer auf das Wort der Wahrheit baut, Im Glauben seinen Heiland schaut, Der kann in Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. 6. Herr, mache mich ge— recht und rein, Herr, laß mich stets voll Glaubens sein, Allzeit im Geiste leben, Bis du auch mich, wenn dir's gefällt, In Frieden wirst aus dieser Welt In deine Wonn' erheben. Dr. Johann Adolph Schlegel, 1721—1793. NM. Lehramt und Wandel Jesu. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Joh. 15, 13. er beste Freund 150. D ist in dem Himmel, Auf Erden sind die Freunde rar; Denn bei dem falschen Weltgetümmel Ist Redlichkeit oft in Gefahr. Drum hab' ich's immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Menschen sind wie eine Wiege; Mein Jesus stehet felsenfest, Daß, wenn ich gleich darnieder liege, Mich seine Freundschaft doch nicht läßt. Er ist's, der mit mir lacht und weint: Mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe Dem, der am meisten nützen kann, Und scheinet dann das Glücke trübe, So steht die Freund⸗ schaft hinten an; Doch hier ist es nicht so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich tödten, Vergießt für 118 VI. Lehramt und Wandel Jesu. mich sein eigen Blut, Er steht mir bei in allen Nö⸗ then, Er spricht für meine Schulden gut; Er hat mir niemals was verneint: Mein Jesus ist mein bester Freund, 5. Mein Freund, der mir sein Herze giebet, Mein Freund, der mein ist und ich sein, Mein Freund, der mich beständig liebet, Mein Freund bis in das Grab hinein. Ach, hab' ich's nun nicht recht gemeint? Mein Jesus ist der beste Freund. 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde, Die sind doch gar zu wandelbar! Und hätt' ich hunderttausend Feinde, So krümmen sie mir nicht ein Haar. Hier immer Freund und nimmer Feind: Mein Jesus ist der beste Freund. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Vater unser im ꝛe. Col. 4, 2. 151. D Opfer br⸗ gen wir, O Jesu, Sünder⸗ heiland, dir, Der du vom Himmel zu uns kamst, Die Last der Sünden auf dich nahmst Und segensvoll durch dein Verdienst Als unsres 27 3 Heil erschienst. „Preis dir! In unbe⸗ grenzter Huld Und unbefleckt durch Sünd' und Schuld Hast du die Menschenbahn durchwallt In Armuth und in Knechtsgestalt, Bis sich für uns dem bittren Tod Dein unschätzbares Leben bot. 3, O Herr, bewährt in Gotteskraft, Die selbst im Tode Leben schafft! O Mensch, wie wir von Sünd' und Welt Versucht, doch stets ein Siegesheld! O Freund, in Noth und Tod bewährt, Der nie sich von uns Armen kehrt! 4. Ja, selig, dreimal se⸗ lig ist, Wem du zur Kraft geworden bist! Nicht droben erst im Himmelssaal, Nein, hier schon in dem Prüfungs-⸗ thal, Hast du zur Kraft und Selizkeit Der Kind— schaft Gottes uns geweiht! 5. Dein Fasten, Wachen, Thränensä'n, Dein Kampfes⸗ schweiß, dein heißes Flehn, All deine Müh' und Seelennoth, Dein bittres Leiden, Kreuz und Tod, Dein ganzes Heil, für uns gebracht, Werd' uns zum Segen Tag und Nacht! 6. Dein Ruhn im Grab, dein Auferstehn, Dein' Auf⸗ fahrt zu des Himmels Höhn, Dein Nam' und Seepter, hoch und hehr, Und deine VI. Lehramt und Wandel Jesu. 119 frohe Wiederkehr, Das Reich, das du uns wirst verleihn: Müss' unsres Trostes Anker sein. 7. O Freund, an Gnad' unendlich reich, Ganz Liebe, deinem Vater gleich! Wer spricht es aus, Herr Jesu Christ, Was du für deine Freunde bist? Wer singt's, was du uns werden willst Dort, wo du alle Thränen stillst? 8. Nichts sei uns lieb in dieser Welt, Was deinem Sinn nicht wohlgefällt! All unser Wandel sei schon hier Im Himmel, sei, o Freund, mit dir Und freu' in Glau— benskraft sich dein, Bis du uns rufst, bei dir zu sein. 9. Du, du bist unsre Zu⸗ versicht, Auch wenn das Herz im Tode bricht; Wenn uns die ganze Welt verläßt, So halt' an dir der Glaube fest, Bis wir in deinen Himmelshöh'n Dich, den wir liebten, leiblich sehn! Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. O Jesu, mein Vergnügen ꝛc. Jes. 53, 4. 5. 152 u, dem ich · angehöre, O Heiland Jesu Christ, Dem oft die stille Zähre Zur Huldigung und Ehre Aus frommen Augen fließt! 2. Wenn in Erinnerun⸗ gen An dein Verdienst ver⸗ senkt, Von Liebe tief durch— drungen, Im Geist von dir umschlungen, Dich meine Seele denkt: 3. Alsdann wird diese Erde, Auch einst bewohnt von dir, Trotz mancherlei Beschwerde, Die ich hier inne werde, Zum Heilig— thume mir. 4. Ich folge deinen Blicken, Ich hang' an deiner Hand Und schaue mit Entzücken Hin, wo nicht Leiden drücken, Dir nach ins Vaterland. 5. Du, der nur Andren lebte, Der nur für Andre litt, Nur uns zu retten strebte Und, ob das Herz gleich bebte, Doch selbst zum Sterben schritt, 6. Du, der mich lehret hoffen Und glauben und vertraun, Durch den ich kann, getroffen Von Graun des Todes, offen Die wahre Heimath schaun, 7, Du, der mich handeln lehret, Wie es vor Gott gebührt, Und der mir un⸗ versehret Den Fuß vom Wege kehret, Der zum Ver⸗ derben führt: 8. Dir bin ich hingegeben Zu Lieb' und Dankbarkeit. Mein Ruhen und mein 12⁰ VI. Lehramt und Wandel Jesu. Streben, Mein Sterben und mein Leben Sei, Jesu, dir eweiht! 9. Du Wonne meiner Seele, Mein Ruhm, mein Lobgesang, Dem ich mein Herz vermähle, Versöhner meiner Fehle, Dein bin ich Lebenslang! C. F. Wehrhan,‚, 1761—1808. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛe. Joh. 17, 22. 1 53 H. Jesu, Heil'gungs⸗ quelle, Mehr als Krystall rein, klar und helle, Du lautrer Strom der Heilig— keit! Aller Glanz der Che— rubinen Und Heiligkeit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vor⸗ bild bist du mir; Ach, bilde mich nach dir, Du mein Alles! Jesu, o du, Hilf mir dazu, Daß ich mag heilig sein, wie du! 2. O stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war: Also mach' auch gleicher— maßen Mein Herz und Wil— len dir gelassen, Ach, stille meinen Willen gar! Mach' mich dir gleich gesinnt, Wie ein gehorsam Kind, Stille, stille. Jesu, o du, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sei, wie du! 3. Wachsamer Jesu, ohne Schlummer, In großer Ar⸗ beit, Müh' und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht; Du mußtest täglich Viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Gott im Fle⸗ hen Und hast gebetet und Gieb mir auch gewacht. Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach' und bete: Jesu, o du, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sei, wie du! 4. Gütiger Jesu, ach, wie gnädig, Wie liebreich, freund— lich und gutthätig Bist du doch gegen Freund und Feind! Dein Sonnenglanz der scheinet Allen, Dein Regen muß auf Alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar seind. Mein Gott, ach, lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte! Jesu, o du, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sei, wie du! 5. Du, sanfter Jesu, warst unschuldig Und littest alle Schmach geduldig, Vergabst und ließst nicht Rachgier aus. Niemand kann deine Sanftmuth messen, Bei der kein Eifer dich gefressen, Als der um deines Vaters Haus. Mein Heiland, ach, VI. Lehramt und Wandel Jesu. 121 verleilh“ Mir Sanftmuth und dabei Guten Eifer! Je⸗ su, o du, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmüthig sei, wie du! 6. Demüth'ger Jesu, Ehrenkönig, Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering; Du wandeltest ganz arm auf Erden In Demuth und in Knechtsgeberden, Erhubst dich selbst in keinem Ding. Herr, solche Demuth lehr' Mich auch je mehr und mehr Stetig üben! Jesu, o du, Hilf mir dazu, Daß ich demüthig sei, wie du! 7. O keuscher Jesu, all dein Wesen War züchtig, keusch und auserlesen, Von tugendvoller Sittsamkeit; Gedanken, Reden, Glieder, Sinnen, Geberden, Kleidung und Beginnen War voller lautrer Züchtigkeit. O, mein Immanuel, Mach mir Geist, Leib und Seel' Keusch und züchtig! Jesu, o du, Hilf mir dazu, So keusch und rein zu sein, wie du! 8. Mäßiger Jesu, deine Weise Im Trinken und Ge⸗ nuß der Speise Lehrt uns die rechte Mäßigkeit. Den Durst und Hunger dir zu stillen, War, statt der Kost, des Vaters Willen Und Werk zu thun, Herr, dir be⸗ reit't. Herr, hilf mir meinen Leib Stets zähmen, daß ich bleib' Dir stets nüchtern! Jesu, o du, Hilf mir dazu, Daß ich stets nüchtern sei, wie du! 9. Nun, lieber Jesu, lieb⸗ stes Leben, Mach' mich in Allem dir recht eben Und deinem heil'gen Vorbild gleich. Dein Geist und Kraft mich ganz durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd' zu deinem Reich! Ach, zeuch mich ganz zu dir, Behalt' mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, o du, Laß mich, wie du Und wo du bist, einst finden Ruh. Jodocus von Lodenstein, 1620—1677, übersetzt von Bartholomäus Crasselius, 1667—1724. Mel. Vater unser im ꝛce. Joh. 3, 2. ein Lehrer ist 154. KR dir, Jesu, gleich! An Weisheit und an Liebe reich, Bist du so— wohl durch Wort, als That, Der schwachen Menschen sichrer Rath. Es freut mein Geist im Glauben sich, Herr Jesu, dein und lobet dich! 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, Und machtest 122 VI. Lehramt und Wandel Jesu. uns den Weg bekannt, Wie wir, befreit von Sünden⸗ schuld, Theilhaftig werden seiner Huld. Auf ewig sei dir Dank und Ruhm, Herr, für dein Evangelium! 3. Du sahest in der Gott⸗ heit Licht Mit aufgeklärtem Angesicht, Was, nach des Höchsten weisem Rath, Die Welt noch zu erwarten hat; Du machtest selbst durch deinen Mund Das Künf⸗ tige den Menschen kund. 4. Dies und die Wunder deiner Hand Sind uns ein göttlich Unterpfand, Was man aus deinem Mund ge⸗ hört, Sei Wahrheit, die uns Gott gelehrt. Nie schwäche mir der Frevler Spott Den Glauben an dies Wort von Gott! 5. Du lehretest durch Wort und That. Man trifft der reinsten Tugend Pfad In deinem heil'gen Wandel an. Gieb, Herr, daß ich auf dieser Bahn, Gestärkt von dir, mit steter Treu' Dir nachzufolgen eifrig sei! 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, Das die Versöhnung predigt, stammt! Du machst durch treuer Leh— rer Mund Noch jetzt dein Heil den Menschen kund. Kraft Ihr Amt, damit es Nutzen schafft. 7. Noch immer hilfst du deinem Wort In seinen Siegen mächtig fort, Du sendest, wie dein Mund ver— heißt, Noch immer deinen guten Geist, Der dem, der Wahrheit sucht und liebt, Zum Glauben Licht und Kräfte giebt. 8. Mein Heiland, send' ihn auch zu mir, Daß er mich zu der Wahrheit führ'! Vom Eigendünkel mich be— frei', Damit ich dir gehor⸗ sam sei, Bis mich bei dir in Ewigkeit Ein hellres Licht dereinst erfreut! Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. Eigene Melodie. Hebr. 13, 8. Rein Jesu, 155. M dem die Seraphinen Im Glanz der höchsten Majestät Selbst mit bedecktem Antlitz dienen, Wenn dein Befehl an sie ergeht! Wie sollten blöde Fleisches⸗ augen, Die der verhaßten Sünden Nacht Mit ihrem Schatten trüb' gemacht, Dein helles Licht zu schauen tau— gen? 2. Doch gönne meinen Begleite stets mit deiner Glaubensblicken Den Ein⸗ ö es du inen Du Ver⸗ inen der ebt, und end' er hr'! be⸗ hor⸗ dir icht Die VI. Lehramt und Wandel Jesu. 123 gang in dein Heiligthum Und laß mich deine Gnad' erblicken Zu meinem Heil Und deinem Ruhm. Reich' deinen Scepter meiner Seele, sich in Demuth vor dir neigt Und dir als deine Braut sich zeigt; Sprich: Ja, du bist's, die ich er⸗ wähle. 3. Sei gnädig, Jesu vol⸗ ler Güte, Dem Herzen, das nach Gnade lechzt; Hör', wie das sehnende Gemüthe: Gott, sei mir Armen gnä⸗ dig! ächzt. Ich weiß, du kannst mich nicht verstoßen: Wie könntest du ungnädig sein Dem, den dein Blut von Schuld und Pein Er⸗ löst, da es so reich ge— flossen! 4. Ich fal in deine Gnadenhände Und bitte mit dem Glaubenskuß: Gerechter König, wende, wende Die Gnade zu der Herzensbuß'! Ich bin gerecht durch deine Wunden, Es ist nichts Sträf⸗ lich's mehr an mir; Bin aber ich versöhnt mit dir, So bleib' ich auch mit dir verbunden. 5. Ach, laß mich deine Weisheit leiten Und nimm ihr Licht nicht von mir weg! Stell' deine Gnade mir zur Seiten, Daß ich auf dir be⸗ liebtem Steg Beständig bis ans Ende wandle, Damit ich auch zu jeder Zeit In Lieb' und Herzensfreudigkeit Nach deinem Wort und Willen handle! 6. Reich' mir die Waffen aus der Höhe Und stärke mich durch deine Macht, Daß ich im Glauben sieg' und stehe, Wenn Stärk' und List der Feinde wacht: So wird dein Gnadenreich auf Erden, Das uns zu deiner Ehre führt Und endlich gar mit Kronen ziert, Auch in mir ausgebreitet werden. 7. Ja, ja, mein Herz will dich umfassen; Erwähl' es, Herr, zu deinem Thron! Hast du aus Lieb' eh'mals verlassen Des Himmels Pracht und deine Kron', So würd'ge auch mein Herz, o Leben, Und laß es deinen Himmel sein, Bis du, wenn dieser Bau fällt ein, Mich wirst in deinen Himmel heben! 8. Ich steig' hinauf zu dir im Glauben, Steig' du in Lieb' herab zu mir; Laß mir Nichts diese Freude rauben, Erfülle mich nur ganz mit dir. Ich will dich fürchten, lieben, ehren, So lang' in mir der Puls sich regt, Und wenn derselb' deine Sorg' und 12⁴ VI. Lehramt und Wandel Jesu. auch nicht mehr schlägt, So soll doch noch die Liebe währen. Wolfgang Christoph Deßler, 1660—172. Mel. Mir nach, spricht Christus ꝛc. Matth. 10, 38. 156. W.a gabst du mir, Mein Heiland, durch dein Leben! Sollt' ich mit heiliger Begier Nicht dir zu folgen, streben? Nicht gehn den Weg, den du be— tratst, Nicht freudig thun, so wie du thatst? 2. Dein Herz, von Sünde nie entweiht, War rein, wie deine Lehre; Dein gan⸗ zer Wandel Heiligkeit, Dein Ziel war Gottes Ehre; Du gabst mit stillem, frommem Sinn Dich in des Vaters Willen hin. 3. Der Kummervollen Trost zu sein, Zu wehren jedem Leide, Stets wohlzu⸗ thun und zu erfreun, War Freude, Und eines jeden Menschen Schmerz Durchdrang dein liebevolles Herz. 4. Du trugst mit Sanft⸗ muth und mit Huld Die Schwachheit deiner Freunde; Mit Sündern hattest du Geduld, Du batest für die Feinde; Du warst gehorsam bis zum Tod Und ehrtest selbst im Tode Gott. 5. Dies große Beispiel hast du mir, Mein Heiland, hinterlassen, Damit ich, voll Vertraun zu dir, Es in mein Herz soll fassen. Nimm, sprichst du, meine Last auf dich, Komm, folge mir, und sieh auf mich. 6. Ich komme, Herr, gieb Licht und Kraft, Daß sich mein Glaube mehre Und durch die Früchte, die er schafft, Sich immerdar be— währe. Hilf, daß ich, dei— nem Vorbild treu, Auch Andren stets ein Vorbild sei. Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Ps. 148, 13. 157 W˖ groß, wie * angebetet ist Dein Nam', o Heiland, Jesu Christ! Wie theuer deinem Volke! Du hast durch deines Vaters Macht Des Vaters Rath ans Licht gebracht, Zerstreut des Irrthums Wolke. Taube hörten, Blinde sahen, Es geschahen Wun⸗ derwerke, Zeichen deiner Gnad' und Stärke. 2. Verbreitet wurde, Herr, dein Licht, Durch Schwache nur, durch Weise nicht, Dir folgte durch Hand Gräu ler V Werk ben, verklö Gott . Ruhn deiner Preis du starbf was gen L Gnad Gotte len, glaul 4. zum orsam ehrtest eispiel iland, „ voll 5s in imm, t auf „ und „gieb 5 sich Und die er ur be⸗ „dei⸗ Auch [d sei. 1841. der ꝛc. „ wie etet ist Jesu einem deines zaters racht, hums zlinde Wun⸗ deiner Herr, wache „Dir VII. Passionslieder. 125 folgten nicht die Hohen. Ist dir der Lobgesang Der durch der Großen mächt'ge Treuen, der Erlösten. Un⸗ Hand Des Götzendienstes Gräu'l verbannt, Sein eit⸗ ler Wahn entflohen? Dein Werk War es, Deine Ga⸗ ben, Mittler, haben Dich verkläret, Uns den Weg zu Gott gelehret. 3. Wir werden deinen Ruhm erhöhn, Wir werden deinen Himmel sehn, Den Preis für deine Leiden, Der du für uns am Kreuze starbst, Du theilst uns zu, was du erwarbst, Des ew'⸗ gen Lebens Freuden. Welche Gnade, Daß wir Sünder Gottes Kinder Werden sol— len, Wenn wir an dich glauben wollen. 4. Vom Aufgang bis zum Niedergang Erschallet zählbar sind die Schaaren schon, Die deiner sich, o Gottes Sohn, Im Glauben froh getrösten. Alle Völker, Jesu, werden Noch auf Er— den Dir lobsingen, Preis und Dank und Ruhm dir bringen! — 5. Wie groß, wie ange⸗ betet ist Dein Name, Hei⸗- land, Jesu Christ! Wie herrlich bei den Deinen! Führst du uns einst zu dei⸗ ner Ruh', O, wie weit herr— licher wirst du Den Frommen dann erscheinen! Ewig Müsse Dir zur Ehre Ihrer Chöre Lob erschallen, Durch die Himmel wiederhallen! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. MI. Passionslieder. Mel. O Traurigkeit, o ꝛe. 1. Thess. 5, 10. 15 8 X Kreuz er⸗ * blaßt, Der Marter Last, Der Todes⸗ qualen müde, Findet mein Erlöser erst In dem Grabe Friede. 2. Ein heil'ger Schmerz Durchdringt das Herz, Und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich Tiefgerühret schlagen. 3. Du schützest mich; Und über dich Gehn aller Trüb— sal Wetter. Sterben woll⸗ test du für mich, Einziger Erretter. — VII. Passionslieder. 4. Du hast's gethan; Dich bet' ich an, Du König der Erlösten! Dein will ich im Tode mich Glaubensvoll ge⸗ trösten. 5. Es ist vollbracht! Riefst du mit Macht. Du zeigst, daß du dein Leben, Mein Versöhner, göttlich frei Habest hingegeben. 6. Hochheil'ge That! Des Höchsten Rath Will ich in Demuth ehren. Der Erfin— der meines Heils Wird mir's einst erklären. 7. Allmächtig rief Er, der entschlief, Den Todten; sie erstanden! Leicht entschwingt der Lebensfürst Sich den Todesbanden. 8. Das finstre Thal Will ich einmal Durchwandeln ohne Grauen, Denn durch dich, Erlöser, ist's Mir der Weg zum Schauen. 9. Ich preise dich; Er⸗ forsche mich, Und siehe, wie ich's meine. Ja, du siehest's, wenn ich still Meinen Dank dir weine. 10. Vergeß ich dein, So werde mein In Ebwigkeit vergessen! Herr, ich will, so lang' ich bin, Deine Lieb' ermessen. Christoph Friedrich Neander, 1723—1802. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 2. Kor. 5, 15. 159 1— deine Lei⸗ * den denken wir, Herr Jesu Christ, und danken dir, Daß du so willig ihre Last Zu unsrem Heil getragen hast. 2. Wir folgen dir im Geiste nach Zu jeder Stufe deiner Schmach; Wir schaun zu deinem Kreuz hinan Und beten dich bewundernd an. 3. Wir segnen, Herr, den Dornenpfad, Den, uns zu Gut', dein Fuß betrat; Uns strömet Kraft und Trost und Ruh' Aus deinem bitt⸗ ren Leiden zu. 4. Daß Gott uns als ein Vater liebt, Den Reuigen die Schuld vergiebt, Den starken Trost in aller Noth Erwarb, Erlöser, uns dein Tod. 5. Daß ewig unsre Seele lebt Und sich zur beßren Welt erhebt, Die Lehre muß nun fest bestehn, Dein heil ges Reich kann nicht vergehn. 6. Mit ungewissen Schrit—⸗ ten geht, Auf eigner Bahn, wer dich verschmäht. Wir glauben dir und zweifeln nicht, Du bist uns Leben, 5. und L Lch. Voll Dank und Freude terlich ein Erwa Orte lösers Gott könne Leben im T hier kann. 2. berg schrick Herz! sieh ganz Hier überg tes S trug Schul bange ein VII. Passionslieder. 127 folgen wir Dir, unsrem Herrn und Retter, hier; Dort führst du, nach voll— brachter Zeit, Uns zu des Himmels Herrlichkeit. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛe. Sprüchw. 10, 7. 2. Tim. 2, 8. 160 Beitmig o * Christ! Wir gehen Zum schmerzensvollen Golgatha, Auf dessen fürch— terlichen Höhen, Was nie ein Engel faßt, geschah. Erwäg' an diesem heil'gen Orte Des sterbenden Er⸗ lösers Worte, Und rufe Gott im Glauben an. Sie können dir den Trost im Leben Und einst den Trost im Tode geben, Wenn dich hier Nichts mehr trösten kann. 2. Schon zeigt der Blut⸗ berg sich von weitem; Er⸗ schrick und zittre, frommes Herz! Sieh deinen Retter, sieh ihn streiten Und werde ganz Gefühl, ganz Schmerz! Hier hing, den Mördern übergeben, Am Holze Got⸗ tes Sohn, dein Leben; Hier trug er unsrer Sünden Schuld, Empfand in jenen bangen Stunden, Was nie ein Sterblicher empfunden, Und bracht' uns wieder Got⸗ tes Huld. 3. Geduldig bei den größ⸗ ten Schmerzen, Nimmt er sich seiner Feinde an; Er ruft mit sanftmuthsvollem Herzen:„Sie wissen nicht, was sie gethan!“ Der gött⸗ liche, der größte Beter Fleht liebreich noch für Misse⸗ thäter, Werkzeuge seiner Pein und Schmach. O Mensch, den Rach' und Zorn verführen, Laß dich sein heilig Beispiel rühren, Und bete dem Versöhner nach! 4. Welch Beispiel kindlich frommer Triebe, Als unter Leiden ohne Zahl Der Herr dem Jünger seiner Liebe Die Mutter sterbend noch empfahl! Ach, wird mein Aug' einst um die Meinen In meiner letzten Stunde weinen, So soll dies Wort mir Trost verleihn. Der, als er schon im Tod er⸗ blaßte, Die Seinen noch mit Lieb' umfaßte, Wird auch der Meinen Pfleger sein. 5. Frohlockt, bußfertige Verbrecher! Wer glaubet, kommt nicht ins Gericht. Hört, was zu dem gebeug⸗ ten Schächer Der Mund der Liebe sterbend spricht: 128 VII. Passionslieder. „Du wirst,“ so ruft er ihm entgegen,„Noch heute dei⸗ nes Glaubens wegen Mit mir im Paradiese sein!“ O Herr, laß an des To⸗ des Pforte Einst diese tro⸗ stesvollen Worte Mich auch im letzten Kampf erfreun. 6. Wer kann die hohen Leiden fassen, Als Jesus an dem Kreuze rief:„Mein Gott! wie hast du mich ver— lassen!“ So tief war er gebeugt, so tief! Um unsrer Sünden Last zu büßen, Hätt' er vor Angst ver⸗ schmachten müssen; Doch Gott war seine Zuversicht. Wenn ich den Kelch des Leidens trinke, Die Seele zagt, und ich versinke, Gott, so verlaß auch du mich nicht! 7. Verzehrt von einer Angst der Hölle, Nach Stärkung lechzend rufet er: „Mich dürstet!“— Er, die Lebensquelle, Des Himmels und der Erde Herr! Noch ruft er dich in tausend Ar— men, Die dich umgeben, um Erbarmen, Um Hilf' und um Erquickung an. Auch sie sind seines Leibes Glie⸗ der, Und was du Einem seiner Brüder Gethan hast, hast du ihm gethan. 8. Nun enden sich die schweren Leiden; Der Hei— land spricht:„Es ist voll— bracht!“ O, Wort des Sie⸗ ges, Wort der Freuden, Du nimmst dem Tode seine Macht! Heil uns! Wer darf es weiter wagen, Uns, die Erlösten, zu verklagen? Der Fried' ist nun mit Gott ge⸗ macht. Gieb, daß am Ende meiner Tage Auch ich, o Herr, mit Freuden sage: Es ist vollbracht! Es ist vollbracht! 9. Das letzte Wort aus deinem Munde, Erlöser, soll auch meines sein. Laß es in meiner Todesstunde Mir Muth und Zuversicht ver— leihn! Du rufest:„Vater, ich befehle In deine Hände meine Seele, Die allen Men⸗ schen Heil erwarb!“— Nun war das große Werk voll— endet, Wozu der Vater ihn gesendet; Da neigt' er sanft sein Haupt und starb. 10. Bewein' ihn fromm mit stillen Zähren, O Christ, du hast ihn sterben sehn. Bald wirst du mit der Engel Chören Frohlockend seinen Ruhm erhöhn. Den deine Seufzer jetzt beklagen, Der wird als Held nach dreien Tagen Vom Grabe siegreich auferstehn. Den freche Rot⸗ ten hier entehrten, Den wirst ei⸗ poll⸗ Sie⸗ Du eine darf die Der ge⸗ nde aus soll es Mir ver⸗ ater, ände Nen⸗ Nun voll⸗ ihn anft mm rist, ehn. ngel inen eine Der eien eich Rot⸗ irst VII. Passionslieder. 20 n bei den Verllärten Rechten seines Vaters Ludwig Heinrich Freiherr Bachoff von Echt, 1725—1792. Eigene Melodie. 2. Cor. 5, 1 235 d xů 16 4. C Lachn 1 tes, Der du trägst die Sünde der Welt, Erbarm' dich unser! 2. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünde der Welt, Erbarm' dich unser! 3. Christe du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünde der Welt, Gieb uns deinen Frieden! Amen. Altes Kirchenlied. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛe. Joh. 11, 21. Röm. 8, 38 ff. 162 D am Kreuz meine Liebe, Und sonst Nichts in dieser Welt! O, daß er's doch ewiß bliebe, Der mir jetzt so wohl gefällt! Nun, mein Herz soll immerfort Fest bestehn auf diesem Wort, Sei es heiter oder trübe: Der am Kreuz ist 5109 Liebe! verborgen, Was die Lieb' oft nach sich zieht: Schmach, Verfolgung, Noth und Sor⸗ gen, Kreuz und Armuth bringt sie mit; Ja, wenn er, mein Heiland, will, Ist kein bittrer Tod zu viel! Doch es komme noch so trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! 3. Lieber 1 11—. Plage Und der Lie ren Stand, Als ohn ihn die besten Tage Und der 2 eitlen Tand. Heißt mich immer wunderlich, Spot⸗ te man auch über mich, Daß ich, was er haßt, nick übe,— Der am Kreuz i meine Liebe. 4. Aber wißt ihr meine Stärke, Und was mich so muthig macht, Daß mein Herz des Fleisches Werke Und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb' ist mir gewiß, Seine Lieb' 55 stark und süß! Was ist, das mich noch betrübe? Der' am Kreuz ist meine Liebe! 5. Diese Liebe lohnet end— lich, Führt zu ihm ins Vaterhaus, Ist zur letzten Zeit erkenntlich Und theilt Kränz' und Kronen aus. Ach, ach wollte Gott, daß doch Alle Welt dereinst sich ht + * Zwar es ist mir un⸗ noch Dieses in das Herz 9 130 VII. Passionslieder. einschriebe: Der am Kreuz ist meine Liebe! Johann Ernst Greding, geb. 1676. del. Wie groß ist des ꝛe. 1. Cor. 13, 7. 163. Drau ans Kreuz geschlagen, Für mich ertrug des Todes Graus: Mein Heiland, unter Todes— plagen Sprichst du noch Geist und Leben aus. O, deine letzten Kreuzesworte, Wie reich an Trost, an Kraft und Licht! Bis an die offne Grabespforte Ver⸗ hall' ihr Ton dem Herzen nicht! 2. Durchbohrt an Händen und an Füßen, Wie lässest du so gnadenreich Dein Blut, für Feinde betend, fließen! Welch Herz ist deinem Her— zen gleich! O du Versöhner meiner Seele, Dein Wort, dein Blut ruf' auch für mich: Vergieb ihm, Vater, seine Fehle! Wohl mir, dein Vater höret dich! 3. Ein Schächer kehrt zu deiner Gnade Im Tode sein gebeugtes Herz. Du machst ihm hell des Todes Pfade, Träufst Himmelswonn' in seinen Schmerz. O, lieg' ich einst im Todesstreite, Vergiß mein nicht, gedenke mein! Sprich auch zu mir: Du sollst noch heute Mit mir im Paradiese sein! 4. Welch segensreicher Bund der Liebe Knüpft un⸗ ter deinem Kreuz sich an! Was stählte wohl die Lie— bestriebe, Wie deine Gluth sie stählen kann? Dein bin ich; ja mit festem Bunde, Mit all den Deinen bin ich dein Und ruf' aus frohem Herzensgrunde: Mein Freund ist mein, und ich bin sein. 5. Für mich hast du des Todes Grauen In finstrer Stunden Kampf gefühlt; Fest darf ich auf das Herz vertrauen, Das, mir zur Kraft, den Sieg behielt. Voll Hoffnung darf ich einst er— blassen, Ergriffe mich auch Todesangst. Nie, nie kann mich mein Gott verlassen, Seit du mir Gottes Gnad' erraͤngst. 6. Dich dürstet, ach, mit heißem Schmachten, Bis man den Labetrunk dir beut! So laß mich dürsten, laß mich trachten Nach deines Reichs Gerechtigkeit! Bring', wenn auf meinen Pilgerwegen Mein Herz in Durst ver⸗ lechzen will, Dein Lebens⸗ wasser mir entgegen, Das machet Schmerz und Sehn⸗ sucht still. un⸗ an! Lie⸗ luth bin nde, Hich hem »und in. des strer hlt; Herz zur Voll er⸗ auch ann ssen, nad' mit man So mich ichs ͤenn gen ver⸗ ens⸗ Das ehn⸗ ——— ——— VII. Passionslieder. 131 7. Preis dir! ich bin mit Gott im Frieden; Triumph! du hast mein Heil voll— bracht. Dein Tod ist's, der mich schon hienieden Und droben ewig selig macht. Hilf, wenn am Ziel der Lebens⸗ tage Zur Ruhe winkt die letzte Nacht, Daß ich durch dich mit Freuden sage: Es ist vollbracht, es ist voll—⸗ bracht! 8. Durch dich werd' ich dann überwinden, Durch dich den dunklen Pfad nicht scheun, Durch dich den Him— mel offen finden Und ewig, ewig bei dir sein. O, blickt mein brechend Aug' am Ende Den letzten Dank zu dir hinauf, Dann, dann nimm du in deine Hände Auch meinen Geist, o Vater, auf! Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. O Haupt voll Blut ꝛce. Phil. 2, 8. 164. D. de de 929. flossen, bald sie Zion sahn, 5— Frevelthat entschlossen, Sich seinem Falle nahn: Wo ist das Thal, die Höhle, Die, Jesu, dich verbirgt? Ver⸗ folger seiner Seele, Habt ihr ihn schon erwürgt? 2. Welch jammervolles Klagen Seufzt in Gethse— mane? Wer ist der Mann der Plagen, Der langsam Sterbende? Ist Jesus das, der Kinder Von Adam Bester, er? Und zittert gleich dem Sünder Und sinkt und trägt's nicht mehr? 3. Ach, wie er tief im Staube Bedeckt mit Angst⸗ schweiß liegt, Mit dem Ge— fühl sein Glaube Im Kampfe dennoch siegt! Schon kommt der Mörder Rotte, Die kein Erbarmen rührt, Die ihn zum Hohn und Spotte, Ihn, ach, zum Kreuze führt! 4. Sein Volk im heißen Grimme Erweicht sein An— blick nicht, Nicht fremden Mitleids Stimme, Die von dem Richtstuhl spricht. Er ist ihr Hohngelächter; Sie drohn mit wildem Ton: „Auf uns, auf Söhn' und Töchter Komm' seines Blu⸗ tes Lohn!“ 5. Zur hohen Schädel⸗ stätte Trägt er sein Kreuz hinan. Sie kreuz'gen ihn! — O, bete, Mein Geist, mit Wehmuth an! Noch höhnt in frechen Mienen Sein Volk des Dulders Schmerz. Er ruft:„Vergieb es ihnen!“ Und Mitleid bricht sein Herz. 9* 13² VII. Passio nslieder. 6. Es bricht, und matt von Kummer Sinkt auf die 2—— zur Ruh' Sein Haupt; un schließt der Schlummer Semn müdes ů— zu. Am Kreuz ruht nun die Hülle, Der Geist schwebt sanft ent⸗ rückt 2 Gott, wo ihn die Fülle Des hohen Lohns er⸗ 7. O Freund der Men⸗ nkinder, Hier liegen wir zebück. Wie hoch hat uns, ie Sünder, Wie hoch dein od beglückt! Dich ehre un⸗ ser Glaube, Anbe tung sei dein Dank! Hör' ihn, ver⸗ nimm vom Staube Den Ln n Lobgesang! darl Wilhelm Ramler, 17.5—1708. — Mel. An Wasserflüssen ꝛe. —— Jes. 53, 6. 7. 1 6 7 Ein Lämmlein . geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und krank, Es giebt sich auf die Würgebank, Entzieht sich allen Freuden; Es nimmt an Schmach und Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: Ich will's gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und H eiland meiner Seelen; Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen: Geh hin, mein Kind, und nimm dich an Der Kinder, die ich ausgethan Zur Straf' und Zornesruthen! Die Straf' ist scht wer, der Zorn ist groß; Du kannnst und 4—58 sie machen los Durch Sterben und durch Bluten. 3. Da, Vater, ja, von Herzensgrund! Leg' auf, ich wills gern tragen. Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen. Wunder⸗ lieb', o Liebesmacht, Du kannst, was nie kein Me nsch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen! O Liebe, Liebe, 15 bist stark! Du streckest Run n 93 und Sarg, Vor dem die Felsen springen. 4. Du marterst ihn am Wrenzestanm Mit Nägel n und mit Spießen; Du schlachtest ihn als wie ein Lamm, Machst Herz und Adern fließen: Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des purpurrothen Blutes. O süßes Lamm, was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeigest so viel Gutes? V en: von * ich tein iem ist er⸗ Du isch VII. Passio nslieder. 133 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen; Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Lie— besarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigenthum Beständiglich ver— schreiben. 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit er— gießen, Und was du mir zu Gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtniß schl ießen. 7. Erweitre dich, mein Herzensschrein: Du sollst ein Schatzhaus werden Der Schätze, die viel größer sein, Als Himmel, Meer und Erden. Weg mit den Schätzen dieser Welt Und Allem, was der Welt ge⸗ fällt! Ich hab' ein Beßres sunden: Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, Ist die⸗ ses, was geflossen ist Aus deines Leibes Wunden. 8. Das 35 und will ich mir zu Nu 5 Zu allen Zei⸗ ten mat chen: Im Streite soll es sein mein Schutz, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wenn mir Nichts mehr schmecken will,“ Soll(mich dies Manna speisen; Im Durst soll's sein 1—9— Wasserguel, In Einsamkeit mein Sprach⸗ gesell Zu Haus' und auch auf Reisen. ). Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut, das ist mein Leben: Wenn mich der Sonne Hitze trifft, So kann mir's Schatten geben; Setzt Weh⸗ muth mir und Schmerzen zu, So find' ich bei dir meine Ruh', Wie auf dem Bett ein Kranker; Und wenn des Kreuzes Ungestüm Mein Schifflein treibet um und um, So bist du dann mein Anker. 10. Wenn ich soll end⸗ lich treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dies Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein klei— den; Es soll sein meines Hauptes Kron', In welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen Und dir, dem er mich an⸗ vertraut, Als eine wohl⸗ 134 VII. Passionslieder. geschmückte Braut An deiner Seite stehen. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛe. 1. Petri 2, 10. 166 E Dul⸗ — der, deine Liebe Vollbringt ihr Werk im Todesschmerz, Du folgest der Erbarmung Triebe, Bringst Frieden in des Sün⸗ ders Herz. Du bist die Wahrheit und das Leben. Um uns zur Kindschaft zu erheben, Betrittst du deine Leidensbahn; Wer dich im Glauben aufgenommen, Darf als ein Kind zum Vater kommen Und soll der Gnade Trost empfahn. 2. Verkläret hast du Gott auf Erden, Verherrlicht sei⸗ nes Namens Ruhm; Du hast durch Martern und Be— schwerden Uns dir erkauft zum Eigenthum. Wir soll— ten frei vom Dienst der Sünden, Geheiligt deinen Tod verkünden Und deinem Bilde ähnlich sein. Welch hohes Ziel, wonach wir streben! O, laß uns nie in unsrem Leben Dein heiliges Verdienst entweihn. 3. Verleih' uns Weisheit, Kraft und Stärke, Uns deinem Dienste ganz zu weihn, Und durch Voll— bringung guter Werke Stets wirksam für dein Reich zu sein. Gieb, daß wir freudig von dir zeugen, Damit sich Alle zu dir neigen, Die jetzt noch ferne von dir stehn. Bald sei auf dieser ganzen Erde Ein Hirte nur und Eine Heerde; Dies ist, o Vater, unser Flehn! 4. Oft geht der Weg durch nächtlich Grauen, Auf dem uns Gott zum Ziele führt; Doch wollen wir fest darauf bauen, Daß er uns väterlich regiert.„Mein Vater, es gescheh' dein Wille!“ Sprachst du in de— muthsvoller Stille, Als du zum Tode warst betrübt. O Herr, der uns vorange— gangen, Laß uns den Kin—⸗ dessinn erlangen, Der sich in deinen Rath ergiebt. 5. In deinem segensvollen Leben War dir kein irdisch Glück gewährt; Du hast, von Dürftigkeit umgeben, Der Erde Güter gern ent⸗ behrt. Des Vaters gna⸗ denreichen Willen Durch Thun und Leiden zu er— füllen, War deine Speise, Gottes Sohn! Auch uns, wenn Noth und Mangel drücken, Wird Gott mit reichem Trost erquicken, Du VII. Passionslieder. 135 selbst, Herr, bist der Deinen Lohn! 6. Und kein Erlöster darf verzagen, Der ernstlich seine Schuld bereut. Der Herr hat unsre Last getragen, Gott ist ein Vater, der ver⸗ zeiht. Nur laßt uns wan⸗ deln in der Liebe, Daß wir aus dankbarfrommem Triebe Auch unsren Brüdern gern verzeihn. Wenn Rach' und Zorn das Herz entzünden, Wer kann des Herren Lieb' empfinden Und seines Heiles sich erfreun? 7. Der Herr hat mächtig überwunden Und giebt uns seinen guten Geist, Der uns in der Versuchung Stunden Den sichren Weg zum Leben weist. Getrost ging er dem Tod entgegen, Weil ihn sein Gott, der Welt zum Segen, Als Süh— nungsopfer dargestellt. Stärk' uns, Herr, in Versuchungs— zeiten, Auf daß wir wachen, beten, streiten Und siegen über Sünd' und Welt! 8. Ja, hilf uns Alles überwinden, Was unsrem wahren Leben droht. Erlös' uns von der Macht der Sünden, Bewahr' uns vor dem ew'gen Tod! Laß wan⸗ deln uns in deinem Lichte, Vor deinem heil'gen Ange— sichte, Fern von der Sünde finstrer Nacht. O hilf, daß in der letzten Stunde Der Siegesruf aus deinem Munde Der unsre sei:„Es ist voll⸗ bracht!“ 9. Dein ist das Reich, die Macht und Ehre, Das Richteramt an Gottes Thron. Dich preisen aller Engel Chöre, Du bist wahrhaftig Gottes Sohn! Nimm auch von unsrem schwachen Her⸗ zen Den Dank für deine Todesschmerzen, Bis unser sterbend Auge bricht, Und wir in jenen Himmelshöhen Dich, unsren Herrn und Heiland, sehen Von Ange— sicht zu Angesicht. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. O Lamm Gottes, unschuldig. Hebr. 13, 12. Trlöser, der im 16 7. E Staube Einst lag mit Angstschweiß be— decket, Dein tröste sich mein Glaube, Wann Tod und Sünde mich schrecket! Dein tiefer Schmerz, dein Klagen, Dein Todeskampf, dein Za⸗ gen Sei meine Ruhe, Herr Jesu, Herr Jesu! 2. Du littest ganz un⸗ schuldig Von Frevlern Schmä⸗ hung und Schmerzen, Und trugst sie doch geduldig Mit 136 VII. Passionslieder. sanftem, versöhnlichem Her⸗ zen. Dein Bild muß uns beleben, Zu dulden, zu ver⸗ geben, Wie du Zu lieben, Herr Jesu, Herr Jesu! . Am Kreuz e Hißgst d kläglich, Entstellt, n verschmachtet. Dein Tod belehr' uns täglich, Wie hoch du Seelen geachtet. Er schreck' uns ab von Sünden, Er müss' uns dir verbinden Zu innigem Danke, Herr Jesu, Herr Jesu! Heinrich Julius Tode, 1733—1797. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛe. Joh. 19, 20. 1 68. Artn 200 Opfer für die Welt, Das Licht der Wahrheit siegt. Nun endlich wird Des Irr⸗ thums Nacht erhellt, Die auf der Menschheit liegt. Der Welterlöser hat vollen⸗ det, Wozu der Vater ihn gesendet. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Durch Leiden ohne Zahl That er für uns genug. Er La nun Von aller bittren Qual, Die er aus Liebe trug. Sein Geist, entnommen dem Ge⸗ tümmel, Steigt triumphirend auf zum Himmel. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! Des term tiefsten Schmerz Vaters Rath erfüllt Zu sei⸗ nem Preis und Ruhm! Der Vorhang riß, Auf ewig ward enthüllt Der Liebe Heiligthum. Der seinen Mördern auch vergeben, Bringt Allen Heil und neues Leben. Es ist vollbracht! 4. Es ist vollbracht! Wer sah nicht Gottes Spur, Als er am Kreuz entschlief? Die Sonn' erlosch, Verhüllt war die Natur, Die Erd' er⸗ bebte tief, Zerrissen wurder Felsenwände Bei des er⸗ habnen Mittlers Ende. Es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! Wie blieb' ein menschlich Herz Wohl kalt und 4— Dank An dessen Kreuz, Der un⸗ Für uns zum Tode sank! Wer sollte nicht mit heißen Zäh— ren Ihm heute Lieb' und Treue schwören? Es ist voll⸗ bracht! 6. Es ist vollbracht! Herr, ewig feierlich Sei mir dein Todestag! Dich preis' ich jetzt Und einst noch preise dich Mein letzter Herzensschlag. Hinauf zu dir blick' ich am Ziele Und ruf' in freud'gem Dankgefühle: Es ist voll—⸗ bracht! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. —— VII. Passionslieder. 1 Mel. Wer weiß, wie nahe mir ꝛe. Joh. 17, 4. 1 6 9. Ebaach rih verschieden! Mein Jesus schließt die Augen zu; Der Friedefürst schläft ganz mit Frieden, Die Lebenssonne geht zur Ruh' Und sinkt in stille Todesnacht. O theures Wort: Es ist voll— bracht! 2. Es ist vollbracht, wie er gesprochen: Des Lebens Wort muß sprachlos sein. Das Herz der Treue wird gebrochen, Den Fels des Heils umfaßt ein Stein. Die höchste Kraft ist nun verschmachtit. O wahres Wort: Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht, und meine Sünden Verdammen nun mein Herz nicht mehr; Denn Gnade hör' ich mir verkünden Durch Jesu Blut vom Kreuze her. Nun ist getilgt der Hölle Macht. O süßes Wort: Es ist voll— bracht! 4. Es ist vollbracht! Mein Herzverlangen, Du allerliebste Liebe du, Dich wünschen Engel zu umfan⸗ gen: Nimm auch in mei— nem Herzen Ruh', Wo Liebe dir ein Grab gemacht! Trostvolles Wort: Es ist vollbracht! 5. Es ist vollbracht! Ich will mich legen Zur Ruh' vor meines Heilands Grab. Die Engel sind allhier zu⸗ gegen Und steigen bei mir auf und ab, Die Himmels⸗ pfort' ist aufgemacht. O Lebenswort: Es ist voll⸗ bracht! Salomon Frank, 1669—1725. Mel. Jerusalem, du hoch de. Doh. 19, 30. 1 70. Es Lnt— ruft des Heilands Mund! O triumphirend Wort! Es macht auch mir Der Schuld Vergebung kund, Es gilt noch fort und fort. Voll⸗ bracht ist nun sein Leben, Das er auch mir geweiht, Für mich auch hingegeben Zu meiner Seligkeit. 2. Es ist vollbracht! Das Leiden ist vollbracht, Nun sinkt er in den Tod, Da hat er auch An meine Schuld gedacht, Getilgt auch meine Noth. Wie hat der Held gerungen Mit Schmerzen, Angst und Schmach! Ihm ist der Sieg gelungen, Indem das Herz ihm brach. 3. Es ist vollbracht! 138 VII. Passionslieder. Nun ferner nicht geweint! In dir vollend' auch ich; Bin ich mit dir, Bist du mit mir vereint, So sieg' ich, Herr, durch dich. Ich werde meine Sünden, Des bittren Todes Macht Durch dich bald überwinden, Dann ruf' auch ich: Vollbracht! Neues Berliner Gefangbuch,‚, 1829. Mel. Nun laßt uns den ꝛe. 1. Joh. 1, 2. 171 Y.den hner dein theures Blut Ist meiner Seelen höchstes Gut; Das stärkt, das labt, das macht allein Mein Herz von allen Sün⸗ den rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein' Unschuld und Gerech— tigkeit Macht, daß ich kann vor Gott bestehn Und zu der Himmelsfreud' eingehn. 3. O Jesu Christe, Got⸗ tes Sohn, Mein Trost, mein Heil und Gnaden⸗ thron, Dein theures Blut, dein Lebenssaft Giebt mir stets neue Lebenskraft! 4. Herr Jesu, in der letzten Noth, Wenn mich schreckt Teufel, Höll' und Tod, So laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein. Johann Olearius, 1611—1684. Mel. Aus tiefer Noth schrei ꝛc. Jes. 38, 5. 6. 1 7½. err Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrübtes Leiden Laß mir vor Augen allzeit sein, Die Sünde zu vermeiden. Laß mich an deine große Noth Und dei⸗ nen herben, bittren Tod,‚ Dieweil ich lebe denken. 2. 15 deiner Seele tiefe Qual, Dein blutig Schweiß—⸗ vergießen Und übrig Elend allzumal, Darin du mußtest büßen, Oft meinem Herzen fallen ein Und eine starke Warnung sein Vor allen Missethaten. 3. Die Wunden alle, die du hast, Hab' ich dir helfen schlagen, Auch meine große Sündenlast Dir aufgelegt zu tragen. Ach, liebster Heiland, schone mein, Laß diese Schuld vergessen sein, Laß Gnad' für Recht er⸗ gehen! 4. Du hast verlassen dei— nen Thron, Bist in das Elend gangen, Ertrugest Schläge, Spott und Hohn, Mußtest am Kreuze hangen, Auf daß du für uns schaff⸗ pen VII. Passionslieder. 139 test Rath Und unsre schwere Missethat Bei Gott versöh— nen möchtest. 5. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit Von Her⸗ zen dir lobsingen, Und wenn du zu der Seligkeit Mich künftighin wirst brin⸗ gen, So will ich daselbst noch viel mehr Zusammt dem ganzen Himmelsheer Dich ewig dafür loben. 6. Herr Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrüb— tes Leiden Laß meine letzte Zuflucht sein, Wenn ich von hier soll scheiden. Ach, hilf, daß ich durch deinen Tod Fein sanft beschließe meine Noth Und selig sterbe! Amen. Ums Jahr 1675. Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛe. 2. Cor. 5, 15. 173. 0 en der zu bedenken, Mich in das Meer der Liebe zu versen⸗ ken, Die dich bewog, von aller Schuld des Bösen Uns zu erlösen! 2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Er— den Und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, An unsrer Statt gemartert i und zerschlagen, Die Sünde tragen: 3. Welch wundervoll hoch— heiliges Geschäfte! Sinn' ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, Mein Herz erbebt; ich seh' und ich em— pfinde Den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb' und läßt die Welt erlösen: Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken Am Kreuz erblicken. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnie— der, Es stürzt mich tief und es erhebt mich wieder, Lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde Zu Got— tes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, Ich liege hier vor dir ge— bückt im Staube, Verliere mich mit dankendem Ge⸗ müthe In deine Güte! 7. 235 übersteigt die menschlichen Gedanken; Al⸗ lein sollt' ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch: darf der sich unterwinden, Gott zu er⸗ gründen? 8. Das Größt' in Gott ist Gnad' und Lieb' erwei⸗ 140 VII. Passionslieder. sen; Uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad' erzeiget, Die Gnade steiget. 9. Laß deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, Dein göttlich Kreuz im Glauben zu verehren, Daß ich, getreu in dem Beruf der Liebe, Mich christlich übe. 10. Das Gute thun, das Böse fliehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Böse mir erlauben Und an dich glauben? 11. Da du dich selbst für mich dahingegeben, Wie könnt' ich noch nach meinem Willen leben Und nicht viel— mehr, weil ich dir angehöre, Zu deiner Ehre? 12. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, Wenn Kreuz mich trifft, gelaßnen Herzens werden, Da du so Viel für uns, die wir's ver⸗ schuldet, Liebreich erduldet? 13. Für welche du dein Leben selbst gelassen, Wie könnt' ich sie, sie, meine Brüder, hassen Und nicht, wie du, wenn sie mich un⸗ tertreten, Für sie noch beten? 14. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du Heiliger, du, Herr und Haupt der Glieder, Schaltst auch nicht wieder. 15. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, Dies ist der Dank für dei⸗ nes Kreuzes Schmerzen, Und Gott giebt uns die Kraft in deinem Namen, Dir nachzuahmen. 16. Unendlich Glück! Du littest uns zu Gute; Ich bin versöhnt mit deinem theuren Blute: Du hast mein Heil, da du für mich gestorben, Am Kreuz erworben. 17. O bin ich denn schon selig hier im Glau— ben, So wird mir Nichts, Nichts meine Krone rauben, So werd' ich dort, von Herrlichkeit umgeben, Einst ewig leben. 18. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, Im Glauben kämpf', im Glauben wach' und bete, So ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, Als Jesus lebet. 19. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize, So schrecke mich dein Wort, das Wort vom Kreuze; Und werd' VII. Passionslieder. 141 ich matt im Laufe guter Werke, So sei mir's 5. 20. Seh' ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden Ein Aergerniß und eine Thorheit werden, So sei's doch mir trotz alles frechen Spottes Die Weisheit g Gottes. 21. Gott, eile nicht, sie rächend zu zerse hmettern; Erbarme dich, wenn einer von den Spöttern Sich spät bekehrt und den, den er geschmähet, Um Gnade flehet! 22. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden krä nen, So laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken; Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide, Mir Fried' und Freude! M. Christian 231269. t Gellert, 715—1769 Eigene Melodie. Joh. 19, 4. 5. 17⁴4 erzliebster Je— 0n was hast du verbrochen, Daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Misse⸗ thaten Bist du gerathen? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn'n gekrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet: Du wirst mit Essig und mit Gall getränket, Ans Kreuz ge⸗ henlet. as ist die Ursach' aller olcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen. Ich, ich, Herr Jesu, habe dies verschuldet, r. erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch d iene Strafe! Der gute Hirte leidet für die e Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wan⸗ delt; Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt! Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen: Christ wird gefangen. 6. Ich war von Fuß auf voller Schand' und Sünden, Bis zu dem Scheitel war nichts Gut's zꝛ finden: Dafür hätt' ich dort in der Hölle müssen Ewiglich büßen. 7. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marter⸗ straße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden! 8. Ach, großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich g'nugsam solche 142 VII. Passionslieder. Treu' ausbreiten? Kein menschlich Herz vermag es auszudenken, Was dir zu schenken. 9. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, Wo— mit doch dein' Erbarmung zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebes⸗ thaten Im Werk erstatten? 10. Doch ist noch Etwas, das dir angenehme: Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf' und zähme, Daß sie aufs Neu' mein Herze nicht entzünden Mit alten Sün⸗ den. 11. Weil's aber nicht be⸗ steht in eignen Kräften, Fest die Begierde an das Kreuz zu heften, So gieb mir deinen Geist, der mich re— giere, Zum Guten führe. 12. Alsdann so werd' ich deine Huld betrachten, Aus Lieb' zu dir die arge Welt verachten; Bemühen werd' ich mich, Herr, deinen Willen Stets zu erfüllen. 13. Ich werde dir zur Ehren Alles wagen, Kein Kreuz nicht achten, keine Schmach, noch Plagen, Nichts von Verfolgung, Nichts von Todesschmerzen, Nehmen zu Herzen. 14. Dies alles, ob's für schlecht zwar ist zu schätzen, Wirst du es doch nicht gar bei Seite setzen; In Gna⸗ den wirst du dies von mir annehmen, Mich nicht be— schämen. 15. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, Da will ich dir, wenn Alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Wenn meine Sünd' ꝛc. 1. Tim. 2, 5. 175 Zin an dein Kreuz zu treten, Versöhner, stärke mich! Dich gläubig anzu— beten, Sehnt meine Seele sich. Laß mich mit Zittern und Vertraun, Was du für uns erlitten, In heil'ger Andacht schaun. 2. Des großen Dulders Seele Ist bis zum Tod betrübt; So innig, meine Seele, Hat Jesus dich ge— liebt! In heißen Aengsten schwebt er da, Mit unsrer Schuld beladen, Dem Opfer⸗ tode nah'! 3. Fallt nieder, bebt, ihr Sünder, Verhüllt das An⸗ gesicht! Jetzt ist für Adams Kinder Der Mittler im Ge⸗ richt. Wer nun der Sün⸗ VII. Passionslieder. den Gräu'l nicht haßt, Häuft auf den Tag des Zornes Sich selbst des Zor— nes Last. 4. Es präge eurem Her⸗ zen Sich tief und kräftig ein: Der Preis so vieler Schmerzen Soll eure Ret⸗— tung sein. O, nehmt an seiner Gnade Theil, Er— kennet seine Liebe, Verwerft nicht euer Heil. 5. Vernehmt es auch, ihr Spötter, Die ihr den Mittler schmäht: Er ist auch euer Retter. Ach, höret sein Gebet! Sie wissen nicht, was sie begehn; Vergieb, o Vater, ihnen! War auch für euch sein Flehn. 6. Ihr, eurer Brüder Feinde, O, schlagt an eure Brust Und werdet Menschen⸗ freunde, Verdammt der Rache Lust; Vergeltet euren Hassern nie; Selbst denen, die euch fluchen, Vergebt und seg— net sie. 7. Noch währen seine Qualen, Noch trägt er unsre Schuld; Er trinkt die vollen Schalen Des Leidens mit Geduld. So hoch hat Gott die Welt geliebt, Daß in den Tod am Kreuze Er Jesum Christum giebt. 8. Vor deines Todes Schrecken Erblaßt der Sonne Licht, Und Finsternisse decken Des Himmels Angesicht. Nun sinkt er in des Todes Nacht; Erbarm', o Gott, dich unser! Er stirbt: es ist vollbracht. Gottfried Benedict Funk, 1734—1814. Mel. Christus, der uns selig ꝛc. Jes. 53, 3. 1 7 6. Iq, deine Passion Will ich jetzt bedenken: Wollest mir vom Himmelsthron Geist t und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein', Jesu, meinem Herzen, Wie du, unser Heil zu sein, Littest alle Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mach' Deine Angst und Bande, Deinen Speichel, Schläg' und Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine Gei— ßel, Dornenkron', Speer— und Nägelwunden Und den Tod, o Gottessohn, Den. du hast empfunden. 3. Doch laß mich ja nicht allein Deine Marter sehen, Laß mich auch die Ursach' fein Und die Frucht verstehen. Ach, die Ursach' war auch ich, Ich und meine Sünde! Diese hat gemar⸗ tert dich, finde. 4. Jesu, Daß ich Gnade lehr' bedenken 144 VII. Passionslieder. N mich Dies mit Buß' und Reue; Hilf, daß ich mit Sünde dich Martre nicht aufs Neue. Sollt' ich dazu haben Lust Und nicht wWel⸗ len meiden, Was Gott selber büßen mußt' Mit so großem Leiden? 5. Wenn mir meine Sünde will Machen heiß die Hölle: Jesu, mein Ge⸗ wissen still', Dich ins Mit⸗ tel stelle. Dich und deine Passion Laß mich gläubig fassen: Liebet mich der liebe Sohn, Wie kann Gott mich hassen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtrage, Daß ich Demuth von dir lern' Und Geduld in Plage, Daß ich dir geb' Lieb' um Lieb'; Indeß laß dies Lallen,(Beßren Dank ich dorten geb), Jesu, dir gefallen! Siegmund vdon Birken, 166—1681. Mel. Zion klagt mit Angst 1. Petr. 2, 24. 1 7 4. Ji deine tiefen 2 Wun⸗ den, Deine Qual und bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs⸗ und Seelennoth. Fällt mir etwas Arges ein, Denk' ich bald an deine Pein, Die meinem Herzen Sünde nicht zu erlaubet Mit der scherzen. 2. denn in Mein ver⸗ und Blut, So gedenk ich an dein Lei⸗ den: Bald wird Alles wie⸗ der gut. Kommt der Satan und setzt mir Heftig zu, halt' ich ihm für Deine Gnad' und Gnadenzeichen: Bald muß er von dannen weichen. 2 Will die Welt mein Herze führen Auf die breite Lo laftbagn Da Nichts ist ls Jubiliren, Alsdann schau' ich emsig an Deiner Marter Centnerlast, Die du ausgestanden hast: So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust abtreiben. 4. Ja, für Alles, was mich kränket, Geben deine Wunden Kraft; Wenn mein Herz hinein sich senket, GHrieg ich neuen Lebenssaft. Deines Trostes Süßigkeit Wend't in mir das bittre Leid, Der du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz' ich Wollust Lweiden derbtes Fleisch Woo mein Vertrauen, m. bist meine Zuversicht; Dein Tod hat den Tod Neehänen, Daß er mich kann tödten *8———.—— VII. Passionslieder. 145⁵ nicht. Daß ich an dir habe Theil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil; Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab' ich dich in meinem Herzen, Du Brunn aller Gütigkeit, So empfind' ich keine Schmerzen Auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich: Wer kann da verletzen mich? Wer sich legt in deine Wunden, Der hat glücklich überwunden. Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Jesu, meines Lebens ꝛce. 1. Petri 1, 18. 19. 178 Jein, der du * wollen büßen Für die Sünden aller Welt Durch dein theures Blut— vergießen, Der du dich hast dargestellt Als ein Opfer für die Sünder, Die ver⸗ lornen Adamskinder: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 2. Rette mich durch deine Plagen, Wenn mich meine Sünde plagt; Laß, ach, laß mich nicht verzagen, Weil du selbst für mich ge— zagt! Hilf, daß mich dein Angstschweiß kühle, Wenn ich Drangsalshitze fühle: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 3. Mache mich durch deine Bande Von des Sa⸗ tans Banden frei; Hilf, daß dein' erlittne Schande Meine Kron' und Ehre sei. Trost der Seelen, Heil der Erden, Laß mich nicht zu Schanden werden: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 4. Rede durch dein Stilleschweigen, Liebster Jesu, mir das Wort, Wenn mich Sünden überzeugen Und verklagen fort und fort, Wenn mein bös Gewissen schreiet Und mir mit Ver— dammniß dräuet: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 5. Laß mich Freuden⸗ rosen brechen, Liebster Jesu, meine Zier, Von den Dor— nen, die dich stechen; Jesu, nahe dich zu mir! Kröne mich mit Huld und Gnade, Daß kein Sündendorn mir schade: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 6. Heile des Gewissens Striemen, Nimm von mir der Schmerzen Last Durch die Geißeln, durch die Rie— men, Welche du gefühlet hast, Daß ich böser Knecht 10 146 VII. Passionslieder. der Sünde Satans Streiche nicht empfinde: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 7. Ach, laß deine tiefen Wunden Frische Lebens⸗— brunnen sein, Wenn mir alle Kraft verschwunden, Wenn ich schmacht' in See⸗ lenpein; In den Abgrund deiner Gnaden Senk' all' Schuld, die mich beladen: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 8. Ach, zerbrich des Ei⸗ fers Ruthe, Ach, erzeige Gnad' und Huld, Tilge doch mit deinem Blute Meine schwere Sündenschuld! Laß mich in der Angst der Sünden Ruh' in deiner Seite finden: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 9. Hilf, daß mir dein Dürsten nütze, Das am Kreuze dich geplagt, Wenn ich lechze, wenn ich schwitze, Wenn mich meine Sünde jagt. Laß mich deinen Durst genießen, Laß mir Lebensströme fließen: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 10. Jesu, komm, mich zu befreien Durch dein lau⸗ tes Angstgeschrei; Wenn viel tausend Sünden schreien, Stehe doch mir Armen bei! Wenn mir Mund und Sprach' entfallen, Laß mich sanft von hinnen wallen: Laß mir deine Todespein Leben, Heil und Himmel sein! Johann Frank, 1618—1677. 9 0oh. 5, 1 179. J6 meines Lebens Le⸗ ben, Jesu, meines Todes Tod, Der du dich für mich gegeben In die tiefste See⸗ lennoth, In das äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben: Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 2. Du, ach, du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick' und Ban⸗ den, Du gerechter Gottes⸗ sohn! Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 3. Du hast lassen Wun⸗ den schlagen, Dich erbärm—⸗ lich richten zu, Um zu hei— len meine Plagen Und zu setzen mich in Ruh'. Ach, du hast zu meinem Segen Lassen dich mit Fluch be— AIII——Ia/y= es— *ʃ——.——2..——— 2— .1Iʃ bei! ind nich en: ein mel VII. Passionslieder. 147 legen: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt Und mit Dornen gar gekrönet. Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich er— götzen, Mir die Ehrenkron' aufsetzen: Tausend, tausend— mal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 5. Du hast wollen sein geschlagen Zu Befreiung meiner Pein, Fälschlich lassen dich anklagen, Daß ich könnte sicher sein; Daß ich möchte trostreich prangen, Hast du ohne Trost gehan⸗ gen: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 6. Du hast dich in Noth gestecket, Hast gelitten mit Geduld, Gar den herben Tod geschmecket, Um zu büßen meine Schuld. Daß ich würde losgezählet, Hast du wollen sein gequälet: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 7. Deine Demuth hat gebüßet Meinen Stolz und Uebermuth, Dein Tod mei— nen Tod versüßet: Es kommt Alles mir zu Gut; Dein Verspotten, dein Verspeien Muß zu Ehren mir ge⸗ deihen: Tausend, tausend⸗ mal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür! 8. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für ge⸗ sammte Noth, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben, bittren Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tau⸗ sendfaches Plagen, Für dein' Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ernst Christoph Homburg, 1605—1681. Mel. Mein Jesu, dem die ꝛe. Joh. 1, 29. 180 H die 2 ihr Jesu Kreuz erhebet, Heut' ist des Heilands Todestag! Schaut ihn, durch dessen Tod ihr lebet, Auf dem auch unsre Sünde lag! Ihr Christen, laßt der Erde Freuden Und ihre Kümmerniß zurück, Und richtet eures Geistes Blick Auf eures Heilands Todes⸗ leiden. ů 2. Wir bringen Dank aus frommem Herzen, In Lieb' entbrannt, erfüllt von Scham, Dir, der die Last der bittren Schmerzen Als unser Mittler auf sich nahm. Heil dir, der uns das Heil 10* 148 VII. Passionslieder. errungen Im bangen, schwe⸗ ren Todesstreit! Lamm Gottes, bis in Ewigkeit Sei auch von uns dein Ruhm gesungen! 3. Wenn uns die Schuld⸗ gefühle drücken, Ist's Gol⸗ gatha‚, wohin wir fliehn Und dort des Blutes Ström' erblicken, Die auch für uns um Gnade schrien! Wir wollen, wo für unsre Sün⸗ den Du dich am Kreuz geopfert hast, Die Freiheit von der Sünde Last Und von der Sünde Herrschaft finden. 4. Dahin, wo uns dein Blut erstritten, Gehn wir, dir unser Blut zu weihn! Wo du für uns den Tod gelitten, Werd' unser Leben gänzlich dein! Wie du, o Herr, um unsertwillen Ge— horsam wurdest bis zum Tod, So wollen freudig dein Gebot Auch wir treu bis zum Tod erfüllen. 5. Dein Leidenskampf, o Heiland, stärke, Dein Sieg befeure Muth und Kraft Zum Glaubenskampf, zu jedem Werke, Das Ehre dir und Freude schafft! Wie uns durch Lust die Sünd' auch reize, Sie hat an uns nicht weiter Theil; Wir fliehn zu dir, zu deinem Heil Und holen Kraft von deinem Kreuze. 6. Wir sollten Stolz und Unrecht üben, Und du trägst Elend, Kreuz und Schmach? Wir sollten die nicht herzlich lieben, Für die dein Herz in Liebe brach? Der Rachsucht sollten wir nicht wehren, Nicht auch dem Feinde gern ver— zeihn? Versöhner, o der ist nicht dein, Den nicht dein Tod kann Liebe lehren. 7. Wir sollten je in Trübsal klagen, Da wir dich schweigend dulden sehn? Wenn uns Verfolgung droht, verzagen, Da Leiden deinen Sieg erhöhn? Befiehlst, in dunkler Nächte Grauen, Von Gott verlassen, du dich Gott, So wollen wir in Schmach und Spott, Wie du, des Vaters Herz vertrauen. 8. Auch in den bängren Todesstunden Bliebst du, Herr, unsre Zuversicht; Im Glaubensblick auf deine Wunden Erschreckt des Gra— bes Nacht uns nicht. Wenn sich das Auge schon ver— dunkelt, So sei des Geistes Aug' erfüllt Von deines Heldentodes Bild, Das, wie der Morgenstern, uns funkelt. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. ——— 7ʃ——— EE—„ 2— VII. Passionslieder. 149 Mel. Wie groß ist des ꝛc. Luc. 24, 26. 181 1³ mir die Feier deiner Leiden, Erhabner Mittler, heilig sein! Sie lehre mich die Sünde meiden Und dir mein ganzes Leben weihn! Ich seh' auf dich, der so entschlossen Für mich die Last des Kreuzes trug, Der mir zum Heil sein Blut vergossen, Deß Herz noch sterbend für mich schlug. 2. Mir sollen diese Feierzeiten Nicht ohne reiche Frucht entfliehn; Zum Kreuze will ich dich begleiten Und eitlen Freuden mich entziehn. Ich will gerührt die Huld ermessen, Womit dein Herz die Welt umfaßt; Wie könnt' ich undankbar vergessen, Was du für mich erduldet hast? 3. So will ich in der Andacht Stunden Dich, Herr, im Geiste leiden sehn, Für dein Verdienst und deine Wunden Mit Dank und Thränen dich erhöhn. Dein. Leiden sei mein höchster Segen, Dein Tod mein seligster Gewinn; Mein gläubig Herz schlägt dir entgegen, Weil ich durch dich gerettet bin. 4. Seid jetzt, seid mir auf immer theuer, Geth— semane und Golgatha, Ihr Stätten, wo die Welt die Feier Der wundervollsten Liebe sah! Dorthin will ich voll Andacht schauen, Wo mein Erlöser litt und starb, Und noch im Tode dem vertrauen, Der mir die Se— ligkeit erwarb. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Herzlich thut mich ꝛe. Hebr. 5, 27. 18 2 Haupt voll 5 Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron! O Haupt, sonst schön gekrönet Mit höchster Ehr' und Zier, Jetzt aber höchst verhöhnet: Ge— grüßest sei'st du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor sonst schrickt und scheut Das große Weltge— wichte, Wie bist du so be— speit, Wie bist du so er— bleichet! Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht nicht gleichet, So schändlich zugericht't? 3. Die Farbe deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blassen Todes Macht Hat Alles 150⁰ VII. Passionslieder. hingenommen, Hat Alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, erduldet, Ist Alles meine Last; Ich hab' es selbst verschuldet, Was du getra⸗ gen hast. Schau' her, hier steh' ich Armer, Der Zorn verdienet hat: Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnaͤd'! 5. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan: Dein Mund hat mich gelabet Mit Milch und süßer Kost, Dein Geist hat mich begabet Mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht; Von dir will ich nicht gehen, Wann dir dein Herze bricht; Wann dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In mei⸗ nen Arm und Schooß. 7. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht' ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir ge⸗ ben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deines Todes Schmerzen, Da du's so gut gemeint. Ach, gieb, daß ich mich halte Zu dir und dei— ner Treu', Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sei! 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in mei— nem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnoth: Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Fest an mein Herz dich drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt, 1606—1676. Eigene Melodie. 1. Petr. 2, 22. 23. 18 3 Lamm Got⸗ * tes, un⸗ schuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit 2 — VII. Passionslieder. 151 erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet; All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verz agen, 5 dich unser, o Jesu! O Lamm Gottes nschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet; All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. ErbarEu dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes, unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet; All' Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Gieb uns deinen Frieden, o Jesu! Nicolaus Decius, 4 1524. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Hebr. 12, 2. 184 Welt, sieh hier dein Le— ben Am Stamm des Kreuzes schweben! Dein Heil sinkt in den Tod. Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlä— gen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau' mit Fleiße: Sein Leib ist ganz mit Schweiße Des Blutes überfüllt; Aus sei⸗ nem edlen Herzen Von un⸗ erschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andren quillt. 3. Wer hat dich so ge⸗ schlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zu⸗ gericht't? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder; Von Misse⸗ thaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körn⸗ lein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Ich bin's, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll'; Die Geißeln und die Banden Und was du aus⸗ gestanden, Das hat ver— dienet meine Seel'. 6. Du nimmst auf deinen Rücken Die Lasten, die mich drücken Viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen Verehrst du mir den Segen; Dein Schmerzen muß mein Lab— sal sein. 7. Du setzest dich zum Bürgen, Ja, lässest dich gar würgen Für mich und meine Schuld. Mir lässest du dich 152 VII. Passionslieder. krönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest Alles mit Geduld. 8. Du springst ins Todes Rachen, Mich frei und los zu machen Von solchem Un⸗ geheu'r. Dein Tod besiegt mein Sterben, Läßt mich das Leben erben: O un⸗ erhörtes Liebesfeu'r! 9. Ich bin, mein Heil, verbunden All' Augenblick' und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel' vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr'. 10. Nun, ich kann nicht Viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in mei— nem Herzen ruhn. 11. Ich will's vor Augen setzen, Mich stets daran er— götzen, Ich sei auch, wo ich sei. Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb' und un⸗ verfälschten Treu'. 12. Wie heftig unsre Sünden Den frommen Gott entzünden, Wie Rach' und Eifer gehn, Wie grausam seine Ruthen, Wie zornig seine Fluthen, Will ich aus deinem Leiden sehn. 13. Ich will daraus stu— diren, Wie ich mein Herz soll zieren Mit stillem, sanf⸗ tem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 14. Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Näch— sten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 15. Ich will mich mit dir schlagen Ans Kreuz und dem absagen, Was meinem Fleisch gelüst't; Was deine Augen hassen, Das will ich fliehn und lassen, So viel mir immer möglich ist. 16. Dein Seufzen und dein Stöhnen Und die viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schooß und Hände Begleiten zu der ew'gen Ruh'. Paul Gerhardt, 1606-1676. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛe. 1. Cor. 2, 4. 185 Urange, Welt, b mit deinem Wissen, Das du jetzt so hoch gebracht! Ich kann deine Weisheit missen, Die der weise Gott veracht't. Meines SS C VII. Passionslieder. 153 Jesu Kreuz und Pein Soll mein liebstes Wissen sein! Weiß ich das in wahrem Glauben, Wer will mir den Himmel rauben? 2. Andre mögen Weis— heit nennen, Was hier in die Augen fällt, Ob sie schon den nicht erkennen, Dessen Weisheit Alles hält: Mir soll meines Jesu Pein Meine Kunst und Weisheit sein; Das Geheimniß seiner Liebe Ist die Schul', da ich mich übe. 3. Andre mögen ihre Sinnen Schärfen durch Ver— schlagenheit, Daß sie Lob und Ruhm gewinnen Bei den Großen dieser Zeit: Ich will meines Heilands Schmach Ganz alleine den— ken nach. Christen will es nicht geziemen, Daß sie sich des Eitlen rühmen. 4. Andren mag es wohl behagen, Wenn sie hurtig und geschickt, Große Schätze zu erjagen, Und wenn ihnen Alles glückt: O, mein Reich— thum, Glück und Theil Ist der armen Sünder Heil; Dieses weiß mein Herz zu finden Und die Welt zu überwinden. 5. Ei, so komm, mein wahres Leben, Komm und unterweise mich! Dir will sich mein Herz ergeben, Daß es wisse Nichts als dich, Allerschönste Wissenschaft! Ach, beweise deine Kraft, Daß ich einzig an dir hange Und Nichts außer dir ver⸗ lange! 6. Weiß ich keinen Trost auf Erden, Klagt mich mein Gewissen an, Will mir angst und bange werden, Ist Nichts, das mir helfen kann, Drückt mich des Ge— setzes Joch, So laß mich' bedenken doch, Daß du hast mit deinem Blute Gnad' erlanget mir zu Gute. 7. Ach, mein Jesu, pflanze weiter Dieses Wissen in mein Herz! Sei, mein treuer Freund und Leiter Und laß deines Todes Schmerz, Deine schwere Kreuzespein Mir stets in Gedanken sein! Du hast dich mir wollen schenken, Daran laß mich ewig denken. 8. Endlich, wenn des Todes Grauen Alles Wissen von mir treibt, So laß meine Augen schauen Die— sen Trost, der ewig bleibt: Jesu Leiden, Kreuz und Pein Soll mein leetztes Wissen sein. Jesu, hilf mir das vollbringen, So will ich dir ewig singen! Johannes Job, 1664-1736. 154 VII. Passionslieder. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. Hebr. 12, 1. 2. 186. Mei is das! Ihr Menschen, kommt zusammen! Ihr Ungerechten, seht Die Unschuld hier ver— dammen! Ihr Sünder, merket auf! Hier seufzt die Heilig⸗ keit, Hier hangt des Höch— sten Sohn Im tiefsten To⸗ desleid. 2. Seht, welch ein Mensch ist das! O Blicke voller Thränen! O Antlitz voller Schmach! O Lippen voller Sehnen! O Haupt voll To— desschweiß! O Seele voller Noth! O Herze voll Geduld! O Lieb', voll Angst im Tod! 3. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach, sehet seine Wunden! Habt ihr, ihr Sünder, nicht Den Heilig⸗ sten gebunden? Sind eure Lüste nicht Die Dornen, die er trägt? Ist's eure Bosheit nicht, Die an das Kreuz ihn schlägt? 4. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach, opfert Thrä⸗ nenfluthen, Denn eure Sünde macht Das Herz des Heil'gen bluten! Geht nicht vorüber hier, Wo Schmer— durch die offne Brust In eures Jesu Herz! 5. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach ja, wir wollen sehen, Was dir, du Men⸗ schenfreund, Durch Menschen ist geschehen! So lang' ein Auge blickt, So lange soll die Pein, Die du für uns ertrugst, Uns unvergessen sein. 6. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach, sieh uns an in Gnaden! Wenn wir in zen über Schmerz, Seht Reu' und Leid Beweinen unsren Schaden, So laß den Blick vom Kreuz In unsre Seele gehn Und dein vergoßnes Blut Für uns beim Vater flehn! 7. Seht, welch ein Mensch ist das! So wollen wir dich schauen Und unsren ganzen Trost Auf dein Verdienst nur bauen. Wenn nun dein Haupt sich neigt, So ster— ben wir mit dir; Wenn unser Auge bricht, Heil uns, dann leben wir! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Zion klagt mit Angst ꝛc. Jer. 17, 14. 187 Dẽ mir tau⸗ — sendmal ge— grüßet, Der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet Das, womit ich dich VII. Passionslieder. 155 betrübt! Ach, wie ist mir doch so wohl, Wenn ich knien und liegen soll An dem Kreuze, da du stirbest Und um meine Seele wirbest! 2. Ich umfange, herz' und küsse Der gekränkten Wunden Zahl Und die purpurrothen Flüsse Deiner Füß' und Nägelmahl'. O, „wer kann doch, schönster Fürst, Den so hoch nach uns gedürst't, Deinen Durst und Lieb'sverlangen Völlig fassen und umfangen! 3. Heile mich, o Heil der Seelen, Wo ich krank und traurig bin; Nimm die Schmerzen, die mich quälen, Und den ganzen Schaden hin, Den mir Adams Fall gebracht Und ich selbsten mir gemacht. Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen, Wird sich all mein Jammer setzen. 4. Schreibe deine blut'? gen Wunden Mir, Herr, in das Herz hinein, Daß sie mögen alle Stunden Bei mir unvergessen sein! Du bist doch mein schönstes Gut, Da mein ganzes Herze ruht: Laß mich hier zu dei— nen Füßen Deiner Lieb' und Gunst genießen. 5. Diese Füße will ich halten Auf das Best' ich immer kann. Schaue mei⸗ ner Hände Falten Und mich selbsten freundlich an Von dem hohen Kreuzesbaum Und gieb meiner Bitte Raum, Sprich: Laß all dein Trauren schwinden, Ich, ich tilg' all deine Sünden. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. O Traurigkeit, o ꝛc. Hebr. 4, 10. 188. S* nene Ruh', In deines Grabes Höhle Und erweckest durch den Tod Meine todte Seele. 2. Man senkt dich ein Nach vieler Pein, Du mei⸗ nes Lebens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach, bist du kalt, Mein Aufenthalt! Das macht die heiße Liebe, Die dich in das kalte Grab Durch ihr Feuer triebe. 4. O Lebensfürst, Ich weiß, du wirst Mich wieder auferwecken: Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 5. Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich auf Rosen liege, Weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 156 VII. Passionslieder. 6. Gar Nichts verdirbt, Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen Und in ganz verklärter Zier Aus dem Grabe gehen. 7. Indeß will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken Und an deinen bitt⸗ ren Tod Bis zum Tod gedenken. Salomon Frank, 1669—1725. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛc. Joh. 15, 13. 189 Vol Liebe war, 2 o Herr, dein Leben, Von Liebe zeugte jede That; Zum Opfer dich für uns zu geben, War deines Vaters heil'ger Rath. Ihn zu vollziehn mit will—— gem Herzen, Betratest du den Weg der Schmerzen Und gingst in tausendfache Noth; Warst voll Erbarmen gegen Feinde, Du liebtest deine schwachen Freunde, Und liebtest sie bis in den Tod. 2. O Liebe, Liebe sonder Gleichen, Wie göttlich groß, wie wunderbar! Kein Sterb— licher kann dich erreichen Und Keiner aus der Engel— schaar. Des ew'gen Vaters Thron verlassen, Um hier am Kreuze zu erblassen Und uns vom Tode zu be— frein, Des Himmels unnenn⸗ bare Freuden Vertauschen mit der Erde Leiden: Kann eine Liebe größer sein? 3. Wer diese Liebe kennt, der bete Sie mit der tief⸗ sten Ehrfurcht an. Wir wollen deiner Todesstätte, O Herr, uns gläubig dank— bar nahn. Hier stehn wir unter deinem Kreuze, Daß uns dein hohes Vorbild reize, Zu thun, was Liebe uns gebeut. Du lehrst uns, ohne Drohn und Klagen Die Lasten unsrer Brüder tragen; Wir sind zu folgen dir bereit. 4. Das Herz zur Liebe zu entzünden, Blick' ich hinauf nach Golgatha; Der Kränkung Schmerz zu über⸗ winden, Erwäg' ich fromm, was dort geschah. Auch meine Feinde will ich lieben, Der Brüder keinen je be⸗ trüben, Für welche du ge— storben bist; Auch unter Opfern und Beschwerden Will ich des Nächsten Hel— fer werden. Hilf mir dazu, Herr Jesu Christ! Neues Berliner Gesangbuch,‚, 1829. Eigene Melodie. 1. Petri 2, 24. 190 Wemn meine * Sünd' mich kränken, O mein Herr Jesu V685E 5*½.. I( 2 VII. Passionslieder. 157 Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Sün⸗ denlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Ma⸗ ßen, Wer es betrachtet recht! Es hat sich martern lassen Der Herr für seine Knecht', Es hat sich selbst der wahre Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, Die Schuld ist allzumal Bezahlt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürch— ten Der Höllen Qual und Gluth. 4. Drum sag' ich dir von Herzen Jetzt und mein Le— benlang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Noth und Angstgeschrei, Für dein unschuldig Ster— ben, Für deine Lieb' und Treu'. 5. Herr, laß dein bittres Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Be— gier, Daß mir nie komme dich gekostet, Daß ich er⸗ löset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Sollt's auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen. Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und folge dem Exem⸗ pel, Das du mir vorgestellt! 7. Laß mich an Andre üben, Was du an mir ge⸗ than, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jeder⸗ mann, Ohn' Eigennutz und Heuchelschein Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. 8. Laß endlich deine Wunden Mich trösten kräf⸗ tiglich In meinen letzten Stunden Und deß ver⸗ sichern mich, Weil ich auf dein Verdienst nur trau', Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau'. Dr. Justus Gesenius, 1604—1671. Mel. Herr Gott, dich loben ꝛe. Röm. 8, 34. ir danken 1 9 1. W dir, Herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und hast uns durch dein theures Blut aus dem Sinn, Wie Viel es Gemacht vor Gott gerecht und gut; 158 VIII. Osterlieder. 2. Und bitten dich, wahr'r Mensch und Gott, Durch dein' heilig' fünf Wunden roth Erlös' uns von dem ew'gen Tod Und tröst' uns in der letzten Noth! 3. Behüt' uns auch vor Sünd' und Schand', Rett' uns durch dein' allmächt'ge Hand, Daß wir im Kreuz geduldig sein, Uns trösten deiner schweren Pein; 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, Daß du uns wirst verlassen nicht, Son⸗ dern ganz treulich bei uns stehn, Bis wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Vischer, w1544—1600. VII. Osterlieder. Mel. Sollt' ich meinem ꝛc. Joh. 17, 24. 1 92(men! Dei⸗ * nes Gra⸗ bes Friede Wird auch unser Grab durchwehn, Wenn wir, von der Wallfahrt müde, Ruhn, um froher aufzustehn. Amen! Fürst der Auferstehung, Der des Grabes Siegel brach, Zieh' durch Grab und Tod uns nach Zu der heiligen Er— höhung, Wo dem Lamm, das uns versöhnt, Aller Himmel Loblied tönt! 2. Großer Erstling dei⸗ ner Brüder! Ja, du ziehest uns nach dir; Du, das Haupt, ziehst deine Glieder; Weil du lebst, so leben wir. Ja, wir werden auferstehen, Weil du auferstanden bist, Werden dich, Herr Jesu Christ, Einst in deiner Klarheit sehen. Unsre Her⸗ zen harren dein; Amen! Ewig sind wir dein. Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛe. 1. Thess. 4, 14. 193 Amen! Lob — und Preis und Stärke Sei dem Voll—⸗ ender seiner Werke, Dem Todesüberwinder Dank! Singt dem auferstandnen Helden! Und alle Himmel, alle Welten Und dieser Erd— kreis sei Gesang! Ihm, der vom Tod erstand, Ihm, der einst überwand, Halleluja! Sein ist die Macht! Er hat's VIII. Osterlieder. 159 vollbracht! Die Welt ist seiner Ehre voll! 2. Ja, du Land der Gräber, Erde, Empor aus deinem Staub' und werde Ein Land des Lebens und des Lichts! Er, der siegreich auferstanden, Befreit dich von des Todes Banden Und von den Qualen des Gerichts. Heil dir! das Grab ist leer! Des Abgrunds Schreckensheer Ist bezwun⸗ gen. Des Todes Nacht, Der Hölle Macht, Der Gräber Grauen ist besiegt. 3. Was vermag uns zu erschüttern? Der Hölle Skla— ven müssen zittern Vor ihm, der ewig, ewig lebt. Wir, des Auferstandnen Brüder, Wir Christen, seines Leibes Glieder, Wir freun uns deß, der ewig lebt. Für uns sank er in Tod, Für uns entrückte Gott Ihn dem Grabe. Empörer, bebt! Der Sieger lebt! Er lebt, und stirbt hinfort nicht mehr. 4. Unser Herz darf nun nicht wanken, Die bangen, zweifelnden Gedanken Be⸗ siegt des Glaubens Zuver⸗ sicht. Wie ein Fels des Herrn im Meere Steht un⸗ erschüttert Jesu Lehre, Um— glänzt mit Seligkeit und Licht. Der Himmel Bau zerfällt, Die Herrlichkeit der Welt Wird verschwinden. Doch fort und fort Steht Jesu Wort, Bleibt Trost und Heil in Ewigkeit. 5. Doch auch wir, wir werden bleiben, Mag doch des Körpers Staub zerstäu⸗ ben; Verzehre, Moder, mein Gebein! Jesus lebt! Und meine Glieder Belebt einst seine Allmacht wieder, Wie er, werd' ich unsterblich sein. In der Verwesung Grab Dringt dann sein Ruf hinab; Und ich lebe! Und ich bin sein! Auf ewig sein! Wie wird mir dann, o dann mir sein! M. Christoph Christian Sturm, 17⁴ 786 740—1786, Eigene Melodie. Col, 2, 15. 19 4 A“ auf, mein Herz, mit Freuden Nimm wahr, was heut' geschicht! Wie kommt nach großem Leiden Nun ein so großes Licht! Mein Heiland war gelegt Da, wo man uns hinträgt, Wenn von uns unser Geist Gen Himmel ist gereist. 2. Er war ins Grab ge⸗ senket, Der Feind trieb groß Geschrei. Eh' er's 160 VIII. Osterlieder. vermeint und denket, Ist Christus wieder frei Und ruft Victoria! Schwingt fröhlich hie und da Sein Fähnlein als ein Held, Der Feld und Muth behält. 3. Der Held steht auf dem Grabe Und sieht sich freudig um, Schlägt mit dem Siegesstabe Des Fein⸗ des Ungestüm. Der wirft zu Christi Fuß Sein Höl⸗ lenreich und muß Selbst in des Siegers Band Ergeben Fuß und Hand. 4. Das ist mir anzu⸗ schauen Ein rechtes Freu⸗ denspiel. Nun soll mir nicht mehr grauen Vor Allem, was mir will Be— nehmen meinen Muth, Zu⸗ sammt dem edlen Gut, So mir durch Jesum Christ Aus Lieb' erworben ist. 5. Die Höll' und ihre Rotten, Die krümmen mir kein Haar. Der Sünden kann ich spotten, Bleib' all⸗ zeit ohn' Gefahr. Der Tod mit seiner Macht Wird schlecht bei mir geacht't; Er bleibet Todes Bild, Und wär' er noch so wild. 6. Die Welt ist mir ein Lachen Mit ihrem großen Zorn; Sie zürnt und kann Nichts machen, All' Arbeit ist verlor'n. Die Trübsal trübt mir nicht Mein Herz und Angesicht; Das Un⸗ glück ist mein Glück, Die Nacht mein Sonnenblick. 7. Ich hang' und bleib' auch hangen An Christo als ein Glied; Wo mein Haupt durch ist gangen, Da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, Durch Welt, durch Sünd' und Noth; Er rei⸗ ßet durch die Höll', Ich bin stets sein Gesell'. 8. Er dringt zum Saal der Ehren, Ich folg' ihm immer nach Und darf mich gar nicht kehren An einzig Ungemach. Es tobe, was da kann, Mein Haupt nimmt sich mein an; Mein Heiland ist mein Schild, Der alles Toben stillt. 9. Er bringt mich an die Pforten, Die in den Himmel führt, Daran mit güldnen Worten Der Reim gelesen wird: Wer dort wird mit verhöhnt, Wird hier auch mit gekrönt; Wer dort mit sterben geht, Wird hier auch mit erhöht. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛc. 2. Cor. 13, 4. 1 9 5 Auun auferstan⸗ den Ist der Herr, der uns VIII. Osterlieder. 161 versöhnt! Seht, wie hat nach Schmach und Banden Gott mit Ehren ihn gekrönt. Dort auf seines Vaters Throne, Ueber Schmerz und Tod erhöht, Herrscht er nun in Majestät. Fallet nieder vor dem Sohne, Der uns einst zu sich erhebt! Halleluja! Jesus lebt! 2. Singt dem Herrn! Er ist erstanden, Der da starb auf Golgatha. Rühmt es laut in allen Landen, Was sein Mund verhieß, geschah. Wer kann ihm noch wider— streben? Mächtig steigt der Held empor, Im Triumph bricht er hervor. Seht des Abgrunds Pforten beben, Da ihr Sieger sich erhebt. Halleluja! Jesus lebt! 3. Uns vom Tode zu befreien, Sank er in des Grabes Nacht; Uns zum Leben zu erneuen, Steht er auf durch Gottes Macht. Tod, du bist in Sieg ver— schlungen, Deine Schrecken sind gedämpft, Deine Herr⸗ schaft ist bekämpft, Und das Leben ist errungen, Ob man unsren Leib begräbt! Halleluja! Jesus lebt! 4. Aus dem Grab uns zu erheben, Ging er zu dem Vater hin; Laßt uns ihm zur Ehre leben, Dann ist Sterben uns Gewinn. Hal⸗ tet unter Lust und Leiden Im Gedä chtniß Jesum Christ, Der vom Tod erstanden ist; Unvergänglich sind die Freuden Deß, der nach dem Himmel strebt. Halleluja! Jesus lebt! 5. Freut euch seiner, Got⸗ tes Kinder! Er sei euer Lobgesang! Bringt dem Todesüberwinder Ewig Ehre, Preis und Dank! Rühmt es in Versuchungsstunden, Wenn euch Sünd' und Elend droht, Rühmt es in der Todesnoth: Unser Herr hat überwunden, Der uns einst zu sich erhebt. Halle⸗ luja! Jesus lebt! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Christ lag in Todesbanden. Matth. 21, 9. 190. B and gahn dem Heiland dar, Frohlockt ihm, alle Frommen! Er, der für uns getödtet war, Ist dem Gericht entnommen. Sei gelobt, Herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und siegreich auferstan⸗ den! Halleluja! 2. Dein Leben in der Majestät Befestigt unsren Glauben. Wer kann, da dich dein Gott erhöht, Uns 11 16²2 VIII. Osterlieder. nun den Trostgrund rauben: Daß du von der Sünde Macht Befreiung hast ans Licht gebracht, Den Himmel aufgeschlossen! Halleluja! 3. Gott selbst hat dich dem Grab entrückt, Dich, seinen Sohn, zu ehren; Der Wahrheit Siegel aufge— drückt Hat er auf deine Lehren. Deines Todes ho— hen Werth Hat er aufs Herrlichste erklärt, Da er dich auferwecket. Halleluja! 4. Erstandner, ich froh— locke dir! Mein ist dein Sieg und Leben. Du lebst und herrschest, um auch mir Dein ew'ges Heil zu geben, Meiner Seele Trost zu sein, Zum Guten Kraft mir zu verleihn Und mich zu Gott zu führen. Halleluja! 5. Mein Herr, mein Gott, hilf mir dazu, Be— freie mich von Sünden. Im Frieden Gottes laß mich Ruh' Für meine Seele fin⸗ den. Schaffe deinen Sinn in mir, Damit ich Gott er⸗ geben hier Als dein Er⸗ löster wandle. Halleluja! 6. Dein ist das Reich, dein ist die Macht, Die Todten zu erwecken. Du rufest, und der Gräber Nacht Wird uns nicht länger decken. Wie du auferstanden bist, So werd' auch ich, Herr Jesu Christ, Durch dich einst auferstehen. Halleluja! 7. O, laß mich, weil ich hier noch bin, Im Glauben an dich wandeln Und jeder— zeit nach deinem Sinn Und heil'gem Vorbild handeln; Daß ich, wenn ich aufersteh' Und dich, des Todes Sieger, seh', Vor dir dann nicht er— schrecke. Halleluja! 8. Da, wo du bist, da soll auch einst Dein Jünger mit dir leben. Du wirst ihn, wenn du nun erscheinst, Zu deiner Freud' erheben. Laß dies auch mein Erb— theil sein, So werd' ich ewig deß mich freun, Daß du vom Tod erstanden. Halleluja! M. Johanu Friedrich Mudre, 1736—1810. Eigene Melodie. 1. Cor. 15, 20. 197 Ccris ist er⸗ standen Von der Marter alle: Deß soll'n wir Alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrie eleison. 2. Wär' er nicht erstan⸗ den, So wär' die Welt ver⸗ gangen! Seit daß er erstan⸗ den ist, So lob'n wir den Vater Jesu Christ. Kyrie eleison. 6509 Herr einst il ich uben ꝛeder⸗ Und deln; rsteh' ieger, ht er⸗ „ da inger wirst einst, eben. Erb⸗ ich Daß nden. ludre, st er⸗ Von soll'n Christ Kyrie rstan⸗ t ver⸗ rstan⸗ Vater eison. VIII. Osterlieder. 163 3. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Deß sollen wir Alle froh sein: Christ will unser Trost sein. Kyrie eleison. Altes Kirchenlied aus dem 12. Jahr⸗ hundert. Mel. Wer nur den lieben Gott ꝛc. Joh. 14, 19. 19 8. Dr Tod ist todt, 6 Leben lebet, Das Grab ist selbst begraben nun: Mein Jesus, der sein Haupt erhebet, Will ferner nicht im Kerker ruhn Und stellt mir diese Loosung für: Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. 2. Nun liegt der Tod zu meinen Füßen; Der Lebens⸗ fürste stirbt nicht mehr, Er weiß die Gräber aufzu⸗ schließen, Er stürzt das blasse Sündenheer. Das Siegeslied klingt herrlich hier: Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. 3. Mein Jesus, Wahr⸗ heit, Weg und Leben, Der Leben hat und Leben giebt, Wie soll ich deß Triumph erheben, Der Rach' an mei⸗ nen Feinden übt? Sie lie⸗ gen dort, du rufest hier: Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. 4. Das Haupt belebet seine Glieder: Wer wollte denn gestorben sein? Die Lebenssonne scheint uns wie— der Und leuchtet uns ins Grab hinein. Da lesen wir die Grabschrift hier: Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. 5. O todter Tod, wie kannst du schrecken? Mein Jesus nimmt das Schrecken hin. Wie sich selbsten kann erwecken, So werden wir erweckt durch ihn. Wenn Jesus lebt, so leben wir: Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Vor deinen Thron ꝛe. Ossenb. 11, 15. 199 D bet' ich * an, erstand⸗ ner Held, Erretter einer Sündenwelt, Du, unsre Zu— flucht für und für, Froh huldigt meine Seele dir! 2. Um deinen Thron, der ewig steht, Glänzt Wahr⸗ heit, Gnade, Majestät. Ich nahe mich voll Zuversicht Zu dir, denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr, meine Seele preiset dich! Erlöst auf ewig hast du mich, So wahr du selbst vom Himmel 11* 164 VIII. Osterlieder. kamst, Dein Leben gabst und wieder nahmst. 4. Wer ist's, der mich verdammen kann? Ich glaub' an dich und sage dann: Der Gott, durch den die Himmel sind, Der ist mein Vater, ich sein Kind. 5. Nun ist dies erste Leben mir Ein segensreicher Weg zu dir. So lang' ich fromm bin, Herr, mein Heil, Hab' ich an deiner Gnade Theil. 6. Zwar trifft noch man⸗ cher Schmerz uns hier; Noch, o Erbarmer, sterben wir! Doch du regierst, und wir sind dein, Und ewig werden wir es sein! 7. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! O Trost, der meinen Geist erhebt! Ich seh', durch dich gestärkt, aufs Grab Mit unerschrocknem Muth hinab. 8. Welch eine Welt voll Seligkeit Erwartet mich nach dieser Zeit! Da findet der verklärte Christ Das Heil, das unaussprechlich ist. 9. Der du für unsre See⸗ len wachst, Sie zu dir ziehst und selig machst, Laß mich mit freudigem Vertraun Im Tod auf dich, Vollender, schaun. Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Phil. 2, 8—11. 200 Erdohter Sie⸗ * gesfürst und Held, Dir jauchzet die er⸗ löste Welt Am Feste deiner Wonne! Du gehst aus deines Grabes Thor Als wie ein Bräutigam hervor, Schön wie die Morgen⸗ sonne. Mächtig, Prächtig Kommst du heute Aus dem Streite, Kommst mit Segen Uns aus deiner Gruft ent⸗ gegen. 2. Wie majestätisch bauest du Am dritten Tage deiner Ruh' Den Leibes⸗ tempel wieder! Trotz aller Feinde List und Macht Hast du dein großes Wort voll— bracht: Ich sterb' und lebe wieder! Gehet, Sehet, Alle Riegel, Band' und Siegel Sind zerstöret! Jesus lebt und ist verkläret. 3. Erlöste, kommt zu diesem Grab Und blicket glaubensvoll hinab: Ist dies die Gruft der Schrecken? Seit Jesus hier geschlum— mert hat, Sind Gräber eine Ruhestatt, Die Fried' und Hoffnung decken. Zagt nicht! Klagt nicht! Diese Glieder Werden wieder Sich erheben Und das Le— ben Christi leben. VIII. Osterlieder. 165 4. Dann werd' ich ihn im Lichte sehn, Gekrönt vor seinem Throne stehn Mit himmlischem Entzücken. Dann ist mein Aug' von Thränen leer, Dann schreckt mich Sünd' und Tod nicht mehr, Nichts kann mich ihm entrücken. Ewig Selig, Ohne Mängel, Wie die Engel, Werd' ich leben Und ihm Preis und Ehre geben. 5. Indeß zerstöre, starker Held, Was mich noch hier zurücke hält, Daß ich zu dir mich schwinge. O, gieb mir deinen Geist, dein Licht, Daß ich, wenn Herz und Auge bricht, Vom Tod ins Leben dringe! Mach' mich Mu⸗ thig In dem Streite, Und bereite Mich bei Zeiten Zum Triumph der Ewig⸗ keiten. M. Christian Gottlieb Götz, geb. 1746. Mel. Erschienen ist der herrlich' ꝛe. 2. Tim. 2, 8. rinnre dich, 201. Ehaam Geist, erfreut Des hohen Tags der Herrlichkeit; Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstan⸗ den ist! Halleluja! 2. Fühl' alle Dankbar⸗ keit für ihn, Als ob er heute dir erschien', Als spräch' er:„Friede sei mit dir!“ So freue dich, mein Geist, in mir! Halleluja! 3. Schau über dich, und bet' ihn an. Er mißt den Sternen ihre Bahn; Er lebt und herrscht mit Gott vereint Und ist dein König und dein Freund. Halleluja! 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar Dem, der da ist, und der da war! Sein Name sei gebenedeit, Von nun an bis in Ewig⸗ keit! Halleluja! 5. O Glaube, der das Herz erhöht! Was ist der Erde Majestät, Wenn sie mein Geist mit der ver⸗ gleicht, Die ich durch Gottes Sohn erreicht? Halleluja! 6. Vor seinem Thron, in seinem Reich, Unsterblich, heilig, Engeln gleich, Und ewig, ewig selig sein, Herr, welche Herrlichkeit ist mein! Halleluja! 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr; Lieb' und Verwundrung kämpft in mir, Und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, Fall' ich, Gott, auf mein Angesicht. Halleluja! 8. Du, der du in den Himmeln thronst, Ich soll da wohnen, wo du wohnst? 166 VIII. Osterlieder. Und du erfüllst einst mein Vertraun, In meinem Fleische dich zu schaun? Halleluja! 9. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, In Wol⸗ ken göttlich kommen wirst, Erweckt aus meinem Grabe gehn Und rein zu deiner Rechten stehn? Halleluja! 10. Mit Engeln und mit Seraphim, Mit Thro—⸗ nen und mit Cherubim, Mit allen Frommen aller Zeit Soll ich mich freun in Ewigkeit? Halleluja! 11. Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm Erhebt uns doch das Christenthum! Mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn, Sind wir auch auferstanden schon. Halle— luja! 12. Nie komm' es mir aus meinem Sinn, Was ich, mein Heil, dir schuldig bin, Damit ich mich, in Liebe treu, Zu deinem Bilde stets erneu'. Halleluja! 13. Er ist's, der Alles in uns schafft, Sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist. Halleluja! M. Christian Fürchtegott Gellert, 769. 7 Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛe. Offenb. 5, 5. 202 Vuun Chri⸗ sten, diese Stunden, Denn unser Herr hat überwunden; Heil dem, der sich zu ihm bekennt! Christus hat den Tod be— zwungen. Nun sei ihm Lob und Dank gesungen, Nun jauchze, wer nach ihm sich nennt! Er sank zur Gruft hinab, Doch er verließ das Grab Triumphirend. Das Reich ist sein, Durch ihn allein Gehn wir zu seiner Freude ein. 2. Du, mein Glaube, lehrst mich siegen, Vor dir muß Furcht und Gram er⸗ liegen, Du Glaube der Un— sterblichkeit“ Drücken mich der Erde Leiden, Sie weichen vor des Himmels Freuden, Ich kämpfe hier nur kurze Zeit. Geht vor mir hin ein Freund, Dort werd' ich neu vereint Mit ihm leben. Bei jedem Schmerz Erhebt mein Herz Sich freudig hoffend himmelwärts. 3. Daß ich nicht im Tode zage, Laß jeden mei— ner Lebenstage An guten Werken fruchtbar sein. Meinem Heiland schon auf Erden Im Sinn und Wandel ähnlich werden, bath in dem Grab, VIII. Osterlieder. 167 Dies führet mich zum Him— mel ein. So leb ich in der Zeit Schon für die Ewigkeit, Und mein harret An Gottes Thron Die Ehrenkron', Die mir ver⸗ heißt des Ew gen Sohn. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Erschienen ist der herrlich'ꝛe. 1. Thess. 4, 14. 203. die Sonn' aufgeht, Wan Heiland Chrif tus aufersteht: Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja! 2. Wenn ich des Nachts oft lieg' in Noth Verschlossen, 1br. als wär' ich todt, Läßst du mir früh die Gnadensonn' Aufgehn, nach Trauern Freud' und Wonn'. Halleluja! 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang Bleibt mein Heiland in Todeszwang, Den dritten 9—7 durchs Grab er dringt, Mit Ehren seine Siegsfahn' schwingt. Halleluja! 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt Mit Schmach am Kreuz gefangen hält; Drauf folgt der Sab— Darin ich Ruh' und Frieden hab'. Halleluja! 5. In Kurzem wach' ich fröhlich auf, Mein Oster⸗ tag ist schon im Lauf, Ich wach' auf durch des Herren Stimm', Veracht' den Tod mit seinem Grimm. Halle⸗ luja! 6. Am Kreuz läßt Christus öffentlich Vor allem Volke tödten sich: Da er durchs Todes Kerker bricht, Läßt er's die Menschen sehen nicht. Halleluja! 7. Sein Reich ist nicht von daler Welt, Kein groß Gepräng' ihm hier gefällt; Was schlecht und niedrig geht herein, Soll ihm das Allerliebste sein. Halleluja! 8. Hier ist noch nicht ganz lund gemacht, Was er aus seinem Grab ge— bracht, Der große Schatz, die reiche Beut, Drauf sich ein Christ so herzlich freut. Halleluja! 9. Der jüngste Tag wird's zeigen an, Was er für Thaten hat gethan, Wie er der Schlangen Kopf zerknickt, Die Höll' zerstört, den Tod erdrückt. Halle⸗ luja! 10. Da werd' ich Christi Herrlichkeit Anschauen ewig voller Freud', Die Feinde 168 VIII. Osterlieder. werd' ich stürzen sehn In Höllenpein und ew'gen Weh'n. Halleluja! 11. Der Herr den Tod zu Boden schlägt, Da er selbst todt und sich nicht regt; Geht aus dem Grab in eigner Kraft, Tod, Teufel, Höll' Nichts an ihm schafft. Halleluja! 12. O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Halleluja! 13. Kein Kreuz und Trübsal ist so tief, Mein Heiland thut drein einen Griff, Führt mich heraus mit seiner Hand; Wer mich will halten, wird zu Schand'. Halleluja! 14. Und daß der Herr erstanden sei, Das ist von allem Zweifel frei: Der Engel selbst bezeugt es klar, Das leere Grab macht's offenbar. Halleluja! 15. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb'' ab, G'nug, daß ich Christus bei mir hab'! Hal— leluja! 16. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, sos nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil seines Leibes Glied ich bin. Halleluja! 17. Durch seiner Auf⸗ erstehung Kraft Komm' ich zur Engel Brüderschaft; Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, Die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Halle— luja! 18. Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; Die Freude, die mir ist be— reit't, Vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja! 19. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir mit größrem Fleiß Erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja! Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Phil. 1, 21. 204. GOe d Jesus lebt Und auferstanden ist, Daß er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 2. Er lebet, der im Grabe war, Er lebt für uns fortan. Nun geht das +——————————— VIII. Osterlieder. 169 große Gnadenjahr Für all die Seinen an. 3. In seinem Grab ist unsre Schuld Auf ewig ein⸗ gesenkt. Er lebt, und nun ist alle Huld Des Vaters uns geschenkt. 4. Ein neues Leben nimmt man hin Entzückt aus seiner Hand. Nun ist uns Sterben ein Gewinn, Ein Gang zum Vaterland. 5. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, In ihre Zukunft kann nunmehr Die Seele freudig schaun. 6. Der dunkle Pfad, den er betrat, Geht in den Himmel aus, Und wer ihm folgt auf diesem Pfad, Kommt auch ins Vaterhaus. 7. Nun weine Keiner mehr allhie, Wenn Eins die Augen schließt; Vom Wie⸗ dersehn, spät oder früh', Wird ihm sein Schmerz versüßt. 8. Nun kann zu jeder guten That Ein Jeder neu erglühn, Denn herrlich wird ihm seine Saat Auf ew'gen Fluren blühn. 9. Er lebt und er wird bei uns sein, Wenn Alles uns verläßt; Drum soll sein Fest für Alle sein Ein Auferstehungsfest. Friedrich von Hardenberg, 1772—1801. leer! Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛc. Luc. 24, 5. 6. Krößter Mor⸗ 205. gen, der die Erde Nach der tiefsten Nacht belebt, Der sie nach dem Wort:„Es werde!“ Nochmals aus dem Nichts erhebt! Nach der Nacht voll düstrer Sorgen, Da man angst⸗ und kummervoll Ohne Jesum leben soll, Bringt der allerschönste Morgen Jesum aus des Todes Thor, Jesum, unser Licht, hervor! 2. Seht! der Stein ist abgehoben, Und kein Kriegs— knecht hütet mehr. Blickt nun seligfroh nach oben: Jesus lebt! Das Grab ist Kommt und seht, wo er gelegen: Tuch und Bin⸗ den findet ihr, Aber Jesus ist nicht hier. Engel rufen euch entgegen:„Sucht ihn, sucht den nicht im Grab, Der der Welt das Leben gab!“ 3. Großes Haupt! so lebst du wieder? Nur auf wenig Tage todt? Nun er⸗ wachen Siegeslieder Mit dem Ostermorgenroth! En⸗ gel müssen sie dir singen: „Den ihr suchet, Jesus, lebt!“ Und die Gruft hallt: „Jesus lebt!“ Und die 170 VIII. Osterlieder. nahen Felsen klingen:„Got⸗ tes Sohn, der todt war, lebt!“ Und die Welt ertönt: „Er lebt!“ 4. Lebt nun auf, ihr stillen Seelen, Die in Thrä⸗ nen ihr zerfloßt, Die ihr euch in Kummerhöhlen Ohne Licht und Kraft verschloßt! Lebt nun auf! Er ist er⸗ standen! Er, an den ihr doch geglaubt, Ist vom Tode nicht geraubt, Nein, er lebt, ist frei von Banden Und mit Klarheit angethan! Betet euren König an! 3. Gauchz, Erde, Himmel, tönet, Rühme, neugeschaffne Welt: Gott und Menschen sind versöh— net! Seht, wie glänzt der große Held, Der des Ab⸗ grunds und der Höllen Und der Himmel Schlüssel führt Und, mit Ehr' und Schmuck geziert, Seine Kirche sicher stellen Und nach tiefem Gottesplan Ewig selig machen kann! 6. Großer Hirte deiner Schafe, Von den Todten ausgeführt, Dem, nach ganz erlittner Strafe Unsrer Schuld, der Preis gebührt! Nimm ihn von den Mil— lionen Derer, die das Grab noch deckt, Derer, die dein im Himmel wohnen, Auch von uns hier unten an, Wie dich Jeder preisen kann! 7. Hilf uns aus den Fesseln gehen, Da die Welt uns mit bestrickt! Laß uns geistig auferstehen, Allem Sündendienst entrückt! Schenk“ uns Kraft zum neuen Wesen, Daß es täg⸗ lich Ostern sei! Dann kommt einst der Tag herbei, Da du völlig uns erlösen Und erstandner Siegesfürst! Johann Adam Lehmus, 1707—1788. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Ps. 148. 206 H n Pe 2 ihr Chöre, Singt Jesu Christo Preis und Ehre! Wie groß und herrlich ist sein Tag! Er, der Held, ist von den Ban— den Des Todes siegreich auferstanden, Er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht, Preis ihm, er hat's vollbracht! Halleluja! Er hat's voll— bracht, Er, der die Macht Des Todes und des Gra⸗ bes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, Hat mächtig Tod und Grab bezwungen, Ruf schon weckt, Derer, die Von ihren Schrecken uns zu dir erheben wirst, Auf-⸗ VIII. Osterlieder. 17¹ befreit; Wir von Gott ge⸗ wichne Sünder Sind nun mit ihm versöhnte Kinder Und Erben seiner Seligkeit. Bald, bald entschlafen wir, Entschlafen, Christe, dir, Ruhn in Frieden Die kurze Nacht, Bis deine Macht Das Licht des ew'gen Tages ruft. 3. Unsren Staub mag Staub bedecken, Du wirst ihn herrlich auferwecken, Der du des Staubes Schöpfer bist. Du wirst unvergänglich Leben Und Kraft und Herrlichkeit ihm geben, Dem Staube, der dir theuer ist. Wir werden ewig dein, Gerecht und selig sein. Hallelujaͤ! Tod und Gericht Erschreckt uns nicht, Denn Jesus, unser Mittler, lebt. 4. Ja, er lebt, uns zu erfreuen Und Alles, Alles zu zerstreuen, Was uns den Lebensfrieden raubt. Groß ist seines Namens Ehre Und ewig giltig seine Lehre Und ewig selig, wer ihm glaubt. Wir gehn an sei⸗ ner Hand Durch dieses Thränenland Hin zum Himmel, Und dort erhebt Er, der da lebt, Uns hoch zu Ehren ewiglich. — 5. Tag des Lebens, Tag der Wonne, Wie wird uns sein, wenn Gottes Sonne Durch unsres Gra— bes Dunkel bricht! O, was werden wir empfinden, Wenn Nacht und Finsterniß verschwinden Und uns um⸗ strahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du Uns diesem Tage zu, Uns, die Deinen! Die Todesbahn Gingst du voran, Wir folgen dir in deine Ruh'. Gottfried Benediet Funk, 1734—1814. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. 2. Tim. 1, 10. 207 HFrn * lebet! Auf, ihr Erlösten, und erhebet Des großen Mittlers Ma⸗ jestät! Hört's, betrübte Sünder! gebet Der Freude Raum, denn Jesus lebet; Gott hat ihn aus dem Staub erhöht. Ihm jauchze Preis und Dank, O Seele, dein Gesang! Halleluja! Dich, großer Held, Erhebt die Welt, Weil deine Hand den Sieg behält. 2. Jesu Jünger, wehrt dem Leide! Lobsinget ihm, und nehmt voll Freude Am Siege Theil, den er erstritt. Seht, der Tod ist über⸗ wunden, Die ganze Hölle ist gebunden; Er herrscht, 17² VIII. Osterlieder. der für euch starb und litt. Laßt seine Feinde dräun! Ihr könnt getrost euch freun! Jesus lebet Von Ewigkeit Zu Ewigkeit, Der⸗ selbe gestern und auch heut'. 3. Ihr auch dürft nicht trostlos beben, Ihr Sünder, Gott will euch vergeben, Wenn ihr die Schuld mit Ernst bereut. Durch des Todes Ueberwinder Ist er versöhnt, und gegen Sün⸗ der Ein Vater der Barm⸗ herzigkeit. Der Heiland steigt empor, Nun ist des Himmels Thor Allen offen! Gott ist versöhnt! Vom Himmel tönt Der Freuden⸗ ruf: Gott ist versöhnt! 4. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Nicht ewig wird das Grab uns decken, Verwest der Leib gleich in der Gruft. Einst wird er zum beßren Leben Sich aus des Todes Staub er⸗ heben, Wenn Jesus den Entschlafnen ruft. Dann wird des Todes Feld Zu einer regen Welt; Alles lebet, So wie erneut Zur Frühlingszeit Sich Alles regt und Alles freut. 5. Wandeln wir auf deinen Wegen, O Aufer⸗ tandner, welch ein Segen Erwartet uns am Ziel der Bahn! Nach des Lebens Kampf und Leiden Erhebst du uns zu ew'gen Freuden, Die uns dein Kampf und Sieg gewann. Bald sind sie unser Theil; Bald krönet uns das Heil Deines Lebens. Halleluja! Der Herr ist nah', Bald ist der Tag des Sie— ges da! M. Christoph Christian Sturm, 1740—1786. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Röm. 6, 5. 208 J geh' zu dei— nem Grabe, Du großer Osterfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Auch mit den Himmelserben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde Und hast sie einge— weiht, Wenn ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen, Was Asch' und Staub vermehrt, Weil dir doch allerwegen die Erde zugehört. 3. Du schläfest in dem Grabe, Daß ich auch meine Ruh' An diesem Orte habe; Du drückst die Augen zu. So soll mir gar nicht VIII. Osterlieder. 173 grauen, Wenn mein Ge⸗ sicht vergeht; Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab war wohl versiegelt, Doch brichst du es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt; Da werd' ich den erblicken, Der mich vom Tod er⸗— weckt. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich; Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Le⸗ ben, O meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben In meiner letzten Noth. Ich will mein Bette machen In deine liebe Gruft; Da werd' ich schon erwachen, Wenn deine Stimme ruft. 7. Du wirst den Oelberg zeigen, Wo man gen Him— mel fährt, Da werd' ich fröhlich steigen, Bis daß ich eingekehrt In Salems Frie— denshäuser; Da heißt's: Victoria! Da trägt man Sie— gesreiser; Ach, wär' ich nur schon da! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. 2. Cor. 5, 17. 209. Jhenre * Jedem, daß er lebt Und auferstanden ist, Daß er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 2. Ich sag' es Jedem, Jeder sagt Es seinen Freun⸗ den gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Ent⸗ zückt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, Und Jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den er betrat, Geht in den Him⸗ mel aus, Und wer nur hört auf seinen Rath, Kommt auch in Vaters Haus. 6. Nun weint auch Kei— ner mehr allhie, Wenn Eins die Augen schließt, Vom Wiedersehn, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. VIII. Osterlieder. — 7. Es kann zu jeder gu⸗ ten That Ein Jeder frisch erglühn; Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönren Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn Alles uns verläßt; Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungsfest. Friedrich von Hardenberg, 1772—1801. Mel. Was Gott thut, das ist ꝛc. Hiob 19, 25. 210 ch weiß, daß mein Erlöser lebt, Er ist schon hier mein Leben; Wer gläubig sich zu ihm erhebt, Darf vor dem Tod nicht beben. Ich folg' ihm nach, Der Bahn mir brach; Auf Todesnacht und Grauen Folgt sel'ges Licht und Schauen. 2. Du lebst, du lebst, du starker Held, Du Todes⸗ überwinder; Du bist das Heil der ganzen Welt, Du bist der Trost der Sünder. Wer dich umfaßt, Dem wird die Last Der Sünden abge⸗ nommen, Der darf zum Vater kommen. 3. Du lebst, mein Arzt, du heilest noch Und täglich mein Gebrechen; Du stärkest mich, was zag' ich doch Bei meiner Seele Schwächen. O, leb' in mir, Daß ich in dir Auch selig leben möge Und wandeln deine Wege. 4. Du lebst, du bist in Nacht mein Licht, Mein Trost in Noth und Plagen; Du weißt, was Alles mir gebricht, Du wirst mir's nicht versagen. In Zwei— feln Rath Und Kraft zur That, Im Tode sel'ges Le— ben Wirst du den Deinen geben. 5. Bereite dich noch mehr, mein Herz, Für deine Se⸗ ligkeiten, So lang' ich ge— gen Lust und Schmerz In dieser Welt muß streiten. Gieb, daß ich treu Im Kampfe sei, Dann wird auch mir zum Lohne Der Ueberwinder Krone. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Röm. 6, 8. 211 J᷑hus lebt, mit * ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt, und wird auch mich Von den Todten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; Dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt, ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben; Mit ihm werd' auch VIII. Osterlieder. 17² ich zugleich Ewig herr— schen, ewig leben. Gott er— füllt, was er verspricht; Dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt, wer nun verzagt, Lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, Daß der Sün⸗ der sich bekehre. Gott ver⸗ stößt in Christo nicht; Dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein; Sein sei auch mein ganzes Leben. Reines Her⸗ zens will ich sein Und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; Dies ist meine Zu⸗ versicht. 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsterniß, Keine Herr⸗ lichkeit, kein Leiden. Er giebt Kraft zu dieser Pflicht; Dies ist meine Zu— versicht. 6. Jesus lebt, nun ist der Tod Mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth Wird er meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Eigene Melodie. Joh. 11, 25. 212 Yrent un N versicht Und mein Heiland, ist im Leben! Dieses weiß ich: soll ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange To⸗ desnacht Mir auch für Ge— danken macht? 2. Jesus, er, mein Hei⸗ land lebt! Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt; Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glaubenshand Wird in ihm gelegt gefunden, Daß mich auch kein Todes-⸗ bann Ewig von ihm tren— nen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden; Das gesteh' ich; doch wird er Mich er— wecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn sein mög' allezeit. 5. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, kennen; Ich, ich selbst, kein Fremder nicht, 176 VIII. Osterlieder. Werd' in seiner Liebe bren— nen: Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. 6. Was hier kranket, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd' ich ausgesät: Himmlisch werd' ich aufer— stehen; Hier geh' ich natür⸗ lich ein: Dort, da werd' ich geistlich sein. 7. Seid getrost und hoch— erfreut: Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr: Christus ruft euch wieder, Wann die letzt Posaun' erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. 8. Lacht der finstren Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen; Denn ihr sollt euch durch die Luft Eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt Von den Lü⸗ sten dieser Erden Und euch Dem schon jetzt ergebt, dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Louise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, 1627—1667. Wenn mein Stündlein ꝛe Ps. 118, 15. 16. 2 1 3— wieder „ aus der fin⸗ stren Gruft, Ihr gottergeb— Mel. nen Sinnen; Schöpft neuen Muth und frische Luft, Blickt hin nach Zions Zinnen; Denn Jesus, der im Grabe lag, Hat als ein Held am dritten Tag Des Todes Reich besieget. 2. Auf, danket ihm mit Herz und Mund Am Tage seiner Freuden! Er hat den ew'gen Gnadenbund Ge— gründet durch sein Leiden, Er hat dem Tod entwandt die Macht, Das Leben aber wiederbracht Und unvergäng⸗ lich's Wesen. 3. Nun tritt, was Christo ähnlich ist, In Glaubens⸗ kraft zusammen; Weil Chri⸗ stus auferstanden ist, Wer will sein Volk verdammen? Hier ist der Mann, der überwand Und nach zer⸗ rißnem Todesband Zur Rechten Gottes sitzet. 4. Du vielgeplagtes Christenheer, Vergiß, was drückt und naget! Gesetzt, es häuft sich mehr und mehr, Nur frisch mit dem gewaget, Der durch des Grabes Siegel brach Und zu dem Tode mächtig sprach: ——.——— VIII. Osterlieder. 177 Wo ist dein Stachel? 5. Gott, unsrem Gott, sei Lob und Dank, Der uns den Sieg gegeben, Der das, was hier ins Sterben sank, Hat wiederbracht zum Leben. Der Sieg ist unser, Jesus lebt, Der uns zur Herrlich— keit erhebt; Gott sei dafür gelobet. Dr. Valentin Ernst Löscher, 1673—1749. nunmehr Mel. Nun lob', mein' Seel' ꝛc. Röm. 14, 9. 21 Dobsinge, meine — Seele, Dem Welterlöser, bet' ihn an! Lobsing' ihm und erzähle, Was dir zum Heil der Herr gethan! Er hat für dich gerungen; Durch seine Macht hat er Des Todes Macht bezwungen, Gestürzt der Hölle Heer. Nun liegt ihr Trotz darnieder, Sein Sieg hat uns befreit. Uns krönet Gott nun wieder Mit Huld und Seligkeit. 2. Froh führte seine Sonne Den festlich hohen Tag herauf. Da stand er, meine Wonne, Mein Gott und mein Versöhner, auf. Gedanke, der zu Freuden Des Himmels mich erhebt! Gedanke, der im Leiden Mit reichem Trost belebt! Des höhren Lebens Quelle, Mein Schild in jeder Noth! Wo ist dein Sieg, o Hölle? Wo ist dein Stachel, Tod? 3. Der Felsen Grund er⸗ bebet; Die Wächter fliehn, das Grab ist leer. Der todt war, sieh, er lebet! Er lebt und stirbt hinfort nicht mehr! Die schwachen Jünger wanken; Er stärkt die Wan⸗ kenden. Sie sehn ihn, freun sich, danken Dem Auferstan⸗ denen. Sie sehn empor ihn steigen, Und gehn, wie er gebot, Mit Freuden hin und zeugen Von ihm bis in den Tod. 4. Herr, deine Boten siegen, Von dir und deinem Geist gelehrt. Die Götzen⸗ tempel liegen, Der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, Bin freudevoll ein Christ; Ihn bet' ich an im Staube, Ihn, der mein Retter ist. Ich werd' ihn ewig schauen, Wenn er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Ver⸗ trauen; Er starb für mich und lebt. Christian Friedrich Neander, 1723—1802. Mel. Allein Gott in der ꝛc. 2. Tim. 1, 10. 215 0 Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o 12 7178 VIII. Osterlieder. Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grau⸗ sam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat nach diesem Krieg Durch Jesum Christ gegeben! 2. Wie sträubte sich die alte Schlang', Da Christus mit ihr kämpfte! Mit List und Macht sie auf ihn drang; Doch Gottes Held sie dämpfte. Ob sie ihn in die Ferse sticht, So sieget sie doch darum nicht, Der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus kommt hervor; Die Feind' nimmt er gefangen, Zerbricht der Hölle Schloß und Thor, Trägt weg den Raub mit Prangen; Nichts ist, das in dem Siegeslauf Den starken Held kann halten auf: All's liegt da überwunden. 4. Des Herren Rechte, die behält Den Sieg und ist erhöhet: Des Herren Rechte mächtig fällt, Was ihr entgegen stehet. Tod, Teufel, Hölle, Welt und Sünd' Durch Christi Sieg gedämpfet sind; Ihr Zorn ist kraftlos worden. 5. Es war getödtet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, Stehn wir auch auf, die Glieder. So Jemand Christi Worten gläubt, Im Tod und Grabe der nicht bleibt; Er lebt, ob er gleich stirbet. 6. Wer täglich hier durch wahre Reu' Mit Christo auferstehet, Ist dort vom andren Tode frei; Derselb' ihn nicht angehet. Genom— men ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wieder⸗ bracht Und unvergänglich Wesen. 7. Das ist die reiche Osterbeut, Der wir theil⸗ haftig werden: Fried', Freude, Heil, Gerechtigkeit Im Him⸗ mel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, Bis unser Leib wird ähnlich dort Christi ver— klärtem Leibe. 8. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat in diesem Krieg Durch Jesum Christ gegeben! Dr. Justus Gesenius, 1604-1671. Mel. In dich hab' ich ꝛe. 1. Petri 1, 3. 2 1 6. PDIIN 4 denzeit! Die Sonne der eder. rten rabe „ob urch risto vom selb' om⸗ acht, eder⸗ lich eiche heil⸗ eude, Gim⸗ Hier urten wird ver⸗ dein dein kann hun, elle? uns VIII. Osterlieder. 179 Gerechtigkeit Erquicket Herz und Glieder; Sie dringt mit Macht Aus dunkler Nacht Und bringt den Frühling wieder. 2. Das ist der Sieges⸗ fürst, Herr Christ, Der heut' vom Grab erstanden ist Und hat den Sieg errun⸗ gen; Nun ist der Tod Und alle Noth In seinen Sieg verschlungen. 3. Auch hat des Ueber⸗ winders Macht Viel Güter aus dem Grab gebracht; Die will er uns gern ge⸗ ben: Das edle Kleid„Ge⸗ rechtigkeit“, Licht, Freud' und ew'ges Leben. 4. Drum geb' ich, was ich hab' und bin, In deine Hand, o Jesu, hin, Mein höchster Trost auf Erden! Dein Sieg ist mein, Und ich bin dein; Nichts soll mir Liebres werden. 5. Laß mich mit dir zu Grabe gehn, Mit dir im Glauben auferstehn Und allen Lüsten steuern, Daß nach der Zeit In höchster Freud' Ich Ostern möge feiern! Christoph Friedrich von Derschau, 1714—1799. Mel. Ich singe dir mit Herz ꝛe. Joh. 14, 19. Chor. 2 1 7 Ven Todesthal hinauf zu Gott Erhebe dich, Gesang; Dem Sieger über Grab und Tod Erschalle froher Dank! Gemeinde. 2. Die Sonn' in ihrer Majestät Erhellet kaum die Nacht, Als Jesus Christus aufersteht Und herrlicher er— wacht. 3. Die Erde bebte, als der Held Aus seinem Grabe stieg; Hinauf bis zu dem Sternenzelt Erscholl sein hoher Sieg. Chor. 4. Fallt nieder vor ihm in den Staub, Der sich dem Grab entschwang; Er ist nicht mehr des Todes Raub; Erlöste, singt ihm Dank! Gemeinde. 5. Sein großes Werk ist nun vollbracht; Errungen ist sein Sieg, Weil er aus seiner Todesnacht Empor zum Leben stieg. 6. Heil, Leben und Un— sterblichkeit, Im Tode Trost und Ruh', Und Hoffnungen der Seligkeit Ruft uns sein Grabmahl zu. 180⁰ VIII. Osterlieder. 7. Gedanke, der das Herz erhöht: Wir werden aufer⸗ stehn, Auf Hoffnung in das Grab gesät, Um schöner aufzugehn. Chor. 8. Heil dir, wenn dieser Hoffnung Licht Dein Her für ihn durchglüht, Dich stärkt zu jeder Christenpflicht Und ganz zu ihm dich zieht! 9. Dann wird dein Grab nicht fürchterlich; Du gehst daraus hervor Und schwingst, verklärt, vom Staube dich Zur beßren Welt empor. Gemeinde. 10. O Auferstehungsfest, du bist Des beßren Lebens Pfand! Dich feire dankvoll jeder Christ, Der deinen Trost empfand! Dr. Christoph Georg Ludwig Meister, 1738—1811. Mel. Es ist das Heil uns ꝛc Apostelgesch. 5, 30. 31. 218 W auf, mein * Herz, die Nacht ist hin, Die Sonn' ist aufgegangen! Ermuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu empfangen, Der heute durch des Todes Thür Gebrochen aus dem Grab herfür, Der ganzen Welt zur Wonne! 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such' ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such', was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Quält dich ein schwe— rer Sorgenstein? Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud' und Wonne le⸗ ben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht; er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 4. Es hat der Löw' aus Juda's Stamm Heut sieg⸗ reich überwunden, Und das erwürgte Gotteslamm Hat, uns zum Heil, gefunden Das Leben und Gerechtig⸗ keit, Weil er nach über⸗ standnem Streit Die Feinde Schau getragen. 5. Drum auf, mein Herz, fang' an den Streit, Weil Jesus überwunden! Er wird auch überwinden weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du auf⸗ stehst Und in ein neues Le⸗ ben gehst Und Gott im Glaͤuben dienest. 6. Scheu' weder Teufel, Welt noch Tod, Noch gar der Höllen Rachen. Dein AK——3*— 9.— ö‚‚‚SN VIII. Osterlieder. 181 Jesus lebt! Es hat kein' Noth; Er ist noch bei den Schwachen Und den Gerin⸗ gen in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. 7. Ach, mein Herr Jesu, der du bist Von Todten auferstanden, Rett' uns aus Satans Macht und List Und aus des Todes Ban⸗ den, Daß wir are insgemein Zum neuen Le⸗ ben gehen ein, Das du uns hast erworben! 8. Sei de in die⸗ ser Zeit Von allen Gottes⸗ kindern Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueber⸗ windern, Die überwunden durch dein Blut. Herr Jesu, gieb uns Kraft und Muth, Daß wir auch über⸗ winden. Laurentii Laurentius, 1660—1722. Mel. O du Liebe meiner ꝛe. Röm. 6, 4 210. W. leuch⸗ tender und schöner, Ostersonne, deinen Lauf, Denn dein Herr und mein Versöhner Stieg aus seinem Grabe auf. Als das Haupt er sterbend beugte, Bargst du dich in nächt'gen Flor, Doch jetzt komm hervor und leuchte, Denn auch er stieg längst empor! 2, Erde, breite dich in Frieden Unter deinem Him⸗ mel aus, Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zer⸗ brach des Todes Haus. Deine starken Felsen bebten, Als er seinen Geist ver⸗ haucht, Grüße nun den Neu⸗ belebten, Wonnevoll in Licht getaucht! 3. Doch du selber, meine Seele, Sag', wie feierst du den Tag, Da der Herr des Grabes Höhle Mit gewalt'⸗ gem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehen Auch in rechter Osterfreud'?“?ꝰ Kann man an dir selber sehen, Welch ein hoher Festtag heut? 4. Bist du mit ihm auf⸗ erstanden Aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden Losge⸗ rungen, frei gemacht? Oder liegst du noch verborgen Und in deinen Sünden todt? Kündet deinen Oster⸗ morgen Noch kein helles Morgenroth? 5. O dann laß dich nicht bedecken Länger mehr die finstre Nacht; Sieh, dein 559—— ist, dich zu wecken, Von dem Tode aufe rwacht! Komm, vom Schlaf dich zu 182 VIII. Osterlieder. erheben, Komm, der Fürst des Lebens ruft: Wache auf zum neuen Leben, Steig' herauf aus deiner Gruft! 6. Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig Die durch— bohrten Hände hin, Macht dich der Betäubung ledig, Weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du scheuen, Darum bleibe nicht zurück, Raff' dich auf, dich zu erfreuen An des neuen Lebens Glück! 7. Steig' empor zum neuen Leben, Denn du schliefest lang genug; Kraft zum Leben wird dir geben, Der für dich den Tod er⸗ trug. Fang' nur an erst aufzustehen, Fühlst du dich auch noch so matt; Der wird dir zur Seite gehen, Der dich auferwecket hat. 8. O, bedenke und erwäge, Wie du gehn magst, nicht so lang'! Solch B zedenken macht nur träge, Macht dich mehr noch schwach und krank. Keine Hilfe wird versagen Er, wenn du nur erst begannst, Wird dich auf den Armen tragen, Wo du selbst nicht gehen kannst. 9. Sieh, dein Herr ist auferstanden, Daß du könn⸗ test auferstehn, Aus der Sünde Haft und Banden In die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich nur ergeben, Streift er deine Ketten ab, Und du siehst dein altes Leben Hin⸗ ter dir als leeres Grab. Carl Johann Philipp Spitta, 1801—1659. Mel. Christus, der ist mein ꝛc. Joh. 16, 33. 2 2 0 W'iunn nach dem Streite, Held aus der Gra⸗ beskluft! Wir triumphiren heute an deiner leeren Gruft. 2. Du hast nun über⸗ wunden Der Feinde Macht und Spott: Wir haben Trost gefunden, Mit uns ist unser Gott. 3. Der Fried' ist uns erstritten, Und jeder Schrecken flieht. In der Gerechten Hütten Erschallt das Sie⸗ geslied. 4. Theil' uns des Sie— ges Beute, Den Trost, nun reichlich aus; Wir Alle kommen heute Voll Hoff⸗ nung in dein Haus. 5. In deines Grabes Staube Liegt unsre Schuld bedeckt; Dein tröstet sich der Glaube, Daß uns kein Tod mehr schreckt. 6. Du hast das Heil er⸗ VIII. Osterlieder. 183 worben, Wir preisen dich dafür. Sind wir mit dir gestorben, So leben wir mit dir. 7. Wir wollen sonder Grauen Mit dir zum Grabe gehn, Da wir, um dich zu schauen, Einst selig aufer— stehn. 8. Schwing' deine Sie⸗ gesfahnen Auch über unser Herz, Und zeig' uns einst die Bahnen Vom Grabe himmelwärts. 9. Was kann uns wohl noch schaden? Des Todes Pfeil ist stumpf; Wir sind bei Gott in Gnaden Und rufen schon: Triumph! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Alle Meuschen müssen ꝛc. Matth. 18, 20. 221 3 der Jün⸗ —* ger gehn mit Sehnen Ueber Feld nach Emmaus; Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seele voll Verdruß; Man hört ihre Klageworte; Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche Herzen Ihrem stil— len Kummer nach; Sie be— jammern ihre Schmerzen, Irre Noth und Ungemach. Manches wandert gar alleine, Daß es nur zur Gnüge weine; Doch mein Jesus ist dabei, Fragt, was man so traurig sei. 3. Wenn zwei Seelen sich besprechen, So ist er der dritte Mann; Er be⸗ merket die Gebrechen, Redet, was uns trösten kann. Denn er kann uns nicht versäumen, Wie wir glau⸗ benslos oft träumen; Er hat Alles im Gesicht, Seine Treu verläßt uns nicht. 4. Jesus ist mir nachge— gangen, Wenn ich meiner Eitelkeit Und der Sünde nachgehangen; O der un⸗ glücksel'gen Zeit, Die man dergestalt verloren! Doch er hat mich neugeboren, Jesus hat an mich gedacht Und das Schäflein wieder— bracht. 5. Hat sich eine Noth gefunden, So ließ er mich nicht allein; Jesus stellt zur rechten Stunden Sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, Gleich, als ob er ferne wäre, O, so ist er mehr, als nah', Und mit seiner Hilfe da. 6. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe ferner noch bei mir! Kommt IX. Himmelfahrt Welt, mich anzufeinden, Ach, so sei du auch allhier. Will der Teufel auf mich blitzen, Woll'st du trösten und beschützen. Komm, in meinem Geist zu ruhn: Was du willst, das will ich thun. 7. Bin ich traurig und betrübet, So gieb mir in meinen Sinn, Daß mich deine Seele liebet, Und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort mich feste gründen, Laß es auch meir Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt Und dich immer besser kennt. 8. Tröst' auch andre fromme Seelen, Wenn sie IX. Himmelfahrt un 3 Mel. Wie schön leuchtet der ze. 1. Petr. 3, 22. 222 Tch, wunder— 2* großer Sie⸗ gesheld, Du Sündenträger aller Welt, Heut' hast du dich gesetzet Zur Rechten deines Vaters Kraft, Der Feinde Schaar gebracht zur Haft, Bis auf den Tod verletzet! Mächtig, Prächtig, tief in Kummer stehn, Wenn sie in verborgnen Höhlen, Kammern, Feld und Wäl⸗ dern gehn, Ihrem Kummer nachzusinnen, Daß sie satt sich weinen können: So sprich ihrer Seele zu: Lie⸗ bes Kind, was trauerst du? 9. Kannst du bei der Welt nicht weilen, Ach, so nimm mich auch mit dir Laß mich deine Freuden theilen, Sei und bleibe stets bei mir. Bleibe doch in unsrer Mitten, Wie dich deine Kinder bitten. Dank sei dir, o lieber Gast, Daß du mich getröstet hast! M. Johann Neunherz, 1653—1737. himmlische Herrlichkeit esu. Triumphirest, Jubilirest: Tod und Leben, Dir ist Alles untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, Viel tausend hohe Seraphim Dich Siegesfürsten loben, Weil du den Segen wiederbracht, Mit Majestät und großer Pracht Zur Glorie bist erhoben. Singet, Klinget, Rühmt und ehret Der Hin Get hin ja, uns ben St. wa sche geg Me blü als we zer da fü: tre un un Al Ur ist auf allen und himmlische Herrlichkeit Jesu. 185 —. Den, so fähret Auf gen Himmel, Mit Posaunen und Getümn nel. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir Sind Glieder, ja, es kommt von dir Auf uns Licht, Trost und Le⸗ ben. Heil, Friede, Freude, Stärk und Kraft, Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns von dir gegeben. Bringe, Zwinge, Mein Gemüthe, Mein Ge⸗ blüte, Daß es preise, Dir als Siegsherrn Ehr' er— weise. 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir, Hilf, daß wir künftig für und für Nach deinem Reiche trachten; Laß, unser Thun und Wandel sein, Wo Zucht und Demuth geht herein, All' Ueppigkeit verachten. Unart, Hoffart, Laß uns meiden, Christlich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schutz und Schatz, Sei unser Ruhm und fester Platz, Darauf wir uns verlassen. Laß suchen uns, was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und List, Es Straßen Lügen, Aigen, Angst und Plagen, Die da nagen, Die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 6. Herr, Jesu, komm, du Gnadenthron, Du Sie⸗ gesfürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen! Du, 20 bist allen uns zu Gut, O Jesu, durch dein whedred Blut Ins Heiligthum gegangen. Komm schier, Hilf mir! Denn so sollen, Denn so wollen Wir ohn' Ende, Fröhlich klopfen in die Hände. Ernst Christoph Homburg, 1605— 1681. Meel. Es ist gewißlich an ꝛc. Joh. 17, 19—24. 22•3. A de fahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiermit stets überwinde; Denn wenn das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmelan Und große Gab' empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgends, Ruh' erlangen; Denn wo mein Schatz ge— kommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn, 186 IX. Himmelfahrt Nach ihm mich stets ver— langet. ö 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög' meine Nachfahrt zie— ren, Und dann einmal, wenn dir's gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen! M. Josua Wegelin, ums Jahr 1640. Mel. Erschienen ist der herrlich'ꝛe. Ephes. 4, 8. 224 Den ist die 20 Macht, dein ist das Reich. Wer ist an Majestät dir gleich? Mensch, Engel, jede Creatur Ist dein, du Herrscher der Na⸗ tur! Ehrt Alle ihn! 2. Umsonst, umsonst empöret sich Der Fürst der Hölle wider dich. Dein Thron steht fest, der seine liegt, Durch deine Macht ist er besiegt. Preis ewig dir! 3. Du, unser triumphi⸗ rend Haupt, Wie selig ist, wer an dich glaubt! Du bist sein Licht, sein Trost, sein Theil, Sein starker Schutz, sein ew'ges Heil. O, Dank sei dir! 4. Herr, unsre Herzen traun auf dich. Dein freuet unsre Seele sich. Du Held von unsrem Fleisch und Blut Bist unser Trost und höchstes Gut. Wir lieben dich! 5. Was uns gebricht, ist dir bekannt. Die Ret⸗ tung steht in deiner Hand. Von keinem Frommen bist du fern; Du siehst auf ihn und hilfst ihm gern. Herr, unser Schutz! 6. Sieh auf uns gnädig allezeit Vom Throne deiner Herrlichkeit! Hilf unsrem schwachen Glauben auf, Und heil'ge unsren Lebens⸗ lauf. Du, unser Heil! 7. Gen Himmel fuhrst du als ein Held. Als Herr und Richter aller Welt Wird dich dereinst der Erd— kreis sehn. Laß uns dann freudig vor dir stehn. Du höchster Herr! 8. Dann triumphirt der Glaub' an dich, Dann jauchzen wir dir ewiglich. Hilf uns dazu, Herr Jesu Christ, Der du zur Rechten Gottes bist. Erhöre uns! Göttinger Gesangbuch, 1779. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛe. Apostelgesch. 1, 9—11. 225. D. vollendet, Vollendet ist auch unser Gott, Und s zu Th du did nach s nen( bis zu sieht Leiden und e Gottes Sohn. 2. Jünge ihr Ar Wolke. Majes Noch Gelieb auf di frohe Sie se gekom wieder mein in Fr weiß, Beter fallen Glau Zu! heben mit des k Ff .N und himmlische Herrlichkeit Jesu. 187 unser Heil. Uns liebt der Gott, der dich gesendet, Und seine Huld wird uns zu Theil. Verklärt erhebst du dich vom Staube; Dir nach schwingt sich der Dei— nen Glaube Und dringet bis zu Gottes Thron. Dort, sieht er, krönt nach allen Leiden Dein Gott mit Sieg und ew'gen Freuden Dich, Gottes und des Menschen Sohn. 2. Du scheidest, und die Jünger fallen Anbetend auf ihr Angesicht. Sie sehn die Wolken dich umwallen In Majestät voll Himmelslicht. Noch segnest du die treu Geliebten, Du senkest Trost auf die Betrübten, Strömst frohe Hoffnung in ihr Herz. Sie sehn, wie du von Gott gekommen, Wirst du nun wieder aufgenommen, Zu hoher Wonne wird ihr Schmerz. 3. Auch ich seh' auf, du mein Vertreter, Und bet' in Freudenthränen an. Ich weiß, daß auch ein schwacher Beter Im Staube dir ge⸗ fallen kann. Gieb meinem Glauben Muth und Leben, Zu dir sich immer zu er— heben, Zu dir, der uns mit Gott vereint. Ja du, des künft'gen Lebens Sonne, Des Himmels und der Erde Wonne, Du bist mein Bru⸗ der und mein Freund. 4. Einst wirst du herr⸗ lich wiederkommen. Erlöser, komm! so rufen wir. Im Thränenthal schaun deine Frommen Voll heißer Sehn— sucht auf zu dir. Mit Wonne sehn sie dir entgegen, Erwarten Heil von dir und Segen Und Theil an deiner Herrlichkeit; Du wirst den Gläub'gen, die hier weinen, Vom Himmel als ihr Freund erscheinen, In Freude wan— deln alles Leid. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Nach Johann Caspar Lavater, 1741—1801. Mel. Aus meines Herzens ꝛe. Eol. 3, 1. 226 De Herr fährt auf gen Himmel Zu seines Vaters Thron, Aus niedrem Welt— getümmel Schwingt sich der Menschensohn. Lobsingt, lobsinget Gott! Lobsingt, ihr Nationen, Dem Herrscher aller Thronen, Dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird auf⸗ genommen In königlicher Pracht; Deß freun sich alle Frommen, Er hat sie frei gemacht. Der Himmel neigt — IX. Himmelfahrt sich ihm; Der Seraphinen Chöre Lobsingen seiner Ehre Und alle Cherubim. 3. Lob sei dem Gott der Gnade, Der unser Haupt erhö t! Nun wissen wir die Pfade, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland zieht voran, Nimmt uns in seine Pflege Und bahnet uns die Wege Durch seine Siegesbahn. 4. Wir sollen himmlisch werden, Drum ging er himmelein; Dort oben, nicht auf Erden, Soll unsre Heimath sein. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, Dahin blickt mit Verlangen, Dahin geht unser Lauf! 5. Laßt uns zum Him⸗ mel dringen Mit herzlicher Begier; Laßt uns voll In⸗ brunst singen: Dich, Jesu, suchen wir! Zu dir, 0 Gottes Sohn, Soll unser Geist sich heben; Du bist uns Licht und Leben Und unser großer Lohn! 6. Fahr' hin mit deinen Schätzen, Du trügerische Welt! Wir fliehn aus deinen Netzen; Dort ist, was uns gefällt! Der Herr ist unsre Zier, Der Herr ist unsre Wonne; Zu anser Lebens⸗ sonne, Zu Jesu, ziehen wir. eu —7 7. Wann wird es doch geschehen, Wann kommt die Freudenzeit, Daß wir ihn werden sehen In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst d du sein, Daß wir zu seinen Füßen Anbetend ihn begrüßen? O Tag, brich bald herein! Dr. Gottfried Wilhelm Sacer, 1635—16 99. Mel. Aus meines Herzeus ꝛe. 1. TLim. 6, 12. 22 4. D⁶ krönte Gott mit Freuden Nach deinem schwe— ren Streit: Du gingst durch Schmach 6—8 Leiden Zu deiner Herrlichkeit. Triumph ward dir TDenn Tod! Dein Kampf ward ausge⸗ 4.. Dein stolzer Feind gedämpfet; Nun fuhrst du auf zu Gott. 2. Ich, Herr, dein Pil⸗ ger, walle Dir, meinem Führer, nach Und. noch und falle, Denn 15 bin müd' und sch wach. Du führst mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, Zu deiner Herr⸗ lichkeit. 3. Wie du des Todes Schrecken Al llmächtig über⸗ wandst, Als du, ihn ganz zu schr richte du au Thal Fromsr Thale 4. zum C Streit habe Wie freun! Entzü blicken sein! 9. Sege⸗ nen ihm e⸗ aus meiner meine Herr, Himm 6. und st erschei zur S mein ewig im Le mit 5 du mi 7. trauer platz Höher Glaul — doch die ihn iner ann r zu ihn brich cer, und himmlische Herrlichkeit Jesu. 189 zu schmecken, Herr, im Ge⸗ richte standst: So stärkest du auch mich, Durchs finstre Thal zu gehen; Denn deine Frommen sehen Im finstren Thale dich. 4. Wann ich einst bis zum Grabe Vollendet meinen Streit, Und gut gekämpfet habe Um meine Seligkeit: Wie werd' ich dann mich freun! Wie werd' ich voll Entzücken Auf meine Krone blicken Und ihrer würdig sein! 5. Ich wart' auf deinen Segen, Ich wart' auf mei⸗ nen Tod. Froh seh' ich ihm entgegen, Dem Helfer aus der Noth. Er endigt meinen Lauf, Und du nimmst meine Seele, Die ich dir, Herr, befehle, In deinen Himmel auf! 6. Drum harr' ich hier und streite, Bis meine Stund' erscheint, Und du stehst mir zur Seite, Mein Retter und mein Freund! Der du mich ewig liebst, Du tröstest mich im Leiden Und sättigst mich mit Freuden, Selbst wenn du mich betrübst. 7. Mit freudigem Ver⸗ trauen Darf ich vom Kampf⸗ platz schon Nach Salems Höhen schauen, Auf meines Glaubens Lohn. Sinkt in 5 dem Kampfe mir Mein Arm ermüdet nieder, Dies stärkt und hebt ihn wieder: Mein Lohn ist groß bei dir. 8. Erhalt' mir den Ge⸗ danken, Groß sei bei dir mein Lohn; So werd' ich nimmer wanken Von dir, o Gottes Sohn! So bleib' ich dir getreu, Der sich für mich gegeben, Daß bald ein beßres Leben Mein ewig Erbtheil sei. Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. Apostelgesch. 1, 1—11. 228 en Himmel * fuhr mein Heiland auf, Die Krone zu empfangen, Und sehnend lickt mein Geist hinauf Mit gläubigem Verlangen. Dort, wo mein Schatz ist, ist mein Herz; Dort, frei von Kummer, frei von Schmerz, Werd' ich verklärt ihn schauen. 2. Durch Trübsalsnächte hat ihn Gott Zum Himmels⸗ glanz geleitet. Hienieden trug er Qual und Spott, Von Sündern ihm bereitet. Doch nach dem Leiden dieser Zeit Hat ihn zur Himmels⸗ seligkeit Des Vaters Hand erhoben. 3. Du König aller Herr⸗ 190 IX. Himmelfahrt lichkeit, Mein Bruder einst hienieden, Bist in des Lebens heiß em Streit Noch nie von uns geschieden. Noch wirkt dein gnadenvolles Wort Durch deinen Geist belebend fort Bis an der Welten Ende. 4. Dem schwachen Glau⸗ ben hilfst du auf In der Versuchung Stunde; Du bringst in unsren Pilgerlauf Der Heimath 910 Kunde, Du machst des Lebens Last uns leicht, Bis unser Fuß das Ziel erreicht, Bis Staub bei Staube schlummert. 5. Was Sündenschuld dereinst verlor, Willst du uns wiedergeben; Vom Staube hebst du uns empor Zum wahren Seelenleben, Wo Nichts von dir das Herz mehr trennt, Daß es beglückt das Heil erkennt, Das nur in dir uns strahlet. 6. So herrsche denn, du ew'ges Licht, In unsren finstren Seelen, Daß wir, bis unser Auge bricht, Nur dich zum Führer wählen. Sei unser Schirm in Gra⸗ besnacht, Bis wir, auf dei— nen Ruf erwacht, Dich droben ewig schauen. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. Mel.. 5 dich ꝛe. Soh. 229. GE Mittler! der zur Rech⸗ ten Seines großen Vaters sitzt Und die Schaar von seinen Knechten In dem Reich der Gnade schützt; Dem auf dem Throne, In der königlichen Krone, Aller Ebwigkeiten Heer Bringt in Demuth Preis und Ehr: 2. Dein Erlösungswerk auf Erden Und dein Opfer ist vollbracht; Was vollen⸗ det sollte werden, Das voll— führtest du mit Macht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad' und Heil erworben, Und dein siegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte In dem obren Heiligthum: Die erworbnen Lebenskräfte Durch dein Evangelium allen denen mitzutheilen, Die zum Thron der Gnade eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Alle Namen deiner Frommen Trägst du stets auf deiner Brust; Und die gläubig zu dir kommen, Sind und bleiben deine Lust; Du vertrittst, die an erhabnen voll⸗ Da ben, Heil Jeich 1 die dein bren bnen dein senen hron Nun Hand andt. einer stets d die men, deine e an und himmlische Herrlichkeit Jesu. 191 dich glauben, Daß sie Nichts dir möge rauben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergissest du der Armen, Die der Welt noch dienen, nicht, Weil dein Herz dir von Erbarmen Ueber ihrem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er ändre ihren Sinn, Ach, da zielt dein Bitten hin! 6. Zwar in deines Fleisches Tagen, Als die Sünden aller Welt Noch auf deinen Schultern lagen, Hast du dich vor Gott ge— stellt, Bald mit Seufzen, bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen; O, in welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte Von der Allmacht unterstützt, Da in der voll— kommnen Hütte Die ver⸗ klärte Menschheit sitzt. Nun kannst du des Feindes Klagen Majestätisch nieder— schlagen, Und nun macht dein redend Blut Unsre böse Sache gut. 8. Großer Mittler, sei gepriesen, Daß du in dem Heiligthum So viel Treu' an uns bewiesen; Dir sei Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, Wenn wir zu dem Vater beten; Schließt die Lippen uns der Tod, Sprich für uns in letzter Noth! Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Joh. 20, 17. 14, 2. 3. Col. 3, 1. 2. 230 err! du fährst mit Glanz und Freuden Auf zu deiner Herrlichkeit; Doch mich drücken noch die Leiden dieses Le— bens, dieser Zeit. Gieb mir, Jesu, Muth und Kraft, Daß ich meine Pilgerschaft So in dir zurückelege, Daß ich stets dein bleiben möge. 2. Laß mir deinen Geist zurücke, Aber zeuch mein Herz zu dir; Wenn ich nach dem Himmel blicke, O, so öffn' ihn gnädig mir! Neige meinem Flehn dein Ohr, Trag es deinem Vater vor, Daß er mir die Schuld ver— gebe, Und ich mich bekehr' und lebe. 3. Lehre mich die Welt verachten Und was in ihr Eitles ist, Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein Erlöser, bist. Wollust, Ehrsucht und Ge⸗ 192 IX. Himmelfahrt winn, Soll mich dies zur Erde ziehn, Da ich jenseits, überem Grabe, Eine größre Hoffnung habe? 4. Diese müsse Wüoht. mir rauben, Du erwarbst sie theuer mir; Jetzo— ich sie im Glauben, Dorte on find' ich sie bei 8e Dort belohnst du das Vertraun Deiner Gläubigen durch Schaun, Und verwandelst ihre Leiden In unendlich große Freuden. 5. Dort bereit' auch mir die Stätte In des Baters Hause zu, Rufst du frühe oder späte Mich zu meines Grabes Ruh'; Leucht' auch mir in dieser Nacht Mit der Sonne deiner Macht, Die des Todes Macht bezwungen Und für uns den Sieg er⸗ rungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder An dem Ende dieser Zeit, O, so sammle meine Glieder, Die Verwesung jetzt zerstreut! Heil'ge und verklär' sie ganz, Daß der Leib in Himmelsglanz, Dann nicht mehr von Staub und Erde, Aehnlich deinem Leibe werde! Nach Casvar Neumann, 1648—1715 Mel. Die Tugend wird durch's ꝛc. Luc. 24, 50 231. V́ aufgehob— nen Segens⸗ hände, Voll Heil, voll Wun⸗ derkraft des Herrn, Ihr wirkt und waltet bis ans Ende, Uns ungesehn, doch niemals fern. Im Segnen seid ihr aufgefahren, Im Lan kommt ihr einst zu⸗ rück; Auch in des Glaubens Zwischenjahren Bleibt ihr der Seelen Trost und Glück. 2. Ihr segnet Christi Schaar hienieden Mit Freude, die ohn' Ende währt; Ihr legt 929 sie den hohen Frie⸗ den, Den 1—9 119 uns sonst beschert.„segnend ruht ihr auf Len Seinen; Dies beugt und stärkt uns bis ans Grab, Und wenn wir Sehnsuchtsthränen wei⸗ nen, So trocknet dies die Thränen ab. 3. Ihr zieht mit Gottes⸗ kraft die Herzen Zu ihm und an sein Herz hinauf; Ihr stillt, ihr heilt die See⸗ lenschmerzen, Ihr helft der Schwachheit mächtig auf; Ihr brecht den Zwang, der Her⸗ zen kettet, Ihr faßt und stärkt des Pilgers Hand, Ihr hebt, ihr tragt und ihr errettet Und führt uns bis ins Vaterland. —— 4. Himm Erden dem ew'ger Dann tesgal begab eurem Des reich. Karl — — —— C. 23 2 gleiche Mund Gott Der ter fi gehört Vater so I Kröne gleitet und zählte in de Seen, Herr Dir z Thier scheue mächt 3 und himmlische Herrlichkeit Jesu. 193 4. Einst öffnet ihr die Himmelsthore Der treuen Erdenpilgerschaar Und reicht dem Ueberwinderchore Des ew'gen Lebens Kronen dar. Dann, dann mit jeder Got— tesgabe, Mit jedem Heil begabt durch euch, Jauchzt eurem goldnen Königsstabe Des weiten Himmels König⸗ reich. Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Schmücke dich, o liebe ꝛe. Jer. 33, 22. 232 Zönig, dem 22 kein König gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scep— ter führet, Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters ew'gem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und be— gleiten! 2. Himmel, Wasser, Luft und Erde Nebst der unge— zählten Heerde Der Geschöpfe in den Feldern, In den Seen, in den Wäldern Sind, Herr über Tod und Leben, Dir zum Eigenthum gegeben; Thiere, Menschen, Geister scheuen, Menschensohn, dein mächtig Dräuen. 3. In des Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes Nach dem Recht des Gnadenbundes Sich von dir regieren lassen Und, wie du, das Unrecht hassen. 4. In dem Reiche deiner Ehren Kann man stets dich loben hören Von dem himm⸗ lischen Geschlechte, Von der Menge deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein verklärtes Antlitz schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr' und Dienst erweisen. 5. O Monarch in dreien Reichen, Dir ist Niemand zu vergleichen An dem Ueber— fluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflichkeit der Gaben, Welche deine Bürger ha⸗— ben; Du beschützest deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. 6. Herrsche auch in mei— nem Herzen Ueber Zorn, Furcht, Lust und Schmer— zen; Laß mich deinen Schutz genießen, Laß mich dich im Glauben küssen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Hier mit leiden, kämpfen, 13 IX. Himmelfahrt schwitzen, Dort mit auf dem Throne sitzen. Dr. Johann Jacob Rambach, 78 1693—1735. Mel. Es ist das Heil uns ꝛe. Pi. 47, 6. 233 Mi lautem ö 2 Schall froh⸗ locken wir: Der Herr ist aufgefahren! Wir sind zwar noch im Elend hier Und unter viel Gefahren. Doch sinket unser Muth nicht hin; Durch Jesum wissen wir, wohin Uns unsre Wallfahrt führet. 2. Das Leben ist ans Licht gebracht, Uns steht der Himmel offen. Ihn schloß uns auf mit großer Pracht Der Herr, auf den wir hoffen. Begierig schaut der Glaub' empor; Doch säumt er nicht, auch hier zuvor Des Heilands Pfad zu wandeln. 3. Wer den nicht geht, wird nimmermehr Dort sei— nes Glücks genießen; Wer ihm nicht folgt, dem wird auch er Den Himmel einst verschließen. Wer wünscht, in diesen einzugehn, Der läßt in seinen Thaten sehn, Sein Wandel sei im Himmel. 4. Uns treibt sein Geist, daß wir der Welt Uns im⸗ mer mehr entwöhnen, Stets sorgen, was dem Herrn gefällt, Zu ihm hinauf uns sehnen. Er aber sieht auf uns herab, Von uns läßt seine Treu' nicht ab, Bis wir zusammen kommen. 5. Tag, noch an größren Freuden reich, Wann wirst du uns erscheinen? Gott macht uns dort dem Sohne gleich Und stillet Leid und Weinen. O Wonne, wenn in Ewigkeit Uns noch das höchste Gut erfreut! O Gott, schenk' uns solch Leben! Anhang des alten Görlitzer Gesang⸗ 223 buchs, 1794. ö Mel. Alle Menschen müssen ꝛe. debr. 2, 7. 8. He 234 Diese darse, * Ehren⸗ könig, Höchst verklärte Ma⸗ jestät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber hoch erhöht: Sollt' ich nicht zu Fuße fallen Und mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug' betracht't Deine Herrlichkeit und Macht? 2. Seh' ich dich gen Himmel fahren, Seh' ich dich zur Rechten da, Seh' ich, wie der Engel Schaa⸗ ren alle rufen: Gloria! Sollt' ich nicht zu Fuße fallen Und mein Herz vor tets errn uns auf läßt Bis ßren wirst HBott ohne und wenn das Bott, ang⸗ en ꝛc. irste, Hren⸗ Ma⸗ d zu hoch t zu Herz denn cht't icht? gen ich Seh' haa⸗ ria! Fuße vor und himmlische Herrlichkeit Jesu. 195 Freude wallen, Da der Himmel jubilirt, Weil mein König triumphirt? 3. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klar⸗ heit sich ergeußt Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister speist; Prächtig wirst du einge— nommen, Freudig heißt man dich willkommen: Schau', ich armes Kindlein hier Schrei' auch Hosianna dir. 4. Sollt' ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Glorie seh'? Sollt' mein Muth noch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh'? Meinem König will ich trauen, Nicht vor Welt und Teufel grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. 5. Geist und Kraft nun überfließen; Drum wirk' in mir kräftiglich, Bis zum Schemel deiner Füßen Alle Feinde legen sich. Aus Zion den Scepter sende Weit und breit bis zum Welt⸗ ende; Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 6. Du kannst Alles aller Orten Nun erfüll'n und nahe sein; Meines armen Herzens Pforten Stell' ich offen: komm herein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkeh— ren; Ewig in mir leb' und wohn' Als in deinem Him— melsthron! 7. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah'; Lehr' mich nur im Geiste leben Als vor deinen Augen da, Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, Bei dir abgeschie— den, drinnen In das Him⸗ melreich versetzt, Da mich Jesus nur ergötzt. Gerhard Tersteegen, 1697—1769. Mel. Allein Gott in der Höh' ꝛc. 1. Jeh. 1, 7. 2 riumph, Tri⸗ 235. C umph! Der Sieg ist mein, Mein Hei⸗ land ist erstanden; Der Held zieht in den Himmel ein Aus Grab und Todesban— den; Bezwungen ist die lange Nacht, Der ganzen Welt das Licht gebracht, Die Finsterniß vergangen. 2. Triumph, Triumph! der Himmel klingt, Die Erde klingt es wieder; Der Sünde, Tod und Hölle zwingt, Ist nun im Himmel wieder. Dort sitzet er in Herrlichkeit Von Ewigkeit zu Ewigkeit Und tröstet seine Brüder. 3. Drob soll'n wir Alle fröhlich sein; Der Heiland ist erstanden, Es leuchtet 13* 196 X. Himmelfahrt ꝛe. nun ein heller Schein Den trüben Erdenlanden. Das ew'ge Morgenroth steht klar, Das Wort des Vaters offen⸗ bar, Das Wen'ge nur ver⸗ standen. 4. Drob soll'n wir Alle fröhlich sein Und jauchzen, singen, Rhitden, Daß Gott uns solchen Gnadenschein Der Seligkeit will bringen, Daß er uns auf dem dunk⸗ len Pfad Das helle Licht gezündet hat, Das Nacht und Graus kann zwingen. 3. Osüßer Schein, o himmlisch Licht, O Todes-⸗ überwinder! Wirzittern nicht, wir zagen nicht, Nun sind wir Alle Kinder, Sind Alle Sieger in dem Sieg; Voll⸗ endet ist des Todes Krieg, Erlöset sind die Sünder. Ernst Moritz Arndt, 1 Mel. Ach Gott und Herr ꝛe. Joh. 14, 1—8. 23 6 5 uns nach * dir, So lau⸗ fen wir Mit herzlichem Ver— langen Hin, da du bist, O Jesu Christ, Aus dieser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir In Lieb'sbegier; Ach reiß uns von der Erden, So dürfen wir Nicht länger hier Uns ängsten in Beschwerden. Zeit: Kron' 3. Zeuch uns nach dir, Herr Christ, und führ' Uns deine Himmelsstege: Wir irr'n sonst leicht Und sind verscheucht Vom rechten Le— benswege. 4. Zeuch uns nach dir, So folgen wir Dir nach in deinen Himmel, Daß uns nicht mehr Allhier beschwer' Das böse Weltgetümmel. 5. Zeuch uns nach dir Nur für und für Und gieb, daß wir nachfahren Dir in dein Reich, Und mach' uns gleich Den auserwählten Schaaren. Ludämilia Elisabeth, Gräfin v. echwarz⸗ burg⸗ Rudolstabt, 1640—1672. Mel. Gott des Himmels und ꝛe. Joh. 16, 16. . 3 7. 5 dem Vater hingegangen Bist du glorreich aus der Herr, du hast die empfangen, Herrschest nun in Ewigkeit. Groß und herrlich ist dein Reich, Nichts ist deiner Herrschaft gleich. 2. Nur mit liebevollem Herzen, Nicht mit Strenge, herrschest du; Linderst unsrer Seelen Schmerzen, Giebst den müden Herzen Ruh'— Selig, wer zu dir sich kehrt, Wenn er deine Stimme hört! X. Pfingstlieder. 197 3. Mag der Krieg die Zeiten Raub: Nimmer wird Welt zerrütten, Friede schwebt es untergehn, Ewig wird's um deinen Thron: In Pa⸗ durch dich bestehn. lästen und in Hütten Ist er 5. Mehre stets die Zahl deiner Frommen Lohn, Bist der Frommen, Herr, er⸗ du Sonne, Schirm und weitre dein Gebiet: Laß die Schild Dem, der dein Ge⸗ Menge zu dir kommen, Die setz erfüllt. noch deine Herrschaft flieht; 4. Reiche dieser Welt Führ' uns alle nach der verschwanden, Kronen san⸗ Zeit Ein zu deiner Herr⸗ ken in den Staub; Nur lichkeit. dein Reich, Herr, ist be⸗ Neues Berliner Gesangbuch, 1329. standen, Nie wird es der X. Pfingstlieder. Mel. Freu' dich sehr, o ꝛe. ich dir mich ganz ergebe 2 13. Und zu deiner Ehre lebe. 238 Der du uns 3. Auch dich kann ich ö · als Vater nicht erkennen, Jesu, noch liebest, Treuer Gott, und mit echter Treu' Meinen deinen Geist Denen, die dich Gott und Herrn dich nen⸗ bitten, giebest, Ja, uns um nen, Stehet mir dein Geist ihn bitten heißst, Demuths⸗nicht bei. Drum so laß voll fleh' ich zu dir: Vater, ihn kräftiglich In mir wir⸗ sende ihn auch mir, Daß er ken, daß ich dich Glaubens⸗ meinen Geist erneue Und voll als Mittler ehre Und ihn dir zum Tempel weihe. auf deine Stimme höre. 2. Ohne ihn fehlt mei⸗ 4. Ew'ge Quelle wahrer nem Wissen Leben, Kraft Güter, Hochgelobter Gottes— und Fruchtbarkeit, Und mein geist, Der du menschliche Herz bleibt dir entrissen Gemüther Besserst und mit Und dem Dienst der Welt Trost erfreust! Nach dir, geweiht, Wenn er nicht Herr, verlangt auch mich; durch seine Kraft Die Ge⸗ Ich ergebe mich an dich; sinnung in mir schafft, Daß Mache mich zu Gottes Preise 198 X. Pfingstlieder. Heilig und zum Himmel fhegt, Wenn mein Aug' in weise. Nöthen weint, Und Gott 5. Fülle mich mit heil'— gen Trieben, Daß ich dich, mein höchstes Gut, Ueber Alles möge lieben, Daß ich mit getrostem Muth Deiner Vaterhuld mich freu' Und mit wahrer Kindestreu' Stets vor deinen Augen wandle Und rechtschaffen denk' und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe, Bilde mich nach deinem Sinn, Daß ich Lieb' und Sanftmuth übe Und mir's rechne zum Gewinn, Wenn ich je ein Friedensband Knüpfen kann, wenn meine Hand Zur Er— leicht'rung der Beschwerden Kann dem Nächsten nützlich werden. 7. Lehre mich mich selber kennen, Die verborgnen Sünden sehn, Sie voll Reue Gott bekennen Und ihn um Vergebung flehn. Mache täglich Ernst und Treu', Mich zu bessern, in mir neu; Zu dem Heili— gungsgeschäfte Gieb mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick meiner Sünden Mein Ge⸗ wissen niederschlägt, Wenn sich in mir Zweifel finden, Die mein Herz mit Zittern nicht zu hören scheint, O, dann laß es meiner See⸗ len Nicht an Trost und Stärkung fehlen! 9. Was sich Gutes an mir findet, Ist dein Gna⸗ denwerk in mir; Selbst den Trieb hast du entzündet, Daß mich, Herr, verlangt nach dir. O, so setze durch dein Wort Deine Gnaden⸗ wirkung fort, Bis sie durch ein sel'ges Ende Herrlich sich an mir vollende! M. David Bruhn, 1727— 1782. Mel. Valet will ich dir ꝛc. Joh. 14, 16. 17. 230. Monded Wahrheit. Den Christi Wort verheißt, Mit deines Lichtes Klarheit Durchdringe meinen Geist! Allein durch deine Triebe Kann wahres Heil gedeihn; Komm, flöße Gottes Liebe Und Gottes Kraft mir ein! 2. Du schließest mir die Tiefen Des eignen Herzens auf; Laß mich mein Wesen prüfen Und meines Lebens Lauf. Enthülle meiner Seele Sich selbst in deinem Licht, Auch meine kleinsten X. Pfingstlieder. 19⁰ Fehle Birg meinen Blicken nicht! 3. Wohl mir, wenn deine Rüge Mich sanft bestrafen will, Wenn ich der Zucht mich füge Gelassen, treu und still! Dann heißest du mich treten Zum offnen Gnadenthron Und hilfst mir kräftig beten, Bis Schuld und Schmerz entflohn. 4. O, wenn zu Fehl und Sünde Der Satan mich versucht: Hilf, daß ich's überwinde Und jag' in schnelle Flucht! Will Schmach und Kreuz mich beugen, Gieb mir von jenem Muth, Womit die alten Zeugen Hingaben Gut und Blut. 5. Mach', Q o du Geist, du Tröster, Mein Herz ge⸗ wiß und neu, Daß ich, des Herrn Erlöster, Aus Lieb' ihm folgsam sei. Laß Nichts von ihm mich trei— ben, Kein Glück und keine Noth; Bei Jesu hilf mir bleiben, Getreu bis in den Tod! Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Werde munter, mein ꝛe. Röm. 14, 17. 240. r Her⸗ zen beste Freude Und der Weisheit reinstes Licht! Du erfreuest uns im Leide, Lässest uns im Glücke nicht. Geist, der du das Herz erhebst, Es erfüllst, durchdringst, belebst, Freuden schenkest, Schmerzen stillest, Komm, daß du uns ganz erfüllest! 2. Edelster von allen Segen, Die uns Gott in Christo gab! Du träufst, als ein milder Regen, Aus des Himmels Schooß herab; Felsenherzen machst du weich, Wüsten auch an Früchten reich, Und dein reicher Trost erquicket, Was der Drangsal Hitze drücket. 3. Du bist ja die beste Gabe, Womit Gott ein Herz erfüllt. Durch dich, wenn ich dich nur habe, Ist mein höchster Wunsch gestillt. Gabe Gottes, komm auf mich! Denn von dir ward ja auch ich, Als dein Bad mich neugeboren, Zum Kind Gottes auser⸗ koren. 4. Du darfst nicht erst Herzen prüfen: Du durch— schaust sie ganz und gar; Selbst der Gottheit innre Tiefen Sind vor dir ja offenbar. Nun, so ist dir auch bekannt, Schwach und blind sei mein Verstand. Ach, erleucht' ihn, daß er 200 X. Pfingstlieder. sehe Und, was du ihn lehrst, verstehe. 5. Böses hassest du und bleibest, Reinster Geist, bei Reinen nur; Schaffst, die du erfüllst und treibest, Erst zur neuen Creatur. Hei⸗ lige du selbst mich dir. Schaff' ein reines Herz in mir, Daß ich stets, was du liebst, liebe, Nie mit Wissen Böses übe. 6. Du, Herr, machst mein Herz zufrieden, Wenn mir andrer Trost gebricht. Bleib' ich von dir ungeschieden, O, so fehlet Trost mir nicht! Bleib' ich nur dein Eigenthum, So will ich zu deinem Ruhm Stets mein Herz der Tugend weihen Und mich deiner Gaben freuen. Göttinger Gesangbuch, 1779. Mel. Liebster Jesu, wir sind ꝛc. Joh. 16, 13. 241 G e * heit, lehre mich Aller Weisheit Quelle kennen, Jesum Christum! Nur durch dich Kann ich meinen Herrn ihn nennen. Du, du mußt ihn mir verklären Und mein Herz zu Gott bekehren. 2. In des Irrthums Finsterniß Müßt' ich ohne mach' es rein. Führer wanken; Du nur machst das Herz gewiß Und erleuchtett die Gedanken, Offenbarest Gottes Pfade, Zeugst von Wahrheit und von Gnade. 3. Tröster, Tröster heißest du, Ueberschwenglich kannst du trösten; Du erfüllst mit Himmelsruh' Die Gemüther der Erlösten, Daß sie in der Angst der Sünden Got⸗ tes Vaterhuld empfinden. 4. Du, du stärkst uns zum Gebet: Jenes inbrunst⸗ volle Sehnen, Das mit stil— len Seufzern fleht Und uns Wonne giebt durch Thrä⸗ nen; Hoffnung und Geduld im Leiden, Ist dein Werk, du Geist der Freuden. 5. Heiligung und Rei⸗ nigkeit Und ein gottgefällig Leben, Selige Zufrieden⸗ heit, Wahre Weisheit kannst du geben. Selig, die an deinen Gaben Theil durch Lieb' und Glauben haben! 6. Ich erflehe sie von dir; Todt ist noch mein ganzes Wesen. Komm und wohne selbst in mir, Und ich leb' und bin genesen; Dann wird meine Schwach— heit Stärke, Und ich wirke Gottes Werke. 7. Nimm mein Herz und Auch die X. Pfingstlieder. 201 Läuterung durch Leiden Soll mir theurer Segen sein, Sie wird Gold und Schlacken scheiden, Bis wir einst den Engeln gleichen Und des Glaubens Ziel erreichen. Samuel Gottlieb Bürde, 1753—1831. Mel. Was mein Gott will ꝛc. 2. Tim. 242. G bens, Geist der Stärke, Des Gehorsams und der Zucht, Schöpfer aller Gotteswerke, Träger aller Himmelsfrucht! Geist, der einst der heil'gen Män⸗ ner, Kön'ge und Propheten⸗ schaar, Der Apostel und Bekenner Trieb und Kraft und Zeugniß war! 2. Rüste du mit deinen Gaben Auch uns schwache Kinder aus, Kraft und Glaubensmuth zu haben, Eifer für des Herren Haus; Eine Welt mit ihren Schätzen, Menschengunst und gute Zeit, Leib und Leben dran zu setzen In dem großen, heil'gen Streit. 3. Gieb uns Abrahams gewisse, Feste Glaubenszu⸗ versicht, Die durch alle Hindernisse, Alle Zweifel siegend bricht; Die nicht blos dem Gnadenbunde Trauet froh und unbewegt, Auch das Liebste jede Stunde Gott zu Füßen niederlegt. 4. Gieb uns Josephs keusche Sitten, Wenn die Welt ohn' Scham und Zucht Uns durch Dräuen, uns durch Bitten In ihr Garn zu ziehen sucht. Lehr' uns fliehen, lehr' uns meiden Diese üpp'ge Potiphar, Ihren Haß geduldig leiden, Gott getreu sein immerdar. 5. Gieb uns Mose's brünst' ges Beten Um Erbarmung und Geduld, Wenn durch freches Uebertreten Unser Volk häuft Schuld auf Schuld. Laß uns nicht mit kaltem Herzen Unter den Verdorbnen stehn, Nein, mit Moses heil'gen Schmerzen Für sie seufzen, weinen, flehn. 6. Gieb uns Davids Muth, zu streiten Mit m Feinden J Sraels, Sein Ve traun in Leidenszeiten Auf den Herren, seinen Fels: Feindeslieb' und Freundes-⸗ treue, Seinen königlichen Geist Und ein Herz, das voller Reue Gottes Gnade sucht und preist. 7. Gieb Elias' heil'ge Strenge, Wenn den Götzen dieser Zeit Die verführte, blinde Menge Tempel und Altäre weiht. Daß wir nie 202 X. Pfingstlieder. vor ihnen beugen Haupt und Knie', auch nicht zum Schein, Sondern fest, als deine Zeugen, Dastehn, wenn auch ganz allein. 8. Gieb uns der Apostel hohen, Ungebeugten Zeugen⸗ muth, Aller Welt, trotz Spott und Drohen, Zu ver— künden Christi Blut. Laß die Wahrheit uns bekennen, Die uns froh und frei ge— macht; Gieb, daß wir's nicht lassen können, Habe du die Uebermacht! 9. Schenk' uns gleich dem Stephan Frieden Mit— ten in der Angst der Welt, Wenn das Loos, das uns beschieden, In den schwer— sten Kampf uns stellt. In dem rasenden Getümmel Schenk' uns Glaubensheiter— keit, Oeffn' im Sterben uns den Himmel, Zeig' uns Jesu Herrlichkeit! 10. Geist des Glaubens, Geist der Stärke, Des Ge— horsams und der Zucht, Schöpfer aller Gotteswerke, Träger aller Himmelsfrucht, Geist, du Geist der heil'gen Männer, Kön'ge und Pro- phetenschaar, Der Apostel und Bekenner, Auch bei uns werd' offenbar! Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. Warum sollt' ich mich ꝛc. Hesek. 36, 27. 243. Oein des Va⸗ ters, komm hernieder! Sei nicht fern, Geist des Herrn, Stärke Jesu Glieder! Giebst du uns nicht Licht und Stärke, So gebricht Kraft und Licht Uns zum Beßrungs⸗ werke. 2. Sieh, wir fallen dir zu Fuße; Leite doch Heute noch Uns zur wahren Buße. Rette selbst uns vom Ver— derben! Fern von dir Kön— nen wir Nicht in Frieden sterben. 3. Jeden, der noch ohne Kummer Seine Zeit Sün⸗ den weiht, Weck' aus seinem Schlummer! Zeig' uns den Betrug der Sünde, Daß das Herz Tiefen Schmerz, Reu' und Scham empfinde! 4. Wenn nun unser Auge thränet, Rufe du Sanft uns zu: Ihr seid Gott versöh— net! Lehr' uns, wenn wir zagen, schmachten In der Noth, Jesu Tod Glaubens⸗ voll betrachten. 5. Geist der Weisheit, gieb uns allen Durch dein Licht Unterricht, Wie wir Gott gefallen. Lehr' uns froh zum Vater treten, Sei X. Pfingstlieder. 203 uns nah', Und sprich: Ja! Wenn wir gläubig beten. 6. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, Gieb uns Muth, Jede Gluth Böser Lust zu dämpfen! Laß uns selbst das herbste Leiden, Angst und Noth, Schmach und Tod Nicht von Jesu scheiden. 7. Lehr' uns nach dem Himmel streben, Schenk' uns Kraft, Tugendhaft Und ge— recht zu leben. Laß uns niemals stille stehen, Treib' uns an, Froh die Bahn Deines Worts zu gehen. 8. Sei in Schwachheit unsre Stütze, Steh uns bei, Mach' uns frei In der Prüfungshitze! Führe, wenn, nach kurz em Leiden, Gott den Geist Scheiden heißt, Uns zu Himmelsfreuden. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Freu' dich sehr, o ꝛc. 5 9—4 Ephes. 1, 17—19. 244. Gs ud des Sohnes, Wahrer Gott von Ewigkeit, Bote du des Gnadenthrones, Tröster du in allem Leid: Dir erschalle Lob und Preis, Daß du einst der Jünger Kreis Hast erfüllt mit Licht und Klar⸗ heit Und geführt in alle Wahrheit! 2. Geist der Wahrheit, mache helle Unsren Geist mit deinem Schein, Führ' uns in die Wahrheitsquelle Deines ew'gen Wortes ein, Daß ein andres Lebenslicht In der Welt wir suchen nicht Und, wenn Erd' und Himmel schwanken, Nicht vom ew'gen Grunde wanken! 3. Geist der Gnade, ach, verkläre In uns Jesum, Gottes Sohn! Unsren Glau⸗ ben stärk' und nähre Bei der Feinde Spott und Hohn. Sein Erbarmen, seine Treu' Mache stets der Seele neu, Daß in Liebe stets wir brennen, Selig, muthig ihn bekennen! 4. Geist des Friedens, ach, bezeuge Uns des Va⸗ ters Lieb' und Gnad'! Daß sein Ohr er huldvoll neige, Wenn das Herz ihm betend naht; Daß wir kindlich Abba schrein In der Erde Freud' und Pein, Ihm ver⸗ trauen in Beschwerden Und 20 des Erbtheils werden. Geist des Lebens und der Stärke, Gieß' uns Him⸗ melskräfte zu, Daß wir treu sind in dem Werke, Dazu uns berufen du, Daß nach Leib und Seele wir —————— 204 X. Pfingstlieder. Uns zum Tempel weihen dir, Daß der Feind uns nicht verderbe Und uns raub' das heil'ge Erbe. 6. Geist des Trostes, wenn wir liegen In des Todes banger Noth, Wenn der Trost uns will versiegen, Wenn wir beben vor dem Tod, Wenn wir selbst nicht kön— nen flehn, Woll'st du betend uns durchwehn, Und die dunkle Nacht erhellen, Gottes Lamm vor's Aug' uns stellen. Christian Böhmer's Lieder, 1855. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛe. 1. Petri 4, 14. 245 Ge˙ Gottes, aus des Ew'gen Fülle In unsren Geist herabgesenkt, Der auch in unbemerkter Stille Des Herzens Trieb gen Himmel lenkt! Du, der einst Davids Psalm beflügelt, Den Se— hern Aug' und Mund ent⸗ siegelt, Uns auch noch jetzt mit Gluth durchdringt, Auch jetzt uns Gottes Weisheit lehret Und Christi Wahr— heit uns verkläret, Wer ist's, der würdig dich besingt? 2. Du Quell der reinsten Himmelsliebe, Die in das Herz lebendig quillt Und o des neuen Menschen Triebe Mit heil'ger Gottes⸗ — kraft erfüllt, Du bist es, der die Schwachheit stützet, Im Pilgerlauf sie stärkt und schützet, Wenn sich die Seel' in Schlummer neigt, Der— o geschäh', es nicht vergebens!— Als Unter⸗ pfand des ew'gen Lebens Uns hier des Himmels Krone zeigt. 3. Du bauest aus le⸗ bend'gen Steinen Der Kirche reines Heiligthum, Erhöhest durch des Herrn Gemeinen Des Kreuzes unbesiegten Ruhm. Und wo du sprichst mit Feuerzungen, Beugst du zu sel'gen Huldigungen Der Heiden überwundne Kraft. Der Hölle Reich muß dir mit Beben Die Schaar Ge⸗ fangner wiedergeben, Die es in Sünden hingerafft. 4. Wer kann, wie du, mit Donnern reden, Wenn du im Schlaf den Sünder schreckzst? Wer tröstet so, wie du, die Blöden, Wenn du die neue Sehnsucht weckst? Wenn sie in ihr Verderben schauen, So lehrst du sie dem Ruf vertrauen, Der sie mit Gottes Frieden grüßt; Wenn sich der Geist zwar willig zeiget, Doch ihn des Fleisches Schwachheit beuget, Bist du es, der das Leid versüßt. mut hert ges mäc lebe beß in Bet Zut Psc du höh lied der 7 Me X. Pfingstlieder. 205 5. Du drückest der Be⸗ währung Siegel Den wohl— geprüften Seelen auf, Du giebst den Zeugen Glaubens⸗ flügel Und führst sie im Triumph hinauf. In aller Trübsal lehrst du beten, Du selbst willst unsre Noth vertreten Auch ohne Wort, mit starkem Flehn. Die Liebe führest du zum Throne, Und ihren Werken wird zum Lohne Die Kraft, in De⸗ muth fest zu stehn. 6. Wenn Christus einst herniederschwebet Auf das geschloßne Todtenfeld, Mit mächt'gem Wort es neu be⸗ lebet Zum Erbtheil in der beßren Welt: Dann trägt in deiner Kraft die eine Bewährte, heilige Gemeine Zum Throne Herz und Psalm empor; Dann ströme du durch alle Glieder Die höhre Gluth der Himmels-⸗ lieder Zum Preise dem, der uns erkor. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Werde munter, mein ꝛe. 1. Cor. 6, 19. 246 Gess vom Va⸗ ter und vom Sohne, Du, der unser Trö⸗ ster ist Und von Gottes ew'gem Throne Auf die Gläub'gen sich ergießt, Steh mit deiner Kraft mir bei, Daß ich Gott geweihet sei, Und mein Herz schon hier auf Erden Mög' ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege Deine Weisheit mit mir sein, Wenn ich bange Zweifel hege, Deine Wahr— heit mich erfreun. Lenke kräftig meinen Sinn Auf das Wohl der Seele hin; Lehrst du mich das Rechte wählen, Werd' ich nie das Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, Durch die Gnade schaff' es neu, Daß ich Gott vor Allem liebe Und ihm kindlich dankbar sei. Voll Vertraun auf ihn zu sehn, Seinen Namen zu erhöhn, Seinen Willen zu vollbrin— gen, Müsse mir durch dich gelingen. 4. Warne mich, so oft zu Sünden Mein Gemüth versuchet wird; Laß mich bald den Rückweg finden, Hab' ich mich von dir ver— irrt. Nimm in deine Zucht mein Herz, Wirk' in mir der Reue Schmerz, Daß ich mich in Demuth beuge Und den Sinn zur Beß⸗ rung neige. 5. Treib mich kräftig zum Gebete, Wenn mir 206 X. Pfingstlieder. Hilfe nöthig ist, Daß zu Gottes Thron ich trete Durch den Mittler Jesus Christ; Hilf mir gläubig auf ihn schaun Und auf sein Verdienst nur baun, Daß ich mög' auf mein Verlan— gen Gnad' um Gnad' von ihm empfangen. 6. In des Lebens Müh' und Leiden Steh mit deinem Trost mir bei, Daß ich überall mit Freuden Gottes Führung folgsam sei. Gieb mir ein gelaßnes 0 Laß mich selbst im Todesschmerz Deines Trostes Kraft em— pfinden Und einst siegreich überwinden. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Fröhlich soll mein ꝛc. Joel 3, 2. 247 öchster Trö⸗ 5 ster, komm hernieder! Geist des Herrn, Sei nicht fern, Salbe Jesu Glieder. Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus, hat Deinen Rath Seinem Volk versprochen. 2. Schöpfer unsres neuen Lebens, Jeder Schritt, Jeder Tritt Ist ohn' dich verge— bens! Ach, das Seelen⸗ werk ist wichtig! Wer ist wohl, Wie er soll, Treu zu handeln tüchtig? 3. Herr, wir fallen dir zu Fuße; Eins ist noth Für den Tod: Buße, wahre Buße. Zeig' uns selbst den Gräu'l der Sünde, Daß das Herz Angst und Schmerz, Reu' und Scham empfinde. 4. Zeig' uns des Erlö⸗ sers Wunden, Ruf' uns zu: Ihr habt Ruh', Ihr habt Heil gefunden. Unsre Sünd' wird nicht gerochen: Jesu Blut Machet gut, Was die Welt verbrochen. 5. Weck' uns auf vom Sündenschlafe, Rette doch Heute noch Die verlornen Schafe; Reiß' die Welt aus dem Verderben, Laß sie nicht Im Gericht Der Ver— stockung sterben. 6. Geist der Weisheit, gieb uns allen Durch dein Licht Unterricht, Wie wir Gott gefallen; Lehr' uns freudig vor Gott treten, Sei uns nah' Und sprich: Ja! Wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, Gieb uns Muth, Fleisch und Blut, Sünd' und Welt zu däm⸗ pfen; Laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Noth, Schmerz und Tod Nicht von Jesu scheiden.“ 8. Hilf uns nach dem dir Für hre den aß erz, ide. rlö⸗ zu: abt ind esu die Om och nen Aus sie zer⸗ eit, ein wir ins en, ich: big des uns lut, im⸗ sal, igst und en. oem X. Pfingstlieder. 207 Besten streben, Schenk' uns Kraft, Tugendhaft Und ge— recht zu leben; Gieb, daß wir nie stille stehen, Treib uns an, Froh die Bahn Deines Worts zu gehen. 9. Sei in Schwachheit unsre Stütze, Steh uns bei, Mach' uns treu In der Prüfungshitze; Führ', wenn Gott uns nach dem Leide Sterben heißt, Unsren Geist In des Himmels Freude. Ehrenfried Liebich, 1713-1780. Eigene Melodie. Pf. 143, 10. 248. Aum, heili— ger Geist, Herre Gott! Erfüll' mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläub'gen Herz, Muth und Sinn, Dein' brünstge Lieb' entzünd' in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glanz Zu dem Glauben versam⸗ melst hast Das Volk aus aller Welt Zungen: Das sei dir, Herr, zu Lob ge⸗ sungen. Halleluja, Halle— luja! 2. Du heiliges Licht, edler Hort, Laß uns leuch— ten des Lebens Wort Und lehr' uns Gott recht erken⸗ nen, Von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt' vor fremder Lehr', Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum, mit rechtem Glauben, Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, Nun hilf uns fröhlich und getrost In dein'im Dienst beständig bleiben, Die Trübsal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein' Kraft uns be— reit' Und stärk' des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hier ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, Halleluja! Dr. Martin Luther, 1483—1546. Mel. Gott des Himmels ꝛc. Gal. 4, 6. 2 49. KR'uun, o komm, du Geis st des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens, Sie erfüll' uns jederzeit: So wird Geist und Licht und Schein In den dunklen Herzen sein. 2. Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, Daß wir anders Nichts beginnen, Denn was nur dein Wille sucht; Dein' Erkenntniß werde groß Und mach' uns vom Irrthum los. 3. Zeige, Herr, die 208 X. Pfingstlieder. Wohlfahrtsstege: Das, was hinter uns gethan, Räume ferner aus dem Wege; Schlecht und recht sei um und an; Wirke Reu' an Sünden Statt, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß mich stets dein Zeugniß fühlen, Daß wir Gottes Kinder sind, Die auf ihn alleine zielen, Wenn sich Noth und Drangsal find't; Denn des Vaters liebe Ruth' Ist uns alle⸗ wege gut. 5. Reiz' uns, daß wir zu ihm treten Frei mit aller Freudigkeit; Seufz' auch in uns, wenn wir beten, Und vertritt uns allezeit: So wird unsre Bitt' erhört Und die Zuverficht vermehrt. 6. Wird uns auch nach Troste bange, Daß das Herz oft rufen muß: Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange! Ei, so mach' uns den Beschluß; Sprich der Seele tröstlich zu Und gieb Muth, Geduld und Ruh'. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, Du gewisser neuer Geist, Fördre in uns deine Werke. Wenn des Satans Macht sich weist, Schenk' uns Waffen in den Krieg Und erhalt' in uns 8. Herr, bewahr' auch unsren Glauben, Daß kein Teufel, Tod, noch Spott Uns denselben möge rauben: Du bist unser Schutz und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, Laß dein Wort gewisser sein. 9. Wenn wir endlich sollen sterben, So versichre uns je mehr, Als des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und Ehr', Die uns unser Gott erkiest Und nicht auszusprechen ist. Joachim Neander, 1610—1680. Eigene Melodie. Apostelgesch. 19, 2. . 50 Ny bitten 2* wir den heiligen Geist Um den rech— ten Glauben allermeist, Daß er uns behüte An unsrem Ende, Wenn wir heimfah— ren aus diesem Elende. Kyrieleison. 2. Du werthes Licht, gieb uns deinen Schein, Lehr' uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, Dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleison. 3. Du süße Lieb, den Sieg. schenk' uns deine Gunst, Laß uns empfinden der X. Pfingstlieder. 209 Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen Einander lieben Und in Fried' auf einem Sinne bleiben. Kyrielei⸗ son. 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß wir nicht Schand' noch Tod, Daß in uns die Sinne Nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrie⸗ leison. Dr. Martin Luther, 1483—1546. M el. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. 2. Corinth. 5, 5. 251 du allersüßste * Freude, O du allerschönstes Licht, Der du uns in Lieb' und Leide Unbesuchet lässest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst Ohn' Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe! 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann. Wenn ich dich erwünsch' und habe, Geb' ich alles Wünschen dran. Ach, ergieb dich, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in der Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 3. Du wirst als ein milder Regen Ausgegossen von dem Thron, Bringst uns Nichts als lauter Segen Von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du hast Und vertheilst nach deinem Willen, Mich an Leib und Serl er⸗ füllen. 4. Du bist weise, voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir kund, Zählst den Staub des kleinsten Sandes, Gründest auch des Meeres Grund. Nun, du weißt auch zweifelsfrei, Wie ver⸗ derbt und blind ich sei; Drum gieb Weisheit uns vor Allem, Wie ich möge Gott gefallen! 5. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und redlich ist, Fleuchst hingegen Schand' und Sün⸗ den, Weil du lauter Klar⸗ heit bist; Mache mich, o Gnadenquell, Rein und züchtig, keusch und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest. 6. Du bist, wie ein Lamm es pfleget, Frommen Herzens, sanften Muths, Bleibst im Lieben unbeweget, Thust uns Bösen alles Gut's; 14 210 X. Pfingstlieder. Ach, verleih' und gieb mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößst; Bleib' ich von dir unge— schieden, Ei, so bin ich g'nug getröst't; Laß mich sein dein Eigenthum! Ich versprach hinwiederum, Hier und dort all mein Ver⸗ mögen Dir zu Ehren anzu⸗ legen. 8. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treu— lich stehest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hilfe nöthig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue, Und mein Gott sich meiner freue. 9. Halt' mich, wann die Kniee beben, Wann ich sinke, sei mein Stab; Wann ich sterbe, sei mein Leben; Wann ich liege, hüt' mein Grab; Wann ich wieder aufersteh', Ei, so hilf mir, daß ich geh' Hin, wo du in ew'gen Freuden Wirst die Auserwählten weiden! Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Gal. 5, 22. 2 52 Gott, o 2 Geist, o Licht des Lebens, Das uns im Todesschatten scheint, Du scheinst und lockst so lang' vergebens, Weil Finster⸗ niß dem Lichte feind! O Geist, dem Keiner kann entgehen, Dich laß ich gern mein Innres sehen. 2. Entdecke Alles, und verzehre, Was nicht in dei— nem Lichte rein; Wenn mir's gleich noch so schmerz— lich wäre, Folgt doch die Wonne nach der Pein. Du wirst mich aus dem finstren Alten In Jesu Klarheit umgestalten. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern, Das ist dein Werk, du Quell des Lichts! Du mußt von Grund auf mich erneuern, Sonst hilft mein eignes Trachten Nichts. O Geist, sei meines Geistes Leben: Ich kann mir selbst kein Gutes geben! 4. Du Athem aus der ew'gen Stille, Durchwehe sanft der Seele Grund, Füll' mich mit aller Gottes⸗ fülle; Und da, wo Sünd' und Gräuel stund, Laß Glauben, Lieb' und Ehrfurcht X. Pfingstlieder. 211 grünen, In Geist und Wahr⸗ heit Gott zu dewen 5. Mein Wirken, Wol⸗ len und Beginnen Sei kindlich folgsam deinem Trieb', Bewahr⸗ mein Herz mit allen Sinnen Untadelig in Gottes Lieb'. Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen Laß mich auf keine Weise dämpfen. 6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne Eröff⸗ net und krystallenrein Von Gottes und des Lammes Throne In stille Herzen fließt hinein, Ich öffne meinen Mund und sinke Hin zu der Quelle, daß ich trinke. .Ich laß mich dir und bleib' indessen Von Allem abgekehrt, dir nah'; Ich will die Welt und mich vergessen, Dies innigst glau— ben: Gott ist da! O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Man harret deiner nie ver— gebens! Gerhard Tersteegen, 1697—1769. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Ps. 51, 14. 25 3. großer Gott, 0 du reines Wesen, Der du die reinen Herzen dir Zur steten Woh⸗ nung auserlesen, Ach, schaff' ein reines Herz in mir, Ein Herz, das von der argen Welt Sich rein und unbe⸗ fleckt erhält. 2. Vor Allem mache mein Gemüthe Durch unge⸗ färbte Buße rein, Und laß es, Herr, durch deine Güte In Christi Blut gewaschen sein. Dann mache mich zur Reinigkeit Des Lebens fertig und bereit. 3. Regiere mich mit deinem Geiste, Der mein getreuer Beistand sei, Und mir erwünschte Hilfe leiste; Gott, stehe mir aus Gnaden bei, Und gieb mir einen solchen Geist, Der neu, ge— wiß und willig heißt. 4. Doch, weil ich meine Schwachheit merke, Mein Vater, so verr wirf mich nicht, Und stoß mich wegen mei⸗ ner Werke Ja 95 von deinem Angesicht, Laß mich hier in der Gnade stehn, Und dort in deinen nir. gehn! 5. Nimm deinen Geist, du Geist der Liebe, Ja nun und nimmermehr von mir, Und leite mich durch seine Triebe, Durch seinen Bei— stand für und für. Auch führe du mich durch die Zeit Hin zu der reinen Ewigkeit! Dr. Johann Olearius, 1611—1684. 14* 21² X. Pfin Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Röm. 8, 9. 10. 254 0 heil'ger Geist, 2 kehr' bei uns ein, Und laß uns deine Wohnung sein, O komm, du Herzenssonne! Du Him⸗ melslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein, Zu steter Freud' und Wonne! Sonne, Wonne, Himmlisch Leben Willst du geben, Wenn wir beten; Zu dir kommen wir ge⸗ treten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fleußt, Die sich in fromme Seelen geußt, Laß deinen Trost uns hören, Daß wir in Glaubenseinig⸗ keit Auch können alle Christenheit Dein wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath, Und führ' uns auf den rechten Pfad, Die wir den Weg nicht wissen. Gieb uns Bestän⸗ digkeit, daß wir Getreu dir bleiben für und für, Auch wenn wir leiden müssen. Schaue, Baue, Was zerrissen Und geflissen, Dich zu schauen Und auf deinen Trost zu bauen. 4. Laß uns dein' edle Balsamkraft Empfinden und zur Ritterschaft Dadurch gestärket werden, Auf daß wir unter deinem Schutz Begegnen aller Feinde Trutz Mit freudigen Geberden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, Daß wir wieder Trost empfinden, Alles Un⸗ glück überwinden. 5. O starker Fels und Lebenshort, Laß uns dein himmelsüßes Wort In unsren Herzen brennen, Daß wir uns mögen nim⸗ mermehr Von deiner weis⸗ heitreichen Lehr' Und deiner Liebe trennen! Fließe, Gieße Deine Güte Ins Gemüthe, Daß wir können Christum unsren Heiland nennen. 6. Du süßer Himmels⸗ thau, laß dich In unsre Herzen kräftiglich, Und schenk‘é uns deine Liebe; Daß unser Sinn verbunden sei Dem Nächsten stets mit Liebestreu' Und sich darin— nen übe. Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe, Fried' und Liebe Müssen schweben, Fried' und Freude wirst du geben. 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre X. Pfingstlieder 213 Lebenszeit, Sei unsres Geistes Stärke! Daß uns forthin sei unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine todten Werke. Rühre, Führe Unser Sin⸗ nen Und Beginnen Von der Erden, Daß wir Him⸗ melserben werden. M. Michael Schirmer, 1006—1673. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Joh. 16, 13. 3975 komm, du 200. Geist der Wahrheit, Und kehre bei uns ein; Verbreite Licht und Klarheit, Verbanne Trug und Schein! Gieß aus dein heilig Feuer, Rühr' Herz und Lippen an, Daß Feglicher getreuer Den Herrn bekennen kann! 2. Unglaub' und Thor⸗ heit brüsten Sich frecher jetzt, als je: Darum mußt du uns rüsten Mit Waffen aus der Höh'! Du mußt uns Rrant verleihen, Geduld und Glaubenstreu' Und mußt uns ganz befreien Von aller Menschenscheu. 3. Es gilt ein frei Ge⸗ ständniß In dieser unsrer Zeit, Ein offenes Bekennt— niß Bei allem Widerstreit; Trotz aller Feinde Toben, Trotz allem Heidenthum, Da preisen und zu loben Das Cvangelium. 4. Fern in der Heiden Lande Erschallt des Heilands Wort; Sie werfen Satans Bande Und ihre Götzen fort; Von allen Seiten kommen Sie in das Reich hinein: Ach, soll es uns genommen, Für uns ver⸗ schlossen sein? 5. Du heil'ger Geist, bereite Ein Pfingstfest nah und fern; Mit deiner Kraft begleite Das Zeugniß von dem Herrn! O öffne du die Herzen Der Welt und uns den Mund, Daß wir in Freud' und Schmerzen Das Heil ihr machen kund! Karl Johann 1855. Spitta, 1801—1850 Mel. Von Gott will ich ꝛc. Ps. 24, 9. 256. ein zu deinen Tho⸗ ren, Sei meines Herzens Gast, Der du, da ich ge⸗ boren, Mich neu geboren hast, O hochgeliebter Geist Des Vaters und des Soh⸗ nes, Mit beiden gleiches Thrones, Mit beiden gleich gepreist! 2. Zeuch ein, laß mich em⸗ pfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns 214 Pfingstlieder. von Sünden Hilf' und Er⸗ rettung schafft. Entsünd'ge meinen Sinn, Daß ich mit einem Geiste Dir Ehr' und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 3. Ich war ein wilder Reben, Du hast mich gut gemacht; Der Tod durch⸗ drang mein Leben, Du hast ihn umgebracht Und in der Tauf' erstickt, Als wie in einer Fluthe, Mit dessen Tod und Blute, Der uns im Tod erquickt. 4. Du bist das heil'ge Oele, Dadurch gesalbet ist Mein Geist und meine Seele Dem Herren Jesu Christ Zum wahren Eigen⸗ thum, Zum Priester und Propheten, Zum König, den in Nöthen Gott schützt im Heiligthum. 5. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten Dein Beten wird erhöret, Dein Singen klinget wohl; Es steigt zum Himmel an, Es läßt nicht ab und ringet, Bis der die Hilfe bringet, Der Allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, Vom Trauern hältst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßen Worten Mir aufge⸗ than die Pforten Zum güldnen Freudensaal! 7. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feindschaft bist du feind, Willst, daß durch Liebesflammen Sich wieder thun zusammen, Die voller Zwietracht seind. 8. Du, Herr, hast selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschen— herzen wenden, Wie es dir wohlgefällt: So gieb doch deine Gnad'; Zum Fried' und Liebesbanden Verknüpf' in allen Landen, Was sich getrennet hat. 9. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd', Bring' wieder und erneure Die Wohlfahrt deiner Heerd', Laß blühen, wie zuvor, Die Länder, so verheeret, Die Kirchen, so zerstöret Durch Krieg und Feuers⸗ zorn. 10. Beschirm' die Obrig— keiten, Bau' unsres Fürsten Thron, Gieb Glück zu unsren Zeiten; Schmück' als mit einer Kron' Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit Me XI. Die Kirche Christi. 215 it die Jugend, Mit Gottes- lich anerbeut; Hilf kämpfen ge⸗ furcht und Tugend Das ritterlich, Damit wir über— um Volk im ganzen Land. winden Und ja zum Dienst 11. Erfülle die Ge⸗ der Sünden Kein Christ eist müther Mit reiner Glau- ergebe sich. Her benszier, Die Häuser und 13. Richt' unser ganzes cht, die Güter Mit Segen für Leben Allzeit nach deinem rn, und für. Vertreib' den Sinn, Und wenn wir's eit. bösen Geist, Der sich dir sollen geben Ins Todes du widersetzet Und, was dein Hände hin, Wenn's mit rch Herz ergötzet, Aus unsren uns hier wird aus, So hilf der Herzen reißt. uns fröhlich sterben Und ller 12. Gieb Freudigkeit nach dem Tod ererben Des und Stärke Zu stehen in ew'gen Lebens Haus. lbst dem Streit, Den Satans Paul Gerhardt, 1606-1675. eite Reich und Werke Uns täg— en⸗ dir————— O 54 05 ied XI. Die Kirche Christi. ipf' Mel. Erhalt' uns, Herr, bei ꝛc. Lue. 24, 29. 257 Ich, bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns aus⸗ löschen nicht! 2. In dieser schwerbe— trübten Zeit Verleih' uns, Herr, Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sacra⸗ ment Behalten rein bis an das End'. 3. Herr Jesu, hilf, dein' Kirch' erhalt': Wir sind gar sicher, träg' und kalt; Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, Damit es schall' an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort Und wehr' des Teufels Trug und Mord! Gieb deiner Kirche Gnad' und Huld, Fried', Einigkeit, Muth und Ge— duld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, Auf dieser Erd' ist keine Ruh'; Viel Scenen und groß' Schwär⸗ merei Auf einen Haufen kommt herbei. 216 XXI. Die Kirche Christi. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Macht erheben hoch Und bringen stets was Neues her, Zu fälschen deine rechte Lehr'. 7. Die Sach' und Ehr', Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich ver⸗ lassen frei. 8. Dein Wort ist unsres Herzens Trutz Und deiner Kirchen wahrer Schutz; Da⸗ bei erhalt' uns, lieber Herr, Daß wir nichts Andres suchen mehr. 9. Gieb, daß wir thun iach deinem Wort Und darauf ferner fahren fort Von hinnen aus dem Jam⸗ merthal Zu dir in deinen Himmelssaal. Nicolaus Selnecker, 1532—1592. Mel. Sei Lob und Ehr' dem ꝛe. 1. Cor. 16, 13. 6 ch Gott, wie 258. A sicher wan⸗ deln wir, Wie fern vom Weg zum Himmel! Wie bald verklingt ein Ruf von dir Im irdischen Getümmel! Kalt bei dem Wort, das sonst ihn traf, Liegt Man⸗ cher jetzt in tiefem Schlaf. Erweck' uns, o Herr Jesu! 2. Weck' auf mit Feuer⸗ kraft des Worts Die Hir⸗ ten und die Heerden! Laß die Regenten jeden Orts Im Eifer brennend werden! Zier' Könige mit Christen⸗ thum! Dich kennen, sei der Großen Ruhm, Der Glanz um ihre Throne! ö 3. Auf, Friedensboten, stärket euch Im Ernst für Gottes Sache! Auf, bauet am verfallnen Reich, Und Jeder bet' und wache! Herr, schaffe ihrem Amt Gedeihn! Dein Wort soll Geist und Leben sein, Voll Geist mach' alle Lehrer! 4. Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und mehre deine Glieder! Was todt, verirrt und sicher ist, Beleb' und suche wieder! Nimm auf, wer kommt, verwirf ihn nicht, Und tröste mit der Hoffnung Licht Die, welche treu beharren! Johann Gottfried Schöner, 1749—1818. Mel. Nun bitten wir den ꝛe. 259. Nahesein Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick Macht uns so selig, Daß Luc. 24, 36. ch, mein Herr Jesu! dein Bringt großen 1———— XI. Die Kirche Christi. 217⁷ Leib und Seele darüber fröhlich Und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freund⸗ liches Angesicht, Voll Huld und Gnade, wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele Kann's schon gewahren, Du kannst dich fühlbar g'nug offenbaren, Auch ungesehn. 3. O, wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen recht wär' be⸗ dacht, Der hätt' ohne Ende Von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt' immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig sein, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Heilen, stillen, trösten, Er⸗ freun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach, gieb an deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommen Theil, Und laß unsre Seele Sich immer schicken, Aus Noth und Liebe nach dir zu blicken Ohn' Unterlaß! 6. Und wenn wir wei⸗ nen, so tröst' uns bald Mit deiner Friedens- und Siegs⸗ gestalt: Laß dein Bild uns immer Vor Augen schweben, Und dein wahr⸗ haftiges Inunsleben Zu sehen sein! 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit Sei unsre Zierde zu aller Zeit, Und die heilige Tröstung Aus deinen Wunden Erhalt' uns Frieden zu allen Stun⸗ den, Bei Freud' und Leid. 8. So werden wir bis in Himmel hinein In dir vergnügt wie die Kin⸗ der sein. Muß man gleich die Wangen Noch manchmal netzen, Wenn sich das Herz nur an dir ergötzen Und stillen kann. 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Gedächtniß Beschämt dastehen, Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Christian Gregor, 1723—1801. Mel. Mein Jesu, dem die ꝛe. Apostelgesch. 2, 46. 260 D'a Wort, o — Herr, bringt uns zusammen, Daß wir in der Gemeinschaft stehn; Es läßt an uns die heil'⸗ gen Flammen Des Glaubens und der Liebe sehn; Wir werden durch das Wort der Gnaden Auch zur Gemein⸗ schaft jener Schaar, Die um das Lamm beständig 218 XI. Die Kirche Christi war, Gelockt eingeladen. 2. Wie köstlich ist doch das zu schätzen: Ein Kind der Gnade hat es frei, An Jesu Brust sich zu ergötzen, Und darf dabei auch ohne Scheu Mit den Abposteln und Propheten, Ja, allen Heiligen zugleich, Im Gna— den⸗ und im Ehrenreich Ge— 113 in einen Reihen treten. Ein Herze, das vom Herteh weichet Und sich den Sündern zugesellt, Wer noch mit Lust im Finstren schlei⸗ chet Und noch sich zu den Träbern hält, Kann dieser Weide nicht genießen; Wer aber an das Oberhaupt, An Jesum, in der Wahrheit glaubt, Der kann sich an die Glieder schließen. 4. Nur Menschen, die von Gott geboren, Die un— ter Einem Haupte stehn, Die hat der Herr sich aus⸗ erkoren, Die läßt er Wun⸗ derliebe sehn, Gemeinschaft mit dem Vater haben Und mit dem Sohn im heil gen Geist: Das ist, was ihre Seele speist, Nur das kann sie vollkommen laben. 5. Das unsichtbare Haupt regieret, Die Glieder folgen seinem Wink; Wo Christi Geist die Herzen führet, und kräftig Entdeckt er, welch unnützes Ding In Menschenwerk, Joch, Zwanggesetzen, In Menschenlehr' und Irrthum sei: Man kann es nur für Sklaverei Und nicht des Herrn Gemeinschaft schätzen. 6. Der Glaubensgrund, auf dem wir stehen, Ist Christus und sein theures Blut; Das ein'ge Ziel, dar⸗ auf wir sehen, Ist Christus, unser höchstes Gut; Sein Wort die Regel, die wir kennen, Nicht dieser oder jener Ort: Dies ist, was wir mit einem Wort Gemein— schaft und Gemeine nennen. 7. Was ist das für ein himmlisch Leben, Mit Vater, Sohn und heil'gem Geist In seliger Gemeinschaft schweben, Genießen das, was Gott geneußt! Wie flam— men da die süßen Triebe! Gott schüttet in sein geist⸗ lich Haus Die ganze Gna⸗ denfülle aus: Hier wohnet Gott, die ew'ge Liebe. 8. Der Vater liebt und herzt die Kinder Und schenkt den Geist, der Abba schreit; Des Sohnes Treue schmückt die Sünder Mit ewiger Gerechtigkeit; Der heil'ge Geist tritt mit dem Oele Des Friedens und der Freude zu: Das Herze schmecket XI. Die Kirche Christi. 219 Gottes Ruh', Die Kraft durchdringet Leib und Seele. 9. Die Kinder, die zu⸗ sammen essen, Die stehen auch für Einen Mann: Macht sich der Feind an ein'ss vermessen, Sobald greift er sie alle an; Sie fallen betend Gott zu Fü⸗ ßen Und siegen in des Herren Kraft; Sie wollen von der Brüderschaft Der Heil'gen nicht das Kleinste missen. 10. Sie wallen mit ver⸗ bundnen Herzen Durchs Thränenthal ins Vaterland, Versüßen sich die bittren Schmerzen, Ein's reicht dem andren seine Hand, Und wollen sich mit Freuden dienen, Mit Herz und Auge, Hand und Fuß, Bis zu dem völligen Genuß Des großen Guts: Ich, ich in ihnen. Johann Ludwig Conrad Allendorf. 1693—1773. Mel. Valet will ich dir ꝛe. Matth. 11 5. 261 Der du zum Heil er— schienen Der allerärmsten Welt, Und von den Cheru— binen Zu Sündern dich ge— sellt; Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am dürren Holze Versöhntest ihre Schuld! 2. Damit wir Kinder würden, Gingst du vom Vater aus, Nahmst auf dich unsfre Bürden Und bautest uns ein Haus. Von Westen und von Süden, Von Morgen ohne Zahl Sind Gäste nun beschieden Zu deinem Abendmahl. 3.* schönen Hochz eit⸗ kleide, Von allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerschaaren ein; Und welchen Nichts ver⸗ kündigt, Kein Heil verheißen war, Die bringen nun ent⸗ sündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Du hast den ärmsten Sklaven, Wo heiß die Sonne glüht, Wie deinen andren Schafen, Zu Liebe dich be— müht Und selbst den öden Norden, Den ew'ges Eis bedrückt, Zu deines Him⸗ mels Pforten Erbarmend hingerückt. 5. Drum kann nicht Ruhe Feat. Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt; Bis du im neuen Le⸗ ben Die ausgesöhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vors Angesicht gestellt. 6. Und siehe, tausend 220 AI Die Kirche Christi. Fürsten Mit Völkern ohne Licht, Stehn in der Nacht und dürsten Nach deinem Angesicht! Auch sie hast du gegraben In deinen Prie⸗ sterschild, Am Brunnanell sie zu laben, Der dir vom Herzen guilli 7. So sprich dein gött— lich Werde! Laß deinen Odem wehn, Daß auf der finstren Erde Die Todten auferstehn; Daß, wo man Götzen fröhnet Und vor den Teufeln kniet, Ein wil⸗ lig Voll, lieneht Zu dei⸗ nem Tempel zieht. 8. Wir rufen, du willst hören; fass en, was du sprichst; Dein Wort muß sich bewähren, Womit du Felsen brichst. Wie viele sind zerbrochen! Wie viele sind's noch nicht! O du, der's uns versprochen, Werd' aller Heiden Licht! M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Wo Gott der 262. D. Feinde dei— nes Kreuzes drohn, Dein Reich, Herr, zu verwüsten: Du aber Mittler, Gottessohn, Be⸗ schützest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich, Ver⸗ Herr nicht ꝛc. geblich wird sich wider dich Die ganze Hölle waffnen. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein Werk von Menschenkindern, Drum konnt' auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fort⸗ gang hindern. Dir können deine Hasser nie Dein Erbe rauben; selbst durch sie Wird es vergrößert werden. 3. Weit woll'st du deine Herrschaft noch In deiner elt verbreiten Und unter inem sanften Joch Die Völker alle leiten! Bom Auf⸗ gang bis zum Niedergang Bring' alle Welt dir Preis und Dank Und glaub' an deinen Namen! Auch deine Feinde, die chmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner Gnade Wunder sehn, Daß sie sich noch bekehren! Lehr' sie mit uns gen Himmel schaun Und unerschüttert im Vertraun Auf deine Zukunft warten. 5. Uns, deine Christen, wollest Du Fest in der Wahrheit gründen, Daß wir für unsre Seelen Ruh' In deiner Gnade finden! Mach' unsres Glaubens uns ge⸗ wiß! Vor Irrthum und vor Finsterniß Bewahr' uns, weil * — — — 7 8* — — —— — dich s wir leben! in 2 nach lehre dein sam Und freut Erde dir die führ Zu Und Zeit Ewi wert 8 war dein ist Da Der zum dan Wo 6 kom Vol dein deir Dei ber Ew thei XI. Die Kirche Christi. 21 6. Ein reines Herz schaff' in uns, Herr, Ein Herz nach deinem Willen, Und lehre täglich fertiger Uns dein Gesetz erfüllen! Gehor⸗ sam deiner Vorschrift sein Und dann uns deiner Gnade freun, Sei unser Heil auf Erden. 7. So wird dein Volk dir unterthan Und lernt die Sünde meiden, Und du führst es auf ebner Bahn Zu deines Reiches Freuden! Und herrlich wird in dieser Zeit, Noch herrlicher in Ewigkeit Dein großer Name werden. 8. Voll Zuversicht er⸗ warten dich, Beherrscher, deine Frommen! Der Tag ist nah', Deß freun sie sich, Da du wirst wieder kommen. Den Sündern kommst du zum Gericht; Uns segnet dann dein Angesicht Mit Wonne der Gerechten. 6. Da, komm, o Jesu, komme bald Zu deinem Volke wieder! Befrei' durch deines Arms Gewalt Uns, deines Reiches Glieder! Dein Himmelreich ist uns bereit; Von Ewigkeit zu Ewigkeit Wird's unser Erb— theil bleiben. Dr. Balthasar Münter, 173 3 5— 1793. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Pf. 90, 16. 17. 263. Da Stern in allen Näch— ten, Du Schild in jedem Streit, Du u Mann zu Gottes Rechten Im purpurfarbnen Kleid, Verlaß die ew'ge Hütte Und deiner Engel Reih'n Und trag in unsre Mitte Heut deinen S Stuhl hinein! 2. Du hast vom Marter⸗ hügel Uns huldreich ange— blickt Und hast dein fürstlich Siegel Uns an die Stirn gedrückt. Drum wagen wir's und laden Dich ungescheut herbei: Die Allmacht deiner Gnaden Macht uns den 8— so frei. Es ist ein froh Getöne Windsam im Land erwacht; Das hat uns, deine Söhne, Vom Schlafe wach gemacht. Weinlese-Lieder schwingen Sich durch die öde Welt, Und Sens und Sichel klingen In deinem Ernte⸗ feld. 4. Das klingt uns wun⸗ dersüße, Das dringt durch Mark und Bein. Ei, stän⸗ den unsre Füße Auch bei den Schnittern dein! Ei, wär' dein Garben-Acker Auch unser Arbeitsplan! Herr Jesu, mach' uns wacker, Nimm unser Helfen an! 2 XI. Die Kirche Christi. — Ob wir gleich, kaum geboren, Noch wie in Wieg— lein ruhn, Auch mit zerstoßnen Rohren Kannst du, Herr, Thaten thun. Sieht man auch kaum uns glimmen In deines Vaters Haus, Mit Blitzen, Donnern, Stimmen Kannst du uns rüsten aus. 6. Das war ja so dein Wesen Von alten Tagen her, Daß du dir hast er⸗ lesen, Was schwach, gebeugt und leer; Daß mit zerbroch⸗ nen Stäben Du deine Wun⸗ der that'st Und mit geknickten Reben Die Feinde unter⸗ trat'st. 7. Zeig's denn in dieser Stunde Durch deine Taube an, Ob dir aus unsrem Bunde Ein Bruder dienen kann, Die noch in Wüsten schlafen, Zu rufen in dein Schloß? Zeig's an; Wer soll im We Sein Schifflein binden los? 8. Wer soll die Ruder schlagen Wohl über's weite Meer? Wer deine Fahne tragen Ins blinde Heiden⸗ heer? Zeig's an, wen du erkoren, Greif' in die Schaar hinein! Wir haben's all' ge⸗ schworen: Dein sind wir, Amen, dein. Dr. Friedrich Wilhelm Krummacher, geb. 1796. Eigene Melodie. Ps. 46. 5 in' feste Burg 264. E ist unser Gott, Ein' gute Wehr' und Waffen; Er hilft uns frei aus aller Noth, Die uns jetzt hat betroffen. Der alte böse Feind, Mit Ernst er's jetzt meint; Groß' Macht und viel List Sein' grau⸗ sam' Rüstung ist, Auf 6 ist nicht sein's Gleichen. Mit unsrer Macht ist Nöcht gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streitt für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, 1—8 der ist: Er heißt Jesu Christ, Der Herr Hebagth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär' Und wollt' uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr: Es soll uns doch ge— lingen. Der Fürst dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, Thut er uns doch nicht: Das macht, er ist ge⸗ richt't; Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn Und kein'n Dank dazu haben; Er ist bei uns wohl auf dem ————————————————.— x 20 Hirt sein Tag dich, dich Jesu 2 noch grür Und Herr den ger hält, 3. treu zum man von Klei Jesu spric 4 Neb genr urg iser und frei uns XI. Die Kirche Christi. 223 Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib: Laß fahren da⸗ hin, Sie haben's kein'n Ge⸗ winn, Das Reich muß uns doch bleiben. Dr. Martin Luther, 1483—1546. Mel. Jesus, meine Zuversichtꝛc. Joh. 10, 16. 265. E dn Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wann sein Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine Heerde, Mach' dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern?— Schon er— grünt es auf den Weiden, Und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Heiden; Blinde Pil— ger flehn um Licht: Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, ge— treuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach, wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht: Jesus hält, was er ver— spricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Mor— genrothes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Dür⸗ stend an der Lebensquelle. Ihn umleuchtet Morgen⸗ licht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufge⸗ than, Rauscht, verdorrete Gebeine, Macht dem Bun⸗ desengel Bahn! Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, und auf Er⸗ den weit und breit Licht und Wahrheit, Fried' und Wonne! Mach' dich auf, es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Dr. Friedrich Adolph Krummacher. 1768—1845. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Joh. 15, 16. 26 6 Einer ist's, an 2— dem wir hangen, Der für uns in den Tod gegangen Und uns erkauft mit seinem Blut. Unsre Leiber, unsre Herzen Gehören dir, o Mann der Schmerzen, In deiner Liebe ruht sichss gut! Nimm uns zum Eigenthum, Be— reite dir zum Ruhm Deine Kinder! Verbirg uns nicht Das Gnadenlicht Von dei— nem heil'gen Angesicht! 224 XI. Die Kirche Christi. 2. Nicht wir haben dich erwählet; Du selbst hast unsre Zahl gezählet, Nach deinem ew'gen Gnadenrath. Unsre Kraft ist schwach und nichtig, Und Keiner ist zum Werke tüchtig, Der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn, Denn Armuth ist Gewinn Für den Himmel; Wer in sich schwach, Folgt, Herr, dir nach Und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. O Herr Jesu, Ehren⸗ könig, Die Ernt' ist groß, der Schnitter wenig, Drum sende treue Zeugen aus! Send' auch uns hinaus in Gnaden, Viel' frohe Gäste einzuladen Zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl Be— ruft zum Abendmahl Im Reich Gottes! Da ruht der Streit, Da währt die Freud', Heut, gestern und in Ewigkeit. ö 4. Schau' auf deine Mil—⸗ lionen, Die noch im Todes-⸗ schatten wohnen, Von dei— nem Himmelreiche fern! Seit Jahrtausenden ist ihnen Kein Evangelium erschienen, Kein gnadenreicher Mor— genstern. Glanz der Ge⸗ rechtigkeit, Geh auf, denn es ist Zeit! Komm,‚ Herr Jesu, nen Zieh uns voran, Und mach' uns Bahn, Gieb deine Thüren aufgethan! 5. Deine Liebe, deine Wunden, Die uns ein ew'⸗ ges Heil erfunden, Dein treues Herz, das für uns fleht, Wollen wir den See⸗ len preisen Und auf dein Kreuz so lange weisen, Bis es durch ihre Herzen geht. Denn kräftig ist dein Wort; Es richtet und durchbohrt Geist und Seele; Dein Joch ist süß, Dein Geist ge⸗ wiß, Und offen steht dein Paradies. 6. Heiland, deine größ⸗ ten Dinge Beginnest du still und geringe; Was sind wir Armen, Herr, vor dir! Aber du wirst für uns streiten Und uns mit dei— Augen leiten, Auf deine Kraft vertrauen wir. Dein Senfkorn, arm und klein, Wächst endlich ohne Schein Doch zum Baume, Weil du, Herr Christ, Sein Hüter bist, Dem es von Gott vertrauet ist. M. Albert Knapp, 1798. Eigene Melodie. Jes. 8, 10. 267 Eiur ist Kö⸗ — nig, Imma⸗ nuel sieget: Bebet, ihr ÿSSs... V Feind Zion vergn mit Ewig Fried hat e 2 ermu mit Gott versü Reiße Jami muß In d lichen 3. Leide die 3 aus; göttlt sieger Stra sal Jesu“ ewig 4. duen erhel Sieh den helle: Jesu regie len! her, von 58. Kö⸗ na⸗ ihr 4* XI. Die Kirche Christi. 225 Feinde und gebet die Flucht! Zion hingegen, sei innig vergnüget, Labe dein Herze mit himmlischer Frucht! Ewiges Leben, unendlichen Frieden, Freude die Fülle hat er uns beschieden. 2. Stärket die Hände, ermuntert die Herzen, Trauet mit Freuden dem ewigen Gott: Jesus, die Liebe, versüßet die Schmerzen, Reißet aus Aengsten, aus Jammer und Noth. Ewig muß unsere Seele genesen In dem holdseligsten, lieb— lichen Wesen. 3. Halte, o Seele, im Leiden fein stille, Schlage die Ruthe des Vaters nicht aus; Bitte und schöpfe aus göttlicher Fülle Kräfte, zu siegen im Kampfe und Strauß. Fluthen der Trüb⸗ sal verrauschen, vergehen: Jesus, der Treue, bleibt ewig dir stehen. 4. Zion, wie lange hast du nun geweinet! Auf und erhebe dein sinkendes Haupt! Siehe, die Sonne der Freu⸗ den erscheinet Tausendmal heller, als du es geglaubt: Jesus der lebet, die Liebe regieret, Die zu den Quel⸗ len des Lebens dich führet. 5. Laufet nicht hin und her, eilet zur Quelle; Jesus der bittet: Kommt Alle zu mir! Sehet, wie lieblich, wie lauter und helle Fließen die Ströme des Lebens allhier! Trinket, ihr Lieben, und werdet erquicket: Hier ist Erlösung für Alles, was drücket. 6. Streitet nur unver⸗ zagt, seht auf die Krone, Die euch der König des Himmels anbeut; Selber Jehova wird Siegern zum Lohne: Wahrlich, dies Kleinod verlohnt sich den Streit. Streitet nur unverzagt, seht auf die Krone: Selber Je⸗ hova wird Siegern zum Lohne. 7. Herrliches Lamm, o wie wird man da sehen Eine gewaltige siegende Schaar Deine unendliche Hoheit erhöhen! Alles, was Odem hat, ruft: Er ist's gar! Sehet, wie Kronen und Thronen hinfallen; Höret, wie donnernde Stim— men erschallen: 8.„Reichthum, Kraft, Weisheit, Preis, Stärke, Lob, Ehre Gott und dem Lamm und dem heiligen Geist!“ Wenn ich da stände, o wenn ich da wäre! Sprin⸗ get, ihr Bande, ihr Fesseln, zerreißt! Amen, die Liebe wird wahrlich erhören. Alles, 15 226 II. Die Kirche Christi. was in mir ist, lobe den Herren! Johann Conrad Ludwig Allendorf, 1693—1773. Eigene Melodie. Ps. 67. 2 68 Eꝰ wolle Gott 2 uns gnädig sein Und seinen Segen geben; Sein Antlitz uns mit hellem Schein' Erleucht' zum ew'gen Leben, Daß wir erkennen seine Werk' Und was ihm lieb auf Erden, Und Jesus Christus, Heil und Stärk', Bekannt den Heiden werden Und sie zu Gott bekehren. 2. So danken, Gott, und loben dich Die Heiden überalle, Und alle Welt die freue sich Und sing' mit großem Schalle, Daß du auf Erden Richter bist Und läß'st die Sünd' nicht walten; Dein Wort die Hut und Weide ist, Die alles Volk erhalten, In rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Thaten! Das Land bringt Frucht und bessert sich; Dein Wort laß wohl gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, Uns segne Gott der heilig Geist, Dem alle Welt die Ehre thu', Vor ihm sich fürchte aller⸗ meist. Nun sprecht von Herzen: Amen! Dr. Martin Luther, 1483—1546. Mlel. Nun lob', mein' Seel' ꝛc. Matth. 24, 35. 2. 6 9 Trohlockt zu Gottes Ruhme! Fest steht die ihm geweihte Stadt, Die ihm zum Heilig⸗ thume Des Menschen Sohn erbauet hat. Erfüllt von hoher Klarheit, Freut sie sich ihres Herrn. Er wohnt mit seiner Wahrheit In ihrem Tempel gern. Oft, wie von Meereswogen, Ward sie bestürmt von Krieg. Umsonst! Die Feinde zogen Hinweg, und ohne Sieg. 2. Auf Felsengrund er⸗ bauet, Ward sie zu Gottes Stadt erhöht, Sie, die nur ihm vertrauet Und ewig durch sein Wort besteht. Von ihren Bergen funkelt Der Wahrheit Sonnenlicht, Durch Wolken nicht ver⸗ dunkelt, Die es mit Macht durchbricht. Dem falschen Wahn entrissen, Sucht seine Welt den Herrn Und rei— nigt ihr Gewissen, Scheut ihn und dient ihm gern. 3. Die Krone der Be⸗ zu yhme! ihte ilig⸗ ohn von sie phnt In Oft, gen, von inde oHhne er⸗ ttes nur wig teht. kelt icht, ver⸗ acht chen eine rei⸗ heut * Be⸗ XI. Die Kirche Christi. 227 lohnung Gewinnt der Bür⸗ kennt, Wer ihn nennt: ger dieser Stadt, Der hier sich seine Wohnung Erwählt und treu gestritten hat. Errettet vom Verderben, Eilt er, in hoher Ruh' Und freudig selbst im Sterben, Dem Vaterlande zu. Dort wird er, zu den Frommen, Die schon des Lohns sich freun, Vom Vater aufge— nommen, Vollkommen selig sein. 4. Frohlocke, Kirche, singe, Erhebe deines Königs Ruhm! Breit' aus sein Reich und bringe Die Sünder all' ins Heiligthum; Daß sie gereinigt werden, Daß sie, von dir erhellt, Ihn lieben und auf Erden Gern thun, was ihm gefällt; Bis alles Volk, erneuert Und in dein Licht verklärt, Ein Fest des Friedens feiert, Der ewig, ewig währt. Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Mel. Wunderbarer König ꝛe. Apostelgesch. 17, 27. 28. 0 nott ist gegen⸗ 270. Gwartig: Lasset uns anbeten Und in Ehr⸗ furcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitten: Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn Schlagt die Augen nieder, Kommt, ergebt euch wieder. 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen; Heilig, heilig! singen Alle Engelchören, Wenn sie Gott mit Jauchzen ehren. Herr, vernimm Unsre Stimm', Da auch wir Geringen Unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Er— denlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben Dir zum Eigenthum ergeben! Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre; Dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, Möcht' ich dich recht preisen Und im Geist dir Dienst erweisen! Möcht' ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen Und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefal⸗ len, Liebster Gott, in Allem! 5. Luft, die Alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn' Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk' mich in dich hinunter. Ich in dir, Du in mir: Laß mich ganz 13 228 XI. Die Kirche Christi. verschwinden, Dich nur sehn der Wahrheit Licht! Ob und finden. auch Noth und Tod euch 6. Du durchdringest drohten, Ihr erschreckt und Alles: Laß dein schönstes zaget nicht. Fest auf Gottes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte! Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten: Laß mich so, Sal und froh, Deine Strahlen fassen Und dich wirken lassen. . Mache mich recht kindlich, Innig abgeschieden, Sanfte und im stillen Frie⸗ den; Mach' mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schauen mag in Geist und Wahrheit; Laß mein Herz Ueberwärts, Wie ein Adler, schweben Und in dir nur leben. 8. Herr, komm in mir wohnen, Laß mein Herz auf Erden Dir ein ganni thum noch werden! Komm, du treuer Heiland, Dich in mir verkläre, Daß ich stets dich lieb' und ehre! Wo ich geh', Sitz' und steh', Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken. Gerhard Tersteegen, 1697—1769. Mel. Alle Menschen müssen ꝛc. 271. 4 eil euch, fromme Glaubensboten, Zeugen von Wort gegründet, Geht ihr kühn aus und verkündet Der verlornen Heidenschaar Das verheißne Gnadenjahr. 2. Heil Euch! Gottes Reich erbauet Ihr auf sei— nem ew'gen Grund, Und der Herr, dem ihr vertrauet, Macht durch euch sein Wal— ten kund. Auch die Fern⸗ sten, wie die Nahen, Sollen Gnad' um Gnad' empfahen, Und des Kreuzes Siegs⸗ panier Soll voranwehn dort, wie hier. 3. Gott, mit euch auf allen Wegen, Schirmt euch als ein starker Held, Und euch folgt sein reicher Segen Durch das große Aehrenfeld. Kräftig auch im schwersten Streite Steht der Heiland euch zur Seite, Und durch seines Geistes Macht Wandelt sich in Tag die Nacht. 4. Selig, wer des To⸗ des Banden Auch nur Eine Seel' entriß! Viel entreißt in fernen Landen Ihr dem Reich der Finsterniß; Wie sie vor dem Kreuz sich beugen, Werden sie für euch seinst zeugen; Sie sind dort XI. Die Kirche Christi. 229 vor Gottes Thron Euer Ruhm und großer Lohn. 5. Wirkt denn fort in Gottes Namen, In dem heiligsten Geleit, Streut den segensvollen Samen, Stark in Glaubensfreudigkeit; Tragt mit geistberedtem Munde Weit hinaus die frohe Kunde, Daß uns Gott als Vater liebt Und den Sohn zum Heiland giebt. 6. Wir⸗ erheben Herz und Hände, Um vereint mit euch zu flehn:„Deinen Geist, o Heiland, sende, Daß wir fest im Glauben stehn, Und daß alles Volk der Erde Eine heil'ge Heerde werde, Die ihr Kleinod treu bewahrt, Um den Hirten dicht geschaart.“ Köthe's Lieder, 1851. Mel. Ein' feste Burg ist ꝛe. Pj. 69, 29. 272 Haar deine 22* Kirche dan⸗ ket dir, Noch wohnt dein Wort im Lande; Von deiner Gnade haben wir Noch deinen Geist zum Pfande. Und kommt sie in Gefahr Durch der Feinde Schaar, Dann hilf, o Jesu Christ! Besiege Macht und List Durch deiner Allmacht Walten! 2. Ja, deine Kirche streitet noch, Hilf du ihr mächtig siegen! Nimm ganz von ihr der Knechtschaft Joch, Laß sie nicht unter— liegen! Auf einen Felsen⸗ grund, So verheißt dein Mund, Soll sie gebauet sein, Trotz selbst der Hölle Dräun; Deß wollen wir uns trösten. 3. Eins ist, das schmerz⸗ lich uns bewegt, Die Menge falscher Christen, Die deinen heil' gen Namen trägt Und doch nur dient den Lüsten. Nur auf das Eitle hin Steht ihr Herz und Sinn; Ach, sie bedenken nicht, Was für ein schwer Gericht Der sichren Seelen wartet! 4. Laß Alle, die noch draußen stehn, Herr, deine Stimme hören, Und die noch in der Irre gehn, Sich bald zu dir bekehren! Du, der das Gute schafft, Gieb uns Lieb' und Kraft; Ver⸗ leih' uns tapfren Muth, Zu wagen Gut und Blut Zu deines Namens Ruhme! 5. Die Zwietracht tilg' an jedem Ort, Erhalt' uns Ruh' und Frieden! Laß uns, gestärket durch dein Wort, Im Guten nie ermüden! Du, der uns ging voran, Ebne selbst die Bahn, Und . 30 XI. Die Kirche Christi. nach der Prüfungszeit Führ' uns zur Seligkeit Der himm⸗ lischen Gemeine! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Ps. 92, 2. 273 Zerzen, wallt 2) mit frohen Schlägen Voll Lob und Dank dem Herrn entgegen, Der uns bis hierher hat gebracht! Singet in erhab— nen Weisen, Den Segens— rath des Herrn zu preisen, Die reiche Huld, die starke Macht! Doch blöden Auges nur Folgt unser Geist der Spur Des Barmherz'gen, Der seiner Schaar Unwan⸗ delbar Rath, Kraft und Heil und Friede war. 2. Welches Heil, aus freien Gnaden Zum Bunde seines Volks geladen, Zur Kindschaft auserwählt zu sein! Sich des Heilands freun zu können, Vor Tau⸗ senden ihn sein zu nennen, Und froh zu rühmen: Er ist mein! Welch unschätz⸗ barer Bund, Auf ew'gen Felsengrund Fest erbauet! Wer ihm sich weiht, Reift in der Zeit Schon für des Himmels Seligkeit. 3. Volk, dem er den Gottesfrieden, Des Himmels Bürgerrecht beschieden, Ver— künde laut sein Recht und Licht. Könnt' auch eine Mutter dessen, Den sie im Schooße trug, vergessen: Der Herr vergißt doch unser nicht! Sein Trost nur und sein Rath Hält uns auf rechtem Pfad. Halleluja! Sein Angesicht Bleib' unser Licht, Sein Wort der Stab, der nie zerbricht. 4. Trifft nun auch die Seinen Schweres; Es ist kein Spiel des Ungefähres, Der Herr ist's, der es uns beschied. Glaub' und Zu⸗ versicht gereuen Nie Einen von des Herrn Getreuen, Auch wo er keinen Ausgang sieht. Der unsre Haare zählt, Der weiß auch, was uns fehlt, Und erbarmt sich. Er lenkt hinauf Der Seinen Lauf Und schließt des Him— mels Schätze auf. 5. Selig, wer aus die⸗ sen Schätzen Schon hier weiß Herz und Geist zu letzen Und wer im Glauben treu beharrt. Doppelt selig, wer den Segen Auf reichen Wucher anzulegen In seinem Dienst gewürdigt ward! Wie weiht dem guten Herrn Der Treuen Schaar so gern Leib und Seele! Und was er sagt, Wird unverzagt 2 sam Her Liel den Ha Er XI. Die Kirche Christi. 231 Auf seinen Beistand hin gewagt. 6. Sieh, in Lieb' und Dank ergossen Sehn Christi Jünger und Genossen Schon manches hohe Ziel erreicht. Leit' auf alle ihre Pfade, O Herr, ein Bächlein dei⸗ ner Gnade, Das bis ins ew'ge Leben reicht. Sei mit uns fort und fort In allem Thun und Wort Und mit Allen, Die deine Hand In jedem Land Zum Bund auf deinen Sohn verband. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. O du Liebe meiner ꝛc. Joh. 17, 20—23. 27½. H. n sammen, Sucht in Gottes Herzen Ruh'; Lasset eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht und wir der Schein: Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach, kommt, ihr Gnadenkinder, Und er— neuert euren Bund! Schwö— ret unsrem Ueberwinder Lieb' und Treu' aus Herzens— grund; Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, O, so flehet um die Wette, Bis sie Jesus wieder stählt! 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein Jeder für die Brüder Auch das Leben lassen kann! So hat uns der Freund geliebet, So zerfloß er dort im Blut; Jeder Jünger ihn betrübet, Der nicht gleich dem Meister thut. 4. Einer reize doch den Andern, Treu dem theuren Gotteslamm, Unsrem Hei⸗ land nach zu wandern, Der für uns zur Schlachtbank kam. Einer soll den An⸗ dren wecken, Alle Kräfte Tag für Tag Nach Ver⸗ mögen dran zu strecken, Daß man ihm gefallen mag. 5. Nichts als nur des Bräut'gams Stimme Sei die Regel unsrer That! Weil er nicht im Löwen— grimme Uns in Staub ge— treten hat, Sondern mit gehäuften Strömen Seines Bluts den Zorn ertränkt: Ei, so muß sich Jedes schä— men, Das sich ihm nicht willig schenkt. 6. Halleluja! Welche Höhen, Welche Tiefen rei— cher Gnad', Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der 232 XI. Die Kirche Christi. Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß du, unsichtbarer Meister, Uns so fühlbar nahe bist! 7. Ach, du holder Freund, vereine Deine dir geweihte Schaar, Daß sie sich so herzlich eine, Wie's dein letzter Wille war; Ja, ver⸗ binde in der Wahrheit, Die du selbst im Wesen bist, Alles, was von deiner Klar— heit In der That erleuch⸗ tet ist! 8. So wird dein Gebet erfüllet, Daß der Vater alle die, Welche du in dich verhüllet, Auch in seine Liebe zieh', Und daß, wie du Eins mit ihnen, Also sie auch Eines sei'n, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreu'n. 9. Liebe, hast du es ge— boten, Daß man Liebe üben soll, O, so mache doch die todten, Trägen Geister le—⸗ bensvoll! Zünde an die Liebesflamme, Daß ein Jeder sehen kann: Wir, als die von Einem Stamme, Stehen auch für Einen Mann. 10. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein ge— trenntes Glied mehr ist; Und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein: Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sein. Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700— 1760. Mel. O Durchbrecher aller ꝛe. Matth. 28, 19. 20. 7 Haese 275. 0l Boten, Die der Herr ins ferne Land Zu den Blinden und den Todten Heil ver— kündend ausgesandt! Dringet weiter durch die trübe, Schreckensvolle Finsterniß! Euren Glauben, eure Liebe Krönt der Herr mit Sieg gewiß! 2. Schwinget muthig in die Höhe Jesu Christi Kreu— zesfahn', Daß die Heiden⸗ welt ihn sehe, Dem die Welten unterthan! Werdet aller Welt ein Zeichen Von des Herren Majestät, Daß er siegen muß, sie weichen,— Sei es früher oder spät. 3. O ihr glaubensstarken Streiter Ohne Kriegsgeräth und Schwert, Dringet nur erobernd weiter, Eures Herren ist die Erd'! Der euch sandte, wird euch hel— fen, Euer König steht euch XI. Die Kirche Christi. 233 bei; Ob auch Schafe unter Wölfen, Sollt ihr wandeln froh und frei. 4. Liebe hat euch ange— trieben, Fachte hell die Sehnsucht an, An den Brüdern auszuüben, Was der Herr an euch gethan. Darum sucht ihr nicht das Eure, Sucht nicht Ehre, Ruhm und Gut, Nein, ihr preiset nur das theure Für die Welt vergoßne Blut. 5. Traget denn die Schmach und Schande Vor der Welt vergnügt und gern; Freut euch, seht ihr alle Lande Voll der Herr— lichkeit des Herrn! Freut euch, daß ihr auserkoren, Zeugen seines Siegs zu sein, Daß ihr stehet an den Thoren, Da der König ziehet ein! 6. Hosianna! jubeln, singen Tausende nach Nacht und Pein, Und die fern⸗ sten Völker dringen In das Himmelreich hinein; Und viel tausend Kniee beugen Sich vor Christo, Gottes Sohn; Und das ist, ihr treuen Zeugen, Eurer Arbeit süßer Lohn! Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. Mach's mit mir, Gott ꝛe. Phil. 1, 6. ört, die ihr der Gerech— tigkeit, Die ihr des Herrn begehret! Zu ihm, der Hilf' und Rettung beut, Sei euer Herz gekehret! Schaut an den Hort der Zuver⸗ sicht, Das Heil des Helfers, säumet nicht. 2. Der Herr wird Zions Herz erfreun Und seine Wüsten bauen; Die Oeden werden Fluren sein, Ein Paradies die Auen. Er⸗ schallen wird im Freuden— klang Ihr Dank, ihr heil'— ger Lobgesang. 3. Merkt auf, die ihr den Arm erkannt, Der aller Enden schaltet! Die Völker sind in dessen Hand, Der hehr und heilig waltet. Seht, Land und Inseln nah' und fern, Sie harren auf den Arm des Herrn. 4. Schaut aufwärts zu des Himmels Höhn, Bliͤckt zu der Erde Gründen! Der Himmel wird wie Rauch vergehn, Wie Dampf die Erde schwinden; Das Heil des Herrn bleibt allezeit, Nie wankt des Herrn Ge— rechtigkeit. 5. O fürchtet nicht der Menschen Schmähn, Laßt 234 XI. Die Kirche Christi. euch ihr Drohn nicht schrecken! Der Bösen Rath wird nicht bestehn, Bald wird das Grab sie decken. Des Herrn Gerechtigkeit steht fest; Wohl dem, der sich auf ihn ver⸗ läßt. 6. Ist er's nicht, der im teere Bahn Dem Bundes⸗— volk bestellte, Den Stolz zerschlug in seinem Wahn, Des Argen Trotz zerschellte? Ist er's nicht, dessen Gna⸗ denruf Sein Gottesreich durch Christum schuf? 7. Auf, Arm des Herrn, und waffne dich Mit deiner alten Stärke! Des Feindes Rath und Willen brich, Zer⸗ störe seine Werke! Ja, Glaub' und Hoffnung ruhn auf dir; Herr, auf dein Heil ver⸗ trauen wir. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Lobe den Herren, den ꝛe. 1. Joh. 4½. 270. Immer noch strahlst du, erleuchtende Liebe, durch Nächte, Lehrest die Völker der Erde dein Licht, deine Rechte. O, daß doch bald Jegliche Menschengestalt Dank und Verehrung dir brächte! 2. Immer noch nahst du, errettende Liebe, den Sün⸗ dern, Rufest noch immer: Kehrt wieder! abtrünnigen Kindern, Suchst, als der Hirt, Was sich in Wüsten verirrt: Nichts kann im Suchen dich hindern. 3. Immer noch rufst du, allwissende Liebe, mit Na⸗ men, Die als Mühselige, die als Beladene kamen; Willst sie erhöhn, Hörst ihr Verlangen und Flehn, Sprichst dein ergnickendes Amen. 4. Immer noch stärkst du, allmächtige Liebe, die See— len, Die mit der Sünd' und der Schwachheit noch kämpfend sich quälen; Hei— ligst, erneust Durch den all— mächtigen Geist, Die dich zum Beistand erwählen. 5. Immer noch willst du, erfreuende Lieb', uns er⸗ quicken, Flügelst die Seelen hinauf in dein himmlisch Entzücken. Wie wirst du einst, Wenn du im Tod uns erscheinst, Himmlisch die Deinen beglücken! 6. Immer noch willst du, erfreuende Liebe, den Gar⸗ ten, Den du gepflanzet, mit Sorgsamkeit pflegen und warten. Säume nur nicht, Führe bald Alle zum Licht! Siehe, wie lange sie harrten! 7 76. segne. Die streue rathe Laß sehn, That 8. voller Ewig dir s XI. Die Kirche Christi. 235 7. Immer noch lässest du, segnende Liebe, die Saaten, Die wir im Glauben ge⸗ streuet, gedeihn und ge⸗ rathen. Hör' unser Flehn; Laß uns die Ernte bald sehn, Früchte der gläubigen Thaten! 8. Immer noch führst du, vollendende Liebe, zum Ziele; Ewig beseliget stehen vor dir schon so Viele. O, daß doch treu Jegliche Seele dir sei! Leite du alle zum Ziele! Carl August Döring, 1783—1844. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Joh. 8, 12. 27 8 KRnn, komm, du Licht in Gottespracht, Den Tag, den uns der Herr gemacht, Mit deinem Glanz zu weihen! Weck' auf, was schläft in dunkler Haft! Zünd' an der rechten Andacht Kraft, Uns heil'gen Schmuck zu leihen! Frühe Ziehe Uns nach oben, Den zu loben, Der allmäch— tig Sonnen lenket, groß und prächtig! 2. O seht, in hellem Glanze steht Die Kirche Christi hoch erhöht! Ihr Hoffen ist geschehen. Viel Könige, Propheten viel Sahn harrend auf nach solchem Ziel, Und haben's nicht gesehen. Selig, Selig, Die da sehen Auf den Höhen Und im Thale Le⸗ benslicht von Gottes Strahle! 3. Verdunkelt stand des Herrn Altar, In Menschen⸗ trug begraben war Das Wort aus Gottes Munde. Wo bleibst du, Licht vom Anbeginn? Ach, Hüter, ist die Nacht bald hin? Ist nah' des Aufgangs Stunde? Singet, Bringet Morgen⸗ lieder Unsrem Hüter! Er schläft nimmer; Herrlich kam des Aufgangs Schimmer! 4. Zu Gottes Helden drang der Schein:„Steht auf, ihr sollt mein Rüstzeug sein, Euch ruft des Reiches König!“ Da schallt's:„Die Wahrheit macht euch frei! Die Nacht ist hin, der Tag herbei!“ Und Jubel hallt vieltönig. Herr, Herr! Ew'- ger! Treu im Halten, Und im Walten Ueberschweng⸗ lich! Gott, dein Licht ist un— vergänglich! 5. Es stritt mit Macht die Finsterniß, Die Erde bebt', der Vorhang riß, Da siegt' das Licht vom Mor— gen. Jahrhunderte sind hin— geflohn, Manch Reich ge— stürzt und mancher Thron: Die Kirche steht geborgen. XI. Die Kirche Christi. Jesus Christus, Gestern, heute Und in weite Ewig⸗ keiten! Eilt, sein Lob heut' auszubreiten! 6. Tag, den uns Gott erscheinen läßt! Dich grüßt, in Lieb' und Glauben fest, Die heilige Gemeine, Die kämpfend noch hienieden geht, Die triumphirend droben steht; Es ist ja doch nur Eine! Ein Wort, Ein Hort; Jauchzt, Verklärte! Jauchz', o Erde, Seinem Namen: Heilig, heilig, heilig! Amen. Dr. Christian Friedrich Heinrich Sachse, geb. 1785. Mel. Von Gott will ich ꝛe. Phil. 3, 13. 14. 2 7 9. R Kinder, laßt uns ge⸗ hen, Der Abend kommt her⸗ bei! Es ist gefährlich stehen In dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Muth, Zur Ewigkeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern! Es ist das Ende gut. 2. Es soll uns nicht ge— reuen Der schmale Pil⸗ grimspfad; Wir kennen ja den Treuen, Der uns ge⸗ rufen hat. Kommt, folgt und trauet Dem! Ein Jeder sein Gesichte Mit ganzer Wendung richte Fest nach Jerusalem. 3. Der Ausgang, der ge— schehen, Ist uns fürwahr nicht leid; Es soll noch besser gehen Zur Abgeschie— denheit. Nein, Kinder, seid nicht bang'! Verachtet tau⸗ send Welten, Ihr Locken und ihr Schelten, Und geht nur euren Gang! 4. Geht's der Natur ent⸗ gegen, So geht's gerad und fein; Die Fleisch und Sinne pflegen, Noch schlechte Pilger sein. Verlaßt die Creatur Und was euch sonst will binden, Laßt gar euch selbst dahinten; Es geht durchs Sterben nur. 5. Man muß wie Pilger wandeln, Frei, bloß und wahrlich leer; Viel sammeln, halten, handeln Macht unsren Gang nur schwer. Wer will, der trag' sich todt! Wir reisen abgeschie⸗ den, Mit Wenigem zufrie— den, Was man gebraucht zur Noth. 6. Schmückt euer Herz aufs Beste, Sonst weder Leib, noch Haus; Wir sind hier fremde Gäste Und zie— hen bald hinaus. Gemach bringt Ungemach; Ein Pil⸗ ger muß sich schicken, Sich dulden und sich bücken Den kurzen Pilgrimstag. 7. Laßt uns nicht viel beseh am und man Es an, rung gedr. get hr krun Dor Und Es Laß Wir XI. Die Kirche Christi. besehen Das Kinderspiel am Weg; Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg'. Es geht uns gar nichts an, Nur fort, nur fort ge⸗ rungen, Durch Alles durch— gedrungen! Es ist gar bald gethan. 8. Ist gleich der Weg sehr enge, So einsam, krumm und schlecht, Der Dornen wohl in Menge Und manches Kreuze trägt: Es ist doch nur ein Weg. Laßt sein! Wir gehen weiter, Wir folgen unsrem Leiter Und brechen durchs Geheg'. 9. Was wir hier hör'n und sehen, Das hör'n und sehn wir kaum: Wir lassen's da und gehen, Es irret uns kein Traum. Wir gehn ins Ew'ge ein; Mit Gott muß unser Handel, Im Himmel unser Wandel Und Herz und Alles sein. 10. Wir wandeln einge— kehret, Veracht't und unbe— kannt, Man siehet, kennt und höret Uns kaum im fremden Land; Und höret man uns ja, So höret man uns singen Von all den großen Dingen, Die auf uns warten da. 11. Kommt, Kinder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen In jedem sauren Tritt, Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnen⸗ blicken Uns locken und er⸗ quicken; Ach ja, wir haben's gut! 12. Ein Jeder munter eile, Wir sind vom Ziel noch fern. Schaut auf die Feuersäule, Die Gegenwart des Herrn! Das Aug' nur eingekehrt, Da uns die Liebe winket Und dem, der folgt und sinket, Den wah— ren Ausgang lehrt! 13. Des süßen Lammes Wesen Wird uns da einge— drückt; Man kann's am Wandel lesen, Wie kindlich, wie gebückt, Wie sanft, ge— rad' und still Die Lämmer vor sich sehen Und ohne Zaudern gehen So, wie ihr Führer will. 14. Kommt, laßt uns munter wandern, Wir ge— hen Hand in Hand! Eins freuet sich am Andern In diesem wilden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, Uns auf dem Weg nicht streiten! Die Engel uns begleiten Als unsre Brüderlein. 15. Sollt' wo ein Schwa⸗ cher fallen, So greif' der Stärkre zu; Man trag', man helfe Allen, Man pflanze 238 XI. Die Kirche Christi. Fried' und Ruh'. Kommt, bindet fester an! Ein Jeder sei der Kleinste, Doch auch wohl gern der Reinste Auf unsrer Pilgerbahn. 16. Kommt, laßt uns munter wandern; Der Weg kürzt immer ab; Ein Tag der folgt dem andern, Bald fällt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Muth, Ach, noch um Vieles treuer, Vor allen Dingen freier, Gewand't zum ew'gen Gut! 17. Es wird nicht lang' mehr währen, Halt't noch ein wenig aus! Es wird nicht lang' mehr währen, So kommen wir nach Haus; Da wird man ewig ruhn; Wenn wir mit allen From⸗ men Daheim zum Vater kom⸗ men, Wie wohl, wie wohl wird's thun! 18. Drauf wollen wir es wagen, Es ist wohl wa⸗ genswerth, Und gründlich dem absagen, Was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein! Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten; Es soll nur Jesus sein! 19. O Freund, den wir erlesen, O allvergnügend Gut, O ewig bleibend We⸗ sen, Wie reizest du den Muth! Wir freuen uns in dir, Du unsre Wonn' und Leben, Worin wir ewig schweben, Du unsre ganze Zier! Gerhard Tersteegen, 1697—1769. M el. Lobe den Herren, o meine ꝛc. Luc. 13, 29. Marce. 16, 15. 280. Len, ehr gemeinde, Der seine Kirche mächtig hält! Sinkt in den Staub, ihr, des Kreuzes Feinde,— Der Herr ist Gott, und sein die Welt! Sein kräftig Wort schallt weit und breit Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja, Halle— luja! 2. Ringsumher gehen in alle Lande Apostel aus nach Ost und West, Fürch⸗ ten nicht Martern und scheun nicht Bande, Sie halten am Erlöser fest. Auf aller theuren Märt'rer Blut Ohn' Wanken Christi Kirche ruht. Halleluja, Halleluja! 3. Schon benedeien dich alle Zungen, O Herr, als Heiland und Prophet; Ueber⸗ all ist ja dein Nam' er⸗ klungen, Des Kreuzes Gna⸗ denbild erhöht. Den fer⸗ nen Inseln naht dein Wort, Dir jauchzt der Süden und der Nord: Halleluja, Halleluja! zort, üden uj Q, XI. Die Kirche Christi. 239 4. Fernhin und nahe sind wir nun Brüder: Ein Herr, Ein Glaub', Ein Saerament. Allzugleich sind wir des Mittlers Glieder, Der vor dem Vater uns bekennt. Tausend und Tausend flehn zugleich: Vater unser im Himmelreich! Halleluja, Halleluja! 5. Lobet den Herren! Einst kommt die Stunde, Wo Eine Heerd', Ein Hirte ist. Alle die Völker sind dann im Bunde Und beu⸗ gen sich vor Jesus Christ. Himmel und Erde sind ver— eint, Wann dieser sel'ge Tag erscheint. Halleluja, Halleluja! Dr. Hermann Adalbert Daniel, geb. 1812. Mel. Du klagst und fühlest ꝛce. Luc. 12, 49. 2 81„ daß doch bald dein Feuer brennte, Du unaus⸗ sprechlich Liebender, Und bald die ganze Welt er— kennte, Daß du bist König, Gott und Herr! 2. Zwar brennt es schon in heller Flamme Jetzt hier, jetzt dort, in Ost und West: Dir, dem am Kreuz erwürg⸗ ten Lamme, Ein herrlich Pfingst⸗ und Freudenfest. 2 3. Und noch entzünden Himmelsfunken So manches kalte, todte Herz Und ma⸗ chen Durst'ge freudetrunken Und heilen Sünd'⸗ und Höllenschmerz; 4. Verzehren Stolz und Eigenliebe Und sondern ab, was unrein ist, Und meh— ren jener Flamme Triebe, Die nur auf dich gerichtet st. 5. Erwecke, läutre und vereine Des ganzen Christen⸗ volkes Schaar Und mach' in deinem Gnadenscheine Dein Heil noch Jedem offenbar. 6. Du unerschöpfter Quell des Lebens, Allmächtig star— ker Gotteshauch, Dein Feuer⸗ meer ström' nicht vergebens! Ach, zünd' in unsren Her⸗ zen auch! 7. Schmelz' Alles, was sich trennt, zusammen Und baue deinen Tempel aus; Laß leuchten deine heil'gen Flammen Durch deines Va— ters ganzes Haus. 8. Beleb, erleucht, er⸗ wärm', entflamme Doch bald die ganze weite Welt Und zeig“' dich jedem Völker⸗ stamme Als Heiland, Friede— fürst und Held. 9. Dann tönen dir von Millionen Der Liebe Jubel⸗ 24⁰ XI. Die Kirche Christi. harmonien, Und Alle, die auf Erden wohnen, Knien vor den Thron des Lam— mes hin. M. Johann Ludwig Fricker, 1729—1766. Mel. Ein' feste Burg ist ꝛe. Ephes. 1, 22. 282 V Jesu, einig wahres Haupt Der heiligen Gemeine, Die an dich, ihren Heiland, glaubt Und nur auf dir alleine Als ihrem Felsen steht, Der nie untergeht, Wenn gleich die ganze Welt Zertrümmert und zerfällt: Erhör', Erhör' uns, Jesu! 2. Laß uns, dein kleines Häufelein, Das sich zu dir bekennet, Dir ferner anbe— fohlen sein, Erhalt' uns un⸗ getrennet. Wort, Tauf' und Abendmahl Laß in seiner Zahl Und ersten Rei— nigkeit Bis an den Schluß der Zeit Zu unsrem Troste bleiben. 3. Hilf, daß wir dir zu aller Zeit Mit reinem Her⸗ zen dienen. Laß uns das Licht der Seligkeit, Das uns bisher geschienen, Zur Buße kräftig sein, Und zum hellen Schein, Der unsren Glau⸗ ben mehrt, Der Sünden Macht zerstört Und fromme Christen machet. 4. Laß uns beim Evan⸗ gelio Gut, Blut und Leben wagen! Mach' uns dadurch getrost und froh, Das schwere Kreuz zu tragen. Gieb uns Beständigkeit, Daß uns Lust und Leid Von dir nicht scheiden mag, Bis wir den Jubeltag Bei dir im Him⸗ mel halten. 5. Auf unsres Landes⸗ vaters Haus Gieß' von dem Gnadenthrone Den Segen deines Blutes aus; Um⸗ strahle seine Krone Mit deiner Herrlichkeit, Ihm zur Sicherheit, Zu deiner Feinde Trutz, Und zum ge—⸗ wünschten Schutz Uns, dei⸗ nen armen Kindern. 6. Erbarm' dich deiner Christenheit; Vermehre deine Heerde; Für uns, dein ar⸗ mes Häuflein, streit', Daß es erhalten werde. Den Aerger⸗ nissen wehr'; Was dich haßt, bekehr'; Was sich nicht beugt, zerbrich; Mach' endlich selig— lich An aller Noth ein Ende. 7. Ach, Jesu, ach, wir bitten dich In deinem Je⸗ susnamen: Erhör', erhör' uns gnädiglich; Sprich, Jesu, Ja und Amen! Willst du uns Jesus sein, Sind wir, Jesu, dein: So halt' XI. Die Kirche Christi. 24¹ dein Jesuswort, Und laß uns hier und dort Darüber jubiliren. Johann Mentzer, 1658—1734. Mel. Allein Gott in der ꝛe. Tit. 2, 11—14. 283 Jesu, Licht . und Heil der Welt, Der du in diesem Leben Dein Wort, das Got— tes Rath enthält, Zur Leucht' uns hast gegeben, Du bist der Herr der Christenheit, Die du in dieser Pilger— zeit Dir aus den Menschen sammelst. 2. Sie willst du als dein Eigenthum Zur wah⸗ ren Weisheit leiten Und durch dein Evangelium Zur Seligkeit bereiten. Du, Herr, bist groß von Rath und That, Und was dein Mund versprochen hat, Wirst du gewiß erfüllen. 3. Du bist der Deinen Trost und Heil. So Viel' nur an dich glauben, Die haben an dir Alle Theil, Die wird kein Feind dir rauben. Von dir fließt Weisheit, Trost und Ruh' Dem, der dir folgt, unfehl— bar zu. Dein ist des Guten Fülle. 4. Mag doch die Menge immerhin Auf deinen Ruf nicht hören, Und Mancher im verkehrten Sinn Sich wider dich empören, So fällt doch deine Kirche nie: Du hältst und du beschützest sie Durch deines Geistes Gaben. 5. Dein ist das Reich, dein ist die Kraft. Wer sollte dir nicht trauen Und auf dein Wort gewissenhaft Fest seine Hoffnung bauen? Dein Heil ist unser höchstes Gut; Hilf, daß wir stets mit frohem Muth Dich vor der Welt bekennen. 6. Zwar kämpfen wir noch manchen Streit Auch mit uns selbst auf Erden; Doch werden zur Vollkom⸗ menheit Auch wir erhoben werden. Dann endet sich der Deinen Müh', Dann krönest und belohnst du sie, Ohn' End' mit Preis, und Ehren. 7. Wir sehn dich dann in Majestät Und uns, gleich deinen Engeln, Zu nie em⸗ pfundnem Glück erhöht, Befreit von allen Mängeln, Frohlocken dir und preisen dich, Daß deine Macht und Gnade sich So hoch an uns verherrlicht. Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. 16 242 Mel. Wer nur denu lieben ꝛe. Apostelgesch. 4 284 Jktönnt' ich 2. V, segnend zu euch eilen, Die ihn nicht kennen nah' und fern, Mit euch des Herzens Wonne theilen Und führen euch zu meinem Herrn, Zu ihm, der meine Seele liebt Und Freude mir und Frieden giebt. 2. Noch wandelt ihr auf dunklem Pfade, Der Furcht und Hoffnung eitles Spiel; Doch kenntet ihr des Hei— lands e Sie würd' auch eurer Sehnsucht Ziel; Ihr ließ't 5 willig dahin ziehn, Wo Sünd' und Gram auf ewig fliehn. 3. Jetzt müht sich euer Herz vergebens Und sucht das noch in eigner Kraft, Was Frieden auf dem Weg des Lebens Und Freudig⸗ keit im Tode schafft; O, kommt zu ihm! Bei ihm allein Könnt ihr getrost und selig lun 4. Vom Himmelsthrone stieg er nieder In eine Welt voll Sündenschuld: Was wir Saleren, bracht' er wieder Und schenkt' uns neu des Vaters Huld. Er bringt der Unschuld sel'ges Glück In der Erlösten Herz zurück. Durch ihn allein ist Heil gekommen, Denn Sünd' und Tod bezwang der Held. Alle doch ver⸗ Heil für O hätten's nommen! Welch eine Sünder welt! Kommt! Ruft die Ar men all' herein, Um bei des Königs Mahl zu sein! 6. Da* er nicht nur Erdens speise Le Die Nichts, a als Leibeskraft, Lewähei; Er selbst ist uns zur Himmels⸗ reise Das Brot, das See⸗ len ewig nährt, Das Manna, das uns— 2— kann Zur Ris erschaft nach Kanaan. Und habt ihr endlich hn gefunden, So schließt auf ewig ihn ins Herz; Denn nur in seines Todes Wunden Ist Balsam für der Seelen Schmerz. Das ist der Born, der ewig quillt Und jeden Durst des Herzens stillt. 8. Ach, Jesu, eile zu um fangen, Die noch auf fer⸗ nen Wegen gehn! Es brennt dein Herz ja von Verlan⸗ gen, Die Sünderwelt erlöst zu sehn. Gieß aus, o Herr, dein Gnadenlicht! Denn wer dich kennt, verläßt dich nicht. K7. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. ewig t des um⸗ fer⸗ rennt rlan⸗ erlöst Herr, uwer nicht. August 60. ———— . XI. Die Kirche Christi. 243 Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛc. Ps. 91, 14. 28 H die Dei⸗ 2. nen, die nach dir sich nennen Und dich, o Jesu, vor der Welt be⸗ kennen; Laß deinen Händen, wie du selbst verheißen, Nichts sie entreißen. 2. Laß deine Wahrheit rein verkündigt werden; Mach' ihre Siege herrlicher auf Erden; Gieb Muth und Weisheit denen, die sie leh— ren, Dein Reich zu mehren. 3. So lange noch die Deinen müssen streiten, Steh ihnen, Herr, mit deiner Kraft zur Seiten, Und führ' sie endlich aus dem Kampf hienieden Zum ew'⸗ gen Frieden. 4. Einst werden wir mit den verklärten Schaaren, Die vor uns hier getreue Kämpfer waren, Dich, der zur Rechten Gottes ist er⸗ hoben, Auf ewig loben. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Ps. 96. 286 zingt unsrem ö* König Jesus Christ, Daß er einst Mensch geworden ist, Am Kreuz für uns gestorben! Daß er auf seines Vaters Thron Als Gottes und des Men⸗ schen Sohn Beschützt, was er erworben. Ihm, als König Aller Dinge, Ist's geringe, Aller Enden Die Erlösung zu vollenden. 2. Gelobet sei des Vaters Rath, Der uns das Heil geschenket hat, Durch Chri⸗ stum ihn zu finden; Der uns durch seinen Geist be⸗ lehrt Und uns durch Christi Tod beschert Vergebung aller Sünden. Preist ihn! Gebt ihm Alle Triebe Hin aus Liebe; Lernt erfüllen Seinen Rath mit treuem Willen. 3. O wüßte doch die ganze Welt, Welch Himmelslicht ein Herz erhellt, Das Jesum kennt und liebet! Es geht an Gottes Vaterhand Im Frieden durch dies Pilger⸗ land, Wenn auch im Kreuz geübet. Endlich Führt es Aus dem Wehe In die Höhe, Frei von Sünden, Licht und ew'ges Heil zu finden. 4. Dies frohe Evange⸗ lium Wird nun zu unsres Mittlers Ruhm Den Hei— den auch verkündet. freut sich unser Herz und Sinn, Es ist uns seliger Gewinn, Daß Liebe uns 16* 244 XI. Die Kirche Christi. verbündet. Kommt, die Tobt und wüthet wider dich Scherflein Auch zu legen Und vermißt sich freventlich, Zu dem Segen, Der den Deine Kirche zu zerstören He Bringen soll des Und dein Erbtheil zu ver⸗ Hei heeren! Gertng und arm ist unsre Kraft; Wir bitten dich, der Alles schafft, Du wollest sie vermehren. Mach' Alle im Gebete treu, Zeig' deine Macht und Liebe neu Im Segnen und Erhören! Dein Reich Siege! Licht und Leben Woll'st du geben Allen denen, Die sich nach Erkenntniß sehnen. 6. Herr Jesu, rüste sel⸗ ber aus Die Boten, die da ziehn hinaus, Die Völker zu belehren! Sei ihnen Licht und Trost und Kraft; Durch deinen 5n der Alles schafft, Woll'st Sün⸗ der du bekehren. Deine iden ilands Freuden. 2 * Liebe Ueberwinde Welt und Sünde, Daß die Erde Voll von deiner Klarheit werde! Anna Schlatter, geb. Bernet, geft. 1826. Mel. Zion klagt mit Angst ꝛc. Jos. 10, 12. 2 00 7 V reuer Hirte 2* deiner Heerde, Deiner Glieder starker Schutz, Sieh doch, wie die Asch' und Erde, Großer 2. Du, Herr, bist ja unser König, Wir sind dein mit Leib und Seel'; Men⸗ schenhilf ist hier zu wenig, Wo nicht du, Immanuel, Zu der Deinen Rettung wachst Und dich selbst zu Felde machst, Für dein wahres Wort zu kämpfen Und der Feinde Rath zu dämpfen. 3. Es trifft deines Na⸗ mens Ehre, Deiner Wahr⸗ heit Heiligthum, Jesu, d deine Glaubenslehre, Deines Lei— dens Kraft und Ruhm Und den Dienst, den dir allein Wir zu leisten schuldig sein: Dazu kannst du ja nicht schweigen, Deine Macht⸗ hand wirst du zeigen. 4. Du verlachst der Feinde Tücke, Treibst der bösen Herzen Schluß, Rath und Anschlag selbst zurücke, Daß er nicht gelingen muß. Die Verfolgung hat ihr Ziel, Du verhängst ihr'r nicht zu viel Und pflegst derer nur zu spotten, Die, Herr, wider dich sich rotten. 5. Stärke nur den schwa⸗ Gott, mit Grimm und Trutz chen Glauben, Den, bei so ja ein en⸗ rig, uel, ung ö 3u dein fen zu Na⸗ ahr⸗ eine Lei⸗ Und llein sein: nicht acht⸗ der der Rath rücke, muß. ihr ihr'r flegst Die, otten. chwa⸗ ei so XI. Die Kirche Christi. 245 betrübter Zeit, Fleisch und Satan uns zu rauben Und mit Furcht und Blödigkeit Uns zu schrecken sind be⸗ müht. Deine Weisheit kennt und sieht Deiner Kin⸗ der schwach Vermögen; Sie wird nicht zu viel auf⸗ legen. 6. Hilf den Deinen und bekehre Der Verfolger blin⸗ des Heer; Der Verfolgung steur' und wehre, Daß sie uns nicht werd' zu schwer. Nimm dich der Bedrängten an, Leit' auch die auf rech⸗ ter Bahn, Die noch jetz durch Satans Lügen Sich selbst um ihr Heil be⸗ trügen. 7. Laß uns recht und redlich handeln Und in Taubeneinfalt dir Ganz gelassen heilig wandeln, Doch dabei uns klüglich hier Schicken in die böse Zeit Und vor falscher Heiligkeit, Vor der Feinde List und Wüthen Uns mit Schlangen⸗ klugheit hüten. 8. Laß mit Beten und mit Wachen Stets uns stehn auf unsrer Hut Und nur dich, Herr, lassen machen: So wird Alles werden gut. Jesus streitet für uns hier Und vertritt uns dort bei dir, Bis wir auf der neuen Erden Mit ihm triumphiren werden. Henriette Catharina von Gersdorf, 1648—1726. Mel. Es ist das Heil uns ꝛc. Pf. 100. 2 8 8 Ceumbo, Tri⸗ * umph! der große Gott Hat uns den Sieg verliehen, Er macht der Hölle List zu Spott, Der Feind muß scheu ent⸗ fliehen. Den Gott zum Streiter sich erkor, Der zieht zum kühnen Kampf hervor Die lichten Glaubens-⸗ waffen. 2. Es siegt das alte Gotteswort, Die Nacht muß vor ihm weichen; Es siegt der mächt'ge Glaubenshort Durch geisteskräft'ge Zeichen, Es siegt das lichte Christen⸗ thum, Der treuen Zeugen Trost und Ruhm, Die Bürg⸗ schaft der Erlösung. 3. Drum singen wir mit Herz und Mund Dem großen Ueberwinder, Und machen hocherfreut es kund: Wir sind nun Gottes Kinder! Erlöst sind wir durch Jesum Christ; So soll des Feindes Macht und List Uns nim⸗ mer von ihm scheiden! Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. 246 NI. Die Kir che Christi. Mel. Ein' feste Burg ist unser ꝛc. Jer. 46, 27. 289 Derzage nicht, 0. du kleine Schaar, Ob auch die Feinde schnauben; Halt' dich an Gott in der Gefahr, Und stehe fest im Glauben! Sein helles Auge wacht Auch in der Mitternacht. Gewaltig ist sein Arm, Der Wider⸗ sacher Schwarm Schlägt seine Hand zu Boden. 2. Mag immerhin ihr stolzer Mund Viel neue Satzung lehren, Den alten, tiefen Glaubensgrund Der Christen umzukehren: So weichen wir doch nicht Bon Gott und seinem Licht, Sein seligmachend Wort Wird von der Höllenpfort' Doch nim⸗ mermehr bezwungen. 3. Wir ehn den Har⸗ nisch Gottes an, Umgürten unsre Lenden Und stehn mit Wahrheit angethan, Das Geistesschwert in Händen. Des Heilands reine Lehr' Ist unsre Waff' und Wehr, Christi Gerechtigkeit Ist un⸗ ser Panzerkleid Und unser Schild der Glaube. 4. Wir wandeln in dem lichten Glanz, Der von dem Herrn ausgehet; Der Herr ist selber unsre Schanz', Wenn unser Feind aufstehet. Wir sind auf festem Grund, Da unsrem Glaubensbund Der Heiland Jesus Christ Der Grund⸗ und Eckstein ist Und Kltzeit wird bleiben. 5. Durch Christum wird beschirmet sein Die Kirche sonder Gleichen, Wenn auch wohl Hügel sinken ein, Und selber Berge weichen. Ihm ist sie ja vertraut, Auf ihn, den Fels erbaut; Er wohnt bei ihr darin, Hell glänzet ihre Zinn, Darauf sein Zeichen stehet. 6. O Glaubensherzog, Jesu Christ, Hilf uns dein Wort bewahren; Und wächst der Feinde Macht und List, So stärk' uns in Gefahren! Held Gottes, dein Panier Richt' auf, wir folgen dir! In deiner heil'gen Hut Steht Ehre, Gut und Blut Der treuen Kampfgenossen. M. Christian Angust Bähr, 1795—1846. Mel. Kommt her zu mir ꝛe. 2. Chron. 20, 15. Luc. 12, 32. 18, 7. 8. 290. U. nicht, o Häuflein klein, Obschon die Feinde Willens sein, Dich gänzlich zu verstören Und suchen deinen Untergang, Davor dir recht wird angst und nd/ ind rist ein ird ꝛird ch 6 uch Ind hm hn, hnt nzet sein 3⁰ 8 dein ichst List, ren! nier dir! Hut Blut en. ihr, licht, flein inde zlich ichen avor und +.— 8—)q79—„—9ꝗ———— XI. Die Kirche Christi. 247 bang'; Es wird nicht lange Ach, 0 gieb doch in währen. deine Ernte Viel Knechte, 2. Dich tröste nur, daß deine Sach' Ist Gottes; dem befiehl' die Rach', Laß ihn alleine walten. Er wird durch seinen Gideon, Den er wohl kennt, dir hel⸗ sen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllen⸗ pfort' Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott,— Wir werden Sieg erlangen! Gott Gustav Adolph, König Schweden, 1594—16 Mel.— dir, will ꝛc. latth. 9, 37. 38. 291. W 0 auf, d du Geist der ersten Zeugen, Die 30 der Mau'r als treue Wächter stehn, Die Tag' und Nächte nimmer schweigen, Und die getrost dem Feind entgegen⸗ gehn, Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt! 2. O, daß doch bald dein Feuer brennte! O, möcht' es doch in alle Lande gehn! die in treuer Arbeit stehn! O, Herr der Ernte, siehe doch darein: Die Ernt' ist groß, die Zahl der Knechte llein! 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt. O, siehe, wie an allen Or⸗ ten Sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzinbrünstig hierum anzu⸗ flehn; Drum hör„o Herr, und sprich:„Es soll ge— schehn! 4. O, gieb dein Wort mit dee Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sein! Laß eilend Hilf' uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht hinein. O, breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach, daß die Hüls' aus Zion käme! O, daß dein Geist so, wie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefängniß nähme! O würd' es doch nur bald vor Abend licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei Und komm herab zur Hilf' und mach' uns frei! 248 6. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn' dessen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll' in alle Thore ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf Und also segne deines Wortes Lauf! 7. O, beßre Zions wüste Stege; Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räum', ach, räum' aus jedem Wege! Vertilg' o Herr, den falschen Glaubenswahn, Und mach' uns bald von jedem Miethling frei, Daß Kirch und Schul' ein Garten Got⸗ tes sei! Carl Heinrich von Bogatzky, 1690—1774 Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Matth. 24, 14. 292. W⸗ 8 rührt so wan Sinn und Herz? Was hebt die Blicke himmelwärts? Wem schallen die Gesänge? Zu dir drängt sich aus fer— nem Land, Vereinigt durch des Glaubens Band, Der Völker frohe Menge. Hei— land, Retter! Deine Wahr⸗ heit Füllt mit Klarheit Unsre Erde, Daß der Sünder selig werde. 2. Ein ist entflammt Durch dich, der aus dem Himmel stammt Und uns zum Himmel leitet. Es glüht gewaltig fort und fort, Wo sich dein selig⸗ machend Wort In Lauter⸗ keit verbreitet. Glaube, Liebe Füllt die Seelen, Die dich wählen, Läutert, rei⸗ nigt, Bis in dir sich Alles einigt. 3. Herr! du giebst Sieg, dich preisen wir, Der kalte Nordpol glüht von dir, O Licht, das Allen scheinet. Des Negers Sklavenkette bricht, Der Inseln Menge jauchzt dem Licht, Das alle Volker einet. Fals cher Göt⸗ ter Tempelhallen Sind zer⸗ fallen, Auf den Trümmern Siehet man das Kreuz nun schimmern. 4. Des blut'gen Halb— monds Licht erbleicht, Des Ostens falscher Schimmer weicht Vor deiner Wahrheit Sonne! Schon blickt mit reuiger Begier Ein Häuflein Jacobs, Herr, nach dir, Ahnt der Vergebung Wonne. Ist die Fülle Aller Heiden Einst mit Freuden Einge⸗ gangen, Wird auch Jacob Heil erlangen himmlisch Feuer 5. Dein L erfüll' die Boten all', Laß ihres Wor⸗ tes Freudenschalle Durch alle — ern nun alb⸗ Des mer heit mit lein dir, nne. iden nge⸗ Acob XI. Die Kirche Christi. 249 Länder dringen. Mit Kraft von oben angethan, Laß sie bekämpfen Sünd' und Wahn Und Heil den Völkern brin⸗ gen. Dies nur Wolle Ihre Seele Und befehle Voll Vertrauen Dir das Werk, an dem sie bauen. 6. Vertilge alle Eigen— sucht, Gemächlichkeit und Leidensflucht, Und heil ge dir die Herzen. Verleih' zu jedem Opfer Muth,‚ Für dich zu wagen Gut und Blut, Zu dulden Hohn und Schmer⸗ zen. Hilf uns, Heiland, Und vermehre Dir zur Ehre Deine nde Bis dein Reich vollendet werd Dr. Jonathan Friedrich Bahnmaier, 1774—-1841. Mel. Ein' feste Burg ist unser ꝛe. Ps. 2. 293. Wern Christus seine Hrrche schützt, So mag die Hölle wüthen; Er, der zur Rech⸗ ten Gottes sitzt, Hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hilfe nah', Wenn er gebeut, steht's da. Er schützet seinen Ruhm Und hält das Christenthum: Mag doch die Hölle wüthen! 2. Gott sieht die Fürsten auf dem Thron Sich wider ihn empören; Denn den Ge⸗ salbten, seinen Sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des Worts, Des Heilands, unsres Horts; Sein Kreuz ist selbst ihr Spott; Doch ihrer lachet Gott. Sie mögen sich em⸗ pören! 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmähn, Uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr wi⸗ derstehn, Wir halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier sein Jünger ist, Sein Wort von Herzen hält, Dem kann die ganze Welt Die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein Drohn erschrecken! Der Gott, der von dem Himmel schaut, Wird uns gewiß be⸗ decken. Der Herr Herr Zebaoth Hält über sein Ge— bot, Giebt uns Geduld in Noth Und Kraft und Muth im Tod; Was will uns denn erschrecken? M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Wie schön leuchtet der ꝛe. Schar. 9, 9. 294. W˖ ist das Fest? Zu wem empor Schallt der Ge— Mel. 250 XI. Die Kirche Christ meinde heil'ger Chor Mit frohen Feierliedern? Es gilt des großen Königs Ruhm, Dem Priester in dem Hei⸗ ligthum, Dem Haupt von vielen Gliedern! Droben Loben Ihn, den Meister,, Reine Geister, Aber Sün⸗ der Preisen ihn als Gottes Kinder. 2.„Wenn ich dereinst er⸗ höhet bin, Will ich sie Alle zu mir ziehn!“ So hat sein Mund ge sprochen. O süßes Licht, o sel'ges Wort, Das geht durch Erd' und Himmel fort, Der Tag ist ange⸗ brochen! Zeuget! Beuget Euch, ihr Höhen! Inseln, Seen, Länder, Meere, Kinder Gottes, bringt ihm Ehre! 3. Es thut's ein Tag dem andren kund aus tausendfachem Mund Das Wort von seinem Lichte. Und wendet sich ein Seuneniahr, So glänzen auf dem Dankaltar Viel neue Lebensfrüchte: Neue, Treue Schwestern, Brüder Christi Glieder, Hörer, Leh⸗ rer, Seines Reiches Ruhm und Mehrer; — 4. Und Saaten für den Sohn gesä't, Viel Liebes gaben, viel Gebet, Vi Wunder seiner Gnade; Und Es tönt Hoffnung, wo nicht Hoff⸗ nung schien, In dürren Wüsten 449 Grün Und neugebahnte Pfade. Ho⸗ sianna Davids Sohne Auf dem Throne! Sieggekrönet Jauchzt sein Volk, das er versöhnet. 5. Fest steht in Ewigkeit dein Thron! So singen wir, o Gottes Sohn, Am Tage deiner Ehren. Weit streckst du von des Vaters Haus Das Scepte deines Reiches aus, nd Nie⸗ mand wird's dir wehren! Machtvoll, Prachtvoll, Un⸗ abwendlich Wird doch end⸗ lich, Herr, den Deinen Ganz dein hoher Rath er⸗ 3oh scheinen 6. Nicht Macht und Weisheit dieser Welt, Nicht, was dem klugen Fleisch ge⸗ fällt, Das hast du nicht erkoren; Dein Lebenswort, dein Geist und Blut, Das ist'ss, was alle W thut, Was dir ur geboren; Helle Quelle ger Wahrheit, Gie heit, Kraft und Mi des Todes Nachtgefilde 7.„ach komme balet so zeugest du; O, komm, und weck' aus todter Ruh Die 2985 dein Heil nicht ennen! Daß Alle gläubig —— 5 der XII. G 2. Das Lort Gottes. 251 auferstehn, Dem Bräutigam entgegen gehn, Daß alle Lampen brennen! Faß uns, Laß uns Treue Hände Bis zum heben, Bis du kommst, Lohn zu geben! M. Albert Knapp, geb. 1798 den XII. Das Wort Gottes. — Mel. Valet will ich dir geben ꝛe. ue. 24, 29. 60 295. leib, Herr, mit deinem Worte, Bei 4 zu aller Zeit! Es ist des eer Pforte, Der We 3 5 r Selig⸗ keit. Und wem Wür 8 lie⸗ bend geben, Der preise deinen Ruhm; sein Leben Eigenthum. Nachtrag zum Jauerschen Gesangbuche. Er weihe dir Und sei dein Mel. Was Gott thut, das ꝛe. 296. Des Wort, o Herr, ist milder Thau Für trostbe— dürft'ge Seelen. Laß kei⸗ nem Pflänzchen deiner Au' Den Himmelsbalsam fehlen! Erquickt durch ihn, Laß jedes Hos. 14, 6. blühn Und in der Zukunft Tagen Dir Frucht und Samen tragen. 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, Ein Keil, der Felsen spaltet, Lin Feuer, das im 5 zehrt Und Mark und Bein durchschaltet. O, laß dein Noch fort und fort Der Sünde Macht zerschei⸗ tern 10—5 alle Herzen Wort läuter 320 in Wort ist uns der 2 rn Für unsre 1 Pilgerre reise. führt auch Thoren hin zum Herrn Und macht die Einfalt weise. Dein Himmelsli icht Verlösch' uns nicht Und leucht' in jede Seele, Daß keine dich verfehle. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht: Da ward das Wort der Gnade Mein Labsal, meine Zuversicht, Die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte mir Den Weg zu dir, Und leuchtet meinen Schritten Bis zu den ew'gen Hütten. 5. Nun halt' ich mich mit festem Sinn Zu dir, dem sichren Horte. Wo wendet' ich mich anders hin? Ende Vor dir Herr, deinen Lehren, Und deinen Geist weckt den 252 XII. Das Wort Gottes. du hast Lebensworte. Noch hör' ich dein: Komm, du bist mein! Das rief mir nicht e Ein Wort des ew'gen Lebens. 6. Auf immer gilt dein Segensbund, Dein Wort ist Ja und Amen. Nie weich' es uns aus Geist und Mund Und nie von unsrem Samen! Laß immerfort Dein helles Wort In allen Lebenszei⸗ ten Uns trösten, warnen, leiten! 7. O, sende bald von Ort zu Ort Den Durst nach Send' Hun⸗ Lebenswort zu hören; Und send' ein Heer Von Meer zu Meer, Der Herzen Durst zu stiller Und dir ger, Herr, dein dein Reich zu füllen! Kaͤrl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. 297. Is. 93, 5. Den Wort, D Hochter, it een Es lehrt uns unsre ganze Pflicht, Es Sünder, stärkt den Frommen, Reicht Alles dar, was uns gebricht! O selig, wer es achtsam hört, Bewahrt und., Gehor⸗ sam ehrt. 2. Es leuchtet uns auf unsren Wegen, Zerstreut des Irrthums Finsterniß; Es führt uns unsrem Ziel entgegen Und macht uns unsres Heils gewiß; Es lehrt uns, daß durch Jesum Christ Du unser Gott und Vater bist. 3. Dein Wort erweckt ins, dich zu lieben, Dich, der so väterlich uns liebt, Mit Freuden dein Gebot zu üben, So wie dein Sohn es hat geübt: Es zeiget uns den Gnadenlohn, Der unsrer harrt an deinem Thron. 4. Ja, deine heiligen Gesetze Sind unsrer ganzen Liebe werth, Sind köstlicher, als alle Schätze Und was die eitle Welt begehrt; Was aller Menschen Weis⸗ heit spricht, Muß Wehen, Herr, vor deinem Licht. 5. Drum soll das Wort, das du gegeben, Stets meines Fußes Leuchte sein; Zu dir soll es mein Herz erheben, Mich stärken, trösten und erfreun, Noch sterbend will ich darauf baun; Wé verheißt, Was es werd' ich einst schaun. Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. em gen zen her, vas hrt; ꝛeis⸗ hen, ort, tets ein; Herz ken, koch rauf ißt, er, XII. Das Wort Gottes. 253 — Mel. Dir, dir,—.—5— will ꝛc. Joh. 5 298. D heilges Buch, von Gott gegeben, Sollst meinem Herzen ewig theuer sein. Hier ist der Weg zum wahren Leben, Hier fließt der Gnadenquell mir ewig rein. Von dir trennt nicht Verfolgung mich und Spott. Vernimm's, entzücktes Herz: Hier redet Gott. 2. Jahrtausende wie Tage schwanden, Seitdem des Höchsten Ruf in dir erschallt, Und was die Weisesten er⸗ fanden, Ist spurlos meist im Zeitensturm verhallt. Doch deine Kraft, denn Gott ist ewig treu, Du altes Buch, bleibt jedem Herzen neu. 3. Hier hat durch Moses Gott gesprochen, Getröstet durch der heil'gen Seher Mund, Und da wir sein Gesetz gebrochen, Thut Jesus Christus uns Vergebung kund. So bist an Mannig⸗ faltigkeit du reich Und doch so einig, theures Buch, zu— gleich. 4. Wie hat des finstren Reiches Toben Dich, meines Gottes Wort, so schwer be— droht! Kein Schwert ward je für dich erhoben, Kein Menschenarm vertrieb Ge— fahr und Noth. Dein Schild war Gott, wenn dich die Welt bekriegt, Und, wehrlos, hast du dennoch stets gesiegt. 5. Es ist der ew'gen Weisheit Fülle, Die mir aus deinen Segensworten spricht; Doch eine mensch⸗ lichzarte Hülle Gewöhnet erst mein blödes Aug' ans Licht. Wie innig sagst du meinem Sehnen zu! Wie menschlichzart, wie göttlich— groß bist du! 6. Was hat des Herren Wort vollendet, Welch Reich gegründet für die Ewigkeit! Es hat der Herzen Rath gewendet, Verwandelt hat es mächtig Welt und Zeit. So thatenreich, bleibt's un⸗ ermüdet doch Und ruft zur⸗ Buß' und Gnade heute noch. 7. Du Schatz, den mir kein Rost verzehret, Den nicht Gewalt und List mir jemals raubt, Sei von mir ewig hoch verehret! Durch dich hab' ich an meinen. Herrn geglaubt; Durch dich erfuhr ich meine Sünden⸗ schuld, Durch dich in Christo meines Gottes Huld. 8. Auch meiner Brüder will ich denken, Wenn mich 254 XII. Das Wort Gottes. dein Wort, du Segensbuch, entzückt; Auch ihnen jene Wonne schenken, Die meinen Geist zum Himmel selbst entrückt. Gebt aller Welt an Gottes Worte Theil! Nur hier, und nirgends sonst, ist Gnad' und Heil! Or. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack, geb. 1801. Eigene Melodie. Pf. 110, 116. 299. V a. uns, E den, bei deinem Wort, Und steur' des Papst's und Türken Mord, Die Jesum Christum, deinen n, 8 Stürzen wol⸗ len von seinem Thron! 2. Beweis' dein Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist; Be⸗ schirm' dein' arme Christen— heit, Daß sie dich lob' in Ewigkeit! 3. Gott, heil'ger Geist, du Tröster werth, Gieb dein m Volk einrlei Sinn auf Erd', Steh uns bei in der letzten Noth, Leit' uns ins Leben aus dem Tod. Dr. Martin Luther, 1483—1546. Mel. Liebster Jesu, wir sind ꝛe. Pf. 36, 10. 3 0 0 wig wesent⸗ liches Licht, Gott, der du im Lichte lebest, Aber auch dein An⸗ gesicht Leuchtend über uns erhebest, Dank dir, daß den Finsternissen Du so gnädig uns entrissen. 2. Deines Ebenbildes Licht Ging durch unsre Schuld verloren, Deine Stimme hörten nicht, Die vom Fleische sind geboren, So daß sie dich nicht mehr kannten Und die Thorheit Weisheit nannten. 3. Hüter, ist die Nacht dahin? Ja, der Tag soll sie vertreiben! Drum er⸗ muntre dich, mein Sinn! Wolltest du im Dunkeen bleiben? Gottes Gnad' ist nun erschienen Und will dir zum Leitstern dienen. 4. Ja, erfüllet ward die Zeit Uns zur ew'gen Freud' und Wonne! Schaut den Glanz der Herrlichkeit, Jesum, der Gerechten Sonne! „Werde Licht!“ hat er ge⸗ sprochen, Und der Tag ist angebrochen. 5. Er durchdrang mit seinem Schein Die von ihm gesandten Lehrer; Dieser strahlt noch hell und rein Durch die Schrift ins Herz der Hörer. Wer zu diesem Licht sich wendet, Wird vom Irrthun nicht geblendet. 6. So seh ich in mir leue und deir nen nen Him und XII. Das Wort Gottes. 255 mein Nichts Und zugleich in Gott mein Alles, Meinen Mangel alles Lichts, Das Verderben meines Falles, Und wie Jesus mir an Erden Will ein Licht zum Himmel werden. Du, mein Licht, er⸗ leuchte mich, Daß ich mich und dich erkenne Und durch deinen Ge eist nur dich Mei⸗ nen Herrn und Heiland nenne, Tödte selbst des Fleisches Dich en, Lehr' mich Alles geistlich v ichten. 7 14e 1e 8. Dann glänzt mir im Himmelsl licht Gottes Gnad' und deine Liebe, Dann merk' ich mit Zuversicht Auf des guten Geistes Triebe. O, daß stets im finstren Thale Mir des Lichtes Fülle strahle! 9. Herr, erhalt uns stets dein Wort, Daß dein Geist es uns verkläre! Führ' in deinem Licht uns fort, Daß dein Heil sich bei uns mehre, Bis vor deinem Angesichte Wir uns freun im reinsten Lichte. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Wenn meine Sünd' Jos. 24, 15. 301. 15 gen Und deines Geistes 2 raft, Daß wir mit Fleiß 90— 50 Was Heil und schafft! Erwecke unser erz— Sinn, 510 unsre Andacht dringe Zu dir gen dimmel hin! 2. Dich und dein Wort L Ist 22— bestes Theil; Das giebt den müden Seelen Rath, Hilfe, Trost und Heil. Dein Wort er⸗ quickt uns jederzeit, Es bringt uns Schutz und Frie⸗ den Und alle Seligkeit 3. Drum rede, Herrt wir hören Dein Wort mit Freuden an; Laß Herz und Sinn zum Lehren Uns weit sein aufgethan! O, segne dieses Gotteshaus, Und breite deine Gnade Auf alle Seelen aus! 4. Ermuntre und er⸗ wecke Die Frommen immer⸗ dar! Bestrafe und erschrecke Die freche Sünderschaar! Gieb den Betrübten Trost und Muth, Und labe ihre Seelen, Wie sonst ein Vater thut. 5. Herr, send' aus dei⸗ nen Höhen Uns Weisheit und Verstand, Daß wir im Geist verstehen Das Wort, das du gesandt; Herr, sende Licht, und steh uns bei, Daß wir mit Fleiß erken⸗ nen, Was dir gefällig sei. — 2 2 C — —. 2 256 XII. Das Wort Gotte 2⁰ — 6. Ja, lehre, Herr, und zeige Uns selbst die Lebens⸗ bahn! Durch dich gehn unsre Steige Unfehlbar himmelan, Zum Chor der auserwählten Schaar, Die dich und deinen Namen Erhöhet immerdar! 7. Da wollen ohne Mängel Wir vor dem Throne stehn Und dich im Chor der Engel Mit Lobgesang erhöhn. Dein Ruhm soll heißen nach der Zeit: Lob, Chre Kraft und Stärke Sei Gott in Ewigkeit! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Ach Gott und Herr ꝛe. 2. Sam. 22, 3. 2 302 ⁰i ist mein Hort! Und auf sein Wort Soll meine Secle trauen. Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; Laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken. Laß kei— nen Spott, O Herr, mein Gott, Mich von dem Glau— ben schrecken! 3. Wo hätt' ich Licht, Wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie Verständ' ich nie Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt Der Seele Werth, Unsterb⸗ lichkeit und Leben. Zur a dr. Ist diese Zeit Von dir mir übe ergeben. 5. Dein ew'ger Rath, Die Missethat Der Sünder zu versühnen, Den kennt' ich nicht, Wär' mir dies Licht Nicht durch dein Wort er⸗ schienen. 6. Nun darf mein Herz In Reu' und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen Geist Ein gläubig Abba sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh' Vermag ich's nie, Dein Wort giebt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, Laß uns dies Wort! Denn du hast's uns gegeben. Es sei mein Theil, Es sei mir Heil Und Kraft zum ew'gen Leben! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. O du Liebe meiner ꝛc. Luc. 11, 28. 303. Ha edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir, Denn ich zieh' ärt terb⸗ Zur Zeit tath, nder ennt' Licht t er⸗ Herz Der gen; ehrst iübig ꝛeun, II äfte. rmag giebt Hort, Denn Es mir v'gen llert, XII. Das Wort Gottes. 257 es aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist's nicht um tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. 2. Halleluja! Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, Daß ich mög' in deinem Namen Fest bei deinem Worte stehn. Laß mich eifrig sein beflissen, Dir zu dienen früh und spat, Und mich stets zu deinen Füßen Sitzen, wie Maria that. Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700—1760. Mel. Liebster Jesu, wir sind ꝛc. F73 Ps. 119, 130. 30 4 err, mein * 5 Licht, er⸗ leuchte mich, Daß ich mich und dich erkenne, Daß ich voll Vertrauen dich Meinen Gott und Vater nenne; Durch dein Wort laß mich auf Erden Weise zu dem Himmel werden. 2. Lauter Wahrheit ist dein Wort, Lehre mich, es recht verstehen; In dem Forschen hilf mir fort, Und laß mich nicht irre gehen; Daß ich lern', was mir ge— bühret Und was mich zum Himmel führet. 3. Doch laß nicht nur den Verstand In den Sinn des Wortes dringen; Ist dein Wille mir bekannt, So hilf mir ihn auch vollbrin— gen; Sonst würd' ich bei meinem Wissen Doppelt Strafe leiden müssen. 4. Gieb, daß ich den Unterricht Deines Wortes treu bewahre, Daß ich, was es mir verspricht, Reichlich an mir selbst er⸗ fahre; Ja, es sei in meinen Leiden Mir ein Quell von Trost und Freuden. 5. Bei dem Licht, das es mir beut, Laß sich mein Erkenntniß mehren. Stärke mich, wo Dunkelheit In mir will den Glauben stören, Daß ich Zweifelsucht ent⸗ ferne Und in Demuth glauben lerne. 6. Laß mich glaubens⸗ voll im Geist Jenes Him⸗ mels Erbe schauen, Das dein heilig Wort verheißt Allen, die auf Christum bauen; Daß ich eifrig dar⸗ nach trachte Und die Lust der Welt verachte. 7. O, verleihe mir die Kraft, Deinem Wort gemäß zu handeln, Und vor dir gewissenhaft Stets auf richt'⸗ 17 258 XII. Das Wort Gottes. ger Bahn zu wandeln; So wird einst in jenem Leben Mich ein hell'res Licht um— geben. M. Heinrich Cornelius Hecker, 1699—1743, verändert von Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. Mel. Durch Adams Fall ist ꝛc. 2. Petri 1, 19. 43 Zerr Zebaoth, 305 5 dein heilig Wort, Das du uns hast gegeben, Daß wir darnach an allem Ort Soll'n richten Lehr' und Leben, Ist wor⸗ den kund aus deinem Mund Und in der Schrift beschrie— ben Rein, schlecht und recht durch deine Knecht', Vom heil'gen Geist getrieben. 2. Dies Wort, das jetzt in Schriften steht, Ist fest und unbeweglich. Zwar Himmel und die Erd' ver⸗ geht, Gott's Wort bleibt aber ewig; Kein' Höll', kein' Plag', noch jüngster Tag Wird können es vernichten; Drum denen soll sein ewig wohl, Die sich danach recht richten. 3. Es ist vollkommen hell und klar, Ein' Richt— schnur reiner Lehre; Es zeigt uns auch ganz offenbar Gott, seinen Dienst und Ehre, Und wie man soll hier leben wohl, Lieb', Hoffnung, Glauben üben; Drum fort und fort wir dieses Wort Von Herzen sollen lieben. 4. Im Kreuz giebt's Lust, in Traurigkeit Zeigt es die Freudenstelle; Den Sünder, dem die Sünd' ist leid, Führt es zur Gnaden⸗ quelle, Giebt Trost an Hand, macht auch bekannt, Wie man soll willig sterben, Und wie zugleich das Himmel⸗ reich Durch Christum sei zu erben. 5. Sieh, solchen Nutz, so große Kraft, Die nimmer ist zu schätzen, Des Herrn Wort in uns wirkt und schafft, Darum wir sollen setzen Zurück Gold, Geld und was die Welt Sonst herrlich pflegt zu achten, Und jederzeit in Lieb' und Leid Nach dieser Perle trachten. 6. Nun, Herr, erhalt' dein heilig Wort, Laß uns sein' Kraft empfinden; Den Feinden steur' an allem Ort Und laß es frei verkünden: So wollen wir dir für und für Von ganzem Herzen danken. Herr, unser Hort, laß uns dein Wort Fest halten und nicht wanken! Christian Knorr von Rosenroth, 1636—1689. Nutz, imer errn und ollen Geld zonst hten, und Zerle halt' uns Den Ort roth, XII. Das Wort Gottes. 259 Mel. Kommt her zu mir ꝛc. Pf. 33, 4. 306. JGol i festem Muth Auf deine Gnad' und Christi Blut; Ich hoff' ein ewig Leben. Du bist ein Vater, der verzeiht, Hast mir das Recht zur Selig⸗ keit Durch deinen Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein un⸗ aussprechlich Heil, An dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel ha— ben! Im Herzen durch den Glauben rein, Dich lieben und versichert sein Von dei— nes Geistes Gaben! 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit. Wirkt göttliche Zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, Versüßet uns des Lebens Ruh' Und stärkt uns in Gefahren. 4. es mir, o Herr, mein Hort, Den Glauben an dein göttlich Wort, Um deines Namens willen! Laß ihn mein Licht auf Erden sein, Ihn täglich mehr mein Herz erneun Und mich mit Trost erfüllen. Johann Joachim Spalding's Liederbuch, 1778. Mel. 33— recht, wenn ꝛe. 34, 16. 307. Iic wede lesen In dem alten heil'gen Buch, Wie mein Herr so sanft gewesen, Ohne List und ohne Trug. 2. Wie er hieß die Kindlein kommen, Wie er hold sie angeblickt Und sie auf den Arm genommen Und sie an sein Herz ge— drückt. 3. Wie er Hilfe und Erbarmen Allen Kranken gern erwies Und die Blö— den und die Armen Seine lieben Brüder hieß. 4. Wie er keinem Sün⸗ der wehrte, Der bekümmert zu ihm kam, Wie er freund⸗ lich ihn bekehrte, Ihm den Tod vom Herzen nahm. 5. Immer muß ich wie⸗ der lesen, Les' und freue mich nicht satt, Wie er ist so treu gewesen, Wie er uns geliebet hat; 6. Hat die Heerde sanft geleitet, Die sein Vater ihm verliehn, Hat die Arme ausgebreitet, Alle an sein Herz zu ziehn. 7. Laß mich knien zu deinen Füßen, Herr, die Liebe bricht mein Herz; Laß in Thränen mich zerfließen, 17⁷ 260 XII. Das Wort Gottes. Selig sein in Wonn' und Schmerz. Louise Hensel, geb. 1797. Mel. Wer nur den lieben ꝛce. Ps. 119, 105. 3 0 8 Men Gott, 2 5 du wohnst im ew'gen Lichte, Wohin kein sterblich Auge dringt; Doch gabst du uns zum Unterrichte Dein Wort, das uns Erkenntniß bringt, Was du, o Allerhöchster, bist, Und was dein Wille mit uns ist. 2. Gieb, daß ich drauf mit Freuden achte, Als auf ein Licht am dunklen Ort, Und wenn ich ernstlich es betrachte, So hilf du mei⸗ nem Forschen fort. Laß für der Wahrheit hellen Schein Mein Aug' und Herz stets offen sein. 3. Dein Wort sei mir ein Licht im Glauben, Das mich zur wahren Weisheit führt! Laß mir durch keinen Irrthum rauben, Was mir ein ew'ges Heil gebiert. Kein Spöttergeist verführe mich, Kein Zweifel sei mir hinderlich. 4. Dich kennen, ist das ew'ge Leben; Drum hilf mir, Vater, daß ich dich Und den, den du für uns gegeben, Erkennen mög' herzinniglich, Bis dich, wenn ich dir hier vertraut, Mein Aug' im ew'gen Lichte schaut. 5. Vor Allem laß in mir lebendig, O Höchster, die Erkenntniß sein! Dann mach' durch Gnade mich beständig, Dir wahre Lieb' und Furcht zu weihn. Gieb, daß ich thu' mit allem Fleiß, Was ich von deinen Willen weiß. 6. Was hilft die rich⸗ tigste Erkenntniß, Wenn sie nicht dich zu lieben treibt! Was nützt das reichlichste Verständniß, Wenn doch das Herz noch böse bleibt! Drum hilf, daß ich der Wahrheit treu, Und daß mein Glaube thätig sei. 7. Laß dein' Erkenntniß mir im Leiden Den Brunn⸗ quell wahren Trostes sein; Laß mich, wenn Leib und Seele scheiden, Mich noch im Glauben deiner freun. Dort seh' ich dich im höhern Licht Von Angesicht zu Angesicht. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Herr Jesu Christ, dich ꝛc. Lue. 8, 21. 309 Gott, du * höchster Gnadenhort, Verleih', daß — —— 9 * —— * 3 Der dar ich ner Eht stet mei Dit nic Me deir All Sie Se keit mög' venn Nein zichte 3 hster, Dann mich Lieb' Bieb, Ulem inem rich⸗ n sie reibt! ichste h das Drum rhei laube ntniß runn⸗ sein; und noch reun. öhern . n 1737. ich ꝛe. du chster daß XII. Das V Wort Gottes. 261 uns dein göttlich Wort Von Ohren so zu Herzen dring', Daß es sein! Kraft und Schein vollbring!! 2. Der einig' Glaub' t diese Kraft, Der fest an Jesu Christo haft't; Die Werk' der Lieb' sind dieser Schein, Dadurch wir Christi Jünger sein. 3. Verschaff' bei uns auch, lieber Herr, Daß wir durch deinen Geist je mehr In der Erkenntniß nehmen zu Und endlich bei dir finden Ruh'! 5 Conrad Huber, 1586. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Joh. 6, 63. 310 R Denn dein Kind giebt Acht darauf; Stärke mich, denn ich bin blöde, Daß ich mei— nen Lebenslauf Dir zur Ehre setze fort. Ach, laß stets dein heilig Wort In mein Herz sein eingeschlossen, Dir zu folgen unverdro ossen 2. Ach, wer wollte dich nicht hören, Dich, du liebster Menschenfreund? Sind doch deine Wort' und Lehren Alle herzlich wohl gemeint. Sie vertreiben alles Leid; Selbst des Todes Bitter⸗ keit Muß vor deinen Wor⸗ een weichen, Nichts ist ihnen zu vergleichen. 3. Deine Worte sind der Stecken, Woran ich mich halten kann, Wenn der Teufel mich will schrecken Auf der schmalen Lebens⸗ bahn; Sie, sie führen ohne Qual Mich selbst durch des Todes Thal, Sind mein Schirm und meine Stütze Unter aller Kreuzeshitze. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben, Deine troster⸗ füllte Lehr' Will ich in mein Herz i Ach, nimm sie doch nimmermehr Von mir weg in dieser Zeit, Bis ich in der Ewigkeit Werde kommen zu den Ehren, Dich, o Jesu, selbst zu hören. 5. Unterdeß vernimm mein Flehen, Liebster Jesu, höre mich! Laß bei dir mich feste stehen: So will ich dich ewiglich Preisen mit Herz, Sinn und Mund; Ich will dir zu jeder Stund Ehr' und Dank in Demuth bringen Und dein hohes Lob besingen. Anna Sophia, Landgräfin zu Hessen⸗ Darmstadt, 1638- 1683. Mel. Herr 11 Christ, dich ꝛe. 55, 6. 311. W 95 7— der Welt, Wenn Angst und 262 XII. Das Wort Gottes. Sorge dich befällt? Wenn Noth und Kummer sich dir naht, Was fragst du dann bei Menschen Rath? 2. Ach! Menschenwort ist ohne Kraft, Gar viel verheißt und wenig schafft, Gar schön von Klang in guter Zeit, Verstummt und ohne Trost im Leid. 3. Ich nenne dir ein andres Wort, Das halte bei dir fort und fort! Ob auch der Bau der Welt zer— bricht, Dies eine Wort ver⸗ läßt dich nicht. 4. Es ist das heil'ge Wort des Herrn; Der gönnt es allen Menschen gern Und schrieb es in die Bibel ein; Da soll es ewig mit uns sein. 5. Und liesest du nur fromm darin, Erfährst du bald den tiefen Sinn; Es machet dir gar wunderbar Das Herz so weit, die Au⸗ gen klar. 6. Daß in der Zukunft düstrer Nacht Ein heitrer Morgen dir erwacht, Daß du des Ew'gen Wunder schaust, Der Allmacht seines Wirkens traust! 7. Daß du im Unglück nicht verzagst, In grausem Sturm zu hoffen wagst, Und, wenn dich Todesnacht umkreist, Dein Herz noch froh den Vater preist. 8. Darum, wer solchen Trost begehrt, Der halte sich die Bibel werth! Kein andres Buch ist in der Welt, Das solche Wunderkraft enthält. 9. Und eh' du Etwas fängest an, Lies in der Bibel nur voran; Es gehet doppelt glücklich fort, Be— ginnst du es mit Gottes Wort. Wilhelm Hey, geb. 1789. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Hebr. 4, 12. 312. W ist's, das der Welt So herrlich strahlt, so mild er— hellt Den dunkeln Pfad durchs Leben? Es ist das Wort des Herrn, das Licht, Von Gott gesendet, das uns nicht In Finsterniß läßt schweben. Seine Reine Ew'ge Wahrheit Strahl' in Klarheit Dir, o Erde, Daß der Herr verherrlicht werde! 2. Was führt uns hin zum höchsten Gut? Was giebt zum Guten Kraft und Muth Und reinigt uns von Sünden? Es ist des Lebens Wort allein; Dies lehrt uns treu und standhaft sein Und XII. Das Wort Gottes. 263 fröhlich überwinden. Heil uns! Laßt uns Fröhlich streiten Und verbreiten Gottes Lehre, Daß sich Jesu Reich vermehre! 3. Wo quillt dem Herzen Trost und Ruh'? Wo strömt ihm sel'ge Hoffnung zu Und hoher Gottesfrieden? Das ist des Heilands treues Wort, Das führt zur Selig⸗ keit uns dort Und tröstet uns hienieden. Diesen Süßen Quell der Freuden Soll kein Leiden,— Diesen Glaͤuben Keine Macht der Welt uns rauben! Karl August Döring, 1783—1844. Mel. Es ist das Heil uns ꝛe. Hebr. 1, 1. 2. 3 1 3 Wi Menschen sind zu dem, o Gott, Was geistlich ist, untüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig. Wir wissen und verstehen's nicht, Wo uns dein göttlich Wort und Licht Den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte, Daß durch dieselben würd' bekannt Dein heil'ger Will' und Rechte. Zum Letzten ist dein ein'ger Sohn, O Vater, von des Himmels Thron Selbst kommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist, Laß uns da⸗ bei verbleiben Und gieb uns deinen heil'gen Geist, Daß wir dem Worte gläuben, Dasselb' annehmen jederzeit Mit Sanftmuth, Ehre, Lieb' und Freud' Als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Spötter Hauf' Uns nicht vom Wort abwende; Denn ihr Gespött sammt ihnen drauf Mit Schrecken nimmt ein Ende. Gieb du selbst deinem Donner Kraft, Daß deine Lehre in uns haft', Auch reichlich bei uns wohne. 5. Oeffn' uns die Ohren und das Herz, Daß wir das Wort recht fassen, In Lieb' und Leid, in Freud' und Schmerz Es aus der Acht nicht lassen; Daß wir nicht Hörer nur allein Des Wortes, sondern Thäter sei'n, Frucht hundertfältig bringen. 6. Am Weg der Same wird sofort Vom Teufel hingenommen; In Fels und Steinen kann das Wort Die Wurzel nicht bekommen; Der Sam', so in die Dor⸗ 264 XII. Das Wort Gottes. nen fällt, Von Sorg' und Wollust dieser Welt Ver⸗ dirbet und ersticket. 7. Ach, hilf, Herr, daß wir werden gleich Dem guten fruchtbar'n Lande Und sei'n an guten Werken reich In unsrem Amt und Stande, Viel' Früchte bringen in Geduld, Bewahren deine Lehr' und Huld In feinen, guten Herzen! 8. Laß uns, so lang' wir leben hier, Den Weg der Sünder meiden; Gieb, daß wir halten fest an dir In Anfechtung und Leiden; Rott' aus die Dornen all— zumal, Hilf' uns die Welt⸗ sorg' überall Und böse Lüste dämpfen. 9. Dein Wort laß alle⸗ wege sein Die Leuchte un⸗ sren Füßen, Erhalt' es bei uns klar und rein, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rath und Trost in aller Noth, Daß wir im Leben und im Tod Darauf beständig trauen. 10. Gott Vater, laß zu deiner Ehr' Dein Wort sich weit verbreiten! Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr' Er⸗ leuchten mög' und leiten! O heil'ger Geist, dein gött⸗ lich Wort Laß in uns wir⸗ ken fort und fort Glaub', Lieb', Geduld nung! David Denicke, 16031680. und Hoff⸗ Mel. Alle Menschen müssen ꝛe. Jos. 6, 36. 314. Wn lautre Quelle, Die vom Himmel sich ergießt, Le⸗ benskräfte giebst du Jedem, Der dir Geist und Herz er⸗ schließt; Der sich, wie die welke Blume, Die der Sonnenbrand gebleicht, Dür⸗ stend von dem dürren Lande 92— der Quelle niederneigt. Ohne dich, was ist die Erd be Ein beschränktes, fin⸗ stres Thal. ist der Himmel? Ein ver⸗ schloßner Freudensaal. Ohne dich, was ist das Leben? Ein erneuter, finstrer Tod. Ohne dich, was ist das Sterben? Nachtgraun ohne Morgenroth. 3. Wort des Lebens, du erleuchtest, Doch erwärmst du auch zugleich; Eine Hölle offenbarst du, Aber auch ein Himmelreich. Furchtbar schreckest du den Sünder Aus der dumpfen, trägen Ruh'; Doch mit Liebe deckst du wieder Jedes Büßers Fehle zu. 4. Einen Richter lehrst Ohne dich, was ::ę XIII. Die heiligen Sacramente. 265 du fürchten, Der mit rechter Wage wägt; Doch auch einen Vater lieben, Der mit Langmuth Alle trägt, Einen Gott, der den geliebten, Ein gen Sohn zum Opfer giebt, Der an ihm die Sünde richtet Und in ihm die Sünder liebt. 5. Wort des Lebens, wer dich höret, Dem versprichst du ew'ges Heil; Doch nur dem, der dich bewahret, Wird das Kleinod einst zu Theil. Nun, so will ich dich bewahren, Schwert des Geistes, Gottes Wort; Hilf mir hier auf Erden strei⸗ ten Und die Kron' erwer⸗ ben dort! Karl Johann Philipp Spitta, 1861—1859. XIII. Die heiligen Sacramente. A. Die heilige Taufe und Confirmation. Mel. Meinen Jesum laß ꝛe. Matth. 18, 14. 315 B nahen wir und dir, Bringen dir auf unsren Armen Dieses Kind, dich flehen wir, Großer Vater, um Erbarmen! Es ist dein, es lebt durch dich, Schütze du es väterlich. 2. Schwach und hilflos liegt es da, Ohne Kraft, zu dir zu flehen. Aber du bist ihm doch nah, Sorgest mehr, als wir verstehen; Führst es aus der Nacht zum Licht Einst durch dei⸗ nen Unterricht. 3. Sieh, wir weihen dir dies Pfand Deiner väter⸗ lichen Güte, Da Vaterhand Leite, segne und behüte; Mehr als unsre Liebe kann, ß es deine Nimmst du, Herr, dich seiner an. 4. Zu der Christen hohem Glück Werd' es, Herr, von dir erkoren. Ach, es weiche nie zurück, Sei vergebens nicht geboren, Fördre, sei⸗ nem Heiland gleich, Uner⸗ müdet Gottes Reich. 5. Liebend, wie ein gu⸗ tes Kind, Müss' es dich als Vater ehren, Deinem Sohne gleichgesinnt, Nur auf deine Stimme hören! Got⸗ tes Geist, erfülle du Sein Gemüth mit Licht und Ruh'! 266 XIII. Die heiligen Saeramente. 6. Laß es unter Schmerz und Lust Treu an seinen Pflichten hangen; Ach, es nähre seine Brust Nie ein unerlaubt Verlangen! Wenn sein Aug' im Tode bricht, Gott, o dann verlaß es nicht! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1896. Mel. Nun komm, der Heiden ꝛc. 3 16. Kinder hier, Herr! wir führen sie zu dir, Daß sie ihren Bund erneun Und sich dir auf ewig weihn. 2. Freud' und Leid er⸗ warten sie, Lebenslust und Lebensmüh'; Beides kommt und droht Gefahr, Und das Herz bleibt wandelbar. 3. Eins nur, das uns nie verläßt, Herr, dein Wort, steht ewig fest! Da— bei halt' sie bis zum Tod, Heil'ger, gnäd'ger, starker Gott! 4. Nun, ihr Herz ist jetzt bereit Und voll Glaubens-— freudigkeit; Das verbleibe stets ihr Theil, Hier zum Trost und dort zum Heil. 5. Jesu Christo, ihrem Herrn, Laß sie folgen treu und gern; Daß mit Freu⸗ Mare. 16, 16. lick' auf unsre den wir sie sehn Einst zu seiner Rechten stehn. Johann Friedrich Rochlitz, 1769—1842. Ephes. 5, 30. Die Gemeinde. Mel. Es ist gewißlich an ꝛe. 514. De I. ter, stehn, Sind Jesu Christi Glieder: Hör' ihrer Herzen heißes Flehn, Schau' lie⸗ bend auf sie nieder; Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geist, Den Segen, den dein Wort verheißt, Im Leben und im Sterben! Die Kinder. Mel. 2. Wir übergeben uns aufs Neue, O Vater, dir, dir Sohn und Geist; Ge⸗ loben heilig ew'ge Treue Und hoffen, was du uns verheiß'st. So schließen wir mit Herz und Mund Mit dir, o Gott, den heil'gen Bund! Die Gemeinde. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛc. Ach, wie betrübt sind ꝛce. 3. Sie kennen, Vater, deinen Sohn Und seine heil'gen Lehren. Ist Freude, Gott, vor deinem Thron, Wenn Sünder sich bekehren: A. Die heilige Taufe ꝛe. 267 Wie groß ist unsre Freude nun, Jetzt, da sie das Ge— lübde thun, Dir, Herr, ge⸗ treu zu leben. 4. O, daß sie nimmer zum Gericht Dein heil ges Mahl empfahen, Laß stets mit Glaubenszuversicht Sie würdig ihm sich nahen! Es stärke sie in aller Noth Und reize sie, des Mittlers Tod Zu preisen durch ihr Leben! Die Kinder. Mel. Ach, wie betrübt sind ꝛe. 5. Gedenke nicht der Ju⸗ gendsünden, O Vater, nimm uns huldreich an! Laß uns durch Jesum Gnade finden Und führ' uns stets auf ebner Bahn! Der Geist, der Wollen in uns schafft, Geb' uns auch zum Vollbringen Kraft. Die Gemeinde. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛe. 6. Wenn frech sich der Verführer naht, Wenn böse Lust erwachet Und den Entschluß zur guten That In ihnen wankend machet: Dann laß sie hin auf Jesum sehn, Daß sie der Sünde widerstehn, Beharren bis ans Ende. Die Kinder. Mel. Ach, wie betrübt sind ꝛc. 7. Ja, Vater, nimm uns hin aufs Neue; Wir flehn voll tiefer Rührung hier; Vernimm den Schwur der ew'gen Treue, Des frommen Wandels, Herr, vor dir! Wir schwören ihn mit Herz und Mund, Und ewig, ewig sei der Bund! Die Gemeinde. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛc. 8. Zeig' ihnen, die auf lle Zeit Jetzt Treue dir geloben, Den hohen Lohn der Ewigkeit, Die Herrlich— keit dort oben, Daß sie der Tugend Kampf nicht scheun. Herr, stärke sie, denn sie sind dein! Dein laß sie ewig bleiben! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Komm, heil'ger Geist ꝛc. Ps. 65, 6. 5 rhör', o Gott, 318. E das heiße Flehn Der Kinder, die hier vor dir stehn; Erbarmend blick' auf sie hernieder, Denn dein sind sie, sind Jesu Glieder! Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geist, Den Segen, den dein Wort verheißt; Erfülle sie mit 268 XIII. Die heiligen Sacramente. deinen Gaben, Laß Trö⸗ stung ihre Seele laben! Er⸗ barme dich! Erbarme dich! 2. Sie wollen, deiner sich zu freun, Gott ihren Bund mit dir erneun, Sie wollen feierlich dir schwören, Dich stets zu lieben, zu verehren, Im Glauben treu, im Her⸗ zen rein, Im Wandel ohne Falsch zu sein. Dreieiniger, sprich du das Amen Zu dem Gelübd' auf deinen Namen, Und stärke sie, und stärke sie! 3. Schenk' ihnen Muth und Freudigkeit; Laß des Gelübdes HDit So ane⸗ so tief ihr Herz durchdrin⸗ gen, Daß sie ür Wollen treu volbringen! Auch uns laß jetzt mit Herz und Mund Mit dir erneuern unsren Bund Und einst vereint, wie wir's erflehen, Mit ihnen ein zum Himmel gehen. Erhör' uns Gott! Erhör' uns Gott Elieser Gottlieb Küster, 1732—1799. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Joh. 477 6. 319. Eunih den Theuer dir, mein Gott, er kaufet; Bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und Geist, getaufet. Dessen soll mein Herz sich freun; Ewig, ewig bin ich dein. 2. 246 ein göttlicher Gewinn, Daß ich durch der Taufe Eabe Nun dein Kind und Erbe bin,. ich dich zum Vater habe! Einst von allen Sünden rein, Ewig, Vater, ewig dein! 3. Ich, ein Sünder von Natur, Ich Gefallner soll auf Erden Eine neue Cre⸗ atur, Soll, o Gott, dir ähr nlich werden! Heilig, hei⸗ lig will ich sein: Jesus und sein Geist ist mein. 4. Ich versprach's, ge⸗ lob' es noch; Brach zwar 0 den Bund der Taufe, Kämpfte schon und wurde doch Schwach im Kampf und matt im Laufe; Den⸗ noch will noch Jes sus mein, Gott will noch mein Vater sein. 5. Das ist Gottes Bund mit mir, Gnädig hat er mir verheißen: Mich soll keine Macht von dir, Keine Sünde von dir reißen. Gott, mein Gott, ich will nur dein, Dein und meines Jesu sein! 6. Ich entsage, Satan, dir, Dir, o Welt, und dir, o Sünde; Ich entsag' euch, weicht von mir, Dem erlö⸗ sten Gotteskinde! Eure Lust A. Die heilige Taufe ꝛc. 269 ist Schmach und Pein; Gott, nur Gott will ich mich weihn. 7. Wachen will ich, flehn um Kraft, Daß ich stets auf seinem Wege Heilig und gewissenhaft Und im Glau⸗ ben wandeln möge. Er wird mir die Kraft ver⸗ leihn, Treu bis in den Tod zu sein. 8. Höre mich, denn ich bin dein, Theuer dir, mein Gott, erkaufet; Bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und Geist, getaufet; Ewig, ewig laß mich dein, Ewig laß mich selig sein! Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Col. 1, 3. 320 2. 0 diese Kin⸗ der beten wir Mit heißer Inbrunst, Gott, zu dir, Nimm du dich ihrer gnädig an Und leite sie auf ebner Bahn. 2. Erhalte sie vom Irr⸗ thum frei Und mache sie im Glauben treu, Und, wenn Versuchung ihnen naht, Sei du ihr Helfer, Schutz und Rath. 3. In Schmerz und Kum⸗ mer tröste sie, Und in der Noth verlaß sie nie! Gieb ihnen hier Zufriedenheit Und dort des Himmels Se⸗ ligkeit. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Mach's mit mir, Gott ꝛc. Offenb. 3, 11. 32 1. GGge weiht, Gott hat euch aufge⸗ nommen; Das Heil für Zeit und Ewigkeit Ist auch zu euch gekommen. Wohl euch! Wie hoch seid ihr begabt! Behaltet, Kinder, was ihr habt! 2. Fest steht des heil gen Wortes Grund Und wird niemals gebrochen. Drum haltet ihr auch euren Bund, Und was ihr jetzt verspro⸗ chen. Ihr gabt das Ja zu ew'gem Glück; Nehmt euer Jawort nie zurück! 3. Laßt dies dem Herrn gegebne Wort Beständig wiederhallen; Es treib' euch mächtig, immerfort Die Bahn des Heils zu wallen. Auf ewig bleib' es euer Ruhm: Wir sind des Heilands Eigenthum! Neues Leipziger Gefangbuch, 1844. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. 1. Cor. 12, 13. 32% uut danen Namen, Gott, Vater, Sohn 270 JIII. Die heiligen Saeramente. und heil'ger Geist, Ich bin gezählt zu deinem Sa⸗ men, Zum Volk, das dir geheiligt heißt, Ich bin in Christum eingesenkt, Ich bin mit seinem Geist be⸗ schenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lie⸗ ber Vater, mich erklärt, Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Hei⸗— land, mir gewährt, Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab' ich dir auch Furcht und Liebe, Treu' und Gehorsam zugesagt; Ich habe mich aus reinem Triebe Dein Eigenthum zu sein gewagt; Hingegen sagt' ich bis ins Grab Des Sa⸗ tans schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste stehn; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn: Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, Wenn ich hab' einen Fall gethan! 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue Leib', Seel und Herz zum Opfer hin: Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von mei⸗ nem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut! 6. Weich', weich', du Fürst der Finsternissen! Ich bleibe mit dir unvermengt; Hier ist zwar ein befleckt Ge⸗ wissen, Jedoch mit Jesu Blut besprengt. Weich', eitle Welt, du, Sünde, weich'! Gott hört es: ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott, Va⸗ ter, Sohn und heil'ger Geist! Halt' mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt: So leb' ich dir, so sterb' ich dir; So lob' ich dich dort für und für. Dr. Johann Jacob Rambach, 1693— 1735. Mel. O Ebwigkeit, du ꝛc. 1. Joh. 4, 16. 323 766 bin in dir e. und du in mir! Nichts soll mich, ew'ge Liebe, dir In dieser Welt entreißen! Auf Erden, wo nur Sünder sind, Nennst du mich freundlich schon dein Kind: O, laß mich's ewig heißen Und treu mit Bewahren deinen Friedens⸗ bund! Wandel, Herz und Mund ö mir Der zillen Fürst leibe Hier Ge⸗ Jesu Zeich', ünde, ich orsatz Va: eil'ger deines Bis terben r, so b' ich 3— 1735. 1 2. in dir du in ew'ge Welt n, wo Nennst schon mich's eu mit Mund iedens⸗ A. Die heilige Taufe ꝛe. 271 2. Ich bin in dir und du in mir; Dreiein'ger Gott, du hast zu dir Mich frühe schon berufen. Was mir, dem Kindlein, war be— reit, Ergreif' ich heut voll Innigkeit An des Altares Stufen Und sag': O Liebe, du bist mein, Ich will dein Kind auf ewig sein! 3. Ich bin in dir und du in mir; Noch wohn' ich völlig nicht bei dir, Weil ich auf Erden walle; Drum führ' mich, Jesu, treuer Hirt, Daß mich, was locket, schreckt und irrt, Nicht bringe je zu Falle! O, daß, was ich dir heut versprach, Mir gehe tief und ewig nach! 4. Ich bin in dir und du in mir; Komm, Herr, mir deine Tugendzier Früh— zeitig anzulegen, Daß mir des Lebens Glück und Noth, Ja, selbst der letzte Feind, der Tod, Nur kommen mög' im Segen. Mit dir will ich durchs Leben gehn, Dir leiden, sterben, auferstehn! M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Joh. 15, 16. obsingt dem 324. L Herrn mit Herz und Mund! Geschlossen hat er seinen Bund Mit zen nah' und fern, uns, den Bund der Gnade; Uns zu erneun an Geist und Sinn, Gab er sich selbst zum Opfer hin, Geheilt ist unser Schade. Selig, Se⸗ lig, Wem im Innern Got⸗ tes Zeugniß Nimmer fehlet: „Dich auch hab' ich mir er— wählet!“ 2. Sie steht, die Kirche Gottes steht, Und seine⸗ Wahrheit nie vergeht, Wie auch die Feinde toben. An. welche er sein Blut ge⸗ wandt, Die schützt er mit allmächt'ger Hand, Er lebt, ein Herrscher droben. Laßt uns Glauben Und bekennen, Nie uns trennen Von den Treuen, Keine Schmach, kein Leiden scheuen! 3. Geh' auf, du heller Morgenstern, In allen Her⸗ Daß Jeder dich erkenne! Daß deine ganze Christenheit In Lieb' und Glaubenseinig⸗ keit Und heilgem Eifer brenne! Schöpfer! Retter! Dein Erbarmen Gab uns Armen Neues Leben, Leben woll'st du Allen geben. 4. Den Erdkreis deckte dunkle Nacht; Da hast du, Herr, das Licht gebracht, Und alle Schatten flohen. In deinem milden Angesicht Erglänzt uns auch des Va⸗ 272 XIII. Die heiligen Sacramente. ters Licht, Nun kennen wir den Hohen. Dank dir, Jesu! Durch dich sind wir Seine Kinder, Gnad' und Frieden Hast du reichlich uns beschieden. 5. Heil uns, uns fiel das schöne Loos, Geboren in der Kirche Schooß, Dir früh geweiht zu werden! Wir lernten, daß du, Jesu Christ, Auch unser Herr und Heiland bist, Ein sich'— rer Hort auf Erden; Deine Lehre Drang zum Herzen, Hob die Herzen, Und in Klarheit Strahlt uns nun die ew'ge Wahrheit. 6. Wer an ihn glaubt, hat ew'ges Heil, An ihm und seinen Gütern Theil; Er ist des Himmels Erbe. Mach' uns im Glauben fest, o Herr, Er werde stets le⸗ bendiger, Daß alle Sünd' uns sterbe. Herr des Le— bens, Lehr' uns streben, Dir zu leben, Dir zu ster⸗ ben! Mach' uns zu des Himmels Erben! Dr. Johannes Geibel, geb. 1776. Mel. O du Liebe meiner ꝛe. 1. Theff 5, 23. 24. 3 2 5. Ma 21 hernieder, Die sich deiner Gnade freun Und, als deiner Kirche Glieder, Dir geloben, treu zu sein, Dir, der mit der größten Treue Auch für sie dahin sich gab! Segnend schau' bei ihrer Weihe, Segnend stets auf sie herab. 2. Laß sie schon in ihrer Jugend Dir, nur dir ge⸗ heiligt sein, Daß sie nie vom Pfad der Tugend In der Irre sich zerstreun. Schütze sie vor allen Schlin⸗ gen, Vor den Lockungen der Welt; Hilf, daß sie ihr Herz bezwingen, Wenn ihm falscher Reiz gefällt. 3. Laß sie treu in deiner Liebe, Fest in deiner Lehre sein, Und durch deines Gei— stes Triebe Wunsch und That des Bösen scheun. Stärke sie durch deine Gnade, Wenn zu dir sie lindlich flehn, Daß sie auf der Unschuld Pfade, Zu dem höhern Leben gehn. 4. Halte sie mit starken Armen, Wenn sie strau⸗ cheln wollen, fest; Laß sie fühlen dein Erbarmen, Das die Schwachen nie verläßt. Und wenn Eines sich ver⸗ irrte Und verließ der Tu⸗ gend Bahn: Ach, dann nimm dich, treuer Hirte, Des verirrten Kindes an! 5. Keines, keines, ach, 55 3. der und sie, zum mit auf dich Vat 2 Lieb komt Tod auf — Dir Dir, Treue gab! ihrer 5 auf ihrer ge⸗ e nie d In treun. chlin⸗ n der ihr ihm deiner Lehre Gei⸗ und heun. deine ir sie e auf Zu n. arken strau⸗ 5 sie Das rläßt. ver⸗ Tu⸗ dann Hirte, an! ach, Bund erneun, ner Gnade fallen Und von A. Die heilige Taufe ꝛe. Die mit dir den Laß aus dei⸗ von Allen, dir geschieden sein! Wehe, Wehe trifft den Sünder, Ihn verfolget Scham und Reu'. Nein, Herr, keines dieser Kinder Werde je dir ungetreu! 6. Friede, selige Gefühle Lohnen hier den Deinen schon, Und die Krone dort am Ziele Ist der Ueber⸗ winder Lohn. Herr, auch diese Bundesglieder Lohn' dein Heil schon in der Zeit! Sammle sie einst alle wieder Dort in deiner Herr⸗ lichkeit! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. O Lamm Gottes ꝛe. Joh. 17, 17. 326. H der K der Einst rief zum Dasein und Leben Und auch für sie, als Sünder, Den Sohn zum Heile gegeben, O sei mit Vatersegen Ihr Gott auf allen Wegen! Erbarm' dich ihrer, o Vater! o Vater! 2. O Herr, der du aus Liebe Auch sie zu retten ge⸗ kommen, Daß Keins im Tode bliebe, Das Kreuz auf dich genommen, Ent⸗ reiß' ihr Herz den Sünden Und laß sie Gnade finden! Erbarm' dich ihrer, o Jesu! o Jesu! 3. O Geist, der Kraft zur Tugend Und Muth im Kampfe verleihet, Hilf mäch— tig unsrer Jugend, Die dir sich freudig weihet! Gieb heilige Gedanken Und Treue sonder Wanken! Erbarm' dich ihrer, o Tröster! o Tröster! J. A. Nebe, 1775—1835. Mel. Warum sollt' ich mich ꝛc. Offenb. 19, 9. 327 Del, wer dich ewig liebet, Gottes Sohn, Und zum Lohn Dir sein Herz ergie⸗ bet! Selig, wer in jeder Stunde Mit Gebet Dir nachgeht, Treu dem Gna⸗ denbunde! Dazu bist du ja ge⸗ kommen, Herr, Und hast, Unsre Last Auf dein Haupt genommen. Dazu weiht uns deine Taufe Segnend ein, Stark zu sein In dem Siegeslaufe. 3. Lebensfürst und Ueber⸗ winder, Sieh uns an, Brich uns Bahn, Stärke deine Kinder! Nähr' uns mit dem Himmelsbrote; Gieb uns Muth, Liebesgluth, Treue bis zum Tode. 18 27˙ XIII. Die heiligen Sacramente. 4. Besser, nie, ach nie geboren, Als dem Herrn Fremd und fern Und zuletzt verloren! Liebe, hilf uns liebend leben! Halt an dir Für und für, Weinstock, deine Reben! 5. Ewig währet deine Treue, Inniglich Fasset dich Unser Herz aufs Neue. Sprich dazu in deinem Namen Von dem Thron, Vater, Sohn, Geist, auf ewig Amen! ö M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Nun lob' mein' Seel' ꝛc. Col. 3, 4. 328 3 schreib' ins 2 2 Buch des Lebens Nun, Herr, auch ihre Namen ein, Und laß sie nicht vergebens Dir, Jesu, zugezählet sein! Be⸗ wahr' sie vor der Sünde Und vor der ew'gen Pein; Ach, präg' es jedem Kinde Heut' tief ins Herz hinein, Daß es zum ew'gen Leben Durch dich erkaufet ist; Denn du willst Allen geben Dein Heil, Herr Jesu Christ! Pfälzer Gesangbuch. Mel. Seelenbräutigam ꝛc. Joh. 8, 12. 320. Uun en Sende, Gottes Sohn, Dei⸗ nen Geist, den Geist der Stärke, Gieb uns Kraft zum heil'gen Werke, Dir uns ganz zu weihn, Ewig dein zu sein. 2. Mach' uns selbst be— reit, Gieb uns Freudigkeit, Unsren Glauben zu beken⸗ nen Und dich unsren Herrn zu nennen, Dessen theures Blut Floß auch uns zu Gut. 3. Richte Herz und Sinn Zu dem Himmel hin, Daß wir unsren Bund erneuern Und in Wahrheit dir be⸗ theuern, Deine Bahn zu gehn, Weltlust zu verschmähn. 4. Wenn wir betend nahn, Segen zu empfahn, Wollest du auf unsre Bitten Uns mit Gnade überschütten, Licht und Kraft und Ruh' Ströme dann uns zu. 5. Gieb auch, daß dein Geist, Wie dein Wort ver⸗ heißt, Unauflöslich uns ver— eine Mit der gläubigen Gemeine, Bis wir dort dich sehn In den Himmelshöhn. Samuel Marot, 1770—1865. Mel. Alle Menschen müssen ꝛe. 1. Cor. 13, 13. 330. Wo a Wege! Gott sei eure Zu⸗ versicht! Seid befohlen sei⸗ der Kraft Dir Ewig st be⸗ igkeit, beken⸗ Herrn eures 8 zu Sinn Daß euern r be⸗ 3 nähn. nahn, Zollest Uns ütten, Ruh' dein t ver⸗ ver⸗ tbigen et dich höhn. 1865. ssen ꝛc. glau⸗ eure JZu⸗ n sei⸗ A. Die heilige Taufe ꝛ. 275 ner Pflege, Scheut auch seine Prüfung nicht! Tref⸗ fen Schmerzen euch und Leiden, Trübt euch schwerer Kampf die Freuden: Seid voll Glauben! Kampf und Leid Führen euch zur Se— ligkeit. 2. Wandelt liebend eure Wege! Lieb' ist Christi neu Gebot. Daß sie stets in euch sich rege, Schaut auf seinen heil gen Tod! Schaut der Liebe Sieg im Sohne; Denkt der euch verheißnen Krone, Die aus lichter Ferne schon Beut der treuen Liebe Lohn. 3. Wandelt hoffend eure Wege In des Geistes Freu— digkeit, Und daß Niemand Zweifel hege, Ob sein Wir⸗ ken wohl gedeiht! Treu nur müßt ihr sein und beten, Und der Geist wird euch vertreten. Glaubend, lie— bend, hoffend lebt, Bis euch Gott zu sich erhebt! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Hier legt mein Sinn ꝛc. Hebr. 10, 23. 331. WIne des Stunde! Sie führt mich, Gott, zu deinem Bunde, Und dir gelob' ich treu zu sein, Mein ganzes Leben dir zu weihn. 2. Dich will ich über Alles lieben, Mit Eifer deinen Willen üben, Doch ach! du weißt, wie schwach ich bin, Drum stärk' in mir den frommen Sinn. 3. Und dir, mein Hei⸗ land, der sein Leben Für mich am Kreuz dahin gege— ben, Verpflicht' ich mich, mein Herr und Gott, Ge— treu zu sein Bis in den Tod! 4. Doch wenn ich jemals mich verirrte, So suche mich, mein guter Hirte, Mit dei⸗ nem treuen Liebesblick, Und bring' zur Heerde mich zu— rück. 5. Geist Gottes, Geist der Kraft und Liebe, Dir weih' ich alle meine Triebe; Er— leuchte mich in Finsterniß, Und mach' im Glauben mich gewiß! 6. Erinnre du mich, wenn ich fehle, Und stärk' im Kampfe meine Seele, Da⸗ mit, von allem Bösen frei, Mein Herz dein heil'ger Tempel sei. 7. So sei denn Treue dir geschworen, Dreieiniger, der mich erkoren; Und bis zum letzten Herzensschlag Sei heilig mir dein Bun⸗ destag! Neues Berliner Gesangbuch, 189. 18* E 276 XIII. Die heiligen Saeramente. U Mel. Gott Lob, es geht ꝛe. 1. Chron. 17, 34. 2 32 ank, Dank sei 50½. dir für dein Erbarmen, O mein Erlöser, Jesu Christ, Dir, der du einst auch für mich Armen Den Tod am Kreuz gestor⸗ ben bist! O, welch ein Trost ist dies für mich! Was wär' ich, Mittler, ohne dich! 2. Im Glauben will ich dich umfassen, Gewiß, daß du mein Retter bist. Du wirst mich Schwachen nicht verlassen, Du schenkst mir, was mir nützlich ist. Ein Wink von dir, so endet sich Mein Jammer, und ich preise dich. 3. Und soll sie nahn, die ernste Stunde, Die mich dem Irdischen entreißt: Ein mildes Wort aus deinem Munde Erwartet mein er⸗ löster Geist! Wohl mir im Tode! Ew'ges Heil Wird deinen Frommen dort zu Theil! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Gottlob, es geht ꝛc. Offenb. 3, 20. B. Das heilige Abendmahl. Wort und Tod bewährt; Du stehst vor dem mit offnen Armen, Der deine Stimme glaubend hört, Und ziehst ihn in der Buße Schmerz Mit sanfter Liebe an dein Herz. 2. O Jesu, deine Stimme klinget Auch mir entgegen, ja, auch mir! Ich höre sie, und, o, sie dringet, Sie treibt mein ganzes Herz zu dir! Ermuthigt, Herr, durch dein Gebot, Komm' ich, zu feiern deinen Tod. 3. Du hast im Drange deiner Liebe Gestiftet dieses heil'ge Mahl, Daß dein Gedächtniß bei uns bliebe In dieses Lebens dunklem Thal; Und senkst dich selbst im Brot und Wein Ins Inn're unsres Herzens ein. 4. Ich fühl', o Jesu, deine Nähe, Ich ahne deines Gei— stes Licht; Es tagt in mir; es ist, als sähe Ich dich, o Herr, von Angesicht, Wie du am Stamm des Kreuzes starbst Und mir die Selig⸗ keit erwarbst. 5. Was du in diesem Schmerz erduldet, Es war ein Opfer auch für mich! 2 3 3 D; hast ein O 2* ewiges Er⸗Und Alles, was mein Herz barmen, O Herr, durch verschuldet, Ist ausgetilgt, 2 RN —— ort; mit ine Ind uße iebe mme zen, sie, eibt dir! dein ern nge eses dein iebe lem Abst Ins ein. eine GBei⸗ uzes elig⸗ esem war nich! Herz ilgt, B. Das hei ů + 90 Abendmahl. o Herr, durch dich. sichertest mir Blut Vergebung und das höchste Gut. 6. So nah' ich mich, dich zu empfangen, O Herr, in deinem Brot und Wein. Heiß brennt mein Herz und voll Verlangen, Mich dir, mein Heiland, ganz zu weihn. Ich bin gewiß, du nimmst mich an Und lässest Gnade mich empfahn. 7. Dich will ich lieben, o mein Leben! Dir will ich folgen, o mein Licht! Mein ganzes Herz will ich dir geben, Bis hoffend es im Tode bricht. Dann halt' ich in des Himmels Saal Mit dir, o Herr, dein Abendmahl. Johann Christian Hermann Gitter⸗ mann, geb. 1768. Mel. Es ist das Heil uns ꝛc. 2. Tim. 2, 8 334. H im Ge⸗ dächtniß J Je⸗ sum Christ, O Mensch, der auf die Erden Vom Thron des Himmels kommen ist, Dein Bruder da zu werden! Vergiß nicht, daß er dir zu Gut Hat angenommen Fleisch und Blut; Dank' ihm für diese Liebe. 2. Halt' im Gedächtniß Du Jesum Christ, durch dein hat gelitten, Der für dich Ja, gar am Kreuz gestorben ist Und da⸗ durch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll' und Tod Und dich erlöst aus aller Noth; Dank' ihm für diese Liebe. 3. Hält' im Gedächtniß Jesum Christ, Der auch am dritten Tage Siegreich vom Tod erstanden ist, Befreit von Noth und Plage. Be⸗ denke, daß er Fried' ge— macht, Sein' Unschuld Leben wieder bracht; Dank' ihm für diese Liebe. 4. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, Der nach den Leidenszeiten Gen Himmel aufgefahren ist, Die Stätt' dir zu bereiten, Da du sollst bleiben allezeit Und sehen seine Herrlichkeit; Dank' ihm für diese Liebe. 5. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, Der einst wird wieder kommen Und sich, was todt und lebend ist, Zu richten vorgenommen. O denke, daß du da bestehst Und mit ihm in sein Reich eingehst, Ihm ewiglich zu danken. 6. Gieb, Jesu, gieb, daß sch dich kann Mit wahrem Und nie, gethan, Glauben fassen was du an mir mög' und durch den Tod Zu dir ins Leben dringen! Cyriakus Günther, 1650—1704. Mel. Wer nur den lieben ꝛc Dah. 4. 7. eil mir! mir 335. ward das Brot gebrochen, Ich trank, Herr, deines Bundes Wein. Voll Freude hab' ich dir versprochen, Dir treu, dir ewig treu zu sein. Ich schwör' es nun noch einmal dir, Schenk' du nur deine Gnade mir! 2. Hilf mir das Böse überwinden Und stärke mich zu jeder Pflicht. Bewahre mich vor neuen Sünden, Verlaß mich in V zersuchung nicht, Und dein für mich vergoßnes Blut Schenk' mir im Todeskampfe Muth. 3. So soll denn weder Spott noch Leiden, Noch Ehre, Gut und Lust der Welt, Mich, Herr, von dei— ner Liebe scheiden, Die selbst im Tode mich erhält. Du bist und bleibest ewig mein, Laß ewig mich den Deinen sein. Weimarsches Gesangbuch, 1795. 33 36.H lest uns be⸗ reiten Zu deines Mahles Seligkeiten! Sei mitten un⸗ ter uns, o Gott! Leben, Le⸗ ben zu empfahen, Laß wür⸗ dig unser Herz sich nahen, Durch dich vergessen Sünd' und Tod! Denn nur von Sünde rein, Sind wir, o Jesu, dein, Deine Freunde; Laß, laß uns sehn In jenen Höhn Von fern der Ueber— winder Lohn! 2. Die dein Kreuz in jenen Tagen Der Mär⸗ tyrer dir nachgetragen, Verließen oft des Bundes Mahl, Um vorm Blutge⸗ richt zu stehen, Mit dir bis in den Tod zu gehen, Ge— trost in aller Todesqual. Verleih' Beständigkeit Auch uns! Nicht Lust noch Leid Laß uns scheiden, O Herr, von dir; Denn dein sind wir! Im Leben und im Tode dein! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Matth. 11, 28. 33 7. H 1 ich, Y½ Fes Jesu, zu er⸗ füllen, Was du in deiner Leidensnacht, Nach deinem 278 XIII. Die heiligen Sacramente. Mög' aus dem Herzen Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. lassen; Daß dessen ich in Offenb. 19,9. aller Noth Mich trösten Rerr, du wol⸗ er⸗ iner nem Das heilige Abendmahl. 279 gnadenvollen Willen, Zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih zur Uebung dieser Pflicht Mir deines Geistes Kraft und Licht. 2. Es werde mir für mein Gewissen Dein Mahl ein tröstlich Unterpfand, Daß ich, der Sünden Schuld ent⸗ rissen, Durch dich bei Gott Vergebung fand; So freuet meine Seele sich In deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk' ich an die Liebe, Womit du unser Heil bedacht. Wie stark sind deine Mitleids⸗ triebe, Die dich bis an das Kreuz gebracht! O, gieb von deinem Todesschmerz Jetzt neuen Eindruck in mein Herz. 4. Laß mich mit Ernst die Sünde scheuen, Für welche du am Kreuze starbst, Durch schnöden Mißbrauch nie entweihen, Was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zur Sicherheit Der Trost, den mir dein Tod verleiht. 5. Ich übergebe mich aufs Neue, O du, mein Herr und Gott, an dich; Ich schwöre dir beständ'ge Treue An deinem Tische feierlich; Dein eigen will ich ewig sein. Du starbst für mich; dein. 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen Des Dien⸗ stes, den man dir erweist; Nie mich zu einem Schritt bequemen, Den mein Ge⸗ wissen sündlich heißt. O, flöße mir den Eifer ein, Wie du, o Herr, gesinnt zu sein! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben Und, wenn er strauchelnd was versieht, Versöhnlichkeit und Sanftmuth üben; Nie komm' es mir aus dem Gemüth, Welch eine schwere Sünden⸗ lafst Du mir aus Huld er⸗ lassen hast. 8. Es stärke sich in mir der Glaube, Daß meine Seele ewig lebt, Und daß einst aus des Grabes Staube Mich dein allmächt'ger Ruf erhebt, Wenn du dich, großer Lebensfürst, Den Völkern sichtbar zeigen wirst. 9. Hier lieg' ich, Herr, zu deinen Füßen, Mit Lob und Dank, Gebet und Flehn. Laß neue Gnade auf mich fließen; Mein Heiland, laß es doch geschehn, Daß mir zur Stärkung meiner Treu' Dein Abendmahl gesegnet sei. drum bin ich M. David Bruhn, 1727—1782. 280 XIII. Die heiligen Saeramente. Mel. An 20. Matth. 11, 28 338. komme, I Herr, und suche dich, Mühselig und beladen. Gott, mein Er⸗ barmer, würd'ge mich Des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten! Ich fühle meiner Sünden Müh'; Ich suche Ruh' und finde sie Im Glauben der Er⸗ lösten. 2. Dich bet' ich zuver— sichtlich an, Du bist das Heil der Sünder. Du hast die Handschrift abgethan, Und wir sind Gottes Kin⸗ der. Ich denk' an deines Leidens Macht Und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil ver⸗ dienet. Du hast für mich dich dargestellt. Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich versühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sünden Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad' um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: Sei ge⸗ trost, mein Sohn, Die Schuld ist dir vergeben, Du bist in meinen Tod getauft, Und du wirst dem, der dich erkauft, Von ganzem Herzen leben! 4. Dein ist das Glück der Seligkeit, Bewahr' es hier im Glauben Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; Ich bin der Weinstock, bleib' an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg ge⸗ lingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; Ich will es treu erfüllen Und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an wür⸗ dig sein, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt be⸗ weisen! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛe. Jes. 65, 13. 3 3 9 Ich komm' jetzt e · Nals ein ar⸗ mer Gast, O Herr, zu dei⸗ tauft, r dich berzen Glück r' es laß Dir Sieh, dir; bleib' t du helfe Und mich ge⸗ Glück ill es bitte Um Zillen. wür⸗ Herz Und Laß igung erung be⸗ ellert, ben ꝛc. jetzt n ar⸗ dei⸗ B. Das heilige Abendmahl. 281 nem Tische, Den du für mich bereitet hast, Daß er mein Herz erfrische, Wenn mich der Seelenhunger nagt, Wenn mich der Durst des Geistes plagt, Bis mich dein Mahl erquicket. 2. Nun sprichst du, See⸗ lenbischof, dort:„Ich bin das Brot zum Leben; Dies Brot treibt auch den Hunger fort, Den sonst Nichts mag aufheben. Ich bin der Trank: wer glaubt an mich, Den wird der Durst nicht ewig⸗ lich An Leib und Seele brennen.“ 3. Drum führe mich, o treuer Hirt, Auf deine Him— melsauen, Bis meine Seel' erquicket wird, Wenn du sie lässest schauen Die Ströme deiner Gütigkeit, Die du für Alle hast bereit, So deiner Hut vertrauen. 4. Ich armes Schäflein suche dich Auf deiner grünen Weide; Dein Lebensmanna speise mich Zum Trost in allem Leide; Es tränke mich dein theures Blut, Auf daß mich ja kein falsches Gut Von deiner Liebe scheide. 5. Gleichwie des Hirsches mattes Herz Nach frischem Wasser schreiet, So meine Seel' in tiefem Schmerz; Ach, laß mich sein befreiet Von meiner schweren Sün⸗ denpein Und schenk' den Lebenstrank mir ein: Dann bin ich benedeiet! 6. Vor Allem aber wirk' in mir Ein' ungefärbte Reue, Daß ich vor sündlicher Be— gier Mit ganzem Ernst mich scheue; Zieh' mir den Rock des Glaubens an, Der dein Verdienst ergreifen kann, Damit mein Herz sich freue. 7. Entzünd' in mir der Andacht Brunst, Daß ich die Welt verlasse Und deine Treue, Gnad' und Gunst In dieser Speise fasse, Daß durch dein Lieben Lieb' in mir Zu meinem Nächsten wachs' herfür Und ich fort Niemand hasse. 8. Ach, führe mich nur selbst von mir! Bei mir ist Nichts denn Sterben; Nimm aber mich, o Herr, zu dir! Bei dir ist kein Verderben. In mir ist lauter Höllen— pein, In dir ist Nichts als Seligsein Mit allen Him⸗ melserben. 9. Erneure mich, o Le⸗ bensstab, Mit deines Geistes Gaben: Laß mich der Sünde sagen ab, Die mich sonst pflegt zu laben; Re⸗ giere meinen trägen Sinn, Daß er die Lüste werfe 282 XIII. Die heiligen Saeramente. hin, Die er sonst pflegt zu haben! 10. So komm nun, o mein Seelenschatz, Dich kann ich nimmer missen! Mein Herze giebt dir Raum und Platz Und will von Keinem wissen Als nur von dir, mein Bräutigam, Die⸗ weil du mich am Kreuzes— stamm Aus Noth und Tod gerissen. 11. Nimm, liebster Hei⸗ land, großen Dank Für deine Süßigkeiten! Ich fühl' der Sehnsucht heißen Drang Und wart' auf jene Zeiten, In welchen du, o Lebens⸗ fürst, Mich sammt den Aus⸗ erwählten wirst Zur Him⸗ melstafel leiten. M. Justus Sieber, 1628—- 1695. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛc. Hebr. 10, 14. 340 ch preise dich, e o Herr, mein Heil, Für deine Todesleiden. Hab' ich an ihren Früchten Theil, Was fehlt dann mei⸗ nen Freuden? Du warst ein Opfer auch für mich: O, gieb, daß meine Seele sich Deß ewig freuen möge! 2. Du lässest mich in deinem Tod Das wahre Leben finden: Erlösung aus der größten Noth, Verge— bung aller Sünden, Ge⸗ wissensruh', zur Beßrung Kraft, Das hast du, Herr, auch mir verschafft, Da du am Kreuze starbest. 3. Dein Abendmahl ist mir ein Pfand Von deiner großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! O, stärke mein Gemüthe Zum gläubigen Vertraun auf dich, Daß ich, so lang' ich lebe, mich An deine Gnade halte! 4. Ich fühle, Herr, voll Reu' und Schmerz Die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz Den großen Trost empfin⸗ den, Daß du aus großer Lieb' und Huld Auch mir Vergebung meiner Schuld Auf Buße hast erworben. 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, Werd' ewig mir zum Segen; Er stärke mich mit neuer Kraft, Auf allen meinen Wegen Nur das zu thun, was dir gefällt Und alle Furcht und Lust der Welt Standhaft zu überwinden. 6. Wie soll ich die Barm— herzigkeit, Die du mir thust, ermessen? Gieb, daß ich sie zu keiner Zeit Undankbar mag vergessen, Daß ich aus echter Gegentreu' Dir bis zum dir zu 7. große Auger Hinde Bahn dein Und Geist führet 8. du di geben wecke nach mich werd' rückt, Leber Johann nen. voll, nahn Leib, Ge⸗ zrung Herr, a du ist einer hast 1 Zum dich, lebe, znade voll Last Laß Herz ipfin⸗ roßer mir chuld en. mir Werd' Er Rraft, Vegen 8 dir t und ft zu zarm⸗ thust, ch sie nkbar haus bis B. Das heilige Abendmahl. 283 zum Tod ergeben sei Und dir zur Ehre lebe. 7. Laß deines Leidens großen Zweck Mir stets vor Augen stehen; Nimm alle Hindernisse weg, Die ebne Bahn zu gehen, Die mir dein heilig Vorbild weist, Und die einst den erlösten Geist Zu deiner Freude führet. 8. Zu meinem Heile hast du dich Für mich dahin ge— geben: Dein Abendmahl er⸗ wecke mich, Mit Ernst dar⸗ nach zu streben. Herr, mache mich dazu geschickt, Und werd' ich einst der Welt ent— rückt, So sei dein Tod mein Leben! Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. Mel. O Gott, du frommer ꝛe. Matth. 10, 32. J will, o Yesa, dich Und deiuen Tod bekennen. O möchte doch mein Herz Von Dank und Liebe bren— nen. Ich komme glaubens⸗ voll, Mich d deinem Mahl zu nahn, Ich will jetzt deinen Leib, Ich will dein Blut empfahn. 2. Herr, diese Güter sind Mein inniges Verlan— gen. Bereite du mein Herz, Sie würdig zu empfangen. Mir soll dein Abendmahl Ein rührend Denkmal sein Von deiner Lieb' und Treu', Von deiner Angst und Pein. 3. Aus Liebe kamst du, Herr, Und hast dein theures Leben Für meine Seligkeit Zum Opfer hingegeben. Du starbst und schenktest mir Dies unschätzbare Gut, Du hast es mir erkauft Mit deinem theuren Blut. 4. Dir, Heiland, will ich mich Mit Seele, Leib und Leben, Mit Allem, was ich bin, Zum Opfer wiedergeben. O nimm, mein Herr, mich ganz Zum Eigen⸗— thume hin, Der ich so theuer dir Zum Dienst erkaufet bin. 5. Laß wahre Liebe mich An meinem Nächsten üben Und, wie du mich ge— liebt, Selbst meine Feinde lieben. Wir sind ja insge— sammt Auf deinen Tod ge— tauft Und alle durch dein Blut Zum ew'gen Heil erkauft. 6. Hilf, daß ich als ein Christ Nur dir zu Ehren lebe, Dir glleichgesinnet sei Und nach dem Himmel strebe. Gieb durch dein Abendmahl Mir dazu Lust und Kraft, Gieb mir den Himmel einst Am Ziel der Pilgerschaft. Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. XIII. Die heiligen Sacramente Eigene Melodie. 1. Cer. 11, 26. 5542. vor dem Scheiden In deiner letzten Trauernacht Uns hast die Früchte deiner Leiden In einem Testament ver⸗ macht, Es preisen gläubige Gemüther Dich, Stifter die— ser hohen Güter! 2. So oft Mahl genießen, Gedächtniß bei uns neu; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brün⸗ stig deine Liebe sei. Dein wir dieses Wird dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Verneuern sich in unsren Herzen. 3. Es wird dem m den Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, D Daß unser Schuldbrief sei zer⸗ rissen, Daß unsre Hand⸗ schrift sei zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blut'gen Wunden finden 4. Das Band wird fester zugezogen, Das dich und uns zusammenfügt; Die Freundschaft, die wir sonst gepflogen, Fühlt, wie sie neue Stützen kriegt: Wir werden mehr in solchen zu Einem Stunden Mit dir Geist verbunden. 5. Dies Brot kann wahre Nahrung geben, Dies Blut erquicket unsren Geist; Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dies geneußt; Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unsrem Kampf und Glau⸗ benswerke. 6. Wir treten in ge⸗ naure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele sein: Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wir Ein Fleisch und Blut ge⸗ nießen. 7. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, Daß unser Fleisch, das schwachheitsvoll, Einst herr— lich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll, Ja, daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. ö 8. O theures Lamm, so edle Gaben Haͤst du in die⸗ ses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher Verdie Zunge esche Geist wird loben. Mel. 2 V Fromi Heilar neuen Christ cher Ist k 55.— Len uns 1 dich dich drücke zu e auch 8. Sünd zu en als auch Leben Mich sühnt 4. kann „Dies Geist; innres Hlaube fühlen rke In Glau⸗ deines Stande Seele mehr a wir ö ut ge⸗ muß dienen, das t herr⸗ grünen werden ns ein diesem um, so in die⸗ a wir haben, Geist hl ist Ein jener Ehr? Ein ö ö Mit B. Das heilige Abendmahl. 7 285 solcher hoher Liebesschein Verdient, daß aller Engel Zungen Zu dessen Ruhm geschäftig sei'ln. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommner loben. Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. Mel. Alles ist an Gottes ꝛc. Jer. 50, 5. 242 Mitden Schaa⸗ 5543. Ul ren deiner Frommen Will auch ich, o Heiland, kommen Zu des neuen Bundes Mahl. Alle Christen sind geladen; Rei⸗ cher König, deiner Gnaden Ist kein Maaß und keine Zahl! 2. Welche große Selig⸗ keiten Willst du, Mittler, uns bereiten! Seele, freu' dich seiner Huld! Wenn dich Sünd' und Elend drücken, Gott ist hier, dich zu erquicken, Jesus tilgt auch deine Schuld. 3. Darf ich, Herr, ich Sünder, nahen, Deine Gnade zu empfahen? Ich, der Nichts als Fluch verdient! Ja, auch mir bist du gestorben, Leben hast du mir erworben, Mich durch deinen Tod ver⸗ sühnt. 4. Den Gedanken darf ich wagen, Darf ihn laut voll Freuden sagen: Ich soll Eins mit Jesu sein! Um mir Gnade zu erwerben, Wollt' er für mich Sünder sterben, Jesus und sein Heil ist mein. 5. Wer nur glaubt, wird nicht verloren, Er wird rein und neu geboren, Dro—⸗ ben ist sein Vaterland. Freuet euch, erlöste Sünder! Gott ist Vater, wir sind Kinder, Hier ist der Erlösung Pfand; 6. Pfand von Christi Tod und Leben, Wenn wir ihm, nicht uns mehr leben, Siegel unsrer Seligkeit! Aber Siegel des Gerichtes, Wenn wir fliehn den Weg des Lichtes, Wenn uns noch die Sünde freut! 7. Seele, denk' an deine Würde, Und drückt dich des Leidens Bürde, Denk' an deinen großen Lohn! Kämpfe wider jede Sünde, Streite männlich, überwinde; Deine Krone wartet schon! Caspar Neumann, 1648—1715. Mel. Schmücke dich, o liebe ꝛe. Röm. 8, 15. 344. Mobru Seele! Zage nicht ob deiner —.....s 286 XIII. Die heiligen Sacramente. Fehle! Dem du nahst, der prüft die Herzen, Kennt die Schuld, doch auch die Schmer— zen, Kennt die Reue, die dich beuget Und von deiner Lieb' ihm zeuget, Kennt dein sehnliches Verlangen, Fest und treu ihm anzuhangen. 2. Nah' dem Herrn dich, zu verkünden Seinen Tod für unsre Sünden, Nahe dich ihm und erfahre, Wie er segnet am Altare. Hier ist Heil auf dein Verlangen, Fasse Muth, es zu empfan⸗ gen; Sterben nicht, nein, leben, leben Sollst du, denn dir ist vergeben. 3. Nun, so nah' ich mich zum Leben, Nicht mit Angst⸗-, mit Freude-Beben. Kommt, o kommt, ihr meine Brüder, Werft mit mir vor ihm euch nieder! Froh vereint in Dankgebeten Laßt zu seinem Tisch uns treten; Gleicher Staub und gleiche Geister, Ueber uns Ein Herr und Meister! 4. Allen wird sein Brot gebrochen, Allen hat sein Mund versprochen: Die der Vater mir gegeben, Führ' ich ein zum ew'gen Leben. Führ' uns, treuer Hirt, durch Freuden, Führ' uns, so du willst, durch Leiden; Sieh, wir folgen mit Ver⸗ trauen, Hier zum Glauben, dort zum Schauen! 5. Nur daß sich zu neuen Sünden Nicht die alten Lüst' entzünden, Nicht die Macht des Angewöhnten, Täusch' aufs Neu' die Gott⸗ versöhnten; Nur daß, was wir hier errungen, Von der Welt bleib' unbezwungen: Das nur! Sonst thu' mit uns Allen, Herr, nach deinem Wohlgefallen! 6. Nun, in Demuth, Lieb' und Treue Wandeln, Brüder, wir aufs Neue Jeder hin auf seinem Pfade, Neugestärkt durch Gottes Gnade; Warten still, bis wir, gerufen Zu des ew'gen Thrones Stufen, All' uns endlich mit den Seinen Selig dort mit ihm ver⸗ einen. Johann Friedrich Rochlitz, 1769—1842. Nel. O Haupt voll Blut ꝛe. Apostelgesch. 10, 43. 345. NIr 10. mer, Mich deinem Tisch zu —— nahn; Du aber siehst, Er barmer, Mein Sehnen gnädig an. Ich glaube deinem Worte, Vergebung ist bei dir, Und offen steht die Pforte Der Seligkeit auch mir! 2. gegel ist, zum söhnu daß Zur 36 mich 3. hang Nur lange sein, 34 3 barm ger Vers mich mich bist. Leide Bis Auge 2. dein ward Bun grun —— auben, ch zu 9t die Nicht hnten, Gott⸗ „ was on der ingen: U u' mit einem muth, ndeln, Neue Pfade, Hottes I, bis ew'gen l' uns deinen iver⸗ —1842. ut ꝛc. ürdig h Ar⸗ h zu Er rädig inem bei die auch B. Das heilige Abendmahl. 287 2. Dein Leib, der hin⸗ Dir, treuster Heiland, ewig gegeben Für uns als Opfer treu zu sein. Gerühret ist, Dein Blut, das uns schwör' ich nun noch einmal zum Leben Und zur Ver⸗ dir, Schenk' zur Erfüllung söhnung fließt,— Hilf, deine Gnade mir. daß sie Lust und Stärke 3. Im Streite hilf mir Zur Tugend mir verleih'n, überwinden Und gieb mir Zu jedem guten Werke Für Kraft, auch zu der schwersten. mich ein Antrieb sei'n. Pflicht; Bewahre mich vor 3. Dir seufz' ich anzu⸗ neuen Sünden, Naht sich hangen, Erbarmer, dir allein, Versuchung, so verlaß mich Nur du sollst mein Ver— nicht; Und dein für mich langen, Mein Ein und Alles am Kreuz vergoßnes Blut sein, Mein Vorbild in der Schenk' mir im Todeskampfe Freude, In Uebung jeder Trost und Muth. Pflicht, Mein Tröster, wenn 4. Und euch, ihr seines ich leide, Und wenn mein Leibes Glieder, Die des Auge bricht. Erlösers Heil, wie mich, er⸗ N. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. freut, Euch lieb' ich stets als meine Brüder, Als Mitgenossen seiner Herrlich— keit. Wir Alle haben Einen 346 I habe Dank Herrn und Gott, Uns Alle 2 für dein Er⸗ speist und tränkt Ein Wein, barmen, Sohn Gottes, heil⸗Ein Brot. ger Mittler, Jesu Christ! 5. Wie jetzo wir ver⸗ Versöhnt mit Gott hast du sammelt waren, Um seine mich Armen, Da du für Gnade dankbar zu erhöhn, mich am Kreuz gestorben So werden mit der Engel bist. Laß deines bittren Schaaren Wir einst vor sei⸗ Leidens Angst und Peinnem Thron anbetend stehn Bis an mein Ende mir vor Und preisen, als sein Erb' Augen sein. und Eigenthum, Ohn' Ende 2. Heil mir, mir ward seines Namens hohen Ruhm. dein Brot gebrochen, Mir 6. Mit euch vor ihm ward gereicht, Herr, deines einst zu erscheinen Zum sel'⸗ Bundes Wein! Aus Herzens⸗gen Anschaun seiner Herr⸗ grund hab' ich versprochen, lichkeit, Will ich mich hier V Mel. Dir, dir, Jehova, will ꝛc. Offenb. 19, 9. 288 XIII. Die heiligen Sacramente. mit euch vereinen, Treu zu vollbringen, was sein Wort gebeut. Dann geh' ich freudig im Triumph mit euch, Ihr Auserwählten, in sein Himmelreich. 7. So soll denn weder Spott noch Leiden, Nicht Ehr' und Freude, nicht die Lust der Welt Mich, Herr, von deiner Liebe scheiden, Die selbst im Tode noch mich schützt und hält! Du, Herr, du bist und bleibest ewig mein! O laß auch ewig mich dein eigen sein! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r ꝛe. Joh. 1, 29. 347. Oe lamm, Der du aus Lieb' am Kreuzesstamm Für mich den Tod gelitten hast Und trugest meine Sündenlast, 2. Ich komm' zu deinem Abendmahl, Verderbt durch manchen Sündenfall, Krank, unrein, arm; du kennest mich! Schwach bin ich, ach, erbarme dich! 3. Du, Jesu, bist der Sünder Freund, Der Bei⸗ stand, der es redlich meint, Der Traur'gen Trost, der Schwachen Kraft, Der alles Gute in uns schafft. 4. Zu dir, mein Helfer, komm' auch ich; Ach, reinige, ach, heil'ge mich! Gieb neue Kraft, gieb neues Licht! Ich weiß, Herr, du verstöß'st mich nicht. 5. Dein Wort schein' mir in Finsterniß, Dein Geist mach' meinen Geist gewiß, Entkräft' in mir der Sünde Lust, Dämpf' ihre Macht in meiner Brust. 6. Dein Liebesmahl, du Lebensbrot, Erweck' auch mich, mein Herr und Gott, Daß ich im Glauben stets dir treu Und dankbar und gehorsam sei! 7. Lösch' alle Laster aus in mir Und bilde ganz mein Herz nach dir, Daß ich ohn Falsch und Heuchelei, Herr, deinem Bilde ähnlich sei. 8. Dann bleib' ich, o mein bester Freund, Mit dir im Glauben fest ver⸗ eint; Ich weiß, daß mich dein Auge schützt Und du mir giebst, was ewig nützt. 9. Durch dieses deines Bundes Kraft Hast du mir neuen Muth verschafft. Mit täglicher, mit reicher Huld Bedeckst du meiner Schwach— heit Schuld. 10. Befest'ge mich in meiner Pflicht, Dein freud“ ger Geist verlaß mich nicht! Ach, in R lich * mir derb scheit Seg diese 1 o Le Him Mit: Mit Nae Mel 6 4 mein Fre Laß elfer, nige, neue Licht! öß'st thein' Dein Geist r der ihre I, du auch Hott, stets und aus mein nützt. eines mir Mit Huld vach⸗ in reud'⸗ richt! B. Das heilige Abendmahl. 289 Ach, laß mich meine Tag' in Ruh' Und Frieden christ⸗ lich bringen zu. 11. Gott ist für mich; mir kann kein Feind Ver⸗ derblich sein; was böse scheint, Verwandelt mir in Segen sich. O, stärk' in diesem Glauben mich! 12. Und wenn du mich, o Lebensfürst, Einst in den Himmel nehmen wirst, Dann, Mittler, Jesu, freu' ich mich Mit allen Sel'gen ewiglich. Nach Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Wach' auf, mein Herz ꝛc. Ps. 103, 1—3. 348 JVesu, meine * Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich g'nug⸗ sam schätzen Dies himmel⸗ süß“ Ergötzen Und diese theuren Gaben, Die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dir's verdanken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja, selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg' und Wunden, Die du für mich empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden, Dir dank' ich für dein Sehnen Und heißvergoßne Thränen. 6. Dir dank' ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben, Dir dank' ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Jetzt schmecket mein Gemüthe Dein' übergroße Güte; Dies theure Pfand der Gnaden Tilgt allen meinen Schaden. 8. Herr, laß mich's nicht vergessen, Daß du mir zu— gemessen Die kräft'ge Him⸗ melsspeise, Wofür mein Herz dich preise! 9. Du wollest ja die Sünde, Die ich annoch em— pfinde, Aus meinem Fleische treiben Und kräftig in mir bleiben. 10. Nun bin ich losge— zählet Von Sünden und vermählet Mit dir, mein liebstes Leben: Was kannst du Werthres geben? 11. Laß, Schönster, meine Seele Doch stets in dieser Höhle Des Leibes mit Verlangen An deiner Liebe hangen; 12. Laß mich die Sünde 19 290 XIII. Die heiligen S aeramente. meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten; 13. Im Handeln, Wan⸗ deln, Essen Laß nimmer mich vergessen, Wie trerfflich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! 14. Nun kann ich nicht erderben; Drauf will ich elig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen! Johann Rist, 1607—1667. ve j Eigene Melodie. Offenb. 19, 8 3 49 chmücke dich, * o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht ge— gangen, Fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden: Der den Himmel kann ver⸗ walten, Will jetzt Herberg' in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der da mit dem Gnadenhammer Klopft an deine Herzenskammer; Oeffn' ihm bald die Geistespforten, Red ihn an mit schöner Worten, Sprich: Mein Heil, laß dich umfangen, Laß mich immer an dir hangen. 3. Zwar beim Kaufen theurer Waaren Pflegt man sonst kein Geld zu sparen; Aber du willst für die Gaben Deiner Huld kein Geld nicht haben, Weil in allen Bergwerksgründen Kein solch Kleinod ist zu finden, Das die blutgefüllten Scha—⸗ len Und dies Manna kann bezahlen. 4. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten, Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott Heil'ge Lust und tiefes Banden Nimmt mein Herze jetzt gefangen; Das Ge⸗ heimniß dieser Speise Und die unerforschte Weise Machet, daß ich früh Vermerke. Herr, die Größe deiner Stärke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, Der dein' All⸗ macht sollt' ergründen? 6. Nein, Vernunft die muß hier weichen, Kann dies Wunder nicht erreichen, HD3 Daß dies Brot nie wird 5 mich aufen man die kein eil in Kein inden, Scha⸗ kann mein eund, „wie ränen sst zu t mich Trank ünsche ebeine Gott tiefes Kann ichen, wird aren; ö B. Das heilige Abendmahl. 291 verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut ge— geben. O der großen Heim⸗ lichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten! 7. Jesu, meine Lebens⸗ sonne,-Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, Hier fall' ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich ge— nießen Dieser deiner Him⸗ melsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preise! 8. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel hergetrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns ge⸗ geben Und dazu ganz un⸗ verdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 9. Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Tisch gela— den; Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög' dein Gast im Himmel werden! Johann Frank, 1618-1677. Mel. Allein Gott in der ꝛe. Offenb. 3, 20. Joh. 14, 23. 350 Wie heilig ist • die Stätte hier, Wo ich voll Andacht stehe! Sie ist des Himmels Pforte mir, Die nun ich offen sehe. O Lebensthor, o Tisch des Herrn! Vom Himmel bin ich nicht mehr fern Und fühle Gottes Nähe. 2. Wie heilig ist dies Lebensbrot, Dies theure Gnadenzeichen, Vor dem des Herzens Angst und Noth Und alle Qualen weichen! O Brot, das meine Seele nährt, O Manna, das mir Gott beschert, Dich will ich jetzt genießen. 3. Wie heilig ist doch dieser Trank, Der mein Verlangen stillet, Der mein Gemüth mit Lob und Dank Und heil'ger Freud' er⸗ füllet! O Lebenstrank, o heil'ges Blut, Das einst geflossen mir zu Gut', Dich will ich jetzt empfangen. 4. Welch unaussprechlich Glück ist mein, Welch Heil hab' ich gefunden! Mein Jesus kehret bei mir ein, Mit ihm werd' ich ver— bunden. Wie ist mein Herz so freuden voll, Daß ich in Jesu leben soll, 19⁴ 292 XIV. Das Gebet. Und er in mir will leben! 5. O, wär' doch auch mein Herz geweiht Zu einer heil'gen Stätte, Damit der Herr der Herrlichkeit An mir Gefallen hätte! O, wäre doch mein Herz der Ort, An welchem Jesus fort und fort Aus Gnaden Woh⸗ nung machte! 6. Mein Jesu, komm und heile mich, Was sündlich ist, vertreibe, Damit ich nun und ewiglich Dein Tempel sei und bleibe! Von dir sei ganz mein Herz erfüllt; Herr, laß dein heilig Eben— bild Beständig an mir leuchten! 7. Nun, du hast himm⸗ lisch mich erquickt, Du hast dich mir gegeben; In dir, der mich so hoch beglückt, Will ich nun stündlich le— ben. Laß mich, mein Hei⸗ land, allezeit, Von nun an bis in Ewigkeit, Mit dir vereinigt bleiben! Nach Dr. Valentin Ernst Löscher, 1673—1749. Eigene Melodie. Joh. 6, 56. — ir lauben 3 51. W· All und bekennen frei, Daß nach Christi Wort Dies Brot der Leib Christi sei, Der für unsre Sünd' und Missethat Litt am Kreuz den bittren Tod; 2. Desgleichen der Wein in seiner Art Sein unschul— dig Blut, Welch's am Kreuz vergossen ward Uns und allen Gläubigen zu Gut', So ihm folgen in Demuth. Michael Weiß, ums Jahr 1540. IIV. Das Gebet. Mel. Meinen Jesum lass' ꝛe. Joh. 16, 23. + ete nur, be— 352. 6 trübtes Herz, Wenn dich Angst und Kum⸗ mer kränken; Klag' und sag' Gott deinen Schmerz, Er wird endlich an dich denken; Gott wird dein Ge⸗ bet und Flehn, Ist es ernstlich, nicht verschmähn. 2. Gott wird dein Gebet und Flehn Dir zur rechten Zeit gewähren; Glaube nur, es wird geschehn, Was die Frommen hier begehren; — Den Schu tes 2 Herz Nan hinte schor Deir Mac gut. 4 Blu Flat tem nun getr Bet Not 5 Not 3wã sche dich fel, sehr Sei 0 Sei dir hier En sche dein bet. Hei⸗ n an dir scher, Uben und nach t der für ethat ttren Wein schul⸗ am Uns zu nain 1540. Ge⸗ 8 hn. Hebet chten nur, 5 die hren; XIV. Das Gebet. 293 —— Denn Gott kennet deinen Schmerz, Bete nur, betrüb⸗ tes Herz! 3. Bete nur, betrübtes Herz, Bete stets in Jesu Namen; Wirf die Sorgen hinterwärts, Gott spricht schon das süße Amen; Deines Jesu Tod und Blut Macht dein Beten echt und gut. 4. Deines Jesu Tod und Blut Stillet des Gewissens Flammen; Bete mit beherz⸗ tem Muth, Gott kann dich nun nicht verdammen; Sei getreu bis in den Tod, Beten hilft aus aller Noth. — 5. Beten hilft aus aller Noth, Ei, so bete ohne Zweifel; Bist du arm, Gott schenkt dir Brot; Schreckt dich Hölle, Welt und Teu⸗ fel, Bete nur, so wirst du sehn, Gott wird dir zur Seite stehn. 6. Gott wird dir zur Seite stehn, Vor wem sollte dir nun grauen? Mußt du hier auf Dornen gehn, Endlich sollst du Rosen schauen, Denn Gott kennet deinen Schmerz; Bete nur, betrübtes Herz. Johann Gottfried Krause, 1685—1746. Eigene Melodie. Ephes. 5, 19. 20. 353 ir, dir, Ze⸗ e. hova, will ich singen; Denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen: Ach, gieb mir dei— nes Geistes Kraft dazu, Daß ich es thu' im Namen Jesu Christ, So wie es dir durch ihn gefällig ist. 2. Zieh' mich, o Vater, zu dem Sohne, Damit dein Sohn mich wieder zieh' zu dir; Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine Sinnen und Verstand re— gier', Daß ich den Frieden Gottes schmeck' und fühl' Und dir darob im Herzen sing' und spiel'! 3. Verleih' mir, Höchster, solche Güte, So wird ge— wiß mein Singen recht ge⸗ than; So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet' dich im Geist und Wahrheit an; So hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, Daß ich dir Psalmen sing' im höhern Chor! 4. Denn der kann mich bei dir vertreten Mit Seuf⸗ zern, die ganz unaussprech⸗ lich sind; Der lehret mich recht gläubig beten, Giebt Zeugniß meinem Geist, daß 294 XIV. Das Gebet. ich dein Kind Und ein Mit⸗ erbe Jesu Christi sei, Da⸗ her ich Abba, lieber Vater, schrei'. 5. Wenn dies aus mei⸗ nem Herzen schallet Durch deines heil'gen Geistes Kraft und Trieb, So bricht dein Vaterherz und wallet Ganz a gegen mich vor heißer Lieb', Daß mir's die Bitte nicht versagen kann, Die ich nach deinem Willen hab' gethan. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, Das ist nach deinem Willen einge⸗ richt't Und wird gewiß von dir erhöret, Weil es im „Namen deines Sohns ge— schicht, Durch welchen ich dein Kind und Erbe bin Und nehme von dir Gnad' um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugniß habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit Und weiß, daß alle gute Gabe, Die ich von dir verlange jederzeit, Die giebst du und thust über⸗ schwenglich mehr, Als ich verstehe, bitte und begehr'. 8. Wohl mir! ich bitt' in Jesu Namen, Der mich zu deiner Rechten selbst ver— tritt; In ihm ist alles Ja und Amen, Was ich von dir im Geist und Glauben bitt'. Wohl mir, Lob dir jetzt und in Ewigkeit, Daß du mir schenkest solche Se— ligkeit! Bartholomäus Crasselius, 1667—1724. Mel. Dir, dir, Jehova, will ꝛe. Joh. 16, 23. 354. Ecner Wer mals fehlen, Dafür bürgt ihres Herrn und Meisters Wort, Denn wahrlich, spricht der Freund der Seelen, Ihr seid der Gnade Kinder hier und dort; Was ihr auch bitten wollt im Namen mein, So ihr nur glaubt, es soll gewähret sein. 2. Fahr' hin, o Welt, mit deinen Freuden, Sie stillen nicht das Sehnen meiner Brust; Und wär' es unter tausend Leiden, Mein Gott allein bleibt meiner Seele Lust. An seiner Thür klopft nie vergebens an, Wer ihr im Namen Jesu nahen kann. 3. Wie reich ist, wer dem Worte glaubet, Er nennt der Schätze wunder⸗ barsten sein; Ob ihm die Welt auch Alles raubet, Er geht im Vaterhause aus und ein; An Jesu Hand, in seinem Namen werth Empf sein 4. siehst rem Sein Liebe Was von aber still was 5. eitle Welt nicht Seel um Um Kind Ame zurü 6. Gna Gott Bis leger Kroꝛ Jesu beim wille Gei Mel . von den nie⸗ ürgt sters richt len, nder ihr men lsubt, Lelt, Sie nen 965 NRein iner Thür an, Jesu wer Er ider⸗ die Er aus and, Herth XIV. Das Gebet. 295 Empfängt in Füll' er, was sein Herz begehrt. 4. Laß dich's nicht irren, siehst du kämpfen Mit bitt'⸗ rem Weh', die Gott die Seinen nennt; Des Vaters Liebe will nur dämpfen, Was die Erwählten hier von ihm noch trennt; Sie aber halten ihm in Demuth still Und wollen Nichts, als was der Vater will. 5. Sie bitten nie um eitle Güter, Und was die Welt ergötzt, besticht sie nicht; Sie rufen zu dem Seelenhüter Um Höheres, um seiner Wahrheit Licht, Um seine Huld, um voller Kindschaft Glück, Und— Amen! klingt es in ihr Herz zurück. 6. So wandeln, unter Gnadenregen Still wachsend, Gottes Kinder ihre Bahn, Bis sie zuletzt sich schlafen legen, Um ihres Glaubens Krone zu empfahn; In Jesu Schmuck ziehn sie beim Vater ein, Um Jesu willen sind sie ewig sein. Geistliche Lieder von Adolyh Nicolai, 1855. Mel. Ich ruf' zu dir, Herr ꝛe. Röm. 14, 8. 3 5 5 H mein Er⸗ löser, nur von dir Kann ich mir Hilf' erflehen. Vernimm mein Seufzen, eile, mir, Mein Helfer, beizustehen! Des wahren Glaubens Kraft und Licht, Das selige Bestreben, Dir zu leben, Und Muth zu dieser Pflicht, Das wol⸗ lest du mir geben! 2. Du hast ein königlich Gebot Mir tief ins Herz geschrieben: Von ganzer Seele soll ich Gott, Wie mich, den Nächsten lieben. Wenn ich nach deinem Worte thu'“, So hab' ich schon hienieden Großen Frieden; Und welches Heil hast du Dem Frommen dort be⸗ schieden! 3. Laß denn kein Leiden dieser Zeit, Kein Glück mich dir entreißen, Denn du hast deine Seligkeit Den Treuer nur verheißen. Doch könn⸗ ten sie, durch ihre Müh' Die Krone zu verdienen, Sich erkühnen? Aus Gnaden schenkst du sie, Und du er⸗ warbst sie ihnen. 4. Freund meiner Seele, du bist ihr Der Weinstock, sie die Rebe. Zeuch sie dir nach, daß sie zu dir Sich von der Welt erhebe! Ja, laß mich, wenn ich sterben soll, Auf deine Gnade bauen, Dir vertrauen Und 296 XIV. Das Gebet. dann dort wonnevoll Dein Antlitz ewig schauen! 5. Ich kämpf', ermatt' und strauchle oft; Hilf, Herr, mein Hort, dem Schwachen, Der nur auf dich in De— muth hofft, Du kannst mich mächtig machen! In jeder Seelennoth laß mich Bei dir Erbarmung finden, Trost empfinden Und endlich, Herr, durch dich In Allem über— winden! Schleswig⸗-holsteinisches Gesangbuch. Mel. Jesu, meine Freude ꝛc. Joh. 16, 23. 356. R faß und aßt uns beten! Oft vor Gott zu treten, Ist der Christen Pflicht. Ruft, der Gott der Ehren Wird als Vater hören, Ruft mit Zuversicht. Naht zum Herrn, Er sieht es gern, Wenn die Kinder vor ihn treten, Kommt und laßt uns beten! 2. Betet, daß die Heerde Nicht zerstreuet werde, Die an Jesu hält. Betet für die Freunde, Betet für die Feinde, Für die ganze Welt! Trotzt Wn Heer Des Satans sehr, So trotzt seinem küh— nen Schnauben Mit Gebet und Glauben. 3. Jesus hat befohlen, Betend das zu holen, Was uns nützlich ist; Bete gläu⸗ big, kindlich, Bet' im Geist und mündlich, Bete stets, o Christ! Lauf Gott an, Er will und kann Deine Seele herrlich schmücken Und den Leib beglücken. 4. Geh in deine Kam⸗ mer, Klag' ihm deinen Jam— mer, Der dich zaghaft macht; Gott hat auf die Seinen Allzeit, wenn sie weinen, Als ihr Hüter, Acht. Gottes Herz Fühlt unsren Schmerz; Er kann es nicht lang' er⸗ tragen, Daß wir jammernd klagen. 5. Scheint er auf dein Beten Fern von dir zu tre⸗ ten, Hört er dich nicht bald, Will er auf dein Schreien, Dich nicht bald erfreuen, So thu' ihm Gewalt. Sprich: Mein Hort, Hier ist dein Wort: Ruf', ich will dir Hilf' erweisen, Und du sollst mich preisen. 6. Dank sei deiner Güte, Du hast meine Bitte, Herr, noch nie verschmäht. Dies giebt mir im Leide Hoff—⸗ nung, Trost und Freude. Gott erhört Gebet. Glaubt' ich nicht Mit Zuversicht, Gott erfüllet mein Ver— langen, Wär' ich längst ver⸗ gangen. 4 fliehe kniee Went An Spri Was dich deine verbe auf den digt Mitt alle du h Mel Was gläu⸗ Geist stets, , Er Seele den Kam⸗ Jam⸗ lacht; einen inen, ottes nerz; 3*er⸗ iernd dein tre⸗ bald, eien, euen, walt. er ist will d du HBüte, Herr, Dies Hoff⸗ eude. aubt' sicht, Ver⸗ ver⸗ XIV. Das Gebet. 297 7. Wenn ich zu ihm fliehe, Wenn ich vor ihm kniee, Naht er sich zu mir. Wenn die Thränentropfen An sein Herze klopfen, Spricht er: Ich bin hier! Was dir fehlt Und was dich quält, Deine Leiden, deine Sorgen Sind mir nicht verborgen. 8. Jesu, heil'ger Beter, Der für Missethäter Noch am Kreuze bat, Bitt' auch auf dem Throne, Daß Gott den verschone, Der gesün⸗ digt hat. Du allein Kannst Mittler sein, Du kannst alle Gnad' erbitten; Denn du hast gelitten. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Nun lob', mein' Seel' ꝛc. Jerem. 7, 2. Haßt uns mit 357. L Danken tre⸗ ten Vor unsren Gott, mit Preis und Ruhm! Mit freu⸗ digen Gebeten Lobt ihn in seinem Heiligthum, Ihn, der mit ew'ger Treue, Was er erschuf, erhält, Der, daß die Welt sich freue, Be— gnadigt alle Welt, Trägt mit Geduld die Sünder, Hilft seinem Volke gern! Lobt ihn, ihr seine Kinder, Ihr Christen, dankt dem Herrn. 2. Ihr, unsres Hauptes Glieder, Vereinigt liebreich Herz und Mund! Als Er⸗ ben und als Brüder Macht eures Vaters Gnade kund! Durch Sanftmuth überwin⸗ det Euch selbst und Haß und Neid; Versöhnt euch und empfindet Der Liebe Süßigkeit! Zu Einem Heil berufen, Habt Alle gleichen Sinn: So tretet zu den Stufen Des Throns an⸗ betend hin. 3. Ihn, der die Lieb' euch lehret, Durch die ihr seine Kinder seid, Gott, euren Gott, entehret Ein Lob, das ihm die Zwie— tracht weiht. Die Menschen, die sich hassen, Stehn hoff⸗ nungslos von fern, Von seiner Huld verlassen, Ein Gräuel vor dem Herrn. Sie hört in ihren Nöthen Der Gott der Liebe nicht; Verbirget, wenn sie beten, Im Zorn sein Angesicht. 4. Wir aber, deine From⸗ men, Wir wollen, Gott, in Einem Geist Zu deinem Throne kommen, Wenn un⸗ ser dankbar Lied dich preist. In Einem Jubeltone Singt durch dein ganzes Reich Dir, Vater, und dem Sohne, Die Christenheit zugleich. Die Eintracht ihrer Lieder 298 XIV. Das Gebet. Dringt auf mit hohem Klang, Schallt durch die Himmel wieder, Ein himmlischer Ge— sang. 5. O, pflanze selbst die Liebe Mit aller ihrer Him⸗ melslust, Pflanz' jeden ihrer Triebe, O Gott, in unser Aller Brust! Hilf, daß wir, als die Deinen, Uns lieben lebenslang, Und so vor dir erscheinen Mit Lob, Gebet und Dank! Dann steigt aus unsren Chören Der Eintracht Lied empor; Und dieses Lied zu Wn⸗ Neig', Herr, zu uns dein Ohr! 6. Wenn wir denn vor dir flehen, Erhöre gnädig dies Gebet! Laß uns zum Heil geschehen, Was unsre Seele glaubend fleht! Wenn wir von ganzem Herzen Für Rettung aus der Noth, Für Linderung der Schmerzen Dir danken, unser Gott, Für so viel Huld uns Alle Dir weihen lebenslang: O Vater, so gefalle Dir deiner Kin— der Dank! Braunschweiger Gesangbuch, 1783. Mel. Auf meinen lieben Gott ꝛc. Jef. 2, 3. —2. 358. lgter. Daß wir zu aller Zeit Mit unsrem Flehn und Beten Zum Vater dürfen treten, Der hoch im Himmel thro— net, Im reinsten Lichte wohnet. 2. Und wer nur im Ge⸗ bet In Jesu Namen fleht, Wird nicht vergeblich bit— ten; Gott wird ihn über⸗ schütten Mit seinem reichen Segen Des Inen Betens wegen. 3. Ein stiller Seufzer schon Dringt zu des Höch— sten Thron, Entquoll er dem Gemüthe, Das tief in An⸗ dacht glühte; Nie ist er un⸗ erhöret Von Gott zurück⸗ gekehret. 4. Ja, Himmelstrost und Ruh' Strömt jedem Beter zu. 555 siehet Jacobs Lei— ter, Wo Engel als Begleiter Sein gläubig Flehn und Singen Zum Stuhle Gottes bringen. 5. Er steigt in kühnem Lauf Zum Throne Gottes auf, Und Gott steigt lieb⸗ reich wieder Zu seinem Knechte nieder Und lindert die Beschwerde und Sorge dieser Erde. 6. Gott hat ja zugesagt: Wer ihm sein Leiden klagt, Den will er auch erhören, Ihm Hilf' und Trost ge— währen; An seines Thrones —— Stufer nicht 1 V. Bahn an, 2 fließet gießet. Bunde Mund 8. an! à kann, trachte sten Allem meine: 9. Flehn schehn hände mir f unser wir v Neue meine Und schwe und sich 1 beten eten, hro⸗ ichte Ge⸗ leht, bit⸗ iber⸗ ichen tens ufzer Höch⸗ dem An⸗ un⸗ rück⸗ und zeter Lei⸗ eiter und ttes nem ttes lieb⸗ nem dert orge ügt: agt, ren, ge⸗ nes XIV. Das Gebet. 293 Stufen Soll er nicht rufen. 7. S0 150 ich denn die Bahn Des Betens da hin⸗ an, Wo Gnad' auf Gnade fließet Und sich auf uns er⸗ gießet. Ach, höre, Gott des Bundes, Die Rede meines Mundes! 8. Thu auf, ich klopfe an! Hilf, daß ich finden Emn, Wonach ich sehnlich trachte, Was ich am höch— sten achte, Was ich vor Allem wähle: Die Wohlfahrt meiner Seele. 9. O Gott, du hörst mein Flehn; Es wird gewiß ge— schehn. Du wirst mit Vater⸗ händen, Was ich hier bat, mir senden, Du thust auf unser Flehen Ja mehr, als wir verstehen. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. umsonst Mel. 3 H ꝛc. 359.* ich mein Herz vor dir, mein Hort, In meiner Noth ausschütte, Und voll Vertrauen auf dein Wort Um deine Hilfe bitte; Wenn meine Seele zu dir schreit Und dir, o Gott, das schwere Leid Mit Flehn und Seufzen klaget; Wenn sich mein Geist zum Himmel schwingt Und gläubig durch die Wolken dringt: Dann bin ich unverzaget. 2. Ja, ich werd' aller Freuden voll Und selig im Gemüthe, Und weiß nicht, wie ich preisen soll Die Wunder deiner Güte, Die sich tief in mein Herze drückt Und mich gleich einem Thau erquickt, Der von dem Himmel quillet; Ja, wie du in der Kreuzeslast Des Segens viel verborgen hast, Das wird mir dann enthüllet. 3. Da wird mein Herz ein Gotteshaus Und deines Geistes Kammer; Mein Jammer bricht in Thränen aus Und ist mir doch kein Jammer: Die Wehmuth stärket meinen Geist, So daß sie kaum noch Weh— muth heißt, Weil alle Pein verschwindet Und ich auch in dem größten Weh' Wie unter lauter Rosen geh, Wo Nichts als Lust sich findet. 4. So merk' ich denn und bin gewiß, Daß du, mein Gott, mich liebest, Weil du selbst in der Finsterniß Mir Licht und Freude giebest; Ich merke, daß mein Angstgeschrei Bei dir in Christo kräftig sei, 300 XV. Der Tag des Herrn Dein Herz zu mir zu wen⸗ den; Sonst würdest du mir nimmermehr So reichen Trost und süße Lehr', Mein Gott, ins Herze senden. 5. So spür' ich, daß dein tröstlich Ja Die Seele schon vergnüget, Und ist auch nicht gleich Hilfe da, Mein Glaube dennoch sieget. Wie in Geduld ein Ackersmann Mit Zuversicht erwarten kann Die schöne Frucht auf Erden: So harr' ich, bis dein Trost, mein Gott, Nach überstandner Angst und Noth, Mir offenbar wird werden. 6. O Vater! hilf nach deiner Macht, Schaff' Ret⸗ tung, Trost und Frieden, Und gieb, daß ich nicht Tag und Nacht Im Beten mög' ermüden; So will ich, bis dein Morgenlicht Hervor aus dunklen Schatten bricht, Vor dir mit Beten ringen; Ich halte fest an deinem Wort, Bis ich einst freudig werde dort Dir Dank und Ehre bringen. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. XV. Der Tag des Herrn und der Gottesdienst. Mel. Kommt her zu mir ꝛe. Tit. 3, 14. 360 Ich Gott, gieb * du uns deine Gnad', Daß wir all' Sünd' und Missethat Buß— fertiglich erkennen Und glau— ben fest an Jesum Christ, Der unsre Hilf' und Meister ist, Wie er sich selbst thut nennen! 2. Hilf, daß wir auch nach deinem Wort Gottselig leben immerfort, Zu Ehren deinem Namen, Daß uns dein guter Geist regier', Auf ebner Bahn zum Himmel führ' Durch Jesum Christum, Amen! Gottfried Arnold, 1665—1714. Nach Dr. Samuel Zehner, 1594-1635. Mel. Jesus, meine Zuversichtꝛc. 1. Mos. 28, 17. 3 6 1 ch, wie heilig V ist der Ort! Ach, wie selig ist die Stätte! Hier, hier ist des Himmels Pfort', Hier erhöret Gott Gebete, Hier erschallt sein theures Wort; O, wie selig ist der Ort! 2. Heil war in des Zöll⸗ ners Haus, Weil er Christum aufget rufet sind, Derer ein, sei'n. 3. hierhe fahrer bei u will ten den 4. schön tesdie zu ih man Scha Den verze . ster dig du u stets die ö5 die5 36 Herr zu wohl Dock wird nach Ret⸗ ieden, Tag mög' „bis dervor bricht, ngen; einem eudig und 1829. enst. istum, Nach 1635. sicht ꝛe. heilig Ort! tätte! umels Gott sein selig istum ————————————————————— und der Gottesdienst. aufgenommen: Und hier rufet Jesus aus: Selig sind, die zu mir kommen! Deren Herzen nimmt er ein, Daß sie seine Tempel sei'n. 3. O, welch Heil ist bis hierher Diesem Hause wider⸗ fahren! Wenn der Herr nicht bei uns wär', Der sich uns will offenbaren, Woher hät⸗ ten wir den Geist, Der den Weg zum Leben weist? 4. O, wie lieblich, o, wie schön Sind des Herren Got— tesdienste! Laßt uns froh zu ihnen gehn; Hier erlangt man zum Gewinnste Einen Schatz, der ewig währt, Den kein Rost noch Staub verzehrt. 5. Bleibe bei uns, lieb— ster Gast; Speis' uns gnä⸗ dig mit dem Worte, Das du uns gegeben hast, Jesu, stets an diesem Orte! Laß die Kirche fest bestehn, Bis die Welt wird untergehn! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Vater unser im ꝛe. Jes. 40, 8. 362. APi un Herrlichkeit Sei unsrem Gott zu aller Zeit! Wir gehn wohl fort aus seinem Haus, Doch Gottes Leuchte lischt 301 nicht aus. Das Lied ver⸗ hallt, der Segen bleibt; Das Wort steht, ob die Welt zerstäubt. 2. Herr, führ' uns All' auf Christi Bahn Zu Licht und Freiheit himmelan! Die Liebe mehr', den Glauben stärk' Und baue fort dein Ackerwerk, Bis alle Welt an Christum gläubt, Der gestern, heut' und ewig bleibt. Dr. Christian Friedrich Heinrich Sachse, geb. 1785. Mel. Mein Jesu, dem die ꝛc. Ps. 5, 8. 3 6 3 909. Herz, leg' ab die Sorgen, Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, Da Gott zu ruhen hat erlaubt, Da Gott zu ruhen hat be— fohlen Und selbst die Ruhe eingeweiht: Auf, auf, du hast vorhin viel Zeit Dem Dienst des Herren abge— stohlen! 2. Mein Gott, ich bin vor dir erschienen Und gebe auf dein Wirken Acht: Wie kann ich dir gefällig dienen, Wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der 302 XV. Der Tag des Herrn Sünden Qual? Wie bet' ich, wenn er meine Schal' Mit reinem Weihrauch nicht bestreuet? 3. Kann meine Harfe lieblich klingen, Wenn sie dein Finger nicht berührt? Kann ich die düstre Nacht durchdringen, Wenn dieser Leitstern mich nicht führt? Kann ich ein süßes Opfer werden, Wenn diese Flamm' nicht in mich fährt Und mich in deiner Lieb' verzehrt Und he— bet von dem Staub der Erden? 4. Mein Jesus hat mein Herz so theuer Zu seinem Tempel eingeweiht: Hier ist sein Heerd, hier ist sein Feuer, Die Fülle seiner Herrlichkeit, Sein Heiligthum, sein Stuhl der Gnade, Sein Licht und Recht, das Him— melsbrot; Die Geistesfrucht und sein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. 5. Wann sich des Lebens Werktag' enden, So ruh', von allem Frohndienst los, Mein Geist in deinen Vater⸗ händen, Mein Leib in seiner Mutter Schooß, Bis Beides feiern wird dort oben, Wo man in sichrem Frieden ruht, Nichts denket, redet oder thut, Als dich zu lieben, dich zu loben. Dr. Christoph Wegleiter, 1659—1706. Mel. Alle Menschen müssen ꝛe. Spr. Sal. 3, 6. 364 D⁴⁴⁵ ist eine —* sel'ge Stunde, Jesu, da man dein gedenkt Und das Herz von Herzens⸗ grunde Tief in deine Wun⸗ den senkt! Wahrlich, Nichts, als Jesum kennen, Jesum suchen, finden, nennen, Das erfüllet unsre Zeit Mit der höchsten Seligkeit. 2. Jesu, deine Gnaden⸗ quelle Fließt so gern ins Herz hinein, Deine Sonne scheinet helle, Denn du willst genossen sein, Und bei aller Segensfülle Ist dein Wunsch und ernster Wille, Daß man, weil dein Brünnlein voll, Unaufhörlich schöpfen soll. 3. Nun, diese Stunde Dein Gedächt⸗ niß in uns sein; In dem Herzen, in dem Munde Leb' und herrsche du allein. Laß uns deiner nie vergessen: Wie Maria einst gesessen, Da sie dir hat zugehört, Mach' das Herz dir zuge⸗ kehrt. — Ernst Gottlieb Woltersdorf, 1725—1761. Mel. Ach, bleib mit deiner ꝛce. Ps. 28, 9. 365 Der Herr, an dessen Güte Sich Erd' und Himmel freun, so laß auch Der seines 2. Gren Gedu dir seine! 4. Nam Herri Liede Kirch uns Du zugef du Und Heer 2. deine bar Wor heil' lohn dort —— ssen ꝛe. eine tunde, jedenkt rzens⸗ Wun⸗ Nichts, Jesum „Das lit der naden⸗ n ins auch edächt⸗ n dem de Leb . Laß gessen: sessen, gehört, zuge⸗ 5—1761. iner ꝛe. r, an Güte freun, und der Gottesdienst. 303 Der segne, der behüte Dich, seines Volks Verein. 2. Der Herr, reich ohne Grenzen An Gnad' und an Geduld, Laß hell und mild dir glänzen Das Antlitz seiner Huld. 3. Der Herr, dein Gott, erhebe Den Blick voll Freund⸗ lichkeit, Daß er dir Frieden gebe, Wie keine Welt ihn beut. 4. Gesegnet bleib im Namen Des dreimal heil'gen Herrn! Sein ganzes Volk sprech': Amen, Uns segnet Gott so gern! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Dir, dir, Jehova, will ꝛe. Matth. 9, 36. 366 D Jesu, prei⸗ * sen unsre Lieder, Dich, Herr, der seine Kirche stets regiert; Du gabst uns einen Hirten wieder, Du hast ihn dieser Heerde zugeführt. Heil uns, daß du so treu die Deinen liebst Und fromme Hirten deiner Heerde giebst! 2. Sei auch mit diesem deinem Knechte, Mach' offen⸗ bar durch ihn dein theures Wort, Dein Licht und deine heil'gen Rechte, Und wie du lohnst den Deinen hier und dort: So wird die Heerde, die er weiden soll, Durch seinen Dienst des wahren Glaubens voll. 3. Verleih' ihm Muth und Geistesstärke, Erhalt' in ihm den frommen Hirten⸗ sinn, Daß er in seinem Amt und Werke Seh' unverwandt, Herr, auf dein Vorbild hin! Ihn rühre weder Menschen⸗ gunst noch Dräun; Sein Hoffen gehe stets auf dich allein. 4. Verleih', daß tief ins Herz uns dringen Des Le⸗ bens Worte, die sein Mund uns lehrt; So werden wir viel Früchte bringen, So wird durch ihn dein göttlich Reich gemehrt; Sei hier, o Herr, sein Schild und großer Lohn, Dort preis' er dich, sammt uns, vor deinem Thron. Samuel Christian Gottlieb Küster, geb. 1762. Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛe. 2. Mose 31, 13. 14. 367. De Tag geweihet! Ihn feiert gern, wer deiner, Gott, sich freuet. O, laß auch mich mit Freuden vor dich treten, Dich anzubeten. 2. Dich preist der Lob⸗ gesang der Himmelsheere. 304 XV. Der Tag des Herrn Auch unser Tempel schallt von deiner Ehre. Auch un⸗ ser Dank und unsres Her— zens Flehen Soll dich er— höhen. 3. Wie freu' ich mich, die Stätte zu begrüßen, Wo Dürstenden des Lebens Bäche fließen, Und wo dein Ruhm von dir geweihten Zungen Froh wird besungen. 4. Vergebens lockt die Welt zu ihren Freuden, Mein Geist soll sich auf Gottes Auen weiden, Sein heilges Wort, das seine Boten lehren, Will ich gern hören. 5. Mit Andacht will ich,‚ Höchster, vor dich treten, Ich weiß, du liebst, die kind⸗ lich zu dir beten. Regiere mich, daß meine ganze Seele Zum Trost dich wähle. 6. Dein Tag sei mir ein Denkmal deiner Güte, Voll Heil für mich, und lenke mein Gemüthe Auf jenes Glück, das mir dein Sohn erworben, Da er ge— storben. 7. Ja, Preis sei dir, du Todesüberwinder! An diesem Tag hast du zum Heil der Sünder, Die fern von Gott im Todesschatten saßen, Dein Grab verlassen. 8. Es feire dankbar die⸗ sen Tag die Erde, Daß jedes Land voll deines Ruh— mes werde! Lob sei, Erlöser, deinem großen Namen Auf ewig, Amen! M. Christoph Christian Sturm, 1740—1786. Mel. Herr Jesu Christ ꝛc. Joh. 8, 12. 3 6 8 D² liebes Sonn⸗ 2 tagsmorgen⸗ licht, Das meines Herzens Nacht durchbricht, Will— komm! Du hast aus Grabes⸗ nacht Mir meinen Heiland wiederbracht. 2. Mein Schlaflied wäre Grabgesang, Und jeder Morgenglocke Klang Wär' Schreckensruf mir zum Ge— richt, Hätt' ich nicht dich, du theures Licht! 3. Dein purpurgoldnes Morgenroth Zeigt mir ver⸗ klärt des Mittlers Tod, Deß Blut mich macht von Sünden rein, Deß Leben weckt mein todt Gebein. 4. Mit ihm geht him⸗ melan mein Lauf; Drum steh' ich froh vom Lager auf. Ich weiß, mich führet treue Hand Pfad durchs Pilgerland. 5. Er segnet, was mit ihm ich thu', Schickt Freud' und Leid zum Heil mir zu, Auf sichrem Schen Trost durch Herz. 6. Geiste und That; mir 1 Ziel 1 4. hienie meine mir Nacht hat u 8. sein Taget weiß, Aus und; 9. Sonn ginge ich de Gehei Schm 11 Himn ligen deine Daß Ruh⸗ löser, Auf urm, onn⸗ prgen⸗ erzens Will⸗ abes⸗ riland wäre jeder Wär' uGe⸗ dich, dnes ver⸗ Tod, t von Leben n. him⸗ Drum Lager führet ichrem d 8 mit Freud' ir zu, und der Gottesdienst. 305 Schenkt mir, oft einsam, Trost im Schmerz, Oft auch durch frommer Christen Herz. 6. Sein Geist ist meines Geistes Rath, Giebt Lieb' und Muth und Kraft zur That; Sein Vorbild leuchtet mir voran, Daß ich vom Ziel nicht irren kann. 7. Drum weil' ich auch hienieden gern Im Dienste meines guten Herrn, Den mir aus seines Grabes Nacht Der Sonntag einst hat wiederbracht. 8. Doch, rufet mich auf sein Gebot Von meinem Tagewerk der Tod:— Ich weiß, es geht zu süßer Rast Aus dieses Lebens Müh' und Last. 9. Und bricht der große Sonntag an Der Schaar, die Niemand zählen kann, So stellt mit der erstandnen Schaar Versöhnt er mich dem Vater dar. 10. Die Lieben alle, die vor mir, Die nach mir gingen, Herr, zu dir, Drück' ich dann an mein selig Herz, Geheilt von aller Wunden Schmerz. 11. Dann preist mit Himmelsharfenklang Der Se⸗ ligen Triumphgesang, Die deine Gnade sich erkor, Auf ewig dich im höhern Chor. 12. Solch Heil hat mir der Tag gebracht, An dem du bist vom Grab erwacht; Drum soll er ganz, mein Heiland, dein, Nur deiner Ehre heilig sein, 13. Im stillen Haus dein,— auf der Flur, Im Schaun der herrlichen Natur, Da, wo dein Wort im Tempel schallt, Der Christen Lob zum Himmel wallt. 14. Wo ich nur bin, will ich mich dein Und deiner Werke nur mich freun,— Und ist mein Sonntagswerk vollbracht, Sei du mein Traum in heil'ger Nacht! Dr. Jonathan Friedrich Bahnmaier, 1774—1841. Mel. Dir, dir, Jehova, will ꝛc. Jer. 3, 15. 369 Eu gnädig unser Flehen Für deinen Knecht, den du uns zugesandt; Stärk' ihn mit Kraft aus deinen Höhen, Und rüst' ihn aus zu seinem Amt und Stand; Durch deinen Geist nur wird er recht belehrt Und seines Glaubens Zuversicht ge— mehrt. 2. Zu seinem Säen, Pflanzen, Bauen Gieb dein 20 306 XV. Der Tag des Herrn Gedeihn, o Herr, von oben her, Und laß ihn reiche Früchte schauen, Zu unsrem Heil und deines Namens Ehr'; Was er verkündiget aus deinem Wort, Das bleib' und wirke bei uns fort und fort. 3. Bewahr' ihm diese ganze Heerde, Die seiner Hirtentreu' du willst ver⸗ traun, Daß Keiner je ver⸗ loren werde, Daß Alle dort dein Antlitz ewig schaun; Laß deine Weisheit reichlich auf ihm ruhn, So wird ein leuchtend Vorbild uns sein Thun. 4. Dein Wort in seinem Munde Rleiche Dem Strom', der jeden Widerstand zer⸗ stört; Vor seiner ernsten Rede weiche, Was gegen Gottes W Vahrheit sich em⸗ pört,; Sie sei ein Schwert, das in die Herzen dringt Und die Verstockten auch zur Buße bringt. 5. Verleih' ihm deines Geistes Waffen, Dem Spott und Drohn der Welt zu widerstehn; Und wenn er unser Heil soll schaffen, Laß ihn auf Lohn und Menschen⸗ gunst nicht sehn. Gieb, wenn er lehrt, ihm Gottes⸗ kraft und Licht, Und wenn er tröstet, feste Zuversicht. 6. Wohlan, wir baun auf deine Gnade, Laß seinen Eingang hier gesegnet sein! Leit' ferner ihn auf ebnem Pfade, Und laß sein Werk zu deinem Ruhm gedeihn. Sei mit uns, Herr, Wir sind auf dich getauft, Mit deinem Blut hast du uns dir erkauft! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Es ist das Heil uns ꝛce. Phil. 4, 4. 3 7 0. Fruiigaan Vater wacht' ich auf Am Tage deiner Ehre. Mein Mor⸗ genopfer dringt hinauf: Schau' du herab und höre! Du wirst durch deinen Unter⸗ richt Auch heute Muth und Trost und Licht In meiner Seele wirken. 2. Dich beten Erd' und Himmel an, O Schöpfer aller Dinge! Wohl mir! auch ich darf dir mich nah'n, Du hörst, wenn ich dir singe. Du selbst bedarfst zwar meiner nicht, Doch ewig bleibt es meine Pflicht, Dich kindlich zu verehren. 3. O möcht' ich doch zu jeder Zeit, Mein Gott, mich deiner freuen Und voll von deiner ganzes Mein weihen! Herrlichkeit Herz dir — Doch meine der ich v 4. hin; stund sind nutzt nun Dir, sein, Ruhr sich, geher erleu mich lich Wie ist, folge 6. Wah Weg Laß Dir gen. Verf Will, Rath . tes( ganz Und haft, vollb Erke baun einen sein! onem Werk eihn. Wir Mit uns 1850. S ꝛc. kend, ater, Tage Mor⸗ mauf: höre! nter⸗ und einer und öpfer mir! ah'n, dir darfst Doch licht, n. h zu mich von Mein ihen! und der Gottesdienst. 307 Doch ach, wie oft reißt meinen Sinn Die Eitelkeit der Erde hin, Daß deiner ich vergesse! 4. O, ziehe sanft mich hin zu dir In diesen Feier⸗ stunden! Wie oft, o Vater, sind sie mir, Schon unbe⸗ nutzt entschwunden! Doch nun soll dieser Tag allein Dir, meinem Gott, geheiligt sein, Geheiligt deinem Ruhme! 5. Es freue meine Seele sich, Hin in dein Haus zu gehen. Dein göttlich Wort erleuchte mich, Laß schmecken mich und sehen, Wie freund⸗ lich du, mein Vater, bist, Wie dein Gesetz nur Liebe ist, Wie selig, wer dir folget! 6. Dann, wenn der Wahrheit Lehrer mir Den Weg zum Himmel zeigen, Laß meinen Geist empor zu dir In heißer Andacht stei— gen. Gieb Lernbegierde und Verstand, Daß mir dein Wille recht bekannt, Dein Rathschluß heilig werde. 7. Gieb, daß des Wor— tes Geist und Kraft Mein ganzes Herz durchdringe, Und daß ich treu, gewissen⸗ haft, Was du mich lehrst, vollbringe. O, hilf mir, in Erkenntniß reich, Im Wan⸗ del Jesu Christo gleich Und dir, Gott, ähnlich werden! 8. So wird dein Tag, o Vater, mir Ein Tag des Segens werden; So seh' ich und empfind' in dir Den Himmel schon auf Erden: So werd' ich nach der Prü⸗ fungszeit Einst im Genuß der Seligkeit Dich unauf⸗ hörlich preisen. Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Mel. Mache dich, mein Geist ꝛc. Jer. 15, 16. 3 7 1 Fros versam⸗ melt sind wir hier, Vater! als die Deinen. Heil uns, wenn wir oft vor dir Andachtsvoll erscheinen! Du erfreuft Unsren Geist, Wenn wir vor dich treten, Herr! dich anzubeten. 2, Deines großen Na⸗ mens Ruhm Ist nicht aus-— zudenken, Keines Tempels Heiligthum Kann dich, Herr, umschränken! Doch auch hier Strömt von dir Gnad' und reicher Segen Deinem Volk entgegen. 3. Von dem Weltge⸗ räusch entfernt, Das den Geist zerstreuet, Sammelt er sich hier und lernt, Was in dir erfreuet. Eitles Glück 20* 308 XV. Der Tag des Herrn Weicht zurück Vor den höhern Gaben, Die uns wahrhaft laben. 4. Unser Herz erweitert sich, Wenn wir Brüder sehen, Die hier still und feierlich Mit uns vor dir Jeder nennt Und stehen. bekennt Ihn, den du zum Leben Hast der Welt ge— geben. 5. Fest verknüpft der Liebe Band Hier uns mit den Brüdern; Alle fühlen sich verwandt, Hohe mit den Niedern. Haß und Streit Wird bereut, Wir verzeihn dem Feinde, Wer⸗ den Alle Freunde. 6. Hier wird Freudig⸗ keit geweckt, Licht und Trost verbreitet, Sünder werden aufgeschreckt Und zu dir geleitet; Noth und Schmerz Lernt das Herz Hier ge— stärkt ertragen, Ohne zu verzagen. 7. Ja, dein Wort, das hier ertönt, Ist das Wort des Lebens; Er, der uns mit dir versöhnt, Bracht' es nicht vergebens. Selig ist Jeder Christ, Der es acht— sam höret Und durch Tha— ten ehret. 8. Gott, wir wollen oft und gern Hier vor dir er⸗ scheinen Und mit Jesu, unsrem Herrn, Fester uns vereinen. Er allein Soll es sein, Den sich unsre Seele Stets zum Führer wähle. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Jesus ist das schönste ꝛc. Joh. 8, 31. 32. 302. ⁵¹i• wir dan⸗ ken herzlich dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Denn in ihm nur finden wir Licht und Trost und Kraft zum Leben. Uns zum Segen wird die Zeit, Schöner jedes Glück der Erde, Leicht uns Trübsal und 8 Beschwerde, Wenn wir thun, was es gebeut. 2. So verleih uns, Vater, nun Zu dem Wissen auch das Wollen; Gieb uns Kraft, das froh zu thun, Was wir. hier vollbringen sollen. Laß uns liebend dir vertraun, Treu den Weg des Lebens gehen, Um in jenen sel'gen Höhen Deine Herrlichkeit zu schaun. Johann Adam Haßlocher, 1645—-1726. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 2. Mose 20, 8. ottesruhe, 3 7 5. G Sabbath- stille, Komm herab vom Himmelsthron! Bring' uns reiner Andacht Fülle In das Lehr singe Welt — Seel schaf sorge Herr Wah Stät Gott 2 dunk Geif schen dein Daß gehe dir 4 säng Ruh thun gelit Geit Ohr Him dein müf Leil Die wed ersc 0 rem Ter an⸗ Flich Sort nur rost Uns Zeit, der bsal wir ins, issen uns hun, igen bend Weg in eine 17²⁶. delt. ihe, ath⸗ vom uns In der Gottesdienst. 309 das Herz Lehr' uns hören, beten, singen, Gläubig uns der Welt entschwingen. 2. Mache himmlisch unsre Seelen, Dämpfe jede Leiden⸗— schaft; Wenn uns Erden⸗ sorgen quälen, Geist des Herrn, so gieb uns Kraft, Wahrheit, Leben, Licht und Stärke, Hinzuschaun auf Gottes Werke! 3. Zieh' des Zweifels dunkle Wolke Von dem Geistesaug' zurück! Jesu, schenke deinem Volke In dein Leiden einen Blick, Daß wir mit zu Grabe gehen Und im Geist mit dir erstehen. 4. Laß in heiligen Ge⸗ sängen Uns verkünden deinen Ruhm; Laß sich keinen Irr⸗ thum mengen In dein Evan⸗ gelium. Salbe, Herr, mit 5 den Lehrer, Offne Ohren gieb dem Hörer! 5. Laß uns als des Himmels Erben Gläubig deinem Mahle nahn; Keiner müsse zum Verderben Deinen Leib, dein Blut empfahn; Die da schlafen, Herr, er— wecke! Die dir widerstehn, erschrecke! 6. Tröste, die mit schwe⸗ rem Herzen Still in deinem Tempel stehn; Sieh herab von Gottes Sohn! auf ihre Schmerzen Und der stummen Blicke Flehn Wittwen, Waisen, Arme tröste, Pflege, Herr, sie als Erlöste! 7. Wenn wir unsre Händ' erheben Für den Fürsten, für das Land, Für der treuen Bürger Leben, Für die Werke deiner Hand, Und für Jesu Christi Glie⸗ der: Send' uns stets dein Amen nieder. 8. Wenn wir seufzen, wenn wir beten Für der kranken Christen Qual, Die mit schweren Seelennöthen Niedergehn zum Todesthal: Ach, so komm, auf unser Bitten Sie mit Gnade zu beschütten! 9. Laß uns Alle hinge— langen, Hin zu dir, o Le⸗ bensfürst, Wo du von der Deinen Wangen Alle Thrä⸗ nen trocknen wirst, Wo wir, frei von Schmerz und Män⸗ geln, Sabbath feiern mit den Engeln. Christian 71739 Daniel Schubart, 791. 1739— Mel. Werde munter mein ꝛe. 1. Mos. 28, 17. 964. Heu und hei⸗ lig ist die Stätte, Wo die Christen zu dir flehn. Laß, so oft ich 310 XV. Der Tag des Herrn sie betrete, Mich, o Herr, dein Antlitz sehn! In der Welt ist Sorg' und Streit, All ihr Glück ist Eitelkeit. Hier find' ich, von ihr ge— schieden, Deine Ruh' und deinen Frieden. 2. Heil'ges Wort der ew'gen Wahrheit, Das dem Irrthum uns entriß, Du erhellst durch deine Klarheit Unsres Geistes Finsterniß. Meine Schuld enthüllst du mir, Jeder Trug entflieht von dir; Wo du, heil'ges Wort, erklungen, Hast du Mark und Bein durch— drungen. 3. Weinend und mit bangem Zagen Trat ich oft ins Heiligthum; Doch bald stillte meine Klagen, Herr, dein Evangelium. Ich gab mich in Gottes Hand, Und, zum Mittler hingewandt, Hab' ich, ganz in ihn ver— sunken, Gern den Leidens⸗ kelch getrunken. 4. Knie' ich an des Altars Stufen, Ein gebeug⸗ ter Sünder, hin, Hör' ich heil'ge Stimmen rufen: Sei getrost, dir ist verziehn! Hoch begnadigt steh' ich auf, Fröhlich fördr' ich meinen Lauf, Und mein Herz ist voll Vertrauen, Was ich glaube, dort zu schauen. 5. Sieht mein Auge, naß von Thränen, Der Ge⸗ liebten Stellen leer, Hier stillt sich mein banges Seh— nen Bei dem Zuruf: Weint nicht mehr! Aus der Welt voll Kampf und Streit Zu des Himmels Herrlichkeit, Zur Gemeinde sel'ger From⸗ men Hat der Herr sie auf⸗ genommen. 6. Bin auch ich dereinst verschwunden Aus der from⸗ men Hörer Zahl, Werd' ich einst nicht mehr gefunden Bei des Herrn geweihtem Mahl: Dann ins höhre Heiligthum Ging mein Geist mit Preis und Ruhm, Daß er ewig sich vereine Mit der himmlischen Gemeine. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Ach, was soll ich Sünder ꝛc. Berem. 17, 22. 375. K err, es ist ein Y/ Tag erschie⸗ nen, Der mich in den Him⸗ mel weist Und an Gott ge— denken heißt; Darum komm' ich, dir zu dienen: Richte du mich selber zu, Daß ich deinen Willen thu'. 2. Stille selbst an diesem Morgen Den verwirrten Lauf der Welt, Der uns hier gefangen hält; Brich die Macht der eitlen Sor⸗ —— gen, Allem geben Sache auf d dem mein mache schön Auge 4. Gabe deiner neuen Was haben in am Lust! 2— geling nem in m Beter was than, den 6. Sünd heute kein schehr uns wird Auf Dank x uge, Ge⸗ Hier Seh⸗ eint Welt Zu bkeit, rom⸗ auf⸗ einst om⸗ Dich iden htem öhre Geist Daß Mit . 829. ere. t ein dim⸗ ge⸗ mm' und der Gottesdienst. 311 gen, Daß ich heut', von Allem frei, Dir allein er— geben sei. 3. Kleider sind nur schlechte Sachen; Wer sein Thun auf diese richt't, Der gefällt dem Himmel nicht. Du, mein Jesu, kannst es machen, Daß ich werde schn und rein In dem Auge Gottes sein. 4. Kröne mich mit diesen Gaben, Zeuch mich an mit deiner Kraft, Die den neuen Menschen schafft. Was für Freude werd' ich haben, Wenn das Herz in meiner Brust Sucht am Herrn nur seine Lust! 5. Laß die Predigt wohl gelingen, Steh auch dei— nem Worte bei, Daß es in mir kräftig sei. Unser Beten, unser Singen, Und was sonst noch wird ge— than, Siehe du mit Gna⸗ den an. 6. Laß mich nicht in Sünden fallen, Laß mich heute Nichts versehn, Laß kein Unglück mir ge— schehn. Lieber Vater, hilf uns Allen! So denn wird dir mein Gesang Auf den Abend sagen Dank. Caspar Neumann, 1648—1715. Mel. O großer Gott, du ꝛe. Sat. 1. 21. 37 6 Raune, fromme 2„ Christen, theure Brüder, Vereint im Geist vor Gott zu stehn; Kommt, wir sind Eines Leibes Glie⸗ der, Kommt, unsren Schöpfer zu erhöhn! Frohlockend preiset Jesum Christ, Der unser Haupt und Mittler ist. 2. O, laßt uns schmecken und empfinden, Wie freund⸗ lich Gott den Seinen ist! Er, der so gnädig unsrer Sünden, Sobald wir Buße thun, vergißt, Von Neuem uns als Kinder liebt Und liebreich Gnad' um Gnade giebt. 3. Wie nichtig sind der Erde Freuden Dem, der des Himmels Freuden schmeckt; Wie süß der Trost, wenn man im Leiden Sein Herz dem besten Freund entdeckt! Wie Nichts ist alles Glück der Welt Dem, der an seinen Gott sich hält! 4. Erleuchte selbst, Herr, unsre Seelen; Vertreib' aus uns des Irrthums Nacht; Laß unser Heil uns nicht verfehlen, Das du uns sel⸗ ber kund gemacht, Damit dein großer Ruhetag Dort ewig uns beglücken mag. Nenes Leipziger Gesangbuch, 1844. 312 XV. Der Tag des Herrn Mel. Nun dauket Alle Gott ꝛc. Ephes. 1, 3. 377 frohen Lobgesang, Ihr Christen, heut' erschallen! Laßt uns zu Gottes Thron, Ihn anzubeten, wallen! Er⸗ wägt und rühmet laut, Was uns zum Heil geschah, Und fühlt es tief gerührt: Der Herr, der Herr ist nah'! 2. Zwar faßt kein Him⸗ mel ihn; Ihn birgt kein Dach auf Erden; Doch soll im Heiligthum Sein Rath verkündigt werden. Hier wirkt der Geist des Herrn Erkenntniß und Entschluß, Zufriedenheit und Trost, Des Himmels Vorgenuß. 3. Dies Haus, der Vä⸗ ter Werk, Deß wir uns vor dir freuen, Beschütze du, o Herr, So oft Ge⸗ fahren dräuen! Verhüte Krieg und Raub, Entferne Flamm' und Fluth: Den Frevel wehre ab Durch deine Vaterhut. 4. Gebeut der Glocken Ruf, Daß wir uns hier vereinen: Mit Dank und Demuth soll Die Schaar vor dir erscheinen! Die Kinder, die wir hier Zu deinem Dienste weihn, Gieb, daß sie lebenslang Der Tu⸗ gend Tempel sei'n. 5. Wenn Sünder reue⸗ voll Sich betend zu dir wenden, So woll'st du Beßrungskraft Und Trost herniedersenden. Wenn Dul⸗ der schwergebeugt Zum Al⸗ tar Jesu nahn, So laß sie Seelenruh' Und Freudigkeit empfahn. 6. Dich, Vater, wollen wir Hier kindlich stets ver— ehren; Dein Reich, Er⸗ löser, soll Auch unter uns sich mehren! Erleucht' uns, Geist des Herrn, Daß sich das irre Herz Zum Himmel hoffend schwing' Im Froh⸗ sinn, wie im Schmerz. Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Eigene Melodie. Apostelgesch. 10, 33. 378 Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsterniß umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten, Mußt du selbst in uns ver⸗ richten. 2. lichkei Gott allesat Herzer 9 57 37 dunkl. nes L Bis Sterr klärte schall⸗ Mit Gesar 2. auf mein Du schwa mein Wem erheb von dir durch 7—.—— uns, sich inmel Froh⸗ 836. Jesu, sind Wort nnen üßen die Vanz und rniß ines mit utes hten, ver⸗ und der Gottesdienst. 313 3. O du Glanz der Herr⸗ lichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, Mach' uns allesammt bereit, Oeffne Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen! M. Tobias Clausnitzer, 1618—1684. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. 379. I. dunklen Fernen, Herr mei⸗ nes Lebens, dir mein Lied, Bis einst, weit über allen Sternen, Dich mein ver⸗ klärtes Auge sieht; Dann schallet dir im Jubelklang Mit allen Sel'gen mein Gesang. 2. Wohl mir, du schauest auf mich nieder, Steigt mein Gebet zu dir hinan; Du hörst den Dank der schwachen Lieder Und nimmst mein Flehen gnädig an. Wenn sich mein Herz zu dir erhebt, Fühl' ich mich neu von dir belebt. 3. Froh wall' ich hin mit meinen Brüdern Zu deines Tempels Heiligthum; Da schallt in dir edten Liedern Des Dankes Stimme dir zum Ruhm, Und dann durchdringen meine Brust Empfindungen der reinsten Lust. 4. Die Kraft von deinen Hinelslehren Durchdringt und hebet meinen Geist, Wenn er, vereint mit heil'⸗ gen Chören, Gott, deinen großen Namen preist, An⸗ betung dir 8 Ehre bringt Und Fülle der Empfindung singt. 5. Zwar hab' ich auch in stillen Stunden, Wenn ich dir meine Freuden sang, Der Andacht Seligkeit em⸗ pfunden, Die durch die frohe Seele drang; Mein Herz, wenn dir mein Lied erscholl, Ward seliger Em— pfindung voll. 6. Doch höher ward mein Geist erhoben In meiner Miterlösten Schaar, Wenn e, gemeinsam dich zu lo⸗ si ben, Im Heiligthum ver— sammelt war, Und in Be⸗ geistrung sich ihr Chor Zu dei⸗ nem Throne schwang empor. „Drum will ich mit den frommen Schaaren Zu dei⸗ nem Tempel freudig gehn, Wo einst auch die versam⸗ melt waren, Die nun vor deinem Throne stehn. Sie schauten hier im dunklen Wort, Von Angesicht schaun sie dich dort! Samuel Christian Gottlieb Küster, 1762. 314 XV. Der Tag des Herrn Mel. Liebster 1—— wir sind ꝛc. Pf. 121, 380. R Gott Lob, es ist voll⸗ bracht, Singen, Beten, Leh⸗ ren, Hören. Gott hat Alles wohlgemacht; Drum laßt uns sein Lob vermehren: Unser Gott sei hoch ge— preiset, Daß er uns so herrlich speiset! 2. Weil der Gottesdienst ist aus Und uns mitgetheilt der Segen, So gehn wir mit Freud' nach Haus, Wan⸗ deln fein auf Gottes We⸗ gen: Gottes Geist uns fer— ner leite Und uns alle wohl bereite. 3. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang glei— chermaßen; Segne unser täglich Brot, Segne unser Thun und Lassen; Segne uns mit sel'gem Sterben Und mach' uns zu Himmels-— erben. M. Hartmann Schenk, 1634—- 1681. Wie schön leuchtet der ꝛc. Hebr. 13, 17. 381 O Jesu, Herr 2— der Herr— lichkeit! Du König deiner Christenheit, Du Hirte deiner Heerden! Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst sie, Sorgst, Mel. wie es dir gefällt, daß sie selig werden. Von dir Sind wir Auch erwäh⸗ let, Zugezählet Den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. 2. Wohl deinem Volk, daß du es liebst, Nach dei— nem Sinn ihm Hirten giebst Die es zum Himmel führen, Und die voll Eifer, Geist und Kraft, Gottselig und gewissenhaft Das Herz des Sünders rühren. Treue Hirten Laß den Seelen Nie— mals fehlen Und die Heer— den Mit den Hirten selig werden. ö 3. Wir nehmen hier von deiner Hand Den Lehrer, den du uns gesandt: Herr, segne seine Werke! Die Seelen, die sich ihm ver⸗ traun, Durch Lehr' und Le—⸗ ben zu erbaun, Gieb Weis⸗ heit ihm und Stärke. Lehr' ihn, Hilf ihm Thun und leiden, Dulden, streiten, Be⸗ ten, wachen, Selig sich und uns zu machen. 4. Herr, deinen Geist laß auf ihm ruhn, Laß ihn sein Amt mit Freuden thun; Nichts sei, das ihn betrübe! Wenn er uns deine Wahr⸗ heit lehrt, Gieb uns ein Herz, das folgsam hört, Ein Herz voll treuer Liebe. Leh⸗ rer, Hörer Laß in Freund⸗ —ꝛ—ß7— shaft Feste zum Hi 5. 2 Tag et Lehrer, dir en giebst i Die S Pfand: lieren! die Hä Hirt u dir bef 6. Knecht heißen In J O Hiꝛ der He ew'gen dir! A Gehn Dieser ben, will ge 9 38 des He nah' u Christe gesang Zum von hrer, Herr, Die ver⸗ Le⸗ Leis⸗ Lehr' und Be: und laß sein hun; übe! zahr⸗ ein Ein Leh⸗ und⸗ und der Gottesdienst. 315 schaft Und Gemeinschaft Feste stehen Und den Weg zum Himmel gehen. 5. Wenn einst dein großer Tag erscheint, Laß unsren Lehrer, unfren Freund Uns dir entgegen führen! Du giebst ihm unter seine Hand Die Seelen als ein theures Pfand: Laß keine ihn ver⸗ lieren! Jesu, Hilf du, Beut die Hände, Daß am Ende Hirt und Heerde Treu vor dir befunden werde! 6. Sei uns gesegnet, Knecht des Herrn, Wir heißen dich willkommen gern In Jesu Christi Namen! O Hirte, nimm uns bei der Hand, Führ' uns zum ew'gen Vaterland: Gott mit dir! Amen, Amen. Mit dir Gehn wir Durch die Leiden Dieser Zeiten Zu dem Le⸗ ben, Das uns unser Gott will geben. Johann Daniel Karl Bickel, 1737—18 Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Ps. 27, 4. 0 zei uns ge⸗ 382. segnet, Tag des Herrn! Zu Gottes Preise naͤh' und fern Weckst du der Christen Menge. Ihr Lob— gesang tönt spät und früh, Zum Heiligthume wallen sie In festlichem Gedränge. Froher Schallen Ihre Lie⸗ der, Wo die Brüder Vor Gott treten, Um vereint ihn anzubeten. 2. Komm, Geist der An⸗ dacht und der Ruh'; Auch unsren Tempel weihe du Mit feierlicher Stille. Mach' unsren Geist vom Irrthum frei, In allem Guten fest und treu, Das Herz mit Trost erfülle. Fromme Liebe, Brudertreue Laß aufs Neue Uns beleben, Jesu Vorbild nachzustreben! Dr. Auguft Hermann Niemeyer, 1754—1828. Mel. Gott des Himmels und ꝛc. Luc. 13, 24. 2 8 3 FThut mir auf 50. C die schöne Pforte, Führet mich in Zion ein: Ach, wie wird an die— sem Orte Meine Seele fröh— lich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, Komme du nun auch zu mir: Wo du Woh— nung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier. Zieh' doch in mein Herz hinein, Laß es deinen Tempel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heil'ge du Speise mich mit 316 XV. Der Tag des Herrn Leib, Seel' und Geist, Daß mein Singen und mein Be⸗ ten Ein S Opfer heißt; Heil'ge du, Herr, Mund und Ohr, Zieh' das Herze ganz empor! 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Samkorn auf mich fällt, Gieb mir Licht in dem Verstande, Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht ge⸗ deihn. 5. Stärl' in mir den schwachen Glauben, Laß dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben; Halte stets dein Wort mir für, Daß es mir zum Leit⸗ stern dient Und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, Und dein Wille werd' erfüllt! Nichts laß meine Andacht stören, Wenn der Brunn des Lebens quillt; Himmels— brot: Tröste mich in aller Noth. * 7. Oeffne mir die grünen Auen, Daß dein Lamm sich weiden kann; Lasse mir dein Manna thauen, Zeige mir die rechte Bahn Hier in die— sem Jammerthal Zu des Lammes Ehrensaal. Benjamin Schmolck, 1672—1737. — Mel. Lobe den Herren, den ze. Joh. 17, 3 der vereinten Gemeine, Daß uns das Licht der Erkennt⸗ niß in Klarheit erscheine, Und nicht zu spät, Wer deine Wahrheit verschmäht, Seine Verblendung beweine! 2. Möge die Predigt die Herzen der Sünder ge⸗ winnen, Und nicht vergeb— lich die Thräne der Rüh⸗ rung verrinnen! Wo nicht dein Licht Mächtig das Dunkel durchbricht, Kann nicht das Schauen beginnen. 3. Laß uns, die wir nach dem Namen des Hei⸗ lands uns nennen, Ihn als die Quelle des Lichts und des Lebens erkennen. +* Ihm, der uns lehrt, Wie dein Volk würdig dich ehrt, Ihm laß die Herzen ent⸗ brennen. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. 2 Pf. S4 385 WMi lieblich ist doch, Herr, die Stätte, Wo deines Na⸗ mens Ehre wohnt! O gieb, daß ich sie gern betrete, Weil da dein Segen die belohnt, Die deines Wortes 384. Da erhöre das Nahn i0 erf Herzens 2. 2 in dein verehrer Du hü seine B neuer K er au⸗ Bahn 9 wandeli 3. D mals ol es rech Es tröf Wegen, Glück im Kar Kraft 1 das Si 4. 0 dein Ar Sabbat Gewinn ich mit an heil dir das weihn, Opfer 5.( Glaube den Ee Daß mit der dem H Wenn folgung Herr, —— den ꝛe. erhöre Flehn „Daß kennt⸗ cheine, Wer mäht, veine! gt die * ergeb⸗ Rüh⸗ nicht das Kann innen. wir 3Hei⸗ Ihn Lichts ennen. Wie ehrt, ent⸗ 1829. en ꝛe. lich ist Herr, Na⸗ etrete, na die Vortes und der Gottesdienst. 31 8— 0 breint Und dir des Herzens Andacht weihn. 2. Wohl dem, der dich in deiner Hütte, Gott, zu verehren, Ernst beweist! Du hörst sein Lob und seine Bitte Und stärkst mit neuer Kraft den Geist, Daß er auf deiner Wahrheit Bahn Rechtschaffen vor dir wandeln kann. 3. Dein Wort bleibt nie⸗ mals ohne Segen Dem, der es recht zu Herzen nimmt. Es tröstet auf der Trübsal Wegen, Die du zu unsrem Glück bestimmt. Es giebt im Kampf uns Muth und Kraft Und ist ein Schwert, das Sieg verschafft. 4. Gott, laß mir auch dein Antlitz scheinen! Dein Sabbath bring' auch mir e Wenn andachtsvoll ich mit den Deinen Vor dir an heil'ger Stätte bin. Laß dir das Lob, das wir dir weihn, Ein angenehmes Opfer sein. 5. Erhalt' uns bei dem Glaubensgrunde, Den du den Eckstein selbst genennt, Daß man dich nicht nur mit dem Munde, Dich mit dem Herzen auch bekennt. Wenn uns der Welt Ver⸗ folgung dräut, So gieb, o Herr, Beständigkeit. 6. Ja, du bist Sonn' und Schild der Frommen, Du, Herr, giebst ihnen Gnad' und Ehr', Und wer nur erst zu dir gekommen, Dem fehlt das wahre Glück nicht mehr. Was du verheißest, hältst du fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! 7. Und endlich bau' in unsren Seelen Dir ein le⸗ bendig Gotteshaus; So wird's uns nie an Freuden fehlen; So fließt im Leiden Trost heraus, Bis wir in jenen Tempel gehn Und dort vor deinem Throne stehn. Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Schmücke dich, o liebe ꝛc. 2. CLor, 5, 19. 386. 3%. dich uns ohne Hülle! Stéöm auf uns der Gnade Fülle, Daß an diesem Got⸗ testage Unser Herz der Welt entsage; Daß, o du, der starb, vom Bösen Uns Ge⸗ fallne zu erlösen, Daß die glaubende Gemeine Mit dem Vater sich vereine! 2. O, daß frei von Erde⸗ bürden Und der Sünde Lasten würden Unsre Seelen! unser Wille Sanft wie diese Sabbathsstille! Daß in dei— nes Himmels Höhen Wir 318 XVI. Die Heilsordnung. von fern den Aufgang sähen Jenes Lichts, das dann ver— kläret, Wenn der Sabbath ewig währet! 3. Was ich strahlen seh' am Throne, Ist es nicht der Sieger Krone? Was ich über'm Grab' einst höre, I Sind's nicht Ueberwinder⸗ chöre? Feiernd tragen sie die Palmen, Ihr Triumph erschallt von Psalmen! Herr, du selber woll'st mich wei⸗ IVI. hen Diesem Sabbath deiner Treuen! 4. Decke meiner Blöße Schande Mit dem festlichen Gewande Deiner Unschuh daß am Tage Deines Mahls ich froh es wage, Dort zu wandeln, wo voll Gnaden Deine Schaar du eingela⸗ den; Wo nicht mehr die Streiter ringen, Wo sie Siegeslieder singen! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Die Heilsordnung. A. Buße und Bekehrung. Meel. Herr, ich habe mißgehandelt. Röm. 7, 18. 387. Ab mein Jesu, welch Ver⸗ derben Wohnet nicht in mei⸗ ner Brust! Denn mit an⸗ dern Adamserben Steck' ich voller Sündenlust. Ach, ich muß dir nur bekennen: Ich bin Fleisch vom Fleisch zu nennen. 2. Wie verkehrt sind meine Wege, Wie verderbt mein alter Sinn, Der ich zu dem Guten träge Und zum Bö—⸗ sen hurtig bin! Ach, wer wird mich von den Ketten Dieses Sündentodes retten? 3. Hilf mir durch den Geist der Gnaden Aus der angeerbten Noth, Heile mei— ner Seele Schaden Durch dein Blut und Kreuzestod; Schlage du die Sündenglie⸗ der Meines alten Adams nieder. 4. Ich bin unten von der Erden, Stecke in dem Sündengrab: Soll ich wie— der lebend werden, So mußt du von oben ab Mich durch deinen Geist gebären Und mir währen. 5. Schaff' in mir ein reines Herze, neue Kraft ge⸗ Einen neuen —— Geist nicht der Laß n merken gegen 6. ten, ri Weil gut; 8 Reich e Tod e⸗ Krone, gelegt, mals wo ein dern h. Teufel dämpfe 8. 0 liegen, der a Kraft meinen deinen ritterli Ludwig Mel. 38 Sünde Weg —— deiner Blöße tlichen schuld, Nahls ort zu naden ngela⸗ r die o sie —1803. den 8 der mei⸗ Durch Stod; nglie⸗ dams von dem wie⸗ So Mich bären tge⸗ ein neuen A. Buße und Bekehrung. 319 Geist gieb mir, Daß ich ja nicht länger scherze Mit der Sünden Lustbegier; Laß mich ihre Tück' bald merken, Mich im Geist da⸗ gegen stärken. 6. Lehr' mich wachen, be— ten, ringen Und mein böses Fleisch und Blut Unter's Joch des Geistes zwingen, Weil es doch thut nimmer gut; Was nicht kann dein Reich ererben, Laß in deinem Tod ersterben. 7. Reize mich durch jene Krone, Die mir droben bei⸗ gelegt, Daß ich meiner nie⸗ mals schone, Wann und wo ein Feind sich regt, Son⸗ dern hilf mir tapfer kämpfen, Teufel, Welt und Fleisch zu dämpfen. 8. Sollt' ich etwa unter⸗ liegen, O, so hilf mir wie— der auf; Hilf in deiner Kraft obsiegen, Daß ich meinen Lebenslauf Unter deinen Siegeshänden Möge ritterlich vollenden! Ludwig Andreas Gotter, 1661—1735. Mel. Jesu, der du meine ꝛc. Apostelgesch. 16, 20. 31. 388 ch, wie werd' ich frei von Sünden? Wie find' ich den Weg der Pflicht? Wie ge⸗ lang' ich aus den Schlünden Des Verderbens an das Licht? Deine Hand will ich erfassen, Will von dir mich führen lassen, Will gehorchen deinem Wort, Jesu, du mein Heil und Hort. 2. Sollte mich die Sünde knechten, Die von dir ge— richtet ist? Könnte mich die Welt anfechten, Der du mächtig worden bist? Nein! du hast sie überwunden In den bittren Leidensstunden, Hast sie durch das Kreuz besiegt, Daß sie nun zu Boden liegt. 3. Herr, ich will die Sünde lassen Und mit dir, mein Heiland, gehn. Du führst mich die rechten Straßen, Wo des Lebens Lüfte wehn, Wo auf Him⸗ melsblumenpfaden Geist und Herz im Licht sich baden, Wo die Liebe segnend weilt Und die Hoffnung heimwärts eilt! Leopold Haupt, geb. 1797. Eigene Melodie. Röm. 3, 25. llein zu dir, 389. A Hert Jesu Christ, Mein' Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist; Kein Trost mag mir sonst wer⸗ 320 XVI. Die Heilsord nung den. Von Anbeginn ist Nichts erkor'n, Auf Erden ist kein Mensch gebor'n, Der mir aus Nöthen helfen kann. Dich ruf' ich an, Auf den ich fest vertrauen kann. 2. Mein' Sünd' sind schwer und übergroß Und reuen mich von Herzen. Derselben mach' mich frei und los Durch deinen Tod und Schmerzen; Und zeig' mich deinem Vater an, Daß du hast g'nug für mich ge— than, So werd' ich los der Sündenlast. Herr, halt' mir fest, Weß du dich mir versprochen hast! 3. Gieb mir durch dein Barmherzigkeit Den wahren Christenglauben, Auf daß ich deine Süßigkeit Mög' inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich, Und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End' dein' Hilf' mir send', Damit behend Des Teufels List sich von mir wend'. 4. Ehr' sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Christo, seinem lieben Sohn, Der uns allzeit behüte, Und Gott dem heiligen Geiste, Der uns sein' Hilf' allzeit leiste, Damit wir ihm ge— fällig sei'n, Hier in der Zeit Und folgends in der Ewigkeit! Johann Schneesing, 1567. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Ps. 130. 390. Arun 8* meiner e Sin⸗ nen Ruf' ich, großer Herr, zu dir, Der du von der Sterne Zinnen Blickest auf dies Rund allhier, Laß der Seufzer dumpfes Klingen Auf zu dir gen Himmel dringen! 2. Laß dein' Ohren auf mich merken, Laß mein Schreien vor dich gehn; Denn wo du nach unsren Werken Strafest, Herr, wer wird bestehn? Du wirst kei⸗ nes Menschen schonen, Wo du nach Verdienst willst lohnen. 3. Aber deine große Güte, Die erlässet derer Schuld, Die aus kindlichem Gemüthe, Sich vertrauen deiner Huld, Die ihr' Uebel— that bereuen Und zu dir um Gnade schreien. 4. Herr, auf dich will stets ich bauen, Meine Seele harret dein, Auf dein Wort will ich vertrauen, Wenn der helle Tag bricht ein, Und wenn er des Abends schwind wieder 5. nung l starke ist lar hat E wird den sck 39 ich zu hör gnädig Unden Denn an, X recht i Herr, 2. denn Die Es i umson Leben. sich rü dich In d will Verdie ihn n sich U Die m herr, der auf der igen imel auf mein ehn; sren wer kei⸗ Wo villst roße derer chem auen ebel⸗ dir will deele Vort Jenn ein, ends A. Buße und Bekehrung. 321 schwindet Und sich Morgens wieder findet. 5. Israel, dein' Hoff⸗ nung lade Auf des Herren starke Macht, Denn bei ihm ist lauter Gnade, Ja, er hat Erlösung bracht, Er wird Israel erretten Aus den schweren Sündenketten. Johann Frank, 1618—1677. Eigene Melodie. Ps. 130, 3. 4. 391. AM schet ich zu dir, Herr Gott, er⸗ hör' mein Rufen: Dein gnädig Ohr neig' her zu mir Und meiner Bitt' es öffne! Denn so du willst das sehen an, Was Sünd' und Un⸗ recht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt Nichts, denn Gnad' und Gunst, Die Sünde zu vergeben; Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. Vor dir Niemand sich rühmen kann: Es muß dich fürchten Jedermann Und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll lassen sich Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort: Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wie— der an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu' Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward, Und seines Gott's erharre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel er⸗ lösen wird Aus seinen Sün⸗ den allen. 6. Ehr' sei Gott Vater und dem Sohn Und auch dem heil'gen Geiste, Als es im Anfang war und nun, Der uns sein' Gnade leiste, Daß wir wandeln in seinem Pfad', Auf daß die Sünd' der Seel' nicht schad': Wer das begehrt, sprech': Amen! Dr. Martin Luther, 1483—1546. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Hebr. 10, 32. 392 lick' hin in * die vergang⸗ nen Zeiten, O Christ, mit ernstem, frommem Sinn! 21 322 XVI. Die Heilsordnung. In der Erinnrung noch be— reiten Sie dir den köstlich⸗ sten Gewinn, Wenn sie dich lehren, daß allein Die Heil'gung soll dein Streben sein. 2. Gedenke dankbar aller Freuden, Womit dich Gottes Huld erquickt; Doch dank' ihm auch für jedes Leiden, Das dir weislich zuge⸗ schickt; Denn Alles, was er an dir thut, Ist ewig weise, ewig gut. 3. Vergiß nicht, wie er dich beschützte, Wenn sich Gefahren dir genaht, Dir schenkte, was dir wahrhaft nützte, Oft eh' es noch dein Flehn erbat, Und wie er oft dir mehr gewährt, Als je dein Wunsch von ihm begehrt. 4. Denk an die große Zahl der Stunden, Die Gott zu deinem Heil dir gab; Sind sie in en Dienst verschwunden, Dann schrecken dich nicht Tod und Grab, Dann i ist die hinge⸗ schwundne Zeit Gewonnen für die Ewigkeit. 5. Denk an die gottge⸗ fäll'gen Werke, Die du im Glauben hast gethan; Dank' ihm für die verliehne Stärke, Und wandle fort auf seiner Bahn; Dann giebt dir Zeugniß Gottes Geist, Daß du ein Kind des Höchsten sei'st. 6. Doch sieh dabei auch voller Reue Zurück auf dei⸗ ner Sünden Schuld, Such' für die oft; verletzte Treue Vergebung in des Mittlers Huld, Und laß die Fehler, die dich reun, Nur Mittel dir zur Weisheit sein. 7. O säume nicht, dies kurze Leben Dem weisesten Gebrauch zu weihn; Es ward vom Schöpfer dir ge— geben, Hier guten Samen auszustreun. Dort reift die Frucht von deiner Saat, Vergeltung folgt der guten That. 8. Dann blickst du an es Lebens Ziele Mit Ruh' auf das Vergangne hin, Bist selig schon im Vorge— fühle, Und Sterben wird dir zum Gewinn. Du gehst zu dem, der ewig liebt Und ew'ges Heil den Seinen giebt. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Was Gott thut, das ꝛe. Tim. 1, 15. 6 3. er du die 30 Da Macht im Himmel hast, Die Sünde zu vergeben, Befrei' auch mich von meiner Last, Und 2— — —— schenke komme Mein 2 Sterbe nicht v Gerecht und k deiner zeiht, geleger an, Di werd' dir die 3. in mei dir zu durch Gnade aus d hin, U Erden werder 4. eigner dir 9 deinen schafft walten Du ke Kraft deiner 5. Gottes mich ich ar Denn Leben. Daß sten auch dei⸗ zuch' reue tlers hler, ittel dies sten ge⸗ men t die aat, uten an Ruh' hin, orge⸗ wird gehst Und inen A. Buße und Bekehrung. 323 schenke mir das Leben! Ich komme hier Und beichte dir: Mein Weg— er ging zum Sterben; Ach, laß mich nicht verderben! 2. In mir ist nicht Gerechtigkeit, Kein Licht und kein Vermögen; An deiner Huld, die mir ver— zeiht, Ist all mein Heil gelegen. Blickst du mich an, Der helfen kann, Dann werd' ich wieder leben Und dir die Ehre geben. 3. Hier werf' ich mich in meiner Noth, Erbarmer, dir zu Fuße. Verleihe mir durch deinen Tod Die Gnade wahrer Buße! Nimm aus dem Sinn Das Arge hin, Und laß mich noch auf Erden Nach deinem Sinne werden. 4. Versprech' ich Viel in eigner Kraft, So kann ich dir Nichts halten. Laß deinen Geist, der Alles schafft, In meiner Seele walten! O höchstes Gut, Du kannst mir Muth Und Kraft zu neuem Leben Aus deiner Fülle geben. 5. Vergiebst du mir, o Gottes Sohn, So kann ich mich erheben! Still blick' ich auf zum Gnadenthron, Denn Gnade nur giebt Leben. Noch täglich hier Bekenn ich dir, O Jesu, meine Sünden, Bis ewig sie verschwinden! Ernst Gottlieb Woltersdorf, 1725—1761. Mel. Jesu, meines Lebens ꝛe. Ps. 139, 1—4. 394. Dad Wun del kennet, Ewiger, erforsche mich! Ach, ich war von dir getrennet, Aber du erbarm⸗ test dich. Du vernahmst mein Flehn und Sehnen, Sahst auf meiner Reue Thränen; Da vergabst du mir die Schuld, Nahmst mich auf mit Vaterhuld. 2. Forsche selbs in meinem Herzen, Sieh, es fehlt und wanket noch, Fühlt noch unter Sorg' und Schmerzen Oft der Sünde schweres Joch. Strauchelnd, ungewiß und träge Wandl' ich auf dem schmalen Wege, Und zu oft noch sieht mein Blick Auf die breite Bahn zurück. 3. Als zuerst ich voll Entzücken, Vater, dich im Sohne fand Und mit an⸗ dachtsvollen Blicken Deinem Throne nahe stand: Wie war da der Reiz der Sün⸗ den Mir so leicht zu über⸗ winden, Wenn ich dachte, 21* 324 XVI. Die Heilsordnung. wie du liebst, Der du so die Schuld vergiebst! 4. Welche Ruhe, welcher Friede Wohnte da in mei— ner Brust! Alles Eitlen war ich müde Und ver⸗ schmähte niedre Lust. Um nur deine Huld zu haben, Mißt' ich gern des Glückes Gaben, Und ein Herz, das dich verehrt, War mir mehr als Alles werth. 5. Doch der Andacht heil ge Stunden, Reich an himmlischem Gewinn, Ach, wohin sind sie geschwunden? Wo die sel'ge Ruhe hin? Wenn ich jetzt auch im Ge— bete Hin vor Gottes Ant⸗ litz trete, Wird des Herzens Innigkeit Durch der Welt Geräusch zerstreut. 6. Wenn die spöttisch auf mich sehen, Denen Beten Thorheit däucht, Wenn sie mein Vertrauen schmähen, Wird es bald aus mir ver⸗ scheucht. Macht die Menge der Verächter Meinen Glau⸗ ben zum Gelächter, So ver⸗ gess' ich leicht der Pflicht Und bekenne Christum nicht. 7. Und doch bebten Christi Zeugen Vor der Wahrheit Feinden nie, Seine Lehre zu verschweigen, Zwan⸗ gen keine Schrecken sie. Auf des Martertodes Wegen Gingen sie dem Lohn ent⸗ gegen, Durften froh im Geiste sehn Christum Gott zur Rechten stehn. 8. Der du sie mit Kraft von oben So zum Kampfe stark gemacht Und in jene Welt erhoben, Wo ihr Lauf nun ist vollbracht, Hilf auch mir den Spott bezwingen Und zum Siege durchzu⸗ dringen! Vater, bis ans Ende sei Dir mein ganzes Herz getreu! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Eigene Melodie. Apostelgesch. 4, 12. 5 vins ist noth! 395. E Ach, Herr, dies Eine Lehre mich erken⸗ nen doch! Alles Andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget Und den⸗ noch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang' ich dies Eine, das Alles ersetzt, So werd' ich mit Einem in Allem ergötzt. 2. Seele, willst du die⸗ ses finden, Such's bei keiner Creatur; Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing' dich über die Natur! Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, Wo alle vollkom— —.—— mene da ist digste mein Heil. 3. flissen nieß, Füßen ließ, dies Jesus belehr gänzli Drum Einen 4. Verla nur treuli Scher Ob zum will i nachl⸗ A. Buße und Bekehrung. 325⁵5 mene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwen⸗ digste Theil, Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. 3. Wie Maria war be⸗ flissen Auf des Einigen Ge⸗ nieß, Als sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht nieder⸗ ließ, Ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören, Was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, Ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt, Drum wurde ihr Alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir: Laß mich treulich dir anhangen, Schenn dich zu eigen mir! Ob Viel' auch umkehrten zum größesten Haufen, So will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist; Was ist wohl, daß man niet in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himm⸗ lisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab' ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen Als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen Durch dein theures Opfer⸗ blut. Die höchste Gerechtig⸗ keit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; Die Klei— der des Heils ich da habe erlangt, Worinnen, mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gieb, daß meine Seele Auch 726— dei⸗ nem Bild erwacht: Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wan⸗ del und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir Alles gegeben: Entreiße mich aller vergänglichen Lust; Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt! 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich umströmt die Gnadenfluth; Du bist einmal eingegangen In das Heil'ge Durch dein Blut. Da hast du die ew'ge Er⸗ lösung gefunden, Daß ich nun der höllischen Herr⸗ schaft entbunden; Dein Eingang die völlige Frei⸗ heit mir bringt, Im kind⸗ 326 XVI. Die Heilsordnung. lichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volle G'nüge, Fried' und Freude Jetzo meine Seel' ergötzt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt, Jesus, mich gesetzt. Nichts Süßers kann also mein Herze erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; Nichts, Nichts ist, das also mich innig er⸗ quickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein Ein und Alles sein! Prüf', er⸗ fahre, wie ichs meine, Tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüg⸗ lichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege; Gieb, daß ich hier Alles nur achte für Koth Und Jesum gewinne: dies Eine ist noth! Johann Heinrich Schräder, 1666—1728 — —— — 7 —.—— — — — — 2 — — 4 — — — — 5.— — — 2* — 2 Matth. 11, 28—30. 1. Joh. 5, 1—3. 3 9 6 2— Christ zu sein Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben. Zwar der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit Den schweren Streit. Du darfst ja nur ein Kindlein sein, Du darfst ja nur die leichte Liebe üben. O blöder Geist, schau' doch, wie gut er's mein'! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben. Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr: Es ist 1.. schwer!: 3. Dein Vater fordert nur das Herz, T Daß er es selbst mit reiner Gnade fülle. Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille. Drum übergieb ihn willig in den Tod, So hat's nicht Noth.: 4. Wirf nur getrost den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh' dein ahwa de⸗ Herze naget; Sprich: Vater, schaw mein Elend gnädig an! So ist's gethan. 5. Faß nur die Seele in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hilfe merkest. Versiehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gi dein Verseh 6. im G dich w niß b wird dir thr und schrecke lich fe glaube 8. aufs wirst Klarhe du e dann darfst men Seele ein u lig ist 8. Geist, Dich lindlie ein, die si den Vater und trost ihn.: einen hafft Lille. villig nicht den dein und zum Sinn, Weh' aget; mein istẽs A. Buße und Bekehrung. 327 .—— die Gnade stärkest; ist dein Fehl und iindlich s Versehn Als nicht ges chehn.:, 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich will Nacht und Finster⸗ niß bedecken; Dein Vater wird nichts Schlimmes mit dir thun, Vor keinem Sturm und Wind darfst du er⸗ schrecken. Ja, siehst du end⸗ lich ferner keine Spur, So glaube nur. 7. So wird dein Licht aufs Neu' entstehn, Du wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn, Drum darfst du nur dem from⸗ men Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ So se⸗ lig ist.., 8. Auf, auf, mein Geist, was säumest du, Dich deinem Gott ganz lindlich zu ergeben? Geh' ein, mein Herz, geneuß die süße Ruh'! In Frie⸗ den sollst du vor dem Vater schweben; Die Sorg' und Last wirf nur ge⸗ trost und kühn Allein auf ihn. Dr. Christian Friedrich Richter, 1676—1711. fauf Eigene Melodie. 1. Tim. 6, 12. Ts kostet viel, ein Christ zu sein Und dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es gar sauer ein, Sich immer⸗ dar in Christi Tod zu ge— ben, Und ist hier gleich ein Kampf wohl ausgericht't, Das macht's noch nicht. 2. Man muß hier stets Schlangen gehn, Die schnell ihr Gift in unsre Fersen bringen. Da kostet's Müh', auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die S Seele dringen. Wenn man's versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wichtigkeit.:, 3. Doch es ist wohl der Mühe werth, Wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, Die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich stets hier aufs Himm⸗ lische geleget. Es hat wohl Müh', die Gnade aber macht, Daß man's nicht acht't.: 4. Man soll ein Kind des Höchsten—104 Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte. Wie wird der Leib so stark, n ein, So herr⸗ lich sein, so lieblich im Ge⸗ 328 XVI. Die Heilsordnung. sichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So schöne macht! 5. Da wird das Kind den Vater sehn, Im Schauen wird es ihn mit Lust em⸗ pfinden; Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu Einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird ge— schehn? Wer mag's ver— stehn? 6. Da giebt sich ihm die Weisheit ganz, Die es hier stets als Mutter hat ge— spüret; Sie krönet es mit ihrem Perlenkranz Und wird als Braut der Seele zuge— führet, Die Heimlichkeit wird da ganz offenbar, Die in ihm war.: 7. Was Gott genießt, genießt es auch; Was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben; Der Himmel steht ihm ewig zum Gebrauch: Wie lieblich wird es doch mit Jesu leben! Nichts höher kann an Kraft und Würde sein, Als Gott allein. 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich aus der Macht der Finsterniß zu reißen! Was sorgest du, daß dir's an Kraft gebricht? Be⸗ denke, was für Kraft uns Gott verheißen. Wie gut wird sich's doch nach der Arbeit ruhn, Wie wohl wird's thun! Dr. Christian Friedrich Richter, 1676—1711. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich ꝛc. Ps. 25, 16—18. 398 H*, der du unsre Zu⸗ flucht bist, Gott, unser Mittler, Jesu Christ, Gott, heil'ger Geist der Gnaden! Dreieiniger, verwirf uns nicht! Wir kommen vor dein Angesicht Mit Missethat be— laden. Nimm von uns unsrer Sünden Schuld, Du Gott der Langmuth und Geduld, Und merk' auf un⸗ ser heißes Flehn, Daß wir dein Heil, Erbarmer, sehn. Herr, unser Gott, Verwirf uns nicht, verwirf uns nicht! Halt' ferne, ferne dein Gericht! 2. Wir haben unsren Bund entweiht, Wir haben uns von dir zerstreut Und deinen Weg verlassen. Doch schau', wir kehren voller Reu' Zurück zu dir, o laß aufs Neu' Uns deine Gnad' umfassen. Laß sie uns lei⸗ ten auf den Pfad, Den Jesus uns gewiesen hat Durch Buß' und Glauben frei hi vergebe Gott, groß 4 vergiel 2. ben dr Rechte Da e krönen uns b Leiden selber nahn, zu em ihm. Christ, Mittle 4. Blut deinen uns Kirche alle Versie Hilf Saere an ur kämpf Unkre In, L mit N Ob e Blut. ich ꝛc. rdu Zu⸗ unser Gott, Aden! uns dein t be⸗ uns „Du und un⸗ awir sehn. rwirf uns dein nsren zaben Und Doch Hooller vlaß önad' lei⸗ Den hat luben A. Buße und Bekehrung. 329 frei hinan Zu dir, der uns vergeben kann. Herr, unser Gott, Groß von Geduld, groß von Geduld, O Gott, vergieb uns unsre Schuld! 3. Sohn Gottes, der zur Erde kam Und unsre Schwachheit auf sich nahm, Mit Gott uns zu versöhnen, Der du durch Tod zum Le— ben drangst, Dich dann zur Rechten Gottes schwangst, Da Ehr' und Preis dich krönen, Vertritt, o Mittler, uns bei Gott Durch deine Leiden, deinen Tod. Hilf selber uns zu Gott uns nahn, Gnad' und Vergebung zu empfahn Und Heil von ihm. O Jesu Christ, o Jesu Christ, Gedenk', daß du der Mittler bist! 4. Wir sind mit deinem Blut erkauft, Wir sind auf deinen Tod getauft, Erkenn' uns für die Deinen. Die Kirche, deine Dienerin, Führ' alle Menschen zu dir hin, Versiegle sie, die Deinen. Hilf uns dein Wort und Sacrament Rein halten bis an unser End' Und den be⸗ kämpfen früh und spät, Der Unkraut unter'n Waizen sät. In Liebe zwar, Doch auch mit Muth, mit festem Muth, Ob es auch gälte Gut und Blut. 5. Ja, Zion dir befohlen sei! Doch laß, Herr, deine Lieb' und Treu' Das ganze Land genießen. Wend' ab von ihm durch deine Hut Der Flammen Grimm, den Zorn der Fluth, Des Krie⸗ ges Blutvergießen. Wenn Regen uns, wenn Dürr' uns droht, Wenn Seuch'— o Gott, in aller Noth Zeig' uns als unsren Helfer dich, Der sich erbarmet väterlich. Herr, unser Gott, Das Land ist dein, das Volk ist dein, Laß Volk und Land sich deiner freun! 6. Gieb uns ein gutes Regiment. O Gott, den Geist der Weisheit send' Auf alle Obrigkeiten! Dem theu⸗ ren König wollest du Von Außen Fried', im Inn'ren Ruh', So lang' er lebt, be⸗ reiten. Noch lange sei sein Vaterblick Uns, seinen Kin⸗ dern, Freud' und Glück. Auf ihn und auf sein ganzes Haus Schütt' deinen reichen Segen aus; Er ist dein Knecht, Sei du sein Schild, sein Schild und Lohn! Einst schmück ihn mit der Him⸗ melskron'. 7. Vernimm der Leiden⸗ den Gebet; Wer in Gefahr und Noth dir fleht, Dem hilf aus seinen Nöthen. EFFFFFFF ITIĩ—‚—IIII.....— 330 XV I. Die Heilsord gung. Gieb Kranken erlöse du, Und Linderung Drum laß von Sünden und Ruh'; Die Sterbenden mich genesen Und schaff ihr ein reines Herz in mir, hör' letztes Beten. Sei Unterdrückten Heil, r Waisen Theil, Vereitle allen bösen Rath, Verirrten zeig' den rechten Pfad. Herr, Wittwen und de Gott, Uns Alle führ', jedes Der unser uns Alle führ' Einst in die Se⸗ ligkeit bei dir. 8. Du thust noch mehr, als wir verstehn, wirst mehr geben, Kannst, als wir flehn, Laß uns Erhörung finden. Doch weigre Alles uns, nur nicht, Was noch einmal die Andacht spricht: Vergieb uns unsre Sünden! Ach, laß uns ganz eigen sein, Im Leben dein, im Tode dein. O keine Seel' verstößt, Sünder durch d erlöst, Herr, un en ser du, dein der Den Sohn Gott, Erbarme dich, erbarme dich. thust es Du thust es, V gnädiglich. Dr. Johann 1820. Joachim Eschenburg, 13 Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Ps. 14, 6 gottlos Wesen; ist, bleibet nicht Wer vor ge⸗ kein bös' dir. Ein Herz, das sich vom Sinn der Welt Entfernt, und unbefleckt erhält. 2. Laß mich auf die be⸗ Ren de Sünden Mit innig⸗ ster Beschämung sehn, Durch Chrisium vor dir Gnade finden Und standhaft deine Wege gehn! Ich will fort⸗ hin das Böse scheun Und deinem Dienst mein Leben weihn. 3. Du kennst und lenkest die Gedanken, Gieb meinem Vorsatz Festigkeit, Und will mein schwaches Herz noch wanken, So hilf der Un⸗ entsch lossenheit. Wie Viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm deinen Geist nur nicht von mir! 4. Gieb, daß er mir stets Hilfe leiste, Und Muth und Kräfte mir verleih', Daß ich mit kindlich treuem Geiste Dir bis zum Tod ergeben sei. So sieg' ich über Fleisch und Welt Und thue, was dir wohlgefällt. 5. Doch, wenn ich je aus Schwachheit fehle, Mein Vater, dann verwirf mich nicht. Verbirg nicht der be— trübten Seele, Wenn sie dich sucht, dein Angesiht Und mach Mich d gewiß. 6. nen 7 getrost stärke Mit dir, X Prüfu Erbthe Neues Mel. lich pr bin meines entdeck mich f in me ich re. Weil liebe. 2. liebe Welt; Triebe gefällt er ül Seele giebst Gerec 3. willen Wort —— ünden schaff mir, vom fernt, ie be⸗ innig⸗ Durch Inade deine fort⸗ Und Leben enkest einem will noch Un⸗ Viel dir! nicht stets und Daß euem A. Buße und Bekehrung. 331 mach' auch in Bekümmerniß Mich deiner Gnad' und Huld gewiß. 6. Erquicke mich mit dei⸗ nen Freuden, Schaff' ein getrostes Herz in mir Und stärke mich in allen Leiden Mit froher Zuversicht zu dir, Bis, nach vollbrachter Prüfungszeit, Der Deinen Erbtheil mich erfreut. Nenes Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Hos. 12, 7. 400 G˙¹3 ich will mich ernst⸗ lich prüfen, Ob ich redlich bin vor dir! Du kennst meines Herzens Tiefen, Ach, entdecke sie auch mir! Laß mich sehen, ob ich treu Dir in meinem Wandel sei, Ob ich recht zu thun mich übe, Weil ich dich von Herzen liebe. 2. Eitelkeit und Eigen⸗ liebe Sind die Götter dieser Welt; Aber nie sind sie die Triebe, Deren Wirkung dir gefällt. Wer das Gute, das er übt, Nicht mit reiner Seele liebt, Richter, dem giebst du die Krone Der Gerechten nicht zum Lohne. 3. Die um deiner Liebe willen Wandeln, wie dein Wort gebeut, Diese, diese nur erfüllen Das Gesetz der Frömmigkeit. Nicht nur das, was wir gethan, Auch die Quelle siehst du an; Deine Liebe soll uns drin⸗ gen, Gute Werke zu voll⸗ bringen. 4. Wie ein Nebel, so verschwinden Meine Tugen⸗ den vor mir. Fast erkenn' ich sie für Sünden, Denn sie stammten nicht von dir. Deine Liebe trieb mich nicht Zur Erfüllung meiner Pflicht. Ohne selbst an dich zu den⸗ ken, Ließ ich mich zum Gu⸗ ten lenken. 5. Ich gehorchte deinem Rechte, Daß mir diese Folg⸗ samkeit Huld und Gunst bei Menschen brächte Und den Ruhm der Frömmigkeit. Wenn ihr Beifall mich er⸗ hob, O, wie süß war mir dies Lob! Dies allein ließ ich mich treiben, Meiner Tugend treu zu bleiben! 6. Ach, wie konnt' ich dich vergessen, Dir, mein Gott, nicht dankbar sein, Deine Liebe nicht ermessen, Mich nicht deines Beifalls freun! Meinen Lohn hab' ich dahin! Eitler Ruhm ward mein Gewinn! Und zu dir konnt' ich mich schwin⸗ gen Und dein ewig Lob er⸗ ringen! XVI. Die Heilsordnung. 7. Gott, der du in dei⸗ nem Sohne Reich bist an Barmherzigkeit, Gott, mein Vater, ach verschone Mei— ner falschen Frömmigkeit! Ich bekenne meine Schuld, Ach, bedecke sie mit Huld! Laß mich deine Liebe rüh⸗ ren Und mein ganzes Herz regieren! 8. Gieb, daß alle meine Werke Früchte deiner Liebe sein! Sie erfülle mich mit Stärke, Ganz mein Leben dir zu weihn! Ich bin Got— tes Eigenthum! Dies sei mir der höchste Ruhm! Was ist mir das Lob der Erde, Wenn ich seiner würdig werde! Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. Mel. Christus, der uns selig ꝛc. Ezech. 34, 16. mein 401. G6 Vater, ich, dein Kind, Falle vor dir nieder. Du weißt, was wir Menschen sind Und erbarmst dich wieder. Groß ist mei⸗ ner Sünden Schuld, Die mich innig reuet, Größer deine Vaterhuld, Die mich noch erfreuet. 2. Zwar bin ich's nicht werth, zu dir Kindlich auf⸗ zusehen; Doch du bleibst ein Vater mir, Du ver⸗ nimmst mein Flehen, Kennst mein Inn'res, siehest mich, Wenn ich vor dir weine, Und vergiebst mir väter— lich, Wenn ich's redlich meine. ö 3. Dies, dies soll in je— dem Schmerz Mein Ver⸗ traun erwecken. Vor der Sünde soll mein Herz, Nicht vor dir, erschrecken. Trauen will ich, Vater, dir, Stets die Sünde hassen, Nie vergessen, daß du mir So viel Schuld er— lassen. 4. Preis sei dem All⸗ gütigen, Der mein Seuf⸗ zen kennet, Der dem Gnadesuchenden Freien Zu— tritt gönnet! Sing' es, Seele, vor dem Herrn, Fließ' vor Freuden über! Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, Er begnadigt lieber. 5. Ewig bist du so ge—⸗ sinnt, Schöpfer meiner Seele! Auch wenn ich, dein strauchelnd Kind, Noch aus Schwachheit fehle; So ge— denkst du, der du weißt, Daß mein Herz dich ehret, Meiner Schwachheit und verzeihst Dem, der wieder⸗ kehret. Anhang des alten Görlitzer Gesang⸗ buchs, 1794. 40. Und m Last; Weg mir g möcht' Schreck Seele 2. fliehen halben über 9 ich in Hätt' i Winder du mie —.— bekenne mißget dein Ach, n an! 9 den M Gesetze 4. 0 thräne denschr Herz s deiner du n⸗ hören Trost 5. geben (— den T — Kennst mich, weine, väter⸗ redlich in je⸗ Ver⸗ rder Herz, recken. Vater, Sünde „ daß ld er⸗ ö All— Seuf⸗ dem n Zu⸗ es, Herrn, über! rstößt iadigt o ge⸗ neiner „dein 9 aus o ge— weißt, ehret, und ieder⸗ sang⸗ A. Buße und Bekehrung. 335 ——ꝛßꝛ Eigene Melodie. Ps. 51, 3—6. 402 Hea ich habe 2 mißgehandelt Und mich drückt der Sünden Last; Ich bin nicht den Weg gewandelt, Den du mir gezeiget hast. Jetzt möcht' ich vor deinem Schrecken Gern die bange Seele decken. 2. Aber wohin sollt' ich fliehen! Du wirst allent⸗ halben sein. Wollt' ich über Meere ziehen, Stieg' ich in die Gruft hinein, Hätt' ich Flügel, gleich den Winden: Dennoch würdest du mich finden. 3. Drum muß ich es nur bekennen: Herr, ich habe mißgethan, Darf mich nicht dein Kind mehr nennen. Ach, nimm mich zu Gnaden an! Richte nicht der Sün⸗ den Menge, Herr, nach des Gesetzes Strenge. 4. Siehe, wie mein Auge thränet Ueber meine Sün⸗ denschuld; Siehe, wie mein Herz sich sehnet, Gott, nach deiner Vaterhuld. Willst du nicht mein Flehn er⸗ hören Und mir Gnad' und Trost gewähren? 5. Ja, ich hoffe; hinge—⸗ geben Hat sich Christus in den Tod Mir zur Rettung und zum Leben, Hat mich dir versöhnt, o Gott! Sei— nes Heils darf ich mich trösten Mit den Schaaren der Erlösten. 6. Laß nun deinen Geist mich leiten, Stets zu thun, was dir gefällt; Laß mich unermüdet streiten Mit der Sünde, mit der Welt; Nimmer laß mich wieder wanken, So will ich dir ewig danken. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Nach Johann Frank, 1618—1677. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ꝛc. Ps. 51, 19. 40 3* 5 310 Ihastes Gut, Du Brunnquell aller Gnaden, Sieh doch, wie ich in meinem Muth Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab' der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder drücken! 2. Erbarm' dich mein in solcher Last, Nimm sie aus meinem Herzen, Dieweil du sie gebüßet hast Am Holz mit Todesschmerzen, Auf daß ich nicht mit großem Weh' In meinen Sünden untergeh', Noch ewiglich verzage. 3. Ach Gott, wenn mir 334 XVI. Die Heilsordnung. das kommet ein, Was ich mein' Tag' begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein, Und bin mit Furcht umfangen; Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte stracks verloren sein, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Allein dein heilsam Wort, das macht Mit sei— nem süßen Singen, Daß mir das Herze wieder lacht Und fast beginnt zu sprin⸗ gen, Dieweil es alle Gnad' verheißt Denen, die mit zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, kommen. Und weil ich denn in meinem Sinn, Wie ich zu— vor geklaget, Auch ein be— trübter Sünder bin, Den sein Gewissen naget, Und gerne möcht' im Blute dein Von Sünden abgewaschen sein, Wie David und Manasse: 6. So komm'' ich auch zu dir allhie In meiner Noth geschritten Und thu' dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Ver⸗ gieb es mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab' be— gangen! 7. O Herr, mein Gott, vergieb mir's doch Um dei⸗ nes Namens willen Und thu' in mir das schwere Joch Der Uebertretung stil— len, Daß sich mein Herz zufrieden geb' Und Dir hin⸗ fort zu Ehren leb' Im kind⸗ lichen Gehorsam! 8. Stärl' mich mit dei— nem Freudengeist, Heil' mich mit deinen Wunden. Wasch' mich mit deinem Todes⸗ schweiß In meiner letzten Stunden Und nimm mich einst, wenn dir's gefällt, Im wahren Glauben von der Welt Zu deinen Aus⸗ erwählten. Bartholomäus Ringwaldt, 1531—1598. Mel. Wenn wir in höchsten ꝛe. Joh. 15, 6. 7. 40⁴4 ier bin ich, — Herr, du rufest mir! Du ziehest mich, ich folge dir. Du forderst von mir Herz und Sinn, Mein Heiland, nimm, ach, nimm es hin! 2. Ich hab' oft deinen Wink verschmäht, Es ist mir leid, ich komme spät. Wie dank' ich dir, o Gott der Huld, Für deine Lang⸗ muth und Geduld. 3. Nun aber säum' ich länger nicht, Mich dringt und treibet meine Pflicht. gieb mir Ich komm', Herr, rechte mich en —.* Petro ein Stt reich', deine wird 1 gewand 5. komm' land, h Mein weigert stütz' u 8 Müden künftig ich dir Gott, Gluth, Tod! Mel. 405 Gott, der es es der und gi an mi itd das Ich treuem Herz! hin⸗ kind⸗ dei⸗ mich Sasch odes⸗ etzten mich fällt, von Aus⸗ 1598. Eu ꝛe. ich, „ du mich, derst Sinn, ach, einen 5 ist spät. Gott ang⸗ ich ringt licht. mir A. Buße und Bekehrung. 335 rechte Reu', Und mache du mich ewig treu. 4. Denn ich bin deinem Petro gleich: Dort kommt ein Sturm! Ich sink', ach, reich', Reich' schnell mir deine starke Hand, So wird mein Fall noch ab⸗ gewandt! 5. Du rufest mich! Ich komm' zu dir, Mein Hei⸗ land, hilf, ach, hilf du mir! Mein Fuß ist müd' und weigert sich, Herr, unter⸗ stütz' und trage mich. 6. Flöß' deine Kraft mir Müden ein, So werd' ich künftig stärker sein, So folg' ich dir, mein Herr und Gott, Durch Fluth und Gluth, durch Noth und Tod! Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. Mel. Es ist genug! So ꝛe. ö Sprüchw. 23, 26. 405. Rier ij ist mein Heiz! Ment Gott, ich geb' es dir, Dir, der es gnädig schuf. Nimm es der Welt, Mein Kind, und gieb es mir! Dies ist an mich dein Ruf. Hier ist das Opfer meiner Liebe! Ich weih' es dir aus treuem Triebe: Hier ist mein Herz! 7*• 2. Hier ist mein Herz! O, nimm es gnädig an, Ob ihm gleich viel gebricht; Ich geb' es dir, So gut ich's geben kann, Ver⸗ schmäh' die Gabe nicht: Es ist mit Adams Fall be⸗ flecket, Mit Sünd' erfüllt und überdecket, Mein sünd⸗ lich Herz. 3. Hier ist mein Herz! Was vorher steinern war, Jetzt ist's ein fleischern Herz; Es legt sich dir Matt und zerbrochen dar, Es füh— let Angst und Schmerz; Es jammert bei der Last der Sünden, Es seufzt: Wo soll ich Rettung finden? Mein reuig Herz.. 4. Hier ist mein Herz! Gott der Barmherzigkeit, Erbarme dich doch sein; Schau', wie es sich Auf deine Gnade freut! Sein Trost bist du allein. Es sagt mit kindlichem Ver⸗ trauen: Ich werde Gott als Vater schauen, Mein hoffend Herz.. 5. Hier ist mein Herz! Es sucht in Christo Heil, Es naht zum Kreuze hin, Es spricht: O Freund, Du bist mein Gut und Theil, Dein Blut ist mein Ge⸗ winn. Es hat in des Er⸗ lösers Wunden Trost, Ruh 336 XVI. Die He ilsordnung. und Seligkeit gefunden, Mein gläubig Herz. 6. Hier ist mein Herz! Geist Gottes, schaff' es rein Und mach' es gänzlich neu! Weih' es dir selbst Zum heil'gen Tempel ein, Mach' es im Guten treu; Hilf, daß es stets nach Gott verlange, Ihn fürcht', ihn lieb' und an ihm hange, Mein neues Herz. 7. Hier ist mein Herz! Es überdenkt gerührt Die Hoheit deines Throns: Schenk' ihm den Schmuck, Der deine Knechte ziert, Die Demuth deines Sohns; Gieb, daß es Stolz und Hochmuth fliehe Und klein zu werden sich bemühe, Mein niedrig Herz. 8. Hier ist mein Herz! Lehr' es Gelassenheit. Sein Glück sei stets dein Rath; Sein Wahlspruch sei Im Wohlergehn und Leid: Was Gott beschlossen hat! Es glaube fest zu deinem Preise: Der Herr ist treu, mein Gott ist weise, Mein folg— sam Herz. 9. Hier ist mein Herz! Bewahr' es, treuster Freund, i Vor aller Feinde List; Gieb, wenn der Tod, Der letzte Feind, erscheint, Daß es stark gläubig ist! Hilf mir, wenn meine Augen brechen, Dies treue Wort froh zu dir sprechen: Hier ist mein Herz! Chrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Werde munter, mein ꝛc. Klagel. 3, 22—24. 406. He W. Güte, Die du mir bisher erzeigt: O, so wird Wann ganz Gemüthe Zu der tief⸗ sten Scham gebeugt, Daß ich dich gering geschätzt, Häufig dein Gebot verletzt Und dich, der mich so ge— liebet, Doch so oft und schwer betrübet! 2. Alle meine Seelen⸗ kräfte, Meine Glieder sind ja dein, Und sie sollen dem Geschäfte Deines Dienstes heilig sein; Doch hab' ich der Eitelkeit Unbedachtsam sie geweiht, Ja, zum schnöden Dienst der Sünden Ließ ich mich oft willig 5b. 3. Deine Huld 1101 jeden Morgen Ueber mir, o 2 Vater neu; Von wie vielen schwe⸗ ren Sorgen Machst du meine ne frei! Was mir gut t, giebst du mir, Aber, ach, — dank' ich dir? O, wie kann ich so vermessen Deines Wohlthuns Zweck vergessen! 4. Aller Danl ist ja vergebe die St Besseru mit all Herr, so wen ich kan len Ni erfüller Sünde Gott, bei dir Herr, Ach, than! barmer vom zurück 6. aufs mein g Vaterh dein tr Was erwarh Sünde Freude mich R +*. ner E mich nd daß mn fehle, zu sei mächtie selbst lieben, chen, 9zu mein 178⁰. in ꝛc. denk' die isher mein tief⸗ Daß hätzt, erletzt o ge⸗ chwer eelen⸗ sind dem enstes b' ich htsam röden ß ich jeden Zater, chwe— meine gut „ach, wie eines essen! t. 3a A. Buße und Bekehrung. 337 vergebens, Wenn ich nicht die Sünde flieh', Und um Besserung des Lebens Mich mit aller Kraft bemüh'. Ach, Herr, diese Dankbarkeit Ist so wenig dir geweiht! Ach, ich kann, Gott, deinen Wil⸗ len Nicht so, wie ich soll, erfüllen! 5. Ich erkenne meine Sünden, Beuge mich, mein Gott, vor dir. Laß mich bei dir Gnade finden, Neige, Herr, dein Ohr zu mir! Ach, vergieb, was ich ge— than! Nimm mich noch er— barmend an! Führe mich vom Sündenpfade Schnell zurück durch deine Gnaͤde. 6. Dir ergeb' ich mich aufs Neue. Gieb, daß mein gebeugter Geist Deiner Vaterhuld sich freue, Die dein tröstend Wort verheißt! Was dein Sohn auch mir erwarb, Als er für die Sünder starb, Fried' und Freude im Gewissen, Laß mich Reuigen genießen. 7. Stärke selbst in mei⸗ ner Seele Den Entschluß, mich dir zu weihn; Gieb, daß mir's an Kraft nicht fehle, Meinem Vorsatz treu zu sein. Stehe mir stets mächtig bei, Mache du mich selbst recht treu. Dich zu lieben, dir zu leben, Sei mein eifrigstes Be⸗ streben. Dr. Friedrich Fabricins, 1642—1703. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. 2. Corinth, 7, 10. 40 7* Ineusch de armer Sünder, Steh' hier vor Gottes Angesicht. Ach Gott, ach Gott, verfahr' gelinder Und geh nicht mit mir ins Gericht! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 2. Wie ist mir doch so herzlich bange Von wegen meiner großen Sünd'! Ach, daß ich Gnad' von dir er⸗ lange, Ich armes und ver— lornes Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 3. Ach, höre doch mein seufzend Schreien, Du aller⸗ treustes Vaterherz; Woll'st alle Sünden mir verzeihen, Und lindern meines Herzens Schmerz! Erbarme dich, er— barme dich, Gott, mein Er— barmer, über mich! 4. Wie lang' soll ich vergeblich klagen? Hörst du denn nicht? hörst du denn nicht? Wie kannst du das Geschrei vertragen? Hör', was der arme Sünder spricht: Erbarme dich, erbarme dich, 22 338 XVI. Die Heilsordnung. Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den Nie— mand heilet außer du. Ach, aber Gnade, Gnade, Gnade! Ich lasse dir nicht eher Ruh': Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 6. Nicht, wie ich hab' verschuldet, lohne Und handle nicht nach meiner Sünd'; Um Jesu willen, Vater, schone Und nimm mich wie⸗ der an zum Kind! Er⸗ barme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 7. Sprich nur ein Wort, so werd' ich leben, Sag', daß der arme Sünder hör': Geh hin, all' Sünd' ist dir vergeben, Nur sündige hin⸗ fort nicht mehr! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 8. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zweifelsfrei, Weil sich der Trost im Herzen mehret; Drum will ich enden mein Geschrei: Erbarme dich, er— barme dich, Gott, mein Er⸗ barmer, über mich! Christoph Titius, 1641—1703. Mel. Hene lieb 20 ich ꝛc. Joh. 1, 6. 408. 3 ch komme, Friedens⸗ fürst, zu dir; Erbarmend rufest du auch mir, Den Frieden zu empfangen. Der Sünden Last ist mir zu schwer, O laß mich nicht vom Troste leer, Laß mich zur Ruh' gelangen! Sieh an mein tiefgebeugtes Herz! Sieh' meiner Seele Angst und Schmerz! Wer tröstet mich, als du allein? Wer machet mich von Sünden rein? Herr Jesu Christ, Mein Trost, mein Licht; mein Trost, mein Licht; Verwirf mein sehnlich Flehen nicht! 0 HD 2. Du, 2. du bist meine Zuversicht! Durch dich komm' ich nicht ins Gericht, Du tilgest meine Sünden. Durch dich kann ich dem Fluch entgehn Und mich mit Gott vereinigt sehn, Durch dich das Leben finden. Dein Tod ist der Verlornen Heil, Sein Segen werd' auch mir zu Theil, Er sei auch mir Beruhigung, Erwecke mich zur Besserung; Herr Jesu Christ, Ich hoff auf dich, ich hoff' auf dich! Du giebst mir Trost, du stärkest mich. 3. Mein ganzes Leben preise Mittler Eigentl ich nu Nichts, Tage Nichts Auf di land E deine H stärke siegen mein K Neues Mel. 40 wer b daß d stets,! Weltri erbarm und zi Giebt Sünde o Vat Kampf gung. 2. der re⸗ weg o Wie sch erschric —— ch ꝛc. mme, dens⸗ mend Den Der ir zu nicht mich Sieh Herz! Angst tröstet Wer ünden Hrist, Licht; Licht; lehen meine omm' Du Durch Fluch Gott dich Dein Heil, mir mir mich Jesu h, ich giebst mich. Leben A. Buße und Bekehrung. 339 preise dich! Erlöst, mein Mittler, hast du mich, Dein Eigenthum zu werden. Bin ich nur dein, so fehlt mir Nichts, Nichts einst am Tage des Gerichts, Und Nichts schon hier auf Erden. Auf dieser Bahn ins Vater⸗ land Entzieh' mir niemals deine Hand; Zu allem Guten stärke mich Und laß mich siegen einst durch dich! Herr Jesu Christ, Mein Trost und Licht, mein Trost und Licht Bist du noch, wenn mein Herz einst bricht. Neues Berliner Gefangbuch, 1829. Mel. Erbarm' dich mein, o ꝛc. 1. Cor. 6, 20. 409 ch Staub * vom Staube, wer bin ich, Der Sünder, daß du meiner dich Noch stets, du Heiliger, erbarmst, Weltrichter, meiner stets erbarmst? Zum Glauben und zum Thun zu schwach, Giebt oft mein Herz der Sünde nach. Ich kämpf', o Vater, nicht genung Den Kampf der ernsten Heili⸗ gung. 2. Wie schnell ist von der rechten Bahn Zum Irr⸗ weg oft der Schritt gethan! Wie schnell! Mein ganzes Herz erschrickt, Wenn es in diesen Abgrund blickt! Die Misse⸗ that, wie nah' grenzt sie An einen Fehl, den Gott verzieh! Herr, Herr, mein ganzes Herz erschrickt, Wenn es in diesen Abgrund blickt! 3. Schmal ist der Weg zu Gottes Höhn, Und We⸗ nige sind, die ihn gehn! Die Pfort' ist eng'ꝰ, und der nur dringt Durch sie zu Gott empor, der ringt! Ich lieg' auf meinem Angesicht Und fleh' und weine:„Laß dein Licht Mir leuchten! Vater, laß mich dein Im Leben und im Tode sein!“ 4.„Der mir in Christo Alles gab, Mit Gnade blick' auf mich herab, Auf mich, der Sünde schnellen Raub, Den Himmelserben und den Staub!“ Sink tief, o Seele, nieder, tief Vor dem, deß Stimme stets dir rief! Sink' in den Staub vor dem hinab, Der dir in Christo Alles gab! 5. Ja, du erharmest über mich, Versöhnter und Versöhner, dich! Vom Leibe dieses Tods befreit, Schau' ich einst deine Herrlichkeit! Ob Angst des Todes in mir bebt, Sterb' ich doch dem, der ewig lebt. Ver⸗ dammt, verdammt mich auch 22 340 XVI. Die Heilsordnung. mein Herz, Ist Gott doch größer als mein Herz! Got tlieb Ae 724—1803 Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Luc. 15, 11—24. 410. 3 Jesus nimmt Ibbdis Sünder an! Saget doch dies Trost⸗ wort Allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an! 2. Keiner Gnade bin ich werth, Doch hat er in seinem Worte Eidlich sich dazu er— klärt. Sehet nur, die Gna⸗ denpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an! 3. Wenn ein Schaf ver⸗ loren ist, Suchet es ein treuer Hirte. Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an! 4. Kommet Alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder; Jesus rufet euch, und er Macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubet's doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an! 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden. Laß, mein Hei⸗ laͤnd, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an! 6. Ich bin ganz getrosten Muths; Ob die Sünden blutroth wären, Müssen sie, kraft deines Bluts, Sich dennoch in Schneeweiß keh⸗ ren, Da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 7. Mein Gewissen beißt mich nicht, Moses darf mich nicht Feällnnen. Der mich frei und ledig spricht, Hat die Schulden abgetragen, Daß mich Nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 8. Jesus nimmt die Sünder an! Er hat mich auch angenommen Und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen, Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an! M. Erdmann Neumeister, 1671—1756. Mel. Aus 20.5 Noth schrei' ꝛc. 15 8, 15. Jes. 38 41 1. meiner Müet that Zum Herren mich be— kehren: Du wollest selbst mir Hilf und Rath Hierzu, o Gott, bescheren Und deines guten neue H Aus G Mensch Elend ist ohn⸗ Blind, Sünder Verstan großen nun, binden 3. niß be mir wo Böses Du ka winnen mer u über N1 Viel' h 4. mich g thum d Leben Die h Mit Ri. und Bꝛe mir ne hierher Hölle 5 niemals irgend daß i sei, Ha Hei⸗ Ynade Daß kann: er an! rosten ünden n sie, Sich keh⸗ rechen die beißt fmich mich Hat agen, mmen die 7 die mich d den iß ich Und kann: *an! —1756. Eei 2e. von Nisse⸗ be: selbst ꝛerzu, eines A. Buße und Bekehrung. 341 guten Geistes Kruft, Der neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir gewähren! 2. Natürlich kann ein Mensch doch nicht Sein Elend selbst empfinden; Er ist ohn' deines Wortes Licht Blind, taub und todt in Sünden; Verkehrt ist Will', Verstand und Thun: Des großen Jammers komm mich aun, O Vater, zu ent⸗ binden! 3. Klopf' durch Erkennt⸗ niß bei mir an Und führ' mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan: Du kannst mein Herz ge— winnen, Daß ich aus Kum⸗ mer und Beschwer Lass' über meine Wangen her Viel' heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den Reich— thum deiner Gnaden! Mein Leben dank' ich deiner Hand, Die hat mich überladen Mit Ruh', Gesundheit, Ehr' und Brot; Du machst, daß mir noch keine Noth Bis hierher können schaden. 5. Hast auch in Christo mich erwählt Tief aus der Hölle Fluthen, So daß es niemals mir gefehlt An irgend einem Guten; Und daß ich ja dein eigen sei, Hast du mich auch aus bloßer Treu' Gestäupt mit Vaterruthen. 6. Wer giebt den Kin⸗ dern, was du mir Gegeben zu genießen? Schenk' aber ich Gehorsam dir? Das zeuget mein Gewissen, Mein Herz, in welchem Nichts gesund, Das tausend Sün⸗ den haben wund Bis auf den Tod zerrissen. 7. Die Thorheit meiner jungen Jahr' Und alle schnöde Sachen Verklagen mich zu offenbar: Was soll ich Armer machen? Sie stellen, Herr, mir vor's Gesicht Dein unerträglich Zorngericht Und deiner Hölle Rachen. 8. Ach, meine Gräuel allzumal Schäm' ich mich zu bekennen; Es ist ihr'r weder Maß noch Zahl, Ich weiß sie nicht zu nennen, Und ist ihr'r keiner doch so klein, Um welches willen nicht allein Ich ewig müßte brennen. 9. Bisher hab' ich in Sicherheit Ganz unbesorgt geschlafen, Gesagt: Es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen; Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge fort, es hat Geduld Der Hirt mit seinen Schafen. 342 XVI. Die Heilsordnung. 10. Dies alles jetzt zu⸗ gleich erwacht, Mein Herz will mir zerspringen; Ich sehe deines Donners Macht, Dein Feuer auf mich drin⸗ gen: Du regest wider mich zugleich Des Todes und der Hölle Reich, Die wollen mich verschlingen. 11. Wo bleib' ich denn in solcher Noth? Nichts helfen Thor' und Riegel. Wo flieh' ich hin? du Mor⸗ genroth, Ertheil' mir deine Flügel! Verbirg mich wo, du fernes Meer! Stürzt hoch herab, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Berg' und Hügel! 12. Ach, ganz umsonst, und könnt' ich gleich Bis in den Himmel steigen Und wieder in der Hölle Reich Mich zu verkriechen neigen, So würde mich doch deine Hand Da finden und von meiner Schand' Und großen Sünden zeugen. 13. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein! Ich flieh' in deine Wunden, Die du, o Heiland, wegen mein Am Kreuze hast empfunden, Als unser aller Sünden Müh' Dir, o du Gotteslamm, ward hie Zu tragen aufge⸗ bunden. 14. Wasch' mich durch deinen Todesschweiß Und durch dein bittres Leiden Und laß mich sauber sein und weiß In deiner Unschuld Seiden; Von wegen deiner Kreuzeslast Erquick', was du zermalmet hast, Mit deines Trostes Freuden! 15. So angethan will ich mich hin Vor deinen Vater machen: Ich weiß, er lenket seinen Sinn Und schaffet Rath mir Schwachen; Er weiß, was Fleischeslust und Welt Und Satan uns für Netze stellt, Die uns zu stürzen wachen. 16. Wie werd' ich mich mein Leben lang Vor solcher Plage scheuen Durch deines guten Geistes Zwang, Den du mir woll'st verleihen, Daß er von aller Sünden⸗ list Und dem, was dir zu⸗ wider ist, Helf' ewig mich befreien! Louise Henriette, Kurfürstin von Braͤndenburg, 1627—1667. Eigene Melodie. Jerem. 3, 12. 13. 4 1 V. Rr wieder, 2 kehre wieder, Der du dich verloren hast, Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen, Und wirst gnä⸗ dig a der He begen. verspri Heil wieder, 2. Zerstre keit zu Erneur neues die St Herz s des he nen D hörst, den heilig 3. Seele! Herz 2 Fehle, Sünde den, d mit Winke stämm nicht, verdar vor L 4. Leben beshul viel 2 muth — Und Leiden r sein schuld deiner was Mit n! will deinen weiß, Und achen: heslust uns ns zu mich solcher deines Den eihen, inden⸗ ir zu⸗ mich von 7. ieder, ieder, hast, nieder deiner darfst tgnä⸗ A. Buße und Bekehrung. 343 dig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir ent⸗ gegen, Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen; Kehre wieder, zaudre nicht! 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung In die Einsam⸗ keit zurück, Wo in geistiger Erneuung Deiner harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen, Die das Herz so wild bewegen, Wo des heil'gen Geistes Mah⸗ nen Du mit stillem Beben hörst, Und von Neuem zu den Fahnen Jesu Christi heilig schwörst. 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz Beut Vergebung deinem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz. Sieh auf den, der voll Erbarmen Dir mit ausgestreckten Armen Winket von dem Kreuzes⸗ stämme; Kehre wieder, fürchte nicht, Daß der Gnäd'ge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht! 4. Kehre wieder! Neues Leben Trink in seiner Lie⸗ beshuld; Bei dem Herrn ist viel Vergeben, Große Lang⸗ muth und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen: Er hat Trost für alle Schmerzen, Er kann alle Wunden heilen, Macht von allem Aussatz rein; Darum kehre ohne Weilen Zu ihm um und bei ihm ein! 5. Kehre wieder! Endlich kehre In der Liebe Heimath ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein; Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klarheit, Aus dem Tode in das Leben, Aus der Welt ins Himmel⸗ reich! Doch, was Gott dir heut' will geben, Nimm auch heute,— kehre gleich! Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. Wer weiß, wie nahe ꝛe. Ps. 102, 1—13. 413 M᷑ Gott, zu dem ich weinend flehe, Erbarme dich, erbarme dich! Noch einmal sieh von deiner Höhe Mit gnadenvollem Blick' auf mich! Erbarme dich, und geh doch nicht Mit mir, dem Sünder, ins Gericht! 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, Wenn reu'⸗ voll ich um Gnade bat! Wie oft versprach ich, dir zu leben, Zu fliehen jede Missethat; Doch ich vergaß, was ich versprach, Und ging der Sünde wieder nach. XVI. Die Heilsordnung. 3. So viele sündenvolle Tage Verlebt' ich, Vater, wie im Traum, Und häufte selbst mir Plag⸗ auf Plage, Und fühlte dies mein Elend kaum; Verwundet blutete mein Herz, Betäubt empfand ich keinen Schmerz! 4. Nun bin ich nah' am Untergange, Den dein Gesetz dem Sünder droht; Um Trost wird meiner Seele bange, Um einen Retter aus der Noth; Mein richten⸗ des Gewissen wacht, Und Alles um mich her ist Nacht! 5. Zu wem, o Vater, soll ich fliehen? Wo findet meine Seele Ruh'? Wer kann sie aus dem Abgrund ziehen, In dem sie seufzet, als nur du? Mein ganz Vertraun setz' ich auf dich, Du, Freund des Lebens, rette mich. 6. Für meine wieder⸗ holten Sünden Floß auch des Weltversöhners Blut. Noch einmal laß mich Gnade finden Durch meinen Glau⸗ ben an sein Blut! Noch einmal, Vater, sprich zu mir:„Auch diese Schuld erlaß ich dir!“ 7. Gott sei mein Zeuge, daß ich schwöre: Mein Herz soll dir gehorsam sein; Dir, deinem Willen, deiner Ehre, Will ich mein ganzes Leben weihn; Der Sünde will ich widerstehn,‚ Und standhaft deine Wege gehn. 8. Vergiß nicht wieder, meine Seele, Wie 35 du schon gefallen bist: Vergiß nicht mehr des Herrn Be⸗ fehle, Nicht mehr, daß er dein Retter ist! Ruf' ihn im Glauben täglich an: „Erhalt' mich, Herr, auf ebner Bahn!“ 9. Ja, ich bin schwach, wer kann mich stärken? Wer Helfer in WBerzichne sein? Zum Glauben und zu guten Werken Mir Wie und Kraft verleihn? Du. es, meine Zuversicht; Wenn du mich stärkst, so wank' ich nicht. Dr. Balthasar Münter, 17351793. Eigene Melodie. Luc. 15, 10. 5 1 4. AI Heiland nimmt die Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgends Ruh' und Rettung finden. Die mit sich selber im Gedräng', Daß ihnen alle Welt zu eng, Weil über sie der Stab gebrochen, Der Himmel ihnen abgesprochen, Die sehn die Freista Heilan der ar 2. terliche seinem Iyn d und S ein Fl senkte litt fü Nun, Leben hingeg Welt heißt's der a 3. licher Schlo Er sp los! ängstl ihr ge in ei Durck gesen ihnen sie zu die ieder, du ergiß Be⸗ ß er ihn an: auf vach, Wer sein? zuten und mnst Lenn ich 793. land t die ihrer Kein östen Ruh' Die ing', zu Stab nen die Ihn drang der Sünder Noth A. Buße und Bekehrung. 345 Freistatt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sün⸗ der an. 2. Sein mehr als müt⸗ terliches Herz, Trieb ihn von seinem Thron auf Erden; und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Noth Und litt für sie den bittern Tod. Nun, da er denn sein eignes Leben Für sie zur Lösung hingegeben Und für die Welt genug gethan, So heißt's: Er nimmt die Sün⸗ der an. 3. Nun ist sein väter⸗ licher Schooß Ein sichres Schloß bedrängter Seelen; Er spricht sie vom Gerichte los Und endet bald ihr ängstlich Quälen, Es wird ihr ganzes Sündenheer, Wie in ein unergründlich Meer Durch sein Verdienst hinab⸗ gesenket; Der Geist, der ihnen wird geschenket, Führt sie zu Gott auf ebner Bahn; — Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. O, solltest du sein Herze sehn, Wie sich's nach armen Sündern sehnet, So⸗ wohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge nach ihm thränet! Er streckt Er eilet in Zachäi Haus; Wie stillet sanft er Magda⸗ lenen Den milden Fluß der Reuethränen Und denkt nicht, was sie sonst gethan!— Mein Heiland nimmt die Sünder an. 5. Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob dieser gleich so tief gefallen! Und dies hat er nicht nur ge⸗ than, Da er auf Erden mußte wallen, Nein, er ist immerdar sich gleich: Ge— recht, an Treu' und Gnade reich; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern lieb⸗ reich zugethan;— Mein Heiland nimmt die Sün⸗ der an. 6. So komme denn, wer Sünder heißt Und wen sein Sündengräu'l betrübet, Zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm begiebet! Wie? willst du dir im Lichte stehn Und ohne Noth verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da dich zu retten er erschienen? O nein, ver⸗ laß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sün⸗ der an. 7. Komm nur mühselig die Hand nach Zöllnern aus; und gebückt, Komm nur, so 346 XVI. Die Heilsordnung. gut du weißt zu kommen! Wenn auch die Last dich niederdrückt, Du wirst auch seufzend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, Uud wie er dir ent⸗ gegen geht! Wie lang' hat er mit stillem Flehen Sich liebend nach dir umgesehen! So komm denn, Sünder, komm heran, Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Sprich nicht:„Ich hab's zu schlimm gemacht, Ich hab' die Güter seiner Gnaden So lang' und schmählich durchgebracht; Er hat mich oft umsonst ge— laden!“ Wofern du's jetzt nur redlich meinst Und dei— nen Fall mit Ernst be⸗ weinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst dennoch Gnade fin— den! Er hilft, wo sonst nichts helfen kann; Mein Heiland nimmt die Sün⸗ der an. 9. Doch sprich auch nicht: „Es ist noch Zeit, Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht schon heut' Die offne Gna⸗ denpforte schließen!“ Nein, weil er ruft, so höre du Und greif' mit beiden Hän⸗ den zu! Wer seiner Seele Heut' verträumet, Hat oft die Gnadenzeit versäumet; Dem wird hernach nicht aufgethan! Heut' komm, heut' nimmt dich Jesus an! 10. Ja, zeuch uns Alle recht zu dir, Holdsel'ger Heiland aller Sünder! Er⸗ füll' mit heiliger Begier Uns, die von Gott gewich⸗ nen Kinder! Zeig' uns bei unsrem Seelenschmerz Dein aufgeschloßnes Liebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein Jedes sagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jesus an! Leopold Franz Friedrich Lehr, 1709—1744. Mel. Wenn wir in höchsten ꝛc. Dan. 9, 18. 41 5 Meir Herr * und Gott, erbarme dich Durch deine Gnade über mich. Vergieb mir meine ganze Schuld Durch deine unermeßne Huld. 2. In wahrer Reue bitt' rem Schmerz Entsündige mein armes Herz, In heißer Thränen Qual und Pein, Herr, wasche meine Seele rein. 3. Erbarme dich, ver⸗ wirf mich nicht, Führ' aus der Nacht mich an das Licht, Glaub mir de 4. treu v Kind deinem Und! thun! Mel. 41 Gemü empor deiner ist sie und harrt Nur Stür, 2. Sünd jahre dir 6 mir 1 Sünd Wills hen: mich auf! 3 Sünd seine willst er sii A. Buße und Bekehrung. 347 Licht, Verleih' mir neuen Glaubensmuth, Entzünd' in mir der Liebe Gluth. 4. Laß mich gehorsam, treu und rein, Dein liebes Kind nun wieder sein. An deinem Gnadenherzen ruhn, Und deinen heil'gen Willen thun! Leopold Haupt, geb. 1797. Mel. Alle Menschen müssen ꝛe. Pf. 25, 7. 8. 416 Mi beküm⸗ L. mertem Gemüthe Blick' ich, Gott, empor zu dir, Und vertraue deiner Güte, O, wie theuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens, Keiner harrt auf dich vergebens; Nur Verächter deiner Huld Stürzet ihre eigne Schuld. 2. Ach, gedenke an die Sünden Meiner Jugend⸗ jahre nicht! Laß mich vor dir Gnade finden; Geh mit mir nicht ins Gericht! Alle Sünden, die uns reuen, Willst du väterlich verzei⸗ hen: O, so höre denn auch mich! Meine Seele hofft auf dich. 3. Ja, du willst des Sünders Leben, Dir ist seine Seele werth; Gnädig willst du ihm vergeben, Wenn er sich zu dir bekehrt; Mit⸗ ten auf dem Sündenwege Machst du sein Gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht Umkehrt; du verwirfst ihn nicht. 4. Du erquickest die Elen⸗ den, Deren Herz sich dir ergiebt, Die sich flehend zu dir wenden, Ueber ihre Schuld betrübt. Freude schenket deine Güte Dem geängsteten Gemüthe, Wenn du ihm die Sündenlast Lieb⸗ reich abgenommen hast. 5. Herr, zu welchen Se⸗ ligkeiten Du in jener beßren Welt Jeden Frommen einst willst leiten, Der dir Treu' und Glaͤuben hält, Offen⸗ barst du allen Seelen, Die zu ihrem Heil dich wählen, Jeder, der dich liebt, er⸗ fährt Deiner Gnade hohen Werth. 6. Lehre denn mich deine Wege! Zeige deinen Willen mir! Leite mich die rechten Stege! Nichts entferne mich von dir! Gott, du siehest mein Vertrauen: Sicher will ich auf dich bauen; Deine Vatertreue ist Ewig, wie du selber bist. 7. Dir will ich mich ganz ergeben! Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem Angesicht! Keine 348 XVI. Die Heilsordnung. schnöde Lust der Sünden Soll mich ferner überwin⸗ den! Hilf mir Schwachen väterlich, Mein Erbarmer, stärke mich! Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Mel. Es ist das Heil uns ꝛc. Matth. 16, 26. 417 N.6 meiner ODeele Se⸗ ligkeit Laß, Herr, mich eifrig ringen! Sollt' ich die kurze Gnadenzeit In Sicherheit verbringen? Wie würd' ich einst vor dir bestehn? Wer in dein Reich wünscht einzugehn, Muß reines Her— zens werden. 2. Erst an dem Schluß der Lebensbahn Auf seine Sünden sehen Und, wenn man nicht mehr sünd'gen kann, Gott um Erbarmung flehen, Das ist der Weg zum Leben nicht, Den uns, o Gott, dein Unter⸗ richt In deinem Wort be— zeichnet. 3. Du rufst uns hier zur Heiligung: Drum laß auch hier auf Erden Des Geistes wahre Besserung Mein Hauptgeschäfte werden. Herr, stärke mir dazu den Trieb: Nichts sei so groß, Nichts mir so lieb, Das ich ihm nicht aufopfre! 4. Gewönn' 0 auch die ganze Welt Mit allen ihren Freuden, Und sollte das, was dir gefällt, O Gott, darüber meiden: Was hülfe mir's? Kann auch die Welt Mit Allem, was sie in sich hält, Mir deine Gnad' er⸗ setzen? 5. Was führt mich zur Zufriedenheit Schon hier in diesem Leben? Was kann mir Trost und Freudigkeit Auch einst im Tode geben? Nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück, Nur Gottes Gnade und der Blick Auf jenes Lebens Freuden. 6. Nach diesem Kleinod, Herr, laß mich Vor allen Dingen trachten Und, was mir daran hinderlich, Mit edlem Muth verachten! D Daß ich auf d deinen Wegen geh' Und im Gericht dereinst besteh', Sei meine größte Sorge. 7. Doch was vermag ich, wenn du nicht Vor Träg⸗ heit mich beschützest Und mich zur Treu' in dieser⸗ Pflicht Mit Kräften unter⸗ stützest? O, stärke mich, mein Gott, dazu: So find' ich hier schon wahre Ruh' Und dort das ew'ge Leben. Johann Samuel Dieterich, 1721—17 97. —— Mel. 41 winder Krone der K Selig lingt! bellied Ziel heißen sein L 2. überw glänz sahen ihr K schwer Lauf jemalé das ruht, 2200 Wund Herrlt und X gen v Tause Schm nem ö lagst härtef 4. heimn hoch Gott A. Buße und Bekehrung. 349 Mel. Alle Menschen 27 ꝛc. Hebr. 12, 1. 2 4 18. Ni* nur strei⸗ ten, uber⸗ winden Muß, wer nach der Krone ringt! Mühvoll ist der Kampf der Sünden! Selig, wem der Sieg ge⸗ lingt! Ihn empfangen Ju⸗ bellieder, Freudig schaut am Ziel er nieder Auf des heißen Streits Gefahr, Der sein Loos hienieden war. 2. Glorreich, Herr, hat überwunden Deiner Zeugen glänzend Heer, Und sie sahen dunkle Stunden, Und ihr Kampf war heiß und schwer, Schwerer, als im Lauf der Zeiten Ich ihn jemals werde streiten, Denn das Schwert der Feinde ruht, Trieft nicht mehr von Christenblut. 3. Ueberwunden, über⸗ wunden Hast du, Herr der Herrlichkeit! Todesschweiß und Blut und Wunden Zeu⸗ gen von dem ernsten Streit. Tausendfache Angst und Schmerzen Lasteten auf dei⸗ nem Herzen; Dennoch unter⸗ lagst du nicht Selbst dem härtesten Gericht. 4. Wer kann das Ge⸗ heimniß fassen? Wer? Wie hoch er sich auch schwingt! Gott hat seinen Sohn ver⸗ lassen, Welcher mit dem Tode ringt! Dennoch ist Triumph sein Ende, Er giebt sich in Gottes Hände, Schon umhüllt von Todes⸗ nacht, Ruft er aus: Es ist vollbracht! 5. Was sind meine kur⸗ zen Leiden Gegen die, so Christus litt, Und was ge⸗ gen jene Freuden, Die mir Christi Tod erstritt! Und doch folg' ich dir mit Be— ben! Hilf mir dringen in dein Leben, Du, der mir zum Heile starb, Und mir Kraft zum Kampf erwarb! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Aus tiefer Noth schrei' ꝛc. Röm. 13, II. 12. Mensch, er— 41 9. muntre dei⸗ nen Sinn! Wie lange willst du schlafen? Auf, auf, die Stunden gehn dahin, Schon nahen Gottes Strafen! Vor ihm besteht der Sünder nicht, Und geht er mit dir ins Gericht, Wo willst du Rettung finden? 2. Das eitle Wesen die⸗ ser Zeit Hat dich mit Nacht bedecket, Daß aus dem Schlaf der Sicherheit Dich keine der wecket, Du freuest dich der trägen Ruh Mel. 350 XVI. Die Heilsordnung. Und drückest gern die Augen zu, Dem Lichte zu ent⸗ weichen. 3. Gott rufet laut; du schlummerst fort. Er droht dir; doch vergebens. Er zeiget dir in seinem Wort Die Strafen jenes Lebens; Du aber merkest wenig drauf, Fährst fort in deinem Sündenlauf, Willst keinen Führer leiden. 4. Dein Heiland weinet über dich, Du lachst in dei— nen Sünden; Er sucht und locket dich zu sich, Du läß'st dich nimmer finden; Er fleht, du nimmst kein Bitten an; Er thut mehr als ein Bruder kann, Du spottest seiner Liebe. 5. Du siehst, wie man⸗ cher Sünder fällt, Wenn Gott die Strafe sendet; Doch bleibest du ein Kind der Welt, Von ihrem Tand verblendet. Des Nächsten Sturz erschreckt dich nicht, Du glaubst, daß Gottes Zorngericht Dich niemals treffen werde. 6. Gott, laß in mir, nach deiner Huld, Der Gnade Licht entbrennen, Damit ich meiner Sünden Schuld Recht gründlich mög' er— kennen! O Jesu, Glanz der Herrlichkeit, Durchleuchte meine Sicherheit, Daß ich mein Elend schaue. 7. O heil'ger Geist, laß deinen Strahl Durch meine Seele dringen! Hilf, daß ich endlich mög' einmal Den Sündenschlaf bezwingen. Gott, thu mir Herz und Augen auf, Daß mich der sichre Sündenlauf Nicht zur Verdammniß führe! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Ach Gott, vom Himmel ze. Ps. 143, 10. 42 0 Vater der * Barmher⸗ zigkeit, Ich falle dir zu Fuße: Verstoß' den nicht, der zu dir schreit Und thut noch endlich Buße! Was ich begangen wider dich, Verzeih' mir alles gnädig⸗ lich Durch deine große 2. Durch deiner All⸗ macht Wunderthat Nimm von mir, was mich quä⸗ let; Durch deine Weisheit schaffe Rath, Worinnen mir's sonst fehlet; Gieb Willen, Mittel, Kraft und Stärk', Daß ich mit dir all meine Werk' Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast Am Kreuze für mich Armen, Getragen aller Sünder ner d wahrer Sohn, und me mein k 4. theures despein kommer Daß derben ter, de nicht Wie schulde . wahres Gedan Sünde mich ken; und nach Ehr' herrsch 6. Stünd hilf r Daß und L mög'! Krankl Und der T zum L A. Buße und Bekehrung. Sünden Last, Woll'st mei⸗ ner dich erbarmen! O wahrer Gott, o Davids Sohn, Erbarm' dich mein und mein verschon': Sieh an mein kläglich Rufen! 4. Laß deiner Wunden theures Blut, Dein' To⸗ despein und Sterben Mir kommen kräftiglich zu Gut', Daß ich nicht müss' ver⸗ derben; Bitt' du den Va⸗ ter, daß er mir Im Zorn nicht lohne nach Gebühr, Wie ich es hab' ver⸗ schuldet. 5. O heil'ger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, Wenn mich der Sünden Lust anficht, Laß mich von dir nicht wan⸗ ken; Verleih', daß nun und nimmermehr Begierd' nach Wollust, Geld und Ehr' In meinem Herzen herrsche! 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Satans Trotz und List Durch Christi Sieg mög' dämpfen, Auf daß mir Krankheit, Angst und Noth Und dann der letzte Feind, der Tod, Nur sei die Thür zum Leben. David Denicke, 1603—1680. Eigene Melodie. Lne. 13, 24. 421 Rr. recht, wenn Got⸗ tes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort' ist enge Und der Lebens⸗ weg ist schmal! Hier bleibt alles im Gedränge, Was nicht zielt zum Himmels⸗ saal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, Dring' hinein in Gottes Reich! Will der Satan widerstreben, Werde weder matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe: Halbe Liebe hält nicht Stich. 5. Ringe mit Gebet und Schreien, Halte damit feurig an; Laß dich keine Zeit ge⸗ reuen, Wär's auch Tag und Nacht gethan. 6. Hast du dann die Perl' errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse hast bezwungen, Das uns Schaden pflegt zu thun. 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr! Hier in 352 XVI. Die Heilsordnung. dieser Leibeshöhle Schwebst du täglich in Gefahr. 8. Halt' ja deine Krone feste, Halte männlich, was du hast! Recht beharren ist das Beste, Rückfall ist ein böser Gast. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen Nach der schnö— den Eitelkeit; Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe Träg- und Sicher— heit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gieb der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierden stillen, So verlischt das Gnaden— licht. 11. Fleischesfreiheit macht die Seele Kalt und sicher, frech und stolz, Frißt hin— weg des Glaubens Oele, Läßt nichts, als ein faules Holz. 12. Wahre Treu' führt mit der Sünde Bis ins Grab beständig Krieg, Rich— tet sich nach keinem Winde, Sucht in jedem Kampf den Sieg. 13. Wahre Treu' liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Wollustpflege, Hält sich selber Nichts zu Gut'. 14. Wahre Treu' hat viel zu weinen, Spricht zum Lachen: Du bist toll! Weil es, wenn Gott wird erscheinen, Lauter Heulen werden soll. 15. Wahre Treu' kommt dem Getümmel Dieser Welt niemals zu nah'. Ist ihr Schatz doch in dem Him— mel, Drum ist auch ihr Herz allda. 16. Dies bedenket wohl, ihr Streiter! Streitet recht und fürchtet euch; Geht doch alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmel⸗ reich! 17. Denkt bei jedem Augenblicke, Ob's vielleicht der letzte sei. Bringt die Lampen ins Geschicke, Holt stets neues Oel herbei. 18. Liegt nicht alle Welt im Bösen? Steht nicht So⸗ dom in der Gluth? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 19. Eile, wo du dich er⸗ retten Und nicht mit ver— derben willst. Mach' dich los von allen Ketten, Flieh' als ein gejagtes Wild. 20. Lauf der Welt doch aus den Händen, Dring' ins stille Zoar ein. Eile, daß du magst vollenden, Mache dich von Allem rein! 21. Laß dir nichts am Herzen kleben, Flieh' vor dem Such' leben, flecken 22. Stunde. gam ko wenn d Dich z bringt. entgeger Licht, mein Mich d keit! Johann Mel. F 42² . Mensch Seligke freche gegenw schauet nach d bemühe Wie ih 2. geschehr nach§ desselbe Sondet und th und Richtsck toll! wird eulen ommt Welt t ihr Him⸗ ihr wohl, recht Geht Bis nmel⸗ jedem lleicht t die Holt Welt So⸗ Seele,‚ Cilen, ch er⸗ ver⸗ dich Flieh doch hring' Eile, nden, rein! am vor A. Buße und Bekehrung. 353 dem verborgnen Bann, Such' in Gott geheim zu leben, Daß dich Nichts be— flecken kann. 22. Eile, zähle Tag' und Stunden, Bis dein Bräut'⸗ gam kommt und winkt Und, wenn du nun überwunden, Dich zum Schauen Gottes bringt. 23. Eile, lauf' ihm doch entgegen, Sprich: Mein Licht, ich bin bereit, Nun mein Hüttlein abzulegen; Mich dürst't nach der Ewig⸗ keit! Johann Joseph Winkler, 1670—1722. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Matth. 7, 13. 14. 422. schafer Menschenkinder, Schaffet eure Seligkeit, Bauet nicht, wie freche Sünder, Nur auf gegenwärt'ge Zeit, Sondern schauet über euch, Ringet nach dem Himmelreich Und bemühet euch auf Erden, Wie ihr möget selig werden! 2. Daß nun dieses mag geschehen, Müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut Und desselben Neigung gehen, Sondern, was Gott will und thut, Das muß einig und allein Eures Lebens Richtschnur sein, Es mag Fleisch und Blut in Allem Uebel oder wohl gefallen. 3. Ihr habt Ursach', zu bekennen, Daß in euch noch Sünde steckt, Daß ihr Fleisch von Fleisch zu nen⸗ nen, Daß euch lauter Elend deckt, Und daß Gottes Gnadenkraft Nur allein das Gute schafft, Ja, daß außer seiner Gnade In euch Nichts denn Seelenschade. 4. Selig, wer im Glau⸗ ben kämpfet, Selig, wer im Kampf besteht Und die Sünden in sich dämpfet, Selig, wer die Welt ver⸗ schmäht! Unter Christi Kreu⸗ zesschmach Jaget man dem Frieden nach; Wer den Himmel will ererben, Muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treu⸗ lich ringen, Sondern träg' und lässig sein, Eure Nei⸗ gung zu bezwingen, So bricht eure Hoffnung ein. Ohne tapfren Streit und Krieg Folget niemals rechter Sieg. Wahren Siegern wird die Krone Nur zum beige⸗ legten Lohne. 6. Mit der Welt sich lustig machen, Hat bei Christen keine Statt; Fleisch⸗ lich Reden, Thun und Lachen Schwächt den Geist und macht ihn matt. Ach, 53 23 35⁴ XVI. Die 5 eilsordnung. bei Christi Kreuzesfahn' Geht es wahrlich niemals an, Daß man noch mit frechem Herzen Sicher wollte thun und scherzen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen; Denn er kann mit Leib und Seel' Uns zur Hölle niederschla⸗ gen; Er ist's, der des Geistes Oel Und, nachdem es ihm beliebt, Wollen und Vollbringen giebt. O, so laßt uns zu ihm gehen, Ihn um Gnade anzuflehen! 8. Und dann schlagt die Sündenglieder, Welche Adam in euch regt, In den Kreu⸗ zestod darnieder, Bis ihm seine Macht gelegt. Hauet Händ' und Füße ab, Was euch ärgert, senkt ins Grab Und denkt oftmals an die Worte: Dringet durch die enge Pforte! 9. Zittern will ich vor der Sünde Und dabei auf Jesum sehn, Bis ich seinen Beistand finde, In der Gnade zu bestehn. Ach, mein Heiland, geh doch nicht Mit mir Armen ins Ge⸗ richt; Gieb mir deines Geistes Waffen, Meine Se⸗ ligkeit zu schaffen! 10. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, Auf daß ich in Jesu Namen So den Glaubens⸗ kampf ausführ'. Er, er gebe Kraft und Stärk' Und regiere selbst das Werk, Daß ich wache, bete, ringe Und also zum Himmel dringe! Ludwig Andreas Gotter, 1661—1735. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r ꝛc. Matth. 5, 8. 42 2 Ichaff' in mir, . Gott, ein reines Herz, Ein Herz, das stets sich himmelwärts Auf⸗ schwinge und, von Sünden frei, Mit Lust dir diene ohne Scheu. 2. Erneure, was ver⸗ blichen ist In mir durch Satans Trug und List! Befestige den schwachen Sinn, Daß nicht der Feind ihn reiße hin! 3. Dein Auge hat es wohl gesehn, Was durch Betrug der Lust geschehn; Ich bin nicht werth, dein Angesicht Zu sehen, doch, Herr, zürne nicht! 4. Den Geist, das theure Liebespfand, Den deine Huld mir zugewandt, Nimm nicht, wie ich's verdient, von mir, Weil ich gesündigt hab' an dir! 5. Laß aber deiner Gnade Kraft, Die Fried' und Freude —— in mir einflöße auf dei heißt! 6 Furcht Freuden 42⸗ reines Scheu: wieder erschaff. 2 neuen sei gest anhang du wil daß er hr'r ꝛc. mir, „ ein „ das Auf⸗ ünden diene ver⸗ durch List! hachen Feind at es durch chehn: dein doch,‚ theure Huld nicht, 1 mir, üb' an Bnade Freude A. Buße und Bekehrung. 355 in mir schafft, Den Trost einflößen meinem Geist, Dar⸗ auf dein Wort mich hoffen heißt! 6. So werd' ich ohne Furcht und Zwang Mit Freuden pilgern meinen Gang Zu deiner Ehr', nach deinem Wort, Und selig sein, so hier, als dort! 7. Dem Vater, Sohn und heil'gen Geist, Der aller Blöden Tröster heißt, Sei Preis, Dank, Ruhm und Herrlichkeit Von nun an bis in Ewigkeit! Johann 16 sius Freylinghausen, 1670—1739. Mel. Nun freut euch, lieben ꝛc. Matth. 5, 8. 42 4 Sf, in mir, . Gott, ein reines Herz! Mein Herz ist ganz verderbet; Es fühlet von der Sünde Schmerz, Die ihm ist angeerbet Und die es noch thut ohne Scheu: Ach, mache, daß es wieder sei, Wie du es hast erschaffen! 2. Gieb mir auch einen neuen Geist, Der, wie du, sei gesinnet, Der stets dir anhang' allermeist Und, was du willst, beginnet; Gieb, daß er hasse Fleisch und Blut, Den Glauben üb' in sanftem Muth, Zucht, De— muth, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, Ob ich es gleich verdienet, Mich, allerliebster Vater, nicht, Weil Jesus mich versühnet; Laß nim⸗ mer, nimmer, nimmermehr Mich, dein Kind, fallen also sehr, Daß du es von dir würfest! 4. Den heil'gen Geist nimm nicht von mir, Den bösen Geist vertreibe, Da⸗ mit er mich nicht nehme dir Und ich stets deine bleibe. Beherrscht mein Herze, Sinn und Muth Der heil'ge Geist, so ist es gut Im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hilfe tröste mich, Hilf und vergieb die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden Und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Hilfe ist, Trotz Sünde, Tod und Teufel. 6. Dein freud'ger Geist erhalt' mich doch Mit seinem Freudenöle, Damit nicht das Berzweiftingszoch Verderbe meine Seele; Sei meine Freude du allein; Ach, laß mich deine Freude 23* 356 XVI. Die He ilsordnung. sein Und führe mich zur Freude! Ludämilia Elisabeth, Gräfin von Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, 1640—1672. Mel. Vater unser im ꝛe. 1. Tim. 2, 4. 425 Lo wahr ich 4. lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des Sünders Tod; Vielmehr ist dies mein Wunsch und Will', Daß er von Sünden halte still, Von seiner Bosheit kehre sich Und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies Wort bedenk', o Menschenkind, ainrt n nicht in deiner Sünd'! Hier findest du Trost, Heil und Gnad', Die Gott dir zuge⸗ saget hat, Und zwar durch einen theuren Eid. O selig, dem die Sünd' ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit! Denk' nicht: Zur Buß' ist noch wohl Zeit, Ich will erst fröhlich sein auf Erd'; Wann ich des Lebens müde werd', Alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist's, Gott ist zwar stets Leren Dem Sün⸗ der mit Barmherzigkeit; Doch wer auf Gnade sündigt hin, Fährt fort in seinem bösen Sinn Und seiner Seelen selbst nicht schont, Dem wird mit Ungnad' ab⸗ gelohnt. 5. Gnad' hat dir zuge⸗ saget Gott Von wegen Christi Blut und Tod; Zu⸗ sagen hat er nicht gewollt, Ob du bis morgen leben sollt: Daß du mußt sterben, ist dir kund, Verborgen ist des Todes Stund'. 6. Heut' lebst du, heut' bekehre dich! Eh' morgen kommt, kann's ändern sich. Wer heut' ist frisch, gesund und roth, Ist morgen krank, ja wohl gar todt: So du nun stirbest ohne Buß, Dein Leib und Seel' dort brennen muß. 7. Hilf, o Herr Jesu hilf du mir, Daß ich jetzt komme bald zu dir Und Buße thu' den Augenblick, Eh' mich der schnelle Tod hinrück“, Auf daß ich heut' und jederzeit Zu meiner Heimfahrt sei bereit! Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Offenb. 3, 19. 20. 26 Y* dir ver⸗ . klagt uns das Gewissen Und zeuget laut von unsrer Schuld, Daß müssen muth gnädig Verwir nicht. 2. Herr, Scham wir! nen 5 nur g Heiligf Tritt zurück. 5. wir in Uebert bist Glaub Vaterl Gnade reuig 4. deinen retter öffnet throne Sünd nahen für d 5. Blut Opfer theur. flosser herzig söhnt einem seiner chont, ab⸗ zuge⸗ wegen Zu⸗ wollt, leben erben, en ist heut' lorgen n sich. zesund krank, 5o du Buß, dort Jesu, h jetzt Und nblick, eTod heut' neiner 1647. en ꝛc. ver⸗ t uns zeuget chuld, A. Buße und Bekehrung. 357 Daß reuevoll wir flehen müssen: Du, Gott der Lang⸗ muth und Geduld, Sei gnädig uns, und im Gericht Verwirf uns, o Erbarmer, nicht. 2. Ach, wolltest du, Herr, mit uns rechten, Vor Scham verstummen müßten wir! Wo ist von allen dei⸗ nen Knechten Auch einer nur gerecht vor dir? Ja, Heiligster, vor deinem Blick' Tritt auch der Reinste noch zurück. 3. Drum, Herr, bekennen wir im Staube Dir unsrer Uebertretung Schuld. Du bist gerecht, doch unser Glaube Vertraut auf deine Vaterhuld, Die Trost und Gnade dem gewährt, Der reuig zu dir wiederkehrt. 4. Auch uns hast du in deinem Sohne Den Seelen⸗ retter dargestellt. Er⸗ öffnet ist zum Gnaden⸗ throne Der Weg für eine Sünderwelt. Voll Hoffnung nahen wir hinzu Und finden für die Seele Ruh'. 5. Für uns ist ja sein Blut vergossen, Es war zum Opfer dir geweiht. Dies theure Blut, für uns ge⸗ flossen, Verkündigt uns Barm⸗ herzigkeit. Wir sind ver⸗ söhnt, du willst verzeihn Und liebreich unser Vater sein. 6. Ja, gnädig bist du! Zum Verzeihen, Zum Wohl⸗ thun bist du stets bereit, Und wenn wir unsre Schuld bereuen, Beweisest du Barm⸗ herzigkeit. Vom Tod er⸗ löst, beglückt sind wir, O, Preis, Erbarmer, Preis sei dir! 7. Es zeuge künftig unser Leben, O Gott, von? deiner Gütigkeit! Mit Ernst nach wahrer Beßrung stre⸗ ben, Nur thun, was uns dein Wort gebeut, Dies soll des Dankes Opfer sein, Das wir für deine Huld dir weihn. M. Christoph Christian Sturm, 86 1740—1786. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ꝛe. 1. Joh. 1, S. 9. 427. W. fern von dir, Du Urquell alles Lebens! Dein Friede wohnt noch nicht in mir, Und Ruh' such' ich vergebens; Verlaß mich, Gott, mein Vater, nicht, Verbirg mir nicht dein Angesicht, Um deiner Gnade willen! 2. Umhüllt von Dunkel⸗ heit bin ich, Mich fasset Angst und Beben; Mein 358 XVI. Die Heilsordnung. Herz sucht Licht und ängstet sich, Doch fruchtlos ist sein Streben. Der Kampf, der täglich sich erneut, Die Bürde meiner Sterblichkeit Beugt in den Staub mich nieder. 3. Ich bin zu schwach, aus eigner Macht Zu dir mich aufzuschwingen Und durch der Anfechtungen Nacht Zum Licht hindurch zu dringen. Du, Herr, mußt meine Stärke sein, Nur du kannst Trost und Kraft verleihn, Auf dich steht mein Vertrauen. 4. Mit festem Glauben an dein Wort Will ich dich kräftig fassen; Ich will von dir, mein Fels und Hort, Nicht weichen, dich nicht lassen. Wie viel auch mei⸗ ner Fehle sind, Bin ich durch Christum doch dein Kind, Du mein versöhnter Vater. 5. Wohl mir, so fürcht' ich keinen Streit, Du kannst mich sieghaft machen; Du giebst den Bangen Freudig⸗ keit, Und Kraft und Muth den Schwachen. Du, Gott, bist meiner Seele Licht; Hab' ich nur dich, so frag' ich nicht Nach Himmel und nach Erde. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. —— Mel. Mein Jesu, dem die ꝛc Zer 31, 34. 428. W.4 Bund gebrochen, Den ich, o Gott, mit dir gemacht! Wie oft dir treu zu sein versprochen, Und des Ver⸗ sprechens nicht gedacht! Jetzt nah' ich bange mich aufs Neue Dir, Herr, vor dem ich strafbar bin; Ich wein und sinke vor dir hin, Durchdrungen ganz von Scham und Reue. 2. Die Angst ist groß, die ich empfinde, Denn dein Gesetz verdammet mich; Wie ein Gebirge liegt die Sünde Auf mir, und drückt mich fürchterlich. Die ganze Reihe von Vergehen, Die mich beflecken, zeigt sich mir. Wohin entflieh' ich, Gott, vor dir? Wie soll ich Schuldiger bestehen! 3. Groß ist die Schuld, doch dein Verschonen Ist größer noch, als meine Schuld. Nicht nach Ver⸗ dienst, nach Gnade lohnen Willst du dem Sünder, Gott der Huld! Sieh in mir Armen und Verlornen Nicht meine Schuld und Missethat! In dem, der mich versöhnet hat, Sieh —— mich, bornen 4. wird Blut Schme tes, strömt nes K ahren Wie lehrt; ist er soll n⸗ Durch neue deine Sie h der Schwe Stärk Gnad schreck neues werde Neue —— die ꝛc. t hab' den n ich, nacht! u sein Ver⸗ Jetzt aufs dem wein' hin, von groß, udein mich; jt die drückt ganze Die h mir. Gott, ich chuld, R. meine Ver⸗ )hhnen inder, in ornen und der Sieh A. Buße und 359 Bekehrung. mich, in bornen! 4. Heil mir! durch ihn wird mir vergeben, Sein Blut tilgt allen meinen Schmerz, Und Wonne Got⸗ tes, neues Leben Durch⸗ strömt nun mein beklomm⸗ nes Herz. Ihr Kummer⸗ zähren, werdet Thränen, Wie sie die Freude weinen lehrt; Mein banges Seufzen deinem Einge— ist erhört, Statt Klagen soll nun Jubel tönen. 5. Du, dessen mächtiges Durchdringen In Sündern neue Herzen schafft, Und, deine Werke zu vollbringen, Sie himmlisch stärkt, o Geist der Kraft! So lang' ich Schwacher wall' auf Erden, Stärk' mich, daß deine Gnade nicht Mir einst zum schrecklichen Gericht Durch neues Sünd'gen möge werden! Reues Berliner Gesangbuch, 1829. Werde munter, mein ꝛc. Ps. 1. ohl dem 429. W Menschen, der nicht wandelt In gott— loser Leute Rath; Wohl dem, der nicht unrecht han⸗ delt, Noch tritt auf der Sünder Pfad, Der der Spötter Freundschaft fleucht Mel. Und von ihren Sitzen weicht, Der hingegen herzlich ehret, Was uns Gott vom Himmel lehret! 2. Wohl dem, der mit Lust und Freude Das Ge⸗ setz des Höchsten treibt Und hier, als auf süßer Weide, Tag und Nacht beständig bleibt! Dessen Segen wächst und blüht Wie ein Palm⸗ baum, den man sieht Bei den Flüssen an der Seiten Seine frischen Zweig' ausbreiten. 3. Also, sag' ich, wird auch grünen, Wer in Got⸗ tes Wort sich übt; Luft und Erde wird ihm dienen, Bis er reiche Früchte giebt; Seine Blätter werden alt Und doch niemals ungestalt; Gott giebt Glück zu seinen Thaten: Was er macht, muß wohl gerathen. 4. Aber wen die Sünd' erfreuet, Mit dem geht's viel anders zu; Er wird wie die Spreu zerstreuet Von dem Wind im schnellen Nu. Wo der Herr sein Häuflein richt't, Da bleibt kein Gottloser nicht. Summa: Gott liebt alle Frommen, Und wer bös' ist, muß um⸗ kommen. Paul Gerhardt, 1606—1676. 360 XVI. Die Heilsordnung. Mel. Auf meinen lieben Gott ꝛc. Jes. 43, 11. 12. o soll ich 430. Wfachen hn Weil ich beschweret bin Mit viel und großen Sün⸗ den? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein' Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Ge— müthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpf⸗ lein fließen! 3. Ich, dein betrübtes Kind, Werf' alle meine Sünd', So viel ihr'r in mir stecken Und mich so heftig schrecken, In deine tiefen Wunden, Da ich stets Heil gefunden. 4. Durch dein unschuld'. ges Blut, Die theure Gna— denfluth, Wasch' ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde Und ihr'r nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke! 5. Du bist es, der mich tröstt, Weil du mich hast erlöst; Was ich gesündigt habe, Hast du verscharrt im Grabe; Da hast du es verschlossen, Da wird's auch bleiben müssen. 6. Ist meine Sünde groß, So werd' ich ihr'r doch los, Wenn ich dein Blut auffasse Und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, All' Angst ihm bald verschwindet. 7. Mir mangelt zwar sehr viel; Doch was ich haben will, Ist Alles mir zu Gute Erlangt mit deinem Blute, Damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll' und Sünde. 8. Und wenn des Sa⸗ tans Heer Mir ganz ent⸗ gegen wär', Darf ich doch nicht verzagen: Mit dir kann ich sie schlagen; Dein Blut darf ich nur zeigen, So muß ihr Trotz bald schweigen. 9. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlass ich mich; Jetzt kann ich nicht verderben, Dein Reich muß ich ererben; Denn du hast mir's erworben, Da du für mich gestorben. 10. Führ' auch mein Herz und Sinn Durch dei— nen Geist dahin, Daß ich mög' Alles meiden, Was mich und dich kann scheiden, Und ich an deinem Leibe Ein Gliedmaß ewig bleibe. Jehann Heermann, 1585—1647. Mel. E 43 geboret die W verlore Glaub Versuc Schwo Unser Sieg, überw. gläubi auf er 2. schnell Muth Doch windet Jesum Feinde Auch und H an G Feld laß 1 bin ie 3. mit B land einst im Heil men Sünde r doch Blut darauf u dir t ihm zwar E ich 5 mir einem winde und Sa⸗ ent⸗ doch dir Dein eigen, bald auf erlass ich Reich n du Da mein dei⸗ 5 ich Was iden, Leibe leibe. 47. B. Glaube und Rechtfertigung. 361 B. Glaube und Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛe. 1. Joh. 5, 4—12. 43 1 lles, was R aus Gott geboren, Ueberwindet auch die Welt! Keine Seele geht verloren, Die nur fest am Glauben hält. Drohen auch Versuchungsstunden Unsrer Schwachheit schweren Krieg: Unser Glaub' ist doch der Sieg, Der die Welt hat überwunden. Jesu, laß mich gläubig sein, So bin ich auf ewig dein! 2. Eigne Kraft muß schnell verschwinden, Eigner Muth ist bald geraubt; Doch den Weltreiz über⸗ winden Kann, wer fest an Jesum glaubt. Drohn des Feindes Schreckgestalten Auch Gefahren, Schmerz und Hohn: Wer nur glaubt an Gottes Sohn, Muß das Feld zuletzt behalten. Jesu, laß mich gläubig sein, So bin ich auf ewig dein! 3. Ja, mit Wasser und mit Blute Kommt mein Hei⸗ land Jesus Christ, Welcher einst auch mir zu Gute Hier im Fleisch erschienen ist. Heil mir! Jesus ist gekom⸗ men Mit dem Wasser nicht Rechtfertigung. allein, Durch sein Blut ge⸗ recht und rein, Werden Sünder angenommen. Jesu, laß mich gläubig sein, So bin ich auf ewig dein! 4. Demuthsvoll will ich mich beugen, Wo die Schrift mich unterweist! Drei sind's, die im Himmel zeugen: Vater, Wort und heil'ger Geist; Drei sind Zeugen auch auf Erden: Gottes Geist, des Wassers Fluth Und des Weltversöhners Blut, Daß wir sollen selig werden. Jesu, laß mich gläubig sein, So bin ich auf ewig dein! 5. Diese Drei sind fest beisammen, Deren Zeugniß Niemand beugt, Und wer mag als falsch verdammen, Was vom Sohne Gott be— zeugt? Heil mir, daß ins Herz gegeben Mir auch die⸗ ses Zeugniß ist, Weil mir Gott durch Jesum Christ Gnädig giebt das ew'ge Leben! Jesu, laß mich gläu⸗ big sein, So bin ich auf ewig dein! 6. Gottes Sohn, wenn ich dich habe, Ist das ew'ge Leben mein! Jede Gottes⸗ gnad' und Gabe Schenkt 362 XVI. Die Heilsordnung. mir Gott in dir allein. Aber, wenn ich dich nicht habe, Hab' ich auch das Leben nicht! Drum, o meine Zuversicht, Bleibe mein bis zu dem Grabe, Daß ich einst nach deinem Wort Dich auf ewig schaue dort! Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Eph. 2, 8. 9. 432.5 Gnaden * soll ich selig werden: Herz, glaͤubst du's, oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd' geberden? Ist's Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahr— heit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! hier gilt kein Verdienen, Die eignen Werke fallen hin. Gott, der aus Lieb' im Fleisch erschienen, Bringt uns den seligen Gewinn, Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gna⸗ den selig macht. 3. Aus Gnaden! merk' dies Wort: aus Gnaden! So oft dich deine Sünde plagt, So oft dir will der Satan schaden, So oft dich dein Gewissen nagt. Was die Vernunft nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und übernahm der Sünden Last. Was nöthigt' ihn, dein Freund zu werden? Sags, wenn du was zu rühmen hast. War's nicht, daß er dein Bestes wollt' Und dir aus Gnaden helfen sollt'? 5. Aus Gnaden! dieser Grund wird bleiben, So lange Gott wahrhaftig heißt: Was alle Knechte Jesu schreiben, Was Gott in sei— nem Wort anpreist, Worauf all unser Glaube ruht, Ist Gnade durch des Lammes Blut. 6. Aus Gnaden! doch, du sichrer Sünder, Denk nicht: Wohlan, ich greif' auch zu! Wahr ist's: Gott rufet Adams Kinder Aus Gnaden zur verheißnen Ruh'; Doch den geht seine Gnad' nicht an, Der noch auf Gnade sünd'gen kann. 7. Aus Gnaden! wer dies Wort gehöret, Tret' ab von aller Heuchelei. Denn wenn der Sünder sich bekehret, So lernt er erst, was Gnade sei; Beim Sünd'gen scheint die Gnad' gering ein Ä 8. dem Herz Wenn heißer sieht kann. mals Gnad wär'? 9. will i darun kenn' allem Meer glaul sprich fühl Christi Mel. Was fassen Gott kam Und Last. dein Sag's, ihmen aß er id dir llt'? dieser So heißt: Jesu n sei⸗ orauf „ Tt mmes doch, Denk' greif Gott Aus ißnen seine noch mn. wer Tret' helei. r sch erst, Beim dnad' 433. B. Glaube und Rechtfertigung. 363 gering, Dem Glauben ist's ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenn's unter Angst und heißen Schmerzen Nichts sieht und Nichts mehr hoffen kann. Wo nähm' ich oft⸗ mals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär'? 9. Aus Gnaden! hierauf will ich sterben; Ich glaube, darum ist mir wohl; Ich kenn' mein sündliches Ver⸗ derben, Doch auch den, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, die Seele lacht, Weil mich die Gnad' schon selig macht. 10. Aus Gnaden! dies hör' Sünd' und Teufel: Ich schwinge meine Glaubens⸗ fahn' Und geh' getrost trotz allem Zweifel Durchs rothe Meer nach Canaan; Ich glaub', was Jesu Wort ver⸗ spricht, Ich fühl' es oder fühl' es nicht. Christian Ludwig Scheidt, 1709—1761. Meel. Herr Jesu Christ, mein's ꝛc. 1. Joh. 1, 6—10. hristi Blut und Ge⸗ Das ist mein und Ehrenkleid, rechtigkeit, Schmuck Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich zum Himmel werd' eingehn. 2. Das heilige, un⸗ schuld'ge Lamm, Das an dem rauhen Kreuzesstamm Für meine Seel' gestorben ist, Erkenn' ich für den Herrn und Christ. 3. Ich glaube, daß sein theures Blut Genug für alle Sünden thut, Daß es mit Gottes Schätzen füllt Und ewig in dem Himmel gilt. 4. So lang' ich noch hienieden bin, So ist und bleibet das mein Sinn: Ich will die Gnad' in Jesu Blut Bezeugen mit getrostem Muth. 5. Gelobet sei'st du, Jesu Christ, Daß du ein Mensch geboren bist, Und hast für mich und alle Welt Bezaͤhlt ein ewig Lösegeld. 6. O Ehrenkönig, Jesu Christ, Des Vaters ein'ger Sohn du bist; Erbarme dich der ganzen Welt, Und segne, was sich zu dir hält! Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700—1760. „Dir, dir, Jehova, will ꝛc. 1. Petri 1, 3—5 134. Vr Schaaren, Die Jesum ken⸗ 364 XVI. Die Heilsordnung. nen, mich, auch mich gesellt, Und früh, schon in der Kindheit Jahren, Mich treu durch ihn gelehrt, was dir gefällt, Dir bringt, o Gott, für solche Seligkeit Mein Herz ein Lied voll Lob und Dankbarkeit. 2. Unzählbar sind die Seligkeiten, Die mir mein Glaube hier schon täglich giebt; Und noch auf seligere Zeiten Werd' ich in diesem Leben vorgeübt. Wer Jesu glaͤubt, entgeht des Todes Macht, Weil er das Leben an das Licht gebracht. 3. Er ist mein Trost in Kümmernissen, Mein Vor⸗ bild auf der schmalen Lebens— bahn; Und fühl' ich Schmer⸗ zen im Gewissen, So schau' ich glaubensvoll zu ihm hinan, Bis er von Furcht das bange Herz befreit Und als Erlöser mir, auch mir verzeiht. 4. Gelitten hat er und geduldet, Kennt Schmach und Elend, selbst des Todes Schmerz. Dies Alles trug er unverschuldet, Für mich trieb ihn in solche Noth sein Herz. Nun kann er helfen, weiß, wie dem, der weint, Zu Muthe sei, der treue Menschenfreund! 5. Wer zählt und faßt die Segen alle, Die durch ihn werden unser Loos und Theil? Preist ihn mit lau⸗ tem Jubelschalle, Dankt ihm, ihr Miterlösten, euer Heil! Ihm danke, wer ihn kennt und wer ihn ehrt; O selig, wer auf seine Stimme hört! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1830. Mel. Preis, Lob und Ehr' ꝛc. 1. Cor. 3, 10—12. 430. Dan n mein Glaube ruht, Ist fest, mag auch die Welt ver⸗ gehen. Sein Siegel ist des Mittlers Blut Und dessen glorreich Auferstehen. O Glaube, du, des Christen schönster Ruhm! Wie selig, wer dich hat zum Eigen— thum! 2. Ich kannte nicht den Weg zum Heil, Mein Auge deckten dichte Hüllen, Nur Wahn und Irrthum war mein Theil; Nichts konnte meine Sehnsucht stillen, Bis ich das Wort des ew'gen Lebens fand, Das Himmels— licht, vor dem die Nacht entschwand. 3. Daß mich bei meiner Sündenschuld Nicht Furcht und Zweifel ganz verzehren Daß ich vertrau' des Vaters Huld: Dies dank' ich Jesu heil ger ich bir Blut, Zuver 4. in den Sorge Mich Noth und Glaub seiner Leben 5. dein bens sei me mein Labsa Dort dich, mir dich g Neu 0 durch und lau⸗ t ihm, Heil! kennt selig, hört! „ 1850. hr' ꝛe. rund, dem fest, ver⸗ t des dessen risten selig, igen⸗ den Auge Nur war 'nnte Bis b'gen nels⸗ Racht einer urcht hren aters Jesu B. Glaube und 365 Rechtfertigung. heil gen Lehren. Ich weiß, ich bin versöhnet durch sein Blut, Und fühl' im Herzen Zuversicht und Muth. 4. Ich war betrübt bis in den Tod, Von Leid und Sorgen rings umgeben; Mich konnte nicht aus tiefer Noth Der Freunde Rath und Trost erheben. Der Glaube nur hat stets mit seiner Macht Ein neues Leben in mir angefacht. 5. Erhalte mir, o Gott, dein Wort Als meines Le⸗ bens höchste Freude; Es sei mein Trost, mein Licht, mein Hort, Mein letztes Labsal, wenn ich scheide. Dort oben noch will ich dich, Herr, erhöhn, Daß mir so großes Heil durch dich geschehn. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛe. 1. Theff. 5, 23. 24. 436 Die Fülle gu⸗ —* ter Gaben Wohnt, Gott, bei dir allein, Und was wir sind und ha⸗ ben, Ist, Vater, Alles dein. Du Ursprung alles Lichts, Du wollest Licht und Leben Auch mir von oben geben. Giebst du, so fehlt mir Nichts. 2. Seit ich, durch deine Gnade, Mein Elend tief er⸗ kannt, Hat sich vom Sün⸗ denpfade Mein Herz zu dir gewandt. O, daß mich deine Kraft Befest'ge neu und gründe, Bis ich das Leben finde, Das Jesus mir ver⸗ schafft! 3. Laß niemals mich ver⸗ gessen Die Größe meiner Schuld, Auf daß ich mög' ermessen Die Tiefe deiner Huld. Entflamme Herz und Sinn, Nach dir nur zu verlangen, Dir einzig an⸗ zuhangen, Durch den ich selig bin. 4. Gieb mir den Geist der Liebe, Der Sanftmuth und der Treu', Daß ich aus reinem Triebe Dem Nächsten hilfreich sei. Vor Allem gieb Gedeihn, Die, so dich jetzt noch fliehen, Zu dir, o Herr, zu ziehen, Daß sie sich ganz dir weihn. 5. Versucht zu neuen Sünden Mich Satans Macht und List, So hilf du über⸗ winden, Der in mir mäch⸗ tig ist. Mit dir kann ich voll Muth Um jene Krone ringen; Mit dir muß mir's gelingen, Der große Wun⸗ der thut. 6. Ich Erdenpilger walle Hier oft in finstrer Nacht; 22——— 2 2222222 366 XVI. Die Heilsordnung. Ach, hilf, daß ich nicht falle, Hab' immer auf mich Acht! Wenn ich im Straucheln bin, Halt' mich in deinen Schranken; Wenn meine Schritte wanken, Gieb du mich nicht dahin! 7. Laß du mein letztes Scheiden In Frieden, Herr, geschehn Und zu des Him⸗ mels Freuden Dereinst mich auferstehn. Auf ewig einst mit dir!— O schenk' mir, Lebenssonne, Aus Gnaden diese Wonne! Ja, du ge⸗ währst sie mir! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Alle Menschen müssen ꝛc. Apostelgesch. 16, 30. 31. 437. Da sollst glau⸗ ben, o du Armer; Und du Warehe Zweifle nicht! Du sollst be— ten zum Erbarmer, Und du kannst, du kannst es nicht? Kindlich sollst du hier vertrauen, Dort wirst du den Ausgang schauen. Jesu Ausgang ward erst klar, Als er auferstanden war. 2. Glaube giebt der An⸗ dacht Flügel, Glaube hebt zu Gott empor. Glaube bricht des Grabes Riegel, Selbst der Ewigkeiten Thor. Glaube geht durch Flamm' und Fluthen, Ließ die Zeu⸗ Doch sie Sicher gen Jesu bluten; überwanden weit, ihrer Seligkeit. 3. Glaube hilft durch Alles siegen, Macht die schwerste Tugend leicht, Al— les muß zu Füßen liegen, Selbst gewohnte Sünde weicht. Ob du auch im Kampf erlagest, Schon an Glaubenskraft verzagest, Kämpfe stärker, kämpfe mehr! Deine Hilfe ist der Herr. 4. Wär'st du selbst des Harrens müde, Weil die Zweifelsucht sich mehrt, Nah' ist Gott und Gottes Friede, Nahe der, der Alles hört. Aus Gehorsam mußt du hoffen, Erd' und Himmel steht dir offen. Glaube fest: der Alles schafft, Giebt dir auch zum Glauben Kraft. 5. Hast du nicht des Wunderbaren Wunderaus⸗ gang oft gesehn? Sahst du nicht den Unsichtbaren, Groß durch Thaten, bei dir stehn? Mußt du denn ihn immer sehen? Bald des Ew'gen Rath verstehen, Bald dich seiner Hilfe freun, Würde dies dein Bestes sein? 6. Glaube dann noch, wann zu glauben Fast kein Hoffn Laß Reinhar 4 komm undel Mittl 2 gebot nicht sich Vor Vom herar G'set Es 1 2 2. Wah sein ob 1 Nack So B. Glaube und Rechtfertigung. 367 Hoffnungsstrahl mehr bleibt. Laß dir Nichts sein Macht⸗ wort rauben: Selig, selig ist, wer gläubt! Ach, die Ersten dort am Throne Glaubten ohne Schaun die Krone, Rangen, starben, wankten nie, Und empfingen! SOSei, wie sie Reinhard Gottlob Reiber, 1744—1817: Eigene Melodie. Röm. 3, 28. 8 ist das 438. E Heil uns kommen her Von Gnad' und lauter Güte: Die Werke helfen nimmermehr, Sie mögen nicht behüten; Der Glaub' sieht Jesum Christum an, Der hat g'nug für uns All' gethan, Er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im G''setz geboten hat, Da man es nicht konnt' halten, Erhob sich Zorn und große Noth Vor Gott so mannigfalten; Vom Fleisch wollt' nicht heraus der Geist, Vom Gsetz erfordert allermeist: Es war mit uns verloren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt' sein G'setz drum geben, Als ob wir möchten selber frei Nach seinem Willen leben. So ist es nur ein Spiegel zart, Der uns zeigt an die sündig' Art, In unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war, dieselbe Art Aus eignen Kräften lassen; Wiewohl es oft versuchet ward, Noch mehrt' sich Sünd ohn' Maßen; Denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, Und jedem Fleisch der Sün⸗ den Schand' Allzeit war angeboren. 5. Doch mußt' das G'setz erfüllet sein, Sonst wär'n wir All' verdorben; Darum schickt' Gott sein'n Sohn herein, Der selber Mensch ist worden: Das ganze G'setz hat er erfüllt, Da⸗ mit sein's Vaters Zorn ge⸗ stillt, Der über uns ging Alle. 6. Und wenn es nun er⸗ füllet ist Durch den, der es konnt' halten, So lerne jetzt ein frommer Christ Des Glaubens recht Ge— stalte. Nicht mehr denn: Lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben sein, Du hast für mich be— zahlet. 7. Daran ich keinen Zwei⸗ fel trag': Dein Wort kann nicht betrügen. Nun sagst du, daß kein Mensch ver⸗ zag', Das wirst du nimmer 368 XVI. Die Heilsordnung. lügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Demsel⸗ ben ist der Himm'l erkauft, Daß er nicht werd' ver⸗ loren. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, Der diesen Glauben fasset; Der Glaub' giebt von ihm aus den Schein, So er die Werk nicht lässet. Mit Gott der Glaub' ist wohl daran, Dem Nächsten wird die Lieb' Gut's thun, Bist du aus Gott geboren. ö 9. Es wird die Sünd' durchs G'setz erkannt Und schlägt das G'wissen nieder; Das Evangelium kommt zu Hand Und stärkt den Sün⸗ der wieder; Es spricht: Nur kreuch zum Kreuz her— zu; Im G'setz ist weder Rast noch Ruh' Mit allen seinen Werken. 10. Die Werk' die kom⸗ men g'wißlich her Aus einem rechten Glauben; Denn das nicht rechter Glaube wär', Wollt'st ihn der Werk' be— rauben. Doch macht allein der Glaub' gerecht, Die Werke sind des Nächsten Knecht', Dabei wir'n Glau⸗ ben merken. 11. Die Hoffnung wart't der rechten Zeit, Was Got⸗ tes Wort zusage; Wann das geschehen soll zur Freud, Setzt Gott kein' gewisse Tage. Er weiß wohl, wann's am besten ist, Und braucht an uns kein' arge List: Deß soll'n wir ihm vertrauen. 12. Ob sich's anließ', als wollt' er nicht, Laß dich es nicht erschrecken; Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir ge⸗ wisser sein, Und ob dein Fleisch spräch' lauter Nein, So laß doch dir nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis, Um dieser Gutthat willen, Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist; Der woll' mit Gnad' erfüllen, Was er in uns begonnen hat Zu Ehren seiner Majestät, Daß heilig werd' sein Name! 14. Sein Reich zukomm', sein Will' auf Erd' G'scheh wie im Himmelsthrone; Das täglich' Brot noch heut' uns werd', Wohl unsrer Schuld verschone, Als wir auch unsern Schuldnern thun; Laß uns nicht in Versuchung stehn, Lös' uns vom Uebel, Amen! Dr. Paul Speratus, 1484—1554. —— Mel. Finst mein Went blicke 2. Liebe hast Triel Schli Fluch ein des Gnad werbe 2. Erba Freu Welt Trost die d Der Um Aus Hölle 4. Liebe bestir inner Anth reud ˙'wisse wohl, Und arge ihm „ als ich es n wo Da decken. heut' isrer wir dnern 1. n uns 1554. * B. Glaube und Rechtfertigung. 369 Mel. Zion klagt mit Angst ꝛc. Joh. 15, 16. 439 Evae Liebe, ‚ mein Ge⸗ müthe Waget einen kühnen Blick In den Abgrund dei— ner Güte: Send' ihm einen Blick zurück, Einen Blick voll Heiterkeit, Der die Finsterniß zerstreut, Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich beweget hast Und aus einem reinen Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt, Der in Fluch versenkten Welt Durch ein theures Lösegeld Und des eignen Sohnes Sterben Gnad' und Freiheit zu er⸗ werben. 3. O, ein Rathschluß voll Erbarmen, Voller Huld und Freundlichkeit, Der so einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hilfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schooße wohnt, Um zu retten die Rebellen Aus dem tiefen Pfuhl der Höllen! 4. Doch du hast, o weise Liebe, Eine Ordnung auch bestimmt, Daß sich der dar— an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren ge— hen, Sondern Heil und Le— ben sehen. 5. Diesen Glauben anzu⸗ zünden, Der ein Werk des Himmels heißt, Lässest du dich willig finden, Deinen theuren, guten Geist Denen, die gebeuget stehn, Die ihr Unvermögen sehn Und zum Thron der Gnaden eilen, Gern und willig mitzu⸗ theilen. 6. Wo du nun vorher⸗ gesehen, Daß ein Mensch auf dieser Erd' Deinem Geist nicht widerstehen, Noch sein Werk verhindern werd', Sondern ohne Heuchel— schein Werd' im Glauben feste sein: Diesen hast du auserwählet Und den Deinen zugezählet. 7. Du hast Niemand zum Verderben Ohne Grund in Bann gethan; Die in ihren Sünden sterben, Die sind selber Schuld daran. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat Fluch und Tod zum Lohn; Sein muth⸗ willig Widerstreben Schleußt ihn aus vom Heil und Leben. innen übe, Der am Segen Antheil nimmt: Wer nur 8. Liebe, dir sei Lob ge⸗ sungen Für den höchstge— 24 58 370 XVI. Die H rechten Schluß, Den die Schaar verklärter Zungen bewundern Glaub' in Rühmen und muß, Den der Demuth ehrt, Die Ver⸗ nunft erstal unend hört Und umsonst sich unterwindet, Wie sie dessen Tief' er⸗ gründet! 9. Liebe, Laß streben, Wahl ge⸗ wiß zu sein; Richte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Den dein Geist in mir ge⸗ schafft, Mir zum Zeugnif dienen möge, Ich 9 au des Himmels Wege! 10. Laß mich Dnnd schar ien uch des Lebe 0 werd' ich Selbst dem gehn. Keine mich, D Deinen L lich Deiner Hand entr können, Noch von Liebe trennen. Dr. Johann Jacob Rambach, 1693 mich dahin Meiner — meinen In dem ens stehn; Denn ohne Grauen Tod entgegen Creatur wird Liebling, ewig⸗ eißen deiner 1735. Mel. O Gott, du frommer ꝛe. Hebr. 11, 6 ů 40 err, ohne * Glauben kann Dir Niemand wohlge⸗ fallen, Ach, darum lege mir Vor andren Gaben allen en wahren Glauben bei, Den, der nicht nur er it mnicht Men⸗ nn kommt von 2. Laß mich rhl it, Daß du sei'st, herzlich glau— ben; Was mir an Wort verheißt, Das laß mir Nie⸗ mand rauben, Daß 93 dem, der dich sucht, Stets ein Vergelter sei'st, Und daß ihn deine Hand Aus allen Nöthen reiß't. 3. Herr! laß mich auf dein Wort Von ganzem Herzen trauen Und fest auf ine Treu' Und Wahrheit bauen. Gieb, daß ich dir in Noth Und Kreuz etreu Und durch des Glaubens Kraft Allzeit gehor sam 1—1 4. Mein Jesu! laß mich dich Im Glauben wohl er⸗ kennen, Dich meinen Herrn und Gott, Trost, Schutz und Heiland nennen. Laß mich im Glauben thun, Was uns dein Mund ge⸗ lehrt, Daß 11 Herz, Mund und That Als den Erlöser ehrt 5. Mein König und Pro⸗ herrsch' in Regier' und werd' ich sollst phet! Komm, meiner Seelen, führe mich, nimmer feh ehlen. ⁰ Du *— mein geho und ich 6. dir, treib Vern Glat See und einzi Tro 70 In Laß Nock ben stets eint meir freu — Uben nur Nen⸗ von ryeit, glau⸗ Wort Nie⸗ dem, ein daß allen auf zem auf rheit daß reuz urch lzeit mich er⸗ errn hutz Laß un, ge⸗ und ser ö B. Glaube und Rechtfertigung. mein König sein, Dem ich gehorchen will, Mein Lehrer und Prophet, Deß Willen ich erfüll. 6. Nichts müsse mich von dir, Mein Hoherpriester, treiben; Laß, Jesu, dein Verdienst Den Grund des Glaubens bleiben, Daß meine Seele sich Hierauf getreu und fest, Als auf mein einzig Heil Und wahren Trost, verläßt. — 7. Ach Jesu! stärke mich In diesem meinen Glauben, Laß mir ihn weder Tod, Noch Welt und Hölle rau⸗ ben; Bleib' in demselben stets Genau mit mir ver⸗ eint, Daß ich sei dein, du mein, O theurer Seelen⸗ freund! Peter Busch, 1682—1744. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. 1. Cor. 13, 10. 441 sch bin ein ** Mensch von Gottes Gnaden; O süßes Wort, das mich ergötzt! Der Mensch, mit seinem Sündenschaden, Wird doch bei Gott so hoch geschätzt, Daß er in seiner Gnade steht Und über alle Würden geht. 2. Ich bin ein Christ In von Gottes Gnaden; Christo hab' ich diesen Ruhm; Was will mir und Teufel schaden? Ich bleibe Welt Gottes Eigenthum. Durch diese Gnade nur allein Kann ich gerecht und selig sein. 3. Ich bin ein Kind von Gottes Gnaden; Drum schweigt, ihr Kinder dieser Welt! Bin ich gleich hier mit Kreuz beladen, So wißt, daß Gott es also hält: Die Kinder, die in Gnaden stehn, Die müssen hier durch Thränen gehn. 4. So bin und bleib' ich hier auf Erden Von Gottes Gnaden, was ich bin. Aus Gnaden wird mir dorten werden Ein unaussprechlicher Gewinn; Dort soll mir Nichts erfreulich sein, Als Gnade, Gnade nur allein. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Es ist das Heil'uns ꝛe. Hebr. 11, 6. 442 7*⁰ weiß, an * wen mein Glaub' sich hält; Kein Feind soll ihn mir rauben. Als Bürger einer beßren Welt Leb' ich hier nur im Glau⸗ ben. Dort schau' ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir mein Erbtheil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 24˙ 372 XVI. Die Heilsordnung. 2. Mein Leben ist ein kurzer Streit, Lang ist der Tag des Sieges. Ich kämpfe für die Ewigkeit, Erwünsch— ter Lohn des Krieges! Der du für mich den Tod ge— schmeckt, Durch deinen Schild werd' ich bedeckt. Was kann mir denn nun schaden! 3. O Herr, du bist mein ganzer W Mein Trost in diesem Leben, In jener Welt mein Cigenthum, Du hast dich mir gegeben. Von fern lacht mir mein Kleinod zu, Drum eile ich ihm freu— dig zu; Du reichst mir deine Krone. 4. Herr, lenke meines Geistes Blick Von dieser Welt Getümmel Auf dich, auf meiner Seele Glück, Auf Ewigkeit und Himmel! Die Welt mit ihrer Herrlich— keit Vergeht, und währt nur kurze Zeit; Im Himmel sei mein Wandel. 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was jene beßre Welt gewährt, Wo wir Gott heilig dienen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint Und mein Erlösungstag erscheint, Dann werd' ich's froh empfinden. 6. Im Dunklen seh' ich hier mein Heil, Dort ist mein Antlitz heiter. Hier ist die Sünde noch mein Theil, Dort ist sie es nicht weiter. Hier ist mein Werth mir noch verhüllt, Dort wird er sichtbar, wenn dein Bild Mich, Gott, vollkommen schmücket. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, O Herr, durch deine Leiden! Auf deinen Tod bin ich getauft; Wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine Hand; Herr, du bist mir, ich dir bekannt, Mein sind des Himmels Freuden! 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! Empfinde sie, o Seele! Vom Tand de Erde unentweiht, Erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht, Nur des Gerechten Ruhm besteht Durch alle Ewig— keiten. M. Christoph Christian Sturm, 1740—1786. Mel. Einer ist König ꝛc. Joh. 17, 11. AJau, hilf sie 443. 2 gen, du Fürste des Lebend Sieh, wie die Finsterniß dringet herein, Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens Mächtig auff sein aller mich krän 2 du wen Sat beri lau chel Wü auß Her zer Ach Her im1 die mie wis Ac krä zu die —— B. Glaube und Rechtfertigung. 37³ aufführet, mir schädlich zu sein! Satan, der sinnet auf allerhand Ränke, Wie er mich sichte, verstöre und kränke. 2. Jesu, hilf siegen, der du mich erkaufet; Rette, wenn Fleisch und Blut, Satan und Welt Mich zu berücken ganz grimmig an⸗ laufet, Oder auch schmei— chelnd sich listig verstellt! Wüthet die Sünde von außen und innen, Laß mir, Herr, niemals die Hilfe zerrinnen! 3. Jesu, hilf siegen! Ach, wer muß nicht klagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, Die mein Ge— wissen mir täglich hält für. Ach, laß mich schmecken dein kräftig V Versühnen Und dies zu meiner Demüthigung dienen! 4. Jesu, hilf siegen, wenn in mir die Sünde, Eigen⸗ lieb', Hoffart und Mißgunst sich regt! Wenn ich die Last der Begierden empfinde Und sich mein tiefes Verderben darlegt, So hilf, daß ich vor mir selbst mag er⸗— röthen Und durch dein Lei— den mein sündlich Fleisch tödten. — 5. Zesu, hilf siegen und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gieb, Daß bei mir lebe des Geistes Verlangen, Auf— wärts sich schwingend durch heiligen Trieb! Laß mich eindringen ins himmlische Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 6 Jesu, hilf siegen, da⸗ mit auch mein Wille Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt Und ich mich stets in dein Wollen verhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt! Laß mich mir ster⸗ ben und alle dem Meinen, Daß ich mich zählen kann unter die Deinen. 7. Jesu, hilf siegen in allerlei Fällen, Gieb mir die Waffen und Wehre zur Hand! Wenn mir die hölli— schen Feinde nachstellen, Dich mir zu rauben, of edelstes Pfand, So hilf mir Schwachen mit All— macht und Stärke, Daß ich, o Liebster, dein Da⸗ sein vermerke! 8. Jesu, hilf siegen! Wer mag sonst bestehen Wider den listig verschlagenen Feind? Wer mag doch dessen Ver⸗ suchung entgehen, Der wie ein Engel des Lichtes er⸗ scheint? Ach, Herr, wo du 374 XVI. Die Heilsordnung. weichst, so muß 14 ja irren, Wenn mich der Schlangen List sucht zu Lerdeirden 9. Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähnn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn; Steh' mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister! 10. Jesu, hilf siegen im Wachen und Beten! Hüter, du schläfst ja und schlum⸗ merst nicht ein. Laß dein Gebet mich unendlich ver— treten, Der du versprochen, mein Fürsprech zu sein. Wenn mich die Nacht mit Ermü⸗ dung will decken, Woll'st du mich, Jesu, ermuntern und Wekewt 11. Jesu, hilf siegen! Wenn Alles verschwindet Und ich mein Nichts und Verderben nur seh', Wenn kein Vermögen zum Beten sich findet, Wenn ich muß sein ein verschüchtertes Reh, Ach, Herr, so woll'st du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen! 12. Jesu, hilf siegen und laß mir's gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang'! So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden ge⸗ priesen, Wo du, o Held, dich so mächtig 13. Jesu, hilf siegen! Wenn's nun kommt zum Sterben, Mach' du mich würdig und stetig bereit, Daß ich mich könne recht nennen dein'n Erben Dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit. Jesu, mein Jesu, dir bleib' ich ergeben: Hilf du mir siegen, mein Heil, Trost und Leben! 14. Jesu, hilf f siegen! Wenn ich nun soll scheiden Von dieser lannter⸗ und leidvollen Welt, Wenn du mich rufest, gieb, daß ich mit Freuden Zu dir mög' fahren ins himmlische Zelt. Laß mich, ach Jesu, recht ritterlich ringen Und durch den Tod in das Leben ein⸗ dringen! Johann Heinrich Schröder, 1666—172. erwiesen! Heil uns ꝛe. 444 In Gottes Reich geht Niemand ein, Er sei denn neu geboren: Sonst ist er bei d Seel Was derbt als muß 2. höchf mein ein Und Den bild ihm uns 2 — herz erw Sel gestt erste nun auck ö bär Gei Sü un“ in Di ver gel eges wig gen, mit wird ge⸗ peld, gen! zum nich reit, echt ort der dir du rost en! den B. Glaube und R jechtfertig zung. 27n *0% bei dem besen Schein Nach Seel' und Leib verloren. Was fleischliche Geburt ver⸗ derbt, In der man Nichts als Sünd' ererbt, muß Gott selbst verbesf 2. Soll man mit die —* — 5 höchsten G 3 In de Lrr ben, Muß er ein ander s und Muth Und neue WKräfte Denn nur sein göttlich Eben⸗ bild Ist, was alleine vor ihm gilt: Dies muß er in uns schaffen. 3. Ach, Vater der Barm⸗ herzigkeit, Was Jesus uns erworben, Da er zu unsrer Seligkeit Am Kreuz für uns gestorben Und wieder auf⸗ erstanden ist, So daß du nun versöhnet ht laß auch uns genießen! 4. Dein guter Geist ge⸗ bär' uns neu, Er ändre die Gemüther, Mach' uns vom Sündendienste frei, Schent' Das uns die Himmelsgüter. Zwar in der Tauf' ist es geschehn; Doch haben wir's nachher versehn Und solchen Bund gebrochen. 5. Drum wollest du nun durch dein Wort Uns aber— mals erneuern. Wir wollen dir, o treuer Hort, Mit Herz und Mund betheuern, Von nun an nicht in Sicher⸗ heit, Vielmehr mit Fleiß, Beständigkeit Und Treu' vor dir zu wandeln. 6. Nimm uns, o Vater, wieder an! Ob wir gleich ade Sünder, Die nicht was du gewollt, ge ethan, So werden wir doch Kinder, Wenn uns dein Geist von Neuem zeugt Und unser Herz zum Guten neigt Im Glau⸗ Len und in Liebe. 7. Wir wollen das, was du uns giebst, Hinfüro sester fassen; Wir wollen dich, weil du uns liebst, Nicht aus dem Herzen lassen, Daß deine göttliche Natur In uns, der neuen Creatur, Beständig sei und bleibe. 8. Nun, Herr, laß deine Vaterhuld Uns jederzeit be⸗ decken, Damit uns weder Sündenschuld, Noch Zorn und Strafen schrecken! Mach' uns der Kindschaft ganz ge— wiß Und schent' uns einst das Paradies, Das Erbe deiner Kinder. Conrad Gebhard Stübner, ums 1727. Jahr Nun freut euch, lieben ꝛc. Joh. 8, 12. Gottes Sohn, Herr Jesu Mel. 445. Christ, Daß man recht könne 376 XVI. Die Heilsordnung. gläuben, Nicht Jederman— nes Ding ja ist, Noch standhaft zu verbleiben; Drum hilf du mir von oben her, Den wahren Glauben mir gewähr', Und daß ich drin beharre! 2. Lehr' du und unter⸗ weise mich, Daß ich den Vater kenne, Daß ich, o Christe Jesu, dich Den Sohn des Höchsten nenne, Daß ich auch ehr' den heil'gen Geist, Zugleich gelobet und gepreist, In dem dreiein'gen Wesen! 3. Laß mich vom großen Gnadenheil Die wahr' Er— kenntniß finden, Wie der nur an dir habe Theil, Dem du vergiebst die Sün— den. Hilf, daß ich's such', wie mir gebührt: Du bist der Weg, der mich recht führt, Die Wahrheit und das Leben. 4. Gieb, daß ich traue deinem Wort, Ins Herze es wohl fasse, Daß sich mein Glaube immer fort Auf dein Verdienst verlasse, Daß zur Gerechtigkeit mir werd', Wenn ich von Sünden bin beschwert, Dein Kreuztod zugerechnet. 5. Den Glauben, Herr, laß trösten sich Des Bluts, so du vergossen, Auf daß in deinen Wunden ich Bleib' allzeit eingeschlossen, Und durch den Glauben auch die Welt Und was dieselb' am höchsten hält, Für Erden⸗— staub nur achte. 6. Wär' auch mein Glaub' wie Senfkorn klein, Und daß man ihn kaum merke, Woll'st du doch in mir mächtig sein, Daß deine Gnad' mich stärke, Die das zerstoßne Rohr nicht bricht, Das glimmend' Docht auch vollends nicht Auslöschet in dem Schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sei, Den Glauben zu behalten, Ein gut Ge⸗ wissen auch dabei, Und daß ich so mög' walten, Daß ich sei lauter jederzeit, Ohn' Anstoß, mit Gerechtigkeit Erfüllt und ihren Früchten. 8. Herr, durch den Glauben wohn' in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sei fruchtbar für und für Und reich in guten Werken, Daß er sei thätig durch die Lieb'ꝰ, Mit Freu⸗ den und Geduld sich üb', Dem Nächsten fort zu dienen! 9. Insonderheit gieb mir die Kraft, Daß vollends bei dem Ende Ich übe gute Ritterschaft, Zu dir allein ange in sich sind' mach an, End Gla Me B. Glaube und Rechtfertigung. 377 mich wende In meiner letzten Stund' und Noth, Des Glaubens End' durch dei— nen Tod, Die Seligkeit, er⸗ lange. 10. Herr I der du angezündet Das Fünklein in mir Schwachen, Was sich Eer Glauben in mir find't, Du woll'st es stärker machen Was 30 gefangen an, vollführ' Bis an das End', daß dort bei dir Auf Glauben folg' das Schauen! David Denicke, 1663—-1680. Mel. Jesu, meines Lebens ꝛe. Joh. 8, 12. 446 Ichweiget, 22 bange Zweifel, schweiget, Mein Erbarmer ist getreu, Und sein Geist in mir bezeuget, Daß ich Gott versöhnet sei. Drohen mir der Hölle Flammen, Und will mich mein Herz verdammen, Täuschen soll mich nicht sein Schmerz; Gott ist größer, als mein Herz! 2. Er, der das Ver⸗ borgne kennet, Schaut auch in mein Herz hinein, Weiß, wie es vor Sehnsucht bren— net, Ganz sich seinem Dienst zu weihn; Sieht den Kum— mer meiner Seele, Der mich nicht meiner Zweifel Wahn, Meinen Glauben sieht er an. 3. Und wie nie sein Urtheil wanket, Wankt auch nie sein ew'ger Rath. Rüh⸗ met, Christen, danket, dan⸗ ket! Groß ist, was er an uns that;: Und den Sündern, den Verlornen, Gab er sei— nen Eingebornen; Wahrlich, wahrlich, Alles giebt, Gott, der in dem Sohn uns liebt. 4. Mir auch ist sein Sohn gegeben, Durch den Glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben Und in ihm einst selig sein. Mich sah Gott von seinem Throne, Mich erwählt' er in dem Sohne, Eh' noch seiner Allmacht Ruf Mich und alle Menschen schuf. 5. Wer will ferner den verklagen, Den Gott selber auserwählt? Wer darf zu verdammen wagen, Den er zu den Seinen zählt? Hier ist Gott, Nichts kann mich schrecken, Seine Gnade will mich decken; War ich gleich der Sünde Knecht, Er, mein Gott, spricht mich ge— recht. 6. Theuer bin ich ihm erworben, Heil mir, hier ist Jesus Christ, Er, der auch für mich gestorben, Auch für beugt, so oft ich fehle; Und mich erstanden ist; Der zur 378 XVI. Die Hei Rechten Gotte es sitzet, Auf mich sieht, mich mächtig schützet, Mich vertritt, mich nie verstößt, Mich aus aller Noth erlẽ s 7. Fest am Glauben will ich halten, Würd' auch Alles mir geraubt; Gottes Gnade laß ich walten Und erhebe 1 froh mein Haupt. Mich soll keine Schmach, kein Leiden Je von seiner Liebe scheiden. Darauf steh' ich felsenfest, Daß Gott nimmer mich verläßt. Neues Berliner Gefangbuch, 1829. 7* 1 Ny Sehs— Mel. Balet will ich dir geben ꝛc. Jes. 54, 17. 447 Qie jauchze 44 4. doch mit Ayondor(S Hioe(GAHp Freuden, Die heil ge Gottes⸗ stadt, ar sich durch Jesu Leiden Vor Nichts zu fürch⸗ ten hat; Denn Gott ist bei ihr drinnen, Das weiß sie sicherlich. Der Zweifel muß zerrinnen, Die Furcht ver⸗ lieret sich. 2. Laß Andre wankend fragen, Ob Gott ihr Vater sei; Ein Christ kann muthig sagen Und schwören noch dabei: Ich habe Gnade funden, Die Seligkeit ist F mein, Und durch des Lam⸗ mes Wunden Geh' ich zum Himmel ein. — — — — 2 SV S De Wer Wae Glau 1085 h ge eben⸗ n 10 ew' gen Helhr. Der Christi Blut Wenn Fürsten bet⸗ VI reudengarben Thoren stehn. Ernst Gottlieb Woltersderf 448. B. Glaube und R echtfertigung. 379 Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛc. 1. Cor. 1, 8. 9. Qo hab' ich nun den Fels erreichet, Worauf mein Glaube sicher ruht, Den keinen Stürmen weichet Und keiner wilder⸗ regten Fluth. Er kann vor der Gewalt der Wellen, Selbst vor der ganzen Macht der Höllen Mir Schutz und Sicherheit ver⸗ leihn. Mein Herz, verbanne Furcht und Grauen; Hier kannst du dir nun Hütten e bauen, Nur hier muß deine Wohnung sein. 2. Mich warf d die Menge meiner Sünden Wie ein empörtes Meer herum; Ich ward ein traurig Spiel den Winden, Ward des Verder⸗ bers Eigenthum. Mir drohte furchtbar mein Gewissen Mit grauenvollen Finster⸗ nissen, Mit ew'ger Qual und Seelennoth. Ich sah mich schon mit Angst und Beben Der off'nen Hölle hingegeben Und rang mit Leben und mit Tod. 3. Doch mitten in des Todes Nöthen Erblickte Je⸗ sus meinen Schmerz; Es drang mein thränenvolles Beten In sein erbarmend Mittlerherz. Er hielt mir vor sein Kreuz und Sterben Und sprach: Ich laß dich nicht verderben, Tritt nur im Glauben kühn herzu! Geheilt bin ich durch seine Wunden, Ich habe Trost bei ihm gefunden Und für mein Herz die wahre Ruh'. 4. Und wie so wohl ist meiner Seelen Nun, treuer Seelenfreund, bei dir! Was könnte mich noch länger quälen? Der größte Schmerz liegt hinter mir. Bei sol⸗ chem Reichthum deiner Güte Wie wird mein lechzendes Gemüthe Mit Kräften jener Welt erfüllt! O Herr, ich bin viel zu geringe, Zu un⸗ werth solcher hohen Dinge! Ich habe Nichts, was vor dir gilt. 5. Nun laß die Tiefen immer brausen, Es wüthe ungestüm das Meer! Ich sehe ohne Furcht und Grau⸗ sen Auf aller finstren Mächte Heer. Der Tod selbst kann mich nicht erschrecken, Mein Fels, mein Heiland wird mich decken, Auch in der allerbängsten Zeit. Ihr Berge möget untergehen, Mein Fels bleibt ewig, ewig stehen, Auf ihm ruht meine Seligkeit. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. 380 XVI. Die Heilsordnung. Mel. Kommt her zu mir ꝛce. Röm. 15, 13. Lah festem Muth Auf Gottes Gnad' und Christi Blut, Ich hoff' ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, Hat mir das Recht zur Seligkeit In seinem Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein un⸗ aussprechlich Heil, An dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel ha— ben; Im Herzen durch den Glauben rein, Dich lieben und versichert sein Von deines Geistes Gaben. 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, Wirkt göttliche Zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, Versüßet uns des Le⸗ bens Ruh' Und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, Den Glauben an dein göttlich Wort Um deines Namens willen; Laß ihn mein Licht auf Erden sein, Ihn täglich mehr mein Herz erneun Und mich mit Trost erfüllen! M. 85 171 Fürchtegott Gellert, 171 5——1769. Mel. O 1965 du——— e. . Cor. 13, 5 450.* Ob ihr im Glauben sehez Ob ihr auf Christum nur Und auf sein Vorbild sehet. Versuchet euch doch recht, Ob Christus in euch lebt, Denn Christi Leben ist'ss, Wonach der Glaube strebt. 2. Der Glaube ist ein Licht, Im Herzen tief ver⸗ borgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleich gesinnt, Und wer ein Sün⸗ der war, Wird durch ihn Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben Und will, was er empfing, Gern Andren wiedergeben. Dieweil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Beken— net Jesum Christ. 4. Er nimmt mit Freu⸗ den an, Was Gott im Wort verkündet; Der Zwei— fel muß entfliehn, Die Hoff⸗ nung wird Eandunden Die hält in jeder. 2 50 an dem Worte fest, Gott uns alle Ding' An Vesten dienen läßt. — 5. Im Glauben wissen wir, gegeb entrei ew'gen wir Soh Gegen entbr. 6. por, binde allei bren⸗ Licht Glat Wer B. Glaube und Rechtfertigung. 381 wir, Daß Gott den Sohn egeben, Der uns dem Tod entreißt Und führt zum ew'gen Leben. Und weil wir Gottes Lieb' In seinem Sohn erkannt, So ist von Gegenlieb' Auch unser Herz entbrannt. 6. Die Liebe dringt em— por, Mit Gott sich zu ver⸗ binden; Sie kann in ihm allein, Was sie verlanget, finden. Den Nächsten liebet sie, Wie Gott uns hat ge— liebt, Und fluchet uns der Feind, Sie segnet und ver⸗ giebt. 7. Gieb diesen Glauben mir, O Herr, verleih' ihm Stärke, Er bringe stets in mir Die Frucht der guten Werke! Da, wo ein Feuer brennt, Strahlt auch des Lichtes Schein; Wo wahrer Glaube ist, Da müssen Werke sein. Dr. Joachim Justus Breithaupt, 1658—1732. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. 1. Joh. 5, 4. 451 Wenn heiße Thränen mir entfließen, Mein Herz mit Angst und Schmerzen ringt, Dann sink' ich, Herr, zu deinen Füßen Und finde, was mir Tröstung bringt; Dann wird der Glaube mir ein Licht, Das meines Her— zens Nacht durchbricht. 2. Du, Heiland, bietest jedem Müden Erquickung, Muth und Hoffnung an Und schenkest ihm den innren Frieden, Den ihm die Welt nicht geben kann. Durch dieses Friedens Kraft er— freut, Wird ihm der Glaube Seligkeit. 3. Auch wenn wir zwei⸗ felnd oft uns grämen, Wenn Kleinmuth unsren Geist ver— stimmt, Willst du uns Schwache nicht beschämen, So lang' ein Funke Glau— bens glimmt; Du fachst ihn an, du nährest ihn, Und bald wird er von Neuem glühn. 4. Du stärkst die schon gesunknen Hände, Du stärkst des matten Kämpfers Fuß, Giebst der Versuchung solch ein Ende, Daß unser Dank dich preisen muß, Und führest durch die Prüfungs⸗ zeit Uns hin zu deiner Herr⸗ lichkeit. 5. Des Glaubens Kraft ist unsre Stärke, Er über⸗ windet eine Welt Und wir⸗ ket in uns Gottes Werke Und Tugend, die ihm wohl— gefällt, Und jeder Sieg, den er uns schafft, Belebt lsordnung. 382 XVI. Die Hei das Herz mit neuer Kraft. 6. Verleih', diesen Glauben, o Herr, mir Laß ihn in Liebe thätig sein; Nichts müsse dieses Heil mir rau⸗ ben, Fern bleibe jeder Heuchelschein; Dann werd' ich auch in jener Welt Den Auserkornen zugesellt Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. 1—9950 auf, wach auf, du ꝛc. Spr. 10. Matth. 18, 3. 4. 45². WMew meine Seele trau⸗ rig ist, Und Lust und Muth in mir verzaget, Wenn mich bestricken Wahn und List, Mich das Gewissen hart verklaget, Mein Schifflein steuerlos muß treiben Auf banger Zweifel Wildem Meer;— Wo scheint der Stern der Rettung her, Was läßt mich dennoch oben bleiben? 2. Wenn um mich Alles finster wird, Als säß' ich in der düstren Hölle, Wenn's in mir bangt und zagt und irrt, Als ob die Sündfluth um mich schwölle, Wenn ich fast will am Heil verzagen In dieser tiefsten Seelen⸗ noth;— Wo dämmert dann das Morgenroth, Der S Zukunft anzusagen? onne 2 3. Aus dir, Du bist der S aus dir ern, Du bist der Hoffnung lichte Sonne, Der Knechte Knecht, der Herr der Herrn Der Kranken Arzt, der Se Hhe n Wonne, Versöhner A Aler We verloren, Der Armen Schatz, der Blinden Licht, Erlöser von des Zorns Gericht, Der ganzen Welt zum Heil geboren! 4. Du bists allein, Herr Jesu Christ, Du bist die Hosmene du der Glaube, Du rettest von des Bösen List Und von der eitlen Lust am Staube; Du sagst uns:„Bleibet nicht im Dunkel n, Mein Sein ist lauter Lieb' und Licht;“ Und richtest uns das Ange⸗ sicht Hin, wo die ew'gen Sterne funkeln 5. Du bist's allein, du treuer Hort, Du milder Tröster aller Schmerzen, Dein ist die Hoffnung, dein das Wort, Dein ist die Kindschaft frommer Herzen; Wir sollen Alle in dem Glauben Und in der Ein⸗ falt Kinder sein. Der Kin⸗ der soll der Himmel sein, Das Reich ist derer, die da glauben. Ernst Moritz Arndt, 1769—1861. 44 wend sie verb Kön Ist selbe man man erlei Und Wü 2 auß Ein ein inne sten Kö we lig dir bist vnne, der Der achen ller, rmen Licht, sorns Welt llein, bist ube, Bösen kitlen sagst im ist cht;“ nge⸗ 'gen „du ilder zen, dein die zen; dem Lin⸗ Lin⸗ ein, da —— 383 We 49 Jo 45 3. 6³⁰ glnzed der ö Christen in⸗ wendiges Obgleich sie von außen die Sonne verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist Keinem als ihnen nur selber bekannt. Was Nie⸗ mand verspüret, Was Nie⸗ mand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Sie scheinen von außen die schlechtesten Leute, Ein Schauspiel der Engel, ein Ekel der Welt, Und innerlich sind sie die lieblich— sten Bräute, Der Zierrath, die Krone, die Jesu gefällt, Das Wunder der Zeiten, Die sich hier bereiten, Dem König, der unter den Lilien weidet, Zu dienen, mit hei⸗ ligem Schmucke bekleidet. 3. Sonst sind sie noch Adams natürliche Kinder Und tragen das Bildniß des Irdischen auch; Sie leiden am Fleische, wie andere Sünder, Sie essen und trinken nach nöthigem Brauch. In leiblichen Leben, Sachen, Im Schlafen und Wachen Sieht man sie vor Andren nichts Sonderlich's machen, Nur daß sie die Thorheit der Weltlust ver⸗ lachen. 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt, Ein Funken und Flämmlein aus göttlicher Flamme, Die oben Jerusalem e gesäugt. Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen gar freundlich und lieblich absingen: Das muß denn ganz herrlich, ganz prächtig erklingen. 5. Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel, Sie bleiben ohnmächtig und schützen die Welt. Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie krie⸗ gen, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, Sie bleiben in Freuden, Sie scheinen er⸗ tödtet den äußeren Sinnen Und führen das L Glaubens von innen. 6. Wenn Christus, ihr Leben, wird offenbar wer— den, Wenn er sich einst, eben des 384 XVI. Die Heilsordnung. wie er ist, öffentlich stellt, So werden sie mit ihm als Götter der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wun— der der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphi⸗ ren, Den Himmel als präch— tige Lichter auszieren: Da wird man die Freude gar offenbar spüren. 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen geneuß'st; Denn das ist Jehova sein göttliches Siegel Zum Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt. Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wenn erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heim— liche Zierde der inneren Welt, Gieb, daß wir die heimlichen Wege erwählen, Wenn gleich uns die Hülle des Kreuzes verstellt! Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Dr. Christian Friedrich Richter, 1676—1711. — Mel. Nun lob', mein' Seel' ꝛc. Treut euch, Luc. 10, 20. 454. daß eure eamen Im Himmel ange— schrieben sind! Das werde Ja und Amen, O Herr, für jedes Gotteskind. Was wir nur immer haben, Wie viel des Geistes Kraft Ja uns an Gnadengaben Zu deinem Preise schafft: Es kann doch Nichts beglücken, Wie uns dies Wort beglückt, Und Nichts so hoch entzücken, Wie dieses Wort entzückt. 2. Was kann die Freude geben, Die uns des Heils Gewißheit giebt? Das ist der Seele Leben, Daß sie es weiß, daß Gott sie liebt, Daß er sie auserwählte Und sie erbarmungsvoll Zu sei⸗ nem Volke zählte, Das dort ihn preisen soll! Im Him⸗ mel und auf Erden Gleicht diesem Troste Nichts; Wir sollen selig werden, Der Mund des Herrn verspricht's! 3. O senke, Herr, aus Gnaden Auch uns dies Trostwort in das Herz, Daß es, der Sorg' ent⸗ laden, Sich freudig schwinge himmelwärts. Willst du auch selbst vollführen, Was du begonnen hast, So weißt du doch, wir spüren Noch —— —+—— euch, eure ange⸗ erde für wir viel uns inem doch uns Und icken, ckt. reude Geils ist sie liebt, Und sei⸗ dort Him⸗ eicht Wir Der 18 aus dies erz, ent⸗ nge du Jas 'ißt och C. Göttlicher Friede. 385 schmerzlich unsre Last; Drum, sollen wir dich loben Und ganz geweiht dir sein, So sprich uns selbst von oben Dies Wort ins Herz hinein. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Ephes. 1, 12. 13. 455 6⁵⁷6 deine * Gnad' ist unser Leben, Sie schafft uns Heil und Seelenruh'! Dein ist's, die Sünde zu vergeben, Und willig ist dein Herz dazu. Du nimmst die Sünder gnädig an, Die sich voll Reue zu dir nahn. 2. Uns, uns Verlorne zu erretten, Gabst du für uns selbst deinen Sohn. Er litt, damit wir Frieden hätten, Für uns den Tod, der Sünde Lohn. O Gott, wie hast du uns geliebt, Welch ein Erbarmen aus⸗ geübt! 3. Dank, ewig Dank sei deiner Treue, Die Nie⸗ mand g'nug erheben kann. Nun nimmst du jede wahre Reue Mit Vaterhuld noch gnädig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt Und gläubig seinen Heiland ehrt! 4. Herr, den befreist du von den Plagen, Die dem Gewissen furchtbar sind; Der kann getrost und freu⸗ dig sagen: Gott ist für mich, ich bin sein Kind; Hier ist der, welcher für mich litt Und mir die Seligkeit er⸗ stritt. 5. O Herr, wie selig ist die Seele, Die so sich deiner Gnade freut! Gesetzt, daß irdisch Glück ihr fehle, Fehlt ihr doch nicht Zufriedenheit. Dein Friede überwieget weit Die Welt und ihre Herrlichkeit. 6. Dein Friede stärkt mit frohem Muthe Das Herz auch in der größten Noth, Giebt Hoffnung zu dem ew'gen Gute Und macht getrost selbst in dem Tod; Er ist schon in der Pilger⸗ zeit Ein Vorschmack künft'ger Seligkeit. 7. Laß, Vater, laß in diesem Frieden Auch meine Seele freudig ruhn; Auch mir hast du dies Glück be⸗ schieden, Wie sollt' ich ferner Böses thun? Ich will viel— mehr die Sünden fliehn, Die jene Ruhe mir ent⸗ ziehn. 8. O, laß mich diesen Vorsatz fassen Und, Vater, mich voll Zuversicht Auf deine Treue stets verlassen; 25 386 XVI. Die Heilsordnung. Wenn Alles wankt, wankt sie doch nicht. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Sein Heil steht unbeweglich fest. 9. Lobsingend will ich dich erheben, Mich ewig deiner Gnade freun Und deinem Dienst mein ganzes Leben In kindlichem Ge— horsam weihn. Herr, du vergabst mir meine Schuld, Nie, nie vergess' ich diese Huld! Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. Mel. Ach, wie betrübt sind ꝛc. Hebr. 13, 8. 456 3* habe nun * den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält! Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd' und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Den— ken übersteigt, Es sind die offnen Liebesarmen Deß, der sich zu dem Sünder neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht ver⸗ loren werden, Gott will, uns soll geholfen sein. Deswegen kam der Sohn auf Erden Und nahm her⸗ nach den Himmel ein; Des⸗ wegen klopft er für und für So stark an unsres Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht ver⸗ binden; Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzig— keit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getrost vertraun Und, wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Gottes Herze schaun: Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzig⸗ keit. 6. Wird alles Andre weggerissen, Was Seel' und Leib erquicken kann, Darf ich von keinem Troste wissen Und scheine völlig ausge— than, Ist die Errettung noch so weit, Mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Beginnt das Irdische zu drücken, Ja, häuft sich Kummer und Verdruß, Daß ich mich noch in vielen Stücken Mit eitlen Dingen mühen muß; Werd' ich da— Sohn her⸗ 5 Des⸗ und unsres velcher Christi Das dt ver⸗ kein Weil schreit: herzig⸗ h mich will rtraun meine bald chaun: aller herzig⸗ Andre 'und Darf wissen lusge⸗ noch doch dische t sich Daß hielen ingen da⸗ C. Göttlicher Friede. 387 durch oft sehr zerstreut, So hoff' ich doch Barmherzig— keit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewandelt bin, Viel Unvollkommenheit bemerken, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist auch dieser Trost bereit: Mein Herr ist voll Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist: Er wolle selbst mein Herze stillen, Damit es das nur nicht vergißt: So stehet es in Lieb' und Leid In, durch und auf Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, So lange sich ein Glied bewegt. So sing' ich einstens höchst erfreut: O Abgrund der Barmherzig— keit! Johann Andreas Rothe, 1688—1758. Eigene Melodie. Matth. 13, 46. 457 Jesu, meine —* Freude, Meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier, Ach, wie lang', wie lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, Außer dir soll mir auf Erden Nie was Liebres werden! 2. Unter deinem Schir⸗ men Bin ich vor den Stür⸗ men Aller Feinde frei. Laß den Satan wittern Und die Welt erschüttern: Mir steht Jesus bei. Ob es itzt gleich kracht und blitzt, Ob gleich Sünd' und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz dem alten Drachen, Trotz des Todes Rachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe, Ich steh' hier und singe In gar sichrer Ruh'. Gottes Macht hält mich in Acht; Freudig, daß ich Jesum sehe, Blick' ich in die Höhe. 4. Weg mit allen Schätzen! Du bist mein Er⸗ götzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren! Ich mag euch nicht hören; Bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o We⸗ sen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht; Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet 25* ——— 388 XVI. Die Heilsordnung. weit dahinten, Kommt nicht Ach, so nimm es bald zu⸗ mehr ans Licht; Gut e rücke, Jesu, gieb, was nützet Nacht, du Stolz und Pracht‚, mir; Gieb dich mir, mein Dir sei ganz, du Laster⸗ leben, Gute Nacht gegeben 6. Weicht, ihr Trauer⸗ geister! Denn mein Freuden⸗ meister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, Jesu mild; Nimm mich dir, Herr, wie du willt, . IId vollbringe dei— nen Willen In, 9 an mir, o mein Gott! Deinen Willen laß erfüllen Muß auch ihr Betrüben Mich im Leben, Freud' und Lauter Freude sein. Duld Noth, Sterben als dein ich schon hier Spott und Ebenbild, Herr, wann, wie Hohn, Dennoch bleibst du und wo du willt! auch im Leide, Jesu, meine 5—. auch, Jesu, stets Freude. Johann Frank, 1618—1677. Mel. Gott des Himmels ꝛc. gepriesen, Der du dich und viel dazu Hast geschenkt und mir erwiesen, 1.—— 6, 17. Daß ich fröhlich sage nu: 458. Jesyre Jesus, Es geshehe mir, mein Yhicht als Schild, Wie du willt, Herr, Jesus, Soll mein Wunsch sein und mein Ziel! Jetzo schließ' ich ab das Bündniß, Daß ich will, was Jesus will. Denn mein Herz, mit ihm erfüllt, Rufet nur: Herr, wie du willt! iner ist es, dem 2. E ich lebe, Den ich liebe früh und spat: Jesus ist es, dem ich gebe, Was er mir gegeben hat. Ich bin in dein Blut verhüllt: Führe mich, Herr, wie du willt! 3 cheinet was, es sei mein Glücke, Und ist doch zuwider dir, wie du willt! Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt, 1640—1672. Mel. Die Tugend wird ꝛc. 2. Cor. 6, 17. 18. süßer Stand, 459. o selig Le⸗ ben, Das aus der wahren Einfalt quillt, Wenn sich ein Herz Gott so ergeben, Daß Christi Sinn es ganz erfüllt, Wenn sich der Geist nach Christi Bilde In Licht und Recht hat aufgerichttt Und unter solchem klaren Schilde Durch alle falsche Höhen bricht! —— nützet mein ch dir, ge dei⸗ n In, Gott! füllen d' und dein , wie „stets Der Hast biesen, nu: mein Herr, ild zu⸗ 7——.—————. C. Göttlicher Friede. 389 2. Was Andren schön und lieblich scheinet, Ist solchem Herzen Kinderspiel; Was Mancher für unschul⸗ dig meinet, Ist solchem Herzen schon zu viel. War⸗ um? Es gilt der Welt ab⸗ sagen; Hier heißt's: Rührt kein Unreines an! Das Kleinod läßt sich nicht er⸗ jagen, Es sei denn Alles abgethan. 3. Die Himmelskost schmeckt viel zu süße Dem Herzen, das in Jesu lebt. Die Braut bewahrt Haupt, Herz und Füße; Und wo ihr Etwas noch anklebt, Das zu dem Glanz der Welt gehöret, Das ist ihr lauter Höllenpein, Und wo sie recht in Gott einkehret, Da macht sie sich von Allem rein. 4. Die Einfalt Christi schließt die Seele Vor allem Weltgetümmel zu, Viel lie⸗ ber in der finstren Höhle Sucht sie bei ihrem Gotte Ruh'. Wenn sich das Heu⸗ chelvolk in Lüsten Der Welt und ihrer Eitelkeit Auch wohl bei gutem Schein will brüsten, Fühlt jene harten Kampf und Streit. 5. Die Einfalt weiß von keiner Zierde, Als die im Blute Christi liegt; Die reine, himmlische Begierde Hat solche Thorheit schon besiegt. An einem reinen Gotteskinde Glänzt Gottes Name schön und rein: Wie könnt' es denn vom eitlen Winde Der Welt noch ein⸗ genommen sein? 6. Von Sorgen, Noth und allen Plagen, Damit die Welt sich selbst anficht, Vom Neid, damit sich Andre tragen, Weiß Christi Sinn und Einfalt nicht. Den Schatz, den sie im Herzen heget, Behält sie wider allen Neid; Ist Jemand, der Lust dazu träget, Das macht ihr lauter Herzensfreud'. 7. O schönes Bild, ein Herz zu schauen, Das sich mit Christi Einfalt schmückt! Geht hin, ihr thörichten Jungfrauen, Harrt nur, bis euch die Nacht berückt! Was sind die Lampen sonder Oele? Schein ohn' Einfalt und Christi Sinn. Sucht doch was Beßres für die Seele Und gebt der Welt das Ihre hin! 8. Ach, Jesu, drücke meinem Herzen Den Sinn der lautren Einfalt ein: Reiß aus, obschon mit tau⸗ send Schmerzen, Der Welt ihr Wesen, Tand und Schein! Des alten Drachen Bild und Zeichen Trag' ich XVI. Die Heilsordnung. nicht mehr; drum laß mich nur Der Einfalt Zier und Schmuck erreichen: Das ist die neue Creatur. Johann Joseph Winkler, 1670—1722. Eigene Melodie. Matth. 11, 28—30. 460. R Gn Das man haben kann; Stille und ein guter Muth Steiget himmelan. Die suche du! Hier und dort ist keine Ruh', Als bei Gott, ihm eile zu: Gott ist die Ruh'. 2. Ruhe suchet jedes Ding, Allermeist ein Christ. Du, mein Herz, nach Ruhe ring', Wo du immer bist! O suche Ruh'! In dir selber wohnt sie nicht; Such' in Gott, was dir gebricht! Gott ist die Ruh'. 3. Ruhe giebt dir nicht die Welt, Ihre Freud' und Pracht; Ruhe giebt nicht Gut und Geld, Lust, Ehr', Gunst und Macht; Kein's reichet zu. Wenn du recht bekümmert bist, Suchst du das, was droben ist; Gott ist die Ruh'. 4. Ruhe geben kann allein Jesus, Gottes Sohn, Der uns Alle ladet ein Vor des Himmels Thron Zur wahren Ruh'. Wer den Ruf vernommen hat, Dringe ein zur Gottesstadt! Gott ist die Ruh'. 5. Ruhe beut er Allen an, Die beladen sind. Arm' und Reiche, kommt heran, Mann und Weib und Kind, Ihr findet Ruh'! Traget ihr des Leides viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel; Gott ist die Ruh'. 6. Ruhe kommt aus Glauben her, Der nur Jesum hält; Jesus machet leicht, was schwer, Richtet auf, was fällt; Sein Geist bringt Ruh'; Gieb im Glau⸗ ben Herz und Sinn Seinem Geist zu eigen hin; Gott ist die Ruh'. 7. Ruhe findet sich zu⸗ meist, Wo Gehorsam blüht; Ein in Gott gesetzter Geist Macht ein still Gemüth Und Seelenruh'. Darum selig, wer sich giebt, Daß er Gottes Willen übt! Gott ist die Ruh'. 8. Ruhe wächset aus Geduld Und Zufriedenheit, Die in Gottes Zorn und Huld Und in Lieb' und Leid Sich giebt zur Ruh'. Je zufriedener du bist, Desto näher Gott dir ist: Gott ist die Ruh': Zur den Dringe Gott Allen Arm' heran, Kind, Craget Gott Ziel; aus nur ĩnachet sichtet Geist Glau⸗ einem ott ist h zu⸗ blüht; Geist Und selig, 3er tt ist aus iheit, und und tuh'. bist, ist: C. Göttlicher Friede. 391 9. Ruhe hat, wer willig⸗ lich Christi sanftes Joch Hingebücket nimmt auf sich; Ist es lieblich doch Und schaffet Ruh'. Folge deinem Heiland gern, Dann ist nie dein Friede fern; Gott ist die Ruh'. 10. Ruhe nirgends lie— ber bleibt, Als wo Demuth blüht; Was zur Niedrigkeit fein treibt Und hinunter zieht, Giebt wahre Ruh'. Darum bleibe arm und klein, So wird Gott dir nahe sein; Gott ist die Ruh'. 11. Ruh' entspringet aus dem Quell, Wo die Liebe fleußt. Ist das Herz nur klar und hell, Sanft und still der Geist, Da strömt die Ruh'. Liebe, wenn du Ruh' begehrst, Bis du selig— lich erfährst: Gott ist die Ruh'. 12. Ach, du Gott der wahren Ruh', Gieb auch Ruhe mir! Was ich denke, red' und thu', Streb' nach Ruh' in dir; Gieb Ruh' dem Geist. Schließt sich dann mein Auge zu, So führ' Leib und Seel' zur Ruh', Dem Himmel zu! Nach M. Johann Caspar Schade, 1666—1698. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛe. Offenb. 22, 14. 461 Wi groß ist * unsre Se⸗ ligkeit, O Gott, schon in der Prüfungszeit, Selbst unter viel Beschwerden, Wenn unser Herz sich dir ergiebt Und treu in Jesu Dienst sich übt! Wie groß wird sie einst werden, Wann sich Herrlich Jenes Leben Wird anheben, Wo man Freuden Erntet von der Saat der Leiden! 2. O, wie erhaben ist das Recht, Das du uns giebest, dein Geschlecht Und Bundesvolk zu heißen! Bei dir ist unser Vaterland; Und wer will deiner starken Hand, Allmächt'ger, uns entreißen! Wenn wir Gleich hier Müssen streiten, Und zu Zeiten Schwach uns finden, Hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre Schulden zu, Schenkst unsren Seelen wahre Ruh' Und stärkest uns mit Freude. Dein Sohn ist unser Haupt und Ruhm, Wir sind er⸗ kauftes Eigenthum Und Schafe seiner Weide. Gu⸗ tes Muthes Sind auf Erden In Beschwerden Unsre See— len; Herr, was kann bei dir uns fehlen! XVI. Die Heilsordnung. 4. Es bleibet zwar der hohe Werth Der Gnade, die uns widerfährt, Ver⸗ borgen hier auf Erden. Doch, wann dereinst vor aller Welt Er, unser Haupt, Gerichtstag hält, Dann wird er sichtbar werden. Alsdann Sieht man Ihn mit Kronen Uns belohnen Und mit Ehren Für sein treues Volk erklären. 5. Wie wohl, o Gott, sind Christen dran! Wie Viel hast du an uns gethan! O laß uns unsre Würde Vor Augen haben jederzeit! So tragen wir mit Willig— keit Des Leidens schwere Bürde. Herr, gieb Den Trieb In die Seelen, Dich zu wabten, Und das Leben Ganz in Jesu Dienst zu geben! Johann Eusebius Schmidt, 1669—1745. Eigene Melodie. Röm. 5, 11. 462. Wie wohl mir, Freund der Seele, Wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich steige aus der Schwer— muthshöhle Und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit so angenehmen Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust; mein Himmel schon auf Er—⸗ den: Wer wollte nicht ver⸗ gnüget werden, Der in dir suchet Ruh' und Lust! 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: Es sei also; ich trau' ihr nicht, Wenn sie mir gleich will Lieb' er⸗ weisen Bei einem freund⸗ lichen Gesicht. In dir ver— gnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärksten Un⸗ glückswellen Mir deine Treu' den Anker reicht. 3. Will mich des Moses Eifer drücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh', Droht Straf' und Hölle meinem Rücken, So steig' ich gläubig in die Höh' Und flieh' zu dir und deinen Wunden: Da hab' ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt Alles wider mich zu⸗ sammen, Du bist mein Heil: wer will verdammen? Die 33— nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich zu den Kreuz zeswegen, Ich folg und lehne mich auf dich; Du nährest aus dem Wolken⸗ Hier ist schei Ewi 6 Fre wol auf No We hölle teig Höh inen chon nich inn. zu⸗ eil: Die an. den ind Du en⸗ C. Göttlicher Friede. 393 segen Und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb' und Se⸗ gen: Genug, wenn ich dich bei mir hab'. Ich weiß, wen du willst herrlich zie⸗ ren Und über Sonn' und Sterne führen, Den führest du zuvor herab. ö 5. Der Tod mag Andren düster scheinen, Mir nicht, weil Seele, Herz und Muth In dir, der du verlässest Keinen, O allerliebstes Le⸗ ben, ruht. Wen kann des Weges End' erschrecken, Wenn er aus mördervollen Hecken Gelanget in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden Aus dieser finstren Wildniß scheiden Zu deiner Ruh' der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn' auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, ver— gnügest mich. Laß solche Ruh' in dem Gemüthe Nach deiner unumschränkten Güte Des Himmels süßen Vor⸗ schmack sein. Weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost: mein Freund ist mein! Wolfgang Christoph Deßler, 1660—1722. Mel. Wir Christenleut ꝛc. Röm. 12, 2. 463 Wo strebst du * hin, Mein Herz und Sinn? Wo quillt der Born, der matte See⸗ len labe? Wo suchest du Die wahre Ruh'? Den Quell ergräbt kein Fleiß, wie tief er grabe. 2. Die Welt verspricht Und hält doch nicht; Die Weisheit lehrt und kann's doch nimmer lehren. Vom Himmel kommt, Was See⸗ len frommt; Des Vaters Herz muß Herzen Ruh' ge⸗ währen. 3. Vom Himmelsthron Kam Gottes Sohn, Von Gott gesandt, mit Gott uns zu verbinden. O Jesu, du Rufst Allen zu: Kommt her zu mir, so soll't ihr Ruhe finden. 4. Und Liebe spricht Dein Angesicht; Nur Friede strömt aus jedem Wort und Werke. Und eine Schaar, Die elend war, Kommt her von dir erquickt mit Trost und Stärke. 394 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. Hier komm' auch ich. alle Welt Nicht in sich hält, Ich glaub' an dich; Ich Gieb du mir, Gottes Sohn: komm', ich komm', o Jesu, den Gottesfrieden! Trost der Müden! Was Neues Leipziger Gesangbuch, 1844. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Ps. 146, 5: 6. 464. in deinen Willen, Und nimm den Eigenwillen hin! Um meines Herzens Weh' zu stillen, Gieb du mir meines Heilands Sinn. Mein Glück und Hoffen wohnt nicht hier, Ich find' es nur, mein Gott, bei dir! 2. Schnell wellt die Blüthe dieses Lebens, Der bunten Farben Pracht ver— bleicht, Und manches Ziel des heißen Strebens Wird dennoch nimmermehr erreicht, Und was uns heute jubeln läßt, Hat morgen Thränen schon erpreßt. 3. Wenn dann im Druck der Erdenleiden Hienieden keine Hilf' erscheint, Dann wünscht das Herz von hier zu scheiden, Ins Land, wo nur die Wonne weint, Wo er, der ewig lebt und liebt, Den Seinen vollen Frieden giebt. 4. Doch, nach der Hei— math zu gelangen, Ist nur der Ausgeprüften Theil. Mich muß noch Lebensleid umfangen Und läutern für das ew'ge Heil. Im Rin⸗ gen wächst des Glaubens Kraft, Im Kampfe stirbt die Leidenschaft. 5. So gieb, o Gott, mir deinen Willen, Und nimm mich ganz zu eigen hin! Das soll mir allen Kummer stillen, Daß ich in deinen Händen bin. Mein Glück und Hoffen wohnt nicht hier, Es ist und bleibt, o Gott, bei dir. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. Mel. O, daß ich tausend ꝛc. Ps. 23, 4. 465. A. wen Gott, nur habe, Nach Erd' ch hält, Sohn: „ 1844. rieden Hei⸗ t nur Theil. sleid für Rin⸗ bens stirbt mir rimm hin! nmer inen Hlück hier, j)ott, ugust XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 395 und Himmel frag' ich nicht. Nichts ist, das meine Seele labe, Als du, mein Gott, mein Trost und Licht. Rühmt sich die Welt mit ihrer Lust, Ohn' dich ist mir kein Trost bewußt. 2. Soll Leib und Seele mir verschmachten, Ich hoffe doch getrost auf dich. Nichts will ich alle Plagen achten, An dir allein erquick' ich mich; Regt sich auch Alles wider mich, Es bleibt da— bei: ich liebe dich. 3. Hab' ich nur dich, so hab' ich Alles, Was meine Seele wünschen kann; Auch fürcht' ich mich gar keines Falles; Liebst du mich nur, was ficht mich an? Drum spricht mein Herz: Du dist mein Theil, In dir ist mei⸗ ner Seelen Heil. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Du, o schönes ꝛe. 1. Cor. 15, 58. 466 lle Christen — hören gerne Von dem Reich der Herr— lichkeit, Und wie Allen nah' und ferne Christus seine Gnade beut. Aber wenn sie hören sagen: Du mußt Christi Kreuz auch tragen, Wenn du willst sein Jünger sein, Stimmen Wenige mit ein. 2. Lieblich ist es wohl zu hören: Ihr Beladnen, kommt zu mir! Aber das sind harte Lehren: Gehet ein zur engen Thür! Fröh— lich jauchzend folgen Alle Bei des Hosianna Schalle, Doch will bis in Tod und Pein Keiner sein Begleiter sein. 3. Jesum treu und ein⸗ zig lieben Darum, weil er Jesus ist, Alles, was er fordert, üben, Das kann nur der wahre Christ. Sollt' auch Alles von ihm fliehen, Jeder Trost sich ihm ent⸗ ziehen, Wird er sagen für und für: Dennoch bleib' ich stets an dir. 4. Ja, Herr, nur um deinetwillen Bist du werth, geliebt zu sein; Mein Ver⸗ langen kannst du stillen, Du bist gütig, heilig, rein. Mag drum Seel' und Leib ver⸗ schmachten, Dich will ich stets höher achten; Was auf Erden ich verlier', Find' ich besser doch in dir. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Aus meines Herzens ꝛc. Ps. 62, 2. 3. 46 47. 1—0 Grre 0 denken, Ist Freud' und Trost für mich; Wenn Gram und 396 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Angst mich kränken, So blickt mein Aug' auf dich. Dann mindert sich der Schmerz, Dann fliehn die bangen Sorgen, Wie Ne⸗ bel vor dem Morgen, Und leichter wird mein Herz. 2. Denk ich an deine Liebe, Wie werd' ich dann erquickt! Ich fühl' in heil'⸗ gem Triebe Mich ganz zu dir entrückt. Dir, Herr, mein Herz zu weihn, Dich kindlich zu erheben, Zur Ehre dir zu leben, Soll meine Wonne sein. 3. Mit hoffendem Ge⸗ müthe Gedenk' ich deiner Treu', Und harre deiner Güte, Sie ist mir täglich neu. Werf' ich die Last auf dich, So wird die Ar⸗ beit süße, In der ich Schweiß vergieße, Du unterstützest mich. 4. Du gabst mir aus Erbarmen Den Sohn, der für mich starb Und gnaden⸗ voll mir Armen Auf ewig Trost erwarb. Du bist in Christo mein, Nun kann ich Hoffnung fassen, Du kannst dein Kind nicht lassen, Wirst stets mein Helfer sein. 5. Wie gut ist's dein ge— denken Mit frommem Chri— stensinn! Das Herz aufs Eitle lenken, Bringt nimmer⸗ mehr Gewinn. Ich halte mich an dich! Dies giebt, auch wenn ich leide, Dem Herzen Trost und Freude, Dies stärkt im Tode mich. 6. Drum will ich an dich denken, So lang' ich denken kann; Mag man ins Grab mich senken, Der Geist geht himmelan. Vergißt auch mein die Welt, Gedenkst du, Herr, doch meiner, Wenn auch auf Erden Keiner Mich im Gedächtniß hält. Benjamin Schmolck, 1672— 1737. Mel. Du Geist aus Gott ꝛe. Matth. 22, 35—40. 468 Af auf, mein Herz, und du, mein ganzer Sinn, Gieb, was du hast, dem Geber wieder hin! Willst du dein Erb' im Himmelreich erlan⸗ gen, So opfre Gott, was du von ihm empfangen! 2. Gott Vater, nimm dein Kind in Gnaden an! Betrachte nicht, was Böses ich gethan! Ich bin nicht werth, daß ich dich Vgter nenne; Erbarme dich, weil ich die Schuld bekenne! 3. Erlöser, nimm, was du erkaufet hast! Nimm weg von mir die schwere Sündenlast! Du, Gottes Lamm, Hast sie ja selbst getragen; Ich weiß, du nimm Und fangn mein giebt, Dem reude, mich. n dich enken Grab geht auch st du, Wenn Mich 1737. ott ꝛc. mein und Gieb, Beber dein rlan⸗ was 1 nimm an! zöses nicht gter weil was imm vere ttes Abst du XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 397 wirst die Bitte nicht ver⸗ sagen. 4. Du werther Geist, nimm mein Beginnen auf Und führe fort den ange⸗ fangnen Lauf! Du wollst mein Herz und all sein Wollen, Denken Von dieser Welt zu dem, was droben, lenken! 5. Ich will nun nimmer⸗ mehr mein eigen sein, Drei⸗ ein ger Gott, dein bin ich ganz allein! Ich lebe zwar als Pilger noch auf Erden, Doch möcht' ich bald ein Himmelsbürger werden. 6. Auf, auf, mein Herz, und du, mein ganzer Sinn, Schwing' eilend dich zu dei⸗ nem Ursprung hin! So kannst du hier den Himmel schon erlangen, So wirst du dort im Himmel ewig prangen! Martin Opitz von Boberfeld, 1597— 1639. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Ps. 7, 11. 469 AI deine Weisheit schauen Und deiner Güte trauen, Gott, welche Selig⸗ keit! Das mildert alle Lei⸗ den, Schafft mir die rein⸗ sten Freuden Und führt mich zur Zufriedenheit. 2. Dir, Herr, ist Nichts verborgen, Du kennst auch meine Sorgen, Da du mein Vater bist. Du schenkest mir das Leben, Du wirst mir Alles geben, Was mir zum Heile nöthig ist. 3. Wir streben oft nach Dingen, Die, wenn wir sie erringen, Des Unglücks Quelle sind. Vom falschen Schein geblendet, Dem Eit⸗ len zugewendet, Sind wir für wahre Güter blind. 4. Auf deinen Willen achten, Nach deinem Reiche trachten, Gewährt mir wahre Ruh'. Dies Theil will ich erwählen, Was könnte dann mir fehlen? Mein höchstes Gut, o Gott, bist du. 5. Dein ewiges Erbar⸗ men, Dein Beistand wird mir Armen In Trübsal Muth verleihn. Dein Rath⸗ schluß sei mein Wille; Laß mich in frommer Stille, Herr, deiner Führung mich erfreun. 6. Laß mich nicht zagend wanken, Wenn zweifelnde Gedanken Mir deinen Trost entziehn. Auch dann, Herr meines Lebens, Laß niemals mich vergebens Zu dir, dem treuen Helfer, fliehn. 7. Versüße meine Leiden Durch deines Geistes Freu⸗ den, Dein Friede wohn' in 398 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. mir; Drückt mich die Last der Schmerzen, Dann sprich zu meinem Herzen: Ich, dein Erretter, bin bei dir! 8. Was sollt' ich mich betrüben? Muß denen, die dich lieben, Doch Alles Se⸗ gen sein. Ich bin ja dein Erlöster; Sonst weiß ich keinen Tröster, Sonst keinen Schutz, als dich allein. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Gott ist mein Lied ꝛc. Pi. 85, 6. 7. uf ewig nicht 470. ASalms deine Treue! Du schlägst und heilst Und zeigst uns dann aufs Neue, O Gott, dein Vaterangesicht. 2. In trüber Nacht, Wo keine Sterne funkeln, Hat deine Hand, Allmächtig auch im Dunkeln, Uns stets ans rechte Ziel gebracht. 3. In tiefster Noth Er⸗ hielt uns deine Rechte; Du sprachst, o Herr, Da strahlte durch die Nächte Dein hoff— nungsreiches Morgenroth. 4. Aus Leid und Schmach Erhobst du mild uns wie⸗ der! Drum sinkt vor dir Ein Herz in Demuth nieder, Das Vaterernst und Liebe brach. 5. Herr, nimm es an! Gieb Hoffnung und Ver⸗ trauen Und führ' es dann Zu deinen Friedensauen Durch Wüst' und Meer nach Canaan. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. Ps. 62, 2. 3. 4.71. A meinen Rath, Will ich mein Glücke bauen Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie viel mir nützen würde, Bestimmte meine Lebenszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, Der zu des Glau⸗ bens Ehre Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, Wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich Stets väter— lich. Nicht, was ich mir er— sehe, Sein Wille, der ge⸗ schehe. — Ver⸗ dann ßauen nach August 50 Zuf as ꝛc. ützen ieine und zagt ein lau⸗ egen nein ätte, dig, nn's Er ter⸗ er⸗ ge⸗ ———5 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 399 4. Ist nicht ein unge⸗ störtes Glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrigste Geschick, Bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth Hebt einst der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt uns doch am Grabe. 5. An dem, was wahr⸗ haft glücklich macht, Läßt Gott es Keinem fehlen; Ge⸗ sundheit, Ehre, Glück und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath Vor Augen hat, Dem wird ein gut Gewissen Die Trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den Herrn, Er hilft uns gern; Seid fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft seinen Knechten! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Eigene Melodie. Ps. 118. 47²2 A meinen 2 lieben Gott Trau' ich in Angst und Noth, Der kann mich all— zeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. 2. Ob mich die Sünd' anficht, Will ich verzagen nicht, Auf Christum will ich bauen Und ihm allein ver— trauen. Ihm will ich mich ergeben Im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, Ist Sterben mein Gewinn, Und Christus ist mein Leben, Dem thu' ich mich ergeben; Ich sterb' heut' oder morgen, Mein' Seel' wird er versorgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, Der du geduldig bist Für mich am Kreuz gestor⸗ ben, Hast mir das Heil er⸗ worben, Auch uns Allen zugleiche Das ewig' Himmel⸗ reiche, 5. Erhöre gnädig mich, Mein Trost, das bitt' ich dich; Hilf mir am letzten Ende, Nimm mich in deine Hände, Daß ich selig ab— scheide Zur ew'gen Himmels⸗ freude. 6. Amen zu aller Stund' Sprech' ich aus Herzensgrund; Du wollest selbst uns lei⸗ ten, Herr Christ, zu allen Zeiten, Auf daß wir deinen Namen Ebwiglich preisen. Amen. Sigismund Weingärtner, ums Jahr 1609. ö 400 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. MN 37 h Ps. 37, 5. Eigene Melodie. 473 efiehl dudeine . Wege Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dir's soll wohl ergehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott ihm gar Nichts nehmen, Es muß erbeten sein. 3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, O Vater, weiß und sieht, Was gut sei oder schaͤde Dem sterblichen Ge— blüt; Und was du dann er⸗ lesen, Das treibst du, star⸗ ker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rath gefällt. 4. Weg' hast du aller⸗ wegen, An Mitteln fehlt dir's nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was dei⸗ nen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel Hier wollten wider⸗ stehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; Was er sich vorge⸗ nommen, Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen Zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff', o du arme Seele, Hoff' und sei un⸗ verzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud'. 7. Auf, auf! gieb deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht. Bist du doch nicht Regente, Der Alles führen soll; Gott sitzt im Regi⸗ mente Und führet Alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten, Er ist ein weiser Fürst, Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wun⸗ kann Niemand hindern, derbarem Rath Die Sach 4——4.——**— ——— 2———— PꝓPꝓPꝓ ꝓ F F SSSEEFEFEEEEEEE nicht 5 dei⸗ ch ist alle bider⸗ ohne trücke orge⸗ aben ndlich Zweck arme un⸗ aus der oßen varte st du Sonn' inem gute das lurig nicht hren tegi⸗ lles hun ein XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 401 hinausgeführet, Die dich be⸗ kümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an sei⸗ nem Theile, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und sollt'st du für und für In Angst und Nöthen schweben, So fragt' er Nichts nach dir. 10. Wird's aber sich be⸗ finden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am wen'gsten gläubst. Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du, zu keinem Bösen, Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie Den Sieg und Ehrenkron'. Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach' End', o Herr, mach' Ende An aller unsrer Noth, Stärk' unsre Füß' und Hände, Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu' empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Werde munter, mein ꝛe. Joh. 6, 68. 15, 4—7. Röm. 8, 38. ff. 474 Be dir, Jesu, 2 will ich blei⸗ ben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, Will auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft. 2. Könnt' ich's irgend besser haben, Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Ar⸗ men hat bereit? Könnt' ich je getroster werden, Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist? 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem eignen, theuren Blut? Sollt' ich dem nicht ange— hören, Der sein Leben für mich gab? Sollt' ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib' ich, So in Freude, wie in Leid; Bei dir bleib' ich, dir verschreib' ich Mich für Zeit und Ewigkeit! Dei⸗ nes Winks bin ich gewär⸗ 26 402 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. tig, Auch des Rufs aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich liebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah' auf dieser Erden, Bleib auch, wenn mein Tag sich neigt, Wenn es nun will Abend werden Und die Nacht her⸗ nieder steigt! Lege segnend dann die Hände Mir aufs müde, schwache Haupt, Spre⸗ chend:„Kind, hier geht's zu Ende, Aber dort lebt, wer hier glaubt!“ 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, Graut mir vor dem kalten Tod, Als dem kühlen, scharfen Wehen Vor dem Himmels-Morgenroth. Wird mein Auge dunkler, trüber, Dann erleuchte mei— nen Geist, Daß ich fröhlich zieh' hinüber, Wie man nach der Heimath reist! Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. Werde munter, mein ꝛc. 1. Joh. 2, 28. 47 5 leibt bei dem, der euret⸗ willen Auf die Erde nieder⸗ kam, Der, um euren Schmerz zu stillen, Tausend Schmerzen auf sich nahm! Bleibt bei dem, der ewig bleibet, Wenn auch Alles auch zerstäubet, Siegend über'm Staube steht. 2. Alles schwindet; Her⸗ zen brechen, Denen ihr euch hier ergabt; Und der Mund hört auf zu sprechen, Der euch oft mit Trost ge⸗ labt; Und der Arm, der euch zum Stabe Und zum Schilde ward, erstarrt; Und das Auge schläft im Grabe, untergeht, Der, wenn Alles Das euch sorgsam einst be— wahrt. 3. Alles stirbt; das Ird'sche findet In dem Ir dischen sein Grab. Alle Lust der Welt verschwindet, Und das Herz stirbt selbst ihr ab. Ird'sches Wesen muß verwesen, Irdssche Flamme muß verglühn, Ird'sche Fessel muß sich lö⸗ sen, Ird'sche Blüthe muß verblühn. 4. Doch der Herr steht über'm Staube Alles Irdi⸗ schen und spricht:„Stütze dich auf mich und glaube, Hoffe, lieb', und fürchte nicht!“ Darum bleibt bei dem, der bleibet Und der geben kann, was bleibt, Der, wenn ihr euch ihm verschreibet, Euch ins Buch des Lebens schreibt. Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. 47 dem 5 Gotte des in Verac nicht! wird noch Daß bethöl Gotte 2. Herz das 1 das, Dich mer Tag Ruft chens. Tuge manr kraft. 3. dem zu die Für nicht spät Wat nun Keir 4 noch — Alles Piegend t; Her⸗ niht d der brechen, ost ge⸗ der d zum t; Und Grabe, nst be⸗ das m Ir⸗ Alle vindet, selbst Wesen rdssche glühn, sich lö⸗ muß steht Irdi⸗ Stütze laube,‚ ürchte t bei d der bleibt, ihm Buch pitta, XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 403 Wie groß ist des ꝛc. 2. Cor. 13, 5. rist, prüfe 47 6. Cnie an je⸗ dem Tage Mit Ernst vor Gottes Angesicht! Hör' auf des innren Richters Klage, Verachte seine Warnung nicht! Die öftre Prüfung wird dich lehren, Wie viel noch deiner Tugend fehlt, Daß Sünden dich noch oft bethören, Daß du nicht Gottes Weg gewählt. 2. Sie lehret dich dein Herz bewachen, Dies Herz, das dich so oft betrügt, Und das, die Lüste anzufachen, Dich erst in süßen Schlum— mer wiegt. Sieh, jeder Tag von deinem Leben Ruft dich dereinst zur Re— chenschaft: Ihn ganz der Mel. Tugend hinzugeben, Er⸗ manne dich mit Gottes-⸗ kraft. 3. An jedem Abend, je⸗ dem Morgen Erwecke dich zu deiner Pflicht! Vergiß die allerhöchsten Sorgen Für deiner Seele Wohlfahrt nicht! Einst würdest du's zu spät beklagen, Daß du die Warnung nicht gehört, Wann nun von allen Erdentagen Kein einziger zurücke kehrt. 4. Drum prüfe heute noch dein Leben, Denn noch ist diese Stunde dein; Wird dich des Todes Nacht um⸗ geben, Dann ist's zu spät, es zu bereun. Ihn, dessen Augen Alles prüfen, Be⸗ trügt des Heuchlers List ja nie, Er schauet in der Her⸗ zen Tiefen Und kennt und offenbart einst sie. Jauersches Gesangbuch. Mel. Nun sich der Tag ꝛe. Matth. 25, 34—46. 2. Cor. 9, 7. 477 hrist, wenn die Armen manches Mal Vor deiner Thüre stehn: Merk' auf, ob nicht in ihrer Zahl Der Herr sei ungesehn. 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang' Erschallt zu dir herein: Horch' auf, ob seiner Stimme Klang Nicht möchte drunter sein. 3. O, nicht so fest und eng' verschließ' Die Thüren und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stieß', Was träfe den für Schmerz! 4. Drum öffne gern und mitleidsvoll Dem Flehenden dein Haus, Und reiche mild der Liebe Zoll Dem Dürf⸗ tigen hinaus. 5. Denn ehe du dich's wirst versehn, Ist's dein Herr Jesus Christ; Der wird durch deine Thüre gehn, Weil sie so gastlich ist. 26* 404 XVII. 6. Und ehe du ihn noch erkannt, Der arm erschien vor dir, Erhebt er seine heil ge Hand Zum Segen für und für; 7. Zum Segen über dei⸗ nen Tisch Und über all dein Gut Und über deine Kinder frisch Und deinen frohen Muth; 8. Zum Segen über deine Zeit, Die du hienieden gehst, Und über deine Ewigkeit, Da du dort oben stehst; 9. Dort oben, wo er dann die Thür Dir auf mit Freuden thut, Wie ihm und seinen Brüdern hier Du thatst mit frommem Muth. Wilhelm Hey, 1799—1854. Mel. Christus, der uns ꝛc. Ps. 119, 165. 166. 47 8 D'res Gottes * freue dich, Dank' ihm, meine Seele! Sorget er nicht väterlich, Daß kein Gut dir fehle? Schützt dich seine Vorsicht nicht, Wann Gefahren dräuen? Ist's nicht Selig⸗ keit und Pflicht, Seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab' in dir, Was mein Herz begehret, Meinen Va⸗ Christlicher Sinn und Wandel. ter, der mich hier Wartet und ernähret, Der mich durch sein göttlich Won Hier zum Guten lenket Und mit Himmelswonne dort Meine Seele tränket. 3. Wenn ich ernstlich dein Gebot Und mit Freu⸗ den übe, Wenn ich kindlich dich, mein Gott, Fürcht und ehr' und liebe: O, win ist mir dann so wohl! Wie ist mein Gemüthe Seliger Empfindung voll, Voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuversicht Nach dem Him⸗ mel blicken. auch drücken. Hoffnung und Zufriedenheit Wohnen mit im Herzen, Trösten und er⸗ höhn mich weit Ueber all⸗ Schmerzen. 5. Du bist mein! s jauchz' ich dann! Wer is der mir schade? Heil mir, daß ich's rühmen kann: Mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohlfahrt werthh Du gabst mir mein Leben, Meine Leiden fühl' ich nicht, Wie sie mich Wirst auch, was mein Le⸗ ben nährt Und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinen Rath In die Welt gekom⸗ men, Alle meine Missethat Hat er weggenommen. Ihm V —— Wartet r mich Wort lenket lswonne ränket. ernstlich it Freu⸗ kindlich Fürcht O, wie hl! Wie Seliger Voll von ich mit m Him⸗ Leiden sie mich ng und ien mir und er⸗ ber alle ein! so Wer ist eil mit, kann: de! Dir werth! Leben, ꝛein Le⸗ ut, mir deinem gekom⸗ kissethat 1. Ihm XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 405 vertrau', ihn bet' ich an, mein Vertraun auf dich Glaub' an seine Leiden, Und die Macht der Sünde kann Mich von dir nicht scheiden. ö 7. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des beß' ren Lebens, Himmlische Voll⸗ kommenheit, Such' ich nicht vergebens! Wenn mein Lauf vollendet ist, Und vollbracht mein Leiden, Ruft mein Mittler Jesus Christ Mich zu deinen Freuden. 8. Meine Freud' in dir, mein Gott, Wird dann ewig währen; Noch so furchtbar sei der Tod, Er kann sie nicht stören! Willig werd' ich mein Gebein Der Ver⸗ wesung geben. Herr, dein Tag bricht bald herein, Mit ihm neues Leben. 9. Gieb mir, Gott, so lang' ich hier In der Fremde walle, Das Bewußtsein, daß ich dir Als dein Kind ge⸗ falle! Diese sanfte Freudig⸗ keit, Die zu dir ich habe, Sei mein Heil in dieser Zeit Und mein Trost am Grabe! 10. Laß die Lust der Sünde nie Dieses Heil mir rauben! Rüste selbst mich wider sie Mit Vernunft und Glaͤuben! Gieb mir deinen Geist, der mich Und mein Thun regiere, Daß ich Ewig nicht verliere! Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. Mel. Anus meines Herzens ꝛc. Pi. 121, 1. 2. 69. e n stille, Getrost, o Gott, in dir; Dein väterlicher Wille Geschehe stets an mir! Du bist mein bestes Theil; Was könnte mich betrüben? Bringt denen, die dich lieben, Nicht selbst ihr Leiden Heil? 2. Dein heiligweises Wal⸗ ten Bleibt meine Zuversicht; Du wirst mich aufrecht hal⸗ ten, Wenn jede Stütze bricht. Mein Flehen hörest du, Wenn in der stillen Kammer Mein Herz in sei— nem Jammer Bei dir sucht Trost und Ruh'. 3. Du wirst mich nicht versäumen, Ob auch dein Arm verzeucht, Und, wie in schweren Träumen, Mir Kraft und Hilf' entweicht. Du prüfst mich nur, mein Gott, Daß sich die Treu' bewähre Und zu des Hei⸗ lands Ehre Besiege jede Noth. 4. Du giebst mir Kraft zum Siege Und stehst mir mächtig bei, Daß ich nicht unterliege, Wie schwach ich 406 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. immer sei. Du nimmst mein krankes Herz In deine Hut und Pflege Und bah— nest mir die Wege Zur Freude durch den Schmerz. 5. Du, du bist meine Freude, Mein Helfer in der Noth! Von deiner Liebe scheide Nicht Leben mich, noch Tod! Dein Antlitz leuchte mir In meiner bäng⸗ sten Stunde! Ich bin mit dir im Bunde, Ich leb' und sterbe dir! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Der goldnen Sonne ꝛc. Matth. 16, 24. 480 Den Heiland * nach, mein Geist und Herz, Auf seinen Dornenwegen! Bekämpfe mu⸗ thig Leid und Schmerz, Auf Siegen folget Segen. Nur fröhlich angefaßt Die leichte Liebeslast! Sind doch die Leiden dieser Zeit Nicht werth der künft'gen Herrlichkeit. 2. Du, Herr, siehst meine Schwachheit an, Du kennst mein Unvermögen, Und mehr, als ich ertragen kann, Wirst du nicht auferlegen. Leg' auf, ich halte still; Denn, was dein Rathschluß will, Das ist mein aller⸗ bestes Theil; Du willst der 2 3. Du selber gingst zu Ehren ein Durch Schmerz und bittres Leiden; Wie könnt' ich wohl dein Jün⸗ ger sein, Wollt' ich auf Blumen weiden? Der Him⸗ melslilien Glanz Wächst aus dem Dornenkranz; Dem, der die Schmach des Kreu— zes trägt, Wird Herrlichkeit dort beigelegt. 4. Mein Herz kann diese Leidensehr', O Jesu, kaum recht fassen; Doch reiche mir die Bürde her! Wer kann sein Heil wohl fassen? Mit Jesu hier gehöhnt, Mit Jesu dort gekrönt! Mit Jesu hier vom Kreuz gedrückt, Mit Jesu ewig dort erquickt! 5. Wohlan, so will ich in Geduld Nach deinem Willen leiden, Den bittren Kelch füllt deine Huld Zu⸗ letzt mit süßen Freuden. Im Geist erblick' ich schon Die mir verheißne Kron'; Du leuchtest in Geduld mir vor, Ich folge dir zum Sternenchor. Wolfgang Christoph Deßler, 1660—1722. Mel. Gottlob! es geht ꝛc. Röm. 8, 28. 481 Den Frommen Heil, die, Gott Deinen wahres Heil. ergeben, Hier ihre Thränen⸗ ———ů——. ß7ß7———— ngst zu chmerz Wie N Jün⸗ ch auf Wächst Dem, Kreu⸗ rlichkeit n diese kaum che mir kann 2 Mit it Jesu „Mit ickt! vill ich deinem bittren dd Zu⸗ reuden. schon Kron'; Id mir zum eßler, t ꝛc. mmen „Gott änen⸗ XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 407 saaten streun, Getrost im wechselreichen Leben Nicht Kampf und Noth und Schmer⸗ zen scheun; Der Herr ist's, der, wenn Alles weicht, Den Kelch des Trostes ihnen reicht. 2. Es muß zu ihrem Frieden dienen Das kurze Leid, die ird'sche Noth! Der Herr ist ihnen mild erschie⸗ nen In seines Lichtes Mor— genroth; Sie glauben fest, sie zweifeln nicht, Denn Gott ist ihre Zuversicht. 3. Wie Christus hier sein Kreuz getragen Und hat gekämpft und obgesiegt, So wird sein Jünger nicht ver⸗ zagen, Wenn schwer das Kreuz auch auf ihm liegt; Ihm gleich in Leiden dieser Zeit, Gehn wir mit ihm zur Herrlichkeit. Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. Mel. Meinen Jesum lass' ꝛc. Ps. 91, 1. 2. 482 Drroch bleib' ich stets an dir, Wenn mir Alles gleich zu wider. Keine Trübsal drückt in mir Die gefaßte Hoffnung nieder, Daß, wenn Alles bricht und fällt, Den⸗ noch deine Hand mich hält. 2. Leite mich nach deinem Rath, Der wohl wunderlich geschiehet, Aber endlich in der That Auf die schönste Wohlfahrt siehet. Denn du führst es wohl hinaus, Sieht es gleich verkehret aus. 3. Nimm mich dort mit Ehren an, Wenn ich g'nug gekämpfet habe; Führe mich die Lebensbahn Zu dem Himmel aus dem Grabe; Endlich zeige mir das Loos In der Auserwählten Schooß. 4. Mag es doch indessen hier Wunderlich mit mir ergehen; Dennoch bleib' ich stets an dir, Dennoch will ich feste stehen. Ich muß, Trotz sei aller Pein, Den⸗ noch, dennoch selig sein. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. 1. 91, 1. 2. P er Herr ist 48 3. D meine Zu⸗ versicht, Mein bester Trost im Leben! Dem fehlt es nie an Heil und Licht, Der sich ihm ganz ergeben. Gott ist mein Gott! Auf sein Gebot Wird meine Seele stille; Mir g'nügt des Va⸗ ters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bist des Schwachen Stärke. Die Augen, welche zu dir schaun, 408 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Sehn deine Wunderwerke. Herr, groß von Rath Und stark von That! Mit gna⸗ denvollen Händen Wirst du dein Werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, Verlassen sehen müssen; Du läßt ihn, wenn ihn Noth umgiebt, Doch deinen Trost genießen. Des Frommen Herz Wird frei von Schmerz; Der Sünde eitles Dichten Wird einst dein Rath vernichten. 4. Drum hoff', o Seele, hoff' auf Gott! Der Thoren Trost verschwindet, Wenn der Gerechte selbst im Tod Ruh' und Erquickung findet. Wenn Jener fällt, Ist er ein Held; Er steht, wenn Jene zittern, Ein Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, Die dir dein Glaube reichet! Verflucht sind, die zu Menschen fliehn, Verflucht, wer von ihm weichet! Dein Heiland starb, Er, er erwarb Auf seinem Todeshügel Dir deines Glau— bens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her Sich Unge⸗ witter sammeln! Gott hilft, wenn Christen freudenleer Zu ihm um Gnade stam⸗ meln. Die Zeit der Qual, Der Thränen Zahl Zählt er; er wägt die Schmerzen Und wälzt sie von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zuversicht; Auf dich hofft meine Seele. Du weißt, was meinem Glück gebricht, Wenn ich mich kümmernd quäle. Wer wollte sich Nicht ganz auf dich, All— mächtiger, verlassen Und sich im Kummer fassen? 8. In deine Hand befehl ich mich, Mein Wohlsein und mein Leben. Mein hof⸗ fend Auge blickt auf dich, Dir will ich mich ergeben. Sei du, mein Gott, Und einst im Tod Der Fels, auf den ich traue, Bis ich dein Antlitz schaue! M. Christoph Christian Sturm, 17 40—1786. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. Joh. 8, 12. 484. lass' ich ewig nicht, Dir bleibt mein Herz ergeben; Du kennst dies Herz, das redlich spricht: Nur Einem will ich leben. Du, du allein, Du sollst es sein; Du sollst mein Trost auf Erden, Mein Glück im Himmel werden! 2. Dich, Jesu, lass' ich Zählt yhmerzen n dem t meine hofft weißt, gebricht, imernd te sich 7 All⸗ Ind sich befehl ohlsein ein hof⸗ if dich, rgeben. „Und els, auf ich dein Sturm, das ꝛc. Jesu, i tmein kennst pricht: leben. meine llst es Trost ick im ssih XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 409 ewig nicht, Ich halte dich im Glauben; Nichts kann mir meine Zuversicht Und deine Gnade rauben. Der Glaubensbund Hat festen Grund; Die deiner sich nicht schäamen, Die kann dir Niemand nehmen. 3. Dich, Jesu, lass' ich ewig nicht: Aus göttlichem Erbarmen Gingst du für Sünder ins Gericht Und büßtest für mich Armen. Aus Dankbarkeit Will ich allzeit Um deines Leidens willen Die Pflicht der Treu' erfüllen. 4. Dich, Jesu, lass' ich ewig nicht: Du stärkest mich von oben. Auf dich steht meine Zuversicht, Wenn Feinde toben; Ich flieh' zu dir, Du eilst zu mir: Wenn mich die Feinde hassen, Wirst du mich nicht verlassen. 5. Dich, Jesu, lass' ich ewig nicht, Dich, Gottes größte Gabe: Ich weiß, daß mir kein Gut gebricht, Herr, wenn ich dich nur habe. Sucht mich die Welt Durch Gut und Geld Dir ungetreu zu machen, So will ich sie verlachen. 6. Dich, Jesu, lass ich ewig nicht; Das Kreuz soll uns nicht scheiden; Es blei⸗ bet jedes Christen Pflicht, Mit seinem Herrn zu leiden. Doch all' mein Leid Währt kurze Zeit; Bald ist es überstanden, Und Ruh' ist dann vorhanden. 7. Dich, Jesu, lass' ich ewig nicht: Nie soll mein Glaube wanken, Und wenn des Leibes Hütte bricht, Sterb' ich mit dem Gedan⸗ ken: Mein Freund ist mein, Und ich bin sein; Er ist mein Schutz, mein Tröster, Und ich bin sein Erlöster. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. Ps. 73, 28. 48 5. Du an h, der ich hier Nach meiner Heimath eile. Wie viel Gefahr seh' ich vor mir! Wie droht sie meinem Heile! Gott, wärst du nicht Mein Trost, mein Licht, Mein Heil in finstren Tagen, So müßt' ich längst verzagen. 2. Vor dir darf sich mein traurig Herz, Erbar— mer, nicht verhehlen, Darf seinen Kummer, seinen Schmerz Vertraulich dir er⸗ zählen. Dann schaffest du Mir Trost und Ruh' Aus deiner Gottesfülle, Und meine Seel ist stile. 410 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 3. Du lehrest mich den hohen Werth Der Trübsal, die ich leide, Daß sie mich dir vertrauen lehrt, Mich führt zu wahrer Freude. Ich würde dein Mich minder freun, Nur dieser Welt be⸗ gehren, Wenn keine Leiden wären. 4. Dein Wort giebt mir die Zuversicht, Du sorgst für meine Tage, Dein Auge schlaf' und schlummre nicht, Du hörest meine Klage; Du sättigst einst, Wann du erscheinst, In deinem Heilig⸗ thume Mit Wollust mich und Ruhme. 5. O, dann Traurigkeit Aus meiner Brust verschwinden! Ver⸗ gessen werd' ich ganz mein Leid Und nur dein Heil empfinden! Mein Lobgesang, Voll Preis und Dank, Wird durch die Himmel schallen Und ewig dir gefallen. 6. Mich, den Vollende— ten, darf dann Nicht mehr die Sünd' entweihen; Mit Unschuld steh' ich angethan In deiner Kinder Reihen; Und väterlich Erfreust du dich, Daß ich, der Mensch von Erde, Gleich deinen wird alle Engeln werde. 7. Geduldig will ich hier den Schmerz Der Sterblich⸗ keit ertragen. Beruhigen soll sich mein Herz, Nicht mehr voll Unmuth klagen. Du bist bereit, Zu deiner Zeit, O Gott, von allem Bösen Mich herrlich zu er— lösen! Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. Mel. Liebster Jesu, wir sind ꝛe. 1. Joh. 4, 19. 486 Dir, der mich * zuerst ge⸗ liebt, O du Heiland meiner Seele, Der sich mir zum Führer giebt, Daß ich nicht mein Ziel verfehle; Dir, mein Licht, mein Heil, mein Leben, Dir will ich mich ganz ergeben! 2. Wer sich deinem Dienste weiht, Muß der Lust der Welt entsagen, Und mit Glaubensfreudig⸗ keit Auch sein Kreuz und Elend tragen, Standhaft mit dem Feinde ringen Und sein eignes Herz bezwingen. 3. Christentrost ist deine Huld, Christenzier die Dor⸗ nenkrone, Christenstärke die Geduld, Sanftmuth auch bei Spott und Hohne; Andre Güter, andre Ehren Will auch ich hier nicht begehren. 4. Alles, was ich leid' und thu', Das gescheh' in mich ge⸗ einer zum nicht Dir, mein mich inem der agen, udig⸗ und dhaft Und igen. deine Dor⸗ die bei ndre Will ren. leid' in XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 411 deinem Namen; Gieb mir deinen Geist dazu, Daß ich einen reichen Samen Hier in Lieb' und Demuth streue Und mich einst der Ernte freue. Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich ꝛc. Ps. 62, 2. 3. 487 Di trau' ich, Gott, und wanke nicht, Wenn gleich von meiner Freude Licht Der letzte Funke schwindet. Mein Helfer und mein Gott bist du, Durch den mein Herz doch endlich Ruh' Und Freude wieder findet. Von jeher hast du mich ge— führt Und meines Lebens Lauf regiert, Mit segens⸗ voller Vaterhand So manche Noth hinweggewandt. Un⸗ endlicher! Ich trau' auf dich, du leitest mich, Ich kämpf' und siege, Gott, durch dich. 2. Schwer ist der Kampf der Leiden, schwer; Kaum fühl' ich Muth und Stärke mehr, Noch länger auszu⸗ dulden. Doch ewig, Vater, zürnst du nicht, Du gehst mit uns nicht ins Gericht, Strafst nicht nach unsren Schulden. Bald ist der Thränen Maß gefüllt, Bald meiner Seele Schmerz ge— stillt: Bald hat Gott all mein Flehn erhört, Mich g'nug geprüft, und mich be— währt. Du Gott der Huld! Erhört von dir, lobsingt in mir Dann meine ganze Seele dir. 3. Ach, alle Leiden die— ser Zeit Sind doch nicht werth der Herrlichkeit, Die du wirst offenbaren. Bald wird auch mir der Duldung Lohn; Bald steh' ich auch vor deinem Thron Mit treuer Kämpfer Schaaren, Und danke dir, von Gott verklärt, Der jetzt mich prüft, mich dann bewährt, Daß ich, von allen Leiden frei, Ein Seliger des Him⸗ mels sei. Barmherziger, Fest ohne Graun will ich dir traun, Denn einst werd' ich dein Antlitz schaun. Dr. Johann Joachim Eschenburg, 1743—1820. Mel. Dein Heil, o Christ ꝛc. Spr. 17, 1. Röm. 12, 16. 1. Tim. 4, 8.; 6, 6. Phil. 4, 8—13. 488 D. klagst, und z fühlest die Beschwerden Des Stand's, in dem du mühsam lebst; Du strebest, glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. Ja, klage 412 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. nur; wer sollt' es wehren! Doch denk' im Klagen auch zurück: Ist denn das Glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit; Die wahre Ruhe der Ge⸗ müther Ist Demuth und Genügsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden, Ent⸗ behre gern, was du nicht hast; Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand hat seine Last. 3. Gott ist der Herr, und seinen Segen Vertheilt er stets mit weiser Hand, Nicht so, wie wir's zu wünschen pflegen, Doch so, wie er's uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens Kräfte In träger Unzufriedenheit, Besorge deines Stands Geschäfte Und nütze deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Dies ist der Weg zu Ruh' und Leben; O Herr, lehr diesen Weg mich gehn! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Nun ruhen alle ꝛc. Ps. 62, 9. 48 9 7* D. alen e chen Mit Gott den Anfang machen Aus treuer Schuld und Pflicht. Wem hast du Dank zu geben, O Mensch, für Heil und Leben? Nur ihm: von dir entspringt es nicht. 2. Der Mensch mit sei⸗ nem Dichten Weiß wenig auszurichten, Was gut zu heißen sei. Was will dein kaltes Sinnen, Du Staub der Zeit, beginnen, Legt er nicht seine Hilfe bei? 3. Drum sei nicht zu verwegen Auf deines Amtes Stegen Und such' nicht eignen Ruhm: Wie kannst du mit Vertrauen Auf deine Kräfte bauen? Sind sie doch kaum dein Eigenthum. 4. Schlag' an die Him⸗ melspforten Mit starken Glaubensworten: Da bitte Beistand aus; Daher wird Segen fließen Und reichlich sich ergießen Auf dich und auf dein ganzes Haus. 5. Wo Gott die Hand . r, lehr n! Gellert, Ule ꝛc. Ast in en Sa⸗ Anfang Schuld ingt es nit sei⸗ wenig gut zu ll dein Staub egt er ht zu Amtes nicht kannst deine ie doch Him⸗ tarken bitte wird ichlich )und 2 Hand XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 413 dir reget, Selbst Grund zur Ehre willen Gern thun, Arbeit leget, Da zieht der was mir dein Wort gebeut. Segen ein: Entzieht er seine Gnaden, So Werk mißrathen, Wie treff⸗ lich auch die Meister sei'n. Andreas Tscherning, 1611—1659. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Ps. 37, 4. 490 Da Vater dei⸗ ner Menschen⸗ kinder, Der du die Liebe selber bist, Und dessen Herz auch gegen Sünder Noch gütig und voll Mitleid ist, Laß mich von ganzem Her⸗ zen dein, Laß mich's von allen Kräften sein! 2. Gieb, daß ich als dein Kind dich liebe, Da du mein Gott und Vater bist, Und so gesinnt zu sein mich übe, Wie dir's gefällt, mir nützlich ist. Was dir gefällt, gefall auch mir; Nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3. Vertilg' in mir durch deine Liebe Den Hang zur Liebe dieser Welt, Und gieb, daß ich Verleugnung übe, Wenn mir was Eitles noch gefällt. Wie sollt' ich je die Creatur Dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Laß mich um deiner Kann ich's nicht, wie ich muß das soll, erfüllen, So sieh' auf meine Willigkeit, Und rechne mir nach deiner Huld Die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden Das thut, was dir, o Gott, mißfällt; Drum laß es mich mit Ernst vermeiden, Gefiel es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheun, Laß, Vater, mich stets wachsam sein. 6. Gieb, daß ich Alles willig leide, Was mir dein weiser Rath bestimmt. Du führst durch Trübsal auch zur Freude, Und wer sie willig übernimmt, Geduldig trägt und weislich nützt, Wird mächtig von dir un⸗ terstützt. 7. In deiner Liebe laß mich sterben, So ist selbst Sterben mein Gewinn; So werd' ich deinen Himmel erben, Wo ich ganz frei vom Uebel bin. Da werd' ich einmal völlig rein, Dich lieben und ganz selig sein. Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. 414 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Herr und Aeltster ꝛc. 1. Cor. 1, 30. ö ines wünsch' 49 1. E ich mir vor allem Andern, Eine Speise früh und spät; Selig läßt's im Thränen⸗ thal sich wandern, Wenn dies Eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blut' gem Schweiß und Todes⸗ grauen Auf sein Antlitz niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er, als ein stilles Lamm, Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hängend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu sei⸗ nem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief:„Es ist voll— bracht!“ 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsterniß gesessen, Trugest du mit mir Geduld; Hattest längst nach deinem Schaf getrach⸗ tet, Eh' es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich er— kauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein! sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesus⸗ namen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir Alles thun und Alles lassen, In dir leben und in dir er⸗ blassen, Das sei bis zur letzten Stund Unser Wan⸗ del, unser Bund! M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Ermuntre dich, mein ꝛce. 1. Petr. 5, 6. 492 Erderung heißt das schöne Wort, Das fromme Seelen schmücket, Die stille Höh, wo immerfort Das Herz zu Jesu blicket. Die Thränen, die wir in dem Lauf Ge⸗ duldig hier bezahlen, Die fassen Gottes Engel auf In ihren goldnen Schalen. 2. Ja, weine nur, be⸗ trübtes Herz! Wein' aus dein stilles Sehnen; Gott, der da sendet Noth und Schmerz, Gab gütig uns auch Thränen. Wir wei nen nur, wir murren nicht, Und aus dem tiefsten Wehe Blickt auf das nasse Aug und spricht:„Dein Wille, Herr, geschehe!“ 3. Was Gott thut, bringt kein ew'ges Leid; 1. ———————— 1 sprich Amen ist mein! uJesus⸗ in mein ir Alles sen, In dir er⸗ bis zur r Wan⸗ seb. 1798. mein ꝛce. ng heißt schöne Seelen Höh, Herz zu hränen, luf Ge⸗ n, Die auf In en. ur, be⸗ n' aus Gott, hund g uns rwei⸗ nicht, Wehe e Aug' Wille, thut, Leid; XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 415 Er spart oft seine Freuden Und führt sein Volk zur Herrlichkeit Durchs dunkle Thal der Leiden. Kein Leiden ist für dich zu schwer, Wenn du an Jesu hängest, Und dir zur Seite stehet er, Wenn du sein Kreuz um⸗ fängest. 4. Schau' hin aus die⸗ sem Jammerthal Auf jene Himmelsauen, Wo du im ew'gen Sonnenstrahl Wirst Himmelsblumen schauen, Wo sich des Pilgers Dornen⸗ kranz Zum Lorbeerkranz verkehret, Wo sich das Leid in Gottes Glanz Zur Herr⸗ lichkeit verkläret. 5. Dort ist das Land, wo Himmelsluft Und Friede niederwehet, Wohin der Geist des Herrn uns ruft, Wenn er das Kreuz erhöhet! Dort ist das Land, wo Gnad' und Licht Im Antlitz Christi prangen. Herr, laß uns vor dein Angesicht Im Frieden hingelangen! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Ich dank' dir schon ꝛc. Hebr. 13, 14. rheb', o Seele, 49 3. E deinen Sinn, Was hängst du an der Erden? Hinauf, hinauf, zum Himmel hin, Denn du mußt himmlisch werden! 2. Was hat die Welt? was beut sie an? Nur Tand und eitle Dinge! Wer einen Himmel hoffen kann, Der schätzet sie geringe. 3. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch Den Wunsch aufs Niedre lenken? Wer Gott zum Freund hat, denket hoch; So müssen Christen denken! 4. Kein Leiden, wenn's auch schwer mich drückt, Schlägt meine Hoffnung nieder; Ich schau' empor, und mich erquickt Der Herr doch endlich wieder. 5. Mein Theil ist nicht in dieser Welt, Ich bin ein Gast auf Erden; Ich soll, wann diese Hülle fällt, Ein Himmelsbürger wer⸗ den. 6. Dort ist das rechte Canaan, Wo Lebensströme fließen; Blick' oft hinauf, der Anblick kann Den Lei⸗ denskelch versüßen. 7. Dort oben ist des Vaters Haus; Er theilt zum Gnadenlohne Den Ueber⸗ windern Kronen aus; Kämpf' auch um Ruh' und Krone. 8. Dort ist's den Engeln süße Pflicht, Gott ihren Dank zu bringen; O Seele, 416 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. sehnest du dich nicht, Mit ihnen Lob zu singen? 9. Dort herrscht dein Heiland, Jesus Christ, Und du, frei von Beschwerden, Sollst ihm, durch den du selig bist, An Klarheit ähn⸗ lich werden. 10. Laß denn, Erlöser, mich schon hier Mein Herz zu dir erheben; Laß mich, entschlaf' ich einst in dir, Dort ewig mit dir leben! Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Herr, wie du willst, so ꝛc. Klagel. Jer. 3, 22—33. 2 Tim. 2, 5. 8 ist gewiß 494. E ein köstlich Ding, Sich in Geduld stets fassen Und Gottes heil gem Rath und Wink Sich willig überlassen, Gleich wie bei hellem Sonnenschein, So auch bei trüber Noth und Pein; Geduld erhält das Leben. 2. Drum auf, mein Herz, verzage nicht, Wenn dich ein Leiden drücket; Flieh' nur getrost zum ew'gen Licht, Das kräftiglich erquicket! Küß' in Geduld des Vaters Ruth', Der dir so viel zu Gute thut; Ge⸗ duld bringt Muth und Kräfte. 3. Nur frisch im Glau⸗ ben fortgekämpft, Bis sich der Sturmwind leget! Im Kreuze wird die Lust ge⸗ dämpft, Die sich im Fleisch noch reget; Dem Geist wird neue Kraft geschenkt, Daß er sich still in Gott ver⸗ senkt; Geduld erhält viel Gnade. 4. Es wird auch Keiner dort gekrönt, Der hier nicht recht gestritten, Der nicht, wenn ihn die Welt ver⸗ höhnt, Die Schmach des Herrn gelitten; Wer aber Christi Joch hier trägt, Dem wird sein Schmuck dort an⸗ gelegt; Geduld erlangt die Krone. 5. Gott hilft dir auch bei aller Noth, Dem kannst du sicher trauen, Er über⸗ giebt dich nicht dem Tod, Du sollst das Leben schauen; Er steht dir bei, er tröstet dich, Beweiset sich recht väterlich; Geduld ist voller Segen. 6. Erwarte nur die rechte Zeit, So wirst du wohl empfinden, Wie er in süßer Freundlichkeit Sich mit dit wird verbinden. Es wird nach ausgestandner Dein Labsal unaufhoörlich sein; Geduld wird nicht zu Schanden. Dr. Jacob Gabriel Wolf, 1684—1754 Pein Siehe Zion, gen 3. folge dich Achte Geld Bild wenr spric 4 2. prüf dir Thu heiß . — Bis sich et! Im zst ge⸗ Fleisch ist wird „ Daß 'tt ver⸗ 1lt viel Keiner ier nicht r nicht, t ver⸗ ich des r aber t, Dem ort an⸗ ngt die ir auch kannst r über⸗ n Tod, schauen; tröstet recht voller ie rechte wohl n süßer nit dir 8 wird Pein fhörlich icht zu 384—1754 — XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 417 Eigene Melodie. Luc. 9, 62. 495. ahre fort,: Zion, fahre fort im Licht! Mache deinen Leuchter helle, Laß die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle! Zion, dringe durch die enge Pfort', Fahre fort! 2. Leide dich, 1 Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, Sei bis in den Tod getreu, Siehe auf die Lebenskrone; Zion, fühlest du der Schlan⸗ gen Stich, Leide dich! 3. Folge nicht, ½ Zion, folge nicht der Welt, Die dich suchet groß zu machen; Achte nichts ihr Gut und Geld! Nimm nicht an das Bild des Drachen; Zion, wenn sie dir viel Lust ver⸗ spricht, Folge nicht! 4. Prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, Der dir ruft zu beiden Seiten; Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten; Zion, meide das, was krumm und schlecht, Prüfe recht! ½ 5. Dringe ein,, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich im Geist und Leben, Sei nicht, wie die Andren, todt, Sei du gleich den grünen Reben! Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein! 6. Brich herfür,:n Zion, brich herfür in Kraft, Weil die Bruderliebe brennet: Zeige, was der in dir schafft, Der als seine Braut dich kennet! Zion, durch die dir gegebne Thür Brich herfür!:, 7. Halte aus,:)1 Zion, halte deine Treu', Laß dich ja nicht laulicht finden. Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse, was dahinten! Zion, in dem letzten Kampf und Strauß Halte aus! Johann Eusebius Schmidt, 1669—1748. Mel. Herr, nicht schicke deine ꝛce. Luc. 9, 23. 496 Fo mir! 2 ruft uns das Leben, Was ihr bittet, will ich geben. Gehet nur den rechten Steg, Folget! ich bin selbst der Weg. Mich müßt ihr zum Führer wäh⸗ len, Sucht ihr Ruh' für eure Seelen; Lernt von mir, im Herzen rein, Sanft und reich an Demuth sein. 2. Ja, Herr Jesu, dei⸗ nen Willen Sollt' ich freu⸗ diglich erfüllen, Denn der Weg zur Seelenruh Und die Wahrheit selbst bist du; Sollte nimmermehr mich 27 418 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. schämen, Deine Last auf mich zu nehmen, Folgen sollt' ich: doch wer schafft Dazu mir, dem Schwachen, Kraft? 3. Herr, du selbst giebst Kraft und Stärke Zur Voll⸗ bringung guter Werke, Drum kann ich dir folgen nach, Bin ich von Natur gleich schwach. Will mich auch die Welt umstricken Und dir, Heiland, mich entrücken: Täuscht mich ihre List doch nicht, Denn du leuchtest mir, mein Licht. 4. Niemals will ich, Herr, dich lassen, Fest im Glauben dich umfassen, Deine Gnade stärket mich In der Treue gegen dich. Gern lass' ich die Weltlust schwinden, Um in dir mein Heil zu finden; Was die Welt giebt, ist Betrug, Wer dich hat, der hat genug. 5. Du bist vor uns hergegangen Ohne Stolz und eitles Prangen, Reich an Freundlichkeit und Huld, Unter Sündern voll Ge— duld; Ja, dich hat dein treues Lieben Gar bis in den Tod getrieben, Als der sünd'gen Welt zu Gut' Floß am Kreuz dein theures Blut. solchen Schranken Freudig laufen sonder Wanken, Daß uns Lieb' und Freundlich⸗ keit Fest verbind' in dieser Zeit; Laß uns selbst in Kreuz und Leiden Nicht von deiner Liebe scheiden, Daß wir, Herr, auf dein Gebot Treu dir folgen in den Tod. 7. Laß, o Herr, es uns gelingen, Unsren Lauf so zu vollbringen, Daß wir froh dem Ziel uns nahn, Um das Kleinod zu empfahn; Hier laß uns dir gläubig trauen, Dort dein Antlitz selig schauen; Jenes gieb uns in der Zeit, Dieses in der Ewigkeit. Johann Rist, 1607—1667. Meel. Freu' dich sehr, o meine ꝛe. Ephes. 5, 15—17. Hiob 28, 28. Sir. I, 10. 497 ⁰² die Weis⸗ heit meiner Seele, Daß ich deines Wor⸗ tes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle Und ihm trau' mit Zuversicht! Denn die Klugheit dieser Welt, Die der Thor für Weisheit hält, Fördert nicht mein Wohlergehen Und wird nie vor Gott bestehen. 2. Weisheit ist es, dar⸗ nach trachten, Recht mit sich 6. Laß auch uns in bekannt zu sein, Sich nicht Freudig N, Daß eundlich⸗ n dieser Abst in icht von I, Daß Gebot in den es uns auf so iß wir nahn, npfahn; gläubig Antlitz 5 gieb eses in 1667. neine ꝛc. Sir. 1, 10. Weis⸗ meiner Wor⸗ in zum d ihm Denn Welt, zeisheit mein rd nie „dar⸗ nit sich nicht XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 419 für vollkommen achten, Allen Eigendünkel scheun, Gern auf seine Fehler sehn, Sie gebeugt vor Gott gestehn, Eifrig stets nach Beßrung streben Und sich deß doch nie erheben. 3. Weisheit ist es, Christum ehren, Ihm, als Heiland, ganz vertraun, So auf seine Stimme hören, So auf seinen Wandel schaun, Daß man falsche Wege flieht Und mit Eifer sich bemüht, Seinem Bilde hier auf Erden Immer ähnlicher zu werden. 4. Weisheit ist es, Alles meiden, Was mit Reu' das Herz beschwert, Und sich hüten vor den Freuden, Die der Sünde Dienst gewährt; Menschenruhm, der bald verbleicht, Lust, die im Ge⸗ nuß schon fleucht, Nicht für seinen Himmel achten, Nein, nach Gottes Nähe trachten. 5. Weisheit ist es, Got⸗ tes Guade Sich zu seinem Ziel ersehn Und auf seiner Wahrheit Pfade Ew'gem Heil entgegen gehn, Gern nach Gottes Willen thun, Froh in seiner Fügung ruhn Und, wenn Leiden uns beschweren, Ihn durch frohe Hoffnung ehren. 6. Weisheit ist es, stets bedenken, Daß wir hier nur Pilger sind, Und sein Herz auf das nur lenken, Was nicht mit der Zeit zerrinnt; Seine Augen un⸗ verwandt Nach dem ew'gen Vaterland Richten und mit Eifer streben, Für die Ewig⸗ keit zu leben. 7. Diese Weisheit ist auf Erden Unsrer Seele bestes Theil; Die von ihr geleitet werden, Deren Weg ist Licht und Heil. Diese Weisheit kommt von dir, Herr, verleihe sie auch mir! Laß sie mich zu allen Zeiten Auf den Weg des Friedens leiten. Johann Anastasius Freylinghausen, 1670—1739. Mel. Es ist das Heil uns ꝛc. Ps. 36, 6. 1. Kön. 3, 9 ff. ott, deine 498. Elte veicht so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit Und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels und Hort, Vernimm mein Flehn, merk' auf mein Wort, Denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um Ueberfluß Und Schätze die⸗ ser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, Nach 27* 420 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. deiner Gnade werden. 25 mir nur Weisheit und Ver⸗ stand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigenthum Laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Ange sicht Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit, Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden. M. Christian Fi ürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛe Pf. 110, 33—35. 499. Gea ist mein Licht! Ver⸗ zage nicht, mein Herz, In dunkler, banger Zeit! Die Sonne sinkt, Die Nacht bringt Furcht und Schmerz. Mein Licht strahlt allezeit. Es schimmert an dem Tag der Freuden, Es leuchtet in der Nacht der Leiden: Gott ist mein Licht. 2. Gott ist mein Heil! O Seele, fürchte Nichts Dein Helfer ist getreu. Er läßt dicht nicht, Sein Va⸗ terwort versprichts, Er steht dir mächtig bei. Er will mich bis ins Alter tragen, Kein wahres Gut mir je versagen: Gott ist mein Heil! 3. Sein ist die Kraft! Er spricht, und es geschieht, Gebeut, und es steht da: Und wenn mein Blick Noch keine Hoffnung sieht, Ist schon die Rettung nah'. Wo schwache Menschen Nichts vermögen, Da kommt Gott stärkend uns entgegen: Sein ist die Kraft! 4. Sein ist das Reich! Er herrscht im Weltgebiet Mit Weisheit, Huld und Macht: Die Sterne gehn, Der Strom der Zeiten flieht, Von seinem Blick bewacht; Und Alles lenket er im Stillen Zum Ziel nach sei⸗ nem heil'gen Willen: Sein ist das Reich! 5. Gott ist mein Schild! Mein Schirm in der Gefahr, Die er nur wenden kann. Er deckt mein Haupt, Und ohn' ihn fällt kein Haar, Er nimmt sich Aller an. ir je mein traft! hieht, da: Noch Ist nah'. Lichts Gott Sein teich! zebiet und gehn, lieht, dacht; Im sei⸗ Sein child! fahr, kann. Und 3aar, an. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 421 Ob Tausende, die mit mir wallen, Zur Rechten oder Linken fallen: Gott ist mein Schild! 6. Gott ist mein Lohn! Drum geh' ich unverzagt Die Bahn, die er mir zeigt. Der Gang ist schwer, Er wird mit Gott gewagt, Der dort die Palme reicht. Froh will ich wachen, kämpfen, ringen, Durch Gnade stark, den Feind be⸗ zwingen: Gott ist mein Lohn! 7. Gott ist mein Preis! Er sei mein Lobgesang, Er, bin! Der Und seines deß ich ewig Herr ist groß, Ruhmes Klang Tönt durch das Weltall hin. Ich stimme mit den Erdgebor⸗ nen Ins hohe Lied der Auserkornen: Gott ist mein Preis! Karl Hengstenberg. Mel. Wenn wir in höchsten ꝛc. Ps. 55, 23. 1. Sam. 14, 6. 500. G de Wundermann, Der Viel aus Wenig machen kann; Wer Gott vertraut, dem mangelt's nicht, Denn Gott weiß wohl, was dir ge⸗ bricht. 2. Wenn dir wird alle Hilf' versagt, Wenn Angst und Noth dich drückt und plagt, So schrei zu ihm, er läßt dich nicht, Weil sein Wort Hilf' und Trost ver⸗ spricht. 3. Wenn er will helfen, muß geschwind Dir dienen Wasser, Luft und Wind; Ein Bröcklein Brot aus Gottes Hand Thut mehr, als dein Witz und Ver⸗ stand. 4. Drum, wenn dein Thun will nirgends fort, V. So halt' dich fest an Gottes Wort; Trau' nur auf ihn, er sorgt für dich Hier zeit⸗ lich und dort ewiglich. Dr. Jehann Olearius, 1611—1684. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Pf. 37, 4. 501. H en Herrn, Der dir schenket Lust und Leben, So wird dir dein Gnadenstern Tausend holde Strahlen geben; Denn er beut dir treulich an, Was dein Herz nur wünschen kann. 2. Laß der Welt die eitle Lust, Die in Weinen sich verkehret; Wer das Herz in seiner Brust Gott allein zur Lust gewähret, Dieser trifft in Allem an, 422 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Was das Herz nur wünschen kann. 3. Lust an Gott steigt über sich, Wenn man Gott im Worte kennet; Lust an Gott ist innerlich, Wenn man in der Liebe brennet: Solche Lust geht eine Bahn, Die das Herz nur wünschen kann. 4. Wer die Lust am Herren hat, Hat auch Lust an seinem Willen Und be⸗ müht sich früh und spat, Solchen Willen zu erfüllen; Denn so wird ihm auch ge— than, Was das Herz nur wünschen kann. 5. Ist die Lust nicht ohne Last, Trag' geduldig die Beschwerden: Wenn du wohl gelitten hast, Wirst du erst recht lustig werden Und triffst dort im Himmel an, Was dein Herz nur wünschen kann. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. ZJac. 1, 17. 0 err, Alles, 50 2. 5 was ich habe, Ist einzig deine Gabe, Die giebst du, weil du liebst. Den Geist, den Leib, das Leben Erhältst du, der's gegeben. Wie viel ist's, was dem Geist du giebst! 2. Herr, daß ich Glau⸗ ben habe, Ist einzig deine Gabe, Den Glauben, der mich lehrt, Den Glauben, der mich fröhlich Und hei— lig macht und selig, Der meinen Blick zum Himmel kehrt. 3. Herr, daß ich Liebe habe, Ist einzig deine Gabe, Aus deiner Lieb' entstammt; Mit dir, mein Gott, ver⸗ bündet, Von deiner Lieb' entzündet, Wird immer neu mein Herz entflammt. 4. Herr, daß ich Hoff—⸗ nung habe, Ist einzig deine Gabe, Dich soll ich schaun, dir gleich! Zwar ist's noch nicht erschienen, Doch will ich treu dir dienen, Mach' mich hier rein im Gnaden⸗ reich! 5. Herr, daß ich Frie⸗ den habe, Ist einzig deine Gabe, Du hast mich dir versöhnt; Du hast mein sündlich Leben Und alle Schuld vergeben, Mich mit Barmherzigkeit gekrönt. 6. Herr, daß ich Frei⸗ heit habe, Ist einzig deine Gabe, Du gabst den heil' gen Geist; Du hilfst dem Glauben kämpfen, Der Sünde Lust zu dämpfen, Bis sich mein Herz ihr ganz entreißt. Glau⸗ deine u, der auben, 1d hei⸗ „Der bimmel Liebe Gabe, ammt; „ver⸗ Lieb' er neu Hoff⸗ deine chaun, noch h will Mach' aden⸗ Frie⸗ deine h dir mein alle h mit Frei⸗ deine heil⸗ dem Der pfen, ihr XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 423 7. Herr, daß ich Freude habe, Ist einzig deine Gabe, Du hast mich oft erquickt. Wie bin in dir ich fröhlich, Wie werd' ich einst so selig, Wenn dich verklärt mein Aug' erblickt! Karl August Döring, 1783—1844. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. Foh. 13, 1—15.; 17, 19—26. 503 err, der du * einst gekom⸗ men bist, In Knechtsgestalt zu gehn, Deß Weise nie gewesen ist, Sich selber zu erhöhn: 2. Komm, führe unsre stolze Art In deine Demuth ein! Nur wo sich Demuth offenbart, Kann Gottes Gnade sein. 3. Der du noch in der letzten Nacht, Eh' du für uns erblaßt, Den Deinen von der Liebe Macht So treu gezeuget hast: 4. Erinnre deine kleine Schaar, Die sich so oft entzweit, Daß deine letzte Sorge war Der Glieder Einigkeit. 5. Du opfertest die Jün⸗ ger noch Dem Vater im Gebet; O würden unsre Herzen doch Oft im Gebet erhöht! 6. Der du um unsre Seligkeit Mit blut'gem Schweiße rangst Und thrä⸗ nenvoll in bangem Streit Des Todes Macht bezwangst: 7. Bezwing' doch unsren stolzen Sinn, Der Nichts von Demuth weiß, Und führ' ihn in die Liebe hin Zu deiner Liebe Preis. 8. Gekreuzigter, den seine Liebꝰ‘ In Noth und Tod geführt, Ach, würd' auch unsrer Liebe Trieb Treu bis zum Tod verspürt! 9. Drum leit' auf deiner Leidensbahn Uns selber an der Hand, Weil dort nur mit regieren kann, Wer hier mit überwand. Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700—1760. Mel. Nun danket Alle Gott ꝛc. Ps. 90, 2. 3. 504 9˙ ew'ger +4. Gott, wie du, Ist ewig deine Gnade, Die unermüdet wacht Ob deiner Frommen Pfade. Wie in der Mutter Arm Das Kind vertrauend ruht, So sind wir, treuer Gott, In deiner sichren Hut. 2. Du, Herr, bist unser Schirm; Wenn Angst uns will erschrecken, Dann eilt dein starker Arm, Uns gnä⸗ dig zu bedecken. Zu rechter 424 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Sache Schutz Führst selber du den Krieg, Zerstreust der Feinde Schaar Und krönst dein Werk mit Sieg. 3. Du bist die feste Burg, Der Hort, dem wir ver⸗ trauen, Der— 0— Felsen⸗ grund, Auf den wir sicher bauen; Sei unsre Zuversicht Und Zuflucht für und für! Ob Erd' und Himmel weicht, Doch halten wir an dir. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Herr der ein'ge ꝛc. Joh. 1, 9. 12. Jes. 38, 17. 5 05. He Guaten —8— Wahrhaftes Lebens⸗ licht, Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Ange⸗ sicht Nach deiner Gnad' er⸗ freuen, Und meinen Geist erneuen; Mein Gott, ver⸗ sag' mir's nicht. 2. Vergieb mir meine Sünden, Und wirf sie hin⸗ ter dich, Laß allen Zorn verschwinden, Und hilf mir gnädiglich, Daß deine Frie⸗ densgaben Mein armes Herze laben; Ach Herr, er⸗ höre mich! 3. Vertreib' aus meiner Seelen Den alten Adams⸗ sinn, Und laß mich dich er⸗ wählen, Auf daß ich mich forthin Zu deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkennt⸗ niß In mir, mein Seelen⸗ hort, Und öffne mein Ver⸗ ständniß Durch dein heili⸗ ges Wort; Damit ich an dich gläube Und in der Wahr heit bleibe, Du Trutz der Höllenpfort'. 5. Du wollst mit Kraft mich rüsten, Zu kreuz'gen die Begier Sammt allen bösen Lüsten, Auf daß ich für und für Der Sünden⸗ welt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen 936 dir. 6. Ach 4.* deine Liebe In meiner Seele an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann Und dit zum Wohlgefallen Bestän⸗ dig möge wallen Auf rech⸗ ter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih' mir Kraft und Muth! Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft und cthut: Hingegen all mein Siuneh Mein Lassen und Beginnen Ist böse, und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu', Wend' allen Seelen⸗ schaden, und mach' mich n lich neu! Gieb, daß ich dei⸗ — Ehren t bin. Erkennt Seelen⸗ in Ver⸗ n heili ich an in der u Trutz it Kraft reuz'gen t allen daß ich ünden⸗ ch dem ingegen e Liebt r„ Daß be Dich Ind dir Bestän⸗ uf rech⸗ verleih h' mir Denn fe, Die d thut; Zinnen, ginnen ut. ott der aller Seelen⸗ ich täg⸗ ch dei⸗ XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 425 nen Willen Stets suche zu erfüllen, Und steh' mir kräf⸗ tig bei! Ludwig Andreas Gotter, 1661—1735. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Ps. 77,‚ 11. 50 6. Hen err, mache meine Seele stille Bei Han Kummer, der mich——— Ist's doch, o treuer Gott, dein Wille, Der mich zu sen er Zeit er⸗ quickt. Ja, dieser Trost ist mir bekannt:„Es ändert Alles Gottes Hand.“ 2. Du kannst es thun, drum will ich hoffen, Du willst es thun, so trau' ich drauf! Dein Vaterherz stedt mir auch offen, Und du nimmst meine Seufzer auf. Dein Wort ist mir ein sich⸗ res Pfand, Da stärkt mich deine Gnadenhand! 3. Es darf nicht jeder Wunsch gelingen, Den unsre Thorheit sich erdacht, Und wer es mit Gewalt will zwingen, Sein Uebel oft noch ärger macht. G'nug, was mir fehlt, ist Gott be⸗ kannt, Der hilft durch seine starke Hand! 4. Die rechte Stunde wird schon kommen, Die mich von meiner Noth befreit, Denn du, o Gott, führst deine Frommen Doch endlich zur Zufriedenheit; Dann wird im hellen Licht erkannt, Wie wohl uns führte Gottes Hand! 5. Einst ernt' ich an dem Lebensmorgen Den Segen meiner Hoffnung ein; Dann wird von allen meinen Sor⸗ gen Kein Stäublein ferner übrig sein. Hier ist der Prüfung Pilgerland, Dort krönt, o Herr, mich deine Hand! 6. Geduld, Geduld! sprech' ich indessen; Geduld, wenn sich'ss noch will verziehn! Es ist schon Alles abgemes— sen, Bis Gottes Liebe mir wird blühn. Dabei ver⸗ harr' ich unverwandt:„Bald ändert's Gottes rechte Hand!“ M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Nun he alle Wälder ꝛc. 26. 507. err, schaue auf uns nieder, Dir tönen unsre Lieder, Des Herzens Lust bist du. Ach, dich zum Freunde haben, Ist mehr, denn alle Gaben, Ist ew'⸗ ges Leben, sel'ge Ruh'. 2. Du stillest das Ver⸗ langen, Und wenn wir an dir hangen, So fehlt dem Leben Nichts. In deiner Gottesklarheit Sehn wir die 426 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ew'ge Wahrheit, Du leuch⸗ . in uns, Quell des Lichts. „Von deinem Arm ge⸗ halten, Kann keine der Ge⸗ walten Der Welt uns dir entziehn. Wir ruhn an deinem Herzen, Sind dein in Freud' und Schmerzen; O, möchten zu dir Alle fliehn! 4. Sind wir aus dir ge⸗ boren, In dich, o Herr, ver⸗ loren, So bist du unser Ich. Aus dir quillt unser Leben, Du nährest, wie die Reben Der Weinstock, uns allein durch dich. 5. In uns ist heil'ge Stille, Dein Will' ist unser Wille Dein Wort ist unsre Kraft. Wir sind uns selbst gestorben, Du hast uns dir erworben Und neues Leben uns verschafft. 6. O, schweiget, alle Triebe, Nur Eines leb', die Liebe, Die Lieb', o Herr, zu dir! Dann mag die Hölle stürmen, Ringsum Gefahr sich thürmen: Dir leben und dir sterben wir! Dr. Johannes Geibel, geb. 1776. Eigene Melodie. Luc. 22, 32. 508. Hea lieb hab' ich dich, o Herr, Verleihe du mir immer mehr Die Fülle dei⸗ ner Gaben. Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd' und Himmel frag' ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben. Auch wenn mein Herz im Tode bricht, Bist du doch meine Zuver⸗ sicht, Du, meines Herzens höchstes Gut, Der mich er— löst hat durch sein Blut. Herr Jesu Christ, Mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, Verlaß, verlaß mich nimmermehr! 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab', Leib, Seel' und Alles, was ich hab' In die⸗ sem armen Leben; Daß ich es brauch' zum Lobe dein, Zum Nutz' und Frommen der Gemein', Wollst du mir Gnade geben. Behüt' mich, Herr, vor falscher Lehr', In mir den rechten Glauben mehr', In allem Kreuze stärke mich, Daß ich es trage williglich. Herr Jesu Christ, Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Hilf mir auch in der letzten Noth! 3. Laß deinen Engel bei mir sein, Der mich nach überstandner Pein Zur Ruh' des Himmels trage. Den Leib laß sanft im Grabe ruhn, Bis du erscheinst, es aufzuthun An jenem großen Tage; Alsdann erweck vom den in aus di freier 2. bestes mein? ich de Nur n Ach, denjoc abgen mal Himn 3. der Sach tern Nicht ganze nicht el frag ur dich wenn bricht, Zuver⸗ erzens ich er⸗ Blut. Mein n Gott verlaß deschenk el' und in die⸗ aß ich dein, ommen du mir mich, r„ In lauben Kreuze trage Christ, Herr uch in el bei nach Ruh' Den Grabe t, es roßen vom XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 427 Tode mich, Daß meine Augen schauen dich, In sebger Ruh', o Gottes Sohn, Mein Mittler und mein Gnadenthron. Herr Jgesu Christ, Herr Jesu Christ, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich. Nach Martin Schalling, 1532—1608. Was mein Gott will ꝛe. Joh. 10, 11. 509 ier ist mein * 5 Herz, Herr, nimm es hin! Dir hab' ich mich ergeben. Welt, immer fort aus meinem Sinn Mit deinem schnöden Leben! Dein Thun und Tand hat nicht Bestand, Deß bin ich wor— den innen; Drum schwingt aus dir sich mit Begier Mein freier Geist von hinnen. 2. Gott ist mein aller⸗— bestes Gut, Nach ihm steht mein Verlangen. Ach, könnt' ich doch mit frohem Muth Nur meinem Gott anhangen! Ach, daß mir doch das Sün⸗ denjoch Bald ganz würd' abgenommen, Daß ich ein⸗ Mel. mal in seinen Saal Des Himmels möchte kommen! 3. Ich sehe doch, daß in der Welt Und allen ihren Sachen, Was sie von Gü⸗ tern in sich hält, So gar Nichts ist zu machen: Ihr Gut verschwind't wie Staub und Wind, Ihr' Lust, die muß zerstieben; Nur Gott, mein Schatz, behält den Platz Und bleibet unver⸗ trieben. 4. Was hab' ich denn zuvor gethan, Daß ich den Erdenlüsten Hab' allzusehr gehangen an, Die ich nur einer Wüsten Vergleiche nun, weil all ihr Thun, Wie gut es uns mag dünken, Macht Seelennoth und nach dem Tod In ew'ge Pein versinken? 5. Was mag doch wohl die Ursach' sein, Daß ich mich so bethöret? Die Sünd', die mich genommen ein, Hat meinen Sinn verkehret, Daß ich allhier mich, Gott, von dir Hab' öfters lassen tren⸗ nen: Dies lasse mich, ich bitte dich, Mit steter Reu' erkennen. 6. Gieb, daß ich meinen Sinn zu dir Hinauf gen Himmel schwinge Mit Lieb' und herzlicher Begier Und mich in keinem Dinge Er⸗ freue hier, als nur in dir, Gott, meiner Seele Leben! Du allermeist kannst meinem Geist Die beste Sätt'gung geben. 7. Drum immer hin, was flüchtig ift, Ich will es 428 XVII. Christlicher Sinn und Wandel⸗ lassen fahren; du mein Alles bist, Du wirst mein Herz bewahren, Daß, was der Welt sonst wohlgefällt, Ich hasse, und verlange Mit Herz und Muth das höchste Gut Und ewig ihm anhange. M. Sebastian Franck, 1606—1668. Was mein Gott will ꝛc. Dan. 9, 18. 510 H*¹ mir, mein 2* 0 Gott, ver⸗ leihe mir, Daß ich nur dich begehre, Mein ganzes Glück nur such' in dir Und dich allein verehre; Daß ich in Noth Dich meinen Und Vater gläubig nenne; Daß weder Leid, Noch Glück und Freud' Mich jemals von dir trenne. 2. Erfülle mich mit wahrer Reu', Wenn ich dich, Gott, betrübe; Gieb, daß ich alles Böse scheu' Und stets das Gute liebe! Laß mich doch nicht, Herr, meine Pflicht Mit Vorsatz je verletzen; Der Seele Heil, Mein ew'⸗ ges Theil, Laß mich recht theuer schätzen. 3. Mein Gott, ich bitte dich, verleih' Mir einen festen Glauben, Der stand⸗ haft, treu und thätig sei, Und laß mir den Nichts Mel. 2 u Gott, der Gott ———— rauben. Gieb, daß ich mithund Allzeit auf dich Und au sorgfält dein Wort verlasse Und iich mi der Noth, Ja selbst ins Am M Tod, Dein Heil getrost un] Laß sasse heilig 4. Hilf mir, der ich en lieblos löset bin, Daß ich den Hs und S land liebe, Und bilde mih keit, nach seinem Sinn, Dami muth ich stets mich übe, Auf ii] 8. 4 zu sehn, Ihm nachzugehn] haltsar Mich seiner nicht zu schäme rein E Und allezeit Mit Freudiß dieser keit Sein Kreuz auf mih höser zu nehmen. Lügen 5. Nie müsse Stolz un heit F Eitelkeit Mein schwachs nhtig Herz regieren, Nie Haß und Zorn und Bitterkeit Zu Rntimnen Rache mich verführen! Dein 9. Wort gebeut Versöhnlichkih“ den Verdammt der Rachsuch aller Triebe; Gieb, daß den ich de Feind, So wie den Freund Zu Mein Herz aufrichtig liehe Laßen 6. Nach vielem Reich Preis thum, Gut und Geld, Herr, geling laß mich ja nicht trachten. Das, Laß mich die Ehren diess für( Welt Nach ihrem Wertht 10 achten Und nie nah guter Pracht, Nach Hoheit, Math Herz Und Ruhm zu ängstlih es d streben; Laß mich vielnch dein Nach deiner Lehr' In wahret wird Demuth leben. und 7. Die Falschheit, A falle selbst in getrost un der ich ez 9den He⸗ bilde mith n, Dams Auf ihn achzugch zu schämez Zreudip auf mih Stolz und schwachez eHaß ud rkeit Zur ren! Dein öhnlichkei, Rachsuch daß den n Freund tig liebe m Reich eld, Herr, trachten ren dieser Werthe ie nach it, Macht ängstlih vielmehr n wahrer eit, M XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 429 und Heuchelei Hilf mir sorgfältig fliehen. Nie müss ich mich durch Gleißnerei Um Menschengunst bemühen. Laß Ja und Nein Mir heilig sein, Laß mich nicht lieblos richten, Und Zank und Streit Mit Freundlich⸗ keit, Mit Lieb' und Sanft⸗ muth schlichten. 8. Herr, lehre mich Ent⸗ haltsamkeit, Gieb mir ein rein Gemüthe, Daß ich in dieser Prüfungszeit Vor böser Lust mich hüte. Der Lügen Feind, Der Wahr⸗ heit Freund, Laß mich auf⸗ richtig wandeln Und jeder⸗ zit Nach Billigkeit Mit meinem Nächsten handeln. 9. Gieb, daß ich stets den Müßiggang Sammt aller Trägheit fliehe, Daß ich der Welt mein Lebelang Zu nützen mich bemühe. Laß meinen Fleiß Zu deinem Preis, O Gott, mir wohl gelingen, Und, segnest du Das, was ich thu', Dir da— für Ehre bringen. 10. Ach, gieb mir deinen guten Geist, Der selbst mein Herz regiere Und mich, wie es dein Sohn verheißt, Auf deinen Wegen führe. So wird mein Herz In Freud' und Schmerz Dir zu ge⸗ fallen streben, Und du wirst mir, Gott, einst bei dir Den Lohn der Treue geben. Göttinger Gesangbuch, 1779. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Ephes. 2, 6. 51 1 immelan geht * unsre Bahn, Wir sind Gäste nur auf Erden, Bis wir dort in Canaan Durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrims⸗Stand, Dro⸗ ben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing' dich, mein Geist, Denn du bist ein himmlisch Wesen Und kannst das, was irdisch heißt, Nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleuchtter Sinn Kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! Die Welt kann dir Nur geborgte Güter geben. Deine himm⸗ lische Begier Muß nach sol⸗ chen Schätzen streben, Die uns bleiben, wenn die Welt In ihr erstes Nichts zer⸗ fällt. 4. Himmelan! Ich muß mein Herz Auch bei mei⸗ nem Schatze haben; Denn es kann mich anderwärts Kein so großer Reichthum laben, Weil ich schon im Himmel bin, Wenn ich nur gedenk' an ihn. 430 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. Himmelan! ruft er mir zu, Wenn ich ihn im Worte höre; Das weist mir den Ort der Ruh', Wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort verwahrt, Halt' ich eine Himmelfahrt. 6. Himmelan denk' ich allzeit, Wenn er mir die Tafel decket Und mein Geist hier allbereit Eine Kraft des Himmels schmecket. Nach der Kost im Jammerthal Folgt des Lammes Hochzeit⸗ mahl. 7. Himmelan!Mein Glaube zeigt Mir das schöne Loos von ferne, Daß mein Herz schon aufwärts steigt Ueber Sonne, Mond und Sterne; Denn ihr Licht ist viel zu klein Gegen jenen Glanz und Schein. 8. Himmelan wird mich der Tod In die rechte Hei⸗ math führen, Da ich über alle Noth Ewig werde triumphiren. Jesus geht mir selbst voran, Daß ich freudig folgen kann. 9. Himmelan, ja, himmel⸗ an! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eit⸗ len Wahn Durch die Him⸗ melslust vertreiben. Him⸗ melan steht nur mein Sinn, Bis ich in dem Himmel bin. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. O Gott, du frommer 1. Petr. 5, 5. 6. 1 2 Zinab gehh 512. Hcham s Und du und dein Beginnen Willst aus vermeßnem Stol Bis an des Himmels Zin⸗ nen? Steigst ungenügsan auf? Dein Heiland stien herab! Wer mit ihm auf— wärts will, Muß erst mi ihm hinab. 2. Darum, mein Sinmn, hinab, Verlerne nur den Steigen! Was leicht iss hebt sich schnell, Was scher ist, muß sich beugen. Di Quelle, die sich senkt, Ver mehret ihre Hab' Und wiid zuletzt zum Strom; Darun, mein Sinn, hinab! 3. Hinab, mein Aug, hinab! Gott selber schaut hernieder Vom Thron aufs Niedrige, Der Stolz ist ihn zuwider. Je höher hier ein Aug', Je näher ists dem Grab', Und sinkt in Todesnacht; Darum, mein Aug', hinab! 4. Hinab, ihr Händ, hinab! Hier stehen arme Brüder; Neigt euch zur Niedrigkeit Und labet Chrisi Glieder! Greift nicht in hohe Luft Nach Ruhm und stol zer Hab'! Christ that den del. ———— frommer v. 6. ab geht hristi Wen. Beginnen mnem Stoh mels Zin⸗ ngenügsan land stiez ihm auß 6 erst mit ein Sinn nur dein leicht ist das schwa gen. Di enkt, Ver⸗ Und wird Darun, in Aug, er schaut vron aufs Iz ist ihn zher hier äher ists sinkt in m, mein Händ!, en arme euch zur et Christ t in hohe und stol that den XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 431 Aermsten wohl; Darum, ihr Händ', hinab! 5. Hinab, mein Herz, hinab! So wird Gott in dir wohnen. Die Demuth lohnet er Mit goldnen Him⸗ melskronen, Im Demuths⸗ thale liegt Des heil'gen Geistes Gab'! O wohl dem, der sie sucht! Darum, mein Herz, hinab! 6. Hinab, auch du mein Leib! Du bist gemacht aus Erden, Durch Demuth sollst auch du Im Geist verkläret werden. O Gott, bereite mich Zum Himmel und zum Grab! Ich sehne mich hin⸗— auf, Ich sehne mich hinab! Andreas Ingolstetter, 1633—1711. Mel. Gott, von dir hab' ich ꝛc. Matth. 5, 3—16. ört das Wort 513. 5 voll Ernst und Liebe, Das zu euch der Heiland spricht, Hört's und prüft des Herzens Triebe Bei des Wortes hellem Licht! Was der Mund des Herrn gebeut, Das ist eure Se⸗ ligkeit. 2. Nicht aus Sinai's Gewittern Donnert hier des Herrn Gebot, Daß die Her⸗ zen bang' erzittern, Weil es Zorn und Strafe droht. Selig preisend thut sein Mund Euch den Sinn des Vaters kund. 3. Selig sind die geist⸗ lich Armen, Denn das Him⸗ melreich ist ihr! Ihnen öff⸗ net voll Erbarmen Gott der ew'gen Gnade Thür. Da wird ohne Maß gewährt, Was ihr sehnend Herz be— gehrt. 4. Selig sind, die Leid empfinden Auf des Lebens schmaler Bahn. Ihre Trau⸗ rigkeit wird schwinden, Rei— cher Trost wird sie umfahn; Denn sie wirkt zur Selig⸗ keit, Reue, welche nie ge⸗ reut. 5. Selig sind, die sanf⸗ ten Muthes Und in De⸗ muth milde sind; Sie er⸗ freuen sich des Gutes, Das kein Trotz und Streit ge⸗ winnt. Durch der Sanft⸗ muth stille Macht Wird das Schwerste leicht vollbracht. 6. Selig sind, die hier mit Schmachten Dürsten nach Gerechtigkeit, Die nach Got⸗ tes Reiche trachten, Nicht nach Gütern dieser Zeit. Wo der Born des Lebens quillt, Wird ihr Seelendurst gestillt. 7. Selig sind, die voll Erbarmen Auf der Brüder Leiden sehn Und den Schwa⸗ chen, Kranken, Armen Freu⸗ :::::e:e:e:'ee.... 432 XVII. Ghristlicher Sinn und Wandel. dig eilen beizustehn. Noch vor Gottes Thron erfreut Einst auch sie Barmherzig⸗ keit. Selig sind die reinen Herzen, Die nicht Sünd' und Welt umstrickt, Die mit schnöder Lust nicht scher⸗ zen, Weil nur Heil'ges sie entzückt. Einst im reinen Himmelslicht Schaun sie Gottes Angesicht. 9. Selig sind, die Frieden bringen, Schuld und Krän⸗ kung übersehn, Feindes Haß mit Huld bezwingen, Für Verfolger segnend flehn. Trifft sie auch der Menschen Spott, Seine Kinder nennt sie Gott. 10. Selig sind, die als Gerechte Dulden Kreuz, Ver⸗ folgung, Schmach, Als des Herrn getreue Knechte Bis zum Tod ihm folgen nach. Groß ist dort, vor Gottes Thron, Seiner Ueber⸗ winder Lohn. 11. Seid ein Salz, ein Licht der Erde, Laßt der Wahrheit Früchte sehn, Daß durch euch verherrlicht werde Euer Vater in den Höhn. Ob der Erdball untergeht: Sein Gebot, sein Wort be⸗ steht. Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛ. Joh. 1, 12. 514 J bin gewiß, — daß weder Tod noch Leben, Nicht En⸗ gel, die des Höchsten Thron umgeben, Nicht Arglist noch Gewalt, nicht Freud' und Leiden Von Gott mich schei⸗ den. 2. Der Ew'ge, der hoch über Sonnen thronet, Hat, uns zum Heil, auch nicht des Sohns verschonet, Er hat aus Huld, damit wir konnten leben, Ihn hin gegeben. 3. Wie sollt' er uns mit ihm nicht Alles schenken, Wenn wir in seine Gnad' uns nur versenken! Ja, Alles schenkt aus ewigem Erbarmen Der Herr uns Armen! 4. So knieet denn, ihr theu'r erlösten Brüder, Voll heißen Danks vor seinem Throne nieder, Bereit und freudig, ihm das ganze Le⸗ ben Zum Dienst zu geben. 5. Wir preisen dich, Gott, der uns Verlornen Herabgesandt hat seinen Eingebornen, Und bringen dankbar dir aus Triebe Ein Herz voll Liebel Dr. Balthasar Münter, 1725—1798. reinem „ was ꝛe. ngewiß, qweder icht En⸗ Thron ist noch id' und ch schei der hoch et, Hat, ch nicht net, Er mit wir yn hin⸗ uns mit schenken, Gnadꝰ 1Ja, ewigem rr uns un, ihr r, Voll seinem eit und inze Le⸗ geben. dich, o erlornen seinen bringen reinem U Liebel 25—1798. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 433 Christus, der uns selig ꝛc. Ps. 7, 11. 515. Jrcnt mein, Wer kann uns wohl scheiden? Dringet auch das Kreuz herein Und das bittre Leiden; Laß es dringen, kommt es doch Von gelieb— ten Händen, Und eh' ich's geahnet noch, Wird Gott Alles wenden. 2. Gottes Kinder säen zwar Traurig und in Thrä⸗ nen, Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen; Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben binden, Da wird all ihr Kreuz und Leid Ziel und Ende finden. Neues Berliner Gefangbuch, 1829. Mel. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Ps. 34, 10. 516 3* fang' alle * meine Sa⸗ chen Mit der Hilfe Gottes an, Gottes Hilfe wird es machen Besser, als ich's wünschen kann: Gottes Hilfe hat's gemacht, Daß ich bin zur Welt gebracht Glücklich, mit gesundem Leibe, Und dabei, Gott Lob! noch bleibe. 2. Will ich jetzt zurücke sehen Auf die schon ver⸗ wichne Zeit, Muß ich also⸗ bald gestehen, Gottes Hilfe war bereit, Mich zu führen wunderbar Und zu schützen vor Gefahr, Mir zu mei⸗ nem Thun und Leben Se⸗ gen, Glück und Heil zu geben. 3. Alles, was ich bin und habe, Kommt von Gottes Hilfe her; Alles ist des Höchsten Gabe, Nichts ge— schiehet ohngefähr; Alles rührt von Gott allein, Der soll stets mein Helfer sein, Weil sonst Alles bald ver⸗ schwindet, Was man hier auf Erden findet. 4. Unter Gottes Hilf und Schirme Steh' ich auf und lege mich, Durch sein' Hilfe ziehn die Stürme Alles Unglücks hinter sich; Und obgleich mein Kreuz mich drückt, Kann ich doch, was Gott mir schickt, Auch mit seiner Hilfe tragen, Denn die lindert alle Plagen. 5. Gottes Hilfe mich ver— setzet Auf den rechten Ehren⸗ steg, Gottes Hilfe mich er⸗ götzet, Treibt der Feinde Toben weg, Läßt sich mir zur Seiten sehn, Daß ich kann vor ihnen stehn; Gottes Hilfe sie bezwinget, Daß ihr Vorsatz nicht gelinget. 6. Hilfe wird Gott fer⸗ ner schicken, Meinen Fein⸗ 28 alle Welt ernährt, 434 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. den zum Verdruß, Hilfe wird mein Herz erquicken, Wenn ich einst abscheiden muß, Hilfe wird der fromme Gott Senden mitten in den Tod; Hilfe werd' ich erst recht sehen, Wenn vor Gott ich werde stehen. Johann Thomä. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛe. Joh. 10, 14. 2 IIch habe g'nug! 517. Mein Herr ist Jesus Christ, Ich weiß von keinem mehr; Wer nur sein Knecht Und treuer Diener ist, Der darf nicht sorgen sehr. Ich will ganz meinem Gott anhangen Und nicht mehr nach der Welt verlangen, So hab' ich g'nug. 2. Ich habe g'nug! Ich bin der Sorgen los Und kränke nicht das Herz; Ich bin vergnügt Und sitz' in Gottes Schooß, Der lindert allen Schmerz. Ich sorge nicht mehr für mein Leben, Der Höchste kann mir Alles geben: Ich habe g'nug. 3. Ich habe g'nug! Gott, der die Vögel speist Und Gott, der das Gras Und Blumen wachsen heißt Und ihnen Schmuck beschert, Der wird auch meinen Leib ernähren, Nahrung und Kleider mir bescheren: Ich habe g'nug. 4. Ich habe g'nug! Be⸗ sitz' ich schon nicht Geld, Es gilt mir Alles gleich. Ih habe Gott, Und bin schon auf der Welt In allen Stücken reich; Denn Jesus ist mein Schatz und Krone, Der mir den Himmel giebt zum Lohne: Ich habe g'nug. 5. Ich habe g'nug! Und sorge für den Geist, Das Andre fällt mir zu; Nur Got⸗ tes Reich, Das Jesus suchen heißt, Dies giebt mir wahre Ruh'. Ich trachte nur des Vaters Willen In Kraft des Geistes zu erfüllen, Drum hab' ich g'nug. 6. Ich habe g'nug! Ich lieg'‘ an Jesu Brust Und Gottes Vaterherz, Was will ich mehr? Das giebet mir nur Lust, Durchsüßet mei⸗ nen Schmerz. Den Himmel hab' ich schon auf Erden; Was will in jener Welt noch werden! Ich habe g'nug. Altes Görlitzer Gesangbuch, 1753. Mel. Was mein Gott will ꝛc. hab' in Luc. 1, 38. 5 1 8. Gottes Herz Ich und Sinn Mein Herz und rnähren, der mir suchen r wahre nur des Kraft , Drum g1 Ich sst Und zas will bet mir et mei⸗ Himmel Erden; r Welt )habe XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 435 Sinn ergeben. Was böse scheint, ist mir Gewinn, Der Tod selbst ist mein Leben. Ich bin ein Sohn deß, der den Thron Des Himmels aufgezogen; Ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, Bleibt doch sein Herz gewogen. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr: Mein Vater muß mich lieben. Wenn er mich auch gleich würf ins Meer, So will er mich nur üben Und mein Ge⸗ müth in seiner Güt' Ge⸗ wöhnen festzustehen. Halt' ich dann Stand, weiß seine Hand Mich wieder zu er⸗ höhen. 3. Ist, was ich bin und habe, mein? Gab ich mir selbst das Leben? Sein Werk bin ich, er hat allein Mir Seel' und Leib gege⸗ ben. Ich gab mir nicht des Geistes Licht, Er läßt es in mir scheinen: Wer so viel thut, deß Herz und Muth Kann's nimmer böse meinen. 4. Woher wollt' ich mein'n Aufenthalt Auf dieser Welt erlangen? Ich wäre längstens todt und kalt, Wo mich nicht Gott umfangen Mit seinem Arm, der Alles warm, Gesund und fröhlich machet. Was er nicht hält, das bricht und fällt; Was er erfreut, das lachet. 5. Zudem ist Weisheit und Verstand Bei ihm ohn' alle Maßen; Zeit, Ort und Stund' ist ihm bekannt, Zu thun und auch zu lassen. Er weiß, wann Freud', er weiß wann Leid Uns, sei⸗ nen Kindern, diene, Und was er thut, ist Alles gut, Ob's noch so traurig schiene. 6. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, Was Fleisch und Blut begehret, Als sei mit einer großen Last Dein Glück und Heil beschweret; Hast spät und früh viel Sorg' und Müh', An dei⸗ nen Wunsch zu kommen, Und denkest nicht, daß, was geschicht, Gescheh' zu dei— nem Frommen. 7. Fürwahr, der dich er⸗ schaffen hat Und ihm zur Ehr' erbauet, Der hat schon längst in seinem Rath Er⸗ sehen und beschauet Aus wahrer Treu', was dienlich sei Dir und den Deinen allen: Laß ihm doch zu, daß er nur thu', Nach sei⸗ nem Wohlgefallen. 8. Wenn's Gott gefällt, so kann's nicht sein, Er wird dich letzt erfreuen; Was du jetzt nennest Kreuz 28⁷ 436 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. und Pein, Wird dir zum Trost gedeihen. Wart' in Geduld: die Gnad' und Huld Wird sich doch endlich finden; All' Angst und Qual wird auf einmal Gleichwie ein Dampf ver⸗ schwinden. 9. Das Feld kann ohne Ungestüm Gar keine Früchte tragen. So fällt auch Men⸗ schen-Wohlfahrt um Bei lauter guten Tagen. Die Aloe bringt bittres Weh', Macht gleichwohl rothe Wan⸗ gen: So muß ein Herz durch Angst und Schmerz Zu seinem Heil gelangen. 10. Ei nun, mein Gott, so fall' ich dir, Getrost in deine Hände: Nimm mich, und mach' es so mit mir Bis an mein letztes Ende, Wie du wohl weißt, daß meinem Geist Dadurch sein Nutz entstehe Und deine Ehr' je mehr und mehr Sich in ihr selbst erhöhe. 11. Willst du mir geben Sonnenschein, So nehm' ich's an mit Freuden; Soll's aber Kreuz und Unglück sein, Will ich's geduldig lei⸗ den. Soll mir allhier des Lebens Thür Noch ferner offen stehen: Wie du mich führst und führen wirst, So will ich gern mitgehen. 12. Soll ich dann auch des Todes Weg Und finstre Straße reisen, Wohlan, so tret' ich Bahn und Steg, Den mir dein' Augen wei⸗ sen. Du bist mein Hirt, der Alles wird Zu solchem Ende kehren, Daß ich einmal in deinem Saal Dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Nun danket Alle Gott ꝛc Phil. 3, 12. 519. ch lass' dich, Jesu, nicht! Denn mit dir ist gut leben. Du bist's, der Anfangs mir Das Leben selbst gegeben, Du bist's, der mir's ver⸗ mehrt, Du bist's, der mirs erhält, Wenngleich der Er⸗ denball Zergehet, bricht und fällt. 2. Ich lass dich, Jesu, nicht! Denn mit dir ist gut leiden. Du linderst mir mein Kreuz, Du führest mich zu Freuden Durch Leiden dieser Zeit. Wenn du nur bei mir bist, Wird mir die Bitterkeit Des Kreuzes ganz versüßt. 3. Ich lass' dich, Jesu, nicht! Denn mit dir ist gut streiten. Will Teufel, Welt und Tod Vereinigt sich be— reiten, Zu streiten wider . nn auch d finstre lan, so 9Steg, zen wei⸗ irt, der m Ende nmal in h ewig 6—1676. Gott ꝛc iss' dich, „ nicht! t leben. igs mir gegeben, 's ver⸗ er mir's der Er⸗ icht und „esu, ist gut rst mir est mich Leiden du nur mir die es ganz Desu ist gut l, Welt sich be⸗ wider XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 437 mich, So stehest du mir bei, Du kämpfest selbst für mich, Machst mich von Fein⸗ den frei. 4. Ich lass dich, Jesu, nicht! Denn mit dir ist gut sterben. Wenn du nur bei mir bist, So kann ich nicht Du führst mich durch den Tod In jene Herrlichkeit, Da ich dich schauen will In alle Ewig⸗ jeit. 5. Ich lass' dich, Jesu, nicht! Denn wenn ich dich nur habe, So hab' ich hier und dort Die allerbeste Gabe. Außer dir, höchstes Gut, Acht' ich Nichts für Gewinn. Du bist mein Lebenslicht, Nach dir nur steht mein Sinn. 6. Ich lass' dich, Jesu, nicht! Ich mag vom Schlaf erwachen, Ich mag zur Ruhe gehn; Du bleibst in allen Sachen Doch meines Her⸗ zens Lust. Auf dich nur ist gericht't Mein Denken und mein Thun, Ich lass' dich, Jesu, nicht. Neues Budißiner Gesangbuch, 1775. verderben. Mel. Wenn ich in Angst ꝛc. Ps. 40, 9. 520. J r wil Das soll mein Wahlspruch sein. Sein Will' und sein Befehl Ist unser Glück auf Erden. Ich bin nicht selber mein; Drum will ich sein nur sein: Was kann mir Beßres werden? 2. Ich glaube, wie Gott will! So bleib' ich feste stehn; Ob sich gleich wider mich Der Hölle Pforten le⸗ gen, Sein Wort kann nicht vergehn; Wenn mir nur dieses bleibt, So kann mich Nichts bewegen. 3. Ich lebe, wie Gott will! So leb' ich recht ver— gnügt: Ihm hab' ich mich allein Mit Seel' und Leib ergeben. Wie es sein Wille fügt, So will ich allezeit Mit ihm zufrieden leben. 4. Ich leide, wie Gott will! So leid' ich nicht zu viel; Er weiß am besten schon, Wie viel ich kann vertragen, Mein Kreuz und Lebensziel. Ich weiß, er heilet auch, Wenn er zuvor geschlagen. 5. Ich hoffe, wie Gott will! So bricht mein Anker nicht, Ob gleich die Wellen sich So ungestüm geberden. Ich weiß wohl, was er spricht: Wer sich auf mich verläßt, Soll nicht zu Schan⸗ den werden! 6. Ich sterbe, wie Gott 438 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. will! Der Tod ist mein Ge⸗ winnst, Mein Glaube läßt mich auch Im Sterben nicht verderben. Sterb' ich auf sein Verdienst, So kann ich nicht zu früh, Auch nicht zu langsam sterben. 7. Derhalben, wie Gott will, So will ich immerfort; Und wenn mich Noth und Tod Mit Haufen treffen sollen, So weiß ich doch ein Wort: Er kann und will und wird Nichts Böses von mir wollen. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Valet will ich dir geben ꝛce. 1. Cor. 1, 4—9. 521 ch soll zum 2— Leben drin⸗ gen, Für welches Gott mich schuf, Soll nach dem Him— mel ringen; Das, das ist mein Beruf! In einer Welt voll Sünden Soll ich nur ihm mich weihn, Sie fliehn, sie überwinden Und dann erst selig sein. 2. In meiner frühsten Jugend Hat er mich das gelehrt. Schön, göttlich ist die Tugend Und meines Eifers werth. Ihr folgen reine Freuden, Und wer, was Gott will, thut, Hat selbst in seinen Leiden Zu⸗ friedenheit und Muth. 3. Und wenn der Pilger Gottes Der Sünder Lust verschmäht, Wenn er, trotz ihres Spottes, Auf seinem Pfade geht, Was wird ihm dann zum Lohne, Wenn er die kurze Zeit Getreu war, welche Krone, Welch eine Seligkeit! 4. Das glaub' ich; mich verlanget, Dein Kind, o Gott, zu sein; Und meine Seele hanget Doch nicht an dir allein! Ich weiß, ich werde sterben, Und liebe doch die Welt. O Herr, welch ein Verderben, Das mich gefangen hält! 5. Bald wandl' ich deine Wege Mit Lust, und plötz⸗ lich bin Ich ohne Kraft und träge, Ermüd' und sinke hin. Ich lasse nach zu rin⸗ gen, Und doch ist's mein Beruf, Ich soll zum Leben dringen, Für welches Gott mich schuf. 6. Dir seufz' ich anzu⸗ hangen, Erbarmer, dir al— lein. Du hast es angefan⸗ gen; Das gute Werk ist dein. Vollende, Gott, voll⸗ ende, Was mir dein Wort verheißt; In deine Vater⸗ hände Befehl' ich meinen Geist. Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Pilger r Lust r, trotz seinem ird ihm Zenn er u war, ch eine zu rin⸗ mein Leben 5 Gott anzu⸗ dir al⸗ gefan⸗ rk ist „voll⸗ Wort Vater⸗ neinen 3—1788. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 439 Mel. O, daß ich tausend ꝛe. Röm. 5, 2. 52² X will dich * lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier, Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir der Tod das Herz zerbricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lie⸗ ben, Gotteslamm, Als mei⸗ nen lieben Bräutigam. 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Schönheit du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich so spät dich hab' geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir ge— wendet, Ich liebte das ge— schaffne Licht: Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich habe auser⸗ sehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmels⸗ wonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du güldner Mund, Daß du gemachet mich gesund. 6. Erhalte mich auf dei⸗ nen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß auf deinen We⸗ gen Nicht straucheln oder stille stehn;: Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du starker, schöner Himmels⸗ glanz! 7. Gieb meinen Augen süße Thränen, Gieb mei⸗ nem Herzen keusche Brunst; Laß meine Seele sich ge⸗ wöhnen Zu üben in der Liebeskunst; Laß meinen Sinn, Geist und Verstand Stets sein zu dir, o Gott, gewandt! 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Ich will dich lieben, meinen Gott; Ich will dich lieben ohne Lohne Auch in der allergrößten Noth; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir der Tod das Herz zerbricht. Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Ps. 23. 5 2 3 Awem Liht und Leben, Leib, Seel' und 440 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Geist sei dir ergeben, Denn du giebst Heil und Frieden mir! Mir dem Sünder, dem Verlornen, Durch dich zum Leben Auserkornen, Eröff⸗ nest du die Himmelsthür. Du bist mein treuer Hirt', Da mir nie mangeln wird Süße Weide. Jesu, mein Licht, Verlaß mich nicht, Bis ich dich schau' von An⸗ gesicht! 2. Du führst mich zur frischen Quelle, Sie fließt so reichlich, sanft und helle, Mein dürstend Herz wird hier erquickt. Du zeigst mir die rechten Straßen, Willst Tag und Nacht mich nicht verlassen, Bis daß ich gänzlich hingerückt, Wo ew'ge Sicherheit, Wo Freud' und Herrlichkeit Grünt und blühet. Jesu, mein Licht, Verlaß mich nicht, Bis ich dich schau' von Angesicht! 3. Wall' ich auch auf finstren Wegen, Fehlt mir das Licht auf rauhen Ste— gen, Ich zag' und fürchte mich doch nicht. Du, Herr, giebst mir das Geleite, Du wandelst treulich mir zur Seite Und sendest mir dein Himmelslicht. Dein sanf— ter Hirtenstab Wehrt allen Schrecken ab. Halleluja! Jesu, mein Licht, Verlaß mich nicht, Bis ich dich schau' von Angesicht! 4. Hab' ich Jesum nur zum Freunde, So fürcht' ich nicht die Macht der Feinde, Sie können mir nicht Scha⸗ den thun. Himmelsbrot ist meine Speise, Und er läßt auf der Pilgerreise Mich sanft in seinem Schooße ruhn. Wenn Jesus mit mir zieht, So werd' ich nie zu müd' Auf der Wallfahrt. Jesu, mein Licht, Verlaß mich nicht, Bis ich dich schau' von Angesicht! 5. Du stärkst mich in allem Leiden, Du salbst mein Haupt mit Oel der Freuden, Giebst Kräfte mir zum heil'gen Streit. Du schenkst voll ein Gnad' und Leben, Giebst als der Wein⸗ stock deinen Reben Saft und Gedeihn zur Fruchtbarkeit. Huld und Barmherzigkeit, Licht, Wonn' und Himmels— freudꝰ Wird mir folgen. Jesu, mein Licht, Verlaß mich nicht, Bis ich dich schau von Angesicht! 6. Amen! ewig werd' ich bleiben Bei Jesu. Nichts, Nichts kann mich treiben Aus meines Hirten Arm und Schooß. Laß, o Herz, dein Lied erschallen: Mein Loos ist lieblich mir gefal⸗ ich nie ft und arkeit. zigkeit, nmels⸗ folgen. Verlaß schau rd' ich Nichts, reiben Arm Herz, Mein gefal⸗ XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 441 len, Denn Jesus selber ist mein Loos! Er tilget meine Schuld, Ich bleib' in seiner Huld. Hosianna! Jesus, mein Licht, Verläßt mich nicht, Bis ich ihn schau von Angesicht. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Seelenbräutigam ꝛc. Joh. 10, 1. 27. 28. 524..Caut wan Führer sein! Zeige selbst mir deine Wege, Deiner Wahrheit schmale Stege; Deiner Wahrheit Grund Ist dein Wort und Bund. 2, Gründe, Herr, dabei Stete Furcht und Scheu Vor dem Bösen in der Seele, Daß ich nicht den Weg verfehle! Deine Furcht bewahr' Mich vor der Ge— fahr. 3. Weil du kommen bist, Was verirret ist Wiederum zurecht zu führen, Und kein Schäflein zu verlieren, Dar⸗ um fleh' ich dich:„Jesu, führe mich!“ 4. Guter, treuer Hirt, Ich bin ganz verirrt, Ein verloren Schaf auf Erden; Führe mich zu deinen Heer⸗ den, Führe mich dahin, Wo ich bei dir bin! Christoph Karl Ludwig von Pfeil, 1712—1784. Mel. Seelenbräutigam ꝛc. Joh. 14, 6. 1. Petr. 2, 21.—20. 525. Iire. voran Auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen; Führ' uns an der Hand Bis ins Vaterland. 2. Soll's uns hart er⸗ gehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Trüb⸗ sal hier Geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Küm⸗ mert uns ein fremdes Lei⸗ den, O, so gieb Geduld zu beiden; Richte unsren Sinn Auf das Ende hin! 4. Ordne unsren Gang, Jesu, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, Gieb uns auch die nöth'ge Pflege; Thu' uns nach dem Lauf Deine Thüre auf! Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700—1760. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Ps. 37, 4. n allen mei⸗ 52 6. nen Thaten Lass' ich den Höchsten rathen, Der Alles kann und hat. Er muß in allen Dingen, 442 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Soll's anders wohl gelin⸗ gen, Mir selber geben Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Mein Sorgen ist umsonst. Er mag's mit meinen Sa⸗ chen Nach seinem Willen machen, Ich stell's in seine Vatergunst. 3. Es kann mir Nichts geschehen, Als was er hat versehen Und was mir selig ist. Ich nehm es, wie er's giebet; Was ihm von mir beliebet, Dasselbe hab' ich auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gna⸗ den, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Uebel schützt. Leb' ich nach sei⸗ nen Sätzen, So wird mich Nichts verletzen, Nichts feh⸗ len, was mir ewig nützt. 5. Er wolle meiner Sün⸗ den In Gnaden mich ent— binden, Durchstreichen meine Schuld; Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urtheil sprechen Und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg' ich mich späte nieder, Erwach' ich frühe wieder, Lieg' oder zieh' ich fort, In Schwachheit und in Banden, Und was mir stößt zu Handen, So tröstet mich allzeit sein Wort. 7. Hat er es denn be⸗ schlossen, So will ich un⸗ verdrossen An mein Ver⸗ hängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird mir zu harte fallen, Ich will mit Gott ihn überstehn. 8. Ihm hab' ich mich er⸗ geben, Zu sterben und zu leben, Sobald er mir ge⸗ beut; Es sei heut oder mor⸗ gen, Dafür lass' ich ihn sorgen; Er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine Und traue dem alleine, Der dich erschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, Dein Vater in der Höhe, Der weiß zu allen Sachen Rath. Dr. Paul Flemming, 1609—1640. Mel. Was mein Gott will. Ps 73, 25. 26. Ps 527 YISchooß leg ich mein Loos, Vertrau ihm meine Sachen; Sein Will' allein soll heilig sein; Er wird's allein wohl ma⸗ chen. Mich schreckt kein Tod Und keine Noth, Nicht Men⸗ schentrotz, noch Toben; In Gottes Schooß leg' ich mein Loos, Ihn will ich ewig loben! 2. In Gottes Schooß leg ich mein Loos, Wie er will, Gottes so sü besch Und den! Angf der Gott Loos brin leg' mich sein Mit Ist rein stets Sch ᷓyn 4 ich! Nich wie Er Wéĩ —— enn be⸗ ich un: Ver⸗ Unfall mir zu hill mit nich er⸗ und zu mir ge⸗ rmor⸗ ich ihn ein die Seele, alleine, jat! Es „Dein „ Der Rath. 9—1640. will ꝛce. Gottes oß leg' Zertrau' „ Oein ig sein; )hl ma⸗ in Tod ht Men⸗ en; In ch mein h ewig doß leg' er will, XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 443 so solbs werden! Was er beschert, das sei mir werth, Und weiter Nichts auf Er⸗ den! Und wartet mein Auch Angst und Pein, Will mich der Feind bezwingen: In Gottes Schooß leg' ich mein Loos, Er wird hindurch mich bringen. 3. In Gottes Schooß leg' ich mein Loos; Er wird mich nicht verlassen, Werd'ich sein Wort nur fort und fort Mit festem Glauben fassen, Is's nur mein Trieb, In reiner Lieb' Und Hoffnung stets zu leben. In Gottes Schooß leg' ich mein Loos, Ihm will ich mich ergeben. 4. In Gottes Schooß leg' ich mein Loos, Es soll mich Nichts verstören. Geh's, wie es geh', wohl oder weh', Er wird mir Heil bescheren! Was Jesus will, Dem halt' ich still, Nichts soll von ihm mich wenden; In Got⸗ tes Schooß leg' ich mein Loos, Er wird mir Hilfe senden. 5. In Gottes Schooß leg' ich mein Loos Und lasse mir genügen, Er mag es hie spät oder früh Nach seinem Willen fügen. Und kann ich nun Sein heilig Thun Nicht klar und deut⸗ lich fassen: In Gottes Schooß leg' ich mein Loos, Er wird mich doch nicht lassen. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1827. Herzlich thut mich ꝛc. Phil. 3, 20. 528 I᷑ meines Her⸗ * zens Grunde, Herr, wohne du allein, Zu jeder Zeit und Stunde Kann ich dann fröhlich sein. Wenn Alles um mich trübe, Umwölkt und finster ist, So strahlt doch deine Liebe In mir, o Jesu Christ. 2. Du bist die Himmels⸗ wonne, Die mein Verlangen stillt, Du bist mir Licht und Sonne, Du bist mir Hort und Schild. Wen dieser Schild beschirmet, Wem diese Sonne scheint, Der ruht, auch wenn es stürmet, Ist froh, auch wenn er weint. 3. Mit Kraft und Muth beseelet Dein Gnadenschim— mer mich; Doch Muth und Stärke fehlet, Wenn dieser Schein erblich. O, wenn mir's an Vertrauen, An Licht und Kraft gebricht, Dann laß aufs Neu' mich schauen Dein gnädig Ange— sicht. 4. So oft vor meinen Blicken Erscheint dein theu⸗ res Bild, Stets werd' ich mit Entzücken Und reichem Trost erfüllt; Doch prägte meinem Herzen Vor Allem tief sich ein Das Bild von deinen Schmerzen Und dei⸗ ner Kreuzespein. 5. Dies Bild, o Herr, zerstreuet Die Nacht, die mich bedeckt, Wenn das Ge⸗ wissen dräuet Und das Ge⸗ richt mich schreckt. Dies Bild laß vor mir schweben In meiner letzten Noth; Wie in dir war mein Le⸗ ben, Sei auch in dir mein Tod. 6. In diesem theuren Bilde Laß dann dich vor mir schaun, Auf deine Gnad' und Milde Im Glauben fest mich traun. Auch in der Todesstunde Kann ich noch fröhlich sein, Wenn in des Herzens Grunde Du wohnest, Herr, allein. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Röm. 8, 38. 39. 529 + Gott für — mich, so trete Gleich Alles wider mich; So oft ich ruf' und bete, Weicht Alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Wider⸗ sacher Rott'? 444 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 2. Nun weiß und glaub' ich feste, Ich rühm's auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst' und Beste, Mein Freund und Vater sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh'. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ew'ge wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist Nichts auf dieser Erd'ꝰ; Was Chri⸗ stus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, Mein Glanz und hel⸗ les Licht; Wenn der nicht in mir wäre, So dürft' und könnt' ich nicht Vor Gottes Augen stehen Und vor dem strengen Sitz; Ich müßte stracks vergehen, Wie Wachs in Feuershitz'. 5. Mein Jesus hat ge⸗ löschet, Was mit sich führt den Tod: Der ist's, der mich rein wäschet, Macht schnee— weiß, was ist roth. In ihm kann ich mich freuen, Hab' einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, Nichts kann mich verdammen, Nichts XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 44⁵ nimmet mir mein Herz; Die Höll' und ihre Flammen Die sind mir nur ein Scherz; Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibet Sorg' und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Giebt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. 8. Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schwachheit find't, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Ersiehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hilfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh', Und wie er hab' erbauet Ein' edle neue Stadt, Da Aug' und Herze schauet, Was es ge⸗ glaubet hat. 10. Da ist mein Theil, mein Erbe Mir prächtig zu⸗ gericht't; Wenn ich gleich fall' und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten Mit Thränen meine Zeit, Mein Jesus und sein Leuch⸗ ten Durchsüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem verbindet, Den Satan fleucht und haßt, Der wird verfolgt und findet Ein' harte, schwere Last Zu leiden und zu tra⸗ gen, Geräth in Hohn und Spott; Das Kreuz und alle Plagen Die sind sein täg⸗ lich Brot. 12. Das ist mir nicht verborgen; Doch bin ich unverzagt: Gott will ich lassen sorgen, Dem ich mich zugesagt. Es koste Leib und Leben Und Alles, was ich hab': An dir will ich fest kleben Und nimmer lassen ab. 13. Die Welt, die mag zerbrechen, Du stehst mir ewiglich; Kein Brennen, Hauen, Stechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Kein' Armuth, keine Pein, Kein Zorn des großen Fürsten Soll mir ein' Hind'rung sein. 14. Kein Engel, keine Freuden, Kein Thron, kein' Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Kein' Angst und Herzeleid, Was man nur kann erdenken, Es sei 446 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. klein oder groß, Der'r kei⸗ nes soll mich lenken Aus deinem Arm und Schooß. 15. Mein Herze geht in Sprüngen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud' und Singen, Sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ; Das, was mich singend machet, Ist, was im Him⸗ mel ist. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛe. Joh. 21, 16. 530 L uns mit 3. Jesu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt ent⸗ fliehen, Auf der Bahn, die er uns brach, Immerfort zum Himmel reisen, Irdisch noch schon himmlisch sein, Glauben recht und leben fein, In der Lieb' den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib' bei mir! Gehe vor, ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild wer⸗ den gleich: Nach dem Leide folgen Freuden, Armuth hier macht dorten reich, Thränen⸗ saat, die erntet Lachen, Hoff—⸗ nung tröstet mit Geduld; Es kann leichtlich Gottes Huld Aus dem Regen Sonne machen. Jesu, hier leid' ich mit dir; Dort theil' deine Freud' mit mir! 3. Lasset uns mit Jesu sterben: Sein Tod uns vom andren Tod Rettet und vom Seel-Verderben, Von der ewiglichen Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, Unser Fleisch, ihm sterben ab: So wird er uns aus dem Grab In das Him⸗ melsleben heben. Jesu, sterb' ich, sterb' ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu leben: Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder; Wo du lebst, da leben wir. Ach, erkenn' uns für und für, Trauter Freund, für deine Brüder! Jesu, dir ich lebe hier, Dorten ewig auch bei dir. Siegmund von Birken, 1626—1681. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛc. Col. 2, 6. 7. 53—1 Lebst du in mir, — o wahres Le— ben, So sterb' in mir, was du nicht bist; Ein Blick von dir kann mehr mir geben, Als was die Welt im Stande ist. O Jesu, du sollst mein verbleiben, Nichts wird mich zieren und s 3. die Diens Bind' zusan versic also, die gewir recht ich 8 ben, mich vorg 4. bens mit id' ich deine Jesu vom und Von Laßt leben, terben aus Him⸗ Jesu, XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 447 von der Liebe treiben, Die du mir zugesaget hast; O süße Wonne, die mich tränket, Wenn sich die Seel' in dich versenket, Und dich, o Seelenfreund, um⸗ faßt! 2. Herz, das in Liebes⸗ gluth gestorben, Ach laß mein Herz in Flammen stehn! Entzünd' das Herz, das du erworben, Und laß darinnen untergehn, Was du nicht bist, o volle G'nüge, Daß ich in deiner Liebe siege, Ja, siege du nur selbst in mir: So werd' ich fröhlich triumphiren, So wird dein Todessieg mich zieren, So leb' und leid' und sterb' ich dir. 3. Zünd' auch in mir die Liebesflammen Zum Dienste deiner Glieder an; Bind' mich und ihre Noth zusammen, Damit ich mich versichern kann, Ich sei also, wie du gesinnet; Wenn die Gestalt mein Geist gewinnet, Die deinem Sinn recht ähnlich ist, So werd' ich Freund' und Feinde lie— ben, So wird ihr Kummer mich betrüben, Wie du mir vorgegangen bist. 4. Gieb mir des Glau⸗ bens Licht und Kräfte, Da⸗ mit er Blüth' und Früchte treibt; Mach' mich zur Rebe voller Säfte, Die fest an dir, dem Weinstock, bleibt; Du bist der Fels, auf den ich baue, Du bist mein Hei— land, dem ich traue, Du bist des Glaubens fester Grund. Wenn sich die Zwei— felsstunden finden, So laß die Hilfe nicht verschwinden Und mach' den kranken Geist gesund. 5. Hilf, daß die Hoff⸗ nung nicht erlieget, Und daß dein Kreuz ihr Anker ist; Gieb, daß sie alle Angst besieget Durch dich, der du mein Alles bist. Die Welt mag auf das Eitle bauen, Ich aber will auf dich nur schauen, O Jesu, meiner Hoffnung Licht! Ich will dich stets in Lieb' umfassen, Dich, der du mich nicht wirst verlassen, Denn deine Liebe wanket nicht. 6. Soll ich in Noth und Kummer stehen, So laß mich nie verzaget sein; Die Liebe muß mit Thränen säen, Eh' goldne Halme sie erfreun. Du gehst voran mit treuem Winken; Wenn meine müden Kniee sinken, So richte du sie wieder auf. Laß mich im Kampf nicht muthlos werden! Der kurze Leidensgang auf Erden 448 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Führt mich zur ew'gen Freud' hinauf. 7. Zur Demuth führe mich dein Leiden, Die Nie⸗ drigkeit sei meine Zier; Wer dich sucht, muß das Hohe meiden, Der Stolz hat keinen Theil an dir. Weh' dem, der nur nach Ehren rennet! Dagegen, wer sein Nichts erkennet, Den hebst du aus dem Staub empor. O drück' dein Bild mir in die Seele, Daß ich das Kleinod„Demuth“ wähle, So dring' ich durch das enge Thor. 8. Willst du mich noch im Leben wissen, So leb' ich, weil es dir beliebt; Werd' ich vom Tode hinge— rissen, So bin ich gleich⸗ falls nicht betrübt. Dein Leben laß stets in mir leben, Dein Sterben laß mir Stärke geben, Wann meines Lebens Ziel erscheint; Ich will dir meinen Willen schenken, Ich will in Tod und Leben denken, Daß du es gut mit mir gemeint. Philipp Balthasar Sinold, 1657—1742. Mel. Gott des Himmels und ꝛc. Joh. 3, 16. 532. n an Bilde Deiner Gottheit hast gemacht; Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht; Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die du mich erkoren, Eh', als ich ge— schaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar; Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ew'ge Lust und Seligkeit; Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahr⸗ heit, Geist und Wort; Liebe, die sich bloß ergeben Mir zum Heil und Seelenhort; Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin; Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 6. Liebe, die mich ewig liebet, Die für meine Seele bitt't; Liebe, die das Lösgeld giebet Und mich kräftiglich vertritt; Liebe, dir ergeb Liebe, Dein Dr. 3 Mel. rung abger eitlen zens wär' arm 3. wohl drän Wel Find u mich Fall be, dir in zu mich ge⸗ die du mir d gar; nich lich. mich en in emir Lust „ Dir in zu Kraft Wahr⸗ Liebe, Mir nhort; mich, ich. hat 9mit e, die mein Liebe, in zu ewig Seele s'geld iglich rgeb' XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 449 ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 7. Liebe, die mich wird erwecken, Aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich wird umstecken Mit dem Laub der Herrlichkeit; Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. Mel. Alle Menschen urüssen ꝛe. Ps. 62, 6—8. ob sei dir, 533. L mein Gott, gesungen, Ruhm und Preis sei dir gebracht, Dir ist Alles wohl gelungen, Du hast Alles wohl gemacht. Ich erkenne nun mit Rüh— rung Schon die Weisheit deiner Führung Und be— zeuge froh und laut: Selig ist, wer dir vertraut! 2. Hättest du mich so geleitet, Wie ich's thöricht oft begehrt, Was ich wünschte, mir bereitet, Was ich scheute, abgewehrt, Hättest du dem eitlen Streben Meines Her⸗ zens nachgegeben: O dann wär' ich sicherlich Elend, arm und jämmerlich. 3. Ach, wie kann auch wohl ein Blinder Im Ge— dränge und Gewühl Dieser Welt und ihrer Kinder Finden das gesuchte Ziel! Endlos suchen, sich verlieren, In die Irre lassen führen, Sich entfernen von dem Heil, Das ist sein betrübtes Theil. 4. Doch wer ohne Wi⸗ derstreiten Läßt von deiner festen Hand Und nach dei— nem Wort sich leiten, Der bekommt ein Unterpfand Deiner Weisheit nach dem andern, Der kann ohne Sorgen wandern, 2 Dererkennt bald tief gerührt, Wie du herrlich ihn geführt. 5. Nun so bleib' ich denn beim Alten, Bleibe fest bei meinem Gott, Laß ihn mit mir schalten, wal⸗ ten Trotz der Menschen Hohn und Spott. Ist's mir doch stets wohl gegan⸗ gen, Seit ich fest ihm an⸗ gehangen, Alles bürgt, was mir geschehn, Für mein künft'ges Wohlergehn. 6. Gott befohlen, Gott befohlen! O, das ist ein schönes Wort! Gott befoh— len, Gott befohlen Geh' ich meines Weges fort. Gott befohlen alle Tage, Dann verstummet alle Klage, Gott befohlen geht am End' Meine Seel' in Gottes Händ'. Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. 29 ö ů 450 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Straf' mich nicht in ꝛc. Eph. 6, 10. ache dich, 534. M mein Geist, bereit, Wache, fleh' und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete! Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sünden⸗ schlafe; Denn es folget bald darauf Eine lange Strafe, Und die Noth Sammt dem Tod Möchte dich in Sünden Unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht Unser Herr erleuchten: Wache, sonsten wird dein Licht Dir noch ferne deuchten; Denn Gott will Für die Füll' Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Sa— tans List Nicht im Schlaf' mag finden, Weil er sonst behende ist, Dich zu über⸗ winden: Und Gott giebt, Die er liebt, Oft in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge Oder, wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe. Wach' und sieh, Damit nie Viel' von fal⸗ schen Brüdern Unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, Für dein Fleisch und Herze, Damit es nicht freventlich Gottes Gnad' verscherze; Denn es ist Voller List Und kann sich bald heucheln Und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen, Denn der Herre muß dich frei Von dem allen machen, Was dich drückt Und be⸗ strickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten sein, Wenn er was soll geben; Er verlanget unser Schrein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsren Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig über⸗ winden. 9. Doch nun gut: es muß uns schon Alles glüch— lich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Ge⸗ bet anflehen; Denn er will Uns mit Füll' Seiner Gunst beschütten, Wenn wir glau⸗ bend bitten. 10. Drum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, 6 der si Ewig bleibt 2. Nacht uns man wo s Ja, mag, Tag. 3. der Heil nicht muß gebe allei Lebe 4 Her Näc XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 451 Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt vernichten. Dr. Johann Burchard Freystein, ums Jahr 1720. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Joh. 8, 12. 535 Meiner Seele höchstes Gut Ist mir Jesus, soll mir's bleiben. Ihm will ich mit frohem Muth Meinen Leib und Geist verschreiben, Ihm, der sich auch mir verschreibt, Ewig Licht und Heil mir bleibt. 2. Außer ihm ist Alles Nacht, Was die eitle Welt uns zeiget. Nacht ist, wo man ihm nicht wacht, Nacht, wo seine Stimme schweiget; Ja, wer ihn nicht kennen mag, Hat im Herzen keinen Tag. ö 3. Jesus ist das Licht der Welt, Aller Menschen Heil und Leben. Wer ihn nicht im Glauben hält, Den muß Nacht und Tod um⸗ geben; Er nur ist die Pfort' allein, Die uns führt zum Leben ein. 4. Darum seufz' ich, Herr, zu dir Aus den Nächten dieser Erde, Daß durch deiner Gaben Zier Ich ein Kind des Lichtes werde. Du, des ew'gen Lebens Stern, Treib' von mir die Schatten fern! 5. Hier bin ich im finstren Thal, Aber meiner Seele Sonne, Jesus, macht mit seinem Strahl Mein betrübtes Herz voll Wonne. Weich', du Nebel eitler Zeit, Weich' dem Glanz der Seligkeit! Jauersches Gefangbuch, 1829. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Ephes. 3, 17. ein Heiland, 536. M könnt' ich deiner Gnaden Mit vollem Glauben sicher sein, Ach, welcher Last wär' ich ent⸗ laden, Und welche Seligkeit wär' mein! Dein Leiden gäb' mir Trost und Ruh', Mein Ein und Alles wärest du! 2. Mein Ein und Alles mußt du werden! Gieb selbst die rechte Sehnsucht mir, Daß Ruhm und Schätze dieser Erden Mich nimmer trennen, Herr, von dir. Verlör' ich dich aus meinem Sinn, Dann wär' mein Heil auf ewig hin! 3. Mein Ein und Alles sollst du bleiben! Den Sinn, 25* 452 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. der gläubig fest dich hält, Soll mir kein Zweifelwahn vertreiben Und nicht der Hohn der ganzen Welt. Was Menschenwitz erdenkt, vergeht, Und nur dein Gna⸗ denlicht besteht. 4. Mein Ein und Alles bist du droben, Mein einz'⸗ ger Grund der Seligkeit. Von dir aus freier Gnad' erhoben Zum Reiche deiner Herrlichkeit, Der Sünd' und Sterblichkeit entflohn, Bin ich ganz dein, o Gottes Sohn! Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack's Taschenbuch, 1860. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛe. Tob. 3, 22. 23. 53 7 MLeb dih zufrieden Und bleibe ganz geschieden Von Sorge, Furcht und Gram! Die Noth, die dich jetzt drücket, Hat Gott dir zugeschicket: Sei still, wie Jesus, Gottes Lamm. 2. Mit Sorgen und mit Zagen Und unmuthsvollen Klagen Häufst du nur deine Pein: Durch Stillesein und Hoffen Wird, was dich jetzt betroffen, Erträglich, sanft und lieblich sein. 3. Kann's doch nicht ewig währen; Oft hat Gott unsre Zähren, Eh' man's meint, abgewischt. Wenns bei uns heißt: Wie lange Wird mir so angst und bange! So hat er Leib und Seel' erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen: Nach Weinen schafft er Lachen, Nach Regen Sonnenschein; Nach rauhen Wintertagen Muß uns der Lenz behagen; Er führt in Höll' und Himmel ein. 5. Indeß ist abgemesser Die Last, die uns soll pressen, Auf daß wir werden klein; Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen, Und sollt's auch nur ein Quentlein sein. 6. Denn es sind Liebes⸗ schläge, Wenn ich es recht erwäge, Womit er uns be⸗ legt; Nicht Schwerter, son⸗ dern Ruthen Sind's, damit Gott zum Guten Auf uns, die Seinen, hier zuschlägt. 7. Er will uns dadurch ziehen Zu Kindern, die da fliehen Das, was ihm nicht behagt, Den alten Menschen schwächen, Den Eigenwillen brechen, Die Lust ertödten, die uns plagt. 8. Er will uns dadurch lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit Glauben und Geduld Und, sollt' er uns in Nö gar 5 trösten auch s seinen uns e sterbe, Erbe doch f 10. Leben Reben Gewir Höhle Seele des H 11 ganz und Sorg Viell. sende Händ Brär Anasta 5. ich mich meit ihm nes Jes —— nan's zenn's Ange und und so zu hafft Regen auhen 5 der rt in nessen essen, klein; agen, uns h nur son⸗ damit uns, ägt. durch XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 453 in Nöthen Auch lassen, ja, gar tödten, Uns doch ge— trösten seiner Huld. 9. Denn was will uns auch scheiden Von Gott und seinen Freuden, Dazu er uns ersehn! Man lebe oder sterbe, So bleibet uns das Erbe Des Himmels ewiglich doch stehn. 10. Ist Christus unser Leben, So muß uns, seinen Reben, Der Tod sein ein Gewinn; Er mag wohl diese Höhle Zerbrechen, doch die Seele Fliegt auf, zum Bau des Himmels hin. 11. Drum gieb dich ganz zufrieden, Mein Herz, und bleib' geschieden Von Sorge, Furcht und Gram: Vielleicht wird Gott bald senden, Die dich auf ihren Händen Hintragen zu dem Bräutigam. Anastasius Freylinghausen, 1670—1739. Eigene Melodie. Röm. 8, 38. 39. 538 Meinen Je⸗ sum lass' ich nicht: Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Unverrückt an ihm zu kleben. Er ist mei⸗ nes Lebens Licht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 2. Jesum lass' ich nim⸗ mer nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab' ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab', ergeben; Alles ist auf ihn gericht't: Meinen Jesum lass' ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen, Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen: Wenn der Lebensfaden bricht, Mei— nen Jesum lass' ich nicht. 4. Ich werd' ihn auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin gelanget, Wo vor sei⸗ nem Angesicht Frommer Chri⸗ sten Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht: Mei⸗ nen Jesum lass ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meiner Seele Grund sich sehrset; Jesum wünsch' ich und sein Licht, Der mich hat mit Gott ver⸗ söhnet, Der mich frei macht vom Gericht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 6. Jesum lass' ich nicht von mir, Geh' ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für Zu dem Lebensbächlein leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum lass' ich nicht! M. Christian Keymann, 1607—1662. 454 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. Joh. 6, 67—69. 539. Me“ S Seele, dir das große Wort: Wenn Jesus winkt, so geh; Wenn er dich zieht, so eile fort; Wenn Jesus hält, so steh. 2. Wenn er dich lobet, bücke dich; Wenn er dich liebt, so ruh; Wenn er dich aber schilt, so sprich:„Ich brauch's, Herr, schlage zu!“ 3. Wenn Jesus seine Gnadenzeit Bald da, bald dort verklärt, So freu' dich der Barmherzigkeit, Die Andren widerfährt. 4. Wenn er dich aber brauchen will, So steig' in Kraft empor; Wird Jesus in der Seele still, So nimm auch du Nichts vor. 5. Kurz, liebe Seel, dein ganzes Herz Sei von dem Tage an Bei Schmach, bei Mangel und bei Schmerz Dem Heiland zugethan! Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700—1760. Mel. Mach's mit mir, Gott ꝛc. Matth. 16, 24.; 10, 58. 2. Tim. 2, 5. 540. MRher stus, unser Held, Mir nach, ihr Christen alle, Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle; Nehmt euer Kreuz und Un⸗ gemach Auf euch, folgt meinem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch für Mit heil— gem Tugendleben; Wer zu mir lommt und folget mir, Darf nicht im Finstren schweben; Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, Voll Liebe meine Seele; Mein Mund, der fließt zu jeder Zeit vom süßen Sanftmuthsöle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig' euch das, was schädlich ist, Zu fliehen und zu meiden, Und euer Herz von arger List Zu rein'gen und zu scheiden; Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ' euch zu der Himmelspfort'. 5. Fällt's euch zu schwer, ich geh' voran, Ich steh' euch an der Seite; Ich kämpfe selbst, ich brech' die Bahn, Bin Alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, Wenn er den Feldherrn sieht an⸗ gehn! 6. Wer seine Seel' zu XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 455 sinden meint, Wird sie ohn' mich verlieren; Wer sie hier zu verlieren scheint, Wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, Ist mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit Leib und Seel' nachgehen, Und wohlgemuth, getrost und gern Bei ihm im Leiden stehen; Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron Des ew'gen Lebens nicht davon. Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. Mel. Wer weiß, wie nahe ꝛc. Phil. 3, 12. ff. 541 N*5 daß ich's schon er⸗ griffen hätte, Die beste Tu⸗ gend bleibt noch schwach; Doch, daß ich meine Seele rette, Jag' ich dem Kleinod eifrig nach; Denn Tugend ohne Wachsamkeit Verliert sich bald in Sicherheit. 2. So lang' ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein Näch⸗ ster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust Stirbt niemals ganz in un⸗ srer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend, Oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend Wird mit den Jahren Sitt⸗ samkeit, Und was Natur und Zeit gethan, Sieht un⸗ ser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Seele Ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhm⸗ sucht quäle, Und dämpfst sie; doch du wechselst nur, Dein Herz fühlt einen andern Reiz, Dein Stolz wird Wol⸗ lust oder Geiz. 5. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, Was Andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des Neids, der Schmäh— sucht Triebe Erwecken dir so manchen Feind. Du wirst behutsam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die Schmäh⸗ sucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, Durch die der Andern Tugend fällt, So werde Nichts dein Herz verführen; Doch jedes Herz hat seine Welt. Den, wel⸗ chen Stand und Geld nicht rührt, Hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen, Du scheinst von Rachsucht dir befreit; Jetzt sollst du eine Schmach 456 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. verschmerzen, Und sieh, dein Herz wallt auf und dräut Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst geschol— ten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das Herz im Stillen tugendhaft; Kaum lachet uns die Welt entgegen, So reget sich die Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtren Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, will's seine Liebe, ihm auch die liebste Nei— gung auf? Dies ist das Auge, dies der Fuß, Die sich der Christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zu Ruh' und Stille, Die Welt und 1203 die Einsam⸗ keit; Doch bist du, fordert's Gottes Wile, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; Flieht's Unmuth auch und Müßiggang? 11. Du bist gerecht; denn auch bescheiden? Liebst Mä— ßigkeit; denn auch Geduld? Du dienest gern, wenn Andre leiden; Vergiebst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, Zu aller Tugend wil— lig sein. 12. Sei nicht verm sent Wach' und streite; Denk' nicht, daß du schoͤn g'nug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohl⸗ fahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall, Drum wache stets, wach' überall! M. Christian Fürchtegott Gellert, 715—1769. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛc. Marc. 12, 32. 33. 1. Jeh. 4, 7. 8. 542. N Opfer ö und nicht Gaben, Auch Ruhm und Ehre nicht, Noch was sonst Sünder haben, Befreit uns vom Gericht. Nur Jesu Liebe bleibet, Sie ist von Ewigkeit; Was außer ihr uns treibet, Verschwindet mit der Zeit. 2. Sie giebt uns Kraft und Leben, Reißt jeden Bann entzwei, Lehrt helfen, trösten, geben, Macht von der Lüge frei. Sie muß gerecht uns machen, Los von der Sündenlust, Zum Be⸗ ten und zum Wachen Be⸗ wegen unsre Brust. 3. Sie ist die höchste Zierde, Des Christenthumes Kern; Sie gilt als schönste bens vom Seel Gott ——— d wil⸗ 'essen! Denk' g'nug hat Die Wohl⸗ erheit Drum all! llert, ege ꝛc. 7. 8. pfer nicht und sonst uns Jesu von ihr indet traft eden XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 457 Würde Und Krone vor dem Herrn. Was hilft's, mit Engelzungen hoch reden ohne Herz? Wen Liebe nicht durchdrungen, Der ist ein todtes Erz. 4. Geheimnißvolle Lehren Und starker Glaubenssinn Stehn nicht bei Gott in Ehren, Wenn Liebe nicht darin. Der treibt nur arm Geschwätze, Wer, kalt und liebeleer, Der größten Weis⸗ heit Schätze Darleget um sich her. 5. Der Vater ist die Liebe, Der Sohn ist Lieb' allein! Des heil'gen Geistes Triebe Sind Liebe, heiß und rein! Das ist die Le⸗ bensquelle Vom Vater und vom Sohn! Mach' unsre Seelen helle, Du Strom von Gottes Thron! Johannes Rothen, geb. 1805. Vater unser im ꝛc. Pi. 90, 2. 3. 5 43 RA allein! * o goldnes Wort. Such's, wo du willst, am andren Ort, Du find'st es nicht, und wenn's ge⸗ schicht, So ist es das ge— fundne nicht, Und keines wird das rechte sein; Drum heiß' es denn: Nur Gott allein! Mel. 2. Wer Erde sucht, find't Erdenlast Und geht auf Wind und Staub zu Gast, Auf Müh' und Streit, Verdruß und Leid, Wie heiß begehrt, so heiß bereut, Und keines wird das rechte sein. Drum sprich, o Mensch: Nur Gott allein! 3. Mein Gott, was du nicht bist allein, Das ist zu wenig, ist zu klein; Nichts paßt, Nichts währt, Nichts stillt, Nichts nährt, Wenn du nicht wirst darin beschert, Daß auch das Brot uns wird zu Stein! Drum sprechen wir: Nur Gott allein! 4. Wen hab', wen such' ich neben dir Im Himmel dort, auf Erden hier! Ich will Gott nur, weg Creatur! Und bringe mich nicht von der Spur! Gott, lehr' uns laufen, rufen, schrein, Uns allgesammt: Nur Gott allein! Ein alter, veränderter Gesang. Mel. O, daß ich tausend ꝛe. Sir. 4, 23. 544. meinen Lebenstagen Doch keiner ganz daß von verloren geh'! Die unbenutzten Stunden nagen Das Herz noch spät durch Gram und Weh', Und den 458 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. entflohnen Augenblick Bringt dann kein leerer Wunsch zurück. 2. Laß jeden Theil des kurzen Lebens, O Gott, mir werth und theuer sein! Die Zeit verschwinde nicht vergebens, Die meinem Heil ich sollte weihn! Die kurze Lust der Eitelkeit Wird sonst zu spät von mir bereut. 3. Vom schnöden Dienst der Nichtigkeiten, Die Scha⸗ den bringen, nicht Gewinn, Die gegen deinen Willen streiten, Befreie gnädig Herz und Sinn! Ja, Herr, dein Diener will ich sein; Der Erde Tand ist mir zu klein. 4. Wenn mich die Last der Arbeit drücket Und Un⸗ dank meiner Mühe lohnt, Das Auge matt nach Ruhe blicket Und Sorg' und Kum⸗ mer bei mir wohnt: So ist, zu thun, was Gott gebeut, Doch ein Gedanke, der er— freut. 5. Noch ist es Tag; du wollst mich stärken In rech— ter, gläub'ger Christentreu', Auf daß ich zeig' in meinen Werken, Wie heilig dein Gebot mir sei. Viel ist für mich noch hier zu thun, Ich darf nicht, eh' es Nacht wird, ruhn. 6. Ich fasse Muth, es eilt die Stunde: Sie soll nicht ungenützt entfliehn! Es sei gelobt mit Herz und Munde, Kein Leichtsinn störe mein Bemühn! Dem Herrn der Zeit und Ewig⸗ keit Sei jeder Augenblick geweiht! 7. Dann seh' ich von der Laufbahn Ende Einst froh auf meine Tage hin Und sage: Herr, durch deine Hände Empfing ich, was ich hab' und bin; Auch was ich that, ist ja nicht mein, Dein sei der Ruhm, die Ehre dein! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Mir nach, spricht ꝛc. Matth. 23, 12. 5 45 Gott, mein V Vater, steh mir bei, Daß ich, weil ich hier walle, Dem Sinne Jesu ähnlich sei, Damit ich dir gefalle. Laß mich durch ihn gerecht und rein Und, so wie er, voll Demuth sein. 2. Wer in sein Reich zu kommen sucht, Muß sich vom Stolz entfernen, Muß unter deines Geistes Zucht Auch wahre Demuth ler— nen. Wer sie von seinem Herrn nicht lernt, Bleibt auch fernt. 9. selbst niedrig einher Den w Dir, umfaß verha 4. ich d freie Gnado muth se; nur d 5. was i bin ie daß ie recht zeig' i Mir Nicht' XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 459 auch von seinem Reich ent⸗ fernt. 3. Wer sich voll Hoffart selbst erhöht, Wird sich er⸗ niedrigt sehen; Doch wer einher in Demuth geht, Den wirst du, Gott, erhöhen. Dir, dessen Hand die Welt umfaßt, Ist jedes stolze Herz verhaßt. 4. Was ich auch bin, bin ich durch dich Und deine freie Gnade; Durch diese Gnade leite mich Der De⸗ muth stille Pfade. Verleihe sie zur Zierde mir, Denn nur durch sie gefall' ich dir. 5. Nur du bist groß; was ist an mir? Wie bald bin ich doch Erde! Gieb, daß ich allezeit vor dir Ge— recht erfunden werde, Und zeig' im Glanze deines Lichts Mir deine Hoheit und mein Nichts. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛc. Joh. 3, 36. 546 O höchstes Gut, o Licht und Leben, O treuer Hirt, o Vaterherz! Nur dir hab' ich mich übergeben, Mein Geist und Sinn strebt him⸗ melwärts. Ich will mich nicht mehr selber führen, Der Vater soll sein Kind regieren, So geh' ich mit ihm aus und ein. Ach, Herr, erhöre meine Bitte Und lenke gnädig meine Tritte, Ich gehe keinen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten, Dein Wort muß ewig feste stehn; Du hast versprochen, mich zu leiten, Zu meiner Seite stets zu gehn. Du wirst nicht mein Vertraun be— schämen; Will ich dich nur zu Allem nehmen, So willst du mir auch Alles sein. Ach, laß mich niemals von dir irren, Dann wird mein Sinn sich nie verwirren, Dann blendet mich kein fal⸗ scher Schein. 3. Herr, mache mich recht treu und stille, Daß ich dir immer folgen kann. Nur dein, nur dein vollkommner Wille Sei für mich Schranke, Ziel und Bahn. Mich soll Nichts ohne dich vergnügen; Laß mir Nichts mehr am Herzen liegen, Als deines großen Namens Ruhm. Der sei allein mein Ziel auf Erden; Ach, laß mir's nie verrücket werden, Denn ich bin ja dein Eigenthum. 4. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu weihn. Dein 460 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Wort laß mir im Herzen bleiben Und in mir Geist und Leben sein, Daß ich nach deinem Wohlgefallen In Ehrfurcht möge vor dir wallen: Zeuch mein Herz völlig zu dir hin; Laß mich in Worten und in Werken Auf deinen Wink und Willen merken, Und tödt' in mir den eignen Sinn. 5. Dich lob' und lieb' ich fromm und stille Und ruh' als Kind in deinem Schooß. Ich schöpfe Trost aus deiner Fülle, Mein Herz ist aller Sorgen los. Ich Re nur vor allen Dingen, Daß ich zum Himmel möge dringen, Zu deinem Dienst bin 0 bereit. Ach, zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; Was du nicht bist, laß ganz zerrinnen Und dein mich sein in Ewigkeit. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Gott des Himmels ꝛc. Offenb. 7, 14—17. 547. Jerusalem, du schöne, Wo man Gott beständig ehrt Und das himmlische Getöne:„Heilig, heilig, hei— lig!“ hört; Ach, wann komm ich doch einmal Hin zu deiner Bürger Zahl? 2. Muß ich nicht in Pil⸗ gerhütten Unter strengem Kampf und Streit, Wo so mancher Christ gelitten, Führen meine Lebenszeit, Da oft wird die beste Kraft, Durch die Thränen weg⸗ gerafft? 3. Ach, wie wünsch' ich,‚ dich zu schauen, Jesu, lieb⸗ ster Seelenfreund, Dort auf deinen Salemsauen, Wo man nicht mehr klagt und weint, Sondern in dem höchsten Licht Schauet Gottes Angesicht. 4. Komm doch, führe mich mit Freuden Aus der Fremde hartem Stand, Hol' mich heim nach vielen Leiden In das rechte Vaterland, Wo dein Lebenswasser quill, Das den Durst auf ewig stillt. 5. O der auserwählten Stätte, Voller Wonne, voller Zier! Ach, d daß ich doch Flü⸗ gel hätte, Mich zu schwingen bald von hier Nach der neu⸗ erbauten Stadt, Welche Gott zur Sonne hat. 6. Soll ich aber länger bleiben Auf dem ungestümen Meer, Wo mich Sturm und Wellen treiben Durch so mancherlei Beschwer:— Ach, so laß in Kreuz und Pein Hoffnung meinen An⸗ ker sein! 7. 2 ertrinke Arm u Schiffl Wär' so wil und S Gott Friedri nger men und so und An⸗ XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 461 7. Alsdann werd' ich nicht ertrinken, Christus ist mein Arm und Schild, Und sein Schifflein kann nicht sinken, Wär' das Meer auch noch so wild; Wenn auch Mast und Segel bricht, Läßt doch Gott die Seinen nicht. Friedrich Conrad Hiller, 1662—1726. Mel. Ich ruf' zu dir, Herr ꝛc. Joh. 14, 15. 5 48 Jesu Christ, * mein schön⸗ stes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht, Aussprechen kann, noch zählen, Gieb, daß mein Herz dich wieder⸗ um Mit Lieben und Ver⸗ langen Mög' umfangen Und als dein Eigenthum Nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst Nichts in meiner Seel' Als deine Liebe wohne; Gieb, daß ich deine Lieb' erwähl' Als meine Lust und Krone. Stoß Alles aus, nimm Alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gön⸗ nen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wenn diese steht, kann Nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts Andres denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, eh⸗ ren, Als deine Lieb' und dich, Der du sie kannst ver⸗ mehren. 4. O, daß ich wie ein kleines Kind Mit Weinen dir nachginge, So lange, bis dein Trost gelind Mit Armen mich umfinge Und deine Seel' mir im Gemüth Mit voller, süßer Liebe Sich erhübe, Und also dei⸗ ner Güt' Ich stets vereinigt bliebe! 5. Du bist allein die rechte Ruh', In dir ist Fried' und Freude; Drum, Jesu, gieb, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide! Sei meine Flamm' und brenn' in mir, Mein Balsam, wol— lest eilen, Lindern, heilen Die Schmerzen, die mich hier Mit Seufzen lassen weilen. 6. Ach Jesu, wenn du mir entweichst, Was hilft mir's, sein geboren? Wenn du mir deine Lieb' entzeuchst, Ist all mein Gut verloren. So gieb, daß ich dich ohne Rast Wohl such' und bestermaßen Möge fassen Und, wenn ich dich gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen. 462 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 7. Du hast mich je und je geliebt Und mich zu dir gezogen; Eh' ich noch etwas Gut's geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach, laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten, Daß sie mir im⸗ merfort Beisteh' auf allen Seiten. 8. Laß meinen Stand, darin ich steh', Herr, deine Liebe zieren Und, wo ich etwa irre geh', Mich bald zurechte führen. Laß sie mich allzeit guten Rath Und reine Werke lehren, Steuern, wehren Der Sünd', und nach der That Bald wieder mich bekehren. 9. Dein Lieben sei mir Freud' in Leid, In Schwach— heit mein Vermögen; Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu', Herr Jesu, mir beistehen, Luft zuwehen, Daß ich getrost und frei Mög' in dein Reich ein⸗ gehen! Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Pf. 143, 10. & 549— Gottes Sohn, Gnadenthron, Du weißt, daß ich dich liebe, Vor dir ist Alles sonnenklar, Dir ist mein Herz auch offenbar Mit jedem seiner Triebe; Herzlich Such' ich Dir vor Allen Zu gefallen, Nichts auf Erden Kann und soll mir lieber werden. 2. Das ist mein Schmerz und kränket mich, Daß ich nicht so kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte. Je mehr die Lieb' in mir entbrennt, Um so viel mehr mein Herz erkennt, Wie es dich lieben sollte! Laß mich Innig Deine Güte Im Ge⸗ müthe Oft empfinden, Ganz für dich mich zu entzünden. 3. Durch deine Kraft ge⸗ lingt es mir, Daß, wie mein Herz sich sehnt nach dir, Ich auch an dir kann hangen. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Nichts, was den Sinnen wohlge⸗ fällt, Stillt jemals mein Verlangen. Nur du, Jesu, Kannst mich laben, Ich muß haben Für die Triebe Meiner Sehnsucht reine Liebe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst sei⸗ nem Herzen Fried' und Ruh' Und tröstest sein Ge—⸗ Mein Heiland und mein wissen; Ob er auch wird XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 463 vom Kreuz gedrückt, So fühlt er dennoch sich er⸗ quickt, Weil er dich kann genießen. Endlich Zeigt sich Nach dem Leide Volle Freude, Und die Stunden Alles Trauerns sind ver⸗ schwunden. 5. Kein Auge hat je⸗ mals gesehn, Noch kann ein Mensch es hier verstehn, Und würdig g'nug beschrei⸗ ben, Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben; Freudig Werd' ich Dort erfahren Mit den Schaaren Der Gerechten, Wie du lohnst den frommen Knechten. 6. Drum laß ich billig dies allein, O Jesu, meine Freude sein, Daß ich dich herzlich liebe, Daß ich in dem, was dir gefällt, Was mir dein Wort vor Augen stellt, Aus Liebe stets mich übe, Bis ich Endlich Werde scheiden Und voll Freuden Zu dir kommen, Aller Trüb— sal ganz entnommen. 7. Da wird in der Ver⸗ klärung Licht Dein gnaden⸗ volles Angesicht Mir keine Hülle decken; Da werd' ich deine Süßigkeit, Die mich hienieden schon erfreut In reiner Liebe schmecken. Ewig Bin ich Dann erquicket Und geschmücket Mit der Krone, Die dem Glauben wird zum Lohne. Johann Heermann, 1585—1647. Mel. Mein erst Gefühl sei ꝛc. Joh. 3, 30. 550 O Jesus Chri⸗ 2 stus, wachs' in mir, Und alles Andre schwinde! Mein Herz sei täglich näher dir, Und ferner von der Sünde! 2. Laß täglich deine Huld und Macht Um meine Schwachheit schweben! Dein Licht verschlinge meine Nacht, Und meinen Tod dein Leben. 3. Beim Sonnenstrahle deines Lichts Laß jeden Wahn verschwinden; Dein Alles, Christus, und mein Nichts Laß täglich mich empfinden. 4. Sei nahe mir, werf' ich mich hin, Wein' ich vor dir im Stillen; Dein reiner, gottgeweihter Sinn Beherr⸗ sche meinen Willen. 5. Blick' immer herrlicher aus mir, Voll Weisheit, Huld und Freude! Ich sei ein lebend Bild von dir Im Glück und wann ich leide! 6. Mach' Alles in mir 464 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. froh und gut, Daß ich stets minder fehle! Herr, deiner großen Liebe Gluth Durchglühe meine Seele. 7. Es weiche Stolz, und Trägheit weich', Und jeder Leichtsinn fliehe, Wenn, Herr, nach dir und deinem Reich Ich redlich mich be— mühe! 8. Mein eignes, eitles leeres Ich Sei jeden Tag geringer. O, würd' ich je⸗ den Tag durch dich Dein würdigerer Jünger! 9. Von dir erfüllter je⸗ den Tag Und jeden von mir leerer! O du, der über Flehn vermag, Sei meines Flehns Erhörer. 10. Der Glaub' an dich und deine Kraft Sei Trieb von jedem Triebe! Sei du nur meine Leidenschaft, Du meine Freud' und Liebe! Johann Caspar Lavater, 1741—1801. M el. Herzliebster Jesu, was ꝛe. Hebr. 12, I. ff. 551 lernt' ich doch ent⸗ behren und entsagen, Mein Kreuz in Demuth und im Glauben tragen! Wie würd' ich dann so reichlich schon auf Erden Getröstet werden! 2. O, lernt' ich doch mich selber überwinden, Mich kräftig von der Lust der Welt entbinden! Wie würd' ich dann, wenn Alles wird vergehen, Vor Gott be⸗ stehen! 3. O, lernt' ich mich verläugnen und dir dienen, Der du auch mir als Hei— land bist erschienen! Dann würdest du zum ew'gen, sel'gen Leben Auch mich er— heben! Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. Jer. 9, 23. 24. 552 O· rühmt euch eurer Weis⸗ heit nicht, Die ihr euch weise meint! Wißt, daß euch eurer Weisheit Licht Einst nicht im Tode scheint. 2. O, rühmt euch eurer Stärke nicht, Die jetzt euch trotzig macht! Wißt, daß es euch an Muth gebricht, Sinkt ihr in Todes Nacht. 3. O, rühmt euch eures Reichthums nicht, Deß ihr euch heute freut! Wißt, daß er euch nicht Zuversicht In Todesnoth verleiht! 4. Sucht darin euren wahren Ruhm, Daß ihr Gott wißt und kennt, Daß ihr, sein Volk und Eigen⸗ thum, Ihn gläubig Vater nennt! f1 E 7 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 465 5. Dies ist es, was dem Herrn gefällt. Bedenke dies, o Christ! Er, er regiert in aller Welt! Wohl dem, deß Ruhm er ist! Heinrich Erhard Heeren, 1728—1811. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Mare. 10, 21. 553. DB Schüte, O Jesu, liebster Schatz, An dem ich mich ergötze, Hier hab' ich einen Platz In meinem treuen Herzen Dir, Schönster, zugetheilt, Weil du mit deinen Schmerzen Mir meinen Schmerz ge— heilt. ch Freude meiner 8 A Freuden, Du wahres Himmelsbrot, Da⸗ mit ich mich kann weiden, Das meine Seelennoth Ganz kräftiglich kann stillen Und mich in Leidenszeit Erfreu— lich überfüllen Mit Trost und Süßigkeit: Daß, Liebster, mich 12 L erblicken Dein freundlich Angesicht, Mein Herze zu erquicken; Komm, komm, mein Freudenlicht! Denn, ohne dich zu leben, Ist lauter Herzeleid, Vor deinen Augen schweben Ist wahre Seligkeit. reiche Lebensquelle, O O Jesu, süße Ruh', Du treuer Kreuz⸗ geselle, Schlag' nach Be— lieben zu! Ich will geduldig leiden, Und soll mich keine Pein Von deiner Liebe scheiden, Noch mir beschwer— lich sein. ein Herze bleibt 5. M ergeben Dir im⸗ mer für und für, Zu ster⸗ ben und zu leben, Und will vielmehr mit dir Im tief— sten Feuer schwitzen, Als, Schönster, ohne dich Im Paradiese sitzen Veracht't und jämmerlich. 6 r der Er⸗ den, Dich mag und will ich nicht! Mein Geist will himmlisch werden Und ist dahin gericht't, Wo Jesus wird geschauet; Da sehn' ich mich hinein, Wo Jesus Hüt⸗ ten bauet; Denn dort ist gut zu sein. un, Jesu, mein Ver⸗ . I gnügen, Komm, hole mich zu dir, In deinem Schooß zu liegen! Komm, meiner Seelen Zier, Und setze mich aus Gnaden In deine Freudenstadt: So kann mir Niemand schaden, So bin ich reich und satt. M. Salomon Liscov, 1640—1689. 30 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 466 Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Matth. 6, 33. 554 S was er⸗ —* müd'st du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald ver— zehren sich Und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreu⸗ ten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen, Richt' ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad' ein⸗ dringen: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh', Dein betrübtes Herz zu laben; Eil' zur Lebens⸗ quell' hinzu, Da kannst du sie reichlich haben: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 4. Fliehe die unsel'ge Pein, So das finstre Reich gebieret; Laß nur den dein Labsal sein, Der zur Glaͤu⸗ bensfreude führet: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 5. Ach, es ist ja schlecht genug, Daß du sonst viel Zeit verdorben Mit nichts-⸗ würdigem Gesuch, Dabei du fast bist erstorben: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 6. Geh einher, Laß dir Nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer Dich, den Kranken, wohl er⸗ quicken: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 7. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt Und dein Ursprung dir vor⸗ leget? Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 8. Du bist ja ein Hauch aus Gott Und aus seinem Hauch geboren, Bist erlöst durch Jesu Tod Und zu seinem Reich erkoren: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 9. Schwinge dich fein oft im Geist Ueber alle Him— melshöhen; Laß, was dich zur Erden reißt, Weit von dir entfernet stehen: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 10. Nahe dich dem laute⸗ ren Strom, Der vom Thron des Lammes fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet: Suche Jesum und einfältig stets XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 467 sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 11. Laß dir seine Maje⸗ stät Immerdar vor Augen schweben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm erheben: Suche Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. 12. Sei im Uebrigen ganz still, Du wirst schon zum Ziel gelangen; Glaube, daß sein Liebeswill' Stil⸗ len werde dein Verlangen: Drum such' Jesum und sein Licht, Alles Andre hilft dir nicht. Dr. Jacob Gabriel Wolf, 1684 1754. Meel. Herr, ich habe mißgehandelt. Luc. 6, 36. eid barm⸗ 555.„D herzig.“ Menschen, höret, Hört das heilige Gebot, Das uns Jesus Christus lehret:„Seid barmherzig, so wie Gott!“ Gebt, so wird auch euch ge— geben Leben hier und dort das Leben. 2. Speiset die, die Hun⸗ ger leiden, Und die durstig sind, die tränkt; Eilt, die Nackenden zu kleiden, Trö⸗ stet, die ein Kummer kränkt; Schwache sucht zu unter— stützen, Unterdrückte zu be— schützen. 3. Nicht nur denen, die euch lieben, Oder euch um Hilfe flehn: Allen eilt, von Gott getrieben, Nach Ver— mögen beizustehn; Führt zu unverhofften Freuden Die auch, die im Stillen leiden. 4. So viel Menschen, so viel Brüder! Ein Gott ist's, der uns erschuf. Wir sind Alle Christi Glieder, Allge— mein ist Gottes Ruf. Seine Sonne läßt er scheinen Hier den Bösen, wie den Seinen. 5. Gottes Bild in euch zu sehen, Seid barmherzig, so wie er! Eilt, den Ar⸗ men beizustehen; Was ihr gebt, empfängt der Herr. Weiß es Gott und dein Ge— wissen, Warum soll die Welt es wissen? 6. O, was schafft's für sanfte Freuden, Der Ver⸗ laßnen Helfer sein; Sehn, wie sie in ihren Leiden Sich, durch uns gestärkt, erfreun! Ein betrübtes Herz erquicken, Welch ein himm— lisches Entzücken! 7. Heil und Glück auf unsren Wegen, Innige Zu⸗ friedenheit, Huld bei Men⸗ schen, Gottes Segen Folgen auf Barmherzigkeit, Und dereinst zum schönsten Lohne 30* — 468 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Schenkt ihr Gott des Him⸗ mels Krone. 8. Herr, wir geben von dem Deinen, Was wir ge⸗ ben; laß uns nie Fühllos sein, wo Menschen weinen; Unsre Hilfe tröste sie, Daß, wenn wir zu dir uns nahen, Wir auch Hilf' und Trost empfahen! Theodor Gottlieb von Hippel, 1741—1796. Mel. Freu' dich sehr, o ꝛe. Offenb. 2, 30. Röm. 8, 18. 556 D. getreu bis 2 an das Ende, Daß nicht Marter, Angst und Noth Dich von deinem Jesu wende, Sei ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht werth der Herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben Dort in seinem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Leiden Und laß dich kein Ungemach, Keine Noth von Jesu scheiden, Murre nicht in Weh' und Ach! Denn du machest deine Schuld Größer nur durch Ungeduld. Selig ist, wer willig trä⸗ get, Was sein Gott ihm auferleget. 3. Sei getreu in deinem Glauben! Laß dir dessen festen Grund Ja nicht aus dem Herzen rauben; Halte treulich deinen Bund, Den dein Gott durchs Wasserbad Fest mit dir geschlossen hat. Ach, du gingest ja verloren, Wenn du treulos ihm ge— schworen! 4. Sei getreu in deiner Liebe Gegen Gott, der dich geliebt! Auch die Lieb' am Nächsten übe, Wenn er dich gleich oft betrübt; Denle, was dein Heiland that, Als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott ver⸗ geben, Auch verzeihn und liebreich leben. 5. Bleibe treu in deinem Hoffen! Traue fest auf Got⸗ tes Wort; Hat dich Kreuz und Noth betroffen Und Gott hilft nicht allsofort, Hoff' auf ihn doch festiglich! Sein Herz bricht ihm gegen dich, Seine Hilf' ist schon vorhanden: Hoffnung machet nie zu Schanden. 6. Nun wohlan, so bleib' im Leiden, Glauben, Lieben, Hoffen fest!—„Ich will treu sein bis zum Scheiden, Weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, Dem sie sich im Kreuz ergiebt, Sieh', ich fasse deine Hände: Hilf mir treu sein bis zum Ende!“ M. Benjamin Prätorius, ums J. 1668. inem Got⸗ reuz Und fort, glich! jegen schon achet Heib' ben, will iden, nicht eine h im fasse treu 1668. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 469 Mel. Meinen Jesum lass' ꝛc. Offenb. 2, 10. ö 55 7* en od Strebst du nach der Le⸗ benskrone; Brich getrost durch alle Noth, Greif' nach dem verheißnen Lohne, Der aus Gnaden dir bestimmt, Wenn dein Lauf ein Ende nimmt. 2. Es wird Niemand dort gekrönt, Der nicht tapfer hier gestritten; Wer hier, von der Welt verhöhnt, Schmach und Ungemach er— litten, Den schmückt ewig dort ein Kranz, Heller, als der Sonne Glanz. 3. Steht dir dieses Klei— nod an, Darfst du nicht im Kampf ermüden; Nur auf Christi Leidensbahn Finden wir erwünschten Frieden, Und es bringt nur saurer Schweiß Den Ehrenpreis. 4. Hast du einmal in der Welt Christi Fahne zu⸗ geschworen, Ach, so räume nicht das Feld, Sonst geht dir der Sieg verloren; Kämpfe, bis der Feind er— legt Und dein Arm die Palme trägt. 5. Es ist aller Christen Pflicht, Glauben und Ge— wissen halten; Laß von dei⸗ verheißnen ner Treue nicht, Bis dein. Herze wird erkalten; Deine Kron' ist schon bereit In der süßen Ewigkeit. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Mach's mit mir, Gott ꝛe. 1. Joh. 4, 20. 21. Matth. 18, 21—35. o Jemand 558. 0 spricht: Ich liebe Gott, Und haßt doch seine Brüder, Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott Und reißt sie ganz danieder. Gott ist die Lieb' und will, daß ich Den Nächsten liebe gleich als mich. 2. Wer dieser Erde Gü⸗ ter hat Und sieht die Brü⸗ der leiden Und macht den Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden, Der ist ein Feind der ersten Pflicht Und hat die Liebe Gottes nicht. 3. Wer seines Nächsten Ehre schmäht Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich ein Feind ver⸗ geht, Und Nichts zum Besten kehret, Nicht dem Verläum⸗ der widerspricht, Der liebt auch seinen Bruder nicht. 4. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schutz Den Nächsten unterstützet, Doch nur aus Stolz, aus Eigen⸗ nutz, Aus Weichlichkeit ihm 470 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. nützet, Nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht, Der liebt auch seinen Bruder nicht. 5. Wer harret, bis ihn anzuflehn Ein Dürft'ger erst erscheinet, Nicht eilt dem Frommen beizustehn, Der im Verborgnen weinet, Nicht gütig forscht, ob's ihm ge⸗ bricht, Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 6. Wer Andre, wenn er sie beschirmt, Mit Härt' und Vorwurf quälet Und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster fehlet: Wie bleibt bei seinem Un— gestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? 7. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rath und That nicht wachet, Dem Uebel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet, Nur sorglos ihnen Gaben giebt, Der hat sie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du ver⸗ magst es nicht, Stets durch die That zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die Kraft dazu Und sorgst dafür: so liebest du. 9. Ermattet dieser Trieb in dir, So such' ihn zu be— leben; Sprich oft: Gott ist die Lieb'ꝰ, und mir Hat er sein Bild gegeben; Denk' oft: Gott, was ich bin, ist dein: Sollt' ich gleich dir nicht gütig sein! 10. Wir haben Einen Gott und Herrn, Sind Eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern, Denn wir sind Alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich: Mein Näch— ster ist sein Kind, wie ich. 11. Ein Heil ist unser Aller Gut: Ich sollte Brü— der hassen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So hoch erkaufen lassen! Daß Gott mich schuf und mich versühnt, Hab' ich dies mehr als sie verdient? 12. Du schenkst mir täg⸗ lich so viel Schuld, Du, Herr von meinen Tagen! Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tra⸗ gen, Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst! 13. Was ich den From⸗ men hier gethan, Dem Kleinsten auch von diesen, Das sieht er, mein Erlöser, an, Als hätt' ich's ihm er⸗ wiesen: Und ich, ich sollt' ein Mensch noch sein Und Gott in Brüdern nicht er⸗ freun! Gericht Wird über den er⸗ XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 471 14. Ein unbarmherziges gehen, Der nicht barmherzig ist und nicht Die rettet, die ihn flehen. Drum gieb mir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Matth. 7, 2. 13. 14. 559 teil und dor⸗ ö nig ist der Pfad, Der uns zur Voll⸗ endung leitet. Selig ist, wer ihn betrat Und im Namen Jesu streitet, Selig, wer den Lauf vollbringt Und nicht kraftlos nieder⸗ sinkt! 2. Ueberschwenglich ist der Lohn Der bis in den Tod Getreuen, Die, der Lust der Welt entflohn, Ihrem Heiland ganz sich weihen;: Deren Hoffnung unverrückt Nach der Sieges⸗ krone blickt. 3. Den am Kreuz wir bluten sehn, Der hat uns den Lohn errungen Und zu seines Himmels Höhn Sich vom Staub emporgeschwun⸗ gen. Sieger in des Todes Nacht, Sprach er selbst: „Es ist vollbracht!“ 4. Zeuch, o Herr, uns hin zu dir, Zeuch uns nach, die Schaar der Streiter! Sturm und Nacht umfängt uns hier; Droben ist es still und heiter. Jenseits, hinter Grab und Tod, Strahlt des Lebens Morgen⸗ roth. 5. Auf denn, Mitge⸗ nossen, geht Muthig durch die kurze Wüste! Seht auf Jesum, wacht und fleht, Daß Gott selbst zum Kampf euch rüste! Der in Schwa⸗ chen mächtig ist, Giebt uns Sieg durch Jesum Christ. Samuel Gottlieb Bürde, 1753—1831. Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛc. 1. Cor. 13. 5 6 0 2 I dben Err tern, Die uns Christus zu⸗ getheilt, Ist die Lieb' in den Gemüthern Himmels⸗ balsam, der sie heilt; Ist ein Stern, der herrlich straͤh⸗ let, Und ein Kleinod, dessen Preis Niemand auszuspre⸗ chen weiß, Weil kein Gold es je bezahlet; Ist die Macht, die Jedermann Zwin⸗ gen und erfreuen kann. 2. Liebe kann uns Alles geben, Was auf ewig nützt und ziert; Sie kann unsre Seel' erheben, Sie ist's, die 472 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. uns aufwärts führt. Men⸗ schen⸗ oder Engelzungen, Welche Kraft sie auch be— seelt, Wenn dabei die Liebe fehlt, Sind noch nie ins Herz gedrungen. Nur ein Erz⸗ und Schellenklang Ist ihr flüchtiger Gesang. 3. Was ich von der Weisheit höre, Die in alle Tiefen dringt, Von geheim⸗ nißvoller Lehre, Die sich auf zum Höchsten schwingt, Selbst die Berge zu ver⸗ setzen Durch des Glaubens starke Kraft, Die der Wun⸗ der Fülle schafft: Alles ist für Nichts zu schätzen, Wenn darin der Liebe Geist Sich nicht kräftig auch beweist. 4⸗ Gäb' ich alle meine Habe Auch den Armen freu⸗ dig hin, Opfert' ich mich selbst dem Grabe, Meinem Nächsten zum Gewinn, Ließ' ich meinen Leib gleich bren⸗ nen Und ertrüge jeden Schmerz: Ist von Liebe leer mein Herz, Würd' es mir nichts nützen können. Nur der Liebe reine That Ist der wahren Freuden Saat. 5. Glaube, Hoffnung, Liebe, leiten Uns nicht nur im Pilgerstand: Ihre Kraft wird uns begleiten In das wahre Vaterland. Ja, es strecken ihre Grenzen Sich bis in die Ewigkeit, Und doch wird die Liebe weit Ueber Glaub' und Hoffnung glänzen. Sie schafft Hel und Segen hier, Sie be⸗ seligt für und für. 6. O du Geist der rei— nen Liebe, Segensgquell in Freud' und Schmerz, Laß mich spüren deine Triebe, Komm mein Herz; Laß mich kräf⸗ tig widerstreben Allem, was nicht gut es meint Mit dem Freunde, mit dem Feind, Und mich reizt, nur mir zu leben. Geist der Liebe, lenke hin Zu der Liebe meinen Sinn. Ernst Lange, 1650—1727. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ꝛc. Ephes. 4, J. ff. 5 61. Vadd mir, Jesu, deinen Sinn, Dem Feinde zu ver⸗ geben: Laß mich, der ich dein Jünger bin, Nach Fried' und Eintracht streben. Wie könnt' ich hegen bittren Zorn, Da aus der Gnade süßem Born Nur Heil mir quillt und Leben! 2. Ein Vater hat uns auserwählt Zu seines Hau⸗ ses Kindern; Ein Heiland brachte, was uns fehlt, Ver⸗ söhnung allen Sündern; Ein Geist uns allesammt und senk' dich in einen ver⸗ ich ried' Wie zorn, ißem Huillt uns hau⸗ land Ver⸗ ern; umt XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 473 regiert Und zu des Himmels Erbe führt, Wenn wir ihn nur nicht hindern. 3. Wie dürft' ich wegen kleiner Schuld Den schwa⸗ chen Bruder hassen, Da Got⸗ tes Langmuth und Geduld Mir große Schuld erlassen! Nein, immer sei mein Herz bereit, In wahrer Lieb' und Einigkeit Den Näch⸗ sten zu umfassen. 4. In Einem Herrn ließ Gottes Rath Uns Heil und Gnade finden; Ein gnaden⸗ reiches Wasserbad Macht rein uns von den Sünden; Ein Abendmahl uns Alle speist: Wie sollte nicht Ein Herz und Geist Uns alle— sammt verbinden! 5. Nimm hin, o Bruder, meine Hand, Reich deine mir zum Frieden. Aus unsrem Herzen sei verbannt, Was uns bisher geschieden. Den Seligen im Himmel— reich Sind wir durch wahre Liebe gleich Und selig schon hienieden. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Jesu, der du meine ꝛc. Röm. 8, 38. 39. 502. Bunz dener Güte Bet' ich dich, mein Heiland, an; Ewig dankt dir mein Gemüthe, Was du auch an mir gethan. Nichts vermag mein Herz zu trö⸗ sten, Als der Glaube der Erlösten; Lob und Preis und Dank sei dir! Dieser Glaube lebt in mir. 2. Ja, ich weiß, an wen ich gläube, Ja, ich weiß, daß du mich liebst Und mir, wenn ich treu verbleibe, Ewige Belohnung giebst. Niemand soll von dir mich trennen, Nichts von dir mich scheiden können; Wenn der Tod mein Auge bricht, Bleibst du meine Zuversicht; 3. Meine Zuversicht im Leiden, Wenn mich Trost und Hoffnung flieht; Wenn mein Aug' die kurzen Freu⸗ den Dieser Welt zerrinnen sieht. Mitten unter meinen Schmerzen Fühl' ich Ruh' in meinem Herzen, Denn ich weiß, der Erde Leid Ist nicht werth der Ewigkeit. 4. Meine Leiden währen Stunden, Ewig währt des Himmels Glück; Dann von allem Gram entbunden Denkt mein Herz mit Lust zurück An das Leben dieser Erden, Seine Freuden und Beschwerden. Alles, was mir dunkel war, Macht die Zukunft mir einst klar. 5. Nun, so will ich denn 474 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. gelassen Deinem Wink ge⸗ horsam sein; Herr, du wirst mich nicht verlassen, Denn auch ich, auch ich bin dein. Wenn Gewitter um mich stürmen, Wird mich deine Hand beschirmen; Wenn dein Wink es nicht erlaubt, Fällt kein Haar von mei⸗ nem Haupt. 6. Liebreich sorgst du für mein Leben, Dir, o Gott, will ich es weihn; Wirst du Glück und Lust mir geben, So will ich mich dankbar freun; Aber auch in bösen Tagen Will ich, fern von finstren Klagen, Meinen Weg durch Dornen gehn, Denn sein Ausgang ist einst schön. Anhang des alten Görlitzer Gesangbuchs, 1794. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Hebr. 12, 1. 5 6 3 Ven Reuem 5 eilt zum heil'gen Streit, Die Krone der Gerechtigkeit Empfan⸗ gen treue Streiter. Nie ruht der Christen arger Feind, So rast' auch nim⸗ mer, Christi Freund, Dring' alle Tage weiter, Höher, Näher Zu dem Throne, Bis die Krone Dort errun⸗ gen, Bis ihr ganz hindurch gedrungen. 2. O, selig ist, wer glau⸗ bend kämpft, Ja, täglich mehr die Sünde dämpft, Bis sie einst ganz vernichtet! Nur nie an Christi Macht verzagt, Nur immer kühnern Kampf gewagt! Der Feind ist schon gerichtet. Streitet, Leitet Eure Pfade Durch der Gnade Licht nach oben, Wo ihr allem Kampf ent⸗ hoben. 3. Was zögert ihr? was säumt ihr noch? Mit Gott zerbricht das stärkste Joch. Wollt ihr euch länger quä— len? Sieg ist dem Gläu⸗ bigen gewiß, Zum Kampf mit Tod und Finsterniß Läßt's Gott an Keinem fehlen. Christen Rüsten Sich zum Kriege, Sel'ge Siege Zu erringen, Und ihr Gott läßt es gelingen. 4. O, wohl euch, wenn der letzte Feind Besiegt ist, wenn der Tag erscheint, Der ewig euch wird krö— nen! Wenn ihr von sel'gen Siegen singt Und ewig eure Palmen schwingt, Wie herrlich wird das tönen! Ringet, Singet, Singet Psalmen, Schwinget Pal⸗ men Sel'ger Siege Nach der Arbeit schwerer Kriege! Karl August Döring, 1783—1844. glau⸗ äglich impft, ichtet! reitet, Durch oben, fent⸗ was Gott Joch. quä⸗ Gläu⸗ kampf erniß einem Sich Siege Gott wenn t ist, heint, krö⸗ elgen ewig Wie önen! inget Pal⸗ h der 1644. ——..———— 564. W.- XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 475 Mel. Herzlich thut mich ꝛe. Matth. 26, 33. Alle untreu werden, So bleib' ich dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestor⸗ ben sei! Für mich umfing dich Leiden, Du gingst für mich in Schmerz; Drum geb' ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. 2. Oft möcht' ich bitter weinen, Daß du gestorben bist Und Mancher von den deinen Dich lebenslang ver⸗ gißt. Von Liebe nur durch⸗ drungen, Hast du so viel gethan, Und doch bist du verklungen, Und Keiner denkt daran! 3. Du stehst voll treuer Liebe Noch einem Jeden bei, Und wenn dir Keiner bliebe, So bleibst du den⸗ noch treu. Die treuste Liebe sieget, Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an dein Knie. 4. Ich habe dich empfun— den, O lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden Auf ewig sein mit dir! Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und sinken liebend nieder Und fallen dir ans Herz. Friedrich von Hardenberg, 1772—1801. Eigene Melodie. Joh. 1, 12. 565. WI * nur habe, Wenn er mein nur ist, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie ver— gißt: Weiß ich nichts von Leide, Fühle Nichts, als Andacht, Lieb' und Freude. 2. Wenn ich Ihn nur habe, Lass' ich Alles gern, Folg' an meinem Wander⸗ stabe Treugesinnt nur mei⸗ nem Herrn, Lasse still die Andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wo ich Ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbtheil in die Hand. Längst vermißte Brüder Find' ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedrich von Hardenberg, 1772—1801. Mel. Wenn wir in höchsten ꝛc. Pf. 3. 4 enn Men⸗ 566. W schenhilfe dir gebricht, So hoff' auf Gott und zage nicht; Wenn Niemand hilft, so hilft doch er Und macht dein Leiden nicht zu schwer. 476 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 2. Was trachtest du nach Menschengunst, Die doch vergehet, wie ein Dunst? Wie selten giebt es einen Freund, Der's immer treu und redlich meint! 3. Nimm deine Zuflucht drum zu Gott, Der kann dir nehmen deine Noth; Such' den zum Freund, der dir allein Mit seiner Hilf' kann nützlich sein. 4. Ist Gott dein Freund, so ist dein Feind Ganz ohne Macht, wie stark er scheint; Und wären tausend Feinde hier, So könnt' doch keiner schaden dir. 5. Ob Alles sich entge— genstellt: Es muß doch gehn, wie's Gott gefällt; Es muß vor seiner Allmacht Dräu'n Sich selbst des Mee⸗ res Sturm zerstreun. 6. Wenn alle Hilf' scheint aus zu sein, So stellt sich Gottes Hilfe ein; Laß Gott nur machen, wie er will, Und halte seinem Willen still! Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig— Lüneburg, 1633—1714. Eigene Melodie. Ps. 27, 1. 567. W * Herr, Der alle Wunder thut, Von dem man immer spricht: Er machet Alles gut, Der so mit Macht regiert Die ganze weite Welt, Der Al⸗ les wohl versorgt Und thut, was ihm gefällt? 2. Er ist mein Gott, Der Herre Zebaoth, Der treue Seelenhirt Und Retter aus der Noth, Der Leben und auch Tod In seinen Hän⸗ den hält! Ich bin aus Staub gemacht: Er thu', was ihm gefällt. 3. Er ist der Herr, Ich bin sein schlechter Knecht; Was er mir auferlegt, Ist Alles gut und recht. Ich folge seinem Trieb', Er ist mein starker Held Und führt es herrlich aus: Er thu', was ihm gefällt. 4. Er ist der Herr; Mein Will' ist oft verkehrt; Wo mich sein treuer Rath Nicht rechte Wege lehrt, So irr' ich hier und dort. Wo er mich nicht erhält, Fällt meine Wohlfahrt hin: Er thu', was ihm gefällt. 5. Er ist der Herr; Was können Menschen thun? In seiner Gnade soll Mein ganzes Wesen ruhn. Wo er mich schützt, wird mir Vergebens nachgestellt, Ihm überlass' ich mich: Er thu', was ihm gefällt. 6. ich weiß mir Waẽ Is Kre thu,, sich hält den mach dem; spric Er 8 ist Dra Frer fort pfor Wel pricht: „Der t Die er Al⸗ Und 7 t, Der treue r aus und Hän⸗ Staub 3 ihm „Ich necht; Ich Er ist führt thu', Mein Wo In Mein Wo XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 477 6. Er ist der Herr; Sollt' ich ein Unglück sehn, So weiß ich doch gewiß, Daß mir Nichts kann geschehn, Was er nicht hat verhängt; Ist mir doch zugesellt Dies Kreuz als ein Gefährt: Er thu', was ihm gefällt. 7. Er ist der Herr: Wenn sich's gleich bös' anläßt, So hält er seine Treu' Dennoch den Frommen fest Und macht's am Ende gut. Wohl dem, der bei ihm hält Und spricht: Er ist der Herr, Er thu', was ihm gefällt. 8. Er ist der Herr; Dies ist mein Glaubenswort, Drauf führ' in Leid und Freud' Ich meinen Wandel fort Bis zu der Himmels⸗ pfort'. Fahr' hin, du böse Welt, Hier ist der Herr, der thut, Was ihm und mir gefällt. 9. Er ist der Herr, Mein Schild und großer Lohn; Was acht' ich auf der Welt Schmach, Ungemach und Hohn? Ich weiß, die Ehren⸗ kron' Ist dort mir schon be⸗ stellt Von meinem lieben Gott, Der thut, was ihm gefällt. 10. Er ist der Herr, Deß freu' und tröst' ich mich; Was er mir zugesagt, Giebt er ganz sicherlich. Er ist der wahre Gott, Der Bund und Gnade hält; Darauf verlas' ich mich: Er thu', was ihm gefällt. Johann Anaftasius Freylinghausens Gesangbuch, 1741. Eigene Melodie. Ps. 37, 4. 568 Wer nur den lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderlich erhalten In allem Kreuz und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh' und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir ma⸗ chen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Trau⸗ rigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsres Gottes Gnadenwille, Wie sein' Allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat aus⸗ erwählt, Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sei; 478 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh' wir's uns versehn, Und lässet uns viel Gut's ge⸗ IH0 5. Denk' nicht in deiner Drangsalshitze, Daß du von Gott verlassen sei'st, Und daß der Gott im Schooße sitze, Der sich mit stetem Glücke speist; Die Folgezeit verändert viel Und setzet Jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen Und ist dem Höchsten Alles gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, Der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, Ver⸗ richt' das Deine nur getreu Und trau' des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu; Denn welcher seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark, 1621—1681. Mel. Es ist das Heil uns ꝛc. Ps. 23, 3. 569. W.f, will ich gehn, Ohn' alles Eigenwählen; Geschieht, was er mir ausersehn, Wird mir's an Keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh ich mis, Und folge willig Schritt vor Schritt In kindlichem Vertrauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still Und folge seinem Leiten, Obgleich im Fleisch der Eigenwill' Will öfters widerstreiten. Wie Gott mich führt, bereit, In Zeit und auch in Ewigkeit Stets seinen Schluß zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt, Ich ruh' in seinen Händen; Wie er es schickt und mit mir fügt, Wie er's will kehr'n und wenden, Sei ihm hiermit ganz heimgestellt; Er mache, wie es ihm gefällt, Zum Le⸗ ben oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb' ich mich In seinen Vaterwillen. Scheint's der Vernunft gleich wunderlich, Sein Rath wird doch er⸗ füllen, Was er in Liebe hat bedacht, Eh' er mich an das Licht gebracht; Ich bin ja nicht mein eigen. 5. Wie Gott mich führt, so bleib' ich treu Im Glau⸗ ben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, bin ih Was scheide duld mir u mir 31 6. so w durch vorne sehn, decken Vater wohl sei m XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 479 Was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Ge⸗ duld mich fest, Was Gott mir widerfahren läßt, Muß mir zum Besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, Es geh' durch Dorn und Hecken. Von vornen läßt sich Gott nicht sehn, Zuletzt wird er's auf⸗ decken, Wie er nach seinem Vaterrath Mich treu und wohl geführet hat: Dies sei mein Glaubensanker. Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. Nach Lampertus Gedicke, 1683—1735. Eigene Melodie. Sir. 18, 13. 14. ie herrli 570. W Schäflein Christi werden Und in der Hut des treu⸗ sten Hirten stehn! Kein höhrer Stand ist auf der ganzen Erden, Als unver⸗ rückt dem Lamme nachzu⸗ gehn. Was alle Welt nicht geben kann, Das trifft ein solches Schaf Bei sei— nem Hirten an. 2. Hier findet es die an⸗ genehmsten Auen, Hier wird ihm stets ein frischer Quell entdeckt; Kein Auge kann die Gaben überschauen, Die es allhier in reicher Menge schmeckt. Hier wird ein Le⸗ ben mitgetheilt, Das voll Vergnügen ist Und nie vorübereilt. 3. Wie läßt sich's da so froh und ruhig sterben, Wenn hier das Schaf im Schooß des Hirten liegt! Es darf sich nicht vor Höll' und Tod entfärben; Sein treuer Hirt hat Höll' und Tod besiegt. Büßt gleich der Leib die Regung ein, So wird die Seele doch Kein Raub des Moders sein. 4. Das Schäflein bleibt in seines Hirten Händen, Wenn gleich vor Zorn Welt, Höll' und Abgrund schnaubt; Es wird es ihm kein wil⸗ der Wolf entwenden, Weil der allmächtig ist, an den es glaubt. Es kommt nicht um in Ewigkeit Und wird im Todesthal Von Furcht und Fall befreit. 5. Wer leben will und gute Tage sehen, Der mache sich zu dieses Hirten Stab; Hier wird sein Fuß auf süßer Weide gehen, Da ihm die Welt vorhin nur Trä⸗ ber gab; Hier wird nichts Gutes je vermißt, Dieweil der Hirt ein Herr Der Schätze Gottes ist. 6. Doch ist dies nur der Vorschmack größrer Freuden; Es folget noch die lange 480 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Ewigkeit: Da wird das Lamm die Seinen herrlich weiden, Wo der krystallne Strom das Wasser beut; Da siehet man erst klar und frei, Wie schön und auser⸗ wählt Ein Schäflein Christi sei. Dr. Johann Jacob Rambach, 1693—1735. Eigene Melodie. Joh. 14, 6. 571. W.. genstern, Voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn Uns herrlich aufgegangen! O guter Hirte, Davids Sohn, Mein König auf dem Himmelsthron, Du hast mein Herz umfangen; Lieblich, Freundlich, Schön und präch⸗ tig, Groß und mächtig, Reich an Gaben, Hoch und wundervoll erhaben! 2. O Kleinod, dem kein Kleinod gleicht, Sohn Got⸗ tes, den kein Lob erreicht, Vom Vater uns gegeben! Mein Herz zerfließt in dei⸗ nem Ruhm; Dein süßes Evangelium Ist lauter Geist und Leben. Dich, dich Will ich Ewig fassen, Nimmer lassen; Brot des Lebens, Dein begehr' ich nicht ver⸗ ebens. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du Gotteslicht und Himmelsschein, Die Flamme deiner Liebe Und stärk' mich, daß ich ewig bleib', O Herr, ein Glied an dei⸗ nem Leib In frischem Lebens⸗ triebe! Nach dir Wallt mir Mein Gemüthe, Ew'ge Güte, Bis es findet Dich, deß Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wenn mich dein heilig Angesicht Mit Freundlichkeit anblicket. O Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicket. Nun ich Bitt' dich: Blick mich Armen Voll Er⸗ barmen An mit Gnaden; Auf dein Wort komm' ich geladen. 5. Herr Gott, Vater, du starker Held! Du hast mich ewig vor der Welt In dei⸗ nem Sohn geliebet; Dein Sohn hat sich mit mir ver⸗ traut, Mein Herz auf ihn mit Freuden schaut, In dem mich Nichts betrübet. Preis dir, Heil mir! Himmlisch Leben Wird er geben Mir Herz ihn loben. 6. Spielt unsrem Gott mit Saitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz dort oben; Ewig soll mein. freudenreich erschallen! Ich, licht Die Und leib', dei⸗ Hens⸗ mir züte, deß mir mich Mit O Gut! dein erlich dich: Er⸗ iden; ich „ du mich dei⸗ Dein ver⸗ f ihn dem Preis nlisch Mir mein. Gott laßt Ganz Ich XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 481 will mit meinem Jesum heut' Und morgen und in Ewig⸗ keit In steter Liebe wallen! Singet, Klinget, Jubiliret, Triumphiret! Dankt dem Herren, Ihm, dem König aller Ehren! 7. Wie freu' ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der Erst' und Letzte bist, Der Anfang und das Ende! Du, der sein Leben für mich ließ, Nimmst mich einst in dein Paradies; Drauf fass' ich deine Hände. Amen, Amen! Komm, o Sonne, Meine Wonne, Bleib nicht lange, Daß ich ewig dich umfange! Nach Dr. Philipp Nicolai, 1556—1608. Mel. 339 130 lieben Gott ꝛc. 37, 39. 2. Wi alle 5 0 deine Noth Auf deinen Herrn und Gott, Der wird dich alle Morgen Mit seiner Macht versorgen, Und, wenn dich schon Viel' hassen, In deiner Noth nicht lassen. 2. Ich folge deinem Wort, Mein Gott, mein Herr, mein Hort, Und will dich lassen machen In allen meinen Sachen. Ich laß stets dich, Gott, walten, Du wirst mich schon erhalten. 3. Versorge Leib und Seel', Du mein Imma⸗ nuel! Hilf mir aus meinen Leiden Zu deinen Himmels⸗ freuden, Und laß mich mit den Frommen Zur Himmels⸗ ruhe kommen! M. Johann 1072. 1650 Schwedler, 672— 73 Eigene Melodie. Joh. 17, 3. 573 Woll ihr wis⸗ sen, was mein Preis? Wollt ihr ler⸗ nen, was ich weiß? Wollt ihr sehn mein Eigenthum? Wollt ihr hören, was mein Ruhm? Jesus, der Gekreu⸗ zigte!, 2. Wer ist meines Glau⸗ bens Grund? Wer stärkt und erweckt den Mund? Wer trägt meine Straf' und Schuld? Wer schafft mir des Vaters Huld? Jesus, der Gekreuzigte!:,: 3. Wer ist meines Lebens Kraft? Wer ist meines Gei⸗ stes Saft? Wer macht mich gerecht und schlecht? Wer macht mich zu Gottes Knecht? Jesus, der Gekreuzigte! 1. 4. Wer ist meines Lei⸗ dens Trost? Wer schützt, wenn der Feind erboßt? Wer erquickt mein mattes Herz? Wer verbindet mei⸗ nen Schmerz? Jesus, der Gekreuzigte! 31 482 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. Wer ist meines Todes Tod? Wer hilft in der letz— ten Noth? Wer versetzt mich in sein Reich? Wer macht mich den Engeln gleich? Jesus, der Gekreuzigte! 6. Und so wißt ihr, was ich weiß; Ihr wißt meinen Zweck und Preis; Glaubt, lebt, duldet, sterbet dem, Der uns Gott macht angenehm: Jesu, dem Gekreuzigten! M. Johann Cbristoph Schwedler, 1672—1730. Mel. Christus, der ist mein ꝛc. 2. Cor. 5, 4. 574. 5 wär' ich doch schon droben! Mein Heiland, wär' ich da, Wo dich die Schaa— ren loben, Und säng' Halle⸗ luja! 2. Wo wir dein Antlitz schauen, Da sehn ich mich hinein, Da will ich Hütten bauen; Denn dort ist gut zu sein. 3. Da werd' ich Alles sehen, Den großen Schö⸗ pfungsrath, Was durch dein Blut geschehen, Und deines Geistes That. 4. Da feiern die Ge⸗ rechten, Die ungezählte Schaar, Mit allen deinen Knechten Das große Jubel⸗ jahr. 5. Mit göttlich süßen Weisen Wird mein verklär⸗ ter Mund Dich ohne Sünde preisen, Du, meines Lebens Grund. 6. Da werden meine Thränen Ein Meer voll Freude sein. Ach, stille bald mein Sehnen, Und hole mich hinein! Ernst Gottlieb Woltersdorf, 1725—1761. Eigene Melodie. Jes. 30, 21. 575 Der schmale Weg ist breit genug zum Leben; Wenn man nur sacht' und grad' und stille geht, So wird man nicht so leichtlich umgeweht; Man muß sich recht hineinbegeben, So ist er breit genug zum frommen Leben. 2. Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten, Wenn man es nur im Glauben recht bedenkt, Wenn man das Herz nur fröhlich dazu lenkt; Man muß sich recht dazu bereiten, So ist der schmale Weg voll Süßig⸗ keiten. 3. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; Sonst ist es schwer und gehet XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 483 doch nicht an. Weg, schnö— der Sinn, du Schaum der Erden! Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden. 4. Wer die Geburt aus Christo hat erlanget, Der folgt allein dem Herrn ge— treulich nach; Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, Eh' er mit ihm im Lichte pranget, Wer die Geburt aus Christo hat erlanget. 5. Er wird mit ihm in seinen Tod begraben, Er wird im Grab auf eine Zeit verwahrt; Er stehet auf und hält die Himmelfahrt; Dann giebt ihm Gott des Geistes Gaben, Wenn er zuvor mit Christo ward be— graben. 6. Derselbe Geist, der Christum hier geübet, Der— selbe übt die Jünger Christi auch; Der Eine Geist hält immer Einen Brauch, Kein andrer Weg wird sonst be— liebet; Der Jünger wird, wie Christus, hier geübet. 7. Und ob es gleich durch Tod und Dornen gehet, So trifft's doch nur die Ferse, nicht das Herz. Die Traurigkeit läßt keinen tiefen Schmerz Dem, der getrost und feste stehet, Ob— schon es oft durch Tod und Hölle gehet. 8. Das sanfte Joch kann uns ja hart nicht drücken, Es wird dadurch das Böse nur gedrückt; Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darein zu schicken, Den kann das sanfte Joch zu hart nicht drücken. 9. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe, Das Herz hebt sich darunter hoch empor, Es tritt mit freier Lebenskraft hervor Und schmeckt dabei des Herren Güte. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe. 10. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit; Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit, Des Guten Füll' ist hier zu sehen; Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Dr. Christian Friedrich Richter, 1676—1711. Eigene Melodie. 2. Petri 1, 5. 6. 2 76 Dis Tugend 00. U wird durchs Kreuz geübet, Denn ohne das kann sie nicht sein; Wenn sie nicht oftmals wird betrübet, So merkt man 31* 484 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. gar nicht ihren Schein. Sie muß im Kreuz die Stärke zeigen, Die sie verborgen in sich hat, Daß sie den könne unterbeugen, Der ihr nachstellet früh und spat. 2. Wer sollte ohne Kampf wohl siegen? Die Tapferkeit kann nicht be⸗ stehn, Wenn man nicht will zu Felde liegen Und einen ernsten Streit eingehn. Der Feind ist, wenn Gott Kraft verliehen, Flugs da, der sich ihr widersetzt: Da soll man ja den Schlaf recht fliehen, Wenn Satans Heer die Schwerter wetzt. 3. Zwar drückt den Palmbaum wohl zu Erden Gar oft ein zentnerschwer Gewicht, Der doch nicht unterdrückt kann werden, Er stehet wieder aufgericht't: So wird die Tugend auch gedrücket, Daß sie fast ganz darnieder liegt; Bald aber wird die Stärk' erblicket, Wenn sie mit Macht den Feind besiegt. 4. Sie kann zu hohen Stufen kommen, Wenn sie im Streit geübet ist: Kreuz ist der Weg, den alle From⸗ men Erwählen; wer sich selbst vergißt Und eilet zu den Ewigkeiten, Wird durch des Vaters Hand geführt, Der ihn durchs Kreuz sucht zu bereiten, Eh' er ihn mit der Krone ziert. 5. Denn Gott hat uns nicht führen wollen Durch einen Weg voll Zärtlichkeit, Worauf wir emsig laufen sollen In der so kurzen Pilgrimszeit Zum Leben, das da ewig währet, Wo Streit und Kampf entfernet ist, Und wo man recht die Ruh' erfähret In Gott, der alles Leid versüßt. 6. Darum, wen Gott zum Kind erkläret, Der hat an Satan einen Feind, Mit dem sein Kampf stets wird vermehret, Weil er's gewiß mit Ernste meint: Er bläst ihm durch sein gift'ges Hauchen Oft Lüste mancher Laster ein Und weiß sich großer List zu brauchen, Daß er mög' Ueberwinder sein. 7. Denn wie Gott auf⸗ wärts führt zum Leben, So führt der Feind zum Unter⸗ gang: Er sucht mit Grimm zu widerstreben Und macht dem armen Menschen bang'. Er will den Muth darnieder schlagen; Drum wagt er Alles, was er kann, Und lässet nicht bald ab zu pla⸗ gen, Zu fällen ihn auf rechter Bahn. nieder tiner Und pla⸗ auf XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 485 8. Doch wie er viel ge⸗ schlagen nieder, So wird er auch gar oft besiegt, Wenn man ermannt die matten Glieder In Gott und tapfer ihn bekriegt. Der Glaube muß ihm widerstehen Und hat in sich die Gottesmacht; Der Satan muß von ihm bald gehen, Wenn man sich wachend nimmt in Acht. 9. O Jesu, der du mir erworben Heil, Kraft und Leben durch den Tod, Da du am Kreuzesstamm ge— storben Nach ausgestandner vieler Noth: Komm mir zu Hilf' und schaffe Leben In mir und stürze meinen Feind, Der über mich sich will er— heben, Wenn mir dein Licht nicht helle scheint. 10. Flöß' immer in mich neue Kräfte, Damit ich hang' an deiner Brust Und tödt' in mir all mein Ge⸗ schäfte; Dein Friede bleib' mir nur bewußt. Stärk' du, mein Held, mir selbst den Glauben Und zieh' mein Aug' auf dich nur hin, So wird mich wohl der Feind nicht rauben, Weil du in mir, ich in dir bin! Johann Christian Nehring, 4 1736. Eigene Melodie. Ps. 37, 7. ö ieb dich zu⸗ 57 0. Osfden und sei stille In dem Gotte dei— nes Lebens; In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn' ihn mühst du dich verge— bens. Er ist dein Quell und deine Sonne, Scheint täglich hell zu deiner Wonne: Gieb dich zufrieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Unge⸗ färbten, treuen Herzens; Wo er steht, thut dir keinen Schaden Auch die Pein des größten Schmerzens; Kreuz, Angst und Noth kann er bald wenden, Ja auch den Tod hat er in Händen: Gieb dich zufrieden! 3. Wie dir's und Andern oft ergehe, Ist ihm wahrlich nicht verborgen; Er sieht und kennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sor⸗ gen; Er zählt den Lauf von heißen Thränen Und faßt zu Hauf' all unser Sehnen: Gieb dich zufrie— den! 4. Wann gar kein Ein'⸗ ger mehr auf Erden, Dessen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Tröster werden Und zu deinem Besten schauen; Er weiß 486 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. dein Leid und heimlich Grämen, Auch weiß er Zeit, dir's zu benehmen: Gieb dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stilles Klagen, Und was du Keinem darfst er⸗ zählen, Magst du Gott gar kühnlich sagen; Er ist nicht fern, steht in der Mitten, Hört bald und gern der Armen Bitten: Gieb dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, Halt' an Gott, so wirst du siegen; Ob alle Fluthen einhergin⸗ gen, Dennoch mußt du oben liegen; Denn wenn du wirst zu hoch beschweret, Hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret: Gieb dich zufrieden! 7. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie du's halten woll'st und nähren? Der dir das Leben hat ge— geben, Wird auch Unterhalt bescheren: Er hat ein' Hand voll aller Gaben, Da See und Land sich muß von laben: Gieb dich zufrieden! 8. Der allen Vögeln in den Wäldern Ihr bescheid'— nes Körnlein weiset, Der Schaf' und Rinder auf den Feldern Alle Tage tränkt. und speiset, Der wird ja auch dich Ein'gen füllen Und alle deine Nothdurft stillen: Gieb dich zufrieden! 9. Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel; Wo ich such', ist Nichts zum Besten; Denn das ist Gottes Ehrentitel: Helfen, wenn die Noth am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, So schickt er zu, uns wohl zu führen: Gieb dich zufrieden! 10. Bleibt gleich die Hilf' in etwas lange, Wird sie dennoch endlich kommen. Macht dir das Harren angst und bange, Glaube mir: es ist dein Frommen. Was langsam schleicht, faßt man gewisser, Und was verzeucht, ist desto süßer: Gieb dich zufrieden! 11. Nimm nicht zu Her⸗ zen, was die Rotten Deiner Feinde von dir dichten; Laß sie nur immer weidlich spot⸗ ten, Gott wird's hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, Was kann dein Feind, der Mensch, groß machen? Gieb dich zufrieden! 12. Hat er doch auch wohl selbst das Seine, Wenn er's sehen könnt' und wollte. Wo ist ein Glück so klar und reine, Dem nicht Etwas fehlen sollte? SHD = XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 487 Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden! 13. Es kann und mag nicht anders werden: Alle Menschen müssen leiden. Was webt und lebet auf der Erden, Kann das Un⸗ glück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden Bis in das Grab; da wird sich's enden: Gieb dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen; Er wird uns reißen aus den Ban⸗ den Dieses Leib's von allem Bösen. Es wird einmal der Tod herspringen Und aus der Qual uns sämmt⸗ lich bringen: Gieb dich zu— frieden! 15. Er wird uns brin⸗ gen zu den Schaaren Der Erwählten und Getreuen, Die hier mit Frieden heim— gefahren, Sich auch nun in Frieden freuen, Da sie im Grund, der nicht kann brechen, Den ew'gen Mund selbst hören sprechen: Gieb dich zufrieden! Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Gott des Himmels ꝛc. Jes. 43, 2. 5 78.*¹⁷⁴ bei mir an jedem Orte, Auf dem Meer und auf dem Land! Das ist mir aus seinem Worte, Aus Erfahrung wohl bekannt. Fragt ihr mich: Wer ist bei dir? Gott ist hier! Gott ist mit mir! 2. Meerestiefe, Todes⸗ jammer, Kerker schließen Gott nicht aus; Er ist bei mir in der Kammer, Auf dem Felde, wie im Haus. Sitze, liege, stehe ich: Ueberall ist Gott um mich! 3. Gott für mich! das darf ich sagen; Er ist mei⸗ ner Seele Gott: Darum kann ich nicht verzagen In Verfolgung, Kreuz und Spott. Fragt ihr: Mensch, was tröstet dich? Höret es: Gott ist für mich! 4. Ach, ich habe ihn gesehen In der Kripp' als armes Kind, Hab' ihn unter tausend Wehen Bluten sehn für meine Sünd', Und so weiß ich festiglich: Gott, mein Heiland, ist für mich! 5. Gott mit mir! o welche Freude! Mit ihm hab' ich Muth und Kraft, Mit ihm hab' ich Trost im Leide, Kunst, Verstand und 488 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Wissenschaft. Fragt ihr: Mensch, was hilft dir so? — Gott mit mir! deß bin ich froh! 6. Noth und Tod will ich bezwingen, Wenn mein Gott nur mit mir ist, Kann durch alle Netze dringen, Siegen über Macht und List. Kannst du das?— so fraget ihr.— Nein! das thut mein Gott in mir! Christian Friedrich Zeller, geb. 1779. Eigene Melodie. Micha 2, 13. 5 7 9 Durchbrecher aller Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schaden, Spott und Schande Lauter Lust und Himmel ist! Uebe fer— ner dein Gerichte Wider unsren Adamssinn, Bis uns dein so treu Gesichte Führet aus dem Kerker hin! 2. Ist's doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk; Hierzu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb' und Stärk', Daß du Nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht! Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht't, Sind wir gleich gering geachtet Bei den Leuten allezeit, Schnöd' gemacht und gar verachtet In des Kreuzes Niedrigkeit. 4. Schau' doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Creatur Seufzen, rin⸗ gen, schreien, beten Um Er⸗ lösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart be— drückt, Ob auch schon der Geist in Zeiten Sich auf etwas Beßres schickt. 5. Ach, erheb' die mat⸗ ten Kräfte, Daß sie sich doch reißen los Und, durch alle Weltgeschäfte Durchge— brochen, stehen bloß! Weg mit Menschenfurcht und Zagen, Weich', Vernunfts⸗ bedenklichkeit, Fort mit Scheu vor Schmach und Plagen, Weg des Fleisches Zärtlich— keit! 6. Herr, zermalme, brich, zerstöre Diese Macht der Finsterniß! Der preist nicht mehr deine Ehre, Den sie fort zum Tode riß. Heb' uns aus dem Staub der Sünden, Wirf die Schlan⸗ genbrut hinaus; Laß uns XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 489 wahre Freiheit finden, Frei⸗ heit in des Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit; Wie du's nöthig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit; Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund ver⸗ spricht. 8. Herrscher, herrsche; Sieger, siege; König, brauch' dein Regiment; Führe dei— nes Reiches Kriege, Mach' der Sklaverei ein End'! Denn die Last treibt uns, zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig' doch nur die ersten Stufen Der gebroch— nen Freiheitsbahn! 9. Laß, die theuer sind erworben, Nicht der Men⸗ schen Knechte sein! Denn, so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen Und ver⸗ klärt ins beste Bild!— Der hat Gnad' um Gnad' genommen, Welchen deine Füll' erfüllt. 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ' ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht lässig sein! Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein! Gottfried Arnold, 1665—1714. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Ephes. 6, 16. 17. üstet euch, 580. R ihr Chri⸗ stenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute; Ja, Satan selbst hat eu'r begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell? Hier ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt Durch die— sen Held, Und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch, von euren Lüsten; Besieget sie, die ihr seid Christen, Und stehet in des Herren Kraft. Stärket euch in Jesu Na⸗ men, Daß ihr nicht strauchelt, wie die Lahmen. Wo ist des Glaubens Eigenschaft? Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel! Da ist Freude. Wohlan, so seid Zum Kampf bereit; So krönet euch die Ewig-⸗ keit. 490 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 3. Streitet recht die wen'gen Jahre, Eh' ihr kommt auf die Todtenbahre; Kurz, kurz ist unser Lebens⸗ lauf. Wenn Gott wird die Todten wecken Und Christus wird die Welt er— schrecken, So stehen wir mit Freuden auf. Gott Lob! wir Daß uns die Welt noch höhnt, Währt nicht lange; Und Gottes Sohn Hat längstens schon Uns beige— legt die Ehrenkron'. 4. Jesu, stärke deine Kinder, Und mach' aus denen Ueberwinder, Die du erkauft mit deinem Blut. Schaff' in uns ein neues Leben, Daß wir uns stets zu dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Gieß' aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen, So halten wir Getreu an dir Im Tod und Leben für und für. Wilhelm Erasmus Arends, 4 1721. Mel. Herr Jesu Christ, ich ꝛc. Matth. 25, 34. E ie froh wird 58 1. W meine Seele sein, Wenn Jesus wird einst sagen: Kommt, ihr Gesegneten, herein, Befreit sind versöhnt. von allen Plagen, Kommt, erbet meines Vaters Reich, Das er bereitet hat für euch, Eh' er die Welt er⸗ schaffen. 2. Mit was für Freuden werd' ich gehn Zum Freunde meiner Seelen! Ich werde ihm zur Rechten stehn, Mich wird kein Feind mehr quä⸗ len; Das auserwählte Got⸗ teslamm, Mein Schönster und mein Bräutigam, Wird mich zur Hochzeit führen. 3. Der Vorschmack muß mich schon allhier Im Gna⸗ denreiche laben, Im Himmel soll ich für und für Das Brot des Lebens haben; Die Lebensbrünnlein sollen dort Auf Leib und Seele fort und fort Aus seiner Fülle fließen. 4. Gesegnet bin ich durch sein Blut, Das er für mich vergossen; Dies Blut macht allen Schaden gut Bei seinen Reichsge— nossen. Er hat getilget alle Schuld; Darum läßt Gott mir alle Huld So reichlich widerfahren. 5. Gott ist mein Vater, ich sein Kind, Drum kann ich nicht verderben; Die Güter, die erworben sind, Soll ich im Himmel erben: Ich erbe Christi Ehrenkleid, Die Die! 6. ginn theil gleich Geld, leitet ewig wird soll i 7. verza Kreu, Jesus verde Mich quä⸗ Got⸗ ynster Wird ꝛn. muß Gna⸗ mmel Das Aben; XVIII. Trostlieder. 491 Die unschätzbare Seligkeit, Die hier kein Auge siehet. 6. Gott hat von Anbe⸗ ginn der Welt Dies Erb⸗ theil mir bereitet; Ihm gleichet weder Gold noch Geld, Das oft zur Hölle leitet; Dies Erbtheil bleibet ewig mein: So lange Gott wird ewig sein, So lange soll ich's haben. 7. Darum, mein Herz, verzage nicht In deinem Kreuz und Leiden, Dein Jesus ist dein Trost und Licht, Nichts kann von ihm dich scheiden; Das kurze Leid, das dich beschwert, Ist jener Herrlichkeit nicht werth, Zu welcher du sollst kom⸗ men. 8. Da wirst du Gott von Angesicht Zu Angesichte sehen; Wie wohl wird dir bei diesem Licht In Ewig⸗ keit geschehen! Du wirst be⸗ freit von aller Pein, Ge⸗ segnet in dem Herren sein Und ewiglich dich freuen. M. Johann Jänichen, 1659—1731. XVIII. Trostlieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Jac. 5, 8. 582 ch, mein Herz, gieb dich darein, Schicke dich in Gottes Willen, Nur dein Jesus kann allein Alle deine Sorgen stillen; Richte dich nach seiner Huld, Er giebt Trost und auch Geduld. 2. Gehst du hier die Dornenbahn, Ist dein Trank vermischt mit Gallen, Nimm es nur geduldig an, Also hat es Gott gefallen; Glaube nur, was Gott dir thut, Das ist alles recht und gut. 3. Bleibe deinem Gott getreu; Ob das Kreuz dir bringet Schmerzen, Hast du dennoch stets dabei Ruh' und Trost in deinem Her⸗ zen; Nichts besiegt auf die⸗ ser Welt Einen Sinn, der Gott gefällt. 4. Schicke dich in Got⸗ tes Brauch, Christen müssen dulden, hoffen; Hat doch deinen Heiland auch Manches Ungemach betroffen; O, er weiß, wie dir es thut, Leide nur mit frohem Muth. 5. Kronen folgen auf den Streit, Kämpfe nur mit festem Glauben; Jesus 492 XVIII. Trostlieder. ist nicht immer weit, Nie⸗ mand kann sein Herz dir rauben; Bete, leide, lebe rein, Selig wird dein Ende sein. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Wenn wir in höchsten ꝛc. Phil. 1, 23. 583. m Himmel ziehen Wol— ken schwer, Ich seh' das blaue Zelt kaum mehr; Doch über Wolken hell und klar Nehm' ich ein freundlich Auge wahr. 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, Und im— mer dunkler wird die Nacht; Doch, wenn auch meine Seele bebt, Sie weiß, daß dort ein Heiland lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus In ihres lieben Va⸗ ters Haus; Doch hält in seiner Kraft sie still, Bis seine Hand sie lösen will. 4. Die Erd' ist mir ein morsches Boot, Das unter mir zu sinken droht; Ich steh', nach oben hingewandt, Mit einem Fuß auf seinem Rand. 5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, So werf' ich's hinter mich zurück Und schwinge mich an dei— ner Hand Hinauf, hinauf und jauchze:„Land!“ 6. Ich ginge gern, so gern zu dir; Doch wenn du mich noch länger hier In Sturm und dunklen Nächten läßt, So halt' doch meine Seele fest, 7. Daß sie in Sturm und Nächten treu, Zu dei⸗ ner Ehre wacker sei, Bis du mir rufst:„Nun ist mir's recht, Geh' ein zu mir, getreuer Knecht!“ Heinrich Möwes, 1793—1831. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛc. 1. Petr. 5, 7. 584 Thrist, Alles, was dich kränket, Befiehl getrost dem Herrn! Er, der die Himmel lenket, Ist auch von dir nicht fern. Erwach' aus deinem Schlummer, Zu Gott erhebe dich! Er siehet dei— nen Kummer Und liebt dich väterlich. 2. Wenn dich die Sün⸗ den schmerzen, So fühle deine Schuld, Doch trau mit ganzem Herzen Auf deines Mittlers Huld. Zu wahrer Ruhe führet Die Reu', die Gott gefällt; Allein den Tod gebieret Die Traurigkeit der Welt. 4. Trau' Gott, nicht dei⸗ nen Schlüssen, Die Wahl des Besten zu. Sprich: XVIII. Trostlieder. 493 Wer wird's besser wissen, Dein Schöpfer oder du? Er weiß ja, was dir fehlet In jedem Augenblick. Was er, dein Vater wählet, Das dient zu deinem Glück. 4. Der Gott, auf dessen Segen Dein ganzes Heil beruht, Ist stets in seinen Wegen Hochheilig, weis' und gut; Und was er seinen Kindern Zu ihrem Heil er— sah, Kann kein Erschaffner hindern: Wenn er gebeut, steht's da! 5. Gott zählet deine Zähren, Und wird, was gut ist, gern Auch deinem Wunsch gewähren. Sei stille vor dem Herrn! Er ist ein Hort der Frommen, Hoff' unverzagt auf ihn, Denn seine Zeit wird kom⸗ men Und deine Wohlfahrt blühn. 6. Ergieb dich ihm mit Freuden, Sei stark in sei⸗ ner Kraft. Sei auch zur Zeit der Leiden Ein Christ und tugendhaft, Und dann ergreifs im Glauben Den Trost der Ewigkeit: Wer kann dir diesen rauben, Der allen Gram zerstreut? 7. Sei froh, dein Gott regieret, Sein Rath ist wun⸗ derbar. Einst wirst du überführet, Daß er der beste war. Du denkst wohl unter⸗ dessen: Der Herr erbarmt sich nicht, Der Herr hat mein vergessen! Doch höre, was er spricht: 8. Ist auch der Mütter eine, Die ihres Sohns ver⸗ gißt? Denk' an dies Wort und weine Der Freude Thrän', o Christ! Und könnt' ihn sie vergessen, Will ich doch, fürchte Nichts, Ich deiner nicht vergessen! Dein Gott, dein Vater spricht's. 9. Mit ruhigem Gemüthe Vertraue ihm nur fest, Ge— wiß, daß seine Güte Dich ewig nicht verläßt! Er will nach einer Weile Dich desto mehr erfreun. Zu deinem größren Heile Verzieht er, harre sein! 10. Wohl dir alsdann, du Treuer! Wie groß ist einst dein Lohn! Dein Rich⸗— ter, dein Befreier Reicht dir die Siegeskron'. Auf kurze Prüfungstage Folgt ew'ger Preis und Dank. Dann schweiget jede Klage Und wird Triumphgesang. Christoph Friedrich Neander, 1723—1802. Mel. Jesu, meine Freude ꝛce. Dan. 4, 34. 585. Cenner zen Banne Sorg' und 494 XVIII. Trostlieder. Schmerzen! Schöpfe neuen Muth! Wenn schon Kreuz dich drücket, Gott ist's, der erquicket, Was er schickt, ist gut. Wenn dich Noth Ringsum bedroht, Sorgen stets mit dir erwachen: Gott wird's doch wohl machen. 2. Ist der Himmel trübe, Wankt der Freunde Liebe, Wird die Last dir schwer, Stürzt mit jedem Tage Eine neue Plage Ueber dich daher, Weicht das Glück Stets mehr zurück, Scheint's dich nicht mehr anzulachen: Gott wird's doch wohl ma— chen. 3. Du führst Christi Na⸗ men; Christum nachzuahmen, Das ist deine Pflicht. Werde nicht erschüttert, Wenn die Erd' erzittert Und der Him⸗ mel bricht. Der steht fest, Der Gott nicht läßt. Laß rings um dich Wetter kra⸗ chen! Gott wird's doch wohl machen. 4. Herrlich ist die Krone, Die der Christ zum Lohne Seiner Treu' empfängt. Nur Nichts selbst verschuldet, Und dann froh erduldet, Was dein Gott verhängt: Sieg' als Held! Mag doch die Welt Deiner Hoffnung spöttisch lachen! Gott wird's doch wohl machen. 5. Dabei soll's denn blei⸗ ben, Ich will nie mich sträu⸗ ben, Folgsam Gott zu sein. Stets im Tod und Leben Bleib' ich Gott ergeben; Ich bin sein, er mein. Was er will, Sei stets mein Ziel. Wunderbar mag Gott es machen; Wohl wird er's doch machen. Dr. Johann Adolph Schlegel, 1721—1793. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. 2. Tim. 2, 10—12. ger wahren 586. + Christen ganzes Leben Ist eine stete titterschaft, Darein hab' ich mich auch ergeben Und bleib' darin durch Gottes Kraft. Gewiß ist: wer hier über— windet, Dort Herrlichkeit ohn' Ende findet. 2. Kein Christ ist ohne Leid hienieden, Gleichwie kein Krieger ohne Streit; Die Kron' ist denen nur beschieden, So stets in Christo kampfbereit. Drum nur frisch und getrost ge⸗ litten Und so den Ehren⸗ kranz erstritten! 3. Was ist die Trübsal dieses Lebens? Ein kurzes Weh', ein kleines Ach! Es darf nur wenig Widerstre⸗ ——— nn blei⸗ h sträu⸗ u sein. Leben rgeben; . Was in Ziel. ott es d er's 21—1793. eben ꝛc. wahren hristen e stete hab' ich d bleib' Kraft. über⸗ ichkeit t ohne eichwie Streit; nur ts in Drum st ge⸗ Ehren⸗ rübsal kurzes 91 Es erstre⸗ XVIII. Trostlieder. 195 bens, So ist besiegt das Ungemach. Drauf folget große Freud' und Wonne, Auf trübe Nacht die helle Sonne. 4. Zwar Fleisch und Blute pflegt's zu grauen, Es hält das Kreuz für überschwer; Die aber auf das Künft'ge schauen, Die fürchten sich davor nicht sehr, Sie sehen, daß ein Quentlein Mühe Wohl Centner Freude nach sich ziehe. 5. Das kann und will ich sicher setzen, Daß alles Leiden dieser Zeit Nicht werth, noch würdig sei zu schätzen Der übergroßen Herrlichkeit, Die nach dem Elend dieser Erden An uns soll offenbaret werden. 6. Wohlan, so laß denn Noth und Plagen Nur auf mich dringen rings umher. Ich bin bereit, mich durch— zuschlagen, Glaub' und Ge— bet ist mein Gewehr. Ich kann dabei gar Nichts verlieren, Mich wird noch jene Krone zieren. 7. Hilf, Jesu, mir im Glau⸗ ben kämpfen Und durch dein Blut und meine Tauf' Welt, Teufel, Sünd' und Hölle dämpfen, Wohl führ'n und enden meinen Lauf, Daß, wenn des Glaubens Kampf geschehen, Ich deine Herr⸗ lichkeit mag sehen. Johann Anastasius Freylinghausens Gesangbuch, 1741. Mel. Herzliebster Jesu, was ꝛc. Jac. 5, 11. 587 Der Weg ist gut, der durch das Leiden führet. Man findet Gott, wenn man sich selbst verlieret. Gefahr und Noth treibt die beherzten Streiter Beständig weiter. 2. Gott, welcher stets nach Lieb' und Weisheit handelt, Macht, daß der Mensch durch rauhe Wege wandelt, Wenn sein Gemüth das Glück in guten Tagen Nicht weiß zu tragen. 3. Der Herr will nicht die schon geplagten Seelen Durch neue Lasten nur noch härter quälen; Er will auch nicht gewaltsam zu sich zie⸗ hen, Die vor ihm fliehen. 4. Ist aber wo ein Herz, das ihm gehöret Und das sich noch mit halbem Wil— len wehret, Das rettet er, denn Seelen sind ihm theuer, Als aus dem Feuer. 5. Er zieht von dieser Erde nicht'gen Freuden Den schwachen Geist zurück durch harte Leiden; Er selbst er⸗ XVIII. Trostlieder. weckt bei Seufzen, Schmerz und Thränen Ein himmlisch Sehnen. 6. O seid gesegnet mir, ihr sel'ge Schmerzen! Dies Sehnen wecktet ihr in mei⸗ nem Herzen; Kein Leid kann nun den freien Geist ermüden, Er lebt im Frieden. 7. Nichts wird mir schwer, bleib' ich mit Gott verbun⸗ den, Ich fühle keinen Schmerz in Leidensstunden Und wandle, dankbar für des Höchsten Gnade, Durch rauhe Pfade. 8. So wird das Gold von Schlacken mehr gereinigt, Das Herz mit Gott noch inniger vereinigt; Die ihm ergebne stille Glaubenstreue Stärkt sich aufs Neue. 9. Durch Finsterniß, die unsren Weg umdunkelt, Sehn wir das Kleinod, das von oben funkelt. Solch sel'ge Hoffnung, solchen fe⸗ sten Glauben Kann Nie⸗ mand rauben. 10. Ja, solltest du auch ohne dein Verschulden Um Jesu willen Schmach und Tod erdulden; Verzage nicht, Gott läßt die Kraft dich finden, Zu überwinden. 11. Der Herr ist sebbst den Todesweg gegangen; Wer mit ihm duldet, wird die Kron' empfangen, Der Herr wird, die ihm Alles hingegeben, Zu sich erheben. 12. Blick' auf die Wolke der verklärten Zeugen, Die jetzt vor seinem Thron die Palmen neigen. Wie kamen sie zur Fülle jener Freuden? War's nicht durch Leiden? Friedrich Karl Freiherr von Moser. 1723—1798. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc Apostelg. 14, 22. 2. Cor. 4, 1. 18. 588 D. ihr den — Heiland kennt und liebt, Ihn, der uns Seligkeiten giebt, Die noch kein Ohr vernommen, Die noch in jenen ew'gen Höhn Kein sterblich Auge je ge⸗ sehn, Die in kein Herz ge⸗ kommen: Freut euch! Sein Reich Bleibt euch Allen! Bald wird's schallen: Kommt zum Lohne! Nehmt des Kampfes Siegerkrone! 2. Was klagt ihr denn? Was zagt das Herz? Kurz ist und leicht der Erde Schmerz Und wirket ew'ge Freude. Ach, groß und herrlich ist das Ziel, Der Wonne dort unendlich viel, Getrübt von keinem Leide. Traurig, Schaurig Ist's hie⸗ nieden, Aber Frieden Wohnt dort oben, Wo die Ueber⸗ winder loben! 2———8..—.— 44——— —....—... T———— XVIII. Trostlieder. 497 3. Ein Blick auf jene Herrlichkeit Füllt unser Herz mit Trost und Freud' Und tausendfachem Segen; Er⸗ quickt uns, wie der Mor⸗ genthau Die dürre, fast versengte Au', Wie milder Frühlingsregen. Thränen, Sehnen, Aug' und Herzen Voller Schmerzen: Glänzt doch immer Uns der ew'ge Hoffnungsschimmer! 4. Drum sind wir froh; wir gehn im Licht, Und heiter ist das Angesicht Bei aller Noth hienieden. Im Heiligthum des Himmels liebt Uns Jesus Christus, und er giebt Der Seele heil'gen Frieden. Wer kennt, Wer nennt, Was wir erben Nach dem Sterben, Was uns giebet Der, der uns zuerst geliebet? 5. Was klagst du denn, der du ihn kennst, Der du dich Christi Jünger nennst? Was ist's, das dich betrü⸗ bet? Froh kannst und sollst du immer sein Und dich des ew'gen Lebens freun, Dich freun, daß er dich liebet! O sei Nur treu! O sei fröhlich, Hoffend selig Schon im Staube; Gotteskraft sei dir dein Glaube! Dr. Gottfried Meuken, 1768—1831. Mel. Nun ruhen alle ꝛc. Luc. 22, 42. 5 8 9 A uern ben, Mein Gott, im gan⸗ zen Leben, Im Unglück, wie im Glück; Dir dank' ich meine Freuden, Dich preis' ich auch im Leiden Bis an den letzten Augen⸗ blick. 2. Du bist's, der für mich wachte, Noch eh' ich war und dachte, Mich führte deine Hand; Du hast mich treu geleitet, Auch da mein Glück bereitet, Wo ich nur Schmerz und Leiden fand. 3. Was helfen meine Sorgen? Ist mir mein Glück verborgen, Dir, Herr, ver⸗ birgt sich's nicht. Dir, dir will ich vertrauen, Auf deine Liebe bauen, Du, Vater, weißt, was mir gebricht. 4. Warum ich heute flehe, Das möchte, wenn's ge⸗ schähe, Schon morgen mich gereun. Nur einen Wunsch vor allen Laß dir, o Herr, gefallen, Den Wunsch, zu⸗ frieden stets zu sein. 5. Wenn ich verlassen scheine, Im Leiden zag' und weine, Was wünscht mein schwaches Herz? Es will dir nicht vertrauen, Den Ausgang will es schauen, 32 498 XVIII. Trostlieder. Und trägt mit Ungeduld den Schmerz. 6. Drum will ich kind— lich schweigen, Mich deinem Willen beugen Bei Allem, was du schickst; Dich will ich glaubend fassen, Du kannst mich nicht verlassen, Der du die Deinen gern beglückst. 7. Nicht das, warum ich flehe, Dein Wille nur geschehe Und was mir selig ist; Drum will ich, dir er⸗ geben, Getrost und ruhig leben, Bis einst der Tod mein Auge schließt. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Was Gott thut, das ist ꝛc. Hebr. 12, 1—5. in Christ kann 590. E ohne Kreuz nicht sein. Drum laß dich's nicht betrüben, Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kinder, die ihn lieben. Je lieber Kind, Je ernster sind Des frommen Vaters Schläge: Schau', das sind Gottes Wege! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Gott will's nicht anders haben: Auch dieses Lebens Noth und Pein Sind deines Vaters Gaben. Soll's denn so sein, So geh' es ein: Es kommt von Liebeshän⸗ den; Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das Kreuz lehrt fleißig beten, Zieht ab vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirf's nicht hin Mit sprödem Sinn, Wenn's nun zu dir gekom— men: Es soll der Seele frommen. 4. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Das muß uns immer wecken: Wir schliefen sonst in Sünden ein. Wie müßten wir er⸗ schrecken, Wenn unbereit Die Ewigkeit Und der Posaunen Schallen Uns würde über⸗ fallen! 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein. Es lehrt die Sünde hassen Und un⸗ sern lieben Gott allein Mit rechter Lieb' umfassen. Die Welt vergeht, Und Gott besteht: Bedenk's und laß dich üben, Das ew'ge Gut zu lieben. 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht sein; Was Gott schickt, will ich tragen. Schickt's doch der liebste Vater mein, Sind's doch nur kurze Plagen Und wohlgemeint. Wer gläubig ——.—— XVIII. Trostlieder. 499 weint, Lebt dort in steten Freuden: Ich will mit Christo leiden. David Nerreter, 1649—1726. Mel. Meinen Jesum lass' ꝛc. Jes. 60, 20. ndlich, end—⸗ 591. E lich muß es doch Mit der Noth ein Ende nehmen; Endlich bricht das harte Joch, Endlich schwindet Angst und Grä— men, Endlich muß der Kum— merstein Auch in Gold ver— wandelt sein. 2. Endlich bricht man Rosen ab, Endlich kommt man durch die Wüsten, End— lich kann der Wanderstab Sich zum Vaterhause rüsten, Endlich bringt die Thränen⸗ saat, Was die Freudenernte hat. 3. Endlich sieht man Ca⸗ naan Nach Aegyptens Dienst⸗ haus liegen; Endlich trifft man Tabor an, Wenn der Oelberg überstiegen; End— lich geht ein Jacob ein, Wo kein Esau mehr wird sein. 4. Endlich! O du schö⸗ nes Wort, Du kannst alles Kreuz versüßen: Wenn der Felsen ist durchbohrt, Läßt er endlich Balsam fließen. Ei, mein Herz, drum merke dies: Endlich, endlich kommt gewiß. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. Hebr. 10, 36. eduld, mein 592. Herz, Ge⸗ duld, Geduld! Was willst du dich denn grämen? Ge⸗ denk an Gottes Vaterhuld Und lerne dich bequemen; Sprich:„Wie Gott will, Ich halte still, Er wird mich nicht verlassen, Gott züch⸗ tiget mit Maßen.“ 2. Geduld, mein Herz, wenn's übel steht Und dir, nach Gottes Willen, Die Fluth bis an die Seele geht: Gott wird das Wet⸗ ter stillen. Geduld, wenn fast Des Kreuzes Last Dich scheinet zu erdrücken: Gott wird dich wohl erquicken. 3. Geduld, mein Herz, nimm willig an Den bittren Kelch der Frommen; Gott ist's, der ihn versüßen kann, Drum heiß ihn nur will— kommen. Ergieb dich Gott, Wenngleich die Noth Sich nicht so bald will wenden: Gott wird schon Hilfe sen— den. 4. Geduld, mein Herz, und schlag' dich nicht Mit traurigen Gedanken! Ist 32* 500 XVIII. Trostlieder. Gottes Wort dein Stab und Licht, So wird dein Fuß nicht wanken; Im finstren Thal Der Angst und Qual Wird dir sein Trost erscheinen: Gott läßt nicht immer weinen. 5. Geduld, mein Herz, Gott will Geduld Von sei⸗ nen Kindern haben; Dein Jesus hat zwar deine Schuld Mit in sein Grab begraben; Doch stellt er dir Das Kreuz noch für, Daß du der Welt sollst sterben: Gott läßt dich nicht verderben. 6. Geduld, mein Herz, schau' Gottes Lamm In schweren Todesbanden, Die er für dich am Kreuzes⸗ stamm Hat willig ausge⸗ standen; Ei, so nimm doch Das leichte Joch, Das er dir auferleget: Gott ist's, der mit dir träget. 7. Geduld, mein Herz, dein Ungemach Kommt von geliebten Händen. Gott pflegt den Seinen Weh' und Ach Aus Liebe zuzu⸗ senden. Was böse scheint, Ist gut gemeint! Laß Erd' und Himmel dräuen, Gott wird dein Herz erfreuen. 8. Geduld, mein Herz, ob heute nicht Dein Gott hilft, hilft er morgen. Er hat sein gnädig Angesicht Nur einen Blick verborgen. Ja, nach der Zeit Wird alles Leid In Ewigkeit ver⸗ schwinden: Gott hilft dir überwinden! Altes Görlitzer Gesangbuch, 1753. Mel. Alles ist an Gottes ꝛe. Röm. 8, 17. pold bewährt 593. sich nur im Feuer, Kreuz nur macht im Glauben treuer, Wie der Kampf die Kraft bewährt; Zu des Himmels höchsten Freuden Werden nur durch tiefe Leiden Gottes Lieb⸗ linge verklärt. 2. Unter Leiden prägt der Meister In die Herzen, in die Geister Sein allgel⸗ tend Bildniß ein. Wie dies Dasein er gegeben, Will er auch zu jenem Leben Uns durch Leiden Führer sein. 3. Leiden bringt empörte Glieder Endlich zum Gehor⸗ sam wieder, Macht sie Christo unterthan, Daß er die gebrochnen Kräfte Zu dem Heiligungsgeschäfte Sanft und still erneuern kann. 4. Leiden sammelt unsre Sinne, Daß die Seele nicht zerrinne In den Bildern dieser Welt, Ist wie eine Engelwache, Die im inner⸗ 358 ergen. Wird ver⸗ t. dir 175⁵3. es ꝛc. währt ur im ht im e der vährt; chsten durch Lieb⸗ prägt yerzen, allgel⸗ e dies dill er Uns ein. npörte Lehor⸗ 1. sie aß er e Zu schäfte reuern unsre nicht ildern eine inner⸗ —— XVIII. Trostlieder. 501 sten Gemache Des Gemüthes Ordnung hält. 5. Leiden stimmt des Herzens Saiten Für den Psalm der Ewigkeiten, Lehrt mit Sehnsucht dorthin sehn, Wo die sel'gen Palmenträger Mit dem Chor der Harfen⸗ schläger Preisend vor dem Throne stehn. 6. Leiden fördert unsre Schritte, Leiden weiht die Leibeshütte Zu dem Schlaf in kühler Gruft; Es gleicht einem frohen Boten Jenes Frühlings, der die Todten Zum Empfang des Lebens ruft. 7. Leiden macht im Glauben gründlich, Macht gebeugt, barmherzig, kind⸗ lich; Leiden, wer ist deiner werth! Hier heißt man dich eine Bürde, Droben bist du eine Würde, Die nicht Jedem widerfährt. 8. Brüder, solche Lei⸗ densgnade Wird in mannig⸗ fachem Grade Jesu Jüngern kund gemacht, Wenn sie mancher Schmerz durch⸗ wühlet, Wenn sie manchen Tod gefühlet, Nächte seufzend durchgewacht. 9. Wenn auch die ge⸗ sunden Kräfte Zu des guten Herrn Geschäfte Wurden willig sonst geweiht: O, so ist's für sie kein Schade, Daß sie ihres Führers Gnade Läutert in der Prü⸗ fungszeit. 10. Im Gefühl der tiefsten Schmerzen Dringt das Herz zu seinem Herzen Immer liebender hinan, Und um Eins nur fleht es sehnlich:„Mache deinem Tod mich ähnlich, Daß ich mit dir leben kann!“ 11. Endlich mit der Seufzer Fülle Bricht der Geist durch jede Hülle, Und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermisset dann hienieden, Welch ein Meer voll Gottes⸗ frieden Droben ihm berei⸗ tet sei! 12. Jesu, laß zu jenen Höhen Heller stets hinauf uns sehen, Bis die letzte Stunde schlägt, Da auch uns nach treuem Ringen Heim zu dir auf lichten Schwingen Eine Schaar der Engel trägt. M. Karl Friedrich Harttmann, 1743—1815. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. Ps. 68, 20. 59 4 Geer ist und bleibt ge⸗ treu! Sein Herze bricht von Lieben, Pflegt er gleich oft⸗ mals hier Die Seinen zu betrüben. Er prüfet durch 502 XVIII. Trostlieder. das Kreuz, Wie rein der Glaube sei, Wie standhaft die Geduld: Gott ist und bleibt getreu! 2. Gott ist und bleibt getreu! Er hilft ja selber tragen, Was er uns aufge— legt, Die Last der schweren Plagen; Er braucht die Ruthe oft Und bleibet doch dabei Ein Vater, der uns liebt: Gott ist und bleibt getreu! 3. Gott ist und bleibt getreu! Er weiß, was wir vermögen, Er pfleget nie zu viel Den Schwachen auf— zulegen. Er macht sein Israel Von Last und Ban⸗ den frei, Wenn große Noth entsteht: Gott ist und bleibt getreu! 4. Gott ist und bleibt ge— treu! Er tröstet nach dem Wei⸗ nen, Er läßt nach trüber Nacht Die Freudensonne schei— nen. Der Sturm, der Kreu⸗ zessturm, Geht augenblicks vorbei; Sei, Seele, nur ge⸗ trost: Gott ist und bleibt getreu! 5. Gott ist und bleibt getreu Und stillet dein Be⸗ gehren; Er will dein Glau⸗ bensgold In Trübsalsgluth bewähren. Nimm an von Gottes Hand Den Kreuz⸗ kelch ohne Scheu; Der Lebensbecher folgt: Gott ist und bleibt getreu! 6. Gott ist und bleibt getreu! Laß alle Wetter krachen: Gott wird der Trübsal doch Ein solches Ende machen, Daß alles Kreuz und Noth Dir ewig nützlich sei. So liebt der Höchste dich: Gott ist und bleibt getreu! Dr. Johann Christian Wilhelmi, ums Jahr 1700. Eigene Melodie. Ps. 94, 9. ott lebet noch! 595. V Seele, 1015 verzagst du doch? Gott ist gut, der aus Erbarmen Alle Hilf' auf Erden thut, Der mit Kraft und starken Armen Machet Alles wohl und gut. Gott kann besser, als wir denken, Alle Noth zum Besten lenken. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 2. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Sollt' der schlummern oder schlafen, Der das Aug' hat zugericht't? Der die Ohren hat erschaffen, Sollte dieser hören nicht? Gott ist Gott, der hört und siehet, Wo den Frommen Weh' geschie— het. Seele, so bedenke t ist leibt etter der lches alles ewig der und ums Der XVIII. Trostlieder. 503 doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 3. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? den Erdenkreis ver⸗ hüllet Mit den Wolken weit und breit, Der die ganze Welt erfüllet, Ist von uns nicht fern und weit. Wer Gott liebt, dem will er senden Hilf' und Trost an allen Enden. Seele, so be⸗ denke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 4. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Bist du schwer mit Kreuz beladen, Nimm zu Gott nur deinen Lauf. Gott ist groß und reich von Gnaden, Hilft den Schwachen gnä⸗ dig auf: Gottes Gnade währet immer, Seine Treu' vergehet nimmer. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 5. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Wenn dich deine Sünden kränken, Dein Verbrechen quält dich sehr: Komm zu Gott, er wird versenken Deine Sünden in das Meer. Mitten in der Angst der Höllen Kann er dich zufrieden stellen. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 6. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Will dich alle Welt ver— lassen, Weißt du weder aus noch ein: Gott wird dennoch dich umfassen Und im Lei⸗ den bei dir sein; Gott ist's, der es herzlich meinet, Wo die Noth am größten schei⸗ net. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 7. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Laß den Himmel sammt der Erden Immerhin in Trümmer gehn, Laß die Höll' entzündet werden, Laß den Feind erbittert stehn, Laß den Tod und Teufel blitzen: Wer Gott traut, den will er schützen. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 8. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Mußt du schon geängstet wallen Auf der harten Dor⸗ nenbahn, Es ist Gottes Wohlgefallen, Dich zu füh— ren himmelan. Gott wird nach dem Jammerleben Friede, Freud' und Wonne geben. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! M. Johann Friedrich Zihn, 1650—1719. 504 XVIII. Trostlieder. Mel. Erschienen ist der ꝛc. Dan. 6, 26. ott lebet 596. G noch und stirbet nicht, Gott ist mein Trost und Zuversicht; Ja, wenn die ganze Welt fällt ein, Soll dies mein bestes Hoffen sein: Gott lebet noch. 2. Gott lebet noch, was sorg' ich denn? So lang' ich Gott als Vater kenn', Setz' ich die Sorge an die Seit' Und singe fröhlich allezeit: Gott lebet noch! 3. Mein Herz, wenn du weißt keinen Rath, Wenn dich die Noth umgeben hat Und dich gesetzt in großes Leid, So denke du nur allezeit: Gott lebet noch! 4. Gott lebet noch und weiß gar wohl, Wie seine Hand dich retten soll. Dein Vater meint und macht es gut, Wenn er dich straft: drum wohlgemuth! Gott lebet noch! 5. Gott legt dir auf ein schweres Joch, Wodurch er dich betrübet hoch; Doch hilft er tragen, was dich plagt, Und stärkt dich; drum sprich unverzagt: Gott lebet noch! 6. Wenn Kreuz und Sorge kommt daher Und dich fast drücket allzusehr; Wenn Kummer dir am Herzen nagt, So hilft doch Gott; drum unverzagt: Gott lebet noch! 7. Mein Vater, sorge du für mich, Mein' Hoffnung steht allein auf dich, Sieh mich mit gnäd'gen Augen an, Daß ich stets fröhlich singen kann: Gott lebet noch! Mauritius Kramer, 1646—1702. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. Maleachi 3, 16—18. 597 Ge lebt! * wie kann ich traurig sein, Als wär' kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden. Er kennt mein Herz Und meinen Schmerz; Drum darf ich nicht ver⸗ zagen Und ihm nur Alles klagen. 2. Gott hört! wenn Niemand hören will: Was will der Feind denn sprechen, Als würde meiner Seufzer Ziel Nicht durch die Wolken brechen? Ruf' ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hilfe nieder, So schallt das Amen wieder. 3. Gott siehtl wie klaget denn mein Herz, Als säh' er nicht mein Weinen? Vor 3.20. bt! ann vär' Er iner nuß nein erz ver⸗ lles enn. Vas hen, fzer lken vor, — 9—— * XVIII. Trostlieder. 505 ihm muß auch der tiefste Schmerz Ganz offenbar er⸗ scheinen; Kein Thränlein fällt, Das er nicht zählt, Worauf sein Aug' nicht blicket, Bis er uns hat er⸗ quicket. 4. Gott führt! drum geh' ich ruhig fort Auf allen meinen Wegen, Und wenn die Welt bald hier, bald dort Will ihre Stricke legen, So pflegt er mich Zwar wunderlich, Doch gnädig auch zu führen, Daß mich kein Fall kann rühren. 5. Gott giebt! und wär' ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben; Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt' ich Hun⸗ gers sterben? Er hat ja Brot, Und wenn die Noth Uns nach der Wüste weiset, So werden wir gespeiset. 6. Gott lebt! wohlan, ich merke das; Gott hört! ich will's ihm sagen; Gott sieht!er hält mein Thränen⸗ maß; Gott führtlich darf nicht klagen. Nur nicht betrübt! Gott giebt! und liebt, Und wird mir endlich geben, Auch dort mit ihm zu leben. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Gott Lob, es geht ꝛe. Offenb. 3, 10. 598 H alt' an, mein * Yoerz in dei⸗ nem Glauben, Beständigkeit ist Kronen werth. Wer diesen Anker sich läßt rauben, Der wird im Schiffbruch leicht versehrt; Wer aber sich an Jesum hält, Der steht, wenn Erd' und Him⸗ mel fällt. 2. Halt' ein mit deinen Jammerklagen, Der Himmel liebet die Geduld; Wenn wir die Last gelassen tragen, Gewinnen wir des Schöpfers Huld, Da der sein Herze nur verletzt, Der Gott sich murrend widersetzt. 3. Halt' aus, das Kreuze währt nicht immer, Die Hoffnung sieget ganz gewiß. Auf Sturm folgt heller Sonnenschimmer, Der Kreuz⸗ weg führt ins Paradies; Und endlich wird nichts Andres draus, Drum heißt's: Halt' an! Halt' ein! Halt' aus! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Pred. Sal. 7, 15. ch hab' in 5 9 9. I guten Stun⸗ den Des Lebens Glück em⸗ pfunden, Und Freuden ohne 506 XVIII. Trostlieder. Zahl: So will ich denn ge⸗ lassen Mich auch in Leiden fassen, Welch Leben hat nicht seine Qual? 2. FJa, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafst du gelinder, Als es der Mensch verdient. Sollt' ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh' erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich er— geben, Und mehr, als Ruh' und Leben, Dich lieben, meinen Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen, Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfst und du errettest gern. 4. Laß mich nur Gnade finden, Mich alle meine Sünden Erkennen und be— reun! Jetzt hat mein Geist noch Kräfte, Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben sein! 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe, Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau' ich deiner Gnade, Du Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kum⸗ mer wehren, Gott durch Geduld verehren, Im Glau⸗ ben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken, Der Herr wird Alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛe. 600. 4 ch höre deine Stimme, Mein Hirt, und allgemach, Wenn auch in Schwachheit, klimme Ich deinen Schritten nach. O, laß zu allen Zeiten Mich deine Wege gehn, Und deinem sanften Leiten Mich niemals wider⸗ stehn. 2. Dein Stab und Stecken trösten Mich, wenn Gefahr mir droht; Du zei— gest dich am größten Mir in der größten Noth. Will mir die Kraft verschwinden Und aller Muth entfliehn, Weißt du doch Rath zu finden, Mich aus der Angst zu ziehn. 3. Oft denk ich: Wie wird's weiter In dieser Leidensnacht? Da wird's auf einmal heiter, Daß mir das Herze lacht. Oft bin ich wie gebunden, Und weiß nicht aus, noch ein, Und doch wird bald gefunden XVIII. Trostlieder. 507 Ein Ausgang aus der Pein. 4. Oft fühl' ich mich so traurig, Wenn in der argen Welt Die Zukunft sich so schaurig Mir vor die Seele stellt. Dein Wort, zum Heil beschieden, Spricht dann mir tröstend zu; Da geb' ich mich zufrieden Und finde in dir Ruh'. 5. Oft machen mir der Sünden Verborgne Wunden Gram; Da weißt du zu verbinden, Zu heilen wun⸗ dersam. Oft sink' ich müde nieder, Ermatt' in meinem Lauf; Da weckest du mich wieder, Und richtest sanft mich auf. 6. Mein Hirt, mein Gnadenspender, Zieh' mich dir kräftig nach! Ich folgte gern behender, Allein ich bin so schwach! O komm mir beizuspringen, Wenn ich nicht weiter kann! Es wird mir wohl gelingen, Nimmst du dich mei— ner an. 7. Vielleicht ist's nur ein Kleines, So ist die Mühe aus; Du führst mich dann in deines Und meines Vaters Haus; Dann wird dein treues Leiten Durch so viel Angst und Pein Für alle Ewigkeiten Mein Dank⸗ Fund Loblied sein! Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. Wer weiß, wie nahe ꝛe. 1. Sam. 3, 18. ch lasse Gott 601. I in Allem walten, Er mach' es nur, wie's ihm gefällt; Ich will ihm gerne stille halten, So lang' ich leb' in dieser Welt. Wie er, mein lieber Gott, es fügt, So bin ich auch sehr wohl vergnügt. 2. Geht's gleich nicht stets nach meinem Willen, Stürmt gleich ein Unfall auf mich zu, So soll mich Gottes Wille stillen Und setzen in vergnügte Ruh', Weil ich mit Allem, was Gott fügt, Von ganzem Herzen bin vergnügt. 3. Wie oft entsteht ein Seelenschade Durch aufge— häuftes Geld und Gut! Wie Mancher fällt aus Gottes Gnade Durch Reich— thum in die Höllengluth! Deshalben leb' ich wohl vergnügt Mit dem, was Gott mir zugefügt. 4. Ich strebe nicht nach höhern Stufen, Weil siche⸗ rer der Mittelstand. Wie mich der Himmel hat be⸗ 508 XVIII. Trostlieder. rufen, Wie mich geführet Gottes Hand, Und wie er es mit mir gefügt, So bin ich auch sehr wohl vergnügt. 5. In Gottes Hand steh' ich geschrieben, Der hat ja all' mein' Haar' ge⸗ zählt; Drum kann kein An⸗ stoß mich betrüben; Ohn' seinen Willen mich Nichts quält. Ich leb' in Allem wohl vergnügt, Wie mein getreuer Gott es fügt. 6. Mein Wille soll sich fest verpflichten, Sowohl im Leben, als im Tod, Nach Gottes Willen sich zu richten; So hat es mit mir keine Noth, Weil ich mit dem, wie Gott es fügt, Im Leb'n und Sterben bin vergnügt. Aemilie Juliane, Gräfin zu Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, 1637—1706. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Offenb. 3, 19. ALe größer 602. 4 Kreuz, je näher Himmel: Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott. Bei Sündenlust und Weltgetüm⸗ mel Vergißt man Hölle, Fluch und Tod: O, selig ist der Mensch geschätzt, Den Gott in Kreuz und Trübsal setzt! 2. Je größer Kreuz, je besser Christe: Gott prüft uns an dem Probestein. Wie mancher Garten lieget wüste, Wo keine Thränen⸗ regen sein; Das Gold wird auf dem Feuerheerd, Ein Christ wird in der Noth bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärker Glaube. Die Palme wächset bei der Last; Die Süßigkeit fließt aus der Traube, Wenn du sie wohl gekeltert hast; Im Kreuze wächset uns der Muth, Wie Perlen in gesalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je größer Liebe. Der Wind bläst nur die Flammen auf, Und scheinet ja der Himmel trübe, So lachet doch die Sonne drauf: Das Kreuz vermehrt der Liebe Gluth, Gleichwie das Oel im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete. Geriebne Kräuter riechen wohl; Wenn um das Schiff kein Sturm⸗ wind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär'? 6. Je größer Kreuz, je je rüft ein. eget nen⸗ vird Ein koth +1 ilme Die der vohl euze uth,‚ zner —9 Lind auf, nmel die reuz luth, euer 7 je ꝛebne Jenn urm⸗ man Wo her, uchet 3„ je XVIII. Trostlieder. 509 mehr Verlangen. Im Thale steiget man bergan; Wer durch die Wüste oft gegan⸗ gen, Der sehnet sich nach Canaan; Das Täublein, findet's hier nicht Ruh', So fliegt es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben: Man freut sich recht auf seinen Tod; Denn man entgehet dem Verderben, Es stirbt auf einmal alle Noth. Das Kreuz, das unsre Gräber ziert, Bezeugt, wir haben triumphirt. 8. Je größer Kreuz, je schöner Krone, Die Gottes Schatz uns beigelegt Und die einmal vor seinem Throne Der VUeberwinder Scheitel trägt. Ach, dieses theure Kleinod macht, Daß man das größte Kreuz nicht acht't. 9. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz' ein solches Herz mir ein, Das Glaube, Lieb' und Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Jesu, meine Freude ꝛe. Psi. 126, 5. 6. 6 0 3 J ist mein * Leben, Dem ich mich ergeben, Fest bis in den Tod! Er ist meine Sonne, Meine Freud' und Wonne In der größten Noth. Jesus litt; Leid' ich hier mit, So werd' ich mit ihm regieren, Und dort triumphiren. 2. Die mit Jesu leiden, Schweben einst mit Freuden In dem Sternenzelt. Die mit Jesu sterben, Werden mit ihm erben, Wo ihr Reich bestellt. Ihre Kron', Ihr Siegeslohn, Ist, wo Gott die Engel loben, Sicher aufgehoben. 3. Die mit Thränen säen, Wenn die Stürme wehen, Die der Feind er⸗ weckt, Werden dort mit Freuden Ernten nach dem Leiden, Wo kein Feind sie schreckt. Nach dem Fleiß, Nach saurem Schweiß Wird mit herrlichem Entzücken Christus sie erquicken. 4. O ihr treuen Seelen, Die ihr euch mit Quälen Dränget durch die Welt, Die ihr seufzt und weinet, Wenn kein Trost erscheinet, Und euch Noth befällt; Denket doch Bei eurem Joch 510 XVIII. Trostlieder. An die Kron' in jenem Leben, Die euch Gott wird geben! 5. Wenn uns Sünden kränken, Lasset uns bedenken Gottes Gnadenrath! Jesus hat erduldet, Was wir hier verschuldet, Er giebt Gnad' um Gnad'! Nur getreu Und täglich neu Fortgekämpft an seiner Seite! Er giebt Sieg im Streite! 6. Seid getreu, ihr Herzen, Bei des Kreuzes Schmerzen, Treu bis in den Tod! Jesus wird euch trösten Wann er die Erlösten Führt aus aller Noth. Duldet nun; Bald sollt ihr ruhn; Da wird euch nach bittrem Weinen Seine Sonne scheinen. 7. Nun, Herr Jesu, stärke Uns zum guten Werke! Hilf uns durch die Welt! Komm, du Herr der Ehren, Unser Herz zu kehren Nach dem Himmelszelt! Führe uns, Regiere uns, Jetzt im Leben, dann im Ster⸗ ben, Daß wir Alles erben! N. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Es ist gewißlich an der ꝛc. 1. Sam. 3, 18. 604. Mae-G wie dir's gefällt, In allen meinen Sachen; Die Hoff⸗ nung ist auf dich gestellt, Du wirst's am Besten machen. Ich seh' auf deine rechte Hand, Dabei ist mir der Trost bekannt, Daß sie kann Alles ändern. 2. Will's vor der Welt unmöglich stehn, Deswegen unverzaget! Was Gott will, das muß doch geschehn. Wohl dem, der's auf ihn waget! Der Höchste kann im Augenblick Durch seine Hand ein Mißgeschick In Glück und Heil verwandeln. 3. Zwar kommt mir oft ein Zweifel vor, Der dies und das will sprechen; Doch wirst du das zerstoßne Rohr Nicht vollends gar zerbrechen; Den Docht des Glaubens, der nur glimmt Und bloß von dir noch Kräfte nimmt, Wirst du nicht gar verlöschen. 4. Gieb nur Geduld und stärke mich, Wenn ich in Schwachheit leide, Ich halte mich allein an dich, Und das ist meine Freude. Die Welt sei Welt und bleibe Welt, Du bist der Schatz, der mir gefällt, Da ist mein ganzes Herze. 5. Wenn du mich schlägst, so dank' ich dir, Und will die Ruthe küssen; Denn in S .I XVIII. Trostlieder. 511 dem Kreuze läßt du mir Dein Vaterherze wissen, Das wallt vor Liebe gegen mich. Du sprichst:„Mein Kind! ich werde dich Nicht lassen, noch versäumen.“ 6. Das tröstet meinen blöden Muth, Daß ich mich wenig kränke; Du machst doch Alles endlich gut, Und besser, als ich denke. Wer weiß, wie nah' die Freuden— zeit, Da mir mein Herzens⸗ wunsch gedeiht, Und ich im Segen lebe. 7. Drum weiche, Sorg' und Traurigkeit, Ich bin in Gott zufrieden. Gott hat mir schon zu rechter Zeit Mein Theil und Heil beschieden. Ist mir's zur Zeit noch unbekannt, So kann's des Höchsten rechte Hand Doch bald und fröh— lich ändern. M. Erdmann Neumeister, 1671—1756. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Luc. 21, 1. 6 05. W der gehen, Wie es in der Welt jetzt geht; Meine Seele, laß es stehen, Wie es jetzo geht und steht: Liebste Seele, halte stille, Denke, daß es Gottes Wille. 2. Jst die Welt dir gleich zuwider, Bist du dei⸗ ner Feinde Spott; Drücken dich die Feinde nieder, So vertraue deinem Gott: Liebste Seele, halte stille, Denke, daß es Gottes Wille. 3. Ist in deiner Herzens⸗ kammer Nichts, als lauter Herzeleid, Plaget dich sehr großer Jammer Hier in dieser Sterblichkeit: Liebste Seele, halte stille, Denke, daß es Gottes Wille. 4. Gott pflegt die ge⸗ treuen Herzen, Wenn sie durch das Kreuz bewährt, Wohl zu trösten nach den Schmerzen, Und thut, was ihr Herz begehrt: Liebste Seele, halte stille, Denke, daß es Gottes Wille. 5. Auf den Regen scheint die Sonne, Also kommet Lust auf Leid; Auf die Angst kommt lauter Wonne, Freude kommt auf Traurig⸗ keit: Liebste Seele, halte stille, Denke, daß es Gottes Wille. 6. Sollst du von der Welt abscheiden, Scheide nur getrost zu Gott. Gott giebt auf das Scheiden Freuden, Freude giebt er auf die Noth: Liebste Seele, halte stille, Denke, daß es Gottes Wille. Altes Görlitzer Gesangbuch, 1753. 512 XVIII. Trostlieder. Mel. Alles ist an Gottes ꝛc. Röm. 8, 28. 606 ö Mene Seele, laß Gott walten, Der dich kann und will erhalten, Der die Sei⸗ nen gnädig führt, Was dich auch bisweilen plaget, Trag' es gern, sei unverzaget, Denn der große Gott re⸗ giert. 2. In des Himmels weiter Ferne Schau' das helle Heer der Sterne, Auf und ab von Gott geführt. Schau' das Meer, empört von Winden, Sieh' der Wogen Aufruhr schwinden, Weil der höchste Gott re⸗ giert. 3. Sollte denn in Men⸗ schendingen Etwas seinen Lauf vollbringen Anders, als der Herr es führt? Nein! fürwahr, es muß ge⸗ schehen, Was er für uns ausersehen, Denn der starke Gott regiert. 4. Sterben, Leben, Wei⸗ nen, Freuen Muß zum Besten dem gedeihen, Den die Liebe Gottes führt. Weil er ist bei Gott in Gnaden, Kann ihm keine Trübsal schaden, Denn der treue Gott regiert. 5. Was für Angst in ihrem Herzen Ueber ihres Kindes Schmerzen Eine treue Mutter spürt; Solches Mitleid, solch Erbarmen Ist bei Gott. Getrost ihr Armen, Denn der fromme Gott regiert. 6. Nun, so tritt, um fest zu stehen, Auf des Glaubens Felsenhöhen, Glaub' und lieb', wie sich's gebührt! So wird Alles wohl gelingen, Und du wirst mit Freuden singen, Daß dein Herr und Gott regiert. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. M el. Jesus, meine Zuversicht ꝛe. Jes. 38, 15. 17. Phil. 4, 6. Heine Seele 607. M senket sich Hin in Gottes Herz und Hände, Und erwartet ruhig⸗ lich Seiner Wege Ziel und Ende, Lieget still und willen⸗ los In des liebsten Vaters Schooß. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit Allem wohl zufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Christi Grab gelegt. 3. Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an Nichts gedenken, Was gleich spitzen Dornen sticht Und Eine Solches Harmen st ihr romme 4„ um if des ihöhen, e sich's Alles nd du singen, d Gott h, 1829. ersicht ꝛc. 4, 6. Seele ket sich rz und t ruhig⸗ iel und willen⸗ Vaters murret n wohl eigne m Tode zas die Ist in sorget hr an Is gleich ht Und XVIII. Trostlieder. 513 den Frieden nur kann krän⸗ ken; Sorgen kommt dem Schöpfer zu, Meine Seele sucht nur Ruh'. 4. Meine Seele grämt sich nicht, Liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, Trifft und ängstet nur die Heiden; Wer Gott in dem Schooße liegt, Bleibt in aller Noth vergnügt. ö 5. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hangt an Gottes Angesicht Auch als— dann, wann er will tödten; Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird der Freuden⸗ geist verjagt. 6. Meine Seel' ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden. Also hab' ich allen Spott, Alle Schmerzen überwunden, Bin, gleichwie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr'. Johann Joseph Winkler, 1670—1722. Mel. Jesu, meine Freude ꝛe. Ps. 116, 7. 608.. fn sei * zufrieden! Was dir Gott beschieden, Das ist alles gut. Treib' aus deinem Herzen Unge⸗ duld und Schmerzen, Fasse frischen Muth. Ist die Noth dein täglich Brot, Mußt du weinen mehr als lachen: Gott wird's doch wohl machen. 2. Scheint der Himmel trübe Und der Menschen Liebe Stirbet ganz dahin; Kommt das Mißgeschicke Fast all' Augenblicke Und quält deinen Sinn: Nur Geduld! des Himmels Huld Sieht auf alle deine Sachen: Gott wird's doch wohl machen. 3. Ungeduld und Grä⸗ men Kann Nichts von uns nehmen, Macht nur größern Schmerz. Wer sich wider⸗ setzet, Wird nur mehr ver— letze; Drum Geduld, mein Herz! Aus dem Sinn die Sorgen hin! Drücket gleich die Last den Schwachen: Gott wird's doch wohl machen. 4. Auf die Wasserwogen Folgt ein Regenbogen Und die Sonne blickt: So muß auf das Weinen Lauter Freude scheinen, Die das Herz erquickt. Laß es sein, wenn Angst und Pein Mit dir schlafen, mit dir wachen: Gott wird's doch wohl machen. 5. Kronen sollen tragen, Die des Kreuzes Plagen 33 514 XVIII. Trostlieder. In Geduld besiegt. Fröh⸗ lich ausgehalten Und Gott lassen walten, Das macht recht vergnügt. Drum nimm dir, o Seele, für, Alles Unglück zu verlachen: Gott wird's doch wohl machen. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. In dich hab' ich gehoffet ꝛe. Ps. 37, 5. ei unverzagt, 609. o ünmer Christ, Wenn du in Kreuz und Trübsal bist, Befiehl Gott deine Sachen; Trau' ihm allein In Noth und Pein, Er weiß es wohl zu machen. 2. Kein Leiden kommt von ungefähr, Gott sendet es von oben her, Er hat dir's ausersehen; Darum sei still, Und was Gott will, Das laß du nur geschehen. 3. Und bräche schier der Gram dein Herz, So blicke gläubig himmelwärts, Gott kann sein Kind nicht hassen; Wenn du ihn liebst, Dich ihm ergiebst, Wird er dich nicht verlassen. 4. Nicht immer währt der Frommen Leid, Der Herr verändert Stund' und Zeit, Er kann noch Freude geben. Durch Freud' und Schmerz Macht er das Herz Geschickt zum ew'gen Leben. 5. Von Alters her hat ja die Schaar Der Heiligen durch viel Gefahr Und Leiden wandeln müssen; Warum wollt'st du Allein von Ruh' Und Nichts von Trübsal wissen? 6. Drum bet' und hoffe stets auf Gott In aller deiner Angst und Noth, Wie er will, laß es gehen. Sein Will' ist gut, Behalte Muth, Du wirst noch Wun⸗ der sehen. 7. Gott, der du unser Tröster bist, Laß Jeden, der hier traurig ist, Des Glaubens Trost empfinden; Durch Leiden übst Du, den du liebst, So hilf uns über⸗ winden! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Eigene Melodie. Ps. 35, 1—6. zollt' es gleich 610. S bisweilen scheinen, Als wenn Gott verließ' die Seinen, O, so glaͤub' und weiß ich dies: Gott hilft endlich noch gewiß. 2. Hilfe, die er aufge⸗ schoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch wenn's nöthig ist. XVIII. Trostlieder. 515 3. Gleichwie Väter nicht bald geben, Wonach ihre Kinder streben, So hält Gott auch Maß und Ziel: Er giebt, wem und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wenn die Noth am allergrößten; Er ist gegen mich, sein Kind, Mehr als väterlich gesinnt. 5. Trotz dem Teufel, Trotz dem Drachen! Ich kann ihre Macht verlachen. Trotz dem schweren Kreuzes⸗ joch! Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Trotz des bittren Todes Zähnen! Trotz der Welt und allen denen, Die mir sind ohn' Ursach' feind! Gott im Himmel ist mein Freund. 7. Laß die Welt nur immer neiden! Will sie mich nicht länger leiden, Ei, so frag' ich nichts dar— nach: Gott ist Richter meiner Sach'. 8. Will sie mich gleich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben; Wenn ich nur den Himmel krieg', Hab' ich Alles zur Genüg'. 9. Welt, ich will dir gerne lassen, Was ich pfleg' ohn' dies zu hassen; Deine Güter bringen Noth: Lasse mir nur meinen Gott. 10. Ach, Herr, wenn ich dich nur habe, Frag' ich nicht nach andrer Gabe; Legt man mich gleich in das Grab, G'nug, Herr, wenn ich dich nur hab'. Christoph Titius, 1641—1703. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Joh. 16, 20. 61 1 tell' ein, be⸗ trübtes Herz, dein Weinen, Ob du schon mußt auf Dornen stehn, Es pflegt der Himmel mit den Seinen Hier in der Welt so umzugehn. Ist gleich der Jammer noch so schwer, Ach, seiner Gnaden ist viel mehr! 2. Er schlägt zwar, aber heilt auch Wunden, Liebt, wenn er uns gleich sehr be— trübt, Ja, wenn wir kaum den Schmerz empfunden, Sucht er schon, was uns Labsal giebt. Aus seiner Hand kommt Lieb' und Leid, Bei ihm quillt Lust und Traurigkeit. 3. Ei, darum nur getrost, mein Herze! Trennt doch das Kreuz von Jesu nicht: Hat sich schon deine Freu⸗ denkerze Verwandelt in ein Todtenlicht; O, lerne dieses 33* 516 XVIII. Trostlieder. wohl verstehn: Nur From⸗ men kann es also gehn. 4. Hier führt uns Gott durch rauhe Wege, Auf einer Bahn, die Trübsal heißt; Verträgt man aber seine Schläge Geduldig und mit stillem Geist, Wird doch zuletzt, was uns beschwert, In lauter Seligkeit verkehrt. 5. Trink nur getrost das Maß voll Thränen, Zählt dir sie Gott doch selber zu, Und wisse, daß dein ängst⸗ lich Sehnen Doch endlich stillt die HDimmelsruh'. Geht dir das Kreuz gleich bitter ein, Wird's doch zu deinem Besten sein. 6. In dieser Welt muß Lust und Freuden Oft Reu' und Schmerzen nach sich ziehn, Hingegen läßt der Frommen Leiden Recht— schaffne Tugendrosen blühn! Nur prüfet Gott erst un⸗ sern Muth, Eh' er uns wie⸗ der gütlich thut. 7. Fromm und geduldig sein in Plagen, Raubt Gott sein treues Vaterherz, Er kann uns nicht zu harte schlagen, Ihn jammert end— lich unser Schmerz, Ja, wenn er uns am weitsten scheint, Naht er sich, eh' man es vermeint. 8. Verlieren wir die besten Freunde, O, ihn verliert man nimmermehr, Nichts kann uns thun die Macht der Feinde, Zieht er im Streit nur vor uns her; Ach, wer nur fest auf ihn vertraut, Hat auf den stärk⸗ sten Fels gebaut! 9. Ruht demnach, ihr be⸗ trübten Sinnen; Ach, lebt nur Gott, so hats nicht Noth! Die Hoffnung muß zuletzt gewinnen, Er speist nicht immer Thränenbrot; Kreuz, Elend, Schmach und alle Pein Kann keinem Chri—⸗ sten schädlich sein. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Meinen Jesum lass' ze. Jer. 31, 13. 6 12 aure nicht, betrübtes Herz! Steht dir doch der Himmel offen; Da kannst du im größten Schmerz Trost und Freudenblicke hoffen; Laß den Seufzern ihren Lauf, Weißt du doch den Weg hinauf. 2. Der das Ohr gepflan⸗ zet hat, Sollte der nicht selbsten hören? Nur bei Gott ist Rath und That, Die Erfahrung wird dich's lehren; Klopfe nur an seiner Thür, Deine Nothduxrft stell ihm für. serliert Nichts Macht er im her; uf ihn stärk⸗ ihr be⸗ lebt nicht muß speist nbrot; ch und Chri⸗ —1737. ass' ꝛe. nicht, rübtes ch der kannst chmerz nblicke ufzern u doch pflan⸗ nicht rbei That, dich's seiner ft stell XVIII. Trostlieder. 517 3. Bricht dein Herz, ihm bricht es auch, Und er muß sich dein erbarmen: Es ist seiner Liebe Brauch, Nach dem Schlagen zu umarmen, Weil dem Sohn, den er ge⸗ stäupt, Doch sein Herz ge⸗ wogen bleibt. 4. Ueberwind ihn durch Geduld; Du mußt stille sein und hoffen, Das setzt dich in seine Huld, Wenn dich Kreuz und Noth be— troffen; Trag' es willig, mit der Zeit Erntest du auch Fröhlichkeit. 5. Harre nur mit Israel, Hoffnung machet nicht zu Schanden; Es ist ja noch Freudenöl Für die Traurig⸗ keit vorhanden: Gottes Wort, dein Gilead, Welches im— mer Balsam hat. 6. Will ich Christi Jün⸗ ger sein, Muß ich auch sein Kreuze tragen; Und wer wollte sich nur freun In den angenehmen Tagen? Auch ein böser Tag stellt mir Meines Gottes Güte für. 7. O, wie macht das Kreuze fromm! Jagt es doch in Gottes Armen. Ist es gleich ein bittrer Strom, Gott versüßt ihn durch Er⸗ barmen; Perlen liegen auf dem Grund; O, ein ange⸗ nehmer Fund! 8. Liebes Herze, finde dich In des lieben Gottes Weise; Er führt uns nur wunder⸗ lich, Daß man seinen Na⸗ men preise, Wenn er nach der finstren Nacht Einen Tag der Wonne macht. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Erhalt' uns Herr, bei ꝛc. Pf. 30, 6. Hebr. 4, 15. on dir, o 6 1 3. V Vater, nimmt mein Herz Glück, Unglück Freuden oder Schmerz, Von dir, der Nichts als lieben kann, Voll Dank und voll Vertrauen an. 2. Nur du, der du all⸗ weise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist, Nur du siehst, was mir jedes Leid Für Heil bringt in der Ewigkeit. 3. Ist Alles dunkel um mich her, Die Seele müd' und freudenleer: Bist du doch meine Zuversicht, Bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. 4. Verzage, Herz, ver⸗ zage nie! Gott legt die Last auf, Gott kennt sie; Er weiß den Kummer, der dich quält, Und geben kann er, was dir fehlt. 5. Wie oft, Herr, zagt' ich, und wie oft Half deine 518 XVIII. Trostlieder. Hand mir unverhofft! Den Abend weint' ich, und darauf Ging mir ein froher Mor⸗ gen auf. 6. Oft sah ich keinen Ausgang mehr, Da weint' ich laut und klagte sehr: „Ach, schaust du, Gott, mein Elend nicht? Verbirgst du gar dein Angesicht?“ 7. Dann hörtest du, o Herr, mein Flehn Und eil⸗ test, bald mir beizustehn; Du öffnetest mein Auge mir, Ich sah mein Glück und dankte dir. 8. Sagt's, Alle, die Gott je geprüft, Die ihr zu ihm um Hilfe rieft, Sagt's, Fromme, ob er das Gebet Geduldig Leidender ver— schmäht? 9. Die Stunde kommt früh oder spät, Wo Freud' und Dank aus Leid ent⸗ steht; Vielleicht, daß, eh' du ausgeweint, Dir Gott mit seiner Hilf' erscheint. 10. Wenn Niemand dich erquicken kann, So schaue deinen Heiland an; Schütt' aus dein Herz in seinen Schooß, Denn seine Huld und Macht ist groß. 11. Einst hat er auch, der Menschenfreund, Im Thränenthale hier geweint; Auf deine Thränen giebt er Acht, Und dir zu helfen, hat er Macht; 12. Und helfen will er, zweifle nicht! Hör', was der Treue dir verspricht:„Nicht lassen will ich, Seele, dich, Sei guten Muths, und glaub' an mich!“ Johann Caspar Lavater, 1741—1801. Eigene Melodie. Jes. 43, 1. 2. Sir. 2, 2. 614 Vou Gott will * ich nicht las⸗ sen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich zur rechten Straßen, Wenn ich geh' in der Irr. Er reicht mir seine Hand; Den Abend wie den Morgen, Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch bin im Land. 2. Wenn sich der Men⸗ schen Treue Und Wohlthat all' verkehrt, So wird mir bald aufs Neue Die Huld des Herrn bewährt; Er hilft, aus aller Noth, Befreit von Sünd' und Schanden, Von Ketten und von Ban⸗ den, Ja, wenn's auch wär' der Tod. 3. Auf ihn will ich ver⸗ trauen In meiner schweren Zeit, Mein Helfer läßt sich schauen, Und wendet jedes Leid; Ihm sei es heimge⸗ stellt! Mein Leib und Seel' *——— —. ——— XVIII. Trostlieder. 519 und Leben Sei Gott, dem Ihm sei Lob, Ehr' und Herrn, ergeben, Er mach's, Preis! wie's ihm gefällt. 4. Es kann ihm Nichts gefallen, Denn was uns nützlich ist; Er meint's gut mit uns Allen, Und schenkt uns Jesum Christ, Den ein⸗ gebornen Sohn, Durch wel⸗ chen Gott bescheret, Was unsre Seelen nähret; Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Die er uns beide schenkt! Wie selig ist die Stunde, Darin man sein gedenkt! Verderbt wird sonst die Zeit, Die man verlebt auf Erden; Wir sollen selig werden Und sein in Ewigkeit. 6. Darum, ob ich schon dulde Hier Widerwärtigkeit, Wie ich's auch wohl ver⸗ schulde, Kommt doch die Ewigkeit, Die, aller Freuden voll Und ohne Schrank' und Ende, Durch Christi treue Hände Mir einst sich auf⸗ thun soll. 7. Das ist des Vaters Wille, Der uns erschaffen hat; Sein Sohn giebt uns die Fülle Der Wahrheit und der Gnad'; Sein heil'⸗ ger Geist im Fleiß Des Glaubens nur regieret, Und nach dem Himmel führet; M. Ludwig Helmboldt, 1532—1598. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛc. ö 2. Cor. 4, 8. arum, o 615. W Herz, ver⸗ zagen, Weil Gott dir Trüb⸗ sal schickt? Warum, o Herz, nicht tragen, Was dich so schmerzlich drückt? Was frommt dein ängstlich Be⸗ ben? Die Last wird doppelt schwer; Denn Gott nur kann sie heben, Von Gott kam sie ja her; 2. Von ihm, dem Gna⸗ denvollen, Der uns doch immer liebt, Wenn auch die Donner rollen Und Nacht uns rings umgiebt; Von ihm, dem Immerweisen, Der uns auf Dornenbahn, Gleich wie auf Blumen⸗ gleisen, Zum Heile führen kann. 3. Er, der dich jetzt be⸗ trübet Und schwer darnieder beugt, Hat dich ja stets geliebet, Dir große Huld bezeugt. Du schlugst ja oft voll Wonne, Durch seine Hand beglückt, Und seine Gnadensonne Hat dich ja hoch entzückt. 4. Drum denk' an all die Treue, Die du erfahren 520 XVIII. Trostlieder. hast, Und fasse Muth aufs Neue, Und trage gern die Last! Er hat sie ja gesen⸗ det, Deß Auge nimmer ruht, Deß Liebe nimmer endet, Und was er schickt, ist gut! 5. Das wirst auch du erfahren, Wenn aus des Kummers Nacht Nach Mon⸗ den oder Jahren Ein Freu⸗ dentag erwacht. Die Trüb⸗ sal ist die Wiege Zukünft⸗ ger Herrlichkeit. Der Kampf nur führt zum Siege, Zur Wonne nur das Leid. Karl Rudolph Emil Bürger, geb. 1802. Eigene Melodie. Ps. 27, 18. 616 Woum sollt * ich mich denn grämen? Hab' ich doch Christum noch, Wer will den mir nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich kam, Da ich nahm Meinen ersten Odem; Nackend werd' ich auch hinziehen, Wenn ich werd' Von der Erd' Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben Ist nicht mein; Gott allein Ist es, der's gegeben; Will er's wieder zu sich kehren, Nehm' er's hin, Ich will ihn Den⸗ noch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt' ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei gu⸗ ten Tagen Oft ergötzt, Sollt' ich jetzt Auch nicht Etwas tragen? Fromm ist Gott, und schärft mit Ma— ßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als mei⸗ ner spotten. Laß sie spot⸗ ten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, Wird in Eil' Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen. Wollt' ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann doch selbst kein Tod uns tödten, Sondern reißt Unsren Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt ꝗHF—.—.—.—.—. ꝗꝗ—.—.—— i ers Nehm' Den⸗ ir ein Dringt Pein, zagen? ird es „ Wie Inglück Hei gu⸗ rgötzt, nicht im ist t Ma⸗ Kann d gar d ihre Nichts mei⸗ spot⸗ Gott, Eil' chen. ohne Christ, lassen auch Soll t Und tkein ndern 5 viel hleußt ——ꝗ——7—————— XVIII. Trostlieder. 521 das Thor der bittren Lei⸗ den, Und macht Bahn, Da man kann Gehn zu Him⸗ melsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich er⸗ götzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß im Nu verschwinden. 10. Was sind dieses Le⸗ bens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Hirt, Christus, wird Mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu Gut' In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Lieb— lich werd' umfangen. Paul Gerhardt, 1606—1676. Eigene Melodie. Mare. 7, 31—37. 6 1 7* W⸗, 4805 ist wohl gethan, Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille; Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum lass' ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Er wird mich nicht betrügen; Er führet mich auf rechter Bahn, So lass' ich mir ge⸗ nügen An seiner Huld Und hab' Geduld; Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Er wird mich wohl bedenken; Er, als mein Arzt und Wunder⸗ mann, Wird mir nicht Gift einschenken Für Arzenei, Gott ist getreu; Drum will ich auf ihn bauen Und sei⸗ ner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann, Ihm hab' ich mich ergeben In Freud' und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffent⸗ lich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohl gethan; Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem 522 XVIII. Trostlieder. Wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd' ergötzt Mit süßem Trost im Her— zen, Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Dabei will ich verbleiben; Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum lass' ich ihn nur walten. M. Samuel Rodigast, 1649—1708. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛc. Ps. 42, 12. 61 8 Wa⸗ hilft's, * daß ich mich quäle Und fürchte manches Leid? Entreiß' dich, meine Seele, Doch aller Traurigkeit! Gott machet Alles wohl! Wovor soll ich mich scheuen, Da Alles sei— nen Treuen Zum Besten dienen soll. 2. Was hülfe dir dein Sinnen, Wie dir's noch ge— hen mag? Was würdest du gewinnen Durch Sorgen Nacht und Tag? Befiehl es Gott allein, Laß seine Hand dich führen, Die wird dich so regieren, Wie dir's wird heilsam sein. 3. Was dich will nieder⸗ schlagen Und was dich schmerzt und kränkt, Das magst du dem nur klagen, Der Alles weislich lenkt. Wirf alle Sorg' auf ihn, Erhebe dein Gemüthe Zu seiner Vatergüte, So wird dein Kummer fliehn. 4. Er wird dich wohl versorgen, Der deiner lieb⸗ reich denkt; Vielleicht ist nah' der Morgen, Wo Gott dir Freude schenkt! Wer hoffend auf ihn blickt, Wer fest auf ihn vertrauet Und gläubig auf ihn bauet, Wird doch zuletzt erquickt. 5. So fall' ich denn mit Freuden In Gottes Arme hin; Von ihm kann mich Nichts scheiden, Weil ich sein eigen bin; Er bleibt auch ewig mein Und wird mir Alles geben, Was mei⸗ nem Stand und Leben Wird gut und selig sein. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. In allen meinen Thaten ꝛc. Pf. 145, 8. 9. Sir. 2, 6—9. 6 1 9. W˖daß.— mich quäle? Harr' seiner, meine Seele, Harr' und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet; Gott weiß es, und Gott schützet, Er nieder⸗ dich Das lagen, lenkt. ihn, je Zu wird wohl vlieb⸗ ht ist Gott Wer Wer Und Wird n mit Arme mich il ich bleibt wird mei⸗ Wird XVIII. Trostlieder. 523 schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, Eh' ich die Welt noch sah. Eh' ich mich selbst noch kannte, Eh' ich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hilfe nah'. 3. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem Gott nicht verborgen, Der Alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem Frieden, Wär's auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, Um glücklich hier zu werden; Die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier im Segen, Den Grund zum Glück zu legen, Das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück ver— mehret, Sei mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, Wenn's alle Welt auch schätzet, Sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krank— heit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott: So harr' ich und bin stille Zu Gott, denn nicht mein Wille, Dein Wille nur ge— scheh', o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir wi⸗ derfahren, Wenn Gott mich will bewahren, Und er, mein Gott, bewahret mich. M. Christian. Gellert, 1715—1769 Eigene Melodie. Matth. 6, 9. 10. 620 as mein 43. Gott will, das g'scheh' allzeit: Sein Wille ist der beste; Zu hel— fen dem er ist bereit, Der an ihn glaubet feste; Er hilft aus Noth, Der fromme Gott, Und züchtiget mit Maßen; Wer Gott vertraut, Fest auf ihn baut, Den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost, mein' Zuversicht, Mein' Hoffnung und mein Leben: Was mein Gott will, daß mir geschicht, Will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr; Denn all' mein' Haar' Er selber hat gezäh⸗ let; Er hüt't und wacht, Nimmt uns in Acht, Auf daß uns gar Nichts fehlet. 3. Drum muß ich hier von dieser Welt Hinfahr'n nach Gottes Willen Zu meinem Gott; wenn's ihm 524 XVIII. Trostlieder. gefällt, Will ich ihm halten stille; Mein' arme Seel' Ich Gott befehl' In meiner letz⸗ ten Stunden. O frommer Gott, Sünd', Höll' und Tod Hast du mir über⸗ wunden. 4. Noch Eins, Herr, will ich bitten dich, Du wirst mir's nicht versagen: Wenn mich der böse Feind anficht, Laß mich doch nicht verza— gen; Hilf, steur' und wehr', O Gott, mein Herr, Zu Ehren deinem Namen! Wer das begehrt, Dem wird's gewährt: Drauf sprech' ich fröhlich Amen. Albrecht, Markgraf zu Brandenburg⸗ Culmbach, 1522—1557. Mel. Jerusalem, du ꝛc. Luc. 7, 13. 621. IE weinest du? Ein hingeschwundnes Glück Be⸗ deckt des Grabes Moos. Zum Staube kehrt der müde Staub zurück, Und ruht im Erdenschooß. Des Lebens Freuden blühen Und welken wieder ab, Und Lebensglück wie Mühen Bedeckt ein stilles Grab. 2. Was weinest du? Das rechte Vaterland Nahm ja die Lieben auf! Es ging der Geist, der hier sein Glück — nicht fand, Zur bessern Welt hinauf. Beschwert von tausend Leiden, Erkrankt hier oft das Herz; Dort trennt kein banges Schei⸗ den, Dort quält kein Kör⸗ perschmerz. ö 3. Was weinest du? Auch der Gerechte fällt Und sün⸗ digt oft und schwer! Dort oben lockt nicht Fleisch und Blut der Welt Die Ausge⸗ prüften mehr. Sie haben überwunden Und sind nun sündenrein, Und ihren Freu⸗ denstunden Folgt keiner Reue Pein. 4. Was weinest du? Der Zukunft trübe Nacht Umhüllt noch unsern Blick! Zum Schauen sind sie droben nur erwacht Und segnen ihr Geschick. Der Schleier ist gehoben, Der vor den Augen lag, Die Erdennacht ist droben Vor ihnen heller Tag. 5. Was weinest du? Der treue Heiland wischt Dort ihre Thränen ab, Dort, wo kein Leid sich in die Wonne mischt, Die hier der Glaube gab. Dort macht er voll Erbarmen Die Seinen sün⸗ denrein Und läßt in seinen Armen Sie ewig selig sein. 6. O weine nicht, als gäb' der Herr dir nie Die —— bessern schwert rkrankt Dort Schei⸗ n Kör⸗ Auch d sün⸗ Dort hauund Ausge⸗ haben d nun Freu⸗ keiner ?Der mhüllt Zum en nur nihr ier ist den nnacht heller ?Der Dort rt, wo Vonne laube voll sün⸗ seinen sein. „ als Die XVIII. Trostlieder. 525 du geliebt, zurück! Einst führt auch dich der dunkle Pfad, wie sie, Zu Salems ew'gem Glück. Dort grüßen Wonnelieder Auch dich im Heimathsland, Du siehst die Deinen wieder, Sie sind in Gottes Hand. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensfack's Taschenbuch, 1860. Mel. Jesu, meine Freude ꝛc. Phil. 4, 5. 6. 62² Weich ihr fin⸗ * stern Sor⸗ gen! Denn auf heut' und morgen Sorgt ein andrer Mann. Laßt mich nun mit Frieden: Dem hab' ich's be⸗ schieden, Der es besser kann. Schreit die Welt gleich im— mer: Geld! Ich will Ho— sianna schreien, Glauben und mich freuen. 2. Gott hat zu bezahlen: Das ist ohne Prahlen Mein gewisser Schatz. Alles fällt vom Himmel, Sorgendem Gewimmel Geb' ich keinen Platz. Sonnenschein und Fröhlichsein, Milder Thau und kühler Regen Ist des Himmels Segen. 3. Hab' ich keinen Heller, Weder Brot noch Teller, Weder Dach noch Fach; Reißen meine Kleider, Sa⸗ gen Andre: Leider! Schreien Weh' und Ach! Sing' ich doch und glaube noch. Ich will ruhen, trinken, speisen Und den Vater preisen. 4. Der die Haare zählet, Dem kein Sperling fehlet, Der die Raben speist, Der hat mich geschaffen, Der bedarf kein Schlafen, Der ist nicht verreist; Der den Sohn so lange schon Für mein Heil dahin gegeben, Der ist noch am Leben. 5. Mir den Erben schen⸗ ken Und sich doch bedenken, Wenn's an Brote fehlt, Das ist ohne Zweifel Ein Gedicht vom Teufel, Der die Herzen quält. Böse⸗ wicht, begreifst du's nicht? Der sein Kind nicht abge⸗ schlagen, Was wird der ver⸗ sagen? 6. Der die Seele speiset Und ihr mehr erweiset, Als den Werth der Welt, Der mir Leib und Leben Wun⸗ derbar gegeben, Wunderbar erhält, Der es kann und der's gethan: Diesen traget erst zu Grabe, Eh' ich Man⸗ gel habe. 7. Wenn ich ihn erkenne Und ihn Abba nenne, Wie sein Geist mich lehrt, So bin ich, der Sünder, In der Zahl der Kinder, Die er bitten hört. Mein Gebet XVIII. Trostlieder. wird nicht verschmäht. Va⸗ ter heißen, Kinder haben, Das erfordert Gaben. 8. Bin ich werth geachtet, Daß man den geschlachtet, Der mein Bürge war, Zählt sein heißes Bluten Unschätz⸗ bare Fluthen Mir zur Lö— sung dar, Giebt er sich zum Fluch für mich: O, so gelt' ich ohne Kronen Mehr als Millionen. 9. Der für mich gefastet, Selten recht gerastet, Oft mit Kummer aß, Der sich arm gegeben Und im gan⸗ zen Leben Eignes nicht be⸗ saß, Gottes Lamm, mein Bräutigam, Untersagt mir alle Sorgen: Er sorgt heut und morgen. 10. Er hat mich erkaufet, Durch sein Blut getaufet Und zu sich bekehrt. Ach, wie hat sein Lieben Ihn nach mir getrieben, Bis ich ihn gehört! Sollt' er nun so lieblos thun? Sollt' er eins von seinen Schafen Mit Verhungern strafen? 11. Nein, er wird mich kleiden, Speisen, tränken, weiden, Mein Versorger sein. Steht er gleich von ferne: Wenn ich warten lerne, Kehrt er bei mir ein. Ist es leer, so giebt er her, Und nach überstandnen Proben Werd' ich fröhlich loben. 12. Nun, so weicht, ihr Sorgen! Denn auf heut' und morgen Sorgt ein andrer Mann. Ich will ruhig bleiben, Meine Arbeit trei⸗ ben, Wie ich immer kann. Christi Blut stärkt meinen Muth Und läßt mich in Noth und Plagen Nimmer⸗ mehr verzagen. Ernst Gottlieb Woltersdorf, 1725—1761. Mel. Straf' mich nicht in ꝛe. Luc. 7, 13. 0 623. eine nicht, Gott lebet noch, Du betrübte Seele! Drückt dich gleich ein hartes Joch In der Trauerhöhle: Nur Geduld, Gottes Huld Macht aus Dornen Rosen, Aus Aegypten Gosen. 2. Weine nicht: Gott denkt an dich, Wenn man dein vergessen; Es hat seine Treue sich Dir so hoch ver— messen, Daß die Welt Eh'er zerfällt, Eh' er dich wird hassen Oder gar verlassen. 3. Weine nicht: Gott siehet dich, Scheint er gleich versteckee; Wenn du nur geduldiglich Seinen Kelch geschmecket, Setzt er dir La⸗ bung für Und läßt nach dem Weinen Seine Sonne scheinen. ——————J———————.————————————9.—.—.—.—e— röhlich t, ihr ut' und andrer ruhig it trei⸗ kann. neinen ich in mmer⸗ 5—1761. in ꝛc. nicht, t lebet Seele! hartes rhöhle: Huld Rosen, Gott man t seine h ver⸗ t Eh'r wird issen. Gott gleich nur Kelch ir La⸗ nach Sonne XVIII. Trostlieder. 527 4. Weine nicht: Gott höret dich, Wenn dein Herze wimmert; Hat sich auch sehr bitterlich Deine Noth ver— schlimmert, Ruf'ihn an, Denn er kann Deinen Unglücks⸗ wellen Ihre Grenzen stellen. 5. Weine nicht: Gott liebet dich, Wenn die Welt gleich hasset Und so manchen Schlangenstich Auf dein Herze fasset. Wen Gott liebt, Nichts betrübt; Will gleich Alles krachen, Gott wird's doch wohl machen. 6. Weine nicht: Gott sorgt für dich; Ei, was kann dir fehlen? Was willst du dich stetiglich Mit den Sorgen quälen? Wirf auf ihn Alles hin: Er wird deine Sachen Gut und besser machen. 7. Weine nicht: Gott tröstet dich Nach den Thrä— nengüssen. Endlich wird der Kummer sich In das Grab verschließen. Durch den Tod Stirbt die Noth, Und wenn der erscheinet, Hast du aus⸗ geweinet. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Eigene Melodie. Ps. 121. 62 4 enn ich in 2 Angst und Noth Mein' Augen heb' em⸗ por Zu deinen Herr, Mit Seufzen und mit Flehen, So neigst du mir dein Ohr, Daß ich nicht darf betrübt von dei⸗ nem Antlitz gehen. 2. Mein Schutz und Hilfe kommt, O treuer Gott, von dir, Der du das Fir⸗ mament Und Erdreich hast gegründet. Kein Mensch kann helfen mir: Vor dei⸗ nem Gnadenthron allein man Rettung findet. 3. Du schaffest, daß mein Fuß Mir nicht ent⸗ gleiten kann, Du leeitest selber mich Auf allen meinen Wegen Und zeigest mir die Bahn, Wenn mir die Welt, der Tod und Teufel Stricke legen. 4. Du Huter Isfsrael, Du schläfst noch schlummerst nicht; Dein' Augen Tag und Nacht Ob denen offen bleiben, Die sich in deine Pflicht Zur Kreuzfahn' durch dein Blut, o Jesu, lassen schreiben. 5. Der Herr behüte mich Vor allem Mißgeschick; Besonders meine Seel' Er väterlich bewahre Vor Teu⸗ fels List und Tück, Auf daß hinfüro mir kein Uebel widerfahre. 6. Herr, segne meinen Bergen, 528 XVIII. Trostlieder. Tritt, Wo ich geh' aus und ein; Auch was ich red' und thu', Lass' alles wohl ge— lingen Und dir befohlen sein: So kann ich meinen Lauf hier seliglich voll— bringen. 7. Und wenn ich aus der Welt Nach deinem Willen geh', So hilf, daß ich in dir Fein sanft von hinnen scheide Und fröhlich aufersteh'; Dann führe mich hinauf in deine Wonn' und Freude. Matthäus 91994.— v. 300 nstern, 1594— 1648 Mel. O, wie 190 ig sind die ꝛc. 1205 Wne 4 eiter mußt du käm⸗ pfen, ringen, Willst du durc zum Lichte dringen, Also, Seele, muß es sein! Doch durch alle Dunkel— heiten Wird dein Heiland dich begleiten, Muth flößt er dem Schwachen ein. 2. Viele sind hervorge— zogen Aus der Drangsal wilden Wogen Durch der Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist Gottes Rechte; Wo ist einer seiner Knechte, Der bei ihm nicht Rettung fand! 3. Scheinst du gleich von ihm verlassen, Doch wird seine Hand dich fassen, Glaube nur und zweifle nicht! Kämpfe standhaft ohne Wanken, Bald wirst du ihm freudig danken, Bald durchströmt dich Kraft und Licht. 4. Wende von der Welt die Blicke, Schau' nicht seit⸗ wärts, nicht zurücke: Nur auf Gott und Ebwigkeit. Nur zu deinem Helfer wende Herz und Augen, Sinn und Hände, Bis er himm⸗ lisch dich erfreut. 5. Schließ' dich in die stille Kammer, Schütte dei⸗ nes 5 Jammer In das treue Vaterherz. Weißt du Worte nicht zu finden, Kannst du nur dein Leid empfinden, Klag' auch schwei⸗ gend ihm den Schmerz! 6. Kräftig ist ein solches Schweigen; Gott wird sich als Vater zeigen; Glaube, daß er dich erhört, Weil dein Heiland dich verstehet Und zum Vater für dich flehet, Der dem Sohn sein Flehn gewährt. 7. Nun, so will ich nie verzagen, Will vor Gottes Thron mich wagen Kind⸗ lich und voll Zuversicht; Kämpfen will ich ohne Wanken: Bald wird froh Doch assen, zweifle dhaft wirst anken, Kraft Welt t seit⸗ Nur higkeit. wende Sinn himm⸗ nà die te dei⸗ r In Weißt finden, Leid schwei⸗ 21 z olches d sich laube, Weil ystehet XVIII. Trostlieder. 529 mein Herz ihm danken, Bald durchströmt mich Kraft und Licht. Johann Caspar Lavater, 1741—1801. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. Ps. 126. 626 Wenm der Herr einst die Ge⸗ fangnen Ihrer Bande ledig macht, O, dann schwinden die vergangnen Leiden, wie ein Traum der Nacht! Dann wird unser Herz sich freun, Unser Mund voll Lachens sein! Jauchzend werden wir erheben Den, der Freiheit uns gegeben! 2. Herr, erhebe deine Rechte, Gieb uns einen Vaterblick! Rufe die ge⸗ gebeugten Knechte In das Vaterland zurück! Ach, der Pfad ist steil und weit; Kürze unsre Prüfungszeit! Führ' uns, wenn wir treu gestritten In des Friedens stille Hütten! 3. Ernten werden wir mit Freuden, Was wir weinend ausgesät; Jenseits reift die Frucht der Leiden Und des Sieges Palme weht! Unser Gott auf seinem Thron, Er, er selbst ist unser Lohn; Die ihm lebten, die ihm starben, Bringen jauchzend ihre Garben. Christian Heinrich Zeller, geb. 1779. Mel. Was mein Gott will ꝛc. Ps. 28, 7. 627 Wer Gott ver⸗ * traut, hat wohl gebaut Im Himmel und auf Erden; Wer sich verläßt auf Jesum Christ, Dem muß der Himmel wer⸗ den. Darum auf dich all' Hoffnung ich Getrost und fest thu' setzen: Herr Jesu Christ, mein Trost du bist In Todesnoth und Schmerzen. 2. Und wenn's gleich wär' dem Teufel sehr Und aller Welt zuwider, Den⸗ noch so bist du, Jesu Christ, Der sie all' schlägt darnie⸗ der, Und wenn ich dich nur hab' um mich Mit deinem Geist und Gnaden, So kann fürwahr mir ganz und gar Nicht Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst' ich mich ganz sicherlich, Denn du kannst mir wohl geben, Was mir ist noth, du treuer Gott, Hier und in jenem Leben. Gieb wahre Reu', mein Herz erneu', Errette Leib und Seele. Ach, höre, Herr, dies mein Begehr Und laß mein' Bitt' nicht fehlen! Johann Mühlmann, 1573—1613. 3. 530 XVIII. Trostlieder. Mel. Nun preiset Alle Gottes ꝛc. Ps. 27, 14. 62 8 Wi bist du, . Seele, In mir so gar betrübt! Dein Heiland lebet, Der dich so treulich liebt; Ergieb dich gänzlich seinem Willen, Er kann alleine dein Trauern stillen. 2. Bist du in Nöthen, Ach, harre nur auf Gott, Ihm dich vertraue In Leib's- und Seelennoth; Der vor⸗ mals Herzensangst gewendet, Der ist es, der jetzt noch Hilfe sendet.:, 3. Bist du auf Erden Nicht hoch- und werthge— schätzt, Mußt du viel dul— den, Was Seel' und Leib verletzt; Gedenke, wer dem Höchsten trauet, Hat auf den festesten Grund gebauet. 4. Bist du in Jesu, In deinem Heiland, reich, Kein Kaiser, König Ist dir an Reichthum gleich; Hast du nicht, was dich hier ergötzet, G'nug, wenn der Himmel dir dies ersetzet. 5. Sei doch zufrieden, O du betrübte Seel'! Wirf auf den Herren, Was dich auch immer quäl'; Wer ist jemals zu Schanden worden, Der sich ergeben des Kreuzes Orden? 6. Drum, liebe Seele, Wirf alles Trauern hin, Geduldig leide, Nichts kränke deinen Sinn; Ergieb dich hier nur Gottes Willen, Dort wird dich Jesus mit Freud' erfüllen.) Tobias Tzeutschner, 4 1675. Mel. Mach's mit mir, Gott ꝛc. Ps. 37, 40. 629. W. 2 der sich auf seinen Gott Recht kind— lich kann verlassen; Mag ihn auch treffen Sorg' und Noth, Mag auch die Welt ihn hassen, So bleibt er doch in sich vergnügt, Sein Freund ist Gott, der Alles fügt. 2. Die böse Welt mag immerhin Ohn' Ursach' mich befeinden, Kann sich nur immer mehr mein Sinn Mit meinem Gott befreun⸗ den. Ich trotze muthig jedem Feind! Wer schadet mir, ist Gott mein Freund? 3. Ich murre nicht, daß ich hier oft Viel habe dul⸗ den müssen; Mich hat ja Gott ganz unverhofft Aus mancher Angst gerissen. Da lernt' ich recht, daß Gott allein Der Menschen bester Freund muß sein. 4. Und will, ob meiner Seele,‚ n hin, kränke b dich Willen, us mit 1675. Gott ꝛe. (dem, der sich Mag g' und e Welt eibt er „Sein Alles t mag h' mich haᷓnur Sinn efreun⸗ muthig schadet reund? t, daß e dul⸗ hat ja t Aus n. Da Gott bester meiner XVIII. Trostlieder. 531 Sündenschuld, Mein Herz mich hart verklagen, Spricht es mir ab des Vaters Huld, Doch darf ich nicht verzagen. Wer ist, der mich verdam⸗ men kann? Gott ist mein Freund und nimmt mich an! 5 Ja selbst des Grabes finstre Nacht Kann mich nicht mehr erschrecken, Ich weiß, mich wird durch seine Racht Der Herr einst auf— erwecken. Mit Christo werd' ich dann vereint, Durch ihn ist ewig Gott mein Freund. 6. So geh' ich freudig durch die Welt, Getrost und stark im Glauben! Wer fest an seinen Gott sich hält, Dem kann die Welt Nichts rauben! Gott ist mein Freund, mein Schutz, mein Rath! Wohl dem, der Gott zum Freunde hat! Johann Christoph Ruben, ums Jahr 1700. Mel. Nun danket Alle Gott ꝛc. Ps. 146, 5. 630 Wobl dem, der unsern Gott Zum Helfer sich er⸗ wählet, Der kindlich ihm vertraut, Was seinem Her⸗ zen fehlet. Wohl dem, der auf den Herrn Allein sein Hoffen stellt, Auf ihn, der Trost verspricht Und ewig Glauben hält. 2. Wer hier auf Men⸗ schenkraft Und Menschen⸗ gunst vertrauet, Der hat fürwahr sein Glück Auf bloßen Sand gebauet; Be⸗ trüglich und gering Ist aller Menschen Macht, Und aller Hoheit Glanz Versinkt in Todesnacht. 3. Viel sichrer ist mein Trost, Ich weiß, an wen ich glaube. Wo ist der mächt'ge Feind, Der mir dies Kleinod raube? Ich stehe fest in Gott, Ihm hang' ich einzig an, Dem keine Noth zu groß, Der helfen will und kann. 4. Zu ihm, dem treuen Gott, Ist meine Seele stille, Sein Arm ist ewig stark Und gnadenvoll sein Wille. Sein Gang ist wunderbar, Unendlich seine Kraft; Sie hat von Alters her Stets Hilf' und Rath geschafft. 5. Drum halt' ich mich zu Gott, Und das ist meine Freude, Wenn ich ihm dan⸗ ken kann Nach überstand'⸗ nem Leide, Wenn mein er⸗ quicktes Herz Ihn rühmt mit allem Fleiß Und ihm ein Loblied singt Zu seines Namens Preis. 6. Gieb, daß ich stets, mein Gott, An dir fest hangen bleibe, Daß weder 532 XVIII. Trostlieder. Glück noch Noth Mich je⸗ mals von dir treibe. Ver⸗ leih' mir deinen Geist Und schenk' mir neue Kraft, Zu üben immerdar Die gute Ritterschaft. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Eigene Melodie. Pf. 37, 37. ů uletzt geht's 631. 3 wohl dem, der gerecht auf Erden, Durch Christi Blut, und Gottes Erbe war. Es kommt zuletzt das angenehme Jahr, Der Tag des Heils, an dem wir fröhlich werden. 2. Zuletzt giebt Gott, wonach wir uns gesehnet, Wenn Glaub' und Lieb' im Kreuz bewähret ist Und man Geduld an unsrer Stirne liest, Wenn wir genug sind von der Welt verhöhnet. 3. Zuletzt reicht man den Siegern ihre Kronen Und führet sie vom Feld ins Vaterland, Allwo be⸗ reit der Sel'gen Ruhestand, Dadurch der Fürst den Kampf pflegt zu belohnen. 4. Zuletzt macht Gott das Wasser selbst zu Weine, Der herrlich ist und alle Gäst' erfreut, Im Glauben stärkt die neuen Hochzeits⸗ leut'; Da sieht man denn, wie gut er's allzeit meine. 5. Zuletzt und nicht zu⸗ erst nimmt Gott die Seinen Ins Paradies, ins Lebens⸗ Liebesreich Und machet sie den Engeln Gottes gleich; Vor⸗ her läßt er sie erst genug ausweinen. 6. Zuletzt! merk's wohl und halte nur fein stille, O liebes Herz, dem der dich erst betrübt Und dich dabei doch wahrlich herzlich liebt; Ge— denke nur: es ist so Gottes Lille. Christian Andreas Bernstein, 1699. In allgemeinen Nöthen. Mel. In dich hab' ich gehoffet ꝛc. Ps. 91, 1. 2 us tiefen 632. A Nöthen flehen wir In kindlichem Gebet zu dir, O Herr von unsrem Leben. Ringsum bedroht Uns Seuch' und Tod Und auch die Stärksten beben. 2. Bloß Menschenhilfe rettet nicht, Wir haben keine Zuversicht, Als nur zu deiner Güte. Du bist der .( rronen Feld ⁰ he⸗ stand, den hnen. Gott Weine, alle lauben chzeits⸗ denn, eine. cht zu⸗ Seinen sebens⸗ sie den Vor⸗ genug wohl ille, O ich erst ei doch Ge⸗ Gottes + 1699. und ärksten enhilfe haben nur ist der In allgemeinen Nöthen. 533 Herr! Gieb, daß nicht mehr Der Tod so schrecklich wüthe. 3. In deiner treuen Vaterhand Ruht Tod und Leben, Volk und Land. Sprich! und es weicht die Plage, In frohen Dank und Lobgesang Verwandelt sich die Klage. 4. Doch, willst du uns noch nicht erfreun, So lehr' uns nur geduldig sein, Dir, dir uns ganz ergeben, Und sterben wir, Laß uns vor dir In deiner Wonne leben. 5. Zeig' allen Sterben⸗ den dein Heil Und hilf, daß sie ihr bestes Theil Im Himmel nicht verlieren. So wird der Tod Aus aller Noth Zu Trost und Lohn sie führen. 6. Laß unser gläubiges Gebet, Das um Erbarmen zu dir fleht, Dir, Vater, wohlgefallen; Einst jauch— zen doch Wir dankend noch: „Gott half, er half uns Allen!“ Dr.Johann Zacharias Leonhard Junkheim, 1729—1790. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Ps. 42, 12. 633. 3 ziehn, o Gott, die Kriegeswetter Jetzt über unser Haupt einher. Bist du, o Herr, nicht unser Retter, So ist's für unser Land zu schwer! Sieh, wie die Völker sich ent⸗ zwein Und sich zu unter⸗ drücken dräun! 2. So laß uns hier allein, o Vater, Auf dich und deine Vorsicht schaun, Auf dich, den mächtigsten Berather, Und nicht auf Menschenhilfe, baun, Die ohne dich uns gar nichts nützt, Die nur durch dich uns kräftig schützt! 3. Was hilft der Feinde große Menge? Was hilft dem Riesen große Macht? Der Ross' und Wagen stark Gedränge Ist's nicht, was Sieg und Heil verschafft. Der Mensch vertraut dar— auf zwar gern, Doch kommt der Sieg allein vom Herrn. 4. Drum fallen wir in deine Arme, Du Vater der Barmherzigkeit, Und flehen voll Vertraun:„Erbarme Dich über uns zur schweren Zeit! Laß Gnade doch für Recht ergehn, So bleiben wir doch aufrecht stehn!“ 5. Nicht grimmig, son⸗ dern nur mit Maßen Sind deine Strafen eingerichtt. Du wirst uns nicht zer⸗ stören lassen, Nein, Vater, 534 XVIII. Trostlieder. nein, das thust du nicht! Wir sollen nur durch Angst und Pein Geprüfet und gereinigt sein. 6. Zuletzt wird Jeder sagen müssen: Das hat Gott, unser Gott, gethan! Gerecht ist er in seinen Schlüssen, Ihn bete dank— bar Alles an! Er hilft und er errettet gern; Lobsinget ihm und preist den Herrn! Ernst Samuel Jacob Borchwardt, 1717—1776. Mel. Wo soll ich fliehen ꝛc. Dan. 9, 18. 63 4 s züchtigt deine Hand, O Höchster, unser Land. Zu deinem Vaterherzen Steigt auf in Furcht und Schmer⸗ zen Das heiße Flehn der Armen, Vernimm es mit Erbarmen! 2. Du siehst des Landes Noth, Sie kam auf dein Gebot. Du kannst mit star⸗ ken Händen Sie lindern, kannst sie enden. Ein Wort aus deinem Munde Verän⸗ dert Zeit und Stunde. 3. O Herr, wir murren nicht. Gerecht ist dein Ge— richt Bei Allem, was wir dulden, Denn groß sind unsre Schulden. Du züch⸗ tigst; doch noch minder, Als wir's verdient, wir Sünder. 4. Ja, Vater, deine Huld Ist größer, als die Schuld. Gedenke denn der Deinen, Die reuvoll vor dir weinen! Laß tiefge⸗ beugten Seelen Nicht Trost und Hoffnung fehlen! 5. Verkürze, guter Gott, Die Dauer unsrer Noth; Uns, die jetzt angstvoll flehen, Laß Trost und Ret⸗ tung sehen! Verwandle, Herr, die Leiden In neue Lebensfreuden! 6. Doch wenn, o Herr der Welt, Es dir noch nicht gefällt, Die Trübsal zu entfernen, So stärk' uns, daß wir lernen, Mit ehrfurchtsvollem Schweigen Vor dir uns kindlich beugen. 7. Herr, deine Züchti⸗ gung Leit' uns zur Besse⸗ rung! Laß sie die Sich'ren schrecken, Die Schläfrigen erwecken Und Redlichfromme stärken, Auf dein Gebot zu merken. 8. Wenn unser Herz dich liebt, So wird, was uns betrübt, Uns doch zum Heil gedeihen Und uns zu⸗ letzt erfreuen; Es wird uns deine Gnade Ein Licht auf dunklem Pfade. 9. So stärke denn das Herz, Daß auch im größten Schmerz Es nie an Muth deine als die enn der pll vor tiefge⸗ t Trost er Gott, Noth; ngstvoll ud Ret⸗ wandle, n neue Mit hweigen beugen. Züchti⸗ r Besse⸗ Sich'ren läfrigen fromme Gebot ö „ was och zum ö ins zu⸗ ird uns cht auf nn das größten ꝛMuth Herz In allgemeinen Nöthen. 535 ihm fehle. O sprich zu unsrer Seele: Getrost! dich soll kein Leiden Von meiner Liebe scheiden! 10. Schließt einst sich unser Lauf, Dann klärt sich Alles auf, Dann wird die Aussicht heiter, Dann weint kein Auge weiter; Dann finden unsre Herzen Nur Wonne nach den Schmerzen. M. David Bruhn, 1727—1782. Mel. Wenn wir in höchsten ꝛe. Pf. 66, 12—14. 635. Ha dessen Macht des Feuers Kraft Zum Segen und Verderben schafft, Mit welcher schrecklichen Gewalt Verwüstet's, und wie leicht, wie bald! 2. Ach, manche Woh⸗ nung ist verzehrt, Und mancher Menschen Glück zerstört! Auch dies hat deine Hand gethan, Wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen, und ver⸗ ehren doch Auch deine Huld; sie half uns noch, Sie hielt der Flammen schnellen Lauf, Des Uebrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsren Brüdern seufzen wir In ihrem Jam⸗ mer, Gott, zu dir. Laß sie nicht hilflos; tröste die, Die du gebeugt hast, segne sie. 5. Ach, der Verschonte fliehe nicht Die Uebung seiner heil'gen Pflicht, Der Pflicht, Betrübte zu erfreun Und regen Mitleids voll zu sein. 6. Uns wieder segnen kannst du, Gott, In Heil verwandeln jede Noth. Ja, weise, liebevoll und gut Ist Alles, was dein Wille thut. 7. Gieb Unterwerfung und Geduld Und laß uns deiner Vaterhuld Mit from⸗ mer Zuversicht vertraun Und stets auf deine Hilfe schaun. Christian Friedrich Unger, 1731—1781. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. Luc. 17, 5. 6. 1. Cor. 16, 13. 636. 5*5 aller⸗ höchster Gott Im Himmel und auf Erden, Dem Wolken, Luft und Wind Allzeit gehorsam werden, Sieh uns in tiefer Noth Vor deinem Throne stehn! Laß gnädig unser 1— Hilf' und Erfüllung sehn! 2. Ach, überschütte uns Mit deinem hohen Segen! Erfreu' uns gnädiglich Mit einem milden Regen, Der unser dürres Land Bewässert 536 XVIII. Trostlieder. und erquickt Und es zu deinem Preis Mit Frucht⸗ barkeit beglückt. 3. Du wollest unser Flehn Und Seufzen nicht verachten! Der Acker ist verlechzt, Die welken Früchte schmachten. Ach, soll dein Regen stets An uns vor⸗ übergehn? Soll stets vom Morgen nur Der Wind vertrocknend wehn? 4. Befeuchte, Herr, dein Land Und tränk' die matten Felder;: Gieß Regen aus und Thau Auf Wiesen, Gärten, Wälder, Daß, was bisher gelechzt, Durch deine Gnad' aufs Neu' Mit ei⸗ nem Segensstrom Erfrischt, befruchtet sei! 5. Ergieß auch deinen Geist Als einen Gnaden⸗ regen In unser mattes Herz Mit tausendfachem Segen! Gieb dein Gedeihn, o Herr! Breit' aus die Frömmigkeit, Daß du mit Freuden seh'st, Wie dir dein Land gedeiht! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1837. Mel. Straf' mich nicht in ꝛc. Hiob 37, 12. 13. 6 3 7 Ichmerz und Klage füllt das Land, Traurig stehn die Früchte. Hilft uns, gewalt'ger Gott, nicht deine Hand, Sind sie bald zu nichte. Zeig' uns doch Gnade noch, Vater voll Erbarmen! Hilf, ach! hilf uns Armen! 2. Du regierst der Wol⸗ ken Lauf Und befiehlst dem Regen. Sprich ein Wort, so hört er auf, Und uns bleibt der Segen. Steh' uns bei, Und zerstreu' Mit Rechte Deines Himmels Nächte. 3. Sende warmen Son⸗ nenschein, Der die Frucht erquicke! Auf dich schauen wir allein Mit des Glaubens Blicke. Guter Gott, Gieb uns Brot, Und nach mancher Plage Wieder Freudentage. 4. Preis und Ruhm sei dir geweiht, Vater aller Gnade! Hilf, daß uns die schwere Zeit Nicht am Her⸗ zen schade. Dir, nur dir, Wollen wir Gern zur Ehre leben Und uns ganz er⸗ geben. 2 Johann Leonhard Bäßler, 1745—1811. Eigene Melodie. 2. Chron. 20, 5—13. 638. Wen * in höchsten Nöthen sein Und wissen nicht, wo aus, noch ein, Und finden weder Hilf', HSES Hand, nichte. de noch Hilf, Er Wol⸗ Ist dem Wort, d uns Steh' u' Mit n Son⸗ Frucht schauen aubens Gieb ancher entage. ihm sei aller ns die N Her⸗ ir dir, Ehre 13 er⸗ ——...—— 5—1811. Deines XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. 537 noch Rath, Ob wir gleich sorgen früh und spat: 2. So ist dies unser Trost allein, Daß wir zu— sammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth, 3. Und heben unser Aug' und Herz Zu dir in wahrer Reue Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Lin⸗ derung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich Durch unsern Heiland Jesum Christ, Der unser Heil und Fürsprech ist. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, Und klagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sünde groß, Sprich uns davon in Gnaden los; Steh uns in unserm Elend bei, Mach' uns von allen Plagen frei, 7. Auf daß von Herzen können wir Nachmals mit Freuden danken dir, Gehor⸗ sam sein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. Dr. Paul Eber, 1511—1569. III. Lieder für besondere Verhältnisse und Zeiten. A. Hausstand. Meel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Ps. 118, 26. Nuf euch wird 6 3 9. A Gottes Se⸗ gen ruhn, Er hat ihn euch gewährt! Geht hin, und macht durch frommes Thun Euch dieses Segens werth. 2. Der Herr erfüllt, was er versprach; Sein Heil sollt ihr empfahn, Kommt ihr nur dem Ge⸗ lübde nach, Das ihr dem Herrn gethan. 3. Ihm heiligt nun Beruf und Stand, Ihm 538 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. heiligt euer Herz, Und folgt der Leitung seiner Hand Durch Freuden und durch Schmerz. 4. Bis ihr den Lauf der Pilgerzeit Nach Gottes Willen schließt, Und ihn in seiner Herrlichkeit Einst schauet, wie er ist. Dr. Johann Joachim Eschenburg, 1743—1820. M el. Gelobet sei'st du, Jesu ꝛc. Jac. 4, 13—15. Ps. 90, 17. Phil. 2, 13. 6 40 Dae walte „ Gott, der helfen kann! Mit Gott fang' ich die Arbeit an, Mit Gott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert Gottes Kraft und Stärk'; Schwing' dich, mein Herz, zu Gott allzeit! Ihr Lippen sprecht mit Freudigkeit: Das walte Gott! 3. Wenn Gott nicht hilft, so kann ich Nichts, Wo Gott nicht giebet, da gebricht's; Gott giebt und thut mir alles Gut's, Dar⸗ um so sprech' ich guten Muths: Das walte Gott! 4. Will Gott was Gu⸗ ich dankbar sein dafür; Auf sein Wort werf' ich aus mein Netz, Und sage bei der Arbeit stets: Das walte Gott! 5. Legt er mir seinen Segen bei Nach seiner großen Güt' und Treu', So g'nüge mir's für Herz und Mund; Dann sprech' ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 6. Trifft mich ein Un⸗ glück: unverzagt! Ist doch mein Werk mit Gott ge⸗ wagt. Er wird mir gnädig stehen bei; Drum ruf' ich alle Tage neu: Das walte Gott! 7. Ohn' ihn geht Alles segenslos, Sei Kunst und Wissen noch so groß. Mit Gott nur geht es, wie es soll! Drum sprech' ich täg⸗ lich glaubensvoll: Das walte Gott! 8. Theilt Gott was mit aus Gütigkeit, So acht' ich keiner Feinde Neid; Laß hassen, wer's nicht lassen kann! Ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 9. Herr, steh' mir bei mit Rath und That Und führe mich den schmalen Pfad! Dein Will' allein, tes spenden mir, So will der heilig ist, Regiere mich 206. r, Auf h aus ge bei walte seinen seiner Treu', Herz sprech grund: A. Hausstand. 539 durch Jesum Christ! Das walte Gott! Johann Betichius, ums Jahr 1700. Mel. Herr Jesu Christ, du ꝛc. Pf. 31, 15—17. 6 41 ein Wille, * bester Va⸗ ter, ist, Daß ich jetzt Schmerzen leide; Doch weiß ich, daß du Vater bist, Und dies ist meine Freude. Dir ist mein ganzes Leid bekannt, Mein Leben steht in deiner Hand, Du zählest meine Tage! 2. Mein Gott, mein Vater, gieb nicht zu, Daß Ungeduld mich kränke; Gieb deinen Geist mir, der mir Ruh', Und Kraft und Hoff⸗ nung schenke, Den Geist, der stark in Schwachen ist, Damit ich als ein wahrer Christ Mein Kreuz geduldig trage. 3. Voll Hoffnung wend' ich mich zu dir Und bleibe dir ergeben. Gott, wie du willst, so schick's mit mir, Zum Sterben oder Leben! In deiner Hand steht meine Zeit, Mach' du mich nur zur Ewigkeit Durch deine Gnade tüchtig. 4. Laß nicht zu, daß der Krankheit Pein Zu schwer mir Schwachen werde, Laß deine Gnade mich er⸗ freun Und mildre die Be⸗ schwerde. Du Vater weißt, was jeden Tag Dein schwaches Kind ertragen mag, Hilf mir, erbarm' dich meiner. Landauer Gesangbuch, 1811. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. matth. 19, 4—6. 642. D.g Gott der Einigkeit, Den Stand der Ehe selbst geweiht, Wie hoch ist er zu ehren! Ver⸗ nimm jetzt unser innig Flehn, Sieh gnädig an, die vor dir stehn, Ihr Bündniß zu beschwören. Laß sie, Vater, Dir erge⸗ ben, Einig leben, Treu sich lieben, Treu die Pflicht der Christen üben. 2. Nimm sie, o Gott, in deine Hut, Daß ihnen nie ein wahres Gut, Zu ihrem Wohlsein fehle; Im Glück laß sie sich deiner freun, Im Leid' einander hilfreich sein, Ein Herz und eine Seele. Immer Laß sie Voll Vertrauen Auf dich schauen, Freudig sterben, Und vereint den Himmel erben. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. 540 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Mel. Aus meines Herzens ꝛe. Matth. 20, 1 ff. 643. G e Willen In Demuth und Vertraun, Lern' das Gebot erfüllen, Sein großes Feld zu baun! Frag' nach der Ernte nicht! Du darfst den Lohn nicht messen, Mußt Freud' und Lust vergessen Und sehn auf deine Pflicht. 2. Willst du nur sein geborgen Und vor der Welt geehrt, So kannst du nicht besorgen, Was deinem Herrn gehört. Sieht Jemand auf Gewinn, Und trachtet hier auf Erden Nur glücklicher zu werden, Der hat den Lohn dahin. 3. Doch hast du deine Gaben Dem Dienst des Herrn geweiht, So wirst du Augen haben, Zu sehn, was er gebeut. Das thue still und gern! Du darfst nicht zaudernd wählen, Nicht rechnen und nicht zählen, Er ruft, du folgst dem Herrn. 4. Nur frisch an allen Enden Die Arbeit angefaßt! Mit unverdroß'nen Händen Sei wirksam ohne Rast. Das ist der rechte Muth. Streu' aus den edlen Sa⸗ men, Arbeit in Gottes Na⸗ men, So keimt und wächst es gut. 5. So wird von Stund' zu Stunde Das Feld des Herrn gedeihn Und bald auf seinem Grunde Kein Unkraut sichtbar sein. Schlag' Alles aus dem Sinn, Was sonst dich hielt gefangen, Dein Wünschen und Verlangen, Und gieb dich gänzlich hin. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Ephes. 6, 5—8. 6⁴4⁴4[Rott! deinen 0 weisen Wil— len Soll Jeder hier erfüllen, Laß ihn mir heilig sein. Du hast auch mich auf Er— den Zum Menschen lassen werden, Dir will ich meine Kräfte weihn. 2. Ich soll hier Andren dienen, Und dien' ich treu⸗ lich ihnen, So folg' ich dir, mein Gott. Laß meiner Herrschaft Willen Mich gern und treu erfüllen, Als dei⸗ nen Willen, dein Gebot. 3. Lehr' ohne bittre Klagen, Des Lebens Last mich tragen Und immer auf dich sehn. Im Reden und im Schweigen Will ich als Christ mich zeigen Und auf dem Pfad der Tugend gehn. . —— wächst Stund' eld des d bald Kein sein. dem ch hielt ünschen d gieb h, 1829. zälder ꝛc. deinen 'n Wil⸗ füllen, sein. uf Er⸗ lassen meine Indren treu⸗ ch dir, neiner gern dei⸗ ot. bittre Last r auf und h als d auf gehn. ö A. Hausstand. 541 4. Die Herrschaft will Mel. ich ehren, Und ihren Nutzen mehren, Sie, wo ich kann, erfreun; Nie dein Gebot verletzen, Mich ihr nicht wiedersetzen Und jeden Feh⸗ ler gleich bereun. 5. Ich will sie redlich lieben, Mit Vorsatz nie be⸗ trüben, Nie träg' und müssig sein; Ich will sie nicht be⸗ lügen, Recht thun, und nie betrügen Und mich vor dei⸗ nem Auge scheun. 6. In meinem Dienst auf Erden Stets tüchtiger zu werden, Sei Freude mir und Pflicht. Ich bin ja, wo ich wandle, Bei Allem, was ich handle, O Herr, vor deinem Angesicht. 7. Du bist stets der Gerechte, Der Herr der Herrn und Knechte, Und Beider Trost und Heil; Der Niedrigste auf Erden Kann groß im Himmel werden, Hat, Reichen gleich, Gott, an dir Theil. 8. Laß mich dies recht ermessen, Nie meine Pflicht vergessen, Und meines Rufs mich freun; So wirst du, Herr der Welten, Es reich⸗ lich mir vergelten, Und ich werd' ewig glücklich sein. Johann Caspar Lavater, 1741—1801. Nun freut euch, lieben ꝛc. Phil. 2, 13. 6 45 ˙¹ ist's, der * das Ver⸗ mögen schafft, Das Gute zu vollbringen, Er giebt zur Arbeit Lust und Kraft, Und läßt sie wohl gelingen. Was mit des Höchsten Willen stimmt, Wird, wenn man's freudig unternimmt, Nicht ohne Fortgang bleiben. 2. Gott segnet's dem, der eifrig strebt, Vor ihm gerecht zu werden, Und treu nach seinem Willen lebt, Schon gnädig hier auf Er⸗ den; Er reicht ihm dar mit milder Hand In seinem Amt, Beruf und Stand, Was ihm wahrhaftig nützet. 3. Gott ist der From⸗ men Schild und Lohn, Er krönet sie mit Gnaden; Was sollte ihrer Feinde Hohn Und Mißgunst ihnen scha⸗ den? Mit seinem Schutz bedeckt er sie, Und stärket bei des Lebens Müh' Ihr Herz mit Trost und Hoff⸗ nung. 4. Drum gieb, o Gott, daß ich auf dich Bei meiner Arbeit sehe. Mit Licht und Weisheit segne mich, Daß deinen Weg ich gehe. Laß mich, wie mir's dein Wort gebeut, Nach deines Reichs 542 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Gerechtigkeit Vor allen Din⸗ gen trachten. 5. Mein Vater, ich be— fehle dir Die Werke meiner Hände, Sei überall, mein Gott, mit mir, Daß ich sie wohl vollende! O hilf zu deines Namens Preis, Daß mir die Frucht von mei⸗ nem Fleiß In jenes Leben folge! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Herr Jesu Christ, dich ꝛe. Matth. 21, 15. 16. Ephes. 6, 4. 5‚ gilf, Gott, 646. V daß unsre Kinderzucht Geschehe stets mit Nutz und Frucht Und aus dem Mund der Kinder dir Ein Lob ertöne für und für. 2. Laß unsre Kinder ins⸗ gemein Den Eltern stets gehorsam sein Und meiden allen Lügenhang, Den Ei⸗ gensinn und Müßiggang. 3. Schenk' ihnen deiner Wahrheit Licht, Und segne ihren Unterricht, Damit durchs Wort aus deinem Mund Ihr Glaub' erhalte festen Grund. 4. Behüte sie vor Aer⸗ gerniß, Mach' sie des rechten Wegs gewiß, Wo ihnen ein Verführer naht Mit gift'gem Reiz zur Missethat. 5. Nimm ihre Seelen, Herr, in Acht, Beschirme sie mit deiner Macht, Da⸗ mit sie dich verlassen nie; Dein Engel lagre sich um sie und des Gebets, Gieß dich in ihre Herzen stets; Furcht Gottes gieb in ihren Sinn, Die aller Weisheit Anbe⸗ ginn. 7. Erleuchte sie mit dei⸗ nem Schein, Laß sie zum Lernen willig sein, An Gnad' und Weisheit immerdar Zu⸗ nehmen lieblich Jahr für Jahr. 8. Regiere sie ohn' Un⸗ terlaß, Damit sie zum voll— kommnen Maß Des Lebens Christi wachsen fort Und Früchte bringen durch sein Wort. 9. Vollende sie in dieser Zeit Zum Erbtheil in der Ewigkeit; Den Kindern, Heiland, sprichst ja du So liebevoll den Himmel zu! 10. Und schließt sich einst ihr Erdenlauf, So nimm sie selig zu dir auf, Damit sammt ihnen wir zugleich Dich preisen dort in deinem Reich. Württembergisches Gesangbuch, 1843. 6. 8 Geist der Gnadꝰ er; zur Seelen, zeschirme cht, Da⸗ ssen nie; sich um Gnad' zieß dich Furcht n Sinn, Anbe⸗ mit dei⸗ sie zum n Gnad' dar Zu⸗ hr für hn' Un⸗ m voll⸗ Lebens t Und rch sein n dieser in der kindern, du So zu! ch einst nimm Damit zugleich deinem uch, 1843. Mel. 647. A. Hausstand. 543 Wie schön leuchtet der ꝛe. gründet sein Auf deine Josua 24, 15. Gnade ganz allein Und Ich und mein deine große Güte. Auch Haus, wir laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel' und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein: Gieb deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen! Eine Kleine Fromme, reine Haus⸗ gemeine Mach' aus Allen! Dir nur soll sie wohlge⸗ fallen. 2.Es wirke durch dein kräf⸗ tig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser Aller Seelen; Es leucht' uns wie das Sonnenlicht, Damit's am rechten Lichte nicht Im Hause möge feh⸗ len. Reiche Gleiche Seelen⸗ speise Auch zur Reise Durch dies Leben Uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß' deinen Frieden auf das Haus Und Alle, die drin wohnen, aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen sein bereit, Voll Demuth, sanft und linde. Liebe Uebe Jede Seele; Keinem fehle, Dran man kennet Den, der sich den Deinen nennet. 4. Laß unser Haus ge⸗ Hilfe schaun Mit kindlichem Gemüthe; Selig, Fröhlich, Selbst mit Schmerzen In dem Herzen Dir uns lassen, Und dann in Geduld uns fassen. 5. Giebst du uns ird'sches Glück ins Haus, So schließ' den Stolz, die Weltlust aus Des Reichthums böse Gäste; Denn wenn das Herz an Demuth leer Und voll von eitler Weltlust wär', So fehlte uns das Beste: Jene Schöne, Tiefe, stille Gnadenfülle, Die mit Schätzen Einer Welt nicht zu ersetzen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, Daß in dem Haus kein andrer Geist, Als nur dein Geist, regiere. Der istss, der Alles wohl bestellt, Der gute Zucht und Ordnung hält, Der Alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns Allen, Bis wir wallen Heim, und droben Dich in deinem Hause loben! Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. 544 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Mel. Herr Jesu Christ, dich ꝛc. Luc. 18, 15—17. 6 48 hr Eltern, hört, was Christus spricht:„Den Kind— lein sollt ihr wehren nicht, Daß sie sich meinen Armen nahn, Denn ich will segnend sie empfahn.“ 2. Auch ihrer ist das Himmelreich: Und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Weltlust, Pracht und Ehr' Hat's bald ein End', und ist nicht mehr. 3. Das Himmelreich sich nie verliert, Darein uns Jesus Christus führt Durch seine Lehr', dies ew'ge Wort, Das uns macht selig hier und dort. 4. Gehorchet ihm, und bringt sie her, Daß man von Jugend auf sie lehr' In Kirchen und in Schulen wohl, Wie man Gott gläu⸗ big ehren soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, So führet sie zu Jesu hin; Wer dies nicht thut, ist ihnen feind, Wie groß auch seine Liebe scheint. 6. Was hilft den Kin⸗ dern großes Geld, Wenn nicht ihr Herz ist gut be— stellt? Wer sie zu Gott recht führen läßt, Der thut für sie das Allerbest'. M. Ludwig Helmboldt, 1532—1598. Mel. Herr Jesu Christ, mein's ꝛc. 2. Mos. 20, 12. Sir. 3, 11. Spr. 30, 17. 6⁴ 9* In Eht 40n Anfang gern Der Weisheit Grund, die Furcht des Herrn! Was ihr bei Zeiten lernt und thut, Kommt jetzt und ewig euch zu gut. 2. Hört die Verheißung, welche Gott Als Vater legt auf sein Gebot, Wenn er den Himmelsweg euch weist, Und euch gehorsam werden heißt. 3. Ehr' deine Eltern spät und früh, Dank' ihnen ihre Liebꝰ und Müh'; Dann wird's dir wohl auf Erden gehn, Dann wirst du Got⸗ tes Himmel sehn. 4. So war auf seiner Erdenbahn Den Eltern Je⸗ sus unterthan; Er, dessen Stuhl die Himmel sind, War einst gehorsam als ein Kind. 5. Des Vaters Segen baut ein Haus, Wo Kin⸗ der froh gehn ein und aus; Der Fluch der Mutter reißt es ein, Denn Gott will selbst der Rächer sein. 6. Ein Kind, das seinen 206. —— hut für 2—1598. nein's ꝛc. 15.— Kinder, it von Zeisheit y3t des Zeiten mt jetzt eißung, ter legt enn er weist, werden rn spät en ihre Dann Erden Got⸗ seiner rn Je⸗ dessen sind, m als Segen Kin⸗ d aus; r reißt t will seinen A. Hausstand. 545 Vater schmäht Und trotzig von der Mutter geht, Wird gleich dem Baume früh ent⸗ laubt Und ruft sich Noth und Tod aufs Haupt. 7. Doch o wie süß, wenn Vatermund Und Mutter⸗ freude geben kund:„Die liebste Blume, die ich find', Ist unser treues, frommes Kind!“ 8. Den Vater lieb' von Herzensgrund Und ehre ihn mit That und Mund; Ver⸗ giß nicht, wie du lange Frist Der Mutter sauer worden bist! 9. Gott, sende deinen Segensstrahl Eltern und Kindern allzumal; Halt' sie verbunden in der Zeit, Ver— bunden in der Ewigkeit! M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Nun danket Alle Gott ꝛc. Ps. 121, 2. 65⁵ 0 Mi' welchem . Dank, o Gott, Soll dich mein Lied erheben? Nur deine Vater⸗ huld Erhielt mir noch das Leben; Du stand'st mit dei— ner Kraft Mir in der Schwachheit bei, Und von Gefahr und Schmerz Bin ich nun wieder frei. 2. Dem Tode war ich nah', Schon sah ich für mein Leben Um meine La⸗ gerstatt Manch treues Herz erbeben; Doch ich erbebte nicht, Mich schreckte nicht das Grab; Gestärkt durch deinen Geist, Sah ich ge— trost hinab. 3. Ich sah das Todes— thal Zwar finster vor mir liegen, Doch lichtvoll hinter ihm Ein himmlisches Ver— gnügen; Es winkte mei⸗ nem Leib Hier Ruh' und Sicherheit, Und meiner Seele dort Heil und Un⸗ sterblichkeit. 4. Indessen stärktest du Die halberstorbnen Glieder; Dem Geist verliehst du Muth, Dem Körper Kräfte wieder, Und so giebst du, o Gott, Den Meinen mich zurück; Hab' Dank! Gesund⸗ heit ist Und Leben auch ein Glück. 5. Nun, durch dies Le⸗ ben selbst Will ich dir Dank beweisen, Durch wahre Frömmigkeit Stets deine Liebe preisen, Treu meiner Pflicht die Kraft, Die du mir schenktest, weihn, Um mich in Ewigkeit Der Selig—⸗ keit zu freun! Charlotte Elisabeth Constantia, Freifrau von der Recke, 1756—1833. 30 —í"il/n—— 5 —...I..... ö * 546 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Mel.. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Luc. 2, 51. 52. 6 51 N I hilf uns, * o Herr Je⸗ su Christ, Der du einst hier gewesen bist Ein freund⸗ liches und frommes Kind, Ohn' alle Schuld, ohn' alle Sünd'. 2. Wir Kinder bitten Eines nur, Versag's nicht, Herr, der Creatur: Hilf uns in deinem Willen ruhn, Lehr' uns nach deinem Vor— bild thun. 3. Gieb deinen Geist in unsre Brust, Hilf lernen uns mit Kindeslust, Damit wir legen rechten Grund Und ewig stehn in deinem Bund. Böhmische Brüder. Mel. Sei Lob und Ehr' dem ꝛc. Pf. 71, 15. 6 5 2. Büi 0 Sprache nennt, Den tief das Herz empfindet, Der süße Bande knüpft und trennt Und dann auf ewig bindet: Des Dankes Opfer ist be⸗ reit, Hier stehen, deiner Huld geweiht, Zwei hochbejahrte Zeugen. 2. Ein tiefgerührtes Grei⸗ senpaar Sinkt betend vor dir nieder; Der Tag, der einst ihr Glück gebar, Er kehret festlich wieder! Ein halb Jahrhundert floh da— hin; Und ruhig sahn sie es entfliehn, Denn fest stand ihre Liebe. 3. Du leitetest sie, Hand in Hand, Ein Herz und Eine Seele, Mit jedem Jahre mehr verwandt. Der frohe Mund erzähle, Wie jeder Trug der Sinne wich, Im raschen Strom der Jahre sich Veredelte die Liebe. 4. Gott, welche Wunder deiner Macht Enthüllt ein langes Leben! Bis hierher hast du sie gebracht! Sieh ihre Lippen beben. Ver⸗ nimm der Enkel Jubelchor Und diesen Seufzer, tief hervor Aus froh gerührten Herzen! 5. Bis hierher hast du sie gebracht; Wie manche treue Gatten Barg schon des Grabes tiefe Nacht In ihre Trauerschatten! Wie viele wurden früh getrennt! Sie stehn vereint, und selig nennt Dich ihre Seele: „Vater.“ 6. So leite sie durchs Alter auch, Du Stärke aller Schwachen! Bis zu des Le— bens letztem Hauch Wird U W N 3 st 8 6 9 t 20. ig, der lr, Er r Ein oh da⸗ sie es stand Hand z und jedem t. Der Wie e wich, nder te die Zunder llt ein hierher Sieh Ver⸗ belchor b, kief ührten ast du nanche schon ht In Wie rennt! d selig Seele: durchs e aller es Le⸗ Wird A. Hausstand. 547 deine Liebe wachen. Wie eine Stunde sie verband, O führte deine Vaterhand Sie auch vereint zum Ziele! Jauersches Gesangbuch, 1829. Mel. Schmück' dich, mein ꝛe. 1. Mos. 18, 19. 653 selig Haus, * wo man dich aufgenommen, Du wah— rer Seelenfreund, Herr Jesu Christ! Wo unter al⸗ len Gästen, die da kommen, Du der gefeiertste und liebste bist; Wo Aller Her⸗ zen dir entgegen schlagen, Und Aller Augen freudig auf dich sehn; Wo Aller Lippen dein Gebot erfragen, Und Alle deines Winks ge— wärtig stehn. 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in einer, In deiner Liebe Eines Gei⸗ stes sind, Als beide Eines Heils gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; Wo beide unzer⸗ trennbar an dir hangen In Lieb' und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets ver⸗ langen An jedem guten, wie am bösen Tag'! 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als die Seinen Mit mehr als mütterlicher Liebe pflegt; Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln, Und horchen deiner süßen Rede zu, Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lie⸗ ber Heiland, du! 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich ken⸗ nen, Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in Einem Eifer brennen, Daß es nach dei⸗— nem Willen mag geschehn; Als deine Diener, deine Hausgenossen, In Demuth willig und in Liebe frei, Das Ihre schaffen, froh und unverdrossen, In klei⸗ nen Dingen zeigen große Treu'. 5. O selig Haus, wo du die Freude theilest; Wo man bei keiner Freude dein vergißt! O selig Haus, wo du die Wunden heilest, Und Aller Arzt und Aller Trö— ster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich Alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins 35* große, freie, haus! stündlich Gut's 548 XIX. Lieder für besondere Verhäl tnisse ꝛe. schöne Vater⸗ Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1559. Mel. Ich ruf' zu dir, Herr ꝛc. Phil. 4, 5. 6. 654. chau', Seele, 0 hinter dich zurück Auf die durchlebten Jahre; Auch vor dich hin wirf einen Blick! Was siehst du? Grab und Bahre! Ich bin schon alt; Wie bald, wie bald Sind meine Le⸗ bensstunden Hingeschwunden! Nach kurzem Aufenthalt Werd' ich nicht mehr ge— funden. 2. Gott, was ich bin, bin ich durch dich; Tief fühlt es mein Gemüthe. Auf Vaterhänden trugst du mich, Dein Weg war lauter Güte. Herr, Ruhm sei dir! Denn du hast mir In mei⸗ nem langen Leben Viel ge— geben. Was geb' ich dir dafür? Wie soll ich dich er— heben? 3. Du, meines Lebens Quell 185 Kraft, Mein Va⸗ ter, sei gepriesen! Du hast in Bner Pilgerschaft Mir erwiesen. Gott, du hast mich Oft wunderlich Und doch stets wohl geführet, Wohl re⸗ gieret; Im Kummer selbst hab' ich Dich nah' und treu gespüret. 4. Durch dich hab' ich voll Zuversicht So manche Höh' erstiegen. Du mach— test auch manch' schwere Pflicht Mir leicht und zum Vergnügen. Du, Gott der Huld, Hast mit Geduld, Wenn Sünden auf mir la⸗ gen, Mich.. S Und tilgest noch die Schuld Von meinen alten Tagen. 5. Mein Gott, Fels mei⸗ ner Zuversicht! Mein Schö— pfer und Erhalter! Verlaß, verlaß auch jetzt mich nicht, In Schwachheit und im Alter! Die Zeit eilt hin, Die Kräfte fliehn; Mich rufen graue Haare Schon zur Bahre. Gieb, daß, so lang' ich bin, Ich deine Auchh erfahre! 6 0—5 und erlöse mich, ich in Vom langen Kampfe müde! Nimm meine Seele zu dir hin, Bei dir ist Ruh' und Friede. Schließ' mei⸗ nen Lauf! Froh hoff' ich drauf, Ich werde nach dem Sterben Nicht ver⸗ derben; Bee steh ich einst auf, Die Seliglei zu erben. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. —.— IOAE&M j C C. selbst d treu tb' ich nanche mach⸗ chwere d zum tt der eduld, ir la⸗ Und Von * mei⸗ Schö— erlaß, nicht, dim hin, Mich Schon 5, so deine mich, ampfe Seele Ruh' mei⸗ f' ich nach ver⸗ ich eit zu chatz, A. Hausstand. 5⁴49 Lobe den Herren, den ꝛe. Pj. 16, 5. 6. 65. r Der nieder den göttlichen Frie⸗ den Auf die Verlobten, die du für einander beschieden! Herr, sei ihr Theil! Segne mit Leben und Heil Deine Erlösten hienieden! 2. Führe sie, Jesu, du Heiland, auf ebenen Wegen, Laß sie einander in lieben⸗ der Treue sich pflegen, Treibe zurück Untreu und böses Geschick, Gieb ihnen himmlischen Segen! 3. Herr, du bist weise, du schenkest nicht immer uns Freuden; Uns zu bekehren, zu heiligen, schickst du auch Leiden, Beugst unsren Sinn, Trübest den reichsten Ge⸗ winn, Doch nicht, um von uns zu scheiden. 4. Hast du für sie denn auch Leiden und Thränen erkoren, Daß sie für dich und dein Himmelreich wer— den geboren, Herr, o gieb Kraft! Du bist's allein, der sie schafft; Laß sie nicht ge⸗ hen verloren. 5. Laß sie nach freudi⸗ gen Tagen, nach Sorgen und Weinen Selig vor dir, o barmherziger Heiland, er⸗ Mel. Deiner Erbarmungen werth, Dort sich auf ewig ver⸗ einen! Emanuel Christian Gottliel Langbecker, 1792—1843. Mel. Jesu, meines Lebens ꝛc. Col. 3, 12—17. 6 3 nsrer Seele 65 1 Licht und Leben, Unser bestes Eigen— thum, Treuer Gott, von dir gegeben, Ist das wahre Christenthum. Laß es kräf⸗ tig bei uns wohnen, Auf dem Hausaltare thronen, In dem stillen Kämmerlein, Wie im Tempel, bei uns sein. 2. In des Hauses stiller Mitte Herrsche Lieb' und Freundlichkeit, Gottesfurcht und fromme Sitte, Friede, Zucht und Heiligkeit. Um den heitren Heerd vereine, Sich die häusliche Gemeine, Andacht stärke spät und früh Zu des Lebens Kampf und Müh'. 3. Gottes heil'ges Wort ertöne Aus der Väter, Müt⸗ ter Mund, Und erbaue Töchter, Söhne Auf den festen Lebensgrund; Leite alle Hausgenossen, Bis die Pilgerzeit verflossen, Und dann durch des Todes Graus In das ew'ge Va⸗ scheinen, Daß sie verklärt, terhaus. i‚—‚‚..——..—.— —.—.—.— — —.—.— — 550 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. 4. Heil dem Kreis, In dem nach oben Aller Sinn und Sehnsucht steht, Da sie Alle Christum loben, Der voran zum Ziel uns geht!— Hilf uns, die nach dir sich nennen, Gläubig treu dich zu bekennen; Unser Wandel mach' es kund, Daß du wohnst im Herzensgrund. Dr. Johann August Köthe, 1781—1850. Mel. Was Gott thut, das ꝛc. Röm. 12, 12. 657 W Glaube thut, ist wohlgethan, Ob's auch ver⸗ messen scheine; Er darf dem Unsichtbaren nahn, Das Große und das Kleine Ihm anvertraun; Wo Nichts zu schaun, Da baut auf ew'ge Dauer Er seines Hauses Mauer. 2. Was Liebe thut, ist wohlgethan, Es reut sie keine Mühe; Sie säet auch die Wildniß an, Damit sie fröhlich blühe. Sie sorgt und eilt, Sie trägt und heilt, Was wund und ohne Pflege Verlassen liegt am Wege. 3. Was Hoffnung thut, ist wohlgethan, Sie schauet in die Ferne; Sie macht dem schwachen Keime Bahn, Damit er wachsen lerne. Ihr Eifer glüht Und wird nicht müd', Und säumen auch die Früchte, Einst stehn sie doch im Lichte. 4. Doch was auch Glaub' und Liebe thun, Ist ohne Werth und Stärke, Läßt Gott nicht seinen Segen ruhn Auf jedem ihrer Werke. Was Gott gethan, ist wohl— gethan, Und was wir selbst erringen, Kann nimmer wohl gelingen. 5. Was hilft es, daß wir Häuser baun Und Kin⸗ der darein sammeln, Wenn wir nicht fleißig aufwärts schaun Und heiße Bitten stammeln? Was Glaub' und Lieb' In Hoffnung trieb, Das kann nur fruchtbar sprießen, Wenn Gottes Se⸗ gen fließen. 6. Er schenkt zur Arbeit die Geduld, Er giebt den Geist von oben, Und er vergiebt uns unsre Schuld, Wenn wir zu träg' ihn lo⸗ ben. Er weist die Bahn Den Seelen an, Er kann die Herzen wecken, Sein süßes Heil zu schmecken. 7. O ew'ges Licht, er⸗ leuchte doch Die Kinder unsrer Pflege Und führ' in deinem sanften Joch Sie auf dem Lebenswege! Laß Groß und Klein Aufs Neu' B. König und Vaterland. 551 sich weihn Zu deinem Eigen⸗ thume, Zu deinem ew'gen Ruhme! Dr. Christian Lide Barth, 1799—1862 Mel. Herr Jesu Christ, mein's ꝛc. Jos. 24, 15. 65 8. Wn. einem 0 Haus, wo Jesus Christ Allein das All in Allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär, Wie finster wär's, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn sich Mann und Weib und Kind In Einem Glaubenssinn verbind't, Zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein sol⸗ ches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Werk Nichts ist und heißtl 4. Wohl, wenn das Rauchwerk im Gebet Be⸗ ständig in die Höhe geht Und man Nichts treibet fort und fort, Als Gottes Werk und Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußer⸗ lichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Ein Jegliches nach seiner Art Im Glau⸗ ben seinen Geist bewahrt! 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind, Und wenn sie Kind und Kindes⸗ kind Versäumen nicht am ew'gen Glück! Dann bleibt derselben keins zurück! 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht: Die Eltern werden hocherfreut, Und ihren Kindern sieht man's an, Wie Gott die Seinen segnen kann! 8. So mach' ich denn zu dieser Stund' Sammt meinem Hause diesen Bund: Wenn alles Volk vom Her⸗ ren wich', So dienen wir ihm ewiglich. Christoph 817 12171. von Pfeil, B. König und Vaterland. Mel. Herr Gott, dich loben wir ꝛc. Dan. 2, 21. 6 59. Der Welten Herrscher dir, Dir, Vater, danken wir! Dein Wort erschuf, dein Wort erhält, Dein Wink beherrschet unsre Welt. Fluch oder Segen strömt ins Land, Allmächtiger, aus deiner Hand. Der Reiche Schicksal wägst du ab, Du 552 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. warst es stets, der Alles gab, Gott Schöpfer, unser Gott! Erhalter, unser Gott! Herr, Herr, Herr unser Gott! Jehova Zebaoth! 2. Zwar wandelt, Rich— ter, dein Gericht Auf Erden noch im Dämmerlicht; Doch glänzt auch durch der Völker Nacht Hindurch, Herr, deiner Herrschaft Macht, Die du der Erde kund gethan; Sie beten alle Völker an. Ge⸗ rechte Fürsten, Gott, giebst du Dem einen Volk und Füll' in Ruh'; Tyrannen, Geißeln sendest du Und all ihr Weh' dem andren zu. Du siehst, so ist es gut; du füllst Dein Maß und herrschest, wie du willst. 3. Heil dem geliebten Vaterland! Uns leitet eines Herrschers Hand, Der, auch im Glanz der Majestät, Mit uns vor Gott im Staube fleht. Es sei zu seiner Völ— ker Heil Ein langes Leben, Herr, sein Theil! Sein Scepter sei Gerechtigkeit Und seine Krone Menschlichkeit. Wie schmal, wie steil sein Weg auch sei, Dir, Herr und Richter, bleib' er treu! 4. Und fühlet er der Herrschaft Last, Die du ihm auferleget hast, So leite deine Weisheit ihn, Zu dei⸗ ner Hilfe laß ihn fliehn; So schau' er, wenn Ver⸗ suchung dräut, Zum Rich— terthron der Ewigkeit. Dort find' er seinen Lohn einst ganz In einer beßren Krone Glanz. 5. Wir lassen, unser Gott, dich nicht, Du gäb'sst uns denn die Zuversicht, Daß unser inniges Gebet Für ihn, für ihn umsonst nicht fleht. Gott segne, Gott behüte dich! Mit seiner Gnad' umstrahl' er dich! Der ewig ist, deß Angesicht Umleuchte dich mit seinem Licht! Dir geb' er Frieden: Frieden hier, In jenem Leben Frieden dir! Amen. Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Mel. Nun lob', mein' Seel' ꝛc. Pf. 37, 11. 6 60 HGen Lob, nun 900. ist erschollen Das edle Fried- und Freu⸗ denwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß' und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf und nimm nun wieder Dein Saitenspiel her⸗ vor, O Deutschland, singe Lieder Im hohen, vollen Chor! Erhebe dein Gemüthe Zu deinem Gott und sprich: Herr deine Gnad' und Güte Bleibt dennoch ewiglich. — 2 65 HAN c. fliehn; Ver⸗ Rich— Dort einst Krone unser gäb'st rsicht, Gebet nsonst Gott seiner dich! zesicht einem eden: jenem nen. —1803. Eel ꝛc. nun ollen Freu⸗ mehr und kord. nun her⸗ singe ollen üthe rich: güte B. König und Vaterland. 2. Wir haben Nichts verdienet Als schwere Straf' und großen Zorn, Weil stets noch bei uns grünet Der freche, schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr geschla⸗ gen Mit harter, scharfer Ruth', Und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße thut? Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei. 3. Sei tausendmal will⸗ kommen, Du theure, werthe Friedensgab'! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Bei⸗uns⸗wohnen in sich hab'. In dich hat Gott versenket All unser Glück und Heil; Wer dich betrübt und krän⸗ ket, Der drückt ihm selbst den Pfeil Des Herz'leids in das Herze Und löscht aus Unverstand Die güldne Freu⸗ denkerze Mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns Nie⸗ mand besser In unsre Seel' und Herz hinein, Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein', Ihr vormals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, Jetzt aber lauter Wälder Und dürre, wüste Haid', Ihr Gräber voller Leichen Und blut'gem Hel⸗ denschweiß, Der Helden, deren gleichen Auf Erden man nicht weiß. 5. Hier trübe deine Sin⸗ nen, O Mensch, und laß den Thränenbach Aus deinen Augen rinnen! Geh in dein Herz und denke nach: Was Gott bisher gesendet, Das hast du ausgelacht; Nun hat er sich gewendet Und väter⸗ lich bedacht, Vom Grimm und scharfen Dringen Zu deinem Heil zu ruhn, Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb' und Gutes⸗thun. 6. Ach, laß dich doch erwecken, Wach' auf, wach' auf, du harte Welt, Eh' als das letzte Schrecken Dich schnell und plötzlich über⸗ fällt! Wer aber Christum liebet, Sei unerschrocknen Muths; Der Friede, den er giebet, Bedeutet alles Gut's. Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu: Da sollt ihr bei Gott leben In ew'gem Fried' und Ruh'. Paul Gerhardt, 1606—1676. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Spr. 20, 28. In deiner Stärk 66 1 Birewe s Der König allezeit; Sein Auge 554 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. seh', o Gott, auf dich, Sein Herz sei dir geweiht. 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft Und deines Geistes voll, Gedenk' er stets der Rechenschaft, Die er dir geben soll. 3. Der über Christen, Gott, von dir Zum Herrn verordnet ist, Sei deiner Kirche Schutz und Zier, Ein echter Mensch und Christ. 4. Groß und voll Müh' ist seine Pflicht, Und er ein Mensch, wie wir; Ach, er bedarf vor Andren Licht Und Rath und Kraft von dir! 5. Sei du sein Licht, sein Hort, sein Schild! Laß ihn dir ähnlich sein, Laß menschenfreundlich ihn und mild Sein Volk, wie du, er⸗ freun. 6. Er zeig' auf seinem Throne sich Als deinen treusten Sohn; Dem Laster sei er fürchterlich, Der Tu— gend Schutz und Lohn. 7. Er hasse den Ge⸗ wissenszwang Als schnöde Tyrannei, Und fördre nicht durch Straf' und Drang Der Bürger Heuchelei. 8. Beglückter Bürger Liebe sei Sein edelster Ge— winn, Und kein gerechter Seufzer schrei! Gen Him— mel wider ihn. 9. Er fördre freudig dei⸗ nen Ruhm Und denke stets daran, Auch sein Land sei dein Eigenthum Und er dein Unterthan. 10. Verloren dünk' ihm Kraft und Zeit, Wenn er nicht Menschen nützt, Nicht täglich wohlthut und erfreut Und Fleiß und Künste schützt. 11. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Gerechtigkeit. Beschütz' ihn mächtig in Gefahr, Wann Feindesmacht ihm dräut! 12. Auch ihm hast du bestimmt sein Ziel, Das er erreichen soll; Herr, mache seiner Tage viel' Und jeden segensvoll. 13. Sein werd' in jedem Flehn zu dir Mit Lieb' und Dank gedacht; Erhör' uns, Gott; dann jauchzen wir Und preisen deine Macht! Dr. Johann Andreas Cramer, 1723—1788. Mel. Freu' dich sehr, o ꝛe. 1. Petri, 2, 17. ater, kröne du 662. V mit Segen Unsren König und sein Haus, Führ' durch ihn auf deinen Wegen Herrlich deinen Rath— schluß aus. Deiner Kirche sei er Schutz, Deinen Fein⸗ den biet' er Trutz. Sei dudem Gesal segne 2 Glau ihm Daß Ihm währ die aufer Jesu segne 13. B. König und Vaterland. 555 Gesalbten gnädig, Segne, segne unsren König! 2. Rüst' ihn mit des Glaubens Schilde, Reich ihm deines Geistes Schwert, Daß Gerechtigkeit und Milde Ihm des Friedens Heil ge⸗ währt. Mach' ihm leicht die schwere Last, Die du auferlegt ihm hast. Sei in Jesu du ihm gnädig, Schütze, segne unsren König. 3. Sammle um den Thron die Treuen, Die mit Rath und frommem Flehn Fest in deiner Streiter Rei⸗ hen Für des Landes Wohl⸗ fahrt stehn. Baue um den Königsthron Eine Burg, o Gottessohn. Sei du ihm auf ewig gnädig, Leite, segne unsren König! 4. Nähre du die heil'ge Flamme, Die das Herz des Volks erneut, Daß es unsrem Königsstamme Liebe bis zum Tode weiht. In der Zeiten langer Nacht Hast du über ihn gewacht, Du erhieltest ihn uns gnädig; Segne, segne unsren König. 5. Fürchtet Gott, den König ehret! Das, o Herr, ist dein Gebot, Und du hast es selbst bewähret, Warst gehorsam bis zum Tod. Wer dich liebt, der folget dir, Drum so beten Alle wir: Vor dem Bösen schütz' uns gnädig, Gott, erhalte unsren König! 6. Gieb uns Muth in den Gefahren, Wenn der Feind uns ernst bedroht, Daß wir Treue dann be⸗ wahren, Gehen freudig in den Tod. Du bist unser Siegspanier; Gott mit uns! so siegen wir. Deine Treuen krönst du gnädig, Segne, segne unsren König! 7. Breite, Herr, dein Reich auf Erden Auch in unsrem Lande aus, Daß wir deine Bürger werden, Ziehen in dein Vaterhaus. Frieden und Gerechtigkeit Gieb uns, Gott, zu aller Zeit. Sei du deinem Volke gnädig, Segne, segne unsren König! M. Wilhelm Hülsemann, geb. 1781. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Col. 3, 15. 675 illkommen, 663. Wi schenk des Himmels, O Friede, der die Welt be⸗ glückt! Gott hat die Schrek⸗ ken des Getümmels, Des Würgens und der Angst er⸗ stickt! Gott hat das Flehn der Noth erhört, In Freu⸗ den unser Leid verkehrt! ——— 556 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. 2. Gott ist der Herr der Kriegesschaaren; Er schlägt und bricht der Stolzen Trutz; Er ist der Retter aus Ge— fahren; Er, er ist der Ver⸗ laßnen Schutz. Auf, Men⸗ schen, preiset seine Macht, Die liebevoll an uns ge— dacht! 3. Preist ihn, der hart, doch mit Erbarmen Und stets voll Huld, die Sünder schlägt, Ihn, der zugleich auf Vaterarmen Die Seinen wie auf Flügeln trägt. Die ihr durch ihn begnadigt seid, Auf, werdet jetzt ganz Dank⸗ barkeit! 4. Preist ihn und lernt ihm ferner trauen, Wenn sich ein Unglück auf euch stürzt. Ihr werdet seine Hilfe schauen, Denn seine Hand ist nie verkürzt, Und ewig seine Gnad' wie er; Wer bleibet bei ihm hoff— nungsleer? 5. Auf, preist ihn durch ein frommes Leben Und reizet seinen Arm nicht mehr. Bedenkt mit heiligem Er⸗ beben, Hart war sein Zorn, sein Eifer schwer. Und doch trug er, der Gott der Huld, Noch schonend unsre größre Schuld. 6. Preist ihn durch Wohlthun und Erbarmen, Wo Elend eure Brüder drückt; Die Hilfsbedürftigen und Armen, Ach, diese kleidet und erquickt, Daß Jeder sich des Friedens freu' Und Niemand ferner traurig sei. 7. Dann singt ihr wahre Friedenslieder, Dann ist eu'r Herz ganz Dankbarkeit, Wenn ihr, als Eines Leibes Glie⸗ der, In Lieb' und Fröm⸗ migkeit euch freut, Dies Glück, dies große Glück, o Gott, Erhalt' uns bis an unsren Tod! 8. Laß fest an deinem Wort uns halten Und treu dir im Gehorsam sein; In Lieb' und Tugend nie er⸗ kalten Und dankbar jedes Laster scheun. So sind wir froh hier in der Zeit Und selig einst in Ewigkeit. Braunschweiger Gesangbuch, 1789. Mel 66 lung Jah gedr und jede fühl meir gesa 2 halt meir ner nem Wil weit mei geh sch 26. —— nd doch r Huld, größre durch barmen, Brüder irftigen diese Daß riedens ferner wahre ist eu'r Wenn Glie⸗ Fröm⸗ Dies lick, o s an einem 5treu Q. 3In er⸗ jedes wir Und 783. — C. Jahreswechsel. C. Jahreswechsel. Mel. Ich dank dir, lieber zꝛe. heit leiden, Du wirst Ge⸗ Pf. 121, 7. 8. duld verleihn. Soll ich von 66 4 is hierher hinnen scheiden, Du führst * ists ge⸗ zum Leben ein. lungen, Vorüber ist das Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Jahr. Ich bin hindurch gedrungen Durch Sorgen Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛe. und Gefahr. Nun schweige Pi. 11973— jede Klage, Mein ganz Ge⸗ 665 D alte Jahr fühl sei Dank. Dir, Hüter* vergangen meiner Tage, Erschalle Lob⸗ ist: Wir danken dir, Herr gesang! Jesu Christ, Daß du uns 2. Der du mich hast er- in so großer G'fahr So gnä⸗ halten, Mein Schöpfer und diglich behürt dies Jahr. mein Hort, Dich lass' ich fer- 2. Wir bitten dich, ewi⸗ ner walten Und traue dei⸗ ger Sohn Des Vaters in nem Wort. Dir ist mein dem höchsten Thron, Du Will ergeben, Er ist nicht wollst dein' arme Christen⸗ weiter mein. Mein Herz, heit Bewahren ferner alle⸗ mein ganzes Leben soll dir zeit. geheiligt sein. 3. Entzeuch uns nicht 3. In deinen Rath sich dein heilsam Wort, Welch's schicken, Ist Weisheit und ist der Seelen Trost und giebt Ruh'! Soll mich die Hort; Vor falscher Lehr', Armuth drücken, Mein höch⸗ Abgötterei Behüt uns, Herr, stes Gut bist du. Soll mich und steh' uns bei! Verfolgung, plagen, So 4. Hilf, daß wir fliehn schützest du mich doch. Soll die Sündenbahn Und fromm ich Verachtung tragen, Ich zu werden fangen an; Kein'r trage, Herr, dein Joch! Sünd' im alten Jahr gedenk', 4. Soll ich verlassen Ein gnadenreich neu Jahr leben, Verlaß nur du mich uns schenk': nicht! Soll ich in Aengsten 5. Christlich zu leben, schweben, Sei meine Zuver⸗ seliglich Zu sterben und her⸗ sicht! Und soll ich Krank⸗ nach fröhlich Am jüngsten 558 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Tage aufzustehn, Mit dir in Himmel einzugehn, 6. Zu danken und zu loben dich Mit allen Engeln ewiglich. O Jesu, unsern Glaͤuben mehr' Zu deines Namens Lob und Ehr'. V. 1—3. Johann Steuerlein, 1546—1613. V. 4—6. Jacob Tapp, um 1620. kel. Christus, der ist mein ꝛc. Klagel. Jerem. 3, 22. 23. as Jahr ist 666. D nun zu Ende, Doch, Herr, dein Lie— ben nicht; Noch segnen deine 6. Das Dunkel ist ge⸗ lichtet, Das auf dem Grabe liegt, Das Kreuz steht auf—⸗ gerichtet, An dem du hast gesiegt. 7. Erheben gleich die Sünden Des alten Jahres sich, Du lässest Heil verkün⸗ den Und wirfst sie hinter dich. 8. Du heilst der Sün⸗ den Schaden, Hilfst mir aus der Gefahr, Und siehst mich an in Gnaden Auch in dem neuen Jahr. M. Christian August Bähr, 1795—1846. Hände, Noch scheint dein Mel. Helft mir Gott's Güte ꝛce. Gnadenlicht. 2. Des Glückes Säulen wanken, Der Erde Gut zer⸗ stäubt, Die alten Freunde schwanken, Doch deine Liebe bleibt. 3. Der Jugend Reiz ver⸗ gehet, Des Mannes Kraft wird matt; Doch innerlich erstehet, Wer dich zum Freunde hat. 4. Mein Tag ist hinge— schwunden, Mein Abendbricht herein; Doch weil ich dich gefunden, So kann ich fröh— lich sein. 5. Und ob der Lebens⸗ faden Auch heute noch zer— reißt, Du sicherst mich vor Schaden, Denn du bewahrst 1. Mos. 15, 1. 667 Des Jahres erster Mor⸗ gen Soll, Gott, dir heilig sein. Ich will mich, fern von Sorgen, Nur deiner Güte freun. Bis hierher halfst du mir! Lobsing' ihm meine Seele, Lobsing' ihm und erzähle, Was er gethan an dir! 2. Ich überschau' die Pfade Der kurzen Pilger⸗ schaft. Nah' war mir deine Gnade, O Gott, und deine Kraft. Du führtest voller Treu' Mich meinem Ziel entgegen, Du gabst mir deinen Segen Und standst mir mächtig bei. den Geist. 3. Erwäg' ich alle Freu⸗ 24. ——— ist ge⸗ n Grabe eht auf⸗ du hast ich die Jahres verkün⸗ ter dich. nir aus st mich in dem 95—1846. Hüte ꝛc. Jahres r Mor⸗ heilig fern deiner ierher ihm ihm ethan die ilger⸗ deine deine oller Ziel mir ndest Freu⸗ C. Jahreswechsel. 559 den, Die mir mein Gott ver⸗ lieh, Was sind dann alle Leiden! Was ist des Lebens Müh'! Am Abend war mein Herz Oft voll von Gram und Sorgen, Und an dem neuen Morgen Verschwand mein Gram und Schmerz. 4. Gott, groß ist deine Stärke, Groß deine Freund⸗ lichkeit. Dich preisen deine Werke, Du Herr der Welt und Zeit. Auch ich will lebenslang Dich preisen, dich erhöhen, Und auch mein letztes Flehen Sei dir ein Lobgesang. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. Röm. 8, 31. Ein Jahr der 668. Csstabichles Der kurzen Lebenstage Ist abermals dahin Mit seiner Lust und Plage, Und wie⸗ derum ein Theil Von unsrer Pilgerschaft Nunmehr zurück⸗ gelegt Durch Gottes Schutz und Kraft. 2. Herr, deine Güte macht's, Die niemals, uns zu lieben, Ermüdet, noch ver⸗ gißt, Daß wir noch übrig blieben. Nimm unsres Her⸗ an uns In diesem Jahr gethan. 3. Wir schließen uns aufs Neu' In dein so treues Sor⸗ gen, In dein Erbarmen ein; Da sind wir wohl geborgen, Da ist das feste Schloß Vor aller Feinde Trutz, Da läuft dein Häuflein hin Und fin⸗ det sichren Schutz. 4. Gieb mit dem neuen Jahr Uns neue Stärk' im Glauben, Laß uns den alten Grund Der Wahrheit nie⸗ mals rauben. Erneure Herz und Sinn, Und das gegönnte Licht Des ewig wahren Worts Erlösche bei uns nicht. 5. Entzünde neue Lieb' Und Sanftmuth in uns Allen; Und sollt' uns dieses Jahr Auch neue Noth befallen, So stärke die Geduld Und mache deine Treu', O Vater, über uns Mit jedem Tage neu. 6. Gieb, daß wir mehr und mehr Den alten Men⸗ schen tödten. Verleih' an Seel' und Leib, Was Jedem ist vonnöthen, Und laß uns, Herr, mit dem, Was deine Weisheit thut, Stets wohl zufrieden sein; Du machst doch Alles gut. 7. Wem du auf dieses zens Dank Denn jetzo gnä⸗ dig an Für das, was du Jahr, Von dieser Welt zu scheiden, Sein Ziel hast fest⸗ 560 XIX. Lieder für besondere Verhältni sse ꝛc. gesetzt, Den laß auf dich mit Freuden Im Glauben selig hier Beschließen seinen Lauf, Und nimm in deine Hand Die Seele gnädig auf. Henriette Catharina von Gersdorf, 1648—1726. Mel. Sei Lob und Ehr' ꝛe. Matth. 6, 33. Pf. 28, 9. 669 Eꝰ ruft der * Sonn' und schafft den Mond, Das Jahr darnach zu theilen; Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und heißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank er⸗ theilen! 2. Herr, der da ist, und der da war! Von danker⸗ füllten Zungen Sei dir für das verfloßne Jahr Ein heilig Lied gesungen; Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, Für Fried' und Ruh', für jede That, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, Das du uns nun gegeben. Verleih' uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben. Du schützest uns und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, Des Lebens Ruh' und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt, So gieb mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Herz, Und laß mich nicht in Noth und Schmerz Glücklichern beneiden. 5. Hilf deinem Volle väterlich In diesem Jahre wieder. Erbarme der Ver⸗ laßnen dich Und der be— drängten Glieder. Gieb Glück zu jeder guten That, Und laß dich, Gott, mit Heil und Rath Auf unsren Fürsten nieder; 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit Auf seinem Stuhle throne, Daß Tugend und Zufriedenheit In unsrem Lande wohne, Daß Treu' und Liebe bei uns sei, Dies, lieber Vater, dies verleih' In Christo, deinem Sohne! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Die Mel. Werde munter, mein ꝛe. Pf. 28, 9. 6 70 0 HJein 120 gelingen, Hilf, das neue 2. ——— rst Nach n ofern es Lebens Doch lück der r Kreuz ärke mit Und oth und cklichern Volke Jahre er Ver⸗ der be⸗ Gieb That, tt, mit unsren it und seinem Tugend unsrem Treu' 8 sei, „ dies deinem zellert, mein ꝛe. Herr u, laß neue C. Jahreswechsel. 561 Jahr geht an! Laß es neue Kräfte bringen, Daß aufs Neu' ich wandeln kann. Laß mich dir befohlen sein, Auch daneben all das Mein': Neues Glück und neues Leben Wollest du aus Gnade geben. 2. Laß dies sein ein Jahr der Gnade, Laß mich büßen meine Sünd', Hilf, daß sie mir nimmer schade, Sondern bald Vergebung sind'ꝰ. Auch durch deine Gnad' verleih', Daß ich herzlich sie bereu', Herr, in dir; denn du, mein Leben, Kannst die Sünde mir ver⸗ geben. 3. Tröste mich mit dei⸗ ner Liebe, Nimm, o Gott, mein Flehen hin, Weil ich mich so sehr betrübe Und voll Angst und Zagen bin. Wenn ich gleich schlaf' oder wach', Sieh, du, Herr, auf meine Sach', Stärke mich in meinen Nöthen, Daß mich Sünd' und Tod nicht tödten. 4. Herr, du wollest Gnade geben, Daß dies Jahr mir heilig sei Und ich christlich könne leben, Sonder Trug und Heuchelei, Ich auch meinen Nächsten lieb'ꝰ Und denselben nicht betrüb', Daß ich auch allhier auf Erden Fromm und selig möge werden. 5. Jesu, laß mich fröh— lich enden Dieses angefangne Jahr; Trage stets mich auf den Händen, Bleibe bei mir in Gefahr; Steh mir bei in aller Noth Und ver⸗ laß mich nicht im Tod: Freudig will ich dich um— fassen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Johann Rist, 1607—1667. 2 Mel. Meinen Jesum lass' ꝛc. Luc. 2, 21. esus soll die 6 7 1. 2 Losung sein, Da ein neues Jahr erschie⸗ nen; Jesu Name soll allein Denen zum Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn, Und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in den Gemein⸗ den schallen; Und so oft wir nach dem Ort, Der nach ihm genannt ist, wal⸗ len, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligthum. 3. Sein Versöhnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu Theil, Wird sich täglich bei uns mehren; Auch für's neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 36 562 XIX. Lieder für besondere Verhältnissee 4. Unsre Wege wollen wir Nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird Alles wohl bestehen, Und durch seinen Gnadenschein Alles voller Segen sein. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns ein Segen werden müssen. Jesu Nam' ist Sonn' und Schild, Welcher allen Kummer stillt. Benjamin Schmolck, 1672—I737. Mel. Jesum lass' ꝛc. 672.3½6 Jal ist der schönst 0 Nam' Aller, die vom Himmel kamen, Huldreich, prächtig, tugendsam, Ueber aller Göt⸗ ter Namen; Seiner großen Lieblichkeit Gleicht kein Name weit und breit. 2. Jesus ist das der Welt Und Arznei für alle Sünden; Jesus ist ein starker Held, Unsern Feind Heil zu überwinden. Wo nur Jesus wird gehört, Wird des Teufels Werk gestört. 3. Jesus ist der Weisen Stein, Der Gesundheit giebt und Leben; Jesus hilft von aller Pein, Die den Men⸗ schen kann umgeben. Lege Jesum nur aufs Herz, So verliert sich aller Schmerz. 4. Jesus ist mein ew'ger Schatz Und ein Abgrund alles Guten; Jesus ist ein Freudenplatz Voller süßen Himmelsfluthen; Jesus ist ein kühler Thau, Der er⸗ frischet Feld und Au'. 5. Jesus ist der süße Brunn', Der die Seelen all erquicket; Jesus ist die ew'ge Sonn', Deren Strahl uns ganz entzücket; Willst du froh und freudig sein, Laß nur ihn zu dir hinein. 6. Jesus ist der liebste Ton, Den mir alle Welt kann singen; Ja, ich bin im Himmel schon, Wenn ich Jesum hör' erklingen; Jesus ist mein's Herzens Freud' Und mein' ew'ge Seligkeit. 7. Jesus ist mein Him⸗ melsbrot, Das ich inniglich begehre; Er erhält mich vor dem Tod,‚, Stärkt mich, daß ich ewig währe; Honig ist er mir im Mund, Bal⸗ sam, wenn ich bin ver⸗ wund't. 8. Jesus ist der Lebens⸗ baum, Voller edlen Tugend⸗ früchte: Wenn er find't im Herzen Raum, Wird das Unkraut ganz zunichte; Alles Gift und Unheil weicht, ꝛc. —— I. Lege rz, So chmerz. n ew'ger Ubgrund ist ein süßen esus ist Der er: . er süße elen all ie ew'ge ihl uns illst du n/ Laß in. liebste e Welt bin im nn ich Jesus Freud' eligkeit. N Him⸗ mniglich mich t mich, Honig „Bal⸗ ver⸗ ebens⸗ ugend⸗ d't im d das Alles weicht, 2 C. Jahreswechsel. 563 Das sein Schatten nur er⸗ reicht. 9. Jesus ist das höchste Gut In dem Himmel und auf Erden; Jesus Name macht mir Muth, Daß ich nicht kann traurig werden; Jesus Name soll allein Mir der liebste Name sein! Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. Was Gott thut, das ꝛc. Pf. 90, 1. 673 Mi Gott gehn X wir getrost dahin, Der künft'gen Zeit entgegen. Mit Gott! Nimm dieses Wort zu Sinn, Denn es hat Gottes Segen. Allein damit Thu jeden Tritt, Das Herz zu Gott erhoben, Die Hilfe kommt von oben. 2. In Frieden wohnt, wer Gott vertraut, In Mel. Ruh' an allen Orten. Sein Lebensglück ist fest gebaut, Ist Gott sein Fels gewor— den. Der's Auge macht, Sieht vor und wacht; Der's Ohr pflanzt, wird dein Flehen, Dein stillstes Wort verstehen. 3. Herz, deine Wünsche schick hinauf, Gott wird zu Allem rathen. Wohlan, mit ihm zum weitren Lauf, Mit ihm in Wort und Thaten! Mit Gott allein, So soll es sein! Dich prei⸗ sen deine Werke; Sei mit uns, Gott der Stärke! Christian Heinrich Fürchtegott Mörlin, 1787—1813. Mel. Wach' auf, mein Herz ꝛc. Ps. 103. 674 N. laßt uns U gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom alten bis zum neuen; 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Un⸗ gewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß be⸗ wahret werden; 5. Also auch, und nichts minder, Läßt Gott ihm seine Kinder, Wenn Noth und Trübsal blitzen, In seinem Schooße sitzen. 6. Ach, Hüter unsers Lebens! Fürwahr, es ist vergebens Mit unserm Thun 36* 564 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. und Machen, Wo nicht dein' Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, Die alles Herz'leid wenden. 8. Laß ferner dich er⸗ bitten, O Vater, und bleib mitten In unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen Denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 10. Schließ' zu die Jam— merpforten, Und laß an allen Orten Auf so viel Blutvergießen Die Freuden⸗ ströme fließen. 11. Sprich deinen mil— den Segen Zu allen unsern Wegen, Laß Großen und auch Kleinen Die Gnaden⸗ sonne scheinen. 12. Sei der Verlaßnen Vater, Der Irrenden Be⸗ rather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kranken, Gieb fröhliche Ge— danken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwer⸗ muth quälen. 14. Und endlich, was das Meiste, Füll' uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 15. Dies Alles wollst du geben, O meines Lebens Leben, Mir und der Christen Schaare Zum sel'gen neuen Jahre! Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Ps. 39, 5. 6. 6 7 5 I n — lich schnell entfliehn Die Tage, die uns Gott geliehn. Ein Jahr tritt ein und eilt davon. Wie manches ist bereits entflohn! 2. Dank sei dir, ewig treuer Gott, Für deinen Beistand in der Noth, Für tausend Proben deiner Treu'; Denn deine Huld war täg⸗ lich neu. 3. Wenn unser Herz, von Schuld befreit, Sich mancher guten That erfreut; Weß war die Kraft, wer gab Gedeihn? Dir, Herr, gebührt der Ruhm allein! 4. Oft fehlten wir und merkten's nicht, Verzeih' uns die verletzte Pflicht! Du siehst, Erbarmer, unsre Reu', Um Christi willen sprich uns frei. 2c. uns mit uns hier ort zum wollst Lebens Christen neuen 1676. h/ da 20. erbring⸗ schnell die uns Jahr davon. bereits „ewig deinen 3„ Für Treu'; ir täg⸗ Herz, Sich rfreut; „wer Herr, lein! ir und erzeih' dflicht! unsre willen 7 C. Jahreswechsel. 565 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit Stets näher hin zur Ewigkeit. Du hast die Stunden zugezählt, Die letzte weislich uns ver⸗ hehlt. 6. Herr unsers Lebens, mache du Uns selber recht geschickt dazu, Daß nicht, indem wir sicher sind, Der Tod uns unbereitet find'. 7. Ist einst die Zahl der Stunden voll, Die unser Loos entscheiden soll, So führ' uns aus der Prüfungszeit Zu deiner frohen Ewigkeit. 8. Da sind wir unsers Heils gewiß, Da wechseln Licht und Finsterniß Nicht mehr, wie hier. Du ew'ges Licht, Herr, unser Gott, verlaß uns nicht! Christoph Friedrich Neander, ö 1723—1802. Mel. Alle Menschen müssen ꝛc. Ps. 90, 10. 12. 67 6 Wi ein Adler fleugt zur Speise, So vergehet unsre Zeit! Eh' wir's merken, sind wir Greise, Stehn wir nah' der Ewigkeit! Ach, mit Ernst im Angesichte Ruft der Tod uns zum Gerichte Und Ver⸗ werfung oder Heil Wird dort ewig unser Theil! 2. Seele, wiss' es nicht vergebens, Klein ist meiner Tage Zahl. Thatst du jeden Schritt des Lebens Mit Bedachtsamkeit und Wahl? Säume nicht, dich selbst zu richten! Forsche nach des Glaubens Früch⸗ ten! Frage: Bin ich auch bereit, Wenn Gott ruft zur Ewigkeit? 3. Nah' bin ich vielleicht dem Ziele Meiner kurzge⸗ meßnen Bahn, Willst auch du dich, wie so Viele, Diesem Ziel mit Leichtsinn nahn? Sieh, es ist von meinen Jahren Wieder ein's dahin gefahren! Sind noch viele Jahre mein, Oder kann's das letzte sein? 4. Wie ein Schiff, von starken Winden Fortgerissen, ist's entflohn! Mit ihm stehn nun meine Sünden Alle vor des Richters Thron! Auch was ich gethan, den Willen Meines Gottes zu erfüllen, Selbst was ich dies Jahr gedacht, Alles ist vor Gott gebracht. 5. Wäg' ich selbst von jedem Tage, Meine Sünd' und Tugend ab; O, wie steiget hier die Wage! O, wie sinkt sie dort hinab! Kann ich so vor Gottes Throne Freudig stehen? Ist die Krone, Die den Frommen 566 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Gott verhieß, Mir, so wie ich bin, 6. O, beginn' ein neubs Leben, Fang' es diesen Tag noch an! Ernstlicher sei dein Bestreben, Richtiger sei deine Mel. Christus, der ist mein ꝛc. Sac. 1, 17. uf, laßt den 677. A On uns loben! Erschalle, Preisge— sang! Dem großen Geber droben Gefällt der Menschen Dank. 2. Ja, alle gute Gabe Kommt her von unserm Gott, Er segnet unsre Habe, Er schützet uns in Noth. 3. Was nah' ist, und was ferne, Von Gott kommt Alles her! Das Saatkorn und die Sterne, Der Tropfen und das Meer. 4. Von ihm sind Baum und Blätter, Und Korn und Obst von ihm; Von ihm kommt Frühlingswetter Und Schnee und Ungestüm. 5. Wir pflügen und wir streuen Den Samen auf das Land, Doch Wachsthum und Gedeihen Steht nicht in unsrer Hand. 6. Gott thut mit leisem Bahn! Laß dies Jahr nicht belastet dir verschwinden! Nütze redlich deine Zeit, Seele, für die Ewigkeit! D. Jahreszeiten und Ernte. Wehen Uns seinen Himmel Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. auf; Wenn wir zur Hütte gehen, Träuft er Gedeihen drauf. 7. Er sendet Thau und Regen, Er sendet Sonnen⸗ schein; Dann glänzt das Feld von Segen, Und wir, wir ernten ein. 8. Auch Frommsein und Vertrauen Und stiller Chri⸗ stensinn, Auf unsern Vater schauen, Auch das kommt uns durch ihn. 9. So wollen wir denn loben Und preisen immer⸗ dar Den großen Geber droben, Der sein wird, ist und war. Matthias Claudius, 1740—1815. Mel. Kommt her zu mir ꝛc. Ps. 102, 26—29. es Jahres 678. D schönster Schmuck entweicht, Die Flur wird kahl, der Wald er⸗ bleicht, Der Vöglein Lieder schweigen. Ihr Gotteskin⸗ der, schweiget nicht, Und auch mit Sünden Schwer 24. ihr nicht Schwer )winden! eZeit, gkeit! 35—1793. r Hütte Bedeihen hau und Sonnen⸗ tzt das nd wir, ein und 325 Chri⸗ Vater kommt ir denn immer⸗ Geber ird, ist —1815. mir ꝛc. Jahres hönster e Flur ld er⸗ Lieder tteskin⸗ Und D. Jahreszeiten und Ernte— 567 laßt hinauf zum ew'gen Licht Des Herzens Opfer steigen! 2. Gott ließ der Erde Frucht gedeihn, Wir greifen zu, wir holen ein, Wir sammeln seinen Segen. Herr Jesu, laß uns gleichen Fleiß An deiner Liebe Ruhm und Preis Mit Herzensfreude legen! 3. Der Weinstock giebt die süße Kost, Aus voller Kelter fließt der Most, Die Herzen zu erfreuen. Du rechter Weinstock, höchstes Gut, Laß deine Reben durch dein Blut Sich freudiglich erneuen! 4. Was Gottes Hand für uns gemacht, Das ist nun Alles heimgebracht, Hat Dach und Raum ge⸗ funden. So sammle dir zur Gnadenzeit, O Seele, was dein Herr dir beut, Für deine Kreuzesstunden. 5. Denn wie die Felder öde stehn, Die Nebel kalt darüber wehn Und Reif entfärbt die Matten: So endet alle Lust der Welt, Des Lebens Glanz und Kraft zerfällt, Schnell wach— sen seine Schatten. 6. Es braust der Sturm, der Wald erkracht, Der Wandrer eilt, um noch vor Nacht Zu flüchten aus den Wettern. O Jesu, sei uns Dach und Thurm, Hilf, wenn des Lebens rauher Sturm Uns will zu Boden schmettern! 7. Es fällt der höchsten Bäume Laub Und mischt sich wieder mit dem Staub, Von dannen es gekommen. Ach Mensch, sei noch so froh und werth, Du mußt hin⸗ unter in die Erd', Davon du bist genommen. 8. Doch, wie der Land⸗ mann seine Saat Ausstreuet, eh' der Winter naht, Um künftig Frucht zu sehen: So, treuer Vater, deckest du Auch unsern Leib mit Erde zu, Daß er soll auferstehen. 9. Indeß, wie über Land und Meer Der Störche Zug, der Schwalben Heer Der Sonn' entgegenstreben, So laß zu dir die Seele fliehn, Zu deinem Paradiese ziehn, An deiner Sonne leben! Victor Strauß, geb. 1809. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛc. Ps. 65, 10—12. 679 Di Ernt' ist nun zu Ende, Der Segen einge⸗ bracht, Woraus Gott alle Stände Satt, reich und fröhlich macht. Der alte 568 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Gott lebt noch; Man kann es deutlich merken An so viel Liebeswerken: Drum preisen wir ihn hoch. 2. Wir rühmen seine Güte, Die uns das Feld bestellt Und oft ohn' unsre Bitte Gethan, was uns ge⸗ fällt, Die immer noch ge— schont, Ob wir gleich gott— los leben, Die Fried' und Ruh' gegeben, Daß Jeder sicher wohnt. 3. Zwar manchen schö— nen Segen Hat böses Thun verderbt, Den wir auf gu— ten Wegen Sonst hätten noch ererbt; Doch hat Gott mehr gethan Aus unver⸗ dienter Güte, Als Mund, Herz und Gemüthe Nach Würden rühmen kann. 4. Er hat sein Herz ge⸗ neiget, Uns Sünder zu er⸗ freun, Genugsam sich be— zeuget Durch Regen, Son⸗ nenschein; Ward's aber nicht geacht't, So hat er sich ver⸗ borgen Und durch verborg— nes Sorgen Zum Beten uns gebracht. 5. O allerliebster Vater, Du hast viel Dank verdient, Du mildester Berather, »Machst, daß uns Segen grünt. Wohlan, dich loben wir Für abgewandten Scha⸗ den, Für viel' und große Gnaden: Herr Gott, wir danken dir! 6. Zum Danke kommt das Bitten: Du wollest, frommer Gott, Vor Feuer uns behüten Und aller an⸗ dern Noth; Gieb frieden⸗ volle Zeit, Erhalte deine Gaben, Daß wir uns damit laben; Regier' die Obrig— keit. 7. Besonders laß gedei⸗ hen Dein reines, wahres Wort, Daß wir uns dessen freuen Und auch an unserm Ort Dies gute Samkörnlein Erwünschte Früchte bringe Und wir in allem Dinge Recht fromme Leute sei'n. 8. Gieb, daß zu dir uns lenket, Was du zum Unter⸗ halt Des Leibes hast ge— schenket, Daß wir dich man— nigfalt In deinen Gaben sehn, Mit Herzen, Mund und Leben Dir Dank und Ehre geben: O, laß es doch geschehn! 9. Kommt unsers Lebens Ende, So nimm du unsern Geist In deine Vaterhände, Da er der Ruh' geneußt, Da ihm kein Leid bewußt: So ernten wir mit Freuden Nach ausgestandnem Leiden Die Garben voller Lust. Gottfried Tollmann, ums Jahr 17 . — t, wir kommt wollest, Feuer er an⸗ rieden⸗ deine damit Obrig⸗ gedei⸗ bahres dessen nserm rnlein bringe Dinge ein. runs Inter⸗ t ge⸗ man⸗ zaben Mund und 3es bens nsern ände, eußt, Hyußt: uden ꝛiden . 17 D. Jahreszeiten und Ernte. 569 Mel. Ich dank' dir, lieber ꝛc. 1. Mos. 8, 22. 680 Dis Gott der Huld und Stärke, Erschalle Preis und Dank; Dich loben deine Werke, Dich rühmt auch mein Gesang. Es zeigt an allen Enden Sich deiner Güte Spur, Aus deinen Vaterhänden Strömt Segen auf die Flur. 2. Wie prangt das Gold der Früchte, Des Sommers Feierkleid! Wir sehn im schönsten Lichte, Herr, deine Herrlichkeit. Wir flehen nicht vergebens Um Segen für das Land, Du, Vater unsres Lebens, Du gabst mit reicher Hand. 3. Das glänzende Gefilde, Das unser Aug' entzückt, Ist Zeichen deiner Milde, Die Alles gern erquickt. In reichen Wogen wallet Der segensvolle Halm, Von Jung und Alt erschallet Dir, Herr, ein Freudenpsalm. 4. Die Pracht der rei— chen Auen Strömt Wonn' in unsre Brust, Doch mischt auch Furcht und Grauen Sich oft in diese Lust. Du rufst vom Wolkensitze Den Boten deiner Macht, Dem Wettersturm, dem Blitze, Der Mittag wird zur Nacht. 5. Der Donner rollt, es bebet Die schwache Creatur, Doch neu, o Herr, belebet Dein Regen die Natur. Du schaffst zum Paradiese Ver⸗ welkte Fluren um, Und Hügel, Thal und Wiese Ver⸗ künden deinen Ruhm. 6. Der du die Erde schmückest Mit wunderbarer Pracht, Und was da lebt, beglückest Durch deine Lieb' und Macht, Dich müsse Je⸗ der loben, Dir schalle froher Dank, Dich preist der Engel droben, Dich preist auch unser Dank. Neues Berliner Gesanzbuch, 1829. Mel. O, daß ich tausend ꝛe. Jer. 5, 24. Ps. 35, 1—7. x‚ Rir, milder 681. I Geber aller Gaben, O Gott, gebühret Ruhm und Dank; Du hörst das Schrein der jungen Ra⸗ ben, Du hörst der Lerche Lobgesang: Auch mein Ge— sang steigt auf zu dir, O neige, Herr, dein Ohr zu mir! 2. Die kleinste deiner Creaturen Macht deine Weis⸗ heit offenbar; Du zeigest deiner Güte Spuren Und deine Macht von Jahr zu Jahr; Der kleinste Halm ruft laut uns zu: Wie klein 570 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. sind wir, wie groß bistl Lob der Liebe, Das unser du! 3. Du sorgst für uns nach Vaterweise, Erhältst die Werke deiner Hand, Giebst Allem, was da lebet, Speise, Beschirmst und segnest jedes Land. Du liebest unver⸗ änderlich, Der Bösen selbst erbarmst du dich. 4. Das Saatkorn wird in deinem Namen Auf Hoff⸗ nung in das Land gestreut; Du schirmst, Allmächtiger, den Samen, Dein ist der Erde Fruchtbarkeit. Du giebst allein zur Arbeit Kraft, Du bist's, der das Gedeihen schafft. 5. Mild öffnest du den Schooß der Erde, Du tränkst die Flur von oben her, Giebst, daß die Saat er— quicket werde, Und machst die Aehre segenschwer; Du träufelst mit dem kühlen Thau Die Fruchtbarkeit auf Feld und Au'. 6. So bringt denn bei den vollen Scheuern Dem Herrn der Ernte Ehre dar, Laßt uns den Bund mit Gott erneuern, Deß Güte groß und wunderbar! Ge⸗ lobt sei'st du, deß Vater⸗ hand Aufs Neu' gesegnet unser Land! 7. Nimm gnädig an das Herz dir, Vater, weiht. Dein Segen mehr' in uns die Triebe Zum thät'gen Dank, zur Folgsamkeit, Auf daß der Preis für deine Treu' Ein dir geweihtes Leben sei. 8. Der du aus liebendem Erbarmen Uns nährst, treib' uns zum Wohlthun an; Ein Jeder sei ein Trost der Armen, Wer ihren Man⸗ gel stillen kann. Herr, weil du Reich' und Arme liebst, So dien' auch beiden, was du giebst. 9. Thu deine milden Segenshände, Uns zu er⸗ quicken, ferner auf. Ver⸗ sorg' uns bis an unser Ende, Und mach' in unsrem Lebenslauf Uns dir im Kleinsten auch getreu, Auf daß dein Friede uns er⸗ freu'! 10. Durch dich ist Alles wohlgerathen Auf dem Ge— fild, das wir bestellt.— Doch reifen auch des Glau— bens Saaten Auf deines Sohnes Erntefeld? Sind wir auch, wenn er auf uns sieht, Ein Acker, der ihm grünt und blüht? 11. Der List des Feindes woll'st du wehren, Wenn er geschäftig Unkraut streut; Die Frucht des Wortes laß 8. unser Dein die Dank, daß Treu' n sei. ndem treib' an; Trost Man⸗ weil iebst, was ilden er⸗ Ver⸗ unser srem im Auf er⸗ Alles Ge⸗ Hau⸗ ines Sind uns ihm ndes er eut; laß D. Jahreszeiten und Ernte. 571 sich mehren Zu deinem Ruhme weit und breit, Da⸗ mit am großen Erntetag Ein Jeder Garben bringen mag. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Von Gott will ich nicht ꝛc. Jac. 1, 6. 682. Hun Armen, O Herr der ganzen Welt, Du Vater voll Er⸗ barmen, Der Alles trägt und hält, Du, Gott, erhörst Gebet; Erhöre, was im Staube Vertrauensvoll der Glaube Von dir in Noth erfleht. 2. Sonst zeigte jeden Morgen Dein Segen sich uns neu, O mach' auch jetzt von Sorgen Die bangen Herzen frei. Zu helfen ist dir leicht. Du kannst dem Mangel wehren, In Ueber⸗ fluß ihn kehren, Wenn's uns unmöglich däucht. 3. Den Reichen gieb Er⸗ barmen Bei der Bedrängten Schmerz, Und, zu erfreun die Armen, Sei Freude für ihr Herz, Damit sie mild ihr Brot Den dürft'gen Brüdern brechen Und diese Mel. dankbar sprechen: Euch lohn' und segne Gott! 4. Die Früchte laß ge⸗ rathen, Uns wieder zu er⸗ freun, Und allen unsern Saaten Gieb Wachsthum und Gedeihn. Mit milder Vaterhand Gieb Wärme, Thau und Regen, Dann kehret reicher Segen Zurück in unser Land. 5. Allgütiger, wir hoffen Auf dich und deine Treu'. Oft hat uns Noth betroffen, Doch standest du uns bei. Du hilfst und rettest gern; So sei denn unser Leben Vertrauensvoll ergeben Dir, unsrem Gott und Herrn. M. Philipp Friedrich Hiller, 1699—1769. Mel. Kommt her zu mir ꝛe. Pi. 104, 24. deh aus, mein 683. G Herz, und suche Freud' In dieser lie⸗ ben Sommerzeit An deines Gottes Gaben; Schau' an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben! 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide; Nar⸗ eissen und die Tulipan Die ziehen sich viel schöner an Als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täub⸗ 572 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. lein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wäl⸗ der; Die hochbegabte Nach— tigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwälblein speist die Jungen; Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh' Ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich und ihren Rand Mit schattenreichen Myrten; Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz vom Lust⸗ geschrei Der Schaf' und ihrer Hirten. 6. Die unverdroßne Bie⸗ nenschaar Zeucht hin und her, sucht hier und dar Ihr' edle Honigspeise; Des süßen Weinstocks starker Saft Kriegt täglich neue Stärk' und Kraft In seinem schwa— chen Reise. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt, Darüber jauch— zet Jung und Alt Und rühmt die große Güte Deß, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, Des gro— ßen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen; Ich singe mit, wenn Alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk' ich, bist du hier so schön Und läß'st du's uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt, Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnem Schlosse werden? 10. Welch hohe Lust, welch heller Schein Wird wohl in Christi Garten sein, Wie muß es da wohl klin— gen, Da so viel tausend Seraphim Mit unverdroß⸗ nem Mund und Stimm' Ihr Halleluja singen! 11. O, wär ich da, o, stünd' ich schon, Ach, süßer Gott, vor deinem Thron Und trüge meine Palmen, So wollt' ich nach der En⸗ gel Weis' Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen! 12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll sich fort und fort An diesem und an 26. —— in und S gro⸗ Thun innen; Alles 5 dem neinem zist du st du's Auf Was dieser reichen ldnem Lust, Wird sein, ö klin⸗ usend droß⸗ Ihr à, 0, süßer hron lmen, D. Jahreszeiten und Ernte. 573 allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf nur und segne meinen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe; Gieb, daß der Sommer deiner Gnad' In meiner Seelen früh und spat Viel Glaubensfrücht' erziehe. 14. Mach' in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd' ein guter Baum, Und laß mich wohl bekleiben; Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum' Und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Paradeis Und laß mich bis zur letzten Reis' An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr' Al⸗ lein, und sonsten Keinem mehr, Hier und dort ewig dienen. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Werde licht, du Stadt ꝛc. Ps. 126, 5. 6. Gal. 6, 1—9. 68 4 err im Him⸗ 2 mel, Gott auf Erden, Herrscher dieser ganzen Welt, Laß den Mund voll Lobes werden, Da man dir zu Fuße fällt, Für den reichen Erntesegen Dankes⸗ opfer darzulegen. 2. Ach, wir haben's nicht verdienet, Daß du uns so heimgesucht; Hat auch unser Feld gegrünet, Brachten wir doch schlechte Frucht; Wolle nicht nach Trauben fragen, Da wir Herling' meist ge⸗ tragen. 3. Vater, der du aus Erbarmen Dich zu deinen Kindern neigst Und den Reichen wie den Armen Deinen milden Segen zeigst; Sei auch reichlich nun ge— priesen, Daß du so viel Gut's erwiesen! 4. Ja, du hast uns nicht gelohnet Nach der Sünden schwerer Schuld Und hast uns bisher geschonet Mit Erbarmen und Geduld; Ob auch Mancher dich verhöh— net, Hast du doch das Jahr gekrönet. 5. Du hast Sonnenschein und Regen Uns zu rechter Zeit geschickt, Und so hat man allerwegen Auen voller Frücht' erblickt; Berg' und Thäler, Tiefen, Höhen Sahen wir im Segen stehen. 6. Als das Feld nun reif zur Ernte, Schlugen wir die Sichel an, Da man erst recht kennen lernte, Was dein großer Arm ge⸗ han; Wurden bei des Se⸗ 574 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. gens Menge Doch die Scheuern fast zu enge! 7. Herr, dein Name sei geehret Für das Gute dei⸗ ner Hand, Die dies Jahr so viel bescheret Uns und unsrem ganzen Land; Alles, Alles soll dich preisen Und dir Dank und Ehr' beweisen! 8. Gieb auch, daß wir deinen Segen, Den du jetzt uns hast beschert, Also su⸗ chen anzulegen, Daß der Fluch ihn nicht verzehrt; Bleiben wir in alten Sünden, Kann das Gute leicht verschwinden. 9. Schenk' uns auch zu⸗ friedne Herzen, Stolz und Geiz laß ferne sein; Laß den Undank Nichts verscher⸗ zen, Streu' das Saatkorn wieder ein, Daß wir jetzt und künftig haben, Uns und Dürftige zu laben. 10. Laß dein Wort auch Früchte bringen, Daß man täglich ernten kann, So wird man hier jährlich sin⸗ gen, Wie du uns so wohl— gethan. Gieb auch nach dem Thränensamen Freu⸗ denernt' im Himmel! Amen. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Mach's mit mir, Gott ꝛe. Ps. 100, 117. 6 8 5 Lirdben Ernte: fest! Preist ihn mit Freu⸗ denpsalmen, Der Saat im Halme sprießen läßt, Mit Aehren krönt die Halme Und giebt, daß sie voll Frucht gedeihn, Thau, Re⸗ genguß und Sonnenschein! 2. Im Wetterdunkel wan⸗ delt er, Sät Heil aus mil⸗ den Händen, Und fährt auf Blitz und Sturm einher, Um Segen auszuspenden; Und wenn sie gleich mit Don⸗ nern spricht, Spricht doch die Liebe: Zittert nicht! 3. Lobsingt, uns füllte Gottes Hand Die leeren Scheuern wieder. O du vom Herrn begabtes Land, Bring' ihm des Dankes Lieder! Er dachte unsrer Schulden nicht, Voll Gnade schien sein Angesicht. 4. Noch strahlet seiner Sonne Huld Auf Sünder und Gerechte; Noch schont, noch nährt er voll Geduld Auch schuldbeladne Knechte. O fallt aufs Neu' mit Kin⸗ dessinn Am Thron des gu⸗ ten Vaters hin! 5. Des Erdensegens rei⸗ chen Theil, Wer kann ihn messen, wägen; Doch welch unendlich größres Heil Beut Gott in Christi Segen! Vergeßt, wenn auch das Feld begabt, Nicht Jesum, der die Herzen labt. Land, Dankes unsrer Gnade seiner zünder schont, Beduld nechte. t Kin⸗ 5 gu⸗ 3rei⸗ n ihn welch Beut degen! das jesum, —— D. Jahreszeiten und Ernte. 575 6. O laßt uns guten Samen streun In stillen Glaubensthaten! Der Herr giebt Thau und Sonnen⸗ schein Zum Wachsthum solcher Saaten. Dann ziehn wir einst im Jubelchor Zum Erntefest durch Sa⸗ lems Thor! Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Mel. Nun lob', mein' Seel' ꝛc. Pf. 65, 10—14. 686 I laßt den Herrn uns preisen Für alle Lieb' und milde That, Laßt uns ihm Dank erweisen Für seiner Gnade treuen Rath! Er hat uns Frucht gegeben Gar fröhlich auf dem Land, Hat unser armes Leben Erquickt mit reicher Hand. Mit Freu⸗ den ist gediehen, Was wir gesäet aus Und, nach viel Fleiß und Mühen, Auch wohl gebracht nach Haus. 2. Wer sollte nicht er⸗ kennen, Was Gott an seinen Kindern thut? Wer sollte nicht ihn nennen Das einzig allerhöchste Gut? Es ist Nichts, der da säet, Nichts, der da sammelt ein; Der Wind des Herren wehet, Es glänzt sein Sonnenschein; Er sendet seinen Regen Und macht uns freudevoll; An ihm nur ist's gelegen, Wenn Gutes kommen soll. 3. Wann er denn nun gespendet Den Segen über Land und Stadt, Wann Frieden er gesendet, Daß friedlich man geerntet hat: Dann sollen wir ihn preisen, Der in dem Himmel sitzt, Und auf viel tausend Weisen Uns Sünder nährt und schützt; Dann sollen wir ihm danken Mit Herz, mit Hand und Mund, Mit Werken und nicht wanken Von sei⸗ nem Gnadenbund. 4. Daß solches nun ge⸗ schehe, Das woll'st du helfen, treuer Gott! Gieb ferner aus der Höhe Uns Segen, Licht und täglich Brot! Laß Lebensbrot genießen Ein jedes Christenhaus, Laß Le⸗ benswasser fließen Auf unsre Herzen aus; Daß wir nicht bloß auf Erden An Früch⸗ ten werden reich, Nein, dort auch Bürger werden In dei⸗ nem Himmelreich! M. Johann Weber. Mel. O, daß ich tausend ꝛc. Ps. 103, 1. 2. 687„daß doch bei der reichen Ernte, Womit du, Höchster, uns erfreust, Ein Jeder froh empfinden lernte, ́—————— e— 576 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Wie reich du uns zu segnen weißt, Wie gern du unsern Mangel stillst Und uns mit Speis' und Freud' erfüllst! 2. Du siehst es gern, wenn deiner Güte, O Vater, unser Herz sich freut Und ein erkenntliches Gemüthe Auch das, was du für diese Zeit Uns zur Erquickung hast bestimmt, Mit Dank aus deinen Händen nimmt! 3. Co kommt denn, Gottes Huld zu feiern, Kommt, Christen, laßt uns seiner freun Und bei den ange— füllten Scheuern Dem Herrn der Ernte dankbar sein! Ihm, der uns stets Versor— ger war, Bringt neuen Dank zum Opfer dar. 4. Nimm gnädig an das Lob der Liebe, Das unser Herz dir, Vater, weiht. Dein Segen mehr' in uns die Triebe Zum thät'gen Dank, zur Folgsamkeit, Daß Preis für deine Vatertreu' Auch unser ganzes Leben sei. 5. Du nährest uns bloß aus Erbarmen, Das treib' auch uns zum Wohlthun an; Nun sei auch gern ein Trost der Armen, Wer ihren Mangel stillen kann. Herr, der du Aller Vater bist, Gieb Jedem, was ihm nützlich ist. Segenshände, Uns zu er⸗ quicken, ferner auf; Versorg' uns bis an unser Ende Und mach' in unsrem Lebenslauf Uns dir im Kleinsten auch getreu, Daß einst uns größ⸗ res Glück erfreu'. 7. Bewahr' uns den ge⸗ schenkten Segen, Gieb, daß uns sein Genuß gedeih' Und unser Herz auch seinet— wegen Dir dankbar und er⸗ geben sei. Du, der uns täglich nährst und speisst, Erquick' noch ewig unsern Geist. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Gott Lob, es geht ze. Ps. 136, 3. 4. 6 8 8 Gott, von dem wir Alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus; Du aber theilest deine Gaben, Recht, wie ein Vater, drin⸗ nen aus. Dein Segen macht uns Alle reich; Ach, lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Men⸗ schen alle zählen, Die heut' bei dir zu Tische gehn? Doch kann die Nothdurft keinem fehlen, Denn du weißt Allem vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brot bekommt aus deiner Hand. 6. Thu deine milden 3. Du machst, daß man Unte — 2. man Wur So man Erb Den bese Alle . zu er⸗ ersorg' de Und nslauf auch größ⸗ en ge⸗ „daß gedeih seinet⸗ nd er⸗; uns peiss, unsern 1780. t ꝛc. macht lieber 52 Men⸗ heut' Doch inem Illem daß Brot und. man D. Jahreszeiten und Ernte. 577 auf Hoffnung säet Und end⸗ lich auch die Frucht genießt; Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, so das Land begießt, Des Himmels Thau, der Son⸗ nenstrahl Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker selbst wird ihm zum Brot; Es mehret sich vielfält'ger Weise, Was schien, als wär' es todt, Bis in der Ernte Jung und Alt Erlanget seinen Unterhalt. 5. Nun, Herr, was soll man erst bedenken? Der Wunder ist hier gar zu viel. So viel, als du, kann Nie⸗ mand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen Alle werth. 6. Wir wollen's auch keinmal vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bissen, den wir essen Soll deines Namens Denk⸗ mal sein, Und Herz und Mund soll Lebenslang Für unsre Nahrung sagen Dank. Caspar Neumann, 1648—1715. Anfangs Mel. Was Gott thut, das ist ꝛe. 2. Sam. 24, 14. 689. W' das ist wohlgethan! So denken Gottes Kinder. Er siehet sie so sauer an Und liebt sie doch nicht minder; Er zieht ihr Herz Nur him⸗ melr⸗ärts, Wenn er sie läßt auf Erden Ein Ziel der Plagen werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Giebt er, so kann man nehmen; Nimmt er, wir sind nicht übler dran, Wenn wir uns nur beque⸗ men. Die Linke schmerzt, Die Rechte herzt, Und beide Hände müssen Wir doch in Demuth küssen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er weist uns oft den Segen, Und eh' er noch gedeihen kann, Muß sich die Hoffnung legen: Weil er allein Der Schatz will sein, So macht er andre Güter Durch den Verlust uns bitter. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Wenn man nach reichem Säen Doch Gott· thut, wenig Garben ernten kann, So ist's vielleicht geschehen, Weil Gott auch Frucht Bei uns gesucht Und doch hat 37 578 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. müssen klagen, Daß wir so schlecht getragen. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Wir müssen besser werden: Man baue nur die Herzen an, So folgt die Frucht der Erden. Den Mangel muß Ein Ueber⸗ fluß Zu andrer Zeit er⸗ setzen Und Feld und Herz ergötzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Laß ihm nur seinen Willen: Hängt er den Brotkorb höher an, Er wird ihn wieder füllen. Wer so viel nimmt, Als ihm bestimmt, Der kann auch bei den Brocken Ver⸗ gnügt sein und frohlocken. 7. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Das Feld mag ledig stehen, Wir gehn getrost auf Zions Bahn Und wollen Gott erhöhen. Sein Wort ist Brot: So hat's nicht noth; Die Welt muß eh' verderben, Als wir vor Hunger sterben. 8. Was Gott thut, das ist wohlgethan! So wollen wir stets schließen; Und ist bei uns kein Canaan, Wo Milch und Honig fließen, Doch ist's genung Zur Sätti⸗ gung, Wenn Gott die Noth— durft segnet, Ob's auch nicht Fülle regnet. 9. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Wie er es nun gefüget, So nehmen wir es billig an Und sind dabei vergnüget. Mag gleich nur klein Der Vorrath sein, Er wird das Kleine segnen, Und Liebesströme regnen. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Sollt' ich meinem Gott ꝛc. Ps. 104, 24. 690. H 6 G tes Sonne, Länger strahlt ihr segnend Licht; Alles athmet neue Wonne, Wenn sie durch die Wolken bricht. Seht, der Frühling senkt sich nieder, In die Wälder, auf die Flur, Die erstorbene Natur Lebet auf und wir⸗ ket wieder. Opfert unsrem Schöpfer Dank, Preist ihn fröhlich mit Gesang! 2. Fröhlich zu der Ar⸗ beit wallet Nun der Land⸗ mann auf das Feld, Und sein frommes Lied erschallet Laut empor zum Herrn der Welt. Er vertraut die Saat der Erde, Ehret Gott durch Zuversicht, Ist getrost und zweifelt nicht, Daß sie wohl gerathen werde. Opfert unsrem Schöpfer Dank, Preist ihn fröhlich mit Gesang! 3. Glänzend, wie im flieh deine ew'ge wird uns Kror pfer lich 5 Erd dem scha Got frer auf We Go geb pfe mit . —— ut, das er e nehmen nd sind g glei ith sen segnen, gnen. 2—1737. Gott ꝛc. unsrem ist ihn er Ar⸗ Land⸗ „Und challet rn der 1. die t Gott getrost aß sie Opfert Preist ig! m D. Jahreszeiten und Ernte. 579 Feierkleide, Prangt die blü⸗ thenreiche Au', Jede Blume duftet Freude, Neu gestärkt vom Morgenthau. Horcht auf der Geschöpfe Chöre! Alles, was auf Erden lebt, Alles, was in Lüften schwebt, Bringet seinem Schöpfer Ehre. Bringt auch ihr dem Schöpfer Dank, Preist ihn fröhlich mit Gesang! 4. Dieser Frühling, wie geschwinde Wird er, kaum begrüßt, verblühn; Wie die Spreu, verweht vom Winde, So wird seine Pracht ent⸗ fliehn. Aber, Gott, vor deinem Throne Wird ein ew'ger Frühling sein, Ewig wird er uns erfreun, Wenn uns schmückt des Himmels Krone. Opfert unserm Schö— pfer Dank, Preist ihn fröh⸗ lich mit Gesang! 5. Alle Herrlichkeit der Erde Ist nur Schatten vor dem Licht, Das ich ewig schauen werde Dort vor Gottes Angesicht. Auch das freudenreichste Leben Hier auf Erden ist nur Tod, Wahres Leben wird mir Gott Einst in seinem Reiche geben. Opfert unsrem Schö⸗ pfer Dank, Preist ihn ewig mit Gesang! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Erschienen ist der ꝛe. 3f 77, 11. Epbes. 5, 8—9. PI 691*⁵ Lob, die kalte Win⸗ terzeit Bringt uns die werthe Weihnachtsfreud', Das Jahr ist aus, die Freud' ist da, Das Licht, das neue Jahr ist nah'. Halleluja! 2. Mein Gott, gieb mir das wahre Licht, Wenn mir gleich Licht und Freud' ge⸗ bricht, Sei du mein Trost, mein Licht und Freud', Daß ich dir sing' in Ewigkeit. Halleluja! Dr. Johann Olearius, 1611—1648. Mel. Nun komm, der Heiden ꝛc. Ps. 147, 16—18. In der stillen 692* I Einsamkeit Findest du ein Lob bereit, Großer Gott, erhöre mich, Meine Seele suchet dich! 2. Der du alle Sterne führst Und der Jahre Lauf regierst, Unveränderlich bist du, Nimmer still und doch in Ruh. 3. Diese kalte Winter⸗ luft Kräftig in die Herzen ruft:„Seht, wo ist der Sommer hin? Nur der Herr erwecket ihn!“ 4. Reif, wie Asche, nah' und fern Streuet aus die Hand des Herrn; Wer kann 37²⁷ 580 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. bleiben vor dem Frost, Wenn es weht von Nord und Ost? 5. Gleichwie Wolle fällt der Schnee Und bedecket Land und See; Wehet aber Gottes Wind, So zerfließet er geschwind. 6. O Beherrscher der Natur, Allen zeigst du Zeit und Spur, Frühling, Som⸗ mer, Herbst und Eis Nahn und fliehn auf dein Geheiß! 7. Folgte deines Worts Befehl Auch so willig meine Seel'! O daß, Jesu, deine Lieb', In mir lenkte jeden Trieb! 8. Friert da draußen Alles ein, Soll mein Herz doch brennend sein; Leucht', o du mein mir, O so glüht und lebt es dir. Heil, in Joachim Neander, 1610—1680. E. Tageszeiten. a. Morgen. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Ps. 68, 5. 0929Muf, auf, den 693. Herrn zu loben, Erwache, mein Ge— müth! Dem großen Vater droben Erschall' ein from⸗ mes Lied! Denn wer erhielt mein Leben In der ver⸗ gangnen Nacht? Der Herr, der mir's gegeben, Der hat es auch bewacht. 2. Beschützer aller Wel⸗ ten, Wie dank' ich würdig dir, Wie soll ich dir ver⸗ gelten, Was du gethan an mir? Mein Opfer ist ge⸗ ringe, Ein dir ergebner Sinn Ist Alles, was ich bringe: Nimm du es gnädig hin. 3. Verzeihe mir die Sünde, Die ich bisher ver⸗ übt, Weil ich mit Reu' em⸗ pfinde, Daß ich dich so be— trübt: Verzeihe mir und dämpfe Die sündliche Be⸗ gier, Mit der ich täglich kämpfe, Ja, hilf du selber mir! 4. Send' auch auf mei⸗ nen Wegen Mir deinen Engel zu selbst den Segen Zu Allem, was ich thu'. Verleihe du mir Kräfte Aus deines Him⸗ mels Höhn, Daß des Be⸗ rufs Geschäfte Erwünscht von statten gehn. 5. Gieb mir vor allen Dingen Getrosten Muth und Geist, Und sprich du bring mich guten müthi gläub ein K 6. Stan! gefäll in& der 2 ganze Wille Haus segne 6. sorge mag, Mor⸗ Tag anbr erfre spree bin 26. ————— Worts g meine e jeden draußen n Herz Leucht, in nd lebt —1680. r die — ver⸗ u' em⸗ so be⸗ r und 3eq Be⸗ täglich selber fmei⸗ deinen ich du Allem, ihe du 5 Him⸗ 5 Be⸗ ünscht allen th und E. Tageszeiten. a. Morgen 581 Geist, Das freudig zu voll⸗ bringen, Was mein Beruf mich heißt. Laß mich in guten Tagen Nicht über⸗ müthig sein Und nicht klein⸗ gläubig zagen, Dringt gleich ein Kreuz herein. 6. Hilf, daß in meinem Stande Ich thu', was dir gefällt; Auch laß mich nicht in Schande Gerathen vor der Welt; Richt', Herr, mein ganzes Leben Nach deinem Willen ein, Und laß mein Haus daneben Von dir ge⸗ segnet sein. 7. Vor Allem hilf mir sorgen, Wie ich so leben mag, Daß ich an jedem Morgen Denk' an den letzten Tag; Und wird er einst anbrechen, So gieb, daß ich erfreut Von Herzen könne sprechen: Komm, Herr, ich bin bereit. Johann Frank, 1618—-1677. Eigene Melodie. Ses. 50, 4. Jes 694. A“ — Herzens Grunde Sag' ich dir Lob und Dank In dieser Mor⸗ genstunde, Dazu mein Leben lang, O Gott, in deinem Thron, Dir zu Lob, Preis meines und Ehren, Durch Christum, mich nicht zu unsern Herren, Dein'n ein⸗ gebornen Sohn, 2. Daß du mich hast aus Gnaden In der ver⸗ gangnen Nacht Vor Fähr⸗ lichkeit und Schaden Be⸗ hütet und bewacht. Ich bitt' demüthiglich: Woll'st mir mein' Sünd' vergeben, Wo⸗ mit in diesem Leben Ich hab' erzürnet dich. 3. Du wollest auch be⸗ hüten Mich gnädig diesen Tag Vor's Teufels List und Wüthen, Vor Sünden und vor Schmach, Vor Feu'r und Wassersnoth, Vor Ar⸗ muth und vor Schanden, Vor Ketten und vor Ban⸗ den, Vor bösem schnellen Tod. 4. Mein' Seel' und Leib und Leben, Gut, Ehr', Ge⸗ mahl und Kind Sei dir, Herr, übergeben, Dazu mein Hausgesind', Als dein Ge⸗ schenk und Gab', Mein' El⸗ tern und Verwandte, Ge⸗ schwister und Bekannte Und Alles, was ich hab'. 5. Laß deinen Engel bleiben Und weichen nicht von mir, Den Satan zu vertreiben, Auf daß der Böse hier In diesem Jam⸗ merthal Sein' Tück' an mir nicht übe, Leib und Seel' nicht betrübe Und bring' Fall. 7 582 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. 6. Gott will ich lassen rathen, Der alle Ding' ver⸗ mag; Er segne meine Tha⸗ ten, Mein Vornehmen und Sach'; Denn ich's ihm heim⸗ gestellt: Mein Leib, mein' Seel', mein Leben Sei Gott, dem Herrn ergeben: Er mach's, wie's ihm gefällt. 7. Darauf so sprech' ich Amen Und zweifle nicht daran, Gott wird es all's zusammen In Gnaden sehen an. Drauf streck' ich aus mein' Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Das Gott mir will bescheiden In mein'm Beruf und Stand. M. Johann Mathesius, 1504—1565. Mel. Ich singe dir mit Herz ꝛc. Weish. 2, 5. 695 D. kommt die * Sonne! Tiefe Nacht Bedeckte Land und Meer; Sie bricht her⸗ vor, und hohe Pracht Fliegt strahlend vor ihr her. 2. So kommst du, Jesu, und es flieht Die dunkle Nacht vor dir, Und Gottes Herrlichkeit entglüht Wie Morgenglanz in mir. 3. So lange diese Sonne brennt, Fehlt's nie an Wärm' und Licht; So lange dich mein Herz erkennt, Fehlt Lust und Kraft mir nicht. 4. O herrschte diese An⸗ dacht doch Den ganzen Tag in mir! Leicht trüg' ich dann des Lebens Joch Und wäre froh in dir. 5. Ich lebte dann im Licht, wie du, Die Liebe stärkte mich; Die Feier mei⸗ ner Abendruh' Wär' hoher Dank an dich. 6. Dann wäre jeder Tag mir mehr, als eh'mals Jahre, werth; Dann würd' in deinem Dienst, o Herr, Des Lebens Kraft verzehrt. Dr. Johann Timotheus Hermes, 1738—1821. Mel. Wer nur den lieben ꝛ. Hosea 6, 1. ff. 696 De Morgen glänzt im jungen Lichte Durch Feld und Hain, Durch Berg und Flur; Ein Strahl von Got⸗ tes Angesichte Durchwallt die blühende Natur, Und auch in finstrer Herzen Nacht Hat er sein Freudenlicht ge— bracht. 2. Erhebe dich, mein Herz, und preise Den Schö⸗ pfer dieser Herrlichkeit! Sein Wort verkündet laut und leise Des treuen Vaters Freundlichkeit. O, bleib ihm auch auf ewig treu, Und werde, wie der Morgen, neu! 3. Höhn Schwe Feld; Nacht finster Welt. die E heit 4. denso bald Weit Gren Tode Chrif selbst bricht 9. deine ganz bleib Pfaĩ mels brich an, folg ac. se An⸗ n Tag ig' ich h Und m im Liebe r mei⸗ hoher jeder h'mals würd' Herr, rzehrt. ermes, den ꝛc. orgen zt im mein Schö⸗ Sein und aters ihm Und neu! E. Tageszeiten. a. Morgen. 583 3. Es lag die Nacht auf Höhn und Gründen, Und Schweigen deckte rings das Feld; So lag auch einst die Nacht der Sünden Ver⸗ finsternd auf der weiten Welt. Der Sonne weicht die Erdennacht, Der Wahr⸗ heit weicht die finstre Macht. 4. Denn mehr, als Er⸗ densonnen glänzen Mit ihrem bald verglühten Strahl, Weit über aller Himmel Grenzen, Hoch über diesem Todesthal, Strahlt Jesu Christi Gnadenlicht, Das selbst durch Grabesnächte bricht. 5. So gieb mir, Heiland, deine Gnade, Und laß mich ganz dir eigen sein; Dann bleibet auch auf dunklem Pfade Das Licht des Him—⸗ mels ewig mein; Dann bricht in mir der Morgen an, Dem keine Nacht mehr folgen kann. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack, geb. 1801. — Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. 1. Mos. 32, 10. 697 D.⁵ ist da; Sei du mir nah', Jesu, mit deinem Lichte! Wende deine Strahlen her, Helles Angesichte! 2. Nimm an den Dank Und Lobgesang, Du Hüter meines Lebens! Ohne dich und deinen Geist Schlafen wir vergebens. 3. Ach, laß mich auch Nach Kindesbrauch Vor dir im Lichte wandeln, Laß mich in der finstern Welt Fromm und heilig handeln! 4. Ich bitte dich, Belebe mich, Du meines Lebens Le⸗ ben! Laß mich dir, was du mir giebst, Alles wieder geben! 5. Dein Segensfluß Und Friedensgruß Erquicke meine Seele! Leuchte meinem Geiste vor, Den ich dir befehle! 6. Laß meinen Fuß Stets ohn' Verdruß Auf deinem Wege gehen, Laß zu meiner rechten Hand Gottes Engel stehen! 7. Erbarme dich, Begleite mich! Wie dunkel wird's auf Erden! Führe mich der Heimath zu, Es will Abend werden! 8. Und wenn auch wird Mein Licht, o Hirt, Die Erdensonne, weichen, Ach, so laß mich durch dein Blut Jenes Licht erreichen, 9. Das ewig steht Und nicht vergeht, O Freuden⸗ licht, o Leben! Dann werd' ohne Finsterniß Ich im Lichte schweben. Gottfried Kleiner. 584 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Mel. Wer nur den lieben ꝛe. Matth. 7, 7. 698. Dua nun vergangen, Die goldne Sonne bricht herfür; Komm, liebster Jesu, mein Verlan⸗ gen, Mein Licht und meine schönste Zier! Ich werde nur durch dich erfreut, Du Sonne der Gerechtigkeit! 2. Erleuchte mein ver⸗ düstert Herze Und bleib' in mir mit deiner Treu', Da⸗ mit mein Herz die reine Kerze Für deines Geistes Flamme sei! Ich werde nur durch dich erfreut, Du Sonne der Gerechtigkeit. 3. Vertreib' den Nebel meiner Sünden, Herr Jesu, meines Lebens Licht! Mein Heiland, laß mich Gnade finden Und zeige mir dein Angesicht! Ich werde nur durch dich erfreut, Du Sonne der Gerechtigkeit! 4. Laß doch den Thau des Segens fließen Auf meiner Seele dürres Land; Laß hier die Tugendblumen sprießen Und baue mich mit deiner Hand. Ich werde nur durch dich erfreut, Du Sonne der Gerechtigkeit! 5. Mein Jesu, lenke Heiland, segne mein Begin⸗ nen, Mein Schild und Hort, bleib stets bei mir! Ich werde nur durch dich erfreut, Du Sonne der Gerechtigkeit! 6. Hilf, daß ich deinen Ruhm besinge, Hilf, daß mein Geist ein Adler sei, Der sich zu dir im Glauben schwinge, Herr, stehe mir in Allem bei! Ich werde nur durch dich erfreut, Du Sonne der Gerechtigkeit! Breslauer Gesangbuch, 1865. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛe. Ps. 40, 18. 699 Di dank' ich —* für mein Leben, Gott, der du mir's gegeben, Ich danke dir da⸗ für. Du hast, von Huld bewogen, Mich aus dem Nichts gezogen, Durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, Mich väterlich ge— leitet, Bis diesen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage, Und wandtest auch die Plage Zu meiner Seelen wahrem Glück. 3. Ich bin nicht werth der Treue, Der ich mich täglich freue, Der Huld, die meine Sinnen, Sei meine Sonne, meine Zier! Mein mich bewacht. Damit ich Staub und Erde Auf ewig glück scho 4. mein mein reite dich das wog mir 26. Begin⸗ id Hort, ch werde ut, Du Rkeit! deinen Ff, daß ler sei, lauben he mir, werde 1t, Du keit! H, 1865. zälder ꝛc. nk' ich mein t mir's dem h deine st mich ich ge⸗ enblick. Tage, ha die Seelen werth mich Id, die sit ich ewig dxT V E. Tageszeiten. a. Morgen. 585 glücklich werde, Hast duneuen Woche an. Gott schon ewig mein gedacht. will mir heut' aufs Neue 4. Du kanntest schon geben, Was mir sonst Nie⸗ mein Sehnen Und zähltest mand geben kann; Denn meine Thränen, Eh' ich be⸗ hätt' ich seine Gnade nicht, reitet war. Noch konnt' ich Wer gäbe mir denn Trost dich nicht denken, Zu dir und Licht? das Herz nicht lenken, Da 2. Ich grüße diesen lieben Morgen Und küsse mir dar. Ptenen Vaterhand, Die wogst du schon mein Theil 5. Für alle meine Sün⸗ diese Nacht so manche Sor⸗ den, Herr, ließest du mich gen In Gnaden von mir sinden In Christo Gnad' abgewandt. Ach Herr! wer und Huld. O Höchster, bin ich Armer doch? Du welch Erbarmen! Du nah- sorgst für mich, ich lebe mest an mich Armen, Und noch. tilgtest alle meine Schuld. 3. Nun, das erkennet 6. Daß du mich lieb⸗ meine Seele Und giebt sich reich führest, Mit deinem selbst zum Opfer hin; Doch, Geist regierest, Dies, Vater, weil ich noch in dieser dank ich dir. Daß du mein Höhle Mit Noth und Tod Leben fristest, Mit deiner umgeben bin, So weich' Kraft mich rüstest, Dies auch heute nicht von mir, Alles, Vater, dank' ich dir. Denn meine Hilfe steht 7. Was noch in diesem bei dir. Leben Mir frommt, wirst 4. Mein Glück in dieser du mir geben; Du giebst's, neuen Woche Soll nur in ich hoff' auf dich. Ja, deinem Namen blühn. Ach, Vater, ich befehle Dir kind⸗ laß mich nicht am Sünden⸗ lich Leib und Seele, Herr, joche Mit meinem Fleisch segne und behüte mich! und Blute ziehn! Gieb dei⸗ Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Geist, der mich regier' 385 Und nur nach deinem Wil⸗ Mel. Wer nur den lieben ꝛc. len führ'. Ephes. 5, L. 5. Soll ich mein Brot 700 Eir neuer mit Kummer essen, So laß * Tag, ein es doch gesegnet sein, Und neues Leben Geht mit der was du sonsten zugemessen, SSeiiieeeiiiieieeeeiiiiieieieeieieieeeeeiiee —!?— N 586 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Das richte mir zum Besten ein. Ich bitte keinen Ueber— fluß, Nur was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott! das Deine, Und laß mich auch das Meine thun; Behüte beide, Groß' und Kleine, Daß sie auf deiner Huld beruhn, Auf daß ein Jeder diesen Tag Mit dir vergnügt beschließen mag. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Jes. 41, 10. 701 Eꝰ kommt da⸗ 2 her des Ta⸗ ges Schein; O Brüder, laßt uns dankbar sein Dem milden Gott, der uns die Nacht Bewahret gnädig und bewacht! 2. Laßt uns ihn bitten insgemein In einem Sinn, einmüthig sein, Daß er uns halt' in seiner Huld Und nicht gedenke unsrer Schuld. 3. O starker Gott von Ewigkeit, Der du uns aus Barmherzigkeit Mit deiner großen Kraft und Macht Beschützet hast in dieser Nacht; 4. Send' uns von dei⸗ nem Himmelsthron Gnad', Hilf' und Licht durch deinen Sohn; Steh' du der Seele kräftig bei, Daß sie vor'm Feinde sicher sei. 5. Ach, treuer Gott, nimm unser wahr, Bleib unser Wächter immerdar; Sei unser Schutz und star⸗ ker Held, Der mit uns ziehet in das Feld. 6. Wir opfern Wort und That und Sinn In deinen heil'gen Willen hin, Daß unsre Werk', in deinem Muth Vollführt, befunden werden gut. 7. Durch Christum nimm dies Opfer an, Der für uns hat genug gethan, Daß wir zu deines Namens Ehr' Dein Heil genießen immer mehr. Böhmische Brüder. Mel. Schwing' dich auf zu ꝛe. 7 02. Werk mit Jesu an: Jesus hat's in Händen; Jesum ruf' zum Beistand an, Jesus wird's wohl enden. Steh mit Jesu Morgens auf, Geh mit Jesu schlafen; Führ' mit Jesu deinen Lauf, Lasse Jesum schaffen. 2. Morgens soll der Anfang sein, Jesum anzu⸗ beten, Daß er woll' dein Helfer sein Stets in allen Col. 3, 17. ang' dein Nöthen. Morgens, Abends und 1 zur& tans sucht 3. mit wüth ihrer hüte traué mad siche Ung 4 Sach fang Not lang Glü sem dir im 26. —— vor'm Gott, Bleib erdar; star⸗ muns Wort n In hin, seinem unden nimm r uns 5 wir Dein mehr. rüder. zu 20 dein k mit 5 in zum vird's mit Geh Führ' Lasse der Anzu⸗ dein allen ends E. Tageszeiten. a. Morgen. 587 und bei Nacht Will er stehn zur Seiten, Wenn des Sa⸗ tans List und Macht Dich sucht zu bestreiten. 3. Wenn dein Jesus mit dir ist, Laß die Feinde wüthen: Er wird dich vor ihrer List Schützen und be⸗ hüten. Setz' nur das Ver⸗ trauen dein In sein' All⸗ machtshände Und glaub' sicher, daß allein Er dein Unglück wende. 4. Wenn denn deine Sach' also Mit Gott ange⸗ fangen, Ei, so hat es keine Noth, Wirst den Zweck er⸗ langen; Es wird folgen Glück und Heil Hier in die— sem Leben; Endlich wird dir Gott dein Theil Auch im Himmel geben. 5. Nun, Herr Jesu, all mein' Sach' Sei dir über— geben! Es nach deinem Willen mach' Auch im Tod und Leben. All mein Werk greif ich jetzt an, Herr, in deinem Namen: Laß es doch sein wohlgethan! Ich sprech' darauf Amen. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. Ps. 51, 12. 7 0 3 Oanenem! Leucht' hell in mir, o Sonne! Mein Heiland, ew'ges Licht, Sei meine Kraft und Wonne! Durchstrahle du mich ganz Mit deiner Liebe Schein, Und bringe lauter Licht Ins finstre Herz hinein. 2. Schaff' mir es rein und neu Mit dem gewissen Geiste, Daß ich dir reinen Dienst In deiner Liebe leiste. Verkläre dich in mir Und deinen Vater ganz, Daß sich mein Innerstes Verklär' in diesem Glanz. 3. So laß mich allezeit In dir, dem Lichte, wan⸗ deln, Und nicht in Finster⸗ niß, In Trug und Falsch⸗ heit handeln. Führ' mich an deiner Hand; Dein Auge leite mich, Daß ich dir folge treu Und seh' allein auf dich. 4. Laß mich kein falsches Bild In meine Seele fassen, Dich, Herr, will ich allein Darin regieren lassen. Sei du mein Licht und Heil! Erleuchte mein Bahn, So folg' ich freudig dir, So geht es himmelan. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Wer weiß, wie nahe ꝛe. Hiob 10, 12. 704. Ge den der Treue, Du Hüter in 588 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. der dunklen Nacht! Nun singt dir Herz und Mund aufs Neue, Denn deine Huld hat mich bewacht; Dein Flügel deckte sanft mich zu, Dein wahrte meine Ruh'. 2. Nicht würdig bin ich deiner Gnade, Doch fragst du nach Verdienst ja nicht; Wie tief und böse auch mein Aufsehn Schade, Doch führst du nicht mich ins Gericht, Nimmst mich um Jesu willen an, Deß Blut für mich genug gethan. 3. So ruf ich in des Mittlers Namen: Herr, führe du mich früh und spat, Und sprich aus Gna⸗ den Ja und Amen Zu meiner Bitt' um Rath und That; Ich lass' dich, Herr, ich lass' dich nicht, Bist du mir giebst, was mir gebricht. 4. Dann geh' ich festen Muths von hinnen Und thu' mein Werk, wie du es willt, Du lenkest Denken und Be⸗ ginnen Und jede Sorge ist gestillt; Bist du nur mein, bin ich nur dein, So frag' ich Nichts nach Lust und Pein. 5. Wie dornenvoll mein Weg auf Erden, In deiner Kraft werd' ich ihn gehn; Sollt' auch zur Nacht die Dämm'rung werden, Dein heil'ger Wille mag geschehn. Dein Wort bleibt meines Weges Licht, Ihm folg' ich still und zage nicht. Geistliche Lieder von Adolph Nicolai, 1855. Eigene Melodie. Ps. 23, 1. HV Mott des Him⸗ 705. V mels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, Der es Tag und Nacht läßt wer⸗ den, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand die Welt, Und was drinnen ist, erhält. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Hast behütet und bewacht, Daß des bösen Feindes List Mein nicht mächtig wor⸗ den ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Jetzt mit dieser Nacht vergehn. O Herr Jesu, laß mich finden, Deine Wunden offen stehn, Da alleine Hilf' und Rath Ist für meine. Missethat! 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für Daß, meine Seele sorgen, wenn Uns Gerif nicht 5. und nach bleib Veso Nirg Kan sein. 6 meir Sin Gr Unt Her Ehr mick 7 sen⸗ des schl mic De Rr me M 23 Dein schehn. neines Ig' ich Nicolai, Him⸗ und Sohn )er es wer⸗ uns starke was ke dir mich fahr, serzen vacht, 5 List wor⸗ auch mit O nden, tehn, Rath t! mit stlich für Daß, E. Tageszeiten. a. Morgen. 589 wenn nun dein großer Tag Erdreich, das die dunklen Uns erscheint, und dein Schatten Mit ihrer Macht Gericht, Ich davor erschrecke umgeben hatten, Steht mit nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort! Sei und bleibe du auch heute Mein Veschützer und mein Hort! Nirgends, als bei dir allein, Kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele, Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Fein⸗ des Macht, List und An⸗ schläg' von mir wende Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Trage nach dem Him⸗ mel zu! Heinrich Albert, 16041668. Mel. Ich seh' der Sonne ꝛc. Ps. 57, 8. 706 H* Lob! * nun ist die Nacht verschwunden, Die Finsterniß ist über⸗ wunden, Das Licht des Himmels triumphirt. Das der Sonne Gold geziert. 2. Wach' auf, wach' auf, mein Geist, und singe! Dem Vater aller Geister bringe Lob, Ehre, Dank und Kraft und Macht. Erkenne seine Huld und Treue, Die alle Morgen sich aufs Neue Ausbreitet, und dich stets bewacht. 3. O, daß doch mit der äußern Erde Mein Inn'res auch erleuchtet werde! O, daß mein Herz ein Himmel wär' Ein Firmament, daran die Sonne, Mein Jesus, meines Geistes Wonne, Er⸗ glänzte zu des Schöpfers Ehr'! 4. O, daß der finstren Nacht Geschäfte Durch dieser Sonne neue Kräfte Ent⸗ schwänden ganz aus meinem Sinn, Mein Geist sich stets zum Licht erhübe, O, daß die Allmacht ihrer Triebe Mich führte zu ihr selber hin! 5. Dies ist mein Wunsch und mein Begehren; Du, Vater, woll'st mir das ge⸗ währen, Sprich Ja und Amen selbst dazu! So werd' ich einst nach diesen Tagen Und überstand'nem Leid und 590 XIX. Lieder für beso ndere Verhältnisse ꝛe. Plagen Genießen dort des Lichtes Ruh'! Johann Anastasius Freylinghausen, 1670—-1739. Mel. er Gott, ich danke ꝛc. .129, 8. 7 07. G* Vater, dir, dir, Gottes Sohn, O du, der Frommen Trost und Lohn, O Geist der wahren Heilig— keit, Dir sei auch dieser Tag geweiht! 2. Nimm Seele, Leib und Ehr' und Gut In deine väterliche Hut, Daß ich durch deine Gnade frei Von Sünd' und Plag' und Schanden sei. 3. Vergieb mir, Vater, meine Schuld, Und segne mich durch deine Huld; O Jesu, bilde mich nach dir; O wohne, Geist des Herrn, in mir! 4. Laß, Gott, mein Schöpfer, laß mich dein, Laß, mein Erlöser, dein mich sein; Sei nie von deinem Kinde fern, O du, mein Führer, Geist des Herrn. 5. Herr, segne und be⸗ hüte mich; Herr, leite und regiere mich; Herr, heb' auf mich dein Angesicht, Ent⸗ zeuch mir deine Gnade nicht. Mel. Meinen Jesum lass' ꝛc. Joh. 8, 12. icht vom 708. 2 Licht, er⸗ leuchte mich Bei dem neuen Tageslichte; Gnadensonne, stelle dich Vor mein muntres Angesichte, Wohne mir mit Glanze bei, Daß mein Sabbath fröhlich sei! 2. Brunnquell aller Süßigkeit, Laß mir deine Ströme fließen, Mache Mund und Herz bereit, Deiner Gnade zu genießen; Streu das Wort mit Segen ein, Laß es hundert⸗ früchtig sein! 3. Zünde selbst das Opfer an, Das auf meinen Lippen Lae Sei mir Weisheit, Licht und Bahn, Daß kein Irrthum mich be— trüget Und kein fremdes Feuer brennt, Welches dein Altar nicht kennt. 4. Laß mich heut' und allezeit Heilig, heilig, heilig! singen Und mich in die Ewigkeit Mit des Geistes Flügeln schwingen; Gieb mir einen Vorschmack ein, Wie es wird im Himmel sein. 5. Ruh' in mir und ich in dir, Bau' ein Paradies ins Herze; Offenbare dich Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. doch mir Und geuß meiner das neinen mir Bahn, ch be⸗ emdes dein und Heilig! m die jeistes Gieb ein, mmel d ich adies dich Heiner E. Tageszeiten. a. Morgen. 591 Andachtskerze Immer neues Oel hinzu, O du Liebes⸗ flamme du! 6. Dieser Tag sei dir geweiht: Weg mit allen Eitelkeiten! Ich will deiner Herrlichkeit Einen Tempel zubereiten, Nichts sonst wol⸗ len, Nichts sonst thun, Als in deiner Liebe ruhn. 7. Du bist mehr als Salomon: Laß mich deine Weisheit hören. Ich will deinen Gnadenthron Mit gebeugten Knieen ehren, Bis mir deine Sonne lacht Und den schönsten Sonntag macht. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Eigene Melodie. Ps. 113, 1. 70 9 Luen Alt, die ihn ehren! Laßt uns mit Freuden seinem Namen singen Und Preis und Dank zu seinem Altar bringen! Lobet den Herren! 2. Der unser Leben, Das er uns gegeben, In dieser Nacht so väterlich be— decket Und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket! Lobet den Herren! 3. Daß unsre Sinnen Wir noch brauchen können, Und Händ' und Füße, Zung' und Lippen regen, Das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren! 4. Daß Feuerflammen Uns nicht allzusammen Mit unsern Häusern unversehns gefressen, Das macht, daß wir in seinem Schooß ge⸗ sessen. Lobet den Herren! 5. Daß Dieb' und Räu⸗ ber Unser Gut und Leiber Nicht angetastet und im Grimm verletzet, Dawider hat sein Engel sich gesetzet. Lobet den Herren! 6. O treuer Züter, Brunnquell aller Güter! Ach, laß doch ferner über unser Leben Bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben! Lobet den Herren! 7. Gieb, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite Auf unsern Wegen unver⸗ hindert gehen Und überall in deiner Gnade stehen! Lobet den Herren! 8. Treib' unsern Willen, Dein Wort zu erfüllen, Lehr' uns verrichten heilige Geschäfte, Und wo wir schwach sind, da gieb du uns Kräfte! Lobet den Herren! 9. Richt' unsre Herzen, Daß wir ja nicht scherzen Mit deinen Strafen, sondern 592 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. fromm zu werden, Vor dei⸗ ner Zukunft uns bemühn auf Erden! Lobet den Herren! 10. Herr, du wirst kom⸗ men Und all' deine From— men, Die sich bekehren, gnädig dahin bringen, Wo alle Engel.— ewig sin⸗ gen:„Lobet den Herren!“ Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Ich dank' dir schon ꝛe. Jac. 15„ 710. M 9 Preis und Dank, Erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; Lob⸗ sing ihm, meine Seele. 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, Lag ich und schlief in Frieden: Wer schafft die Sicherheit der Racht Und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß Und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhält Und mir's jetzt neu gegeben. 6. Gelobet sei'st du,‚ Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach dei— nem Wohlgefallen. 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Retter in Gefahr, Ein Va⸗ ter, wenn ich fehle. 9. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb' und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Er⸗ kenn' und willig thue; 10. Daß ich als ein ge⸗ treuer Knecht Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züch⸗ tig und gerecht Durch deine Gnade lebe; 11. Daß ich, dem Näch⸗ sten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheue, Mich gern an Andrer Wohler⸗ gehn Und ihrer Tugend freue; 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße Und meinen loben Licht Tobe bricht ich d der Himu deine 2. glau Wor Deir raub und den alle mut woh will Gne Har verf — leid 26 —— id dein Du bist t Und n. u, Gott i deine )einer dieses Segen deine hre du ch dei⸗ Lebens Phoft ir ein N Va⸗ Herz [lt mit weises ht Er⸗ in ge⸗ deinem „züch⸗ deine Näch⸗ Naß Mich zohler— ugend Glück deiner neinen E. Tageszeiten. 2 Morgen. 593 Lauf mit Freudigkeit, Wenn fröhlich tragen fort, Des du gebeutst, beschließe. M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. lob', mein' Seel' ꝛc. Jac. 1, 21. 1J. Mi Freuden 71 ů ich singen Dir, höchster Gott, aus Harerahrant Mein Geist soll sich aufschwingen Und Ahwen veinen Gnaden⸗ bund! Mit Freuden will ich loben Dich, o dreiein'ges Licht, Vor dem der Hölle Toben Und alle Macht zer⸗ bricht Mit Freuden will ich danken Dir für den Schutz der Nacht; Laß Erd' und Himmel wanken: Ich preise deine Macht. 2. Mit Freuden will ich glauben Dem, was dein Wort, die Wahrheit, lehrt; Dein Wort soll mir Nichts rauben, Ob ich gleich Höll' und Tod empört. Mit Freu⸗ den will ich lieben Dich über alle Welt Und mich in De⸗ muth üben, Die dir so wohlgefällt: Mit Freuden will ich hoffen Auf deiner Gnade Schein, Weil deine Hand stets offen Und mich versorgt allein. 3. Mit Freuden will ich leiden, Mein Kreuz auch Mel. Nun Fleisches Wollust meiden Und schaun nach jenem Himmelsport. Mit Freu⸗ den will ich streiten, Beken⸗ nen deine Lehr'; Dein Reich auch auszubreiten, Nicht schonen Gut und Ehr'. Mit Freuden will ich beten, Die Angst sei noch so groß; Du wirst mich wohl ver⸗ treten Und endlich machen los. Mit Freuden will ich enden, Was du mir anbe⸗ fohlen hast; Du wirst mir Stärke senden Zur anver⸗ trauten Arbeitslast. Mit Freuden will ich dienen Auch dem, der mich verletzt, Der sich nicht läßt versüh⸗ nen Und mir mit Haß zu⸗ setzt. Mit Freuden will ich sterben, Der Tod ist mein Gewinn; Laß mich dein Reich nur erben, So fahr' ich fröhlich hin. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1837. Eigene Melodie. Pred. 4, 17. ⁷7 1% Torgenglanz 7 14. M der Ewig-⸗ 90 Licht vom unerschöpf⸗ ten Lichte, Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte Und vertreib' 38 — 594 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe durch deine Macht Unsre Nacht! 2. Die bewölkte Finster⸗ niß Mög' vor deinem Glanz entfliegen, In die Adams Fall uns riß, In der alle⸗ sammt wir liegen, Daß wir, Herr, durch deinen Schein Selig sei'n. 3. Deiner Güte Morgen⸗ thau Fall' auf unser matt Gewissen, Laß die dürre Lebensau' Lauter süßen Trost genießen Und erquict uns, deine Schaar, Immerdar. 4. Gieb, daß deiner Liebe Gluth Unsre kalten Werke tödte, Und erweck' uns Herz und Muth Bei entstandner Morgenröthe, Daß wir, eh' wir gar vergehn, Recht aufstehn. 5. Laß uns ja das Sün⸗ denkleid Durch des Bundes Blut vermeiden, Daß uns die Gerechtigkeit Mög' als wie ein Rock bekleiden Und wir so vor aller Pein Si— ch 36 sei'n. Ach, du Dan aus — Höh' Gieb, daß auch am jüngsten Tage Unser Leichnam aufersteh' Und, entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. 7, Leucht' uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnadensonne, Führ' uns durch das Thränenfeld In das Land der sden Wonne, Da die Lust, die uns er⸗ höht, Nie vergeht! . Christian Knorr von Rosenroth, 1636—1689. Mel. Christus, 70 1 3. Herr mich leben! Mit feihlichem Ge⸗ müth' Eil' ich, ihn zu er⸗ heben, Er hört mein frühes Lied. 2. Zu ihm entzückt mich wieder Der Morgensonne der ist mein ꝛe. Ps. 50, 4. 0 läßt der Pracht; Ich falle vor ihm nieder, Der sie und mich gemacht. 2 3. Du, Herrscher aller Welten, Nimmst dich auch meiner an! Wie soll ich dir vergelten, Was du an mir 9958. 1 Wirst du nach Opfern shanen Sie gelten nichts vor dir; Du forderst nur Vertrauen, Nur Liebe, Gott, von mir! 5. So will ich dir lob— singen, Mich deines Namens freun, Nach deiner Gnade ringen, Mein ganzes Herz sei dein! 6. O Tilger meiner Sün⸗ den, Mein Mittler, Jesu 26. —— r' uns eld In Wonne, uns er⸗ osenroth, mein ꝛc. äßt der rr mich m Ge⸗ zu er⸗ frühes kt mich nsonne or ihm id mich r aller ch auch ich dir an mir Opfern nichts st nur „Gott, ir lob⸗ amens Gnade 5Herz Sün⸗ Jesu E. Tageszeiten. a. Morgen. 595 Christ, Laß mich den Trost empfinden, Daß du mir gnädig bist! 7. Dir hab' ich mich er⸗ geben; Ich freue mich in dir, Erfreuender, als Leben, Ist deine Güte mir. 8. So führe mich auch heute Auf deiner Tugend Pfad;: Du Ewigweiser, leite Mich selbst nach deinem Rath! 9. Nur Eins laß mich erflehen, Das christlich weise Herz, Auf dich stets aufzu⸗ sehen In Freuden, wie im Schmerz; 10. Daß ich am ersten trachte Nach dem, was dir gefällt, Mehr deinen Beifall achte, Als allen Ruhm der Welt; 11. Daß ich, dir fest ver⸗ trauend, Das Gute stand⸗ haft thu' Und, froh gen Himmel schauend, Denk': „Herr, mich siehest du!“ 12. Bereit den Lauf zu schließen Auf deinen Wink, o Gott, Und lauter im Ge⸗ wissen, So finde mich der Tod! Christoph Friedrich Neander, 1723—1802. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Pf. 60, 14. 7 1 4 du, des — Himmels Zier und Kron', Der Sün⸗ der Hoffnung, Trost und Lohn, Der du von Ewigkeit, Herr Christ, In deines Va⸗ ters Schooße bist: 2. Reich, da wir auf vom Lager stehn, Uns dei⸗ nen Arm aus Himmels⸗ höhn; Mach' nüchtern uns, und richte du In unsrem Geist dein Opfer zu! 3. Am Himmel steht der Morgenstern, Das Licht er⸗ gießt sich nah' und fern: So sende du dein ew'ges Licht Auch uns in Herz und Angesicht! 4. Leucht' uns und treib' aus unsrer Brust All' Ei⸗ telkeit und Sündenlust; Be⸗ wohne du nur Herz und Sinn, Daß keine Weltnacht sei darin! 5. Der Glaube dringe tief ins Herz, Die Hoffnung heb' uns himmelwärts; Doch als die größte von den Drei'n Laß Lieb' um Lieb' im Herzen sein. Altes Lied. Mel. Herr Jesu Christ, dich ꝛce. Ps. 115, 12. 715. Rheilige Drei⸗ faltigkeit, O hochgelobte Einigkeit, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, Heut' diesen Tag mir Beistand leist'. 596 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. 2. Mein Seel, Leib, Ehr' und Gut bewahr, Daß mir kein Böses widerfahr' Und mich der Satan nicht verletz', Noch mich in Schand' und Schaden setz'. 3. Des Vaters Macht mich heut anblick; Des Soh⸗ nes Weisheit mich erquick'; Des heil'gen Geistes Glanz und Schein Erleucht mein's finstern Herzens Schrein! 4. Mein Schöpfer, steh' mir kräftig bei! O mein Erlöser, hilf mir frei! O Tröster werth, weith nicht von mir, Mein Herz mit werthen Gaben zier'! 5. Herr, segne und be⸗ hüte mich! Erleuchte mich, Herr, gnädiglich! Herr, heb' auf mich dein Angesicht, Und deinen Frieden auf mich richt'! Dr. Justus Gesenius, 1604—1671. Mel. O Gott, du frommer ꝛc. 2. Cor. 6, 16. 716 Jesu, sü⸗ ßes Licht, Nun ist die Nacht vergan⸗ gen, Nun hat dein Gnaden⸗ glanz Aufs Neue mich um⸗ fangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlafe auf⸗ geweckt Und hat nun in Begier Zu dir sich ausge⸗ streckt. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnad' einsenkten Mit Leib, mit Seel', mit Geist Heut' diesen ganzen Tag: Das soll mein Opfer sein, Weil ich sonst Nichts vermag. 3. Drum siehe, da, mein Gott, Da hast du meine Seele: Sie sei dein Eigen⸗ thum, Mit ihr dich heut' vermähle In deiner Liebes⸗ kraft! Da hast du meinen Geist, Darinnen woll'st du dich Verklären allermeist. 4. Da sei denn auch mein Leib Zum Tempel dir erge⸗ ben, Zur Wohnung und zum Haus: Ach, allerliebstes Leben, Ach, wohn', ach, leb' in mir, Beweg' und rege mich! So hat Geist,‚ Seel und Leib Mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab' ich jetzt Die Kleider angeleget: Laß meiner Seele sein Dein Bildniß eingepräget In güldnem Glaubensschmuck, In der Gerechtigkeit, So allen Seelen ist Das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesu, schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld Durch deines Geistes Triebe! Auch mit der De— 2c. ir denn Opfer ich ganz Gnad 5„ mt diesen ll mein h sonst ,‚ mein meine Eigen⸗ heutẽ Liebes⸗ meinen ll'st du eist. h mein r erge⸗ g und liebstes ch, leb' d rege „Seel chmuck, „0 rechte hmücke id mit t, mit Beistes r De⸗ a. Morgen. 597 muth mich Vor Allem kleide an: So bin ich wohl ge— schmückt Und köstlich ange⸗ than. 7. Bleib du mir diesen Tag Stets vor den Augen schweben, Laß dein Allge— genwart Mich wie die Luft umgeben, Auf daß mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund'! 8. Ach, segne, was ich thu, Ja, rede und gedenke; Durch deines Geistes Kraft Es also führ' und lenke, Daß Alles nur gescheh' Zu deines Namens Ruhm,‚, Und daß ich unverrückt Verbleib' dein Eigenthum! Dr. Joachim Lange, 1670—1744. Mel. Meinen Jesum lass' ꝛc. Ps. 121, 1. 6 7 schließet euch, 4 ihr Augen, auf! Schaut das große Licht der Erden! Es erneuert seinen Lauf, Um ein Leit⸗ stern euch zu werden. Seht, die Sonne geht hervor, Sie weist euch zu Gott empor. 2. Seh' ich auf die Nacht zurück: Glücklich ließ sie Gott mich enden, Und ich kann den frohen Blick Himmels Höhen Möge dort mein sein Mit den fromm und rein. 3. Herr, zu deines Na⸗ mens Ruhm, Sorge du für mich auch heute, Daß mich als dein Eigenthum Gnad' Zu des wenden. Wandel Frommen und Segen stets geleite; Was ich thun und reden soll, Das gerathe Alles wohl. 4. Wenn mir Noth vor Augen schwebt, Soll mein Seufzen zu dir dringen, Wenn das Herz vor Furcht erbebt, Soll es sich zum Himmel schwingen, Und die Antwort werde mir:„Fürchte Nichts, ich bin bei dir!“ 5. Halte mein Gewissen „Daß ich heut' es nicht beflecke; Kommt Versuchung auch herbei, Gieb, daß es mich bald erwecke, Daß ich wachsam bleib' und fleh' Und der Sieg mir nicht entsteh'! 6. Alles werf' ich dann auf dich, Und so darf ich nimmer zagen, Und dein Geist erleuchte mich, Wohl zu nutzen Freud' und Pla⸗ gen, So werd' ich gebessert sein, Stellt sich heut' der Abend ein. Neues Görlitzer Gesangbuch, 1836. 598 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Eigene Melodie. Ps. 98, 1. und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter! 2. Heut', als die dunklen Schatten Mich ganz um⸗ fangen hatten, Hat mich kein Leid versehret; Du, Vater, hast's verwehret. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun liege Trotz dem, der dich betrüge, Schlaf wohl, laß dir nicht grauen; Du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, das ist geschehen; Ich kann das Licht noch sehen, Von Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich verneuet. 5. Du willst ein Opfer haben: Hier bring' ich meine Gaben; Mein Weihrauch, Farr' und Widder Sind mein' Gebet' und Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins Herze sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts Bessers habe. 7. So woll'st du nun vollenden Dein Werk an mir und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen; Den Anfang, Mittll und Ende, Ach Herr, zum Besten wende! 9. Mit Segen mich be⸗ schütte, Mein Herz sei deine Hütte; Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Paul Gerhardt, 1606—1676. Mel. Freu' dich sehr, o ꝛe. Ps. 119, 35. 7 1 9 Weun ich einst von jenem I Schlummer, Welcher Tod heißt, aufersteh' Und, von dieses Lebens Kummer Frei, den schönern Morgen seh', O, dann wach' ich anders auf, Schon am Ziel ist dann mein Lauf: Träume sind des Pilgers Sorgen, Gro— ßer Tag, an deinem Morgen. 2. Hilf, daß keiner mei⸗ ner Tage, Geber der Un⸗ sterblichkeit, Jenem richtenden einst sage, Er sei ganz von mir entweiht! Auch noch heute wacht' ich auf: Dank dir, Herr! Zu dir hinauf Führ' mich jeder meiner Tage, Jede Freude, jede Plage, 3. Daß ich gern sie vor mir sehe, Wenn ihr letzter nun erscheint, Wenn zum dunke mein weint. Todes den der il Und preise Friedrid mich vor So Aue ben blie 26. meinen 5 Beste „Mittl zum lich be⸗ i deine i meine himmel —1676. 24. ch einst jenem Tod „ von Frei, seh, anders t dann sind Gro⸗ orgen. V me i⸗ r Un⸗ tenden z von noch Dank zinauf neiner jede e vor letzter zum * E. Tageszeiten. a. Morgen. 599 —— dunkeln Thal mein Freund nun um ich gehe Und mich weint. Lindre dann des Todes Pein Und laß mich den Stärksten sein, Mich, der ihn gen Himmel weise YDI 88 Und dich, Herr des Todes, preise! jedrich Gottlieb Klopftock, 1724 y* Vi 1803. Eigene Melodie. Ps. 36, 6. N' rde mun⸗ 720. N ter, mein Gemüthe, Und ihr Sinne, geht herfür, Dah ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an—.— er mich Wautder dchberen Plag Hat beschützet und er rhalten—— ließ seine Hände walter 2. n und Dank saw 5 gesungen, Vater der Barm⸗ herzate ei Daß mir ist mein Werk gelungen, Daß du mich vor allem Leid Und vor Sünden mancher Art So getreulich hast bewahrt, V * 35 e weggetrie⸗ unbeschädigt 7 Auch die Fein en, Daß ich blieben! 3. Keine Klugheit kann ausrechnen Deine Güt' und Wunderthat, Ja, kein Redner kann aussprechen, Was dein' Huld erwiesen hat: Deiner W gohlthat ist zu viel, Sie hat weder Maß noch Ziel; Ja, du hast mich so ge⸗ führet, Daß kein Unfall mich berühret. 4. Dieser Tag ist nun ver⸗ gangen, Die betrübte Nacht bricht an; Es ist hin der Sonnen Prangen, So uns All' erfreuen kann. Stehe mir, o Vater, bei, Daß dein Glanz stets vor mir sei Und mein kaltes Herz erhitze, Ob ich gleich im Finstern sitze! — 5. Herr, verzeihe mir aus Gnaden Alle Sünd' und Misset that, Die mein armes Herz beladen Und so gar vergiftet hat, Daß auch Satan durch sein Spiel Mich zur Hölle stürzen will! Da kann ist du aniue retten: Strafe nicht mein Ueber⸗ treten. 6. Bin ich gleich von dir gewichen Stell' ich mich dor ch wieder ein: Hat uns doch dein Sohn verglichen Durch sein' af und Todesp ein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad' und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets in mir befinde. 7. O du Licht der from⸗ men Seelen, O du Glanz der Herrlichkeit, Dir will ich mich ganz befehlen Diese 600 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel schier; Da ich mich so sehr betrübe, Tröste mich mit deiner Liebe. 8. Schütze mich vor's Teufels Netzen, Vor der Macht der Finsterniß, Die mir manche Nacht zusetzen Und erzeugen Kümmerniß. Laß mich dich, o wahres Licht, Nimmermehr verlieren nicht! Wenn ich dich nur hab' im Herzen, Fühl' ich nicht der Seelen Schmerzen. 9. Wenn die Augen schon sich schließen Und ermüdet schlafen ein, Soll mein Herz dennoch geflissen, Nur auf dich gerichtet sein; Meiner Seele mit Begier Träume stets, o Gott, von dir, Daß ich innig an dir hange Und auch schlafend dich umfange. 10. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanft' und süße Ruh', Alles Uebel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu. Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab' und Gut, Freunde, Feinde, Hausge⸗ nossen Sind in deinen Schutz geschlossen. 11. Ach, bewahre mich vor Schrecken, Schütze mich vor Ueberfall, Laß mich Krankheit nicht aufwecken, Treibe weg des Krieges Schall, Wend' ab Feu'r und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen nicht in Sünden Noch an Leib verderben! 12. O, du großer Gott, erhöre, Was dein Kind ge⸗ beten hat! Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rath, Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heiß'st, Höre doch mein sehn⸗ lich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen! Johann Rist, 1607—1667. sterben, und Seel Mel. Wie schön leuchtet der a. Pf. 121, 4. 7 1 WWn 7 2 edles Morgenlicht, Du Schein von Gottes Angesicht, So herr⸗ lich und so milde! Zu grü⸗ ßen deine Freundlichkeit, Sind ringsum wach und allbereit Die irdischen Ge— filde. Viel Sang, Viel Klang Hoch in Lüften, Tief in Klüften; Aller Orten Ist die Welt zum Tempel worden. 2. Du Herr und Geber stiller Nacht, Du Schöpfer, der den Tag gemacht, Der Welt zu Nutz und Freuden; Tod, Laß mich Du rer mit Ewig tig, da Y 3 — dein hast nem den Du so r dir sich, er Hul! 4 Gei bige dir fwecken, Krieges eu'r und inz und 5 mich sterben, d Seel' r Gott, ind ge⸗ den ich ja mein id mein ist, Der Tröster in sehn⸗ ja, es 71—1667. der ꝛc. mmen, dles ein von o herr⸗ u grü⸗ lichkeit, h.ᷓund »n Ge⸗ Viel t, Tief en Ist horden. Geber höpfer, „Der euden; E. Tageszeiten. a. Morgen. 601 Du Meister, dem kein and'⸗ dir Ruhm und Preis, Dir, rer gleich, Du König, der mit seinem Reich Umspannet Ewigkeiten; Mächtig, Präch⸗ tig, Hoch vor Allen, Die da wallen, Die da wohnen In des Himmels Regionen: 3. Die weite dein Altar, Mein 2 auch hast du wunderbar Zu d dei⸗ nem Dienst bereitet. O du, den noch kein Auge sah, Du bist so hoch und doch so nah', Kein Raum von dir mich scheidet. Innig Fühlt dich Mein Geist in I. n sich, Und wie frö blich Iũ er dessen! Wer kann Huld ermessen! dein 4. Wo brüderlich in Einem Geist Die Schaar der Gläu⸗ bigen dich preist, Eil' ich, dir zu lobsingen. Herr, deinen Tag, der sanft die Welt Mit 1 heil'f gen Licht erhellt, Läß'st du mir Wome brnen Leite, Weide Welt ist Gott, der durch die Ruh' der Nacht Uns zu erquicken weiß. 2. O Vater, deine Gütig⸗ keit Ist alle Morgen neu. Du thust uns wohl von Zeit zu Zeit, Und groß ist deine Treu'. 3. Die deiner Bringt So fließe Gott der Macht, Auch dieser Tag mir hin. 4. In Allem, was ich denk' und thu', Sei, Jesu, elbst bei mir; Und wenn von Geschäften ruh', So 9e mein Herz in dir. 5. An deiner Gnade g'nüge Sie ist mein bestes Zeit, in Furcht Bm ewigen Gewin vor dir, —22— — w·C ———— — — mir, Theil, Mein Trost und meine Zuflucht hier, Und dort mein ew'ges Heil. 3 1721—1797. Johann Samuel Dieterich, Mel. Wo soll ich fliehen hin ꝛe. Deine Heerde; Alles werde,. Dir zum Ruhme, Gott, N 723 Zu d dir, Herr deinem 6r 2. Jesu, schick Christian Heinrich Fürchtegott Mörlin, Ich meinen ersten Blick, 1681813. Mein Geist vor dir sich beuget, Mein Herz zu dir Mel. Lobt Gott, ihr Christen ꝛc. Pf. 150, 6. 722. 3 Ruhm erwacht, deinem Preis und 2. Bring' ich Mein Heiland, e Und ewig mich sich neiget. mich umfasse nicht lasse! Bleib du Du bist die mir innig Liebe ja; nah', ZXXX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Dir will ich mich verschrei— ben, Auch heut dir treu zu bleiben. In deinem Jesus⸗ namen Will ich aufstehen. Amen! Gerhard Tersteegen, 1697—4769. b. Mittag. Mel. Vom Himmel hoch, da ꝛc. Ps. 145, 15. 72 4. D'ans, rt so väterlich Jetzt Speis u und Trank; wir preisen dich Denn Alles, was uns stärkt und nährt, Wird uns durch deine Huld gewährt. ö 2. Sieh, deine Gaben nehmen wir Mit Freuden, Vater, hin von dir; O laß uns den Genuß gedei ihn Und dir dafür auch dank— bar sein. Reues Dresdner Gesangbuch, 1816. Mel. Jesu, als du erstlich ꝛc. Ps. 145, 15—19. Joh. 6, 32. 33. 35. ——— 1 hen zu dem Essen, Laß uns deiner nicht vergessen, Denn du bist das Himmelsbrot! Hilf uns, daß wir nach der Erden Deine Gäst' im Himmel werden. 2. Speis die Leiber, stärk die Seelen, Die wir dir jetzt anbefehlen, Steh uns bei in aller Noth. Hilf uns, daß wir nach der Zerr, wir ge⸗ Erden Deine Gäst' mel werden. Pfälzer Gesangbuch, 1859. Mel. Vor deinen Thron tret ꝛc. 6, U. H Vater, kind⸗ lich beten 2 uulsen täglich Brot zu dir; Gieb's deinen Kin⸗ dern, die du liebst, Und segne, was du huldreich giebst. 2. Thu auf, Herr, deine milde Hand! Auf——. Aller Blick gewandt, Der du von Allem, was da i Der Schöpfer und Versor⸗ ger bist. 3. Du hast auch uns bisher Leahrt, Was wir bedurften, uns gewährt, Und wirst es künftig nicht entziehn, Wenn wir voll e zu dir fliehn. 4. Laß uns zwar satt, doch hn sein, Uns dei⸗ ner Gaben dankbar freun Und nie Langesen im Ge⸗ nuß, Daß auch der Arme leben muß. Anhang des alten Görlitzer Ge sangbuchs, 1794. im Him⸗ nähr gewe ben thun gan; sein sein 2 seh der Lüf tief Ve Fre Un mi 9 de⸗ m Him⸗ ch, 1859. ntret ꝛc. er, kind⸗ )beten h Brot »n Kin⸗ „Und uldreich „ deine —6 st h uns 16 wir ewährt, g nicht ir voll )n. r satt, 18 dei⸗ freun m Ge⸗ Arme angbuchs, E. Tageszeiten. b. Mittag. 603 Mel. Schmücke dich, o liebe ꝛe. Pf. 145, 16. Matth. 6, 11. 740 Hun Gott, 6.& uns, deine Kinder! Tröste die betrüb⸗ ten Sünder! Sprich den Se⸗ gen zu den Gaben, Die wir jetzo vor uns haben, Daß sie uns zu diesem Leben Stärke, Araf ft und Nahrung geben, Bis wir endlich mit den Frommen Zu der Him⸗ melsmahlzeit kommen. Nicolaus Heermann,„ 1561. Mel. Da geboren war ꝛe. Col. 4, 2. Pf. 92, 2. 7e 58. WM.Id den. 0 erhält und nährt, Hat uns unser Gott gewährt, Der uns alle Ga⸗ ben reicht, Dem im Wohl⸗ thun Keiner gleicht, Der die ganze weite Welt, Wie es seinem Rath gefällt, Durch sein Alln iachtswort erhält. 2. Alles, Alles, was ich seh' In den Gründen, in der Höh', Was hoch in den Lüften schwebt, Was im tiefen Meere lebt, Hofft, Versorger, nur auf dich, Freuet deiner Gaben sich, Und du giebst sie mildiglich. 3. Ach, auch mich, auch mich erfreut Deiner Güte Mildigkeit. Du bist's, Vater, der mir schenkt, Was mich speiset, was mich tränkt, Reichlich schenkt und gern es thut Und im Wohlthun nimmer ruht. O, wie ist mein Gott so gut! 4. Dank, ach, Dank sei dir dafür, Milder Geber, daß du mir Väterlich auch jetzt beschert, Was mir Un⸗ terhalt gewährt; Daß ich auch mit frohem Sinn, Was du gnädig mir ver⸗ lie iehn, Zu genießen fähig bin. 5. Hilf, daß ich beim Ueberfluß Deiner Gaben im Genuß Niemals über⸗ hebe mich, Allzeit, Höchster, fürchte dich Und, wenn ich mich ihrer freu', Auch aus Menschenlieb' dabei Einge— denk des Armen sei. 6. So werd' ich zu dei⸗ ner Ehr', Wie du mir be⸗ siehlst, o Herr, Froh ge⸗ nießen, was du mir Gnädig hast verliehen hier, Und mich hoffnungsvoll erfreun, Daß auch künftig du allein Werdest mein Versorger sein. Julius Karl Zuckschwert, 1747—1806. Nun lobt und dankt ꝛe. Ps. 116, 17.; 107, 1. 72⁰ Niir danken . Gott für seine Gaben, Die wir von ihm empfangen haben; Wir rree, Lnmse-usSe iiim;.aerErn 604 XIX. L ieder für be esondere Verhä 1Itnisse ꝛe. bitten unsern lieben Herrn, Er woll' auch ferner uns bescher'n, Woll' f en uns mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier——— dort. 2. Ach, lieber Gott, du wollst uns geben Nach die⸗ ser Welt das ew'ge Leben! Wir danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du uns'r Gast gewesen bist. Bleib du bei uns, so haͤt's nicht Noth; Du bist das rechte Lebens⸗ brot. Pfälzer Gesangbuch, 1859. C. Abend. Mel. O di 1 Liebe meiner Liebe ꝛe. Jes. 26, 9. 30. A d Morgen, Weil mein Jesus bei mir ist! Gute Nacht, ihr müden Sorgen! Sanfte Ruhe sei gegrüßt! Weil mich Gottes Flügel decket Und sein Auge für mich wacht, Ach, so werd' ich nicht erschrecket Vor der sonst betrübten Nacht. 2. Kommt, ihr ange⸗ nehmen Schatten, in meine Glieder ein, Daß sie ihre Kraft erstatten, Wenn sie wie gestorben sein. Deckt, ihr schwarzen Finsternisse, Dieses Tages Fehler zu, Und wenn ich mein Bette grüße, So befördert meine Ruh'. 3. Aber du, mein Herze, wache, Denn dein Jesus klopfet an, Daß er sich ein Lager mache, Wo er bei Schafe, dir ruhen kann. Laß die Glaubenslampe brennen, Gieß' das Oel der Andacht ein, So wirst du den Freund' erkennen, Der dir will zur Seite sein. 4. Laß mein Opfer dir gefallen, Ew'ger auf dem Gnadenthron, Höre meines Mundes Lallen Und der Lippen schwachen Ton. Ach, durchstreich' mit deinem Blute Des vergangnen Tages Schuld! Schone meiner mit der Ruthe Und erzeige mir 5. Treuer Hirte deiner Wächter mitten in der Nacht, Decke mich in meinem Schlafe, Gieb m deiner Engel Wacht. Sei du meine Feuersäule, Daß der arge Feind erschrick, Wenn er seine gift'gen Pfeile Auf mein schlafend Herz abdrückt. 6. Deine Wagenburg umsch angel vom sonst an Gott Und bleib fen Be Mel. E2. err Jesu is'r Gast b du bei 9t Noth; Lebens⸗ 5„1859. Laß brennen, Andacht Freund' will zur pfer dir Luf dem meines nd der n. Ach, m Blute Tages iner mit ige mir deiner itten in mich in ieb mir t. Sei „ Daß rschrickt, n Pfeile d Herz genburg E. Tageszeiten. c. Abend. 605 umschließe Alles, was mir keinem Unfall soll mir angehört, Daß man Nichts vom Grauen wisse, Welches sonst die Ruhe stört. Laß an unser Bette schreiben: Gottes Kinder schlafen hier, Und Gott wird bei ihnen bleiben. O wie sanfte schla— fen wir! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Nun sich Ps. 68, 20. 73 1. Much diesen Tag hab' ich vollbracht Mit aller sei⸗ ner Noth! Nur deiner Va⸗ terlieb' und Macht Verdank' ich es, o Gott! 2. Wär'st du nicht mei⸗ nes Lebens Kraft, Mein Retter und mein Heil, So würd' in meiner Pilgerschaft Kein Trost mir je zu Theil. 3. Ach, ohne dich, All— gütiger, Verging' ich in der Noth! Von Freundlichkeit und Hoffnung leer Wär' ohne dich mein Tod! 4. Doch welchen Trost fühlt nun mein Herz! Du bist, du bleibst mein Gott. Dein Wort versüßt mir jeden Schmerz Und lindert jede Noth. 5. Froh kann ich mich dem Schlaf vertraun, Auch schlafend bin ich dein. Vor der Tag geendet. 2 graun, Du wirst mein Hel⸗ fer sein. 6. Und sollt', o Vater, diese Nacht Des Leidens letzte sein: Wohl mir, dann ist mein Lauf vollbracht, Vollbracht des Lebens Pein! Neues Dresdner Gesangbuch, 1816. Mel. Der Tag ist hin, mein ꝛc. Jel. 23, 1. 2 2 De Abend 04. kommt, die Sonne sich verdecket, Und Alles sich zur Ruh' und Stille strecket. O meine Seel', merk auf: wo bleibest du? In Gottes Schooß, sonst nirgends, find'st du Ruh'. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, Das Vöglein fliegt nach seinem Neste wieder, Das Schäflein auch in seinen Stall kehrt ein; Laß mich in dich, mein Gott, gekehret sein! 3. Ach, sammle selbst Begierden und Gedanken, Die noch so leicht, aus Schwachheit, vor dir wan⸗ ken! Eröffne deinen Schooß, o Vater du, Daß ich in dir mit allen Sinnen ruh'! 4. Wie väterlich hast du mich heut' geleitet, Bewahrt, 606 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. verschont, Erquickung mir bereitet! Ich bin's nicht werth, daß du so gut und treu; Mein Alles dir zum Dank ergeben sei! 5. Vergieb es, Herr, wo ich mich heut' verirret Und mich zu viel durch dies und das verwirret! Es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; Nimm mich nur ein, so werd' ich fester stehn. 6. Da nun der eib sein Tagewerk vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet, Zu beten an, zu lieben innig⸗ lich, Im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da, und Alles schweiget, Mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget! Ins Heilig⸗ thum, ins Dunkle kehr' ich ein; Herr, rede du, laß mich ganz stille sein! 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket, Mein Wille sich in dich ge⸗ lassen senket; Begierden, schweigt! Vernunft und Sinne, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben, Laß nicht den Geist zerstreut in Unruh' schweben! Mein treuer Hirt, führ' mich in dich hinein; In dir, mit dir nur kann ich selig sein. 10. Im Finstern sei des Geistes Licht und Sonne, Im Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Wonne; Deck' mich bei dir in deiner Hütte zu, Bis ich erreich die volle Sabbathsruh'. Gerhard Tersteegen, 1697—1769. Eigene Melodie. Matth. 13, 43. Eph. 4, 26. 753. Daam Licht und Pracht Hat nun den Lauf vollführet, Die Welt hat sich zur Ruh' ge⸗ macht;: Thu, Seel', was dir gebühret: Tritt an die Himmelsthür Und bring' ein Lied herfür, Und richte Augen, Herz und Sinn Auf Jesum, deinen Heiland, hin. 2. Ihr hellen Sterne, leuchtet wohl Und sendet eure Strahlen, Ihr macht die Nacht des Lichtes voll; Doch noch zu tausend Ma⸗ len Scheint heller in mein Herz Die ew'ge Himmels⸗ kerz, Mein Jesus, meiner Seele Ruhm, Mein Schutz, mein Schatz, mein Eigen⸗ thum. 3. Der Schlaf zwar lie⸗ get in der Nacht Bei Men⸗ 5 ö schen Eine Bei spüre mich schlu mein sein, allei 4 arm Jesu zen es z was es g herz mei 5. Bett mich mein sehn See Not Toꝛ schl wie e ꝛe. in dich dir nur sei des Sonne, auz mein Wonne; n deiner erreich uh, 97—1769. 26 a 8 lieben Sonne hat nun et, Die Ruh' ge⸗ l', was an die ring' ein )richte inn Auf nd, hin. Sterne, sendet r macht es voll; nd Ma⸗ in mein immels⸗ meiner Schutz, Eigen⸗ war lie⸗ i Men⸗ E. Tageszeiten. C. Abend. 607 schen und bei Thieren; Doch Einer ist, der droben wacht, Bei dem kein Schlaf zu spüren. Dein Aug', auf mich gericht't, Herr Jesu, schlummert nicht; Drum soll mein Herz auch wachend sein, Daß Jesus wache nicht allein. 4. Verschmähe nicht dies arme Lied, Das ich dir, Jesu, singe; In meinem Her⸗ zen ist kein Fried, Bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann, Ach, nimm es gnädig an! Es ist doch herzlich gut gemeint, O Jesu, meiner Seele Freund! 5. Mit dir will ich zu Bette gehn, Dir will ich mich befehlen; Du wirst, mein Schutzherr, auf mich sehn Zum Besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Noth, Auch selber nicht den Tod; Denn wer mit Jesu schlafen geht, Mit Freuden wieder aufersteht. 6. Ihr finstern Geister, fort mit euch, Hier habt ihr Nichts zu schaffen; Dies Haus gehört in Jesu Reich, Laßt es nur sicher schlafen. Der Engel starke Wacht Hält es in guter Acht, Ihr Heer und Lager ist sein Schutz, Drum sei auch allen Fein— den Trutz! 7. So will ich denn nun schafen ein, O Herr, in deinen Armen; Dein' Aufsicht soll die Decke sein, Mein Lager dein Erbarmen, Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fließt, Und die dein Geist ins Herz mir gießt. 8. So oft die Nacht mein Herze schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So vielmal sich mein Athem regt, Sei dieses mein Ver⸗ langen, Daß ich mit lautem Schall Mög' rufen überall: O Jesu, Jesu, du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein! 9. Nun, matter Leib, gieb dich zur Ruh' Und schlaf' fein sanft und stille; Ihr müden Augen, schließt euch zu, Denn das ist Got⸗ tes Wille; Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So ist der Schluß recht wohl gemacht; Nun, Jesu, Jesu, gute Nacht! M. Christian Seriver, 1629—1693. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛe. Matth. 18, 3. er Mond ist 734. 1 aufgegan⸗ gen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell 608 XIX. Lieder für besondere 2 Verhältnisse ꝛe. und klar; schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämm'⸗ rung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des Ta⸗ ges Jammer Verschlafen und vergessen 3— 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen Und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, Die wir getrost belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschen⸗ kinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel; Wir spinnen Luft⸗ gespinnste Und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, Heil schauen, laß uns dein Auf nichts Vergänglich's trauen, Nicht Eitelkeit uns freun; Laß uns einfältig werden Und vor dir hier auf Erden Wie Kinder fromm und fröhlich sein! 6. Woll'st endlich sonder Grämen Aus dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod, Und wenn du uns genommen, Laß uns Der Wald steht in'n Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Na⸗ men nieder! Kalt ist der Abendhauch. Verschon' uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen Und unsre kranken Brüder auch! Matthias Claudius, 1740—1815. Mel. Nun 30 der Tag ꝛc. Ps. 119, 135 5. v. Sonne Glanz 4532 sich, Es kommt die dunkle Nacht; Mein treuer Gott, ich preise dich, Du hast es wohl gemacht. 2. Viel Gutes hast du mir gethan, Viel Böses über⸗ sehn, Und was ich sonsten rühmen kann, Das ist durch dich geschehn. 3. Du hast in meinen Sünden mich nicht plötzlich hingerafft, Und mir auch heute mildiglich Mein täg⸗ lich Brot geschafft. 4. Ach, decke mit der finstern Nacht Nun meine Sünde zu, Und schaffe, daß mein Herze wacht Bei mei⸗ nes Leibes Ruh'. 5. Sei in der Finster⸗ niß mein Licht, Im Traume meine Lust, Der Glanz von 20. en, Du ser Gottl ch denn, ttes Na⸗ ist der on uns, Und laß n Und er auch! 40—1815. LTag ꝛc. Sonne Glanz mmt die n treuer ich, Du ses über⸗ sonsten ist durch meinen pflötzlich ir auch ein täg⸗ nit der meine ffe, daß gei mei⸗ Finster⸗ Traume inz von E. Tageszeiten. c. Abend. 609 deinem Angesicht Bestrahle auf der weiten Erde wohnt. meine Brust. 6. Stell' mir im Schlaf, wie Jacob dort, Die Him⸗ melsleiter für, Dein Engel fahr' an diesem Ort Auch auf und ab bei mir. 7. Gieb, daß kein Un⸗ fall diese Nacht Mir meine Ruhe stör', Daß böser Feinde List und Macht Mir nicht ein Haar versehr'. 8. Laß Leib und Seele, Hab' und Gut In deinem Schutze stehn; Laß Krank⸗ heit, Schrecken, Gluth und Fluth Bei mir vorübergehn. 9. Den Freund bewahr', den Feind bekehr', Bedecke Stadt und Land! Kommt nun der Morgen wieder her, So werd' dein Ruhm be— kannt. 10. Doch stellt mein Schlaf in dieser Nacht Die letzte Ruhe für, So nimm du meine Seel' in Acht; Ich leb' und sterbe dir. Zittauer Gesangbuch, 1724. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. 2. Mos. 14, 13. 736. Dnte, Won stillen Himmel winket Herab der sanfte Mond. Bedeckt vom dunklen Schleier, Ruht süß in stiller Feier, Was 2. Wie hast du, Gott, so weise Auf unsrer Pilger⸗ reise Die Nacht uns zuge⸗ sellt! Vertraut hüllt sie den Matten In ihre stillen Schatten, Als in ein kühles, sichres Zelt. 3. Hier leg' ich bis zum Morgen Des Lebens Müh und Sorgen Und allen Kum⸗ mer ab; Und auf den Ar⸗ beitsmüden Gießt süße Ruh' und Frieden Und neue Kraft der Schlaf herab. 4. Kommt einst auch meinem Leben Der Abend, ohne Beben Laß mich dann gehn zur Ruh'. Leg' sanft mich in die Hülle Des Gra⸗ bes und drück' stille Mein Aug' in Jesu Namen zu. 5. Laß, Herr, mich, wann im Grabe Ich ausgeschlum— mert habe, Zum schönern Tag erstehn Und, wie die Morgensonne, Des neuen Himmels Wonne Mit ewig hellen Augen sehn. Friedrich von Köpken, 1737—1811. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. 1. Mos. 15, 1. 7 3 7 D Sonne * senkt sich nieder, Die stille Nacht kommt wieder Und mit ihr 39 610 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. Schlaf und Ruh'; Sie bringt uns neue Kräfte, Beschließt des Tags Geschäfte Und drückt die müden Augen 911. 2. Noch wach' ich und erzähle Mit tiefgerührter Seele, Herr, was du mir gethan. Dich preiset mein Gemüthe Für alle Gnad' und Güte; Herr, nimm mein stilles Loblied an! 3. Von dir kommt jede Gabe, Das Leben, das ich habe, Die Ruhe dieser Nacht. Du bist der Quell der Gü⸗ ter, Mein Schutz und treuer Hüter, Der, wann ich schlummre, für mich wacht. 4. Du läß'st es finster werden, Und hüllst den Kreis der Erden In tiefe Dunkel⸗ heit; Doch auch in dunkler Stille Wohnst du mit dei⸗ ner Fülle Und zeigst uns deine Herrlichkeit. 5. Du führst aus weiter Ferne Den Mond und tau⸗ send Sterne Mit Majestät herauf; Sie leuchten dir zur Ehre Hoch über Land und Meere, Und deine Hand lenkt ihren Lauf. 6. Als Zeugen deiner Stärke Stehn lauter Wun⸗ derwerke In deiner Schö⸗ pfung da; Und du, der sie bereitet Und Mond und Sterne leitet, Bist auch im Staub mir innig nah'. 7. Groß, wann der Morgen thauet, Groß, wann der Abend grauet, Groß in der stillen Nacht, Im Sonnenschein, im Sturme, Am Menschen und am Wurme Groß zeigst du, Schöpfer, deine Macht! 8. Drum schwinde alles Grauen, Drum will ich kindlich trauen, Denn du versorgst auch mich. Ja, Vater, ich befehle Dir freu⸗ dig Leib und Seele; Du bist mein Gott, ich hoff auf dich! 9. Laß dir mein kindlich Lallen Durch Jesum wohl⸗ gefallen, Und segne meinen Geist, Bis er, im Grund erneuert, Den großen Sab⸗ bath feiert, Wo aller Sel— gen Schaar dich preist. Dr. Johann Zacharias Leonhard Junkheim 1729—1790. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. Pf. 34, 9. 282 Hegangen ist 73 G 1 Sun nenlicht, Still schweiget Feld und Hain, Und hell am Fir⸗ mamente bricht Hervor der Sterne Schein. 2. Und hell aus stiller Seele blitzt Ein wunder⸗ same der hohe 3. Me allein oben käme 4. Trug ternd Kör Ein Trat 5 Ort 20. st auch nah'. un der Groß, grauet, Nacht, „ im jen und igst du, cht! de alles H)ill ich inn du Ia, ir freu⸗ e; Du 5 hoff lindlich wohl⸗ meinen Grund uSab⸗ r Sel⸗ st. Junkheim ag ꝛc. gen ist Son⸗ et Feld m Fir⸗ or der stiller under⸗ E. Tageszeiten. C. Abend. 611 samer Strahl Von dem, der ewig waltend sitzt Im hohen Himmelssaal. 3. Wie wäre doch das Menschenkind So elend, so allein, Wenn nicht von oben zart und lind Ihm käme dieser Schein! 4. Es wäre Nichts, als Trug und Wahn, Ein zit⸗ ternd Blatt am Baum, Ein Körnlein Sand am Ocean, Ein Traumbild fast vom Traum. 5. Das Leben wallt von Ort zu Ort, Hat nimmer Ruh' noch Rast, Und treibt im wilden Fluge fort, Geschnellt durch eigne Hast. 6. Es brauset wie ein schäumend Meer, Das keine Ufer kennt, Wirft uns wie Tropfen hin und her Im wilden Element. 7. Drum komm, o du, der Frieden bringt, Du Gott, in stiller Nacht, Wo hell die Engelglocke klingt Bei goldner Sterne Pracht! 8. Komm, wirf frommen Liebesstrahl Mir warm ins arme Herz, Und die Gedanken allzumal, O zieh' sie himmelwärts! 9. Drum komm mit deinem Engelheer, Du lieber Vater gut; Du bist die den einzig feste Wehr Die ein⸗ zig sichre Hut! 10. Gar nichtig ist der Menschen Macht, Die eitle Eitelkeit; Was Gott be⸗ wacht, ist wohl bewacht Hier und in Ewigkeit! Ernst Moritz Arndt, 1769—1861. Mel. Herr Jesu Christ, mein's ꝛc. Ps. 31, 2. 739. err Christe, der du Licht und Tag, Vor dem die Nacht nicht bleiben mag: Du bist das Licht vom Licht genannt, Als Lichtes Herold ausgesandt. 2. Wir bitten dich, den lieben Herrn, Sei Nacht und Tag von uns nicht fern! Gieb uns in deinem Schooße Ruh' Und stille Nacht uns sende zu, 3. Daß uns der schwere Schlaf nicht drück', Uns nicht der böse Feind berück', Und sich nicht, ohne Wider⸗ stand, Das Fleisch verirr' in Sünd' und Schand'. 4. Wenn unsre Augen schlafen ein, So laß das Herz doch wacker sein; Es schirme deine rechte Hand Die Jünger, die dich, Herr, erkannt. 5. Treéib, und Seelenhort, 39⁷ unser Hirt' Die auf 612 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. uns Netze stellen, fort. Die Jünger nimm in deine Hut, Die du erworben durch dein Blut! 6. Gedenk' an unsre schwache Kraft Und an des Lebens schwere Haft. Du bist der Schild in Seelen⸗ noth, Sei unser Beistand, Herr und Gott! 7. Gott Vater sei Lob, Ehr' und Preis Und seinem Sohne gleicher Weis', Des heilgen Geistes Gütigkeit, Von nun an bis in Ewig⸗ keit. Nach einem lat. Hymnus aus dem 7. Jahrhundert. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Joh. 11, 42. 740 H* der du mir das Leben Bis diesen Tag ge⸗ geben, Dich bet' ich kindlich an; Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut' an mir gethan. 2. Mit dankendem Ge⸗ müthe Freu' ich mich deiner Güte, Ich freue mich in dir. Du giebst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke Und schaffst ein rei— nes Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh' der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn! Auf deine Güte hoffen, Im Geist den Himmel offen Und dort den Preis des Glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden Und in dem Himmel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil' ich der Ruh' entgegen, Dein Name sei gepreist; Mein Leben und mein Ende Ist dein; in deine Hände Befehl' ich, Vater, meinen Geist! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛc. 1. Joh. 2, 17. 741 H 0 es ge⸗ * scheh' dein Wille! Mein Körper eilt zur Ruh'; Mir fallen in der Stille Die müden Augen zu. Erlaß mir Schuld und Strafe, Daß ich von Sünden rein, Zum Tode, wie zum Schlafe, Bereitet möge sein. 2. Von Angst und Schreckensbildern Laß meine Seele frei, Nichts möge sie sich schildern, Was ihrer 26— her im deine ist den ort den sehn! wen he mich o Gott, in der ch bin Ind in Theil. deinem Ruh' me sei n und in; in ich Gellert, zereitet und meine zge sie ihrer E. Tageszeiten. C. Abend. 613 unwerth sei! Laß fern von eitlen Sorgen Mich jetzt zur Ruhe gehn, Und auf dem Kampfplatz morgen Mit neuen Kräften stehn. 3. Doch sinkt des Todes Schlummer Auf mich in dieser Nacht, Der jedem Erdenkummer Und Glück ein Ende macht: So will ich nicht erschrecken, Mich ruft des Herrn Gebot, Mein Gott wird mich erwecken, Ein Schlaf nur ist der Tod. Johann Friedrich von Cronegk, 1731—1758. Mel. Jesu, meine Freude ꝛc. Ps. 23, 1. 742 irte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag, Deine Wundergüte War mein Schild und Hütte Den ver⸗ gangnen Tag: Sei die Nacht auch auf der Wacht Und laß mich von deinen Schaaren Um und um be⸗ wahren! 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld: Ein versöhnt Gewissen Sei mein Ruhe⸗ kissen, Drum vergieb die Schuld: Denn dein Sohn hat mich davon Durch die tiefgeschlagnen Wunden Gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lie⸗ ben Keine Noth betrüben: Sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich bei dir! Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf' in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns sein. Sei du Schloß und Riegel, Unter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein. Decke zu mit Schutz und Ruh': So wird uns nicht dürfen grauen Vor des Satans Klauen. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut' zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Drum, hast du be— schlossen, Daß mein Ziel verflossen, Kommt die Todes⸗ noth, So will ich nicht wider dich: Lieg' ich nur in Jesu Wunden, Sterb' ich alle Stunden. 6. Nun wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben Hab' ich dir ergeben, O du Hüter du! Gute Nacht! Nimm mich in Acht, Und erleb' 614 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. ich ja den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Nun komm, der Heiden ꝛc. Ni 22 * Ps. 33, 18. 7 43 Mide bin ich, * geh' zur Ruh', Schließe beide Aeug⸗ lein zu, Vater, laß die Augen dein Ueber meinem Bette sein. 2. HBab ich Unrecht heut gethan, Sieh' es, lieber Gott, nicht an. Deine Gnad' und Jesu Blut Macht ja allen Schaden gut. 2. Alle, die nur sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand, Alle Men⸗ schen, groß und klein, Sollen dir befohlen sein. 4. Kranken Herzen sende Ruh', Nasse Augen schließe zu; Laß den Mond am Himmel stehn, Und die stille Welt besehn. Louise Hensel, geb. 1797. Eigene Melodie. Luc. 24, 29. 7 4 4 N᷑r ruhen alle Wäl⸗ der, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, Es schläft die ganze Welt: Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt! 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben Die Nacht, des Tages Feind. Fahr' hin! Ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sternlein prangen Am blauen Himmelssaal. Also werd' ich auch stehen, Wenn mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib, der nun zur Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit. Die zieh' ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr' und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sei. Herz, freu' dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht ihr matten Glieder, Geht hin, und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund' und Zeiten, Wo man euch 26. —— 8 eurem 2 Sonne, hat dich ht, des r' hin! Mein e, Gar Herzen st nun güldnen Am Also Wenn gehen diesem nun 5 Kleid ild der ieh' ich hristus ock der ie Füß h, daß Arbeit freu Vom Und Arbeit matten nd legt ten ihr Stund' n euch ——m— E. Tageszeiten. C. Abend. 615 wird bereiten Zur Ruh'— Bettlein in der Erd'. 7. Mein' Augen stehn verdrossen, Im Nu sind sie geschlossen: Wo bleibt dann Leib und Seel'? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug' und Wächter Israel. 8. Breit' aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich ver⸗ schlingen, So laß die Eng⸗ unverletzet sein! 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht be⸗ trüben Kein Unfall und Ge⸗ fahr. schlafen, goldnen Bett und Schaar! Paul Gerhardt, 1606—1676. lein singen: Dies Kind 957 Stell' euch die Waffen Ums seiner Helden Eigene Melodie. Luc. 12, 20. 74⁵ un sich der O. Tag geendet hat Und keine Sonn mehr scheint, Schläft Alles, was sich abgematt't Und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, Du schläfst, noch schlummerst nicht; Die — Finsterniß ist dir verhaßt, Gott laß euch ruhig Weil du bist selbst das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich In dieser schwarzen Nacht Und schenke mir ganz gnädiglich Den Schirm von deiner Wacht! 4. Wend' ab des Sa⸗ tans Wütherei Durch deiner Engel Schaar, So bin ich aller Sorgen frei, Und bringt mir Nichts Gefahr. 5. Zwar fühl' ich wohl der Sünden Schuld, Die mich bei dir klagt an; Doch aber deines Sohnes Huld Hat g'nug für mich gethan. 6. Den setz' ich dir zum Bürgen ein, Wenn ich muß vors Gericht; Ich kann ja nicht verloren sein In solcher Zuversicht. 7. Drauf thu' ich meine Augen zu Und schlafe fröh⸗ lich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh': Wer wollte traurig sein? 8. Weicht, nichtige Ge⸗ danken, hin, Wo ihr habt euren Lauf! Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 9. Soll diese Nacht die letzte sein In diesem Jam⸗ merthal, So führ' mich, Herr, zum Himmel ein Zur auserwählten Schaar! 10. Und also leb' und Zebaoth! 616 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛc. sterb' ich dir, Du starker Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Noth. Dr. Johann Herzog, 1647—1699. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. Pf. 121, 5. 5 o fliehen 746. Dun Tage hin! Auch dieser ist nicht mehr. Die Nacht, der Müden Trösterin, Eilt wie⸗ der zu uns her. 2. Herr, du nur bleibest, wie du bist, Du schläfst und schlummerst nicht; Die Finsterniß, die uns um⸗ schließt, Ist deinem Auge Licht. 3. Dir übergeb' ich voll Vertraun Mich auch in die— ser Nacht, Und wofür sollte mir denn graun? Mich schützet deine Macht. 4. Hab' ich an deiner Gnade nur Noch Theil, o Herr, mein Gott, So fürcht' ich keine Creatur Und scheue nicht den Tod. 5. Zwar ich erkenne meine Schuld, Mit Reue fühl' ich sie; Doch, mein Versöhner, deine Huld, Wie trostvoll ist mir die! 6. Ich eil' im Glauben zu dir hin Und weiß, wie sicher ich Im Schatten deiner Flügel bin, Du wachest über mich. 7. Flieht, finstre Sor⸗ gen, weit von mir! Herr Jesu, du allein Sei mein Gedanke! Weihe dir Mein Herz zum Tempel ein. 8. Ist dies vielleicht die letzte Nacht In dieser Prü⸗ fungszeit, So führe mich durch deine Macht Zum Licht der Ewigkeit. 2. Ich lebe dir, ich sterbe dir, Dein bin ich auch im Tod! Du, mein Erretter, bist bei mir, Und hilfst aus aller Noth. Dr. Johann Herzog, 1647—1699. Eigene Melodie. Hiob 7, 6. 747— ist nun * abermal Von meiner Tage Zahl Ein Tag verstrichen. O wie mit schnellem Schritt Und unvermerktem Tritt Ist er entwichen! 2. Die Zeit, sie säumet nicht, Sie kehret ihr Gesicht Niemals zurücke, Ihr Fuß steht nimmer still; Drum wer sie nutzen will, Sich in sie schicke! 3. Was träumest du denn noch, Mein Geist? Erwecke doch Die trägen Sinnen, Um vor der schnellen Zeit Heil . nicht Licht Da laufe angef 5. Der mein Lauf messe 6. Huld duld meine verfle trübe V. keit, zeit 1 fröhl selig 8. Nac Acht Sei Wer brid Jo Me wachest E Sor⸗ Herr ei mein rMein n. eicht die r Prü⸗ e mich im Licht r, ich ich auch rretter, fst aus 699. st nun bermal Zahl O wie t Und Ist er säumet Gesicht Fuß Drum dich in t du Geist? trägen nellen E. Tageszeiten. C. Abend. 617 Zeit Für deine Ewigkeit Heil zu gewinnen. 4. Wie mancher Tag ist nicht Vor deiner Augen Licht Nun schon vergangen, Da du doch himmelan Zu laufen deine Bahn Kaum angefangen! 5. O Herr der Ewigkeit, Der du vor aller Zeit All' meine Tage Und ihren Lauf ohn' Rast Mir zuge⸗ messen hast, Hör', was ich sage: 6. Vergieb nach deiner Huld, Wie du bisher Ge⸗ duld An mir geübet, Da meine Sicherheit Dich in verfloßner Zeit So oft be⸗ trübet. 7. O gieb mir Freudig⸗ keit, Den Rest der Lebens⸗ zeit So anzuwenden, Daß ich den letzten Tag Einst fröhlich sehen mag, Und selig enden! 8. Hilf auch durch diese Nacht Und habe auf mich Acht, Sei mir zur Wonne; Sei meiner Seele Licht, Wenn mir das Licht ge— bricht, O Lebenssonne! Johann Anastasius Freylinghausen, 1670—1739. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Ps. 18, 3. 748. 1W. G lege, Mein Heiland, und erwäge, Was du an mir gethan, So preist dich mein Gemüthe, Und du, voll Gnad' und Güte, Nimmst auch des Nachts dich meiner an. 2. Dih gzehe nun zu Bette; Du weißt, was ich gern hätte: Im Traum dein heil'ges Bild, Im Schlafen deine Nähe; Und wenn ich dich nicht sehe, Sei doch mein Herz von dir erfüllt. 3. Schließ' diese Nacht mich Armen Aus ewigem Erbarmen In deine Obhut ein. Gieb, daß kein Feind mich schrecke; Dein Heil sei meine Decke, Dein Licht in Finsterniß mein Schein. M. Albert Knapp's Liederschatz, 1850. N Befiehl du deine Wege ꝛc. Ps. 43, 3. 5 49 Wen Licht — und Sonne scheiden, So sende meinem Geist Des höhern Lichtes Freuden, Das ihn zum Himmel weist. Hilf mir mein Heil besorgen, Ver⸗ ändre meinen Sinn Und schaffe, daß ich morgen In dir ermuntert bin. 2. Ich seh' das Licht verschwinden, Die trübe Nacht bricht ein; Ach, Herr, 618 XIX. Lieder für besondere Verhältnisse ꝛe. laß meine Sünden Auch mit verschwunden sein. Streich'sie aus deinem Buche, Das mich zum Schuldner macht, Und rette mich vom Fluche, Den ich mir selbst gebracht. 3. So lang' ich hier soll leben, So laß den festen Schluß Mir stets vor Au⸗ gen schweben, Daß ich einst scheiden muß. Doch kommt noch heut' mein Ende, Ist schon vollbracht mein Lauf, So nimm in deine Hände Den Geist, o Vater, auf! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. F. Wochenschluß. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Ps. 74, 16. 7⁰ 0 Se äst dier 00. Woche nun geschlossen, Doch, treuer Gott, dein Herze nicht! Wie sich dein Segensquell er⸗ gossen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich wei⸗ terhin ergießt Und unauf⸗ hörlich auf mich fließt. 2. Ich preise dich mit Hand und Munde, Ich lobe dich, so hoch ich kann; Ich rühme dich von Herzens-— grunde Für Alles, was du mir gethan, Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank ein süßer Weih⸗ rauch ist. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen Das liebe Kreuz auch mit besucht, So gabst du auch die Kraft zu tragen; Zudem, es ist voll Heil und Frucht Durch deine Lieb', o Herr, zu mir, Und darum dank' ich dir dafür! 4. Nur etwas bitt' ich über Alles: Ach, du ver⸗ sagst mir solches nicht! Ge⸗ denke keines Sündenfalles, Weil mich mein Jesus auf⸗ gericht't, Mein Jesus, der die Missethat Auf ewig schon gebüßet hat. 5. Dein Schwur ist ja noch nicht gebrochen, Du brichst ihn nicht in Ewig⸗ keit, Da du dem Sünder hast versprochen, Daß er, wenn ihm die Sünde leid, Nicht sterben, sondern gna⸗ denvoll Wie ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen Und will also den Wochenschluß Vergnügt und froh zurücke legen, Da mich der Trost ergötzen muß, Daß ich ja soll in Christo dein nung 6 zugen auch 1 Woch warte Da d stimm Himm 8. früh tag u blickt L206. ——— vor Au⸗ ich einst kommt nde, Ist in Lauf, e Hände „ auf! uch, 1829. zu mir, ich dir bitt' ich du ver⸗ ht! Ge⸗ enfalles, sus auf⸗ Ewig⸗ Sünder Daß er, ide leid, rn gna⸗ Herechter hält an vill also zergnügt gen, Da en muß, Christo XX. Die letz ten Dinge. 619 dein Und schon in Hoff⸗ nung selig sein. 7. Doch, da mein Leber zugenommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen Und warte nun der letzten Zeit, Da du die Stunde hast be⸗ stimmt, Die mich zu dir in'n Himmel nimmt. 8. Und wenn ich morgen früh aufs Neue Den Sonn⸗ tag wieder sehen kann, So Treue Mich auch mit neuen Gnaden an; Du theilst in deinem Wort und Haus Den allerbesten Segen aus. 9. So will ich das im voraus preisen, Was du mir künft'ge Woche giebst; Du wirst es in der That erweisen, Daß du mich je und immer liebst Und lei⸗ test mich nach deinem Rath, Bis Leid und Zeit ein Ende hat. M. Erdmann Neumeister, 1671—1756. II. Die letzten Dinge. A. Vorbereitung auf den Tod. blickk die Sonne deiner Mel. Herr, wie lange willst ꝛc. Jes. 40, 6—8. Jac. 4, 14. —751 A“ was ist * doch unsre Zeit? Flüchtigkeit, Nebel, Rauch und Wind und Schat⸗ ten! Menschen können nicht bestehn, Sie vergehn, Wie die Blumen auf den Mat⸗ ten. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 2. Menschen sind zer— brechlich Glas, Nichtig Gras, Blumen, die nicht lange stehen. Ach, wie bald wird ihre Kraft Hingerafft, Wenn die Todeslüfte wehen! Un⸗ ser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 3. Jugend, die den Ro⸗ sen gleicht, Die verbleicht; Ihre Schöne muß verschwin⸗ den. Es vergeht durch To⸗ desnacht Alle Pracht, Die wir an den Menschen fin⸗ den. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 4. Menschen sind der Zeiten Spiel Und ein Ziel, ————— 62⁰ XX. Die letzten Dinge. Drauf die Todespfeile flie— gen. Die wie schlanke Ce⸗ dern stehn, Groß und schön, Müssen durch den Tod er— liegen. Unser Leben fleucht behende: Nensch, bedenke doch das Ende! 5. Ach, der Tod ist dir gewiß, Drum vergiß Alles Eitle dieser Erden. Lenke dich zur Ewigkeit Jederzeit, Willst du jenseits selig wer⸗ den. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! 6. Schwinge dein Ge⸗ müth und Herz Himmel⸗ wärts, Wo nicht Tod, nicht Noth, nicht Leiden. Denk' an das, was ewig ist, Lie⸗ ber Christ, Soll dich einst der Himmel weiden. Unser Leben fleucht behende: Mensch, bedenke doch das Ende! Minden⸗Ravensberger Gesangbuch, 1864. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛc. 2. Cor. 5, S. 0 ch, wie freu' 752. A ich mich zu sterben, Wenn es meinem Gott gefällt! Denn es ist Nichts als Verderben In der elendvollen Welt. Unser Leben ist voll Leid, Voller Thränen unsre Zeit. O hat ew'ges Heil er⸗ e 2. Oefters sucht man ein Vergnügen Und trifft doch nur Jammer an; Was sich soll zur Freude fügen, Führt uns auf die Dornen⸗ bahn. Alle Lieb' und Treu ist todt, Und statt derer wird die Noth Alle Stun⸗ den neu geboren, Daß wir ganz zur Pein erkoren. 3. Lieber Gott, mach' es ein Ende, Wenn es gut und selig ist! Reiche mir die Vaterhände In der letz ten Todesfrist! Ach, wie wohl wird mir doch sein, Wenn ich werde schlafen ein! Doch, soll es noch län— ger währen, Wirst du, Herr, Geduld bescheren. Benjamin Schmolck, 1672—1737 Mel. Herzlich thut mich ꝛc. 1. Thefs. 5, 2—8. 2. Cor. 5, 10. 753.5.. 8 Bedenke deinen Tod; Der Tod kommt oft behende: Der heute frisch und roth, Kann morgen, und geschwin⸗ der, Hinweg gestorben sein; Drum bilde dir, o Sünder, Ein täglich Sterben ein. 2. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke das Gericht: wie selig, wer gestorben! Es müssen alle Stände Vor ——— Heil er⸗ man ein trifft doch Was sich e fügen, Dornen⸗ und Treu att derer le Stun⸗ Daß wir oren. mach' ez es gut eiche mir der letz Ich, wie doch sein, schlafen noch län— du, Herr, 572—1731. mich ꝛc. or. 5, 10. „Mensch, Ende, od; Der behende: nd roth, geschwin sen sein; Sünder, ein. sch, das Gericht: nde Vor A. Vorbereitung auf den Tod. 621 Jesu Angesicht; Kein Mensch ist ausgenommen, Hier muß ein jeder dran Und wird den Lohn bekommen, Nach dem er hat gethan. 3. Bedenke, Mensch, das Ende, Der Höllen Angst und Leid, Daß dich nicht Satan blende Mit seiner Eitelkeit. Hier ist ein kur⸗ zes Freuen, Dort aber ewig⸗ lich Ein kläglich Schmer⸗ zensschreien. Ach, Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke doch die Zeit, Daß dich ja Nichts abwende Von jener Herr⸗ lichkeit, Damit vor Gottes Throne Die Seele wird ge⸗ pflegt; Dort ist die Lebens⸗ krone Den Frommen beige— legt. 5. Herr, lehre mich be— denken Der Zeiten letzte Zeit, Daß, sich nach dir zu lenken, Mein Herz sei stets bereit; Laß mich den Tod betrachten Und deinen Richterstuhl, Laß mich auch nicht verachten Der Höllen Feuerpfuhl. 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten Auf meinen letzten Tag Mit Buße mich bereiten Und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gerichte Steh mir, o Jesu, bei, Daß ich im Himmels⸗ lichte Zu wohnen würdig sei. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Gott hab' ich Alles de. Röm. 14,§. 75 4 Deu sind wir,‚ * Gott, in Ewigkeit; In deiner Hand steht unsre Zeit. Der du gezählt des Hauptes Haar Hast, eh' ich war, Mir auch bestimmt mein Todesjahr. 2. Ist nun vollendet unsre Bahn, So nimm dich unser gnädig an. Hilf uns in unsrer letzten Noth, Herr, unser Gott! Ein sanfter Schlaf werd' uns der Tod! 3. Und macht ihn schwer der Krankheit Schmerz, So stärke das beklommne Herz; Halt' uns in deiner Vater⸗ hut, Gieb uns den Muth, Der ganz in deinem Willen ruht. 4. Geist Gottes, in uns wirke du Die sel'ge Hoff⸗ nung ew'ger Ruh', Damit in gläubigem Vertraun Und ohne Graun Wir in die Nacht des Todes schaun. 5. Zeig' uns die Herrlich⸗ keit des Herrn Und unsres Glaubens Lohn von fern; Laß uns, wenn wir zum 622 XX. Die letzten Dinge. Vater flehn, In Christo sehn, Wie der uns liebt, zu dem wir gehn. 6. Laß Gnad' ergehen dann für Recht! Denn von dem sterblichen Geschlecht Ist auch der Heiligste nicht rein. Wer kann je dein, Gott, ohne deine Gnade sein? 7. O sei mit deiner Gnad' uns nah', Ist unsre letzte Stunde da. Wenn unser Auge sterbend bricht, Leit' uns dein Licht: So fehlt uns Trost im Tode nicht. Dr. Johann Joachim Spalding, 1714—1804. Mel. Freu' dich sehr, o meine ꝛe. Matth. 6, 33. 755 Dhniet doch, ihr Men⸗ schenkinder, An den letzten Todestag! Denket doch, ihr frechen Sünder, An den letzten Stundenschlag! Heute ssind wir frisch und stark, Morgen füllen wir den Sarg, Und die Ehre, die wir haben, Wird zugleich mit uns begraben. 2. Und was hilft ein langes Leben Ohne Buß' und Besserung? Wer nicht will nach Tugend streben, Ach, der sterbe lieber jung! Unsre Bosheit nimmt nicht ab, Sondern mehrt sich bis zum Grab'; Frei von Sün⸗ den wird man nimmer Und die Welt fast täglich schlim⸗ mer. 3. Langes Leben, große Sünde; Große Sünde, schwe⸗ rer Tod; Lernet das an einem Kinde! Dem ist Sterben keine Noth. Selig, wer bei guter Zeit Sich auf seinen Tod be⸗ reit't Und, so oft die Glocke schläget, Seines Lebens Ziel erwäget! 4. Das Gewissen schläft im Leben, Doch im Tode wacht es auf; Da sieht man vor Augen schweben Seinen ganzen Lebenslauf; Aller Schätze Kostbarkeit Gäbe man zu jener Zeit, Wenn man nur geschehne Sachen Könnte ungeschehen machen. 5. Diese Welt geringe schätzen, Allen Sünden wi— derstehn, Nur im Glauben sich ergötzen, Willig Gottes Wege gehn; Wahre Lebens⸗ besserung, Stete Fleisches— züchtigung; Sich verleugnen und mit Freuden Schmach um Christi willen leiden: 6. Das sind Regeln für Gesunde, Da man Zeit und Kräfte hat; In der letzten Todesstunde Ist's gewöhn⸗ lich, ach, zu spat! Sterben ist kein leichtes Spiel! Wer im Herren sterben will, Der —— muß ben, leben — 1. buche schrel in de fluchtt Selig Eh' blickt auf selig 8 — Himi gerre Welt gerech die eure hier Und on Sün⸗ ner Und schlim⸗ , große , schwe⸗ un einem ben keine uter Zeit Tod be⸗ e Glocke ens Ziel schläst m Tode eht man Seinen Aller Gäbe Wenn Sachen machen. geringe den wi⸗ lauben Gottes Lebens⸗ eisches— eugnen chmach den: eln für eit und letzten ewöhn⸗ sterben Wer l, Der A. Vorbereitung auf den Tod. 623 muß ernstlich darnach stre⸗ ben, Wie er will im Herren leben. 7. In dem ganzen Bibel⸗ buche Kommt Nichts so er— schrecklich für, Als die Worte in dem Spruche:„Ihr Ver⸗ fluchten, weicht von mir!“ Selig, wer davor erschrickt, Eh' er noch den Tod er⸗ blickt; Wer mit Zittern hier auf Erden Schafft, einst selig dort zu werden! 8. Euer Wandel sei im N. Himmel, Da ist euer Bür⸗ gerrecht; Lebt in diesem Weltgetümmel Unbekannt, gerecht und schlecht; Flieht die Sündensklaverei, Machet eure Seele frei, Daß sie hier als Fremdling lebe Und sich dort zu Gott er⸗ hebe! M. Johann Hübner, 1668—1731. Mel. Von Gott will ich nicht ꝛc. Sir. 7, 40. 7 56 De letzte mei⸗ * ner Tage Ist mir vielleicht nicht fern; O, dann wird meine Klage Ein Lobgesang dem Herrn! Vollbracht ist ganz mein Lauf; Ich trete zu dem Throne Und Gott setzt mir die Krone Der Ueberwinder auf. 2. Für seines Reiches Erben Hat Jesus mich er⸗ klärt: Was fürcht' ich mich, zu sterben, Wie er mich ster⸗ ben lehrt? Mir ist der Tod Gewinn! Daß ich unsterb⸗ lich werde, Entschwing' ich mich der Erde, Ich, der ich Erde bin. 3. Nicht mich, nur meine Bürde, Verschließt die finstre Gruft. Mich hebt zu höh'⸗ rer Würde Mein Vater, der mich ruft. Er ruft mich durch den Tod; Der reißt die Sündenglieder, Den trägen Leib darnieder, Mich selbst führt er zu Gott. 4. Ich, der Gefahr ent⸗ ronnen, Geh' aus dem Kampf hervor; Hoch über alle Sonnen Hebt mich mein Glaub' empor: Da tret' ich in die Reihn Der Engel, meiner Brüder, In ihre hohen Lieder Stimm' ich, selbst Engel, ein. 5. Gott schaut von sei⸗ nem Throne Mit Huld auf mich herab, Dem er in sei⸗ nem Sohne Das Recht der Kindschaft gab. In seiner Ewigkeit Sind alle meine Freuden, Die Folgen mei⸗ ner Leiden, Ihm selber Seligkeit. ö 6. Die Leiber seiner Frommen Sind Saat, von Gott gesät. Die Freuden⸗ 624 XX. Die letzten Dinge. zeit wird kommen, Da reif die Ernte steht. Dann wird der Erntetag Ein neues, ew'ges Leben Auch meinem Staube geben, Der tief im Tode lag. 7. Mit dir steh' ich im Bunde, Herr, meines Lebens Fürst, Der du mir einst die Stunde Des Todes senden wirst. Erhalt' mich stets bereit Im Glauben deiner Frommen; Laß dann die Stunde kommen, Die mich und sie befreit. 8. Dann geh' ich, frei von Kummer, Des Todes dunkle Bahn; Mir bricht nach kurzem Schlummer Ein ew'ger Morgen an. Heil mir, er ist nicht fern, Der letzte meiner Tage! Er kommt, und meine Klage Wird Lobgesang dem Herrn! Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Weish. 2, 5. 757 Die Herrlich— 5 keit der Er⸗ den Muß Staub und Asche werden, Kein Fels, kein Erz bleibt stehn: Das, was uns hier ergötzet, Was man als ewig schätzet, Muß wie ein lichter Traum vergehn. 2. Was sind doch alle Sachen, Die uns so trotzig machen? Sie währen kurze Zeit. Was ist der Men⸗ schen Leben? Mit Pracht und Glanz umgeben, Ists doch nur Tand und CEitel⸗ keit. 3. Der Ruhm, nach dem wir trachten, Den wir un— sterblich achten, Ist nur ein falscher Wahn; Sobald der Geist gewichen Und unser Leib verblichen, Ist's um der Ehre Dienst gethan. 4. Es hilft nicht Kunst noch Wissen, Wir werden hingerissen, Der morgen, dieser heut'. Was hilft der Schlösser Menge? Wem hier die Welt zu enge, Dem wird ein enges Grab zu weit. 5. Was sind der Erde Thronen? Es können alle Kronen Vom Tode nicht befrein. Kann vor des Grabes Schrecken Der Pur⸗ pur auch bedecken, Das Scepter Sicherheit verleihn!? 6. Wir auf Jahre, Indessen wird die Bahre Vor unser Haus gebracht; Dann müssen wir von hinnen, Eh' wir uns noch besinnen, Und uns um⸗ fängt des Grabes Nacht. 7. Dies laßt uns wohl bedenken, Das Herz zum Himmel lenken, Wo Alles rechnen Jahr für u Berge Welt Anfa bist Und Zeit 2. schen sie s rufes Kom kinde komru Tag wie 31 Str. Tra man blül meh und wir Gre kom wir ren kurze der Men⸗ t Pracht en, Ists nd Eitel⸗ nach dem wir un⸗ nur ein bald der id unser 5 um der ht Kunst werden morgen, hilft der Wem ge, Dem Hrab zu er Erde ien alle de nicht zhor des der Pur⸗ „ Das Herleihn? Jahr na wird r Haus sen wir hir uns uns um⸗ kacht. 18s wohl rz zum Alles A. Vorbereitung auf den Tod. 62⁵ ewig steht. Wer dorthin will gelangen, Darf an der Welt nicht hangen, Weil sie mit ihrer Lust vergeht. M. Andreas Gryphius, 1616—1664. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß ꝛe. Pf. 90, 2. 758 Her, unsre * Zuflucht für und für! Eh' denn die Berge stunden, Eh' noch die Welt mit aller Zier Den Anfang hat gefunden, So bist du, Gott, von Ewigkeit Und wirst auch über alle Zeit In Ewigkeit verbleiben. 2. Du heiß'st die Men⸗ schen sterben gehn, Denn sie sind alle Sünder, Und rufest, wenn sie auferstehn: Kommt wieder, Menschen⸗ kinder! Ja, tausend Jahre kommen dir Als wie ein Tag von gestern für Und wie die Nacht vergangen. 3. Wir fahren wie ein Strom dahin Und wie ein Traum verschwindet; Wie man das Gras sieht heute blühn Und morgen nicht mehr findet, So welken wir und fallen ab, Der Tod wirft uns verdorrt ins Grab, Sobald der Abend kommen. 4. Dein Zorn macht, daß wir so vergehn, Dein Grimm macht uns zunichte, Denn unsre Missethaten stehn Vor deinem Angesichte. Drum fahren unsre Tage hin, Dein Zorn heißt unsre Jahre fliehn Gleichwie ein bloß Geschwätze. 5. Wenn unser Leben siebzig Jahr, Auch endlich achtzig währet, So ist's, wenn es am besten war, Mit Müh' und Angst be⸗ schweret; Es fährt dahin, als flögen wir; Wer aber fürchtet sich vor dir? Wer glaubt es, daß du zürnest? 6. Herr, lehr' uns denken an den Tod, Weil wir doch sterben müssen, Und gieb uns Klugheit in der Noth, Eh' wir die Augen schließen! Erfüll' den Armen ihr Be⸗ gehr Und kehr' doch wieder zu uns her, Sei deinen Knechten gnädig. 7. Erfüll' uns früh mit deiner Gnad', So wollen wir dich preisen Und lebens⸗ lang für solche That Dir Dank und Ruhm beweisen. Erfreu' uns wieder nach der Noth Und plag' uns nicht bis in den Tod, Weil wir so lange leiden. 8. Herr, zeige deinen Knechten hier Die Werke deiner Güte, So opfern unsre Kinder dir Ein dank⸗ ö 40 626 XX. Die letzten Dinge. bares Gemüthe! Herr, unser Gott, wir bitten dich: Sei freundlich, fördre gnädiglich Die Werke unsrer Hände! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Ps. 62, 9. err Gott, 759. H du kennest meine Tage, Du siehst, daß ich, dein schwaches Kind, Den Schatz in solchen Scha⸗ len trage, Die irdisch und zerbrechlich sind; Drum mache du mich allezeit Zum Sterben fertig und bereit. 2. Laß mich nach der Erkenntniß streben, Daß du mir hast mein Ziel bestimmt, Und daß mein ungewisses Leben Vielleicht gar bald ein Ende nimmt; Ja, lehre du mich diesen Schluß, Daß ich einmal von hinnen muß. 3. Hier hab' ich lebens—⸗ lang zu lernen, Mich von der Sünde abzuziehn, Mich von der Erde zu entfernen Und um den Himmel zu bemühn, Dieweil der Tod allein beweist, Was Chri⸗ stenthum und Glauben heißt. 4. Ich muß ja nach der Wohnung trachten, Allwo ich ewig bleiben kann, Drum lehr' mich auf den Himmel achten, Den seh' ich als mein eigen an; So wird mein Haus hier auf der Welt Und auch im Himmel wohl bestellt. 5. Mein Herz ist nur im Himmel droben, Denn da ist auch mein Schatz und Theil; Den hat mir Jesuz aufgehoben, Dort ist das mir versprochne Heil; Die Weltlust ist mir viel zu schlecht, Im mein Bürgerrecht. 6. Wohlan, so will ich täglich sterben, Ich lebe so, als lebt ich nicht, Und also kann ich nicht verderben, Wenn mir der Tod die Augen bricht; Mein Ende kommt mir süße für, Denn du, mein Jesu, lebst in mir. 7. Dein Bote kann mich nicht erschrecken; Die Welt erstaunt vor seinem Bild, Mir soll er lauter Lust er⸗ wecken, Weil du durch ihn mich holen willt: Wo man mit ihm Bekanntschaft hat, Da hat das Schrecken keine Statt. 8. So kommt, ihr ange⸗ nehmen Stunden! Komm, eile, mein Erlösungstag, Himmel is Da ich, von aller Noth ent bunden, bend dringen Zum Leben ster⸗ mag; Da —— Hand lobtes 2. ich mi Eige ster Und Gewi sterbe so g 7 lan En⸗ fan find' ich in des Höchsen Ele —— So wird auf der 1 Himmel t nur im Denn da hatz und ur Jesuz ist das heil; Di viel zu nmel ist will ith lebe so, Und also erderben, Tod die in Ende r, Denn lebst in unn mich Die Welt m Bild, Lust Er⸗ ö Hzurch ihn Wo man haft hat, ken keine hr ange⸗ Komm, ungstag, koth ent⸗ zen ster⸗ 9. Höchsen A. Vorbereitung auf den Tod. 627⁷ Hand Mein Eden und ge⸗ lobtes Land. 9. Doch, Herr, dir will ich mich ergeben, Dir, dessen Eigenthum ich bin, Du lieb⸗ ster Jesu, bist mein Leben Und Sterben bleibet mein Gewinn; Ich lebe dir, ich sterbe dir; Bist du nur mein, so g'nüget mir. 10. Willst du mich län⸗ ger leben lassen, So geb' ich mich geduldig drein, Und soll ich heute noch erblassen, So wird dein Schluß mein Wille sein. Wer deinen Rath erkennt und ehrt, Der ist zum Himmelreich gelehrt. 11. Laß dich, mich und die Welt erkennen: Dich, daß du mir mein Alles bist, Mich, daß ich Staub und Nichts zu nennen, Die Welt, daß sie mein Kerker ist; Wer dich, sich und die Welt erkennt, Der macht ein richtig Testament. Ludwig Rudolph von Senfft zu Pilsach, 1681—1718. Eigene Melodie. Jonas 4, 3. 760 erzlich thut mich ver— langen, Nach einem sel'gen End', Weil ich hier bin um⸗ fangen Mit Trübsal und Elend; Ich hab' Lust, abzu⸗ scheiden Von dieser argen Welt, Sehn mich nach ew'⸗ gen Freuden: O Jesu, komm nur bald! 2. Du hast mich ja er⸗ löset Von Sünd', Tod, Teufel, Höll'; Es hat dein Blut gekostet: Drauf ich mein' Hoffnung stell'. Warum sollt' mir denn grauen Vor Teufel, Tod und Sünd'? Weil ich auf dich kann bauen, Bin ich ein selig Kind. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, Der Tod sehr bitter mir, Will ich mich doch ergeben, Zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, Da meine Seel' fährt hin, Deß freu' ich mich gar eben: Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch soll er⸗ weckt er werden Durch Christum schön verklärt, Wird leuchten als die Sonne Und leben ohne Noth In Himmelsfreud' und Wonne: Was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, Zu bleiben län⸗ ger hier, Und mir auch immer zeiget Ehr', Geld, Gut, all' ihr' Zier, Doch ich das gar nicht achte, Es 40* 628 XX. Die letzten Dinge. währt ein' kleine Zeit: Das Himmlisch' ich betrachte, Das bleibt in Ewigkeit. 6. Wenn ich auch gleich nun scheide Von meinen Freunden gut, Das mir und ihn'n bringt Leide; Doch tröstet meinen Muth, Daß wir in größern Freuden Zu⸗ sammen werden komm'n Und Nichts mehr uns wird schei⸗ den Vor Gottes Himmels⸗ thron. 7. Ob ich auch hinter⸗ lasse Betrübte Waiselein, Der'n Noth mich über Maße Jammert im Herzen mein, Will ich doch gerne sterben Und trauen meinem Gott; Er wird sie wohl versorgen, Und retten aus der Noth. 8. Was thut ihr so sehr zagen, Ihr armen Waise⸗ lein? Sollt' euch Gott Hilf' versagen, Der speist die Ra⸗ ben klein? Frommer Witt⸗ wen und Waisen Ist er der Vater treu: Trotz dem, der sie beleidet! Das gläubt ohn' alle Scheu. 9. Gesegn' euch Gott der Herre, Ihr Vielgeliebten mein! Trauert nicht allzu sehre Ueber den Abschied mein; Beständig bleibt im Glauben, Wir werd'n in kurzer Zeit Einander wieder schauen Dort in der Ewigkeit. 10. Nun will ich mich ganz wenden Zu dir, Herr Christ, allein: Gieb mir ein selig Ende, Send' mir die Engel dein; Führ' mich ins ew'ge Leben, Das du erwor⸗ ben hast Durch dein Leiden und Sterben Und blutiges Verdienst! 11. Hilf, daß ich gar nicht wanke Von dir, Herr Jesu Christ, Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist; Hilf ritterlich mir ringen, Dein' Hand mich halt' mit Macht, Daß ich nag fröhlich singen: Gott Lob, es ist vollbracht! M. Christoph Knoll, 1563—1621. Mel. Meinen Jesum lass' ich ꝛc. Sir. 37, 28. 761 Hr ist nur 2 0 mein Prü⸗ fungsstand, Hier ist nicht mein bleibend Erbe. Dort, dort ist mein Vaterland; Das erreich' ich, wenn ich sterbe. Dann bring' ich dir, Herr, mein Gott, Preis und Dank für meinen Tod. 2. Gottes Stadt, die droben ist, Wo der Unsicht⸗ bare wohnet, Wo mein Mitt⸗ ler, Jesus Christ, Die Voll— endeten belohnet: Gottes⸗ stadt, nie denk' ich dein, Ohn' freun! 9 mich des F Heila Stätt deiner meine 4. nem 8 du 1 ich n Werd empfe harrt aller 5. dann kann Hinte Vor freud Tage Wanr ich mich „ Herr mir ein mir die nich ins erwor⸗ Leiden blutiges ich gar „ Herr wachen mir zu itterlich nd mich Daß ich Gott t! 3—1621. ssr ich ꝛe ist nur in Prü⸗ t nicht Dort, erland; nn ich ich dir, eis und d. „Lie Unsicht⸗ n Mitt⸗ e Voll⸗ Gottes⸗ deim, A. Vorbereitung auf den Tod. 629 Ohn' in Hoffnung mich zu freun! 3. Er, dein König, der mich hier Auf der Bahn des Friedens leitet, Er, mein Heiland, hat in dir Eine Stätte mir bereitet, Und an deiner Bürger Heil Hat auch meine Seele Theil. 4. Oft bet' ich zu mei⸗ nem Herrn: Ach, wann stillst du mein Verlangen? Bin ich noch vom Ziele fern? Werd' ich bald die Kron' empfangen? Auf die Stunde harrt mein Geist, Die mich aller Noth entreißt. 5. O wie wohl wird dann mir sein, Wenn ich kann von hinnen scheiden, Hinter mir der Erde Pein, Vor mir sel'ge Himmels⸗ freuden! Nach des schwülen Tages Last Sucht der Wandrer Ruh' und Rast. 6. Nur die Kinder dieser Welt Muß der Ruf zum Tod erschüttern. Wer an Gott sich gläubig hält, Darf nicht bange sein und zittern. Eins mit Christo fürcht' ich Nichts An dem Tage des Gerichts. 7. Daß ich diese Freu⸗ digkeit Bis an meinen Tod empfinde, Mache siegreich mich im Streit, Jesu, gegen Welt und Sünde! Stärke mich in meinem Lauf, Und am Ziele nimm mich auf! Dr. Balthasar Münter, 1735—1793. Eigene Melodie. Hiob 14, 5. 7 6 2 bin ja, 3³⁰ err, in deiner Macht: Du hast mich an das Licht gebracht, Du unterhältst mir auch das Leben, Du kennest meiner Monden Zahl, Weißt, wann ich diesem Jammerthal Auch wieder gute Nacht muß geben; Wo, wie und wann ich sterben soll, Das weißt du, Vater, mehr als wohl. 2. Wen hab' ich nun als dich allein, Der mir in meiner letzten Pein Mit Trost und Rath weiß bei⸗ zuspringen? Wer nimmt sich meiner Seele an, Wenn nun mein Leben Nichts mehr kann Und ich muß mit dem Tode ringen, Wenn aller Sinnen Kraft gebricht: Thust du es, Gott, mein Heiland, nicht? 3. Mich dünkt, da lieg' ich schon vor mir In großer Hitz', ohn' Kraft und Zier, Mit höchster Herzensangst befallen. Gehör und Rede nehmen ab, Die Augen wer⸗ den wie ein Grab, Doch kränkt die Sünde mich vor 63⁰ XX. Die letzten Dinge. Allen: Des Satans Anklag' hat nicht Ruh', Setzt mir auch mit Versuchung zu 4. Ich höre der Posau⸗ nen Ton Und sehe den Ge⸗ richtstag schon, Der mir auch wird ein Urtheil fällen. Hier weiset mein Gewissens⸗ buch, Dort aber des Gesetzes Fluch Mich Sündenkind hin⸗ ab zur Höllen, Da wo man ewig, ewig leid't, Ach, Jam⸗ mer, Angst und Wehe schreit. 5. Kein Geld noch Gut e mich, erbeut ein Bruder sich, Den andern hier erst los zu machen; Er muß es ewig lassen stehn, Wir werden ewig nicht ent⸗ gehn, Faßt einmal uns der Höllen Rachen. Wer hilft mir Sa in 1 Noth, Wo du nicht, Gott, des To⸗ des Tod? 6. Der Teufel hat nicht Macht an mir: Ich habe bloß gesündigt dir, Dir, der du Missethat vergiebest. Was maßt sich Satan dessen an, Der kein Gesetz mir geben kann, Nichts hat an dem, was du, Herr, liebest? Er nehme das, was sein ist, Herren bin. 7. Herr Jesu, ich, dein theures Gut, Bezeug' es selbst mit deinem Blut, Daß ich Laub: 8 ö Laub; hin! Ich weiß, daß ich des der Sünde nicht gehöre. Was schont denn Satan meiner nicht Und schreckt mich durch das Zorngericht' Komm, rette deines Leidens Ehre! Was giebest du mich fremder Hand, Und hast so viel an mich gewandt? 8. Nein, nein, ich weiß gewiß, mein Heil, Du lässest mich, dein wahres Theil, Zu tief in deinen Wunden sitzen: Hier lach' ich aller Macht und Noth, Es mag Gesetz, Höll' oder Tod Auf mich her donnern oder blitzen. Dieweil ich lebte, war ich dein: Jetzt kann ich keines Andern sein. M. Simon Dach, 1605—1659. Mel. Christus, der ist mein ꝛe. Matth. 14, 28. 163. J5 blick' in jene Höhe, Wohin mich Jesus ruft; Das Land, worauf ich stehe, Ist Nichts, als meine Gruft. 2. Die Welt, in der ich lebe, Giebt mir nur dürres Und was ich ihr einst gebe, Mein Leib, ist auch nur Staub. 3. Drum, Heiland, ach, ich bitte, Entreiße bald mich ihr! Mein Geist, von seiner verrüg nicht! 5. Sonn mel s ander selet Hrebe dir,‚ Liebe mit n 09 auf deine gehöre. Satan schreckt ngerichte Leidens du mich hast so dt? ich weiß Nu lässest CTheil, Wunden ich aller Es mag od Auf r blitzen. war ich h keines 5—1659. mein ꝛce. blick in ne Höhe, 5ruft; ich stehe, meine der ich dürres ich ihr eib, ist nd, ach, ald mich n seiner A. Vorbereitung auf den Tod. 631 — Hütte Gedrückt, sehnt nach dir. 4. Du bist's, auf den ich blicke, O du, mein ew'⸗ ges Licht! Der Erde Reiz verrücke Mir diese Aussicht nicht! 5. Nur du bist meine Sonne, Die mir am Him⸗ mel scheint! Such' ich wo anders Wonne, So bin ich selbst mein Feind. 6. Ach, wenn ich hängen bliebe An Freuden außer dir, Getrennt von deiner Liebe: Wie traurig ständ's mit mir! 7. Willst du, so mag auf Erden Mein Weg wie deiner sein, Voll Leiden und Beschwerden: Genug, wenn du bist mein. 8. Du bringst mir im Gedränge, In tiefer Dunkel⸗ heit, Bei heißer Thränen Menge Kraft, Licht und Schutz im Streit. 9. Du bleibst mir stets zur Seite, Befreist mich von der Welt, Du bleibst in jedem Streite Mein Sieger, der mich hält. 10. In Allem überwin⸗ den, Ist deiner Freunde Pflicht; Denn du, um uns zu finden, Flohst Kreuz und Marter nicht. 11. So denk' ich, leb' sich und glaube, Bis ich vollen⸗ det bin; Dann führst du mich vom Staube Zu deiner Ruhe hin! Johann Gottfried Schöner, 1749—1818. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. Phil. 2, 12. 764 3* geh', ich * sitz, und was ich thu', So ruft mir diese Stimme zu: O Mensch, denk an dein Sterben! Drum, meine Seele, sei be⸗ reit Und schick dich zur Buß⸗ fertigkeit, Willst du den Himmel erben! Schaust du gleich jetzt des Tages Licht, Wer weiß, stirbst du vor Abend nicht? 2. Wirf Alles hin, was dieser Welt Und ihren Freun⸗ den wohlgefällt, Und trachte nach dem Himmel, Da lau⸗ ter Wonne, lauter Lust Dich labt an deines Jesu Brust Nach dieser Welt Getüm⸗ mel. Erwähle das, was ewig steht Und ewig nicht zu Grunde geht! 3. O Jesu, du, des To⸗ des Tod, Laß mich in mei⸗ ner letzten Noth Nicht sinken, noch verderben! Nimm selbst dich meiner Seelen an, Daß auch der Leib mit Ruhe kann Auf dein Verdienst ab⸗ 632 XX. Die letzten Dinge. sterben! Hüll' mich in dein Erbarmen ein, So kann ich nicht verloren sein! M. Albert Knapp's Liederschatz, 1887. Mel. Wer weiß, wie nahe ꝛc. Röm. 14, 8. 765 J* sterbe täg⸗ 2 lich, und mein Leben Eilt immerfort zum Grabe hin: Wer kann mir einen Bürgen geben, Ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her: Ach, wer nur immer fertig wär'! 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, Ist immer reif zu Sarg und Grab; Der Apfel, der den Wurm schon heget, Fällt endlich unversehens ab. Der alte Bund schließt Keinen aus, Mein Leib ist auch ein Todtenhaus. 3. Es schickt der Tod nicht immer Boten, Er kom⸗ met oft unangemeld't Und fordert uns ins Land der Todten: Wohl dem, der Haus und Herz bestellt! Denn ewig Weh' und ewig Glück Hängt nur an einem Augenblick. 4. Herr aller Herren, Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand; Wie lange du mir Frist gegeben, Das ist und bleibt mir un⸗ bekannt: Hilf, daß ich jeden Seigerschlag An meinen Ah- schied denken mag! 5. Es kann vor Abend anders werden, Als es am Morgen mit mir war; Den einen Fuß hab' ich auf Er— den, Den andern auf der Todtenbahr'; Ein kleiner Schritt ist nur dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. 6. Ein einz'ger Schlag kann Alles enden, Fall und Tod beisammen sein; Doch schlage nur mit Vaterhänden Und schließ' in Christi Tod mich ein, Daß, wenn der Leib zu Boden fällt, Die Seel' an Jesu Kreuz sich hält. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wenn Auge, Mund und Ohr sich schleußt; Drum bet' ich bei gesunden Tagen: Herr, ich befehl' dir meinen Geist! Verschließen meine Lippen sich, So schreie Jesu Blut für mich. Wenn 8. Kann ich die Meinen nicht mehr segnen, So segne du sie mehr als ich; Wenn lauter Thränen um mich regnen, O Tröster, so er⸗ barme dich Und lasse der Verlaßnen Schrein Durch deinen Tod erhörlich sein. ——— mir un⸗ ich jeden inen Ab⸗ r Abend es am ur; Den auf Er⸗ auf der kleiner n, Wo eise bin. Schlag Wenn sammen nur mit schließ ich ein, Leib zu deel' an nn ich sagen, id und Drum Tagen: meinen meine eie Jesu Meinen A. Vorbereitung auf den Tod. 633 9. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, So schließe mir den Himmel auf; Verkürze mir des To⸗ des Schmerzen Und hole mich zu dir hinauf: So wird mein Abschied keine Pein, Zwar eilig, dennoch selig sein. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Wer weiß, wie nahe ꝛc. 1. Joh. 3, 14. Ich weiß, es 766. 4 wird mein Ende kommen; Doch weiß ich nicht, wo, wann und wie? Vielleicht werd' ich der Welt ntnommen Heut' Abend oder morgen früh; Vielleicht ist auch mein Ziel bestimmt, Eh' diese Stund' ein Ende nimmt. 2. Dies Alles kann mich nicht betrüben; Ich sorge nicht für meine Zeit; Sie ist in Christi Hand geschrie⸗ ben, Der führet mich zur Seligkeit. Wenn ich, was sterblich, abgethan, Zieh' ich, was unverweslich, an. 3. Ich weiß aus Gottes theurem Worte, Daß mir der Tod nicht ist ein Tod; Er ist mir eine Himmels⸗ pforte, Ein Ziel und Ende meiner Noth, Ein sanfter Abend, der mich kühlt, Wenn ich des Tages Last gefühlt. 4. Drum wart' ich auch mit Herzverlangen, Bis mich der Tod der Welt entrückt; Mit Freuden will ich ihn em⸗ pfangen, Weil Jesus diesen Boten schickt, Der mir den Weg zum Himmel weist Und in die Heimath bringt den Geist. 5. Laß nur, Herr Jesu, meine Seele Im wahren Glauben treulich stehn, Wenn sie nach deines Worts Befehle Aus dieser armen Welt soll gehn; Ach, mache stets mein Herz bereit Zur Reise nach der Ewigkeit! 6. Herr Jesu, laß mich täglich sterben! Steh mir im letzten Kampfe bei, Da⸗ mit der Tod mir kein Ver⸗ derben, Nein, nur des Le⸗ bens Anfang sei; So scheide ich fröhlich von der Welt, Wie, wo und wann es dir gefällt. Salomon Frank, 1669—1725. Mel Wer weiß, wie uahe ꝛc. Sir. 7, 40. Hebr. 9, 27. 7 Jetzt leb' ich; ob 7 6 0 + ich morgen lebe, Ob diesen Abend, weiß ich nicht; O Herr, dem ich mein Herz ergebe, Lehr' du mich selbst die große Pflicht, 63⁴ XX. Die letzten Dinge. Durch deines heil'gen Geistes Kraft Stets fertig sein zur Rechenschaft. 2. Die Blume, die am Morgen stehet, Fällt vor der Abenddämm'rung ab; Die Luft, die jetzt mich an⸗ gewehet, Stürzt mich viel⸗ leicht ins nahe Grab; Der Jüngling, eh' er sich's ver⸗ sieht, Stirbt, und ist noch nicht aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel, Hier ist der Kampf, dort ist die Ruh'; Dein Wandel, Seele, sei im Himmel, Dann eilest du dem Leben zu! Nach einer kur⸗ zen Prüfungszeit Ist Ewig⸗ keit, ist Ewigkeit! ö 4. Verschiebe niemals deine Pflichten, Was jetzt zu thun, du schuldig bist, Denk' nicht, erst morgen aus⸗ zurichten; Wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein, Der künft'ge wird's vielleicht nicht sein! 5. Noch eh' ich diesen Tag vollende, Ergreift viel— leicht mich schon der Tod; Drum lehr' mich denken, Herr, ans Ende, An meine letzte Todesnoth; O laß, stellt sie sich plötzlich ein, Laß Oel in meiner Lampe sein! 6. Es sei, o Vater mei⸗ nes Lebens, Wann einst die letzte Stunde schlägt, Der schwache Seufzer nicht ver⸗ gebens, Der sich in meinem Herzen regt. Und sterb' ich einen schnellen Tod, Sei mir barmherzig, Herr, mein Gott! Theodor Gottlieb von Hippel, 1741—1796. Mel. Christus, der ist mein ꝛe. 1. Cor. 15, 55. 768. Ml zagen, Ein Tag des Lichtes naht. Nach Dämm'rung wird es tagen, Zur Heimath führt der Pfad. 2. Mag auch die Liebe weinen, Es kommt ein Tag des Herrn. Nach dunkler Nacht erscheinen Wird ihr der Morgenstern. 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, Mag jauchzen Grab und Tod, Die Schlum— mernden wird wecken Ein ewig Morgenroth. Dr. Friedrich Adolph Krummacher, 1768—1845. Mel. Es ist genug! So nimm ꝛc. Luc. 24, 29. 769. M. u Noch leuchtet mir der Tag, . gen An 1 Bald Niem für d zum Mich stärke X 2. Der heiß, Es Stirr Erme will zum Aben —— ter mei⸗ inst die t, Der ht ver⸗ meinem erb' ich „ Sei r, mein ippel, mein ꝛe. luch der Glaube Lichtes m˖rung eimath Liebe n Tag dUnkler rd ihr auch uchzen chlum⸗ n Ein nacher, mm ꝛc. Abend ommt! Tag, A. Vorbereitun g auf den Tod. 635 An dem ich wirken kann; Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Bald bricht die Nacht, Da Niemand wirken mag, Still für die Müden an. Es soll zum Fleiß in guten Werken Mich der Gedanke mächtig stärken: Mein Abend kommt! 2. Mein Abend kommt! Der Tag ist schwül und heiß, Da ich beschweret bin. Es stöhnt die Brust, Die Stirne trieft von Schweiß, Ermattet sink' ich hin. Doch will ich still die Last ertra⸗ gaeen Und, drückt sie mich 8 V. zum Trost mir sagen: Mein Abend kommt! 3. Mein Abend kommt! Im ernsten Kampf der Pflicht Ring' ich vergebens oft; Ist's ganz umsonst? Täuscht mich die Zuversicht, Die auf Ver⸗ gütung hofft? Geduld! noch is's nicht Zeit zum Lohne; Erst kämpf', und dann em⸗ pfang' die Krone: Mein Abend kommt! 4. Der Abend kommt! Erwünschte Feierzeit, Die endlich Ruhe bringt! Sei mir gegrüßt, O Grab; ich zage nicht, Wenn heut' der Tod mir winkt. Es glüht mir ja im Abendrothe Des holdern Morgens holder Bote! Mein Abend kommt! Dr. August Ludwig Christian Heydenreich, geb. 1773. 2. Tim. 2, 11. 770 Men Lebens⸗ * zeit ver⸗ streicht, Stündlich eil' ich zu dem Grabe; Und wie wenig ist's vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Denk', o Mensch, an deinen Tod! Säume nicht, denn Eins ist noth. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben: Nichts wird dich im Tod erfreun, Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, Nur ein ruhi⸗ ges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugniß giebt, Wird dir deinen Tod versüßen; Die⸗ ses Herz, von Gott erneut, Ist des Todes Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letz⸗ Noth Freunde hilflos um dich beben, Dann wird über Welt und Tod Dich dies reine Herz erheben; Dann erschreckt dich kein Gericht, Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott und bet' und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst, Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern 636 XVLS. Die letzten Dinge. nicht nur den Tod nicht scheun, Lern' auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind' ihn durch Vertraun, Sprich: Ich weiß, an wen ich gläube, Und ich weiß, ich werd' ihn schaun Einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief:„Es ist vollbracht!“ Nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst beden⸗ ken, Lehre du mich's jeden Tag, Daß ich weiser werden mag! M. Christian 151769 Gellert, 1715—176 Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Ps. 31, 6. Nein Gott, 771. M ich weiß wohl, daß ich sterbe: Ich bin ein Mensch, der bald vergeht, Und finde hier kein solches Erbe, Das ewig in der Welt besteht. Drum zeige mir in Gnaden an, Wie ich recht selig sterben kann. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe: Kein Augenblick geht sicher hin; Wie bald zerbricht doch eine Scherbe! Die Blume kann gar leicht verblühn. Drum mache mich nur stets bereit Hier in der Zeit zur Ewigkeit. 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, Die⸗ weil der Tod viel' Wege hält: Dem Einen wird das Scheiden herbe, Wenn sonst ein Andrer sanfte fällt. Doch wie du willst! Gieb, daß dabei Mein End' in dir nur selig sei. 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe Und welcher Sand mein Grab bedeckt; Doch wenn ich die— ses nur erwerbe, Daß deine Hand mich auferweckt, So nehm' ich 2318 ein Räum⸗ lein ein: Die Erd' ist allenthalben dein. 5. Nun, liebster Gott, wenn ich ja sterbe, So nimm du meinen Geist zu dir, Den ich mit Christi Blute färbe, Und hab' ich den im Grabe hier, So gilt mir's gleich und geht mir wohl, Wann, wo und wie ich sterben soll. Benjamin Schmolck, 1672—1787. Mel. Alle——— müssen ꝛe. Ps. 35, 70 7 2. T 0 der Erde! Gott mehrt Weder ö ——— me kann Drum ts bereit Ewigkeit. ich weiß be,‚ Die⸗ l' Wege vird das nn sonst efäll. Gieb, End' in ich weiß be Und nGrab ich die— aß deine ckt, So Räum⸗ rd' ist Gott, , Og geist zu Christi hab' ich , So id geht vo und —1737. üssen ꝛe. bin ich Gast meiner — A. Vorbereitung auf den Tod. 637 Tage Zahl. Daß ich reif um Himmel werde, Prüft er mich, läßt mir die Wahl, Böses oder Gut's zu wählen. Doch werd' ich viel' Jahre zählen? Oder ruft ein naher Tod Mich zu banger Ster⸗ bensnoth? 2. Herr, du weißt's! Du hast die Tage Meines Lebenslaufs gezählt; Ihre Freuden, ihre Plage Sah dein Auge, das nie fehlt, Früher noch, als du auf Erden Mich ließ'st einen Pilger werden; Da schon schriebst du meinen Tod Auf dein Buch, allweiser Gott. 3. Einst, wenn es dein Wille fordert, Wird mein äußrer Mensch zu Staub, Und das Feu'r, das in mir lodert, Wird des kalten Todes Raub. So wie Frühlingsblumen welken, Wird mein Leben auch ver⸗ welken. Kraft und Odem nehmen ab, Und den Leich⸗ nam nimmt das Grab. 4. Nimm ihn hin zu deinem Staube, Grab, ver⸗ wandle ihn in Erd'! Den⸗ noch triumphirt mein Glaube, Denn mein Leib wird einst verklärt. Des verwesten Körpers Trümmer Bleiben wahrlich nicht auf immer Der Vermod'rung schnöder Raub, Neu beseelt wird einst mein Staub. 5. Durch dein Allmachts⸗ wort: Es werde! Rufst du, Herr, in mein Gebein Neues Leben; nicht mehr Erde Werd' ich, dein Verklärter, sein. Zu den himmlischen Geschäften Schmückst du mich mit neuen Kräften Und von Schmerz und Sterblich⸗ keit Werd' ich ewig dann befreit. 6. Hör', o Seele, einst mit Freuden Jenen Ruf: Das Grab ist da! Denn das Ende deiner Leiden Ist mit ihm zugleich dir nah'. Der, der deinen Tod be⸗ zwungen, Hat das Leben dir errungen, Durch den Weg der Sterblichkeit Führt er dich zur Ewigkeit. 7. Stärke mich auf diese Stunde, Jesu, der du für mich starbst, Und an Gottes Gnadenbunde Ewig Antheil mir erwarbst. Laß mich Tod und Grab nicht scheuen, Laß mich vielmehr darauf freuen; Denn nach treu vollbrachtem Lauf Nimmst du mich zum Him⸗ mel auf. Anhang des alten Görlitzer Gesangbuchs, 1794. 638 XX. Die letzten Dinge. Mel. Herzlich thut mich ꝛc. Luc. 12, 36. . * gedenk' ans Ende, Willst du nicht Uebles thun, Der Tod bringt oft behende Das allerletzte Nun; An einem Augenblicke Hängt ewig Wohl und Weh', Drum denke wohl zurücke, Wohin dein Ende geh. 2. O Mensch, gedenk' ans Ende, Wer weiß, nicht noch heut' Der Tod sich zu dir wende? Drum mache dich bereit, Wenn du sollst Rechnung geben Von dem, was du gethan, Damit dein eigen Leben Dich nicht verklagen kann. 3. O Mensch, gedenl ans Ende, Stirb stets den Sünden ab, Gieb dich in Gottes Hände Und fürchte nicht das Grab. Sei fertig alle Stunden, Halt' dich an Christi Blut; Stirbst du in Jesu Wunden, So ist dein Ende gut. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Meel. Ich hab' mein' Sach' Gott ꝛc. Jes. 38, 1. 774. selig, wer das Heil erwirbt, Daß er im Herrn, in Christo, stirbt! O selig, wer, vom Laufe matt, Die Gottesstadt, Die droben is, gefunden hat! 2. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und Eins ist noth! Die Welt beut ihre Güter feil, Denk an dein Heil, Und wähl' in Gott das beste Theil. 3. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, du mit. mit Lust und Schmerz, Schau' himmelwärts! Da, wo dein Schatz ist, sei dein Herz. 4. Mit Gott bestell' dein Haus bei Zeit, Eh' dich der Tod an Todte reiht. Sie rufen: Gestern war's an mir, Heut' ist's an dir. Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 5. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett' in Sarg und Grab. Wann, wie und wo, ist Gott Schlag' an die Brust, Du mußt von dannen, Mensch, du mußt. 6. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, Da blüht zu schön kein Morgenroth, Im Finstern Nichts nimmst Die Welt vergeht bewußt. ——— att, Die oben ist, Mensch, du such ist noth! e Güter in Heil, ott das du bis Nichts nimmst vergeht Sschmerz 5! Da, sei dein ell' dein dich der t. Sie an mir, Hier ist Bleiben enmahl 5 Wieg' g und und dewußt. st, Du Nensch, Sitz zu Haupt warm, 1 kein instern A. Vorbereitung auf den Tod. 639 droht Der Tod, und überall der Tod. 7. Ach banges Herz im Leichenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Gräbernacht Das Leben hat ans Licht gebracht. 8. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr: Wer an mich glaubt, stirbt nimmer⸗ mehr. Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 9. Wohl dem, der sich mit ihm vertraut, Schon hier die ew'gen Hütten baut. Er sieht das Kleinod in der Fern' Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft sei⸗ nes Herrn. Dr. Christian Friedrich Heinrich Sachse, geb. 1785. Mel. Was Gott thut, das ist ꝛce. Apostelgesch. 7, 55. 775 treuer Jesu, der du bist Mein Hirte, Trost und Leben, Mein bester Freund zu jeder Frist, Dem ich mich ganz ergeben: Ich bitte dich Ganz inniglich, Laß mich doch nicht verderben, Wenn kommt die Zeit zu sterben! Trost und Leben, 2. Steh mir am letzten Ende bei Und hilf mir überwinden, Mach' mich von meinen Schulden frei, Und sprich mich los von Sünden; In aller Noth Sei mir dein Tod Und unverschuld'⸗ tes Leiden Ein Anblick großer Freuden. 3. Erscheine mir zur selben Zeit Mit deinen offnen Wunden, Die du, daß ich soll sein befreit, Aus lauter Lieb' empfunden; Dein theu⸗ res Blut Komm mir zu Gut', Und labe meine Seele In ihrer matten Höhle. 4. Und wenn ich nicht mehr sprechen kann, Noch meinen Mund bewegen, So nimm die schwachen Seufzer an, Die sich im Herzen regen. Laß für und für Gar süß in mir Den Namen Jesus schallen, Wenn mir's Gehör entfallen. 5. Daneben bitt' ich, treuer Gott, Du woll'st mich ganz umfassen Und ja nicht in derselben Noth Aus dei⸗ nen Armen lassen. Ach, möcht' ich doch Auch heute noch Die theure Gunst er⸗ erben, In deinem Schooß zu sterben! 6. Ei nun, so komm zu deinem Lamm, Mein Hirte, Mein 64⁰ XX. Die letzten Dinge. bester Freund und Bräuti⸗ gam, Dem ich mich ganz ergeben, Komm bald zu mir, Nimm mich zu dir Aus diesem Meer der Lei⸗ den Ins Reich der ew'gen Freuden! Dr. Johann Scheffler, 1624—1677. —— Mel. Alle Menschen müssen ꝛc. Ps. I, 20. 776. Cibn, Tr im Grabe Danken wir, Herr Jesu Christ, Deinem Heile, das die Gabe Uner⸗ hörter Liebe ist. Von dem Himmel stiegst du nieder, Sahst das Elend deiner Brüder, Ihre Knechtschaft, ihren Schmerz; Dir, Erbar⸗ mer, brach das Herz. 2. Rath für sie hast du erfunden, Licht in ihrer Dunkelheit, Ueberwunden, überwunden Sündennoth und Sterblichkeit; Hast voran den Kampf durch— stritten, Alles bis zum Tod gelitten Und— dich auf den Thron gesetzt, Lebst, regierst und segnest jetzt. 3. Treulich nimmst du dich auf Erden Der erlösten Menschen an. Selig hilfst du Allen werden; Wer im Glauben will, der kann. wohlgewählten Nur auf Wegen Führst du sie dem Ziel entgegen, Bis ihr Geist, durch Kampf bewährt, Froh im Tod gen Himmel fährt. 4. Welche Zeugen dieser Treue Schlafen friedlich hier in Ruh'! Welche brin⸗ gest du aufs Neue Täglich diesen Todten zu! Jeder Grabstein dient zum Siegel; Sieh, auch unter diesem Hügel Liegt manch Denk⸗ mal dir zum Ruhm, Jetzo noch dein Eigenthum. 5. An des Christen Grabesstätte, Rührt uns sein Gedächtniß heut', Dei⸗ ner weisen Führung Kette, Seine fromme Lebenszeit, Seines Umgangs Lieb' und Frieden, Seine Uebungen hienieden Und sein stiller Glaubensgang, Bis er hin zum Schauen drang. 6. Wir versenken seine Hülle Weinend in der Erde Schooß; Dort in deiner Freuden Fülle Schwebt sein Geist nun kummerlos, Bringt in himmlischem Gepränge Ausgesuchte Lobgesänge; Wir, voll Mängel noch und schwach, Lallen sie im Thale nach. 7. Führ' uns auch zu jenem Ziele! Hilf uns durch die Todesnacht! Deiner Marte du rie Dieses Leben nicht bloß den d Johann — sie dem zis ihr ewährt, Himmel n dieser friedlich e brin⸗ Täglich Jeder Siegel; diesem Denk⸗ „ Jetzo Mristen t uns „Dei⸗ Kette, enszeit, b' und bungen stiller er hin seine r Erde deiner öt sein Bringt bränge sänge; ch und Thale ich zu durch Deiner A. Vorbereitung auf den Tod. 641 Marter waren viele, Bis du riefst:„Es ist vollbracht!“ Dieses Siegs, o Fürst des Lebens, Trösten wir uns nicht vergebens, Sind nicht bloß auf Erden dein, Wer⸗ den deine Erben sein! Johann Gottfried Schöner, 1749—1818. Eigene Melodie. „Apostelgesch. 7, 58. 77˙0 Wew mein Stündlein vorhanden ist, Zu fahren meine Straße, So g'leit' du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hilf' mich nicht verlasse! Mein' Seel' an meinem letzten End' Befehl' ich dir in deine Händ': Du woll'sst sie mir bewahren. 2. Mein' Sünd'n mich werden kränken sehr, Mein G'wissen wird mich nagen; Denn ihr'r sind viel wie Sand am Meer, Doch will ich nicht verzagen; Gedenken will ich an dein'n Tod, Herr Jesu, und dein' Wun⸗ den roth: Die werden mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst' ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir: Ein ewig Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Todsfurcht kann sie vertreiben; Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin: Drum fahr' ich hin mit Freuden. *5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arm thu' ich ausstrecken; So schlaf' ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Got⸗ tes Sohn: Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. Nicolaus Hermann, 4 1561. Eigene Melodie. Joh. 11, 25. 7 7 8 Wer weiß, wie —* nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod. Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; 41 64² XX. Die letzten Dinge. Denn weil ich leb' auf die— ser Erden, Leb' ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr' mich stets mein End' bedenken Und, wenn ich einstens sterben muß, Die Seel' in Jesu Wunden senken Und ja nicht sparen meine Buß'. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sag' getrost in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick'ss mit mir! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit mei⸗ nem Ende gut! 5. Mach' immer süßer mir den Himmel Und im⸗ mer bitt'rer diese Welt; Gieb, daß mir in dem Welt⸗ getümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 6. Ach, Vater, deck' all' meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Darein ich mich fest gläubig winde: Das giebt mir recht er⸗ wünschte Ruh'. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden Hab' ich mir recht und wohl gebetttt: Da find' ich Trost in To⸗ desstunden Und Alles, was ich gerne hätt'. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; Ich leg' die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesum an⸗ gezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf'; Du bist mir auch daher gewo⸗ gen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 10. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, Ich hab' sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen: Ich bleib' in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Machs füget es g Gaa Mack Ende Aemil ö Mel —— in Gott, sti Blut, meinem n Jesu Hab ich gebetttt: in To⸗ , was n Gott, ti Blut, meinem is mich chts, es d Ich e Seite err und ott, ich Blut, meinem im an⸗ igst in f'; Du gewo⸗ n Kind 1 Gott, i Blut, neinem Fleisch n Blut kannst gessen: d er in h bitt' Machs A. Vorbereitung auf den Tod. 643 nur mit meinem Ende geht Und nicht besteht, gut! Gleichwie ihr dieses täglich 11. So komm' mein End' heut' oder morgen: Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; Ich bin und bleib' in dei⸗ nen Sorgen, Mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut! 12. Ich leb' indeß mit dir vergnüget Und sterb' ohn alle Kümmerniß; Mir ginüget, wie mein Gott es füget, Ich glaub' und bin es ganz gewiß: Durch deine Gaad' und Christi Blut Machst du's mit meinem Ende gut. Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, 1637—1706. Mel. Ich hab' mein' Sach' ꝛe. Ps. 90, 1. 779 Mie fliegt dahin der Menschen Zeit, Wie eilet man zur Ebwigkeit! Wie Wenig' denken an die Stund' Von Herzensgrund, Wie schweigt hiervon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich⸗ wie ein Traum, Ein nicht' ger, leerer Wasserschaum; Im Augenblick es bald ver⸗ seht. 3. Rur du, Jehova, bleibest mir Das, was du bist: ich traue dir. Laß Berg' und Hügel fallen hin: Mir ist Gewinn, Wenn ich allein bei Jesu bin. 4. So lang' ich in der Hütte wohn', So lehre mich, o Gottes Sohn! Gieb, daß ich zähle meine Tag' Und munter wach', Daß, eh' ich sterb', ich sterben mag. 5, Was hilft die Welt in letzter Noth? Lust, Ehr' und Reichthum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu! Bedenk' es nu: Du kommst sonst nicht zu wahrer Ruh'. 6. Weg Eitelleit, der Thoren Lust! Mir ist das höchste Gut bewußt: Das such' ich nur, das blei⸗ bet mir; O mein Begier', Herr Jesu, zieh' mein Herz nach dir! 7. Was wird das sein, wenn ich dich seh' Und bald vor deinem Throne steh'! Du unterdessen lehre mich, Daß stetig ich Mit klugem Herzen suche dich. Joachim Neander, 1610—1680. 41 6⁴⁴4 XX. Die letzten Dinge. Mel. Nun laßt uns den ꝛc. Lue. 13, 8. 780. We Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub, Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des To⸗ des sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und Keiner nimmt den Irrthum wahr. 3. Sprich nicht: Ich denk' in Glück und Noth Im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, Zu thun, was uns der Herr gebeut, Und unsres Lebens kleinster Theil Ist eine Frist zu un⸗ srem Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht: Da bringt Gott Alles an das Licht Und macht, was hier ver— borgen war, Den Rath der Herzen, offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, So sei doch wacker und bereit; Prüf' deinen Glauben als ein Christ, Ob er durch Liebe thätig ist. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, Ein Wunsch Erlösers Tod durch des Vor Gottes Thron gerecht zu sein, Dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, Ein gläubig Herz, von Lieb erfüllt, Dies ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfor⸗ dert Müh'; Du wirkst sie nicht, Gott wirket sie: Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. 10. Der Ruf des Lebens, das du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und deiner Tage Rechen⸗ schaft Ist Tugend in des Glaubens Kraft. 11. Ihr alle seine Tage weihn Heißt eingedenk des Todes sein, Und wachsen in der Heiligung Ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergess' ich diese Pflicht! Herr, geh' mit mir nicht ins Gericht! Drück selbst des Todes Bild in mich, Daß ich dir wandle würdiglich, 13. Daß ich mein Herz —— v durch in der Wunsch 5 Tod gerecht cht dich ein. Gottes r folgt n kehrt, on Lieb was in erfor⸗ irkst sie ie: Du ach ihr, erk von Lebens, höchstes strebst, Rechen⸗ in des e Tage ink des chsen in wahre jess ich eh' mit Drück Zild in wandle n Herz es anders werden B. Sterbelieder. 64⁵ mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag, Ob Glaube, Demuth, Lieb' und Treu' Die Frucht des Gei⸗ stes in ihm sei, 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh', Stets meiner Schwachheit widersteh' Und einstens in des Glaubens Racht Mit Freuden ruf': Es ist vollbracht! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. B. Sterbelieder. Eigene Melodie. Sir. 41, 5. Joh. 17, 24. 78 1 lle Menschen müssen ster⸗ ben, Alles Fleisch vergeht wie Heu: Was da lebet, muß verderben, Soll neu. Dieser Leib der muß ver⸗ wesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den From⸗ men ist bereit't. 2. Drum so will ich die⸗ ses Leben, Wenn es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben, Bin darüber nicht betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab' ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich ge⸗ storben, Und sein Tod ist mein Gewinn. Er hat mir das Heil erworben; Drum fahr' ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetüm⸗ mel In den schönen Gottes⸗ himmel, Da ich werde alle⸗ zeit Schauen die Dreifaltig⸗ keit. 4. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tau⸗ send Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron, Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Va⸗ ter, Sohn und Geist! 5. Da die Patriarchen wohnen, Die Propheten all⸗ zumal, Wo auf ihren Ehren⸗ thronen Sitzt der zwölf Apostel Zahl, Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren, Da wir unsrem Gott zu Ehr'n Ewig Halleluja hör'n. 6. O Jerusalem, du schöne, Ach, wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter 646 XX. Die letzten Dinge. Ruh'! O der großen Freud' und Wonne! Jetzund gehet auf die Sonne, Jetzund ge⸗ het an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket Alle diese Herrlich⸗ keit: Jetzund werd' ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der gold⸗ nen Ehrenkrone Steh' ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. *8. Hier will ich nun ewig wohnen, Meine Lieben: gute Nacht! Eure Treu' wird Gott belohnen, Die ihr habt an mir vollbracht. Liebste Kinder und Ver⸗ wandte, Brüder, Freunde und Bekannte, Lebet wohl, zu guter Nacht: Gott sei Lob, es ist vollbracht! Johann Georg Albinus, 1624—1679. Eigene Melodie. Phil. 1, 21. 782(Ihastue, der * ist mein Le⸗ ben, Und Sterben mein Ge⸗ winn; Dem thu' ich mich ergeben, Mit Freud' fahr' ich dahin. 2. Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme Und ewig bei ihm sei. 3. Nun hab' ich über⸗ wunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; Durch seine heil⸗ gen Wunden Bin ich ver⸗ söhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mein Herz und Gedanken Vergehn als wie ein Licht, Das hin und her thut wanken, Wenn ihm die Flamm' gebricht: 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein Nach deinem Rath und Willen, Wann kommt mein Stündelein, 7. Und laß mich an dir kleben, Wie eine Klett' an Kleid, Und ewig bei dir le⸗ ben In Himmels Wonn und Freud'! ö *8. Wohl in des Him⸗ mels Throne Sing' ich Lob, Ehr' und Preis Gott Vater und dem Sohne Und dir, dem heil'gen Geist. Anna, Gräfin zu Stolberg, ums J. 1600. I. Mel. Du, o schönes ꝛc. Joh. 17, 24. 783. Ci un den müde, Meine Seele sehnet — d ewig Nüber⸗ „Angst ne heil⸗ ich ver⸗ Kräfte m geht un kein Herr, auf! rz und Us wie ind her n ihm sanft 5mich deinem Wann in, an dir tt' am dir le⸗ Wonn Him⸗ h Lob, Vater id dir, J. 1600. 2c. Welt, n dein sehnet B. Sterbelieder. 647 sich Nach des Himmels Ruhꝰ und Friede: Ach, mein Gott, wann rufst du mich? Rufe mich: mit allen Freu⸗ den Will ich aus der Trüb⸗ sal scheiden; Denn ich weiß, durch Christi Blut Machest du mein Ende gut. 2. Mir macht ja der Tod nicht bange, Denn ich bin des Lebens satt. Wer das Jammerthal so lange, Als wie ich, gemessen hat, Wird wohl alle Stunden zählen, Bis die Freiheit seiner Seelen Und der Ab⸗ schied aus der Welt Sich erwünscht hat eingestellt. 3. Zwar ich bin nicht ungeduldig, Daß mich Kreuz und Elend drückt: Ich bin mehr zu leiden schuldig, Als mir Gott hat zuge⸗ schickt. Weiß ich doch, daß mich kein Leiden Kann von seiner Liebe scheiden, Son⸗ dern daß das Kreuz ein Kuß Seiner Liebe heißen muß. 4. Bloß deswegen will ich sterben, Daß ich Jesum möge sehn Und sein ewig Heil ererben: Möcht es heute noch geschehn! Doch, wer weiß, wie nah, die Stunden, Da ich, aller Angst entbunden, Auf der müden Lebensbahn Meinen Lauf vollenden kann? 5. So ist mir der Tod ein Segen Und das Ster⸗ ben ein Gewinn: Kommt, ihr Engel, kommt entgegen, Traget meine Seele hin! Ach, mir wird von jenem Leben Jetzt der Vorschmack schon gegeben; Darum wünsch' ich dies allein, Auch im Schauen da zu sein. 6. Alle, die mich hier geliebet, Alle, denen ich be— kannt, Die mein Abschied jetzt betrübet, Die befehl' ich Gottes Hand: Gott versor⸗ get, Gott beschützet, Gott bescheret, was euch nützet. Also ist mein Haus bestellt: Gute Nacht, du eitle Welt! M. Erdmann Neumeister, 1671—1756. Mel. Wer nur den lieben ꝛc. Apostelgesch. 7, 58. 77 ott Lob, es 784. G geht nun⸗ mehr zum Ende, Das meiste Schrecken ist vollbracht! Denn Jesus reicht mir schon die Hände, Mein Jesus, der mich selig macht. Drum laßt mich gehn, ich reise fort: Mein Jesus ist mein letztes Wort. 2. Was fragt ihr viel nach meinem Glauben? Ich glaube, daß mich Jesus liebt. Kein Tod soll mir die Freuden rauben, Weil * + 648 XX. Die letzten Dinge. Jesus Trost und Leben giebt. Ich fahre wohl und weiß den Ort, Denn Jesus ist mein letztes Wort. 3. Die Hoffnung hat mich nie betrogen, Ich bin auf sein Gebot getauft, Da hab' ich Jesum angezogen, Durch seinen Tod bin ich erkauft. Drum Jesus bleib' mein Heil und Hort, Sein Name sei mein letztes Wort. 4. Wiewohl die Sünde mich will kränken— Wer ist, der ohne Tadel lebt?— Allein ich darf an Jesum denken, Der mich in seinem Tod begräbt; So komm' ich an den Lebensport, Und Jesus bleibt mein letztes Wort. 5. Mein Jesus hat den Tod bezwungen, Als er am Kreuzesstamm verschied; Da ward mein Tod zugleich verschlungen; Er ist mein Haupt, ich bin sein Glied. Was Jesus hat, das hab' ich dort, Drum sei er auch mein letztes Wort. 6. Gedenkt mir nicht an eitle Sachen, Der Höchste sorget für die Welt; Befehlt euch ihm, er wird's wohl machen, Daß Licht und Recht den Platz behält. Gott wendet Jammer, List und Mord, Durch Jesum, als mein letztes Wort. 7. Nun freuet euch, es geht zum Ende, Mein Jesus heißt der letzte Ruhm. Wie fröhlich klopf' ich in die Hände; Wo bleibst du doch, mein Eigenthum? Ach Jesu, Jesu! sei mein Wort! Nun schweigt mein Mund; ich eile fort. M. Christian Weise, 1642—1708. Mel. Wer nur den lieben ꝛce. 1. Petri 2, 11. 7 8 5 Fremdling auf der Erden, Der Him⸗ mel ist mein Vaterland; Hier trag' ich noch mit viel Beschwerden Den Wander⸗ stab in meiner Hand; Doch führt mein Weg mich end— lich hin, Wo ich bei Gott in Frieden bin. 2. Die Welt kann mir nichts Eig'nes geben, Sie ist nur ein geborgtes Haus, Darinnen wir als Gäste leben, Der Tod führt end— lich uns hinaus. Da lassen wir dann Alles stehn Und müssen leer von hinnen gehn. 3. Hab' ich nun in der Welt kein Bleiben, So laß ich billig himmelwärts Mich meine Glaubensflügel trei⸗ ben, Denn, wo mein Schatz, da ist mein Herz; Wer sich ch bin ein —— uch, es in Jesus m. Wie in die du doch, Ach 1 Wort! Mund; 1708. eben ꝛc. bin ein emdling r Him⸗ erland; nit viel Bander⸗ Doch ch end⸗ i Gott m mir Sieé Haus, Gäste rt end⸗ lassen Und hinnen in der 5o laß Mich trei⸗ Schah, er sich B. Sterbelieder. 649 in diese Welt vergafft, Ver⸗ scherzt des Himmels Bür⸗ gerschaft. 4. Ich kann nicht eh'r ein Bürger werden, Ich muß zuvor ein Pilgrim sein; Hier streu' ich Samen auf die Erden, Im Himmel aber ernt' ich ein; Hier keimt die Hoffnung nur hervor, Dort stehet sie im schönsten Flor. 5. Ich walle hier nach Jesu Willen, So weit er mir das Ziel gesteckt, Und lasse mich die Hoffnung stillen, Wenn mir Egyptens Brot nicht schmeckt, Daß mir ein schönes Canaan Die süßen Trauben reichen kann. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Herzlich thut mich ꝛc. Ps. 39, 12. Ich bin ein 786. V. Gast auf Erden Und hab' hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden: Da ist mein Vaterland. Hier wandl' ich bis zum Grabe, Dort in der ew'gen Ruh' Ist Gottes Gnadengabe, Die schließt all' Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an, Als Müh' und Noth, gewesen? So lang' ich den⸗ ken kann, Hab' ich so man⸗ chen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Her⸗ zens zugebracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen Manch harter Sturm erschreckt; Blitz, Donner, Wind und Regen Hat mir viel Angst erweckt; Verfol⸗ gung, Haß und Neiden, Ob ich's gleich nicht verschuld't, Hab' ich doch müssen leiden Und tragen mit Geduld. 4. So ging's den lieben Alten, An deren Fuß und Pfad Wir uns noch täglich halten, Wenn's fehlt an gu⸗ tem Rath: Wie mußte sich doch schmiegen Der Vater Abraham, Bevor ihm sein Vergnügen Und rechte Wohn⸗ statt kam. 5. Wie manche schwere Bürde Trug Isaae, sein Sohn, Und Jacob, dessen Würde Stieg bis zum Him⸗ melsthron, Wie mußte der sich plagen, In was für Weh' und Schmerz, In was für Furcht und Zagen Sank oft sein armes Herz! 6. Die frommen, heil'⸗ gen Seelen, Die gingen fort und fort Und änderten mit Quälen Den erstbewohnten Ort; Sie zogen hin und wieder, Ihr Kreuz war immer groß, Bis daß der 650 XX. Die letzten Dinge. Tod sie nieder Legt' in des Grabes Schooß. 7. Ich habe mich erge— ben In gleiches Glück und Leid: Was will ich besser leben, Als solche große Leut'? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein: Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freud' hinein. 8. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt; Doch denk' ich nicht zu bleiben In diesem frem⸗ den Zelt. Ich wandre meine Straßen, Die zu der Heimath führt, Da mich ohn' alle Maßen Mein Va⸗ ter trösten wird. 9. Mein' Heimath ist dort oben, Da aller Engel Schaar Den großen Herr⸗ scher loben, Der Alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für er⸗ hält, Auch Alles hebt und leget, Nachdem's ihm wohl— gefällt. 10. Zu dem steht mein Verlangen, Da wollt' ich gerne hin: Die Welt bin ich durchgangen, Daß ich's fast müde bin. Je länger ich hier walle, Je wen'ger find' ich Freud', Die meinem Geist gefalle, Das Meist' ist Eitelkeit. 11. Die Herberg' ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel: Ach, komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach' ein sel'ges Ende An meiner Wanderschaft, Und was mich kränkt, das wende Durch deinen Arm und Kraft. 12. Wo ich bisher ge—⸗ sessen, Ist nicht mein rech⸗ tes Haus. Wenn mein Ziel ausgemessen, So tret' ich dann hinaus, Und was ich hier gebrauchet, Das leg' ich Alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So scharrt man mich ins Grab. 13. Du aber, meine Freude, Du, meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ew'gen Wonne, Da ich stets freudenvoll Gleich als die helle Sonne Nächst Andern leuchten soll. 14. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausge⸗ schmücket hast; Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn. Paul Gerhardt‚, 1606—1676. ————+W——8—8—89—e9e———‚————.—— —ß Mel. Es 78⁰ was dr satte heißt, Last, Der E getrag mehr gnug. Gott, Mein Er ist und Hi endlich ist bei werd' i Ich he 3. sprach Denn sein. einen war Mein versch bei d habe 4. in de Leib Hab' auch Schl EEEE B. Sterbelieder. 651 Mel. Es ist genug! So nimm ꝛe. Hebr. 13, 14. 7 87 7* habe g'nug, * Behalte, was du hast, Du nimmer⸗ satte Welt. Was irdisch heißt, Ist nur der Seelen Last, Die alle Lust vergällt. Der Schatz, den ich davon getragen, Beweget mich, nun⸗ mehr zu sagen: Ich habe gnug. 2. Ich habe g'nug: Mein Gott, mein Gut, mein Heil, Mein Alles hier und dort, Er ist mir nicht Für Erd' und Himmel feil; Die müssen endlich fort. Mein Himmel ist bei ihm nur droben, Da mag denn Aug' nnd Herze brechen, Es wird mein blasser Mund doch sprechen: Ich habe g'nug. 5. Ich habe g'nug Ge⸗ litten und gelebt, Nun komm' ich an den Port. Da meine Gruft Die lange Noth be⸗ gräbt, Weicht aller Jam⸗ mer fort. Ich bin vollkom⸗ men nun genesen, So wird man auf dem Grabe lesen: Ich habe g'nug. 6. Ich habe g'nug, Laßt euren Simeon Nur immer schlafen gehn; Schickt, Trau⸗ rige, Den Blick nach Gottes Thron: Da werd' ich künf⸗ tig stehn Und in der schön⸗ sten Krone prangen, Die werd' ich ihn beständig loben: Ich habe g'nug. 3. Ich habe g'nug! So sprach mein Glaube hier, Denn Gott war mein, ich sein. So stellt' ich mir Schon einen Himmel für, Gott war mein Trost allein. Mein Jesus ließ sich mir verschreiben, So mußt' es bei der Losung bleiben: Ich habe g'nug. 4. Ich habe g'nug, Auch in der letzten Noth, Wenn Leib und Seele schmachtt. Hab' ich nur Gott, So wird auch selbst der Tod Zum Schlafe mir gemacht. So dort die Aeltesten erlangen. Ich habe g'nug. 7. Ich habe g'nug; Be⸗ gnüget doch auch euch An Gottes weisem Rath. Er mach' euch stets An Trost und Segen reich Nach die— ser Thränensaat. Wer ihr auch seid, ihr Alle lebet, Daß ihr den Euren Freude gebet. Ich habe g'nug. 8. Ich habe g'nug, G'nug Ehre, Trost und Lust, Im Himmel Alles g'nug. Hier lieg' ich nun An meines Jesu Brust: O süße Sättigung! Ich singe nicht mehr Kla⸗ gelieder, Ihr seht mich 65²2 XX. Die letzten Dinge. einstens fröhlich wieder. Ich habe g'nug. 9. Ich habe g'nug! Das sei mein letztes Wort. Mein Jesus komme nun Und führe mich An den gewünschten Ort, Da werd' ich süße ruhn. Wie lieblich ist mein Loos gefallen, Hier wird es unaufhörlich schallen: Ich habe g'nug. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Joh. 14, 2. 788 nnn Rath * ergeben, Ver⸗ lass' ich gern die Welt; Ich geh' zum beßren Leben, Sobald es ihm gefällt. Was wär's, das mich betrübte? Dort schau' ich ewig den, Den meine Seele liebte, Noch eh' ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur Zeit der Schmerzen Uns voll Erbar⸗ men zu: Kommt her, be— ladne Herzen, Zu mir und findet Ruh'! Dies Wort aus deinem Munde Laß, Herr, mich zu erfreun In meiner letzten Stunde, Mir Geist und Leben sein. 3. Mit dir muß es mir glücken, Den Kampf zu über⸗ stehn. In gläubigem Ent⸗ zücken Laß meine Seele sehn, Wie im Gericht der Sünder Du mit dem Tode rangst, Und wie du, Ueber⸗ winder, Allmächtig ihn be— zwangst. 4.3 Der frohe Siegsge⸗ danke: Wo ist dein Stachel, Tod? Stärk' mich, daß ich nicht wanke In meiner To⸗ desnoth! So ist, ob ich gleich sterbe, Doch Sterben mein Gewinn. Ich bin des Himmels Erbe; Dein Wort sagt, daß ich's bin. 5. Du schriebst ins Buch des Lebens Auch meinen Namen ein; Dein Blut kann nicht vergebens Für mich vergossen sein. Dir trauet meine Seele; Dich lobt, was in mir ist, Erlöser meiner Seele, Der du die Liebe bist. Valerius Herberger, 1562—1627. Eigene Melodie. 1. Cor. 15, 55. Mitten wir 789. M im Le⸗ ben sind Mit dem Tod um⸗ fangen; Wen such'n wir, der Hilfe thut, Daß wir Gnad' erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott, Heili— ger, ste harmhe ewiger versink Todes! 2. anficht Rache solcher mache Herr, dein Sünd' Heilige ger, f barmh ewiger nicht nun deine 2. frei und „Es sing 3 Ver Buch neinen tkann mich trauet t,‚ was neiner Liebe 1627. C. Begräbnißlieder. 653 ger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht versinken In der bittern Todesnoth. Kyrie eleison! 2. Mitten in dem Tod anficht Uns der Höllen Rachen; Wer will uns aus solcher Noth Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein' Barmherzigkeit Unsre Sünd' und großes Leid. Heiliger Herre Gott, Heili⸗ ger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Höllengluth! eleison! 3. Mitten in der Höl⸗ lenangst Unsre Sünd'n uns treiben; Wo soll'n wir dann fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein theures Blut, Das g'nug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, Heili⸗ ger, starker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht entfallen Von des rech⸗ ten Glaubens Trost! Kyrie eleison! Dr. Martin Luther, 1483—1546. Kyrie C. Begräbnißlieder. Mel. Nun sich der Tag ꝛc. 1. Cor. 15, 42—44. wie so 790. A“, sanfte schläfest du Nach manchem schweren Stand, Und liegst nun da in süßer Ruh' In deines Heilands Hand! 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Von aller Angst und Pein; Sein letztes Wort: „Es ist vollbracht!“ Das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Verwandelung In diese Fel⸗ der sä'n, Mit Hoffnung und Versicherung Viel schö⸗ ner aufzustehn. 4. Verbirg dich unsrem Angesicht Im kühlen Erden⸗ schooß. Du hast das Deine ausgericht't, Empfängst ein selig Loos. 5. Wir wissen, daß dich Gottes Sohn, Der treue Seelenhirt, Mit dem ver⸗ heißnen Gnadenlohn Dort schön empfangen wird. Gottfried Neumann, ums Jahr 1736. 654 XX. Die letzten Dinge. Mel. Christus, der ist mein ꝛe. Ps. 126, 5. m Grabe 70 9 1. stehn wir stille, Und säen Thränen⸗ saat, Des lieben Pilgers Hülle, Der ausgepilgert hat. 2. Er ist nun angekom⸗ men, Wir pilgern noch dahin, Er ist nun ange⸗ nommen, Der Tod war ihm Gewinn. 3. Er schaut nun, was wir glauben, Er hat nun, was uns fehlt, Ihm kann der Feind Nichts rauben, Der uns versucht und quält. 4. Ihn hat nun, als den Seinen, Der Herr dem Leid entrückt, Und während wir hier weinen Ist er so hoch beglückt. 5. Er trägt die Lebens⸗ krone Und hebt die Palm' empor, Und singt vor Gottes Throne Ein Lied im höhern Chor. 6. Wir armen Pilger gehen Hier noch im Thal umher, Bis wir ihn wie⸗ dersehen Und selig sind, wie er. Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. Nun laßt uns den Leib ꝛc. 1. Cor. 15, 44. egrabt der 792. U seine Gruft, Bis ihn des Richters Stimme ruft! Wir säen ihn, einst blüht er auf, Und steigt verklärt zu Gott hinauf! Grabt mein verwes liches Gebein, O ihr noch Sterblichen, nur ein; Es bleibt, es bleibt im Grabe nicht, Denn Jesus kommt, und hält Gericht! 2. Aus Staube schuf ihn einst der Herr! Er war schon Staub, und wirds nur mehr! Er liegt, er schläft, verwest, erwacht Dereinst aus dieses Todes Nacht! Du wirst mein auf⸗ gelöst Gebein, O du Ver⸗ wesung, weit verstreun; Allein gezählt ist, wie mein Haar, Mein Staub, Gott weckt mich wunderbar! 3. Des Frommen Seele lebt in Gott, Der sie aus aller ihrer Noth, Aus aller ihrer Missethat Durch seinen Sohn erlöset hat! Gott ist barmherzig, und verstößt Im Tode nicht, die er erlöst, Die nicht, für deren Missethat, Sein Mitt⸗ ler sich geheiligt hat! —— n Leib ꝛc. Ibt den eib in hn des ft! Wir er auf, zu Gott verwes⸗ r noch in, C Brabe kommt, schuf Er war wird's 3, e erwacht Todes n auf⸗ u Ver⸗ streun; e mein Gott Seele ie aus S aller seinen therzig, nicht, ht, für Mitt⸗ C. Begräbnißlieder. 4. Er wandelt' hier im finstren Thal, Er duldete viel Schmerz und Qual; Du trugest Jesu Christi Joch, Entschlummertest und lebest noch! Bei euch hat Trübsal mich gedrückt, Nun hat mich Gottes Ruh' erquickt, Im finstren Thale wandelt' ich, Doch führte Gottes Rechte mich! 5. Er litt viel mehr, der uns versöhnt, Und himm⸗ lisch seine Sieger krönt; O Lohn, o Lohn für wenig Pein, Dann wird's wie Träumenden uns sein! Ich trug sein Joch bis an mein Grab, Nun wischt er meine Thränen ab; Was sind die Leiden jener Zeit, Gott, gegen deine Herrlich— keit! 6. Du Todter Gottes, schlummr' in Ruh', Wir gehn nach unsren Hütten zu, Und machen zu der Ewigkeit, Mit Freud' und Zittern uns bereit! Ja, lasset mich in meiner Ruh' Und geht nach euren Hütten zu; Schafft, daß ihr selig werdet, ringt, Bis ihr euch auch der Erd' entschwingt! 7. Ach, Gottgeopferter! dein Tod Stärk' uns in 655 unsrer letzten Noth! Laß unsre ganze Seele dein, Und freudig unser Ende sein! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Mel. Befiehl du deine Wege ꝛc. Gal. 6, 7. 793 Der Herr der * Ernte win⸗ ket, Die reife Aehre fällt, Die Abendsonne sinket, Der Wandrer sucht ein Zelt; Der Knecht von vielen Jahren Geht, Herr, zur stillen Rast. Laß ihn in Frieden fahren, Wie du ge⸗ saget hast. 2. Viel hat er hier ge⸗ tragen, Sein Werk war lang und schwer. Nun fühlt er keine Plagen Und keine Lasten mehr. Sein Abend ist gekommen, Vollen⸗ det ist sein Thun; Wie wird er bei den Frommen Nun sanft und selig ruhn! 3. Dein Rath hat ihn geleitet, O Herr, oft wun⸗ derbar. Dein Schutz hat ihn begleitet, Wo auch sein Fußtritt war. Mit deines Geistes Stärke Hast du sein Thun gelenkt, Zum langen Tagewerke Ihm Kraft und Frucht geschenkt. 4. Du hast im Erdge⸗ 656 XX. Die letzten Dinge. tümmel Dich stets zu ihm geneigt, Und Christi Weg zum Himmel Dem Gläubi⸗ gen gezeigt. Nun rief er, fest im Hoffen, Doch matt vom Erdenlauf: Ich seh' den Himmel offen, O Jesu, nimm mich auf. 5. Wohl dir! du wirst ihn sehen, Den liebend du umfaßt. Wohl dir! es ist geschehen, Wie du gegläubet hast. Der Herr bringt dir entgegen Den schönen Gna⸗ denlohn; Uns bleibt dein Werk, dein Segen Und dein Gebet am Thron. 6. O Schöpfer und Erhalter, O führ' auch uns so treu, Und steh' uns noch im Alter Mit deiner Hilfe bei. O führ' uns, bis wir sterben, Auf deines Sohnes Bahn, Und endlich nimm als Erben Uns dort mit Ehren an. Harms' Gesänge, 1828. Mel. Herzlich thut mich ꝛe. Pred. Sal. 12, 7. ie auf der 794. D Erde wal⸗ len, Die Sterblichen, sind Staub; Sie blühen auf und fallen, Des Todes sichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, Da Gottes Stimme ruft; Doch jede, jede Stunde Bringt näher uns der Gruft. 2. Getrost gehn Gottes Kinder Die öde, dunkle Bahn, Zu der verstockte Sünder Verzweiflungsvoll sich nahn, Wo selbst der freche Spötter Nicht mehr zu spotten wagt, Vor dir, Gott, seinem Retter, Erzit⸗ tert und verzagt. 3. Wenn diese Bahn zu gehen Dein Will' einst mir gebeut, Wenn nahe vor mir stehen Gericht und Ewigkeit, Wenn meine Kräfte beben, Und schon das Herz mir bricht; Herr über Tod und Leben, O, dann verlaß mich nicht! 4. Hilf, Todesüberwin⸗ der, Hilf dem in solcher Angst, Für den du, Heil der Sünder, Selbst mit dem Tode rangst. Und wenn des Kampfes Ende Gewal⸗ tiger mich faßt, Nimm mich in deine Hände, Den du erlöset hast. 5. Des Himmels Wonn und Freuden Ermißt kein sterblich Herz. O Trost für kurze Leiden, Für kurzen Todesschmerz! Dem Sünden⸗ überwinder Sei ewig Preis und Dank! Preis ihm, der für uns Sünder Den Kelch des Todes trank! 6. Erden mel zu Furch es ih Gott, Gehn Leben keit. Gottfe Mel. ——— 8der Gottes dunkle erstockte ngsvoll öst der mehr or dir, Erzit ahn zu nst mir hor mir wigkeit, beben, rz mir d und iß mich herwin⸗ solcher Heil rit dem wenn HBewal⸗ n mich en du Wonn t kein ost für kurzen ünden⸗ Preis n, der Kelch C. Begräbnißlieder. 657 6. Heil denen, die auf Erden Sich schon dem Him⸗ mel weihn, Die aufgelöst zu werden Mit heil'ger Furcht sich freun! Bereit, ihm zu geben, Wenn Gott, ihr Gott, gebeut, Gehn sie getrost durchs Leben Hin zur Unsterblich— keit. Gottfried Benediet Funk, 1734—1814. Mel. Der lieben Sonne Licht ꝛc. Hebr. 13, 14. 795 Die Christen gehn von Ort zu Ort Durch mannig⸗ fal'gen Jammer, Und kom⸗ men in den Friedensport Und ruhn in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf In seinen Armen auf; Das Weizenkorn wird in sein Beet' Auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 2. Wie seid ihr doch so wohl gereist! Gelobt sei'n eure Schritte, Du friedevoll befreiter Geist, Du jetzt ver⸗ laßne Hütte! Du, Seele, bist beim Herrn, Dir glänzt der Morgenstern. Euch, Glieder, deckt mit sanfter Ruh' Der Liebe stiller Schat⸗ ten zu. 3. Wir freun uns in Gelassenheit Der großen Offenbarung; Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß In Jesu Arm und Schooß! Die Liebe führ' uns gleiche Bahn, So tief hinab, so hoch hinan! Nicolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf, 1700—1760. Mel. Wie groß ist des ꝛc. Joh. 16, 22. 796. Da ruhst in deines Got⸗ tes Frieden, Bist selig, denn du starbst im Herrn! Du hast sein Werk gethan hie⸗ nieden, Du hast's gethan so fromm und gern; In Lieb' und gläubigem Ver trauen Durchwalltest du die Dornenbahn; Nun wird dein Glaube dort zum Schauen, Die Liebe wird die Kron' empfahn. 2. Wohl dir! Nach kur⸗ zen Prüfungstagen, Aus kurzem Traum der Todes⸗ nacht, Von Engeln sanft hinaufgetragen, Bist du zur Seligkeit erwacht. Du darfst ihn schaun im Thron der Ehren, Den du hier unge⸗ sehn geliebt, Du darfst das dreimal Heilig hören, Das feiernd seinen Thron um⸗ giebt. 3. Dort preisen selig 4² 258 658 I. Die 4„ N letzten Vinge. dich die Theuern, Die, dir vorangeeilt zum Thron, Der 42——5 Liebe Feste feiern, Du theiltest ihrer Treue Lohnn Du trittst zu deines Königs Throne, Empfängst die Palm' aus seiner Hand, Und singst in höhrer Geister Tone Dem Herrn, der all dein Leid gewandt. 4. Ein Blick auf jene Friedenshöhen, Und kurz erscheint die Prüfungszeit. Wie muß dem Geiste dort geschehen Im Vollgenuß der Seligkeit! Wohl mir! es harrt auch mein das Erbe Im sel'gen Himmels⸗ Canaan. Wohl mir, wenn ich in Christo sterbe! Un⸗ sterblich, selig bin ich dann! Karl Bernhard Garve, 1763—1841. Rel. Es ist genug! So nimm ꝛe. 2. Chron 6, 42. Seele. 797. G6r mein! Mein Gott, gedenke mein, Wie es am besten ist. Ich liebe dich, Ich habe dich allein Zu meinem Trost erkiest. Ach, laß mich doch dein Heil jetzt sehen, Ach, höre doch mein letztes Flehen: Ge⸗ denke mein! Jesus 2. Ich denke dein! O Seele, zage nicht, Dein Jesus ist nicht weit. Hier ist mein Kreuz, Mein Wort dein Lebenslicht, Mein Blut dein Ehrenkleid. Ist nicht mein Lieben unermessen? Wie sollt' ich deiner denn vergessen? Ich denke dein! Seele. 3. Gedenke mein! Weil mein die Welt vergißt Auf dieser Todesbahn. Mein Herze bricht, Die Lebenskraft verfließt, Ach, nimm dich meiner an, Wenn mir die müden Augen brechen, Wenn meine Lippen nicht mehr sprechen: Gedenke mein! Jesus. 4. Ich denke dein! Noch heute bist du hier Bei mir im Paradies, Es warttt auf dich Des Himmels Kronenzier, Des Lammes goldnes Vließ; Die Engel tragen deine Seele In mei⸗ ner Wunden tiefe Höhle. Ich denke dein! Beeie. 5. Gedenke mein! Durch deinen Todesschweiß du den meinen ab. Pflanz' auf mein Grab Der Tugend Ehrenpreis, Den immergrü⸗ Wisch' Grabe 6. weißt dein nen& wecker vergre • kannst sahrer der ich ve ihr 2 der Thra du So mit mein 11 2 Dein Hier Wort Blut nicht ꝛessen? denn ein! Weil t Auf Mein Skraft dich ir die Wenn mehr l Noch i mir varttt nmels mmes Engel mei⸗ zöhle. Durch Visch' flanz igend rgrü⸗ C. Begräbniß lieder. 659 nen Stab. Und 3 ich gnug gef schlafen habe, Ver⸗ 9 auch meiner nicht im Grabe. Gedenke mein! — Jesus. 6. Ich denke dein! Du weißt ja selbsten wohl, Daß dein Erlöser lebt, Der dei⸗ nen Staub n einst er⸗ wecken soll, Den man jetzund vergräbt. Die Asche werd' ich selbst bewahren, So kannst du nun in Frieden fahren. Ich denke dein! Seele. 7. Gedenke mein Und der betrübten Schaar, Die ich verlassen muß! Sei du ihr Trost, Ihr Schutz bei der Gesahr, Still ihren Thränenguß. Ach, willst kescheiden, ruhig und Gedenke du dieses mir So sterb' ich mit Freuden. mein! Jesus. 8. Ich denke dein Und breite meine Hand Auch auf die Deinen aus; Ich mache leicht Den schweren Trauer⸗ stand, Ich schütze Kirch' und Haus. sollen dein Gebet genießen, Nun will ich dir die Augen schließen. Ich denke dein! Sie Chor. 9. So ruhe wohl! Gott hat an dich gedacht Und es sehr gut gemacht. Schlaf', müder Leib, Schlaf' wohl, zu guter Nacht, Weil Jesus dich bewacht. Verschlaf' die hier L Schmerzen, Wir denken dein in unsern Herzen. So ruhe wohl! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Phil. 1, 23. Heht nun hin und grabt Denn ich bin mein Grab, des Wanderns müde; Von der Erde scheid' ich ab, Denn mir ruft des Him⸗ mels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh' Von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab, Meinen Lauf hab' ich vollendet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Ird sche endet, Lege selbst mich nun hinein In das Bette sonder Pein. 3. Was soll ich hienie⸗ den noch In dem dunklen Thale machen? Denn wie mächtig stolz und hoch Wir zuch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand 42³ 660 XLX. Die letzten Dinge. zergehn, Wann die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun in Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden werden Lei⸗ den, Deine Schönheit Un⸗ bestand, Alles Wahn und Trug und Tand. 5. Daͤrum letzte gute Nacht! Sonn' und Mond und liebe Sterne, Fahret wohl mit eurer Pracht! Denn ich reis' in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Worin ihr erbleichet ganz. Woraus einst sein theures Blut Floß der ganzen Welt zu Gut'. 9. Weint nicht: mein Erlöser lebt! Hoch vom finstren Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt Und der Himmelsheld, der Glaube; Und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moritz Arndt, 1769—1861. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛe. Pred. Sal. 27, 1. 6. Die ihr nun in Trau⸗ ern geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, Tröstet froh des Herrn Gemeinde; Weint nicht ob dem eitlen Schein, Droben nur kann ewig sein. 7. Weinet nicht, daß nun ich will Von der Welt den Abschied nehmen, Daß ich aus dem Irrland will, Aus dem Trug und aus den Schemen, Aus dem Eitlen, aus dem Nichts Hin ins Land des ew'gen Lichts. 8. Weinet nicht: mein süßes Heil, Meinen Heiland hab' ich funden, Und ich habe auch mein Theil In den warmen Herzenswunden, 7 9 9 5 eute mir und 2 morgen dir! So hört man die Glocken klingen, Wenn wir die Ver storbnen hier Auf den Got⸗ tesacker bringen. Aus den Gräbern ruft's herfür: Heute mir und morgen dir! 2. Heute roth und mor⸗ gen todt! Unser Leben eilt auf Flügeln. Haben wirs nicht täglich noth, Daß wir uns an Andern spiegeln? Ja, es thut uns wahrlich noth! Heute roth und mor⸗ gen todt! 3. Eines folgt dem An⸗ dern nach, Gleich vom Sturm getriebnen Wellen. Was die Hoffnung auch versprach: Kann sie einen Bürgen stel⸗ len? Jeder find't sein Schlaf⸗ um Kann geber verdt —— heures Welt mein vom Hell hwebt „Fder Liebe aters, 1861. sicht ꝛe. r und n dir! locken Ver⸗ Got⸗ den Heute mor⸗ n eilt wir's 5 wir geln? hrlich mor⸗ An⸗ turm Was rach: stel⸗ chlaf⸗ C. Begräbnißlieder 66 1 gemach, Eines folgt dem lnren nach. 4. Mensch, es ist der alte Bund: Ach, der Tod zählt keine Jahre! Bist du heut' auch noch an Dennoch denk' an deine Bahre. Mor⸗— gen fällt, der heute stund, Mensch, dies ist der alte Bund. 5. Ach, wer weiß, wie nah' mein Tod! Ich will sterben, ich sterbe, So wird mir die letzte Noth, Kommt sie einstens, nicht so herbe; Rüste mich dazu, mein Gott! Ach, wer weiß, wie nah' mein Tod! 6. Selig, wer in Christo stirbt! Denn der Tod wird ihm zum Leben. Wer sich um sein Blut bewirbt, Kann den Geist auf⸗ geben, Weil er darum nicht verdirbt. Selig, wer in Christo stirbt! Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Christus, der ist mein ꝛc. 2. Tim. I, 12. 800. A wen ich glaube, Denn mein Erlöser lebt, Der, wird der Leib zu Staube, sich erhebt. 2. Ich weiß, an wem ich hange, Wenn Alles wankt Den Geist zu und weicht, Der, wird dem Herzen bange, Die Rettungs⸗ hand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, Und, wenn das Auge bricht, Daß ich ihn ewig schaue, Ihn selbst, von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thrä⸗ nen So tröstend und so mild, Und mein unendlich Sehnen Wird nur durch ihn gestillt. Dr. August Hermann Niemeyer, 1754—1828. Mel. Ach Gott, wie manches ꝛc. 1. Cor. 15, 42. 80—1 1⁰⁰⁵ wohl! ins stille Kämmerlein Nahm euch die Mutter Erde ein; Die Hand der Liebe deckt euch zu: Schlaft wohl, schlaft wohl in süßer Ruh'. 2. Der Leib, er sankt hinab, hinauf Nahm frei die Seele ihren Lauf; Der Fürst des Lebens brach die Bahn Durch Grabestiefen himmelan. 3. Im Erdenschooß, da er geruht, Ruhn auch die Seinigen so gut, Im Va⸗ terhaus, da er nun wohnt, Wohnt seine Schaar, so hoch belohnt. 4. Heil euch in seligem 662 XX. Die letzten Dinge. Genuß! Heil uns beim fro— hen Wiedergruß! Getrost! wir überwinden weit Im Todesschmerz, im Tren⸗ nungsleid. 5. An Grüfte reiht sich unsre Gruft; Ob spät dein Ruf, o Gott, uns ruft, Ob bald du unsre Zeit erfüllst — Herr, wie du willst, Herr, wie du willst. 6. Nur lehr' uns fromm zum Ziele gehn Und mach' uns werth, vor dir zu stehn; Führ' uns, führ' uns auf Christi Bahn, Den Leib hinein, die Seel' hinan. Nach Sachse, abgekürzt und verändert von Leopold Haupt. Mel. Der lieben Sonne Licht ꝛe. Joh. 12, 24. 8 02. Uer Hann keines mehr, Zum letzten Marc. 7, 37. Schlaf auf Erden! Fast wurde dir die Wallfahrt schwer, Nun wird es leichter werden. Erlöste Pilgerin, Fahr' sanft zum Heiland hin! Im Thränenthale warst du sein, Nun ist er dort am Throne dein. 2. Fürwahr, in Frieden wirst du ruhn; Drum will sich's kaum geziemen, Von deiner Liebe, deinem Thun Viel vor der Welt zu rüh— men! Die Werke folgten dir Zum Herrn, drum schweigen wir, Bis er das Lebensbuch erschließt Und laut der Seinen Namen liest. 3 3. An jenem Tage wer⸗ den dann Auch wir ihn nicht mehr fragen, Warum er dies und das gethan Und schmerzlich uns geschlagen, Warum ein dunkles Loos So früh die Augen schloß, Warum dir, von der Lieben Schaar So früh zu scheiden, besser war. 4. Doch ist's der Pfad, der alte Pfad: Durch Kreuz zu Herrlichkeiten! Und Je— sus, der ihn selbst betrat, Will uns nicht anders lei— ten. Wer scheu zurücke tritt, Den nimmt der Herr nicht mit; Wer glaubt, weint einen Abend lang, Und morgen schallt sein Lobgesang. 5. O Gottes Wort, das blüht und grünt Für Alle, die ihn lieben! Nichts ist, das nicht zum Besten dient, Auch wenn sie sich betrü— ben; Aus ihrem Schmerz und Tod Bricht helles Mor⸗ genroth. Wenn's heut' dein Herz nicht fassen kann, So nimm's auf morgen gläu⸗ big an! tiefen scheint blickt Und 1 Doch Schne Und: Licht Angef 75. Saat! schoof bensk. gut 2 morg ziehn Doch schmi weich Weh' 8. ser 5 gestr die Gott Pose Ernt dann uns folgten drum er das Und Namen e wer⸗ n nicht um er Und hlagen, Loos schloß, Lieben theiden, Pfad, Kr ai 8 beter, rs lei⸗ zurücke Herr Vaubt, lang, sein „ das Alle, ts ist, dient, betrü⸗ hmerz Mor⸗ dein „So gläu⸗ C. Begräbnißlieder. 6. Sein Weg ist wie im tiefen Meer, Sein Fußtritt scheint zerflossen: Denn, blickt die Seele bang mmher Und wäre bald verdrossen: Doch bleibt er ewig treu, Schnell wandelt er herbei Und trocknet dir mit süßem Licht Die Thränen von dem Angesicht. 7. Er hat's gethan: das Saatkorn ruht Im Erden⸗ schooß geborgen, Der Le— benskeim schläft still und gut Bis an den Frühlings⸗ morgen. Viel Winterstürme ziehn Noch über ihm dahnr; Doch kommt die Zeit, so schmilzt der Schnee, So weicht die Nacht und alles Weh'. 8. 9.— ist auch un⸗ ser Kleid, Das irdsche⸗ ab⸗ gestreifet; Fern röthet sich die Ewigkeit, Das Saatfeld Gottes reifet. Da dringt Posaunenschall Hinab ins Erntethal, Wir stehen auf,— dann führe du, O Mutter, uns dem Throne zu! M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Nun laßt uns den ꝛc. Mos. 3, 80 3. R* bringen wir den Leib zur Ruh' Und decken bitt', ihn mit Erde zu, Den Leib, — der nach des Schöpfers Schluß Zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch' und Staub, Nicht im⸗ ner der Verwesung Raub; Er wird, wenn Christus einst erscheint, Mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist, Schau' hier, was unser Leben ist Nach Sorge, Furcht und mancher Noth Kommt end⸗ lich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit, Auf Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, So folgt der Lohn aus Got— tes Hand. 5. So währen Reichthum, Ehr' und Glück, Wie wir selbst, einen Augenblick; So währt auch Kreuz und Traurigkeit, Wie unser Le⸗ ben, kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, be⸗ sinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich. In Allem, was du denkst und thust, Bedenke, daß du ster⸗ ben mußt. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, Soll Jeder zu dem Vater flehn: Ich o Gott, durch Christi 4 664 XX. Die letzten Dinge. Blut, Mach's einst mit mei⸗ nem Ende gut. 8. Laßt alle Sünden uns bereun, Vor unsrem Gott uns kindlich scheun. Wir sind hier immer in Gefahr, Nehm' Jeder seine Seele wahr. 9. Wenn unser Lauf vollendet ist, So sei uns nah', Herr Jesu Christ. Mach' uns das Sterben dum Gewinn, Zeuch unsre Seele zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, Die Gräber mächtig öffnen wirst, Dann laß uns fröhlich auferstehn Und dort dein Antlitz ewig sehn. Ehrenfried Liebich, 1713—1780. Mel. Herzlich thut mich ꝛc. Offenb. 3, 5. 8 0 4. N.n Weromn den Durch Christi theures Blut Und in dem Himmel funden Das allerhöchste Gut; Ich gebe dieser Erden Mit Freuden gute Nacht, Die mir so viel Beschwer⸗ den Und wenig Lust ge⸗ macht. 2. Mein Glaub' hat überstiegen Den Berg der schweren Zeit, Sieht sich zu Füßen liegen Das Thal der Eitelkeit; Ich lege freu⸗ dig nieder Dr Hoffnung Wanderstab; Die Last der kranken Glieder Verwahrt das kühle Grab. 3. Viel' lassen sich ver⸗ blenden Durch falscher Ho— heit Schein Und wollen auf den Händen Der Welt ge⸗ tragen sein. Ein sanfter Engelwagen Führt mich vor Gottes Thron, Da werd' ich ewig tragen Die Siegs⸗ und Ehrenkron'. 4. Es stehn ihr'r viel' nach Schätzen, Die Schlacken dieser Welt Soll'n ihre Seel' ergötzen, Für Gott sie wählen Geld. Was Zeit und Dieb' nicht stehlen, Was nirgends findet Platz, Was keine Zahl kann zäh⸗ len, Gott selber, ist mein ri Man wohnt in stolzen Bulndtern, Schmückt sie mit Marmor aus, Läßt auf der Erde schimmern Ein andres Himmelshaus. Mein Schloß hat Gott gebauet, Wo man für Stein Saphir, Für Fenster Sterne schauet, Wo Licht ist für und für. 6. Man dienet seinem Leibe Mit schwer erworbner Kost, Sieht, wie man Zeit vertreibe Mit oft vergällter Lust. mehr und K meine 80⁰ doch, i durch komme gen 2 noch l 2. wie i nur Schre wir Müh 3. eurer befrei Kein euch Freu euch habt Thal freu⸗ nung t der vahrt ver⸗ Ho⸗ n auf t ge⸗ nfter vor werd' iegs⸗ viel acken ihre Gott Zeit hlen, latz, zäh⸗ mein zen mit der dres hloß man Für Wo nem bner Zeit llter C. Begräbnißlieder. 665 Lust. Hier darf ich nicht mehr wissen, Was Sorg' und Kummer war, Kann meine Zeit versüßen Mit aller Engel Schaar. 7. Viel' woll'n den Him⸗ mel finden Durch unermüd'= ten Fleiß Und suchen zu ergründen, Was Gott alleine weiß. Ich kann mich höher schwingen, Durch Jesu Mund gelehrt, Und weiß von sol⸗ chen Dingen, Die auch kein Ohr gehört. 8. Darum, ihr Eitelkeiten, Lust, Wissen, Schätze, Pracht, Ihr Freuden dieser Zeiten, Ihr Freunde, gute Nacht! Und gute Nacht, ihr Glie— der, Schlaft wohl in stiller Gruft! Wir sehn uns freu⸗ dig wieder, Wenn Gottes Stimme ruft. Hans Aßmann, 1646—1699. Eigene Melodie. Pi. 140, 4. Gläubige. 805 wie selig * seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott ge⸗ kommen! Ihr seid entgan⸗ gen Aller Noth, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hier kennen, Ist nur Müh'und Herzeleid zu nennen. g. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer Sicher und befreit von allem Jammer; Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab euch alle Thränen, Ihr habt schon, wonach wir uns — Selige. Ja, höchst selig sind wir, lieben Brüder: Unser Mund ist voller Freuden⸗ lieder; Doch was wir schauen, Wird Gott euch gar bald auch anvertrauen. 2. O ihr Lieben, seid doch ja zufrieden; Wünscht nicht Freude, weil ihr seid hie— nieden; Laßt euren Willen Sich nur sanft in Gottes Gnade stillen! 3. Aber gleichwohl muß⸗ ten wir auch kämpfen, Da in uns war Sünd' und Tod zu dämpfen; Was euch jetzt quälet, Daran hat es uns auch nicht gefehlet. 4. Duldet euch nur fort bei euren Thränen, Bleibt getreu, euch himmelan zu 666 XX. Die letzten Dinge. erst sehnen; Euch wird ge⸗ sungen, Was an Keines Ohr allhier gedrungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt er⸗ erben! Wer wollt' hier blei— ben, Sich den Jammer län⸗ ger lassen treiben! 6. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen, Lös' uns auf und führ' uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Beide 7. Nun wir derseits dann loben Gottes Lamm, das uns in Gott erhoben; Ein ew'ges Leben Ist uns beiderseits gewiß gegeben. 8. Lobt, ihr Menschen, Mel. Herzlich thut mich ꝛe. I. Joh. 5, 4. 806. Sꝰ hab' ich obgesieget, Mein Lauf ist nun voll— bracht; Ich bin gar wohl vergnüget: Zu tausend gu⸗ ter Nacht! Ihr aber, meine Lieben, Thut nicht so ängstig— lich: Was wollt ihr euch betrüben? Steht's doch sehr gut um mich. 2. Denkt, Vater, sehnen; Eu'r jetz'ges Leiden Ist der Same zu den künft⸗ gen Freuden. 5. Freilich ist's hier gut bei Christo leben; Doch könnt ihr euch in Geduld ergeben: All euer Streiten Lohnet Christus hier mit Herrlich— keiten. 6. Ach, ihr theuren See⸗ len, eure Kronen, Eure Palmen, eure güldnen Thro⸗ nen Sind schon bereitet: Schafft nur, daß ihr recht wollen bei⸗ zum Siege streitet! Chöre lobt ihr Himmelschöre, Gebt dem höchsten Gott allein die Ehre! Die Ewig⸗ keiten Werden unsers Got⸗ tes Lob ausbreiten. M. Simon Dach, 1605—1659, und Jacob Baumgarten, 1668—1742. viel' Sorgen, Wie manche wache Nacht, Wie manchen düstern Morgen Ein liebes Kind oft macht! Was ihm kann widerfahren, Das fürch⸗ tet, der es liebt: Den Kum⸗ mer könnt ihr sparen; Drum seid doch unbetrübt. 3. Ach, Mutter, laßt die Zähren, Stellt euer Klagen ein! Des Höchsten sein Be⸗ muß erfüllet gehren Das wie Warum ihr sein. jetzo weinet thut, D meinet: gut. 4. reget mann, hinleget lich on empfin sich schi findet, bei mi 9. 6 und mer, i mich v wallen Zeit, lallen Viel! Als Die dorbe schwel 2 mit 5 Siege Himu Seel' Kron prach reitet: . recht chöre, Gott tanche nchen liebes ihm fürch Kum⸗ aren; rübt. t die lagen Be: füllet jetzo C. Begräbnißlieder. 66⁷ — 7 weinet Und gar zu kläglich thut, Das ist sehr wohl ge— meinet: Gott machet Alles gut. 4. Die Freude, die sich reget Bei einem Wanders⸗ mann, Wenn er den Stab hinleget Und kommet glück⸗ lich on, Die Freude, die empfindet Ein Schiffer, wenn sich schier Ein sichrer Hafen findet, Die spür' ich jetzt bei mir. 5. Fahr' hin, o Angst und Schmerzen, Fahr' im⸗ mer, immer hin! Ich freue mich von Herzen, Daß ich erlöset bin. Ich leb' in tau⸗ send Freuden In meines Schöpfers Hand; Mich trifft und rührt kein Leiden, So dieser Welt bekannt. 6. Die noch auf Erden wallen In irrthumsvoller Zeit, Vermögen kaum zu lallen Von froher Ewigkeit. Viel besser, wohl gestorben, Als in der Welt gelebt; Die Schwachheit ist ver— dorben, Worinnen ich ge— schwebt. 7. Schmückt meinen Sarg mit Kränzen, Wie sonst ein Sieger prangt! Aus jenen Himmels-Lenzen Hat meine Seel' erlangt Die ewig grüne tes Sohne, Der hat mich so bedacht. 8. Noch netzet ihr die Wangen, Ihr Eltern, über mir; Euch hat das Leid umfangen, Das Herze bricht euch schier; Des Vaters treue Liebe Sieht sehnlich in mein Grab, Die Mutter siehet trübe Und kehrt die Augen ab. 9. Ich war euch nur ge— liehen Auf eine kurze Zeit. Will Gott mich zu sich zie— hen, So werfet hin das Leid, Und sprecht: Gott hat's gegeben, Gott nimmt's; er hat das Recht, Bei ihm steht Tod und Leben; Der Mensch ist Gottes Knecht. 10. Seht nicht an meine Jahre, Gedenkt vielmehr zurück, Daß ich ein Mensch hier ware Und jeden Augen⸗ blick Zum Tode reif und zeitig Von erster Kindheit an: Wie seid ihr doch so streitig In dem, was Gott gethan! 11. Daß ich das Grab muß sehen, Zeigt unsern schwachen Stand; Daß es so bald geschehen, Thut Got⸗ tes Vaterhand. Gott wird das Leid euch stillen; Ich sterbe nicht zu jung: Wer Krone: Die werthe Sieges- stirbt nach Gottes Willen, pracht Rührt her von Got⸗Der stirbt schon alt genung. XX. 668 Die letzten Dinge. 12. Schein' ich zu früh entnommen? Sag' Jemand: kann man auch Zu früh in'n Himmel kommen? Gott bleibt bei dem Gebrauch: Er eilet mit den Seinen Zur schönen Himmelspracht: Wer mag nun den bewei⸗ nen, Der bei den Engeln lacht! Nachruf der Trauernden. 13. Fahr' wohl, o liebe Seele, Genieß' der süßen Lust! Uns in der Trauer⸗ höhle Ist nichts hievon be— wußt. Wann wird doch angelangen Desselben Tages Schein, Da du uns wirst empfangen? O, möcht' es heute sein! Dr. Gottfried Wilhelm Saeer, 1635—1699. Mel. Valet will ich dir ꝛc. Röm. 14. 8. 807 an * das Lied vom Sterben, Den ernsten Abschiedssang! Vielleicht läuft heut' zu Ende Dein ird'scher Lebensgang; Und eh' die Sonne sinket, Be⸗ schließest du den Lauf, Und wenn die Stehst du auf. 2. Es giebt nichts Unge⸗ Sonne nicht steiget, mit ihr wissers Als Leben, Freud' und Noth, Allein auch nichts Gewissers, Als Scheiden, Sterben, Tod. Wir schei— den von dem Leben Bei jedem Lebensschritt'ꝰ, Uns stirbt die Freud' im Herzen, Und unser Herz stirbt mit. 3. An unsrem Pilger⸗ stabe Ziehn wir dahin zum Grab, Und selbst des Kö⸗ nigs Scepter Ist nur ein Pilgerstab. Ein Pilgerkleid hat Allen Die Erde hier beschert, Wir tragen's auf der Erde Und lassen's auch der Erd'. ö 4. Geh, übersteig' nur Berge Und Höhn, es steht dir frei; Dem kleinen Gra⸗ beshügel Kommst du doch nicht vorbei. Da gehst du nicht hinüber, Und ist er noch so klein; Da bleibst du müde liegen, Da legt man dich hinein. 5. So sing' das Lied vom Sterben, Das alte Pilgerlied, Weil deine Straße täglich Dem Grabe näher zieht. Laß dich es mild und freundlich Wie Glocken⸗ ton umwehn, Es läute dir zum Sterben, Doch auch zum Auferstehn. Karl Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Mel. R 5 0 80² Ruhst hin! grünen stilles e werde auf de Herzen dein tiefen vergä du lie Und gange Bette, hingel die S Gebei gen klar 4. ter, s. Leide seine des sei d Dein mer. 5. Freud' nichts cheiden, r schei⸗ en Bei „ Uns Herzen, bt mit. Pilger⸗ in zum des Kö⸗ nur ein gerkleid de hier s auf s auch g nur 5 steht n Gra⸗ u doch hst du ist er bleibst a legt 5 Lied 5alte Straße näher mild locken⸗ ute dir auch Spitta, C. Begräbnißlieder. 669 Mel. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine. Offenb. 19, 6—9. 08 Ves in dem 8 Erdenschooße Ruhst du lange nun fort⸗ hin! Bald wird auch mit grünem Moose Sich dein stilles Grab umziehn; Stürme werden drüber fliegen, Schnee auf deinem Bette liegen. 2. Doch in unsern treuen Herzen, Wird dein Geist, dein Bild, dein Wort Unter tiefen Liebesschmerzen Un⸗ vergänglich leben fort, Wie du liebend uns umfangen Und im Frieden heimge⸗ gangen. 3. O, wie heilig ist das Bette, Wo der Herr dich hingelegt! O, wie theuer ist die Stätte, Die nun dein Gebeine hegt, Das im ew'⸗ gen Osterwehen Himmlisch klar soll auferstehen! 4. Schlafe wohl, o Va⸗ ter, schlafe Deiner Wallfahrt Leiden aus, Bis der Hirte seine Schafe Sammelt in des Vaters Haus! Sanft sei dir der letzte Schlummer, Dein Erwachen ohne Kum⸗ mer. 5. Jesu Christe, Herr der Todten, Der du Nichts von dem verlierst, Was dein Vater dir geboten, Daß du's zur Vollendung führst, Die⸗ ses Vaters Geist und Ende Legen wir in deine Hände! 6. Gott, du woll'st uns Gnade geben Und der Wahr⸗ heit hellen Schein, Daß, wann sich die Todten heben, Unser Vater ohne Pein Spreche bei des Herrn Er⸗ scheinen:„Sieh, hier bin ich mit den Meinen!“ M. Albert Knapp, geb. 1798. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Matth. 5, 4. 809. WM·⸗ 2——— 1 weinet Und brechet mir mein Herz? Im Herrn sind wir vereinet Und bleiben's allerwärts. Das Band, das uns verbindet, Löst weder Zeit noch Ort; Was in dem Herrn sich findet, Das währt in ihm auch fort. 2. Man reicht sich wohl die Hände, Als sollt's ge⸗ schieden sein, Und bleibt doch ohne Ende Im innig⸗ sten Verein. Man sieht sich an, als sähe Man sich zum letzten Mal, Und bleibt in gleicher Nähe Dem Herrn doch überall. 3. Man spricht: Ich hier, du dorten, Du ziehest, und ich bleib'! Und ist doch Orten Ein Glied an Einem Leib. Man spricht ö . 670 Die letzten Dir 7 184. vom Scheidewege Und grüßt sich einmal noch, Und geht auf Einem Wege In gleicher Richtung d doch. 4. Was sollen wir nun weinen Und so gar traurig sehn, Wir kennen ja den Einen, Mit dem wir Alle gehn In Einer Hut und Pflege, Geführt von Einer Hand, Auf Einem sichern Wege Ins Eine V daterland. 5. So sei denn diese Stunde Nicht schwerem Trennungsleid, Nein, einem neuen Bunde Mit unsrem Herrn geweiht. Wenn wir uns ihn erkoren Zu unsrem höchsten Gut, Sind wir uns nicht verloren, Wie weh' auch Scheiden thut. Johann Philipp Spitta, 1801—1859. Karl Mel N del. Wa 5 mein Gott will ꝛc. Offenb. 14, 13. 810. Wn nun, Die in dem Herren Sie werden von der Arbeit ruhn Und ew'⸗ ges Heil ererben. O stärke, Herr, durch deinen Geist Dies gläubige Vertrauen, Daß wir im Sterben allermeist Auf jenes Leben schauen. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Eigene Melo Jes. 35, 10. 81 1. W 25 Len müde, Ich will nach dem Himmel zu: Da wird sein der rechte Friede Und die stolze Seelenruh'! Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts denn lauter Eitelleit, In dem Himmel allezeit Fried e, Ruh) und Seligkeit. 2. Ich bin schon dahin ehebmen⸗ Ich bin meiner Krankheit los, Allen Schmer⸗ zen ganz entnommen, Ruhe sanft in Gottes Schooß. In der Welt war Angst und Noth, bittre Tod; allezeit Friede, Seligkeit. 3. Was empfind' ich da für Freude, Was ist hier für Herrlichkeit! Uebersüße Himmelsweide Labet mich schon allbereit. Welt, bei dir ist Krieg und Noth, Krankheit und zuletzt der Tod, Hier im Himmel alle⸗ Endlich gar der Aber hier ist Freud' und zeit Friede, Freud' und Seligkeit. 4. Unaussprechlich herr⸗ lich singet Gottes auser⸗ wählte Schaar: Heilig, hei⸗ lig, heilig! klinget In dem Himmel immerdar. Welt, bei dir Angst In Friede, keit. 5. ern ble weinet nicht 3 mir hi Welt, Noth, bittre 7 allezeit Seligk großen bei eu Noth, letzt d allezei Seligt gegan Anlaf darna ewig Welt All i Aber Ruh' de! ich n dein ha dem d sein ꝛd die It, bei Streit, telkeit, allezeit ligkeit. dahin meiner chmer⸗ Ruhe chooß. Angst ar der ier ist und ich da t hier ersüße mich t, bei Noth, tder alle⸗ und herr⸗ auser⸗ 70 C. Begräbnißlieder. 671 bei dir ist Krieg und Streit, Angst und lauter Eitelkeit, In dem Himmel allezeit Friede, Freud' und Selig⸗ keit. 5. Laßt doch euer Trau— ern bleiben, Liebste Freunde, weinet nicht! Es ist gar nicht zu beschreiben, Wie mir hier so wohl geschicht! Welt, bei dir ist Angst und Noth, Schmerzen und der bittre Tod, In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 6. Denket, daß es wird geschehen, Daß ihr hier in kurzer Zeit Mit mir sämmt⸗ lich werdet stehen In der großen Herrlichkeit. Denn bei euch war Nichts denn Noth, Müh' und Angst, zu⸗ letzt der Tod; Aber hier ist allezeit Friede, Freud' und Seligkeit. 7. Ich bin nur voraus— gegangen, Will euch allen Anlaß geb'n, Daß euch soll darnach verlangen, Wo ihr ewig sollet leb'n; Denn die Welt hat Angst und Leid, All ihr Thun ist Eitelkeit; Aber hier ist allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. Heinrich Albert, 1604-1668. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛe. Weish. 4, 7—14. 8 12 Wo kleine Himmels⸗ erben, In ihrer Unschuld sterben So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater auf⸗ gehoben, Damit sie unver⸗ loren sei'n. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christen⸗ laufe Für Jesum einge⸗ weiht Und noch bei Gott in Gnaden; Was sollt' es ihnen schaden, Daß sie die Krone schon erfreut? 3. Der Unschuld Glück verscherzen, Stets kämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennoth, Im Angstgefühl der Sünden Das Sterben schwer em⸗ pfinden— Davor bewahrt ein früher Tod. 4. Ist einer alt von Jahren, So hat er viel er⸗ fahren, Das ihn noch heute kränkt, Und unter so viel Stunden Oft wenige ge⸗ funden, Daran er mit Ver⸗ gnügen denkt. 5. Zwar, wer in seiner Jugend Den Weg zur wah— ren Tugend Durch Jesum Christum find't Und sich den ersten Glauben Hat niemals 67² XX. Die letzten Dinge. lassen rauben, Der lebt und stirbt auch wie ein Kind. 6. Allein wo sind die Reinen, Die jetzt noch so erscheinen, Wie sie das Wasserbad Vor Gottes Augen stellte, Und die die Welt nicht fällte Und schon in ihrem Netze hat? 7. Sich Jesu ganz ver⸗ schreiben Und in der Welt zwar bleiben, Doch von der Welt nicht sein, Erfordert höhre Kräfte, Als mensch— liche Geschäfte; Das muß allein uns Gott verleihn. 8. Wie leicht geht nicht bei Kindern Von uns er⸗ wachs'nen Sündern Das fremde Feuer an! Sind sie der Welt entrissen, Dann können wir erst wissen, Daß sie die Welt nicht fällen kann. 9. O, wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde; Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen Und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu sind. Johann Andreas Rothe, 1688—- 1758. Eigene Melodie. Luc. 14, 15. 813. WS en Nach gläubigem Vertrauen Dort selbst den Heiland schauen In unsrem Fleisch und Bein, Mit seinen holden Blicken Und Worten sich er⸗ quicken? Wird das nicht Freude—— 2. Wird das nicht Freude sein, Wenn, was der Tod entnommen, Uns wird ent⸗ gegenkommen Und jauchzend holen ein; Wenn man wird froh umfassen, Was thrä⸗ nend man verlassen? Wird das nicht Freude sein? 3. Wird das nicht Freude sein, Sehn unter'n Füßen liegen, Womit man hier muß kriegen, Gott dienen engelrein, Von Schmerzen, Kümmernissen Nicht das Geringste wissen? Wird das nicht Freude sein? 4. Wird das nicht Freude sein, Was unaussprechlich, hören, Des Höchsten Lob vermehren, Mit Engeln stim⸗ men ein, Wenn sie mit süßem Klingen Ihr Drei— mal heilig singen? Wird das nicht Freude sein? 5. O, das wird Freude sein! Weg, Güter dieser Erden, Ihr Ehren voll Be⸗ schwerden, Ihr Freuden auf den Schein! Gehabt euch wohl, ihr Lieben! Muß ich —ͤ— euch j dort u Han Mel. N 1 ten 6 Weg, Gott hinaus nicht 2. Wand den, e schließ bist d Dein ——9 Schla folger gute schwü gute? heiland Flesch holden sich er⸗ 5 nicht Freude r Tod rd ent⸗ uchzend n wird thrä⸗ Wird 2 Freude Füßen n hier dienen nerzen, das rd das Freude echlich, uLob n stim⸗ ie mit Drei⸗ ird das Freude dieser al Be⸗ en auf t euch luß ich D. Auferstehung und Weltgericht. 673 euch jetzt betrüben, Denkt, dort wird Freude sein! Hans Christoph von Schweinitz, 1645—1722. Mel. Ich hab' mein Sach' Gott ꝛc. 4. 1. Chron. 30, 15. I 4 W⸗Hauf, wohl⸗ 81* an zum letz⸗ ten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh' ist lang; Gott führet aus. Wohlan, hinaus! Zum Bleiben war nicht dieses Haus. 2. Du Herberg' in der Wanderzeit, Du gabest Freu⸗ den, gabst auch Leid. Jetzt schließe, Welt— das Haus bist du— Die Thüre zu! Dein Gast geht in die ew'ge Ruh'; 3. Geht in ein beßres Schlafgemach; Die Freunde folgen segnend nach. Hab' gute Nacht! Der Tag war schwül Im Erdgewühl; Hab' gute Nacht, die Nacht ist kühl. 4. Ihr Glocken, tönet D. Auferstehung Eigene Melodie, oder: Jesus Christus, unser Heiland ꝛc. Joh. 11, 25. 81⁵. A; ja, auf⸗ erstehn wirst du, Mein 1 festlich drein, Und läutet hell den Sabbath ein, Der nach des Werktags kurzer Frist Durch Jesum Christ Für Gottes Volk vorhanden ist. Joh. 12, 26. Offenb. 22, 12—15. 5. Run, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein! — hier schließt die Wall⸗ fahrt sich. Ihr Schlum⸗ mernden im Friedensreich, Gönnt allzugleich Auch ihm (ihr) ein Räumlein neben euch! 6. Viel Gräber sind an diesem Ort, Viel Woh⸗ nungen im Himmel dort; Bereitet ist die Stätte schon Am Gnadenthron, Bereitet ihm(ihr) durch Gottes Sohn. 7. Sein ist das Reich mit Allgewalt; Er zeugt und spricht: Ich komme bald! Ja, komm, Herr Jesu, führ' uns ein! Wir harren dein! Amen, dein laß uns ewig sein! Dr. Christian Friedrich Heinrich Sachse, geb. 1785. und Weltgericht. Staub, nach kurzer Ruh'! Unsterblich Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Hal⸗ leluja! 2. Wieder aufzublühn werd' ich gesät. Der Herr 43 67⁴4 XX. Die letzten Dinge. der Ernte geht Und sam⸗ schläft in Sicherheit Und melt Garben Uns ein, die in ihm starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, Du, meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe Genug ge⸗ schlummert habe, Erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wird dann uns sein! Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden; Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann: lebt' ich Im Heilig⸗ thume Zu seines Namens Ruhme! Halleluja! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Mel. Nun sich der Tag geendet ꝛc. 0 9 Math. 25, 13—30. 8 1 6 ö Der Herr bricht 2 ein um Mit⸗ ternacht; Jetzt ist noch Alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! 2. Er hat es uns zuvor gesagt Und einen Tag be— stellt; Er kommt, wann Niemand nach ihm fragt, Noch es für möglich hält. 3. Wie liegt die Welt so blind und todt! Sie meint, des großen Tages Noth Sei noch so fern und weit. 4. Wer wacht und hält sich nun bereit Als ein ge⸗ treuer Knecht, Daß er in jener Rechnungszeit Vor Gott bestehe recht? 5. Wer giebt sein Pfund auf Wucher hin Und nützet seinen Tag, Daß er mit himmlischem Gewinn Vor Jesum treten mag? 6. Weckt ihr einander aus der Ruh', Daß Niemand sicher sei? Ruft ihr einander fleißig zu: Seid wacker, fromm und treu? 7. So wache denn, mein Herz und Sinn Und schlummre ja nicht mehr! Blick täglich auf sein Kom⸗ men hin, Als ob es heute wär'! 8. Der Tag der Rache nahet sich, Der Herr kommt zum Gericht; O meine Seel ermanne dich, Steh und verzage nicht! 9. Dein Tagewerk ist schön und groß, Mit Jesu wird's vollbracht, Der ein so seligschönes Loos Dem Treuen zugedacht; 10. Dem Knechte, der auf schmalem Pfad Ihm folgte Schritt vor Schritt, Fromu übel und li 11. Richte Himm aller Witz kehrt: 12. dir a ew'ge gehest Zu se 13. um noch? der n Und i N. Al Mel. 81 Zu m Chrif Ster 2. Schr gruft erwe Gral 3 schei mein mit sein Und Tages en und dd hält ein ge⸗ er in Vor Pfund nützet r mit Vor nander emand ꝛander vacker, „mein Und mehr! Kom⸗ heute Rache kommt Seel und rk ist Jesu r ein Dem der Ihm chritt, Fromm blieb, D. Auferstehung wenn Alles übel that, Geduldig stritt und litt 11. Dann, wann der Richter wie ein Blitz Vom Himmel niederfährt, Wann aller Sünder Lust und Witz In Heulen sich ver⸗ kehrt: 12. Dann kommt er dir als Morgenstern Mit ew'gem Gnadenschein, Dann gehest du mit deinem Herrn Zu seinen Freuden ein. 13. Der Herr bricht ein um M itternacht; Jetzt ist noch Alles still; Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! . Albert Knapp's Liederschatz, 1850. Mel. Christus der ist mein ꝛc. Matth. 25, 13. 51. Erns geh' ich 8 ohne Beben Zu meinem Tode hin; Denn Christus ist mein Leben Und Sterben mein Gewinn. 2. Ich fürchte nicht die Schrecken Der finstren Erden⸗ gruft; Der wird mich auch erwecken, Der mich zum Grabe ruft. 3. Und riefe mich, zu scheiden, Auch heute schon mein Gott, So folg' ich ihm mit Freuden, Und sterb' auf sein Gebot. 4. Des Lebens Kraft und Fülle Well' immer hin, wie Laub, Und dieses Lei⸗ bes Hülle Sei der Verwesung Raub! 5. Ich hoff' ein beßres Leben, Das ewiglich besteht. Ein Leib wird mich um⸗ geben, Der nimmermehr vergeht. 6. Dann eil' ich dir entgegen, Mein triumphirend Haupt; Ich ernte ew'gen Segen, Und schau', was ich geglaubt. M. Chrif fton⸗ Christian Sturm, 740—1786. Mel. O Ewigkeit, du ꝛe. Joh. 14, 2 818. Enn Jesu, Gottes Sohn, Der du schon längst der Himmel Thron Als Herrscher eingenommen; Du wirst dereinst zur rechten Zeit, In großer Kraft und Herr⸗ lichkeit, Vom Himmel wie⸗ der kommen; Gieb, daß mit freudigem Vertraun Dich dann auch meine Augen schaun. 2. Ist hier ein Geist, der fassen mag Die Hoheit, die an jenem Tag Du wirst dem Blick entfalten? Wann auf des Himmels Wolken einst, Du mit der Engel 43* 676 XX. Die letzten Dinge. Heer erscheinst, Um das Gericht zu halten? Dann sieht die Welt die Majestät, Wozu dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab Mit göttlicher Gewalt hinab, Und schafft ein neues Leben; Auf deinen Wink muß Erd' und Meer Der Todten unzählbares Heer Dem Lichte wieder geben; Was die Verwesung hier gesehn, Muß aus den Grüften auferstehn. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, Daß Alle den gerechten Lohn Nach ihrer That empfangen. Dann trifft den Bösen Schmach und Pein, Die Frommen gehn zum Leben ein, Das sie durch dich erlangen. So zeigest du, Herr Jesu Christ, Daß du der Men⸗ schen Richter bist. 5. Gieb, wenn dein großer Tag erscheint, Daß ich im Richter auch den Freund, Den Heiland wie⸗ derfinde; Daß ich mit Freu⸗ den vor dir steh', Und ein zu deinem Himmel geh', Befreit vom Fluch der Sünde. Hilf, daß ich nutze diese Zeit, Zu schaffen meine Seligkeit. 6. Dein Name sei mir ewig werth, Und was dein Wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben. Dich, den der ganze Him— mel preist, Dich muß im Glauben auch mein Geist Aus allen Kräften lieben; Dann kann mit freudigem Vertraun Ich dich an jenem Tage schaun. Neues Berliner Gefangbuch, 1829. Mel. Valet will ich dir geben ꝛc. Matth. 25, 6. 7. 8 1 9 Ern euch ihr Frommen, Zeigt eurer Lam⸗ pen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich auf⸗ gemachet Der Bräutigam mit Pracht. Auf, betet, kämpft und wachet! Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet sie mit Oel Und seid des Heils gewärtig, Bereitet Leib und Seel'! Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah'! Begegnet ihm in Reihen Und singt: Halle⸗ luja! 3. Ihr klugen Jung⸗ fraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor! Die Thür ist aufs zeit ist Reichs gam is 4. verzieh nicht 1 die B schönste heißt Abend Tag das T 5— nun s der is die X üben Allen, die des sammt auf, d 6. Erden liebt, berder betrül denstr der N übern nun *. trage seid, und sonde regie mes dein Das üben. Him⸗ ß im Geist ieben; digem jenem 1829. ben ꝛc. untert ch ihr Lam⸗ nd ist Nacht auf tigam betet, Bald Impen mit Heils und Zions im ist in Halle— Jung⸗ idas ichzen Zum Thür D. Auferstehung und Weltgericht. 677⁷7 ist aufgeschlossen, Die Hoch⸗ zeit ist bereit: Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Der Bräut'⸗ gam ist nicht weit. 48. Er wird nicht lang' verziehen, Drum schlafet nicht mehr ein. Man sieht die Bäume blühen, Der schönste Frühlingsschein Ver⸗ heißt Erquickungszeiten, Die Abendröthe zeigt Den schönen Tag von weitem, Davor das Dunkle weicht. 5. Wer wollte denn nun schlafen? Wer klug ist, der ist wach; Gott kommt, die Welt zu strafen, Zu üben Grimm und Rach' An Allen, die nicht wachen Und die des Thieres Bild Anbeten sammt dem Drachen. Drum auf, der Löwe brüllt! 6. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Ge⸗ berden Und seid nicht mehr betrübt! Es sind die Freu⸗ denstunden Gekommen, und der Braut Wird, weil sie überwunden, Die Krone nun vertraut. 7. Die ihr Geduld ge— tragen Und mit gestorben seid, Sollt nun nach Kreuz und Plagen In Freuden, sonder Leid, Mitleben und regieren Und vor des Lam— mes Thron Mit Jauchzen triumphiren In eurer Sie⸗ geskron'. 8. Hier sind die Sieges⸗ palmen, Hier ist das weiße Kleid; Hier stehn die Wei⸗ zenhalmen In Frieden nach dem Streit Und nach den Wintertagen; Hier grünen die Gebein', Die dort der Tod zerschlagen; Hier schenkt man Freudenwein. 9. Hier ist die Stadt der Freuden, Jerusalem, der Ort, Wo die Erlösten weiden; Hier ist die sichre Pfort', Hier sind die güld— nen Gassen, Hier ist das Hochzeitsmahl, Hier soll sich niederlassen Die Braut im Rosenthal. 10. GBesu, Wonne, Komm bald mach' dich auf! Geh auf, erwünschte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach' ein Ende Und führ' uns aus dem Streit! meine und Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungs— zeit. Laurentii Laurentius, 1660—1722. Mel. Jesu, der du meine Seele ꝛc. Ps. 31, 6. 820. d fahren, Und bei Jesu Christo sein, Wo sich die verklärten 678 XX. Die letzten Dinge. Schaaren In dir, ihrem Gott, erfreun. Christus ist und bleibt mein Leben, Er der Weinstock, ich der Re⸗ ben; Drum ist Sterben mein Gewinn: Gott, nimm meine Seele hin! 2. Von der Erde schon befreiet, Sehnet sich mein Geist nach dir; Christus hat mein Herz erneuet, Oeffne nun die Himmels⸗ thür! Dort, Herr, willst du ew'ges Leben Mir zum Gnadenlohne geben! Halle⸗ luja in der Zeit, Lob und Preis in Ewigkeit! 3. Ist dein Kommen gleich verborgen, Kommst du doch zur rechten Zeit Und bringst den verklärten Morgen Un⸗ getrübter Seligkeit. Aus der dunklen Erdenhöhle Eilt dann die erlöste Seele, Und zu deinem Thron hinauf Lenkt sie freudig ihren Lauf. 4. Wenn die matten Augen brechen, Sei der Geist doch hoch erfreut, Mög' an meinem Staub sich rächen Dieser Welt Vergänglich— keit. Auch der Leib, der in der Erden Erst als Staub zu Staub muß werden, Wird dereinst verklärt und schön Durch die Allmacht auferstehn. 5. Treuer Vater, ich be⸗ fehle Meinen Geist in deine Hand! Führe die verklärte Seele In das rechte Vater⸗ land. Nach der Trübsal, nach dem Leiden Ueber⸗ schütte sie mit Freuden, Daß kein Leid und kein Geschrei, Daß kein Schmerz und Tod mehr sei. 6. Und in meinen letzten Zügen Bleib, o Jesu, du bei mir; Hilf mir kämpfen, hilf mir siegen! Ewig hängt mein Heil an dir. Mit dem innigsten Entzücken Will ich an mein Herz dich drücken! Kämest du, o Herr, schon heut'! Komm, die Seel' ist ganz bereit. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Nun ruhen alle Wälder ꝛc. Cor. 821.• 15, 42—44. 7 rück' an jedem Tage, Mit jedem Stundenschlage Dem Grabe näher zu; Viel— leicht weit überschritten Hab' ich des Weges Mitten, Bald leg' ich mich zur letzten Ruh'. 2. An Haupt und Glie⸗ dern müde, Im Herzen Trost und Friede, Fahr' ich mit Lust dahin; In meines Jesu Hände Befehl' am letzten Seel' u borgen Sorger Nacht; der Er Samen Himme 4. verront Sonne strahlt mein à Schloß der Pi 9.* Hände behen merleit zeitskle gams Salen 6. geschie ew'ger Stadt Zunge Anbet nuel, Geist 8² der 8 h be⸗ deine klärte zater⸗ übsal, leber⸗ Daß schrei, Tod etzten „ du pfen, zängt dem ll ich icken! schon ist an age, lage Viel⸗ Hab' tten, tzten Hlie⸗ rzen Wich ines am D. Auferstehung und Weltgericht. 679 letzten Ende Ich Leib und Seel' und was ich bin. 3. Da lieg' ich wohl ge⸗ borgen Und schlafe ohne Sorgen In laͤnger, stiller Nacht: Der Staub ruht in der Erde, Daß er zum Samen werde, Daraus ein Himmelsleib erwacht. 4. Wenn einst die Zeit verronnen Und eine neue Sonnen Auf neue Erde strahlt, Hebt sich alsbald mein Hügel Und springen Schloß und Riegel, Wenn der Posaune Ton erschallt. 5. Mein Jesus reicht die Hände, Ich schwinge mich behende Aus meinem Käm⸗ merlein Und zieh' im Hoch—⸗ zeitskleide An meines Bräut⸗ gams Seite Im schönen Salem jubelnd ein. 6. Was hier der Tod geschieden, Das wird zu ew'gem Frieden In Gottes Stadt vereint, Wo alle Zungen singen, Preis, Ehr', Anbetung bringen Imma⸗ nuel, dem Seelenfreund. Geistliche Lieder von Adolph Nicolai, 855. Tag, Tag N 2 Welt 3 Jenen 822. X den Ma M5. 5 der Wehen, Wird die im Brand vergehen, Wie Prophetenspruch geschehen. 2. Welch Entsetzen von der Kunde, Daß der Richter kommt zur Stunde, Prü⸗ fend Alles bis zum Grunde! 3. Die Posaun' im Wun⸗ dertone Sprengt die Grä⸗ ber jeder Zone, Sammelt Alle vor dem Throne. 4. Erd' und Tod wird schaun mit Beben Alle Creatur sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 5. Und ein Buch wird aufgeschlagen, Drin steht Alles eingetragen, Weß die Welt ist anzuklagen. 6. Wenn der Richter also sitzet, Wird, was dun⸗ kel war, durchblitzet, Vor der Rache Nichts beschützet. 7. Ach, wie werd' ich Armer stehen? Wen zum Anwalt mir erflehen, Wenn Gerechte schier vergehen? 8. Hehrer König, Herr der Schrecken! Gnade nur deckt unsre Flecken: Gnade, Gnade laß mich decken. 9. Jesu, milder Heiland, siehe, Wie ich Ziel war deiner Mühe, Daß ich je⸗ nem Zorn entfliehe! 10. Bist so treu mich su⸗ chen gangen, Hast am Kreuz für mich gehangen Nicht um⸗ sonst sei Müh' und Bangen! 680 XX. Die letzten Dinge. 11. Richter mit der heil'⸗ gen Wage, Tilge wider mich die Klage Vor dem großen Rachetage! 12. Sieh, ich seufze schuld— beladen, Schamroth über schwerem Schaden: Hör'; mein Flehen, Gott, in Gnaden! 13. Du, der frei sprach einst Marien Und dem Schächer noch verziehen, Hast auch Hoffnung mir verliehen. 14. Mein Gebet gilt nicht so theuer; Aber laß mich, o du Treuer, Nicht vergehn im ew'gen Feuer! 15. Zu den Schafen mich geselle; Fern den Böcken und der Hölle Mich zu deiner Rechten stelle. 16. Wenn Verworfne sich entfärben, Die du hingiebst ins Verderben, Rufe mich zu deinen Erben. 17. Tief im Staub ring' ich die Hände; Zum Zer⸗ knirschten, Herr, dich wende! Herr, gedenke mein am Ende! Nach dem Lateinischen des Thomas von Celano. Mel. Valet will ich dir ꝛe. Matth. 24, 30. 31. 25, 31—33. 8 2 3. Richter aller Welten, Ich denk' an dein Gericht! Du kommst, um zu vergelten, Glaubt's auch die Thorheit nicht. Mich soll ihr Wahn nicht stören, Weil mich dein göttlich Wort Und mein Ge⸗ wissen lehren, Du sei'st mein Richter dort. 2. Ich höre die Posau⸗ nen, O Herr, im Geiste schon; Mit sehnsuchtsvollem Staunen Seh' ich den Rich⸗ terthron. Ich sehe, wie die Menge Der Engel um dich steht! Wie zeuget dies Ge⸗ pränge Von deiner Ma⸗ jestät! 3. Umsonst flieht dann der Sünder Vor deines Armes Kraft. Herr, alle Menschenkinder Ziehst du zur Rechenschaft. Du rufst und sie erscheinen! Laut tönt der Richterspruch Den Sündern und den Deinen Zum Segen oder Fluch. 4. Frohlockend sehn die Frommen Dein göttlich An⸗ gesicht; Schon hier dem Fluch entnommen, Zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen; Erlöst von aller Pein, Sehn sie den Himmel offen Und gehn zum Leben ein. 5. Wie angstvoll aber beben, Die hier dein Wort verschmäht Und, schnöder Lust ergeben, Nur auf das Hleisch nun 2 bösen Todes Misset 6. gen D Damit Empfi immer wahrer Dann Friede zu geh Neues Mel. I 82 heran, ihm et was ie dort verrin Ernst am 5 sich und! sein schwe Jeder richt! 3. ich d Rech geltu dann eines alle du rufst Laut Den einen . die An⸗ dem ihre phirt aller nmel eben aber Wort Höder das D. Auferstehung und Weltgericht. 681 Fleisch gesät! Sie ernten nun Verderben Von ihrer bösen Saat; Des ew'gen Todes sterben, Ist Sold der Missethat. 6. O laß mich oft erwä⸗ gen Dein künftiges Gericht, Damit ich, mir zum Segen, Empfinde sein Gewicht. Laß immer mich hienieden Im wahren Glauben stehn; Dann scheid' ich einst in Frieden, Um in dein Reich zu gehn. Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Jesus, meine Zuversicht ꝛc. Hebr. 9, 27. 0 äglich rückt 824. C mein Tod heran, Stündlich geh' ich ihm entgegen, Um von dem, was ich gethan, Rechenschaft dort abzulegen. Schnell verrinnt die Prüfungszeit, Ernst vergilt die Ewigkeit. 2. Zahllos wie der Sand am Meer Sammeln dann sich Millionen. Alle sieht und kennet Er, Allen kommt sein Tag, zu lohnen. Alles schweiget, wenn Er spricht; Jeder fühlt: Gott hält Ge— richt! 3. Von Gedanken muß ich dann, Wie von Worten Rechnung geben, Um Ver⸗ ich that bei Leibesleben; Wie ich Samen hier gestreut, Ernt' ich in der Ewigkeit. 4. Selbst der Herzen stillen Rath Wird der Rich⸗ ter offenbaren, Jedem wird für jede That Lohn auf ewig widerfahren. Jener Tag macht Alles klar, Was vor Menschen dunkel war. 5. Richte, Mensch, nicht vor der Zeit, Bis der Tag des Herrneerscheinet! Fromme, blickt zur Ewigkeit, Wenn ihr unter Leiden weinet: Bald geht ihr zum Himmel ein, Ewig bei dem Herrn zu sein. 6. Siehe, Christ, ein Ackersmann Hofft geduldig auf den Regen, Hofft, den Segen zu empfahn, Sieht des Fleißes Frucht entge— gen. Sei auch du geduldig, Christ, Da der Richter nahe ist. 7, Laßt uns stets ge⸗ wissenhaft Und nach Gottes Willen wandeln; Eingedenk der Rechenschaft, Fromm auch im Verborgnen han⸗ deln, Selbst die kleinste Sünde scheun, Herz und Leben Jesu weihn. 8. Dem, der schonend im Gericht Ueber uns das Ur⸗ theil fället Und uns vor sein Angesicht Voller Gnad' geltung zu empfahn, Wie und Wahrheit stellet, Dem 682 sei Preis und Herrlichkeit, Lob und Dank in Ewig⸗ keit! Neues Leipziger Gesangbuch, 1844. Mel. O Gott, du frommer ꝛce. Lue. 16, 2. 82 CTa Rech⸗ 0. nung! diese will Gott ernstlich von dir haben; Thu Rechnung, spricht der Herr, Von allen deinen Gaben; Thu Rech⸗ nung, fürchte Gott! Bald mußt du plötzlich fort; Thu Rechnung! denke stets An dieses ernste Wort! 2. Sprich: Großer Gott, wer kann Vor deinem Thron bestehen, Wenn du mit dei⸗ nem Knecht In dein Ge— richt willst gehen? Es ist in weiter Welt Zu finden nicht ein Mann, Der dir auf tausend nur Ein Wort antworten kann. 3. Laß Gnade gehn für Recht! Ach, laß mich Gnade finden! Mach mich aus Gnaden los Von allen mei⸗ nen Sünden! Laß deines Sohnes Huld Auch mein Herz machen rein; Laß alle meine Schuld, Getilgt, ver⸗ gessen sein. 4. Laß mich in dieser Welt Nur dir zu Ehren le⸗ ben Und thun, was dir ge⸗ XX. Die letzten Dinge. fällt, Dir allzeit sein erge⸗ ben! Dein Geist regiere mich, So werd' ich wohl bestehn Und einst, durch deine Gnad' Zur Himmels⸗ freud' eingehn. Dr. Johann Olearius, 1611—1684. ö Mel. Zion klagt mit Angst ꝛe. 1. Thess. 4, 13—18. 826. Mre schlafen, Seele, willst du traurig sein? Die da ruhn im Friedenshafen Von des Lebens Müh' und Pein? Nur wer keine Hoffnung hat, Traur' an ihrer Ruhe⸗ statt! Allen, die an Jesum glauben, Kann kein Tod die Hoffnung rauben. 2. Er, der starb, ist auf⸗ erstanden, Daß er uns unser Leben sei! Also macht von Todesbanden Gott auch die Entschlafnen frei. Ja, des Hrabes Riegel springt, Wann einst die Posaun' erklingt, Und vom Himmel kommt hernieder Jesus Christus herrlich wieder. 3. Dann erweckt zum Auferstehen Er ein jedes Gotteskind, Und aus ihren Gräbern gehen, Die in Ihm entschlafen sind. Für des Himmels Heiligthum Schafft er, die noch leben, um, Daß auch si Ihrem schwebe Erlöster Wort, Gräber Trauer zieh' ur wir im Mit d umfang zum S Dr. Johan 8² die S. sehr b Wach' salem! Stund hellem klugen auf, d Steht. Hallel reit müsset — ter si ihr L Sie 1 auf. vom D. Auferstehung und Weltgericht. 683 — auch sie zum ew'gen Leben Ihrem Herrn entgegen schweben. 4. Diese Hoffnung der Erlösten, Dieses theuer werthe Wort, Soll uns an den Gräbern trösten Und die Trauer treiben fort. Jesu, zieh' uns nur zu dir, Daß wir immer mehr dich hier Mit des Glaubens Kraft umfangen, Bis wir dort zum Schaun gelangen. Dr. Johann Christian Wilhelm August Hopfensack, geb. 1801. Eigene Melodie. Matth. 24, 42. 827 W achet auf! ERE ruft uns die Stimme Der Wächter, sehr hoch auf der Zinne, Wach' auf, du Stadt Jeru⸗ salem! Mitternacht heißt diese Stunde; Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohl⸗ auf, der Bräut'gam kömmt! Steht auf! die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch be— reit Zu der Hochzeit, Ihr müsset ihm entgegen gehn. 2. Zion hört die Wäch— ter singen, Das Herz thut ihr vor Freuden springen, Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahr⸗ heit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen All' Zum Freudensaal Und hal⸗ ten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesun⸗ gen Von Menschen⸗ und von Engelzungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön! Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug' hat je gespürt, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude! Drum jauch⸗ zen wir Und singen dir Das Halleluja für und für! Dr. Philipp Nicolai, 1556—1608. Mel. Wachet auf, ruft uns die ꝛc. Röm. 8, 11. —9036 Machet auf 828. W vom Schlaf, ihr Sünder! Er⸗ wacht, denn euch, ihr Menschenkinder, Erwarten Tod und Ewigkeit. Lohn und Strafe, Tod und Le⸗ ben Hat Gott in eure Hand gegeben. Erwacht! Noch ist zur Beßrung Zeit. Gerecht, gerecht ist Gott, Er hört der Frevler Spott. Frevler, zittert! Wißt, was er spricht, 684 XX. Die letzten Dinge. Gereut ihn nicht; Er kommt gewiß und hält Gericht. 2. Plötzlich wird sein Zorn entbrennen. Dann wird der Spötter ihn er⸗ kennen, Des Vaters einge⸗ bornen Sohn. Jauchzet, jauchzt, ihr, seine Frommen! Er wird zu eurem Heile kommen, Bald kommt er und mit ihm sein Lohn. Euch richtet Christus nicht. Er selbst ging ins Gericht Für die Sünder. Wir sind versöhnt, Mit Gott versöhnt! Wer überwindet, wird ge— krönt. 3. Seid bereit, ihn mit Verlangen, Mit reinem Her⸗ zen zu empfangen, Denn plötzlich bricht sein Tag herein! Und der Richter wird vom Bösen Sein Volk, die Frommen, ganz erlösen, Von Sünd' und Tode sie befrein! Dann ist voll— kommnes Heil In Ewigkeit ihr Theil. Jauchzt, ihr Frommen! Seid stets be— reit Auf diese Zeit, Und singt Gott Dank in Ewigkeit. Neues Dresdner Gesangbuch, 1816. Mel. Was Gott thut, das ist ꝛc. 2. Petri, 3, 13. 829 Wi⸗ warten * dein, o Gottes Sohn, Und lieben dein Erscheinen. Bald ist die Wartezeit entflohn, Bald kommst du zu den Deinen. Wer an dich glaubt, Er⸗ hebt sein Haupt Und sieht dir froh entgegen, Du bringst ja Himmelssegen. 2. Wir warten dein, doch mit Geduld, In unsern Prüfungstagen. Du hast dein Kreuz für unsre Schuld So demuthsvoll getragen: Wie sollten wir Uns nicht mit dir Zum Kreuze gern bequemen, Bis du's hinweg wirst nehmen? 2 3. Wir warten dein, du hast uns ja Das Herz schon hingenommen. Stets bist du uns im Geiste nah, Doch willst du sichtbar kom— men, Und dann wirst du Bei dir uns Ruh', Bei dir uns Freude geben Und ew' ges Himmelsleben. 4. Wir warten dein, du kommst gewiß, Dir klopfen schon die Herzen, Vergessen aller Kümmerniß, Vergessen aller Schmerzen. Dereinst, dereinst, Wenn du erscheinst, Soll unser Mund lobsin— gen Und ewig Dank dir bringen. M. Philipp Friedrich Hiller, w1699—1769. 836 wo mei meine 4 heil'gen schwebt giebt. Strebe heim, gem Lebens 2. dort, u Wo e Wo n noch a ret de wo ich allem C Licht u land se 3. dort, Wo al in der marter Vater lieben Engel, der J lobt i 4. dort, gern weg dein, Herz Stets nah, kom⸗ t du i dir ew'⸗ „ du pfen jessen jessen einst einst bsin⸗ dir 1769. E. Ewiges Leben. 685 E. Ewiges Eigene Melodie. Phil. 1, 23. 80. Un den wo mein Heiland leb. Den meine Seele liebt, Wohin im heil gen Traum sie oft ent⸗ schwebt, Den er ihr gnädig giebt. Nach oben geht ihr Streben, Dahin, wo sie da⸗ heim, Es drängt nach ew⸗ gem Leben Des wahren Lebens Keim. 2. Dort möcht' ich sein, dort, wo mein Heiland lebt, Wo ew'ge Freiheit blüht, Wo nicht die Sünde, die noch an mir klebt, Beschwe⸗ ret das Gemüth; Dort, wo ich, ganz geschieden Von allem Erdenbann, Im ew'gen Licht und Frieden Den Hei— land schauen kann. 3. Dort möcht' ich sein, dort, wo mein Heiland lebt, Wo aller Haß ist aus, Der in der Welt das Herz zu martern strebt; Wär' ich im Vaterhaus, Dort, wo der lieben Brüder, Der heil'gen Engel, Schaar Beim Klang der Jubellieder Den Herrn lobt immerdar! 4. Dort möcht' ich sein, dort, wo mein Heiland lebt, Leben. Jerusalem, in dir, Die ewig klar sich ob der Welt er⸗ hebt, Wo keine Nacht, wie hier! Wo keine Thräne feuchtet Das Auge, wo kein Leid; Die Gottes Lamm er⸗ leuchtet, Das Licht der Selig⸗ keit! 5. Dort möcht' ich sein, dort, wo mein Heiland lebt:; Doch weiter wall' ich still, Vom goldnen Bild des Hei— mathlands umschwebt, So lang' mein Herr es will. Es bleicht der Erde Wonne Vor seiner Herrlichkeit, Und seine Freudensonne Verklärt das tiefste Leid. Christian Böhmer's Lieder, 1855. Mel. Aus Hiet Noth schrei' ich ꝛc. CoCr. 5, 1. in Pilger bin 831. E ich der Welt, Voll Müh' sind meine Tage; So manche Noth, die mich befällt, Reizt noch mein Herz zur Klage; Doch, Herr, der Trost der Ewigkeit Ver⸗ süßt mir meiner Tage Leid, Daß ich's geduldig trage. 2. Der Sünde Joch, das auf mir liegt, Drückt nieder meine Seele. Wie leicht ist doch mein Herz be⸗ 686 XX. Die letzten Dinge. siegt! Wer weiß, wie oft er fehle? Doch einst werd' ich vollkommen rein, Ganz heilig und ganz selig sein, Dies tröstet meine Seele. 3. Hier wandeln Viele vor mir hin, Die, Jesu, dich verschmähen; Tief kränket mich ihr stolzer Sinn, Daß sie dein Heil nicht sehen; Dort sieht mein Auge sie nicht mehr, Ich sehe nur der Gläub'gen Heer Froh— lockend vor dir stehen. 4. Wie manche Nacht hab' ich in Schmerz Der Krankheit durchgeweinet! Wie seufzet oft das bange Herz, Wenn nirgends Hilf' erscheinet! Doch meine Thrä— nen stillen sich, Denn jenes Leben tröstet mich, Das mich mit dir vereinet. 5. Wenn mich der Zu⸗ kunft Dunkel schreckt, Die Noth der späten Tage, Wenn jene Last mir Sorg' erweckt, Die einst als Greis ich trage, So schöpf' ich aus der Ewigkeit Mir reichen Trost für diese Zeit, Daß nicht mein Herz verzage. 6. Wenn einst, der jetzt noch ferne droht, Der Tod mir näher winket Und nach der Erdentage Noth Mein Haupt zum Schlummer sin⸗ ket, So bin zum Sterben ich bereit Und tröste mich der Herrlichkeit, Die mir entgegen winket. M. Christoph Christian Sturm, 1740—1786. Mel. Wie wohl ist mir, o ꝛe. Hebr. 13, 14. 832 ĩ ist noch eine * Ruh' vor⸗ handen; Auf, müdes Herz, und werde licht! Du seuf— zest hier in deinen Banden, Und deine Sonne scheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle weiden; Wirf hin die Last und eil' ihm zu! Bald ist der schwere Kampf geendet, Bald, bald der saure Lauf vollendet; So gehst du ein zu deiner Ruh'! 2. Die Ruhe hat Gott auserkoren, Die Ruhe, die kein Ende nimmt. Es hat, da noch kein Mensch ge— boren, Die Liebe sie uns so bestimmt. Die Liebe wollte darum sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben; Sie ruft, sie locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäu⸗ met nicht, heut' einzukom⸗ men Zu meiner Ruhe Lieb⸗ lichkeit! 3. So kommet denn, ihr matten Last 1 Eilt, e merhöhl traurig habt d tragen; Liebe se eure R seid m müde, wohnet Seid n ein! 4. Kranker müden jener n Und se ruhen sich da einem götzen: so ver sind ku ist noch Da ke uns lie 5. dengarl unsre O, we erklinge in das Seufze: Banger und vo den au 99.20. eine vor⸗ Herz, seuf⸗ nden, einet Lꝰ—— E. Ewiges Leben. 687 matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt; Eilt, eilt aus euren Kum⸗ merhöhlen, Geht nicht mehr traurig und gebückt! Ihr habt des Tages Last ge⸗ tragen; Dafür läßt euch die Liebe sagen: Ich will selbst eure Ruhstatt sein. Ihr seid mein Volk; der Erde müde, Geht ein; hier wohnet Gottes Friede; Seid nur getrost und gehet ein! 4. Was mag wohl einen Kranken laben Und einen müden Wandersmann? Wo jener nur ein Lager haben Und sanft von Schmerzen ruhen kann, Wenn dieser sich darf niedersetzen, An einem frischen Trunk er⸗ götzen: Wie sind sie beide so vergnügt! Doch dies sind kurze Ruhestunden: Es ist noch eine Ruh' erfunden, Da keine Last mehr auf uns liegt. 5. Da wird man Freu⸗ dengarben bringen, Denn unsre Thränensaat ist aus. O, welch ein Jubel wird erklingen! Das Kind kehrt in das Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid, des Todes Bangen Ist dann entflohen und vergangen. Wir wer⸗ den auch den Heiland sehn. Er wird vom Kampf uns nun erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen Und mit uns ein zur Freude gehn. 6. Kein Durst noch Hun⸗ ger wird uns schwächen, Denn die Erquickungszeit ist da. Die Sonne wird uns nicht mehr stechen, Der Herr ist seinem Volke nah'! Er will selbst über ihnen wohnen Und ihre Treue wohl belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr' und Preis. Es werden Gottes Saaten grünen! Der große Sab⸗ bath ist erschienen, Da man von keiner Plage weiß. 7. Da ruhen wir und sind in Frieden Und leben ewig trübsalslos. Ach, fasset dieses Wort, ihr Mü⸗ den: Kurz ist die Müh', der Lohn ist groß! Ach, Flügel her, wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen; Dort wartet schon die frohe Schaar! Fort, fort, mein Geist, zum Jubiliren! Auf, rüste dich zum Triumphiren! Auf, auf! es kommt das Ruhe⸗ jahr! M. Johann Siegmund Kunth, 1700—1779. 688 XX. Die letzten Dinge. Mel. Ach, wie betrübt sind fromme. Hebr. 13, 14. noch 83 3. Es ne Ruh' vorhanden Für jeden Gott ergebnen Geist, Wann er sich dieses Körpers Banden Nach Gottes Willen einst entreißt Und, nun nicht mehr so eingeschränkt Als hier, lebt, handelt, will und denkt. 2. Die, Herr, zu dieser Ruhe kommen, Wie froh und selig sind doch die! In deinen Himmel aufgenom⸗ men, Befreit von dieses Le⸗ bens Müh', Wird nach der Last, die sie gedrückt, Ihr Herz auf ewig nun er⸗ quickt. 3. Wie Mütter ihre Kinder trösten, So tröstet deine Gütigkeit Mit Him⸗ melswonne die Erlösten Nach überstandner Uebungs⸗ zeit; Dann wird es ihnen offenbar, Wie gut hier deine Führung war. 4. Da schweigen alle ihre Klagen, Da bringet dir ihr Lobgesang Selbst für die ausgestandnen Pla⸗ gen Mit nie gefühlter Rüh⸗ rung Dank. Da jauchzen sie: Es ist vollbracht! Der Herr hat Alles wohl ge— macht! 5. Auf ewig trifft sie dann kein Leiden, Kein Schmerz und keine Schwach⸗ heit mehr, Gott führt sie zu vollkommnen Freuden Und krönet sie mit Peis und Ehr'. Ein sichres Glück und volles Heil Bleibt in der Ewigkeit ihr Theil. 6. O, wer kann deine Gnade fassen? Du willst den, der dich redlich liebt, Nicht ewig in der Unruh' lassen, Die dieses Leben noch umgiebt. Sie flöße Muth und Kraft mir ein, Der Tugend immer treu zu sein. 7. Mein Heiland, der du selbst auf Erden Der Leiden Joch getragen hast, Will ich des Lebens müde werden Und fühl' ich seiner Plagen Last, So stärke mächtig meinen Geist, Daß er dem Unmuth sich ent⸗ reißt. 8. Gieb, daß in Hoff⸗ nung jener Ruhe, Die einst der Frommen Erbtheil ist, Ich gern des Vaters Willen thue, Wie du darin mein Vorbild bist; So folgt auf meine Uebungszeit Gewiß vollkommne Seligkeit. Johann Samuel Dieterich, 1721—1797. Mel. Ni 83⁴ deinen hätt' so voraus gern n Schöpfe hingegel 2. tig, W sehn. Drum schön. hellen von wohnen 3. Der Er hat mir Geist g nicht g nicht vereinig 4. 2 Daß schreckt: Seitder Ich u Leiden zeitlebe ben. 5. Daß Und o ihr nä hellen, t sie Kein wach⸗ t si uden Peis Glück t in deine willst liebt, nruh noch Muth Der zu der Der hast, müde seiner stärke Daß ent⸗ Hoff⸗ einst I ist, Billen mein t auf zewiß rich, E. Ewiges Leben. 689 Mel. Nun preiset Alle Gottes ꝛc. Joh. 20, 18. 8 3 4 ch hab' von 2 ferne, Herr, deinen Thron erblickt, Und hätt' so gerne Mein Herz voraus geschickt, Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 2. Das war so präch⸗ tig, Was ich im Geist ge⸗ sehn. Du bist allmächtig, Drum ist dein Licht so schön. Könnt' ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Doch ich bin sündig, Der Erde noch geneigt; Das hat mir bündig Dein heil'ger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann er⸗ schreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lie⸗ ben. 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn, Und ohn' Ermüden Will ich ihr näher gehn, Und ihre hellen, goldnen Gassen Le— benslang nicht aus den Augen lassen. Dr. Johann Timotheus Hermes, 1738—1821. Eigene Melodie. Offenb. 21, 10. 11. 8 35 5. du 0 hochgebaute Stadt, Wollt' Gott, ich wär' in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat Und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg' und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund', Wann wirst du kommen schier, Da ich mit Lust, mit freiem Freudenmund Die Seele geb' von mir In Gottes treue Hände Zum auserwählten Pfand, Daß sie mit Heil anlände In jenem Vaterland! 3. Im Augenblick wird sie erheben sich Bis an das Firmament, Wenn sie ver⸗ läßt so sanft, so wunderlich Die Stätt' der Element', Fährt auf Eliä Wagen, Mit heil'ger Engel Schaar, Die sie in Händen tragen, Umgeben ganz und gar. 4. O Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir! Thu —— 690 XX. Die letzten Dinge. auf der Gnaden Pfort'! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, Eh' ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit Und mir Gott hat gegeben Das Erb' der Ewigkeit! 5. Was für ein Volk, was für ein' edle Schaar Kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Aus⸗ erwählten war, Seh' ich, die beste Kron', Die Jesus mir, der Herre, Entgegen hat gesandt, Da ich noch war so ferne In meinem Thränenland. 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland dort trugen des Kreuzes Joch Und der Ty⸗ rannen Pein, Schau' ich in Ehren schweben, In Frei⸗ heit überall, Mit Klarheit hell umgeben, Mit sonnen⸗ lichtem Strahl. 7. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin Im schönen Paradeis, Von höchster Freud' erfüllet wird der Sinn, Der Mund von Lob und Preis. Das Halleluja reine Singt man in Heilig⸗ keit, Das Hosianna feine Ohn' End' in Ewigkeit. 8. Mit Jubelklang, mit Instrumenten schön Auf Chören ohne Zahl, Daß von dem Schall und von dem süßen Ton Sich regt der Freudensaal, Mit hun⸗ derttausend Zungen, Mit Stimmen noch viel mehr, Wie von Anfang gesungen Das große Himmelsheer. Dr. Johann Matthäus Meyfart, 1590—1642. Mel. Wie schön leuchtet der ꝛc. Jacob. 1, 12. 8 3 6 1 sein Geist, ö o Gott, wird ganz entzückt, Wenn er nach jenem Himmel blickt, Den du für uns bereitet; Dort wird erst deiner All⸗ macht Hand Aus neuen Wundern recht erkannt, Die du daselbst verbreitet. Herr, ich Fühl' mich Angetrieben, Dich zu lieben, Der zum Leben Jener Welt mich will erheben. 2. Was sind die Freu⸗ den dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, Die wir im Himmel finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar Viel Wunder deiner Güte dar, Daß wir sie froh empfinden; Doch hier Sind wir Bei den Freuden Noch mit Leiden Stets umgeben, Dort Leben. 3. mehr wischeft Von d Dort kein E Herr, Das Freunt Erlöste Der; hier se 4 Heiligt Namer lionen die H Da s mehr sie ga Schnel Ohn' droben bist zu 5. lieben dann freudik stört Brust fache! Güte. Streit Reiner Die 1 fehlen. E. Ewiges Leben. 691 Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Dort ist kein Tod mehr und kein Grab, Du wischest alle Thränen ab Von deiner Kinder Wangen; Dort ist kein Leid mehr, kein Geschrei, Denn du, o Herr, machst Alles neu, Das Alte ist vergangen! Freundlich Giebt sich Den Erlösten, Sie zu trösten, Der zu kennen, Den sie hier schon Vater nennen. 4. In deinem höhern Heiligthum Erschallet deines Namens Ruhm Von Mil⸗ lionen Zungen; Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn, Da schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie ganz besungen. Heller, Schneller, Als hienieden, Ohn' Ermüden Sehn wir droben, Gott, wie hoch du bist zu loben. 5. Mit neuer Inbrunst lieben wir, O Gott, dich dann und dienen dir Mit freudigem Gemüthe. Nichts stört den Frieden unsrer Brust Und unsre tausend⸗ fache Lust An deiner großen Güte. Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Triebe Reiner Liebe Unter Seelen, Die nun ewig nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schaar ist dort vereint! Die From⸗ men, die ich hier beweint, Die find' ich droben wieder; Dort sammelt deine Vater⸗ hand Sie, die Ein Sinn schon hier verband, Herr, alle deine Glieder. Fröhlich Werd' ich, Frei von Män⸗ geln, Mit den Engeln Dir lobsingen, Preis und Dank dir ewig bringen. 7. Dort ist mein Freund, des Höchsten Sohn, Der mich geliebt; wie glänzt sein Thron In jenen Himmels⸗ höhen! Da werd' ich dich, Herr Jesu Christ, Der du der Engel Wonne bist, Mir zum Entzücken sehen! Nichts kann Alsdann Mich mehr scheiden Von den Freuden, Die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält, Wenn sie voll Glauben sterben! Der du vorangegangen bist, Zich dir mich nach, Herr Jesu Christ, Hilf mir dein Reich ererben! Laß mich Treulich Darnach streben, Dir zu leben Auf der Erde, Daß ich dort dein Erbe werde. Dr. Ahasverus Fritsch, 1629—1701. 4⁴˙ 692 XLX. Die letzten Dinge. Wer nur den lieben ꝛc. Joh. 16, 33. 8 37 3*⁴ einer * Prüfung kurzer Tage Erwartet uns die Ewigkeit. Dort, dort verwandelt sich die Klage In göttliche Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, Und jene Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden Schon manchen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm ein un⸗ vollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' Nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald das Geräusche dieser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Herzen Ein Feind, der öfter siegt, als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kum⸗ mer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, Das Laster öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt, Hier kann der Mensch nie frei von Pein, Nie frei von eigner Schwachheit sein. 5. Hier such' ich's nur, Mel. dort werd' ich's finden; Dort werd' ich, heilig und ver— klärt, Der Tugend ganzen Werth empfinden, Den un⸗ aussprechlich großen Werth; Den Gott der Liebe werd' ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht heilger Wille Mein Will' und meine Wohlfahrt sein, Und lieblich Wesen, Heil die Fülle Am Throne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel sah, Das wun⸗ derbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier ge— schah; Da denkt mein Geist mit Preis und Dank Die Schickung im Zusammen⸗ hang. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, Wo Gott, mein Heil, sich offenbart, Ein Heilig, Heilig, Heilig singen Dem Lamme, das erwürget ward; Und Cheru⸗ bim und Seraphim Und alle Himmel jaͤuchzen ihm. 9. Da werd' ich in der Engel Schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte Glück erfahren, Dort ver⸗ Inzen un⸗ erth; verd' ewig sicht Will' sein, il die ottes läßt winn ewig im Nauf wun⸗ nen, ge⸗ Geist Die men⸗ dem Gott, bart,‚ eilig das heru⸗ d alle der hnen Das hren, E. Ewiges Leben. 693 Mit Frommen stets fromm umzugehn. Da wird durch jeden Augenblick Ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu Millionen Malen Noch segnen, daß er mir ihn wies; Da find' ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft, o möchte Gott es geben! Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sei dir! denn du hast mein Leben, Die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies Glück erfreun, Der Retter einer Seele sein! 12. Was seid ihr Leiden dieser Erden Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offen⸗ bart an uns soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wie Nichts, wie gar Nichts gegen sie Ist doch ein Augen⸗ blick voll Müh'! N. Christian Fürchtegott Gellert, 1715—1769. Mel. Jesu, der du meine ꝛc. Matth. 5, 4. 838. G wie selig Werden wir im Himmel sein! Droben ernten wir unzählig Unsre Freu⸗ dengarben ein. Gehen wir hier hin und weinen, Dor⸗ ten wird die Sonne scheinen; Dort ist Tag und keine Nacht, Dort, wo man nach Thränen lacht. 2. Es ist doch um dieses Leben Nur ein jämmerli⸗ ches Thun, Und die Noth, die uns umgeben, Lässet uns gar selten ruhn. Von dem Abend bis zum Morgen Kämpfen wir mit lauter Sorgen, Und die überhäufte Noth Heißet unser täglich Brot. 3. Ach, wer wollte sich nicht sehnen, Dort in Zion bald zu stehn Und aus die⸗ sem Thal der Thränen An den Freudenort zu gehn, Wo das Kreuze sich in Palmen, Unser Klagelied in Psal⸗ men, Unsre Last in Lust verkehrt Und das Jauchzen ewig währt! 4. Da wird unser Aug' erblicken, Was ganz unver⸗ gleichlich ist, Da wird un— sern Mund erquicken, Was aus Gottes Herzen fließt, Da wird unser Ohr nur hören, Was die Freude kann vermehren, Da empfindet unser Herz Lauter Labsal ohne Schmerz. V 694 XX. Die letzten Dinge. 5. O, wie werden wir so schöne Bei der Klarheit Gottes sein! Wie wird uns das Lobgetöne Seiner En⸗ gelschaar erfreun, Wie wird unsre Krone glänzen Bei so vielen Siegeskränzen, Wie wird unser Kleid so rein, Heller als die Sonne sein! 6. Manna wird uns dor⸗ ten thauen, Wo Gott selbst den Tisch gedeckt, Auf den immer grünen Auen, Die kein Gifthauch mehr befleckt; Wonne wird wie Ströme fließen, Und wir werden mit den Füßen Nur auf lauter Rosen gehn, Die in Edens Garten stehn. 7. Ach, wann werd' ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlitz schau'! Werd' ich nicht bald aufgenommen In den schönen Himmels⸗— bau, Dessen Grund den Perlen gleichet, Dessen Glanz die Sonne weichet, Dessen wundervolle Pracht Alles Gold beschämet macht? 8. Nun, so stille mein Verlangen, O du großer Lebensfürst! Laß mich bald dahin gelangen, Wo du mich recht trösten wirst. Unter⸗ dessen laß auf Erden Schon mein Herze himmlisch wer— den, Bis mein Loos in jener Welt Auf das aller⸗ schönste fällt. Benjamin Schmolck, 1672—1737. Mel. Wachet auf, ruft uns ꝛc. Offenb. 19, 9. 839 Sels sind & des Him⸗ mels Erben, Die Todten, die im Herren sterben, Zur Auferstehung eingeweiht! Nach den letzten Augenblicken Des Todesschlummers folgt Entzücken, Folgt Wonne der Unsterblichkeit. In Frie⸗ den ruhen sie, Los von der Erde Müh', Hosianna! Vor Gottes Thron Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke sie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weis— heit, ewig, ewig Ehre Sei dir, Versöhner, Jesu Christ! Ihr, der Ueberwinder Chöre, Bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre Dem Lamme, das geopfert ist! Er sank, wie wir, ins Grab! Wischt' unsre Thrä⸗ nen ab, Alle Thränen! Er hat's vollbracht! Nicht Tag, nicht Nacht Wird an des Lammes Throne sein! 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne Scheint uns alsdann: Er ist uns Sonne, Der Sohn, die Herrlic nach d gen, aufgeg im Du Nun 1 Das Hallel Wie w' zu Go Friedrich Mel. E. Ewi ges Leben. 695 Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend ran⸗ gen, Nun bist du, Heil, uns aufgegangen, Nicht mehr im Dunkeln, nicht von fern! Nun weinen wir nicht mehr; Das Alte ist nicht mehr, Halleluja! Er sank hinab, Wie wir, ins Grab; Er ging zu Gott, wir folgen ihm! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Wie schön leuchtet der ꝛe. Phil. 1, 21. 8 40 WMie wird — mir dann, o, dann mir sein, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, In ihm entschlafen werde, Von keiner Sünde mehr entweiht, Entladen von der Sterblichkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Freu' dich, Seele! Stärke, tröste Dich, Erlöste, Mit dem Leben, Das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich und bebe doch: So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder! Der Herr erleichtert mir mein Joch; Es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, Glaubt und erhebt sich wieder. Jesus Christus, Laß mich streben, Dir zu leben, Dir zu sterben, Dei— Mel. nes Vaters Reich zu erben! 3. Verachte denn des Todes Graun, Mein Geist! Er ist ein Weg zum Schaun, Der Weg im finstren Thale! Er sei dir nicht mehr fürch— terlich: Ins Allerheiligste führt dich Der Weg im finstren Thale. Gottes Ruh' ist Unvergänglich, Ueber⸗ schwenglich; Die Erlösten Wird sie unaussprechlich trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wenn nun mein Auge bricht, Zu deinen Todten sammelt. Vielleicht umgiebt mich ihre Nacht, Eh' ich dies Flehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgestammelt. Vater, Vater, Ich befehle Meine Seele Deinen Händen, Dei⸗ nen treuen Vaterhänden! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel', Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte mei⸗ ner Sterblichkeit, Wird sie erst spät zertrümmert: Laß mich, Vater, Reiche Saaten Guter Thaten Dann beglei— ten Vor den Thron der Ewigkeiten! 6. Wie wird mir dann, ach, 696 XX. Die letzten Dinge. dann mir sein, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, Ihn dort anbeten werde, Von keiner Sünde mehr entweiht, Ein Mitge⸗ noss' der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, Heilig, Heilig sin⸗ gen Wir dir, bringen Preis und Ehre! Dir, der war und sein wird, Ehre! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724—1803. Eigene Melodie. . Ooh. 3, 2. ie wird mir 841. W sein, wenn ich dich, Jesu, sehe In deiner göttlich hohen Maje— stät; Wenn ich verklärt vor deinem Throne stehe Und Ewigkeit mich Staunenden umweht! Wie wird mir sein, o Herr! Ich fass' es nicht, Nur Thränen rinnen mir vom Angesicht. 2. Wie wird mir sein, wenn deines Hauptes Strah- len Mein Haupt umleuchten, das dem Grab entschwand, Und wenn im Himmels⸗ glanz sich vor mir malen Die Freuden, die kein sterb⸗ lich Herz empfand? Wie wird mir sein, o welche Seligkeit Empfind' ich, denk ich jener Freudenzeit! 3. Wie wird mir sein, wenn Engelharfen tönen Und sanft ich ruh' in mei— nes Hirten Schooß; Wenn ausgeweint sind alle meine Thränen Und ich nun ganz von Erdenfesseln los! Wie wird mir sein, o du, mein Herr, mein Gott, Wenn nicht mehr schrecken, Sünde, Höll' und Tod! 4. Wie wird mir sein, wenn ich sie wiedersehe, Die Theuren alle, die ich hier geliebt; Wenn ich mit ihnen in des Heilands Nähe Lob— singend steh', von Trennung nie betrübt! Wie wird mir sein! O Freuden ohne Zahl, Ihr strömet Licht ins dunkle Erdenthal! 5. Ja, unaussprechlich sind die sel'gen Freuden, Die dort der Herr mir einst bereiten wird! Drum will ich harren, stille sein und leiden, Bis mich nach kur⸗ zem Streit der treue Hirt Aus Gnaden führt zum ew'gen Frieden ein; Mein Herr, mein Gott, wie wird alsdann mir sein! Emanuel Christian r Langbecker, 7 geb. 17 genlig heilig Herrt —— denk sein, tönen ꝛmei⸗ Wenn meine ganz Wie mein Wenn zünde, Zahl, dunkle echlich euden, einst will n und h kur⸗ e Hirt zum Mein wird ngbecker, Liturgie an Sonn⸗ und Festtagen. ———— Gesang der Gemeinde, oder Anfangs- und Mor⸗ genlied*). Der Geistliche. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe sei im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.— Sündenbekenntniß. Chor. Amen. Geistliche. Herr, erbarme dich unser und sei uns gnädig! Chor. Herr, erbarme dich über uns! Christe, erbarme dich über uns! Herr, erbarme dich über uns! *) Nach Endigung desselben wendet sich der Geistliche, der während des Gesanges vor den Altar getreten ist, gegen die Ver⸗ sammlung, welche aufsteht und in gebührender Ehrerbietung so lange stehen bleibt— mit Ausnahme der Schwachen— bis die Altargebete und Chöre beendigt sind. Liturgie. Geistliche. Ehre sei Gott in der Höhe! Chor. Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl⸗ gefallen.— An Festtagen folgt: Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner herrlichen großen Ehre willen, Herr, Gott, himmlischer König, allmächtiger Vater! Herr, du eingeborner Sohn, Jesus Christus. Herr, Gott, du Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der du die Sünde der Welt trägst, erbarme dich unser; der du die Sünde der Welt trägst, nimm an unser Gebet; der du sitzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! Denn du allein bist heilig, du allein bist der Herr, du allein bist der Allerhöchste, Jesus Christus mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters; Amen, Amen, Amen. Geistliche. Der Herr sei mit euch! Chor. Und mit deinem Geiste. Geistliche. Spricht eins der Collecten-Gebete, die vor der Epistel zu lesen bestimmt sind. Chor. Amen. Vorlesun Spri He G A Ic Himme eingebo heiligen litten 1 begrabe auferste sitzet z dannen die Te heilige Heilige Fleisch 22 Herrn Geistliche. Vorlesung der Epistel. Nach derselben spricht er einen von den Sprüchen, die vor dem Halleluja zu sprechen bestimmt sind. Chor. Zohl⸗ Halleluja. Geistliche. Vorlesung des Evangeliums. dich Gelobet sei'st du, o Christus. Amen. einer Chor. scher Amen. ohn, Geistliche. n Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer 6 Himmels und der Erde; und an Jesum Christum, seinen 1. eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom ein heiligen Geiste; geboren von der Jungfrau Maria; ge— 7.— litten unter Pontio Pilato; gekreuziget, gestorben und begraben; niedergefahren zur Hölle; am dritten Tage wieder des auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel; sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den heiligen Geist; eine heilige allgemeine christliche Kirche; die Gemeinschaft der Heiligen; Vergebung der Sünden; Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Chor. Amen, Amen, Amen. lesen Geistliche. Erhebet eure Herzen und lasset uns danken dem Herrn unsern Gott: Liturgie. 699 700 Liturgie. Recht ist es und wahrhaftig würdig und heilbrin⸗ gend, dir, Allmächtiger, Dank zu sagen, zu allen Zeiten und an allen Orten, durch Jesum Christum, unsern Herrn, um dessentwillen du uns verschonet hast, uns unsere Sünden ver⸗ giebst und die ewige Seligkeit verheißest, und mit allen Engeln und Erzengeln und dem ganzen Heere der himm— lischen Heerschaaren singen wir dir und deiner unend— lichen Herrlichkeit einen Lobgesang. Chor. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth! Alle Lande sind seiner Ehre voll!— Hosianna in der Höh'! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höh'. Kirchengebet. Hierauf folgt eine kurze Musik oder liturgischer Gesang, das Haupt⸗ lied, dann die Predigt mit oder ohne Kanzelvers, mit oder ohne besondern Eingang; dann die Abkündigungen und Fürbitten ꝛe. Den Beschluß macht: Unser Vater ꝛc. und der Segen, nebst einigen Versen. 1 Alle C Abend,‚! Ach, blei Chri Ach, ble Ach G dein Ach Go Ach Got wir Ach, we Ach, we nur Ach, v sterl Ach, u Ach, wi Ach, w Sü Ach, w held ilbrin⸗ m und n, um en ver⸗ allen himm⸗ unend⸗ Alle Höh'! Herrn! Haupt⸗ der ohne itten ꝛc. „ nebst Alphabetisches Register. A. No. Abend, heller als der Morgen 730 Ach, bleib bei uns, Herr Jesu Shritt 257 Ach, bleib mit deiner Gnade 1 Ach Gott, gieb du uns deine Gnad.. 360 Ach Gott, verlaß mich nicht 2 Ach Gott, wie sicher wandeln Wiüit 2⁵5 Ach, mein Herr Jesu, dein Nahefein 59 Ach, mein Herz, gieb dich daren 582 Ach, mein Jesu, welch Verderben 387 Ach, Vater, gieb mir deinen Willen 464 Ach, wär' ich doch schon drodben 514 Ach, was ist doch unsre Zeit 751 Ach, wenn ich dich, mein Gott, nur habbe 65 Ach, wie freu' ich mich zu sterben 7⁵² Ach, wie heilig ist der Ort 361 Ach, wie so sanfte schläfest du 790 Ach, wie werd' ich frei von Sänden 388 Ach, wundergroßer Sieges-— Hhid 22² Alle Christen hören gerne„466 No. Allein Gott in der Höh' sei Ehr Allein zu dir, Herr Jesu Christ 389 Alle Menschen müssen sterben 781 Alles ist an Gottes Segen 73. Alles, was aus Gott geboren 431 Allgütiger, allein bei dir.. Allmächtiger, der seinen Thron: Also hat Gott die Welt Seliebt 116 Amen! Deines Grabes Friedte Amen! Lob, Preis und Herrlichteitt 362 Amen! Lob und Preis und Starie 19 Am Grabe stehn wir stille.791 Am Himmel ziehen Wolken schwer 583 Am Kreuz erblaßt, Der Marteer 158 An deine Leiden denken wir 159 An dich, mein Gott, gedenken 467 Auch diesen Tag hab' ich vollbrach 731 Auf, auf, den Herrn zu 1oben· Auf, auf, ihr Reichsgenossen 97 Auf, auf, macht Thor' und Herzen. 702 Alphabetisches Register. No. No..— Auf, auf, mein Herz, mit Betend nahen wir uns dir 315 Wdr Freudeen 194Bete nur, betrübtes Herz 352 Dein 9 Auf, auf, mein Herz, und Bis hierher hat—— Gott Dein, du, mein ganzer Sinn 468 gebracht 8 Dein Auf Christi Himmelfahrt Bis hierher ist's gel ungen 668 Ew alleun 223Bleibe, bleibe, Herr, bei mir 9 Dein X Auf deine Weisheit schauen 469 Bleib, Herr, mit deinem 211d Auf, du zagendes Gewissen 86 Würnte 290 Dein 2 Auferstanden, auferstanden 195Bleibt bei dem, der euretwillen 475 Dein Auferstehn, ja, auferstehn Blick' auf unsre Kinder hier 310 Ate Wirst vt 815 Blick' hin in die vergangnen Dein Auf euch wird Gottes Zeiten 392* Ver Seoet ohn 639Brich an, du schönes Mor⸗ Dein 7 Auf ewig nicht Verläßt uns genlicht 11 voll deine Treu 470Bringt Preis und Ruhm. 196 Dem H Auf Gott, und nicht auf Den V meinen Rathh 47¹ 5 600 Auf, ihr Christen, Gott zu C. Denket Ioent 5 0 I I Christ, Alles, was dich kränket 584 kin⸗ den Herrn uns 677 Christ, aus deinem Herzen Denno Auf meinen lieben Gott.. 472 Banne. 585 Der A Auf, und mache dich bereit 90 Christe, du Lamm Gottes. 161 Der an Auf, zum Dank aus vollem Christi Blut und Gerechtigkeit 433 Der be Deizem n 6 Christ ist erstanden 10⁷— 3 Aus der Tiefe meiner Sinnen 390 Christ, prüfe dich an jedem Aus Gnaden soll ich selig 6 2* Welder 43² Sert der ist mein Leben 78² Der Aus irdischem Getümmel. 87 W Eed Wal Armen 47f Der de Aus meines Herzens Grunde 694 40 Dor d Aus tiefen Nöthen flehen wir 632 Se Aus tiefer Noth schrei' ich D Der d 14. 3⁰ 2— zu dir 91 Der Da kommt die Sonne! Tiefe 61 B Nacht. 69⁵ Der C Dank, Dank sei dir für 6 Bedenke, Mensch, das Ende 753 dein Erbarmen....332 Der he Befiehl du deine Wege... 473Das alte Jahr vergangen ist 665 Der Begleite mich, o Christ! Das bei dem Vater thronet 118 Der Wir geheit... 16⁰ 275 Jahr ist nun zu Ende 666 M Begrabt den Leib in feine Das ist eine sel'ge Stunde 364 Der& Grüstt 92 Das walte Gott, der helfen Der Beherrscher aller Welten. 7 laun.. 6⁴ Di Bei dir, Jesu, will ich bleiben 474 Deines Gottes freue dich„478 Der& Beschwertes Herz, leg' ab Dein harr' ich und bin stille 4479 Der H die Sorgen.... 363 Dein ist die Macht 224 — No. dir 315 „ 392 ott : 664 Uur 3 m .. 295 en 475 ier 316 Alphabetisches Register. Dein König kommt in nie⸗ dern Hüllen Dein Name werd' erhoben. Dein, o Gott, soll ewig sein Dein sind wir, Gott, in Ewigte Dein Werk, Erlöser, ist voll⸗ eudet Dein Wille, bester Vater, ist Dein Wort, o Herr, bringt uns zusammen Dein Wort, o Herr, ist mi der 2 Thau 35 Dein Wort, o Höchster, st volltommen Dem Heiland nach, mein Geist Den Frommen Heil, die, Gott ergeben Denket doch, ihr Menschen⸗ Endet Dennoch bleib' ich stets an dir Der Abend kommmr. Der am Kreuz ist meine Liebe Der beste Freund ist in dem Hiumei Der du das Loos von mei⸗ nen Tagen Der du die Macht im Him⸗ mel hast. Der du uns als Vater liebest Der du zu den beglückten Schaaren Der du zum Heil erschienen Der ersten Unschul d reines Glüchtht Der Grund, auf dem mein Glaube Der he—— Christ ist kor nmen Der Herr Der Herr bricht ein um Ditternachttt Der Herr der Ernte winket Der Herr 83 auf gen Himmelh.*** Der Herr ist in den Höhen 2„** 22 ***** 2— Der Herr ist meine Zuversicht r, an dessen Güte 8 75⁵ 482 73² 16² Der Herr ist treu. Der Himmel Ruf erzählt Rild ehree Der letzte meiner Tage Der lieben Sonne Licht und Pracht.... Der Mond ist aufgegangen Der Morgen glänzt im jun⸗ gen Lichte Der schmale Weg ist breit genug zum Leben Der Sonne Glanz verbirget ih Der Tag ist da; Sei du mir nah'* Der Tod ist todt, das Le⸗ ben lebet Der wahren Christen ganzes Leben Der Weg ist gut, der durch das Leiden Der Welten in her dir Des Dankes Opfer bringen W Des Jahres erster Morgen Des Jahres schönster Schmuck eutweich Dich bet' ich an, erstandner Helid õ Dich, Herr und Vater aller Weil Dich, Jesu, lass' ich ewig nicht Dich, Jesu, preisen unsre Liede.t ich krönte Gott mit Freuden Die Abendsonne sinket Die auf der Erde wallen Die Bahn ist rauh, auf der ich hier ie Christen gehn von Ort zu ie dunkle Nacht ist nun vergangen Die Ernt' e nun zu Ende Die Feinde deines Kreuzes drohn 2——— Di 366 227 736 794 485 795 698 679 262 704 Alphabetisches Register. No. Die Fülle guter Gaben.. 436 Die heiligste der Nächte.. 120 Die Herrlichkeit der Erden 757 Die hier vor dir, o Vater, stehn 317 Die ihr den Heiland kennt und liebt 588 Dies ist der Tag, den Gott gemacht 12¹ Dies ist die Nacht, da mir Leichienen 12² Die Sonne senkt sich nieder 737 Die Tugend wird durchs Kreuz geübet Dir dank' ich für mein Leben 699 Dir dankt mein Herz... 14 Dir, der mich zuerst geliebt 486 Dir, dir, Jehova, will ich zingen:: 35⁵3 Dir, Ewiger, sei dieser Tag Heweiht 367 Dir, Gott der Huld und Starke 8 Dir hab' ich mich ergeben„589 Dir, Jesu, tönt vom Staube 89 Dir, milder Geber aller Gaben 681 Dir trau' ich, Gott, und wanke nicht Dort möcht' ich sein, dort, wo mein Heiland lebte. Du bist's, dem Ehr' und Ruhm gebührt 1 Du, dem ich angehöre... 15 Du, den der Himmel Lob⸗ lied preist Du, der für mich ans Kreuz 48⁷ . geschlagen 163 Du, der Herz und Wandel Eeühnet 22 Du, dessen Augen flossen„164 Du Geist der Gnad' und Wahrbeit 239 Du hast ein ewiges Erbarmen 333 Du hast, o Gott der Einigkeit 642 Du heil'ges Buch, von Gott gegeben 298 Du Herr der Seraphinen„ 81 No. Du kennst die rechte Zeit„ 16 Du klagst, und fühlest die Beschwerden 48⁸ Du kommst, du kommst voll Gottesmacht —— 2** öC Du riefst mich, Vater, aus dem Nichts Du ruhst in deines Gottes Frieden Du schenkst uns, Gott, so väterlich Du sollst glauben, o du Armer 437⁷ Du sollst in allen Sachen„489 Du Stern in allen Nächten 263 Du Vater deiner Menschen— kinder Du wesentliches Wort... E. Ehre sei Gott in der Höhe 123 Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein 59⁰ Eine Heerde und Ein Hirt 265 Einer ist König, Immanuel siege.... 267 Einer ist's, an dem wir hangen 266 Eines wünsch' ich mir vor allem Andeen 491 Ein' feste Burg ist unser Gott Ein Jahr der Sterblichkeit 668 Ein Lämmlein geht und trägt 165 58 w„. .*** 94öEin neuer Tag, ein neues 70⁰ Leben Ein Pilger bin ich in der Welt Eins ist noth! Ach, Herr, dies Eine Einst geh' ich ohne Beben. 81 Eitle Welt, ich bin dein müde 783 Endlich, endlich muß es doch 591 „—7*%“ü*** Lie Erhalt' We Erheb', Erhebt Fre Erhöht Erhöht Hel Erhöre Erhör' Fle Erinnꝛ erft Er ist Er kor Kö Erlöset Ermut Ermut Alphabetisches Register. 705 No. Ergebung heißt das schöne Workrkkt 492 Erhabner Dulder, deine Liee 166 Erhalt' uns, Herr, bei deinem Worrrrt 299 Erheb', o Seele, deinen Sinn 493 Erhebt den Herrn, ihr Frommens 12⁴ Erhöhter Jesu, Gottes Sohn 818 Erhöhter Siegesfürst und Heid 200 Erhöre gnädig unser Flehen 369 Erhör', o Gott, das heiße Flehhhn 318 Erinnre dich, mein Geist erfreut 201 Er ist gekommen, er....125 Er kommt, er kommt, dein König 103³3 Erlöser, der im Staube.. 167 Ermunterteuch, ihr Frommen 819 Ermuntre dich, mein schwa⸗ cher Geit't'!;!nt.126 Er ruft der Sonn' und schafft den Mond. 669 Es glänzet der Christen in⸗ wendiges Leben..... 4⁵3 Es ist das Heil uns kommen be 438 Es ist gewiß ein köstlich Ding 494 Es ist in keinem Andren Heil 90 Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein 390 Es ist noch eine Ruh' vor⸗ handen; Au 832 Es ist noch eine Ruh' vor⸗ handen Fünr 833 Es ist vollbracht, Das Opfer sür die Wel 168 Es ist vollbracht, er ist ver⸗ schieden 169 Es ist vollbracht! So ruft des Heilands Mund.. 170 Es kann den Christen nie⸗ mals fehlńYetn 35⁴4 No. Es kommt daher des Tages Schein 701 Es kostet viel, ein Christ zu seiin 30⁷ Es wolle Gott uns gnädig sein: 268 Es ziehn, o Gott, die Krie⸗ Zeswetter 633 Es züchtigt deine Hand, o Oochster 63⁴ Ew'ge Liebe, mein Gemüthe 439 Ewiger, Erbarme dich... 17 Ewig, ewig bin ich dein.. 319 Ewig wesentliches Licht.. 300 F. Fahre fort, Zion, fahre fort im Licht 49⁵ Fang' dein Werk mit Jesu an 702 Feiert, Christen, diese Stun⸗ den 202 Folget mir! ruft uns das Leben 496 Freuet euch, ihr Menschen— Einder 121 Freut euch, daß eure Namen 454 Fröhlich foll mein Herze springen 128 Frohlockend, Vater, wacht' ich aun 370 Frohlockt zu Gottes Ruhme 269 Froh versammelt sind wir hier 371 Frommer Herzen beste Freude 240 Früh Morgens, da die Sonn' aufgehhc:. 203 Für diese Kinder beten wir 320 G. Gedenke meeeen 797 Geduld, mein Herz, Geduld, Geduls 592 Gegangen ist das Sonnen⸗ icht 738 Geh auf, du Morgenstern. 703 45⁵ 706 Alphabetisches Register. No. Geh aus, mein Herz, und suche Freud. 683 Geh hin nach Gottes Willen 643 Geht hin, ihr gläubigen Ge⸗ ö danten 59 Geht nun hin und grabt mein Grab 798 Geist der Wahrheit, lehre mich„ 241 Geist des Glaubens, Geist der 242 Geist des Vaters, komm hernieder 2⁴3 Geist des Vaters und des Sohnes 2⁴4 Geist Gottes, aus des Ew'- gen Fülle 2⁴⁵ Geist vom Bater und vom Sohne 246 Gelobet sei'st du, Gott der Treuunuee:: 704 Gelobet sei'st du, Jesu Christ 129 Gelobt sei Gott, daß Jesus lebt 204 Gen Himmel fuhr mein Heiland auuff 2²8 Gerechter Gott, vor dein Gerich 60 Gesegnet seid ihr, Gott ge— weiht... 321¹ Getreuer Gott! wie viel Ge⸗ duidd 61 Gieb dich zufrieden und sei sille 577 Gieb die Weisheit meiner Seere 497 Gieb, Jesu, deinen Segen 301 Gold bewährt sich nur im Seuer 593 Gott bei mir an jedem Orte 578 Gott, deine Gnad' ist unser Leheen 5⁵ Gott, deine Güte reicht so weitt 498 Gott! deinen weisen Willen 644 Gott, deine weise Macht erhält 75 Gott, der du unser Vater bist 18 No. Gott, der du unsre Zu⸗ stucht it 3888 Gott des Himmels und der Erden 70⁵ Gott, dessen Macht des Feuers Kraft 635 Gott, dir gefällt kein gott⸗ los Wesen 399 Gottesruhe, Sabbathstill 373 Gott, ich will mich ernstlich prüfsen 400 Gott ist gegenwärtig.... 2 Gott ist getreu! Sein Herz Gott ist mein Hort! Und auf sein Wort Gott ist mein Licht! Ver⸗— zage nicht Gott ist's, der das Ver⸗ mögen schafft Gott ist und bleibt der Wun⸗ dermann Gott ist und bleibt getreu.5 Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch Gott lebet noch und stirbet nicht Gott lebt! wie kann ich traurig sein Gott Lob, die kalte Winter⸗ zum Ende Gott Lob! nun ist die Nacht verschwunden Gott Lob, nun ist erschollen 6 Gott, mein Vater, ich, dein Kind Gott mit uns, mit uns auf Erden Gott sei Dank durch alle Welt Gott, unsre Zuflucht für And für Gott Vater, deine Gnade sei gepriesen Gott Vater, dir, dir, Got⸗ 7 tes Sohn 10⁴ 75 Gott V Gott, v Lebe Gott, knie Gott, Gott, u Großer Rece Größte Erd Habe d Hallelu Hallelu Halt' at nen Halt' i Chr Hehr u Heil eu bote Heiligst que Heil mi Herr, Herr C und Herr, dir t 104 Alphabetisches Register. 707 No. No. Gott Vater in dem Himmel 20 Herr, du wollest uns bereiten 336 Gott, von dir hab' ich mein Herr, es gescheh' dein Wille 741 Lebeen 21Herr, es ist ein Tag erschienen 375 Gott, vor dem die Engel Herr, ew'ger Gott, wie du 504 kuienren 22 Herr Gott, dich loben wir 24 Gott, vor dessen Angesichte 63 Herr Gott, du kennest meine Gott, wir danken herzlich dir 372 DTage 759 Großer Mittler! der zur Herr, ich habe mißgehandelt 402 Rechten 229 Herr im Himmel, Gott auf Größter Morgen, der die Erden 684 Ere 205 Herr Jesu Christ, dein theures VBlut 17¹ Herr Jesu Christ, dich zu 5. uns werrnnmnm 25 Herr Jesu Christ, du höch⸗ Habe deine Lust am Herrn 501 stes Guut 403 Halleluja! jauchzt, ihr Chöre 206Herr Jesu, deine Angst und Halleluja! Jesus lebet... 207 Peiin 17² Halt' an, mein Herz, in dei⸗ Herr Jesu, Gnadensonne. 505 nem Glauben.....598Herr Jesu, Licht der Heiden 13 Halt' im Gedächtniß Jesum Herr, laß mich in Frieden Ehrist 33 sahrenn 8²2⁰ Hehr und heilig ist die Stätte 374Herr, mache meine Seele Heil euch, fromme Glaubens— stille 506 votenn 271Herr, mein Erlöser, nur Heiligster Jesu, Heil'gungs⸗— von dir. 35⁵ anelle 153Herr, mein Licht, erleuchte Heil mir! mir ward das Brot niich 304 gebrochen 335 Herr ohne Glauben kann„ 440 Herr, allerhöchster Gott im Herr, schaue auf uns nieder 507 Hiumeel 636Herr, stärke mich, dein Leiden Herr, Alles, was ich habe 502 zu bedenzñrńnenn 173 Herr Christe, der du Licht Herr, wie du willst, so schick's und Tag 739 mit mir 26 Herr, deine Kirche, danket Herr, wir gehen zu dem dir 272 Essen 72⁵ Herr, dein Wort, die edle Herr Zebaoth, dein heilig Gabe 303 Wort.. 30⁵ Herr, denk an mich 23 Herzallerliebster Gott.... 27 Herr, der du einst gekom— Herzen, wallt mit frohen men bist 50³3 Schläger 273 Herr, der du mir das Leben 740Herzlich lieb hab' ich dich, Herr! du fährst mit Glanz Herrtr 50 und Freuden 230 Herzlich thut mich verlangen 760 Herr, du hast in deinem Herzliebster Jesu, was hast Meich 8² du verbrochen... 174 4⁵⁷ 708 Alphabetisches Register. No. Herz und Herz vereint zu⸗ sammen 274 Heute mir und morgen dir 799 Hier bin ich, Herr, du rufest mir 4 404 Hier bin ich, Jesu, zu er⸗ füllen· 337 Hier ist mein Herz, Herr, nimm es hin 509 Hier ist mein Herz! Mein Gorrrt̃ 40⁵ Hier ist nur mein Prüfungs⸗ staud 761 Hilf, Gott, daß unsre Kin⸗ derzuch · 6⁴6 Hilf, Herr Jesu, laß gelingen 670 Hilf mir, mein Gott, ver⸗ leihe mir Himmelan geht unsre Bahn 511 Hinab geht Christi Weg.. 512 Hin an dein Kreuz zu treten 175 Hinauf, mein Herz, vor Gottes Thron Hirte deiner Schafe Hochgesegnet seid ihr Boten 27⁵ Hosianna! Davids Sohn 10⁵ Hosianna, Davids Sohne. 132 Höchster, denk' ich an die Gütet. 406 Höchster Tröster, komm her⸗ Uieder 247 Höher hebt sich Gottes Sonne 690 Hört das Wort voll Erust und Liebe 513 Hört, die ihr der Gerechtigkeit 276 J. Ja, fürwahr! uns führt mit sanfter Hannðʒd 76 Ich armer Mensch doch gar nichts bin 29 Ich armer Mensch, ich armer Sunder 407 No. Ich bin ein Fremdling auf der Erden 78⁵ Ich bin ein Gast auf Erden 786 Ich bin ein Mensch von —*— Gottes Guadeen—441 Ich bin erlöst durch meines Mittlers Blut 9¹ Ich bin getauft auf deinen Namen 3² Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben... 514 Ich bin Gottes, Gott ist mein 515 Ich bin ja, Herr, in deiner —. Macht 76² Ich bin in dir und du in miür 323 Ich blick' in jene Höhe.. 763 Ich fang' alle meine Sachen 516 Ich geh', ich sitz', und was ich thu? 76⁴ Ich geh' zu deinem Grabe.. 208 Ich habe g'nug, Behalte, was du hast 787⁷ Ich habe g'nug! Mein Herr ist Jesus Christ. 5¹17⁷ Ich habe nun den Grund gefundenun 456 Ich hab' in Gottes Herz Aund Sinn 18 Ich hab' in guten Stunden 599 Ich hab' von ferne, Herr, deinen Thron erblickt.. 834 Ich hoff', o Gott, mit festem Muth.. 0 Ich höre deine Stimme 600 Ich komme, Friedensfürst, zu di 40⁸ Ich komme, Herr, und suche dich 38 Ich komm' jetzt als ein armer Gasstt 339 Ich lass' dich, Jesu, nicht! Denn mit dir 519 Ich lasse Gott in Allem walten 601 Ich preise dich, o Herr, mein Heil 3⁴4⁰ 949 n 601 n 340 Alphabetisches Register. 709 No. Ich rück' an jedem Tage 821 Ich sag' es Jedem, daß er Eo 209 Ich sage: Wie Gott will. 520 Ich singe dir mit Herz und Munnss:; Ich soll zum Leben dringen 521 Ich Staub vom Staube, wer bin ich 409 Ich sterbe täglich, und mein Leben 76⁵ Ich und mein Haus, wir sind bereit 647 Ich weiß, an wen ich glaube 800 Ich weiß, an wen mein Glaub' sich hält... 442 Ich weiß, daß mein Erlöser Lebtt 210 Ich weiß, es wird mein Ende kommen. 766 Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thunn 77⁷ Ich will dem Schöpfer Lob Und Ruhm 31 Ich will dich lieben, meine Stärte 52² Ich will, o Jesu, dich Und deinen Tod bekennen.. 341 Ich will von meiner Missethat 411 Je größer Kreuz, je näher Himmeeel 60² Jenen Tag, den Tag der Wehen 8²² Jerusalem, du hochgebaute Stadt 83⁵5 Jesu Christ, mein Licht und Leben 523 Jesu, deine Passion Will ich jett bedenten 176 Jesu, deine tiefen Wunden 177 Jesu, der du wollen büßen 178 Jesu, du allein Sollst mein Führer sein 52⁴4 Jesu, geh' voran Auf der Lebensbahn.... 525 Jesu, großer Wunderstern.133 su, hilf siegen su, komm doch selbst zu mir 106 esu, meine Freude.... 457 su, meines Lebens Leben 179 sus, Jesus, Nichts als Jesus Jesus ist der schönste Nam' 672 Jesus ist mein Leben... 603 Jesus lebt, mit ihm auch ich 211 Jesus, meine Zuversicht q.. 212 Jesus nimmt die Sünder an 410 Jesus soll die Losung sein„ 671 Jetzt leb' ich; ob ich mor— ααα gen lebe 767 Ihr aufgehobnen Segens⸗- hände 231 Ihr Eltern, hört, was Christus spricht..... 6⁴⁸ Ihr Kinder, lernt von An⸗ sang gerrn 649 Immer muß ich wieder lesen 307 Immer noch strahlst du, er⸗ leuchtende Liebbe. 277 In allen meinen Thaten. 526 In deiner Stärke freue sich 661 In der stillen Einsamkeit„692 In Gottes Rath ergeben„788 In Gottes Reich geht Nie⸗ mand eiin 444 In Gottes Schooß leg' ich mein Loooos. 2˙ In meines Herzens Grunde 528 Ist Gott für mich, so trete 529 K. Kehre wieder, kehre wieder. 412 Kein Lehrer ist dir, Jesu, Hleich54 Komm, heiliger Geist, Herre Sorrt 2⁴ Komm, komm, du Licht in Gottesprachk... 278 Komm, o komm, du Geist des Lebens. 249 710 Alphabetisches Register. No. Kommst du, kommst du, Licht der Heiden 107 Kommt, die ihr Jesu Kreuz 180 Kommt, fromme Christen, theure Brüder 376 Kommt, Kinder, laßt uns gehen 279 Kommt und laßt uns beten 356 Kommt wieder aus der finstren Grust.... 213 König, dem kein König gleichet 232 L. Laß mich dein sein und Lleiben 32 Laß mich, o Herr, in allen Dingen 33 Laß mir die Feier deiner Leiden 181 Laßt frohen Lobgesang... 377 Laßt uns mit Danken treten 357 Lasset uns mit Jesu ziehen 530 Lebst du in mir, o wahres Leben. Lebt wohl! ins stille Käm⸗ merlin 801 Licht vom Licht, erleuchte mich 708 Liebe, die du mich zum Bildvdee 532 Liebster Jesu, sei willkommen 134 Liebster Jesu, wir sind hier 378 Lobe den Herren, o Christ⸗ gemeinde 28⁰ Lobe den Herrn, meine Seele 34 Lobet den Herren Alle, die ihn ehren 709 Lob sei dem allerhöchsten Gott 135 No. Lobt Gott, ihr Christen, alle 136 gleich D*—* M. Mache dich, mein Geist, bereit 534 Mach's, lieber Gott! wie dir's gefältltee 60⁴ Macht hoch die Thür, die Thor' macht weit... 108 Mag auch der Glaube zagen 768 Mein Abend kommt.. 769 Meine Lebenszeit verstreicht 770 Meinen Jesum lass' ich nicht 538 Meiner Seele höchstes Gut 535 Mein erst Gefühl sei Preis und Dank.. 710 Meine Seele, laß es gehen 605 Meine Seele, laß Gott walten 606 Meine Seele senket sich... 607 Mein fester Fels und starker Hort. n 92 Mein Geist, o Gott, wird Mein Gott, du weißt am Mein Gott, du wohnst im Mein Gott, ich klopf' an deine Pforte Mein Gott, ich weiß wohl, Mein Gott, zu dem ich Mein Heiland, könnt' ich Mein Heiland nimmt die Lob sei dir, mein Gott, ge⸗ sungen 533 Lobsinge, meine Seele... 214 Lobsinget Gott! Dank, Preis und Ehr' Lobsingt am frohen Erntefest 685⁵ Lobsingt dem Herrn mit Herz und Mund 32⁴ —2.—— Mein Herr und Gott, er⸗ Mein Herz, gieb dich zu⸗ Mein Jesu, dem die Sera⸗ Mein Jesu, der du vor dem ganz entzückt 836 allerbesten 35⁵5 ew'gen Lichte 308 daß ich sterdb 771 weinend flehe.. 413 deiner Gnaden 536 Sunder aan 414 barme dich 41⁵ frieden 537⁷ phinenn 15⁵ Scheideen 3⁴² Mein Mein L Mein mei Merk', Wo Mir n⸗ unf Mit be Mit d Mit lar wir Mitten Mittler nied Mit w Morger Müdel Nicht, grif Nichten den Nicht L Nicht der Nichter Nie bif une Nimmt trat Alphabetisches Register. 711 No. Mein König, den die Liebe 109 Mein Licht auf dunklem Pfade 137 Mein lieber Gott, gedenke meiner 37 Merk', Seele, dir das große Wortt.. 539 Mir nach, spricht Christus, Aunser Heid 540 Mit bekümmertem Gemüthe 416 Mit den Schaaren deiner Frommen 343 Mit Ernst, o Menschenkinder 110 Mit Freuden will ich singen Dir 7⁴¹¹ Mit Gott gehn wir getrost ahin 673 Mit lautem Schall frohlocken Wiyg 233 Mitten wir im Leben sind. 789 Mittler, schau' auf sie her⸗ nieder25 Mit welchem Dank, o Gott 650 Morgenglanz der Ewigkeit„712 Müde bin ich, geh' zur Ruh' 743 N. Nach einer Prüfung kurzer Sasee 837 Nach meiner Seele Seligkeit 417 Nacht umhüllte rings die Erde 138 Nahe dich, gebeugte Seele.344 Nicht, daß ich's schon er⸗ grissen hätte 541 Nicht nur streiten, überwin⸗ vden 418 Nicht Opfer und nicht Gaben 542 Nicht um ein flüchtig Gut der Zeitt. Nicht würdig bin ich Armer 345 Nie bist du, Höchster, von uns seeen 65⁵ Nimmt Gott, dem wir ver⸗ nauen 78 No. Noch bin ich ein Gast der Srde.. 772 Noch dieses Bett', dann leines meh 80² Noch läßt der Herr mich leben 713 Noch sing' ich hier aus dunklen Fernen.... 379 Nun bitten wir den heiligen Geist. 250 Nun bringen wir den Leib zur Ruh' Nun danket Alle Gott. 39 Nun danket All' und bringet Hhr 40 Nun Gott Lob, es ist vollbracht 380 Nun habe Bank für dein Erbarmenrn 346 Nun hab' ich überwunden. 804 91 5 hilf uns, o Herr Jesu Christ 6⁵¹ Nun jauchzet all ihr Frommen 111 Nun ist die Finsterniß ent⸗ slohn 139 Nun kommt das neue Kirchenjiahr 112 Nun laßt den Herrn uns preisen 686 Nun laßt uns gehn und treen 67⁴ Nun lob', mein' Seel, den Herren 41 Nun preiset Alle Gottes Barmherzigkeit Nun ruhen alle Wälder.. 744 Nun sich der Tag geendet hat 74⁵5 Nur Gott allein! o goldnes Wort 543 O. O, daß doch bald dein Feuer brennte 281 O, daß doch bei der reichen Ernie. 687 O, daß ich tausend Zungen hätte 43 712 Alphabetisches Register. No. O, daß von meinen Lebens⸗ kagen 5⁴⁴4 O du allersüßste Freude.. 251 O du, den keine Sprache neunt O du, der diese Kinder Einst ef 326 du, des Himmels Zier O Aund Kron O Durchbrecher aller Bande 579 O Gott, du frommer Gott 44 O Gott, du höchster Gna⸗ denhert 309 O Gottes Sohn, Herr Jesu Ebrist 4⁴⁵ O Gott, mein Vater, steh' Mir bei 4 O Gott, o Geist, o Licht des Lebens 252 O Gott, von dem wir Alles haben 688 O großer Gott, du reines Wesen 253 O Haupt voll Blut und Wunden 18² And ein 25⁵ O höchstes Gut, o Licht und Leber 546 O Jerusalem, du schöne.. 547 O Jesu Christ, mein schönstes Licht O Jesu, einig wahres Haupt 282 O Jesu, heil'ges Gotteslamm 347 O Jesu, Herr der Herrlichkeit 381 Jesu, Jesu, Gottes Sohn 549 Jesu, Licht und Heil der Well 283 Jesu, meine Wonne.. 348 Jesu, süßes Licht, Nun ist die Nacht. 716 Jesus Christus, wachs' Nin mir 550 komm, du Geist der Wahrheiit 25⁵⁵ 9 8 88 88 No. O könnt' ich segnend zu euch eilen · 284 O Lamm Gottes, unschuldig 183 O lernt' ich doch entbehren Und entsagen. 55⁵¹ O Liebe, die den Himmel hat zerrissen 14⁰ O Mensch, ermuntre deinen Sinn 419 O Mensch, gedenk' ans Ende 773 O Richter aller Welten.. 823 O, rühmt euch eurer Weis⸗ heit nicht 5⁵² O selig Haus, wo man dich aufgenommen 6⁵³ O selig, wer das Heil erwirbt 774 O stimm' auch du mit frohem Daur 14¹ O süßer Stand, o selig Leben 459 O Tod, wo ist dein Stachel unn 21⁵ O treuer Jesu, der du bist 775 O Vater der Barmherzigkeit 420 O Vater, kindlich beten wir 726 O welche Seligkein 358 O Welt, sieh hier dein Leben 184 O, wie fröhlich, o, wie selig 838 O, wie selig seid ihr doch„805 P. Prange, Welt, mit deinem Wissen:. 185 Preis, Ehr' und Andacht opfern wir Preis ihm! Er schuf und er erhällt Preist Gott in dieser Freu⸗ denzeit 216 R. Rede, liebster Jesu, rede. 310 Reine Engel, ungesehen.. 83 Ringe recht, wenn Gottes nade 42¹ Ruhe Rüstet Schaf kil Schm Schüt di Schw ö ö Alphabetisches Register. 713 No. No. No. ö Ruhe ist das beste Gut.. 460 Selig, wer dich ewig liebet 32⁷ 84 Rüstet euch, ihr Christenleute 580 Senke, o Vater, hernieder ö 83 den göttlichreen 6⁵⁵ ö S Siegesfürste, Ehrenkönig.. 234 5¹ Sie jauchzet doch mit Freuden 447 Schaffet, schaffet, Menschen⸗ Singt unsrem König Jesus ö 140 Huver 42² Ebritt 286 Schaff' in mir, Gott, ein So fliehen unsre Tage hin 746 1419 reines Herz, Ein Herz, So hab' ich nun den Fels 773 das stets 423 erreicherrt 448 823 Schaff' in mir, Gott, ein So hab' ich obgesieget... 806 reines Herz! Mein Herz So hoff' ich denn mit festem 5⁵52 ist ganz verderbet... 424 Muürth 449 Schatz über alle Schätze.. 553 So Jemand spricht: Ich liebe 6686 Schau', Seele, hinter dich Gott 558 774 zurük 654 So ist die Woche nun ge⸗ ö Schließet euch, ihr Augen, auf 717 schlssen 750 144 Schmerz und Klage füllt So ist nun abermal.... 747 459 Das und 637 So lang' ich athme, Gott 47 Schmücke dich, o liebe Seele 349 Sollt' es gleich bisweilen 215 Schütze die Deinen, die nach schemen. 010 775 dir sich nennen..... 285 Sollt' ich meinem Gott nicht 420 Schweiget, bange Zweifel, singen 48 7²26 schweige 446So ruhest du, O meine Ruh' 188 35 Schwing' dich auf, mein So schreib' ins Buch des 18⁴ ganz Gemüthe 68 Lebens 3²⁸ 838 Seele sei zufriedenu 608 So wahr ich lebe, spricht 805 Seele, was ermüd'st du dich 554 dein Gorrt 4²⁵ Seele, wohlauf! des Unend— Speise, Gott, uns, deine lichen ũ3 45⁵ Kinder 5 727 Seht, welch ein Mensch ist das 186 Sprich, o Herr:„Es werde Sei, Christenheit, Sei hoch Aicht!! 49 185 Ceireu 142 Steil und dornig ist der Pfad 559 „Seid barmherzig.“ Men⸗ Stell' ein, betrübtes Herz, 66 schen, hörer 55⁵ dein Weinen 611 Sei getreu bis an das Ende 556 Stimm' an das Lied vom 67⁷ Sei getreu bis in den Tod 557 Sterben 80⁷ ö Sei Lob und Ehr' dem Such', wer da will, ein ander 216 höchsten GrTr. 46 Ziet: 9⁴4 Sei mirtausendmal gegrüßet 187 Sei uns gesegnet, Tag des T Hemnn 382 310 Sei unverzagt, o frommer Täglich rückt mein Tod heran 824 8³ Ehrist en 609Thu Rechnung! diese will„825 Selig sind des Himmels Thut mir auf die schöne Pforte 383 421 Erben 839 Traure nicht, betrübtes Herz 612 46 Alphabetisches Register. Treuer Hirte, deiner Heerde 287 Triumph! Der Trost im Leben Trost im Um die Lieben, die da schlafen d Unserm Gott laßt uns lob— Unsrer Seele Licht und Leben Unter allen großen Gütern? Unwiederbringlich Vater, erhöre das Flehn.. 384 Vater, in dem Erdenschooße 80 Vater, kröne du mit Segen 66 Verlaß mich nicht, Mein Gott Verleih' mir, Jesu, deinen Versuchet euch doch selbst.. Verzage nicht, o Häuflein klein Voll Bewund'rung deiner Voll Liebe war, o Herr, dein Vom Todesthal hinauf zu Von des Himmels Thron. 32 Von dieser Erden Staube. Von dir, o Vater, nimmt Von Gott will ich nicht lassen 6 Von Neuem eilt zum heil'- Vor dich, Herr, will ich treten Vor dir verklagt uns das — W. Wach' auf, du Geist der ersten Zeugen 2 Wach' auf, mein Herz, die Nacht ist hhnn 218 Wach' auf, mein Herz, und sinae 718 Wachet auf! ruft uns die Stimmmm 8²⁷ Wachet auf vom Schlaf, ihr Sünder 8² Wandelt glaubend eure Wege 330 Wandle leuchtender und schoner 219 Warum, o Herz, verzagen. 615 Warum sollt' ich mich denn Jrämeueueuenn Warum willst du draußen steben 113 Was den Leib erhält und nahrt 728 Was Glaube thut, ist wohl⸗ gethaen 6⁵7 Was Gott thut, das ist wohlgethan. Es bleibt„617 Was Gott thut, das ist wohl⸗ gethan! So denken.. 689 Was hat dich bewogen... 144 Was hilft's, daß ich mich guäle 618 Was in der heil'gen Nacht erklann ö Was ist's, daß ich mich quäle 618 Was macht ihr, daß ihr weinet 809 Was mein Gott will, das g'scheh' allzeitt. 6²⁰ Was rührt so mächtig Sinn und Herrrzʒ* Was suchst du thöricht in der. Wetrr᷑t 311 Was wär' ich ohne dich gewesen 94 Was weinest ddwtVüü 6²¹ Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel Weicht, ihr finstern Sorgen 622 Weine nicht, Gott lebet noch 623 Weite U Welch ri Welch Wenr sd IN Wenr G Wenr w' Wenr en Wenn S Wenr Wenr Wenn di Wenr Wenr melsthoeorr Welch himmlisch Licht ist's, das der Wertt 31 Dir ir Welt, ade! ich bin dein müde Wenn Alle untreu werden Wenn Christus seine Kirche schüttt Wenn der Herr einst die Gefangnen Wenn doch alle Seelen wüßteeen Wenn heiße Thränen mir eutsueßen Wenn ich einst von jenem Schlummer Wenn ich Ihn nur habe Wenn ich in Angst und Noth Wenn ich mein Herz vor dir, mein Horrt Wenn ich mich Loeafen lege Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht Wenn kleine Himmelserben Wenn Licht und Sonne scheiden Wenn meine Seeletraurig ist Wenn meine Sünd' mich krautensss Wenn mein Stündlein vor⸗ haunden ifstt Wenn Menschenhilfe dir Bebricht: Wenn wir in höchsten Nö⸗ tchen sein: 5 Wenn wir unsren Lauf voll⸗ eLüdeertrt Werde munter, mein Ge⸗ müthhueeeee Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut Wer im Herzen will erfahren 156 811 564 293 451 719 565 6²⁴ 359 7⁴8 79 81² 8⁴ 7²⁰ 6²⁷ 146 Alphabetisches Register. 715 No. ö No. Weiter mußt du kämpfen, Wer ist der Herr, der alle Angen 6²⁵ Wunde+r 567 Welch ein Licht am Him⸗ Wer ist wohl wie du... 96 Wer nur den lieben Gott läßt 568 Wer weiß, wie nahe mir miein Enoe 778 Weß ist das Fest? Zu wem emport:2894 Wie bist du, Seele, In mir so gar betrübt 6²⁸ Wie ein Adler fleugt zur Speise 676 Wie fliegt dahin der Men⸗ schen Zeitt 779 Wie froh wird meine Seeles sein 581 Wie Gott mich führt, so will ich geee·n 569 Wie groß ist des Allmächt'- gen Güteae 1 Wie groß ist unsre Seligkeit 461 Wie groß, wie angehetet ist 157 Wie heilig ist die Stätte hier 350 Wie heiligist mir diese Stunde 331 Wie herrlich ist's, ein Schäf—⸗ lein Christi werden... 570 Wie herrlich strahlt der Mor⸗ gensterrn 147 Wie ist mein Herz so fern vor diirr 427 Wie lieblich ist doch, Herr, die Stätiie 385 Wie manches Wort der Freude 85 Wie oft hab' ich den Bund gebrochen 4²⁸ Wie schön leuchtet der Mor⸗— Zenstern 57¹1 Wie selig sind die Todten.810 Wie sicher lebt der Mensch, der Staur 780 Wie soll ich dich empfangen 115 Wie wird mir dann, o dann mir sein 8⁴40 Wie wird mir sein, wenn ich dich, Jesu, sehe... 841 Wie wohl ist mir, o Freund der Seele 462 Alphabetisches Register. 1 6 No. Willkommen, du Geschenk des Himmess 663 Willkommen, edles Morgen⸗ uch 721¹ Willkommen nach dem Streirrrt 220 Wir danken dir, Herr Jesu Ehrem 191 Wir danken Gott für seine HGarn 72 Wird das nicht Freu e sein 813 Wirf alle deine Noth... 572 Wirf, blöder Sinn, Den Aümmer hin; 148 Wir glauben All' an Einen Holt 72 Wir glauben All' und be⸗ keunen rrti 351 Wir Menschen sind zu dem,⸗ errt 813 Wir warten dein, o Gottes Sohn: 829 Wohlauf, mein Herz, verlaß 149 Wohlauf, wohlan zum letzten Gansss 14 Wohl dem, der sich auf seinen 629 Wohl dem, der unsern Gott 62 No Wohl dem Menschen, der nicht wandett 429 Wohl einem Haus, wo Je⸗ sus Christt 6⁵/ Wollt ihr wissen, was men r Womit soll ich dich wohl Oen Wort des Lebens, lautre Snel Wo soll ich fliehen hin... 4 Wo strebst du hin, Mein Herz und Sinn Wunderbarer König.... 53 Wunderbar ist Gottes Schicken 3. Zeige dich uns ohne Hülle 386 Zeuch ein zu deinen Thoren 256 Zeuch uns nach dir 280 Zu deinem Preis und Ruhm 722 Zu dem Vater hingegangen 237 Zu dir, Herr Jesu, schick'„723 Zuletzt geht's wohl dem, der gerecht 631 Zween der Jünger gehn mit Sehnen 22 ———— Druck von H. Jungandreat in Görlitz. 7 Anhang zum Görlitzer Ges angbuch. Görlitz. Verlag des Waisenhauses. 1886. —24*—9—.—..—— — — — —— — 8 E — 2—— 0 — —. 8 — 2 V 2 * Eigene Melodie. 8 42 1 den Her⸗ * ren, den mäch⸗ tigen König der Ehren, Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zu Hauf', Psalter und Harfe, wacht auf, Lasset den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret, Der dich auf Adlers Fittigen sicher geführet, Der dich er⸗ hält, Wie es dir selber ge⸗ fällt; Hast du nicht dies es verspüret? mit Strömen der Liebe ge⸗ regnet; der Allmächtige kann, Der Denke daran, Was dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht: Seele, vergiß es ja nicht, Lob' ihn in Ewig⸗ keit! Amen. Joachim Neander(1640— 1680.) Eigene Melodie. 3. Lobe den Herren,. 813. M., künstlich und fein dich berei⸗ komm' ich her, Ich bring' tet, Der dir Gesundheit ver⸗ euch gute neue Mähr; Der hehen, dich freundlich geleitet: S Mähr bring' ich so In wie viel Noth Hat nicht viel, Davon ich singen und der gnädige Gott Ueber dir f agen will. Flügel gebreitet! 2. Euch ist ein Kindlein 4. Lobe den Herren, der heut gebor'n, Von einer Jung⸗ deinen Stand sichtbar geseg- frau auserkor'n, Ein Kinde⸗ net, Der aus dem Himmel lein, so zart und fein, Das soll eu'r Freud' und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, Der will euch führ'n aus aller Noth; Er will eu'r Heiland selber sein, Von allen Sünden machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, Die Gott der Vater hat bereit't, Daß ihr in seinem Himmelreich Sollt leben seinen Engeln gleich. 5. So merket nun die Zeichen recht, Die Krippe und die Windeln schlecht, Da findet ihr das Kind gelegt, Das alle Welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröhlich sein Und mit den Hirten geh'n hinein, Zu sehn, was Gott uns hat bescheert, Mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Merk auf, mein Herz, und sieh' dorthin: Was liegt dort in der Krippe d'rin? Es ist dein Heiland, Jesus Christ, Der für dich Mensch geboren ist. 8. Sei mir willkommen, edler Gast! Den Sünder nicht verschmähet hast Und kommst in's Elend her zu mir; Wie soll ich immer danken dir? 9. Ach Herr, du Schöpfer aller Ding', Wie bist du worden so gering'! Daß du da liegst im finstern Stall, Als wär's ein hoher Kö— nigssaal. 10. Und wär' die Welt vielmal so weit, Von Edel⸗ stein und Gold bereit't, So wär' sie dir doch viel zu klein, Zu sein ein enges Wiegelein. 11. Für Sammt und Seide wähltest du Grob Heu und Windeln dir zur Ruh, Darauf du, König, groß und reich, Nun prangst als wär's dein Himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, Die Wahrheit anzu— zeigen mir, Wie aller Welt Pracht, Ehr' und Gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch thut. 13. Ach, du herzlieber Jesu mein, Mach dir ein Bette sanft und rein, Zu ruhn in meines Herzens Schrein, Daß nimmer ich vergesse dein! 14. Davon ich allzeit fröhlich sei, Frohlock' und singe immer frei Zu Ehren dir, o Gottessohn, Ein Wie⸗ genlied in süßem Ton. zeit ind ren Zie⸗ * 5 15. Lob, Ehr' sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen eingen Sohn; Deß freuet sich der Engel Schaar Und singet uns solch neues Jahr. Martin Luther(1483—1546.) Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. omm', mein 844. Herz! aus Jesu Leiden Strömt auch dir ein Quell der Freuden; Stille hier dein sehnlich Dür— sten Aus dem Kelch des Lebensfürsten! Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich kleide, Das ist meines Herzens Freude. 2. Zwar ich hab' ihn alle Tage, Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; Er ist auf der Himmelsreise Täglich mich ihm verbinden, Werd' ich's tiefer noch empfinden, Daß ich einen Heiland habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, Wie sein Wort mir sagt und schreibet, Mein Er⸗ löser war und bleibet. 4. Ach, wie werd' ich oft so müde, Wie entweicht der süße Friede! Sünd' und Welt kann mich verwunden, Wenn mir dieses Licht entschwun— den, Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirten⸗ stabe Sanft und mild und voll Vergeben Mir nichts ist als Heil und Leben. 5. Sei gesegnet, ew'ge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da das Miß— trau'n mich vergiftet, Solch ein Denkmal hast gestiftet, Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe Gern gethan, mich zu versöhnen Und mit meine Seelenspeise. Daß ich Gnade mich zu krönen. einen Heiland habe, Bleibt mein Alles bis zum Grabe, Und ich mag nichts Anders wissen, Als sein Lieben zu genießen. 3. Dennoch will ich mit Verlangen Auch sein Abend— mahl empfangen; Darf ich da 6. Heil'ges Brot, sei mir gesegnet, Weil mir der mit dir begegnet, Der mit seinen theuren Wunden Die Er— lösung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und todt im Grabe Auch für meine Schuld ge— legen, Will ich schmecken und 2. Der am Kreuz ist meine erwägen. Liebe. Spötter, was befrem⸗ 7. Heil'ger Kelch, sei mir det dich, Daß ich treu zu gesegnet, Weil mir der mit sein mich übe? Jesus gab sich dir begegnet, Dessen Blut selbst für mich, So ist er mich lässet finden Die Ver⸗ mein Friedensschild, Aber auch gebung aller Sünden! Daß mein Lebensbild. Der am ich einen Heiland habe, Der Kreuz ist meine Liebe, Dem die matte Seele labe, Muß ich treu zu sein mich übe. dieß nicht mein Dürsten stillen 3. Der am Kreuz ist meine Und mein Herz mit Wonne Liebe. Sünde, du bist mir füllen? verhaßt. Weh mir, wenn ich 8. Will hinfort mich etwas den betrübe, Der für mich quälen, Oder wird mir etwas am Kreuz erblaßt! Kreuzigt' fehlen, Oder wird die Kraft ich nicht Gottes Sohn? Trät' zerrinnen, So will ich mich ich nicht sein Blut mit Hohn? nur besinnen, Daß ich einen Der am Kreuz ist meine Heiland habe, Der vom Kripp⸗ Liebe, Dem ich treu zu sein lein bis zum Grabe, Bis zum mich übe. Thron', wo man ihn ehret., 4. Der am Kreuz ist meine Mir, dem Sünder, zugehöret! Liebe. Schweig, Gewissen, Ernst Woltersdorf(1725—1761) zage nicht. Ewig treu bleibt Gottes Liebe, Wenn mich Sündꝰ und T Mel.: Freu' dich sehr, omeine Seele. 5 50 108 80 l 8 45 Der am Kreuz Seines Sohnes theures Blut. — ist meine Der am Kreuz ist meine Liebe, Meine Lieb' ist Jesus Liebe, Dem ich treu zu sein Christ. Weicht von mir, ihr mich übe. Sündentriebe, Eure Frucht 5. Der am Kreuz ist meine Verderben ist. Eure Lieb' Liebe. Keine Trübsal noch ist nicht von Gott, Eure Liebe so groß, Hunger, Blöße, bringt den Tod. Der am Geißelhiebe, Nichts macht mich Kreuz ist meine Liebe, Dem von Jesu los, Nicht Gewalt, ich treu zu sein mich übe. nicht Gold, nicht Ruhm, V V 7 Engel nicht, noch Fürsten⸗theu'r Erkauften dir Billig thum. Der am Kreuz ist neuen Dank dafür. meine Liebe, Dem ich treu 3. Du betrat'st, für uns zu sein mich übe. zu sterben, Willig deine Lei⸗ 6. Der am Kreuz ist meine densbahn, Stiegst, uns Leben Liebe. Komm', o Tod, mein zu erwerben, Gern den To⸗ bester Freund! Wenn ich einst desberg hinan; Du vergaßest in Staub zerstiebe, Werd' eig'ne Schmerzen, Trugst nur mit Jesu ich vereint. Da, uns in deinem Herzen. Diese da schau ich Gottes Lamm, Liebe preisen wir, Danken Meiner Seele Bräutigam. Der am Kreuz ist meine Liebe, Dem ich treu zu sein mich übe. Verfasser unbekannt. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 846. Dsuen Leil und Leben, Deß sich meine Seele freut, Der für mich sich ewig dir dafür. 4. Meinetwegen trugst du Bande, Littest frecher Läst'rer Spott;Achtetest nicht Schmach und Schande, Zu versöhnen mich mit Gott. Mich hast du der Noth entrissen, Die mich hätte treffen müssen. Wie verpflichtet bin ich dir Lebenslang, mein Heil, dafür. 5. Frevler krönten dich zum Hohne; Deine Stirne hingegeben, Stifter meiner blutete Unter einer Dornen⸗ Seligkeit, Lieber wolltest du krone, König aller Könige! erblassen, Als mich im Ver⸗Das hast du für mich ge⸗ löser, g'nug dafür. derben lassen. Ach wie dank', wie dank' ich dir, Mein Er⸗ 2. Ein'ger Sohn, von Gott gesendet, Zu erfüllen seinen Rath, Längst hast du litten, Mir die Ehrenkron' erstritten. Preis, Anbetung, Dank sei dir, Ehrfurchts-— würdigster, dafür. 6. Du, der tausendfache Schmerzen Mir zu Liebe gern dein Werk vollendet, Weg⸗ ertrug, Deinem großmuths⸗ zuthun die Missethat; Doch in vollen Herzen War mein den Gedächtnißtagen Deiner Heil Belohnung g'nug. Trost Marter, Jesu, sagen Deine in meinen letzten Stunden * Floß auch mir aus deinen Wunden. Herr, ich dank, ich danke dir Einst im Tode noch dafür. 7. Ruh' im Leben, Trost am Grabe, Unaussprechlicher Gewinn, Den ich dir zu danken habe, Dir, deß ich nun ewig bin! Jesu, dir mein Herz zu geben, Deiner Tu⸗ gend nachzustreben, Dir zu trau'n, zu sterben dir— Dies, dies sei mein Dank dafür. Christoph Neander(1723— 1802.) Mel.: Jesus meine Zuversicht. 8 47 geh' auf Golgatha, Setz' dich unter Jesu Kreuze, Nimm zu Herzen, wie dich da Seine Pein zur Buße reize. Willst du unempfind⸗ lich sein? O, so bist du mehr als Stein. 2. Schaue doch das Jam⸗ merbild Zwischen Erd' und Himmel hangen, Wie das Blut mit Strömen quillt, Daß ihm alle Kraft vergangen! Ach, der übergroßen Noth: Es ist ja mein Jesus todt! 3. O Lamm Gottes ohne Schuld, Alles das hab' ich verschuldet, Und du hast aus großer Huld Pein und Noth für mich erduldet. Daß ich nicht verloren bin, Giebst du dich am Kreuze hin. 4. Unbeflecktes Gottes⸗ lamm, Ich verehre deine Liebe. Schaue von des Kreu⸗ zes Stamm, Wie ich mich um dich betrübe. Dein zum Tod' verwundet Herz Bringt mir tausendfachen Schmerz. 5. Ich kann nimmer, nim⸗ mermehr Diese Plage dir vergelten. Du verbindest mich zu sehr: Alle Güter, tausend Welten, Alles wäre noch kein Dank Nur für deinen Gallen⸗ trank. 6. Eines weiß ich, Herr, für dich: Sieh mein Herz, ich will dir's geben; Dieses soll beständiglich Unter dei⸗ nem Kreuze leben. Wie du mein, so will ich dein Lebend, leidend, sterbend sein. 7. Kreuzige mein Fleisch und Blut, Lehre mich die Welt verschmähen; Laß auf dich, du höchstes Gut, Im⸗ mer unverwandt mich sehen; Führ' in allem Kreuze mich, Wie du willst, nur seliglich. 8. Endlich laß mich meine Noth Auch geduldig über⸗ winden. Nirgends sonst soll !ts. (S σα —— ⏑ rn S —— — mich der Tod Als in deinen Wunden finden; Wen du dadurch heil gemacht, Spricht getrost: es ist vollbracht. Benj. Schmolck(1672—1737.) Eigene Melodie. 848. S i, Chen⸗ könig, Lege mich vor deinen Thron: Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring' ich dir, du Menschensohn!„ Laß dich finden, ½ Bin ich gleich nur Asch' und Thon. 2. Sieh' doch auf mich, Herr, ich bitt' dich, Lenke mich nach deinem Sinn! Dich alleine Ich nur meine, Dein erkaufter Erb' ich bin. Laß dich finden, 3: Gieb dich mir und nimm mich hin. 3. Herr, erhöre! Ich be⸗ gehre Nichts als deine freie Gnad', Die du giebest, Wo du liebest, Und man dich liebt mit der That.„ Laß dich finden, Der hat Alles, wer dich hat. 4. Himmelssonne, Seelen⸗ wonne, Unbeflecktes Gottes⸗ lamm, All' mein Sinnen Und Beginnen, Suchet dich, o Bräutigam!„ Laß dich fin⸗ den,„ Starker Held aus Davids Stamm. 5. Dieser Zeiten Eitel⸗ keiten, Reichthum, Wollust, Ehr' und Freud' Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit. 1 Laß dich finden, Großer Gott, ich bin bereit! Joachim Neander(1640— 1680.) ——.— Liturgie an Sonn⸗ und Festtagen. Geistlicher: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Unsere Hilfe sei im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.— Geliebte in Christo! — Lasset uns in tiefer Demuth vor dem Herrn unsere Unwürdigkeit und unsere Sünden bekennen und mit ein⸗ ander beten: Allbarmherziger Gott und Vater! In tiefer Demuth erkennen wir und bekennen wir vor dir unsere vielfachen Sünden und Vergehungen. Siehe erbarmend auf uns nieder und vergieb uns Reuigen alle unsere Sünden, um des Verdienstes Deines lieben Sohnes, unseres Heilandes Jesu Christi Willen. Gewähre uns auch den Beistand deines heiligen Geistes, damit wir dem Bösen von ganzem Herzen entsagen und dir in Gerechtigkeit dienen mögen, die dir gefällig ist.— Amen! Chor: Herr, erbarme dich über uns!— Christe, erbarme dich über uns!— Herr, erbarme dich über uns!— —B Liturgie. 11 „Geistlicher: Der allmächtige Gott erbarme sich über Euch und vergebe Euch alle Eure Sünden! Er stärke und be⸗ festige Euch durch seinen Geist in allem Guten und bringe Euch in sein ewiges Reich durch Jesum Christum, unsern Herrn!— Ehre sei Gott in der Höhe!— Chor: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl⸗ gefallen. Geistlicher: Der Herr sei mit Euch! Chor: Und mit deinem Geiste. Geistlicher: (Spricht ein kurzes Gebet um Segen für die Verkündigung des göttlichen Wortes.) Chor: Amen. Geistlicher: (Vorlesung der Epistel.) Hallelujah! Chor: Hallelujah! 12 Liturgie. Geistlicher: Oder:(Vorlesung des Evangeliums.) Gelobt seist du, o Christus.— Amen. Chor: Amen. Geistlicher: Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, und an Jesum Christum, seinen eingebor'nen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geiste, geboren von der Jungfrau Maria, ge⸗ litten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und be⸗ graben; niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige allge⸗ meine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen!— Chor: Amen!— Amen!— Amen! Schlußliturgie nach der Predigt. Geistlicher: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünde ver⸗ giebet und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. (Oder ein anderer Spruch.) Gemeinde: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herre Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Geistlicher: Lasset uns beten: Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest deine christliche Kirche mit allen ihren Lehrern und Dienern durch deinen heiligen Geist regieren, daß sie bei der reinen Lehre deines Wortes er⸗ halten, der wahre Glaube in uns geweckt und gestärkt werde, auch die Liebe gegen alle Menschen in uns er⸗ wachse und zunehme. Segne nach deiner Verheißung die Predigt des Evangeliums zur Ausbreitung deines Reiches 14 Schlußliturgie. auch unter den Juden und Heiden, und laß dir den Dienst deiner Knechte an diesem Werke wohlgefallen. Wende die Augen deiner Barmherzigkeit auf Alle, die deinen Namen bekennen und unter dem Joche der Ungläubigen seufzen; sei aber insonderheit allen denen gnädig und barmherzig, die mit uns denselben theuren Glauben empfangen haben, dermalen aber noch in vieler Gefahr, Noth und Verfolgung leben. Laß, o Herr, deine Gnade groß werden über den Kaiser, unsern König und Herrn, über die Kaiserin und Königin, seine Gemahlin, über den Kronprinzen und die Kronprinzessin, seine Gemahlin, über sämmtliche Königliche Prinzen und Prinzessinnen und Alle, welche dem Kaiser und dem Königlichen Hause anverwandt und zugethan sind. Erhalte sie uns bei langem Leben, zum beständigen Segen und christlichen Vorbilde. Verleihe dem Kaiser, unserm Könige, eine lange und gesegnete Regierung. Beschütze das Königliche Kriegsheer und die gesammte deutsche Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande und alle treuen Diener des Kaisers und Königs und des Vaterlandes; lehre sie stets wie Christen ihres Eides gedenken und laß dann ihre Dienste gesegnet sein zu deiner Ehre und des Vaterlandes Bestem. Segne uns und alle Königlichen Länder; sei du des deutschen Volkes starker Schutz und Schirm. Laß deine Gnade ruh'n auf seinen Fürsten und freien Städten, gieb ihnen allen eine friedvolle und gesegnete Regierung in ihren Landen, und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit unsers Volkes Ruhm und Ehre sein. Schlußliturgie. 15 Blicke in Gnaden herab auf den Landtag der Monarchie, der jetzt wieder um den Thron unsers Kaisers und Königs versammelt ist, auf daß seine Berathungen geschehen in deiner Furcht und seine Arbeiten zu deiner Ehre und zum Segen des Vaterlandes gedeihen. event. Kröne barmherziger Gott mit deinem Segen die Arbeiten des Reichstages, daß sie zum event.] Frieden und Heile des gesammten Vaterlandes und zum Preise deines heiligen Namens ge⸗ reichen. Nimm alle christliche Obrigkeit in deine gnädige Ob⸗ hut, und hilf, daß sie mit dem Kaiser, unserm Könige und allen Regierenden im Reiche unter deinem Segen trachte, dein himmlisches Reich auf Erden bauen zu helfen und deines Namens Herrlichkeit zu preisen. x Nimm in deinen heiligen Schutz die Früchte event.] des Feldes und gieb auch in diesem Jahre uns, deinen Kindern, die Nothdurft des Lebens. Hilf einem Jeden in seiner Noth, tröste die Be⸗ trübten, stärke die Kranken, sei gnädig den Sterbenden, sei ein Heiland aller Menschen, sowie deiner Gläubigen. Bewahre uns vor einem bösen, unbußfertigen Tode, und bringe uns alle in dein ewiges Himmelreich durch Jesum Christum, unsern Herrn! Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden, unser täglich Brod 16 Schlußliturgie. gieb uns heute, und vergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.— Amen! Gemeinde: Amen.— Amen.— Amen. Geistlicher: Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen! Gemeinde: Amen.— Amen.— Amen. Paul Harmuth. Coerlits 99——99‚9““999—94*9„5 I HIH —2 Dνν Iνν IIIII *—— ——— ⁰⁵ * . 2 — — EEETT „ “ * E