ä ö N Communionbuch wilkelm Baur. Z. Beicht- und Kommunionbuch von Wilhelm Baur, Doktor der Theologie, Generalsuperintendenten der Rheinprovinz. Fünfte Auflage. Gotha. Friedrich Andreas Perthes. 1886. EEEEEEE Univ.-Bibl. Giessen Inhalt. Das Weizenkorn und der Weinstock Das Abendmahl „Die erste Kommunion „Die wiederholte Kommunion. „Die Selbstprüfung. „Beichte und Vergebung „Der Tag der Feier „Die dauernde Gemeinschaft Gebete Lieder 109 126 142 Vorwort zur ersten Auflage. Viele treffliche Beicht- und Kommunionbücher dienen bereits den evangelischen Christen Deutschlands zur Vor⸗ bereitung für das heilige Abendmahl. Aber die Hoffnung, daß auch der seelsorgerliche Zuspruch, den ich in diesem Büchlein gebe, manchen Seelen, und wären es nur solche, die mein sonntägliches Predigtwort zu hören gewohnt sind, förderlich sein könnte, bestimmte mich, einer äußeren und einer inneren Aufforderung, ein Beicht⸗ und Kommunion⸗ buch zu verfassen, nicht zu widerstehen. Zum Gebrauch desselben bemerke ich nur, daß die acht Betrachtungen am besten auf acht Tage verteilt werden, also, wenn das Abendmahl Sonntags gefeiert wird, auf die Tage vom Sonntag vorher, an welchem die Einladung zu ergehen pflegt, bis zum Sonntag, an welchem die Feier stattfindet. Die Lieder und Gebete mögen sich dann die Leser, wie sie zu der gelesenen Betrachtung sich eignen, selbst suchen. Darüber wird man sich nicht wundern, daß dieselben Grundgedanken, die sich aus dem Mittelpunkt der christ⸗ lichen Wahrheit, der Lehre von der Sünde und der Gnade, von der Schuld und Versöhnung ergeben, sich in verschie⸗ denen Betrachtungen unter neuen Gesichtspunkten wieder⸗ holen. Denn auf das eine zielt hier alles ab, wie die VI Vorwort. Selbstprüfung und die Beichte, so die Sündenvergebung und Abendmahlsfeier, daß die Seele, die durch die Sünde von Gott sich entfremdet hat, mit ihm wieder zum Frieden komme. Möge denn auch mein Wort den Gruß in die Gemeinde tragen helfen: Friede sei mit allen, die in Christo Jesu sind! Hamburg, in der Passionszeit 1872. Wilhelm Baur. Vorwort zur fünften Auflage. Ich habe diesem Buche bei seinem vierten Ausgange nichts mitzugeben als den Gruß an alle lieben Leser: Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch rufet, welcher wird es auch thun. 1 Thess. 5, 23—24. Koblenz, in der Passionszeit 1886. Wilhelm Baur. ergebung Sünde Frieden in die Christo aur. lusgange er: Der ind euer werden Christi. ich thun. aur. I. Das Weizenkorn und der Weinstock. Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Joh. 1, 16. 1. Du willst zum Abendmahl unsers Herrn Jesu Christi gehn. Gott segne deinen Entschluß und lege auch auf das seelsorgerliche Wort, das um Gehör bei dir bittet, seinen Segen! Ist's noch nicht lange her, seit du zuletzt das gesegnete Brot und den gesegneten Kelch empfangen, und war das Heilige, das dich durchdrang, so selig, daß du schon wieder herzlich nach dem Altare verlangst— du wirst gerne mit einer gleichgesinnten Seele in das unaussprechliche Geheimnis dich vertiefen. Liegt zwischen deinem letzten Gang zum Abendmahl und deinem Vor⸗ haben, die heiligen Stufen wieder hinaufzusteigen, ein schwerer Sündenfall— du brauchst, um vor dem Heilig⸗ tum nicht zurückzuschaudern, den tröstlichen Zuspruch: Jesus nimmt die Sünder an und isset mit ihnen! Hat deine Seele unter großer Last des Leidens sich ausgestreckt nach dem, der Gedanken des Friedens hat und nicht des Leides— es wird dir willkommen sein, wenn jemand dir des Herrn Wort zueignet: Kommt her zu mir alle, Baur, Kommunionbuch. 1 2 J. Das Weizenkorn und der Weinstock. die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Stehst du vor einer ernsten Lebensentscheidung: laß dich in deinem Wunsche, deines Heilandes für diese Entscheidung durch das Abendmahl neu gewiß zu werden, bestärken! Hat die Seele, welche Gott dir zum innigsten Bund an⸗ getraut hat, dich gebeten, du möchtest dich dem kräftigsten Mittel, die Ehe zur tiefsten Gemeinschaft des Lebens zu machen, dem gemeinsamen Genuß des Abendmahles, nicht länger entziehen: es wird Eheleuten lieb sein, wenn sie gemeinsam ein treugemeintes Wort über die rechte Feier des Abendmahls hören dürfen. Sieht dein Kind dich bittend an, du möchtest doch bei seiner ersten Kommunion ihm zur Seite sein: laßt euch, ihr Eltern, durch des Kindes Verlangen beschämen und erwecken und lest mit⸗ einaͤnder, was euch in Treue geboten wird! Trifft dies Wort eine jugendliche Seele„wie eine Lilie, vom Tau des Geistes noch eben bei der Einsegnung wieder aufgefrischt: laß dir raten, daß du auch beim ersten Abendmahl„wie die zarte Blume willig dich entfaltest“ und alle Gnaden⸗ fülle, die dein Heiland dir bietet, in dir aufnehmest. Der zu dir spricht, hebt seine Rede nicht an, ohne selbst den Geist Gottes, der Mund und Weisheit giebt, um das rechte Wort gebeten zu haben. 2. Du willst zum Abendmahl unseres Herrn Jesu Christi gehen. Wie gering oder wie groß deine Erkennt⸗ nis sei, soviel ist dir klar: es handelt sich dabei um die J. Das Weizenkorn und der Weinstock. 3 innigste Gemeinschaft mit deinem Heiland und dadurch um den festesten Bund mit deinem Gott, um die Hinkehr deines ganzen Menschen in den heiligen Grund alles Le⸗ bens. Ja, halte dies nur vor allem für gewiß: dein Gott will, daß du in einem Bund mit ihm stehest; du sollst dich selbst nicht denken, ohne Andacht zu Gott; deine Einkehr in dich führt dich vor Gottes Bild, das er selbst in dein Inneres gezeichnet; Frommsein ist das echte Menschsein und dem Glaublosen fehlt des Menschen herr⸗ lichste Eigentümlichkeit. Du hast mit dem Pflanzenleibe das Wachstum und das Absterben gemein, mit der Tier⸗ seele die Empfindung des Schmerzes und der Freude— der Geist, den dir Gott gegeben hat, hebt dich über alle andere Kreatur. Du bist, indem du Geist bist, Gottes Bild und zur Gotteskindschaft berufen. Und wenn ein Weib ihres Kindes nicht vergißt, daß sie sich nicht er⸗ barmte über den Sohn ihres Leibes— wie könnte Gott der Menschen vergessen, welche seines Geistes Kinder sindꝰ Er geht ihnen, nachdem sie durch die Sünde seinen hei⸗ ligen Geist betrübt haben, mit seinem strafenden und verheißenden Worte nach(1 Mos. 3). Er läßt, wenn sie von seinem Geiste sich nicht wollen strafen und die Ver⸗ heißung geben lassen, in äußeren Plagen Strafgerichte über sie hereinbrechen. Er giebt nach der Sündflut den Bogen den Friedens in den Wolken und versichert die neu sich ausbreitende Menschheit, daß er einen Bund der 1* 4 I. Das Weizenkorn und der Weinstock. Gnade mit ihr haben will(1 Mos. 9). Er schaffet sich selbst, da die Völker, in welche die Menschheit sich ge⸗ spalten, Heiden geworden, sein Gottesvolk(1 Mos. 12). Er weckt in diesem Volke die Sehnsucht nach dem Bunde der Gnade durch das Gesetz, das die Sünde aufdeckt, giebt ihm einen Vorschmack der ewigen Gnade, die einst in seinem Sohne sich erschließen soll, in den vorbildlichen Opfern, und läßt die Propheten immer deutlicher den verkünden, in welchem die Fülle der Gottheit leibhaftig in Menschengestalt erscheinen soll. Gottes Liebe, welche den Menschen nach seinem Bilde geschaffen, ihm von seinem Geiste gegeben, ihn zu seiner Kindschaft berufen, ruhet nicht, bis sie ihn wieder zu sich zurückgebracht hat. Es geht durch das Prophetenwort ein herzbewegliches Rufen des Vaters nach seinen Kindern: Wie auf Adlers⸗ flügeln hab' ich euch aus Agypten getragen, warum wollt ihr nicht unter dem Schatten meiner Flügel sicher ruhen? Ich hab' euch auferzogen und es an nichts fehlen lassen, warum wollt ihr von mir abfallen? Was hab' ich dir gethan, mein Volk, und womit hab' ich dich beleidiget? das sage mir. Ist nicht Ephraim mein trauter Sohn und mein liebes Kind? Darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß! Kehre wieder, kehre wieder!— Und wenn dem Volke das Wasser der Trübsal über das Haupt schlagen will, dann dringt aus den frömmsten Herzen auf des Herrn Wort RR —A Rx c S* E fet sich sich ge⸗ s. 12). Bunde aufdeckt, ie einst ildlichen jer den ibhaftig welche m von berufen, icht hat. vegliches Adlers⸗ m wollt ruhen? t lassen, ich dir leidiget? rSohn ein Herz Kehre olke das I, dann n Wort J. Das Weizenkorn und der Weinstock. 5 die Antwort: So schaue nun vom Himmel und siehe herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung. Wo ist nun dein Eifer, deine Macht? Deine große herzliche Barm⸗ herzigkeit hält sich hart gegen mich. Bist du doch unser Vater. Denn Abraham weiß von uns nicht und Israel kennt uns nicht. Du aber, Herr, bist unser Vater, und unser Erlöser; von altersher ist das dein Name(Jes. 63, 15 u. 16). 3. Der Vater läßt seine Kinder nicht darben. Er giebt ihnen Speise und Trank zum Leben. Wir Men⸗ schen, die wir von ihm das Leben ursprünglich empfangen haben, sollten in der Erhaltung des Lebens immerdar den gegenwärtigen Gott, dessen Geschlecht wir sind, in welchem wir leben und weben, fühlen und finden. In jedem Mahl, das wir halten, sollten wir sehen und schmecken, wie freundlich der Herr ist. Wo wir essen und trinken, sollten uns Brot und Wein die Pfänder der gnadenreichen Gegenwart des Herrn sein. So haben die Menschen in der Unschuld des Paradieses wohl überall Gottes Gemeinschaft geatmet und in jedem Essen und Trinken ihres Gottes sich wieder vergewissert. Es konnte der Leib nicht erquickt werden, ohne daß die Seele ihren Gott empfand und der Geist sich in Gott lebendig fühlte. Auch nachdem die verbotene Frucht gegessen war und der Kelch des Leidens getrunken werden mußte, ist Gott immerdar bedacht, seinen Kindern Speise und Trank zum 6 IJ. Das Weizenkorn und der Weinstock. Leben zu bieten, mit der leiblichen Ernährung seine heil⸗ same Gnade. Er läßt Manna vom Himmel fallen und das ist sein Verlangen dabei, daß die Kinder Israels auf die Frage: was ist das? die Antwort finden: das ist die Gnade Gottes, die nicht Lust hat am Tode des Gott⸗ losen, sondern daß er sich bekehre und lebe. Er schlägt Wasser aus dem Felsen und dahin geht seine Sehnsucht, daß die Erfrischten den Herrn loben, dessen Gnaden⸗ brunnen ein offener Born ist und Wassers die Fülle hat. In dem Glauben, daß Gott seinen Kindern Speise und Trank zum Leben giebt, singt David: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser(Pf. 23). Die Propheten klagten, daß das Volk mit der leiblichen Erhaltung sich genügen läßt und nicht für ihn selbst, den lebendigen Gott, das Innerste in Sehnsucht aufthut. Siehe, es kömmt die Zeit, spricht darum der Herr, Herr, daß ich einen Hunger in das Land senden werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, son⸗ dern nach dem Wort des Herrn zu hören(Amos 8, 11). Mein Volk thut ein zwiefache Sünde, mich, die lebendige Quelle verlassen sie, und machen ihnen hier und da aus⸗ gehauene Brunnen, die doch löchricht sind und kein Wasser geben(Jer. 2, 13). Aber die Gnade wird nicht müde. Sie läßt den Menschen von jenem Kinde sagen, das ihnen geboren, von jenem Sohne, der ihnen gegeben werden soll, — F. IX heil⸗ umund lIs auf as ist Gott⸗ schlägt nsucht, naden⸗ le hat. eund t mein ch auf 23) iblichen i, ven ufthut. Herr, „nicht „son⸗ 3, 14. bendige aaus⸗ Wasser müde. ihnen en soll, J. Das Weizenkorn und der Weinstock. 7 der Wunderbar heißt, und verkündigt den Tag seines Kom⸗ mens als einen Tag der Erntefreude, also der Brotes⸗ fülle(Jes. 9), und sie läßt die Einladung ergehen: Wohl⸗ an alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser, und die ihr nicht Geld habt, kommet her, kaufet und esset; kommet her und kaufet ohne Geld und umsonst, beides Wein und Milch(Hes. 55). Der Vater kann seine Kin⸗ der nicht lassen. Stillen will der das tiefste Verlangen, in welchem wir sprechen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wassen, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott, wann werd' ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?(Pf. 42.) 4. Wer mich siehet, der siehet den Vater, so spricht Jesus Christus, und eben darum, weil in ihm die„Gott⸗ heit und Menschheit in einem vereinet und alle voll⸗ kommene Fülle erscheinet“, eben darum ist er auch die Nahrung, der wir bedürfen, die rechte Speise und der rechte Trank. Weil in ihm die Fülle der Gottheit wohnt, kann er in uns die Leere füllen. Weil er unsre Mensch⸗ heit angethan, können wir ihn finden und genießen. Wir meinen, des Menschen Sohn anzusehen, und siehe, wir schauen zugleich den Sohn des lebendigen Gottes. Er tritt in die Welt ein, und Klarheit leuchtet mitten in der Nacht und die himmlischen Heerschaaren singen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und an den Men⸗ 8 J. Das Weizenkorn und der Weinstock. schen ein Wohlgefallen. Er gehet aus dieser Welt hinaus und die Sonne verliert ihren Schein, die Erde bebt und der Vorhang am Tempel zerreißt. Er wandelt über die Erde hin in unserer armen Gestalt und der lebendige Gott bekennt sich zu ihm als seinem Sohne, und die Klarheit, die er bei dem Vater gehabt, bricht durch das Leben in Demut und Verachtung immer wieder hindurch. Er kehrt im Leibe der Auferstehung vom Grabe zurück und mit Königsherrlichkeit spricht er: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden und heißt seine Boten die Welt für ihn erobern.— Wir freuen uns, den Sohn Gottes anzusehen und siehe, wir schauen zugleich des Men⸗ schen Sohn. Was wär' ihm fremd, das uns Menschen eigen ist, außer der Sünde? Du stehest, ein Kind an der Grenze der Kindheit, aber du hast es durch all die Jahre deines zarten Kindeslebens schon empfunden, daß du nicht erst aus der Kindheit ausgehen mußt, um einen Hei⸗ land zu haben, daß dein Heiland geboren ist, um auch das Kindesleben zu durchleben. Du bist arm, aber den Armen wird das Evangelium gepredigt von dem armen Jesu, der nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegte, um uns in den Reichtum seiner Herrlichkeit einzuführen. Du hast tiefe Seelenschmerzen, das bringt dich dem Heiland nur näher, dem Seelenbetrübten bis in den Tod, der sich dir zuneigt bis in die tiefste Tiefe der Anfechtung. Du quälst dich in schmerzzerrissenem Leibe,— ist auch ein Schmerz, inaus t und über endige d die das durch. zurück n alle Boten Sohn Men⸗ nschen id an ll die aß du 1 Hei⸗ h das Armen Jesu, ns in hast nur ch dir quälst hmerz, J. Das Weizenkorn und der Weinstock. 9 wie Jesu Schmerz am Kreuze? Du mußt sterben und ins Grab gesenkt werden— auch dein Jesus neigte das Haupt und verschied und ward begraben. Es ist nichts Menschliches, welches dem Sohn des lebendigen Gottes fremd geblieben wäre— außer der Sünde. Denn der an Geberden ganz wie ein Mensch erfunden ward, spricht: Ich und der Vater sind eins. Und bei dieser Einheit menschlicher und göttlicher Natur ist's geblieben, weil die Sünde sie nicht zerrissen. Meine Speise ist die, daß ich thue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk, so kann er zu Gott gerichtet sprechen. Zu den Menschen gerichtet spricht er: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Gottheit und Menschheit ge⸗ einiget, ein Mensch, der sagen darf: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich, das ist's, was wir brauchen, das ist die rechte Speise, das ist der rechte Trank!— Denn wir mögen fragen: Warum ward Gott Mensch? Und: Für uns, für uns! Für dich, für mich! das ist die Ant⸗ wort, die freilich gläubige Herzen verlangt, dieselben aber, wo sie gefunden werden, mit Seligkeit durchschauert. Durch die Sünde aus Gott, aus der Liebe, aus dem Leben ge⸗ kommen, waren wir der Welt, dem Selbst, dem Tode verfallen. Wir brauchten der Speise zum Leben, wir brauchten des lebendigen Gottes, wir brauchten der Liebe, in welcher Gott sich selbst uns mitteilt. Und diese Liebe, 2888—————''' 10 J. Das Weizenkorn und der Weinstock. die uns erschienen ist, dieser Gottessohn, der in unser Menschenwesen eingegangen, dieses Leben, das sich sterbend für uns dahingegeben, Jesus Christus, ist darum unseres wahrhaftigen Menschen Nahrung. Darum spricht Chri⸗ stus: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, der wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, der wird nimmermehr dürsten(Joh. 6, 35). Und um ge⸗ nauer zu sagen, daß er durch sein gesamtes gottmensch⸗ liches Leben, das er lebt, um es für uns in den Tod geben zu können, unseres Lebens Leben wird, fügt er hin⸗ zu: Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewig⸗ keit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt (Joh. 6, 51). Und um aufs bestimmteste auszusprechen, daß wie alles Brot so auch das Brot, das er selbst ist, nur durch essen Leben spendet, fährt er fort: Wahr⸗ lich, wahrlich, ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken(Joh. 6, 53 und 54). 5. Zwar hat der Herr mit diesen Worten auf das Abendmahl schon hingedeutet, aber vom Essen und Trin⸗ ken im Abendmahl für das Verständnis der Jünger noch SFVFI=—E=„-‚- 2„g— 5„,„—-„„.„ unser sterbend unseres Chri⸗ kommt, , der im ge⸗ mensch⸗ n Tod er hin⸗ ommen. t Ewig⸗ st mein r Welt prechen, lbst ist, Wahr⸗ en das ut, so set und ind ich 6, 53 suf das 9Trin⸗ er noch J. Das Weizenkorn und der Weinstock. 11 nicht eigentlich geredet, sondern zunächst nur von dem beständigen Essen und Trinken des Fleisches und Blutes Jesu Christi, von der immerwährenden Aufnahme des Gottmenschen Jesu Christi im Innersten unseres Wesens durch den Glauben. Indem wir gläubig in Jesu Christi Erscheinung, seinen vollkommenen Gehorsam gegen den Vater, sein Leiden im heiligen Thun, sein Thun im hei⸗ ligen Leiden, die Darbringung seiner selbst am Kreuz, die Annahme des vollgültigen Opfers durch die Auferweckung des Vaters uns versenken, indem wir dies alles in gläu⸗ bigem Gebet uns zueignen: für mich, für mich! essen wir das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut. Und wie wir täglich das leibliche Brot genießen, so sätti⸗ gen wir uns von Tag zu Tage mit dem Christus, der durch das Evangelium unserm Glauben überall nahe ist, und trachten zu der Höhe des Christenlebens zu kommen, auf welcher Paulus sprechen durfte: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dar⸗ gegeben(Gal. 2, 20). Aber außer diesem beständigen Essen des Fleisches und Trinken des Blutes Christi im Glauben hat uns Christus noch ein Essen seines Leibes und Trinken seines Blutes im heiligen Abendmahl ge⸗ schenkt und verordnet. Während er dort allgemein von Fleisch und Blut redet, in welches er sich gekleidet, von der 12 I. Das Weizenkorn und der Weinstock. menschlichen Natur, in welcher er seinen ganzen Erden⸗ wandel geführt, weist er uns im Abendmahl bestimmt auf seinen Opfertod hin, auf den Leib, welcher am Kreuze er⸗ starrte, das Blut, welches am Kreuze vergossen ward. Während dort die Worte nur von einem geistlichen Ge⸗ nießen zu verstehen sind, geschieht hier das geistliche Ge⸗ nießen, nicht ohne das leibliche. Während dort das Wort allen Christum darbietet, ob einer sich etwa durch dasselbe zum Glauben und dadurch zum Genusse will bringen lassen, tritt im Abendmahl wie in der Taufe Christus aufs unzweifelhafteste, weil aufs spürbarste, an diesen be⸗ stimmten Menschen heran, der isset und trinket. Du kannst nicht leugnen, o Mensch, wenn du des Brotes Geschmack auf der Zunge, des Weines Kraft im Blute spürst, daß jetzt Christus eben an dich, gerade und ganz besonders an dich, herangetreten und in dich hereingetreten ist— o daß das Mahl ein gnadenreiches Mahl des Lebens für dich wäre! 6. Christus ist das Weizenkorn, das uns das Brot, der Weinstock, der uns den Wein des Lebens bietet. Als ihm Israel bei seinem Einzug in Jerusalem das Hosianna zurief, da waren auch etliche Griechen unter dem Volke, die wollten Jesum gerne sehen. Als Jesus das hörte, antwortete er: die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde Erden⸗ nt auf ze er⸗ ward. nGe⸗ je Ge⸗ Wort asselbe ringen hristus sen be⸗ kannst schmack t, daß ers an o daß ir dich Brot, bietet. nadas unter Jesus aß des ch, ich e Erde IJ. Das Weizenkorn und der Weinstock. 13 falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Frucht(Joh. 12, 23 und 24). Ein untadelhaftes Weizenkorn war Jesus Christus, voll Keim⸗ kraft, voll nährender Speise. Wär' er allein geblieben, wär' er für sich in den Wegen Gottes gewandelt, hätt' er zwar alle Gerechtigkeit erfüllt, aber nur die Liebe nicht völlig erwiesen— was wär' aus ihm geworden, was wär' er heute? Er wäre ohne Frucht durch diese Welt ge⸗ gangen! Aber dieser Gedanke ist nicht zu denken. Denn das eben ist Christi Wunderthat, daß er nicht allein blieb, daß er liebte, daß durch die Liebe all sein Thun ein Leiden war um die sündige Menschheit, all sein Leiden ein Thun für die sündige Menschheit, daß er die Speise, die ihm der Vater bot, auch dann nahm, als sie hieß: für uns zur Sünde werden(2 Kor. 5, 21), daß er den Kelch, den ihm der Vater einschenkte, auch dann trank, als er hieß: sterben für die Sünder. Durch seine Opferliebe starb er wie wir und ward begraben wie wir. Da hatte das untadelhafte Weizenkorn gewirkt, was es sollte: es hatte seine Gestalt und Schöne aufgegeben, um seine Kraft und Fülle mitzu⸗ teilen, es brachte viel Frucht: all die gläubigen Menschen, die der Zug seiner Liebe vom Kreuz und vom Throne her überwältigt hat. Für uns, für uns! so klingt es wieder. Denn auch wir sind des Weizenkorns Frucht, indem wir glauben, und zugleich ist das Weizenkorn unser Brot„ das wir im Glauben empfangen.— Und ein paar Tage (w/ TDFEFIFIFAFIFAFEFEFEFEFEFEFEEEIEII.—ssscscscscscscscccc 14 J. Das Weizenkorn und der Weinstock. später, schon hatte der Herr das Abendmahl eingesetzt und war im Begriff, in die Nacht hinauszugehen und in Geth⸗ semane die Schatten des Todes über sich ausbreiten zu lassen, da sprach er: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet, und ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts thun(Joh. 15, 5). Ein untadeliger Weinstock war Jesus Christus, voll frischen Lebenssaftes, voll Kraft des feurigen Weines. Hätt' er mitten im Volke sich von ihm abgetrennt, hätt' er nicht den Trieb gehabt, über den Weinberg Gottes, das Volk Jsrael, ja über alle Länder der Erde sich wachsend auszubreiten, was wär' aus ihm geworden, was wär' er heute? Wir sind selbst Reben an ihm geworden, so ferne dem Boden, aus welchem er zuerst hervorgewachsen, daß uns das Nicht⸗fort⸗wachsen dieses Weinstocks in aller Welt im Widerspruch mit seinem tiefsten Lebenstriebe erscheinen würde. Denn das eben ist dieses Weinstocks Herrlichkeit, daß er sich hat Wunden schlagen lassen, durch welche sein Leben ausströmte, er aber zugleich die Menschen, die ster⸗ ben wollten, an sich zog, mit sich als Reben zusammen⸗— fügte. Für uns, für uns! so klingt es wieder. Wir sind des Weinstocks Reben und zugleich ist er der Wein von welchem wir Kraft empfangen.— Das Weizenkorn ist Christus und das Brot, der Weinstock ist er und der Wein. Christi Fleisch ist die rechte Speise, Christi Blut ist der rechte Trank. Der ganze Christus ist unsers Lebens Nah⸗ tzt und Geth⸗ iten zu eid die bringt Coh. hristus, Veines. hätt' s, das achsend vär' er oferne ti, daß Welt cheinen lichkeit, he sein ie ster⸗ mmen⸗ ir sind „ von rn ist Wein. ist der Nah⸗ J. Das Weizenkorn und der Weinstock. 1⁵ rung, unser Leben selbst, weil er der wahrhaftige Gott ist, in menschlicher Natur uns nahe getreten, weil er die Liebe ist, die Fleisch geworden, weil durch ihn wir wieder dahin⸗ gekommen sind, wo wir sein sollen: in des Vaters Haus, an des Vaters Tisch, an des Vaters Herz. Ja, selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden(Matth. 5, 6). Gebet. O Herr, mein Gott, lieber himmlischer Vater, ewige Liebe, ich danke dir, daß du mich je und je geliebet und aus lauter Güte zu dir gezogen und mich durch deine Gnade, durch dein Wort aus dir selbst genähret hast! O Herr, mein Heiland, Jesu Christe, des Vaters Abglanz und doch mein Bruder, ich danke dir, daß du so tief in mein Elend dich hernieder geneiget und meine Sünde auf dich genommen, daß ich leben durfte! O heiliger Geist, du Geist der Kindschaft, mein Tröster, ich danke dir für das helle Zeugnis der Gotteskindschaft, das du in meinem Geiste mich hören lässest! Nun hilf mir, mein Gott, daß ich mich ganz und gar in deine Liebe hineinberge! Nun hilf mir, mein Heiland, daß ich dich ganz und gar als meine Speise und meinen Trank zum Leben im Glauben aufnehme! Nun hilf mir, du tröstender Geist, daß keine Sünde mir Angst, kein Leid mir Grauen bringen könne, 16 IJ. Das Weizenkorn und der Weinstock. daß ich frei und froh lebe aus lauter Gnade! O du Wunderliebe Gottes, um dies eine bitt' ich dich, daß ich immer deutlicher höre: für mich, für mich! daß ich immer inniger spreche: für dich, für dich! Liebe für Liebe, das Herz für das Herz, das Leben für das Leben, du mein und ich dein und niemand soll uns scheiden. Amen. el O du h, daß ich ich immer Liebe, das „du mein men. II. Das Abendmahl. Jetzt erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich er⸗ kannt bin. 1 Kor. 15, 12. 1. Mich hat herzlich verlangt, dies Oster— lamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide(Luk. 22, 15), so sprach der Herr zu seinen Jüngern an dem Abend, da er das heilige Mahl stiftete. An das Passah⸗ mahl des Alten Bundes schloß er das Mahl des Neuen Bundes. Indem er zum letztenmal das Osterlamm mit den Seinen aß, gab er ihnen die Ordnung, nach der sie hinfort sprechen sollten: wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert(1 Kor. 5, 7). Hatten die Kinder Jsraels ein Lamm ohne Fehl, wir haben das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, den ein⸗ zigen Sündlosen, über welchem die Stimme des himm⸗ lischen Vaters erklang: dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. War es in Israel des heiligen Mahles Gesetz, daß das Lamm ganz gegessen ward, so ist es in der Christengemeinde die Ordnung der Gnade, daß sie den ganzen Christus, den Gottessohn und Menschen⸗ sohn, den Propheten, Priester und König, in sich auf⸗ Baur, Kommunionbuch. 2 18 II. Das Abendmahl. nehme. Eigneten sich die Kinder Jsraels bei ihrem Oster⸗ lamm die Gnade Gottes immer wieder an, welche ihr Volk einst aus Agyptens Knechtschaft geführt, so empfangen wir im Abendmahl immer wieder die Gnade Gottes in Christo, welche uns erlöset, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und der Gewalt des Teufels. Bildete sich um das Osterlamm Israels eine heilige Fa⸗ milie, so sehen auch wir uns in der großen Gemeinde um den Altar des Herrn als seine Brüder und Schwestern und Gottes Kinder an. Aßen die Kinder Israels das Osterlamm mit ungesäuertem Brot und bittern Salzen, so bringen wir die Bitterkeit der Reue hinzu und die Lauterkeit des Glau⸗ bens, damit in dem heiligen Mahl die Sünde abgethan und Christus aufgenommen werde. Und aßen die Kinder Jsraels das Mahl als die hinwegeilenden, die Lenden ge⸗ gürtet, Schuhe an den Füßen, Stäbe in der Hand,— so oft wir unser heiliges Mahl genießen in jungen oder alten, gesunden oder kranken Tagen, im Frieden oder im Krieg, wir nehmen's als eine heilige Wegzehrung, denn wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir. Kommt, Kinder laßt uns gehen, der Abend kommt herbei! Es ist gefährlich stehen in dieser Wüstenei! Kommt, stärket euern Mut, zur Ewigkeit zu wandern, von einer Kraft zur andern— es ist das Ende gut! 2. Christus ist des Gesetzes Ende, indem er des Gesetzes Erfüllung ist. Seine Vorschriften hat er gehalten, seinen n Oster⸗ elche ihr npfangen ottes in men von Teufels. ilige Fa⸗ inde um tern und sterlamm ngen wir 8 Glau⸗ abgethan e Kinder nden ge⸗ 5„ so er alten, n Krieg, ir haben chen wir. t herbei! t, stärket kraft zur Gesetzes „ seinen II. Das Abendmahl. 19 Vorbildern das Wesen gegeben. Wir haben zurückgeschaut auf der Gnade Vorschmack im Passah. Wir versenken uns in die Gnadenfülle im heiligen Abendmahl. Hinein werden wir geführt durch die Erinnerung an die Zeit, in welcher er das Mahl eingesetzt. Es war die Nacht, da er verraten ward, die Nacht, in welcher er Treue hielt bis in den Tod, und als der gute Hirte auch das Leben für die Schafe gab, die Nacht, in welcher auch die liebsten Menschen nicht bei ihm aushielten, und die doch die üÜber⸗ schrift trägt: wie er hatte geliebet die Seinen, die in dieser Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende(Soh. 13, 1). Da sollte sich das alte Wort in unerhörter Weise bewäh⸗ ren: Liebe ist stark wie der Tod, und Eifer ist fest wie die Hölle. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn; daß auch viele Wasser nicht mögen die Liebe auslöschen, noch die Ströme sie ersäufen(Hohel. 8, 6 u. 7). Die Wasser des Hasses brausten daher, hier eine Tiefe und da eine Tiefe — die Liebe blieb Liebe. Die Ströme des Todes erhoben sich— die Liebe, um den Tod zu überwinden, ging in den Tod. Es war die Nacht, da die heilige Liebe, wie es in dieser sündigen Welt kommen mußte, völlig vereinsamt ward, und da sie sich aus dieser Vereinsamung lockend, suchend, loskaufend nach aller Welt ausstreckte. Der Herr hatte herzlich verlangt, das Osterlamm mit seinen Jüngern zu essen. Sie haben es in seinem Auftrag bereitet, sie sammeln sich um ihn, aber sie streiten um den Vorrang: da wäscht 2 20 II. Das Abendmahl. er ihnen die Füße und predigt ihnen durch diese Handlung Liebe, Demut, demütigen Liebesdienst. Er schaut in den Kreis der Jünger und mit tiefer Wehmut spricht er: Einer unter euch wird mich verraten. Petrus bricht mit seinem Bekenntnis hervor, daß er auch das Leben für ihn lassen werde. Der Herr aber sieht im Geiste seine Vereinsamung — dort in Gethsemane wird keine Volksmenge mit ihrem Hosianna ihn umjubeln, dorthin werden selbst von den zwölf Jüngern nur elf ihm folgen, nur drei werden in seiner nächsten Nähe bleiben, diese drei werden schlafen, er wird allein sein mit seinem Gott, ach, mit dem Gefühl, als wär' er ohne seinen Gott, allein mit dem Gebet: nimm den Kelch von mir, wenn's möglich ist; aber der Vater im Himmel wird es für unmöglich erklären, der Sohn wird unschuldig die Schuld der ganzen Welt auf sich nehmen, er wird den Kelch bis zum letzten Tropfen aus⸗ trinken! In dieser Nacht, da alle Liebe ihre Fülle in dem Herzen Jesu zusammendrängt, da alles Leiden das Herz Jesu durchsticht, in dieser Nacht, da auch die Seinen von ihm abfallen, hält er sie fest und giebt ihnen sein Bleiben im Gehen, sein Leben im Sterben durch die Stiftung des heiligen Mahls. 3. Was giebt Jesus den Seinen im Abendmahl? Das ist die Frage, auf die wir nun vor allem eine Antwort haben müssen. Der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten war, nahm er das Brot, dankte *2** 9DIX S C BA sh/hnh& x—— ⏑9888———————— —— ndlung in den Einer seinem lassen amung ihrem n den den in en, er Hefühl, Gebet: er der , der auf sich n aus⸗ in dem Herz en von Bleiben ng des Das Intwort 6r, da hankte II. Das Abendmahl. 21 und brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; sol⸗— ches thut zu meinem Gedächtnis. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr es trin⸗ ket, zu meinem Gedächtnis. Wie der Herr an jenem Abend nach dem Passahmahl, um ein ganz neues zu stif⸗ ten, noch einmal das Brot und den Kelch mit Dank⸗ sagung herumreichte, so wird noch heute, wo das Abend⸗ mahl schriftmäßig verwaltet wird, nach mancherlei Brauch doch immer dieselbe Doppelgabe des Brotes und Weines gegeben, sichtbar dem Auge, von der Zunge geschmeckt. Denn Brot bleibt Brot, und Wein bleibt Wein. Aber in dem Brot und Wein wird dir eine andere, eine höhere, eine das ewige Leben nährende Speise und Trank dargeboten. Nicht also, als ob das sinnige Bild des Brotes als der kräftigsten Speise, und des Weines als des edelsten Trankes nur dazu gewählt wäre, um den Flügeln deiner Gedanken, die aus dem Sinnlichen ins Geistliche empor wollen, Auf⸗ schwung zu geben. Nein, nicht Sinnbilder nur sind Brot und Wein, die den Geist wecken sollen, daß er die geist⸗ liche Gabe erst sich suche, sondern Träger dieser Gaben selbst. Denn der Herr sagt, indem er das Brot darreicht: das ist mein Leib, indem er den Kelch bietet: dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut. Also in dem 22 II. Das Abendmahl. Brot und Wein wird der Leib und Blut Jesu Christi geboten. Nicht also, daß das Brot wesentlich in den Leib, der Wein wesentlich in das Blut Jesu Christi verwandelt und doch dem Brot und Wein, was sein Wesentliches ist, Farbe, Geruch und Geschmack, bewahrt werden könnte. Nein, in und mit dem Brot und Weine, indem du des Brotes und Weines Kraft durch deine Leiblichkeit durch⸗ dringend spürest, wird dir die höhere Gabe verliehen, der Leib Jesu Christi, das Blut Jesu Christi. Und wie sollen wir das verstehen? Es ist dein Jesus selbst, der für dich am Kreuze sich dahin gegeben, der ganze Heiland, der als Prophet, Hoherpriester und König allen Rat Gottes zu deiner Seligkeit ausgeführt, der Sündlose, der für deine Sünde gestorben und für deine Gerechtigkeit auferwecket ist, der Verklärte, der bei dir sein will alle Tage bis an der Welt Ende, der Herr, der mit seinem geistlichen Leibe die Fülle ist, die alles füllet, der das Leben sein kann in deinem Leben, das neue Ich in deinem Selbst,— der schenkt sich dir im Abendmahl. Kannst du's fassen, so faß es, daß bei des Brotes Genuß Christi Leib sich deinem Leibe mitteilt, Christi Blut dein Blut durchrinnt. Kannst du's nicht fassen, so laß deine Gedanken stille stehn und bete an.„O der großen Heimlichkeiten, die nur Gottes Geist kann deuten!“ Gelobet sei die Wundergnade unsers Herrn, die uns mehr giebt als wir fassen können! 4. Sich selbst giebt Jesus im Abendmahl den Seinen Christi in Leib, wandelt ches ist, könnte. du des durch⸗ n, der e sollen ür dich der als tes zu r deine cket ist, an der eibe die deinem nkt sich daß bei nitteilt, fassen, O der uten!“ mehr Seinen II. Das Abendmahl. 23 in seinem Leib, der für uns gebrochen, in seinem Blut, das für uns vergossen wird. Mit Christo, dem Sohne, eins— was könnte uns von dem Vater trennen? Das heilige Abendmahl ist ein Mahl der Versöhnung mit Gott. Zur Vergebung der Sünden(Matth. 26, 28), als der Kelch des Neuen Bundes(1 Kor. 11, 25) wird in dem Weine das Blut Jesu Christi dargereicht. Und niemals sonst hienieden spüren wir's kräftiger, als wenn wir vom Altar des Herrn kommen: wo Vergebung der Sünde, da ist auch Leben und Seligkeit. Zwar kommst du schon zum Abendmahl, im Gewissen stille durch das Wort: Gehe hin in Frieden, dir sind deine Sünden ver⸗ geben, und eben die Gerechtigkeit Jesu Christi, welche über deine Sünde gedeckt ward, ehe du den Altar hinaufstiegst, ist dein Feierkleid für das heilige Mahl gewesen; aber die Sündenvergebung, durch das Wort dir zugesprochen, soll durch die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi eine thatkräftige Versiegelung empfangen. Köstlich ist's schon, wenn du in der Menge der Hörenden für deine Sünden, die nur Gott weiß, aus der Predigt des Evan⸗ geliums von deinem Gott und Heiland für dich, ohne daß ein Menschenauge es sieht, gerade für dich den Trost der Sündenvergebung hinnimmst. Köstlich ist's auch, wenn du dein Herz einem erfahrenen, treuen, verschwiegenen Diener des Herrn geoffenbart und dir unter der Auflegung der Hände, also daß du es spürst: ich bin ganz gewiß gemeint, 24 II. Das Abendmahl. der Spruch durch dein Innerstes tönt: dir sind deine Sünden vergeben, so gewiß, als wäre Christus jetzt eben für dich, als wär' er für dich allein gestorben. Aber die Gewißheit: ich bin bei Gott in Gnaden, durchdringt dich erst recht wie selige Flut des neuen Lebens, wenn das ge⸗ segnete Brot und der gesegnete Kelch dir durch Leib, Seele und Geist das wunderbare: für dich, für dich, führt. Nun ist dir alle Gnade, die du von der Taufe an empfangen, neu bestätiget. Nun ist die Kindschaft Gottes über alle Zweifel gewiß. Die angstvolle Frage: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? ist verklungen und die Antwort dringt aus der Tiefe deiner Seele: ich danke Gott durch Jesum Christum(Röm. 7, 24 und 25). Die Stimme, die gerufen: dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, gilt um dieses Sohnes willen auch dir, und wie über ihm ist über dir der Himmel offen und die Engel Gottes steigen auf und nieder (Joh. 1, 52). Der Zugang zu dem Herzen Gottes ist frei für deine Gebete, und Gottes Gnaden haben gerade Bahn, um dein Leben zu durchleuchten. Auch im finstern Thal fiehst du ihre Strahlen. Du kannst in das hohe Lied des Glaubens einstimmen, das beginnt: So ist nun nichts Ver⸗ dammliches an denen, die in Christo Jesu sind, das fort⸗ fährt: Ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herr⸗ lichkeit nicht wert seien, die an uns soll offenbart werden, und welches in den Triumph ausklingt: Ist Gott für uns, id deine etzt eben Aber die ngt dich das ge⸗ „Seele t. Nun pfangen, ber alle Mensch, des? ist deiner m. 7, st mein n dieses dir der nieder ist frei Bahn, n Thal ied des ts Ver⸗ 8 fort⸗ Herr⸗ verden, ir uns, II. Das Abendmahl. 25 wer mag wider uns sein? welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern ihn für uns alle da⸗ hingegeben, wie sollt' er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht! Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist und sitzet zur Rechten Gottes und vertritt uns! Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?— Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn(Röm. 8). 5. Du kannst aber in der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, nicht leben, ohne zugleich mit den Kindern des Vaters, mit den Brüdern und Schwestern des Erstgebor⸗ nen unter vielen Brüdern aufs innigste verbunden zu sein. Das heilige Abendmahl ist ein Mahl der Bru— derliebe. Die ältesten Christen nannten darum die ge⸗ meinsamen Mahlzeiten, an welche sich die Feier des Abend⸗ mahles anschloß, geradezu Liebesmahle. Und auch in un⸗ seren Tagen steht es bei denen, welche zum Altare kom⸗ men, fest, daß in der Versöhnung mit Gott„ in der neuen Gottesliebe die Versöhnung mit den Brüdern„ die neue Bruderliebe unmittelbar gegeben sei. Wie ein Brot ist, sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig sind(1 Kor. 10, 17). Da⸗ —————— — PSFꝗSꝗFꝗFꝗFꝗĩꝗĩQĩꝗĩꝗQĩꝗQDQDQDQDQDDDDDiDSSI.:˖‚c‚„.4 26 II. Das Abendmahl. rum kehren wir aus dem Hause Gottes in das eigene Haus zurück, die milde, tiefe Liebe im Herzen, in der wir jedem die Hand entgegenstrecken und uns innerlich geloben, hinfort des Hauses Frieden durch die heilige Liebe zu be⸗ wahren. Ehe wir aber die Schwelle des Gotteshauses ver⸗ ließen,— schon am Altare selbst haben wir uns aufs innigste eins gefühlt mit allen denen, die von demselben Brote gegessen und von demselben Kelche getrunken. Viel⸗ leicht begegnete unser Auge in dem Heiligtum dem Auge eines uns nahe Befreundeten und der stille Blick, der ge⸗ wechselt ward, sagte deutlich: wir glauben an eine Ge⸗ meinschaft der Heiligen. Aber ob wir keinen der Mit⸗ feiernden nach dem Angesicht gekannt hätten, hier galt: als die Unbekannten und doch bekannt, in dem gemeinsamen Glauben, der zur Liebe treibt. Ja, die Gemeinde, die an dem Altar sich sammelte, Junge und Alte, Männer und Frauen, Reiche und Arme, war uns das Bild jener großen Christengemeine, in welcher alle Unterschiede zur gliedlichen Gemeinschaft des Leibes unter dem Haupte Christus sich verklärt haben; die Seele ist sehnsüchtig geworden nach ihrer Vollendung in der Gemeinde, nach ihrem Wachstum in der Liebe, sie möchte auch die Feinde in Liebe gewinnen, sie möchte die fern von Christo Wandelnden herbeirufen, sie ist auf des einen Hirten grüner Aue und zu seinen frischen Wassern gewandelt, sie möchte die eine Herde sehen und zu ihr gehören. Kommt, ach kommt, ihr Gotteskinder, as eigene der wir )geloben, be zu be⸗ auses ver⸗ uns aufs demselben n. Viel⸗ sem Auge „der ge⸗ eine Ge⸗ der Mit⸗ galt: als neinsamen e, die an mer und er großen gliedlichen istus sich den nach Vachstum gewinnen, rbeirufen, zu seinen rde sehen teskinder, II. Das Abendmahl. 27 und erneuert euren Bund! Schwöret eurem Überwinder Lieb' und Treu' aus Herzensgrund! Und wo eurer Lebes⸗ kette Festigkeit und Stärke fehlt, o so betet um die Wette, bis sie Jesus wieder stählt! 6. Du kannst den Blick in die Vollendung des Leibes Jesu Christi nicht lenken, ohne an deine eigene Vollendung und insonderheit auch an deines Leibes Vollendung zu den⸗ ken. Das heilige Abendmahl ist ein Mahl der Auferstehung. Es liegt unserm frommen Sinnen der Gedanke sehr nahe, daß auch der Leib, in dem wir wallen, von dem Rat der Erlösung nicht ausgeschlossen ist, denn der Heiland gebraucht auch leibliches Essen und Trinken zu einem Mittel, das geistliche Leben mit seliger Wonne zu erfüllen. Warum auch sollte der Leib gering geachtet wer⸗ den? Auch der Leib des Menschen ist Gottes Kreatur. Ohne Leiblichkeit ist der Mensch kein ganzer Mensch. Muß freilich dieser Leib, den wir tragen, weil er der Sünde sich zum breiten, behaglichen Wohnsitz dargeboten hat, ster⸗ ben und verwesen, nirgends sagt die Schrift, daß des Men⸗ schen Vollendung ohne Leiblichkeit sein werde. Wie wir gesehen haben, daß der Herr, der uns gleich geworden, da⸗ mit wir ihm gleich würden, in verklärtem menschlichen Leibe zum Vater gegangen ist, so werden auch wir in verklärter Leiblichkeit ewig leben. In dem Glauben, den wir be⸗ kennen, sagen wir: Vergebung der Sünden„ und unmittel⸗ bar darauf: Auferstehung des Fleisches. Wenn nun das 28 II. Das Abendmahl. heilige Abendmahl die Vergebung der Sünden uns aufs kräftigste versiegelt, sollten wir vom Altar weggehen, ohne zugleich die neue Gewißheit zu erlangen: dieser Leib, der heute das gesegnete Brot und den gesegneten Kelch em⸗ pfangen, wird auferstehen in neuem Leben? Darum, du Genosse des heiligen Altars mit dem gesunden, blühenden Leibe, vergiß nicht, daß dieser Leib deinem Herrn gehört und im Geiste gieb ihn dem Herrn zum Dankopfer! Du, der du nur mühsam die gebrechliche Hütte deines Leibes an Gottes Altar hast aufgeschlagen, trage sie wieder heim im fröhlichen Glauben: ob der äußerliche Mensch ver⸗ weset, wird der innerliche von Tag zu Tag erneuert, und des inwendigen Menschen Erneuerung wird die Er⸗ neuerung des äußerlichen zur Folge haben. Und du, der du mit dem Gefühl der nahenden Trennung von Leib und Seele im Tode das Abendmahl begehrest, sprich du nur: mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd' ich ausgesäet, himmlisch werd' ich auferstehen. Hier geh' ich natürlich ein, nachmals werd' ich geistlich sein!— Nichts ist an deinem ganzen Menschen, o lieber Christ, das von dem Abendmahl nicht Segen hätte. Der Leib bebt in heiliger Wonne, die Seele em⸗ pfängt neuen Liebestrieb, der Geist hört die Stimme des Gottesgeistes von der Kindschaft. Gott segne dein Vor⸗ haben. Der Gott des Friedens heilige dich durch und uns aufs hen, ohne Leib, der Kelch em⸗ arum, du blühenden rn gehört ser! Du, ies Leibes ieder heim ensch ver⸗ erneuert, die Er⸗ du, der Leib und du nur: gen Gott. risch und isch werd' als werd' Menschen, ht Segen peele em⸗ mme des ein Vor⸗ urch und II. Das Abendmahl. 29 durch, daß dein Geist ganz samt der Seele und Leib müsse unsträflich erhalten werden in der Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Getreu ist der, welcher dich ruft, welcher wird's auch thun(1 Thess. 5, 23 u. 24). Gebet. Herr Jesu Christe, das Geheimnis ist groß von der Gemeinschaft deines Leibes und Blutes in dem heiligen Abendmahl. Hilf mir nur durch deinen heiligen Geist, daß ich mit Ehrfurcht vor dasselbe trete! Und ob ich das⸗— selbe nicht fasse, bis ich zu dem Abendmahl, das droben ist, berufen werde— o gieb mir nur dies, daß mich deine Liebe, in der du deinen Leib für mich dahingegeben, dein Blut für mich vergossen, ergreife! Laß mich nur fühlen, wie innig dein Verlangen ist, mit mir dich zu vereinigen und in die Tiefe der Gemeinschaft mit deinem und meinem Vater mich zurückzuführen! Und wenn ich das heilige Mahl empfange, dann laß den Frieden, der in Vergebung der Sünden ist, sich über meine Seele aus⸗ breiten und gieße deine Liebe mir ins Herz, daß ich deine Kinder lieb habe als meine Brüder und Schwestern. Ja, so tief und so völlig gehe du selbst, mein Heiland, in mich ein, daß du in mir lebst und ich in dir, daß Sterben mein Gewinn wird, weil du mein Leben bist, und daß ich den Tod überwinde in der fröhlichen Hoffnung der Auferstehung. 30 II. Das Abendmahl. Du stehst vor der Thür und klopfst an— warum willst du draußen stehen? Siehe, ich höre deine Stimme, ich thue die Thür auf— ach, gehe zu mir ein und halte das Abendmahl mit mir, so will ich's mit dir halten zum Frieden, zur Liebe, zum Leben. Amen. arum willst 5timme, ich d halte das halten zum III. Die erste Kommunion. Sehet, welch eine Ciebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen. Zoh. 5, 1. 1. Mein liebes Kind, mein liebes Gotteskind,— meine ganze Seele sehnt sich darnach, deine Seele zu finden und dich zum erstenmal zu dem Genuß des geseg⸗ neten Brotes und Weines hinzuführen. Von der Liebe, welche dich bis zu diesem Tag gehegt und gepflegt hat, will ich ein wenig mit dir reden, ob du von ihrer Macht ergriffen wirst und ihr dich hingiebst. Siehe, ehe du ge⸗— boren warst, wartete die Liebe schon sehnsüchtig darauf, dir wohlzuthun. Und sie hat dein junges, zartes Leben auf die Hände genommen, dich warm umhüllt und weich gebettet, nicht bloß in den Tüchern und in der Wiege, die dich aufnahmen, nein, zugleich in ihren Segenswün⸗ schen und ihren Gebeten. Wie still mußte alles im Hause sein, damit nur du dein Gedeihen habest! Wie freundlich fragten bei deinen Eltern die Verwandten und Freunde und Nachbarn, ob es dir auch wohlgehe! Wie viele Grüße flogen auch aus weiter Ferne dir zu! Wenn du lächeltest, war's wie Sonnenschein auf dem Angesichte deiner Mutter. 32 III. Die erste Kommunion. Wenn du weintest, machte sie dich mit lieblichem Gesang stille. Dein Vater ging nicht aus, ehe er dir noch einen segnenden Blick gegeben, und wenn er heimkehrte, fragte er begierig: wie geht's meinem Kinde? Oftmals haben sich alle im Hause um dich versammelt, und wie klein du warst, dein Leben schien schon gar wichtig, gar teuer, gar herrlich, denn du warst frommer Eltern Kind und solltest ein frommes Gotteskind werden. Und die Eltern wußten, woher ihnen selbst die heilige und zärtliche Liebe gekommen war. Sie kannten das Kind in der Krippe, das geboren ist, um für uns sterben zu können; sie kannten den Mann am Kreuze, der in Liebe sein Leben für uns gegeben. Sie wußten auch, wie freundlich und leutselig der Heiland einst gerufen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes(Mark. 10, 14). Sie hatten auch den Befehl vernommen: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes(Matth. 28, 19). Sie warteten nicht lange und ließen dich taufen. Das war ein Tag heiliger Freude für das Haus deiner Eltern! Du wurdest geschmückt, um deinen Heiland zu empfangen. Deine Mutter gab dich dem Gevatter, der in treuer Christenliebe es gerne übernahm, für dich zu beten. Aus seinem Arm nahm/ dich der Diener Christi und verrichtete an dir die heilige Taufe und wir haben dann alle mit gebetet, als er die Hand auf dein Haupt legend sprach: Hirte, nimm dein ger III. Die erste Kommunion. 33 Gesang Schäflein an! Haupt, mach' es zu deinem Gliede! Himmels⸗ ch einen weg, zeig' ihm die Bahn, Friedefürst, gieb ihm den Friede! fragte Weinstock hilf, daß diese Rebe auch im Glauben dich um⸗ haben gebe!— Nun warst du deinem Heiland übergeben, in seine klein du Onade getaucht, in sein Buch geschrieben, mit seinem Namen er, gar genannt.— Nun haben Vater und Mutter dich als ein solltest Gotteskind wieder hingenommen und alle Hausgenossen und wußten, Gäste sich segnend über dich gebeugt.— Und als am Abend kommen deine Mutter wieder ganz allein an deiner Wiege saß, da geboren war es ihr zumute, als sollte sie singen und sagen: Mann Schlafe nun, mein Kind, 1. Sie In dem Bettlein lind! ö Jesu Gnad' hat dich umfangen 1 eiust Und du darfst in ihr nun prangen; wehret Selig, Gotteskind, 0, 14). Schlafe süß und lind! ö Schließ' die Augen dein, in un Liebes Kindelein! ers und Mußt sie auch geschlossen lassen 9). Sie Wenn die Welt von ihren Gassen Einst wirft trüben Schein war ein In die Augen dein! Du Füg' die Händlein zart Deine Nach der Beter Art! lieb Bete nur, und schon auf Erden stenliebe Soll dir Himmelswonne werden, n Arm Und du bleibst bewahrt dir die Bis zur Himmelfahrt. als er 2. Durch die heilige Taufe bist du ein Kind Gottes im dein geworden, obwohl du als Menschenkind sündlich geboren Baur, Kommunionbuch. 3 34 III. Die erste Kommunion. warst. Nicht als ob das Wasserbad wie durch einen Zau⸗ ber die sündliche Natur in dir getilgt hätte: in Reue und Buße soll noch heute und immerfort dein alter Mensch sterben und in Glaube und Liebe dein neuer Mensch nach Christi Bilde auferstehn, aber in der Taufe hat dich der Vater im Himmel angesehen, nicht wie du von Natur bist, sondern in Christi Gnade getaucht, und da erschienst du ihm wohlgefällig wie Christus. Und wie einst Maria, was von ihrem Kinde gesagt war, als einen köstlichen Schatz in sich bewahrte und bewegte, so haben deine Eltern die Gottes⸗ verheißungen, die über dich ausgesprochen wurden, in sich bewahrt und bewegt. Wärst du in dem Schmuck der Gnade deines Heilandes, noch ohne mit Wissen und Willen gesün⸗ digt zu haben, in das himmlische Vaterhaus abgerufen wor⸗ den, deine Eltern hätten in ihrer Trauer den Trost gehabt: Wenn kleine Himmelserben in ihrer Unschuld sterben, so büßt man sie nicht ein. Sie werden nur dort oben vom Vater aufgehoben, damit sie unverletzet sein.— Aber du bist noch hienieden. Und die Liebe, die bei der Geburt und Taufe dich umfing, hat gethan, was sie konnte, dich in der Taufgnade zu erhalten. Die Elternliebe wies dich, sobald du von dir selbst sagen konntest: Ich, sobald du den Va⸗ ter⸗ und Mutternamen aussprechen konntest, auf den himm⸗ lischen Vater hin, der mit mehr als mütterlicher Liebe seine Kinder umfängt, und sagte dir von seinem Sohne, den er als Heiland gesandt. Wenn du mit den Eltern durch Wald Bi füh kom dein „S soll die stim die Lebe und geser n Zau⸗ eue und Mensch sch nach dich der ur bist, du ihm vas von in sich Gottes⸗ in sich r Gnade ugesün⸗ en wor⸗ gehabt: rben, so den vom Aber du urt und h in der sobald den Va⸗ n himm⸗ iebe seine den er ch Wald III. Die erste Kommunion. 35 und Flur gingst, wenn der Sonne Licht am Tage, der Sterne Schein in der Nacht sinnige Fragen in dir weckte, so wurden dir die Werke der Schöpfung als die Schrift Gottes erklärt und du lasest in dem Buche der Natur von Gottes Herrlichkeit und Güte. Aber viel wunderbarere und herzbeweglichere Dinge führte dir das heilige Buch der Bibel vor, Geschichten und Bilder, wie Gott die Menschen führt, um sie selig zu machen. Da lerntest du und ge⸗ wannest Lust an dem Abbarufen der Gotteskinder:„Lieber Gott, mach' mich fromm, daß ich zu dir in den Himmel komm'!“—„Jesu, dir leb' ich, Jesu, dir sterb' ich, Jesu, dein bin ich, tot und lebendig, mach' mich ewig selig!“— „Hilf Gott allezeit, mach' mich bereit zur ewigen Freud' und Seligkeit.“—„Ich bin klein, mein Herz mach' rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“ Wenn dann die Großen am Tische die Hausandacht hielten, da faltetest du auch die Hände zum Gebet und ließest deine Kinder⸗ stimme mit erklingen. Der Sonntag war dein Entzücken, du ahntest in der Ruhe des Hauses, in dem Festglanze, den die Natur selbst angethan hatte, in dem Lustwandeln durch Wies' und Wald und in dem Lustwandeln durch die heilige Schrift etwas von dem Frieden und der Freiheit und der Lebensfülle der Gotteskinder. Die christlichen Feste, zumal Weihnacht, erfüllten dein junges Leben mit heiliger Wonne und es war dir, als ob der Himmel sich in dein Gemüt gesenkt hätte. Es kam die Zeit zur Schule. Auch in ihr 3* 36 III. Die erste Kommunion. ward Sorge angewandt, dich in der Taufgnade zu erhalten. Mit der kleinen Schulgemeinde durftest du geistliche, liebliche Lieder singen. Fester noch wurden die heiligen Geschichten und Sprüche dir eingeprägt, zu klaren Gedanken wurden in dir die seligmachenden Wahrheiten. Und auch die Kirche ließ dich nicht lange von ihrer heiligen Macht unberührt. Du hörtest den feierlichen Klang der Glocken und eine süße Ahnung zog durch deine Seele, daß sie zur Seligkeit rufen. Du sahst die sonntäglich gekleideten Menschen nach dem Hause Gottes wallen und empfandest Lust, mitzugehen. Noch folgtest du ihnen nur bis zur Thür und bliebst stehen. Wie wundersam klang die Orgel! Wie mächtig der Ge⸗ sang der Gemeinde! Du batest, daß man dich ein ander⸗ mal mitnehme. Gern ward es dir gewährt. Wenn dann der Weg zur ländlichen Kirche führte, die von der Höhe ins Thal schaut, zwischen den Gräbern gelegen, von grünen Bäumen umrauscht, so war der Kirchgang ein Gang durch lauter Paradiesesschönheit. Aber ob auch der Weg durch das unheilige Getümmel einer großen Stadt ging— um so willkommener war die heilige Abgeschiedenheit, der schöne Gottesdienst, zu dem du kamst. O liebes Kind, wie oft hat die Gnade Gottes dich in deinem jungen Leben ge⸗ grüßt— hast du ihr auch immer gedankt? 3. Ich darf nicht bloß von der Gnade Gottes mit dir reden. Ich muß auch auf deine Sünde zu sprechen kom⸗ men. Ach, liebes Kind, schon in deinem unbewußten Le⸗ halten. iebliche chichten vurden Kirche erührt. ne süße rufen. 9 dem ugehen. stehen. r Ge⸗ ander⸗ ndann Höhe grünen g durch durch — um schöne wie oft hen ge⸗ mit dir n kom⸗ ten Le⸗ III. Die erste Kommunion. 37 ben, da dir noch nicht gesagt werden konnte: das sollst du, das sollst du nicht, sahen deine Eltern manches Vorzeichen, daß es auch bei dir einmal zum Sündigen mit Wissen und Willen kommen werde. Und nun erinnere dich heute deines Lebens, soweit deine Erinnerung den Lauf desselben rück⸗ wärts verfolgen kann, und sage selbst, ob es dir zu irgend einer Zeit völlig rein erscheint? Ganz wie es sein sollte, hast du doch niemals zu deinen Eltern und Lehrern, zu deinen Geschwistern und Gespielen gestanden. Und beim Gebete zu deinem Gott und Heiland hast du wohl gespürt, daß es heißen müsse:„mach' mich fromm, mein Herz mach' rein“, weil deiner Frömmigkeit und Reinheit viel fehlte. Und zu den alltäglichen Sünden der Unlust am Gehorchen, des Übertretens bestimmter Gebote— ach, wie mancher schwere Sündenfall ist dazu gekommen! Wie manchmal trat eine Versuchung dir nahe— es war kein Zweifel, daß Gott in deinem Gewissen sprach: es ist nicht recht, wenn du's thust, daß deine Eltern dadurch in die tiefste Betrübnis versetzt würden, und dennoch, du thatest, was Gott ein Greuel ist, und machtest des Vaters An⸗ gesicht zu einem Wohnsitz tiefer Schmerzen, der Mutter Auge zu einem Ouelle bittrer Thränen!— War die Taufgnade damit verloren? Gott sei gelobt, so weit kam es nicht. Wenn du den Tag über mit dem beschwerten Gewissen umhergingst, ohne es dir merken zu lassen— beim Abendgebet konntest du die Last nicht länger tragen 38 III. Die erste Kommunion. und das Gute Nacht der Eltern hätte dir den Schlaf ge⸗ raubt, hättest du nicht vorher deine Sünde bekannt. Und sie haben mit dir zum Heiland gebetet und in seine Gnade dich zurückgeführt. Aber, liebes Kind, wann war es das letzte Mal, daß du gesündigt, schwer gesündigt? Ach, immer wieder schoß aus der bösen Wurzel eine bittere Frucht auf. Und wie jung du bist, du hast alle Ursache, nach dem Heiland zu fragen, der die Sünder annimmt. — Und eben dazu, daß du den Heiland, ohne den du nicht sein kannst, in lebendigem Glauben ergriffest, hat deine Konfirmation stattgefunden. Sie ist selbst kein Sakrament, keine Handlung von Jesu Christo selbst ein⸗ gesetzt, damit er durch dieselbe unter einem sichtbaren Zei⸗ chen dir ein unsichtbares Gut seiner Gnade zuwende. Sie ist eine heilsame Einrichtung der Kirche, um dich von der Gnade des ersten Sakramentes, der Taufe, in die Gnade des zweiten Sakramentes, des Abendmahls, hinüberzuführen. Die Kirche hat die Konfirmation eingerichtet infolge des allgemeinen Berufs, den sie hat, wie eine Mutter ihre einzelnen Kinder mit dem Manna des Wortes zu speisen und die Gabe des Geistes, der durch das Wort wirkt, mit ihren Gebeten auf sie herabzurufen. Ihrer Mutterpflicht an den Kindern mit voller Treue nachzukommen, dazu hat sie die besondere Unterweisung mit dem Wort, die beson⸗ dere Bitte um den Geist und die dir besonders geltende segnende Handauflegung, welche den Kern der Konfirmation ge⸗ Und nade das Ach,‚ ittere sache, mmt. udu hat kein ein⸗ Zei⸗ Sie ider nade hren. des ihre Heisen mit flicht hat eson⸗ tende ation ————— III. Die erste Kommunion. 39 bilden, angeordnet. Was du von deiner ersten Kindheit an bis an die Grenze des jugendlichen Alters aus Gottes Wort gelernt, das sollte noch einmal ergänzt, vertieft, zu⸗ sammengefaßt werden. Und damit die Wahrheit von deiner Sünde und von deinem Heil in Christo aus dem Kopf ins Herz eindringe, dazu hat sich dein Seelsorger bei seinem Unterricht auf deine Erfahrung berufen, die du von Sünde und Gnade schon gemacht. Es war der Wunsch, die Hoff⸗ nung, das Trachten, dich zu dem freien und warmen Be⸗ kenntnis zu bringen: ich bin herzlich froh, daß ich gleich nach meiner Geburt getauft worden bin; damit ward ich von vornherein unter den Segen meines Heilandes gestellt; wie sehr ich dieses Segens bedürfe, davon hab' ich an meiner Sünde traͤurige Erfahrung gemacht: aber ich habe auch geschmeckt, wie freundlich der Herr ist; nun will ich, was einst in meinem Namen bekannt worden ist, im Glau⸗ ben selbst bekennen, und das Gelübde, das in meinem Namen abgelegt worden ist, selbst ablegen; und herzlich be⸗ gehre ich, mit meinen lieben Eltern und mit der ganzen gläubigen Gemeine nunmehr zu der Gnade des heiligen Abendmahls zugelassen zu werden. 4. Die Konfirmation, in der du deinen Taufbund aus eigenem Glauben bestätiget hast, liegt bereits hinter dir, Wenn du die Zeit derselben richtig durchlebt hast, so war's eine selige Zeit. Die Liebe drängte sich an dich heran und umschloß dich mit ihren weichsten Armen. Dein Seelsorger 40 III. Die erste Kommunion. konnte dich und deine Genossen in der heiligen Unter⸗ weisung nicht ansehen ohne das herzinnige Gebet, daß ihr dem Heiland nun ganz und gar zu eigen werden möchtet. Deine Eltern räumen alles weg, was den Segen dieser Zeit vermindern konnte. Deine Gevattern und so viele Menschen, die eine herzliche Teilnahme für dich hegen, haben dich in ihre Fürbitte eingeschlossen. Und du spürtest in all der Liebe, mit welcher Menschen dir Christi Liebe fühlbar zu machen suchten, in deinem Herzen Liebe keimen, vielleicht die erste klar bewußte Liebe zu deinem Heiland. Es war dir dann allemal ein Fest, wenn du zur Konfir⸗ mandenstunde kamst. Du lauschtest mit Ohr und Geist auf des Lehrers Worte. Manchmal war dir's, als fielen dir unter dem Hören Schuppen von den Augen und der Herr stünde vor dir, voll Gnade und Wahrheit. Und was noch Sündliches dein Gewissen beschwerte, du hast es dir selbst, deinem Gott, deinem Seelsorger bekannt. Ach, wie schnell flog die Zeit dahin, in welcher deine Seele in so unausgesetzter, tief eingehender Pflege stand! Es kam der Tag, an welchem du ein gutes Bekenntnis vor vielen Zeugen ablegen solltest. In der öffentlichen Prüfung hast du mitten in der Gemeinde auf die Fragen des Dieners der Kirche frisch und froh Antwort gegeben und man hörte es den Bibelsprüchen und Liederstrophen an, die du aufsagtest, daß sie nicht im Kopfe allein, daß sie in dem Herzen saßen. Die Gemeinde aber, wenn sie auf die junge Schar herab⸗ sah, selig wie gefo du Du kenn spra The Gei jene Gne Sel dien Erli ben all Bek Tre gan für lüb uns See mei das iter⸗ daß rden egen so gen, rtest iebe nen, and. nfir⸗ Beist elen der was dir wie iso der ugen itten irche den daß ßen. rab⸗ III. Die erste Kommunion. 41 sah, die in heiligem Schmucke des Glaubens stand, fühlte selige Freude, daß ihr noch immer Kinder geboren werden, wie Tau aus der Morgenröte.— Du wurdest dann auf⸗ gefordert, deinen Glauben zu bekennen. Du konntest, weil du mit dem Herzen glaubtest, mit dem Munde bekennen. Du legtest das allgemein christliche, weil apostolische Be⸗ kenntnis ab, auf welches du einst getauft worden. Du sprachst es auch aus, mit welchem Glauben du die großen Thaten Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes zu deinem Heile dir zu eigen machen wolltest, mit jenem Glauben deiner Kirche nämlich, der da spricht: aus Gnaden bin ich selig geworden, nicht aus meinen Werken. Selig bin ich geworden durch kein ander Werk oder Ver⸗ dienst als den allerheiligsten Gehorsam meines Herrn und Erlösers Jesu Christi und sein bitteres Leiden und Ster⸗ ben; das halt ich mit festem Glauben und darauf steht all meines Herzens Vertrauen und Zuversicht.— Diesem Bekenntnis des Glaubens entsprach dann das Gelübde der Treue, das du deinem Heilande gelobtest. Wie er sich dir ganz gegeben, so gabst du dich ihm wieder ganz, das Leben für das Leben.— Aber was sind wir mit unseren Ge⸗ lübden? Der Geist Gottes muß, wie er das Wollen in uns geweckt hat, so auch das Vollbringen wirken. Dein Seelsorger kniete mit euch nieder zum Gebete. Die Ge⸗ meinde stand betend umher. Die Glocken läuteten. Und das Flehen drang zum Himmel und zum Vaterherzen 42 III. Die erste Kommunion. Gottes im Namen Jesu Christi um den Geist, um die neue Geistesgabe.— So denn ihr, die ihr arg seid, spricht der Herr zu den Eltern, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den hei⸗ ligen Geist geben denen, die ihn bitten(Luk. 11, 13). Es geschah dann in guter Zuversicht der Gebetserhörung, als der Diener der Kirche dir die Hände segnend auflegte und sprach: Nimm hin den heiligen Geist, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten von der gnädigen Hand Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!— Das war deine Konfirmation, die dir den Weg öffnete zum Abendmahl. 5. So glückselig als Maria und Joseph waren, als sie den Jesusknaben mit nach Jerusalem aufs Osterfest nehmen durften, fühlen sich deine Eltern, daß du zum erstenmal mit ihnen zum Tische des Herrn gehen darfst. So weit ist nun mit Gottes Hilfe unser Kind gekommen, sprechen sie bei sich, ach, daß es ferner zunähme, nicht an Alter allein und Leibeskraft, sondern an Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen! Du aber, mein lieber Sohn, meine liebe Tochter, freue dich deiner Jugend, daß sie durch deinen Heiland geheiliget ist; freue dich der schönen Früh⸗ lingszeit, die wieder gekommen, daß sie diesmal in ihrem Wehen etwas von dem Hauch des heiligen Geistes hat; freue dich des neuen Lebens, zu welchem die Gnade dich zum erstenmal beruft, deiner ersten Kommunion, tritt, wie H————— eins tum am inn dich dah deir ihm war Gei Nir in Jof uns der gut den Hei nich Se Hei hab geb Bla Hiꝛr dur n die pricht Haben uhei⸗ 13). rung, iflegte uud Huten ohnes ation, „ als terfest zum arfst. imen, 9t an znade zohn, durch yrüh⸗ hrem hat; dich wie ——— III. Die erste Kommunion. 43 einst der Jesusknabe, mit kindlicher Ehrfurcht in das Heilig⸗ tum! Vertiefe dich ganz in den Gedanken, daß dein Jesus am Altare deiner wartet, um mit dir den Bund zu ver⸗ innigen und für die Ewigkeit neu zu schließen. Erinnere dich daran, daß dein Heiland sein ganzes Leben für dich dahingegeben hat, von der Kindheit an, gieb auch du ihm deine Kindheit, deine Jugend schon! Warum wolltest du ihm erst dein welkendes Leben geben und nicht die Blüte, warum wolltest du der Blüte des Lebens den Tau des Geistes versagen, den dein Heiland ihr allein geben kann? Nimm's ernst mit deiner ersten Kommunion. Und wenn in den künftigen Jahren je deine Eltern wie Maria und Joseph besorgt fragen: Wo ist unser Kind? Was macht unser Kind? o, daß du aus der Ferne schreibend oder nach der Trennung heimkehrend allemal frei und offen, mit gutem Gewissen antworten könntest: Muß ich nicht sein in dem, was meines himmlischen Vaters ist? Hab' ich nicht den Heiland bei mir, der mich beim Vater erhält? Fühl' ich nicht des Geistes Stimme in mir, daß ich Gottes Kind bin? Seid unbesorgt: Gott hat mich dem Heiland geschenkt; der Heiland hat mich teuer erkauft und durch des Geistes Trieb hab' ich selbst der Liebe, die mich zuerst geliebt, mich über⸗ geben.— O mein liebes Kind, bleib' ein Gottes Kind!— Bleibt, Schäflein, bleibt; verlasset nicht die Hut des guten Hirten, dem ihr euch gegeben! So bittet euch und fleht durch Christi Blut ein Lehrer, der nichts wünscht als euer 44 III. Die erste Kommunion. Leben. Er ruft, weil ihn die heiße Liebe treibt: Bleibt, Schäflein, bleibt! Gebet. Herr, mein Gott, lieber himmlischer Vater, von Herzen sag' ich dir Lob und Dank für all' deine Güte und Wohl⸗ that, die du mir von Kind auf erwiesen hast. Du hast mich mit Gaben überschüttet, die ich nicht alle zählen kann. Und die allerteuerste Gabe hast du mir gegeben: deinen lieben Sohn, meinen Heiland! O lieber Herr Jesus Christus, du bist mein guter Hirte gewesen, du hast mich mit deiner Gnade geweidet, mich behütet, aus der Sünde immer wieder zurechtgeführt, meiner Seele Fried' und Freude gegeben im heiligen Geist! O du heiliger Geist, ich weiß, daß ich nicht aus eigener Vernunft und Kraft an Jesum Christum, mei⸗ nen Herrn, glauben oder zu ihm kommen, auch nicht bei ihm bleiben kann. Hilf mir denn, o heiliger Geist, Glauben bewahren und Liebe üben, die Sünden meiden und im Guten wachsen! Ach, nimm mich ganz zu dir hin, du ewige Liebe, Gott, Vater, Sohn und Geist, damit ich in dir wachse zum ganzen Christenleben und in dir Leben und volles Genüge habe. Amen. leibt, erzen Bohl⸗ hast kann. einen istus, einer ieder nim nicht mei⸗ t bei uben im du h in und INV. Die wiederholte Kommunion. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Matth. 1I, 28. 1. Zur Sammlung und zum Gedeihen der Christen⸗ gemeine hat unser Herr Jesus Christus neben dem Dienst am Evangelium zwei Handlungen verordnet, durch welche die unsichtbaren Güter der Gnade dem einzelnen unter einem sichtbaren Zeichen mitgeteilt werden, damit er durch das, was er leiblich erlebt, der persönlichen Zueignung nur um so gewisser werde. Es sind zwei solcher Handlungen, die wir Sakramente, heilige Stiftungen nennen, nicht we⸗ niger und nicht mehr: du mußtest in die Gemeinde des Herrn aufgenommen werden, das geschah durch die Taufe; du mußt in der Gemeinde erhalten werden, das geschieht durch das Abendmahl. Aufgenommen bist du nur einmal, darum geschah auch die Taufe nur einmal an dir; die Be⸗ festigung in der Gemeinschaft thut dir, so lang du ein Gottes⸗ kind, mitten in der Welt lebst, immer wieder not, darum wiederholst du die Kommunion. Nur einmal geschieht deine Wiedergeburt in die Gotteskindschaft, darum ward das Bad 46 IV. Die wiederholte Kommunion. der Wiedergeburt nicht erneuert; die fortwährende Ernäh⸗ rung des Gotteskindes aber darf nicht unterbleiben, wenn es nicht sterben soll, darum gehst du oftmals zum Tisch des Herrn. Du hast zur Ernährung deines geistlichen Menschen als tägliches Brot das Wort der Schrift; als festtägliche Kost wird dir das heilige Abendmahl geboten. Oftmals hast du es vielleicht schon empfangen,— hast du allemal ein Zunehmen des neuen Menschen, der in Christo Gestalt hineinwachsen soll, in dir gespürt? Wenn man einen Baum, der im Walde fröhlich aufgewachsen, durchschneidet, so werden die Jahresringe sichtbar und zeigen, daß der Baum keinen Frühling gehabt ohne Wachstum— ist in derselben Weise jeder Abendmahlsgang für dein innerliches Wachsen gesegnet gewesen? Wenn wir nach einem warmen Mairegen durch die sonnenbeglänzte Flur gehen, so kommt uns der Geruch des grünen Feldes entgegen und es ist uns fast, als sähen wir mit unseren Augen die Saat empor⸗ sprießen— ist in der Abendmahlsgemeine nach der Kom⸗ munion allemal ein Treiben des Geistes, ein geistliches Sprießen, Grünen und Duften zu bemerken? Hat eine Familie einen festlichen Tag mit einander gefeiert, so gehen die einzelnen nachher ihre Wege nicht, ohne daß sie den Familiensinn in sich verinnigt und gekräftigt spüren— ist in dir die Bruderliebe mit jeder Kommunion gewachsen? Und wenn ein Volk in festlicher Versammlung hört, wie Großes Gott vor Zeiten an ihm gethan, so fühlt jeder Vol den führ Her: daß Kon entg Sol halt nen als dabe nehr Jesu pred Lied dein im Wie mer nis Abe alle⸗ Lebe sohr rnäh⸗ wenn h des uschen gliche mals lemal estalt einen eidet, der st in liches rmen mmt uns tpor⸗ dom⸗ liches eine zehen den — ist sen? wie jeder IV. Die wiederholte Kommunion. 47 Volksgenosse in sich die Volkskraft gemehrt, in der er mit den andern die große Zukunft des Volks möchte herbei⸗ führen helfen— streckt sich, wenn du von dem Tische des Herrn kommst, deine Seele in dem heiligen Verlangen aus, daß Gottes Volk gesammelt werde, und siehst du dem Kommen des Herrn zur Vollendung des Reichs mit Wonne entgegen? Nun komm, du werte Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all zum Freudensaal, und halten mit das Abendmahl. 2. Solches thut, so oft ihr's trinket, zu mei⸗ nem Gedächtnis(1 Kor. 11, 25), so sprach der Herr, als er das Abendmahl einsetzte. Schon darum, weil wir dabei Christi gedenken, sollst du am Abendmahl häufig teil⸗ nehmen. Nicht als ob du auf andere Weise deines Herrn Jesu dich nicht erinnern könntest: das gelesene und ge⸗ predigte Evangelium, in welchem er leibt und lebt, das Lied, in welchem du ihn preisest, das Gebet, in welchem dein Glaubensauge sein Angesicht sucht, das Bild, welches im Hause und in der Kirche deinen Blick trifft, ja der Wiederschein seiner Gnade, der dich aus dem Leben from⸗ mer Menschen anglänzt,— das alles frischt das Gedächt⸗ nis deines Heilandes in dir auf. Wenn du aber zum Abendmahl gehst— wie ganz anders noch drängt sich da alles zusammen, was dir deinen Heiland in seinem vollen Leben vergegenwärtigen kann! Siehe da den Menschen⸗ sohn, den herzlich verlanget, vor seinem Leiden mit den 48 IV. Die wiederholte Kommunion. Seinen in der Traulichkeit der Liebe zusammen zu sein, und den Gottessohn, der Macht hat, durch die Stiftung des Mahls trotz der Trennung die Gemeinschaft festzuhal⸗ ten, das ist Jesus Christus! Siehe da die heilige Liebe, die in dieser Welt auch bei den Liebsten nie ohne Leiden sein kann, und das heilige Leiden, das nie aus der Liebe fallen kann, das ist Jesus Christus! Siehe da die Demut, welche zu dem sündigen Wesen seiner Jünger, zu ihrem Un⸗ verstand, zu ihrem Streit um den Vorrang, zu ihrer Ver⸗ zagtheit und ihrem Trotze erleuchtend, zurechtführend, er⸗ munternd, mildernd sich niederneigt, und die Hoheit, welche in irdische Handlung die Kräfte der zukünftigen Welt legt, das ist Jesus Christus! Siehe da den Propheten, der noch einmal den Seinen offenbart, wer Gott ist und wer sie sind, und wie sie mit Gott mögen versöhnt und vereinigt werden: den Hohenpriester, der durch Gehorsam gegen des Vaters Willen bis zu dieser Stunde sich selbst zum Opfer bereitet hat und nun sich anschickt, das Opfer am Kreuze zu bringen; den König, der die Seinen auf Erden mit heiliger Speise versorgt, bis er sie zum großen Abendmahl hinaufholt, das ist Jesus Christus! Erinnere dich seiner. Nimm ihn in dein Inneres auf. Laß sein Bild in deiner Seele bleiben. Laß seine Klarheit dich ganz durchleuchten. Sprich aus Herzensgrund: Ich will dich lieben, meine Stärke; ich will dich lieben, meine Zier; Ich will dich lieben mit dem Werke, mit immerwährender sein, iftung zuhal⸗ Liebe, Leiden Liebe emut, n Un⸗ Ver⸗ „ er⸗ welche legt, 5der und t und orsam selbst Opfer auf roßen nnere sein dich will Zier; ender IV. Die wiederholte Kommunion. 49 Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht. 3. Die Wiederholung des Abendmahls soll nicht bloß dem Gedächtnis des Herrn Jesu Christi dienen. Damit das Gedächtnis zur wahrhaften Erinnerung werde, damit du den Heiland, der einst sein Werk auf Erden vollbracht, dir für dein tiefstes Bedürfnis immer wieder zueignest, sollst du von Zeit zu Zeit das Bekenntnis wiederholen: ich bedarf dieses Heilands, und für sein Werk der Ver⸗ söhnung dein Inneres stets aufthun. So oft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt(1 Kor. 11, 26), so sagt der Apostel Paulus, nachdem er die Stiftung des Abendmahls berichtet. Des Herrn Tod, ja der ist's, der durch die Feier des Abend⸗ mahls dargestellt wird. Das ist mein Leib, dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, diese Worte, über dem Brot und Wein feierlich ausgesprochen, wie laut bezeugen sie, daß Christus für uns gestorben ist! Freilich, der Tod allein könnte dem Abendmahl die Kraft nicht ver⸗ leihen, die es hat. Gekreuzigt und auferstanden, das ge⸗ hört allewege zusammen. Die Erhöhung am Kreuz und die Erhöhung zur Rechten des Vaters hat sich der Herr immer ungetrennt gedacht. Er war gehorsam bis zum Tod am Kreuz, darum hat ihn auch Gott so hoch erhöhet. Hätte sich Christus nicht kreuzigen lassen, so wäre kein Baur, Kommunionbuch. 50 IV. Die wiederholte Kommunion. Opfer da. Hätt' ihn der Vater nicht auferwecket, so wäre das Opfer nicht für vollgültig erklärt. Mit seinem Blute hat Christus den Freibrief geschrieben. Das Siegel hat Gott darauf gedrückt, indem er den Gekreuzigten in die Klarheit zurückrief, die er von Anfang an gehabt. Es ge⸗ schieht in Kraft jenes Worts, das der Auferstandene ge⸗ sprochen: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, daß wir im Abendmahl der Gegenwart des Herrn in Brot und Wein gewiß sind. Aber die große Verkün⸗ digung, die durch die Feier geschieht, ist doch vor allem der Tod Jesu Christi, die vollendete Liebe, die sterbend den Tod überwand, jene Thatsache: Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt(2 Kor. 5, 21). Und wenn du nun am Abend— mahl teil nimmst, so verkündigst du auch an deinem Teil den Tod Jesu Christi. Und weil du nicht aufhörst zu sündigen, bis daß er kommt, zwar noch nicht am jüngsten Tage der Welt, aber an deinem jüngsten Tage, um dich von hinnen wegzurufen, so wiederholst du im Abendmahl die Verkündigung des Todes Jesu Christi auch für dich, als wolltest du sagen: wie not thut mir, der ich ein armer sündiger Mensch bin, vor dem heiligen Angesicht Gottes nicht bestehen kann, ein Mittler, der versöhnend zwischen Gott und mich trete! Wie dankbar bin ich mei⸗ nem Heiland, daß er ins Mittel getreten, für sich das IV. Die wiederholte Kommunion. 51 Gesetz Gottes vollkömmlich gehalten, für mich die Sühne vollkömmlich geleistet“ Als ob er für mich allein gestorben wäre, so voll will ich seines Todes Frucht mir zu eigen machen! Als ob er jetzt eben erst für mich gestorben wäre, so frisch soll die Frucht mir Labsal bringen! Meine Sünde ist schwerer als ich tragen kann— ich fühle sie nicht mehr, seit ich weiß, daß das Lamm Gottes sie für mich auf sich genommen. Laut verkündige ich, indem ich zu dem Altar hinaufschreite, in die Gerechtigkeit Jesu Christi gekleidet, daß meine Gerechtigkeit vor Gott nicht gilt, daß das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, mich rein ge⸗ macht von aller Sünde! O daß ich durch meine Ver⸗ kündigung von Christi Tod alle herbeilocken könnte, die noch Frieden auf falschem Wege suchen! O daß ich deinen ver⸗ söhnenden Tod, mein Heiland, nicht bloß durch diese Feier, sondern durch das ganze Leben verkündigte! Herr, laß dein bittres Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier; Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin! 4. Wiederholen mußt du immer wieder die Kom⸗ munion, denn sie ist die Ernährung des Gottesmenschen in dir, sie dient dazu, das Gedächtnis des Herrn in dir aufzufrischen und durch sie verkündigst du, daß der Herr auch für dich gestorben. Laß dich denn vom Altar nicht zurückhalten durch selbstgeschaffene Hindernisse, die Gott nicht gefallen. Vielleicht bist du mit der Feier des 4* 52 IV. Die wiederholte Kommunion. Abendmahls, wie sie dir gerade jetzt sich dar⸗ bietet, nicht zufrieden. Es giebt ja eine Wählerei, ein Herumschmecken, eine Gefühligkeit in geistlichen Dingen, die der gesunden Frömmigkeit Eintrag thut. Vielleicht ist der Diener am Wort und Sakramente, aus dessen Mund du lange Jahre die Vergebung deiner Sünden vernommen hast, dessen Hand dir von deiner ersten Kommunion an das gesegnete Brot und den gesegneten Kelch gespendet, heimgegangen zu seines Herrn Freude, oder durch Wechsel der irdischen Wohnung bist du von ihm getrennt. Du hattest ihm dein volles Vertrauen geschenkt und vor der Beichte konntest du alles, was dich drückte, offen mit ihm besprechen. Den Rat, den er dir dann gab, nahmst du mit kindlichem Gehorsam an. Nun ist's ganz natürlich, daß du zu dem Manne, der an seine Stelle getreten, nicht sofort so zuversichtlich sprechen kannst, wie zu jenem, der Jahrzehnte den Puls deines inneren Lebens genau kannte. Alles an ihm ist dir ungewohnt, das Beichtgespräch dringt nicht in die Tiefe, die Beichtrede läßt dich kalt, ja das Abendmahl selbst, will dich bedünken, hat viel von der früheren Tröstlichkeit und Kräftigkeit verloren. O liebe Seele, siehe dich vor, daß du menschliches nicht über gött⸗ liches stellest! Setze das Abendmahl nicht aus,— fängst du einmal damit an, wer weiß, wie oft es geschieht. Laß dir den Spender gefallen, weil er Christi, in welchem du allein Genüge haben sollst, Werkzeug ist. Siehe über die ———————.—————————— ar⸗ ein „die der d du men an ndet, chsel Du der ihm t du rlich, nicht der inte. ringt das der liebe gött⸗ ängst Laß du die ————— ——————— IV. Die wiederholte Kommunion. 58 Hand hinweg zu dem Haupt. Christus will segnend mit dir zu thun haben, habe du empfangend nur mit Christo zu thun!— Aber es ist vielleicht nicht der menschliche Spender allein, an welchem du Anstoß nimmst,— auch die Stätte, dahin du geladen wirst, ist dir nicht heimisch. Du bist bisher in der lieblichsten Stille des Feiertags zur ländlichen Kirche gewandelt, das heilige Mahl zu empfangen. Und nun sollst du durch das Geräusch der Stadt zur Kirche dich begeben? Oder du bist ein kleines trauliches Kirchlein in der Stadt gewohnt gewesen und du sollst nun in einer großen Hauptkirche die Feier halten? Oder umgekehrt, vom Hoch⸗ altar des Doms unter den Tönen der herrlichsten Orgel kamen dir aus Bild und Schmuck und Lichterglanz heilige Eindrücke und nun sollst du im engen Raume dich selbst be⸗ engt fühlen? O liebe Seele, siehe dich vor, daß du nicht ver⸗ suchst, deinen Heiland, der überall bei uns sein will, wo zwei oder drei in seinem Namen sich versammelt haben, an diesen oder jenen Ort festzubannen. Da ist die heiligste Stätte, da isi die offenste Himmelspforte, wo der Sinn sich am demütig⸗ sten beugt und am sehnlichsten für die Gnade aufthut!— End⸗ lich, die Kommunion soll doch sein, was sie heißt, eine Ge⸗ meinschaft, der Menge der Gläubigen, die am Tisch des Herrn zusammenkommen, soll doch ein Herz und eine Seele sein. Es soll doch der Friedensgruß von einem Tischgenossen zum andern schweben und alle soll die Glut der heiligen Liebe durchdringen. Du aber klagst, daß du in der Ge⸗ 5⁴ IV. Die wiederholte Kommunion. meinde fremd bist, daß dich niemand kennt in deiner Liebe zum Heiland, daß du niemanden kennst als einen wahren Jünger. Von Herzen sei dir gegönnt, daß du innerhalb der Christengemeinde mit dem und jenem noch besonders innige Verbindung spürst. Wenn dir aber solche Freude versagt ist, sollte es nicht eben deswegen sein, damit du einmal des Apostels Wort verstehen lernest: als die Un⸗ bekannten und doch Bekannten, damit du in jedem, der mit dir herantritt, Christi Glied erkennest, an demselben Leibe, dem du auch eingefügt bist, damit du einmal die lautre ungemischte Freunde an der geistlichen Verwandt⸗ schaft, an der Gemeinde der Heiligen empfindest?— Liebe Christenseele, damit das Abendmahl sei, was es sein soll, dazu gehört seine Spendung nach Christi Ordnung, nicht nach deinem Geschmack. Wo du Christi Ordnung siehst, wer auch sein Diener, wie auch die Kirche beschaffen, aus welchen Gliedern auch die Gemeinde zusammengefügt sei, da nahe herzu— um eines nur sei herzlich bekümmert, daß du selbst in der rechten Verfassung dich befindest! 5. Vielleicht bist du mit dir selbst nicht so zufrieden, daß du den Mut hättest zum heiligen Abendmahl zu gehen. Dann wäre wenigstens der stärkste Grund, nicht zum Abendmahl zu gehen, schon aus dem Wege geräumt, nämlich die Selbstzufriedenheit. Denn wenn das je deines Herzens Sinn wäre: ich kann zum Abendmahl gehen, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen, ziebe hren halb ders eude du Un⸗ der lben die ndt⸗ iebe solf licht hst, aus sei, ert, so gen der aus enn Um sen, IV. Die wiederholte Kommunion. 55 dann wärst du für die Kommunion in der ungeeignetsten Verfassung. Wozu brauchtest du dann den Heiland, seine Gnade, seinen versöhnenden Tod? Er ist gekommen für die Sünder, nicht für die Gerechten. Er will den Kranken ein Arzt sein, nicht den Gesunden. Die Mühseligen und Be⸗ ladenen will erquicken, nicht die in der Welt Befriedigten. Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind, die hungert und dürstet nach der Ge⸗ rechtigkeit, denn sie sollen satt werden(Matth. 5, 4. 6).— Aber du gestehst ein, daß dir die Gerechtigkeit fehlt, die vor Gott gilt, ja, so stark ist das Gefühl deiner Sünde, daß du selbst auf die Gerechtigkeit aus Gnaden nicht hoffen magst, und eben darum wagst du nicht zum Abendmahl zu kommen. Es ist dir, als könnte am Tische des Herrn die Frage dich erschrecken: Mein Freund, wie bist du herein⸗ gekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?— Aber wie lange willst du denn warten? Wann hast du denn Aussicht, daß du dir das Kleid der Gerechtigkeit selbst wirst gewirkt haben? Weißt du denn nicht, daß für jenes königliche Mahl beim Eintritt die Feierkleider geschenkt wur⸗ den und daß jener, der sich das Kleid nicht wollte schenken lassen, der einzige unwürdige Tischgenosse war? Weißt du denn nicht, daß der Herr den Schächer am Kreuz auf seine Beichte und Gebet mit zum Abendmahl des Paradieses genommen? Ja, du bist sehr unwürdig, aber im Gefühl deiner Unwürdigkeit gerade besteht deine Würdigkeit, komm 56 IV. Die wiederholte Kommunion. nur elend und jämmerlich, arm, blind und bloß, so kommst du dem Heiland gerade recht, der alles für dich hat, was du brauchst.— Aber du bist darüber vielleicht im reinen, daß die Sünder kommen dürfen, wenn sie nur glauben. Indes, die Schwäche des Glaubens gerade ist es, die dich verzagt macht. Wisse denn, der Herr würde das Abend⸗ mahl nicht als ein Mittel, den Glauben zu stärken, ein⸗ gesetzt haben, wenn er nur Glaubensstarke zu demselben zulassen wollte. Ungläubig darfst du nicht kommen, denn das Wörtchen: für euch, erfordert eitel gläubige Herzen. Abergläubig darfst du nicht kommen, als ob etwas anderes als der Herr selbst die Speise und Kraft des Abendmahls wäre. Aber schwachgläubig, zur Glaubensstärkung darfst du das Mahl genießen. Offne du nur, indem du den Mund für das Brot und den Wein öffnest, zugleich deines Glaubens Mund wie ein Kind, wie ein Kranker und die stärkende Kost wird dir geboten werden. Laß nur durch deines Heilands Wort, das über dir gesprochen wird, des Geistes Hauch den verglimmenden Docht deines Geistes an⸗ wehen und die Flamme des Glaubens wird wieder sich be⸗ leben. Stehe nur da wie ein geknicktes Rohr, und du wirst die starke Hand fühlen, die dich aufrichtet.— Aber vielleicht ist dein Glaube an den Heiland gesund und stark, und du lebst und webst in seiner Gnade. Nur gerade in⸗ bezug auf das Abendmahl fühlst du deinen Glauben nicht gewiß und froh. Du hast so viel darüber gehört, wie man IV. Die wiederholte Kommunion. 57 denken müsse, um zum Abendmahl gehen zu können, daß dir endlich die Unbefangenheit des Glaubens darüber ver⸗ loren gegangen. Willst du nun deine Kommunion auf⸗ schieben, bis die Fragen zum Abschluß gebracht sind, wie es sich mit des Herrn Gegenwart im Abendmahl verhalte und mit wem ein rechtgläubiger Christ am Altar Gemeinschaft halten dürfe? Warte nicht. Während die Jünger des des Herrn streiten, ist er selbst in seinem Mahle gegen⸗ wärtig und verlanget, sich dir zum Heile mitzuteilen, du aber brauchst nur im Kindesglauben zu kommen, zu essen und zu trinken. Und während andere über die Teilnahme an dem Heilmittel hin⸗ und herreden, spürst du bereits durch Leib, Seel' und Geist seine beseligende Kraft. Komme denn, liebe Seele, und wenn du die Einladung hörst: die Mahlzeit ist bereit, und du vernimmst in dir die Stimme: wie gerne möcht' ich kommen, o säume nicht. Ihn verlangt herzlich nach dir, still'z ihm sein Verlangen und komme, wie du bist, hungrig und durstig, daß er mit Gnade dich fülle. Gebet. O mein Herr Jesu, wie manchmal bin ich schon ge⸗ kommen und habe von deinem Altar Vergebung der Sün⸗ den, Friede und Freude, Leben und Seligkeit mit heim genommen! Und wie manchmal hab' ich dann durch die Sünde Fried' und Freude wieder verloren! Laß mich von einem Abendmahl zum andern Wachstum des inwendigen 8 IV. Die wiederholte Kommunion. 5 Menschen spüren! Laß mich in dein heiliges Leben hinein⸗ wachsen! Schon hör' ich wieder die Stimme deines Rufes. Schon spür' ich wieder die Sehnsucht meiner Seele. Ich komme aufs neue, mein Heiland! Nimm mich hin und gieb dich mir! Nimm meine Sünde und gieb mir deine Gerechtigkeit! Nimm meine Unruhe und gieb mir deinen Frieden! Nimm den Tod von mir und laß mich in dir leben ewiglich! Amen. ein⸗ fes. Ich und eine nen dir V. Die Selbstprüfung. Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidiges Schwert, und durchdringet, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Her⸗ zens. Hebr. 4, 15. 1. Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. Ein jeglicher aber prüfe sich selbst und also esse er von diesem Brote und trinke von diesem Kelche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selbst das Gericht, darum, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch und ein gut Teil schlafen (1 Kor. 27—30). Diese Worte von erschütterndem Ernst fügt der Apostel der Stiftung des Abendmahls bei, wie er dieselbe von dem Herrn empfangen. Wir sollen, wenn wir zum Abendmahl gehen, den Leib des Herrn unter⸗ scheiden, unserm Geiste gegenwärtig halten, daß jener einzig heilige Leib, der für uns gegeben ward, jenes einzig 60 V. Die Selbstprüfung. heilige Blut, das für uns vergossen ward, in geheimnis⸗ voller Weise im Abendmaͤhle ist, daß also das Abendmahl⸗ eine Stiftung des Herrn ist, uns seines heiligen, für uns geopferten Lebens zum Heile teilhaftig zu machen. Diese Unterscheidung des Abendmahls von jedem andern Essen und Trinken, dieses Bewußtsein, daß hier dem Armsten, dem Sünder, die reichste Gabe, nämlich die fleischgewordene Gottesliebe, zur größten Wunderthat, zu der Wiederauf⸗ nahme des Sünders in die Gottesgemeinschaft, geboten wird, soll die Wirkung haben, daß wir vor dem Hintritt zum Altar alle Leichtfertigkeit von unseren Gedanken ab⸗ thun, als ob, wenn das Abendmahl uns nicht nütze, es uns doch auch nicht schaden könne. Denn so ist es nicht mit der Gnade Gottes in Christo, daß wir derselben gegenüber nicht verantwortlich wären, daß wir, so wir Lust hätten, sie hinnehmen, aber ohne Schaden sie auch ablehnen dürften. Das Ablehnen ist frei, aber es zieht das Gericht nach sich. Wie schwer aber wird das Gericht sein, wenn du die Gnade ablehnst in demselben Augenblick, in welchem du dich ihr äußerlich näherst, wenn du Christo im Abendmahl vor die Augen trittst und im Herzen ihn verwirfst, wenn du das Abendmahl mit unbußfertigem, ungläubigem, kaltem, totem, weltlichem Sinne empfängst. Das ist das Gericht, daß du von all dem Segen nichts hinnimmst, der im Abendmahl liegt, nicht Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott, Gemeinschaft mit den .—-.-— eil V. Die Selbstprüfung. 61 Brüdern, Geduld im Leiden, Freudigkeit im Sterben, Kraft der Auferstehung. Aber noch mehr! Während du den Herrn zum Segen nicht empfängst, nimmst du selbst ihn hin zum Fluche. Er ist dir nahe gewesen, er hat sich dir dargeboten, aber du hast ihn genommen wie Judas Ischa⸗ riot, wie die Hohenpriester und Altesten, die Pharisäer und Schriftgelehrten, wie Pontius Pilatus, wie das wahnsinnige Volk, und bist schuldig an des Herrn Leib und Blut geworden, hast ihn aufs neue gekreuzigt. Und ob dies Gericht sich in seiner ganzen Schrecklichkeit erst am jüngsten Tage offenbaren wird,— der Apostel Paulus zeigt die Wirkungen desselben auch schon in diesem zeitlichen Le⸗ ben. Aus der Schmach, welche in Korinth dem Abendmahl durch unwürdigen Genuß desselben angethan worden, leitet Paulus die Erscheinung ab, daß so viel Schwache, Kranke und Tote in der Gemeinde sind. Wer kann wissen, wie viel leibliches Elend auch heute aus der Verachtung des Abendmahls herrührt? Wer aber wird leugnen, daß das geistliche Elend, das die Christengemeinde erfüllt, die Schwachheit des Glaubens, die Krankheit des Lebens, ja der geistliche Tod so groß nicht sein könnte, wenn die Christengemeinde vollzählig, bußfertig, gläubig zum Abendmahl ginge und in demselben Speise und Kraft des neuen göttlichen, himmlischen, ewigen Lebens holte? 2. Ist es nun um die Teilnahme am Abendmahl solch ein verantwortliches Ding, so darf neben der freundlichsten 6⁴ V. Die Selbstprüfung. Einladung: Kommet, ihr Mühseligen und Beladenen, nie⸗ mals die ernste Mahnung fehlen: Ein jeglicher prüfe sich selbst. So wird das Verlangen nach dem Aller⸗ heiligsten zur Pflicht, auch die letzte Unheiligkeit in dem eigenen Wesen ausfindig zu machen. So tritt vor der höchsten Erbauung, die dem Glauben gewährt wird, die Frage an dich heran, ob du auch in der Buße die tieste Demütigung dir auferlegt habest. Prüfe dich also selbst, o Mensch! Indem du das thust, übst du ein Vorrecht aus, das dir dein Gott vor anderen Kreaturen mit seinem Ebenbilde geschenkt hat. Denn das ist des lebendigen Gottes Eigentümlichkeit, daß er sich von sich selbst unter⸗ scheiden, zu sich selbst Du sagen und sein Ich und sein Du in seiner göttlichen Einheit wieder zusammenfassen kann. Und diese Eigentümlichkeit ist auch dir geworden, daß du dich von dir selbst unterscheiden, daß du prüfen kannst, ob du bist, was du sein solltest, daß du deinem ausgearte⸗ ten Selbst dein Urbild entgegenstellen kannst. Wenn nun im Paradiese der Mensch in seiner gottgegebenen Unschuld in sich selbst einging, so fand er darinnen Gott. Es war ihm unmöglich sich selbst zu denken, ohne den, von dem er Leben und Odem empfangen hatte. Als aber dann der Mensch durch die Sünde seinen Gott verlor, verlor er damit auch sich selbst, sein wahres Selbst. Das Gotteskind ward der Eitelkeit der vergänglichen Dinge dahingegeben. Noch blieb in dem Menschen eine Gottesstimme, das Gewissen, das V. Die Selbstprüfung. 6³ ihm wie ein Glöcklein in des Vaters Haus heimläuten möchte. Und wenn freilich der Sünder durch trotzige Sünde es eine Zeit lang dahin bringen kann, daß das Glöcklein zu läuten aufhört— es fängt wieder zu läuten an, sobald er durch Gottes waltende Gerechtigkeit in seinem innersten Leben erschüttert wird, und er kommt zu sich selbst und damit zu Gott. Das Gewissen und die Erfahrung der göttlichen Gerichte trieb dazu, daß selbst die Weisheit der heidnischen Griechen auf eines Tempels Thür als War⸗ nung schrieb:„Maß in allem“ und dazu die Mahnung: „Erkenne dich selbst.“ Auch die Heiden, die das Gesetz nicht haben, wußten durch des Gewissens Zeugnis, daß menschlicher Übermut die richtende Gottheit herausfordere und erkannten die Selbsterkenntnis als den besten Weg zum heiligen Maßhalten. Die ganze Offenbarung aber, in welcher Gott sich uns Menschen zu erkennen giebt, die Offenbarung der heiligen Schrift, geht darauf hinaus, daß der Mensch durch Gottes Stimme sich selbst wieder er⸗ kenne, vor Gottes Angesicht sich in seiner Sünde schaue. Du bist der Mann, das ist das Wort, welches der strafende Gottesgeist durch den ganzen Alten Bund hin⸗ durch dem Menschen vorhält,— nicht dein Gott, nicht die Menschen umher, nicht die Welt, in die du eingeführt bist, sondern du selbst hast durch deine Sünde dich elend gemacht. Und wenn du, lieber Mensch, deinen Heiland begleitest auf seinem Wege, wenn du zuhörest, wie er mit 6⁴ V. Die Selbstprüfung allerhand Menschen spricht— eins sucht er vor allem: die Menschen zu sich selbst zu bringen, aus der Selbsttäuschung sie vor ihr wahres Bild zu führen, sie zu verinnerlichen, um sie zu vergöttlichen, ihnen zu zeigen, daß ihre Seele im tiefsten Grunde nach dem lebendigen Gotte dürstet, daß sie bisher mit dem trüben Wasser der Welt sich begnügt, daß aber für die Seele, die sich selbst erkannt, der Born der Gnade zur Stillung alles Durstes geöffnet ist. 3. Du kannst dich selbst nur erkennen, indem du vor Gottes Angesicht dich stellst und dein Thun mit seinem Willen vergleichst. Jedes andere Maß als der Wille Gottes ist für das Verhalten des Gotteskindes zu gering. Denn der Herr sagt: ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, und der Heiland sagt: seid vollkommen, wie auch der Vater im Himmel vollkommen ist. Legest du ein Maß an, das geringer ist als Gottes Wille, so wirst du vermessen und hältst dich für zu groß. Demütige Erkenntnis dessen, was du bist und was du nicht bist, kommt dir nur, wenn du's wagst, das Maß anzulegen, welches dir das göttliche: du sollst, vorhält. Dies göttliche: du sollst, hast du nun vor allem in den heiligen zehn Geboten. Nimm eins nach dem andern vor und frage dich: hab' ich's gehalten? Er⸗ innere dich, wie die Propheten schon das Gebot, das auf steinernen Tafeln geschrieben stand, in die Herzen zu schrei⸗ ben sich bemüht haben; wie der Heiland, der sie ganz er⸗ füllt, auch unsere Erfüllung derselben zu vertiefen versucht: die hung um fsten isher aber nade vor inem ottes Denn eilig, Bater das und was du's du vor nach Er⸗ 3auf chrei⸗ 3 er⸗ ucht: V. Die Selbstprüfung. 6⁵ wer seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig, wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon die Ehe gebrochen in seinem Herzen; und wie die Kirche die Er⸗ füllung jedes Gebotes abhängig macht von der Erfüllung des ersten: Wir sollen Gott fürchten, lieben und vertrauen! Sieh denn vor allem zu, wie es mit diesem ersten steht! Wandelst du deine Wege, indem du immerdar Gott vor Augen hast und dir sagst: wie sollt' ich ein so großes Übel thun und wider Gott sündigen? Kennst du die Wonne der Liebe zu Gott aus häufiger seliger Versenkung in sein Wesen und Thun, in die Wunderwege, auf denen er auch dich geführt? Ist dir's durchs Herz gegangen, daß der große Gott sich dir offenbart, in seinem Sohne für dich seine Liebe ausgeschüttet, durch seinen Geist deinem Geiste gesagt: du bist mein, und antwortest du: ich bin dein, um dein kleines, armes, sündiges Leben ihm ganz zum Dank⸗ opfer zu bringen?— Das zweite Gebot umschirmt den Namen Gottes. Ach, laß doch von heute an das in der deutschen Christenheit bei Schlichten und Vornehmen so ein⸗— gerissene gedankenlose Aussprechen des heiligsten Namens! Und hast du je gedacht, was der Name Gottes, das Wort ernst genommen, bedeute, nämlich die Offenbarung seines Wesens? Und stehst du mit Ehrfurcht vor jeder Gottes⸗ offenbarung und hältst du besonders die vollkommenste Offenbarung in seinem Worte heilig? Kommt kein Fluch über deine Lippen und kein Schwur? Bist du nicht im Baur, Kommunionbuch. 5 66 V. Die Selbstprüfung. Scherze oder halben Ernst oder ganzem Ernst in Zauberei⸗ sünde geraten, indem du Tagwählerei treibst, vor einer Zahl dich fürchtest, Zeichen abergläubig deutest, da du doch überall und allezeit und in jeder Weise in deines Gottes Hand bist?— Und der Tag des Herrn— ist er dir hei⸗ lig? Er stammt mit dem Familienleben aus dem Para⸗ diese! Und wenn irgend ein Stück unseres Lebens noch paradiesischen Anhauch und Frieden hat, es ist das Leben des Sonntags, das Leben in der Familie! Nicht hartes Ge⸗ bot ist darum der Sonntag, so wenig als das Familienleben, sondern freundliche Gabe Gottes. Nicht ein finsteres: du sollst nicht arbeiten und weltliche Dinge beschicken, steht über dem goldnen Thor des Sonntags, sondern ein lichtes: du brauchst nicht zu arbeiten und mit dem zeitlichen Be⸗ rufe dich zu quälen. Hast du diese lichte Schönheit des Sonntags schon erkannt? Bringst du nicht den Abend und die Nacht vor dem Tag des Herrn so zu, daß dir am andern Morgen das fröhliche Gewissen und die geistige Frische fehlt? Legst du nicht in den Sonntag Geschäfte und Vergnügungen, durch welche du dir und andern den Sonntagssegen schmälerst? Richtest du dich also ein, daß du regelmäßig zum Hause Gottes gehst? Und wenn du deine Erbauung hast und recht selig in ihr bist— wie ist es mit den Menschen, die von dir abhängig sind, deinen Dienstboten, deinen Arbeitern, dem Kutscher, dem Gärtner, all den Leuten, welchen du zumutest, am Sonntag dir dies I—35„— öC&NM SGSH E&Æ 7. cc„ 2— — V. Die Selbstprüfung 67 und jenes ins Haus zu bringen? Führst du, wenn du aus dem Gotteshause kommst, dein Familienleben richtig? Kommen deine Kinder nicht zu kurz? Denkst du daran, welch ein ernster Beruf es für dich ist, bei dem häufig so ungenügenden Unterricht, am Sonntag deine Kinder, nicht in strenger Weise der Schule, sondern in der milden Weise väterlicher und mütterlicher Liebe, in das Wort Gottes einzuführen? Und versagst du dir nicht die heilige Freude des geistlichen Gesanges mit den Deinen?— Das vierte Gebot stellt dir vor, wie du dich gegen alle die verhalten sollst, denen du kindliche Ehrfurcht schuldig bist. Stehst du richtig zu deinen Eltern, du Kind in der Eltern Hause, und du selbständiges Kind im eigenen Hause? Und ihr Eltern, macht ihr's den Kindern auch leicht, richtig zu euch zu stehen? Wißt ihr den Kleinen gegenüber die Zucht in der Liebe zu üben und den Erwachsenen gegenüber euch zu erinnern, daß sie selbständig geworden sind? Hast du Pietät, fromme Scheu gegen Lehrer und Berater, gegen Wohlthäter und große Männer, gegen die Obrigkeit und das Vaterland, namentlich auch gegen vaterländische Sitte und Sprache?— Hältst du das fünfte Gebot, wie es der Herr ausgelegt?(Matth. 5, 21.) Gott in seiner Liebe hat nicht Gefallen am Tode, selbst nicht dem Tode des Gottlosen, sondern Lust am Leben. Bist du darauf ge⸗ richtet, rings um dich her die Lebensfreude zu erhöhen?— Und das sechste Gebot, wie hältst du es? An seiner 5* 68 V. Die Selbstprüfung. Übertetung krankt die Weit, die Sünde wider dasselbe frißt in unserem Volke, das einst wegen seiner Keuschheit so hoch gepriesen war, wie ein Krebs um sich. Du Jüng⸗ ling, kämpfest du den Heldenkampf wider die Lüste der Jugend? O welch eine Mannesfreude, in Christi Kraft gesiegt zu haben! Du Jungfrau, umhegst du dein Herz, deine Lippen, deine Augen, deine ganze Erscheinung mit der heiligen Sittsamkeit, dem schönsten Schmuck und dem stärksten Schild?ꝰ Du Mann, liebst du dein Weib wie Christus die Gemeine, ausschließlich, ganz tief, als des Haupt zwar, aber wie Christus in hingebender, dienender Liebe? Und du Frau, bist du deines Mannes Gehilfin, nicht bloß in der Arbeit, sondern auch in der Heiligung des Lebens, und hilfst du ihm den Heiland finden, ohne viele Worte mit dem frommen Wandel in stillem, sanftem Geiste, der köstlich ist vor Gott?— Wie stehst du zum Eigentum, das durch das siebente Gebot umschirmt wird? Gerätst du in deiner Armut nicht in die Stricke des Reich⸗ werdenwollens, in deinem Reichtum nicht in den Trotz, als ob du Gott nicht brauchest? Hast du geschmeckt, daß Geben seliger ist denn Nehmen?— Wie steht's mit der Wahrheit? Sie ist nicht nur ein Reden, sie ist ein Thun (1 Joh. 1, 6) ja ein Sein, wie Christus nicht bloß die Wahrheit sagte und that, sondern war(Joh. 14, 6). Ist dein ganzes Werk wahr? Sprichst du, wie du denkst, thust du, wie du sprichst, gehst du, wie du bist, machst du ——8388332——— MV—*** *+* ———— E————L——..——tt„—„—ES 72.3 22 E„ ——895.——— V. Die Selbstprüfung. 69 deinen Aufwand nach dem Maße dessen was du hast d Liebst du nicht beim Reden zu verhüllen, zu übertreiben? Bist du frei von jenem abscheulichen Ding, das man Not⸗ lüge nennt, als ob den Menschen erlaubt wäre, aus Not zu sündigen? Bist du frei von jenem verächtlichen Ding, das man Gesellschaftslüge nennt, als ob die menschliche Gesellschaft auf der gegenseitigen Übereinkunft stünde, daß man sich einander belügen dürfe? Sagt nicht der Apostel: Leget die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir untereinander Glieder sind? Erziehst du nicht dein Kind, dein Dienstmädchen zur Lüge, wenn du etwa dem, der an die Thür klopft, sagen lässest, du seim nicht zuhause— und was dergleichen mehr ist, das durch seine allgemeine Verbreitung nichts verliert von seiner Verwerflichkeit?— Endlich, laß dich nicht gelüsten! überwachst du dein innerstes Leben? Heiligst du deine Phantasie? Kämpfest du gegen den Neid?— Wie lange könnte das Fragen so fortgesetzt werden! Frage dich selbst! Aber gestehe ein, daß du wenn Gott also fragte, auf tau⸗ send Fragen nicht eins antworten könntest! Gehalten, wie's Gott an dir sucht, wie es Christus gethan, wie es der Geist Gottes dir sagt, hast du nicht ein Gebot! 4. Alle Gebote werden in einem zusammengefaßt, in der Liebe. Du sollst den Herrn deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen, ganzer Seele, von allem Vermögen(5 Mos. 6, 5) und deinen Nächsten wie dich selbst(3 Mos. 19, 18), so — SSSEEEE... 1. 70 V. Die Selbstprüfung. heißt es schon im Gesetze. Der Prophet spricht: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott(Micha 6, 8). Der Hei⸗ land hat das alttestamentliche Liebesgebot nur bestätigt (Matth. 22, 37) und will seine Jünger daran erkennen, daß sie Liebe untereinander haben. Und nicht nur Jo⸗- hannes, den man den Apostel der Liebe genannt hat, dringt auf die Liebe: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zu⸗ erst geliebt, wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. So Jemand spricht: ich liebe Gott und hasse seinen Bruder, der ist ein Lügner(1 Joh. 4). Auch Paulus singt der Liebe das schönste Loblied(1 Kor. 13) und sagt uns, daß die Liebe des Gesetzes Erfüllung, das Band der Vollkommenheit ist(Röm. 13, 10. Kol. 3, 14). Nichts trifft so sehr auch deinen Sinn, lieber Christ, als das Gebot der Liebe. Von Gott hörst du keine Verkündigung lieber, als daß er die Liebe ist, kein Leben scheint glücklich, das nicht in der Liebe geführt wird. Die Liebe, die dir erwiesen wird, wie wohl thut sie dir! Ja, so hast du manchmal gesagt, das echte Christentum ist Liebe. Wohlan, so prüfe die Echtheit deines Christen— tums an deiner Liebe! Ist sie durch den heiligen Geist in dein Herz ausgegossen? Ist sie herzlich? Mischt sich nichts von Gleichgültigkeit, Bitterkeit, Neid, Haß darein? Und wenn doch der Mund übergeht, wes des Herz voll V. Die Selbstprüfung. 71 ist, fließt denn lauter Liebe von deinen Lippen? Bequemen sie sich nicht zu Schmeichelworten, denen kein Herzensgefühl entspricht? Denkst du daran, daß die Liebe sich der Wahrheit freut(1 Kor. 13, 6) und verstehst du es, die Wahrheit in Liebe zu reden? Giebt dir die Liebe den Mut zum Zeugnis wieder die Ungerechtigkeit? zur Für⸗ sprache für den Unglücklichen?— Wen liebst du? So jemand die Seinen, sonderlich seine Hausgenossen nicht versorgt, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger denn ein Heide, sagt Paulus(1 Tim. 5, 8). Versorgst du die Deinen mit Liebe? Oder gehörst du zu jenen, die im Hause mürrisch sind und in Gesellschaft freundlich?— Aber gehörst du auch nicht zu jenen engherzigen Familien⸗ menschen, die nur für die nächsten Angehörigen Herz, Mund und Hand haben, nicht für die Armen, nicht für das Vaterland, nicht für das Reich Gottes? Gebrauchst du auch wohl die Rede, daß dich dieser oder jener Mensch nicht anspreche, daß du dich zu ihm nicht hingezogen fühlest?ꝰ Gewiß, die Freundschaft kann nicht bestehen, ohne daß du und dein Freund einen geheimnisvollen Zug euch wechsel⸗ seitig angezogen fühlt. Die Liebe aber, die selbst die Feinde lieben soll, die Liebe, die eine Gabe des heiligen Geistes ist, darf sich nicht durch die Natur Grenzen ziehen lassen. Vielleicht, wenn du den Menschen besser kenntest, würdest du ihn mehr lieben. Um ihn besser zu erkennen, mußt du ihn aber vor allem lieben. Kannst du ihn nun nicht lie⸗ 72 V. Die Selbstprüfung. ben, um seinetwillen, weil er sich dir nicht liebenswert zeigt, so lieb' ihn zunächst um Gottes willen, dessen Bild auch er an sich trägt, um Christi willen, der auch für ihn sich hingegeben hat. Und aus solcher Liebe wird besseres Erkennen, und aus solchem Erkennen mehr Liebe kommen. — Und da die Liebe nicht in Worten und der Zunge, sondern in der That und in der Wahrheit sich zeigen soll, mit welcher That bewährst du deine Liebe?— Zeitliches Gut ist etwas; persönlicher Dienst ist mehr; Selbst⸗ verleugnung aber ist der Liebe eigentliche That, Selbst⸗ verleugnung, die nichts für sich will, und alles für den Bruder giebt.— Du siehst in der Liebe das echte Christentum. Du hast Recht. Höre denn, was der Apostel von ihr sagt: Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen(1 Joh. 3, 16). Und wenn nun die Frage an dich geht: Hast du solche Liebe? gesteh' es nur ein, daß dein Leben am Maße der Liebe gemessen vor Gott nicht bestehen kann. 5. Noch ein anderes Maß soll dir, damit du dich nicht selbst vermessest, gezeigt werden, das Maß aller Dinge nämlich: Jesus Christus, der gekommen ist, das Gesetz und die Propheten zu erfüllen, dessen Speise war, den Willen des himmlischen Vaters zu thun und sein Werk zu vollenden, Jesus Christus, an dem keine Sünde ist, weil in ihm die völlige Liebe leibhaftig erschienen ist. DD V Die Selbstprüfung. 73 Stelle dich im Geist vor das Bild deines Heilandes! Du kannst nichts Seligeres thun. Es liegt ja in dir, sobald du einmal vor dem heiligen Gott dich als Sünder er⸗ kannt, die Sehnsucht nach einem Gerechten, an welchem Gott Wohlgefallen hat. Die Eltern nun, in welchen zu⸗ erst der heilige Gotteswille dir entgegentrat, haben auch selbst mit dir vor Gott immer ihre Sünde bekannt. Der Freund, an dem du mit ganzer Seele hängst, spricht dir in vertrauter Stunde von der Verderbtheit seines Herzens. Die Helden der Menschheit, an denen du staunend hinauf⸗ siehst, lassen dich, wenn du prüfend ihr Leben durchforscht, ihre Gebrechen erkennen. Nur einer ist, dem Gott das Zeugnis vollkommenen Wohlgefallens giebt, den die Men⸗ schen mit Wahrheit keiner Sünde zeihen können, der bei der tiefsten Demut und hellsten Selbsterkenntnis doch zu seinem Vater nicht zu beten braucht: Vergieb mir meine Sünde! Er ist die völlige Liebe, darum die Wahrheit, die Darstellung des Menschenlebens, wie es vor Gott sein soll, darum die„hochgelobte Schönheit“. Kein Augenblick seines Lebens ist undurchdrungen von der Gottes⸗ und Bruderliebe, sein ganzes Wesen ist durchhaucht von dem Geist, den er in der Fülle hat. Da ist endlich einmal der, welcher von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Gemüte und allen Kräften Gott liebt und der zugleich die Brüder liebt wie sich selbst, ja mehr als sich selbst, der sein Leben giebt für die Freunde, ja für die, welche 74 V. Die Selbstprüfung. es erst werden sollen, für die Feinde. Die Seele ist ganz für Gott aufgethan und ganz zu den Menschen hingeneigt: das Wort des Mundes ist der vollkommene Ausdruck des Innern, der Wandel entspricht völlig dem Worte. Alle Gegensätze des Lebens, welche sonst die Menschen trennen, sind in diesem zur heiligen Einheit geworden. Da ist kein Zwiespalt zwischen der Anbetung und dem thätigen Leben: in seinem Gebet trägt er die Menschheit auf dem Herzen, in seinem Thun ist er mit dem Vater eins. Da ist kein Vorwiegen leidender oder wirkender Liebe: in seinem Wir⸗ ken ist das volle Mitleiden, ja durch sein Leiden erreicht er die tiefste Wirkung. Da ist keine Kluft zwischen Zeit und Ewigkeit: die Kräfte der Ewigkeit hat er in seinem zeitlichen Wandel und dazu ist er gekommen, die große Summe des Lebensfähigen, das in der Zeit gereift ist, in die Ewigkeit zu retten. Siehe dir deinen Heiland an, wie er von der Krippe zum Kreuz sich uns darstellt— die Sehnsucht nach dem Gerechten, nach dem Vollkommenen, nach der Liebe in Menschengestalt ist dir gestillt. Und nun, siehe dich selbst an! Wie zwiespältig erscheinst du neben ihm! Welch ein Gelüste des Fleisches wider den Geist! Wie schwer hält es dir, aus der Gemeinschaft des Gebetes die Kraft des Wirkens zu holen und im thätigen Leben deinen Gott immer vor Augen zu haben? Wo ist deine Selbstverleugnung, welche von dem Nächsten das Böse hin⸗ nimmt und ihm unermüdlich das Gute dafür bietet? Wo 3anz igt: des Alle nen, kein õen: zen, kein Bir⸗ icht Zeit iem ime die er die ien, un, ben ist! etes ben ine in⸗ Wo V. Die Selbstprüfung. 75 der völlige Einklang deines Gedankens, Wortes und Wan⸗ delns? Wo dein Leiden im Thun, dein Thun im Leiden? Nicht mehr ist nötig zu sagen! Du bist berufen, in Jesu Fußtapfen zu wandeln, und ach, wie oft bist du aus den⸗ selben herausgetreten! 6. Du bist vor Gott verantwortlich, liebe Seele, das leugnest du nicht. Dem lebendigen Gott, der dich von sich abhängig gemacht und der dir zugleich die Hand geboten, diese Abhängigkeit als Freiheit der Gotteskinder zu fühlen, kannst du dich nicht entziehen. Du mußt vor sein Gericht dich stellen. Das Gesetz Gottes klagt dich an, daß du den Wibllen Gottes nicht gethan. Wie willst du dich rechtferti⸗ gen? Du kannst nicht sagen nein: denn dein Gewissen sagt Ja zu der Anklage. Du kannst dich nicht mit deiner Schwachheit entschuldigen, denn du mußt gestehen, daß du des Geistes Stärkung nicht völlig angenommen, als sie dir angeboten war. Du kannst nicht, nachdem du die Über⸗ tretung dieses und jenes Gebotes zugegeben, mit dem Hal⸗ ten der andern den Mangel ausfüllen, denn die Gebote recht verstanden, welches hättest du gehalten? Und wenn du sie alle gehalten, nur eins nicht, kann denn der heilige Gott, der sie alle gegeben, eines einzigen Gebotes Über⸗ tretung übersehen? Du kannst nicht sagen: von heut' an schließe ich mit der Sünde ganz ab und mache so die Fehler meines vergangenen Lebens wieder gut. Glaubst du wirk⸗ lich, daß du von heut' an nicht mehr sündigen wirst? 76 V. Die Selbstprüfung. Und wenn es dir gelänge— hat denn Gott an dir nicht ein heiliges Leben von Kind auf zu erwarten? Wird das Kleid der Gerechtigkeit, wenn du die Risse auf dieser Seite mit Flicken von jener Seite zunähest, nicht auf jener Seite Risse haben? Es ist unmöglich, daß du dich selbst recht⸗ fertigest. Stellst du dich aufrichtig, so wie du bist, vor den heiligen Gott, die Scham ergreift dich, als müssest du in die Erde sinken. Was willst du thun? Sprich: Aus tiefer Not schrei ich zu dir! Herr Gott, erhör mein Ru⸗ fen! Dein gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffen! Denn so du das willst sehen an, was Sünd und Unrecht ist gethan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? Gebet. Herr, mein Gott, wenn ich dich ansehe in deiner Herr⸗ lichkeit und das Heilig, Heilig, Heilig vernehme, da ist mir's, als müßt' ich vergehen, als sollte die Last meiner Sünde mich ganz erdrücken, das Feuer deiner Heiligkeit mich ganz verzehren! Prüfe und erfahre wie ich's meine. Laß dein Auge schauen, ob Falsch in meinem Geist ist. Ich bekenne dir meine Sünde und meine Seele dürstet nach dir! Daß ich dein Angesicht schauen dürfe, du heiliger Gott, wend es in Gnaden mir zu! Sieh mich an in Jesu Christo! Laß mich dich anschauen durch Jesum Christum! Gieb mir so die Erquickung von deinem Angesicht! Und durch das Ge⸗ wissen, das durch die Sünde in Angst ist, laß die Stimme V. Die Selbstprüfung. 77 des Friedens dringen: deine Sünden sind dir vergeben! Nichts Verdammliches ist an dir, weil du in Christo Jesu bist! Ich harre auf dich. Meine Seele harret und hoffet auf dein Wort. Ich hoffe auf dich, o Herr, denn bei dir ist Gnade und viel Erlösung, und du wirst auch mich er⸗ lösen von allen meinen Sünden. Amen. VI. Beichte und Vergebung. So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind. Röm. 8, 9. 1. Du hast dich als Sünder, als Sünderin erkannt, da du vor Gottes Angesicht dich selbst geprüft. Du willst zur Hochzeit gehen und hast kein hochzeitliches Kleid. Du willst in Gottes Gemeinschaft dich versenken, aber deine Sünde steht zwischen ihm und dir. Da wird denn die Frage wach: was muß ich thun, daß zwischen dem heiligen Gott und mir sündigen Menschen alles ins Reine komme? Es ist gut, daß diese Frage immer wieder in dir geweckt wird, denn sie ist die Frage, um die es sich bei allem Glauben und Gottesdienst handelt, und die doch heute selbst in der Christenheit nicht so wach ist, wie sie sein sollte. Die Heiden ahnen, worauf es an⸗ kommt, und suchen ihre Götter zu versöhnen. Die Kinder Israels fühlen's mit Angst und drängen sich in das Heiligtum, in welchem Gott die Ordnung der Versöhnung gestiftet hatte. In der katholischen Kirche weiß man, daß das Gewissen Ruhe haben will, und Gebet und Wort —— 2—— 4 27273 772 —2— —— VI. Beichte und Vergebung. 79 und Handlung ist, wenn auch nicht in voller evangelischer Wahrheit, auf die Beruhigung des Gewissens gerichtet. Martin Luther hat es gewußt, was die Seele vor allem braucht, der Mann mit dem redlichem Gewissen, der einst geklagt: o meine Sünde, meine Sünde, meine Sünde, und dann durch den Geist Gottes in Christi Blut Ver⸗ gebung gefunden und von nun an in allem, was er pre⸗ digte und schrieb, andern geängstigten Gewissen den einigen Mittler pries: Ich glaube, daß Jesus Christus wahrhaf⸗ tiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich armen, verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels, nicht mit vergänglichem Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und seinem unschuldigen Leiden und Sterben. So kindesfroh und heldengewaltig als dieser Mann Gottes aus Sündenangst und Todes⸗ grauen hervorgegangen ist durch die Gnade Gottes, die ihm in Christo die Hand entgegenstreckte, durch des Geistes Wirkung, in welcher er gläubig die Hand ergriff, sollst auch du werden. Bist du lange schon des Friedens teil⸗ haftig gewesen, der da ist in Vergebung der Sünden, so nimm ihn aufs neue durch Beichte und Vergebung ins Herz. Solltest du aber bisher die Predigt vernommen, die Beichte abgelegt, die Vergebung angehört, das Abend⸗ 8⁰ VI. Beichte und Vergebung. mahl empfangen haben, ohne recht zu erfahren, worauf es bei alle diesem Thun ankommt, auf deine Versöhnung mit Gott, auf dein Heil in Zeit und Ewigkeit, ach, daß du, aufs neue zu Christo geladen, erkenntest, was zu dei⸗ nem Frieden dient! Du darfst es nicht länger hinaus⸗ schieben, du mußt mit deinem Gott ins Reine kommen. Erkennst du, daß Gott der dreimal Heilige ist, vor dem die Seraphim sich verhüllen und daß du durch und durch sündig bist, so muß ja etwas geschehen, um den Verkehr zwischen Gott und dir wieder frei zu machen. Was soll das sein? Von Gottes Seite mußt du eine unumstößliche Gewißheit haben, daß deiner Sünden Vergebung für dich bereit liegt; von deiner Seite mußt du diese Sündenver⸗ gebung auf unverwerfliche Weise ergreifen. 2. Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu (2 Kor. 5, 10). Da bei der allgemeinen Sündhaftigkeit kein Mensch den Menschen versöhnen konnte, da die Ver— söhnung mehr kostete, als die ganze Menschheit leisten konnte(Ps. 49, 8 u. 9), nämlich ein heiliges Menschen⸗ leben, das für die Sünder in den Tod ging, so gab Gott, der nicht Gefallen hat an dem Tode des Gottlosen, seinen eingeborenen Sohn. Dieser nahm unser Fleisch und Blur an, um als wahrhaftiger Mensch das Gesetz zu erfüllen, das Gott den Menschen gegeben, die Voll⸗ kommenheit zu leisten, die Gott an den Menschen suchte. worauf öhnung h, daß zu dei⸗ hinaus⸗ mmen. r dem durch Zerkehr as soll tößliche ir dich enver⸗ lt mit ht zu ftigkeit Ver⸗ leisten ischen⸗ gab tlosen, Fleisch Gesetz Voll⸗ suchte. VI. Beichte und Vergebung. 81 Aber Fleisch und Blut nahm er auch dazu an, daß er dies heilige Leben in den Tod geben könnte. Also ge⸗ ziemte es Gott, der die heilige Liebe ist, der sich selbst bewahren mußte in seiner Heiligkeit, der die Menschen bewahren wollte in seiner Liebe. Sich selbst hätt er aufgegeben, hätt' er nicht für die Sünde, in welcher die Menschen ihm trotzen, eine Sühne gesucht. Uns hätt er aufgegeben, hätt' er nicht die Sühne gesucht in einer Weise, durch welche die Sünde verurteilt, der Sünder gerettet ward. So geziemte es ihm, den Herzog der Seligkeit, nicht bloß in heiligem Wandel uns vorausgehen, sondern in heiligem Leiden und Sterben sich vollenden zu lassen, ihn aber dann zu sich zurückzunehmen in die Herrlichkeit, von dannen der vollendete und verklärte Hei⸗ land den heiligen Geist als den Tröster mit dem Worte der Versöhnung den Gläubigen senden sollte. In all' diesen Gottesthaten hast du, o sündenbange Seele, die unumstößliche Gewißheit, daß deine Vergebung bereit liegt. Der Vater, der von Ewigkeit in seiner Liebe dich zu sei⸗ nem Kinde ersehen, hat seinen Sohn für dich dahin⸗ gegeben— o welch ein Ernst ist es ihm, dich in seiner Kindschaft zu haben! Der Sohn, der in seiner Liebe in dein Fleisch und Blut eingegangen ist, hat als dein Bruder für dich ein heiliges Leben in den Tod gegeben — o wie viel liegt ihm daran, dich in die Kindschaft des Vaters zurückzuführen! Der Geist, der in seiner Liebe Baur, Kommunionbuch. 6 82 VI. Beichte und Vergebung. mit der Botschaft von Christi Werk bei dir anklopft: laß dich versöhnen,— o wie gern ist er bereit, deinem Geist das Zeugnis der Gotteskindschaft zu geben! Nichts Menschliches ist es, worauf dein Friede ruhen soll. Gott ist größer als dein Herz und vor ihm sollst du dein Herz stillen. Es ist ein köstlich Ding, daß dein Herz fest werde, welches geschieht durch die gewisse Gnade in Christo. Es ist selig, wenn dein liebebedürftiges und doch selbstisches Herz eine Liebe, die nicht wankt, in sich spürt, darum gießt der heilige Geist die Liebe Gottes in dein Herz. Eine Gewißheit soll über dich kommen, in der du sprechen darfst: Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält. Wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd' und Himmel untergeht. 3. Dein Friede, der da ist Vergebung der Sünden, ist nicht dein Werk, sondern Gottes Gabe. Aber die un— umstößliche Gewißheit von Gottes Gnade in Christo mußt du auf unverwerfliche Weise ergreifen. Das geschieht, wenn du in Gottes Gedanken, die er zu deinem Frieden hat, willig eingehst. Dies Eingehen auf Gottes Friedens⸗ gedanken mit deiner Seele, o sündiger Mensch, vollzieht sich in Buße und Glauben. Und eben diese Buße und dieser Glaube machen die Beichte aus. In seiner Heilig⸗ keit offenbart sich Gott vorzugsweise durch das Gesetz zur Buße, in seiner Liebe durch das Evangelium zum Glau⸗ t: laß 1 Geist Nichts Gott Herz werde, ). Es stisches 1 gießt Eine darfst: Anker Da lag weglich ünden, ie un⸗ mußt schieht, Frieden edens⸗ lzieht und Heilig⸗ ꝛtz zur Glau⸗ VI. Beichte und Vergebung. 83 ben. Das Gesetz heißt dich, was du zu leisten hast; das Evangelium verheißt dir, was dir geschenkt wird Das Gesetz deckt deine Sünden auf; das Evangelium deckt sie zu. Das Gesetz klagt dich an; das Evangelium rechtfertigt dich. Das Gesetz offenbart einen solchen Eifer Gottes, daß der Sohn Gottes selbst unter das Gesetz gethan und zum Opfertod geführt wird. Das Evangelium offenbart eine solche Gnade Gottes, daß alles, was der Sohn Gottes vollbracht, dir zugerechnet wird. In der Buße bejahst du das Gesetz Gottes und sprichst was ich gesollt, hab' ich nicht gethan; wie lauter Sünde liegt mein Leben vor dir, mein Gott; nichts, nichts kann ich, schwer ver⸗ klagt, zu meiner Rechtfertigung sagen, und wenn dein Eifer, o Gott, deines Sohnes nicht verschont hat, wenn man das grüne Holz seines reinen Lebens hat in deines Eifers Glut brennen sehen, was will's am dürren werden, an mir und an meinem Leben, an dem nichts Gutes ist? Herr, wenn du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?— Aber wie du in der Buße Gottes Gesetz bejahst, so in dem Glauben sein Evangelium: ich ergreife mit Herzensinbrunst die Verheißung, die du mir gegeben hast, du gnädiger Gott; mein Herz geht in Sprüngen, daß meine Sünde, all' meine Sünde, die wie ein schmach⸗ voller Greuel vor dir liegt, soll durch deine Liebe zugedeckt werden; schon hör' ich, wie für mich ein Fürsprecher das Wort nimmt; schon spür' ich, wie die Gerechtigkeit 6* 84 Beichte und Vergebung Jesu Ehristi für meine Sünden angenommen wird! Wie soll ich dir danken, o Gott, für deine wunderliche Gerech⸗ tigkeit, in der du Sünder als Kinder annimmst um deines lieben Sohnes willen!— Siehe, liebe Seele, das ist Beichte, dies Bejahen deiner Verdammlichkeit in der Buße, dies Bejahen deiner Versöhnung in dem Glauben, dies Zöllnerwort: Gott ser mir Sünder gnädig! diese Rede des armen Weibes: Ja, Herr, aber doch(Matth. 15, 27), ja, Herr, ich bin nichts wert, aber doch ist deine Gnade noch größer als meine Sünde, dieses Beten des Schächers: ich habe den Tod verdient, du, mein Heiland, hast ihn nicht verdient und stirbst ihn für mich, gedenke meiner in deinem Reiche! 4. Vor wem soll denn die Beichte geschehen? Vor deinem Gott und Herrn, dem Heiligen und Barmherzigen vor allem. Denn was du auch von deinen Sünden den Menschen erzähltest, weder heilig noch heilsam wär' es, hättest du nicht vor deinem Gotte zuvor gestanden und ihm gebeichtet! Versteh' aber deine Beichte vor Gott nicht bloß als ein Denken und Fühlen, sondern als ein Sagen und Bekennen. Ob auch Gott deine Gedanken von ferne versteht und alles bloß und entdeckt vor seinen Augen liegt, so darfst du doch dem Ernste deiner Buße nicht völlig trauen, so lange du nicht in der Beichte vor Gott deine Sünden frei herausgesagt. Es ist ein an⸗ deres, sich knechtisch mit der Sündenangst herumzuquälen, Wie Gerech⸗ deines das ist Buße, „F dies Rede 5, 27), Gnade ächers: ast ihn iner in Vor erzigen hen den är' es, en und Gott als ein edanken seinen r Buße Beichte ein an⸗ quälen, VI. Beichte und Vergebung. 85 bald dem entschuldigenden Gedanken Gehör zu geben, daß du dich inskünftige bessern wollest, bald dem verklagen⸗ den, daß du vor Gott verworfen seiest, und ein anderes, wie ein Kind dem himmlischen Vater das Wort zu gönnen und ihm alles in klarer Rede zu sagen, was auf der Seele liegt. Da ich's wollte verschweigen, verschmach⸗ teten meine Gebeine durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie's im Sommer dürre wird (Ps. 32, 3 u. 4).— Aber einer bekenne auch dem an⸗ dern seine Sünden(Jak. 5, 16). Es giebt ein Reden von der Sünde vor den Menschen, dem kein Aussprechen vor Gott vorausgegangen ist, das meidet die wahrhaftige Buße. Es giebt aber auch ein Bekennen der Sünde vor Menschen, dem die Aussprache vor Gott vorausgegangen, das vollendet die Buße. Und nicht bloß das Sünden⸗ bekenntnis vor dem Menschen, gegen welchen du gesündigt hast, ist damit gemeint. Nein, über die Sünden, von denen bisher kein Mensch wußte, sollst du dich aussprechen, wenn du einen ganz treuen Christenmenschen als Herzens⸗ vertrauten hast. Dies Heraussagen vor einem Menschen ist die Probe, ob du vor Gott dein Innerstes geöffnet hast. Es ist eine Demütigung, welche dir nur heilsam sein kann. Es ist eine Schwächung der sündigen Lust, die geheim gehalten, wie ein verderblich Feuer fortgeglüht hätte, ans Tageslicht gezogen leichter gedämpft werden 86 VI. Beichte und Vergebung. kann. Es giebt dem treuen Menschen, dem du dich offen⸗ bart hast, Gelegenheit, dich auf dem rechten Weg zu för⸗ dern. Endlich thut es dir wohl, wenn auch aus des Freundes Munde dir die Versicherung gegeben wird:„Ob bei uns ist der Sünde viel, bei Gott ist viel mehr Gnade.“— Aber der Herr, der gekommen ist die Sünder selig zu machen, hat weder die Predigt vor der Gemeinde, noch die Sündenvergebung in seinem Namen unter vier Augen dem glücklichen Zufall überlassen wollen, ob sich auch einer fände, der geschickt dzu wäre. Er hat einen Dienst der Versöhnung gestiftet. Und der Diener Jesu Christi, der das Evangelium verkündet und die heilige Stiftung der Taufe und des Abendmahls verwaltet, der stehet auch bereit, deine Beichte anzuhören und dir Frieden zusagen. Er steht da im Namen Jesu Christi und du darfst ihm vertrauen, daß er dich mit herzlichem Erbar— men anhört und deine Beichte in sich versiegelt hält. Er hat sich in Christi Dienst Erfahrung erworben und er wird deines Herzens Zustand erkennen und dir rechten Rat geben. Er freuet sich, wenn du's aufrichtig meinest, daß er dir die volle Gnade des Heilands zeigen kann. Laß dir denn seinen Dienst gefallen, daß er sei, was er sein soll, ein Gehilfe deiner Freude, denn Freude ist nur in Frieden, Friede nur in Vergebung der Sünden durch das Blut Jesu Christi. 5. Wenn du nun vor dem heiligen Abendmahl beich⸗ VI. Beichte und Vergebung. 87 test, so thust du damit nicht ein Absonderliches, das immer nur vor dem Abendmahl geschehe. Es giebt eine Beichte auch ohne darauf folgenden Abendmahlsgenuß. Du beich⸗ test jeden Abend, wenn du auch nur das einfache Gebet aussprichst: Gott sei mir Sünder gnädig! Und jeden Sonntag beichtest du mit der Gemeinde in dem Sünden⸗ bekenntnis, ohne welches der Gottesdienst nicht seine heil⸗ same Fülle hat. Es giebt eine Beichte ohne Abendmahl. Aber es soll nach der Ordnung der Kirche, der du an⸗ gehörst, kein Abendmahl geben ohne voraufgegangene Beichte. Wenn du nun zur Beichte gehen willst, so hast du die Wahl zwischen der Privatbeichte und der öffent⸗ lichen Beichte. Unter der Privatbeichte ist nicht zu ver⸗ stehen jene hier und da vorhandene Sitte, daß sich ein kleiner Kreis von Verlangenden durch Verabredung um den Geistlichen zusammenfindet, etwa eine Familie, nächste Verwandte und Freunde, bei der ersten Kommunion eines Kindes noch desselben Gevattern, sondern die Privat⸗ beichte ist die Beichte eines einzelnen Christen vor seinem Beichtiger unter vier Augen. Diese geheime Beichte ist aber auch nicht zu verwechseln mit der Ohrenbeichte, deren Eigentümlichkeit darin besteht, daß der Beichtende alle seine Sünden namentlich aufzuzählen verpflichtet ist.— Wie sollte dir das gelingen? Du müßtest, wie viele Sünden du zu nennen hättest, doch endlich schließen: Herr, wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeihe mir 88 VBeichte und Vergebung. auch die verbotenen Fehle!(Ps. 19, 13.) Was könnte dich denn aber zur Privatbeichte treiben? Du kannst sie suchen, um dich ganz bestimmt aus der Menge, in welcher der einzelne mit seinen Sünden sich gerne verbirgt, heraus⸗ zustellen und statt des Bekenntnisses: wir sind allzumal Sünder, zu sprechen: Ich, ich habe gesündigt, und um dann ebenso bestimmt nicht in der Menge den Trost zu vernehmen: die Sünden sind euch vergeben, sondern für dich insonderheit: du, du gehe hin in Frieden. Du kannst dabei noch die besondere Absicht haben, deinem Seelsorger die Pflege deiner Seele zu erleichtern„ indem du entweder deine ganze bisherige Lebensführung mit deiner Sünde und Gottes Gnade ihm darlegst, oder, so er dein Leben schon kennt, die neuerlich immer wieder in die wirksamen Sün⸗ denmächte offenbarst— alles, damit du nicht nur für die vergangene Zeit Vergebung, sondern auch für die Zukunft Stärkung empfangest. In der Priwatbeichte kommt also das Persönliche zu seinem Rechte, die besondere Sündennot und der besondere Gnadentrost. Und fürwahr, wenn der Segen dieser Aussprache des inneren Lebens vor einem treuen Berater mehr erkannt und gesucht würde, es wür⸗ den nicht so viele Christen, selbst nachdem sie die Gnade geschmeckt, unsicher wandeln, durch heimliche Zweifel ge⸗ quält, durch heimliche Lüste verzehrt, nicht so viele schließ⸗ lich in Verzweiflung und Schande geraten!— Aber die Trefflichkeit der Privatbeichte hebt die Erbaulichkeit der könnte nnst sie welcher heraus⸗ llzumal nd um rost zu rn für kannst elsorger itweder de und schon Sün⸗ für die zukunft t also dennot in der einem wür⸗ Gnade el ge⸗ chließ⸗ r die t der VI. Beichte und Vergebung 89 öffentlichen Beichte mit der ganzen Abendmahlsgemeinde nicht auf. Tritt in jener das Persönliche hervor, so kommt hier das Gemeinsame zur Geltung. Du hast da⸗ heim im Kämmerlein auch schon eine Beichte unter vier Augen gehalten, indem deine Augen sahen zu dem, der seine Augen offen hält über alle Wege der Menschenkinder. Du hast da und dort noch eine andere Beichte abgelegt unter vier Augen, nach dem Rate deines Heilands: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda einge⸗ denk, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, alsdann komm und opfere deine Gabe(Matth. 5, 23 und 24). Du hast deine Sünden vor denen eingestanden, gegen welche du gesündigt hast. Nun gehst du hin zum Hause Gottes und reihst dich in die Gemeinde ein. Wird da das Gefühl deiner Schuld nicht noch lebendiger? Tritt dir da nicht ins Bewußtsein, wie die Sünde des einzelnen doch nicht ist, ohne daß die Gemeinschaft zu ihr mitgeholfen hätte und ohne daß sie selber wieder auf die Gemeinschaft vergiftend ein⸗ wirkte? Es giebt einen Zusammenhang der Sünde, so soll es auch einen Zusammenhang der Gnade geben. War die Befleckung Ansteckung, so sei die Reinigung Einigung. So ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und so ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit(1 Kor. 12, 26). 90 VI. Beichte und Vergebung. 6. Du gehest denn zur Beichte. Du hast in den letz⸗ ten Tagen für dich allein das Angesicht deines Gottes und Heilandes viel gesucht, um dich selbst zu erkennen, auch in der Hausandacht ist Gottes Wort und Gebet dir zu Liebe gewählt und gewendet worden. Du hast die Bußspalmen (Psalm 6. 32. 38. 51. 102 130. 143) gebetet, die Bußlieder deiner Kirche gelesen und gesungen. Du hast dich dann mit einem herzlichen Seufzer, daß Gottes Gnade dir die Thür öffne, auf den Weg begeben. Ob du nun unter vier Augen oder mit der Gemeinde ge⸗ beichtet hast, es war kein Falsch in deinem Geist(Psalm 32, 2), du konntest sagen: Prüfe mich, Gott, und erfahre wie ich's meine, und siehe, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege(Ps. 139, 23 u. 24). Ob du die Sündenvergebung für dich allein oder in Ge— meinschaft empfangen, ob du die Hand auf dem Haupte oder nur das Wort an deinem Herzen gefühlt hast,— der Diener Jesu Christi hat in des Herrn Namen, der für deine Sünden gestorben und um deiner Gerechtigkeit willen auferweckt ist, zu dir gesprochen und du hast das Wort für dich hingenommen: dir sind deine Sünden vergeben, gehe hin in Frieden! O Wundergabe Gottes, der solche Macht den Menschen gegeben!(Matth. 9, 8.) So gewiß, als ob dein Heiland selbst zu dir geredet, so heilkräftig, als ob er jetzt eben erst für dich die Versöhnung am Kreuze vollbracht, so völlig, als ob er für dich allein ge⸗ zen letz⸗ tes und auch in u Liebe palmen et, die u hast Gottes 1. Oh ide ge⸗ (Psalm erfahre ege bin I. 24). in Ge⸗ Haupte — der er für willen Wort rgeben, solche gewiß, kräftig, ig am in ge⸗ VI. Beichte und Vergebung. 9¹ boren, gestorben und auferstanden wäre, ist dir Gnade zur Vergebung geworden. Die Gnade, welche deiner Geburt in diese Welt zuvorgekommen und deine Neuge⸗ burt in der heiligen Taufe dir als Geschenk entgegen⸗ brachte, hat alles, was sie je und je an dir gethan, bestätigt. Die Gnade, welche so oft dir vergeben, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal, hat auch heute wieder deine Sünde vertilgt wie eine Wolke und deine Missethat wie einen Nebel. Du bist so gewiß ein Kind Gottes, als wenn du nie gesündigt hättest. Gottes Wohl⸗ gefallen ruht auf dir wie auf seinem eingeborenen Sohne. Du hast es neu geschmeckt, daß du im Glauben gerecht⸗ fertiget Frieden hast mit Gott durch deinen Herrn Jesum Christum. Im Frieden Gottes gehst du deine Wege auf Erden, so lange es ihm gefällt, und bist gewiß, daß ohne seinen Willen auch kein Haar von deinem Haupte fallen kann. In die Gerechtigkeit gekleidet, die vor Gott gilt, nahest du dem heiligen Mahle, nach dem dich verlangt. Was dir schon alle die letzten Tage durch die Seele geklungen, du spürst es nach der Sündenvergebung erst ganz selig: Schmücke dich, o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle! Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden. Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg in dir halten. 9² VI. Beichte und Vergebung. Gebet. O Herr, mein Gott, du Heiliger und Gewaltiger, welch' ein armer, sündiger Mensch bin ich vor deinem Angesicht! Es ist keines deiner Gebote, das ich nicht übertreten hätte! Es ist keine Kraft des Leibes, der Seele, des Geistes an mir, die ich nicht mißbraucht hätte! Es ist keine Zeit meines Lebens, aus der nicht die Er⸗ innerung Bilder meiner Sünde mir vorführte! Es ist kein Ort, an dem ich geweilt, ohne meinen Aufenthalt durch Sünde zu beflecken! Es ist kein Verhältnis zu Menschen, das ich nicht durch Sünde gestört hätte! Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Gutes an mir, das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Aber ich habe Zuflucht zu deiner Barmherzigkeit, o himm⸗ lischer Vater, denn ich seh' es an deiner Hingabe deines Sohnes für mich, daß du nicht Gefallen hast am Tode des Gottlosen. Und ich ergreife im Glauben die Hand deines Sohnes, daß er mein Heiland sei und mit seiner Unschuld meine Schuld zudecke! Und mein Geist seufzt nach dem Trost des heiligen Geistes, der auch in uns Sündern ruft: Abba, lieber Vater! Ach, erhöre mich denn, lieber Vater im Himmel! Nicht auf meine Gerech⸗ tigkeit, sondern auf deine Barmherzigkeit setz' ich meines Herzens Zuversicht! Sei barmherzig und gnädig und um zewaltiger, ĩr deinem ich nicht ibes, der icht hätte! t die Er⸗ Es ist Aufenthalt ältnis zu tte! Von man mir, ist matt. o himm⸗ übe deines am Tode die Hand mit seiner eist seufzt in uns höre mich ie Gerech⸗ ch meines und um VI. Beichte und Vergebung 9³ Jesu Christi willen vergieb mir alle meine Sünde und laß deinen heiligen Geist mir Frieden zusagen, daß ich dein Kind sei und mit deiner Gnade geschmückt zum Abendmahl hienieden gehe und einst zu dem großen Abendmabl in dei⸗ nem Hause! Amen. ö VII. Der Cag der Feier. Das Geheimnis ist groß: ich sage aber von Christo und der Gemeine. Eph. 5, 32. 1. Der heilige Tag geht von Abend zu Abend. Einen feierlicheren Abend kannst du, o Christenmensch, kaum haben als den Vorabend vor der Feier des heiligen Mahles Du warst heute zur Beichte und hast Ver⸗ gebung der Sünden empfangen. Weggetilgt ward aus deinem Gewissen alle Schrift, welche von deinen Sünden erzählte, und keine Sünde durfte neu sich einschreiben. Dein Auge hat kindlich zu Gott aufgesehen, und du wehr⸗ test den eitlen Dingen, daß sie dich nicht wieder blendeten. Deine Füße mußten freilich aus dem Hause Gottes den Weg in dein Haus zurückwandeln, aber wohl dir, du bist nirgends gewandelt, wo du nicht einen Schimmer von des Herrn Klarheit vor dir gesehen hättest. Deine Hände haben das irdische Tagewerk wieder anfassen müssen, aber es war dir, als würden sie von einer heiligen Macht in stiller, frommer Thätigkeit geführt. Deine Lippen haben geredet, aber die Rede war heute durchaus friedlich und freundlich, verständig und wohlwollend. Das reine Kleid e aber von ph. 5, 32. 9. Einen ch, kaum heiligen hast Ver⸗ hard aus Sünden ischreiben. du wehr⸗ blendeten. ottes den „du bist mer von ne Hände en, aber Macht in en haben dlich und ine Kleid VII. Der Tag der Feier. 9⁵ der Gerechtigkeit Jesu Christi hast du mit heimgebracht — nur kein Flecken! das war der tiefe Wunsch deiner Seele den ganzen Tag lang. Und nun ist's Abend ge⸗ worden. Das Tagewerk ist vollbracht. Du hast nichts mehr zu thun, als deines Gottes Wort zu hören und vor ihm dich auszusprechen, dann sollst du ruhn, um am festlichen Tage mit frischem Geist zu erwachen. O seliges Haus, in welchem heute der Hauspriester oder die Hauspriesterin nicht fehlt! Da werden die Hausge⸗ nossen zur Andacht versammelt. Ob alle zum Abendmahl gehen wollen oder nur einige oder auch nur ein Glied der Familie— die ganze Hausgemeinde begleitet den heiligen Gang der Abendmahlsgenossen mit ihrer Liebe. Laßt denn die Liebe eure Herzen zusammenschmelzen, laßt eure Stimmen ineinanderklingen und singt jetzt noch ein heiliges Lied. Das rechte wird nicht schwer zu finden sein. Singt eins von der festen Gewißheit der Sünden— vergebung: Ich habe nun den Grund gefunden; Mir ist Erbarmung widerfahren; oder eins von der seligen Liebe zu Christo: Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr; Ich will dich lieben, meine Stärke; oder ein Abendmahlslied: Ich komme, Herr, und suche dich, mühselig und beladen; Schmücke dich, o liebe Seele! oder endlich ein Lied vom abendlichen Eingehen zur Ruhe: Kommt, Kinder, laßt uns gehen, der Abend kommt herbei; Nun ruhen alle Wälder. Dann höret Gottes Wort. Das rechte wird sich leicht 96 VII. Der Tag der Feier darbieten: ein Psalm von der Sündenvergebung: Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind(Ps. 32); Lobe den Herrn, meine Seele(Ps. 103); ein Prophetenwort von der Gnadenfülle, welche dem Volke Gottes zuteil wird: die Wüste und Einöde wird lustig sein(Jes. 35); Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser(Jes. 55); ein Wort des Herrn von der Erleuchtung der Unmündigen und der Erquickung der Mühseligen(Matth. 11, 25); ein Wort von ihm selbst, als der rechten Speise und dem rechten Trank(Joh. 6); ein apostolisches Wort, Paulus' hohes Lied vom Glauben(Röm. 8) oder von der Liebe (1 Kor. 13), oder von der Hoffnung(1 Kor. 15); Johannes' Lob der Liebe Gottes, die uns Kinder heißet(1 Joh. 3) oder Petrus' Wort vom unvergänglichen Erbe, das uns Christus durch sein Blut erworben hat(1 Petri 1); oder die Mahnnng des himmlischen Herrn: Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an(Offenb. 3, 14—20); oder die Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde(Offenb. 21 u. 22). Und nach dem Gesang und dem Gotteswort betet mit einander, einer für alle und alle für einen. Dann reicht euch in versöhnter Liebe die Hand und sucht die Kammer auf. Und wenn du dann allein bist mit dei⸗ nem Herrn, dann halte noch ein Zwiegespräch mit ihm und schließe die Augen, dich dem befehlend, der nicht schläft noch schlummert. Wer ist wohl, wie du, Jesu, süße Ruh'! Unter vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, und Wohl ); Lobe bort von ird: die Wohlan, es. 5573 ündigen 5); ein ind dem Paulus' r Liebe hannes' Joh. 3) as uns oder ehe vor der die Offenb. teswort einen. id sucht nit dei⸗ hm und schläft Ruh'! ,„ und VII. Der Tag der Feier. 9⁷ ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh'!— Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstrecken, Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht. 2. Der Morgen ist da, liebe Seele, dein Heiland wartet auf dich! Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Steh' auf vom Schlafe und schmücke dich zu dem Mahl, zu dem du geladen bist. Indem du deinem Leibe sein Kleid anlegest, erinnere dich des hochzeitlichen Kleides, das deiner Seele gestern neu geschenkt ward und in welchem du heute wieder prangen sollst. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, lasset uns freuen und fröh⸗ lich sein darinnen! Die Seele klinge von den Psalm⸗ worten: Ich freue mich des, das mir geredet ist, daß wir werden ins Haus des Herrn geh'n, daß unsere Füße wer⸗ den steh'n in deinen Thoren Jerusalem(Ps. 122). Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in deinem leben⸗ digen Gott(Ps. 84). Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottes⸗ dienste des Herrn und seinen Tempel zu besuchen(Ps. 27). Deine Zunge werde laut in den Liedesklängen: Morgen⸗ glanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, Schick' Baur, Kommunionbuch. 7 9 VII. Der Tag der Feier. uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte, Und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht!— Thut mir auf die schöne Pforte, Führet mich in Zion ein. Ach, wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht.— Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der mit süßen Gnadenworten Klopft an deines Herzens Pforten: Eile sie ihm aufzuschließen, Wirf dich hin zu seinen Füßen: Sprich: o Herr, laß dich umfassen, Von dir will ich nimmer lassen!— Sind dir in der Kammer solche Lieder schon von den Lippen geströmt, wie freust du dich, wenn du auch heute mit deinen Haus⸗ genossen vor dem Kirchgang singen und beten kannst. Und ein Gotteswort nimmst du als Wegzehrung gerne mit auf den Weg. Heute wird Psalm 23 deines ganzen Herzens Gedanken aussprechen, eute wirst du Psalm 122 leicht aus dem Alten ins Neue Testament für dich um⸗ deuten. Das Prophetenwort von dem Bunde Gottes mit dir wird dein Verlangen stillen(Jes. 54. Jer. 31). Des Herrn Seligpreisungen(Matth. 5) werden dir wie lauter Tau in die Seele fallen, und sein Wort vom Weinstock (Joh. 15) wirst du wohl verstehen. Du folgst willig der Ermahnung des Apostels zur Einigkeit im Geist(Eph. 4, 4. 14). Denn er ist's ja, der heute durch Christi Opfer dich aufs neue deiner Versöhnung mit Gott ver⸗ gewissern will.— Und nun gehe in Gottes Namen zur te, Und hut mir n. Ach, ich sein! rost und räutigam n deines irf dich imfassen, in der zeströmt, u Haus⸗ kannst. g gerne ganzen lm 122 ich um⸗ ttes mit ). Des lauter Beinstock llig der (Eph. Christi tt ver⸗ sen zur VII. Der Tag der Feier. 99 Kirche! Tritt zu der Thür, welche für die gottverlobte Seele immerdar die schöne heißt, mit Freuden ein. Und was dir in dem öffentlichen Gottesdienste geboten wird, das nimm alles für dich mit inniger Andacht hin. Ver⸗ richte dein Gebet: ach, mein Gott und mein Heiland, segne mir diese Stunde, gieb mir dein Wort, daß es mich geschickt mache, auch dein Mahl recht zu empfangen.— Vielleicht bleibt dir noch Zeit, in deinem Buche ein Schriftwort, ein Gebetswort, ein Liedeswort zu lesen. Wenn aber der Gesang der Gemeinde beginnt, singe von ganzem Herzen und mit voller Stimme mit. Nichts ist unschicklicher und unersprießlicher, als mitten in der singen⸗ den Gemeinde stumm zu bleiben. Warum willst du dein Teil zur Erbauung der Gemeine durch das Lob Gottes nicht beitragen? Warum willst du nicht, indem du giebst, von der Gemeine ein reicheres Teil empfangen? Die Predigt höre mit Andacht. Komme nicht mit zu viel Wünschen, wie die Predigt heute gerade für dich beschaffen sein müsse. Denke vielmehr: so wie sie mir gegeben wird, ist sie mir heilsam. Und solltest du bei der armen Ge⸗ stalt, die unsere Kirche hat, den Kummer erleben müssen, daß in der Predigt vor dem Abendmahl Christus nicht voll und warm bekannt würde, so laß dir das wenigstens den Segen bringen, daß du mit ganzer Inbrunst an dei⸗ nen Herrn dich selbst herandrängst und betest, daß das Haupt im Himmel seine Glieder auf Erden mit neuen 7* 10⁰ VII. Der Tag der Feier. Geistesgaben ausrüste. Und das Gebet, das nach der Predigt auch für die Abendmahlgenossen geschieht, mache mit herzlichem Glauben zu deinem Gebet. Herz und Herz vereint zusammen, Sucht in Gottes Herzen Ruh! Lasset eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder! Er das Licht und wir der Schein! Er der Meister, wir die Brüder! Er ist unser, wir sind sein! 3. Endlich ist die Stunde der heiligen Feier gekom⸗ men. Du trittst näher zum Altare heran. Mit der Abendmahlsgemeinde singst du das Lied, das deiner Seele noch einmal Worte verleiht für ihr Verlangen, ihre Er⸗ wartung. Die letzte Vermahnung und Verheißung dringt an dich heran. Noch einmal giebst du ein stilles, tiefes Ja zu allem, was dir aus Gottes Geist und Wort vor⸗ gehalten wird. Ja, fürwahr, du gehörst zu den Sündern, für welche Christus gestorben, zu den Elenden„die er er⸗ quicken will; du hast ein volles Vertrauen zu dem Hei⸗ land, der für dich aus der Herrlichkeit in die Niedrig⸗ keit gegangen und möchtest ihn mit deinem Glauben innig⸗ lich ergreifen; du freust dich seiner wunderbaren Gegenwart in dem heiligen Mahle, das dir bereitet ist„ und bist begierig, das gesegnete Brot und den gesegneten Kelch zu empfangen zur Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi und damit zur Gemeinschaft jenes Leibes, davon er das Haupt ist und du ein Glied mit anderen Glie— nach der st, mache und Herz N Lasset Er das wir der ist unser, rgekom⸗ Mit der er Seele ihre Er⸗ g dringt 8, tiefes ort vor⸗ Sündern, e er er⸗ em Hei⸗ Niedrig⸗ n innig⸗ genwart ind bist Relch zu es Jesu davon n Glie⸗ VII. Der Tag der Feier. 101 dern. Und nachdem du Vermahnung und Verheißung für dich hingenommen, hörst du, wie auf des Herrn Be⸗ fehl sein Diener die Worte der Einsetzung über dem Mahle spricht und die ganze Handlung durch Gebet in das gnadenvolle Thun des Heilands hineinsenkt. Noch eine letzte kurze Einladung, die nun in ihrem Herzen sich wohlgeschickt zum heiligen Mahle befinden, die mögen mit gebührender Andacht herantreten, eingedenk des Wor⸗ tes, das der Herr spricht: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!— Und du gehst in Einfältigkeit des gläubigen Herzens, das nur mit seinem Heiland zu thun haben will. Ist eine Ordnung in der Kirche gemacht, nach welcher die ein⸗ zelnen zum Altar treten sollen, so halte sie einfältig inne und dränge dich nicht vor und bleibe nicht zurück. Sonst gehe, wie die Reihe dich trifft, immer nur auf das eine bedacht, daß deine arme Seele ihren Heiland finden will. Brauchst du, damit in diesem heiligsten Augenblick deine Gedanken sich nicht zerstreuen, eines zusammenfassenden Haltes— wie gerne bieten sich Worte des Heilandes selbst dir an: Ich bin das Brot des Lebens.— Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.— Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen.— Den Frieden laß ich euch, meinen Frieden geb' ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.— Freuet euch, daß eure Namen im. 102 VII. Der Tag der Feier. Himmel geschrieben sind.— Und wie leicht findet das Verlangen des Herzens sein Wort in den alten, lieben Liedesklängen: Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser!— Sieh', hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron, Schwache Thränen, kindlich Sehnen Bring' ich dir, o Menschensohn. Laß dich finden, laß dich finden Von mir„der ich Asch und Thon!— Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich zum Himmel soll eingehn!— Nimm denn in demütiger Beugung die heiligen Gaben, die dir geboten werden. Und wenn du des nährenden Brotes und stärkenden Weines Geschmack empfindest, so sei gewiß: Nun ist der Heiland dein Heiland geworden, dein ist sein alles und mit ihm bist du geborgen in Gott bis zum Tage des großen Abendmahls in des Vaters Hause.— Du trittst zu deinem Stuhle zurück und durch deine Seele klingen die Worte seliger Erfahrung: Mir ist Erbarmung widerfahren. So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind. Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Nun lebe ich, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir.— Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten Ew'ge Lust und Seligkeit, Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich!— t das lieben igst die er bin hwache nsohn. Asch as ist Gott Nimm ie dir 8 und Nun alles Tage Du Seele mung VII. Der Tag der Feier. 103 Mein Herze geht in Springen Und kann nicht traurig sein, Ist voller Freud' und Singen, Ist lauter Sonnen⸗ schein! Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ, Das, was mich fröhlich machet, Ist was im Him⸗ mel ist!— Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög' dein Gast im Himmel werden. 4. Du bringst deinen Heiland mit in dein Haus, in⸗ dem du aus Gottes Hause heimkehrst. Halt' ihn heute fest, damit er auch morgen und alle Tage bei dir bleibe! Wenn du etwa das Abendmahl, wozu sein Name und erste Stiftung lockt, in der Abendstunde empfangen hast, dann wird dir die Bewahrung des Segens für die nächste Zeit sehr erleichtert. Du siehst heute nichts mehr von der Welt: kein Verkehr mit Menschen kann dich stören; die Last der Arbeit wird nicht mehr auf dich gelegt— nach einer traulichen Stunde in Gemeinschaft mit den liebsten Men⸗ schen, die du hast, befiehlst du Leib, Seel' und Geist noch einmal dem guten Hirten, der heute sich deiner so herzlich angenommen, und ruhst und schläfst ganz in Frieden.— Aber du nimmst gewöhnlich das heilige Mahl in der Frische des Morgens, und sofort giebt dir der Tag, der noch vor dir liegt, Gelegenheit, den Segen, den du em⸗ pfangen, gegen die Feinde von außen und innen zu hüten —— 10⁴ VII. Der Tag der Feier. und dein gewöhnliches Leben weihend von ihm durchdringen zu lassen. Alsbald nach dem Mahle, das du in der Ge⸗ meinde genommen, pflegst du zum häuslichen Mahle ge⸗ rufen zu werden. Heute wird dir nicht schwer fallen, den Sinn des Gebetes zu fassen: Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du bescheret hast. Heute wirst du auch leicht dich erinnern, wie der Herr, auch außer dem letzten Mahl, bei dem er das Abendmahl stif⸗ tete, oftmals mit den Seinen zu Tische gesessen, ja wie er auch nach der Auferstehung in verklärtem Leibe die Gemeinschaft des Tisches mit den Jüngern gesucht. Heute wird dir vielleicht der Gedanke einleuchten, daß jede Mahl⸗ zeit der Christenleute außer der leiblichen Ernährung den Segen der Liebesgemeinschaft und Liebesmitteilung haben soll. Die Arbeit trennt, sie macht müde, sie zieht Sorgen⸗ furchen in die Stirn, o welche Freude, wenn das Mahl wieder einigt, erquickt und erheitert, weil Christus mit seiner Liebe zugegen ist!— Wie aber bringst du, o liebe Seele, die du heute mit Christo so innig eins geworden, die übrigen Stunden des Tages zu? Ach, wache und bete, daß der schöne Gottessegen nicht weggeworfen und auf dem Wege der Welt zertreten werde! Gönne dir doch heute einen stillen Tag der Sammlung und der Gemein⸗ schaft in der heiligen Liebe! Geh' in deine Kammer und schließ die Thür für ein Stündlein zu, ruhe, sinne, lese, bete, gehöre dir selbst, indem du Gott dich naͤhst, gieb õringen r Ge⸗ le ge⸗ , den u, sei Heute auch Istif⸗ a wie de die Heute Mahl⸗ gden haben yrgen⸗ Mahl mit liebe rden, und und doch mein⸗ und lese, gieb VII. Der Tag der Feier. 10⁵ dich deinem Gotte, indem du dein heiliges Selbst pflegst. Tritt dann wieder zu den Deinen. Sitze mit ihnen in innigem Gespräch. Lies mit ihnen aus einem Buche, das die fromme Stimmung in euch festhält. Und wenn du Psalter und Harfe aufwachen lässest, damit ihr euch unter einander mit geistlichen lieblichen Liedern ermahnt, erfrischt, erwärmt— welch' eine Nachfeier in seliger Freude! Lockt Gottes Sonnenschein hinaus, so wandelt durch den Garten oder die Flur— nur meidet der Welt zerstreuende Eitel⸗ keit! Und steht nicht geschrieben, daß es ein reiner, unbe⸗ fleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist, die Witwen und Waisen in ihrer Trübsal zu besuchen? Hat dir die Gnade deines Heilands so reiche Gaben geboten, so gehe zu den Dürftigen, Traurigen, Einsamen, Angefochtenen und bringe ihnen Erquickung für Leib und Seele!— Wenn aber der Abend kommt und ein Gotteshaus thut sich dir auf, so geh' in dasselbe ein. Auch ein Gemeindegottes⸗ dienst am Nachmittag bietet sich als heilsames Mittel, den Segen des Morgens zu befestigen. Und an vielen Orten wissen die Abendmahlsgenossen nicht anders, als daß sie am Nachmittag wieder zur Kirche gehen, und die Predigt sucht ihr frommes Bedürfnis zu befriedigen. Der Abend aber entscheidet am meisten über das Bewahren oder Wegschütten des Segens, den ein heiliger Tag gebracht. O wie freventlich wird mancher Tag im Fleische be⸗ schlossen, der im Geiste begonnen worden war! Nimm V — ———————.————.—. .—————.———J— ö—....——.————.— —.—.. ——— 106 VII. Der Tag der Feier. du denn dankbar die Gabe hin, welche dir die Kirche am Abend bietet. Richte deine häuslichen Dinge danach ein. Laß nicht, was so oft geschieht, die Kirche vor den weltlichen Dingen und den menschlichen Rücksichten hint⸗ anstehen. Erinnere dich, daß du dem Herrn dich heute angelobt hast, und die Hausgenossen und die Verwandten und Freunde werden es verstehen, daß du heut' Abend herzlich verlangest, noch einmal in der Kirche Gottes Wort zu hören und mit der Gemeinde zu beten.— Und dann heimgekehrt und mit den Hausgenossen am Tische vereinigt— Friede sei mit euch! Wohl einem Haus, da Jesus Christ Allein das All in allem ist! Ach wenn er nicht darinnen wär', wie finster wär's, wie arm und leer!— Endlich aber ist auch dieser Tag der Feier zu Ende. Noch ist der Tag nicht gekommen, auf welchen keine Nacht mehr folgt, der Tag, dessen nimmeruntergehende Sonne Jesus Christus ist. Aber lobe den Herrn, liebe Christen⸗ seele, daß er dir einen Vorschmack jenes Tages gegeben. Es sind doch heute schon die Thränen von deinen Augen abgewischt, die Sünden getilgt, die Schmerzen gelindert, die Todesschrecken überwunden worden.— Und du darfst sprechen: Meinen Jesum laß ich nicht: Meine Seel' ist nun genesen: Selig ist das heut'ge Licht, da ich Jesu Gast gewesen: Drum ruft jetzt mein Herz und spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Wohl mir, daß mich nichts mehr drückt! Ach wie wohl ist mir geschehen! Meine Kirche danach den hint⸗ heute ndten Abend zottes Und Tische „ da m er — Noch Nacht zonne isten⸗ eben. lugen idert,‚ arfst ist Jesu richt: tichts Reine * VII. Der Tag der Feier. 107 Seel' ist ganz entzückt, Weil sie, Jesu, dich gesehen! Jesu meine Zuversicht, Dich, mein Jesu laß ich nicht! Gebet. O mein Jesu, mein ganzes Gemüt thut sich dir auf, du mein Eins und Alles! In dir tritt die Herrlichkeit Gottes mir sichtbar nahe. Durch dich rührt der heilige Geist wie lauter Liebe meine Seele an. Die Ewigkeit grüßt durch dich die Zeit meines Lebens und läßt die⸗ selbe in ihre selige Fülle eingehen. Du bist mit deinem heiligen Wandel, mit deinem sühnenden Tode, mit deiner allbelebenden Auferstehung meine wahrhaftige Speise und mein wahrhaftiger Trank. Dein Bild ruf' ich wach, wenn ich betend zu dir mich wende. Kein andrer ist im Himmel und auf Erden, der wie du den Lobgesang auf meinen Lippen weckte. Es ist ein seliger Genuß, wenn in der vollen Gemeinde das begeisterte Wort dich vor meine Seele stellt, du Wunderbarer! Aber aller Gnadenwunder Fülle giebst du mir zu genießen, wenn im gesegneten Brot und Wein ich dich hinnehme und dein Leben in meinem Leben empfinde! Ach hilf du mir selbst durch deines Geistes Einfluß, daß ich zu deinem Mahle komme mit dem heiligen Hunger und Durst der sündenbeladenen Seele und von demselben heimkehre mit der seligen Sät⸗ tigung der Seele, aus Gottes tiefem Gnadenborn! Und laß mich hinfort deine Wege gehen, dich vor mir sehen —9««— .. PFPf....—%——————PP——————————83.— ——.— SIIIiIiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieiiiiiiiiiieeeeeeeeee— I*.—.————v— V 108 VII. Der Tag der Feier und in mir haben! Dann wird alles, was mir Gutes hinieden geboten wird, Manna vom Himmel und heiliger Freudenwein. Und die Dornen und Disteln, die Wüsten und die Wogen dieses Lebens überwind' ich, weil ich dich habe, o mein Jesu, und mit dir das eine, das not ist und in dem einen alles. Amen. Gutes eiliger Büsten h dich st und VIII. Die dauernde Gemeinschaft. Es sei ferne von mir rühmen, denn allein von dem ÄUreuz unsers Herrn Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuziget ist und ich der Welt. Gal. 6, 14. 1. Mein liebes Kind, mein liebes Gotteskind,— so red' ich nach der ersten Kommunion dich noch einmal an, mein lieber Sohn, der du eben gelobt, deinen Weg als Jüngling unsträflich zu wandeln, und dich, meine liebe Tochter, die du eine kluge Jungfrau werden und die Lampe für den Herrn geschmückt halten möchtest. Die Kindheit liegt hinter dir und du wächsest in das Jugend⸗ alter hinein, in die Zeit, da wie im saftigen Frühling die Triebe des Lebens wundersam durch einander sprießen. In ihr wird dir bald zumute sein, als ob der Himmel mit all' seiner Liebe, seinem Frieden und seiner Freude sich dir ins Gemüt senkte, bald wieder, als ob du mit starken Seilen ins Selbstische, ins Irdische, ins Gemeine hinabgezogen würdest. Heute wird sich die Fülle des Herzens in lebhafter Aussprache ergießen und morgen wirst du das Geheimnis deines inneren Lebens aufs sorg⸗ fältigste verbergen. Nur nicht allein, so wirst du das /————— I————— PpPpPPI—————— ED D‚D‚D‚D‚itititititi— ve — 11⁰ VIII. Die dauernde Gemeinschaft. eine Mal ausrufen, und wirst den frohen Kreis der Jugendgenossen suchen, und dann wirst du wieder einsam die stillsten Wege gehen. Das aber pflegt unter diesem Durcheinandersprießen der Lebenstriebe der Jugend Art zu sein, daß sie Anschluß sucht, daß sie sich unter den Gestalten, die vor ihrer Seele vorübergewandelt, die herrlichste erwählt, um zu ihr immerdar aufzuschauen, ihr Lob zu singen, ihr ähnlich zu werden. O liebe jugendliche Seele, erwähle dir für immer die heilige Ge⸗ stalt, die bereits sich dir eingeprägt hat, erwähle dir für immer den, der dich zuerst erwählt hat, deinen Heiland, Jesus Christus! Er ist der einzige, der dir bieten kann, was die jugendliche Seele mit ihrem edelsten Triebe sucht, fleckenlose Vollkommenheit. Jede andere Gestalt offenbart deinem Auge, wenn sich dasselbe länger ihr zugewendet, ihre Gebrechen: in Christo wird, je länger du schauest, desto reiner die Klarheit. Er ist der Beste, ja der ein⸗ zige Gute, der völlig gethan, was er gesollt, weil er, mit der Fülle des Geistes ausgestattet, auch vollkommen in der Liebe gewesen. Er ist der Weiseste, denn die Furcht Gottes, welche der Weisheit Anfang ist, hat er durch Liebe zur kindlichen Ehrfurcht verklärt und bis ans Ende seines Wandels bewiesen, und wenn der Weisheit Triumph ist, zu dem großen vorschwebenden Zwecke das richtige Mittel gebraucht zu haben— o wunderbare Weisheit des Herrn, der zur Versöhnung der Sünder VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 111 mit Gott das Mittel, das er allein besaß, das heilige Leben, nicht sich weigerte, in den sühnenden Tod dahin⸗ zugeben! Auch der Stärkste ist er, denn er ging seinen Gang zum Ziele wie ein Held,— nicht der Haß der Feinde, nicht die Liebe der Freunde, nicht die Macht der Hölle, nicht die Verfinsterung des Himmels, nicht Seelen⸗ angst und Leibesqual, nicht Tod und Grab, nichts hielt ihn zurück, seinen Beruf auszurichten, und sterbend durfte er, des Lebens gewiß, ausrufen: es ist vollbracht! Ob⸗ wohl er höher war als alle Kreatur, er hat sich demütig auf die Wege der Niedrigkeit begeben und nie war ein Gewaltiger so sanftmütig wie er. Und nicht wie ein Held aus fernen Zeiten und Landen erscheint er— auch dir, liebe jugendliche Seele, ist er von Kind auf nahe gewesen, mit dir hat er sich im Abendmahle in neuer beseligender Weise geeinigt,— drum ist der Beste, der Weiseste, der Stärkste, der Demütigste auch für dich der „Schönste unter den Menschenkindern“, die völlige über⸗ einstimmung mit sich selbst, das einzige Urbild, das Wirk⸗ lichkeit geworden, der Wunderbare, der in der Zeit ge⸗ leistet, was Gottes Rat von Ewigkeit her beschlossen, der sprach, wie er dachte, that, wie er sprach, der in Gott lebete und der Menschen Heil auf dem Herzen trug, der für die Menschen wirkend Gott nie aus dem Herzen ver⸗ lor, das Wort, das Fleisch ward die ewige Liebe in Men⸗ schengestalt“ Es hat ein Frommer zu dem Herrn hinge⸗ 112 VIII. Die dauernde Gemeinschaft. wendet geklagt: Ach, daß ich dich so spät erkennet, du hoch⸗ gelobte Schönheit du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid und bin betrübt, Daß ich so spät geliebt!— Nun, liebe Seele, du hast ihn früh geliebt. Bleib in dieser Rebe. 2. Es wird in den Jahren, die nun kommen, an Anfechtungen nicht fehlen. Deine eigene Natur, selbstisch und weltlich, wird sich sträuben gegen die gekreuzigte Liebe, welche Selbstverleugnung und Nachfolge in den einzig heiligen Fußstapfen verlangt. Die Welt wird ihre verlockenden Klänge dich hören lassen, ihre bunten Eitel⸗ keiten vor dir ausbreiten, deinen Füßen ihre Netze stellen. Es wird der Verführer dir nahen und dir sagen, daß es nicht von Klugheit und Feinheit zeuge, wenn du nach Gottes Wort dich richtest, in der Kirche heimisch bist und deinen Jesus über alles liebst. Willst du auf die Stimme des Verführers hören? Willst du auch weggehen— von deinem Jesu, der dich geliebt hat bis in den Tod? Was giebt es Gutes, das du durch ihn nicht hättest? Dich selbst vor allem hast du durch ihn wieder gewonnen, deinen ganzen Menschen, Leib, Seel' und Geist, denn in⸗ dem der Geist Gottes in deinem Geiste Jesum verklärte, bist du ein Kind Gottes, und der Trieb deiner Seele ist heilige Liebe und der Leib selbst hofft auf seine Ver⸗ klärung und du bist also durch Christum wahrhaft zu dir selbst gekommen. Und wenn du von dir selbst hin⸗ u hoch⸗ nennet, id und Seele, n, an Abstisch euzigte nden d ihre Eitel⸗ stellen. aß es nach t und timme von Was Dich ;nnen, in in⸗ klärte, ele ist Ver⸗ ft zu hin⸗ VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 113 wegsiehst nach den Gütern des Lebens, die du haben möch⸗ test, so findest du dich vor allem von deiner Familie um⸗ geben. O wie innig bringt der Herr die Hausgenossen einander nah! Derselbe Herr, der das scharfe Wort spricht: Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert, damit nicht deine Seele auf Men⸗ schen sich stütze, die doch sterben, wie weihet und erwärmt er doch zugleich die Elternliebe, die Kinderliebe, die Ge⸗ schwisterliebel— Kein irdisches Ding ist einem Jüngling und einer Jungfrau dringender zu wünschen als reine Freund⸗ schaft. Sie kommt zustande, wenn zwei Seelen durch ge— heimnisvollen Zug zu einander gezogen werden und in der Gemeinschaft des Guten und Edlen hat sie ihre Nahrung, — aber keine Gemeinschaft im Guten und Edlen ist tiefer, reicher, dauernder als die der gemeinsame Glaube an den Heiland wirkt. Und dieser Heiland hindert nicht, die Augen hell aufzuschlagen und sie mit der Herrlichkeit Gottes in der Natur zu füllen, denn er selbst— wie hell hat er mit seinen Augen die Sterne am Himmel und die Blumen des Feldes geschaut und in dem Vergänglichen das Gleich⸗ nis des Unvergänglichen erkannt!— Ins volle Menschenleben das in der Geschichte der Völker noch immer, wenn auch längst vorübergerauscht, zu dir spricht, möchtest du die Ge⸗ danken versenken— es giebt keinen größeren Genuß für den Geist, als die Entdeckuug, daß Christus die leuchtende Sonne der Weltgeschichte ist, alles Licht vor seiner Geburt Baur, Kommunionbuch, ö 8 —e. —.—.—.— —— ᷓDRDRDRDRDRDRTRDRTDD‚TTTTTFTTTT‚T‚T‚‚I.....——.—. 11⁴ VIII. Die dauernde Gemeinschaft. Morgenrot, das Sonnenaufgang verkündet, alles Licht seit seiner Geburt Strahl aus ihm. Aber über alle dem, das den Christusgläubigen von selbst zufällt, wollen wir das eine, das not thut, nicht vergessen, ihn selbst, den du täglich brauchst zur Vergebung deiner Sünden, zum Leben und zur Seligkeit! Darum bleibe bei ihm. Und wenn dir das unheimliche Gefühl je ankommt, als wolle das Band der Gemeinschaft sich lockern— wache, bete, sprich dich aus bei Christen, die dir raten können, komm zu dem, der die Sorge für deine Seele gerne auch nach der Einsegnung und dem ersten Abendmahl fortsetzt. Ach, es ist für eine junge Seele nicht leicht, in der lauen Christenheit warmen Glauben zu bewahren. Aber dem Aufrichtigen läßt es Gott gelingen. Einst war auch eine Zeit, da war der Name des Herrn selbst unter denen, die seinen Namen trugen, fast verklungen und was er für uns gethan, ver⸗ gessen. Da rührte der Geist Gottes die Seele eines Jüng⸗ lings an, daß die innigsten Jesuslieder aus derselben er⸗ klangen. O daß du mit der Innigkeit, die aus diesen Lie⸗ dern spricht, bei deinem Heiland bliebst: Wenn alle untreu werden, So bleib ich dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sei! Für mich umfing dich Lei⸗ den, Vergingst für mich in Schmerz, Drum geb' ich dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz! 3. Auf ewig soll das Herz dem gehören, dessen Herz für uns im Tode gebrochen ist,— nicht bloß in einer — FH‚‚‚‚ icht seit das den 8 eine, täglich n und in dir Band ich dich m, der egnung ir eine armen ißt es der Namen „ver⸗ Jüng⸗ en er⸗ n Lie⸗ untreu it auf h Lei⸗ ich dir Herz einer VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 11⁵ schönen Stunde jugendlichen Aufschwungs. Darum, o lieber Christ, der du bei ihm zu Gaste gewesen, nicht du allein der du zum erstenmal, sondern auch du, der du oft schon das Abendmahl empfangen, denkst du auch daran, daß der Segen des Abendmahls zur völligen Übergabe deines Her⸗ zens an deinen Heiland in dir fortwirken soll? Das ist ein Punkt, an welchem unser Christenleben schwer krankt! Willst du immer wieder das Abendmahl genießen, ohne daß dein Herz freier wird von dem Eiteln, treuer zum ewigen Gute hingewendet? Soll das Abendmahl nichts anderes sein als eine kurze geistliche Unterbrechung deines sonst un⸗ geistlich geführten Lebens? Sollte nicht vielmehr von der heiligen Feier eine Weihe sich deinem ganzen Leben mit⸗ teilen? Sollte das Abendmahl, im Glauben genossen, nicht auch des Glaubens Kraft zur Überwindung der Welt bewähren? Der Apostel Paulus, dem freilich die Welt längst gekreuzigt war und er der Welt, sagt einfach und fest: Ihr könnt nicht zugleich trinken des Herrn Kelch und der Teufel Kelch; ihr könnt nicht zugleich teilhaftig sein des Herrn Tisches und der Teu⸗ fel Tisches(1 Kor. 10, 21). Ist damit nicht ausge⸗ sprochen, daß der Christ, der in die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi eingeht, aus der Gemeinschaft der Welt, die Christum gekreuzigt hat, ausgehn soll? Und in der That, o Christenseele, eine klarere Pflicht giebt es für dich nicht, als daß du, da dich Christus aus der sündigen Welt 8* 116 VIII. Die dauernde Gemeinschaft. in sein auserwähltes Volk versetzt hat, mit der Welt brichst und Christo anhängst. Das hat der Herr gemeint, als er sprach: Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte ein⸗ geht(Luk. 13, 24); Johannes, da er schrieb: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters (1 Joh. 2, 15); Paulus, da er ermahnte: Stellet euch nicht dieser Welt gleich(Röm. 12, 2); Jakobus, da er versicherte: Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein(Jak. 4, 4). Woher kommt's denn, daß man Weltsinn nicht bloß findet bei den offenbaren Welt⸗ kindern, sondern auch bei den Christen, also nicht bloß bei denen, welche den Tisch des Herrn meiden, sondern auch bei denen, die am Abendmahl teilnehmen? Woher kommt's, daß die Christen so weltförmig sind? Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen?(Matth. 5, 13.)— Du berufst dich vielleicht, um dein weltförmiges Christen⸗ tum zu entschuldigen, auf den Herrn selbst, der in seiner Leutseligkeit mit allen Menschen umging, und auf den Apostel Paulus, der den Christen sagt: alles ist euer? Es ist wahr: der Herr hat nicht, wie Johannes der Täufer, mit Vorliebe die Wüste aufgesucht, sondern die Wohnungen der Menschen, und seine Jünger ließ er nicht fasten, wie sein Vorläufer that, sondern sich freuen, weil der Bräu⸗ tigam da war. Aber darfst du denn dein Leben in der Welt und mit der Welt mit dem sündlosen Wandel lt brichst „als er orte ein⸗ ibt nicht iand die Vaters let euch „ da er er wird nn, daß n Welt⸗ bloß bei auch bei ommt's, 18 Salz 13.)— Christen⸗ n seiner auf den er? Es Täufer, hnungen ßen, wie r Bräu⸗ in der Wandel VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 11⁷ Jesu durch die Welt vergleichen? Wohin er ging, da brachte er in der Menschen Sünde heiligende Kraft mit und nirgends ließ er durch die Sünde in seiner Heiligkeit sich schwächen. Dein Weilen in der Welt aber, ist es immer ein Durchsalzen des unschmackhaften Weltlebens mit dem Salze deines frommen Worts, deines Wandels in der Liebe, deiner ernsten Persönlichkeit? Ach, kommst du nicht oftmals aus der Welt heim und hast in der ungesalzenen Welt von deinem Salze verloren? Und wahr ist's, der Apostel hat es gewagt, den Gläubigen an Christum, die mit Gott in unzertrennlicher Gemeinschaft stehen, eben darum, weil Gott ihr Teil ist, zu sagen: alles ist euer, aber er hat auch hinzugefügt: ihr aber seid Christi. Chri⸗ stus aber ist Gottes(1 Kor. 3, 22. 23). Nun hüte dich, daß du nicht die Freiheit des Christen zum Deckel der Bosheit machst und meinst als freier Christ alles, was die Welt bietet, ohne Schaden genießen zu können. Du kannst nicht Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Ge⸗ müte und allen Kräften gehören und dabei der Augenlust, der Fleischeslust und dem hoffärtigen Wesen fröhnen. Du kannst nicht die heiligen Fußspuren Jesu verfolgen und da⸗ bei in solche Gesellschaften, Festlichkeiten und Genüsse eintreten, wohin der Herr nimmermehr gegangen wäre, es sei denn mit dem Klagerufe: Ach, wenn ihr doch wüßtet, was zu eurem Frieden dient! Du kannst nicht die Früchte des Geistes reifen lassen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, 11⁸ VIII. Die dauernde Gemeinschaft. Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit, und zugleich die Werke des Fleisches vollbringen(Gal. 5, 19— 22). Du kannst nicht das Himmelreich mit Gewalt an dich reißen in Buße, Glauben, Heiligung und zugleich mit aller Macht die Herrlichkeit der Erde genießen. Du kannst deinem Leben nicht das Siegel der Ewigkeit auf⸗ drücken und zugleich in den Tag hineinleben„wie das Ge⸗ schlecht vor der Sündflut. Die Liebe, die sich ganz für dich gegeben, ist nicht geneigt, mit der Hälfte oder irgend einem Teile deines Wesens fürlieb zu nehmen. Sie fürchtete sonst dich ganz zu verlieren. Ach, laß das laue Christen⸗ tum, es könnte leicht ganz erkalten. Die Probe ist leicht anzustellen. Du fühlst dich unwohl, heute gehst du darum nicht zur Kirche— aber würde dasselbe Unwohlsein dich von einer weltlichen Freude zurückhalten? Es macht zu der Stunde, da der Diener am Worte ein geistliches Mahl für dich bereit hält, Wind und Wetter das Ausgehen un⸗ behaglich, du sagst dir, daheim könnest du auch deine An⸗ dacht halten— wenn aber ein anderes Gastmahl auf dich wartet, so trotzest du mutig dem Wind und dem Wetter, oder lässest die Pserde dich hinführen, damit du ja nicht fehlst. Du gehst aus Rücksicht auf Menschen und ach, oft so weltliche Menschen, die von den Bedürfnissen deiner Seele keine Ahnung haben, geschweige Befriedigung für die⸗ selbe, dahin und dorthin, mit innerem Widerstreben und die Rücksicht auf Gottes Einlaͤdung, auf die Gemeinschaft S RSSSRHSIIISPP‚IAxxxN — uschheit, Gal. 5, Gewalt zugleich . Du it auf⸗ as Ge⸗ ür dich einem ürchtete risten⸗ t leicht darum n dich cht zu Mahl n un⸗ e An⸗ if dich Zetter, nicht 5„oft deiner r die⸗ t und ischaft VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 119 mit den Gläubigen, auf dich selbst ist nicht stark genug, dahin zu gehen, wo dir doch allemal wieder wohl ist, herz⸗ lich wohl im Frieden Gottes! Wie leicht und reich spen⸗ dest du Geld und Gut für die Eitelkeit der Welt und wie sorgfältig missest du die Gabe zu, welche für das Reich Gottes bestimmt ist! Daß Christen ein anderes Wesen haben sollen als die Welt, wie gut wissen das die Welt⸗ kinder! Du aber willst nicht verstehen, daß die Welt ein anderes Wesen hat als die Christenseele? Es kann dir nicht Punkt für Punkt aufgezählt werden„ was du lassen mußt, um ein Christ zu sein. Die Erkenntnis muß von innen herauswachsen aus der Hingabe des Herzens an den Herrn. Aber ein Ausgehen aus der Welt, ein Fortschritt im Reiche Gottes, ein sicheres Kommen ans Ziel muß doch sein, was wäre sonst dein Christentum? Ringe recht, wenn Gottes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich ganz entlade Von der Last, die dich beschwert. Ringe, daß dein Eifer glühe, Daß die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe— Halbe Liebe hält nicht Stich! 4. Du bist zum Abendmahl gegangen, damit hast du dich als Glied des Leibes, daran Christus das Haupt ist und alle Christen Glieder sind, aufs bestimmteste erklärt und die Gemeinschaft mit der Welt gebrochen. Was du in der heiligen Stunde der Feier gethan, das bewähre in deinem Leben. Du trittst vom Altar, wie laut du an ihm den Ruf zum Himmel gehört haben magst, in deinen irdis chen 12⁰0 VIII. Die dauernde Gemeinschaft. Beruf zurück. Erfüll' ihn hinfort als Christenmensch, der auf Erden wandelnd sich der Bürgerschaft im Himmel be— wußt ist. Thue deine Arbeit ehrlich und treu. Siehe sie an, wie unscheinschar sie sein möge, als einen Dienst der Gottesliebe und Bruderliebe. Damit die Arbeit nicht bloßes Tagewerk um den Lohn des täglichen Brotes sei, so arbeite und schaffe mit deinen Händen etwas Gutes, da⸗ mit du habest, zu geben den Dürftigen. Und nicht bloß eine Gabe aus dem Gottessegen des irdischen Gutes spende dem Dürftigen. Dich selbst mit deiner freien Zeit, mit deinem verständigen Rat, mit deiner eindringlichen Für⸗ sprache, mit deiner kräftigen Hilfe biete dem Nächsten zum Dienst. Die Gottes⸗ und Bruderliebe giebt dem irdischen Beruf den Glanz himmlischer Verklärung und der Arbeit Begeisterung und Ausdauer. Neben dem irdischen Beruf sei des himmlischen stets eingedenk. Leide geduldig, wenn Gott dir Leiden auflegt. Laß die Rede nicht auf— kommen: warum mir das? womit hab' ich das verdient? Siehe zum Kreuz! Wenn der Unschuldige also gelitten hat für dich, damit dein Leiden nicht ewig sei, warum willst du das zeitliche Leiden nicht tragen, der du doch Sündenschuld auf dir hast? Und wenn es Gott für nötig hält, damit du die Frucht des Leidens Christi genießest, deinen Glauben im Feuer der Trübsal zu läutern, warum solltest du nicht gerne dich läutern lassen?— Bete fleißig. Alle Schüch⸗ ternheit des Gebetes treibe durch den Jesusnamen aus, in ——.—9—————— sch, der mel be⸗ iehe sie nst der t nicht sei, so 8, da⸗ ht bloß spende it, mit n Für⸗ en zum rdischen Arbeit Beruf uldig, ht auf⸗ erdient? tten hat villst du enschuld „damit Hlauben du nicht Schüch⸗ aus, in VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 121 welchem du einen freien Zugang zum Vater hast. Halte dein inneres Leben für den Einfluß des Geistes von oben immerdar offen, durch jenes Gebet ohn' Unterlaß, das da ist ein beständiges Aufatmen in der Gnade Gottes als in der Luft des wahrhaftigen Lebens. Aber laß dein Gebet nicht im unaussprechlichen Seufzen des Geistes verharren, sondern sprich klare einfältige Kindesworte zu dem Vater im Himmel— nicht bloß Flehen um zeitliches Gut, son⸗ dern um das Ewige, nicht bloß Bitte um Zuwendung von Gaben, sondern auch Dank für empfangene Gaben, und nicht bloß Dank, der sich an ein einzelnes knüpft, sondern versenkt in die Herrlichkeit Gottes laß Geist und Stimme in lautem, vollem Lobe oftmals ausbrechen!— Wache, damit du betest. Denk' an Petrus, der am Abend für Christus sterben wollte, in der Nacht seines Herrn Todes⸗ angst verschlief und am Morgen den, welchen er nimmer verlassen wollte, und wenn sie auch alle von ihm ließen, verleugnete. Wache, damit nicht von innen oder von außen die Versuchung wie ein starker Gewappneter über dich komme.— Und damit du wackere Augen habest, das Schädliche von dir abzuhalten, prüfe dich selbst. Immer wieder, wie du vor dem Abendmahl gethan, alle Tage, die dir Gott giebt, leg' an dein Leben den Maßstab des Gottes⸗ willens, der heiligen Liebe, der Vollkommenheit Jesu Christi. Und zur Selbstprüfung suche dich zu sammeln. Verliere nicht in dem, was du thust, und was du erlebst, dich selbst. 12² VIII Die dauernde Gemeinschaft. Und zur Sammlung geh' in die Einsamkeit. Ach, laß dich von dem unruhigen Zeitalter, in welchem du lebst, nicht in die Gefahr bringen, mit deinen Gedanken, mit deinem innersten Leben, mit deinem Gott nie allein zu sein. Hat dein Heiland, wenn ein neues in seinem Leben begann, die Einsamkeit gesucht, um vor Gottes Angesicht seines Berufs aufs neue gewiß zu werden, hat er sich aus dem Getümmel des Volks, um weder durch Haß noch durch Liebe den kla— ren Blick sich trüben zu lassen, auf die Bergeshöhe begeben, wieviel mehr bedarfst du der Einsamkeit, um in Gottes Auge dein Auge zu senken, damit es seine klare Kindesein⸗ falt bewahre.— Aber keine selbstische Einsamkeit sollst du suchen. Die Gemeins chaft, ohne welche das Christenleben gestaltlos ist, sollst du mit aller Wärme pflegen. Laß denn deine Hausgenossenschaft zur Hausgemeinde werden. Nachdem du wieder an des Herrn Tisch Gnade gefunden, warte nicht länger an deinem Familientisch mit der Einführung des Tischgebets, der Morgen⸗ und Abendandacht. Und die Gemeinschaft des Altares setze fort in der Gemeinschaft des Wortes, des Gebets, des Gesangs, der brüderlichen und schwesterlichen Liebe im öffentlichen Gottesdienste. Der Woche fehlt ihre Krone ohne den Sonntag, dem Sonn⸗ tag die Perle ohne den frommen Kirchgang! Mit dem⸗ selben gewissenhaften Eifer, mit welchem du an den Werk⸗ tagen um das tägliche Brot für die Deinen dich bemühst, sollst du am Sonntag alle Hindernisse wegräumen, damit 9, laß nicht einem Hat ü, die erufs mmel t kla⸗ jeben, ottes Sein⸗ st du leben denn dem nicht des Und haft chen ste. nn⸗ em⸗ erk⸗ hst, mit VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 123 die Deinen alle zum Hause Gottes gehen können. Und wenn der Glaube alles natürliche Leben zu weihen die Kraft hat, so muß durch denselben auch der Trieb zur Geselligkeit unter die Zucht des heiligen Geistes gestellt werden. Laß in keine Geselligkeit dich ein, in welche du deinen Heiland nicht mitnehmen könntest. Wo aber Zusam⸗ menkünfte im Namen Jesu Christi stattfinden, zum Hören des Wortes, zum gemeinsamen Gebet, zur christlichen Ar⸗ beit, da mache dich heimisch. Endlich aber mache dich heimisch in der himmlischen Gemeinde, in wel⸗ cher kein Sündiges sein darf, in welcher die heilige Liebe alles durchwaltet. Nicht erst dann, wenn dein Leiden unerträglich scheint, wenn die Welt mit ihren Haß dich bedrängt, mache dich heimisch in der vollendeten Ge⸗ meinde. Nein, dein Herz schicke jetzt schon und gerade mitten im Glückssonnenschein in die Herrlichkeit, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist. So sei die Feier des Abendmahls hinnieden nicht bloß ein Vorschmack, sondern auch eine Bürgschaft des großen Abendmahls, das in des Vaters Hause soll gehalten werden.— Kommt, laßt uns munter wandern, Der Weg kürzt immer ab; Ein Tag, der folgt dem andern, Bald sinkt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Mut, Nur noch ein wenig treuer, Vor allen Dingen freier, Ge⸗ wandt zum ew'gen Gut!— Es wird nicht lang mehr währen! Halt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang 12⁴ VIII. Die dauernde Gemeinschaft. mehr währen: So kommen wir nach Haus. Da wird man ewig ruhn, wenn wir mit allen Frommen Daheim zum Vater kommen, Wie wohl, wie wohl wird's thun!— Drauf wollen wir's denn wagen, Es ist wohl wagenswert, Und gründlich dem absagen, Das aufhält und beschwert, Welt, du bist uns zu klein! Wir gehen durch Jesu Leiden hin in die Ewigkeiten: Es soll nur Jesus sein! Gebet. Herr Jesu Christe, das ist's um was ich dich nach der seligen Gemeinschaft mit dir in dem heiligen Mahle flehent⸗ lich bitte, daß die Gemeinschaft bleibe. Ich kann sie nicht bewahren, wenn du sie nicht bewahrest. Es muß ja alles durch deine Gnade und durch deinen Geist geschehen. Du bist zu mir vom Himmel gekommen, nicht ich von der Erde zu dir, bleibe bei mir alle Tage, bis ich gar mit dir ver⸗ einigt werde. Du hast mich erwählet, nicht ich dich,— ach, laß es dir immer wieder gefallen, meiner armen Seele dich anzunehmen. Du willst zur Rechten des Vaters er⸗ höhet, o gekreuzigte Liebe, alle zu dir ziehen, ach, gieb auch mir täglich den Zug deines heiligen und herzlichen Erbar— mens zu spüren. Es ist ja doch kein andrer, der gut wäre, wie du, o du heilige Güte und hochgelobte Schönheit, und du hast mein Herz dir gewonnen. Ach, bewahre es, damit Sünde, Welt, Tod und Teufel nichts mehr über mich ver⸗ mögen. Laß mich Ernst brauchen, was dahinten ist, zu ird man m zum Drauf t, Und „Welt, hin in ach der flehent⸗ ie nicht a alles Du r Erde ir ver⸗ ch,— Seele rs er⸗ b auch Erbar⸗ wäre, t, und damit h ver⸗ st, zu VIII. Die dauernde Gemeinschaft. 12⁵ vergessen und nach dem himmlischen Kleinod mich auszustrecken. Laß dein bittres Leiden und Sterben, deine Auferstehung und Himmelfahrt, deine Geistesausgießung und Fürbitte nicht vergeblich sein. Schenke mir Buße, die das alte We⸗ sen ausfegt, Glauben, der dich ergreift, Liebe, die fromm lebt. Hilf mir, daß ich einst in der himmlischen Heimat die Wunderwege, die du mich geführt, preisen möge. Amen. *+..„...-n-::... LX. Gebete. 1. Um Selbsterkenntnis. Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege, denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wissest. Du bist ein Herzenskündiger, o Gott, und vor deinen Augen ist alles, auch mein Herz und Leben bloß und entdeckt. So lehre doch auch mich, daß ich mich selbst erkenne, und offenbare mir, wie es mit mir steht. Herr, behüte mich vor Selbstgerechtigkeit und thö⸗ richtem Selbstbetruge und falschem Trost. Gieb du mir rechte Augensalbe und lehre mich erkennen die geheimen Sünden meines Herzens und die verkehrten Neigungen meiner Seele. Stelle mir vor die Seele die vergangenen Zeiten und die Wege, die ich gewandelt und laß mich im Licht deines Wortes erkennen, was mir fehlt und wie viel⸗ fältig ich von dir und deinem heiligen Willen abgewichen rschest weißt gehe Wege, 8 du, diger, Herz mich, t mir thö⸗ mir imen ngen ʒenen im viel⸗ ichen IX. Gebete 12² bin. Ach, Herr, nimm hinweg die Decke von meinen Augen und alle falschen Stützen, daß ich in tiefem Leide meine Ohnmacht und Hilfsbedürftigkeit erkenne und nach deiner Hilfe in Christo ein sehnlich Verlangen trage. Mein Gott und Herr, also führe mich durch deinen Geist zur demütigen Erkenntnis meiner Sünden und meiner tiefen Not, aber leite mich auch durch dies Thal der tiefen Erniedrigung hin⸗ durch zur lichten Höhe deiner Gnade und gieb, daß ich im wahren Glauben dein ewig Erbarmen ergreifen und Leben und Seligkeit erlangen möge durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn. Amen. 6. Chr. Dieffenbach. 2. Um Buße. Lieber Herr, gieb uns deinen heiligen Geist, der täglich und immerdar in uns wirke eine stete, christliche Buße und uns darin beständig erhalte, daß wir als bußfertige Christen allezeit erfunden werden zu wahrer Erkenntnis, Reu' und Leid unsfrer Sünden; aber dennoch stets verharren in starkem Glauben der Vergebung der Sün⸗ den und in beständigem Vorsatz und Anfang, unser Leben zu bessern durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Joh. Eich horn. 3. Buße. Ach, lieber Vater, höre mich armen Sün⸗ der, erhöre mein Geschrei, das ich jetzt mit Thränen zu dir erhebe; ich will mein Herz vor dir ausschütten und dir be⸗ kennen, wie ich so schwer gesündigt und dich, mein Schöpfer, 12⁸ IX. Gebete. so oft und sehr erzürnet habe. Ich bin durch deine Gnade ein wenig zu mir selbst gekommen und habe mein sündliches Leben erforscht und finde nichts bei mir, wenn ich die Wahr⸗ heit sagen will, als ein verfinstertes Herz voller Sünden, ein Gewissen, das die Anklage großer Missethaten beschweret. Ich weiß kein Laster, damit ich mich nicht auch be⸗ flecket finde, als mit Zorn, Hoffart, Unbeständigkeit, Un⸗ sauberkeit des Mundes, Lästerungen und Schmähungen, Ungehorsam, ärgerlichen und bösen Sitten, Übermut, Be— trug, Halsstarrigkeit, Nachlässigkeit im Guten; ich bin von Jugend auf nicht recht geneigt gewesen zu Einigkeit und Frieden; ich habe meinem Nächsten nicht gern und willig gedienet; ich bin fertig gewesen mit meiner Zunge zu reden wozu ich wenig Grund gehabt habe, und geschickt meinen Nächsten zu übervorteilen, freventlich zu richten; zänkisch, spöttisch, undankbar, lügenhaft; und daß ich's gar heraus⸗ sage, so finde ich mich, lieber Gott, aller Sünden schuldig und deswegen würdig der ewigen Verdammnis. Aber Herr, du sagest, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er Buße thue, sich bessere und lebe, du sprichst, daß dir auch kein Opfer besser gefalle als ein zerknirschtes Herz. So nimm nun an, o Herr, mein ar⸗ mes, betrübtes und zerschlagenes Gewissen; erbarme dich über mich armen Sünder um deines lieben Sohnes willen und wirf alle meine Sünden in die Tiefe des Meeres, auf daß derselben in deinem strengen Gerichte nicht mehr Gnade idliches Wahr⸗ en, ein eret. ich be⸗ „Un⸗ ungen, „Be⸗ in von it und willig reden neinen inkisch, eraus⸗ huldig d des lebe, 8 ein n ar⸗ dich willen eeres, mehr IX. Gebete. 129 gedacht werde, und gieb mir Gnade, daß ich mich hinfort davor hüten möge und nach deinem Willen lebe. Amen. Geruhard o Clairvaur 4. Buße. Herr, ich will gegen mich selbst bekennen, meine Ungerechtigkeit: dir, o Herr, will ich bekennen meine Schwachheit. Oft wirft mich eine kleine Veranlassung da⸗ nieder und betrübet mich. Ich nehme mir vor, tapfer zu streiten, aber wenn auch nur eine erträgliche Versuchung über mich kommt, so bin ich alsdann in großer Not. Aus dem Geringfügigsten erwächst mir oft schwere Anfechtung. Und wenn ich mich nur einigermaßen sicher glaube, während ich die Anfechtung nicht fühle, so finde ich mich bald darauf gänzlich, selbst von schwachen Angriffen überwunden. ö Blicke, o Herr, auf meine Niedrigkeit und auf die Gebrechlichkeit, die dir bekannt ist. Erbarme dich mein und reiße mich aus dem Sündenschlamm, damit ich nicht gar darin untergehe und ewiglich darin verharre. Das ist es, was mich peinigt und bestürzt macht, wenn ich vor dein Angesicht trete, daß ich so leicht wandle und so schwach bin, meinen Leidenschaften zu widerstehen. Denn ob ich wohl nicht immer in dieselben willige, so ist's mir doch eine schwere Last, daß ich so von ihnen angesteckt bin, und es verdrießt mich immer, so im Streit zu leben. Siehe, so groß ist meine Schwäche, daß die bösen und eiteln Ge⸗ danken wohl leichtlich in mich eingehen, aber—— sich Baur, Kommunionbuch. 130 IX. Gebete. vertreiben lassen. O schaue doch, du starker Gott Israel, du eifriger Liebhaber der gläubigen Seele, schaue doch an die Mühe und den Schmerz deines Kindes und stehe mir bei in allen meinem Vornehmen. Stärke mich mit Kraft aus der Höhe, damit nicht der alte Mensch, das elende Fleisch, das dem Geist noch nicht völlig unterworfen ist, die Oberhand gewinne und behalte. Stehe mir bei im Kampfe dagegen, der mir, so lange ich in diesem elenden Leben atme, beständig obliegt, daß ich dereinst ans Ziel gelange, und die Krone erringe, die du den treuen Streitern aufbehalten hast. Thomas v. Kempis. 5. Buße. O großer, unermeßlicher Herr und Gott, ich komme vor dein heiliges Angesicht, ob ich's wohl nicht würdig bin, und bitte dich, du wollest mich selber bekehren und überzeugen, wie treulos ich an deiner Gnade geworden, denn ich liege in Schlamm und Sünden und bin gleich dem verlornen Sohn, der sein väterliches Erbe verprasset hat. Ich nehme aber dennoch in meiner Not Zuflucht zu dir und leugne nicht, daß ich vor dir gesündigt habe und dadurch tot und blind geworden bin am Reiche Gottes. Und was soll ich vor dir sagen, du Richter alles Fleisches? Hier stehe ich vor dir nackt und bloß und weiß von nichts als von deiner unergründlichen Barmherzigkeit, die sich in dem Tod deines Sohnes geoffenbart hat. In demselben Leiden und Sterben Jesu Christi wollest du dich meiner Israel, doch an ehe mir it Kraft elende ist, die Kampfe 'n atme, ze, und behalten empis. d Gott, hl nicht bekehren worden, n gleich rprasset lucht zu be und Gottes. eisches? i nichts sich in mselben meiner IX. Gebete. 131 erbarmen und meine Seele von den schweren Sündenbanden erlösen und befreien. Nimm mich auf in deine unergründ⸗ liche Barmherzigkeit, darein du alle bußfertige Sünder ein⸗ gelassen hast und erlöse mich aus der Hölle, errette mich vom Tode und insonderheit von meinem eigenen Willen, der mich von dir getrennt hat. Ich kann mich selbst weder bekehren noch bessern, darum hilf du mir, meine Sünden durch deine Kraft überwinden und ziehe mich zu deinem Sohne, der sich selbst für mich gegeben hat, auf daß ich von den Stricken des Feindes erlöset werde, und dein Heil in Christo erfahre. Ach, erwecke mich selber aus meinem Tod zum wahren, neuen Leben und wende mein Herz, Mut und Sinn ganz zu dir, daß ich diesen Augenblick die Eitelkeit verlasse und mich bekehre, damit ich lebe. Er⸗ leuchte mich selbst zu einem neuen Leben, das in Christo ist, und schenke meiner armen hungrigen Seele deine ver⸗ borgene Kraft, die da mit ihrer heilsamen Gnade alle Menschen züchtiget, daß ich von dir gesättiget, getröstet, gereinigt und selig gemacht werde. Durch dein Blut und Tod hilf mir, lieber Herr Gott. Darein ergeb ich mich zu meiner Erlösung; ja, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Amen. Gottfried Arnold. 6. Vor dem Gange zur Beichte. Ich armer sündiger Mensch bekenne und klage dir, meinem lieben Gott, daß ich in Sünden empfangen und geboren, also 9* 132 IX. Gebete. daß in mir von Natur nichts Gutes, sondern eitel Sünde wohnt und daß dieselbe angeborne Sünde mich leider oft zu Falle bringt in wirklichen Sünden mit Gedanken, Worten und Werken. Ich erkenne und bekenne auch, daß ich den bösen Lüsten meines Fleisches nicht mit allem Fleiß widerstrebe, sondern leider oft die Sünde in mir herrschen lasse und dadurch den heiligen Geist betrübe; ja, wenn ich gleich einen guten Vorsatz habe, so hanget mir doch das Böse an, daß ich zum Guten unwillig, kalt, träge und ver⸗ drossen bin, zum Bösen aber leider allzu willig. Der Glaube ist schwach, die Liebe ist kalt. Ich erkenne auch und weiß, daß derselben meiner Sünden Sold ist Gottes Zorn und der ewige Tod, deshalb gereuen mich meine Sünden und sind mir leid. Aber dennoch muß ich dir klagen, daß ich dieselben, wenn ich sie gleich erkannt, mir nicht lasse so leid sein, wie du es, lieber Gott, von mir haben willst. Weil aber Jesus Christus in die Welt ge⸗ kommen ist, die Sünder selig zu machen und du, mein frommer, treuer Gott, sprichst: So wahr ich lebe, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er sich bekehre und lebe; so kehre und wende ich mich in wahrer Buße durch rechten Glauben zu meinem lieben Mittler und Er⸗ löser Jesu Christo und in ihm zu dir und bitte dich, mein himmlicher Vater, du wollest mir aus Gnaden um des⸗ selben, deines Sohnes willen, alle meine Sünde vergeben und wollest durch deinen heiligen Geist wahre Buße, rechten Sünde der oft danken, 5„F daß t Fleiß rrschen nn ich ch das id ver⸗ Der e auch Gottes meine ch dir „ mir n mir It ge⸗ mein h will hekehre Buße d Er⸗ mein t des⸗ rgeben echten IX. Gebete 133 Glauben und beständige Besserung des Lebens in mir an⸗ zünden, stärken, mehren und erhalten. Amen. Martin Chemnitz. 7. Bei der Beichte; allgemeine Beichte. Ich armer sündiger Mensch bekenne vor Gott, meinem Schöpfer und Erlöser, daß ich viel gesündigt habe, nicht allein mit Gedanken, Worten und Werken, sondern daß ich auch in Sünden empfangen und geboren bin. Ich habe aber Zu⸗ flucht zu Gottes grundloser Barmherzigkeit, suche und be⸗ gehre Gnade um des Herrn Jesu Christi willen: Herr, sei gnädig mir armen Sünder! Ich will mit Gottes Hilfe mein Leben gern bessern. Amen. Hessischer Katechismus 8. Bei der Privatbeichte. Würdiger, lieber Herr, ich bekenne vor Gott und euch, daß ich ein armer Sünder bin. Denn ich habe gesündigt wider Gott und meinen Nächsten, bin auch sonst in allen Geboten Gottes sträflich. Das ist mir nun von Herzen leid, aber ich bitte um Gnade um Jesu Christi willen; ich will mich auch bessern und mit der Hilfe Gottes frömmer werden. Hessischer Katechismus 9. Nach der Beichte. Psalm 103, 1—5. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen hei⸗ ö 134 IX. Gebete. ligen Namen; lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünde vergiebt und heilet alle deine Gebrechen. Der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. Amen. 10. Nach der Beichte. Ich danke dir von ganzem Herzen, o du väterliches Herz meines Gottes, daß du dich über mich armen Sünder so treulich erbarmet hast. Ich danke dir mit demütigem Herzen, o du brüderliches Herz meines Herrn Jesu Christi, daß du mich deinem lieben Vater durch dein eigen Blut versöhnet hast. Ich danke dir mit fröhlichem Herzen, o du trostreiches Herz des himmlischen Trösters, des heiligen Geistes, daß du in mir Erkenntnis meiner Sünden, Reu' und Leid und einen starken Glauben gewirket hast. Was soll ich dir dafür geben, o großer Vater? Was soll ich dir dafür schenken, o starker Heiland?ꝰ Was soll ich dir dafür darbieten, o mächtiger Tröster? Ich habe nichts, ich weiß nichts, ich besitze nichts, ich kann nichts von mir selbst. Was du gegeben hast und noch geben wirst, das soll dir von mir wiedergegeben werden. O wie freudig ist mir jetzt mein Herz, o wie fröhlich ist nun mein Gewissen! Du hast mich wieder neu geschaffen. Du hast mich von aller Befleckung lauter und rein ge⸗— vergiß deine r dein Gnade ht und anzem u dich Ich Herz lieben danke z des n mir tarken Was 8 soll habe nichts geben O wie nun affen. uge⸗ XI. Gebete. 135⁵ waschen, also, daß nun, weil ich in meinem Herrn Christo bin, nichts Verdammliches an mir ist. Darum will ich nun mit Freuden wieder heimgehen und die Zeit erwarten, bis du mich vollends zum Pfand und Versicherung meiner Seligkeit mit deinem Fleisch und Blut speisen und tränken wirst. Unterdessen thu meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündigt. Amen. Sebastian Göbel 11. Am Morgen des Kommuniontages. Abba, lieber Vater, wie herzlich liebst du mich, daß du mich nach zurückgelegter Nacht, da ich unter deinen Flügeln in deinen Armen sanft geschlafen, so gesund an diesem Morgen wie⸗ der auferwecket hast. Dort mußte den Elias ein Engel wecken, der zu ihm sprach: Stehe auf und iß! und als Elias erwachte, sah er zu seinem Haupte ein geröstet Brot und eine Kanne mit Wasser. O seliger Morgen, da nicht ein Engel, sondern du, mein hochgelobter Gott, du mein barmherziger Vater selbst erscheinst und mir an diesem Morgen zurufst: Stehe auf und iß! Und da sich meine Seele ermuntert, so sieht sie bereits im Geist das Brot des Lebens und den Kelch voll des stärkenden Weines: deinen Leib, mein Jesu, dein Blut, mein Jesu, mit welchem du mich heute sättigen und tränken willst. O demnach auf, auf meine Seele! lege ab alle Werke der Finsternis. Die Nacht ist vergangen, ziehe an das 136 IX. Gebete. Kleid der Unschuld und Gerechtigkeit Jesu Christi durch den wahren Glauben, damit du bei dieser Mahlzeit deinem Bräutigam herzlich wohlgefallen mögest. Hört Zachäus aus deinem Munde, o süßester Jesu, die selige Stimme: Steig' eilend hernieder, ich muß heut' in deinem Haus ein⸗ kehren, so steigt er eilend hernieder und nimmt dich mit Freuden ein. Ach, dies ist auch die Stimme meines Freundes, meines Jesu, die ich an diesem Morgen höre: Stehe eilend auf, ich muß heute bei dir einkehren. Ach, Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe! Deine heiligen Augen, die den Abgrund des Herzens erforschen, wissen, wie meine Seele sich freut, daß heut' mein Herz dein Himmel werden soll. Allein eines quält mich, daß du, Herr des Himmels und der Erden, eine böse Wohnung und eine Sünden⸗ höhle, in welcher nichts Gutes wohnet, antreffen wirst. Darum falle ich an diesem Morgen mit Petro nieder, will zwar nicht, daß du solltest von mir hinausgehn oder von meinem Herzen zurückbleiben, sondern klage nur: Herr, ich bin ein sündiger Mensch. Doch was war Zachäi Haus für ein Tempel? Eine Zöllner⸗ und Sünderhütte, ein Aufenthalt der gröbsten Sünder und doch weil sie Jesum willig annahm, wird der Segen über sie gesprochen: heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn des Men-⸗ schen Sohn ist kommen zu suchen und selig zu machen, das verloren ist! Auf diese deine Gnade verlasse ich mich durch heinem achäus mme: 8 ein⸗ h mit neines höre: Ach, lieb rzens heut imels nden⸗ wirst. ieder, oder nur: zachäi ütte, lsie chen: Men⸗ das mich IX. Gebete. 137 auch, mein gnädiger Heiland, und hoffe, du wirst gleich⸗ falls über meine sündige Höhle ausrufen: heute wider⸗ fährt diesem Hause Heil! Ach Herr, sprich dies Wort, so werde ich gesund, so werde ich dein Abendwahl würdig empfahen. Ach Jesu, das geschehe um aller deiner Marter und Qual willen, die du auch meiner Seligkeit zugut erduldet hast. Amen! Amen! Goltfried Arnold. 12. Vor dem Abendmahl. Herr Jesu Christe, der du mit deinem heiligen Mund selber sagest: wer hungrig und durstig sei, der solle zu dir kommen, du wollest ihn speisen und tränken, daß ihn nimmermehr hungern noch dursten soll; ach Herr, hier kommt zu dir eine arme Seele hungrig und durstig nach deiner Speise und dem Trank der ewigen Gerechtigkeit und Seligkeit. O du Brot des Lebens, speise mich armen Hungrigen mit deinem wahren Leib. O du Brunn des Lebens, tränke und erquicke mich Durstigen mit deinem Blut, auf daß ich, gesättigt und erquickt, aus diesem Jammerthal mich zu dir hinauf in den Himmel erhebe, da du sitzest zur Rechten deines himmlischen Vaters und vertrittst uns: da ich dich ohne Hunger und Durst in ewiger Freude und Frohlocken samt deinem Vater und dem heiligen Geist preisen werde in Ewigkeit. Amen. Angustinus. 138 IX. Gebete. 13. Beim Hingang zum Altar. Du Sohn des lebendigen Gottes, der du als das wahre Brot des Lebens alle betrübten Seelen, geängstigten Gewissen, hungrigen und durstigen Herzen mit deinem Leib und Blut sättigest, spei⸗ sest und tränkest, auch zu dieser himmlischen Mahlzeit jeder⸗ mann aufforderst und ladest: nimm mich auch in Gnaden an, erquicke und speise mit deinem wahren Leib und Blut meine arme Seele zum ewigen Leben. Amen. Angustinus. 14. Beim Hingang zum Altar. Herr Jesu, du hast gesagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Siehe, als ein Müh⸗ seliger und mit Sünden Beladener komme ich zu dir: er⸗ fülle auch an mir deine Verheißung und erquicke mich nach deiner Gnade mit dieser köstlichen Himmelsspeise und mit diesem gnadenreichen Trank. Amen! Herr Jesu, du hast gesagt: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen“ Siehe Herr, ich komme zu dir arm und gering, aber mit herzlichem Heils⸗Verlangen: so stoße mich nicht von dir hinaus, sondern nimm mich in Guaden an und speise und tränke meine Seele zum ewigen Leben! Amen. 6• Chr. Dieffenbach. 15. Beim Hinweggehen vom Altar. Herr mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, IX. Gebete. 139 yn des niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Lebens Leben und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben. n und Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein spei⸗ Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, jeder⸗ da du mich und dich ewig werd' umfangen. Amen. naden panlus Gerhardt Blut ö 16. Nach der Feier des Abendmahles. O all⸗ us: mächtiger Gott, himmlischer Vater, dir sei Lob, Ehr' und Dank, daß du mich nicht allein zum Abendmahl des Lam⸗ u, du mes berufen und zur himmlischen Hochzeit eingeladen hast, g und sondern, daß du mich auch jetzt so herrlich gespeiset und Müh⸗ ö bewirtet. Du hast mich mit deinen himmlischen Gütern 2 erfüllet und mit Christi, meines Erlösers, Leib gespeiset nach ö und getränket. Nun ist mein Herz genesen, meine arme mit Seele ist getröstet und alles, was an mir ist, das ist durch diese heilsame Gabe und Arzenei erquicket und aufgerichtet den worden. Ich war müde und schwach, aber nun bin ich 1438 gestärkt: ich war verwundet, aber nun bin ich geheilt; ich ngen: war voller Schmerzen und Krankheit, aber nun bin ich ge⸗ 65 in tröstet. Alle meine Sünden sind zurückgeworfen in die Tiefe Wient des Meeres und ich bin gewiß, daß mich nunmehr nichts . wird scheiden von der Liebe, Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn. Denn durch diese köstliche Speise und mein Trank ist Christus mein eigen worden mit allen seinen dein, Wohlthaten, die er mir durch sein Blut und Tod erworben 140 IX. Gebete. hat; so bin ich ihm auch einverleibt und durch den Glauben stark und fest mit ihm verbunden, daß uns nichts von ein⸗ ander scheiden soll. Gieb Gnade, o lieber Vater, daß ich nimmermehr von dir weiche, sondern mein Gelübde treulich bezahle. Vollführe das gute Werk, das du in mir ange⸗ fangen hast bis auf den Tag Jesu Christi und laß mich endlich sitzen an deinem Tisch, in dem Reich deiner Ehre und Herrlichkeit, daß ich dich mit allen Auserwählten ewig⸗ lich mag rühmen und preisen durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Georg Rolt. 17. Bleibende Gemeinschaft. Ach du lieblichster, freundlichster Heiland, weil ich einmal durch deines heiligen Geistes Licht und Strahl gewahr geworden bin, wie süß du seiest denen, die nach dir fragen und dein Heil lieben: so laß mich nunmehro nach nichts fragen und verlangen als nach dir allein. Erbarme dich doch meiner und schenke mir rechtschaffene Früchte der Buße, daß ich dich mit de— mütigem Geist stets anbete, liebe und lobe. Laß mich nun ohn' Unterlaß deine innerliche Süßigkeit schmecken, das Abendmahl im Geist mit dir halten und stets nach dir von neuem hungern und dursten. Denn je mehr man von dir isset, je mehr mird man nach dir verlangen und je stärker wächst der Glaube samt Hoffnung, Liebe und Geduld. Darum, so werde mir doch dergestalt süß und trostreich, IX. Gebete. 141 lauben o liebster Jesu, daß ich stets deine Gegenwart merke und n ein⸗ mich deiner allein freue, der du die wesentliche Liebe bist. aß ich ö Laß mir dein Licht immer heller aufgehn auch in der reulich x Finsternis der Versuchungen und mein Herz dadurch ent— ange⸗ brennen. Erscheine mir in deinem leidenden Bilde, wenn mich ich leiden soll. Besuche mich allzeit in meiner Einsamkeit, Ehre klopfe an mein Herz mit deinem Wort, laß mich dir aber ewig⸗ ö auch getrost aufthun, und nicht widerstehen. Ach, so mache insern dir eine ewige Wohnung, einen heiligen Tempel und Altar Rosl. in meinem Herzen, da du unverrückt lehren könnest und ich dich anbete und umfasse. Lehre mich daselbst dein hei⸗ liges Fleisch geistlich immerdar genießen samt deinem kost⸗ chster, baren Blut, dadurch mein Geist gestärket und erhalten werde iligen seine Wanderschaft selig zu vollenden; ja, nähre du meinen e süß inwendigen Menschen im Glauben kräftiglich mit diesem eben: Glaubensbrot wie Israel in der Wüste, daß ich wachse im augfn Geist als ein Baum am Wasser gepflanzet und Früchte chenke bringe in Geduld. Also wollest du wahre Seelenspeise, mich t de⸗ von nun an täglich erquicken und beleben. Erhalte mein nun Herz bei diesem Einigen, dich zu lieben, zu genießen. Dein 25 süßes Herz sei mir ein Brunn lebendigen Wassers, dein 92 Leben mein Sieg über Fleisch und Blut, so bleibe du mir 1 Rn immer vor den Augen meines Gemütes stehen, dein Ge⸗ lärker dächtnis stets zu bewahren und vor dir zu wandeln aus duld. der Zeit in die Ewigkeit. Amen. Gotifried Aruold. reich, . Lieder. 1. Bußruf. Erwach, o Mensch, erwache, Steh' auf vom Sündenschlaf, Es kommt des Höchsten Rache Und seine schwere Straf', Mit Schrecken und mit Ungestüm, Und sucht die Sünder heim im Grimm, die auf der Erden wohnen: Der Herr wird zornig lohnen Und nur der From⸗ men schonen. Drum faͤllet Gott zu Fuße, Ihr Menschen groß und klein; Thut rechte, wahre Buße, Stellt alle Bosheit ein: Seid auf den großen Tag bereit Mit Glauben und Gott— seligkeit; So trifft euch kein Verderben, so könnt ihr selig sterben und Gottes Reich ererben. Ach nehmet dies zu Herzen, Die ihr erlöset seid Durch Christi Blut und Schmerzen Bekehrt euch in der Zeit: Sagt allem ab, was zeitlich ist, Und liebt alleine Jesum Christ, Thut, was derselb' euch lehret: Denn wer ihn so nicht ehret, Der wird im Zorn verzehret. Bekehre du uns, Herre, So werden wir bekehrt; Ach, führ' uns aus der Irre Zu deiner frommen Herd': Ver⸗ zeih', was wir bisher gethan, Nimm uns durch Christum Erden From⸗ o5ß und it ein: Gott⸗ r selig Durch Zeit: Jesum ihn so Ach, Ver⸗ ristum X. Lieder. 143 wieder an. Laß deinen Geist uns leiten, Daß wir zu allen Zeiten Dein heil'ges Lob ausbreiten. Barthol. Crasselius, gegen 1697. 2. Buße. Ach Gott und Herr, Wie groß und schwer Sind mein' begangne Sünden! Da ist niemand, der helfen kann, In dieser Welt zu finden. Lief ich gleich weit, Zu dieser Zeit, Bis an des Erd⸗ reichs Enden; Und wollt' los sein Des Kreuzes mein, Würd' ich es doch nicht wenden. Zu dir schrei ich, Verstoß nicht mich, Wie ich's wohl hab' verdienet: Ach, geh' doch nicht, Gott, ins Gericht, Dein Sohn hat mich versühnet. Soll's ja so sein, Daß Straf' und Pein Auf Sünde folgen müssen: So fahr hier fort, Nur schone dort Und laß mich hier wohl büßen. Gieb, Herr, Geduld, Vergiß der Schuld, Gieb ein ge⸗ horsam Herze, Daß ich ja nicht, Wie's oft geschicht, Mein Heil murrend verscherze. Handle mit mir, Wie's dünket dir, Durch dein Gnad' will ich's leiden: Laß mich nur nicht Dort ewiglich Von dir sein abgescheiden. Martin Rutilins, geb. 1550, f 1618. 3. Buße und Gebet. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein Hoffnung steht auf Erden; Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Kein Trost mag mir sonst werden: 144 X. Lieder. Von Anbeginn ist nichts erkorn, Auf Erden ist kein Mensch geborn, Der mir aus Nöten helfen kann; Dich ruf ich an, Von dem ich Hilf' erlangen kann. Mein Sünd' ist schwer und übergroß Und reuet mich von Herzen, Derselben mach mich frei und los Durch deinen Tod und Schmerzen; und zeig mich deinem Vater an, Daß du hast gnug für mich gethan, So werd' ich frei der Sündenlast: Herr, halt mir fest, Wes du dich mir ver⸗ sprochen hast. Gieb mir durch dein Barmherzigkeit Den wahren Christenglauben, Auf daß ich deine Süßigkeit Mög inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich: Am letzten End Dein Hilf mir send, Da⸗ mit behend Des Teufels List sich von mir wend. Ehr sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Christo, seinem lieben Sohn, Der uns allzeit behüte. Und Gott dem heiligen Geiste, Der uns sein Hilf allzeit leiste, Damit wir ihm gefällig sein Hier in der Zeit Und dort hernach in Ewigkeit. Joh. Schneesing, um 1522. 4. Buße und Glauben. Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen; Dein gnädig Ohren kehr zu mir Und meiner Bitt' sie öffen: Denn so du willst das sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? Mensch ich an, t mich deinen er an, rei der ir ver⸗ wahren miglich ächsten „Da⸗ r aller allzeit in Hilf er Zeit 1522. rei ich Ohren willst Wer X. Lieder. 14⁵ Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, Die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben: Vor dir niemand sich rühmen kann, Des muß dich fürchten jedermann Und deiner Gnade leben. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn allein verlassen mich Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein wertes Wort: Das ist mein Trost und treuer Hort, Des will ich allzeit harren. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzwei⸗ feln nicht noch sorgen: So thu Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gotts erharre. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schaden: Er ist allein der gute Hirt der Jsrael erlösen wird Aus seinen Sünden allen. Dr. Martin Enther, geb. 1483 4 1546. 5. Beichte. Ich armer Mensch, ich armer Sünder, Steh' hier vor Gottes Angesicht; Ach Gott, ach Gott, ver⸗ fahr gelinder, Und geh nicht mit mir ins Gericht: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Wie ist mir doch so herzlich bange Von wegen meiner großen Sünd, Bis daß ich Gnad von dir erlange, Ich armes und verlornes Kind: Erbarme dich u. s. w. Baur, Kommunionbuch. 10 146 X. Lieder. Gott, ach erhör mein Seufzen, Schreien, Du aller⸗ liebstes Vaterherz, Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meiner Seele Schmerz: Erbarme u. s. w. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den niemand heilet außer du: Ach! aber Gnade, Gnade, Gnade! Ich laß dir doch nicht eher Ruh: Erbarme dich u. s. w. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben, Sag, daß der arme Sünder hör: Geh hin, die Sünden sind ver⸗ geben, Hinfürder sündige nicht mehr! Erbarme dich u. s. w. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zwei⸗ felsfrei, weil sich der Trost im Herzen mehret: Drum will ich enden mein Geschrei: Erbarme dich u. s. w. Christoph Tilius, geb. 1641, 4 1703. 6. Vergebung. Jesus nimmt die Sünder an; Sa⸗ get doch dies Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen: Hier ist, was sie retten kann; Jesus nimmt die Sünder an. Keiner Gnade sind wir wert, Doch er hat in seinem Worte Eidlich sich dazu erklärt: Sehet nur die Gnaden⸗ pforte Ist hier völlig aufgethan; Jesus nimmt die Sün⸗ der an. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte: Jesus, der uns nie vergießt, Suchet treulich das verirrte, daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. X. Lieder. 14⁷ Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder: Jesus rufet euch und er Macht aus Sündern Gotteskinder; Glaubet doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden, Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. Ich bin ganz getrosten Muts; ob die Sünden blutrot wären, Müssen sie kraft deines Bluts Sich dennoch in Schneeweiß kehren, Da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. Mich verdammt mein Herze nicht, Moses darf mich nicht verklagen: Der mich frei und ledig spricht, Hat die Schulden abgetragen, Daß mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an. Jesus nimmt die Sünder an: Mich hat er auch an⸗ genommen Und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. Erdm. Äeumeister, geb. 1671, 1756. 7. Bereitung zum Abendmahl. Schmücke dich, o liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen. Denn der der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste 10³ 148⁸ X. Lieder⸗ laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Her⸗ berg in dir halten. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam ent⸗ gegen, Der da mit dem Gnadenhammer Klopft an deine Herzenskammer. Offn' ihm bald des Geistes Pforten, Red' ihn an mit schönen Worten: Komm, o Herr, laß dich umfassen, Von dir will ich nimmer lassen! Ach, wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott ver— eine. Beides, Lachen und auch Zittern Lässet sich in mir jetzt wittern. Das Geheimnis dieser Speise Und die un— erforschte Weise Machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe deiner Werke! Ist auch wohl ein Mensch zu finden, Der dein Allmacht kann ergründen? Nein, Vernunft, die muß hier weichen, Kann dies Wunder nicht erreichen, Daß dies Brot nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen, Laß mich würdig⸗ Her⸗ ent⸗ deine rten, laß nach Mich zu usche ver⸗ X. Lieder. 149 lich genießen Dieser deiner Himmelsspeise Mir zum Heil und dir zum Preise. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel h'rab getrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns gegeben Und dazu auch unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Tisch geladen, Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden. Joh. Franck, 1 1677. 8. Hingang zum Abendmahl. Auf Seele, sei gerüst, dein Heiland Jesus Christ Brennt vor Verlangen: Sein Herze sehnet sich, Noch vor dem Leiden dich Recht zu empfangen. Drum, liebes Israel, Auf, stärke deine Seele, Ergreif' die Siegel: Gott führt durch Lammes Blut die Seinen durch die Flut Zum Freudenhügel. Die Zeit eilt ja heran, Da wir die Himmelsbahn Sollen betreten, Ach hilf, daß uns die Nacht Nicht träg und schläfrig macht, Eifrig zu beten. eimm unsern Willen hin, Schaff einen neuen Sinn Nach deinem Willen; Daß wir, was dir gefällt, In dieser Kreuzeswelt Mögen erfüllen. 150 X. Lieder. Die Zeit ja bald hinschleicht, Darnach uns wird ge⸗ reicht Der Kelch der Freuden. O Trostes Überfluß, Der dann ersetzen muß Das kleine Leiden. Da wird die Traurigkeit Von Freud und Herrlichkeit Werden verschlungen. Wenn Gott das weiße Kleid Giebt denen nach dem Streit, die hier gerungen. O geuß, Immanuel, In unser Herz und Seel Einfalt und Wahrheit. Gieb uns Weisheit in dir Und schenk uns für und für Klugheit und Klarheit. Mach uns in dir bereit, Durch Leiden in die Freud So einzudringen, Daß wir Triumph! Triumph! Der Herr ist da! Triumph! Bald fröhlich singen. 9. Danksagung. Meinen Jesum laß ich nicht, Meine Seel ist nun genesen; Selig ist das heut'ge Licht, Da ich Jesu Gast gewesen: Drum ruft jetzt mein Herz und spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. Meinen Jesum laß ich nicht, Weil er mich so brünstig liebet Und als meines Herzens Licht Sich auch mir zu eigen giebet, Und sich ewig mir verspricht, Meinen Jesum laß ich nicht. Herr, dein Leib und teures Blut, Das ich jetzo hab genossen, Stärkt mich und macht alles gut, Daß hinfort ich nicht verstoßen Bin von Gottes Angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht. Wohl mir, daß mich nichts mehr drückt! Ach wie +— wird ge⸗ iß, Der rrlichkeit id Giebt Einfalt henk uns ie Freud 4Der t, Meine „Da ich )spricht: brünstig zu eigen n laß ich jetzo hab infort ich n Jesum Ach wie X. Lieder. 151 wohl ist mir geschehen! Meine Seel ist ganz entzückt, Weil ich Jesu, dich gesehen: Jesu, meine Zuversicht, Dich, mein Jesu, laß ich nicht. Jesus ist und bleibet mein; Er hat sich mit mir ver⸗ lobet, wie ein Bräut'gam, ich bin sein: Ob der Feind gleich greulich tobet, Dieses Band doch nicht zerbricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Laß mich auch, mein Jesu, nicht, Wenn es mit mir geht zu Ende; Wenn mir Sinn und Herze bricht, Nimm den Geist in deine Hände: Jesum, meines Lebens Licht, Meinen Jesum laß ich nicht. Und des bin ich auch gewiß, Weil mein Jesus mir ver⸗ heißen, Aus des Todes Finsternis Mich mit starker Hand zu reißen; Drum stets meine Seele spricht: Amen, Jesum laß ich nicht. Zoh. Friedr. Mayer, geb. 1650, f 1712. 10. Danksagung. Nun weiß ich, nun ist Jesus mein, Von ihm hab ich's vernommen. Nun ist er in mein Herz hinein, Darin zu wohnen, kommen. In diesem, meinem Herzenssaal Hält er mit mir das Abendmahl. Nun ist mir Heil, Barmherzigkeit Und Gnade wider⸗ fahren; Nun wird er seine Herrlichkeit In mir auch offen⸗ baren. Nun wird er zeigen, daß er treu Und mein Er⸗ löser worden sei. Nun leb ich, doch nun nicht mehr ich, Er lebt in mei⸗ ner Seele, Nun hab ich ihn, nun hat er mich Und alle 15² X. Lieder. meine Fehle Nun ist— er steht mir selbst dafür— Gar nichts Verdammliches mehr an mir. Nun hab ich Gott in ihm erkannt Und darf ihn Vater nennen, Ja, er, der vielmehr mich erkannt, Will mich als Kind erkennen. Von Sünd' und vom Gesetze los, Sitz ich dem Vater nun im Schoß. Nun will und kann ich nach dem Sinn Des Fleisches nimmer leben, Noch meine Glieder fernerhin Zum Sünden⸗ dienst ergeben. Was an mir ist, das lebt und dient Nur dem allein, der mich versühnt. Nun will ich auch mit ihm zugleich Gern leben, leiden, sterben. Und dann mit ihm das Himmelreich, Das er er⸗ erbt, ererben. Ich ruf' ihn an zum letzten End': Herr! nimm mich nun in deine Händ'! Chr. K. Ludw. Pfeil, geb. 1712, f 1784. 11. Gelübde. Nun so will ich denn mein Leben Völlig meinem Got ergeben; Nun, wohlan! es ist geschehn! Sünd', ich will von dir nicht hören; Welt, ich will mich von dir kehren, Ohne je zurück zu sehn! Hab ich sonst mein Herz geteilet, Hab ich hie und da verweilet, Endlich sei der Schluß gemacht, Meinen Willen ganz zu geben, Meinem Gott allein zu leben, Ihm zu die⸗ nen Tag und Nacht. Herr, ich opfre dir zur Gabe All mein Liebstes, das ich habe; Schau ich halte nichts zurück: Schau und prüfe ———]——:]::::: nnu—!öp?ę77——— dafür— ihn Vater mich als „Sitz ich Fleisches Sünden⸗ ient Nur n, leiden, Das er er⸗ 2: Herr! + 1784. in Leben geschehn! will mich ie und da en Willen m zu die⸗ stes, das und prüfe X. Lieder. 153 meine Nieren! Solltest du was Falsches spüren, Nimm es diesen Augenblick. Ich scheu keine Müh und Schmerzen, Gründlich und von ganzem Herzen Will ich folgen deinem Zug: Kann ich stetig und in allem Deinen Augen wohlgefallen, Ach so hab ich ewig g'nug. Eines will ich nur betrachten Und nicht wissen noch drauf achten, Was sonst draußen mag geschehn: Fremd der Welt und ihren Sorgen, Will ich hier in dir verborgen Als ein wahrer Pilger gehn. Dich allein will ich erwählen, Alle Kräfte meiner Seelen Nimm nur ganz in deine Macht: Ja, ich will mich dir verschreiben, Laß es ewig feste bleiben, Was ich dir hab zugesagt. Gerhard Cerstegen, geb. 1697, 4 1769. ——ꝛ——— Druck von Friedr. Andr. Perthes in Gotha. DD— 295 — I5 40594 r3N PPPPIPPIIITTTTTTTTTTTTTRCR 3 22 2 3— 337 34521½0 10 591 220 2*7 4• 222 buch W ion Baur. von Wilhel Commun 7 1 + —j—7‚—————————