—————'—ͤ—22— ——. * Mege.—— 0— ů—0 27 2— 10— 2 e ee. , V Christus am Krenz. Es ist vollbracht. Joh. 19, 30. 6en inzial IaF. Srud uno zseriag ber Hofbuchdruckerei W. Decker& Co. (A. Röstel.) Gesanghuch für die Evangelischen Gemeinden der Brovinz VBosen. Fünste auf Grund der Beschlüsse der sechsten ordentlichen Provinzial sinode der Propinz Vosen veründerte und vermehrte Auflage. —— VPosen 1892, Druck und Verlag der Hofbuchdruckerei W. Decker K& Co. (A. Wöstel.) Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, und den Ort, da deine Ehre wohnt. Ps. 26, 8 Gidmuny. 6 Posen Düzes und G. Grund Gebrar Die kit Veord weil d Und do buch in seithun nur zul von de Ffunder auf Un seitdem gelisch geboter Amah hander Vorrede. Schon seit langer Zeit ist es auch in der Provinz Posen beklagt worden, daß die Gemeinden oft derselben Diözese, ja derselben Stadt verschiedene Gesangbücher benutzen und Gemeindeglieder, die ihren Wohnort aus irgend einem Grunde wechseln, in Folge davon das Gesangbuch, an dessen Gebrauch sie gewöhnt sind, nicht mehr gebrauchen können. Die kirchlichen Behörden mußten es scheuen, im Wege der Verordnung diesem Misstande ein Ende zu machen, schon weil das Gesangbuch so oft mit der Geschichte der Gemeinde und das innere Leben der Gemeindeglieder mit dem Gesang— buch in der mannigfachsten Weise verwoben ist und die Be— seitigung eines bestehenden, sonst unanstößigen Gesangbuches nur zum Behufe der Einführung eines neuen eben deshalb von den Gemeinden als ein Eingriff in ihre Freiheit em⸗ pfunden werden würde. Es ist daher auch das vorliegende, auf unsere Veranlassung zuerst 1864 herausgegebene und seitdem in 4 Auflagen erschienene„Gesangbuch für die evan— gelischen Gemeinden der Provinz Posen“ denselben nur dar⸗ geboten und in Folge davon auch nur in einer kleinen Anzahl von Gemeinden(29) eingeführt worden. Der vor⸗ handene Misstand blieb ungeändert. IV Die Bestimmung der Kirchengemeinde- und Synodal⸗ ordnung(§ 65, 3), daß neue Gesangbücher in dem Provinzial⸗ bezirk nicht ohne Zustimmung der Provinzial⸗Synode ein⸗ geführt werden dürfen, legte es der Provinzial-Synode nahe, über ein bestimmtes Gesangbuch ein für allemal sich auszu⸗ sprechen und durch seine Gutheißung dasselbe den Gemeinden der Provinz, die ein neues Gesangbuch einführen wollen, zu empfehlen. Auch die beiden Nachbarprovinzen, Bran— denburg und Schlesien, erhielten so Provinzial-Gesangbücher, die von vielen Gemeinden jener Provinzen dankbar auf- und angenommen wurden und in dem Maße ihrer Verbreitung dem oben bezeichneten, auch dort vielfach beklagten Misstande Abhilfe schafften. So war das Brandenburger Gesangbuch nach 6 Jahren schon in 926 von den 1300 Gemeinden der Provinz eingeführt. So lockend das Vorbild der Nachbarprovinzen war, so sehr scheute man sich doch in der Provinz Posen zunächst, einen ähnlichen Versuch zu machen. Man fürchtete, die Zahl ihrer Gemeinden sei zu klein, nach ihrer ganzen Ge— schichte und Eigenart die Neigung derselben, sich an die be— nachbarten Provinzen anzulehnen und demgemäß auch ihre Gesangbücher zu benutzen, zu groß, und der Wert mancher dieser Gesangbücher ein unbestrittener und darum die Aus— sicht, an ihrer Stelle ein neues einzuführen, zu gering. Zwei äußere Umstände veranlaßten uns, trotzdem die Ange⸗ legenheit der letzten Provinzial-Synode von Neuem zur Beratung vorzulegen. Einmal ist das sogenannte„alte Posener Gesangbuch“ im Buchhandel schon längst, jetzt auch antiquarisch nicht mehr zu beschaffen. Eine Anzahl Ge— meinden der Provinz, die dasselbe bis heute noch benutzen, sind deshalb gezwungen, ein neues Gesangbuch einzuführen. Zum sangsb Vosen“ sei. E durch gehend Auflag machen D austrag Reugun besttt eitigt, der Lie hymnol solchem erschier durch und A Neder Synode Gestal, zu emp licht er sangbn Lieder vorgef wie di. ein M. Kommi der 8 V Zum Andern zeigte der Verleger des oben erwähnten„Ge— sangsbuchs für die evangelischen Gemeinden der Provinz Posen“ an, daß auch die vierte Auflage desselben vergriffen sei. Es bot sich dadurch die Gelegenheit dar, nicht blos durch Beseitigung der Druckfehler, sondern auch durch weiter— gehende Veränderungen das Buch in einer neuen, der fünften Auflage wesentlich zu verbessern und dadurch wertvoller zu machen. Die von uns mit der Prüfung des Gesangbuchs be— auftragte Kommission kam je länger je mehr zu der Ueber— zeugung, daß die Provinz in diesem Gesangbuch einen Schatz besitzt, der nicht zu Gunsten eines ueu zu entwerfenden be— seitigt, sondern ihr erhalten werden sollte. Bei der Auswahl der Lieder, der Feststellung des Textes ist nach so richtigen hymnologischen Grundsätzen, dabei mit solcher Keuschheit, solchem Takte verfahren, daß es der Kommission bedenklich erschien, den einheitlichen Charakter des Buches auch nur durch Entfernung einiger vielleicht nicht ganz vollwertigen und Aufnahme einer Anzahl neuer allgemeiner geschätzten Lieder zu stören. Wir schlugen deshalb der Provinzial— Synode vor, das Posener Gesangbuch in seiner bisherigen Gestalt, aber mit einem Anhang, den Gemeinden der Provinz zu empfehlen. Die Provinzial-Synode konnte sich jedoch nicht entschließen, darauf einzugehen, und veranlaßte die Ge— sangbuchskommission, sofort sich schlüssig zu machen, welche Lieder etwa entbehrlich, welche von den für den Anhang vorgeschlagenen Liedern besonders unentbehrlich seien, und wie die neuen Lieder an die Stelle der alten zu setzen seien, ein Anhang also vermieden werden könne. Der von der Kommission darauf vorgelegte Entwurf erlangte die Billigung der Synode. Sie beschloß in der Sitzung vom 17. No— VI vember 1890, denselben den Gemeinden der Provinz zur Annahme zu empfehlen. Bei der Auswahl der Lieder ist an den Grundsätzen, die bei der Herausgabe des Gesangbuchs 1864 maßgebend waren, nichts geändert worden. Es sind damals zunächst wirklich klassische Lieder aus der Zeit von Luther bis Gellert und zwar besonders solche, die in unseren Gemeinden schon seit langer Zeit ein Bürgerrecht erlangt haben, aus ihren Kämpfen und Heimsuchungen heraus gesungen sind und von Liederdichtern aus unserer Mitte herrühren, aufgenommen worden. Bei der Aufnahme neuerer Lieder ist entscheidend gewesen, ob sie wirklich den Charakter von Kirchenliedern, nicht von geistlichen Volksliedern oder erbaulichen Gedichten tragen. Auch die jetzt in das Gesangbuch 71 neu aufgenommenen Lieder sind nach diesen Grundsätzen ausgewählt. Es sind insgesamt klassische Lieder auf die man vor 30 Jahren nur verzichtete, weil es an Naum für sie fehlte, die aber in den in unserer Provinz gebzäuchlichen und in den neuen, mit großem Fleiß entworfenen Gesangbüchern sich finden und in einem solchen Maße ein Gemeingut der evangelischen Kirche geworden sind, daß sie in unserem Gesangbuch nicht fehlen durften. So stehen von diesen Liedern im Schlesischen Gesangbuch 38, im Züllichauer 30, von allen unsren Liedern im Schlesischen 349, im Züllichauer 352. Die im Militärgesangbuch enthaltenen Kernlieder der evangelischen Kirche(sie sind mit einem Kreise(O) bezeichnet) sind nunmehr fast insgesamt in das Gesangbuch in seiner neuen Gestalt aufgenommen. Sehr viel schwieriger als die Auswahl der neu aufzunehmenden Lieder war die Entschei— dung über die, welche wegzulassen waren. Die Synodal⸗ Kommissior hat sich zur Streichung manches unter ihnen sur mi Algem lassen h und S daraus sich in M arbeitm fahren, von der wirklich neu auf besten Form g Di Migab ndert Un ebraud erleichte selben d Hefte d Gotted tafel di Richnen alle die D das un Veinpo G huche a VII nur mit schwerem Herzen entschlossen. Daß sie aber im Allgemeinen das Richtige getroffen und nur Lieder ausge— lassen hat, die teils wirklich minderwertig, teils der Denk und Sprachweise unserer Zeit zu fremd sind, dürfte auch daraus hervorgehen, daß von den 64 gestrichenen Liedern sich im Schlesischen Gesangbuch nur 6 finden. Was den Text der Lieder anlangt, so war bei der Be— arbeitung desselben mit solcher Vorsicht und Einsicht ver fahren, daß in den Liedern, die im Gesangbuch verblieben, von den Druckfehlern abgesehen, nur eine kleine Anzahl wirklicher Härten beseitigt zu werden brauchten. Auch die neu aufgenommenen Lieder sind unter Zugrundelegung der besten neuen Bearbeitungen möglichst in der ursprünglichen Form aufgenommen worden. Die dem Gesangbuche beigefügten Gebete und andern Beigaben haben sich so bewährt, daß an ihnen nichts ge— ändert ist. Um den jetzigen Inhabern des Gesangbuches den Fort— gebrauch desselben bis zur Auschaffung neuer Exemplare zu erleichtern, hat der Herr Verleger sich entschloͤssen, für die selben die neu aufgenommenen Lieder in einem besonberen Hefte drucken zu lassen. Um die Benutzung desselben im Gottesdienst möglich zu machen, würde auf der Nummer— tafel die Nummer des Liedes mit einem Stern(d zu de⸗ zeichnen sein. Es sind deshalh im Gesangbuch ebenso mich alle diese neuen Lieder mit einem Stern(½ bezeichnet wor den. Der Preis des Gesangbuchs ist der alte(1 Mark für das ungebundene Exemplar, 1 Mark 50 Pf. für das auf Velinpapier) geblieben. Gott der Herr aber gebe in Gnaden diesem Gesang— buche auch in seiner neuen Gestalt Seinen Segen mit auf VIII den Weg! Möchte es den Gemeinden unserer Provinz dazu dienen, des gemeinsamen Glaubens immer gewisser und froher zu werden, unter allen Kämpfen, Nöten und An⸗ fechtungen still sich zu demütigen, fest auf Gottes Ver⸗ heißungen zu warten und im Lobpreis Seines heiligen Namens, Seiner ewigen Barmherzigkeit hier in der Zeit den Vorgeschmack der Seligkeit zu empfinden, die droben in der Ewigkeit das Erbteil der Gemeinde des Herrn sein soll. Das walte der dreieinige Gott in Gnaden! Posen, im März 1892 Königliches Ronsiftorium der Drovinz Posen. von der Gröben. vinz und An⸗ Ver⸗ ligen Rit en in soll Inhalts⸗Verzeichnis. L Sonntagsliedteeeeer Advent⸗liedeeerrna III. Weihnachtslieder* IV. Neujahrsliedder V. Epiphaniasliedder M Passionstieder Begräbnisliederr Ostertiedeeeerr.. VIII. Himmelsfahrtslieder+r Pfingstliedeer Trinitütislieder%53 XI. Michaelisliedeer XII. Kirche und Missian Misston Einweihung von Kirchen. XIII. Bom Worte Gotis% XIV. Von der heiligen Taurrre XV. Einsegnung der Wöchnerinnen XVI. Confirmationsliedeerrrr XVII. Vom heiligen Abendmahhl. Ill. Sußplieder—— SGlaubenslieder SDesusliedeer m XXI. Heiligungsliedneerer XXII. Lob⸗ und Dankliedeerr Eeetsiedeer . Morgenliesvaeer Tischliederrrt VAbendliedeerM Sonntags⸗Abendliedeer Sonnabend⸗Abendlieder Nr. 1—13 14—28 29—46 47—52 53—58 59—84 85—-87 88—101 102—110 111—123 124—130 131—132 133—156 157—162 163 164—169 171—172 173 174—175 176—187 188— 209 210—231 232—278 279—330 331—354 355- 366 367- 388 389—394 395—414 415—416 417—418 X Nr. VII. Hausstandslieder 419—422 0 Ehestand 423421 Verwitwete und Wassen 1425—427 Eltern und Kinder 428432 e. 235 k. Für Reisenddde 434435 .VII. Obrigketttt 430 439 XIX. Krieg und Frieden 440— 443 XXX. Bei allgemeinen Nöten... 444—445 XXXI. Witterung und Ernte— Jahreszeiten 446—457 XXXII. Kreuz⸗ und Trostlieder.... 458—510 XXXIIL. Sterbe- und Begräbnislieder: 2) Sterheliederr. 95118557 b) Begräbnislieder... 558—564 XXXIV. Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 565-568 Schlnoliedd 6565 Anhang. I. Altkirchliche und liturgische Gesänge. II. Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. III. Gebete für Festtage und Festzeiten. IV. Buß., Beicht- und Kommuniongebete. V. Die Geschichte des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. VI. Die Geschichte der Zerstörung der Stadt Jerusalem. VII. Der kleine Katechismus Luthers. VIII. Die Augsburgische Confession. Artikel des Glaubens und der Lehre. Alphabetisches Liederregister. Wirf a von dir der 0 diesem gegang 9 0 alls ö st erst Heut h Qendet Geist! 3.D auch h. I be ruhe d Sinde eine g lr. —422 —424 —427 —402 —435 439 —443 —445 4⁵⁷ —01⁰ —057 —564 568 herrn Die mit einem“bezeichneten Lieder sind neu aufgenommen oder in der 5ten Auflage an eine andere Stelle gekommen. Die Lieder mit einem 0 finden sich im Militair-Gesangbuche. I. Sonntags⸗Lieder. Eigne Melodie. Aif, auf, mein Herz und du, mein ganzer Sinnl Wirf alles heut, was Welt ist, von dir hin! Heut hat das Werk der Schöpfung angefangen, Da diesem Rund das Licht ist auf⸗ gegangen. 2. Auf, auf, mein Herz, leg alles Ird'sche ab! Heut Jesus ist erstanden aus dem Grab; Heut hat er sein Erlösungswerk geendet; Heut hat er auch den Geist herabgesendet. 3. Dies heil'ge Heut heißt dich auch heilig sein; Gott diesen Last, geh, Gottes Wort zu hören, Dies laß dich heut die Wochen-⸗ wege lehren. 6. Sechs Tage dich Gott seg— net, schützt und nährt; Heut er dafür mit Dank will sein geehrt. Der erste soll heut für die an— dern bitten, Daß Gott sie woll mit Segen überschütten. 7. Gott wöchentlich giebt sie— ben Tage dir; Gieb einen du, den ersten, ihm dafür, Der erste wird die andern sechse zieren, Wirst du heut Gott im Mund und Herzen führen. 8. Am ersten du nach Gottes Tag bei dir will ziehen ein: So Reiche tracht, Obschon die Welt ruhe du von Arbeit und von nur deiner Andacht lacht. Der Sünden, Daß er in dir mög Schad ist ihr, dir aber wird's seine Ruhe finden. gedeihen; Gott alles Glück auf 4. Gott giebet dir sechs Tage dich wird reichlich streuen. für den Leib; Der siebente der 9. An diesem Tag hab deine Seele eigen bleib! Sie muß ja Lust am Herrn; Was dein Herz wohl von sieben einen haben, wünscht, wird er dir geben gern. Daß sie sich mög mit Himmels⸗Befiehl nur Gott heut deine speise laben. ö Weg und Sachen, Und hoff 5. Viel Sünden dir die Woche auf ihn: gewiß er wird's wohl ladet auf; An diesem Tag mit machen. Bitten Gnade kauf! Leg ab dies 10. Wirst aber du ihm neh⸗ 2 Sonntags-Lieder. men seinen Tag, So macht er dir die sechse voller Plag. Wer ehret Gott, den ehrt er auch auf Erden: Wer ihn veracht, soll auch verachtet werden. Joh. Heinr. Calisius, geb. 1633 4 1698. Mel. Gott des Himmels und Erden. 2. 2 lle Welt, was lebt und webet Und in Feld und Häusern ist, Was nur Zung und Stimm erhebet, Jauchze Gott zu jeder Frist! Dienet ihm, wer dienen kann, Kommt mit Lust zu ihm heranl 2. Sprecht: Der Herr ist unser Meister, Er hat uns aus nichts gemacht, Unsre Lei— ber, unsre Geister An das Licht hervorgebracht; Wir sind seiner Allmacht Ruhm, Sind sein Volk, sein Eigentum. 3. Gehet ein zu seinen Pfor⸗ ten, Geht durch seines Vorhofs Gang, Lobet ihn mit schönen Worten, Saget ihm Lob, Preis und Dank; Denn der Herr ist jederzeit Voller Gnad und Gütigkeit. 4. Gott des Himmels und der Erde, Vater, Sohn und heilger Geist: Daß dein Ruhm groß bei uns werde, Beistand selbst und Hilf uns leist! Gieb uns Kräfte und Begier, Dich zu preisen für und für. Johann Frank, geb. 1618 4 1677. unsern Mund vor dir; Aus deiner Gottheit Heiligtum Dein hoher Segen auf uns komm. 2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib; Er segne uns nach Seel und Leib, Und uns behüte seine Macht Vor allem Uebel Tag und Nacht. 3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, Laß leuchten uns sein Angesicht, Daß wir ihn schaun und glauben frei, Daß er uns ewig gnädig sei. 4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, Sein Antlitz über uns erheb, Daß uns sein Bild werd eingedrückt Und geb uns Frieden unverrückt. 5. Jehovah, Vater, Sohn und Geist, O Segensbrunn, der ewig fleußt, Durchfleuß Herz, Sinn und Wandel wohl, Mach uns deins Lob's und Segens voll. Gerh. Tersteegen, geb. 1697 4 1769. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 4. Hauld Gott, wir dan⸗ Nken dir, Daß du uns dein Wort gegeben. Gnade gieb uns auch, daß wir Treu und heilig nach ihm leben, Und den Glauben also stärke, Daß er thätig sei durch Werke! 2. Unser Gott und Vater, du, Der uns lehret, was wir sollen, Schenk uns deine Gnad dazu, Gieb zum Wissen auch * Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns. das Wollen; Laß es ferner 3 runn alles Heils, dich * ehren wir Und öffnen noch gelingen: Gieb zum Wol⸗ len das Vollbringen. 3.6 nach H Segen, aus,L. gen, L gehen, stehen. Mel. E 5. Die X neu: das Li hat m Hallel 25 Nsus mich e mir Leben Halle 9. nentag freuen versöh Christ Lelajgl Sonntags⸗Lieder. 3 3. Gieb uns, eh' wir gehn nach Haus, Deinen väterlichen Segen, Breite deine Hände aus, Leite uns auf deinen We⸗ gen, Laß uns hier im Segen gehen, Dort gesegnet aufer— stehen. Joh. Adam Haslocher, geb. 1645 + 1726. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Zott Lob! der Sonn⸗ 5. G tag kommt herbei, Die Woche wird nun wieder neu: Heut hat mein Gott das Licht gemacht, Mein Heil hat mir das Leben bracht. Hallelujah! 2. Dies ist der Tag, da Jesus Christ Vom Tod für mich erstanden ist Und schenkt mir die Gerechtigkeit, Trost, Leben, Heil und Seligkeit. Hallelujah! 3. Dies ist der rechte Son⸗ nentag, Da man sich nicht gnug freuen mag; Da wir mit Gott versöhnet sind, Daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. Hal⸗ lelujah! 4. Mein Gott, laß mir dein Lebenswort, Führ mich zur Himmelsehrenpfort! Laß mich hier leben heiliglich Und dir lobsingen ewiglich! Hallelujah! Joh. Olearius, geb. 1611 1 1684. Mel. Gott des Himmels und der ꝛc. die Welt regiert, Dessen Treu auf allen Seiten Mich von Ju⸗ gend auf geführt, Heute weckt des Tages Lauf Mich zu lau⸗ ter Andacht auf. 2. Ach wie lieb ich diese Stunden, Denn sie sind des Herren Fest, Das mit so viel Trost verbunden, Da mein Gott mich ruhen läßt Und durch seinen guten Geist Mir den Weg zum Leben weist. 3. Doch das bloße Müßig⸗ gehen Und der Kleider leere Pracht Werden schlecht bei Gott bestehen, Der das Eitle wenig acht. Herr, ich bringe, was ich kann, Nimm du nur mich selber an. 4. Habe Dank für diesen Morgen, Der mir Zeit zum Guten schenkt; Das sind unsre besten Sorgen, Wennder Mensch an Gott gedenkt Und von Herzen bet' und singt, Daß es durch die Wolken dringt. 5. Was ist schöner, als Gott dienen? Was ist süßer, als sein Wort? Da wir sammeln wie die Bienen, Und den Honig tragen fort? Selig ist, wer Tag und Nacht Also nach dem Himmel tracht. 6. O mein Gott, sprich sel⸗ ber Amen! Denn wir sind Dein Eigentum. Alles preise deinen Namen, Alles mehre deinen Ruhm; Bis es künftig wird geschehn, Daß wir dich im Himmel sehn. 6 Grer Gott von alten * Zeiten, Dessen Hand Caspar Neumann, geb. 1648 T 1715. 1* 4 Sonntags⸗Lieder. Mel. Gott des Himmels und der ꝛc. 7. Herr, ermuntre meine 7. Hallelujah!schöner Mor⸗Sinnen Und bereite selbst die H gen! Schöner, als man Brust; Laß mich Lehr und denken mag; Heute fühl ich Trost gewinnen, Gieb zu dei⸗ keine Sorgen, Denn das ist ein nem Manna Lust, Daß mir lieber Tag, Der durch seine deines Wortes Hall Recht tief Lieblichkeit Recht das Innerste in mein Herze fall! erfreut. 8. Segne deiner Knechte Leh⸗ 2. Süßer Ruhetag der See⸗ren, Oeffne selber ihren Mund, len! Sonntag, der voll Lichtes Mach mit allen, die dich hören, ist! Heller Tag der dunkeln Heute deinen Gnadenbund, Höhlen, Zeit, in der der Segen Daß, wenn man hier bet und fließt! Stunde voller Seligkeit, singt, Solches in dein Herze Du vertreibst mir alles Leid. dringt. 3. Ach, wie schmeck ich Got⸗ 9. Gieb, daß ich den Tag be⸗ tes Güte Recht als einen Mor⸗ schließe, Wie er angefangen ist. gentau, Die mich führt aus Segne, pflanze und begieße, meiner Hütte Zu des Vaters Derdu Herr des Sabbaths bist; grüner Au! Da hat wohl die Bis ich einst auf jenen Tag Ewig Morgenstund Edlen Schatzund Sabbath halten mag. Gold im Mund. Jonathan Krause, geb. 1701. 4. Ruht nur, meine Weltge⸗ schäfte! Heute hab ich sonst zu Eigne Melodie. thun; Denn ich brauche. Ferr Jesu Christ, dich zu Kräfte, In dem höchsten Gott O. Muns wend, Dein heil⸗ zu ruhn. Heut schickt keine Ar⸗gen Geist du zu uns send, Mit beit sich, Als nur Gotteswerk, Hülf und Gnad er uns regier für mich. Und uns den Weg zur Wahr⸗ 5. Wie soll ich mich heute heit führ. schmücken, Daß ich Gott gefal⸗ 2. Thu auf den Mund zum len mag? Jesus wird die Klei⸗WLobe dein, Bereit das Herz zur der schicken, Die ichihmzu Ehren Andacht fein; Den Glauben trag, Sein Blut und Gerech- mehr, stärk den Verstand, Daß tigkeit Ist das schönste Sonn- uns dein Nam werd wohl be⸗ tagskleid. kannt⸗ 6. Ich will in der Zionsstille 3. Bis wir singen mit Got⸗ Heute voller Arbeit sein; Denn tes Heer: Heilig, heilig ist da sammle ich die Fülle Von Gott der Herr! Und schauen den höchsten Schätzen ein, Wenn dich von Angesicht In ewger mein Jesus meinen Geist Mit Freud und selgem Licht. dem Wort des Lebens speist. 4. Ehr sei dem Vater und dem S in Ein Dreifo Preis H 0 à Herz! Laße ren le und 9 Herze macht Dein! elfreu Sonntags⸗Lieder. 5 dem Sohn, Dem heilgen Geist in Einem Thron; Der heiligen Dreifaltigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm II Herzog von Sachsen⸗ Weimar geb. 1598 4 1662. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns. 9 Heer öffne mir die Her⸗ Herz durch dein Wort zu dir; Laß mich dein Wort bewah⸗ ren rein, Laß mich dein Kind und Erbe sein! 2. Dein Wort bewegt des Herzen Grund, Dein Wort macht Leib und Seel gesund; Dein Wort ist's, das mein Herz erfreut, Dein Wort giebt Trost und Seligkeit. 3. Ehr sei dem Vater und dem Sohn,„dem heilgen Geist in einem Thron! Der heili⸗ gen Dreieinigteit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Joh. Olearius, geb. 1611 + 1684. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. 10 Qichtvomsicht, erleuchte * mich Bei dem neuen Tageslichte, Gnadensonne zeige dich Meinem muntern Ange⸗ sichte; Wohne mir mit Glanze bei, Daß mein Sabbath fröh⸗ lich seil 2. Brunnquell aller Süsig⸗ keit, Laß mir deine Ströme flie hen; Mache selbst mein Herz bereit, Deiner Gnade zu genie⸗ zen; Streu das Wort mit Se⸗ gen ein, sein! 3. Zünde selbst das Opfer Laß es hundertfrüchtig an, Das auf meinen Lippen lie⸗ get; Sei mir Weisheit, Licht und Bahn, Daß kein Irrtum 198 5 betrüget, Und kein frem⸗ es Feuer brennt, Welches dein En nicht kennt. 4. Laß mich heut und alle⸗ zeit Heilig, heilig, heilig! sin⸗ gen Und mich in die n Mit des Geistes Flügeln schwingen, Gieb mir einen Vorschmack ein, Wie es wird im Dime sein. 5. Ruh in mir und ich in dir; Bau ein Paradies im Herzen. Offenbare dich doch mir Und* meiner Andacht Kerzen—10 neue Nahrung zu, Heilge Liebesfl amme du! 6. Dieser Tag sei dir geweiht, Weg mit allen Eitelkeiten! Ich will deiner Herrlichkeit Einen Tempel zubereiten, Nichts sonst wollen, nichts sonst thun, Als in deiner Liebe ruhn. 7. Du bist mehr als Salo⸗ mon: Laß mich deine Weisheit höven Ithwill deinen Gnader en⸗ thron Mit gebeugten Knieen ehren, Bis mir deine Sonne lacht Und den schönsten Sonn⸗ tag macht. Benj. Schmolck, geb. 1672 4 1737. Eigne Melodie. 111. Daster Jesn, wir sind hier, Dich und dein Wortanzuhören: Lenke Sinnen 6 Sonntags⸗Lieder. und Begier Auf die süßen Him⸗ und Ohr, Zieh das Herze ganz melslehren, Daß die Herzen von empor. der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Ver⸗ stand Ist mit Finsternis um⸗ hüllet, Wo nicht deines Geistes 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Samkorn auf mich fällt; Gieb mir Licht in dem Verstande, Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Hand Uns mit hellem Licht Herzen ein, Laß es mir zur erfüllet. Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herrlich— Frucht gedeihn. „5. Stärk in mir den schwachen Glauben; Laß dein teures Kleinod mir Nimmer aus dem keit, Licht vom Licht, aus Gott Herzen rauben, Halte stets dein eboren: Mach uns allesamt Wort mir für, Daß es mir zum ereit, Oeffne Herzen, Mund und Ohren: Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Tob. Clausnitzer, geb. 1618 + 1684. Mel. Jesus, Jesus, nichts als Jesus oder Gott des Himmels und der ꝛc. 12 Thitmir aufdieschöne Pforte, Führet mich in Zion ein! Ach, wie wird an diesem Orte Meine Seele fröh⸗ lich sein! Hier ist Gottes An⸗ gesicht, Hier ist lauter Trostund Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir ge⸗ kommen, Komme du nun auch zu mir; Wo du Wohnung hast genommen, Da ist lauter Him⸗ mel hier. Zieh doch in mein Herz hinein, Laß es deinen Tem⸗ pel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten; Heilge du Leib, Seel und Leitstern dient Und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hö⸗ ren, Und dein Wille werd erfüllt; Nichts laß meine Andachtstören, Wenn der Brunn des Lebens quillt; Speise mich mit Him⸗ melsbrot, Tröste mich in aller Not. I. Oeffne mir die grünen Auen, Daß dein Lamm sich wei— den kann, Lasse mir dein Manna tauen, Zeige mir die rechte Bahn Hier in diesem Jammer⸗ thal Zu des Lammes Ehrensaal Benj. Schmolck, geb. 1672 f 1737. Mel Liebster Jesu, wir sind hier. un Gott lob, es ist 13. N vollbracht Singen, Beten, Lehren, Hören; Gott hat alles wohlgemacht; Drum laßt uns sein Lob vermehren, Un⸗ ser Gott sei hoch gepreiset, Daß Geist, Daß mein Singen und er uns so herrlich speiset. mein Beten Ein gefällig Opfer heißt, Heilge du, Herr, Mund 2. Weil der Gottesdienst ist aus, Und uns mitgeteilt der Segen,e nuch Hat Gottes? uns sern wohl ber 9. Un Gott, Un Mel. Aus 14. 8˙4 kommt h verdrose dermann hetfür,L gen Ihm heiliger 2. Aul Der Kör al Ang Helfer'! o manch zu nenn können und Wo 3. Au ten, De Seid fr Dort kor — X Sonntags-Lieder.— Advents⸗Lieder. 0 Segen, So gehn wir mit Freud nach Haus, Wandeln fein auf Gottes Wegen; Gottes Geist uns serner leite Und uns Alle wohl bereite. 3. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleicher⸗ maßen; Segne unser täglich Brot, Segne unser Thun und Lassen; Segne uns mit selgem Sterben Und mach uns zu Himmelserben! Hartmann Schenk, geb. 1634 4 1681. II. Advents⸗Lieder. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 1 4. Auf auf, ihr Reichs⸗ genossen, Eur König kommt heran, Empfanget un⸗ verdrossen Den großen Wun⸗ dermann; Ihr Christen geht herfür, Laßt uns vor allen Din⸗ en Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist gar nah; Hinweg all Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da; Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplag⸗ ten, Der König ist nicht fern; Seid fröhlich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Not Mit rin Trost euch speisen, Er will euch Hülf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. 4. Nun hört, ihr frechen Sün⸗ der, Der König merket drauf, Wenn ihr verlorne Kinder Im vollen Lasterlauf Auf arges seid bedacht, Ja thut es ohne Sorgen; Gar nichts ist ihm verborgen, Er giebt auf alles acht. 5. Seid fromm, ihr Unter⸗ thanen, Der König ist gerecht; Laßt uns die Weg ihm bahnen, Weg thun, was krumm und schlecht. Fürwahr, er meint es gut; Drum lasset uns die Pla⸗ gen, Die er uns schickt, er⸗ tragen Mit unerschrocknem Mut. 6. Und wenn gleich Krieg und Flammen Uns alles rau⸗ ben hin: Geduld, weil ihm zu⸗ sammen Gehört doch der Ge⸗ winn. Wenn gleich ein früher Tod Uns, die uns lieb, genom⸗ men, Wohlan, so sind sie kom⸗ men Ins Leben aus der Not. 7. Frisch auf in Gott, ihr Armen! Der König sorgt für euch, Er will durch sein Erbar⸗ men Euch machen groß und reich! Der selbst des Vögleins acht, Der wird auch euch ernäh⸗ ren; Was Menschen nur be⸗ gehren, Das steht in seiner Macht⸗ 8. Hat endlich uns betroffen Viel Kreuz, läßt er doch nicht Die, so auf ihn stets hoffen 8 Advents⸗Lieder. Mit rechter Zuversicht. Von Gott kommt alles her, Der lässet auch im Sterben Die Seinen nicht verderben, Sein Hand ist nicht zu schwer. 9. Frisch auf, ihr Hochbe⸗ trübten! Der König kommt mit Macht, An uns, sein Herz⸗ geliebten, Hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst und Pein Noch Zorn hinfort uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gnaden Läßt seine Kin⸗ der sein. 10. So lauft mit schnellen Schritten, Den König anzu⸗ sehn, Dieweil er kommt gerit⸗ ten Stark, herrlich, sanft und schön; Nun tretet all heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlösen kann. 11. Der König will beden⸗ ken Die, so er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns giebt In seinem Gnadenwort. Ja, König hocherhoben, Wir Alle wollen niurn Dich freudig hier und ort. 12. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, Wirst für uns arm und schwach, Du liebest unvergleichlich, Du eilst den Sündern nach: Drum wolln wir all in ein Die Stimmen hoch erschwingen, Dir Hosian⸗ na singen Und ewig dankbar sein. Joh. Rist, geb. 1607 f 1667. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. 15. Sieh. dein König kommt zu dir! Seele, das sind frohe Worte; Sprich: mein König, komm zu mir, Sieh, ich öffne dir die Pforte, Zeuch mit deiner Sanftmut ein; Was du fin⸗ dest, das ist dein. 2. Komm, ich bin dein Eigentum Schon seit dei— nem Wasserbade; Komm, dein Cvangelium Werde mir ein Wort der Gnade; Du schickst ja dein Wort voran, Daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, Was du hassest, was mich reuet; Komm und reinige dein Haus, Das die Sünde hat entweihet. Mache selbst mit deinem Blut Alles wie⸗ der rein und gut. 4. Komm in deinem Abend⸗ mahl, Das du uns zum Heil gegeben, Daß wir schon im Erdenthal Mit dir als im Himmel leben. Komm, Herr Jesu, leb in mir, Und mein Leben sei in dir! 5. Komm und bring den Tröster mit, Deinen Geist, der dich verkläret, Der mich im Gebet vertritt Und des Kö⸗ nigs Willen lehret, Daß ich bis auf jenen Tag: Komm Herr Jesu! rufen mag. Ph. Friedr. Hiller, geb. 1699 + 1769. Mel Nun komm der Heiden Heiland. 16² ott sei Dank durch *alle Welt, Der sein Vo der Sü lich ei 0 6. war Gefahr it De bef lomm atgeg Herecht Advents⸗Lieder. 9 sein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Rat Zu uns her gesendet hat. 2. Was der alten Väter Schaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und was sie geprophezeit, Ist erfüllt in Herrlichkeit. 3. Zions Hülf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jung⸗ frau Sohn, Der wohl zwei⸗ gestammte Held Hat sich treu⸗ lich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hosianna, o mein Teil! Richte du auch eine Bahn Dir in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, Es gehöret dir allein; Mach es, wie du gerne thust, Rein von allem Sündenwust. 6. Und wie deine Zukunft war Voller Sanftmut ohn Gefahr; Also sei auch jeder⸗ zeit Deine Sanftmut mir bereit. 7. Tröste, tröste meinen Sinn, Weil ich schwach und blöde bin, Und des Satans schlaue List Sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlangen Kopf entzwei, Daß ich, aller Aengsten frei, Dir im Glau⸗ ben um und an Selig bleibe zugethan. 9. Daß, 4 wenn du, o Le⸗ bensfürst, Prächtig wieder⸗ kommen wirst, Ich dir mög Eigne Melodie. ottes Sohn ist kom⸗ 17. G men Uns allen zu Frommen Hier auf diese Erden In armen Gebärden, Daß er uns von Sünde Freie und entbinde. 2. Er kommt auch noch heute Und lehret die Leute, Wie sie sich von Sünden Zur Buß sollen wenden, Von Irrtum und Thorheit Treten zu der Wahrheit. 3. Die sich sein nicht schä⸗ men Und sein Dienst an⸗ nehmen Durch den rechten Glauben Mit ganzem Ver⸗ trauen, Denen wird er eben Ihre Sünd vergeben. 4. Er thut ihnen schenken In den Sakramenten Sich selber zur Speisen, Sein Lieb zu beweisen, Daß sie sein ge⸗ nießen In ihrem Gewissen. 5. Die an ihn fest gläuben Uno beständig bleiben, Dem Herren in Allem Trachten zu gefallen, Die werden mit Freuden Auch von hinnen scheiden. 6. Denn bald und behende Kommt ihr letztes Ende, Da wird er vom Bösen Ihre Seel erlösen Und sie mit ihm führen Zu der Engel Chören. 7. Von dort wird er kom⸗ men, Wie denn wird ver⸗ nommen, Wenn die Toten entgegen gehn Und vor dir werden Erstehn von der Er⸗ gerecht bestehn. Heinrich Held(r 1643). den Und zu seinen Füßen Sich darstellen müssen. 10 Advent 8. Da wird er sie schei— den, Die Frommen zur Freu⸗ den, Die Bösen zur Höllen In peinliche Stellen, Wo sie ewig müssen Ihr Untugend büßen. 9. Komm nun, Herre Jesu, Schick unsre Herzen zu, Daß wir, alle Stunden Recht gläu⸗ big erfunden, Darinnen ver— scheiden Zu ewigen Freuden! Joh. Horn 1547. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. 18 H osianna! Davids 10. Sohn Kommt in Zion eingezogen; Ach bereitet ihm den Thron, Setzt ihm tausend Ehrenbogen. Streuet Palmen, machet Bahn, Daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! sei gegrüßt! Komm, wir gehen dir ent— gegen; Unser Herz ist schon gerüst, Will sich dir zu Fü— ßen legen; Zeuch zu unsern Thoren ein, Du sollst uns willkommen sein! 8⸗Lieder. Laß uns deine Sanftmut küssen; Wollte gleich die Knechtsgestalt Deine Majestät verschließen, Ei so kennet Zion schon Gottes und auch Da— vids Sohn. 6. Hosianna! steh uns bei! O Herr, hilf, laß wohlge— lingen, Daß wir ohne Heu⸗ chelei Dir das Herz zum Opfer bringen; Du nimmst keinen Jünger an, Der dir nicht gehorchen kann. 7“. Hosianna! laß uns hier An den Oelberg dich beglei— ten, Bis wir einstens für und für Dir ein Psalmenlied be— reiten; Dort ist unser Beth— phage; Hosianna in der Höhl 8. Hosianna! nah und fern Eile bei uns einzugehen, Du Gesegneter des Herrn, Warum willst du draußen stehen? Ho⸗ sianna! bist du da? Ja, du kommst, Hallelujah! Beni. Schmolck, geb. 1672 4 1737. 3. Hosianna! Friedensfürst, Mel. Vom Himmel hoch. Ehrenkönig, Held im Streiteil 9. Ka Heidenhei⸗ Alles, was du schaffen wirst. 4 land, Lösegeld, Das ist unsre Siegesbeute, Komm, schönste Sonne dieser Deine Rechte bleibt erhöht, Welt! Laß abwärts flammen Und dein Reich allein besteht. deinen Schein, Der du willst 4. Hosiannal lieber Gast, Mensch geboren sein. Wir sind deine Reichsgenossen. 2. Komm an von deinem Die du dir erwählet hast. Ehrenthron, Sohn Gottes und Ach so laß uns unverdrossen der Jungfrau Sohn, Komm Deinem Scepter dienstbar sein, an, du zweigestammter) Held, Herrsche du in uns allein! F 5. Hosianna! komme bald.„) Gottes⸗ und Davidssohn. Geh m Fleisch Geist i sich nar 5. E Strahl dies ff die Ma Der da Nach ener 300) vor Mel. Y N. alle„ 0 Heil und Komm Komm 0 hinein lönig, nung Mens mein du he 3. an dweig mere erzeig Advents-Lieder. 11 Geh mutig durch dies Thal der Welt. 3. Du wieder himmelauf; Dein Ab— fahrt war zum Höllenthal, Die Rückfahrt in den Ster— nensaal. 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich: Besiege dieses Fleisches Reich; Denn unser Geist in Fleisches Haft Sehnt sich nach deiner Himmelskraft. 5. Es glänzet deiner Krippe Strahl, Ein Licht leucht't durch dies finstre Thal, Es giebt die Nacht so hellen Schein, Der da wird unverlöschlich sein. Nach einem lateinischen Kirchengesange(um 380) von Joh. Franck, geb. 1618 + 1677. Rel. Meinen Jesum laß ich nicht. 0 omm, du wertes 20. K Löf segeld, Dessen alle Heiden hoffen, Komm, o Heiland aller Welt, Thor und Thüren stehen offen, Komm in angestammter Zier, Komm, wir warten mit Begier. 2. Zeuch auch in mein Herz binein, O du großer Ehren-— könig, Laß mich deine Woh— nung sein! Bin ich armer Mensch zu wenig,‚ Ei so soll mein Reichtum sein, Wenn du bei mir ziehest ein. 3. Nimm mein Hosianna an Mit den Siegespalmen⸗ zweigen: Soviel ich nur im⸗ nahmest erdwärts deinen Lauf Und stiegst auch dein Verdienst Mir zueignen mit Gewinnst. 4. Hosianna! Davids Sohn, Ach Herr, hilf, laß wohlge⸗ lingen! Laß dein Scepter, Reich und Kron Uns viel Heil und Segen bringen, Daß in Ewigkeit besteh: Hosianna in der Höh! Gottsr. Olearius, geb. 1635 + 1711. Mel. Ach Jesu, meiner Seele Freude. 5 ein König kommt 21. D in niedern Hül⸗ len, Ihn trägt der lastbarn Es' lin Füllen: Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen, Be⸗ streu den Pfad mit grünen Halmen! So ists dem Herren angenehm. 2. OmächtgerHerrscherohne Heere, Gewaltger Kämpfer ohne Speere, O Friedens⸗ fürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren, Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch alle Er⸗ denreiche werden Dem, das du gründest, unterthan. Be— waffnet mit des Glaubens Worten Zieht deine Schar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest mer kann, Will ich Ehre dir hergezogen, Da ebnen sich des erzeigen Und im Glauben Meeres Wogen, Es schweigt 2 Advents⸗Lieder. der Sturm, von dir bedroht Du kommst, auf den empörten Reinigkeit; Das A und O, Triften Des Lebens neuenBund Anfang und End, Giebt sich zu stiften, Und schlägst in für uns in groß Elend. Fesseln Sünd und Tod. 5. Was ist der Mensch, 5. O Herr von großer Huld was ist sein Thun, Daß Gott und Treue, O komme du auch für ihn giebt seinen Sohn? jetzt aufs neue Zu uns, die Bedarf unser das höchste Gur, wir sind schwer verstört. Not Daß es so unserthalben thute ist es, daß du selbst hienieden Kommst zu erneuern deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsternis erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus, Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus. Fr. Rückert, geb. 1789. 4 1866. Mel. Vom Himmel hoch 22 ob sei dem aller⸗ höchsten Gott, Der unser sich erbarmet hat, Ge⸗ sandt sein allerliebsten Sohn, Aus ihm geborn im höchsten Thron. 2. Auf daß er unser Hei⸗ land würd, Uns frei macht von der Sündenbürd Und durch seine Gnad und Wahr⸗— heit Führte zur ewigen Klarheit. 3. O große Gnad und Gü⸗ 6. O weh dem Volk, das dich veracht, Der Gnad sich nicht teilhaftig macht, Nicht hören will des Sohnes Stimm, Denn auf ihm bleibet Gottes Grimm. 7. O Mensch, wie, daß du's nicht verstehst, Dem König nicht entgegen gehst, Der zu dir ganz demütig kömmt Und sich so treulich dein annimmt 8. Ei, nimm ihn heut mit Freuden an, Bereit ihm dei⸗ nes Herzens Bahn, Auf daß er komm in dein Gemüt, Und du genießest seiner Güt. 9. Wo du dies thust, so ist er dein, Bewahrt dich vor der Höllen Pein; Wo nicht, so sieh dich eben für, Denn er schleußt dir des Himmels Thür. 10. Sein erstes Kommen in die Welt Ist in sanftmü⸗ tiger Gestalt; Das andre wird erschrecklich sein, Den Gottlo⸗ sen zu großer Pein. tigkeit! O tiefe Lieb und Mil⸗ digkeit! Gott thut ein Werk, das ihm kein Mann, Auch kein Engel verdanken kann. 4. Des Vaters Wort von II. Die aber jetzt in Christo stehn, Die werden dann zur Freud eingehn, Besitzen da der Engel Chör, Daß sie kein Uebel mehr berühr. Ewigkeit Wird Fleisch in aller Advents⸗Lieder. 13 12. Dem Vater in dem Herz zum Tempel zubereit: höchsten Thron, Samt seinem Die Palmen der Gottseligkeit eingebornen Sohn, Dem heil⸗ Streut hin mit Andacht, Lust gen Geiste gleicher Weis, Sei und Freud; So kommt der ewiglich Dank, Ehr und Preis. König auch zu euch, Ja Heil Wich. Weiße, 4 1540. Und Leben mit zugleich. Ge⸗ lobet sei mein Gott, Voll Eigene Melodie. Rat, voll That, voll Gnad! 23. 5. Komm, o mein Heiland, * die Thor macht Jesu Christ, Meins Herzens weit: Es kommt der Herr Thür dir offen ist, Ach zeuch der Herrlichkeit, Ein König mit deiner Gnaden ein, Dein aller Königreich, Ein Heiland Freundlichkeit auch uns er⸗ aller Welt zugleich, Der Heil schein, Dein heilger Geist uns und Leben mit sich bringt. führ und leit Den Weg zur Derhalben jauchzt, mit Freu⸗(ewigen Seligkeit! Dem Na⸗ den singt: Gelobet sei mein men dein, o Herr, Sei ewig Gott, Mein Schöpfer, reich Preis und Ehr! von Rat! Georg Weissel, geb. 1590 4 1635. 2. Er ist gerecht, ein Hel⸗ fer wert, Sanftmütigkeit ist Mel. Gar lustig jubilieren oder: 55 t Heli Sein Königs⸗ Aus meines ut, ron ist Heiligkeit, Sein Scep⸗ 0 Huit Ernst, o Men⸗ ter ist Barmherzigkeit; All 24. M schenkinder, Das unsre Not zum End er End in euch bestellt; Bald Derhalben jauchzt, mit Freu⸗wird das Heil der Sün en. den singt: Gelobet sei mein Der wunderstarke Held, Den Gott, Mein Heiland groß Gott aus Gnad allein Der von Thai! Welt zum Licht und Leben 3. O wohl dem Land, o Versprochen hat zu geben, Bei wohl der Stadt, So diesen allen kehren ein. König bei sich hat! Wohl 2. Bereitet doch fein tüch⸗ allen Herzen insgemein, Da tig Den Weg dem großen dieser König ziehet ein! Er Gast, Macht seine Steige rich⸗ ist die rechte Freudensonn, tig, Laßt alles, was er haßt; Bringt mit sich lauter Freud Macht alle Bahnen recht, Die und Wonn; Gelobet sei mein Thal laßt sein erhöhet, Macht Gott, Mein Tröster früh niedrig, was hoch stehet, Was und spat! i ist, gleich und schlecht. 4. Macht hoch die Thür. 3. Ein Herz, das Demut die Thor macht weit, Eur liebet, Bei Gott am höchsten 14 Advent steht, Ein Herz, das Hochmut übet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Ar— men In dieser heilgen Zeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit: Zeuch in mein Herz hinein Vom Stall und von der Krippen, So werden Herz und Lippen Dir allzeit dankbar sein! Valentin Thilo, geb. 1607 4 1662. Mel. Aus meines Herzens Grunde. .——— un jauchzet, all 25. N ihr Funen In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit: Zwar ohne stolze Pracht, Doch mäch⸗ tig zu verheeren Und gänz⸗ lich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Er kommt zu uns ge⸗ ritten Auf einem Eselein Und stellt sich in die Mitten Für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut; Er will allein erwerben Durch seinen Tod und Sterben, Was ewig wäh⸗ ren thut. 3. Kein Scepter, keine Krone Sucht er auf dieser Welt: Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Maje⸗ stät verhüllen, Bis er des 8⸗Lieder. Vaters Willen Im Leiden hat vollbracht. 4. Ihr Mächtigen auf Er⸗ den, Nehmt diesen König an, Wollt ihr beraten werden Und gehn die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt, Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hohem trachtet, Des höchsten Zorn euch rührt. 5. Ihr Armen und Elen⸗ den, In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid: Seid dennoch wohlgemut! Laßt eure Lieder klingen Und thut dem König singen; Der ist eur höchstes Gut. 6. Er wird nun bald er⸗ scheinen In seiner Herrlichkeit Und alles Leid und Weinen Verwandeln ganz in Freud. Er ist, der helfen kann: Halt eure Lampen fertig, Und seid stets sein gewärtig! Er ist schon auf der Bahn. Mich. Schirmer, geb. 1606 4 1673. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. un kommt das neue 26. N Kirchenjahr, Des freut sich alle Christenschar; Dein König kommt, drum freue dich, Du wertes Zion, ewiglich. Hallelujah! 2. Wir hören noch das Gnadenwort, Von Anfang wieder fort und fort, Das uns den Weg zum Leben weist; Gott sei für seine Gnad gepreist! Hallelujah! Advents-Lieder. 15 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, Die unsern Glauben stets vermehrt, Laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für! Hallelujah! Joh. Olearius, geb. 1611 1 1684⁴. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 27 Worum willst du draußen stehen, Du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, Wohlgefallen, du mein Stern. ihren Kindern, Fall ich vol⸗ lends in den Tod; Da ist Trost, der mich betrübt, Freude, die mein Unglück liebt, Hel⸗ fer, die mir Herzleid machen, Gute Freunde, die mein lachen. 5. In der Welt ist alles nichtig; Nichts ist, das nicht kraftlos wär: Hab ich Hoheit, die ist flüchtig: Hab ich Reich— tum, was ists mehr, Als ein Stäublein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie wert? Was ist, das mich heut er— Du mein Jesu, meine Freud, freue, Das mich morgen nicht Helfer in der rechten Zeit, Hilf, o Heiland, meinem Her⸗ zen Von den Wunden, die mich schmerzen. 2. Meine Wunden sind der Jammer, Welchen oftmals Tag und Nacht Des Gesetzes star— ker Hammer Mir mit seinem Schrecken macht. O der schwe— ren Donnerstimm, Die mir Gottes Zorn und Grimm Also tief ins Herze schläget, Daß sich all mein Blut be⸗ weget! 3. Dazu kommt des Teu⸗ fels Lügen, Der mir alle Gnad absagt, Als müßt ich nun ewig liegen In der Hölle, die ihn plagt. Ja auch, was noch ärger ist, So zermartert und zerfrißt Mich mein eige— nes Gewissen Wie mit giftgen Schlangenbissen. 4. Will ich denn Elend lindern Und erleichtern meine Not Bei der Welt und gereue? 6. Aller Trost und alle Freude Ruht in dir, Herr Jesu Christ; Dein Erfreuen ist die Weide, Da man sich recht fröhlich ißt. Leuchte mir, o Freudenlicht, Ehe mir mein Herze bricht; Laß mich Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich erblicken! 7. Freu dich, Herz, du bist erhöret, Jetzo kommt und zeucht er ein; Sein Gang ist zu dir gekehret, Heiß ihn nur willkommen sein, Und bereite dich ihm zu, Gieb dich ganz zu seiner Ruh, Oeffne dein Gemüt und Seele, Klag ihm, was dich drückt und quäle— 8. Was du Böses hast be⸗ gangen, Das ist alles abge— schafft; Gottes Liebe nimmt gefangen Deiner Sünden mein Macht und Kraft. Christi Sieg behält das Feld, Und was Böses in der Welt Sich will 16 Advents⸗Lieder. wider dich erregen, Wird zu den; Du kommst und machst lauter Glück und Segen. mich los; Ich stand in Spott 9. Alles dient zu deinem und Schanden: Du kommst Frommen, Was dir bös und und machst mich groß, Und schädlich scheint, Weil dich hebst mich hoch zu Ehren, Christus angenommen Und Und schenkst mir großes Gut, es treulich mit dir meint. Das sich nicht läßt verzehren, Bleibst du dem beständig treu, Wie irdscher Reichtum thut. Ists gewiß und bleibt dabei. 5. Nichts, nichts hat dich Daß duj mit den Engeln dro⸗ getrieben Zu mir vom Him⸗ den dort ewig werdestimelszelt, Als das geliebte loben. 2 Lieben, Damit Du alle Welt waul.Glehardr, arb. 1005 f 16076. In ihren tausend Plagen Und großen Jammerslast, Die kein Mel. Valet will ich dir geben. Mund kann aussagen, So fest 28. Meie soll ich dich umfangen hast. * empfangen Und 6. Das schreib dir in dein wie begegn ich dir? O aller Herze, Du hochbetrübtes Heer, Welt Verlangen, O meiner Bei denen Gram und Schmerze Seelen Zier! O Jesu, Jesu, Sich häuft je mehr und mehr, setze Mir selbst die Fackel bei, Seid unverzagt, ihr habet Die Damit was dich ergötze, Mir Hülfe vor der Thür; Der kund und wissend sei. eure Herzen labet Und trö- 2. Dein Zion streut dir stet, steht allhier! Palmen Und grüne Zweige 7. Ihr dürft euch nicht be⸗ hin, Und ich will dir in Psal⸗ mühen Noch sorgen Tag und men Ermuntern meinen Sinn: Nacht, Wie ihr ihn wollet Mein Herze soll dir grünen ziehen Mit eures Armes Mlacht; In stetem Lob und Preis Und Er kommt, er kommt mit Deinem Namen dienen, So Willen, Ist voller Lieb und gut es kann und weiß. Lust, All Angst und Not zu 3. Was hast du unterlassen stillen, Die ihm an euch bewußt. Zu meinem Trost und Freud, 8. Auch dürft ihr nicht er⸗ Als Leib und Seele saßen schrecken Vor eurer Sünden⸗ In ihrem größten Leid? Als schuld; Nein, Jesus will sie mir das Reich genommen, decken Mit seiner Lieb und Da Fried nnd Freude lacht, Huld;: Er kommt, er kommt Da bist du, mein Heil kom⸗ den Sündern Zum Trost und men Und hast mich froh wahren Heil, Schafft, daß bei gemacht. Gottes Kindern Verbleib ihr 4. Ich lag in schweren Ban-Erb und Teil. SS S 8 S=E Nel. 2 Bund Gott, stieß, sproch in sei heißn 2 . K N Adbents⸗Lieder.— Weihnachts⸗Lieder. 17 9. Was fragt ihr nach dem gerichte, Zum Fluch dem, der Schreien Der Feind und ihrer ihm flucht, Mit Gnad und Tuͤck? Der Herr wird sie zer⸗süßem Lichte Dem, der ihn streuen In einem Augenblick. liebt und sucht. Ach komm, Er kommt, er kommt ein Kö-ach komm, o Sonne, Und hol nig, Dem wahrlich alle Feind uns allzumal Zum ewgen Auf Erden viel zu wenig Licht und Wonne In deinen Zum Widerstande seind. 5 10. Er kommt zum Welt⸗ Paul Gerhardt, geb. 1606 4 1676. III. Weihnachts⸗Lieder. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. deinen Sohn auf Erden Sieht 29. hat im Pa⸗zu einem Menschen werden? Seinen 5. Ist die Krippe nicht zu Bund mit Gott gebrochen;. Is— 5tt. der ihn dorh micht schlecht? Ist der Stall nicht , Hat 1 dooch nicht ver⸗ zu geringe? Wird mein Gott orae 90 Aund un 3 mmt an armer Knecht, Daß er sprochen: N.— omnt mir den Segen bringe? OHerr Le ver⸗Jesu, dein Beginnen Ueber⸗ heißne Weibessamen. Fe S 59 ö steiget alle Sinnen. 2, Komm, mein Helser in ů der Not, Komm, o Heiland 8. Ad du nicht die En⸗ aller Sünder! Du wirst gel an⸗ e auch von dir Mensch und bist auch Gott, verloren? Was hat denn der *—„ 0 9 Für uns arme Menschenkin⸗ Mensch gethan, 45 du nur der; Denn wer könnte sonst für ihn geboren! Was kann erretten, Wenn wir keinen Tleisch und Blut dir geben, Jesum hätten. Daß wir sollen ewig leben? 3. Aber Gott, was bin ich 7. Auf mein Herz! hier ist doch, Daß du deinen Sohn dein Gott, Heiß ihn tausend⸗ mir giebest? Reicht die Gna⸗ mal willkommen! Deine Sün⸗ de schon so hoch, Wenn du de, deinen Tod Hat er schon deine Feinde liebest: Was auf sich genommen: Künftig wird sie denn künftig geben wird er für dich sterben, Und Denen, die in Christo leben? du wirst den Himmel erben. 4. Daß du Menschen hast 8. Drum so danke, wer gemacht, Hat dich ja vordem da kann, Gott dem Vater gereuet: Wer hat's denn zu⸗ aller Gnaden, Bete seinen wege bracht, Daß sich nun Heiland an, Der uns hilft dein Herze freuet, Wenn man aus allem Schaden! Ehre sei 2 18 Gott in der Höhe, Und des Satans Reich vergehe! Cappar Neumann, geb 1½8 4+ 1745. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. 3 ies ist die Nacht, 30. D da mir erschie— nen Des großen Gottes Freundlichkeit: Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt⸗ und Him⸗ melslicht Weicht hunderttau— send Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, mei— ne Seele, Versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein; Er treibet weg der Höllen Macht, Der Sünden und des Kreu⸗ zes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der kla⸗ ren Seligkeit: Wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, Vielleicht noch in gar kurzer Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens⸗ und dein Liebeslicht: Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht. Willst du genießen die⸗ sen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel sein. 5. Drum, Jesu, schöne Weih⸗ nachtssonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst! Dein Licht Weihnachts⸗Lieder. sei meine Weihnachtswonne Und lehre mich die Weih— nachtskunst, Wie ich im Lichte wandeln soll Und sei des Weihnachtsglanzes voll! Caspar Fr. Nachtenhöfer, geb. 1621 4+ 1685. Mel. Vom Himmel hoch, da komm. —24 ies ist der Tag, 31. D den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt ge⸗ dacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit er⸗ füllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an und er ermißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt; Nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, Erscheinst im Fleisch, wirst unser Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir!„Ich komm, im Bu⸗ che steht von mir; Gott, dei⸗ nen Willen thu ich gern.“ Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott Mes⸗ sias, bet ich an. die W der sii Menst Derin 9.4 ihn e heiligf die ihr dem Weihnachts⸗Lieder. 19 7. Du unser Heil und höch— stes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst un⸗ ser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler ist's, der sie erhält: Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schoße sitzt? 9. Jauchzt Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt! Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, Da sich dein Herz beweget Zur Liebe gegen mich; Ja du warst selber Gott, Damit du machst im Fleisch Sünd, Höll und Tod zu Spott. 4. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch bewogen? Was hat vons Himmels Thron Dich in die Welt gezogen? Ach! deine große Lieb Und meine große Not Hat deine Glut entflammt, Die stärker 19. der Tod. 5. Du bist das Wort, wo⸗ dem Herrn, ein neues Lied! durch Die ganze Welt for⸗ 10. Dies ist der Tag, den mieret: Denn alle Dinge sind Gott gemacht! Sein werd in Durch dich ans Licht ge⸗ aller Welt gedacht! Ihn preise, führet. Ach, so bin ich, mein was durch Jesum Christ Im Heil, Auch dein Geschöpf und Himmel und auf Erden ist. Gab, Der alles, was ich bin, Ehr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 1 1769. Von dir empfangen hab. Mel. O Gott, du frommer Gott. 6. Gieb, daß ich dir zum u wesentliches Wort, Dienst Mein ganzes Herz er⸗ Von Anfang her gebe, Auch dir allein zum gewesen, Du Gott, von Gott Preis Auf dieser Erde lebe: gezeugt, Von Ewigkeit erlesen Ja, Jesu, laß Zum Heil der ganzen Welt, O mein Herr Jesu Christ; mein Herz Ganz neu geschaffen sein Und dir bis in den Tod Gewid⸗ Willkommen, der du mir Zum met sein allein. Heil geboren bist. 2. Komm, o 7. Ach! laß nichts in mir selbständig sein, Was du nicht hast ge⸗ Wort! Und sprich in meiner schaffen: Reut alles Unkraut Seele, Daß mir's in Ewig⸗aus, Und brich des Feindes keit An Troste nimmer fehle; Waffen. Was bös, ist nicht Im Glauben wohn in mir von dir, Das hat der Feind Und weiche nimmer nicht; gethan: Du aber führ mein Laß mich Isch nicht von dir Herz Und Fuß auf ebner Abweichen, schönstes Licht! 3. Du wesentliches Wort Bahn. 8. Das Leben ist in dir, Warst bei Gott, eh geleget Und alles Licht des Lebens; Der Grund der großen Welt, Laß an mir deinen Glanz 2* 20 Weihnachts⸗Lieder. Mein Gott, nicht sein ver⸗ schenken; Sollt nicht mein gebens, Weil du das Licht Sinn Innigst sich freuen da⸗ der Welt, So sei mein Le-rin Und sich in Demut ver⸗ benslicht, O Jesu, bis mir senken? dort Dein Sonnenlicht anbricht. 6. König der Ehren, aus Laur. Laurenti, geb. 1660 f 1722. Liebe geworden zum Kinde— Dem ich auch wieder mein Mel. Lobe den Herren, den mächtigen. Herze in Liebe verbinde, Du 33.—auchzet, ihr Him⸗ sollst es sein, Den ich er⸗ ½. 0 mel, frohlocket, ihr wähle allein: Ewig entsag' englischen Chöre, Singet dem ich der Sünde. Herren, dem Heiland der 7. Treuer Immanuel, werd Menschen, zur Ehre; Sehet auch in mir nun geboren; doch da, Gott will so freund⸗ Komm doch, mein Heiland, lich und nah Zu den Verlor⸗Denn ohne dich bin ich ver⸗ nen sich kehren. loren; Wohne in mir, Mach 2. Jauchzet, ihr Himmel, mich ganz eines mit dir, Der frohlocket, ihr Enden der Er- du mich liebend erkoren. den, Gott und der Sünder, 8. Menschenfreund Jesu, die sollen zu Freunden nun dich lieb ich, dich will ich werden. Friede und Freud erheben; Laß mich doch ein⸗ Wird uns verkündiget heut: zig nach deinem Gefallen Freueteuch, Hirtenund Herden. nun leben; Gieb mir doch 3. Sehet dies Wunder, wie bald, Jesu, die Kindesgestalt, tief sich der Höchste hier beu- Ewig mich dir zu ergeben. get; Sehet die Liebe, die end⸗ Cerhard Terstegen, geb. 1697 4 1769. lich als Liebe sich zeiget; Gott wird ein Kind, Träget und Eigne Melodie. hebet die Sünd: Alles 29504. Wr dich, mein betet und schweiget. schwacher Geist, 4. Gott ist im Fleische! Und trage groß Verlangen, wer kann dies Geheimnis ver⸗Ein kleines Kind, das Vater stehen? Hier ist die Pforte heißt, Mit Freuden zu em⸗ des Lebens nun offen zu pfangen. Dies ist die Nacht, sehen: Gehet hinein, Macht darin es kam Und menschlich euch dem Kinde gemein, Die Wesen an sich nahm, Da⸗ ihr zum Vater wollt gehen. durch die Welt mit Treuen 5. Hast du denn, Höchster, Als seine Braut zu freien. auch meiner noch wollen ge⸗ 2. Willkomm'n, osüßer Bräu⸗ denken? Du willst dich selber, tigam, Du König aller Ehren! dein Herze der Liebe, mir Willkommen, Jesu, Gottes Weihnachts⸗Lieder. Lamm! Ich will dein Lob vermehren. Ich will dir all mein Lebenlang Von Herzen 21 den starken Mann, der Feur und Wolken zwingen kann, Vor dem die Himmel zittern, sagen Preis und Dank, Daß Und alle Berg erschüttern. du, da wir verloren, Für uns bist Mensch geboren. 3. O großer Gott, wie konnt es sein, Dein Himmel— reich zu lassen, Zu kommen in die Welt hinein, Da nichts, denn Neid und Hassen? Wie konntest du die große Macht, Dein Königreich, die Freu— denpracht, Ja dein erwünsch⸗ tes Leben, Für solche Feind hingeben? 4. Ist doch, Herr Jesu, voller Schanden; Doch hast du sie dir selbst vertraut Am Kreuz, sie doch, da sie Gott verließ, legen. 5. Du deine Braut Ganz arm und Was Fürst und Herr⸗mein 7. O liebes Kind, o süßer Knab, Holdselig von Gebär⸗ den, Mein Bruder, den ich lieber hab, Als alle Schätz auf Erden: Komm schönster, in mein Herz hinein, Komm eilend, laß die Krippe sein; Komm, komm, ich will bei Zeiten Dein Lager dir bereiten. 8. Sag an, mein Herzens⸗ bräutigam, Mein Hoffnung, Freud und Leben, Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, soll ich dir doch geben? Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist, Ja alles, was in Todesbanden. Liegt Mensch ist und heißt; Ich will mich ganz verschreiben In Fluch und Tod und Fin⸗ sterniß; Doch willst du ihret⸗ wegen Dein Scepter von dir Herr Dir ewig treu zu bleiben. 9. Lob, Preis und Dank, Jesu Christ, Sei dir von mir gesungen, ß Daß du Bruder worden bist, scher dieser Welt, Du Frie⸗Und hast die Welt bezwun⸗ 5 denswiederbringer, Du kluger gen! Hilf, daß ich Der Rat und tapfrer Held, Höllenmacht Bezwinger! Erniedrigest Daß du im ärmsten Orden Der Menschen Mensch ge— worden. 6. O großes Werk, o Wun⸗ bernacht, Dergleichen nie ge⸗ funden! Du hast den Heiland hergebracht, Der alles über— wunden: Du hast gebracht Wie ist es möglich, daß du dich so jämmerlich, deine Gü⸗ tigkeit Stets preis' in dieser Gnadenzeit, Und mög hernach dort oben In Ewigkeit dich loben. Johann Rist, geb. 1607 1 1667. Eigne Melodie. QAEreuet euch, ihr Chri⸗ 59. 0 sten alle, Freue sich, wer immer kann! Gott hat viel an uns gethan. Freuet euch mit großem Schalle, Daß Weihnachts-Lieder. er uns so hoch geacht, Sich. 2. Heute geht aus seiner mit uns befreund't gemacht. Kammer Gottes Held, Der Freude, Freude über Freude, die Welt Reißt aus allem Christus wehret allem Leide! Jammer. Gott' wird Mensch, Wonne, Wonne über Wonne.: dir, Mensch, zu gute, Gottes Christus ist die Gnadensonne! Kind, Das verbind't Sich mit 2. Siehe, siehe, meine Seele, uns Wie dein Heiland kommt zu dir, Brennt in Liebe für und für, Daß er in der Krippen⸗ höhle Harte lieget dir zu gut, Dich zu lösen durch sein Blut. Freude, Freude u. s. w. 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Ich bekenne, daß von dir Meine Seligkeit herrühr. Ach laß mich von dir nicht unserm Blute. 3. Sollt uns Gott nun kön⸗ nen hassen, Der uns giebt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Aus dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Sollte von uns sein gekehret, Der sein Reich Und zugleich Sich selbst uns ver— wanken, Nimm mich dir zu ehret? Sollt uns Gottes eigen hin, So empfindet Herz Sohn nicht lieben, Der jetzt und Sinn Freude, Freude u.s. w. kömmt, Von uns nimmt, Was 4. Jesu, nimm dich deiner uns will betrüben? Glieder Ferner doch in Gna⸗ 5. Hätte vor der Menschen den an; Schenke, was man Orden Unser Heil Einen bitten kann, Zu erquicken deine Greul, Wär er nicht Mensch Brüder; Gieb der ganzen worden. Hätt er Lust zu un⸗ Christenschar Frieden und ein serm Schaden, Ei so würd selges Jahr. Freude, Freude Unsre Bürd Er nicht auf über Freude; Christus wehret sich laden. allem Leide; Wonne, Wonne 6. Er nimmt auf sich, was über Wonne; Christus ist die auf Erden Wir gethan, Giebt Gnadensonne! sich an, Unser Lamm zu wer⸗ Christian Keymann, geb. 1007 4 1662. den; Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Mel. Warum sollt ich mich denn. Für den Tod Heil und Fried 36. Aröhlich soll mein erwirbet. Herze springen 7. Nun er liegt in seiner Dieser Zeit, Da vor Freud Krippen, Ruft zu sich Mich Alle Engel singen, Hört, hört, und dich, Spricht mit süßen wie mit vollen Chören Alle Lippen:Lassetfahren, liebe Brü⸗ Luft Laute ruft: Christus ist der, Was euch quält, Was euch geboren! fehlt, Ich bring alles wieder. Weihnachts-Lieder. 8. Nun so kommt und laßt uns laufen, Stellt euch ein, Groß und klein, Kommt mit großen Haufen. Liebt den, der vor Liebe brennet; Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr schwebt in gro— 23 14. Ich bin rein um dei⸗ netwillen, Du giebst gnug Ehr und Schmuck, Mich da— rein zu hüllen. Ich will dich ins Herze schließen; O mein Ruhm, Edle Blum, Laß dich recht genießen! 15. Ich will dich mit Fleiß ßen Leiden, Sehet, hier Ist bewahren, Ich will dir Leben die Thür Zu den wahren hier, Dir will ich nachfahren. Freuden. Faßt ihn wohl, er Mit dir will ich endlich schwe— wird euch führen An den ben, Voller Freud. Ohne Ort, Da hinfort Euch kein Zeit Dort im andern Leben. Kreuz wird rühren. Paul Gerhardt, geb. 1606 f 1676. 10. Wer sich find't be⸗ schwert im Herzen, Wer em⸗ Eigne Melodie. pfind't Seine Sünd uund Ge⸗—30— r seist du, Jesu wissensschmerzen, Sei getrost!. Christ, Daß du hier wird gefunden, Der in Mensch geboren bist Von Eil Machet heil Die vergift'- einer Jungfrau, das ist wahr. ten Wunden. Des freuet sich der Engel 11. Die ihr arm seid und Schar. Kyrieleis! elende, Kommt herbei, Füllet 2. Des ewgen Vaters einig frei, Eures Glaubens Hände: Kind Jetzt man in der Krippe Hier sind alle guten Gaben, find't, In unser armes Fleisch Und das Gold, Da ihr sollt und Blut Verkleidet sich das Euer Herz mit laben. ew'ge Gut. Kyrieleis! 12. Süßes Heil, laß dich 3. Den aller Weltkreis nie umfangen, Laß mich dir, beschloß, Der liegt in Ma⸗ Meine Zier, Unverrückt an-riens Schoß: Er ist ein Kind⸗ hangen. Du bist meines Le-lein worden klein, Der alle bens Leben; Nun kann ich Ding erhält allein. Kyrieleis! Mich durch dich Wohl zufrie⸗ 4. Das ewge Licht geht den geben. da herein, Giebt der Welt 13. Meine Schuld kann mich nicht drücken, Denn du hast Meine Last All auf dei⸗— nem Rücken. Kein Fleck ist an mir zu finden, Ich bin gar Rein und klar Aller mei— ner Sünden. ein neuen Schein, Es leucht't wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hier ward, Und führt uns gus dem Jammer⸗ thal: Er macht uns Erb'n in seinem Saal. Kyrieleis! 6. Er ist auf Erden kom⸗ men arm, Daß er unser sich erbarm, Und in dem Himmel mache reich Und seinen E gleich. Kyrieleis! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit Und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis! Mart. Luther, geb. 1483 1546. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 38 4 steh an deiner Krippen hier, o Jesu, mein Leben, Ich stehe, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin, Und aß dirs 5 wohlgefallen. ů 2., Du hast mit deiner Lieb erfüllt 12—— Adern und Ge⸗ blüte, Dein schöner Glanz, dein süßes Bild Liegt mir stets im Gemüte. Und wie mag es auch anders sein, Wie könnt ich dich, du Herze mein, Aus meinem Herzen lassen 3. Da ich Boch nicht ge⸗ boren war, Da bist du mir geboren, Und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt, erk erkoren. Eh deine Hand Eanh Weihnachts-Lieder. „Ich bin dein Tilger deiner a 4. Ich lag in tiefer To⸗ desnacht, Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne, O Sonne, die das werte Licht Des Glaubens in mir zugericht't, Wie schön sind deine Strahlen! 5. Ich sehe dich mit Freuden an Und kann mich nicht satt sehen, Und weil ich nun nichts weiter kann, Bleib ich bewun⸗ dernd stehen. O, daß mein Sinn ein Abgrund wär, Und meine Seel' ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 6. Wenn oft mein Herz im Leibe weint Und keinen Trost kann finden, Rufst du mir zu: Freund, Ein Was trauerst du, mein Fleisch und Bein? Du sollst ja guter Dinge sein, SWahl deine Schulden.“ 7. Du fragest nicht nach Lust der Welt, Noch mach des Lei⸗ bes Freuden. Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seelen Trost⸗ und Freud Durch dein selbsteignes Her⸗ zel leid⸗ Das will ich dir nicht wehren „Eins aber hoff ich, wirst 10 mir, 2.— Heiland, nicht versagen, Daß ich dich)möge für und für In, bei und an durch mir tragen. So laß mich doch Da hat dein Kripplein sein, Komm, dein Herze schon bedacht Wie komm und lege bei mir ein Du mein wolltest werden. Dich und all deine Freuden! Weihnachts-Lieder. 9. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich bewirten werde: Du bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde. ein lieber Gast, Daß du noch nie verschmähet hast Den, der Dich gerne siehet. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Vom Himmel hoch. * Empor zu Gott, mein 39. E Lobgesang! Er dem das Lied der Engel klang, Der hohe Freudentag ist da, Lobsinget ihm: Hallelujah! 2. Vom Himmel kam in dunkler Nacht Der uns das Lebenslicht gebracht; Nun leuchtet uns ein milder Strahl Wie Morgenrot im dunklen Thal. 3. Er kam, des Vaters Ebenbild“, Von schlichtem Pil⸗ gerkleid umfüllt, Und führet uns mit sanfter Hand, Ein treuer Hirt, ins Vaterland. 4. Er, der jetzt bei dem Vater thront, Hat unter uns, ein Mensch, gewohnt, Damit auch wir ihm werden gleich Auf Erden und im Himmel⸗ reich. 5. Einst führet er zur Him⸗ melsbahn Uns, seine Brüder, auch hinan, Und wandelt un⸗ ser Pilgerkleid In Sternen⸗ glanz und Herrlichkeit. 6. Empor zu Gott, mein Lobgesang! Er, dem der En⸗ ) Ebr. 1, 3. 25 i Lied erklang, Der hohe Freudentag ist da: Ihr Chris⸗ ten, singt Hallelujah! Dr. Friedr. Ad. Krummacher, ged. 1768 4 1845. Doch bist du so Mel. Den die Hirten lobten sehre. 40 550 und laßt uns N Christum ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren; Singet fröhlich, laßt euch hören, Wertes Volk der Christenheit! 2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen: Wir, die unser Heil annehmen, Werfen allen Kummer hin. 3. Sehet, was Gott hat gegeben: Seinen Sohn zum ew'gen Leben; Dieser kann und will uns heben Aus dem Leid ins Himmels Freud. 4. Seine Seel ist uns ge⸗ wogen, Lieb und Gunst hat ihn gezogen, Uns, die Sata⸗ nas betrogen, Zu besuchen aus der Höh. 5. Jakobs Stern ist aufge⸗ gangen, Stillt das sehnliche Verlangen, Bricht den Kopf der alten Schlangen Und zer⸗ stört der Höllen Reich. 6. Unser Kerker, da wir saßen, Und mit Sorgen ohne Maßen Uns das Herze schier zerfraßen, Ist entzwei, und wir sind frei. 7. O gebenedeite Stunde, Da wir das von Herzensgrunde Glauben und mit unserm Mun⸗ de Danken dir, o Jesu Christ! 26 Weihnachts-Lieder. 8. Schönstes Kindlein in dem sein freundlicher, Der liebe Je⸗ Stalle! Sei uns freundlich, sus mein. bring uns alle Dahin, wo mit 8. Heut schleußt er wieder süßem Schalle Dich der Engel auf die Thür Zum schönen Heer erhöht. Paradeis; Der Cherub steht Paul Gerhardt, geb. 1600 f 1676. nicht mehr dafür: Gott sei Lob, Ehr und Preis! Nikol. Hermann, 1561. Eigne Melodie. 41 Qobt Gott, ihrChristen, »WDallzugleich, In seinem Mel. Heut singt die liebe Christenheit. höchsten Thron, Der heut auf— 42. Mrich an, du schönes schleußt sein Himmelreich Und 4X Morgenlicht! Das schenkt uns seinen Sohn„ ist der alte Morgen nicht, 2. Er kommt aus seines Va⸗Der täglich wiederkehret. Es ters Schoß Und wird ein Kind- ist ein Leuchten aus der Fern, lein klein; Er liegt dort 1553.. ist ein Schimmer, ist ein nackt und bloß In einem Kripõ⸗Stern, Von dem ich längst pelein. gehöret. 3. Er äußert sich all seiner. 2. Nun wird ein König Gwalt, Wird niedrig und ge- aller Welt, Von Ewigkeit ring, Und nimmt an sich eins zum Heil bestellt, Ein zartes Knechts Gestalt, Der Schöpfer Kind geboren. Der Teufel aller Ding.) hat sein altes Recht Am 4. Er liegt an seiner Mutter ganzen menschlichen Geschlecht Brust, Ihr Milch, die ist sein Verspielt und schon verloren. Speis, An dem die Engel sehn 3. Der Himmel ist jetzt nim⸗ ihr Lust, Denn er ist Davids mer weit, Es naht die sel'ge Reis,. Gotteszeit Der Freiheit und 5. Das aus sein'm Stamm der Liebe. Wohlauf, du frohe entsprießen sollt In dieser letz⸗ Christenheit! Daß jeder sich ten Zeit, Durch welchen Gott nach langem Streit In Frie⸗ aufrichten wollt Sein Reich, denswerken übe. die Christenheit. 4. Ein ewigfestes Liebes⸗ 6. Er wechselt mit uns wun⸗ band Hält jedes Haus und derlich: Fleischund Blutnimmt jedes Land Und alle Welt er an, Und giebt uns in seins umfangen; Wir alle sind ein Vaters Reich Die klare Gott- heil'ger Stamm, Der Löwe heit dran. re mit dem Lamm, Das 7. Er wird ein Knecht und Kind am Nest der Schlangen. ich ein Herr, Das mag ein 5. Wer ist noch, welcher Wechsel sein! Wie ü und sinnt? Hier in der NiV.-SIOI Giessen Weihnachts-Lieder. 2 Krippe liegt ein Kind Mit bracht: Sie wird als Braut freundlicher Gebärde. Wir der Gottheit nun gekrönet, grüßen dich, du Gottesheld! Da sie der Himmel selbst so Willkommen, Heiland aller herrlich macht. Die Menschheit Welt, Willkommen auf der wird nun ganz erneut Und Erde! als ein reiner Thron der Gott⸗ N. von Schenkendorf, geb. 1783 4 1817. heit eingeweiht. 5. Die Weisheit wohnt nun Mel. Mein Freund zerschmilzt. wieder auf der Erden, Dadurch 43 WViebe, die den Him⸗ das Paradies im Menschen . mel hat zerrissen, grünt. Nur können wir aus Die sich zu mir ins Elend Gott geboren werden, Weil niederließ: Was für ein Trieb die Geburt des Herren dazu hat dich bewegen müssen, Der dient; Die neu geborne Seele dich zu mir ins Jammerthal spürt, Daß sie ein anderer verwies? Die Liebe hat es Geist aus ihrem Ursprung selbst gethan, Sie schaut als rührt. Mutter mich in meinem Jam⸗ 6. Kein Elend kann nun mer an. unserm Herzen schaden: Im⸗ 2. Die Liebe ist so groß in manuel ist bei uns in der deinem Herzen, Daß du für Not; Ich gehe nur zu ihm, mich das größte Wunder thust; dem Quell der Gnaden, So Die Liebe macht dir meinet- dient mir selbst das Elend wegen Schmerzen, Daß mir und der Tod. Der Jammer u 5 unerhörter Liebesrat, Der selbst des Vaters Wort ins Fleisch gesenket hat. gut du unter Dornen ruhst. hängt mir nur noch an, Der mir in Christo 7. Die Sündekannmich auch doch schädlich werden kann. nicht 3. Die Liebe ist mein An-nicht mehr verdammen, Weil verwandter worden: Bruder ist selbst die Barm⸗ Deot man Die Gottheit selbst ebt nun in meinem Orden: Die Ewigkeit vermählt sich mit der Zeit. Das Leben selbst ist Mensch geborn, Der Glanz der Herrlichkeit, das Licht, das wir verlorn. 4. In ihm wird nun die Mein sie nun selbst durch ihn ver⸗ dammet ist. Was schaden nun der Seele ihre Flammen, Weil Christi Blut und Wasser auf mich fließt? Immanuel löscht ihren Trieb: Er läßt die Seele nicht, er hat sie viel zu lieb. 8. Ich hab ein ewig Leben nun gefunden, Viel Reichtum Ehr und Wohlsein schenkt er Menschheit ausgesöhnet, Die mir; Ich bin mit ihm, er ist Reinigkeit der Seelen wieder⸗ mit mir verbunden, Den ich 28 Weihnachts-Lieder. in mir mit Liebeswirkun gspür. ihr das Kind gelegt, Das alle Ich bin vergnügt und ganz Welt erhält und trägt.“ gestillt, Weil mich der lautre 6. Des laßt uns alle fröhlich Strom aus seiner Lieb erfüllt. bin Und mit den Hirten gehn 9. Auf, auf, mein Geist, hinein, Zu sehn, was Gott vergiß die Trauerlieder, Er⸗uns hat beschert, Mit seinem freue dich in dieser Liebes⸗lieben Sohn verehrt. macht! Des Himmels Kraft 7. Merk auf, mein Herz und und Glanz bestrahlt dich wie⸗(sieh dorthin: Was liegt doch der, Und der Verlust ist völl lig in dem Krippelein? Wes ist wiederbracht. O! ewig, ewig sd das schöne Kindelein? Es ist ann ist mir, Daß ich in das liebe Jesulein. Christo nun ein Wohlgefallen 8. Sei willkommen, du edler spür! Gast, Den Sünder nicht ver⸗ Christ. Pr. Richter, geb. 1677 1 1711. schmähet hast, Und kommst ins Elend her zu mir; Wie Eigne Melodie. soll ich immer danken dir? 4. Mom Himmel hoch da 9. Ach Herr, du Schöpfer XTIT.— komm ich her, Ich aller Ding, Wie bist du wor⸗ bring euch gute neue Mär, den so gering, Daß du da Der guten Mär bring ich so liegst auf dürrem Gras, Da⸗ viel, Davon ich singn Andagen von ein Rind und Esel aß. will. I0. Und wär 11 Welt viel⸗ 2.„Euch ist ein Kindlein mal so weit, Von Edelst ein heut Aud Von einer Jung-⸗ und Gold Herate So wär sie frau auserkorn, Ein Lindelein doch Dir viel zu klein, Zu sein so zart und fein, Das ‚ V Wegelern. Freud und Wonne sein. 11. Der Sammet und die 3.„Es ist der Herr Christ, Seidend dein, Das 5 grob Heu unser Gott, Der will euch führn und Windelein, Darauf du aus aller Not, Er will eur König, groß und reich, Her⸗ Heiland selber sein, Von allen prangst, als wär's dein Himmel⸗ A machen rein. reich. „Er bringt euch alle Selig⸗ 12. Das hat also gefallen teit, Die Gott der Vater hat dir, Die Wahrheit anzuzeigen hereit't, Buß, ihr 96 uns im mir, Wie aller Welt Macht Himmelr eich Sollt leben nun Ehr und Gut Vor dir nichts und ewiglich. gilt, nichts hilft noch thut. 5.„So merket nun da as Zei⸗ 13. Ach mein herzliebes Je⸗ chen rech ht, Die Krippen, Win⸗ sulein, Mae chd dir ein rein sanft delein so schlecht, Da findet B Bettelein, Zu ruhn in meines Weihnachts⸗Lieder. 29 Herzens Schrein, Daß ich nim⸗ 6. Zuletzt müßt ihr doch ha⸗ mer vergesse dein. ben Recht, Ihr seid nun worden 14. Tunnen srhen woer Gotts Geschlecht. Des danket sei, Zu springen, singen mnuner Gott in uaten Geduldig, frei Das rechte Hosianna schon fröhlich allezeit. Mit Herzenslust den süßen Ton. Mark. Luther, geb. 1488 1545. 15. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, Deruns schenkt seinen eingen Sohn! Des freuet sich der Engel Schar Und sin⸗ get uns solch neues Jahr. Mart. Luther, geb. 1483 + 1546. Mel. Vom Himmel hoch 45 Nom Himmel kam 92* der Engel Schar, Erschien den Hirten offenbar; Sie sagten ihn'n: ein Kindlein zart, Das liegt dort in der Krippen hart, 2. Zu Bethlehem, in Davids Stadt, Wie Micha das verkün⸗ det hat; Es ist der Herre Je⸗ sus Christ, Der euer aller Hei⸗ land ist. 3. Des 2—— ihr billig fröh⸗ lich sein, Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. Tir singen dir, Im⸗ 46. W manuel, Du Le⸗ bensfürst und Gnadenquell, Du Himmelsblum und Morgen⸗ stern, Du Jungfraunsohn, 79⁰⁰⁵ aller Herrn. Hallelujah! 2. Wir singen dir mit dei⸗ nem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, olängst gewünschter Gast, Dich nun⸗ mehr eingestellet hast. Halle⸗ lujah! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat so manch Herz nach dir gewacht! Dich hat ge⸗ hofft so lange Jahr Der Väter und Propheten Schar. Halle⸗ lujah! Daß Gott, mit euch ist worden ein; Er istgeborn eur 4. Vor andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König Fleisch und Blut, Eur HBunder deiner Herd, Der Mann, der ist das ew'ge Gut. 4. Was kann euch thun nun Sünd und Tod? Ihr habt mit euch den wahren Gott, Laßt zürnen Teufel und die Höll: dir so wohl Igefiel, Wenn er dir sang 235, „Ach, daß der Herr aus Zwn käm, Und unsre Bande Saitenspiel. Halle⸗ Gotts Sohn ist worden eur von uns nähm! Ach! daß die Gesell. 5. Er will und kann euch lassen nicht, Setzt ihr auf ihn eur Zuversicht; Es mögen euch viel fechten an: Dem sei Trotz, der's nicht lassen kann. Hülfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich sein.“ Halle⸗ 110001 6. Nun du bist hier, da lie⸗ gest du, Hältst in dem Kripplein dene Ruh, Bist klein und Weihnachts-Lieder. machst doch alles groß, Bekleidst! 14. Du schliefst ja auf der die Welt, und kommst doch bloß. Erden Schoß, So war dein Hallelujah! Kripplein auch nicht groß, Der 7. Du kehrst in fremder Hau-⸗Stall, Ran Heu, das dich um⸗— sungen, mosedeualle⸗ fing, War alles sch und sehr mel dein; Trinkst Milch aus dei— gering.„Hall elu jah! ner Mutter Brust, Und bist doch 15. Darum hab ich so guten aller Engel Lust. Hallelujah! Mut, Du wirst auch halten mich 8. Du hast dem Meer sein 10 gut. O Jesu Christ, dein Ziel gesteckt, Und Rurst mitfrommer Sinn Macht, daß ich Windeln zugedeckt; Bist so voll Trostes bin. Hallelujah! und liegst auf Heu und Stroh; 16. Bin ich gleich Sünd und Wirst Mensch und Wi doch A Laster voll, Hab ich gelebt nicht und O. Hallelujah! wie ich soll; Ei. du 9. Du bist der Ursprung doch deswegen her, Daß sich aller Freud, Und duldest so der Sünder zu dir tehr Hal⸗ viel Herzeleid; Bist aller Hei— leluj jah! den Hc und Licht, Suchst t 17. Hätt ich nicht auf mir selber Trost und findst ihn Sündenschuld, Hätt ich kein nicht. Hallelujah! Teil an deiner Huld; Ver⸗ 10. Du bist der süßste Men- geblich wärst du mir geborn, schenfreund, Dochsinddin so viel 10⸗48 ich nicht wär in Got⸗ Menschen feind: Herodis Herz tes Zorn. Hallelujaͤh! hält dichfür Greul, Und bist doch 218 So faß ich dich nun nichts als lauterHeil Hallelujah. ohne Scheu, Du mack mich 11. Ich aber, dein geringster alles Jammers frei, Du trägst Knecht, Ich sag es frei, und den Zorn, erwürgst den Tod, mein es recht: Ich liebe dich. Verkehrst in Freud all Angst doch nicht so viel, Als ich dich und Not. Hallelujah! gerne lieben will. Hallelujah! 19. Du bist mein Haupt, 12. Der Will ist da, die Kraft hinwiederum Bin ich dein ist klein, Doch wird dir nicht zu— Glied und Eigentum, Und wider sein Mein armes Herz; will, so viel dein Geist mir und was es kann, Wirst du in giebt, Stets dienen dir, wie Gnaden nehmen an. Hallelujah! dir's beliebt. Hallelujah! 13. Hast du doch selbst dich“ 20. Ich will dein Hallelu⸗ schwach gemacht, jah hier Mit Freuden singen was die Welt veracht't, Warst für und für, Und dort in arm und dürftig, nahmst vor⸗ deinem EhrensaaSoll' Sschallen lieb, Da wo der Mangel dich ohne Zeit und Zahl. Hallelujahl hintrieb. Hallelujah! Paul Gerhardt, geb. 1606 f 1676. ꝛ˙L— ⏑ ⏑———»c——— Neujahrs-Lieder. 31 IV. Neujahrs⸗Lieder. Mel. Nun freut euch lieben Christen. ö as liebe neue Jahr 47. D geht an, Das alte hat ein Ende: Drum freuet sich heut jedermann, Erhebt sein Herz und Hände Zu un⸗ serm Gott ins Himmels Thron, Dankt ihm und seinem lieben Sohn, Auch Gott dem heil— gen Geiste. 2. Gott Vater hat den Sohn gesandt, Gott Sohn ist Mensch geboren, Gott heil'ger Geist macht solchs bekannt Uns, die wir warn verloren. Im sel'⸗ gen lieben Gotteswort Ge— schrieben ist's an manchem Ort Und wird uns klar verkündet. 3. Die reine Lehr und Sa⸗ krament Wir hab'n in unserm Lande; Fromm Obrigkeit, gut Regiment, Glück, Heil in allem Stande. Gott krönt das Jahr mit seinem Gut, Hält Kirch und Schul in guter Dut, Auch aller Christen Häuser. 4. Das danken wir dem lieben Herrn Und freun uns solcher Güte; Er woll den Feinden steur'n und wehr'n Und uns hinfort behüten. Er geb ein sel'ges neues Jahr, Und helf uns zu der Engel Schar, Da woll'n wir ihn schön preisen. Cyriacus Schneegaß, 1 1597. Mel. Vom Himmel hoch da komm. danken dir, Herr Jesu Christ, Daß du uns in so groß'r Gefahr Behütet hast lang Zeit und Jahr. 2. Wir bitten dich, ewigen Sohn Des Vaters in dem höchsten Thron, Du wollst dein arme Christenheit Be— wahren ferner allezeit. 3. Entzeuch uns nicht dein heilsam Wort, Es ist der See⸗ len höchster Hort; Vor falscher Lehr, Abgötterei Behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Hilf, daß wir fliehn der Sünde Bahn Und fromm zu werden fangen an, Kein'r Sünd des alten Jahrs gedenk, Ein gnadenreich Neujahr uns schenk: 5. Christlich zu leben, selig⸗ lich Zu sterben und hernach fröhlich Am jüngsten Tage aufzustehn, Mit dir in Him⸗ mel einzugehn. 6. Zu danken und zu loben dich Mit allen Engeln ewig⸗ lich. O Jesu, unsern Glauben mehr'. Zu deines Namens Lob und Ehr! Joh. Steuerlein(9) geb. 1546 4 1613. Mel. Herzlich thut mich verlangen. * Jurch Trauern und 49. D durch Plagen, Durch Not, durch Angst, durch Pein, Durch Hoffnung und durch Klagen, Durch Sorgen groß und klein, Bin ich, Gott *0 as alte Jahr ver— 48. D gangen ist. Wir Lob, gedrungen; Dies Jahr ist hingelegt: Dir, Gott. sei 32 Neujahrs⸗Lieder. Lob gesungen, Mein Herze gegossen, Mein Herz werd auch wird erregt. erneut. Laß ich die alten 2. Der du mich hast er⸗Sünden, So werd ich, Gott, bauet, In dir besteht mein bei dir Auch neuen Segen Heil; Dir ist mein Glück ver⸗ finden; Dein Wort verspricht trauet, Du bist und bleibst mein es mir. Teil. Du hast mich wohl er⸗Cottsr. With. Sacer, geb. 1635 4 1699. halten, Du bist mein fester Trost; Dich laß ich ferner Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. walten, Wenn mich die Not anstoßt. 3. Mein Gott, o meine Liebe, Was du willst, will auch ich: Gieb, daß ich nichts verübe, Was irgend wider dich. Dir ist mein Will ergeben, Ja, er ist nicht mehr mein, Dieweil mein ganzes Leben Dein eigen wünscht zu sein. 4. Nach dir soll ich mich schicken, Und, Herr, ich will's 50. Hif, Herr Jesu, laß 20. gelingen, Hilf, das neue Jahr geht an; Laß es neue Kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann; Laß mich dir befohlen sein, Auch daneben all' das Mein'. Neues Glück und neues Le⸗ ben Wollst du mir aus Gna⸗ den geben. 2. Laß dies sein ein Jahr der Gnade, Laß mich büßen meine Sünd. Hilf, daß sie mir auch thun. Soll mich die Ar- nimmer schade, Sondern bald mut drücken, Ich will dabei Verzeihung find; Auch durch beruhn. Soll mich Verfolgung deine Gnad verleih, Daß ich plagen, Ja, Herr, befiehl du mir. Soll ich Verachtung tra⸗ gen, Ach, ich gehorch auch hier. 5. Soll ich berlassen leben, Herr Gott, dein Wille gilt. Soll ich in Angsten schwe⸗ ben, Mein Heiland, wie du willt. Soll ich denn Krank⸗ heit leiden, Ich will gehorsam sein. Soll ich von hinnen scheiden, Herr, dein Will' ist auch mein. 6. Heut ist das Jahr be⸗ schlossen; Herr, deine Gnad sei heut Auf mich neu aus⸗ herzlich sie bereu, Herr in dir; denn du, mein Leben, Kannst die Sünd allein ver⸗ geben. 3. Tröste mich mit deiner Liebe, Nimm, o Gott, mein Flehen hin, Weil ich mich se sehr betrübe. Und voll Angst und Zagen bin; Wenn ich gleich schlaf oder wach, Sieh du, Herr, auf meine Sach; Stärke mich in meinen Nöten, Daß mich Sünd und Tod nicht töten. 4. Herr, du wollest Gnade geben, Daß dies Jahr mir hei⸗ Neujahrs-Lieder. lig sei, Und ich christlich könne leben Sonder Trug und Heu⸗ chelei, Ich auch meinen Näch⸗ sten lieb Und denselben nicht betrüb, Daß ich noch allhier auf Erden Fromm und selig möge werden. 5. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefangne Jahr; Trage stets mich auf den Hän⸗ den. Halte bei mir in Gefahr; Steh mir bei in aller Not, Ach verlaß mich nicht im Tod; Ainnn. 20 will ich dich um⸗ fassen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Joh. Rist, geb. 1607 1 1667. 33 Nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird alles wohl bestehen, Und durch seinen Gnaden⸗ schein Alles voller Segen sein. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns zum Segen werden müssen. Jesu Nam' sei Sonn' und Schild, Welcher allen Kum⸗ mer stillt. Benj. Schmolck, geb. 1672 14 1737⁷. Mel. Wach auf mein Herz und singe. 5⁰ Naun laßt uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Herrn, der unserm Leben Bis 51. J ein, Da ein neues III soll die Losung hierher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und Jahr erschienen; Jesu Name wandern Von einem Jahr soll allein Denen zum Pa⸗M zum andern, Wir leben und niere dienen, Die in seinem gedeihen Vom alten zu dem Bunde stehn Und auf seinem neuen. Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Plagen, Soll in seinem Zion schallen; durch Zagen, Und so oft wir nach dem und 3. Durch so viel Angst und Durch Zittern und Durch Krieg große Schrecken, Die alle Ort, Da sein Name thronet, Welt bedecken. wallen, Mache seines Namens HRuͤhm Unser Herz zum Hei⸗ ligtum. 3. Sein sein Heil Wollen Glauben ehren; Also wird es 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Unge⸗ wittern Die Kindlein hier auf Versühnen und Erden Mit Fleiß bewahret wir im werden; 5. Also auch und nicht min⸗ uns zu teil, Wird sich täglich der Läßt Gott uns, seine Kinder, bei uns mehren; Auch neue Jahr Name Seligkeit. fürs Wenn Not und Trübsal blitzen, uns beut Jesu In seinem Schoße sitzen. 6. Ach, Hüter unsres Lebens, 4. Unsre Wege wollen wir Fürwahr, es ist vergebens Mit 3 Neujahrs⸗Lieder.— Epiphanias. unserm Thun und Machen, wo gen, Laß Großen und auch Klei⸗ nicht dein Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 10. Schleuß zu die Jammer⸗ pforten Und laß an allen Or⸗ ten Auf so viel Blutvergießen Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen Zu allen unsern We⸗ nen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlassnen Va⸗ ter, Der Irrenden Berater, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kran⸗ ken, Gieb fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermut quälen. 14. Und endlich, was das meiste, Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere, Und dort zum Himmel führe. 15. Dies alles wollst du ge⸗ ben, O meines Lebens Leben. Mir und der Christenschare Zum sel'gen neuen Jahre. Paul Gerhardt, geb. 1606 4 1676. V. Epiphanias. Mel. Lobt Gott, ihr Christen. uf, Seele, auf und 53. A säume nicht! Es bricht das Licht herfür, Der und Ruhm. Wunderstern giebt dir Bericht, Der Held sei vor der Thür.:, 2. Geh weg aus deinem Vaterland, Zu suchen solchen Herrn; Laß deine Augen sein gewandt Auf diesen Morgen⸗ stern. 3. Gieb acht auf diesen hellen Schein, Der dir auf⸗ gangen ist; Er führet Dich zum Kindelein, Das heißet Jesus Christ. 4. Er ist der Held aus Davids Stamm, Die teure Saronsblum, Das rechte, echte Gotteslamm, Israels Preis 5. Drum höre, merke, sei bereit, Verlaß des Vaters Haus, Die Freundschaft, deine Eigenheit, Geh von dir selber auls. 6. Und mache dich behende auf, Befreit von aller Last, Und laß nicht ab von dei⸗ nem Lauf, Bis du dies Kind⸗ lein hast.: 7. Halt dich im Glauben an das Wort, Das fest ist und gewiß; Das führet dich Epiphanias. zum Lichte fort Aus aller Finsterniß. 8. O sinke du vor seinem Glanz In tiefster Demut ein, Und laß dein Herz erleuchten ganz Von solchem Freuden⸗ schein: 9. Gieb dich ihm selbst zum Opfer dar Mit Geiste, Leib und Seel, Und singe mit der Engelschar: Hier ist Im⸗ manuel., 10. O wunderbare keit, Die dieser Anblick giebt Dem, dessen Herz dazu be⸗ reit, Und dieses Kindlein liebt.: 11. Die Engel in des Him⸗ mels Saal, Die freuen sich darob; Die Kinder Gottes allzumal, Die bringen hier ihr Lob. 12. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, Wo man zum eben geht; Hier ist des Pa⸗ radieses Pfort, Die wieder offen steht.) 13. Hier fallen alle Sor⸗ gen hin, Zur Lust wird jede Pein; Es wird erfreuet Herz und Sinn, Denn Gott ist ja nun dein.: 14. Der zeigt dir einen andern Weg, Als du vorher erkannt, Den stillen Ruh⸗ und Friedensteg Zum ew'gen Va⸗ terland. Mich. Müller, geb. 1673 4+ 1704. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. 5 6. Oesu, großer Wun⸗ * X derstern, Der aus 35 Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an deinem Feste dienen, Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, Wie ich's von dir selber habe, Und damit beschenket bin; So ist dir's die beste Gabe. Laß es auch bewährt und rein In dem Kreuzesofen sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, Laß ihn gnädig dir genügen; Herz und Lip⸗ pen sollen stets, Ihn zu op⸗ fern, vor dir liegen. Wann ich bete, nimm es auf Und sprich Ja und Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bitt⸗ rer Reu! Ach, mich schmerzet meine Sünde; Aber du bist fromm und treu, Daß ich Trost und Gnade finde, Und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. Erdm. Neumeister, geb. 1671 + 1756. Mel. Valet will ich dir geben. 55„ aller Ehren, * Der Jesu, Da⸗ vids Sohn; Dein Reich soll ewig währen, Im Himmel ist Dein Thron. Hilf, daß allhier auf Erden Den Menschen weit und breit Dein Reich bekannt mag werden, Zur ew⸗ gen Seligkeit. 2. Von deinem Reich auch zeugen Die Leut aus Mor⸗ genland; Die Knie sie vor 3* 36 dir beugen, Weil du ihn'n bist bekannt. Der Stern auf dich hinweiset, Dazu das göttlich Wort, Drum man dich billig preiset, Daß du bist unser Hort. 3. Du bist ein großer König, Wie uns die Schrift gemeld't Doch achtest du gar wenig Vergänglich Gut und Geld, Prangst nicht auf hohem Rosse Trägst keine güldne Kron, Sitzt nicht im festen Schlosse, Hier hast du Spott und Hohn. 4. Doch bist du schön ge⸗ ieret, Dein Glanz erstreckt sch weit, Dein Güt' allzeit regieret, Und dein Gerechtig⸗ keit. Du wollst die Frommen schützen Durch dein' Macht und Gewalt, Daß sie in Frie⸗ 915 sitze, Die Bösen stürzen ald. 5. Du wollst dich mein er⸗ barmen, In dein Reich nimm mich auf; Dein' Güte schenk Epiphanias. Mel. Wie schön leuchtet der u Stern aus Ja⸗ Morgenstern. 56. * kob, Gottes Sohn, Mein König und mein Gna⸗ denthron, Du hast des Vaters Güte Zum selig großen neuen Jahr Gemacht uns Heiden offenbar, Das preiset mein Gemüte; Dein Heil Zu teil Lassen werden uns auf Erden. Hier und droben Kann man dich nicht genugsam loben. 2. Ich sitz' im Schatten dieser Welt, Da alles trauer⸗ voll bestellt, Und lebe in der erne. Doch leuchtest du, , in mein Herz, Bei meinem dunkeln Seelenschmerz, Mit deinem Gnadensterne. Dies Licht Kann nicht Untergehen, muß bestehen auch im Ster⸗ ben, Läßt im Tode nicht ver⸗ derben. 3. So leuchte mir, mein selig Licht, Daß mich die mir Armen Und segne meinen Welt ja blende nicht, Auf Lauf. und Tod, Daß sie mich nicht —— 990 Rett mich aus aller ot. Den Feinden wollst dein Wort laß mich sehen; du wehren, Dem Teufel, Sünd Bis nach der Fremde dieser Welt Mein Herz dein Vater⸗ land erhält, In Gottes Stadt zu gehen. Auf dich Seh ich, 6. Du wollst in mir ent⸗Will nicht wanken, all Ge⸗ zünden Dein Wort, den schön⸗ danken zu dir wenden, Selig sten Stern; Halt falsche Lehr dorten anzuländen. und Sünden Von meinem Herzen fern. Hilf, daß uh st ö findet. nig nenne Jetzt und in Ewigkeit. auch mein Sinn, Nartin Behemb, geb. 157 f 1622. mit den Weisen hin. dich erkenne Und mit der Christenheit Dich meinen Kö⸗ 4. Indessen sucht meinHerze Kann nicht zufrieden ellen sich, Bis es dich, Jesu, Gen Bethlehem steht Zu ziehen Mein Epiphanias. 37 5607 sich verbindet, Leiden, dein Verheißungswort; Ver⸗ reuden Nicht zu achten, blos gönnst noch heutzutage, Daß zu trachten, dich zu haben, man dich gleicher Weis' Auf Aus dem Brunnen mich zu Glaubensarmen trage, Wie laben. Simeon, der Greis. 5. Vor deiner Krippen liegt 3. Herr, laß auch uns ge⸗ mein Nien Und bringet Myrr⸗lingen, Daß einst, wie Simeon, hen, Reu und Schmerz Für Ein jeder Christ kann singen die begangnen Sünden. Drauf Den schönen Schwanenton: mein Gebet, der Weihrauch, Mir werden nun mit Frieden liegt Und wider Tod und Mein Augen zngedrückt, Nach⸗ Teufel siegt, Die Andacht laß dem ich schon hienieden Den entzünden, Daß ich Freudig Heiland hab erblickt. Alles Sinnen und Beginnen, 4. Ja, ja, ich hab im ja mein Leben Dir kann völlig Glauben, Mein Jesu, dich übergeben. geschaut: Kein Feind kann 6. Das Gold des Glaubens dich mir rauben, Wie heftig ist in mir, So gegen dir er auch dräut. Ich wohn in glänzt für und für, Wird von deinem Herzen, Und in dem dir hoch gehalten. Das bring meinen du: Uns scheiden keine ich dir, mein Jesus lieb, Und Schmerzen, Kein Angst, kein zwar durch deinen Gnaden⸗Tod dazu. trieb, Du wirst ja endlich 5. Hier blickst du zwar zu⸗ walten, Daß ich Fröhlich weilen Mich hart und ernst⸗ Kehr zurücke zu dem Glücke, lich an, Daß oft vor Angst wo die Heiden Du, der gute und Heulen Ich dich nicht Hirt, wirst weiden. kennen kann: Dort aber wird's Dr. Joh. Olearius. geschehen, Daß ich von An⸗ Mel. Valet will ich dir geben. 5.5 1 er 310 10.— Dein immer klares Licht. 57 H Jesu, Licht der Joh. Frank, geb. 1188187⸗ Heiden, Der From⸗ men Schatz und Lieb: Wir kom⸗Mel. Unerschaffne Lebenssonne oder: men jetzt mit Freuden Durch Ach was soll ich Sünder machen? deines Geistes Trieb In diesen 58. Wer im Herzen will deinen Tempel Und suchen mit erfahren Und Begier, Nach Simeons Exem⸗ darum bemühet ist, Daß der pel, Dich, großer Gott, allhier. König Jesus Christ Sich in 2. Du wirst von uns gefun⸗ ihm mög offenbaren, Der muß den, O Herr, an jedem Ort, suchen in der Schrift, Bis er Dahin du dich verbunden Durch diesen Schatz antrifft. 38 Epiphanias.— Passions⸗Lieder. 2. Er muß gehen mit den Weisen, Bis der Morgenstern aufgeht Und im Herzen stille steht; So kann er sich selig der That Diesen Schatz ge⸗ funden hat. 5. Jesu, laß mich auf der Erden, Sonst nichts suchen, preisen, Weil des Herren An⸗ als allein, Daß du mögest gesicht Glänzt von Klarheit, Recht und Licht. 3. Denn wo Jesus ist gebo⸗ ren, Da erweiset sich gar bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren. Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele kräftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sa⸗ gen Wird von diesem Jesu ein Und von dessen Gnaden⸗ schein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in bei mir sein, Und ich dir möt, ähnlich werden In dem Le⸗ ben dieser Zeit Und in jener Ewigkeit. 6. So will ich mit allen Weisen, Die die Welt für Thoren acht't, Dich anbeten Tag und Nacht Und dich loben, rühmen, preisen, Lieb⸗ ster Jesu, und vor dir Christ⸗ lich wandeln für und für. Saur. Saurenti, geb. 1660 1722. VI. Passions⸗Lieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht. * eele, geh auf Gol⸗ 59. S gatha, Setz dich unter Jesu Kreuze Und be⸗ denke, was dich da Für ein Trieb zur Buße reize, Willst du unempfindlich sein, O so bist du mehr als Stein. 2. Schaue doch das Jam⸗ merbild Zwischen Erd und Himmel hangen, Wie das Blut mit Strömen quillt, Daß ihm alle Kraft vergangen. A der übergroßen Not! Es ist ja mein Jesus tot. 3. O Lamm Gottes ohne Schuld, Alles das hab i verschuldet, Und du hast aus großer Huld Pein und Tod für mich erduldet. Daß ich nicht verloren bin, Giebst du dich ans Kreuze hin. 4. Unbeflecktes Gottes lamm, Ich verehredeine Liebe. Schaue von des Kreuzes Stamm. Wie ich mich um dich betrübe. Dein im Blute wallend Herz Setzet mich in tausend Schmerz. 5. Ich kann nimmer, nim⸗ mermehr Diese Plagen dir vergelten; Du verbindest mich zu sehr; Alle Güter, tausend Welten, Alles wäre noch kein Dank Nur für deinen Gallen⸗ ch trank. 6. Nun, ich weiß noch was Passions⸗Lieder. für dich: Ich will dir mein Herze geben. Dieses soll be⸗ ständiglich Unterdeinem Kreuze leben. Wie du mein, so will ich dein Lebend, leidend, ster⸗ bend sein. 7. Laß dein Herz mir offen stehn, Offne deiner Wunden Thüre; Da hinein will ich stets gehn, Wenn ich Kreuz und Not verspüre, Wie ein Hirsch nach Wasser dürst't, Bis du mich erquicken wirst. 8. Kreuzige mein Fleisch und Blut, Lehre mich die Welt verschmähen; Laß mich dich, du höchstes Gut, Immer vor den Augen sehen; Führ' in allem Kreuze mich Wun⸗ derlich nur seliglich. 9. Endlich laß mich meine Not Auch geduldig überwin⸗ den; Nirgend sonst wird mich der Tod Als in deinen Wun⸗ den finden. Wer sich hier ein Bette macht, Spricht zu⸗ letzt: Es ist vollbracht! Benj. Schmolck, geb. 1672 4 1737. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 60½ De e Liebe! Meine Lieb ist Jesus Christ! Weg ihr argen Seelendiebe, Satan, Welt und Fleisches List! Eure Lieb ist nicht von Gott, Eure Lieb ist gar der Tod. Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 2. Der am Kreuz ist meine 39 Liebel Frevler, was befremdet's dich, Daß ich mich im Glauben übe? Jesus gab sich selbst für mich; So ward er mein Friede⸗ schild, Aber auch mein Lebens⸗ bild. Der am Kreuz u. s. w. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe! Sünde, du bist mir ver⸗ haßt. Weh mir, wenn ich den betrübe, Der für mich am Kreuz erblaßt! Kreuzigt' ich nicht Gottes Sohn? Trät' ich nicht sein Blut mit Hohn? Der am Kreuz u. s. w. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! Schweig, Gewissen, zage nicht! Gott zeigt seine Liebes⸗ triebe, Wenn dich Sünd' und Tod anficht. Schaue, wie er blutend ringt Mit der Sünd' und sie bezwingt. Der am Kreuz U. s. w. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe! Keine Not, wie schwer und groß, Hunger, Blöße, Geißelhiebe, Nichts macht mich von Jesu los; Nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm, En⸗ gel nicht, kein Fürstentum. Der am Kreuz u. s. w. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! Komm, Tod, komm, mein bester Freund! Wenn ich wie ein Staub zerstiebe, Wird mein Jesus mir vereint; Da, da schan ich Gottes Lamm, Meiner Seele Bräutigam. Der am Kreuz ist meine Liebe, Weil ich mich im Glauben übe. 1668. 40 Passions⸗Lieder. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. 61 Die Seele Christi * heil'ge mich, Sein Geist versetze mich in sich, Sein Leichnam, der für mich verwund't, Der mach mir Leib und Seel gesund. 2. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus seiner Seite floß, Das sei mein Bad, und all sein Blut Erquicke mir Herz, Sinn und Mut. 3. Der Schweiß von sei⸗ nem Angesicht Laß mich nicht kommen ins Gericht; Sein ganzes Leiden, Kreuz und Pein, Das wolle meine Stärke sein. 4. O Jesu Christ, erhöre mich, Nimm und verbirg mich ganz in dich; Schließ mich in deine Wunden ein, Daß ich vorm Feind mag sicher sein. 5. Ruf mir in meiner letz⸗ ten Not Und setz mich neben dich, mein Gott, Daß ich mit deinen Heil'gen all'n Laß ewig⸗ lich dein Lob erschall'n. Joh. Scheffler(Angelus Silesius,) geb. 1624 + 1677. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 62 Ein Lämmlein geht * und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder; Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sün⸗ der. Es geht dahin, wird matt und krank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Entzieht sich allen Freuden; Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: Ich will's gern leiden. 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland meiner Seelen, Den, den hat Gott zum Sündenfeind Und Sühner wollen wählen.„Geh hin, mein Kind, und nimm dich an Der Kinder, die ich ausgethan Zur Straf' und Zornesruten: Die Straf' ist schwer, der Zorn ist groß; Du kannst und sollst sie ma⸗ chen los Durch Sterben und durch Bluten.“ 3„„Ja, Vater, ja von Her⸗ zensgrund, Leg auf, ich will dir's tragen, Mein Wollen hängt an ddeinem Mund,‚ Mein Wirken ist dein Sagen,““ O Wunder⸗ lieb, o Liebesmacht, Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen. O Liebe, Liebe! du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen. 4. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleich wie du mich Mit Lie⸗ besarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, Und wann mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herze bleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hier⸗ mit zu deinem Eigentum Be⸗ ständiglich verschreiben. S,—— Passions⸗Lieder. 41 5. Ich will von deiner Lieb⸗ lichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen; Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen; Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächnis schließen. 6. Erweitre dich, mein Her⸗ zensschrein, Dusollst ein Schatz⸗ haus werden Der Schätze, die viel größer sein Als Himmel, Meer und Erden. Weg mit den Schätzen dieser Welt, Weg Wol⸗ lust, Ehre, Pracht und Geld, Ich hab ein bess'res funden; Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, Ist dein Blut, das ge⸗ flossen ist Aus deines Leibes Wunden. 7. Das soll und will ich mir zu Nutz Zu allen Zeiten machen, Im Streite soll es sein mein Schutz, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wenn mir nichts mehr schmecken will, Soll mich dies Manna speisen; Im Durst soll's sein mein Wasser⸗ quell, In Einsamkeit mein Sprachgesell Zu Haus und auch auf Reisen. 8. Was schaden mir des To⸗ des Gift? Dein Blut, das ist mein Leben; Wenn mich der So find ich bei dir meine Ruh, Als auf dem Bett ein Kranker; Und wenn des Kreuzes Unge⸗ stüm Mein Schifflein treibet um und um, So bist du dann mein Anker. 9. Wann endlich ich soll tre⸗ ten ein In deines Reiches Freu⸗ den, So soll dies Blut mein Purpur sein, Ich will mich da⸗ rein kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des höchsten Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut, An dei⸗ ner Seite stehen. Paul Gerhardt, geb. 1606 1 167⁶ Eigne Melodie. s ist vollbracht! ver⸗ 63. E giß ja nicht Dies Wort, mein Herz, das Jesus spricht, Da er am Kreuze für dich stirbet Und dir die Selig⸗ keit erwirbet; Da er, der alles, alles wohlgemacht, Nunmehro spricht: es ist vollbracht! 2.Es ist vollbrachtam Kreuze dort Gesetz und der Propheten Wort, Was wir niemals voll⸗ bringen konnten, Ist nun voll⸗ bracht durch Jesu Wunden: Was Gottes Rat von Ewigkeit bedacht, Das ist durch seinen Tod vollbracht. 3. Es ist vollbrachtund gnug gechan, Daß man nicht mehr Sonnen Hitze trifft, So kann verlangen kann; Gott ist ver⸗ mir's Schatten geben. Setzt Leiden mir und Jammer zu, föhnt und ganz gestillet, Weil sein Sohn alles hat erfüllet: 42 Passions⸗Lieder. Was ist's, daß man in Angst und Sorgen wacht? Man glau⸗ be nur: es ist vollbracht! 4. Es ist vollbracht, was soll ich nun Dazu noch, o mein Jesu, thun? Nichts, nichts; denn was von dir geschehen, Wird schon als mein Werk angesehen. Auch das, was ich vollbringe Tag und Nacht, Wird von dir selbst in mir vollbracht. 5. Es ist vollbracht! ich bin befreit, Ich habe schon die Seligkeit! Weil Sünd' und Tod sind weggenommen, Ist Gnad' und Laden wiederkom⸗ men. Darum, wenn auch gleich alles bricht und kracht, Sag ich getrost: es ist voll⸗ bracht! 6. Es ist vollbracht! vergiß ja nicht dies Wort, mein Herz, das Jesus spricht, Und laß es dir auch dazu dienen, Daß du vollbringst, was dir will zie⸗ men. So lang du lebst, laß dies nicht aus der Acht, Daß Jesus spricht: es ist vollbracht! Joh. Eusebius Schmidt, geb. 1669 f 1745. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 64 Ffließ ihr Augen, fließt von Thränen, Und beweinet eure Schuld; Brich, mein Herz, von Seuf⸗ zen, Sehnen, Weil mein Hei⸗ land in Geduld Nach Jerusa⸗ lem zum Tod, Ach zum Tod für deine Not Und der gan⸗ zen Welt hinwandelt: Ach, denk, wie du hast gehandelt. 2. Es soll nun vollendet werden, Was davon geschrieben ist, Und warum auf diese Erden Ist gekommen Jesus Christ: Schauet nun des Höch⸗ sten Sohn In dem Leiden, Schmach und Hohn, In den Wunden, in den Schmerzen, Und nehmt alles wohl zu Herzen. 3. Ich will dir ein Opfer geben; Seel' und Leib ist meine Gab'. Jesu, nimm dies arme Leben, Weil ich ja nichts bess'res hab; Töt in mir, was dir miß⸗ fällt, Leb in mir auf dieser Welt: Laß mich mit dir leben, sterben, Und dein Reich im Himmel erben. 4. Tausendmal sei dir gesun⸗ gen, Liebster Jesu, Preis und Ruhm, Daß du Höll' und Tod bezwungen: Nun bin ich dein Eigentum, Und du meineFreud' und Wonn'; Möcht' ich dich, o schönste Sonn', Bald in dei⸗ ner Krone sehen! Komm, dein Leiden ist geschehen. Laur. Laurenti, geb. 1660 + 1722. Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. 65. err Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrübtes Leiden Laß mir vor Augen all'zeit sein, Die Sünde zu vermeiden. Laß mich an deine große Not Und deinen herben, Passions⸗Lieder. bittern Tod, Dieweil ich lebe, denken. 2. Die Wunden alle, die du hast, Hab ich dir helfen schlagen, Auch meine große Sündenlast Dir aufgelegt zu tragen: Ach liebster Heiland, schone mein, Laß diese Schuld vergessen sein, Laß Gnad für Recht ergehen. 3. Du hast verlassen dei⸗ nen Thron, Bist in das Elend gangen, Ertrugest Schläge, Spott und Hohn, Mußtest am Kreuze hangen, Auf daß du für uns schafftest Rat Und unsre schwere Missethat Bei Gott versöhnen möchtest. 4. Drum will ich jetzt zur Dankbarkeit Von Herzen dir lobsingen, Und wenn du zu der Seligkeit Mich wirst hin⸗ künftig bringen: So will ich daselbst noch viel mehr Zu⸗ samt dem ganzen Himmels⸗ heer Dich ewig dafür loben. 5. Herr Jesu, deine Angst und Pein Und dein betrüb⸗ tes Leiden Laß meine letzte Zuflucht sein, Wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen Tod Fein sanft beschließe meine Not Und selig sterbe. Amen. Unbekannt 1674. Mel. O Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 66 H'r Jesu Christ, Oh dein teures Blut Ist meiner Seele höchstes Gut, 43 Das stärkt, das labt, das macht allein Mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Un⸗ schuld und Gerechtigkeit Macht, daß ich kann vor Gott be⸗ stehn Und zu der Himmels⸗ freud' eingehn. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, Mein Trost, mein Heil und Gnadenthron! Dein teu⸗ res Blut, dein Lebenssaft Giebt mir stets neue Le⸗ benskraft. 4. Herr Jesu, in der letz⸗ ten Not, Wenn mich schreckt Teufel, Höll' und Tod, So laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein. Joh. Olearius, geb. 1611 4 1684. Eigne Melodie. 67. erzliebster Jesu, V.) was hast du ver⸗ brochen, Daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missethaten Bist du ge⸗ ratenꝰ? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Ins An⸗ gesicht geschlagen und verhöh⸗ net, Du wirst mit Essig und mit Gall' getränket, Ans Kreuz gehenket. 3. Was ist doch wohl die Ursach' solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen. Ich, ach Herr Jesu, —————— 1 44 Passions⸗Lieder. habe dies verschuldet, Was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe, Der gute De leidet für die Schafe; ie Schuld bezahlt der Herre, der gerechte, Für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt: Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt; Der Mensch verwirkt den Tod und ist ent⸗ gangen, Du wirst gefangen. 6. Ich war von Fuß auf voller Schand' und Sünden, Bis zu dem Scheitel war nichts Guts zu finden; Dafür hätt' ich dort in der Hölle müssen Ewiglich büßen. 7. O große Lieb, o Lieb ohn' alle Maße, Die dich ge⸗ bracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden. 8. Ach großer König, groß u allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam solche Treu aus⸗ breiten? Kein's Menschen Herz vermag es auszudenken, Was dir zu schenken. 9. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, Wo⸗ mit doch dein Erbarmen zu vergleichen; Wie kann ich dir denn deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 10. Doch ist noch etwas, das dir angenehme; Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf' und zähme, Daß sie aufs neu mein Herze nicht entzünden Mit alten Sünden. 11. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Kreuz zu heften, So gieb mir dei⸗ nen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 12. Alsdann so werd ich deine Huld betrachten, Aus Lieb zu dir die Welt für nichts mehr achten, Bemühen werd ich mich, Herr, deinen Willen Stets zu erfüllen. 13. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz nicht achten, keine Schmach noch Plagen, Nichts von Verfol⸗ gung, nichts von Todesschmer⸗ zen Nehmen zu Herzen. 14. Dies alles, ob es zwar für schlecht zu schätzen, Wirst du es doch nicht gar bei Seite setzen; In Gnaden wirst du dies von mir annehmen, Mich nicht beschämen. 15. Wann dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne, Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, Da will ich dir, wann alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann, geb. 1585 1647. Mel. Aus tiefer Not schrei ich. 68 Och danke dir für X. deinen Tod Und die gehäuften Plagen, Die du, mein Heiland, mich aus Not Zu retten, hast ertragen. Laß das Verdienst von deiner Pein, Passions⸗Lieder. 45 Ein Trost für meine Seele sein, fein Und die Frucht verstehen; Wenn mich die Sünden kränken. Ach, die Ursach war auch ich, 2. Ich danke dir für deine Huld, Die du mir hast er⸗ zeiget, Da du mit Zahlung meiner Schuld Dein Haupt zu mir geneiget. O wende dich u mir, mein Gott, Mit Trost in meiner letzten Not, Daß mich der Tod nicht schrecke. 3. Erhalt in deinem Dienst mich treu, Bis Leib und Seele scheiden, Daß nicht an mir vergeblich sei Dein teuer, wer⸗ tes Leiden. Und wenn mein Lauf vollendet ist, So nimm mich dahin, wo du bist, Auf daß ich bei dir lebe. big sassen; Liebst du mich, Joh. Scheffler(Angelus Silesius) geb. 1624 4+ 1677. Mel. Christus, der uns selig macht. 69 SDesu, deine Passion „ Will ich jetzt be⸗ denken; Wollest mir vom Him⸗ melsthron Geist und Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein“, Jesu, meinem Her⸗ zen, Wie du, unser Heil zu sein, Littest alle Schmerzen. 2. Meine Seele sehen mach' Deine Angst und Bande, Deine Schläge, deine Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine Geißel, Dornenkron', Inden und Nägelwunden, Und den Tod, o Gottessohn, Den du hast empfunden. 3. Doch laß mich ja nicht allein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach“ Ich und meine Sünde: Diese hat gemartert dich, Daß ich Gnade finde! 4. Jesu, lehr' bedenken mich Dies mit Buß und Reue; Hilf, daß ich mit Sünde dich Martre nicht aufs neue; Sollt' ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was mein Heiland büßen mußt Mit so großen Leiden? 5. Wenn mich meine Sünde will Schrecken mit der Hölle; Jesu, mein Gewissen still', Dich ins Mittel stelle, Dich und deine Passion Laß mich gläu⸗ o Gottes Sohn, Wie kann Gott mich hassen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nach⸗ trage, Daß ich Demut von dir lern' Und Geduld in Pla⸗ ge, Daß ich dir geb' Liebꝰ um Lieb'; Indes laß dies Lallen, Besser'n Dank ich dorten geb, Jesu, dir gefallen. Sigismund v. Birken, geb. 1626 + 1681. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 70. Desu, deinetiefeWun⸗ * den, Deine Qual und bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs⸗ und Seelennot. Fällt mir etwas Arges ein, Denk' ich bald an deine Pein, Die erlaubet meinem Herzen Mit der Sünde nicht zu scherzen. —p———— Herzen, Du Brunn aller Gü⸗ 46 2. Will sich denn in Wol⸗ lust weiden Mein verderbtes Fleisch und Blut, So gedenk' ich an dein Leiden: Bald wird alles wieder gut, Kommt der Satan und setzt mir Hef⸗ tig zu, halt ich ihm für Deine Gnad' und Gnadenzeichen, Bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf die breite Wollust⸗ bahn, Da nichts ist als Ju⸗ bilieren, Alsdann schau' ich emsig an Deiner Marter Cent⸗ nerlast, Die du ausgestanden hast: So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust ver⸗ treiben. 4. Ja, für alles, das mich kränket, Geben deine Wunden Kraft; Wenn mein Herz hin⸗ ein sich senket, Fühl' ich neuen Lebenssaft. Süßigkeit Wend in mir das bittre Leid, Der du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen; Du bist meine Zuversicht; Dein Tod hat den Tod zerhauen, Daß er mich kann töten nicht. Daß ich an dir habe teil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil; Deine Gnade wird mir geben Auf⸗ erstehung, Licht und Leben. 6. Hab' ich dich in meinem tigkeit, So empfind' ich keine Passions⸗Lieder. Deines Trostes A Kampf und Streit; Ich ver⸗ berge mich in dich: Welch Feind kann verletzen mich? Wer sich legt in deine Wun⸗ den, Der hat glücklich über⸗ wunden. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Eigne Melodie. 74. Desu, meines Lebens * Leben, Jesu, mei⸗ nes Todes Tod, Der du dich für mich gegeben In die tiefste Seelennot, In das äu⸗ ßerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben: Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Lieb⸗ ster Jesu, Dank dafür. 2. Du, ach du hast ausge⸗ standen Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du ge⸗ rechter Gottessohn, Nur mich rmen zu erretten Von des Teufels Sündenketten. Tau⸗ send u. s. w. 3. Wunden ließest du dir schlagen, Dich erbärmlich rich⸗ ten zu, Um zu heilen meine Plagen, Um zu setzen mich in Ruh! Ach du hast zu mei⸗ nem Segen Lassen dich mit Fluch belegen. Tausend u. s. w 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, Dich mit großem Schimpf belegt, Und mit Dor⸗ nen gar gekrönet: Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergötzen, Mir die Ehrenkron' aufsetzen. Tau⸗ Schmerzen Auch im letzten send u. s. w. Passions⸗Lieder. 5. Du hast wollen sein ge⸗Unsre schlagen, Mich zu lösen von der Pein, Fälschlich lassen dich anklagen, Daß ich könnte sicher sein. Daß ich möchte trostreich prangen, Hast du sonder Trost gehangen. Tau⸗ send u. s. w. 6. Du hast dich mit Schmach bedecket, Hast gelitten mit Ge⸗ duld, Gar den herben Tod geschmecktt, Um zu büßen meine Schuld. Daß ich würde los gezählet, Hast du wollen sein gequälet. Tausend u. s. w. 7. Deine Demut hat ge⸗ büßet Meinen Stolz und und Uebermut, Dein Tod meinen Tod versüßet; Es kommt alles mir zu gut; Dein Verspotten, dein Verspeien Muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend u. s. w. 8. Nun ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Not, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben bittern Tod; Für dein Zittern, für dein Zagen, Für die tau⸗ sendfachen Plagen, Für dein Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ernst Chr. Homburg, geb. 1605 4 1681. Mel. Herr und Aeltster deiner. 5 arter Christi, wer 72. M kann dein ver⸗ essen, Der in dir sein Wohl⸗ ein fand? Nein, wir wollen immer mehr ermessen Deiner Liebe teures Pfand. Unsre Seele soll sich daran nähren, Grabeshöhle, 47 Ohren nie was Lieb res hören. Alle Tage werd' dies Bild Schöner unserm Blick enthüllt. 2. Tausend Dank, du unser treues Herze, Leib und Seele beten an, Daß du unter Marter Angst und Schmerze Hast für uns genug gethan, Laß dich jedes um so heißer lieben, Als es noch im Glauben sich muß üben, Bis es einst als deine Braut Dich von Angesichte schaut. 3. Meine kranke und be⸗ dürft'ge Seele Eilet deinen Wunden zu, Daß sie sich den Gnadenborn erwähle, Wo ihr fließen Fried' und Ruh. Auf dein Kreuz laß, Herr, mich gläu⸗ big sehen; Laß dein Marter⸗ bild stets vor mir stehen. So geht mir bis in mein Grab Nichts von meinem Frie⸗ den ab. 4. Die wir uns allhier bei⸗ sammen finden, Schlagen unsre Hände ein, Uns auf deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein; Und zum Zeichen, daß dies Lobgetöne Deinem Herzen angenehm und schöne, Sage Amen und zugleich: Friede, Friede sei mit euch! Chr. R. Graf v. Zinzendorf, geb. 17²⁷ 1 17⁵². Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. 73. Sor mst du, O mei⸗ * ne Ruh', In deiner Und erweckst 48 durch deinen Tod Meine tote Seele. 2. Man senkt dich ein Nach vieler Pein, Du meines Le⸗ bens Leben! Dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. O Lebensfürst, Ich weiß, du wirst Mich wieder aufer⸗ wecken: Sollte denn mein gläubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 4. Sie wird mir sein Ein Kämmerlein, Da ich auf Ro⸗ sen liege, Weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 5. Gar nichts verdirbt, Der Leib nur stirbt; Doch wird er auferstehen, Und in ganz verklärter Zier Aus dem Grabe gehen. 6. Indes will ich, Mein Jesu, dich In meine Seele senken, Und an deinen bittern Tod Bis ins Grab gedenken. Salomon Frank, geb. 1659 4 1725. Mel. Ich hab mein' Sach Gott. 74 Nun ist es alles * wohlgemacht, Weil Jesus ruft: Es ist vollbracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, das niemals verdirbt. 2. Der Herr der Herrlich⸗ keit erbleicht, Der Lebensfürst, dem niemand gleicht. Was Passions⸗Lieder. Gottes Sohn wird umgebracht! 3. Die Sonn' verlieret ihren Schein, Des Tempels Vor⸗ hang reißet ein, Der Heil' gen Gräber öffnen sich Ganz wun⸗ derlich, Sie stehen auf gar sichtbarlich. 4. Weil denn die Kreatur sich regt, So werd, o Mensch hierdurch bewegt. Ein Fels zerreißt, und du wirst nicht, Durch dies Gericht Bewogen, daß dein Herze bricht? 5. Du bist ja schuld, dies nimm in acht, Daß Jesus ist ans Kreuz gebracht! Ihm der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Greul der Sünden ab. 6. Ach, Vater, ach dein ew'ger Sohn Erbleicht am Kreuz mit Schmach und Hohnl Nun dies geschieht für meine Schuld; Drum hab' Geduld Und zeig' in Jesu Gnad' und Huld. 7. Töt', Jesu, selbst in mei⸗ ner Brust, Was sich noch find't von böser Lust Und altem Menschen, daß ich streb'ꝰ Und mich erhebꝰ Gen Himmel und dir, Jesu, leb'. 8. Ich will nun abgestor⸗ ben sein Der Sünd' und leben dir allein; Es hat dein Tod das Leben mir Gebracht her⸗ für Und aufgethan die Him⸗ melsthür. 9. O Jesu Christe, stärke Wunder, daß die Erde kracht, mich In meinem Vorsatz kräf⸗ Die Welt deckt Nacht, Weil tiglich. Laß mich den Kampf Passions⸗Lieder. so führen fort Nach deinem Wort, Daß ich die Kron' er⸗ lange dort. 10. So will ich dich, Herr Jesu Christ, Daß du für mich gestorben bist, Von Herzen preisen in der Zeit Und nach dem Streit' In Freud'ꝰ und Wonn' in Ewigkeit. Laurentius Laurenti, geb. 1666 f 1698. du Liebe meiner 7⁵. Liebe, Du er⸗ wünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens, mir zu gute, Als ein Schlachtschaf eingestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt, 2. Liebe, die mit Schweiß und Thränen An dem Oel⸗ berg sich betrübt; Liebe, die mit Blut und Sehnen Unauf⸗ hörlich fest geliebt; Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt, Den, so nie⸗ mand konnte stillen, Hat dein Sterben hingelegt. 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Spott und Bahn gehört; Liebe, die mit Angst und Schmerzen Nicht der strengste Tod ver⸗ sehrt: Liebe, die sich liebend zeiget, Als sich Kraft und Atem end't; Liebe, die sich liebend neiget, Als sich Leib und Seele trennt, „. Liebe, die mit ihren Ar⸗ Eigne Melodie. 49 men Mich zuletzt umfangen wollt'; Liebe, die aus Liebs⸗ erbarmen Mich zuletzt in höch⸗ ster Huld Ihrem Vater über⸗ lassen; Die selbst starb und für mich bat, Daß mich nicht der Zorn soll fassen, Weil mich ihr Verdienst vertrat, 5. Liebe, die mit so viel Wunden Gegen mich als seine Braut, Unaufhörlich sich ver⸗ bunden Und auf ewig anver⸗ traut: Liebe, laß auch meine Schmerzen, Meines Lebens bittre Pein, In dem blutver⸗ wund'ten Herzen Sanft in dir gestillet sein. 6. Liebe, die für mich ge⸗ storben Und ein immerwäh⸗ rend Gut An dem Kreuzes⸗ holz erworben; Ach, wie denk' ich an dein Blut! Ach,‚ wie dank' ich deinen Wunden, Du verwund'te Liebe du, Wenn ich in den letzten Stunden Sanft in deinen Armen ruh! 7. Liebe, die sich tot ge⸗ kränket Und für mein erkalt'tes Herz In ein kaltes Grab ge⸗ senket, Achl wie dank' ich dei⸗ nem Schmerz, Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erworben! Nimm mich ewig liebend an. Elise v. Senitz, 4 1679. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 9 Haupt voll Blut 76. O und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn: 4 50 Passions⸗Lieder. O Haupt, zum Spott gebun⸗ den Mit einer Dornenkron'! O Haupt, sonst schön gekrö⸗ net Mit höchster Ehr' und Zier, Jetzt aber höchst ver⸗ höhnet: Gegrüßet seist du mir. 2. Du edles Angesichte, Da⸗ vor sonst schrickt und scheut Das große Weltgewichte, Wie bist du so bespeit, Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht mehr gleichet, So schänd⸗ lich zugericht? 3. Die Farbe deiner Wan⸗ gen, Der roten Lippen Pracht, Ist hin und ganz vergangen; Des blassen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, er⸗ duldet, Ist alles meine Last, Ich hab' es selbst verschuldet, Was du getragen hast, Schau her, hier steh' ich Armer, Der Zorn verdienet hat: Gieb mir, o mein Erbarmer, Den An⸗ blick deiner Gnad'! 5. Erkenne mich, mein Hü⸗ ter, Mein Hi nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel gut's ge⸗ than. Dein Mund hat mich gelabet Mit Milch und süßer Kost, Dein Geist hat mich be⸗ gabet Mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht! Von dir will ich nicht Erit Wenn dir dein Herze richt; Wenn dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schoß. 7. Es dient zu meinen herzlich Und kommt mir erzlich wohl, Wenn ich in dei⸗ nem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht' ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Her⸗ zen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint. Ach, gieb, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Und wann ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann her⸗ für. Wenn mir am allerbäng⸗ sten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aeng⸗ sten Kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schil⸗ de, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken. Da will ich glaubensvoll Fest an mein Herz dich drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt, geb. 1606 f 1576. Passions⸗Lieder. Mel. Christus, der uns selig macht. 77 O hilf, Christe, Got⸗ „ tes Sohn, Durch dein bitter Leiden, Daß wir, dir stets unterthan, Alles Böse meiden, Deinen Tod und sein' Ursach' Fruchtbarlich bedenken, Dafür, wiewohl arm und schwach, Dir Dankopfer schenken. V. 8. aus dem Lied: Christus, der uns selig macht. W. Weiße, 1531. Eigne Melodie. 78 O Lamm Gottes un⸗ * schuldigAmStamm des Kreuzes geschlachtet, All⸗ zeit erfunden geduldig, Wie⸗ wohl du warst verachtet: All Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen: Erbarm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes un⸗ schuldig u. s. w. 3. O Lamm Gottes un⸗ schuldig u. s. w. Gieb uns deinen Frieden, o Jesu! Nicolaus Decius, 4 1541. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 790 O Welt, sieh hier dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil sinkt in den Tod. Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit leiße, Sein Leib ist ganz mit chweiße Des Blutes über⸗ füllt. Aus seinem edeln Her⸗ zen Vor unerschöpften Schmer⸗ 51 zen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschla— gen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht't? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Von Missethaten weißt du nicht. 4. Ich, ich und meine Sün⸗ den, Diesich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Ich bins, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden in der Höll'. Die Geißeln und die Banden, Und was du ausgestanden, Das hat verdienet meine Seel'. 6. Du nimmst auf deinen Rücken Die Lasten, die mich drücken Viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen Verehrst du mir den Segen, Dein Schmerze muß mein Labsal sein. 7. Du setzest dich zum Bürgen, Ja, lässest dich gar würgen Für mich und meine Schuld. Mir lässest du dich krönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 8. Ich bin, mein Heil, ver⸗ bunden All' Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr, Was Leib und Seel' vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr'. 4* 52 Passions⸗Lieder. 9. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 10. Ich wills vor Augen setzen, Mich stets daran er⸗ ötzen, Ich sei auch, wo ich sei Es soll mir sein ein Spie⸗ gel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb' und unver⸗ fälschten Treu. 11. Wie heftig unsre Sün⸗ den Den frommen Gott ent⸗ zünden, Wie Rach' und Eifer ehn, Wie strenge seine Ruten, Wie heiß der Strafe Gluten, Will ich aus deinem Leiden sehn. 12. Ich will daraus stu⸗ dieren, Wie ich mein Herz soll zieren Mit stillem, sanftem Mut, Und wie ich die soll lieben, Die mich doch sehr be⸗ trüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 13 Wenn böse Zungen ste⸗ chen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 14. Ich will mich mit dir schlagen Ans Kreuz und dem absagen, Was meinem Fleisch elüst! Was deine Augen has⸗ sen, Das will ich slihn und lassen, So viel mir möglich ist. 15. Dein Seufzen und dein Stöhnen Und die viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schoß und Hände Be⸗ gleiten zu der ew'gen Ruh. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Christus, der uns selig macht. 80 Seele. mach dich ei⸗ 2 lig auf, Jesum zu begleiten Gen Jerusalem hin⸗ auf, Tritt ihm an die Seiten. In der Andacht folg' ihm nach Zu den bittern Leiden, Bis du aus dem Ungemach Zu ihm wirst abscheiden. 2. Seele, siehe, Gottes Lamm Gehet zu den Leiden, Deiner Seele Bräutigam, Als zu Hochzeitsfreuden. Geht, ihr Töchter von Zion, Jesum zu empfangen; Sehet ihn in seiner Kron' Unter Dornen prangen. 3. Du zeuchst als ein König ein, Wirst dafür empfangen; Aber Bande warten dein, Dich damit zu fangen. Statt der Ehre Hohn und Spott Wird man dir, Herr, geben, Bis du durch des Kreuzes Tod Schließen wirst dein Leben. 4. Das Kreuz ist der Königs⸗ thron, Drauf man dich wird setzen, Dein Bnn mit der Dornenkron' Bis in Tod ver⸗ letzen. Jesu, dein Reich auf der Welt Ist ja lauter Leiden! So ist es von dir bestellt Bis zum letzten Scheiden. Passions⸗Lieder. 53 5. Du wirst, Herr der Herr⸗ schönster Fürst, Den so hoch lichkeit, Ja wohl müssen sterben, nach uns gedürst, Deinen Daß des Himmels Ewigkeit Ich Durst und Liebsverlangen dadurch mög' erben. Aber ach, Völlig fassen und umfangen? wie herrlich glänzt Deine Kron' 3. Heile mich, o Heil der von ferne, Die dein siegreich Seelen, Wo ich krank und Haupt bekränzt, Schöner als traurig bin; Nimm die Schmer⸗ die Sterne! zen, die mich quälen, Und 6. Liebster Jesu, nun Glück den ganzen Schaden hin, Den u! Es muß dir gelingen. mir Adams Fall gebracht ach der stillen Sabbathsruh Und ich selber mir gemacht. Wirst du Freude bringen. Wird, o Arzt, dein Blut mich Tritt nur auf die Todesbahn, netzen, Wird sich all mein Die gestreuten Palmen Bil⸗Jammer setzen. den dir den Sieg voran Aus 4. Schreibe deine blut' gen den Osterpsalmen. Wunden Mir, Herr, in mein 7. Laß mich diese Leidenszeit Herz hinein. Daß sie mögen Fruchtbarlich bedenken, Voller alle Stunden Bei mir unver⸗ Andacht, Reu' und Leid Mich gessen sein. Du bist doch mein darüber kränken. Auch dein höchstes Gut, Drin mein gan⸗ Leiden tröste mich Bei so zes Herze ruht. Laß mich hier vielem Jammer, Bis nach zu deinen Füßen Deine Lieb' allem Leiden ich Geh' zur und Huld genießen. Ruhekammer. 5. Diese Füße will ich hal⸗ Abraham Klesel, geb. 1635 f 1702. ten So fest als ich immer kann. Schaue meiner Hände Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Falten Und mich selber freund⸗ 81 Sei mir tausendmal lich an Von des hohen Kreu⸗ — gegrüßet, Der mich zes Baum, Und gieb meiner je und je geliebt, Jesu, der du Bitte Raum, Sprich: Laß all selbst gebüßet Das, womit ich dein Trauern schwinden, Ich, dich betrübt. Ach, wie ist mir ich tilg' all deine Sünden. doch so wohl, Wenn ich knien Paul Gerhardt, geb. 1606 f. 1676 und liegen soll An dem Kreuze, da du stirbest Und um meine Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Seele wirbest. 82. Qesu, der du wollen 2. Ich umfange, herz' und 0 büßen Für die küsse Der gekränkten Wunden Sünden aller Welt Durch dein Zahl, Und die purpurroten teures Blutvergießen; Der du Flüsse Deiner Füß' und Nä⸗ dich hast dargestellt, Als ein gelmal'. O wer kann doch, Opfer für die Sünder, Die 54 verlor'nen Adamskinder: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren sein! 2. Rette mich durch deine Plagen, Wenn mich meine Sünde plagt; Laß, ach laß mich nicht verzagen, Weil du dnmn für mich gezagt. Hilf, aß mich dein Angstschweiß kühle, Wenn ich Drangsals⸗ hitze fühle: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir ver⸗ loren sein! 3. Mache mich durch deine Bande Von des Satans Ban⸗ den frei; Hilf, daß dein' er⸗ litt'ne Schande Meine Kron' und Ehre sei. Trost der See⸗ len, Heil der Erden, Laß mich nicht zu Schanden werden: Zch laß u s. f. 4. Rede durch dein Stille⸗ schweigen, Liebster Jesu, mir das Wort, Wenn mich Sün⸗ den überzeugen Und verkla⸗ gen fort und fort, Wenn mein bös Gewissen schreiet Und mir mit Verdammnis dräuet: Ach laß u. s. f. 5. Laß mich Freudenrosen brechen, Liebster Jesu, meine Zier, Von den Dornen, die dich stechen: Jesu, nahe dich zu mir; Kröne mich mit Huld und Gnade, Daß kein Sündendorn mir schade: Ach, laß u. s. f. 6. Ach, laß deine tiefen Wun⸗ den Frische Lebensbrunnen sein, Wenn mir alle Kraft ver⸗ schwunden, Wenn ich schmacht' Passions⸗Lieder. grund deiner Gnaden Alle Schuld, die mich beladen: Ach, laß u. s. f. 7. Ach, zerbrich des Eifers Rute, Ach erzeige Gnad' und uld! Tilge doch mit deinem lute Meine schwere Sün⸗ denschuld; Laß mich in der Angst der Sünden Ruh an 8 6. f Seite finden: Ach, laß uU. s. f. 8. Hilf, daß mir dein Dür⸗ sten nütze, Das am Kreuze dich geplagt, Wenn ich lechze, wenn ich schwitze, Wenn mich meine Sünde jagt; Laß mich deinen Durst genießen, Laß mir Lebensströme fließen: Ach, laß, u.. f. 9. Jesu, komm mich zu be⸗ freien Durch dein lautes Angst⸗ geschrei; Wenn viel tausend Sünden schreien, Stehe doch mir Armen bei; Wenn mir Wort und Sprach' entfallen, Laß mich sanft von hinnen wallen: Laß mir deine Todes⸗ pein Leben, Heil und Him⸗ mel sein! Unbekannt 1697. Eigne Melodie. 0 enn meine Sünd' 83. Wé mich kränken, O mein Herr Jesu Christ: So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich in Seelenpein; Senk' in Ab⸗ genommen hast. Passions⸗Lieder. 55 2. O Wunder ohne Maßen, Wer es betrachtet recht: Es hat sich martern lassen Der I1 für seine Knecht'ꝰ; Es at sich selbst der wahre Gott Ger mich verlor' nen Menschen egeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Gund Ich bin bei Gott in naden, Die Schuld ist all⸗ zumal Bezahlt durch Ehristi teures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Glut. 4. Drum sag ich dir von Herzen Jetzt und mein leben⸗ lang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Not, dein Angstgeschrei, Für dein un⸗ schuldig Sterben, Für deine Lieb' und Treu. 5. Herr, laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu mei⸗ den Die sündliche Begier; Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es Dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Sollt's auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen, Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich ver⸗ leugne diese Welt Und folge dem Exempel, Das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn' Eigen⸗ nutz und Heuchelschein Und wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. 8. Laß endlich deine Wunden Mich trösten kräftiglich In meinen letzten Stunden Und des versichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur trau, Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau. Justus Gesenius, geb. 1601 f 1678. Mel. Nun laßt uns den Leib. 84.. * Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist Und hast uns durch dein teures Blut Gemacht vor Gott gerecht und gut. 2. Wir bitten dich, wahr' Mensch und Gott, Durch deine heil'gen Wunden rot: Erlös uns von dem ew'gen Tod Und tröst' uns in der letzten Not. 3. Behütꝰ uns auch vor Sünd' und Schand' Und reich uns dein' allmächt'ge Hand, Daß wir im Kreuz geduldig sein, Uns trösten deiner schweren Pein, 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, Daß du uns werd'st verlassen nicht, Sondern ganz treulich bei uns stehn, Daß wir durchs Kreuz ins Leben gehn. Christoph Vischer, geb. 1544 1600. Begräbnis Jesu. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. 85. Wuo ind Wate 56 deinem Grab gehalten hast: Gieb, daß wir in dir ruhen all.Und unser Leben dir gefall'. 2. Verleih, o Herr, uns Stärk' und Mut, Die du er⸗ kauft mit deinem Blut; Und führ' uns in des Himmels Licht Zu deines Vaters Angesicht. 3. Wir danken dir, o Got⸗ les Lamm, Getötet an des Kreuzes Stamm: Laß ja uns Sündern deine Pein Ein Eingang in das Leben sein. Georg Werner, geb. 1589 4 1643. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. * err, stärke mich, 86. H dein Leiden zu bedenken, Mich in das Meer der Liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller Schuld des Bösen Uns zu erlösen! 2. Du wolltest, Herr, ein Mensch gleich uns auf Erden Und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, An unsrer Statt gemartert und zerschla⸗ gen Die Sünde tragen. 3. Welch wundervoll hoch⸗ heiliges Geschäfte! Sinn' ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, Mein Herz erbebt, ich seh' und ich empfinde Den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb' und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken Am Kreuz erblicken. Passions⸗Lieder. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder Es stürzt mich tief und es er⸗ hebt mich wieder; Lehrt mich mein Glück, macht mich aus Got⸗ tes Feinde Zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, Ich liege hier vor dir gebückt im Staube, Verliere mich mit dankendem Gemüte In deine Güte. ö 7. So sei denn ewig auch von mir gepriesen Für das Erbarmen, das du mir er⸗ wiesen, Da du, mein Heiland, auch für mich dein Leben Dahingegeben. 8. Du liebtest mich: ich will dich wieder lieben Und stets mit Freuden deinen Wil⸗ len üben. O, gieb zu diesem seligen Geschäfte Stets neue Kräfte. Ch. F. Gellert, geb. 1716 4 1769 Eigne Melodie. 87„rn zeleid! Ist das nicht zu beklagen? Gott des Vaters einzig Kind Wird ins Grab getragen! 2. O große Not! Gott Sohn liegt tot, Am Kreuz ist er gestorben, Hat dadurch das Himmelreich Uns aus Lieb' erworben. 3. O Menschenkind, Nur deine Sünd' Hat dieses ange⸗ richtet, Da du durch die Misse⸗ that Warest ganz vernichtet. Passions-Lieder. 4. Dein Bräutigam, Das Gotteslamm, Liegt hier mit — Oster⸗Lieder. 6. O selig ist Zujeder Frist, 57 Der dieses recht bedenket, Wie Blut beflossen, Welches er der Herr der Herrlichkeit Wird ganz gnädiglich Hat für dich ins Grab gesenket. vergossen. 5. O süßer Mund, O Glau⸗ bensgrund, Wie bist du so 7. O Jesu, du Mein Hülf' und Ruh! Ich bitte dich mit Thränen: Hilf, daß ich mich zerschlagen! Alles, was auf bis ins Grab Nach dir möge Erden lebt, Muß dich ja be⸗ klagen. sehnen. Joh. Rist, geb. 1607 T 1667. VII. Oster⸗Lieder. Eigne Melodie. röhlich sein, Singen das Hal⸗ f 88. Erschennn ist er fein, Und loben dich, 6 herrlich“ Tag, Dran sich niemand gnug freuen mag, Christ, unser Herr, heut triumphiert, All sein' Feind' er gefangen führt. Hallelujah! 2. Die alte Schlange, Sünd' und Tod, Die Höll', all' Jam⸗ mer, Angst und Not Hat überwunden Jesus Christ, Der heut vom Tod erstanden ist. Hallelujah! 3. Sein Raub der Tod mußt geben her, Weil ihn Herr Jesu Christ; Zu Trost du uns erstanden bist. Hallelujah! Nicol. Hermann 1561. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. 89.5 Hehr Oor jauchzt ihr Chöre, Singt Jesu Christo Preis und Ehre, Wie groß, wie herrlich ist sein Tag! Er, der Held, zerriß die Banden Des Todes und ist auferstanden, Er, der für uns im Grabe lag. Sein ist besiegt des Lebens Herr, Zer⸗Gewalt und Macht! Preis stört ist nun all seine Macht Christ hat das Leben wie— derbracht. Hallelujah! 4. Die Sonn', die Erd', all' Creatur, All's was be⸗ trübet war zuvor, Das freut sich heut an diesem Tag, Da der Welt Fürst darniederlag. Hallelujah! 5. Drum wir auch billig ihm, er hat's vollbracht! Halle⸗ lujah! Er hat's vollbracht! Er, der die Macht Des To⸗ des und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, Hat mächtig Sa⸗ tans Reich bezwungen, Von Todesketten uns befreit. Wir von Gott gefall'ne Sünder Sind nun mit ihm versöhnt, sind Kinder Und Erben sei Oster⸗Lieder. ner Seligkeit. Bald, bald ent⸗ Und singen Hallelujah! Halle⸗ ujah! schlafenwir, Entschlafen, Christe,I jah dir, Ruhn in Frieden Die kurze Nacht, Bis deine Macht Das Licht des ew'gen Ta⸗ ges ruft. 3. Unsern Staub mag Staub bedecken. Du wirst ihn herr⸗ lich auferwecken, Der du des Staubes Schöpfer bist. Du wirst unvergänglich Leben Und Kraft und Herrlichkeit 2. Den Tod niemand be⸗ zwingen konnt Bei allen Men⸗ schenkindern. Das machte al⸗ les unsre Sünd', Kein Un⸗ schuld war zu finden. Davon kam der Tod sobald Und nahm auch über uns Gewalt, Hielt uns in seinem Reich g'fangen. Hallelujah! 3. Christ, unser Heiland, ihm geben, Dem Staube, der Gottes Sohn, An unser Statt dir teuer ist. Wir werden ist kommen Und hat die Sün⸗ ewig dein, Gerecht und selig de abgethan, Damit dem Tod sein. Hallelujah“ Tod und genommen All sein Recht und Gericht Erschreckt uns nicht, sein' Gewalt, Da bleibet nichts Denn Jesus, unser Mittler, lebt. 4. Tag des Lebens, Tag der Wonne! Wie wird uns sein, wenn Gottes Sonne Durch unsres Grabes Dunkel bricht. O, was werden wir empfinden, Wenn Nacht und Finsternis verschwinden Und uns umstrahlt des Himmels Licht! Vollender, führe du Uns diesem Tage zu, Uns die Deinen! Die Todesbahn Gingst du voran, Wir folgen dir in deine Ruh. G. B. Funk, geb. 1734 4 1814. Eigne Melodie. hrist lag in Todes⸗ 90. C banden, Für un⸗ sre Sünd' gegeben; Der ist wieder erstanden uns bracht das Leben, Des wir sollen fröhlich sein, Gott loben und ihm dankbar sein Und hat denn Tod'sgestalt: Den Stach'l hat er verloren. Hallelujah! 4„. Es war ein wunderlicher Krieg, Da Tod und Leben rungen; Das Leben, das be⸗ hielt den Sieg, Es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündet das, Wie da ein Tod den andern fraß. Ein Spott der Tod ist wor⸗ den. Hallelujah! 5. Hier ist das rechte Oster⸗ lamm, Davon Gott hat ge⸗ boten, Das ist für uns am Kreuzesstamm In heißer Lieb' gestorben. Das Blut zeichnel unsre Thür; Das hält der Glaub dem Tode für. Nicht rühr'n kann uns der Würger. Hallelujah! 6. So feiern wir das hohe Fest Mit Herzensfreud' und Wonne, Das uns der Herr erscheinen läßt: Er selber ist Oster⸗Lieder. die Sonne, Der durch seiner Gnaden Glanz Erleuchtet un⸗ sre Herzen ganz. Der Sünd'n Nachtist vergangen. Hallelujah! 7. Wir essen nun und le⸗ ben wohl, Zum süßen Brot Zeladen. Der alte Sauerteig nicht soll Sein bei dem Wort der Gnaden. Christus selbst die Kost will sein Und spei⸗ sen unsre Seel' allein: Der Glaub' will kein's andern le⸗ ben. Hallelujah! Martin Luther, geb. 1483 + 1546. Mel. Christus, der ist mein Leben. 91.⁵ Willlonmen, Held * im Streite, Aus deines Grabes Kluft! Wir triumphieren heute Um deine leere Gruft. 2. Der Feind wird Schau getragen Und heißt nunmehr ein Spott; Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott. 3. In der Gerechten Hütten Schallt schon das Siegeslied; Du trittst selbst in die Mit⸗ i bringst den Oster⸗ e 5 4. Ach, teile doch die Beute Bei deinen Gliedern aus; Wir alle kommen heute Deswe⸗ gen in dein Haus. 5. Laß unser aller Sünden Ins Grab verscharret sein, Uns einen Schatz hier finden, Der ewig kann erfreun. 6. Wir sind mit dir gestor⸗ ben, So leben wir mit dir; 59 Was uns dein Tod erworben, Das stell uns täglich für. 7. Wir wollen hier ganz fröhlich Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir nur dorten selig Mit dir auch auferstehn. 8. Der Tod kann uns nicht schaden, Sein Pfeil ist nun⸗ mehr stumpf; Wir stehn bei Gott in Gnaden Und rufen schon: Triumph! Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1787. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 92 rüh Morgens, da die Sonn'aufgeht, Mein Heiland Christus auf⸗ ersteht: Vertrieben ist der Sün⸗ den Nacht, Licht, Heil und wwah! wiederbracht. Halle⸗ ujah! 2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not Verschlossen, gleich als wär ich tot, Läßt du mir früh die Gnadensonn' Aufgehn, nach Trauern, Freud' und Wonn'! Hallelujah! 3. Nicht mehr als nur drei Tage lang Mein Heiland bleibt im Todeszwang, Am dritten Tag dringt er herfür, Und schwinget hoch sein Reichspa⸗ nier. Hallelujah! 4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt Mit Schmach am Kreuz gefangen hält; Drauf folgt der Sabbath in dem Grab, Darin ich Ruh und Frieden hab! Hallelujah! 5. In Kurzem wach' ich fröhlich auf, Mein Ostertag ist 60 Oster⸗Lieder. schon im Lauf, Ich wach auf durch des Herren Stimm', Ver⸗ acht den Tod mit seinem Grimm. Hallelujah! 6. Am Kreuz läßt Christus öffentlich Vor allem Volke töten sich; Da er durchs To⸗ des Kerker bricht, Läßt ers die Menschen sehen nicht. Hal⸗ lelujah! 7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein groß Ge⸗ präng' ihm hier gefällt; Was schlccht und niedrig geht herein, Soll ihm das allerliebste sein. Hallelujah! 8. Hier ist noch nicht ganz kund gemacht, Was er aus seinem Grab gebracht, Der große Schatz, die reiche Beut', Drauf sich ein Christ ⁰ herz⸗ lich freut. Hallelujah! 9. Der jüngste Tag wird zeigen an, Was er für Tha⸗ ten hat gethan, Wie er der Schlange Kopf zerknickt, Die Höll' zerstört, den Tod erdrückt. allelujah! 10. Da werd' ich Christi Herrlichkeit Anschauen ewig voller aue Ich werde sehn, wie a Feind In Höllen⸗ Hn. gestürzet seind. Halle⸗ 511 Der Herr den Tod zu Boden schlägt, Da er selbst tot und sich nicht regt! Geht aus dem Grab in eigner Kraft, Tod,‚ Teufel, Höll' nichts an ihm schafft. Hallelujah! ker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angst⸗ stein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Hallelujah! 13. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, G'nug, daß ich Christum bei mir hab'. Hallelujah! 14. Er nährt, er schützt, er tröstet mich: Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil seines Leibes Glied ich bin. Hallelujah! 15. Durch seiner Auferste⸗ hung Kraft Komm' ich zur Engel Brüderschaft; Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, Die Feindschaft ist ganz abgelehnt. Hallelujahl 16. Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; Die Freude, die mir ist bereit', Vertreibet Furcht und Traurigkeit. Hal⸗ lelujah! 17. Für diesen Trost, o gro⸗ ßer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir mit größerm Fleiß Erhe⸗ ben deinen Ruhm und Preis. Hallelujah! Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Eigne Melodie. 93. eut triumphieret Gottes Sohn, Der 12. O Wunder groß, o star⸗ von dem Tod erstanden schon, Oster⸗Lieder. 61 Hallelujah! Hallelujah! Mit großer Macht und Herrlichkeit, Des dank'n wir ihm in Ewig⸗ keit. Hallelujah! Hallelujah! 2. Dem Teufel hat er seine Macht Zerstört und gänzlich umgebracht, Hallelujah! Hal⸗ lelujah! Wie pflegt zu thun ein starker Held, Der seinen Feind gewaltig fällt. Hallelu⸗ jah! Hallelujah! 3. O lieber Herre Jesu Christ, Der du der Sünder Heiland bist, Hallelujah! Hal⸗ lelujah! Führ' uns durch dein' Barmherzigkeit Mit Freuden in die Herrlichkeit. Hallelujah! Hallelujah! 4. Nun kann kein Feind uns schaden mehr, Ob er gleich wütet noch so sehr; Hallelu⸗ jah! Hallelujah! Er liegt im Staub, der arge Feind, Da⸗ geg'n wir Gottes Kinder sind. Hallelujah! Hallelujah! 5. Dafür wir alle danken gleich Und sehnen uns ins Himmelreich. Hallelujah! Hal⸗ elujah! Das Ende kommt, Gott helf uns all, So singen wir mit großem Schall: Halle⸗ (ujah! Hallelujah! 6. Gott Vater in dem höch⸗ sten Thron, eingebornen Sohn, Hallelujah! Hallelujah! Dem heil'gen Gei⸗ ste gleicherweis' In Ewigkeit sei Lob und Preis. Hallelu⸗ jah! Hallelujah! Bas. Foertsch, 4 1614. Mel. Valet will ich dir geben. 94. Och geh' zu deinem — N Grabe, Du großer Osterfürst, Weil ich die Hoff⸗ nung habe, Daß du mir zei⸗ gen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn; Auch mit des Him⸗ mels Erben Ins Land des Lebens gehn! 2. Du liegest in der Erde Und hast sie eingeweiht: Wenn ich begraben werde, Daß 2. mein Herz nicht scheut, Au in den Staub zu legen, Was Asch' und Staub vermehrt: Weil dir doch allerwegen Die Erde zugehört. 3. Du schläfest in dem Grabe, Daß ich auch meine Ruh An diesem Orte habe; Du drückst die Augen zu. So soll mir gar nicht grauen, Wenn mein Ge⸗ sicht vergeht; Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab war wohl versiegelt, Doch brichst du es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt, Da werd ich den er⸗ Samt seinem blicken, Der mich vom Tod 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich; Da warten erweckt. —— .. . 62 Oster⸗Lieder. Himmelskronen In deinerHand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, O meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben In mei⸗ ner letzten Not, Ich will mein Bette machen In deiner Liebe Gruft, Da werd' ich schon Laf. Wenn deine Stimme ruft. 7. Du wirst den Oelberg zeigen, Wo man gen Himmel fährt, Da werd' ich fröhlich steigen, Bis daß ich eingekehrt In Salems Friedenshäuser, Da heißt's: Hallelujah! Da trägt man Siegesreiser; Ach, wär' ich nur schon da! Benj. Schmolck, geb. 1672 4 1737. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 95² Qesus lebt! mit ihm A auch ich, Tod, wo sind nun deine Schrecken? Je⸗ sus lebt und wird auch mich Von dem Tode auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; Dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben; Mit ihm werd' ich auch zu⸗ gleich Ewig herrschen, ewig leben, Gott erfüllt, was er verspricht; Dies ist meine Zu⸗ versicht. 3. Jesus lebt! wer nun ver⸗ zagt, Lästert ihn und Gottes Ehre, Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; Dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! sein Heil ist mein, Sein sei auch mein ganzes Leben; Reines Herzens will ich sein Und den Lüsten widerstreben; Er verläßt den Schwachen nicht; Dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bin ge⸗ wiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsternis, Keine Herrlichkeit, kein Leiden, Er giebt Kraft zu jeder Pflicht; Dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! nun ist der Tod Mir der Eingang in das Leben, Welchen Trost in To⸗ desnot Wird das meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Chr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 + 1769. Eigne Melodie. 96² Jesus, meine Zuver⸗ 2 sicht Und mein Hei⸗ land ist im Leben. Dieses weiß ich: sollt' ich nicht Da⸗ rum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er, mein Heiland lebt; Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Er⸗ löser schwebt; Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff⸗ nung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glau⸗ Oster⸗Lieder. 63 benshand Wird in ihn gelegt Erden Und euch dem schon gefunden, Daß mich auch kein jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt Todesbann Ewig von ihm sollt werden. Schickt das Herze trennen kann. da hinein, Wo ihr ewig 4. Ich bin Fleisch und muß wünscht zu sein. daher Auch einmal zu Asche souise Henriette, Kurfürstin von Bran⸗ werden; Das gesteh ich; doch denburg, geb. 1627 4 1667. wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herr⸗Mel. Nun freut euch, lieben Christen. lichkeit Um ihn sein mög' alle⸗ H Tod, wo ist dein 1—— 97. O Stachel nun? Wo 5. Dieser meiner Augen ist dein Sieg, o Hölle? Was Licht Wird ihn, meinen Hei⸗ kann uns jetzt der Teufel land, kennen. Ich, ich selbst, thun, Wie grausam er sich kein Fremder nicht, Werd' in stelle? Gott sei gedankt, der seiner Liebe brennen; Nur die uns den Sieg So herrlich hat Schwachheit um und an Wird nach diesem Krieg Durch Je⸗ von mir sein abgethan. sum Christ gegeben! 6. Was hier kranket, seufzt 2. Wie sträubte sich die alte und fleht, Wird dort frisch Schlang, Da Christus mit ihr und herrlich gehen; Irdisch kämpfte! Mit List und Macht werd' ich ausgesä't, Himmlisch sie auf ihn drang: Und den⸗ werd' ich auferstehen; Hier noch er sie dämpfte. Ob sie geh' ich natürlich ein, Nach⸗ mals werd' ich geistlich sein. 7. Seid getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Chri⸗ stus ruft euch wieder, Wann die letzt- Posaun' erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. 8. Lacht der finstern Erden⸗ kluft, Lacht des Todes und der Höllen! Denn ihr sollt euch durch die Luft Eurem Hei⸗ land zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß Lie⸗ gen unter eurem Fuß. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser ihn in die Fersen sticht, Den starken Gott besiegt sie nicht: Der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig Christus kommt herfür; Die Feind nimmt er gefangen, Zerbricht der Höllen Schloß und Thür, Trägt weg den Raub mit Prangen, Nichts ist, das in dem Siegeslauf Den starken Held kann halten auf: Er ist der Ueberwinder. 4. Des st It• Hei öllen Pest Ist unser Hei⸗ land worden. Wenn Satan auch noch ungern läßt vom Wüten und vom Morden, Und, da er sonst nichts schaf⸗ fen kann, Nur Tag und Nacht 6⁴4 Oster⸗Lieder. uns klaget an, So ist er doch verworfen. 5. Des Herren Rechte, die behält Den Sieg und ist er⸗ höhet, Des Herren Rechte mächtig fällt, Was ihr ent⸗ gegen stehet. Tod, Teufel, Höll' und alle Feind' Durch Christi Sieg gedämpfet seind, Ihr Zorn ist kraftlos worden. 6. Es war getötet Jesus Christ, Und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, Stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten gläubt, Im Tod und Grabe der nicht bleibt, Er lebt, ob er gleich stirbet. 7. Wer täglich hier durch wahre Reu Mit Christo auf⸗ erstehet, Ist dort vom andern Tode frei, Derselb' ihn nicht angehet, Genommen ist dem Unschuld und Leben wiederbracht Und Tod die Macht, unvergänglich Wesen. 8. Das ist die reiche Oster⸗ beut', Der wir teilhaftig wer⸗ den, Fried', Freude, Heil, Gerechtigkeit Im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, Bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe. Drum kann mit aller Macht und List Uns Satan nicht mehr schaden. 10. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel thun, Wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg So herrlich hat in die⸗ sem Krieg Durch Jesum Christ gegeben. G. Weissel, geb. 1590 + 1635. Mel. Mein Herzensjesu, meine Lust. 0 ach auf, mein Herz/ 98. W' die Nacht ist hin, Die Sonn' ist aufgegangen; Ermunt're dich, mein Geist und Sinn, Den Heiland zu empfangen, Der heute durch des Todes Thür Gebrochen aus dem Grab herfür, Der ganzen Welt zur Wonne! 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auf⸗ erstanden. 3. Vergiß nun, was da⸗ hinten ist, Und tracht' nach 9. Der alte Feind und dem, was droben, Damit dein seine Rott' Hingegen wird Herz zu jeder Frist Zu Jesu zu Schanden, Erlegt ist er sei erhoben. Tritt unter dich mit Schimpf und Spott, Da die böse Welt Und strebe nach Christus ist erstanden. Des dem Himmelszelt, Wo Jesus Hauptes Sieg der Glieder ist, ist zu finden. S—!— Oster⸗Lieder. 65 4. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud' und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 5. Geh mit Maria Magda⸗ len' Und Salome zum Grabe, Die früh dahin aus Liebe gehn Mit ihrer Salbungsgabe: So wirst du sehn, daß Jesus Christ Vom Tod heut auf⸗ erstanden ist Und nicht im Grab zu finden. 6. Es hat der Löw' aus Judas Stamm Heut siegreich überwunden, Und daserwürgte Gotteslamm Hat, uns zum Heil, erfunden Das Leben und Gerechtigkeit, Weil er nach überwund'nem Streit Die Fein⸗ de Schau getragen. 7. Drum auf, mein Herz, fang' an den Streit, eil Jesus überwunden: Er wird auch überwinden weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. 8. Scheu weder Teufel, Welt noch Tod, Noch gar der Hölle Rachen; Denn Jesus lebt, es hat kein' Not; Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringsten in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. 9. Ach, mein Herr Jesu, der du bist Von Toten auf⸗ erstanden, Rett' uns aus Sa⸗ tans Macht und List Und aus des Todes Banden, Daß wir zusammen insgemein Zum neuen Leben gehen ein, Das du uns hast erworben. 10. Sei hochgelobt in die⸗ ser Zeit Von allen Gottes⸗ kindern, Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueber⸗ windern, Die überwunden durch dein Blut: Herr Jesu, gieb uns Kraft und Mut, Daß wir auch überwinden. Laurentius Laurenti, geb. 1660 T 1722. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 99(ir danken dir, Herr * Jesu Christ, Daß du vom Tod erstanden bist Und hast zerstört des Todes Macht Und uns das Leben wiederbracht. Hallelujah! 2. Wir bitten dich, durch deine Gnad', Nimm von uns unsre Missethat Und hilf uns durch die Güte dein, Daß wir dein“ treue Diener sein. Hallelujahl 3. Gott Vater in dem höch⸗ sten Thron, Samt seinem eingebor'nen Sohn, Dem heil'⸗ gen Geist in gleicherweis' In Ewigkeit sei Lob und Preis. Hallelujah! Thomas Hartmann, 1604. Mel. Erschienen ist der herrlich Tag. . o willst du hin, 100. W' weil's Abend 5 66 Oster⸗Lieder. ist, O liebster Pilgrim, Jesu Christ? Komm, laß mich so glückselig sein, Und kehr' in meinem Herzen ein. Hallelujah! 2. Laß dich erbitten, liebster Freund, Dieweil es ist so gut gemeint;: Du weißt, daß du zu aller Frist Ein herzenslieber Gast mir bist. Hallelujah! 3. Es hat der Tag sich sehr geneigt, Die Nacht sich schon von ferne zeigt; Drum wollest du, o wahres Licht, Mich Armen ja verlassen nicht. Hallelujah! 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn Zum Himmel sicher finden kann, Damit die dunkle Sünden⸗ nacht Mich nicht verführt, noch irre macht. Hallelujah! 5. Vor allem in der letzten Not Hilf mir durch einen sanften Tod. Herr Jesu, bleib, ich halt' dich fest, Ich weiß, daß du mich nicht verläßt. Hallelujah! Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 101 43 810 der Jünger * gehn mit Sehnen Ueber Feld nach Emmaus; Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seele voll Verdruß, Man hört ihre Klageworte; Doch es ist bon ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach es gehn noch manche Herzen Ihrem stillen Kummer nach; Sie bejammern ihre Schmerzen, Ihre Not und Un⸗ gemach. Manches wandert gar alleine, Daß es nur zur G'nuge weine: Doch mein Jesus ist dabei, Fragt, was man so traurig sei? 3. Wenn zwei Seelen sich besprechen, So ist er der dritte Mann: Er bemerket die Ge⸗ brechen, Redet, was uns trösten lann; Denn er kann uns nicht versäumen, Wie wir glaubens⸗ los oft träumen: Er hat alles im Gesicht, Seine Treu ver⸗ läßt uns nicht. 4. Jesus ist mir nachgegan⸗ gen, Wenn ich meiner Eitelkeit Und der Sünde nachgehangen; O, der unglücksel'gen Zeit, Die man dergestalt verloren, Doch er hat mich neu geboren, Jesus hat an mich gedacht Und das Schäflein wiederbracht. 5. Hat sich eine Not gefun⸗ den, So ließ er mich nicht allein; Jesus stellt zur rechten Stunden Sich mit seiner Hülfe ein. Wenn ich mich bei ihm be⸗ schwere, Gleich als ob er ferne wäre, O so ist er mehr als nah Und mit seiner Hülfe da. 6. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe ferner nah ei mir. Kommt die Welt mich anzufeinden: Ach, so sei du auch allhier. Will der Teufel auf mich blitzen, Wollst du trösten und beschützen, Komm, in meinem Geist zu ruhn: Was du willst, das will ich thun. 7. Bin ich traurig und be— trübet, So gieb nur in meinen Sinn, Daß mich deine Seele liebet, Und daß ich der Deinebin. Oster⸗Lieder.— Himmelfahrts⸗Lieder. 67 Laß dein Wort mich feste grün⸗ den; Laß es auch mein Herz ent⸗ händen Daß es voller Liebe rennt Und dich immer besser kennt. 8. Tröst auch andre fromme Seelen, Wenn sie tief im Kum⸗ mer stehn, Wenn sie in verborg⸗ nen Höhlen, Kammern Feldern, Wäldern gehn, Ihrem Kummer nachzusinnen, Daß sie satt sich weinen können; So sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? 9. Kannst du bei der Welt nicht weilen, Ach, so nimm mich auch mit dir; Laß mich deine Freuden teilen, Sei und bleibe stets bei mir. Bleibe doch in unsrer Mitten, Wie dich deine Kinder bitten. Dank sei dir, o lieber Gast, Daß du mich ge⸗ tröstet hast. Johann Neunherz, geb. 1653 + 17³⁷ VIII. Himmelfahrts⸗Lieder. Mel. Wie schön leuchtet der. 102. A5. wundergroßer Siegesheld! Du Sündenträger aller Welt! Heut hast du dich gesetzet Zur rechten deines Vaters Kraft, Der Feinde Schar gebracht zur Haft, Bis auf den Tod verletzet: Mächtig, Prächtig, Triumphierest, jubilierest; Tod und Leben, Dir ist alles untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, Viel tausend hohe Seraphim Dich großen Sieg'sfürst loben; lich leiden, Weil du den Segen wieder⸗ bracht, Mit Majestät und großer Macht Zur Glorie bist erhoben: Singet, Klinget, Rühmt und ehret den, s fähret auf gen Himmel, Mit Posaunen und Getümmel. 3. Du bist das Haupt, hin⸗ gegen wir Sind Glieder, ja es kommt von dir Auf uns Licht, Trost und Leben, Heil, Fried' und Freude, Stärk' und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzens⸗ saft Wird uns von dir gegeben: Bringe, Zwinge Mein Gemüte, mein Geblüte, daß es preise, Dir als Sieg'sherrn Ehr' erweise. 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir, Hilf, daß wir fort⸗ hin für und für Nach deinem Reichetrachten. Laß unser Thun und Wandel sein, Wo Zucht und Demut tritt herein, All' Uep⸗ pigkeit verachten! Unart, Hof⸗ fahrt Laß uns meiden, christ⸗ wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schutz und Schatz, Sei unser Ruhm und fester Platz, Darauf wir uns verlassen. Laß suchen uns wasdrobenist: Auf Erden woh⸗ net Trug und List, Es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, die da nagen, die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 5*³ 68 Himmelfahrts⸗Lieder. 6. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron, Du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen; Du, du vist allen uns zu gut, O Jesu, durch dein teures Blut Ins Heiligtum gegangen, Komm schier, Hilf mir, Dann so sollen, dann so wollen wir ohn' Ende Fröhlich klopfen in die Hände. Ernst Ehr. Homburg. geb. 1605 + 1681. Mel. Nun freut euch, lieben Christen mein'. 0 103. HufChristidimmel⸗ fahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe, Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiermit stets überwinde, Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gezogen himmel⸗ an Und große Gab empfangen, Mein Herz auch nur im Him⸗ mel kann, Sonst nirgends Ruh erlangen; Denn wo mein Schatz gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spü⸗ ren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mag meine Nach⸗ fahrt zieren, Und dann einmal, wenn dir's gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen. Josua Wegelin, 4 1640. verklärte Majestät, Alle Himmel sind zu wenig, Du bist d'rüber hoch erhöht! Sollt' ich nicht zu Fuße fallen, Und mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug' betracht't Deine Herrlichkeit und Macht? 2. Seh' ich dich gen Himmel fahren, Seh' ich Dich zur Rech⸗ ten da, Seh' ich, wie der Engel Scharen Alle rufen Gloria: Sollt' ich nicht zu Fuße fallen Mel. Alle Menschen müssen sterhen. 104. Satn Höchl Und mein Herz vor Freude wallen, Da der Himmel jubi⸗ liert, Weil mein König tri⸗ umphiert? 3. Weit und breit, du Him⸗ melssonne, Deine Klarheit sich ergeußt, Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmels⸗ geister speist; Prächtig wirst du eingenommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, ich armes Kindlein hier Ruf auch Hosianna dir. 4. Sollt' ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit seh'? Sollt' mein Mut noch wollen sinken, Da ich deine Macht versteh'??ꝰ Meinem König will ich trauen, Nicht vor Welt und Teufel grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. 5. Geist und Kraft nun über⸗ fließen; Drum wirk in mir kräftiglich, Bis zum Schemel deiner Füße Alle Feinde legen sich. Aus Zion das Scepter sende Weit und breit bis zum Weltende. Mache dir au“ Himmelfahrts⸗Lieder. 69 Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 6. Du kannst alles aller Orten Nun erfüll'n und nahe sein; Meines armen Herzens Pforten Stell ich offen; komm herein! Komm du König aller Ehren! Du mußt auch bei mir einkehren; Ewig in mir leb und wohn' Als in deinem Himmelsthron. G. Tersteegen, geb. 1697 4 1769. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 105 G³ fähret auf gen „Himmel Mit fro⸗ hem Jubelschall, Mit prächti⸗ 100 Getümmel Und mit Po⸗ Erden Dorthin, wo unser Schatz. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hinge⸗ gangen, Dahin sei das Ver⸗ langen, Dahin sei euer Lauf. 5. Laßt uns zum Himmel dringen Mit herzlicher Be⸗ ier; Laßt uns zugleich auch snnent Dich, Jesu, suchen wir; Dich, o du Gottes Sohn, Dich Weg, dich wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich unsers Hauptes Kron'. 6. Fahr hin mit deinen Schätzen, Du trugesvolle Weltl Dein Gut kann nicht ergötzen; Weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis, aunenhall. Lobsingt, lobsinget Der Herr ist uns're Freude Gott; Lobsingt, lobsingt mit Freuden Dem Könige der Hei— den, Dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufge⸗ Und köstliches Geschmeide! Zu ihm gilt unsre Reis'. 7. Wann soll es doch ge⸗ schehen, Wann kommt die liebe nommen, Der ganze Himmel Zeit, Daß wir ihn werden lacht; Um ihn gehn alle From⸗sehen In seiner Herrlichkeit; men, Die er hat frei gemacht. Es holen Jesum lautern Cherubinen; Den hellen Seraphinen Muß er willkom⸗ men sein. 3. Wir wissen nun die Stiege, Die unser Haupt er⸗ höht. Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns nicht nach sich lassen; Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sich're Bahn. 4. Wir sollen himmlisch werden; Der Herre macht uns Platz; Wir gehen von der ein Die Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir den Heiland grüßen Und fallen ihm zu Füßen? Komm, stelle dich doch ein! Gottfr. Wilh. Sacer, geb. 1635 + 1699. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. roßer Mittler, der 106. zur Rechten Sei⸗ nes großen Vaters sitzt Und die Schar von seinen Knechten In dem Reich der Gnaden schützt, Den auf dem erhab'nen Throne In der königlichen Krone Alles Heer der Ewigkeit Mit verhülltem Antlitz scheut! 70 2. Dein Geschäft auf dieser Erden Und dein Opfer ist voll⸗ bracht; Was vollendet sollte werden, Das ist gänzlich aus⸗ gemacht; Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad' und Heil erworben, Und dein sieg⸗ reich' Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. Himmelfahrts⸗Lieder. bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen: O mit welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte Von der Allmacht unter⸗ stützt, Da in der vollkomm'nen Hütte Die verklärte Mensch⸗ heit sitzt; Nun kannst du des 3. Nun ist dieses dein Ge⸗ schäfte In dem obern Heilig⸗ tum, Die erworb'nen Segens⸗ kräfte Durch dein Evangelium Allen denen mitzuteilen, Die zum Thron der Gnaden eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zuge⸗ wandt. 4. Deines Volkes werte Namen Trägest du auf deiner Brust, Und an den gerechten Samen Denkest du mit vieler Lust, Du vertrittst, die an dich Satans Klagen Majestätisch niederschlagen, Und nun macht dein reines Blut Uns're böse Sache gut. 8. Die Verdienste deiner Leiden Stelltest du dem Vater dar, Und vertrittst vor ihm mit Freuden Deine teu'r er⸗ löste Schar, Daß er wolle Kraft und Leben Deinem Volk auf Erden geben Und die Seelen zu dir ziehn, Die noch deine Freundschaft fliehn. 9. Großer Mittler, sei ge⸗ läuben, Daß sie dir vereinigt priesen, Daß du in dem Heilig⸗ Hleiben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergißt du auch der tum So viel Treu an uns be⸗ wiesen: Dir sei Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, Wenn wir Armen, Die der Welt gehorchen, zu dem Vater beten, Sprich nicht, Weil dein Herz dir vor für uns in letzter Not, Wenn Erbarmen Ueber ihrem Elend den Mund verschließt der Tod. bricht, Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er änd're Joh Jar. Rambach, geb. 1693 +. 1735. Mel. Die Tugend wird durchs. ihren Sinn: Ach, da zielt dein 07 AIhr aufgehob'nenJe⸗ * Bitten hin. sushände, Voll 6. Zwar in deines Fleisches Heil, voll Wunderkraft des Tagen, Da die Sünden aller Welt Dir auf deinen Schultern lagen, Hast du dich vor Gott gestellt, Bald mit Seufzen, Herrn, Ihr wirkt und waltet bis ans Ende, Uns ungesehn, doch niemals fern. Im Segnen seid ihr aufgefahren, Im Seg⸗ Himmelfahrts⸗Lieder. 71 nen kommt ihr einst zurück; Auch in des Glaubens Zwi⸗ schenjahren Bleibt ihr der Seelen Trost und Glück. 2. Ihr segnet Christi Schar hinieden Mit Freude, die ohn' Ende währt. Ihr legt auf sie den hohen Frieden, Den keine Welt uns sonst beschert; Ja, segnend ruht ihr auf den Sei⸗ nen, Dies beugt und stärkt uns bis ans Grab; Und wenn wir Sehnsuchtsthränen weinen, So trocknet dies die Thränen ab. 3. Ihr zieht mit Gotteskraft die Herzen An sein so treues Herz hinauf; Ihr stillt, ihr heilt die Seelenschmerzen, Ihr helft der Schwachheit mächtig auf; Ihr brecht den Zwang, der Herzen kettet, Ihr faßt und stärkt des Pilgers Hand, Ihr hebt, ihr tragt und ihr errettet Und führet uns ins Vaterland. 4. Einst öffnet ihr die Him⸗ melsthore Der treuen Erden⸗ pilgerschar Und reicht dem Ueberwinderchore Des ew'gen Lebens Kronen dar. Dann, dann mit jeder Gottesgabe, Mit jedem Heil begabt durch euch, Jauchzt eurem güld'nen Königsstabe Des weiten Him⸗ mels Königreich. Karl Bernh. Garve. geb. 1763 4 1841. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 108. Kenig, dem kein N Köni gleichet, Dessen Ruhm kein Mund er⸗ reichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters ew'gem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten! 2. Himmel, Wasser, Luft und Erde Nebst der unge⸗ zählten Herde Der Geschöpfe in den Feldern, In den See'n, in den Wäldern, Sind, Herr, über Tod und Leben, Dir zum Eigentum gegeben; Tiere, Menschen, Geister scheuen, Menschensohn, dein mächtig Dräuen. 3. In des Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen; Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes Nach dem Recht des Gnaden⸗ bundes Sich von dir regieren lassen Und, wie du, das Un⸗ recht hassen. 4. In dem Reiche deiner Ehren Kann man stets dich loben hören Von dem himm⸗ lischen Geschlechte, Von der Menge deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein verklärtes Antlitz schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr' und Dienst er⸗ weisen. 5. O Monarch in dreien Reichen, Dir ist niemand zu vergleichen An dem Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung 72 der Gesetze, An Vortrefflich⸗ keit der Gaben, Welche deine Bürger haben; Du beschützest deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. 6. Herrsche auch in meinem Lu Ueber Zorn, Furcht, ust und Schmerzen; Laß mich deinen Schutz genießen, Laß mich dich im Glauben grüßen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Landen sam üben, Hier mit leiden, hier mit streiten, Dort mit herrschen dir zur Seiten. Joh. Jalob Rambach, geb. 1693 1735. Mel. Ach Gott und Herr. euch uns nach dir, 109. 3 So 0 wir Mit herzlichem Verlangen Hin, da du bist, Herr Jesu Christ, Aus dieser Welt ge⸗ gangen. 2. Zeuch uns nach dir, In Liebsbegier, Aus diesem Sün⸗ denleben: So dürfen wir Nicht länger hier In Not und Aengsten schweben. 3. Zeuch uns nach dir, Herr Christ, und führ Uns deine Himmelsstege: Wir irr'n sonst leicht Und sind verscheucht Vom rechten Lebenswege. 4. Zeuch uns nach dir, So folgen wir Dir nach in deinen Aer Daß uns nicht mehr llhier beschwer' Das böse Weltgetümmel. 5. Zeuch uns nach dir Nur für und für Und gieb, daß Himmelfahrts⸗Lieder. wir nachfahren Dir in dein Reich, Und mach uns gleich Den auserwählten Scharen! Friedr. Fabricius, geb. 1642 + 1708. Mel. Alles ist an Gottes Segen. 110. QDesus Christus herrscht als König; Alles wird ihm unter⸗ thänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Alle Zunge soll be⸗ kennen, Jesus sei der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß. 2. Fürstentümer und Ge⸗ walten, Mächte, die die Thron⸗ wacht halten, Geben ihm die Herrlichkeit. Alle Herrschaft, dort im Himmel, Hier im irdischen Getümmel, Ist zu seinem Dienst bereit. 3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, Und demselben gleichet Keiner; Nur der Sohn der ist ihm gleich. Dessen Stuhl ist unumstößlich, Dessen Leben unauflöslich, Dessen Reich ein ewig Reich. 4. Gleicher Macht und gleicher Ehren, Sitzt er unter lichten Chören Ueber Gottes Cherubim. Aller Welt und Himmel Enden Hat er alles in den Händen; Denn der Vater gab es ihm. 5. Jauchz' ihm, Menge heil'⸗ ger Knechte, Rühmt vollendete, Gerechte, Und du Schar, die Palmen trägt, Und ihr Märt'rer mit der Krone, Und du Chor E Weerss Himmelfahrts⸗Lieder.— Pfingst⸗Lieder. 73 vor seinem Throne, Der die Pilgrim bin: Jesus Christus Gottesharfen schlägt! herrscht als König; Alles sei 6. Ich auch auf der tiefsten ihm unterthänig; Ehret, liebet, Stufen, Ich will glauben, lobet ihn! reden, rufen, Weil ich noch ein Phil. Friedr. Hiller, geb. 1699 f 1769. IX. Pfingst⸗Lieder. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. deinen Tempel sein. Säub're 111 Glt, gieb einen mil-⸗ du nur selbst das Haus Meines * den Regen, Denn Herzens; wirf hinaus Alles, mein Herz ist dürr wie Sand; was mich hier kann scheiden Vater, gieb vom Himmel Se⸗Von den süßen Himmels⸗ gen, Tränke du dein durstig freuden. Land. Laß des heil'gen Geistes 5. Schmücke mich mit deinen Gab' Ueber mich von oben Gaben; Mache mich neu, rein ab Sich in starkem Strom und schön; Laß mich wahre ergießen Und mein ganzes Liebe haben Und in deiner Herz durchfließen. Gnade stehn. Gieb mir einen 2. Kann ein Vater hier starken Mut, Heilige mein auf Erden, Der doch arg ist Fleisch und Blut; Lehre mich von Natur, Seinen lieben vor Gott hintreten Und in Kindern geben Nichts als gute Geist und Wahrheit beten. Gaben nur; Solltest du denn, 6. So will ich mich dir er⸗ der du heißt Guter Vater, geben, Dir zu Ehren soll mein deinen Geist Mir nicht geben Sinn Dem, was himmlisch ist, und mich laben Mit den guten nachstreben; Bis ich werde Himmelsgaben? kommen hin, Da mit Vater 3. Jesu, der du hingegan⸗ und dem Sohn Ich im höchsten gen Zu dem Vater, sende Himmelsthron Dich erheben mir Beinen Geist, den mit kann und preisen Mit den Verlangen, Ich erwarte, Herr, süßen Engelsweisen. von dir. Laß den Tröster Maurit. Cramer, geb. 1646 + 1702. ewiglich Bei mir sein und bit mich, In der Luur dich Mel. Jesu, meine Atde⸗ est zu stehen Und auf di E0 chmückt das Fest im Glauben sehen. 9112. mit Maien, 4. Heil'ger Geist, du Kraft Lasset Blumen streuen, Zündet der Frommen, Kehre bei mir Opfer an; Denn der Geist der Armen ein Und sei tausend⸗Gnaden Hat sich eingeladen, mal willkommen, Laß mich Machet ihm die Bahn. Nehmt 74 Pfingst Lieder. ihn ein, so wird sein Schein Euch mit Licht und Heil erfüllen Und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und That, Starker Gottesfinger, Friedensüber⸗ bringer, Licht auf unserm Pfad: Gieb uns Kraft und Lebenssaft, Laß uns deine treuen Gaben Nach Vergnügen laben. 3. Laß die Zungen brennen, Wenn wir Jesum nennen, Führ den Geist empor; Gieb uns Kraft zu beten Und vor Gott zu treten, Sprich du selbst uns vor; Gieb uns Mut, du höchstes Gut, Tröst uns kräftiglich von oben Bei der Feinde Toben. unsrer Seele, Unser Herz er⸗ wähle Dir zum eig'nen Haus; Wertes Pfand, mach uns be⸗ kannt, Wie wir Jesum recht erkennen Und Gott Vater nennen. 7. Mach das Kreuz uns süße Und durch Finsternisse Sei du unser Licht; Trag' nach Zions Hügeln Uns mit Glaubensflügeln Und verlaß uns nicht, Wenn der Tod, die letzte Not, Mit uns will zu Felde liegen, Daß wir fröhlich siegen. 8. Laß uns hier indessen Nimmermehr vergessen, Daß wir Gott verwandt; Dem laß uns stets dienen Und im Guten grünen Als ein fruchtbar Land, Bis wir dort, du werter Hort, Bei den grünen Himmels⸗ 4. Gold'ner Himmelsregen, maien Ewig uns erfreuen. Schütte deinen Segen Auf das Kirchenfeld; Lasse Ströme Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1737. fließen, Die das Land begießen, Mel. Warum sollt ich mich denn. Wo dein Wort hinfällt; Und öchster Tröster, verleih, daß es gedeih': Hum 113. Huun hernieder, dertfältig Frucht zu bringen, Geist des Herrn, Sei nicht Laß ihm stets gelingeñ. fern, Salbe Jesu Glieder! Er, 5. Schlage deine Flammen der nie sein Wort gebrochen, Ueber uns zusammen, Wahre Jesus hat Deinen Rat Seinem Liebesglut; Laß dein sanftes Wehen Auch bei uns geschehen, Volk versprochen. 2. Schöpfer unser's neuen Dämpfe Fleisch und Blut; Lebens, Jeder Schritt, Jeder Laß uns doch das Sünden⸗ Tritt, Ist ohn' dich vergebens. joch Nicht mehr wie vor diesem Ach, das Seelenwerk ist wich⸗ ziehen Und das Böse fliehen. tig; Wer ist wohl, Wie er 6. Gieb zu allen Dingen soll, Treu zu handeln tüchtig? Wollen und Vollbringen, Führ 3. Herr, wir fallen dir zu uns ein und aus; Wohn' in Fuße; Eins ist not Für den Pfingst⸗Lieder. 75 Tod; Buße, wahre Buße. Zeig' uns selbst den Greu'l der Sünde, Daß das Herz Angst und Schmerz, Reu und Scham empfinde. 4. Zeig' uns des Erlösers Wunden; Ruf uns zu: Ihr habt Ruh, Ihr habt Heil ge⸗ funden. Uns're Sünd' wird nicht gerochen: Jesu Blut Machet gut, Was die Welt verbrochen. 5. Weck' uns auf vom Sün⸗ denschlafe, Rette doch Heute noch Die verlor'nen Schafe, Reiß die Welt aus dem Ver⸗ derben, Laß sie nicht Im Ge— richt Der Verstockung sterben. 6. Geist der Weisheit, gieb uns allen Durch dein Licht Unterricht, Wie wir Gott ge— fallen; Lehr' uns freudig vor Gott treten, Sei uns nah Und sprich: Ja! Wenn wir gläubig beten. 7. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, Gieb uns Mut, Fleisch und Blut, Sünd' und Welt zu dämpfen; Laß uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Not, Schmerz und Tod Nicht von Jesu scheiden. 8. Hilf uns nach dem Besten streben, Schenk uns Kraft, Tugendhaft Und gerecht zu leben; Gieb, daß wir nie stille stehen, Treib uns an, Froh die Bahn Deines Wort's zu gehen. 9. Sei in Schwachheit uns're Stütze, Steh uns bei, Mach uns treu In der Prüfungs⸗ hitze. Führ', wenn Gott uns nach dem Leide Sterben heißt, Unsern Geist In des Himmels Freude. Ehrenfr. Liebich, geb. 1713 4 1780. Mel. Komm, Gott Schöpfer, oder: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 114.Kun, heil'ger Geist, NM o Schöpfer du, Sprich deinen armen Seelen zu; Erfüll' mit Gnaden, süßer Gast, Die Brust, die du ge⸗ schaffen hast. 2. Der du ein Tröster bist genannt, Des allerhöchsten Gottes Pfand, Du Liebesquell, du Lebensbronn, Du Herzens⸗ salbung. Gnadensonn! 3. Du siebenfaches Gnaden⸗ gut, Du Hand des Herrn, die Wunder thut, Du lösest aller Zungen Band, Giebst frei das Wort in alle Land. 4. Zünd' uns ein Licht an im Verstand, Entflamm' das Herz in Liebesbrand, Stärk' unser schwaches Fleisch und Blut Durch deiner Gottheit starken Mut. 5. Denzeind treib' von uns fern hinweg Und bring uns auf des Friedens Steg, Daß wir, durch deine Hand geführt, Vom Argen bleiben unberührt. 6. Lehr' uns den Vater kennen wohl, Und wie den Sohn man ehren soll; Im Glauben mache uns bekannt, Wie du von bei⸗ den wirst gesandt. x Alte Kirche. 76 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 11⁵. Geist vom Vater * und vom Sohne, Der du unser Tröster bist, Und von unsres Gottes Throne deht, E auf uns Schwache iehst, Stehe du mir mächtig bei, Daß ich Gott ergeben sei; O so wird mein Herz auf Erden Schon ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege Deine Weisheit mit mir sein, Wenn ich bange Zweifel hege, Deine Wahrheit mich erfreu'n. Lenke kräftig meinen Sinn Auf mein wahres Wohl⸗ sein hin! Lehrst du mich, was recht ist, wählen, Werd' ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, Daß ich über alles treu Meinen Gott und Vater liebe, Daß mir nichts so wichtig sei, Als in seiner Huld zu stehen, Seinen Namen zu erhöhen. Seinen Willen zu vollbringen, Müsse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, so oft zur Sünde Mein Gemüt versuchet wird, Daß sie mich nicht überwinde; Hab ich irgend mich verirrt, O so strafe selbst mein Herz, Daß ich unter Reu und Schmerz Mich vor Gott darüber beuge Und mein Herz zur Bess'rung neige. 5. Reize mich mit Fleh'n und Beten, Wenn mir Hülfe nötig ist, Zu dem Gnaden⸗ Pfingst⸗Lieder. stuhl zu treten; Gieb, daß ich auf Jesum Christ, Als auf meinen Mittler schau Und auf ihn die Hoffnung bau, Gnad' um Gnad' auf mein Verlangen Von dem Vater zu empfangen. 6. Stehe mir in allen Lei⸗ den Stets mit deinem Troste bei, Daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Führung folgsam sei. Gieb mir ein gelassen Herz, Laß mich selbst im Todesschmerz, Bis zum frohen Ueberwinden, Deines Trostes Kraft empfinden. Nach Gottfr. Hoffmann, geb. 1658 + 1712. Eigene Melodie. 116² Kn Eutt Kr⸗ Herre Gott, Er⸗ füll' mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläub'gen Herz, Mut und Sinn, Dein' brünstig Lieb' entzünd' in ihn'n. O Herr, durch deines Lichtes Glanz Zu dem Glauben ver⸗ sammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen Hallelujah! Hallelujah! 2. Du heiliges Licht, edler ort, Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr' uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt' vor fremder Lehr', Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum mit rechtem Glauben Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Hallelujah! Hallelujah! Pfingst⸗Lieder. 9. Du heilige Brunst, süßer Trost, Nun hilf uns fröhlich 77 und Drangsal find't; Denn des Vaters liebe Rut Ist uns und getrost In dein'm Dienst allewege gut. besändig bleiben, Die Trüb⸗ sal uns nicht abtreiben. O Herr, durch dein' Kraft uns bereit' Und stärk' des Fleisches Xlödigkeit, Daß wir hier ritter⸗ lih ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Halle⸗ lrjah! Hallelujah! Mart. Luther, geb. 1483 4 1546. Eigne Melodie. 117⁷. Ddomm, o komm, du * Geist des Lebens, Wihrer Gott von Ewigkeit! Dene Kraft sei nicht ver⸗ gebens: Sie erfüll uns jeder⸗ zeit! So wird Geist und Licht und Schein In dem dunklen Herzmin sein. 2. Gieb in unser Rat und Sinnen Weisheit, Rat, Ver⸗ stand und Zucht, Daß wir anders nicht beginnen, Denn was nir dein Wille sucht; Dein' Erkenntnis werde groß Und mich uns vom Irr⸗ tum los. 3. Zeig, Herr, die Wohl⸗ fahrts 50 Führ' uns auf des Heiles Baln, Räume ferner aus dem Wige, Was im Lauf uns hindern kann. Wirke Reu' an Sümen Statt, Wenn der Fuß gestuuchelt hat. 5. Reiz' uns, daß wir zu ihm treten Frei mit aller Freudigkeit; Seufz' auch in uns, wenn wir beten Und vertritt uns allezeit; So wird unsre Bitt' erhört Und die Zuversicht gemehrt. 6. Wird uns auch nach Troste bange, Daß das Herz oft rufen muß: Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange? Nun, so mache den Beschluß: Sprich der Seele tröstlich zu Und gieb Mut, Geduld und Ruh. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, Du gewisser neuer Geist! Förd're in uns deine Werke, Wenn sich Satans Macht erweist; Schenk uns Waffen in dem Krieg, Und erhalt uns in dem Sieg. 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, Daß kein Teufel, Tod noch Spott Uns den⸗ selben möge rauben; Du bist unser Schutz und Gott. Sagt das Fleisch gleich immer nein, Laß dein Wort gewisser sein. 9. Wenn wir endlich sollen sterben, So versich're uns je mehr, Als des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und ö 4. Laß uns tets dein Zeug⸗Ehr', Die Gott giebt durch nis fühlen, Diß wir Gottes Jesum Christ, Und nicht aus⸗ Kinder sind, die auf ihn zusprechen ist. alleine zielen, Wenn sich Not! Heinrich Held, 4 1648(Gurau). 78 Mel. Aus meines Herzens Grunde. 118 K'nm; Tröster, komm hernieder Vom hohen Himmelsthron Auf Christi Freund' und Brüd der, Komm eilig, komm und wohn' Im Herzen allermeist, Mit deinem Licht und Gaben Und Freudenöl' zu laben. Komm, werter heil'ger Geist. 2. Du bist ein Trost der Frommen, Gieß aus dein hei⸗ lig Oel Und laß es zu mir kommen, Daß sich mein Herz und Seel' Erfreuen inniglich; Komm, Tröster, zu erquicken Die Seelen, die sich bücken Im Geist demütiglich. 3. Laß allen Trost ver⸗ schwinden, Den mir die Welt verspricht Bei ihrem Dienst der Sünden, Der mich doch tröstet nicht. Was Jesus mir anpreist, Dem will ich feste gläuben: Du sollst mein Tröster bleiben, Du, o Gott, heil'ger Geist! 4. Du kannst mein Herz erfreuen Und kräftig rüsten aus, Ja ganz und gar er⸗ neuen Mein armes Herzens⸗ haus; Drum komm, mein schönster Gast, Und bleib im Tod und Leben Als Tröster mir ergeben, Bis mein Ge⸗ sicht erblaßt. 5. Der du als Gott aus⸗ gehest Vom Vater und dem Sohn Und mich im Geist er— höhest Zu Gottes Stuhl und Pfingst⸗Lieder. Thron, Kehr' gnädig bei mir ein Und lehr' mich Jesum kennen Und meinen Herrn ihn nennen Mit Wahrheit, nicht zum Schein. 6. Du kommst ja von dem Vater, Der meine Seele liebt; Drum sei auch mein Berater; Wenn mich die Welt betrübt, So komm und tröste mich Und stärk' im Kreuz und Lei⸗ den Mein Herz mit vielen Freuden, Daß es erquicke sick. 7. Ja, zeug in meinen Herzen Von Jesu ganz allein, Von seinem Tod und Schmer⸗ zen Und seiner Wahrheit Schein, Daß ich ganz über⸗ zeugt, Kein Bild in meiner Seelen, Als Jesum mög er⸗ wählen, Bis daß mein Herz ihm gleicht. 8. Leit' mich mit dänem Finger, O Geist von Gottes Thron, Und sei mein Herz⸗ bezwinger, Daß mich kein' Schmach noch Hohn Kein' Trübsal, keine Not Vonmeinem Jesu scheide, Im Kreuz sei meine Freude, Men Trost bis in den Tod. Laurent. Laurenti, geb 1660 1722. Eigne Meldie. Nun biten wir den 119. 3 5511106 Geist Um den rechten Glauben aller— meist, Daß er ans behüte an unser'm Ende, Venn wir heim⸗ fahr'n aus diesem Elende. Kyrieleis! Pfingst⸗Lieder. 79 2. Du wertes Licht, gieb urs deinen Schein, Lehr' uns Iisum Christ kennen allein, Taß wir an ihm bleiben, dem teuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vater⸗ Und. Kyrieleis! 3. Du süße Lieb', schenk ins deine Gunst, Laß uns anpfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen anander lieben Und im Frie⸗ den auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis! 4. Du höchster Tröster in aler Not, Hilf, daß wir nicht füchten Schand noch Tod, Diß in uns die Sinne nicht vegagen, Wenn der Feind wir) das Leben verklagen. Kyreleis! Mart. Luther, geb. 1488 1 1546. Mel. kreu dich sehr, o meine Seele. 8 du allersüß'ste 120. O Freude, O du allerschnstes Licht, Der du uns in Lieb' und Leide Un⸗ besuchet ässest nicht: Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältse und halten wirst Ohn' Außören alle Dinge, Höre, höre was ich singe. 2. Du ist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann Wenn ich dich erwünsch' und habe, Geb ich alles Wünschn dran. Ach, ergieb dich, konm zu mir In mein Herze, dis du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 3. Du wirst aus des Him⸗ mels Throne, Wie ein Re gen ausgeschütt't, Bringst vom Va⸗ ter und vom Sohne Nichts als lauter Segen mit: Laß doch, o du werter Gast, Gottes Segen, den du hast Und ver⸗ walt'st nach deinem Willen, Mich an Leib und Seele füllen. 4. Du bist weis' und voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir kund; Zählst den Staub des kleinen Sandes, Gründ'st des tiefen Meeres Grund. Nun, du weißt auch zweifels⸗ frei, Wie verderbt und blind ich sei; Drum gieb Weisheit und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und schuldlos ist, Fliehst hingegen Schand' und Sünden, Hassest allen Trug und List, Mache mich, o Gnadenguell, Durch dein Waschen rein und hell! Laß mich fliehen, was du fliehest, Gieb mir, was du gerne siehest. 6. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößt; Bleib' ich von dir ungeschieden, Nun so bin ich ganz getröst't. Laß mich sein dein Eigentum; Ich ver⸗ sprech' hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. EEEEE 80 Pfingst-Lieder. 7. Ich entsage, Herr, dem allen, Was dir deinen Ruhm benimmt; Meiner Seel' soll nicht gefallen, Als allein, was von dir kommt. Was der Satan will und sucht, Will ich halten als verflucht, Ich will seinen schnöden Wegen Mich mit Ernst zuwider— legen. 8. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei. Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hülfe nötig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Mach ihn gänzlich in mir, neue Daß mein Gott sich meiner freue. 9. Sei mein Retter, halt mich eben. Wenn ich sinke, sei mein Stab; Wenn ich sterbe, sei mein Leben; Wenn ich liege, sei mein Grab; Wenn ich wieder aufersteh', Ach, so hilf mir, daß ich geh' Hin, da du in ew'gen Freu den Wirst die Auserwählten weiden. Paul Gerhardt, geb. 1606 1676 Mel. Wie schön leuchtet der 12 heil'gerGeist, kehr * bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein, O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein Zu steter Freud' geben, wenn wir beten: Zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus ale Weisheit fließt, Die sich n fromme Seelen gießt, Leß deinen Trost uns hören; Daz wir in Glaubenseinigkeit Aug können alle Christenheit Dein wahres Zeugnis lehren. Höre Lehre, Daß wir können Her, und Sinnen dir ergeben, Di zum Lob und uns zum Leben 3. Steh uns stets bei mi deinem Rat Und führ un selbst den rechten Pfad, De wir den Weg nicht wisser. Gieb uns Beständigkeit, deß und Wonne; Sonne, Wonne, Himmlisch Leben wirst du wir Getreu dir bleiben fir und für, Auch wenn wir li— den müssen. Schaue, Baie, Was zerrissen und beflisen, dich zu schauen Und auf denen Trost zu bauen. 4. Laß uns dein' edle Bal⸗ samkraft Empfinden und zur Ritterschaft Dadurch gatärket werden, Auf daß win unter deinem Schutz Begegum aller Feinde Trutz Mit feudigen Gebärden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinsen, Alles Unglück überwindes. 5. O starker Fes und Le— benshort, Laß uns dein him⸗ melsüßes Wort In unsern Herzen brennen, Oaß wir uns mögen nimmernehr Von dei— ner weisheitsreigen Lehr Und treuen Liebe tynnen. Fließe, Gieße Deine Hüte ins Ge— Pfingst⸗Lieder. 81 müte, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 6. Du süßer Ie. Deeen laß dich In uns're Herzen kräftiglich Und schenk' uns deine Liebe, Daß unser Sinn ver⸗ bunden sei Dem Nächsten stets mit Liebestreu Und sich darin⸗ nen übe. Kein Neid, kein Streit Dich betrübe! Fried' und Liebe müssen schweben; Fried' und Freude wirst du geben. 7. Gieb, daß in reiner Hei⸗ ligkeit Wir führen unsre Le⸗ benszeit, Sei unser's Geistes Stärke; Daß uns hinfort sei unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine toten Werke. Rühre, Führe Unser Sinnen und Beginnen von der Erden, Daß wir Himmels⸗ erben werden. Mich. Schirmer, geb. 1606 1673. Mel. O Jesulein süß, o Jesulein. 6 heiliger Geist, o 122. O heiliger Gott! Du Tröster wert in aller Not!l Du bist gesandt vom Him⸗ melsthron, Von Gott dem Vater und dem Sohn. O hei⸗ liger Geist, o heiliger Gott! 2. O heiliger Geist, o hei⸗ liger Gott! Gieb uns die Lieb' zu deinem Wort; Zünd' sei denn durch dein' Hülf' ge⸗ than. O heiliger Geist, o hei⸗ liger Gott! 4. O heiliger Geist, o hei⸗ liger Gott! Erleucht uns durch dein göttlich Wort. Lehr uns den Bater kennen schon, Dazu auch seinen lieben Sohn! heiliger Geist, o heiliger Gott! 5. O heiliger Geist, o hei⸗ liger Gott! Du zeigst den Weg zur Himmelspfort'; Laß uns hier kämpfen ritterlich Und zu dir dringen seliglich. O heiliger Geist, o heiliger Gott! 6. O heiliger Geist, o hei⸗ liger Gott! Verlaß uns nicht in Not und Tod; Wir sagen dir Lob, Ehr' und Dank Jetzund und unser Leben lang. O hei⸗ liger Geist, o heiliger Gott! Abrah. Hinkelmann, geb. 1652 4 1685. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 520 Deuch ein zu meinen 123. 3 Thoren, Sei mei⸗ nes Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neu ge⸗ boren hast. O hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist! 2. Zeuch ein, laß mich em⸗ pfinden Und schmecken deine an in uns der Liebe Flamm', Kraft, Die Kraft, die uns Darnach zu lieben allesamt; Oheiliger Geist, oheiliger Gott! 3. O heiliger Geist, o hei— liger Gott! Mehr' unsern Glau⸗ ben immerfort. An Christum niemand glauben kann, Es von Sünden Hülf' und Er⸗ rettung schafft. Entsünd'ge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 6 h SISSSIISSIISIITSTSI. — 82 Pfingst⸗Li 3. Ich war ein wilder Re⸗ ben, Du hast mich gut ge⸗Händen Die ganze weite Welt, macht; Der Tod durchdrang Kannst Menschenherzen wen⸗ mein Leben, Du hast ihn um⸗den, Wie dir es wohl gefällt; gebracht Und in der Tauf er⸗So gieb doch deine Gnad' Zu stickt, Als wie in einer Flute, Fried⸗ Mit dessen Tod' und Blute, Der uns im Tod' erquickt. 4. Du bist das heil'ge Oele, Damit gesalbet ist Mein Leib Jesu Christ Zum wahren Ei⸗ entum, Zum Priester und Panwheten. Zum König, den in Nöten Gott schützt im Hei⸗ ligtum. 5. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll. Dein Beten wird er⸗ höret, Dein Singen klinget wohl; Es steiget himmelan, Hält an in Jesu Namen Und bringt von dem ein Amen, Der allen helfen kann. 6. Du bist ein Geist der Freuden, Vom Trauern hältst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manches⸗ mal Hast du mit süßen Wor⸗ ten Mir aufgethan die Pforten Zum güld'nen Freudensaal. 7. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freund⸗ lichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feind⸗ und Liebesbanden, Verknüpf' in allen Landen, Was sich getrennet hat. 9. O laß dein Volk erken⸗ ů nen Die Menge ihrer Sünd' und meine Seele Dem Herren Lere e Auch Gottes Grimm so bren⸗ nen, Daß er bei uns entzünd' Den ernsten bitter'n Schmerz Und Buße, die bereuet, Des sich zuerst erfreuet Ein welt⸗ ergeb'nes Herz. 10. Beschirm' die Obrigkeiten, Bau uns'res Fürsten Thron, Gieb Glück zu unsern Zeiten, Schmück', als mit einer Kron', Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 11. Erfülle die Gemüter Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib' den bösen Geist, Der dir sich widersetzet Und, was dein Herz ergötzet, Aus unsern Herzen reißt. 12. Gieb Freudigkeit und Stärke, Zu stehen in dem Streit, Den Satans Reich und Werke Uns täglich an⸗ schaft bist du feind, Willst, erbeut. Hilf kämpfen ritter⸗ daß durch Liebesflammen Sich lich, Damit wir überwinden wieder thun zusammen, Die Und ja zum Dienst der Sün⸗ voller Zwietracht seind. den Kein Christ ergebe sich. Pfingst⸗Lieder.— 13. Richt' unser ganzes Le⸗ ben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wir's sollen geben Ins Todes Hände hin, Wenn's mit uns hie wird aus, So Trinitatis⸗Lieder. 83 hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus! Paul Gerhardt, geb. 1606 1 1676. X. Trinitatis⸗Lieder. Eigne Melodie. 1²⁴. 2 llein Gott in der Höh'sei Ehr', Und Dank für seine Gnade: Darum daß nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat; Nun ist groß Fried' ohn' Unterlaß, All Fehd' hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preis'n, an⸗ beten dich Für deine Ehr', wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn' alles Wanken. Ganz unermess'n ist deine Macht, Fort g'schieht, was dein Will' hat bedacht. Wohl uns des feinen Herren! 2. O Jesu Christ, Sohn eingebor'n Deines himmlischen Vaters, Versöhner der'r, die war'n verlor'n, Du Stiller unser's Haders: LammGottes, heil'ger Herr und Gott, Nimm an die Bitt' von uns'rer Not, Erbarm' dich unser aller. 4. Oheil'ger Geist, du höch⸗ stes Gut, Du allerheilsamster Tröster. Vors Teufels G'walt fortan behüt', Die Jesus Christ erlöset Durch große Mart'r und bitter'n Tod! Abwend' all' unsern Jammer und Not: Dazu wir uns verlassen. Nicolaus Decius, 4 1541. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns. 12⁵ Dir du bist drei * in Einigkeit, Ein wahrer Gott von Ewigkeit: Da nun die Sonne von uns weicht, Gieb, daß uns deine Gnad' erleucht'. 2. Des Morgens, Gott, dich loben wir, Des Abends beten auch vor dir: Unser armes Lied rühmet dich, Jetzt und immer und ewiglich. 3. Gott Vater in dem höch⸗ sten Thron' Und Jesus Christ, sein ein'ger Sohn, Mit samt dem werten heil'gen Geist Sei nun und immerdar gepreist. Amen. Nach Martin Luther, geb. 1483 + 1546. Mel. Nun danket alle Gott. elobet sei der Herr, 126. G Mein Gott, mein Licht, mein Leben, Mein Schöp⸗ fer, der mir hat Mein' Leib und Seel' gegeben, Mein Va⸗ ter, der mich schützt Von Mut⸗ terleibe an, Der alle Augen⸗ blick Viel Gut's an mir ge⸗ than. 6* 84 2. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Heil, mein Leben, Des Vaters liebster Sohn, Der sich für mich ge⸗ geben, Der mich erlöset hat Mit seinem teuer'n Blut, Der mir im Glauben schenkt Sich selbst, das höchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, mein Trost, mein Leben, Des Vaters werter Geist, Den mir der Sohn ge⸗ geben, Der mir mein Herz erquickt, Der mir giebt neue Kraft, Der mir in aller Not Rat, Trost und Hülfe schafft. 4. Gelobet sei der Herr, Mein Gott, der ewig lebet, Den Alles rühmt und lobt, Was in den Lüften schwebet. Gelobet sei der Herr, Des Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn Und Gott der heil'ge Geist. 5. Dem wir Hallelujah Mit Freuden lassen klingen, Und mit der Engelschar Das Heilig, Heilig singen; Den herzlich lobt und preist Die ganze Christenheit, Gelobet sei mein Gott In alle Ewigkeit! Joh. Olearius, geb. 1611 ù4 1684. Eigne Melodie. 57* un freut euch, 127. N lieben Christen g'mein', Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und all' in ein Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns ge⸗ wendet hat, Und seine süße Trinitatis-Lieder. Wunderthat; Gar teu'r hat er's erworben. 2. Dem Teufel ich gefan⸗ gen lag, Im Tod' war ich verloren, Mein Sünd' mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Gut's am Leben mein, Die Sünd' hat mich be⸗ sessen. 3. Mein' gute Werke gal⸗ ten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei' Will' haßte Gott's Gericht, Zum Guten gar gestorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Ster⸗ ben bei mir blieb, Zur Hölle mußt' ich sinken. 4. Da jammert Gott in Ewigkeit Mein Elend über⸗ maßen, Er dacht' an sein' Barmherzigkeit, Er wollt' mir helfen lassen, Er wandt' zu mir das Vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz, Er ließ's sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lie⸗ ben Sohn: Zeit ist es, zu er⸗ barmen, Fahr' hin, mein's Herzens werte Kron', Und sei das Heil dem Armen Und hilf ihm aus der Sünden Not, Erwürg' für ihn den bit⸗ ter'n Tod Und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward, Er kam zu mir auf Erden Von einer Jungfrau rein und zart, Er Trinitatis⸗Lieder. 85 sollt' mein Bruder werden; Gar heimlich führt er sein' Gewalt, Er ging in meiner Knechtsgestalt, Den Teufel wollt' er fangen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen, Ich geb' mich selber anz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein, und du bist mein, Und wo ich bleib', da sollst du sein, Uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid' ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben: Den Tod ver⸗ schlingt das Leben mein, Mein' Unschuld trägt die Sünde dein, Da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein, Fahr' ich von diesem Leben, Da will ich sein der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübnis trösten soll Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab' und gelehrt, Das sollst du thun und lehren, Daß Gottes Reich hier werd' gemehrt Zu Lob und seinen Ehren; Und Mel. Wie schön leuchtet der. 128½ allelujah! Lob, * Preis und Ehr' Sei unserm Gott je 2. 28 und mehr Für alle seine Werke Von Ewigkeit zu Ewigkei Sei in uns allen ihm bereit't Dank, Weisheit, Kraft und Stärke. Klinget, Singet! Herr⸗ lich, gnädig, heilig, heilig, heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth. 2. Hallelujah! Preis, Ehr“ und Macht Sei auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet; Das uns mit seinem Blut erkauft, Da⸗ mit besprenget und getauft Und sich mit uns vermählet. Heilig, Selig Ist die Freund⸗ schaft und Gemeinschaft, die wir haben Und darinnen wir uns laben. 3. Hallelujah! Gott heil' ger Geist, Sei ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren; Der uns mit Glau⸗ ben ausgeziert, Dem Bräuti⸗ gam uns zugeführt, Den Hochzeitstag erkoren. Heil uns, Heil uns! Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna Und ein ewig Hosianna! 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr' Sei unserm Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen. Stimmt an hüte dich vor Menschen Satz, mit aller Himmelsschar Und Davon verdirbt der edle Schatz; singet nun und immerdar Mit Das laß ich dir zur Letze. Freuden: Amen, Amen! Klin⸗ Martin Luther, geb. 1483 4 1546. get, Singet: Herrlich, gnädig, 86 heilig, heilig, heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! Bartbolem. Crasselius, 1677 4 1724. Mel. Es wolle Gott uns gnädig sein. 129 Was alle Weisheit uns hier kaum kann lallen, Das läßt Gott aus dem Him⸗ melszelt In alle Welt erschal⸗ len, Daß er alleine König sei, Hoch über alle Götter, Groß, mächtig, freundlich, fromm und treu, Der From⸗ Wesen, drei Personen. 2. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist Heißt sein hoch⸗ heil'ger Name; So kennt, so nennt, so rühmt und preist Ihn der gerechte Same, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, den er liebet, Herr Zebaoth, der Nacht und Tag Uns alle Gaben giebet Und Wunder thut alleine. 3. Der Vater hat von Ewig⸗ keit Den Sohn, sein Bild, ge⸗ zeuget; Der Sohn hat in der Füll' der Zeit Im Fleische und vom Sohne, Mit beiden gleicher Ehr' und Zier, Gleich ewig, gleicher Krone Und un⸗ geteilter Stärke. 4. Sieh hier, mein Herz, das ist dein Gut, Dein Schatz, dem keiner gleichet: Das ist dein Freund, der alles thut, Was dir zum Heil gereichet, Der dich gebaut nach seinem Trinitatis-Lieder. in der Welt Bei Bild, Für deine Schuld ge⸗ büßet, Der dich mit wahrem e d füllt Und all' dein Kreuz durchsüßet Mit seinem heil'gen Worte. 5. Ermunt're dich und komm herzu, Und lern' ihn recht er⸗ kennen, Denn solch Erkennt⸗ nis bringt die Ruh' Und macht die Seele brennen In reiner Liebe, die uns nährt Zum ew'gen Freudenleben, Da, was hier unser Ohr gehört, Gott men Schutz und Retter, Ein wird zu schauen geben Den Augen seiner Kinder. 6. Weh aber dem verstock⸗ ten Heer, Das sich hier selbst verblendet, Gott von sich stößt und seine Ehr' Auf Kreaturen wendet! Dem wird gewiß des Himmels Thür Einmal ver⸗ schlossen bleiben; Denn wer Gott von sich treibt allhier, Den wird er dort auch treiben Von seinem heil'gen Throne. 7. Wohlan, so gieb du gro⸗ ßer Held, Gott Himmels und der Erden, Daß alle Menschen in der Welt Zu dir bekehret ich gezeiget; Der Geist geht ohne Zeit herfür Vom Vater werden; Erleuchte, was ver⸗ blendet geht, Bring' wieder, was verirret, Reiß aus, was uns im Wege steht Und fre⸗ ventlich verwirret Die Schwa⸗ chen in dem Glauben. 8. Auf daß wir also allzu⸗ gleich Zur Himmelspforte drin⸗ gen, Und dermaleinst in dei⸗ nem Reich Ohn' alles Ende singen, Daß du alleine König seist, Hoch über alle Götter, TIITT Eeer F MN Trinitatis⸗Lieder.— Michaelis⸗Lieder. 87 Gott Vater, Sohn und heil'- bei dem Vater ist, Gleicher ger Geist, Der Frommen Schutz Gott von Macht und Ehren: und Retter, Ein Wesen, drei Von Maria der Jungfrauen Personen. Ist ein wahrer Mensch gebo⸗ Paul Gerhardt, geb. 1006 1676. Len Durch den heil'gen Geist im Glauben, Für uns, die Eigne Melodie. wir war'n verloren, Am Kreuz 130. Wi glauben all' an gestorben und vom Tod Wie⸗ einen Gott, der auferstanden durch Gott. Schöpfer Himmels und der Er⸗ 3. Wir glauben an den den, Der sich zum Vater ge- heil'gen Geist, Gott mit Vater ben hat, Daß wir seine Kinder und dem Sohne, Der aller werden. Er will uns all'zeit Blöden Tröster heißt Und mit ernähren, Leib und Seel' auch Gaben zieret schöne; Dieganz' wohl bewahren; Allem Unfall Christenheit auf Erden Hält will er wehren, Kein Leid soll in einem Sinn gar eben: Hier uns widerfahren. Er sorget all' Sünd' vergeben werden; für uns, hüt't und wacht: Es Das Fleisch soll auch wieder steht alles in seiner Macht. leben. Nach diesem Elend ist 2. Wir glauben auch e e ein Leben in Ewig⸗ Jesum Christ, Seinen Sohn keit. Amen. und unsern Herren, Der ewig Markin Luther, geb. 1483 1546. XI. Michaelis⸗Lieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 3. Mache mir dein Wort 13¹1 Herr, du hast in dei⸗(bekannt Durch des heil'gen „Mnem Reich Große Geistes Gabe, Daß ich Weis⸗ Scharen vieler Engel, Diesen heit und Verstand Wie ein bin ich noch nicht gleich; Denn Engel Gottes habe, Bis wir mein Herz ist voller Mängel. einst in jenem Licht Völlig Ach, wann werd' ich auch so seh'n dein Angesicht. rein Wie die lieben Engel 4. Auch dein Wille soll ge⸗ sein? schehn In dem Himmel und 2. Mich beschweret Fleisch auf Erden; Darum laß uns und Blut. Hilf du, daß ich darauf seh'n, Daß wir dir ge⸗ Euderm werde, Gieb mir einen horsam werden, Und verleih', ngelmut, Der sich trenne von daß ich dabei Deiner Engel der Erde, Daß ich als dein Mitknecht sei. liebes Kind All'zeit himmlisch 5. Uns're Welt ist voll Ge⸗ sei gesinnt. fahr, Denn sie hat viel' böse rrd-- 88 Stellen. Sende deiner Engel Schar, Daß mich niemand könne fällen; Und da, wo wir schlafen ein, Laß sie meine Wächter sein. 6. Mach es, wie mit Lazaro, Wenn ich künftig werde ster⸗ ben; Und damit ich ebenso Möge Trost und Segen erben, Heiß die Engel mich zur Ruh' Tragen nach dem Himmel zu. 7. Laß uns dann vor dei⸗ nem Stuhl Bei den Auser⸗ wählten stehen, Wenn die Bö⸗ sen in den Pfuhl Mit dem Satan werden gehen; Und hernach, in jenem Reich, Mache mich den Engeln gleich. Caspar Neumann, geb. 1648 4 1715. Mel. Werde munter mein Gemüte. Tchutzgott, dessen 132. starke Rechte Zuflucht, Schirm und Schatten iebt, Der das menschliche Ge⸗ schlechte Wie ein treuer Vater liebt, Der in dieser großen Welt Alles, was er schuf, er⸗ hält, Der als Herr der Engel⸗ scharen Alles kann und will bewahren. 2. Viele heil'ge Seraphinen Singen dir ein Heilig für, Zehnmal Hunderttausend die⸗ nen, Viele Tausend jauchzen dir. Was bekannt und unbe⸗ kannt, Ist ein Werk von dei⸗ ner Hand. Die Gewalten und die Thronen Loben Gott in Michaelis-Lieder lichten Kronen. 3. Herr, was sind wir, daß du Engel Uns zu unsern Wächtern giebst? Menschen sind wir voller Mängel, Men⸗ schen, die du dennoch liebst. Engel, die dich allzeit seh'n, Sollen uns zu Dieusten 4.—* Engel hüten uns als Kin⸗ der, Heil'ge Engel schützen Sünder. 4. Engel sinds, die nach den Proben Nun beständig Gutes thun, Die dich unaufhörlich loben, Die in deinem Himmel ruhn; Die gehorsam, keusch und rein, Die der Menschen Freunde sein, Die ihr Antlitz ohne Flecken Doch vor dir in Demut decken. 5. Heere, welche die be⸗ wachen, Die dich fürchten, großer Gott, Die ein schrecklich Lager machen Gegen aller Feinde Rott', Die da schau'n in deinem Licht, Vater stets dein Angesicht: Diener, die zu deinen Füßen Dir in Ehr⸗ furcht dienen müssen. 6. Gott der Engel, Herr der Helden! Ach, was sind wir Men⸗ schen doch, Daß wir so viel vor dir gelten? O wie hältst du uns so hoch! Deine Engel dienen uns, Sind die Zeugen uns'res Thuns. Laß uns dich mit diesen Chören Ewig di im Himmel ehren. Philipp Friedr. Hiller, geb. 1699 f 1769 —*— ———.., Kirche und XII. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem. 133. A˖ bleib bei uns, * Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist, Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser letzt'n betrübten Zeit Verleih' uns, Herr, Be⸗ ständigkeit. Daß wir dein Wort und Sakrament Behalten rein bis an das End'. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch' erhalt'. Wir sind gar sicher, träg und kalt. Gieb Glück und Heil zu deinem Wort, Damit es schall' an allem Ort. 4. Erhalt' uns nur bei dei⸗ nem Wort Und wehr' des Teu⸗ fels Trug und Mord. Gieb deiner Kirche Gnad' und Huld, 1 Einigkeit, Mut und eduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu; Auf dieser Erd' ist keine Ruh; Viel Sekten und groß Schwärmerei Auf einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die mit Gewalt sich heben hoch Und bringen stets was Neues her, Zu fäl⸗ schen deine rechte Lehr'. 7. Die Sach' und Ehr', Herr Jesu Christ, Nicht unser, son⸗ dern dein ja ist; Darum, so ul du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. Mission. 89 Kirche und Mission. 8. Dein Wort ist uns'res Herzens Trutz Und deiner Kirchen wahrer Schutz; Da⸗ bei erhalt' uns, lieber Herr, Daß wir nichts ander's suchen mehr. 9. Laß leben uns nach dei⸗ nem Wort Und dann in Frie⸗ den fahren fort Von hinnen aus dem Jammerthal Zu dir in deinen Himmelssaal. Nic. Selnecker 1530 + 1592. Psalm 12. Eigne Melodie. ch Gott, vom Him⸗ 134. A mel sieh darein Und laß dich des erbarmen: Wie 9 sind der Heil'gen dein, Verlassen sind wir Ar⸗ men. Dein Wort läßt man nicht haben wahr, Der Glaub' ist auch verloschen gar Bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was eig'ner Witz erfin⸗ det; Ihr Herz nicht eines Sinnes ist, In Gottes Wort gegründet. Der wählet dies, der andre das; Sie trennen uns ohn alle Maß', Und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren; Dazu ihr' Zung' stolz offenbar Spricht: Trotz! wer will's uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, Was —77 —.——. 90 Kirche und Mission. wir setzen, das gilt gemein; Wer ist, der uns soll meistern? 4. Darum spricht Gott: ich muß auf sein, Die Armen sind verstöret; Ihr Seufzen dringt zu mir herein, Ich hab' ihr' Klag' erhöret. Mein heilsam Wort soll auf den Plan Ge⸗ trost und frisch sie greifen an Und sein die Kraft der Armen. 5. Das Silber, durch's Feu'r siebenmal Bewährt, wird lau⸗ ter funden: An Gottes Wort man warten soll Desgleichen alle Stunden. Es will durch's Kreuz bewähret sein; Da wird sein' Kraft erkannt und Schein Und leucht't stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott be⸗ wahren rein Vor diesem argen Geschlechte; Und laß uns dir befohlen sein, Daß sich's in uns nicht flechte. Der gottlos' Hauf'sich umher find't, Wo diese losen Leute sind In deinem Volk erhaben. Mart. Luther, geb. 1483 + 1546. Eigne Melodie oder: Herzliebster Jesu, was hast du. hriste, du Beistand 135. Codeiner Kreuzge⸗ meine, Eile, mit Hülf' und Rettung uns erscheine! Steure den Feinden, ihre Blutgedichte Mache zu nichte! 2. Streite doch selber für dein armen Kinder; Wehre dem Teufel, seine Macht verhin⸗ 3. Frieden in Kirch' und Schulen uns beschere, Frieden zugleich der Obrigkeit gewähre; Frieden dem Herzen, Frieden dem Gewissen Gieb zu ge⸗ nießen. 4. Also wird zeitlich deine Güt' erhoben, Also wird ewig und ohn' Ende loben Dich, o du Wächter deiner armen Herde, Himmel und Erde. Matth. Apelles v. Löwenstern, geb. 1594 + 1648. Psalm 46. Eigne Melodie. Cin' feste Burg ist 136. unser Gott, Ein' gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind Mit Ernst er's jetzt meint; Groß' Macht und viel List Sein grausam Rüstung ist; Auf Erd'n ist nicht sein'sgleichen. 2. Mit uns'rer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren. Es streit't für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Ze⸗ baoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er be⸗ halten. 3. Und wenn die Welt volr Teufel wär' Und wollt' uns der'; Alles, was kämpfet wider gar verschlingen, So fürchten nieder. deine Glieder, Stürze dar⸗ wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der Fürst Kirche und Mission. 91 dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, Thut er uns doch nicht; Das macht er ist gericht't; Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn, Und kein' Dank dazu haben. wohl auf dem Plan Mit sei⸗ nem Geist und Gaben. Neh⸗ men sie den Leib. Gut, Ehr', Kind und Weib; Laß fahren dahin, Sie haben's kein' Ge⸗ winn; Das Reich muß uns doch bleiben. Martin Luther, geb. 1453 4 1546. ö Eigne Melodie. (Erhalt' uns, Herr, 137. E bei deinem Wort Und steur' der Feinde List und Mord, Die Jesum Chri⸗ stum, deinen Sohn, Wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis' dein'Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist. Beschirm' dein', arme Christenheit, Daß sie dich lob' in Ewigkeit. 3. Gott, heil'ger Geist, du Tröster wert, Gieb dein'm Volk ein'rlei Sinn auf Erd'; Steh bei uns in der letzten Not, G'leit' uns ins Leben aus dem Tod. Martin Luther, geb. 1483 + 1546. Psalm 67. Eigne Melodie. 138. Egade sen und seinen Segen geben! Sein Er ist bei uns Antlitz uns mit hellem Schein Erleucht' zum ew'gen Leben; Daß wir erkennen all' sein Werk, Und was er will auf Erden, Und Jesus Christus Heil und Stärk' Bekannt den Heiden werden Und sie zu Gott bekehren. 2. So danken Gott und lo⸗ ben dich Die Heiden überalle; Und alle Welt die freue sich Und sing' mit großem Schalle, Daß du auf Erden Richter bist Und läßt die Sünd' nicht walten. Dein Wort die Hut und Weide ist, Die alles Volk erhalten, In rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich Das Volk in guten Thaten; Das Land bringt Frucht und bessert sich; Dein Wort ist wohl geraten. Uns seg'ne Vater und der Sohn, Uns seg'ne Gott der heil'ge Geist, Dem alle Welt die Ehre thu', Vor ihm sich fürchte aller⸗ meist. Nun sprecht von Her⸗ zen: Amen. Martin Luther, geb. 1483 4 1546. Mel. Herzliebster Jesu, was hast. 139. H ß uuhe in schanden werden Die, so in ihren Nöten und Beschwerden Bei Tag und Nacht auf deine Güte hoffen Und zu dir rufen. 2. Mache zu schanden alle, die dich hassen, Die sich allein auf ihre Macht verlassen. Ach 92 Kirche und Mission. kehre dich mit Gnaden zu uns Armen: Laß dich's erbarmen. 3. Und schaff' uns Beistand wider unsre Feinde. Wenn du ein Wort sprichst, werden sie bald Freunde; Sie müssen Wehr und Waffen niederle⸗ gen, Kein Glied mehr regen. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen, Vergebens ist's, auf Menschenhülfe bauen; Mit dir wir wollen Thaten thun und kämpfen, Die Feinde dämpfen. 5. Du bist der Held, der sie kann untertreten Und das bedrängte, kleine Häuflein retten. Wir trau'n auf dich; wir schrei'n in Jesu Namen: Oilf, Helfer! Amen! Joh. Heermann, geb. 1585 1647. Mel. Freuet euch, ihr Christen alle. ö err, wann wirst 140. H du Zion bauen, Zion, die geliebte Stadt, Die sich dir ergeben hat? Ach, soll sie nicht einmal schauen Ihre Mauern aufgericht't? Ja, der Herre läßt sie nicht! Freude, Freude über Freude: Christus wehret allem Leide! Wonne, Wonne über Wonne: Chri⸗ stus ist die Gnadensonne! 2. Höre, wie dein Zion klaget Unter Babels Dienst⸗ barkeit Jetzt in dieser finster'n Zeit; Doch du wirst den, der sie plaget, Stürzen bald durch deinen Geist, der die Frommen singen heißt: Freude, Freude über u. s. w. 3. Gieb nur, Jesu, daß wir wachen Und im Glauben mun⸗ ter sein, Wenn du kommst und brichst herein Mit Posaunen und mit Krachen, Zu erlösen deine Braut, Die du ewig dir vertraut. Freude, Freude über u. s. w. 4. Drücke uns dein heil'ges Siegel An die Stirne, an die Hand, Dir zu Ehren, uns zum Pfand, Daß wir uns durch Glaubensflügel Können schwingen himmelan, Da uns niemand schaden kann. Freude, Freude über u. s. w. 5. Zeichne mit dem heil' gen Zeichen Uns, dein Volk, dein Eigentum, Schönster Jesu, höchster Ruhm! So muß Sa⸗ tan von uns weichen, Weichen muß der Sünden Kind, Weil wir dein' Erkauften sind. Freude, Freude über u. s. w. 6. Ach, wie wird dein Volk dich ehren, Wenn es nun ent⸗ nommen ist Babels Stolz, des Tieres List! Deinen Ruhm wird es vermehren Und in alle Ewigkeit Dich zu loben sein bereit. Freude, Freude über u. s. w. 7. Darum, Zion, unbetrü⸗ bet! Die Erquickungszeit ist da, Und des Herren Hülf' ist nah! Selig, der sich ihm er⸗ giebet Und vor seinem Hei⸗ land kann Stimmen dieses Lied hier an: Freude, Freude Kirche und über Freude! Christus wehret allem Leide! Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne! Joach. Lange, geb. 1670 4 1744. Mel. Valet will ich dir geben. 141 15 er du das Volk 1* regierest, Das dein im Glauben ist, Und uns wie Lämmer führest, O Hirte, Jesus Christ! Sieh an die irre Herde, Die dein von Anfang war, Und sprich dein göttlich„Werde“, Das einst die Welt gebar. 2. Laß Licht aufs neue geben In diese finst're Welt Und gieß' des Geistes Leben Auf dieses Totenfeld. Halt Abraham die Treue, Mach die Gefang'nen frei, Daß Israel sich freue Und Jakob fröh⸗ lich sei. 3. Dein Israel erwecke Du, nun der Heiden Licht, Und strahle sonder Decke Ihm klar ins Angesicht. Was sie sich aufgeladen Und du erfüllt nach Recht: Dein Blut komm jetzt in Gnaden Auf dein er⸗ wählt' Geschlecht. 4. So sinken alle Mauern, Und Brüder sind vertraut, So wird ein Salem dauern, Aus allem Volk erbaut, So wird ein Leib nur leben In seines Hauptes Schein, Ein Tempel sich erheben, Und du der Eckstein sein. Mission. 93 Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem. Jesu Christe, 142. O wahres Liht Erleuchte, die dich kennen nicht, Und bringe sie zu deiner Herd', Deß ihr Seel'auch selig werd'. 2. Erfülle mit dem Gnaden⸗ schein Die, so verführt im Irrtum sein; Auch die, so heimlich noch ficht an In ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was sich sonst ver⸗ laufen hat Von dir, das suche du mit Gnad', Und 22 ver⸗ wund't Gewissen heil Laß sie am Himmel haben Teil. 4. Den Tauben öff'ne das Gehör, Die Stummen richtig reden lehr', Die nicht bekennen wollen frei, Was ihres Herzens Glaube sei. 5. Erleuchte, die da sind verblend't, Bring her, die sich von uns getrennt, Versamm'le, die zerstreuet geh'n, Mach feste, die im Zweifel steh'n. 6. So werden sie mit uns zugleich Auf Erden und im Himmelreich, Hier zeitlich und dort ewiglich Für solche Gnade preisen dich. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 143 Vater der Barm⸗ 9. herzigkeit, Der du dir deine Herden Ge⸗ sammelt zur Apostelzeit Und herrlich lassen werden: Du hast durch deines Geistes Kraft Die große Schar der Heidenschaft I. Fr. v. Meyer, geb. 1772 4 1849. Zu deinem Reich berufen. 94 Kirche und Mission. 2. Aus ihrer Mannigfaltig⸗ keit Des Streit's und vieler Sprachen, Dadurch sie in der Welt zerstreut Sich von ein⸗ ander brachen, Hat sie dein guter Geist geführt Und die mit Herrlichkeit geziert In . des Glaubens. sei doch auch zu dieser 250 Uns, Vater, wie⸗ der gnädig, Und mach' uns aus der Zungen Streit Hin⸗ wieder frei und ledig. Gieb, daß dein Häuflein für und für In einem Geiste diene dir, In deiner Liebe lebe. 4. Ach, Herr, hilf allem Uebel ab, Versamm'le deine Worte Daß unter deines ortes Stab Sie wieder einig werde, Daß das Band der Vollkommenheit, Die Liebe uns aus allem Streit' In deinem Geiste bringe. 5. Wie schön und lieblich sieht es aus, Wenn Brüder sind beisammen Einträchtiglich in einem Haus Und stehn in Liebesflammen; Wenn sie im Geist zusammenstehn, Zu Gott in einem Sinne gehn Und halten an mit Beten. 6. Es komme Gottes Geist und Gnad' Von Christo auf uns nieder, Auf die, so er erwählet hat, Auf alle seine Glieder. Das ist die Saen der Einigkeit: Heil, Segen, Leben allezeit Und alle Him— melsgüter. Heinr. G. Neuß, geb. 1654 1+ 1716. Mel. Erhalt uns, Herr, bei. ett', o Herr Jesu 144. R rett dein Ehr', Das Seufzen deiner Kirche hör': Der Feinde Plan und Macht zerstör', Die jetzt ver— folgen deine Lehr' 2. Groß ist ihr' List, ihr' Trutz und Macht; Sie fahren — daher mit Pracht, All' unsre Hoffnung wird verlacht; Wir sind bei ihnen nichts geachtt. 3. Vergieb uns unsre Misse⸗ that; Vertilg uns icht erzeige Gnad' Beweis den Feinden in der That, Es gelte wider dich kein Rat. 4. Steh deinem kleinen Häuf— lein bei, Aus Gnaden Fried' und Ruh' verleih'! Laß jeder⸗ mann erkennen frei, Daß hier die rechte Kirche sei. 5. Laß seh'n, daß du seist unser Gott, Der unsre Feinde setzt zu Spott, Wirft ihre Hoffart in den Staub Und läßt uns ihnen nicht zum Raub. Joh. Heermann, geb. 1585 T 1647. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. ECEo lange Jesus 145. S Lleihteder Hers Wird's alle Tage herrlicher; So war's, so ist's, so wird es sein Bei seiner Blut⸗ und Kreuzgemein'. 2. Es bleibt bei dem be⸗ kannten Wort, Von Zeit zu Zeit, von Ort zu Ort: Christi Blut und Gerechtigkeit Bleibt seiner Kirche Herrlichkeit. RX— -licher, Kirche und Mission. 9⁵ 3. Wir sagen ja mit Herz und Mund; O Herr, dein Blut ist unser Grund, Der fest und unbeweglich steht, Wenn Erd' und Himmel unter⸗ geht. 4. Du bist und bleibest unser Herr, Der Leitstern deiner Wanderer, Der Kirche teures Oberhaupt, Woran ein jedes Herze glaubt. 5. Dein Geist, der Geist der Herrlichkeit, Mit dem der Vater dich geweiht, Der ruht nun auch auf der Gemein' Und lehrt uns deine Zeugen sein. 6. Mach deine Boten herr⸗ Herr, dir und deinem Volk zur Ehr', Und gieb mit uns an deinem Heil Der gan⸗ zen Welt aus Gnaden Teil. Nik. L. Gr. v. Zinzendorf, geb. 1700 4 1760. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. 146. Gerer Stadt steht fest gegründet Auf heil'gen Bergen, es ver⸗ bindet Sich wider sie die ganze Welt. Dennoch steht sie und wird stehen, Man wird mit Staunen an ihr sehen Wer hier die Hut und Wache hält, Der Hüter Israels Ist ihres Heiles Fels. Hallelujah! Lob⸗ singt und sprecht: Wohl dem Geschlecht, Das in ihr hat das Bürgerrecht! 2. Zions Thore liebt vor allen Der Herr mit gnäd'gem Wohlgefallen, Macht ihre Rie— gel stark und fest; Segnet, die darinnen wohnen, Weiß über⸗ schwenglich dem zu lohnen, Der ihn nur thun und wal⸗ ten läßt. Wie groß ist seine Huld, Wie trägt er mit Ge⸗ duld All' die Seinen! O Got⸗ tes Stadt, Du reiche Stadt, 9910 solchen Herrn und König at! 3. Große heil'ge Dinge wer⸗ den In dir gepredigt, wie auf Erden Sonst unter keinem Volk man hört. Gottes Wort ist deine Wahrheit, Du hast den Geist und hast die Klar⸗ heit, Die alle Finsternis zer⸗ stört. Da hört man fort und fort Das teure, werte Wort Ew'ger Gnade. Wie lieblich tönt, Was hier versöhnt Und dort mit ew'gem Leben krönt! 4. Auch die nichts davon vernommen, Die fernsten Völ⸗ ker werden kommen, Und in die Thore Zions gehn. Denen, die im Finstern saßen, Wird auch der Herr noch pred'gen lassen, Was einst für alle Welt geschehn. Wo ist der Gottessohn? Wo ist sein Gna⸗ denthron? Wird man fragen. Da kommt die Zeit, Wo weit und breit Erscheint der Herr in Herrlichkeit. 5. Darum stellet ein die Klagen! Man wird noch einst zu Zion sagen: Wie mehrt sich deiner Bürger Zahl! Voll Erstaunen wird man schauen, Wie Gott sein Zion mächtig *——I 96 Kirche und Mission. bauen Und herrlich weitern wird einmal. Erhebet Herz und Sinn; Es ist die Nacht schier hin Für die Heiden. Es kommt der Tag, Sie wer⸗ den wach, Und Israel folgt ihnen nach! 6. Gottes Stadt, du wirst auf Erden Die Mutter aller Völker werden, Die ew'ges Leben fanden hier. Welch ein Jubel wie im Reigen Wird einst von dir zum Himmel steigen! Die Lebensbrunnen sind in dir! In dir das Wasser quillt, Das alles Dürsten stillt. Hallelujah! Von Sünd' und Tod, Von aller Not Erlöst nur Einer, Zions Gott. Karl Spiita, geb 1809 4 1859. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. reuer Hirte deiner 147.=2 Hurdr Deiner Glieder starker Schutz, Sieh doch, wie die Asch' und Erde, Großer Gott, mit Grimm und Trutz Tobt und wütet wider dich Und vermißt sich frevent⸗ lich, Deine Kirche zu zer⸗ stören Und dein Erbteil zu verheeren. 2. Du, Herr, bist ja unser König; Wir sind dein mit Leib und Seel'. Menschen⸗ hülf' ist hier zu wenig, Wo nicht du, Immanuel, Zu der Deinen Rettung wachst Und dich selbst zu Felde machst, hi dein wahres Wort zu kämpfen Und der Feinde Rat zu dämpfen. 3. Es trifft deines Namens Ehre, Deiner Wahrheit Heilig⸗ tum, Jesu, deines Glaubens Lehre, Deines Leidens Kraft und Ruhm Und den Dienst, den dir allein Wir zu leisten schuldig sein. Dazu kannst du ja nicht schweigen; Deine Machthand wirst du zeigen. 4. Stärke nur den schwachen Glauben, Den bei so betrübter Zeit Fleisch und Satan uns zu rauben Und mit Furcht und Blödigkeit Uns zu schrecken sind bemüht. Deine Weisheit kennt und sieht Deiner Kinder schwach' Vermögen Und wird nicht zu viel auflegen. 5. Hilf den Deinen und be⸗ kehre Der Verfolger blindes Heer; Der Verfolgung steur' und wehre, Daß sie uns nicht werd' zu schwer; Nimm dich der Bedrängten au; Leit' auch die auf rechter Bahn, Die noch jetzt durch Satans Lügen Sich selbst um ihr Heil be⸗ trügen. 6. Laß uns recht und red⸗ lich handeln Und in Tauben⸗ einfalt dir Ganz gelassen, heilig wandeln; Auch dabei uns klüglich hier Schicken in die böse Pit Und vor falscher — eit, Vor der Feinde ist und Wüten Uns mit Schlangenklugheit hüten. 7. Laß mit Beten und mit Wachen Stets uns stehn auf unsrer Hut Und nur dich, Herr, lassen machen, So wird Kirche und Mission. 97 alles werden gut. Jesus streitet für uns hier Und vertritt uns dort bei dir, Bis wir auf der neuen Erden Bei ihm trium⸗ phieren werden. 8. Herr, wir warten mit Verlangen, Komm und mach uns nur bereit, Dich mit deoraeat zu empfangen; Dein edrängtes Häuflein schreit: Komm, Herr Jesu, zum Ge⸗ richt; Ach, verzeuch doch länger nicht, Unsre Sache zu ent⸗ scheiden! Hol uns heim zu deinen Freuden! Henr. Kath. v. Gersdorf 1648 f 1726. Mel. Singen wir aus Herzensgrund. 148 Wächter Israel, Des sich freuet meine Seel'; Der du weißest alles Leid Deiner O du Wächter, der du nicht Schläfst noch schlummerst, zu uns richt' armen Christenheit: Dein hülfreiches Angesicht. Ausgelöscht der Höllen Glut, Wiederbracht das höchste Gut: 4. Sitzest jetzt in Vaters Reich, Ihm an Macht und Ehren gleich, Unser Mittler, Gnadenthron, Seine höchste Freud' und Kron', Den er in dem Herzen trägt, Wie sich selbst zu lieben pflegt, Dem er keine Bitt' abschlägt: 5. Kläglich schreien wir zu dir, Klopfen an die Gnaden⸗ thür, Wir, die du mit höchstem Ruhm Dir erkauft zum Eigen⸗ tum: Herr, wir sind nach dir genenn't; Deines Vaters Zorn abwend', Der wie lauter Feuer brennt. 6. Zeig ihm deine Wunden rot; Red von deinem Kreuz und Tod, Und was mehr du hast gethan, Zeig' ihm unsert⸗ wegen an; Sage, daß du unsre Schuld Hast bezahlet in Ge⸗ duld, Uns erlanget Gnad' und 7. Jesu, der du Jesus heißt, 2. Schau, wie große Not Als ein Jesus Hülfe leist'! und Qual Trifft dein Volk ilf mit deiner starken Hand: jetzt überall, Täglich wird der Menschenhülf' hat sich gewandt; Trübsal mehr; Hilf, ach Hui, Eiue Mader 15—— bau,‚ schütz deine Lehr'! Wir ver⸗Daß dem Feinde davor grau', derben, wir vergehn: Nichts Der mit Zittern sie anschau'. wir sonst vor Augen sehn. 8. Liebster Schatz Imma⸗ Wo du nicht bei uns wirst nuel, Du Beschützer meiner stehn. Seel'! Gott mit uns in aller 3. Hoherpriester Jesu Christ, Not! Neben uns und in uns Der du eingegangen bist In Gott! Gott für uns, zu aller den heil'gen Ort zu Gott Durch Zeit: Trotz dem, der uns thu' dein Kreuz und bittern Tod, ein Leid', Gottes Straf' ist Uns versöhnt mit deinem Blut, ihm bereit't. 98 9. Deines Vaters starker Arm, Komm und unser dich erbarm'! Laß jetzt sehen deine Macht, Drauf wir hoffen Tag und Nacht! Aller Feinde Bündnis trenn', Daß dich alle Welt erkenn', Aller Herren Herrn dich nenn'. 10. Andre trau'n auf ihre Kraft, Auf ihr Glück und Ritterschaft; Deine Christen trau'n auf dich; Auf dich trau'n sie festiglich. Laß sie werden nicht zu Schand'; Bleib ihr Helfer und Beistand: Sind sie dir doch all' bekannt. 11. Gürte dein Schwert an die Seit' Als ein Held, und für sie streit, Und zerschmettre deine Feind', So viel ihr auf Erden seind. Wollest sie zur Strafe ziehn, Legen sie zum Schemel hin Und zerbrechen ihren Sinn. 12. Du bist ja der Held und Mann, Der den Kriegen steu⸗ ern kann; Der da Spieß und Schwert zerbricht, Der die Bogen macht zunicht', Der die Wagen gar verbrennt, Und der Menschen Herzen wend't, Daß der Krieg gewinnt ein End'. 13. Jesu, wahrer Friedens⸗ fürst, Der der Schlange hat zerknirscht Ihren Kopf durch seinen Tod, Wieder'bracht den Fried' bei Gott: Gieb uns Frieden gnädiglich! So wird Kirche und Mission. dein Volk freuen sich, Dafür ewig preisen dich. Joh. Heermann, geb. 1585 4 16 47. (Aus dem J. 1629 unter dem Wüten der Lichtensteinschen Dragoner.) Mel Ein feste Burg ist unser Gott. 149. O Jesu, einig wah⸗ * res Haupt Der heiligen Gemeine, Die an Dich, ihren Heiland, glaubt Und nur auf dir alleine Als ihrem Felsen steht, Der niemals unter⸗ geht, Wenn gleich die ganze Welt Zertrümmert und zer⸗ fällt:— Erhör', erhör' uns, Jesu! 2. Laß uns, dein kleines Däbem Das sich zu dir ekennet, Dir ferner anbefohlen sein, Erhalt' uns ungetrennet; Wort, Tauf' und Abendmahl Laß, Herr, in seiner Zahl Und ersten Reinigkeit Bis an den Schluß der Zeit Zu unserm Troste bleiben. 3. Hilf, daß wir dir zu aller Zeit Mit reinem Herzen dienen; Laß uns das Licht der Seligkeit, Das uns bisher erschienen, Zur Buße kräftig sein Mit seinem hellen Schein, Der unsern Glauben mehrt, Der Sünden Macht zerstört Und fromme Christen machet. 4. Laß uns beim Evangelio Gut, Blut und Leben wagen, Mach uns dadurch getrost und froh, Das schwerste Kreuz zu tragen; Gieb uns Beständig⸗ keit, Auf daß uns Lust und Leid Von dir nicht scheiden HëÆ S—— Kirche und Mission. 99 mag, Bis wir den Jubeltag Bei dir im Himmel halten! 5. Auf unser's Landesvaters Haus Geuß von dem Gna⸗ denthrone Den Segen deines Geistes aus; Umstrahle seine Krone Mit deiner Herrlichkeit, Ihm selbst zur Sicherheit, Zu seiner Feinde Trutz, Und zum gewünschten Schutz Uns, deinen armen Kindern! 6. Erbarm' dich deiner Christenheit, Vermehre deine erde; Für uns, dein armes äuflein, streit', Daß es er⸗ alten werde. Den Arger⸗ nissen wehr', Und was dich haßt, bekehr'; Was sich nicht beugt, zerbrich; Mach endlich e All' unsrer Not ein nde! 7. Ach Jesu, ach, wir bitten dich In deinem Jesusnamen: Erhör', erhör' uns gnädiglich, Sprich, Jesu, Ja und Amen! Und sind wir, Jesu dein: So halt dein Jesuswort Und laß uns hier und dort Darüber jubilieren! Joh. Mentzer, geb. 1658 1734. Mel. Kommt her zu mir, spricht. NV erzage nicht, du 150. V Häuflein klein, Obschon die Feinde willens sein, Dich gänzlich zu zerstören, Und suchen deinen Untergang, Davon dir wird recht angst * Seligmacher, Heiland. und bang: Es wird nicht lange währen. 2. Dich tröste nur, daß deine Sach' Ist Gottes; dem befiehl die Rach' Und laß es ihn nur walten. Er wird durch seinen Gideon, Den er wohl kennt, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort' Und was dem thut anhangen, End⸗ lich werden zu Schand' und Spott; Gott ist mit uns und wir mit Gott: Den Sieg woll'n wir erlangen! (Gustav Abolfs Feldlied vor der Schlacht dei Lützen am 6. November 1632. In Verse gebracht von Joh. Altenburg, geb. 1584 164⁰0. Psalm 124. Mel. Ach Gott vom Himmel sieh. 151. Wuns Des Ral So soll Israel sagen, Wär' Willst du uns Jesus“*) sein Wir hätten mußt verzagen, Gott nicht mit uns diese Zeit, Die so ein armes Häuflein sind, Veracht't von so viel Menschenkind', Die an uns setzen alle. 2. Auf uns so zornig ist ihr Sinn, Hätt' Gott das zu⸗ egeben, Verschlungen hätten sie uns hin Mit ganzem Leib und Leben; Wir wär'n, als die ein' Flut ersäuft Und über die groß' Wasser läuft Und mit Gewalt verschwemmet. 2⁷ -n — d.rrun — 100 3. Gott Lob und Dank, der nicht zugab, Daß ihr Schlund uns möcht' fangen! Wie ein Vogel des Strick's kommt ab, Ist unsreSeel' ent⸗ gangen. Strick ist entzwei, und wir sind frei, Des Herren Name steht uns bei, Des Got⸗ ies Himm'ls und Erden. Mart. Luther, geb. 1483 + 1546. Mel. Errett' mich, o mein lieber. 152. O daß doch bald dein Feuer brennte, Du unaussprechlich Liebender, Und bald die ganze Welt erkenn'te, Daß du bist König, Gott und Herr! 2. Zwar brennt es schon in heller Flamme Jetzt hier, jetzt dort in Ost und West, Dir, dem am Kreuz erwürgten Lamme, Ein herrlich Pfingst⸗ und Freudenfest. 3. Und noch entzünden Himmelsfunken So manches kalte, tote Herz Und machen Durst'ge freudetrunken Und heilen Sünd' und Höllen⸗ schmerz/ 4. Verzehren Stolz und Eigenliebe Und sondern ab, was unrein ist, Und mehren jener Flammen Triebe, Die nur auf dich gerichtet ist. 5. Erwecke, läutre und ver⸗ eine Des ganzen Christenvolkes Schar Und mach in deinem Gnadenscheine Dein Heil noch jedem offenbar. 6. Du unerschöpfter Quell Kirche und Mission. des Lebens, Allmächtig starker Gotteshauch, Dein Feuermeer ström' nicht vergebens; Ach, zünd' in unsern Herzen auch. 7. Schmelz' alles, was sich trennt, zusammen Und baue deinen Tempel aus; Laß leuch⸗ ten deine heil'gen Flammen Durch deines Vaters ganzes Haus. 8. Beleb', erleucht', erwärm', entflamme Doch bald die ganze weite Welt Und zeig' dich jedem Völkerstamme Als Hei⸗ land, Friedefürst und Held. 9 Dann tönen dir von Millionen Der Liebe Jubel⸗ harmonien, Und alle die auf Erden wohnen, Knien vor den Thron des Lammes hin. J. L. Fricker, 4 1766. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 153 ir wissen nicht, * Herr Zebaoth, Was wir anfangen sollen! Den Feinden sind wir jetzt ein Spott, Die uns vertilgen wollen. Wir sind ein Schau⸗ spiel jedermann; Wer wider uns tritt auf den Plan, Der thut die größten Thaten; Wir müssen nichts als Ketzer sein, Weil wir dein Wort behalten rein, Die Wahrheit nicht ver⸗ achten. 2. Man zeucht uns unsre Kirchen ein, Verjagt, die dein Wort lehren, Man zwingt zum Abfall groß und klein, Die deinen„Namen ehren. Kirche und Mission. Dies ist die Zeit, dies ist der Tag Voll Trübsal, Scheltens, Plag' und Klag', Voll Angst und voll Beschwerden, Wir sind jetzt wie ein kleines Kind, Bei dem sich keine Kraft mehr find't, Wann's soll geboren werden. 3. Mit uns ist's aus, o 101 Mit Grimm,‚, Verfolgung, Raub und Mord, Hast du ihm abgelohnet. 6. Willst du denn zürnen ewiglich, Und zwar mit sol⸗ cher Strafe? Laß ab, laß ab, erbarme dich! Der Wolf zer⸗ streut die Schafe. Ach, laß nicht werden die zu Schand', Gott, wo du Nicht unsre Sach' Die du mit einem starken ausführest, Und schaffest deinen Band Als Glieder dir ver⸗ Kindern Ruh, Die du dir selbst bunden. Gestatte doch nicht, gebierest! Ach, schau doch an, daß der Feind Uns, die wir ach, höre doch Die Seufzer dein Augapfel sein, So grau⸗ aus dem schweren Joch, Das sam darf verwunden. wir jetzt müssen ziehen! Wir 7. Verlaß uns nicht mit schütten aus in deinen Schoß treuem Rat, So wir ins Elend Den Schmerz, der uns wird müssen; Führ' uns du selbst gar zu groß, Dem nicht ist auf rechtem Pfad, Die wir zu entfliehen. 4. Die Straf' ist zwar sehr wohl verschuld't Durch unsre schweren Sünden, Du aber bist voll Gnad' und Huld, Drum deinen Zorn laß schwinden! Der du zuvor Israel oft Er⸗ rettet, wann's zu dir geruft, Die Not auch jetzund wende! Ach, nimm von uns die schwere Last, Der du uns teu'r er⸗ löset hast, Und einen Helfer sende! 5. Du hast vormals die Missethat Vergeben deinem Volke. Warum deckst du jetzt deine Gnad' Mit einer dicken den Weg nicht wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, Verleih Geduld daneben, Daß wir erleiden Not und Spott, Verfolgung, Marter, ja den Tod, Und dir nicht widerstreben. 8. Du hast des Königs Herz allzeit, O Gott, in dei⸗ nen Händen. Du kannst's zu Gnad' und Gütigkeit Mit einem Wörtlein wenden. Wann alle Welt im Harnisch wär', Kannst du bald mitten durch das Meer Ein' freien Paß uns machen, Du kannst mit deiner Wolke? Laß deinem Zorne starken Hand Den Löwen, die nicht den Lauf, Den du so vor Grimm entbrannt, Zu⸗ oft 15 wert auf, Und deines schließen ihre Rachen. Volks verschonet; Wenn oft 9. Dies macht uns freudig der Feind wollt fahren fort in der Not, Daß wir nicht un — 102 Kirche und Mission. gar verzagen; Wir sind dein Volk, du unser Gott, Auf dich getrost wir's wagen. Wir ringen mit dir glaubensvoll, Die Hülf' uns dennoch folgen soll, Du wirst uns, dein Volk, segnen: Die Sonne muß mit ihrem Schein Zuletzt doch treten fröhlich ein, Sollt's Jahr und Tag gleich regnen. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Mel. Nun komm der Heiden Heiland. alte, walte nah 154. W' und fern, All⸗ gewaltig Wort des Herrn, Wo nur seiner Allmacht Ruf, Menschen für den Himmel schuf! 2. Wort vom Vater, der die Welt Schuf und in den Armen hält, Und aus seinem Schoß herab Seinen Sohn zum Heil ihr gab. 3. Wort von des Erlösers Huld, Der der Erde schwere Schuld Durch des heil'gen Todes That Ewig wegge— nommen hat; 4. Kräftig Wort von Gottes Geist, Der den Weg zum Himmel weist Und durch seine heil'ge Kraft Wollen und Voll⸗ bringen schafft; 5. Wort des Lebens, stark und rein, Alle Völker harren dein; Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht! 6. Auf zur Ernt' in alle Welt! Weithin wogt das reife Feld; Klein ist noch der Schnitter 80 Viel der Ar⸗ beit überall. 7. Herr der Ernte, groß und gut, Weck zum Werke Lust und Mut, Laß die Völ⸗ ker allzumal Schauen deines Lichtes Strahl! Jonathan Friedrich Bahnmaier, geb. 1774 + 1841. Mel. Zion klagt mit Angst und. ion, gieb dich nur 155. 3 zufrieden, 6. ist noch bei dir darin, Du bist nicht von ihm geschieden; Er hat einen Vatersinn. Wenn er straft, so liebt er auch; Dies ist Gottes steter Brauch; Zion, lerne dies bedenken. Warum willst du dich so kränken? 2. Treiben dich die Meeres⸗ wellen In der wilden, tiefen See, Wollen sie dich gar zer⸗ schellen, Daß du mfest Ach und Weh; Schweigt dein Hei⸗ land still dazu, Gleich als schlafend in der Ruh; Zion, laß dich nicht bewegen; Bald wird Sturm und Flut sich legen. 3. Berg und Felsen mögen weichen, Ob sie noch so feste stehn, Ja, die ganze Welt desgleichen Möchte gar auch untergehn; Dennoch hat es keine Not In dem Leben und im Tod. Zion, du kannst doch nicht wanken Aus des Bundes⸗ gottes Schranken. —— — V — Kirche und Mission. 103 4. Müssen schon allhier die Thränen Oft dein Trank und Speise sein; Stimmt dein Seufzen und dein Stöhnen Auch mit deinen Liedern ein, Ist der Spott dein täglich Brot Und dein Trank die bittre Not: Zion, laß dir doch nicht grauen; Du sollst Gottes Hülfe schauen. 5. Droht man dir mit Schmach und Banden, Mit viel Qual und Herzeleid; Dennoch wirst du nicht zu Schanden; Denk' nur an die erben, Freuet euch mit Zion hier! Denn die jetzt hat wollen sterben, Soll nun leben für und für. Dort ist nicht mehr Angst und Qual In dem schönen Himmelssaal. Zion, wer will dich nun scheiden Von dem Lamm und ew'gen Freuden? Joachim Pault, 1600. Eigne Melodie. 156 und Schhersen * und Schmerzen, Zion, Gottes werte Stadt, Ewigkeit. Sei getrost und Die er trägt in seinem Her⸗ wohlgemut; Denn der Herr zen, Die er sich erwählet hat. ist's, der es thut. Zion, auf Ach, spricht sie, wie hat mein Gott mußt du merken, Der Gott Mich verlassen in der wird dich in Schwachheit Not, Und läßt mich so harte stärken. pressen! Meiner hat er ganz 6. Freue dich! Es kommt vergessen. das Ende Und der Abend 2. Der Gott, der mir hat schon herbei; Gieb dich nur versprochen Seinen Beistand in Gottes Hände, Der macht jederzeit, Der läßt sich ver⸗ dich von allem frei. Für die gebens suchen Jetzt in meiner Trübsal, Spott und Hohn Traurigkeit. Ach, will er Giebt er dir die Freudenkron'. denn für und für Grausam Zion, Gott, dein Schutz, wird zürnen über mir? Kann und wachen Und die Welt zu will er sich der Armen Jetzt Schanden machen. 7. Hallelujah! Deine Wonne Bricht anjetzt mit Macht her⸗ für; Denn die schöne Gnaden⸗ sonne, Jesus Christus, naht zu dir, Giebt dir einen Freu⸗ dengruß Und den rechten Frie⸗ denskuß. Zion, wo ist nun dein Klagen? Jetzt kannst du von Freuden sagen. 8. O ihr Engel, Himmels⸗ nicht, wie vorhin, erbarmen? 3. Zion, o du Vielgeliebte, Sprach zu ihr des Herren Mund, Zwar du bist jetzt die Betrübte, Seel' und Geist ist dir verwund't; Doch stell' alles Trauern ein! Wo mag eine Mutter sein, Die ihr eigen Kind kann hassen Und aus ihrer Sorge lassen? 4. Ja, wenn du gleich 104 Kirche und Mission. möchtest finden Einen solchen Muttersinn, Da die Liebe kann verschwinden: So bleib ich doch, der ich bin. Meine Treu bleibt stetig dir, Zion, o du meine Zier. Du hast mir mein Herz besessen, Dei⸗ ner kann ich nicht vergessen. 5. Laß dich nicht den Satan blenden, Der sonst nichts als schrecken kann. Siehe hier in meinen Händen Hab' ich dich geschrieben an. Wie mag es denn anders sein? Ich muß ja gedenken dein; Deine Mauern will ich bauen Und dich fort und fort anschauen. 6. Du bist mir stets vor den Augen, Du liegst mir in meinem Schoß, Wie die Kind⸗ lein, die noch saugen; Meine Treu an dir ist groß. Dich und mich soll keine Zeit, Keine Not, Gefahr noch Streit, Ja, der Satan selbst nicht schei⸗ den. Bleib getreu in allen Leiden! Joh. Heermann, geb. 1585 4 1647. Mission. Mel. Herzliebster Jesu, was hast. 2— ch liebster Heiland, 15⁷. A Weuntdonutere Stunde? Wann rufst du auch das alte Volk zum Bunde? Wann wird die Decke Mosis weggenommen? Wann wirst du kommen? 2. Dein Blut, das sie auf ihre Seel' genommen, Laß end⸗ lich ihnen noch zum Segen kommen. Dein an dem Kreuz für sie geschehnes Beten Müsse sie vertreten. Brüdergemeinde· Mel. Valet will ich dir geben. er du zum Heil 158. D erschienen Der allerärmsten Welt Und von den Cherubinen Zu Sündern dich gesellt, Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am Marter⸗ holze Versühntest ihre Schuld. 2. Damit wir Kinder wür⸗ den, Gingst du vom Vater aus, Nahmst auf dich unsre Bürden Und bautest uns ein Haus. Von Westen und von Süden, Von Morgen ohne Zahl Sind Gäste nun be⸗ schieden Zu deinem Abend⸗ mahl. 3. Im schönen Hochzeits⸗ kleide, Von allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerscharen ein; Und welchen nichts verkündigt, Kein —5 verheißen war, Die ringen nun entsündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Du hast dem ärmsten Sklaven, Wo heiß die Sonne glüht, Wie deinen andern Schafen Zu Liebe dich ge⸗ müht; Und selbst den öden Norden, Den ew'ges Eis be⸗ drückt, Zu deines Himmels Pforten Erbarmend hingerückt. 5. Drum kann nicht Ruhe Kirche und Mission. werden, Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt, Bis du im neuen Leben Die aus⸗ gesöhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vor's Angesicht gestellt. 6. Und siehe, tausend Für⸗ sten Mit Völkern ohne Licht Stehn in der Nacht und dür⸗ sten Nach deinem Angesicht. Auch sie hast du gegraben In deinen Priesterschild, Am Brunngquell sie zu laben, Der dir von Herzen quillt. 7. So sprich dein göttlich Werde! Laß deinen Odem wehn, Daß auf der finstern Erde Die Toten auferstehn, Daß, wo man Götzen fröhnet Und vor den Teufeln kniet, Ein willig Volk versöhnet Zu deinem Tempel zieht. 8. Wir rufen, du willst hö⸗ ren; Wir fassen, was Du sprichst. Dein Wort muß sich bewähren, Womit du Fesseln brichst. Wie viele sind zer⸗ brochen! Wie viele sind's noch nicht! O du, der's uns ver⸗ sprochen, Werd' aller Heiden Licht! Albert Knapp, geb. 1798 4 1864. Mel. Jesus, meine Zuversicht. zine Herde und 159. E ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wenn sein Tag erscheinen wird! Freue dich, du kleine 105 Herde! Mach dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, Und die Herr⸗ lichkeit des Herrn Nahet däm⸗ mernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht. Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde. Ach, wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Herde! Kleine Herde, zage nicht; Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrotes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Durstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht. Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren, aufge⸗ than; Rauscht, verdorrete Ge⸗ beine; Macht dem Bundes⸗ engel Bahn! Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tag's der Herr⸗ lichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried' und Wonne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Fr. Ad. Krummacher, geb. 1768 f 1845. —+—. .... — —————— 106 Kirche und Mission. Mel. Wachet auf, ruft uns die. 160 Einer ist's, an dem wir hangen, Der für uns in den Tod gegangen Und uns erkauft mit seinem Blut. Unsre Leiber, unsre Herzen Gehören dir, o Mann der Schmerzen; In deiner Liebe ruht sich's gut. Nimm uns zum Eigentum; Bereite dir 238 Ruhm Deine Kinder; Verbirg uns nicht Das Gna⸗ denlicht Von deinem heil'gen Angesicht. 2. Nicht wir haben dich er⸗ wählet; Du selbst hast unsre Zahl gezählet Nach deinem ew'gen Gnadenrat. Unsre Kraft ist schwach und nichtig, Und keiner ist zum Werke tüchtig, Der nicht von dir die Stärke hat. Drum brich den eignen Sinn; Denn Armut ist Gewinn Für den Himmel: Wer in sich schwach, Folgt, Ehrer dir nach Und trägt mit hren deine Schmach. 3. O Herr Jesu, Ehren⸗ könig, Die Ernt' ist groß, der Schnitter wenig; Drum sende treue Zeugen aus. Send' auch uns hinaus in Gnaden, Viel frohe Gäste einzuladen Zum Mahl in deines Vaters Haus. Wohl dem, den deine Wahl Beruft zum Abendmahl Im Reich Gottes! Da ruht der Streit, Da währt die Freud', Heut, gestern und in Ewigkeit. 4. Schau auf deine Millio⸗ nen, Die noch im Todesschat⸗ ten wohnen, Von deinem Him⸗ melreiche fern. Seit Jahrtau⸗ senden ist ihnen Kein Evange⸗ lium erschienen, Kein gnaden⸗ reicher Morgenstern. Ganz der Gerechtigkeit, Geh auf! denn es ist Zeit. Komm, Herr Jesu, Zeuch uns voran Und mach uns Bahn; Gieb deine Thüren aufgethan. 5. Deine Liebe, deine Wun⸗ den, Die uns ein ew'ges Heil erfunden, Dein treues Herz, das für uns fleht, Wollen wir den Seelen preisen Und auf dein Kreuz so lange weisen, Bis es durch ihre Serzen geht. Denn kräftig ist dein Wort; Es richtet und durch⸗ bohrt Geist und Seele. Dein Joch ist süß, Dein Geist ge⸗ wiß, Und offen steht dein Pa⸗ radies. 6. Heiland, deine größten Dinge Beginnest du still und geringe; Was sind wir Armen, Herr, vor dir! Aber du wirst für uns streiten Und uns mit deinen Augen leiten; Auf deine Kraft vertrauen wir. Dein Senfkorn, arm und klein, Wächst endlich ohne Schein Doch zum Baume, Weil du, Herr Christ, Sein Hüter bist, Dem es von Gott vertrauet ist. Albert Knapp, geb. 1798 + 1864. Mel. Wachet auf, ruft uns die. 161. Ksege Dah ales , Kirche und Mission. bald dir unterliege, Was lebt und webt in dieser Welt. Blick auf deine Friedensboten, Laß wehen deinen Lebens⸗ odem Durch's ganze weite Totenfeld. Erhöre unser Flehn Und laß es bald geschehn. Amen, Amen! So rühmen wir Und jauchzen dir Ein Halle⸗ lujah für und für! Berlin 1852. Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich. — ach auf, du 162. Wé Geist der er⸗ sten Zeugen, Die auf der Mau' r als treue Wächter stehn, Die Tag' und Nächte nimmer schweigen, Und die getrost dem Feind' entgegengehn, Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Scharen zu dir bringt. 2. O, daß doch bald dein Feuer brennte, möcht es doch in alle Lande gehn! Ach, Herr, gieb doch in deine Ernte Viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernte, siehe doch darein: Die Ernt' ist groß, da wenig Knechte sein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten Sich dei⸗ ner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzinbrünstig hierum anzuflehn! Düümn hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehnl 107 4. So gieb dein Wort mit großen Scharen, Die in der Kraft Evangelisten sein; Laß eilend Hülf' uns widerfahren Und brich in Satans Reich und Macht hinein. O, breite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu dei⸗ nes Namens Preis! 5. Ach, daß die Hülf' aus Zion käme! O, daß dein Geist so, wie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefäng⸗ nis nähme! O, würd' es doch nur bald vor Abend Licht! Ach, reiß, o Herr, den Him⸗ mel bald entzwei, Und komm herab zur Hülf' und mach uns frei! 6. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen; Es sei kein Ort ohn' dessen Glanz und Schein, Ach, führe bald da⸗ durch mit Haufen Der Heiden Füll' in alle Thore ein! Ja wecke doch auch Israel bald auf Und also segne deines Wortes Lauf! 7. O, bess're Zions wüste Stege; Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räum', ach räum' aus jedem Wege: Vertilg', o Herr, des falschen Glaubens Wahn, Und mach uns bald von jedem Mietling frei, Daß Kirch' und Schul' ein Garten Gottes sei. 8. Laß jede hoh' und nied're Schule Die Werkstatt deines guten Geistes sein. Ja, sitze du nur auf dem Stuhle Und SSISISISIII SSSISISISISISISISIIIeIeI‚e 108 Kirche und Mission. präge dich der Jugend selber ein, Daß treuer Lehrer viel und Beter sein, Die für die ganze Kirche stehn und schrein. 9. Du hast uns Hirten ja versprochen, Die du nach dei⸗ nem Herzen geben willt; Nun wird dein Wort niemals ge⸗ brochen, Ein jedes Wort wird Punkt für Punkt erfüllt; Drum halt' ich dieses klare Wort dir vor: Ach denke dran und neig uns Herz und Ohr! 10. Herr, zürne nicht, daß ich so bitte, Da ich vor dir nur Staub und Asche bin; Du, als der Brunnquell aller Güte, Giebst selber mir etwas von deinem Sinn, Daß mich der Menschen Elend jammern kann; Drum bitt' ich, Herr, o nimm mein Bitten an. 11. Du wirst wohl wissen recht zu richten, Da du ja aller Welt ihr Richter bist. Laß nur dein Wort den Streit hier schlichten, Wenn deine Lieb' in uns im Zweifel ist; Und treib' uns ferner, di nur anzuflehn: Es wird doch endlich noch viel mehr geschehn. C. Heinr. v. Bogatzry, geb. 1690 f 1774. Bei Einweihung von Kirchen. Mel. Wie schön leuchtet der. Die Herzen wallen auf zu dir; dier ist des Himmels Pforte. Wohne, Throne Hier bei Sündern, als bei Kindern, voller Klarheit; Heil'ge uns in deiner Wahrheit. 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit, Dies Gotteshaus ist dir geweiht; O, laß dir's wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, Dein Segen walte fort und fort In diesen her ub den Einheit, Rein⸗ eit Gieb den Herzen, Angst und Schmerzen tilg in Gna— den; Heil uns ganz vom Sün⸗ denschaden. 3. Gott, heil'ger Geist, du wertes Licht, Wend her dein göttlich Angesicht, Daß wir erleuchtet werden. Geuß über uns und dieses Haus Dich mit allmächt'gen Flammen aus, Mach himmlisch uns auf Er⸗ den. Auf zum Himmel Zieh das Sinnen und Beginnen! Gehts zum Sterben, Hilf uns Jesu Reich ererben. 4. Dreiein'ger Gott, Lob, Dank und Preis Sei dir von allen gleicherweis Für dies dein Haus gesungen. Du hast's geschenkt und auferbaut, Dir ist's geheiligt und vertraut Mit Rer S ud wis Roch in Ach, i er Sind wir Noch in Hüt⸗ 16 3 ott Vater, aller * Dinge Grund, Gieb deinen Vaternamen kund An diesem heil'gen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! ten; Herr, wir bitten, stell uns droben In den Tempel, dich zu loben. Albert Knapp, geb. 1798 4 1864 Vom Worte Gottes. Vom Worte Gottes. XIII. Mel. Was Gott thut, das ist. 16 4 Dein Wort, o Herr, ist milder Tau Für trostbedürft'ge Seelen. Laß keinem Pflänzchen deiner Au Den Himmelsbalsam feh⸗ len! Erquickt durch ihn Laß jedes blühn Und in der Zu⸗ kunft Tagen Dir Frucht und Samen tragen! 2. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert, Ein Keil, der Felsen spaltet, Ein Feuer, das im Herzen zehrt Und Mark und Bein durchschaltet. O laß dein Wort Noch fort und fort Der Sünde Macht zerscheitern Und alle Herzen läutern! 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern Für unsre Pil⸗ gerreise; Es führt auch Tho⸗ ren hin zum Herrn Und macht die Emfalt weise. Dein Him⸗ melslicht Verlösch' uns nicht Und leucht' in jede Seele, Daß keine dich verfehle. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht. Da ward das Wort der Gnade Mein Labsal, meine Zuversicht, Die Fackel meiner Pfade. Sie zeigte mir Den Weg zu dir Und leuchtet meinen Schritten Bis zu den ew'gen Hütten. 5. Nun halt' ich mich mit festem Sinn 5 dir, dem sichern Horte. Wo wendet' ich mich anders hin? Herr, du 109 hast Lebensworte. Noch hör ich dein: Komm, du bist meinl Das rief mir nicht vergebens, Dein Wort des ew'gen Lebens. 6. Auf immer gilt dein Se⸗ gensbund: Dein Wort ist Ja und Amen: Nie weich' es uns aus Geist und Mund Und nie von unserm Samen. Laß im⸗ merfort Dein helles Wort In allen Lebenszeiten Uns trösten, warnen, leiten! 7. O, sende bald von Ort zu Ort Den Durst nach dei⸗ nen Lehren, Den Hunger aus, dein Lebenswort Und deinen Geist zu hören, Und send ein 0. Von Meer zu Meer, er Herzen Durst zu stillen Und dir dein Reich zu füllen! Karl Bernh. Garve, geb. 1763 4 1841. Mel. Gott des Himmels und der Erde. 165. eures Wort aus * Gottes Munde, Das mir lauter Segen trägt, Dich allein hab' ich zum Grunde Meiner Seligkeit gelegt; In dir treff ich alles an, Was zu Gott mich führen kann. 2. Will ich einen Vor⸗ schmack haben, Welcher nach dem Himmel schmeckt, So kannst du mich herrlich laben, Weil bei dir ein Tisch gedeckt, Der mir lauter Manna schenkt Und mit Lebenswasser tränkt. .. 110⁰ Vom Worte Gottes. 3. Du, mein Paradies auf Erden, Schließ mich stets im Glauben ein; Laß mich täglich klüger werden, Daß dein heller Gnadenschein Mir bis in die Seele dringt Und die Frucht des Lebens bringt. 4. Geist der Gnade, der im Worte Mich an Gottes Herze legt, Oeffne mir des Himmels Pforte, Daß mein Geist hier recht erwägt, Was für Schätze Gottes Hand Durch sein Wort ihm zugesandt. 5. Lasse mich in diesen Schranken Sonder eitle Sor⸗ gen sein. Schließe mich mit den Gedanken In ein stilles Wesen ein, Daß die Welt mich gar nicht störet, Wenn mein Herz dich reden hört. 6. Gieb dem Samkorn einen Acker, Der die Frucht nicht schuldig bleibt; Mache mir die Augen wacker, Und was hier dein Finger schreibt, Präge meinem Herzen ein, Laß den Zweifel ferne sein. 7. Was ich lese, laß mich merken, Was du sagest, laß mich thun. Wird dein Wort den Glauben stärken, Laß es nicht dabei beruhn, Sondern gieb, daß auch dabei Ihm das Le⸗ ben ähnlich sei. Geist auch Rat und That In den größten Nöten hat. 9. Laß dein Wort mir ei⸗ nen Spiegel In der Folge Jesu sein. Drücke drauf ein Gnadensiegel, Schließ den ih feß im Herzen ein, Daß ich fest im Glauben steh', Bis ich dort zum Schauen geh'. Benj. Schmolck geb. 1672 T 1787. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 166 Laß mich dein sein * und bleiben, Du treuer Gott und Herr! Von dir laß mich nichts treiben, Halt mich bei reiner Lehr'i Herr, laß mich nur nicht wan⸗ ken, Gieb mir Beständigkeit: Dafür will ich dir danken In alle Ewigkeit. Nic. Selnecker, geb. 1530 1 1⁵92 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 167 Rede, liebster Jesu, * rede! Denn dein Kind giebt acht darauf. Stärke mich, denn ich bin blöde, Daß ich meinen Lebenslauf Dir zu Ehren setze fort. Ach, so laß dein heilig Wort In mein Herz sein eingeschlossen, Dir zu fol⸗ gen unverdrossen. 2. Ach, wer wollte dich nicht hören, Dich, du liebster Men⸗ schenfreund? Sind doch deine Wort' und Lehren Alle herzlich 8. Hilf, daß alle meine Wege Nur nach dieser Richt⸗ schnur gehn. Was ich hier zu Grunde lege, Müsse wie ein Felsen stehn, Daß mein wohlgemeint. Sie vertreiben alles Leid, Selbst des Todes Bitterkeit Muß vor deinen Worten weichen; Ihnen ist nichts zu vergleichen. Vom Worte Gottes. 111 3. Deine Worte sind mein Knechte, Daß durch sie würde Stecken, Dessen ich mich trösten wohlbekannt Dein Will' und kann, Wenn der Teufel mich deine Rechte— Zum letzten ist will schrecken Auf der schmalen dein lieber Sohn, O Vater, Lebensbahn; Diese führen ohne von des Himmels Thron Selbst Qual Mich hin durch des Todes Thal, Diese sind mein Schirm und Stütze Wider alle Kreuzeshitze. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben, Deine trosterfüllte Lehr' Will ich in mein Herz ver⸗ graben; Ach, nimm sie ja nimmermehr Weg von mir in dieser Zeit, Bis ich in der Ewigkeit Werde kommen zu den Ehren, Dich, o Jesu, selbst zu hören. 5. Unterdes vernimm mein Flehen, Liebster Jesu, höre mich; Laß bei dir mich feste stehen; So will ich dich ewig⸗ lich Preisen mit Herz, Sinn und Mund, Ich wil dir zu kommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist, Laß uns dabei verbleiben; Und gieb uns dei⸗ nen guten Geist, Daß wir dem Worte gläuben, Dasselb' annehmen jederzeit Mit Sanft⸗ mut, Ehre, Lieb' und Freud' Als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der losen Frevler Spott Uns nicht vom Wort abwende. Wer dich ver⸗ achtet, großer Gott, Der nimmt ein schrecklich Ende. Gieb du selbst deinem Worte Kraft, Daß deine Lehre in uns haft', Auch reichlich bei uns wohne. 5. Oeffn' uns die Ohren und das Herz, Daß wir das Wort jeder Stund' Ehr' und Dank recht fassen, In Lieb und Leid, in Demut bringen Und dein hohes Lob besingen. Anna Sophie, Landgräfin zu Hessen⸗ Darmstadt, geb. 1638 + 1683. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 168. zu dem, o Gott, in Freud' und Schmerz Es aus der Acht nicht lassen; Daß wir nicht Hörer nur allein Des Wortes, sondern Thäter sein, Frucht hundertfältig ir Menschen sind bringen. 6. Am Weg' der Same wird Was Woen ist, untüchtig; sofort Vom Teufel hingenom⸗ Dein We sen, Wille und Gebot men; In Fels und Steinen Ist viel zu hoch und wichtig. kann das Wort Die Wurzel Wir wissen's und verstehen's nicht bekommen; Der Same, nicht, Wo uns dein göttlich so auf Dornen fällt, Wort und Licht Den Weg zu dir nicht weiset. 2. Drum sind vor Zeiten Von Sorg' und Wollust dieser Welt Verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr, daß wir ausgesandt Propheten, deine werden gleich Allhier dem guten 112 Vom Worte Gottes. Lande, Und sein an guten Werken reich In unserm Amt und Stande, Viel Früchte bringen in Geduld, Bewahren deine Lehr' und Huld In fei⸗ nem gutem Herzen. 8. Laß uns, so lang wir leben hier, Den Weg der Sün⸗ der meiden, Gieb, daß wir halten fest an dir In Anfech— tung und Leiden. Rott' aus die Dornen allzumal, Hilf uns die Weltsorg' überall Und böse Lüste dämpfen! des, Deine Stimmen an die 0 Mir zu Geist und eben werden. 2. Deine beiden Testamente Mache mir zum Elemente. Sende deines Geistes Trei⸗ ben, Mir dein Wort ins Herz zu schreiben; Denn es ist auf alle Weise Meiner Seele beste Speise. Wer kann sonst vom ew'gen Leben Meinem Herzen Nachricht geben? 3. Herr, dein Wort ist wie ein Hammer, Schlägt und 9. Dein Wort, o Herr, laß allweg' sein Die Leuchte unsern Füßen: Erhalt' es bei uns klar und rein; Hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, Daß wir im Le⸗ ben und im Tod Beständig darauf trauen. 10. Gott Vater, laß zu dei⸗ ner Ehr' Dein Wort sich weit ausbreiten! Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr' Erleuchten mög' und leiten! O heil'ger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken fort und fort Glaub', Lieb', Geduld und Hoffnung! David Denicke, geb. 1603 + 1680. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 169. Mreediger der süßen * Lehre, Die ich mit Erstaunen höre, Großer Arzt der Menschenkinder, Du Evangelist der Sünder Und Prophet des neuen Bundes, Laß die Worte deines Mun⸗ zeigt den Seelenjammer, Es erquickt mich wie der Regen, Leuchtet mir auf allen Wegen, Stärket meines Geistes Kräfte, Schmeckt wie Milch und Ho— nigsäfte, Ist ein Stab für matte Glieder Und ein Schwert dem Feind zuwider. 4. Diesem Worte will ich trauen Und darauf beständig schauen; Sonst ist doch kein Licht vorhanden. Fremde Lehre macht zu Schanden: Aber dein Gesetz und Gnade Leitet mich auf rechtem Pfade. Herr, mein Glauben und mein Lieben Hat den Grund: Es steht ge⸗ schrieben! 5. Lehre mich dein Wort betrachten, Mit Begierde da— rauf achten. Lehre mich's im Geist verstehen; Laß es mir zu Herzen gehen, Mache, daß ich's fröhlich glaube Und kein Zweifel mir es raube; Daß ich's mit Gehorsam ehre Und sonst keine Stimme höre. XI HRIII.cceeeeQNQES Vom Worte Gottes.— Von der heiligen Taufe. 113 6. Laß dein Wort mich kräftig laben, Fest es in der Seele haben; Deine Wahrheit nicht zerrütten, Keine Kraft davon verschütten; Fest an der Verheißung bleiben, Die Ge⸗ bote willig treiben; Keinen Schritt vom Worte weichen, Deines Weges Ziel erreichen. 7. Was die Welt bekennt und lehret, Was mein Herz erdenkt und ehret, Was der böse Geist erdichtet, Wird von Gottes Wort gerichtet. Weg mit euch, ihr falschen Geister! Mir ist g'nug an einem Mei⸗ ster! Wißt, daß euch der Fluch verzehret, Wenn ihr auch selbst Engel wäret. XIV. Von der 8. Selig, selig sind die Seelen, Die sich sonst kein Licht erwählen Als allein das Wort des Lebens! Diese glau⸗ ben nicht vergebens, Weil sie Gottes Rat ergründen Und sein Herz im Worte finden. O, ein unschätzbares Wissen! Andre Weisheitkann ich missen. 9. Licht und Kraft und Mut und Freude, Wahrer Trost im tiefsten Leide, Schutz vor allerlei Gefahren Und ein ewi⸗ ges Bewahren: Das sind die⸗ ses Wortes Früchte. Alles andre wird zu nichte, Alles andre muß vergehen: Gottes Wort bleibt ewig stehen. E. G. Woltersdorf geb. 1725 1761. heiligen Taufe. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. Bund verheißt, Selbst in ihm 170. Gol und Vater, des Heils Geschäfte, De 30 jetzund stets an Jesu Leibe Ein le⸗ Ar⸗bendig' Gliedmaß bleibe. nimm Dieses Kind von unsern men; Nimm es auf in deinen Bund, Und erzeig' ihm dein Erbarmen, Daß es alle Le⸗ benstage Deiner Kindschaft Zeichen trage. 2. Wasche es mit deinem Blut, Treuer Jesu, von den Sünden; Laß in seiner Taufe Flut, Den geerbten Fluch ver⸗ schwinden Und sein Leben auf der Erden Deinem ähnlich werden. 3. Und du, werter heil'ger Geist, Schenk' denkräfte; ihm deine Gna⸗ bange: Ich bin ein Treibe wie dein Christ, Denn ich wei 8 Daß es J. J. Spreng, 1 1768. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. asset mich voll Freu⸗ 171.L 2 sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, Der bei menschlichen Gebrechen Dennoch ein Kind Gottes ist! Was sind alle Schätze nütze, Da ich einen Schatz besitze, Vorbild Der mir alles Heil gebracht Und mich ewig selig macht. 2. Keine Sünde macht mir Dien gewiß, SSSS‚HSE‚‚Z‚Zll.lI.eI 114 Von der heiligen Taufe. so lange Dieser Trost im man sie zu dir hinführe, Denn Nocntn rrn ich mich von das Himmelreich ist ihre. ngft und Sünden, Jesu, durch dein Blut entbinden, Weil 312., Ja, es schallet allermeist Dieses Wort in unsern Ohren: das teure Wasserbad Mich da⸗ 6 mit besprenget hat. Wer durch Wasser und durch ̃ ich Geist Nicht zuvor ist neugebo⸗ 5 Will 2 ⸗ taut⸗ Wird von dir nicht auf⸗ verklagen: Ich bin ein getauf⸗ genommen Und in Gottes ter Christ! Und damit kann Reich nicht kommen ich ihn schlagen, Ob er noch 10 so grausam ist. Da ich bin 3. Darum eilen wir zu dir, zur Taufe kommen, Ist ihm Nimm dies Pfand von unsern alle Macht genommen, Und Armen; Tritt mit deinem Glanz von seiner Tyrannei Machet herfür Und erzeige dein Erbar⸗ Gottes Bund mich frei. auf Erder 1 01* r 4. Freudig sag ich, wenn auf Erden Und im Himme ich sterbe: Ich bin ein getauf⸗ möge werden. ter Christ! Denn das bringet 4. Wasch' es, Jesu, durch mich zum Erbe, Das im Him⸗dein Blut Von den angeerbten mel droben ist. Lieg' ich gleich Flecken; Und zugleich mit die⸗ im Todesstaube, So versichert ser Flut Laß es dein Ver⸗ mich der Glaube, Daß mir dienst bedecken. Schenk' ihm 1ud 00— huten Rin Leib deiner in dih sch kle Daß und Leben wieder schafft. es ganz in dich sich kleide. 5. Nun, so soll ein solcher 9—9——0 Segen Mir ein Trost des Le⸗ 11 Srt es une din rn Einm sein, Maß ich mich zu zur Enade; Heil den hesen Grabe legen, Schlaf' ich auch E 18 5. ir Her: Schlangenbiß Durch die Kraft un Leager rechen Soll die im Wunderbade, Laß hier en, Soll die 4277 Seele Demnoch sprechen: Ich einen Jordan rinnen, So ver⸗ 999085— geht der Aussatz drinnen. bin ein getaufter Christ, Der ö nun ewig selig ist! 6. Hirte, nimm dein Schäf⸗ Eüm. Meumester eb. 1671 + 17⁵⁶ lein ai Haupt, mach— au 2 deinem Gliede; Himmelsweg, Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. zeig ihm die Bahn; Friede⸗ 172. Laster Seis Hia fuc ih⸗ 6.— 6— Wi sind wir, Deinem. Ndun Kiese Mebe Worte nachzuleben: Dieses Stets im Glauben dich umgebe. Kindlein kommt zu dir, Weil 7. Nun, wir legen an dein du den Befehl gegeben, Daß Herz, Was von Herzen ist ge⸗ Von d. heil. Taufe.—Einsegnung d. Wöchnerinnen. 115 Seufzer den wir geben, Schreib' ins immelwärts Und erfülle das Lebensbuch zum Leben! n Führ' die erlangen. Ja, den Namen, Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1787. XV. Einsegnung der Wöchnerinnen. Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. 173 Get Lob, ich schließe * meine Wochen Und preise meines Gottes Kraft: Ich habe Gott ein Wort versprochen, Der neues Leben in mir schafft: Wird er mir Rat und Trost verleih'n, So soll mein Herz sein Opfer sein. 2. Ich komme, meines Le⸗ bens Leben, Und sage dir, mein Schöpfer, Dank: Da tausend Schmerzen mich umgeben, Und schon der Tod zum Herzen drang, So hast du mich also erquickt, Daß mich mein Kreuze nicht erdrückt. 3. Nun, deine Magd wird solches preisen Und ewig dafür dienstbar sein; Doch wirst du mir noch mehr erweisen Und meinem Kinde Kraft verleih'n, Daß es in deinem Bunde bleibt Und dein Geist solches immer treibt. 4. Gieb ihm das Wachstum deines Sohnes, Bei Gott und Menschen Huld und Gnad'. Der lügel deines Gnadenthrones, er es bereits beschattet hat, Bedeck es, wo es geht und steht, Bis es zum Himmel wird erhöht. 5. Ja, du bist aller Kinder Vater, Dein Sohn ist aller Kinder Freund: Sei du nun ferner mein Berater, Daß, wenn dein letzter Tag erscheint, Ich und mein Kind dort vor dir h Und dir zu deiner Rechten geh'. B. Schmolck, geb. 1672 f 1737. XVI. Confirmations⸗Lieder. Mel. O daß ich tansend Zungen hätte. ter, mich erklärt; Du hast die 17⁴4. ch bin getauft auf Frucht von deinem Sterben, * deinen Namen, Mein treuer Heiland, mir ge⸗ Gott Vater, Sohn und heil⸗ währt; Du willst in aller Not ger Geist! Ich bin gezählt zu und Pein, O guter Geist, mein deinem Samen, Zum Volk, Tröster sein. das dir geheiligt heißt. Ich bin 3. Doch habe ich dir Furcht in Christum eingesenkt; Ich bin und Liebe, Treu und Gehor⸗ mit seinem Geist beschenkt. sam zugesagt; Ich habe mich 2. Du hast zu deinem Kind aus reinem Triebe Dein Eigen⸗ und Erben, Mein lieber Va⸗ tum zu sein gewagt; Hingegen 8* sagt ich bis ins Grab Des Sa⸗ tans schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste stehn; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn; Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, Wenn ich hab'einenFall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin. Erwecke mich u neuer Treue Und nimm Be⸗ sit von meinem Sinn, Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Weich', weich', du Fürst der Finsternissen! Ichbleibe mit dir unvermengt; Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, Jedoch mitJesuBlut besprengt. Weich', eitle Welt, du Sünde, weich'! Gott hört es, ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsatz nim⸗ mer wanken, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt. So leb' ich dir, so sterb' ich dir; So lob' ich dich dort für und für. Joh. Jacob Rambach, geb. 1693 + 1785. Mel. Alles ist an Gottes Segen. — un so will ich denn 1 75. N mein Leben Völ⸗ 116 Confirmations⸗Lieder. — Vom heil. Abendmahl. lig meinem Gott ergeben; Nun wohlan, es ist geschehn. Sünd', ich will von dir nichts hören; Welt, ich will mich von dir keh⸗ ren, Ohne je zurückzusehn. 2. Hab' ich sonst mein Herz geteilet, Hab' ich hie und da verweilet: Endlich sei der Schluß gemacht, Meinen Willen ganz zu geben. Meinem Gott allein zu leben, Ihm zu dienen Tag und Nacht. 3. Herr, ich opf're dir zur Gabe All' mein Liebstes, das ich habe; Schau, ich halte nichts zurück. Schau und prüfe Herz und Nieren; Solltest du was Falsches prüfen, Nimm es diesen Augenblick. 4. Ich scheu' keine Müh' und Schmerzen; Gründlich und von nin Herzen Will ich folgen einem Zug, Kann ich stetig und in allem Deinen Augen nur gefallen: Ach, so hab' ich ewig g'nug. 5. Dich allein will ich er⸗ wählen. Alle Kräfte meiner See⸗ len Nimm nur ganz in deine Macht. Ja, ich will mich dir verschreiben, Laß es ewig feste bleiben, Was ich dir hab' zu⸗ gesagt. Gerh. Tersteegen, geb. 1697. 1769. XVII. Vom heiligen Abendmahl. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 176.—Desu, Freund der NX Menschenkinder, Der der verlor'nen Sünder, Der die Kreuzesschmach er⸗ duldet, Und gesühnt, was wir Vom heiligen Abendmahl. verschuldet: Wer kann fassen das Erbarmen, Das du trägest mit uns Armen! In der Schar erlöster Brüder Fall ich dankend vor dir nieder. 2. Ja, auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll entgegen; In dem Elend meiner Sünden Soll bei dir ich Hilfe finden; Meine Schul⸗ den willst du decken, Mich be⸗ frei'n von Furcht und Schrecken, Willst ein ewig' selig' Leben Als des Glaubens Frucht mir geben. 3. Herr, du kommst, dich mit den Deinen In dem Nacht⸗ mahl zu vereinen; Du, der Weinstock, giebst den Reben Neue Kraft zum neuen Leben. Hilf, daß ich die Lust der Sünde Stark von nun an überwinde! Ja, durch dich muß es ge⸗ lingen, Frucht der Heiligung zu bringen. 4. Nun so sei der Bund erneuet, Unser Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild woll'n wir sehen Und dir nach, mein Heiland, gehen. Schaff' ein neues Herz uns Sündern, Mach uns, Herr, zu deinen Kindern, Die dir leben, leiden, sterben, Deine Herrlichkeit zu erben! Joh. Kaspar Lavater, geb. 1741 1 1801. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 177 Erit Man * Jesu Christ, Mag dich ein Sünder haben, 117 nach dem Himmel hungrig ist Und sich mit dir will laben; So bitt' ich dich demütiglich, Du wollest so bereiten mich, Daß ich recht würdig werde. 2. Auf grünen Auen wollest du Mich diesen Tag, Herr, leiten, Den frischen Wassern führen zu, Den Tisch für mich bereiten! Ich bin zwar sündig, matt und krank, Doch laß mich deinen Gnadentrank Aus dei⸗ nem Kelche schmecken. 3. O du lebend'ges Him⸗ melsbrot, Du wollest mir ver⸗ leihen, Daß ich in meiner Seelennot Hu dir mag kind⸗ lich schreien! Dein Glaubens⸗ rock bedecke mich, Auf daß ich möge würdiglich An deiner Tafel sitzen. 4. Tilg' allen Haß und Bit⸗ terkeit, O Herr, aus meinem Herzen, Laß mich die Sünd? in dieser Zeit Bereuen ja mit Schmerzen; O unbeflecktes Osterlamm, Du meiner Seele Bräutigam, Laß mich dich recht genießen! 5. Zwar bin ich deiner Gunst nicht wert, Als der ich jetzt erscheine, Mit Sünden allzu⸗ viel beschwert, Die schmerzlich ich beweine. In solcher Trüb⸗ sal tröstet mich, Herr Jesu, daß du gnädiglich Der Sün⸗ der dich erbarmest. 6. Ich bin ein Mensch, der voller Sünd', Laß deine Hand mich heilen, Erleuchte mich, Der denn ich bin blind, Du kannst 118 Vom heiligen Abendmahl. mir Gnad' erteilen; Ich bin gehn auf seinen WegenIn rechter verdammt, erbarme dich; Ich bin verloren, suche mich Und hilf aus lauter Gnade. 7. Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ, Komm, selbst dich mir zu schenken; O Blut, das du vergossen bist, Komm, eiligst mich zu tränken. Ich bleib' in dir, du bleibst in mir; Drum wirst du, Herr, dies trau ich dir, Auch mich dort auferwecken. Joh. Rist, geb. 1607 4 1667. Eigne Melodie. 178 Glt sei gelobet und * gebenedeiet, Der uns selber hat gespeiset Mit seinem Fleische und mit seinem Blute; Das gieb uns, Herr Gott, zu Gute. Kyrie eleison. Herr, durch deinen heiligen Leichnam, Der von deiner Mutter Maria kam, Und das V heilige Blut: Hilf uns, Herr, aus aller Not. Kyrie eleison. 2. Der heil'ge Leichnam ist für uns gegeben Zum Tod, daß wir dadurch leben, Nicht größ're Güte konnte er uns schenken, Dabei wir sein soll'n gedenken. Kyrie eleison. Herr, dein' Lieb' so groß dich g'zwungen hat, Daß dein Blut an uns groß' Wunder that Und bezahlt uns're Schuld, Daß uns Gott ist worden hold. Kyrie eleison. 3. Gott geb' uns allen sei⸗ Lieb' und brüderlicher Treue, Daß die Speis' uns nicht ge⸗ reue. Kyrie eleison. Herr, dein heil'ger Geist uns nimmer laß; Der uns geb' zu halten rechte Maß', Daß dein' arme Christenheit Leb' in Fried' und Einigkeit. Kyrie eleison. Martin Luther, geb. 1483 1546 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 179 Gb sei Lob, der Tag ist kommen, Jesu werd' vertraut, Da ich Da ich aller Schuld entnom⸗ men, Werd' in Gottes Huld geschaut. Gott sei Lob, daß mir bereit't Ist des Lammes Hochzeit heut, Da mir Gott zum ew'gen Leben Will den ganzen Jesum geben. 2. Gott, ich komm' am frühen korgen Zu dir, als dein liebes Kind, Leg' in deine Vatersorgen Mich mit Leib und Seel' geschwind; Abba, Vater, sorg' für mich, Daß ich ja heut würdiglich, Als dein Gast bei dir erscheine Und mit Jesu mich vereine. 3. Christe, du Lamm Got⸗ tes, höre; Weil du trägest meine Sünd', Als mein Schatz und Wirt herkehre, Als dein? Braut und Gast mich find'! Deiner Güte ich vertrauꝰ; Führe mich auf grüner Au' Und speis' mich, mir stets zu gute, Heut ner Gnade Segen, Daß wir mit deinem Leib und Blute. Vom heiligen Abendmahl. 4. Heil'ger Geist, den ich umfasse, Bleibe heut und stets bei mir; Mich mit Beistand nicht verlasse, Sondern hilf, daß selig hier Mir zu Nutzen, Gott zum Preis, Ich genieß die Himmelsspeis', Daß ich danach christlich lebe, Freudig meinen Geist aufgebe. 5. Nun ich lieg' dir, Gott, zu Füßen, Gottes Liebe schmücke mich! Meines Jesu Blutver⸗ gießen Mache würdig mich durch sich! Hilf mir drauf, du Vaterherz! Hilf mir, Jesu Tod und Schmerz! Hilf mir, Tröster, heut auf Erden, Daß ich möge selig werden. Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg⸗ Rudolstadt, geb. 1637 + 1706 Mel. Aus tiefer Not schrei ich zu dir. 180 Hen Jesu Christ, * du höchstes Gut, Du Brunnquell aller Gnaden. Wir kommen deinen Leib und Blut, Wie du uns hast ge⸗ laden, Zu deiner Liebe Herr⸗ lichkeit Und unsrer Seelen Seligkeit Zu essen und zu trinken. 2. O Jesu, mach uns selbst bereit Zu diesem hohen Werke; Schenk uns dein schönes Ehren⸗ kleid Durch deines Geistes Stärke, Hilf, daß wir würd'ge Gäste sein, Und werden dir gepflanzet ein Zum ew'gen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir Auch bis ans Ende 119 bleiben; Laß Sünd' und Not uns für und für Nicht wieder von dir treiben, Bis wir durch deines Nachtmahls Kraft In deines Himmels Bürgerschaft Dort ewig selig werden. 17²⁵. Mel. Wie schön leuchtet der. 181 err Jesu, dir sei Preis und Dank Für diese Seelenspeis und Trank, Damit du uns begabet. Im Brot und Wein dein Leib und Blut Kommt uns wahr⸗ haftig wohl zu gut Und unsre Herzen labet; Daß wir In dir Und nach allem Wohlgefallen heilig leben, Solches wollest du uns geben. 2. Du kehrest, o Immanuel, Ja selber ein in uns're Seel' Und willst da Wohnung machen; Drum uns ein solches Herz verleih', O Gott, das frei und ledig sei Von allen eiteln Sachen. Bleibe, Treibe Unser Sinnen und Beginnen, daß wir trachten, Alle Weltlust zu verachten. 3. Ach, Herr, laß uns doch nehmen nicht Dein wertes Nachtmahl zum Gericht! Ein jeder recht bedenke, Daß wir mit diesem Lebensbrot Im Glauben stillen unsre Not. Der Fels des Heils uns tränke, Züchtig, Tüchtig Dich dort oben stets zu loben, bis wir werden Zu dir kommen von der Erden 120 Vom heiligen Abendmahl. 4. O, daß wir solche Selig⸗ keit Erwarten möchten allezeit In Hoffnung und Vertrauen, Und folgends aus dem Jam⸗ merthal Eingehen in den Him⸗ melssaal, Da wir Gott wer⸗ den schauen, Tröstlich, Köstlich Uns als Gäste auf das beste bei ihm laben Und ganz volle G'nüge haben. 5. Das gieb du uns von deinem Thron, O Jesu Christe, Gottes Sohn, Gieb's durch dein bitter' Leiden; Dasselbe, weil wir leben hier, Laß uns betrachten für und für, Und alles Böse meiden. Amen! Amen! Hilf uns kämpfen, hilf uns dämpfen alle Sün⸗ den; Hilf uns fröhlich über— winden! Bernh. v. Derschau, geb. 1591 4 1639. Mel. An Wasserflüssen Babylon. Ich komme, Herr, 182. N und suche dich mei Erb und beladen. Gott mein Erbarmer, würd'ge mich, deines Leidens Macht Und an dein Wort: es ist voll⸗ bracht! Du hast mein Heil verdienet; Du hast für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich versühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sünden Und läßt in seinem Mahle hier Dich Gnad' um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: sei getrost, mein Sohn, Die Schuld ist dir vergeben! Du bist in meinen Tod getauft, Und du wirst dem, der dich erkauft, Von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; Bewahr' es hier im Glauben, Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir: Ich bin der Weinstock, bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich; Des Wunders deiner Gnaden! Und Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten. Ich fühle mei⸗ ner Sünden Müh'. Ich suche Ruh und finde sie Im Glau⸗ ben der Erlösten. 2. Dich bet' ich zuversicht⸗ lich an, Du bist das Heil der Sünder, Du hast die Hand⸗ schrift abgethan, Und wir sind Hottes Kinder Ich denk' an nd durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg ge⸗ lingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot: Ich will es treu erfüllen; Und bitte dich, durch deinen Tod, Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig sein, Mein ganzes Herz, Herr, dir zu weih'n Und deinen Tod zu preisen; Laß mich den Ernst der Heiligung Durch Vom heiligen Abendmahl. eine wahre Besserung Mir und der Welt erweisen! Chr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 T 1769. Mel. Es ift gewißlich an der Zeit. 183. ch komm' jetzt als ein armer Gast O Herr, zu deinem Tische, Den du für mich bereitet hast, Daß er mein Herz erfrische, Wenn mich der Seelenhunger 121 mattes Herz Nach frischem Wasser schreiet, So schreiet auch mein Seelenschmerz: Ach, laß mich sein befreiet Von meiner schweren Sündenpein Und schenk' den Lebenstrank mir ein, Dann bin ich be⸗ nedeiet. 6. Vor Allem aber wirk' in mir Ein' ungefärbte Reue, Daß ich vor sündlicher Be⸗ nagt, Wenn mich der Durst gier Mit ganzem Ernst mich des Geistes plagt, Bis ich den Schweiß abwische. 2. Nun sprichst du, Seelen⸗ bischof, dort: Ich bin das Brot zum Leben; Dies Brot treibt auch den Hunger fort, Den sonst nichts mag auf⸗ heben. Ich bin der Trank; wer glaubt an mich, Dem wird der Durst nicht ewig⸗ lich Im Herzen Qualen ge⸗ ben. 3. Drum führe mich, o treuer Hirt', Auf deine Seel melsauen, Bis meine Seel' erquicket wird, Wenn du sie lässest schauen Die Ströme deiner Gütigkeit, Die du für alle hast bereit't, So deiner Hut vertrauen. 4. Ich armes Schäflein suche dich Auf deiner grünen Weide; Dein Lebensmanna speise mich Zum Trost in allem Leide; Es tränke mich dein teures Blut, Auf daß mich ja kein falsches Gut Von deiner Liebe scheide. 5. Gleich wie des Hirsches scheue; Zieh mir den Rock des Glaubens an, Daß dein Ver⸗ dienst mich decken kann, Da⸗ mit mein Herz sich freue. 7. Entzünd' in mir der An⸗ dacht Brunst, Daß ich die Welt verlasse, Und deine Treue, Gnad' und Gunst In dieser Speise fasse, Daß durch dein Lieben Lieb' in mir Zu meinem Nächsten wachs' her⸗ für, Und ich fort niemand hasse. 8. Ach, führe mich nur selbst von mir, Bei mir ist nichts denn Sterben; Nimm aber mich, o Herr, zu dir! Bei dir ist kein Verderben. In mir ist lauter Höll' und Pein, In dir ist nichts, denn Seligsein Mit allen Himmels⸗ erben. 9. Erneu're mich, Herr, sei mein Stab, Mit deines Geistes Gaben; Laß mich der Sünde sagen ab, Die mich sonst pflegt zu laben; Regiere meinen losen Sinn, Daß er die Lüste 122 Vom heiligen Abendmahl. werfe hin, Die er pflegt lieb 4. Drum, o Herr Jesu, bitt' zu haben. ich dich, In meiner Schwach⸗ 10. So komm nun, o mein heit—— mich, Was unrein Seelenschatz, Dich kann ich ist, das mache rein Durch nimmer missen. Mein Herze deinen hellen Gnadenschein! giebt dir Raum und Platz 5. Erleuchte mein verfinstert Und will von keinem wissen, Renrz Zünd' an die helle Glau⸗ Als nur von dir, mein Bräu⸗ benskerz'; Mein' Armut in tigam! Dieweil du mich am Reichtum verkehr' Und mir des Kreuzesstamm Aus Not und Geistes Gaben mehr'! Tod gerissen. 6. Daß ich das rechte Him⸗ 11. O liebster Heiland, habe melsbrot, Dich, Jesu, wahrer Dank, Für deine Seligkeiten! Mensch und Gott, Mit höchster Ich fühl' der Sehnsucht heißen Ehrerbietung ess' Und deiner Drang Und warte auf die Liebe nicht vergeß. . In welchen du, o 7. Lösch' alle Laster aus in ebensfürst, Mich samt den mir, Mein Herz mit Lieb' Auserwählten wirst Zur Him⸗ und Glauben zier'; Und was melstafel leiten. sonst ist von Tugend mehr, Zust. Sieber, geb. 1028 t 1095. Das pflanz' in mir zu deiner Ehr'. Mel. O Jesu Christ, mein's 8. Gieb, was nütz ist für Obens Licht. Seel' und Leib; Was schad⸗ 184 O Jesu, du mein lich ist, fern von mir treib'; 2 Bräutigam, Der Komm in mein Herz, laß mich du aus Lieb am Hueh dele mit dir Vereinigt bleiben für Für mich den Tod gelitten und für! hast, Genommen weg der Sün⸗ 9. Hilf, daß durch deines den Last, Mahles Kraft Das Bös' in 2. Ich komm' zu deinem mir werd' abgeschafft, Erlassen Abendmahl, Verderbt durch alle Sündenschuld, Erlangt manchen Sündenfall; Ich bin des Vaters Lieb' und Huld. krank, unrein, nackt und bloß. 10. Vertreibe alle meine Blind, arm, ach, Herr, mich Feind', Die mir zu schaden nicht verstoß'! sind gemeint; Den guten Vor⸗ 3. Du bist der Arzt, du satz, den ich führ', Durch deinen bist das Licht, Du bist der Geist fest mach in mir! Herr, dem nichts gebricht,— 11. Mein Leben, Sitten, bist der Brunn' der Heilig⸗Sinn und Pflicht Nach dei⸗ keit, Du bist das rechte Hoch⸗nem heil'gen Willen richt'; zeitskleid. Ach, laß mich meine Tag' in Vom heiligen Ruh Und Friede bringen christlich zu! 12. Bis du mich, o du Le⸗ bensfürst, Einst in den ch mel nehmen wirst, Daß ich bei dir dort ewiglich, An dei⸗ ner Tafel freue mich. Joh. Heermann, geb. 1585 f 1647. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. 185 Jesu, meine * Wonne, Du meiner Seele Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich g'nugsam schätzen Dies himmlische Er⸗ b. Und diese teuren Ga⸗ en, Die uns gestärket haben. 3. Wie soll 5 g'nug dir danken, O Herr, daß du mich Kranken, Gespeiset und ge⸗ tränket, Ja, selbst dich mir geschenket! 4. Ich lobe dich von Her⸗ zen, Für alle deine Schmer⸗ en, Für deine Schläg' und unden, Die du für mich empfunden. 5. Dir dank' ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden; Dir dank' ich für dein Sehnen Und heißvergoß'ne Thränen. 6. Dir dank' ich für dein Lieben, Das standhaft ist ge⸗ blieben; Dir dank' ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. Abendmahl. 123 7. Jetzt schmecket mein Ge⸗ müte Dein' übergroße Güte; Dies teure Pfand der Gna⸗ den Tilgt allen meinen Scha⸗ den. 8. Herr, laß mich nicht vergessen, Daß du mir zu⸗ gemessen Die kräft'ge Himmels⸗ speise, Wofür ich dich jetzt preise. 9. Du wollest ja die Sünde, Die ich in mir noch finde, Aus meinem Fleische treiben Und kräftig in mir bleiben. 10. Nun bin ich losgezählet Von Sünden und vermählet Mit dir, mein liebstes Leben, Was kannst du Werter's ge⸗ benꝰ? 11. Hilf, Herr, daß meine Seele Nur dich zum Leit⸗ stern wähle; Laß mich stets mit Verlangen An deiner Liebe hangen! 12. Laß mich die Sünde meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt ab⸗ treten! 13. In meinem ganzen Le⸗ ben Laß mir vor Augen schweben, Wie selig ich be⸗ glücket, Ja himmlisch bin er⸗ quicket! 14. Nun kann ich nicht ver⸗ derben, Drauf will ich selig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen! Joh. Rist, geb. 1607 f 1667. I.. 12⁴4 Vom heiligen Abendmahl. Eigne Melodie. 186½ Schwück⸗ dich, o liebe Seele; Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen. Denn der Herr, voll Heil und Gna⸗ den, Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg' in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pfle⸗ zücken, Lässet sich in mir jetzt blicken. Das Geheimnis dieser Speise Und die unerforschte Weise Machet, daß ich frühe merke, Herr, die Größe deiner Stärke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, Der dein' Allmacht sollt' ergründen? 6. Nein, Vernunft, die muß hier weichen, Kann dies Wun⸗ der nicht erreichen, Daß dies gen, Deinem Bräutigam ent⸗ gegen, Der mit süßen Gna⸗ denworten Klopft an deines Herzens Pforten; Eile, sie ihm aufzuschließen, Wirf dich hin zu seinen Füßen, Sprich, o Herr, laß dich umfassen, Von dir will ich nimmer lassen. 3. Zwar beim Kaufe teurer Waren Pflegt man sonst kein Geld zu sparen; Aber du willst für die Gaben Deiner Huld kein Geld nicht haben, Weil in allen Bergwerksgründen Kein solch' Kleinod ist zu finden, Das die blutgefüllten Scha⸗ len Und dies Manna kann bezahlen. 4. Ach, wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte; Ach wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach dieser Kost zu sehnen! Ach wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebens⸗ fürsten: Wünsche stets, daß mein Gebeine, Sich durch Gott mit Gott vereine! 5. Beides, Zittern und Ent⸗ Brot nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut gegeben. O, der großen Heim⸗ lichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten! 7. Jesu, meines Lebens Sonne, Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall' ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich genießen Dieser deiner Himmelsspeise Mir zum Heil und dir zum Preise. 8. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel her⸗ getrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns gegeben Und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Dei⸗ ner Liebe zu gedenken. 9. Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens Oder mir vielleicht zum Schaden Sei zu deinem Vom heiligen Abendmahl. 125 Tisch geladen; Laß mich durch ben, Weil mich gespeiset hat, dies Seelenesfen Deine Liebe Der nimmer kann verderben, recht ermessen, Daß ich auch, Mein Trost, Schutz, Hülf' wie jetzt auf Erden, Mög' dein und Rat. Gast im Himmel werden. 4. Wie kann ich's aber fas⸗ Joh. Frank, geb. 1618 1 1677. sen, Herr Jesu, daß du mit 195 10 Mel. Nun lob' mein' Seel' den Herren. Begier Dich hast so tief ge⸗ lassen Vom Himmelssaal herab 187 Wier kabet Du. zu mir? Du Schöpfer aller gaalet, Owenn Dinge Besuchest deinen Knecht: ster Jesu, deinen Gast, Ja, mich Ach hilf, daß ich dir bringe so reich begabet, Daß ich jetzt Ein Herz Ein Herz, das fromm und fühle Freud' und Rast! Owun⸗ recht, Das gläubig dir ver⸗ dersame Speise, O süßer Le⸗ traue Düunt wich Miser Zeit benstrank, O Liebsmahl, das Ich ja dei ö ö ö Ich ja dein Antlitz schaue Dort ich preise Mit meinem Lob⸗in der Ewigkeit esang! Indem es hat erquicket 55 dein Leben, Herz und Mut; 5. Du bist's, der ewig blei⸗ Mein Geist, der hat erblicket bet, Ich aber bin dem Rauche Das allerhöchste Gut. gleich, Den bald ein Wind 2. Bei dir hab' ich gegessen vertreibet; Herr, ich bin arm Die Speise der Unsterblichteit; und du bist reich. Du bist Du hast mir vollgemessen Den sehr groß von Güte, Kein Un⸗ edlen Kelch, der mich erfreut. vecht gilt bei dir Ich sündhaft Ach Gott, du hast erzeiget von Gemüte Und fehle für Mir Armen solche Gunst, Daß und für; Und doch kommst du billig jetzt sich neiget Mein hernieder Zu mir, dem Sün⸗ Herz vor Liebesbrunst. Du denmann. Was geb' ich dir hast mich lassen schmecken Das doch wieder, Das dir gefallen köstlich' Himmelsbrot; Hinfort kann? kann mich nicht schrecken Welt. 6. Ein Herz, durch Reu Teufel, Sünd' und Tod. zerschlagen, Ein Herz, das 3. So lang' ich leb' auf Erden, ganz zerknirschet ist, Das, weiß Preis' ich dich, liebster Jesu, ich, wird behagen, Mein Hei⸗ wohl, Daß du mich lässest wer⸗land, dir zu jeder Frist; Du den Von dir und durch dich wirst es nicht verachten, Wo⸗ satt und voll. Du hast mich fern ich emsig bin, Nach dei⸗ selbst getränket Mit deinem ner Gunst zu trachten: Nimm teuren Blut Und dich zu mir doch in Gnaden hin Das gelenket, Ounvergleichlich' Gut! Opfer meiner Zungen; Denn Nun werd' ich ja nicht ster⸗ billig wird jetzund Dein teurer EEE Ruhm besungen, Herr Gott, durch meinen Mund. 7. Hilf ja, daß dies Genie⸗ ßen Des edlen Schatzes schaff' in mir Ein unaufhörlich' Bü⸗ ßen, Daß ich mich wende stets u dir, Laß mich hinfort ver⸗ spüren Kein' and're Lieblichkeit, Als welche pflegt zu rühren Von dir zu dieser Zeit; Laß mich ja nichts begehren Als deine Lieb' und Gunst, Denn niemand kann entbehren Hier deiner Liebe Brunst. 126 Vom heiligen Abendmahl.— Buß⸗Lieder. 8. Wohl mir, ich bin ver⸗ sehen Mit Himmelsspeis' und Himmelstrank; Nun will ich rüstig stehen, Zu singen dir Lob, Ehr' und Dank. Hinweg, du Weltgetümmel, Du bist ein eitler Tand; Ich seufze nach dem Himmel, Dem 1ech ten Vaterland. Hinweg, dort werd' ich leben Ohn' Unglück und Verdruß; Mein Gott, du wirst mir geben Des Se⸗ gens Ueberfluß. Joh. Rist, geb. 1607 1 1667 2 XVIII. Buß⸗Lieder. Eigne Melodie. 188. AWee gruh und schwer Sind mein' begang'ne Sünden; Da ist niemand, Der helfen kann, In dieser Welt zu finden. 2. Lief' ich gleich weit Zu dieser Zeit Bis an der Welt ihr Ende, Und wollt' los sein Des Elends mein, Würd' ich's doch so nicht wenden. 3. Zu dir flieh' ich: Verstoß' mich nicht, Wie ich's wohl hab' verdienet! Ach gehe nicht, Gott in's Gericht, Dein Sohn hat mich versühnet. 4. Soll's ja so sein, Daß Straf' und Pein Auf Sünde olgen müssen: So fahr' hie ort Und schone dort, Und laß mich hier wohl büßen. 5. Gieb, Herr, Geduld, Ver⸗ giß der Schuld, Schaff' ein gehorsam' Herze, Daß ich ja nicht, Wie's oft geschicht. Mein Heil murrend verscherze. 6. Handle mit mir, Wie's dünket dir, Durch dein' Gnad' will ich's leiden, Laß mich nur nicht Dort ewiglich Von dir sein abgeschieden! M. Rutilius, geb. 1550 4 1618. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 189 A, mein Jesu, * welch Verder⸗ ben Wohnet doch in meiner Brust! Denn mit andern Adamserben Bin ich voller Sündenlust. Ach, ich muß dir nur bekennen: Ich bin Fleisch vom Fleisch zu nennen. 2. Wie verkehrt sind meine Wege, Wie verderbt mein al⸗ ter Sinn! Der ich zu dem Guten träge, Aber schnell zum Bösen bin. Ach, wer wird Buß⸗Lieder. mich von den Ketten Dieses Sündentodes retten? 3. Hilf mir durch den Geist der Gnaden Aus der angeerb⸗ ten Not! Heile meinen See⸗— lenschaden Durch dein Blut und Kreuzestod: Schlage du die Sündenglieder Meines alten Adams nieder! 4. Ich bin unten von der Erden, Stecke in dem Sün⸗ dengrab'; Soll ich wieder le⸗ bend werden, So mußt du von oben ab Mich durch dei⸗ nen Geist gebären Und mir neue Kraft gewähren. 5. Schaff' in mir ein reines Herze, Einen neuen Geist gieb mir, Daß ich ja nicht länger scherze Mit der Sünden Lust⸗ begier, Laß mich ihre Tück' bald merken, Mich im Geist' dagegen stärken. 6. Lehr' mich wachen, beten, ringen Und mein böses Fleisch und Blut Unter's Joch des Geistes zwingen, Weil es doch thut nimmer gut. Was nicht kann dein Reich ererben, Laß in deinem Tod ersterben! 7. Reize mich durch jene Krone, Die mir droben bei⸗ gelegt, Daß ich meiner nie⸗ mals schone, Wenn und wo ein Feind sich regt, Sondern hilf mir tapfer kämpfen, Teu⸗ fel, Welt und Fleisch zu dämpfen. 8. Sollt' ich etwa unter⸗ liegen, O, so hilf mir wieder auf, Und in deiner Kraft ob⸗ 127 siegen, Daß ich meinen Le⸗ benslauf Unter deinen Sieges⸗ händen Möge ritterlich voll⸗ enden. L. A. Gotter, geb. 1661 1 1735. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 190 Ab,/ was sind wir * ohne Jesum? Dürftig, jämmerlich und arm. Ach, was sind wir? Voller Elend; Ach, Herr Jesu, dich erbarm'; Laß dich unsre Not bewegen, Die wir dir vor Augen legen! 2. Wir sind nichts ohn' dich, Herr Jesu; Hier ist lauter Finsternis; Dazu quälet uns gar heftig Der vergif te Schlan⸗ genbiß. Dieses Gift steigt zu dem Herzen Und verursacht stete Schmerzen. 3. Ach ohn' dich, getreuer Jesu, Schreckt der Teufel und die Höll'; Die Verdammnis macht mich zittern, Da ich steh' auf dieser Stell'; Mein Gewissen ist erwachet, Und der Abgrund flammt und krachet. 4. Ohne dich, herzliebster Jesu, Kommt man nicht durch diese Welt; Denn sie hat auf allen Ateut⸗ Unser'n Füßen Netz gestellt; Sie kann trotzen und kann heucheln Und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 5. Ach, wie kraftlos, Her⸗ zensjesu, Richten sich die Kranken auf, Uns're Macht ist lauter Ohnmacht In dem mü⸗ 128 Buß⸗Lieder. den Lebenslauf, Denn man sieht uns, da wir wallen, Oftmals straucheln, oftmals fallen. 6. Darum stärk' uns, liebster Jesu, Sei in Finsternis das Licht; Oeff'ne unsre Herzens⸗ augen, Zeig' dein freundlich' Angesicht; Strahl', o Sonn', mit Lebensblicken, So wird sich das Herz erquicken. 7. Tritt den Satan, starker Jesu, Unter unsern schwachen Fuß, Komm zu deiner Braut egangen, Biet' ihr deinen Fiedensprns, Daß sie Him⸗ melsfreud' verspüre, Und kein Leid sie mehr berühre. 8. Faß uns an, o süßer Jesu, Führ' uns auf der Pil⸗ gerstraß, Daß wir auf den rechten Wegen Gehen fort ohn' Unterlaß; Laß uns mei⸗ den alle Stricke Und nicht wieder sehn zurücke! 9. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unser'm Geiste Kraft, Daß wir brün⸗ stig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft. Ach Herr, mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. 10. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, Schallen aus des Herzens Grund', Dann wird alles jubilieren, Und dir singen Herz und Mund. Dann wird auf der gan⸗ zen Erden Jesus hochgelobet werden. Peter Lackmann, 4 1718. Eigne Melodie. 191 A* was soll ich * Sünder machen? Ach, was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an, Es beginnet aufzuwachen; Dies ist meine Zuversicht: Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Zwar es haben meine Sünden Meinen Jesum oft betrübt; Doch weiß ich, daß er mich liebt, Denn er läßt sich gnädig finden; Drum, ob mich mein Sünd' anficht: Mei⸗ nen Jesum laß ich nicht. 3. Ob gleich schweres Kreuz und Leiden, So bei Christen oft entsteht, Mir sehr hart entgegen geht, Soll mich's doch von ihm nicht scheiden, Auf ihn ist meinHerz gericht't: Mei⸗ nen Jesum laß ich nicht 4. Ich weiß wohl, daß un⸗ ser Leben Nichts, als nur ein Nebel ist, Denn wir hier zu jeder Frist Mit dem Tode sind umgeben; Und wer weiß, was heut geschicht: Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Sterb' ich bald, dann Ruh ich habe Vor der Welt Beschwerlichkeit, Ruhe bis zur vollen Freud', Und weiß, daß im finstern Grabe Jesus ist mein helles Licht: Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Durch ihn will ich wie⸗ der leben, Denn er wird zur rechten Zeit Wecken mich zur Seligkeit, Die er mir wird gnädig geben, Wenn ich gleich Buß⸗Lieder. komm' vor's Gericht: Meinen Jesum laß ich nicht. 7. Jesus soll mein Jesus bleiben, Bis ich werde wan⸗ dern fort Zu des Himmels Freudenpfort', Er wird mich ihm einverleiben, Nehmen in sein Freudenlicht: Meinen Jesum laß ich nicht. Johann Flitiner, geb. 1618 4 1678. Eigne Melodie. 192.8 llein zu dir, Herr JesucChrist, Mein' Hoffnung steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkor'n, Auf Erden war kein Mensch gebor'n, Der mir aus Nöten helfen kann. Ich ruf' dich an, Du bist allein der rechte Mann. 2. Mein' Sünd' ist schwer und übergroß Und reuet mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch dei⸗ nen Tod und Schmerzen; Und zeig' mich deinem Vater an, Daß du hast ginug für mich gethan, So werd' ich los der Sünden Last; Herr halt mir fest, Wes du dich mir versprochen hast. 3. Gieb mir durch dein' Barmherzigkeit Den wahren Christenglauben, Auf daß ich deine Süßigkeit Mög' innig⸗ lich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich, Und mei⸗ nen Nächsten gleich als mich. 129 Am letzten End' dein' Hülf' mir send', Damit behend Des Teufels List sich von mir wend'. 4. Ehr' sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Jesu Christ, sein'm liebsten Sohn, Der uns allzeit behüte, Und Gott dem werten heil'gen Geist, Der uns sein' Hülfe allzeit leist', Damit wir ihm gefällig sein, Hier in der Zeit Und folgend in der Ewigkeit. Johann Schnesing, 1 1567. Eigene Melodie. 193 M dir, Herr Gott, erhör' mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig' her zu mir, Halt meiner Bitt' es offen; Denn so du willst das sehen an, Was Sünd' und Unrecht ist gethan: Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad' und Gunst, Die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben; Vor dir niemand sich rühmen kann; Des muß dich fürchten jeder⸗ mann Und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn will ich verlassen mich Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein wertes Wort: Das ist 9 130 Buß⸗Lieder. mein Trost und treuer Hort, 3. Hier muß ich auch im Des will ich allzeit harren. Thränenhaus Vor großerAngst 4. Und ob es währt bis in oft weinen, Der Welt aus⸗ die Nacht Und wieder an den halten manchen Strauß! Sie Morgen; Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thu Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward, Und seines Gottes harre. 5. Ob bei uns ist der Sün⸗ den viel, Bei Gott ist viel⸗ mehr Gnade; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen. Martin Luther, geb. 1483 1546. Mel. Allein zu dir, Herr Jesu Christ. 194 Du weinest vor Je⸗ rusalem, Herr Jesu, heiße Zähren, Bezeugst, es sei dir angenehm, Wenn Sünder sich bekehren; Wenn ich vor dir mit Buß' erschein', Und über meine Sünden wein', So tilgest du aus lauternad' Die Missethat, So mich bis⸗ her gequälet hat. 2. Wenn deines Vaters Zorn entbrennt Von wegen meiner Sünde, Zu deinen Thränen ich mich wend', Da ich Er⸗ guickung finde. Vor Gott sind sie so hoch geschätzt, Wer damit seine Sünde netzt, Den blickt Gott an mit Gütigkeit Zu jeder Zeit Und sein be⸗ trübtes Herz erfreut. martert stets die Deinen. Auf allen Seiten, wo sie kann, Fängt sie mit mir zu hadern an. Dies tröstet mich zu aller Frist, Herr Jesu Christ, In Not du auch gewesen bist. 4. Du zählest alle Thränen mein: Ich weiß, sie sind ge— zählet; Und ob sie nicht zu zählen sein, Dennoch dir keine fehlet; So oft vor dir sie regen sich, So oft sie auch bewegen dich, Daß du dich mein erbarmen mußt, Dir ist bewußt Mein Kreuz, drum hilfst du mir mit Lust. 5. Wer jetzund säet Thränen aus, Hält in Geduld Gott stille, Wird fröhlich sein in deinem Haus, Da Freude ist die Fülle; Ja solche Freude, die kein Mann Mit seiner Zung' aussprechen kann, Und die da bleibt in Ewigkeit; Mein Kreuz und Leid Wird werden dort zu lauter Freud' 6. Für diese Thränen dank'! ich dir, Daß du die Freuden— krone, Herr Christ, dadurch erworben mir Bei dir in's Himmels Throne. Wann du mich holen wirst hinauf Zu deiner Auserwählten Hauf' Dann will ich recht lobsingen dir, O höchste Zier, Für deine Thränen für und für. Joh. Heermann, geb. 1585 F+ 1643 Buß⸗Lieder. Eigne Melodie. 195 H''s ich habe miß⸗ 29. B gehandelt, Ja mich drückt der Sünden Last; Ich bin nicht den Weg ge⸗ wandelt, Den du mir gezeiget hast; Und jetzt wollt' ich gern aus Schrecken Mich vor dei⸗ nem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt' ich dir entfliehen, Du wirst allent⸗ halben sein. Wollt' ich über See gleich ziehen, Stieg' ich in die Gruft hinein, Hätt' ich Flügel gleich den Winden; Gleichwohl würdest du mich finden. 3. Drum ich muß es nur bekennen, Herr, ich habe miß⸗ Hiud m Darf mich nicht dein ind mehr nennen; Ach, nimm mich zu Gnaden an! Laß die Menge meiner Sünden Dei⸗ nen Zorn nicht gar entzünden. 4. Könnt' ein Mensch den Sand gleich zählen An dem weiten großen Meer; Dennoch würd' es ihm wohl fehlen, Daß er meiner Sünden Heer, Daß er alle mein Gebrechen Sollte wissen auszusprechen. 5. Wein' ach wein' jetzt um die Wette, Meiner beiden Augen Bach! O, daß ich g'nug Zähren hätte, Zu be⸗ trauern meine Schmach! O daß aus dem Thränenbronnen Käm' ein starker Strom ge⸗ ronnen. 6. Dir will ich die Last aufbinden. 131 tiefste See; Wasche mich von meinen Sünden, Mache mich so weiß wie Schnee; Lasse deinen Geist mich treiben, Lamsig stets bei dir zu blei⸗ ben! Joh. Frank, geb. 1618 4+ 1677. Mel. Aus tiefer Not schrei ich. 196. err Jesu Christ, 7 du höchstes Gut, Du Brunnquell aller Gna⸗ den:— Sieh doch, wie ich in meinem Mut Mit Schmer⸗ zen bin beladen Und in mu hab' der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder drücken. 2. Erbarm' dich mein in solcher Last, Nimm sie von meinem Herzen; Dieweil du sie gebüßet hast Am Kreuz mit Todesschmerzen, Auf daß ich nicht vor großem Weh In meinen Sünden untergeh', Und ewiglich verderbe. 3. Fürwahr, wenn mir das kommet ein, Was ich mein' Tag' begangen; So fällt mir auf das Herz ein Stein, Und bin mit Furcht umfangen Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte stracks ver⸗ loren sein, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Allein dein heilsam Wort, das macht Mit seinem süßen Singen, Daß mir das Herze wieder lacht Und schon be⸗— ginnt zu springen; Dieweil Wirf sie in die es alle Gnad' verheißt Uns, 9² 132 wenn wir mit zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, kommen. 5. So komme denn auch ich allhie In meiner Not ge⸗ schritten Und thu' dich mit ge⸗ beugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Vergieb es mir doch gnädiglich, Was ich mein' Lebtag' wider dich Auf Erden hab' begangen. 6. Vergieb mir doch, o Herre mein, Um deines Na⸗ mens willen Und thu in mir die schwere Pein Der Ueber⸗ 8er stillen, Daß ich mein z zufrieden geb' Und dir hinsort zu Ehren leb' Mit kindlichem Gehorsam. 7. Stärk mich mit deinem Freudengeist, Heil' mich durch deine Wunden, Wasch' mich von Sünden rein und weiß In meiner letzten Stunden: a führ' mich einst, wenn dir's gefällt, Im wahren Glau⸗ — aus der Welt Zu deinen Auserwählten. Barthol. Ringwald, geb. 1580 ½ 1598. Mel. Wer nur den lieben Gott. 197 Ich armer Mens sch, 0. ich armer Sün⸗ der Steh' hier vor Gottes An⸗ gesicht: Ach Gott, ach Gott, verfahr' gelinder Und geh nicht mit mir ins Gericht. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 2. Wie ist mir doch so herz⸗ lich bange X Von Werd meiner großen Sünd'. Hilf, daß ich Buß⸗Lieder. wieder Gnad' erlange, Ich armes und verlor'nes Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Hör', ach erhör' mein Seufzen, Schreien, Du aller⸗ liebstes Vaterherz; Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meines Herzens Schmerz, Erbarme dich, er⸗ barme dich, Gott, mein Er⸗ barmer, über mich! 4. Wie lang' soll ich ver⸗ geblich klagen? Hörst du denn nicht? Hörst du denn nicht? Wie kannst du das Geschrei vertragen Hör', was der arme Sünder spricht: Er⸗ barme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über michi 5. Wahr ist es: der Schade, Den heilet, als nur du. ich, Herr: übel steht niemand Doch baf, ach Gnade, Gnade! Ich lasse dir nicht eher Ruh. Erbarme dich, Gott, 0130 erbarme dich, mein Erbarmer, über 6. Nicht wie ich hab' ver⸗ schuldet, lohne, Und handle nicht nach meiner Sünd'. O treuer Vater, schone, schone, Erkenn' mich wieder für dein Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 7. Sprich nur ein Wort so werd' ich leben; Sprich, daß der arme Sünder hör': Buß⸗Lieder. Geh hin, die Sünd' ist dir vergeben, Nur sündige hin⸗ fort nicht mehr. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 8. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhört bin ich, ich sag' es frei. Weil sich der Trost im Herzen mehret, Drum will ich enden mein Geschrei: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Christoph Titius, geb. 1641 1 1703. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 133 Laß über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den Reichtum deiner Gnaden. Mein Leben dank' ich deiner Hand, Die hat mich reich beladen Mit Ruh, Gesundheit, Ehr! und Brot; Du machst, Daß mir noch keine Not Bis hieher konnte schaden. 5. Hast auch in Christo mich erwählt Tief aus der Hölle Fluten, So daß es niemals mir gefehlt An irgend einem Guten; Und daß ich ja dein eigen sei, Hast du mich auch aus großer Treu Gestäupt 0ꝰ ch will von meiner 198. 0 Missethat Zum mit Vaterruten. Herren mich bekehren. Du 6. Wer giebt den Kindern, wollest selbst mir Hülf' und was du mir Gegeben zu ge⸗ Rat Hierzu, o Gott, bescheren, Und deines guten Geistes Kraft, Der neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir ge⸗ währen. 2. Natürlich kann ein Mensch doch nicht Sein Elend selbst empfinden; Er ist ohn' deines Wortes Licht Blind, taub und tot in Sünden. Verkehrt ist Will', Verstand und Thun; Des großen Jammers komm mich nun, O Vater, zu ent⸗ binden. 3. Klopf' durch Erkenntnis bei mir an, Und führ' mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan. Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer“ nießen? Schenk' aber ich Ge⸗ horsam dir? Das zeuget mein Gewissen, Mein Herz, in welchem nichts gesund, Das tausend Sünden haben wund Bis auf den Tod zerrissen. 7. Die Thorheit meiner jungen Jahr' Und alle schnö⸗ den Sachen Verklagen mich zu offenbar; Was soll ich Armer machen? Sie stellen, Herr, mir vors Gesicht Dein unerträglich' Zorngericht, Der Hölle off'nen Rachen. 8. Ach, meine Gräuel all⸗ zumal Schäm' ich mich zu be⸗ kennen; Es ist ihrꝰ weder Maß noch Zahl, Ich weiß sie nicht zu nennen, Und ist ihr' keiner doch so klein, Um welches IJ...EEeTell‚.. 134 Buß⸗Lieder. Willen nicht allein Ich ewig 105 brennen. Bisher hab' ich in Sicher⸗ heit Ganz Ambesorgt geschlafen, Gesagt, es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu stra⸗ fen; Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge fort, es hat Geduld Der Hirt mit seinen 16610 10. Dies alles jetzt zugleich erwacht, Mein Herz will mir zerspringen; Ich sehe deines Donners Mach„Dein Feuer auf mich dringen; Du regest wider mich zugleich Des Todes und der Hölle Reich, Die wollen mich verschlingen. 11. Die mich verfolgt, die große Not Fährt schnell ohn Zaum und Zügel; Wo flieh' ich hin? du Morgenrot, Er⸗ teil' mir deine Flügel. Ver⸗ berge mich, du fernes Meer; Bedecket mich, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Berg' und Hügel! 12. Ach, all's umsonst, und könnt' ich gleich Bis in den Himmel steigen, Und wieder in der Hölle Reich Mich zu verbergen neigen: So würde mich doch deine Hand Da finden und von meiner Schand' Und großer Sünde zeugen. 13. Herr Jesu, nimm mich zu dir ein, Ich flieh' in deine Wunden, Die du, o Heiland, wegen mein Am Kreuze hast empfunden, Als unser aller Sündenmüh' Dir o du Got⸗ teslamm, ward hie Zu tragen aufgebunden 14. Wasch' mich durch dei⸗ nen Todesschweiß Und durch dein bittres Leiden, Und laß mich sauber sein und weiß Durch deiner Unschuld Leiden; Von wegen deiner Kreuzeslast Erquick', was du zermalmet hast. Mit deines Trostes Freuden. 15. So angethan, will ich mich hin Vor deinen Vater machen; Ich weiß, er lenket seinen Sinn und schaffet Rat mir Schwachen; Er weiß, was Fleischesluft und Welt Und Satan uns für Netze stellt, Die uns zu, stürzen wachen. 16. Wie werd' ich mich mein Leben lang Vor solcher Plage scheuen Durch deines guten Geistes Zwang, Den du mir wollst verleihen, Daß er von aller Sündenlist Und dem, was dir zuwider ist Helf' ewig mich befreien. Louise Henriette, Kurfü ürstin von Branden⸗ burg, geb. 1627 1 1667. Mel. Jesus meine Zuversicht. 199. 9. nimmt die Sünder an, Sa⸗ get doch dies Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir wert, Doch hat er in seinem Worte Eidlich sich dazu er⸗— Buß⸗ klärt; Sehet nur, die Gnaden⸗ pforte Ist hier völlig aufge⸗ than: Jesus nimmt die Sün⸗ der an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sün⸗ der! Jesus rufet euch und er Macht aus Sündern Gottes Kinder; Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier ö Lieder. 135 gethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann Jesus nimmt die Sünder an. Erdm. Neumeister, geb. 1671 + 1756. Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 200 OIhr armen Sün⸗ 5 der, kommt zu Hauf', Kommt eilig, kommt und macht euch auf, Mühselig und beladen; Hier öffnet sich das Jesusherz Für alle, die in Reu' und Schmerz Erkennen ihren Schaden. 2. Es heißt: Er nimmt die Sünder an! Drum komm, dein Und bekenne meine Sünden! Jesus will und kann Dich ret⸗ Laß, mein Heiland, mich beisten und umarmen; Komm; dir Gnade und Vergebung weinend, komm in wahrer Buß' finden, Daß dies Wort mich Und fall' im Glauben ihm zu trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. ö 6. Ich bin ganz getrosten Muts; Ob die Sünden blut⸗ rot wären, Müssen sie kraft deines Bluts Sich doch in schneeweiß verkehren, Da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Mein Gewissen quält mich nicht, Moses darf mich nicht verklagen. Der mich frei und ledig spricht, Hat die Schulden abgetragen, Daß mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 8. Jesus nimmt die Sünder duud Er wird sich dein er⸗ barmen. 3. Ein Hirt verläßt sein Schäflein nicht, Dem's in der Irr' an Hülf' gebricht, Er sucht es mit Verlangen; Er lässet neunundneunzig stehn Und sie gar in der Wüste gehn, Das eine zu umfangen. 4. Es sucht der liebste Je⸗ sus Christ Das Schäflein, das verloren ist, Bis daß er's hat gefunden. So laß dich finden, liebe Seel', Und flieh' in Jesu Wundenhöhl', Noch sind die Gnadenstunden. 5. O Jesu, deine Lieb' ist an: Er hat mich auch ange-groß; Ich komm' mühselig, nommen Uind den Himmel auf-nackt und bloß; Ach laß mich ————333333——3 136 Buß⸗ Gnade finden. Ich bin ein Schaf, das sich verirrt, Ach nimm mich auf, weil ich ver⸗ wirrt Im Stric und Netz der Sünden. 6. Ach wehe mir, daß ich von dir Gewichen bin zum Abgrund schier, Ach laß mich wiederkehren Zu deiner Hürde, nimm mich an Und mach mich frei vom Fluch und Bann, Dies ist mein Herzbegehren. 7. Laß mich dein Schäflein ewig sein, Und du mein treuer Hirt allein Im Leben und im Sterben; Laß mich vom eiteln Weltgesind' Ausgehn und mich als Gotteskind Um dich, mein Schatz, bewerben. 8. Ich will von nun an sagen ab Der Sündenlust bis in mein Grab Und in dem neuen Leben In wahrhafter Gerechtigkeit Dir dienen noch die kurze Zeit, Die mir zum Heil gegeben. Laurentius Laurenti, geb. 1680 4 1722. Mel. An Wasserflüssen Babylon. * König, dessen 201. O Majestät Weit über alles steiget, Dem Erd' und Meer zu Diensten steht, Vor dem die Welt sich neiget, Der Himmel ist dein helles Kleid, Du bist voll Macht und Herrlichkeit, Sehr groß und wunderthätig; Ich armer Mensch vermag nichts mehr, Als daß ich ruf' zu deiner Lieder. Ehr': Gott, sei mir Sünder gnädig. 2. Hier steh Zöllner that, ich, wie der Beschämet und Hnn ferne, Ich suche deine Hülf' und Gnad', O Herr, von 15n gerne. Doch weil ich voller Fehler bin, Und Sünde meinen ganzen Sinn Zum Guten macht unthätig, So schlag' ich nieder mein Gesicht Vor dir, du reines Himmelslicht! Gott, sei mir Sünder gnädig. 3. Die Schulden, der'r ich mir bewußt, Durchäng sten mein Gewissen; Drum schl ag' ich reuig an die Brust Und will von Herzen büßen. Ich bin, o Vater, ja nicht wert, Daß ich noch wandle auf der Erd'; Doch weil du winkst, so bet ich Mit ganz zerknirschtem, bangem Geist, Der gleichwohl dich noch Abba heißt: Gott, sei mir Sünder gnädig. 4. Mein Vater, schaue Je⸗ sum an, Den Gnadenthron der Sünder, Der für die Welt genug gethan, Durch den wir Gottes Kinder Im gläubigen Vertrauen sind, Der ist's, bei dem ich Ruhe find', Sein Herz ist ja gutthätig. Ich fasse ihn und laß ihn nicht, Bis Gottes Herz mitleidig bricht: Gott sei mir Sünder gnädig. 5. Regiere doch mein Herz und Sinn In diesem ganzen Leben; Du bist mein Gott, und was ich bin, Bleibt ewig Buß⸗Lieder. dir ergeben. Ach, heilige mich ganz und gar, Laß meinen Glauben immerdar Sein durch die Liebe thätig; Und will es nicht fort, wie es soll, So ruf' ich, wie mein Herz ist voll: Gott, sei mir Sünder gnädig. 6. Mein Leben und mein Sterben ruht Allein auf dei⸗ ner Gnade; Mir geh' es gleich bös' oder gut, Gieb nur, daß es nicht schade. Kommt dann das letzte Stündlein an, So sei mir auf der Todesbahn, Mein Jesu, selbst beirätig; Und wenn ich nicht mehr sprechen kann, So nimm den letzten Seufzer an: Gott, sei mir Sünder gnädig. Val. Ernst Loescher, geb. 1673 1 1749. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt 5 walten. 202. W demen Zisen Ach Herr, von großer Güt' und Treu', Und fühlen leider im Gewissen, Wie sehr dein Zorn entbrennet sei. Das Maß der Sünden ist erfüllt, Ach weh' uns, wenn du stra⸗ fen will't. 2. Du bist gerecht, wir lau⸗ 137 3. Doch, Vater, denk' an deinen Namen, Gedenk' an deinen lieben Sohn. Dein Wort heißt immer Ja und Amen; Dein Eidschwur zeuget selbst davon: Du willst der Sünder Tod ja nicht. Ach, geh nicht mit uns ins Gerichtl 4. Wir liegen vor dir in dem Staube, Und unser Herz ist ganz zerknirscht; Nur tröstet uns allein der Glaube, Daß du dich noch erbarmen wirst. Ach, hast du noch ein Vater⸗ herz, So siehe doch auf unsern Schmerz! 5. Der Mittler steht ja in der Mitten; Wir reißen seine Wunden auf. Der hat für unsre Schuld gelitten Und leistet dir die Zahlung drauf. Verbirgst du deinen Gnaden⸗ schein, So muß sein Blut verloren sein. 6. Ach Blut, ach Blut von deinem Sohne Schrei für uns um Barmherzigkeit. Schau' doch von deinem Gnaden⸗ throne Und denke noch der alten Zeit, Da du auch Gnade hast erzeigt Und dein erzürn⸗ tes Herz gebeugt! 7. Ach laß die wohlverdiente ter Sünder; Wie wollen wir Strafe Nicht über unsre Häup⸗ vor dir bestehn! Wir sind die ter gehn, Daß wir nicht, als ungerat nen Kinder, Die nur verlor'ne Schafe Von deiner auf Höllenwegen gehn. Kein Hut verlassen stehn! Ach Wunder, wenn uns Pest und sammle uns in deinen Schoß Schwert Und Hunger läng⸗Und mach uns aller Plagen stens aufgezehrt. los! 22222... ———————333 138 8. Steck' ein das Schwert, das uns will fressen, Den Würger laß vorüber gehn! Gieb deinen Kindern Brot zu essen, Laß keine solche Zeit entstehn, Daß man dein Wort uns teuer macht Und unser Herz dabei verschmacht't! 9. Gieb Fried' im Land' und im Gewissen, Gesunde Luft, wohlfeile Zeit, Laß Lieb' und Treu' sich stetig küssen Und fördere die Gerechtigkeit! Krön' unser Feld mit deinem Gut, Nimm Kirch' und Haus in deine Hut! 10. So wollen ein:„Der Herr soll mein Gott ewig sein.“ Benj. Schmolck, geb. 1672 4 1787. Buß⸗Lieder. dich durch den bitter'n Tod Und heilige fünf Wunden rot, 4. Dein's lieben Sohnes Jesu Christ, Der mir zu gut Mensch worden ist: Laß dein' Gnad' und Barmherzigkeit Mehr gelten, denn Gerech⸗ tigkeit. 5. Verschon', o Herr; laß deine Huld Zudecken alle meine Schuld: So werd' ich arm' verlor'nes Kind Los und ledig all' meiner Sünd'. 6. Ich will, o Herr, nach deinem Wort Mich bes— sern, leben fromm hinfort, wir dir Damit ich mög' nach dieser Opfer bringen Und deine sein ö mit Leib und Seel'. Es soll dein Lob gen Himmel drin⸗ gen, Und dein erlöstes Israel Stimmt in die Lieder Zions Zeit Gelangen zu der Se— ligkeit. Berlin 1648. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir 204 H. Vater der „Barmherzigkeit, Ich falle dir zu Fuße; Ver⸗ toß' den nicht, der zu dir Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. schreit Und thut noch endlich NNV frommer und Buße; Was ich begangen wi⸗ 203. O getreuer Gott, der dich, Verzeih' mir alles Ich hab' gebrochen dein Ge⸗ bot Und sehr gesündigt wider dich. Das ist mir leid und reuet mich. gnädiglich Durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir, 2. Weil aber du, o gnäd'ger was mich quälet; Durch deine Gott, Nicht hast Gefall'n an meinem Tod, Und ist dein herzliches Begehr', Daß ich mich wieder zu dir kehr') Vater fromm, Ich armer Sün⸗ der zu dir komm' Und bitt' Weisheit schaffe Rat, Worin es mir sonst fehlet; Gieb Wil⸗ len, Mittel, Kraft und Stärk', Daß ich mit dir all' meine 3. Auf dies Wort, lieber Werk Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast Am Kreuze für mich Buß⸗Lieder. Armen Getragen aller Sünden Last, Wollst meiner dich er⸗ barmen! O wahrer Gott, o Davids Sohn, Erbarm' dich mein und mein' verschon', Sieh an mein kläglich' Rufen. 4. Laß deiner Wunden teu⸗ res Blut, Dein' Todespein und Sterben Mir kommen kräftig⸗ lich zu gut, Daß ich nicht muß verderben. Bitt' du den Vater, daß er mir Im Zorn nicht lohne nach Gebühr, Wie ich es hab' verschuldet. 5. O heil'ger Geist, du wah⸗ res Licht, Regierer der Ge⸗ danken, Wenn mich die Sün⸗ denlust anficht, Laß mich von dir nicht wanken; Verleih', dein Kind so sehr, daß nun und nimmermehr es Begier nach Reichtum oder Ehr' In meinem herrsche. 6. Und wenn mein lein kommen ist, So hilf treulich kämpfen, Daß ich des Satans Trutz und List Durch Christi Sieg mag dämpfen; Auf daß mir Krankheit, Angst und Not Und dann der letzte mich; Ti der Tod, Nur sei die hür zum Leben. Herzen nicht von mir; 139 noch thut ohne Scheu, Ach, mache, daß es wieder sei, Wie du es hast erschaffen. 2. Gieb mir auch einen neuen Geist, Der, wie du, sei gesinnet; Der stets dir an⸗ hang' allermeist Und, was du willst, beginnet. Gieb, daß er hasse Fleisch und Blut, Den Glauben üb' und sanften Mut, Zucht, Demut, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem An⸗ gesicht, Ob ich es gleich ver⸗ dienet, Mich, allerliebster Va⸗ ter, nicht, Weil Jesus mich versühnet: O treuer Gott, laß nimmermehr, Mich fallen als Daß du von dir würfest. 4. Den heil' gen Geist nimm Den bösen Geist vertreibe, Daß er mich Stünd⸗ nicht entreiße dir, Und ich stets mir dein verbleibe; Beherrsche du Herz, Sinn und Mut Durch deinen Geist, so ist es gut Im Leben und im Sterben. 5. Mit deiner Hülfe tröste Hilf und vergieb die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von Dannover 1646. ihr finden Und dein Verdienst, Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. chaff' in mir, 205. S Gott, ein rei⸗ nes Herz; Mein Herz ist ganz verderbet; Es fühlt von Sün⸗ den großen Schmerz, Die ihm sind angeerbet, Und die es Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Leben ist, Trotz Sünde, Tod und Teufel! 6. Dein freud'ger Geist er⸗ halt' mich doch Mit seinem Freu⸗ denöle, Damit nicht der Ver⸗ zweiflung Joch Verderbe meine Seele. Sei meine Freude du —.———3 8————— 140⁰ allein; Ach, laß mich deine Freude sein Und führe mich zur Freude. Ludämilie Elisabeth, Gräfin zu Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, geb. 1640 + 1672. Eigne Melodie. * 2 ieh, hier bin ich, 206. S Ehre Wbwih, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich' Sehnen Bring' ich dir, du Menschensohn! Laß dich finden, Laß dich finden Von mir, der ich Asch' und Thon. 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt' dich, Lenke mich nach deinem Sinn. Dich alleine Ich nur meine; Dein erkaufter Erb' ich bin. Laß dich finden, Laß dich finden; Gieb dich mir und nimm mich hin. 3. Ich begehre nichts, o die dr eent Dan du nehen Die du giebest, Den du liebest Und der dich liebt in der That; Laß dich iinden Laß dich fin⸗ den: Der hat alles, der dich hat. Himmelssonne! Seelen⸗ wonne! Unbeflecktes Gottes⸗ lamm! In der Höhle Meine Seele Suchet dich, o Bräuti⸗ gam! Laß dich finden, Laß dich finden, Starker Held aus Davids Stamm. 5. Hör', wie kläglich, Wie beweglich Dir die treue Seele singt; Wie demütig Und weh⸗ mütig Deines Kindes Stimme klingt! Laß dich finden, Laß Buß⸗ Lieder. dich finden, Denn mein Herze zu dir dringt. 6. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichtum, Wollust, Ehr' und Freud' Sind nur Schmerzen Meinemterzen, Welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, Laß dich finden, Großer Gott, ich bin bereit. Joachim Neander, geb. 1640 4 1680. Mel. Vater unser im Himmelreich. 207. S Do wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir nicht lieb des Sünders Tod, Vielmehr ist dies mein Wunsch und Will', Daß er von Sünden halte still, Von seiner Bosheit kehre sich Und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies 25.— bedenk', o Menschenkind: Verzweifle nicht in deiner Sünd'! Hier findest du Trost, Heil und Gnad', Die Gott dir zugesaget hat, Und zwar mit einem teuern Eid. O selig, dem die Sünd' ist leidl 3. Doch hüte dich vor Sicher⸗ heit, Denk' nicht: zur Buß' ist noch wohl Zeit, Ich will erst fröhlich sein auf Erd'; Wann jch des Lebens müde werd', Alsdann will ich bekehren mich: Gott wird wohl mein erbar— men sich. 4. Wahr ist's„ Gott ist wohl stets bereit Dem Sünder mit Barmherzigkeit; Doch wer auf Gnade sündigt hin, Fährt fort in seinem bösen Sinn Und seiner Seele selbst nicht schont, Buß⸗ Dem wird mit Ungnad' abge⸗ lohnt. 5. Gnad' hat dir zugesaget Gott Von wegen Christi Blut und Tod. Zusagen hat er nicht gewollt, Ob du bis morgen le⸗ en sollt', Daß du mußt sterben, ist dir kund, Verborgen ist die Todesstund'. 6. Heut lebst du, heut be⸗ kehre dich! Eh' morgen kommt, kann's ändern sich. Wer heut ist frisch, gesund und rot, Ist morgen krank, ja wohl gar tot. So du nun stirbest ohne Buß', Dein Leib und Seel' dort bren⸗ nen muß. 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, Daß ich noch heute komm' zu dir Und Buße thu' den Au⸗ genblick, Eh' mich der schnelle Tod hinrück'; Auf daß ich heut' und jederzeit Zu meiner Heim⸗ fahrt sei bereit. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Eigne Melodie. traf' mich nicht 208. Sin demen eu Großer Gott, verschone; Ach laß mich nicht sein verlor'n, Nach Verdienst nicht lohne, Hat allzeit zu loben; Heil ger Geist, ieder. 141 3. Zeig' mir deine Vaterhuld, Stärk' mit Trost mich Schwa⸗ chen! Ach, Herr, hab' mit mir Geduld, Woll'st gesund mich machen; Heil' die Seel' Mit dem Oel Deiner großen Gna⸗ den! Wend' ab allen Schaden! 4. Ach sieh mein' Gebeine an, Wie sie all' erstarren; Meine Seele gar nicht kann Deine Hülf'erharren; Ich verschmacht'; Tag und Nacht Muß mein La⸗ ger fließen Von den Thränen⸗ güssen. 5. Ach ich bin so müd' und matt Von den schweren Pla⸗ gen; Mein Herz ist der Seufzer satt, Die nach Hülfe fragen. Wie so lang' Machst du bang' Meiner armen Seele In der Schwermutshöhle? 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir: Gott der hört mein Beten; Nunmehr darf ich mit Begier Vor sein Antlitz treten. Teufel, weich', Hölle, fleuch! Was mich vor gekränket, Hat mir Gott geschenket. 7. Vater, dir sei ewig Preis, Hier und auch dort oben, Wie auch Christo gleicherweis', Der die Sünd Dich entzünd't, Tilge Sei gepreist, Hoch gerühmt, ge⸗ in dem Lamme Deines Grim⸗ mes Flamme! 2. Herr, wer denkt im Tode dein? Wer dankt in der Hölle? Rette mich aus jener Pein Der verdammten Seele, Daß ich dir Für und für Dort an jenem Tage, Höchster Gott, Lob sage. — ehret, Daß du mich erhöret. Joh. Georg Albinus, geb. 1624 1 1679. Mel. Auf meinen lieben. 67 o soll ich fliehen 09. W' hin, Weil 40 beschweret bin Mit vielen großen Sünden? Wo kann ich 14² Buß⸗Li der.— Glaubens⸗Lieder. Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme: Mein' Angst sie nicht wegnähme. 2. O Jesu, voller Gnad', Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt' Gemüte Zu deiner großen Güte: Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. 3. Ich, dein betrübtes Kind, Werf' alle meine Sünd', So viel ihr' in mir stecken Und mich so heftig schrecken, In deine tiefen Wunden, Da ich stets Heil ge— funden. 4. Durch dein unschuldig' Blut, Vergossen mir zu gut,‚ Wasch' ab all' meine Sünde; Mit Trost mein Herz verbinde Und ihr' nicht mehr gedenke: Ins tiefe Meer versenke! 5. Du bist es, der mich tröst't, Weil du mich selbst erlöst; Was 7. Mir mangelt zwar sehr viell Doch was ich haben will, Ist alles mir zu gute Erlangt mit deinem Blute; Damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll' und Sünde. 8. Und wenn des Satans Heer Mir ganz entgegen wär', Darf ich doch nicht verzagen, Mit dir kann ich sie schlagen, Dein Blut darf ich nur zeigen, So muß ihr Trutz bald schweigen. 9. Dein Blut, der edle Saft, Hat solche Stärk' und Kraft, Daß auch ein Tröpflein kleine Die ganze Welt kann reine, Ja, gar aus Teufels Rachen Frei, los und ledig machen. 10. Darum allein auf dich, Herr Christ, verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verderben: ich gesündigt habe, Hast du ver⸗ Dein Reich muß ich ererben, scharrt im Grabe. Da that'st du es verschließen, Da wird's auch bleiben müssen. 6. Ist meine Sünd' auch groß, So werd' ich ihr' doch los, Wenn ich dich, Herr, umfasse Und mich auf dich verlasse. Wer sich zu dir nun findet, Deß Angst gar bald verschwindet. XIXN. Glau Mel. Ermuntre dich, mein schwacher. 210 Abhe hat Gott die Welt geliebt, Das merke, wer es höret! Die Denn du hast mir's erworben. Da du für mich gestorben. 11. Führ' auch mein Herz und Sinn Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög' alles mei⸗ den, Was mich und dich kann scheiden, Damit an deinem Leibe Ein Glied ich ewig bleibe. Joh. Heermann, geb. 1585 f 1647. bens⸗Lieder. Welt, die Gott so hoch be— trübt, Hat Gott so hoch ge— ehret, Daß er den eingebor'nen Sohn, Den ein'gen Schatz, Glaubens⸗Lieder. ne ein'ge Kron, Das ein'ge Herz und Leben, Mit Willen hingegeben. 2. Ach, wie muß doch ein ein'ges Kind, Bei uns hier auf der Erden, Da man doch nichts als Bosheit find't, So hoch geschonet werden; Wie glüht, wie brennt der Vater⸗ sinn, Wie giebt und schenkt er alles hin, Eh' als er an das Schenken Des ein'gen nur will denken. 3. Gott aber schenkt aus freiem Mut Und mildem treuem Herzen Sein ein'ges Kind, sein schönstes Gut, In mehr als tausend Schmerzen. Er giebt ihn in den Tod hinein, Ja in die Höll' und deren Pein; Zu unerhörtem Leide Stößt Gott sein ein'ge Freude. 4. Warum doch das? Daß du, o Welt, Frei wieder möchtest stehen Und durch ein teures Lösegeld Aus deinem Kerker gehen; Denn du weißt wohl, du schnöde Braut, Wie, da dich Gott ihm angetraut, Du wider deinen Orden Ihm allzu untreu worden. 5. Gott hat uns seinen Sohn verehrt, Daß aller Menschen Wesen, So mit dem ew'gen Fluch beschwert, Durch diesen soll genesen. Was tief in der Verdammnis stand, Das soll durch den, den Gott gesandt, Erlösung, Trost und Worte 143 Gaben Des ew'gen Lebens haben. 6. Ach, Gott, mein Gott, du Lebensgrund; Wo soll ich finden? Mit welchem Lobe soll mein Mund Dein treues Herz ergründen? Wie hat doch können dies geschehn? Was hast du an der Welt ersehn, Daß, die so tief dich höhnet, Du so gar hoch ge⸗ krönet! 7. Warum behieltst du nicht dein Recht Und ließest ewig pressen Die Welt, die doch dein Recht geschwächt Und freventlich vergessen? Was hattest du an der für Lust, Von welcher dir doch war bewußt, Daß sie für dein Verschonen Dir schändlich würde lohnen? 8. Das Herz im Leibe weinet mir Vor großem Leid und Grämen, Wenn ich be⸗ denke, wie wir dir So gar schlecht uns bequemen, Die meisten wollen deiner nicht, Und was du ihnen zugericht't Durch deines Sohnes Büßen, Das treten sie mit Füßen. 9. Du, frommer Vater, meinst es gut Mit allen Menschenkindern: Du ordnest deines Sohnes Blut Und reichst es allen Sündern; Willst, daß sie mit der Glau⸗ benshand Das, was du ihnen zugewandt, Sich völlig zu er⸗ quicken, Fest in ihr Herze drücken. 144 Glaubens⸗Lieder. 10. Sieh aber: ist nicht und Kummer schwinden! Der immerfort Dir alle Welt zu⸗ mir das Größte nicht versagt, wider? Du bauest hier, du Wird Rat zum Kleinen fin⸗ bauest dort: Die Welt schlägt den. Hat Gott mir seinen alles nieder. Darum erlangt Sohn geschenkt Und für mich sie auch kein Heil; Sie bleibt in den Tod gesenkt: Wie sollt' im Tod und hat kein Teil er, laßt uns denken, Mit ihm Am Reiche, da die Frommen, nicht alles schenken? Die Gott gefolgt, hinkommen. 15. Ich bin's gewiß, und 11. So fahre hin, du tolle sterbe drauf Nach meines Got⸗ Schar; Ich bleibe bei dem tes Willen. Mein Kreuz und Sohne: Dem geb' ich mich; ganzer Lebenslauf Wird sich des bin ich gar, Und ist er noch fröhlich stillen. Hier meine Krone. Hab' ich den hab' ich Gott und Gottes Sohn, so hab' ich g'nug: Sein Sohn; Und dort, bei Gottes Kreuz und Leiden ist mein Stuhl und Thron, Da wird Schmuck, Sein Angst ist meine fürwahr mein Leben In Freude, Sein Sterben meine ew'gen Freuden schweben. Weide. Paul Gerhardt, geb. 1606 4 1676. 12. Ich freue mich, so oft und viel Ich dieses Sohns Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. gedenke; Dies ist mein E Isus Gnaden soll und Saitenspiel, Wenn ich XII. 2A ich selig werden! mich heimlich kränke, Wenn Herz, glaubst du's, oder glaubst meine Sünd' und Missethat du's nicht? Was willst du Will größer sein als Gottes dich so blöd' gebärden? Ist's Gnad', Und wenn mir mei⸗Wahrheit, was die Schrift nen Glauben Mein eigen verspricht, So muß auch dieses Herz will rauben. Wahrheit sein: Aus Gnaden 13. Ei, sprech' ich, war mir ist der Himmel dein. Gott geneigt, Da wir noch. 2. Aus Gnaden! hier gilt Feinde waren: So wird er kein Verdienen: Die eignen ja, der kein Recht beugt, Nicht Werke fallen hin. Der Mittler, feindlich mit mir fahren An⸗-Wder im Fleisch erschienen, Hat jetzo, da ich ihm versühnt, Da, diese Ehre zum Gewinn, Daß wo ich Böses je verdient, uns sein Tod das Heil ge⸗ Sein Sohn, der nichts ver⸗bracht Und uns aus Gnaden schuldet, So viel für mich er⸗selig macht. duldet. 3. Aus Gnaden! Merk' dies 14. Fehlt's hier und da? Wort: aus Gnaden! So hart Nur unverzuͤgt! Laß Sorg' dich deine Sünde plagt, So Glaubens⸗Lieder. schwer du immer bist beladen, So schwer dein Herz dich auch verklagt: Was die Vernunft nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und über⸗ nahm der Sünden Last; Was nötigt' ihn, dein Freund zu werden? Sprich, wes du dich zu rühmen hast? Gab er sich nicht zum Opfer dar Und nahm dein Heil in Gnaden wahr? 5. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, So lange Gott wahrhaftig heißt; Was alle Knechte Jesu schreiben, Was Gott in seinem Worte preist, Worauf all' unser Glaube ruht, Ist Gnade durch des Sohnes Blut. 6. Aus Gnaden! Doch, du sichrer Sünder, Denk nicht: wohlan, ich greife zu; Wahr ist's: Gott ruft verlor'ne Kin⸗ der Aus Gnaden zur verheiß'⸗ nen Ruh'; Doch nimmt er nicht zu Gnaden an, Wer noch auf Gnade sünd'gen kann. 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, Tret' ab von aller Heuchelei: Nur wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst, was Gnade sei; Beim Sündethun scheint sie gering; Dem Glauben ist's ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des 145 Vaters aufgethan, Wenn's unter Angst und heißen Schmer⸗ zen Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm' ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär'? 9. Aus Gnaden! Hierauf will ich sterben, Ich glaube, darum ist mir wohl; Ich kenn' mein sündliches Verderben, Doch auch den, der mich hei⸗ len soll; Mein Geist ist froh, mein Herze lacht, Weil mich die Gnade selig macht. 10. Aus Gnaden! Dies hör', Sünd' und Teufel! Ich schwinge meine Glaubensfahn' Und geh' getrost, trotz allem Zweifel, Durch's rote Meer nach Kanaan: Ich glaub', was Jesu Wort verspricht, Ich fühl es oder fühl' es nicht. Christ. Ludwig Scheidt, geb. 1709 4 1761. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 22 Ci Blut und „Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehren⸗ kleid; Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich zum Him⸗ mel werd' eingehn. 2. Ich glaub' an Jesum, welcher spricht: Wer glaubt, der kommt nicht ins Gericht, Die Handschrift ward mit Jesu Blut Am Kreuz durch⸗ strichen mir zu gut. 3. Das heilige, unschuld'ge Lamm, Das an dem rauhen 10 146 Glaubens-⸗Lieder. Kreuzesstamm Für meine Sünd' gestorben ist, Erkenn' ich für den Herrn und Christ. 4. Ich glaube, daß sein teures Blut Genug für alle Sünden thut, Und daß es Gottes Schätze füllt Und ewig in dem Himmel gilt. 5. Drum soll auch dieses Blut allein Mein Trost und meine Hoffnung sein; Ich bau' im Leben und im Tod Allein auf Jesu Wunden rot! 6. Und wenn ich durch des Herrn Verdienst Auch treu beständ' in seinem Dienst, Gewönn' den Sieg dem Bösen ab, Blieb frei von Sünde bis ins Grab; 7. So will ich, wenn ich zu ihm komm', Nicht denken mehr an gut und fromm, Sondern, da kommt ein Sün⸗ der her, Der gern fürs Lös'⸗ geld selig wär'! 8. Gelobet seist du, Jesu Christ, Daß du ein Mensch geboren bist, Und hast für mich und alle Welt Bezahlt ein ewig' Lösegeld. 9. Du, Herr und König, Jesus Christ, Des Vaters ein'ger Sohn du bist; Er⸗ barme dich der ganzen Welt Und segne, was sich zu dir hält. Nicol. Ludwig Graf v. Zinzendorf, geb. 1709 + 1760. Mel. O daß ich tausend Zungen. 213. Muung wider fahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; Das zähl' ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hat's nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barm⸗ herzigkeit. 2. Ich hatte Gottes Zorn verdienet Und soll bei Gott in Gnaden sein; Er hat mich mit sich selbst versühnet, Macht durch das Blut des Sohns mich rein. Warum? ich war ja Gottes Feind!— Erbar⸗ mung hat's so treu gemeint! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm' ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dies laß ich kein Ge⸗ schöpf mir rauben, Dies soll mein einzig Rühmen sein; Auf dies Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet' ich auch allein, Auf dieses duld' ich in der Not, Auf dieses hoff' ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe einst im Tod mich Ar⸗ men Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hocherfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Ph. Friedr. Hiller, geb. 1699 4 1769. Glaubens⸗Lieder. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. NM er Glaub' ist eine 214. D Zuversicht Zu Gottes Gnad' und Güte; Der bloße Beifall thut es nicht; Es muß Herz und Gemüte Durchaus zu Gott gerichtet sein Und gründen sich auf ihn allein Ihn' Wanken und ohn' Zweifel. 2. Wer sein Herz also stärkt und steift In völligem Ver⸗ trauen Und Jesum Christum recht ergreift, Auf sein Ver⸗ dienst kann bauen: Der hat des Glaubens rechte Art, Und kann zur seligen Hinfahrt Sich schicken ohne Grauen. 3. Dies aber ist kein Men⸗ schenwerk: Gott muß es uns gewähren; Drum bitt', daß er den Glauben stärk' Und in dir woll' vermehren; Laß aber auch des Glaubens Schein In guten Werken an dir sein, Sonst ist dein Glaube eitel. 4. Es ist ein schändlich böser Wahn, Des Glaubens sich nur rühmen, Und gehen auf der Sünder Bahn, Das Christen nicht kann ziemen. Wer das thut, der soll wissen frei, Daß sein Glaub' nur sei Heuchelei Und werd' zur Höll' ihn briugen. 5. Drum lasse sich ein frommer Christ Mit Ernst sein angelegen, Daß er aufrichtig jeder Frist Sich halt' in Got⸗ tes Wegen, Daß sein Glaub' ohne Heuchelei Vor Gott dem 147 Herrn rechtschaffen sei Und vor dem Nächsten leuchte. J. C Schade, geb. 1666 f 169⁸ Mel. O Gott, du frommer Gott. ‚FDer Gnadenbrunn' 21⁵. D fließt noch. Den jedermann kann trinken, Mein Geist, laß deinen Gott Dir doch umsonst nicht winken! Es lehrt dich ja das Wort, Das Licht für deinen Fuß, Daß Christus dir allein Von Sünden helfen muß. 2. Dein Thun ist nicht ge⸗ schickt Zu einem besser'n Le⸗ Auf Christum richte dich, Der kann dir solches geben, Der hat den Zorn versöhnt Mit seinem teuren Blut, Und uns den Weg gebahnt Zu Gott, dem höchsten Gut. 3. Die Sünden abzuthun, Kannst du dir ja nicht trauen, Dein Glaube muß allein Auf Gottes Hülfe bauen. Ver⸗ nunft geht, wie sie will, Der Satan kann sie dreh'n, Hilft Gottes Geist dir nicht, So ist's um dich gescheh'n. 4. Nun, Herr, ich fühle Durst Nach deiner Guaden⸗ quelle, Wie ein gejagter Hirsch,‚ Auf soviel Sündenfälle. Wie komm' ich aus der Not? Wer ist, der Hülfe schafft? Hilf mir durch deinen Geist, In mir ist keine Kraft. 5. Du hast ja zugesagt, Du wollst, die Durst empfinden Nach der Gerechtigkeit, Be⸗ 10r . —..—...— 148 Glaubens⸗Lieder. freiin von ihren Sünden; all' versöhnet; Und wie wir Nun weiset mir den Weg all' durch Adams Fall Sind Dein Sohn, der wahre Christ; ew'gen Tod's gestorben: Al— Nur du mußt Helfer sein, so hat Gott durch Christi Weil du voll Hülfe bist. Tod Erneut, was war ver⸗ 6. O selig, willst du mir dorben. Von diesem Wasser geben, 4. Wie er uns denn den Das tränket meinen Geist Zu Sohn geschenkt, Da wir noch der Gerechten Leben. Gieb Feinde waren; Der für uns diesen Trunk mir stets, Du ist ans Kreuz gehenkt, Ge⸗ Brunn' der Gütigkeit, So ist tötet, aufgefahren, Dadurch mir immer wohl In der Ge-wir sein von Tod und Pein lassenheit. Erlöst, so wir vertrauen Auf L. Knorr v. Rosenroth, geb. 1636 + 1689. diesen Hort, wem darf hin⸗ fort Noch vor dem Sterben Eigene Melodie. grauen? 216 Nurch Adams Fall 5. Er ist der Weg, das eL ist ganz verderbt Licht, die Pfort', Die Wahr⸗ Menschlich Natur und Wesen, heit und das Leben, Des Das Gift ist auf uns fortge⸗Vaters Rat und ew'ges Wort, erbt, Wir konnten nicht ar. en er uns hat gegeben Zu nesen Ohn' Gottes Kraft, die einem Schutz, daß wir mit Hülfe schafft Für unsern Trutz An ihn fest sollen glau⸗ großen Schaden, Darin die ben: Darum uns bald kein Schlang' Evam bezwang, Feind'sgewalt Aus seiner Hand Gott's Zorn auf sie zu wird rauben. laden. 6. Der Mensch ist gottlos 2. Weil denn die Schlang' und verflucht, Des Heil ist Evam hat bracht, Daß sie ist auch noch ferne, Der Trost abgefallen Von Gottes Wort, bei einem Menschen sucht Und das sie veracht't, Dadurch sie nicht bei Gott dem Herren; in uns allen Bracht hat den Denn wer ihm will ein ander Tod: so war je Not, Daß Ziel Ohn' diesen Tröster uns auch Gott sollt' geben stecken, Den mag gar bald Sein' lieben Sohn, den Satans Gewalt Mit seiner List Gnadenthron, In dem wir erschrecken. möchten leben. 7. Wer hofft in Gott und 3. Wie uns nun hat ein' dem vertraut, Kann nie zu fremde Schuld In Adam Schanden werden; Denn wer all' verhöhnet; Also hat uns auf diesen Felsen baut, Trifft ein' fremde Huld In Christo ihn gleich hier auf Erden Glaubens⸗Lieder. Viel Leid und Müh': hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich nur fest auf Gott verläßt. Er hilft sein' Gläub'gen allen. 8. Ich bitt', o Herr, aus Herzensgrund, Du wollst nicht von mir nehmen Dein heilig' Wort aus meinem Mund, So wird mich nicht beschämen Mein' Sünd' und Schuld; denn in dein' Huld Setz' ich all' mein Vertrauen: Wer sich nur fest darauf verläßt, Der wird den Tod nicht schauen. 9. Mein' Füßen ist dein heil'ges Wort Ein Licht, das nah und ferne Hell scheint und mir den Weg weist fort; Wenn dieser Morgensterne In uns aufgeht, so bald versteht Der Mensch die hohen Gaben, Die Gottes Geist denen verheißt, Die Hoffnung darauf haben. Lazarus Spengler, geb. 1479 1 1534. Eigne Melodie. 8 ist das Heil uns 217. E Rnwee 5—1 Aus Gnad' und lauter Güte; Die Werke helfen nimmermehr; Sie mögen nicht behüten; Der Glaub' sieht Jesum Christum an, Der hat für uns All' gnug gethan, Er ist der Mittler worden. 2. Was das Gesetz geboten hat, Da man es konnt' nicht halten, Erhub sich Zorn und 149 große Not Vor Gott so man⸗ nigfalten; Vom Fleisch wollt' nicht heraus der Geist, Drauf das Gesetz dringt allermeist, Es war mit uns verloren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei: Gott hätt' es darum geben, Als ob wir möchten selber frei Nach sei⸗ nem Willen leben; So ist es nur ein Spiegel zart, Der uns zeigt an die sünd'ge Art, In unserm Fleisch verborgen. 4». Nicht möglich war, die⸗ selbe Art Aus eignen Kräften lassen; Wie wohl es oft ver⸗ suchet ward, Noch mehrt sich Sünd' ohn' Maßen; Denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, Und je dem Fleisch der Sünde Schand' All'zeit war angeboren. 5. Doch mußt's Gesetz er⸗ üllet sein, Sonst wär'n wir all' verdorben: Drum schickt Gott seinen Sohn herein, Der selber Mensch ist worden; Das ganz' Gesetz hat er erfüllt, Damit des Vaters Zorn ge⸗ stillt, Der über uns ging alle. 6. Und wenn es nun er⸗ füllet ist Durch den, der es konnt' halten, So lerne jetzt ein frommer Christ Des Glau⸗ bens recht' Gestalten; Nicht mehr denn: Lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Le⸗ ben sein, Du hast für mich bezahlet! J. Daran ich keinen Zweifel trag', Dein Wort kann nicht — —————— 150 Glaubens-⸗Lieder. betrügen; Nun sagst du, daß arge List, Des soll'n wir ihm kein Mensch verzag', Das vertrauen. wirst du nimmer lügen: Wer 12. Ob sich's anließ, als glaubt an mich und wird ge⸗wollt' er nicht, Laß dich es tauft, Demselben ist der nicht erschrecken; Denn wo Werd⸗ Wlopen Daß er nicht er ist am besten mit, Da will werd' verloren. er's nicht entdecken. Sein 8. Es ist gerecht vor Gott Wort laß dir gewisser sein, allein, Der diesen Glauben Und ob dein Fleisch spräch din 2 8 000 giebt aus lauter Nein, So laß dir doch von ihm den Schein, So er ni ö die Wert nicht lasset; Mit u ene e. den 1 Gott der Glaub' ist wohl daran, Dem Nächsten wird N ö 2 7 die Lieb' gut's thun, Bist du 225 e aus Gott geboren. ö* 9. Die Sünd' wird durch's 21 8. GR5 Waht ach Gesetz erkannt, Schlägt das n 9, Gewissen nieder, Das Evan⸗ Teln 52—5 476r bist ain 5 be⸗ gelium kommt zur Hand Und den Was—* muß be⸗ stärkt den Sünder wieder, did et Hr hrnden Bir, Süude Und spricht: Flieh nur zum Ees T 13 Macht. Kreuz herzu, Du findest Dochen d Hale—. nicht Rast und Ruh In des lac 30 il——.— 3 ist—9 Gesetzes Werken. 615 acht, Weil Jesus ist mein 10. Die Werke kommen Leben 6507 sicher her Aus einem rechten 2. Was traur ich denn, er Glauben; Denn das nicht lebt ja noch, Der das Gesetz rechter Glaube wär', Dem erfüllet, Der durch den Tod man die Werk' wollt' rauben; und Kreuzesjoch Des Vaters Doch macht allein der Glaub' Zorn gestillet. Was er hat, gerecht; Die Werk' die sind das ist alles mein, Wie könnt des Nächsten Knecht, Dran doch größ'rer Reichtum sein, wir den Glauben merken. Als den mir Jesus schenket. 11. Die Hoffnung harrt 3. Weil Jesus mich von der rechten Zeit, Was Gottes Sünden rein Durch sein Ver⸗ Wort zusage; Wann das ge⸗ dienst will machen, Daß ich, schehen soll zur Freud', Setzt los aller Qual und Pein, Gott nicht feste Tage: Er Nicht fürcht' des TodesRachen, weiß wohl, wenn's am besten So tröst't mich seine Herr⸗ ist, Und braucht an uns nicht lichkeit; Sein' Unschuld, Heil Glaubens⸗Lieder. und Seligkeit Ist mein Schatz und mein Leben. 4. So kann ich auch mit Friedꝰ und Freud', Wie Simeon mein Leben Be⸗ schließen, frei von allem Leid', Mich meinem Gott ergeben; Sobald ich schließ' mein' Au⸗ gen zu, So wird mein Tod mein Schlaf und Ruh', Seh' ich des Himmels Freude. 5. Wie werd' ich dann so fröhlich sein, Wenn ich die Welt verlassen, Wenn mich die Himmelsgeister ein Geführt zur Lebensstraßen, Wenn ich erblickt die Ewigkeit, Wenn ich erlangt die Seligkeit, Die mir mein Gott bereitet. 6. Hilf, Gott, daß ich stets sei bereit, Laß mich nichts von dir wenden, Bring mich zu deiner Herrlichkeit, Hilf seliglich vollenden, Komm bald, hilf mir aus aller Not, BIi mir, Herr, durch dein Blut und Tod; Ja komm, Herr Jesu, Amen. Joh. Olearius, geb. 1611 4 1684. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. eiland, deine 219. H Menschenliebe War die Quelle deiner Triebe, Die dein treues Herz bewo⸗ gen, Dich in unser Fleisch gezogen, Dich mit Schwach⸗ heit überdecket, Dich vom Kreuz ins Grab gestrecket. O der wunderbaren Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 151 2. Ueber seine Feinde wei⸗ nen, Jedermann mit Hülf' er⸗ scheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Be⸗ trübten Klagen hören, Sich in andrer Dienst verzehren, Sterben für die ärgsten Sün⸗ der: Das ist Lieb', o Men⸗ schenkinder. 3. O du Zuflucht der Elen⸗ den, Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hülf' und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, Wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Erbet'ne mitzuteilen! 4. Die Betrübten zu er⸗ quicken, Zu den Kleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Täglich lieb⸗ reich zu dir locken Mit Ver⸗ zehrung deiner Kräfte, War dein tägliches Geschäfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschätz⸗ bar teures Leben In den ärgsten Tod gegeben, Da du in der Sünder Orden Aller Schmerzen Ziel geworden, Uns den Segen zu erwerben, Als ein Fluch hast wollen sterben! 6. Deine Lieb' hat dich ge⸗ trieben, Sanftmut und Ge⸗ duld zu üben, Ohne Schelten, —..———8— 152 Drohen, Schlagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Für die Lästerung zu segnen, Für der Feinde Schar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 7. Demut war bei Spott und Hohne Deiner Liebe Schmuck und Krone; Diese machte dich zum Knechte Einem sündlichen Geschlechte; Diese war nach Art der Tauben, Ohne Falsch, voll Treu' und Glauben, Mit Gerechtigkeit gepaaret, Durch Vorsichtigkeit bewahret. 8. Komm, laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng' und Flecken; Du hast das Gesetz erfüllet Und desselben Fluch gestillet: Laß mich Glaubens-⸗Lieder. Liebesarme Des, der sich zu dem Sünder neigt, Dem alle⸗ mal das Herze bricht, Wir kommen, oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; Deswegen kam sein Sohn auf Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deswegen klopft er für und für So stark an unsres Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden, Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut be⸗ ständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich wider dessen Stürmen Deiner mich gestrost vertrau'n Und, x Liebe Huld beschirmen; Heil'ge meines Herzens Triebe, Salbe sie mit deiner Liebe. wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Got⸗ tes Herzen schau'n; Da findet Zohann Jacob Rambach, geb. 1693 1 1735 sich zu aller Zeit Unendliche Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre weg⸗ erissen, Was Seel' und Leib gerif 50 cOch habe nun den erquicken kann; Darf ich von 220. 88 ö ken ö Grun efun⸗ Grund gefun ö keinem Troste wissen Und den, Der meinen Anker ewig scheine völlig ausgethan; Ist hält: Wo anders, als in Jesu die Errettung noch so weit, Wunden? Da lag er vor der Mir bleibet doch Barmherzig⸗ Zeit der Welt; Der Grund, keit. der unbeweglich steht, Wenn 7. Beginnt das Irdische zu Erd' und Himmel untergeht. drücken, Ja, häuft sich Kum⸗ 2. Es ist das ewige Er⸗mer und Verdruß, Daß ich barmen, Das alles Denken mich noch in vielen Stücken übersteigt. Es sind die offnen Mit eitlen Dingen mühen Glaubens⸗Lieder. muß; Werd' ich dadurch oft sehr zerstreut: So hoff' ich doch Barmherzigkeit. 8. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewan⸗ delt bin, Viel Unvollkommen⸗ heit bemerben, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist auch dieser Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe nur nach dessen Willen, Bei dem so viel Er⸗ barmen ist; Er wolle selbst mein Herze stillen, Damit es dies nur nicht vergißt; So stehet es in Lieb' und Leid' In, durch und auf Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, So lange sich ein Glied bewegt; So sing' ich einstens höchst erfreut— Abgrund der Barm⸗ herzigkeit! Joh. Andreas Rothe, geb. 1688 + 1758. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 6 aß, o Jesu, mir 221. L auf Erden Mei⸗ nen Ruf und Gnadenwahl Alle Tage fester werden, Daß ich mit der Deinen Zahl, Die ihr schönes Erbteil können Ewig, unverwelklich nennen, Bis zu dir durch Gottes Macht Werd' im Glauben durchge⸗ bracht. 2. Bei dir, Jesu, will ich bleiben; Halte selbst dein schwaches Kind, Bis durchs 153 sel'ge an dich Gläuben Seel' und Leib geheiligt sind; Alle Not will ich dir klagen, Alles dir ins Herze sagen, Bis du endest meinen Lauf, Und dann hört mein Weinen auf. V. 1. Christian Gregor, geb. 1723 4 1801. V. 2. Heinrich Loskiel, geb. 1740 4 1813. Mel. Ach Gott und Herr. ein Freund ist 222. M mein, Und ich bin sein, Ihm hab' ich mich ergeben; In Freud' und Leid' Bin ich bereit, Dir, Jesu, stets zu leben. 2. Ich glaub' an dich, An dir kleb' ich, Ich will dich auch nicht lassen, Bis du mich wirst, Du Lebensfürst, Mit deiner Gnad' umfassen. 3. Dein ganz Verdienst Ist mein Gewinnst; Dein' Höllen⸗ angst und Sterben b5 mich versöhnt, Ja gar gekrönt Zu einem Himmelserben. 4. Die Kreuzeslast, Die du hier hast Für mich auf dich genommen, 120 mich befreit Von allem Leid, Das sonst auf mich gekommen. 5. Für mich hast du Dich aus der Ruh' In diese Welt begeben, Ja gar in Tod Und Höllennot, Damit ich möchte leben. 6. Nun werd' ich gleich In deinem Reich Den frohen En⸗ geln werden, Und sicher sein Vor aller Pein, Vor Plagen und Beschwerden. 154 Glaubens⸗Lieder. 7. Herr Jesu Christ, Allein 3. Nun ist sein aufgetha'ner du bist Mein höchster Schatz Schoß Ein sich'res Schloß ge⸗ auf Erden. Ach laß mich nicht‚ jagter Seelen; Er spricht sie Mein Lebenslicht, Von dir von dem Urteil los Und til— geschieden werden. get bald ihr ängstlich' Quälen. 8. Denn du bist mein Und Es wird ihr ganzes Sünden⸗ ich bin dein; Dir hab' ich mich heer Ins unergründlich tiefe ergeben In Glück und Freud', Meer Von seinem reinen In Kreuz und Leid, im Ster⸗Blut versenket; Der Geist, ben und im Leben. der ihnen wird geschenket, Anna Sophie, Landgräfin zu Hessen-Darm⸗ Schwingt über sie die Gna⸗ t denfahn': Mein Heiland nimmt die Sünder an. Eigue Melodie. 4. So bringt er sie dem 223 Mein Heiland Vater hin In seinen blutbe⸗ 9. nimmt die floss'nen Armen: Das neiget Sünder an, Die unter ihrer dann den Vatersinn Zu lauter Last der Sünden Kein Mensch, ewigem Erbarmen. Er nimmt kein Engel trösten kann, Die sie an an Kindes Statt, Ja, nirgend Ruh' und Rettung fin⸗alles, was er ist und hat, Wird den, Den'n selbst die weite Welt ihnen eigen übergeben, Und zu klein, Die sich und Gott selbst die Thür zum ew'gen ein Gräuel sein, Den'n Moses Leben Wird ihnen fröhlich auf⸗ schon den Stab gebrochen Und gethan: Mein Heiland nimmt sie der Hölle zugesprochen‚ die Sünder an. Wird diese Freistatt aufgethan. 5. O solltest du sein Herze Mein Heiland nimmt die seh'n, Wie sichs nach armen Sünder an. Sündern sehnet, Sowohl, wenn 2. Sein mehr als mütter⸗sie noch irre gehn, Als wenn liches Herz Trieb ihn von seinem Thron auf Erden; Ihn drang der Sünder Not und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Not Und schmeckte den verdienten Tod. Nun da er denn sein eigen Leben Zur teuren Zahlung hingegeben Und seinem Vater g'nug ge⸗ than, So heißt's: Er nimmt die Sünder an. ihr Auge vor ihm thränet! Wie eilt er in Zachäi Haus, Streckt Herz und Hand nach Zöllnern aus, Wie sanft stillt er der Magdalenen Den mil— den Fluß erpreßter Thränen Und denkt nicht, was sie sonst gethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob er gleich noch so tief gefallen. Nun dies Glaubens⸗Lieder. 155 hat er nicht nur gethan, Da laden; Wofern du's nur jetzt er auf Erden mußte wallen: redlich meinst Und deinen Fall Nein, er ist immer einerlei, mit Ernst beweinst, So soll Gerecht und fromm und ewig ihm nichts die Hände binden, treu; Und wie er unter Schmach Und du sollst jetzt noch Gnade und Leiden, So ist er auf finden. Er hilft, wenn sonst dem Thron der Freuden Den nichts helfen kann: Mein Hei⸗ Sündern liebreich zugethan: land nimmt die Sünder an. Mein Heiland nimmt die 10. Doch sprich auch nicht: Sünder an. 7. So komme denn, wer Sünder heißt, Und wen sein Sündengräu'l betrübet, Zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm be⸗ giebet. Wie? willst du dir im Lichte stehn Und ohne Not verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da, dich zu retten, er erschienen? O gethan, Es ist noch Zeit; Ich muß erst diese Lust genießen, Gott wird ja eben nicht gleich heut' Die off'nen Gnadenpforten schließen; Nein, weil er ruft, so höre du Und greif' mit beiden Händen zu; Wer seiner Seelen Heil verträumet, Der hat die Gnadenzeit versäumet; Ihm wird hernach nicht auf⸗ Heut komm! heut' nein, verlaß die Sünderbahn! nimmt dich Jesus an. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Komm nur mühselig und gebückt; Komm nur, so gut du weißt zu kommen! Wenn gleich die Last dich nie⸗ derdrückt: Du wirst auch krie⸗ chend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, Und wie er dir entgegengeht! Wie lang' hat er mit vielem Fle⸗ hen Sich brünstig nach dir umgesehen! So komm denn, armes Kind, heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Sprich nicht: Ich hab's zu arg gemacht; Ich hab' die Güter seiner Gnaden Zu lang' und schändlich umgebracht; Er hat mich oft umsonst ge⸗ 11. Ja, zeuch' uns selber recht zu dir, Holdselig' süßer Freund der Sünder! Erfüll' mit sehnender Begier Auch uns und alle Adamskinder; Zeig' uns bei unserm Seelen⸗ schmerzein aufgethanes Lie⸗ besherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille Bis daß ein jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an! Leopold Franz Friedrich Lehr, geb. 1709 + 1744. Mel. Wer nur den lieben Gott. * s ist noch Raum 224. E in Jesu Wunden Für mich, der ich verwundet bin; Da hab' ich meine Ruh' 156 gefunden, Da sieht mein Geist mit Freuden hin, Da werd' ich armer Kranker heil, Da find' ich auch das beste Teil. 2. Es ist noch Raum in deinem Herzen Für mein ge⸗ ängstet', traurig' Herz; O lindre doch die Seelenschmerzen Und zeuch mich, zeuch mich him— melwärts; Nimm mich, die blöde Taube, ein Und laß mich ewig sicher sein. 3. Es ist noch Raum in deinen Händen, Es ist noch Raum in deinem Schoß; Ich will mich in die Festung wen⸗ den, Da ist mein allerbestes Los. Du rufst: O Sünder, glaube nur. Ich folg', o Hei⸗ land, dieser Spur. 4. Es ist noch Raum bei deiner Herde, Ich armes Schaf komm' auch dazu. Du willst, daß nichts verloren werde; Drum such' ich bei dir meine Ruh', Bei dir, dem großen Sünderfreund, Der's ja so gut, so redlich meint. 5. Es ist noch Raum bei deinen Kindern, Der Tisch ist auch für mich gedeckt; Es fehlt dir nicht an armen Sündern, Doch noch an mir, der ich befleckt. Du willst auch mich, du nimmst mich an; Ich komme, wie ich kommen kann. 6. Es ist noch Raum in deiner Seite, Daraus das Blut und Wasser floß; O Hirte, gängle, führe, leite Und schenke mir dies schöne Los; Laß Glaubens⸗Lieder. mich, o laß es bald gescheh'n, Darinnen meine Freistatt seh'n. 7. Es ist noch Raum in deinen Armen, Du streckest sie ja täglich aus Und trägst uns liebreich mit Erbarmen Darauf in deines Vaters Haus! Ich fall' in diese treue Hand; Sie trägt gewiß ins Vater⸗ land. 8. Es ist noch Raum in deinem Himmel, Ich möchte gerne selig sein! Ich eil' aus diesem Weltgetümmel Und geh' mit Freuden da hinein, In das verheiß'ne Kanaan, Da treff' ich meinen Heiland an. J. Chr. Schlipalius Mel. Valet will ich dir geben. * Och weiß, an wen 20. N ich glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier im Staube Wie Staub und Rauch verweht. Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen hält. 2. Ich weiß, was ewig dau⸗ ert, Ich weiß, was nie verläßt; Auf ew'gem Grund gemauert Steht diese Schutzwehr fest. Es sind des Heilands Worte, Die Worte fest und klar; An diesem Felsenhorte Halt' ich unwandelbar. 3. Auch kenn' ich wohl den Meister, Der mir die Feste baut: Es ist der Herr der —— S I Glaubens⸗Lieder Geister, Auf den der Himmel schaut, Vor dem die Seraphi⸗ nen Anbetend niederknie'n, 157 laubt daran mit Beugen, So bekommt man es zu eigen. 2. Wenn doch alle Seelen ö 6 ö Um den die Heil'gen dienen, wüßten, Wie es dem so wohl Ich weiß und kenne ihn. ergeht, Welcher in der Zahl 4. Das ist das Licht der der Christen, Wahrer Glieder Höhe, Christ, Der Fels, auf dem ich stehe, Der diamanten ist, Der nimmermehr kann wanken, Mein Heiland und mein Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort. 5. Er, den man blutbedecket Am Abend einst begrub; Er, der von Gott erwecket Sich aus dem Grab erhub; Der meine Schuld versöhnet, Der seinen Geist mir schenkt, Der mich mit Gnade krönet Und ewig mein gedenkt. 6. Drum weiß ich, was ich glaube, Ich weiß, was fest besteht Und in dem Er⸗ denstaube Nicht mit als Staub verweht. Es bleibet mir im Grauen Des Todes ungeraubt; Es schmückt auf Himmelsauen Mit Kronen einst mein Haupt. E. M. Arndt, geb. 1769 4 1860. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 0 nverwandt auf 226. Uchristumsehen Bleibt der Weg zur Seligkeit, Allen, welche zu ihm flehen, Ist gewisses Heil bereit. Siehet man im Herzen an, Was er für die Welt gethan Und man Das ist mein Jesus Jesu steht! Da geht man in seinem Glück Immer fort und nie zurück; Man ist auf dem Lebenspfade Und nimmt im⸗ mer Gnad' um Gnade. 3. Aber freilich kann nichts taugen, Als nur das, was Christus thut; Lassen wir ihn aus den Augen, Finden wir was andres gut: So erfahren wir gewiß, Unser Licht sei Finsternis, Unser Helfen sei Verderben, Unser Leben lauter Sterben. 4. Wären wir doch völlig seine, Regte sich doch keine Kraft, Da der Heiland nicht alleine, Was sie wirkete, ge⸗ schafft! Jesu, richte unsern Sinn Lediglich auf dich nur hin, So lebt's Herz in deiner Wahr⸗ heit, Und das Auge wird voll Klarheit. 5. Bring' uns völlig in die Schranken, Die dein Liebes⸗ rat gesetzt; Weder Worte noch Gedanken Werden sonst für gut geschätzt. Eine arme Kre⸗ atur Kann allein auf dieser Spur Deines Namens Ruhm erhöhen Und in deine Freud' eingehen. Johann Andreas Rothe, geb. 1688 + 1758. —. —..————.8— 158 Mel. O Gott, du frommer Gott. ⁰ ersuchet euch doch 227. V selbst, Ob ihr im Glauben stehet, Ob Christus in euch ist, Ob ihr ihm auch nachgehet In Demut und Ge⸗ duld, In Sanftmut, Freund⸗ lichkeit, In Lieb' dem Nächsten stets Zu dienen seid bereit? 2. Der Glaube ist ein Licht, Im Herzen tief verborgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen; Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleich gesinnt, Erneuert Herz und Mut, Macht uns zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, Und will in Einfalt es Dem Nächsten wiedergeben; Dieweil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, Was Gott im Wort zusaget; Drum muß der Zweifel fort, Die Schwermut wird verjaget. Sieh, wie der Glaube bringt esteht in Ungemach. 5. Aus Hoffnung wächst die Lieb'; Weil man aus Gottes Glaubens⸗Lieder. Er hilft uns in dem Sohne, Dem eingebor'nen Kind, Dem ein'gen Gnadenthrone, Setzt Liebe gegen Haß; Wer gläubig dies erkennt, Wird bald in Lieb' entzünd't, Die allen Haß ver⸗ brennt. 7. Wie uns nun Gott ge⸗ than, Thun wir dem Nächsten eben; Droht er uns mit dem Tod, Wir zeigen ihm das Leben; Flucht er, so segnen wir; In Schande, Spott und Hohn Ist unser bester Trost Des Himmels Ehrenkron'. 8. Setzt uns Gott auf die Prob', Ein schweres Kreuz zu tragen; Der Glaube bringt Geduld, Macht leichte alle Plagen; Statt Murren, Un⸗ gebärd' Wird das Gebet er— weckt, Weil aller Angst und Not Von Gott ein Ziel gesteckt. 9. Man lernet nur dadurch Sein Elend recht verstehen, Wie auch des Höchsten Güt', Hält an mit Bitten, Flehen, Verzaget an sich selbst Und trauet Christi Kraft, Vernichtet Die Hoffnung an den Tag, sich zu Grund', Saugt nur n Sturm und Wetter aus, aus Jesu Saft; 10. Hält sich an sein Ver⸗ dienst, Erlanget Geist und Stärke, In solcher Zuversicht Händen Nimmt alle Dinge an. Zu üben gute Werke; Steht Nicht zürnet, thut nicht schän⸗ ab vom Eigensinn, Flieht die den; Denn alles uns zu Nutz Vermessenheit, Hält sich in Und besten ist gemeint, Drum Gottes Furcht Im Glück und dringt die Liebe durch Auf schwerer Zeit. Freunde und auf Feind. 11. So prüfe dich denn wohl, 6. Wir waren Gottes Feind'; Ob Christus in dir lebet; Denn Glaubens-⸗Lieder. Christi Leben ist's, Wonach der Glaube strebet; Erst machet er erecht, Dann heilig, wirket Lust Zu allem guten Werk; Sieh, ob du auch so thust. 12. O Herr, so mehre doch In mir den wahren Glauben, So kann mich keine Macht Der dute Werk' berauben. Wo Licht ist, geht der Schein Frei⸗ willig davon aus; Du bist mein Gott und Herr, Bewahr' mich als dein Haus. J. J. Breithaupt, geb. 1658 4 1732. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. eg, mein Herz, 228. mit dem Ge⸗ danken, Als ob du verstoßen wärst. Bleib in Gottes Wort und Schranken, Da du anders reden hörst. Bist du gleich voll Sünd' und Schuld, Gott ist fromm und voller Huld. Hast du Zorn und Tod ver⸗ dienet, Zage nicht, Gott ist versühnet. 2. Kein Hirt kann so fleißig gehen Nach dem Schaf, das sich verläuft; Sollst du Gottes Herze sehen, Wie sich da der Kummer häuft, Wie es dürstet, ächzt und brennt Nach dem, der sich abgetrennt Von ihm und auch von den Seinen Würdest du vor Liebe weinen. 3. Ja es bleibt in Liebes⸗ flammen Sein Verlangen all⸗ zeit groß, Ruft und locket uns zusammen In dem weiten 159 Himmelsschoß. Wer sich nun da stellet ein, Suchet frei und los zu sein Aus des Satans Reich und Rachen, Der macht Gott und Engel lachen. 4. Gott und alles Heer hoch droben, Dem der Him⸗ mel schweigen muß, Wenn sie ihren Schöpfer loben, Jauchzen über unsre Buß'; Aber was gesündigt ist, Das bedeckt er und vergißt, Wie wir ihn beleidigt haben: Alles, alles ist vergraben. 5. Kein See kann sich so ergießen, Kein Grund mag so grundlos sein, Kein Strom so gewaltig fließen, Gegen Gott ist alles klein, Gegen Gott und seine Huld, Die er über unsre Schuld Alle Tage lässet schweben, Durch das ganze Sündenleben. 6. Nun so ruh' und sei zufrieden, Seele, die du trau⸗ rig bist! Was willst du dich viel ermüden, Da es nicht vonnöten ist? Deiner Sünden großes Heer, Wie dir's schei⸗ net, ist nicht mehr, Gegen Gottes Herz zu sagen, Als was wir mit Fingern tragen. 7. Könnt'st du tausend Wel⸗ ten finden, Von dem Höchsten zugericht't, Und du hättest alle Sünden, Die darinnen sind verricht't; Wär' es viel, doch lange nicht So viel, daß das volle Licht Seiner Gnaden hier auf Erden Dadurch könnt' erlöschet werden. —.9—.—.....——— 160 8. Mein Gott, öffne mir die Pforten Solcher Wohl⸗ gewogenheit! Laß mich allzeit aller Orten Schmecken deine Süßigkeit! Liebe mich und treib mich an, Daß ich dich, so gut ich kann, Wiederum umfang' und liebe Und ja nun nicht mehr betrübe. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Komm', o komm' du Geist des Lebens, oder: Jesus, Jesus, nichts als Jesus. 6500 eicht, ihr Berge, 229. Wé fallt, ihr Hügel, Brechet alle Felsen ein! Gottes Gnade hat das Siegel: Sie will unverändert sein; Laßt oie Welt zu Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn! 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, Gott hat einen Bund gemacht, Der wird nim⸗ mermehr gebrochen, Bis er alles hat vollbracht; Er, die Wahrheit, trüget nicht; Was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, Wenngleich alles bricht und fällt, Sondern ihren Zweck erreichen, Bis sie mich zu⸗ frieden stellt; Ist die Welt voll Heuchelei, Gott ist fromm und gut und treu. 4. Will die Welt den Frie⸗ den brechen, Hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält Glaubens⸗Lieder. wär' er nicht immerdar, Was er ist und was er war. 5. Laßt sein Antlitz sich verstellen, Ist sein Herz doch treu gesinnt Und bezeigt in allen Fällen, Daß ich sein geliebtes Kind, Dem er beide Hände reicht, Wenn auch Grund und Boden weicht. 6. Er will Friede mit mir halten, Wenn die Welt sich auch empört; Ihre Liebe mag erkalten, Achtet doch mein Gott mich wert; Und wenn Höll' und Abgrund brüllt, Bleibt er mir doch Sonn' und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, So hat er sich selbst genennt. Das ist Trost, so werd' ich Armer Nimmer⸗ mehr von ihm getrennt; Sein Erbarmen läßt nicht zu, Daß er mir was Leides thu'. 8. Nun so soll mein ganz' Vertrauen Ankerfest auf ihm beruh'n; Felsen will ich auf ihn bauen, Was er sagt, das wird er thun. Erd' und Bundeh kann vergehn, Sein und bleibet feste stehn. Benj. Schmolck, geb. 1672 f 17³7. Mel: O daß ich tausend Zungen ätte. E* Geht hin, ihr gläu⸗ 230. G bigen Gedanken Ins weite Feld der Ewigkeit, Er⸗ hebt euch über alle Schranken immer sein Versprechen; So Deralten und der neuen Zeit; fällt aller Zweifel hin, Als Erwägt, daß Gott die Liebe Glaubens-Lieder. sei, Die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Him⸗ mel war noch nicht gemacht, So hat Gott schon den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Da ich noch nicht erschaffen war, Da reicht' er mir schon Gnade dar. 3. Sein Ratschluß war, ich sollte leben Durch seinen ein⸗ gebor'nen Sohn. Den wollt' er mir zum Mittler geben, Den macht er mir zum Gna⸗ denthron, In dessen Blute sollt' ich rein, Geheiliget und selig sein. 4. O Wunderliebe, die mich wählte Vor allem Anbeginn der Welt, Und mich zu Wen Kindern zählte, Für welche sie das Reich bestellt'';) O Vaterhand, o Gnadentrieb, Der mich ins Buch des Lebens schrieb! 5. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte Hinauf zu die⸗ ser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugnis giebt; Gott hat mich je und je geliebt. 6. Wer bin ich unter Milli⸗ onen Der Kreaturen seiner Macht, Die in der Höh' und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hieher gebracht? Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 7. Ja, freilich ich bin zu Schatten dieser Zeit; 161 geringe Der herzlichen Barm⸗ herzigkeit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut. Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein. 8. Im sichern Schatten deiner Flügel Find' ich die ungestörte Ruh', Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du. Laß Erd' und Himmel untergehn. Dies Wort der Wahrheit bleibet stehn. 9. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Mut und Kraft gebricht, So salbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür' ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit alles schafft. 10. Die Hoffnung schauet in die Ferne Durch alle Der Glaube schwingt sich durch die Sterne Und sieht ins Reich der Ewigkeit, Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbteil und gelobtes Land. 11. O sollt' ich dich nicht ewig lieben, Der du mich unaufhörlich liebst? Sollt' ich mit Undank dich betrüben, Da du mir Fried' und Freude giebst? Verließ' ich dich, o Menschenfreund, So wär' ich selbst mein ärgster Feind. 12. Ach könnt' ich dich nur besser ehren, Welch edles Loblied stimmt' ich an! Es 11 162 Glaubens⸗Lieder. sollten Erd' und Himmel hören, recht deutlich aufgedeckt, Und Was du, mein Gott, an mir die zugleich, da mich mein gethan: Nichts ist so köstlich, Elend beugt, Mir Hülf' und nichts so schön, Als, höchster Rat in deinen Wunden zeigt. Vater, dich erhöh'n. 4. Die sind doch auch für 13. Doch nur Geduld, es mich geschlagen, Wer Sünder kommt die Stunde, Da mein heißt, den geht der Heiland durch dich erlöster Geist Im an, Der alle Sünden abge— höhern Chor mit frohem tragen Und für die Welt auf Munde Dich, schönste Liebe, ewig g'nug gethan. Du rufst schöner preist: Drum eilt mein auch mich zu deinem Kreuze Herz aus dieser Zeit Und hin, Ich wag's aufs Wort sehnt sich nach der Ewigkeit. und komme, wie ich bin. Joh. Gottfr. Herrmann, geb. 1707 4 1791. 5. Mein Hoffnungsgrund ist dein Erbarmen, Ich weiß, Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich singen. dein Herz neigt gerne sich 231 Du dir ist meine zu mir; Versöhner, Freund Seele stille, Mein der geistlich Armen, Wer zu Herr, mein Gott, auf den dir kommt, den stößt du nicht mein Glaube blickt; Aus von dir; Dies hast du ja an deiner Gnaden reicher Fülle keinem noch gethan: Ich bin Fließt mir der Trost, der gewiß, an mir fängst du's meinen Geist erquickt. Da nicht an. alle Welt nicht raten, helfen 6. Nein, Jesu, du hast Lust kann, Treff' ich bei dir, was zum Leben, Du rufst mir zu: mich beruhigt, an. getrost, Sohn, du bist mein! 2. Dir ist mein Seufzen Was du gesündigt, ist ver⸗ nicht verborgen, Du weißt, geben, Nun soll an dir nichts wonach das arme Herz sich mehr verdammlich sein. Ich sehnt; Du siehst, wie unter schenke dir mein reines Un⸗ bangen Sorgen Voll Küm⸗ schuldskleid Und schmücke dich mernis das Auge zu dir mit meiner Heiligkeit. thränt; Das liegt mir an, ich 7. So hab' ich Gnad' bei möchte gerne rein Und durch dir gefunden? Ja, Herr, dein dein Blut, o Lamm, entsün⸗ Geist bezeugt es meinem Geist, digt sein. Der, aller seiner Last ent⸗ 3. Ich dank' es ewig deiner bunden, Mit Dank und Ruhm Gnade, Die mich gesucht, die aus allen Kräften preist, Wie mich vom Schlaf erweckt, Die wohl ihm ist, da deine Jesus⸗ mir, wie tief mein inn'rer macht Ihm unverdient das Schade, Durch deinen Geist Kindschaftsrecht gebracht. Glaubens⸗Lieder. 8. Muß ich noch was am Fleische leiden, So duld ich es mit stillgelasf nem Mut, Kann mich doch nichts mehr von dir scheiden, Von dir, in dem mein Glaube sicher ruht. Der Schmerz sei groß, ich bleibe doch gesetzt, Weil mich der Trost: ich habe Gnad'! ergötzt. — Jesus⸗Lieder. 163 9. Der ist's, der in den letzten Sianden Zum letzten Kampf mich stark und mutig macht; Da du den Tod längst überwunden Und dorten mir mein Erbe zugedacht, So schlaf' ich sanft auf deinen Zu⸗ ruf ein: Du bist gerecht, nun sollst du herrlich sein. Andreas Rehberger, geb. 1716 4 1769. XX. Jesus⸗Lieder. Mel. Nun danket alle Gott. 232. A“ Jesu, dessen Treu im Him⸗ mel und auf Erden Durch keines Menschen Mund Kann g'nug gepriesen werden: Ich danke dir, daß du Für mich auf Erden kamst Und meine Tod esschuld Erbarmend auf dich nahmst. 2. Vornehmlich wird in mir Des Herzens Angst ge⸗ stillet, Wenn mich dein süßer Nam' Mit seinem Trost er⸗ füllet; Kein Trost so liebreich ist, Als den mir giebt dein Nam', Der süße Jesusnam', O— aus Davids Stamm! 3. O Jesu, höchster Schatz, Du kannst nur Freude brin⸗ gen, Es kann nichts lieblicher, Als Jesu Name klingen; Ich kann nicht traurig sein, Weil Jesus heißt so viel Als Hei⸗ land oder Held, Der selig machen will. 4. Wenn Satan sich bei mir Mit Anfechtung will regen, Ist Jesu Name mir Zum Trost, Schutz, Fried' und Segen, bor Weisheit, Arzenei In aller Angst und Not, Daß ich nicht fürchten darf Den Teufel und den Tod. 5. Daß ich ein Zornkind bin, Das macht die schnöde Sünde: Dein r macht mich Zu einem Gnadenkinde: Er nimmt von mir hinweg Die Schuld und Missethat, Bringt mir die Seligkeit Und deines Vaters Gnad'. 6. So heil'ge, Herr, mich nur, Der ich mit Schuld be⸗ flecket, Mit deinem Namen sei Die Sünde ganz bedecket; Er kehre ab den Fluch, Den Segen zu mir wend', Auf daß dadurch bei mir Sich alle Schwachheit end'. 7. Er sei mein Licht, das mich In Finsternis erleuchte, 11* i 164 Jesus⸗Lieder. Er sei der Himmelstau. Der sanft mein Herz befeuchte; Er sei mein Schirm und Schild, Mein Schatten, Schloß und Hut, Mein Reichtum, Ehr' und Ruhm, Er sei mein höch⸗ stes Gut. 8. Er sei mein Himmels⸗ weg, Die Wahrheit und das Leben; Er wolle mir zuletzt Aus Gnaden dieses geben, Daß ich alsdann in ihm Dies Leben schließe wohl, Wenn meine Sterbenszeit Und Stun⸗ de kommen soll. 9. Indessen helf' er mir, So lang' ich hier noch wandle, Daß ich in meinem Thun Treu und aufrichtig handle. Er stehe mir stets bei Mit seines Geistes Gab' Und gebe Kraft, wenn ich Was zu verrichten hab'. 10. In Jesu Namen bin Ich heute aufgestanden, In ihm vollbring' ich heut, Was mir kommt unter Handen; In seinem Namen ist Der Anfang schon gemacht: Das Mittel und der Schluß Wird auch durch ihn vollbracht. 11. Dir leb' ich und in dir, In dir will ich auch sterben. Herr, sterben will ich dir, In dir will ich ererben Das ew'ge Himmelreich, Das du erworben mir; Von dir ver⸗ klärt will ich Dir dienen für und für. Joh. Heermann, geb. 1585 1 1647. Mel. Nun bitten wir den heiligen. ch, mein Herr 233. ASesa.dein Nahe⸗ sein Bringt großen Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick macht uns so selig, Daß auch's Gebeine darüber fröhlich Und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freund⸗ liches Angesicht Voll Huld und Gnade wohl leiblich nicht, Aber unsre Seele kann's schon gewahren: Du kannst dich fühlbar g'nug offenbaren, Auch ungesehn. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu ge⸗ nießen recht wäre bedacht! Der hätt' ohn' Ende von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt' immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, ge⸗ duldig sein, Uns täglich reich⸗ lich die Schuld verzeih'n, Heilen, still'n und trösten, er⸗ freu'n und segnen, Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gieb an deinem kost⸗ baren Heil Uns alle Tage vollkommneren Teil, Und laß unsre Seele sich immer schicken, Aus Not und Liebe zu dir zu blicken Ohn' Unterlaß. 6. Und wenn wir weinen, so tröst' uns bald Mit deiner blutigen Tod'sgestalt; Ja, die laß uns immer vor Augen schweben Und dein wahrhaftiges Jesus-Lieder. Inunsleben Zu sehen sein. 7. Ein herzliches Wesen und Kindlichkeit Sei unsre Zierde 30 aller Zeit Und die Blut⸗ esprengung aus deinen Wun⸗ den Erhalt' uns solche zu allen Stunden Bei Freud' und Leid. 8. So werden wir bis in Himmel hinein Mit dir ver⸗ Muß wie die Kindlein sein; uß man gleich die Wangen noch einmal netzen; Wenn uich das Herz nur an dir stets letzen Und stillen kann. 9. Du reichst uns deine durchgrab'ne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Drandenken beschämt dastehen Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Christian Gregor, geb. 1723. 4 1801. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du. 234 A˖ mein Herr * Jesu, wenn ich dich nicht hätte, Und wenn dein Blut nicht für die Sünder red'te; Wo sollt' ich Aermster unter den Elenden Mich sonst hinwenden. 2. Ich wüßte nicht, wo ich vor Jammer bliebe; Denn wo ist solch ein Herz, wie dein's, voll Liebe? Du, b bist meine Zuversicht alleine, Sonst weiß ich keine. Christian Gregor, geb. 1723 4 1801. 165 Mel. O daß ich tausend Zungen hätte. ch sagt mir nichts 235. A von Gold und Schätzen, Von Pracht und Schönheit dieser Welt; Es kann mich ja kein Ding er⸗ götzen, Was nur die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Er ist alleine meine Freude, Mein Gold, mein Schatz, mein schönstes Bild, An dem ich meine Augen weide, Und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, Des Fleisches Schönheit dauert nicht; Die Zeit kann alles das verwüsten, Was Cun der uiche zuge⸗ richt't. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 4. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, Sein Thron bleibt stets in leichen Ehren Von nun an dis in Ewigkeit. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 5. Sein Reichtum ist nicht u ergründen, Sein majestätisch ngesicht, Undwas von Schmuck um ihn zu finden, Verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 6. Er will mich über all's 166 Jesus-⸗Lieder. erheben Und seiner Klarheit machen gleich, Er wird mir so viel Schätze geben, Daß ich werd' unerschöpflich reich. Ein jeder liebe, was er will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel. 7. Muß ich gleich hier sehr viel entbehren, So lang' ich wandre in der Zeit, So wird er mir's doch wohl gewähren Im Reiche seiner Herrlichkeit; Drum lieb' ich billig in der Still' Nur Jesum, meines Herzens Ziel. Johann Scheffler,(Angelus Silefius), geb. 1624 + 1677. Eigne Melodie. 236. A uf! hinauf zu Unemee Freude, Meine Seele, Herz und Sinn! Weg, hinweg mit deinem Leide; Hin, zu deinem Jesu, hin! Er ist dein Schatz; Jesus ist dein einz'ges Leben; Will die Welt kein' Ort dir geben; Bei ihm ist Platz. 2. Fort, nur fort, steig' im⸗ mer weiter In die Höh' zu Jesu auf; An, hinan die Glaubensleiter Klettre mit ge⸗ schwindem Lauf. Gott ist dein Schutz; Jesus bleibet dein Beschirmer Wider alle Seel'be⸗ stürmer Und bietet Trutz. 3. Fest, fein fest dich an⸗ gehalten An die starke Jesus⸗ treu'! Laß du, laß du, Gott, nur walten: täglich neu; Seine Güt' ist Er meint's recht gut. Wenn die Feinde dich anfallen, Müssen sie zurücke prallen: Hab' guten Mut. 4. Ein, hinein in Gottes Kammer, Die dir Jesus auf⸗ gethan: Klag' und sag' ihm deinen Jammer, Schreie ihn um Hilfe an. Er steht dir bei; Wenn dich alle Menschen hassen, Kann und will er dich nicht lassen: Das glaube frei. 5. Hoch, so hoch du kannst, erheben Deine Sinnen von der Erd', Schwinge dich, dem zu ergeben, Was du hast, der dein ist wert. Dein Jesus ist, Der um dich so treulich wirbet Und für dich aus Liebe stirbet: Drum du sein bist. 6. Auf, hinauf, was droben suche; Trachte doch allein da— hin, Wo dein Jesus; sonst verfluche Allen schnöden Sün⸗ densinn. Zum Himmel zu! Welt und Erde muß ver⸗ schwinden: Nur bei Jesu ist zu finden Die wahre Ruh'. Joh. Caspar Schade, geb. 1666 4 1698. Mel. Lobe den Herren, den. riste mein Leben, 237. Co mein Hoffen, mein Glauben, mein Wallen Und das, was Christen kann schmecken und einzig gefallen; Richte den Sinn, Treuer Weltheiland dahin, Ruhm dir zu bringen vor allen. 2. Einzig Geliebter, du Wonne, dich will ich erheben, Ich will mich gänzlich dir Jesus⸗Lieder. schenken und völlig hingeben; Nimmst du mich hin, Ist es mein großer Gewinn, Keinen wird kränken mein Leben. 3. Eines, was nötig, laß mächtig vor allem bestehen: Ruhe der Seele; laß alles, was eitel, vergehen; Einzige Lust Ist mir nun ferner be⸗ wußt, Christus, mir ewig er⸗ sehen. 4. Herzog des Lebens, du wollest mich selber regieren So, daß das Leben ich heiligund selig mag führen; Gieb du den Geist, Reiche, was gött⸗ lich nur heißt, Würdig die Seele zu zieren. 5. Friedensfürst, laß mich im Glauben dir treulich an⸗ hangen! Eile zu stillen dies Wünschen, mein höchstes Ver⸗ langen; Von dir nichts mehr, Heiland ich jetzo begehr', Nimm mich dir selber ge— fangen. 6. Centnerschwer sind mir die Bürden, wo du nicht willst tragen; Alles was irdisch ist, trachtet die Christen zu plagen. Laß es denn sein, Lebt man nur Christo allein, Dann werd' ich nimmer verzagen. 7. Nun denn, so will ich auch immer und ewiglich hassen Bürden, die Christum, das Kleinod nicht in sich ein⸗ fassen: Du sollst allein Reich⸗ tum und alles mir sein; Gott, 167 Miel. Wer nur den lieben Gott. 3922 CFer beste Freund 238. ist in dem Him⸗ mel, Auf Erden sind nicht Freunde viel; Denn bei dem falschen Weltgetümmel Steht Redlichkeit oft auf dem Spiel: Drum hab' ich's immer so gemeint: Mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Menschen sind wie Rohr im Winde, Mein Jesus stehet felsenfest, Daß, wenn ich mich verlassen finde, Mich seine Treu' doch nicht verläßt. Er ist's, der mit mir lacht und weint: Mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe Dem, der am meisten nützen kann; Und scheinet dann das Glücke trübe, So steht die Freundschaft hinten an. Doch hier ist es nicht so ge⸗ meint: Mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich töten, Vergießt für mich sein eigen Blut, Er steht mir bei in allen Nöten, Er spricht für meine Schulden gut; Er hat mir niemals was verneint: Mein Jesus ist der beste Freund. 5. Mein Freund, der mir sein Herze giebet; Mein Freund, der mein ist, und ich sein; Mein Freund, der mich Gott, wer wollte dich lassen! beständig liebet; Mein Freund Zeh. Wub, gellner von Zinnenderf 4 17383. bis in das Grab hinein; Ach 168 Jesus⸗Lieder. hab' ich's nun nicht recht ge⸗ meint? Mein Jesus ist der beste Freund. 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde, Die sind doch gar zu wandelbar. Und hätt' ich hunderttausend Feinde, So krümmen sie mir nicht ein Haar; Hier immer Freund und nimmer Feind: Mein Jesus ist der beste Freund. Benj. Schmolck, geb. 1672 T 1787. Mel. Herr und Aelt'ster deiner. 239. Eines wünsch' ich * mir vor allem andern, Eine Speise früh und spät; Selig läßt's im Thränen⸗ thal sich wandern, Wenn dies eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blut'gem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlitz niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er, als ein stilles Lamm, Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hän⸗ gend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: es ist vollbracht! 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsternis gesessen, Trugest du mit mir Geduld; Hattest längst nach deinem Schaf ge⸗ trachtet, Eh' es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit teurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 4. Ich bin dein! sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen JesusnamenBren⸗ nend in mein Herz hinein! Mit dir alles hen und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen: Das sei bis zur letzten Stund' Unser Wandel, unser Bund! Albert Knapp, geb. 1798 4 1864. Ev. St. Luc. 10, 42. Eigne Melodie. — ins ist not, ach 240. E Herr, dies Eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget, Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget; Erlang' ich dies Eine, das alles ersetzt, So werd' ich mit einem in allem ergötzt. 2. Seele, willst du dieses finden, Such's bei keiner Krea⸗ tur, Laß, was irdisch ist, da⸗ hinten, Schwing' dich über die Natur; Wo Gott und die Menschheit in einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste notwendigste Teil, Mein ein und mein alles, mein seligstes Heil. Jesus⸗Lieder. 3. Wie Maria war beflissen Auf des Einigen Genieß, Da sie sich zu Jesu Füßen, Voller Andacht niederließ: Ihr Herze entbrannte, dies einzig zu 118 Was Jesus, ihr Hei⸗ and, sie wollte belehren, Ihr alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und wurde ihr alles in einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Ver⸗ langen, Liebster Jesu, nur nach dir, Laß, mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir. Ob viel' auch umkehrten zum größesten Haufen, So will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist, Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt; Gieb nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die F Demut und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab' ich der Weisheit vollkommenen Preis. 1. Cor. 1, 30. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß quickt, Die höchste Jesu, im mir gelingen Durch dein teu⸗ res Opferblut. Gerechtigkeit ist mir er⸗ worben, Da du bist am alleine Sollst 169 Stamme des Kreuzes gestor⸗ storben, Die Kleider des Heils ich da habe erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun, so gieb, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht. Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust, Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich umströmt die Gnadenflut. Du bist einmal eingegangen In das Heil'ge durch dein Blut, Da hast du die ew'ge Erlösung erfunden, Daß ich nun der höllischen Herrschaft entbunden; Dein Eingang die völlige reiheit mir bringt, Im kind⸗ lichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles G'nügen, Fried' und Freude Jetzo meine Seel' ergötzt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt Jesus mich gesetzt; Nichts Süßer's kann also mein Herze erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich im⸗ mer soll haben; Nichts, nichts ist, das also mich innig er⸗ Als wenn ich dich, Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du mein ein und HH. 170 Jesus⸗⸗ alles sein, Prüf', erfahre, wie Lieder. Leidenszeiten Gen Himmel ich's meine, Tilge allen Heu⸗ aufgefahren ist, Die Stätt' chelschein. Sieh, ob ich auf dir zu bereiten, Da du sollst bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege. Gieb, daß ich nichts achte, nicht Leben noch bleiben allezeit, Und sehen seine Herrlichkeit; Dank ihm für diese Liebe! 5. Halt im Gedächtnis Je⸗ Tod, Und Jesum gewinne, sum Christ, Der einst wird dies eine ist not. wiederkommen, Und sich, was Joh Heinrich Schröder, geb. 1666 f 1699. tot und lebend ist, Zu richten Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. vorgenommen. O denke, daß du da bestehst Und mit ihm in sein Reich eingehst, Ihm Jesum Christ, O Mensch, der auf die Erden Vom Thron des Himmels Glar kommen ist, Dein Bruder da zu werden. Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenom⸗ men Fleisch und Blut; Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtnis Je⸗ sum Christ, Der für dich hat gelitten, Ja, gar am Kreuz gestorben ist Und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll' und Tod Und dich er⸗ löst aus aller Not, Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtnis Je⸗ sum Christ, Der auch am dritten Tage Siegreich vom 6. Gieb, Jesu, gieb, daß dich kann Mit wahrem üben fassen, Und nie, was du an mir gethan, Mög' aus dem Herzen lassen, Daß dessen ich in aller Not Mich trösten mög' und durch den Tod Zu dir ins Leben dringen. Cyriakus Günther, geb. 1650 + 1704. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich. * err Jesu Christ, 242. H mein höchstes Gut, Mein Seelenschatz, mein Herzensmut, Und aller Sinnen Freude: Ich bleibe dennoch stets an dir; So ist auch nichts, das dich von mir Und Tod erstanden ist, Befreit unsrer Liebe scheide. Du von Not und Plage. Be⸗ denke, daß er Fried' gemacht, Unschuld und Leben wieder⸗— bracht, Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtnis Je⸗ sum Christ, Der nach den machst mir deinen Weg be⸗ kannt, Hältst mich bei meiner rechten Hand, Regierst und führst den Lebenslauf Und hilfest meiner Schwachheit auf. Herr Jesu Christ, Du bist mein Licht, du bist mein Jesus⸗ Licht, Ich folge dir, so irr' ich nicht. 2. Du leitest mich nach deinem Rat, Der anders nichts beschlossen hat, Als was mir Segen bringet. Geht's gleich zu Zeiten wunderlich, So weiß ich dennoch, daß durch dich Der Ausgang wohl ge⸗ linget. Nach hartem Tritt auf rauher Bahn Nimmst du mich dort mit Ehren an, Wo mich vor deinem Thron er⸗ freut Die Krone der Gerech⸗ tigkeit. Herr Jesu Christ, Ach mit Begier, ach mit Be⸗ gier Wünsch' ich zu sein, mein Gott, bei dir. 3. Mein alles ist auf dich Lieder. 17¹ Hölle wär', Mein Glaube doch nichts achten. Du bist und bleibest doch mein Heil Und meines Herzens Trost und Teil; So wird und muß durch dich allein Auch Leib und Seele selig sein. Herr Jesu Christ, Ich hoffe fest, ich hoffe fest, Daß deine Kraft mich nicht verläßt. 5. Wer von dir weicht und auf der Welt Dir nicht be⸗ ständig Glauben hält, Muß freilich wohl verderben Und kann, weil er die Lust und Pracht Des Fleisches hier zum Himmel macht, Den Him⸗ mel dort nicht erben. Wer Teufeln folgt und ärgerlich gericht't; Hab' ich nur dich., In Sünden lebet wider dich so frag' ich nicht Nach Him-⸗Und denket an die Buße nicht, mel und nach Erden. Denn Den bringst du um durch dein wär' der Himmel ohne dich, Gericht; Herr Jesu Christ, So könnte keine Lust für mich Und bist dabei und bist dabei In tausend Himmeln werden. Wärst du nicht schon auf Erden mein, Möcht' ich auch nicht auf Erden sein; Denn auch die ganze weite Welt Hat nichts, das mir wie du gefällt. Herr Jesu Christ, Wo du nicht bist, wo du nicht bist, Ist nichts, das mir er⸗ freulich ist. Dem, der dir treu ist, ewig treu. 6. Drum halt' ich mich ge⸗ trost zu dir; Du aber hältst dich auch zu mir; Und dies ist meine Freude. Ich setze meine Zuversicht Auf dich, mein Fels, der nicht zerbricht In Freud' und auch im Leide. Dein Thun soll alles und 4. Und sollte mir durch allein Im Herzen mir und Kreuz und Not, Durch Marter, Munde sein, Bis ich dich kann durch Gewalt und Tod Auch mit Augen sehn; Ach, möchte Leib' und Seel' verschmachten: solches bald geschehn! Herr Dies Alles wird, wenn's auch Jesu Christ, Ich warte drauf, noch mehr, Ja gar wie eine ich warte drauf, Komm, komm IIee uι.—v— 172 Jesus⸗Lieder. mein Heiland, auf! Erdm. Neumeister, geb. 1671 14 1756. nimm mich Eigne Melodie. 243. erzlich lieb hab' * ich dich, o Herr, Ich bitt', wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Hilf' und Gnaden! Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd und Himmel frag' ich nicht, Wenn ich dich nur kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, Mein Gott und Herr, ½/½ In Schanden laß mich nimmer⸗ mehr! 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab' Mein Leib und Seel' und was ich hab' In diesem armen Leben; Damit ich's brauch' zum Lobe dein, Zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst mir dein' Gnade geben! Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr', Des Satans Mord und Lügen wehr', In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ich's trag' ge⸗ duldiglich! Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, Tröst' mir mein' Seel' in Todesnot. 3. Ach, Herr, laß dein' lieb' Engelein Am letzten End' die Seele mein In Abrahams Schoß tragen, Den Leib in sein'm Schlafkämmerlein Gar sanft, ohn' ein'ge Qual und Pein, Ruh'n bis zum jüngsten Tage! Alsdann vom Tod er⸗ wecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud', o Gottes Sohn, Mein Hei⸗ land und mein Gnadenthron! Herr Jesu Christ, Erhöre mich, erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich. Mart. Schalling, geb. 1532 + 1608. Mel. Einst ist not. erzog unsrer Se⸗ 244. H aketten Zeuch' uns in dein Heiligtum, Da du uns die Stätt' bereiten Und hier im Triumph herum Als deine Erkauften siegpräch⸗ tig willst führen: Laß unsere Bitte dein Herze jetzt rühren! Wir wollen dem Vater als Opfer dastehn Und in der Gemeinschaft der Leiden hin⸗ gehn. 2. Er hat uns zu dir ge⸗ zogen, Und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwogen, Daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben Dem ganzen natürlichen Seelenver⸗ derben. Ach, pflanze und setz' uns zum Tode hinzu: Sonst finden wir ewig kein Leben noch Ruh'. 3. Aber hier erdenkt die Schlange So viel Ausflucht überall; Bald macht sie dem Jesus⸗Lieder. Willen bange, Bald bringt sie die Lust zu Fall. Es bleibet das Leben am kleinsten oft kleben, Und will sich nicht völlig zum Sterben hingeben; Es schützet die besten Ab⸗ sichten noch vor, Und bauet so Höhen und Festung empor. 4. Drum, o Schlangen⸗ treter, eile, Führ' des Todes Urteil aus! Brich entzwei des Mörders Pfeile, Wirf den Drachen ganz hinaus! Ach, laß sich dein neues ent⸗ standenes Leben In unser verblichenes Bildnis eingeben; Erzeig' dich verkläret und herrlich noch hier, Und bringe ein neues Geschöpfe herfür! 5. Führe die zerstreuten Sinnen In dich, Jesu, gänz⸗ lich ein; Daß sie neuen Raum gewinnen, Nur von dir er⸗ füllt zu sein. Ach, lege die Mächte der Finsternis nieder, Erneu're die Kräfte des Geistes uns wieder, Der von dem verkläreten Jesu sich nähr' Und gegen der Gottheit Ver⸗ ächter sich wehr'. 6. Stärke deinen zarten Samen, Der dein Mannes⸗ alter schafft, Daß wir hier in Jesu Namen Stehn vor Gott in Jünglingskraft, Den Bösewicht völlig in dir zu besiegen, Daß endlich die Feinde zu Füßen dir liegen; So soll aus dem Tode das Leben aufgehn, Und hier noch in völliger Mannheit erstehn. 173 7. Lebe dann und lieb' und labe In der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die erneuerte Natur, Erwecke dein Paradies wieder im Grunde Der Seelen, und bringe noch näher die Stunde, Da du dich in all' deinen Gliedern verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens ge⸗ währst. 8. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu sein, Deinem Bilde gleich zu werden Im Tod, und zu nehmen ein Des Le⸗ bens vollkommene Freiheit und Rechte, Als eines vollen⸗ deten Heilands Geschlechte. Der Unglaub' mag denken, wir bitten zu viel, So thust du doch über der Bittenden Ziel. G. Arnold, geb. 1666 1 1714. Eigne Melodie. öchster Priester, 245. H 53 du dich Selbst geopfert hast für mich: Laß doch, bitt' ich, noch auf Erden Auch mein Herz dein Opfer werden. 2. Denn die Liebe nimmt nicht an, Was du, Liebe, nicht gethan. Was durch deine Hand nicht gehet, Wird zu Gott auch nicht erhöhet. 3. Drum so töt' und schlachte hin Meinen Willen, meinen Sinn, Reiß mein Herz aus 174 meinem Herzen, Sollt's auch sein mit tausend Schmerzen. 4. Trage Holz auf den Altar Und verbrenn' mich ganz und gar, O du allerliebste Liebe; Wenn doch nichts mehr von mir bliebe! 5. Also wird es wohl ge⸗ schehn, Daß der Herr es wird ansehn; Also werd' ich noch auf Erden Gott ein liebes Opfer werden. Joh. Scheffler(Angelus Silesius) geb. 1624 1677 Eigne Melodie. 246. Och bete an die Macht der Liebe, Die sich in Jesu offenbart; Ich geb' mich hin dem freien Triebe, Mit dem ich Wurm geliebet ward; Ich will, an⸗ statt an mich zu denken, Ins Meer der Liebe mich ver⸗— senken. 2. Wie bist du mir so sehr gewogen, Und wie verlangt dein Herz nach mir! Durch Liebe sanft und stark gezogen, Neigt sich mein alles auch zu dir; Du traute Liebe, gutes Wesen, Du hast mich, ich hab' dich erlesen. 3. Ich fühl's, du bist's, dich muß ich haben; Ich fühl's, ich muß für dich nur sein. Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben; Mein Ruh'' platz ist in dir allein. Hier ist die Jesus⸗Lieder. Drum folg' ich deinen sel'gen Zügen. 4. Für dich ist ewig Herz und Leben, Erlöser, du mein einzig Gut. Du hast für mich dich hingegeben Zum Heil durch dein Erlösungsblut. Du Heil des schweren tiefen Falles, Für dich ist ewig Herz und alles. 5. Ich liebt' und lebte recht im Zwange, Als ich mir lebte ohne dich, Ich wollte dich nicht, ach, so lange! Doch liebtest du und suchtest mich. O wenn doch dies der Sün⸗ der wüßte! Sein Herz wohl bald dich lieben müßte. 6. O Jesu, daß dein Name bliebe Im Grunde tief ge⸗ drücket ein; Möcht' deine suͤße Jesusliebe In Herz und Sinn gepräget sein! In Wort und Werk, in allem Wesen Sei Jesus und sonst nichts zu lesen. 7. In diesem teuren Je⸗ susnamen Das Vaterherze öffnet sich; Ein Brunn' der Liebe, Fried' und Freude Quillt nun so nah, so mildig⸗ lich. Mein Gott, wenn's doch der Sünder wüßte! Sein Herz alsbald dich lieben müßte. 8. Lob sei dem hohen Je⸗ susnamen, In dem der Liebe Quell entspringt, Von dem hier alle Bächlein kamen, Aus Ruh', hier ist Vergnügen; dem die sel'ge Schar dort trinkt. Wie beugen sie sich Jesus⸗Lieder. ohne Ende, Wie falten sie die frohen Hände! G. Tersteegen, geb. 1697 + 1769. Eigne Melodie. 47 Dch laß dich nicht, TI. V du mußt mein Jesusbleiben; Will rauhe Not, Welt, Hölle, Tod Mich aus dem Stand der festen Treue treiben; Nur her, ich halte mich, Mein starker Held an dich. Hör, was die Seele spricht: Du mußt mein Je⸗ sus bleiben, Ich laß dich hicht., 2. Ich laß dich nicht, du allerhöchste Liebe; Wenn Zweifel sich Setzt wider mich; 175⁵5 weiche nicht von dir; Verstelle dein Gesicht, Du Hülf' in allen Nöten, Ich laß dich 5. Ich laß dich nicht, sollt' ich den Segen lassen? Nein, Jesu, nein, Du bleibest mein, Dich halt' ich noch, wenn ich nichts mehr kann fassen, Nach kurzer Nächte Lauf Geht mir der Segen auf Von dir, dem Segenlicht: Sollt' ich den Segen lassen? Ich laß dich nicht.. 6. Ich laß dich nicht, führ' mich nach deinem Willen, J folge nach durch Wohl und Ach, Dein weiser Schluß kann allen Kummer stillen. Dir, nicht. Ich kenne deiner Liebe starke Jesu, hang' ich an Und fürchte Triebe, Du trugest Schuld und Pein, Sollt' ich verurteilt sein An jenem Weltgericht? Du allerhöchste Liebe, Ich laß dich nicht. 3. Ich laß dich nicht, du süße Seelenstärke, Die mich erlabt, Mit Kraft begabt, Wenn ich in mir des Geistes Ohnmacht merke. Macht mich der Krankheit Ach Durch Schmerzensnächte wach, Die frische Liebe spricht: Du süße Seelenstärke, Ich laß dich hicht.„ 4. Ich laß dich nicht, du Hülf' in allen Nöten! Leg' keine Bahn, Ob auch der Dorn mich sticht, Führ' mich nach deinem Willen, Ich laß dich nicht. 7. Ich laß dich nicht, auch in dem Schoß der Freude; Denn wenn ich mich Seh' ohne dich, So ist die Lust mir eine Wermutweide. Mir graut vor ihrer Kost, Wenn nicht von deinem Trost Mein Herz durchsüßet spricht Auch in dem Schoß der Freude: Ich laß dich nicht. 2: 8. Ich laß dich nicht, mein Gott, mein Herr, mein Leben; Mich reißt das Grab Von Joch auf Joch, Ich hoffe doch, dir nicht ab, Der du dich hast Auch wenn es scheint, als für mich in Tod gegeben. wolltest du mich töten. Mach's, Du starbst aus Liebe mir: wie du willst, mit mir, Ich Ich sag' in Liebe dir, Auch 176 wenn das Herz zerbricht, Mein Gott, mein Herr und Leben: Ich laß dich nicht. Wolfg. Christ. Deßler, geb. 1660 f 1722. Eigne Melodie. 248² Och will dich lieben, . meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier, Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen aller⸗ besten Freund; Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lieben, Gottes⸗ lamm, Als meinen Bräu⸗ tigam. 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Schönheit, du! Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid und bin be⸗ trübt, Daß ich so spät ge⸗ liebt. 4. Ich lief verirrt und war Jesus⸗Lieder. dir, du Himmelswonne, Daß du mich froh und frei ge⸗ macht. Ich danke dir, du güldner Mund, Daß du mich machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen, Und laß mich nicht mehr irre gehn: Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; Erleucht' mir Leib und Seele ganz, Du starker Himmels⸗ glanz! 7. Gieb meinen Augen süße Thränen, Gieb meinem Her⸗ zen keusche Brunst; Laß meine Seele sich n in Zu üben in der Liebeskunst; Laß mei⸗ nen Geist, Sinn und Ver⸗ stand Stets sein zu dir ge⸗ wandt. 8. 9 will dich lieben, meine Krone, Ich will dich lieben, meinen Gott; Ich will dich lieben ohne Lohne, Auch in der allergrößten Not; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. Joh. Scheffler(Angelus Silesius), geb. 1623 1677. verblendet; Ich suchte dich und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht: Nun aber ist's durch dich geschehn, Daß ich dich hab' ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dich, We Eigne Melodie. 249 Jesu, komm doch selbst zu mir Und verbleibe für und für; Komm doch, werter Seelen⸗ freund, Liebster, den mein Herze meint. 2. Tausendmal begehr' ich il sonst nichts ver⸗ Jesus⸗Lieder. nüget mich; Tausendmal shnei ich zu dir: Jesu, Jesu, komm zu mir. 3. Keine Lust ist auf der Welt, Die mein Herz zufrie⸗ den stellt; Jesu, nur dein Nahesein Nenn' ich meine Lust allein. 4. Aller Engel Glanz und Pracht, Und was ihnen Freude macht, Ist mir, süße Seelen⸗ freud', Ohne dich nur Herze⸗ leid. 5. Nimm nur alles von mir hin, Ich verändre nicht den Sinn: Du, o Jesu, mußt allein Ewig meine Freude sein. 6. Keinem andern sag' ich zu, Daß ich ihm mein Herz aufthu'; Dich alleine laß ich ein, Dich alleine nenn' ich mein. 7. Dich alleine, Gottes Sohn, Heiß' ich meine Kron' und Lohn: Du für mich ver⸗ wund'tes Lamm Bist allein mein Bräutigam. 8. O so komm denn, süßes erz, Und vermindre meinen chmerz; Denn ich schreie für und für: Jesu, Jesu, komm h zu mir. 9. Nun, ich warte mit Ge⸗ duld, Bitte nur um diese Huld, Daß du einst in Todespein Wollest ganz mein Jesus lein. Joh. Scheffler(Angelus Silesius), geb. 1623 f 1677. 177 Eigne Melodie. 250.Jeh meine Freude, 0 Meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier! Ach wie lang', ach lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, Außer dir soll mir auf Erden Nichts sonst liebers werden. 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei; Laß den Satan wittern, Und die Welt erschüttern; Mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, Ob gleich Sünd' und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe, Ich steh' hier und singe In gar sichrer Ruh', Gottes Macht hält mich in Acht; Erd' und Abgrund muß sich scheuen, Ob sie noch so dräuen. 4. Weg mit allen Schätzen, Du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust! Weg ihr eitlen Ehren, Ich mag euch nicht ören, Bleibt mir unbewußt! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht, Gute Nacht ihr Sünden, Bleibet weit da⸗ 12 178 hinten, Kommt nicht mehr ans Licht. Gute Nacht, du Stolz und Pracht, Dir sei Nach o Lasterleben, Gute acht gegeben. 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister Jesus tritt herein; Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Freude sein. Duld' ich schon hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude! Joh. Frank, geb. 1618 + 1677. Mel. Jesu, meines Lebens. Desu, meiner Seele 251. 0 Leben, Meines Herzens höchste Freud', Dir will ich mich ganz ergeben, Jetzt und bis in Ewigkeit. Meinen Gott will ich dich nennen Und vor aller Welt bekennen, Daß ich dein bin, und du mein; Ich will keines andern sein! 2. Deine Güt' hat mich umfangen, Eh' als mich die Welt umfing; Du bist mir schon nachgegangen, Als an Mutterbrust ich hing; Bin getauft auf deinen Namen, Bin gezählt zu deinem Samen; Ich bin dein, und du bist mein; Ich will keines andern sein! 3. Irr' ich, sucht mich deine Liebe; Fall' ich, hilfet sie mir auf; Ist es, daß ich mich be⸗ trü ibe Tröst't sie wüch in mei⸗ Jesus⸗Lieder. nem Lauf; Bin ich arm, giebt sie mir Güter; Schlaf' ich ein, sie ist mein Hüter. Ich bin dein, und du bist mein⸗ Ich will keines andern sein 4. Dein Geist zeiget mir das Erbe, Das mir droben beigelegt; Ich weiß, wenn ich heute sterbe, Wo man meine Seel' hinträgt. Zu dir, Jesu, in die Freude; Trotz, daß mich was von dir scheidel Ich bin dein, und du bist mein; Ich will keines andern sein! 5. Dieses alles ist gegründet Nicht auf mein Verdienst und Werk; Was mein Herz an Trost empfindet, Was an Fried' und Freud' und Stärk', Herr, das dank' ich deinem Blute, Das allein kommt mir zu gute. Ich bin dein, und du bist mein; Ich will keines andern sein! 6. Drum ich sterbe oder lebe, Bleib' ich doch dein Eigentum. Dir, Herr, ich mich ganz ergebe; Du bist meiner Seele Ruhm, Meine Zuversicht und Freude, Und mein Trost in allem Leide. Ich bin dein, und du bist mein, Ich will keines andern sein! Christian Scriver, geb. 1629 4 1693. Mel. Jesu, komm doch selbst zu mir. — 2) Fesu, meiner Seele 252.J Ruh', Und mein bester Schatz dazu, Alles bist V Jesus⸗ du mir allein, Sollst auch ferner alles sein. 2. Liebet jemand in der Welt Edle Schätze, Gut und Geld, Jesus und sein teures lut Ist mir mehr denn alles Gut. 3. Stellen meine Feinde sich Oeffentlich gleich wider mich: Jesus reißt aus aller Not, Sieget über Höll' und Tod. 4. Bin ich krank, und ist kein Mann, Der die Schwach⸗ heit heilen kann: Jesus will mein Arzt in Pein Und mein treuer Helfer sein. 5. Bin ich nackend, arm und bloß, Und mein Vorrat ist nicht groß: Jesus hilft zur rechten Zeit Meiner armen Dürftigkeit. 6. Muß ich in das Elend fort, Hin an einen fremden Lieder. 179 Eigene Melodie. 253 Desus, Jesus, nichts ² 99 als Jesus Soll mein Wunsch sein und mein Ziel; Jetzund mach' ich ein Verbündnis, Daß ich will, was Jesus will; Denn mein Herz mit ihm erfüllt, Rufet nur: Herr, wie du willt! 2. Einer ist es, dem ich lebe, Den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, Was er mir gegeben hat. Ich bin in dein Blut ver⸗ hüllt: Führe mich, Herr, wie du willt! 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, Und ist doch zuwider dir: Ach, so nimm es bald zurücke; Jesu, gieb, was nützet mir. Gieb dich mir, Herr Jesu, mild; Nimm mich dir, Herr, Ort: Jesus sorget selbst für wie du willt! mich, Schützet mich ganz wun⸗ 4. Und vollbringe deinen derlich Willen In, durch, an mir, o 7. Muß ich dulden Hohn mein Gott. Deinen Willen und Spott Um den Herrn laß erfüllen Mich im Leben, und sein Gebot: Jesus giebt Freud' und Not, Sterben als mir Kraft und Macht, Daß ich dein Ebenbild, Herr, wann, 1 an nicht il ic wo und wie du willt! 8. Drum, o Jesu, will ich ů 2 459(ce⸗ dich Immer lieben festiglich, Een Den dn u anh viel Du, o Jesu, sollst allein Mei⸗ s deschentt und mi = dazu Hast geschenkt und mir ner Seele alles sein. 4* 5 7t1 9. Endlich, laß, du höchstes erniesen„Deß snd. n Eut Jesu, laß dein 5sel'ger Ruh: Es geschehe mir, Nres mein Schild, Wie du willt! Blut, Deine Wunden, deine du willt! Pein Meinen Trost im Tode Herr, wie du sein Ludämilia Elisabeth, Gräfin zu Schworz⸗ burg⸗Rudolstadt, geb. 1640 4 167² Lucas Backmeister, geb. 1578 + 1638. 18⁰ Jesus⸗Lieder. Mel. Alle Menschen müssen sterben. ten, Die ich fröhlich fange an, 254 Desus schwebt mir 5N in Gedanken, Jesus liegt mir stets im Sinn: Von ihm will ich nimmer ben bin. Er ist meiner Au⸗ en Weide, Meines Herzens höchste Freude, Meiner Seele schönste 2— Jesum lieb' ich für und für 2. Jesus funkelt mir im Herzen, Wie ein güld'nes Ster⸗ nelein; Er vertreibt mir Angst und Schmerzen, Er ist mein, und ich bin sein; Drum er⸗ greif' ich ihn mit Freuden, Wenn 10 soll von hinnen scheiden; Er ist meines Lebens Licht: Jesum laß ich von mir nicht. 3. Jesu habe ich geschworen, Da ich von den Sünden rein Und von neuem ward gebo⸗ ren In der heil'gen Taufe mein; Ihm will ich's auch treu⸗ lich halten Und in allem lassen walten, Es sei Leben oder Tod: Jesus hilft aus aller Not. 4. Jesum will ich bei mir haben, Wenn ich gehe aus und ein; Seines Geistes Trost und Gaben Ruhn in meines Her⸗ zens Schrein; Ja, wenn ich zu Bette gehe, Oder wiederum aufstehe, Bleibt doch Jesus früh und spat Meiner Seele Schutz und Rat. 5. Jesum will ich lassen raten, Der am besten raten Wenn nur Jesus Hülfe t wanken, Weil ich hier im Le⸗ kann; Er gesegne meine Tha-Nach dem Fall hast wieder⸗ Daß in seinem teuren Namen Alles glücklich sei und Amen; So wird alles werden gut, 9ul 6. Jesus, meiner Jugend Leiter Und Regierer meiner Sinn', Wird auch sein mein Trostbereiter, Wenn ich alt und kraftlos bin, Wenn sich krümmen meine Glieder Und die Lebenssonn' geht nieder, Wenn verdunkelt mein Gesicht: Meinen Jesum laß ich nicht. 7. Jesus soll in allen Lei⸗ den Mein getreuer Beistand sein; Nichts, nichts soll mich von ihm scheiden, Es soll keine Herzenspein, Keine Trübsal, keine Schmerzen Reißen ihn aus meinem Herzen: Ob mir gleich mein Herz zerbricht, Laß ich dennoch Jesum nicht. 8. Jesu leben, Jesu sterben, Jesu einzig eigen sein Und mit Jesu dorten erben: Dies ist mein Gewinn allein. Jesu will ich sein und bleiben, Nichts, nichts soll mich von ihm trei⸗ ben; Laß ich gleich Gut, Blut und Ehr', Jesum dennoch nimmermehr. Wesel 1692. Mel. Komm, o komm, du Geist des Lebens. 255. KH die du mich * zum Bilde Dei⸗ ner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde Jesus⸗Lieder. 181 bracht: Liebe, dir ergeb' ich geb' ich mich, Dein zu bleiben mich, Dein zu bleiben ewiglich. ewiglich. 2. Liebe, die du mich er⸗ koren, Eh', als ich geschaffen war, Liebe, die du Mensch ge⸗ boren Und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu blei⸗ ben ewiglich. 3. Liebe, die für mich ge⸗ litten Und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat er⸗ stritten Ew'ge Lust und Se⸗ ligkeit: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe, die sich dargegeben Mir zum Heil und Seelenhort: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu blei⸗ ben ewiglich. 5. Liebe, die mich hat ge⸗ bunden An ihr Joch mit Leib und Sinn, Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu blei⸗ ben ewiglich. 6. Liebe, die mich ewig lie⸗ bet, Die für meine Seele bitt, Liebe, die das Lösgeld giebet Und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Johann Scheffler(Angelus Silesius), geb 1624 + 1677. Eigne Melodie. 256. einen Jesum * laß ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Klettenweis an ihm zu kleben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Zesum laß ich nimmer nicht, Weil ich soll auf Erden leben, Ihm hab' ich voll Zu⸗ versicht, Was ich bin und hab', ergeben, Alles ist auf ihn ge⸗ richt't, Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Jaß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Tühlen weichen; Laß das letzte Tages⸗ licht Mich auf dieser Welt er⸗ reichen; Wenn der Lebensfaden bricht, Meinen Jesum laß ich nicht. 4. Zch werd' ihn auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin 216 langet, Wo vor seinem An⸗ gesicht Meiner Väter Glauben pranget; Mich erfreut sein Angesicht, Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Aicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seele 7. Liebe, die mich wird er⸗ wünscht und stöhnet; Jesum wecken Aus dem Grab der wünscht sie und sein Licht, Der Sterblichkeit, Liebe, die mich mich hat mit Gott versöhnet wird umstecken Mit dem Laub Und befreiet vom Gericht, Mei⸗ der Herrlichkeit: Liebe, dir er⸗ nen Jesum laß ich nicht. 182 6. Zesum laß ich nicht von mir, Geh' ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für Zu dem Lebensbäch⸗ lein leiten. Selig, der mit mir so spricht: Meinen Zesum laß ich nicht. Christian Keymann, geb. 1607 4 1662. Mel. Jesu, der du meine Seele. Soh. 10. 14. 27. 257. 20. Sesu, frommer Menschenherden Guter und getreuer Hirt, Laß mich auch dein Schäflein wer⸗ den, Das dein Stab und Stimme führt. Ach, du hast aus Lieb' dein Leben Für die Schafe hingegeben Und du gabst es auch für mich: Laß mich wieder lieben dich. 2. Herden ihren Hirten lie⸗ ben, Und ein Hirt liebt seine Jesus⸗Lieder. lein. Hirten sich zur Herde( kehren, Wenn sie rufen groß und klein; Wenn du rufest, laß mich eilen, Wenn du dräuest, nicht verweilen, Laß mich horchen stets auf dich, Jesu, höre du auch mich. 5. Höre, Jesu, und erhöre Meine, deines Schäfleins, Stimm'; Mich auch zu dir schreien lehre, Wenn sich naht des Wolfes Grimm; Laß mein Schreien dir gefallen, Deinen Trost herniederschallen, Wenn ich bete, höre mich; Jesu sprich: Ich höre dich. 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn ich ruf', anklopf' und schrei', Jesu, dich von mir nicht kehre, Steh mir bald in Gnaden bei. Ja, du hörst; in deinem Namen Ist ja alles Ja und Amen. Nun ich glaub' Herd'; Laß uns auch so Liebe und fühle schon Deinen Trost, üben, Du im Himmel, ich auf o Gottes Sohn! Erd'. Schallet deine Lieb' hernieder, Soll dir meine schallen wieder; Wenn du rufst: ich liebe dich, Ruft mein Herz: dich liebe ich. 3. Schafe ihren Hirten ken⸗ nen, Dem sie auch sind wohl⸗ bekannt; Laß mich auch für dich entbrennen, Wie du bist für mich entbrannt. Als des argen Wolfes Rachen Mich zur Beute wollte machen, Riefest du: ich kenne dich, Ich auch rief: dich kenne ich. 4. Herden ihre Hirten hö⸗ ren, Folgen ihrer Stimm' al⸗ Siegmund von Birken, geb. 1626 f 1681 Mel. Gott des Himmels. 6 58 Men Lebens 2⁵ H beste Freude Ist der Himmel, Gottes Thron; Meiner Seele Trost und Weide Ist mein Jesus, Gottes Sohn: Was mein Herze recht erfreut, Ist in jener Herrlichkeit. 2. Andre mögen sich er⸗ quicken An den Gütern dieser Welt, Ich will nach dem Him⸗ mel blicken Und zu Jesu sein gesellt: Denn der Erde Gut Jesus⸗Lieder. vergeht, Jesus und sein Reich besteht! 3. Reicher kann ich nirgends werden, Als ich schon in Jesu bin. Alle Schätze dieser Er⸗ den Sind ein schnöder Angst⸗ gewinn. Jesus ist das rechte Gut, Das der Seele sanfte thut. 4. Glänzet gleich das Welt⸗ gepränge, Ist es lieblich anzu⸗ sehn, Währt es doch nicht in die Länge, Und ist bald da⸗ rum geschehn: Plötzlich pfleget aus zu sein Dieses Lebens Glanz und Schein. 5. Aber dort des Himmels Gaben, Die mein Jesus eigen hat, Können Herz und Seele at. Machen ewig reich und att. Zeit Jenes Lebens Herrlichkeit. 6. Rost und Motten, Raub Es vergeht zu keiner trüb' gemacht, 183 Zier, Geht auch aller Freude für. 9. Ach! so gönne mir die Freude, Jesu, die dein Him⸗ mel hegt, Sei du selber meine Weide, Die mich hier und dort verpflegt, Und, in dir recht froh zu sein, Nimm mich in den Himmel ein. Salomo Liscovius, geb. 1640 f 1689. Eigne Melodie. ein Jesu, dem 259. M die Seraphi⸗ nen Im Glanz der höchsten Majestät Selbst mit bedecktem Antlitz dienen, Wenn dein Befehl an sie ergeht: Wie sollten blöde Fleischesaugen, Die der verhaßten Sünden Nacht Mit ihrem Schatten Dein helles Licht zu schauen taugen? 2. Doch gönne meinen Glau⸗ und Feuer Schaden auch der 6 141 7 er bensblicken Den Eingang in Freude nicht, Die mein Jesus, dein Heiligtum, Und laß Wuh mein getreuer, Und sein Him⸗ deine Gnad' erquicken Zu mei⸗ mel mir verspricht; Dort ist nem Heil und deinem Ruhm; alles abgethan, Was die Seele Reich deinen Scepter meiner kränken kann. Seele, Die sich in Demut vor 0 7. Einen Tag bei Jesu sitzen dir neigt Und dir als deine Ist viel besser, als die Welt Braut sich zeigt; Sprich, ja, Tausend Jahr' in Freuden du bist's, die ich erwähle. nützen; Aber ewig sein gestellt 3. Sei gnädig, Jesu, voller Zu des Herren rechter Hand, Güte Dem Herzen, das nach Bleibt ein auserwählter Stand. Gnade lechzt! Hör', wie die 8. Crinken, Essen, Tanzen, Zung und das Gemüte: Gott Springen Labet meine Seele sei mir Armen gnädig! ächzt. nicht; Aber nach dem Himmel Ich weiß, du kannst mich nicht ringen Und auf Jesum sein verstoßen, Wie könntest du un⸗ gericht't. Ist der Seele schönste gnädig sein Mir, den dein + Blut von Schuld und Pein Erlöst, da es so reich ge— flossen? 4. Ich fall' in deine Gna⸗ denhände Und bitte mit dem Glaubenskuß: GerechterKönig, wende, wende Die Gnade zu der Herzensbuß! Ich bin ge⸗ recht durch deine Wunden; Es ist nichts Sträflich's mehr an mir; Bin aber ich versöhnt mit dir, So bleib' ich auch mit dir verbunden. 5. Ach, laß mich deine Weisheit leiten Und nimm ihr Licht nicht von mir weg, Stell deine Gnade mir zur Seiten, Daß ich auf dir beliebtem Steg Beständig bis ans Ende wandle, Damit ich auch zu dieser Zeit In Lieb' und Her⸗ ensfreudigkeit Nach deinem ort und Willen handle. 6. Reich mir die Waffen aus der Höhe Und stärke mich durch deine Macht, Daß ich im Glauben sieg' und stehe, Wann Stärk und List der Feinde wacht: So wird dein Gnadenreich auy Erden, Das uns zu deiner Ehre führt Und endlich gar mit Kronen ziert, Auch immer ausgebreitet werden. 7. Ja, ja, mein Herz will dich umfassen, Erwähl' es, Herr, zu deinem Thron! Hast du aus Lieb' eh'mals verlassen Des Himmels Pracht und deine Kron': So würd'ge auch mein Herz, o Leben, Und laß Jesus-Lieder. es deinen Himmel sein, Bis du, wann dieser Bau fällt ein, Mich wirst in deinen Himmel heben. 8. Ich steig' hinauf zu dir im Glauben; Steig' du in Lieb' herab zu mir; Laß mir nichts diese Freude rauben, Erfülle mich nur ganz mit dir! Ich will dich fürchten, lieben, ehren, So lang' in mir der Puls sich regt; Und wenn derselb auch nicht mehr schlägt, So soll doch noch die Liebe währen. Wlfg. Christoph Deßler, geb. 1660 1722. Mel. So ist denn nun die Hütte. ein Salomo), 260. M dein freund⸗ liches Regieren Stillt alles Weh, das meinen Geist be⸗ schwert; Wenn sich zu dir mein blödes Herze kehrt, So läßt ö sich bald dein Friedensgeist verspüren. Dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn Und nimmt die Furcht und Unruh' von mir hin. 2. Gewiß mein Freund giebt solche edle Gaben, Die alle Welt mir nicht verschaffen kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichtum an; Er kann ja nicht die müden See⸗ len laben. Mein Jesus kann's; er thut's im Ueberfluß! Wenn alle Welt zurücke stehen muß. *) Friedefürst. . Jesus⸗Lieder. 3. O süßer Freund, wie wohl ist dem Gemüte, Das im Gesetz sich so ermüdet hat Und nun zu dir, dem Seelen⸗ leben, naht, Und schmeckt in dir die wundersüße Güte, Die alle Angst, die alle Not ver⸗ schlingt, Und unsern Geist zu sanfter Ruhe bringt! 4. Gewiß, mein Freund, wenn deine Liebeszeichen Mein armes Herz so sänftiglich durchgehn, So kann in mir ein reines Licht 98. 2 Durch das ich kann das Vaterherz erreichen, In dem man nichts als nur Vergebung spürt, Da eine Gnadenflut die andre rührt. 5. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret, Je mehr es Kraft und Seligkeit genießt, Daß es dabei der Eitelkeit vergißt, Die sonst den Geist gedämpfet und beschweret; Je mehr das Herz den süßen Vater schmeckt, Je mehr wird es zur Heiligkeit erweckt. 6. Der Gnadenquell, der in der Seele fließet, Der wird in ihr ein Brunn' des Lebens sein, So in das Meer des Lebens springt hinein Und Lebensströme wieder von sich ießet. Behält in dir dies Wasser seinen Lauf, So geht in 90 die Frucht des Geistes auf. 7. Wenn sich in dir des Herren Klarheit spiegelt, Die d Freundlichkeit aus seinem An⸗ 185 gesicht, So wird dadurch das Leben angericht't, Die Heim⸗ lichkeit der Weisheit aufgesie⸗ elt, Ja selbst dein Herz in solches Bild verklärt, Und alle Kraft der Sünden abgewehrt. 8. Was dem Gesetz unmög⸗ lich war zu geben, Das bringt alsdann die Gnade selbst her⸗ für. Sie wirket Lust zur Hei⸗ ligkeit in dir Und ändert nach und dein ganzes Leben, Indem sie dich aus Kraft in Kräfte führt Und mit Geduld und Langmut dich regiert. 9. Es müsse doch mein Herz nur Christum schauen! Be⸗ suche mich, mein Aufgang aus der Höh', Daß ich das Licht in deinem Lichte seh' Und könne schlechterdings der Gnade trauen: Kein Fehler sei so groß und schwer in mir, Der 9—— von solchem Blick der Liebe führ'. 10. Wenn mein Gebrech' mich vor dir niederschläget Und deinen Geist der Kind⸗ schaft in mir dämpft; Wenn das Gesetz mit meinem Glau⸗ ben kämpft Und lauter Angst und Furcht in mir erreget: So laß mich doch dein Mut⸗ terherze sehn Und neue Kraft und Zuversicht entstehn. 11. So ruh' ich nun, mein Heil, in deinen Armen, Du selbst sollst mir mein ew'ger Friede sein; Ich hülle mich in eine Gnade ein, Mein Ele⸗ ment ist einzig dein Erbar⸗ 186 Jesus-Lieder. men, Und weil du mir mein eins und alles bist, So ist's genug, wenn dich mein Geist genießt. Christian Friedr. Richter, geb. 1676 + 1711. Eigne Melodie oder Seele, was ist schöner wohl. 1* Ruhe ist das beste 261. R Gut, Das man haben kann; Stille und ein guter Mut Steigen himmelan. Die suche du; Hier und dort ist keine Ruh', Als bei Gott, ihm eile zu. Gott ist die Ruh'. 2. Ruhe suchet jedermann, Allermeist ein Christ. Denk auch du, mein Herz, daran, Wo du immer bist. O suche Ruh'; In dir selber wohnt sie nicht; Such mit Fleiß, was dir gebricht. Gott ist die Ruh'. 3. Ruhe giebet nicht die Welt, Ihre Freud' und Pracht. Nicht giebt Ruhe Gut und Geld, Lust, Ehr', Gunst und Macht, Drum siehe zu; Wer aus Gott geboren ist, Sieht auf das, was droben ist. Gott ist die Ruh'. 4. Ruhe geben kann allein Jesus, Gottes Sohn, Der uns alle ladet ein Vor des Him⸗ mels Thron Zur wahren Ruh'. Wer den Ruf vernommen hat, Gehe ein zur Gott ist die Ruh'. 5. Ruhe beut er williglich Den Mühsel'gen an. Und erquicken wird er dich, Wie Gottesstadt. es niemand kann. Drum komm herzu. Trägst du gleich der Leiden viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel. Gott ist die Ruh'. 6. Ruhe kommt aus Glauben her, Der nur Jesum hält. Jesus machet leicht, was schwer, Richtet auf, was fällt. Sein Geist bringt Ruh'; Gieb im Glauben Herz und Sinn Gottes Geist zu eigen hin. Gott ist die Ruh'. 7. Ruhe find't sich aller⸗ meist, Wo Gehorsam blüht: Ein in Gott ergeb'ner Geist Macht ein still' Gemüt, Wirkt Seelenruh'. Selig ist, der also liebt, Daß er Gottes Willen übt. Ruh'. 8. Ruhe hat, wer willig trägt Christi sanftes Joch; Alle Last, die er auflegt, Ist ja lieblich doch, Und schaffet Ruh'. Trage still die Last des Herrn, Gottes Hülf' ist dir nicht fern. Gott ist die Ruh'. 9. Nun, so suche Ruh', mein Herz, Ruh' sei dein Gewinn. Auf und steige himmelwärts Auf zu Jesu hin. Er ist die Ruh'. Hier und dort ist keine Ruh', Als bei Gott, ihm eile zu. Gott ist die Ruh'. Nach J. C. Schabe Mel. Ich ruf' zu dir, Herr. 0 Jesu Christ, 262. O mein schönstes Gott ist die — Ee E— Jesus-Lieder. Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen; Gieb, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög' umfangen Und als dein Eigentum Nur einzig an dir hangen. 2. Gieb, daß sonst nichts in meiner Seel' Als deine Liebe wohne; Gieb, daß ich deine Lieb' erwähl' Als meine Lust und Krone. Stoß alles aus, nimm zalles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß all' mein Mut und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wo diese wohnt, kann nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts andres denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb' und dich, Der du sie kannst vermehren. 4. O, daß ich dieses hohe Gut Möcht' ewiglich besitzen! O, daß doch diese edle Glut Ohn' End' mich möcht' erhitzen! Ach, hilf mir wachen Tag und Nacht Und diesen Schatz bewahren Vor den Scharen, Die wider uns mit Macht Aus Satans Reiche fahren. 5. Mein Heiland, du bist mir zu gut In Not und Tod gegangen Und hast am Kreuz in deinem Blut Für meine 187 Sünd' gehangen, Verhöhnt, verspeit und sehr verwund't: Ach, laß mich deine Wunden Alle Stunden Mit Lieb' im Herzensgrund Auch reizen und verwunden. 6. Dein Blut, das dir ver⸗ gossen ward, Ist köstlich, gut und reine. Mein Herz hin⸗ gegen böser Art Und hart gleich einem Steine. Ach laß doch deines Blutes Kraft Mein hartes Herze zwingen, Wohl durchdringen Und diesen Lebenssaft Mir deine Liebe bringen. 7. O daß ich wie ein kleines Kind Mit Weinen dir nach⸗ ginge, So lange, bis dein Herz entzünd't, Bis mich dein Arm umfinge, Und deine Seel' in mein Gemüt In voller süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Güt' Ich stets vereinigt bliebe. 8. Mein Trost, mein Schatz, mein Licht, mein Heil, Mein höchstes Gut, mein Leben! Ach nimm mich auf zu deinem Teil; Dir hab' ich mich ergeben! Denn außer dir ist lauter Pein, Ich find' hier auf der Erden NurBeschwerden; Nichts kann mir tröstlich sein, Nichts meine Freude werden. 9. Du aber bist die rechte Ruh', In dir ist Fried' und Freude; Gieb Jesu, gieb, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide. Sei meine Flamm' und brenn' in mir; Mein 188 Jesus⸗Lieder. Balsam wollest eilen, Lindern, heilen Den Jammer, der all⸗ hier Mich seufzen macht und heulen. 10. Was ist, o Schönster, das ich nicht An deiner Liebe habe? Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, Mein Ouell, da ich mich labe; Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot, Mein Kleid vor Gottes Throne, Meine Krone, Mein Schutz in aller Not, Mein Haus, darin ich wohne. 11. Ach, liebste Lieb'ꝰ, wenn du entweichst, Was hilft's mir, sein geboren? Wenn du mir deine Lieb' entzeuchst, Ist all' mein Gut verloren. So gieb, daß ich dich, meinen Gast, Wohl such' und bestermaßen Möge fassen Und, wenn ich dich gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen. 12. Du hast mich je und je geliebt Und auch nach dir gezogen; Eh' ich noch etwas Gut's geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach, laß doch ferner, edler Hort, Mich deine Liebe leiten Und begleiten, Daß sie mir immerfort Bei⸗ steh' auf allen Seiten. 13. Laß meinen Stand, da⸗ rin ich steh'ꝰ, Herr, deine Liebe zieren Und, wo ich etwa irre geh', Alsbald zurechte führen; Laß sie mich allzeit guten Rat Und gute Werke lehren, Steu⸗ ren, wehren Der Sünd', und nach der That Bald wieder mich bekehren. 14. Laß sie sein meine Freud' im Leid, In Schwachheit mein Vermögen, Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen: Alsdann laß deine Liebestreu', Herr Jesu, bei mir stehen, Trost zuwehen, Daß ich getrost und frei Mög' in dein Reich eingehen. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Wie schön leuchtet. 170 Jesu, Jesu, 263. O Gottes Sohn, Mein Bruder und mein Gna⸗ denthron, Mein Schatz, mein' Freud' und Wonne! Du weißt es, daß ich rede wahr, Vor dir ist alles sonnenklar, Und klarer als die Sonne: Herz⸗ lich Lieb' ich Mit Gefallen dich vor allen, nichts auf Erden Kann und mag mir lieber werden. 2. Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, Daß ich nicht g'nug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte. Ich werd' von Tag zu Tag entzünd't. Je mehr ich lieb', je mehr ich find', Daß ich dich lieben sollte. Von dir Laß mir Deine Güte ins Gemüte lieblich fließen; So wird sich die Lieb' ergießen. 3. Durch deine Kraft treff' ich das Ziel, Daß ich, soviel ich soll und will, Dich allzeit lieben könne. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Pracht, Wollust, Ehre, Freud' und II —.— V Jesus Geld, Wenn ich mich recht Lieder. 189 reich Angesicht Mit unver⸗ besinne, Kann mich Ohn' dich wandtem Augenlicht, Ohn' alle G'nugsam laben; ich muß haben reine Liebe; Die tröst't, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst seinem Herzen Fried' und Ruh', Er⸗ freuest sein Gewissen. Es geh' ihm, wie es woll' auf Erd', Wenn ihn gleich ganz das Kreuz verzehrt, Soll er doch dein genießen. Ewig Selig Nach dem Leide große Freude wird er finden; Alles Trauern muß verschwinden. 5. Kein Ohr hat dies jemals gehört, Kein Mensch gesehen noch gelehrt, Es kann's nie⸗ mand beschreiben, Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit't, Die in der Liebe bleiben. Gründlich Läßt sich Nicht erreichen, noch vergleichen den Weltschätzen Dies, was uns dort wird er⸗ götzen. 6. Drum laß ich billig dies allein, O Jesu, meine Sorge ein, Daß ich dich herzlich liebe, Daß ich in dem, was dir ge⸗ fällt, Und mir dein klares Wort vermeld't, Aus Liebe mich stets übe: Bis ich End⸗ lich Werd' abscheiden und mit Freuden zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd' ich deine Süßig⸗ keit, Die jetzt berühmt ist weit und breit, In reiner Liebe schmecken; Und seh'n dein lieb⸗ Furcht und Schrecken. Reichlich Werd' ich Sein erquicket und geschmücket vor dein'm Throne Mit der schönen Himmels⸗ krone. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. 264. einen Jesum * laß ich nicht; Ach, was wollt' ich Besser's haben? Ruhe, Freude, Trost und Licht Ist in seinem Schoß begraben; Alles, wasVergnügen giebt, Hab' ich, weil mich Jesus liebt. 2. Er ist mein und ich bin sein, Liebe hat uns so ver⸗ bunden, Er ist auch mein Trost allein Nur in seinen heil' gen Wunden; Auf ihn bau' ich felsenfest, Voller Hoffnung, die nicht läßt. 3. Ohne Jesum würde mir Nur die Welt zur Hölle werden Hab' ich ihn, so zeigt er mir Oft den Himmel auf der Erden; i mich, so setzt er mir rot wie lauter Manna für. 4. Eine Stunde, da man ihn Recht ins Herze sucht zu schließen, Giebt den seligsten Gewinn, Gnad' und Friede zu genießen; Ein zu ihm er⸗ hob'ner BlickBringt viel tausend Lust zurück. 5. O, wie wird mein Kreuz so klein! Hilft er's mir doch selber tragen, Richtet es zum 190 Jesus⸗Lieder. besten ein; Er will auch nicht immer schlagen. Nach der Rute kommt die Huld, Er be⸗ gehret nur Geduld. 6. Führt er mich gleich wunderlich, Rechts und links durch Freud' und Schmerzen, Er hat dennoch über mich Immer etwas Gut's im Herzen. Ja, er führt die Wunderbahn Nirgends hin, als himmelan. 7. Von der treuen Jesus⸗ hand Offenbart sich lauter Liebe; Nichts beruht auf Un⸗ bestand Bei dem treuen Liebes⸗ triebe; Jesus, immer einerlei, Ist und bleibet ewig treu. 8. Blinde Welt, such' immer⸗ hin Eitlen Tand auf dieser Erden; Außer Jesu soll mein Sinn Niemals recht vergnüget werden. Also bleibt's bei dieser Pflicht: Meinen Jesum laß ich nicht. Benj. Schmolck, geb. 1672 4 1737. — Eigne Urspr d rsprung des 265. Lebens, Oewi⸗ ges Licht, Da niemand ver⸗ Hrieht: Sucht, was ihm ge⸗ richt; Lebendige Quelle, So lauter und helle Sich aus seinem heiligen Tempel er⸗ gießt, Und in die begierigen Seelen einfließt! 2. Du sprichst: wer begeh⸗ ret Zu trinken von mir, Was ewiglich nähret, Der komme allhier Sind himmlische Gaben; Die süßiglich laben; Er trete im Glauben zur Quelle heran, Hier ist, was ihn ewig be— seligen kann. 3. Hier komm' ich, mein Mich dürstet nach dir; Jesu, bewirte Dein Schäf—⸗ lein allhier. Du kannst dein Versprechen Mir Armen nicht brechen, Du siehest, wie elend und dürftig ich bin; Auch giebst du die Gaben aus Gnaden nur hin. 4. Du süße Flur labest Geist, Seele und Mut, Und wen du begabest, Find't ewi⸗ ges Gut. Wenn man dich genießet, Wird alles versüßet; Es jauchzet, es singet, es springet das Herz, Es wei⸗ chet zurücke der traurige Schmerz. 5. Drum gieb mir zu trin⸗ ken, Was dein Wort verheißt; Laß gänzlich versinken Den sehnenden Geist Ins Meer deiner Liebe; Laß heilige Triebe Mich immerfort trei— ben zum Himmlischen hin; Es werde mein Herze ganz trunken darin. 6. Wenn du auch vom Lei⸗ den Mir schenkest was ein, So gieb, dir mit Freuden Ge⸗ horsam zu sein; Denn alle die, welche Mit trinken vom Kelche, Den du hast getrun⸗ ken im Leiden allhier, Die werden dort ewig sich freuen mit dir. 7. Dann laß mich auch werden, Mein Jesu, erquickt, Jesus⸗ Da, wo deine Herden Kein Leiden mehr drückt, Wo Freude die Fülle, Wo lieb⸗ liche Stille, Wo Wonne, wo Jauchzen, wo Herrlichkeit wohnt, Wo heiliges Leben wird ewig belohnt. Christ. Jacob Koitsch, geb. 1671 1735. Mel. Valet will ich dir geben. Schatz über alle 266. Schätze, O Jesu liebster Schatz, An dem ich mich ergötze Hier hab' ich einen Platz In meinem treuen Herzen, Dir, schönster, zuge⸗ teilt, Weil du mit deinen Schmerzen Mir meinen Schmerz geheilt. 2. ach Freude meiner Freu⸗ den, Du wahres Himmels⸗ brot, Damit ich mich kann weiden, Das meine Seelennot Ganz kräftiglich kann stillen, Und mich in Leidenszeit Er⸗ freulich überfüllen Mit Trost und Süßigkeit. 3. Jaß, Jesu, mich erblicken Dein freundlich' Angesicht, Mein Herze zu erquicken, Komm, komm, mein Freuden⸗ licht; Denn ohne dich zu leben, Ist lauter Herzeleid, Vor deinen Augen schweben, Ist wahre Seligkeit. 4. O reiche Lebensquelle, O Jesu, süße Ruh', Du treuer Kreuzgeselle, Schlag nach Be⸗ lieben zu; Ich will geduldig leiden, Und soll mich keine Pein Von deiner Liebe schei⸗ Lieder. 191 den, Noch mir beschwerlich sein. 5. Mein Herz bleibt ganz ergeben Dir immer für und für, Zu sterben und zu leben, Und will vielmehr mit dir Im tiefsten Feuer schwitzen, Als, schönster, ohne dich Im Paradiese sitzen Veracht't und jämmerlich. 6. O Herrlichkeit der Erden, Dich mag und will ich nicht; Mein Geist will himmli sch werden Und ist dahin gericht't, Wo Jesus wird geschauet; Da sehn' ich mich hinein, Wo Jesus Hütten bauet, Denn dort ist gut zu sein. 7. Aun, Jesu, mein Ver⸗ gnügen, Komm, hole mich zu dir, In deinem Schoß zu liegen Komm, meiner Seele Zier, Und setze mich aus Gnaden In deine Freuden⸗ stadt, So kann mir niemand 199 So bin ich reich und att. Salomo Liscovius, geb. 1640 1689, Eigne Melodie. 267.. Lamm: Habe Dunt für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe Von der Sün⸗ den Schlamm: Jesu, Gottes Lamm! 2. Deiner Liebe Glut Stärket Mut und Blut; Wenn du freundlich mich anblickest Und an deine Brust mich 192 Jesus-Lieder. drückest, Macht mich wohlge⸗ mut Deiner Liebe Glut. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Not und Tod: Du bist darum Mensch ge⸗ boren, Zu ersetzen, was ver⸗ loren, Durch dein Blut so rot; Wahrer Mensch und Gott! 4. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht; Salbe mich mit Freudenöle, Daß hinfort in meiner Seele Ja verlösche nicht Meines Glau⸗ bens Licht. 5. So werd' ich in dir Bleiben für und für; Deine Liebe will ich ehren Und in dir dein Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd' in di Ewiglich aufs neu Mich mit in dir. 6. Held aus Davids Stamm, Deine Liebesflamm' Mich er⸗ nähre und verwehre, Daß die Welt mich nicht versehre, Ob sie mir gleich gram: Held aus Davids Stamm! 7. Großer Friedefürst, Wie hast du gedürst't Nach der Menschen Heil und Leben Und dich in den Tod gegeben, Wie du riefst: mich dürst't! Großer Friedefürst! 8. Deinen Frieden gieb diges Vertrauen, Der wird bald und deutlich schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 10. Nun ergreif' ich dich, Du mein ganzes Ich! Ich will nimmermehr dich lassen, Sondern gläubig dich umfas⸗ sen, Weil im Glauben ich Nun ergreife dich. 11. Wenn ich weinen muß, Wird dein Thränenfluß Nun die meinen auch begleiten Und zu deinen Wunden leiten, Daß mein Thränenfluß Sich bald stillen muß. 12. Wenn ich mich aufs neu Wiederum erfreu', Freu⸗ est du dich auch zugleiche, Bis ich dort in deinem Reiche dir erfreu'. 13. Hier durch Spott und ohn: Dort die Ehrenkron'; ier im Hoffen und im Glau⸗ en: Dort im Haben und im Schauen; Denn die Ehrenkron' Folgt auf Spott und Hohn. 14. Jesu, hilf, daß ich Allhier ritterlich Alles durch dich überwinde, Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritter⸗ lich, Du gekämpft für mich. 15. Du mein Preis und Aus so großer Lieb' Uns, den Ruhm, Werte Saronsblum: Deinen, die dich kennen Und In mir soll nun nichts er⸗ nach dir sich Christen nennen, schallen, Als was dir nur Denen du bist lieb, Deinen kann gefallen, Werte Sarons⸗ Frieden gieb. blum', Du mein Preis und 9. Wer der Welt abstirbt, Ruhm. Emsig sich bewirbt Um leben⸗ Adam Drese, geb. 1620 1+ 1701. Jesus⸗ Lieder. 193 Mel. O Gott, du frommer Gott. Wenn mich mein Jesus ehrt, 268. Woas frag ich nach Was frag' ich nach der Welt? der Welt Und allen ihren Schätzen, Wenn ich mich nur an dir, Herr Jesu, kann ergötzen? Dich hab' ich einig nur Zur Lust mir vorgestellt. Du, du bist meine Ruh'. Was frag' ich nach der Welt? 2. Die Welt ist wie ein Rauch, Der in der Luft ver⸗ gehet, Und einem Schatten gleich, Der kurze Zeit beste⸗ 92 Mein Jesus aber bleibt, Wennalles bricht und fällt; Er ist mein starker Fels. Was frag' ich nach der Welt? 3. Die Welt sucht Ehr' und Ruhm Bei hocherhabnen Leuten Und denkt nicht ein⸗ mal dran, Wie bald doch diese gleiten. Das aber, was mein Herz Vor anderm rühm⸗ lich hält, Ist Jesus nur allein. Was frag' ich nach der Welt? 4. Die Welt sucht Geld und Gut Und kann nicht eher rasten, Sie habe denn zuvor Den Mammon in dem Kasten. Ich weiß ein besser Gut, Wonach mein Herze stellt: Ist Jesus nur mein Schatz, Was frag' ich nach der Welt? 5. Die Welt bekümmert sich,‚ Im Fall sie wird verachtet, Als wenn man ihr mit List Nach ihren Ehren trachtet. Ich trage Christi Schmach, So lang' es ihm gefällt. 6. Die Welt kann ihre Lust Nicht hoch genug erheben, Sie dürfte noch dafür Wohl gar den Himmel geben. Ein andrer halt's mit ihr, Der von sich selbst nichts hält: Ich liebe meinen Gott, Was frag' ich nach der Welt? 7. Was frag' ich nach der Welt? Im Hui muß sie ver⸗ schwinden, Ihr Ansehn kann durchaus Den blassen Tod nicht binden. Die Güter müssen fort, Und alle Lust verfällt; Bleibt Jesus nur bei mir, Was frag' ich nach der Welt? 8. Was frag' ich nach der Welt? Mein Jesus ist mein Leben, Mein Schatz, mein Eigentum, Dem ich mich ganz ergeben, Mein ganzes Him⸗ melreich Und was sonst mir gefällt. Drum sag' ich noch einmal: Was frag' ich nach der Welt? Georg Michael Pfefferkorn, geb. 1646 1782 Mel. Jesus, meine Zuversicht. 0— Selig, wer ihm (Setrig, 269. suchet Raum Auf den grünen Friedens⸗ matten, Bei des heil'gen Kreuzes Baum, Sitzend unter seinem Schatten; Denn er bleibet wohlgeschützt, Wenn's gleich donnert, kracht und blitzt. 2. Keine Sonne brennet 13 194 ihn Und kein Mond*) kann ihm je schaden; Sein Ge⸗ müte, Herz und Sinn Wird mit keinem Weh beladen; Er ist sicher, daß nicht Gift Noch ein Unheil ihn betrifft. 3. Seine Seele wird ge⸗ tröst't, Wie ein Schaf auf grünen Weiden, Wenn sie den, der sie erlöst, So in Liebe siehet leiden; Wenn der Balsam auf sie fließt, Der sich reichlich da ergießt. 4. Kommet her, ihr alle⸗ samt, Die ihr schwach und abgemattet: Setzt euch unter diesen Stamm, Daß er eure Seel' beschattet. Eilt dem heil'gen Kreuze zu; Denn ihr find't da wahre Ruh'. 5. Jesu, laß mich für und für Unter deinem Kreuze bleiben; Laß mich keinen Feind von dir Und aus deinem Schatten treiben: Denn dein Kreuz und deine Pein Ist mein Trost und Ruh' allein. Joh. Scheffler(Angelus Silesius), geb. 1624 1 1677. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 6 70. Duch, wer da will, 27 2 90 ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein bedacht soll sein, Auf Christum sich zu gründen: Sein Wort ist wahr, sein Werk ist klar, Sein heil' ger Di. 181, 6. Jesus-Lieder. Mund hat Kraft und Grund, All' Feind' zu überwinden. 2. Such, wer da will, Not⸗ helfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, der helfen kann, Bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Teil, Uns macht gerecht der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. 3. Ach, sucht doch den, laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret. Er ist der Herr und keiner mehr, Der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all' Stund' von Herzens Grund, Sucht ihn allein, denn wohl wird sein Dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein's Herzens Kron' mein' Freudensonn' Sollst du, Herr Jesu, bleiben, Laß mich doch nicht von deinem Licht Durch Eitelkeit vertreiben. Bleib du mein Preis, dein Wort mich speis'; Bleib du mein' Ehr', dein Wort mich lehr', An dich stets fest zu gläuben. 5. Wend' von mir nicht dein Angesicht, Laß mich im Kreuz nicht zagen; Weich nicht von mir, mein' höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen, Hilf mir zur Freud' nach diesem Leid, Hilf, daß ich mag nach dieser Klag' Dir ewig dort Lob sagen. Georg Weißel, geb. 1590 T 1635. Jesus⸗Lieder. 195 Mel. Wie wohl ist mir, o. 7 mschließ' mich ganz ˙ 1. U mit deinem Frie⸗ den, Mein treu erkannter Seelenfreund; Halt' mich von allem abgeschieden, Was du nicht bist, was dich nicht meint. Ich wünsche mir kein andres Leben, Als das dein Sterben mir gegeben, Und du am Kreuz erworben hast; Drum beug' all' meinen Eigenwillen, Daß er sich gött⸗ lich möge stillen Bei deines Kreuzes leichter Last. 2. Mein König, laß mich nicht vertreiben Aus dieser Burg, die Friede heißt; O laß mir's ewig teuer bleiben, Daß du stets bei den Deinen seist! Kein Heil ist hiermit zu vergleichen; Vernunft, die kann es nicht erreichen, Weil's über alles Denken ist. Nur durch des Geistes sanftes Wehen Kann ich davon etwas verstehen, Daß du mein ew'ger Friede bist. 3. In dieser Fassung laß mich bleiben, So lang' mein Blut in Adern schlägt; Dies laß mich denken, lieben, treiben, So lang' mich deine Gnade trägt. Bewahre du selbst Herz und Sinnen; Laß all mein Denken und Beginnen Ein Zeugnis deines Friedens sein. Komm, all dein Wesen in mich lege; Komm, für die Ewigkeiten präge Mir deines Lebens Bildnis ein! 4. Halleluja, es sei gewaget, Durch Not und Tod dir nachzugehn! Ich folge, Herr, dir unverzaget, Mit unabläs⸗ sig heißem Flehn. Ich nehme deines Kreuzes Bürde Und die damit verbundne Würde Und lehne mich auf dich, mein Freund. Ich weiß, du trägst mich durchs Gedränge Mit aller meiner Lasten Menge, Bis mir dein Antlitz einst erscheint. Gottfried Clemens, geb. 1706 4 1776. Mel. Jesu, der Du meine Seele. 27. as ist eine sel'ge Stunde, Jesu, da man dein gedenkt, Und das Herz von Herzens Grunde Tief in deine Wunden senkt. Wahrlich, nichts als Jesum kennen, Jesum suchen, finden, nennen: Das erfüllet unsre Zeit Mit der höchsten Selig⸗ keit. 2. Jesu, deine Gnadenquelle ließt so gern ins Herz inein, Deine Sonne scheinet helle, Unser Glaubenslicht zu sein. Und bei aller Segens⸗ fülle Ift dein Wunsch und ernster Wille: Daß man, weil dein Brünnlein voll, Unaufhörlich schöpfen soll. 3. Nun so laß auch diese Stunde Dein Gedächtnis in uns sein! In dem Herzen, in dem Munde Leb' und herrsche du allein! Laß uns deiner nie vergessen! Wie 149 ( * — Lνπν½⁰⁰v1mmmπ⁷π⁰ν⁷ —.——— 196 Maria einst gesessen, dir hat zugehört, Herz dir zugekehrt Da sie Mach das E. G. Woltersdorf, geb. 1725 1761. Eigne Melodie. 273. Weun ich ihn nur habe, Wenn er mein nur ist, Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nicht vergißt: Weiß ich nichts vom Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb' und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, Laß ich alles gern, Folg' an meinem Wanderstabe Treuge— sinnt nur meinem Herrn; Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wenn ich ihn nur habe, Schlaf' ich fröhlich ein; wird zu süßer Labe Seines Herzens Flut mir sein, Die mit sanftem Zwingen wird erreichen und dringen. 4. Wenn ich ihn nur habe, Hab' ich auch die Welt, Und des Himmels reiche Gabe Meinen Blick nach oben hält; Tief versenkt im Schauen, Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen. 5. Wo ich ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe, Wie ein Erbteil in die Hand; Längst vermißte Brüder Find' ich nun in seinen Jüngern wieder. Friedr. Lu durch⸗ v ardenberg(Novalis), eb 177² 1801. Jesus⸗Lieder. Nern gam. 24. er ist wohl, wie W'˖ du, Jesu, süße Ruh', Unter vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu; Jesu, süße Ruh' 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Not Zu er⸗ lösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Not Hat geführt zu Gott, 3. Glanz der Herrlichkeit, Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket, Und in unser Fleisch versenket In der Füll' der Zeit; Ewig Alles Glanz der Herrlichkeit. 4. Großer Siegesheld, Tod, Sünd', Höll' und Welt, Alle Kraft des großen Drachen, Hast du woll'n zu Schanden machen Durch das Lösegeld Deines Bluts, o Held. 5. Höchste Majestät, Köni und Prophet: Deinen Se 10 ter will ich küssen, Ich will sitzen dir zu Füßen, Wi Maria thät. Höchste Maje⸗ stät. 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigentum, Durch s Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe bren— nen, Als dein Eigentum, Aller⸗ schönster Ruhm. 7. Zeuch mich ganz in dich, Daß vor Liebe ich Ganz zer— rinne und zerschmelze Und auf *+ v V 5 Jesus⸗Lieder. dich mein Elend wälze, Das stets drücket mich. Zeuch mich ganz in dich. 8. Deiner Sanftmut Schild, Deiner Demut Bild Mir an⸗ lege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege. Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög' von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei du mein Ge⸗ winn, Gieb mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unver⸗ rückt zu dir fortsetze, Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gieb, Daß ich wachen mög' und beten, Freu⸗ dig vor dein Antlitz treten. Un⸗ gefärbte Lieb' In die Seele gieb. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken; Wollst du deine Hand aus⸗ strecken: Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht. 13. Einen Heldenmut, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Gieb Raub des Moders sein. Fleisches Lüste hasse, mir, höchstes Gut, Durch dein teures Blut. 197 begleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. Johann Anastasius Freylinghausen, geb. 1670 1 1739. Mel. Mein Freund zerschmilzt. 1* Nie herrlich ist's, 275. Wen Schäflein Christi werden Und in der Huld des treusten Hirten stehn; Kein höhrer Stand ist auf der ganzen Erden, Als unver⸗ rückt dem Lamme nachzugehn; Was alle Welt nicht geben kann, Das trifft ein solches Schaf bei seinem Hirten an. 2. Hier findet es die an⸗ genehmsten Auen, Hier wird ihm stets ein frischer Quell entdeckt; Kein Auge kann die Gaben überschauen, Die es allhier in großer Menge schmeckt; Hier wird ein Leben mitgeteilt, Das voll Ver⸗ gnügen ist und nie vorübereilt. 3. Wie läßt sich's da so froh und ruhig sterben, Wenn hier das Schaf im Schoß des Hirten liegt. Es darf sich nicht vor Höll' und Tod ent⸗ färben, Sein treuer Hirt hat Höll und Tod besiegt. Büßt gleich der Leib die Regung ein, So wird die Seele doch kein 4. Das Schäflein bleibt in seines Hirten Händen, Wenn 14. Soll's zum Sterben gleich vor Zorn Welt, Höll' gehn, Woll'st du bei mir sehn, Mich durchs Todesthal und Abgrund schnaubt; Eswird es ihm kein wilder Wolf ent⸗ 198 wenden, Weil der allmächtig ist, an den es glaubt. Es kommt nicht um in Ewigkeit, Und wird im Todesthal von Furcht und Fall befreit. 5. Wer leben will und gute Tage sehen, Der mache sich zu dieses Hirten Stab; Hier wird sein Fuß auf süßer Weide gehen, Da ihm die Welt vorhin nur Träber gab; Hier wird nichts Gutes je vermißt, Dieweil der Hirt ein Herr der Schätze Gottes ist. 6. Doch ist dies nur der Vorschmack größrer Freuden; Es folget nach die lange Ewig⸗ keit. Da wird das Lamm die Seinen herrlich weiden, Wo der krystallne Strom das Wasser beut; Da siehet man erst klar und frei, Wie schön und aus⸗ Jesus-Lieder. Mariensohn, Ein hochgeborner König! Mit Freuden rühm' ich deine Ehr'; Dein's heil' gen Wortes süße Lehr' Ist über Milch und Honig. Herzlich Will ich Dich drum preisen und erweisen, daß man merke In mir deines Geistes Stärke. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, O du mein Herr und Gott allein, Die Flamme deiner Liebe, Daß ich in dir nur immer bleib' Und mich kein Zufall von dir treib', Nichts kränke noch betrübe, In dir Laß mir Ohn' Auf⸗ hören sich vermehren Lieb' und Freude, Daß der Tod uns selbst nicht scheide 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wenn du mit deinem Angesicht Mich erwählt ein SchäfleinChristi sei. gnädig thust anblicken; O Jesu, Zoh. Jacob Rambach, geb. 1693 1745. du mein trautes Gut, Dein Wort, dein Geist, dein Leib, Eigne 2105 120 aet Blut Mich innerlich er⸗ 76 Miie schön leuchtet quicken. Tröst' mich Freund⸗ 276. W' der Morgen- lich! Hilf mir Wumen i Er⸗ stern, Voll Gnad' und barmen. hilf in Gnaden! Auf Wahrheit von dem Herrn, dein Wort komm' ich geladen. Die süße Wurzel Jesse! Du 5. Gott Vater, o mein Sohn Davids aus Jacobs starker Held, Du hast mich Stamm, Mein König und ewig vor der Welt In deinem mein Bräutigam, Hast mir Sohn geliebet. Dein Sohn mein Herz besessen: Lieblich, hat mich ihm selbst vertraut, Freundlich, Schön und herrlich Er ist mein Freund, ich seine groß und ehrlich, reich Braut; Kein Unglück mich von Gaben, Hoch und sehr betrübet; Heil mir! Heil mir! prächtig erhaben. Himmlisch Leben wird er 2. O meines Herzens werte geben mir dort oben! Ewig Kron', Wahr' Gottes⸗ und soll mein Herz ihn loben. Jesus⸗Lieder. 6. Singt unsrem Gotte oft und viel Und laßt andächti Saitenspiel Ganz frendezwenh erschallen, Dem hochgelobten Jesu mein, Des ich soll nun und ewig sein, Zu Ehren und Gefallen. Singet, Springet, Jubilieret, triumphieret, dankt dem Herren! Groß ist der König der Ehren. 7. Wie bin ich doch so herz⸗ lich froh, Daß mein Schatz ist das A und O, Der An⸗ fang und das Ende! Er wird 305. doch zu seinem Preis Aufnehmen in das Paradeis; Des klopf' ich in die Hände; Amen! Amen! Komm, du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange! Deiner wart' ich mit Verlangen. Phil. Nicolai, geb. 1566 1608. Eigne Melodie. 6— ie wohl ist mir, 277⁷. W o Freund der Seelen! Wenn ich in deiner Liebe ruh'; Ich steige aus der Schwermutshöhlen Und eile deinen Armen zu; Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit so ange⸗ nehmen Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden; Wer wollte nicht vergnüget werden, Der in dir suchet Ruh' und Lust? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: Es sei also; ich trau' ihr nicht, Wenn sie 199 mir gleich will Lieb' erweisen Bei einem freundlichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele; Du bist mein Freund, den ich erwähle; Du bleibst mein Freund, wenn i. schaft weicht; Der Welthaß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärkstenUnglücks⸗ wellen Mir deine Treu' den Anker reicht. 3. Will mich des Moses Eifer drücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh, Droht Straf' und Hölle meinem Rücken: So steig' ich gläubig in die Höh' Und flieh' zu dir und deinen Wunden; Da hab' ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann; Tritt alles wider mich zusammen: Du bist mein Heil! wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreuzeswüste, Ich folg' und lehne mich auf dich; Und wenn nach Trost ich dürsten müßte, So labst du aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen; Sie enden sich in Lieb' und Segen: Genug, wenn ich dich bei mir hab'. Ich weiß, wen du willst herrlich zieren Und über Sonn' und Sterne führen, Den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen: Mir nicht, weil Seele, Herz, und Mut In dir, der du verlässest 200 keinen, O allerliebstes Leben, ruht. Wen kann des Weges End' erschrecken, Wenn er aus mördervollen Hecken Gelanget in die Sicherheit! Mein Licht! so will ich auch mit Freuden Aus dieser finstern Wildnis scheiden Zu deiner Ruh' der Ewigkeit. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn' auf dich! Mich kann Welt, Not und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh' in dem Ge⸗ müte Nach deiner unum⸗ schränkten Güte Des Himmels süßen Vorschmack sein. Weg, Welt, mitallen Schmeicheleien! Nichts kann, als Jesus, mich erfreuen; O reicher Trost: Mein Freund ist mein. Wolfg. Christoph Deßler, geb. 1660 + 1722. Eigne Melodie. 78 Wollt ihr wissen, ——* was mein Preis? Wollt ihr lernen, was ich weiß? Wollt ihr sehn mein Jesus-Lieder.— Heiligaungs,Lieder. 2. Was ist meines Glaubens Grund? Wer stärkt und er— weckt den Mund? Wer trägt meine Straf' und Schuld? Wer schafft mir des Vaters Huld? Jesus, der Gekreuzigte. 3. Wer ist meines Lebens Kraft? Wer ist meines Geistes Saft? Wer macht mich gerecht und schlecht? Wer macht mich zu Gottes Knecht? Jesus, der Gekreuzigte. 4. Wer ist meines Leidens Trost? Wer schützt, wenn der Feind erbost? Wer erquickt mein mattes Herz? Wer ver⸗ bindet meinen Schmerz? Jesus, der Gekreuzigte. 5. Wer ist meines Todes Tod? Wer hilft in der letzten Not? Wer versetzt mich in sein Reich? Wer macht mich den Engeln gleich? Jesus der Ge— kreuzigte. 6. Und so wißt ihr, was ich weiß, Ihr wißt meinen Zweck und Preis! Glaubt lebt, duldet, sterbet dem, Der uns Gott macht angenehm, 7 Jes oIIZi Eigentum? Wollt ihr hören, Jesu, dem Gekreuzigten. was mein Ruhm? Jesus, der Joh. Christoph Schwevler, geb. 1672 4V1780. Gekreuzigte. XXI. Heiligungs⸗Lieder. Mel. O Gott, du frommer Gott. 57 Isch Gott, verlaß 2 435 A mich nicht! Reich mir die Gnadenhände! Ach führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende Zu meiner Seligkeit, Sei du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schutz: Ach Gott, verlaß mich nicht! Heiligungs⸗Lieder. 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wallen; Ach laß mich nimmermehr In Sünd' und Schande fallen, Gieb mir den guten Geist, Gieb Glaubenszuversicht, Sei meine Stärk' und Kraft: Ach Gott, verlaß mich nicht. 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich ruf' aus Herzens⸗ grunde: Ach Höchster, stärke mich In jeder bösen Stunde, Wenn mich Versuchung plagt Und meine Seel' anficht, So weiche nicht von mir: Ach 6½. verlaß mich nicht! Ach Gott, wegen, Ach Vater, kröne du Mit reichem Himmel ssegen Die Werke meines Amts, Die Werke meiner Pflicht, Zu thun, was dir gefällt; Ach Gott, ver⸗ laß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich dies dir ergeben; Hilf mir, o großer Gott, Recht gläubig, christlich leben Und selig scheiden ab, Zu sehn dein Ungesich, Hilf mir in Rot und Tod: Ach Gott mich nicht! Salomon Frank, geb. 1659 4 1725. Mel. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt 280. Anasch wr verlaß mich nicht Ach, laß. dich doch be⸗ 201 zu finden. Wer nicht will streiten, trägt die Kron' Des ew'gen Lebens nicht davon. 2. Der Teufel kommt mit seiner List, Die Welt mit Pracht und Prangen, Das Fleisch mit Wollust, wo du bist, Zu fällen dich und fan⸗ gen. Streitst du nicht wie ein tapfrer Held, So bist du hin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn' Dein's Feldherrn hast geschworen; Denk' ferner, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren; Ja! 3 deuke, daß ohn' Streit und Sieg Noch keiner zum Triumph aufstieg. 4. Wer überwind't und nimmt den Raum Der Feinde, die vermessen, Der wird im Paradies vom Baum Des ew'gen Lebens essen; Wer überwind't, den soll kein Leid Noch Tod berühr'n in Ewigkeitl 5. Wer überwindet, der soll dort In weißen Kleidern ge⸗ hen, Sein guter Name soll so⸗ fort Im Buch des Lebens stehen, Ja Christus wird den⸗ selben—5— Bekennen vor der Vanden⸗ Schar. 6. Wer überwind't, soll ewig nicht 2. Gottes Tempel ge⸗ hen, Vielmehr drin, wie ein Engelslicht Und güldne Säule stehen; Der Name Gottes, unsers Herrn, Soll leuchten auf zum Streit! Auf, auf zum von ihm weit und fern. Ueberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit Ist keine Rub Wer überwind't, oll 1. dem Thron Mit Christo J Jesu . 202 Heiligungs⸗Lieder. sitzen, Soll glänzen wie ein besprengt, Ist schon auf dem Gottessohn Und wie die Sonne blitzen, Ja ewig herrschen und regier'n, Und immerdar den Himmel zier'n. 8. So streit' denn wohl, streit' keck und kühn, Daß du mögst überwinden! Streng' an die Kräfte, Mut und Sinn, Daß du dies Gut mögst fin⸗ den! Wer nicht will streiten um die Kron', Bleibt ewiglich in Spott und Hohn. Joh. Scheffler(Angelus Silesius), geb. 1624 + 1677. Mel. Meine Hoffnung stehet feste. 281 A;d ihr Christen, XX Christi Glieder, Die ihr noch hangt an dem Haupt! Auf, wacht auf, er⸗ mannt euch wieder, Eh' ihr werdet hingeraubt! Satan beut An den Streit Christo und der Christenheit. Siegesplane Uns zum Troste aufgehängt. Wer hier kriegt, Nie erliegt, Sondern unterm Kreuze siegt. 5. Diesen Sieg hat auch empfunden Vieler Heil'gen starker Mut, Da sie haden überwunden Fröhlich durch des Lammes Blut. Sollten wir Denn allhier Nicht auch streiten mit Begier? 6. Wer die Sklaverei nur liebet In der Zeit und Ewig⸗ keit Und den Sünden sich er⸗ giebet, Der hat wenig Lust zum Streit; Denn die Nacht, Satans Macht, Hat ihn in den Schlaf gebracht. 7. Aber wen die Weisheit lehret, Was die Freiheit für ein Teil, Dessen Herz zu Gott sich kehret, Seinem allerhöch⸗ sten Heil, Sucht allein, Ohne Schein, Christi freier Knecht 2. Auf, folgt Christo, eu⸗ zu sein. rem Helden, Trauet seinem 8. Denn vergnügt auch wohl starken Arm! Liegt der Satan das Leben, So der Freiheit gleich zu Felde Mit dem gan⸗ mangeln muß? Wer sich Gott en Höllenschwarm: Sind doch nicht ganz ergeben, Hat nur derr Noch viel mehr, Die da Müh', Angst und Verdruß. stets sind um uns her. Der, der kriegt Recht ver⸗ 3. Nur auf Christi nch, henen Wer sein Leben selbst gewaget Mit Gebet und Wach- besiegt. samkeit! Dieses machet un⸗ 9. Drum auf, laßt uns verzaget Und recht tapfre Krie-überwinden In dem Blute gesleut'. Christi Blut Giebt Jesu Christ Und an unsre uns Mut Wider alle Teufels⸗Stirne binden Sein Wort, so brut. ein Zeugnis ist, Das uns deckt 4. Christi Heeres Kreuzes⸗Und erweckt Und nach Gottes fahne, So da weiß und rot Liebe schmeckt. Heiligungs⸗Lieder. Der du mir hast Heil ver— schafft. 10. Unser Leben sei verbor⸗ gen Mit Christo in Gott al⸗ lein, Auf daß wir an jenem Morgen Mit ihm offenbar auch sein, Da das Leid Dieser Zeit Werden wird zu lauter Freud'; 11. Da Gott seinen treuen Knechten Geben wird den Gna⸗ denlohn, Und die Hütten der Gerechten Stimmen an den Siegeston, Da fürwahr Gottes Schar Ihn wird loben im⸗ merdar. Just Falkner, 1 1724. Mel. Unter Lilien jener Freuden. 282 Arfi was willst du * hier verweilen? Du mußt eilen, Wenn du willst gekrönet sein. Du mußt mutiger eindringen; Denn ohn' Ringen Geht man nicht zur Freude ein. 2. Auf! du mußt nicht läs⸗ sig werden; Denn auf Erden Findest du gewiß nicht Ruh': Richt' dein Herze vom Ge⸗ tümmel Zu dem Himmel Un⸗ verrückt und einzig zu. 3. Kostet es gleich langes Sehnen Und viel Thränen: Werde nur darob nicht matt; Ringe bis auf Blut und Le⸗ ben. Gott wird geben, Was sein Sohn erworben hat. 4. Und wenn dann die Ket⸗ ten springen, Wirst Du singen: Preis, Lob, Ehr', Dank, Macht und Kraft! Du, o Jesu, du bleibst meine. Ich der deine, 203 5. Herr, so will ich nicht verweilen, Sondern eilen, Bis in mir das Abba klingt; Du wirst selbst mir Kräfte geben Zu dem Leben, Das ins Him⸗ melreich eindringt. Eigne Melodie. ie Tugend wird 283. D durchs Kreuz geübet; Denn ohne das kann sie nicht sein! Wenn sie nicht oftmals wird betrübet, So merkt man gar nicht ihren Schein. Sie muß im Kreuz die Stärke zeigen, Die sie ver⸗ borgen in sich hat, Daß sie den könne unterbeugen, Der ihr nachstellet früh und spat. 2. Wer sollte ohne Kampf wohl siegen? Die Tapferkeit kann nicht bestehn, Wenn man nicht will zu Felde liegen Und einen ernsten Streit eingehn. Der Feind ist, wenn Gott Kraft verliehen, Flugs da, der sich ihr widersetzt: Drum soll man ja den Schlaf recht flie⸗ hen, Wenn Satans Heer die Schwerter wetzt. 3. Zwar drückt den Palm⸗ baum wohl zur Erden Gar oft ein zentnerschwer' Gewicht, Der doch nicht unterdrückt kann werden; Er stehet wie⸗ der aufgericht't: So wird die Tugend auch gedrücket, Daß sie fast ganz darniederliegt; Bald aber wird die Stärk' er⸗ ID.....t..... 204 Heiligungs⸗Lieder. blicket, Wenn sie mit Machtwagt er alles, was er kann, den Feind besiegt. Und lässet nicht bald ab zu 4. Sie kann zu hohen Stu-plagen, Zu fällen ihn auf rech⸗ fen kommen, Wenn sie im ter Bahn. Streit geübet ist. Kreuz ist der Weg, den alle Frommen Erwählen; wer sich selbst ver— gißt Und eilet zu den Ewig⸗ keiten, Wird durch des Vaters Hand geführt, Der ihn durchs Kreuz sucht zu bereiten, Cb widerstehen Und hat in sich er ihn mit der Krone ziert. die Gottesmacht: Der Satan 5. Denn Gott hat uns nicht muß vor ihm bald gehen, führen wollen Durch einen Wenn man sich wachend nimmt Weg voll Zärtlichkeit, Darauf in acht. wir emsig laufen sollen In der so kurzen Pilgrimszeit Se ů Zum Leben, das da ewig worben Heil, Kraft und Leben währet, Wo Streit und Kampf durch den Tod, Da du am entfernet ist, Und wo man Kreuzesstamm gestorben Nach recht die Ruh' erfähret In ausgestandner höchster Not: Gott, der alles Leid versüßt. Komm mir zu Hülf' und 6. Da 6enGott 3 schaffe Leben In mir und Aind ertläret De. att öun stürze meinen Feind, Der über 15 eer 94 dem mich sich will erheben, Wenn n an üet e en ir, dein Licht nicht helle sein Kampf stets wird ver⸗scheint. mehret, Weil er's gewiß recht ernstlich meint. Er bläst ihm 10. Flöß' immer in mich durch sein giftig Hauchen Oft neue Kräfte, Damit ich hang' Lüste mancher Laster ein Und an deiner Brust; Und töt' die weiß gar große List zu brau⸗sündlichen Geschäfte: Dein chen, Daß er mög' Ueberwin- Friede bleib' mir nur bewußtl der sein. Stärk' du, mein Held, mir 7. Denn wie Gott aufwärts selbst den Glauben Und zeuch führt zum Leben, So führt mein Aug' auf dich nur hin: der Feind zum Untergang; Er So wird mich auch der Feind sucht mit Grimm zu wider-nicht rauben, Weil du in mir, streben Und macht dem armen ich in dir bin. Menschen bang'. Er will den Mut darniederschlagen; Drum 8. Doch, wie er viele schlägt darnieder, So wird er auch gar oft besiegt, Wenn man ermannt die matten Glieder In Gott und tapfer ihn be⸗ kriegt. Der Glaube muß ihm 9. O Jesu, der du mir er⸗ Joh. Christian Nehring + 1786. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 284 Eirn reines Herz, 284. GHerr, schaff in mir, Schleuß zu der Sünden Thor und Thür, Vertreibe sie und laß nicht zu, Daß sie in meinem Herzen ruh'. 2. Dir öffn' ich, Jesu, meine Thür, Ach komm und wohne du bei mir, Treib all' Unrei⸗ nigkeit hinaus Aus deinem Tempel und Wohnhaus. 3. Laß deines guten Geistes Licht Und dein hellglänzend' Angesicht Erleuchten mein Herz und Gemüt, O Brunnen un⸗ erschöpfter Güt'! 4. Und mache dann mein Herz zugleich An Himmelsgut und Segen reich, Gieb Weis⸗ heit, Stärke, Rat, Verstand Aus deiner milden Gnaden⸗ hand! 5. So will ich deines Na⸗ mens Ruhm Ausbreiten als dein Eigentum, Und dieses achten für Gewinn, Wenn ich nur dir ergeben bin. Heinr. Georg Neuß, geb. 1654 1 1716. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 285 Eaene mich, 0 280. Gemw'ges Lichtl Und laß von deinem Angesicht Mein Herz und Seel' niit deinem Schein Durchleuchtet und er⸗ füllet sein. 2. Ertöt' in mir die schnöde Lust, Feg' aus den alten Sün⸗ Heiligungs⸗Lieder. 20⁵5 denwust. Ach rüst' mich aus mit Kraft und Mut, Zu strei⸗ ten wider Fleisch und Blut. 3. Schaff' in mir, Herr, den neuen Geist, Der dir mit Lust Gehorsam leist't, Und nichts sonst, als was du willst, will: Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll'. 4. Auf dich laß meine Sin⸗ nen gehn, Laß sie nach dem, was droben stehn, Bis ich dich schau', o ew'ges Licht, Von Angesicht zu Angesicht. Joh. Friedr. Ruopp, 4 1708. Eigne Melodie. ö Es glänzet der 286. E Christen in⸗ wendiges Leben, Ohgleich sie von außen die Sonne ver⸗ brannt: Was ihnen der Kö⸗ nig des Himmels gegeben, Ist keinem als ihnen nur selber bekannt. Was niemand ver⸗ spüret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Sie scheinen von außen die schlechtesten Leute, Ein Schauspiel der Engel, ein CEkel der Welt; Und innerlich sind sie die lieblichsten Bräute, Der Zierrat, die Krone, die Jesu gefällt, Das Wunder der Zeiten, Die hier sich bereiten, Dem König, der unter den Lilien weidet, Zu dienen, mit heiligem Schmucke gekleidet. 206 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder Und tragen das Bildnis des Irdi— schen auch: Sie leiden am Fleische wie andere Sünder, Sie essen und trinken nach nötigem Brauch; In leiblichen Sachen, Im Schlafen und Wachen Sieht man sie vor andern nichts Sonderlich's ma— chen: Nur daß sie die Thor— heit der Weltlust verlachen. 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Ge— boren aus Gott durch sein mächtiges Wort; Es lodert in ihnen die himmlische Flamme, Entzündet von oben, genähret von dort; Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen gar freundlich und inniglich singen, Das muß denn ganz herrlich, ganz präch tig erklingen. 5. Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel: Sie bleiben ohnmächtig und schützen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel; —— V 5 Sie kriegen, die Aermsten, was Heiligungs⸗Lieder. Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphie ren, Den Himmel als präch tige Lichter auszieren; Da wird man die Freude ganz offenbar spüren. 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen ge neußt! Denn das ist Jehova sein göttliches Siegel, Zum Zeugnis, daß er dir noch Se— gen verheißt: Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wenn erst ihr ver— borgenes Leben erscheinet, Wo nach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. O Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heim liche Zierde der inneren Welt; Gieb, daß wir die heimlichen Wege erwählen, Wenn gleich uns die Bürde des Kreuzes entstellt. Hier übel genennet Und wenig erkennet; Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet: Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet. ihnen gefällt. Sie stehen im Leiden, Sie bleiben in Freu— den; Sie scheinen ertötet den äußeren Sinnen Und führen das Leben des Glaubens von innen. 6. Wenn Christus, ihr Le— ben, wird offenbar werden, Wenn er sich einst, wie er ist, öffentlich stellt: So werden sie Chrtistlan Friedrich Richter, geb. 1676 + 1711. Mel. Es kostet viel, ein Christ 287 E ist nicht schwer, 8. 4 ein Christ zu sein, Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Zwar der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod mit ihm als Herren der Erden zu geben: Doch führt die Heiligungs⸗Lieder. Gnade selbst zu aller Zeit Den schweren Streit. 2. Du darfst ja nur ein Kindlein sein; Du darfst ja nur die leichte Liebe üben! O blöder Geist, schau doch, wie gut er's meint! Das klein⸗ ste Kind kann ja die Mutter lieben! Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr! Es ist nicht schwer. 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit reiner Gnade fülle: Der fromme Gott macht dir ja keinen Schmerz; Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille: Drum übergieb ihn willig in den Tod, So hat's nicht Not. 4. Wirf nur getrost den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; Erwecke nur zum Glau⸗ ben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; Sprich: Vater, schau mein Elend gnädig an! So ist's gethan. 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hülfe merkest. Versiehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest, So ist dein Fehl und kindliches Versehn Als nicht geschehn. 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich will Nacht und Finsternis bedecken: Dein Vater wird nichts Schlim⸗ 207 mes mit dir thun; Vor kei⸗ nem Sturm und Wind darfst du erschrecken. Ja, siehst du endlich ferner keine Spur, So glaube nur. 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn, Und wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn: Drum darfst du nur dem from⸗ men Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ So selig ist. 8. Auf, auf, mein Geist, was säumest du, Dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß' die süße Ruh'! In Friede sollst du vor dem Vater schwe⸗ ben. Die Sorg' und Last wirf nur getrost und kühn Allein auf ihn. Christ. Friedr. Richter, geb. 1676. 17¹¹. Eigne Melodie. 8 kostet viel, ein 288. E Christ zu sein Und nach dem Sinn des rei⸗ nen Geistes leben; Denn der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und ist hier gleich ein Kampf wohl aus⸗ gericht't: Das macht's noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, Die schnell ihr Gift in unsere Fersen bringen, Da kostet's Müh', auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele V WMi 18 I x DZ.Z.i..l...l..e.r.... 208 Heiligungs⸗Lieder. dringen; Wenn man's versucht, geben, Der Himmel steht bereit so spürt man mit der Zeit ihm zum Gebrauch; Wie lieb— Die Wichtigkeit. lich wird es doch mit Jesu 3. Doch ist es wohl der leben! Nichts Höhers wird an Mühe wert, Wenn man mit Kraft und Wuͤrde sein, Als Ernst die Herrlichkeit erwäget,‚ Gott allein. Die ewiglich ein solcher Mensch. 8. Auf, auf, mein Geist er⸗ ersährt. Der sich hier stets müde nicht, Dich durch die aufs Himmlische geleget. Es Macht der Finsternis zu rei⸗ hat wohl Müh', die Gnade ßen; Was sorgest du, daß dir's aber macht, Daß man's nicht an Kraft gebricht? Bedenke, acht't. was für Kraft uns Gott ver⸗ 4. Man soll ein Kind des heißen! Wie gut wird's sich Höchsten sein, Ein reiner doch nach der Arbeit ruhn: Glanz, ein Licht im großen Wie wohl wird's thun! Lichte! Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, So herrlich sein, so lieblich im Eigne Melodie. Gesichte; Dieweil ihn da die 28907 QJahre fort,:: Zion, wesentliche Pracht So schön Oe fahre fort im gemacht. Licht, Mache deinen Leuchter 5. Da wird das Kind den helle, Laß die erste Liebe nicht, Vater sehn; Im Schauen wird Suche stets die Lebensquelle: es ihn mit Lust empfinden; Zion, dringe durch die enge Der lautre Strom wird es Pßort', Fahre fort. da ganz durchgehn Und es 2. Leide dich,:: Zion, leide mit Gott zu einem Geist ver⸗(ohne Scheu, Trübsal, Angst, binden. Wer weiß, was da mit Spott und Hohne, Sei im Geiste wird geschehn? Wer bis in den Tod getreu, Siehe mag's verstehn? auf die Lebenskrone: Zion, 6. Da giebt sich ihm die fühlest du den Schlangenstich, Weisheit ganz, Die es hier Leide dich. stets als Mutter hat gespüret., 3. Folge nicht,: Zion, folge Sie krönet es mit ihrem Per⸗nicht der Welt, Die dich suchet lenkranz, Sie wird als Braut groß zu machen, Achte nichts der Seele zugeführet. Die ihr Gut und Geld, Nimm Herrlichkeit wird da ganz of-Wnicht an den Stuhl des Dra⸗ fenbar, Die in ihr war. chen: Zion, wenn sie dir viel 7. Was Gott genießt, ge⸗Lust verspricht, Folge nicht.:: nießt es auch, Was Gott be⸗ 4. Prüfe recht, Zion, sitzt, wird ihm in Gott ge⸗prüfe recht den Geist, Der dir Chr. Friedr. Richter, geb. 1676 f 1711. Heiligungs⸗Lieder. ruft zu beiden Seiten. Thue nicht, was er dich heißt, Laß nur deinen Stern dich leiten: Zion, beide, das, was krumm und schlecht, Prüfe recht. 5. Dringe ein,: Zion, dringe ein in Gott, Stärke dich mit Geist und Leben, Sei nicht wie die andern tot, Sei du gleich den grünen Reben: Zion, in die Kraft für Heuchelschein Dringe ein.: 6. Brich herfür„ Zion, brich herfür in Kraft, Weil die Bruderliebe brennet, Zeige, was der in dir schafft, Der als seine Braut dich kennet: Zion, durch die dir gegebne Thür Brich herfür. 1, 7. Halte aus,:: Zion, halte deine Treu', Laß nicht lau und träg' dich finden. Auf! das Kleinod rückt herbei, Auf! verlasse, was da hinten; Zion, in dem letzten Kampf und Strauß Halte aus. Joh. Eusebius Schmidt, geb. 1669 4 1745. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 290 QJang dein Werk * 5 mit Jesu an; Jesus hat's in Händen; Je⸗ sum ruf zum Beistand an: Jesus wird's wohl enden. Steh mit Jesu morgens auf, Geh mit Jesu schlafen: Führ' mit Jesu deinen Lauf, Lasse Jesum schaffen. 2. Morgens soll der Anfang sein, Jesum anzubeten, Daß er woll' dein Helfer sein 209 Stets in allen Nöten; Morgens, abends und zur Nacht Will er stehn zur Seiten, Wenn des Satans List und Macht Dich sucht zu bestreiten. 3. Wenn Dein Jesus mit dir ist, Laß die Feinde wüten: Er wird dich vor ihrer List Schützen und behüten; Setz nur das Vertrauen dein In sein AllmachtshändeUnd glaub' sicher, daß allein Er dein Unglück wende. 4. Wenn denn deine Sach' also Mit Gott angefangen: Ei, so hat es keine Not, Wirst das Ziel erlangen; Es wird folgen Glück und Heil Hier in diesem Leben, Endlich wird dir Gott dein Teil Auch im Himmel geben. 5. Nun, Herr Jesu, all mein' Sach' Sei dir übergeben: Es nach deinem Willen mach, Auch im Tod und Leben. All mein Werk greif' ich jetzt an, Herr, in deinem Namen; Laß es doch sein wohl gethan! Darauf sprech' ich Amen! Unbekannt um 1700. Mel. Ringe recht, wennGottes Gnade. 291 Heilge Einfalt, * Gnadenwunderl Tiefste Weisheit, größte Kraft! Schönste Zierde, Liebeszunder, Werk, das Gott alleine schafft. 2. Alle Freiheit geht in Banden, Aller Reichtum ist nur Wind, Alle Schönheit 14 —....—. 210 wird zu Schanden, Wenn wir ohne Einfalt sind. 3. Wenn wir in der Ein⸗ falt stehen, Ist es in der Seele licht; Aber wenn wir doppelt sehen, So vergeht uns das Gesicht. 4. Einfalt ist ein Kind der Gnade, Eine gute Ritterschaft, Die auf ihrem schmalen Pfade Nicht nach dem und jenem gafft. 5. Einfalt denkt nur auf das eine, In dem alles andre steht; Einfalt hängt sich ganz alleine An den ewigen Magnet. 6. Einfalt quillt aus Jesu Wunden, Mit dem teuren Gottesblut; Wer sie da nicht hat gefunden, Der ist fern von diesem Gut. 7. Wer nur hat, was Jesus giebet; Wer nur lebt aus seiner Füll'; Wer nur will, was ihm beliebet; Wer nur kann, was Jesus will; 8. Wer nur geht auf seinem Pfade; Wer nur sieht bei seinem Licht; Wer nur stets verlangt nach mag alles andre nicht; 9. Wer ihn so mit In⸗ brunst liebet, Daß er seiner selbst vergißt; Wer sich nur um ihn betrübet, Und in ihm nur fröhlich ist; 10. Wer allein auf Jesum trauet, Wer in Jesu alles find't, Der ist auf dem Fels erbauet Und ein sel'ges Gna⸗ denkind. Heiligungs⸗Lieder. Gnade Und 11. Wohl dem, der den Herrn läßt machen, Wohl ihm, der Herr ist sein Hirt! Jesus wartet seiner Sachen, Daß man sich verwundern wird. Aug. Gottlieb Spangenberg, geb. 1704 + 1792. Mel. Wachet auf, ruft uns die. 0 eiligster Jesu, 292. Heennmele Mehr als Krystall rein, klar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Der Glanz der hohen Cherubinen, Die Heilig⸗ keit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir: Ach bilde mich nach dir, Du mein alles! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch heilig sei, wie du! 2. O stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war; So mache du auch gleichermaßen Mein Herz und Willen dir gelassen, Ach, stille meinen Willen garl Mach mich dir gleich gesinnt, Wie ein gehorsam' Kind, Stille, stille! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sei, wie du. 3. Wachsamer Jesu! ohne Schlummer, In großer Arbeit, Müh' und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht. Du mußtest täglich viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Heiligungs⸗Lieder. 211 Gott mit Flehen, Du hast ge⸗ mehr und mehr Stetig üben! betet und gewacht. Gieb mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach' und bete! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sei, wie du! 4. Gütigster Jesu, ach wie gnädig, Wie liebreich, freund⸗ lich und gutthätig Bist Du doch gegen Freund und Feind! Dein Sonnenglanz, der scheinet allen, Dein Regen muß auf alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sein. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sei, wie du! 5. Du, sanfter Jesu, warst unschuldig Und littest alle Schmach geduldig, Vergabst und ließ'st nicht Rachgier aus. Niemand kann deine Sanft⸗ mut messen, Bei der kein Eifer dich gefressen, Als der um deines Vaters Haus. Mein Heiland, ach, verleih' Mir Sanftmut, und dabei Guten Eifer! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmütig sei, wie du! 6. Würdigster Jesu, Ehren⸗ könig! Du suchtest Deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering. Du wandelt'st ganz ertieft auf Erden In Demut und in Knechtsgebär⸗ den, Erhobst dich selbst in keinem Ding'. Herr, solche Demut lehr' Auch mich je Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmütig sei, wie dul 7. O keuscher Jesu, all dein Wesen War züchtig, keusch und auserlesen, Von tugend⸗ voller Sittsamkeit; Gedanken, Reden, Glieder, Sinnen, Ge⸗ bärden, Kleidung und Beginnen War voller lauter Züchtigkeit. O mein Immanuel, Mach mir Geist, Leib und Seel' Keusch und züchtig! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, So keusch und rein zu sein, wie du! 8. Mäßiger Jesu, deine Weise Im Trinken und Genuß der Speise Lehrt uns die rechte Mäßigkeit; Den Durst und Hunger dir zu stillen War, statt der Kost, des Va⸗ ters Willen Und Werk vollen⸗ den, dir bereit't. Herr, hilf mir meinen Leib Stets zähmen, daß ich bleib' Dir stets nüch⸗ tern; Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich stets nüchtern sei, wie Du! 9. Nun, liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in allem dir ergeben Und deinem heil' gen Vorbild gleich! Dein Geist und Kraft mich ganz durchdringe, Daß ich De Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd' zu deinem Reich! Ach zeuch mich ganz zu dir; Behalt mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, Jesu, Laß mich, wie du, Und wo du bist, einst finden Ruh'! Gottfr. Arnold, geb. 1666 + 1714. 1⁴² *.—— 4 ( N 212 Heiligungs⸗Lieder. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen. O*Hsuf, ihr Streiter, 293. H e Auf, und folgt dem Lamme nach, Das durch Marter, Hohn und Schmach Sich auf Zions Berg geschwungen! Nach! Das Haupt hat schon gesiegt! Weh dem Glied, das müßig liegt! 2. Fort! Nur nach mit Wachen, Beten! Fort! Was seid ihr so verzagt? Christus hat den Sieg erjagt Und der Schlange Kopf zertreten. Tretet nach in seiner Kraft! Christus ist's, der Sieg verschafft. 3. Niemand soll in Zion sprechen: Ich bin elend, arm und schwach, Und durch so viel Ungemach Kann kein armer Sünderbrechen, Denn der Herr ist's, der uns heilt Und den Schwachen Kraft erteilt. 4. Sind wir schwach,— das Lamm hat Stärke, Sind wir arm,— der Herr ist reich, Wer ist unserm König gleich? Unser Gott thut Wunderwerke. Sagt, ob der nicht helfen kann, Dem die Himmel un⸗ terthan? 5. Ja, er kann und will uns schützen. Drum, so dringet mutig ein; Schämet euch, so träg' zu sein Und aus Zagheit still zu sitzen! Schmach, wem noch vorm Feinde graut, Weil er Jesu nicht vertrauti 6. Niemand wird zu Salem thronen, Der nicht recht mit Jesu kämpft Und des Fleisches Lüste dämpft, Weil wir noch im Fleische wohnen. Nur durch Ringen, Kampf und Streit Kommet man zur Sicherheit. 7. Nun so wachet, kämpft und ringet, Streitet mit Gebet und Flehn, Bis wir auf dem Berge stehn, Wo das Lamm die Fahne schwinget. Ist die Wochenlast gethan, Alsdann geht der Sabbat an. Joh. Buchka, geb. 1705 T 1752. Mel. Herr Christ, der einig Gott's⸗ sohn. 294. Herr Jesu, Gna⸗ — Qdensonne, Wahr⸗ haftes Lebenslicht: Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Angesicht Nach deiner Gnad' erfreuen Und meinen Geist erneuen; Mein Gott, versag' mir's nicht! 2. Vergieb mir meine Sün⸗ den Und wirf sie hinter dich: Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich; Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben: Ach Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner See⸗ len Den alten Adamssinn Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich künftighin Zu deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein'Erkenntnis In mir, mein Seelenhort, Und Heiligungs-Lieder. öffne mein Verständnis Durch dein heiliges Wort, Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe Zu Trutz der Höllenpfort'. 5. Durch deinen Geist mich stärke, Zu kreuzigen in mir Des Fleisches Lust und Werke, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hin⸗ gegen leb' in dir. 6. Ach zünde deine Liebe In meiner Seele an, Daß ich aus inn'rem Triebe Dich ewig lieben kann, Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebens⸗— bahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Mut; Denn das sind Gnaden⸗ werke, Die dein Geist schafft und thut: Hingegen all mein Sinnen, Mein Lassen und Beginnen Ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treuꝰ, H liebet hat; Daß der Vater Wend' allen Seelenschaden Und mach mich täglich neu. Gieb, suche zu erfüllen, Und steh mir kräftig bei! Ludwig Andreas Gotter, geb. 1661 4 1735. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 213 Lodern auf den Heiland zu: Er das Haupt, wir seine Glieder, Er das Licht und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach, kommt ihr Gnadenkinder Und erneuert euren Bund, Schwöret unserm Ueberwinder Lieb' und Treu' von Herzensgrund; Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, O, so flehet um die Wette, Bis sie Jesus wie⸗ der stählt. 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder Auch das Leben lassen kann; So hat uns der Freund geliebet, So zerfloß er dort im Blut; Denkt doch, wie es ihn betrübet, Wenn ihr euch selbst Eintrag thut. 4. Halleluja! Welche Hö⸗ hen, Welche Tiefen reicher Gnad', Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so ge⸗ aller Geister, Der der Wunder ̃ 3.——9 d ist, Da insicht⸗ daß ich deinen Willen Stets Abgrund ist, Daß du unsich barer Meister Uns so fühlbar nahe bist. 5. Ach, du holder Freund, vereine Deine dir geweihte Schar, Daß sie sich so herzlich 29 5. H erz und Herz ver⸗ meine, Wie's dein letzter Wille Y. eint zusammen war; Ja, verbinde in der Sucht in Gottes Herzen Ruh', Wahrheit, Die du selbst im Lasset eure Liebesflammen Wesen bist, Alles, was von 214 deiner Klarheit In der That erleuchtet ist. 6. So wird dein Gebet er⸗ füllet, Daß der Vater alle die, Welche du in dich verhüllet, Auch in seine Liebe zieh'ꝰ, Und daß, wie du eins mit ihnen, Also sie auch eines sein, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. 7. Liebe hast du uns ge⸗ boten, Daß man Liebe üben soll, O, so mache doch die toten, Trägen Geister lebens⸗ voll; Zünde an die Liebes⸗ flamme, Daß ein jeder sehen kann, Wir, als die von einem Stamme, Stehen auch für einen Mann. 8. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein: Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sein. Nicolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf geb. 1700 ½ 1760. Mel. Zeuch meinen Geist. 296 ier legt mein * Sinn sich vor dir nieder; Mein Geist sucht seinen Ursprung wieder; Laß dein erfreuend' Angesicht Zu meiner Armut sein gericht'tt! 2. Schau her, ich fühle mein Verderben! Laß mich Heiligungs⸗Lieder. in deinem Tode sterben, O könnte doch in deiner Pein Die Eigenheit ertötet sein! 3. Du wollest, Jesu, meinen Willen Mit der Gelassenheit erfüllen, Brich der Natur Ge— Und mache walt entzwei meinen Willen frei. 4. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe Und mich in deinen Wegen übe; Nur ist von der Unlauterkeit Die Liebe noch nicht ganz befreit. 5. Ich muß noch mehr auf dieser Erden Durch deinen Geist geheiligt werden; Der Sinn muß tiefer in dich gehn, Der Fuß muß unbeweglich stehn. 6. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu raten; Hier gelten nichts der Menschen Thaten. Wer macht sein Herz wohl selber rein? Es muß durch dich gewirket sein. 7. Doch kenn' ich wohl dein treues Lieben; Du bist noch immer treu geblieben, Ich weiß gewiß, du stehst mir bei Und machst mich von mir selber frei. 8. Indessen will ich treu⸗ lich kämpfen Und stets die falsche Regung dämpfen, Bis du dir deine Zeit ersiehst Und mich aus solchen Netzen ziehst. 9. In Hoffnung kann ich fröhlich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen, Gott Heiliaungs-⸗Lieder. führt mich aus dem Kampf und Streit In seine Ruh' und Sicherheit. 10. Drum will die Sorgen meiner Seelen Ich dir, mein Vater, ganz befehlen: Ach, drücke tief in meinen Sinn, Daß ich in dir schon selig bin. 11. Wenn ich mit Ernst hieran gedenke Und mich in deinen Abgrund senke, So werd' ich von dir angeblickt Und mein Herz wird von dir erquickt. 12. So wächst der Eifer mir im Streite, So schmeck' ich schon die süße Beute Und fühle, daß es Wahrheit ist, Daß du, mein Gott, die Liebe bist. Christ. Friedr. Richter, geb. 1676 1711. Mel. Jesus meine Zuversicht. 297. immelan geht un⸗ sre Bahn, Wir sind Gäste nur auf Erden, Bis wir dort in Kanaan Durch die Wüste kommen werden; Hier ist unser Pilgrimstand, Droben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist; Denn du bist ein himmlisch Wesen Und kannst das, was irdisch heißt, Nicht zu deinem Zweck erlesen; Ein von Gott erleucht'ter Sinn Kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Himmelan! ruft er mir zu, Wenn ich ihn im Worte höre; Das weist mir den Ort der Ruh', Wo ich einmal hin⸗ gehöre; Wenn mich dieses Wort 215 bewahrt, Halt' ich eine Him⸗ melfahrt. 4. Himmelan! denk' ich all⸗ zeit, Wenn er mir die Tafel decket, Und mein Geist hier allbereit Eine Kraft des Him⸗ mels schmecket; Nach der Kost im Jammerthal Folgt des Lammes Hochzeitsmahl. 5. Himmelan! Mein Glaube zeigt Mir das schöne Los von ferne, Daß mein Herz schon aufwärts steigt Ueber Sonne, Mond und Sterne; Denn ihr Licht ist viel zu klein Gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod In die rechte Heimat führen, Da ich über alle Not Ewig werde triumphieren. Je⸗ sus geht mir selbst voran, Daß ich freudig folgen kann. 7. Himmelan, ach himmelan! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eit'len Wahn Durch die Himmelslust ver⸗ treiben; Himmelan steht nur mein Sinn, Bis ich in dem Himmel bin. Benj. Schmolck, geb. 1672 f 1787. Eigne Melodie. 298 H üter, wird die Nacht der Sün⸗ den Nicht verschwinden? Hü⸗ ter, ist die Nacht schier hin? Wird die Finsternis der Sin⸗ nen Bald zerrinnen, Darin ich verwickelt bin? 2. Möcht' ich, wie das Rund der Erden, Lichte werden! 216 Heiligungs⸗Lieder. Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe; Jesu Liebe, Komm, beschleunige den Lauf! 3. Wir sind ja im neuen Bunde, Da die Stunde Der gen, Die was taugen; Rühre meine Augen an; Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann. Chr. Friedr. Richter, geb. 1676 4 1711. Erscheinung kommen ist; Und ich muß mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist. 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen; Aber ich bin lauter Nacht, Darum wollst du mir, dem deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht't. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke In der Finsternis vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demut lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Laß doch nicht den Geist der Seelen Sich so quälen; Las dein Feuer in mir an; aß mich finstres Kind der Erden Helle werden, Daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben Mir nicht geben: Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken; Jesus muß die Sonne sein. 8. Nur die Decke vor den Augen Kann nicht taugen; Seine Klarheit kann nicht ein; Wenn sein helles Licht den Seinen Soll erscheinen, Muß das Auge reine sein. 9. Jesu, gieb gesunde Au⸗ Mel. Seelenbräutigam. * 99. QWesu geh voran 20 94 N Auf der Lebens⸗ bahn; Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nach⸗ zueilen: Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. 2. Soll's uns hart ergehn: Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Nie⸗ mals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden: O so gieb Geduld zu beiden; Richte unsern Sinn Auf das Ende hin. 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang; Führst du uns durch rauhe Wege, Gieb uns auch die nöth'ge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. Nik. L. Gr. v. Zinzendorf, geb. 1700 T+ 1760. Mel. Einer ist König, Immanuel sieget. Desu, hilf siegen, 300. X du Fürste des Lebens! Sieh, wie Wiei nis dringet herein; Wie sie ihr höllisches Heer nicht ver⸗ Heiligungs⸗Lieder. himmlische Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen. gebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein! Satan, der sinnet auf allerhand Ränke, Wie er mich sichte, verstöre und kränke. 2. Jesu, hilf siegen, der 217 6. Jesu, hilf siegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sei gänzlich zu eigen geschenkt, du mich erkaufet! Rette, wenn Und ich mich stets in dein Fleisch und Blut, Satan und Welt, Mich zu berücken, ganz grimmig anlaufet Oder auch schmeichelnd sich listig verstellt. Wütet die Sünde von außen und innen, Laß mir, Herr, niemals die Hülfe zerrinnen. 3. Jesu, hilf siegen! Ach, wer muß nicht klagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn die Sünden der Jugend mich nagen, Die mein Gewissen mir hält für. Ach! laß mich schmecken dein kräftig Versühnen Und dies zu meiner Demütigung dienen. 4. Jesu, hilf siegen! Wenn in mir die Sünde, Eigenlieb', Hoffart und Mißgunst sich regt; Wenn ich die Last der Begierden empfinde Und sich mein tiefes Verderben dar⸗ legt; So hilf, daß ich vor mir selbst mag erröten Und durch dein Leiden mein sünd⸗ lich' Fleisch töten. 5. Jesu! hilf siegen und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gieb, Daß bei mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligenTrieb, Laß mich eindringen ins täglich Wollen verhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt; Laß mich mir sterben und alle dem Meinen, Daß ich mich zählen kann unter die Deinen. I. Jesu, hilf siegen! In allerlei Fällen Gieb mir die Waffen des Lichtes zur Hand. Wenn mir die höllischen Feinde nachstellen, Dich mir zu rauben, o edelstes Pfand, So hilf mir Schwachen mit Allmacht und Stärke, Daß ich, o Liebster, dein Dasein vermerke. S8. Jesu, hilf siegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen auf⸗ blähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister! Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 9. Jesu, hilf siegen im Wachen und Beten. Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein; Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, mein Fürsprach' zu sein: Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, 218 Wollst du mich, Jesu, er⸗ muntern und wecken. 10. Jesu, hilf siegen! Wenn alles verschwindet Und ich mein Nichts und Verderben nur seh'; Wenn kein Vermögen zu beten sich findet, Wenn ich bin wie ein verschüchtertes Reh: Ach, Herr, so wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen. I1. Jesu, hilf siegen und laß mir's gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges er— lang', So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang. Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held, dich so mächtig er— wiesen! 12. Jesu, hilf siegen, wenn ich nun soll scheiden Weg von der jammer⸗ und leidvollen Welt! Wenn du mich rufest, gieb, daß ich mit Freuden Zu dir mög' fahren ins himmlische Zelt. Laß mich, ach Jesu, recht ritterlich ringen Und durch den Tod in das Leben eindringen. Joh. Heinr. Schröder, geb. 1665 + 1699. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. *großer Gott, du 301. O reines Wesen, Der du die reinen Herzen dir Zur steten Wohnung auser⸗ lesen, Ach schaff ein reines Heiligungs⸗Lieder. Herz in mir; Ein Herz, das von der argen Welt Sich rein und unbefleckt erhält. 2. Vor allem mache mein Gemüte Durch ungefärbte Buße rein, Und laß es, Herr, durch deine Güte Und Christi Blut gewaschen sein. Dann mache mich zur Reinigkeit Des Lebens fertig und bereit. 3. Regiere mich nach dei⸗ nem Geiste, Der mein ge⸗ treuer Beistand sei Und mir erwünschte Hülfe leiste. Gott, stehe mir in Gnaden bei Und gieb mir einen solchen Geist, Der neu, gewiß und willig heißt. 4. Doch, weil ich meine Schwachheit merke, Mein Vater, so verwirf mich nicht Und stoß mich wegen meiner Werke Ja nicht von deinem Angesicht. Laß mich hier in der Gnade stehn Und dort in deinen Himmel gehn. 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, Ja nun und nimmermehr von mir Und leite mich durch seine Triebe, Durch seinen Beistand für und für. Ja, führe du mich durch die Zeit Hin zu der sel'gen Ewigkeit. Joh. Olearius, geb. 1611 1 1684. Mel. Valet will ich dir geben. ) In unsres Königs 302. X Namen Betreten wir die Bahn; Ihr, ihr von seinem Samen, O schließt euch Heiligungs⸗Lieder. 219 freudig an! Wir ziehn zum einst schmückt! Und wird der riedenslande Ein Leib, ein Leib zertrümmert, Der Wel⸗ 9r, ein Geist; Wohl dem, tenbau zerstückt, Erlöschen der alle Bande Voll Helden⸗Sonn' und Sterne: Kein mut zerreißt. Pilger werde matt; Dort glänzt 2. Der Weg ist schmal, uns schon von ferne Des doch eben Und führt zur großen Königs Stadt. Seligkeit. Die Straße dort 7. Hinan! hinan! ihr From⸗ daneben Ist zwar bequem men, Es kostet Schweiß und und breit; Doch wer sie geht., Blut! Hinan, hinan geklom⸗ muß sterben; An ihrem Ende men Mit wahrem Heldenmut! droht Ein ewiges Verderben, Bald hebt uns unser Sehnen Fluch, Zorn und Qual und Hoch über Tod und Grab: Tod. Bald trocknet unsre Thränen 3. Wir folgen deinem Locken, Die Hand der Liebe ab. Du ewig treuer Freund; Wer J. L. Fricker, geb. 1729 f 1766. hasts x sich verstocken? Du Mel. Nun sich der Tag geendet hat. ast's so gut gemeint. Wir* er du noch i wandern abgeschieden nd 303. D jeder trägt sein Kreuz Er⸗Eh' du für uns erblaßt, Den geben und zufrieden: Für Deinen von der Liebe Macht pilger hat es Reiz. So schön gepredigt hast, 4. Der größte Hirt der 2. Erinnre deine kleine Herde Geht seinem Volk vor⸗Schar, Die sich sonst leicht an; Sein Allmachtswort: Es entzweit, Daß deine letzte werde! Bereitet selbst die Sorge war Der Glieder Bahn; Es lähmt erzürnten Einigkeit. Feinden Herz, Zunge, Fuß W. eudwig Graf von Zinzendorf, und Hand, Knüpft zwischen frommen Freunden Der Liebe ö Mel. Von Gott will ich nicht lassen. Bruderband. Oommt, Kinder,laßt 5. So wandeln wir ent. 304.K uns gehen! Der sclossen Dem Himmelsführer Abend kommt herbei; Es ist nach Und dulden unverdrossen gefährlich stehen In dieser Und tragen seine Schmach Wüstenei; Kommt, stärket euren Und flehn im finstern Thale: Mut, Zur Ewigkeit zu wan⸗ O, Jesu, steh uns bei Und dern, Von einer Kraft zur nach im Hochzeitssaale Bald andern; Es ist das Ende gut. alles, alles neu! 2. Es soll uns nicht ge⸗ 6. Seht, wie die Krone reuen Der schmale Pilger⸗ chimmert, Die unser Haupt pfad; Wir kennen ja den 220 Heiligungs-Lieder. Treuen, Der uns gerufen hat. durch Stehen Wird man ver— Kommt, folgt und trauet dem! strickt und träg'. Es geht uns Ein jeder sein Gesichte Mit all's nicht an; Nur fort, nur ganzer Wendung richte Festfortgerungen, Durch alles nach Jerusalem! durchgedrungen! Es ist sobald 3. Der Ausgang, der ge-gethan. schehen, Ist uns fürwahr 8. Ist gleich der Weg sehr nicht leid: Es soll noch besser enge, So einsam, krumm und gehen Zur Abgeschiedenheit; schlecht, Der Dornen wohl die Nein, Kinder, seid nicht bangl Menge Und manches Kreuze Verachtet tausend Welten, Ihr trägt: Es ist doch nur ein Locken und ihr Schelten Und Weg. Laß sein! wir gehen geht nur euren Gang. weiter, Wir folgen unserm 4. Geht's der Natur ent-Leiter Und brechen durchs gegen, So geht's gerad' und Geheg. fein; Die Fleisch und Sinnen 9. Was wir hier hör'n und pflegen, Noch schlechte Pilger sehen, Das hör'n und sehen sein. Verlaßt die Kreatur Und wir kaum, Wir lassen's da was euch sonst will binden, und gehen, Es irret uns kein Ja, laßt euch selbst dahinten; Traum. Wir gehn ins Enge Es geht durchs Sterben nur. ein, Mit Gott muß unser 5. Man muß wie Pilger Handel, Im Himmel unser wandeln, Frei, bloß und Wandel Und Herz und alles wahrlich leer; Viel sammeln, sein. halten, handeln Macht unsern 10. Wir wandeln einge⸗ Gang nur schwer. Wer will, kehret, Veracht't und unbekannt, der trag sich tot! Wir reisen Man siehet, kennt und höret abgeschieden, Mit wenigem Uns kaum im fremden Land; zufrieden, Was man gebraucht Und höret man uns ja, So zur Not. höret man uns singen Von 6. Schmückt euer Herz all' den großen Dingen, Die aufs beste, Sonst weder Leib auf uns warten da. noch Haus; Wir sind hier 11. Kommt, Kinder, laßt fremde Gäste Und ziehen bald uns gehen; Der Vater gehet hinaus. Gemach bringt Un- mit! Er selbst will bei uns gemach, Ein Pilger muß sich stehen In jedem sauren Tritt; schicken, Sich dulden und sich Er will uns machen Mut, bücken Den kurzen Pilgertag. Mit süßen Sonnenblicken Uns 7. Laßt uns nicht viel be⸗(locken und erquicken; Ach ja, sehen Das Kinderspiel am wir haben's gut! Weg; Durch Säumen und 12. Ein jeder munter eile; Heiligungs⸗Lieder. 221 Wir sind vom Ziel noch fern; Schaut auf die Feuersäule, Die Gegenwart des Herrn! Das Aug' nur eingekehrt, Da uns die Liebe winket Und dem, der folgt und sinket, Den wahren Ausgang lehrt. 13. Des süßen Lammes Wesen Wird uns da einge⸗ drückt; Man kann's am Wan⸗ del lesen, Wie kindlich, wie Ril d. Wie sanft, gerad' und still Die Lämmer vor sich sehen Und ohne Forschen gehen, So wie ihr Führer will. 14. Kommt Kinder, laßt uns wandern; Wir gehen Hand in Hand! Eins freuet sich am andern In diesem wilden Land. Kommt, laßt uns kindlich sein, Uns auf dem Weg nicht streiten, Die Engel uns begleiten Als unsre Brüderlein. 15. Sollt' wo ein Schwacher fallen, So greif der Stärk're zu; Man trag', man helfe allen, Man pflanze Fried' und Ruh', Kommt, bindet fester an! Ein jeder sei der Kleinste, Doch auch wohl gern der Reinste Auf unsrer Pilger⸗ bahn. 16. Kommt, laßt uns munter wandern; Der Weg kürzt immer ab! Ein Tag der folgt dem andern; Bald fällt das Fleisch ins Grab; Nur no ein wenig Mut, Nur no ein wenig treuer, Vor allen Dingen freier Gewandt zum ew'gen Gut! 17. Es wird nicht lang mehr währen, Halt noch ein wenig aus; Es wird nicht lang mehr währen, So kom⸗ men wir nach Haus, Da wird man ewig ruh'n, Wenn wir mit allen Frommen Daheim zum Vater kommen: Wie wohl, wie wohl wird's thun. 18. Drauf wollen wir's denn wagen, Es ist wohl Wagens wert, Und gründlich dem ab⸗ sagen, Was aufhält und be⸗ schwert. Welt, du bist uns zu klein! Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewig⸗ keiten: Es soll nur Jesus sein. 19. O Freund, den wir erlesen, O allvergnügend Gut, O ewig bleibend Wesen: Wie reizest du den Mut. Wir freuen uns in dir, Du unsre Wonn' und Leben, Worin wir ewig schweben, Du, unsre ganze Zier! Gerh. Tersteegen, geb. 1697. 4 1769. Mel. Werde munter, mein Gemüte. 305 Kam laßt euch den Herren leh⸗ ren, Kommt und lernet all⸗ zumal, Welche die sind, die gehören Zu der rechtenChristen Zahl: Die bekennen mit dem Mund, Glauben auch von Herzensgrund Und bemühen sich daneben, Gut's zu thun, so lang sie leben. 2. Selig sind, die Demut haben Und sind allzeit arm im Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd' allein gepreist; Danken dem auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr' Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hier schätzen. 3. Selig sind, die Leide tragen, Da sich göttlich Trauern find't, Die beseufzen und be⸗ klagen Ihr' und andrer Leute Sünd', Die derhalben traurig gehn, Oft vor Gott mit Thränen stehn, Diese sollen noch auf Erden Und dann dort getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, Da man Sanftmut spüren kann, Welche Hohn und Trotz verschmerzen, Wei⸗ chen gerne jedermann; Die nicht suchen eigne Rach' Und befehlen Gott die Sach', Diese will der Herr so schützen, Daß sie noch das Land besitzen. 5. Selig sind, die sehnlich streben Nach Gerechtigkeit und Treu', Daß an ihrem Thun und Leben Kein' Gewalt und Unrecht sei; Die da lieben gleich und recht, Niemals sind der Sünde Knecht, Geiz, Be⸗ trug und Unrecht hassen, Die wird Gott satt werden lassen. Heiligungs⸗Lieder. 3. Selig sind, die aus Er⸗ barmen Sich annehmen frem⸗ der Not, Sind mitleidig mit den Armen, Bitten treulich für sie Gott; Die behülflich sind mit Rat, Auch wo mög⸗ lich mit der That, Werden wieder Hülf' empfangen Und Barmherzigkeit erlangen. 7. Selig sind, die funden werden Reines Herzens jeder⸗ zeit, Die in Werk, Wort und Gebärden Lieben Zucht und Heiligkeit: Diese, welchen nicht gefällt Die unreine Lust der Welt, Sondern sie mit Ernst vermeiden, Werden schauen Gott mit Freuden. 8. Selig sind, die Friede machen Und drauf sehn ohn' Unterlaß, Daß man mög' in allen Sachen Fliehen Hader, Streit und Haß; Die da stiften Fried'ꝰ und Ruh', Raten allerseits dazu, Sich des Frie⸗ dens selbst befleißen, Werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig sind, die müssen dulden Schmach, Verfolgung, Angst und Pein, Da sie es doch nicht verschulden Und ge⸗ recht befunden sein; Ob des Kreuzes gleich ist viel, Setzet Gott doch Maß und Ziel Und hernach wird er's belohnen Ewig mit den Ehrenkronen. 10. Herr, regier' zu allen Zeiten Meinen Wandel hier auf Erd', Daß ich solcher Seligkeiten, Doch aus Gnaden fähig werd'! Gieb, daß ich mich acht' gering, Meine Klag' oft vor dich bring', Sanftmut auch an Feinden übe, Die Gerechtigkeit stets liebe! 11. Daß ich Armen helf' Heiligungs⸗Lieder. 223 und diene, Immer hab' ein reines Herz; Die im Unfried' 55 versühne, Dir anhang' in Freud' und Schmerz! Vater, hilf von deinem Thron, Daß ich glaub' an deinen Sohn Und durch deines Geistes Stärke Mich befleiße guter Werke. Nach Johann Heermann, geb. 1585 + 1647. von David Denicke, geb. 1603 + 1680. Mel. Sollt' ich meinem Gott nicht. 306. Laseet uns mit Je⸗ * su ziehen, Sei⸗ nem Vorbild folgen nach, In der Welt der Welt entfliehen Auf der Bahn, die er uns brach; Immerfort zum Himmel reisen, Irdisch noch schon himmlisch sein; Glauben recht und leben fein, In der Lieb' den Glauben weisen. Treuer Jesu, bleib bei mir: Gehe vor, ich folge dir. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild wer⸗ den gleich; Nach dem Leide folgen Freuden, Armut hier macht dorten reich. Thränen⸗ saat, die erntet Lachen, Hoff⸗ nung tröstet. mit Geduld; Es kann leichtlich Gottes Huld Aus dem Regen Sonne ma⸗ chen. Jesu, hier leid' ich mit dir: Dort teil' deine Freud' mit mir. 3. Lasset uns mit Jesu sterben; Sein Tod uns vom andern Tod Rettet und vom Seelverderben, Von der ewig⸗ lichen Not. Laßt uns töten, weil wir leben, Unser Fleisch, ihm sterben ab: So wird er uns aus dem Grab In das Himmelsleben heben. Jesu, sterb' ich, sterb'ꝰ ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesu le⸗ ben; Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wieder⸗ geben: Jesu, unser Haupt du bist. Wir sind deines Leibes Glieder, Wo du lebst, da leben wir: Ach erkenn' uns für und für, Trauter Freund, für deine Brüder. Jesu, dir ich lebe hier, Dorten ewig auch bei dir. Siegmund v. Birken, geb. 1626 1681. Mel. Jesu, komm doch selbst zu mir. Psalm 133. 307. Sdn mie ken Ist's, wenn Brüder einig sein, Wenn ihr Thun einträchtig ist, Ohne Falschheit, Trug und List. 2. Denn daselbst verheißt der Herr Reichen Segen nach Begehr Und das Leben in der Zeit Und auch dort in Ewig⸗ keit. 3. Aber ach! wie ist die Lieb' So erloschen, daß kein Trieb Mehr auf Erden wird gespürt, Der des andern Herze rührt! 4. Jedermann lebt für sich hin In der Welt nach seinem Sinn, Denket an den andern 224 Heiligungs⸗Lieder. dich in Sünden Unvermutet nicht: Wo bleibt da die Liebes⸗ pflicht? fi 5. O Herr Jesu, Gottes inden. 3. Wache auf, sonst kann Sohn, Schaue doch von dei- dich nicht Unser Herr erleuch⸗ nem Thron, Schaue die Zer⸗ 10 Wache, sonsten wird dein streuung an, Die ein Mensch Li ö Denn Gott will Für die Füll' nicht bessern kann. t Dir noch ferne deuchten; 6. Sammle, großer Men⸗Seiner Gnadengaben Offne schenhirt, Alles was sich hat verirrt! Laß in deinem Gna⸗ denschein Alles ganz vereinigt sein! 7. Bind' zusammen Herz und Herz, Laß uns trennen keinen Schmerz, Knüpfe selbst durch deine Hand Das ge⸗ weihte Bruderband. 8. Kraft, Lob, Ehr' und Herrlichkeit Sei dem Höchsten allezeit, Der, wie er ist drei in Ein', Uns in ihm läßt Eines sein. Michael Müller, + 1704, v. 1—4. Mel. Straf' mich nicht in deinem orn. 3 22 ache dich, mein 308. V Gest bereit, Wache, fleh' und bete, Daß dich nicht die böse Zeit Un⸗ verhofft betrete; Denn es ist Satans List Ueber viele Frommen Zur Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe; Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe; Und die Not Samt dem Tod Möchte Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List Nicht im Schlaf um⸗ stricke, Weil er sonst behende ist, Daß er dich berücke; Und Gott giebt, Die er liebt, Oft in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt be⸗ zwinge, Oder, wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe; Wach' und sieh, Damit nie Viel von falschen Brüdern Unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, Für dein Fleisch und Herze, Damit es nicht frevent⸗ lich Gottes Gnad' verscherze; Denn es ist Voller List Und kann sich bald heucheln Und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herre muß dich frei Von dem allen machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 8, Ja, er will gebeten sein, Wenn er soll was geben; Er verlanget unser Schrei'n, Wenn wir wollen leben Und Heiligungs⸗Lieder. 225 durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 9. Doch wohlan! es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Gebet anflehen; Denn er will Uns mit Füll' Seiner Gunst beschütten, Wenn wir gläubig bitten. 10. Drum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten; Weil die Angst, Not und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt ver⸗ nichten. Johann Burckard Freystein, geb. 1671 4 1718. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. * erk', Seele, dir 309. M das große Wort: Wenn Jesus winkt, so geh; Wenn er dich zieht, so eile fort; Wenn Jesus hält, so steh. 2. Wenn er dich lobet, bücke dich; Wenn er dich liebt, so ruh; Wenn er dich aber schilt, so sprich: Ich brauch's, Herr, schlage zu! 3. Wenn Jesus seine Gna⸗ denzeit Bald da, bald dort verklärt, So freu' dich der Barmherzigkeit, Die andern widerfährt. 4. Wenn er dich aber brauchen will, So steig' in Kraft empor; Wird Jesus in der Seele still, So nimm auch du nichts vor. 5. Kurz, liebe Seel', dein ganzes Herz Sei von dem Tage an Bei Schmach, bei Mangel und bei Schmerz Dem Heiland zugethan. Nicol. Ludwig Graf v. Zinzendorf, geb. 1700 + 1760. Mel. Nun danket all' und bringet Ehr'. ein Gott, das 310. M Herz ich bringe dir Als Gabe und Geschenk; Du forderst dieses ja von mir, Des bin ich eingedenk. 2. Gieb mir, mein Sohn, dein Herz, sprichst du, Das ist mir lieb und wert; Du findest anders nimmer Ruh' Im Himmel und auf Erd'. 3. Nun du, mein Vater, nimm es an, Mein Herz, ver⸗ acht' es nicht; Ich geb's, so gut ich's geben kann, Kehr' zu mir dein Gesicht. 4. Zwar ist es voller Sün⸗ denwust und voller Eitelkeit, Des Guten aber unbewußt Und wahrer Frömmigkeit. 5. Doch aber steht es nun in Reu', Fühlt seinen Uebel⸗ stand Und trägt vor dem jetzt große Scheu, Dran Lust zu⸗ vor es fand. 6. Hier fällt und liegt es dir zu Fuß Und schreit: zer⸗ schlage du, Zerknirsch' es, Vater, daß ich Buß' Recht⸗ schaffen vor dir thu'. 15⁵ * N J́7f?f?FP?PIPIII.I.. NUDt I.— ———9——Üi—62'.———— DD‚‚‚‚‚‚..‚.— —ñ— — 226 7. Zermalme meine Härtig⸗ keit, Mach mürbe meinen Sinn; Daß ich in Seufzen, Reu' und Leid Und Thränen ganz zerrinn'. 8. Sodann nimm mich, mein Jesu Christ, Tauch' mich tief in dein Blut; Ich glaub', daß du gekreuzigt bist Der Welt und mir zu gut. 9. Stärk' meine schwache Glaubenshand, Zu fassen auf dein Blut, Als der Vergebung Unterpfand, Das alles machet gut. 10. Schenk mir nach deiner Jesushuld Gerechtigkeit und Heil; Nimm auf dich meine Sündenschuld Und meiner Strafe Teil. 11. In dich woll'st du mich kleiden ein, Dein' Unschuld ziehen an, Daß ich, von allen Sünden rein, Vor Gott be⸗ stehen kann. 12. Gott, heil'ger Geist! nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein: Ergieß' um Jesu willen dich Tief in mein Herz hinein. 13. Dein göttlich' Licht schütt' in mich aus Und Brunst der reinen Lieb'; Tilg' Finster⸗ nis, Haß, Falschheit aus, Schenk mir stets deinen Trieb. 14. Hilf, daß ich sei von Herzen treu Im Glauben meinem Gott; Daß mich im bei mir; Sie lock und droh Heiligungs⸗Lieder. Guten nicht mach' scheu Der Welt List, Macht und Spott. 15. Hilf, daß ich sei von Herzen fest In Hoffen und Geduld; Daß, wenn du nur mich nicht verläßt, Mich tröste deine Huld. 16. Hilf, daß ich sei von Herzen rein Im Lieben, und erweis', Daß mein Thun nicht sei Augenschein, Durchs Werk zu deinem Preis. 17. Hilf, daß ich sei von Herzen schlicht, Aufrichtig, ohne Lug; Mein Wort, mein Werk, mein Angesicht Sei ohne List und Trug. 18. Hilf, daß ich sei von Herzen klein, Demut und Sanftmut halt, Daß ich von aller Weltlieb rein, Vom Fall aufstehe bald. 19. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Ohn' alle Heuchelei; Damit mein ganzes Dir wohlgefällig ei. 20. Nimm gar, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit; Ja, laß es deine Wohnung sein In jener Ewigkeit! 21. Dir geb' ich's ganz zu eigen hin, Brauch's wozu dir's gefällt; Ich weiß, daß ich der Deine bin, Der Deine, nicht der Welt. 22. Drum soll sie nun und nimmermehr Dies richten aus Heiligungs⸗Lieder. auch noch so sehr, Daß ich soll dienen ihr. 23. Weg Welt! weg Sünd'! dir geb' ich nicht Mein r nur, Jesu, dir Ist dies Geschenke zugerich't, Behalt'es für und für. Joh. Caspar Schade, geb. 1666 f 1698. Mel. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt'. H ir nach, spricht 31¹. M Christus, unser Held, Mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle! Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt meinem Wandel nach. 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch für Mit heil'gem Tugend⸗ leben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Fin⸗ stern schweben; Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demü⸗ tigkeit, Voll Liebe meine Seele; Mein Mund, der fleußt zu jeder Zeit Von süßem Sanftmuts⸗ ö Gemüte, sen; Der nichts wüßt, als Gott öle; Mein Geist, 227 Seite, Ich kämpfe selbst, ich brech' die Bahn, Bin alles in dem Streite; Ein böser Knecht, der still' darf stehn, Wenn er den Feldherrn sieht angehn. 6. Wer seine Seel' zu finden meint, Wird sie ohn' mich ver⸗ lieren; Wer sie hier zu verlieren scheint, Wird sie in Gott ein⸗ führen; Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, Ist mein nicht wert und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit Leib und Seel nachgehen Und wohlgemut, ge⸗ trost und gern Bei ihm im Lei⸗ den stehen; Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron' Des ew'gen Lebens nicht davon. Scheffler(Angelus Silesius) 7 Johann geb. 1624 + 1677. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 312 8 der alles hätt' * verloren, Auch sich selbst, der allezeit Nur das Ein hätt' auserkoren, So Herz, Geist und Seel' erfreut; 2. O, der alles hätt' verges⸗ Kraft und Sinn Ist Gott er⸗allein, Dessen Güte unermessen geben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig' schädlich ist, 3 u fliehen und zu Macht das Herz still, ruhig, euch das, was rein! 3. O, der alles könnte las⸗ meiden, Und euer Herz von sen; Daß er frei vom Ei teln arger List Zu rein'gen und zu all' Wandern möcht' die Frie⸗ scheiden; Fels und Ich bin der Seelen densstraßen Durch dies Thrä⸗ Hort Und führ' euch nenjammerthal! zu der Himmelspfort'. 4. O, wär' unser Herz ent⸗ 5. Fällt's euch zu schwer, ich nommen Dem, was lockt durch geh'voran, Ich steh' euch an der eiteln Glanz Und hält ab, zu 15* 228 Heiligungs⸗Lieder. Gott zu kommen, In dem alle Güt' ist ganz! 5. O, wär' unser Aug' der Seelen Stetig nur auf Gott ewandt! So hätt auch das sorg⸗ ich Quälen Im Gewissen ganz ein End'. 6. O, du Abgrund aller Gü⸗ te, Zeuch durchs Kreuz in dich hinein Geist, Seel', Herz, Sinn und Gemüte, Ewig mit dir eins zu sein! Gottfried Arnold, geb. 1666 + 1714. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 313. O Durchbrecher al⸗ * ler Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schade, Spott und Schande Lauter Lust und Himmel ist: Uebe fernerdein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so treu Gesichte Führet aus dem Kerker hin. 2. Ist's doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk. Hierzu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb' und Stärk', Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket fih Und es von dem Treiben ührest Zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach! so mußtdu uns voll⸗ enden, Willst und kannst ja anders nicht; Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht't; Ob wir wohl vor allen Leuten Als ge⸗ fangen sind geacht't, Weil des Kreuzes Niedrigkeiten Uns ver⸗ acht't und schnöd' gemacht. 4. Schau' doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Krea⸗ tur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitel⸗ keiten, Der uns noch so harte drückt; Wenn gleich unser Geist zu Zeiten Sich auf etwas Bess'res schickt. 5. Ach! erheb' die matten Kräfte, Reiße du das Band ent⸗ zwei, Daß wir, durch die Welt⸗ geschäfte Durchgebrochen, stehen . Weg mit Menschenfurcht und Zagen; Weich, Vernunft⸗ bedenklichkeit; Fort mit Scheu vor Schmach und Plagen; Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr, erlöse deine Kinder! Brich der Sünde Macht ent⸗ zwei! Denke, daß ein armer Sünder Dir im Tod nichts nütze sei! Heb uns aus dem Staub der Sünden, Wirf die Schlangenbrut hinaus; Laß uns wahre Freiheit finden In des ew'gen Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit: Wie du's nöthig find'st, so thue Noch vor unsrer Abschiedszeit. Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche! Sie⸗ ger, siege! König, brauch' dein Regiment: Führe deines Rei⸗ ches Kriege, Mach' der Skla⸗ verei ein End'! Laß doch aus der Grub' die Seelen Durch des Heiligungs⸗Lieder. 229 neuen Bundes Blut; Laß uns länger nicht so quälen, Denn du meinst's mit uns ja gut. 9. Haben wir uns selbst ge⸗ fangen In Lust und Gefällig⸗ keit: Ach! so laß uns nicht stets hangen In dem Tod der Eigen⸗ heit; Denn die Last treibt uns zu rufen; Alle schreien wir dich an! Zeig' doch nur die ersten Stufen Dergebrochnen Freiheitsbahn. 10. Ach, wie teu'r sind wir erworben, Nicht der Menschen Knecht zu sein! Drum, so wahr du bist gestorben, Wirst du uns auch machen rein; Rein und frei und ganz vollkommen Und verklärt ins beste Bild: Der hat Gnad' umGnad'genommen, Wer aus deiner Füll' sich füllt. 11. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ' ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß uns nur nicht läsfig sein; Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein. Gottfried Arnold, geb. 1666 + 1714. Eigne Melodie. 9 Gott, du from⸗ 314. O mer RN Du Brunnquell guter Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben, Gesunden Leib gieb mir, Und daß in sol⸗ chem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'. Fleiß, Was mir zu thun ge⸗ bühret, Wozu mich dein Be⸗ fehl In meinem Stande führet; Gieb, daß ich's thue bald, Zu der Zeit, da ich soll. Und wenn ich's thu', so gieb, Daß es gerate wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnützes Wort Aus mei⸗ nem Munde gehen; Und wann in meinem AmtIch reden soll und muß, So gieb den Worten Kraft Und Nachdruck ohn' Verdruß. 4. Pnuchr sich Gefährlichkeit, So laßmich nicht verzagen, Gieb einen Heldenmut, Das Kreu hilf selber tragen; Gieb daß ich meinen Feind Mit Sanftmut überwind' Und wenn ichRat be⸗ darf, Auch guten Rat stets find'. 5. Laß mich mit jedermann In Fried' und Freundschaft le⸗ ben, So weit es christlich ist; Willst du mir etwas geben An Reichtum, Gut und Geld, So gieb auch dies dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts unter⸗ menget sei. 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauren Tritt nrn ins Alter dringen, o gieb Geduld, vor Sünd' Und Schanden mich bewahr', Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End' auf Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir Hinauf zu deinen Freuden; Dem Leib ein 2. Gieb, daß ich thu' mit Räumlein gönn Bei frommer ..— V 230 Christen Grab, Auf daß er seine Ruh' An ihrer Seite hab'. 8. Wann du die Toten wirst An jenem Tag erwecken, So thu auch deine Hand Zu mei⸗ nem Grab ausstrecken, Laß hören deine Stimm' Und meinen Leib weck' auf Und führ' ihn schön verklärt, Zum auserwähl⸗ ten Hauf'. Joh. Heermann, geb. 1585 4 1647. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. süßer Stand, o 31¹⁵. O sel'ges Leben, Das aus der wahren Einfalt quillt, Wenn sich ein Herz Gott so ergeben, Daß Christi Sinn es ganz erfüllt; Wenn sich der Geist nach Christi Bilde In Licht und Recht hat aufgericht't Und unter solchem klaren Schilde Durch alle falsche Höhen bricht! 2. Was andern schön und lieblichscheinet, Ist solchem Her⸗ für Kinderspiel; Was mancher ür unschuldig meinet, Ist sol⸗ chem Herzen schon zu viel! Warum? Es gilt der Welt ab⸗ sagen! Hier heißt's: rührt kein Unreines an. Das Kleinod läßt sich nicht erjagen, Es sei denn alles abgethan. 3. Die Himmelskost schmeckt viel zu süße Dem Herzen, das in Jesu lebt. Die Braut be⸗ wahrt Haupt, Herz und Füße; Und wo ihr etwas noch anklebt, Das zu dem Glanz der Welt Heiligungs⸗Lieder. gehöret, Das ist ihr lauter Höl⸗ lenpein; Und wo sie recht in Gott einkehret, Da macht sie sich von allem rein. 4. Die Einfalt Christi schließt die Seele Vor allem Weetge⸗ tümmel zu. Viel lieber in der stillsten Höhle Sucht sie bei ihrem Gotte Ruh'. Wenn sich das Heuchelvolk in Lüsten Der Welt und ihrer Eitelkeit, Auch wohl bei gutem Schein will brüsten, Fühlt jene harten Kampf und Streit. 5. Die Einfalt weiß von keiner Zierde, Als die in Christi Gnade liegt; Die reine himm⸗ lische Begierde Hat jede Thor⸗ heit schon besiegt; An einem reinen Gotteskinde Glänzt Gottes Name schön und rein; Wie könnt' es denn vom eitlen Winde Der Welt noch umge⸗ trieben sein? 6. Von Sorgen, Not und allen Plagen, Damit die Welt sich selbst anficht, Von Neid, damit sich andre tragen, Weiß Christi Sinn und Ein⸗ falt nicht: Den Schatz, den sie im Herzen heget, Bewahrt sie wider allen Neid; Ist je⸗ mand, der Lust dazu träget, Das macht ihr lauter Herzens⸗ freud'. 7. O schönes Bild, ein Herz zu schauen, Das sich mit Christi Einfalt schmückt! Geht hin, ihr thörichten Jungfrauen! Schlaft nur, bis euch die Nacht berückt! Was sind die Heiligungs⸗Lieder. 231 Lampen sonder Oele? Schein ssein. So sollst du denn in ohne Licht und Christi Sinn! allen Sachen Den Anfang Sucht doch was Bess'res für und das Ende machen; Dann die Seele Und gebt der Welt stellt sich lauter Segen ein. das Ihre hin! 3. Du leitest mich, ich kann 8. Ach, Jesu, drücke meinem nicht gleiten; Dein Wort muß Herzen Den Sinn der lautern ewig feste stehn; Du sprichst, Einfalt ein, Reiß aus, ob⸗ dein Auge soll mich leiten, schon mit tausend Schmerzen, Dein Angesicht soll vor mir Der Welt ihr Wesen, Tand gehn; Ja, deine Güt' und und Schein. Der alten dein Erbarmen Soll mich um⸗ Schlange Bild und Zeichen fangen und umarmen; O, daß Trag' ich nicht mehr; drum sch nur recht kindlich sei, Bei laß mich nur Der Einfalt allem gläubig zu dir flehe, ier und Schmuck erreichen; Und stets auf deinen Wink Das ist die neue Kreatur. nur sehe! So spür' ich täglich Joh. Joseph Winkler, geb. 1670 f 1722. neue Treu'. 4. O, daß ich auch im Mel. Wie wohl ist mir, o Freund. kleinsten merke Auf deine 316 O Baterherz, o Weisheit, Güt' und Treu', * Licht, o Leben, Damit ich mich im Glauben O treuer Hirt, Immanuel, stärke, Dich lieb' und lob' und Dir bin ich einmal übergeben, ruhig sei, Und deine Weisheit Dir, dir gehöret Leib und lasse walten, Stets Ordnung, Seel'! Ich will mich nicht Maß und Ziel zu halten; mehr selber führen, dem lauf' ich vor, so lauf' Vater soll das Kind regieren; ich an; Drum mach' im besten 2o geh nur mit mir aus und mich gelassen, Nichts ohne ein Und leite mich auf allen dich mir anzumaßen; Was Tritten; Ich geh', ach, hör, o du mir thust, ist wohlgethan. Herr, mein Bitten, Ohn' dich 5. Ach, mach' einmal mich nicht einen Schritt allein. tren und stille, Daß ich dir 2. Was kann dein schwaches immer folgen kann; Nur dein, Kind vollbringen? Ich weiß nur dein vollkommner Wille mir gar in keinem Rat, Drum Sei hier mein' Schranke, Lauf ei in groß' und kleinen Din⸗ und Bahn; Laß mich nichts gen Mir immer selber Rat mehr für mich verlangen; und That: Du willst dich Ja, laß mir nichts am Herzen meiner gar nicht schämen; Ich hangen, Als deines großen nag dich ja zu allem nehmen, Namens Ruhm; Der sei du willst mir selber alles allein mein Ziel auf Erden⸗ I— Z.....e.:.. 232 Ach laß mir's nie verrücket werden; Denn ich bin ja dein Eigentum. 6. Laß mich in dir den Vater preisen, Wie er die Liebe selber ift; Laß deinen Geist mir klärlich weisen, Wie du von ihm geschenkt mir bist. Ach, offenbare deine Liebe Und wirke doch heißen Triebe Der reinen Gegenlieb' in mir; Durch dringe damit Herz und Sin⸗ nen, Daß ich hinfort mein 2 7 ganz Beginnen In deiner Liebe der anz losrei. Durch den Geist Heilig hier zu werden, So ist das ihr stets nur führ'! Heiligungs⸗Lieder. bist, reiner Glanz der Ewigkeit! C. Heinr. v. Bogatzty, geb. 1690 1774. 317. O ein Christ, Der da ist Recht die M ist neugeboren Und hier schon In dem Sohn Ist zum Kiud erkoren! laß ganz zerrinnen, O Mel. Warum sollt' ich mich denn grämenꝰ was für ein herr⸗ lich' Wesen Hat Gott genesen, Der aus ihm 2. Wenn die Seel' sich von Erden Ganz losreißt, 7. Ich sehne mich, nur dir hoher Adel, Welchen sie Je zu leben, Der du mein Herr und Meister bist. Was dir sich nicht will ganz ergeben, Und was nicht deines Willens ist, Das strafe bald in dem Gewissen, Laß Blut un Wasser auf mich fließen Und tilge, was nicht lauter heißt; Laß nur dein Lob zur Lust mir werden Und dann das Heil der armen Herden Mit einer reinen Lieb' im Geist. 8. So lob' und lieb' ich in der Stille, Und ruh' als Kind in deinem Schoß; Das Schäf⸗ lein trinkt aus deiner Fülle; Die Braut ist aller Sorgen los; Sie sorget nur allein in allem, Dir, ihrem Bräut' gam, zu gefallen; Sie schmückt und H hält sich dir bereit. Ach, zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen! Was du nicht und je Findet ohne Tadel. 3. Ird'sche Scepter, ird'sche Kronen Sind ein Sand Und ein Tand Nebst den hohen Thronen: Gott regieret, Hat hier schon Eine Kron', Eine Seel', die Die sie ewig zieret. 4. Köstlich ist sie ausge⸗ schmücket: Reine Seid' Ist ihr Kleid, Hoch ist sie beglücket; Innerlich glänzt sie von Golde, Pranget sehr, Lebt in Ehr'; Denn Gott ist ihr holde. 5. Doch ihr Glanz bleibt hier verdecket Vor der Welt, Die sie hält, Als wär' sie be⸗ flecket; Sie lebt jetzt in Gott verborgen, Hat oft Hohn ier zum Lohn; Doch sie läßt Gott sorgen. 6. Hier steht diese Ros' im Grunde, Und ihr Schein Bleibet klein In der Pru⸗ fungsstunde; Man tritt sie hier oft mit Füßen, Aber Gott Wird den Spott Ihr einmal versüßen. 7. Christus, der sie hat er⸗ wählet Und als Braut Sich vertraut, Der sieht, was ihr fehlet; Er tröst't sie im bittern Leiden, Führt sie dann Auf die Bahn Aller Seelen⸗ freuden. 8. Ihre Hoheit wird ver⸗ mehret Bei dem Schmerz, Der ihr Herz Hier im Kreuz be⸗ währet; Dieses schmücket ihre Krone, Die einmal Nach der Qual Sie bekommt zum Lohne. 9. Ewig wird sie trium⸗ phieren, Wann ihr Hirt, Christus wird In sein Haus sie führen Und ihr öffnen alle Schätze, Damit sie Je und je Sich daran ergötze. 10. Dann wird sie kein Leid mehr beugen, Und ihr Glanz Wird sich ganz Offen⸗ barlich zeigen; Sie wird leuch⸗ ten wie die Sonne: Gott al⸗ lein Wird stets sein Ihre Freud' und Wonne. 11. Dann wird sie mit Christo sitzen Auf dem Thron; Ihre Kron' Wird von Golde blitzen; Dann wird jeder⸗ mann sie kennen Und sie frei, Ohne Scheu, Hoch und herr— lich nennen. Jacob Gabriel Wolf, geb. 1684 f 1754. Heiligungs⸗Lieder. Eigne Melodie. ö H inge recht, wenn 318. R Gottes Gnade Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geist sich recht ent⸗ lade Von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort' ist enge, Und der Lebensweg ist schmal; Hier bleibt alles im Gedränge, Was nicht zielt zum Himmelssaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben; Dring hinein in Gottes Reich: Will der Sa⸗ tan widerstreben, Werde we⸗ der matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, Und die erste Liebe dich Von der ganzen Welt abziehe; Halbe Liebe hält nicht Stich. 5. Ringe mit Gebet und Schreien, Halte damit feurig an; Laß dich keine Zeit ge⸗ reuen, Wär's auch Tag und Nacht gethan. 6. Hast du dann die Perl' errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse hast be⸗ zwungen, Das uns Schaden pflegt zu thun. 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr: Hier in dieser Leibeshöhle Schwebst du täglich in Gefahr. 8. Halt ja deine Krone feste; Halte männlich, was du hast; Recht beharrlich ist das ZSZ....e..... mm 234 Heiligungs⸗Lieder. beste; Rückfall ist ein böser fürchtet euch; Geht doch alle Gast. Tage weiter, Bis ihr kommt 9. Laß dein Auge ja nicht ins Himmelreich. gaffen Nach der schnöden Ei⸗ stecder telkeit; Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe Träg⸗ und Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gieb der Lust den Zügel nicht: Willst du die Begierde stillen, So ver⸗ lischt das Gnadenlicht. 11. Fleischesfreiheit macht die Seele Kalt und sicher, frech und stolz, Nimmt hinweg des Glaubens Oele, Läßt nichts als ein faules Holz. 12. Wahre Treu' führt mit der Sünde Bis ins Grab be⸗ ständig Krieg, Richtet sich nach keinem Winde, Sucht in jedem Kampf den Sieg. 13. Wahre Treu' liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Wol⸗ lustpflege, Hält sich selber nichts zu gut. 14. Wahre Treu' hat viel zu weinen, Spricht zum La⸗ chen: du bist toll!“) Weil es, wenn Gott wird erscheinen, Lauter Heulen werden soll. 15. Wahre Treu' kommt dem Getümmel Dieser Welt niemals zu nah'; Ist ihr Schatz doch in dem Himmel: Drum ist auch ihr Herz allda. 16. Dies bedenket wohl, ihr Streiter, Streitet recht, und ) Pred. Salomon. 2, 2 17. Denkt bei jedem Au⸗ Ob's vielleicht der etzte sei; Bringt die Lampen ins Geschicke, Holt stets neues Oel herbei. 18. Liegt nicht alle Welt im bösen? Steht nicht Sodom in der Glut? Seele, wer soll dich erlösen? Eilen, eilen ist hier gut. 19. Eile, wo du dich er⸗ retten Und nicht mit verder⸗ ben willt; Mach dich los von allen Ketten, Fleuch als ein gejagtes Wild. 20. Lauf der Welt doch aus den Händen; Dringe in den Himmel ein, Eile, daß du mögst vollenden: Mache dich von allem rein. 21. Laß dir nichts am Her⸗ zen kleben; Fleuch vor dem verborgnen Bann; Such' in Gott geheim zu leben, Daß dich nichts beflecken kann. 22. Eile, zähle Tag und Stunden, Bis dein Bräut'gam kommt und winkt Und, wenn du nun überwunden, Dich zum Schauen Gottes bringt. 23. Eile, lauf ihm doch ent⸗ gegen, Sprich: mein Licht, ich bin bereit, Nun mein Hüttlein abzulegen; Mich dürst't nach der Ewigkeit. Joh. Jos. Winkler, geb. 1670 f 17²2• Heiligungs⸗Lieder. 235 Mel Wachet auf ruft uns die Stimme. winder, Die du erkauft mit 319. Ristet euch, ihr deinem Blut! Schaffe in uns Christenleute! neues Leben, Daß wir uns Die Feinde suchen euch zur stets zu dir erheben, Wenn Beute; Ja Satan selbst hat uns entfallen will der Mut. eu'r begehrt; Wappnet euch Geuß aus auf uns den Geist, mit Gottes Worte Und käm⸗ Dadurch die Liebe fleußt In pfet frisch an jedem Orte, die Herzen, So halten wir Damit ihr bleibet unversehrt. Getreu an dir Im Tod und Ist euch der Feind zu schnell, Leben für und für. 97 ist Immanuel, Hosianna! er Starke fällt Durch diesen Deo Ferd. Hirbehutten 90 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele 2. Reinigt euch von euren 30000 Sthafet, schaffet, Lüsten, Besieget sie, die ihr 320. SMenshenktnler seid Christen, Und stehet in Schaffet eure Seligkeit; Bauet des Herren Kraft; Stärket nicht, wie freche Sünder, Nur euch in Jesu Namen, Daß ihr auf ge enwärt'ge Zeit, Son⸗ nicht strauchelt, wie die Lah⸗dern schauet über euch, Ringet men; Wo ist des Glaubens nach dem Himmelreich Und Wilh. Erasmus Arends, 4 1721. Ritterschaft? Wer hier ermü⸗ den will, Der schaue auf das Ziel, Da ist Freude! Wohlan, so seid Zum Kampf bereit, So krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wenig Jahre, Eh' ihr kommt auf die Totenbahre; Kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Toten wecken, Und Christus wird die Welt er⸗ schrecken, So stehen wir mit Iudtves auf. Gottlob, wir ind versöhnt! Daß uns die Welt noch höhnt, Währt nicht lange, Und Gottes Sohn at längstens schon Uns beigelegt die Ehrenkron'. 4. Jesu, stärke deine Kin⸗ bemühet euch auf Erden, Wie ihr möget selig werden. 2. Daß nun dieses mag ge⸗ schehen, Müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut Und desselben Neigung gehen; Sondern, was Gott will und thut, Das muß einzig und allein Eures Le⸗ bens Richtschnur sein, Es mag Fleisch und Blut in allen Uebel oder wohl gefallen. 3. Ihr habt Ursach' zu be⸗ kennen, Daß in euch noch Sünde steckt, Daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen, Daß euch lauter Elend deckt, Und daß Gottes Gnadenkraft Nur allein das Gute schafft; Ja, daß außer seiner Gnade In der Und mach aus ihnen Ueber⸗ euch nichts denn Seelenschade. —2 πι⁷ιπ⁰ιιν½¹ 236 Heiligungs⸗Lieder. 4. Selig, wer im Glauben kämpfet; Selig, wer im Kampf besteht Und die Sünden in sich dämpfet; Selig, wer die Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzes Schmach Jaget man dem Frieden nach: Wer den Himmel will ererben, Muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, Sondern träg' und lässig sein, Eure Neigung zu bezwingen, So bricht eure Hoffnung ein; Ohne tapfern Streit und Krieg Folget nie⸗ mals rechter Sieg; Nur den Siegern wird die Krone Bei⸗ gelegt zum Gnadenlohne. 6. Mit der Welt sich lustig machen, Hat bei Christo keine Statt; Sündlich reden, thun und lachen Schwächt den Geist und macht ihn matt. Ach, bei Christi Kreuzesfahn' Geht es wahrlich niemals an, Daß man noch mit frechem Her⸗ zen Sicher wolle thun und scherzen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen, Denn der kann mit Leib und Seel' Uns zur Hölle niederschlagen; Er ist's, der des Geistes Oel Und nachdem es ihm beliebt, Wollen und Vollbringen giebt, O, so laßt uns zu ihm gehen, Ihn um Gnade anzuflehen. 8. And dann schlagt die Sündenglieder, Welche Adam Macht gelegt. Hauet Händ' und Füße ab, Was euch är⸗ gert, senkt ins Grab, Und denkt stets an Jesu Worte: Dringet durch die enge Pforte! 9. Zittern will ich vor der Sünde Und dabei auf Jesum sehn, Bis ich seinen Beistand finde, In der Gnade zu be⸗ stehn. Ach, mein Heiland, geh doch nicht Mit mir Ar⸗ men ins Gericht; Gieb mir deines Geistes Waffen, Meine Seligkeit zu schaffen. 10. Amen! es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir! Auf daß ich in Jesu Namen So den Glaubenskampf ausführ': Er, er gebe Kraft und Stärk' Und regiere selbst das Werk, Daß ich wache, bete, ringe Und also zum Himmel dringe. Ludw. Andreas Gotter, geb. 1661 4 1785. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 32. eele, was ermüdst * du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Richt' ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad' eindringen. Suche in euch regt, In den Kreuzes⸗Jesum und sein Licht: Alles tod darnieder, Bis ihm seine andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh', Dein betrübtes Herz Heiligungs⸗Lieder. zu laben; Eil' der Lebens⸗ 237 Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 9. Schwinge dich fein oft quelle zu, Da kannst du sie im Geist Ueber alle Himmels⸗ reichlich haben. Suche Jesum höhen; Alles andre Erde reißt, Weit von dir ent⸗ und sein Licht: hilft dir nicht. 4. Fliehe die unsel'ge Pein, So das finstre Reich gebieret; Laß nur den dein Labsal sein, hilft dir nicht. Laß, was dich zur Suche Jesum Alles andre fernet stehen. und sein Licht: 10. Nahe dich dem lautern Der zur Glaubensfreude füh⸗ Strom, Der vom Thron des ret. Licht: Alles andre hilft dir nicht. 5. Ach, es ist ja schlecht ge⸗ nug, Daß du sonst viel Zeit verdorben Mit nichtswürdi⸗ gem Gesuch, Dabei du fast bist erstorben. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 6. Geh einfältig stets ein⸗ her, Laß dir nichts das Ziel verrücken; Gott wird aus dem Liebesmeer Dich, den Kran⸗ ken, wohl erquicken. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 7. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohl⸗ gefällt Und dein Ursprung dir vorleget? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 8. Du bist ja ein Hauch aus Gott Und aus seinem Geist geboren; Darum bleibe Suche Jesum und sein Lammes fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 11. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schwe⸗ ben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm er⸗ heben. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 12. Sei im übrigen ganz still, Du wirst schon zum Ziel gelangen; Glaube, daß sein Liebeswill' Stillen werde dein Verlangen. Drum such' Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. Jac. Gabriel Wolf, geb. 1684 4 1754. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 6 ei getreu bis an 322. S das Ende, Da⸗ mit keine Qual noch Not Dich von deinem Jesu wende, Sei ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit nicht im Tod; Bist du nicht Ist nicht wert der Herrlich⸗ zum Reich erkoren? Suche keit, Die dein Jesus dir will 238 Heiligungs⸗Lieder. geben Dort in jenem Freu⸗ denleben. 2. Sei getreu in deinem Glauben! Laß dir dessen festen Grund Ja nicht aus dem Her⸗ zen rauben, Halte treulich deinen Bund, Den dein Herz durchs Wasserbad Fest mit Gott geschlossen hat; Denn wie oft geht der verloren, Der da bricht, was er geschworen. 3. Sei getreu in deiner Liebe Gegen Gott, der dich geliebt! Liebe stets am Näch⸗ sten übe, Ob er dich hat auch betrübt. Denke, wie dein Hei⸗ land that, Als er für die Feinde bat; So mußt du ver⸗ zeihen eben, Soll Gott anders dir vergeben. 4. Sei getreu in deinem Leiden! Lasse dich kein Un⸗ gemach Von der Liebe Jesu scheiden, Murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld Größer durch die Ungeduld; Selig ist, wer willig träget, Was ihm Gott hat auferleget. 5. Sei getreu in deinem Hoffen! Traue fest auf Gottes Wort! Hat dich Kreuz und Not betroffen, Und Gott hilft nicht allsofort: Denke, wie er manche Zeit Dir zu helfen war bereit, Obschon du dein Ohr verstopfet, Wenn er bei dir angeklopfet. 6. Sei getreu in Todesnö⸗ ten! Kämpfe frisch den letzten Streit; Sollt' dich gleich der Herr auch töten, Das ist doch das letzte Leid. Wer mit Jesu gläubig ringt, Ihn, wie Ja⸗ kob, hält und zwingt, Dem will er in jenem Leben Seine Freudenkrone geben. 7. Drum getreu, getreu aus⸗ halten Mußt du deinem lieben Gott; Ihn, ihn laß in allem walten, O dann wirst du nie zu Spott. Rufe! Gott spricht: Hier bin ich! Mein Rufe bricht mir gegen dich; Rufe nur! Gott ist vorhanden; Hoffnung wird ja nicht zu Schanden. Benjamin Prätorius um 1659. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 6 Atark ist meines 323. S Jesu Hand‚, Und er wird mich ewig fassen; Hat zu viel an mich gewandt, Um mich wieder loszulassen. Mein Erbarmer läßt mich nicht; Das ist meine Zuversicht. 2. Sieht mein Kleinmut auch Gefahr, Fürcht' ich auch zu unterliegen: Christus beut die Hand mir dar, Christus hilft dem Schwachen siegen, Daß mich Gottes Held verficht, Das ist meine Zuversicht. 3. Wenn der Kläger mich verklagt, Christus hat mich schon vertreten, Wenn er mich u sichten wagt, Christus hat sür mich gebeten. Daß mein Jesus für mich spricht, Das ist meine Zuversicht. 4. Würd' es Nacht vor mei⸗ nem Schritt, Daß ich keinen Ausgang wüßte Und mit unge⸗ wissem Tritt, Ohne Licht ver⸗ zagen müßte, Christus ist mein Stab und Licht, Das ist meine Zuversicht. 5. Mag die Welt im Miß⸗ eschick Beben oder ängstlich Lacen Ohne Halt ist all ihr Glück; Wahrlich, sie hat Grund zu zagen. Daß mein Anker nie zerbricht, Das ist meine Zuversicht. 6. Will der Herr durch strenge Zucht Mich nach sei⸗ nem Bild gestalten, Dennoch will ich ohne Flucht Seiner Hand nur stille halten. Er übt Gnad' auch im Gericht, Das ist meine Zuversicht. 7. Seiner Hand entreißt Heiligungs⸗Lieder. mich nichts; Wer will diesen Trost mir rauben? Mein Er⸗ barmer selbst verspricht's, Sollt' 239 allen Glauben Will aus mei⸗ nem Herzen rauben. 2. Du Gott, dem nichts ist verborgen, Weißt, daß ich nichts von mir hab', Nichts von allen meinen Sorgen: Alles ist, Herr, deine Gab'. Was ich Gutes find' an mir, Das hab' ich allein von dir; Auch den Glauben mir und allen Giebst du, wie dir's mag gefallen. 3. O, mein Gott, vor den ich trete Jetzt in meiner gro⸗ ßen Not: Höre, wie ich sehn⸗ lich bete, Laß mich werden nicht zu Spott! Mach zu nicht' des Teufels Werk; Meinen schwachen Glanben stärk', Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage 4. Jesu, du Brunn aller Gnaden, Der du niemand von dir stößt, Der mit Schwach⸗ heit ist beladen, Sondern deine ich seinem Wort nicht glau⸗Jünger tröst'st, Sollt ihr Glau⸗ ben? Jesus läßt mich ewig nich, Das ist meine Zuver⸗ sicht. Karl Bernh. Garve, geb. 1763 f 1841. ben auch so klein, Wie ein kleines Senfkorn sein, Woll'st du sie doch würdig schätzen, Große Berge zu versetzen. 5. Laß mich Gnade vor dir finden, Der ich bin voll Trau⸗ Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. rigkeit, Hilf du selbst mir über⸗ 324 Tu Gott, ich winden, So oft ich muß in * muß dir Wn Meines Herzens Jammerstand, den Streit. täglich mehr', Deines Geistes Meinen Glauben Ob dir wohl sind meine Pla⸗ Schwert verehr', Damit ich hun Besser, als mir selbst, be⸗den Feind kann schlagen, Alle annt: Große Schwachheit ich Pfeile von mir jagen. bei mir In Anfechtung selbst verspür', Wenn der Satan melsthrone, Gleicher Gott von 6. Heil'ger Geist im Him⸗ nicht rühme sich, Er hätt' solch 240 Ewigkeit Mit dem Vater und dem Sohne, Der Betrübten Trost und Freud'! Der du in mir angezünd't, So viel ich an Glauben find': Ueber mir mit Gnaden walte, Ferner deine Gab' erhalte! 7. Deine Hülfe zu mir sende, O du edler Herzens⸗ gast! Und das gute Werk voll⸗ ende, Das du angefangen hast; Blas' das kleine Fünklein auf, Bis daß nach vollbrachtem Lauf Ich den Auserwählten gleiche Und des Glaubens Ziel erreiche. 8. Gott, groß über alle Götter, Heilige Dreieinigkeit! Außer dir ist kein Erretter; Tritt mir selbst zur rechten Seit'; Wenn der Feind die Pfeil abdrückt, Meine Schwachheit mir aufrückt, Allen Trost mir will verschlingen Und mich in Verzweiflung bringen. 9. Reiche deinem schwachen Kinde, Das auf matten Füßen steht, Deine Gnadenhand ge⸗ schwinde, Bis die Angst vor⸗ übergeht; Wie die Jugend leite mich, Daß der Feind ein Herz gefället, Das auf dich sein' Hoffnung stellet. 10. Du bist meine Hülf', mein Leben, en ih E meine Zuversicht, Dem ich Leib und Seel' ergeben; Gott, mein Gott,. verzeuch doch nicht. Eile, mur zu stehen bei, Brich des Fein⸗ Heiligungs⸗Lieder. selbst zurücke prallen Und mit Schimpf zur Hölle fallen. 11. Ich will alle meine Tage Rühmen deine starke Hand, Daß du meine Plag' und Klage Hast so gnädig ab⸗ gewandt. Nicht nur in der Sterblichkeit Soll dein Ruhm sein ausgebreit't: Ich will's auch hernach erweisen Und dort ewiglich dich preisen. Joh. Heermann, geb. 1585 4 1647. Eigne Melodie. 32⁵5 H Herrscher, * unser König, Unser allerhöchstes Gut! Herr⸗ lich ist dein großer Name, Weil er Wunderthaten thut, Löblich in der Näh und Ferne, Von der Erd' bis an die Sterne. 2. Wenig sind zu diesen Zeiten, Welche dich von Her⸗ zensgrund Lieben, suchen und begehren: Aber aus des Säug⸗ lings Mund Hast du dir ein Lob bereitet, Welches deine Macht ausbreitet. 3. Es ist leider zu bekla⸗ gen, Ja, wem bricht das Herze nicht, Wenn man siehet so viel tausend Fallen bei dem hellen Licht? Ach, wie sicher schläft der Sünder! Doch es wachen Gottes Kinder. 4. Unterdessen, Herr, mein Ein dich⸗ Will ich treulich lie⸗ en dich; Denn ich weiß, du treuer Vater, Daß du herzlich des Pfeil' entzwei; Laß ihn liebest mich. Zeuch mich kräftig von der Erden, Daß mein Herz mag himmlisch werden. 5. Herr, dein Nam' ist hoch⸗ Dekaunt: Und in aller Welt ekannt; Wo die warmen Son⸗ nenstrahlen Nurerleuchteneinig Land, Da ruft Himmel, da ruft Erde: Hochgelobt Jehovah werde! 6. Herr, mein Herrscher, o wie herrlich Ist dein Name meiner Seel'. Drum ich auch vor deinen Augen Singend mich ganz dir befehl'. Gieb, daß dei⸗ nes Kindes Glieder Sich dir ganz ergeben wieder. Joachim Neander, geb. 1640 + 1680. Mel. Wer nur den lieben Gott. 3 Nas hinket ihr, be⸗ 32. Wé trog'ne Seelen, Noch immerhin nach jeder Seit'ꝰ Fällt's euch zu schwer, das zu erwählen, Was euch des Him⸗ mels Ruf anbeut? O seht's mit offnen Augen an Und brechet durch auf schmaler Bahn! 2. Bedenkt, es sind nicht Kaiserkronen, Nicht Reichtum, Ehr' und Lust der Welt, Wo⸗ mit euch Gott will ewig lohnen, Wenn euer Kampf den Sieg erhält: Gott selbst ist's und die Ewigkeit, Voll Lust und Ruh', voll Seligkeit. 3. Drum gilt hier kein ge⸗ teiltes Leben; Gott krönet kein Heiligungs⸗Lieder. 241 Und träget zum verdienten Lohn Hier Qual und dort die Höll' davon. 4. Wer aber mit Gebet und Ringen Der Welt auf ewig Abschied giebt Und ihn, den Herrn, vor allen Dingen Allein und ganz von Herzen liebt: Der wird der Krone wertge— schätzt Und auf des Königs Stuhl gesetzt. 5. Zerreißet denn die mor⸗ schen Schlingen, Die euch in diesem schönen Lauf Verhindern und zum Säumen bringen: Und rafft euch heut von neuem auf. Auf, auf! verlaßt die falsche Ruh'; Auf, auf! es geht dem Himmel zu. 6. Auf, auf! ist dieser Weg schon enge, Voll Dornen und voll rauher Stein'; Bringt euch die Welt oft ins Gedränge, Stellt Satan sich geharnischt ein; Erhebet sich sein ganzes Reich; Immanuel ist auch bei euch. 7. Gott fordert nichts, ge⸗ liebte Seelen, Als daß ihr euch nur zu ihm halt't Und ohne heuchlerisch Verhehlen Vor ihm die schwachen Hände falt't, Er streit't für euchzer machet Bahn: Trotz dem, der euch besiegen kann. 8. Die Allmacht stehet euch zur Seiten, Die Weisheit hält bei euch die Wach' Die Gott⸗ geteiltes Herz; Wer Jesu sich nicht ganz ergeben, Der macht sich selber Müh' und Schmerz heit selber will euch leiten: Folgt nur mit treuen Schritten iach; Wie manchen hat nicht 242 Heiligungs⸗Lieder. diese Hand Schon durchgeführt aber in Erbarmen; Ich wider⸗ ins Vaterland! strebte dir, Und schod die Buße 9. Nur spart es nicht auf auf, Du schobest auf die Straf', andre Zeiten: Ihr habt schon Daß die nicht folgte drauf. letzt zu viel versäumt; Ihr mehrt 3. Daß ich nun bin bekehrt, euch selbst die sine Huut ver⸗ hent du allein verrichtet. Du Wenn ihr das süße Heut ver⸗hast des Satans Reich Und träumt. Eilt, eilet, denn die Werk in mir zernichtet. Herr, Gnadenzeit Rennt zügellos zur deine Güt' und Treu', Die an Ewigkeit. 0. Laßt euch das Fleisch mein steinern Herz Zerbrochen nicht träge machen, Verfluchet und erweicht. seine Zärtlichkeit; Ihr gebt euchh 4. Selbst konnt' ich allzuviel 5 ja um eitle Sachen In tausend Beleid'gen dich mit Sünden; Müh' und Fährlichkeit; Wie, Ich konnte aber nicht Selbst daß ihr um das höchste Gut Gnade wieder finden. Selbst So träg', verzagt und sorglos fallen konnte ich Und ins Ver⸗ thut? derben gehn; Ich konnte selber 11. Eilt, faßt einander bei nicht Von meinem Fall auf⸗ den Händen! Seht, wie ist un⸗ stehn. ser Ziel so nah; Wie bald wird. 5. Du hast mich aufgericht't unser Kampf sich enden! Da Und mir den Weg gewiesen, steht dann unser König da: Den ich nun wandeln soll. Da⸗ Der führt uns ein zur stillen für sei, Herr, gepriesen! Gott Ruh' Und teilet uns das sei gelobt daß ich Die alte Kleinod zu. Sünd nun hass' Und willig Leopold Franz riedrich Lehr, geb. nos ohne Furcht Die toten Werke 1 1744. lass. 6. Damit ich aber nicht Mel. O Gott, du frommer Gott. Aufs neue wieder falle, So 32⁰ Woer kann ich doch gieb mir deinen Geist, Die⸗ * für Dank, O weil ich hier noch walle, Der Herr, dir dafür sagen, Daß du meine Schwachheit stärk' Und mich mit Geduld So lange Zeit darin mächtig sei Und mein getragen, Da ich in mancher Gemüte stets Zu deinem Dienst Sünd' Und Uebertretung lag erneu'. Und dich, o frommer Gott, Er⸗ 7. Ach, leit' und führe mich, zürnte alle Tag'! So lang' ich leb' auf Erden; 2. Sehr große Lieb' und Laß mich nicht ohne dich, Dur Gnad' Erwiesest dumir Armen: mich geführet werden; Führ' Ich fuhr in Bosheit fort, Duuich mich ohne dich, So werd' die Wolken reicht, Hat auch Heiligung ich bald verführt: Wenn du mich führest selbst, Thu' ich, was mir gebührt. 8. O Gott, du großer Gott! O, Vater hör' mein Flehen! O Jesu, Gottes Sohn, Laß deine Kraft mich sehen! O werter heil ger Geist, ͤRegier mich alle⸗ Unt Daß ich dir diene hier nd dort in Ewigkeit. Justus Gesenius, geb. 1601 T 1678. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 328 er das Kleinod O. will erlangen, Der muß laufen, was er kann; Wer die Krone will empfangen, Der muß kämpfen als ein Mann; Dazu muß er sich in Zeiten Auf das beste zu⸗ bereiten, Alles andre lassen gehn, Was ihm kann im Wege stehn. 2. Herzensjesu, deine Güte Steckt mir auch ein Kleinod für, Das entzückt mir mein Gemüte Durch den Reichtum seiner Zier. O wie glänzt die schöne Krone Von dem hohen Ehrenthrone, Die du in der hatt berei Deinen Streitern hast bereit't! 3. Mein verderbter Eigen⸗ wille Hat bald dies, bald das zu thun; Hält im Laufen oft⸗ mals stille Und will in dem Streite ruhn; Satan macht mich fast auch mürbe, Daß mir auch der Sieg verdürbe, Wo mir deine treue Kraft Nicht gewünschte Hülfe schafft. 8⸗Lieder. 243 4. Drum, mein Jesu, steh mir Armen In so großer Schwachheit bei; Laß dich mei⸗ ner Not erbarmen, Mache mich von allem frei, Was mir will mein Ziel verrücken; Komm, mich selbst recht zuzuschicken; Gieb mir Kraft und Freudig⸗ keit, Fördre meinen Lauf und Streit. 5. Es verlohnt sich wohl der Mühe, Ob es mir gleich sauer wird, Wenn ich mich der Welt entziehe Und dir folge, treuer Hirt, Denn der Treue Gnadenkrone Ist mehr als genug zum Lohne; Wirst du nur mein Beistand sein, Dann ist sie in kurzem mein. Johann Mentzer, geb. 1658 F 1734. Mel. Durch Adams Fall. er sich auf seine 329. W̃ Schwachheit steu'rt, Der bleibt in Sünden liegen, Wer nicht Herz, Sinn und Mut erneu'rt, Wird sich gewiß betrügen; Den Himmels⸗ weg und schmalen Steg Hat er nie angetreten; Er weiß auch nicht in Gottes Licht, Was Kämpfen sei und Beten. 2. Was jetzt die Welt nur Schwachheit heißt, Ist ihrer Bosheit Stärke; Dadurch mehrt denn der Höllengeist Sehr mächtig seine Werke. Auf Seele, auf! richt' deinen Lauf Zur Allmacht, die dich rettet. Des Heilands Blick zerreißt 16* 2⁴⁴4 Heiligungs⸗Lieder. denStrick, Womit du angekettet. 3. Der erste Schritt im Christentum Macht von der Sünd' uns scheiden; Bei einem wahren Glaubensruhm Muß man die Weltlust meiden; Wenn Christi Geist die Seel' entreißt Von ihren Todes⸗ banden: So spürt sie Kraft, die Jesus schafft, Mit dem sie auferstanden. 4. Mein Heiland, fördre selbst dein Werk, Laß mich gekräftigt werden: Es ist Ge⸗ rechtigkeit und Stärk' Mein bestes Teil auf Erden. Du machst gerecht uns, dein Ge⸗ schlecht. Und willst zugleich uns stärken, Daß wir in dir des Glaubens Zier, Die Macht der Gnade merken. 5. Brich durch, o starker Gottessohn, Damit auch wir durchbrechen! Laß uns in dir, o Gnadenthron, Nicht mehr vonSchwachheit sprechen, Wenn deine Hand das teure Pfand Des Geistes uns gegeben; Da⸗ durch wir frei von Heuchelei, Im Streit stets siegreich leben. 6. Gieb Kraft, wo keine Kraft mehr ist, Gieb Kraft, das Fleisch zu dämpfen; Gieb Kraft, wenn Satans Macht und List Uns schwächen will im Kämpfen; Wenn uns die Welt viel Schlingen stellt, Gieb Kraft, sie zu vernichten. So wird in Not, ja selbst im Tod Uns deine Kraft aufrichten. Bernb. Walter Marperger, geb. 1681 4+ 1746. Mel. Werde munter mein Gemüte. ohl dem Men⸗ 330. W schen, der nicht wandelt In gottloser Leute Rat; Wohl dem, der nicht unrecht handelt, Noch tritt auf der Sünder Pfad; Der der Spötter Freundschaft fleucht Und von ihren Sitzen weicht; Der hingegen herzlich ehret, Was uns Gott vom Himmel lehret. 2. Wohl dem, der mit Lust, und Freude Das Gesetz des Höchsten treibt Und hier, als auf süßer Weide, Tag und Nacht beständig bleibt: Dessen Segen wächst und blüht, Wie ein Palmbaum, den man sieht Bei den Flüssen an den Seiten Seineffrischen Zweig'ausbreiten. 3. Also, sag' ich, wird auch grünen, Wer in Gottes Wort sich übt; Luft und Erde wird ihm dienen, Bis er reiche Früchte giebt; Seine Blätter werden alt Und doch niemals ungestalt; Gott giebt Glück zu seinen Thaten; Was er macht, muß wohl geraten. 4. Aber wen die Sünd' erfreuet, Mit dem geht's viel anders zu; Er wird wie die Spreu zerstreuet, Von dem Wind im schnellen Nu. Wo der Herr sein Häuflein richt't, Da gedeiht der Böse nicht, Denn Gott liebet seine From⸗ men, Und wer bös ist, muß umkommen. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676 Lob⸗ und Dank⸗Lieder. XXII. Lob⸗ und Dank⸗Lieder. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 331 BD en mich * Gott gebracht Durch seine große Güte, Bis hierher hat er Tag und Nacht Bewahrt Herz und Gemüte; Bis hierher hat er mich geleitẽt, Bis hierher hat er mich erfreut, Bis hierher mir geholfen. 2. Hab' Lob und Ehre, Preis und Dank Für die bisher'ge Treue, Die du, o Gott, mir lebenslang Bewiesen täglich neue; In mein Gedächtnis schreib' ich an: Der— 6 hat Großes mir gethan, Bis hier⸗ her mir geholfen. 3. Hilf fernerweit, mein treuster Hort, Hilf mir zu allen Stunden, Hilf mir an all' und jedem Ort, Hilf mir durch Jesu Wunden; Damit ich sag' bis in den Tod: Durch Christi Blut hilft mir mein Gott, Er hilft, wie er geholfen! Aemilie Julianne, Gräfin zu Schwarz⸗ burg⸗Rudolstadt, geb. 1637 1706. Mel. Gott des Himmels und der Erde. 332 D. dem Herrn, ihr Gottesknechte, Kommt, erhebet seinen Ruhm; Erhält Israels Geschlechte Doch noch für sein Eigentum; Jesus Christus ist noch heut, Gestern und in Ewigkeit. 2. Sprich nicht, daß in die⸗Geschlechte sen Zeiten Es nicht ist, wie's vormals war, Gottes wunder⸗ bares Leiten Sei der Welt nicht offenbar; Was er vor⸗ mals hat gethan, Gehe keinen Menschen an. 3. Sprich so nicht; des Höchsten Hände Sind mit nich⸗ ten jetzt zu schwach: Seine Güte hat kein Ende, Er ist gnädig vor wie nach; Jesus Christus ist noch heut, Gestern und in Ewigkeit. 4. Halte dich in allen Dingen Nur an deines Gottes Treu'; Laß dich nicht zur Freude brin⸗ gen, Ehe dich dein Gott erfreu'; Such' in aller deiner Not Nichts zum Trost als deinen Gott. 5. All ihr Knechte Gottes, höret; Sucht den Herrn in eurer Not! Wer der Menschen Trost begehret Und nicht flieht zu seinem Gott, Der geht irr⸗ in allem Stück Und erliegt im Mißgeschick. 6. Die nur, die dem Herrn vertrauen, Gehen auf der rech⸗ ten Bahn; Die in Angst, in Furcht und Grauen Ihn allein nur laufen an, Denen wird allein bekannt Gottes starke Vaterhand. 7. Drum dankt Gott, ihr Gottesknechte, Kommt, erhebet seinen Ruhm; Er hält Israels Doch noch für sein Eigentum; Jesus Christus ist 246 noch heut, Gestern und in Ewigkeit. Heinr. G. Neuß, geb. 1654 1 1716. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. er Herr, der aller 333. D m Regiert mit seinen Händen, Der Brunn der ew'gen Güter, Der ist mein Hirt und Hüter. 2. So lang ich diesen habe, Se mir's an keiner Gabe; er Reichtum seiner Fülle Giebt mir die Füll' und Hülle. 3. Er lässet mich mit Freuden Auf grüner Aue weiden, Führt mich zu frischen Quellen, Schafft Rat in schweren Fällen. 4. Wenn meine Seele zaget Und sich mit Sorgen plaget, Weiß er sie zu erquicken, Aus aller Not zu rücken. 5. Er lehrt mich thun und Lob⸗ und Dank⸗Lieder. Schmerzen Erweckt in meinem Herzen. 9. Du salbst mein Haupt mit Oele Und füllest meine Seele, Die leer und durstig saße, Mit vollgeschenktem Maße. 10. Barmherzigkeit und Gu⸗ tes Wird mein Herz gutes Mu⸗ tes, Voll Lust, Voll Freudꝰ und Lachen, So lang ich lebe, machen. 11. Ich will dein Diener bleiben Und dein Lob herrlich lassen, Führt mich auf rechter Straßen, Läßt Furchtund Angst sich stillen Um seines Namens willen. treiben Im Hause, da du woh⸗ nest Und Frommsein wohl be⸗ lohnest. 12. Ich will dich hier auf Erden Und dort, da wir dich werden Selbst schaun im Him⸗ mel droben, Hoch rühmen, sin⸗ gen, loben. Paul Gerhardt, geb. 1606 167 Psalm 146. Mel. Valet will ich dir geben. 334. Dner Wahen 6. Und ob ich gleich vor An⸗und singe schön Dem, welchem dern Im finstern Thal muß wandern, Fürcht' ich doch keine Tücke, Bin frei vom Mißge⸗ schicke. alle Dinge Zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben Hier preisen auf der Erd', Ich will ihn herzlich 7. Denn du stehst mir zur loben, So lang ich leben werd' Seiten, Schützt mich vor bösen Leuten; Dein Stab, Herr, und dein Stecken Benimmt mir all; mein Schrecken. 2. Ihr Menschen, laßt euch lehren, Es wird euch nützlich sein, Laßt euch doch nicht be⸗ thören Die Welt mit ihrem 8. Du setzest mich zu Tische, Schein; Verlasse sich ja keiner Machst, daß ich mich erfrische, Auf Fürstenmacht und Gunst, Wenn mir mein Feind viel Weil sie, wie unser einer, Nichts sind, als nur ein Dunst. 3. Was Mensch ist, muß erblassen Und wird des Todes Raub. Er muß den Geist auslassen, Selbst werden Erd' und Staub; Allda ist's dann geschehen Mit seinem klugen Rat, Und ist ganz klar zu sehen, Wie schwach sei Men⸗ schenthat. 4. Wohl dem, der einzig schauet Nach Jakobs Gott und Heil; Wer sich dem anver⸗ trauet, Der hat das beste Teil, Das höchste Gut erlesen, Den schönsten Schatz geliebt; Sein Herz und ganzes Wesen Bleibt ewig unbetrübt. 5. Hier sind die starken Kräfte, Die unerschöpfte Macht; Das weisen die Geschäfte, Die seine Hand gemacht: Der Himmel und die Erde Mit ihrem ganzen Heer, Der Fisch' unzähl'ge Herde Im großen wilden Meer. 6. Hier ist der treue Wille, Der nie mit Unrecht kränkt Und jedem Guts die Fülle, Den treu er findet, schenkt. Gott hält sein Wort mit Freuden, Gescheh'n muß, was er spricht. Und wer Gewalt muß leiden, Den schützt er im Gericht. 7. Er weiß viel tausend Weisen, Zu retten aus dem Tod; Er nährt und giebet Speisen Zur Zeit der Hungers⸗ Lob⸗ und Dank⸗Lieder. not; Macht schöne rote Wangen 247 Oft bei geringem Mahl; Und die da sind gefangen, Die reißt er aus der Qual. 8. Er ist das Licht der Blinden, Erleuchtet ihr Gesicht, Und die sich schwach befinden, Die stellt er aufgericht't; Er liebet alle Frommen, Und wenn ihr Auge weint, Sehn sie, sobald sie kommen, An ihm den besten Freund. 9. Er ist der Fremden Hütte, Die Waisen nimmt er an, Erfüllt der Wittwen Bitte, Wird selbst ihr Trost und Mann; Die aber, die ihn hassen, Bezahlet er mit Grimm, Ihr Haus, und wo sie saßen, Das wirft er um und um. 10. Ach, ich bin viel zu wenig, 5 Rühmen seinen Ruhm. Der Herr allein ist König, Ich eine welke Blum'; Jedoch, weil ich gehöre Gen Zion in sein Zelt, Ist's billig, daß ich mehre Sein Lob vor aller Welt. Paul Gerhardt, geb. 1605 + 1676. Eigne Melodie. underbarer Kö⸗ * 335. nig, Herrscher von uns allen: Laß dir unser Lob gefallen! Deine Gnaden⸗ ströme Läßt du auf uns fließen, Ob wir schon dich oft verließen. Hilf uns noch, Stärk' uns doch; Laß die Zunge singen, Laß die Stimme klingen! 2. Himmel, lobe prächtig 248 Deines Schöpfers Mehr als aller Werke! Großes Licht der Sonne, Sende deine Strahlen, Gottes Herrlichkeit zu malen; Lobet gern, Mond und Stern, Seid bereit zu ehren Einen solchen Herren! 3. O, du meine Seele, Singe fröhlich, singe! Singe deine Glaubenslieder; Was Stärke, da Odem holet, Jauchze, preise,‚ hoch klinge! Wirf dich in den Staub danieder. Er ist Gott Hen baoth! Er nur ist zu loben Hier und ewig droben. 4. Hallelujah bringe, Wer den Herren kennet, Wer den Herren Jesum liebet; Halle⸗ lujah singe, Welcher Christum nennet, Sich von Herzen ihm ergiebet. O, wohl dir! Glaube mir: Endlich wirst du droben Ohne Sünd' ihn loben. Joachim Neander, geb. 1650 + 1680. Mel. Nun komm' der. 336. Hnn Hler Zen⸗ gen von des Schöpfers Ehr'. Meine Seele, singe du, Bringe auch dein Lob herzu. Lob⸗ und Dank⸗Lieder. Thier Zeigen Gottes Finger Menschen hier. 2. Seht das große Son⸗ nenlicht, Wie's am Tag die Wolken bricht. Mondesglanz und Sternenpracht Jauchzen Gott bei stiller Nacht. 3. Sehet, wie den Erden⸗ ball Gott geziert hat überall; Wälder, Felder, Stein und 4. Seht, wie fleucht der Vögel Schar In den Lüften sih und klar! Donner, Blitz, Dampf, Hagel, Wind Seines Willens Diener sind. 5. Seht der Wasserwellen Lauf, Wie sie steigen ab und auf, Durch ihr Rauschen sie auch noch Preisen ihren Herren och. 6. Ach, mein Gott, wie wunderlich Spüret meine Seele dich! Drücke tief in meinen Sinn, Was du bist, und was ich bin. Joachim Neander, geb. 1650 + 1680 Psalm 146. Mel. Nun freut euch. 337j Och, der ich oft in tiefes Leid Und große Not muß gehen, Will dennoch Gott mit großer Freud' Und Herzenslust erhöhen: Mein Gott, du König, höre mich, Ich will ohn' alles Ende dich Und deinen Namen loben. 2. Wer ist so gnädig, als wie du? Wer kann so viel erdulden? Wer sieht mit sol⸗ cher Langmut zu So vielen schweren Schulden, Die aus der ganzen weiten Welt Ohn' Unterlaß bis an das Zelt Des hohen Himmels steigen. 3. Es muß ein treues Herz ja sein, Das uns so hoch kann lieben; Da wir doch in den Tag hinein, Was garnicht gut ist, üben: Gott muß nichts anders sein als gut; Daher fleußt seiner Güte Flut Auf alle seine Werke. 4. Drum, Herr, so sollen dir auch nun All' deine Werke danken, Voraus die Heil'gen, deren Thun Sich hält in dei⸗ nen Schranken; Die sollen deines Reichs Gewalt Und schöne Regimentsgestalt Mit vollem Munde rühmen. 5. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm Durch alle Welt erklinge, Daß jedermann zum Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 249 oft nicht glauben; Wie man⸗ cher ist betrübten Muts, Läßt allen Trost sich rauben, Er sorgt und fürchtet Tag und Nacht, Gott hab' ihn gänzlich aus der Acht Gelassen und vergessen. 9. Nein, Gott vergißt die Seinen nicht, Zu groß ist seine Treue; Sein Herz ist stets dahin gericht't, Daß er uns jetzt erfreue. Geht's gleich bisweilen etwas schlecht, Ist er doch heilig und gerecht In allen seinen Wegen. 10. Der Herr ist nah' und Heiligtum Dir Dienst und Opfer bringe: Dein Reich, das ist ein ew'ges Reich, Dein' Herrschaft ist dir selber gleich, Der du kein End' erreichest. 6. Der Herr ist bis in unsern Tod Beständig bei uns allen; Erleichtert unsre Kreuzesnot Und hält uns, wenn wir fallen; Er steuert manchem Unglückslauf Und hilft uns wieder freundlich auf, Wenn wir ganz hin⸗ geschlagen. 7. Herr, aller Augen sind stets bereit Für jeden, der ihn ehret; Und wer nur ernst⸗ lich zu ihm schreit, Der wird gewiß erhöret; Gott weiß wohl, wer da gläubig sei, Und denen steht er dann auch bei, Wann sie die Angst nun treibet. 11. Den Frommen wird nichts abgesagt, Gott thut, was sie begehren; Er mißt das Unglück, das sie plagt, Und zählt all' ihre Zähren Und reißt sie endlich aus der Last; Den aber, der sie kränkt nach dir Und deinem Stuhl und haßt, Den stürzt er ganz gekehret; Denn du bist's auch, der alles hier So väterlich zu Boden. 12. Dies alles und was ernähret; Du thust auf deine sonst noch mehr Kann unser milde Hand, satt, was auf dem Land, In Meer und Lüften lebet. Machst froh und Lob erzwingen, Das soll mein Mund zu Ruhm und Ehr' Des Höchsten täglich singen; 8. Du meinst es gut und Und also thu auch immerfort, thust uns Gut's, Auch da wir's Was lebt und webt an jedem 250 Lob⸗ und Dank⸗Lieder. Ort: Das wird Gott wohl 8. Du nährest uns von gefallen. Jahr zu Jahr, Bleibst immer Vaul Gerhardt, zeb. 1606 F. 1676. fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Mel. Nun danket all' und bringet Geraten, herzlich bei. Ehr' 9. Du strafst uns Sünder 338½ Ich singe dir mit mit Geduld Und schlägst nicht 90. 88 Herz und Mund allzusehr, Ja endlich nimmst err, meines Herzens Lust! du unsre Schuld Und wirfst Ich sing und mach' auf Erden sie in das Meer. kund, Was mir von dir be⸗ 10. Wenn unser Herze wußt. seufzt und schreit, Wirst du 2. Ich weiß, daß du der gar leicht erweicht Und giebst Brunn der Gnad' Und ew'ge uns, was uns hoch erfreut Ouelle seist, Daraus uns allen Und dir zur Ehr' gereicht. früh und spat Viel Heil und 11. Du zählst, wie oft ein Gutes fleußt. Christe wein', Und was sein 3. Was sind wir doch, was Kummer sei: Kein Zähr⸗ und haben wir Auf dieser ganzen Thränlein ist so klein, Du Erd', Das uns, o Vater, nicht hebst und legst es bei. von dir Allein gegeben werd?ꝰ 12. Du füllst des Lebens 4. Wer hat das schöne Mangel aus Mit dem, was Himmelszelt Hoch über uns ewig steht, Und führst uns gesetzt? Wer ist es, der uns in des Himmels Haus, Wenn unser Feld Mit Tau und uns die Erd' entgeht. Regen netztꝰ 13. Wohl auf, mein Herze, 5. Wer wärmet uns in sing und spring Und habe Kält' und Frost? Wer schützt guten Mut! Dein Gott, der uns vor dem Wind? Wer Ursprung aller Ding', Ist macht es, daß man Oel und selbst und bleibt dein Gut. Most Zu seinen Zeiten find't? 14. Er ist dein Schatz, dein 6. Wer giebt uns Leben Erb' und Teil, Dein Glanz und Geblüt? Wer hält mit und Freudenlicht, Dein Schirm seiner Hand Den güldnen, und Schild, Dein Hülf' und edeln werten Fried' In unsrem Heil, Schafft Rat und läßt Vaterland? dich nicht. 7. Ach Herr, mein Gott. 15. Was kränkst du dich in das komint von dir, Du, du deinem Sinn Und rämst dich mußt alles thun! Du hältst Tag und Nachtꝰ Nanh deine die Wach' an unsrer Thür Sorg' und wirf sie hin Auf Und läßt uns sicher ruh'n. den, der dich gemacht 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurück⸗ gekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Re⸗ giment; Nein, was er thut und läßt gescheh'n, Das nimmt ein gutes End'. 18. Wohlan, so laß ihn ferner thun Und red' ihm nicht darein, So wirst du hier in Frieden ruh'n Und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Eigne Melodie. asset uns den 339. L Herren preisen Und vermehren seinen Ruhm! Stimmet an die süßen Weisen, Die ihr seid sein Eigentum! Ewig währet sein Erbarmen, Ewig will er uns umarmen Mit der süßen Liebeshuld, Nicht gedenken unsrer Schuld. Preiset ewig seinen Namen, Die ihr seid von Abrams Samen! Rühmet ewig seine Werke, Gebet ihm Lob, Ehr' und Stärke! 2. Ehe noch ein Mensch geboren, Hat er uns zuvor erkannt Und in Christo aus⸗ erkoren, Seine Huld uns zu⸗ gewandt; Selbst der Himmel und die Erden Müssen uns Dienste werden, Weil wir urch sein liebstes Kind Seine Kinder worden sind: Ewig Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 251 solche Gnade währet, Die er uns in ihm bescheret; Ewig wollen wir uns üben, Ueber alles ihn zu lieben. 3. Ja wir wollen nur mit Freuden Zu dem lieben Vater gehn, Uns in seiner Liebe weiden, Wie die thun, die vor ihm stehn, Heilig, heilig, hei⸗ lig singen; Hallelujah soll er⸗ klingen Unserm Gotte und dem Lamm, Unserm holden Bräutigam. Lasset seinen Ruhm erschallen Und erzählt sein Werk vor allen, Daß er ewig uns erwählet Und zu seinem Volk gezählet. 4. Lernet euren Jesum kennen, Der euch teu'r erkaufet hat; Lernet ihn fein lieblich nennen Euren Bruder, Freund und Rat, Euren starken Held im Streiten, Eure Lust in Fröhlichkeiten, Euren Trost und euer Heil, Euer aller⸗ bestes Teil. Ewig solche Güte währet, Die euch durch ihn widerfähret; Ewig soll das Lob erklingen, Das wir ihm zu Ehren singen. 5. Tretet nur getrost zum Throne, Da der Gnadenstuhl zu sehn; Es kann euch von Gottes Sohne Nichts als Lieb' und Huld gescheh'n; Er er⸗ wartet mit Verlangen, Bis er könne uns umfangen Und das allerhöchste Gut Uns mitteilen durch sein Blut. Große Gnad' ist da zu finden, Er will sich mit uns ver⸗ 252 binden, Und soll niemals etwas können Uns von seiner Liebe trennen. 6. Er hat nunmehr selbst die Fülle Seiner Gottheit auf⸗ gethan, Und es ist sein ernster ille, Daß nun komme jeder⸗ mann. Keiner soll sich hier⸗ bei schämen, Sondern Gnad' um Gnade nehmen; Wer ein hungrig' Herze hat, Wird aus seiner Fülle satt. Ewig solche Fülle währet, Die uns so viel Gut's bescheret; Wonne, die uns ewig tränket, Wird uns daraus eingeschenket. 7. Nun, du Liebster! unser Lallen, Damit wir dir dank⸗ bar sein, Laß dir gnädig wohl⸗ gefallen, Bis wir alle ins⸗ gemein Ewig deine Gütig⸗ eiten Mit vereintem Lob aus⸗ breiten, Da wir werden Gloria Singen und Hallelujah! Preis, Ehr', Ruhm, Dank, Macht und Stärke Und was rühmet seine Werke, Werde unserm Gott gegeben, Laßt uns ihm zu Ehren leben! Christ. Jak. Koitsch, geb. 1671 1 1735. Eigne Melodie. 340. 9—8 den Herren, * den mächtigen König der Ehren; Meine ge⸗ liebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, Lasset den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, Der Lob⸗ und Dank⸗Lieder. dich auf Adelersfittichen sicher geführet, Der dich erhält, Wie es dir selber gefällt; Hast du nicht dieses verspüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet; In wie viel Not Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; Denke daran, Was der All⸗ mächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren; was in mir ist, lobe den Namen; Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen! Er ist dein Licht, Seele, vergiß es ja nicht; Lobende, schließe mit Amen! Joachim Neander, geb. 1650 1680 Eigne Melodie. 341. Vobe den Herren, I1I. Wo meine Seele! Ich will ihn loben bis in Tod; Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, Will ich lob⸗ singen meinem Gott; Der Leib und Seel' gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat; Hallelujah, Hallelujah! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weibe geboren, Und kehren um zu ihrem Staub; Ihre Anschläge sind auch ver— loren, Wenn nun das Grab nimmt seinen Raub; Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hülfe an; Hallelujah, Halle⸗ lujah! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Des Hülfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Und hofft getrost auf Jesum Christ; Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rat und That; Halle⸗ lujah! Hallelujah! 4. Dieser hat Himmel und Meer und Erden Und was darinnen ist, gemacht; Alles muß pünktlich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ist's, der Herr⸗ scher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält; Halle⸗ lujah! Hallelujah! 5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, Er ist's, der ihnen Recht verschafft, Hung⸗ rigen will er zur Speis' be⸗ scheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft; Die hart Gebund'nen macht er frei, O, seine Gnad' ist mancherlei; Hallelujah! Hallelujah! 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn; Wo er kann einige Fromme finden, Die läßt er seine Liebe sehn; Sein' Aufsicht ist der Fremden Trutz, Wittwen und Waisen Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 253 hält er Schutz; Hallelujah! Hallelujah! 7. Aber der Gottesver⸗ gess'nen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur Rehen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich, Zion, dein Gott Hall stets für dich; Hallelujah! Hallelujah! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Des, der so große Wunder thut! Alles, was Odem hat, rufe Amen! Und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heil'gen Geist! Hallelujah! Hallelujah! Joh. Daniel Herrnschmid, geb. 1675 f 1723. Mel. Nun lob' mein' Seel'. an lobt dich in 342. M der Stille, Du hocherhabner Zionsgott! Des Rühmens ist die Fülle Vor dir, du starker Zebaoth! Du bist doch Herr auf Erden, Der Frommen Zuversicht, In Trübsal und Beschwerden Läßt du die Deinen nicht; Drum soll dich stündlich ehren Mein Mund vor jedermann Und deinen Ruhm vermehren, So lang' er lallen kann. 2. Es müssen, Herr, sich freuen Von ganzer Seel' und jauchzen schnell, Die unauf⸗ hörlich schreien: Gelobt sei der Gott Israel! Sein Name 254 Lob⸗ und Dank⸗Lieder. sei gepriesen, Der große Wun⸗sei Gott, Dem Vater und dem der thut Und der auch mir erwiesen Das, was mir nütz und gut. Nun, das ist meine Freude, Daß ich an ihm stets kleb' Und niemals von ihm 14915 So lange ich hier leb'. 3. Herr, du hast deinen Namen Sehr herrlich in der Welt gemacht; Denn als die Schwachen kamen, Hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad' erzeiget: Nun, wie vergelt ichss dir? Ach, bleibe mir geneiget, So will ich für und für Den Kelch des Heils erheben Und prei⸗ sen weit und breit Dich, Herr, mein Gott! im Leben Und dort in Ewigkeit. Joh. Rist, geb. 1607 4 1667. Sirach 50, 24 ff. Eigne Melodie. 242 un danket alle 343. 9 Gott Mit Her⸗ zen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns Sohne Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmels⸗ throne, Dem dreieinigen Gott; Als er ursprünglich war Und ist und bleiben wird Jetzund und immerdar. Martin Rinckart, geb. 1586 T 1649 Eigne Melodie. 344 Nun danket all' * CundbringetEhr', Ihr Menschen in der Welt, Dem, dessen Lob der Engel Heer Im Himmel stets ver⸗ meld't. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unsrem höchsten Gut, Der seine Wun⸗ der überall Und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutter⸗ leibe an Frisch und gesund erhält, Und wo kein Mensch mehr helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet guten Muts, Die Straf' er⸗ und allen Enden, Der uns läßt, die Schuld vergiebt Und von Mutterleib Und Kindes⸗thut uns alles Gut's. beinen an Unzählig viel zu gut Und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll' uns bei unsrem Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben Und uns in seiner Gnad' Erhalten fort und fort Und uns aus aller Not Frlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr' und Preis 5. Er gebe uns ein fröh⸗ lich Herz, Erfrische Geist und Sinn Und werf' all' Angst, Furcht, Sorg' und Schmerz Ins Meeres Tiefe hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn Auf jedem Christenland; Er gebe Glück zu unsrem Thun Und Heil in allem Stand. Güt' Um, bei und mit uns bemüht, Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sei er stets unser Heil Und bleib' auch, wenn wir von der Erd' Abscheiden, unser Teil. 9. Er drücke, Herze bricht, Uns unsre Augen zu, Und zeig' uns drauf sein H——. Dort in der ew'gen uh'. Paul Gerhardt, geb. 1606 f 1676. Mel. Herr Gott, dich loben Alle wir. un jauchzt dem 345. 9( Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt, Kommt mit Frohlocken, säumet nicht, Kommt vor sein heilig' An⸗ gesicht. 2. Erkennt, daß Gott ist unser Herr, Der uns erschaffen ihm zur Ehr', Und nicht wir elbst: durch Gottes Gnad' 9. jeder Mensch sein Leben at. 3. Er hat uns ferner wohl hedacht Und uns zu seinem olk gemacht; Zu Schafen, die er ist bereit, Zu führen tets auf guter Weid'. 4. Die ihr nun wollet bei hm sein, Kommt, geht zu einen Thoren ein Mit Loben urch der Psalmen Klang, Zu sinem Vorhof mit Gesang. Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 7. Er lasse seine Lieb' und wenn das f 255 5. Dankt unserm Gott, lob⸗ singet ihm, Lobsinget ihm mit gehn; Was aber ängstet und hoher Stimm'; Lobsingt und danket allesamt. Gott loben, das ist unser Amt. 6. Er ist voll Güt' und Lien, ee Voll Treu' und ieb' zu jeder Zeit; Sein' Gnade währet dort und hier, Und seine Wahrheit für und ür. 7. Gott Vater in dem höchsten Thron Und Jesus Christ, sein ein'ger Sohn, Samt Gott, dem werten heil'gen Geist, Sei nun und immer⸗ dar gepreist. David Denicke, geb. 1603 + 1680. Psalm 103. Eigne Melodie. 346 Non lob', mein * Seel, denHerren, Was in mir ist, den Namen sein! Sein' Wohlthat thut er mehren, Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein' Sünd' vergeben Und heilt dein'Schwachheit groß, Errett't dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß, Mit reichem Trost beschüttet, Ver⸗ jüngt, dem Adler gleich; Der Herr schafft Recht, behütet, Die leid'n in seinem Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Ge⸗ richt, Dazu sein' Güt' ohn' Maßen; Es mangelt an Er⸗ barmung nicht. Sein' Zorn —...‚... 256 Lob⸗ und Dank⸗Lieder. läßt er wohl fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Die Gnad' thut er nicht sparen, Den Blöden ist er hold; Sein' Güt' ist hoch er⸗ haben, Ob den', die fürchten ihn; So fern der Ost vom Abend,‚ Ist unsre Sünd' dahin. 3. Wie Väter sich erbar⸗ men Ueber die jungen Kin⸗ delein: So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihn kind⸗ lich fürchten rein. Er kennet unsre Schwächen, Er weiß, wir sind nur Staub, Gleich wie das Gras am Rechen Und wie ein fallend' Laub: Der Wind nur drüber wehet, So ist es nimmer da; Also der Mensch vergehet, Sein End' ist immer nah. 4. Die Gottesgnad' alleine Steht fest und bleibt in Ewig⸗ keit Bei seiner Kreuzgemeine, Die, stets in seiner Furcht bereit, An seinem Bund ge⸗ halten; Er herrscht im Himmel⸗ reich. Ihr starken Engel waltet Sein's Lobs und dient zugleich, Dem großen Herrn Werteste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden, Freue dich, Israel, Gnaden. 2. Der Herr regieret Ueber die ganze Welt: Was sich nur rühret, Ihm auch zu Füßen fällt; Viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfen ihm Ehre geben. 3. Wohlauf, ihr Heiden, Lasset das Trauern sein, Zur grünen Weiden Stellet euch willig ein, Da läßt er uns sein Wort verkünden, Machet uns ledig von allen Sünden.) 4. Er giebet Speise Reichlich und überall, Nach Vaters Weise Sättigt er allzumal, Er schaffet früh und späten Regen, Füllet uns alle mit seinem Segen. 5. Drum preis' und ehre Seine Barmherzigkeit, Sein Lob vermehre, Werteste Chri⸗ stenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden; Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Matth. Apelles 15 1545.W geb. 1596 seiner zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein' Seel' soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. Jeh. Graumann(Poliander), geb. 1487 +1541. Eigene Melodie. 347. N ootes Harn: herzigkeit; Lob' ihn mit Schalle, Eigne Melodie. — 2712 daß ich tausend 348. 256 Zungen hätte Und einen tausendfachen Mund, So stimmt' ich damit um die Wette Vom allertiefsten Her⸗ zensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan. 2. O, daß doch meine Stimme schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O daß sch mein Blut mit Jauchzen wallte, So lang' es noch im Laufe geht! Ach wäre jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! 3. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht alle euren Fleiß Und stehet munter im Geschäfte Zu Gottes, meines Herren, Preis. Mein Leib und Seele, schicke dich Und lobe Gott herzinniglich. 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräslein in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet sein Und stimmet lieblich mit mir ein. 5. Ach alles, alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehülfen geben, Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn. 6. Lob sei dir, allerliebster Vater, Für Leib und Seel', für jede Gab'! Lob sei dir, mildester Berater Für alles, was ich bin und hab', Für alles Gute in der Welt, Das du zu meinem Heil bestellt. 7. Mein treuster Jesus sei gepriesen, Daß dein erbar⸗ mungsvolles Herz Sich mir Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 257 mich durch Blut und Todes⸗ merz Von Satans Macht und Grausamkeit Zu deinem Eigentum befreit. 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, O heilig' werter Gottesgeist, Für deines Trostes süße Lehre, Die mich ein Kind des Lebens heißt; Ach, wo was Gut's von mir ge⸗ schicht, Das wirket nur dein göttlich Licht. 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr, Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sünden Schuld Unsäglich gnädige Geduld. 10. Vor andern küss' ich deine Ruthe, Die du mir auf⸗ gebunden hast. Wie viel thut si mir doch zu gute Und ist mir eine sanfte Last; Sie macht mich fromm und zeigt dabei, Daß ich dir lieb und teuer sei. 11. Ich hab' es ja mein' Lebetage Schon so manch' liebes Mal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Recht wunderbarlich hast geführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 12. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden In deinem steten Lobe stehn? Wie sollt' ich auch im tiefsten Leiden o hülfreich hat erwiesen Und Nicht triumphierend einher⸗ 17 FFFFFFFrrR 258 Lob⸗ und Dank⸗Lieder. gehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein. 13. Drum reiß' ich smich jetzt aus der Höhle Der schnö⸗ den Eitelkeiten los Und rufe mit erhöhter Seele: Mein Gott, du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit Gehört dir jetzt und allezeit. 14. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen; So lange sich mein Herz bewegt; Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm' ich doch mit Seufzen ein. 15. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin, Im Himmel soll es besser werden, Wenn ich bei deinen Engeln bin, Da sing' ich dir im höhern Chor Viel tausend Hallelujah vor! Joh. Mentzer, geb. 1658 1784. Mel. Es ist das Heil uns kommen. 349. SeiLob und Ehr' * dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Ge⸗ müte Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt: Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Him⸗ melsheer' O Herrscher aller Thronen, Und die auf Erden, Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfermacht, Die alles also wohl bedacht. Gebt un⸗ serm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott er⸗ schaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich Ist alles recht, ist alles gleich: Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Not: Ach Gott, ver⸗ nimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost gedeihen; Drum dank', ach Gott, drum dank' ich dir; Ach danket, danket Gott mit mir: Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden, Er bleibet ihre Zu⸗ versicht, Ihr Segen, Heil und Frieden; Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin und her: Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hülf!' ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget: So kommt und hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die sonsten nirgends finden Ruh': Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott, von nun an ehren, Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören, Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue dich: Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Na⸗ men nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zum Spott! Der Herr ist Gott! Der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein An⸗ gesicht, Ihm Dank und Preis zu bringen, Bezahlet die ge⸗ lobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen! Gott hat es alles wohl bedacht Und alles, alles recht gemacht: Gebt unserm Gott die Ehre! Joh. Jacob. Schütz. geb. 1640 4 1690. Eigne Melodie. (Tollt' ich meinem 350. S Gott nicht sin⸗ gen? Sollt' ich ihm nicht dank⸗ bar sein? Denn ich seh' in allen Dingen, Wie so gut er's mit mir mein'. Ist doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herz bewegt, Das ohn' Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Ge⸗ Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 259 fieder Ueber seine Jungenstreckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm be— deckt; Alsobald im Mutter⸗ leibe, Da er mir mein Wesen ab Und das Leben, das ich hab⸗ Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer; Nein, er giebt ihn für mich hin, Daß er mich vom ew'gen Feuer Durch sein teures Blut gewinn'. O du unergründ'ter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deine Tief' ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edeln Führer, Giebt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort', Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohler⸗ gehen Hat er ja recht wohl Dedacht Muß der Leib im Leiden stehen, Nimmt er's gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an, 17*⁷ πππνπìπ⁰⁷π⁰˙0n 260 Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Einten Hat er mir zum Dienst estellt, Wo ich nur mein Aug' hinkehre, Find' ich, was mich nährt und hält; Tier und Kräuter und Getreide In den Gründen, in der Höh', In den Büschen, in der See: Ueberall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüt, Daß ich alle liebe Morgen Schaue neue Lieb' und Güt'; Wäre nicht mein Gott gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär' ich nicht Aus so mancher Angst genesen! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage Wird vom Satan her⸗— geführt, Die mich doch mein' Lebetage Niemals noch bisher berührt; Gottes Engel, den er sendet, Hat das Böse, was der Feind Anzurichten war gemeint, In die Ferne weg⸗ gewendet; Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Niemals ganz sein Herz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und ihm lenke. Lob⸗ und Dank⸗Lieder. vom Gehorsam weicht: Also hält auch mein Verbrechen Mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Rut' Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, Ob sie mir gleich bitter seind. Dennoch, wenn ich's recht erwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke, Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse Mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein: Also wird auch nach der Pein, Wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Ei, so heb' ich meine Hände Zu dir, Vater, als ein Kind, Bitte, wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu um⸗ fangen Tag und Nacht 1—— in meinem ganzen Leben, Bis Lob⸗ und Dank⸗Lieder. ich dich nach dieser Zeit Lob' und lieb' in Ewigkeit. Paul Gerhardt, geb. 1606 4 1676. Mel. Es ist das Heil uns kommen. enn ich, o Schö⸗ 351. Wé pfer, deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege, So weiß ich von Bewundrung voll, Nicht, wie ich dich er⸗ heben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke; Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoß der Erde auf, Mit Vorrat uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! 4. Dich predigt Sonnen⸗ schein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehrel Luer Pracz 99 Baum— einer Pracht; Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, 261 den deine Hand So wunder⸗ bar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet; Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt' und Größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei ge⸗ preist, Und alle Welt sag' Amen! Und alle Welt fürcht' ihren Herrn Und hoff' auf ihn und dien' ihm gern. Wer wollte Gott nicht dienen? Chr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 T 1769. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz. 5⁰ ie groß ist des 35⁵2²2. W Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, Der mit verhärtetem Gemüte Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen Sei ewig meine größte Pflicht! Der 300 hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, Der meiner nicht bedarf; Wer hat mit Langmut mich geleitet? Er, dessen Rat ich oft verwarf; Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Gut's genießen, Ist's nicht sein Arm, der alles schafft? 262 Lob⸗ und Dank⸗Lieder. 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist; Du hast ein Recht zu diesen reuden, Durch Gottes Güte sd sie dein; Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir ins Herz ge⸗ schrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: Ich soll voll⸗ kommen sein, wie er; So lang' ich dies Gebot erfülle, Stell'ich sein Bildnis in mir her; Lebt seine Lieb' in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht; Und ob ich schon Mel. Alle Menschen müssen. R omit soll i 353. Woichwohlloben Mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott! Denn ich kann mit nichts erreichen Deine Gnad' und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 2. Herr, entzünde mein Ge⸗ müte, Daß ich deine Wunder⸗ macht, Deine Gnade, Treu' und Güte Stets erhebe Tag und Nacht; Denn von deinen Gnadengüssen Leib' und Seele eugen müssen. Tausend, tau⸗ senmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 3. Denk' ich, wie ich dich verlassen Und gehäufet Schuld auf Schuld, So möcht' ich vor Scham erblassen Vor der Langmut und Geduld, Wo⸗ mit du, o Gott, mich Armen Hast getragen mit Erbarmen. Tausend, tausendmal sei dir, aus Schwachheit fehle, Herrscht Großer König, Dank dafür! doch in mir die Sünde nicht. 4. Ach ja, wenn ich über⸗ 6. O Gott, laß deine Güt' lege, Wie mit Lieb' und und Liebe Mir immerdar vor Gütigkeit Du durch so viel Augen sein! Sie stärk' in mir Wunderwege Mich geführt die die guten Triebe, Mein ganzes Lebenszeit: So weiß ich kein Leben dir zu weih'n; Sie Ziel zu finden, Noch den tröste mich zur Zeit der Grund hier zu ergründen. Schmerzen, Sie leite mich zur Tausend, tausendmal sei dir, Zeit des Glücks, Und sie be⸗Großer König, Dank dafür! sieg' in meinem Herzen Die 5. Du, Herr, bist mir nach⸗ Furcht des letzten Augenblicks lgelaufen Mich zu reißen aus r. Fürchtegett Gellert, geb. 1715 1 1768. der Glur; Denn da mit der Lob⸗ und Dank⸗Lieder. Sünder Haufen Ich nur suchte irdisch Gut, Hießest du auf dies mich achten, Wonach man zuerst soll trachten. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 6. O wie hast du meine Seele Stets gesucht zu dir zu ziehn, Daß ich aus der Sündenhöhle Möchte zu den Wunden flieh'n, Die mich aus⸗ gesöhnet haben Und mit Kraft zum Leben laben. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 7. Ja, Herr, lauter Gnad' und Wahrheit Sind vor deinem Angesicht! Du, du trittst hervor in Klarheit, In Gerechtigkeit, Gericht, Daß man soll aus deinen Werken Deine Güt' und Allmacht merken. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 8. Wie du setzest jedem Dinge Zeit, Zahl, Maß, Ge⸗ wicht und Ziel, Damit keinem zu geringe Möcht' geschehen, noch zu viel: So hab ich auf tausend Weisen Deine Weis⸗ heit auch zu preisen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 9. Bald mit Lieben, bald mit Leiden Kamst du, Herr mein Gott, zu mir, Nur mein Herze zu bereiten, Sich ganz zu ergeben dir, Daß mein gänzliches Verlangen Möcht' 263 an deinem Willen hangen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür. 10. Wie ein Vater nimmt und giebet, Nachdem's Kindern nützlich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist Und dich meiner angenommen, Wenn's auch gleich aufs Höchste kommen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 11. Mich hast du auf Adlersflügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich; Wenn schien alles zu zerrinnen, Ward doch deiner Hülf' ich innen. Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Gro⸗ ßer König, Dank dafür! 12. Fielen tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehn⸗ mal mehr, Ließest du mich doch begleiten Durch der Engel starkes Heer, Daß den Nöten, die mich drangen, Ich jedennoch bin entgangen. Tau⸗ send, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 13. Vater, du hast mir er⸗ zeiget Lauter Gnad' und Gütigkeit, Und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freund⸗ lichkeit, Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd' ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür! 14. Tausendmal sei dir ge⸗ sungen, Herr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, Daß es mir so wohl gelungen; Ach, laß meines Lebens Gang Ferner doch durch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten! Da will ich, Herr, für und für, Ewig, ewig danken dir. Ludwig Andreas Gotter, geb. 1661 4 1785. Mel. Christus, der ist mein Leben. 354. Dis Gnade sei mit Allen, Die Gnade unsers Herrn, Des Herrn, dem wir hier wallen Und sehn sein Kommen gern. 2. Auf dem so schmalen Pfade Gelingt uns ja kein Tritt, Es geh' denn seine Gnade Bis an das Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, Man traut ihr ohne Reu', Und wenn es ja will grauen, So bleibt's: der Herr ist treu! 4. Die Gnade, die den Alten Ihr Weh half über⸗ 264 Lob⸗ u. Dank⸗Lieder.— Gebets⸗Lieder. stehn, Wird die ja auch er⸗ halten, Die jetzt noch zu ihm flehn. 5. Und wird der Jammer größer, So glaubt und ruft man noch:„Du mächtiger Erlöser, Du kommst, so komme doch!“ 6. Damit wir nicht er⸗ liegen, Muß Gnade mit uns sein; Sie flößet uns zum Siegen Geduld und Glauben ein. 7. So scheint uns nichts ein Schade, Was man um Jesum mißt: Der Herr hat eine Gnade, Die über alles ist. 8. Bald ist es überwun⸗ den Durch seines Sohnes Blut, Das in den schwersten W Die größten Thaten thut. 9. Herr, laß es dir ge⸗ fallen, Noch immer rufen wir: „Die Gnade sei mit Allen, Die Gnade sei mit mir!“ Friedr. Phil. Hiller, geb. 1699 4 1769 XXIII. Gebets⸗Lieder. Mel. Christus, der ist mein Leben. Sei Güt' und Heil beschert. 355. A5 bleib mit dei⸗ 3. Ach bleib mit deinem * ner Gnade Bei Glanze Bei uns, du wertes uns, Herr Jesu Christ, Daß Licht; Dein' Wahrheit uns uns hinfort nicht schade Des umschanze, Damit wir irren bösen Feindes List. 2. Ach Worte Bei uns, Erlöser wert, Daß uns beid' hier und dorte nicht. bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Dein' Gnad' und all's 4. Ach bleib mit deinem Gebets⸗Lieder. Vermögen In uns reichlich vermehr'. 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns du starker Held, Daß uns der Feind nicht trutze, Noch fäll' die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit ver⸗ leihe, Hilf uns aus aller Not! Josua Stegmann, geb. 1588 1632. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. 356 Bn an heil'ge dich Mit dem heil'gen Oele! Jesu Geist er⸗ gieße sich Dir in Herz und Seele! Laß den Mund Alle Stund' Von Gebet und Fle⸗ hen Heilig übergehen. 2. Heilige den heil'gen Brand, Deines Geist's Ver⸗ langen, Dem, der's Blut an dich gewandt, Heilig anzu⸗ hangen. Heil'ger Rauch Sei es auch, Der zu Gott auf⸗ gehet, Wenn dein Herze flehet. 3. Das Gebet der frommen Schar, Was sie fleht und bittet, Das wird auf dem Rauchaltar Vor Gott ausge⸗ schüttet; Und da ist Jesus I— Priester und Versüh⸗ ner Aller seiner Diener. 4. Kann ein einiges Gebet Einer gläub'gen Seelen, Wenn's zum Heien Gottes sehte Seines Zwecks nicht ehlen; Was wird's thun, 265 Wenn sie nun Alle vor ihn treten Und zusammen beten? 5. Wenn die Heil'gen dort und hier, Große mit den Kleinen, Engel, Menschen mit Begier Alle sich vereinen, Und es geht Ein Gebet Aus von ihnen allen: Wie muß das erschallen! 6. O der unerkannten Macht Von der Knts Beten! Ohne das wird nichts vollbracht, So in Freud' als Nöten: Schritt für Schritt Wirkt es mit, Wie zum Sieg der Freunde, So zum Sturz der Feinde. 7. O so betet alle drauf, Betet immer wieder! Heil'ge Hände hebet auf, Heil'get eure Glieder! Heiliget Das Gebet, Das zu Gott sich schwinget, Durch die Wolken dringet! 8. Betet, daß die letzte Zeit Vollends übergehe, Daß man Christi Herrlichkeit Offenbaret sehe; Stimmet ein Insgemein Mit der Engel Sehnen Nach dem Tag, dem schönen! Christian Carl Ludwig v. Pfeil, geb. 17¹² 4 1784. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. es Morgens, wenn 357. ich früh aufsteh, Des Abends, wenn zu Bett ich geh', Sehn meine Augen, Herr, auf dich, Herr Jesu, dir befehl' ich mich. 266 Gebets⸗Lieder. 2. In den heil'gen fünf Wunden dein Da kann i ruhn und sicher sein Mit Leib und Seele, Hab' und Gut: Mein Schutz ist, Herr, dein heilig' Blut. 3. Denn, o Herr Christ! am Kreuzesstamm Dein hei⸗ lig Blut die Sünd' hinnahm; Drum ich wach' oder schlafe ein, Woll'st du, Herr, allzeit bei mir sein. 4. Die Engel dein stets halten Wacht; Darum ich Tod und Höll' nicht acht', Denn wo ich bin, bist du bei mir: Mein Glück und Leid kommt nur von dir. 5. Im Tod und Leben bin ich dein; Darum ich dir die Seele mein Befehle jetzt und auch im Tod; Nimm sie zu dir, o treuer Gott! Leipzig 1582. Eigne Melodie. 358½ Dir, dir, Jehovah, * will ich singen; Denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen: Ach gieb mir deines Geistes Kraft dazu, Daß ich es thu' im Namen Jesu Christ, So wie es dir durch ihn gefällig ist. 2. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Damit dein Sohn mich wieder zieh' zu dir; Dein Geist in meinem Herzen wohne Und meine chschmeck' und Sinnen und Verstand regier'; und Erbe bin Und nehme rieden Gottes ühl' Und dir darob im Herzen sing' und spiel'. 3. Verleih mir, Höchster, solche Güte, So wird ge⸗ wiß mein Singen recht ge⸗ than; So klingt es schön in meinem Liede, Und ich bet' dich im Geist und Wahrheit an; So hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, Daß ich dir Psalmen sing' im höhern Chor. 4. Denn der kann mich bei dir vertreten Mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; Der lehret mich recht gläubig beten, Giebt Zeugnis meinem Geist, daß ich dein Kind Und ein Miterbe Jesu Christi sei; Daher ich Abba, lieber Vater, schrei'. 5. Wenn dies aus meinem Heilger schallet Durch deines eil'gen Geistes Kraft und Trieb, So bricht dein Vater⸗ herz und wallet Ganz brün⸗ stig gegen mich vor heißer Lieb, Daß mir's die Bitte nicht versagen kann, Die ich nach deinem Willen hab' ge⸗ than. 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, Das ist nach deinem Willen einge⸗ richt't Und wird gewiß von dir erhöret, Weil es im Na⸗ men deines Sohns geschicht, Durch welchen ich dein Kind Daß ich den Gebets⸗Lieder. von dir Gnad' um Gnade hin. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugnis habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit, Und weiß, daß alle gute Gabe, Die ich verlanget von dir jederzeit, Die giebst du und thust überschwenglich mehr, Als ich verstehe, bitte und begehr. 8. Wohl mir, ich bitt' in Jesu Namen, Der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; In ihm ist alles Ja und Amen, Was ich von dir im Geist und Glauben bitt'. Wohl mir! Lob dir jetzt und in Ewigkeit, Daß du mir schenkest solche Seligkeit. Bartholomäus Crasselius, geb. 1677 1724. Mel. Es ist das Heil uns kommen. ott, deine Güte 359. reicht so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barm⸗ herzigkeit Und eilst, uns bei⸗ zustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Ver⸗ nimm mein Fleh'n, merk' auf mein Wort; Denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um Ueber⸗ fluß Und Schätze dieser Er⸗ den; Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du 267 gesandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigentum Laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, Der Ruhm vor dei⸗ nem Angesicht Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt' ich dich, Herr Tden: Auch nicht um langes eben; Im Glücke Demut, Mut in Not, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit: Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden! Chr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 4 1769. Mel. Wunderbarer König. 7 ott ist gegen⸗ 360. G wärtig; Lasset uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte; Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, Wer ihn nennt: Schlagt die Augen nieder; Kommt, ergebt euch wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebeuget dienen; Heilig, heilig, heilig Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre: Herr, vernimm Unsre Stimm', Da auch wir Geringen Unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig 268 Allen Eitelkeiten, Aller Er⸗ denlust und 19. S Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigen⸗ tum ergeben. Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre. 4. Majestätisch Wesen, Möcht' ich dich recht preisen Und im Geist dir Dienst er⸗ weisen! Möcht' ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen Und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allem. 5. Luft, die alles füllet, Drin wir sind und weben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn' Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk' mich in dich hinunter, Ich in dir, Du in mir: Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest alles; Laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte! Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten; Laß mich so Still und froh Deine Strah⸗ len fassen Und dich wirken lassen! 7. Mache mich recht kind⸗ lich, Innig abgeschieden, Sanft in deinem stillen Frie⸗ den: Mach mich reines Her⸗ zens, Daß ich deine Klarheit Gebets⸗Lieder. Schauen mag in Geist und mög' vergeben, Verzeih mir Wahrheit; Laß mein Herz Himmelwärts Wie ein Adler schweben Und in dir nur leben! 8. Herr, komm in mir wohnen, Laß mein'n Geist auf Erden Dir ein Heiligtum noch werden; Komm, du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich stets dich lieb' und ehre! Wo ich geh', Sitz' und steh', Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken. Gerhard Tersteegen, geb. 1697 1769. Eigne Melodie. 361 Ich ruf' zu dir, Herr esu Christ, Ich bitt', erhör' mein Klagen! Verleih mir Gnad' zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen, Den rechten Glau⸗ ben, Herr, ich mein', Den wollest du mir geben, Dir zu leben, Dem Nächsten nütz zu sein, Dein Wort zu halten eben. 2. Ich bitt' noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben: Daß ich nicht wieder werd' zu Spott; Die Hoffnung gieb daneben Vor⸗ aus, wenn ich muß hie davon, Daß ich dir mög' vertrauen, Und nicht bauen Auf all' mein eigen Thun; Sonst würd's mich ewig reuen. 3. Verleih, daß ich von Herzensgrund Den Feinden Gebets⸗Lieder. 269 auch zu dieser Stund'; Schaff 2. Wer kann was von sich in mir neues Leben; Dein selber haben, Das nicht von Wort laß meine Speise sein, dir den Ursprung hat? Du Die Seel' damit zu nähren, bist der Geber aller Gaben, Mich zu wehren, Wenn Un⸗Bei dir ist immer Rat und glück geht daher, Das mich That. Du bist der Brunn, möcht' bald verkehren. der immer quillt; Du bist 4. Laß mich kein' Lust noch das Gut, das immer gilt. Furcht von dir In dieser 3. Drum komm' ich auch Welt abwenden; Ausharren mit meinem Beten, Das herz— bis ans End' gieb mir; Du lich und voll Glauben ist; hast's allein in Händen; Und Der mich heißt freudig vor wem du's giebst, der hat's dich treten, Ist mein Erlöser, umsonst; Es mag niemand Jesus Christ, Und der in erwerben Noch ererben Durch mir das Abba schreit, Ist, Werke deine Gnad', Die uns Herr, dein Geist der Freu⸗ errett't vom Sterben. digkeit. 5. Ich lieg' im Streit und 4. Gieb, Vater, gieb nach widerstreb'; Hilf, o Herr deinem Willen Das, wes Christ, dem Schwachen! An dein Kind bedürftig ist; Du deiner Gnad' allein ich kleb'; kannst all' mein Verlangen Du kannst mich stärker machen. stillen, Weil du die Segens⸗ Kommt nun Anfechtung her, squelle bist; Doch gieb, du so wehr, Daß sie mich nicht Geber, allermeist, Was meiner umstoße; Du wirst's machen, Seelen selig heißt. Daß mir's nicht bring' Ge⸗ 5. Verleih Beständigkeit im fahr; Ich weiß, du wirst's Glauben, Laß meine Liebe nicht lassen. brünstig sein; Will Satan Joh. Agricela, geb. 1492 f 1566. mir das Kleinod rauben, So ö halt mit der Versuchung ein, Mel. Wer nur den lieben Gott läßt Damit mein armes Fleisch walten. und Blut Dem Feinde nichts 0 ein Gott, ich zu Willen thut. 362. M klopf' an deine 6. Erweck' in mir ein gut Pforte Mit Seufzen, Fleh'n Gewissen, Das weder Welt und Bitten an! Ich halte noch Teufel scheut, Und laß mich an deine Worte: Klopft mich meine Sünde büßen an, so wird euch aufgethan. Noch hier in dieser Gnaden⸗ Ach, öffne mir die Gnaden⸗ zeit: Durchstreich' die Schuld thür, Mein Jesus klopfet selbst mit Jesu Blut Und mach' in mir. das Böse wieder gut. 270 7. Vom Kreuze darf ich wohl nicht bitten, Daß es mich gar verschonen soll; Hat doch mein Jesus auch gelitten, Und also leid' ich billig wohl; Doch wird Geduld sehr nötig sein, Die wollest du mir, Herr, verleihn! 8. Das andre wird sich alles fügen, Ich sei bei dir arm oder reich: An deiner Gebets⸗Lieder. mich wie Petrus an, Daß ich in mich schlage; Daß ich mag gedenken dran Und doch nicht verzage. 2. Weck mich durch den Glockenschall Aus dem Schlaf der Sünden. Laß für mei⸗ nen tiefen Fall Mich Erbar⸗ mung finden, Und nimm mich zu Gnaden auf; Meinen Glauben stärke, Daß mein Huld laß mir genügen, Die ganzer Lebenslauf Sei voll macht mir Glück und Unglück Tugendwerke. gleich! Und kehrt auch Ueber⸗ 3. Dein Blut sei mein Le⸗ fluß nicht ein, So lehr' mich benssaft Und mein Trost im doch zufrieden sein. 9. Ich bitte nicht um lan⸗ ges Leben, Nur daß ich christ⸗ lich leben mag; Laß mir den Tod vor Augen schweben Und des Gerichtes großen Tag, Damit mein Ausgang aus der Welt Den Eingang in den Himmel hält. 10. O Gott, was soll ich mehr begehren? Du weißt schon, was ich haben muß. Du wirst auch alles mir ge⸗ währen, Denn Jesus macht den süßen Schluß: Ich soll in seinem Namen schrein, So wird es Ja und Amen sein. Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1737. Mel. Christus, der uns selig macht. lage, Jesu, an 363. So Wen Herz, Rühre mein Gewissen, Damit aus der Sünden Schmerz Heiße Thränen fließen; Blicke Leiden, Meiner Seele Stärk' und Kraft; So sterb' ich mit Freuden. In der letzten Stunde Not Woll'st du mein gedenken Und ein selig End' im Tod Mir, o Jesu, schen⸗ ken! Veit Ludwig Megander, 4 1709. Mel. Wunderbarer König. 364 U * be! Gönne blö⸗ den Augen, Die sonst kaum auf Erden taugen, Daß sie in die Strahlen Deiner Lang⸗ mut blicken, Die den Erd⸗ kreis wärmend schmücken, Und zugleich Freudenreich Bösen und den Deinen Mit der Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, Ja, dein ganz Gebiete Ist ein Schauplatz deiner Güte; Dei⸗ ner Langmut Ehre Wird durch neue Proben Immer herrlicher erhoben. O wie Gebets⸗Lieder. weit, O wie breit Ueber Berg und Hügel Streckt sie ihre Flügel! 3. Was wir davon denken, Was wir sagen können, Ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu schonen, Tag für Tag zu dulden So viel Mil⸗ lionen Schulden Und dazu Ohne Ruh' Lieben für das Hassen: Herr, wer kann das fassen? 4. Du vergiebest Sünde, Hörst der Sünder Flehen, Wenn sie weinend vor dir stehen; Deine Rechte drohet Und er⸗ barmt sich wieder, Legt die Pfeile gerne nieder. Tiefen Schmerz Fühlt dein Herz, Wenn durch ernste Strafen Du mußt Bess'rung schaffen. 5. Herr, es hat noch keiner, Der zu dir gegangen, Statt der Gnade Recht empfangen, Wer zu deinen Füßen Sich mit Thränen senket, Dem wird Straf' und Schuld geschenket; O Unser Schmerz Rührt dein Herz, Und du willst der Armen Gnädig dich erbarmen. 6. König, sei gepriesen, Daß du so verschonest Und uns nicht nach Werken lohnest. Deiner Hand sei Ehre, Die so wohl regieret Und mit Ruhm das Scepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmut aus⸗ zuüben Und die Welt zu lieben! Joh. Jakob Rambach, geb. 1693 + 1735. 271¹ Eigne Melodie. 365 Voate unser im * Himmelreich, Der du uns alle heiß est gleich, Brüder sein und dich rufen an, Daß von uns werd' Gebet ge⸗ than: Gieb, daß nicht bet' al⸗ lein der Mund, Hilf, daß es geh' von Herzens Grund. 2. Geheiligt werd' der Name dein, Dein Wort bei uns hilf halten rein, Daß auch wir le⸗ ben heiliglich Nach deinem Na⸗ men würdiglich. Behüt' uns, Herr, vor falscher Lehr', Das arm' verführte Volk bekehr'! 3. Es komm' dein Reich zu dieser Zeit Und dort hernach in Ewigkeit, Der heil'ge Geist uns wohne bei Mit seinen Gaben mancherlei; Des Sa⸗ tans Zorn und groß' Gewalt Zerbrich, vor ihm dein' Kirch' erhalt! 4. Dein Will' gescheh', Herr Gott, zugleich Auf Erden wie im immelreich; Gieb uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam sein in Lieb' und Leid; Und steure allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen thut! 5. Gieb uns heut' unser täg⸗ lich Brot, Was man bedarf zur Leibesnot! Behüt' uns, Herr, vor Krieg und Streit, Vor Seuchen und vor teurer Zeit, Daß wir in gutem Frieden stehn, Den Sorgen und dem Geiz entgehn! 6. All' unsre Schuld ver⸗ gieb uns, Herr, Daß sie uns 272 Gebets⸗Lieder.— Morgen⸗Lieder. nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern Schuldigern Ihr' Schuld und Fehl vergeben gern; Zu dienen mach' uns all' be⸗ reit In rechter Lieb' und Einig⸗ keit! 7. Führ' uns, Herr, in Ver⸗ suchung nicht. Wenn uns der böse Feind anficht, Zur linken und zur rechten Hand Hilf uns thun starken Widerstand, Im Glauben fest und wohl ge— rüst't Und durch des heil'gen Geistes Trost! 8. Von allem Uebel uns er⸗ lös', Es sind die Zeit und Tage bös'. Erlös' uns von dem ew'⸗ gen Tod Und tröst' uns in der letzten Not, Bescher' uns auch ein sel'ges End, Nimm unsre Seel' in deine Händ'! 9. Amen, das ist, es werde wahr! Stärk' unsern Glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran. Was wir hier⸗ mit gebeten ha'n; Auf dein Wort, in dem Namen dein, So sprechen wir das Amen fein. Martin Luther, geb. 1483 1546. Mel. O Gott, du frommer Gott. 366. W'der zu Goh Dein' Andacht fröhlich bringe, Daß dein Wunsch und Gebet Durch alle Wolken dringe, Weil dich Gott beten heißt, Weil dich sein lieber Sohn So freudig treten heißt Vor seinen Gna⸗ denthron. 2. Dein Vater ist's, der dir Befohlen hat zu beten; Dein Bruder ist's, der dich Vor ihn getrost heißt treten; Der werte Tröster ist's, Der dir die Wort' giebt ein: Drum muß auch dein Gebet Gewiß erhöret sein. 3. Da siehst du Gottes Herz, Das dir nichts kann versagen; Sein Mund, sein teures Wort Vertreibt ja alles Zagen. Was dir unmöglich deucht, Kann seine Vaterhand Noch geben, die von dir So viel Not ab⸗ gewandt. 4. Komm nur, komm freudig her In Jesu Christi Namen; Sprich: lieber Vater, hilf,‚ Ich bin dein Kind, sprich Amen. Ich weiß, es wird geschehn, Du wirst mich lassen nicht, Du wirst, du willst, du kannst Thun, was dein Wort ver⸗ spricht. Johann Olearius geb. 1611 1684. XXIV. Morgen⸗Lieder. Eigne Melodie. mein Lebelang, O Gott, in 367 A“* meines Her⸗ deinem Thron, Dir zu Lob, * zens Grunde Preis und Ehren, Durch Sag' ich dir Lob und Dank In Christum, unsern Herren, Dein' dieser Morgenstunde, Dazu eingebornen Sohn. Morgen⸗Lieder. 2. Du hast ja, Herr, aus Gnaden In der vergangnen Nacht Mich vor Gefahr und Schaden Behütet und bewacht. Ich bitt' demütiglich, Woll'st mir mein' Sünd' vergeben, Wo⸗ mit in diesem Leben Ich hab' erzürnet dich. 3. Du wollest auch behüten Mich gnädig diesen Tag Vor Teufels List und Wüten, Vor Sünden und vor Schmach, Vor Feu'r⸗ und Wassersnot, Vor Armut und vor Schanden, Vor Ketten und vor Banden, Vor schnellem, bösem Tod. 4. Mein' Seel', mein Leib, mein Leben, Gemahl, Gut, Ehr' und Kind In deine Händ' ich's gebe, Dazu mein Hausgesind', Ist dein Geschenk und Gab', Mein' Eltern und Verwandten, Geschwister und Bekannten Und alles, was ich hab'. 5. Laß deinen Engel bleiben Und weichen nicht von mir, Den Satan zu vertreiben, Auf daß der Böse hier In diesem Jam⸗ merthal Sein' Tück' an mir nicht übe, Nicht Leib und Seel betrübe Und bring' mich nicht zu Fall. 6. Gott will ich lassen raten, Der alle Ding' vermag! Er segne meine Thaten, Mein Vorneh⸗ men und Sach'; Ihm hab' ich heimgestellt Mein'n Leib, mein' Seel', mein Leben Und was er sonst gegeben: Er mach's, wie's ihm gefällt. 7. Darauf so sprech' ich Amen 273 Und zweifle nicht daran, Gott wird es all's zusammen In Gnaden nehmen an; Und streck' nun aus mein' Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Das Gott mir wollt' beschei⸗ den In meinem Amt und Stand. Hamburg 1592. Mel. Christus, der uns selig macht. hriste, wahres 368. C Seelenlicht, Deiner Christen Sonne, O du klares Angesicht, Der Betrübten Wonne! Deiner Güte Lieblich⸗ keit Ist neu alle Morgen; In dir bin ich recht erfreut, Darf nicht ängstlich sorgen. 2. Wecke mich vom Sünden⸗ schlaf, Der du bist das Leben; Neues Leben in mir schaff; Denn hast du gegeben Dieser Welt der Sonne Licht, Wel⸗ ches all' erfreuet, Wirst du mich ja lassen nicht Täglich unerneuet. 3. Ohne Licht sieht man kein Licht! Ohne Gottes Leuchten Sieht ein Mensch auch Christum nicht, Der uns muß befeuchten Mit dem hellen Himmelstau Seiner süßen Lehre; Drum, Herr Christe, auf mich schau, Und dich zur mir kehre. 4. Kehre zu mir deine Güt, Freundlich mich anblicke, Daß mein innerstes Gemüt Sich in dir erquicke, Und die süße Himmelslust Mit Begierde schmecke; Sonsten sei mir 18 274 Morgen⸗Lieder. nichts bewußt, So da Freud' erwecke. 5. Laß ja ferne von mir sein Hoffart, Augenweide; Fleisches⸗ lust und Augenschein, Jesu, mir verleide, Womit sich die Welt ergötzt Zu ihr'm Selbst⸗ verderben; Denn was sie fürs beste schätzt, Machet ewig sterben. 6. Nun so bleibe stets mein Licht, Jesu, meine Freude! Bis der frohe Tag anbricht, Da nach allem Leide Ich in weißer Kleiderpracht Werde Dank dir bringen, Und, daß Gott es wohl gemacht, Ohn' Aufhören singen. Christoph Prätorius, geb. 1631 1713. Eigne Melodie oder: Valet will ich dir geben. 369 Dank sei Gott in der Höhe In dieser Morgenstund', Durch den ich jetzt aufstehe Vom Schlaf frisch und gesund! Mich hatte fest gebunden Mit Finsternis die Nacht, Ich hab' sie über⸗ wunden Durch Gott, der mich bewacht. 2. Aufs neu' thu' ich dich bitten: O Schutzherr Israel, Du wollest heut' behüten Mein' Leib und meine Seel'; All' christlich' Obrigkeiten, Un⸗ ser Schul' und Gemein' In diesen bösen Zeiten Laß dir befohlen sein. 3. Erhalt uns durch dein' Güte Bei g'sunder, reiner Lehr', Vor Ketzereiluns hüte, Streit' für dein Wort und Ehr', Daß wir mit unserm Samen Im⸗ mer in einem Geist Sprechen: des Herren Namen Sei groß und hoch gepreist! 4. Dem Leibe gieb daneben Nahrung und guten Fried', Ge⸗ sund' und mäßig' Leben, Dazu ein froh' Gemuͤt, Daß wir in allen Ständen Tugend und Ehrbarkeit Lieben und Fleiß drauf wenden Als rechte Christenleut'. 5. Gieb gnädig deinen Se⸗ gen, Daß wir auf dein Geheiß Wandeln auf guten Wegen, Thun unser Amt mit Fleiß; Daß jeglicher sein Netze Aus⸗ werf' und auf dein Wort Sein Trost mit Petro setze; So geht die Arbeit fort. 6. Was dir gereicht zu Ehren Und der Gemein' zu Nutz, Das will der Satan wehren Mit List und großem Trutz; Doch kann er's nicht vollbringen, Weil du, Herr Jesu Christ, Herrschest in allen Dingen Und unser Bei⸗ stand bist. 7. Wir sind die zarten Re⸗ ben, Der Weinstock selbst bist du, Dran wachsen wir und kle⸗ ben Und bringen Frucht dazu; Hilf, daß wir an dir bleiben Und wachsen immer mehr, Dein guter Geist uns treibe Zu Werken deiner Ehr'! Johann Mühlmann, geb. 1573 161 Morgen⸗Lieder. Mel. Herr Jesu Cbrist, dich zu uns wend'. 370 as walt' Gott * Vater und Gott Sohn, Gott heil'ger Geist im Himmelsthron; Man dankt dir, eh' die Sonn' aufgeht; Wenn's Licht anbricht, man vor dir steht. 2. Drum beug' ich diesen Morgen früh In rechter An⸗ dacht meine Knie Und ruf' zu dir mit heller Stimm': Dein Ohr neig' her, mein' Red' ver⸗ nimm. 3. Ich rühm' von— deine Güt', Weil du mich gnä⸗ dig hast behüt't, Daß ich nun hab' die finstre Nacht In Ruh' und Frieden zugebracht. 4. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Nimm mich auch diesen Tag in Hut Und laß die lieben Engel dein Mein' Wächter und Ge⸗ fährten sein. 5. Dein Geist mir Leib und Seel' regier' Und mich mit sei⸗ nen Gaben zier', Er führ' mich heut' auf rechter Bahn, Daß ich was Gut's vollbringen kann. 6. Gieb, daß ich meine Werk' und Pflicht Mit Freuden diesen Tag verricht', Zu deinem Lob und meinem Nutz Und meinem Rächsten thue Gut's. 7. Hilf, daß ich zu regieren wiss' Mein' Augen, Ohren, änd' und Füß', Mein' ippen, Mund und ganzen 275 Leib; Böse Begierden von mir treib. 8. Bewahr' mein Herz vor Sünd' und Schand', Daß ich, vom Uebel abgewandt, Mein Seel' mit Sünden nicht be⸗ schwer' Und mein Gewissen nicht versehr'. 9. Behüt' mich heut' und allezeit Vor Schaden, Not und Herzeleid, Tritt zwischen mich und meine Feind', So sicht⸗ bar und unsichtbar seind. 10. Mein' Aus⸗ und Ein⸗ gang heut' bewahr', Daß mir kein Uebel widerfahr'; Behüte mich vor schnellem Tod Und hilf mir, wo mir Hilfe not. 11. Amen! o mein Herr Jesu Christ, Der du für mich gestorben bist, Gieb gnädig mir nach dieser Zeit Die ew'ge Freud' und Seligkeit. Martin Böhm, geb. 1557 1622. Mel. Auf meinen lieben Gott. 371 er schöne Tag * bricht an; Die Nacht ist abgethan, Die Fin⸗ sternis vergangen; Laß uns dein Licht umfangen, Du uns're Sonn' und Leben, Der Welt zum Heil gegeben. 2. Befiehl der Engel Schar, Daß sie uns heut' bewahr'; Du selbst dein' Hand aus⸗ strecke, Daß uns dein Schild bedecke, Und alles Uebel weiche, Der Arge nicht beschleiche. 3. Laß unter deiner Hut Uns nichts thun, als was gut, 18* —.———————— —.—— 276 Morgen⸗Lieder. Und recht wie Kinder leben, Dir Herz und Sinn ergeben, In deinen Wegen gehen Und fest im Glauben stehen. 4. Befällt uns Uebelstand, So beut uns selbst die Hand, Daß wir in allen Stücken Uns drein geduldig schicken; Denn dir nicht widerstreben Ist ja das beste Leben. 5. Gieb Speis' und Trank dem Mund, Halt auch den Leib gesund, Und soll die Seele scheiden, So sei's zu deinen Freuden, Daß wir auf deinen Namen Getrost hin⸗ fahren. Amen. Aug. Buchner, geb. 1591 1661. Eigne Melodie. 70 HJie güld'ne Sonne, 37². D Voll Freud' und Wonne, Bringt unsern Gren⸗ zen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes, liebliches“icht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; Aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit mei⸗ nem Gesicht. 2. Mein Auge schauet, Was Gott gebauet Zu seinen Ehren, Und uns zu lehren, Wie sein Vermögen sei mächtig und groß; Und wo die Frommen dann sollen hinkommen, Wenn sie mit Frieden von hinnen geschieden Gaben, Was wir nur haben, Alles sei Gott nur zum Opfer gesetzt. Die besten Güter sind unsre Gemüter; Dankbare Lie⸗ der sind Weihrauch und Wid⸗ der, An welchen er sich am meisten ergötzt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; Wenn wir aufstehen, so läßt er aufgehen Ueber uns seiner Barmherzig⸗ keit Schein. 5. Ich hab' erhoben Zu dir hoch droben All' meine Sin⸗ nen; Laß mein Beginnen Ohn' allen Anstoß und glücklich er⸗ gehn. Laster und Schande, des Satanas Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke; Laß mich auf deinen Geboten bestehn. 6. Laß mich mit Freuden Ohn' alles Neiden Sehen den Segen, Den du wirst legen In meines Bruders und Nähesten Haus. Geiziges Brennen, un⸗ christliches Rennen Nach Gut mit Sünde, das tilge ge⸗ schwinde Von meinem Herzen und wirf es hinaus. 7. Menschliches Wesen, Was ist's gewesen? In einer Stunde Geht es zu Grunde, Sobald Aus dieser Erde vergänglichem Schoß. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und das Lüftlein des Todes drein bläst. Alles in allem muß brechen und fallen: Himmel und Erden, die müssen das Morgen⸗Lieder. 277 werden, Was sie vor ihrer Erschaffung gewest. 8. Alles vergehet, Gott aber stehet Ohn' alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen dietötlichen Schmer⸗ zen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott meine Krone, Ver⸗ gieb und schone, Laß meine Schulden In Gnad' und Hul⸗ den Aus deinen Augen sein ab⸗ gewandt. Sonsten regiere, mich lenke und führe, Wie dir's gefället: ich habe gestellet Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dies heilige Wort: Gott ist das größte, das schönste und beste; Gott ist das süß'te und allergewiß'te Aus allen Schätzen der edelste Hort. 11. Willst du mich kränken, Mit Gallen tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tra⸗ gen: Wohlan! so mach' es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, was schädlich und nich⸗ tig Meinem Gebeine, das weißt du alleine, Hast niemals einen zu bitter betrübt. 12. Kreuz und Elende Neh⸗ men ein Ende; Nach Meeres⸗ brausen Und Windessausen Leuchtet der Sonne gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille Darf ich erwarten im himmlischen Garten, Da⸗ hin sind meine Gedanken ge⸗ richt't. Paul Gerhardt, geb. 1606 1676. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 30— Die helle Sonn' * leucht't jetzt her⸗ für, Fröhlich vom Schlaf auf⸗ stehen wir; Gott Lob! der uns in dieser Nacht Behütet vor des Teufels Macht. 2.. Christ, den Tag uns auch behüt' Vor Sünd' und Schand' durch deine Güt': laß doch die lieben Engel dein Unsre Hüter und Wäch⸗ ter sein. 3. Daß unser Herz im G'hor⸗ sam leb', Dein'm Wort und Will'n nicht widerstreb', Daßwir dich stets vor Augen hab'n In allem, was wir fangen an. 4. Laß unser Werk geraten wohl, Das jeder hier ausrich⸗ ten soll: Daß unsre Arbeit, Müh' und Fleiß Gereich' zu deinem Lob und Preis. Nic. Hermann, 1 1561. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. — in neuer Tag, ein 374. E neues Leben Geht mit der neuen Woche an, Gott will mir heut' auf's neue geben, Was mir sonst niemand geben kann; Denn hätt' ich seine 278 Gnade nicht, Wer gäbe mir sonst Trost und Licht? 2. Ich grüße diesen lieben Morgen, Und küsse Gottes Vaterhand, Die diese Nacht so manche Sorgen In Gnaden von mir abgewandt. Ach Herr, wer bin ich Armer doch? Du sorgst für mich, ich lebe noch. 3. Nun das erkennet meine Seele Und giebt sich selbst zum Opfer hin; Doch weil ich noch in dieser Höhle Mit Not und Tod umgeben bin, So weich' auch heute nicht von mir; Denn meine Hülfe steht bei dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche Soll nur in dei⸗ nem Namen blühn. Ach laß mich nicht am Sündenjoche Mit meinem Fleisch und Blute ziehn! Gieb deinen Geist, der mich regier' Und nur nach deinem Willen führ'. 5. Soll ich mein Brot mit Kummer essen, So laß es doch gesegnet sein, Und was du sonst Morgen⸗Lieder. Mel. Es ist das Heil uns kommen 37⁵5 Erhebe dich, o meine »Seel',F Die Finster⸗ nis vergehet; Der Herr erscheint in Israel, Sein Licht am Himmel stehet, Erhebe dich aus deinem Schlaf, Daß er was Gutes in dir schaff', In⸗ dem er dich erleuchtet. ö 2. Im Licht muß alles rege sein Und sich zur Arbeit wen⸗ den: Im Licht singt früh das Vögelein, Im Licht will es vollenden. So soll der Mensch in Gottes Licht Aufheben billig sein Gesicht Zu dem, der ihn erleuchtet. 3. Laß uns an unsre Arbeit gehn, Den Herren zu erheben. Laß uns, indem wir aufer⸗ stehn, Beweisen, daß wir leben; Laßt uns in diesem Gnaden⸗ schein Nicht eine Stunde müßig sein, Gott ist's, der uns er⸗ leuchtet. 4. Ein Tag geht nach dem andern fort, Und unser Werk bleibt liegen. Ach hilf uns Herr, mir zugemessen, Das richte mir zum besten ein! Ich bitte nicht um Ueberfluß, Nur was ich nötig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott das Deine Und laß mich auch das Meine thun; Behüte beide, Groß' und Kleine, Daß sie auf deiner Huld beruhn, Und daß ein jedes diesen Tag Mit dir vergnügt beschließen mag. Benj. Schmolck/, geb. 1672 4 1737. du treuster Hort, Daß wir uns nicht betrügen; Gieb, daß wir greifen an das Werk; Gieb Gnade, Segen, Kraft und Stärk' Im Licht, das uns erleuchtet. 5. Du zeigst, was zu verrich⸗ ten sei Auf unsern Glaubens⸗ wegen; So hilf uns nun und Heh Segen, Daß das Geschäft von deiner Hand Vollführet werd uns bei, Verleihe deinen Morgen⸗Lieder. in alle Land, Wozu du uns erleuchtet. 6. Ich flehe, Herr, mach' mich bereit Zu dem, was dir ge⸗ fällig, Daß ich recht brauch' der Gnadenzeit; So flehen auch einhellig Die Kinder, die im Geist gebor'n Und die sich fürchten vor dem Zorn, Nach— dem du sie erleuchtet. 7. Das Licht des Glaubens sei in mir Ein Licht der Kraft und Stärke; Es sei die Demut meine Zier, Die Lieb' das Werk der Werke. Die Weisheit fließt in diesem Grund Und öffnet beides, Herz und Mund, Die⸗ weil die Seel' erleuchtet. 8. Herr, bleib' bei mir, du ew'ges Licht, Daß ich stets gehe richtig; Erfreu' mich durch dein Angesicht, Mach' mich zum Gu⸗ ten tüchtig. Bis ich erreich' die güld'ne Stadt, Die deine Hand gegründet hat Und ewiglich er⸗ leuchtet. Peter Lackmann, 1713. Eigne Melodie. 376.½ Gert des Himmels * und der Erden, Vater, Sohn undheil'ger Geist, Der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand die Welt Und was drin⸗ nen ist, erhält: 2. Gott, ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen Hast be⸗ 279 hütet und bewacht, Daß des bösen Feindes List Mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Jetzt mit dieser Nacht vergehn, O, Herr Jesu, laß mich finden Deine Wunden offen stehn, Da alleine Hülf' und Rat Ist für meine Mis⸗ sethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wenn nun dein großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor er⸗ schrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort, Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort! Nirgends, als bei dir allein Kann ich recht be⸗ wahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele Samt den Sinnen und Verstand Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand! Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Trage nach dem Himmel zu. Heinrich Albert, geb. 1604 f 1651 280 Morgen⸗Lieder. Mel. Gott des Himmels und der Erden. 377 Jesu Güte hat kein Ende, Sie ist alle Morgen neu, Das beweisen Jesu Hände, Die da schaffen, o der Treu'! Daß ich leb', doch ich nicht hier, Sondern Christus lebt in mir. 2. Jesu Hände, die da sor⸗ en, Daß auf eine gute Nacht Pab jetzt ein guter Morgen, a man sieht, wie Gottes Macht Mich, die Meinen, Hab und Gut Hat beschützt durch Jesu Blut. 3. Jesu, dir sei Dank ge⸗ geben Für die Treue deiner Händ', Für die Gnade, für das Leben Und was du mir zugewend't. Ach! zieh von mir bis ins Grab Diese deine Händ' nicht ab. 4. Sie sind's ja, darein egraben Steht mein Nam' mit Demen Blut, Die mich selbst bereitet haben, Mich gekrönt mit Himmelsgut; Ja sie sind's, die bis anjetzt Mich versorget und beschützt. 5. Laß sie weiter mich um⸗ fassen, Weil ich ganz dein eigen bin, Laß sie mich, mich sie nicht lassen, Dieses ist und bleibt mein Sinn: Satan, dir entsage ich; Jesu, dir ergeb' ich mich. 6. Nehmt mich auf, ihr Je⸗ sushände: Schließt mich ein in Gottes Herz! Und in Jesu Hut behende, In sein Leiden, Tod und Schmerz, In des höchsten Trösters Hand Schließt mich und die mir verwandt. 7. Ach! mit Segen ob mir waltet, Im Gebete stärket mich, In dem Glauben mich erhaltet, Und daß Gott gefalle ich, Laßt mich seines Geistes voll Leben, leiden, sterben wohl. 8. Macht mich los von mei⸗ nen Sünden, Laßt mich einen gnäd'gen Gott Und ein gut Gewissen finden; Jagt weg Schrecken, Angst und Not, Steht mir bei, damit ja hier Nichts Verdammlich's sei an mir. 9. Seid ihr alles mir in allen, Meine Hülfe, was ich thu, Mein Stab, wenn ich bin gefallen, Mein Schutz, wenn ich geh zur Ruh', Meine Freude, wenn ich wach', Mein Arzt, wenn ich krank und schach. 10. Seid mein Leben, weil ich lebe, Und verbleibet ja bei mir, Wenn ich meinen Geist aufgebe, Den ich euch befehle hier; Macht ihn alles Leidens los Und tragt ihn in Christi Schoß. 11. Ich indes bin voll Ver⸗ gnügen, Halt' es für die größte Freud', Daß in euch verschlos⸗ sen liegen Ich, die Meinen, Land und Leut'. Ich leb' oder sterbe nu, Weiß ich, daß ich in euch ruh'. Aemilie Juliane, Gräfin zu Schwarzburg⸗ Rudolstadt, geb. 1637 + 1706. Morgen⸗Lieder. Mel. Ich dank' dir schon durch deinen Sohn. 7 ein erst Gefühl 378. M sei Preis und Dank! Erhebe Gott, o Seele! Der 200 hört deinen Lobge— sang; Lobsing' ihm meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, Lag ich und schlief in Herhei 5 Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß Und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu be⸗ decken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der s uns erhält Und mir's jetzt neu gegeben. 6. Gelobet seist du, Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue, Daß ich nach einer sanf⸗ en Nacht Mich dieses Tags erfreue. 7. Laß deiner. Segen auf nir ruhn, Mich deine Wege vallen, Und lehre du mich elber thun Nach deinem Wohl⸗ gefallen! 8. Nimm meines Lebens mädig wahr, Auf dich hofft 281 Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle! 9. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb' und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. 10. Daß ich als ein ge⸗ treuer Knecht Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züch⸗ tig und gerecht Durch deine Gnade lebe; 11. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Ar⸗ beit scheue, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freue. 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße Und meinen Lauf mit Leihrtes Wenn du gebeutst, eschließe. Chr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 4+ 1769. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ein Gott, nun ist 379. M Smicder Wor⸗ gen, Die Nacht vollendet ihren Lauf, Nun wachen alle meine Sorgen Auf einmal mit mir wieder auf; Die Ruh' ist aus, der Schlaf ist hin, Und ich seh' wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, Wo jeder Tag sein Elend hat, Wo ich nur immer älter werde Und häufe Sünd' und Missethat. Mein Gott, von dessen Brot ich zehr', neine Seele; Sei mir ein Achwenn ich dir nur nütze wär'! π⁰ι⁰⁰⁰—⁰⁰π 282 Morgen⸗Lieder. 3. Ohn Zweifel siehst du michaufstehen, Regier'michheut' in dieser Welt; Ich weiß nicht, wie mir's heut' wird gehen, Mach's, lieber Gott, wie dir's gefällt; Schließ mich in deine Vorsicht ein, Dein will ich tot und lebend sein. 4. Vergieb mir, Vater, alle Sünden, Die ich mit aus dem Bette bring', Und laß mich vor dir Gnade finden; Erhöre, was ich bet' und sing'; Denn wenn ich nur bei dir wohl steh, So acht' ich gar nicht, wie mir's geh'. treib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgentau Fall' auf unser matt Gewissen, Laß die dürre Lebensau Lauter süßen Trost genießen, Und er⸗ quick' uns, deine Schar, Im⸗ merdar. 3. Gieb, daß deiner Liebe Glut, Unsre kalten Werke töte, Und erweck' uns Herz und Mut Bei entstand'ner Morgenröte, Daß wir, eh' wir gar vergehn, Recht aufstehn. 4. Laß uns ja das Sünden⸗ kleid Durch des Bundes Blut 5. Hilf du in allen Sachen vermeiden, Daß uns die Ge— raten; Denn ich bin selber rechtigkeit Möge wie ein Rock mir nicht klug; Behüte mich bekleiden, Und wir so vor aller vor Missethaten, Vor böser Menschen List und Trug; Laß mich den Tag wohl legen an Und Gutes schaffen, wo ich kann! 6. Behüte mir mein Leib und Leben, Mein Weib und Kind, mein Hab und Gut, Und laß den Himmel Segen geben, Wenn meine Hand das Ihre thut. Gieb daß ich alles wohl verricht! Du wirst es thun, ich zweifle nicht. Caspar Neumann, geb. 1648 1715. Eigne Melodie. orgenglanz der 380. M Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte, Schick' uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte Und ver⸗ Pein Sicher sein. 5. Ach du Aufgang aus der Höh', Gieb, daß auch am jüngsten Tage Unser Leichnam aufersteh' Und entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. 6. Leucht' uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnaden⸗ sonne, Führ' uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Da die Lust, die uns erhöht, Nie vergeht. C. Knorr v. Rosenroth, geb. 1638 + 1689. Mel. O Ewigkeit du Donnerwort. un tret' ich wie⸗ 381. N der aus der Ruh Und geh' dem sauern Tage zu, Wie mir ist auferleget: Nicht weiß ich, was für neue Plag r— n *.e----------- Morgen⸗Lieder. Mir heute noch begegnen mag; Doch weiß ich, daß mich träget Nein frommer Gott in seiner ut, Daß mir die Last nicht aden thut. 2. Zwar meine Bürd' ist läglich neu; Doch ist mein Gott auch täglich treu, Er räget meine Sorgen. Vor Übend keiner recht vernimmt, Was ihm den Tag all' ist be⸗ timmt, Es bahnt ein jeder Rorgen Mir einen frischen Weg zur Pein, Der kann mit Gott bestiegen sein. 3. Wie wenig hab' ich oft sedacht, Daß so würd' sein zu end' gebracht Die saure Ta⸗ Last, die mich bedrücket: gesbürde; Doch hab' ich abends vohl gespürt, Daß du mich, löchster Gott, geführt, Daß nich dein Schein und Würde heleitet, mir geleuchtet hat luf meinem Weg und Kreu⸗ kespfad. 4. Weil ich denn des ver⸗ schert bin, Was trauerst du, derzagter Sinn, Die Bürd' uf dich zu legen? Trag, was u kannst, Gott träget mit Und hilft dir treu bei jedem chritt Mit Gnade, Kraft und Segen. Mit ihm geh' ich denn frisch daran Und scheue ncht die Leidensbahn. 5. So ist getrost mein fri⸗ sher Mut, Wenn ich mich in dis Höchsten Hut Kann ein⸗ gichlossen sehen; Doch daß ich des versichert sei, Muß ich von Sünden leben frei Und 283 Gottes Wege gehen. Mein Gott geht nimmer meinen Steg, Wo ich nicht wandle seinen Weg. 6. Drum, liebster Gott, leit' meinen Fuß, Daß ich dir folg' in wahrer Buß' Und läutre mich von Sünden; So kann ich als ein kühner Held Be⸗ streiten diese böse Welt, Mit dir sie überwinden; So tret' ich mutig an den Tag, Und scheue nichts, was kommen mag. 7. Ich leg' auf dich, mein Gott und Herr, Was mir zu tragen wird zu schwer, Die Ich lege meine Würd' und Stand In deine große Allmachtshand, Die du mir nie entrücket; Mit der hast du von Jugend auf Geleitet meinen Lebenslauf. 8. Ich leg' in deinen Schoß hinein All' Freunde und Ver⸗ wandte mein, Da sind sie wohl beschlossen! Ich lege meine arme Seel' In Jesu sichre Wundenhöhl'; Du wirst sie nicht verstoßen, Wenn sie vom Leibe trennt der Tod: Ich leg' mich ganz in dich, mein Gott. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig Lüneburg, geb. 16833 1 1714. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 382 Oheilige Dreifal⸗ tigkeit, O hoch⸗ gelobte Einigkeit, Gott Vate! 28⁴ Morgen⸗Lieder. Sohn und heil'ger Geist, Heut' diesen Tag mir Bei⸗ stand leist'. 2. Mein' Seel', Leib, Ehr' und Gut bewahr, Daß mir kein Böses widerfahr', Und mich der Satan nicht verletz', Noch mich in Schand und Schaden setz'. 3. Des Vaters Huld mich heut' anblick'“, Des Sohnes Weisheit mich erquick', Des heil'gen Geistes Glanz und Schein Erleucht' des finstern Herzens Schrein. 4. Mein Schöpfer, steh mir kräftig bei; O mein Erlöser, hilf mir frei! O Tröster wert, weich nicht von mir, Mein Herz mit werten Gaben zier'! 5. Herr, segne und behüte mich! Erleuchte, Herr, mich gnädiglich! Herr, heb auf mich dein Angesicht Und deinen Frie⸗ den auf mich richt'! Martin Böhm, geb. 1557 4 1622. Mel. Ich dank' dir schon durch dei⸗ nen Sohn. 383. O Leben Lich williglich Mir selbst und allen Nun ist die Nacht vergangen Mein Geistesaug' zu dir sich richt't, Dein'n Anblick zu 665 derben. pfangen. 2. Du hast, da ich nicht sorgen konnt', Mich vor Ge⸗ fahr bedecket Und auch vor andern mich gesund Nun 1— dem Schlaf erwecket. 3. Mein Leben schenkst du mir aufs neu, Es sei auch dir verschrieben, Mit neuem Ernst, mit neuer Treu' Dich diesen Tag zu lieben. 4. Dir, Jesu, ich mich ganz befehl'? Im Geist dich mir verkläre, Dein Werkzeug nur sei meine Seel', Den Leib be⸗ wahr und nähre! 5. Durchdring mit deinem Lebenssaft Herz, Sinnen und Gedanken, Bekleide mich mit deiner Kraft, Im Kampfe nicht zu wanken! 6. Mein treuer Hirte, sei mir nah, Steh immer mir zur Seiten, Und wenn ich irre, wollst du ja Mich wieder zu dir leiten! 7. Sei du alleine meine Lust. Mein Schatz, mein Trost und Leben! Kein andres Teil sei mir bewußt, Dir bin ich ganz ergeben. 8. Zeig' mir in jedem Au⸗ genblick, Wie ich dir soll ge⸗ fallen; Zeuch mich vom Bösen stets zurück, Regiere mich in allem. 9. Laß mich mit Kraft und sterben; Zerstör' du selber völ⸗ liglich Mein sündliches Ver⸗ 10. Gieb, daß ich meinen Wandel führ' Im Geist, in deinem Lichte Und als ein Fremdling lebe hier Vor dei⸗ nem Angesichte. Morgen⸗Lieder. 11. Ach, halt mich fest mit deiner Hand, Daß ich nicht fall' noch weiche; Zeuch stets mich durch der Liebe Band, Bis ich mein Ziel erreiche. G. Tersteegen, geb. 1697 + 1769. Mel O Gott, du frommer Gott. Jesu, süßes 384. OG die Nacht vergangen, Nun hat dein Gnadenglanz Aufs neue mich umfangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlafe auf⸗ geweckt Und hat nun in Begier Zu dir sich ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnad' ein⸗ senken Mit Leib, mit Seel', mit Geist, Heut diesen ganzen Tag: Das soll mein Opfer sein, Weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott, Da hast du meine Seele. Sie sei dein Eigentum, Mit ihr dich heut' vermähle In deiner Liebeskraft; Da hast du meinen Geist, Darinnen woll'st du dich Verklären aller⸗ meist. 4. Da sei denn auch mein Leib Zum Tempel dir ergeben, Zur Wohnung und zum Haus: Ach, allerliebstes Leben, Ach, wohn', ach leb' in mir, Beweg' und rege mich, So hat Geist, Seel' und Leib Mit dir ver⸗ einigt sich. 285 5. Dem Leibe hab' ich jetzt Die Kleider angeleget; Laß meiner Seele sein Dein Bild⸗ nis eingepräget Im güld'nen Glaubensschmuck, In der Ge⸗ rechtigkeit, So allen Seelen ist Das rechte Ehrenkleid. 6. Mein Jesu, schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld, Durch deines Geistes Triebe; Auch mit der Demut mich Vor allem kleide an, So bin ich wohl geschmückt Und köst⸗ lich angethan. 7. Laß mir doch diesen Tag Stets vor den Augen schwe⸗ ben, Laß dein' Allgegenwart Mich wie die Luft umgeben, Auf daß mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund'. 8. Ach segne, was ich thu', Ja rede und gedenke: Durch deines Geistes Kraft Es also führ' und lenke, Daß alles nur gescheh' Zu deines Na⸗ mens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib' dein Ei⸗ gentum. Joach. Lange, geb. 1670 + 1744. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 385. Gett, du Licht, das * ewig bleibet, Das ohn' allen Wechsel ist, Das die Finsternis vertreibet, Der du bleibest, wer du bist; Ich verlasse meine Ruh'; Rufe: Werde Licht! mir zu, Daß 286 Morgen⸗Lieder. ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. 2. Wecke, da der Leib ge⸗ schlafen, Auch die Seele geist⸗ lich auf; Gieb ihr deines Lichtes Waffen, Richt' und leite ihren Lauf; Laß mich sein des Lichtes Kind, Hilf mir, weil ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe Und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und ewähre, Was die arme Seele slilt; Ach erneure und ver⸗ kläre Stets in mir dein Eben⸗ bild! Sende mir den Geist der Kraft, Der ein neues Le⸗ ben schafft, Daß ich himmlisch auf der Erde Und ein Geist in Christo werde. 4. Segne meiner Hände Werke, Fördre mich in mei⸗ ner Pflicht; Bleibe meiner Schwachheit Stärke, Meines Lebens Kraft und Licht; Laß mein Lebensziel allein Deines Namens Ehre sein; Hilf, daß ich stets wahre Liebe Gegen meinen Nächsten übe. 5. Führ' mich einst zu je⸗ nem Lichte Deiner höchsten Majestät, Wo vor deinem An⸗ gesichte Die verklärte Seele steht, Heller als der Sonnen⸗ schein, Schön, unsterblich, en⸗ gelrein; Laß sie sein mit dir vereinet, Wenn mein letzter Tag erscheinet. Salomo Franck, geb. 1659 1725. Mel. Herr Jesu Christ dich zu uns wend'. 386 Ver deinen Thron * tret' ich hiermit, O Gott, und dich demütig bitt': Wend' dein genädig' An⸗ gesicht Von mir, dem armen Sünder nicht. 2. Du hast mich, o Gott Vater mild, Gemacht nach dei⸗ nem Ebenbild; In dir web', schweb' und lebe ich, Vergehen müßt' ich ohne dich. 3. Errettet hast du mich gar oft Ganz wunderlich und unverhofft, Da nur ein Schritt, ja nur ein Haar, Mir zwi⸗ schen Tod und Leben war. 4. Verstand und Ehr' hab' ich von dir, Des Lebens Not⸗ durft giebst du mir, Dazu auch einen treuen Freund, Der mich im Glück und Un⸗ glück meint. 5. Gott Sohn, du hast mich durch dein Blut Erlöset von der Höllenglut, Das schwer' Gesetz für mich erfüllt, Da⸗ mit des Vaters Zorn gestillt. 6. Wenn Sünd' und Satan mich anklagt, Und mir das Herz im Leib verzagt, Als⸗ dann brauchst du das Mittler⸗ amt, Daß mich der Vater nicht verdammt. 7. Du bist mein' Fürsprach allezeit, Mein Heil, mein Trost und meine Freud'; Ich kann durch dein Verdienst allein Hier ruhig und dort selig sein. U Morgen⸗Lieder. 8. Gott, heil'ger Geist, du höchste Kraft, Des Gnade in mir alles schafft! Ist etwas Gut's am Leben mein, So ist es wahrlich alles dein. 9. Dein ist's, daß ich Gott recht erkenn“, Ihn meinen Herrn und Vater nenn', Sein wahres Wort und Sakrament Behalt' und liebe bis ans End'ʒ ö 10. Daß ich fest in Anfech⸗ tung steh' Und nicht in Trüb⸗ sal untergeh' Daß ich im Herzen Trost empfind', Zuletzt mit Freuden überwind'. 11. Drum dank' ich dir mit Herz und Mund, O Gott, in dieser Morgenstund' Für alle Güte, Treu' und Gnad', Die meine Seel' empfangen hat. 12. Und bitt', daß deine Gnadenhand Bleib' über mir heut' ausgespannt; Mein Amt, Gut, Ehr' Freund, Leib und Seel' In deinen Schutz ich dir befehl'. 13. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christentum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Au⸗ genschein und Heuchelei. 14. Erlaß mir meine Sün⸗ Huacht Und hab' mit deinem Knecht Geduld; Zünd' in mir Glauben an und Lieb', Zu jenem Leben Hoffnung gieb. 15. Ein sel'ges Ende mir wech ur Am jüngsten Tag er⸗ we mich, Herr, Daß ich dich 287 schaue ewiglich; Amen, Amen, erhöre mich! Bodo v. Hodenberg, geb. 1604 + 1650 Mel. Nun laßt uns Gott dem Herren. 9 ach auf, mein 387. W' Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter! 2. Heut', als die dunkeln Schatten Mich ganz umgeben hatten, Hat Satan mein' be⸗ gehret, Gott aber hat's ge⸗ wehret. 3. Ja, Vater, als er suchte, Wie er mir schaden möchte, Lag ich in deinem Schoße, Dein Flügel mich umschlosse. 4. Du sprachst: mein Kind, nun liege, Trotz dem, der dich betrüge! Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. 5. Dein Wort, das ist ge⸗ schehen, Ich kann das Licht noch sehen, Von Not bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich erneuet. 6. Du willst ein Opfer ha⸗ ben: Hier bring' ich meine Gaben, Mein Weihrauch, Farr' und Widder Sind mein Gebet und Lieder. 7. Die wirst du nicht ver⸗ schmähen, Du kannst ins Herze sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts Bess'res habe. 288 8. So wollst du nun voll⸗ enden Dein Werk an mir und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 9. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste raten, Den Anfang, Mitt' und Ende, Ach, Herr, zum Besten wende. 10. Mit Segen mich be⸗ schütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich zum Himmel reise. Paul Gerhardt, geb. 1606 1676. Mel. Wie schön leuchtet der. 388 Wie schön leucht't * uns der Mor⸗ genstern Vom Firmament des Himmels fern! Die Nacht ist nun vergangen. All' Kreatur macht sich hierfür, Des edlen Lichtes Pracht und Zier Mit Freuden zu empfangen. Was lebt, Was schwebt Hoch in Lüften, tief in Klüften, läßt zu Ehren Seinem Gott ein Danklied hören. 2. Du, o mein Herz, dich auch aufricht', Erheb' dein' Stimm' und säume nicht, Dem Herrn dein Lob zu bringen; Denn, Lob gebührt, Und dem man billig musiziert, Dem man läßt innig klingen Mit Fleiß, o süßer Morgentau, Morgen⸗Lieder. hören, Dich, o meinen Hei⸗ land, ehren. 3. Du, o mein Jesu, meine Rran In aller Angst und raurigkeit! Du hast mich heut befreiet, Du hast der Feinde Macht gewehrt, Mir Schutz und sanfte Ruh' beschert, Des sei gebenedeiet! Mein Mut, Mein Blut Soll nun singen, soll nun springen: all mein Leben Soll dir Dankeslieder geben. 4. O Herr, mein starker Lebenshort, Laß ferner deine Gnadenpfort' Mir heut' auch offen bleiben; Sei meine Burg und festes Schloß, Und laß kein feindliches Geschoß Dar⸗ aus mich jemals treiben. Stell' dich Vor mich Hin zu streiten, laß abgleiten alle Pfeile Und der Feinde Macht zerteile. 5. Geuß deiner Gnade rei⸗ chen Strahl Auf mich vom hohen Himmelssaal, Mein Herz in mir erneue; Dein guter Geist mich führ' und leit' Daß ich nach meiner Schuldigkeit Zu thun, mich innig freue: Gieb Rat Und That, Laß mein Sinnen und Beginnen stets sich wenden, Seinen Lauf in dir zu enden. 6. Wend' Unfall ab, kann's Hen du bist's, dem anders sein; Wo nicht, so geb' ich mich darein; Ich will nicht widerstreben. Doch Ren ein Dank, Preis, Freudensaiten, Herz erfrisch', daß ich dir trau' daß von weitem man kann Und bleib im Kreuz ergeben, Morgen⸗Lieder.— Tisch⸗Lieder. 289 Bis ich Endlich Nach dem mut dich nicht nehmen ein; Leiden zu den Freuden werd' Denk', daß die liebsten Kinde⸗ erhoben, Da ich dich kann lein Allzeit das Unglück troffen. ewig loben. Drum so Sei froh, Glaube 7. Indes mein Herze, jauchz' feste, daß das Beste für die und sing, In allem Kreuz Frommen Wir in jener Welt sei guter Ding', Der Dimmel bekommen. steht dir offen. Laß Schwer⸗ Burchard Wiesenmayer, nach 1658. XXV. Tischlieder. Mel. Herr Jesu Christ dich zu uns Die Speis' laß unsre Nahrung wendi. sein; Hilf, daß er⸗ 28 ZTescher uns, Herr, quicket werd' Der dür t' ge 389. B dastäglich' Bro Leib auf dieser Erd'. Vor Teurung und vor Hun⸗ 2. Doch kann dies ird'sche gersnot Behüt' uns durch dein' Brot allein Uns nicht genug lieben Sohn, Gott Vater in zur Nahrung sein, Dein gött⸗ dem höchsten Thron. lich Wort die Seele speist: 2. O Herr, thu auf dein Hilft uns zum Leben aller⸗ milde Hand, Mach' uns dein' meist! OHnad' und Güt' bekannt; Er⸗ 3. Drum gieb uns beides nähr' uns, deine Kindelein, Herre Gott, Hilf endlich auch Der du speist alle Vögelein. aus aller Not; So preisen wir 3. Erhörst du doch der dein' Gütigkeit Hier und auch Raben Stimm', Drum unsre dort in Ewigkeit. Bitt', Herr, auch vernimm; 9Z 0 st 1 aller Ding' du Schöpfer Mel. Wo Gott zum 100 L bist Und allem Vieh sein Tut⸗ err Gott, Vater ter giebst. 535—— 391. H im Himmelreich, 4. Gedenk nicht unsrer Mis⸗Wir, deine Kinder, allzugleich sethat Und Sünd', die dich er⸗ Bitten dich jetzt«aus Herzens⸗ zürnet hat, Laß scheinen dein' grund, Speis uns alle in die⸗ Barmherzigteit, Daß wir dich ser Stund loben allezeit. 2. Thu auf dein' reiche, Nicolaus Hermann, 1561. milde Hand, Behüt' uns all' vor Sünd' und Schand' Und Wo Gott zum Haus nicht giebt. gieb uns Fried' und Einig⸗ Nuns kei uns a vor 390. Gesrgn uns Herr, keit, Bewahr' uns auch die Gaben dein, teurer Zeit. 290 Tischlieder. 3. Damit wir leben selig⸗ lich, Dein Reich besitzen ewig⸗ lich. Das sei heut' und zu aller Frist Amen im Namen Jesu Christ. Kasp. Huberinus um 1544. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele 392 peise, Vater, * deine Kinder, Tröste die betrübten Sünder, Sprich den Segen zu den Ga⸗ ben, Die wir jetzo vor uns ha— ben, Daß sie uns in diesem Leben Stärke, Kraft und Nah⸗ rung geben: Bis wir endlich zu den Frommen An die Him⸗ melstafel kommen. Amen. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647 Eigne Melodie. 393 9 un laßt uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren Für alle seine Gaben, Die wir empfangen haben. 2. Den Leib, die Seel', das Leben Hat er allein gegeben, Dieselben zu bewahren, Thut er nie etwas sparen. 3. Nahrung giebt er dem Leibe, Macht, daß die Seele bleibe, Obwohl sie von den Wunden Der Sünd' nicht kann gesunden. 4. Ein Arzt ist uns ge⸗ eben, Der selber ist das Le⸗ en, Christ, der für uns ge⸗ storben, Hat uns das Heil erworben. 5. Sein Wort, sein' Tauf, sein Nachtmahl Dient wider allen Unfall, Der heil'ge Geist im Glauben Lehrt uns darauf vertrauen. 6. Durch ihn ist uns ver⸗ geben Die Sünd', geschenkt das Leben, Im Himmel soll'n wir haben, O Gott, wie große Gaben! 7. Wir bitten deine Güte, Woll'st uns hinfort behüten, Die Großen mit den Klei⸗ nen; Du kannst's nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der Wahr⸗ heit, Gieb ewigliche Freiheit, Zu preisen deinen Namen, Durch Jesum Christum. Amen. Ludwig Helmbold, geb. 1532 1 1598. Eigne Melodie. ir danken Gott 394. für seine Ga⸗ ben, Die wir von ihm empfan⸗ gen haben, Wir bitten unsern lieben Herrn, Er woll' hinfort uns mehr bescher'n Und speisen uns mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier und dort. Ach lieber Gott, du woll'st uns geben Nach dieser Welt das ew'ge Leben. Königsberg 1589 Abend⸗ Lieder. 291 XXVII. Abendlieder. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 3d A u Weil mein Jesus bei mir ist; Gute Nacht! ihr müden Sor⸗ gen: Sanfte Ruhe, sei gegrüßt, Weil mich Gottes Flügel decket, Und sein Auge für mich wacht, Ach so werd'ich nicht erschrecket Vor der sonst betrübten Nacht. 2. Laß mein Opfer dir ge⸗ fallen, O du ew'ger Gnaden⸗ thron, Höre meines Mundes Lallen Und der Lippen schwa⸗ chen Ton. Ach durchstreich' mit deinem Blute Des vergang'⸗ nen Tages Schuld; Schone meiner mit der Rute Und er⸗ zeige mir Geduld. 3. Treuer Hirte deiner Schafe! Wächter mitten in der Nacht! Decke mich in meinem Schlafe, Gieb mir deiner En⸗ gel Wacht. Sei du meine Feuersäule, Daß der arge Feind erschrickt, Wenn er seine gift'gen Pfeile Auf mein schla⸗ fend Herze drückt. 4. Deine Wagenburg um⸗ schließe Alles, was mir ange⸗ hört, Daß man nichts vom Grauen wisse, Welches sonst die Ruhe stört; Laß an unser Bette schreiben: Gottes Kinder schlafen hier, Und Gott wird bei ihnen bleiben; O wie sanfte schlafen wir. Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1787. Mel. Ach was soll ich Sünder machen. 396. Asch, ic 2— Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsternis sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete; Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herzund Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn ge⸗ schwinde, Wie ein Pfeil zur Ewigkeit, Auch die allerlängste Zeit Saust vorüber, wie die Winde, Fleußt dahin, als wie ein Fluß Mit dem schnellsten Wasserguß. 3. Und, mein Jesu, sieh, ich Armer Nehme mich doch nicht in Acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Erbarmer! Mancher Tag geht so dahin, Da ich nicht recht wacker bin. 4. Ach ich muß mich herz⸗ lich schämen; Du erhältst, Du schützest mich Tag und Racht so gnädiglich; Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sei. 5. Nun ich komme mit Ver⸗ langen, O mein Herzensfreund, zu dir; Neige du dein Licht zu mir; Da der Tag nunmehr vergangen, Sei du selbst mein Sonnenlicht, Das durch alles Dunkel bricht. 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen 19⁷ 292 willt; Mein Herz sei mit dir erfüllt, So wird mich nichts Denn wo du können quälen; Schaden bist Tag und Licht, . die Nächte nicht. Nun, mein teurer Hei— lund wache, Wache du in dieser Nacht, ner Macht, Deine Liebe mich Schütze mich mit dei⸗ anlache; Laß mich selbst auch wachsam sein, Ob ich gleich jetzt schlafe ein. Levin Joh. Schlicht, geb. 1581 4 1723. Eigne Melodie. 3 7 Co hrist, der du bist * der helle Tag, dir die Nacht nicht bleiben mag, Du leuchtest uns vom Vater her Und bist des Lichtes Prediger. 2. Behüt' uns, Herr, du bester Freund, Auch heute Nacht vor jedem Feind Und laß uns in dir ruhen fein Und vor dem Satan sicher sein. 3. Obschon die Augen schla— fen ein, So laß das Herz doch wacker sein, Halt über uns dein' rechte Hand, Daß wir nicht fall'n in Sünd und Schand'. 4. Wir bitten dich, Herr Jesu Christ, Behüt' uns vor des Teufels List, Der stets nach unsrer Seele tracht't, Daß er an uns hab' keine Macht. 5. Sind wir doch dein er— erbtes Gut, Erworben durch dein heil'ges Blut; Das war Abend⸗Lieder. des ew'gen Vaters Rat, Als er uns dir geschenket hat. 6. Befiehl dem Engel, daß er komm' Und uns bewach', dein Eigentum, Gieb uns die lieben Wächter zu, Daß wir vorm Satan haben Ruh' 7. So schlafen wir im Na⸗ men dein, Dieweil die Engel bei uns sein; Du heilige Drei⸗ faltigkeit, Wir loben dich in Ewigkeit. Altkirchlich. Deutsch von Erasmas Alberus, + 1553. Eigne Melodie. 398..2 er lieben Sonne Lichtund Pracht Hat nun den Lauf vollführet, Die Welt hat sich zur Ruh' gemacht; Thu', Seel', was dir gebühret, Tritt an die Him⸗ melsthür' Und bring' ein Lied herfür; Laß deine Augen, Herz und Sinn Auf Jesum sein gerichtet hin. 2. Ihr hellen Sterne leuch⸗ tet wohl Und gebet eure Strah⸗ len, Ihr macht die Nacht n Lichtes voll; Doch noch z tausendmalen Scheint heller mein Herz Die ew'ge Himmels⸗ kerz', Mein Jesus, meiner Seele Ruhm, Mein Schutz, mein Schatz, mein Eigentum. 3. Der Schlaf zwar herrscht jetzt in der Nacht Bei Men⸗ schen und bei Tieren; Doch einer ist, der droben wacht, Bei dem kein Schlaf zu spü⸗ ren. Es schlummert Jesus nicht, Sein Aug' auf mich gericht't; Drum soll mein Herz auch wachend sein, Daß Jesus wache nicht allein. 4. Verschmähe nicht das schlechte Lied, Das ich dir, Jesu, singe, In meinem Her⸗ zen ist kein Fried', Bis ich es zu dir bringe. Ich bringe, was ich kann, Ach, nimm es gnädig an! Es ist doch herz⸗ lich gut gemeint, O Fesu, meiner Seele Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette ehn, Dir will ich mich be— fehlen Du wirst, mein Schutz⸗ herr, auf mich sehn, Zum besten meiner Seelen. Ich fürchte keine Not, Ja selber nicht den Tod; Denn wer mit Jesu schlafen geht, Mit Freuden wieder aufersteht. 6. Ihr Höllengeister, fort mit euch, Hier habt ihr nichts zu schaffen; Dies Haus gehört in Jesu Reich, Drum laßt es sicher schlafen; Der Engel starke Wacht Hält es in guter Acht, Ihr Heer und Lager ist sein Schutz; Drum sei auch allen Teufeln Trutz. 7. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen, Dein' Aufsicht soll die Decke sein, Mein Lager dein Erbarmen, Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fleußt Und dein Geist in mein Herz eingeußt. 8. So oft die Racht mein' Abend⸗Lieder. 293 Seist umfangen; So viel mal sich mein Herz bewegt, Soll dies sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall Mög' rufen überall: O Jesu, Jesu, du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. 9. Nun, matter Leib, schick dich zur Ruh' Und schlafe sanft und stille; Ihr müden Augen, schließt euch zu, Denn das ist Gottes Wille; Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu, ich bin dein! So ist der Schluß recht wohl gemacht. Nun, lieb⸗ ster Jesu, gute Nacht! Christian Seriver, geb. 1629 + 1693 Mel. O Welt, ich muß. * un sich der Tag 399. N Ined Mein Herz zu dir sich wendet, Und danket inniglich; Dein holdes Angesichte Zum Segen auf mich richte, Erleuchte und ent— zünde mich. 2. Ich schließe mich aufs neue In deine Vatertreue Und Schutz und Herze ein; Die fleischlichen Geschäfte Und alle finstern Kräfte Vertreibe durch dein Nahesein. 3. Ein Tag der sagt's dem andern, Mein Leben sei ein Wandern Zur großen Ewig⸗ keit. O Ewigkeit, du schöne, Mein Herz an dich gewöhnel Mein Heim ist nicht in dieser Ader schlägt, Soll dich mein Zeit. G. Tersteegen 1 1769 294 Mel. O Traurigkeit o Herzeleid. 400 Dyr Tag ist hin! * Mein Geist und Sinn Sehnt sich nach jenem Tage, Der uns völlig machen wird Frei von aller Plage. 2. Die Nacht ist da; Sei du mir nah, Jesu, mit deinem Lichte, Mach der Sünden Dun⸗ kelheit In mir ganz zunichte! 3. Der Sonne Licht Uns jetzt gebricht; O unerschaff'ne Sonne, Brich mit deinem Licht herfür Mir zur Freud' und Wonne! 4. Des Mondes Schein Fällt nun herein, Die Finsternis zu mindern; Ach, daß nichts Veränderlich's Meinen Lauf möcht' hindern! 5. Das Sternenheer Zu Gottes Ehr' Am blauen Him⸗ mel flimmert; Wohl dem, der in jener Welt Gleich den Ster⸗ nen schimmert. 6. Was sich geregt, Zuvor bewegt, Ruht jetzt von seinen Werken; Laß mich, Herr, in stiller Ruh' Dein Werk in mir merken. 7. Ein jeder will Bei solcher Still' Der süßen Ruhe pfle⸗ gen; Laß die Unruh' dieser Zeit, Jesu, bald sich legen. 8. Ich selbst will auch Nach meinem Brauch Nun in mein Bette steigen; Laß dein'n Arm mein Lager sein, Woll'st dich zu mir neigen. Abend⸗Lieder. 9. Halt du die Wach', Da⸗ mit kein Ach Und Schmerz den Geist berühren, Laß mich deiner Engel Näh' In der Nacht verspüren! 10. Wann aber soll Der Wechsel wohl Der Tag' und Nächte weichen? Dann, wann anbricht jener Tag, Dem kein Tag zu gleichen. 11. In jener Welt, Da diese fällt, Die Zion noch macht weinen, Soll noch heller sie⸗ benmal Mond und Sterne scheinen. 12. Alsdann wird nicht Der Sonnen Licht Jerusalem verlieren; Denn das Lamm ist selbst das Licht, Das die Stadt wird zieren. 13. Hallelujah! O wär' ich da, Wo alles lieblich klinget, Wo man dir in Ebwigkeit Heilig, heilig singet! 14. O Jesu du, Mein Hülf' und Ruh', Laß mich dahin ge⸗ langen, Daß ich mög' in dei⸗ nem Glanz Vor dir ewig prangen. Joh. Anastasius Freylinghausen, geb. 1670 + 1739. Mel. Die Sonn' hat sich mit ihrem Glanz. 401 Der Tag ist hin, — mein Jesu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe! Geh auf in mir, Glanz der Gerech⸗ tigkeit, Erleuchte mich, ach Herr, denn es ist Zeit. 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen; Abend⸗Lieder. Dir sei die Ehr', daß alles wohl gelungen Nach deinem Rat, ob ich's gleich nicht ver— steh'; Du bist gerecht, es gehe wie es geh'. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet; Beständig⸗ keit im Guten mir noch fehlet. Das weißt du wohl, o Her⸗ zenskündiger, Ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 4. Vergieb es, Herr, was mir sagt mein Gewissen: Welt, Teufel, Sünd' hat mich von dir gerissen; Es ist mir leid, ich stellꝰ mich wieder ein; Da ist die Hand: Du mein, und ich bin dein. 5. Israels Schutz, mein Hüter und mein Hirte, Zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte! Bewahre mich durch deine große Macht, Wenn Belial nach meiner Seele tracht't. 6. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen; Ach laß die Seel' im Schlaf' auch Gutes schaffen! O Lebens⸗ sonn', erquicke meinen Sinn; Dich laß ich nicht, mein Fels; der Tag ist hin. Joachim Neander, geb. 1650 + 1680. Eigne Melodie. 402 Die Sonn' hat sichh 7. Und mit ihrem Glanz gleich mit gewendet Und, was sie soll, auf diesen Tag vollendet; Die dunkle Nacht dringt überall 295 hinzu, Bringt Menschen, Vieh und alle Welt zur Ruh'. 2. Ich preise dich, du Herr der Nächt' und Tage, Daß du mich heut' vor aller Not und Plage Durch deine Hand und hochberühmte Macht Hast un⸗ verletzt und frei hindurch ge— bracht. 3. Vergieb, wo ich bei Tage so gelebet, Daß ich nach dem, was finster ist, gestrebet; Laß alle Schuld durch deinen Gnadenschein In Ewigkeit bei dir erloschen sein. 4. Schaff, daß mein Geist dich ungehindert schaue, In— dem ich mich der trüben Nacht vertraue, Und daß der Leib auf diesen schweren Tag Zu neuer Kraft sich sanft erholen mag. 5. Vergönne, daß der lie⸗ ben Engel Scharen Mich vor der Macht der Finsternis be— wahren, Auf daß ich vor der List und Tyrannei Der argen Feind' im Schlafe sicher sei. 6. Herr, wenn mich wird die lange Nacht bedecken Und in die Ruh' des tiefen Grabes strecken, So blicke mich mit deinen Augen an, Daraus ich Licht im Tode nehmen kann. laß allen hernach zu⸗ Frommen Mich zu dem Glanz des an⸗ dern Lebens kommen, Da du uns hast den großen Tag be— 296 stimmt, Dem keine Nacht sein Licht und Klarheit nimmt. Berlin 1648. Mel. In dich hab' ich gehoffet, Herr. 403. Fir alle Güte sei gepreist, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Ihr bin ich zu geringe; Ver⸗ nimm den Dank, Den Lob⸗ gesang, Den ich dir kindlich bringe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast Großes heut' an mir gethan, Mir mein Gebet gewähret; Hast väter⸗ II lich Mein Haus und mich Beschützet und genähret.„ 3. Herr, was ich bin, ist * dein Geschenk; Der Geist, mit dem ich dein gedenk', Ein ruhiges Gemüthe, 5 ich vermag Bis diesen Tag, Ist alles deine Güte. 4. Sei auch nach deiner Lieb' und Macht Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht; —...— Und kommt mein Tod, Herr Zebaoth, So laß mich Gnade Christ. Fürchteg. Gellert, geb. 1715 4 1769. Abend⸗ finden. ö ö 1 ——„ Mel. Mein Herzensjesu, meine Lust. Ewigkeit Ist abermals voll⸗ dieser Zeit Mein H erz endet! Zu dir im Fortgang Lieder. sehnlich wendet, O Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt, In meine Seel' zum Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, Und wird mir allzu lange, Bis es erscheine, daß ich gar, O Leben, dich umfange, Damit, was sterblich ist an mir, Verschlungen werde ganz in dir, Und ich unsterblich werde. 3. Vom Feuer deiner Liebe glüht Mein Herz, daß sich entzündet, Was in mir ist, und mein Gemüt Sich so mit dir verbindet, Daß du in mir, und ich in dir, Und ich doch immer noch allhier Will näher an dich dringen. 4. O daß du selber kämest bald! Ich zähl' die Augen⸗ blicke; Ach komm, eh' mir das Herz erkalt' Und sich's zum Sterben schicke! Komm doch in deiner Herrlichkeit, Schau, deine Braut hat sich bereit't, schmücket. 5. Doch sei dir ganz an⸗ heim gestellt Die rechte Zeit und Stunde; Wiewohl ich weiß, daß dir's gefällt, Daß ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße und darauf Von nun an richte meinen Die Lampe ist ge⸗ zur Lauf daß ich dir komm' ent⸗ gegen. 6. Ich bin vergnügt, daß sich mich nichts kann Von deiner Abend⸗Lieder. 29 Liebe trennen, Und daß ich Mel. O Welt, ich muß. frei vor jedermann Dich dar405 err, der du mir den Bräut'gam nennen, Und 9. das Leben Bis du, o teurer Lebensfürst, Dich diesen Tag gegeben, Dich bet' dort mit mir vermählen wirst ich kindlich an; Ich bin viel Und mir mein Erbe schenken. zu geringe Der Treue, die 7. Drum preis' ich dich aus ich singe und die du heut' an Dankbarkeit, Daß sich der TPag mir gethan. geendet, Und also auch von 2. Mit dankendem Gemüte dieser Zeit Ein Schritt noch⸗Freu' ich mich deiner Güte; mals vollendet; Und schreite Ich freue mich in dir, Du rüstig weiter fort, Bis ich giebst mir Kraft und Stärke, gelange an die Pfort' Jerusa- Gedeihn zu meinem Werke lems dort oben. Und schaffst ein reines Herz 8. Wenn auch die Hände in mir— lässig sind, Und meine Kniee 3. Gott, welche Ruh' der wanken, So biet mir deine Seelen, Nach deines Worts Hand geschwind In meines Befehlen Einher im Leben Glaubens Schranken, Damit gehn, Auf deine Güte hoffen, durch deine Kraft mein Herz Im Geist den Himmel offen Sich stärke, und ich himmel⸗ Und dort den Preis des wärts Ohn' Unterlaß auf⸗WGlaubens sehn! steige. 4. Ich weiß, an wen ich 9. Geh, Seele, frisch im glaube, Und nahe mich im Glauben dran Und sei nur Staube, Zu dir, o Gott, mein unerschrocken; Laß dich nicht Heil; Ich bin der Schuld ent⸗ von der rechten Bahn Die laden, Ich bin bei dir in Lust der Welt ablocken; So Gnaden, Und in dem Himmel dir der Lauf zu langsam ist mein Teil. ö deucht, So eile, wie ein Adler 5. Bedeckt mit deinem Se⸗ fleucht, Mit Flügeln süßer gen Eil' ich der Ruh' ent⸗ Liebe! gegen; Dein Name sei ge⸗ 10. O Jesu, meine Seele preist! Mein Leben und mein ist Zu dir schon aufgeflogen. Ende Ist dein: in deine Hände Du hast, weil du voll Liebe Befehl' ich, Vater, meinen bist, Mich ganz zu dir ge⸗Geist. zogen. Fahr hin, was heißet Chr. Fürchteg. Gellert, geb. 1715 1769. Stund' und Zeit! Ich bin— schon in der Ewigkeit, Weil Mel. Werde munter mein Gemüte. ich in Jesu lebe. 406 Herr, es ist von 27.— meinem Leben Aua. Herm. Franke, geb. 1663 4 17. ꝓFFFFFRFꝛRP2RFQ.. hhhN 4 298 Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung ge⸗ ben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir's auch selber an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, Was dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voll in Sünden Mit Gedanken, Wort und That, Und vom Morgen bis jetzund Pfleget Herze, Hand und Mund So ge⸗ schwind und oft zu fehlen, Daß ich's selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Habe noch einmal Geduld; Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergieb mir alle Schuld; Deine große Vatertreu' Werde diesen Abend neu, So will ich noch deinen Willen Künftig mehr als heut' erfüllen. 4. Heilige mir das Ge⸗ müte, Daß der Schlaf nicht sündlich sei; Decke mich mit deiner Güte; Auch dein Engel steh mir bei. Lösche Feu'r und Lichter aus Und bewahre sonst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Unglück dürfe weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun; Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn; So zerstöre Abend⸗ Lieder. du den Rat Und verhindere die That; Wend' auch alle andre Schrecken, Die der Satan kann erwecken. 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird; Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seine Herde wacht; Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich denn gesund erwachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, lieber Gott, Heut' bestimmet meinen Tod, So befehl' ich dir am Ende Leib und Seel' in deine Hände. Caspar Neumann, geb. 1648 + 1715. Mel. O Jesu Christ mein's Lebens Licht. inunter ist der 407. Sonne Schein, Die finstre Nacht bricht stark herein; Leucht' uns, Herr Christ, du wahres Licht, Laß uns im Finstern tappen nicht. 2. Dank sei dir, daß du uns den Tag Vor Not, Ge⸗ fahr und mancher Plag' Durch deine Engel hast behüt't Aus Gnad' und väterlicher Güt'. 3. Womit wir ja erzürnet dich, Woll'st du verzeihen gnädiglich, Es unsrer Seel' + V Abend⸗Lieder. nicht rechnen zu, Laß schlafen uns in Fried' und Ruh'! 4. Dein Engel uns zur Wache stell' Daß uns der böse Feind nicht fäll'; Vor Schrecken, Angst und Feuers⸗ not Behüt' uns heut', o lieber Gott! Nicolaus Hermann, 1 1561. Mel. Jesu, meine Freude. 408 .Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag; Deine Wundergüte War mein Schild und Hüte Den ver⸗ gang'nen Tag; Sei die Nacht auch auf der Wacht Und laß mich von deinen Scharen Um und um bewahren. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld; Ein versöhnt“ Gewissen Sei mein Ruhekissen, Drum vergieb die Schuld; Denn dein Sohn hat mich davon Durch die tiefgeschlag'- nen Wunden Gnädiglich ent⸗ bunden. 3. Laß auch meine Lieben Keine Not betrüben, Sie sind mein und dein; Schließ uns mit Erbarmen In den Vater⸗ armen Ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich bei dir; Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf' in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jam⸗ mer Ferne von uns sein; Sei du Schloß und Riegel, 299 Unter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein; Decke zu mit Schutz und Ruh', So wird uns mit nichten grauen Vor des Satans Klauen. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut' zum Grabe hätte? Wie bald rot, bald tot! Drum hast du beschlossen, Daß mein Ziel verflossen, Kommt die Todesnot; So will ich nicht wider dich; Lieg' ich nur in Jesu Wunden, Sterb' ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue In vergnügter Ruhe Mund und Augen zu; Seele, Leib und Leben Hab' ich dir er⸗ geben, O du Hüter, du! Gute Nacht! nimm mich in Acht, Und erleb' ich ja den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1737. Mel. O Welt, ich muß. — un ruhen alle 409. N Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, Es schläft die ganze Welt: Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohl gefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blie⸗ ben? Die Nacht hat dich ver— trieben, Die Nacht, des Tages Feind; Fahr hin, ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun ver⸗ 300 Abend-Lieder. gangen, Die güldnen Stern⸗Lieben, Soll heute nicht be⸗ lein prangen Am blauen Him⸗ trüben Kein Unfall noch Ge⸗ melssaal; Also werd' ich auch fahr; Gott laß euch ruhig stehen, Wenn mich wird heißen schlafen, Stell' euch die güld⸗ gehen Mein Gott aus diesem nen Waffen Ums Bett und Jammerthal. seiner Helden Schar. 4. Der Leib der eilt zur Paul Gerhardt geb. 1606 f 1676. Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterb⸗ Eigne Melodie. lichkeit. Die zieh' ich au 410. Nin sich der Tag dagegen Wird Christus mir— geendet hat Und anlegen Den Rock der Ehr' keine Sonn' mehr scheint, und Herrlichkeit. Schläft alles, was sich abge⸗ 5. Das Haupt, die Füß' matt't Und was zuvor ge⸗ und Hände Sind froh, daß weint. nun zum Ende Die Arbeit Nur du, mein Gott, hast kommen sei; Herz, freu dich, keine Rast, Du schläfst noch du sollst werden Vom Elend schlummerst nicht, Die Finster⸗ dieser Erden Und von der nis ist dir verhaßt, Weil du Sündenarbeit frei. bist selbst das Licht. 6. Nun geht, ihr matten 3. Gedenke, Herr, doch auch Glieder, Geht hin und legt an mich In dieser schwarzen euch nieder, Der Betten ihr Nacht Und schenke mir genä⸗ begehrt. Es kommen Stund' diglich Den Schirm von deiner und Zeiten, Da man euch Wacht. wird bereiten Zur Ruh' ein 4. Wend' ab des Satans Bettlein in der Erd'. Wüterei Durch deiner Engel 7 Mein' Augen stehn ver⸗Schar, So bin ich aller Sor⸗ drossen, Im Nu sind sie ge⸗ gen frei, Und bringt mir schlossen; Wo bleibt dann nichts Gefahr. Leib und Seel'? Nimm sie 5. Zwar fühl' ich wohl der zu deinen Gnaden, Sei gut Sünden Schuld, Die mich bei für allen Schaden, Du Aug' dir klagt an, Doch aber deines und Wächter Israel. Sohnes Huld Hat g'nug für 8. Breit' aus die Flügel mich gethan. beide, O Jesu, meine Freude, 6. Den setz' ich dir zum Und nimm dein Küchlein ein! Bürgen ein, Wenn ich muß Will Satan mich verschlingen, vor Gericht; Ich kann ja nicht So laß die Engel singen: verloren sein In solcher Zu⸗ Dies Kind soll unverletzet sein. versicht. 9. Auch euch, ihr meine 7. Drauf thu' ich meine AbendLieder. 301 Augen zu Und schlafe fröhlich merlein, Ich will mich legen ein; Mein Gott wacht jetzt in die Ruh', Schleuß du die in meiner Ruh', Wer wollte Thür selbst nach mir zu. traurig sein? 2. Verzeih mein' Sünd' aus 8. Weicht, nichtige Gedan⸗Gnad' und Güt', Schädlich' ken hin, Wo ihr habt euern und schändlich' Träum' ver⸗ Lauf; Ich baue jetzt in mei⸗ hüt'; Laß säuberlich mich nem Sinn Gott einen Tempel schlafen ein Und ruhn sanft 1 Soll Dieie Nacht di in den Armen dein. 9. So iese Nacht die den sehlac; letzte sein In diesem Jammer— i i 5i wich sWuiz thal So führ mich, Herr im alles Unglück hinter sich; hi. ein Zur auserwählten Breit' über mich dein⸗ Flügel U V. 3 ½ Fun 10. Und also leb' und sterb' aus, Laß stehn dein Engel 4 85 0 um mein Haus. ich dir, Du starker Zebaoth; 18 Behüt' vor Feu'r und m Tod und Leben hilfst du 4. Behüt vor 5 I 1 Wassersnot, Vor einem bösen, mir Aus aller Angst d— ö Not er Audst Ad schnellen Tod; Vor Diebstahl 1 Sachr Her— 660. And vor Leibsgefahr Mich ste Eerteern Fin e. und die Meinigen bewahre. Mel. Sollt' es gleich bisweilen 5. Laß mich zu deinem Lob scheinen. aufstehn, Und fröhlich an mein' ö Arbeit gehn; So will ich dein' ur in Jesu Blut3 Wane 411. N und Igdunden Barmherzigteit Loben und Hab +N½½preis'n in Ewigkeit. Hab' ich wahre Ruh' gefun⸗prelsn m Ewigkeit. ö den, Diese sollen auch allein. 6. Gott—j4 nimm mich Heut' mein Ruhebette sein. n dein Hut, Gott Sohu 2. Tags umgiebt mich sein wasch mich mit deinem Blut'. Erbarmen, Nachts ruh' ich in Gott heil'ger Geist, erleuchte seinen Armen. Jesu, ja in mich, Daß in den Himmel deiner Hut Schläft sich's sicher, komme ich. wohl und gut. Christoph Carl Ludwig v. Pfeil, geb. 1712 + 1784. Um 169 Mel Werde munter, mein Gemüte. 413 1 müden Au⸗ —19. genlider Schlie— Nel. O Jesu Christ mein's Lebens ßen sich jetzt schläfrig zu, Und Licht. des Leibes matte Glieder —412 HJesu, treuster Grüßen schon die Abendruh'; .Heiland mein, Denn die dunkle, finstre Nacht Ich geh' in mein Schlafkäm⸗ Hat des hellen Tages Pracht 2 ͥ 302 Abend ⸗Lieder. In der tiefen See verdecket und wert, Dein Reich komm Und die Sterne aufgestecket. dein Will' geschehe, Unser 2. Ach bedenk, eh du gehst Brot werd' uns beschert, Und schlafen, Du, o meines Leibes vergieb uns unsre Schuld, Gast, Ob du den, der dich erschaffen, Heute nicht erzürnet hast? Thu, ach thu bei Zeiten Buß', Geh und falle ihm zu Fuß, Und bitt' ihn, daß er aus Gnaden Dich der Strafe woll' entladen. 3. Spyrich: Berr, dir ist unverhohlen, Daß ich diesen Tag vollbracht Anders, als du mir befohlen, Ja ich habe nicht betracht't Meines Amtes Ziel und Zweck, Habe gleich⸗ falls deinen Weg Schändlich, o mein Gott, verlassen, Bin gefolgt der Sünden Straßen. 4. Ach Herr, laß mich Gnad' erlangen, Gieb mir nicht ver— dienten Lohn, Laß mich deine Huld empfangen, Sieh an deinen lieben Sohn, Der für mich genug gethan; Vater nimm den Bürgen an, Dieser hat für mich erduldet, Was mein' Unart hat verschuldet. 5. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, In dir schlaf' ich sanft und wohl; Gieb mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröt' angehet, Und man von dem Bett auf⸗ stehet. 6. Vater droben in der Höhe, Dessen Nam' uns teu'r Schenk' uns deine Gnad' und Huld, Laß uns nicht Ver⸗ suchung töten, Hilf uns, Herr aus allen Nöten! Joh. Frank, geb. 1618 + 1677. Eigne Melodie. erde munter, 414. Waenn Gemüte, Und ihr Sinnen geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag Hat erhalten und regieret, Daß mich Satan nicht ver⸗ führet. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barm— herzigkeit, Daß mir ist mein Werk E Daß du mich vor allem Leid Und vor Sün⸗ den mancher Art So getreu⸗ lich hast bewahrt, Auch die Feind' hinweggetrieben, Daß ich unbeschädigt blieben. 3. Keine Klugheit kann ausrechnen Deine Güt' und Wunderthat, Ja kein Redner kann aussprechen, Was dein' Hand erwiesen hat, Deiner Wohlthat ist zu viel, Sie hat weder Maß noch Ziel, Ja du hast mich so geführet, Daß kein Unfall mich berühret. 4. Dieser Tag ist nun ver⸗ gangen, Die betrübte Nacht Abend⸗Lieder. bricht an, Es ist hin der Sonne Prangen, So uns all' erfreuen kann; Stehe mir, o Vater, bei, Daß dein Glanz stets vor mir sei, Und mein kaltes Herz erhitze, Ob ich gleich im Finstern sitze. 5. Herr, verzeihe mir aus Gnaden Alle Sünd' und Missethat, Die mein armes Herz beladen Und sogar ver⸗ giftet hat, Daß auch Satan durch sein Spiel Mich zur Hölle stürzen will; Da kannst du allein erretten, Strafe nicht mein Uebertreten! 6. Hab' ich gleich oft Zorn verdienet, Stell' ich mich doch wieder ein, Denn dein Sohn hat mich versühnet Durch des Kreuzes bittre Pein; Ich ver⸗ leugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad' und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich in und an mir finde. 7. O du Licht der frommen Seelen, O du Glanz der Ewigkeit, Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel schier; Da ich mich so sehr betrübe, Tröste mich mit deiner Liebe. „Schütze mich vors Teu⸗ fels Netzen, Vor der Macht der Finsternis, Die mir manche Nacht zusetzen Und erzeugen Kümmernis; Laß mich dich, o wahres Licht, Nimmermehr verlieren nicht, Wenn ich dich 303 nur hab' im Herzen, Fühl' ich nicht der Seele Schmerzen. 9. Wenn die Augen schon sich schließen Und ermüdet schlafen ein, Muß mein Herz dennoch beflissen Und auf dich gerichtet sein; Meine Seele mit Begier Träume, stets, o Gott, von dir, Daß ich rein an Seel' und Leibe Und auch schlafend dein verbleibe. 10. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanft' und süße Ruh', Alles Uebel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu, Leib und Seele, Mut und Blut, All die Meinen, Hab und Gut, Freunde, Feinde, Hausgenossen Sein in deinen Schutz beschlossen. 11. Ach bewahre mich vor Schrecken, Schütze mich vor Ueberfall, Laß mich Krankheit nicht aufwecken, Treibe weg des Krieges Schall, Wend' ab Feu'r und Wassersnot, Pesti⸗ lenz und schnellen Tod, Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel' ver⸗ derben. 12. O du großer Gott er⸗ höre, Was dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets ver⸗ ehre, Bleibe ja mein Schutz und Rat, Und mein Hort, du, werter Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen; Amen, ja, das soll geschehen! Joh. Rist, geb. 1607 f 1667 ............. 304 Abend Lieder. Sonntags-Abendlieder. Mel. O Welt, ich muß. 415. 44½ Sabbath ist—41 6. Nun vergangen! Ich mein Verlangen Nach Gott Mit Lebensbrot gespeiset Und mei— habe n erfüllt: at mich unterweiset, ner Seele Durst gestillt. 2. Gott ruht durchs Wort im Herzen, Drum leg' ich ohne Schmerzen Auch meinen Leib zur Ruh'; Denn allen Sünden⸗ schaden Deckt Jesus nun in Gnaden Mit seinem Purpur⸗ mantel zu. 3. O du dreiein'ges Wesen! Mein Geist ist schon genesen, Weil ich dein Tempel bin; Ich habe Licht vom Lichte, Dein leuchtend Angesichte Treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bei mir wachen Und eine Sonne machen Auch mitten in der Nacht: Bis bei den Cheru— binen Ein Sonntag ist er— schienen, Der alle Nacht zu Schanden macht. 5. Ich schlafe ganz ver— gnüget; Denn wo mein Herze lieget, Da ist der Engel Heer; Mich stört kein Weltgetümmel, Es träumt mir nur vom Himmel; Ach, wer doch nur bald droben wär'! Benj. Schmolck, geb. 1672 + 173⁷ Mel. Nun sich der Tag geendet hat bricht die finstre Nacht herein, Des Tages Glanz ist tot; Jedoch, mein Herz, schlaf' noch nicht ein, Geh, red' zuvor mit Gott. 2. O Gott, du großer Herr der Welt, Den Niemand sehen kann, Du siehst ja mich in deinem Zelt, Hör' auch mein Seuf— zen an! 3. Der Tag, den ich nun⸗ mehr vollbracht, Der war be— sonders dein; Drum hätt' er auch bis in die Nacht Dir sollen heilig sein. 4. Vielleicht ist dieses nicht geschehn, Denn ich bin Fleisch und Blut, Und pfleg' es öfters zu versehn, Wenn gleich der Wille gut. 5. Nun such' ich deinen Gnadenthron, Sieh meine Schuld nicht an! Und denke, daß dein lieber Sohn Für Und gieb mir deinen Engel mich genug gethan. 6. Schreib alles, was man heut' gelehrt, In unsre Herzen ein, Und lasse die, so es ge— hört, Dir auch gehorsam sein. 7. Erhalte ferner noch dein Wort Und thu uns immer wohl, Damit man stets an diesem Ort Gott diene, wie man soll. 8. Judessen such' ich meine Ruh'; O Vater, steh mir bei Abend⸗Lieder. zu, Daß er mein Wächter sei. lichkeit 9. Und endlich führe, wenn es Zeit, Mich in den Himmel ein; Da wird in deiner Herr⸗ Sonnabend⸗Abendlieder. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 417 S ist die Woche nun beschlossen; Doch treuer Gott, dein Herze nicht; Wie sich dein Segens— quell ergossen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich weiter hin ergießt Und unaufhörlich auf mich fließt. 2. Ich preise dich mit Hand und Munde, Ich lobe dich, so hoch ich kann, Ich rühme dich von Herzensgrunde Für alles, was du mir gethan, Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich an meinen Wochentagen Das liebe Kreuz auch mit besucht, So gabst du auch die Kraft zu tragen; Zudem ist es voll Heil und Frucht In deiner Liebe, Herr, zu mir, Und darum dank' ich dir dafür. 4. Nur etwas bitt' ich über alles, Ach, du versagst mir solches nicht: Gedenke keines Sündenfalles, Weil mich mein Jesus aufgericht't, Mein Jesus, der die Missethat Aufewig schon gebüßet hat 305 Nein Sabbath ewig sein. Caspar Neumann, geb. 1648 f 171⁵ 5. Dein Schwur ist ja noch nicht gebrochen, Du brichst ihn nicht in Ewigkeit, Da du dem Sünder hast versprochen, Daß er, wenn ihm die Sünde leid, Nicht sterben, sondern gnadenvoll Als ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen Und will also den Wochenschluß Vergnügt und froh zurückelegen, Da der Trost mich ergötzen muß, Daß ich stets soll in Christo dein Und schon in Hoffnung selig sein. 7. Doch da mein Leben zu⸗ genommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen Und warte nur der letzten Zeit, Da du die Stunde hast bestimmt, Die mich in deinen Himmel nimmt. 8. Und wenn ich morgen früh aufs neue Den Sonntag wieder sehen kann, So blickt die Sonne deiner Treue Mich auch mit neuen Gnaden an; Du teilst in deinem Wort und Haus Den allerbesten Segen aus. ö 9. So will ich das im vor⸗ aus preisen, Was du mir 306 Abend-⸗Lieder.— Hausstands⸗Lieder. künft'ge Woche giebst; Du wirst es in der That erweisen, Daß du mich je und immer liebst Und leitest mich nach deinem Rat, Bis Leid und Zeit ein Ende hat. E. Neumeister, geb. 1671 + 1756. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 418 So wird die Woche * nun beschlossen, Da sich die Nacht zur Ruhe neigt, Und gleichwohl ist kein Tag verflossen, Der nicht von Gottes Gnade zeugt! Denn er hat mich nach seiner Macht An Leib undSeele wohl bedacht. 2. Wer weiß, was mir für Mißgeschicke Mehr als zu nah gewesen ist, Man fühlt die schnellen Todesstricke, Des Satans und des Fleisches List, Wenn Gott mit seiner Engel Hut Im Wachen nicht das Beste thut. 3. Jedoch mit was für einem Leben Hab' ich den treuen Gott belohnt? Er hat mir Zeit genug gegeben, Er hat der Schwachheit nochperschont; Allein, je mehr die Gnade grünt, Je mehr hab' ich den Tod verdient. 4. Ach Gott! ich beichte meine Sünden, Nimm mich um Jesu willen an, Daß ich in ihm Vergebung finde, Der für mich hat genug gethan; Jetzt scheinet noch die Gnaden— zeit Zu eines Sünders Seligkeit. 5. Laß in der neuen Woch' mir's glücken, Daß ich ins neue Leben geh' Und als ein Christ in allen Stücken In deinem Willen fest besteh', Daß ich von groben Sünden frei Und auch von Herzen frömmer sei. 6. Behüte mich vor schnöden Leuten, Von denen man nur Sünde lernt; Will mich die böse Lust bestreiten, So gieb, daß sich mein Geist entfernt Und alleSüßigkeitveracht't, Die uns der Hölle dienstbar macht. 7. Also will ich dein Lob besingen, So lange sich die Zunge regt; Dein hoher Name soll erklingen, Weil Tag und Nacht die Zeit bewegt; Doch hilf mir in den Himmel ein, Da wird es ewig Sonntag sein. Gottfr. Hoffmann, geb. 1658 + 171². XXVIII. Hausstands⸗Lieder. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 41 Was mir zu thun gebühret; Namen thut, Ist allenthalben recht und gut Und muß uns wohl gedeihen. 2. Gott ist's, der das Ver⸗ Mit Gott wird alles wohl mögen schafft, Was Gutes zu gethan Und glücklich ausge- vollbringen, Er giebt uns führet; Was man in Gottes Segen, Mut und Kraft Und läßt das Werk gelingen, Daß uns ein reicher Zug entsteht, Sein Segen in das Haus uns geht, Daß wir die Fülle haben. 3. Wer erst nach Gottes Reiche tracht't Und bleibt auf seinen Wegen, Der wird gar leichtlich reich gemacht Durch Gottes milden Segen; Da wird der Fromme voll und satt, Daß er von seiner Ar⸗ beit hat Auch Armen Brot zu geben. 4. Gott ist der Frommen Schild und Lohn, Er krönet sie mit Gnaden; Der bösen Welt Haß, Neid und Hohn Kann ihnen gar nicht schaden. Gott decket sie mit seiner Hand, Er segnet ihre Stadt, ihr Land Und füllet sie mit Freuden. 5. Drum komm, Herr Jesu, stärke mich, Hilf mir in meinen Werken: Laß du mit deiner Gnade dich Bei meiner Arbeit merken; Gieb dein Gedeihen selbst dazu, Daß ich in allem, was ich thu, Ererbe deinen Segen. 6. Regiere mich durch deinen Geist, Den Müssiggang zu meiden, Daß das, was du mich schaffen heißt, Gescheh mit lauter Freuden; Auf daß ich dir mit aller Treu Auf dein Gebot gehorsam sei Und meinen Nächsten liebe. . Nun, Jesu komm und bleib bei mir; Die Werke mei⸗ Hausstands⸗Lieder. 307 ner Hände Befehl' ich, liebster Heiland, dir; Hilf, daß ich sie vollende Zu deines Namens Herrlichkeit Und gieb, daß ich zur Abendzeit Erwünschten Lohn empfange. Salomo Liscov, geb. 1640 1689. Mel. O Gott, du frommer Gott. 6 aß dich, Herr 420. L Jesu Cheist Durch mein Gebet bewegen, Komm in mein Herz und Haus Und bringe mir den Segen; Nichts richten Müh' und Kunst Ohn' deine Hülfe aus; Wo du mit Gnaden bist, Kommt Segen in das Haus. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Eigne Melodie. 421 O selig Haus, wo man dich auf⸗ genommen, Du wahrer Seelen⸗ freund, Herr Jesu Christ! Wo unter allen Gästen, die da kom⸗ men, Du der gefeiertste und liebste bist; Wo aller Herzen dir entgegenschlagen Und aller Augen freudig auf dich sehn; Wo aller Lippen dein Gebot erfragen, Und alle deines Winks gewärtig stehn. 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in einer, In deiner Liebe eines Geistes sind, Als beide eines Heils gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde an⸗ ders ist gesinnt; Wo beide un⸗ zertrennbar an dir hangen In 20* 308 Lieb' und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen An jedem guten, wie am bösen Tag. 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als die seinen Mit mehr als mütterlicher Liebe pflegt, Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freu'n, du lieber Heiland du! 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen, Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in einem Eifer brenuen, Daß es nach deinem Willen mag geschehn: Als deine Diener, deine Haus⸗ genossen In Demut willig und in Liebe frei, Das Ihre schaffen froh und unverdrossen, In kleinen Dingen zeigen große Treu'. 5. O selig Haus, wo du die Freude teilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt; O selig Haus, wo du die Wunden heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet. Ins große, freie, schöne Vaterhaus. Carl Joh. Phil. Spitta, geb. 1801 4+ 1859. Hausstands-Lieder. Mel. Wo Gott zum Haus. (Tohl einem Haus 422. woJesus Christ Allein das All in allem ist! Ja wenn er nicht darinnen wär': Wie finster wär's, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn der Mann, das Weib, das Kind Im rech⸗ ten Glauben einig sind, Zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottes Dienst im Geist Das äuß're Werk nichts ist und heißt! 4. Wohl, wenn das Räuch⸗ werk im Gebet Beständig in die Höhe geht, Und man nichts treibet fort und fort Als Gottes Werk und Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußer⸗ lichen Stand Mit fleißiger, ge⸗ treuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Den Geist der Ein⸗ tracht offenbart! 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind, Und wenn sie Kind und Kindeskind Ver⸗ säumen nicht am ew'gen Glück! Dann bleibet ihrer keins zu⸗ rück! 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht: Die Eltern werden hoch erfreut, Und ihren Kindern sieht man's an, Wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach' ich denn zu dieser Stund' Samt meinem Hause diesen Bund: Wich alles Volk auch von ihm fern, Ich Hausstands⸗Lieder. 309 und mein Haus stehn bei dem Herrn! Christoph Carl Ludwig v. Pfeil, geb. 1712 1+ 1784. b. Ehestand. Mel. Wie schön leuchtet der. „cch und mein Haus 423. awir sind bereif Dir, Herr, die ganze Lebens⸗ zeit Mit Seel' und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein; Gieb deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen. Eine Kleine, Fromme, reine Hausgemeine mach aus allen; Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräf⸗ tig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser aller Seelen; Es leucht' uns wie das Sonnenlicht, Damits am rechten Lichte nicht Im Hause möge fehlen. Reiche Gleiche Seelenspeise auch zur Reise durch dies Leben Uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und Alle, die drin wohnen, aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen sein bereit, Voll De— mut, sanft und linde. Liebe Uebe Jede Seele; keinem fehle, dran man kennet Den, der sich den deinen nennet. 4. Laß unser Haus gegrün⸗ det sein Auf deine Gnade ganz allein Und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue Hülfe schaun Mit kindlichem Gemüte, Selig, Fröhlich, Selbst mit Schmerzen in dem Her⸗ zen dir uns lassen Und dann in Geduld uns fassen. 5. Giebst du uns ird'sches Glück ins Haus, So schließ den Stolz, die Weltlust aus, Des Reichtums böse Gäste; Denn wenn das Herz an De⸗ mut leer Und voll von eitler Weltlust wär', So fehlte uns das Beste: Jene Schöne, Tiefe, stille Gnadenfülle, die mit Schätzen Einer Welt nicht zu ersetzen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, Daß in dem Haus kein andrer Geist Als nur dein Geist regiere. Der ist's, der alles wohlbestellt, Der gute Zucht und Ordnung hält, Der alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns Allen, bis wir wallen heim und oben Dich in deinem Hause loben. Carl Johann Phil. Spitta, geb. 1801 + 1859. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. Meie schön ist's 424. W doch, Herr Jesu 310 Hausstands⸗Lieder. Christ, Im Stande, da dein sind es nicht, Die diesen Orden Segen ist, Im Stande heil'ger aufgericht't; Es ist ein höh rer Ehe! Wie steigt und neigt sich Vater. Der hat uns je und je deine Gab Und alles Gut so geliebt Und bleibt, wenn unsre mild herab Aus deiner heil'⸗Sorg' uns trübt, Der beste gen Höhe, Wenn sich An dich Freund und Rater: Anfang, Fleißig halten Jung und Alten, Ausgang Aller Sachen, die zu die im Orden Eines Lebens machen wir gedenken, Wird er einig worden. wohl und weislich lenken. 2. Wenn Mann und Weib 5. Zwar bleibt's nicht aus, sich wohl begehn Und unverrückt es kommt ja wohl Ein Stünd⸗ beisammen stehn Im Bunde lein, da man leidensvoll Die reiner Treue, Da geht das Glück Thränen lässet fließen: Jeden⸗ im vollen Lauf, Da sieht man, noch, wer sich in Geduld Er⸗ wie der Engel Hauf' Im Him- giebt, des Leid wird Gottes mel selbst sich freue: Kein Huld In großen Freuden schlie⸗ Sturm, Kein Wurm Kann zer⸗ßen: Dulde, Leide Nur ein schlagen, kann zernagen was wenig: unser König wird be⸗ Gott giebet Dem Paar, das in hende Machen, daß die Angst ihm sich liebet. sich wende. 3. Vor allem giebt er seine 6. Wohl her, mein König, Gnad', In deren Schoß er nah herzu! Gieb Rat im früh und spat Sein' Hochge⸗Kreuz, in Nöten Ruh', In liebten heget; Da spannt sein Aengsten Trost und Freude! Arm sich täglich aus, Da faßt Des sollst du haben Ruhm er uns und unser Haus Gleich und Preis: Wir wollen singen als ein Vater pfleget, Da muß bester Weis' Und danken alle Ein Fuß Nach dem andern beide, Bis wir Bei dir, Deinen gehn und wandern, bis sie Willen zu erfüllen, deinen kommen In das Zelt und Sitz Namen Ewig loben werden. der Frommen. Amen! 4. Sei gutes Muts: wir Paul Gerhardt, geb. 1606 1 1676. c. Verwitwete und Waisen. Mel. Wenn mein Stündlein vor⸗Seit' So eilends hat gerissen handen ist. Mein treues Herz, der Tugend 42⁵ A˖ Gott, ich muß Schein; Des muß ich jetzt be⸗ . in Traurigkeit raubet sein; Wer kann mein Mein Leben nun beschließen: Elend wenden? Dieweil der Tod von meiner. 2. Wenn ich an ihre Freund⸗ Hausstands⸗Lieder. lichkeit Gedenk' in meinem Herzen, Die sie mir hat zu jeder Zeit, In Freud' und auch in Schmerzen, Erwiesen ganz beständiglich: Mein Kreuz und Weinen mehret sich; Vor Angst möcht' ich vergehen. 3. Bei wem soll ich auf dieser Welt Rechtschaffne Liebe finden? Der größte Teil nicht Glauben hält: Die Treu' will gar verschwinden; Ich glaub' und red' es ohne Scheu: Die best' ist die getraute Treu'! Der muß ich jetzt entraten. 4. Fürwahr mir geht ein scharfes Schwert abease durch meine Seele, Die abzuscheiden oft begehrt Aus ihres Leibes Höhle; Wo du nicht, o Herr Jesu Christ, In solchem Kreuz mein Tröster bist, Muß ich in Leid verzagen. 5. Otreugeliebtes selig Herz, Zu dir will ich mich wenden In diesem meinem großen Schmerz, Ob sich mein' Angst möcht' wenden; Ich will be⸗ trachten deinen Stand, Wie Gott dir alles Kreuz gewandt In höchste Freud' und Wonne. 6. Kein Angst und Trübsal, Weh und Not Kann dich jetzund verletzen; Im Himmel thut der fromme Gott Mit Liebe dich ergötzen; Die Seele schaut mit Lust und Freud' Die heilige Dreifaltigkeit Mit allen Aus⸗ erwählten. 7. Der Höchst' hat dich auf seinem Schoß Und wischt ab 31¹ alle Thränen, Erfüllet dich mit Freuden groß, Darnach wir uns noch sehnen; Du sitzest bei der Engel Schar, Lobsingest Gott, frei von Gefahr, Mit süßem Ton und Schalle. 8. Der Leib, der ruht gar sanft und fein Ohn' alle Qual und Sorgen; Vor allem Un⸗ glück groß und klein Liegt er jetzt still verborgen; Kein Bein⸗ lein, ja kein Stäubelein Wird dir davon verloren sein: Die Engel dich bewahren. 9. In kurzer Zeit wird Je⸗ sus Christ Dich wieder aufer⸗ wecken; Und weil du auch sein Schäflein bist, Wird er die Hand ausstrecken, Dich führen in sein Himmelreich, Da du mit Leib und Seel' zugleich Bei ihm sollst ewig leben. 10. Du kommst nicht wieder her zu mir In dies betrübte Le— ben: Ich aber komm' hinauf zu dir; Da werd' ich mit dir schwe⸗ ben In höchster Freude, Wonn' und Lust, Die deine Seele täg⸗ lich kost't, Drauf ich mich herz⸗ lich freue. 11. O wie mit großer Freu⸗ digkeit Woll'n wir einander kennen! Da wird uns dann zu keiner Zeit Der bitt're Tod mehr trennen. Ach welche Freude wird dann sein, Wenn ich die, die ich jetzt bewein', Mit Freuden werd' umfangen! 12. Das will ich stets in meinem Leid Mir zu Gemüte führen, Erwarten in Geduld 9—9—93——— 312 Hausstands⸗Lieder. die Zeit, Wie Christen will ge⸗ bühren Gott alles Trostes steh' bei mir Und mich durch seinen Geist regier' Zu seines Namens Ehren! Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. (Auf den Tod seiner ersten Frau, + 1617.) Mel. O Welt, ich muß. uf Gott nur will 426. A ich sehen; Er hört der Witwe Flehen, Sieht ihre Thränen an; In jedem Schmerz und Leide Ist Gott mir Trost und Freude, Mein Fels, den ich umfassen kann. 2. Wie viel, die in der Kam⸗ mer Dir klagten ihren Jam⸗— mer, O Gott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen Hielt sie, auf ihren Wegen War Friede, Sicherheit und Ruh'. 3. Wo seit viel tausend Jah⸗ ren Betrübte Witwen waren, Die hast du treu gepflegt, Wenn sie dich nicht verließen Und gläubig dir zu Füßen Des Kummers schwere Last gelegt. 4. In dir will ich mich stärken: Dein Aug' wird auf mich merken, Und auf mein Fleh'n dein Ohr; Bei Tag und Nacht mit Flehen Will, Herr, ich vor dir stehen Und seufzen still zu dir empor. 5. Ich will mein Joch nun tragen; Dir, Vater darf ich sagen, Was ja mein Herz be⸗ drückt; Bist du nicht in der Nähe, Du, den ich zwar nicht sehe, Und den mein Glaube doch erblickt? 6. Ja bis zum letzten Schritte, Ja, wenn ich mehr noch bitte, Seh' ich mit Lust auf dich; Dir, Heiland, zu gefallen, Un⸗ sträflich hier zu wallen, Sei mein Bestreben, stärke mich! 7. Mit Ernst und frohen Mutes Will ich nach Kräften Gutes Vor deinen Augen thun; Will mich der Welt entziehen, Lärm, Tand und Thorheit flie⸗ hen Und nur in deinem Schoße ruhn. 8. Dann eilen meine Tage Mit jeder Not und Plage Leicht wie ein Traum dahin; Dann leg' ich froh die Glieder Aufs Sterbebette nieder, Wenn ich zum Himmel reifer bin. 9. Dann find' ich, den ich liebte, Des Tod mich einst be⸗ trübte, In meines Schöpfers Hand! Wo Freudengquellen fließen, Werd' ich ihn dann um⸗ schließen Im thränenfreien Vaterland. 10. Fort auf dem Dornen⸗ pfade! Mich tröst't des Hei⸗ lands Gnade: Er träget meine Not; Nicht ewig werd' ich weinen: Ich komme zu den Meinen, Bald seh' ich sie bei meinem Gott. 11. Kommt her, ihr meine Waisen, Den Herrn mit mir zu preisen, Der uns erhalten kann! Dir, Gott, will ich sie bilden; Schau, Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Schäflein an— J. K. Lavater, geb. 1741 + 1801. Hausstands⸗Li der. 313 Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.)j noch so groß; Ein solch un⸗ Nichts Betrübter's 42⁷. Uist auf Erden, Nichts kann so zu Herzen gehn, Als wenn arme Witwen wer⸗ den, Wenn verlaß'ne Waisen stehn, Ohne Vater, ohne Mut, Ohne Freunde, ohne Gut. Witwen sind verlaß'ne Frauen; Wer mag auf die Waisen schauen? 2. Witwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Got⸗ tes Schoß, Ihrer will er sich erbarmen, Wär' die Not auch gerechter Mann Tastet Gottes Augen an, Der die armen Waisen drücket Und der Wit⸗ wen Herz bestricket. 3. Wenn sie bleiben in den Schranken, Darin Gott sie hat gestellt, Und von seiner Treu' nicht wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmelsschloß Werden al— les Kummers los: Da sol' nicht mehr, wie auf Erden,— Witwennot gehöret werden. Michael Hunold, geb. 1621 T 167 d. Eltern und Kinder. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. ch Gott! laß dir 428. A befohlen sein Zu diesen bösen Zeiten Den teu⸗ ren Schatz, die Kindelein; Thu sie zum Guten leiten; Gar bald die Jugend wird verführt, Ja bald ein Alter sich verirrt In diesen letzten Zeiten. 2. Dein' Vatertreu' sie mir behüt', Dein' Gnad' sie mir regiere; Dein guter Geist leit' ihr Gemüt, Daß niemand sie verführe: Dir, Herr, ich sie befehlen thu, Die Engelwach' ieb ihnen zu, Daß keine Plag' se rühre. 3. Und weil man dir, Herr, dienen soll Allhier in allen Ständen, So mach' sie deiner Weisheit voll Und laß sie Wege finden, Zu dienen dir i der Gemein'; Du, Herr, am besten weißt allein, Ihr Thun zu Nutz zu wenden. 4. Dir, meinem Gott, er⸗ zieh' ich sie, In deiner Furcht und Treue: Schaff, daß kein' Arbeit, Sorg' und Müh' Ins künft'ge mich gereue, Daß ich vielmehr in Ewigkeit Mich meiner Kinder Seligkeit Herz⸗ inniglich erfreue. Josua Wegelin, geb. 1604 + 1640. Mel. O Welt, ich muß. 429 u schläfst in dei⸗ * ner Wiege, Mein Kind, ich aber liege Vor Christi Angesicht; Der höret Fleh'n und Beten Und wird uns selbst vertreten; Denn dieser Hüter schlummert nicht. 2. Du warst eh'mals ver⸗ loren; Nun bist du neu ge⸗ boren, Vom Sündenfluche rein: 314 Gott sage dazu Amen Und schreibe deinen Namen Ins Buch des ew'gen Lebens ein. 3. Gott wohnt in deiner Seele; Daß ihr kein Trost mehr fehle, Das macht dein Glaubenslicht; Gott stärk' auch meinen Glauben Und laß mir ihn nicht rauben: Gebet und Hoffnung trügen nicht. 4. Ja, wär' ich nur in allen Nach Gottes Wohlgefallen Ein frommes Kind, wie du! Nun, Jesus woll' mir geben Zucht, Demut, stilles Leben Und son⸗ derlich der Seelen Ruh'! 5. So schlaf denn sanft und stillel Ist's Gottes gnäd'ger Wille, So bin ich auch bereit: Nur nehme er am Ende Den Geist in seine Hände; Der Leib schläft bis zur letzten Zeit. 6. Doch wird verklärt er wallen, Wenn die Posaunen schallen, Aus düst'rer Grabes⸗— nacht; Da wollen wir dann beide In ew'ger Himmels⸗ freude Den Heiland schau'n in seiner Pracht. 7. Indes sei Gottes Segen Auf allen deinen Wegen: Er segne deinen Lauf Und laß uns selig fahren, Die Engel uns bewahren; So wachen wir zum Leben auf. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, all⸗ Ich bin ein kleines Kindelein, Und zugleich. 430. Hausstands⸗Lieder. meine Kraft ist schwach; Ich möchte gerne selig sein Und weiß nicht, wie ich's mach'. 2. Mein Heiland, du bist mir zu gut Einst auch ein Kind gewest, Und hast mich durch dein teures Blut Aus aller Not erlöst. 3. Mein liebster Heiland, rat' mir nun, Was ich zur Dankbarkeit Dir soll für deine Liebe thun, Und was dein Herz erfreut. 4. Ach, nimm mein ganzes Herz dir hin, Nimm's, liebster Jesu, an! Ich weiß, daß ich dein eigen bin, Du teurer Schmerzensmann. 5. Du hast mich in der Taufe ja Mit deinem Heil bekleid't Und, eh' ich etwas wußt' und sah, Zu deinem Kind geweiht. 6. Bewahr' mir nur mein Herzelein Vor allem, was be⸗ fleckt; Du hast's gewaschen, halt es rein, Verhüllt und zu⸗ gedeckt! 7. Holst du mich bald aus dieser Zeit, Was ist es denn wohl mehr? So komm' ich in die Herrlichkeit Zum auser⸗ wählten Heer. 8. Und muß ich länger bleiben hier, Nehm' ich an Jahren zu, So hilf du, Her⸗ zensjesu, mir, Daß ich viel Gutes thu'. 9. Beschließ' ich endlich mei⸗ nen Lauf In Liebe gegen dich, So hole mich zu dir hinauf Und nimm und küsse mich. Nie. Ludwig Graf von Zinzendorf, geb. 1700 + 1760. Mel. Herr Gott Dich loben alle wir. chlaf sanft und 431. S wohl, schlaf, lie⸗ bes Kind, Dieweil die Engel bei dir sind; Sie sehen Gottes Angesicht; Sie wachen hier und schlummern nicht. 2. Du schläfst und liegest weich dabei; Dein Heiland lag auf Stroh und Heu Im fin⸗ stern Stall, auf Holz und Stein; Du liegst in deinem Wiegelein. 3. Dir störet niemand Schlaf und Ruh', Ihm setzten tausend Feinde zu; Du lebst ohn' ei⸗ nigen Verdruß, Da er das Elend leiden muß. 4. Gott schenke Kraft dir und Gedeih'n, Er segne dich und mach' dich rein, Fromm und an deiner Seele reich, An Weisheit deinem Jesus gleich. 5. Gott fülle dich mit Gnad' und Licht, Daß durch dich an⸗ dern wohl geschicht; Und werd' ein Baum, der Schatten giebt, Du Pflänzlein, treu von Gott geliebt. 6. Gott ist ein wahrer Kinderfreund, Er schützt auch dich vor jedem Feind, Der liebe Heiland, Jesus Christ, Rbt Kinder segnet, herzt und lußt. Hausstands⸗Lieder. 31⁵5 7. Sei, wie das traute Je⸗ suskind, Gerecht, getreu und fromm gesinnt; Dies Kindlein ging die Tugendbahn Und war den Eltern unterthan. „Dein Gott verkläre für und für Sein liebes Jesuskind in dir, Daß deine Seel' erkennt und faßt, Was du am Kind⸗ lein Jesu hast. 9. Was Jesus ist und heißt und thut, Das ist und thut er dir zu gut; Dein großes Elend macht allein, Daß er ein Kind, wie du, mußt' sein. 10. Wer es mit diesem Kinde hält, Für den ist nur das Reich bestellt; Der nimmt, sei klein er oder groß, Mit ihm dort gleiches Erb' und Los. 11. Wie bald vergeht des Lebens Zeit Und bringt uns in die Ewigkeit! Es ist noch um ein Kleines nun Und um den letzten Schlaf zu thun. 12. Bald weckt uns der Posaunen Ton, Wir sehen Christum auf dem Thron Und bei ihm, wer hier in Gefahr, Verachtet, arm und elend war. 13. Schlaf, liebes Kind, schlaf unbetrübt, Wenn Gott Verstand und Jahre giebt, So wachs' im Geiste Tag und Nacht, Bis Gott dich ewig selig macht. Joh. Chr. Rube, um 1712. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. orge doch für 432. S Ren Kinder, 316 Hausstands-Lieder. Vater, nimm dich ihrer an; Ob sie gleich vor dir sind Sün⸗ der, Sind sie dir doch zu⸗ gethan, Und durch deines Sohnes Blut Gleichwohl dein erworb'nes Gut, Darum wirst du sie aus Gnaden Wohl be⸗ schützen und beraten. 2. Sie sind dir von Kin⸗ desbeinen Und von ihrer er⸗ sten Stund' Uebergeben als die Deinen, Und durch deinen Gnadenbund Hast du sie in ihrer Tauf' Väterlich ge⸗ nommen auf, Daß sie, wenn sie sollten sterben, Wären dei⸗ nes Reiches Erben. 3. Du hast sie bisher er⸗ nähret Und so manchem Un⸗ glücksfall Mehr als väterlich gewehret, Der sie hier und überall Hätte leichtlich hinge⸗ stürzt, Ja, das Leben abge⸗ kürzt; Aber deine Vatertreue Bleibt bei ihnen täglich neue. 4. Sollt' ich nicht für solche Güte Immer dir verpflichtet sein Und mit dankendem Gemüte Solchen Glück⸗ und Segensschein Rühmen und vor jedermann Deine Wohlthat zei⸗ gen an? Ach so müßt' ich ganz vermessen Gottes, meines Heils, vergessen. 5. Sammeln andre große Schätze, Daß ihr Haus in sol⸗ chem Heil Sich an Geld und Gut ergötze, So bist du mein einzig Teil; Bleib auch meiner Kinder Gott, Lasse sie in kei⸗ ner Not Und in keinem Kreuz verderben, Bis sie endlich se⸗ lig sterben. 6. Schütze sie vor bösen Leuten Und vor der Verführer Schar, Daß ihr Fuß nicht möge gleiten; Laß sie ihre Le⸗ bensjahr' In der Tugend bringen zu, Bis du sie, wie mich, zur Ruh' Wirst ins kühle Grab versenken Und die Se⸗ ligkeit uns schenken. 7. Können sie auf dieser Erden Deinem Reich, so dir's gefällt, Und dem Nächsten nützlich werden, So laß in der ganzen Welt, Ihnen, wo sie immer gehn, Deine Furcht vor Augen stehn, Daß sie dich im Thun und Lassen Stets in ihre Herzen fassen. 8. Endlich, wenn die Jahr' verflossen, Daß sie diese Le⸗ benszeit Hier in Gottesfurcht 44156500 Und sie in der Ewig⸗ eit Sollen ihren Eintritt thun, So laß alle Schmerzen ruhn, Und laß sie in ihrem Ster⸗ ben Glaubensvoll den Himmel erben. 9. Gönne mir die große sen Ta Daß am lieben jüng⸗ ten Tag, Nach so vielem Kreuz und Leide, Ich mit Jauchzen sagen mag: Liebster Vater, ich bin hier Und die Kinder, die du mir Hast in jener Welt bescheret. Ewig sei dein Nam' geehret! Ludwig Heinrich Schlosser, geb. 1663 f 1703. Hausstands⸗Lieder. 317 e. Freundschaft. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 433 QSesu, allerliebster N Bruder, Der's am besten mit mir meint, Du mein Anker, Mast und Ruder, Und mein treu'ster Herzens⸗— freund! Der du, ehe was ge⸗ boren, Dir das Menschenvolk erkoren, Auch mich armen Erdengast Dir zur Lieb' er⸗ sehen hast; 2. Du bist ohne Falsch und Tücke, Dein Herz weiß von keiner List, Aber wenn ich nur erblicke, Was hier auf der Erde ist, Find' ich alles voller Lügen; Wer am besten kann betrügen, Wer am schön⸗ sten heucheln kann, Ist der allerbeste Mann. 3. Ach wie untreu und ver⸗ logen Ist die Liebe dieser Welt! Ist sie jemand wohl gewogen, Währt's nicht länger, als sein Geld; Wenn das Glück uns blüht und grünet, Sind wir schön und gut be⸗ dienet; Kommt ein wenig Un⸗ shaft Kehrt sich alle Freund⸗ chaft um. 4. Treib, Herr, von mir und verhüte Solchen unbe— ständ'gen Sinn! Hätt' ich aber mein Gemüte, Weil ich auch ein Sünder bin, Schon mit Wankelmut geschändet Und der sen orit zugewendet, So er⸗ enn' ich meine Schuld, Bitt' um Gnad' und um Geduld. 5. Gieb mir ein beständig Herze Gegen vieine Freunde all', Auch dann, wenn mit Kreuz und Schmerze Sie ge⸗ kommen sind zu Fall; Daß ich mich nicht ihrer schäme, Sondern mich nach dir bequeme, Der du, da wir arm und bloß, Uns gesetzt in deinen Schoß. 6. Gieb mir auch nach dei⸗ nem Willen Einen Freund, in dessen Treu' Ich mein Herze möge stillen, Dem mein Mund sich ohne Scheu Oeffnen und erklären möge, Da ich alles niederlege, Nach dem Maße, das mir g'nügt, Was mir auf dem Herzen liegt. 7. Laß mich Davids Glück erleben, Gieb mir einen Jo— nathan, Der sein Herz mir möge geben, Der auch, wenn nun jedermann Mir nichts Gutes mehr will gönnen, Sich nicht lasse von mir trennen, Sondern fest in Wohl und Weh Als ein Felsen bei mir steh'. 8. Herr, ich bitte dich, er⸗ wähle Mir aus aller Menschen Meng' Eine fromme, heil'ge Seele, Die an dir fein kleb' und häng', Auch nach deinem Sinn und Geiste, Mir stets Trost und Hülfe leiste, Trost, der in der Not besteht, Hülfe. die von Herzen geht. ————— 318 Hausstands⸗Lieder. 9. Hab' ich Schwachheit und Gebrechen, Herr, so lenke mei⸗ nen Freund, Mir in Güte zuzusprechen Und nicht wie ein harter Feind; Wer mich freundlich weiß zu schlagen, Ist wie wer in Freudentagen Reichlich auf mein Haupt mir gießt Balsam, der am Jordan fließt. 10. O wie groß ist meine Habe, O wie köstlich ist mein Gut, Jesu, wenn mit dieser Gabe Deine Hand den Will'n mir thut, Daß mich meines Freundes Treue Und be⸗ ständ'ges Herz erfreue, Wer dich fürchtet, liebt und ehrt, Dem ist solch ein Schatz be⸗ schert. 11. Gute Freunde sind wie Stäbe, Dran der Menschen Hand sich hält, Dran der schwache Fuß sich hebe, Wenn der Leib zu Boden fällt. Wehe dem, der nicht zum Frommen Solches Stabes weiß zu kom— men! Der hat einen schweren Lauf; Wenn er fällt, wer hilft ihm auf? 12. Nun Herr, laß dir's wohlgefallen, Bleib mein Freund bis in mein Grab, Bleib mein Freund und unter allen Mein getreuster, stärkster Stab! Wenn du dich mir wirst verbinden, Wird sich schon ein Herze finden, Das, durch dei⸗ nen Geist gerührt, Mir was Gutes gönnen wird. Paul Gerhardt, geb. 1606 4 1676. f. Für Reisende. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 434 ott Lob, die * Reise ist voll⸗ bracht, Der Weg zurückgelegt, Des Herren Schutz und starke Macht Hat mich bisher ver⸗ pflegt! 2. Wie viel und mancherlei Gefahr Schleicht uns auf Reisen nach; Doch der ge⸗ treuen Engel Schar Bewahrt vor Ungemach. 3. Durch sie ging meiner Füße Schritt Im Segen sicher fort, Ich bring' gesunde Glie⸗ der mit An meinen ersten Ort. 4. Die Meinen hat Gott auch bewahrt Vor Unglück, Schmerz und Tod,‚ Und sie vergnügt und wohl gespart Vor aller Angst und Not. 5. Nimm hin den wohlver⸗ dienten Dank, Mein Gott, für dein Geleit; Es steigt zu dir mein Lobgesang Mit Herzens⸗ fröhlichkeit. 6. Dein Auge hat mich recht Pracht. Und hin und her ge⸗ racht, Ich habe deinen Schutz 3 Bei Tag und auch ei Nacht. 7. Ich opfre dir von neuem auf, Mein Schöpfer, Seel' und Leib; Regiere meinen Hausstands⸗Lieder.— Obrigkeit. He Lauf, Daß er gesegnet leib'. 8. Ist diese Reise gleich vor⸗ bei, So mach' mir doch be— kannt, Daß ich hier noch ein Pilgrim sei; Bring' mich ins Vaterland. Joh. Jacob Rambach, geb. 1693 + 1735. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 43⁵5 On Gottes Namen * fahren wir, Sein Hülf' und Gnad' begehren wir, Des Vaters Hülfe bei uns bleib', Bewahre gnädig Seel' und Leib. Kyrieleis! 319 2. Christus sei unser Ge⸗ leitsmann, Bleib' stetig bei uns auf der Bahn, Und wend' von uns des Feindes List, Auch was sein'm Wort zuwider ist. Kyrieleis! 3. Der heil'ge Geist auch ob uns halt' Mit seinen Gaben mannigfalt; Er tröst' und stärk' uns in der Not Und führ' uns wieder heim mit Gott. Kyrieleis! Nicolaus Hermann, 1 1561. Nach einem Schiffer- und Wallfahrtsliede aus dem 13. Jahrhundert. XXVIII. Obrigkeit. Mel. In dich hab' ich gehoffet, Herr. 436 Hen du kannst nichts als gütig sein, Du wollest deiner Güte Schein Barmherzig denen gön⸗ nen, Die sich mit Mund Und Herzensgrund Allein zu dir bekennen. 2. Insonderheit nimm wohl in acht, Den König, den du uns gemacht Zu unsres Lan⸗ des Krone; Laß immerzu Sein Fried' und Ruh' Auf seinem Stuhl und Throne. 3. Halt unser liebes Va⸗ terland In deinem Schutz mit starker Hand, Behüt' uns all⸗ zusammen Vor falscher Lehr' Und Feindes Heer, Vor Pest und Feuerflammen! 4. Nimm all' der Deinen gnädig wahr Und wehr, o Herr, der bösen Schar Durch dein allmächtig Walten; Daß deine Herd' Hier zeitlich werdꝰ Und ewig dort erhalten. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676 Mel. Aus meines Herzens Grunde. 7 Cehovah, Herr und 437. X König Der Kö⸗ nige und Herrn, Dir ist man unterthänig, Du herrschest nah und fern. Du Herr im Him⸗ melszelt Läßt unter deinem Leiten Bestehn die Obrigkeiten, Zu herrschen in der Welt. 2. Es zeugen deine Knechte, Daß keine Obrigkeit Als nur durch deine Rechte Und deine Macht gebeut; Du hast sie hochgeschätzt:; Wer ihr zu⸗ wider lebet, Der trotzt und 320 Obrigkeit. widerstrebet Dem, was du Vaterland Geeint und hoch⸗ selbst gesetzt. erhoben Mit Frieden hast 3. Du Gott der Ordnung du uns bedacht, Den Kaiser lehre Mich selbst durch deinen uns bestellt zur Wacht Zu Geist, Daß ich die Obern ehre deines Namens Ehre. Wie uns dein Wort es heißt, Sie tragen ja dein Bild; Gieb, daß ich Demut übe Und sie mit Ehrfurcht liebe, Wie du es haben willt. 4. Verleihe deine Güte Und lege Recht und Licht In ihr erlaucht Gemüte Zum Urteil im Gericht; Du herrschest selbst im Land: Das Herz der Obrigkeiten Kannst du wie Bäche leiten; Es steht in deiner Hand. 5. Gieb, daß durch ihr Re⸗ gieren Wir mit Zufriedenheit Ein ruhig Leben führen In wahrer Frömmigkeit, Laß sie die Pfleger sein Der gläubi⸗ gen Gemeinde Und als ge⸗ treue Freunde Ihr heil'ge Sorgfalt weih'n. 6. Die uns allhier regie⸗ ren, Herr, die regiere du Durch deines Geistes Rühren Und Weisheit immerzu. Herr Gott, du segnest gern; Wir bitten ohn' Ermüden, Schaff unsern Grenzen Frieden Durch Jesum, unsern Herrn. Ph. Friedr. Hiller, geb. 1699 4 1769. Mel. Allein Gott in der Höh'. 438. En den Wal 2. Wir danken dir mit Herz und Mund, Du Retter aus Gefahren, Und fleh'n aus tiefster Seele Grund, Du wollest uns bewahren, Herr aller Herrn, dem keiner gleich, Den Kaiser und das deutsche Reich Zu deines Namens Ehre. 3. Verwirf, Gott, unser Flehen nicht, Laß auf des Kaisers Wegen Dein huld⸗ voll, heilig Angesicht Ihm leuchten uns zum Segen, Und salbe ihn mit deinem Geist, Daß er sich kräftiglich erweist Zu deines Namens Ehre. 4. Ach komm wie zu der Väter Zeit, Ein Feuer anzu⸗ zünden, Daß wir im Frie— den und im Streit, Fest auf dein Wort uns gründen, Ein frommes Volk, das dir ver⸗ traut Und dir zum Tempel sich erbaut, Zu deines Na⸗ mens Ehre. Julius Sturm, geb. 1816. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 439. ater, kröne du 5 mit Segen Un⸗ sern König und sein Haus, Führ' durch ihn auf deinen gesandt, Und trotz der Feinde Wegen Herrlich deinen Rat⸗ Toben In Gnaden unser schluß aus; Deiner Kirche sei er Schutz, Deinen Fein⸗ den biet' er Trutz. Sei du dem Gesalbten gnädig: Seg— ne, segne unsern König! 2. Rüst' ihn mit des Glau⸗ bens Schilde, Reich' ihm dei— nes Geistes Schwert, Daß Gerechtigkeit und Milde Ihm des Friedens Heil gewährt. Mach' ihm leicht die schwere Last, Die du auferlegt ihm hast, Sei in Jesu du ihm gnädig: Schütze, segne unsern König! 3. Sammle um den Thron die Treuen, Die mit Rat und frommem Fleh'n Fest in deiner Streiter Reihen Für des Landes Wohlfahrt stehn, Baue um den Königsthron Eine Burg, o Gottessohn! Sei du ihm auf ewig gnädig, Leite, segne unsern König! 4. Nähre du die heil'ge lamme, Die das Herz des zolks erneut, Daß es un⸗ serm Königsstamme Liebe bis zum Tode weiht. In der Zeiten langer Nacht Hast du über ihm gewacht, Du er⸗ hieltest ihn uns gnädig; Segne, Obrigkeit.— Krieg und Frieden. segne unsern König! XXX. Krieg Mel. Nun lob', mein Seel', den Herren. 440. G 321 5. Fürchtet Gott, den Kö— nig ehret! Das, o Herr, ist dein Gebot; Und du hast es selbst bewähret, Warst gehor⸗ sam bis zum Tod. Wer dich liebt, der folget dir; Drum so beten alle wir: Vor dem Bösen schütz' uns gnädig, Gott erhalte unsern König! 6. Gieb uns Mut in den Gefahren, Wenn der Feind uns ernst bedroht, Daß wir Treue dann bewahren, Gehen freudig in den Tod. Du bist unser Siegspanier; Gott mit uns! so siegen wir! Deine Treuen krönst du gnä⸗ dig: Segne, segne unsern König! 7. Breite, Herr, dein Reich auf Erden Auch in unserm Lande aus, Daß wir deine Bürger werden, Ziehen in dein Vaterhaus; Wane und Gerechtigkeit Gieb uns, Gott zu aller Zeit; Sei du deinem Volke gnädig: Segne, segne unsern König! Wilhelm Hülsemann, geb. 1781 1865. und Frieden. edle Fried⸗ und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord; Wohlauf 21 322 Krieg und und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor, O Deutsch⸗ land, singe Lieder Im hohen, vollen Chor. Erhebe dein Gemüte Und danke Gott und sprich: Herr, deine Gnad' und Güte Bleibt dennoch ewiglich! 2. Wir haben nichts ver⸗ dienet Als schwere Straf' und großen Zorn, Weil stets noch e uns grünet Der freche, schnöde Sündendorn. Wir sind fürwahr Ishug'n Mit harter, scharfer Rut', Und dennoch muß man fragen: Wer ist, der Buße thut? H Wir sind und bleiben böse; Gott ist und bleibet treu, Hilft, daß sich bei uns löse Der Krieg und sein Geschrei. 3. Sei tausendmal will⸗ kommen, Du teure, werte, Friedensgab'! Jetzt sehn wir, was für Frommen Dein Beiunswohnen in sich hab'. In dich hat Gott versenket All unser Glück und Heil: Wer dich betrübt und kränket, Der drückt sich selbst den Pfeil Der Trübsal in das Herze Und löscht aus Unver⸗ stand Die güld'ne Freuden⸗ kerze Mit seiner eignen Hand. 4. Das drückt uns niemand besser In unser Seel' und Herz hinein, Als ihr zerstörten Schlösser Und Städte voller Schutt und Stein, Ihr vor⸗ mals schönen Felder, Mit frischer Saat bestreut, Jetzt Frieden. aber lauter Wälder Und dürre wüste Heid'; Ihr Grä⸗ ber voller Leichen Und tapf⸗ rem Heldenschweiß Der Hel⸗ den, deren gleichen Auf Er⸗ den man nicht weiß. 5. Hier trübe deine Sinnen, O Mensch, und laß den Thränenbach Aus beiden Au⸗ gen rinnen; Geh in dein Herz und denke nach! Was Gott bisher gesendet, Das hast du ausgelacht; Nun hat er sich gewendet Und väterlich bedacht, Vom Grimm und scharfen Dingen Zu deinem eil zu ruhn: Ob er dich möchte zwingen Mit Lieb' und Gutesthun. 6. Ach, laß dich doch er⸗ wecken! Wach auf, wach auf, du harte Welt! Bevor das letzte Schrecken Dich schnell und plötzlich überfällt. Wer aber Christum liebet, Sei un⸗ erschrocknen Muts: Der Friede, den er giebet, Bedeu⸗ tet alles Gut's; Er will die Lehre geben: Das Ende naht herzu; Da sollt ihr bei Gott leben In ew'gem Fried' und Ruh'. VPaul Gerhardt, geb. 1606 f 1676. (Nach Beendigung des 30 jährigen Krieges.) Psalm 85. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. err, der du vor⸗ 441. H mals hast dein Land Mit Gnaden ange⸗ blicket Und des gefangnen Jakobs Band Gelöst und ihn erquicket; Der du die Sünd' und Missethat, Die dein Volk vor begangen hat, Hast väterlich verziehen: 2. Herr, der du deines Eifers Glut Zuvor hast ab⸗ gewendet Und nach das süße Gut Der Lieb' und Huld gesendet: Ach, frommes Herz! ach, unser Heil! Nimm weg und heb auf m der Eil', Was uns anjetzo kränket. 3. Lösch' aus, Herr, deinen großen Grimm Im Brunnen deiner Gnaden! Erfreu' uand tröst' uns wiederum Nach aus⸗ gestandnem Schaden: Willst du denn zürnen ewiglich, Und sollen deine Fluten sich Ohn' alles End' ergießen? 4. Willst du, o Vater, uns denn nicht Nur einmal wieder laben, Und sollen wir an deinem Licht Nicht wieder Freude haben? Ach, geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt' und Se⸗ gen aus Auf uns und unsre Häuser! 5. Ach, daß ich hören sollt' das Wort Erschallen bald auf Erden; Daß Friede sollt' an allem Ort, Wo Christen wohnen, werden! Ach, daß uns doch Gott sagte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh Und alles Unglücks Ende! 6. Ach, daß doch diese böse eit Sich stillt in guten Tagen, Damit wir in dem großen Krieg und Frieden. dem Zorn 323 Leid Nicht möchten ganz ver⸗ zagen! Doch ist ja Gottes Hülfe nah, Und seine Gnade stehet da All' denen, die ihn fürchten. 7. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott Schon wieder zu uns wenden, Den Krieg und alle andre Not Nach Wunsch und also enden, Daß seine Ehr' in unserm Land Und überall recht werd' erkannt, Ja stetig bei uns wohne. 8. Die Güt' und Treue werden schön Einander grüßen müssen; Gerechtigkeit einher wird gehn, Und Friede wird sie üssen: Die Treue wird mit Lust und Freud' Auf Erden blühn, Gerechtigkeit Wird von dem Himmelschauen. 9. Der Herr wird uns viel Gutes thun: Das Land wird Früchte geben, Und die in seinem Schoße ruhn, Die werden davon leben; Gerech⸗ tigkeit wird dennoch stehn Und stets in vollem Schwange gehn Zur Ehre seines Na⸗ mens. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Nun danket alle Gott. 442 err Gott, dich ˙ loben wir; Re⸗ gier', Herr, unsre Stimmen, Laß deines Geistes Glut In unsern Herzen glimmen! Komm, komm, o edle Flamm'; Ach komm zu uns allhier, So 91* ———————————— π———— 324 Krieg und Frieden. singen wir mit Lust: Herr Gott, dich loben wir! 2. Herr Gott, dich loben wir; Wir preisen deine Güte, Wir rühmen deine Macht Mit freudigem Gemüte; Es steiget unser Lied Bis an des Himmels Thür Und tönt mit großem Schall: Herr Gott, dich loben wir! 3. Herr Gott, dich loben wir, Für deine großen Gna⸗ den, Daß du das Vaterland Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blicken läßt Des güld'nen Friedens Zier, Drum jauchzet alles Volk: Herr Gott, dich loben wir! 4. Herr Gott, dich loben wir, Die wir in vielen Jah⸗ ren Der Waffen schweres Joch Und frechen Grimm er⸗ fahren. Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Be⸗ gier: Gott Lob, wir sind in Ruh'! Herr Gott, dich loben wir! 5. Herr Gott, dich loben wir, Daß du die Pfeil' und Wa⸗ gen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert Zerbrochen und zerschlagen. Der Strick ist nun entzwei; Darum so sin⸗ gen wir Mit Herz und Zung und Mund: Herr Gott, wir danken dir! 6. Herr Gott, dich loben Nicht gar hast weggeraffet; Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür Jetzt wieder aufgethan: Herr Gott, wir danken dir! 7. Herr Gott, wir danken dir, Daß du Land, Kirch' und Häuser, Den frommen Fürsten⸗ stamm Uud dessen grüne Rei⸗ ser Bisher erhalten hast; Gieb ferner Gnad' allhier, Daß auch die Nachwelt sing': Herr Gott, wir danken dir! 8. Herr Gott, wir danken dir Und bitten, du woll'st ge⸗ ben, Daß wir auch künftig stets In guter Ruhe leben; Krön' uns mit deinem Gut, Erfüll' jetzt nach Begier, O Va⸗ ter, unsern Wunsch: Herr Gott, wir danken dir! 9. Herr Gott, wir danken dir Mit Orgeln und Trom⸗ peten, Mit Harfen, Saiten⸗ spiel, Posaunen, Geigen, Flö⸗ ten; Und was nur Odem hat, Ertönt jetzt für und für: Herr Gott, wir loben dich! Herr Gott, wir danken dir! Joy. Frank, geb. 1618 1677. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 2 ann, ach wann 443. Worrd doch er⸗ scheinen Der gewünschte Frie⸗ denstag Und sich stillen unser wir, Daß du uns zwar gestra- Weinen Auf so lange Klag' fet, Jedoch in deinem Zorn und Plag', Auf so schweren— Krieg und rimmen Streit In der teuren Christenheit? Ach, daß ich doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wollte! 2. Güld'ner Friede, komm zurücke! Du hast uns verlassen ganz; Kehre wieder und er⸗ quicke Land und Volk mit deinem Glanz! Brich herfür, du Himmelskind, Daß man dich auf Erden find't! Ach, daß ich doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wollte! 3. Wie so lieblich schöne grünet Alles bei der süßen Ruh' Da man Gott, dem Höchsten, dienet Ungehindert immerzu, Da die Friedensboten schön Auf den Gotteshöhen gehn. Ach, daß ich doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wollte! 4. Guter Ordnung wird ge⸗ pfleget In gemeinem Regi⸗ ment, Recht und Billigkeit erwäget, Wahrheit bleibet un⸗ geschänd't. Fried' und Recht sich küssen satt Und umfahen Dorf und Stadt. Ach, daß ich doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wolltel 5. Alle Höf' und Hütten lachen, Sehen neu bekleidet aus; Feld und Wälder uns anlachen, Und es stehet wohl ums Haus; Kinder man zur Schule führt Und Gesinde recht regiert. Ach, daß ich Frieden. 325 doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wollte! 6. Alle Länder sich ergötzen An der edlen Sicherheit, Sind gemehrt mit Gold und Schä⸗ tzen, Schweigen von Verlust und Leid, Mag man schiffen auf der See, Pflügen in der Au' und Höh'. Ach, daß ich doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wollte! 7. Herr, du König aller Fürsten, Laß einmal erbitten dich: Sieh dein Land nach Ruhe dürsten, Gieb ihm Frie⸗ den gnädiglich, Hilf, daß nicht der Heil'gen Sinn Fall' auf eine Thorheit hin. Ach, daß ich doch hören sollte, Daß Gott Fried' aussprechen wollte! 8. Gott, des alle Macht und Stärke, Du kannst immer helfen noch: Ach erweis' es jetzt im Werke, Nimm hinweg des Zornes Joch! Laß uns, frei von Kriegespein, Doch im Frieden schlafen ein, Oder noch im Tode hören, Daß du Friede willst bescheren. 9. Wann, ach wann wird doch erscheinen Der gewünschte Friedenstag Und sich stillen unser Weinen Auf so lange Klag' und Plag'! Ach Gott, soll es hier nicht sein: Nimm uns in den Himmel ein, Daß wir in der Friedensfeste Dir lobsingen auf das beste. Dav. Bernh. Meder, im 17. Jahrb. Bei allgemeinen Nöten. XXX. Bei allgemeinen Nöten. Mel. Vater unser im Himmelreich. lung und das Lösegeld; Des Gott, Die schwere Straf' und große Rut', Die wir mit Sün⸗ den ohne Zahl Verdienet haben allzumal, Behüt' vor Krieg und teurer Zeit, Vor Seuchen, Feu'r und großem Leid! 2. Erbarm' dich deiner bö⸗ sen Knecht'! Wir fleh'n um Gnad' und nicht um Recht; Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wolltst nach unserm Thun: So müßt' die ganze Welt vergehn, Und könnt' kein Mensch vor dir bestehn. 3. Ach, Herr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein! Beweis“ an uns dein' große Gnad' Und straf' uns nicht auf frischer That: Wohn' uns mit deiner Güte bei; Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. 4. Die Sünd' hat uns ver⸗ derbet sehr, Der Teufel plagt uns noch viel mehr; Die Welt und unser Fleisch und Blut Uns allezeit verführen thut. Solch Elend kennst du, Herr, allein: Ach, laß uns dir befohlen sein! 5. Gedenk' an deines Soh⸗ nes Tod, An seine Wunden, imm von uns, trösten wir uns allezeit Und * Herr, du treuer hoffen auf Barmherzigkeit. 6. Leit' uns mit deiner rech⸗ ten Hand Und segne König, Stadt und Land, Gieb allzeit uns dein heilig Wort; Nun wehr' des Teufels List und Mord: Gieb uns ein selig Stündelein Und laß uns ewig bei dir sein. Martin Moller, geb. 1547 1606. Eigne Melodie. 9 enn wir inhöch⸗ 445. Wisen Nöten sen Und wissen nicht, wo aus noch ein, Und finden weder Hülf' noch Rat, Ob wir gleich sor⸗ gen früh und spat: 2. So ist dies unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, otreuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Not. 3. Und heben unser Aug' und Herz Zu dir mit Reue, Scham und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnä⸗ diglich All denen, die drum bitten dich Im Namen dein's Sohn's Jesu Christ, Der un⸗ ser Heil und Fürsprech' ist. 5. Drum kommen wir, o Angst und Not, Die sind ja Herre Gott, Und klagen dir für die ganze Welt Die Zah⸗all unsre Not, Weil wir jetzt Bei allgem. Nöten.— Witterungu. Ernte.—Jahresz. 327 stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sün⸗ den groß, Sprich uns davon aus Gnaden los; Steh uns in unserm Elend bei; Mach' uns von allen Plagen frei; XXXII. 7. Auf daß von Herzen kön⸗ nen wir Nachmals mit Freu⸗ den danken dir; Gehorsam sein nach deinem Wort, Dich all⸗ zeit preisen hier und dort. Paul Eber, geb. 1511 1 1569. Witterung und Ernte.— Jahreszeiten. Bei Dürre. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh darein. Herre, du 446. Aceracher Gott, Wir haben's wohl verdienet Mit unsrer Sünd' und Misse⸗ that, Daß unser Feld nicht grünet, Daß Vieh und Men⸗ 1981 traurig sein; Wenn du zuschließt den Himmel dein, So müssen wir verschmachten. 2. Herr, unsre Sünd' be⸗ kennen wir, Die woll'st du uns verzeihen; All' unsre Hoffnung steht zu dir, Woll'st Hülfe uns verleihen, Gieb Regen und den Segen dein Um deines Namens will'n allein, Herr, unser Gott und Tröster! 3. Gedenke, Herr, an deinen Bund Um deines Namens wil⸗ len; Wir bitten dich aus Her⸗ silen vor Eil', unsre Not zu tillen Vom Himmel mit dem Regen dein; Dein ist der bauncz ja allein, Ohn' dich ann es nicht regnen. 4. Es steht in keines andern Hand, Daß er sollt' Regen ge⸗ ben; Den Himmel hast du ausgespannt, Um hoch darin zu schweben: Allmächtig ist der Name dein, Und alles kannst du thun allein, Herr, unser Gott und Tröster! Greifswald 1592. Für erlangten Regen. Mel. Nun freut euch, lieben Christen g'mein. ch Herre Gott, 447. A 2—— loben dich Und preisen deinen Namen, Daß du uns hast so gnädig⸗ lich Die Fluren und den Sa⸗ men Getränket mit dem Regen warm; O höchster Gott, dich doch erbarm' Und ferner uns bedenke! 2. Gieb Regen und auch Sonnenschein Zu rechter Zeit und Stunden, Daß unser Land mit Früchten fein Erfüllet werd' gefunden; Krön' du das Jahr mit deinem Gut, Halt unser Feld in guter Hut Und unsre Furchen tränke! ——.———— ..—.—..— 3. Du weißt ja, daß wir deine Kind' Und hochgeliebte Erben, Ja deines Sohnes Brü⸗ der sind, Drum laß uns nicht verderben. Behüt' uns, Herr, vor Hungersnot Und gieb uns unser täglich Brot Aus rei⸗ chen, milden Gnaden! 4. Wenn du aufthust die milde Hand, So steht die Flur im Segen; Wenn gnädig du anschaust das Land, So trieft herab der Regen. Wenn du aufthust, so sammeln wir; Wenn Schutz und Schirm her⸗ kommt von dir, Mag uns kein Unglück schaden. 5. Behüt' uns ferner, treuer Gott, Mit allem unsern Sa⸗ men, Vor aller Feinde Trotz und Spott Zu Ehren deinem Namen. Bewahre uns vor Krieg und Not Vor Seuchen und vor blut'gem Tod Durch Jesum Christum. Amen. Herbstlied. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 46 er rauhe Herbst 448. D kommt wieder; Jetzt stimm' in meine Lieder, In ihren Trauerton. Die Sommerlust vergehet; Nichts in der Welt bestehet; Der 328 Witterung und Ernte.— Jahreszeiten. Güte Auch stumme, stille Leh⸗ rer zu. 3. Die Rose läßtsich brechen, Wird niemals widersprechen Des Gärtners Meisterhand; Der Apfel, zum Genießen, Fällt selbst zu deinen Füßen Und lässet willig seinen Stand. 4. Mensch, willst du wider⸗ streben, Dich deinem Gott nicht geben, Was doch dein größter Ruhm? Er hat dich ja erschaffen, Geziert mit Glau⸗ benswaffen Zu seinem ew'gen Eigentum. 5. Schickt er dir Kreuz und Schmerzen, Nimmt, was dir liegt am Herzen: Er meint's doch allzeit gut; Und sind wir Gottes eigen, So laßt uns stille schweigen Zu allem, allem, was er thut. 6. Wer mag der Welt Ge⸗ tümmel Erwählen für den Himmel? Hilf, Christe, Gottes Sohn, daß wir uns stets ge— wöhnen, Uns nur nach dir zu sehnen Und deinem heil'gen Gnadenthron! Heinrich Alberti, geb. 1604 f 1668. Mel. Aus meines Herzens Grunde. Mensch muß endlich selbst da⸗ von. 2. Du, Gott und Herr der Zeiten, Willst, daß wir uns dereiten Zu unsrer wahren Ruh'; Stets zeigst du dein Ge⸗ müte, Schickst uns aus milder Die Ernt' ist nun 449. D zu Ende, Der Segen eingebracht, Woraus Gott alle Stände Satt, reich und fröhlich macht; Der alte Gott lebt noch, Man kann es deutlich merken An so viel Liebeswerken: Drum preisen wir ihn hoch. 2. Wir rühmen seine Güte, Die uns das Feld bestellt Und oft ohn' unsre Bitte Ge⸗ than, was uns gefällt, Die immer noch geschont, Obgleich wir gottlos leben; Die Fried' und Ruh' gegeben, Daß jeder sicher wohnt. 3. Zwar manchen schönen Segen Hat böses Thun ver⸗ derbt, Den wir auf guten We⸗ gen Sonst hätten noch ererbt; Doch hat Gott mehr gethan Aus unverdienter Güte, Als Mund, Herz und Gemüte Nach Würden rühmen kann. 4. Er hat sein Herz genei⸗ get, Uns Sünder zu erfreun, Witterung und Ernte.— Jahreszeiten. 329 damitlaben: Regier' die Obrig⸗ keitl 7. Besonders laß gedeihen Dein reines, wahres Wort, Daß wir uns dessen freuen, Laß auch an unserm Ort Dies gute Samenkorn Recht reiche Früchte bringen Und uns in allen Dingen Recht fromme Leute sein! 8. Gieb, daß zu dir uns lenket Was du zum Unterhalt Des Leibes hast geschenket, Daß wir dich mannigfalt In deinen Gaben sehn, Mit Herz und Mund und Leben Dir Dank und Ehre geben; O laß es doch gescheh'n! 9. Kommtunser Lebensende, So nimm du unsern Geist In Genugsam sich bezeiget Durch deine Vaterhände, Da er der Regen, Sonnenschein. Ward's Ruh' geneußt; Da ihm kein aber nicht geacht't, So hat er Leid bewußt; So ernten wir sich verborgen Und durch ver⸗ mit Freuden Nach ausgestand' borgnes Sorgen Zum Beten nen Leiden Die Garben voller uns gebracht. Lust. 5. O allerliebster Vater, Gottfr. Tollmann, geb. 1880 4 1768. Du hast viel Dank verdient; Du mildester Berater Machst, Hri— uns Segen grünt. Wohlan! ich loben wir Für abge— wandten Schaden, Fir viel 450 Fin Wetter steiget und große Gnaden, Herr Gott, α auf, Mein Herz wir danken dir. sich 2 ude Durche bre schwind zu Fuße, Durch wahre Aten. 3 Rauerlest. reon das Ren' und Buße, Damit gleich Bitten; Du wollest, frommer in, Suünden D ch Christ Gott, Vor Feuer uns behüten deine Sunden ur risti Und aller andern Not; Gieb Tod verschwinden. friedensvolle Zeit, Erhalte 2. Herr, der du gut und deine Gaben, Daß wir uns fromm: Zu dir ich gläubig Bei einem Gewitter. Mel. Auf meinen lieben Gott. komm'; Ich bitt' um dein Er⸗ barmen, O zürne nicht mir Armen: Um Christi willen schone, Mir nicht nach Sün⸗ den lohne! 3. Durch Christi teures Blut Gieb mir ein Herz voll Mut, Das sich nicht knechtisch scheue, Das vielmehr deiner Treue In allem kindlich traue Und auf dein Helfen baue. 4. Ich will mit dem, was mein, Dir ganz gelassen sein: Dein Flügel wird uns decken, Verjagen allen Schrecken Und lassen uns aus Gnaden Das Wetter gar nicht schaden. 5. Wohlan, verlaß uns nicht; Bleib unsre Zuversicht Und laß dein Vaterlieben Auch jetzt an uns sich üben, So woll'n wir, weil wir leben, Dir Preis und Ehre geben. Aemilie Juliane Grüfin zu Schwarzburg⸗ Rudolstadt, geb. 1687 1 1706. Sommerlied. Mel. Heut singt die liebe Christen⸗ heit. eh aus, mein Herz, 451.6 und suche FPeud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket 330 Witterunga und Ernte.— Jahreszeiten. nen Kleide; Nareissen und die Tulipan Die ziehen sich viel schöner an, Als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fliegt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder; Die hochbegabte Nachtigall rni und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwälblein speist ihr' Jun⸗ leich Der schnelle Hirsch, das eichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh' Ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich und ihren Rand Mit schatten⸗ reichen Myrten; Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz von Lustgeschrei Der Schaf' und ihrer Hirten. 6. Die unverdross'ne Bie⸗ nenschar Fliegt hin und her, sucht hier und dar Ihr' edle Honigspeise; Des Ban Wein⸗ stocks starker Saft Bringt täg⸗ lich neue Stärk' und Kraft In seinem schwachen Reise. 7. Der Weizen wächset mit Gewalt; Darüber jauchzet jung und alt Und rühmt die große Güte Des, der so überslüssg labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Ge— seinen Staub Mit einem grü-müte. Witterung und Ernte.— Jahreszeiten. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn; Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen; Ich singe mit, Weun alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus mei⸗ nem Herzen rinnen. 9. Ach, denk' ich, bist du hie so schön Und läßt du uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem reichen Himmelszelt Und güld'nen Schlosse werden! 10. Welch hohe Lust, welch eller Schein Wird dort in hristi Garten sein: Wie muß es da wohl klingen, Da so viel tausend Seraphim Aus voller Brust mit heller Stimm' Ihr Hallelujah singen? 11. O, wär ich da, ach, stünd' ich schon, Du großer Gott, vor deinem Thron Und trüge meine Palmen: So wollt' ich nach der Engel Weis' Er⸗ höhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll sich fort und fort An die⸗ sem und an jedem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf nur und segne meinen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe; Gieb, daß der Sommer deiner Gnad' In meiner Seele früh und 331 spat Viel Glaubensfrücht' er⸗ ziehe. 14. Mach' in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd' ein guter Baum, Den deine Kräfte treiben; Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum' Und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Pa⸗ radies, Und laß mich, deines Heils gewiß, An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr' Allein, und sonsten keinem mehr, Hier und dort ewig dienen! Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. In Teuerung. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten sein. 0 frommer Vater, 452. Odene Kind' Jetz⸗ und in großem Jammer sind, Weil du auf uns so zornig bist, Da es so schwere Teu⸗ rung ist. 2. Du speisest uns mit Thränenbrot, Tränkst uns mit Zähren in der Not, Das ha⸗ ben wir gar wohl verdient, Doch fahr' mit uns nicht so geschwind! 3. Die Sünd' vergieb, der Teurung wehr' Und uns das täglich Brot bescher'; Entzeuch uns nicht das Himmelsbrot, Dein teuer Sakrament und Wort! 4. Führ' uns aus diesem Jammerthal Zur Wonn' und Freud' ins Himmels Saal, Da wird kein Durst noch Hunger sein, Und ganz auf⸗ hören Angst und Pein. Martin Böhme, geb. 1557 4 1622. In Nässe. Mel. Ach Gott vom Himmel sieh darein. 6 Gott, der du 453. O das Firma⸗ ment Mit Wolken läßt be⸗ decken, Der du ingleichen kannst behend Das Sonnen⸗ licht erwecken, Halt doch mit vielem Regen ein Und gieb uns wieder Sonnenschein, Daß unser Land sich freue. 2. Die Felder trauern weit und breit, Die Früchte leiden Schaden, Weil sie mit vieler Feuchtigkeit Und Nässe sind beladen. Der Segen, Herr, den du gezeigt Uns Armen, sich zur Erde neigt Und will fast gar verschwinden. 3. Das machet unsre Mis⸗ sethat Und ganz verkehrtes Leben, So deinen Zorn ent⸗ zündet hat, Daß wir in Nö⸗ ten schweben. Wir seufzen unter unsrer Schuld, Weil wir die Buße nicht gewollt, So muß der Himmel weinen. 4. Doch denke wieder an die Treu', Die du uns hast versprochen, Und wohne uns in Gnaden bei, Daß wir dich 332 Witterung und Ernte.— Jabreszeiten. kindlich suchen; Wie ist so hart in dieser Zeit Dein Herz, sonst voll von Freundlichkeit! Du bist ja unser Vater. 5. Laß leuchten uns vom Himmelszelt Das klare Licht der Sonne Und schmücke wie⸗ der deine Welt Mit neuer Freud' und Wonne, Daß wir erkennen alle frei, Wie außer dir kein Segen sei Im Himmel und auf Erden. Mich. Schirmer, geb. 1606 + 1678. Vor der Ernte. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 20 Gott, es steht 454. O dein milder Segen In unsern Feldern jetzt so schön; Wir sollten billig allerwegen Die Wohlthat dankbarlich erhöhn. Du lockest dadurch jedermann Zur Buß' und frommen Leben an. 2. Allein, wer folget dei⸗ nem Triebe? Wo ist die wahre Dankbarkeit? Man steckt in Welt⸗ und Fleischesliebe, In Sünde, Schand' und Sicher⸗ heit, So daß dein Segens⸗ überfluß Uns bloß zur Woll⸗ lust dienen muß. 3. Ach Wunder, daß du nicht durch Strafe Uns, wie viel andre Völker, schreckst Und aus dem tiefen Sündenschlafe Durch Hunger, Krieg und Pest erweckst! Das machet deine Gütigkeit, Die schonet unser noch zur Zeit. 4. O Gott, bekehr' uns große Sünder, Vergieb uns unsre schwere Schuld! Erbarm' dich deiner armen Kinder Und habe noch mit uns Geduld! Wirk' in uns kräftig durch dein Wort Und treib die Lieb' zur Sünde fort! 5. Ach segne ferner deine Gaben, Die jetzt in unsern Feldern stehn, Laß uns gut Erntewetter haben Und alle Not vorübergehn! Gieb, lie⸗ ber Gott, daß jedermann Die Früchte völlig ernten kann. 6. Hilf, daß ich sie auch recht verwende Und sie in in und Ruh' verzehr', Den rmen auch mit meiner Spende Aus Lieb' und Milde gern ernähr'; Verhüte bei uns alle⸗ zeit Den Mißbrauch deiner Gütigkeit. 7. Und also laß uns künftig leben, Wie uns dein Will' im Worte lehrt, Daß wir dir Dank und Ehre geben, Und sich dein Segen täglich mehrt. Führ' endlich auch uns ins⸗ gemein In deine Himmels⸗ scheuern ein! Gottfr. Hoffmann, geb. 1658 + 1712 Ernte⸗ und Tischlied. Mel. O daß ich tausend Zungen. 45⁵5 Gott, von dem * wir alles haben, Witterung und Ernte.— Jahreszeiten. 333 Guben Du aber teilest deine aben, Recht, wie ein Vater, drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich; Ach, lie⸗ ber Gott, wer ist dir gleich! 2. Wer kann die Menschen alle zählen, Die heut' bei dir zu Tische gehn? Doch muß die Notdurft keinem fehlen; Denn du weißt allen vorzu⸗ stehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brot bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet Und endlich auch die Frucht genießt; Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, so das Land begießt, Des Himmels Tau, der Sonne Strahl Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker selbst wird ihm zu Brot; Es mehret sich vielfält'ger Weise, Was anfangs schien, als wär' es tot, Bis in der Ernte jung und alt Erlanget seinen Un⸗ terhalt. 5. Nun, Herr, was soll man erst bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel! So viel, als du, kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zu⸗ sammen alle wert. 6. Wir wollen's auch kein⸗ mal vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Die Welt ist ein sehr großes Bissen, den wir essen, Soll 334 Witterung und Ernte.— Jahreszeiten. deines Namens Denkmal sein. Vor allem, was sonst schaden Und Herz und Mund soll mag Den Früchten unsres lebenslang Für unsre Nah- Landes. rung sagen Dank. 5. Gieb gnädig, was uns Caspar Neumann, geb. 1648 f 1715. deine Hand Jetzt thut gar reichlich weisen, Und thu' da— mit im ganzen Land All' Um gute Witterung. Hahnen speisen; So wird Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh dich loben groß und klein, Die darein. Alten und die Kindelein, Und 456 O Herr Gott, der was auf Erden lebet. * du deiner Schar. 6. Wir trauen dir, Herr Hast zugesagt auf Erden, Daß Zebaoth! Laß deine Gnade se von dir soll immerdar Im walten; Du kennest alle unsre Kreuz getröstet werden Und Not, Hast lange hausgehal— überdies das täglich Brot ten; Du wirst es ferner so Samt Rettung aus der Angst versehn, Daß man wird dei⸗ und Not Soll reichlich über⸗nen Segen sehn Und deinen kommen: Namen preisen. 2. Gieb reine Luft und Sonnenschein, Vom Himmel Tau und Regen, Damit die Früchte wachsen fein Durch Bei schwacher Ernte. deinen milden Segen, Laß wohl gedeihen alle Saat Die auf Mel. Was Gott thut, das ist wohl⸗ dein Wort gestreuet hat Der gethan. Landmann in die Erde. as Gott thut, 3. Ohn' dich ist alle sene 457. W das ist wohl⸗ Kunst, Sein Sorgen und sein gethan, So denken Gottes Plagen Und alle seine Müh' Kinder; Er siehet sie oft umsonst, Wenn du ihm wollt'st strenge an Und liebt sie doch versagen Den Segen zu der nicht minder; Er zieht ihr Frucht Gedeih'n Und ihn nicht Herz Nur himmelwärts, Wenn allezeit verleih'n Nach Drhtz sie läßt auf Erden Ein großen Gnade. Ziel der Plagen werden. 4. Herr, straf' uns nicht 2. Was Gott thut, das ist in deinem Zorn, Gedenk' an wohlgethan; Giebt er, so kann deine Güte, Den Weinstock man nehmen; Nimmt er, wir und das liebe Korn Uns gnä-sind nicht übler dran, Wenn diglich behüte Vor Hagel, wir uns nur bequemen. Die Frost, vor Sturm und Schlag, Linke schmerzt, Die Rechte Barthol. Ringwald, geb. 1530 f 1598. hert, Und beide Hände müsen Wir doch in Demut küssn. 3 Was Gott thut, das ist wollgethan; Er zeigt uns oft den Segen, Doch ehe man ihn ernten kann, Muß sich die Hoffnung legen; Weil er allen Der Schatz will sein, Ninmt er uns diese Güter Und bessert die Gemüter. 4 Was Gott thut, das ist woh gethan; Es geh' nach seinem Willen! Läßt es sich auch zum Hunger an, Weiß er ihn doch zu stillen; Wer so viel nimmt, Als ihm be— stimm, Der kann auch bei den Brocken Vergnügt sein und frohlocken. XXXII. Kreuz⸗ Mel. Was Gott thut, das ist wohl⸗ wie gethan. 458. ott lebt, * kann ich traurig sein, Als wär' kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden. Er kennt mein Herz Und meinen Schmerz So darf ich nicht verzagen Und ihm nur alles klagen. 2. Gott hört, wenn Nie⸗ mand hören will: Was will der Feind denn sprechen, Mein Seufzen werde nicht zum Ziel Hin durch die olken brechen? Ruf' ich empor, So hört sein Ohr, Kreuz⸗ und Trost⸗Li eder 335 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Das Feld mag traurig stehen, Wir gehn ge⸗ trost auf seiner Bahn Und wollen ihn erhöhen. Sein Wort ist Brot, So hat's nicht Not; Die Welt muß eh' ver⸗ derben, Als wir vor Hunger sterben. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; So wollen wir stets schließen; Ist gleich bei uns kein Kanaan, Wo Milch und Honig fließen; Doch ist's genung Zur Sättigung, Wenn Gott das Wen'ge segnet Und uns mit Huld begegnet. Benjamin Schmolck. geb. 1672 f 1787. und Trostlieder. Und schallt das Amen wieder. 3. Gott sieht, wie klaget denn mein Herz, Als säh' er nicht mein Weinen? Vor ihm muß auch der tiefste Schmerz Ganz offenbar erscheinen. Kein Thränlein fehlt, Das er nicht zählt, Und sich vor Augen setzet, Bis er uns drauf ergetzet. 4. Gott führt, so geh' ich immer fort Auf allen meinen Wegen; Mag mir die Welt bald hier, bald dort Arglistig Stricke legen, So wird er mich Zwar wunderlich, Doch immer selig führen, Daß mich kein Fall kann rühren. So steigt die Hülfe nieder, 5. Gott giebt, und wär' 336 Kreuz⸗ und ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben. Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt' ich Hungers sterben? Er hat ja Brot, Und wenn die Not Uns nach der Wüste weiset, Doch werden wir ge⸗ speiset. 6. Gott liebt, ob ich die Vaterlieb' In Schlägen nicht gleich finde; Wie er ein lieber Vater blieb Am Kreuz bei seinem Kinde, So bleibt er mir Mein Vater hier, Der je und je inich liebet, Obgleich sein Kreuz betrübet. 7. Gott lebt, wohlan, ich merke das. Gott hört, ich will's ihm sagen. Gott sieht, er setzt den Thränen Maß, Gott führt, ich darf nicht zagen. Gott giebt und liebt Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben Auch dort mit ihm zu leben. Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1737. Eigne Melodie. 459 A ist an Gottes Segen Und an seiner Gnad' gelegen, Ueber alles Geld und Gut; Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, Der behält ganz unverletzet Einen freien Heldenmut. 2. Der mich hat bisher er⸗ nähret Und so manches Glück bescheret, Ist und bleibet ewig mein; Der mich wunderlich geführet Und noch leitet und Trost⸗Lieder. regieret, Wird forthin nein Helfer sein. 3. Viel bemühen sich um Sachen, Die nur Sorg' ind Unruh' machen Und ganz in⸗ beständig sind: Ich beghr' nach dem zu ringen, Vas Vergnügen pflegt zu bringen, Und man jetzt gar seten find't. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; Was ich wünche, wird sich schicken, So es an⸗ ders Gott gefällt; Meine Seele, Leib und Leben Hab' ich seiner Gnad' ergeber Und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlan⸗ langen zu erfüllen; Es hat alles seine Zeit. Ich hab' ihm nichts vorzuschreiben: Wie Gott will, so muß es bleiben; Wann Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich hier noch länger leben, Will ich ihm nicht widerstreben; Ich verlasse mich auf ihn: Ist doch nichts, das lang bestehet; Alles Irdische vergehet Und fährt wie ein Strom dahin. Nürnberg 1678. Mel. Was Gott thut, das ist wohl⸗ gethan. 460. Ammuen Will ich mein Glücke bauen, Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen; Er, der die Welt Allmächtig —.ꝛ hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewig⸗ keit, Wie viel mir nützen würde, Bestimmte meine Le⸗ benszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Der Ist auch ein Schmerz, er zu des Glaubens Ehre Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, Wenn's seine Weisheit litte; Er sorgt für mich Stets väterlich; Nicht, was ich mir ersehe, Sein Wille der ü 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige Geschick, Bei dessen Last wir klagen? Die größte Not Hebt doch der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt uns doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen; Wer Gottes Rat Vor Augen hat, Dem wird ein gut Ge⸗ wissen Die Trübsal auch ver⸗ süßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. 337 den Herrn! Er hilft uns gern! Seid fröhlich, ihr Ge⸗ rechten, Der Herr hilft seinen Knechten. Chr. Fürchtegott Gellert, geb. 1715 + 1769. Eigne Melodie. 461 9 uf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Not, Der kann mich allzeit retten Aus Trüb⸗ sal, Angst und Nöten; Mein Unglück kann er wenden; Es steht in seinen Händen. 2. Ob mich mein' Sünd' anficht, Will ich verzagen nicht: Auf Christum will ich bauen Und ihm allein ver⸗ trauen; Ihm thu' ich mich er⸗ geben Im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, Ist Sterben mein Gewinn Und Christus ist mein Leben; Dem thu' ich mich ergeben; Ich sterb' heut' oder morgen: Mein Seel' wird er versorgen. 4. O mein Herr JesuChrist, Der du geduldig bist Für mich am Kreuz gestorben: Hast mir das Heil erworben Und bring' uns allzugleiche Das ewig' Himmelreiche! 5. Erhöre gnädig mich, Mein Trost, das bitt' ich dich: Hilf mir am letzten Ende, Nimm mich in deine Hände, Daß selig ich abscheide Zur ew'gen Himmelsfreude. 6. Amen zu aller Stund' Sprech' ich aus Herzensgrund; 338 Kreuz⸗ und Du wollest selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten. Auf daß wir deinen Namen Ewiglich preisen. Amen. Siegm. Weingärtner, um 1609 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 2 efiehl dem Herren 462. B deine Wegs Und mache dich von Sorgen los; Vertraue seiner Vaterpflege, Vor ihm ist nichts zu schwer noch groß, Das er zu seines Namens Preis Nicht herrlich S auszuführen weiß. 2. Wo du ihn nur hast raten lassen, Da hat er alles wohl gemacht, Denn was dein Denken nicht kann fassen, Das hat er längst zuvor bedacht. Wie dir's sein Rat hat aus⸗ ersehn, So und nicht anders muß es gehn. 3. Wie werden deine Le⸗ benstage Von manchem Kum⸗ mer sein befreit! Wie leicht wird alle Not und Plage Dir werden hier in dieser Zeit, Wenn du nichts wünschest in der Welt, Als was Gott will und ihm gefällt. 4. Dir wird's an keinem Gute fehlen, Wenn du dein Herz gewöhnst und lehrst, Nur Gottes Willen zu er⸗ wählen, Und deinem eignen ich Willen wehrst. Gott ist voll Weisheit und Verstand, Dir Trostlieder. 5. Gieb meinem Herzen solche Stille, Mein Jesu, daß ich sei vergnügt Mit allem, was dein Gnadenwille Mit mir und meinem Leben fügt; Nur nimm dich meiner Seele an, So hab' ich, was ich wünschen kann. 6. Ich weiß, du thust's, sie ist die deine Und kostet dich dein teures Blut; Behalt sie dir nur schön und reine; Laß dies dein mir vertrautes Gut fehlt zu viel, du baust auf Sand. Nur einzig meine Sorge sein, o trifft mein ganzes Wün⸗ schen ein. 7. Indes sei stets mein Heil gepriesen Für alle Sorg⸗ falt, die du mir, Noch eh' ich war, schon hast erwiesen, Da du, mein treuer Hirte, dir Zum Eigentum mich hast er⸗ wählt Und deinen Schafen zugezählt. 8. Dir sei auch ewig Lob gegeben, Daß du so uner⸗ müdet hast Für mich gesorgt in meinem Leben; So lang' ich bin der Erde Gast, Ist alles liebreich, nütz und gut, Was deine Schickung mit mir thut. 9. Dort werd' ich deiner Liebe Thaten Erst preisen in Vollkommenheit, Wenn nun mein Hoffen ist geraten, Daß ich kann in der Seligkeit Er⸗ kennen, wie dein Wille mir So gut gewesen für und für. Henriette Katharine Freifrau v. Gersdorff, geb. 1648 + 17²26 Kreuz⸗ und Pfalm 37 V. 5. Eigne Melodie oder Trostlieder. 339 nicht zurücke gehn; Was er sich vorgenommen, Und was er haben will, Das muß doch Herzlich thut mich verlangen. — efiehl du deine endlich kommen Zu seinem 463. B Wege, Und was Zwed und Ziel. dein Herze kränkt, Der aller⸗ 6. Hoff, o du arme Seele, treusten Pflege Des, der den Hoff, und sei unverzagt! Gott 7 lenkt, Der Wolken wird dich aus der Höhle, Da zuft und Winden Giebt Wege, dich der Kummer plagt, Mit Lauf und Bahn, Der wird großen Gnaden rücken, Er⸗ auch Wege finden, Da dein warte nur die En So wirst Fuß gehen kann. du schon erblicken Die Sonn' 2. Dem herren mußt du der schönsten Freud'. trauen, Wenn dir's soll wohl 7. Anf, auf, gieb deinem ergehn, Auf sein Werk mußt Schmerze Und Sorgen gute du schauen, Wenn dein Werk Nacht; Laß fahren, was das soll bestehn; Mit Sorgen und Herze Betrübt und traurig mit Grämen Und mit selbst⸗ macht! Bist du doch nicht eigner Pein Läßt Gott sich Regente, Der alles führen gar nichts nehmen: Es muß soll: Gott sitzt im Regimente erbeten sein. Und führet alles wohl. 3. Dein ew'ge Treu' und Gnade, O Vater, weiß und sieht, Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geblüt, Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen Was deinem Rat gefällt. 4. Weg hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dir's nicht; 8. Ihn, ihn laß thun und walten, Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rat, Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost ver⸗ Dein Thun ist lauter Segen, ziehn Und thun an seinem Dein Gang ist lauter Licht; Teile, Als hätt' in seinem Dein Werk kann niemand Sinn Er deiner sich begeben, hindern, Dein' Arbeit darf Und sollst du für und für In nicht ruhn, Wenn du, was Angst und Nöten schweben, deinen Kindern Ersprießlich ist, Fragt er doch nichts nach dir. willst thun. 1I6. Wird's aber sich befin⸗ 5. Und ob gleich alle Teufel den, Daß du ihm treu ver⸗ Hier wollten widerstehn, So bleibst, So wird er dich ent⸗ wird doch ohne Zweifel Gott binden, Da du's am mind'sten 22* 340 Kreuz⸗ und gläubst, Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. I1. Wohl dir, du Kind der Treue: Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dank⸗ geschreie Den Sieg und Ehren⸗ kron'! Gott Rebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freuden⸗ psalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End', o Herr, mach Ende An aller unsrer Not; Stärk' unsre Füß' und Hände Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu' empfohlen sein: So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Jesus meine Zuversicht. ennoch bleib' ich 464. D stets an dir, Wenn mir alles gleich zuwider, Keine Trübsal drückt in mir Die gefaßte Hoffnung nieder, Daß, wenn alles bricht und fällt, Dennoch deine Hand mich hält. 2. Leite mich nach deinem Rat, Der wohl wunderlich geschiehet, Aber endlich in der That Auf die schönste Wohl— fahrt siehet; Denn du führst es wohl hinaus, Sieht es gleich verkehret aus. 3. Nimm mich dort mit Ehren an, Wenn ich ausge⸗ Trost⸗Lieder. kämpfet habe; Führe mich die Lebensbahn Zu dem Himmel aus dem Grabe; Endlich zeige mir das Los In der Auserwählten Schoß. 4. Mag es doch indessen hier Wunderlich mit mir er⸗ gehen, Dennoch bleib' ich stets an dir, Dennoch bleib' ich feste stehen; Ich muß, Trotz sei aller Pein, Dennoch, den⸗ noch selig sein. Benj. Schmolck, geb. 1672 + 1787. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 2 ein Herz, gieb 465. M dich zurieben Und bleibe ganz geschieden Von Sorge, Furcht und Gram; Die Not, die dich jetzt drücket, Hat Gott dir zuge⸗ schicket; Sei still und halt dich wie ein Lamm. 2. Mit Sorgen und mit Zagen, Mit unmutsvollen Klagen Häufst du nur deine Pein; Durch Stillesein und Hoffen Wird, was dich jetzt betroffen, Erträglich, sanft und lieblich sein. 3. Kann's doch nicht ewig währen, Oft hat Gott unsre Zähren, Eh' man's meint, ab⸗ gewischt; Wenn's bei uns heißt: Wie lange Wird mir so angst und bange! So hat er Leib und Seel' erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen, Nach Weinen schafft er Lachen, Nach Regen Sonnenschein, Nach rauhen Kreuz⸗ und Trost. Lieder Wintertagen Muß uns der Lenz behagen; Er führt in Höll' und Himmel ein. 5. Indes ist abgemessen Die Last, die uns soll pressen, Auf daß wir werden klein; Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen Und sollt's auch nur ein Quentlein sein. 6. Denn es sind Liebes⸗ schläge, Wenn ich es recht er⸗ wäge, Womit er uns belegt; Nicht Schwerter, sondern Ru⸗ ten Sind's, damit Gott zum Guten Die Seinigen hienie⸗ den schlägt. 7. Er will uns dadurch ziehen Zu Kindern, die da fliehen Das, was ihm miß⸗ behagt, Den alten Menschen schwächen. Den Eigenwillen brechen, Die Lust ertöten, die uns plagt. 8. Er will uns dadurch lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit Glauben und Ge⸗ duld, Und sollt' er uns in Nöten Auch lassen ja gar töten, Uns doch getrösten seiner Huld. 9. Denn was will uns auch scheiden Von Gott und seinen Freuden, Dazu er uns ver⸗ sehn? Man lebe oder sterbe, So bleibet uns das Erbe Des Himmels ewiglich doch stehn. 10. Ist Christus unser Leben, So muß uns, seinen Reben, Der Tod sein ein 341 Gewinn, Er mag die Leibes⸗ höhle Zerbrechen, doch die Seele Fliegt auf zum Bau des Himmels hin. 11. Drum gieb dich ganz zufrieden. Mein Herz, und bleib geschieden Von Sorge, Furcht und Gram; Vielleicht wird Gott bald senden, Die dich auf ihren Händen Hin⸗ tragen zu dem Bräutigam. A. Freylinghausen, geb. 1670 + 1789. Mel. Was Gott thut, das ist wohl⸗ gethan. 466 Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein, Drum laß dich's nicht betrüben, Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kinder, die ihn lieben; Je lieber Kind, Je ernster sind Des frommen Vaters Schläge; Schau, das sind Gottes Wege! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein, Gott will's nicht anders haben; Auch dieses Lebens Not und Pein Sind deines Vaters Gaben. Soll's denn so sein, So geh' es ein, Es kommt von Liebes⸗ händen; Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein, Das Kreu lehrt fleißig beten, Zieht a vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirf's nicht hin Mit sprödem Sinn, Wenn's nun 342 Kreuz⸗ und zu dir gekommen: Es soll der Seele frommen. 4. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein; Das muß uns immer wecken: Wir schliefen sonst in Sünden ein, Wie müßten wir erschrecken, Wenn unbereit Die Ewigkeit Und der Posaunen Schallen Uns würde überfallen. 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein; Es lehrt die Sünde hassen Und unsern lieben Gott allein Mit rechter Lieb umfassen. Die Welt vergeht Und Gott besteht; Bedenk's und laß dich üben, Das ew'ge Gut zu lieben. 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht sein; Was Gott schickt, will ich tragen. Schickt's doch der liebste Va⸗ ter mein, Sind's doch nur kurze Plagen Und wohl ge⸗ meint. Wer gläubig weint, Lebt dort in steten Freuden; Ich will mit Christo leiden. Dav. Nerreter, geb. 1649 1 1725. Eigne Melodie. ieb dich zufrieden 467. G und sei stille In dem Gotte deines Lebens, In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn' ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell und deine Sonne, Scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gieb dich zufrieden! 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Unge⸗ Trost⸗Lieder. färbten treuen Herzens; Wo er steht, thut dir keinen Schaden Auch die Pein des größten Schmerzes; Kreuz, Angst und Not kann er bald wenden, Ja auch den Tod hat er in Händen. Gieb dich zu⸗ frieden! 3. Wie dir's und andern oft ergehe, Ist ihm wahr⸗ lich nicht verborgen. Er sieht und kennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sorgen, Er zählt den Lauf der heißen Thränen Und faßt zuhauf all unser Sehnen. Gieb dich zufrieden! 4. Wenn gar kein ein'ger mehr auf Erden, Dessen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Treuster werden Und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heim⸗ lich Grämen, Weiß auch die Zeit, dir's zu benehmen. Gieb dich zufrieden! 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Her⸗ zens stilles Klagen, Und was du keinem darfst erzählen, Magst du Gott gar kühnlich sagen; Er ist nicht fern, steht in der Mitten, Hört bald und gern der Armen Bitten. Gieb dich zufrieden! 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen, Halt an Gott so wirst du siegen; Ob alle Fluten einhergingen, Dennoch mußt du oben liegen; Denn wenn du wirst zu Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. hoch beschweret, Hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gieb dich zufrieden! 7. Was sorast du für dein armes Leben, Wie du's halten willst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird auch Unterhalt bescheren. Er hat die Hand voll aller Gaben, Davon sich Meer und Erde laben. Gieb dich zu— frieden! 8. Der allen Vögeln in den Wäldern Ihr bescheid'nes Körnlein weiset, Der Schaf' und Rinder auf den Feldern Alle Tage tränkt und speiset: Der wird ja auch dich ein'gen füllen Und deinen Leib zur Notdurft stillen. Gieb dich zufrieden! 9. Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel; Wo ich such', ist nichts zum besten, Denn das ist Gottes Ehrenmittel, Helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, Schickt er sich zu, uns wohl zu führen. Gieb dich zufrieden! I0. Bleibt gleich die Hülf' in etwas lange, Wird sie dennoch endlich kommen; Macht dir das Harren angst und bange: Glaube mir, es ist dein Frommen. Was lang⸗ sam schleicht, faßt man ge⸗ wisser, Und was verzeucht, ist desto süßer. Gieb dich zufrieden! 11. Nimm nicht zu Herzen, 343 was die Rotten Deiner Feinde von dir dichten; Laß sie nur immer weidlich spotten, Gott wird's hören und recht richten. Ist Gott dein Freund und deiner Sachen, Was kann dein Feind, der Mensch, groß machen? Gieb dich zufrieden! 12. Hat er doch selbst auch wohl das seine, Wenn er's sehen könnt' und wollte. Wo ist ein Glück so klar und reine Dem nicht etwas fehlen sollte? Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durch⸗ aus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden! 13. Es kann und mag nicht anders werden, Alle Men⸗ schen müssen leiden; Was webt und lebet auf der Erden, Kann das Unglücknicht vermei⸗ den. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden Bis in das Grab, da wird sich's enden. Gieb dich zufrieden! 14. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen. Er wird uns reißen aus den Banden Die⸗ ses Leib's und allem Bösen. Es wird einmal der Tod her⸗ dringen Und aus der Qual uns sämtlich bringen. Gieb dich zufrieden! 15. Er wird uns bringen zu den Scharen Der Er⸗ wählten und Getreuen, Die hier mit Frieden abgefahren, Sich auch nun im Frieden freuen, Da sie den Grund. 344 Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. der nicht kann brechen, Den stäubt die Angst geschwinde, ew'gen Mund selbst hören Wie der Rauch im Winde. sprechen: Gieb dich zufrie⸗ 5. Gott, der wird's wohl den! machen, Mächtig in den Schwa⸗ Paul Gerhardt, geb. 1606 f 1676. chen Ist er allezeit. Wem hat's je gefehlet, Der sich Gott Mel. Jesu, meine Freude. erwählet In dem Herzeleid? 468. ott, der wird's Drum mein Herz, vergiß den wohl machen, Schmerz; Alles steht in seinen Dem ich alle Sachen Allzeit Händen: Gott kann alles heimgestellt. Er hat mich er⸗(wenden. koren, Eh' ich noch geboren 6. Gott, der wird's wohl Bin auf diese Welt; Hat mir machen, Wenn des Todes auch nach seinem Brauch. Rachen Gleich ist aufgethan; Was von nöten, stets gegeben Wenn die Lebensjahre Eilen Hier in diesem Leben. zu der Bahre, Führt er himmel⸗ 2. Gott, der wird's wohl an. Sei bereit zu Freud' machen, Der mir manches und Leid; Gott befiehl nur Lachen, Freud' und Lust ge⸗deine Sachen; Gott, der schenkt. Der mich nie ver⸗ wird's wohl machen! Arffer, Der mit Kleid und Ernst Stockmann, geb. 1634 f 171½ Essen Täglich mich bedenkt; Zunt wenn fast des Kreuzes Mel. Nun danket alle Gott. Last Oft die Seinen ziemlich ott ist und bleibt drücket, Hat er mich erquicket. 469. G getreu! Sein 3. Gott, der wird's wohl Herze bricht von Lieben, machen, Laß das Wetter Pflegt er gleich oftmals hier krachen Und die Stürme Die Seinen zu betrüben; Er gehn. Wenn mit großem prüfet durch das Kreuz, Wie Grausen Alle Wellen brausen, rein der Glaube sei, Wie Will er bei dir stehn. Gott standhaft die Geduld; Gott ist da mit Hülfe nah; Schlägt ist und bleibt getreu. dich Unglück gleich darnieder, Gott ist und bleibt ge⸗ Gott erhebt sich wieder. ren! Er hilft ja selber tra⸗ 4. Gott der wird's wohl gen, Was er uns auferlegt, machen, Er wird selber wa⸗ die Last der schweren Pla⸗ chen Ueber deiner Not. Wenn gen; Er braucht die Rute oft du willst verzagen Unter dei-Und bleibet doch dabei Ein nen Plagen, Ist der fromme Vater, der uns liebt; Gott Gott Auf dem Plan und ist und bleibt getreu. nimmt dich an; Dann ver⸗ 3. Gott ist und bleibt ge— Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. treu! Er weiß, was wir ver⸗ mögen, Er pfleget nie zu viel Den Schwachen aufzulegen; Er macht sein Israel Von Last und Banden frei, Wenn große Not entsteht: Gott ist und bleibt getreu. 4. Gott ist und bleibt ge⸗ treu! Er tröstet nach dem Weinen, Er läßt nach trüber Nacht Die Freudensonne scheinen; Der Sturm des Kreuzes geht Im Augenblick vorbei; Sei, Seele, nur ge⸗ trost: Gott ist und bleibt getreu. 5. Gott ist und bleibt ge⸗ treu! Er stillet dein Begehren, Er will dein Glaubensgold In Trübsalsglut bewähren; Nimm an von Gottes Hand Den Kreuzkelch ohne Scheu, Der Lebensbecher folgt: Gott ist und bleibt getreu. 6. Gott ist und bleibt ge⸗ treu! Laß alle Wetter krachen, Gott wird der Trübsal doch Ein solches Ende machen, Daß alles Kreuz und Not Dir ewig nützlich sei. So liebt der Höchste dich. Gott ist und bleibt getreu. 1695. Eigne Melodie. ott lebet noch! 470. 345 auf Erden thut, Der mit Kraft und starken Armen Machet alles wohl und gut. Gott kann besser, als wir denken, Alle Not zum besten lenken. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 2. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Sollt' der schlummern oder schlafen, Der das Aug' hat zugericht't? Der die Ohren hat erschaffen, Sollte dieser hören nicht? Gott ist Gott, der hört und siehet, Wo den Frommen Weh' geschiehet. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 3. Gott lebet noch! Seele, was rdiadit du doch? Der den Erdenkreis verhüllet Mit den Wolken weit und breit, Der die ganze Welt erfüllet, Ist von uns nicht fern und weit. Wer Gott liebt, dem will er senden Hülf' und Trost an allen Enden. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 4. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Bist du schwer mit Kreuz beladen, Nimm zu Gott nur deinen Lauf. Gott ist groß und reich von Gnaden, 56 den Schwachen gnädig auf; Gottes Gnade währet immer, Seine Seele, was ver⸗Treu' vergehet nimmer. Seele, zagst du doch? Gott ist gut, so bedenke doch: Lebt doch der aus Erbarmen Alle Hülf' unser Herr Gott noch! 346 Kreuz⸗ und 5. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Wenn dich deine Sünden kränken, Dein Verbrechen quält dich sehr: Komm zu Gott, er wird versenken Deine Sünden in das Meer. Mitten in der Angst der Höllen Kann er dich zufrieden stellen. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 6. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Will dich alle Welt verlassen, Weißt du weder aus noch ein: Gott wird dennoch dich umfassen Und im Leiden bei dir sein. Gott ist's, der es herzlich mei⸗ net, Wo die Not am größten scheinet. Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 7. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Laß den Himmel samt der Erden Immerhin zu Trümmern gehn; Laß die Höll' entzün⸗ det werden; Laß den Feind erbittert stehn, Laß den Tod und Teufel blitzen. Wer Gott traut, den will er schützen; Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! 8. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Mußt du schon geängstigt wallen Auf der harten Dornenbahn: Es ist Gottes Wohlgefallen, Dich zu führen himmelan. Gott wird nach dem Jammer⸗ Trost⸗Lieder. leben Friede, Freud' und Wonne geben. Seele, so be⸗ denke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch! Joh. Friedr. Zihn, geb. 1650 f 1719. Eigne Melodie. 471. G˙ will's machen, * Daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist, Laß die Wellen Sich ver⸗ stellen, Wenn du nur bei Jesu bist. 2. Wer sich kränket, Weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Daß der Unglaub leide Straf'. 3. Du Verächter, Gott, dein Wächter, Schläfet ja, noch schlummert nicht. Zu den Höhen Aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht. 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibt er stets dein Vaterherz; Laß dein Weinen Bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, Daß das Beste Ueber dich be⸗ schlossen sei; Wenn dein Wille Nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Nimmer klage, Niemals zage, Wenn der Herr dir Leiden giebt. Der sie sendet, Sie auch wendet, Der hat nie ohn' Frucht betrübt. 7. Willst du wanken In Gedanken, Faß dich in Ge⸗ Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. lassenheit; Laß den sorgen, Der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 8. Gottes Hände Sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel; Ist's beschwerlich, Scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. 9. Seine Wunder Sind der Zunder, Dran der Glaube Lind fängt. ind geraten Jedesmal, wie er's verhängt. 10. Wenn die Stunden Sich gefunden, Bricht die Hülf' mit Macht herein; Und dein Grämen Zu beschämen, Wird es unversehens sein. 11. Eignen Willen Zu er⸗ füllen, Leidet sich's noch ziem⸗ lich wohl; Da ist Plage, Not und Klage, Wo man leiden muß und soll. 12. Drum, wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh'. Auf das Wollen Fällt dem Sollen Die Vollbringungskraft bald zu. 13. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Lei⸗ den Und die Freuden Nur mit Hiobs Aug' ansehn. 14. Nun, so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld; Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sün⸗ denschuld. 15. Die da weichen Und das Zeichen Ihres Bräutigams verschmähn, Müssen laufen Alle Thaten W 347 Zu den Haufen, Die zur lin⸗ ken Seite stehn. 16. Aber denen, Die mit Thränen Küssen ihres Jesu Joch, Wird die Krone Auf dem Throne Ihres Heilands werden noch. 17. Amen, Amen! In dem Namen Meines Jesu halt' ich still; Es geschehe Und ergehe, ie und wann und was er will. Joh. Dav. Herrnschmidt, geb. 1675 4 1723 Eigne Melodie oder: Aus tiefer Not schrei ich zu dir. 472. err, wie du willst, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben; Allein zu dir steht mein Be⸗ gier, Herr, laß mich nicht ver⸗ derben, Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst, gieb mir Geduld; Dein Wille ist der beste. 2. Zucht, Ehr' und Treu' verleih mir, Herr, Und Lieb' zu deinem Worte; Behüt' mich Herr, vor falscher Lehr' Und gieb mir hier und dorte, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend' ab all' Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben. 3. Soll ich einmal nach deinem Rat Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freuden. Mein Leib und Seel' befehl' ich dir 348 Kreuz⸗ und O Herr, ein selig'ꝰ End' gieb mir Durch Jesum Christum Amen. Caspar Bienemann, geb. 1540 f 1591. Mel. Wenn wir in höchsten Nöten ein. x 473 ilf Helfer, hilf * in Angst und Not. Erbarm' dich mein, du treuer Gott; Ich bin ja doch dein liebes Kind, Trotz Teufel, Welt und aller Sünd'. 2. Ich trau auf dich, o Gott, mein Herr; Wenn ich dich hab', was will ich mehr? Ich hab' ja dich, Herr Jesu Christ, Du mein Gott und Erlöser bist. 3. Des freu' ich mich von Trost⸗Lieder. muß mich lieben; Wenn Stürme toben wild und schwer, So will er mich nur üben Und mein Gemüt in seiner Güt' Gewöhnen fest zu stehen. Halt ich dann Stand, weiß seine Hand Mich wieder zu erhöhen. 3. Ist, was ich bin und habe, mein? Gab ich mir selbst das Leben? Sein Werk bin ich, er hat allein Mir Seel' und Leib gegeben; Ich gab mir nicht des Geistes Licht, Er läßt es in mir scheinen; Wer so viel thut, des Herz und Mut Kann's nimmer böse meinen. 4. Wie wollt' ich nur den Herzen fein, Bin gutes Muts Aufenthalt Auf dieser Welt und harre dein, Verlaß mich erlangen? Ich wäre längstens gänzlich auf dein Wort: Hilf tot und kalt, Wenn Gott mich Helfer, hilf mir hier und nicht umfangen Mit seinem dort. Arm, der alles warm, Ge⸗ Nicolaus Selnecker, geb. 1530 f 1592 sund und fröhlich machet; Was er nicht hält, das bricht Mel. Was mein Gott will, das und fällt, Was er erfreut, Yseth allerit. das lachet. 474 Ich hab' in Gottes 5. Zudem ist Weisheit und 3a Herz und Sinn Verstand Bei ihm ohn' alle Mein Herz und Sinn er⸗Maßen; Zeit, Ort und Stund' geben! Was böse scheint, ist ist ihm bekannt, Zu thun und mir Gewinn, Der Tod selbst auch zu lassen; Er weiß, ist mein Leben; Ich bin ein Sohn des, der vom Thron Des Himmels wohl regieret, Ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, Doch stets mit Liebe führet. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr, Mein ‚Vater wann Freud', er weiß, wann Leid Uns, seinen Kindern, diene; Und was er thut, ist alles gut, Ob's noch so trau⸗ rig schiene. 6. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, Was Fleisch und Blut begehret, Als sei Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. mit einer großen Last Dein Glück und Heil beschweret; Hast spät und früh viel Sorg' und Müh, An deinen Wunsch zu kommen, Und denkest nicht, daß, was geschicht, Gescheh' zu deinem Frommen. 7. Fürwahr, der dich er⸗ schaffen hat Und ihm zur Ehr' erbauet, Der hat schon längst in seinem Rat Ersehen und beschauet Aus wahrer Treu, was dienlich sei Dir und den Deinen allen; Laß ihm doch zu, daß er nur thu nach seinem Wohlgefallen. 8. Wie's Gott gefällt, so muß es sein, Es wird zuletzt dich freuen; Was du jetzt nennest Kreuz und Pein, Wird dir zum Trost gedeihen. Wart' in Geduld, die Gnad' und uld Wird sich noch endlich finden; All' Angst und Qual wird anf einmal Gleichwie ein Rauch verschwinden. 9. Das Feld kann ohne 47⁵ Occh hab' in guten * N Stunden Des Ungestüm Gar keine Früchte tragen. So fällt auch Men⸗ schenwohlfahrt hin Bei lauter guten Tagen, Die Aloe bringt bittres Weh', Macht Hleich wohl rote Wangen; So muß ein Herz durch Angst und Schmerz Zu seinem Heil ge— langen. 10. Ei nun, mein Gott, so fall ich dir Getrost in deine Hände: Nimm mich und mach' du es mit mir Bis an mein letztes Ende, Wie du wohl 349 weißt, daß meinem Geist Dadurch sein Heil entstehe, Und deine Ehr' je mehr und mehr Sich in ihr selbst er⸗ höhe. 11 Willst du mir geben Sonnenschein, So nehm' ich's an mit Freuden; Soll's aber Kreuz und Unglück sein, Will ich's geduldig leiden. Soll mir allhier des Lebens Thür Noch ferner offen stehen; Wie du mich führst und führen wirst, So will ich gern mit⸗ gehen. 12. Soll ich dann auch des Todes Weg Und finst're Straße reisen; Wohlan, so wähl' ich Bahn und Steg, Die mir dein' Augen weisen, Du bist mein Hirt, der alles wird Zu solchem Ende kehren, Daß ich einmal in deinem Saal Dich ewig möge ehren. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. O Welt, ich muß. Lehens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl; So will ich denn gelassen Mich auch im Leiden fassen; Welch Le⸗ ben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder; Und stets strafst du gelinder, Als es der Mensch verdient; Sollt' ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh' erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 350 Kreuz⸗ und 3. Dir will ich mich er⸗ eben, Nicht meine Ruh', mein eben Mehr lieben als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen Und nicht auf Men⸗ schen bauen; Du hilfst und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, Mich alle meine Sün⸗ den Erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe; Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau' ich deiner Gnade; Du, Herr, bist bei mir in der Not. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, Im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod be⸗ denken; Der Herr wird alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. Christ. Fürchteg. Gellert, geb. 1715 f 1769. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 476. eine Seele senket O. Mi sech Hin in Got⸗ tes Herz und Hände, Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende, Lieget still und willenlos In des liebsten Vaters Schoß. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit allem wohl zu⸗ Trost⸗Lieder. spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Christi Grab gelegt. 3. Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an nichts ge⸗ denken, Was gleich spitzen Dornen sticht Und den Frie⸗ den nur kann kränken; Sorgen kommt dem Schöpfer zu, Meine Seele sucht nur Ruh'. 4. Meine Seele grämt sich nicht, Liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, Trifft und ängstet nur die Heiden; Wer Gott in dem Schoße liegt, Bleibt in aller Not vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöten, Hängt an Gottes An⸗ gesicht, Auch alsdann, wenn er will töten; Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird der Freudengeist verjagt. 6. Meine Seel' ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden; Also hab' ich allen Spott, Alle Schmerzen über⸗ wunden; Bin gleichwie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr'. Joh. Jos. Winckler, geb. 1670 f 1722. Mel. Wer nur den lieben Gott laͤßt walten. 7 ch halte Gott in 477. V allem stille, Er liebet mich in Freud' und Schmerz: Wie gut ist Gottes frieden; Was der eigne Wille Vaterwille! Wie freundlich Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. i mich liebend Herz! Er st mein Hort und meine Zier; Was Gott gefällt, gefällt auch mir. 2. Mein Gott weiß alles wohl zu machen, Er ist der W ewig treue Freund; Er läßt mich nach dem Weinen lachen, Was er thut, das ist wohl⸗ emeint. Sein Lieben währet für und für; Was Gott ge⸗ fällt, gefällt auch mir. 3. Sein Wille bleibet mein d Vergnügen, So lang ich leb' auf dieser Welt. Mein eigner Wille kann nur trügen, Der das nicht will, was Gott ge⸗ fällt. Ich denk an meine Christgebühr: Was Gott ge⸗ fällt, gefällt auch mir. 4. Er will und wird mich ewig lieben, Er weiß wohl, was mir nützlich sei; Er hat mich in die Hand geschrieben Mit laut'rem Golde seiner Treu'. Weg eigner Wille, weg mit dir! Was Gott ge⸗ füllt gefällt auch mir. 5. Gott will, daß mir ge⸗ holfen werde, Er will der Seelen Seligkeit; Drum ist mein Herz auf dieser Erde Voll wahrer Gottergebenheit; Sein Will' geschehe dort und hier; Was Gott gefällt, ge⸗ fällt auch mir. Sorenz Wilhelm Crantz, geb. 1674 + 1742. Eigne Melodie. 128. e 351 mein Thun Und Werk in dei⸗ nem Willen ruhn, Von dir kommt Glück und Segen; Was du regierst, das geht und steht Auf rechten guten egen. 2. Es steht in keines Men⸗ schen Macht, Daß sein Rat werd' ins Werk gebracht Und seines Gang's sich freue; Des Höchsten Rat der macht's allein, Daß Menschenrat ge⸗ eihe. 2 Oft denkt der Mensch in seinem Mut, Dies oder jenes sei ihm gut, Und ist doch weit gefehlet! Oft sieht er auch für schädlich an, Was Gott doch selbst erwählet. 4. So fängt auch oft ein weiser Mann Ein gutes Werk mit Freuden an Und bringt's doch nicht zu Stande; Er baut ein Schloß und festes Haus, Doch nur auf lauter'm Sande. 5. Wie mancher ist in sei⸗ nem Sinn Fast über Berg und Spitzen hin, Und eh' er sich's versiehet, So liegt er da, und 20 h Fuß Ver⸗ eblich sich bemühet. aDe lieber Vater, der du Kron' Und Sceepter trägst im Himmelsthron Und aus den Wolken blitzest, Vernimm mein Wort und höre mich Vom Stuhle, da du sitzest. 7. Verleihe mir das edle Licht, Das nur von deinem Angesicht In fromme Seelen fließet, Und das in mir der 352 Kreuz⸗ und Trost-⸗Lieder. Weisheit Kraft Durch deine Kraft ergießet. 8. Gieb mir Verstand aus deiner Höh', Auf daß ich ja nicht ruh' und steh' Auf mei⸗ nem eignen Willen; Sei du mein Freund und treuer Rat, Was gut ist zu erfüllen. 9. Prüf' alles wohl und was mir gut, Das gieb mir ein; was Fleisch und Blut Erwählet, das verwehre. Der höchste Zweck, das beste Teil Sei deine Lieb' und Ehre. 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seelen Sonn' und Zier, Ge⸗ fallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Werk und That verüben! 11. Ist's Werk von dir, so hilf zu Glück, Ist's Menschen⸗ thun, so treib's zurück Und ändre meine Sinnen. Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst In kurzem zu zer⸗ rinnen. 12. Sollt' aber dein und unser Feind An dem, was dein Herz gut gemeint, Be⸗ ginnen sich zu rächen, So ist's mein Trost, daß seinen Zorn Du leichtlich könnest brechen. 13. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich deucht, Und bring' zum guten Ende, Was du selbst angefangen hast Durch Weisheit deiner Hände. tiefe Meer Der bittren Sorge treten, So treib mich nur ohn' Unterlaß Zu seufzen und zu beten. 15. Wer fleißig betet und dir traut, Wird alles, davor sonst ihm graut, Mit tapf' rem Mut'bezwingen; Sein Sorgen⸗ stein wird in der Eil' In tausend Stücke springen. 16. Der Weg zum Guten ist fast wild, Mit Dorn und Disteln ausgefüllt; Doch wer ihn freudig gehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, Wo Freud' und Wonne stehet. 17. Du bist mein Vater, ich dein Kind, Was ich bei mir nicht hab' und find', Hast du zu aller G'nüge. So hilf nun daß ich meinen Stand, Wohl halt' und herrlich siege. 18. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr', Ich will dein Thun je mehr und mehr Aus hoch— erfreuter Seelen Vor deinem Volk und aller Welt, So lang ich leb', erzählen. Paul Gerhardt geb. 1606 1670 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 70% Oe größer Kreuz, je 479. X näher Himmel; Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott. Bei Sündenlust und Weltge⸗ tümmel Vergißt man Hölle, 14. Ist ja der Anfang etwas Fluch und Tod; O selig ist schwer Und muß ich auch ins der Mensch geschätzt, Den Kreuz⸗ und Gott in Kreuz und Trübsal setzt. 2. Je größer Kreuz, je bess'⸗ rer Christe, Gott prüft uns an dem Probestein. Wie mancher Garten lieget wüste, Wo Thränenregen nicht fällt ein! Das Gold wird auf dem Feuerherd, Ein Christ wird in der Not bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärk rer Glauben, Die Palme wächset bei der Last; Die Süßig⸗ keit fließt aus den Trauben, Wenn du sie wohl gekeltert hast. Im Kreuze wächset uns der Mut, Wie Perlen in ge⸗ salz'ner Flut. 4. Je größer Kreuz, je größ're Liebe. Der Wind bläst nur die Flammen auf, Und scheinet ja der Himmel trübe, So lachet doch die Sonne drauf; Das Kreuz vermehrt der Liebe Glut, Gleichwie das Oel im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete, Gerieb'ne Kräuter riechen wohl; Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psal⸗ men her, Wenn er auch nicht versuchet wär'. 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen, Im Thale steiget man bergan; Wer durch die Wüsten oft gegangen, Der sehnet sich nach Canaan. Das Täublein, findet's hier nicht Trost⸗Lieder. 353 Ruh', so fliegt es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben, Man freut sich recht auf seinen Tod; Wenn man entgehet dem Verderben, So stirbt auf einmal alle Not. Das Kreuze, das die Gräber ziert, Bezeugt, man habe trium⸗ phiert. 8. Je größer Kreuz, je schön're Krone, Die Gottes Schatz uns beigelegt, Und die einmal vor seinem Throne Der Ueber⸗ winder Scheitel trägt. Ach dieses teure Kleinod macht, Daß man das größte Kreuz nicht acht't. 9. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber sein! Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz' ein sol⸗ ches Herz mir ein, Das Glaube, Lieb' und Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. P. Schmelck, geb. 1672 T 1737. Mel. O Welt ich muß dich. 480H On allen meinen Thaten Laß ich den Höchsten raten, Der alles kann und hat. Er muß zu allen Dingen, Soll's anders wohl gelingen, Selbst dazu geben Rat und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Mein Sorgen ist umsonst; Er mag's mit meinen Sachen Nach seinem 23 354 Willen machen; Ich stell's in seine Vatergunst. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, Als was er hat versehen, Und was mir selig ist. Ich nehm' es, wie er's giebet, Was ihm von mir beliebet, Das hab' ich willig auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Uebel schützt. Leb' ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verletzen, Nichts fehlen, was mir ewig nützt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld; Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urteil sprechen Und mit mir haben noch Ge⸗ duld. 6. Leg' ich mich späte nieder, Erwach' ich frühe wieder, Lieg' oder zieh' ich fort, In Schwach⸗ heit und in Banden Und was mir stößt zu Handen, So tröstet mich allzeit sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen An Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. dich erschaffen hat. Es gehe wie es gehe, Dein Vater in der Höhe, Der weiß zu allen Sachen Rat. Paul Flemming, geb. 1609 + 1640. Psalm 31, 1—6. Eigne Melodie. n dich hab' ich ge⸗ 481. Ahoffet, Herr; Hiff daß ich nicht zu Schanden werd' Noch ewiglich zu Spotte. Das bitt' ich dich: Erhalte mich In dir, dem treuen Gotte! 2. Dein gnädig' Qhr neig' her zu mir, Erhör' mein' Bitt', thu dich herfür, Eil' bald mich zu erretten! In Angst und Weh Ich lieg' und steh': Hilf mir in meinen Nöten. 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, Sei meine Burg, darin ich frei Und ritterlich mög' streiten, Ob auch der Feind Mit Macht erscheint, Anstürmt auf beiden Seiten. 4. Du bist mein' Stärk', mein Fels und Hort, Mein mein Verhängnis gehn; Kein Schild, mein Kraft, sagt mir Unfall unter allen Wird mir zu harte fallen, Mit will ich ihn überstehn. 8. Ihm hab'ich mich ergeben, Zu sterben und zu leben, So⸗ bald er mir gebeut: Es sei heut' oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen, Er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine, Und traue dem alleine, Der Gott dein Wort, Mein' Hülf', mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott In aller Not: Wer mag mir widerstreben? 5. Mir hat die Welt oft zugericht't Viel Lügen, Trug und falsch' Gedicht, Viel' Netz' und heimlich Stricke; Herr, nimm mein' wahr In der Ge⸗ fahr, Schütz' mich vor Teufels Tücke. Kreuz⸗ und 6. Herr, meinen Geist be— fehl' ich dir; Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände; O wahrer Gott, Aus aller Not Hilf mir am letzten Ende. 7. Preis, Ehre, Macht und Herrlichkeit Sei Vater, Sohn und Geist bereit Und seinem heil'gen Namen. Die göttlich' Kraft Mach' uns sieghaft Durch Jesum Christum, Amen. Adam Reißner, geb. 1496 f 1588. Röm. 8, 31—39. Mel. Valet will ich dir geben. 482½ Isst Gott für mich, 0 so trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf' und bete, Weicht alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt von Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott'ꝰ 2. Nun weiß und glaub' ich feste, Ich rühm's auch ohne Scheu, Daß Gott, der höchst' und beste, Mein Freund und Vater sei, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh' Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich Trost-⸗Lieder. 355 Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe wert. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, Mein Glanz und helles Licht, Wenn der nicht in mir wäre, So dürft' und könnt' ich nicht Vor Gottes Augen stehen Und vor dem strengen Sitz; Ich müßte stracks vergehen, Wie Wachs in Feuers Hitz'. 5. Mein Jesus hat gelöschet, Was mit sich führt den Tod; Der ist's, der rein mich wäschet, Macht schneeweiß, was ist rot. In ihm kann ich mich freuen, Hab' einen Heldenmut, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts ängstet mehr mein Herz; Die Höll' und ihre Flammen, Die sind mir nur ein Scherz; Kein Urteil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt; Weil gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd'; mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibet Sorg' und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin; Giebt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Kraft. 8. Und wenn sich hier und dorte Noch Furcht und Schwach⸗ heit find't, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem 2³³ 356 Kreuz⸗ und Munde, Gott aber wohlbewußt, Der an des Herzens Grunde Ersiehet seine Lust. 9. Sein Geist spricht mei⸗ nem Geiste Manchsüßes Trost⸗ wort zu, Wie Gott dem Hülfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh'. Und wie er hab' erbauet Ein' edle neue Stadt, Da Aug' und Herze schauet, Was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Teil, mein Erbe, Mir prächtig zugericht't, Wenn ich gleich fall' und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuch— ten Mit Thränen meine Zeit, Mein Jesus und sein Leuchten Durchsüßet alles Leid. 11. Wer sich mit dem ver⸗ bindet, Den Satan fleucht und haßt; Der wird verfolgt und findet Ein' harte, schwere Last Trost⸗Lieder. Fürsten Soll mir ein' Hind'⸗ rung sein. ö 14. Kein Engel, keine Freu⸗ den, Kein Thron, kein' Herr⸗ lichkeit; Kein Lieben und kein Leiden, Kein' Angst, kein Herze⸗ leid, Was man nur kann er⸗ denken, Es sei klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoß. 15. Mein Herze geht in Sprüngen Und kannnicht trau⸗ rig sein, Ist voller Freudꝰ und Singen, Sieht lauter Sonnen⸗ schein: Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ; Das, was mich singen machet, Ist, was im Himmel ist. Paul Gerhardt, geb. 1606 4 1676. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 5 483. Kepenasten, Der Zu leiden und zu tragen, Ge-ihm vertraut allzeit; Und ob rät in Hohn und Spott, Das ihn gleich viel hassen, Ge⸗ Kreuz und alle Plagen, Die schieht ihm doch kein Leid. sind sein täglich Brot. Gott will die Seinen schützen, 12. Das ist mir nicht ver⸗Zuletzt erheben hoch; Und borgen; Doch bin ichunverzagt: geben, was da nützet, Hier Gott willichlassen sorgen, Dem zeitlich und auch dort. ich mich zugesagt, Es koste Leib 2. Allein ich's Gott heim⸗ und Leben Und alles, was ich stelle, Er mach's, wie's ihm hab': An dir will ich fest kle⸗gefällt, Für meine arme Seele, ben Und nimmer lassen ab. In dieser argen Welt Ist 13. Die Welt, die mag zer⸗doch nur Kreuz und Leiden brechen, Du stehst mir ewig-Und muß auch also sein: Denn lich. Kein Brennen, Hauen, die zeitlichen Freuden Bringen Stechen Soll trennen mich und uns ew'ge Pein. dich; Kein Hunger und kein 3. Treulich will ich Gott bit⸗ Dürsten, Kein Armut, keine ten Und nehmen zum Beistand Pein, Kein Zorn des großen In allen meinen Nöten, Die Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. ůihm gar wohl bekannt; Ge⸗ duld will ich erbitten; In dem Anliegen mein: Er wird mich wohl behüten Und mein Not⸗ helfer sein. 4. All' Glück und all' Un⸗ glücke, Das kommt allein von Gott: Ich weiche nicht zurücke Und fleh' in meiner Not. Wie kann er mich denn hassen, Der treue Helfer mein? Ja wenn die Not am größten, Da will er bei mir sein. 5. Reichtum und alle Schätze, Was sonst der Welt gefällt, Drauf ich mein'n Sinn nicht setze; Das bleibet in der Welt. Mein Schatz ist in dem Him⸗ mel, Der Jesus Christus heißt, Ist über alle Schätze, Schenkt uns den heil'gen Geist. 6. Ihn hab' ich eingeschlossen In meines Herzens Schrein. Sein Blut hat er vergossen Für alle Sünden mein, Mich damit zu erlösen Von ew'ger Angst und Pein: Wie könnt' auf dieser Erde Doch größ're Liebe sein? 7. Nun sollt' ich mich er⸗ zeigen Dankbar für solche Gnad': Ich geb' mich Gott zu eigen Mit allem, was ich hab⸗ Wie er's mit mir will machen, Sei ihm anheimgestellt; Ihm laß ich meine Sachen: Er mach's, wie's ihm gefällt. 8. Amen, nun will ich schließen Dies schlichte Liede— lein. Herr, durch dein Blut⸗ vergießen Laß mich dein Erbe 357 sein: So hab' ich hier auf Erden, Was mich erfreuet schon, Im Himmel soll mir werden Die ew'ge Gnaden⸗ kron'. Andr. Keßler, geb. 1595 f 1643. Eigne Melodie. 484 Mein Hoffnung stehet feste, Steht auf dem lebend'gen Gott! Er ist mir der Allerbeste, Der mir beisteht in der Not; Er allein Soll es sein, Den ich nur von Herzen mein'. 2. Sagt mir, wer kann doch vertrauen Auf ein schwaches Menschenkind? Wer kann feste Schlösser bauen In die Luft und in den Wind? Es vergeht, Nichts besteht, Was ihr auf der Erde seht. 3. Aber Gottes Güte währet Immer und in Ewigkeit; 311. und Menschen er ernähret Dur erwünschte Jahreszeit: Alles hat Seine Gnad' Dargereichet früh und spat. 4. Giebt er uns nicht alles reichlich Und mit großem Ueberfluß? Seine Lieb' ist unbegreiflich, Strömend wie ein mächt'ger Fluß; Luft und Erd' Uns ernährt, Wenn es Gottes Will' begehrt. 5. Danket nun dem großen Schöpfer Durch den wahren Menschensohn, Der uns, wie ein freier Töpfer, Hat gemacht aus Erd' und Thon; Groß 358 Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. von Rat, Stark von That Hoffen; Was sie je betroffen, Ist, der uns erhalten hat. Träget sie mit Lust; Fasset Joachim Neander, geb. 1640 f 1680 sich ganz männiglich Durch Geduld und Glauben feste: Mel. Jesu, meine Freude. Jeine Seel' ist 485. 9(stille Zu Gott, dessen Wille Mir zu helfen steht; Mein Herz ist vergnüget Mit dem, wie's Gott füget. Nimmt's an, wie es geht; Geht es nur dem Himmel zu Und bleibt Jesus ungeschieden, Sobin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu sein Aller Ort' und Zeiten Und mag keinen leiden, Der ihr redet ein; Von der Welt Ehr', Lust und Geld, Wonach so viel sind beflissen, Mag sie gar nichts wissen. 3. Nein, ach nein, nur einer, Sagt sie, und sonst keiner Wird von mir geliebt, Jesus der Getreue, In dem ich mich freue, Sich mir ganz ergiebt. Er allein, er soll es sein, Dem ich wieder mich ergebe, Und ihm einzig lebe. 4. Gottes Güt' erwäge Und dich gläubig lege Sanft in seinen Schoß; Lerne ihm ver⸗ trauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh' so groß, Die da fleußt aus stillem Geist. Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den kann er erquicken. 5. Meine Seele senket Alles, was sie kränket, Tief in Jesu Brust; Sie wird stark durch! Endlich kommt das Beste. 6. Amen, es geschiehet; Wer zu Jesu fliehet, Wird es recht erfahr'n, Wie Gott seinen Kin⸗ dern Pflegt das Kreuz zu min⸗ dern Und das Glück zu spar'n; Bis zu End' alsdann sich wend't Das zuerst erduld'te Leiden, Und gehn an die Freuden. Joh. Caspar Schade, geb. 1666 + 1698. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 486 eine Sorgen, * Angst und Plagen Laufen mit der Zeit zu End'; Alles Seufzen, alles Klagen, Das der Herr alleine kennt, Wird Gottlob, nicht ewig sein; Nach dem Regen wird ein Schein Von viel tausend Sonnenblicken Meinen matten Geist erquicken. 2. Meine Saat, die ich ge⸗ säet, Wird zur Freude wachsen aus, Wenn die Dornen abge⸗ mähet, So trägt man die Frucht nach Haus; Wenn ein Wetter ist vorbei, Ist der Himmel wie⸗ der frei; Nach dem Kämpfen, nach dem Streiten Kommen die Erquickungszeiten. 3. Wenn man Rosen will abbrechen, Muß man leiden in der Still', Daß uns auch die Dornen stechen; Es geht alles, wie Gott will. Er hat uns ein Ziel gezeigt, Das man Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. nur im Kampf erreicht; Will man hier das Kleinod finden, So muß man erst überwinden. 4. Unser Weg geht nach den Sternen, Der mit Kreuzen ist besetzt; Hier muß man sich nicht entfernen, Ob er gleich mit Blut benetzt. Zu dem Schloß der Ewigkeit Kommt kein Mensch hin ohne Streit; Die in Sa⸗ lems Mauern wohnen, Zeigen ihre Dornenkronen. 5. Es sind wahrlich alle Frommen, Die des Himmels Klarheit sehn, Aus viel Trübsal hergekommen, Darum siehet man sie stehn Vor des Lammes Stuhl und Thron, Prangend in der Ehrenkrone Und mit Palmen ausgezieret, Weil sie glücklich triumphieret. 6. Gottes Ordnung stehet feste Und bleibt ewig unver⸗ rückt; Seine Freund'und Hoch⸗ zeitsgäste Werden nach dem Streit beglückt. Israel erhält den Sieg Nach geführtem Kampf und Krieg; Kanaan wird nicht gefunden, Wo man nicht hat überwunden. 7. Daxum trage deine Ketten, Meine Seel' und dulde dich; Gott wird dich gewiß erretten, Das Gewitter leget sich; Nach dem Blitz und Donnerschlag Folgt ein angenehmer Tag, Auf den Abend folgt der Morgen Und die Freude nach den Sorgen. 359 Eigne Melodie. icht so traurit, 487. N nicht so schr, Meine Seele, sei betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr' Nicht so viel wie andern giebt. Nimm vorlieb mit deinem Gott: Hast du Gott, so hat's nicht Not. 2. Du noch sonst ein Men⸗ schenkind Hast ein Recht in dieser Welt; Alle, die geschaffen sind, Gäste sind's im fremden Zelt! Gott ist Herr in seinem Haus; Wie er will, so teilt er aus. 3. Bist du doch darum nicht hier, Daß du Erden haben sollt; Schau den Himmel über dir; Da, da ist dein edles Gold; Da ist Ehre, da ist Freud', Freud' ohn' Ende, Ehr' ohn' Neid. 4. Der ist thöricht, der sich kränkt Um ein' handvoll Eitel⸗ keit, Wenn ihm Gott dagegen schenkt Schätze der Beständig⸗ keit, Bleibt das Wesen dein Gewinn, Fahr' der Schatten immer hin. 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält: Keines mit dir gehen kann, Wenn du gehest' aus der Welt; Alles bleibet hinter dir, Wenn du trittst ins Grabes Thür. 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut Hadle 1705 Wird von keiner Zeit verzehrt, Ist und bleibet allzeit gut. 360 Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut, das schwindet nicht. 7. Wüßte, der im Himmel lebt, Daß dir wäre nütz' und gut, Wonach so begierig strebt Dein verblend'tes Fleisch und Blut, Würde seine Frömmig— keit Dich nicht lassen unerfreut. 8. Nun so gehe in den Grund Deines Herzens, das dich lehrt, Wie viel Gutes alle Stund' Dir von oben wird beschert! Du hast mehr als Sand am Meer Und willst doch noch immer mehr. 9. Gott ist deiner Liebe voll Und von ganzem Herzen treu. Wenn du wünschest, prüft er wohl, Wie dein Wunsch be⸗ schaffen sei: Ist dir's gut, so geht er's ein, Ist'sdein Schade, spricht er nein. 10. Unterdessen trägt sein Geist Dir in deines Herzens Haus Manna, das die Engel speist, Ziert und schmückt es herrlich aus. Ja, er wählet, dir zum Heil, Dich zu seinem Gut und Teil. 11. Ei, so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaubens Freudenlicht! Das behalt, wenn dich die Nacht Deines Kummerstraurig 12. Setze als ein Himmels⸗ sohn Deinem Willen Maß und Ziel; Rühre stets vor gegeben ist Viel mehr als du würdig bist. 13. Führe deines Lebens Lauf Allzeit Gottes eingedenk! Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohlbedacht' Ge⸗ schenk. Geht dir's widrig: laß es gehn; Gott uud Himmel bleibt dir stehn! Paul Gerhardt, geb. 1606 1676. Mel. Allein 1. in der Höh' sei Ehr'. IIUOU och dennoch mußt 488. N du ii. uicht ganz In Traurigkeit versinken. Gott wird des süßen Trostes Glanz Schon wieder lassen blinken; Steh in Geduld, wart' in der Still' Und laß Gott machen, wie er will; Er kann's nicht böse machen. 2. Ist denn dies unser erstes Mal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir als Angst und Qual Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr so hoch gekränkt Und hat doch Gott uns drauf geschenkt Ein Stündlein seiner Freuden. 3. So ist's auch Gottes Meinung nicht, Wenn er uns Unglück sendet, Als sollte drum sein Angesicht Ganz von uns sein gewendet. Nein, sondern dieses ist sein Rat, Daß der, so ihn verlassen hat, Durchs Unglück wiederkehre. 4. Denn das ist unsers Gottes Thron Deines Dankes Saitenspiel, Weil dir schon Fleisches Mut, Wenn wir in Freuden leben, Daß wir dann f Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. 361 unserm höchsten Gut Am ersten zerschellen: Gott hat uns Gnade widerstreben: Wir sind von Erd' und halten wert Vielmehr was hier ist auf der Erd', Als was im Himmel wohnet. 5. Drum fährt uns Gott durch unsern Sinn Und läßt uns Weh geschehen. Er nimmt oft, was uns lieb, dahin, Da⸗ mit wir aufwärts sehen Und uns zu seiner Güt' und Macht, Die wir bisher nicht groß ge⸗ acht't, Als Kinder wiederfinden. 6. Thun wir nun das, ist er bereit, Uns wieder anzu⸗ nehmen, Macht aus dem Leide lauter Freud' Und Lachen aus dem Grämen. Es ist ihm das gar leichte Kunst, Wen er umfängt mit Lieb' und Gunst, Dem ist geschwind geholfen. 7. Drum falle du, betrüb⸗ tes Heer, In Demut vor ihm nieder, Sprich: Herr, wir geben dir die Ehr', Ach, nimm uns Sünder wieder In deine Gnade, reiß die Last, Die du D uns auferleget hast, Hinweg, heil' unsern Schaden. 8. Denn Gnade gehet doch vor Recht, Zorn muß der Liebe weichen, Drum wird, wenn ich erliegen möcht', Gott sein Erbarmen reichen. Dies ist die Hand, die uns erhält, Wo wir die lassen, bricht und fällt All'unser Thun zusammen. 9. Auf Gottes Liebe mußt du stehn Und dich nicht lassen fällen, wenn auch der Himmel wollt' vergehn Und alle Welt zugesagt, Sein Wort ist klar, wer es drauf wagt, Dem kann es nimmer fehlen. 10. So darfst du auch an seiner Kraft Garkeinen Zweifel haben; Wer ist's, der alle Dinge schafft? Wer teilt aus alle Ga⸗ ben? Gott thut's; und Gott ist auch der Mann, Der Rat und Mittel finden kann, Wenn jedermann verzaget. 11. Deucht dir die Hülf' unmöglich sein, So sollst du gleichwohl wissen, Gott räumt uns dieses nimmer ein, Daß er sich kann einschließen In unsrer Sinne Blödigkeit; Sein Arm ist frei, thut jederzeit Viel mehr als wir verstehen. 12. Was ist sein ganzes wertes Reich Als lauter Wun⸗ dersachen? Er hilft und baut, wenn wir uns gleich Des gar kein' Hoffnung machen, Und das ist seines Namens Ruhm, en du, wenn du sein Heilig⸗ tum Willst sehen, ihm mußt geben. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676 Eigne Melodie. ur frisch hinein, 489. N Es wird so tief nicht sein: Das rote Meer wird dir schon Platz vergönnen. Was seufzest du? Sollt' der nicht helfen können, Der nach dem Blitz giebt heitern Sonnen⸗ schein? Nur frisch hinein! — ꝓS.ll...ee ——— 362 Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. 2. Der Herr der Welt Hat dich der Engel Wagen Zum einen Weg bestellt, Den nie⸗sichern Schutz; und ob du mand weiß; eh' sein Volk dich verirrt: Er ist dein Hirt. sollte sinten, Muß selbst das 8. Die größte Not Zerbricht Meer auf seines Schöpfers doch einst der Tod. Hindurch, Winken Zur Mauer sein. Er hindurch! und folge deinem dämmt das Flutenfeld, Der Führer, Dein Jesus ist der Erd⸗ Herr der Weit und Meerregierer; Der schrei⸗ 3. Die Tapferkeit Ist jeder⸗tet durch und reißt aus aller zeit bereit, Durch Kreuz und Not Dich durch den Tod. Schmach und durch die krausen 9. Auf, blöder Sinn Wirf 6 ů Wellen Zu. Prannst durch; allen Kummer hin Und schicke Sie hält und fest sie fal dich, die Tiefe durchzuwaten! Sie hält uns fest in seter Kommt schon ein Sturm, dein Sicherheit, W e Jesus wird dir raten Und 4. Ein Krieger mamn Muß helfen aus, der Tod ist dein tapfer halten an, Es steht nicht Gewinn. Auf, blöder Sinn! wohl, wenn Krieger wollen 10. Der Christenstand Ist fliehen, Weil sie das End des pier AIid. Hewandle.—— Krieges nicht ersehen. Ein Christ hir K e. das. Aude 115—„ ist auch, der tapfer kämpfen n Krenz das 7 1. 85r kann, Ein Kriegesmann. ne n, e unser Kreuz getragen Am KGrenzess +S8 istei her deen er eer Iugen Sint Ler Cheernt. nal angesangen, Das ninmt II. Wer wandem soll, der * er Herr ist vor⸗ muß oft mühevoll Durch Ber ein End'. Der Herr ist vor- muß ost mühevoll Vurch Berg gegangen, Du folge nach und und Thal und tiefe Gründe tritt nur tapfer drauf! Es dringen; So muß ein Christ höret auf. auch nach dem Himmel ringen 6. Des Kreuzes Pein Wird Und leiden viel. Der geht oft ja nicht ewig sein. Es ist ein mühevoll, Der wandern soll. Kelch, der seinen Boden zeiget., 12. Ach mein Herr Christ, Man sieht den Grund, wenn Wenn du nur bei mir bist, alles ausgeneiget. Drum laß So will ich auch mein Leben dir einen Trank des Lebens willig enden; Zu dir, mein sein Des Kreuzes Pein. Gott, will ich mich gänzlich 7. Er ist dein Hirt, Der dich wenden Und tragen, was mir nicht lassen wird; Er wird auferleget ist; Ach mein Herr sein Schaf auf seinen Achseln Christ! tragen: Es wartet schon auf Mich. Kongehl, geb. 1646 + 1710 5. Der Kampf hört auf, Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. Eigne Melodie. chwing' dich auf 490. S zu deinem Gott, Du betrübte Seele. Warum liegst du Gott zum Spott In der Schwermutshöhle? Merkst Gnaden: will durch sein Kämpfen Dei⸗ nen Trost, den Jesus Christ aus Liebe, du nicht des Satans List? Er Dir erworben, dämpfen. 2. Schüttle deinen Kopf und sprich: Fleuch, du alte Schlange! deinen Stich, Machst mir angst Kopf zerknickt Und ich bin durchs Leiden Meines Hei⸗ lands dir entrückt In den Saal der Freuden. 3. Wirfst du mir mein Sünd'gen für? Wo hat Gott befohlen, Daß mein Urteil ich bei dir Ueber mich soll holens Wer hat dir die Macht ge⸗ schenkt, Andre zu verdammen, Der du selbst doch liegst ver⸗ senkt In der Hölle Flammen? 4. Hab ich was nicht recht gethan, Ist mir's leid von Herzen; Da hingegen nehm' ich an Christi Blut und Schmerzen, Denn das ist das Lösegeld Meiner Missethaten; Wenn mein Glaub' dies Gott vorhält, Ist mir wohl geraten. 5. Christi Unschuld ist mein Ruhm, Sein Recht meine Krone, Sein Verdienst mein Eigentum, Da ich frei inwohne Als in meinem festen Schloß, Das kein Feind kann fällen, Was erneust du 363 Brächt' er gleich davor Ge⸗ schoß Und Gewalt der Höllen. 6. Stürme, Teufel und du Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Not Gott mit seiner Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst verehrt Daß der ew'ge Spott und Hohn Mich nicht dort betrübe. 7. Schreie, tolle Welt, es sei Mir Gott nicht gewogen; Es ist lauter Täuscherei Und und bange? Ist dir doch der im Grund erlogen. Wäre mir Gott gram und feind, Würd' er seine Gaben, Die mein eigen worden sind, Wohl be⸗ halten haben. §. Denn was ist im Him⸗ melszelt, Was im tiefen Meere, Was ist Gutes in der Welt, Was nicht mir gehöre? Für wen brennt das Sternenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser, dient es nicht Mir und meinem Leben? 9. Für wen wird das Erd⸗ reich naß Von dem Tau und Regen? Für wen grünet Laub und Gras? Für wen füllt der Segen Berg und Thal und Feld und Wald? Wahr⸗ . mir zur Freude, Daß ich sichern Aufenthalt Find' und Leibesweide. 10. Meine Seele lebt in mir Durch die süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott er⸗ öffnet allezeit Meines Geistes —————— 364 Sinne, Daß ich seiner Gütig⸗ keit Fröhlich werde inne. 11. Was sind der Pro⸗ pheten Wort', Der Apostel Schreiben, Als ein Licht am dunkeln Ort, Fackeln, die ver— treiben Meines Herzens Fin— sternis Und in Glaubenssachen Das Gewissen fein gewiß Und recht grundfest machen? 12. Nun auf diesen heil'gen Grund Bau ich mein Gemüte, Sehe, wie der Hölle Grund Zwar dawider wüte: Gleich⸗ wohl muß er lassen stehn, Was Gott aufgerichtet, schmählich muß vergehn, Was er selber dichtet. 13. Ich bin Gottes, Gott ist mein; Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide: Laß es dringen! kommt es doch Von geliebten Hän— den! Schnell zerbricht des Rreuzes Joch, Wenn es Gott will wenden. 14. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die geraten selten wohl Ohne Zucht und Ruten. Bin ich denn nun Gottes Kind, Wa— rum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd' Will zum Guten ziehen? 15. Es ist herzlich gut ge— meint Mit der Christen Pla-⸗ gen, Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig kla— gen, Sondern hat vollkommne Lust Dort in Christi Garten, Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. Wo er ruht an Jesu Brust, Endlich zu erwarten. 16. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thrä nen; Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen; Denn es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen: Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud' und Lachen. Aber 17. Ei, so faß, o Christen⸗ herz, Alle deine Schmerzen; Wirf sie fröhlich hinterwärts, Laß des Trostes Kerzen Dich entzünden mehr und mehr, Gieb dem großen Namen Dei⸗ nes Gottes Preis und Ehr', Er wird helfen! Amen. Paul Gerhardt, geb. 1606 1076. Mel. Jehovah ist mein Licht und Gnadensonne. 491 8* So, führst du doch recht selig, Herr, die Deinen, Ja selig und doch meistens wunderlich! Wie könntest du es böse mit uns meinen, Da deine Treu' nicht kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm und doch gerad', Darauf du läßt die Kinder zu dir gehn; Da pflegt es wunderseltsam auszusehn; Doch triumphiert zuletzt dein hoher Rat. 2. Dein Geist hängt nie an menschlichen Gesetzen, So die Vernunft in guter Mei— nung stellt. Den Zweifels⸗ knoten kann dein Schwert ver— Kreuz⸗ und letzen Und lösen auf, nachdem es dir gefällt. Du reißest leicht das stärkste Band ent⸗ zwei; Was sich entgegensetzt, muß sinken hin; Ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn; Dann geht dein Fuß auch durch Umwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zusammenfügen, Teilt dein Verstand in Ost und Westen aus; Was mancher unter Joch und Last will biegen, Setzt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; Sie bricht, du baust; sie baut, du reißest ein. Ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten sein; Dein Geist bei Toten Kraft und Leben schafft. 4. Wen die Vernunft oft fromm und selig preiset, Den hast du längst aus deinem Buch gethan; Doch wem dies Zeugnis niemand hier er⸗— weiset, Den führst du in der Still' selbst himmelan. Den Tisch der Pharisäer läßt du stehn Und speisest mit den Sündern; sprichst sie frei. Wer weiß, was öfters deine Absicht sei? Wer kann der tiefsten Weisheit alse sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts in deinen Augen; Was nichts ist, hast du, großer Herr, recht lieb. Der Worte Pracht und Ruhm vor dir nichts taugen, Die Kraft kommt nur aus deines Geistes Trieb. Die Trost⸗Lieder. 365 besten Werke bringen dir kein Lob; Sie sind versteckt, der Blinde geht vorbei; Wer Au⸗ gen hat, sieht sie, doch nicht so frei; Die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher, sei von uns gebenedeiet, Der du uns tö⸗ test und lebendig machst. Wenn uns dein Geist der Weisheit Schatz verleihet, So sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst. Die Weisheit spielt bei uns, wir spielen mit; Bei uns zu wohnen ist dir lauter Lust, Die reget sich in deiner Vaterbrust Und gän⸗ gelt uns mit zartem Kinder⸗ schritt. 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, Bald fährest du mit uns gar säu⸗ berlich. Geschieht's, daß unser Sinn sucht auszuschweifen, So weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir denn mit blöden Augen hin, Du herzest uns, wir sagen Bess'rung zu; Drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh' Und hält im Zaum den ausgeschweiften Sinn. 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, Die Ohnmacht und der Sinne Un⸗ verstand. Man kann es fast an unsrer Stirne lesen, Wie es um schwache Kinder sei be⸗ wandt; Drum greifst du zu und hältst und trägest sie, Brauchst Vaterrecht und zeigest 366 Kreuz⸗ und Muttertreuꝰ; Wo lein je und je. 9. So gehst du mit uns Dein Pfad wird selten öffentlich ge— sehn, Damit du siehst, was Wenn nicht gemeine Wege, sich im Herzen rege, Trost-Lieder. niemand fallen dächt'! Ach selig, der dein meint, daß etwas deine sei, Da hegst du selbst dein Schäf⸗ Licht ergreift und find't. 12. So ziehe mich denn recht nach deinem Willen Und trag' und heb' und führ' dein armes Kind! Dein inn'res Zeugnis soll den Zweifel stil⸗ len, Dein Geist die Furcht und Lüste überwind'. Du bist du in Dunkelheit mit uns mein Alles, denn dein Sohn x willst gehn. legst du vor Augen dar Von dem, was du in deinem Sinne hast. Wer meint, er hab' den gefaßt, Der wird am End' ein andres oft nicht Vorsatz recht gewahr. 10. O Auge, das Trug noch Heucheln leidet, Gieb mir des scharfen Blickes Sicherheit, Der die Natur von Gnade eigne Licht von deiner Hei⸗ terkeit. Laß doch mein Herz dich jemals meistern nicht, Brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt; Erweck' die Lust, die sich nur dir ergiebt, Und tadelt nie dein heimli⸗ ches Gericht. 11. Will etwa die Ver⸗ nunft dir widersprechen Und schüttelt ihren Kopf zu deinem Weg, So wollst du die Be— fest'gung niederbrechen, Daß ihre Höh' sich nur bei Zeiten leg', Kein fremdes Feuer sich in mir entzünd', Das ich vor dir in Thorheit bringen möcht' unterscheidet, Das Das Widerspiel ist mein; Dein Geist reg' sich ganz kräftiglich in mir; Ich Wwrennt nur nach dir in Liebs⸗ begier; Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! 13. Drum muß die Kreatur mir immer dienen, Kein En⸗ gel schämt nun der Gemein⸗ schaft sich; Die Geister, die vor dir vollendet grünen, Sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket mei⸗ nen Geist ein Herz, Das dich und mich und alle Christen liebt! Ist's möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freudenquell! weich' ewig, aller Schmerz! Gottfr. Arnold, geb. 1666 4 1714. Eigne Melodie. 492 Tollt' es gleich bis⸗ 1: oeilen scheinen, Als wenn Gott verließ die Seinen: O, so glaub' und weiß ich dies: Gott hilft endlich noch gewiß. 2. Hülfe, die er aufgescho— Und dir wohl gar so zu ge⸗ ben, Hat er drum nicht auf⸗ gehoben, Hilft er nicht zu Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nötig ist. 3. Gleich wie Väter nicht bald geben, Wonach ihre Kin⸗ der streben, So hält Gott auch Maß und Ziel, Er giebt, wem und wann er will. ich mich 4. Seiner kann getrösten, Wenn die Not am allergrößten; Er ist gegen mich, sein Kind, Mehr als väterlich gesinnt. 5. Trotz dem Teufel, Trotz dem Drachen! Ich kann ihre Macht verlachen; Trotz dem schweren Kreuzesjoch! Gott, mein Vater, lebet noch. 6. Trotz des bittern Todes Zähnen! Trotz der Welt und allen denen, Die mir sind ohn' Ursach' feind! Gott im Himmel ist mein Freund. 7. Laß die Welt nur immer neiden! Will sie mich nicht länger leiden, Ei, so frag' ich nicht darnach, Gott ist Richter meiner Sach'. 8. Will sie mich gleich von 367 mich da hinein, G'nug, Herr, wenn ich dein kann sein. Christoph Titius, geb. 1641 1 1703. Mel. was soll ich Sünder Ach, machen. TDollt' ich meinem 493.. Scounihthanen, Der mich liebt so väterlich, Der so herzlich sorgt für mich? Sollt' ich auf den Fels nicht bauen, Der mir ewig bleibet fest, Der die Seinen nicht ver⸗ läßt? 2. Er weiß alles, was mich drücket, Meine Wünsche, meine Not, Er steht bei mir bis zum Tod, Er weiß, was mein Herz erquicket, Seine Lieb' und Va⸗ tertreu' Bleibt mir immer ewig 3. Der die Vögel all' er⸗ nähret, Der die Blumen, Laub und Gras Kleidet schön ohn' Unterlaß, Der uns alles Gut bescheret, Sollte der verlassen mich? Nein, ich trau' ihm sicherlich! sich treiben, Muß mir doch. 4. Wenn ich seinem Reich der Himmel bleiben; Ist der nachtrachte, Wenn ich durch Himmel mein Gewinn, Geb' Gerechtigkeit Finde meine Se⸗ ich gern das andre hin. ligkeit, Wenn ich Geld und 9. Welt, ich will dich gerne Gut verachte, Segnet Gott lassen, Die ich pfleg' ohn' dies mir früh und spat Wort und zu hassen; Deine Güter brin⸗Werke, Rat und That. gen Not, Lasse mir nur mei⸗ 5. Ei, so sorg' ich nicht für nen Gott. morgen! Das, was noch zu⸗ 10. Ach Herr, wenn ich dich künftig ist, Irrt mich nicht, nur habe, Bleib' ich freudig ich bin ein Christ; Ich laß bis zum Grabe. Leget man meinen Gott nur sorgen, Weil 368 doch hier schon jeder Sorge ist bereit. 6. Gott Lob, der mein Herz erfreuet, Daß ich glaube festig⸗ lich, Gott, mein Vater, sorgt für mich, Der mir diesen Trost erneuet, Daß ich weiß: Gott liebet mich, Gott versorgt mich ewiglich. Joh. Olearius, geb. 1611 4 1684. Psalm 73, 23. Eigne Melodie. 494. Ven Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechter Stra⸗ en Da ich ging in der Irr'. Er reicht mir seine Hand; Den Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. Zeit Ihre ist; Er meint's gut mit uns allen, Schenkt uns den Herren Christ, Ja, seinen lieben Sohn Durch ihn er uns bescheret, Was Leib und Seel' er⸗ nähret: Lobt ihn ins Himmels Thron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde Für das, was er uns schenkt; O selig ist die Stunde, Darin man sein gedenkt; Ver⸗ lor'n ist sonst die Zeit, Die wir hier sind auf Erden. Wir sollen selig werden Hier und in Ewigkeit. 6. Auch wenn die Welt ver⸗ gehet Mit ihrer stolzen Pracht, Nicht Ehr' noch Gut bestehet, So früher groß geacht't; Wir Abend wie den Morgen Will werden nach dem Tod Tief in er mich wohl versorgen, Sei, 932 ich woll', im Land. Wenn Menschenhul d und Lieben In Ungunst sich ver⸗ kehrt, Ist er doch treu geblie⸗loren, der ihn liebt und Schoß; Der Leib wird neu— Er hilft aus aller Not, geboren, ben Dem, ehrt. Erlöst von Sünd' und 2— den, Von Ketten und von Banden Und selbst auch von dem Tod. ů 3. Auf ihn will ich HitziEr In meiner schweren Zeit; Er läßt sein Heil mich Hier schauen ich's auch wohl verschulde: Wenn wir Will uns die Erd' begraben; geschlafen haben, erwecken Gott. 7. Die Seel' bleibt unver⸗ Geführt in Abrams Von allen Sünden los, Ganz heilig, rein und zart, Ein Kind und Erb' des Her⸗ ren; irren Des Dar an muß uns nicht Teufels list'ge Art. 8. Darum, ob ich schon dulde Widerwärtigteit, Wie Und wendet alles Led. Ihm Kommt doch die Ewigkeit Und sei es heimgestellt; Mein Leib, ist der Freude voll, Die, weil mein' Seel', mein Leben, Seisich Christum kenne Und mei⸗ Gott, dem Herrn, ergeben; nen Heiland nenne, Ich dort Er mach's, wie's ihm gefällt. erlangen soll. 4. Es kann ihm nichts ge 9. Das ist des Vaters fallen, Als was mir nützlich Wille, Der uns erschaffen hat; Kreuz⸗ und Trost-Lieder. Sein Sohn hat Gut's die jetzt Auch nicht etr Fülle Erworben uns und Gnad'; Und Gott der heil'ge Geist Im Glauben uns re⸗ gieret, Zum Reich des Him⸗ mels führet. Ihm sei Lob, Ehr' und Preis! Ludw. Helmbold, geb. 1532 1598. Eigne Melodie. 4957 Woarum sollt' ich mich denn grä⸗ men? Hab' ich doch Christum noch, Wer will mir den neh⸗ men? Wer will mir den Himmel rauben, Den wir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich kam, Da ich nahm Meinen ersten Odem. Nackend werd' ich auch hin⸗ iehen, Wenn ich werd' Von 9 Erd' Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben Ist nicht mein: Gott allein Ist es, der's ge⸗ geben: Will er's wieder zu sich kehren, Nehm' er's hin, Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein: Sollt' ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergötzt, Sollt' ich 369 vas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen: Gott, mein Heil, Wird in Eil' Sie zu Schan⸗ den machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen; Wollt' ihn auch der Tod auf⸗ reiben, Soll der Mut Den⸗ noch gut Und fein stillebleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht töten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöten; Schließt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Da man kann Gehn zu Himmelsfreuden. 9. Da will ich mit süßen Schätzen Einst mein Herz Nach dem Schmerz Ewiglich ergötzen, Hier ist kein recht' Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß im Nu verschwin— den. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüter. Dort, dort sind die edlen Ga⸗ 5 Da mein Hirt Christus wird Mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann 24 24 370 Kreuz⸗ und uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O laft. Licht, Aus dem Herzen sse. Laß mich, laß mich hin⸗ Aen, Da du mich Und ich dich Ewig werd' umfangen. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen. 496 Wornun willst du * doch für mor⸗ gen, Armes Herz, Stets voll Schmerz, Als ein Heide sorgen? Wozu dient dein täglich Grä⸗ men, Weil Gott will In der Still Sich der Not annehmen. 2. Gott hat dir geschenkt das Leben, Seel' und Leib: Darum bleib' Ihm allein er⸗ geben. Er wird ferner alles schenken. Traue fest! Er ver⸗ läßt Nicht, die an ihn denken. 3. Sage nicht: was soll ich essen? Gott hat dir Schon allhier So viel zugemessen, Daß der Leib sich kann er— nähren; Uebriges Wird indeß Gottes Hand bescheren. 4. Es ist mehr als Trank und Speisen Dieser Leib: Darum gläub', Daß Gott wird erweisen, Daß er Speis' und Sorge nicht, Trank kann geben Dem, der sich Festiglich Ihm Wiit im Leben. 5. Sorgst du, wie du dich sollst kleiden? Jesus spricht: Trost⸗Lieder. Dieses thun die Heiden. Schau die Blumen auf den Feldern, Wie so schön Diese stehn Und die Bäum' in Wäldern. 6. Sorgt ein Vogel auf den Zweigen, Wenn er singt, Hüpft und springt, Wer ihm soll an⸗ zeigen, Was er essen soll und trinken? Nein, ach nein, Er folgt fein Nur des Himmels Winken. 7. Ach der Glaube fehlt 1 Erden! W Wär' er da, Müßt' uns ja, Was uns not ist, werden. Wer Gott kann im Glauben fassen, Der wird nicht, Wenn's gebricht, Von ihm sein verlassen. 8. Wer Gerechtigkeit nach⸗ trachtet Und zugleich Gottes Reich Ueber alles achtet: Der wird wahrlich nach Verlangen Speis' und Trank Lebenslang Wie im Schlaf empfangen. 9. Laß die Welt um Tand sich mühen Immerhin! Du, mein Sinn, Sollst zu Jesu fliehen. Er wird geben, was mir fehlet, Ob er's oft Un⸗ verhofft Eine Weil' verhehlet. 10. Will er prüfen meinen Glauben Und die Gab', Die ich hab,, Mir gar lassen rau⸗ ben: So Rten mir zum besten kommen; Wenn Gott mir Alles 7911 Hat hinweggenommen. Er kann alles wieder⸗ 11en Wenn er nimmt, So eimenn Er sein Wort zum Leben. Ach wie viele fromme Kreuz⸗ und Seelen Leben so Und sind froh Ohne Sorg' und Quälen! 12. Sie befehlen Gott die Sorgen, Wie er will Und sind still Immer im Verborg'nen. Was Gott will, ist hier Ver⸗ gnügen Und wie's er Unge⸗ fähr Will mit ihnen fügen. 13. Doch tann ihnen nicht versagen Gott ihr Brot In der Not, Wenn er hört ihr Klagen. Er kommt wahrlich, sie zu trösten, Eh' man's meint, Und erscheint, Wenn die Not am größten. 14. Ihre Sorg' ist für die Seelen, Und ihr Lauf Geht hinauf Zu den Felsenhöhlen, Zu des Herren Jesu Wunden, Hier sind sie Aller Müh' Und der Not entbunden. 15. Nun, Herr Jesu, meine Freude, Meine Sonn', Meine Wonn', Meiner Seele Weide: Sorge nur für meine Seele, So wird mir Auch allhier Nichts am Leibe fehlen. 16. Alles sei dir unverhoh⸗ len, Was mir fehlt, Was mich quält, Großer Gott, befoh⸗ len. Sorge du, so will ich schweigen Und vor dir Nach Gebühr Meine Kniee beugen. 17. Ich will dir mit Freu⸗ den danken Fort und fort, Hier und dort Und will nim⸗ mer wanken. Lob und Preis sei deinem Namen! Sei mein Teil, Hülf' und Heil, Liebster Jesu! Amen. Laur. Laurenti geb. 1660 + 1722. Trost⸗Lieder. 371 Eigne Melodie. 497. V arum betrübst 0 du dich, mein Herz, Bekümmerst dich und trägest Schmerz, Nur um das zeitlich Gut? Vertrau du dei⸗ nem Herrn und Gott, Der alle Ding' erschaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl, was dir gebricht, Him⸗ mel und Erd' ist sein, Mein Vater und mein Herre Gott, Der mir beisteht in aller Not. 3. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väter⸗ liches Herz! Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost. 4. Der Reich' verläßt sich auf sein Gut, Ich aber will dir traun, mein Gott; Ob ich gleich werd' veracht't, So weiß ich und glaub' festiglich, Wer dir vertraut, dem man⸗ gelt's nicht. 5. Ach Gott, du bist noch heut' so reich, Als du gewe⸗ sen ewiglich! Mein Trauen steht zu dir; Mach' mich an meiner Seele reich, So hab' ich genug ewiglich. 6. Der zeitlich' Ehr' will ich entbehr'n, Willst du das Ew'ge mir gewähr'n, Das du erwor⸗ ben hast Durch deinen herben, bittern Tod, Das bitt' ich, dich, mein Herr und Gott! . Alles was ist auf dieser Welt, Es sei Silber, Gold 24* 372 Kreuz⸗ und oder Geld, Reichtum und zeitlich Gut, Das währt nur eine kleine Zeit Und hilft doch nicht zur Seligkeit. 8. Ich dank' dir, Christ, o Gottes Sohn, Daß du mir solches kund gethan Durch dein' göttliches Wort; Verleih mir auch Beständigkeit Zu meiner Seelen Seligkeit. 9. Lob, Ehr' und Preis sei dir gesagt Für alle dein' er⸗ zeigt' Wohlthat; Ich bitt' de⸗ mütiglich: Laß mich nicht von dein'm Angesicht Verstoßen werden ewiglich. Unbekannt. 1565. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. as Gott gefällt, 498. W' mein üwntes Kind, Nimm fröhlich an, stürmt gleich der Wind Und braust, daß alles kracht und bricht; So sei getrost, denn dir ge— schicht, Was Gott gefällt. 2. Der beste Will' ist Gottes Will', Auf diesem ruht man sanft und still: Da gieb dich allzeit frisch hinein; Begehre nichts, als nur allein, Was Gott gefällt. 3. Der klügste Sinn ist Gottes Sinn: Was Menschen sinnen, fället hin, Wird plötz⸗ lich kraftlos, müd' Thut oft, was bös' und selten das, Was Gott gefällt. 4. Der frömmste Mut ist Gottes Mut, Der niemand Er und Verstand, Ihm ist be⸗ Arges gönnt und thut: und laß, Trost⸗Lieder. segnet, wennuns schilt und flucht Die böse Welt, die nimmer sucht, Was Gott gefällt. 5. Das treu'ste Herz ist Gottes Herz, Treibt alles Un⸗ glück hinterwärts, Beschirmt und schützet Tag und Nacht Den, der stets hoch und herrlich acht't, Was Gott gefällt. 6. Ach, könnt' ich singen, wie ich wohl Im Herzen wünscht' und billig soll, So wollt' ich öffnen meinen Mund Und singen jetzo diese Stund', Was Gott gefällt. 7. Ich wollt' erzählen seinen Rat Und übergroße Wunder⸗ that, Das süße Heil, die ew'ge Kraft, Die allenthalben wirkt und schafft, Was Gott gefällt. 8. Er ist der Herrscher in der Höh', Auf ihm steht unser Wohl und Weh; Er trägt die Welt in seiner Hand, Hin⸗ wieder trägt uns See und Land, Was Gott gefällt. 9. Er hält der Elemente Lauf, Und damit hält er uns auch auf; Giebt Sommer, Winter, Tag und Nacht, Daß alles davon lebt und lacht, Was Gott gefällt. 10. Sein Heer, die Sterne, Sonn' und Mond Gehn ab und zu, wie sie gewohnt; Die Erd' ist fruchtbar, bringt her⸗ für Korn, Oel und Most, Brot, Wein und Bier, Was Gott gefällt. 11. Sein ist die Weisheit Kreuz⸗ und Trost-Lieder wußt und wohlbekannt, So⸗ wohl wer Böses denkt und übt, Als auch, wer Gutes thut und liebt, Was Gott gefällt. 12. Sein Häuflein ist ihm lieb und wert; Sobald es sich zur Sünde kehrt, So winkt er mit der Vaterrut' Und locket, bis man wieder thut Was Gott gefällt. 13. Was unserm 0 in dienlich seiI', Das weiß sein Herz, ist fromm dabei: Hat keinem jemals Gut's versagt, Der Gut's gesucht, dem nach⸗ gejagt, Was Gott gefällt. 14. Ist dem also, so mag die Welt Behalten, was ihr wohlgefällt. Du aber mein Herz, halt genehm Und nimm vorlieb mit Gott und dem, Was Gott gefällt. 15. Laß andre sich mit stolzem Mut Erfreuen über gro⸗ ßes Gut: Du aber nimm die Kreuzeslast Und sei geduldig, wenndu hast, Was Gott gefällt. 16. Lebst du in Sorg' und großem Leid, Hast lauter Gram und keine Freud': Ei, sei zufrieden! trägst du doch In diesem sauern Lebensjoch, Was Gott gefällt. 17. Mußt du viel leiden hier und dort, So bleibe fest an deinem Hort; Denn alle Welt und Kreatur Ist unter Gott, kann nichts, als nur, Was Gott gefällt. 18. Wirst du veracht't von jedermann, Höhnt dich dein 373 Feind und greift dich an: Sei wohlgemut! dein Jesus Christ Erhöhet dich, weil in dir ist, Was Gott gefällt. 19. Der Glaub' ergreift des Höchsten Huld, Die Hoff— nung bringt und schafft Ge⸗ duld; Schleuß beid' in deines Herzens Schrein, So wird dein ew'ges Erbe sein, Was Gott gefällt. 20. Dein Erb' ist in dem Himmelsthron; Da ist dein Scepter, Reich und Kron'; Da wirst du schmecken, hören, sehn, Da wird ohn' Ende dir geschehn, Was Gott gefällt. Paul Gerhardt, geb. 1606 1676. Eigne Melodie. 0 as Gott thut, 499. Wé das ist Wahl gethan, Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm hal⸗ ten stille. Er ist mein Gott, Der in der Not Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er wird mich nicht betrügen; Er führet mich auf rechter Bahn, So laß ich mir genügen An seiner Huld, Und hab' Geduld; Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er wird mich wohl bedenken; Er, als ein Arzt und Wundermann, Wird 37⁴ Kreuz⸗ und mir nicht Gift einschenken Für Arzenei; Gott ist getreu, Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Gnade trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Freud' und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erschei— net, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd' ergötzt Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Dabei will ich verbleiben; Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väter⸗ lich In seinen Armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigast, geb. 1649 f 1708. Namen. Eigne Melodie. 500½ Nas mein Gott will, gescheh' allzeit, Sein Will', der ist der beste; Zu helfen den'n er ist be⸗ reit, Die an ihn glauben feste: Er hilft aus Not, der fromme Gott, Und züchtiget mit Ma⸗ Trost⸗Lieder. auf ihn baut, Den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost, mein' Zuversicht, Mein' Hoff⸗ nung und mein Leben; Was mein Gott will, daß mir ge⸗ schicht, Will ich nicht wider⸗ streben; Sein Wort ist wahr, denn all mein Haar Er selber hat gezählet; Er hüt't und wacht, stets für uns tracht't, Auf daß uns gar nichts fehlet. 3. Nun muß ich Sünder von der Welt Hinfahr'n in Gottes Willen Zu meinem Gott, wenn's ihm gefällt, Will ich ihm halten stille; Mein' arme Seel' ich Gott befehl' In meiner letzten Stunden; O frommer Gott, Sünd', Höll' und Tod Hast du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, Du wirst mir's nicht versagen: Wenn mich der böse Feind anficht, Laß mich, Herr, nicht verzagen: Hilf, steur' und wehr', o Gott, mein Herr, Zu Ehren deinem Wer das begehrt, dem wird's gewährt; Drauf sprech' ich fröhlich: Amen! Albrecht der Jüngere, Markgraf zu Bran⸗ denburg⸗Culmbach, geb. 1522 4 1557. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. as willst du dich 501. Wé betrüben, O meine liebe Seel'? Thu den nur herzlich lieben, Der heißt Immanuel; Vertrau dich ihm ßen; Wer Gott vertraut, fest allein; Er wird gut alles Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. 375 machen Und fördern deine Sa⸗Begier, Der ist und bleibt der chen, Wie dir's wird selig sein. 2. Denn Gott verlässet kei⸗ nen, Der sich auf ihn verläßt; Er bleibt getreu den Seinen Die ihm vertrauen fest. Läßt's an sich wunderlich: Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freu⸗ den wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. 3. Auf ihn magst du es wagen Getrost mit frischem Mut; Mit ihm wirst du er⸗ jagen, Was dir ist nütz' und gut; Denn was Gott haben will, Das kann niemand ver⸗ hindern Aus allen Menschen⸗ kindern, So viel ihr'r sind im Spiel. 4. Wenn auch gleich aus der Höllen Der Satan trotzig⸗ lich Mit seinen Truggesellen Sich setzte wider dich; So muß er doch mit Spott Von beste, Das glaub' ich froh und feste. Wohl dem, der glaubt mit mir. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. Mel. Straf' mich nicht in deinem rn. 30⁰ 502 We Den * lebet noch, Du betrübte Seele, Drückt dich gleich ein hartes Joch In der Trauerhöhle: Nur Geduld, Gottes Huld Macht aus Dor⸗ nen Rosen, Aus Egypten Gosen. 2. Weine nicht! Gott denkt an dich, Hat man dein ver⸗ gessen: Es ist seine Treu' für dich Gar nicht zu ermessen; Ja, die Welt Eh'r zerfällt, Eh' er dich wird hassen, Oder gar verlassen. 3. Weine nicht! Gott siehet dich, Scheint er gleich ver— seinen Ränken lassen, Damit stecket; Wenn du nur geduldig⸗ er dich will fassen, Denn dein lich Seinen Kelch geschmecket, Werk fördert Gott. Setzt er dir Labsal für Und 5. Er führt's zu seinen Eh⸗ ren Und deiner Seligkeit. Soll's sein, kein Mensch kann's wehren, Wenn's ihm wär' noch so leid. Will's Gott denn haben nicht, So kann's niemand forttreiben, Es muß zurücke bleiben: Was Gott will, das geschicht. 6. Drum ich mich ihm er⸗ gebe, Ihm sei es heimgestellt; Nach nichts mehr sonst ich strebe, Denn nur, was ihm gefällt: Sein Will' ist mein' läßt nach dem Weinen Seine Sonne scheinen. 4. Weine nicht! Gott sorgt für dich: Ei was kann dir fehlen? Was willst du dich stetiglich Mit den Sorgen quälen? Wirf auf ihn Alles hin Er wird deine Sachen Gut und besser machen. 5. Weine nicht! Gott trö⸗ stet dich Nach den Thränen⸗ güssen. Endlich wird der Kummer sich In das Grab verschließen. Durch den Tod 376 Stirbt die Not, Und wenn der erscheinet, Hast du aus⸗ geweinet. Benj. Schmolck, geb. 1672 4 1737. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. enn dich Unglück 503. Wé hat betreten, Wenn du steckst in Angst und Not, Mußt du fleißig zu Gott beten: Beten hilft in Not und Tod; Daß du Gottes Ange⸗ sicht, Auch im Kreuz auf dich gericht't, Kannst aus seinem Wort erblicken Und dein Herz mit Trost erquicken. 2. Keiner wird ja je zu Schanden, Der sich seinem Gott vertraut. Kommt dir gleich viel Not zu Handen, Hast du auf ihn wohl ge— baut! Ob's hört er nicht, Weiß er doch, was dir. Wern Deine Not mußt du ihm klagen Und in keiner Not verzagen. 3. Rufen, Schreien, Klop⸗ fen, Beten Ist der Christen beste Kunst, Allzeit gläubig vor ihn treten, Findet Hülfe, Gnad' und Gunst: Wer Gott fest vertrauen kann, Ist der allerbeste Mann; Er wird allzeit Rettung finden, Kein Feind wird ihn überwinden. 4. Lerne Gottes Weise merken, Die er bei den Sei⸗ nen hält; Er will ihren Glau⸗ ben stärken, Wenn sie Unglück überfällt: Unser Gott, der lebt ja noch, Schweigt er gleich, all schlägt darnieder. gleich scheint als Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. so hört er doch; Schrei ge— trost, du mußt nicht zagen, Dein Gott kann dir's nicht versagen. 5. Laß dich Gottes Wort regieren, Merke, was die Wahrheit lehrt, Satan wird dich nicht verführen, Der die ganze Welt verkehrt; Gottes Wahrheit ist dein Licht, Schutz und Trost und Zuversicht, Trau nur Gott, der kann nicht lügen; Bete, so wirst du obsiegen. 6. Lob sei Gott für seine Gnade! Seine große Güt' und Treu', 207 daß mir der Feind nicht schade, Sie ist alle morgen neu. Drum will ich mein Lebenlang Immer sagen Lob und Dank Meinem Gott in allen Dingen, Fröh— lich Hallelujah singen. Joh. Olearius, geb. 1611 + 1684. Mel. Was mein Gott will, das g'scheh allzeit. 504. er Gott ver⸗ traut, hat wohl⸗ gebaut Im Himmel und auf Erden; Wer sich verläßt auf Jesum' Christ, Dem muß der Himmel werden; Darum auf dich allein hoff' ich Mit ganz getrostem Herzen; Herr Jesu Christ, mein Trost du bist In Todesnot und Schmerzen. 2. Und wenn's gleich wär' dem Teufel sehr Und aller Welt zuwider, Dennoch so bist du, Jesu Christ, Der sie Und Kreuz⸗ und wenn ich dich nur hab' um mich Mit deinem Geist und Gnaden, So kann fürwahr mir ganz und gar Nicht Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst' ich mich ganz sicherlich, Denn du kannst mir wohl geben, Was mir ist not, du treuer Gott, Hier und in jenem Leben. Gieb wahre Reu', mein Herz erneu', Er⸗ rette Leib und Seele. Ach höre, Herr, dies mein Begehr Und laß mein' Bitt' nicht fehlen! V. 1 von J. Magdeburg, geb. 1525 f 1583. Mel. Mein Herzensjesu, meine Lust. *(Es ist gewiß ein 505. E köstlich' Ding, Sich in Geduld stets fassen Und Gottes heil'gem Rat und Wink Sich willig überlassen, Gleich wie bei Hellen Sonnen⸗ schein, So auch bei trüber Not und Pein; Geduld erhält das Leben. 2. Drum auf, mein Herz, verzage nicht, Wenn dich ein Leiden drücket; Flieh nur ge⸗ trost zum ew'gen Licht, Das kräftiglich erquicket; Küss' in Geduld des Vaters Rut', Der dir so viel zu gute thut; Ge⸗ duld bringt Mut und Kräfte. 3. Nur frisch im Glauben fortgekämpft, Bis sich der Sturmwind leget! Im Kreuze wird die Lust gedämpft, Die sich im Fleisch noch reget, Dem Geist wird neue Kraft Trost⸗Lieder. 377 geschenkt, Daß er sich still in Gott versenkt; Geduld erhält viel Gnade. 4. Es wird auch keiner dort gekrönt, Der hier nicht recht gestritten, Der nicht, wenn ihn die Welt verhöhnt, Die Schmach des Herrn ge⸗ litten; Wer aber Christi Joch hier trägt, Dem wird sein Schmuck dort angelegt; Ge⸗ duld erlangt die Krone. 5. Gott hilft dir auch bei aller Not, Dem kannst du sicher trauen, Er übergiebt dich nicht dem Tod, Du sollst das Leben schauen; Er steht dir bei, er tröstet dich, Be⸗ weiset sich recht väterlich; Ge⸗ duld ist voller Segen. 6. Erwarte nur die rechte Zeit, So wirst du wohl empfinden, Wie er in süßer Freundlichkeit Sich wird mit dir verbinden. Es wird nach ausgestand'ner Pein Dein Labsal unaufhörlich sein; Ge⸗ duld wird nicht zu schanden. Jacob Gabriel Wolf, geb. 1683 1754. Eigne Melodie. H er nur den 506. W' lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderlich erhalten In allem Kreuz und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft 378 uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Un⸗ gemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größe durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie un⸗ sers Gottes Gnadenwille, Wie sein' Allwissenheit es fügt; Gott, der uns ihm hat aus⸗ erwählt, Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei; So kommt Gott, eh' wir uns versehn, Und lässet uns viel Gut's geschehn. 5. Denk' nicht in deiner Drangsalshitze, Daß du von Gott verlassen seist Und daß ihm der im Schoße sitze, Der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verän⸗ dert viel Und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen Und ist dem Höchsten alles gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, Der bald er⸗ höhn, bald stürzen kann. 7. Sing', bet' und geh auf Gottes Wegen, Verricht' das Deine nur getreu Und trau' Kreuz. und Trost⸗Lieder. des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu; Denn wer nur seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark, geb. 1621 1 1681. Mel. Nun preiset alle. Rie bist du, Seele, 507. Wé In mir so gar betrübt? Dein Heiland lebet, Der dich so treulich liebt. Ergieb dich gänzlich seinem Willen, Er kann allein dein Trauern stillen. 2. Bist du in Nöten, Ach! harre nur auf Gott, Ihm dich vertraue In Seel' und Leibes-— not. Der vormals Herzens⸗ angst gewendet, Der ist's, der noch die Hülfe sendet. 3. Bist du auf Erden Nicht hoch und wert geschätzt, Mußt du viel dulden, Was Seel' und Geist verletzt, Gedenke: Wer dem Höchsten trauet, Der hat auf festen Grund gebauet. 4. Bist du in Jesu, In deinem Heiland reich, Kein Kaiser, König Ist diesem Reichtum gleich; Hast du nicht, was dich hier ergötzet, G'nug, wenn der Himmel dir's ersetzet. 5. Sei doch zufrieden, O du betrübte Seel', Wirf auf den Herren, Was dich auch immer quäl'! Wer ist jemals zu Schanden worden, Der hin sich gab des Kreuzes Orden? 6. Drum, liebe Seele, Wirf Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. alles Trauern hin, Geduldig leide, Nicht kränke deinen Sinn, Ergieb du dich hier Gottes Willen, Dort wird er dich mit Freud' erfüllen. Tobias Tzscheutschner. Mel. Aus tiefer Not schrei' ich zu dir. 2 ie Gott mich 508. Wẽĩ führt, so will ich gehn Ohn' alles Eigen⸗ wählen; Geschieht, was er mir ausersehn, Wird mir's an keinem fehlen. Wie er mich führt, so geh' ich mit Und folge willig Schritt vor Schritt In kindlichem Vertrauen. 2. Wie Gott mich führt, so bin ich still Und folge seinem Leiten; Obgleich im Fleisch der Eigenwill' Will öfters widerstreiten. Wie Gott mich führt, bin ich bereit, In Zeit und auch in Ewigkeit Stets seinen Schluß zu ehren. 3. Wie Gott mich führt, bin ich vergnügt, Ich ruh' in seinen Händen; Wie er es schickt und mit mir fügt, So laß ich's ihn vollenden. Ihm sei mein alles heimgestellt: Er mache, wie es ihm gefällt, Zum Leben oder Sterben. 4. Wie Gott mich führt, so geb' ich mich In seinen Vater⸗ willen. Scheint's der Ver⸗ nunft gleich wunderlich, Sein Rat wird doch erfüllen, Was er in Liebe hat bedacht, Eh er mich an das Licht gebracht; Ich bin ja nicht mein eigen. 379 5. Wie Gott mich führt so bleib' ich treu Im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, Was will mich von ihm scheiden? Ich fasse in Geduld mich fest: Was Gott mir widerfahren läßt, Muß mir zum besten dienen. 6. Wie Gott mich führt, so will ich gehn, Es geh' durch Dorn und Hecken. Kann ichs auch anfangs nicht ver⸗ stehn, Zuletzt wird er auf⸗ decken, Wie er nach seinem Vaterrat Mich treu und wohl geführet hat: Dies sei mein Glaubensanker. Lambert Gedicke, geb. 1683 f 1735. Mel. Alles ist an Gottes Segen. underanfang! 509. Wé herrlich' Ende! Wo die wunderweisen Hände Gottes führen ein und aus. Wunderweislich ist sein Raten, Wunderherrlich seine Thaten; Und du sprichst: Wo will's hinaus? 2. Denke doch, es muß so gehen, Was Gott weislich heißt geschehen, Ihm und dir zur Herrlichkeit; Ob der An⸗ fang seltsam scheinet, Ist das End doch gut gemeinet: Friede folget nach dem Streit. 3. Gottes Weg ist in den Flüssen Und in großen Wasser⸗ güssen Und du spürst nicht seinen Fuß; So auch in dem Meer der Sorgen Hält Gott 380 Kreuz⸗ und Trost⸗Lieder. seinen Pfad verborgen, Daß Treu' In Ewigkeit gewogen man nach ihm suchen muß. sei. 4. Kein Besinnen kann er⸗ 2. Ich weiß nicht viel von sinnen, Wo man könne Hülf guten Tagen, Doch also bin gewinnen, Die Vernunst ist ich Christo gleic; Drum will hier zu blind; Ihre halb ge⸗ich alles freudig tragen; Er brochnen Augen Nicht in das mache mich am Troste reich, Verborgne taugen, Weil sie So, daß mir aller Ueberdruß allzu blöde sind. ö ö 5. Gott muß man in allen uß meinem Besten dienen Sachen, Weil er alles wohl uß. 3. Die Sonne kann nicht kann machen, End' und Anfang immer scheinen, Der Saumner geben frei. Er wird, was er ist u angefangen, Dan so ein 2100 Hütts wißt hauders uulteden frrn aß es wunder⸗Seinen, Er führt dieselben 6. So laß dir doch nimmer Iüü and Don, Hn grauen, Lerne deinem Gott meint ud 541 4. As vertrauen, Sei getrost und, e Waht 990 90 Wr guten Muts. Er, fürwahr! 4. Muß ich nun gleich in er wird es führen, Daß du meinen Jahren Und auf dem wirst am Ende spüren, Wie Wege dieser Zeit Die Größe er dir thut lauter Gu's. vieler Angst erfahren, So 7. Du wirst an den Fingern bleib' ich doch in Gott erfreut. zählen Und nicht vor der Ja, wär! ich auch dem Tode Wel Werehl Was die nah, Ist dennoch Kraft und blinde Welt nicht kennt. Er Leben da. ů wird dir dein Kreuz versüßen, 5. Und kommt es endlich Daß du wirst bekennen müssen: gar zum Sterben, So fällt Wunderanfang! herrlich' End'! mir doch der Mut nicht hin; Heinr. Arnold Stofleth, geb. 1643 1 1706. Im Tode kann ich nicht ver⸗ derben, Weil ich sein Kind Mel. Wer nur den lieben Gott läßt und Erbe bin. Ich weiß, walten. daß Gott mich ewig liebt Und 510. ch will die Hand mir die Lebenskrone giebt. 510. Fund Rute küssen,(6. Liegt schon der Leib im Die mich zu meinem Besten finstern Grabe, So steht er schlägt. Gott lässet mich sein doch verkläret auf: Denn, Herze wissen, Das er, als wenn ich ausgeschlafen habe, Vater, zu mir trägt, Wie Holt Gott müch aus der Tief' solches mir mit Lieb' und herauf Und führt mich in den Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Himmel ein: Da werd' ich ewig bei ihm sein. 7. Ich wünsche mich von mich in Kreuz und 381 8. Ei nun! mein Gott, so magst du walten! Ich dulde E8 ttul⸗ e dieser Erden Je eher und je Und will dir willig sti lieber los. Im Himmel muß mir Alles werden, Da machet Gott mich herrlich groß; Da, da bin ich an Troste reich Und Gott und seinen Engeln gleich. halten. Gieb du mir nur ein fröhlich Herz, Daß du, mein liebster Gott allein, Magst meine Lust und Hoffnung sein. Erd. Neumeister, geb. 1671 + 1756. XXXIII. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. a. Sterbelieder. Eigene Melodie. * ch wie flüchtig, 51¹1. A ach wie nichtig Ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet Und auch wieder bald vergehet, So ist unser Leben, sehet! 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen Und mit Laufen nicht hält innen, So fährt unsre Zeit von hinnen! 3. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Ist derMenschen Freudel Wie sich wechseln Stund' und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried' und Streiten, So sind unsre e 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, Wenn ein rauhes Lüftlein wehet, So ist unsre Schöne, sehet! 5. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Schätze! Es kann Glut und Flut entstehen, Dadurch, eh' wir's uns versehen, Alles muß 51 Trümmern gehen! 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Prangen! Der in Purpur hoch vermessen Ist als wie ein Gott gesessen, Dessen wird im Tod vergessen. 7. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Das muß fallen und vergehen. Wer Gott fürcht't, wird ewig stehen. Mich. Franc, geb. 1609 4 1667 Mel. Herzlich thut mich verlangen. 512. edenke, Mensch, das Ende, Be⸗ denke deinen Tod; Der Tod kommt oft behende: Wer heute frisch und rot, Kann morgen und geschwinder Hinweg ge⸗ storben sein, Drum bilde dir, 382 Sterbe⸗ und Begräbnislieder. o Sünder, Ein täglich Sterben ein. 2. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke das Gericht; Es müssen alle Stände Vor Jesu Angesicht; Kein Mensch ist ausgenommen, Hier muß ein jeder dran Und wird den Lohn bekommen, Nachdem er hat gethan. 3. Bedenke, Mensch, das Ende, Der Hölle Angst und Leid, Daß dich nicht Satan blende Mit seiner Eitel⸗ keit. Hier ist ein kurzes n aber ewiglich Ein läglich Schmerzensschreien: Ach, Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende, Bedenke stets die Zeit, Daß dich ja nichts abwende Von jener Herrlichkeit, Damit vor Gottes Throne Die Seele wird gepflegt; Dort ist die Lebenskrone Den Frommen beigelegt. 5. Herr, lehre mich beden⸗ ken Der Zeiten letzte Zeit, Daß sich nach dir zu lenken Mein Herze sei bereit; Laß mich den Tod betrachten Und deinen Richterstuhl, Laß mich auch nicht verachten Der Hölle Feuerpfuhl. 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten Auf meinen letzten Tag Mit Buße mich bereiten Und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gerichte Steh mir, o Jesu, bei, Daß ich im Him⸗ melslichte Zu wohnen würdig sei. Sal. Liscow, geb. 1640 + 1689. Eigne Melodie. 513. 2 lle Menschen * müssen sterben, Alles Fleisch vergeht, wie Heu. as da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Dieser Leib der muß verwesen, Wenn er an⸗ ders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit't. 2. Drum so will ich dieses Leben, Wenn es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben; Bin darüber nicht betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab' ich schon Er— lösung funden, Und mein Trost in Todesnot Ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich ge⸗ storben Und sein Tod ist mein Gewinn. Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr' ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Schauen die Dreifaltigkeit. 4. Da wird sein das Freuden⸗ leben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmels⸗ glanz umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron; Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. heilig, heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geist. 5. Da die Patriarchen woh⸗ nen, Die Propheten allzumal; Wo auf ihren Ehrenthronen Sitzet der zwölf Boten Zahl; Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; Da wir unserm Gott zu Ehr'n Ewig Hallelujah hör'n. 6. O Jerusalem, du schöne, Ach, wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh'! 383 3. Aber wenn's nun schon geschehn(Und er kann nie was versehn), Hat man nichts dabei zu thun, Als zu schwei⸗ gen und zu ruhn. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich Dit sehr nah; Aber Herr, du ist uns mehr Als das eigne Leben wär'. Brüdergemeinde. Phil. 1, 21. Eigne Melodie. O der großen Freud' und H hristus der ist Wonne! Jetzund gehet auf de 515. C mein Leben, Sonne, Jetzund gehet an der Sterben ist mein Gewinn; Tag Der kein Ende nehmen Dem thu' ich mich ergeben, mag. Mit Freud' fahr' ich dahin. 7. Ach, ich habe schon er⸗ 2. Mit Freud' fahr' ich von blicket Alle diese Herrlichkeit; dannen Zu Christ dem Bru⸗ Jetzo werd“ ich schön ge⸗ der mein; daß ich mög zu ihm schmücket Mit dem weißen kommen Und ewig bei ihm Himmelskleid; Mit der gold⸗ sein. nen Ehrenkrone Steh' ich da 3. Nun hab' ich überwun⸗ vor Gottes Throne, Schaue den Kreuz, Leiden, Angst und solche Freude an, Die kein Not; Durch seine heil'gen Ende nehmen kann. Wunden Bin ich versöhnt mit Joh. Georg Albinus, geb. 1624 4 1679. Gott. 4. Wenn meine Kräfte bre⸗ Mel. Jesu, komm doch selbst zu mir. chen, Mein Athem geht schwer 514 Hler Gläub'gen aus, Und kann kein Wort 2 Sammelplatz mehr sprechen, Herr, nimm Ist da, wo ihr Herz und Schatz, mein Seufzen auf! Wo ihr Heiland Jesus Christ 5. Wenn mein Herz und Und ihr Leben hier schon ist. Gedanken Vergehn als wie 2. Eins geht da, das andre ein Licht, Das hin und her dort In die ew'ge Heimat thut wanken, Wenn ihm die fort; Ungefragt, ob die und Flamm' gebricht: der Uns nicht hier noch nütz. 6. Alsdann fein sanft und lich wär'. stille, Herr, laß mich schlafen 384 ein Nach deinem Rath und Willen, Wenn kommt mein Stündelein. 7. Und laß mich an dir kleben Wie eine Klett' am Kleid, Und ewig bei dir le⸗ ben In Himmelswonn' und Freud'. 8. Wohl in des Himmels Throne Sing ich Lob, Ehr' und Preis Gott Vater und dem Sohne Und dir, dem heil'⸗ gen Geist. 1609. Mel. O Welt ich muß dich. 16 RSie Herrlichkeit der 516. D Erden Muß Staub und Asche werden, Kein Fels, kein Erz kann stehn; Das, was uns kann ergötzen, Was wir für ewig schätzen, Wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Was sind doch alle Saͤ⸗ chen, Die uns so trotzig ma⸗ chen, Als Tand und Eitelkeit. Was ist der Menschen Le⸗ ben? Stets mit Gefahr um⸗ geben, Währt es nur eine kurze Zeit. 3. Der Ruhm, nach dem wir trachten, Den wir un⸗ sterblich achten, Ist nur ein falscher Wahn. Sobald der Geist gewichen, Und dieser Mund verblichen, Fragt kei⸗ ner, was man hier gethan. 4. Es hilft nicht Kunst noch Wissen, Wir werden hinge⸗ Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. rissen Ohn' einen Unterschied. Was nützt der Schlösser Menge? Dem hier die Welt zu enge, Dem wird ein enges Grab zu weit. 5. Dies alles wird zerrin⸗ nen, Was Müh' und Fleiß gewinnen, Und saurer Schweiß erwirbt. Was Menschen hier besitzen, Kann für den Tod nicht nützen. Dies alles stirbt uns, wenn man stirbt. 6. Ist eine Lust, ein Scher⸗ zen, Das nicht ein heimlich Schmerzen Mit Herzensangst vergällt? Was ist's, womit wir prangen? Wo wirst du Ehr' erlangen, Die nicht in Hohn und Schmach verfällt? 7. Was pocht man auf die Throne, Da keine Macht noch Krone Kann unvergänglich sein? Es mag vom Toten⸗ reihen Kein Scepter dich be⸗ freien, Kein Purpur, Gold und Edelstein. 8. Wie eine Rose blühet, Wenn sie die Sonne siehet, Begrüßen diese Welt, Die, eh' der Tag sich neiget, Eh' sich der Abend zeiget, Ver⸗ welkt und unverseh'ns abfällt: 9. So wachsen wir auf Erden Und hoffen groß zu werden, Von Schmerz und Sorgen frei; Doch eh' wir zugenommen Und recht zur Blüte kommen, Bricht uns des Todes Sturm entzwei. 10. Wir rechnen Jahr auf Jahre, Indessen wird die Bahre Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Uns vor die Thür gebracht. Drauf müssen wir von hinnen, Und, eh' wir uns besinnen, Der Erde sagen gute Nacht. I1. Auf, Herz, wach und 385 so vielen Lasten Können sanft ö und friedlich rasten; Mein Wunsch ist, bei dir zu sein, Allerschönster Jesu mein! 3. Andre mögen durch die bedenke, Daß dieser Zeit Ge⸗Wellen Und durch Wind und schenke Den Augenblick nur dein! Was du zuvor genossen, Ist wie ein Strom verflossen; sein? Furcht Hoffen, Gunst und Lehre Und ruf den Herren an, Der immer, immer bleibet, Den keine Zeit vertreibet, Der einzig selig machen kann. 13. Wohl dem, der auf ihn trauet! Er hat recht fest ge⸗ bauet: Und ob er hier gleich fällt, Wird er doch dort be— stehen Und nimmermehr ver⸗ gehen, Weil ihn die Stärke selbst erhält. Andreas Gryphius, geb. 1616 1664. Eigne Melodie. u, o schönes Welt⸗ 517. D gebäude, Magst gefallen, wem du willt: Deine trügerische Freude Istmit lauter Angst umhüllt. Denen, die den Himmel hassen, Will ich ihre Weltlust lassen: Mich ver⸗ langt nach dir allein, Aller⸗ schönster Jesu mein! 2. Müde, die der Arbeit Menge Und der heiße Strahl beschwert, Wünschen, daß des Tages Länge Werde durch die Nacht verzehrt, Daß sie nach 12. Verachte Welt und Ehre, Klippen gehn, Ihren Handel zu bestellen Und da Sturm und Not ausstehn: Ich will Was künftig, wessen wird es meine Glaubensflügel Schwin⸗ gen zu der Sterne Hügel, Ewig da bei dir zu sein, Aller⸗ schönster Jesu mein! J. Tausendmal pfleg' ich zu sagen Und noch tausendmal dazu: Ach, würd' ich ins Grab getragen, Ei, so käm' ich doch zur Ruh': Und mein bestes Teil das würde, Frei von dieser Leibesbürde, Je und ewig um dich sein, Allerschönster Jesu mein! 5. Komm, o Tod, du Schla⸗ fes Bruder, Komm und führe mich nur fort; Löse meines Schiffleins Ruder, Bring' mich in den sichern Port. Es mag, wer da will, dich scheuen: Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm' ich hinein Zu dem schönsten Jesu mein! 6. Ach, daß ich den Leibes⸗ kerker Heute noch verlassen müßt', Und käm' an den Ster⸗ nenerker, Wo das Haus der Sel'gen ist: Da wollt' ich mit Wortgepränge Bei der Engel großer Menge Rühmen deiner Gottheit Schein, Allerschönster Jesu mein! 25⁵ 386 7. Doch weil ich die See⸗ lenauen Und den güldnen Himmelssaal Jetzt nicht kann nach Wünschen schauen, Son⸗ dern muß im Thränenthal Noch am Kummerfaden spin⸗ nen: Ei, so sollen meine Sin⸗ nen Unterdeß doch bei dir sein, Allerschönster Jesu mein! Joh. Franck, geb. 1618 + 1677. 2. Timotheum 4, 7. Mel. Christus, der uns selig macht. 518. Einens guten Kampf hab' ich Auf der Welt gekämpfet; Denn Gat hat so gnädiglich All' mein Leid gedämpfet, Daß ich mei⸗ nen Lebenslauf Seliglich voll⸗ endet Und die Seele himmel⸗ auf Christo zugesendet. 2. Forthin ist mir beigelegt Der Gerechten Krone, Die mir wahre Freud' erregt In des Himmels Throne; Forthin meines Lebens Licht, Dem ich hier vertrauet, Nämlich Got⸗ tes Angesicht Meine Seele schauet. 3. Dieser schnöden, bösen Welt Jämmerliches Leben Mir nun länger nicht gefällt, Drum ich mich ergeben Meinem Jesu, da ich bin Jetzt in lauter Freuden; Denn sein Tod ist mein Gewinn, Mein Verdienst sein Leiden. 4. Gute Nacht, ihr meine Freund', All' ihr, meine Lie⸗ ben, Die ihr täglich um mich Sterbe- und Begräbnis⸗Lieder. weint, Laßt euch nicht betrü⸗ ben, Diesen Schritt, den ich nun thu' In die Erde nieder; Schaut, die Sonne geht zur Ruh', Kommt doch morgen wieder. Heinr. Albert, geb. 1604 + 1651. Eigne Melodie. 519 Eꝰ ist genug! So nimm, Herr, mei⸗ nen Geist Zu Zions Geistern hin; Lös auf das Band, Das schon allmählich reißt; Befreie diesen Sinn, Der sich nach seinem Gotte sehnet, Der täg⸗ lich klagt und nächtlich thränet; Es ist genug!:, 2. Es ist genug Des Kreu⸗ zes, das mir fast Den Rücken wund gemacht. Wie schwer, o Gott, Wie hart ist diese Last! Ich schwemme manche Nacht Mein hartes Lager ganz mit Zähren, Ach Herr, wie lange soll es währen? Es ist genug!:, 3. Es ist genug, Wenn nur mein Jesus will; Er kennet ja mein Herz; Ich harre sein, Und halt' indessen still, Bis er mir allen Schmerz, Der an der siechen Brust mir naget, Zurücke legt und zu mir saget: Es ist genug!:,: 4. Es ist genug, Herr, wenn es dir gefällt, So spanne mich doch aus. Mein Jesus kommt: Nun gute Nacht, o Welt! Ich fahr' ins Himmels Haus; Ich fahre sicher hin mit Frieden, Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Mein großer Jammer bleibt hienieden. Es ist genug!: 5ranz Joach. Burmeister, geb. 1659 + 1688. Mel. Es ist genug. 520 E ist vollbracht! V. Gott Lob, es ist vollbracht! Mein Jesus nimmt mich auf. Fahr' hin, o Welt! Ihr Freunde, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Bei Jesu Kreuz mit tausend Freuden, Ich sehne mich von hier zu scheiden. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! Mein Jesus hat auf sich Genom- men meine Schuld; Er selber hat Am Kreuzesstamm für mich, O ungemeine Huld! Gebüßet, ö und in Jesu Wunden Hab' ich die rechte Freiheit funden. Es ist vollbracht: 3. Es ist vollbracht! Weg Krankheit, Schmerz und Pein! Weg Sorgen, weg Verdruß! Sein Golgatha, Soll mir ein Tabor sein, Mein matt' und müder Fuß Wird hier auf diesen Friedenshöhen Frei von Beschwerd' und Banden ge⸗ hen. Es ist vollbracht!: 4. Es ist vollbracht! Hier bin ich außer Not, Angst und Gefahr gesetzt; Hier speiset mich Der Herr mit Himmels⸗ brot, Hier bin ich hoch ge⸗ schätzt, Hier ist die Herrlich keit erschienen, Ich hör' das Lied der Saraphinen. Es ist vollbracht!: 387 5. Cs ist vollbracht! Wie wohl, wie wohl ist mir! Wie bin ich so erfreut In Salems urg, Wo ungemeine Zier, Wo stete Sicherheit, Wo keine Feinde zu uns brechen, Wo weder Dorn' noch Disteln stechen. Es ist vollbracht!: 6. Es ist vollbracht! Der Leib mag immerhin Der Wür⸗ mer Speise sein; Ich weiß ja, daß Ich Staub und Asche bin. Gott wird mein Fleisch und Bein, Wenn er die Gräber wird aufdecken, An jenem Tage schon erwecken. Es ist voll⸗— bracht! 7. Es ist vollbracht! Gott Lob, es ist vollbracht! Mein Jesus nimmt mich auf; Fahr' hin, o Welt! Ihr Freunde, gute Nacht! Ich schließe mei⸗ nen Lauf Und alle Not, die mich betroffen. Wohl mir, ich seh' den Himmel offen! Es ist vollbracht!: Andreas Gryphius, geb. 1616 1 1664. Eigne Melodie. 521. ITreu dich sehr, o 1 V meine Seele, Und vergiß all' Not und Qual, Christus, dem ich dich befehle, Ruft dich aus dem Jammer⸗ thal. Aus der Trübsal und dem Leid Sollst du fahren in die Freud', Die kein Ohr je hat gehöret, Die in Ewig⸗ keit auch währet. 2. Tag und Nacht hab' ich gerufen Zu dem Herren, mei⸗ * 388 nem Gott, Weil mich stets viel Kreuz betroffen, Daß er mir hülf' aus der Not. Wie sich sehnt ein Wandersmann Nach dem Ende seiner Bahn, So hab' ich gewünschet eben, Daß sich enden möcht' mein Leben. 3. Denn gleich wie die Ro⸗ sen stehen Unter Dornenspitzen gar, Also auch die Christen gehen Durch viel Trübsal und Gefahr. Wie die Meereswellen sind Und der ungestüme Wind, Also ist allhier auf Erden Unser Leben voll Beschwerden. 4. Welt, Tod, Teufel, Sünd' und Hölle, Unser eigen Fleisch und Blut Plagen stets hier unsre Seele, Lassen uns bei keinem Mut. Wir sind voller Angst und Plag', Lauter Kreuz sind unsre Tag', Wie wir nur geboren werden, Find't sich Jammer g'nug auf Erden. 5. Wenn die Morgenröt' herleuchtet, Und der Schlaf sich von uns wend't, Sorg' und Kummer daher streichet; Müh' find't sich an allem End'. Unsre Thränen sind das Brot, So wir essen früh und spät; Wenn die Sonn' aufhört zu scheinen, So ist nichts, denn Klag' und Weinen. 6. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, Der du ewig⸗ lich aufgehst, Sei von mir jetzund nicht ferne, Weil mich dein Blut hat erlöst. Hilf, Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. daß ich mit Fried' und Freud' Mög' von hinnen fahren heut'. Ach, sei du mein Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasse. 7. In dein' Seite will ich fliehen Auf dem bittern To⸗ desgang; Durch dein' Wunden will ich ziehen In mein himm⸗ lisch Vaterland; In das schöne Paradies, Das dein Wort dem Schächer wies, Wirst du mich, Herr Christ, einführen Und mit ew'ger Klarheit zieren. 8. Ob mir schon die Augen brechen, Das Gehör auch gar verschwind'et, Meine Zung' nicht mehr kann sprechen, Der Verstand sich nicht besinnt, Bist du doch mein Licht und Hort, Leben, Weg und Himmels⸗ pfort'; Du wirst selig mich re⸗ gieren Und die Bahn zum Himmel führen. 9. Laß dein' Engel mit mir fahren Auf Elias Wagen rot, Meine Seele wohl bewahren, Wie den Lazarus im Tod. Laß sie ruhn in deinem Schoß Und erfülle sie mit Trost, Bis der Leib kommt aus der Er⸗ den Und sie beid' vereinigt werden. 10. Freu' dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all' Not und Qual, Christus, dem ich dich befehle, Ruft dich aus dem Jammerthal. Seine Freud' und Herrlichkeit Sollst du sehn in Ewigkeit, Mit den Engeln jubilieren Und dort ewig triumphieren. Freiberg 1620. Bei Kindern. Mel. O Welt ich muß dich. 522 ott Lob, die * Stund' ist kom⸗ men, Da ich werd' aufgenom⸗ men Ins schöne Paradeis! Ihr Lieben dürft nicht klagen; Mit Freuden dürft ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr' und Preis. 2. Kurz ist mein irdisch Leben; Ein bess'res wird mir geben Gott in der Ewigkeit. Da werd' ich nicht mehr ster⸗ ben, In keiner Not verderben; Mein Leben wird sein lauter Freud'. 3. Gott eilet mit den Sei⸗ nen, Läßt sie nicht lange wei⸗ nen In diesem Thränenthal; Ein schnell und selig Sterben Ist schnell und glücklich er⸗ ben Des schönen Himmels Ehrensaal. 4. Wie manchmal wird ver⸗ führet Ein Kind, an dem man spüret Rechtschaff'ne Frömmig⸗ keit! Die Welt, voll List und Tücke, Legt heimlich ihre Stricke Het Tag und Nacht und jeder eit. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 389 den verletzen, Den Christus jetzt wird setzen Ins Schloß vollkomm'ner Sicherheit? 6. Zuvor bracht' ich euch Freude, Jetzt, nun ich von euch scheide, Betrübt sich euer Herz; Doch, wenn ihr's recht be⸗ trachtet Und, was Gott thut, hoch achtet, Wird sich bald lindern aller Schmerz. 5. Ihr' Netze mag sie stel⸗ len: Mich wird sie nun nicht fällen; Sie wird mir thun kein Leid. Denn wer kann 7. Gott zählet alle Stun⸗ den, Er schlägt und heilet Wunden; Er kennet jedermann. Nichts ist jemals geschehen, Das er nicht vorgesehen; Und was er thut, ist wohl⸗ gethan. 8. Wenn ihr mich werdet finden Vor Gott, frei aller Sünden, In weißer Seide stehn Und tragen Siegespal⸗ men In Händen und mit Psalmen Des Herren Lob und Ruhm erhöhn: 9. Da werdet ihr 01 freuen; Es wird euch herzlich reuen, Daß ihr euch so be⸗ trübt. Wohl dem, der Gottes Willen Gedenket zu erfüllen Und ihm sich in Geduld er⸗ giebt. 10. Lebt wohl und seid ge⸗ segnet! Was jetzt euch hier be⸗ gegnet, Ist andern auch ge⸗ schehn; Viel müssen's noch erfahren. Nun Gott woll' euch bewahren! Dort wollen wir uns wiedersehn. Joh. Heermann, geb. 1585 + 1647. 390 Eigne Melodie. 523. Onch hab' mein Sach' Gottheimgestellt, Er mach's mit mir, wies ihm gefällt; Lang oder kurz sei meine Zeit, Ich bin bereit Zu allem, was der Herr ge⸗ beut. 2. Mein' Zeit und Stund' ist, wann Gott will; Ich setz' ihm weder Maß noch Ziel. Es sind gezählt all' Härlein mein; Groß oder klein, Fällt keines ohn' den Willen sein. 3. Was ist der Mensch? Ein Erdenkloß, Kommt von der Mutter nackt und bloß, Bringt nichts mit sich auf diese Welt Kein Gut noch Geld, Nimmt nichts mit sich, wenn er zerfällt. 4. Es hilft nicht Reichtum, Geld, noch Gut, Nicht Kunst und Gunst noch stolzer Mut; Für'n Tod kein Kraut ge⸗ wachsen ist, Mein frommer Christ, Alles, was lebet, sterb⸗ lich ist. 5. Heut' sind wir frisch, gesund und stark, Und mor⸗ gen schließt uns ein der Sarg; Heut' sind wir wie die Rosen rot, Bald krank und tot; Allhier ist nichts als Müh' und Not. 6. Man trägt eins nach dem andern hin, Wohl aus den Augen, aus dem Sinn! Die Weli vergisset unser bald, Jung oder Alt, Auch unsre Ehren mannigfalt. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 7. Ach, Herr, lehr' uns be⸗ denken wohl, Daß wir sein sterblich allzumal, Daß keiner hier sein Bleiben hab'ꝰ, Und müss' ins Grab, Gelehrt, schön, groß und klein hinab. 8. Das macht die Sünd', o treuer Gott! Sie hat ge⸗ zeugt den bittern Tod; Der rafft dahin all' Menschenkind', Wie er sie find't, Fragt nicht, wes Stand's und Ehr' sie sind. 9. Doch ob mich schon die Sünd' anficht, So will ich doch verzagen nicht! Ich weiß, daß für mich in den Tod Mein treuer Gott Sein'n lieben Sohn gegeben hat. 10. Dem leb' und sterb' ich allezeit, Der Tod von ihm mich nimmer scheid't. Leb' oder sterb' ich, bin ich sein! Er ist allein Der einz'ge Trost und Helfer mein. 11. Das ist mein Trost zu aller Zeit, In aller Not und Traurigkeit: Ich weiß, daß ich am jüngsten Tag Ohn' alle Klag' Werd' auferstehn aus meinem Grab. 12. Den lieben Gott von Angesicht Werd' ich dann schau'n, dran zweifl' ich nicht, In ew'ger Freud' und Herr⸗ lichkeit, Die mir bereit't; Ihm sei Lob, Preis in Ewigkeit! 13. Amen, mein lieber, frommer Gott, Bescher' uns einen sel'gen Tod; Hilf, daß wir mögen allzugleich Bald in dein Reich Kommen und bleiben ewiglich! Johann Leon 4 1597. Mel. Vater unser im Himmelreich. 524 err Jesu Christ, wahr'r Mensch und Gott, Der du littst Marter, Angst und Spott, Für mich am Kreuz auch endlich starbst Und mir des Vaters Huld erwarbst: J bitt' durchs bitt're Leiden dein, Du woll'st mir Sünder gnädig sein! 2. Wenn ich nun komm' in Sterbensnot Und ringen werde mit dem Tod; Wenn mir vergeht all' mein Gesicht Und meine Ohren hören nicht; Wenn meine Zunge nicht mehr spricht Und mir vor Angst mein Herz zerbricht; 3. Wenn mein Verstand 10 nicht besinnt Und mir all' menschlich Hülf' zerrinnt: So komm, o Herr Christ, mir behend Zu Hülf' an meinem letzten End' führ' mich aus dem Jammer⸗ thal, Verkürz' mir auch des Todes Oual. 4. Die bösen Geister von mir treib, Mit deinem Geist stets bei mir bleib; Bis sich Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 391 verleih Und im Gericht mein Fürsprech' sei, Herr, meiner Sünd nicht mehr gedenk', Aus Gnaden mir das Leben schenk, Wie du hast zugesaget mir In deinem Wort, das trau' ich dir; 6. Fürwahr, fürwahr, eu sage 0, Wer mein Wor hält und glaubt an mich, Der wird nicht kommen ins ch Gericht, Den Tod auf ewig schmecken nicht; Denn ob er wohl hier zeitlich stirbt, Mit nichten er drum gar verdirbt; 7. Sondern ich will mit starker Hand Ihn reißen aus des Todes Band' Und zu mir De in mein Reich, Da soll er denn mit mir zu⸗ gleich In ewiglich! gnädiglich. 8. Ach, Freuden leben Dazu hilf uns ja err, vergieb all' unsre Schuld! Hilf, daß wir warten mit Geduld, Bis un⸗ ser Stündlein kommt Auch rrn sei. Dein m Wort zu trauen festiglich, Bis wir ein⸗ schlafen seliglich! herbei; unser stets Glaub' Paul Eber, geb. 1511 + 1569. Eigne Melodie. — err, nun laß in die Seel' vom Leib ahwendt 525. H Friede, Lebens⸗ So nimm sie, Herr, in deine s att und müde, Deinen Händ'; Der Leib hab' in der Diener fahren Zu den Engel⸗ Erd sein' Ruh', Bis naht der scharen, jüngste Tag herzu. 5. Ein fröhlich Auferstehn Selig und im Stillen Doch nach deinem Willen. 2. Gerne will ich sterben, 392 Und den Himmel erben. Christus mich geleitet, Wel— chen Gott bereitet Zu dem Licht der Heiden, Das uns setzt in Freuden. 3. Hier hab' ich gestritten, Ungemach erlitten, Ritterlich gekämpfet, Manchen Feind ge⸗ dämpfet, Glauben auch ge⸗ halten Richtig mit den Alten. 4. Thränen mußt' ich lassen. Weinen ohne Maßen, Schwere Gänge laufen Mit der Christen Kren Ueber Sünde klagen, Kreuz und Trübsal tragen. 5. Nunmehr soll sich's wenden, Kampf und Lauf sich enden; Gott will mich erlösen Bald von allem Bösen; Es soll besser werden, Als es war auf Erden. 6. Frieden werd' ich finden, Ledig sein von Sünden Und auf allen Seiten Nicht mehr dürfen streiten; Mich soll ganz umgeben Himmlisch Freuden⸗ leben. 7. Mir ist beigeleget, Wo man Scepter träget, Eine schöne Krone Mir zum Gna⸗ denlohne; Da werd' ich er— götzet Und zur Ruh' gesetzet. 8. Mein Erlöser lebet, Der mich selber hebet Aus des Todes Kammer; Da liegt aller Jammer, Fröhlich ohne Schrecken Will er mich auf— wecken. 9. Dieser Leib soll gehen Und in Klarheit stehen, Wenn Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. die Toten werden Erstehn von der Erden: Christum werd' ich schauen; Darauf kann ich trauen. 10. Ihm nun will ich sin⸗ gen, Lob und Ehre bringen, Rühmen seine Güte Mit Seel' und Gemüte, Preisen seinen Namen Ohn' Aufhören. Amen! Dav. Böhme, geb. 1605 f 1657. Eigne Melodie. 526 erzlich thut mich * verlangen Nach einem sel'gen End', Weil ich hier bin umfangen Mit Trüb⸗ sal und Elend. Ich hab' Lust abzuscheiden Von dieser argen Welt; Sehn' mich nach ew'gen Freuden: O Jesu, komm nur bald. 2. Du hast mich ja erlöset Von Sünd', Tod, Teufel, Höll': Es hat dein Blut ge⸗— kostet, Drauf ich mein Hoff- nung stell'. Warum sollt' mir denn grauen Vor Teufel, Tod und Sünd'? Weil ich auf dich kann bauen, Bin ich ein selig Kind. 3. Wenn süß gleich ist das Leben, Der Tod sehr bitter mir, Will ich mich doch er⸗ geben Zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, Da meine Seel' fährt hin, Des freu' ich mich gar eben, Sterben ist mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden Zu Staub und Asche kehrt, Doch auch erwecket werden, Durch Christum, schön verklärt, Wird leuchten als die Sonne Und leben ohne Not In Himmelsfreud' und Wonne. Was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, Zu leben länger hier Und mir auch immer zeiget Ehr', Geld, Gut, all' ihr Zier; Doch ich das gar nicht achte, Es währt ein' kleine Zeit; Nach Gottes Reich ich 0 Das bleibt in Ewig⸗ eit. 6. Wenngleich nun auch das Scheiden Von meinen Diree gut Mir bringet itt'res Leiden, So hebt's doch meinen Mut, Daß wir im ew'gen Frieden Uns werden wiedersehn Und bleiben unge⸗ schieden Dort in Jerusalem. 7. Muß ich auch hinter⸗ lassen Betrübte Waisen klein, Gott wird sie treu umfassen Und ihr Versorger sein. Drum will ich gerne sterben Und trauen meinem Gott: Er läßt sie nicht verderben, Er hilft aus aller Not. 8. Was wolltet ihr ver— zagen, Ihr armen Waisen mein? Sollt' Gott euch Hülf' versagen, Der speist die Ra⸗ ben klein? Die Witwen und die Kleinen Schützt er mit Vatertreu. bös' es meinen, Das gläubet ohne Scheu. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Vor all'n, die 393 9. Gesegn' euch Gott der Herre, Ihr Vielgeliebten mein, Trauert nicht allzusehre Um mein Geschiedensein; Seid fest in dem Vertrauen, Wir soll'n in kurzer Zeit Einander wiederschauen Dort in der Ewigkeit. 10. Nun will ich ganz mich wenden Zu dir, Herr Christ, allein; Gieb mir ein selig Ende, Send' mir dein Enge— lein, Führ' mich ins ew'ge Leben, Das du erworben hast Durch dein Leiden und Sterben Und deines Kreuzes Last. 11. Hilf, daß ich nimmer weiche, Von dir, Herr Jesu Ehrist, Dem schwachen Glau⸗ ben reiche Geduld zu aller Frist. Hilf ritterlich mir ringen Und halte mich mit Macht, Daß ich kann fröhlich singen: Gott Lob, es ist voll⸗ bracht! Christoph Knoll, geb. 1563 4+ 1621. Mel. O Jesu Christ, mein's Le⸗ bens Licht. Ee Och ͤ armer Mensch 527. X doch gar nichts bin, Nur Gottes Sohn ist mein Gewinn: Daß Mensch er ward, das macht mir Mut, Ich bin erlöset durch sein Blut. 2. Gott Vater, o regiere mich Mit deinem Geiste stetig⸗ lich; Laß deines Sohnes Gna⸗ 394 denglanz Mein armes Herz erfüllen ganz. 3. Und wenn mein Stünd⸗ lein kommen ist, Nimm mich zu dir, Herr Jesu Christ; Denn ich bin dein und du bist mein. Wie gern wollt' ich bald bei dir sein! 4. Herr Jesu Christe, hilf du mir, Daß ich als Rebe bleib' an dir Und nachmals mit dir aufersteh', Zu deiner Herrlichkeit eingeh'. Nach dem Lateinischen des Phil. Melanchthon (1497-1560) von Johann Heune 7 1581. Mel. Valet will ich dir geben. 982 CSich bin ein Gast 528. auf Erden Und hab' hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier reis' ich bis zum Grabe, Dort in der ew'gen Ruh' Ist Gottes Gnadengabe, Die schleußt all' Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh' und Not ge⸗ wesen? So lang' ich denken kann, Hab' ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zuge⸗ bracht. 3. Mich hat auf meinen Wegen Manch harter Sturm erschreckt; Blitz, Donner, Wind und Regen Hat mir oft Angst erweckt; Verfolgung, Haß und Neiden, Ob ich's gleich nicht verschuld't, Hab' ich doch führt, Da Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. müssen leiden Und tragen mit Geduld. 4. So ging's den lieben Alten, An deren Fuß und Pfad Wir uns alltäglich halten, Wenn's fehlt an gutem Rat. Wie mußte sich doch schmiegen Der Vater Abraham, Bevor ihm sein Vergnügen Und rechte Wohnstatt kam! 5. Wie manche schwere Bürde Trug Isaak, sein Sohn! Und Jakob, dessen Würde Stieg bis zum Himmelsthron: Wie mußte der sich plagen, In was für Weh und Schmerz, In was für Furcht und Za⸗ gen Sank oft sein armes Herz! 6. Die frommen, heil'gen Seelen, Die gingen fort und fort Und änderten mit Quälen Den erst bewohnten Ort; Sie zogen hin und wieder, Ihr Kreuz war immer groß, Bis daß der Tod sie nieder Legt in des Grabes Schoß. 7. Ich habe mich ergeben In gleiches Glück und Leid; Was will ich besser leben In dieser Pilgerzeit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein; Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein. 8. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt; Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimat mich ohn' alle Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Maße Mein Vater trösten wird. 9. Mein' 92201 ist dort droben, Da aller Engel Schar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdem's ihm wohlgefällt. 10. Zu dem steht mein Ver⸗ langen, Da wollt' ich gerne hin: Die Welt bin ich durch⸗ gangen, Daß ich's fast müde bin. Je länger ich hier walle, Je wen'ger find' ich Freud', Die meinem Geist gefalle, Das meist ist Herzeleid. 11. Die Herberg' ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel. Ach, komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will. Komm, mach' ein selig's Ende An meiner Wanderschaft: Und was mich kränkt, das wende Durch deines Armes Kraft. 12. Wo ich bisher gesessen, Ist nicht mein rechtes Haus: Wenn mein Ziel ausgemessen, So trete ich hinaus, Und was ich hier gebrauchet, Das leg' ich alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So legt man mich ins Grab. 13. Du aber, meine Freude, Du meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ew'gen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich 395 als die helle Sonne, Mit an⸗ dern leuchten soll. 14. Da will ich ewig woh⸗ nen, Und nicht nur als ein Gast Bei denen, die mit Kro⸗ nen Du ausgeschmücket hast. Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun Und frei von schnöden Din⸗ gen In meinem Erbteil ruhn. Paul Gerhardt, geb. 1606 1676. Eigne Melodie. Osch bin ja, Herr, 529. N. in deiner Macht! Du hast mich an das Licht gebracht, Du unterhält'st mir auch das Leben; Du kennest meiner Monden Zahl, Weißt, wann ich diesem Jammerthal Auch wieder gute Nacht muß geben: Wo, wie und wann ich sterben soll, Das weißt du, Herr des Lebens, wohl. 2. Wen hab' ich nun, als dich allein, Der mir in meiner letzten Pein Mit Trost und Rat weiß beizuspringen? Wer nimmt sich meiner Seele an, Wenn nun mein Leben nichts mehr kann Und ich muß mit dem Tode ringen; Wenn allen Sinnen Kraft gebricht: Thust du es, Gott, mein Heiland, nicht? 3. Mich dünkt, da lieg' ich schon vor dir In großer Not ohn' Kraft und Zier, Mit höchster Herzensangst befallen. Gehör und Rede nehmen ab. Die Augen sehen nur das VNU 4 4 11 . * V IR IN I. 4 II MIt 396 Sterve⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Grab; Doch kränkt die Sünde mich vor allen: Des Satans Anklag' hat nicht Ruh', Setzt mir auch mit Versuchung zu. 4. Ich höre der Posaunen Ton Und sehe den Gerichts— tag schon, Der mir auch wird ein Urteil fällen. Hier weiset mein Gewissensbuch, Dort aber des Gesetzes Fluch Mich Sün⸗ denkind hinab zur Höllen, Da, wo man ewig, ewig: Leid, Qual, Jammer, Angst und Wehe! schreit. 5. Kein Gold und Gut er⸗ rettet mich; Umsonst erbeut ein Bruder sich, Den andern hier erst loszumachen: Er muß es ewig lassen stehen. Wir werden ewig nicht ent⸗— gehen, Wenn uns erfaßt der Höllen Rachen. Wer hilft mir sonst in dieser Not, Wo du nicht, Gott, du Todes Tod? 6. Der Teufel hat nicht Macht an mir: Ich habe bloß gesündigt dir, Dir, Missethat vergiebest. Was maßt sich Satan dessen an, Der kein Gesetz mir geben kann, Nichts hat an dem, was du, Herr, liebest? Er nehme das, was 8 ist, hin: Ich 217 daß ich d es Herren bin. Herr Jesu, ich, d dein teu⸗ res Gut, Bezeug's mit deinem eignen Blut, Daß ich der Sünde nicht gehöre. Was schont denn Satan meiner nicht Und schreckt mich durch das Zorngericht? Komm, rette der du deine Leidensehre! Was giebest du 1955 fremder Hand Und hast so viel an mich gewandt? 8. Nein, nein! ich weiß ge⸗ wiß, mein Heil, Du lässest mich, dein wahres Teil, Zu tief in deinen Wunden sitzen. Hier lach' ich aller Angst und Not, Es mag Gesetz, Höll' oder Tod Bedrohen mich mit Zornesblitzen. Dieweil ich lebte, war ich dein: Jetzt kann ich keines andern sein. Simon Dach, geb. 1605 1659. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 530. J ch hab' mich Gott ergeben, Dem liebsten Vater mein; Hier ist kein Immerleben, Es muß ge⸗ schieden sein. Der Tod kann mir nicht schaden, Er ist nur mein Gewinn. In Gottes Fried' und Gnaden Fahr' ich mit Freud' dahin. 2. Mein Weg geht jetzt vorüber, O Welt, was acht' ich dein? Der Himmel ist mir lieber, Da muß ich trachten ein; Mich nicht mit Sünd' beladen, Weil ich wegfertig bin. In Gottes Fried' und Gnaden Fahr' ich mit Freud' dahin. 3. Ach sel'ge Freud' und Wonne Hat mir der Herr be— reit't, Da Christus ist die Sonne, Leben und Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, Weil ich bei Christo bin In Gottes Fried' und Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 397 Gnaden Fahr' ich in Freud' und Leben Hast du allein in dahin. deiner Hand: Wie lange du 4. Gesegn' euch Gott, ihr mir Frist gegeben, Das ist Meinen, Ihr Liebsten allzu⸗ und bleibt mir unbekannt. mal! Um mich sollt ihr nicht Hilf, daß ich jeden Glocken⸗ weinen, Ich weiß von keiner schlag An meinen Abschied Qual; Den rechten Weg noch denken mag. heute Den wählet mit Be⸗ 5. Es kann vor Abend an⸗ dacht. In Gottes Fried' und ders werden, Als es am Freude Fahrt bald mir alle Morgen mit mir war; Den nach. einen Fuß hab' ich auf Erden, Johann Siegfried, geb. 1564 f 1637. Den andern auf der Toten⸗ bahr'. Ein kleiner Schritt ist Mel. Wer nur den lieben Gott läßt nur dahin, Wo ich der Wür⸗ walten. mer Speise bin. 531. Ochsterbetäglich und 6. Ein einz'ger Schlag kann 2 2 mein Leben Eilt alles enden Und Fall und Tod immerfort zum Grabe hin. beisammen sein; Doch schlage Wer kann mir einen Bürgen nur mit Vaterhänden Und geben, Ob ich noch morgen schließ in Christi Tod mich ein, lebend bin? Die Zeit geht Daß, wenn der Leib zu Boden hin, der Tod kommt her: fällt, Die Seel' an Jesu Kreuz Ach, wer nur immer fertig sich hält. wär'! 7. Vielleicht kann ich kein 2. Ein Mensch, der sich Wort mehr sagen, Wenn Auge, mit Sünden träget, Ist im⸗ Mund und Ohr sich schleußt; mer reif zu Sarg und Grab; Drum bet' ich bei gesunden Ta⸗ Der Apfel, der den Wurm gen: Herr, ich befehl' dir mei⸗ schon heget, Fällt endlich un- nen Geist. Verschließen meine versehens ab. Der alte Bund Lippen sich, So schreie Jesu schließt keinen aus, Mein Leib Blut für mich. ist auch ein Totenhaus. 8. Kann ich die Meinen nicht 3. Es schickt der Tod nicht mehr segnen, So segne du sie immer Boten, Er kommt gar mehr als ich; Wenn lauter oft unangemeld't Und fordert Thränen um mich regnen, O uns ins Land der Toten. Tröster, so erbarme dich Und Wohl dem, der Haus und lasse der Verlassnen Schrein Herz bestellt! Denn ew'ges Durch deinen Trost erhörlich Weh und ew'ges Glück Hängt sein. nur an einem Augenblik. 9. Dringt mir der letzte 4. Herr aller Herren, Tod Stoß zum Herzen, So schließe 398 mir den Himmel auf; Ver⸗ kürze mir des Todes Schmerzen Und hole mich zu dir hinauf: So wird mein Abschied keine Pein, Vielmehr durch Christum selig sein. Benjamin Schmolck, geb. 1672 f 1787. Mel. Jesu, meine Freude. 532 esu, Ruh'der See⸗ X len, Laß mich nicht so quälen Hier in dieser Welt! Ich bin matt und müde, Suche Ruh' und Friede In dem Himmelszelt. Komm, ach komm, o Jesu, komm! Führe mich aus diesem Leiden Hin zu Himmelsfreuden! 2. Dein Knecht 10 ge⸗ stritten, Kreuz und Not er⸗ litten, Jesu, Seelenfreund! Laß mich nun ausrasten Von der Arbeit Lasten, Morgen oder heut'. Jesu, komm, ach Jesu, komm! Bringe mich zu Ruh' und Friede, Ich bin matt und müde. 3. Was ich denk' und thue, Ist nach Himmelsruhe Nur allein gericht't: Alles ist nur Mühe, Was mir spät und frühe Von der Welt geschicht: Gottes Schein, der giebt al⸗ lein Fried und Ruhe mei⸗ nem Herzen, Lindert Seelen⸗ schmerzen. 4. Weichet nur, ihr Sünder, Weichet, ihr Weltkinder, Alle fern von mir! Die ihr streitet, Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. ist mir bereit't, Sanfte Ruh' und süßes Leben Wird mir Jesus geben. Ahasv. Fritzsch, geb. 1629 + 1701. Tod von Kindern. Mel. O Gott, du frommer Gott. 333 Ihr Eltern, gute N Nacht! Nun geht es an ein Scheiden: Ich fahr' zu Jesu hin In seine Him⸗ melsfreuden, Zu Jesu, welcher mich In Ewigkeit anlacht. Ach weinet, weinet nicht, Ihr El⸗ tern, gute Nacht! 2. Ihr Eltern, gute Nacht! Hört auf, um mich zu klagen, Da jetzt mein zarter Leib Wird in das Grab getragen: Wißt, daß die Seele ist Zur Himmelsruh' gebracht. Ach weinet, weinet nicht, Ihr El⸗ tern, gute Nacht! krieget, Die ihr öfters sieget In dem Bösen hier: Himmelsfrend 3. Ihr Eltern, gute Nacht! Sehr herrlich ist's zu wohnen Im schönen Himmelsschloß, Da man erblicket Kronen, Die Gott den Frommen hat Aus Gnaden zugedacht. Ach wei⸗— net, weinet nicht, Ihr Eltern, gute Nacht! 4. Ihr Eltern, gute Nacht! Muß ich euch schon verlassen, So werdet ihr mich doch Mit Herzenslust umfassen, Wenn Gott mit euch und mit Der Welt ein Ende macht. Ach weinet, weinet nicht, Ihr El⸗ tern, gute Nacht! 5. Ihr Eltern, gute Nacht! Sterbe⸗ und Be Die Angst⸗ und Marterstun⸗ den, Die sind in dieser Welt Nun völlig überwunden; Mein Leib schläft sanft, bis wiederum erwacht. Ach wei⸗ net, weinet nicht, Ihr Eltern, gute Nacht! Gotthard Schuster, geb. 1673. Mel. Vater unser im Himmelreich. EOEnn Christi Wun⸗ 534.— den schlaf' ich ein, Die machen mich von Sünden rein; Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; Damit will ich vor Gott be— stehn, Wenn ich zum Himmel werd' eingehn. 2. Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin, Ein Gottes⸗ kind ich allzeit bin. Dank ab', o Tod, du förderst mich, Ins ew'ge Leben wandre ich, Mit Christi Blut gereinigt fein. Herr Jesu, stärk' den Glauben mein! Leipzig 1633 Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. 535 Laß mir, wenn 559. meine Augen brechen, Herr, deinen Frieden fühlbar sein, Komm, deinen Trost mir zuzusprechen Und segne du mein matt Gebein! Gieb Ruhe mir in deinen Armen, Darin ich Gnad' und Frieden fand, Und trag mich vollends mit Erbarmen gräbnis⸗Lieder. 399 Sanft zu dir heim ins Vater⸗ land. Chr. R. v. Zinzendorf, geb. 1727 4 1752. daß Er Für Sterbende und Kranke. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 536 Eiebster Vater, soll es sein, Daß ich heut' an diesem Tage Letzt⸗ mals mit Gebet erschein' Und dir meine Not vortrage; Ach, so richte meine Sinnen Nach den hohen Himmelszinnen. 2. Tausend⸗ und viel tau⸗ sendmal Sei, o Vater, hoch gepriesen, Daß in deiner Kin⸗ der Zahl Du mir eine Stell gewiesen, Daß ich dich hab' lernen kennen Und in Christo Vater nennen. 3. Heilig, heilig, heilig sei Deines hohen Namens Ehre, Deine Güte mancherlei, Deine Kraft und wahre Lehre; Ich will dort dich ewig loben, Wenn ich bin zu dir erhoben. 4. Dein Reich hast du auch zur mir Hier in Gnade lassen kommen, Mich berufen und zu dir Aus des Satans Macht ge⸗ nommen; Jesus hat mir Heil und Frieden Durch sein Blut und Tod beschieden. 5. Darum wart' ich mit Be⸗ gier Ganz getrost aufs Reich der Ehren; Nichts durchaus ist mehr allhier, So mich soll da⸗ von abkehren: Komm, o König, laß erscheinen, Was ich hoff' mit all' den Deinen. F 2 +.—— 400 6. Deinem Willen thu' ich mich Ganz zu einem Opfer ge⸗ ben: Hab' ich hier nicht völlig⸗ lich Nach demselben können leben, So werd' ich dort doch erfüllen Mit den Engeln dei⸗ nen Willen. 7. Täglich Brot und man⸗ cherlei, Was zu meinem Stand gehöret, Hast du, Vater, mild und treu, Mir zeitlebens auch bescheret; Nun du wean brot willst geben, Laß ich gern das arme Leben. 8. Bleiben gleich die Meinen hier, Die mich länger möchten sehen, So weiß ich, daß nur bei dir Steht ihr Weh und Wohlergehen. Ich befehle dei⸗ ner Güte, Was mir lieget im Gemüte. 9. Nun, o Vater, laß du mir Alle Schulden sein ver⸗ geben, Daß ich rein und frei zu dir Fahr' aus diesem Sün⸗ denleben: Jesus hat mir Gnad' erworben, Mit ihm ist die Schuld gestorben. 10. So vergeb' ich auch gar leicht, Wie du, Vater, hast ge⸗ heißen. Aller Zorn und Rache weicht, Ich will lauter Lieb' erweisen; Weil du, Gott, selbst viel erlassen, Will ich Mensch auch niemand hassen. 11. Rückt der letzte Kampf herzu, Tobet heftig Sünd' und Hölle, Daß sie mir die Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. mich nach allen Seiten Die Versuchung wohl bestreiten. 12. Mach' mich alles Uebels los, Mach' der Sündennot ein Ende: Ich ergebe ganz und bloß Mich in deine Vater⸗ hände; Wollest mich von allem Bösen, Wie du weißt und kannst, erlösen. 13. An dem allen zweifl' ich nicht, Denn du bist der Himmelskönig; Zu dir ist die Zuversicht; Welt und Höll'istdir zu wenig; Deine Kraft wird nicht vergehen, Deine Herr⸗ schaft ewig stehen. Veit Ludw. v. Seckendorf, geb. 1626 + 1692. Eigene Melodie. achs mit mir, 537. M Gott, nach dei⸗ ner Güt, Hilf mir in meinem Leiden; Ruf' ich dich an, ver⸗ sag' mir's nicht: Wenn sich mein' Seel' soll scheiden, So nimm sie, Herr, in deine Händ'; Ist alles gut, wenn gut das End'. 2. Gern will ich folgen, lieber Herr, Du wirst mich nicht verderben; Ach, du bist doch von mir nicht fern, Ob ich gleich hier muß sterben, Verlassen meine lieben Freund', Die's mit mir herzlich gut gemeint. 3. Ruht doch der Leib sanft in der Erd', Die Seel' zu dir sich schwinget; In deiner Himmelsruh' Raub' und mei⸗ nen Glauben fälle, So laß Hand sie unversehrt Durch Tod ins Leben dringet. Hier Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 401 ist doch nur ein Thränen- erneut, Giebt zum Tode Freu⸗ thal, Angst, Not und Trübsal überall. 4. Cod, Teufel, Höll', die Welt und Sünd' Mir können nichts mehr schaden; An dir, o Herr, ich Rettung find', Ich tröst' mich deiner Gnaden: kein Gericht: Dein ein'ger Sohn aus Lieb' Zuversicht. und Huld Für mich bezahlt hat alle Schuld. 5. Warum sollt' ich denn traurig sein, Weil ich 10 wohl bestehe? Bekleid't mit Christi hergehe? Gehab dich wohl, du schnöde Welt, leben mir gefällt. Joh. Herm. Schein, geb. 1586 4 1630. Mel. Jesus, meine Zuversicht. eine Lebens⸗ 538. M zeit ver⸗ streicht, Stündlich eil' ich zu dem Grabe; Und wie wenig ist's vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Denk, o Mensch, an deinen Tod, Säume nicht; denn eins ist not. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreu'n; Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugnis digtei, Bei Gott zu giebt, Wird dir deinen Tod versüßen, Dieses Herz von Gott 4. Wenn in deiner letzten Not Freunde hilflos um dich beben: Dann wird über Welt und Tod Dich dies reine Herz erheben; Dann erschreckt dich Gott ist deine 5. Daß du dieses Herz er⸗ wirbst, Fürchte Gott und bet' und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern' nicht Unschuld rein, Wie eine Braut nur den Tod nicht scheun, Lern' auch, seiner dich er⸗ freun. 6. Ueberwind' ihn durch Vertraun, Sprich: Ich weiß, an wen ich gläube, Und ich weiß, ich werd' ihn schaun, Einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: Es ist voll⸗ bracht! Nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab' oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du mich jeden Tag, Daß ich weiser werden mag. Chr. F. Gellert, geb. 1715 4 1769. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ein Gott, ich 539. Y weiß wohl, daß ich sterbe; Ich bin ein Mensch,‚ der bald vergeht Und finde hier kein solches Erbe, Das 26 2*.———:.—— 402 Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. ewig in der Welt besteht: Drum zeige mir in Gnaden an, Wie ich recht selig sterben kann. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe; Kein Augenblick geht sicher hin; Wie bald zerbricht doch eine Scherbe? Die Blume kann gar leicht verblüh'n: Drum mache mich nur stets bereit Hier in der Zeit zur Ewigkeit. 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, Dieweil der Tod viel Wege hält; Dem einen wird das Scheiden herbe, Sanft geht ein andrer aus der Welt. Doch wie du willst, nur gieb dabei, Daß einst mein Ende selig sei. 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe, Und wel⸗ cher Sand mein Grab bedeckt; Doch wenn ich dieses nur er⸗ werbe, Daß deine Hand mich auferweckt, So nehm' ich leicht ein Räumlein ein: Die Erd' ist allenthalben dein. 5. Nun, liebster Gott, wenn ich ja sterbe, So nimm du meinen Geist zu dir; Schenk' mir durch Christi Blut das Erbe! Und hab' ich das im Grabe hier, So gilt mir's gleich und geht mir wohl, Wann, wo und wie ich sterben soll. Benjamin Schmolck, geb. 1672 + 1737. Beim Tode eines Kindes. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 540. M wennt du noch, Und du, die mich ge⸗ boren? Was grämt ihr euch? Was macht ihr doch? Ich bin ja unverloren. Ach sollt't ihr 2165 wie mir's geht Und wie mich der so hoch erhöht, Der selbst so hoch erhoben: Ich weiß, ihr würdet anders thun Und meiner Seele süßes Ruh'n Mit eurem Munde loben. 2. Der saure Kampf, den ich dort hab' In eurer Welt empfunden, Der ist durch Gottes Gnad' und Gab' Ganz glücklich überwunden. Es ging mir, wie es pflegt zu gehn All' denen, die bei Christo stehn Und von der Welt sich scheiden: Wer Christo folgt, der muß mit ihm Das Kreuz und alles Ungestüm Auf seinen Wegen leiden. 3. Nun bin ich durch, Gott Lob und Dank! Hier kommt ein ander Leben; Hier wird mir, was mein Lebenlang Ich nicht gesehn, gegeben. Ein ganzer Himmel voller Licht, Ein Licht, davon mein Angesicht So schön wird als die Sonne. Hier ist ein ew'ges Freudenmeer: Wohin ich nur die Augen kehr', Ist alles voller Wonne. 4. Nun lobt, ihr Menschen, wie ihr wollt, Des Erden⸗ lebens Güte: Was ist da⸗ rinnen, was mir sollt' Jetzt neigen mein Gemüte? Was ist das Beste, das ihr liebt? EE EE e ER A Was giebt die Erde, wenn sie giebt, Als Angst und bittre Schmerzen? Was ist hier alles Gut und Geld? Was bringt der Schein, die Pracht der Welt, Als Kummer euren Herzen? 5. Was ist der großen Leute Gunst Als Zunder großen Neides? Was ist das Wissen vieler Kunst Als Ursprung vielen Leides? Denn wer viel weiß, der grämt sich viel, Und welcher andre lehren will, Muß leiden und viel tragen. Seht alles an: Ruhm, Lob und Ehr'; Habt Freud' und Lust; was habt ihr mehr, Als endlich Weh und Klagen? 6. Nichts ist so schön und wohlbestellt, Darin man wohl hier stehe: Drum nimmt Gott, was ihm wohlgefällt, Bei Zeiten in die Höhe Und setzet es in seinen Schoß: Da ist es allen Kummers los, Darf nicht wie ihr sich kränken, Die ihr oft denket, wie doch wohl Dies oder jenes wer⸗ den soll Und könnt's doch nicht erdenken! 7. Wer selig stirbt, der schließet zu Die schwar— zen Jammerthore, Hingegen schwingt er sich zur Ruh' Im güldnen Engelchore, Legt Asche peg, kriegt Freudenöl, Zeucht aus das Fleisch und die Seel' In reiner weißer selig sterben, Seiden. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 403 und tauschet ein Die Lust, da Christi Schäfelein In lau⸗ ter Rosen weiden. 8. So gebt, ihr Liebsten, euch doch schlicht Dahin in Gottes Willen. Sein Rat ist gut, sein Thun ist recht Und wird wohl wieder stillen Die Schmerzen, die er euch gemacht, Und hiermit sei euch gute Nacht Von eurem Kind gegönnet. Es kommt die Zeit, da mich und euch Verein'gen wird in seinem Reich, Der euch und mich getrennet. 9. Da will ich eure Treu' und Müh' Und was ihr eurem Kranken Erwiesen habt, im Himmel hie, So bald ihr kommt, verdanken. Ich will erzählen, wie ihr habt Euch selbst betrübt und mich gelabt Vor Christo und vor allen. Und für den heißen Thränen⸗ fluß Will ich mit mehr als einem Kuß Um euren Hals euch fallen. Paul Gerhardt, geb. 1606 + 1676. Die sieben Worte des Herrn am Kreuze. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 541 Mein Jesus kommt: * mein Sterben ist vorhanden; Ich werde frei von dieses Lebens Banden. Wie soll ich aber wohl und Dein Reich er⸗ Er läßt die Exd' lerben? 26* 404 Sterbe⸗ und BegräbnisLieder. 2. Wie du, mein Jesus, bist am Kreuz gestorben Und hast dadurch das Leben uns erworben: So laß auf deinen Tod mich auch abscheiden Zu deinen Freuden. 3. Und was du noch zu⸗ letzt hast ausgesprochen, Eh' dir dein liebevolles Herz ge⸗ brochen; Das will ich dir, indem die Augen brechen, Ge⸗ trost nachsprechen. 4. Vergieb, o Vater, denen die mich hassen, Die wider mich Neid, Eifer ausgelassen, Vergieb doch, weil die Feinde nicht verstehen, Was sie begehen. 5. Vergieb auch mir, o Vater, alle Sünde Und was ich jetzt noch Böses in mir finde: Ich hab' mich oft, durch leisch und Blut verblendet, on dir gewendet. 6. Ich habe, Jesu, Seele, Leib und Leben In meinem Testament dir übergeben; Du wirst die Meinen auch heut'oder morgen Hier wohl versorgen. 7. Ich übergebe sie zu dei⸗ nen Händen: Du wirst von ihnen Sünd' und Schande wenden; Du wirst, o Vater, diesen letzten Willen An mir erfüllen. 8. Nun wendet sich mein Herz von dieser Erden. Dein Paradies, das soll mir eigen werden: Dein Paradies, das schöne, das wird heute Mein nach dem Streite. 9. Ach, Jesu, zeige mir jetzt deine Güte Und laß zum Himmel dringen mein Ge⸗ müte, Daß ich ergreife dort zum Gnadenlohne Die schöne Krone. 10. Zwar Höll' und Teufel fangen an zuquälen Und stre⸗ ben mir nach meiner armen Seelen, Weil ich dein Wort in dieser Sündenhütten Hab' überschritten. II. Ich aber will die Seuf⸗ zer tiefer fassen: Mein Gott, mein Gott! du wirst mich nicht verlassen, Dieweil du selbst von Gott verlassen hingest Und mich umfingest. 12. Mein Herze dürstet nach dir und ich ächze, Ich seufze nach dem Himmel, ach! ich lechze Nach dir, nach dir, mit großem Durst, ich Armer, O mein Erbarmer! 13. Ach laß mich nicht in meiner Not versinken, Laß mich die Kraft aus deinen Wunden trinken: Ich dürste wie ein Hirsch: laß dich er— blicken, Mich zu erquicken. 14. Jetzt kommt der Trost, mein Herz hat sich gelabet, Jesu, mit deinem Blut, bin ich begabet. Es ist vollbracht, was übrig ist gewesen; Ich bin genesen. 15. Nun ist vollbracht mein Leiden, Kreuz und Jammer; Mein schwacher Leib schläft sanft in seiner Kammer Und wartet nur, bis Jesus diese Glieder Mir schenket wieder. 16. Ich gebe dir den Geist in deine Hände: O Jesu, sei bei mir an meinem Ende! Ich bleibe dir, ich sterbe deinem Namen: Jesu sprich Amen! Michael Hunold, geb. 1621 + 1672. Eigne Melodie. 2. MR ist ein ( Pil grimstand; 50 365 nach dem Vaterland, Nach dem Jerusalem, das droben Gott selbst als eine feste Stadt Auf Bundesblut gegründet hat; Da werd' ich meinen Gott stets loben. Mein Leben ist ein Pilgrimstand, Ich reise nach dem Vaterland. 2. So schnell ich Land und Leut' verlaß, Läuft schnell des Lebens Stundenglas, Und was vorbei ist, kommt nicht wieder; Ich eile zu der Ewig⸗ keit. Herr Jesu, mach' mich nur bereit, Eröffne meine Augenlider, Daß ich, was zeitlich ist, veracht' Und nur nach dem, was ewig, tracht'. 3. Kein Reisen ist ohn' Un⸗ gemach; Der Lebensweg hat auch sein Ach. Man wandelt nicht auf weichen Rosen. Der Weg ist eng, der Feinde viel, schließ' die Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 40⁵ fälschte Herzen strahlet; Wind, Regen stürmen auf mich zu, Mein matter Geist find'r nirgend Ruh'. Doch alle Müh' ist schon bezahlet, Wenn ich das goldne Himmelsthor Mir stell' in Glaub; undHoffnungvor. 5. Israels Hüter, Jesu Christ, Der du ein Pilgrim worden bist, Da du mein Fleisch hast angenommeu; Zeig' mir im Worte deine Tritt'; Laß mich bei einem jeden Schritt Zu deinem Heil stets näher kommen. Mein Leben flieht; ach eile du, Und . mir Trost und Seelenruh'. Durch deinen Geist mich heilig leit'; Gieb in Geduld Beständigkeit; Vor Straucheln meinen Fuß beschütze. Ich falle stündlich: hilf mir auf; Zeuch mich, damit ich dir nachlauf'; Sei mir ein Schirm in Trübsalshitze; Laß deinen hellen Gnadenschein In Fin— sternis nie ferne sein! 7. Wenn mir mein Herz, o Gnadenfüll', Vor Durst nach dir verschmachten will, So laß mich dich zum Lab— sal finden; Und wenn ich Augen zu, So Die mich ableiten von dem bring mich zu der stolzen Ziel. Ich muß mich oft an Dornen stoßen, hn muß durch Ruh', Da Streit und alle Müh' verschwinden: Laß mich dürre Wüsten gehn Und kann da sein in Abrams Schoß selbst keinen Ausweg sehn. Dein Liebling und dein Haus⸗ 4. Der Sonne Glanz mir genoß! oft gebricht, Der Sonne, die mit Gnadenlicht In unver⸗fremden Land Der blinden 8. Bin ich denn hier im 406 Welt gleich unbekannt: Dort sind die Freunde, die mich kennen; Dort werd' ich mit der Himmelsschar Dir jauchzend dienen immerdar Und in der reinsten Liebe brennen. Mein Heiland, komm, ach bleib nicht lang': Hier in der Fremde wird mir bang. Fr. Ad. Lampe, geb. 1683 1729. Media vita in morte. Eigne Melodie. itten wir im Le⸗ 543. ben sind Mit dem Tod umfangen: Wen such'n wir, der Hülfe thu', Daß wir Gnad' erlangen? Das bist du, Herr, alleine! Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Gort! Gott! Heiliger starker ott! Heiliger barmherziger Lan ur Du ewiger Gott! aß uns nicht versinken In des bittern Todes Not! Kyrie, eleison! 2. Mitten in dem Tod an⸗ ficht Uns der Hölle Rachen. Wer will uns aus solcher Not Frei und ledig machen? l Das thust du, Herr, alleine! Es jammert dein' Barm⸗ herzigkeit Unsre Sünd' und großes Leid. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Hei⸗— land! Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. tiefen Hölle eleison! 3. Mitten in der Höllen Angst Unsre Sünd' uns trei⸗ ben; Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? dir, Herr Christ, alleine! Vergossen ist dein teures Blut, Das g'nug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost! Kyrie, eleison! Mart. Luther, geb. 1483 + 15⁴46 Bei Kindern. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben 544 Nun lieg' ich armes —** Würmelein Und ruh' in meinem Kämmerlein; Ich bin durch einen sanften Tod Entgangen aller Angst und Not. 2. Was schadet mir's, daß mein Gebein Muß in das Grab verscharret sein? Mein Seelchen schwebet ohne Leid In Himmelsglanz und Herr⸗ Glut! Kyrie chkeit. 3. In solchem Schmuck, in soscher Zier Prang' ich vor Gottes Thron allhier; Mein Jesus ist all' meine Lust, Mein Labsal, meine beste Kast. 4. Mit Weinen war ich eist gebor'n, Zum Jauchzen bin ich nun erkor'n. Ich singe mit der Engel Schar Das ewig neue Jubeljahr. 5. Nichts Liebers meine Zudge singt, Nichts Reiners meinen Hoen klingt, Nichts Süßers meinen Herzen ist, Als mein herzliebster Jesus Christ. 6. Drum, liebe Eltern, höret auf Zu klagen meinen kurzen Lauf! Ich bin voll⸗ kommen worden bald; Wer selig stirb't, ist g'nugsam, alt. 7. Bedenket meinen Freu⸗ denstand Und wie es in der Welt bewandt. Bei euch ent⸗ brennet Krieg und Streit: ier herrschet Fried'ꝰ und röhlichkeit. 8. Wer auf der Erde lange lebt, Derselb' auch lang an Sünden klebt; Muß streiten oft mit Fleisch und Blut, —10 manchem weh' und bange thut. 9. Ja leiden muß er Kreuz und Not Und noch wohl einen langen Tod: Hier hab' ich schon nach kurzem Streit Er⸗ langt die Kron' der Herr⸗ lichteit 10. Sollt' euch denn dies nicht tröstlich sein, Daß ich so sanft geschlafen ein, Daß mir der treue Heiland mein Verkürzet meine Todespein? 11. Drum legt die Hand auf euren Mund Und seht auf Gott, der euch verwund't, Der euch zu heilen ist bereit, Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 407 25 dienet eurer Selig⸗ eit. 12. An jenem Tag wir werden gehn, Da vor Gott roß und kleine stehn, Zur Wamenchen Christtagsfreud' Mit höchster Ehr' und Herr⸗ lichkeit. Michael Schirmer, geb. 1606 1678. Eigne Melodie. Jesu Christ, 545. O mein's Lebens Licht, Mein Hort, mein Trost, mein' Zuversicht: Auf Erden bin ich nur ein Gast Und drückt mich sehr der Sünden Last. 2. Ein' schwere Reis' hab' ich vor mir Ins himmlisch Paradies zu dir! Da ist mein rechtes Vaterland, Daran du hast dein Blut gewandt. 3. Zur Reis' ist mir mein Herz sehr matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Doch meine Seele schreit in mir: Herr, hol mich heim, nimm mich zu dir! 4. Drum stärk' mich durch das Leiden dein In meiner letzten Todespein. Dein Hohn und Spott, dein' Dornenkron' Laß sein mein' Ehre, Freud' und Wonn'. 5. Dein Durst und Gallen⸗ trank mich lab', Wenn ich sonst keine Stärkung hab': Dein Angstgeschrei komm' mir zu gut, Bewahr' mich vor der Hölle Glut. —— 2 ́———————— ee.....—————— SSSSSSI—— .— 408 6. Wenn mein Mund nicht kann reden frei, Dein Geist in meinem Herzen schrei. Hilf, daß mein' Seel den Himmel find', Wenn meine Augen werden blind. 7. Dein letztes Wort laß sein mein Licht, Wenn mir der Tod das Herz zerbricht; Behüte mich vor Ungebärd, Wenn ich mein Haupt nun neigen werd'. 8. Dein Kreuz laß sein mein'n Wanderstab, Mein' Ruh' und Rast dein heil'ges Grab, Die reinen Grabe-— tücher dein Laß meine Sterbe⸗ kleider sein. 9. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau'; Darauf mein' letzte Heimfahrt bau'. Thu mir die Himmelsthür selbst auf, Wenn ich beschließ' des Lebens Lauf. 10. Am jüngsten Tag er⸗ weck' den Leib; Hilf, daß ich dir zur Rechten bleib', Daß mich nicht treffe dein Gericht, Das ein erschrecklich Urtheil spricht. 11. Dann meinen Leib er⸗ neure ganz, Daß er leucht wie der Sonne Glanz, Sei ähnlich deinem klaren Leib Und gleich den lieben Engelu bleib'. 12. Wie werd' ich dann so fröhlich sein, Werd' singen mit den Engeln dein Und mit Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. der auserwählten Schar Schaun ewiglich dein Antlitz klar! Martin Böhme, geb. 1557 + 1622. Mel. Herr, wie du willst. 546 HMensch, bedenk 8 zu dieser Frist, Was dein Ruhm ist auf Er⸗ den; Denn nicht allhier dein Bleiben ist: Du mußt zur Leiche werden. Es ist dein Leben wie ein Heu Und fleucht dahin gleichwie die Spreu, Die schnell der Wind verjaget. 2. Gedenk: du bist hier nur ein Gast, Du kannst nicht lange bleiben; Die Zeit läßt dir kein' Ruh noch Rast, Bis sie dich wird vertreiben. So eile zu dem Vaterland, Das dir hat Christus zugewandt Durch sein versöhnend Leiden. 3. Daselbst wird rechte Bürgerschaft Den Gläubigen gegeben, Dazu der Engel Brüderschaft, Ein ewig sel'ges Leben Mit solcher Wonne, Freud' und Lust, Davon kein Mensch hier je gewußt, Die nie ein Herz erfahren. 4. Nun laßt uns wachen alle Stund' Und dies gar wohl betrachten. Die Lust der Welt geht bald zu Grund: Die sollen wir verachten Und warten auf das höchste Gut, Das ewig uns erfreuen thut. Das helf' uns Christus! Amen. Val. Triller 1559. Mel. Ich hab mein' Sach Gott heimgestellt. elig, wer das 547. O Söel erwirbt, Daß er im Herrn, in Christo, stirbt! O selig, wer vom Laufe matt, Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunden hat! 2. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und eins ist not! Die Welt beut ihre Güter feil: Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Teil. 3. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz. Schau himmel⸗ wärts! Da, wo dein Schatz, da sei dein Herz. 4. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, Eh' dich der Tod an Tote reiht. Sie rufen: Gestern war's an mir, Heut' ist's an dir! Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 5. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wo und wie, ist Gott bewußt. Schlag an die Brust: Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 6. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm; Da Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 409 blüht zu schön kein Wangen⸗ rot: Im Finstern droht Der Tod und überall der Tod. 7. Ach banges Herz im Leichenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Grabesnacht Das Leben hat ans Licht gebracht. 8. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr:„Wer an mich glaubt, stirbt nimmer⸗ mehr“. Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 9. Wohl dem, der Jesu sich vertraut Schon hier die ew'gen Hüten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern' Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn! Chr. Fried. Heinr. Sachse, geb. 1785. Tod der Kinder. Mel. Wird das nicht Freude sein. 548. Orit S M der Freud' und Ehren! Da lauter Gut's zu hören, Dem nichts auf Erden gleich; Da sich an Jesu Schätzen Die Seinigen ergötzen. O schönes Himmelreich! 2. O Reich der Herrlich⸗ keit! Da man in Frieden wohnet, Da Gott das Kreuz belohnet, Und man für bitter Leid Ein süßes Manna schmecket, Das lauter Trost 41⁰ erwecket. reich! 3. Was hatt' ich in der Welt Als ein armselig Le⸗ ben? Ich war mit Angst um⸗ geben Und unters Kreuz ge⸗ stell: Ich mußte Thränen gießen; Hier kann ich Trost genießen, O schönes Himmel⸗ reich! 4. 90 steh vor Gottes Thron Und trage Sieges⸗ palmen, Ich singe Freuden⸗ psalmen Und hör' im süßen Ton Der Engel Triumphieren, Der Kinder Jubilieren. O schönes Himmelreich! 5. O Reich der besten Ruh'! Das Jesus mir erworben, Als er für mich gestorben Und sagte mir es zu Mit seines Dieners Munde Beim Tauf⸗ und Gnadenbunde. O schönes Himmelreich! 6. Ihr Eltern! weinet nicht, Als wär' ich euch entwendet. Ich bin vorangesendet Ins klare Himmelslicht. Ich bin dahin genommen, Wohin ihr denkt zu kommen Ins schöne Himmelreich! 7. Schmerzt euch mein bittrer Stand, Den ich er⸗ dulden müssen? So sollt ihr tröstlich wissen: Ich bin im Vaterland, Da keine Kinder weinen, Da sie wie Sonnen scheinen, O schönes Himmel— reich! 8. Ach! kehret euch nicht dran, Daß mich der Schmerz O schönes Himmel⸗ Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. verstellet Und die Gestalt ver⸗ fället, Die man kaum denken kann; Denn was der Tod verzehret, Das wird hier schön verkläret. O schönes Himmelreich! 9. Wo kann mir besser sein, Als in dem Reich der Freu⸗ den, Da man nichts weiß von Leiden, Von keiner Angst und Pein? Da mich die Engel küssen Und mich zu trösten wissen. O schönes Himmel⸗ reich! Zacharias Herrmann, geb. 1643 4 1716 Eigne Melodie. 549 Welt, ich muß dich lassen, Ich fahr' dahin mein' Straßen Ins ew'ge Vaterland. Den Geist will ich aufgeben, Da⸗ zu mein Leib und Leben Legen in Gottes gnäd'ge Hand. 2. Mein' Zeit ist nun voll⸗ endet, Der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Ge⸗ winn. Kein Bleiben ist auf Erden, Das Ew'ge muß mir werden; Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin. 3. Ob mich gleich hat be⸗ trogen Die Welt, von Gott gezogen Durch schändlich Büberei; Will ich doch nicht verzagen, Sondern mit Glau⸗ ben sagen, Daß mir mein Sünd' vergeben sei. ö 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, Sein Antlitz will ich schauen Wahrlich durch Jesum Christ; Der für mich ist gestorben, Des Vaters Huld erworben; Mein Mittler er auch worden ist. 5. Die Sünd' mag mir nicht schaden, Erlöst bin ich aus Gnaden Umsonst durch Christi Blut. Kein Werk kommt mir zu Frommen; So will ich zu ihm kommen Allein durch wahren Glauben gut. 6. Ich bin ein unnütz Knechte, Mein Thun ist viel zu schlechte, Denn daß ich ihm bezahl' Damit das ew'ge Leben; Um⸗ sonst will er mir's geben Und nicht nach mein'm Verdienst und Wahl. 7. Drauf will ich fröh⸗ Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 411 Ende, Ade, zu Gott dich wende; Zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Pein und Schmerzen Und nimm mein End' zu Herzen, Mein's Bleibens ist jetzt hier nicht mehr. Joh. Hesse, geb. 1490 1547. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 12 o hab' ich nun 550. Spollendet Den schweren Lebenslauf, Mich ganz zu Gott gewendet Und geh jetzt himmelauf. Sehr matt bin ich von Thränen, Mein Herz ist schwach von Not, Von Seufzen und von Stöhnen; Drum komm, o lieber Tod. 2. In allen meinen Jahren Von zarter Jugend an, Hab' lich sterben, Das Himmel-ich es wohl erfahren, Wie reich ererben, Wie er mir's schwer die Himmelsbahn. Ich hat bereit't. Hier mag ich bin auf keinen Rosen Gegan⸗ nicht mehr bleiben, Der Tod gen jederzeit, Wie etwa die thut mich vertreiben, Mein' Gottlosen In stolzer Sicherheit. Seele sich vom Leibe scheid't. 3. Was ist der Menschen 8. Damit fahr' ich 13 Leben? Wenn sie aufs aller⸗ hinnen; O Welt, thu dich be- best Sich können hier erheben, sinnen, Denn du mußt auch So ist es Müh' gewest; Ja hernach. Thu dich zu Gott nichts, denn eitel Sorgen, bekehren, Und von ihm Gnad' Nur lauter Gram und Not begehren; Im Glauben sei du Den Abend wie den Morgen; auch nicht schwach. Drum ist man lieber tot. 9. Die Zeit ist schon vor⸗ 4. Wie oft hab' ich gekla⸗ handen; Hör' auf von Sünd' get, Gleichwie ein Wanders⸗ ind Schanden Und wähl' die mann: Ach hätt' ich Rast! zebensbahn Mit Beten und gefraget: Wann komm' ich it Wachen; Sonst all' ir⸗ ische Sachen Laß gehn und gieb sie willig dran. himmelan? Werd' ich noch lange gehen In diesem Jam⸗ merstand? Ach werd' ich nicht 10. Das schenk' ich dir am bald sehen Das rechte Vaterland? 412 Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 5. Gott Lob! nun soll es Höh', Da eitel Ueberwinden: werden, Nun kommt die Nun gute Nacht! ich geh. Stund' herbei, Wo ich von Joachim Pauli, um 1660. dieser Erden Soll werden los und frei; Nun 4 ich aus⸗ Eigne Melodi⸗. geklaget, Ich hab' in meinem 551. alet will ich Streit Mich ritterlich gewaget, dir geben, Du Die Kron' ist mir bereit. Ich rn 550 ne 6,. Ihr Lichsten laßt das us mdee Weinen, Es ist ja ohne Not,— nicht gefüllt. Im ur steht Gott eilet mit den Seinen meinr Beccer Do wind Gont Durch einen sel'gen Tod, Eh' 640 19905 Dem, der ihm noch viel Trübsal kommen; di 15 llhi 493 0 Gott weiß, sie dräuen schon. +7 Ral min nuch deinem Wohl dem, der aufgenommen Herse O Jesu, Gottes Sohnt Zum schönen Himmelsthron. Qerzen, O Jesu, hn ů Soll ich ja dulden Schmerzen. 7. Wenn ihr euch konnt Hilf mir, Herr Christ, davon; bedenken, Wenn ihr mich Verkürz' mir alles Leiden lieben wollt, So dürft ihr euch Stärk' meinen blöden Mut. nicht kränken Um diesen Todes⸗ Laß selig mich abscheiden, sold. In diesem Weltge⸗Schenk mir das ew'ge Gut. bäude Hab' ich euch ja geliebt; 3. In meines Herzens Drum gönnt mir doch die Grunde Dein Nant und Kreuz Freude, Die mir mein Heiland allein Funkelt all Zeit und giebt. Stunde: Drauf kann ich fröh⸗ 8. Wir werden sein ver⸗lich sein. Erschein' mir in bunden Ohn' alle Not und dem Bilde Zu Trost in meiner Leid Nach wenig Zeit und Not, Wie du, Herr Christ, so Stunden Dort in der E. milde, Dich hast geblut't zu Tod. keit: Da wird uns Gott er⸗ 4. Verbirg mein' Seel' aus neuen, Da werden wir uns Gnaden In deiner offnen gleich Recht mit einander Seit, Rück' sie aus allem freuen Im sel'gen Himmel⸗Schaden Zu deiner Herrlich⸗ reich. keit. Der ist wohl hier ge⸗ 9. Lebt wohl! Nun muß wesen, Wer kommt ins Him⸗ ich scheiden, Ihr Freunde, gute mels Schloß; Ja, ewig ist ge⸗ Nacht! Zur Himmelslust und nesen, Wer bleibt in deinem anni Ihr Liebsten, seid Schoß. edacht, Wie ihr mich wollet 5. Schreib meinen Nam'n Ins Buch des finden Dort in des Himmels aufs beste (E Erin'air i DF Lebens ein, Und bind' mein' Seel' fein feste Ins Lebens⸗ bündelein Der'r, die im Himmel grünen Und vor dir leben frei; So will ich ewig rühmen, Daß dein Herz treue sei. Balerius Herberger, geb. 1562 1627. Mel. O Welt ich muß dich. enn kleine Him⸗ 552. W' melserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein: Sie werden nur dort oben Vom Vater aufgehoben, Damit sie unverloren sein. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Christum eingeweiht Und noch bei Gott in Gnaden: Was sollt' es ihnen schaden, Daß Jesus sie zu sich entbeut? 3. Der Unschuld Glück ver⸗ scherzen, Stets kämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennot, Im Angstgefühl der Sünden Das Sterben schwer empfinden: Davor be— wahrt ein früher Tod. 4. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu ge⸗ schwinde. Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen Und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu sind. Joh. Andreas Rothe geb. 1688 + 1758. Eigne Melodie. X 53 Tenn mein Stünd⸗ 2* lein vorhanden Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 413 ist Und ich soll fahr'n mein' Straße, So g'leit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hülf' mich nicht verlasse! Mein' Seel' an meinem letzten End' Befehl' ich dir in deine Händ', Du woll'st sie mir bewahren. 2. Mein' Sünd' mich werden kränken sehr, Mein G'wissen wird mich nagen, Denn ihr'r sind viel, wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen; Gedenken will ich an dein'n Tod, Herr Jesu, und dein' Wunden rot, Die werden mich erhalten. 3. Ich bin ein Glied von deinem Leib, Des tröst' ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib' In Todes⸗ not und Schmerzen. Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir, Ein ewig Leben hast du mir Durch deinen Tod er— worben. 4. Weil du vom Tod er⸗ standen bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Tod'sfurcht kann sie ver⸗ treiben: Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. 5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arm' thu' ich ausstrecken; So schlaf' ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken. Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, —** 2 414 Wird mir die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. V. 1—4 Nic. Heermann, 1 1561 Nach Turbabor, sed non pertubabor, von Augustinus. Eigne Melodie. A er weiß, wie 54. Wuahe mir mein Ende: Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; Ach wie ge⸗ schwinde und behende Kann kommen meine Todesnot. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; Denn weil ich leb' auf dieser Erden, Leb' ich in steter Tod'sgefahr. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 3. Herr, lehr' mich stets mein End' bedenken Und wenn ich einstens sterben muß, Die Seel' in Jesu Wunden senken Und ia nicht sparen meine Buß'., Mein Gott,, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit getrunken hier; sei für und für Und stets in allen Fällen: hage mir. Mein Gott,: bitt' durch Christi Blut, Mach's ich durch Christi Blut/ Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. nur mit meinem Ende gut. 5. Mach immer süßer mir den Himmel Und bitter diese schnöde Welt; Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestelltl:: Mein Gott, 5 ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 6. Ach Vater, deck' all meine Sünde Mit dem Verdienste Christi zu, Damit ich hier Vergebung finde Und dort die langgewünschte Ruh', ): Mein Gott,, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod: Ich leg' die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Mach's 2—8 mit meinem Ende gut. 8. Ich habe Jesum ange— zogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf'; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. 5: Mein Gott, 1 ich bitt' durch Christi Blut, Mach?s nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesu Leib ge⸗ gessen Und hab' sein Blut 0 kannst du nicht vergessen, meiner Herr, Ich bleib' in ihm und er in wie du willst, so schick's mit mir. Mein Gott,/ ich bitt Mach's nur mit meinem Ende gut. 10. So komm' mein End' heut' oder morgen, Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; Ich bin und bleib' in deinen Sor⸗ gen, Mit Jesu Blut schön ausgeschmückt.:: Mein Gott:, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende ut. 11. Ich leb' indeß mit dir vergnüget Und sterb' ohn' alle Kümmernis; Es gehe, wie mein Gott es füget; Ich glaub' und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad' und Christi Blut Machst du's mit meinem Ende gut. Aemilie Juliane, Gräfin zu Schwarz⸗ durg⸗Rudolstadt, geb. 1637 f 1706. Mel. Ich hab mein' Sach' Gott heimgestellt. 555 Wie fleugt dahin der Menschen Zeit! Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wenig denken an die Stund' Von Herzens⸗ grund! Wie schweigt hievon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich wie ein Traum, Ein nicht' ger leerer Wasserschaum, Im Au⸗ genblick es bald vergeht Und nicht besteht, Gleichwie ihr dieses täglich seht. 3. Nur du, Jehovah, bleibest mir Das, was du bist, ich traue dir. Laß Berg' und Hügel fallen hin, Mir ist Gewinn, Wenn ich allein bei Fesu bin. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 415 4. So lang ich in der Hütte wohn', So lehre mich, o Gottes Sohn; Gieb, daß ich zähle meine Tag' Und munter wach', Daß, eh' ich sterb', ich sterben mag. 5. Was hilft die Welt in letzter Not? Lust, Ehr' und Reichtum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu; Bedenk es nu, Du kommst sonst nicht zu wahrer Ruh'. 6. Weg Eitelkeit, der Tho⸗ ren Lust, Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such' ich nur, das bleibet mir; O mein Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz zu dir! 7. Wie wird mir's sein, wenn ich dich seh' Und dort vor deinem Throne steh? Du unterdessen lehre mich, Daß stetig ich Mit klugem Herzen suche dich. Joachim Neander, geb. 1650 f 1680. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 556 Wi kurz ist doch * der Menschen Leben, Wie eilend wird man weggerafft! Wir sind mit Sterblichkeit umgeben, Darum versiegt der Lebenssaft; Wir blühen auf und fallen ab, Wir steigen aus der Wieg' ins Grab. 2. Wohl aber dem, der also stirbet, Daß ihn sein Sterben nicht betrübt; Den —— EE— 416 Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Gott entrückt, eh' er verdirbet Und ihm ein besser Leben giebt, Ein Leben in der bessern Welt, Das keinen Jammer in sich hält. 3. Ach weinet nicht, daß ich gestorben! Ich habe ja nun ausgekrankt. Was mir mein Jesus hat erworben, Das hab' ich durch den Tod erlangt. Ich bin an einen Ort gebracht, Wo ew'ge Freude mir nun lacht. 4. Wie lieblich schmeckt mir doch der Himmel! Wie tröst⸗ lich spricht mir Jesus zu! Hier schrecket mich kein Angstge⸗ tümmel, Ich wohne hier in stolzer Ruh', Ich habe für ein kurzes Leid Erlangt den Schatz der Ewigkeit. 5. Je schneller ich von euch gewichen, Je eher bin ich nun bei Gott. Mein Körper, welcher ganz verblichen, Der schläfet nur und ist nicht tot. Gott hat mir Sicherheit ver⸗ schafft, Mich vor dem Unglück weggerafft. 6. Ach stört mich nicht in diesem Glücke, Das größer ist, als ihr euch denkt; Ent⸗ haltet euch der Thrän' im Blicke, Ich werde hier mit Trost getränkt. Ach, mäßigt doch das bittre Leid, Ich bin in großer Herrlichkeit. 7. Wie wohl bin ich doch aufgehoben! Wie wohl hat mich doch Gott versorgt! Ich will dafür ihn ewig loben; Denn ich war euch doch nur geborgt. Mein Gott hat mich der Welt entwandt Und mir den Himmel zuerkannt. 8. Verwelkt der Leib gleich in der Erden, Er wird doch künftig wieder blühn, Durch Jesum schön verkläret werden, Der wird ihm seinen Glanz anziehn: Da werd' ich als ein Engel sein, Des wird auch euer Herz sich freun. 9. Ich bin der bösen Welt entflogen, In welcher ihr euch noch betrübt. Mich hat der Herr zu sich gezogen, Der mich viel mehr als ihr, geliebt. Ich schaue Jesu An⸗ gesicht, Daran gedenkt und weinet nicht. Zacharias Hermann, geb. 1643 + 1716. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 557. Och habe Lust zu I scheiden, Mein Sinn geht aus der Welt; Ich sehne mich mit Freuden Nach Zions Heimatsfeld. Weil aber keine Stunde Zum Abschied ist benennt, So hört aus meinem Munde Mein letztes Testament. 2. Gott Vater, meine Seele Bescheid' ich deinerHand; Führ' sie aus dieser Höhle Ins rechte Vaterland. Du hast sie mir gegeben, So nimm sie wieder hin, Daß ich in Tod und Leben Nur dein alleine bin. 3. Was werd' ich, Jesu, finden, Das dir gefallen kann? Ach, nimm du meine Sünden Als ein Vermächtnis an! Wirf sie kraft deiner Wunden Ins tiefe Meer hinein,“) So hab' ich Heil gefunden Und schlafe selig ein! 4. Dir, o du Geist der Stärke, Laß ich den letzten Blick! Wenn Todesangst ich merke So sieh auf mich zurück. Ach, fleh' in meinem Herzen, Wenn ich kein Glied mehr rühr,' Und stell' in meinen Schmerzen Mir nichts als Jesum für! 5. Ihr Engel, nehmt die Thränen Von meinen Wangen an! Ich weiß, daß euer Sehnen Sonst nichts erfreuen kann. Wenn Leib und Seele schei⸗ den, Tragt mich in Jesu Schoß, So bin ich voller Freuden Und aller Thränen los. ) Mich. 7, 19. Sterbe- und Begräbnis⸗Lieder. 417 6. Euch aber, meine Lieben⸗ Die ihr mich dann beweint, Euch hab' ich was verschrie— ben: Gott, euren besten Freund. Drum nehmt den letzten Segen, Es wird gewiß geschehn, Daß wir auf Zions Wegen Ein⸗ ander wiedersehn. 7. Zuletzt sei dir, o Erde, Mein blasser Leib vermacht, Damit dir wieder werde, Was du mir zugebracht. Mach' ihn zu Asch' und Staube, Bis Gottes Stimme ruft; Denn dieses sagt mein Glaube: Er bleibt nicht in der Gruft. 8. Das ist mein letzter Wille; Gott drück' das Siegel drauf! Nun wart' ich in der Stille, Bis daß ich meinen Lauf Durch Christi Tod voll⸗ ende; So geh' ich freudig hin Und weiß, daß ich ohn' Ende Des Himmels Erbe bin. Benjamin Schmolck. geb. 1672 4 1787. b. Begräbnis⸗Lieder. Eigne Melodie. Freudenthränen Tag, Du 8—4—— Nuferstehn, ja aufer⸗(meines Gottes Tag, Wenn ich tehn, wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh'! dich schuf, dir geben. Hallelujah! 2. Wieder aufzublühn werd' ich gesät, Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben, Uns ein, die in ihm starben. Hallelujah! 3. Tag des Danks, der im Grabe Genug geschlum⸗ mert habe, Erweckst du mich. Unsterblich Leben Wird, der 4. Wie den Träumenden wird dann uns sein! Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden; Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt ich Im Heiligtume Zu 2 418 seines Namens Ruhme! Halle⸗ lujah. Friedr. Gottl. Klopstock, geb. 1724 + 1803. Mel. Der lieben Sonne Licht und Pracht. 559. D Christen gehn von Ort zu Ort, Durch mannigfalt'gen Jammer Und kommen in den Friedens— port Und ruh'n in ihrer Kam⸗ mer; Gott nimmt sie nach dem Lauf In seinen Armen auf, Das Weizenkorn wird in sein Beet Auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 2. Wie seid ihr doch s wohl gereist; Gelobt sein eure Schritte, Du friedevoll befreiter Geist, Du jetzt verlaßne Hütte! Du Seele, bist beim Herrn; Dir glänzt der Morgenstern, Euch Glieder deckt mit sanfter Ruh' Der Liebe stiller Schatten zu. 3. Wir freu'n uns in Ge⸗ lassenheit Der großen Offen⸗ barung; Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Ver— wahrung. Wie ist das Glück so groß In Jesu Arm und Schoß! Die Liebe führ' uns gleiche Bahn So tief hinab, so hoch hinan. Nicolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf, geb. 1700 + 1760. Mel. Es ist genug. 560. 3 hin, mein * Kind! DennGott selbst fordert dich Aus dieser Sterbe-⸗ und Begräbnis⸗Lieder. argen Welt. Ich leide zwar, Dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So un⸗ terlaß ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind! Der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt gelieh'n. Die Zeit ist weg; Darum befiehlt er dir, Jetzt wieder abzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so versehen; Was dieser will, das muß geschehen; Zeuch hin, 1253 Kind! Zeuch hin, mein Kind! Im Himmel findest du, Was dir die Welt versagt; Denn nur bei Gott Ist wahrer Trost und Ruh',„Da wird kein Schmerz erfragt. Hier müssen wir in Aengsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben; Zeuch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind! Wir folgen alle nach, Sobald es Gott gefällt. Du eilest fort, Eh' dir das Ungemach Verbittert diese Welt. Wer lange lebt, steht lang' im Leide, Wer frühe stirbt, Iom bald zur Freude; Zeuch hin, mein Kind! 5. Zeuch hin, mein Kind! Die Engel warten schon Auf deinen frommen Geist Du siehest auch, Wie Gottes lieber Sohn Dir schon die Krone weist. Nun wohl, dein Seel⸗ chen ist entbunden, Du hast im Herren überwunden; Zeuch hin, mein Kind! Gottfr. Hoffmann, geb. 1658 4 1712. Mel. Jesus meine Zuversicht. 3 Zeht nun hin und 561. GauabrmeinGrab; Denn ich bin des Wanderns müde! Von der Erde scheid' ich ab; Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh' Von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab, Meinen Lauf hab' ich vollendet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Ird'sche endet; Lege selbst mich nun hinein In das Bette sonder Pein. 3. Was soll ich hienieden noch In dem dunklen Thale machen? Denn wie mächtig stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand vergehn, Wenn die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl! Laß mich nun in Frieden scheiden. Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Un⸗ bestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn' und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht; Denn ich reis' in weite erne, Reise hin zu jenem lanz, Worin ihr verschwindet ganz. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 419 6. Die ihr nun in Trauern geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben nieder⸗ weht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde. Weint nicht ob dem eitlen Schein; Droben nur kann ewig sein. 7. Weinet nicht, daß nun ich will Von der Welt den Ab⸗ schied nehmen; Daß ich aus dem Irrtum will, Aus den Schatten, aus den Schemen, Aus dem Eitlen, aus dem Nichts Hin ins Land des ew'gen Lichts. 8. Weinet nicht! Mein süßes Heil, Meinen Heiland hab' ich funden Und ich habe auch mein Teil In den warmen Herzenswunden, Woraus einst sein heilig Blut Floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht! Mein Er⸗ löser lebt! Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnungschwebt Und der Him⸗ melsheld, der Glaube, Und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht. Ernst Moritz Arndt, geb. 1769 1860. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. Ce un bringen wir 562. N den Leib zur Ruh' Und decken ihn mit Erde zu, Den Leib der nach des Schöpfers Schluß Zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch' und Staub, Nicht immer 27 . 420 der Verwesung Raub; Er wird, wenn Christus einst er⸗ scheint, Mit seiner Seele neu vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist, Schau hier, was unser Leben ist: Nach Sorge, Furcht und mancher Not, Kommt endlich noch zuletzt der Tod. 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit, Aufs Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, So folgt der Lohn aus Gottes Hand. 5. So währen Reichtum, Ehr' und Glück, Wie wir selbst, einen Augenblick; So währt auch Kreuz und Trau⸗ rigkeit, Wie unser Leben kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich. In allem, was du denkst und thust, Bedenke, daß du sterben mußt. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, Soll jeder zu dem Vater flehn: Ich bitt', o Gott, durch Christi Blut, Mach's einst mit meinem Ende gut. 8. Laßt alle Sünden uns bereun, Vor unserm Gott uns kindlich scheun. Wir sind hier immer in Gefahr; Nehm' jeder seine Seele wahr. 9. Wenn unser Lauf vollen⸗ det ist, So sei uns nah, Herr Jesu Christ! Mach uns das helle Sonne. Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. Sterben zum Gewinn, Zeuch unsre Seele zu dir hin! 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, Die Gräber mäch⸗ tig öffnen wirst, Dann laß uns fröhlich auferstehn Und ewiglich dein Antlitz sehn. Ehrenfr. Liebich, geb. 1713 4 1780 Eigne Melodie. 563 Nin laßt uns den Leib begraben Und kein'n Zweifel daran haben, Er werd' am jüngsten Ta aufstehn, Und Inwerwesnh hervorgehn. 2. Erde ist er und zur Erden Wird er einst auch wieder wer⸗ den Und von der Erde auf⸗ erstehn, Wenn Gott's Posaune wird angehn. 3. Die Seele ewig lebt in Gott, Der gnädig sie von aller Not, Von aller Sünd' und Missethat Durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend Ist kommen nun zum sel'gen End'! Er hat ge⸗ tragen Christi Joch, Ist ge— storben und lebet noch. 5. Die Seele lebt ohn' alle Klag', Der Leib schläft bis zum jüngsten Tag, Alsdann wird Gott ihn verklären, Ihm ewige Freud' gewähren. 6. Hier ist er in Angst gewesen, Dort aber wird er genesen, In ewiger Freud' und Wonne Leuchten, wie die schlafen Und gehn all' Sterbe⸗ und Begräbnis⸗Lieder. 7. Nun lassen wir ihn hier 421 3. Und wie sollt' im Grabe heim bleiben, Der ein Tempel Got⸗ unsre Straßen, Schicken uns auch mit allem Fleiß; Denn tes war? Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwähl⸗ der Tod kommt uns gleicher⸗ ten Schar, Die er selbst durch weis'. 8. Das helf' uns Christus, unser Trost, Der uns durch Blut und macht zu Himmelserben? Sterben Hat ge⸗ 4. Nein, die kann der Tod sein Blut hat erlöst Von nicht halten, Die des Herren Satans Macht und und Ehr' allein! ew'ger Pein. Ihm sei Lob, Preis Glieder sind! Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche find't; Wenn V. 1—7. Michael Weiße 4 1542. des Herren Hauch drein bläset, Eigne Melodie. Grünet neu, was hier ver⸗ weset. 5. Jesus wird, wie er er⸗ 5 2⁰ uhet wohl, ihr standen, Auch die Seinen einst 564. R Totenbeine, In mit Macht Fi der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis das End' erscheine, Da der Herr euch zu der Freud' Rufen wird aus euren Grüften Zu den freien Himmelslüften. 2. Nur getrost, ihr werdet leben, Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein teuer wertes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. Todes Banden, des Grabes Nacht Führen aus des ühren aus Zu dem ew'gen Himmelsfrieden, Den er Rwem Volk beschieden. 6. Ruht daher in euren Grüften Nur noch eine kurze Zeit! Denn bald schaun wir in den Lüften Morgenglanz der Ewigkeit; Dann sollt ihr im neuen Leben Herrlich ihm entgegenschweben. Friedr. Konrad Hiller, geb. 1662 + 1726. XXXIV. Jüngstes Gericht und ewiges Leben. Mel. Alle Menschen müssen sterben. genommen 565 A, wann werd' schneller, 2. ich dahin kom⸗verlangt nach Ewigkeit. men, Wo du, mein Erlöser, bist? Wann mit den verklärten Frommen Lob dir singen, Je⸗ sus Christ? O daß meines würde: Fliehe fliehe, Zeit, Mich 2. Ewigkeit, du Trost des Lebens, Stärke du mein müdes Herz! Dich erwart' ich nicht vergebens, Frohes Ziel von Staubes Bürde Bald mir ab⸗jedem Schmerz! Ewigkeit, du 422 Jüngstes Gericht Meer der Freuden, Mich ver⸗ langet abzuscheiden, Fern von Irrtum, Sünd' und Pein, Jesu Christ, bei dir zu sein. 3. Mit Versuchung stets umgeben, Folg' ich oft der Sünde nach: Will mein Geist auch höher streben, Ach, so ist mein Fleisch zu schwach! O wie schwer wird's mir auf Erden! Möcht' ich frei vom Joche werden, Das so hart mich niederdrückt, Wenn mein Geist zum Himmel blickt. 4. Ach wie heiß ist mein Verlangen! Meine Seele ringt nach dir, Jesu, ringt, dich zu umfangen, Ach, wann rufst du: Komm zu mir! Siehst du nicht mein banges Sehnen? Zählst du denn nicht meine Thränen? Wie ein Hirsch nach Wasser schreit, Schmacht' ich nach der Ewigkeit. 5. Ach, so komm, o Tod, und eile, Eile, Ewigkeit herbei, Daß ich hier nicht länger weile, Daß ich bald bei Jesu sei! Hier kann ich nicht Ruhe finden, Dort werd' ich nur überwin⸗ den, rein sein. 6. wiede stille; Jesus ist auch hier bei dir. Hier bist du! Herr, nur dein Wille, Jesu, der gescheh' in mir! Gieb mir nur Geduld und stärke Mich zu jedem guten Werke, Daß Dort von jeder Sünde Seinen Engeln ähnlich Doch, mein Herz, sei und ewiges Leben. sch auf die Ewigkeit Jede Stunde sei bereit. Joh. Caspar Lavater, geb. 1741 4 1801. +¹ Christus, der ist mein Leben. 566. A'shan droben Mein Heiland, wär' ich da, Wo dich die Scharen loben, Und säng' Hallelujah! 2.Wo wir deinAntlitz schauen Da sehn' ich mich hinein, Da will ich Hütten bauen; Denn dort ist gut zu sein. 3. Da werd' ich alles sehen: Den großen Schöpfungsrat, Was durch dein Blut gesche⸗ hen, Und deines Geistes That. 4. Da feiern die Gerechten, Die ungezählte Schar, Mit allen deinen Knechten Das große Jubeljahr. 5. Mit göttlich süßen Wei⸗ sen Wird mein verklärter Mund Dich ohne Sünde preisen, Du meines Lebens Grund. 6. Da werden meine Thrä⸗ nen Ein Mer voll Freude sein. Ach stille bald mein Sehnen Und hole mich hinein. Ernst Gottlieb 1701. geb. 17²⁵ + 1761. Eigne Melodie. 567. Noch einer Prü⸗ 2— fung kurzer Ta⸗ ge Erwartet uns die Ewigkeit; Dort wandelt sich die Erden⸗ klage In himmlische Zufrie⸗ denheit; Hier kämpft der Christ Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 423 mit Ernst und Fleiß, Und stets auf Gewinn Mich fühlen, jene Welt reicht ihm den Preis. daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im 2. Wahr ist's der Fromme Licht erkennen, Was ich auf schmeckt auf Erden Schon manchen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm ein un⸗ Erden dunkel sah, Das wun⸗ derbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier ge⸗ schah; Da denkt mein Geist vollkommnes Glück; Er bleibt mit Preis und Dank Die ein Mensch, und seine Ruh' Nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Kör⸗ pers Schmerzen, Bald das Geräusche dieser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Her⸗ zen Ein Feind, der öfter siegt als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kum⸗ mer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend oftmals leidet, Das Laster oftmals glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt, Hier kann der Mensch nie frei von Pein, Nie frei von aller Schwachheit sein. 5. Hier such ich's nur, dort werd ich's finden; Dort werd' ich, heilig und verklärt, Er⸗ löst aus aller Not der Sün⸗ den, Den preisen, der mir * wird mich zu sich erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht Schickung im Zusammenhang. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, Wo Gott, mein Heil, sich offenbart; Ein Heilig, Heilig, Heilig“ singen Dem Lamme, das erwürget ward, Und Cherubim und Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd' ich in der Engel Scharen Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte Glück erfahren, Mit Reinen rein stets umzu⸗ gehn; Da wird in ungemeßner Zeit Ihr Heil auch meine Seligkeit. 10. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß. Und ihn zu millionen Malen Noch segnen, daß er mir ihn wies; Heil gewährt; Den Gott der Da sind ich in des Höchsten iebe werd' ich sehn, Und er Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft(o möchte Gott heil'ger Wille Mein Will' und es geben!) Vielleicht auch mir meine Wohlfahrt sein, Wird lieblich Wesen, Heil die Fülle Am Throne Gottes mich er⸗ freun; Dann läßt Gewinn O Gott, wie m ein Sel'ger zu:„Heil sei dir, denn du hast mein Leben, Die Seele mir gerettet, du!“ uß dies Glück — ——— — — 424 Jüngstes Gericht und ewiges Leben. erfreun, Der Retter einer 3. Du bist meiner Seele Seele sein.“) Wonne, Wenn mich Angst 12. Was seid ihr, Leiden betrüben will; Mein Herz dieser Erden, Doch gegen jene nennt dich seine Sonne Und Herrlichkeit, Die offenbar an das Sorgenmeer wird still, uns soll werden Von Ewig⸗Wenn mir deine Blicke lachen, keit zu Ewigkeit? Wie nichts, Deren liebumglänzter Strahl wie gar nichts gegen sie Ist Trennet alle Nacht und Qual; doch ein Augenblick voll Müh'. Du kannst mich vergnüget Christian Fürchtegott Gellert, geb. 1715 machen, In dir hab' ich Him⸗ 1 1709. melsfreud', Außer dir Verdruß ö uund Leid. Nel. Sollt' ich meinem Gott nicht 4. Laß mich, Baum des singen. Lebens, bleiben An dir einen * effne mir die grünen Zweig, Der, wenn 568.Ocerlnpforter.) In 25 Stürme treiben, Licht vom Licht und Schmuck Stärker werde, höher steig' der Stadt, Die durch dich er⸗ Und im Glauben Früchte bauet worden, Eh' die Welt bringe; Und versetz' mich nach den Anfang hatt Eil, o Jesu, der Zeit In das Feld der heimzuführen Meine Seele, Ewigkeit, Wo ich mich in dir deine Braut, Die du dir hast verjünge, Wenn des Leibes angetraut. Laß mich diese welkes Laub Wieder grünt Klarheit zieren, Wo mich keine aus seinem Staub. Sündennacht Mehr betrübt 5. Gieß indessen in die und traurig macht. Seele Deinen süßen Lebens⸗ 2. Es verlanget mich, zu saft, Leben, dem ich mich ver⸗ sehen“*) Ohne Decke dein Ge⸗ mähle, Und laß deiner Liebe sicht Und von Sünden frei zu Kraft Mich ganz gnadenvoll stehen, Reines Lamm, in dei⸗ erlaben; Bleibe mein, ich nem Licht; Doch ich will dir bleibe dein, Dein will ich auf nichts vorschreiben, Und mein ewig sein, Dich, mein Jesn, Himmel ist schon hier, Wirst will ich haben; Erd' und Him⸗ du, meiner Seele Zier, Nur mel acht' ich nicht, Ohne dich, mit mir vereinigt bleiben; mein Trost und Licht! Denn 295 sollt auch ohne dich Wolfg. Christoph Deßler, geb. 1660 T 1722. Himmelslust vergnügen mich? Mel. Valet will ich dir geben. —5—2 ö —2 Drreub. 217•27 569 Ein Tröpflein von ++½⁷ 2 Cor. 3, 15—16. Vgl. den Reben Der 1 Cor. 13, 12. süßen Ewigkeit Kann mehr 1 Jünastes Gericht Erquickung geben, Als dieser eitlen And Gesamte Weltge⸗ nüsse; Und wer nach jenem strebt, Tritt unter seine Füße, Was die Welt erhebt. 2. Wer von dir möchte se⸗ hen Nur einen Blick, o Gott, Wie wohl würd' ihm gesche— hen! Die Welt wär' ihm ein Spott Mit allem ihrem We⸗ sen; So herrlich und so rein, So lieblich, so erlesen Ist deiner Augen Schein. 3. Den wahren Gott zu schauen, Das ist die Selig⸗ keit Und aller Himmelsauen Ihr schönstes Blumenkleid. Wie war nach seinem Blicken Doch Abraham so froh! Wie wünscht' er zu erquicken Sich an dir, A und O. 4. Du reichlichste Belohnung Der auserwählten Zahl, Wie lieblich ist die Wohnung, Da deiner Gottheit Strahl Sich offenbarlich zeiget! O herrlich edler Tag, Dem diese Sonne steiget Und ihn erleuchten mag. 5. O Licht, das ewig bren⸗ net, Dem keine Nacht bewußt, Das keinen Nebel kennet, Ge⸗ sellschaft, reich an Lust, Da Gott und Engel kommen Mit Menschen überein Und ewiglich die Frommen Ge— segnet werden sein! 6. Vollkommne Liebe brin⸗ get Dort immer neue Freud'; Aus ew'ger Lieb' entspringet Ein' ew'ge Fröhlichkeit. Gott selbst ist solche Wonne, Ist und ewiges Leben. 425 solcher Liebe Lohn, Ist seiner Blumen Sonne Dort an dem Himmelsthron. 7. Sein Licht wird in uns leuchien, Sein Oel und Ho⸗ nigsaft Soll unsre Lippen feuchten; Von seiner Stärke Kraft Mit Weisheit, Schön⸗ heit werden Wir ganz erfüllet sein Und spiegeln die Gebär⸗ den In seinem hellem Schein. 8. Was wünschest du für Gaben? Du wirst sie finden dort Und in dir selber haben Den Reichtum fort und fort; Denn Gott, vor welchem Kro⸗ nen Und Perlen Staub und Spott, Wird selber in uns wohnen Und wir in unserm Gott. 9. Wann werd' ich einmal kommeun Zu solcher Freuden Quell? Wär ich doch aufge⸗ nommen Und schon bei dir zur Stell'! Herr Christe, nimm mein Flehen So lang in⸗ dessen an, Bis ich dich selbst ansehen Und recht beschauen kann. Erasmus Finx, geb. 1627 + 1694. Matth. 25, V. 1—13. Mel. Valet will ich dir geben. 8 rmuntert euch, 570. E ihr Frommen, Zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein. Es hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht. Auf, 426 betet, kämpft und wachet! Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fer⸗ tig Und füllet sie mit Oel Und seid des Heils gewärtig; Bereitet Leib und Seel'. Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah! Begeg⸗ net ihm in Reihen Und singt: Hallelujah! 3. Ihr klugen Jungfrau'n alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor. Die Thür ist aufgeschlossen, ar Hochzeit ist bereit! Auf, f, ihr Reichsgenossen, Der —— gam ist nicht weit! 4. Er wird nicht lang ver⸗ ziehen, Drum schlafet nicht mehr ein. Man sieht die Bäume blühen, Der schönste Frühlingsschein Verheißt Er⸗ quickungszeiten; Die Abend⸗ röte zeigt Den schönen Tag von weitem, Vor dem das Dunkel weicht. 5. Wer wollte denn nun schlafen? Wer klug ist, der ist wach. Gott kommt, die Welt zu strafen, Zu führen seine Sach' An allen, die nicht wachen Und die des Tieres Bild Anbeten, den verlachen, Der ewig Sonn' und Schild. 6. Begegnet ihm auf Er⸗ den, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Gebärden Und seid nicht mehr betrübt. Es sind die Freudenstunden Ge⸗ kommen und der Braut Wird, Jünastes Gericht und ewiges Leben. weil sie überwunden, Die Krone nun vertraut. 7. Die ihr Geduld getra⸗ gen Und mit gestorben seid, Sollt nun nach Kreuz und Plagen In nn sonder Leid, Mit leben und regieren Und vor des Lammes Thron Mit Jauchzen triumphieren In eurer Siegeskron'. 8. Hier sind die Sieges⸗ palmen, Hier ist das weiße Kleid; Hier stehn die Weizen⸗ halmen In Frieden nach dem Streit Und nach den Win⸗ tertagen; Hier grünen die Gebein, Die dort der Tod erschlagen; Hier schenkt man Freudenwein. 9. Hier ist die Stadt der Freuden, Jerusalem, der Ort, Wo die Erlösten weiden; Hier ist die sichre Pfort, Hier sind die güldnen Gassen; Hier ist das Hochzeitsmahl, Hier soll sich niederlassen Die Braut im Rosenthal. 10. O Jesu, meine Wonne, Komm bald und mach' dich auf! Geh auf, ersehnte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach' ein Ende Und führ' uns aus dem Streit! Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit. Laurentius Laurenti, geb, 1660 + 1722. Dies irae, dies illa. Eigne Melodie. 571. Eide Zel, Daß Gottes Sohn wird kommen In seiner großen Herrlichkeit, Zu richten Bös' und From⸗ men. Wer wird alsdann vor ihm bestehn, Wenn alles wird durchs Feu'r vergehn, Wie uns sein Wort bezeuget. 2. Posaunen wird man hören gehn An aller Welten Ende; Darauf bald werden auferstehn Die behende. Die aber noch das Leben han, Die wird der Herr von Stunden an Ver⸗ wandeln und verneuen. 3. Ein Buch wird da ge⸗ lesen bald, Darinnen steht ge⸗ schrieben, Wie Gott wird richten jung und alt, Wie nichts geheim geblieben, Als⸗ dann gewiß wird jedermann Bald hören, was er hat ge⸗ than In seinem ganzen Leben. 4. O weh demselben, wel⸗ cher hat Des Herren Wort verachtet Und nur auf Erden früh und spat Nach eitlem Gut getrachtet; Er wird für— wahr gar schlecht bestehn Und mit dem Satan müssen gehn Von Christo in die Hölle. 5. O Jesu, hilf zur selben Zeit Mir wegen deiner Wun⸗ den, Daß ich im Buch der auserkoren, Seligkeit Werd eingezeichnet funden, Daran ich denn auch zweifle nicht, Denn du hast ja den Feind gericht't Und meine Schuld bezahlet. Jüngstes Gericht und ewiges Leben. Toten gar 427 6. Derhalben mein Für⸗ sprecher sei, Wenn du nun wirst erscheinen Und lies mich aus dem Buche frei, Darin⸗ nen stehn die Deinen, Auf daß ich samt den Brüdern mein Mit dir geh' in den her ein, Den du uns ast erworben. 7. O Jesu Christ, du machst es lang Mit deinem jüngsten Tage! Den Menschen wird auf Erden bang In ihrer großen Plage. Komm doch, omm doch, du Richter groß, Und mach' uns bald in Gnaden los Von allem Uebel Amen. Bartholomäus Ringwald, geb. 1530 f 1598. Cbräer 4. Mel Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. stimmt. 572. Enah Doander Auf, müdes Herz, und werde licht! Du seufzest hier in dei⸗ nen Banden, Und deine Sonne scheinet nicht: Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle weiden; Wirf hin die Last und eil herzu! Bald ist der heiße Kampf geendet, Bald, bald der saure Lauf vollendet; So gehst du ein zu deiner Ruh'. 2. Die Ruhe hat Gott Die Ruhe, die kein Ende nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon be⸗ Das Gotteslamm * 428 Jiüngstes Gericht und ewiges Leben. wollt' darum sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben; Es ruft, es locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr frommen, Versammelt euch, Wir werden auch das Lamm dort sehn. Es wird beim Brunnquell uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen; Wer weiß, was sonst heut' einzukommen Zu meiner noch soll geschehn? Ruhe Lieblichkeit! 6. Kein Durst noch Hun⸗ 3. So kommet denn, ihr ger wird uns schwächen; Denn matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt; Eilt, eilt aus euren Kummerhöhlen; Geht nicht mehr traurig und gebückt. Ihr habt des Tages Last getragen; Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruh'statt sein! Ihr seid sein Volk, gezeugt von oben; Ob Sünde, Welt und Teufel toben, Seid nur getrost und gehet ein! 4. Was mag wohl einen Kranken laben Und einen müden Wandersmann? Wo jener nur ein Bettlein haben Und sanfte darauf ruhen kann; Wenn dieser sich darf nieder— setzen, An einem frischen Trunk ergötzen: Wie sind sie beide dann vergnügt! Doch dies sind kurze Ruhestunden; Es wird noch eine Ruh' gefunden, Dort, wo an Jesu Brust man liegt. 5. Da wird man Freuden⸗ garben bringen, Denn unsre Thränensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen Und süßer Ton im Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid, Tod und dergleichen Wird müssen fliehn und von uns weichen; die Erquickungszeit ist da; Die Sonne wird uns nicht mehr stechen; Das Lamm ist seinem Volke nah'. Es will selbst über ihnen wohnen Und ihre Treue selbst belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr' und Preis. Es werden die Gebeine grünen, Der große Sabbath ist erschienen, Da man von keiner Arbeit weiß. 7. Da ruhen wir und sind in Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach, fasset dieses Wort, ihr Müden, Legt euch dem Lamm in seinen Schoß. Ach, Flügel her! Wir müssen eilen Und uns hier länger nicht verweilen: Dort wartet schon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubi lieren! Begürte dich zum Tri— umphieren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Joh. Sigism. Kunth, geb. 1700 7 1779. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 573 Herz. freue dich der 203. CEbwigkeit: Du sollst auf Jesum sterben! Was dich als Kind im Hoffen freut, Wirst du vollkommen erben Was du gewünscht, das soll geschehn, Den du geglaubt, den wirst du sehn, Und so soll's ewig bleiben. 2. Ein Blick auf unsers Heilands Thron, Ein Strahl von jener Sonne, Ein schwacher Klang vom Harfenton, Ein Vorschmack jener Wonne, Ein Tröpflein von dem Lebensquell Ist hier schon wunderschön und hell; Doch kann's hier so nicht bleiben. 3. Es ist ein froher Augen⸗ blick, Der bald uns muß ver⸗— lassen, Das Sterbliche hält uns zurück; Wir können's jetzt nicht fassen. Doch zün⸗ det dies den Glauben an, Daß sich das Herz des trösten kann; Dort soll es ewig bleiben. 4. Nimm, Jesu, mir das Herz ganz ein Mit diesen großen Dingen, Mich unauf⸗ horlich und allein Zur Ewig⸗ keit zu schwingen. Bleibst du mit deinem Geist in mir, So bleibet auch mein Herz in dir; Und so wird's ewig bleiben. Phil. Friedr. Hiller, geb. 1699 4 1769. Mel. Nun preiset alle. 74 Uch hab' von ferne, 574. NX Herr, deinen Thron erblickt Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt, Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben. 2. Das war so prächtig, Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 429 Was ich im Geist gesehn. Du bist allmächtig; Drum ist dein Licht so schön. Könnt' ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen. 3. Nur ich bin sündig, Der Erde noch geneigt; Das hat mir bündig Dein heil'ger Geist gezeigt. Ich bin noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir ver⸗ einigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt: Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstiglieben. 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn; Und ohn' Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen, goldnen Gassen Lebenslang nicht aus den Augen lassen. Joh. Timotheus Hermes, geb. 1738 4 1821. Dies irae, dies illa. Eigne Melodie. 7R* Cag des Zornes, 205.— den wir gläu⸗ ben, Wirst die Welt in Asche stäuben, Wie uns die Prophe⸗ ten schreiben. 2. Welch ein Zittern wird dann werden Wenn der Rich⸗ ter kommt auf Erden, Rächer aller Sünd' zu werden! 3. Die Posaun' mit mächt'⸗ gem Schalle, Rufend durch *. —ꝛ— 430 der Gräber Halle, Treibet vor den Thron hin alle. 4. Tod und Schöpfung werden beben, Wenn die To⸗ ten sich erheben, Antwort im Gericht zu geben. 5. Und ein Buch wird sich entfalten, Drin der Menschen Schuld enthalten, Wonach Gott Gericht wird halten. 6. Wird der Herr nun richtend sitzen, Dann wird Licht ins Dunkle blitzen, Nichts vor seinem Zorne schützen. 7. Was soll dann ich Ar⸗ mer sagen? Welchen Für⸗ sprech' mir erfragen, Wo selbst die Gerechten zagen? 8. König, schrecklich, groß von Ehren, Du rett'st, was errett't soll werden; Rett' auch mich, Heiland der Erden! 9. Treuer Jesu, woll'st be⸗ denken, Daß du kamst, mir Heil zu schenken; Wollst mich nicht zum Abgrund senken! 10. Hast gesucht mich Zeit des Lebens, Mich erlöst am Kreuz voll Bebens; So viel Müh' sei nicht vergebens. 11. Richter der gerechten Ra⸗ che Deiner Huld mich teilhaft mache, Eh' ich zum Gericht erwache. 12. Schwer beseufz' ich mei⸗ nen Schaden, Ich erröt' von Schuld beladen; Schenk' dem Flehenden, Herr, Gnaden! 13. Der du lossprachst einst Marien Und dem Schächer Jüngstes Gericht und ewiges Leben. hast verziehen, Hast auch mir Hoffnung verliehen. 14. Mein Gebet gilt zwar nicht teuer; Doch du Gnaden⸗ voller, Treuer, Rette mich vom ew'gen Feuer! 15. Von den Böcken weg mich stelle, Zu den Schafen mich geselle, Mich zu deiner Rechten stelle. 16. Wann die Flammen, heiß entglommen, Die Ver— dammten hingenommen, Dann ruf mich mit deinen Frommen. 17. Mit zerknirschtem Her⸗ zen wende Flehend ich zu dir die Hände: Sorge gnädig für mein Ende! 18. Ach, wenn wir an je⸗ nem Tage Auferstehn mit Thrän' und Klage Zum Ge— richt beschwert mit Sünden: Herr Gott, laß uns Gnade finden! Frommer Jesu, ach schenk' uns Ew'ge Ruh' in deinem Namen! Amen. (Uebersetzung des dies irae von Thomas v. Celano, um 1250.) Eigne Melodie. 768 Serusalem, du hoch⸗ 576•J gebaute Stadt, Wollt Gott, ich wär' in dir! Mein sehnlich Herz so groß' Verlangen hat Und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag und noch viel schön're Stund', Wann wirst du kommen schier, Da ich mit Lust, mit freiem Freu⸗ denmund Die Seele geb' von mir In Gottes treue Hände Zum auserwählten Pfand, Daß sie mit Heil anlände In jenem Vaterland! 3. Im Augenblick wird sie erheben sich Bis an das Fir⸗ mament, Wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich Die Stätt' der Element'; Fährt auf Eliä Wagen Mit froher Engel Schar, Die sie auf Händen tragen, Umgeben ganz und gar. 4. O Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir! Thu auf der Gnaden Pfort'! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, Eh' ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und mir Gott hat gegeben Das Erb' der Ewigkeit. 5. Was für ein Volk, was für ein' edle Schar Kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, Seh' ich; die beste Kron', Die Jesus mir der Herre, Ent⸗— gegen hat gesandt, Da ich noch war so ferne In meinem Thränenland. 6. Propheten groß und Pa⸗ triarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland dort trugen des Kreuzes Joch Und Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 431 umgeben, Mit sonnenlichtem Strahl. 7. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin Im schönen Paradeis: Von höchster Freud' erfüllet wird der Sinn, Der Mund von Lob und Preis. Das Hallelujah reine Singt man in Heiligkeit, Das Ho⸗ sianna feine Ohn' End' in Ewigkeit 8. Mit Jubelklang, mit In⸗ strumenten schön, In Chören ohne Zahl, Daß von dem Schall und von dem süßen Ton Erbebt der Freuden⸗ saal! Mit hunderttausend Zungen, Mit Stimmen noch vielmehr, Wie von Anfang gesungen Des Himmels selig Heer. Joh. Matth. Meyfart, geb. 1590 f 1642. Mel. Wie schön leuchtet der Mor⸗ genstern. 577 Ost's oder ist mein 2 N Geist entzückt? Mein Auge hat jetzt was er⸗ blickt: Ich seh' den Himmel offen; Ich sehe Gottes Königs⸗ thron, Zur Rechten Jesum, Gottes Sohn, Auf den wir alle hoffen. Singet, Klin⸗ get, Spielt auf scharfen Da— vidsharfen, jauchzt von Herzen: Jesus stillet alle Schmerzen. 2. Ich seh', er machet alles neu, Die Braut fährt zu ihm der Tyrannen Pein, Schau ohne Scheu In reiner schöner ich in Ehren schweben, In Frei⸗Seide; Die Kleider sind mit heit überall, Mit Klarheit hell Gold gestickt, Der Bräut'gam — —— 432 Jüngstes Gericht und ewiges Leben. hat sie selbst geschnückt Mit Gassen muß Das Holz des teurem Halsgeschmeide. Mei-Lebens wässern, Die Frucht, ster, Geister, Cherubinen, Se- die der Baum zwölffach trägt, raphinen wünschen Glücke; Und jedes Blättchen, das er Jesus giebt ihr Gnadenblicke. hegt, Soll die Gesundheit 3. Gott hat sie aus dem bessern. Schlechte Knechte, Strom erfrischt, Der Augen Herren, Fürsten, Kaiser dür⸗— Thränen abgewischt, Gott sten nach der Quelle; Sie kommt bei ihr zu wohnen. fleußt recht krystallenhelle. Er will ihr Gott, sie sein 7. Wie herrlich ist die neue Volk sein, Selbst bei ihr Welt, Die Gott den Frommen gehen aus und ein: Wie vorbehält! Kein Mensch kann reichlich kann Gott lohnen! sie erwerben; O Jesu, Herr Trauet, Schauet Gottes Güte, der Herrlichkeit, Du hast die Gottes Hütte bei den Kindern; Stätt' auch mir bereit't, Hilf Gott wohnt bei bekehrten mir sie auch ererben; Weise, Sanden Preise Ihre Kräfte, ihr Ge⸗ 4. Wie heilig ist die neue schäfte mir Elenden; Laß in Stadt, Die Gott und Camm ihrem Schau'n mich enden. zum Tempel hat, Zum Grunde Ahasv. Fritsch, geb. 1629. 101. die zwölf Boten. Gar nichts Gemeines geht hinein, Der! ö ö Greuel muß verbannet sein, Eigne WMelodie. Sein Teil ist bei den Toten. 578 O Ewigkeit, du Reine Feine Edelsteine sind Donnerwort, O gemeine; ihr Licht flimmert, Schwert, das durch die Seele Wie ein heller Jaspis schim- bohrt, O Anfang sonder Ende! mert. O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Ich 5. Die Stadt bedarf der weiß vor großer Traurigkeit Sonne nicht, Nicht unsers Nicht, wo ich mich hinwendel Mondes blasses Licht, Das Mein ganz erschrocknes Herz Lamm ist ihre Sonne: Ihr erbebt, Daß mir die Zung' am leuchtet Gottes Herrlichkeit; Gaumen klebt. Die Heiden wandeln weit 2. Kein Unglück ist in aller und breit Bei dieses Lichtes Welt, Das endlich mit der Wonne. Ihre Thüre Und Zeit nicht fällt Und ganz wird die Pforte dieser Orte stehet aufgehoben; Die Ewigkeit hat offen; Da ist keine Nacht zu nur kein Ziel, Sie treibet hoffen. fort und fort ihr Spiel, Läßt 6. Von Gottes Stuhle quillt nimmer ab zu toben; Ja, ein Fluß, Der mitten auf der wie mein Heiland selber spricht: Aus ihr ist kein' Er⸗ lösung nicht. 3. O Ewigkeit, du machst mir bang'! O ewig, ewig ist u lang! Hier gilt fürwahr Rein Scherzen. Drum wenn ich diese lange Nacht Mit ihrer großen Pein betracht', Erschreck' ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit So schrecklich als die Ewigkeit. 4. Wenn der Verdammten große Qual So manches Jahr, als an der Zahl Hier Menschen sich ernähren, Als manchen Stern der Himmel hegt, Als manches Laub das Erdreich trägt, Noch endlich sollte wäh⸗ ren: So wäre doch der Pein zuletzt Ihr recht bestimmtes Ziel gesetzt. 5. Nun aber, wenn du die Gefahr Viel hunderttausend tausend Jahr Hast kläglich ausgestanden Und in der Hölle solche Frist Ganz grausamlich gemartert bist, Ist doch kein Schluß vorhanden. Die Zeit, so niemand zählen kann, Die fänget stets von neuem an. 6. Ach Gott, wie bist du so gerecht! Wie strafest du die bö— sen Knecht' Im heißen Pfuhl der Schmerzen! Auf kurze Sünden dieser Welt Hast du so lange Pein bestellt! Ach, nimm es wohl zu Herzen Und merk' auf dies, o Men⸗ schenkind: Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 433 7. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf, Ermuntre dich, verlorenes Schaf, Und bessre bald dein Leben. Wach auf, es ist nun hohe Zeit; Es kommt heran die Ewig⸗ keit, Dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut' der letzte Tag, Wer weiß, wie man noch sterben mag! 8. Laß doch die Wollust dieser Welt, Pracht, Hoffart, Reichtum, Ehr' und Geld Dir länger nicht gebieten; Schau an die große Sicher⸗ heit, Die falsche Welt und böse Zeit, Zusamt des Teufels Wüten. Vor allen Dingen hab' in Acht Die lange ew'ge Höllennacht. 9. O Ewigkeit, du Donner⸗ wort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Ich weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freudenzelt! Joh. Rist, geb. 1607 + 1667. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 579. Ewigkeit, du Freudenwort, Das mich erquicket fort und fort, O Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Freud' ohne Leid! Ich weiß vor Herzensfröhlich⸗ keit Gar nichts mehr vom Elende, Das sonst in diesem 28 n 434 Jüngstes Gericht und ewiges Leben. Leben plagt, Weil mir die Christen Schar Bei Gott viel Ewigkeit behagt. tausend tausend Jahr Und 2. Kein' Herrlichkeit ist in werden des nicht müde; Sie der Welt, Die endlich mit der stimmen mit den Engeln ein, Zeit nicht fällt Und gänzlich Sie sehen stets der Gottheit muß vergehen. Die Ewigkeit Schein, Sie haben güld'nen nur hat kein Ziel, Sie treibet Frieden, Da Christus giebt, fort nud fort ihr Spiel, Bleibt wie er verheißt, Das Manna, 50—— 40— 15 99— die Engel speist. der heil ge Petrus spricht: Ihr 7 A„wie verlanget do Erbe, das verwelket nicht. nac—6 Mein Wraltt⸗ 53 3. O Ewigkeit, du währest mit Begier, Du überselig' Le⸗ lang! Wenn mir auf Erden ben! Wann werd' ich doch ein⸗ gleich ist bang, Weiß ich, daß mal dahin Gelangen, wo mein dies aufhöret. Drum, wenn schwacher Sinn Stets pfleget ich diese lange Zeit Erwäge hin zu streben! Ich will der samt der Seligkeit, Die ewig Welt vergessen ganz, Mich nichts zerstöret: So acht' ich sehnen nach des Himmels alles Leiden nicht, Das mich Glanz. nur kurze Zeit anficht. 115. Fahr' hin, du schnöde 4. Was ist doch aller Christen Sucht und Pracht, Du tolle Qual, Die Pein der Märt'rer Hoffartskleidertracht; Fahr'hin, allzumal, So vieles Kreuz du sündlich Wesen, Du falsch und Leiden! Wenn man es entzünd'te Liebesbrunst, Du gleich zusammen trägt Und Gold⸗ und Silberreichtums⸗ alles auf die Wage legt, So⸗ dunst Und was die Welt er⸗ dann zur andern Seite Dort lesen Gleich als ihr einig jenes Lebens Herrlichkeit: Wie höchstes Gut! Das ew'ge macht wird es überwogen weit! mir bessern Mut. 5. Sieht man dann die 9. O Ewigkeit, du Freu⸗ Verdammten an, Wie lang denwort, Das mich erquicket ihr' Marter währen kann, Wie fort und fort! O Anfang son⸗ grausam sie geplaget, Nur der Ende! O Ewigkeit, Freud' immer sterben ohne Tod Und ohne Leid! Ich weiß von kei⸗ leben in der höchsten Not, ner Traurigkeit, Wenn ich Vom Feu'r und Wurm be⸗ mich zu dir wende. Herr naget: Was ist das nicht für Jesu, gieb mir solchen Sinn Herrlichkeit, Von diesem allen Beharrlich, bis ich komm, sein befreit! dahin. 6. Im Himmel lebt der E. Finx, geb. 1627 4 1694. Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 435 Eigne Melodie. Gemeinde. 580½ wie selig seid * ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen Aller Not, die uns noch hält gefangen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Wo nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hier ken— nen, Ist nur Müh' und Her⸗ zeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer Kammer Sicher und be— freit von allem Jammer, Kein Kreuz noch Leiden Ist euch hinderlich in euren Freuden. 4. Christus wischet ab all' enre Thränen, Ihr habt das schon, wonach wir uns seh⸗ nen; Euch wird gesungen, Was durch keines Ohr allhier ge⸗ drungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt' hier bleiben, Sich den Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, komm uns auszuspannen, Lös uns auf und führ' uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Chor. Ja, höchst selig sind wir, lieben Brüder, Unser Mund ist voller Freudenlieder; Doch was wir schauen, Wird euch Gott gar bald auch anver⸗ trauen. O ihr Lieben, seid doch ja zu⸗ frieden, Wünscht nicht Freude, weil ihr seid hienieden, Laßt euren Willen Sich fein sanft in Gottes Gnade stillen. Aber gleichwohl mußten wir auch kämpfen, Da in uns war Sünd' und Tod zu dämpfen. Was euch jetzt quälet, Daran hat es uns auch nicht gefehlet. Duldet euch nur fort bei euren Thränen, Bleibt getreu, euch himmelan au sehnen; Eu'r jetzig Leiden Ist der Same zu den künft'gen Freuden. Freilich ist hier gut bei Christo leben, Doch könnt ihr euch in Geduld ergeben: All' euer Streiten Lohnet Christus hier mit Herrlichkeiten. Ach, ihr teuren Seelen, eure Kronen, Eure Palmen, eure güldnen Thronen Sind schon bereitet, Schafft nur, daß ihr recht zum Siege streitet. 28* 436 Jüngstes Gericht und ewiges Leben. Chor und Gemeinde. 7. Nun wir wollen beider⸗ 8. Lobt, ihr Menschen, lobt seits denn loben Gottes Lamm, ihr Himmelschöre, Gebt dem das uns in Gott erhoben, Ein höchsten Gott allein die Ehre! ew' ges Leben Ist uns beider⸗Die Ewigkeiten Werden unsers seits gewiß gegeben. Eigne Melodie Gottes Lob ausbreiten. Simon Dach, geb. 1605 + 1659. Chor und V. 7 u. 8 von Jacob Baum⸗ garten, geb. 1668 + 1722 6. O wie bald kannst du 581 Urr Lilien jener es machen, Daß mit Lachen * Freuden Sollst Unser Mund erfüllet sei! Du du weiden: Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleug behende! Jesu Hände Oeffnen schon das Perlenthor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen Zu den Haufen Derer, die des Lammes Thron Nebst dem Chor der Sera⸗ phinen Schon bedienen Mit dem reinsten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bru⸗ der, Doch die Ruder Meines Schiffleins; laß mich ein In den sichern Friedenshafen, Zu den Schafen, Die der Furcht entrücket sein. 4. Nichts soll mir am Her⸗ zen kleben, Süßes Leben, Was die Erde in sich hält. Sollt' ich noch in diesen Wüsten Län⸗ ger fristen? Nein, ich eil' ins Himmelszelt. 5. Herzensheiland, laß den Glauben Mir nicht rauben, Glauben, der durch alles dringt. Nach dir sehnt sich meine Seele In der Höhle, Bis sie sich von hinnen schwingt. kannst durch die Todesthüren Träumend führen Und machst uns auf einmal frei. 7. Du hast Sünd' und Straf' getragen, Furcht und Zagen Muß nun ferne von mir gehn, Tod, dein Stachel liegt darnieder! Meine Glieder Werden fröhlich auferstehn. 8:. Gotteslamm, dich will ich loben Hier und droben In der zart'sten Liebsbegier. Du ast dich zum ew'gen Leben Mir gegeben; Hole mich, o Herr, zu dir. Johann Ludwig Conrad Allendorf, geb 1693 + 1773. Eigne Melodie. ach auf, wach 582. Wé auf, du sichre Welt! Der letzte Tag wird wahrlich kommen; Denn was im Himmel ist bestellt, Wird durch die Zeit nicht hinge⸗ nommen; Ja, was der Hei⸗ land selbst geschworen, Soll endlich allzumal geschehn. Ob⸗ Jünastes Gericht und ewiges Leben. gleich die Welt muß unter⸗ gehn, So wird sein Wort doch nicht verloren. 2. Wach auf, der Herr kommt zum Gericht! Er wird sehr prächtig lassen schauen Sein richterliches Angesicht, Das die Verdammten machet grauen. Seht, den der Vater lässet sitzen Zu seiner Rechten, der die Welt Zu seinen Füßen hat gestellt, Der kommt mit Don— ner, Feu'r und Blitzen. 3. Wach auf, wach auf, du sichre Welt! Gar schnell wird dieser Tag einbrechen. Wer weiß, wie bald es Gott gefällt? Sein Will' ist gar nicht aus⸗ zusprechen. Ach, hüte dich vor Geiz und Prassen! Gleichwie das Vöglein wird berückt, Noch eh' es seinen Feind er⸗ blickt, So schnell wird dieser Tag dich fassen. 4. Der Herr verzeucht die letzte Zeit, Dieweil er uns so herzlich liebet Und nur aus lauter Freundlichkeit Uns Frist und Raum zur Buße giebet. Er weiß ganz sanft mit uns zu fahren, Hält auf den lie⸗ ben jüngsten Tag, Daß sich der Frommen Glauben mag Samt Lieb' und Hoffnung offenbaren. 5. Erscheinen wird das lieb⸗ lich Teil, Der Tag des Rich⸗ ters euch, ihr Frommen, An welchem eu'r erwünschtes Heil, Euch frei zu machen, ist ge⸗ kommen. Der rechte Josua wird bringen Die Seinigen mit 437 starker Hand In das ge⸗ wünschte Vaterland, Ein Sie⸗ geslied daselbst zu singen. 6. Sind auch die Zeiten so verkehrt, Daß wir vor Unmut schier vergehen; Wird schon die Trübsal so vermehrt, Daß kaum ein Ziel davon zu sehen: Geduldet euch! bald wird sich enden Des Lebens schwere Pilgerschaft, Bald werden wir dahin gerafft, Wo sich die Plagen von uns wenden. 7. Der Frühling ist schou vor der Thür, Der Feigen⸗ baum will Laub gewinnen, Die Blümlein schießen auch herfür, Die Zeit erneuert uns die Sinnen. Bald kommt das rechte Sommerleben, In wel— schem unser Leib wird sein Verkläret, wie der Sonnen⸗ schein, Den uns der jüngste Tag wird geben. 8. Wohlan, wir wollen Tag und Nacht Im Geist und un⸗ ablässig beten; Wir wollen immer geben Acht Auf unsern Herrn und vor ihn treten. Kommt, lasset uns entgegen gehen Dem Bräutigam zur rechten Zeit, Damit wir in der Ewigkeit Samt allen Engeln vor ihm stehen. Joh. Rist, geb. 1607 4 1667. Eigne Melodie. H achet auf, ruft 583. W uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne, Wach auf, du Stadt 438 Jüngstes Gericht Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde! Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohl⸗ auf, der Bräut'gam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmtl Hutder dn Macht euch bereit u der Hochzeit! Ihr müsset ihm entgegen gehen. 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freuden springen; Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron', HerrJesu, Gottes Sohnl Hosianna! Wir folgen all' Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen- und mit Engel⸗ zungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön! Von zwölf Perlen sind die Thore An dei⸗ ner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug' hat je ge⸗ spürt, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude; Drum jauch⸗ zen wir Und singen dir Das Hallelujah für und für. Phil. Nicolai, geb. 1556 1608. Eigne Melodie. elt, ade! ich bin 584. W dein müde, Ich will nach dem Himmel zu; Da und ewiges Leben. wird sein der rechte Friede Und die süße Seelenruh'. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 2. Wenn ich werde dahin kommen, Bin ich aller Krank⸗ heit los Und der Traurigkeit entnommen, Ruhe sanft in Gottes Schoß. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 3. Was ist doch der Erden Herzelei Nebel, Dampf und erzeleid, Hier auf dieser schwarzen Heide Sind die Laster ausgestreut. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 4. Unaussprechlich schöne sin⸗ get Gottes auserwählte Schar; Heilig, heilig, heilig! klinget In dem Himmel immerdar. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Ei⸗ telkeit: In dem Himmel alle⸗ zeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 5. Nichts ist hier, denn ste⸗ tes Weinen, Alle Freude blei⸗ bet nicht; Will uns gleich die Sonne scheinen, So verhüllt die Nacht das Licht. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 6. Nun, es wird dennoch Hurzer. Daß ich auch in urzer Zeit Meinen Heiland werde sehen In der großen Herrlichkeit. Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Him⸗ mel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 7. O, wer nur dahin ge⸗ langet, Wo jetzund der schöne Chor In den güldnen Kronen ranget Und die Stimme Ichwungt empor! Welt, bei dir ist Krieg und Streit, Nichts, denn lauter Eitelkeit: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 8. Zeit, wann wirst du doch anbrechen? Stunden, o wann Jüngstes Gericht und ewiges Leben. 439 Was ist das für eine Schar? Träget jeder eine Krone, Glän⸗ zet wie ein Stern so klar; Hallelujah singen all', Loben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Pal⸗ men tragen, Wie ein Sieger in der Hand, Wenn er sei⸗ nen Feind geschlagen, Hinge⸗ strecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg Hat gezeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide Göttlicher Gerechtigkeit, Angethan mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit Und veraltet nimmermehr? Wo sind diese kommen her? 4. Es sind die, so wohl gerungen Für des großen Got⸗ schlaget ihr? Drinnen ich mich tes Ehr', Haben Welt und kann besprechen Mit demSchön⸗Tod bezwungen, Folgend nicht sten für und für? Welt, bei dem sünd'gen Heer; Die er⸗— dir ist Krieg und Streit, Nichts, langet auf den Krieg Durch denn lauter Eitelkeit: In dem des Lammes Blut den Sieg. Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. ö 9. Jetzt will ich mich fertig machen, Daß mein Thun vor Gott besteht, Daß, wenn alles wird zerkrachen, Es heißt: kommet! und nicht: geht! Welt, bei dir ist Angstgeschrei, Sorge, Furcht und Heuchelei: In dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. Joh. G. Albinus, geb. 1624 4 1679. Offenb. Joh., 7. V. 9-17. Mel. Gott des Himmels. 9 2 Ner sind die vor 585. Wé Gottes Throne, erschienen Hier als Priester 5. Es sind die, so viel ge⸗ litten Trübsal, Schmerzen, Angst und Not, Im Gebet auch oft gestritten Mit dem hochgelobten Gott; Nun hat dieser Kampf ein End', Gott hat all' ihr Leid gewend't. 6. Es sind Zweige eines Stammes, Der uns Huld und eil gebracht; Haben in dem lut des Lammes Ihre Klei⸗ der hell gemacht; Sind ge⸗ schmückt mit Heiligkeit, Pran⸗ gen nun im Ehrenkleid. 7. Es sind die, so stets ——— 440 vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel' geopfert gern; Nun stehn alle sie herum Vor dem Stuhl im Heiligtum. 8. Wie ein Hirsch am Mit⸗— tag lechzet Nach dem Strom, der frisch und hell, So hat ihre Seel' geächzet Nach dem rechten Lebensquell. Nun ihr Durst gestillet ist, Da sind sie bei Jesu Christ. 9. Auf dem Zionsberg sie weidet Gottes Lamm, die Le⸗ benssonn' Mitten in dem Stuhl sie leitet Zu dem rech— ten Lebensbronn; Hirt und Lamm, das ew'ge Gut, Lieb⸗ lich sie erquicken thut. 10. Dahin streck' auch ich die Hände! O Herr Jesu, zu dir aus, Mein Gebet ich zu dir wende, Der ich noch in deinem Haus Hier auf Erden steh' im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! II. Hilf mir in dem Kampfe siegen Wider Sünde, Höll' und Welt. Laß mich nicht darnieder liegen, Wenn ein Strom mich überfällt. Führe mich aus aller Not, Herr, mein Fels, mein treuer Gott. 12. Gieb, daß ich sei neu⸗ geboren, An dir als ein grü⸗ nes Reis Wachse und sei aus⸗ erkoren, Durch dein Blut gewaschen weiß, Meine Klei⸗ der halte rein, Meide allen falschen Schein. 13. Daß mein Teil sei bei Jüngstes Gericht und ewiges Leben. den hulth sin Welche, Herr, dir ähnlich sind, Und auch ich, der Not entnommen, Als dein dir getreues Kind Dann, ge⸗ nahet zu dem Thron, Nehme den verheißnen Lohn. 14. Welches Wort faßt diese Wonne, Wenn ich mit der heil'gen Schar In dem Strahl der reinen Sonne Leucht' auch, wie die Sterne klar! Amen! Lob sei dir bereit', Dank und Preis in Ewigkeit! Heinr. Theobald Schenk, 4 1727 Mel. Wie schön leuchtet der Mor⸗ genstern. ie wird mir 586. dann, o dann mir sein, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freu'n, In ihm entschlafen werde; Von keiner Sünde mehr entweiht, Ent⸗ laden von der Sterblichkeit, Nicht mehr der Mensch von Erdel Freu' dich, Seelel Stärke, tröste dich, erlöste, mit dem Leben. Das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich und bebe doch; So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder! Der Herr er⸗ leichtert mir mein Joch; Es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, Glaubt und erhebt sich wieder! Jesus Christus, Laß mich streben, dir zu leben, dir zu sterben, Deines Va⸗ ters Reich zu erben! Jüngstes Gericht uno ewiges Leben. 441 3. Verachte denn des Todes singen wir dir; bringen Preis Graun, Mein Geist, er ist ein und Ehre Dir, der war und Weg zum Schaun, Der Weg sein wird, Ehre! im finstern Thale. Er sei dir zr. Sorn. alapftoc, geb. 1724 f 1808. nicht mehr fürchterlich; Ins Allerheiligste führt dich Der Eigne Melodie. Weg im finstern Thale! Got⸗ ird das nicht tes Ruh' ist Mnvergendlic. 987. Wé Freude sein, überschwenglich; die Erlösten Nach gläubigem Vertrauen Wird sie unaussprechlich trösten! 4. Herr, Herr! ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wenn nun mein Auge bricht, Zu deinen Toten sammelt. Viel⸗ leicht umgiebt mich ihre Nacht, Eh' ich dies Flehen noch voll⸗ bracht, Mein Lob dir aus⸗ gestammelt! Vater, Vater, Ich befehle meine Seele deinen änden, Deinen treuen Vater⸗ händen! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel; Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert! Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte meiner Sterblich⸗ keit, Wird sie erst spät zer⸗ trümmert, Laß mich, Vater, Reiche Saaten, gute Thaten dann begleiten Vor den Thron der Ewigkeiten. 6. Wie wird mir dann, ach dann mir sein, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, Ihn ganz anbeten werde! Von Dort selbst den Heiland schauen In unserm Fleisch und Bein, Mit seinen holden Blicken Und Worten sich erquicken: Wird das nicht Freude sein? 2. Wird das nicht Freude sein, Wenn, was der Tod ent⸗ nommen, Uns wird entgegen⸗ kommen Und jauchzend holen ein? Wenn man wird froh umfassen, Was thränend man verlassen: Wird das nicht Freude sein? 3. Wird das nicht Freude sein, Sehn untern Füßen lie⸗ gen, Womit man hier muß kriegen? Gott dienen engelrein, Von Schmerzen, Kümmernissen Nicht das Geringste wissen: Wird das nicht Freude sein? 4. Wird das nicht Freude sein, Was unaussprechlich, hö⸗ ren, Des Höchsten Lob ver⸗ mehren, Die Engel stimmen ein, Wenn sie mit süßem Klin⸗ gen Ihr dreimal Heilig singen: Wird das nicht Freude sein? 5. O das wird Freude sein! keiner Sünde mehr entweiht, Weg Güter dieser Erde, Ihr Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Ehren voll Beschwerde, Ihr Nicht mehr der Mensch von Freuden für den Schein! Ge⸗ Erde! Heilig! Heilig! Heilig! habt euch wohl, ihr Lieben! ** 442 Jüngstes Gericht und ewiges Leben. Muß ich euch jetzt betrüben, auch nach unsrer Pflicht Den Denkt, dort wird Freude sein! Hans Christoph von Schweinitz, geb. 1645 + 1722. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 588 Idem Israel, Iu deiner Ruh'; Dein Erbteil ist dort oben; Dein Jesus schwöret es dir zu, Es sei dir aufgehoben. Er gehet selber gar voran Und bricht die rauhe Pilgerbahn. Zeuch, Israel, in Frieden. 2. Wir folgen dir du Got⸗ tes Heer, Als wahre Streit— enossen; Der Glaube fürchtet sich nicht mehr, Die Lieb' ist unverdrossen. So stehen wir für einen Mann, Ein jeder ringe, was er kann, Das Kleinod zu erlangen. 3. Wir sehn auf dich, du A und O, Mit unverwandten Blicken; Dein Dasein macht uns immer froh, Dein Wort kann uns erquicken, Dein Kreuz ist unser Siegspanier; Wir schwören Treu' und folgen Lamm, das Feinden sanft begegnen. Wir sind der Welt hier unbekannt Und haben doch ein Vaterland; Gott kennt uns als die Seinen. 6. Wen noch ein Bann ge⸗ fangen hält, Wer Jesu Kreuz noch fliehet, Wer noch durch Furcht vor dieser Welt Am fremden Joche ziehet, Wer an den Pflug die Hand gleich legt Und 9900 verbot'ne Lust noch hegt: Der ist kein rechter Streiter. 7. Wir aber geben ganz um ganz, Verleugnen alle Sachen, Die uns den schönen Sieges⸗— kranz Noch könnten streitig machen, Und unsre Seele glau⸗ bet fest: Was man darum hier fahren läßt, Ist wert nicht jenes Erbes. 8. Die Kraft dazu liegt nicht in uns; Wir sind gar bald verloren. alles unsers das Lamm Zur Quelle Thuns Ist uns erkoren; Dem alles schon voll— dir Durch diese öden Wüsten. bracht Und unsre Sache gut 4. Die Krone bleibt uns gemacht, Dem ist es zu ver— im Gesicht Die dort die Sieger tragen; Und darum scheuen wir auch nicht Tod, Ungemach und Plagen. Es hat uns unser Siegesheld Nicht bloß für diese Welt bestellt: Wir sind nur für den Himmel! 5. Man drückt uns, wir verzagen nicht; Man schilt uns und wir segnen; Wir müssen danken. 9. Drum soll es unsre Lo⸗ sung sein: Wir nichts und Jesus alles! Ihm räumen wir die Ehre ein, Ihm, unserm Trost des Falles. Er segne ferner unsern Lauf Und nehme unsre Seele auf, Wenn wir nun ausgestritten! Joh. Dan. Hense, 4 1753. Schlußlied. Mel. Nun laßt uns Gott. men! Gott Vat'r 589. A und Sohne Sei Lob im Himmelsthrone! Sein Geist stärk' uns im Glau⸗- ben, Und mach' Amen! 2. Amen! es wird geschehen; In den Wolken herkommen, Uns mitzunehmen, Amen. Jüngstes Gericht 13 ewiges uns selig, Leben. 443 Amen, uns ewig währe Die Freude, Gott die Ehre; Bringt all' Sprachen zm, men, In einem Glauben! Amen. 4. Amen; kein Tod soll schrecken, Christus will uns er⸗ wecken, Der selbst zuvor be⸗ graben, Nun lebet ai Amen. 5. Amen, Gott sei gepreiset! Der Geist auf Ehristum weiset; Wir werden Christum sehen D E set; Der helf' uns all' zusammen Jus ew'ge Leben! Amen. Ludwig Helmbold, geb. 1532 4 1598 ** Anhang. I. Altkirchliche und liturgische Gesänge. Da pacem: Der Tod ist mein Schlaf Eigne Melodie. 2. cht Christus ˙ 2. Das ma hristus, 590•* VFricden Win wahr' Gottes Sohn, Der treue dial 6601 gue Heiland, Den du mich, Herr, Haten, Eereit in dach kan zost lsfen daeun üm Amch andrer nicht, Der für uns befannt. Daß er uns das könnte streiten, Denn du, unser Leben sei Und Heil in Not d Sterben. Gott, alleine. ů1 . 3. Den hast du allen vor⸗ Martin Luther, geb. 1483 f 1546. gestellt Mit großen Gnaden, Zu seinem Reich die ganze Welt Heißen laden Durch Nunc dimittis: dein teuer heilsam Wort, An Eigne Melodie. allem Ort erschollen. Luc. 2, 29—32. 4. Er ist das Heil und * it Fried' und sel'ge Licht Für all' die Heiden 591. M Freud' fahr' Zu tener die dich Lanen ich dahin In Gottes Wille; nicht, Und zu weiden; Er ist etrost ist mir mein Herz dein's Volts Israel Preis, und Sinn, Sanft und stille, Ehre, Freud' und Wonne. Wie Gott mir verheißen hat; Martin Luther, geb. 1483 1546. Die Litanuei. Kyrie eleison: Der erste Chor. Der andere Chor, oder die Gemeinde. 592. yrieꝰ*): Eleison“)! Christe: Eleison! Kyrie: Eleison! Christe: Erhöre uns! *) Herr.) Erbarme dich. — — — S e S —ð S&Æe E 2— E Altkirchliche undel Herr Gott, Vater im Himmel: err Gott Sohn, der Welt eiland: Cei Gott heilger Geist! ei uns gnädig: Sei uns gnädig: Vor allen Sünden, Vor allem Irrsal, Vor allem Uebel: Vor des Teufels Trug und List, Vor bösem schnellen Tod, Vor Pestilenz und teurer Zeit. Vor Krieg und Blutvergießen, Vor Aufruhr und Zwietracht, Vor Hagel und Ungewitter, Vor Feuer und Wassersnot, Vor dem ewigen Tod: Durch deine heilige Geburt, Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, Durch dein Kreuz und Tod, Durch dein heiliges Auferstehn und Him⸗ melfahrt: In unsrer letzten Not, Am jüngsten Gericht: Wir armen Sünder bitten: Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen, Alle Bischöfe, Pfarrer und Kir⸗ chendiener im heilsamen Wort und heiligen Leben erhalten: Allen Rotten und Aergernissen wehren, Alle Irrende und Ver⸗ führte wiederbringen. Den Satan unter unsere Füßetreten: Treue Arbeiter in deine Ernte senden, Deinen Geist und Kraft zum Worte geben, Allen Betrübten und Blöden helfen und trösten: iturgische Gesänge. 445 Erbarm dich über uns? Erbarm dich über uns! Erbarm dich über uns! Verschon uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Behüt' uns, lieber Herre Gott! Behüt' uns, lieber Herre Gott! Hilf uns, lieber Herre Gott! Du wollest uns erhören, lieber Herre Gott! Erhör' uns lieber Herre Gott! —— 446 Der erste Chor. Allen christlichen Königen und Fürsten Fried' und Eintracht geben, Unserm König steten Sieg wider seine Feinde gön⸗ nen, Unsern Landesherrn mit allen seinen Gewaltigen leiten und schützen, Unsern Rat, Schul' und Gemeinde segnen und behüten: Allen, so in Not und Gefahr sind, mit Hülf' erscheinen, Allen Schwangern und Säu⸗ gern fröhliche Frucht und Ge⸗ deihen geben, Aller Kind' und Kranken pflegen und warten, Alle unschuldig Gefangenen los und ledig lassen, Alle Witwen und Waisen vertei⸗ digen und versorgen. Aller Menschen dich erbarmen: Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren, Die Früchte auf dem Lande geben und be⸗ wahren Und uns gnädiglich erhören: O Jesu Christ, Gottes Sohn: O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt: O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt: O du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt: Christe: Kyrie: Christe: Altkirchliche und liturgische Gesänge. Der andere Chor oder die Gemeinde. Erhör' uns, lieber Herre Gott! Erhör' uns, lieber Herre Gott! Erhör' uns, lieber Herre Gott! Erbarme dich über uns! Erbarme dich über uns! Verleih' uns steten Fried'! Erhöre uns! Eleison! Eleison! Beide Chöre, oder Chor und Gemeinde zusammen. Kyrie, Eleison! Amen. Martin Luther, geb. 14838 4 1546 —SSA 5— E ELSα Das Agnus Dei: Eigne Melodie. 593. hriste, du Lamm * Gottes, Der du trägst die Sünd' der Welt, Erbarm' dich unser! 2. Christe, du Lamm Got⸗ tes, Der du trägst die Sünd' der Welt, Erbarm' dich unser. 3. Christe, du Lamm Got⸗ tes, Der du trägst die Sünd' der Welt, Gieb uns dein'n Frieden! Amen. Altkirchlich. Osterlied. Eigne Melodie. *(Christ ist erstanden 594. C Von der Mar⸗ ter alle: Des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein, Kyrieleis. 2. Wär' er nicht erstanden, So wär' die Welt vergangen, Seit daß er erstanden ist Lob'n wir den Herren Jesum Christ. Kyrieleis. 3. Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah! Des soll'n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. Aus dem 12. Jahrhundert. Pfingstgraduale: Eigne Melodie. 597 omm, heiliger 595. Geist! Erfull Altkirchliche und liturgische Gesänge. 447 die Herzen deiner Gläubigen Und entzünd' in ihnen Das Feuer deiner göttlichen Liebe, Der du durch Mannigfaltig⸗ keit der Zungen Die Völker der ganzen Welt versammelt hast In Einigkeit des Glau⸗ bens. Hallelujah! Hallelujah! Mart. Luther, geb. 1483 + 1546. Nach König Robert von Frankreich 4 1031. Trinitatishymne: Eigne Melodie. 590. Gewohn uns be Und laß uns nicht verderben, Mach' uns aller Sünden frei, Und helf uns selig sterben. Vor dem Teufel uns bewahr', Halt uns bei festem Glauben, Und auf dich laß uns bauen Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen, Entflieh'n des Teufels Listen Mit Waffen Gott's uns fristen. Amen, Amen, das sei wahr, So singen wir Hallelujah! 2. Jesus Christus wohn' uns bei Und laß uns nicht verderben, u. s. w. 3. Der heil'ge Geist wohn' uns bei Und laß uns nicht verderben, u. s. w. Aus der altdeutschen Kirche, verbessert durch Martin Luther, geb. 1483 4 1546. ** 448 Das Te Altkirchliche und liturgische Gesänge. Deum: Eigne Melodie. Chor: Gemeinde: 9—*0 Cerr Gott, dich Herr Gott, wir danken dir. 597. H loben wir, Dich, Vater in Ewigkeit, All' Engel und Himmels Heer, é Auch Cherubim und Seraphim Heilig ist unser Gott! Ehrt die Welt weit und breit; Und was dienet deiner Ehr', Singen immer mit hoher Stimm'; Heilig ist unser Gott! Chor und Gemeinde: Heilig ist unser Gott, der Herr Zebaoth! Chor. 2. Dein' göttlich Macht und Herrlichkeit Der heiligen zwölf Boten Zahl Die teuren Märt'rer allzumal Die ganze werte Christenheit Dich, Gott Vater im höchsten Thron, Den heil'gen Geist und Tröster wert 3. Du Kön'g der Ehren, Jesu Christ, Der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, Du hast dem Tod zerstört sein' Macht Du sitzst zur Rechten Gottes gleich Ein Richter du zukünftig bist 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Laß uns im Himmel haben Teil Gemeinde. Geht über Himm'l Erde weit; Und die lieben Propheten all, und Loben dich, Herr, mit großem Schall; Rühmt dich auf Erden alle Zeit; Deinen rechten und ein'gen Sohn, Mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. Gott Vaters ew'ger Sohn du bist, Zu'rlösen das Geschlecht; Und all' Christen zum Him⸗ mel bracht! Mit aller Ehr' ins Vaters Reich; Alles das tot und lebend ist. Die menschlich' durch dein Blut er löset sein; Mit den Heil'gen in ew'gem Heil. Chor. 0 deinem Volk, Herr Jesu Christ, Altkirchliche und liturgische Gesänge. 449 Gemeinde. Und segne, das dein Erbteil ist, Wart' und pfleg' ihr'r zu aller Und heb' sie hoch in Ewigkeit. Zeit 5. Täglich, Herr loben dich Behüt' uns heut', Gott, Sei uns gnädig, 0.——. n Rit“ uns eit Auf dich hoffen wir, Herr, o treuer lieber Gott, wir u id ehr'n dein'n Namen stetig⸗— lich. Vor aller Sünd' und Misse⸗ th at; Sei uns gnädig in aller Not, ⸗Wie unsre Hoffnung zu dir steht In Shanden laß uns nim⸗ mermehr. Chor und Gemeinde. Amen. Die große ir loben dich, 598. 598. wir benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner großen Herr⸗ lichkeit willen; Herr Gott, himmlischer König, allmächtiger Vater! Herr, du eingebor'ner Sohn, Jesus Christus. Herr Gott, du Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der du trägft die Sünde der Welt, erbarme dich Te deum laudamus von Ambrosius, + 397, deutsch von Mart. Luther, geb. 1483 + 1546. Doxologie. unser! der du trägst die Sünde der Welt, nimm an unser Gebet! der du sitzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! denn du allein bist heilig, du allein bist der Herr, du allein bist der Allerhöchste, Jesus Christus mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen Amen, Amen. ——— — —— *— W 450 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. II. Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. Gebet um den heiligen Geist. eiliger, himmlischer, 1. As heilig lieber Vater! Ich klage und bekenne dir, daß ich von Natur ungeistlich bin und mich mehr von Fleisch und Blut und des bösen Geistes Trieb habe führen lassen, denn von deinem hei⸗ ligen Geist. Ach vergieb mir diese Sünde und erbarme dich mein. Wende von mir die schwere Strafe, die du allen denen drohest, die dei⸗ nem heiligen Geiste wider⸗ streben. Denn die den Geist Christi nicht haben, die sind nicht sein; die aber sind Got⸗ tes Kinder, die der Geist Gottes treibet. Darum gieb mir deinen heiligen Geist, nach der Verheißung deines lieben Sohnes, da er spricht: So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der himmlische Vater den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Laß deinen heiligen Geist meinen Leib, Geist und Seele heiligen zum Gebet und den Tempel mei⸗ nes Herzens reinigen von aller Unsauberkeit und darin anzünden das Feuer der gött⸗ lichen Liebe und inbrünstigen Andacht; das Licht deiner göttlichen Erkenntnis, das Böse zu meiden; die Gnade, mei⸗ nes Berufes treulich zu war⸗ ten; die Weisheit, das höchste Gut zu lieben; die Heiligkeit, in der Furcht Gottes dirwohl⸗ zugefallen; die Kraft Gottes, mein Kreuz geduldig zu tra⸗ gen; die Stärke, zu über⸗ winden Teufel, Welt und Menschenfurcht. Gieb mir den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke, den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue; den Geist der Wiedergeburt, der mich er⸗ neure. Schreibe dein Gesetz in mein Herz, deinen Willen in Liebe und Leid zu voll⸗ Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 451 bringen. Gieb mir den Geist befehle mich, meinen Leib, der Kindschaft, der in meinem meine Seele und alles in Herzen zeuge, daß ich dein deine Hände; dein heiliger Kind bin. Gieb deine Liebe Engel sei mit mir, daß der in mein Herz durch deinen böse Feind keine Macht an heiligen Geist. Entzünde durch mir finde. Amen. denselben in mir ein heiliges Verlangen nach himmlischen Dingen und nach dem ewigen Leben. O Gott, heiliger Geist, mache mein Herz zu einem lebenden Opfer, das im Feuer deiner Liebe brenne, und zehre alle fleischlichen Begierden durch dies heilige Feuer in mir auf. Mache mich zur Wohnung und Heiligtum Gottes. Gieb mir kindliche Einfalt des Herzens, lehre und tröste mich. O wie selig ist die Seele, die dich hat! Darum bleibe du ewiglich bei meiner gläubigen Seele! Amen. Der Morgensegen. 2 Was walt' Gott Vater, * Sohn und heiliger Geist, Amen. Ich danke dir, mein himm⸗ lischer Vater durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr dehütet hast und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Uebel, daß dir all mein Thun und Leben gefalle. Ich Vor dem Essen. ller Augen warten auf 3. A dich, Herr, und du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, du thust deine Hand auf und sättigest alles, was da lebet, mit Wohlge⸗ fallen. Herr Gott, himm— lischer Vater, segne uns diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. Amen. Nach dem Essen. 4 D dem Herrn, denn er ist freund⸗ lich, und seine Güte währet ewiglich. Wir danken dir, Herr Gott, lieber Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Wohlthat, der du lebest und regierest in Ewig⸗ keit. Amen. 29* Abendsegen. 5 Dꝰe walt' Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Ich danke dir, mein himm- lischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen 6. so gnädiglich behütet hast, und bine, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten; denn ich befehle mich, deine Hände. Dein heiliger Engel ser mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir sinde. Amen. Gebet um Vergebung der Sünden. Och armer Sünder be⸗ * kenne dir, barmher⸗ ziger Gott, daß ich viel und schwer gesündigt habe wider dich Du aber, gnädiger Gott, du Vater alles T rostes, du wollest nicht mit mir handeln nach meinen Sünden, sondern nach deiner großen Barmherzigkeit. Sende mir deinen heiligen Geist, damit ich recht zur Erkenntnis mei⸗ ner Sünden kommen und mich vor dir wahrhaft demütigen möge. O Herr Jesn Christe, 452 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. meinen Leib und Seele und alles in mein Erlöser, ich bitte dich durch dein bitres Leiden und Sterben, du wollest mein Für⸗ bitter und Mittler sein bei Gott, deinem himmlischen Vater, und mit deiner Ge⸗ rechtigkeit und Unschuld meine Sünde versöhnen. Verleihe mir auch, dein Wort nicht allein zu hören, sondern es auch im Herzen zu behalten und darnach heilig zu leben durch den Beistand deines heiligen Geistes. Amen. Morgengebet am Sonntage. —7 7. err, himmlischer Vater, ewiger Gott, gebene⸗ 50 sei deine göttliche Kraft und Allmacht, gelobet sei deine grundlose Güte und Barm⸗ herzigkeit, gepreiset sei deine ewige Wahrheit, daß du mich in dieser Nacht mit deiner Hand bedeckt und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen lassen. Ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan hast. So laß dir nun wohlgefallen das Lobopfer aus meinem Munde, welches ich dir des Morgens früh in Einfältig⸗ keit meines Herzens bringe Ich rufe zu dir von ganzer Seele, du wollest mich heut' auch behüten vor aller Gefahr des Leibes und der Seele und deinen heiligen Engeln Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 453 über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Hilf, daß ich unsträflich wandle in deinem Dienst zu deinem Wohlge⸗ fallen. Wehre dem bösen Feind und allen Aergernissen dieser Welt, steure meinem Fleisch und Blut, daß ich nicht von ihnen überwältigt werde und gröblich wider dich sündige. Regiere du mich mit deinem heiligen Geiste, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder denke, als was dir gefällig ist und dir zur Ehre gereicht. Siehe, mein Gott, ich gebe mich dir heut' ganz und gar zu eigen mit Leib und Seele, mit allem Ver⸗ mögen und Kräften, innerlich und äußerlich. Mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, damit ich dir einen vernünftigen und wahr⸗ haften Gottesdienst leiste. Ja, du heiliger Vater, allmächtiger Gott, frühe will ich dich loben und des Abends deinen Na⸗ men preisen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Beim Eintritt in die Kirche. 8 MA Gott, der * du bist ein Hort aller, die auf dich hoffen, ohne dessen Gnade niemand etwas vermag, laß deine Barmher⸗ zigkeit uns reichlich wider⸗ fahren, auf daß wir durch dein heiliges Wort lernen, was recht ist, und durch dei⸗ nen heiligen Geist dasselbe vollbringen, um Jesu Christi, deines Sohnes, unsres Herrn willen. Amen. Beim Ausgang aus der Kirche. 9 O Gott, Vater aller Barmherzigkeit, wir danken dir, daß du uns nach dem überschwenglichen Reich— tum deiner Gnaden den Schatz deines Wortes gegeben hast, zur Erkenntnis deines lieben Sohnes und zu unsrer Selig⸗ keit. Wir bitten, du wollest uns, barmherziger Vater, da⸗ bei erhalten und immer voll— kommener darin machen, daß wir mit allen Auserwählten immer ähnlicher werden dem Bilde deines lieben Sohnes, Jesu Christi, unsers Herrn. Amen. Abendgebet am Sonntage. ir loben und prei⸗ Mir loben. 10. W' sen dich, Herre Gott und Vater unser aller, daß du uns an diesem Tage aus lauter Güte und Barm⸗ herzigkeit reichlich versorget 454 Gebete sür verschiedene Zeiten und Stände. hast, nicht allein dem Leibe Morgengebet an Wochen⸗ nach mit dem täglichen Brot, tagen sondern auch an unserer Seele 8 mit der himmlischen Speise ir, du treuer Gott deines heiligen Wortes. Ver11. D und Vater, sage leihe, o treuer Gott, daß es ich von Herzen Lob und in unsern Herzen verbleibe Dank, daß ich durch deine und rechte Frucht schaffe zu Güte diesen Morgen wieder⸗ deiner Ehre und unserer Se- um gesund erlebt habe. O ligkeit. Wir bitten dich auch, du lieber Herr und Heiland, gnädiger Vater, du wollest wie so gütig handelst du doch uns unsre Schuld und Sün- mit mir! Wie leicht hätte ich den, mit welchen wir diesen diese Nacht in Unglück ge⸗ Tag verunheiligt haben, nach raten können, wenn du nicht deiner großen Güte, durch deine Vaterhände so liebreich das bittre Leiden und Sterben über mich gehalten hättest. deines lieben Sohnes, Jesu Nun will ich an meine Ar⸗ Christi, gnädiglich verzeihen. beit und Beruf gehen. Ach Und da nunmehr der Abend bleibe doch auch da mit dei— hereinbricht und sich der Tag ner Güte bei mir; gieb mir geneiget hat, so verleihe uns, Kraft und Stärke, Leben und daß wir stets wachsam seien Gesundheit, das zu vollbringen, und im lebendigen Glauben,. was ich mir vorgenommen in brünstiger Liebe, fester habe. Segne das Werk mei⸗ Hoffnung und heiligem Wan⸗ner Hände und laß es wohl del warten der seligen Er⸗geraten. Behüte mich vor scheinung der Herrlichkeit des Betrug, List und Falschheit, großen Gottes und unsers laß kein Unrecht in meine Heilandes, Jesu Christi. Er⸗Hände kommen und keine barme dich, o Herr, der gan⸗ Lüge auf meiner Zunge sein. zen Christenheit, schütze deine Gieb, daß ich in allem der Gemeinde in aller Bedräng⸗Gerechtigkeit nachstrebe und nis, tröste alle geängsteten, in Zucht und Ehrbarkeit mei⸗ betrübten Gewissen durch den nen Wandel so führe, wie es wahren Tröster, den heiligen deinen heiligen Augen gefällig Geist, und sende uns allen ist, und du es in deinem hei⸗ deinen Frieden durch Jesum ligen Worte geboten hast. Christum, unsern Herrn. Leite und führe du mich selbst Amen. durch deinen heiligen Geist, daß ich mich niemals von dir gabwende. Kommt Kreuz und Unglück, so gieb mir, solches geduldig von dir aufzunehmen und zu ertragen, damit ich dir nach vollbrachtem Tage auch abends für deine Güte danken könne. Du bist mein Herr und mein Gott, von welchem alle Hülfe kommt, und den wir darum früh und spät loben, rühmen und prei⸗ sen sollen. Amen. AbendgebetanWochentagen. 12 Aezn o du treuer 7 7 Gott und Vater, habe ich einen Tag durch deine Gnade gesund zum Ende ge— bracht. Da ich mich nun zu meiner Ruhe begeben will, bitte ich dich in tiefster De— mut, daß du mir gnädiglich vergeben wollest, was ich die— sen Tag gesündigt habe. Denn ich weiß, daß ich dich auch heut durch meine Sünden oftmals erzürnet habe. Nun derselben begegnen kann. Da⸗ rum bitte ich dich, weiche doch nicht von mir, sondern bleibe bei mir mit deiner Güte und Treue, mit deiner Liebe und Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 455 den und Gefahr geraten, wie fohlen sein, daß ich das morgende Tageslicht wiederum fröhlich erblicken kann. So will ich dir danken, o Herr Gott Vater, Sohn und hei⸗ liger Geist, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Abendgebet am Sonnabend. 13 Qob und Dank sei dir gesagt, o Herr Gott, Vater unser aller! Durch deine Gnade habe ich nun abermal diesen Tag verlebet und mit demselben zugleich eine Woche von meinen Lebensjahren zu⸗ rückgelegt. Ach der Güte und Treue, die ich darin von dir, o großer Gott, genossen habe, und für die ich dir nicht ge⸗ nug danken kann! Wie man⸗ cher ist diese Woche in Scha— mancher hat sein Gut und Ehre verloren! Wie mancher hat auf bricht die Nacht herein, und ich weiß nicht, was mir in seinem Lager in Krankheit und Schmerzen einen Tag nach dem andern verbringen oder unter Schmer⸗— zen sterben müssen! Wie man⸗ cher hat schwere Versuchungen erfahren! Vor dem allen hast du mich, allgütiger Vater, Barmherzigkeit, und breite deine gnädiglich behütet. Ja, du Gnadenflügel über mich. Laß meinen Leib und Seele, Weib „ und Kind, Hab und Gut, Bekannte, Freunde und Ver— wandte hast mir Gutes gethan, das nicht zu zählen ist und dessen ich nicht wert bin, der ich ö mich so oft und viel gegen deinem Schutz be- dich versündiget und dich mit — meinen Sünden schwer be— leidigt habe. Ach, vergieb mir doch, Herr, und sei gnä⸗ dig nach deiner Güte, tilge meine Sünden nach deiner Barmherzigkeit! Wasche mich von meiner Missethat und reinige mich von meinen Sün-himmlischen 456 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. einem jeglichen Menschengiebst, wie es dir gut dünkt, durch deinen Segen lebe ich und nähre mich mit meiner Hände Arbeit. Lieber Vater, der du uns gesegnet hast mit allerlei geistlichem Segen in Gütern durch den! Denn ich erkenne meine Christum, gereichet es zu dei⸗ Missethat und meine Sünde ner Ehre und meiner Selig-— ist immer vor mir. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht! So du wolltest, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer würde bestehen? Aber dein lieber Sohn, Jesus Christus, hat für mich bezahlt, was ich mit meinen Sünden verschuldet habe. Erlasse mir um seines Blutes willen alle meine Schuld und Missethat. Nun will ich mich zur Ruhe legen, denn ich bin matt und müde geworden und meine Augen schließen sich. Ach, Herr, wache du über mich und be⸗ decke mich mit dem Schatten deiner Flügel, daß ich in dei— nem Schutz vor allem Un⸗ fall sicher und ruhig schlafen möge. Du, Herr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, seiest gelobet und gebenedeiet jetzt und in alle Ewigkeit! Amen. Gebet eines Hausvaters. 14 Herr, allmächtiger Gott, der du keit, so segne auch ferner die Arbeit meiner Hände, daß ich für mich und die Meinigen das tägliche Brot haben möge. Thue aber auch deinen geist— lichen Schatz auf und gieb wahrhaftige Güter, die da bleiben in Ewigkeit. Laß uns treu haushalten, vorsichtig wandeln und unsere Sachen so ausrichten, daß wir nie— mand Schaden thun. Laß uns nicht in Wollust und Müßiggang leben, daß uns nicht Not und Armut über⸗ eile. Lieber Vater, der du der rechte Vater im Himmel und auf Erden bist, laß mich dein Wort und Befehl an mich und alle Hausväter zu Herzen nehmen, daß ich mei⸗ nen Kindern und Gesinde und allen, die mir angehören, deine Gebote vorhalte, daß ich sie lehre, deine Wege wandeln, daß ich mit ihnen dich ehre und anbete, den Armen und Dürftigen gern Gutes thue und deinen Segen teuer und wert halte, auch deine Gaben nie zur Sünde mißbrauche— Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 457 Lieber Herr und Meister, der mich mit wahrer Tugend. du alles mit Lindigkeit und Gieb mir einen heiligen Wan⸗ Weisheit regierest, laß mich del in Gottseligkeit und De⸗ meinem eigenen Hause Di wut, daß ich in allen Dingen vorstehen, Kinder und Gesinde meinem Gemahl könne zu christlich regieren, Arbeitern Gefallen leben, meine Kinder und Tagelöhnern nicht Unrecht t zu Lob und Ehre deines hei⸗ thun, damit nicht der abge⸗ligen Namens auferziehen und brochene Lohn wider mich zu allem Guten leiten. Hilf gen Himmel schreie und mir auch, daß ich meinem Manne Sünde sei. Hilf, daß ich mir eine getreue Gehülfin sei, nan ig genügen lasse an dem, das schaffe, was mir zusteht in da ist, ich habe wenig oder meinem Beruf, auf daß ich viel, mich in allem meinem auch habe zu geben dem Thun und Leben als ein Dürftigen und meine Hand christlicher Hausvater erzeige aufthun könne gegen die Ar— In mich in deinen Gütern men. Behüte uns vor un⸗ treu beweise und einst als ein treuen Hausgenossen. Ver⸗ frommer und getreuer Knecht leihe mir auch die Gnade, zu meines Herrn Freude ein- daß ich das Kreuz im Ehe— gehe. Amen. stande geduldig trage und nicht bald ungeduldig werde, wo sich ein Leiden findet; laß vielmehr durch Anfechtung und Widerwärtigkeit meinen Glau⸗ 15 Getiger Gott, getreuer ben bewährt werden. O Herr 15. Vater, weil du mich Gott, du bist allein herrlich aus Gnaden in den heiligen in allen deinen Werken; ohne Ehestand berufen hast, darin dich kann nichts geschehen, ich dir, meinem Gott, dienen das recht und gut ist; von soll, so gieb Gnade, daß ich dir kommt aller Segen. Ja deine göttliche Furcht stets deiner Allmacht befehle ich vor Augen habe, dir, meinem mich, meinen lieben Ehemann, Schöpfer und Erlöfer, über alle meine Kinder und Ge⸗ alles vertraue, auf dich hoffe sinde. Du wollest uns be— und fest bl eibe im Glauben, hüten vor Sünden und allem in der Liebe und in der Hei-WLeid und uns leiblich und geist⸗ ligung. Gieb, daß ich mei- lich segnen, um Christi willen. nen Mann liebe und ehre Amen. und auch nicht einmal in Ge— Lanken vomihm lafse Schmücke Gebet einer Hausmutter. Für Eheleute. 16 eiliger Gott, barm⸗ * herziger Vater, du hast den Ehestand selbst ein⸗ gesetzt und lässest dir gefallen, daß Mann und Weib in ehe⸗ licher Liebe zusammen wohnen und ihre Kinder erziehen zu deines heiligen Namens Lob und Preis. dich, du wollest allen christ⸗ lichen Eheleuten deine Gnade verleihen, daß sie dich als Stifter ihres heiligen Stan⸗ des erkennen und darum in einem heiligen und dir wohl⸗ gefälligen Wesen wandeln, auch willig und mit Freuden thun, was ihnen in ihrem Beruf zusteht. Hilf, daß sie dich fürchten und in rechter Liebe und Einigkeit christlich bei einander wohnen, ihre Kin⸗ der in aller Gottseligkeit auf⸗ erziehn, dazu auch das Kreuz, das in diesem Stande nicht ausbleibt, in Geduld mit ein— ander tragen. Wehre dem Teufel, daß er deine heilige Ordnung nicht verderbe, die heilige Liebe den Ehegatten aus dem Herzen raube, sie in das Netz des Unglaubens ziehe und Zwiespalt und Un⸗ einigkeit zwischen ihnen säe. Wo aber christliche Ehegatten sich veruneiniget haben, da hilf, barmherziger Gott, daß sie sich wiederum versöhnen, 458 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. Darum bitte ich Für eine Ehefrau vor der verzeihen und wieder in recht⸗ schaffener Liebe und Treue beisammen wohnen. Laß sie dein Wort lieben und halten, in aller Widerwärtigkeit auf dich hoffen, dich mit ihrem Gebete und christlichen Wandel preisen, damit sie in deinem Dienst und Wohlgefallen blei— ben und nach diesem vergäng⸗ lichen Leben versammelt wer⸗ den in dein Reich. Amen. Niederkunft. barmherziger Gott, 17.O du hast ja verspro⸗ chen: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Auf solchen deinen Befehl und Verheißung rufe ich dich an, du wollest mich jetzt und in Kindesnöten durch dein Wort und Geist an Leib und Seele stärken, daß ich nach deinem Willen geduldig lei⸗ den möge; du wollest mich erfreuen nach der schweren Stunde, mir ein gesundes Kindlein bescheren und ver⸗ leihen, daß es durch das Wasser und den heiligen Geist in der Taufe möge wieder⸗ geboren und ein Erbe des Lebens werden, auf daß wir dich loben und preisen mögen ewiglich durch unsern Herrn einander von Herzensgrund Jesum Christum. Amen. Fürbitte des Ehemanns. 18(lmächtiger, ewiger, barmherziger Gott, du Schöpfer aller Dinge, ich bitte dich von Herzen, dn wollest meiner Frau, die du gnädiglich gesegnet hast, ein gnädiges Stündlein ver⸗ leihen und ihr bald in Gna⸗ den helfen, um deines lieben Sohnes, unsers einigen Herrn und Heilandes, Jesu Christi willen. Amen. Für das neugeborene Kind. 19 Herr Jesu Christe, * du hast ein herz⸗ liches Wohlgefallen an den Kindlein, die zu dir gebracht werden und nimmst sie gerne an zum ewigen Leben. Du hast ja gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Auf dies dein Wort Kindlein durch unser Gebet zu dir und Nimm es an und laß es deiner Erlösung, die du uns am Kreuz mit deinem Gottes. bringen wir dies bitten: bittern Leiden und Sterben erworben hast, genießen und teilhaftig werden, um deines teuren Blutes und heiligen Namens willen. Amen. Fürbitte für die Kinder. ch du getreuer Gott 20. Abod Vater, Schöpfer Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 459 und Erhalter aller Kreaturen! Ich danke dir von Herzen für die Kinder, die du mir durch deinen Segen gegeben hast, und bitte dich herzlich, be⸗ gnadige dieselben mit deinem heiligen Geist, der ihnen die wahre Furcht Gottes erwecke, welche ist aller Weisheit An⸗ fang. Beselige sie auch mit rechter Erkenntnis deines Wor⸗ tes, laß sie in dem wahren, seligmachenden Glauben und in aller Gottseligkeit auf— wachsen und darin bis ans Ende verharren. Gieb ihnen ein gläubiges, gehorsames, demütiges Herz, daß sie wachsen und zunehmen nicht nur an Alter, sondern auch an Gnade bei dir und allen Menschen. Pflanze in ihr Herz die Liebe zu dir, die Ehrerbietung gegen dein Wort und seine Diener, den Ge⸗ horsam gegen die Obrigkeit. Mache sie züchtig in Ge— berden und Sitten, wahr⸗ haftig in Worten, treu in Werken, fleißig in Geschäften, eifrig in Verrichtung ihres Berufes und Amtes, verstän⸗ dig in allen Dingen, sanft⸗ mütig und freundlich gegen jedermann. Behüte sie vor allen Aergernissen, vor böser Gesellschaft, vor Uebermut und Unkeuschheit. Sei ihr Schutz in Gefahr, behüte sie vor Unehre und Schande, und gieb, daß ich Frende und —— Ehre an ihnen haben, und durch sie auch dein Reich ver⸗ mehrt werden möge, damit wir dereinst auch im Himmel⸗ reich vereint mit allen Aus⸗ erwählten dich loben und prei⸗ sen mögen, durch Jesum Chri⸗ stum, unsern Herrn. Amen. Gebet der Kinder für die Eltern. 21 Ac gnädiger, barm⸗ 7 herziger Gott, lieber Vater, der du bist der rechte Vater über alles, was Kin⸗ der heißt, im Himmel und auf Erden! Ich danke dir herzlich, daß du mir meine Eltern, Vater und Mntter, bis hierher erhalten hast. Dir sei Lob, Ehre und Dank für 320 deine große Wohl⸗ that. Ach Herr, ich bitte dich, du wollest mir den Unge— horsam, mit dem ich mich gegen meine lieben Eltern oft versünd igt habe, aus Gnaden vergeben, und die Strafe von mir abwenden, die du im vierten Gebot drohest. Gieb mir aber ein gehorsames und dankbares Herz gegen sie, daß ich sie ehre, fürchte, liebe und erfreue, auch ihre väter⸗ lichen, wohlmeinenden Strafen geduldig annehme. Lehre 460 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. zogen. Laß mich dieselben ehren mit Gehorsam, Liebe, Demut und Furcht, in Wor⸗ ten und Werken, daß ich Segen und nicht Fluch ererbe. Laß das Beispiel des Gehor— sams meines Herrn Jesu Christi immer vor meinen Augen stehen, welcher seinem Vater gehorsam gewesen bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuz. Lohne meinen geliebten Eltern die Liebe und Treue, die sie an mir gethan. Gieb ihnen ein fried⸗ liches Alter, lindere ihnen ihr Kreuz und hilf's ihuen eir Erhöre ihr Gebet und behüte sie vor allem Uebel Leibes und der Seele. Und wenn ihr Stündlein gekommen ist, so laß sie sanft und stille einschlafen, und nimm sie zu dir ins ewige Vaterland durch Jesum Amen. Gebet eines Witwers. W O gütiger Gott, wie wunderlich führest du die Deinen in diesem Fammerthal! Du hast mich in meiner Lebenszeit schon viel und große Angst erfahren lassen; aber jetzt trifft mich mich auch bedenken, wie viel das größte Herzeleid, da du Mühe und Sorge ich meiner mir meinen besten und lieb⸗ Mutter gekostet habe und mit sten Schatz auf Erden, meine wie großer Liebe sie mich er⸗ liebe Ehefrau, genommen und Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 461 mich in den traurigen Wit⸗auf dich nimmst, wirst du werstand gesetzt hast. Da- auch an mir, an meinen und rum ist auch mein Herz be⸗ allen armen Waisen väterlich trübet, und meine Augen sind und treulich ausrichten, meine voll Thränen. Ach, wie arm und alle armen Waisen väter⸗ bin ich doch jetzt geworden. lich lieben, versorgen, ernäh⸗ Herr, tröste du mich in mei⸗ren, erziehen, sie trösten und ner Not! Lehre mich be- dich über sie als ein rechter denken, daß wir sterben Vater erbarmen. Einen Rich⸗ müssen und unser Leben ein ter der Witwen hast du dich 610 hat. Wecke in mir den genannt, weil dieselben oft lauben an die Auferstehung von der ungerechten Welt der Toten, auf daß ich nicht leiden müssen und keinen traurig sei, wie die andern, Schutz noch Trost haben, als die keine Hoffnung haben, Schutzlose und Verlassene sondern auch in diesem schweren viel müssen über sich ergehen Verlust deinen väterlichen, lassen. Darum bitte ich dich wohlmeinenden Willen erkenne demütiglich, du wollest auch und mit Hiob sagen lerne: mich als eine Trostlose und Der Herr hat's gegeben, der Verlassene in deinen allmäch⸗ Herr hat's genommen, der tigen Schutz nehmen und Name des Herrn sei gelobt. nicht zugeben, daß mir Ge⸗ Amen. walt und Leid von der bösen Welt Rihrbeß sondern mich und mein betrübtes Her Gebet einer Witwe. trösten mit deinen heiligen 25 A5 du getreuer und Verheißungen. Laß deine * gnädiger Gott, du Gnade eine starke Mauer um hast dich selbst einen Vater mich und meine armen Waisen der Waisen und Richter der sein. Erwecke fromme Herzen, Witwen genannt! Einen die bedenken, daß ein reiner Vater der Waisen nennst du und unbefleckter Gottesdienst dich, weil sie keinen Vater sei, Witwen und Waisen in auf Erden haben, der sie ihrer Trübsal mit Rat, Hülfe herzlich liebt und treulich für und Trost besuchen. Behüte sie sorgt, der ihnen ihre Not⸗ mich, lieber Vater, vor Ver⸗ durft schafft, sie erzieht, sie leumdung. Gieb mir deine tröstet, sich über sie in Krank⸗Gnade, daß ich in meiner heit und Elend erbarmt. Einsamkeit meine Hoffnung Dieses liebreiche Vateramt, auf dich allein setze, bei dir das du gegen alle Waisen allein Trost suche, und dich mit wahrem Glauben fester Zuversicht ergreife. Amen. Gebet einer Waise. ieber 2⁴. L Vater, da du mir meine irdischen Eltern durch den Tod hinweggenommen, so halte ich mich desto fester zu dir, dem Vater über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Du hast mich ja in der heiligen Taufe zu deinem Kinde angenommen, auch besonders in deinem Wort versprochen, ein Vater und Erretter der Waisen zu sein. Ach, bewahre mich, mutwillige Sünden verscherze, sondern vielmehr in meinem ganzen Leben sie reichlich er⸗ fahren möge. Erwecke mir treue Freunde, die sich meiner erbarmen. meiner treulich annehmen und mich zu allem Guten er— ziehen, ich aber ihnen eben den Gehorsam, den ich leib— lichen Eltern schuldig bin, er⸗ weise, ihrem Rat folge und ihrer Strafe mich unterwerfe. Laß mich in deiner Furcht wandeln, böse Gesellschaft vermeiden und allen Lüsten des Fleisches widerstehen, da— mit ich dir sowohl jetzt in meinen unmündigen Jahren, als künftig im reiferen Alter, 462 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. und in meinem Beruf mit unbe—⸗ flecktem Gewissen diene und enolich dein ewiges Reich er⸗ erbe, um meines lieben Hei⸗ landes willen. Amen. himmlischer Gebet eines Dienstboten. 22 ieber Herr Gott, i 25. dautt D, doß du mich in diesen Stand und Dienst gesetzt hast, in welchem ich nicht bloß Menschen, son⸗ dern dir dienen soll. Ich habe deinen Befehl im vier— ten Gebot, daß ich meinem Herrn und Frau mit treuem Gieb, daß meine will Vormünder und Pfleger sich allen was dein Wille ist. du mir Gnade und Geduld dazu. 26. A will ich meinen Weg antre⸗ ten und mit Anrufung deiner Barmherzigkeit Fleiße dienen, arbeiten und daß helfen soll. Ich will deshalb ich deine Gnade nicht durch mit Lust und Liebe meinem Berufe nachkommen. Ich will gern thun, was ich thun soll, meinem Herrn und meiner Frau zu Gefallen sein. Wenn ich gescholten werde, ich demütig sein. In Stücken aber will ich meinem Stande zu Ehren und dir, Herr, zu Dienste gerne alles thun und leiden, Gieb Amen. Reisegebet. llmächtiger Gott, in deinem Namen diese Reise Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 463 anfangen. Denn du bist mein Gott, der meinen Aus⸗ ang und Eingang behütet. ch bitte dich, du wollest mir deine heiligen Engel mitsen— den und ühuen Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen und mich führen auf rechter Straße an den Ort, dahin ich zu kommen edenke, auch mich gesund und frisc wieder heimführen. Nun in deine Hände befehle ich Leib und Seele und alles, was mir angehört, in Jesu Christo. Amen. Fürbitte für die Obrigkeit. 27. König aller Könige, du Herr⸗ scher über den ganzen Erdkreis, du hast alle Obrigkeit einge⸗ setzt und bezeugst durch deine Apostel: Es ist keine Obrig⸗ keit, ohne von Gott, und wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gottes Ordnung. Gieb mir, lieber Vater, daß ich die Obrigkeit als deine Ordnung erkenne, dieselbe fürchte, liebe und ehre, und verleihe Gnade, daß' ich und alle Unterthanen durch sie mit Gerechtigkeit regieret werden und von ihr Schutz haben, daß ich unter ihr ein stilles, ruhiges Leben führen möge in aller Gottseligkeit und Ehr⸗ barkeit. Und weil du, lieber ch Gott, du Herr aller Herren und Vater, der Könige Herzen in der Hand hast und leitest die⸗ selben wie Wasserbäche, so regiere auch unsere liebe Obrigkeit mit deinem heiligen Geist, daß sie vor allen Dingen Gottes Wort lieb habe, eine Pflegerin deiner heiligen christlichen Kirche, selbst dem Herrn diene mit Furcht und Zittern. Gieb ihr deine himmlische Weisheit, durch welche die Könige regieren und die Ratsherren setzen das Recht. Gieb, daß unsere Obrigkeit höre das Geschrei der Armen und der Witwen und Waisen Recht nicht beuge. Gieb ihr Liebe zur Gerechtig⸗ keit, festen Mut wider alle Un⸗ gerechtigkeit, glücklichen Fort⸗ gang aller ihrer Unterneh— mungen. Behüte sie vor Heuchlern, vor Kriegen und Blutvergießen. Schütze sie durch deine heiligen Engel. Segne das ganze Land und schaffe unsern Grenzen Friede, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Für die Predigt des gött⸗ lichen Wortes. E ieber Gott, gieb uns 28. fromme, abttes⸗ fürchtige Lehrer in der Kirche, die deinen Namen der Welt verkündigen und die Sünder lehren, wie du gnädig und barmherzig bist und uns um deines lieben Sohnes willen unsere Sünden vergeben und das ewige Leben schenken willst. Gieb, daß alle Sün⸗ der sich deiner Gnade und Barmherzigkeit trösten, dich anrufen, dich preisen, dir danken. Gieb uns den heili⸗ gen Geist, der uns regiere, und erhalte uns, daß wir nicht wieder zurückfallen in Uebertretung und Sünden, sondern im rechten Glauben und heiliger Liebe Frucht bringen zum ewigen Leben. Amen. Gebet um günustige Witte⸗ rung. Herr Gott, himm⸗ 29. O lischer Vater, der du gütig und barmherzig bist und uns durch deinen Sohn verheißen hast, du wollest dich unser in aller Not gnädig annehmen, wir bitten dich, siehe nicht an unsere Sünde und Missethat, sondern unsere Not und deine Barmherzig⸗ keit und gieb gedeihliche Witterung, daß wir durch deine Güte unser tägliches Brot haben und dich als einen gnädigen Gott erheben und preisen mögen, durch Je⸗ sum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet in teurer Zeit. (Umächtiger, barm⸗ 30. A herziger, gütiger Gott, Schöpfer Himmels und 464 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. der Erde! du erhörest Gebet, darum kommet alles Fleisch zu dir. Ach Herr, wir haben diese teure Zeit sehr wohl verdienet um unserer Sünde willen. Ach Herr, unsere Missethat drücket uns hart, darum wollest du uns unsere Sünde vergeben. Erhöre uns nach deiner wunderbaren Güte, Gott, unser Heil, der du bist die Zuversicht aller auf Erden und ferne am Meer. Ach Herr, thu' auf deine milde, allmächtige Hand, und sättige alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Thue auf die Fenster des Himmels und schütte herab Segen die Fülle. Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen giebest, so sammeln sie; wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gut gesättigt. Vor allem aber, o Herr, stärke und speise uns mit deinem lebendigen Wort, als mit dem rechten Himmelsbrot. Denn der Mensch lebet nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus deinem Munde gehet. Gieb Trost allen Hungrigen, der du die Vögel des Him⸗ mels speisest; gieb den Armen Geduld,‚ o Herr, und laß sie an deiner allmächtigen Hülfe nicht verzagen. Uns alle aber erfülle mit der seligen Hoffnung, daß wir dereinst ..... Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 465 in deinem Reich an deinem Tisch mit dir essen und trin⸗— ken, dein Antlitz schauen und von Gerechtigkeit und Selig⸗ keit gesättigt werden sollen. Amen. Bei Seuchen. 31. 8 2. ein Vater aller Barmherzigkeit und Gerechtig— keit! Wir erkennen, daß du uns diese schwere Heimsuchung ge— schickt hafst zur Strafe unserer Sünden, mit denen wir dich ohne Unterlaß beleidigt haben. Und darum, o barmherziger Gott und Vater, bitten wir dich mit tiefer Demut, daß du unsere Sünden gnädiglich ver⸗ zeihen, deines gerechten Zor⸗ nes vergessen und die schreck⸗ bösen, liche Gefahr eines schnellen Todes gnädiglich abwenden wollest, damit wir Zeit haben, wahrhaftige Buße zu thun und der ewigen Se⸗ ligkeit gewiß zu werden durch das bittre Leiden und Ster— ben Jesu Christi, deines lieben Sohnes, unsers Herrn. Amen. In schwerem Kreuz. chlieber Herr Gott, 32. A du hast uns für⸗ wahr nun eine lange Zeit mit allerlei Unfall, Angst und Trübsal, Jammer und Not umgeben, und hast uns da— Gott, in Ewigkeit durch antreiben wollen, unsere Sünde zu erkennen, den ewi⸗ gen Tod zu fühlen und uns zur Buße zu wenden. Nun, lieber Gott, laß es genug sein, laß ab von deinem Zorn. Du hast uns genugsam ge— züchtigt und gedemütigt, so daß wir seit lange keine fröh⸗— lichen Tage und Stunden gehabt haben. Wir bitten dich, lieber Gott, kehre dich wieder zu uns und sei deinen Knech— sten gnädig, zeige uns deinen süßen Trost, damit wir in der Angst und Trübsal nicht verzagen, sondern siegreich über— winden durch Jesum Christum. Amen. Gebet eines Kranken. 33 Budz gnä⸗ 99.„O diger Gott, du hast uns heißen beten und zugesagt, uns alles zu geben, was wir nach deinem Willen bitten werden. So bitte ich dich von Herzen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen, du wollest mir meine Gesundheit wiedergeben, mich stärken und meine großen Schmerzen lindern. Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Grimm, sondern sei mir gnä— dig! Wie lange soll ich mich ängsten in dieser Not? Hilf mir, damit ich auch in dieser Welt dich noch mehr loben und preisen und andern die⸗ 30 466 Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. nen möge. Weil aber wir den, und wenn es zu deiner armen Menschen nicht wissen. Ehre und seinem Heil dient, wie wir recht beten sollen,‚ so nahe ihm auch mit leibli⸗ so stelle ich alles dir anheim. cher Hülfe. Wenn es aber, Ist es dein göttlicher Wille,‚ lieber Gott, dir anders ge⸗ so gehe dieser Kelch von mir; fällt und du willst sein Leben doch nicht, was ich will, son⸗(von ihm nehmen und ihn dern dein Wille geschehe. Das heimholen, so stärke ihn wider aber, Herr, bitte ich dich, alle Anfechtung, mildere und daß meine Krankheit ein se⸗verkürze die großen Schmer— liges Ende gewinne. Dazu zen und laß ihn in deinem wollest du Gnade verleihen Frieden selig einschlafen. Gieb, um Jesu Christi willen. Amen. daß sein letzter Tag auf Er⸗ den der erste sei in deinem Reiche, durch Jesum Christum, Fürbitte für einen Kranken. deinen lieben Sohn. Amen. 34 O allmächtiger Gott, himmlischer Vater, der du uns Odem und Leben Gebet um ein seliges Ende. gegeben hast, du hast uns u getreuer Gott, eine gnädige Verheißung ge⸗ 35. D und Vater unsers geben. Wenn wir dich in Herrn Jesu Christi, ich bitte unserer Not anrufen, willst dich von Herzen, du wollest du uns erhören. Du ver⸗ mich in meiner Not nicht heißest auch durch deinen lie⸗ verlassen, sondern mit dem ben Sohn: Wo zwei unter Licht deines wahren Erkennt⸗ uns eins werden auf Erden, nisses erleuchten, daß ich durch warum es ist, daß wir dich dasselbe aus dieser Finsternis bitten, das soll uns gewiß zu dir, dem ewigen Licht ge— gegeben werden. Nun bitten langen möge. O Herr, sei wir dich, lieber Vater, für du bei mir, wenn ich sterben diesen Kranken, du wollest soll, stehe du zu meiner rech⸗ dich seiner gnädig erbarmen, ten Hand, wenn ich soll mei⸗ ihm Linderung seiner Schmer⸗ nen Geist aufgeben, tröste zen verleihen und ihn von und stärke mich, erhalte mich seiner Krankheit erlösen. Bei im festen Vertrauen auf deine dir, Herr, ist viel Gnade und große Gnade und Barmher⸗ Erbarmen. So erbarme dich zigkeit. Ach, Herr Gott, laß denn auch dieses Kranken, das letzte Wort deines lieben tröste ihn im rechten Glau⸗-Sohnes am Stamme des ben, vergieb ihm seine Sün⸗Kreuzes auch mein letztes Gebete für verschiedene Zeiten und Stände. 467 Wort sein, daß ich mit gläu⸗ bigem Vertrauen im Herzen sagen kann: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, denn du hast mich erlöset, du getreuer Gott. Und wenn ich aus Schwachheit solches mit meinem Munde nicht mehr sagen könnte, so laß doch mein Herz also in der Stille zu dir rufen und seufzen. Amen. Fürbitte für einen Ster⸗ bendeu. 36 O herziger Gott, du bist unsere Zuflucht, unsere Stärke und Hülfe in allen Nöten. Laß leuchten dein heiliges Angesicht über dei⸗ nen Knecht(Magd), der jetzt vor dir erscheinen soll. Wa⸗ sche ab alle seine Sünden, o Herr Gott, mit dem teuren Blut Jesu Christi, auf daß ihrer im Gericht nicht mehr gedacht werde. Mehre ihm den Glauben, errette seine Seele aus der Gewalt des bösen Feindes. Tröste ihn durch deinen heiligen Geist und gieb ihm in dieser Stunde zu verstehen, daß du sein gü⸗ tiger und barmherziger Vater und daß er aus lauter Gna⸗ den dein liebes Kind sei. Laß den nicht verloren wer⸗ den, den du mit deinem hei⸗ ligen Blut so teuer erkauft hast. Nimm seine Seele auf in dein Himmelreich und ver⸗ leihe ihm eine fröhliche Auf⸗ erstehung am jüngsten Tage. Erhöre uns, o Vater aller Gnaden, ja erhöre deinen Sohn, unsern einigen Erlöser und Mittler, der zu deiner Rechten sitzet und für ihn und uns alle bittet, und sei uns gnädig um des Verdien⸗ stes seines teuren Blutes und bittern Leidens willen. In solchem Vertrauen befehlen wir die Seele dieses Sterben⸗ den in deine väterliche Hand und rufen dich an mit dem Gebet, das uns Jesus Chri⸗ stus, unser Heiland, zu beten selbst gelehrt und befohlen hat: Vater unser ꝛc. Amen. Nachdem der Kranke ver⸗ schieden ist. ir danken dir Herr, 37. W' Jesu Christe, daß du unser Gebet und Flehen gnädiglich erhöret hast. Du hast unsern Bruder(Schwe⸗ ster) aus der Angst gerissen und eingeführt in die ewige Ruhe. Ach lieber 5. Hor wir sprechen mit Hiob: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt! und mit dem Volke im Evangelio: Er hat alles wohl gemacht! Hilf, daß wir uns getrösten, wir haben diesen Entschlafe⸗ 30⁷ 468 Gebete für Festtage und Festzeiten. nen gar nicht verloren, son⸗ wie bald es auch um unser dern nur vorangesendet, in Leben geschehen sein kann, der festen Hoffnung, daß du damit wir stets in christlicher ihn am jüngsten Tage mit Bereitschaft erfunden werden, großer Kraft und Herrlichkeit dir, wenn das Stündlein auferwecken wirst, und wir kommt, durch das finstere einander bei dir im ewigen Thal des Todes mit Freuden Leben wiederfinden werden. zu folgen in dein Reich, der Du wollest uns auch allen du samt dem Vater und deines heiligen Geistes Kraft heiligen Geist lebst und re⸗ verleihen, daß wir uns an gierst in Ewigkeit. Amen. diesem Totenbette erinnern, III. Gebete für Festtage und Festzeiten. Zum Anfange eines neuen Adventszeit. Kirchenjahres. 2. Hern Gott, hinmlisher 1 A So. der ewiger e H Vater, wir danken * Gott, der du durch deiner Gnade, daß du uns deine Gnade uns abermal deinen Sohn gesandt hast und ein neues Kirchenjahr hast ihn gesetzt zum König der anheben lassen: gieb auch in Gerechtigkeit und zu unserm demselben deiner Kirche dei⸗Heilande und Erlöser, daß er nen Geist und göttliche Weis⸗ uns aus dem Reiche der Fin⸗ heit, daß dein Wort unter sternis errette und uns Ge⸗ aler Breabihler. win ihs drͤee., Wur, Laen 88 8 gebührt, gepredigt, und also aber auch, erleuchte uns in deine heilige, christliche Kirche seiner Erkenntnis, daß wir erhalten und gebessert werde, ihn für unsern König und G1 90. Orr 5. e oden I10 u. vusern Blauben dir dienen, und im und loben und mit unsern Bekenntnis deines Namens Gaben und Kräften, mit allem, bis an unser Ende verharren was wir von dir Gutes ha⸗ mögen durch Nlum Christum, ben und vermögen, ihm un⸗ deinen lieben Sohn, unsern terthan sein und dienen mö⸗ Herrn. Amen. gen, und er seine Wohnung unter uns und in uns habe, und wir allezeit in seinem Reiche und in seinem Ge⸗ horsam und Dienste blei⸗ ben. Neige der Fürsten und Gewaltigen Herz und Willen, daß sie dem König aller Kö— nige und Herrn der Herrlich— keit aufthun ihre Pforten und Thore, laß ihn einziehen in ihre Lande, Städte und Kir⸗ chen, daß er seine Herberge bei ihnen habe und mit sei⸗ nem Wort und Geist regiere und herrsche. Steure dagegen und wehre allen denen, die Christo die Pforten zuschlie⸗ ßen und ihm den Eingang wehren, dagegen dem Anti⸗ christ und falschen Lehrern Thor und Thüren weit auf⸗ thun. Mache ihr böses Vor⸗ nehmen und ihre Anschläge zunichte. Beweise deine Macht und Barmherzigkeit an den armen Menschen, die noch in den Banden des Aber— glaubens und der Trostlosigkeit des Unglaubens, in Abgötterei und allerlei gottlosem Wesen und falscher Lehre gefangen sind, daß Christus auch zu ihnen komme und sein Reich des Lichts, der Wahrheit und Gerechtigkeit bei ihnen auf— richte, und du, ewiger Vater, samt demselben deinem ewi— gen Sohne und dem heiligen Geiste überall mit Lob und Preis und Anbetung deines heiligen und geehret werdest. Gebete für Festtage und Festzeiten. 469 Weihnachtszeit. 3(Umächtiger, ewiger Gott, wir danken dir, daß du dich unsers Jammers hast angenommen und deinen eingeborenen Sohn um umsertwillen lassen Mensch werden, und bitten dich, du wollest unsere Herzen gnä⸗ diglich erleuchten, daß wir an solchem Trost festhalten, uns der Geburt deines lieben Sohnes von Herzen freuen, dich mit allen heiligen Engeln loben, im Herzen Frieden haben und allerlei Wider⸗ wärtigkeiten mit Geduld traͤ⸗ gen und überwinden mögen, durch denselben deinen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum. Amen. O du gütiger Herr Jesu Christe, ich wollte dich gern von Herzen loben von wegen deiner Menschwerdung, aber Herr, woher soll ich's nehmen? Mit welchem Herzen und Worten vermag ich dir für solche große Wohlthat zu danken? Wenn ich gleich tau⸗ send Zungen hätte, könnte ich dich dennoch nicht genugsam loben, sintemal deine große Gnade und Gunst, die du uns armen Menschen erzeiget hast, daß du in unser Fleisch ge⸗ kommen, unset Bruder ge⸗ Namens gerühmet worden bist, Fleisch von un⸗ Amen. serm Fleisch und Gebein von 470 unserm Gebein, bei weitem all' unsere Dankbarkeit über⸗ trifft, die wir dir erzeigen mögen. Denn was hast du Größeres uns zu großen Ehren und zu ewiger Seligkeit thun können, als daß du nicht der Engel Natur, sondern unsere menschliche Natur an dich ge— nommen, unser Fleisch und Blut zum Höchsten erhoben und alle deine Güter uns als deinen Brüdern und Blutsverwandten mitgeteilt hast! Das ist nun mein höchster Schatz und Trost, des freu' ich mich von Herzen, daß auch mein Fleisch und Blut dir nunmehr verwandt und zu⸗ gethan, und ich auch ein Glied⸗ maß deines Leibes bin. Wo nun du, Herr, bist und regierst, da werde ich auch sein und als ein Miterbe der ewigen Herrlichkeit und Seligkeit teil⸗ haftig werden. Das wirst du gnädiglich mir widerfahren lassen, du getreuer Immanuel, um deiner Menschwerdung willen. Amen. Jahresschluß. 4 llmächtiger Gotz, * himmlischer Vater! Wir sagen dir von Herzen Lob und Dank, daß du uns durch deine wäterliche Güte und Treue dieses zu Ende eilende Jahr hast überleben und uns in demselben deine Gebete für Festtage und Festzeiten. Wohlthaten an Leib und Seele reichlich hast widerfahren lassen. Ach Herr, wir sind zu gering aller Barmherzig⸗ keit und Treue, die du an an uns gethan. Aber mit herzlicher Reue bekennen wir dir, daß wir den Reichtum deiner väterlichen Liebe nicht nach Gebühr erkannt, sondern vielfältiger Weise mißbraucht und mit Gedanken, Worten und Werken, schwer und mannigfaltig wider dich in diesem Jahr gesündigt und dadurch deine gerechten Strafen wohl verdient haben. Drum bitten wir dich mit tiefer Demut um Vergebung aller unserer Sünden; und weil wir morgen nach deinem Willen ein neues Jahr be⸗ ginnen, so wollest du deine väterliche Huld und Treue gegen uns erneuern und deinen heiligen Geist uns schenken, damit wir mit dem alten Jahre alle alten Sünden, bösen Lüste und Begierden ablegen und mit dem neuen Jahre ein neues christliches Leben an— fangen und dir darin mit neuer Willigkeit dienen. Segne uns, Herr, unser Gott, und hilf uns die flüchtigen Tage unserer Wallfahrt in deiner Furcht hinbringen. Wir wissen nicht, wann du uns von un⸗ serm Tagewerk abrufen und der Zahl derer einreihen wirst, die in diesem Jahre ihren Gebete für Festtage und Festzeiten. Leiden begonnen hast. Lauf vollendet haben. Laß uns mit heiligem Ernst ihr Ende anschauen und nur um so mehr Fleiß anwenden, was wir noch leben im Fleisch, zu leben im Glauben deines Soh⸗ nes, der uns geliebet hat und sich selbst für uns dargegeben. Rufe aber auch den Betrüb⸗ ten und Leidtragenden unter uns das Wort des Trostes und der Hoffnung zu, daß selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben; denn sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Herr Jesu! du bist dazu gestorben und wieder lebendig Zote un auf daß du über ote und Lebendige ein Herr seiest. So erhalte uns in der Gemeinschaft des Geistes mit allen, die in dir selig ent⸗ schlafen sind, bewahre uns fest bis ans Ende, daß weder Tod noch Leben uns aus deiner Hand reißen dürfe. Leben wir, so laß uns dir leben, sterben wir, so laß uns dir sterben, damit wir dein seien, tot oder lebendig. Mach' uns, o Jesu, ewig selig! Amen. Neujahr. ei hochgelobet, du 5. S treuer Heiland, für deine heilbringende Erlösung, zu welcher du hast den ersten Grund gelegt, indem du in deiner Beschneidung dich dem Gesetz unterworfen und dein 471 Du ließest dich dabei einen Jesum nennen und versprachst damit, dein Volk selig zu machen von ihren Sünden. Herr, dir sei Dank, daß du diesen deinen heilsvollen Namen auch dieses Jahr über an uns bewiesen und uns aus so mancher Not errettet und vor mancher Versuchung und Gefahr kraft deines Namens bewahret hast. Sei auch ferner unser leben⸗ diger Jesus, unser Heiland in der That und Wahrheit. Erlöse uns vor allen Dingen von unsern geistlichen Feinden und von den Sünden, als dem ärgsten und gefährlichsten Schaden. Dein Blut tilge die Ungerechtigkeit des alten Menschen und erneure uns im Geiste unsers Gemüts, daß wir dich, Herr Jesu, mit aller deiner Gnade und Kraft anziehn und in dir mit der Zeit neue Menschen werden mögen. Siehe, unser Herz sehnet sich nach deiner neuen Schöpfung, darin du alles neu machen willst. Ach, so schaffe in uns einen neuen, gewissen Geist, damit das Alte alles vergehe, das uns geplagt und beunruhigt, auch dich an deinem Segen ge⸗ hindert hat. O Jesu, erneure nun mit diesem Wechsel des Jahres dein Gedächtnis in uns, daß du nun von neuem uns vor Augen gemalt werdest 472 Gebete für Festtage und Festzeiten. durch den Glauben, den Gott Namen ein Tempel, darin sie selber wirket. was dein Name mit bringt, nämlich lauter Heil und Seligkeit. Schenke uns zum neuen Jahr neue Ge— rechtigkeit, neue Heiligkeit, neue Weisheit, neue Erlösung. Laß uns mit ganz und Ernst dies Jahr anfan⸗ gen und nicht in dem alten Sauerteig der Heuchelei und Schalkheit, nicht in den alten Sünden und Gewohnheiten. Ach, daß wir nur alle ein Herz erflehten, das dich kind— lich fürchte, herzlich liebe, brünstig anrufe und treulich kämpfe, daß wir deiner Liebe anhangen, deine Bekanntschaft suchen, deine Süßigkeit schmecken im Herzen und so nach dir alle Tage und Stunden dürsten möchten. Ach, werde uns alles in allem, denn in dir liegt alles, was wir bedürfen. neuem Sinn Werde uns, in Einigkeit des Geistes ver⸗ sich sammelt werden zur gemein⸗ samen Besserung. Dein Name sei und bleibe der Armen Schatz, der Kranken Heilung, der Elenden Zuflucht, der Verlassenen Rat und Trost, der Witwen Versorger, der Waisen Vater, ja allen alles. Du himmlisches Manna, gieb dich einer jeden Seele auch dieses Jahr so zu genießen, wie sie es bedarf und be⸗ gehret. Denn du teilst dich gern mit allen, die dich suchen und anrufen. Verehre uns die köstliche Perle deines Reichs, daran wollen wir ewig genug haben. Stille den Hunger unserer Seelen nach dir und führe das Werk deiner Erlösung an uns völlig aus: so wollen wir uns an dir genügen lassen. Denn du kannst uns im Tode erwecken, Werde unserer Obrigkeit das uns in Schwachheit neue Kraft 941 ee eh rechte Gesetzbuch in deinem geben, den Zorn in Liebe und heiligen Namen, der da istden Fluch in Segen verwan⸗ Gottes Wort; sei ihr gerades deln. Scepter, daß dein Wille nur durch sie geschehe, und ihr Schirm und Schutz, Lohn und Krone. Sei du in allen Lehrern das wahrhafte Licht, das allen Menschen vorleuchte und die Irrigen zurechtweise, die Unwissenden lehre, die Schwachen stärke, die Trauri⸗ gen tröste. Allen Gemeinden werde mit deinem heiligen Durch dein vergossenes Blut lösche das Feuer der verderbten Natur und führe uns dies ganze Jahr auf rechte Straßen, daß wir nicht mehr irren. Ja, lehre du uns selbst dein Wohlgefallen und ohne dich laß uns nichts reden, thun oder denken. Wir empfehlen uns dir ganz mit allem, was wir sind und haben, auf ewig. Amen. Gebete für Festtage und Festzeiten. Epiphanias. 6 H'er Gott, himmlischer * Vater, wir danken dir, daß du auch der Heiden Gott bist und sie zu der Herde deines lieben Sohnes, des guten Hirten Jesu Christi, sammelst durch deinen heiligen Geist. Wie gnädiglich hast du die Weisen aus dem Mor⸗ enlande regiert, durch einen understern aus dem finstern Heidenlande gen Bethlehem geführt und zu deiner Er⸗ kenntnis gebracht. Lieber himmlischer Vater, wir sind auch aus heidnischem Geblüte und unsre Väter sind hinge⸗ gangen zu den stummen Götzen, wie sie geführet wurden; aber du hast uns durch das Evangelium berufen und durch die heilige Taufe errettet aus der Obrigkeit der Finsternis und in das Reich deines lieben Sohnes versetzt, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Ver⸗ ebung der Sünden. Dein heliges Evangelium ist der Wunderstern, der uns allezeit leuchtet; dein Wort ist un⸗ sers Fußes Leuchte und ein Licht auf unsern Wegen. So regiere uns nun auch durch deinen heiligen Geist, daß wir weise werden und erkennen, was zu unserm Frieden dient, auf daß wir uns aufmachen aus der Finster⸗ 47³ nis unserer Sünden, dem Lichte deines Wortes folgen und nicht ablassen, bis wir deinen lieben Sohn, unsern König und Heiland Jesum Christum, erkannt und im Glauben gefunden haben, seines Trostes wider die Sünde, den Tod und die Gewalt des Teufels genießen und also selig werden. Aber weil so viel Millionen durch das Blut Christi erlösete Menschen noch im finstern Lande wohnen und im Schatten des Todes sitzen, die da hingehen zu den stummen Götzen und wandeln in allen Greueln der Ab⸗ götterei, die da fremde sind von den Testamenten der Verheißung, daher sie auch keine Hoffnung haben und leben ohne Gott in der Welt: so bitten wir dich, daß du herzurufest, die noch ferne sind, und lässest unter den Heiden verkündigen den unaus⸗ forschlichen Reichtum Christi, aufzuthun ihre Augen, daß sie sich bekehren von der Finster⸗ nis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfangen das Erbe samt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an Jesum. Die Erute ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in deine Ernte und gieb den Heiden dein Wort mit Scharen Evangelisten! Segne auch die 474 Gebete für Festtage und Festzeiten. Boten, welche bis diesen Tag behüte uns vor der Sicherheit gesendet sind, Frieden zu pre⸗ der Juden und vor des He⸗ digen und Heil zu verkündigen rodes Heuchelei und Verach⸗ in dem Namen deines lieben Sohnes; denn es ist in keinem andern Heil, ist auch kein an⸗ drer Name den Menschen ge— geben, darinnen sie können selig werden. Wirke, o Herr, mit ihnen und bekräftige das Wortdurch mitfolgende Zeichen, daß du den Heiden die Ohren aufthust, damit sie hören, was zu ihnen gesagt wird, und reinigest ihre Herzen durch den Glauben. Wecke auf, Herr, uns, deine tung deines Wortes, auf daß wir nicht andre zu dir weisen und selber dahinten bleiben, daß nicht kommen von Mor⸗ gen und Abend, von Mittag und Mitternacht, die in dein Reich eingehen und wir Kin⸗ der des Reichs ausgestoßen werden in die äußerste Finster⸗ nis hinaus. Endlich aber erbarme dich auch, o du Vater der Barm⸗ herzigkeit, über das verblendete Volk der Juden und nimm Jünger, daß wir gedenken, von ihrem Herzen die Decke wie du geboten hast: Prediget hinweg, daß sie erkennen, den das Evangelium aller Kreatur! sie verworfen, auf den ihre Laß uns nicht um des Geizes Väter gehofft, und von dem willen die Gaben zurückhalten, ihre Propheten geweissaget durch welche deinen Boten der haben, Jesum Christum, ein Weg zu den Heiden bereitet Licht zu erleuchten die Heiden wird, sondern laß uns wirken, und zum Preise deines Volkes dieweil es Tag ist, denn es Israel, welcher mit dir, samt kommt die Nacht, da niemand dem heiligen Geiste lebet und wirken kann. Jetzt ist die an⸗Uregieret, wahrer Gott, hoch⸗ enehme Zeit, jetzt ist der gelobet in Ewigkeit. Amen. Tag des Heils! Jetzt erleuchtet uns noch dein Wort: so laß uns ein Licht sein für die Mariä Reinigung. verfinsterten Heiden; jetzthaben eur. 2. 25 bis 30. Herr nun lassest du wir noch den Schatz deiner gegagt panz, denn weine Augen haben deinen heiligen Sakramente: so laß Heiland gesehen, welchen du bereitet hast uns durch denselben auch die die Heden und zam Preise veinen Voltel armen Heiden reich machen. Jeraer. Amen. Ach gieb uns doch ein dank⸗ 7(err Christe, du ge⸗ bares Herz für die Gnade, 0..) wünschtes, hellleuch⸗ die wir als Glieder deiner tendes Licht der Heiden, der heiligen Kirche genießen, und du heute deine heilige Kirch⸗ Gebete für Festtage und Festzeiten. 47⁵ fahrt mit deiner lieben Mutter preiset werde. Erleuchte meine im Tempel gehalten, ich danke dir, daß du meinetwegen dich unter das Gesetz gethan, und bitte dich, erleuchte mich, daß ich mich dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, und deinen Tempel oft mit An⸗ dacht besuche. Gieb mir auch, daß ich mich reinige von al⸗ len fleischlichen Lüsten und Begierden durch Betrachtung meiner heiligen Taufe und emsigen Streit wider mein verderbtes Fleisch und Blut. Und weil ich sehr schwach bin zu solchem heiligen Werk, so reinige du selbst mein sünd⸗ liches und verkehrtes Herz durch deinen heiligen Geist und dein unschuldiges Blut. Verleihe mir, daß ich dich, als das rechte Licht der Welt, mit kindlichen Augen stets an⸗ blicke und nie in Finsternis wandle, auch daß ich in allem Elend und Anfechtung, in allem Schrecken und Furcht des Gewissens dich mit den Armen eines wahren Glau⸗ bens ergreife, in mein Herz schließe und mich deiner gänz⸗ lich tröste. Zünde in mir an das Licht der Erkenntnis dei⸗ nes göttlichen Willens und herzlichen Anrufung, auch eines heiligen Glaubens, der durch gute Werke vor den Menschen leuchte, auf daß Gott im Himmel dadurch ge— Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe, treibe durch den Glanz deiner Herrlichkeit alle Finsternis und Schwachheit aus meinem Gemüt, daß ich mich täglich durch deine Gnade erneure und nicht unrein vor deinen Augen erfunden werde. Und wenn das Ende meines irdischen Lebens herzunahet, so halte du mich auch, o treuer Erlöser, in deinen heiligen Händen und Armen und laß mich nimmermehr fallen, daß mich der Satan mit seinen Anfechtungen in Ewigkeit da⸗ raus nicht reißen könne. Be⸗ schere mir eine stille, fröhliche und friedliche Heimfahrt, wie dem alten Simeon, daß mein Sterben in einen sanften Schlaf verwandelt werde, und ich dich im ewigen Lichte mit den Auserwählten anschauen möge. Herr Christe, dein Diener ich bin, mit Friede und Freude fahre ich dahin, weil Sterben wird sein mein Gewinn. Amen. Mariä Verkündigung. ache auf, meine 8. W' Seele, freue dich in Gott meinem Heiland! Danke deinem Gott, der die Zusage von der Erlösung des menschlichen Geschlechts erfül⸗ let und seinen Sohn ins Fleisch gesandt! Sei fröhlich 476 Gebete sür Festtage und Festzeiten. über deine Würdigkeit, daß Bund zwischen Gott und uns Gott ist Mensch geworden gemacht. Du hast als wahrer und so viel an dich gewendet Gott auch menschliche Natur hat. Wer kann die Leutselig⸗ an dich genommen, auf daß du keit Gottes, die er in der als der rechte Mittler zwischen Sendung seines Sohnes uns Gott und uns handeln, die bewiesen, genugsam preisen? Versöhnung mit Gott auf⸗ O Herr Christe, du holdseliger richten, unsere Not und Jam⸗ Menschenfreund, ich danke dir‚ mer erkennen und uns reich⸗ daß du Menschennatur ange-lich trösten könntest. Du nommen und uns mit deinem freundlicher Jesu, ach komm Vater wieder versöhnet hast, zu mir mit deiner Gnade, ver⸗ ob wir's gleich nicht um dich achte mich nicht, denn ich bin verdienet. Du hast eine schwere dein und begehre auch dein Wallfahrt um uns Sünder stets zu bleiben. Wo nun willen unternommen. Denn mein Fleisch und Blut herr⸗ du bist von deinem Thron zu schet, da werde ich auch durch uns hernieder gekommen, auf dich in Ewigkeit herrschen und daß wir einmal zu der himm⸗regieren. Amen. lischen Herrlichkeit erhoben würden; du hast dich sehr ge⸗ demütiget, auf daß wir ewig Passionszeit. herrschen möchten. Du hast uns alle sehr hochgeehret, 49 ewiger, bist unser Bruder geworden, 1 himmlischer Vater, auf daß wir Gottes Kinder der du der armen sündhaften seien. Du hast uns nicht ver⸗Welt dich erbarmet und um schmähet, die wir Staub und ihretwillen deines eingeborenen Asche sind. Größere Liebe Sohnes nicht verschonet, son⸗ hättest du uns nicht erzeigen dern ihn für uns alle in den können, teurer Heiland und Tod dahingegeben hast, auf Immanuel! Ich freue mich daß wir durch ihn wiederum dessen von Herzen und hoffe ewig leben und selig werden gewiß, du werdest nicht mit möchten: Dank sei dir für mir zürnen und dein eigen diese deine wunderbare Gnade Fleisch und Blut nicht hassen. und Barmherzigkeit, daß du Ich tröste mich deiner Heilig⸗den, der von keiner Sünde keit, ob ich gleich sündig und wußte, für uns zur Sünde unheilig bin. Du hast durch gemacht hast, auf daß wir in deine heilige Menschwerdung ihm würden die Gerechtigkeit, einen ewigen, unzertrennlichen die vor Gott gilt. Gebete für Festtage und Festzeiten. O lieber Heiland Jesu Christe, du warest der Aller⸗ verachtetste und Unwerteste, voller Krankheit und Schmer⸗ zen, denn der Herr warf un⸗ ser aller Sünden auf dich, und also trugst du unsre Krankheit und ludst auf dich unsre Schmerzen; du bist um unsrer Missethat willen ver⸗ wundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen worden, die Strafe lag auf dir, auf daß wir Frieden hätten, und durch deine Wunden sind wir ge⸗ heilet. Darum sei nun auch gelobet immer und ewiglich, daß du uns zu gute dieses alles gethan und deinem himm⸗ lischen Vater gehorsam wor⸗ den bist bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Erbarme dich noch ferner über uns, deine Erlösten, und hilf, daß unser keiner verloren werde. Hast du doch dein Leben für uns zum Schuld⸗ opfer gegeben, so gieb uns auch deinen heiligen Geist zu unsrer Bekehrung und mache uns gerecht durch deine Er⸗ kenntnis, nachdem du unsre Sünden getragen. Wir ha⸗ ben dir Arbeit gemacht in un⸗ sern Sünden und Mühe in unsern Missethaten, hilf aber nur, daß wir nicht ohne Buße sterben oder mit unserm sünd⸗ haften Leben dich von neuem kreuzigen und durch schänd⸗ liche Verachtung dein Blut 477 mit Füßen treten, welches uns reinigen soll von unsern Sünden. Vielmehr verleihe uns, daß wir mit geängstetem Geiste und zerschlagenem Her⸗ zen dein Leiden und Sterben täglich betrachten, in wahrem und festen Glauben jederzeit un⸗ sere Zuflucht nehmen zu dei⸗ nen Wunden und durch die⸗ selben dermaleinst mögen ein⸗ gehen zum ewigen Leben. Im übrigen beschere uns jederzeit ein geduldiges Herz, nach deinem Beispiele unser Kreuz auf uns zu nehmen und dir willig nachzufolgen, auf daß, so wir mit leiden, wir auch dereinst mit dir zur Herr⸗ lichkeit mögen erhoben werden. Indessen aber sorge du an allen Orten für deine Ge⸗ meine, die du so teuer erkauft hast mit deinem Blute, erhalte in stetem Schutz und Bau deine Kirche, welche deine allmächtige Hand gepflanzet hat, und behüte, daß sie nicht von ihren Feinden verwüstet werde. Wohne bei uns, bleibe bei uns, regiere und bewahre uns und mehre unter uns dein Reich, das du aufgerichtet hast, denn es ist dein Werk. Erhalte uns und unsere Nach⸗ kommen bei der reinen, evan⸗ gelischen Lehre. Strafe uns nicht, wie wir es wohl ver⸗ dienet haben. Du wollest aber auch aus Gnaden ab⸗ wenden alle Gefahr und Not, 478 Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. ſo dieſem oder andern itt neden kteen eree ſchädlich ſein mag, und mit meinen lieben Herrn, gewor⸗ dieſer deiner Gnade täglich den iſt. Herr Jeſu, ach, daß bei uns bleiben: ſo wollen alle Welt von dir, der du nun, wir dich, o du heilige Drei- durch Leiden des Todes mit faltigkeit, rühmen und preiſen, Preis und Ehren gekrönet, in hochgelobet in alle Ewigkeit. deinem heiligen Tempel zur Amen. Rechten des Vaters ſitzeſt, ſiil würde in dieſer Woche, tille in den Häuſern, ſtille Stille Woche. auf den Straßen und Gaſſen, 10 err Jeſu Chriſte, du ſtille bei Tag und Nacht. * Lamm Gottes, das Doch mache nur vor allem der Welt Sünde weggenom⸗andern mein Herz, das un⸗ men hat, erbarme dich über ruhige Uebel, ſtille, zu, in und uns und gieb uns deinen vor dir, du ſtiller Jeſus. Frieden. Amen. Sammle durch deinen ewigen Gott, man lobet dich in der Geiſt, in welchem du dich Stille zu Zion; ach, ſo mache deinem Vater geopfert haſt, denn auch mein Herz durch mein zerſtreutes Herz, daß deinen ſanften heiligen Geiſt ich deine Stimme mit hören⸗ in der Wahrheit ſtille zu dei⸗ den Ohren höre, wenn du nem Lobe. Meine Seele ſin⸗ mir insbeſondere in mein In⸗ get dir, und mein. Lippen nerſtes rufeſt: Mir haſt du preiſen deinen heiligen Na-⸗ Arbeit gemacht in deinen Sün⸗ men, daß du mich mit deiner den und du haſt mir Mühe ewigen Erbarmung dieſen gemacht mit deinen Miſſetha⸗ erſten Tag der großen und ten; ich aber, ich tilge deine ſtillen Woche haſt erleben Uebertretung um meinetwillen laſſen, in welcher du deinen und gedenke deiner Uebertre— eingeborenen Sohn aus Liebe tung nicht. Ja, daß auf dei⸗ für die ganze Welt und auch nen himmliſchen Zuruf: Da⸗ für mich elenden Sünder in⸗ran gedenke, Jakob, Israel, ſonderheit, in ſo unzählige vergiß mein nicht! aus dem Marter und Pein Leibes und innerſten Grund meines Her⸗ der Seelen bis zum Tod am zens widerſchalle: Ich gedenke Kreuz dahingegeben. Nun ſo daran, mein lieber Herr Jeſu, müſſe mir dann in dieſer und will dir dafür von heute großen Woche aufs neue groß an aufs neue dankbar ſein. werden meine ewige Erlöſung, Ich will dein Leiden und die mir durch dieſen deinen Sterben nicht mißbrauchen, Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. 479 ſondern mit allem Ernſt ver⸗ heimniſſes deines Kreuzes, zur ehren. Ich begehre, deinem Einwurzelung in der Liebe Kreuz unterthänig, gleichför⸗ und zur willigen Einſenkung mig und gehorſam zu wer- in die Gemeinſchaft deines den, bis ich in der Wahrheit Todes. Segne den Ausgan ſagen kann: Ich bin mit deiner Leiden an mir Lurch Chriſto gekreuzigt, ich bin mit die Geduld in der Hoffnung, ihm geſtorben, auf daß ich daß ich dir ſtille bleibe unter Gott lebe: ich lebe, aber nicht allen Widerwärtigkeiten, dei⸗ mehr ich, ſondern Chriſtus nem Willen mich lediglich in lebet in mir. meinen äußern und innern Dein erſter Eingang in dieſe Umſtänden aufopfere und ſo Welt und ganzer Wandel da⸗ aushalte durch Großes und rin in Gehorſam, Armut und Kleines, durch Böſes und Niedrigkeit, verpflichtet mich Gutes bis ans Ende, daß ich armen Sünder ſchon ſattſam mich dann ewiglich bei dir in zu deinem Opfer und Eigen⸗ deiner Herrlichkeit erfreuen tum. Aber da dich die Lei- könne, um deines allerteuerſten den ohne Zahl bis zum Tode Verdienſtes willen. Amen. am Kreuz ergriffen und ſo gar nichts an deiner heiligen Gründonnerstag. Menſchheit iſt verſchont ge⸗ blieben im göttlichen Gericht, haſt du mich Elenden dir ſo verbunden, daß, wenn ich dich verleugnete und dein vergäße, du mit allem Recht mein ewiglich vergäßeſt und mich vor deinem Vater und vor ſeinen Engeln verleugneteſt. So ſegne denn, erbarmender Heiland, deines Leidens An⸗ fang, Fortgang und Ausgang an mir Elenden. Segne den Anfang desſelben zu einem gründlichen Anfang des erſten und völligen Glaubens mit wahrhaftigem Herzen an dei⸗ nen Namen. Segne den Fort⸗ gang deiner Leiden zur Grün⸗ dung in der Erkenntnis des Ge⸗ ir danken dir, Herr 11. W' Jeſu, daß du vor deinem Abſchied aus der Welt deine liebe Gemeinde ſo wohl bedacht und uns auf Erden einen ſolchen Tiſch und ein ſo köſtliches Sakrament ge⸗ ſtiftet und verordnet haſt. Ja, wir preiſen dich, du treuer Heiland, daß du dich nicht allein hafſt zum Opfer für unſre und aller Welt Sünden dahingegeben und am Kreuz ſchlachten laſſen, ſondern daß du auch im heiligen Abend⸗ mahle uns arme, hungrige, ſündliche, doch bußfertige Men⸗ ſchen mit deinem heiligen Leibe und Blute ſpeiſeſt und uns 480 Gebete für Festtage und Festzeiten. allen deine erworbenen Güter und Wohlthaten dadurch zu⸗ eignest und versiegelst. Ach, Herr, das Brot, das wir brechen, ist ja die Ge⸗ meinschaft dente⸗ Leibes, und der Kelch, welchen wir segnen, ist ja die Gemeinschaft deines Blutes. O wie sollen vir dir s, unserm Gott, ver⸗ gelten, daß du dich so nahe zu uns thust und eine solche himmlische, göttliche Gemein⸗ schaft mit uns aufrichtest, da— durch wir nicht allein mit dir, sondern auch durch dich mit der ganzen heiligen Drei— faltigkeit vereinigt werden. Indem du uns, o Jesu, mit deinem heiligen Leibe und Blute speisest und tränkest, verbindest du dich mit uns so fest, daß wir nun Ahenit Gliedmaßen deines Fleisches und Gebeines sind. Du teilst dich so mildiglich uns mit, daß dein ganzer Gehorsam, Verdienst und Gerechtigkeit unser eigen ist und wir da— durch vor unserm Gott so gerecht und angenehm sind, als wenn wir niemals ge— sündiget hätten. Ja, du thust dich so nahe zu uns, daß du nun allezeit in uns wohnen, uns durch deinen heiligen Geist lebendig machen und nimmer⸗ mehr von uns lassen willst. O du, unser Herr und unser Gott, wie tröstlich stärkest du unsern Glauben, wie lieblich erweckest du unsre Zuversicht! Ach hilf, Herr Jesu, daß unsre Gemeinse haft mit Lar je länger je fester werde, daß wir uns deines Verdienstes und deiner Wohlthaten je länger je freu diger trösten, daß wir dir je länger je tiefer einverleibt und deine unablöslichen Gliedma— ßen bleiben, daß wir durch dich mit Gott, deinem und unserm Vater, und mit dem heiligen Geiste jelänger je kräftiger ver einigt und Darbunde sein und bleiben mögen bis in Ewigkeit. O wohne und lebe in uns, Herr Jesu, samt dem Vater und dem heiligen Geiste und erzeige dich kräftig in uns ohne Unterlaß, mache uns alle recht lebendig, heilig und selig, daß wir mit reinem Herzen, mit heiligem Verstande, mit neuer Zunge, mit thätigen Händen und Füßen deinem Namen mit Freuden dienen, so oft wir von dem gesegneten Brote essen und von dem ge— segneten Kelche trinken, auf daß wir durch Gottes Kraft und Macht zur ewigen Selig-— keit bewahrt und erhalten wer— den, um deiner ewigen Liebe und Erbarmung willen. Amen. Charfreitag. 12 Wir d danken dir Herr Jesu Chri⸗ ste, wahrer Gott und Mensch, 2 du uns arme Sünder ohne alle unsere Werke‚ Ver⸗ Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. dienſt und Würdigkeit durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen erlöſet haſt. O Herr Jeſu Chriſte, wie groß war dein Leiden, wie ſchwer deine Pein, wie viel deiner Marter, wie tief deine Wunden, wie bitter und ſchmerzlich dein Tod, wie unausſprechlich deine Liebe, nach der du uns deinem himm— liſchen Vater verſöhneſt haſt, da du am Oelberg blutigen Schweiß vor großer Todes⸗ angſt geſchwitzet, daß die Blutstropfen auf die Erde gefallen, und daſelbſt von allen deinen Jüngern verlaſſen in die Hände der widerſpen⸗ ſtigen Juden und heidniſchen Schar dich willig für uns ge⸗ Eude welche dich hart ge⸗ unden, von einem ungerech⸗ ten Richter zum andern unbarmherzig dahinführten. Daſelbſt biſt du fälſchlich ver⸗ klaget, verurteilt, verſpeiet, verhöhnet und mit Fäuſten in das Angeſicht geſchlagen worden. Du biſt um unſe⸗ rer Miſſethat willen verwun⸗ det und um unſerer Sünde willen zerſchlagen, gegeißelt und mit Dornen gekrönet und jämmerlich zugerichtet, wie ein armer Wurm, der nicht einem Menſchen ähnlich geweſen. Denn du wareſt der Allerverachtetſte und Un⸗ werteſte, voller Schmerzen und Krankheit, alſo daß es auch 481 ein heidniſches Herz erbarmet und die Worte zu ſprechen bewogen hat:„Sehet, welch ein Menſch iſt das!“ Du biſt wegen unſerer Uebelthaten unter die Uebelthäter gerech⸗ net und als ein Fluch auf⸗ gehänget, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgra⸗ ben, dazu in deinem höchſten Durſt mit Eſſig und Galle getränkt worden, und haſt mit großen Schmerzen deinen Geiſt aufgegeben, auf daß du unſere Schuld bezahlteſt, und wir durch deine Wunden ge⸗ heilt würden. O Herr Jeſu Chriſte, für dieſe und alle andere Marter und Pein ſagen wir dir Lob und Dank und bitten dich, laß dein heiliges, bitteres Leiden und Sterben an uns nicht verloren ſein, ſondern gieb, daß wir uns desſelben jederzeit von Herzen tröſten und rühmen, auch dasſelbe alſo begehen und betrachten, daß alle böſen Lüſte in uns ausgelöſcht und gedämpft, da⸗ gegen aber alle Tugend ein⸗ gepflanzt und gemehrt werde, auf daß wir, der Sünde ab⸗ geſtorben, der Gerechtigkeit leben, und deinem uns ge⸗ laſſenen Vorbilde nachfolgen, in deine Fußtapfen treten, das Uebel mit Geduld ver⸗ tragen und das Unrecht mit gutem Gewiſſen leiden, um nach allen überſtandenen Prü⸗ 31 482 fungen und Trübſalen zu dir in dein Reich einzugehen und an deiner Herrlichkeit Anteil zu nehmen. Dazu wolleſt du uns verhelfen um deiner unendlichenLiebe willen. Amen. Am großen Sabbath. 13 O Herr Jeſu Chriſte, barmherziger und getreuer Heiland, der du für unſre Sünde geſtorben und begraben biſt und dadurch alle unſre Sünde in die Tiefe des Meeres verſenket haſt, daß ihrer ſoll nimmermehr gedacht werden denen, die an dich glauben: wir danken dir von Herzen für ſolche deine Gnade und Wohlthaten und bitten dich demütiglich, wie wir ſamt dir begraben ſind durch die Taufe in den Tod, ſo mache uns auch gleich dei⸗ ner Auferſtehung, auf daß wir nach dieſem Leben das ver⸗ heißne Reich deiner Gnade und Herrlichkeit empfangen. Amen. Oſterfeſt. 14 H'r Jeſu Chriſte, du ewiger Sohn des allmächtigen und hochge⸗ lobten Gottes, der du biſt ein König der Ehren und Herr des ewigen Lebens, wir deine erlöſeten Chriſten dan⸗ ken dir von Grund unſers Gebete ſür Feſttage und Feſtzeiten. Herzens, daß du nicht nur um unſerer Sünde willen dich ſelbſt dahingegeben, ſondern auch um unſerer Gerechtig⸗ keit willen am dritten Tage wiederum auferſtanden biſt von den Toten. Durch dieſe deine majeſtätiſche und freu⸗ denreiche Auferſtehung haſt du den Tod überwunden und dem, der des Todes Gewalt hat, dem Teufel, ſein Reich der Finſternis zerſtöret, uns aber allen Segen, Leben uud ein unvergängliches Weſen erworben und an das Licht gebracht. So hilf nun auch, liebſter Jeſu, Fürſt des Le⸗ bens und Herzog unſrer Se⸗ ligkeit, daß dieſe von dir au⸗ gerichtete Oſterfreude in un⸗ ſern Herzen nimmermehr verlöſche, ſondern alle Tage je länger je größer werde. Du lebeſt ja und wir ſollen auch leben; darum, ſo laß auch den Frieden, welchen du aus deinem Grabe gebracht haſt, auf uns kommen; und weil du noch immer Buße und Vergebung der Sünden predigen läſſeſt unter allen Völkern, ſo wecke uns täglich auf aus dem Grabe des Ver⸗ derbens, auf daß wir leben⸗ dig gemacht durch deinen hei⸗ ligen Geiſt, mit dir auferſtehn mögen zu einem neuen Leben, das aus Gott iſt, und hin⸗ fort unſer keiner ihm ſelbſt lebe, ſondern dir, der du für Gebete für Festtage und Festzeiten. 483 uns gestorben und auferstan⸗ sche Durchbrecher durch den den bist. In dieser Welt Tod zu deiner ewigen Herr⸗ sind wir noch immer sterbliche lichkeit eingegangen, uns tröst⸗ Menschen, du aber bist unser lich zu lehren, daß wir, so Leben. Wer an dich glaubet, der wird leben, ob er gleich stirbet, und wer da lebet und glaubet an dich, der wird nicht ewig sterben. Darum so laß uns denn jetzt in dir leben und dermaleinst auch in dir seliglich sterben. Du aber wecke uns hernach auf am wir hier in diesem Leben mit dir leiden, auch der ewigen Herrlichkeit sollen teilhaftig werden. Lieber Heiland, du bist am Ufer, wir sind noch auf dem wilden Meer, du bist im Siege, wir sind noch im Streit. Gieb uns deine jüngsten Tage durch deine Gnade, daß wir dir mit un⸗ Kraft. Mache unsern nichtigen serm Herzen und Gedanken Leib ähnlich deinem verklär⸗fleißig nachsehen, auf daß ten Leibe und führe uns mit unser Herz sei, wo unser dir ein zu deiner ewigen Schatz ist. Laß uns alles Freude. So soll in deiner Weltliche mit Füßen treten, Herrlichkeit deinName gerühmt damit wir uns in die Höhe Nöten vertrittst und fürbittest. werden in Ewigkeit. Amen. zu dir im herzlichen Gebet, mit Seufzen und auf Flügeln des wahren Glaubens schwin⸗ Himmelfahrt. gen können. Wir glauben 15 err Christe, allmäch⸗ 190 tiger Herr und Gott, wir danken dir, daß du nach erhaltenem Sieg wider alle deine und unsre Feinde deine fröhliche Himmelfahrt mit großer Majestät, Triumph und Jubilieren der heiligen Engel gehalten und dich zur Rechten deines himmlischen Vaters gesetzest hast, da du uns täglich in allen unsern Aund trösten uns ja festiglich, weil du gen Himmel gefah⸗ ren als unser Haupt, daß du uns als deine lieben Glieder nicht im Elende lassen, son⸗ dern endlich, wenn wir un⸗ sern Lauf durch deine Hilfe verrichtet und im wahren Glauben beschlossen haben, auch zu dir nehmen wirst. Denn du hast deinen himm⸗ lischen Vater vor deinem hei⸗ Also hat dein Kreuz und Leiden ein seliges und ge⸗ wünschtes Ende genommen, und bist du als der himmli⸗ ligen Leiden ja inbrünstig gebeten und gesagt, du wollest, daß, wo du bist, auch die bei dir seien, die er dir ge⸗ geben hat, auf daß sie deine air 48⁴ Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. Herrlichkeit ſehen. Und weil dem Leibe hier auf Erden du nicht allein zu deinem, behalten werden, mit dem ſondern auch zu unſerm Va⸗Herzen aber ſtets bei dir im ter aufgehoben biſt, und dei⸗(Himmel ſind, der du biſt nen lieben Jüngern und uns unſers Herzens Freude und verſprochen: Ich will wieder⸗ Wonne, hochgelobt in Ewig⸗ kommen und euch zu mir keit. Amen. nehmen, daß ihr ſeid, wo ich bin, ſo erfülle deine tröſtliche Zuſage, lieber Erlöſer, und 2 hole uns bald zu dir, denn Pfingſtfeſt. uns verlanget von Herzen nach dir. Wir wollten zwar jetzt bald lieber bei dir in dem himmliſchen Vaterlande ſein, als in dieſer elenden Pilgrimſchaft länger wallen; wir wollten unſere irdiſchen Hütten ablegen, denn wir ſeh— nen uns nach unfrer Behau— ſung, die im Himmel iſt, und daß das Sterbliche vom Le— ben verſchlungen würde, und wir daheim bei dir wären; wir ſagen alle Tage mit Da— vid: Wann werden wir dahin kommen, daß wir Gottes An⸗ geſicht ſchauen; aber du alleine weißt Zeit und Stunde, wann es uns heilſam iſt, ausge⸗ ſpannt zu werden, und darum wollen wir harren, bis du uns nach deinem Wohlge⸗ fallen in Frieden heimfahren läßt. Unterdeß wollen wir mit unſerm Gemüte in den Him⸗ mel dringen, und mit dem 16 Ae r * Vater unſers Herrn Jeſu Chriſti, Lob, Preis und Ehre ſei dir, daß du dich ge⸗ offenbaret haſt in deinem Sohne und biſt in ihm ein⸗ gegangen in unſer armes Fleiſch und Blut. Insbeſon⸗ dere danken wir dir an dem heutigen Tage, daß du den Sohn und in ſeinem Namen geſendet haſt den heiligen Geiſt, in welchem du heute noch zu uns kommen und Wohnung in uns machen willſt. O blicke gnädig auf uns herab, verwirf uns nicht von deinem Angeſicht und thue nicht von uns die Hand ab, Gott unſer Heil! Du haſt ja verheißen: du wolleſt un⸗ ſer Vater ſein, und wir ſollen deine Söhne und Töchter ſein. Ach, ſo nimm uns in Gnaden an, und ſende in unſere Herzen das Pfand, den Geiſt, daß er in uns all⸗ Verlangen bei dir ſein durch zeit rufe: Abba, lieber Vater! Führung deines heiligen Gei⸗Segne dazu, treuer Heiland, ſtes, auf daß wir zwar mit dein teures Verdienſt an uns Gebete für Festtage und Festzeiten. 485 allen; reinige uns durch dein durch deinen heiligen Geist, Blut und bereite dir dadurch damit wir allezeit als lebendige eine Stätte in uns, daß wir Glieder an deinem Leibe er⸗ als reine Tempel deines hei⸗ ligen Geistes in ewiger Ge⸗ meinschaft mit dir leben mögen. O wir danken dir von Grund unsrer Seelen, daß du deine Verheißung erfüllt hast und über deine Apostel den heili⸗ gen Geist ausgegossen und sie also angethan mit Kraft aus der Höhe, daß sie neue Men⸗ schen und heilige Glieder an dir, dem Haupte wurden. Wie sie, so erfülle auch uns mit deinem heiligen Geiste, daß er auch uns in alle Wahrheit leite und als un⸗ ser göttlicher Tröster in uns wirke Licht und Leben, Ge⸗ rechtigkeit und alle Kräfte der zukünftigen Welt. Ja laß funden werden. O heiliger Geist, übe an uns dein göttliches Geschäft, zerstreue alle Finsternis unserer Natur, tilge alle Sündenkräfte, die noch herrschen in uns durch das Gesetz in den Gliedern; wirke in uns und allen Men⸗ schen eine Veränderung an Herz, Sinn und Mut; erneure uns in das Ebenbild des Vaters und in die Klarheit Jesu Christi und schaffe in uns himmlische Weisheit, reine Ge⸗ rechtigkeit und seligen Frieden. Du treuer Gott und Herr, verherrliche dich an uns mit den reichen Gütern deines Heils, und gieb, daß heute auch an uns der Tag der auch auf uns ruhen den Geist Pfingsten erfüllet werde, daß der Weisheit und des Ver-wir erfahren die teure Ver⸗ standes, den Geist des Rats heißung: Der Geist soll aus— und der Stärke, den Geist gegossen werden über alles der Erkenntnis und der Furcht Fleisch. Laß dazu an uns des Herrn, damit unser ganzes allen die Verkündigung deines Leben durchleuchtet und durch und durch geheiligt werde, und wir als fruchtbare Reben in dir, dem rechten Weinstocke, grünen, blühen und herrliche Früchte tragen. Und wie du durch die Ausgießung deines heiligen Geistes deine Kirche gegründet hast, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen, so laß auch in unsre Herzen dein Reich kommen heiligen Worts gesegnet sein und gieb uns zu trinken das Wasser, das in das ewige Leben quillet, und schenke uns den Eingang in die himmlische Stadt, in der wir verkläret werden von einer Klarheit in die andere, um Jesu Christi, unsers Heilandes willen. Amen. 486 Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. Trinitatis⸗Feſt. elobet und gebene⸗ 17. G deiet ſeiſt an, Herr Gott, himmliſcher Vater: du haſt mich und alle Dinge durch deine allmächtige Kraft aus nichts erſchaffen. Gelobet und Aebanedent. ſeiſt du, Herr, Gott Sohn, Jeſu Chriſte, balt Gott und Menſch: du haſt mich und die ganze Welt durch dein teures Blut erlöſet. Ge⸗ lobet und gebenedeiet ſeiſt du, Herr, Gott heiliger Geiſt: du haſt mich und alle Chriſten durch deine gnadenreichen Ga⸗ ben geheiligt. Gott Vater im Himmel, er⸗ barme dich über uns und er⸗ halte uns. O Jeſu, du Sohn Gottes, Erlöſer der Welt, erbarme dich unſer und er⸗ leuchte uns. Gott heiliger Geiſt, du Tröſter und Lehrer der Wahrheit, erbarme dich unſer und begnade uns. O du hei⸗ lige Dreifaltigkeit und wahre Einigkeit, Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiliger Geiſt, erbarme dich unſer, und was du in uns gewirket haſt, das erhalte und beſtätige. O allerheiligſte Dreifaltig⸗ keit, von welcher und durch welche und in welcher ſind alle Dinge, dich preiſen, dich ehren, dich loben und anbeten wir, dich begehren wir von ganzem Herzem, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte zu lieben und zu loben. Verleihe uns, o Schöpfer, Heiland und Trö⸗ ſter, deine göttliche Gnade, daß wir deinen Willen recht verſtehen und vollbringen, auch nicht anders leben und ſterben, denn nach deinem göttlichen Wohlgefallen, dir zu Ehren und unſrer Seele zum Heil. Lob, Ehre und Preis ſei Gott dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiſte, wie es war im Anfange, jetzt und allewege und zu ewigen Zei⸗ ten. Amen. Johannistag. err Gott, lieber Va⸗ 18. H ter, der du den hei⸗ ligen Täufer Phartener uns allen zu Troſt haſt bezeugen laſſen, daß Jeſus Chriſtus, Mariens Sohn, das wahre, unſchuldige Lamm Gottes ſei, welches der ganzen Welt Sünde tragen ſollte: Gieb uns, daß wir allezeit ſolches ſeines Zeugniſſes uns von Her⸗ zen freuen und tröſten und endlich mit Johannes dem Täufer und allen Gläubigen die ewige Seligkeit erlangen mögen, Zum denſelben deinen Sohn Jeſum Chriſtun, unſern Herrn. Amen. Michaelisfeſt. 19. llmächtiger Herr Gott Vater, wir danken dir von Herzen, daß du deine heiligen Engel zu dienſtbaren Geiſtern geſchaffen und verordnet haſt, daß ſie auf die Gottesfürchtigen war⸗ ten ſollen, denſelben allent⸗ halben dienen, ſie auf allen ihren Wegen behüten und wie eine Wagenburg um⸗ ringen, damit ſie von des Teufels Tyrannei und der Welt Bosheit nicht mögen beleidigt werden. Wir bitten dich von Herzen, du wolleſt uns durch deinen heiligen Geiſt im rechten Glauben und wahrhaftigen Gehorſam deines Willens erhalten, auf daß wir in der Beſchützung deiner lieben Engel ſein und bleiben und durch ſie allenthalben be— friedigt, allenthalben, an Leib und Leben, Haus und Hof, Weib und Kindern, und was wir ſonſt auf Erden haben, Tag und Nacht ſicher leben mögen, um deines lieben Sohnes Jeſu Chriſti, unſers Herrn willen. Amen. Reformationsfeſt. err Jeſu Chriſte, 20. H der du in de Welt gekommen biſt, die Sünder zur Buße zu rufen und alle Menſchen zu erleuchten zum ewigen Leben, ich preiſe dich von Herzen und danke deiner großen Güte und Barmherzig⸗ keit, daß du nicht allein an dieſem Ort und in dieſer Kirche und Gemeinde mit Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. 487 deinem göttlichen Worte und heiligen Sakramenten einge⸗ kehret und hingegen den Sauer⸗ teig der päpſtlichen Lehre und Abgötterei ausgefegt, ſondern daß du auch mich armen Sünder aus dem Reiche der Finſternis erlöſet, zu dem Licht des heiligen Evangelii berufen und in das Reich deiner Gnaden verſetzet haſt Ach, Herr Jeſu, ich und dieſe ganze Gemeine ſind zu geringe deiner Güte und Treue. Ich bitte dich aber mit demütigem Herzen, du wolleſt mit deiner Gnade, göttlichem Wort und heiligen Sakramenten ferner bei uns in dieſer deiner Kirche bleiben, daß dein heiliger Name von uns erkannt, allein gefürchtet und geehrt werde, und wir alle nach deinem göttlichen Wohlgefallen leben und dir dienen. Was wir aber wider dich und dein heiliges Wort Böſes gethan, da wir dem Evangelium nicht gehorſam geweſen ſind, das wolleſt du, gütigſter Jeſu, uns aus Gnaden vergeben und um unſrer Sünden willen dieſen ſeligmachenden Schatz uns nicht entziehen, ſondern bei uns und unſern Nach— kommen unverfälſcht erhalten. Ach ja, Herr Jeſu, erhalte uns dein Wort, denn es iſt ja unſers Herzens Freude und Troſt. Beſchütze und bewahre uns auch und deine ganze 488 chriſtliche Kirche licher Lehre. Wehre allen . Verfolgern und äſterern, und ſei unſre Zu⸗ verſicht und Stärke, unſer Schirm und Schild, daß die Pforten der Hölle uns nicht überwältigen. Abſonderlich bitte ich dich, mein Heiland, daß du bei mir und in dem Hauſe meines Herzens wolleſt einkehren, mich durch deinen heiligen Geiſt erleuchten, mein Herz reinigen und Gnade geben, daß ich würdiglich dem Evangelio wandle und in der einmal erkannten und bekann⸗ ten Wahrheit bis an mein Ende verharre. O Herr Jeſu, laß du meiner Seele dein Heil widerfahren, daß ich durch dich ſelig werden und in deinem Reiche dich und deine große Herrlichkeit ewiglich ſehen möge. Amen. Totenfeſt. 21 Da treuer Heiland, „ Herr Jeſu Chriſte, wir danken dir von ganzem Herzen, daß du den Tod, die⸗ ſen mächtigen Feind, über⸗ wunden und ihn für diejenigen, die an deinen Namen glau⸗ ben, in einen ſüßen Schlaf verwandelt haſt. Ach Herr, du ſieheſt und kenneſt unſre Seelen, du weißt es, ob noch eine geheime Furcht vor dem Tode oder ob ein Verlangen Gebete für Feſttage und Feſtzeiten. vor allem Irrtum, falſcher und ſchäd⸗ nach der Auflöſung unſres Leibes und nach der ewigen Verherrlichung in unſerm Herzen ſich befinde. Du weißt es, ob unſer Herz noch hän⸗ get an den eitlen Dingen die⸗ ſer Welt und ob wir noch einen heimlichen Wunſch und Verlangen in unſerm Herzen haben, noch länger der eitlen Welt zu genießen, oder ob wir derſelben von ganzem erzen müde und überdrüſſig ſind und uns ſehnen nach dei⸗ nem himmliſchen Reiche, in welchem iſt Freude die Fülle und liebliches Weſen zu dei⸗ ner Rechten ewiglich. Darum wolleſt du denn alles, was unſern Tod ein⸗ mal unſelig machen kann, aus dem Wege räumen, du wolleſt uns aus dem Reiche der Fin⸗ ſternis durch eine wahre Be⸗ kehrung in dein Gnadenreich verſetzen, aus welchem man allein in dein himmliſches Reich übergehen kann. Du wolleſt uns befreien von der Schuld und Herrſchaft der Sünde und dieſes große Uebel in unſern Seelen immer mehr entkräften und ſchwächen, ja töten, und uns recht begierig machen, von demſelben völlig befreit zu werden. Regiere uns deshalb mit deinem hei⸗ ligen Geiſte, daß wir, einge⸗ denk unſres künftigen Todes, der Welt und ihren Lüſten abſterben, lehre uns bedenken, Buß⸗, Beicht⸗ und Kommuniongebete. 489 daß wir ſterben müſſen, auf daß von aller Furcht, ſiegreich wir klug werden, und bewahre überwinden, und deine Herr⸗ uns vor dem Betruge des Sa- lichkeit ſehen zu deinem ewigen tans und des Fleiſches, damit Preiſe, Hilf uns dazu, Herr wir unſre Buße nicht auf-Jeſu, und laß uns alſo leben ſchieben. Und wenn unſer letztes im Herrn, daß wir auch im Stündlein kommt, ſo laß deine Herrn ſterben können, um dei⸗ Gnade ſich zu uns nahen, daß nes Todes, aber auch um dei⸗ wir durch dein Blut gereinigt ner ſiegreichen Auferſtehung von allen Sünden, durch den willen. Amen. Troſt deines Geiſtes befreit IV. Buß⸗, Beicht⸗ und Kommuniongebete. Du wolleſt nicht gedenken der Sünden unſrer Jugend, noch 1 Bauhernger, ewiger aller unſrer Uebertretung, * Gott und Vater unſers ſondern vielmehr eingedenk Dinm Jeſu Chriſti, Herr ſein deiner grundloſen Barm⸗ immels und der Erden: wir herzigkeit. Ach Vater und arme elende Sünder bekennen Herr! ſtrafe uns nicht in dei— vor deinem allerheiligſten nem Zorn, züchtige uns nicht Angeſichte, daß wir leider mit in deinem Grimm. Ach Herr, unſern Vätern geſündigt, daß ſei uns gnädig, verſtoß uns wir mißgehandelt und gott- nicht von deinem Angeſicht los geweſen mit unſern viel-⸗und laß es nicht mit uns gar fältigen, ſchweren Sünden, aus ſein, ſondern wie ſich ein auch deinen gerechten Zorn Vater über ſeine Kinder er⸗— und allerlei Strafen, ja den barmet, ſo erbarme dich auch endlichen Untergang gar wohl über uns. Erweiſe uns deine verdienet haben. Solche unſre wunderbare Güte, du Heiland begangenen Sünden aber reuen derer, die auf dich hoffen, und uns von Herzen; und weil laß unſer Angeſicht nicht zu du unſer aller Vater und Schanden werden. Sei du liebreicher Gott biſt, der du unſre Hülfe in den großen dich in deinem Worte alſo Nöten, die uns betroffen. Ach erklärt haſt: So wahr als ich Herr Gott Zebaoth, ſei du lebe, ich habe keinen Gefallen mit uns; ach Gott, ſei du am Tode des Gottloſen! ſo unſer Gott! Mache dich auf, fliehen wir zu deiner brünſti- zu richten und hilf allen Elen⸗ en und herzlichen Barm-den und Bedrängten auf Er- herzigheit mit demütiger Bitte: den. Geſtatte ja nicht, getreuer Am Bußtage. 490 Buß-⸗, Beicht⸗ und Kommuniongebete. Gott und Vater, daß dein Weinberg, den du unter uns Gebet um Vergebung der gepflanzet haſt, vernichtet Sünden. werde. Stehe auf, Herr, und hilf uns mit deiner ſtarken 2. Lune 10 be im Him⸗ Hand und deinem allmächti⸗ I ich dein armes Kund komme vor dein heiliges 18 WUen, 25 Weſen Angeſicht getreten; aber ich nd allen anderen Landen, in darf meine Aug en nicht auf⸗ welchen du mit deinem Worte deine Wohnung haſt. O lieber Di h ſondern m mich vor Herr und Gott, ſei und bleibed ir ſchämen, daß ich dich, dei uns, unter uns. Stärke meinen Gott, Schöpfer und und erweitere dein Reich, das Vater, ſo oftmals erzürnethabe, 2 nicht allein durch die argen du aufgerichtet, denn es iſt—— dein Wert Erhalte uns und Gedanken und böſen Begierden meines Heszens— ach nein, unſre lieben Nachkommen bei d lieb Limmel reiner und geſunder Lehre 39214 Worndite 4.— erteh ů ünſchtem Trie meir ges ge es un gewünſchtem Frieden. Verderben iſt roſtehar gnen Verſchone unſer, o treuer Gott den: ſch habe dein vertehrten V Muf⸗ 0 te nn und Eurdnem, Minn böſen Willen meines Fleiſches auch mit Mund und Hand N lenz und anderen gefährlichen. —— He te Seuchen. Wende ab alle Teu⸗DGehorſam geleiſtet und mich 93—60— 7 it Worte We 2— erung, Mißwachs, ſchädliche fuern de⸗ I 25 Witterung und andere Plagen ſündigt; denn ich bin leider erleuchte unſre Herzen, daß zu dem Guten träge und zum wir rechtſchaffne, wahre Buße Boſen hurtig. thun, wiſſentliche und vorſätz. Darum, wenn du wollteſt liche Sünden fliehen und mei- mit mir handeln nach meinem den, hingegen dich und dein Verdienſt, müßte ich in Ewig⸗ heiliges Wort ſtets vor Augen keit ein Kind des Todes und haben und alſo dem wohlver⸗ der Verdammnis Uledn, Aber dienten Verderben zeitlich und lieber Herr Gott und Vater, ewiglich entgehen mögen. Das ich tröſte mich deiner großen alles wolleſt du thun, o treuer Barmherzigkeit und Gnade, A Gott und Vater, denn du ſprichſt:„So wahr ich um des teuren Verdienſtes lebe, ich will nicht den Tod und der kräftigen Fürbitte dei⸗ des Sünders, ſondern daß er nes geliebten Sohnes Jeſu ſich bekehre.“ So haſt du mir Chriſti, unſers Herrn und Hei⸗ auch deineneingeborenen Sohn, landes willen. Amen. meinen lieben Herrn Jeſum Chriſtum zu einem Heiland und Seligmacher geſchenkt, der mich mit ſeinem teuern Blute von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels erlöſet hat. Um ſei⸗— netwillen, mein lieber himm⸗ liſcher Vater, ſei mir gnädig und tilge meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Schaffe in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen, ge⸗ wiſſen Geiſt, verwirf mich nicht von deinem Angeſicht und nimm deinen heiligen Geiſt nicht von mir. Daran will ich erkennen, daß du mein Vater biſt, und ich dein Kind durch Jeſum Chriſtum. Amen. Allgemeine Beichte. 3 llmächtiger Gott, barmherziger Vater, ich armer, elender, ſündiger Menſch bekenne dir alle meine Sünde und Miſſethat, damit ich dich jemals erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewig⸗ lich verdient habe. Sie ſind mir aber alle herzlich leid und reuen mich ſehr, und ich bitte dich um deiner grundloſen Barmherzigkeit und um des unſchuldigen, bittern Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jeſu Chriſti willen, du wolleſt mir armen, ſünd⸗ Buß⸗, Beicht- und Kommuniongebete. 491 haften Menſchen gnädig und barmherzig ſein, mir alle meine Sünden vergeben und mir zu meiner Beſſerung deines Geiſtes Kraft und Beiſtand verleihen. Amen. ö Nach der Beichte. ſch liebſter Herr Jeſu, 4. A ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du mir armen Sünder durch den Diener deines Wortes abermals die gnädige Ver⸗ gebung meiner Sünden haſt ankündigen laſſen. Siehe, um Troſt war mir ſehr bange; du aber haſt dich meiner Seele herzlich angenommen, daß ſie nicht verdürbe; denn du wirfſt alle meine Sünde hinter dich zurück. Ach, verleihe mir nun auch ferner deine Gnade, daß ich nach meiner Zuſage möge an⸗ fangen frömmer zu werden. Schaffe doch du, o Gott, in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewiſſen Geiſt; verwirf mich nicht von deinem Angeſicht und nimm deinen heiligen Geiſt nicht von mir; tröſte mich wieder mit deiner Hülfe und der freudige Geiſt erhalte mich. Ach laß mich doch ablegen nach dem vorigen Wandel den alten Menſchen, der durch 492 Buß⸗, Beicht⸗ und Lüſte in Irrtum ſich verderbet, und laß mich hingegen er⸗ neuert werden im Geiſt meines Gemüts und anziehen den neuen Menſchen, der nach Gott geſchaffen iſt in recht⸗ ſchaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Laß mich ablegen Zorn, Grimm, Bosheit, Läſte⸗ rung und ſchandbare Worte. Laß mich töten alles, was der Erde angehört, alle Unreinig⸗ keit, böſe Luſt und den Geiz, Hin⸗ welcher iſt Abgötterei. gegen was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keuſch, was lieblich, was wohl lautet, iſt etwa eine Tugend, iſt etwa ein Lob, dem laß mich nach⸗ denken. Gieb, daß ich ver⸗ leugne das ungöttliche Weſen und die weltlichen Lüſte, und züchtig, gerecht und gottſelig lebe in dieſer Welt und warte auf die ſelige Hoffnung und Erſcheinung deiner Herrlich— keit, um deines allerheiligſten Namens willen. Amen. Vor dem heiligen Abend⸗ mahle. 5 O Herr, ob ich zwar * nicht würdig bin, daß du in mein Herz eingehſt, ſo bin ich doch bedürftig deiner Hülfe und begierig deiner Gnade, daß ich möge fromm und ſelig werden. Nun komme ich in keiner Kommunionsgebete. andern Zuverſicht, denn auf dein Wort, da du ſelbſt mich zu dieſem Tiſch ladeſt und ſagteſt mir Unwürdigem zu, ich ſolle Vergebung der Sünden haben durch deinen Leib und Blut, ſo ich eſſe und trinke in dieſem Sakra⸗ mente. O lieber Herr, ich weiß, daß deine göttliche Zu⸗ ſage und Worte wahrhaftig ſind, daran zweifle ich nicht, und darauf eſſe und trinke ich. Mir geſchehe nach deinen Worten. O Herr Jeſu, ver⸗ einige dich mit mir, auf daß ich bleibe in dir und du in mir, und ich von dir unge⸗ ſchieden ſei hier zeitlich und dort ewiglich. Dein heiliger Leib, Herr Jeſu Chriſte, ſpeiſe mich, dein Blut tränke mich, dein bitter Leiden und Ster⸗ ben ſtärke mich.— Jeſu Chriſte, erhöre mich; in deine heiligen Wunden verberge ich mich; laß mich von dir nim⸗ mermehr abgeſchieden werden. Vom böſen—10 errette mich, im wahren Glauben erhalte mich, auf daß ich dich ſamt allen Auserwählten lobe und preiſe hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Bei Empfahung des Leibes Chriſti. 6. ei mir willkommen, du ſüßer Herr Jeſu Buß⸗, Beicht⸗ und Chriſte! mit der edlen Speiſe deines allerheiligſten Leibes, welchen du für mich in den bittern Tod begeben haſt. Das laß mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. Bei Empfahung des Blutes Chriſti. 7 Sei mir willkommen, * du ſüßer Herr Jeſu Chriſte! mit dem edlen Tranke deines teuren Blutes, welches du für mich vergoſſen zur Vergebung meiner Sünden. Das laß mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. Dankſagung nach dem heili⸗ gen Abendmahle. ket d 8. em Herrn, ö denn er iſt freund⸗ lich und ſeine Güte währet ewiglich. Hallelujah! Ich danke dir, allmächtiger Gott, himmliſcher Vater, daß du mich durch dieſe heilſame Gabe des wahren Leibes und Blutes deines Sohnes er⸗ quicket haſt, und bitte deine grundloſe Barmherzigkeit, daß du mir ſolches gedeihen laſſeſt zu ſtarkem Glauben an dich und zu brünſtiger Liebe gegen meinen Nächſten durch den⸗ ſelben deinen Sohn, Jeſum Chriſtum, unſern Herrn, der Kommunionsgebete. 493 mit dir in Einigkeit des hei⸗ legen Geiſtes lebet und herr⸗ ſchet, wahrer Gott immer und ewiglich. Amen. Gebet eines Kranken vor dem heiligen Abendmahl. 9 tarker Gott! meine * Nraft iſt ſchwach; ich eile aber zu dir, meinem Arzte. Nimm dich meiner Seele herzlich an, hernach er⸗ barme dich auch meines kran⸗ ken Leibes. Ich habe wider dich geſündigt, darum mußte ich dem Arzt in die Hände fallen; aber ſtrecke deine Hand aus zu mir, ſo werde ich von meinem Falle wieder aufſtehen. Ich leide Not, lindre mir's. Mein Herz bebt, ſtärke mich. Es iſt nichts Geſundes an meinem Leben, es iſt nichts Reines an meiner Seele, es iſt nichts Gutes in meinem Fleiſche, es iſt kein 3 05 in meinen Gebeinen. Heile du mich, Herr, ſo werde ich heil; hilf du mir, ſo iſt mir ge⸗ holfen. Habe ich Gnade ge⸗ funden vor deinen Augen, ſo gehe nicht an deinem Knechte vorüber. Ich bringe dir einen kranken Leib, gieb du mir eine geſunde Seele. Wie der Hirſch ſchreiet nach friſchem Waſſer, ſo ſchreiet meine Seele, Gott, zu dir. Vergieb mir nur meine Sünde und als⸗ 494 Buß⸗, Beicht⸗ und Kommuniongebete. dann gieb mir Leben oder Gebet eines Kranken nach Tod, ſo muß mir alles zum IIi beſten dienen. Herr Ven dem heiligen Abendmahl. dein Leib und Blut ſei eine chh danke dir, mein Arzenei meiner Seele. Lebe 88 himmliſcher Vater, ich, ſo iſt es eine Kraft des daß du mich mit dem wahren neuen Lebens. Sterbe ich, Leibe und Blute deines lieben ſo iſt es ein Zehrpfennig in Sohnes, meines Heilandes ein anderes Leben. Heiliger und Erlöſers Jeſu Chriſti, Geiſt, ſeufze du das Abba in an meiner ſündigen Seele meinem Herzen, wenn mir geſpeiſt und getränkt haſt und die Worte ſterben in meinem bitte dich, barmherziger Gott Munde. Zeige mir nichts und getreuer Vater, du wolleſt als Jeſu Wunden, darein mir ſolches gedeihen laſſen zu will ich mich verbergen. Wenn ſtarkem Glauben gegen dich, mein Geiſt in Aengſten iſt‚, zu brünſtiger Liebe gegen ſo gieb mir Zeugnis, daß ich meinen Nächſten und zu wah⸗ Gottes Kind. Kündigt mir rer chriſtlicher Geduld in das Geſetz den Tod an, ſo dieſer meiner Krankheit, daß predige du mir das ewigeſich durch die Stärke deines Leben in Chriſto. Ich laſſe heiligen Geiſtes in dieſem mir an deiner Gnade genügen, meinem Bekenntnis bis ans die in dem Schwachen mäch-⸗Ende erhalten werde und mit tig iſt. Machſt du mich, allen lieben Auserwählten mein Gott, geſund, ſo will durch meinen Herrn Jeſum ich dir lebenslang dafür danken. Chriſtum, deſſen Leib und Soll aber dies der letzte Weg Blut ich mit Mund und Her— in der Welt ſein, ſo führe zen empfangen habe, nach mich bald dahin, wo ich ewig dieſem Leben möge einnehmen geſund bin. Alles nach dei-und beſitzen die Freude des nem Willen! Amen. ewigen Lebens. Amen. V. Die Geſchichte des Leidens und Sterbens unſers Herrn und Heilandes Jeſu Chriſti, nach den vier Evangeliſten geordnet für die Paſſionszeit. Erſtes Hauptſtück. Das Oſterlamm. Mel. Liebſter Jeſu, wir ſind hier. Meine Seel', ermuntre dich, Deines Jeſu Lieb' bedenke; Wie er für dich giebet ſich, Darauf deine Andacht lenke. Ach erwäg' die große Treue, Und dich deines Jeſu freue. Urn Herr Jeſus hatte den Land und Leute.— Einer Lazarus in Bethanien, den aber unter ihnen, Kaiphas, der Bruder der Martha und der Maria auferweckt. Viele nun der Juden, die zu Maria ge— kommen waren, und ſahen, was Jeſus that, glaubten an ihn. Etliche aber von ihnen gingen hin zu den Phariſäern und ſagten ihnen, was Jeſus ge⸗ than hatte. Da verſammelten die Hohenprieſter und die Pha⸗ riſäer einen Rat und ſprachen: Was thun wir? Dieſer Menſch thut viele Zeichen. Laſſen wir ihn alſo, ſo werden ſie alle an ihn glauben. So kommen dann die Römer und nehmen uns desſelbigen Jahres Hoherprieſter war, ſprach zu ihnen: Ihr wiſſet nichts, bedenket auch nichts; es iſt uns beſſer, ein Menſch ſterbe für das ganze Volk, denn daß das ganze Volk verderbe.— Solches aber redete er nicht von ſich ſelbſt, ſondern dieweil er desſelbigen Jahres Hoher⸗ prieſter war, weisſagte er; denn Jeſus ſollte ſterben für das Volk und nicht für das Volk allein, ſondern daß er die Kinder Gottes, die zerſtreut waren, zuſammenbrächte. Von dem Tage an ratſchlagten 496 sie, wie sie ihn töteten. sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, daß nicht ein Aufruhr von werde im Volke! Jesus aber wandelte nicht mehr frei unter den Juden, sondern ging von dannen in eine Gegend nahe bei der Wüste in eine Stadt, genannt Ephrem, und hatte sein Wesen daselbst mit seinen Jüngern.— Es war nahe die Ostern der Juden; und es gingen viele hinauf gen Jerusalem aus der Gegend vor den Ostern, daß sie sich rei⸗ nigten. Da standen sie und fragten nach Jesu und redeten mit einander im Tempel: Was dünkt euch, daß er nicht kommt auf das Fest?— Es hatten aber die Hohenpriester lassen ein Gebot ausgehen, so jemand wüßte, wo er wäre, daß er es anzeigte, daß sie ihn griffen. „Siehe, ich komme, im Buche ist von mir geschrieben.“ Psalm 40, 8 Mel. An Wasserflüssen Babylon. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder; Es geht und träget in Geduld Die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und krank, Ergiebt sich auf die Würgebank, Eutzieht sich allen Freuden; Es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: Ich will's gern leiden! Sechs Tage vor Ostern kam Sie zarus war, Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. der Verstorbene, welchen Jesus auferwecket hatte den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl jim Hause Simons des Aus⸗ sätzigen, und Martha dienete; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe vonungefälschter, köstlicher Narde, trat zu ihm und zerbrach das Glas mit dem Nardenwasser und goß es auf sein Haupt, da er zu Tische saß, und salbte seine Füße und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. — Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simons Sohn, Ischariotes, der ihn hernach verriet: Was soll doch dieser Unrat? Warum ist diese Salbe nicht verkauft um drei⸗ hundert Groschen und den Armen gegeben?— Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward.— Und etliche der andern Jünger wurden auch unwillig und murreten über sie. Da sprach Jesus: Lasset sie in Frieden; was bekümmert ihr das Weib? Solches hat sie behalten zum Tage meines Begräbnisses; denn daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen, hat sie gethan, daß man mich begraben Jesus nach Bethanien, da La-wird und ist zuvor gekommen. Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. meinen Leichnam zu ſalben zu meinem Begräbnis. Sie hat ein gutes Werk an mir gethan; denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit bei euch.— Wahrlich, ich ſage euch: Wo dies Evan⸗ gelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch ſagen zu ihrem Gedächtnis, was ſie gethan hat. Mel. Nun ruhen alle Wälder. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und ſehr; Was Leib und Seel' vermögen, Das ſoll ich billig legen Allzeit an deinen Dienſt und Ehr'! Es war aber nahe das Feſt der ſüßen Brote, das da Oſtern heißet. Und ſprach Jeſus zu ſeinen Jüngern: Ihr wiſſet, daß nach zween Tagen Oſtern wird, und des Menſchen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuzigt werde. Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt Iſchariot, der da war aus der Zahl der Zwölfe. Und er ging hin und redete mit den Hohenprieſtern und Hauptleuten, daß er ihn verriete und ſprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Da ſie das höreten, wurden ſie froh und ſie boten ihm dreißig Silberlinge, und er verſprach ſich. Und von dem an ſuchte er Gelegenheit, daß er ihn über⸗ antwortete ohne Rumor. 497 ö Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Ach mein Jeſu, welch Verderben Wohnet nicht in meiner Bruſt; Denn mit andern Adamserben Bin ich voller Sündenluſt. Ach ich muß dir nun bekennen: Ich bin Fleiſch vom Fleiſch zu nennen. Lehr' mich wachen, beten, ringen Und mein böſes Fleiſch und Blut Unters Joch des Geiſtes zwingen, Weil es doch thut nimmer gut; Was nicht kann dein Reich ererben, Laß in deinem Tod erſterben! Aber am erſten Tage der ſüßen Brote, auf welchen man opfern mußte das Oſterlamm, traten die Jünger zu ihm und ſprachen zu ihm: Wo willſt du, daß wir hingehen und dir bereiten das Oſterlamm? Und er ſandte Petrus und Johannes und ſprach: Gehet hin in die Stadt; ſiehe, wenn ihr hinein⸗ kommt, wird euch ein Menſch begegnen, der trägt einen Waſſer⸗ krug; folget ihm nach in das Haus, da er hingeht und ſaget dem Hauswirt: Der Meiſter läßt dir ſagen, meine Zeit iſt herbeigekommen; ich will bei dir Oſtern halten; wo iſt das Gaſt⸗ haus, darinnen ich das Oſter⸗ lamm eſſen möge mit meinen Jüngern? Und er wird euch einen großen, gepflaſterten Saal zeigen; daſelbſt bereitet es.— Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen geſagt hatte, und bereiteten das Oſterlamm. Eigene Melodie. Schmücke dich, o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle, 32 498 Komm ans helle Licht gegangen; Fange herrlich an zu prangen. Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg' in dir halten. Und am Abend kam er und setzte sich zu Tische mit den zwölf Aposteln. Da erhob sich ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den größe⸗ sten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen und die Ge⸗ waltigen heißt man gnädige Herren; ihr aber nicht also, sondern der größeste unter euch soll sein, wie der jüngste, und der vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der größeste? Der zu Tische sitzet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid es, die ihr be⸗ harret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat: daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reiche und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels. Und nun, vor dem Feste der Ostern(unmittelbar vor dem Beginn des Passahmahles), da Jesus wußte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater, wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. liebete er sie bis ans Ende; und da das Abendessen vor⸗ handen war, da schon der Teufel hatte dem Judas Ischariot ins Herz gegeben, daß er ihn ver⸗ riete, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war, und zu Gott ging, stand er vom Abend⸗ mahl auf, legte seine Kleider ab, und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er um⸗ gürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? — Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren.— Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.— Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 499 Mel. Herr u. Aelt'ſter deiner Kreuzgemeinde. Wi er liebt die Seinen bis ans Ende üßte ſie gern alle rein, Streckt zu ihnen aus die heil'gen Hände, Reinigt ſie, ſein Volk zu ſein. Herr und Meiſter du, an den ich glaube, Waſch auch mich von jedem Erden⸗ ſtaube, Und an Lieb' und Demut reich Mach' mein Herz dem deinen gleich. Da er nun ihre Füße gewaſchen hatte, nahm er ſeine Kleider und ſetzte ſich wieder nieder und ſprach abermals zu ihnen: Wiſſet ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meiſter und Herr, und ſaget recht daran, denn ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meiſter, euch die Füße ge⸗ waſchen habe, ſo ſollt ihr auch euch untereinander die Füße waſchen. Ein Beiſpiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahr⸗ lich, wahrlich, ich ſage euch: Der Knecht iſt nicht größer,‚ als ſein Herr, noch der Apoſtel rößer, denn der ihn geſandt bd5e hn geſ Dir nicht aus dem Sinn entfallen. hat. So ihr ſolches wiſſet, ſelig ſeid ihr, ſo ihr es thut. Mel. Wenn meine Sünd' mich kränken. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächſten lieben, Gern dienen jedermann Ohn Eigennutz und Heuchelſchein Und wie du mir erwieſen, Aus reiner Lieb allein. Nicht ſage ch von euch allen; ich weiß, welche ich erwählet habe; ſondern daß die Schrift „erfüllet werde: Der mein Brot iſſet, der tritt mich mit Füßen. Jetzt ſage ich's euch, ehe denn es geſchieht, auf daß, wenn es geſchehen iſt, ihr glaubet, daß ich es bin. Und Jeſus ſprach zu ihnen, Mich hat herzlich verlanget, dies Oſterlamm mit euch zu eſſen, ehe denn ich leide; denn ich ſage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon eſſen werde, bis daß es erfüllet werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankte und ſprach: Neh⸗ met denſelbigen und teilet ihn unter euch; denn ich ſage euch: Ihr werdet nicht trinken von dem Gewächs des Weinſtockes bis das Reich Gottes kommt. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. Herr, dein herzliches Verlangen, Da du in den Tod gegangen, Mit den Deinen dich zu letzen Und dein Nachtmahl einzuſetzen, Dringt auch mich zum Tiſch der Gnaden; Du haſt mich auch eingeladen, Denn auch ich bin unter allen Mich verlangt nach dieſer Speiſe, Noch eh' ich von hinnen reiſe; Mich verlangt von dieſem Tränken, Eh' man mich ins Grab wird ſenken Denn iſt Jeſu Leib und Leben, Iſt ſein Blut mir auch gegeben, Wird mein Leib im Auferſtehen Seinem Leibe ähnlich ſehen. Da Jeſus ſolches geſagt hatte, und indem ſie aßen, ward er betrübt im Geiſte und zeugete 500 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. und ſprach: Wahrlich, wahrlich, wer iſt einer unter euch — Da ich ſage euch, wird mich verraten. ſahen ſich die Jünger unter einander an und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und ſie wurden ſehr betrübt und hoben an, ein jeglicher unter ihnen, und ſagten zu ihm einer nach dem andern: Herr, bin ich's? Mel. Zeuch meinen Geiſt. ⁰ fühle wohl, daß ich dich liebe Und mich in deinen Wegen übe; Nur iſt von der Unlauterkeit Die Liebe noch nicht ganz befreit. Ich muß noch mehr auf dieſer Erden Durch deinen Geiſt gebeultgi werden, Der Sinn muß tiefer in dich gehn, Der Fuß muß unbeweglich ſtehn. Er antwortete und ſprach: Der mit der Hand mit mir in die Schüſſel taucht, der wird mich verraten.— Des Menſchen Sohn geht zwar dahin, wie von ihm geſchrieben ſteht; doch wehe dem Menſchen, durch welchen des Menſchen Sohn verraten wird! Es wäre ihm beſſer, daß derſelbige Menſch noch nie geboren wäre! Es war aber einer unter ſeinen Jüngern, der zu Tiſche ſaß an der Bruſt Jeſu, welchen Jeſus lieb hatte. Dem winkte Simon Petrus, daß er forſchen ſollte, wer es wäre, von dem er ſagte; denn derſelbige lag an der Bruſt Jeſu und ſprach zu ihm; Herr, es? Und Jeſus ant⸗ wortete: Der iſt es, dem ich den Biſſen eintauche und gebe. Und er tauchte den Biſſen ein und gab ihn dem Judas Iſcha⸗ riot. Und nach dem Biſſen fuhr der Satan in ihn. Da antwortete Judas, der ihn ver⸗ riet: Bin ich's, Rabbi? Er ſprach zu ihm: Du ſagſt es. Was du thuſt, das thue bald. Dasſelbige aber wußte niemand über dem Tiſche, wozu er es ihm ſagte. Etliche meinten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jeſus ſpräche zu ihm: Kaufe, was uns not iſt auf das Feſt; oder daß er den Armen etwas gäbe. Mel. Meinen Jeſum laß ich nicht. O Herr, habe Acht auf mich, Daß ich nicht verloren gehe; Hab' ich doch gekoſtet dich Viele Müh' und Arbeitswehe; Drum wär' um ſo größre Pein, Doch verloren einſt zu ſein. Da ſie aber aßen(in der Nacht, da er verraten ward), nahm der Herr Jeſus das Brot, dankete, brach es und gab es den Jüngern und ſprach: Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib, der für euch gegeben wird; ſolches thut zu meinem Gedächtniß. Desſelbigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abend⸗ mahl, dankete, gab ihnen den und ſprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieſer Kelch iſt das neue Teſtament in Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 501 meinem Blut, das für euch und für viele vergoſſen wird zur Vergebung der Sünden; ſolches thut, ſo oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtniß. Doch ſiehe die Hand meines Verräthers iſt mit mir über Tiſche. Mel. Wie ſchön leuchtet der Morgenſtern. Herr Jeſu, dir ſei Preis und Dank Für dieſe Seelenſpeiſ' und Trank, Damit du uns begabet! Im Brot und Wein dein Leib und Blut Kommt uns wahrhaftig wohl zu gut Und unſre Herzen labet. Daß wir— in dir Und nach allem Wohlgefallen heilig leben, Solches wolleſt du uns geben. Da nun Judas den Biſſen ge⸗ nommen hatte und nachdem ſie den Lobgeſang geſprochen hatten, ging er ſobald hinaus, und es war Nacht. Da er aber hinausgegangen war, ſpricht Jeſus: Nun iſt des Menſchen Sohn verkläret und Gott iſt verkläret in ihm; ſo wird Gott ihn auch verklären in ihm ſelbſt und wird ihn bald verklären. Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich ſuchen; und wie ich zu den Juden ſagte, wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hin⸗ kommen. Und ich ſage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger ſeid, ſo ihr Liebe unter ein⸗ ander habt. Mel. Nun ſich der Tag geendet hat. Der du noch in der letzten Nacht, Eh' du für uns erblaßt, Den Deinen von der Liebe Macht So ſchön gepredigt haſt: Erinnre deine kleine Schaar, Die ſich ſonſt leicht entzweit, Daß deine letzte Sorge war Der Glieder Einigkeit! Mel. Herz und Herz vereint zuſammen. Ach du holder Freund, vereine Daß dir geweihte Schaar, Daß ſie ſichf ſo herzlich meine, Wie's dein letzter Wille war. Ja, verbinde in der Wahrheit, Die du ſelbſt im Weſen biſt, Alles, was von deiner Klarheit In der That erleuchtet iſt. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo geheſt du hin? Jeſus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannſt du mir diesmal nicht folgen; aber du wirſt mir hernachmals folgen.— Petrus ſpricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht fol⸗ gen?— Der Herr aber ſprach: Simon, Simon, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte ſichten, wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleins dich bekehreſt, ſo ſtärke deine Brüder. — Petrus aber ſprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängniß und in den Tod 502 Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. zu gehen; ich will mein Leben Da nun Jesus das, was für dich lassen. Jesus ant-Joh. 14, 15, 16, 17 geschrie⸗ wortete ihm: Solltest du dein ben steht, geredet hatte, gingen Leben für mich lassen? Wahrlich, sie hinaus an den Oelberg. Da wahrlich, Petrus, ich sage dir: sprach Jesus zu ihnen: In die⸗ der Hahn wird heute nicht krähen, ser Nacht werdet ihr euch alle ehe denn du dreimal verleugnet ärgern an mir; denn es stehet hast, daß du mich kennest. geschrieben: Ich werde den Hir— ten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Gali— läa. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich auch alle an dir ärgerten, so will ich doch mich nimmermehr ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir: In die— ser Nacht, ehe der Hahn krähet, Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel und ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigengleichen auch die Tasche. Wer aber nicht hat, ver⸗ kaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch voll- nen. ach zu. e. Und wenn ich mit dir sterben endet werden an mir, das g wirst du mich dreimal verleug— Petrus sprach zu ihm: schrieben stehet: Er ist unter müßte, so will ich dich nicht die Uebelthäter gerechnet. Denn verleugnen. Desgleichen sagten was von mir geschrieben ist, auch alle Jünger. das hat ein Ende.— Sie Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme— sprachen aber: Herr, siehe, hier Rüstet euch, ihr Christenleute, sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. Mel. Seelenbräutigam. Wenn der Willen Macht In der trüben Nacht Die Feinde suchen euch zur Beute, Ja Satan selbst hat eu'r begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte Und kämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, Hier ist Immanuel. Will des Herzens Schifflein decken, Hosianna! Woll'st du deine Hand ausstrecken; Der Starke fällt Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! Durch diesen Held Und wir behalten mit das Feld— Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti 503 Zweites Hauptſlück. Vom geiſtlichen Leiden Chriſti am Oelberge. Jeſus aber ging nach ſeiner Gewohnheit mit ſeinen Jüngern über den Bach Kidron an den Oelberg und kam zu einem Hofe, der hieß Gethſemane. Da war ein Garten, darein ging Jeſus und ſeine Jünger. Judas aber, der ihn verriet, wußte den Ort auch; denn Jeſus verſammelte ſich oft daſelbſt mit ſeinen Jüngern. Eigene Melodie. O du Liebe meiner Liebe, Du erwünſchte Seligkeit, Die du dich aus höchſtem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens, mir zu gute, Als ein Schlachtſchaf eingeſtellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Miſſethat der Welt, Liebe, die mit Schweiß und Thränen An dem Oelberg ſich betrübt; Liebe, die mit Blut und Sehnen Unaufhörlich feſt geliebt; Liebe, die mit allem Willen Gottes Zorn und Eifer trägt, Den, ſo niemand konnte ſtillen, Hat dein Sterben hingelegt: Da ſprach Jeſus zu ihnen: Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe und bete. Und er nahm zu ſich Petrus und Ja⸗ kobus und Johannes, die zween Söhne des Zebedäus, und fing an zu trauern und zu zittern und zu zagen. Und ſprach zu ihnen: Meine Seele iſt betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir; betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß ſich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder und fiel auf ſein Angeſicht und betete, daß, ſo es möglich wäre, die Stunde vorüberginge, und ſprach: Abba, mein Vater, es iſt dir alles möglich, überhebe mich dieſes Kelches; doch nicht wie ich will, ſondern wie du willſt.— Und er kam zu ſeinen Jüngern und fand ſie ſchlafend und ſprach zu Petrus: Simon, ſchläfſt du? Vermagſt du denn nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet; der Geiſt iſt willig, aber das Fleiſch iſt ſchwach. Zum andern Mal ging er wieder hin, betete und ſprach: Mein Vater, iſt's nicht möglich, daß dieſer Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn, ſo geſchehe dein Wille. Und er kam und fand ſie abermal ſchlafend, und ihre Augen waren doll Schlafs und wußten nicht, was ſie ihm antworteten. Und er ließ ſie und ging abermals hin. Es erſchien ihm ——— aber ein Engel vom Himmel und ſtärkte ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es war aber ſein Schweiß wie Bluts⸗ tropfen, die fielen auf die Erde. Und er betete zum dritten Male dieſelbigen Worte und ſprach: Vater, willſt du, ſo nimm die⸗ ſen Kelch von mir; doch nicht mein, ſondern dein Wille ge⸗ ſchehe. Nel. der Litanei. Kyrie eleiſon! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Erbarme dich über uns. O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Erbarme dich über uns. O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, gieb uns deinen Frieden! Amen. Und er ſtand auf vom Ge⸗ det und kam zu ſeinen Jün⸗ gern und fand ſie ſchlafend vor Traurigkeit und ſprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun ſchlafen und ruhen? Was ſchlafet ihr? Es iſt genug; ſehet, die Stunde iſt gekommen, und des Men⸗ ſchen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände. Stehet auf, laßt uns gehen; ſiehe, der mich verrät, iſt nahe; betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet! 504 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. Unverhofft betrete; Denn es iſt Satans Liſt Ueber viele Frommen Zur Verſuchung kommen. Und alsbald, da er noch re⸗ dete, ſiehe, da kam Judas, der Zwölfen einer, nachdem er zu ſich genommen eine große Schar von Dienern der Hohenprieſter, Phariſäern, Aelteſten und Schriftgelehrten, und kommt da⸗ hin mit Fackeln, Lampen, Schwertern und Stangen und er ging zuvor der Schaar. Der Verräter aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und ge⸗ ſagt: Welchen ich küſſen werde, der iſt's, den greifet und führet ihn gewiß.— Und Judas nahete ſich Jeſu, ihn zu küſſen und alsbald trat er zu ihm und ſprach: Gegrüßet ſeiſt du, Rabbi, und küſſete ihn, Je⸗ ſus aber ſprach zu ihm: Mein Freund, warum biſt du kom⸗ men? Juda, verrätſt du des Menſchen Sohn mit einem Kuß? Da nun Jeſus wußte alles, was ihm begegnen ſollte, ging er heraus(d. h. trat er her⸗ vor) und ſprach zu ihnen: Wen ſuchet ihr? Sie antworteten ihm: Jeſus von Nazareth. Jeſus ſpricht zu ihnen: Ich bin's! Judas aber, der ihn verriet, ſtand auch bei ihnen.— Als nun Jeſus zu ihnen ſprach: Ich bin's! wichen ſie zurück und fielen zu Boden.— Da fragte er ſie abermal: Wen ſuchet Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 505 ihr? Sie aber ſprachen: Jeſus trinken, den mir mein Vater von Nazareth.— Jeſus ant⸗ gegeben hat? Wie würde aber wortete: Ich habe es euch ge⸗ ſagt, daß ich es ſei. Suchet ihr denn mich, ſo laſſet dieſe gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er ſagte: Ich habe deren keinen verlo⸗ ren, die du mir gegeben haſt. Mel. Ich dank', bir ſchon. Ach halt mich feſt mit deiner Hand, Daß ich nicht fall' noch weiche; 57 weiter durch der Liebe Band, is ich mein Ziel erreiche. Da traten ſie hinzu und legten die Hände an Jeſus und griffen ihn. Da aber ſahen, die um ihn waren, was da werden wollte, ſprachen ſie zu ihm: Herr, ſollen wir mit dem Schwerte drein ſchlagen?— Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und ſchlug nach des Hohenprieſters Knecht und hieb ihm ſein recht Ohr ab; und der Knecht hieß Malchus:— Jeſus aber ant⸗ wortete: Laſſet ſie doch ferner machen! Und er rührete ihm ſein Ohr an und heilete ihn. Und ſprach zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide: denn wer das Schwert nimmt, der ſoll durchs Schwert um⸗— kommen. Oder meineſt du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuſchickte mehr denn zwölf Legionen En⸗ gel? Soll ich den Kelch nicht dis Schrift erfüllet? Es muß alſo gehen. Mel. O Gott du frommer Gott. O hilf, daß wir uns auch Zum Kampf und Leiden wagen Und unter unſerer Laſt Des Kreuzes nicht verzagen; Hilf tragen mit Geduld Durch deine Dornenkron', Wenn's kommen ſoll mit uns Zum Blute, Schmach und Hohn. Zu der Stunde ſprach Je— ſus zu den Hohenprieſtern und Hauptleuten des Tempels und den Aelteſten, die über ihn kommen waren: Ihr ſeid als zu einem Mörder, mit Schwer⸗ tern und mit Stangen ausge⸗ gangen, mich zu fangen; bin ich doch täglich geſeſſen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr habt keine Hand an mich geleget. Aber das iſt eure Stunde und die Macht der Finſternis, und das iſt alles geſchehen, auf daß erfüllet wür⸗ den die Schriften der Prophe⸗ ten.— Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach; der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut; und die Jüng⸗ linge griffen ihn. Er aber ließ die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen. — 506 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. Mel. Zch ruf' zu bir, Herr Zeſu Chriſt. Kommt nun Anfechtung i, ſo wehr, Ich lieg' im Streit und widerſtreb', Daß ſie mich nicht umſtoße; Hilf, o Herr Chriſt, dem Schwachen! Du wirſt's machen, An deiner Gnad' allein ich kleb', Daß mir's nicht bring' Gefahr; Du kannſt mich ſtärker machen. Ich weiß, du wirſt's nicht laſſen Drittes Haupiſtück. Chriſti Leiden vor Kaiphas und dem Hohen Rate Die Schar aber und der hinein in des Hohenprieſters Oberhauptmann und die Diener Palaſt. Petrus aber ſtand der Juden nahmen Jeſus und draußen vor der Thür.— Da banden ihn und führten ihn ging der andere Jünger, der aufs erſte zu Hannas; der war é dem Hohenprieſter bekannt war, Kaiphas Schwäher, welcher des hinaus und redete mit der Jahres Hoherprieſter war. Es Thürhüterin und führte Petrus war aber Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Menſch würde umgebracht für das Volk. Und Hannas ſandte ihn gebunden zu dem Hohenprieſter Kaiphas, dahin alle Hohenprieſter und Schriftge— lehrten und Phariſäer ſich ver⸗ ſammelt hatten. Mel. Zion klagt mit Angſt und Schmerzen. Nun ſo wandre hin, mein Leben, O du Sündentilger, du, Der du für mich hingegeben, Auf daß ich erlangte Ruh'! Wandre hin, mein Jeſu Chriſt, Der du mein Erlöſer biſt; Wandre hin, o Held und ringe, Tod und Höllenmacht bezwinge. Simon Petrus aber folgte Jeſu nach von ferne und ein wo es hinaus wollte. Magd aber des Hohenprieſters, anderer Jünger bis in den Palaſt des Hohenprieſters. Der⸗ hinein. Es ſtanden aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, danieden mitten im Palaſt, denn es war kalt, und wärmeten ſich. Petrus aber ſtand auch bei ihnen und wärmete ſich, auf daß er ſähe, Die die Thürſteherin, ſahe Petrus bei dem Licht, da er ſich wärmete, und ſah eben auf ihn und ſprach: Und du wareſt auch mit dem Jeſu von Naza— reth aus Galiläa. Biſt du nicht auch dieſes Menſchen Jünger einer? Er leugnete aber vor allen und ſprach: Ich bin's nicht, ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du ſagſt.— ſelbige Jünger war dem Hohen-Und er ging hinaus in den prieſter bekannt und ging mit Jeſu Vorhof, und der Hahn krähete. —— ⏑ Mel. Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt'. Herr Jeſu, habe acht auf mich Und laß in meinem Leben Mich immer auch, mein Herr, auf i Und auf mich Achtung geben! Vor des Verſuchers Liſt und Macht Schütz' mich, ſo bin ich wohl be⸗ wacht. Der Hoheprieſter befragte Jeſus um ſeine Jünger und um ſeine Lehre. Jeſus ant⸗ wortete ihm: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allzeit gelehret in der Schule und im Tempel, da alle Juden zuſammenkommen, und habe nichts in dem Winkel ge⸗ redet. Was frageſt du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich geredet habe. Siehe, dieſelbigen wiſſen, was ich geſagt habe.— Als er aber ſolches redete, gab der Diener einer, die dabei ſtanden, Jeſu einen Backenſtreich und ſprach: Sollſt du dem Hohen⸗ prieſter alſo antworten? Jeſus antwortete: Hab' ich übel ge⸗ redet, ſo beweiſe es, daß es böſe ſei, habe ich aber recht ge⸗ redet, was ſchlägſt du mich? Mel. Seelenbräutigam. Deiner Sanftmut Schild, Deiner Demut Bild Mir anlege, Da mich präge, aß kein Zorn noch Stolz ſich rege; Vor dir ſonſt nichts gilt, Als dein eigen Bild. Und eine ſahe Petrus an andere Magd und hob Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 507 abermals an zu ſagen zu denen, die dabei ſtanden: Dieſer war auch mit Jeſu von Nazareth. Da ſprachen ſie zu ihm: Biſt du nicht ſeiner Jünger einer? Und ein anderer ſprach: Du biſt auch der einer. Und er leug⸗ nete abermal und ſchwur dazu und ſprach: Menſch, ich bin's nicht und kenne auch den Men⸗ ſchen nicht. ö Unnd über eine kleine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein anderer mit denen, die da ſtanden und ſprach: Wahrlich, du biſt auch der einer; denn du ein Galiläer, denn deine Sprache verrät dich.— Spricht des Hohenprieſters Knechte einer, ein Gefreund'terdes, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an ſich zu verfluchen und zu ſchwören: Ich kenne den Menſchen nicht, von dem ihr ſaget. Und alſobald krähete der Hahn zum andern Mal, und der Herr wandte ſich um und ſahe Petrus an. Da gedachte Petrus an das Wort Jeſu, das er zu ihm geſagt hatte: Ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirſt du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinete bitterlich. Mel. Auf meinen lieben Gott. Wo ſoll ich fliehen hin, Weil ich beſchweret bin Mit vielen großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt her käme, Mein' Angſt ſie nicht wegnähme. O Jeſu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemüte Da deiner großen Güte; aß du auf mein Gewiſſen Ein Gnadentröpflein fließen. Die Hohenprieſter aber und die Aelteſten und der ganze Rat, ſuchten falſch Zeugnis wider Jeſus, auf daß ſie ihn zum Tod brächten und fanden keins, wiewohl viel falſche Zeugen herzutraten; denn ihre Zeug⸗ niſſe ſtimmten nicht überein. Zuletzt ſtanden auf und traten herzu zween falſche Zeugen und gaben falſch Zeugnis wider ihn und ſprachen: Wir haben es gehört, daß er geſagt hat: Ich kann und will den Tempel Gottes, der mit Händen ge⸗ macht iſt, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht iſt.— Aber ihre Zeugniſſe ſtimmten nicht überein. Und der Hoheprieſter ſtand auf und fragte Jeſus und ſprach: Antworteſt du nichts zu dem, das dieſe wider dich zeugen? Jeſus aber ſchwieg ſtille und antwortete nichts. Mel. Jeſu meines Lebens Leben. Rede durch dein Stilleſchweigen, Liebſter Jeſu, mir das Wort, Wenn mich Sünden überzeugen Und verklagen fort und fort. Wenn mein bös Gewiſſen ſchreiet, 508 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. Und mir mit Verdammnis dräuet: Ach, laß deine Todespein Nicht an mir verloren ſein! Da fragte ihn der Hohe⸗ prieſter abermal und ſprach zu ihm: Biſt du Chriſtus, der Sohn des Hochgelobten? Ich beſchwöre dich bei dem leben⸗ digen Gott, daß du uns ſageſt, ob du ſeiſt Chriſtus, der Sohn Gottes. Jeſus ſprach: Du ſagſt es, ich bin es. Doch ſage ich euch: Von nun an werdet ihr ſehen des Menſchen Sohn ſitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hoheprieſter ſeine Kleider und ſprach: Er hat Gott geläſtert, was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr ſeine Gottes⸗ läſterung gehört. Was dünkt euch? Sie aber verdammten ihn alle und ſprachen: Er iſt des Todes ſchuldig. Mel. Seelenbräutigam. Wahrer Menſch und Gott, Troſt in Not und Tod: Du biſt darum Menſch geboren, Zu erſetzen, was verloren, Durch dein Blut ſo rot, Wahrer Menſch und Gott. Die Männer aber, die Jeſus hielten, und auch Männer des hohen Rats verſpotteten ihn und ſpeieten aus in ſein An⸗ geſicht und ſchlugen ihn mit Fäuſten. Etliche aber ver⸗ deckten ihn und ſchlugen ihn ins Angeſicht, beſonders die Knechte, und ſprachen: Weiſſage uns, Chriſtus, wer iſts, der dich ſchlug? Und viele andere Läſterungen ſagten ſie wider ihn. Mel. Jeſu meines Lebens Leben. Du, ach du haſt ausgeſtanden Läſterreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, Du gerechter Gottesſohn, Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten: Tauſend, tauſendmal ſei dir Liebſter Jeſu, Dank dafür! Des Morgens aber verſam⸗ melten ſich alle Hohenprieſter, Schriftgelehrten und die Aelte⸗ ſten des Volkes, dazu der ganze Rat, und hielten einen Rat über Jeſus, daß ſie ihm zum Tode hälfen, und führten ihn hinauf vor ihren Rat und ſpra⸗ Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 509 chen: Biſt du Chriſtus? Er aber ſprach zu ihnen: Sage ich's euch, ſo glaubet ihr's nicht; frage ich aber, ſo antwortet ihr nicht und laſſet mich doch nicht los.— Doch von nun an wird des Menſchen Sohn ſitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da ſprachen ſie alle: Biſt du denn Gottes Sohn: Er ſprach zu ihnen: Ihr ſaget es, denn ich bin es. Sie aber ſprachen: Was bedürfen wir weiter Zeug⸗ nis? Wir haben's ſelbſt gehöret aus ſeinem Munde! Mel. O Gott, du frommer Gott. Ach das hat unſre Sünd' Und Miſſethat verſchuldet, Was du an unſrer Statt, Was du für uns erduldet; Ach unſre Sünde bringt Dich an das Kreuz hinan, O unbeflecktes Lamm Was haſt du ſonſt gethan? Viertes Hauptſlück. Chriſti Leiden vor Pontius Pilatus, als der heidniſchen Obrigkeit. Und der ganze Haufe ſtand auf und banden Jeſus, führten ihn von Kaiphas vor das Richt⸗ haus und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pi⸗ latus. Und es war noch frühe. Da das Judas ſahe, der ihn verraten hatte, daß er ver⸗ dammet war zum Tode, gereute es ihn und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenprieſtern und Aelteſten und ſprach: Ich habe übel gethan, daß ich unſchuldig Blut ver⸗ raten habe. Sie ſprachen: Was geht uns das an? Da ſiehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob ſich davon, ging hin und erhenkete ſich ſelbſt und iſt 510 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. mitten entzwei geborſten und ſein Eingeweide ausgeſchüttet. Mel. Mitten wir im Leben ſind. Mitten in der Höllen Angſt Unſre Sünd' uns treiben; Wo ſoll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? 110 dir, Herr Chriſt, alleine. ergoſſen iſt dein teures Blut, Das ginug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, Heiliger, ſtarker Gott, Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Troſt, Kyrie eleiſon. Aber die Hohenprieſter nah⸗ men die Silberlinge und ſprachen: Es taugt nicht, daß wir ſie in den Gotteskaſten legen, denn es iſt Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat und kauften um dieſe Silberlinge, um den Lohn der Ungerechtigkeit, einen Töpfersacker zum Begräbnis der Pilger. Und es iſt kund worden allen, die zu Jeruſalem wohnen, alſo daß derſelbe ge⸗ nannt wird auf ihre Sprache: Hakeldama, d. i. ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da iſt erfüllet, das da geſagt iſt durch den Propheten Jeremia, da er ſpricht: Sie haben ge⸗ nommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward, welchen ſie kauften von den Kindern Iſraels, und haben ſie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat. 1 8— unrein würden, ſondern Oſtern eſſen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und ſprach: Was bringet ihr für Klage wider dieſen Menſchen? Sie antworteten und ſprachen zu ihm: Wäre dieſer nicht ein Uebelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da ſprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Geſetz. Da ſprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Niemand töten. Auf daß er⸗ füllet würde das Wort Jeſu, welches er ſagte, da er deutete, welches Todes er ſterben würde. Mel. O Jeſu Chriſt, mein's Lebens Licht. Ob auch die Welt in Trümmer geht, Das Kreuz doch unerſchüttert ſteht; Ob auch mein Herz im Kampfe bricht, O Jeſu Chriſt, ich laß dich nicht! Da fingen an die Hohen⸗ prieſter und Aelteſten ihn hart verklagen, und ſprachen: Dieſen finden wir, daß er das Bolt abwendet und verbeut, den Schoß dem Kaiſer zu geben und ſpricht, er ſei Chriſtus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jeſus und fragte und ſprach: Biſt du der Juden König?— Jeſus ſtand vor ihm und antwortete: Redeſt du das von dir ſelbſt, oder haben es dir andre von mir geſagt? Pilatus antwortete: Bin Die Juden aber gingen nicht— in das Richthaus, auf daß ſie ich ein Jude?— Dein Voll Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 511 und die Hohenprieſter haben dich an ihm.— Und da er ver⸗ mir überantwortet; was haſt klaget ward von den Hohen⸗ du gethan?— Jeſus ant⸗ prieſtern und Aelteſten, ant⸗ wortete: Mein Reich iſt nicht wortete er nichts. Pilatus von dieſer Welt; wäre mein aber fragte ihn abermals und Reich von dieſer Welt, meine ſprach: Antworteſt du nichts? Diener würden darob kämpfen, Siehe, wie hart ſie dich an⸗ daß ich den Juden nicht über⸗klagen! Höreſt du nichts? Und antwortet würde. Aber nun er antwortete ihm nicht auf ein iſt mein Reich nicht von dannen. Wort, alſo daß ſich auch der — Da ſprach Pilatus zu ihm: Landpfleger ſehr verwunderte. So biſt du dennoch ein König? Sie aber hielten an und Jeſus antwortete: Du ſagſt ſprachen: Er hat das Volk er— es, ich bin ein König; ich bin reget, damit, daß er gelehret dazu geboren und in die Welt hat hin und her im ganzen gekommen, daß ich die Wahr- jüdiſchen Lande und hat in heit zeugen ſoll. Wer aus der ö Galiläa angefangen bis hierher. Stunme W. n Da aber Pilatus„Galiläa“ ö hörete, fragte er, ob er aus Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. Galiläa wäre? Und als er abnig dem nin günts gleicer vernahm, daß er unter die Deſſen Ruhm kein Mund erreichet. Obrigkeit des Herodes gehörte, Dem als Gott das Reich gebühret, überfandte er ihn zu Herodes, Der als Menſch das Scepter führet, ů Dem das Recht gehört zum Throne welcher in denſelbigen Tagen Als des Vaters ew'gen Sohne, auch zu Jeruſalem war. Den ſo viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und begleiten! Da aber Herodes den Herrn ſahe, ward er ſehr froh, denn Her 0 auch in meinem Herzen er hätte ihn längſt gerne *— 3 V— in e geſehen; denn er hatte viel Laß mich deinen Huaud genießen; von ihm gehört und er Laß mich dich im Glauben grüßen, hoffte, er würde ein Zei⸗ Ehren, fürchten, loben lieben, chen von ihm ſehen. Und Und mich im Gehorſam üben, 1e1 Eleiz 5 Hier mit' leiden, hier mit ſtreiten,‚ er fragte ihn mancherlei; er Dort mit herrſchen dir zur Seiten. antwortete ihm aber nichts. Die Hohenprieſter aber und Spricht Pilatus zu ihm: Schriftgelehrten ſtanden und Was iſt Wahrheit? Und da er verklagten ihn hart. Aber das geſagt, ging er wieder Herodes mit ſeinem Hofgeſinde hinaus zu den Juden und ſprach verachtete und verſpottete ihn, zu ihnen: Ich finde keine Schuld legte ihm ein weißes Kleid an 512 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. und ſandte ihn wieder Pilatus. Mel. Wenn meine Sünd'n mich kränken. Mein Kreuz und meine Plagen, Sollt's auch ſein Schmach und Spott, Gie mir geduldig tragen; ieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne dieſe Welt Und folge dem Exempel. Das du mir vorgeſtellt. zu Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit ein⸗ ander; denn zuvor waren ſie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenprieſter und die Oberſten und das Volk zuſam⸗ men und ſprach zu ihnen: Ihr habt dieſen Menſchen zu mir gebracht, als der das Voll ab⸗ wende. Und ſiehe, ich habe ihn vor euch verhöret und finde an dem Menſchen der Sachen keine, derer ihr ihn beſchuldigt; Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm geſandt Und ſiehe, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes wert ſei. Darum will ich ihn züch⸗ tigen und loslaſſen. Auf das Feſt aber mußte der Landpfleger nach Gewohn⸗ heit dem Volk einen Gefangenen losgeben, welchen ſie begehreten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen ſonderlichen vor andern, nämlich einen Uebel⸗ thäter und Mörder der hieß Barabbas, der mit den Auf⸗ rühreriſchen war ins Gefäng⸗ nis geworfen: welcher im Auf⸗ ruhr, der in der Stadt geſchah, einen Mord begangen hatte. Und das Volk ging hinauf und bat ihn, daß er thäte, wie er pflegte. Und da ſie verſammelt waren, antwortete ihnen Pila⸗ tus: Ihr habt eine Gewohn⸗ heit, daß ich euch einen los⸗ gebe auf Oſtern. Welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barabbas oder den König der Juden, den man nennet Chriſtus? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenprieſter aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richtſtuhl ſaß, ſchickte ſein Weib zu ihm und ließ ihm ſagen: Habe du nichts zu ſchaffen mit dieſem Gerechten, denn ich habe heut viel gelitten im Traume von ſeinetwegen. Aber die Hohenprieſter und Aelteſten überredeten und rei⸗ zeten das Volk, daß ſie um Barabbas bitten ſollten und Jeſus umbrächten. Da antwor⸗ tete nun der Landpfleger und ſprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter dieſen zweien, den ich euch ſoll losgeben? Da ſchrie der ganze Haufe und ſprach: Hinweg mit dieſem und gieb uns Barabbas los! Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jeſus loslaſſen und ſprach: Was ſoll ich denn machen mit Jeſu, den man Chriſtus nennet? Sie ſchrieen abermals: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber ſprach zum dritten Male zu ihnen: Was hat er denn Uebels gethan? Ich finde Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 513 keine Urſach' des Todes ä beuget ſich aus 35 vor ihm; darum will ich ihn züch⸗ ö 2— ö 57N tigen und loslaſſen. Aber 9— ein ſirſt et Eu E.Thron ſchrieen noch vielmehr: Kreuzige Ich beug' mich auch im Geiſt all⸗ ihn! Und ſie lagen ihm an mit—— hier; großem Geſchrei und forderten, Ich grüße dich, mein Herzenskönig; d krenz ürde. U Mein Herz ſei dir ein Königreich; daß er gekreuziget würde. Und Trag' ich die Dornenkron' ein wenig, ihr und der Hohenprieſter Ge⸗ So werd' ich dir auch droben Kleich ſchrei nahm überhand. ö ̃ Cunene Melobie Da ging Pilatus wieder O Lamm Gottes, unſchuldig heraus und ſprach zu ihnen: Am Stamm des Kreuzes geſchlachtet. Sehet, ich führe ihn heraus zu Allzeit erfunden geduldig, euch, daß ihr erkennet, daß ich Wiewohl du wardſt verachtet: keine Schuld an ihm finde. n. Alſo ging Jeſus heraus und Sonſt müßten wir verzagen: Leng Gieb uns deinen Frieden, o Jeſu! trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er ſprach zu Da nahm Pilatus Jeſum ihnen: Sehet, welch ein Menſch! und geißelte ihn. Die Kriegs⸗— Da ihn die Hohenprieſter knechte aber des Landpflegers und die Diener ſahen, ſchrieen fuhrten ihn hinein in das Richt-ſie und ſprachen: Kreuzige, haus und riefen zuſammen die kreuzige ihn! Pilatus ſprach zu ganze Schar und zogen ihn ihnen: Nehmet ihr ihn hin und aus und legten ihm einen Pur-kreuziget ihn; denn ich finde purmantel an und flochten eine keine Schuld an ihm. Die Ju⸗ Krone von Dornen und ſetzten den antworteten ihm: Wir ha— ſie auf ſein Haupt und gaben ben ein Geſetz und nach dem ihm ein Rohr in ſeine Hand Geſetz ſoll er ſterben; denn er und beugten die Kniee vor ihm hat ſich ſelbſt zu Gottes Sohn und verſpotteten ihn und fin⸗(gemacht. Da Pilatus das Wort gen an, ihn zu grüßen und hörete, fürchtete er ſich noch ſprachen: Gegrüßet ſeiſt du, vielmehr und ging wieder hinein der Juden König! Und ſchlu⸗in das Richthaus und ſprach gen ihn ins Angeſicht und zu Jeſu: Von wannen biſt du? ſpeieten ihn an und nahmen Aber Jeſus gab ihm keine das Rohr und ſchlugen damit Antwort. Da ſprach Pilatus ſein Haupt und fielen auf die zu ihm: Redeſt du nicht mit Kniee und beteten ihn an. mir? Weißt du nicht, daß ich ö Macht habe, dich zu kreuzigen Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz. ¶ Man krönt dich mit der Dornen⸗ und Macht habe, dich loszu⸗ krone, geben? Jeſus antwortete: Du 33 514 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. hätteſt keine Macht, wenn ſie ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: dir nicht wäre von oben herab Soll ich Euren König kreuzigen? gegeben; darum, der mich dir Die Hohenprieſter antworteten: überantwortet hat, der hat die Wir haben keinen König, denn größere Sünde.— Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Aus: Herr Gott, dich loben wir. den Kaiſer. Da aber Pilatus ſah, daß er nichts ſchaffete, ſondern, daß ein viel größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug⸗ Du Kön'g der Ehren, Jeſu zuthun und urteilte, daß ihre Chriſt, Gott Vaters ew'ger Sohn du biſt; Der Jungfrau Leib nicht haſt ver⸗ ſchmäht, Zu rlöſen das menſchlich' 99 ſchlecht. ſein? t Du haſt dem Tod zerſtört Be Und all' Chriſten zum. ge⸗ Bitte geſchehe, nahm Waſſer und wuſch die Hände vor dem Volk und ſprach: Ich bin un⸗ ſchuldig an dem Blute dieſes Gerechten; ſehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und ſprach: Sein Blut komme über racht. uns und über unſere Kinder! Du ſitzſt zur Rechten Gottes gleich, Mit aller Ehr' ins Vaters Reich: Ein Richter du zukünftig biſt Alles, das tot und lebend iſt. Da gab er ihnen Barabbas los, der um Aufruhrs und Mordes willen war ins Ge⸗ fängniß geworfen; Jeſus aber, Die Juden aber ſchrieen und ſprachen: Läſſeſt du dieſen los, ſo biſt du des Kaiſers Freund nicht; denn wer ſich zum Könige macht, der iſt wider den Kai⸗ ſer!— Da Pilatus das Wort hörete, führte er Jeſus heraus und ſetzte ſich auf den Richt⸗ ſtuhl, an der Stätte, die da heißt Hochpflaſter, auf Hebräiſch aber Gabbatha. Es war aber der Rüſttag in Oſtern um die ſechſte Stunde. Und er ſprach zu den Juden: Sehet, das iſt euer König! Sie ſchrieen aber: Weg, weg mit dem! Kreuzige gegeißelt und verſpottet, über⸗ gab er ihrem Willen, daß er gekreuzigt würde. Eigene Melodie. Herzliebſter Jeſu, was haſt du verbrochen, Daß man ein ſolch' ſcharf Urtheil hat geſprochen? Was iſt die Schuld? In was für Miſſethaten Biſt du geraten? Was iſt doch wohl die Urſach ſolcher Plagen? Ach meine Sünden haben dich ge⸗ ſchlagen! Ich, ach Herr Jeſu, habe dies ver⸗ ſchuldet, Was du erduldet! Leiden und Srerben Jeſu Chriſti. 513 Fünftes Haupfſtück. Jeſu Kreuzigung, Tod und Begräbnis. Da nahmen die Kriegsknechte Jeſus, zogen ihm den Purpur⸗ mantel aus und zogen ihm ſeine Kleider an und führten ihn hin, daß ſie ihn kreuzigten. Und er trug ſein Kreuz. Mel. Herzliebſter Jeſu. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, Die dich gebracht auf dieſe Marter⸗ ſtraße! Ich lebte mit der Welt in Luſt und Freuden, Und du mußt leiden! Ach großer König, groß zu allen 40 Tr⸗ Wie ſoll ich g'nugſam ſolche Treu! ausbreiten? Kein's Menſchen Herz vermag es auszudenken, Was dir zu ſchenken. Und indem ſie hinausgingen, fanden ſie einen Menſchen, der vorüberging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater des Alexander und des Rufus war, den zwangen ſie, daß er ihm das Kreuz trüge, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jeſu nachtrüge. Mel. Mir nach, ſpricht Chriſtus. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit Leib' und Seel nachgehen Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron' Des ew'gen Lebens nicht davon. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volk und Weiber, die klagten und beweineten ihn. Jeſus aber wandte ſich um zu ihnen und ſprach: Ihr Töchter von Jeruſalem, weinet nicht über mich, ſondern weinet über euch ſelbſt und eure Kinder. Denn ſehet, es wird die Zeit kommen, in welcher man ſagen wird: Selig ſind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüſte, die nicht geſäuget haben! Dann werden ſie anfahen zu ſagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! Denn ſo man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Mel. O Durchbrecher aller Bande. Weint nicht über Jeſu Schmerzen, Weint nicht über Jeſu Tod, Weint erſt über eurer Herzen Unempfundene Seelennot. Denn in ihm iſt nicht erfunden Eine Sünde, ein Betrug; Nur für euch trägt er die Wunden, Trägt nur eurer Sünde Fluch. Es wurden aber auch hin⸗ Und wohlgemut, getroſt und gern ö Bei ihm 25 Leiden ſtehen; geführt zween andre Uebelthäter, 516 Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. daß ſie mit ihm abgethan würden. Und ſie brachten ihn an die Stätte, die da heißt auf hebräiſch Golgatha, das iſt verdolmetſcht: Schädelſtätte. Und ſie gaben ihm Myrrhen und Wein zu trinken; und da er ſchmeckte, wollte er es nicht trinken. Und ſie kreuzigten ihn an der Stätte Golgatha und zween Uebelthäter mit ihm, einen zur rechten und einen zur linken Hand, Jeſus aber mitten inne. Und die Schrift iſt erfüllet, die da ſaget: Er iſt unter die Uebelthäter gerechnet. Mel. Herzlich thut mich verlangen. O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn; O Haupt zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron'; O Haupt, ſonſt ſchön gekrönet Mit höchſter Ehr' und Zier, Jetzt aber höchſt verhöhnet: Gegrüßet ſeiſt du mir! Und es war die dritte Stunde, da ſie ihn kreuzigten. Jeſus aber ſprach(1): Vater, vergieb ihnen, denn ſie wiſſen nicht, was ſie thun. Luc. 23, 34. Eigene Melodie. Ach Gott und Herr, Wie groß und ſchwer Sind mein' begangne Sünden! Da iſt Niemand, Der helfen kann, In dieſer Welt zu finden. Zu dir flieh' ich: Verſtoß mich nicht, Wie ich's wohl hab' verdienet; Ach gehe nicht, Gott in's Gericht, Dein Sohn hat mich verſühnet! Pilatus aber ſchrieb eine Ueberſchrift, was man ihm Schuld gab, die Urſach ſeines Todes, und ſetzte ſie auf das Kreuz, oben zu ſeinem Haupte. Es war aber geſchrieben: Jeſus von Nazareth, der Juden König. Dieſe Ueberſchrift laſen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jeſus gekreuzigt iſt. Und es war geſchrieben auf hebräiſche, grie⸗ chiſche und lateiniſche Sprache. Da ſprachen die Hohenpreſter der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der Juden König, ſondern daß er geſagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus ant⸗ wortete: Was ich geſchrieben habe, das habe ich geſchrieben. Mel. O daß ich tauſend Zungen hätte. Dem König, welcher Blut und Leben Dem Leben ſeiner Völker weiht, Dem König werde Preis gegeben! Erzählt ſein Lob der Ewigkeit! Singt alle Wunder, die er thut, Doch über alles rühmt ſein Blut! Wem anders ſollt' ich mich ergebenꝰ O König, der am Holz verblich, Hier opfr' ich dir mein Blut und Leben, Mein ganzes Herz ergießet ſich; Dir ſchwör ich zu der Kreuzesfahn“ Als Streiter und als Unterthan. Die Kriegsknechte, da ſie Jeſus gekreuzigt hatten, nahmen ſie ſeine Kleider und machten Vom vier Teile, einem jeglichen Kriegs⸗ knecht ein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war un⸗ genähet, von oben an gewirket durch und durch. Da ſprachen ſie unter einander: Laſſet uns den nicht teilen, ſondern darum loſen, wes er ſein ſoll,— auf daß erfüllet würde die Schrift, die da ſaget: Sie haben meine Kleider unter ſich geteilt und haben über meinen Rock das Los geworfen. Und ſaßen all⸗ da und hüteten ſein. thaten die Kriegsknechte, das Volk ſtand und ſahe zu. Mel. O Jeſu Chriſt, meins Lebens Licht. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, Dein Unſchuld und Gerech htigkeit, Macht, daß ich kann vor Gott beſtehn Und zu der Himmelsfreud' eingehn. Die aber vorübereingen, lä⸗ ſterten ihn und ſchüttelten die Köpfe und ſprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichſt du den Tempel und baueſt ihn in drei Tagen! Hilf dir ſelber! Biſt du Gottes Sohn, ſo ſteig' herab vom Kreuze. Desgleichen auch die Hohen— prieſter verſpotteten ihn unter einander mit den Schriftgelehrten und Aelteſten, ſamt dem Volk und ſprachen: Er hat andern geholfen und kann ſich ſelbſt nicht helfen! Iſt er Chriſtus, der König von Israel, Auserwählte Gottes, er ſich ſelber und ſteige nun vom Kreuz, auf daß wir ſehen Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 517 und glauben an ihn.— Er hat Gott vertrauet, der erlöſe ihn nun, lüſtet es ihn! Denn er hat geſagt: Ich bin Gottes Sohn. Es verſpotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Eſſig und ſprachen: Biſt du der Juden König, ſo hilf dir ſelber! ö Mel. Mir nach, ſpricht Chriſtus. Der an dem Kreuz geſchändet ward, Von ſeinem Volk verleugnet, Und der, nach ſeines Reiches Art, Solches Mit Sch mach die Seinen zeichnet, und 5 MI mein 2—6 meiner n Haupt, An welches unſere Seele glaubt. Aber der Uebelthäter einer, die da gehenket waren, läſterte ihn und ſprach: Biſt du Chriſtus, ſo hilf dir ſelbſt und uns! Da antwortete der andere, ſtrafte ihn und ſprach: Und du fürchteſt dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis biſt? Und zwar wir ſind billig darinnen; denn wir empfahen, was unſre Thaten wert ſind; dieſer aber hat nichts Ungeſchicktes gehandelt. Und ſprach zu Jeſu: Herr, ge⸗ denke an mich, wenn du in dein Reich kommſt. Und Jeſus ſprach zu ihm(2): Wahrlich, ich ſage dir, heute noch wirſt du mit mir im Para⸗ dieſe ſein. Luc. 23, 42, 43. der ſo helf' Eigene Melodie. Mein Heiland nimmt die Sünder an, Die unter ihrer Laſt der Sünden 518 Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Kein Mensch, kein Engel trösten kann. Eli, Eli, lama asabthani! Das Die nirgends Ruh' Ende verdolmetscht(4): Mein finden; Den'n selbst die weite Welt zu klein, Gott, mein Gott, warum Die sich und Gott ein Gräuel sein hast du mich verlassen? Denn Moses scan den San ge. Matth. 27, 45, 46. Eilich rochen 7— Und sie der Hölle zugesprochen,—— 41— Ele sprachen: Wird diese Freistatt aufgethan: er rufet den Elias. Mein Heiland nimmt die Sünder an. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Nun, was du, Herr, erduldet Es standen aber bei dem Kreuze Itt alles Wrnin Last Jesu seine Mutter und seiner Ich hab' es selbst verschuldet, Mutter Schwester und Maria Bas du getragen hast. Magdalena. Da nun Jesus Der Lurn Nadrnet nt. Armer, Leine Mutter sahe und den Gieb mir, o mein Erbarmer, Jünger dabei stehen, den er Den Anblick deiner Gnad'. 9 hatte, sprach er zu seiner Darnach, da Jesus wußte, Mutter(3): Weib, siehe, dag se das ist dein Sol ˙D„daß schon alles vollbracht war, 9906 den Bnr die Schrift erfüllet würde, Siehe, das it deine Rüt mne, I e Und Stund Joh. 19, 28. Da stund ein er. Und von Stund an nahm Gefäß voll Essig; und bald lief sie der Jünger zu sich. Joh. ei D 19, 25.—27 Ooh. einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllete Mel. Wer nur den lieben Gott läßt ihn mit Essig und steckte ihn walten. auf ein Rohr von Ysopen und Ich bin's gewiß, mich kann nichts n. Ich bin's gewiß, mich heiden hielt's ihm dar zum Munde Von meinem Heil, von meinem Gott: und tränkete ihn. Die Andern Was frag' ich nach Welt, Hide und aber sprachen: Halt, laß sehen, Leiden, FIas Was acht' ich Not, Tod, Hohn und ob Elias kommt und ihn her⸗ Spottꝰ abnehme. Mir bleibt gewiß, was Gott ver⸗ Mel. Seelenbräutigam. — spricht; Großer Friedefürst, Ich weiß: mein Jesus läßt mich Wie hast du gedürst't nicht. Nach der Menschen Heil und Leben Und dich in den Tod gegeben, Und da es um die sechste Da du riefst: Mich dürst't! Stunde kam, ward eine Finster⸗Großer Friedefürst. nis über das ganze Land, bis Laß mich deinen Ruhm an die neunte Stunde, und Als dein Eigentum die Sonne verlor ihren Schein. Siet 115 Geisteo 9. 8 runen Stets in deiner Liebe brennen, Und um die neunte Stunde Als dein Eigentum, rief Jesus laut und sprach: Allerschönster Ruhm! Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er (6): Es ist vollbracht. Joh. 19, 30. Eigene Melodie. Es ist vollbracht am Kreuze dort Gesetz und der Propheten Wort. Was wir niemals vollbringen konnten, Das ist vollbracht durch Zesu Rün⸗ en; Was Gottes Rat von Ewigkeit be⸗ dacht, Das ist durch seinen Tod voll— bracht. Und abermals rief er laut und sprach(7): Bater in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und gab seinen Geist auf und verschied. Luc. 23, 46. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnot; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Fest an mein Herz dich drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl! Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten 519 aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf; und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand ihm gegenüber, und die bei ihm waren und bewahrten Jesus, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied und sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und preiseten Gott und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch gewesen und Gottes Sohn. Und alles Volk, das dabei war und zu⸗ sahe, da sie sahen, was da ge⸗ schah, schlugen sich an ihre Brust und wandten wieder um. Mel. Herzliebster Jesu. Ach, liebster Heiland, wann kommt deine Stunde? Wann rufst du auch das alte Volk zum Bunde? Wann wird die Decke Mosis weg⸗ genommen? Wann wirst du kommen? Dein Blut, das sie auf ihre Seel' enommen, Laß endlich ihnen no Rne Segen kommen; Dein an dem Kreuz für sie e scheh⸗ nes Beten eüss' sie vertreten! Es standen aber alle seine Verwandten von ferne und viel Weiber, die ihm aus Galiläa 520 Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Mel. Nun laßt uns den Leib begraben. Die Seele Christi heil'ge mich, Sein Geist versenke mich in sich, Sein Leichnam der für mich ver waren nachgefolget, und sahen das alles. Unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jakobus und Joses wund't, Mutter, und Salome, die Der mach' mir Leib und Seel' ge⸗ Mutter der Kinder des Zebe⸗ sund. däus, welche ihm nachgefolgt Das Wasser, welches Ren . i war, Des Speers aus seiner Seite floß, und gedienet, und viel andre, Das sei mein Bad, und all sein die mit ihm hinauf gen Jeru⸗ Blut salem gegangen waren. Erquicke mir Herz, Sinn und Mut. Die Juden aber. dieweil es der Rüsttag war, daß nicht Darnach am Abend, dieweil die Leichname am Kreuz blieben es der Rüsttag war, welcher ist am Sabbath(denn derselbige der Vorsabbath, kam Joseph Sabbathstag war groß) baten von Arimathia, der Stadt der sie Pilatus, daß ihre Gebeine Juden, ein frommer Mann; gebrochen und sie abgenommen der hatte nicht gewilligt in würden. Da kamen die Kriegs⸗ihren Rat und Handel; welcher knechte und brachen dem ersten auf das Reich Gottes wartete, die Beine und ain andern, 220—1 er ch ein ut W be oer s Frse Innenber odei. el was. 8 1 sahen, be— 3e n 21 bat⸗ 905 zu 05 torben war, brachen sie ihm und bat, daß er möchte ab⸗ die Beine nicht, sondern der nehmen den Leichnam Jesu. Kriegsknechte einer Oneer ard dar ee 198 Lion war 115 Seite mit einem Speer, un daß er on tot war, un alsbald ging Blut und Wasser rief dem Hauptmann und fragte heraus. Und der das gesehen ihn, ob er längst gestorben wäre, hat, der hat es bezeuget, und Und als er's erkundet von dem sein Zeugnis ist wahr, und Hauptmann, gab er Joseph den Wahuher faber a 00 bure. 9100 Ln 3 fam ahrheit saget, auf daß auch sollte ihm ihn geben— am ihr glaubet. Denn solches ist aber auch Nicodemus, der vor⸗ geschehen, daß die Schrift er⸗mals bei der Nacht zu Jesu füllet würde: Ihr sollt ihm kein gekommen war, und brachte Bein zerbrechen. Und aber⸗Myrrhen und Aloe unter ein⸗ mals spricht eine andere Schrift: ander, bei hundert Pfunden. Sie werden sehen, in welchen Da nahmen sie den Leichnam sie gestochen haben. Jesu, der abgenommen war, Vom Leiden und Sterben Jeſu Chriſti. 521 und wickelten ihn in eine reine Leinwand und banden ihn in leinene Tücher mit Spezereien, wie die Juden pflegen zu be⸗ graben. Mel. O Lamm Sottes unſchuldig. Da ſiehſt du wie die Schwachen Zuletzt geſtärket werden: Gott kann zu Helden machen, Was blöd iſt hier auf Erden; Der Glaube, der im Finſtern lag, Bricht endlich an den hellen Tag Und leuchtet wie die Sonne. Es war aber an der Stätte, da er gekreuzigt war, ein Garten, und im Garten ein neu Grab; das war Joſephs, welches er hatte laſſen hauen in einen Felſen, in welches niemand je geleget war. Daſelbſt hin legten ſie Jeſus, um des Rüſt⸗ tags willen der Juden, da der Sabbath anbrach und das Grab nahe war. Und wälzeten einen großen Stein vor die Thür des Grabes und gingen davon. Mel. O Traurigkeit. So ruheſt du, o meine Ruh, In deiner Grabeshöhle Und erweckſt durch deinen Tod Meine tote Seele. Indeß will ich, mein Jeſu, dich In meine Seele ſenken Und an deinen bittern Tod Bis ins Grab gedenken. Es war aber allda Maria Magdalena und Maria Joſes, die ſetzten ſich gegen das Grab. Auch andre Weiber, die da Jeſu waren nachgefolget von Galiläa, beſchaueten, wohin und wie ſein Leib geleget ward. Sie kehreten aber um und be⸗ reiteten die Spezereien und Salben, und den Sabbath über waren ſie ſtill nach dem Ge⸗ ſetz. Des andern Tages, der da folgte nach dem Rüſt⸗ tag, kamen die Hohenprieſter und Phariſäer ſämtlich zu Pila⸗ tus und ſprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieſer Ver⸗ führer ſprach, da er noch lebete: „Ich will nach dreien Tagen auferſtehen.“ Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht ſeine Jünger kommen und ſtehlen ihn und ſagen zum Volke: Er iſt auferſtanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger, denn der erſte. Pilatus ſprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahrt's, wie ihr wiſſet.— Sie gingen hin und verwahreten das Grab mit Hütern und verſiegelten den Stein. Mel. Jeſu, meines Leben's Leben. Nun ich danke dir von Herzen, Jeſu, für geſamte Not; Für die Wunden, für die Schmer⸗ en, Für den herben, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für die tauſendfachen Plagen, Für dein' Angſt und tiefe Pein Will ich ewig dankbar ſein. —.— VI. Die Geſchichte der Zerſtörung der Stadt Jeruſalem nach dem jüdiſchen Geſchichtsſchreiber und Augenzeugen Joſephus. ls das vormals von Gott ſo außerordentlich begna⸗ digte Volk der Juden das Maß ſeiner gehäuften Sünden durch die Verwerfung und Kreuzigung des unter ihnen er⸗ ſchienenen Heilandes der Welt erfüllet hatte, ſo näherte ſich dasſelbe demjenigen erſchreck— lichen Strafgerichte immer merk⸗ licher, welches durch die Pro⸗ pheten und den mitleidigen Erlöſer ſelbſt mit Thränen zu⸗ vor verkündigt war, und in der gänzlichen Zerſtörung Jeruſa⸗ lems und des ganzen jüdiſchen Reichs ein belehrendes Denk⸗ mal vor Augen legte: wie ſchwer der Zorn Gottes gegen beharrliche Verächter ſeiner Gnade, und wie groß inſonder⸗ heit die Verſchuldung ſei, die dieſes unglückliche Volk durch die Vergießung des unſchuldi⸗ gen und heiligen Blutes Jeſu Chriſti auf ſich geladen. Joſephus erzählt verſchiedene vor dem Ausbruche dieſer Ge⸗ richte Gottes hergegangene Zei⸗ chen; allein die ſicherſte und nächſte Anzeige davon war wohl das ſich in dem jüdiſchen Reiche immer weiter ausbreitende gänz⸗ liche Verderben. Man ließ nun völlig die heiligen Geſetze Got⸗ tes, ſetzte die ganze Religion nur in eine abergläubiſche Be⸗ obachtung äußerlicher Gebräuche und überließ ſich mit einem frechen Leichtſinn allen Laſtern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Stän⸗ den immer mehr überhand; Je⸗ ruſalem und das ganze Land ward mit Räubern und Mör⸗ dern angefüllt, und die ganze Nation beſchleunigte ihren Unter⸗ gang durch ihre eigene Zer⸗ rüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Dieſe beherrſchten ſeit der Zeit Chriſti das jüdiſche Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das römiſche Joch den Juden noch uner⸗ träglicher machten. Geſſius Flo⸗ rus, der zuletzt dieſe Stelle ver⸗ waltete, übertraf hierin alle ſeine Vorgänger. Er beför⸗ derte alle Unordnungen, auch ſelbſt die öffentlichen Räubereien, wenn er nur ſeine unerſättliche Die Zerſtörung der Stadt Jeruſalem. 523 Gewinnſucht befriedigen konnte, Erretters und mächtigen Beherr⸗ vergriff ſich ſogar an dem Schatz ſchers ſtärkte ihre eitle Hoffnung, des Tempels und war recht gefliſſen, das Volk immer mehr wider die Römer aufzubringen. Hieraus entſtanden in mehreren Gegenden des Landes ſehr blu⸗ tige Empörungen, und Florus ließ ſelbſt bei einem Aufſtande in Jeruſalem 3000 Juden er⸗ ſchlagen und viele der Ange⸗ ſehenſten geißeln und kreuzigen. Die Juden ſuchten zwar in dieſen Bedrängniſſen bei dem ſyriſchen Statthalter Ceſtius Gallus Hülfe; allein Florus wußte nicht nur ſolche zu ver⸗ eiteln, ſondern auch die Un⸗ ruhen alſo zu vermehren, daß endlich Ceſtius genötigt ward, mit einem Heere anzurücken. Nach vielen Verwüſtungen drang er mit ſelbigem in Jeruſalem ein, ſchloß die Juden im innern Teile der Stadt und im Tem⸗ pel ein und würde dem Kriege ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden ſchwereren Ge⸗ richten wären aufbehalten ge⸗ weſen; ſo aber verleitete Flo⸗ rus den Ceſtius durch Liſt und Verräterei zur Verzögerung; die Juden gewannen Zeit zur Ge⸗ genwehr und nötigten ſogar den ſyriſchen Statthalter mit einem ſehr beträchtlichen Ver⸗ luſt zum Abzuge. Dieſer an⸗ ſcheinende Vorteil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Mut. Die damals faſt allge⸗ meine Erwartung eines irdiſchen ſich von der Beherrſchung der Römer zu befreien, und der Krieg wider ſelbige ward mit großer Heftigkeit beſchloſſen. Man machte dazu überall die ſtärkſten Zurüſtungen, wählte in Jeruſalem den Joſeph, einen Sohn Gorichs, nebſt dem Hohen⸗ prieſter Ananias, in Idumäa den Eleazar, und in Galiläa Joſephus, einen ſehr verſtändi⸗ gen und tapfern Mann, der dieſe Geſchichte hinterlaſſen hat, zu Anführern und fing die Feindſeligkeiten in verſchiedenen Gegenden, doch mehrenteils mit ſehr großem Verluſt an; wie denn allein vor der Stadt Ascalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten. Die Chriſten hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingedenk und ſetzten ſich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit. Als der römiſche Kaiſer Nero dieſen allgemeinen Aufſtand der jüdiſchen Nation erfuhr, trug er dem Veſpaſianus, einem ſehr erfahrenen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebſt ſeinem Sohn, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang desſelben in Galiläa machte. Joſephus hatte daſelbſt 100,000 Mann verſammelt; allein der Schrecken zerſtreute dieſelben ſogleich bei der An⸗ kunft der Römer, und Joſephus 524—Die Zerſtörung der Stadt Jeruſalem. ward genötigt, mit dem Reſt Rotte Einhalt zu thun; als ſeiner Truppen ſich in die aber Johannes von Giscala, Feſtung Jotapata zu werfen, ein berüchtigter Böſewicht, nach welche nach einer tapferen Ver⸗Jeruſalem kam, und die Zelo⸗ teidigung erobert wurde; 40,000 ten auf ſeine Seite brachte, Juden wurden dabei erſchlagen. auch 20,000 Idumäer in die Joſephus geriet ſelbſt in die Stadt zog, da ward die Par⸗ Gefangenſchaft der Römer, er- tei des Ananias überwältigt, hielt aber durch die Fürſprache und dieſer Hoheprieſter, den des Titus und weil er dem Joſephus als einen der beſten Veſpaſian die künftige Gelan⸗ gung zur Kaiſerwürde vor⸗ herſagte ſein Leben, und ſeit der Erfüllung dieſer ſeiner Vermutung auch die Freiheit. Veſpaſian bemächtigte ſich gar bald des ganzen Galiläa, wo⸗ bei viele Tauſende erſchlagen oder als Leibeigene verkauft oder ſonſt in eine elende Skla⸗ verei geführt wurden. In Jeruſalem und den übri⸗ gen Gegenden des jüdiſchen Landes häufte fich gleichfalls Aufruhr und Elend. Die Partei derer, die auf den Krieg dran⸗ gen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden rieten, die äußerſten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband ſich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil ſie unter dem Vorgeben eines beſonderen Ei⸗ fers für Religion und Frei⸗ heit die größten Grauſamkeiten begingen, und Plünderungen und Mord breiteten ſich allent— halben aus. Der Hoheprieſter ſuchte in Jeruſalem dieſer böſen Männer der damaligen Zeit beſchreibet, nebſt 12,000 der vornehmſten Einwohner getötet Veſpaſianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jeruſa⸗ lem liegenden feſten Orter und näherte ſich darauf dieſer Haupt⸗ ſtadt des jüdiſchen Landes. Sein Herr verlangte, daß er dieſelbe, bei der darin herr⸗ ſchenden Uneinigkeit, unverzüg⸗ lich angreifen möchte; allein der römiſche Feldherr hielt ratſamer, einem Volke, das ſich ſelbſt aufrieb, und welches Gott, wie er ſagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eige⸗ nen Beförderung ſeines Unter⸗ ganges länger Raum zu laſſen. Der Tod des Nero und die darauf erfolgenden öfteren Ver⸗ änderungen mit dem römiſchen Kaiſertum verzögerten die Be⸗ lagerung noch weiter; und als Veſpaſian ſelbſt zum Kaiſer erwählt ward, begab er ſich nach Rom, und überließ die Fort⸗ ſetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhört en Grauſamkeiten des Johannes von Giscala und der Zeloten äußerſt beängſtigten Einwohner zu Jeruſalem hatten in dieſer Zeit ein neues Heer von Räu⸗ bern, unter einem Anführer Namens Simon, in die Stadt gelaſſen, um durch ſie von je⸗ nen Ungeheuern befreit zu wer⸗ den; allein dieſe abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieſer Simon, der bereits in Idumäa die fürchterlichſten Verwüſtungen an⸗ gerichtet, übertraf annoch den Johannes an Grauſamkeit und Blutgier, zwang denſelben, ſich in den Tempel zurückzuziehen, und da auch deſſen Partei ſich trennte und ein Teil derſelben unter dem Eleazar den inneren Tempel behauptete, ſo bekriegten ſich dieſe drei räuberiſchen Hau⸗ ſen unter einander auf das heftigſte, opferten eine große Menge der Einwohner ihrer Wuth auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrat der Lebensmittel und legten da⸗ durch den Grund zu der bald nachher erfolgenden erſchrecklichen Hungersnot. Bei einer ſolchen Verfaſſung rückte Titus im ſiebzigſten Jahre nach Chriſti Geburt im An⸗ fange des April mit ſeinem wohlgerüſteten Heere und in Begleitung des Joſephus vor die Stadt Jeruſalem. Selbige war mit einer dreifachen ſehr ſtarken Mauer und vielen Tür⸗ Die Zerſtörung der Stadt Jeruſalem. 525 men verſehen, und faßte, außer dem ſehr befeſtigten Tempel, die Burg Antonia und andere feſte Schlöſſer in ſich. Die Feier des Oſterfeſtes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derſelben ver⸗ ſammelt, wodurch ſowohl die Hungersnot deſto geſchwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhende Fluch um ſo deutlicher offenbar wurde. Bei dem Anfange der Belagerung vereinigten ſich zwar die drer aufrühriſchen Rotten zum tapfern Widerſtande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu und ſetzten bei einem der⸗ ſelben den Titus in die äußerſte Gefahr: allein jene Vereini⸗ gung dauerte nicht lange. Jo⸗ hannes überwältigte durch Liſt und Gewalt die Partei des Eleazar und bemächtigte ſich unter vielem Blutvergießen des Tempels. Die Verteidigung der Stadt war alſo zwiſchen ihm und dem Simon geteilt, die aber gleichfalls nicht aufhörten, ſich unter einander zu bekrie⸗ gen, ſobald nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden hatte anbieten laſſen, ward die Be⸗ lagerung mit großem Eifer fortgeſetzt, und gegen das Ende des April die erſte Mauer und fünf Tage nachher die andere eingenommen; und obwohl die 526 Juden sich der letzteren wieder bemächtigten, ward dieselbe doch nach einer dreitägigen Bestür— mung mit einer großen Nie— derlage der Juden völlig be— hauptet. Wenige Tage nach— her ward der Angriff auf die Burg Antonia gerichtet. Titus ließ nach seiner gütigen und mitleidigen Gesinnung die Be— lagerten abermals durch Jo— sephus zur Uebergabe ermahnen; allein, ob dieser gleich mit einer sehr nachdrücklichen Rede und mit Thränen sie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpf— worten und sogar mit Pfeilen erwidert. Viele Einwohner such— ten indes durch die Flucht ihre Rettung und erhielten auch die— selbe, wenn sie der Wachsam— keit und den Schwertern der Besatzung zu entgehen ver— mochten, durch die Gelindigkeit des Titus. Die aber als Ge— fangene in die Hände der Rö⸗ mer fielen, wurden in so großer Menge in dem Angesichte der Stadt gekreuzigt, daß nach Jo— sephus Ausdruck es zuletzt an Raum und an Holz zu Kreu— zen maͤngelte. Ein gewiß sehr merkwürdiger Anblick vor einer Stadt, deren Einwohner die Kreuzigung Christi dem Pilatus mit der größten Wut abge⸗ drungen hatten! Titus ließ inzwischen diese Grausamkeit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Die Zerstörung der Stadt Jerusalem. Bestrafung die Hartnäckigkeit der Belagerten überwinden möchte. Aber so wenig dieses, als die bereits zunehmende Hungers⸗ not, noch auch die wiederholten Warnungen des römischen Feld—⸗ herrn, die Stadt, den Tempel und ihr eigenes Leben zu ret— ten, vermochten etwas bei die— sen gänzlich Verstockten auszu⸗ richten; sie erklärten vielmehr dem Titus selbst mit unter— mengter Schmähung, daß sie lieber sterben, als sich ergeben wollten, und beriefen sich dabei frech auf den Schutz Gottes, dessen Verächter sie doch waren. Die verzweiflungsvolle Ge— genwehr nötigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hierdurch ward dasjenige aufs genaueste erfüllt, was Christus vorher geweissaget hat, und die erschrecklichste Hungersnot, nebst allem damit verbundenen äußer⸗ sten Elend nahm nun völlig überhand. Ausgezehrte Men— schen suchten bei Tausenden vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Räuber fielen in die Häuser, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel und quäl⸗ ten mit den entsetzlichsten Mar— tern alle und jede, auf welche nur der Verdacht einiger Ver— bergung fiel. Die Eltern rissen ihren Kindern, und diese ihren Eltern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch Die Zerſtörung der die Flucht zu den Römern zu entrinnen ſuchten, wurden von den Soldaten in der Vermu⸗ tung, daß ſie Gold verſchlungen, lebendig aufgeſchnitten. Man ſuchte durch die unnatürlichſten Mittel die Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch dieſe Plage zur äußer⸗ ſten Verzweiflung gebracht war, ſchlachtete und kochte ihr eigenes Kind und bot, da ſie einen Teil desſelben verzehret, den grauſamen Kriegsknechten die andere Hälfte dar. Alle Straßen waren mit Leichen bedeckt und das Sterben war ſo häufig, daß vom 14. April bis zum 1. Julius 115,880 Leichen zu einem Thore hinausgebracht und 600,000 über die Mauer ge⸗ worfen wurden. Titus ward durch dieſe erſchrecklichen Um⸗ ſtände äußerſt gerührt und be⸗ zeugete mit gen Himmel ge⸗ hobenen Händen, daß er an dieſen unnatürlichen Grauſam⸗ keiten unſchuldig ſei, und ſolche unerhörte Gräuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. Nachdem die Burg Antonia unter vielem Blutvergießen er⸗ obert und völlig niedergeriſſen war, mußte nun auch der ſo⸗ wohl durch ſeine Lage als die ſtärkſten Mauern ausnehmend feſte Tempel angegriffen werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer darin anfhörte. Stadt Jeruſalem. 527 Gebäude und für den Gottes⸗ dienſt der Juden eine bewun⸗ dernswürdige Ehrerbietung äu⸗ ßerte, ließ ſich deſſen Erhal⸗ tung mit der äußerſten Sorg⸗ falt angelegen ſein und er⸗ müdete nicht, ſowohl in eigener Perſon als durch den Joſephus, den Johannes mit ſeinem gott⸗ loſen Haufen durch wiederholte rührende Vorſtellung zu bewe⸗ gen, daß ſie durch ihren fort⸗ geſetzten Frevel das Heiligtum Gottes nicht entweihen, viel⸗ mehr durch eine endliche Ueber⸗ gabe es dem nahen Untergange entreißen möchten; verſprach ihnen auch die ungeſtörte Fort⸗ ſetzung ihres Gottesdienſtes. Allein dieſe Böſewichter ver⸗ ſchmäheten dies alles, beſetzten die Thore des Tempels mit Kriegsmaſchinen und machten denſelben durch Raub und Blutvergießen nach Chriſti Wor⸗ ten nun völlig zur Mörder⸗ grube. Daher ſah ſich Titus nun endlich genötigt, die äußerſte Gewalt zu gebrauchen und nach verſchiedenen abgeſchlagenen Stürmen an die Thore des⸗ ſelben Feuer legen zu laſſen, welches denn alle bedeckten Gänge um den Tempel er⸗ griff. Er gab zwar ſogleich den Befehl, das Feuer zu löſchen und das noch unver⸗ ſehrte Hauptgebäude zu er⸗ halten: aber keine menſchliche Vorſicht vermochte den Rat⸗ Titus, der für das herrliche ſchluß Gottes zu verhindern. 528 Ein heftiger Ausfall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein römiſcher Soldat warf aus eigenem An⸗ triebe, oder vielmehr von einer höheren Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenſter der an den Tempel gebauten Zimmer. Sogleich breitete ſich das Feuer in dieſen Nebenge⸗ bäuden aus Titus eilte als⸗ bald, den Brand zu löſchen, aber ſeine Befehle wurden nicht vernommen. Die römiſchen Le⸗ gionen drangen wütend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um ſich greifen⸗ den Flammen und erfüllten alles mit Blut und Leichen. Titus begab ſich mit einigen ſeiner Heerführer ſelbſt in den Tem⸗ pel, beſah deſſen Heiligtum und die darin befindlichen Geräte und fand, daß die Pracht alle Nachrichten davon weit über— träfe. Er erneuerte die eif⸗ rigſten Bemühungen, dieſes In⸗ nere des Tempels zu retten; aber vergeblich, der ganze Tem— pel ward, wie Joſephus be— merkt, an eben dem Tage, da der erſte von den Babyloniern verbrannt worden, durch die Flammen völlig verzehrt. Ein allgemeiner Raub und die blu-⸗ tigſte Niederlage verbreitete ſich ohne die mindeſte Schonung in dem ganzen Raum des Tem⸗ pels. Die römiſchen Soldaten lichen Aufrührer Simon und dem Johannes ge⸗ zogen hatten. ſchen Maſchinen auch hier die Mauer dieſe loſeſte Verwirrung. Voll Furcht und Schrecken verließen ſie die von ihnen beſetzten ſehr feſten Türme, durch die römiſchen Verſchanzun⸗ Die Zerſtörung der Stadt Jeruſalem. brachten daſelbſt ihre heidniſchen Opfer und riefen den Titus als Sieger aus. Eine Anzahl Prieſter, ſo auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit geſucht, flehte vergeblich um ihr Leben; Titus antwortete: Die Zeit der Gnade ſei geendet, und ſie müßten nunmehr mit ihrem Tempel umkommen. Die Anführer hatten ſich in⸗ zwiſchen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempel ge⸗ öffnet und verlangten eine Unter⸗ redung mit dem Titus. Dieſer erbot ſich, ihnen das Leben zu ſchenken, wenn ſie ſogleich die Waffen niederlegten und ſich ergeben würden; als ſie ſich aber deſſen, unter der Vor⸗ ſchützung eines Eides, weiger⸗ ten und einen freien Abzug verlangten, verſagte er ihnen alle Gnade, übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer, und griff den noch übrigen oberen Teil derſelben an, in welchen ſich die ſämt— unter dem Sobald die römi⸗ durchbrochen, überfiel Hartnäckigen die mut— verſuchten vergeblich, pflanzten an das öſtliche Thor gen zu entkommen, und ver⸗ desſelben ihre Kriegeszeichen, bargen ſich endlich in unter⸗ irdiſchen Höhlen. Geburt. Als Titus nun in die völlig eroberte Stadt ging und die ungemeine Feſtigkeit ihrer Mau⸗ ern und Türme bewunderte, brach er in dieſes ihm rühmliche Bekenntnis aus: Wir haben mit Gottes Beiſtand Krieg geführt; es iſt Gott, der die Juden aus dieſen Feſtungen herausgetrieben hat: denn was würden menſch⸗ liche Hände und Maſchinen gegen ſolche Türme vermögen? Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Auf— rührer ſämmtlich getödtet. Die anſehnlichſten Jünglinge wurden zum Triumph des Titus, die übrigen Gefangenen aber zu den römiſchen Schauſpielen oder zu ſchweren Arbeiten beſtimmt. Die, ſo unter 17 Jahren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen Kriege Gefangenen rechnet Joſephus auf 97,000 und der in der Belagerung Umgekommenen auf 1,100,000, außer der großen Menge, die ſonſt in dieſem Kriege ihr Leben verloren; ſo wird jene große Die Zerſtörung der Stadt Jeruſalem. Die Römer bemächtigten ſich alſo auch der ganzen oberen Stadt, plünder⸗ ten dieſelbe und zündeten ſie nach der entſetzlichſten Nieder⸗ lage unter den Einwohnern an. Dieſes geſchah am 8. Septem⸗ ber des Jahres 70 nach Chriſti 529 Anzahl aus der unter dem Ceſtius berechneten Zahl der Oſter⸗ lämmer begreiflich. Simon und Johannes gerieten aus ihren Höhlen endlich auch in die Hände der Römer. Sie wurden gleichfalls zum Triumph des Titus aufbehalten und nach ſelbigem der erſte zum Tode, der andere aber zeitlebens zum Gefängnis verurteilt. Die ſämmtlichen Ueberbleibſel der Stadt, außer dreien Türmen und einem Teil der Mauer, wurden auf Titus Befehl dem Erdboden gleich gemacht. Jeru⸗ ſalem ward alſo nach Chriſti Weiſſagung völlig geſchleift. Wie nun dieſe merkwürdige Geſchichte, nebſt der ganzen ſonderbaren Erhaltung der ju⸗ diſchen Nation, bei ihrer großen Zerſtreuung, die Göttlichkeit der Lehre Jeſu ausnehmend be⸗ ſtätigt, ſo muß einem jeden, der dieſelbe bekennt, bei einer mitleidigen Erwägung dieſer Gerichte Gottes, jene Warnung des Apoſtels ſtets wichtig bleiben: Sei nicht ſtolz, ſondern fürchte dich. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verſchont, daß er vielleicht dein auch nicht verſchone. Darum ſchaue die Güte und den Ernſt Gottes: den Ernſt an denen, die gefallen ſind; die Güte aber an dir, ſofern du an der Güte bleibeſt, ſonſt wirſt du auch abgehauen werden. 530 Die zehn Das erſte Gebot. Ich bin der Herr, Dein Gott; du ſollſt nicht andere Götter haben neben mir. Was iſt das? Wir ſollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ver⸗ trauen. Das andere Gebol. Du ſollſt den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht un⸗ nützlich führen denn der Herr wird den nicht ungeſtraft laſſen, der ſeinen Namen mißbraucht. Der kleine Katechismus Luthers. VII. Der kleine Katechismus Luthers.) Das erſte Hauptſtück. Gebote. ſondern dasſelbe heilig halten, gerne hören und lernen. Bas vierte Gebot. Du ſollſt deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebeſt auf Erden. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir unſere Eltern und Herren nicht ver⸗ achten noch erzürnen, ſondern ſie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, ſie lieb und wert halten. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei ſeinem Namen nicht fluchen, ſchwören, zaubern, lügen oder trügen, ſondern denſelben in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken. Das dritte Gebot. Du ſollſtden Feiertag heiligen. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und ſein Wort nicht verachten, Das fünfte Gebot. Du ſollſt nicht töten. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir unſerm Nächſten an ſeinem Leibe keinen Schaden noch Leid thun, ſon⸗ dern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöten. Das ſechſte Gebot. Du ſollſt nicht ehebrechen. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir keuſch und züchtig leben in Worten und Werken, und ein jeglicher ſein Gemahl lieben und ehren. Das ſiebente Gebot. Du ſollſt nicht ſtehlen. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir unſers Nächſten Geld oder Gut nicht neh⸗ men, noch mit falſcher Ware oder Handel an uns bringen, Der kleine Katechismus Luthers. ſondern ihm ſein Gut und Nahrung helfen beſſern und behüten. Das achte Gebot. Du ſollſt nicht falſch Zeug⸗ nis reden wider deinen Nächſten. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir unſern Nächſten nicht fälſchlich belügen, verraten, afterreden oder böſen Leumund machen, ſondern ſollen ihn entſchuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Beſten kehren. Das neunte Gebot. Du ſollſt nicht begehren deines Nächſten Haus. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir unſerm Nächſten nicht mit Liſt nach ſeinem Erbe oder Hauſe ſtehen, und mit einem Schein des Rechts an uns bringen, ſon⸗ 531 Nas zehute Gebot. Du ſollſt nicht begehren deines Nächſten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was ſein iſt. Was iſt das? Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir unſerm Nächſten nicht ſein Weib, Ge⸗ ſinde oder Vieh abſpannen, ab⸗ dringen oder abwendig machen, ſondern dieſelben anhalten, daß ſie bleiben und thun, was ſie ſchuldig ſind. Was ſagt nun Gott von dieſen Geboten allen? ö Er ſagt alſo: Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der über die, ſo mich haſſen, die Sünde der Väter heimſuchet an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied; aber denen, ſo mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl in tauſend Glied. Was iſt das? Gott dräuet zu ſtrafen alle, die dieſe Gebote übertreten: darum ſollen wir uns fürchten vor ſeinem Zorn und nicht wider ſolche Gebote thun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute allen, die ſolche Gebote halten; darum ſollen wir ihn auch lieben und vertrauen und dern ihm dasſelbe zu behalten förderlich und dienſtlich ſein. gerne thun nach ſeinen Ge⸗ baten. 34³ Das zweite Der kleine Katechismus Luthers. Haupiſtück. Der Glaube. Der erſte Artikel. Von der Schöpfung. Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Him⸗ mels und der Erden. Was iſt das? Ich glaube, daß mich Gott geſchaffen hat ſamt allen Krea⸗ turen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glie⸗ der, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Eſſen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit aller Not⸗ durft und Nahrung dieſes Leibes und Lebens reichlich und täglich verſorget, wider alle Fährlich⸗ keit beſchirmet und vor allem mein Herr, Uebel behütet und bewahret; und das alles aus lauter väter⸗ und licher, göttlicher Güte Barmherzigkeit, ohne all mein Verdienſt und Würdigkeit; des alles ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorſam zu ſein ſchuldig bin. Das iſt gewißlich wahr. der zweite Artikel. Von der Erlöſung. Und an Jeſum Chriſtum, ſeinen eingebornen Sohn, unſern Herrn, der empfangen iſt von dem heiligen Geiſte, geboren von der Jungfrau Maria, ge⸗ litten unter Pontio Pilato, ge⸗ kreuziget, geſtorben und be⸗ graben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auf⸗ erſtanden von den Toten, auf⸗ gefahren gen Himmel, ſitzend zur Rechten Gottes, des all⸗ mächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Was iſt das? Ich glaube, daß Jeſus Chri⸗ ſtus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Menſch von Jungfrau Maria geboren, ſei der mich verlornen und verdammten Menſchen er⸗ löſet hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teu⸗ fels; nicht mit Gold oder Silber, ſondern mit ſeinem heiligen, teuren Blute und mit ſeinem unſchuldigen Leiden und Ster⸗ ben; auf daß ich ſein eigen ſei und in ſeinem Reiche unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unſchuld und Seligkeit; gleichwie er iſt auferſtanden von den Toten, lebet und regieret in Ewigkeit. Das iſt gewißlich wahr. Der dritte Artikel. Von der Heiligung. Ich glaube an den heiligen Geiſt, Eine heilige, allgemeine, chriſtliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferſtehung des Flei⸗ ſches und ein ewiges Leben. Amen. Was iſt das? Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jeſum Chriſtum, meinen Herrn, glauben oder zu ihm Der kleine Katechismus Luthers. 533 lige Geiſt hat mich durch das Evangelium berufen, mit ſeinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Chriſten⸗ heit auf Erden berufet, ſam⸗ melt, erleuchtet, heiliget und bei Jeſu Chriſto erhält im rechten einigen Glauben; in welcher Chriſtenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergiebt und qam jüngſten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir ſammt allen Gläubigen in Chriſto ein ewiges Leben geben wird. Das iſt gewißlich kommen kann; ſondern der hei⸗ wahr. Das dritte Hauptſtück. Das Vaterunſer. Vater unſer, der du biſt im Himmel. Was iſt das? Gott will uns damit locken, daß wir glauben ſollen, er ſei unſer rechter Vater und wir ſeine rechten Kinder, auf daß wir getroſt und mit aller Zu⸗ verſicht ihn bitten ſollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Die erſte Bitte. Geheiligt werde dein Name. Was iſt das? Gottes Name iſt zwar an ihm ſelbſt heilig; aber wir bitten in dieſem Gebet, daß er auch bei uns heilig werde. Wie geſchieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig als die Kinder Gottes darnach leben; das hilf uns, lieber Vater im Himmel. Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes; da⸗ vor behüte uns, himmliſcher Vater. Die andere Zitte. Dein Reich komme. 534 Was iſt das? Gottes Reich kommt wohl ohne unſer Gebet von ihm ſelbſt; aber wir bitten in dieſem Ge⸗ bet, daß es auch zu uns komme. Wie geſchieht das? Wenn der himmliſche Vater uns ſeinen heiligen Geiſt giebt, daß wir ſeinem heiligen Wort durch ſeine Gnade glauben und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewiglich. Die dritte Bitte. Dein Wille geſchehe, wie im Himmel, alſo auch auf Erden. Was iſt das? Gottes guter, gnädiger Wille geſchieht wohl ohne unſer Ge⸗ bet; aber wir bitten in dieſem Gebet, daß er auch bei uns ge⸗ ſchehe. Wie geſchieht dies? Wenn Gott allen böſen Rat und Willen bricht und hindert, ſo uns den Namen Gottes nicht heiligen und ſein Reich nicht kommen laſſen wollen, als da iſt des Teufels, der Welt und unſers Fleiſches Wille, ſondern ſtärket und be⸗ hält uns feſt in ſeinem Wort und Glauben bis an unſer Ende; das iſt ſein gnädiger, guter Wille. Die vierte Bitte. Unſer täglich Brot gie uns heute. den geben; viel ſündigen und wohl eitel wir vergeben und gerne wohlthun Der kleine Katechismus Luthers. Was iſt das? Gott giebt täglich Brot auch wohl ohne unſere Bitte allen böſen Menſchen; aber wir bitten in dieſem Gebet, daß ers uns erkennen laſſe und mit Dank⸗ ſagung empfangen unſer täglich Brot. Was heißt denn täglich Brot? Alles, was zur Leibesnah⸗ rung und notdurft gehört, als: Eſſen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Geſinde, fromme und getreue Oberherren, gut Re⸗ giment, gut Wetter, Friede, Ge⸗ ſundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Die fünfte Bitte. Und vergieb uns unſere Schuld, wie wir vergeben unſern Schuldigern. Was iſt das? Wir bitten in dieſem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht anſehen wolle unſere Süunden und um derſelben willen ſolche Bitten nicht verſagen; denn wir ſind der keines wert, das wir bitten, haben's auch nicht verdienet; ſondern er wolle es uns alles aus Gna⸗ denn wir täglich So wollen auch herzlich Strafe verdienen. wiederum denen, die ſich an uns verſündigen. Der kleine Katechismus Luthers. Die ſechſte Bitte. Und führe uns nicht in Ver⸗ ſuchung. Was iſt das? Gott verſucht zwar niemand; aber wir bitten in dieſem Ge⸗ 535 der Vater im Himmel von allerlei Uebel Leibes und der Seele, Gutes und Ehre erlöſe, und zuletzt, wenn unſer Stünd⸗ lein kommt, ein ſeliges Ende beſchere und mit Gnaden von bet, daß uns Gott wolle be⸗ dieſem Jammerthal zu ſich hüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unſer Fleiſch nicht betrüge und verführe in Mißglauben, Ver⸗ zweiflung und andere große Schande und Laſter; und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Die ſiebeute itte. Sondern erlöſe uns von dem Uebel. Was iſt das? Wir bitten in dieſem Gebet, als in der Summa, daß uns Las vierte nehme in den Himmel. Der Beſchluß. Denn dein iſt das Reich und die Kraft und die Herr⸗ lichkeit in Ewigkeit. Amen. Was heißt Amen? Daß ich ſoll gewiß ſein, ſolche Bitten ſind dem Vater im Himmel angenehm und er⸗ höret; denn er ſelbſt hat uns geboten, alſo zu beten und verheißen, daß er uns will er⸗ hören. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, es ſoll alſo ge⸗ ſchehen. Haupfſlück. Das Sakrament der heiligen Taufe. Zum erſten. Was iſt die Taufe? Die Taufe iſt nicht allein ſchlecht Waſſer, ſondern ſie iſt das Waſſer in Gottes Gebot gefaſſet und mit Gottes Wort verbunden. Welches iſt denn ſolch Wort Gottes? Da unſer Herr Chriſtus ſpricht Matthäi am letzten: Gehet hin in alle Welt, lehret alle Völker und taufet ſie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiſtes. Zum andern. Was giebt oder nützt die Taufe? Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöſet vom Tode und Teufel und giebt die ewige Seligkeit allen, die es glauben. 536 wie die Worte und Verheißung Gottes lauten. Welches ſind ſolche Worte und Verheißung Gottes? Da unſer Herr Chriſtus ſpricht, Marci am letzten: Wer da glaubet und getauft wird, der wird ſelig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Jum dritten. Wie kann Waſſer ſolche große Dinge thun? Waſſer thut's freilich nicht, ſondern das Wort Gottes, ſo mit und bei dem Waſſer iſt, und der Glaube, ſo ſolchem Worte Gottes im Waſſer trauet; denn ohne Gottes Wort iſt das Waſſer ſchlecht Waſſer und keine Taufe, aber mit dem Worte Gottes iſt's eine Taufe, das iſt ein gnadenreich Waſſer des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geiſte; wie Sankt Paulus ſagt zu Tito im dritten Kapitel: Gott macht uns ſelig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung Der kleine Katechismus Luthers. des heiligen Geiſtes, welchen er ausgegoſſen hat über uns reichlich durch Jeſum Chriſtum, unſern Heiland, auf daß wir durch desſelben Gnade gerecht und Erben ſeien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das iſt gewißlich wahr. Zum vierten. Was bedeutet denn ſolch Waſſer⸗ taufen? Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße ſoll erſäufet werden und ſterben mit allen Sünden und böſen Lüſten; und wiederum täglich herauskommen und auferſtehen ein neuer Menſch, der in Gerechtigkeit und Reinig⸗ keit vor Gott ewiglich lebe. Wo ſtehet das geſchrieben? Sankt Paulus zu den Römern am ſechſten ſpricht: Wir ſind ſamt Chriſto durch die Taufe begraben in den Tod, auf daß, gleichwie Chriſtus iſt von den Toten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, alſo ſollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. Das Lehrſtück von der Beichte oder dem Amt der Schlüſſel. Was iſt die Beichte? Die Beichte begreift zwei Stücke in ſich: eines, daß man die Sünde bekenne, das andere daß man die Abſolution oder Vergebung vom Beichtiger em⸗ Der kleine Katechismus Luthers. pfahe als von Gott ſelbſt, und ja daran nicht zweifle, ſondern feſt glaube, die Sünde ſei da⸗ durch vergeben vor Gott im Himmel. Welche Sünden ſoll man denn beichten? Vor Gott ſoll man ſich aller Sünden ſchuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunſer thun; aber vor dem Beichtiger ſollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wiſſen und fühlen im Herzen. Welche ſind die? Da ſiehe deinen Stand an, nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht, Magd ſeiſt; ob du ungehorſam, untreu, un⸗ fleißig geweſen ſeiſt; ob du jemand Leid gethan haſt mit Worten oder Werken; ob du geſtohlen, verſäumet, verwahr⸗ loſet oder Schaden gethan haſt. Wie pflegſt du zu beichten? Allmächtiger Gott, barmher⸗ ziger Vater! Ich armer, elender, ſündiger Menſch bekenne dir 537 ſind mir aber alle herzlich leid und reuen mich ſehr, und ich bitte dich um deiner grundloſen Barmherzigkeit und um des unſchuldigen, bittern Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jeſu Chriſti willen, du wolleſt mir armen ſünd⸗ haften Menſchen gnädig und barmherzig ſein, mir alle meine Sünden vergeben und mir zu meiner Beſſerung deines Geiſtes Kraft und Beiſtand verleihen. Amen. Wo iſt die Lehre der Schlüſſel des Himmelreichs begriffen? Matth. 16 ſpricht Chriſtus zu Petro: Ich will dir des Himmelreichs Schlüſſel geben. Alles, was du auf Erden binden wirſt, ſoll auch im Himmel ge⸗ bunden ſein, und alles, was du auf Erden löſen wirſt, ſoll auch im Himmel los ſein. Jo⸗ hannes im 20. Kapitel: Gleich⸗ wie mich der Vater geſandt hat, alſo ſende ich euch. Und da das Jeſus ſagte, blies er ſie an und ſprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geiſt; welchen alle meine Sünde und Miſſethat,‚ ihr die Sünden erlaſſet, denen damit ich dich jemals erzürnt ſind ſie erlaſſen, und welchen und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe. Sie ihr ſie behaltet, denen ſind ſie behalten. 538 Das fünfte Der kleine Katechismus Luthers. Haupiſtück. Das Sakrament des Altars oder das heilige Abendmahl. Was iſt des Sakrament des Vergebung der Sünden, Leben Altars? Es iſt der wahre Leib und Blut unſers Herrn Jeſu Chriſti, unter dem Brot und Wein uns und Seligkeit durch ſolche Worte gegeben wird; denn wo Ver⸗ gebung der Sünden iſt, da iſt auch Leben und Seligkeit. Chriſten zu eſſen und zu trinken Wie kann leiblich Eſſen und von Chriſto ſelbſt eingeſetzt. Wo ſtehet das geſchrieben? So ſchreiben die heiligen Trinken ſolche große Dinge thun? Eſſen und trinken thut's Evangeliſten Matthäus, Markus, freilich nicht, ſondern die Worte, Lucas und Sankt Paulus: Unſer Herr Jeſus Chriſtus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's ſeinen Jüngern und ſprach: Nehmet hin und eſſet; das iſt mein Leib,‚ der für euch gegeben wird. Solches thut zu meinem Ge— dächtnis.— Desſelbigengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und ſprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieſer Kelch iſt das neue Teſtament in meinem Blut, das für euch vergoſſen wird zur Vergebung der Sünden; ſolches thut, ſo oft ihr's trinket zu meinem Gedächtnis. Was nützet denn ſolch Eſſen und Trinken? Das zeigen uns dieſe Worte: Für euch gegeben und vergoſſen zur Vergebung der Sünden; euch“ nämlich, daß uns im Sakrament ſo da ſtehen: Für euch gegeben und vergoſſen zur Vergebung der Sünden; welche Worte ſind neben dem leiblichen Eſſen und Trinken als das Haupt⸗ ſtück im Sakrament. Und wer denſelben Worten glaubet, der hat, was ſie ſagen und wie ſie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden. Wer empfängt denn ſolch Sakrament würdig? Faſten und leiblich ſich be⸗ reiten iſt wohl eine feine äußer⸗ liche Zucht; aber der iſt recht wurdig und wohl geſchickt, wer den Glauben hat an dieſe Worte: Für euch gegeben und vergoſſen zur Vergebung der Sünden. Wer aber dieſen Worten nicht glaubet oder zwei⸗ felt, der iſt unwürdig und un⸗ geſchickt; denn das Wort:„Für fordert eitel gläubige Herzen. Augsburgiſche Confeſ ſion. 539 VIII. Confeſſion oder Bekenntnis unſerer evangeliſchen Väter, geſchehen auf dem Reichstage zu Augsburg, am 25. Juni 1530 vor Kaiſer und Reich. Artikel des Glaubens und der Lehre. Der erſte Artikel. Von Gott. Erſtlich wird einträchtiglich gelehret und gehalten, laut Be⸗ ſchluß des Concilii Nicaeni, daß ein einig göttlich Weſen ſei, welches genannt wird und wahrhaftig iſt Gott, und ſind doch drei Perſonen in demſelben einigen göttlichen Weſen, gleich gewaltig, gleich ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geiſt: alle drei ein göttlich Weſen, ewig, ohne Stück, ohne Ende, unermeßlicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller ſichtbaren und unſichtbaren Dinge. Und wird durch das Wort Persona verſtanden nicht ein Stück, nicht eine Eigenſchaft in einem andern, ſondern das ſelbſt beſteht; wie einen böſen und einen guten. Item Valentiniani, Ariani, Eunomiani, Mahometiſten, und alle dergleichen, auchSamosateni, alt und neu, ſo nur eine Perſon ſetzen, und von dieſen zweien, Wort und heiligem Geiſt, Sophiſterei machen und ſagen, daß es nicht müſſen unter⸗ ſchiedene Perſonen ſein, ſondern Wort bedeute leiblich Wort oder Stimme und der heilige Geiſt ſei erſchaffne Regung in Krea⸗ turen. Der zweite Artikel. Von der Erbſünde. Weiter wird bei uns gelehret, daß nach Adams Fall alle Men⸗ ſchen, ſo natürlich geboren werden, in Sünden empfangen und geboren werden; das iſt, daß ſie alle vom Mutterleibe denn die Väter in dieſer Sachen an voller böſer Luſt und Nei⸗ dies Wort gebraucht haben. gung ſind und keine wahre Derhalben werden verworfen Gottesfurcht, keinen wahren alle Ketzereien, ſo dieſem Ar⸗ Glauben an Gott von Natur ilel zuwider ſind, als Manichaei, haben können; daß auch die⸗ die zween Götter geſetzt haben, ſſelbige angeborene Seuche und 540 Augsburgiſche Confeſſion. Erbſünde wahrhaftiglich Sunde! Geiſt heilige, reinige, ſtärke und ſei und verdamme alle die un term ewigen nicht durch die Taufe und heili⸗t gen Geiſt wiederum neu ge— wider beſchirme. boren werden. Hierneben werden verworfen die Pelagianer und andere, ſo die Erbſuͤnde nicht für Sünde halten, damit fromm machen durch natürliche Kräfte zu Schmach dem Leiden und Verdienſt Chriſti. Ner dritte Artikel. Von dem Sohne Gottes. Item, es wird gelehret, daß Gott der Sohn ſei Menſch worden, geboren aus der reinen Jungfrau Maria, und daß die zwei Naturen, göttliche und menſchliche in einer Perſona ſo unzertrennlich vereinigt, ein Chriſtus ſind, welcher wahrer Gott und Menſch iſt, wahr haftig geboren, gelitten, ge kreuziget, W n. und begra⸗ ben, daß er ein Opfer wäre nicht allein für die Erbſünde, ſondern auch für alle andere Sünde und Gottes Zorn ver ſühnet. Item, daß derſelbige Chriſtus ſei abgeſtiegen zur Holle, wahr haftig am dritten Tage von den Toten auferſtanden, auf gefahren gen Himmel, ſitzend zur Rechten Gottes, daß er ewig herrſche über alle Kreaturen und regiere; daß er alle, ſo an ihn glauben, durch den heiligen th ſondern tröſte, ihnen auch Leben und Gottes Zorn, ſo allerlei Gaben und Güter aus eile und wider den Teufel und die Sünde ſchütze und Item, daß derſelbige Herr Chriſtus endlich wird öffent lich kommen, zu richten die ſie die Natur Lebendigen und die Toten, laut des Symboli Apostolorum. ver vierte Artikel. Von der Rechtfertigung. Weiter wird gelehret, daß wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen moͤgen durch unſer udar Werk und Genug⸗ daß wir Ver R ig der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Chriſtus willen durch den Glauben, glauben, daß Chriſtus für uns ſo wir gelitten hat, und daß uns um ſeinetwillen die Sünde ver gebe n, Gerechtigkeit und ewiges Leben geſchenkt wird. Denn dieſen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie Sankt Paulus ſagt Röm. 3 und 4. Der fünſte Artikel. Von dem Predigtamte. Solchen Glauben zu erlan gen, hat Gott das Predigtamt eingeſetzt, Evangelium und Sa⸗ krament gegeben, dadurch er als durch Mittel den heiligen Augsburgiſche Confeſſion. Geiſt giebt, welcher den Glau— ben, wo und wann er will, in denen, ſo das Evangelium hören, wirket, welches da lehret, daß wir durch Chriſtus Verdienſt, 541 Der ſiebente Irtikel. Von der Kirche. Es wird auch gelehrt, daß allezeit müſſe eine heilige chriſt— nicht durch unſer Verdienſt, liche Kirche ſein und bleiben, einen gnädigen Gott haben, ſo wir ſolches glauben. Und werden Wiedertäufer lehren, liche heiligen Geiſt durch eigene Be⸗ reitung, Gedanken und Werke erlangen. Der ſechſte Arkihel. Vom neuen Gehorſam. Auch wird gelehret, daß ſolcher Glaube gute Früchte und gute Werke bringen ſoll, und daß man müſſe gute Werke thun allerlei, ſo Gott geboten hat, um Gottes willen; doch nicht auf ſolche Werke zu ver⸗ trauen, dadurch Gnade vor Gott zu verdienen. Denn wir empfahen Vergebung der Sünde und andere, daß wir ohne das leib— und Gerechtigkeit durch den Glauben an Chriſtum, wie Chriſtus ſpricht: So ihr dies alles gethan habt, ſollt ihr ſprechen: Wir ſind untüchtige Knechte. Alſo lehren auch die Väter; denn Ambroſius ſpricht: Alſo iſt beſchloſſen bei Gott, daß, wer an Chriſtum glaubet, ſelig ſei, und nicht durch Werke, ſondern allein durch den Glau— ben, ohne Verdienſt Vergebung der Sünden habe. welche iſt die aller Gläubigen, verdammt die laut Wort des Evangelii den wahrer Einigkeit der Verſammlung bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente des Cvangelii gereicht werden. Denn dieſes iſt genug zu chriſtlichen Kirche, daß da einträchtiglich nach reinem Verſtand das Evan— gelium gepredigt, und die Sa— kramente dem göttlichen Worte gemäß gereicht werden. Und iſt nicht not zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kirche, daß allent⸗ halben gleichförmige Zeremo-⸗ nien, von den Menſchen ein— geſetzt, gehalten werden, wie Paulus ſpricht, Eph. 4: Ein Leib, Ein Geiſt, wie ihr be— rufen ſeid zu einerlei Hoffnung eures Berufs; Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe. Oer achte Artikel. Was die Kirche ſei? Item, wiewohl die chriſtliche Kirche eigentlich nichts anders iſt, denn die Verſammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch dieweil in dieſem Leben viel falſcher Chriſten und Heuchler ſind, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, ſo ſind die Sakramente gleichwohl ———.—.— 542 Augsburgiſche Confeſſion. kräftig, obſchon die Prieſter,‚ fallen laſſen ſoll. Wiewohl dadurch ſie gereicht werden, nicht in der Beichte nicht not iſt, alle fromm ſind, wie denn Chriſtus Miſſethat und Sünden zu er⸗ ſelbſt anzeigt: Auf dem Stuhl zählen, dieweil doch ſolches nicht Moſis ſitzen die Phariſäer ꝛc. möglich iſt, Pſ. 19: Wer kennet Derohalben werden die Dona- die Miſſethat? tiſten und alle andre verdammt, Iz 15 anders halten. Der wwölfte Artihel. ö Von der Buße. Der neunte Arkikel. Von der Buße wird gelehret, Von der Taufe. daß diejenigen, ſo nach der Von der Taufe wird bei uns Taufe geſündigt haben, zu aller gelehret, daß ſie noͤtig ſei, und Zeit, ſo ſie zur Buße kommen daß dadurch Gnade angeboten mögen, Vergebung der Sünden werde: daß man auch die Kinder erlangen und ihnen die Abſo⸗ taufen ſoll, welche durch ſolche lution von der Kirche nicht ſoll Taufe Gott uͤberantwortet und verweigert werden. Und iſt gefällig werden. wahre rechte Buße eigentlich Derhalben werden die Wieder⸗ Reue und Leid, oder Schrecken täufer verworfen, welche lehren, haben über die Sünde und doch daß die Kindertaufe nicht daneben glauben an das Evan⸗ recht ſei. gelium und Abſolution, daß die Sünde vergeben und durch Der zehnte Arkihel Chriſtum Gnade erworben ſei, Vom heiligen Abendmahl. welcher Glaube wiederum das Vom heiligen Abendmahl des Herz tröſtet und zufrieden Herrn wird alſo gelehret, daß machet. wahrer Leib und Blut Chriſti Danach ſoll auch Beſſerung wahrhaftiglich unter der Ge- folgen, und daß man von Sün⸗ ſtalt des Brots und Weins den laſſe; denn dies ſollen die im Abendmahl gegenwärtig ſei Früchte der Buße ſein; wie und da ausgeteilet und ge-Johannes ſpricht Matth. 3: nommen wird. Derhalben wird Wirket rechtſchaffene Früchte auch die Gegenlehre verworfen. der Buße. Hier werden die verworfen, Der elſte Artikel. ſo lehren, daß diejenigen, ſo Von der Beichte. einſt ſind fromm worden, nicht Von der Beichte wird alſoſſwieder fallen mögen. gelehret, daß man in der Kirche Dagegen werden auch ver⸗ Privatam Absolutionem(Pri- dammt die Novatiani, welche vat⸗Beichte) erhalten und nichtdie Abſolution denen, ſo nach Augsburgiſche Confeſſion. der Taufe geſündigt hatten, weigerten. Auch werden die verworfen, ſo nicht lehren, daß man durch Glauben Vergebung der Sün⸗ den erlange, ſondern durch Ge⸗ nugthun. Der dreijehnte Irtitel. Vom Gebrauch der Sakramente. Vom Brauch der Sakramente wird gelehret, daß die Sakra— mente eingeſetzt ſind, nicht allein darum, daß ſie Zeichen ſeien, da⸗ bei man äußerlich die Chriſten kennen möge, ſondern daß es Zeichen und Zeugniſſe find göt⸗ lichen Willens gegen uns, unſern Glauben dadurch zu erwecken und zu ſtärken; derhalben ſie auch Glauben fordern und dann recht gebraucht werden, ſo man es im Glauben empfähet und den Glauben dadurch ſtärket. Der vierzehnte Artikel. Vom Kirchenregiment. Vom Kirchenregiment wird gelehret, daß niemand in der Kirche öffentlich lehren, oder predigen, oder Sakrament reichen ſoll ohne ordentlichen Beruf. Der fünfzehnte Artikel. Von Kirchenordnungen. Von Kirchenordnungen, von Menſchen gemacht, lehret man diejenigen halten, ſo ohne Sünde mögen gehalten werden und zu Frieden, zu guter Ordnung in der Kirche dienen, als gewiſſe 543 Feiern, Feſte und dergleichen. Doch geſchieht Unterricht dabei, daß man die Gewiſſen nicht dabei beſchweren ſoll, als ſei ſolch Ding nötig zur Selig⸗ keit. Darüber wird gelehrt, daß alle Satzungen und Traditionen, von Menſchen dazu gemacht, daß man dadurch Gott ver— ſöhne und Gnade verdiene, dem Evangelio und der Lehre vom Glauben an Chriſtum entgegen ſein. Derhalben ſind Kloſter⸗ gelübde und andere Traditio— nen von Unterſchied der Spei⸗ ſen, Tage ꝛc., dadurch man vermeinet, Gnade zu verdienen und für Sünde genugzuthun, untüchtig und wider das Evan⸗ gelium. Der ſechszehnte Artikel. Von Polizei und weltlichem Regiment. Von Polizei und weltlichem Regiment wird gelehret, daß alle Obrigkeit in der Welt und geordnete Regiment und Ge— ſetze, gute Ordnung von Gott geſchaffen und eingeſetzt ſind, und daß Chriſten mögen in Obrigkeit⸗, Fürſten⸗ und Rich— teramt ohne Sünde ſein, nach kaiſerlichen und anderen üblichen Rechten Urteil und Recht ſprechen, Übeltäter mit dem Schwert ſtrafen, rechte Kriege führen, ſtreiten, kaufen und ver⸗ kaufen, aufgelelegte Eide thun, Eigenes haben, ehelich ſein ꝛc. Hier werden verdammet die 544 Augsburgiſche Confeſſion. Wiedertäufer, ſo lehren, daß der obangezeigten keines chriſt⸗ lich ſei. Auch werden diejenigen ver⸗ dammet, ſo lehren, daß chriſt⸗ liche Vollkommenheit ſei, Haus und Hof, Weib und Kind leib⸗ lich verlaſſen und ſich der vor⸗ berührten Stucke äußern; ſo doch dies allein rechte Vollkom⸗ menheit iſt: rechte Furcht Gottes und rechter Glaube an Gott. Denn das Cvangelium lehret nicht ein äußerlich zeitlich, ſon⸗ dern innerlich ewig Weſen und Gerechtigkeit des Herzens, und ſtoßt nicht um weltlich Regi⸗ ment, Polizei und Eheſtand, ſondern will, daß man ſolches alles halte als wahrhaftig Gottes Ordnung, und in ſolchen Ständen chriſtliche Liebe und rechte gute Werke, ein jeder nach ſeinem Beruf beweiſe. Derohalben ſind die Chriſten ſchuldig, der Obrigkeit unter⸗ than und ihren Geboten gehor⸗ ſam zu ſein in allem, ſo ohne Sünde geſchehen mag. Denn ſo der Obrigkeit Gebot ohne Sünde nicht geſchehen mag, ſoll man Gott mehr gehorſam ſein, denn den Menſchen. Apoſt. 4. Der ſicbenzehnte Artikel. erwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gott⸗ loſen Menſchen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe verdammen. Derhalben werden die Wie⸗ dertäufer verworfen, ſo lehren, daß die Teufel und verdammte Menſchen nicht ewige Pein und Qual haben werden. Item, hier werden verworfen etliche jüdiſche Lehren, die ſich jetzt regen, daß vor der Auf⸗ ſtehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich ha⸗ ben und alle Gottloſen vertil⸗ gen werden. Der achtzehnte Artikel. Vom freien Willen. Vom freien Willen wird ge⸗ lehret, daß der Menſch etlicher⸗ maßen einen freien Willen hat, äußerlich ehrbar zu leben und zu wählen unter den Dingen, ſo die Vernunft begreift. Aber ohne Gnade, Hülfe und Wir⸗ kung des heiligen Geiſtes ver⸗ mag der Menſch nicht, Gott gefällig zu werden, Gott herz⸗ lich zu fürchten, oder zu glau⸗ ben, oder die angeborene böſe Luſt aus dem Herzen zu wer⸗ fen, ſondern ſolches geſchieht Von Chriſti Wiederkunft zum durch den heiligen Geiſt, welcher Gerichte. durch Gottes Wort gegeben Auch wird gelehret, daß un⸗wird, denn Paulus ſpricht 1. ſer Herr Jeſus Chriſtus am Cor. 2: Der natürliche Menſch jüngſten Tage kommen wird, vernimmt nichts zu richten, und alle Toten auf⸗Gottes. vom Geiſte Augsburgiſche Confeſſion. 5⁴45 Und damit man erkennen Gott der Allmächtige die ganze möge, daß hierin keine Neuig⸗Natur geſchaffen hat und er— keit gelehret werde, ſo ſind das hält, ſo wirket doch der ver⸗ die klaren Worte Auguſtini vom kehrte Wille die Sünde in allen freien Willen, wie jetzt und Böſen und Verächtern Gottes, hierbei geſchrieben aus dem wie denn des Teufels Wille 3. Buch Hypognoſticon: Wir iſt und aller Gottloſen, welcher bekennen, daß in allen Men⸗ alsbald, ſo Gott die Hand ab⸗ ſchen ein freier Wille iſt, denn gethan, ſich von Gott zum ſie haben ja alle natürichen, Argen gewandt hat, wie Chri⸗ angeborenen Verſtand und Ver⸗ ſtus ſpricht Joh. 8: Der Teufel nunft; nicht daß ſie etwas redet Lügen aus ſeinem Eigenen. vermögen, mit Gott zu han— ů ů deln, als Gott von Herzen zu Her Hauhen 10 lieben, zu fürchten, ſondern Vom guten allein in äußerlichen Werken dieſes Lebens haben ſie Frei⸗ Den Unſern wird mit Un⸗ heit, Gutes oder Böſes zu wählen. wahrheit aufgelegt, daß ſie gute Gut mein ich, daß die Natur Werke verbieten; denn ihre vermag, als auf dem Acker zu Schriften von den zehn Ge⸗ arbeiten oder nicht, zu eſſen, boten und andere beweiſen, daß zu trinken, zu einem Freunde ſie von rechten chriſtlichen Stän⸗ zu gehen oder nicht, ein Kleid den und Werken guten, nütz⸗ an⸗ oder auszuthun, zu bauen, lichen Bericht und Vermahnung ein Weib zu nehmen, ein gethan haben, davon man vor Handwerk zu treiben und der⸗ dieſer Zeit wenig gelehret hat, gleichen etwas Nützliches und ſondern allermeiſt in allen Pre⸗ Gutes zu thun, welches alles digten auf kindiſche, unnötige doch ohne Gott nicht iſt, noch Werke, als Roſenkränze, Heili⸗ beſteht, ſondern alles aus ihm gendienſt, Mönchwerden, Wall⸗ und durch ihn iſt. Dagegen fahrten, geſetzte Faſten, Feier, kann der Menſch auch Böſes Brüderſchaften ꝛe. getrieben. aus eigener Wahl vornehmen, Solche unnötige Werke rühmet als vor einem Abgott nieder⸗ auch unſer Widerpart nun nicht zuknieen, einen Totſchlag zu mehr ſo hoch, als vor Zeiten; thun ꝛc. dazu haben winarn gelernet, Der neunzehnte Artikel. Dudere e davon ſie doch in Vorzeiten Von der Urſach der Sünden. gar nichts gepredigt haben, Von Urſach der Sünden wird lehren dennoch nun, daß wir bei uns gelehret, daß, wiewohl allein nicht nur aus Werken 546 gerecht werden vor Gott, sondern setzen den Glauben an Christum dazu, sprechen: Glauben und Werke machen uns gerecht vor Gott, welche Rede mehr Tro— stes bringen möge, denn so man allein lehret, auf Werke zu vertrauen. Dieweil nun die Lehre vom Glauben, die das Hauptstück ist in christlichem Wesen, so lange Zeit, wie man bekennen muß, nicht getrieben worden, sondern allein Werklehre an allen Orten gepredigt ist, so ist davon durch die Unsern solcher Unterricht geschehen: Erstlich, daß uns unsere Werke nicht mögen mit Gott versöhnen und Gnade erwerben, sondern solches geschieht allein durch den Glauben, so man glaubet, daß uns um Christus willen die Sünden vergeben werden, welcher allein der Mittler ist, den Vater zu ver⸗ söhnen. Wer nun meinet, solches durch Werke auszurich⸗ ten und Gnade zu verdienen, der verachtet Christum und suchet einen eigenen Weg zu Gott wider das Evangelium. Diese Lehre vom Glauben ist öffentlich und klar im Paulo an vielen Orten gehandelt, son⸗ derlich zu den Ephesern am 2.: Aus Gnaden seid ihr selig wor⸗ den durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, son⸗ dern es ist Gottes Gabe, nicht aus den Werken, damit Augsburgische Confession. sich niemand rühme ꝛc. Und daß hierin kein neuer Verstand ein⸗ geführet sei, kann man aus Augustino beweisen, der diese Sache fleißig handelt und auch also lehret, daß wir durch den Glauben an Christum Gnade erlangen und vor Gott gerecht werden, und nicht durch Werke, wie sein ganzes Buch de Spiri- tu et Litera ausweiset. Wie⸗ wohl nun diese Lehre bei un⸗ versuchten Leuten sehr verach⸗ tet wird, so findet sich doch, daß sie den blöden und er⸗ schrockenen Gewissen sehr tröst⸗ lich und heilsam ist; denn das Gewissen kann nicht zu Ruhe und Frieden kommen durch Werke, sondern allein durch Glauben, so es bei sich gewiß⸗ lich schließt, daß es um Chri⸗ stus willen einen gnädigen Gott habe, wie auch Paulus spricht Röm. 5: So wir durch den Glauben sind gerecht worden, so haben wir Frieden mit Gott. Diesen Trost hat man vor Zeiten nicht getrieben in Pre⸗ digten, sondern die armen Ge⸗ wissen auf eigene Werke ge⸗ trieben, und sind mancherlei Werke vorgenommen; denn et⸗ liche hatte das Gewissen in die Klöster gejagt, der Hoff⸗ nung, daselbst Gnade zu er⸗ werben durch Klosterleben; et⸗ liche haben andere Werke er⸗ dacht, damit Gnade zu ver⸗ dienen und für die Sünde genug zu thun. haben erfahren, daß man da⸗ durch nicht ist zu Frieden kom⸗ Derselbi men. Darum ist not gewesen, diese Lehre vom Glauben an Christum zu predigen und ffei⸗ ßig zu treiben, daß man wisse, daß man allein durch den Glau⸗ ben, ohne Verdienst, Gottes Gnade ergreifet. Es geschieht auch Unterricht, daß man hier nicht von solchem geschehen, nicht, daß man dar⸗ Glauben redet, den auch die auf vertraue, Teufel und Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, daß Christus gelitten habe und auferstanden sei von den Toten; sondern man redet vom wahren Glauben, der da glaubet, daß der heilige Geist gegeben wird, wir durch Christum Gnade und Vergebung der Sünde erlangen, und der nun weiß, daß er einen gnädigen Gott durch Christum hat, kennet also Gott, rufet ihn an und ist nicht ohne Gott, wie die Heiden. Denn der Teufel und Gottlose glauben diesen Artikel, Vergebung der Sünde, nicht; Gott feind, können ihn nicht anrufen, nicht Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt Augsburgische Confession. gen viel zu Gott, seine Zusage zu em⸗ darum sind sie 547 pfangen. Und Augustinus er⸗ innert uns auch, daß wir das Wort(Glauben) in der Schrift verstehen sollen, daß es heißt Zuversicht zu Gott, daß er uns gnädig sei, und heiße nicht allein, solche Historien zu wissen, wie auch die Teufel wissen. Ferner wird gelehret, daß gute Werke sollen und müssen Gnade damit zu verdienen, sondern um Gottes⸗ willen und Gott zu Lob. Der Glaube ergreift allezeit allein Gnadeund Vergebung der Sünde. Und dieweil durch den Glauben so wird auch das Herz geschickt, gute Werke zu thun. Denn zuvor, dieweil es ohne den heiligen Geist ist, so ist es zu schwach; dazu ist es in Teu⸗ fels Gewalt, der die arme menschliche Natur zu vielen Sünden treibet. Wie wir sehen in den Philosophen, welche sich unterstanden, ehrlich und un⸗ sträflich zu leben, haben aber dennoch solches nicht ausgerich— tet, sondern sind in viel große angezeigt ist, redet, die Schrift öffentliche Sünden gefallen. Al⸗ vom Glauben und heißet Glau⸗ so gehet es mit dem Menschen, ben nicht ein solches Wissen, so er außer dem rechten Glau⸗ das Teufel und gottlose Men-ben ohne den heiligen Geist ist schen haben, denn also wird und sich allein durch eigene vom Glauben gelehret zu He-⸗ menschliche Kräfte regieret. Der⸗ bräern am 11.: Das Glauben halben ist die Lehre vom Glau⸗ sei nicht allein, die Historien ben nicht zu schelten, daß sie wissen, sondern Znversicht haben gute Werke verbiete, sendern 548 vielmehr zu rühmen, daß ſie lehre, gute Werke zu thun, und Hülfe anbiete, wie man zu guten Werken kommen möge. Denn außer dem Glauben und außerhalb Chriſto iſt menſchliche Natur und Vermögen viel zu ſchwach, gute Werke zu thun, Gott anzurufen, Geduld zu haben im Leiden, den Nächſten zu lieben, befohlene Aemter fleißig auszurichten, gehorſam zu ſein, böſe Luſt zu meiden. Solche hohe und rechte Werke mögen nicht geſchehen ohne die Hülfe Chriſti, wie er ſelbſt ſpricht Joh. 15: Ohne mich könnet ihr nichts thun ꝛc. Der einundzwanſigſte Artikel. Von dem Dienſt der Heiligen. Vom Heiligendienſt wird von den Unſeren alſo gelehret, daß man der Heiligen gedenken ſoll, auf daß wir unſern Glauben ſtärken, ſo wir ſehen, wie ihnen Gnade widerfahren, auch wie ihnen durch Glauben geholfen iſt; dazu, daß man Exempel nehme von ihren guten Werken, ein jeder nach ſeinem Beruf, gleichwie die Kaiſerl. Majeſtät ſeliglich und göttlich dem Exempel Davids folgen mag, Kriege wider den Türken zu führen; denn beide ſind ſie im könig⸗ lichem Amte, welches Schutz und Schirm ihrer Unterthanen fordert. Durch Schrift aber mag man nicht beweiſen, daß man die Heiligen anrufen oder Augsburgiſche Confeſſion. Hilfe bei ihnen ſuchen ſoll. Denn es iſt allein ein einiger Verſöhner und Mittler geſetzt zwiſchen Gott und den Menſchen, Jeſus Chriſtus, 1. Tim. 2, welcher iſt der einige Heiland, der einige oberſte Prieſter, Gnadenſtuhl und Fürſprecher vor Gott, Röm. 8. Und der hat allein zugeſagt, daß er unſer Gebet erhören wolle. Das iſt auch der höchſte Gottesdienſt nach der Schrift, daß man denſelbigen Jeſum Chriſtum in allen Nöten und Anliegen von Herzen ſuche und anrufe, 1. Joh. 2, 1: So jemand ſündiget, haben wir einen Fürſprecher bei Gott, der gerecht iſt, Jeſum. Dies iſt faſt die Summa der Lehre, welche in unſern Kirchen zu rechtem chriſtlichen Unter⸗ richt und Troſt der Gewiſſen, auch zur Beſſerung der Gläu⸗ bigen gepredigt und gelehret iſt, wie wir denn unſre eigene Seele und Gewiſſen ja nicht gern wollten vor Gott mit Mißbrauch des göttlichenNamens oder Wortes in die höchſte und größte Gefahr ſetzen, oder auf unſere Kinder und Nachkommen eine andere Lehre, denn ſo dem reinen, göttlichen Wort und chriſtlicher Wahrheit gemäß, fällen oder erben. So denn dieſelbe in heiliger Schrift klar gegründet, und dazu auch ge⸗ meiner chriſtlicher, ja auch römi— ſcher Kirchen, ſo viel aus der Väter Schrift zu vermerken, Augsburgiſche Confeſſion. nicht zuwider, noch entgegen iſt, fa achten wir auch, unſre Wider⸗ acher können in obenangezeig⸗ ten Artikeln nicht uneinig mit uns ſein. Derhalben handeln diejenigen ganz unfreundlich, geſchwind und wider alle chriſt⸗ liche Einigkeit und Liebe, ſo die Unſern derhalben als Ketzer ab— zuſondern, zu verwerfen und zu meiden, ihnen ſelbſt ohne eini⸗ gen beſtändigen Grund gött⸗ licher Gebote oder Schrift vor— nehmen. Denn die Irrung und 549 Zank iſt vornehmlich über etliche Traditionen und Mißbräuche. So denn an den Hauptartikeln 127 befindlicher Ungrund oder Mangel, und dies unſer Be⸗ kenntniß göttlich und chriſtlich iſt, ſollten ſich billig die Biſchöfe, wann ſchon bei uns der Tra⸗ dition halben ein Mangel wäre, gelinder erzeigen, wiewohl wir verhoffen, beſtändigen Grund und Urſache darzuthun, warum bei uns etliche Traditionen und Mißbräuche geändert ſind. Artikel, von welchen Zwieſpalt iſt, da erzählt werden die Mißbräuche, ſo geändert find. Der jweiundzwanzigſte Artihel. Von beider Geſtalt des Sakra⸗ ments. Der dreiundzwanzigſte Artikel. Vom Eheſtand der Prieſter. Der virrundzwanzigſte Artikel. Von der Meſſe. Der fünfundzwanzigſte Artikel. Von der Beichte. Der ſechsundzwanzigſte Artikel. Vom Unterſchied der Speiſen. Der ſiebenundzwanzigſte Artikel. Von Kloſtergelübden. Der achtundzwanzigſte Artihel. Von der Biſchöfe Gewalt. Beſchluf der Confeſſion. Die obengemeldeten Artikel haben wir, dem Ausſchreiben nach, übergeben wollen zu einer Anzeigungunſeres Bekenntniſſes und der Unſern Lehre. Und ob jemand befunden würde, der daran Mangel hätte, dem iſt man ferner Bericht, mit Grund göttlicher Schrift, zu thun er— bötig. Ew. Kaiſerl. Majeſtät Unterthänigſte Jshannes, Herzog zu Sachſen, Kurfürſt. Georg, Markgraf zu Brandenburg. Ernſt, Herzog zu Lüneburg. Philipp, Landgraf zu Heſſen. Wolfgang, Fürſt zu Anhalt. Die Stadt Nürnberg. Die Stadt Reutlingen. IX. Alphabetiſches Liederregiſter. Die mit einem* bezeichneten Lieder ſind neu aufgenommen, oder in der 5. Auflage an eine andere Stelle gekommen. Die mit einem 0 bezeichneten Lieder ſtehen im Militär-Geſangbuche. A. Nro. Nro. Abend, 1445 3 als der Morgen 395 Alſo hat Gott die Welt geliebet 210 0 Ach, bleib bei uns, Herr Jeſu 133 Amen! Gott Vater und Sohne 589 Ach bleib mit deiner Gnade 355 0Auf, auf, ihr Reichsgenoſſen 14 Ach Gott, ich muß in Traurigkeit 425 Auf, auf, mein Herz und du. 1 Ach Gott, laß dir befohlen ſein 428 Auf, Chriſtenmenſch, auf, auf. 280 OAch Gott und Herr 188 Auf Chriſti Himmelfahrt allein 103 Ach Gott verlaß mich nicht„ 279Auferſtehn, ja auferſtehn, wirſt 558 . Gott vom Himmel ſieh„ 134 Auf Gott nur will ich ſehen. 426 Ach Herre, du gerechter Gott. 446 OAuf Gott und nicht auf meinen 460 Ach Herre Gott, wir loben dich 447 Auf, hinauf zu deiner Freude 236 h Jeſu, deſſen Treu.... 232 Auf, ihr Chriſten, Chriſti. 281 Ach liebſter Heiland, wann. 1570Auf, ihr Streiter..... 293 Ach, mein Herr Jeſu, dein.. 233 Auf meinen lieben Gott... 461 Ach, mein Herr Jeſu, wenn. 234 Auf, Seele, auf und ſäume 53 Ach, mein Jeſu, ſieh, ich trete 396 Auf, was willſt du hier ver⸗ Ach, mein Jeſu, welch Verderben 1890 weilen. 282 Ach, ſagt mir nichts von Gold 235 Aus Gnaden ſoll ich ſelig.. 211 94 wann werd' ich dahin„ 565 Aus meines Herzens Grunde 367 Ach, wär' ich doch ſchon droben 566o Aus tiefer Not ſchrei ich zu 193 Ach, was ſind wir ohne Jeſum 190 Ach, was ſoll ich Sünder. 191 B. Ach, wie flüchtig, ach wie nichtig 511 OAch wundergroßer Siegesheld 102[Bedenke, Menſch, das Ende 512 Adam hat im Paradies... 29Befiehl dem Herren deine. 462 o Allein Gott in der Höh' ſei Ehr 1240 Befiehl du deine Wege.. 463 0 Allein zu dir, Herr Jeſu 192 Beſcher uns, Herr, das täglich 389 OAlle Menſchen müſſen ſterben 513 Betgemeinde, heil'ge dich... 356 Aller Gläub'gen Sammelplatz 514Bis hierher hat mich Gott.. 331 Alles iſt an Gottes Segen. 459Brich an, du ſchönes Mor⸗ * Alle Welt, was lebt und geulichht webet 2Brunn alles Heilz, dich ehren 3 552 C. Christ, der du bist der helle „Christe, du Lamm Gottes Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine Christe, mein Leben, mein Hof⸗ Alphabetisches Liederregister. Nr. Odies ist der Tag, den Gott 397 Oies ist die Nacht, da mir 593 Die Sonn' hat sich mit ihrem 135 Dir, dir, Jehovah, will ich Du Lebensbrot, Herr Jesu fen, mein Glauben 237 Du, meine Seele, singge Christe, wahres Seelenlicht. 368 Du, o schönes Weltgebäude Christi Blut und Gerechtigkeit 212 Durch Adams Fall ist ganz; „Christi ist erstanden.... 594 Durch Trauern und durch Christ lag in Todesbanden. oChristus der ist mein Leben. D. Dank sei Gott in der Höhe Dankt dem Herrn, ihr* Das alte Jahr vergangen ist „Das ist eine sel'ge Stunde Das liebe neue Jahr geht an Das walt' Gott Vater und Gott Sohn „Dein König kommt in niedern Hübn Dein Wort, o Herr, ist milder Dennoch bleib' ich stets an dir ODer am Kreuz ist meine Liebe o Der beste Freund ist in dem Der du bist drei in Einigkeit. »Der du das Volk regierest Der du, Herr Jesu, Ruh' und *„Der du noch in der letzten Der du zum Heil erschienen ⸗ Der Glaub' ist eine Zuversicht Der Gnadenbrunn fließt noch Der Herr, der aller Enden.. Der lieben Sonne Licht und Der rauhe Herbst kommt wieder Der Sabbath ist vergangen Der schöne Tag bricht an. Der Tag ist hin, mein Geist. Der Tag ist hin, mein Jesu. Des Morgens, wenn ich früh Die Christen gehn von Ort zu Die Ernt' ist nun zu Ende „Die Gnade sei mit allen o Die güldne Sonne Die helle Sonn' leucht't jetzt. Die Herrlichkeit der Erden. Die Seele Christi heil'ge mich 303 415 371 354 90 Plagen* Du schläfst in deiner Wiege „Du Stern aus Jakob, Gottes Sohn Du weinest vor Jerusalem. Du wesentliches Wort. 48 E. 47 Ein Christ kann ohne Kreuz Eine Heerde und ein Hirt. 370 Einen guten Kampf hab' ich Einer ist's an dem wir hangen 21Eines wünsch' ich mir vor allem 164oEin' feste Burg ist unser Gott 464 Ein Lämmlein geht und trägt 60 Ein neuer Tag, ein neues 238Ein reines Herz, Herr schaff 125 oEins ist not, ach Herr dies. 141 Ein Tröpflein von den Reben 85 Ein Wetter steiget auf *o Ein Haupt hast du dem Volk „Empor zu Gott mein Lobgesang oErhalt uns, Herr, bei deinem Erhebe dich, o meine Seel. 15⁸ 214 21⁵ 333 398 Ermuntre dich, mein schwacher 448 Erneure mich, o ewiges Licht „Erschienen ist der herrlich Tag Es glänzet der Christen. Es ist das Heil uns kommen 401 Es ist genug, so nim 357 Es ist gewiß ein köstlich Ding 559 Es ist gewißlich an der Zeit 449 Es ist nicht schwer, ein Christ 40⁰ 372*Es ist noch Raum in Jꝛsu 373 Wunden 516 Es ist vollbracht, Gott Lob 61 Es ist vollbracht, vergiß ja Die Tugend wird durchs Kreuz Ermuntert euch, ihr Frommen Es ist noch eine Ruh vorhanden 5 Nro. 31 30 40² 224 5²0 63 Alphabetiſches Nro. Es koſtet viel, ein Chriſt zu„288 Es wolle Gott uns gnädig ſein 138 Fahre fort, Zion, fahre fort Fang dein Werk mit Jeſu an Fließt, ihr Augen, fließt von. Freu dich ſehr, o meine Seele Freuet euch, ihr Chriſten alle Fröhlich ſoll mein Herze Früh Morgens, da die Sonn Für alle Güte ſei gepreiſt. G. 89 9⁰ 6⁴ 2 2 467 359 596 468 37 38⁵ 4 146 8 390 Herr Jeſu Chriſt, 55³ Nro. Großer Gott von alten Zeiten 6 Großer Mittler, der zur Rechten 106 H. o Hallelujah, jauchzt ihr Chöre oHallelujah, Lob, Preis undEhr 0 Hallelujah, ſchöner Morgen Halt im Gedächtnis Jeſum eiland, deine Menſchenliebe. eil'ge Einfalt, Gnadenwunder Heiligſter Jeſu, Heilgungsquelle 292 Herr, der du mir das Leben. 405 Herr, der du vormals haſt.. 441 Herr, du haſt in deinem Reich 131 Herr, du kannſt nichts, als 436 Herr, es iſt von meinem Leben 406 o Herr Gott, dich loben wir Herr Gott, wir danken dir Herr Gott, dich loben wir, regierꝰ Herr Gott Vater m.. Herr, ich habe mißgehandelt ein teures 0 Herr Jeſu Chriſt, dich zu uns 0 Herr Jeſu Chriſt, du höchſtes Gut, du Brunnquell Herr Jeſu Chriſt, du höchſtes Gut, du Brunnquell Herr Jeſu Chriſt, mein höchſtes HerrJeſu, deine Angſt undPein Herr Jeſu, dir ſei Preis und Liederregiſter. 89 128 7 241 219 291 10⁵ 111 360 469 47⁰ 4⁵ 434 52²2 404 17³ 218 4⁴4⁰0 16 178 Gott Gott Gott Lob, ein Schritt... Gott Lob, ich ſchließe meine Gott Lob, mein Jeſus macht 0 Gott Lob, nun iſt erſchollen o Gott ſei Dank durch alle Welt Gott ſei Kelbet und Gott ſei Lob, der Tag iſt. 179 „Gott und Vater, nimm jetzund 170 Gott Vater aller Dinge... 163 o Gott wills machen.... 471 OHerr Jeſu, Gnadenſonne err Jeſu, Licht der Heiden. err Jeſu Chriſt, wahr'r Menſch Herr, nun laß in Friede Herr öffne mir die HDen eten Herr ſtärke mich, dein Leiden Herr, unſer Gott, laß nicht zu Herr, wann wirſt du Zion bauen o Herr, wie du willſt, ſo ſchick's Herz, freue dich der Ewigkeit 0 Herzlich lieb hab ich dich, 0 Herzlich thut mich verlangen. o Herzliebſter Jeſu, was haſt du Herzog unſrer Seligkeiten. Herz und Herz vereint eut triumphieret Gottes Sohn ier legt mein Sinn ſich vor Hilf, Helfer, hilf in Angſt und 0 Hilf, Herr Jeſu, laß gelingen 554 o Himmelan geht unsere Bahn Himmel, Erde, Luft und Meer o Hinunter ist der Sonne Schein Hirte deiner Schafe. Höchster Gott, wir danken dir Hoͤchster Priester, der du dich Höchster Tröster, komm Hosianna, Davids Sohn Hüter, wird die Nacht der. S. »Jauchzet, ihr Himmeln. Ich armer Mensch doch gar Ich armer Mensch, ich armer Ich bete an die Macht der o Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin ein kleines Kindelein 0 Ich bin getauft auf deinen Ich bin ja, Herr, in deiner Ich danke dir für deinen Tod Ich, der ich oft in tiefes Leid o Ich geh zu deinem Grabe Ich habe Lust zu scheiden o Ich habe nun den Grund Ich hab' in Gottes Herz und Ich hab' in guten Stunden. Ich hab' mein' Sach Gott heimgestelllt Ich hab' mich Gott ergeben Ich hab' von ferre Ich halte Gott in allem stille Ich komme, Herr, und suche Ich komm setzt als ein armer Ich laß dich nicht Ich ruf' zu dir, Herr Jesu Ich singe dir mit Herz und 3 Ich steh an deiner Krippen Ich sterbe täglich und mein 5 Ich und mein Haus, wir sind Bereit. o Ich weiß, an wen ich glaube Ich weiß, mein Gott, daß all Ich will dich lieben, meine 2. „Ich will die Hand und Rute üssen o Ich will von meiner Missethat o Je größer Kreuz, je näher Jehovah, Herr und König Jerusalem, du hochgebaute Alphabetisches Liederregister. Nro. 297 Jesu, allerliebster Bruder 433 336Jesu, deine Passion 69 407 Jesu, deine tiefe Wunden 70 408Jesu, der du wollen büßen 82 4 Jesu, Freund der Menschen⸗ 24⁵ kinder— 2 113 Jesu, frommer Menschenherden 257 18o Jesu geh voran 299 2980 Jesu, großer Wunderstern„ 54 Jesu Güte hat kein Ende 377 Jesu hilf siegen, du Fürste 300 Jesu komm doch selbst zu mir 249 33%0 Jesu, meine Freude 25⁰0 527 Jesu, meiner Seele Leben 251 197 Jesu, meiner Seele Ruh 252 246 Jesu, meines Lebens Leben 7 528 Jesu, Ruh' der Seelen. 532 430Jesus Christus herrscht als 174 König e 529 Jesus, Jesus, nichts als Jesus 25⁵3 68— Jesus lebt, mit ihm auch ich 95 337 o Jesus, meine Zuversicht 96 94½% Fesus nimmt die Sünder an 199 557 Jesus schwebt mir in Gedanken 254 220*Jesus soll die Losung sein 51 474 Ihr armen Sünder, kommt zu 200 475 Ihr aufgehobnen Jesushände 107 Ihr Eltern, gute Nacht 533 523 In allen meinen Thaten„480 530 In Christi Wunden schlaf, ich 53 574 In dich hab' ich gehoffet, Herr 481 477 In Gottes Namen fahren wir 43⁵ 182 In Gottes Namen sang ich 41¹9 183 In unsers Königs Namen 30² 247 0 Ist Gott für mich, so trete 482 328 Ists oder ist mein Geist entzückt 57⁷ 338 98 — K. 531 Heinen hat Gott verlassen. 483 423 Komm du wertes Lösegeld 20 255»Komm Heidenheiland, Lösegeld 19 478*Komm, heiliger Geist, o 248 Schöpfer duWu. 114 Komm heiliger Geist, erfüll' 595 510o Komm heiliger Geist, Herre 116 1980 Komm, o komm, du Geist 117 479 0 Kommt, Kinder, laßt uns 304 137 Kommt, laßt euch den Herren 30⁵ 57061 Komm, Tröster, komm 11⁸ Alphabetiſches Liederregiſter. 555 Nro. Nro Kommt und laßt uns Chriſtum 40 Mein Feſus kommt, mein.. 541 0 König, dem kein König gleichet 108 Mein Leben iſt ein„. 542 König Jeſu, ſtreite, ſiege 161 Mein Salomo, dein freundliches 260 *Kyrie eleiſon. 592[Merk, Seele, dir das großeWort 309 *0 Mir iſt Erbarmung wider⸗ L fahren 4 nach, 1 2 1 Chriſtus 1 311 aſſetnii ÜFreu 710⁰ Mit Ernſt, 0 Menſchenkin der 24 Lapet Ed dar Huuren Nramin 990 15 Mit Fried und Freud fahrich 591 05 Laſſet Uns mit Jeſu ziehen 3060 Mitten wir im Leben ſind.—5⁴³ Laß bich, Herr Jeſu Chriſt. 420 Morgenglanz der Ewigkeit.. 380 0 Laß mich dein ſein und bleiben 166 905 mir, wenn meine Augen 535 N. Laß, o Jeſu, mir auf Erden 221 Licht vom Licht, erleuchte mich 10*Nach einer Prüfung kurzer o Liebe, die du mich zum Bilde 255 Tage 6567 L. Jeſu, hier ſind—7 172 Nacht Betrübters iſt auf Erden 427 0 Liebſter Jeſu, wir ſind hier 11 Nicht ſo traurig, nicht ſo ſehr 487 Liebſter Pate, ſoll 90 Pu 536 Ninm von ms⸗ Lur,— 444 o Lobe denHerren, den mächtigen 340Noch, dennoch, mußt du drum 488 o Lobe den Herren, omeine Seele 341 Nun bitten wir den heiligen. 119 Lob ſei dem allerhöchſten Gott 22 Nun bricht die finſtre Nacht„416 Lobt Gott, ihr Chriſten. 41Nun bringen wir den Leib zur 562 0Nun danket alle Gott 343 M Nun danket all und bringet„344 * u freuc euch, lieben Chriſten 127 7— un Gott Lob, es iſt vollbracht 13 Bache abtnt, Hac 557 Nun jauchzet, all ihr Frommen 2⁵ »Macht hoch die Thür, die Thor 23 Nun jauchzt dem Heeren alle 345 Mun lobt dich in der Stille: 343 Run khament dle kahlgemacht Marter Chriſti, wer kann dein 72. laßd uns den Lath 900 0o Meinen Jeſum laß ich nicht 256 5 Nun laßtu 18 eh 227 15 Kt 5² Meinen Jeſum laß ich nicht, ach 264 Nun labt kunt⸗ Gelt 96 29— 393 Mein erſt Gefühl ſei Preis 578 Nun lien'ic artes Würlnelern 544 Meine Hanng ſtehet feſte„484 Nun 105 unen Seel', den 346 Meine Lebenszeit verſtreicht„58 Num veiſet alle 347 Meine Seele ſenket ſich 476 5 Nun moen alle Wälder 409 Meine Seel' iſt ſtille 48⁵5„Run ſich der Ta 5 det Meines Lebens beſte Freude 405 mein es g geendet, 899 ine Sor 10 4 ö 4 7½ Mein Ie t e 90 222 Juurr. Win ch m geendet hat 410 Mein Gott, das Herz ich.. 310 Nun 10 4 ch Wieder 6 351 Meim Gaut ich ulerf, Kedein a Aur frich hinein; 450 Mein Gott ich weiß wohl, daß 530 Nur fuſdepingn Mein Gott, nun iſt es wieder 379 Nur in Jeſu Blut und.„411 Mein Heiland nimmt die„223 Mein Herzensvater, weinſt du 540 O. Mein Herz, gieb dich zufrieden 465 Mein Jeſu, dem die Seraphinen 259* O, daß doch bald dein Feuer 152 556 Alphabetiſches Nro o O daß ich tauſend Zungen 348 O, der alles hätt verloren 31² 0 O du allerſüß'ſte Freude o O, du Liebe meiner Liebe o O Durchbrecher aller Bande: *Oeffne mir die Perlenpforten O Ewigkeit, du Donnerwort O Ewigkeit, du Freudenwort! O frommer und getreuer Gott 2 O frommer Vater, deine Kind O Gott, der du das Firmament O Gott, du frommer Gott O Gott, es ſteht dein milder. O Gott, von dem wir alles O großer Gott, du reines. o O Haupt voll Blut und o O heil'ger Geiſt, kehr bei uns O heilige Dreifaltigkeit O heiliger Geiſt, o heiliger Gott Herr Gott, der du deiner ilf, Chriſte, Gottes Sohn 12² 456 7•⁰ * Liederregiſter. P. Prediger der ſüßen Lehre R. Rede, liebſter Jeſu, rede Rett, o Herr Jeſu, rett dein o Ringe recht, wenn Gottes „Ruhe iſt das beſte Gut Ruhet wohl, ihr Totenbeine o Rüſtet euch, ihr Chriſtenleute S. o Schaffet, ſchaffet, Menſchenkin⸗ dben Schaff in mir Gott, ein reines Schatz über alle Schätze... Schlaf ſanft und wohl, ſchlaf ſu Chriſte, wahres Licht 142 Schlage, Jeſu, an mein Herz: 262 0 Schmücke dich, o liebe Seele 545 0Schmückt das Feſt mit Maien ſu Chriſt, mein ſchönſtes ſu Chriſt, meines Lebens u, du mein Bräutigam eſu, einig wahres Haupt eſu, Jeſu, Gottes Sohn 263 ſu, meines Lebens Licht 383 ſu, meine Wonne 18⁵ u, ſüßes Licht 34 u, treuſter Heiland mein 412 önig, deſſen Majeſtät 201 önig aller Ehren 55 Lamm Gottes unſchuldig 87 iebe, die den Himmel hat 43 Menſch, bedenk zu dieſer 546 ſchönes Himmelreich 5⁴48 O ſelig Haus, wo man dich 421 O ſelig, wer das Heil erwirbt 547 O ſüßer Stand, o ſelges Leben 31⁵ o O Tod, wo iſt dein Stachel 97 O Traurigkeit, o Herzeleid. 87 O Urſprung des Lebens 26⁵ OVater der Barmherzigkeit, Der 143 O Vater der Barmherzigkeit, Ich 204 O Vaterherz, o Licht, o Leben 316 O was für ein herrlich Weſen 317 — Welt, ich muß dich laſſen 549 o O Welt, ſieh hier dein Leben 79 0 O wie ſelig ſeid ihr doch, ihr, 580 184 149 *888888 D eeed eOe 288883 DEDCDe O 8880 8 EEE E Schutzgott, deſſen ſtarke Rechte Schwing dich auf zu deinem Seele, mach dich eilig auf. Seelenbräutigam *Seele geh auf Golgatha. 0 Seele, was ermüdſt du dich Sei getreu bis an das Ende 0Sei Lob und Ehr dem höchſten! Sei mir tauſend mal gegrüßet Selig, wer ihm ſuchet Raum o Siegesfürſt und Ehrenkönig Sieh, dein König kommt zu dir Sieh, hier bin ich Ehrenkönig Sieh, wie lieblich und wie fein So führſt du doch recht ſelig So hab' ich nun vollendet So iſt die Woche nun hederie So lange Jeſus bleibt der 0 Sollt' es gleich bisweilen 0 Sollt' ich meinem Gott nicht ſingen Sollt' ich meinem Gott nicht trauen Sorge doch für meine Kinder *So ruheſt du nunn So wahr ich lebe, ſpricht dein 169 167 144 318 261 564 319 Alphabetisches Nro. So wird die Woche nun 418 Speise, Vater, deine Kinder. 392 Stark ist meines Jesu Hand. 323 Straf mich nicht in deinem„ 208 0 Such, wer da will, ein ander 270 E. Tag des Zornes, den wir glauben Teures Wort aus Gottes Huns 185 Thut mir auf die schöne Pforte 12 Treuer Hirte deiner Herde.. 147 Treuer Gott, ich muß dir klagen 324 Treuer Wächter Israel 148 U. Umschließ mich ganz mit deinem 271 Unser Herrscher, unser König 325 Unsre müden Augenlider 413 Unter Lilien jener Freuden„ 581 Unumschränkte Liebe 354 Unverwandt auf Christum sehen 226 V. 0 Valet will ich dir geben. 551 0 Vater kröne du mit Segen 439 Vater unser im Himmelreich 365 Verleih uns Frieden gnädiglich 590 Versuchet euch doch selbst 227 OVerzage nicht, du Häuflein klein 150 Vom Himmel hoch, da komm 44 Vom Himmel kam der Engel 45 Ver Gott will ich nicht lassen 494 Vor deinen Thron tret' ich 383 W. 0 Wach auf, du Geist der ersten o Wach auf, mein Herz, die Nacht é o Wach auf, mein Herz, und singe 387 Wach auf, wach auf, du sichre 582 0o Wachet auf, ruft uns die„ 583 Walte, walte nah und fern. 154 Wann, ach wann wird doch„443 Wär' Gott nicht mit uns.. 151 Warum betrübst du dich, mein Herz I 162 98 o Wie groß ist des Allmächtigen: Wie wohl hast du gelabet o Wie wohl ist mir, o Freund 497*0 Willkommen, Held im Streite 5⁵57 Nro. 0 Warum sollt ich mich denn 495 Warum willst du doch für. 496 Warum willst du draußen.. 27 Was alle Weisheit in der Welt 129 Wags frag' ich nach der Welt 268 Liederregister. Was Gott gefällt, mein.. 498 o Was Gott thut, das ist wohl⸗ gethan, es bleibt 499 Was Gott thut, das ist wohl⸗ gethan, so denken Was hinket ihr, betrog'ne.. 326 0 Wenn wir in höchsten Nöten 44 Wer das Kleinod will erlangen Werde munter, mein Gemüte Wer Gott vertraut, hat wohl 504 Wer im Herzen will erfahren o Wer ist wohl wie du. Wer nur den lieben Gott läßt Wer sich auf seine Schwachheit Wer sind die vor Gottes Wer weiß, wie nahe mir Wie bist du Seelle Wie fleucht dahin der Menschen Wie Gott mich führt, so will Wie herrlich ist's, ein Schäflein 275 Wie kurz ist doch der Menschen Wie schön ist's doch, Herr Jesu o Wie schön leuchtet der Morgen⸗ stern Wie schön leucht't uns der . Wie soll ich dich empfangen Wie wird mir dann, o dann. 277 9¹ o Wir danken dir, Herr Jeſu Chriſt, daß du für. Wir danken dir, Herr Jeſu Chriſt, daß du vom Wir danken Gott für ſeine Wird das nicht Freude ſein o Wir enen all' an einen Gott * Wir liegen hier zu deinen i ir loben dich, wir bene⸗ deien dich Wir Menſchen ſind zu dem, o Wir ihen m dir Immanuel Wir wiſſen nicht, Herr. Wohlauf, mein Herz zu Gott Wohl dem Menſe en, der nicht Wohl einem Haus, wo Jeſus Alphabetiſches Liederregiſter. 8‚*Zeuch—1 4.— Kind Wollt ihr wiſſen, was mein Womit ſoll ich dich wohl loben Wo ſoll ich fliehen hin. Wo willſt du hin, weil' 5 Abend Wunderanfang, herrlich Ende *o Wunderbarer König 3. o Zeuch ein zu meinen Thoren 11——— Iſrael, zu deiner—— euch uns nach din Zion, gieb dich nur Zion klagt mit Angſt und Zu dir iſt meine Seele ſtille. Zween der Jünger gehn mit 278 353 209 10⁰ 50 335 123 560 588 109 55 56 231 101 eeeeeeee.e· ... .— GNOSNNSS Crauung. V + Ich aber und mein Haus Joſ. 24, 15 Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes 20 haben wir: 510 QA eee, ,Lue L + ͤ,sGsss,gJa 77 V* ö geboren am N. QGoe.. NO. getauft am 31 +— wollen dem Herrn dienen S zu 7 +2. geboren am Æα E 2 GA „ 7 getauft am cte. 2 ZO, 7,.„. zu 2 L öce +e. MCe. CN den heiligen Ehebund geſchloſſen und im, am r W. 2 in der + Uirche zu 7 durch deye. 0. eingeſegnet worden HGott ſei uns 5 Inaͤdig und ſegne uns! Amen W N r— 8 XLE—. I4— m Rduuej hußoae.—— v o veltern. SNNS W 90 Barmherzig und gnädig iſt der Herr, geduldig und von großer Güte Pſ. 103, 8. a. Des Ehemannes: S Ainder. BONOS 2* 77* Ziehet eure Kinder auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn Eph. 6, 4. Geburtstag, Taufe, Taufpaten et Ein Ae, en 4 Quen, ke 2 224———— 47— Lt. I, He. 2* 7 . 2 2egenre 2 2 Ze E 2—2 Mugde, ee. ,F. lge,——.—w öz MMſ. aeeeeee Rrele eu Zein d. deg m. 2.. en. ů *I Me. B 2 2 V. 7 9 2. 2·0. 27.. F. „ + — +.... CLe. V 2 — ,.. d. z., F. bſ,=. H —— —.—. 2*.— D, N CNOe Ainder. O 0 M Geburtstag, Taufe, 0 55 etc. 2.—.— 22. Gg. 1 d, E/ e, 5 2 e 2*+* 5. 2— 2. 2 + e, e +. Marn. 2. 170 V OcWMe WA gahele Pzurben, en 2 2 — VeNNO Patenkinder. VC Es ſei denn, daß jemand von neuen geboren werde, Gottes nicht ſehen Des Ehemannes: Der Ehefrau: . sSSS N ſo kann er das Reich Joh. 3. 8 ———— 8 — SSNO Sterbefälle. G 6 Selig ſind die Toten, die in den Herrn ſterben. Offenb. 14, 13. N. Se N OS. Beſondere Notizen. Der Herr iſt freundlich, und ſeine Gnade währet ewig, für und für & — ²* 00 N —— V— und ſeine Wahrheit Pſalm 100, 5 48. πα 2—————— π rey CoOntroſChart Green VIlo Red Magenta Grey 4