2—————————*— PII— ·)ᷓuñw—PII—— „——— — +**. * V * V 2 * 8 ö —* ö 3 ů —— I 2 — ö I e 2 ö Cvangelisches Gesangbuch ö für das Großherzogthum Hessen. *—— * 4 Im Verlag Drahhe oRhen Invaliden⸗ und —.—»Anstalt. 1770* Darmstadt, 1867. Druck der L. C. Wittich'schen D Inhalt. Allgemeine Lieder beim Anfange und Schluß 2 der öffentlichen Gottesverehrung. Nr. 1— 9. 717. Erste Abtheilung. Christliche Glaubenslehren. Nr. 10— 289. ä Gott, dessen Wesen und Eigenschaften. . Nr. 10— 41.— und Größe ttes 13— 17. Auch 11. 56. 57. Ewigkeit um) Unveränderlichkeit Gottes 18. 20. Allgegenwark und Allwissenheit Gottes 21. 22. 24. 25. Allmacht Gottes 23. Auch 50. 72. Weisheit Gottes 26. 27. Auch 50. 59. Heiligkeit und Ge⸗ rechtigkeit Gottes 28. 29. Auch 270- 275. Wahr⸗ Dasein Gottes 7 Einheit Gottes 11. 12. Majestät haftigkeit und Treue Gottes 30. 31. Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes 32—39. Geduld, Lang⸗ muth und Gnadé Gottes 40. 41. 703. Die heilige Dreieinigkeit. Nr. 42—46. Werke und Wohlthaten Gottes. Nr. 47—242. Schöpfung 47—53. Auch 420 und 589. Vorsehung oder Erhaltung und Regierung der Welt 54—66. Auch 26. 34. 36. Von den Engeln 67—69. Der Mensch; seine Würde und Vorzüge 70—73. Bestimmung des Menschen 74—77. IV Erlösung 78— 187. Sündhaftigkeit des Menschen 78— 83. Folgen der Sünde 84— 88. Erlösung und Veredlung des Menschen durch Christum 89—100. Würde des Erlösers 101—103. Sendung und Ge⸗ burt Jesu(Adventslieder) 104—109. 704. 719. (Weihnachtslieder) 110—119. 729. Erscheinung Christi 120. 121. Darstellung Christi im Tempel 122. 123. Johannes, der Vorgänger Jesu 124. 125. Lehre, Leben und Thaten Jesu 126—134. 333. 479. Leiden, Tod und Begräbniß Jesu.(Passions⸗ lieder) 135— 173. Auferstehung Jesu(Oster⸗ lieder) 174— 184. 705. 723. 724. 725. Christi Hingang zum Vater und Verherrlichung 185—187. 706. 726. Heiligung 188242. Sendung des heiligen Geistes (Pfingstlieder) 188— 197. 727. Vom Worte Gottes 198— 208. 707. Von der heiligen christ⸗ lichen Kirche 209—218. 728. 729. 730. 733.734. 750. 754. Am Reformationsfest 210. Bei der hei⸗ ligen Taufe 219—224. Bei dem heiligen Abendmahle 225.—242. Auch 133. 161. 164. 165. 312. 335. Unsterblichkeit und Vergeltung nach dem Tode. Nr. 243—289. Vom Tode 243—263. 665. 666. Von der Auferstehung der Todten 264— 269. Auch 699. 708. Vom jüng⸗ sten Gerichte 29. 270— 275. 709. 710. 748. Selig⸗ keit der Frommen nach dem Tode 276— 287. 289. 7750 289 78. 312. Verdammniß der Gottlosen 273. 275⁵.— Zweite Abtheilung. Christliche Lebenspflichten. Nr. 290— 498. Gesinnung und Verhalten des Christen im Allge⸗ meinen. Nr. 290—354. Eigenschaften des Christen überhaupt. 290. 292. 293. 317. 325. 328. 336. 346. 347. 354. Werth und Wichtg⸗ ei ——————.— —————————— V keit der christlichen Tugend 291. 296. 310— 312. 314. 318. 319. 322. 324. 334. 342. 353. Entschluß zur christlichen Tugend 297. 313. 323. 330. 341. Selbstprüfung 295. 300. 338. 349. Erkenntniß der Sünde und Reue 78. 79. 83. 294. 306. Buße oder Sinnesänderung und Lebensbesserung 298. 299. 301. 304. 711. 735. Bitte um Gottes Beistand zum Guten 80. 337. 339. 340. Wider den Aufschub der Besserung 303. 307. Am allgemeinen Bußtage 309. Trost der Sündenvergebung durch Christum 302. 305. 308. 316. Auch 144. Thätiger Glaube an Jesum Christum 312. 320. 321. 326. 331— 333. 335. 343-345. 347. 348. 504. 736. 738. 740. Wach⸗ samkeit auf unsern Sinn und Wandel 81. 274. 349. Beharrlichkeit und Fortschritte in der Besserung 315. 327. 332. 350—-352. 737. Gesinnung und Verhalten des Christen in Beziehung auf Gott. Nr. 355—420. V. Erkenntniß Gottes 355—358. Ehrfurcht vor Gott und Gott 362. 9 des Eides 359—361. 754. Liebe zu ott 362. 365. 739. 752. 753. Gehorsam gegen Gott 366. 367. Freude in Gott 368—-370. Ver⸗ trauen auf Gott 371—390. 744. Gebet 391—403. 742. Dankbarkeit gegen Gott 404—411. 712. Lob Gottes 412.—420. 713. 714. 717. 718, Gesinnung und Verhalten des Christen gegen sich selbst. Nr. 421—476. Selbsterkenntniß und Demuth 421— 425. Selbstliebe 426. Selbstachtung 71. 73— 76. 443. Sorge für die Seele 427— 431. Sorge für Leib, Leben und Gesundheit 432— 435. Berufstreue 436— 439. Würdigung und weiser Gebrauch der irdischen Gü⸗ ter 440— 448. Weiser Gebrauch der Lebenszeit 445—448. 260—262. Genügsamkeit und Zufriehet *— Het VI heit 449— 452. Streben nach Herzens⸗ und Ge⸗ wissensruhe 453. 454. 500—503. Weiser Genuß der Lebensfreuden 455—458. Geduld und Gelas⸗ senheit im Leiden 459—476. ö Gesinnung und Verhalten des Christen gegen andere Menschen. Nr. 477— 498. Allgemeine Menschenliebe 477— 482. Mitfreude und Mitleid 482. Gerechtigkeit und Billigkeit 483. 484. Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit 485. 486. Dienst⸗ fertigkeit und Gefälligkeit 487. Sanftmuth, Fried⸗ lichkeit und Eintracht 488. Versöhnlichkeit und Fein⸗ desliebe 489.— 401. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit 492— 496. Gutes Beispiel 497. Bescheidenheit 421—424. 498. Glückseligkeit wahrer Christen 499—509. Auch 316. 319. . Dritte Abtheilung. Die Pflichten des Christen in besonderen Verbindungen, Zeiten und Umständen. Nr. 510—- 792. Gesinnung und Verhalten des Christen in beson⸗ deren gesellschaftlichen Verbindungen. Nr. 410—559.“ Häusliche Gesellschaft 510—532. Der Ehestand 512. 513. 745. Bei Trauungen 514. 515. Nach der Trauung 516. Aelternpflicht 517— 521. Kin⸗ despflicht 522— 524. Geschwisterliebe 525. Für Herrschaften 526. 527. Für Dienende 528. Für Für ——————— * VII Für Wittwen 530. Für Waisen 531. Dankbarkeit egen Wohlthäter 532. Kirchliche Gesellschaft 533—544. Lehrer und Zu⸗ hörer 533. Bei Einführung eines Religionslehrers 534. 731. Bei der Konfirmation 535— 542. 198. 330. Vor der Einsegnung 539. Nach der Einseg⸗ nung 540. Nach der Konfirmation 541. 542. Bei Einweihung einer Kirche 543. 732. Bei Einfüh⸗ rung eines Schullehrers 544. ö ö Bürgerliche Gesellschaft 545—556. Vaterlands⸗ liebe 546. Regent, CLbrigkeit und Unterthan 402. 547. 548. Hoher Stand 549. Der Richter 550. Der Soldat 551. Der Landmann 552. Der Nach⸗ bar 553. Umgang 554. Freundschaft 555. 556. Christliches Verhalten in Ansehung der Thiere und Bäume 557—559. Gesinnung und Verhalten des Christen zu besonde⸗ ren Zeiten. Nro. 560—624. Tageszeiten. Am Morgen 560- 570. Am Sonn⸗ tagsmorgen 571. Beim Anblicke der aufgehenden Sonne 572. Am Abend 573—583. Unter gestirn⸗ tem Himmel 584. Jahreszeiten 63. Im Frühling 585— 587. Im Sommer 588— 590. Im Herbst 591. 592. Im Winter 593. 594. Sdat⸗ und Aerndtezeit. Zur Saat eit 595. Nach einer reichen Aerndte 596. 597. 62. ach einer spar⸗ samen Aerndte 598. ů Witterung. Flehen um Regen 599. Nach verliehe⸗ nem Regen 600. Connei um Sonnenschein 601. Nach verliehenem onnenschein 602. Beim Ge⸗ witter 603. 604. Nach dem Gewitter 605. Jahreswechsel. Neujahrslieder 606—613. 721. 722. Beim Anfang des Kirchenjahres 614. 212. 719. Lebenszeiten. Am Geburtstage 615. 616. 66. 407. 411. 418. 576. Die Lebensalter 617. Für die Ju⸗ gend 618— 620. Für Jünglinge 621. 447. 455. 621 Für Jungfrauen 622. Für das Alter 623. e⸗ 2 ——— üf.2 VIII Gesinnung und Verhalten des Christen unter be⸗ sonderen Umständen. Nr. 625—702. Bei 620 Wohlstand 525. In allgemeiner Noth & für Sterbende 671. 675. Einsegnung eines benden 673. Der Tod des Frommen 674. Tode guter Aeltern 675. Beim Tode hoffnungs⸗ voller Kinder 676. 677. Beim Tode eines guten Ehegatten oder eines Freundes 678. Bei Begräb⸗ nissen 679— 702. Auch 243. 250. 258. 264. 265. 267. 269. 276. 278— 287. 289. Am Trauerhause und beim Zug zum Grabe 243. 246. 248. 253. 254. 258. 260. 262. 679. 680. 747. Am Grabe 681—691. Beim Grabe eines Verunglückten 692. Am Grabe Frühverstorbener 693—695. Am Grabe eines ver⸗ dienstyollen Lehrers und Seelsorgers 697. und Gelübde auf Gräbern 698— 700. Wiedersehens 701. 702. Liturgie zu den Geburtsfesten des Großherzogs und der Großherzogin. ————— In Kriegszeiten 62d— 630, Zur Frie⸗ densfeier 631. 632. In Theuerung 633. In Was⸗ sersnoth 634. 635. Nach überstandener Noth 636. Nach einer Feuersbrunst 637. Nach einem großen Verluste 638. Auf der Reise 639. Der reisende Jüngling 640. Fürbitte für liebe Abwesende 641. Bei ansteckenden Krankheiten 642. Nach denselben 643. In Krankheiten 644— 652. 252. 378. 382. 462. 463. 474. Abendmahlsfeier eines Kranken 653. 654. Fürbitte für Kranke und Leidende 655. 656. Nach der Genesung 657. 274. Vorbereitung auf den Tod und Trost für Sterbende 658— 668. 247. 260—262. 268. 270. 282—286. 746. Der sterbende Jüngling 669. Das sterbende Kind 670. Fürbitte Allgemeine Lieder bei der öffentlichen Gottes verehrung. Gomm, heiliger Geist! ö Erfüll die Herzen dei⸗ ner Gläubigen und ent⸗ gzzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannichfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast zur Einigkeit des Glau⸗ bens! Halleluja! Halleluja! In eigener Melodie. 2 Schöpfer; Gott, Herr *— der Zeit und Ewig⸗ keit, Vater der Barmherzig⸗ keit, aller Welt Erhalter und Regierer! Erbarme dich! 2. Christe, aller Welt Licht, unser Heil und Trost und Zuversicht, du Gottes ewger Sohn, ach, unser Mittler vor des Höchsten Thron, Hei⸗ land! brünstig seufzen wir zu dir: Erbarme dich! . 5. Hen w Geist, dich, dich flehen wir: führ uns, stärk uns und erhalt uns dir! Mit deinem Trost, o Gott, verlaß uns nicht in unsrer letzten Noth! Er⸗ barme dich! In eigener Melodie. ob, Preis und Ehre bringen wir, Gott, Vater, Sohn und Geist, nur dir! Es müsse jedes Land auf Erden mit deinem Ruhm er⸗ füllet werden! Wie selig, wie begnadigt ist ein Volk, deß Zuversicht du bist! O Höchster, deinem großen Na⸗ men sei ewig Ruhm und Ehre! Amen! Erhör uns, Gott! Erhör uns, Gott! Vor der Predigt. In eigener Melodie. 4 Liebster Jesu, wir sind hier, um dein göttlich Wort zu hören; lenke Sin⸗ nen und Begier zu des Him⸗ A mels — mels heilgen Lehren, daß das Herz. jetzt von der Erde ganz zu dir gezogen werde! 2. Dieses Lebens Wissen⸗ schaft bleibt mit Finsterniß umhüllet, wenn nicht deines Geistes Kraft uns mit Licht von Gott erfüllet! Lehr aufs Wort uns glaubend mer⸗ ken: laß es uns zur Tu⸗ gend stärken! 3. O du Glanz der Herr⸗ lichkeit, Licht vom Licht aus Gott geboren, dir sei unser Herz geweiht, dir zum Tem⸗ pel auserkoren! Lenke du Gebet und Lehre uns zum Heil und dir zur Ehre! — Mel. Liebster Jesu, wir sind A err! vor deinem An⸗ — H gesicht hat die An⸗ dacht uns versammelt. Ach, verwirf das Flehen nicht, das dein Volk dir, Höchster, stammelt! Hör auf unsre schwachen Lieder und sieh gnädig auf uns nieder! 2. Laß das Wort, das hier erschallt, viele gute Früchte bringen und mit göttlicher Gewalt tief in unsre Seelen dringen; laß es unsern Sinn ernenen und des Irrthums Nacht zerstreuen! 3. Mach uns so dein Wort bekannt, daß wir seine Vor⸗ schrift üben, dich und den, den du gesandt, Jesum Chri⸗ stum herzlich lieben: daß kein Allgemeine Lieder 1 Leid und keine Freude uns von dieser Liebe scheide! In voriger Melodie. 6 Dana komm ich zu dir, dich im Gei⸗ ste zu verehren. Vater! ach verleihe mir wahre Andacht, daß die Lehren deiner Weis⸗ heit mich recht rühren, mich den Weg zum Himmel füh⸗ ren. 2. Ach gib, daß dein theu⸗ res Wort meine Seele ganz f durchdringe und in mir, o Herr, mein Hort, Frucht d zum ewgen Leben bringe; gib, daß es mich mächtig stärke zur Vollbringung gu⸗ 0 ter Werke. 1 3. Laß es sein mein Trost, d mein Licht, Herr, auf allen 9 meinen Wegen; meine starke Zuversicht, wenn sich Zwei— fel in mir regen; meines Herzens höchste Freude, wann ich von der Welt einst scheide. n Vom Himmel kam der Mel. 7 O Gott! du bist mein z Preis und Ruhm: mein Herz sei ganz dein Ci de genthum! Laß mir den Sonn tag heilig sein und gern N ihn deinem Dienste weihn! te 2. Gib, daß ich mein Ge müth bewahr, wenn ich mit w deiner Christenschaar zu deisöhe nes Hauses Stätte geh und in so mit Ehrfurcht vor 160 si Cl⸗ 8 r⸗ sicht zu bei der öffentlichen Gottesverehrung. 3 3. Erinnre selber meinen Geist, daß du mir gegen⸗ wärtig seist, damit ich dei⸗ nes Wortes Lehr mit An⸗ dacht und mit Nutzen hör. 4. Drück Alles tief ins Herz hinein und laß mich nicht blos Hörer sein; steh mir mit deiner Gnade bei, daß ich des Wortes Thäter sei. 5. Hilf, daß ich deinen Ruhetag zu meinem Segen feiern mag; bewahr mich vor dem Geist der Welt, der deinen Tag verächtlich hält. 6. Was dein Wort heute in uns schafft, behalt die ganze Woche Kraft, und meine ganze Lebenszeit sei deinem Dienst uud Ruhm geweiht. Mel. Herr Jesu Christ, dich 8 Der du stets unsre ö Zuflucht bist, sei mit den Deinen, Jesu Christl send uns den Geist, der uns regiert und uns den Weg zur Wahrheit führt. 2. Er stärkt den wanken⸗ den Verstand, macht deine Lehre uns bekanntz er flammt zur Heiligkeit uns an; er lei⸗ tet uns des Lebens Bahn. 3. Halleluja! Einst singen wir, Gott, heilig! heilig! heilig! dir und schauen dich in deinem Licht von Ange⸗ Angesicht. Bei dem Schlusse der Gottesverehrung. Mel. Liebster Jesu, wir sind 9 H öchster Gott, wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben; hilf uns ferner, daß auch wir nach demselben heilig leben; gib dem Glauben solche Stärke, daß er thätig sei durch Werke. 2. Uns, o Vater, lehrest du, was wir thun und glau⸗ ben sollen; schenk uns deine Kraft dazu! Gib zum Wissen?⸗ auch das Wollen und zum Wollen das Vollbringen, so wird Alles wohlgelingen. 3. Gott sei Preis und Dank gebracht! Auch jetzt haben wir vernommen, was uns fromm und weise macht: Gottes Wort, den Trost der Frommen; Lehren, die zu guten Werken unsern schwa⸗ chen Glauben stärken. 4. Unser Gott erhört Ge⸗ bet, gibt uns seinen Vater⸗ segen. Wer nur seine Wege geht, findet Heil auf diesen Wegen. Laßt uns, um ihm zu gefallen, freudig seine Wege wallen! 5. Unsern Ausgang seg⸗ ne Gott, unsern Eingang A 2 glei⸗ 4 Gott, dessen Wesen leichermaßen, segne un⸗ uns mit selgem Ster⸗ er täglich Brod, segne un⸗ ben und mach uns zu Him⸗ ser Thun und Lassen, segne melserben. Erste Abtheilung. L ine der über die christlichen Glaubenslehren. Gott, dessen Wesen und Eigenschaften. Dasein Gottes. Mel. Kommt her zu mir 10 Wer könnte zwei⸗ feln, daß du bist, o Gott! der ganze Weltbau ist ein Zeuge deines Lebens. Zu sichtbar ists, daß Güt' und Macht mit Weisheit ihn hervorgebracht. Nichts ist daran vergebens. 2. Wohin auch nur mein Auge blickt, da seh ich Ord⸗ nung, die entzückt, im Gro⸗ ßen und im Kleinen; ich seh und ganz erstaunt bin ich, wie der Geschöpfe Heere sich zu Einem Ziel vereinen. 3. Eins muß dem andern nutzbar sein, daß die sich ihres Daseins freun, die sich empfinden können. Und wier doch wäre die Natur und ihre weise Ordnung nur des Zu⸗ falls Werk zu nennen? 4. Nein, wahrlich nicht von ungefähr entstanden Him⸗ mel, Erd und Meer: so konnte nichts entstehn! Nur du, Gott, schufest die Na⸗ tur, und einzig deine Crea⸗ tur' ist Alles, was wir sehen. 5. Du bists, der die ge⸗ schaffne Welt in ihrer Ord⸗ nung stets erhält, mit Weis⸗ heit sie regieret. Du bist es, der nach seinem Rath auch uns auf unsers Lebens Pfad mit weiser Gnade führet. 6. O wohl mir, Höchster, daß du bist, daß dein Werk Erd und Himmel ist! Nun ist gewiß mein Leben nicht eines blinden Zufalls Spiel; ich darf nach meiner Asche und Eigenschaften. 5 sche Ziel nun nicht vergeb⸗ lich streben. 7. Mein Sehnen nach Zu⸗ friedenheit, mein Durst nach ewger Seligkeit wird sicher nun gestillet, wenn nur zu dir mein Geist sich hält und nicht dieschnöde Lust der Welt hier mein Gemüth erfüllet. 8. Drum soll es stets mir Freude sein, dir, Gott, mein ganzes Herz zu weihn, zur Ehre dir zu leben. Du wirst mir dann in jeder Noth hier reichen Trost und einst im Tod des Himmels Wonne geben. Einheit Gottes. Mel. Es ist das Heil uns 11 Der Herr ist Gott Qund keiner mehr. Frohlockt ihm, alle From⸗ men! Wer ist ihm gleich? Wer ist, wie er, so herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam ist groß, er ist unendlich, gränzenlos in seinem ganzen Wesen. 2. Er ist und bleibet wie er ist. Wer strebet nicht ver⸗ gebens, ihn auszusprechen? Wer ermißt die Dauer sei⸗ nes Lebens? Wir Menschen sind von gestern her; eh noch die Erde war, war er, noch eher, als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet; ihn fas⸗ sen alle Himmel nicht, wie weit er sie erfüllet. Er blei⸗ bet ewig, wie er war, ver⸗ borgen und auch offenbar in seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, kennet, was er schafft, der Wesen Oes Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand und Kraft und Stärke: seine Hand umspannet Erd und Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern; weiß er nicht alle Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsterniß, was ihr beginnt; er siehts gewiß, er sieht es schon von ferne. 6. Wer schützt den Welt⸗ bau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwär⸗ tig breitet sich dein Fittig über Alle. Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Ver⸗ schoner. ö 7. Gerecht bist du, bist heilig, gut und reiner, als die Sonne! Wohl dem, der deinen Willen thut, denn du vergiltst mit Wonne! Du hast Unsterblichkeit allein, bist selig, wirst es ewig sein, der Seligkeiten Fülle! 8. Du nur verdienest Lob und Dank, du nur Gesang A 3 und 6 Gott, dessen Wesen und Ehre! Kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er, so herrlich, so vollkom-⸗ men? Mel. Mein erst Geschäft sei 12 Ei ist nur Einer Herr und Gott im Himmel und auf Erden. Nur sein allmächtiges Ge⸗ bot hieß Erd und Himmel werden. 2. Was er erschuf, das känn allein durch seine Kraft bestehen; will er, die Welt soll nicht mehr sein, so muß die Welt vergehen. 3. Mit Allgewalt und Majestät ist nur er Welt⸗ regierer, der Sterne, die er ausgesät, und unsers Lebens Führer. 4. Groß ist sein Name, mit der That kann ers der Welt beweisen. Herr! groß an Huld, an Macht und Rath, wer sollte dich nicht preisen? 5. Dich preist entzückt der Himmel Heer; es kennt nicht deines Gleichen! Nur du bist Gott, sonst keiner mehr; sollt ich von dir je weichen? 6. Nein, ewig bleibst du mir allein der Herr, dem ich anhange; und ewig solls kein Andrer sein, von dem ich Heil verlange. 7. Mein ganzes Leben welh ich dir, du Gott, auf den ich traue, bis ich dich einst noch mehr, als hier, in deiner Größe schaue. Majestät u. Größe Gottes. In eigener Melodie. 13 Schwingt heilige Gedanken, euch von der Erde los! Gott, srei von allen Schranken, ist unaussprechlich groß. Lobsinget Gott, lobsingt vor seinem Angesichte! Er wohnt in einem Lichte, zu dem kein Auge dringt. 2. Kein Sinn kann ihn erreichen, kein endlicher Ver⸗ stand; was kann sich ihm vergleichen? Wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm kein Bild, der aller Welten Kreise zu seinem ewgen Preise mit Herrlich⸗ keit erfüllt! 3. Die Sonn in hoher Ferne mag strahlenreicher glühn; glänzt heller noch, ihr Sterne, was seid ihr gegen ihn? Ihr seid mit eurer Pracht in eurem schön⸗ sten Lichte vor seinem An⸗ gesichte nur Schimmer sei⸗ ner Macht. 4. Wie sollen wir dich nennen, dich Vater* Ur“ — und Eigenschaften. 7 tur? Was wissen wir? Wir kennen der Wesen Hülle nur. Der Weisen Scharf— sinn steigt nie zur Natur der Geister. Hier staunt der klügste Meister; er glaubet nur und schweigt. 5. Von dir strömt alles Leben, du bist der reinste Geist; du hast die Kraft ge⸗ geben dem Engel, der dich preist. In deinem Heilig⸗ thum ertönen Lobgesänge in seiner Brüder Menge, zu deines Namens Ruhm. 6. Stimm in der Engel Chöre, o meine Seele, auch; sei voll von Gottes Ehre, du, seines Odem Hauch! Wie groß ist dein Beruf! Auf, widme deine Kräfte dem würdigsten Geschäfte, wozu dich Gott erschuf. 7. Im Geiste bet ihn, Seele, bet ihn in Wahrheit an! Liebst du des Herrn Befehle, wie selig bist du dann! Er hat Unsterblich⸗ keit und Seligkeit und Leben: das Alles wird er geben dem, der sich ganz ihm weiht. Mel. Nun danket Alle Gott 1 4 Anbetungswürdger Gott, mit Ehr⸗ furcht stets zu nennen! du bist unendlich mehr, als wir begreifen können. O flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein und laß mich stets vor dir voll Ehrerbie⸗ tung sein! 2. Du bist das höchste Gut, du weißt von keinem Leide; höchst selig in dir selbst, schmeckst du vollkomm⸗ ne Freude. Dein ist die Herrlichkeit; auch ohne Crea⸗ tur bist du dir selbst genug, du Schöpfer der Natur. 3. Du riefst dem, das nicht war, um Lust und Seligkeiten aufs mannichfal⸗ tigste rings um dich auszu⸗ breiten. Du bist die Liebe selbst; Verstand und Rath sind dein: und du gebrauchst sie gern zu segnen, zu erfreun. 4. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmäch⸗ tig: Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde. Mit deinem kräftgen Wort trägst du die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was uns unmög⸗ lich fällt. 5. Du bist der Herren Herr, der Erde Majestäten sind“, Höchster, vor dir Staub; auch Geister kannst du tödten. Wen du ernie⸗ drigest, Gott, wer kann den erhöhn? wen du erhöhen willst, deß Hoheit muß be⸗ stehn. ö 6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besitzet, der Leben gibt und nimmt, der unsern Odem schützet; den Geist, der in uns lebt, den A 4 ha⸗ 8 Gott, dessen Wesen haben wir von dir. Willst du, so wird er Nichts, doch du bleibst für und für. 7. Wer hat, Unendlicher, wer hat dich je gesehen? Kein sterblich Auge reicht bis zu des Lichtes Höhen, von welchen du mit Huld auf deine Schöpfung blickst und Alles, was da lebt, mit Seligkeit beglückst. 8. Was wir, Unendlicher, von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zuvor uns offenbaren müssen. Die Schöpfung zeugt von dir; und deines Sohnes Mund macht uns noch deutlicher, Gott, deine Liebe kund. 9. Wir schaun dich nur von fern, noch schwach, noch unvollkommen; doch wird die grobe Hüll dereinst hin⸗ weggenommen, die, Unbe⸗ greiflicher, dich unserm Blick verschließt, dann sehen wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist. 10. Indeß sei auch schon hier dein Ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein Lob von lallend schwa⸗ chen Zungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht stehn, ein beßrer Preisgesang dich, großer Gott, erhöhn. ů Mel. Freu dich sehr, o meine S. 15 H'der vi wer ists, der dir gleichet? Was sind Engel? Was bin ich? Du, an den kein Se⸗ raph reichet, wer, ach! wer begreifet dich? Niemand war und Niemand ist, was du warst und immer bist. Wer ersteigt des Himmels Höhen, um dich selbst im Licht zu sehen? 2. Unerschaffner, Erster, Bester, Schöpfer, Vater der Natur, du der höhern Gei⸗ ster größter, Gott der Men⸗ schen, Gott der Flur! du bist ganz Vollkommenheit, lebst und wirtst von Ewig⸗ keit. Wer verkennt bei dem Gedanken seiner Einsicht enge Schranken? 3. Du, der Ursprung al⸗ ler Gaben und Beherrscher jeder Welt, über Alles hoch erhaben, was ihr Umfang in sich hält, du bist unver⸗ änderlich, Alles, Alles blos durch dich. Nur in deines Reiches Gränzen sehn wir deine Wunder glänzen. 4. Ja, du wohnst in ei⸗ nem Lichte, das kein Mensch durchdringen kann. Deine Wege und Gerichte staunet selbst der Engel an. Kein Erschaffner siehet ganz dei⸗ ner Hoheit vollen Glanz. Stets wird neue Tiefen finden, wers versucht, sie zu ergründen. 5. Dennoch soll mir mei⸗ nen Glauben, daß du bist und auch für mich, nie der Thor 2—— + e‚e S E — * 2 =S IV nrsnr nrN st und Eigenschaften. 9 Thor und Spötter rauben, der vom Tugendpfade wich. Sei gleich unerforschlich mir, dennoch bleib ich stets an dir. Welten sinds, die von dir zeugen und mein Herz zum Glauben neigen. In eigener Melodie. 16(Ciht Gott! was reicht an deine Größe! Denk ich an dich, so fühl ich meine Blöße; ich fühle, Herr, daß du un⸗ endlich bist, und daß be⸗ schränkt mein forschend Den⸗ ken ist. 2. Du wohnst im Licht, wozu kein Mensch kann kommen. Was haben wir von deinem Ruhm vernom⸗ men? Den kleinsten Theil von deiner Majestät, die 0 1n und über Alles geht. 3. Dein ewges Sein, dein ganz vollkommnes Wesen: das, was du wirkst, und was dein Rath erlesen, ist viel zu hoch für menschli⸗ chen Verstand: von Engeln selbst wird es nie ganz er⸗ kannt. 4. Wie sollt ich denn, ich Staub, mich unterwinden, Unendlicher, dich völlig zu ergründen? O mache mich von solchen Dünkel frei und gib, daß nur dein Wort mir Richtschnur sei. 5. Mein eigner Geist kann sich leicht hintergehen. Dein Wort ist wahr, es bleibet ewig stehen. Erforsch ich gleich dein göttlich Wesen nicht, so gnüge mir davon dein Unterricht. 6. Von dir, durch dich, zu dir sind alle Dinge; gib, daß ich dir mich selbst zum Opfer bringe. Begreif ichs nicht, wie du die Welt re⸗ gierst, so sei mirs g'nug, daß du mich selig führst. 7. Einst wirst du dich mir näher offenbaren; einst werd ich mehr von deinem Rath erfahren, wenn ich nur dem, was mich dein Wort ge⸗ lehrt, geglaubt, gefolgt und treu dich hier verehrt. 8. Drum hilf, daß ich mit Ehrfurcht vor dir wandle; in allem Thun nach deinem Willen handle, zufrieden sei, wie du mich hier re⸗ gierst, bis du mich einst zu deinem Himmel führst. 9. Dann werd ich dich im hellern Lichte sehen und, froh in dir, dein ewig Lob erhöhen! Herr! du bist groß und zeigst es mit der That, unendlich groß an Huld, an Macht und Rath. In eigener Melodie. 17 Got ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; groß ist sein Nam und groß sind seine A 5 Wer⸗ 10 Werke und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, so sind und leben Welten; und er. gebeut, so fallen durch sein Schelten die Him⸗ mel wieder in ihr Richts. 3. Licht ist sein Kleid, und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott und Gott in ewgen Zeiten, Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war im Himmel, Erd und Meere, das kennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schastt, daß ich sicher ruhe, er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sitzest oder gehest. Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest; so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, und eilt, mir gnädig beizustehn. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, da ich noch un⸗ bereitet war. ..ͤK⸗ͤ:⸗:—.—.— 22 Gott, dessen Wesen 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fas⸗ sen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, ver⸗ kündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Wei⸗ den; und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. ö 14. Kein derden Wallen Herr, ohne deinen Willen: sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält 2 15. Ist Gott mein Schutz, will Gott mein Retter wer⸗ den; so frag ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete selbst der Hölle Trutz. Ewigkeit und Unveränder⸗ lichkeit Gottes. Mel. Liebster Jesu, wir sind 18 Ge du bist von ö Ewigkeit, und dein und Eigenschaften. 11 dein herrlich großes Wesen ändert sich zu keiner Zeit. Du bleibst stets, was du gewesen. Laß dieß meinen Geist beleben, ehrfurchts⸗ voll dich zu erheben. 2. Ewig und unwandel⸗ bar ist, o Gott, dein hohes Wissen; was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein Ausspruch fehlen. Laß mich ihn zum Leitstern wählen! 3. Herr! du bist kein Menschenkind, daß dich et— was reuen sollte; immer bleibst du gleich gesinnt. Was dein Rathschluß vor⸗ mals wollte, willst du noch. O hilf uns allen thun nach deinem Wohlgefallen! 4. Sünden bleibst du ewig Feind; wehe denen, die sie lieben. Ewig bleibst du de⸗ rer Freund, die, was recht und gut ist, üben. Laß uns darin schon auf Erden dei⸗ nem Bilde ähnlich werden. 5. Deine Worte trügen nicht. Du bist ewig der Ge⸗ treue, der da hält, was er verspricht. O, daß dieß mich stets erfreue! Laß nur dei⸗ nen Geist mich treiben, dir, Rn auch getreu zu blei⸗ en. 6. Stets ist Wohlthun deine Lust, ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit Lust mich in deinem Willen übe! Dann, o Herr, wirds meiner See⸗ len nie an wahrem Wohl⸗ sein fehlen. 7. Erd und Himmel wird vergehen: alle Welt wird mich verlassen. Nur durch dich kann ich bestehen. Deine Hand wird mich umfassen, wann ich nun von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude. 8. Laß mir doch zu jeder Zeit, Herr des Himmels Und der Erden, diese deine Ewigkeit einen starken An⸗ trieb werden, dich zu lieben, dir zu trauen und mein Glück auf dich zu bauen. Mel. Erhabner Gott 19 H d Gott, du bist die Zuflucht aller Zeiten, denn du bist Gott in allen Ewigkeiten. Du warst es schon, eh Erd und Himmel ward, eh noch dein Arm sich uns geoffen⸗ bart. 2. Was bin ich, Herr, und alle Menschenkinder? Staub sind vor dir der Hei⸗ lige, der Sünder. ie schnell entflieht das Leben doch von mir! Du, Höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du hast vorhin die Erde zubereitet; dein Arm hat, Gott, den Himmel aus⸗ gebreitet. Doch sie vergehn, A 6 ver 12 Gott, dessen Wesen veralten wie ein Kleid; du aber bleibst in alle Ewig⸗ keit. 4. Es werden noch die Himmel und die Erden wie ein Gewand von dir ver⸗ wandelt werden; du bleibest, wie du bist: denn welche Zeit umgränzet wohl, Herr, die Unendlichkeit? 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte, du schützest sie mit deiner starken Rechte, du läßt ihr Herz sich ewig deiner freun und bleibst ihr Gott: denn sie sind ewig dein. 6. Das sei mein Trost in allen trüben Stunden; vom Tode selbst bleibt er un⸗ Uberwunden. Kein Tod, kein Grab trennt mich, o Gott, von dir: mein Fels, mein Heil, das bleibst du ewig mir. Mel. Ich freue mich, mein Gott 20 So wie du bist, so warst du schon, Gott, ehe du von deinem Thron Geschöpfe, die nicht waren, beriefst zu sein, um deine Macht und Güte zu erfahren. ö 2. Du wirst auch sein, so wie du bist, wenn längst die Erde riche mehr ist, wenn längst schon Ewigkeiten uns Kämpfer krönen, die wir hier um deinen Himmel streiten! 3. Von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit kann deines Wesens Herrlichkeit sich selbst nicht ungleich werden, bedarf auch nie, sich gleich zu sein, der Himmel und der Erden. 4. Gott, mit dir unver⸗ änderlich, bezeugte deine Weisheit sich Geschöpfen, die da waren, und wird den Welten, die du schufst, sich ferner offenbaren. 5. Ob Felsen weichen, Berg ins Thal sich stürzen, daß von ihrem Fall die Erde weit erzittert, bleibt deiner Liebe Bund mit mir doch ewig unerschüttert. 6. Was zaget denn mein Herz in mir; was klag ich ängstlich, daß ich hier kein dauernd Gut genieße, und daß in Unbeständigkeit dieß Leben mir verfließe! 7. Was klag ich, der dein Wort noch hat, den Trost, daß meine Missethat mich einst gewiß nicht richte, und daß mein Erbtheil ewig sei vor deinem Angesichte! 8. Was klag ich! Liebest du mich doch mit aller dei⸗ ner Liebe noch und willst mich ewig lieben, hast sel⸗ ber meinen Namen dir in deine Hand geschrieben. 9. Ja, ich bin Gottes, Gott ist mein; und ewig, ewig wirst du's sein. Von dir kann mich nichts scheiden. Die Welt vergeht mit ihrer Lust ——— und Eigenschaften. Lust, nicht du und deine Freuden. Allgegenwart Gottes. Auf, Christenmensch! 21 Nie bist du, Höch⸗ ster, von uns fern; du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin in deinen Händen. Dur dich nur leb und athme ich; denn deine Rechte schützet mich. 2. Was ich gedenke, weis⸗ sest du; du prüfest meine Seele. Du siehst es, wenn ich Gutes thu, du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aue entfliehn und nichts much deiner Hand entziehn. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit mein Herz an dich ergebe und, über deine Huld erfreut, lobsingend dich erhebe; so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wenn des Herzens Rath verkehrte Wege wählet; und bleibt auch eine böse That vor al⸗ ler Welt verhehlet, so weißt du sie und strafest mich zu meiner Beßrung väterlich. 5. Du hörest meinen Seuf⸗ zern zu, daß Hülfe mir er⸗ scheine. Voll Mitleid, Va⸗ 13 ter, zählest du die Thränen, die ich weine! Du siehst und wägest meinen Schmerz und stärkst mit deinem Trost mein Herz. ö 6. O drück, Allgegenwär⸗ tiger, dieß tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, mein Herz zur Zuflucht wähle; daß ich dein heilig Auge scheu und dir zu dienen eifrig sei. 7. Laß überall gewissen⸗ haft nach deinem Wort mich handeln und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getrost zu wandeln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, das tröst und beßre meinen Geist. In eigener Melodie. 22 An nn nent ich bin dir nicht verborgen, wo ich bin, wollt auch auf schnellen Schwin⸗ gen mich an die fernsten Meere hin die Morgenröthe bringen. 2. Flieg ich zum Himmel hoch empor, mich unter sei⸗ nem Sternenchor im Glanze zu verstecken, so bist du da, ziehst mich hervor, und Schande wird mich decken. 3. Steig ich von deinem Thron hinab ins Haus der Finsterniß, das Grab: du bist auch da zugegen; auch da folgt mir dein Richterstab auf schauervollen Wegen. A 7 4. Der 14 Gott, dessen Wesen 4. Der Alles schuf, ist Allmacht Gottes. überall? o fürchterlicher Donnerschall in aller Sün⸗ In eigener Melodie. der Ohren! Sie fürchten 23 err, deine All⸗ keinen Ueberfall: nun zit⸗ macht reicht so tern sie, die Thoren. weit, als selbst dein Wollen 5. Der Gott des Himmels reichet. Nichts ist, das dei⸗ ist so nah, das Heiligste der ner Herrlichkeit und deinen Wesen sah, was wir im Thaten gleichet. Was ist Herzen dachten, was in ge⸗ zu groß, was ist zu schwer, heimer Nacht geschah, wann das dir zu thun Unmöglich wir und Satan wachten. wär 2 6. Wir Thoren haben 2. Du sprichst, und auf wohl gedacht, du würdest dein mächtig Wort fällt uns, o Mitternacht, mit Alles dir zu Füßen. Du schwarzen Flügeln decken! führest deinen Rathschluß Umsonst! Gott wacht um fort bei allen Hindernissen. uns, er wacht mit allen Wenn du gebeutst, so steht seinen Schrecken. auch da, was noch zuvor 7. Noch keines Herzens kein Auge sah. böser Rath, ihr Sünder, 3. Du hast dein großes keine schnöde That ist sei⸗ Schöpfungswerk allmächtig nem Aug entronnen. Er ausgeführet. Es bleibet kennet den geheimen Pfad stets dein Augenmerk und des Staubes und der Son⸗ wird durch dich regieret. nen. ö Noch immerfort besteht die 8. O gehe nicht, Herr, Welt, weil deine Allmacht ins Gericht, wenn wider sie erhält. die gelobte Pflicht wir, 4. Die Größe deiner deine Knechte handeln! Laß Thaten zeigt, daß, Schöpfer, uns vor deinem Angesicht dein Vermögen weit über in frommer Ehrfurcht wan⸗ alle Kräfte steigt, die die I deln! ů Natur bewegen. Du bleibst 9. Daß deinem Blicke ihr Herr, in deiner Hand nichts entflieht, was war bleibt Alles, was durch und ist und einst geschieht, dich entstand. V sei meine Ruh und Freude! 5. Was für ein Wunder * Ein Gott, der Alles weiß deiner Macht wird unser und sieht, der weiß auch, Aug einst sehen, wann nach 4 wann ich leide. der langen Grabesnacht die Todten auferstehen, 229 1 ̃ 139 und Eigenschaften. 15 du von unserm Staub den Rest zu neuen Körpern werden läßt! 6. Allmächtiger, erstaunt fall ich vor deinem Throne nieder; mein blöder Geist verlieret sich und lallt nur schwache Lieder, bewundert dich und deine Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. 7. O schenke mir die Zu⸗ versicht, die deiner Macht vertrauet; der Macht, die Hülf und Trost verspricht, wenn man auf dich nur bauet, auf dich und deines Armes Kraft, die Alles kann und Alles schafft. Allwissenheit Gottes. Mel. O Gott, du frommer Gott 2 4 Hem du erforschest mich, dir bin ich unverborgen; du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen, was meine Seele denkt, war dir bereits be⸗ kannt, eh der Gedanke noch in meiner Seel entstand. 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest. Du schaffest, was ich thu; du ordnest, du beschließest, was mir be⸗ gegnen soll. Erstaunt seh ich auf dich: wie groß ist dein Verstand! wie wunder⸗ bar für mich! 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? Wo könnt ich jemals wohl mich deinem Aug entziehen? Führ ich gen Himmel auf, so bist du, Höchster, da; führ ich zur Tief hinab, auch hier bist du mir nah. 4. Nähm ich auch, schnell zu fliehn, die Fittige vom Morgen, selbst an dem fernsten Meer blieb ich dir nicht verborgen. Auch da umschlösse mich doch deine Allmachtshand, denn du bist überall, und dein ist jedes Land. 5. Spräch ich zur Finster⸗ niß: sei um mich, mich zu decken! so sucht ich doch um⸗ sonst vor dir mich zu ver⸗ stecken, denn auch die Fin⸗ sterniß ist vor dir helles Licht; die Nacht glänzt wie der Tag vor deinem An⸗ gesicht. 6. Du warst schon über mir in meiner Mutter Leibe; du bildetest mein Herz, Gott, deß ich bin und bleibe! Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht und meiner, eh ich war, schon väterlich gedacht. 7. Du kanntest mein Ge⸗ bein, eh ich ans Licht ge⸗ kommen, da ich im Dunklen erst die Bildung angenom⸗ men. Dein Auge sah mich schon, eh ich bereitet war, und meiner Tage Lauf war dir schon offenbar. ö 8. Was für Wtine ür 16 für köstliche Gedanken! Un⸗ ählbar sind sie mir, denn ie sind ohne Schranken. Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schöpfer, sehn, dir folgen und dein Lob, so gut ich kann erhöhn. 9. Erforsche mich, mein Gott, und prüfe, wie ichs meine; ob ich rechtschaffen bin, wie ich von außen scheine. Sieh, ob mein Fuß vielleicht auf falschem Wege geht, und leite mich den Weg, der mich zu dir er⸗ höht. Mel. Wie groß ist des Allmächt⸗ gen Güte, 25 Woe sind die Wei⸗ sen, die mich lehren, wie unser Gott all⸗ wissend ist? wer kann mir Forschenden erklären, was sein Verstand faßt und er⸗ mißt? Wer kennet ihn von Angesichte? wer, wenn er noch so hoch sich schwingt? Bekennts: Er wohnt in einem Lichte, zu dem kein sterblich Auge dringt⸗ 2. Könnt ich die Sterne Gottes zählen, der Erde Staub, den Sand am Meer und die Gedanken aller See⸗ len von ihrem ersten Ur⸗ sprung her, so wär ich wei⸗ ser, als auf Erden ein Mensch ist, als am Strom des Lichts vielleicht selbst Engel jemals werden: doch Gott, dessen Wesen wüßt ich gegen Gott noch nichts. 3. Nichts gegen ihn, der sie durchschauet, die Tiefen der Unendlichkeit und jede Welt, die er gebauet, und jeden Punkt der Ewigkeit. O du, der Alles weiß und nennet, was ist, was wer⸗ den soll und war: wie bist du jedem, der dich kennet, unendlich groß und wun⸗ derbar! 4. Ja, dich bewundern, dir vertrauen ist meines Geistes erste Pflicht. Mit Ehrfurcht darf ich nach dir schauen, doch dich begreifen kann ich nicht. Gott, nach dem Licht, in dem du woh⸗ nest, schau ich mit heiliger Begier; du siehst es gnä⸗ dig und belohnest mit Weis⸗ heit meinen Blick nach dir. 5. Die Weisheit warnet mich vor Sünden, vor Selbstbetrug und Heuchelei. Ich denke stets: Gott kann mich finden, wie tief ver⸗ borgen ich auch sei. Vor ihm kann keine Nacht mich decken, kein falscher Schein betrüget ihn. Mich würde stets sein Dasein schrecken, könnt ich gleich aus der Welt entfliehn. 6. Wer kennet seines Her⸗ zens Tiefen? Wer darf, o Gott, sich selber traun? All⸗ wissender, du wollst mich prüfen, du wollest ganz mein ——— und Eigenschaften. 17 mein Herz durchschaun. Er⸗ blickst du mich auf bösen Wegen, so führe mich auf deine Bahn und laß mich einst am Ziel den Segen der Frömmigkeit von dir empfahn! Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott 26 Dsnimen der aller Dinge, der Alles weiß, erkennt, ver⸗ steht! Nichts ist so groß, nichts so geringe, das nicht nach deiner Ordnung geht. Denn der Geschöpfe ganzem Chor schreibst du Maas, Ziel und Regel vor. 2. Die vielen wundervol⸗ len Werke, was unsern Au⸗ gen fern und nah, stehn als Beweise deiner Stärke, als Zeugen deiner Weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein Verstand: der ganze Weltbau machts bekannt. 3. Mit eben diesen Mei⸗ sterhänden, mit welchen du die Welt gemacht, regierst du auch an allen Enden, was dein Verstand hervor-⸗ gebracht. Du brauchst, o unerschaffnes Licht, der Menschen Rath und Bei⸗ stand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, krönt auch, sobald du willst, die That; wenn tausend Hindernisse kommen, so triumphirt dein hoher Rath. Den besten Zweck wählt dein Verstand; die Mittel stehn in deiner Hand. ö 5. Die Menge so ver⸗ schiedner Willen, wo jeder seinen—— erwählt, muß doch den deinen blos er⸗ füllen, der seines Zieles nie verfehlt und aller Feinde stolzen Wahn als Unver⸗ nunft beschämen kann. 6. O Weisheit! decke mei⸗ ner Seele die angeborne Thorheit auf, damit sie dich zum Leitstern wähle auf ihrem sonst verwirrten Lauf. Ich weiß den Weg zur Wohlfahrt nicht, drum leite mich dein sichres Licht. 7. Du hast mich durch mein ganzes Leben nach deinem Weisen Rath geführt. Mein Geist muß dir die Ehre geben, daß du aufs beste mich regiert; o leite mich durch Welt und Zeit hinüber in die Ewigkeit! Mel. Gott des Himmels und der Erden 27 Unne sei mir immer mei⸗ nes Gottes Weg und Rath, und die Nacht sei ohne Schimmer, die mich hier umschattet hat; doch s. Es, 18 les, was er thut, wies auch scheine, weis und gut. 2. Sollt ich meinen Gott nur loben, wenn ich seine Absicht seh? Pflicht ists, ihn auch dann zu loben, wenn ich sie noch nicht ver⸗ steh. Frevelt der nicht, wel⸗ cher klagt, daß ihm Gott mehr Licht versagt? 3. Soll ein Vater unter⸗ lassen, was dem Kinde Thorheit ist? Kühner Tad⸗ ler! Engel fassen das, wo du im Dunkeln bist. Hier sollst du dem Herrn ver⸗ traun, glauben, noch nicht völlig schaun. 4. Sollt er zu Regiere⸗ rinnen seiner Werke, seiner Welt meine Lüste setzen? sinnen, ordnen, thun, was mir gefällt? Wohl uns, wenn er nie gewährt, was ein thöricht Herz begehrt! 5. Hier in meinem Pilger⸗ stande hei mein Theil Zu⸗ friedenheit; dort in meinem Vaterlande wohnt die wahre Seligkeit. Führt mein Gang zum Himmel ein, mag er immer dunkel sein. 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen wandelst, ach! so klage nicht. Was hier schmerzet, wird dort Segen: was hier Nacht ist, wird dort Licht, und ich faß erst Gottes Sinn, wann ich ganz vollendet bin. Gott, dessen Wesen Heiligkeit und Gerechtig⸗ keit Gottes. Mel. Freu dich sehr, o meine 28 Gern vor dessen Angesichte nur ein reiner Wandel gilt; ewges Licht, aus dessen Lichte stets die reinste Wahr⸗ heit quillt: deines Namens Heiligkeit werde stets von uns gescheut! Laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen! 2. Heilig ist dein ganzes Wesen, und kein Böses ist an dir. Ewig bist du so gewesen und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, ist untadelhaft, ist gut; und mit deines Armes Stärke wirkst du stets vollkommne Werke. ö 3. Herr, du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich sein. Nie besteht vor dir der Sünder; denn du bist vollkommen rein. Nur der Fromme darf sich dein, deiner Gnad und Huld erfreun. Wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O! so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaff in uns stets reine Herzen; tödt in uns der Sünden Macht! Denn was sind wir, Gott, vor dir? Du he⸗ ei⸗ ————— und Eigenschaften. 19 heilig, aber wir sind ver⸗ derbt, und wer kann zäh⸗ len, großer Gott, wie oft wir fehlen? 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin. O so reinige vom Bösen unsern ganzen Sinn durch ihn. Gib uns, wie dein Wort verheißt, gib uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere und uns zu dem Himmel führe. 6. Jede Neigung und Be⸗ gierde, jede That sei dir geweiht! Unsers Wandels größte Zierde sei rechtschaffne Heiligkeit! Mach uns dei⸗ nem Bilde gleich; denn zu deinem Himmelreich wirst du, Herr, nur die erheben, die im Glauben heilig leben. Mel. Schon ist der Tag von Gott 29 Gerechter Gott, vor dein Ge⸗ richt muß alle Welt sich stellen; du wirst in ihrem Angesicht auch mir mein Urtheil fällen. O laß mich jede Sünde scheun und hier mit Ernst beflissen sein, vor dir einst zu bestehen. 2. Du siehst von deinem hohen Thron herab auf deine Kinder; bestimmest jedem seinen Lohn, dem Frommen und dem Sünder. Nicht 0 du die Personen an, auf das allein, was wir gethan, siehst du, ge⸗ rechter Richter. 3. Das Vorgefühl der Seligkeit gibst du schon hier den Frommen; du schützest sie vor manchem Leid, in das die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlgefällt, den man der Tugend widmet. 4. Du liebst, was recht ist, Herr, und gut, du bist ein Freund der Frommen. Wer deinen Willen gerne thut, wird von dir aufge⸗ nommen. Sein Tugend⸗ fleiß gefällt dir wohl, ist er gleich nicht so, wie er soll, ganz heilig, anz voll⸗ kommen. 5. Doch dem, der dich, o Gott, nicht scheut, dem frevelnden Verbrecher, der dein Gesetz und Recht ent⸗ weiht, bist du ein strenger Rächer. Verachtung, Elend, Schmerz und Hohn, Ge⸗ wissensmartern sind sein Lohn oft schon in diesem Leben. 6. Bleibt hier viel Böses ungestraft, viel Gutes un⸗ belohnet, so kommt ein Tag der Rechenschaft, der keines Sünders schonet. Da zeigest du im hellsten Licht, wie recht und billig dein Ge⸗ richt; dann triumphirt der Fromme. 7. Gerechter Gott! Laß mich, mich, wie du, das Gute eifrig lieben; verleihe mir die Kraft dazu, es willig auszuüben. Regt sich die Sünde noch in mir, so stärke mich die Furcht vor dir, daß ich sie überwinde. Treue und Wahrhaftigkeit Gottes. — Mel. Wer nur den lieben Gott 30 Ne nie hast du dein Wort ge⸗ brochen, nie deinen Bund, o Gott, verletzt. Du hälst getreu, was du versprochen, vollführst, was du dir vor⸗ gesetzt. SVenn Erd und Himmel auich vergehn, wird ewig doch dein Wort be⸗ stehn. ö ö 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Wort verheißen hat; nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du. was du versprichst, zur That. Scheint die Erfül⸗ lung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Zeit. 3. Und wie du das un⸗ fehlbar giebest, was deine Lieb uns zugedacht: so wird, wann du Vergeltung übest, die Drohung auch gewiß vollbracht: wer hier ver⸗ letzet seine Pflicht, entgehet deiner Strafe nicht. Gott, dessen Wesen 4. O drücke tief dieß in mein Herze, daß es vor deinem Wort sich scheut; gib, daß ich nie leichtsinnig scherze mit deiner Strafge⸗ rechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, was dein Befehl mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit festem Glauben dem Worte deiner Gnade traun. Wer kann den Trost uns jemals rauben, den wir auf dein Versprechen baun? Du bist ein Fels, dein Bund steht fest; wohl dem, der sich auf Gott verläßt! 6. Erwäge dieß, o meine Seele, und traue Gott, der's treulich meint. Sei stets nach seines Worts Befehle der Wahrheit Freund, der Lügen Feind; beweise dich als Gottes Kind, dem Treu und Wahr⸗ heit heilig sind. Mel. Gott des Himmels und der a) eicht, ihr Ber⸗ 31 Wé ge, fallt, ihr Hügel, brecht, ihr Felsen, stürzet ein! Fester wird, alsͤ Gottes Berg und Hügel, Vatertreue sein, unbewegter noch, als sie. Seine Wahr⸗ heit trüget nie. 2. Gnade hat er mir versprochen, das ist Gottes Bund mit mir. Dieser Bund wird nie gebrochen; seine Trene bürgt dafür. Erd —————— und Eigenschaften. 21 Erd und Himmel mag ver⸗ gehn; was er zusagt, muß geschehn. 3. Nicht auf Menschen will ich bauen; wie betrüg⸗ lich ist die Welt; meinem Gott will ich vertrauen, der, was er gelobt, auch hält. Er, ein Feind der Heuchelei, ist wahrhaftig, ist getreu. 4. Dräut die Welt mir, mich zu hassen, und ver⸗ folgt mich, will ich mich immer auf den Herrn ver⸗ lassen: er erbarmt doch meiner sich. Denn er blei⸗ bet immerdar, was er ist und was er war. 5. Scheint auch er mich nicht zu achten und verbirgt sein Angesicht; läßt mich rufen, läßt mich schmachten, so vergißt er mich doch nicht; denn er bleibet immerdar, was er ist und was er war. 6. Friede will er mit mir halten, wenn sich auch die Welt empört; ihre Liebe mag erkalten, bleib ich mei⸗ nem Gott nur werth. Er, der meinen Kummer stillt, bleibt mir immer Sonn und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer; so hat er sich selbst genennt; das ist Trost genug: ich Armer werde nie von ihm getrennt. Er will meine Zuflucht sein; sollte nicht mein Herz sich freun? 8. Ihm allein will ich vertrauen, will auf diesem Felsen ruhn, will mein lück auf ihn nur bauen, was er sagt, wird er auch thun! Erd und Himmel mag vergehn: ewig wird sein Bund bestehn. In eigener Melodie. 31(b) Gett ist getreu! Sein Herz, sein Vaterherz verläßt die Seinen nie. Gott ist ge⸗ treu! Im Wohlsein und im Schmerz erfreut und schützt er sie. Mich decken seiner Allmacht Flügel. Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel: Gott ist getreu! 2. Gott ist getreu! Er ist mein treuster Freund! Dieß weiß, dieß hoff ich fest; ich bin gewiß, daß er mich kei⸗ nen Feind zu hart ver⸗ suchen läßt. Er stärket mich nach seinem Bunde in mei⸗ ner Prüfung trübster Stun⸗ de. Gott ist getreu! 3. Gott ist getreu! Er thut, was er verheißt. Er sendet mir sein Licht. Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, so irr und gleit ich nicht. Das Laster soll mich nicht belügen, mich um den Himmel nicht be⸗ trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getreu! Er handelt väterlich, und was er thut, ist gut. Auch Rirn a mein Vater bessert mich durch Alles, was er thut. Die Trübsal gibt Geduld und Stärke zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! Er, dem ich theuer bin, führt mich nach weisem Plan, im Wechsellauf der Dinge zum Gewinn des ewgen Heils hinan; vergibt mir gnädig meine Sünden und läßt mich Trost durch Christum finden. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! Stets hat sein Vaterblick auf seine Kinder Acht. Auch freut es ihn, wenn schon ein irdisch Glück sie froh und dankbar macht. Was uns zu schwer wird, hilft er tragen und endlich stillt er alle Klagen. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! Mein Herz, was fehlt dir noch, dich Gottes stets zu freun? Sei Gott getreu und fürchte nichts; mag doch die Welt voll Arglist sein. Selbst falscher Menschen Neid und Tücke gereichen mir als⸗ dann zum Glücke. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! Ver⸗ giß, o Seel, es nicht, wie zärtlich tren er ist! Ihm tren zu sein, sei deine liebste Pflicht, weil du so werth ihm bist! Halt fest an Gott, sal ists; Gott, dessen Wesen sei nichts rauben: treu im Glauben! Laß den starken Trost dir Gott ist getreu! Liebe, Güte und Barm⸗ herzigkeit Gottes. In eigener Melodie. 32 Wie groß ist des All⸗ mächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? der mit ver⸗ härtetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, seine Liebe zu ermes⸗ sen, sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiß! mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunder⸗ bar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich ge⸗ leitet? Er, dessen Rath ich oft. verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer Wer dem Geiste neue Kraft? Ver läßt mich so viel Glück genießen? Ists nicht der Herr, der Alles schafft? 3. Schau, o mein eist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist; wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, durch Gottes Güte sind sie dein. Auch dar⸗ um mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. x 4. Und * und Eigenschaften. 2 1 Schwachheit sehle⸗ 94 doch in mir die Sünd— 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und läßt verschonend uns das nicht empfinden, was wir, weil wir ihm unser Herz nicht gaben, verschuldet haben. ö 3. Hoch ist der Himmel über seiner Erde. S⸗ ist auch, daß e werde, die H bei denen 24 mein Leben sanft vor dir verfließen; so werd ich dort mit allen Engelchören dich fröhlich ehren. Mein Gott, das Herz enn sich mein Geist, Allmäch⸗ der Gnaden Menge gamit du mich, mein Zerr, so unver⸗ that, Gott, dessen Wesen dem Laster, das noch mehr, wie sie zu fürchten war. 8. Ich sah, vor Krank⸗ heit bleich, durch dich mein Leben hergestellt, und deine Gnade schmückte mich, wenn Sünde mich entstellt. ö 9. Von Freudenstrahlen ö glänzt mein Blick, da du so hoch mich liebst und mir in wahrer Freundschaft Glück mehr, als ich wünschte, gibst. ö 10. Und welche Wohl⸗ Herr, ist nicht dieß das fühlen kann, dieß dein, was dank⸗ t, was du an mir Herz, lrke Belt * X· voll Erbarmen und voll Wohlthun nach mir Armen. 2. Seh ich den weiten Himmel an, so viel ich da⸗ von sehen kann, so seh ich deine Güte. Der Himmels⸗ körper Lauf und Pracht, das Sternenheer, das du gemacht, erreget mein Ge⸗ müthe, mächtig, freudig dir zu singen, dir zu bringen Ehr und Stärke. Groß sind deiner Hände Werke. 3. So oft ich athme und den Hauch der Lüfte fühle, fühl ich auch, Gott, deine große Güte. Wind, Wasser, Feuer, Schnee und Eis sind deines Wohlthuns lau⸗ ter Preis und rühren mein Gemüthe, täglich hier mich dein zu freuen und von neuem, Herr, mein Leben dir zum Dienste zu ergeben. 4. Herr, dazu bitt ich, hilf du mir. Zeuch immer näher mich zu dir durch deine große Güte. O hei⸗ lige zu deinem Preis mich ganz, daß ich mit allem Fleiß mich vor dem Undank hüte. Laß mich, was ich bitt, erlangen; dir anhan— gen hier auf Erden, bis — wird der Himmel wer⸗ en. Mel. Wer nur den lieben Gott 36 oweit, Herr, deine Himmel und Eigenschaften. 2 reichen, reicht deine Huld, die uns erhält. Eh wer⸗ den Berg und Hügel wei⸗ chen, als deine Gnade wankt und fällt; gleich mächtigen Gebirgen steht die Güte, die dein Volk erhöht. 2. Gott, dir ist kein Ge⸗ schöpf verborgen; nicht Eins vom Seraph bis zum Thier. Du würdigst alle deiner Sorgen, sie danken Lust und Leben dir. Es mag auch klein und niedrig sein: dir, Gott, ist nichts zu groß, zu klein. 3. Mit frommem, freu⸗ digem Gemüthe erheb ich, Gott der Gnade, dich; wie theuer ist doch deine Güte! Wie liebst du uns so väter⸗ lich, uns die wir ohne Furcht und Graun dem Schatten deiner Flügel traun! Mit welchem reichen Ueberflusse erfüllst du diese Welt, dein Haus! Du theilst ihn Allen zum Ge⸗ nusse so väterlich, so reich⸗ lich aus. Herr, unsers Lebens Quelle fließt aus dir, der du das Leben. bist. 5. Wir sehn, o Herr, in deiner Sonne den Schatten deiner Huld, dein Licht. Entzeuch uns deiner Güte Wonne, dein gnadenvolles Antlitz nicht! Herr, deine Huld erfreue die, die dich segne sie! 26 Mel. Herzliebster Jesu! 37 Go ist die Liebe! Gott kann nur⸗ beglücken! Dieß ruft uns Alles zu, wohin wir blicken. Sei blau der Himmel, sei er schwarz und trübe: Gott ist die Liebe! 2. Gott ist der Menschen Vater, und ich fände, selbst wenn ich an dem Saum der Erde tände, selbst wenn ich in die tiefste Gruft mich grübe, dich, Gott der Liebe! 3. So sei es denn mein höchstes Ziel auf Erden, dir Geist der Liebe ähnlich hier u werden; der heißeste, er erste meiner Triebe sei Menschenliebe! Mel. Es ist das Heil uns 38 Wie viele Freuden dank ich dir, die du mir, Herr, verliehen; und wie viel Sünden hast du mir aus Gnaden schon verziehen! O Gott, voll Langmuth und Geduld! noch täglich häuf ich meine Schuld, und deine Liebe währet. ö 2. Bedenk ich, Schöpfer, deine Macht, blick ich in jene Ferne und überseh des Himmels Pracht und Sonne, Mond und Sterne; so bet ich dich voll Ehrfurcht an. Was ist der Mensch, ruf ich alsdann, daß du dich sein erbarmest!—— es und erhebe mich. Gott, dessen Wesen 3. Dein Auge schaut auf ihn herab, so geht er nicht verloren; nicht für die Welt, nicht für das Grab ist er allein geboren. Die Welt vergeht mit ihrer Lust; der du den Willen Gottes thust, dein Glück soll ewig dauern. 4. Wenn ich erwache, denk ich dein, und wenn ich schla⸗ fen gehe; denn du, mein Vater, kannst verleihn, um was ich kindlich flehe. Drum seufz ich kindlich stets zu dir: Herr! was mir nützet, schenke mir um deiner Güte willen! Mel. Herr, wir singen deiner 39 Hfrohe Gott, ihr frohen Triebe! Der Gott des Himmels ist die Liebe! Er ists in alle Ewigkeit! O wo kann ich Worte finden, den Ruhm der Liebe zu verkünden, die ewig segnet und erfreut? Wer bin ich, Herr! vor dir? Nur stammeln kann ich hier: Liebe! Liebe! Kein Mensch ermißt, wie gut du bist; ja selbst der Engel faßt es nicht. 2. Wundervoll sind deine Werke. Ich sehe Weisheit, Macht und Stärke, und meine Seele Aber deine Liebe ithronet da auch, wo Weisheit wohnet; und Eigenschaften. ists, das mich erschreckt? Mein heller Blick entdeckt nichts, als Liebe. Der kleinste Wurm, der Donnersturm, und Alles, Alles preiset sie. 3. Huldreich riefst du mich ins Leben, um hohe Kräfte mir zu geben, um Freude um mich her zu streun. Je⸗ der 20 erzählts dem an⸗ dern: die Erde, wo die Menschen wandern, solllVor⸗ hof deines Himmels sein. Ich jauchze, daß ich bin, und öffne Herz und Sinn deiner Liebe. Von dir ge⸗ schützt und unterstützt, durch⸗ lauf ich fröhlich meine Bahn. 4. Trüben sich auch meine Tage; hinweg mit jeder Jammerklage! Nur du, mein Vater, trübest sie. Licht entströmt den Dunkel⸗ heiten; du willst nur Segen mir bereiten, und Trost und Hoffnung fehlt mir nie. Vor dir entweicht der Schmerz, und froh erfährt mein Herz deine Liebe. Wenn Alles bricht; ich zage nicht! Du reichst mir deine Vaterhand. 5. Ach! wie kann ich dir vergelten, was du, Beherr⸗ scher aller Welten, mir ar⸗ men Erdbewohner gibst? Sünde häuf ich oft auf Sünde und dennoch seh ich und empfinde, daß du, Er⸗ armer, mich noch liebst. Du hast Geduld mit mir 27 und lockst mich hin zu dir durch die Liebe. Und wer dich ehrt und wiederkehrt, 3 dir! den begnadigst u. 6. Ja, du willst der Sün⸗ der Leben. Selbst deinen Sohn hast du gegeben, daß er ihr Seelenretter sei. Weisheit kam mit ihm her⸗ nieder; er litt und starb für seine Brüder und sprach ihr Herz von Aengsten frei. O Gott, was fühlt mein Geist! Wie staunt er nun und preist deine Liebe! Dein Sohn erschien, du sandtest ihn! Wie hoch hast du die Welt geliebt! 7. Gott! ich will dir folg⸗ sam werden. Wer ist im Himmel und auf Erden, der so, wie du, beglücken kann? Einst umstrahlet, gleich der Sonne, mich ewig, ewig Licht und Wonne, geh ich nur gern auf deiner Bahn. Dann schwebt mein Geist empor nud singt im Sternenchor: Liebe! Liebe! O Herr der Zeit und Ewig⸗ keit! Ich weiß, daß du die Liebe bist. Geduld, Langmuth und Gnade Gottes. Mel. Ein Lämmlein geht 40 Mitweicher Lang⸗ muth und Ge⸗ B 2 duld 28 duld trägst du die Men⸗ schenkinder, o Gott! Auch bei gehäufter Schuld trägst du die frechen Sünder! Sie nahen dem Verderben sich; du sichst es, und es jammert dich des Elends dieser Armen. Daß sie dem⸗ selben noch entfliehn, suchst du ihr Herz zu dir zu ziehn, aus innigem Erbar⸗ men. 2. Du gönnest ihnen Zeit und Raum, noch in ihr Herz zu gehen, du läßt den unfruchtbaren Baum nicht ohne Pflege stehen. Du scho⸗ nest sein von Zeit zu Zeit; verziehest voll Barmherzig⸗ keit, ihn gänzlich abzuhauen. O welche Langmuth und Geduld! Wer sollte deiner Vaterhuld nicht inniglich vertrauen? 3. Erbarmest du dich schon so sehr selbst frevelhafter Sünder, so trägst du scho⸗ nend noch vielmehr dieFrom⸗ men, deine Kinder. Läßt ihrer Tugend Eifer nach, und werden sie im Glauben schwach und träg zu guten Werken, so zürnst du nicht; du denkst daran, wie leicht ein Herz sich täuschen kann, und eilest sie zu stärken. 4. Laß diese Langmuth und Geduld, Gott, unsre Herzen rühren! Nie müsse deine Vaterhuld zur Sicher⸗ heit uns führen! Ach! keiner Gott, dessen Wesen Schuld auf Schuld durch kühnen Mißbrauch deiner Huld! Nur Tugend sei uns Freude, damit uns in der Prüfungszeit der Reichthum deiner Gütigkeit zur wahren Beßrung leite. häufe In eigener Melodie. 41 Alle Welten Herr⸗ scher, Gott, dein ganz Gebiete ist ein Schau⸗ platz deiner Güte. Sie ver⸗ herrlicht täglich sich auch an uns allen, die wir noch auf Erden wallen. Ja, sie pflegt, nährt und trägt nicht nur deine Kinder, selbst die größten Sünder. 2. Dieser Langmuth Größe läßt sich zwar empfinden; aber wer kann sie ergrün⸗ den? Sünder so verschonen, Millionen Schulden mit so vieler Nachsicht dulden und dabei doch so treu warnen, die dich hassen: Herr! wer kann dieß fassen? 3. Doch du strafst nicht gerne, liebst nur unser Le⸗ ben, Zeit zur Beßrung uns zu geben, dringt dich deine Liebe, zärtliches Er⸗ barmen. Darum hast du mit uns Armen so voll Huld noch Geduld, daß wir darauf achten und nach Beßrung trachten. ö 4. O daß doch der Reich⸗ thum deiner Vaterliebe uns zur Sinnesändrung trih) und Eigenschaften. ö 29 O daß wir, voll Reue, unsre Schuld bedächten und wir willig folgen möchten! Unser Schmerz rührt dein Herz, Schulden, die uns kränken, gnädig uns zu schenken. 5. Dank sei dir, o Vater, daß du unser schonest und nicht nach Verdienst uns lohnest. Stets noch ist uns Schwachen nöthig deine Gnade, selber auf dem Tu⸗ gendpfade. Leit uns doch da⸗ mit noch, bis wir dich einst droben ohne Sünden loben. Die heilige Dreieinigkeit. Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist. In eigener Melodie. 42 llein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade! Er sorget, daß uns nimmer⸗ mehr Gefahr und Unglück schade. Uns wohlzuthun, ist er bereit; er will nur unsre Seligkeit. Erhebet ihn mit Freuden! 2. Ja, Vater, wir erhe⸗ ben dich mit freudigem Ge⸗ müthe; du herrschest unver⸗ änderlich mit Weisheit und mit Güte. Unendlich groß ist deine Macht, und was sie wirkt, ist wohl bedacht. Wohl uns, daß du regierest! 3. O Jesu Christ, des Höchsten Sohn dich, seinen Eingebornen, dich sandte ott vom Himmelsthron zur Rettung der Verlornen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hilf uns im Le⸗ ben und im Tod: erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist, du Geist von Gott! Erleuchte, beßre, tröste, die Jesus Christ durch seinen Tod vom Sündendienst erlöste. Auf deinen Beistand hoffen wir; ach! leit uns stets, so sind wir hier beglückt, dort ewig selig. Mel. Erschienen ist der herrlich 43 Dm und Anbetung bringen wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. Du bist es, der die ganze Welt erschaffen hat und noch erhält. Halleluja! 2. Dank und Anbetung bringen wir, Sohn Gottes, Herr und Heiland, dir. Du littst für uns des Todes Pein, uns vom Verderben zu befrein. Halleluja. 3. Gelobet seist du, Geist des Herrn! Wir waren einst von Christo fern. Du hast durch deines Wortes Macht B 3 uns 30 Uns allen Licht und Heil gebracht. Halleluja! In eigener Melodie. 44 Wir glauben anden eingen Gott, Schöpfer. Himmels und der Erden. Er, Aller Vater, unser Gott, hieß uns seine Kinder werden. Er wi Gefahren. Er ists, der für uns sorgt und wacht, und Alles steht in seiner acht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Gottes Sohn, den Eingebornen, den Herrn, der Mensch geworden ist, den Erretter der Verlornen. Er, er achtete sein Leben nicht zu theur, für uns zu geben. Er erstand, herrscht, hoch erhöhet, in dem Reich, das nie vergehet. Er läßt uns auch im Grabe nicht und kommt dereinst zum Weltgericht. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, unsern gött⸗ lichen Regierer, den Jesus Christus uns verheißt, uns zum Beistand und zum Füh⸗ rer, der in Trübsal seine Christen eilt mit Muth und Kraft zu rüsten; der uns lehrt Vergebung finden und der Tugend Werth empfin⸗ Die heilige Dreieinigkeit. den. Er flößet uns im Todes⸗ chmerz des ewgen Lebens rost ins Herz. Mel. Mein ganzer Geist, 45 Lobmat Gott! Dank, Preis und Ehr sei unserm Gott je mehr und mehr für alle seine Werke! Von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt er und herrschet weit und breit mit Weisheit, Güt und Stärke. Singet, bringet frohe Lieder! fallet nieder! Gott ist herrlich, unaus⸗ sprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott! Dank, Preis und Ruhm sei von uns, deinem Eigenthum, ö Herr Jesu, dir gesungen. Du Mittler zwischen uns und Gott, hast durch Ge⸗ horsam bis zum Tod das Leben uns errungen. Hei⸗ lig, selig ist die Freund⸗ aft und Gemeinschaft aller Frommen, die durch dich zum Vater kommen. 3. Lobsinget Gott! du Geist des Herrn, sei nie von unserm Geiste fern, mit Kraft ihn auszurüsten! Du machst uns gläubig, weis und rein, hilfst uns getrost und siegreich sein im Streit mit unsern Lüsten. Leit uns, stärk uns in der Freude, wie im Leide, Gott ergeben und der Tugend treu zu leben. Mel. 5 Z S S 22 —— — — Die heilige Dreieinigkeit. 91 Mel. Es wolle uns Gott 46 Herr, unser Gott, wer ist dir gleich? Du bist das höchste Wesen; und doch hast du an Gnade reich uns dir zum Dienst erlesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, du Allerhöchster, haben. Mit deinem Heil willst du uns hier und ewig einst begaben, du Quelle alles Segens. 2. Wir beten dich, o Va⸗ ter, an. Sind wir gleich vor dir Sünder, so nimmst du dich doch unser an, wie Väter ihrer Kinder. Du hast für uns aus großer Huld selbst deinen Sohn gegeben; dein Herz, voll Güte und Geduld, verleih uns Trost und Leben, daß wir dich kindlich fürchten. 3. O Jesu, ewger Gottes⸗ sohn! Du Heil, darauf wir hoffen! Durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns zu befrein von Sünd und Tod, kamst du zu uns auf Erden. O laß uns, unser Herr und Gott, froh deines Segens werden und dir im Glauben dienen. 4. O heilger Geist, du Geist von Gott, wehr in uns dem Verderben! Im Glauben an des Mittlers Tod hilf uns der Sünde sterben! Du gibst zum Gu⸗ ten Lust und Kraft, laß es uns stets erfahren. Stärk uns in unsrer Pilgrimschaft, bewahr uns vor Gefahren, hilf uns dir willig folgen. 5. Laß, Gott, uns dein auf Erden schon, als unsers Gottes, freuen. Herr, segne uns von deinem Thron, daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das Reich, die Herrlichkeit, dir wollen wir hier leben; und du wirst nach vollbrachter Zeit uns einst dahin erheben, wo wir dich ewig schauen. Werke und Wohlthaten Gottes. Schöpfung. Mel. Es ist das Heil uns 47 Wer machte diese schöne Welt, das Nahe und das Ferne? Wer hat am Himmel hin⸗ gestellt die Sonne, Mond und Sterne? Wer schuf die Wälder, Res und Au? be⸗ fahl dem Regen, sprach zum Thau: Erquicke Saat und Blüthen? ö 2. Auf wessen mächtiges Geheiß entstanden Ström und Seeen? Wer gab dem Winter Schnee und Eis? Wer hieß die Winde we⸗ B 4 hen? 32 hen? Wer rief der Thiere zahllos Heer in Flur, und Wald, in Luft und Meer, in Staub selbst frohe We⸗ sen? ö 3. Das Alles, Alles, groß und klein, ist dein Werk, Unsichtbarer! Du bist der Erste, du allein bist Schöpfer und Bewahrer. Durch deine Macht und dein Gebot ist Alles, liebevoller Gott, ist auch der Mensch geworden. 4. Wie gut, wie liebevoll du bist, seh ich, wohin ich blicke; denn gut ist, was geschaffen ist, und dient zu meinem Glücke. Luft, Sonn und Mond und Pflanz und Thier und Stein und Wasser nützen mir und nützen allen Menschen. 5. Für dich nicht, für Geschöpfe nur, daß jedes glücklich werde, schufst du die el und Natur, den Himmel und die Erde. O du, der uns als Vater liebt und Allen alles Gute gibt, was kann der Mensch dir geben? st ar 971 10 551 machst auch mich zum Zeu⸗ gen deiner Güte. Ich danke dir und denk an dich mit freudigem Gemüthe. Ich seh dich nicht, doch lieb ich dich; du schufst und du er⸗ hälst auch mich zu immer größern Freuden. Werke und Wohlthaten Gottes. In eigener Melodie. 48 Orn Gott! er schuf die Welt zum Schauplatz seiner Güte; lob⸗ singt ihm, der sie noch er⸗ hält, mit freudigem Gemü⸗ the! Gott ist die Liebe! rühmt es laut, Geschöpfe, die ihr ihm vertraut, die ihr ihn kennt und ehret! Rühmt es, daß seine Gütig⸗ keit mit jedem Morgen sich erun und ewig, ewig wäh⸗ ret! ů 2. Du wolltest, daß vor dir nichts leer von Freud und Leben bliebe: drum schufst du, Gott, der Himmel Heer, schufst unsre Welt aus Liebe. Du selbst be⸗ durftest ihrer nie; Unend⸗ licher! du ließest sie zu ihrem Heil nur werden. Dich aber, dich erfreuet nun die Wonne, Allen wohl⸗ zuthun im Himmel und auf Erden. 3. Kein Mensch, kein En⸗ gel selbst ermißt dein Wohl⸗ thun, deinen Segen; wie groß, wie weisheitsvoll du bist in allen deinen Wegen. Gott, deine Güte reicht so weit, als deines Reichs Unendlichkeit, so weit, Herr, als dein Leben. Ach! was sind wir, die deine Macht aus todtem Staub hervor⸗ gebracht, uns ewig Heil zu geben! ö 4. O Vater, welchem Kei⸗ ner 1 Vos X— Schöpfung. 33 ner gleicht an Liebe, wie werf auch ich mich nieder: aEu Stärke, kein Dank, Herr! dein Preis sei mein kein Lobgesang erreicht die Beruf! Preis, daß ich dich Wunder deiner Werke; doch Vater nenne, Preis, daß ist dirs angenehmer Dank, ich dich preisen kann, daß dir ist es mehr, als Lobge⸗ auch ich durch dich begann, sang, wenn ich“ dich thätig dich als meinen Schöpfer liebe und gern in meiner kenne und, von hohem Eifer Lebenszeit Erbarmen und voll, mehr dich kennen ler⸗ Wohlthätigkeit an andern nen soll! tenschen übe. 3. Ja, wenn Thränen „Du bist die Liebe! mir entgleiten, will i Dank sei dir, daß ich dich deine Schöpfung sehn und so erkenne und dir zum durch ihre Herrlichkeiten stets uhm, zum Troste mir, mit offnem Herzen gehn. dich meinen Vater nenne! Alle stehn ja unverschlossen, Auch will ich gerne liebreich sind dem Aermsten ja be⸗ sein, will glücklich nachen, kannt. Näher werd ich dir will erfreun, will helfen gewandt, hab ich schuldlos und dir gleichen. Von die⸗ sie genossen. Still und hei⸗ sem Heil und dieser Pflicht, ter wird mein Sinn, wenn o Gott der Liebe, laß mich ich hier nicht fühllos bin. nicht, solang ich lebe, weichenn 4. Du gedachtest meiner Leiden, eh noch dieses erz Mel. Gott, der du die Menschen dir schlug; sorgtest schon 49 Goti! aus deinen für meine Freuden vor dem —Schöpferhänden ersten Athemzug. Zum Ge⸗ ging die herrliche Natur. nuß für Leib und Seele Solchen Bau so schön voll⸗ hast du, Herr, mit Freund⸗ enden, konnte solch ein lichkeit so viel Gaben aus⸗ Schöpfer nur. O wie könnt gestreut, daß ich im Genuß ich deine Werke, ihre Regel⸗ oft wähle. Wer so viel, so mäßigkeit, Pracht und Man⸗ gern mir gibt, o der zeigt, nichfaltigkeit, wie die Zeu⸗ daß er mich liebt. gen deiner Stärke, deiner 5. O, wer wollte je ver⸗ Huld und Weisheit sehn messen mitten in der schö⸗ und doch stumm vorüber⸗ nen Welt deiner Macht und gehn? uld vergessen und nicht 2. Rings auf Erden hallt thun, was dir gefällt? Du, es wieder: Gut und groß der selbst dem kleinsten ist, der uns schuf! Betend Wurme seine Vatersorge B 5 weiht, 34 Werke und Wohlthaten Gottes. weiht, du bists, der auch mich erfreut in der Stille, wie im Sturme. Herr, dir will ich ganz vertraun und mein Heil auf dich nur baun! + Mel. Sei Lob und Ehr dem 50 enn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für Alles wacht, anbetend über⸗ lege, so weiß ich, von Be⸗ wundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wo⸗ hin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Him⸗ mel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer klei⸗ det sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde einen Lauf? Wer heißt ie Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, mit Vorrath uns zu segnen? Du Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit, als Erd und Himmel reichen. 4. Dich predigt Sonnen⸗ schein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der ge⸗ ringste Wurm, bringt mei⸗ nem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunder⸗ bar bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Ver⸗ stand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Na⸗ men! Gott, unser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag: Amen: Und alle Welt fürcht ihren Herrn und hoff auf ihn und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? In eigener Melodie. 51 Die Himmel rüh⸗ ö men Gottes EChre, ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn die Meere; vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 2. Wer trägt die unzähl⸗ baren Sterne? Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet uns von ferne und lauft den Weg gleich als ein Held. 3. Vernimms und sieh die Wunderwerke, die Ng a- ETTTTTE 121 E ——————— Schöpfung. 35 Natur dir aufgestellt! Ver⸗ kündigt Weisheit, Ordnung, Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannst du die unzähl⸗ baren Heere der Wesen fühl⸗ los wohl beschaun? Durch wen ist Alles? Gib ihm Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun! 5. Mein sind die Him⸗ mel, mein die Erde; an meinen Werken kennst du mich! Ich werde sein, der ich sein werde, dein Gott und Vater ewiglich! 6. Reit bin dein Schöpfer, Weisheit, Güte, em Gott der Ordnung und dein Heil! Ich bins! Mich liebe dein Gemüthe und nehm an deiner Gnade Theil! Mel. Herr, wir singen nser Gott ist groß 52 Uand mächtig und seine Schöpfung schön und prächtig, voll Weisheit und Vollkommenheit. O ihr, sei⸗ ner Allmacht Heere, verkün⸗ digt eures Schöpfers Ehre und preiset seine Herrlichkeit! Sein Kleid ist reines Licht, er hält im Gleichgewicht gan⸗ ze Welten. Der Wesen Heer, das weite Meer, den Engel und den Wurm schafft er. 2. Allmacht sprach zum Nichts: Es werde! Da trat auch unsre schöne Erde vor ihren Herrn, um aufzublühn. Allmacht spricht: so stürzen Welten, die Berge fliehn—5 ihrem Schelten und sinken vor dem Donner hin. Er hat wie ein Gewand die Hihn mel ausgespannt. Dur ihn gehet, gleich wie ein Held aus seinem Zelt, die Sonne und erfreut die Welt. „Er, der auf den Win⸗ den schwebet, er schaut die Erde an: sie bebet! Er rührt den Berg an, und er raucht! Vögel nährt er, speist die Heerde, erneuert die Gestalt der Erde, erfreut, was in ihr lebt und haucht. Mit milder Freundlichkeit gibt er zu seiner Zeit Allen Speise, liebt und erhält die ganze Welt und tränkt die Thiere auf dem Feld. 4. Kräuter schuf er, uns zu heilen; den Mond, das Jahr danach zu theilen; der Sonne Licht zur Fruchtbar— keit. Gott ist gnädig, Gott regieret, wenn er die Flur mit Blumen zieret und sie mit Saaten überstreut. Der Wallfisch und der Wurm, der Blüthenduft und Sturm zeugt vom Schöpfer. Der Tag, die Nacht rühmt seine Macht und rühmt, daß er für Alles wacht. 5. Gott, voll Weisheit, Gott, voll Stärke, wie viel und groß sind deine Werkesl Wie reich an Gütern ist das Land! Schiffe gehn in wei— B 6 ten 36 ten Meeren; da wimmelts von den frohen Heeren der Thiere, zahllos wie der Sand. Mit Mannichfaltigkeit, mit Regelmäßigkeit prangt die Erde; wohin entzückt mein Auge blickt, da ist die Welt mit Reiz geschmückt. 6. Wer vergänglich Gras bekleidet, die Fische nähret, Lämmer weidet, der sorgt als Vater auch⸗ für mich. Seele, wolltest du für mor⸗ gen schon heute bang und ängstlich sorgen? Nein, sei getrost, ermanne dich! Ver⸗ traue Gott! Auf ihn werf alle Sorgen hin! Er wird sorgen: er, der uns hört und gern gewährt, was un⸗ ser wahres Wohl vermehrt. 7. Dank dem guten Gott zu singen und stets mein Herz ihm darzubringen, soll meine höchste Freude sein. Laut soll ihm mein Lob er⸗ schallen, mein Opfer wird ihm wohlgefallen, gerührt will ich mich seiner freun. Sein Lob ist Seligkeit! Es macht schon hier bereit für den Himmel. Dort werd ich stehn, entzückt ihn sehn und ewig seinen Ruhm erhöhn. Mel. Wer nur den liehen Gott 5 3 Gott des Himmels und der Erden, der du allgegenwärtig bist, von Niemand kannst begrif⸗ fen werden, vor dem kein· Werke und Wohlthaten Gottes. Ding verborgen istl Ach, ziehe mich doch ganz zu dir und offenbar dich selber mir! 2. Wohin ich Herz und Augen lenke, da find ich dei⸗ ner Gottheit Spur. Wenn ich voll Andacht überdenke dein Werk, die prächtige Na⸗ tur, so ruft mir Alles, Alles zu: Wie groß ist Gott! wie klein bist du! 3. Mir zeigen alle Elemen⸗ te Macht, Güt und Weisheit überall. O wenn das Stum⸗ me reden könnte, wie groß wär stets der Jubelschall! Rühmt, Menschen, Gottes Güt und Macht, die euch und uns hervorgebracht! 4. Herr Gott, wie groß ist deine Liebe! Die Erd ist deiner Güte voll. O gib mir dankbar fromme Triebe, daß ich dich preise, wie ich soll. Nimm, was ich kann und hab und bin, zu deinem Dienst auf ewig hin! 5. Hilf, daß die Güter dieser Erden mich zu dir lok⸗ ken, höchstes Gut! daß sie mir nicht zum Fallstrick wer⸗ den, und ihr Genuß mir Schaden thut! Laß allen Mißbrauch ferne sein; mein letztes Ziel sei du allein! 6. Hier ist mein Leben eine Reise, ich geh nach jener höhern Welt. Drum mache du mich fromm und weise, daß ich hier thu, was dir gefällt! Und end ich Wur⸗ kur⸗ — ——— Vorsehung. 37 kurzen Lauf, so nimm zu höherm Glück mich auf! Vorsehung oder Erhaltung und Regieruug der Welt. 1⁰04 Fich 16 ist Alle Gott ist von unge⸗ 54 N fähr! Ein aroer Gott regieret, ein Gott, der seine Welt mit reichem Se⸗ gen zieret. Auch was uns Zufall heißt, ist, eh es noch eschieht, in seinem Plan be⸗ Anumt und einer Kette Glied. 2. Er sah vor aller Zeit, was künftig werden sollte, und nichts ist, nichts wird sein, als was sein Rathschluß wollte: und Alles, was er will, ist weise, recht und gut. wohl mir, daß mein Glück in Gottes Händen ruht! 3. Wie dürft ich mißver⸗ gnügt in meinem Stande le⸗ ben? Kann jemals böse sein, was Gott mir pflegt zu ge⸗ ben? Der Thor nur klagt und murrt und lästert Got⸗ tes Rath; er hat nicht, was er will, und will nicht, was er hat. 4. Wer wahre Weisheit liebt, der liebt auch den Ge⸗ danken: Mein Heil, mein Fels ist Gott, und wenn auch elten wanken! Ich sollte, was ich bin, nicht etwas Anders sein, und mein be⸗ sondres Loos stimmt mit dem Ganzen ein. 5. Mein Unmuth ändert nie die Ordnung aller Dinge. Ich quäle nur mich selbst, wenn ich die Hände ringe. Doch folg ich meinem Gott, so lindert sich mein Schmerz; denn was mich elend macht, ist immer nur mein Herz. 6. Wie thöricht würd ich sein, wenn ich begehren woll⸗ te, daß alles Ungemach nur mich verschonen sollte! Mein Vater liebt auch mich und mischt mit Freundlichkeit in seinen Seg enskelch des Lei⸗ dens Bitterkeit. 7. Im Leiden lern ich mich und meinen Gott erkennen und mich mit edlem Sinn von falschen Freuden tren⸗ nen. Wie kann mir schreck⸗ lich sein, was mich voll⸗ kommner macht? Mehr ist die Tugend werth, als Sin⸗ nenlust und Pracht. 8. Die Tugend wird bald schwach im Schooße niedrer Freuden und stark erschei⸗ net sie, umringt von stillen Leiden. Sie strahlt am gött⸗ lichsten aus tiefer Dunkel⸗ heit: da leuchtet sie der Welt und überlebt die Zeit. Hinweg mit blöder Furcht! Der Herr will mich regieren, mich auch auf rau⸗ her Bahn zu meinem Ziele führen. Hier bin ich, Herr, mein Gott! O stehe du mir bei daß selbst inRoth und Tod mein Herz dir folgsam sei! B 7 In 38 In eigener Melodie. 5 5 QIn allen meinen Tha⸗ X ten laß ich den Höchsten rathen, der Alles kann und hat. Er muß in allen Dingen, solls anders wohlgelingen, mein Helfer sein mit Rath und That. 2. Nichts hilft mein ban⸗ ges Sorgen vom Abend bis zum Morgen, nichts meine Ungeduld. Er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen: ich traue seiner Vaterhuld. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, als was sein Rath ersehen und mir für heil⸗ sam hält. Mit dem, was Gott beschieden, bin ich, sein Kind, zufrieden: mir geh es, wie es ihm gefällt. 4. Ich traue seiner Gnade, die mich auf meinem Pfade vor allem Uebel schützt. Leb ich nach seinenSätzen, so wird mich nichts verletzen, nichts fehlen, was mir ewig nützt. 5. Leg ich zum Schlaf mich nieder, weckt mich der Mor⸗ gen wieder zu meines Lebens flicht; irr ich auf finstern Wegen, geh ich dem Leid entgegen, so sei sein Wort mir Trost und Licht. 6. Was über mich beschlos⸗ sen, dem will ich unverdros⸗ sen, getrost entgegengehn. Kein Unfall unter allen soll je zu hart mir fallen; ich will mit Gott ihn überstehn. Werke und Wohlthaten Gottes, 7. Ihm hab ich mich er⸗ geben, zu sterben und zu leben, wie es sein Wink ge⸗ beut. Sei mir mein End verborgen, komm es heut oder morgen, er welß dazu die rechte Zeit. ö 8. So sei nun, Seele, stille, — leitet dessen Wille, der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe! Dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath! Mel. Es ist das Heil uns 56 Did, unser Gott, ist Niemand gleich im Himmel und auf Erden. Du bist der Höchste, und dein Reich kann nie begriffen wer⸗ den. Unendlich ist die Maje⸗ stät, die über Alle dich er⸗ höht, die Kron und Scepter ragen. ö 2. Wie weit erstreckt sich dein Gebiet! Wo ist der der es messe? Wohin auch ö nur mein Auge sieht, da seh ich deine Größe. Weit, über alle Himmel weit geht dei⸗ nes Reiches Herrlichkeit. Du herrschest über Alles. 3. Du herrschest weislich, recht und gut, nach heiligen Gesetzen. Du willst auch dei⸗ ner treuen Hut das Kleinste würdig schätzen. Auf Alles geht dein Augenmerk, und immer ists dein liebstes Werk, zu segnen, zu beglük⸗ ken. 4. Wohl Vorsehung. 3 4. Wohl uns, daß du das Regiment, Gott, über Alles denden Und wohl dem, er den Zweck erkennt, dazu du uns regierest! Ich, dein so schwacher Unterthan, ich bete dich in Demuth an. O sieh auf mich mit Gnade! 5. Ich bin verderbt und fehlervoll, bin auf dem Tu⸗ gendwege nicht stets so eifrig, wie ich soll, bin oft zum Gu⸗ ten träge. Doch du bist gnä⸗ dig und voll Huld vergibst du Reuenden die Schuld. Drum hoff ich auf Verge⸗ bun g. 6. Ich hoffe, weil mich der vertritt, den du für mich gegeben. Mein Jesus, wel⸗ cher sür mich litt, erwarb mir Recht zum Leben. Sein Tod macht mich vom Zweifel frei, ob ich der Gnade fähig ö sohi auch mich hat er ver— söhnet. 7. Herr, ewig will ich dei⸗ nen Ruhm mit Lob und Dank erheben. Dir will ich, als dein Eigenthum, mich ganz zum Dienst ergeben. Mit Lust will ich bis in den Tod nach deinem heiligen Gebot deln deinen Beistand wan-⸗ eln. In eigener Melodie. 57 ommt, kommt, den ö Herrn zu preisen, der groß von Rat ist, groß von That, den Gütigsten, den Weisen, der keinen sei⸗ nes Gleichen hat! Der Herr thut große Werke. Wer beu⸗ get seine Kraft? Wer seines Armes Stärke, die alles Gute schafft? Er dehnet, gleich Gezelten, den weiten Himmel aus; er spricht, so gehen Welten aus ihrem Nichts heraus. 2. Er will, und Sonnen flammen; auch drängt das Wasser, wenn er spricht, in Wolken sich zusammen, und ihre Schläuche reißen nicht. Er ruft den Unge⸗ wittern, das Meer wird un⸗ gestüm, des Himmels Säu⸗ len m. die Erde bebt vor ihm. Er will, und Blitze zünden, daß Städte flam⸗ mend stehn. Er winkt und droht den Winden, schnell wird sein Himmel schön. 3. Er, er gebeut den Wel⸗ len: Bis hierher!— Ihm gehorchen sie. Er legt in Felsen Quellen; sie rieseln und versiechen nie. Er füllet Wüsteneien mit seinen Wun⸗ dern an; heißt Thiere da sich freuen, wo kein Mensch woh⸗ nen kann. Wer kann die Sterne führen? Wer kann, als er allein, der Dinge Lauf regieren, zerstören und er⸗ neun? 4. Herr! dein ist alle Stär⸗ ke, und alle Hülfe, Gott, ist dein! Das preisen deine Werke, die deiner h ich 4⁰ sich erfreun. Auch wir er⸗ freun uns ihrer; ihr Lob sei unsre Pflicht! O Vater, o Regierer, wen hält, wen schützt sie nicht? Du lebst, du wirkst in Allen; wir le⸗ ben nur in dir. Erhalter, wer kann fallen? Dir, dir vertrauen wir! Mel. Von Gott will ich, oder: Zeuch ein zu deinen Thoren. 58 ott, der an allen Enden viel große Wunder thut! Du bists, in dessen Händen mein ganzes Schicksal ruht; hast in der Prüfungszeit mir jeden mei⸗ ner Tage, mein Glück und meine Plage bestimmt von Ewigkeit. 2. Da ich noch tief ver⸗ borgen im Mutterleibe lag, wacht über mich dein Sor⸗ gen. Ach, Vater, wie ver⸗ mag mein dürftiger Ver⸗ stand das Gute zu erheben, das du in meinem Leben mir huldreich zugewandt? 3. Drückt mich auf mei⸗ nen Wegen gleich mancheLast und Müh, so führt auch sie um Segen, und du versü⸗ ßest sie. Du bleibest mitleids⸗ voll, hilfst liebreich deinen Kindern sie tragen und ver⸗ mindern, beförderst stets ihr Wohl 4. Stets hat in meinem Leben mir dieses Trostes Licht von neuem Kraft ge⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. geben und frohe Zuversicht. enn ich bekümmert war, so seufzt ich und war stille, und dein stets guter Wille entriß mich der Gefahr. 5. Dein Name sei geprie⸗ sen, der jederzeit an mir so herrlich sich erwiesen! Mein Herz und Mund soll dir, du Retter aus Gefahr, mein schuldig Opfer bringen, von deiner Güte singen jetzund und immerdar. 6. Du hast mir wohl ge⸗ rathen und lauter Guts ge⸗ than, daß deiner Liebe Tha⸗ ten ich nicht aussprechen kann. Hilf, Vater, daß ich dort, verklärt und ganz vollkommen, mit allen dei⸗ nen Frommen, dir danke fort und fort! Mel. Wer nur den lieben Gott 59 F.Gott du bist, o Gott, verborgen, dein Rath bleibt für uns wunderbar! Umsonst sind alle unsre Sorgen; du sorg⸗ test, eh die Welt noch war, für unser Wohl schon väter⸗ lich. Dieß sei genug zum Trost für mich. 2. Dein Weg ist zwar in Finsternissen vor unsern Au⸗ gen oft versteckt; doch wenn wir erst den Ausgang wissen,‚ wird uns die Ursach auch entdeckt, warum dein Rath, der niemals fehlt, den uns so dunkeln Weg 4 0 Nie Vorsehung. ö 41 3. Nie sind die Tiefen zu ergründen von deiner Weis⸗ heit, deiner Macht; du kannst viel tausend Wege finden, wo die Vernunft sie nie ge⸗ dacht. Aus Finsterniß bringst du das Licht; dir folgen, sei stets unsre Pflicht. 4. Drum will ich mich dir überlassen mit Allem, was ich hab und bin; und kann ich auch nicht Alles fassen, so trau ich dir mit frohem Sinn. Der Ausgang macht mir endlich klar, daß stets dein Rath voll Güte war. 5. Gib, daß dieß mein Vertrauen mehre in Glück und Unglück, Freud und Leid; denn Alles wirkt zu deiner Ehre und meiner Seele Seligkeit, und einst preis ich vollkommen dich und freue deiner ewig mich. Mel. Warum sollt ich mich 60 Sei zufrieden, mein Gemüthe! Gott ist gut; was er thut, ist voll Lieb und Güte! Er nur weiß in allen Sachen, groß von Rath, wie von That, Alles wohlzumachen. 2. Beides, Erd und Him⸗ mel preisen seine Macht; Tag und Nacht müssen sie beweisen. Sonn und Mond, das Heer der Sterne, was sich regt und bewegt, lobt ihn nah und ferne. Sorgen Tag und — Acht 3. Schau die Werke sei⸗ ner Hände! Mensch und Thier melden dir seinen Ruhm ohn Ende. Was wir noch so Kleines nennen, Gras und Laub, selbst der Staub, gibt ihn zu erkennen. 4. Was auf Bergen und in Gründen, in der Höh, in der See, oder sonst zu finden, rühmt die Weisheit seiner Werke; jeder Wurm, Wind und Sturm preisen seine Stärke. 5. Sollt ich denn nicht ihn erheben? Wie so gar wunderbar gab er mir das Leben! Was ich hab, ist sein Geschenke, auch der Geist, der ihn preist, mit dem 5 ihn denke. 6. Wie mich sein getreues ö Nacht nimmt in„das zeigt jeder Morgen. Ja, kein Au⸗ genblick verschwindet, der mich nicht, Gott, mein Licht, dir zum Dank ver⸗ bindet. 7. Plagen hestg 97005 zes agen heftig zu, so halfst du, o mein Gott, sie tragen. War kaum noch Ge⸗ duld vorhanden, deine Kraft hat geschafft, daß ich über⸗ standen. 8. Nun, mein Herz, das hat schon lange Gott ge⸗ than! Denke dran, wird dir jemals bange, als wollt er dich ganz verlassen. Es ge⸗ schicht 42 schicht wahrlich nicht; er kann dich nicht hassen. 9. Drum ergib dich sei⸗ nem Willen, heiße gut, was er thut, er wirds auch er⸗ füllen. Denn er ist in allen Sachen groß von Rath, wie von That: er, er wirds wohlmachen. In eigener Melodie. 61 Ales ist an deinem Segen, großer Gott, allein gelegen; du bist unser höchstes Gut. Ueber Alles hoch dich schätzen und auf dich Vertrauen setzen, gibt allein getrosten Muth. Du, der mich bisher ernährte, manche Freude mir gewährte, bist und bleibest ewig mein. Du, mein Schö⸗ pfer und Regierer, wirst mein Helfer und mein Füh⸗ rer durch mein ganzes Le⸗ ben sein. 3. Sollt ich ängstlich mich um Sachen, die nur Sorg und Unruh machen, nur um eitles Glück bemühn? Nein, ich will nach Gütern stre⸗ ben, die mir wahre Ruhe geben und im Tode nicht entfliehn. 4. Auch die Hoffnung kann erquicken: was mir gut ist, wirst du schicken; du bist Herr der ganzen Welt! Dir will ich mich froh ergeben; Glück und Unglück, Tod Werke und Wohlthaten Gottes. und Leben, Alles sei dir heimgestellt! 5. Ist mein Wunsch nach deinem Willen, o so wirst du ihn erfüllen, und gewiß zu rechter Zeit. Dir hab ich nichts vorzuschreiben; wie du willst, so soll es bleiben; was du willst, ist Seligkeit. 6. Sollt ich hier noch län⸗ er leben, o so wollst du Kraft mir geben, daß ich stets dir folgsam sei. Alles Irdische vergehet; nur die Frömmigkeit bestehet, und sie macht mich sorgenfrei. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 62 Geit sorgt für uns. O singt ihm Dank, ihr Christen, singt ihm gern! Vom Aufgang bis zum Niedergang trägt uns die Huld des Herrn. 2. Vom Menschen bis zum kleinsten Wurm reicht seine Gnad und Macht; im Son⸗ nenschein, sowie im Sturm ist er auf Heil bedacht. 3. Mit frohgerührter Seele bringt ein Herz voll Dank ihm dar! Die Aehre, die vom Segen sinkt, ist — Gott krönt das Jahr. Ja, ehren dich mit kindlich fro⸗ hem Dank; du nährst uns und gibst väterlichauch mehr, als Speis und 1—5 Höchster, wir ver⸗ Fried ö Srenrr Krv NPVS. — V err Vorsehung. 5. Fried und Gesundheit, Kraft, Gedeihn zu unsrer Hände Fleiß, auch das gibst du, und dir allein gebührt dafür der Preis. 6. Laß deines Segens Ueberfluß uns nun auch nützlich sein, und hilf uns, daß wir bei Genuß uns dessen mäßig freun. Vermehr in uns die Zuversicht, dir ewig zu ver⸗ traun, bis wir dereinst in deinem Licht des Glaubens Aerndte schaun. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, oder: Mein Gott, das Herz ich bringe 63 Nech immer wech— seln ordentlich des Jahres Zeiten ab, und früh und spät ergießet sich dein Segen, Gott, herab. 2. Noch öffnest du die milde Hand, Herr, wie du stets gethan; du segnest und du füllst das Land mit dei⸗ ner Güte an. 3. Von deinem Himmel, Höchster, träuft Gedeihn und Fruchtbarkeit; die Saat geht auf und blüht und reift und sättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet gibt der Baum, wenn Einer Schatten sucht, ihm unter seinen Zweigen Raum, Er⸗ frischung und auch Frucht. 5. Wie fröhlich lächelt jede Flur! Es fließt, sich immer gleich, der Freude 43 Quell, und die Natur ist 2904 Aemn d reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Lust und Erquickung zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, so väterlich, wie du? 7. Herr! ohne dich ver— gingen wir und wir ver⸗ dientens auch; und dennoch leben wir in dir, beseelt durch deinen Hauch. 8. Nicht Einem mangelt deine Huld; wem strahlet nicht dein Licht? Mit wel⸗ cher Langmuth und Geduld verschonst du unser nicht! 9. O betet, Menschen, betet an! Erwägts und denket nun: Was hat Gott schon an uns gethan? was will er nicht noch thun? Mel. Vom Himmel hoch 64 Mein Auge sieht, o Gott, nach dir: von deinem Throne hilf du mir! Mein Heil kommt nur von deiner Macht, die diese Welt hervorge⸗ bracht. 2. Getrost, mein Herz! Mein treuer Hirt Ipal daß mein Fuß nicht gleit wird; der mich behütet, schlummert nicht; in Finster⸗ niß ist er mein Licht. Kein Uebel sei mir fürchterlich; denn Gottes Rechte schützet mich. Wüen ei⸗ t, en 44 seine treue Vaterhand wird aller Schade abgewandt. 4. Sein Schutz gewährt mir Sicherheit, sein Trost füllt mich mit Freudigkeit. Er leitet mich auf ebner Bahn und nimmt mich einst zu Ehren an. 5. Herr! segne und be⸗ hüte mich! Du bist mein Heil: ich hoff auf dich. Dein Segen folg aus dieser Zeit hinüber mir zur Ewig⸗ keit! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 65 Gm, deine weise Macht erhält die ganze lebevolle Welt, und Aller Augen freuen sich und warten hoffnungsvoll auf dich, auf dich, der du sie alle liebst und Allen ihre Speise gibst. 2. Du öffnest deine Hand, so fließt herab, was jedem nöthig ist; mit Wohlgefallen sättigt sie dein Aufsehn und versäumt sie nie. Nie sind Geschöpfe deiner Hand dir unwerth oder unbekannt. 3. Auch mir gabst du, mein Gott und Heil, noch täglich mein bescheiden Theil, gabst mirs mit Huld und Freundlichkeit, solang ich bin, zu rechter Zeit. Kein Vater sorgt so väterlich für seinen Sohn, als du, für mich. 4. Ich bins gewiß, du kannst mich nicht verlassen, Werke und Wohlthaten Gottes. meine Zuversicht! Ich bins gewiß, du thust mir wohl, solang ich hier noch leben soll. Nicht Ueberfluß bitt ich von dir: was ich bedarf, das gibst du mir. 5. Der n bauet nicht das Land; du nährst ihn doch mit milder Hand. Du schmückst die Blume könig⸗ lich, die nicht zur Arbeit eilt, wie ich. Vergiß es, meine Seele, nie: weit mehr bin ich vor Gott, als sie. 6. Mich schufst du nicht für diese Zeit, mein Ziel ist in der Ewigkeit. Du gabst mir Weisheit und Ver⸗ stand und machtest selbst dich mir bekannt. Nichts, was die Erde zeugt und nährt, gleicht mir an Ho⸗ heit und an Werth. 7. Von dir, der das an mir gethan, werd ich auch Speis und Trank empfahn. Selbst dem, der dich mit Sünden schmäht, gibst du sie ohne sein Gebet; und fleht ich nicht darum zu dir, gewährtest du sie den⸗ noch mir. 8. Laß du mich nur ge⸗ nügsam sein und deiner Gaben mich erfreun, mehr aber deiner, der du dich 5 Dordu des det gegen mich, der du des Lebens Quelle bist, aus welcher alle Wohl⸗ that fließt. ö 9. Bei 7 ereee Vorsehung. 45⁵ 9. Bei deiner Gaben Ueber⸗ fluß erhalt mich mäßig im Genuß; bewahr mich in der Dürftigkeit vor Schmach und Unzufriedenheit. Du nährst mich immer; Preis und Dank bring ich dir, Gott, mein Lebenlang. Mel. Jesu, meines Lebens Leben h e de Welten Preis sei dir! Dir, auch meines Lebens Führer, sei auch ewig Preis von mir! Unter allen Millionen, die dein weites Reich be⸗ wohnen, siehst du huldreich auch auf mich und ver⸗ sorgst mich väterlich. 2. Kann ich dich genug erheben? Du, der Alles werden heißt, gabst mir mit des Leibes Leben auch die Seele, die dich preist. Ich,‚ ein Wunder deiner Güte, seh mit staunendem Gemü⸗ the, das sich selbst nicht fassen kann, als ein Bild von dir mich an. 3. Auf der Menschheit hohe Stufe stellte, Herr, mich deine Hand, wo den Schall von früh ich hörte, früh ver⸗ stand. Aus unendlichem Er⸗ barmen zogst du mich mit Vaterarmen in der Kind⸗ heit schon zu dir. O wie preis ich dich dafür! deinem Rufe 4. Täglich warest du mir nahe: deine Weisheit lehrte mich. Was ich hörte, was ich sahe, zeigte mir, o Va⸗ ter, dich. Ja, du kamst mit neuem Segen jeden Morgen mir entgegen. Was nur je mir heilsam war, reichte deine Hand mir dar. 5. Wie so viele frohe Tage schenkte deine Güte mir! Sandtest du auch eine Plage, o so kam au Trost mit ihr. Und wer zählt die Güter alle, die mir, seit ich hier schon walle, deine Vaterhuld verlieh? Nein, zu zählen sind sie nie. 6. Sollt ich dir denn nicht mit Freuden dankbar und ergeben sein? Sollt ich zagen, wenn mir Leiden widerfahren oder dräun? Nein, o Herr, dich laß ich walten, du, du wirst mich aufrecht halten. Sende onne, sende Schmerz, dankvoll nimmts von dir mein Herz. 7. Flöhn mich auch die besten Freunde, fehlt auch jede Freude mir, wären viel auch meiner Feinde: dennoch bleib ich stets an dir, dennoch will ich nicht verzagen, will aufs Ziel von meinen Tagen, auf die beßre Zukunft schaun und von Herzen dir vertraun. 8. Besser noch, als selbst das Leben, ist, o Whes⸗ et⸗ 46 deine Huld. Was mir nützt, wird sie mir geben und mich tragen mit Geduld. Laß mich nur, du Aller⸗ bester, immer inniger und fester hier mit dir vereinigt sein, deiner Gnade mich zu freun. 9. O der seligen Verbin⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. mit st ets Empfindung deiner Vater⸗ liebe mir! Mache du mich dung, Allergütigster, dir! Gib, o Vater, immer reiner, daß mein Herz auch einst noch deiner sich in deinem Reiche freu und in dir ganz selig sei! Die vorzüglichsten Geschöpfe. Engel und Geister. Mel. Auf, Christenmensch! 67 Gult deine Güte, deine Macht, kann nie ein Mensch ergründen. Sie zeigt sich in der Erde Pracht und in den tiefsten Schlünden; und noch be⸗ greift bei aller Müh der größte Weise niemals sie. 2. Du bildetest im Stu⸗ fengang, uns deiner zu er⸗ freuen, durch Ordnung und Zusammenhang der Wesen lange Reihen; vom Men⸗ schen bis zum Thier und Baum ist nirgends leerer Zwischenraum. 3. Hlich Engel, deren Geisterblick kein schwaches Licht begränzet, und denen hohes Himmelsglück im rei⸗ chen Maße glänzet, schufst du, o Gott, Unendlicher, der Wesen Vater und ihr Herr! 4. Fern von dem Hang zur Sinnlichkeit, der uns so oft entehret, vom Blend⸗ werk jedes Wahns befreit, der die Vernunft bethöret, voll Kraft zu jeder guten That, betreten sie der Tu⸗ gend Pfad. 5. Voll Eifer und voll Thätigkeit sucht jeder deinen Willen, und was dein ho⸗ her Wink gebeut, gehorsam zu erfüllen, und preist in lautem Jubel gern dich, seinen Vater, seinen Herrn. 6. Auch Menschenglück und Menschenheil vermehret ihre Freuden, froh nimmt an ihnen jeder Theil, er wird sie nie beneiden; wird, wenn der Sünder Reue weint und Tugend liebt, des Sünders Freund. 7. Gott, laß mich, dei⸗ nen Engeln gleich, mit rei nen, frommen Trieben, wie sie an Tugendfrüchten reich, dich und die Brüder lieben, so werd ich einst ganz engel⸗ rein mich deiner, o mein Vater, freun. Mel, Vorsehung. Mel. Vom Himmel kam der 68 Wer zählt, Unend⸗ licher, die Reihn der Wesen, die sich deiner freun, hinauf zu dir, als Vater, sehn, aus allen Wel⸗ ten zu dir flehn? 2. Unzählbar ist der See⸗ len Schaar, die einst an Staub gefesselt war, nun losgewunden, diese Welt nicht mehr in ihren Schran⸗ ken hält. 3. Unzählbar ist der See⸗ len Schaar, die unbegreif⸗ lich wunderbar du noch zur Erde senden wirst und durch den Tod zum Leben führst. 4. Auf diesem Erdball nicht allein sind Wesen, die sich deiner freun, hinauf zu dir als Vater sehn, dir jauch⸗ zen, betend dich erhöhn. 5. Ein ungezähltes Gei⸗ sterheer riefst du ins Leben, Gütigster! Dein Reich ist unermeßlich groß, ist, Aller⸗ höchster, gränzenlos, 6. Wann einst auf deinen Wink mein Geist sich seinen Fesseln auch entreißt, misch ich in eure selgen Reihn mich, Mitanbeter Gottes, ein. 7. Entzückt vernimmt mein schärfres Ohr das höhre Lied im Geisterchor, und meine Seele strebt und ringt euch ing. wenn sie dem Vater ingt; 8. Dem Vater, dessen All⸗ machtsruf auch sie mit euch 47 verschwistert schuf, nur mei⸗ ner Hülle hier ein Grab, Un⸗ sterblichkeit dem Geiste gab. Mel. Alle Menschen müssen 69 ann wir unsern Lauf vollenden, wann wir unsre Seele nun übergeben deinen Händen, bald indeinem Schooße ruhn: eilen wir aus allen Leiden hin zu deiner Engel Freuden, ewig, Gott, bei dir zu sein, ewig deiner uns zu freun. 2. Wir, zu Gnaden an⸗ genommen, hoffen, Vater, voll Vertraun, auch wie sie mit allen Frommen dei⸗ ne Herrlichkeit zu schaun. Gleiche Hoheit wird uns schmücken, gleiche Wonn uns dann entzücken: wir, erhoben in dein Reich, wer⸗ den deinen Engeln gleich. 3 Diesch Heiles der Er⸗ lösten, dieser Wonne, dich zu sehn, dürfen wir im Tod uns trösten, wenn wir deine Wege gehn; wenn wir rin⸗ gen, schon auf Erden deinen Engeln gleich zu werden, standhaft in der Heiligkeit, dir zu dienen stets bereit. 4. Wenn wir vor Begier⸗ de brennen und, den Engeln gleich, uns freun, immer mehr dich zu erkennen, im⸗ mer heiliger zu sein; wenn wir hülfreich gern mit ihnen unsern schwächern Brůͤ ern dienen; wenn ohn allen Ei⸗ gennutz 48 sehn. Der Mensch. Seine Wür⸗ de und Vorzüge. Mel. Wer nur den lieben Gott 70 Dein bin ich, Gott! Dein ist mein Le⸗ ben. Erfreulich ist mein Ur⸗ ir. Du hast das Dasein mir gegeben; mein ganzes Wesen kommt von erhebt. Du gabst Verstand und Willen mir, und Freiheit dank ich 3. Wenn i Körper sehe, den du so kunst⸗ voll ausgeschmückt: so wird, o Vater in der Höhe, mein Herz vor Freude ganz ent⸗ zückt. Ein jeder Sinn, ein jedes Glied erm eckt zum Prei⸗ se mein Gemüth. enn ich auf meinen Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Ich bin nicht werth der großen Güte, die du, mein Gott, an mir gethan; voll Rührung preist dich mein Gemüthe und betet dich in Demuth an. Dir will ich erz und Leben weihn und nan ein Freund der Tugend ein. Mel. Wer nur den lieben Gott 71 Eꝰ werde Gott von dir erhoben, du, seines Odems Hauch, mein Geist! Sollt ich nicht meinen Vater loben, den jedes ner Werke preist; sein und seiner Liebe mich zu freun? 2. Schön ist der sonnen⸗ reiche Himmel, den er zu sei⸗ nem Stuhle wählt; doch ist der sonnenreiche Himmel ge⸗ dankenlos und unbeseelt: mir nur, dem Thone seiner Hand, gab er Gefühl, gab er Verstand 3. Anmuthig, prächtig zum Entzücken ist seine ganze Kör⸗ perwelt. Wer zählt die Reize, die sie schmücken? Was ich nur sehen kann, gefällt, und dennoch kann sie ni schön, wie wundervoll sie sei, verstehn. 4. Für Engel nur, und nur für Seelen, die Go zu ihrer Würd erhob, sind sie so herrlich; sie erzählen nur Geistern meines Schö⸗ ö pfers sei⸗ ihn, der mich schuf, sein Bild zu nicht, wie SI R‚‚ I W st Vorsehung. pfers Lob. O Seele, jauchze, daß der Ruf der Allmacht dich zum Geiste schuf. 5. Gott, ich kann den⸗ ken; ich gewinne, weil ich zu einem Geiste ward, durch die Empfindung meiner Sin⸗ ne Gedanken tausendfacher Art. Ach, strebt ich, alle Gott zu weihn, wie selig könnt ich hier schon sein! 6. Ich kann sie sammeln, sie verbinden, sie trennen, wie es mir gefällt, die Welt empfinden, mich empfinden, mich unterscheiden von der Welt. Zu tausend Thaten hab ich Kraft; die gibt mir Gott, der Alles schafft. 7. Wie feurig dürstet meine Seele nach Glück und Lust und Seligkeit! Nur daß ich oft betrogen wähle, was mich nach dem Genusse reut. Doch das ist. Vater, meine Schuld: du schaffest, was du schaffst, aus Huld. 8. Begabt mit wundervol⸗ len Sinnen, mit Freiheit, mit Vernunft von dir, sollt ich nur dich, Gott, liebge⸗ winnen, dich nur, und was gebräche mir? Ach, möchte meine Seele dein mit allen ihren Kräften sein! 9. Gott, meine Lust sei, dich zu kennen, dich, Urquell der Vollkommenheit; von deiner Liebe ganz zu brennen, das sei mir Ruhm und Se⸗ ligkeit! Nimmst du zum Er⸗ 49 ben, Gott, mich an, hab ich nur dich, was fehlt mir dann? 10. Es werde Gott von dir erhoben, du, seines Odems Hauch, mein Geist! Sollt ich nicht meinen Vater loben, den jedes seiner Werke preist; ihn, der mich schuf, sein Bild zu sein, zu lieben ihn, mich ihm zu weihn? Mel. Es ist das Heil uns 7 2 Dir, Golt! sei Preis und Dank ge⸗ bracht! Dich rühme Harf und Psalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht, mein Schöpfer und Erhalter! Mein ganzer Leib, erbaut von dir, ein jeder Sinn und Nerv an mir beweiset deine Größe. 2. Haupt, Aug und Ohr, Herz, Mund und Hand, die ich zu dir erhebe, die Haut, so künstlich ausgespannt, der Adern fein Gewebe und alle Glieder sagen mir: ich sei, o Gott, ein Werk von dir und deiner Weisheit Spiegel. 3. O hättest du mein Au⸗ 90 nicht so künstlich zuberei⸗ et, was nützte mir der Son⸗ ne Licht, der Glanz, den sie verbreitet? Dann säh ich nicht, mit welcher Pracht du, Herr, durch deine weise Macht die ganze Schöpfung schmückest. ö 4. Ich jauchze, daß ich se⸗ hen kann und hören und empfinden; 50 empfinden; froh bet ich mei⸗ nen Schöpfer an; ihn über⸗ all zu finden, in allen Wer⸗ ken, die er schuf, das ist mein seligster Beruf, mein Lobgesang und Opfer. 5. Wer leitet meines Blu⸗ tes Lauf; wer lenkt des Herzens Schläge? Wer regt die Lung und schwellt sie auf, damit ich athmen möge? Gott ist es, der dieß Alles thut. Preis, Schöpfer, dir! Dir wallt mein Blut, mein Herz schlägt dir, o Schöpfer! 6. Ja, dir sei Lob und Dank gebracht! Dich rüh⸗ me Harf und Psalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht, mein Schöpfer und Erhalter! Gib, daß ich nie mich selbst entweih, auf daß mein Herz ein Tempel sei, in welchem dein Geist wohnet. Mel. Mein erst Geschäft sei 7 3 O welch ein Glück, ein Mensch zu sein! Wer kann genug es preisen? Laß des Berufs, ein Mensch zu sein, Gott, würdig mich erweisen. 2. Den Leib, die Sinne dank ich dir; du gabst mir auch die Seele Verstand Vernunft, Gefühl mit ihr, durch die ich denk und wähle. 3. Mich allen Wesen vor⸗ zuziehn, die auf der Erde leben, hast du auch Freiheit Werke und Wohlthaten Gottes. mir verliehn, Gewissen mir gegeben. 4. Der Mensch nur ists, der reden kann, sonst kein Geschöpf auf Erden; der Mensch nur ruft dich, Schö⸗ pfer, an, kann Andrer Leh⸗ rer werden. 5. Ihn schufst du zur Ge⸗ selligkeit, gabst ihm ein Herz voll Triebe zum Mitgefühl für Freud und Leid, zur Freundschaft und zur Liebe. 6. Und 4½½ Gaben Fül⸗ le schafft mir unzählbare Freuden, gibt mir zu edlen Thaten Kraft und Ruh und Trost im Leiden. 7. Dich, meinen Gott, er⸗ kenn ich hier in jedem deiner Werke. Du bist, dieß find ich selbst an mir, voll Weis⸗ heit, Güt und Stärke. 8. Ich höre deinen heil⸗ gen Ruf; die Tugend ist dein Wille! Du, dessen Güte mich erschuf, gib, daß ich ihn er⸗ fülle! 9. Ich bin ein Mensch und darf vor dich getrost und freudig treten; ich darf, du hörest liebreich mich, dich preisen, zu dir beten. 10. Heil mir! o Heil der Zuversicht, die ich im Staube habe. Ich bin unsterblich! Gott, dein Licht erhellt die Nacht am Grabe! ö 11. O welch ein Glück, ein Mensch zu sein! Ich will es dankbar' preisen und des Berufs, Vorsehung. 51 Berufs, ein Mensch zu sein, mich würdig stets er⸗ weisen. Bestimmung des Menschen zur Gottähnlichkeit. Mel. Nun danket Alle Gott 7 4 Algächtig großer Gott, wer kann dich gnug erheben? Du gabst der ganzen Welt Bewe⸗ gung, Kraft und Leben. Was Geist und Körper heißt, was Erd und Himmel hegt, hat deine Huld gebaut, die jetzt noch Alles trägt. 2. Du schufst, ich dank es dir, auch mich zu deiner Ehre; und wolltest Gütig⸗ ster! daß ich dein Bildniß wäre. Darum hast du den Geist, der in mir lebt und denkt, mir zur Unsterblichkeit aus deiner Huld geschenkt. 3. O welch ein großer Zweck, dazu du, Gott, mich schufest! Wie herrlich ist das Theil, dazu du mich berufest! Dir, Höchster, ähnlich sein, vollkommen sein, wie du! O wohl mir, wenn ichs bin! Hilf du mir selbst dazu! 4. Laß mir dieß große Ziel doch stets vor Augen schwe⸗ ben; mein allerstärkster Wunsch, mein eifrigstes Be⸗ streben in allem meinem Thun sei dieß, o Gott, al⸗ lein, daß ich auch, so wie du, gesinnet möge sein. 5. Du bist der Wahrheit heit kiet laß mich auch Wahr⸗ eit lieben und mit stets munterm Fleiß in allem dem mich üben, was mich zur Weisheit führt, zur Weis⸗ heit, die dich ehrt und Al⸗ lem Beifall gibt, was du uns selbst gelehrt. ö 6. Laß deine Heiligkeit mich stets zum Muster neh⸗ men. Hilf mir die Sünde fliehn, des Fleisches Lüste zähmen, nur das, was recht ist, thun, des Guten mich er⸗ freun und dem, ders üben will, auch gern behülflich sein. ö 7. Gib, daß ich so, wie du, ein Freund der Men⸗ schen werde, dem Wohlthun Freude macht, der Kummer und Beschwerde dem Näch⸗ sten gern erspart, sein Leben ihm versüßt und, wo er hel⸗ fen kann, zu helfen willig ist. 8. Noch bin ich weit ent⸗ fernt, o Gott, von diesem Ziele; du weißt, was mir noch fehlt, und ich, ich sel⸗ ber fühle, wie wenig ich dir noch im Guten ähnlich bin. O bilde du mich ganz nach dir und deinem Sinn! 9. Beglückt ist nur alsdann mein Lebenslauf auf Erden, wann ich dir immer mehr schon hier kann ähnlich wer⸗ den. Dann werd ich ewig auch mit dir vereinigt sein und mich ohn Unterlaß, Gott! deiner Güte freun. C 2 Mel. 5² Mel. Mein Gott, das Herz 75 ch bin, o Gott, dein Eigenthum. Du schufst mich, dein zu sein, mein ganzes Leben dir zum Ruhm und deinem Dienst zu weihn. 2. Du gabst mir den ver⸗ nünftgen Geist, bewundernd einzusehen, wie ich, Herr, deine Schöpfung preist, mit ihr dich zu erhöhn. 3. Was um mich ist, ver⸗ kündigt mir, Gott, deine Herrlichkeit; zu ihrem Preise reizt mich hier selbst jede Jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fühl⸗ los sein? Ich rühmte dich, Herr, nicht? Ein Herold deines Ruhms zu sein, bleibt meine größte Pflicht 5. O mache dieser Pflicht mich treu, so treu, Herr, als ich soll. Mein Herz, mein Mund, mein Wandel sei stets deiner Ehre voll! 6. Wer dich verehrt, hält dein Gebot, ihm ists nicht Last, nicht Pein. Drum gib auch mir die Kraft, o Gott, gehorsam dir zu sein. 7. Was du gebeutst, ist für uns 9— 0 du willst nur unser Heil. Wohl dem, der deinen Willen thut! Du bist sein Trost und Theil. 8. Er wandelt hier auf ebner Bahn und selbst in Traurigkeit schmeckt er, dir, Werke und Wohlthaten Gottes. Höchster, ugethan, in dir Zufriedenheit. 9. Nach hier vollbrachter Prüfungszeit nimmt ihn der Himmel ein. Herr! laß nach dieser Seligkeit mein ganzes Streben sein. Mel. Schon ist der Tag von Gott 76 H lehre mich, den wahren Werth des Menschen tief empfin⸗ den und allem dem, was mich entehrt, voll Abscheu mich entwinden! Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, als Mensch, ver⸗ mag und bin durch deine weise Güte 2. Ich bin ja mehr, als ö Fleisch und Bein. Du hauch⸗ test, Gott, aus Liebe mir ö auch die rege Seele ein und gabst ihr Kraft und Triebe, mehr, als was diese Sinne rührt und nur zu Sinnen⸗ freuden führt, zu fühlen und zu fassen. 3. Gott, diesen Vorzug gabst du mir vor so viel Millionen, die, auch beseelt, genährt von dir, auf deiner Erde wohnen. fehlt, gabst den Sinn für Wahrheit, Weisheit, Tugend. 4. Du schufst mich zur Geselligkeit und für der Freundschaft Freuden, gabst meinem Herzen Gühnreni ür ö Was ihnen du mir hin, Vernunft und Freiheit und 449* 9 .. Vorsehung. für Andrer Glück und Leiden und setztest auch mich in den Stand, das, was ich dachte und empfand, in Worten auszudrücken. ‚ 5. Ich kann mich selbst und deine Welt und dich er⸗ kennen lernen; ich kann von dem, was dir mißfällt, mich ohne Zwang entfernen. Und wer, wer zeigt die Gränzen an, wo ich nicht weiter streben kann nach Licht und Herzensgüte? 6. In stiller Andacht kann mein Geist mich bis zu dir erheben und bir, den Erd und Himmel preist, auch Preis und Ehre geben. Ich kann mich deiner Rebe freun, dir folgen, dir ergeben sein und deiner Vorsicht trauen. 7. Nicht blos für diese kurze Zeit riefst du mich in dieß Leben. Zum Vollge⸗ nuß der Seligkeit soll einst die Seele schweben. Und wird auch einst mein Leib zu Staub, er bleibt doch nicht des Grabes Raub; du, Herr, wirst ihn verklären. 8. Vom Himmel kam, ge⸗ sandt von dir, dein Sohn zu uns auf Erden; er kam und ward ein Mensch, wie wir, um Heiland uns zu werden. Wie hoch sind wir durch ihn geehrt! wie ernst⸗ lich durch ihn selbst belehrt, der Menschheit Werth zu schätzen! 53 9. Und ich, ich sollte mich entweihn und gleich den Thieren handeln, der Flei⸗ scheslust ergeben sein und, Herr, vor dir nicht wan⸗ deln? Fern sei ein solcher Sinn von mir! Bewahre mich, daß ich mich hier so frevelhaft nicht schände! 10. Gib, das ich jetzt und allezeit auf mein Gewissen achte, nach Weisheit und Gerechtigkeit mit allem Eifer trachte, dich liebe und mich deiner freu und so des Vorzugs würdig sei, den du mir hast verliehen. Mel. Es ist das Heil uns ie wichtig ist doch 77 W̃ der—r• den uns der Herr gegeben! Gott, als uns deine Liebe schuf, da schuf sie uns zum Leben, zum Leben, welches ewie währt, das weder Leid, no Angst beschwert, willst du uns hier erziehen. 2. Nicht hier ist unser Vaterland; allein bei dir, dort oben, da ist der Ort, wo deine bobe das Glück uns aufgehoben, das nie ein traurig Ende nimmt. Hier sind wir nur von dir bestimmt, uns dazu anzu⸗ schicken. ö ů 3. O laß mir doch dieß große Ziel durch nichts ver⸗ rücket werden! Was hilfts, wenn ich auch noch so viel C 3 von 5⁴ von Gütern dieser Erden, von Ehre, Geld und Lust gewinn, wenn ich dabei nicht tüchtig bin, dein Him⸗ melreich zu erben? 4. Dein Pilgrim bin ich ja nur hier; laß mich dieß nie vergessen. Nur wenig Tage hast du mir zur Wall⸗ fahrt zugemessen. Schnell wie ein Traum sind sie vollbracht, und dann wird dieser Erde Pracht auf ewig mir vergehen. ö 5. Drum laß des Him⸗ mels Herrlichkeit mich stets vor Augen haben. Laß mich in meiner Prüfungszeit um jene beßren Gaben, die mir im Tode nicht entfliehn, am ersten und mit Ernst bemühn, damit ich nicht einst darbe. H— 6. Ein Herz, das dich, o Vater, liebt und deines Sohns sich freuet, das in dem Glauben Tugend übt und sich vor Sünden scheuet; ein solches Hers, das wird allein sich ewig deiner Güte freun und eins dein Antlitz schauen. 7. Und solch ein Herz, das wollst du mir, Gott, aus Erbarmen geben, damit i möge auch schon hier nach den Gesetzen leben, die selbst im Himmel gültig sind, bis ich, als dein bewährtes Kind zu deiner Freude gehe. Werke und Wohlthaten Gottes. Die Erlösung von der Sünde durch Christum. Von der Sün de. Mel. Auf meinen lieben Gott 78 Dyr der kein Böses thut, du schufst den Menschen gut; du gabst ihm Licht und Kräfte zum seligen Geschäfte, in Heilig⸗ keit zu wandeln und recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der Unschuld Ruhm? Ach, wir, dein Eigenthum, wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter allen ein Mensch ganz rein von Sünden vor dir, o Gott, zu finden? 3. Hier ist kein Unter⸗ schied. Dein Auge, Höchster, der auf alle Menschenkin⸗ er und sieht sie alle Sün⸗ der. Vor dir, o Herr, ist keiner ganz schuldlos, auch nicht Einer. ö 4. Verderbt ist unser Sinn; die Weisheit ist da⸗ hin, die uns EWiüie sollte, nur, was dein ille wollte, mit freudenvollen Trieben zu wählen und zu lieben. 5. Der Sinne Lust und Schmerz rührt leider unser Herz mehr, als die höhern mehr, als die Leiden, die wir für selbst unserm dünkt uns Zwang Erlösung. Zwang; des Herzens böser Hang reißt uns mit starkem Triebe zu schnöder Sünden⸗ liebe, und wer vermags zu zählen, wie oft wir vor dir fehlen? ö 7. O Herr, gib uns dein Licht, daß wir, was uns ge⸗ bricht, beschämt vor dir be⸗ kennen und stets von Ernst entbrennen, der Sünde zu entsagen, der Beßrung nach⸗ zujagen. 8. Wohl dem, der sie ge⸗ winnt! Gott, so verderbt wir sind, so willst du doch uns heilen und neue Kraft ertheilen, durch Christum schon auf Erden von Sün⸗ den frei zu werden. 9. Ach, laß durch unsre Schuld uns deine Vater⸗ huld nicht freventlich ver⸗ scherzen! Erwecke unsre Her⸗ zen, dir nicht zu widerstre⸗ ben, damit wir ewig leben! Mel. Schon ist der Tag von Gott —7 Kein Mensch, 9 Gott, ist sündenfrek: wer dürfte sich erheben? Was hilft uns Trug und Heuche⸗ lei? Du kennest Herz und Leben. Umsonst, umsonst verbergen wir selbst die ge⸗ heimsten Triebe dir; dein Blick durchschauet Alles. 2. Du weißt, wie oft wir frevelhaft uns böser Thaten freuen und unsers Geistes edle Kraft dem Sünden⸗ 5⁵ dienste weihen. Gereizt von Welt und Sinnlichkeit, ver⸗ scherzen wir oft unsre Zeit und unsers Herzens Ruhe. 3. Wir sollten stets auf dein Gebot mit frommer Seele merken: wir könnens auch; denn du, o Gott, willst gern die Schwachen stärken. Und dennoch un⸗ terdrücken wir so oft die Ehrfurcht, Herr, vor dir und folgen unsern Lüsten. 4. Wie leicht entwöhnt sich unser Herz, im Glück auf dich zu schauen! Wie bald vergessen wir im Schmerz, dir kindlich zu vertrauen! Wie mächtig rei⸗ zen Stolz und Neid uns oft zur Unzufriedenheit mit deiner freien Güte! 5. Du hast mit Menschen uns vereint, die dir, Gott, angehören; wir sollen, aller Bosheit Feind, auch ihre Freuden mehren. Doch wer ist immer liebevoll„sorgt für den Nächsten, wie er soll? Wer hilft, so viel er könnte? ö 6. Oft wirkt auch unsers Beispiels Macht, da Andre, wie wir, fehlen. Sie sehn auf uns, die Lust erwacht, das Böse zu erwählen. Gleich uns verschmähn sie deine Huld, und ihr Ver⸗ derben, ihre Schuld ver⸗ mehret unsere S ulden. 7. O großer Gott, hier. C 4 ste⸗ 56 stehen wir, verklagt von un⸗ sern Sünden. VPor dir, Allheiliger, vor dir ist kei⸗ ner rein zu finden. Wie kümmert unsre Seele sich! Wir alle fehlen wider dich: Erbarm dich unser aller! Mel. Alle Menschen müssen sterben 80 Vauler! heilig möcht ich leben, Recht⸗ thun wäre meine Lust; aber Lüste widerstreben dem Ge⸗ setz in meiner Brust, und der Sündentrieb im Herzen ist noch oft mir Quell von Schmerzen. Mich beschwert der Sünden Joch; was ich nicht will, thu ich doch. 2. Sieh um Kraft mich Schwachen beten; meinem Vorsatz trau ich nicht. Lok⸗ kende Begierden treten zwi⸗ chen mich und meine Pflicht. Selbst den heilgen Andachts⸗ stunden, wo, der niedern Welt entschwunden, ich von dir und Tugend sprach, folgten Sündentage nach. 3. O wie oft hab ich ge⸗ weinet, schmerzlich meinen Fall bereut, gläubig mich mit dir vereinet un mich deiner Huld gefreut! Gnä⸗ dig sahst du zu mir nieder, aber bald vergaß ich wieder meine Pflicht und, Vater, dich, und die Welt besiegte mich. 4. Du allein, du kannst mich retten, wo mich Sünd Werke und Wohlthaten Gottes. und Wahn zerstreut. Mach mich ledig von den Ketten trügerischer Sinnlichkeit! Tilg die Quelle meiner Schmerzen, die Begier aus meinem Herzen! Tief im Staube bitt ich dich: leite selbst zur Tugend mich. 5. Sieh, mich dürstet nach dem Guten. Früh und spät ruf ich zu dir: laß mein Herz nicht länger bluten; deinen Geist verleihe mir! Hilf die böse Lust bezwingen und nach deinem Beifall ringen; stärke mich mit ho⸗ her Kraft, das zu thun, was Segen schafft. „Ja, du hörst mein kindlich Flehen! Du erquickst mein Herz mit Ruh! Leben werd ich, nicht vergehen: meine Stärke, Gott, bist du! Ueberwinden, überwin⸗ den werd ich durch dich alle Sünden. Meine fasse Muth! Endlich werd ich fromm und gut. Mel. O Bott, du frommer Gott 8 1 er nur Ein Laster liebt, wie leicht fällt der in allei Wer Ein Gesetz entweiht, in dem Falle die andern auch zugleich in seinem Her⸗ zen mit und schwächt die Kraft in sich, die sonst fürs Gute stritt. 2. Ein Fehltritt kann den Grund zu hundert andese Seele, entheiligt Erlösung. legen und gibt nicht selten uns das schreckliche Ver⸗ mögen, dann dreist und ohne Furcht vor des Ge⸗ wissens Pein auch jede andre Pflicht vorsätzlich zu entweihn. 3. Wie oft versucht der Mensch, aus Scham, aus Furcht und Schrecken, durch eine zweite Schuld die erste u bedecken! So führt zur asterbahn ein einzger Fehler hin; und wo die Tugend weicht, muß auch die Ruhe fliehn. ö 4. So sei es mir denn Pflicht, der kleinsten Schuld zu wehren und jede Tugend stets mit Eifer zu verehren. Kein Fehltritt scheine mir und kein Vergehen klein; dieß könnte leicht der Grund von schweren Sünden sein. 5. Durch Tugend steigen wir zum göttlichen Ge⸗ schlechte, und ohne Tugend sind selbst Könige nur Knechte. Sie, sie nür macht uns erst des Lebens Anmuth schön, nur sie kann über Zeit und Schicksal uns er⸗ höhn ö 6. Im letzten Augenblick, wenn Alle von uns gehen, wird sie in Lichtgestalt zu unsrer Seite stehen. Hell wird durch sie der Blick auf die durchlaufne Bahn, und muthig treten wir die neue Wallfährt an. 57 7. Denn Tugend wird ins Reich der ewgen Herr⸗ lichkeiten den Geist, der sie geliebt, vor Gottes Thron begleiten. Und wie? mir Sterblichen wär dieses Glück zu klein, um strenge gegen mich und tugendhaft zu sein? ö Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 82 Sünde ist nie klein zu schätzen. Nennt sie klein; doch bringt sie Schuld. Denn sie wider⸗ spricht Gesetzen, die mit Weisheit und voll Huld uns der Heilige gegeben, um durch sie beglückt zu leben. 2. Sein Gesetz ist gut und weise, wie sein Wille selbst es ist. Mensch be⸗ folg es und beweise, daß du seiner nicht vergißt! Ewig muß Gott Sünde hassen, kann nie ungestraft sie lassen. 3. Aber gibt es nicht selbst Dinge, die der Sünder Schuld erhöhn? O, die Schuld ist nicht geringe, wenn wir sein Gesetz ver⸗ stehn, es als wahrhaft gut zwar schätzen, doch aus Leichtsinn oft verletzen. 4. Sündgen wir mit Ue⸗ berlegung wider des Ge⸗ wissens Spruch; achten nicht des Herzens Regung, nicht des innern Richkers Fluch: so ist das, was wir voll⸗ C 5 brach⸗ 58 brachten, schon für größre Schuld zu achten. 5. dich Gott hervor⸗ mit Wohlthun überhäuft, und du bleibest dem gewogen, was der Pflicht entgegen läuft: so mehrt Un⸗ dich gestärkt durch ihn, nicht bes⸗ so wird deine Schuld 7. Wenn dich nichts von außen reizet, und nur innre böse Lust blos nach solchen Dingen geizet, deren Unrecht dir bewußt: o, so sei dann dein Vergehen größer als sonst anzusehen. 8. Machen ganz besondre Dinge gutes Beispiel dir zur Pflicht, und du schätzest sie geringer, ärgerst, aber besserst nicht: größer wird dann dein Verbrechen, und der Richter wird es rächen. 9. Doch wer kann das Alles zählen, was Trotz, Un⸗ besonnenheit, ahn, Stolz, Heuchelei sich wählen, das der Thaten Sündlichkeit vor dem Richter nur vermehret, weil es sein Gesetz entehret! 10. Gott! laß mich dieß wohl bedenken und, entfernt von Sicherheit, meines Le⸗ Werkte und Wohlthaten Gottes. nem Kräfte ein, Gesetz zu Tugend nur zu erlesen: ach, ö‚ Mensch vor dir? Wenn ich deine Größ erwäge und, was ich bin, überlege: o wie niedrig und wie klein muß doch selber sein! es herrscht der ö Trieb zur Sünde mächtig oft in dem Gemüth und macht mich zu einem inde, das vor seinem Vater flieht. Ach, ich seh mit Flecken, und in der verderb⸗ ten Brust regt sich öfters böse Lust. ö 3. Was ich Gutes an mir habe, ist von deiner Vater⸗ hand. O, wie manche gute Gabe hast du, Herr, mir zuge⸗ wandtl Selber auf dem Sün⸗ denpfade trägt mich schonend deine Gnade. Nähmest du zu⸗ Reu und Schrek⸗ ken tausend Fehler, tausend Erlösung. 59 zurück, was dein, ach, was wird mir übrig sein! 4. Doch die Menge deiner Gaben klagt nur' meinen Undank an, weil ich sie oft ganz vergraben, oder damit groß gethan, oft voll Leicht⸗ inn sie verschwendet und zu Sünden angewendet. O, wie häuft sich meine Schuld 5913 Verachtung deiner uld! 5. Sieh, hier lieg ich in dem Staube tief vor dir, mein Gott, gebückt. Doch mein demuthsvoller Glaube, der auf meinenHeilandblickt, hofft auf deine Vatergüte, und mein tief beschämt Ge⸗ müthe, das den Muth fast ganz verlor, hebt sich noch zu dir empor. 6. Ja, die Wunder dei⸗ ner Liebe ziehen ganz mein Herz zu dir. Ach, erhalte selbst die Triebe treuer Dank⸗ barkeit in mir; Vater, laß das schwache Lallen deines Lobes dir gefallen; bilde mich, dein Eigenthum, ganz zu deines Namens Ruhm. 7. Meine Kräfte, meine Glieder sind zu deinem Dienst bereit. Herr, ich falle vor dir nieder voller Ehrerbie⸗ tigkeit. Was du willst, zu thun, zu leiden, dieß gelob ich dir mit Freuden, Gott und Herr der ganzen Welt, thu mit mir, was dir ge⸗ fällt. Folgen der Sünde. Mel. Jesus, meine Zuversicht 84 O wie sanft ist, Herr, dein Joch! o wie leicht dein guter Wille! Oft gedenkt die Seele noch jener Ruhe, jener Stille, die in reinen Herzen wohnt und den Fleiß der Tugend lohnt. 2. Aber, ach, ist er ent⸗ flohn, des Gewissens sanfter Friede; dann wird Qual der Sünde Lohn, und ihr Dienst macht krank und müde. Keine wahre Freude blüht, wo des Herzens Un⸗ schuld flieht. 3. Drückend des Lasters Joch, schwer der Sünden harte Bande; und ihr Sclave wählt sie doch, taumelnd an des Abgrunds Rande, dünkt sich glücklich, groß und frei bei der tiefsten Sclaverei. 4. In der ungestümen Brust weilet keine Freude lange. Unmuth folgt auf Sündenlust; angstvoll bebt sein Herz und bange, sucht vergebens Fried und Ruh und eilt neuen Lastern zu. 5. Unter schuldlos frohen Reihn wandelt er mit trü⸗ bem Blicke, will und kann nicht fröhlich sein, wünscht vergangne Zeit zurücke, wird, das Herz voll Groll undNeid, Störer ihrer Fröhlichkeit. 6, Gottes schön geschmückte Welt ist umsonst für ihn geschmücket; Blumenau und C 6 Saa⸗ treu nund 60 Saatenfeld, was den Tu⸗ gendfreund entzücket, dem 9106 Herz entgegenw allt, läßt ie stumpfe Seele kalt. 7. Herr, dein heiliges Ge⸗ richt krifft die Sünder, die dich hassen, die Verächter ihrer Pflicht! Herr, ich will dich nie verlassen; steh mir in Versuchung bei und erhalte selbst mich treu! Mel. Auf, Christenmensch! 85 Wer Sünde thut, der liebt nur Wahn, nur Träume, die ihn trügen. Er wandelt auf des Irrthums Bahn und lernt sich selbst belügen. O hilf mir, Gott, daß ich dir fern vom Selbst⸗ betruge sei! 2. Wer Sünde thut, der unterdrückt und schw ächt die Seelenkräfte, wird frech und blind und ungeschickt zum Heiligun Sgeschäfte. O Va⸗ ter, gib, daß nie mein Geist sich seine Würde selbst ent⸗ reißt! 3. Wer Sünde thut, der haßt das Licht, das Gott uns hat entzündet; er kennt die wahre Weisheit nicht, die uns mit ihm verbindet. O lehre, Gott, mich weise sein und stet den Reiz zur Sünde scheun! ö 4. Wer Sünde thut, der trotzt dem Herrn, durch den wir sind und leben; er bleibt Werke und Wohlthaten Gottes. von jenem Reiche fern, nach dem die Frommen streben. ie thöri un⸗ Gott, 5. Wer Sünde thut, ach der entzieht sich stolz dem Verkehrt, O welch Sinn, wenn ich d nicht folgsam bin! 6. Wer Sünde thut, ver⸗ wirft das Wort, das Heil und Frieden stiftet; er eilet auf dem Pfade fort, wo sich sein Ren vergiftet, wo sein Gewissen einst ihn nagt und laut ihn, Herr, vor dir verklagt! ů 7. Wer Sünde thut, sieht schreckenvoll die letzte Stunde kommen; die Hoffnung, die ihn trösten soll, ist seinem Geist benommen. Er liebte Gott und Jesum nicht, nun drohn ihm Tod und Welt⸗ gericht. 8. So täuscht die Sünde ihren Freund! So lohnt sie schon auf Erden! Ach, wann die Ewigkeit erscheint, ach, wie wirds dann ihm wer⸗ den! Viel Gutes, Herr, ist mir verliehn: o lehre mich die Sünden fliehn! Mel. Herzliebster Jesu! 86 Wo ist wohl Noth und Elend 96 er Erlösung. 61 der Erde, das von der Sünde nicht geboren werde? Ver⸗ wandeln sich nicht stets der Thorheit Freuden in bittre Leiden? 2. O wären wir vom Jüngling bis zum Greise dir, Gott, gehorsam, immer gut und weise, was würden wir mit freudigem Gewissen für Glück genießen! 3. Erhöhet würde jede Lust auf Erden und jede Bürde uns erleichtert werden, wenn unser Herz den Lockungen der Sünde stets widerstünde. 4. Doch ach, sie herrscht, um Alles zu zerrütten, er⸗ schüttert Thronen und ver⸗ wüstet Hütten, trübt jeden Segensquell, droht unsern Tagen mit harten Plagen. 5. Wann können Sünder froh zum Himmel schauen, an dich, Herr, denken ohne Furcht und Grauen? an Tod und Grab und an der Zu⸗ kunft Leben und nicht er⸗ beben? 6. Die Lust zum Bösen fes⸗ selt sie und wüthet; sie leiden selbst durch das, was sie gebietet, sie bahnen sich den Weg durch ihre Freuden zu Gram und Leiden. O du, zu dem wir fromm die Hände falten, gib, daß wir fest uns an die Tugend halten und, siegend in Versuchung, uns zum Leben in Gott erheben! Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 87 Geit: wie schrecklich sind Verbrechen, weil sie, kaum vollendet, sich selbst verfolgen, furchtbar rächen, Richter, dein Gesetz und dich! Ach, dem Laster folgt Verderben, Armuth, Sama und frühes Ster⸗ en. 2. Und wie gquält den sein Gewissen, der verworfne Thaten übt! Kann er jenes Trosts genießen, den nur reine Tugend gibt? Kann er, ohne zu erbeben, denken an ein künftig Leben? 3. Nur Ein Fehltritt auf den Wegen, die wir wandeln sollen, Gott, was vernichtet der für Segen, wie versenkt oft der in Noth! Ach, was müssen wir oft leiden blos für Einer Thorheit Freu⸗ den! 4. Starke, Gott, verfol⸗ gen Schwache; Schwache Schwächre; Geiz und Neid, Menschenhaß und Durst nach Rache, Wollust, Stolz und Ueppigkeit: wie erfüllen die mit Plagen deine Welt, mit welchen Klagen! 5. Wie die Arglist Frevel brütet! Wie Gewalt und Ty⸗ rannei gleich der Pest im Mittag wüthet! Wie im Finstern Heuchelei trachtet, über alle Zeiten Fluch und Jammer zu verbreiten! 6. Und wir Sünder könn⸗ C 7 ten 6² ten wähnen, Gottes heiliges Gericht strafe keines Elends Thränen, acht auf unsre Laster nicht? der Gerechte, der Verbrecher gelt ihm gleich; es sei kein Rächer? 7. Wären wir nur gut und weise, deinem Willen unter⸗ than; gingen Jünglinge und Greise immer auf der Tu⸗ gendbahn, wie strömte Heil und Segen Jeglichem von dir entgegen! 9. Ich erschrecke, Herr, Herz so Hoffnung ist: selig dort und schon auf Erden ruhig und getrost zu werden. 10. Laß des Lasters bittre sten Fehltritt scheun! Stärke ich die Sünde immer glorreich überwinde! Mel. Wie groß ist des Allmächt. 88 Amehen Sei welch steter Widerspruch in mir! Mein Geist will, daß Werke und Wohlthaten Gottes. ich Gutes wähle, er sehnt sich, Gott, so heiß nach dir; allein das Fleisch verführt den Willen, macht ihn den Sinnen unterthan, strebt, ihre Lüsternheit zu stillen, und schmiegt sich, ach! den vollbringe nicht. 3. Der gute Vorsatz, den ich fasse, er bleibt ein Traum der Phantasie; ich thu das Böse, das ich hasse, und scheue oft der Tugend Müh. Getrieben, wie ein Schiff vom Winde, dem Mast und Steuerruder brach, reißt sie mich hin, die Macht der Sünde; zu späte Thränen folgen nach. ö 4. Wer löst mich von den Selavenketten? Wer Ruhe in meinem Innern Ru ö Wer kann mich vor mir selbst erretten? Nur du, Allmäch⸗ tiger, nur du! Ein Strahl von deiner Gnade gnüget urs eligstenenesung mirzʒo end ihn, daß mein Glau⸗ be sieget, und schenke Kraft zur Tugend mir! ö Erlösung Erlösung. 63 Erlösung. In eigener Melodie. 89 Hedel wir singen deiner Ehre. Er⸗ barm dich unser und er⸗ öre, nimm gnädig unser oblied an! Herr, wir dan⸗ ken voll Entzücken; wo ist ein Gott, der beglücken so lieben und so segnen kann? Der Gott, den wir erhöhn, er, dessen Heil wir sehn, ist die Liebe; schon vor der Zeit, in Ewigkeit war Gott die Liebe, wird sie sein. 2. Um zu dir uns zu er⸗ heben, hauchst du in unsre Brust das Leben und schen⸗ kest uns der Erde Glück. Um zu dir uns zu erheben, entziehst du unsrer Brust das Leben und schenkest uns des Himmels Glück. Du gibst das Leben, Gott! und führst auch durch den Tod uns zum Leben. Du suchst allein uns zu erfreun; daß wir verder⸗ ben, willst du nicht. 3. Als wir von der Sünde Plagen gequält in unserm Elend lagen und Nacht des Todes uns umfing, fern von deiner Wahrheit Pfade, da war es, Gott, als deine Gnade erbarmend vor uns überging. Da rief dein Va⸗ terblick durch Jesum uns zurück von der Sünde. Aus ihrer Nacht sind wir erwacht, erwacht, um Gottes Licht zu sehn. 4. Preiset ihn, ihr Jubel⸗ lieder! Der Sohn des Höch⸗ sten stieg hernieder, ward Mensch und starb der Sün⸗ der Tod. Christus hat den Tod bezwungen: ein Sieges⸗ lied werd ihm gesungen! Uns segnet und begnadigt Gott. Wir sind mit ihm versöhnt; ihr Lobgesänge tönt; tönt zum Himmel! Herr, Preis sei dir! Einst knieen wir an deinem Thron und beten an. Mel. Mache dich, mein Geist 90 U.ser Gott, der Herr der Welt, schaut der Zukunft Zeiten, kann, was ihm zu thun gefällt, lange vorbereiten. Stets zur That wird sein Rath; auf verborgnen Wegen kommt uns Heil entgegen. 2. Jesus ward zum Heil der Welt einer uusrer Brü⸗ der; 3d. wie zum Sieg der Held, kam zu uns er nieder; rang mit Noth, Schmach und Tod, um zu edlerm Leben Menschen zu erheben. 3. Seiner Ankunft frohe Zeit ließ in frühen Jahren Gott mit ihrer Herrlichkeit Völkern offenbaren. Was geschah, fern und nah, wußt er dann zu lenken, um uns ihn zu schenken. 4. Preiset 6⁴ 4. Preiset ihn voll Zuver⸗ sicht, der die Welt regieret! Immer wird, was er ver⸗ spricht, herrlich ausgeführet. Ehret ihn, der erschien, uns zu Gott zu leiten: folget ihm mit Freuden! Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 91 Gedante. der uns Leben gibt, wer kann dich ganz durchdenken? Also hat Gott die Welt ge⸗ liebt, uns seinen Sohn zu schenken. 2. Hoch über die Vernunft erhöht, Tülitt von Finster⸗ nissen, füllst du mein Herz mit Majestät und stillest mein Gewissen. 3. Ich kann der Sonne Wunder nicht, noch ihren Bau ergründen: und do kann ich der Sonne Licht und ihre Wärm empfinden. 4. So kann ich auch nicht Gottes Rath von Jesu Tod ergründen; allein das Gött⸗ liche der That, das kann mein Herz empfinden. 5. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ nicht meine Schuld getragen, nicht Gott und mein Erlöser ist: so werd ich angstvoll zagen. 6. Ist Christi Wort nicht Gottes Sinn, werd ich stets irren müssen, und, wer Gott ist, und was ich bin und werden soll, nicht wissen. 7. Nein, diesen Trost der zu Werke und Wohlthaten Gottes. Christenheit soll mir kein Zweifel rauben: ich fühle seine Göttlichkeit und halte fest am Glauben. 8. Des Sohnes Gottes Eigenthum, durch ihn des Himmels Erbe; dieß bin ich, und das ist mein Ruhm, auf den ich leb und sterbe. 9. Du gibst mir deinen Geist, das Pfand, im Glau⸗ ben mich zu stärken, und bil⸗ dest mich durch deine Hand allen guten Werken. 10. Solang ich deinen Willen gern mit reinem Her⸗ zen thue, so fühl ich eine Kraft des Herrn und f chmecke Fried und Ruhe. 11. Und wenn mich meine Sünde kränkt und ich zum Kreuze trete, so weiß ich, ch daß er mein gedenkt und thut, worum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und mich einst aus der Erde erweckt und zu dem Reich erhebt, da ich dich schauen werde. 13. Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich dich nur nenne; und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Welt bekenne. 14. Soll ich dereinst auch würdig sein, für deinen Ruhm zu leiden, so laß mich keine Schmach und Pein von deiner Liebe scheiden. 15. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt, laß mich noch * Erlösung. noch sterbend denken, wie sollt uns der, der ihn ge⸗ schenkt, mit ihm nicht Alles schenken! Mel. Schwing dich auf 92 ommt mit Dank vor Gottes Thron, preiset Gott auf Erden! Denn er sandte seinen Sohn, unser Heil zu werden. Ehret, preist ihn, der da kam, daß wir selig würden! Er ward Mensch und übernahm schwe⸗ rer Leiden Bürden. 2. Treu vollbracht er seine Zeit. Seines Vaters Ehre, Wahrheit und Gerechtigkeit war des Heilgen Lehre; Menschen trösten und er⸗ freun, immer sein Bestreben; und um Aller Heil zu sein, ließ er selbst sein Leben. 3. Nun als Herr, von Gott erhöht, nach vollbrachtem Werke, herrschet er voll Ma⸗ jestät und mit Gnad und Stärke, sammelt all uns in sein Reich, die wir danach streben. Fromme sollen, Engeln gleich, mit ihm ewig leben. 4. Ehrfurcht und Gehor⸗ sam soll ihm der Mensch bezeigen, Aller Knie sich de⸗ muthsvoll vor dem Mittler beugen, freudig jede Nation es mit Dank bekennen: Er sei Gottes höchster Sohn, unser Herr zu nennen. 5. Wer ihn ehret, ehrt 6⁵ zugleich Gott, durch den wir leben; denn der Tugend hei⸗ lig Reich ist ihm übergeben. Wer zu Jesu: Herr, Herr! spricht und doch Böses übet, kennt ihn und den Vater nicht, der nur Fromme liebet. 6. Laßt uns, Christen, laßt uns ihn reines Herzens lieben, auch die kleinste Sün⸗ de fliehn, jede Tugend üben, eifrig thun, was er gebeut, auf sein Vorbild sehen und wie er mit Freudigkeit auch durch Leiden gehen. 7. Können wir: es ist vollbracht! froh, wie er, einst sprechen, o dann schreckt uns nicht die Nacht, wenn die Augen brechen. Sicher wird uns seine Hand zu den Seligkeiten seines Reiches, in das Land der Verklärten leiten. Mel. Vom Himmel hoch, da 9 3 A f freue dich, mein Geist, in mir und preise deinen Gott, der dir selbst seinen Sohn zum Hel⸗ fer gibt; preis ihn, daß er so sehr dich liebt! 2. Er, den dir Gott zum Heil gesandt, er machte dir den Trost bekannt, wie in⸗ nig seine Vatertreu, wie betn ihm deine Wohlfahrt ei. 3. Durch ihn hat er die sichre Bahn zur——w0——. un 66 kund gethan; durch ihn hat er dir Muth und Kraft, auf dieser Bahn zu gehn, ver⸗ schafft. W 4. Vergiß, vergiß zu kei⸗ ner Zeit die Größe seiner Gütigkeit; denk oft und stets mit Freuden dran und bete Gott in Demuth an. 5. Aus Gegenlieb und Dankbarkeit sei ihm dein ganzes Herz geweiht, dein Herz, das ihm ganz zugehört ehrt selig ist, wenn es ihn ehrt. 6. Dem, den er dir zum Helfer gab, dem folge red⸗ lich bis ins Grab; folg ihm und wende dankbar an, was er zu deinem Heil gethan. 7. Erwecke dich dadurch 935 Fleiß der Heiligung: as ist der Preis, den echte Dankbarkeit dem gibt, der dich so göttlich groß geliebt. 8. In diesem Preise übe dich, mein Geist, so hilft er sicherlich dir 1 dem Glück, das Gottes Rath durch ihn der Welt bereitet hat. Mel. Allein Gott in der Höh 9 4 Nüwoft unsre Dank⸗ gefühle an, die wir dir, Vater, weihen; durch Jesum zeigtest du die Bahn der Tugend uns von neuem. Ja, ewig, ewig Dank sei dir; belehrt durch Jesum, können wir uns unsrer Würde freuen. Werke und Wohlthaten Gottes. 2. Sonst sahn mit Furcht im Angesicht auf Gräber unsre Brüder; doch bald er⸗ schien ein neues icht dem bangen Herzen wieder. Des Menschen Geist umschließt kein Grab, nur seine Hülle sinkt hinab: dieß lehrte Je⸗ sus glauben. 3. Mit edler Wärme lehrte er als erste Pflicht die Lie⸗ be, und jedes Gute immer mehr zu thun aus reinem Triebe. Er selbst, er gab sein Leben hin aus edlem, reinem Tugendsinn zum Be⸗ sten für die Brüder. 4. Auf, Christen, ehrt ihn lebenslang durch reine Tu⸗ gendliebe! O, daß ihm Kei⸗ ner diesen Dank, kein Christ ihm schuldig bliebe! Wir sind erlöset: Dank sei dir, o Vater! Möchten alle wir frei von der Sünde leben! Mel. Sei Lob und Ehr dem 95 Auf, Christen, laßt uns unsern Gott mit frohem Dank erheben! Er hat nicht Lust an unserm Tod, will, daß wir ewig le⸗ ben. Was uns zum Heile nöthig ist, das hat er uns durch Jesum Christ erbar⸗ mungsvoll bereitet. 2. Nach seinem gnaden⸗ vollen Rath kam er, sein Sohn, auf Erden, von uns⸗ rer Schuld und Missethat ein Retter uns zu 141 6 W1 A M Erlösung. 67 Er wards und hat sein Werk vollbracht und sich, nach kurzer Grabesnacht, gen Himmel aufgeschwun⸗ gen. 3. Wo ist des Todes Herr⸗ schaft nun? Hier ist sein Ue⸗ berwinder; die Furcht davor hinwegzuthun, starb er, das Heil der Sünder. Gebro⸗ chen ist uns nun die Bahn, die von der Erd uns him⸗ melan zur ewgen Wonne leitet. 4. Wie hat uns doch der Herr so lieb! Wie sucht er un⸗ ser Bestes! Er gibt für uns aus freiem Trieb sein Lieb⸗ stes und sein Größtes! Preis ihm, der so viel an uns thut! Preis seinem Sohn, der uns zu gut sich bis zum Tod erniedrigt! 5. Was er zu unserm Glücke schafft, das ist in seinen Händen; sein ist das Reich, sein ist die Kraft, das Heil uns zuzuwenden, das er so liebreich uns erwarb, als er für uns am Kreuze starb. Wohl Allen, die ihm trauen! 6. O laßt uns ihm uns anvertraun und seine Stim⸗ me hören, auf bum Mitt⸗ lerhülfe baun, ihn mit Ge⸗ horsam ehren! Das ist der Weg zum ewgen Wohl, der eg, auf dem man friede⸗ voll auch schon auf Erden wandelt. 7. Herr, leite selbst uns diesen Pfad, zeuch uns zu deinem Sohne, daß Glaub an ihn auch mit der That in unsern Herzen wohne: so ha⸗ ben wir an seinem Heil zur Freude für uns ewig Theil; so preisen wir dich ewig. Mel. Schon ist der Tag von Gott 96 Num laßt uns alle fröhlich sein, daß Gott uns Jesum sandte! Laßt uns des Gottes hoch er⸗ freun, den Jesus Vater nannte; der Alles schuf und liebt und nährt, der alle seine Kinder lehrt und alle gut erziehet. 2. Zur Reife der Vollkom⸗ menheit, die schon hienieden keimet, erzieht er Alle weit und breit; nicht Einer ist ver⸗ säumet. O wohl mir, ich bin Gottes Kind! O wohl mir, alle Menschen sind des höchsten Vaters Kinder! 3. Er schaut auf Alle mild herab, führt auf verschiednen Wegen uns alle über Tod und Grab zu höherm Licht und Segen. Der Gott, den jede Sprache nennt, der Gott, den Niemand ganz verkennt, hat Jesum uns gegeben. Vertrauensvoll auf Gott zu sehn, der mit Ver⸗ nunft uns zieret, und kind⸗ lich fromm den Weg zu gehn, der uns zum Ziele führet, der Menschheit hohen Zweck und Werth hat Jesus 5 u 68 stus uns gelehrt: Gott sei dafür gepriesen! ö 5. Wie Wahrheit nie dem Trug erliegt: wie Pflicht und Weisheit handelt; wie Tugend über Alles siegt und fest zum Ziele wandelt, auch wenn ihr Hohn und Marter droht, verkündigt Jesu Lehr und Tod: Gott sei dafür gepriesen! 6. Wir zagen nicht: was kann uns je des Vaters Liebe nehmen? Für Armuth, Sor⸗ gen, Schmach und Weh, für Krankheit, Schmerz und Grämen und für den schwe⸗ ren Schritt ans Grab beut Jesus einen festen Stab: Gott sei dafür gepriesen! 7. O guter Gott, wir zagen nicht: du wirst zum höhern Leben, wirst zu des Himmels reinstem Licht einst unsern Geist erheben. Wohl uns! Die Lehre Jesu beut uns t hoch derUnsterblichkeit: sei hoch dafür gepriesen! Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 97 Erbobs den Herrn, ihr Frommen! Er hält, was er verspricht. Der Heiland ist gekommen, der Völker Trost und Licht. Gott, der uns nicht verstößt, hat uns zum Heil und Leben selbst seinen Sohn gegeben; durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o welche Liebe hat uns der Herr gezeigt; Werke und Wohlthaten Gottes. mit welchem Vatertriebe sein Herz zu uns geneigt! Von sei⸗ nes Himmels Thron kommt, Rettung vom Verderben uns Sündern zu erwerben, sein hocherhabner Sohn. 3. Er kam zu uns auf Er⸗ den in tiefer Niedrigkeit, nahm auf sich die Beschwer⸗ den von unsrer Pilgerzeit, enthielt sich seiner Macht, verläugnetHimmelsfreuden, bis er durch Todesleiden sein großes Werk vollbracht. 4. Er hats vollbracht! O bringet Gott euren Lobge⸗ sang! Erlöste Menschen, sin⸗ get dem Mittler ewig Dank! Wo Niemand helfen kann, da hilft er gern aus Gnaden, heilt unsrer Seele Schaden. O nehmt ihn gläubig an! 5. Du Freund der Men⸗ schenkinder, verwirf uns, Jesu, nicht! Dein Name, 30 der Sünder, ist unsre uversicht! Drum kommen wir zu dir. Hilf jeden Rei u Sünden uns lücklich überwinden; denn Herr, sind wir. 6. Bei dir steht unser Le⸗ ben. Zu unserm ewgen Heil hast du dich hingegeben. Gib uns am Himmel Theil. Laß uns dir folgsam sein. Was wird uns, Herr, dann fehlen? Dann werden unsre Seelen sich Gottes ewig freun. ein, Mel. ra Sss* ö Erlösung. Mel. Herzliebster Jesu! 98 ott, der du für uns deinen Sohn gegeben; o wer kann gnug⸗ sam deine Huld erheben? Wie herrlich Leigs du im Erlösungswerke der Gnade Stärke! 2. Dein ewger Sohn stirbt für die Menschenkin⸗ der; der Heiligste tritt an die Statt der Sünder; der Se⸗ ligste begibt sich seiner Freu⸗ den, für uns zu leiden. 3. Er wird das Lamm, das Aller Sünden träget, drauf du die Strafe weislich selbst geleget: daß du die Schuld an den verlornen Schafen nicht dürftest strafen. 4. Was ist der Mensch, daß du sein so gedenkest und deinen Sohn ihm zum Ver⸗ söhner schenkest? Was fin⸗ dest du an mir und an uns allen für Wohlgefallen? 5. Verdient Verachtung göttlicher Gesetze, verdient Verschwendung unschätzba⸗ rer Schätze, verdient ge⸗ häufte gröbliche Verschul⸗ dung so viele Duldung? 6. O welche Tiefe deiner Menschenliebe! Wer faßt, o Gott, die Größe ihrer Trie⸗ be? Du thust weit mehr zu unserm Wohlergehen, als wir verstehen. 7. Ach! lehre mich recht deine Huld erkennen, voll Zuversicht dich meinen Va⸗ 69 ter nennen und zum Ge⸗ horsam dir mein ganzes Le⸗ ben willig ergeben. 8. Was mir dein Sohn, da er für mich gestorben, von deiner Huld durch seinen Tod erworben, das werde mir zu meinem ewgen Heile nun auch zu Theile! 9. Dein Friede wohne stets in meinem Herzen und tröste mich bei des Gewissens Schmerzen; dein Geist sei mit mir, deinen guten Wil⸗ len treu zu erfüllen. In eigener Melodie. 99 H Gond den uns Gott verhieß, den der Himmel jauchzend pries, als du, Sterblichen zum Dienst, huldreich auf der Erd erschienst. ö 2. Wie dein Nam, ist auch dein Ruhm. Jesu, wir, dein Eigenthum, ehren dankvoll und erfreut deine große Gü⸗ tigkeit. 3. Du, deß Hand die Him⸗ mel hält, du kamst willig in die Welt, uns von Sünden zu befrein, unser Licht und Trost zu sein. 4. Stark in deines Vaters Kraft, hast du Leben uns ver⸗ schafft. Wir, von Rath und Hülf entblöst, sind, o Herr, durch dich erlöst. 5. Preis sei dir in Ewig⸗ keit! Auf! die ihr erlöset seid, rühmt den, der mit Lehr 70 Lehr und That euch vom Tod erlöset hatt. 6. Der du liebreich zu uns kamst, unsre Rettung übernahmst, dein uns theur erworbnes Heil sei auf ewig unser Theil! 7. Unsre Seele trau auf dich, unser Leben preise dich; und du selber, Heil der Welt, hilf uns thun, was dir gefällt! In eigener Melodie. 100 it frohlocken⸗ dem Gemüthe schau ich, Gott, voll Dank⸗ begier in die Tiefen deiner Guͤte und verliere mich in ihr. O wie groß ist deine Huld! Unsre ganze Sünden⸗ schuld willst du uns so gern vergeben; denn du hast nur Lust am Leben. 2. Ich verehre, Gott voll Liebe, deiner Gnade weisen Rath, die aus eignem freiem Triebe unser sich erbar⸗ met hat. Uns Verlornen dachtest du Rettung vom Verderben zu, und die Heil uns zu erwerben, sollte dein Geliebter sterben. 3. O, ein Rathschluß voll Erbarmen, voller Huld und Freundlichkeit, der uns, uns verlassnen Armen Gnad und reichen Trost verleiht! O wie hast du uns geliebt, daß dein Sohn sich für uns gibt, die verscherzten Selig⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. keiten wiederum uns zu be⸗ reiten. ö 4. Ja, du zeigst aus wei⸗ ser Liebe uns zur Gnade selbst die Bahn, führst durch deines Geistes Triebe uns zu Buß und Glauben an. Wer nicht in der Sünde bleibt, standhaft an Mittler gläubt, soll, befreit von dem Verderben, Him⸗ melsseligkeiten erben. 5. Du bestimmtest zum Verderben auch nicht Einen; deine Huld hilft auch Sün⸗ dern. Wenn sie sterben, sterben sie aus eigner Schuld. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, den trifft seines Fre⸗ vels Lohn; sein beharrlich ihm Widerstreben raubt Gnade, Heil und Leben. 6. Ewig sei mit Dank besungen, was dein Rath beschlossen hat. Mit uns preisen Engelzungen diesen weisen, heilgen Rath, den der Glaub in Demuth ehrt, die Vernunft erstaunend hört, wo der Engel Tiefen findet, die er niemals ganz ergründet. hilf mir, da⸗ 7. Vater, nach streben, meines Heils gewiß zu sein. Richte du mein ganzes Leben nur nach deinem Willen ein. Laß des Glaubens Frucht und Kraft. die dein Geist nur u uns schafft, mir das sichtt Zeugniß geben, ich au den Erlösung. auf dem Weg zum Le⸗ ben. ö 8. Ueberzeugt von deiner Gnade und gewiß, dich einst zu sehn, will ich selbst des Todes Pfade ohne Graun und muthig gehn. Hab ich deine Gnade nur; so wird keine Creatur mich von dei⸗ ner Liebe trennen, mich dir Nichts entreißen können. Würde des Erlösers. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 101 Di kamst herab zum Staube, herab von deinem Thron: in dir erblickt mein Glaube des ewgen Vaters Sohn. Glanz seiner Herrlichkeit! Wer kann dich gnug erhe⸗ ben? Du schenkst uns neues ut, und Herzensfreudig⸗ eit. 2. Wer reicht an deine Größe? Im weiten Schö⸗ pfungsreich fühlt Jeder seine Blöße, fühlt Keiner dir sich gleich. Du warst, eh Meer und Land, eh Sonne, Mond und Erde durch jenes Macht⸗ wort: Werde! hervorging und entstand. 3. Der höchste Seraph beuget sich demuthsvoll vor dir, verhüllt sein Antlitz, schweiget, bewundert dich, wie wirzund deiner HoheitGlanz, wird ers, sie zu ergründen, wird er zu blendend finden: auch er schaut nie sie ganz. 71 4. Du hast durch deine Lehren des Irrthums Nacht erstreut. Wenn wir sie folgsam hören, werd unser erz erfreut. Sie lehrt mit raft und Muth nach wah⸗ rer Tugend streben, lehrt für die Zukunft leben, ge⸗ winnt das höchste Gut. 5. Um unser Heil zu grün⸗ den, nahmst du so brüder⸗ lich den Sold der schwersten Sünden, des Kreuzes Last auf dich. Du tilgtest fremde Schuld, ertrugest Haß und Bande und starbst bei Qual und Schande mit göttlicher Geduld. 6. Doch, Herr, im Siegs⸗ gepränge kommst du zur Welt zurück. Dann steht der Völker Menge vor dei⸗ nem Richterblick. O welche Angst und Pein verfolget dann den Sünder! Und Gottes fromme Kinder, wie wirst du sie erfreun! 7. Dich, Heiland, zu ver⸗ ehren, sei stets mir theure Pflicht; befolg ich deine Lehren, so seh ich einst dein Licht. Du bist, was Keiner war im Himmel und auf Erden, was auch nicht En⸗ gel werden; du bleibst es immerdar. Mel. Kommt, kommt, den 102 Mein Heiland deine Größe geht über alle Himmel weit. Wer 72 Wer ist, der sie ermesse? Du warst bei Gott in Ewigkeit. Du bist der Erst⸗ geborne vor kamst zwar für uns Ver⸗ lorne in menschlicher Natur; doch in der Menschheit Or⸗ den tratst du erst in der Zeit; eh noch die Welt ge⸗ worden, warst du voll Herrlichkeit. 2. Der Himmel und die Erde sind durch dein kräf⸗ tig Wort gemacht. Auf dein allmächtig: Werde! entstand die Welt mit ihrer Pracht. Du bist auch unser Meister; auch uns schuf deine Hand‚ sowie das Herr der Geister, das dich noch nie erkannt. Ein Erbe über Alles! das ist dein ewger Ruhm; drum jam⸗ mert dich des Falles von deinem Eigenthum⸗. 3. Du trägest alle Dinge durch deiner Allmacht star⸗ kes Wort. Das Große und Geringe geht blos durch deinen Willen fort. Sohn Gottes, du Hder i' den ganzen Kreis der Welt; weil du das Ruder führest, geschieht, was dir gefällt. Bei dir steht Tod und Le⸗ ben; drum wird einst jede Gruft die Todten wieder⸗ geben, wann deine Stimme ruft. ö 4. Gott läßt dir Ehr er⸗ zeigen, die keinem Andern aller Creatur, Werke und Wohlthaten Gottes. widerfährt. Dir soll sich denn gött⸗ dein kann nicht selig wer aber dich verehrt, dem hilfst du vom Verderben, schaffst ihm Zufrieden⸗ heit und machst ihn einst zum Erben vollkommner Seligkeit. 5. Wie herrlich ist dein Name schon jetzt, o Herr, in aller Welt! Dich preist der Frommen Saame, der gläubig dir zu Fuße fällt. Dich preisen Seraphinen, erhabner Menschensohn! Mit Freuden dir zu die⸗ nen, stehn sie vor Thron. Wer sollte dein sich schämen? Werth bist du, Preis und Ruhm auch, Herr, von uns zu nehmen, uns, deinem Eigen⸗ thum. 6. Sohn Gottes. ich ver⸗ ehre und bete dich in De⸗ muth an; beschäme und be⸗ kehre, die dir noch nicht sind zugethan, die deinem Wort nicht glauben und dir, der für sie litt, die schuldge Ehre rauben. Theil ihnen Gnade mit, dich gläubig zu erkennen; laß Nichts, die dich erkannt, von deiner Liebe trennen, dein Ruhm füll jedes Land! Nd el einem Erlösung. Mel. Mein ganzer Geist 103 Wie groß, wie angebetet ist dein Nam, o Heiland, Jesu Christ! Wie theuer deinem Volke! welch Licht ging in der Finsterniß mit dir der Welt auf! Wie zerriß, wie floh des Irrthums Wolke: Als du kamest, hörten Taube, und der Glaube half den Kranken, Stumme sangen, dir zu danken. 2. Nur Schwache warens, die dein Licht verbreiteten, die Weisen nicht. Wo sind sie? Wo die Hohen? Und wo die Reichen? Wo die Macht, vor der des Götzen⸗ dienstes Nacht und seine Schatten flohen? Macht nicht, List nicht, deine Ga⸗ ben. Mittler, haben dich verkläret, uns den Weg zu Gott gelehret. 3. Wir werden deinen Ruhm erhöhn; wir werden deinen Himmel sehn, den Preis von deinem Leiden; genießen, was du uns er⸗ warbst, da du für uns am Kreuze starbst, der Engel hohe Freuden. Welche Gna⸗ de, daß wir Sünder Gottes Kinder werden sollen, wenn wir an dich glauben wollen! 4. Du hast dich deiner Herrlichkeit entäußert eine kurze Zeit, für uns von Gott verlassen. Und nun mit Ehr und Ruhm gekrönt, 73 nun machst du selig, die versöhnt der Sünden Gräuel hassen. Ihnen willst du Heil und Leben gerne geben und uns allen helfen, daß wir Gott gefallen. 5. Vom Aufgang bis zum Niedergang erschallet dir der Lobgesang erretteter Gerech⸗ ten. Unzählbar sind die Schaaren schon, die gerne dir vor deinem Thron ein würdig Loblied brächten. Ihrer mehr noch, Jesu, werden schon auf Erden dir lobsingen, Preis und Dank und Ruhm dir brin⸗ gen. 6. Wie groß, wie ange⸗ betet ist dein Nam, o Hei⸗ land, Jesu Christ! wie herr⸗ lich bei den Deinen! Führst du uns ein zu deiner Ruh: o wie weit herrlicher wirst du den Frommen dann er⸗ scheinen! Ewig müsse dir zur Ehre ihrer Chöre Lob erschallen, durch die Himmel wiederhallen! Dankbares Andenken an die Sendung Jesu. (Adventslieder.) Mel. Jesu, komm doch selbst zu 104 ott sei Dank in aller Welt, der sein Wort beständig hält und der Sünder Trost und Rath zu uns hergesen⸗ det hat. D 2. Was 7⁴ 2. Was der frommen Väter Schaar Wunsch und Trost und Hoffnung war, was sie fern im Dunkeln sah, Heil uns! ist im Lichte da. 3. Coh ist mehr als Da⸗ vids ohn. Unvergänglich ist sein Thron; denn der Tugend Reich ist sein, hier und dort uns zu erfreun. 4. Licht der Seelen, ewges eil ward durch ihn der elt zu Theil. Menschen⸗ freund, wie dank ich dir! Du schenkst dieses Heil auch mir! 5. Deines Segens mich zu freun, laß mein Herz dein eigen sein; mach es von der Sklaverei jeder Sünde völ⸗ lig frei. 6. Und wie deine Ankunft war Hülf und Rettung aus Gefahr: so erscheine stets auch niir Hülf und Rettung, Herr, von dir. 7. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei Allem, was ich hier zur Befördrung meiner Ruh denke, wün⸗ sche, wähle, thu. 8. Trifft mich Traurig⸗ keit und Schmerz, tröste dann mein zagend Herz! Wenn kein Mensch mir helfen kann, so nimm du dich meiner an! 9. Und, o Jesu, wann du einst herrlich zum Gericht erscheinst, laß mich freudig zu dir gehn und gerecht vor dir bestehn! Werke und Wohlthaten Gottes. Mel. Aus meines Herzens Grunde 105 Mi Ernst, o Menschenkin⸗ der, bereitet euch dem Herrn! Er kommt, das Heil der Sünder, er rettet sie so gern. Er kommt, den Gott allein aus Gnaden uns zum Leben versprochen hat geben; ihr könnt nun selig sein. 2. Kommt, reinigt eure Seelen, seid heilig, seid be⸗ reit, was ihm gefällt, zu wählen, zu fliehn, was er verbeut! Eilt willig in sein Reich, verabscheut und ver⸗ lasset, was euer König has⸗ set, vertraut ihm, bessert euchl 3. Das hat der Herr ge⸗ boten, sein Sohn hats selbst gelehrt; das lehren seine Boten, und selig ist, wer hört! Ach, leben wird, wer gläubt, und wer nicht glaubt, wird sterben. Ein Jeder wird verderben, der noch ein Sünder bleibt. 4. Wer wahre Demuth liebet, den will Gott einst erhöhn; wer aber Hochmuth übet, der wird ihn nimmer sehn; wer ihm sein Herz ergibt, wird gut und selig werden, nicht dort nur, schon auf Erden erfahren, wie Gott liebt. 5. Doch was vermag ich Schwacher, ich Sünder ohne dich? Mein Heil, mein Seligmacher, bereite selber mich e u Er ch Erlösung. mich! Schon seufzt mein Herz nach dir, es seufzet dir entgegen. Komm, komm mit deinem Segen und wohne stets in mir! Mel. Mein ganzer Geist, Gott 106 Der Heiland kommt, lob⸗ singet ihm, dem Herrn, dem alle Seraphim das: Heilig! Heilig! singen. Er kommt, der eingeborne Sohn, und steigt von seines Himmels Thron, der Welt das Heil zu bringen. Preis dir, daß wir vor der Sünde Ret⸗ tung finden, höchstes Wesen! Durch dich werden wir ge⸗ nesen. 2. Willkommen, Friede⸗ fürst und Held, Rath, Va⸗ ter, Kraft und Heil der Welt, willkommen hier auf Erden! Du kleidest dich in Fleisch und Blut, wirst Mensch und willst, der Welt zu gut, selbst unser Bruder werden. Ja du, Jesu, reichst die Arme voll Erbarmen uns entgegen und verwan⸗ delst Weh in Segen. 3. Du bringst uns Trost, Zufriedenheit, Heil, Leben, ewge Seligkeit! Sei hoch dafür gepriesen! O Herr, wie viel zu schwach sind wir, die Treue zu vergelten dir, die du an uns erwiesen! Von dir, da wir im Verderben müßten sterben, 75 kommt das Leben: o was kannst du Größres geben? Wir bringen dir ein dankbar Herz, gebeugt durch Buße, Reu und Schmerz, bereit, vor dir zu wandeln, ja, dir und unserm Nächsten treu, aufrichtig ohne Heuche⸗ lei, zu denken und zu han⸗ deln. Zu dir flehn wir: hilf uns Schwachen, daß wir wachen, beten, ringen und des Fleisches Lust be⸗ zwingen. 5. Laß uns zu unserm ewgen Heil an dir im wah⸗ ren Glauben Theil durch deinen Geist erlangen, auch wenn wir leiden, auf dich sehn, im Guten immer wei⸗ ter gehn, nicht an der Erde hangen, bis wir zu dir mit den Frommen ewig kommen, dich erheben und in deinem Reiche leben. Mel. Befiehl du deine Wege ö 107 Wie soll ich dich empfangen, Heil aller Sterblichen! Du Freude, du Verlangen der Trostbedürftigen! Gib selbst mir zu erkennen, wie dei⸗ ner Güte voll, dich meine Seele nennen, dich würdig preisen soll. ö 2. Einst streute man dir Palmen: jetzt soll die Dank⸗ begier, mein Heil in Freu⸗ denpsalmen ergießen sich vor dir! Dich, dich will ich er⸗ D 2 heben, 76 heben, so gut ich Schwacher kann, mein Herz will ich dir geben: o nimm es gnädig an! 3. Damit du mich befrei⸗ test, gabst du dich selbst für mich; mich zu erretten, freu⸗ test du, Seligmacher, dich. Du sahest, daß hier Keiner vermögend war dazu: da jammerte dich meiner, da kamst und halfest du! 4. O du, an den ich glaube, was wars, das dich bewog? Was wars, das dich zum Staube, zu mir hernieder⸗ zog? Dein göttliches Er⸗ barmen. Ja du, o Jesu, hast mit mitleidsvollen Ar⸗ men die ganze Welt umfaßt. 5. Das schreibt in eure Herzen, Betrübte, klagt nicht mehr! Zagt nicht in euren Schmerzen, als ob kein Hel⸗ fer wär! O sehet auf! Ihr habet den besten Helfer nah. der eure Seele labet: der treue Freund ist da! 6. Die ihr mit ernster Reue still eure Schuld be⸗ weint, wißt; daß er euch verzeihe. Er selbst, der Men⸗ schenfreund, ruft heilbe⸗ giergen Sündern der Gnade Trostwort zu, macht sie zu Gottes Kindern, schafft ihren Seelen Ruh. 7. Er übersiehet keinen und weiß, was Jedem nützt. Hat er nicht stets die Sei⸗ nen von Anbeginn beschützt? Werke und Wohlthaten Gottes. Nicht sie in ihrem Leide zu trösten stets gewußt? Er⸗ freun ist seine Freude und Wohlthun seine Lust. 8. Er macht uns von dem Bande des Tods auf ewig los, entreißet uns der Schande der Sünd und macht uns groß, gibt Weis⸗ heit, Muth im Leiden und Kraft zu jeder That, ver⸗ sichert uns die Freuden, die Gott bereitet hat. 9. Er kommt zum Welt⸗ gerichte; der Bösewicht ver⸗ geht, wenn da im Lichte der Tugendfreund be⸗ steht. Wohl ewig allen de⸗ nen, die seine Wege gehn und einst mit Freudenthrä⸗ nen zu seiner Rechten stehn! Mel. Gott, der du die Menschen 108 De del gen, Mensch Gottessohn! lobgesungen, daß du von des Himmels Thron uns gewordner zu gut ins Fleisch gekom⸗ men; der du voller Freund⸗ lichkeit längstens schon vor meiner Zeit dich auch mei⸗ hellen„ Ewig sei dir ner angenommen und mein Bruder worden bist, sei gelobt, Herr Jesu Christ! 2. Ga gelod t! denn dir gehöret Preis und Dank und Ruhm mit Recht. O wie hoch hast du geehret unser sterbliches ü err ö neue Kraft uns von Sünden völlig Erlösung. Herr, du hast es selbst ver⸗ mählet mit der göttlichen Natur und vor aller Crea⸗ tur es zum Wohlthun dir erwählet; ja, in dir, du Gottessohn, herrscht die Menschheit auf dem Thron. 3. Du, du bist der Völ⸗ ker Segen, kamst, von Noth uns zu befrein; und wir können deinetwegen jetzt schon Kinder Gottes sein. Hat die Sünd uns gleich verdorben, o so hast du zur Heili⸗ gung verschafft und die Tüchtigkeit erworben, einst, rein, ähnlich dir, o Rdet zu sein. 4. Du, du bist der Mittler worden, der die Welt mit Gott versöhnt: hast der schwachen Menschheit Orden wieder mit dem Recht be⸗ lehnt, in den Himmel ein⸗ zugehen und da Gottes Herrlichkeit nach vollbrach— ter Prüfungszeit ewig einst verklärt zu schen⸗ Fromme! fasset Zuversicht, glaubet fest und sündigt nicht. 5. Sollte mich wohl Gott verlassen, wenn ich krank und hüflos bin? Nein, sein Heil wird mich umfassen, trösten den betrübten Sinn. Und da kann mich nichts anfechten. Er, der meinen Jammer kennt und mich gnädig Bruder nennt, sitzt als Herr zu Gottes Rech⸗ 77 ten. Durch ihn bin ich Gott vereint: Gott ist Va⸗ ter und mein Freund. Herr, wie groß ist deine Güte! Meine Seele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz Gemüthe voll von deinem Ruhme sein! Nimmer will ich dein vergessen; dir will ich mich ganz vertraun, freudig fol⸗ gen, auf dich baun. Deine Huld ist nicht zu messen; gib, daß ich für deine Treu dir auf ewig dankbar sei. Mel. Nun danket Alle Gott 109 Er ist gekommen, er, auf den die Väter harrten, und länger dürfen wir nun keines An⸗ dern warten. Sein Lob er⸗ schallet laut in allerWelt um⸗ her! Wer brachte je der Welt mehr Licht und Heil, als er? 2. Gott ist mit uns, wir sehn den Sohn, den einge⸗ bornen, des Vaters Eben⸗ bild, den Retter der Verlor⸗ nen, der Reuenvollen Trost. Ihr Sünder, nehmt ihn an! Freut des Erlösers euch, der selig machen kann! 3. Gott ist mit uns! nun hört der Arme seine Lehren, und, was er lehrt, ist Heil. Er ists! die Tauben hören; der Blinde sieht und schaut voll Dank zu Gott hinauf; des Lahmen Füße gehn; die Todten stehen auf. D 2* 4. Er der S 78 4. Er ist gekommen, uns dem Vater zu versöhnen und mit der Tugend Kranz die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns! Er will die Traurigen erfreun; er will OWaen Kraft, der Mäden Stärke sein. 5. Gott sei gelobt! Er ists, auf den die Väter harr⸗ ten. Heil uns! wir dürfen nun nicht eines Andern war⸗ ten. Er schließt den Him⸗ mel auf; er nimmt die Sün⸗ der an. Frohlockt und betet ihn und seinen Vater an! Geburt Jesu! (Weihnachtslieder.) Mel. Lobet den Herren, den 110 Ehne sei Gott in der Höhe! der Herr ist geboren, Sündern zum Heiland vom Höchsten aus Gnaden erkoren. Lasset Auns sein dankvoll, ihr Chri⸗ sten, uns freun! Ist er nicht uns auch geboren? 2. Schatten und Dunkel bedeckte den Erdkreis; es irrten Völker umher wie die Heerden, verlassen vom Hirten. Jesus erschien! Nächte verschwanden durch ihn, die auch den Weisen verwirrten. ö 3. Menschen, berufen, durch Liebe die Gottheit zu ehren, folgten der Zwietracht und haßten sich vor den Al⸗ Werke und Wohlthaten Gottes. tären. Jesus erschien, und es ward Friede durch ihn. Friede! Singts laut ihm zu Ehren. 48. Unschuld und Tugend entkeimten des Göttlichen Tritten, Trost und Erquik⸗ kung trug er in der Wei⸗ nenden Hütten, ward ihnen Freund, hatte oft selber ge⸗ weint, selber geduldet, ge⸗ litten. 5. Ehre sei Gott in der Höhe! ein ewiges Leben hat er durch ihn, seinen Sohn, uns erbarmend gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, einst uns zum Himmel zu heben. 6. Selige Hoffnung, Himmlischen ihn zu erhöhen! Völlig beglückt, sing ich dann himmlisch entzückt: Chre sei Gott in der Höhe! In eigener Melodie. 1 1 1 Lobt Gott, ihr Chri⸗ sten, freuet euch! Von seiner Gnade Thron beruft er uns zu seinem Reich und sendet seinen Sohn. 2. Er kommt nach seines Vaters Rath, mit Heil uns zu erfreun und auf des ewe⸗ gen Lebens Pfad der Welt ein Licht zu sein. 3. Bei seinem Eintritt in die Welt umgibt ihn keine Pracht, die glänzend in 090 ů Augen einst Jesum, den Retter, zu sehen und mit den Schaaren der eerniesrs S.. Erlösung. Augen fällt und groß vor Menschen macht. 4. Er wird dem ärmsten Knechte gleich, begehrt kein Erdenglück, verlangt allhier kein Königreich von einem Augenblick. 5. Er kommt, durch seiner Wahrheit Macht zu Gott uns hinzuziehn. Vor seinemLichte muß die Nacht des Aber⸗ glaubens fliehn. 6. Er lehret uns die Sün⸗ de scheun, spricht Muth dem Schwachen zu und schafft uns, wenn wir sie bereun, Begnadigung und Ruh. 7. Er bringt den Trost der bessern Welt vom Himmel uns herab. Nun schreckt, wenn unsre Hülle fällt, uns weder Tod, noch Grab. 8. Er öffnet uns dereinst die Thür zu seinem Himmel⸗ reich. Vr Christen, wie beglückt sind wir! Lobt Gott und freuet euch! Mel. Allein Gott in der Höh 1 1 2 Labt uns mit ehr⸗ furchtsvollem Dank den Gott der Lieb er⸗ höhen, mit feierlichem Lob⸗ gesang des Heilands Fest be⸗ gehen! Preis sei dem Vater, der ihn gab! Preis sei dem Sohn! Er kam herab und ward das Heil der Men⸗ schen. ö ö 2. Ist der ein Christ, der dieses Heil nicht schätzt und 79 liebgewinnet? Nimm froh an seiner Liebe Theil und werd ihm gleich gesinnet! Wer nicht, wie er, gesinnet ist, der ehrt ihn nicht, der ist kein Christ. Der Herr er⸗ kennt die Seinen. 3. In Dürftgen laßt uns ihn erfreun, bekleiden spei⸗ sen, tränken! Ja, laßt uns pabet Geber sein und sein abei gedenken! Was ihr den Meinen habt gethan, das, spricht er, habt ihr mir gethan; und er, er wills vergelten. 4. Wer ihn mit treuemHer⸗ zen ehrt, den wird sein Na⸗ me trösten. Vertraut auf ihn, vom ihm gelehrt, lob⸗ singt ihm, ihr Erlösten! Es freut sich deine Christen⸗ fren Herr, deiner Menschen⸗ reundlichkeit. Dir, dir sei ewig Ehre! Mel. Mein ganzer Geist, Gott 1 13 O stimm auch du mit frohem Dank, mein Geist, in jenen Lobgesang, von dem der WDelt he tönte, als er zur elt hernieder kam und un⸗ sere Menschheit an sich nahm, der uns mit Gott versöhnte! Freu dich innig! Er, dein Führer und Regierer, kam auf Erden, Licht und Heil auch dir zu werden. 2. Ja, Preis und Ehre, D 4 Gott, 80 24 Gott, sei dir! Wie gnaden⸗ voll bist du——5 mir in dei⸗ nem Sohn erschienen! Du sandtest aus Erbarmen ihn, die dem Verderben zu ent⸗ ziehn, die schnöden Lüsten dienen. Preis dir, daß mir neue Pfade zu der Gnade offen stehen, mich der Sünd entrückt zu sehen! 3. Und wie vergelt ich, Heiland, dir die große Treue, die du mir schon, eh ich war, bewiesen? Du bahntest unter bittrem Leid auch mir den Weg zur Seligkeit: sei hoch dafür gepriesen! Durch dich kann ich nun hienieden Got⸗ tes Frieden schon empfangen und einst volles Heil er⸗ langen. 4. O gib, daß ich an die⸗ sem Heil nun auch im wah⸗ ren Glauben Theil durch dei⸗ nen Beistand nehme; daß ich hinweg vom Eitlen seh, die Wege deiner Wahrheit geh und deiner nie mich schäme; bis ich durch dich, wann ich sterbe, zu dem Erbe deiner Frommen auch dereinst werd aufgenommen! 5. Ich bringe dir ein dank⸗ bar Herz, bereit, in Freuden und in Schmerz, wie dirs gefällt, zu wandeln. Ver⸗ leihe du mir selbst die Kraft, nach deinem Wort gewissen⸗ haft zu denken und zu han⸗ deln. Fröhlich will ich hier im Leben dich erheben und Werke und Wohlthaten Gottes. einst droben wonnevoll dich ewig loben. Mel. Fröhlich soll mein 11 4 aßt uns unserm Gott lobsingen! hocherfreut laßt uns heut ihm Verehrung bringen! In des Himmels hohe Chöre stimmet ein: Gott allein, unserm Gott sei Ehre! 2. Jeder, der sich fühlt verloren, freuet sich inniglich; Christus ist geboren. Er, der König aller Wesen, steigt herab bis ins Grab, Sün⸗ der zu erlösen. 3. Wer kann Gottes Rath⸗ schluß fassen? Aber dieß ist gewiß: wir sind nicht ver⸗ assen! Kommt sein Sohn aus freien Trieben zu uns her; wie sollt er nicht die Menschen lieben? 4. Wenn er uns verwor⸗ fen hätte, nähm er dann tenschheit an? Er spricht: Ich errette! Deß soll sich der Erdkreis freuen! Zum Ge⸗ richt kommt er nicht, son⸗ dern zum Verzeihen. 5. Eilt im Geist nach Beth⸗ lems Hütten, seht, was dort euer Hort schon für euch ge⸗ litten. Er wird niedrig euret⸗ wegen! Welch ein Freund! er erweint seinen Feinden Segen. 6. Er, er will für eure Sümach Armuth, Noth, mach und Tod göttlich groß Erlösung. 81 groß erdulden. Lernt den Menschenfreund erkennen: gnadenreich will er euch sei⸗ ne Brüder nennen. 7. Dankt ihm, der eur innres Sehnen sehen kann; betet an; weinet Freuden⸗ thränen; liebt ihn, der von Liebe brennet; preist den Herrn, der euch gern seine Brüder nennet. 8. Wenn euch eure Sün⸗ den kränken, eilt herzu, su⸗ chet Ruh: er will sie euch schenken. Schaut auf ihn mit Glaubensblicken; zittert nicht; denn er spricht: Ich will euch erquicken. 9. Ihr Erdulder schwerer Tage, euren Schmerz fühlt sein Herz. Kein Erlöster zagel Bringet ihm zu seinem Feste Zutraun her! Wisset, er wählt für euch das Beste. 10. Er verläßt euch nicht, ihr Schwachen; mehr, als ihr, litt er hier, euch beglückt zu machen. Eure kleine Zeit der Leiden und der Müh, was ist sie gegen ewge Freuden? 11. Herr, du nahmst auch meine Bürde gern auf dich, daß auch ich frei und selig würde. Wer kann deine Lieb ergründen? Ewig soll freu⸗ denvoll sie mein Herz em⸗ pfinden. 12. Dir, mein göttlicher Befreier, folg ich nach, ob⸗ wohl schwach, doch um so viel treuer. Keine Creatur, kein Leiden, keine Noth und kein Tod soll von dir mich scheiden. ö 13. Du kommst einst zum Weltgerichte. Dann werd ich, Richter, dich schaun von Angesichte; und wenn dann die Frevler beben, so werd ich deiner mich freun und ewig leben. Mel. Jesu meine Freude. 115 Gottes Sohn ist Vkommenl Dankt ihm, seine Frommen, dankt ihm, daß er kam, daß er hier auf Erden, unser Heil zu werden, seine Wohnung nahm! Mensch, wie wir, erschien er hier, um an uns des Vaters Willen liebreich zu erfüllen. 2. Laßt uns niederfallen, danken, daß er Allen Freund und Bruder ist! Gott auf seinem Throne liebt uns in dem Sohne, hilft durch —7 Christ. Welch ein eil, an Christo Theil, Theil durch seiner Sendung Gaben selbst an Gott zu haben! 3. Keine Macht der Leiden soll von ihm uns scheiden: er bleibt ewig treu. Dort wird er vom Bösen völlig uns erlösen; hier steht er uns bei. Unser Freund, mit Gott vereint, kann nicht seine Brüder hassen oder hülflos en. lass D 5 4. Wann 8²2 4. Wann wir einst ermü⸗ den, führt er uns zum Frie⸗ den durch des Grabes Nacht. Unsre todten Glieder gibt die Erde wieder ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, er, der selbst den Tod einst schmeckte, den das Grab auch deckte. 5. Auf dem Richterthrone werden wir im Sohne un⸗ sern Bruder schaun. Heil und ewig Leben wird er Allen geben, die ihm hier vertraun. Er ward hier ver⸗ sucht, wie wir: überschweng⸗ lich wird er lohnen und der Schwachheit schonen. 6. Eilet, eilt, ihr Sünder! Werdet Gottes Kinder! Werdet seiner werth! Eilet! eilt, ihr Frommen! wie er, vollkommen! Blei⸗ bet seiner werth! Preiset ihn, daß er erschien; daß er sich für euch gegeben durch ein göttlich Leben. In eigener Melodie. 1 16 A“ schicke dich, recht feierlich des Heilands Fest mit Dan⸗ ken zu begehen! Lieb ist der Dank, der Lobgesang, durch den wir ihn, den Gott der Lieb erhöhn. 2. Sprich ö Also, also hat Gott die Welt in seinem Sohn geliebet! O! wer bin ich, Herr, daß du Seid, dankbar froh: Werke und Wohlthaten Gottes. mich so herrlich ho in dei⸗ nem Sohn geliebet? 3. Er, unser Feit, da mit uns vereint zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren, er wird uns gleich, um Gottes Reich und seine Lieb als Mensch zu offenbaren. 4. An ihm nimm Theil! Er ist das Heil. Thu täg⸗ lich Buß und glaub an sei⸗ nen Namen. Der ehrt ihn nicht, wer Herr! err! spricht und doch nicht sucht, sein Beispiel nachzuahmen. 5. Aus Dank will ich in ö Brüdern dich, dich, Gottes⸗ sohn, bekleiden, speisen, trän⸗ ken; der Frommen Herz in ihrem Schmerz mit Trost erfreun und dein dabei ge⸗ denken. 6. Rath, Kraft und Held, Alles immel und auf Er⸗ durch den die Welt und ist im H den! Die Christenheit preist dich erfreut und Aller Knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern; und wer ihn ehrt, den wird sein Name trö⸗ sten. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gottl Freut euch des Herrn und jauchzt ihm, ihrErloͤstenl Mel. Ermuntre dich, mein 117 Gee Sie schuf uns Heil und Le⸗ ben. Ermuntre dich in mir, mein Geist, ihr Wohlthun 3u Erlösung. zu erheben! Denk an die Nacht, da auf der Welt des Höchsten Sohn sich darge⸗ stellt, um sein so theures Le⸗ ben für Sünder hinzugeben. 2. O große That! er⸗ wünschte Nacht, von En⸗ eln selbst besungen! Du hast den Mittler uns ge⸗ bracht, der uns das Heil errungen. In dir erschien der starke Held, der Alles schuf und Alles hält, der Freund der Menschenkinder, des Todes Ueberwinder. 3. Der du, zu uns gesandt vom Herrn, aus deinem Himmel kamest und unser Fleisch und Blut so gern in Demuth an dich nahmest, Sohn Gottes, o wie hast du dich so tief erniedrigt auch für mich! Wie arm bist du erschienen, um mir zum eil zu dienen! 4. O lehre mich den gro⸗ ßen Werth von deiner Huld recht fassen! Was reizte dich, auf dieser Erd dich so her⸗ abzulassen? Hier warteten dein nichts als Noth, Ver⸗ achtung, Kummer, Schmerz und Tod, und doch kamst du auf Erden, ein Men⸗ schensohn zu werden. 5. Viel stärker, Herr, als Schmerz und Tod, war dei⸗ ne Menschenliebe. Du sahest unsre Sündennoth mit mit⸗ leidsvollem Triebe. Du stelltest, unser Heil zu sein, 83 nach deines Vaters Rath dich ein, wardst Mensch und kamst mit Freuden für uns den Tod zu leiden. 6. Dein, Sohn des Höch⸗ sten, freu ich mich; du bist auch mein Erretter. Au mir zum Troste sandte di der Herr, der Gott der Göt⸗ ter. Was mir ein wahres Wohl verschafft, Erleuch⸗ tung, Friede, Beßrungs⸗ kraft und Freuden, die stets währen, willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter Freund, für deine reue geben? Du bists, der mich mit Gott vereint, du bringst mir Heil und Leben. Herr, was ich hab und was ich bin, das geb ich dir zum ahn 2 hin; ich will dich ohn Aufhören mit Leib und V Fch sche dih 1 »Ich sehe dich zwar hier noch nicht; doch dn wirst wiederkommen: und dann schaun dich von Angesicht, Dan⸗ alle deine Frommen. ann werd dich ich, Herr herr Christ, di saun, so errlich, als du bist; dann wirst du mich zum Leben, das bei dir ist, erheben. Mel. Vom Himmel kam der 118 Dioß ist der Tag den Gott ge⸗ macht, sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, D 6 was 8⁴4 was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Seh der Welt, dich, seinen ohn. 3. Wenn ich dieß Wun⸗ der fassen will, so steht mein Geist, vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Mens heit Theil, erscheinst im Fleisch zu unserm Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir. Ich komm, im Buche steht von mir: Gott, deinen Willen thu ich gern. Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mens In Frie wirst, Immanuel, uU Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich bet auch ich in Demuth an. 7. Du unser Heil und höchstes Gut, verbindest dich mit Fleisch und Blut. wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Gedanke voller Maje⸗ stät! du bist es, der das Werke und Wohlthaten Gottes. Herz erhöht. Gedanke vol⸗ ler Seligkeit! du bist es der das Herz erfreut. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt. Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Va⸗ ters Schooße sitzt? .10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt; und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 11. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! Mel. Kommt, kommt, den 119 om Grab, an dem wir wal⸗ len, soll, Jesu Christ, dein Lobgesang empor zum Him⸗ mel schallen! Dir opfre jede Seele Dank! und jeder der Gebornen erfreu sich, Mensch der Ver löst zu sein; Uns Sündern ward gegeben einst Jesus, sein! und jeder ornen rühm es, er⸗ Gottes Sohn; mit ihm er⸗ schien das Leben, mit ihm des Himmels 2. Kommt, derfallen vor unserm ler Jesu Christ und Ren e Lohn. laßt uns nie⸗ it⸗ Erlösung. 85 ken, daß er allen Erretter, Freund und Bruder ist. Er gleicht der Morgensonne mit ihrem ersten Strahl, ver⸗ breitet Licht und Wonne und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade auf unsre Welt herab; er leuchtet unserm Pfade durchs Leben bis zum Grab. 3. Frohlockt, ihr Mitge⸗ nossen der Schwachheit und der Sterblichkeit! Nicht län⸗ ger ist verschlossen der Ein⸗ gang zu der Herrlichkeit. Zu unsrer Erd hernieder kam Gottes ewger Sohn; nun hebt er seine Brüder empor zu Gottes Thron. Er ward das Heil der Sün⸗ der und der' Verlornen Hort. Hier sind wir Got⸗ tes Kinder und Gottes Erben dort. 4. O du, dem laut die Menge der Engel und Ver⸗ klärten singt, vernimm die Lobgesänge, die dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, was deine Brüder sind, ein Dulder der Be⸗ schwerden, ein schwaches nenschenkind. Was du nun bist, das werden einst deine Brüder sein, wenn sie, ent⸗ rückt der Erden, sich deines Anschauns freun. 5. Bald sind wir zu dem Lohne der Himmelsbürger dort erhöht. Nah sind wir dann dem Throne und s chau⸗ en deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne dringt dann der Dank zu dir; weit über Sonn und Sterne erhaben, jauchzen wir. Mit aller Himmel Heere schallt unser Lobge⸗ sang. Dem Ewigen sei Ehre, dem Weltversöhner Dank! Erscheinung Christi. Mel. Was mein Gott will 120 Erfreue dich des Heils, mein Geist, das Gott für dich er⸗ koren! Der Heilige, der Jesus heißt, ward auch für dich geboren. Er machte klar, was dunkel war, daß uns kein Zweifel bliebe. Wem leuchtet nicht sein reines Licht hinauf zum Gott der Liebe? 2. Der Mens soll von der Sinnlichkeit die Freiheit sich erringen und, von der Sünde Macht befreit, zum wahren Leben dringen, gut⸗ thätig sein, wie Gott er⸗ freun und stets zufrieden leben. Dazu verschafft der Herr auch Kraft, den Gott uns hat gegeben. Eisch mungsfen uns Det rscheinungsfest ein Fe der Liebe Gottes. Wohl dem der sich auf ihn verläßt, trotz aller Macht des Spot⸗ D 7 tes! —46—4 ö ö ö ö * —————— —— 86 tes! Der ihn uns gab, blickt, hold herab auf seine from⸗ men Kinder und väterlich erbarmt er sich der reuer⸗ füllten Sünder. 4. Mit dieser frohen Zu⸗ versicht geh ich dem Tod entgegen. Ich weiß, mein dunkler Pfad wird Licht und Leid und Schmerz mir Segen. Schließt sich mein Lauf, werd ich hinauf zu Jesu mich erheben und mit der Schaar, die treu ihm war, in seinem Himmel leben. ö Mel. Gottlob, ein Schritt zur 121 Di ganzen Erd⸗ kreis ist vom Herrn ein helles Licht er⸗ schienen; es leuchtet nah, es leuchtet fern. Zahllose Völker dienen den todten Göttern nun nicht mehr; sie kennen ihn den Herrn, und er läßt sie im Lichte wandeln. ö 2. Kaum sandte Gott durch seinen Sohn der Erde große Freuden, so sammelt er sich selber schon die Erst⸗ linge der Heiden. Der Wahr⸗ heit Bild, ein schöner Stern, führt sie zu ihrem neuen Herrn. Sie kommen, anzu⸗ beten. 3. O wär uns nicht dein Licht, o Gott, so hell und rein erschienen; wir würden der Vernunft zum Spott Werke und Wohlthaten Gottes. noch jetzt den Götzen dienen. Nicht sie, nicht eigene Wür⸗ digkeit, nur deine Huld hat uns befreit von jenen Fin⸗ sternissen. 5 4. Drum laß mit froher Dankbarkeit uns nun im Lichte wandeln, uns in der gnadenreichen Zeit stets fromm und weise handeln, auf dich, bei treu erfüllter Pflicht, zufrieden und voll Zuversicht in Noth und od vertrauen. 9 5. Es müsse, wer dich, Gott, erkennt, erkennen dei⸗ nen Willen, und wer das Thun vom Wissen trennt, nun seine Pflicht erfüllen! Nichts helfen Opfer des Gebets dem, der da glaubet und noch stets der Sünde sclavisch dienet. 6. Und wo noch bange Dunkelheit und falsche Schatten liegen, wo Irr⸗ thum, Wahn und Sinnlich⸗ keit noch Sterbliche betrü⸗ gen, auch da geh nun im Siegeslauf das schöne Licht der 1‚ir dic auf, daß alle Welt dir diene. Darstellung Jesu im Tempel. Mel. Christus, der ist mein Leben 122 Dem großen Va⸗ ter weihte am heiligen Altar jetzt 6 e⸗ * XV E Erlösung. Gebenedeite den Sohn, den sie gebar. 2. Da betete im Tempel ein Greis zu seinem Gott und ward uns ein Exem⸗ pel von einem schönen Tod. 3. Gott sah ihn still und weise den Weg der Tugend gehn, verhieß dem frommen sch. den Heiland noch zu ehn. 4. Jetzt lag vor seinen Blicken das Kind, des Him⸗ mels Lust; er nahm es mit Entzücken und drückt es an die Brust; 5. Und rief: Nun, Herr mit Freuden neig ich mein Haupt zur Gruft; voll Dankes will ich scheiden, sobald dein Wink mich ruft. 6. Dein Heil hab ich ge⸗ sehen; hier ist der Völker Hirt, der Israel erhöhen, die Welt erleuchten wird. 7. So schloß am Pilger⸗ stabe der Fromme seinen Lauf; und, Gott, du thatst am Grabe ihm deinen Him⸗ mel auf. 8. Gib, daß auch ich mit Treue den Weg der Tugend geh, wie er, den Tod nicht beh. mit Freuden Jesum eh. 9. Zwar werd ich ihn nicht sehen, nicht hier, wie Simeon, doch in des Lichtes öhen erwartet er mich schon. 10. Dort tönen meine 87 Lieder: Heil mir, nun seh ich ihn! Der Himmel tönet wieder: Heil dir, nun siehst du ihn! Mel. Kommt her zu mir 123 Enttreiße dich, mein Geist, der Welt, dem, der für dich sich dargestellt, nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sei ge⸗ wiß, er wird auch deine Finsterniß durch seinen lanz erhellen. 2. Er macht das Her von Sünden rein, um di zum Leben einzuweihn, zum sittlich schönen Leben. Er gibt dir Kraft zu jeder Pflicht und stärket deine Zuversicht, zu Gott dich zu erheben. 3. Wer noch der niedern Sinnlichkeit, wer noch des Lasters sich erfreut, ach, der verscherzt den Segen! Nie wird 0 wahres Glück und Heil, nie wird ihm Seelenruh zu Theil auf seinen bösen Wegen. Wer aber wünscht, wie Simeon, das Heil der Welt, des Höchsten Sohn, zu seinem Heil zu haben; wer Recht thut, sich der Welt entwöhnt, nach wah⸗ rer Heiligung sich sehnt, der opfert rechte Gaben. 5. Wer durch das Wort, darauf er traut, im Wen en 88 ben seinen Heiland schaut, kann einst in Frieden fah⸗ ren. Der Herr erfüllt, was er verspricht; er wird sich einst in seinem Licht ihm herrlich offenbaren. 6. Ich komme, Herr, mich dir zu weihn. O mache mich von Sünden rein und laß mich heilig leben, bis du auch mich, wann dirs gefällt, im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn erheben. Johannes, der Vorgänger Jesu. In eigener Melodie. 12 4 E ging ein Mann C voll Gnad und Segen, Johannes, dem Er⸗ löser vor. Die Hügel bahnt er ihm zu Wegen, hob Her⸗ zen aus dem Staub empor. Es bebte, wer ihn reden hörte, bekannte seine Fehler, kehrte gerührt, mit thränen⸗ vollem Blick, zur Tugend und zu Gott zurück. 2. Er schreckte Heuchler, strafte Sünder. Er rief: Das Himmelreich ist nah! Thut Buße, werdet Gottes Kinder; denn der Verhei— ßene ist da! Er kommt und wird die Menschheit sichten, parteilos alle Thaten rich⸗ ten. Heil krönet die er⸗ füllte Pflicht, den Frevler trifft sein Strafgericht. Werke und Wohlthaten Gottes. 3. Ein himmlisch Licht ist seine Lehre, und Geist wird seine Taufe sein. Ihm, ihm allein gebührt die Chre! Er kommt, und jedes Herz ist sein. Schon wurden ganze Völker rege; schon strömte froh es auf dem Wege nach dem erhellten Kanaan, und Heiden riefen Jesum an. 4. Und wir, die Jesu Stimme hören, wir sollten träg und sicher ruhn? wir nicht still weinend uns be⸗ kehren? nicht froh des Höch— sten Willen thun? Laßt uns entrinnen dem Verder⸗ ben, fromm leben, um einst fromm zu sterben! Dann werden wir nie muthlos sein, wenn Trübsal, Noth und Tod uns dräun. In eigener Melodie. 12⁵ mmer sich be⸗ X streben, zu er⸗ füllen seine Pflicht, fromm und gut zu leben, bis das Auge sterbend bricht: dieß nur ist nach Jesu Lehre wahr⸗ re Weisheit, Tugend, Chri⸗ stenehre. 2. Heil dir schon auf Er⸗ den, Freund der Wahrheit und des Rechts! Denn durch Tugend werden Menschen götklichen Geschlechts. Unter aller Leiden Bürde bleibt die Tugend unsre höchste Würde. ö 3. So, neser r Erlösung. 3. So, in höhrer Klar⸗ heit, so umstrahlt mit Gottes Licht, ging den Weg der Wahrheit ein Johannes, wankte nicht, fest entschlos⸗ sen, selbst sein Leben für die Pflicht zum Opfer hin⸗ zugeben. 4. Und vergebens drohte Kerker, Marter, Blutgerüst; treu dem Pflichtgebote, das Gebot des Ewgen ist, stirbt er, stirbt mit edlem Muthe, zeugt für Wahrheit selbst mit seinem Blute. 5. Tugend, Segensfülle, du, o Ziel des höchsten Ruhms, du der Gottheit Wille, Geist des wahren Christenthums, durch dich kann der Mensch auf Erden Gottes höhern Geistern ähnlich werden. 6. Tugend, unter Freuden dieses Lebens bist du schön; doch unter Leiden kann man deinen Ursprung sehn; sehn, daß du vom Himmel stam⸗ mest und den Geist für Göttliches entflammest. 7. Du, o hehre Sonne, strahlst mit überirdschem Schein, schaffst dem Geiste Wonne, weihst zu Gottes Himmel ein; du veredelst unsre Freuden, du veredelst uns durch Schmerz und Leiden. 8. Unter deinem Strahle blühn auf Gräbern Blumen 89 auf; aus dem Todesthale ringen wir zum Ziel hinauf, wo in deinen lichtern Höhen wir die Wunder Gottes heller sehen. 9. Heilge mein Bestreben: ib, o Gott, mir Kraft und euth, tugendhaft zu leben, christlich weise, christlich gut, daß mich weder Schmerz, noch Freude, noch der Tod von wahrer Tugend scheide. Lehre, Leben und Thaten Jesu. Mel. Liebster Jesu, wir sind 126 Firer zur Voll⸗ kommenheit, Lehrer, Muster uns zu wer⸗ den hoher, reiner Sittlich⸗ keit, wurdest du ein Mensch auf Erden. Dir schlägt un⸗ ser Herz entgegen, Jesu, dir, der Menschheit Segen! 2. Du gabst unserm Geiste Licht, lehrtest uns Gott näher kennen und mit fro⸗ her Zuversicht unsern Schö⸗ pfer Vater nennen, der uns liebt, versorgt, beschützet und uns gibt, was wahrhaft nützet. 3. Du hast uns der Menschheit Werth durch dein Leben und die Lehre, die von Gott kommt, aufgeklärt, uns gelehrt, des Geistes Ehre nur auf wahre Tugend gründen und das Laster überwinden. 4. Dann 90 4. Dann auch, wenn das Auge bricht, Todesschrecken uns umgeben, blickt, erhellt von deinem Licht, unser Goist in jenes Leben, in das Land vollkommnerFreu⸗ den, um mit frohem Muth zu scheiden. 5. Danket, Christen, be⸗ tet an! Laßt uns Christum herzlich ehren, wandeln auf der Tugend Bahn, willig folgen seinen Lehren, treu durch Noth und Leiden ge⸗ hen, um sein ewges Licht zu sehen. Mel. Wer nur den lieben Gott 127 A˖ Erden Wahr⸗ heit auszubrei⸗ ten, die Wahrheit, die vom Himmel stammt, und, uns zum ewgen lück zu leiten, das Herz zu Gottes Lieb entflammt: dazu erschienst du, Jesu, hier von Gott gesandt zum Heil auch mir. 2. Dieß war das tägliche Geschäfte, darin dein Geist Vergnügen fand. Wie emsig hast du Zeit und Kräfte, beseelt von Liebe angewandt, durch deiner Lehre hellen Schein der Menschen Seelen Licht zu sein! 3. Ihr Licht, den Weg zu Gottes Gnade und ihrem Heil recht einzusehn; ihr Licht auf diesem selgen Bfade mit sicherm Schritt Werke und Wohlthaten Gottes. einherzugehn; ihr Licht, mit freudigem Vertraun hin in die Ewigkeit zu schaun. 4. Und um der Welt dieß Licht zu werden, wie willig übernahmst du nicht auch selbst die größesten Beschwer⸗ den! Und drückte dich gleich ihr Gewicht, so trugst du doch voll Güt und Huld sie gern mit himmlischer Geduld. 5. Fürwahr, noch immer ist das Leben, das du auf Erden hast geführt, ein Segen, den uns Gott ge⸗ geben, dafür ihm ewger Dank gebührt; ein Segen, dessen auch mein Geist sich freut und dich, Erlöser, preist. 6. Ja, Preis sei dir, du bester Lehrer, auch mir zum Heil von Gott gesandt! O, würde Jeder dein Verehrer, der deinen Werth noch ni erkannt! Hilf, daß ich deiner Wahrheit treu und ewig durch dich selig seil! Mel. Liebster Zesu, wir sind 28 Theune sei mir allezeit, Herr, mein Heiland, deine Lehre⸗ Gib, daß ich mit olgsam. keit treulich ihre Vorschrist ehre, dem, was sie verheißet, traue, fest mein Hoffen darauf baue.. 2. Nun Erlösung. 2. Nur bei deiner Wahr⸗ heit Licht lernen wir Gott recht erkennen, ihn mit fro⸗ her Zuversicht unsern Gott und Vater nennen und nach seinem heilgen Willen unsre Pflichten treu erfüllen. 3. Was die Weisen dieser Welt vor dir nicht erforschet haben, das hast du uns aufgehellt; und durch dei⸗ nes Geistes Gaben wirkest du in unsern Seelen, daß wir Heil und Leben wählen. 4. Du entdeckst uns unsre Schuld und der Sünde großen Schaden, doch auch deines Vaters Huld und den Reichthum seiner Gna⸗ den; lehrst uns aller unsrer Sünden gnädige Vergebung finden. 5. Huldreich rufest du uns zu: Kommt zu mir, beschwerte Seelen: es soll euch zu eurer Ruh nicht bei mir am Troste fehlen, wollt ihr anders von mir lernen, euch von Sünden zu entfernen. 6. Herr, dein Evangelium hat viel tausend, tausend Zeugen, die zu deines Na⸗ mens Ruhm dankbar ihre Kniee beugen, daß du noch dein Wort erfüllest und der Seelen Kummer stillest. nimm gnädig an den Dank, den ich dir voll Ehrfurcht bringe! Höre mei⸗ 9¹ nen Lobgesang, den ich hoch⸗ erfreut dir singe! Du be⸗ freist auch mich aus Gna⸗ den von der Sünde Macht und Schaden. 8. Köstlicher, als. Gold, sei mir, was dein göttlich Wort mich lehret! Dank, ja, ewig Dank sei dir für den Trost, den es gewähret! Werd ich einst zu dir er⸗ hoben, will ich würdiger dich loben. ö 9. Stets, solang ich hier noch bin, will ich dir zur Ehre wandeln, täglich mit erneutem Sinn nur nach deinem Worte handeln: so nimmst du mich einst im Scheiden auf zu deinen höhern Freuden. Mel. Liebster Jesu, wir sind 129 Schon. auf Erden können wir Himmelsseli keit empfinden, wenn nur Lieb und Ein⸗ tracht hier unsre Herzen fest verbinden, wenn wir dich nach Jesu Lehren, dich, o Gott der Liebe, ehren. 2. Diese Herzensfreudig⸗ keit danken wir dir, Gott der Gnade; Jesu Christi Lehre streut Freuden auf des Lebens Pfade, lehrt uns Mäßigung in Freuden gibt uns hohen Muth im Leiden. 3. Sie gewährt uns Trost und Rath in den allerbäng⸗ sten Leiden; sie sen ern 9² sern Pfad, wenn wir von der Erde scheiden; uns, von Todesnacht umgeben, leitet sie zum bessern Leben. 4. Wenn uns Erdenglück verläßt, unsre Lieben uns verlassen, hält sie unsern Muth noch fest, lehrt uns frohe Hoffnung fassen; lehrt Geduld uns, gibt uns Stär⸗ ke zur Vollbringung guter Werke. 5. Sie lehrt: Menschen zu erfreun, sei des Herzens größter Segen; lehrt uns Feinden selbst verzeihn, die in Noth sind, trösten, pfle⸗ en, brüderlich die Menschen ieben, segnen die, die uns betrüben. 6. Heil dem Menschen, der sie übt, diese schönen Tu⸗ gendlehren! Heil dem, der die Brüder Uebt, sich be⸗ strebt, dich, Gott, zu ehren! Ewig selig wird er leben, stets nach höhrer Tugend streben. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele 1 30 eiland, deine Menschenliebe war die Quelle jener Triebe, die dein treues Herz regie⸗ ret und dich selbst dahin geführet, daß du, unserm Heil zu dienen, bist in Knechtsgestalt erschienen. O wer faßt die starken Triebe deiner treuen Menschenliebe! 2. Ueber seine Feinde wei⸗ nen, Jedermann mit Hülf Werke und Wohlthaten Gottes. erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Be⸗ trübten Klagen hören, sich in Andrer Dienst verzehren; das sind Proben wahrer Güte; und so, Herr, war dein Gemüthe. 3. O du Zuflucht der Elen⸗ den! Wer hat nicht von dei⸗ nen Händen, Segen, Trost und Heil genommen, der ge⸗ beugt zu dir gekommen? Wie zutheilen! 4. Die Betrübten zu er⸗ langmuthsvoll zu dir zu locken: Geschäfte, Auf⸗ wand aller Kräfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Heiland, da du für uns Armen Angst und unerhörte Schmerzen littest mit gelaßnem Herzen, dich von Sündern ließt verhöh⸗ nen und zur Schmach mit Dornen krönen, ja, uns Le⸗ ben zu erwerben, willig warst, am Kreuz zu sterben 6. Deine Huld hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, mit Haß 1253 ö 0 1 Glauben si uns d Erlösung. Haß nicht zu vergelten, dei⸗ ne Schmäher nicht zu schel⸗ ten, Allen freundli zu be⸗ gegnen, die dich lästerten, zu segnen, deine Mörder zu vertreten und für sie zu Golt zu beten. ö 7. Aller Welten Herr und. König, Sohn des Höchsten, o wie wenig hast du je nach Ruhm getrachtet und auf Menschenlob geachtet! Wil⸗ lig littst du, um den Wil⸗ len deines Vaters zu er⸗ füllen, Armuth und Ernie⸗ drigungen. Lob sei dir da⸗ für gesungen! 8. Laß mich, Herr, zu rei⸗ chem Segen deinen Wan⸗ del oft erwägen! Laß mich in der Angst der Sünden Trost und Hülfe bei dir finden! Heilige auch meine Triebe zu rechtscha fner Menschenliebe: laß mich im⸗ mer mehr auf Erden deinem Bilde ähnlich werden! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 1 3 1 Kein Leh rer ist dir, Jesu gleich! An Weisheit und an Liebe reich, bist du sowohl durch Wort, als That der schwa⸗ chen Menschen sichrer Rath. Es freut 59,15 213 50 „Herr Jesu, dein und lobet dich. 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, und machtest en Weg bekannt, wie 93 wir, befreit von Sünden⸗ schuld, theilhaftig werden seiner Huld. Auf ewig sei dir Dank und Ruhm, Herr, für dein Evangelium! 3. Du sahest in der Gott⸗ heit Licht mit aufgeklärtem Angesicht, was nach des Wrlt e weisem Rath die Welt noch zu erwarten hat; du machtest selbst durch dei⸗ nen Mund das Künftige den Menschen kund. 4. Dieß und die Wunder deiner Hand sind uns ein göttlich Unterpfand, was man aus deinem Mund ge⸗ hört, sei Wahrheit, die uns Gott gelehrt. Nie schwäche mir der Freyler Spott den Glauben an dieß Wort von Gott! 5. Du lehrtest uns durch Wort und That; man trifft der reinsten Tugend Pfad in deinem heilgen Wandel an. Gib, Herr, daß ich auf dieser Bahn, gestärkt von dir, mit steter Treu dir nach⸗ zufolgen eifrig sei! 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Ver⸗ söhnung predigt, stammt; du machst durch treuer Lehrer Mund noch jetzt dein Heil den Menschen kund. Be⸗ gleite stets mit deiner Kraft ihr Amt, damit es Nutzen schafft. 7. Noch immer hilfst du deinem Wort in seinem Sie⸗ 9e 94 Werke und Wohlthaten Gottes. ge mächtig fort; du sendest, und selbst die Todten auf⸗ 11— dein— anden erstehn. noch immer deinen gutein 4. Sei ist Geist, der dem, der Wa rheit ganze Hire 1. sucht und liebt zum Glauben selbst an Brod gebrach; und Licht und Kräfte gibt. kaum gebot er Wind und . Heiland, send Meere, so ließ ihr Sturm ihn auch zu mir, daß ich mit gehorsam nach. So sah man heiliger Begier nach Wahr⸗ ja bei allem Thun auf ihm heit strebe, fromm und wen der Gottheit Fülle ruhn. den Lehreit demer Wesheit z. Wir panken Höchsier sei bis mich beigirinereins deiner Stärke, die Jesum 2—. Löcht dereinst vor der Welt verklärt, der ftn Durch so große Wund erwerke als dein Gesandter sich be⸗ Mel. Wer nur den lieben Gott. umd sind ihn 132 Wodac Jem eh willig unterthan. ren! wie überzeugend seine 6. Erfüll, o. Herr, nur Macht! Wer könnte seine unsre Herzen mit seinen Lehre Thaten hören, wer, was für Goͤttlichkeit, damit wir ni Wunder er vollbracht, und das Heil verscherzen, das stimmte nicht dem Glauben uns dein Sohn allein ver⸗ bei, daß er der Welterlöser leiht, und schaffe, daß ihm ei! unsre Treu bis in den Tod ö x 0 44* 2. Erbarmen war es vol⸗ ergeben sei! 1 0 E ler Gnaden, was man in sei⸗ nen Zeichen sah. Nie wirkte er zu Jemands Schaden, Mel. Was mein Gott will wie von Propheten selbst 133 die ihr geschah; er raffte nie in nicht ewohnet r ihrem Sinn die Sünder seid, daß ihr euch selost ent⸗ u schnell im Zorne hin. saget, die ihr nur stets nach s 3. Er schenkte das Gesicht Eitelkeit, Ruhm, Vortheih, den Blinden, den Tauben Wollust fraget, kommt, u gab er das Gehör, der Aus⸗ schauet Jesu Vorbild anl r satz mußte vor ihm schwin⸗ Dieß, dieß muß euch be n den, der Stumme sang ihm schämen. Kommt, lernt, ge. h Dank und Chr. Sein Macht⸗ heilt von euxem Wahn hin⸗ wort hieß die Lahmen gehn fort euch selbst bezäh 6 0 * 4 be⸗ ge⸗ in⸗ * oth reich aus Erlösung. 2. Gott war sen nur an dem hing seine ganze Liebe. Dem dienen war ihm angexehm; dem weiht er seine Triebe. Wozu er stets sich willig fand, war dieß: den ganzen Willen des Vaters, welcher ihn ge⸗ sandt, vollkommen zu er⸗ füllen. 3. Hoch über Welt und Eitelkeit, ganz heilig, ganz Gott eigen, vermied er nie aus Schüchternheit sich, wie er war, zu zeigen; und wenn er Bosheit freveln sah, war er voll edler Schmerzen: wenn aber Got⸗ tes Wort geschah, quoll Freud aus seinem erzen. „Die Freude, die die Welt verheißt, verlangt er nicht zu schmecken. Und sein Alles; rein bewahrte sich sein Geist, ganz rein In Allem mit Eifer, von allen Flecken. sah er immerdar nie zum Scheine, auf das, was seinen Brü⸗ dern war, nicht aber auf das Seine. 5. Stets floh er das Ge⸗ räusch des Ruhms, blieb niedrig und geringe, ent⸗ schlug sich alles Eigenthums, der Erbe aller Dinge. Arm ward er selber, daß wir seiner Armuth würden. Er ist der Herr, sein ist das Reich, doch trug er fremde Bürden. 6. War Gottes Hand auf 9⁵5 ihm schon schwer: er fands doch gut und billig; denn jeden Tropfen Bluts war er ihm aufzuopfern willig. Stets zeigt er, daß ihn keine Noth auch nur zur Klage reize. Er ward ge⸗ horsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuze. 7. Von Gott verlassen, blieb sein Herz an ihm, Sch alles Spottes. Sein Sehnen war, im bängsten Schmerz, Nichts, als das Antlitz Gottes. Folgt, Men⸗ schen, seinem Vorbild nach! Er hat für euch gelitten; er selbst hat euch, ihr seid zu schwach, die Kraft dazu erstritten. 8. Hilf meinem Glauben, daß ich dir, mein Heiland, ähnlich werde! Bezähm das Fleisch, vertilg in mir die Liebe dieser Erde, daß ich dein großes Beispiel mir allstets vor Augen setze; des Vaters Willen thun gleich dir für Freud und Leben schätze! 1 3 4 Erscheine meinem Geist, erhab⸗ nes Bild der Tugend, du Muster jeder Pflicht, des Alters, wie der Jugend! O Jesu, Himmlischer, dein Beispiel leite mich! Ich irr und strauchle nicht, seh ich nur fest auf dich. ö 2. Wie 96 2. Wie unschuldsvoll, wie rein, wie unentwei t von Sünde, floh deine Jugend hin! Wie theuer war dem Kinde, wie lieb dem Jüng⸗ was ottes Wille wählt! Doch ach, wie doch rissen, geübt in mernissen, Leben hin, und dennoch bliebst du groß; nie riß das Elend dich von deinem Va⸗ ter los. 4. Gehorsam warst du stets bereit, des Vaters Willen selbst bis zum Kreu⸗ zestod mit Freuden zu er⸗ füllen; trugst mit Geduld und Muth des Lebens herb⸗ sten Schmerz; du sahst die Glücklichen, und neidlos blieb dein Herz. 5. Nie hast du deine Pflicht, die kleinste nie ver⸗ letzet; nie Leidende gesehn und nicht mit Trost ergötzet; stets hast du Irrende ge⸗ warnt, belehrt, gerührt und sie mit Freundeshand auf bessern Weg geführt. 0. Versuchung ohne Zahl, hier Ruhm und Schmeiche⸗ leien, dort lockender Gewinn, da bittrer Feinde Dräuen umgaben, wo du gingst, dich Heiliger, doch du gingst sein! Werke und Wohlthaten Gottes. mitten durch sie hin mit Festigkeit und Ruh. 7. Voll stillen Friedens blieb dein Herz bis an das Ende; da gabst du deinen Geist in deines Vaters Hände. Vollendet war der Lauf; am Ziele deiner Bahn sahst du den großen Lohn der Ewigkeit dir nahn. 8. Vollendeter, auch ich, auch ich kann ohne Beben am Pate einst den Geist dem Vater übergeben, wenn er dir ähnlich war an Tu⸗ gend und Geduld; denn du, Erlöser, tilgst der Schwach⸗ heitssünden Schuld.— 9. Schau drum, mein Geist, auf ihn; verschmäh des Lasters Freuden! Der Sünden Sold ist Tod und ihre Frucht sind Leiden. Wie Jesus, weihe Gott des Lebens kurze Zeit! Dann gehst auch du, wie er, ins Reich der Herrlichkeit. Leiden, Tod und Be⸗ gräbniß Jesu. Passionslieder.) Mel. Wie groß ist des Allmücht 135 Lß mir die Feil deiner Leidel o großer Dulder, heil Sie lehre mich 6 Sünde meiden und dir meil gan M. 1 8 2. — 2.— 10 Erlösung. ganzes Leben weihn, dir, der so ruhig und entschlossen für mich die Last des Kreu⸗ zes trug, deß Herz, als schon sein Blut geflossen, für mich noch heiß von Liebe schlug. 2. In der Betrachtung heilgen Stunden will ich am Leidenshügel stehn und dich für deine Pein und Wunden mit tiefgerührtem Dank erhöhn; ich will die Lieb und Huld ermessen, womit dein Herz die Welt umfaßt, und nie gefühllos es vergessen, was du für mich erduldet hast. 3. Mir sollen diese Feier⸗ zeiten der größten Liebe hei⸗ lig sein; sie soll mich stär⸗ ken, soll mich leiten, was dir mißfällig ist, zu scheun. Dein Leiden sei auch mir belig Segen, dein Tod mir eliger Gewinn. Dir schlage stets mein Herz entgegen, 0 ich durch dich gerettet in. 4. Bleibt mir in diesen Tagen theuer, Gethsemane und Golgatha; ihr Oerter, wo die Welt die Feier der allerhöchsten Liebe sahl Nach euch will ich voll Andacht schauen, wo mein Erlöser litt und starb, und hoffnungs⸗ voll auf den vertrauen, der mir die Seligkeit erwarb. „Da will ich lernen Tugend üben, in Noth und 9⁷7 Tod gelassen sein, die Men⸗ schen, so wie du, zu lieben und selbst dem Todfeind zu verzeihn. Dann wird dein Leiden mir zum Segen, dein Tod mir seligster Gewinn. Dir schlage stets mein Herz entgegen, da ich durch dich gerettet bin! Mel. Herzliebster Jesu! 1 36 Here stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen! 2. Du wolltest, Herr, ein Mensch, gleich uns auf Er⸗ den und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen! 3. Welch wundervoll hoch⸗ heiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen; Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen. Dieß kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst da⸗ nieder; es stürzt mich tief und es erhebt mich wieder; E lehrt 98 lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O 9080 mein Heil, an den ich kindlich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deine Güte. 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; al⸗ lein sollt ich darum im Glau⸗ ben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unter⸗ winden, Gott zu ergründen? 8. Des Höchsten Thun ist: Gnad und Lieb erweisen. Uns kommt es zu, sie de⸗ muthsvoll zu preisen, zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, die Gnade steiget. 9. So sei denn ewig auch von mir gepriesen für das Erbarmen, das du mir er⸗ wiesen, da du, mein Hei⸗ land, auch für mich dein Leben dahingegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben und stets mit Freuden deinen Willen üben! O gib zu diesem seligen Geschäfte, Herr, selbst mir Kräfte! In eigener Melodie. 1 37 Jhe meines Le⸗ O bens Leben, deß sich meine Seele freut, der für mich sich hingegeben, Stifter meiner Seligkeit, Werke und Wohlthaten Gottes. du, der lieber wollt erblassen, als mich im Verderben las⸗ sen, ach, wie dank, wie dank ich dir, mein Erlöser, gnug dafür. 2. Menschenfreund, von Gott gesendet, seines Raths Verkündiger! längst hast du dein Werk vollendet; Preis sei dir, Erhabener! Doch in den Gedächtnißtagen deiner Leiden, Jesu, sagen deine Hochbeglückten dir bil⸗ lig neuen Dank dafür. 3. Du betratst, für uns zu sterben, willig deine Lei⸗ densbahn, stiegst, uns Leben de erwerben, gern den To⸗ esberg hinan, dachtest nicht an deine Schmerzen, trugst uns Menschen nur im Her⸗ zen. Tausend⸗, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. ö 4. Meinetwegen trugst du Bande, littest frecher Lästrer Spott, achtetest ni tSchmach und Schande, Elend nicht, nicht Kreuz und Tod. Du ö warst werth der höchsten Freuden und trugst willig Gram und Leiden. O wie dank, wie dank ich dir, wür⸗ dig, Heiligster, dafür! 5. Frevler krönten dich zum Hohne; deine Stirne blutete unter einer Dornen⸗ krone, König aller Könige! Mir zu gut hast du gelitten, mir die Lebenskron erstritten Preis, Anbetung, De ei Erlösung. sei dir, Ehrfurchtswürdig⸗ ster, dafür! 6. Du, der tausendfache Schmerzen mir zu Liebe gern ertrug, deinem groß⸗ muthsvollen Herzen war mein Heil Belohnung gnug. Trost in meinen letzten Stunden floß für mich aus deinen Wunden. Herr, ich dank, ich danke dir einst im Tode noch dafür. 7. Ruh im Leben, Trost am Grabe, unaussprech⸗ licher Gewinn, den ich dir zu danken habe, du, deß ich nun ewig bin! Jesu, dir mein Herz zu geben, deiner Tugend nachzustreben, dir 5 traun, zu sterben dir, ieß, dieß sei mein Dank dafür. Mel. O Jesu Christ, meins 1 38 A· deine Leiden Har I Christ, m dan⸗ err Jesu Christ, und dan⸗ ken dir, daß du so willig ihre Last zu unserm Heil getragen hast. 2. Im Geiste folgen wir dir nach, von Schmerz zu Schmach⸗ von Schmach zu Schmach; wir schaun zu deinem Kreuz hinan und beten dich mit Freuden an. Auch uns zu gut, o Herr, betrat dein Fuß den dornenvollen Pfad. Auch 99 uns strömt Beßrungskraft und Ruh aus deinem bit⸗ tern Leiden zu. 4. Daß Gott uns als ein Vater liebt, gern Reui⸗ gen die Schuld vergibt; da ewig unsre Seele lebt un sich zur beßren Welt er⸗ hebt; 5. Daß deine Lehre fest besteht und daß dein Reich nie untergeht: den großen Trost von dir, o Gott, be⸗ lebt und stärket Jesu Tod. 6. Und wir, wir glaubten an dich nicht? Herr, ohne sichern Trost und Licht, mit ungewissen Schritten geht des Lebens Pfad, wer dich verschmäht. 7. Mit Dank und Freude folgen wir dir, unserm Heil und Retter, hier; und du wirst uns, wenn wir dich sehn, zu deines Himmels Wonn erhöhn. Mel. Schwing dich auf 139 Mein Erlöser auch für mich gingst du hin zum Leiden und begabst, Erretter, dich aller deiner Freuden. Du sahst Bande, Schmerz und Hohn, sahst den Tod von ferne; doch ertrugst du, Gottes Sohn, alle' Leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der Gefahr, die dem Leben E 2 droh⸗ 10⁰ drohte; als die Stund er⸗ schienen war, gingst du froh bu Tode. Willig übergabst u dich in der Feinde Hände und bliebst unveränderlich treu bis an das Ende. 3. Lehre mich, wie du, so still und so froh zu leiden, und, wenn es dein Rathschluß will, selig zu verscheiden. Stärke mich, wenn ich ein⸗ mal sterbend zu dir flehe, daß ich durch des Todes Thal ohne Schrecken gehe. 4. Dank, o Jesu, Dank sei dir für dein willig Leiden; denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freu⸗ den. Nunmehr weiß ich, daß im Tod ich nicht ewig sterbe; denn ich bin ver⸗ söhnt mit Gott, bin des Himmels Erbe. Mel. Herzliebster Jesu! 1 40 Las deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, dein gött⸗ lch Kreuz im Glauben zu verehren, daß ich getreu in dem Beruf der Liebe mich christlich übe. 2. Das Gute thun, das Böse fliehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heiligLeiden. Kaun ich zugleich das Böse mir er⸗ lauben und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahingegeben, wie könnt ich noch nach meinem Werke und Wohlthaten Gottes. Willen leben? und nicht viel⸗ mehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 4. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Kreuz mich trifft, gelaßnen Herzens werden, da du so viel für uns, die wirs ver⸗ schuldet, liebreich erduldet? 5. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie könnt ich sie, sie meine Brüder hassen? und nicht wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten?* 6. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten; wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du, Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schaltst auch nicht wieder!—0 7. Ein reines Herz, gleich ö deinem edlen Herzen, dieß ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott gibt uns die Kraft, in deinem Namen dir nachzu⸗ ahmen. ö 8. Unendlich Glück! du littest uns zu Gute. Ich bin versöhnt in deinem theuren Blute. Du hast mein Heil, da du für mich gestorben, am Kreuz erworben. 9. So bin ich denn schon selig hier im Glauben! So wird mir Nichts, Nichts me⸗ ne Krone rauben! So werd ich dort von Herrlichkeit umgeben, einst ewig leben! 10. Ja, * —.—— X V— 2* Erlösung. 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im Glauben kämpf, im Glau⸗ ben wach und bete, so ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, als Jesus lebet. 11. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize, so schrecke mich dein Work, das Wort vom Freuze Und werd ich matt im Laufe guter Wer⸗ ke, so sei mirs Stärke! 12. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Aergerniß und eine Thorheit werden; so seis doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes! 13. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken; so laß dein Kreuz mir wie⸗ der Ruhe schenken: dein Kreuz, dieß sei, wenn ich den Tod einst leide, mir Fried und Freude. In eigener Melodie. 1 41 Sei hoch geprie⸗ 44 sen, Herr, für deine Liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen Trie⸗ be, für eine Welt voll Sün⸗ der selbst dein Leben dahin⸗ zugeben. 2. Fürwahr, du trugest unsrer Sünde Schmerzen. O welch ein Herz gleicht dei⸗ nem edlen Herzen! du ließest unsre Schuld an dir bestra⸗ fen, uns dieß schaffen. 3. O laß dieß Heil doch 10¹ auch mein Erbe werden! Was hab ich sonst für sichern Trost auf Erden? Was gibt mir sonst wohl wahren Grund zur Freude, wann ich einst scheide? 4. Für mich, o Herr, bist du ja auch gestorben! Was du der Welt durch deinen Tod erworben, das hast du Ia, von großer Treu geleitet, auch mir bereitet. 5. O stärke selbst mein Herz in diesem Glauben! Kein banger Zweifel müsse ihn mir rauben, er müsse mich zum Fleiß in guten Werken beständig stärken 6. Sollt ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, der Sünde, die dich tödtete, zu dienen: so wär ich ia, o Herr, nicht dein Erlöster, du nicht mein Tröster. 7.Nein, dir allein, der du durch deine Wunden auf ewig mich zu deinem Dienst ver⸗ bunden, nur dir, mein Hei⸗ land, sei mein ganzes Leben zum Dienst ergeben! 8. Nichts soll mich je von deiner Liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, wo deine Liebe mit verklärten Zungen stets wird besungen. Mel. Schwing dich auf 1 42 ein Erlöser, ö Gottes Sohn, der du für mich littest und E 3 auch 10² auch auf der Himmel Thron jetzt noch für mich bittest, welche Wohlthat ist für mich dein versöhnend Leiden!—O wie preis ich würdig dich, Ursprung meiner Freuden? 2. Unermeßne Herrlichkeit war dir, Herr, gegeben; und du konnkest jederzeit vol⸗ ler Freuden leben. Aber o der großen Huld! daß ich selig würde, übernahmst du mit Geduld schwerer Leiden Bürde. 3. Nun kann meine Misse⸗ that noch Vergebung finden; denn du starbst nach Gottes Rath auch für meine Sün⸗ den. Unsre Strafe trugest du, uns vom Fluch zu ret⸗ ten, daß wir im Gewissen Ruh, mit Gott Frieden hätten. 4. Was uns Lust zur Beß⸗ rung aen was zur Tu⸗ gend leitet, dazu ast du neue Kraft durch dein Kreuz bereitet. RNicht vergebens darf ich nun mich um Kraft bewerben, Gottes Willen noch zu thun, Sünden ab⸗ zusterben. 5. Nun kann ich aufs Todesthal noch mit Freuden sehen und zu jener Welt einmal ohne Schrecken ge⸗ hen. Du, Herr, hast aus aller Noth Rettung mir er⸗ rungen und dur deinen Kreuzestod meinen Tod be⸗ zwungen. Werke und Wohlthaten Gottes. 6. Herr, was bin ich, daß du mein so dich angenom⸗ men? Laß die Frucht von deiner Pein nun auch auf mich kommen; gib mir Weisheit, gib mir du hast sie in Händen, was du mir zum Heil verschafft, gläubig anzuwenden! 7. Laß das Wort von dei⸗ nem Kreuz mich mit Muth beleben, siegreich jedem Sün⸗ denreiz hier ö und voll Dankes dir zum Ruhm alle meine Pflichten als dein theures Eigenthum treulich zu verrichten! 8. Drückt mich meine Sün⸗ dennoth, straft mich mein Gewissen, o dann laß aus deinem Tod mich den Trost genießen: daß du auch für meine Schuld büßend bist gestorben und Vergebung, Gnad und Huld mir bei zu widerstreben Kraft, Gott erworben. ö 9. Stärke mich durch dei⸗ nen Tod in den letzten Stun⸗ den! Wie du deine noth siegreich überwunden: o so hilf dazu auch mir! Laß mich fröhlich scheiden! Herr, so dank ich ewig dir für dein bittres Leiden. Mel. Freu dich sehr, o meine 6. 1 43 esu, deine tiefen Wunden, dei ne Qual, dein bittrer Tod, geben mir in bangen Stuh den Kraft zur Tugend, t Todes⸗ Erlösung. in Noth. Mich sollt ich dur Sünd entweihn? Nein, ich denk an deine Pein; sie, sie lehrt mich Sünden lassen und sie als mein Unglück hassen. 2. Die Erinnrung deiner Leiden stärke mich mit Kraft und Muth, alle schnöde Lust u meiden, zu bekämpfen leisch und Blut! Auch wenn meine Seele zagt, Gram an meinem Herzen nagt, laß, im Glauben mich zu stärken, mich'auf deineLeiden merken. 3. Will die Welt meinHerz verführen auf der Eitelkeiten Bahn, wo so Viele sich ver⸗ lieren und sich dem Verder⸗ ben nahn: dann denk ich, o Jesu, nach über deine große Schmach, daß ich dir getreu verbleibe und die böse Lust vertreibe. 4. Gib bei Allem, was mich kränket, mir aus dei⸗ nem Leiden Ruh! Wenn mein Herz daran gedenket, tröme neuer Trost mir zui Wenn mich meine Fehler reun, müsse mich dein Tod erfreun; denn du hast, da du gestorben, diesen Trost 115 Auf dich seb ich „Auf dich setz ich mein Vertrauen, Jesu, meine Zu⸗ versicht. Du vertreibst des Todes Grauen; durch dich schadet er mir nicht. Sicher ist bei dir mein Heil! Hab ich, Herr, an dir nur Theil, o so wirst du ewges Leben 103 mir auch einst aus Gnaden geben. 6. Hab ich dann in mei⸗ nem Herzen Hoffnung jener Herrlichkeit; so besieg ich auch die Schmerzen von dem letz⸗ ten Kampf und Streit. Wenn gleich meine Hütte bricht, quält doch Todesfurcht mich nicht; überwunden, über⸗ wunden hab ich, durch dich überwunden. In eigener Melodie. 14 enn mich die Sünden krän⸗ ken, so laß, Herr Jesu Christ, mich glaubensvoll bedenken, wie du gestorben bist und Rettung von der Schulden⸗ last den reuerfüllten Sün⸗ dern amKreuz erworben hast. 2. O wundervolle Liebe, bedenks, o Seele, recht! Es starb aus freiem Triebe der Herr für seinen Knecht. Selbst seinen eignen Sohn gab Gott für mich verlor⸗ nen Menschen in Marter, Schmach und Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Fluch, der Sündern droht? Gott sieht auf mich in Gnaden; durch Jesu Mittlertod bin ich von diesem Fluch befreit und darf nicht ängstlich fürchten Gericht und Ewigkeit. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Leben⸗ lang für deine Todesschmer⸗ E 4 zen, 104⁴ zen, o Jesu, Lob und Dank. Hilf, daß ich dir für deine Treu auf ewig ganz erge⸗ ben und thätig dankbar sei! 5. Herr, laß dein bittres Leiden mich reizen, als ein Christ mit allem Ernst zu meiden, was vor dir sünd⸗ lich ist! Nie komme mirs aus meinem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich er⸗ löset bin! 6. Mein Kreuz und meine Plagen, und wärs auch Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen. Laß nur, mein Herr und Gott, mich fliehen jede Lust der Welt und dem Exempel fol⸗ gen, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an Andern üben, was du an mir ge⸗ than, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jeder⸗ mann, ohn Eigennutz und Heuchelei und, wie du mirs erwiesen, aus wahrer Lieb und Treu! 8. In meinen letzten Stun⸗ den erquicke mich dein Tod, daß ich, mit dir verbunden, besieg auch diese Noth! Du bist es, Stan auf den ich trau! Stärk meine Seel im Tode, daß ich dich ewig schau! Mel. Befiehl du deine Wege 1 45 Dur der sich einst ö voll Liebe selbst bis zum Tod und Grab aus Werke und Wohlthaten Gottes. mitleidsvollem unsrer Rettung gab, ach unter welchen Plagen schloß sich dein Lebenslauf! Mit Zittern und mit Zagen stiegst du zum Oelberg auf. 2. Die schauervollen Stun⸗ den der Martern waren da. Du sahest Hohn und Wun⸗ den, dein Kreuz auf Golga⸗ tha, den Tod, die Grabes⸗ höhle und fühltest Angst und Noth; betrübt war deine Seele, betrübt bis in den Tod. 3. Ach welche Angstge⸗ fühle ergriffen da dein Herz! Im nagenden Gewühle von Bangigkeit und Schmerz lagst du vor Gott im Staube, mit Todesschweiß bedeckt. Wie kämpfte da dein Glau⸗ be, von banger Furcht er⸗ schreckt! ö 4. Auf dich, der Menschen Bester, drang Angst auf Angst herzu, und doch hing Niemand fester an seinem Gott, als du. Wie sehnlich bat dein Flehen um Scho⸗ nung und wie still: Es soll nur das geschehen, was Gott, mein Vater, will! 5. So warest du mit Freu⸗ den gehorsam und bereit, nach Gottes Rath zu leiden, und gingst mit Willigkeit der fre⸗ chen Schaar entgegen, die blutbegierig kam, dir Bande anzulegen, und dich gefan⸗ gen nahm. Der Triebe zu Erlösung. 6. Der Menschen Heil zu fördern, gabst du mit sanf⸗ tem Sinn dich willig dei⸗ nen Mördern und ihren Martern hin. Um dich war Alles trübe; doch du bliebst ruhevoll. So stark war deine Liebe zu uns und un⸗ serm Wohl! 7. O Freund der Men⸗ schenkinder, den nun kein Leib mehr drückt, wie hoch hast du uns Sünder durch diese Huld beglückt! Dich wollen wir erheben, so viel die Schwachheit kann, und dir zur Ehre leben. Nimm unser Opfer an! Mel. Wenn mich die Sünden 1 46 Einß, als im Angstgebete, Herr, deine Seele rang und immer heißer flehte, so tiefgebeugt, so bang: da fandst du keinen Trostrein Licht, da schwebte Nichts als Marter vor deinem An⸗ gesicht. 2. Auch sie, die so ent⸗ schlossen, so männlich dich bekannt, sind muthlos, sind verdrossen, vom Schlummer übermannt. Sie schauen dei⸗ ner Seele Schmerz, und kei⸗ ger deiner Brüder spricht Labsal in dein Herz. „Doch diese f wachen Seelen trägt deine Lieb und Huld, wie sehr sie gleich⸗ wohl fehlen, mit scho⸗ 10⁵ nender Geduld. Erbarmend sprichst du: Freunde, wacht! O wacht mit mir und betet: nah ist des Femdes Ma 1 4. Du Tröster schwacher Brüder, Herr, nimm dich meiner an! Wie leicht fall ich auch wieder, verführt durch stolzen Wahn! oftmal schlummr' los ein, bin fahren, dräun! 5. Herr, rette du mich Schwachen, wenn Stolz und Sicherheit den Geist ver⸗ drossen machen. Gib Kraft und Muth im Streit; flöß meiner Seele Tröstung ein; sprich zu ihr: kämpf und —— Bald ist die Krone dein! Mel. Herzliebster Jesu! 1 47 Betenner Jesu, werdet nie ver⸗ messen! der Fall ist nahe, wenn wir je vergessen, Be⸗ ständigkeit und Sicherheit vor Sünden auf Gott zu gründen. ö 2. Dann gleichen selbst die feurigsten Entschlüsse den lichten Dünsten, die durch Finsternisse schnell in die öhe schimmern und ver⸗ gehen, wie sie Her Rard 3. Die Jünger stärkten in der ernsten Stunde durch War Gebet sich nicht im 106 im Bunde mit ihrem Herrn; sie felen selbst vor Kummer in tiefen Schlummer. 4. Als der Verräther kam mit seinen Schaaren, wie bebten sie vor drohenden Gefahren! Wo war ihr Muth, für ihren Herrn mit Freuden den Tod zu leiden? 5. Uneingedenk des Hir⸗ ten flohn die Schafe. Er wardwerlassen, er, der unsre Strafe so willig duldete, daß seine Heerde gerettet werde. 6. O welche Liebe! Jesu, welche Treue! Du littest, daß der Mensch sich deiner freue; ach, laß uns nie mit zweifelnden Gedanken im Glauben wanken! 7. Wer dich bekennet, fürchte, Herr, auch Alles von seiner Schwachheit Ein⸗ gedenk des Falles der bes⸗ sern Jünger, streb er, sein Vertrauen auf dich zu bauen! ö 8. Laß deinen Geist uns, Herr, zur Seite treten! Er lehrt uns wachen, lehrt uns ernstlich beten! So werden wir im Kam fe nicht erlie⸗ gen, wir werden siegen. Mel. O Lamm Gottes, unschuldig 1 48 Erlder der im ö„Staube einst lag mit Angstschweiß be⸗ decket, dein tröste sich mein J Werke und Wohlthaten Gottes. Glaube, wenn Tod und Sünde mich schrecket; dein tiefer Schmerz, dein Klagen, dein Todeskampf, dein Za⸗ gen sei meine Ruhe, Herr Jesul ö 2. Du littest ganz unschul⸗ dig von Frevlern Schmä⸗ hung und Schmerzen. und trugst allzeit geduldig sie mit verzeihendem Herzen. Dein Geist soll uns beleben, zu dulden, zu vergeben, wie du zu lieben, Herr Jesu! 3. Am Kreuze hingst du kläglich entstellt, gemartert, verschmachtet. Dein lehr uns täglich, wie hoch du Seelen geachtet! Er schreck uns ab von Sünden: er müß uns dir verbinden zu ewger Liebe, Herr Jesu! In eigener Melodie. 1 49 Chwiste du Sohn Gottes, der du trägst die Sünde der Welt: erbarme dich unser! 2. Christe, du Sohn Got⸗ ——————.——— tes, der du trägst die Sün⸗ de der Welt: erbarme dich unser! ö 3. Christe, du Sohn Gol⸗ tes, der du trägst die Sünde der Welt: Gib uns deinen Frieden! Amen. Mel. In allen meinen Thaten ö 150 Woan kann die Leiden fass. le — Tod be⸗ 0 ö ————— Erlösung. die du, o Herr, gelassen für mich erduldet hast? Daß ich gerettet würde, trugst du die schwerste Bürde und übernahmst auch meine Last. 2. Laß deine letzten Stun⸗ den, und was du da empfun⸗ den, mich trösten und er⸗ freun! Es lehre mich dein Leiden, den Dienst der Sün⸗ de meiden und dir mich jetzt und ewig weihn. 3. Du starbst mit einem Herzen, das auch in Todes⸗ schmerzen für deine Feinde bat. Wie du, will ich mich üben, auch meinen Feind zu lieben; oft wußt er auch nicht, was er that. 4. Du tröstetest den Ar⸗ men, der sich auf dein Er⸗ barmen am Kreuze fest ver⸗ ließ. Auch ich bin, wann ich sterbe, war ich dir treu, dein Erbe und folge dir ins Paradies. 5. Du sorgtest, voll von Liebe aus regem Mitleids⸗ triebe, noch für der Deinen Ruh. Ach, wenn auch ich muß leiden und von den einen scheiden, so sende Trost und Muth' mir zu. 6. Du mußtest, matt von lagen, auch über Durst noch klagen, und Keiner labte dich. Warum sollt ich denn beben, wann Leiden mich umgeben? Du labst ja und erquickest mich. 7. Du riefst voll tiefer 107 Trauer im bangen Todes⸗ schauer: Verläßt du mich, mein Gott? Nun mag ich einst erblassen, du wirst mich nie verlassen: du fühltest selbst des Todes Noth. 8. Du sprachst am Ziel der Leiden mit namenlosen Freuden: Mein Werk ist nun vollbracht! Lehr es auch mich vollbringen und einst zum Ziele dringen durch meines Todes dunkle Nacht! 9. Du gabst am Leidens⸗ ende in deines Vaters Hände getrost die Seele hin. Wann ich auch meine Seele ihm einst wie du befehle: dann ist auch mir der Tod Ge⸗ winn. Mel. Befiehl du deine Wege 151 Der Herrscher al⸗ ler Lande muß sich. sehn, er muß, bedeckt von Schande vor sei⸗ nen Knechten stehn und hier sich richten lassen. Sie suchen ihre Wuth, womit sie längst ihn hassen, zu sättigen mit Blut. 2. Die Unschuld seiner Lehren, wem war sie unbe⸗ wußt? Wer wars, der ihn mehr ehren, wer, der ihn schützen mußt? Wem waren dieß sonst Pflichten, als de⸗ nen, die ihr Stand, ein recht Gericht zu richten, aufs heiligste verband? E 6 3. Doch 108 Werke und Wohlthaten Gottes. 3. Doch hier wird fal⸗ scher Zeugen Verleumdung Lalt gehört; hier wird durch ästerungen der Heiligste entehrt; hier wird das Recht gebeuget, entweiht das Rich⸗ teramt: hier, wo die Falsch⸗ heit zeuget, die Unschul frech verdammt. 4. Entweiht ist zwar die Stätte, entheiligt dieß Ge⸗ richt, in dem man Jesum schmähte, doch seine Uns chuld nicht. Er schweigt; es macht sein Schweigen und selbst der Lügner Mund, die wi⸗ der ihn hier zeugen, schon seine Unschnld kund. 5. O würde nie mit Rän⸗ ken der Ungerechtigkeit, die Recht und Unschuld krän⸗ ken, ein Richterstuhl ent⸗ weiht! entweiht an keinem Orte die Wahrheit und das Recht, daß nie urch Läster⸗ worte die Unschuld leiden möcht! 6. Lehr mich, Herr, wo ich schweigen und wo ich reden soll! Mein Schweigen und mein Zeugen sei klug und wahrheitsvoll! Laß mei⸗ nen Mund nie trügen, mach mich von Falschheit frei, daß ich ein Feind der Lü⸗ Heit ein Freund der Wahr⸗ heit sei 7. Laß mich nie wieder schelten, wenn mich die Bos⸗ heit schilt, nie Haß mit Haß vergelten! Mein Herz sei sanft und mild! Lehr mich die Rache meiden; und muß ich ohne Schuld dochSchmach und Unrecht leiden, so tröst mich deine Huld! Mel. So schlummerst du 152 O Durst nach Blut, o blinde Wuth, die kaum erhört ist worden! Den Erlöser will sein Volk grausam schänd⸗ lich morden! 2. Da geht er hin, ach, seht auf ihn! gefesselt durch die Straßen, muß vom heid⸗ nischen Gericht sich verdam⸗ men lassen. 3. Sein Richter sieht, wie Alles glüht von Grimm und wilder Rache, und ver⸗ theidiget zuerst des Gerech—⸗ ten Sache. 4. Doch zittert er, wankt hin und her, verlangt des Volkes Stimme: und sie rufen: Barrabas! mit er⸗ bostem Grimme. 5. Da gibt er ihn zur Geißlung hin, die Wache darf ihn höhnen und mit einem Dornenkranz ihn zum König krönen. 6. Wer hat ein Herz und fühlt den Schmerz des Heie ligen, des Besten nicht mit Wehmuth? Möchte ihn doch das Mitleid trösten! 7. Seht, welch ein Mensch welch ein Mensch! seht spricht selbst Pilatus, wahn ihn Erlösung. ihn zur Schau dar, eh er noch ihm sein Urtheil fället! Ans Kreuz mit ihm! ans Kreuz mit ihm! so schreit die tolle Menge. Und der feige Richter kommt endlich ins Gedränge. 9. So sterb er dann! sprach jetzt der Mann, der ihn erretten sollte, aber nie um Recht und Pflicht etwas leiden wollte. 10. Ach, uns zu Gut floß hier dein Blut, trugst du mit stillem Herzen deiner edlen Seele Qual, alle deine Schmerzen. ö I1. Du hasts gethan. Wir beten an mit dankendem Ge⸗ müthe, mit Bewunderung — Preis, deine Treu und üte. 12. Dir wollen wir, o Oofe dafür uns selbst zum pfer bringen. Gib em guten Willen Kraft, gib ihm das Vollbringen. Mel. Schon ist der Tag von Gott 153 Seht welch ein ö ensch! Wie lag so schwer auf ihm die Last der Sünder! Wie un⸗ aussprechlich duldet er für euch, ihr Menschenkinder! So leiden sah von Anbe⸗ ginn die Erde Keinen je, als ihn, so wird auch Keiner leiden. 2. Der Sohn des Höchsten, Eins mit Gott, ein Helfer, 109 ein Gerechter, ward frecher Missethäter Spott und sei⸗ nes Volks Gelächter. Wie ein Verbrecher stand er da, verklagt, verleumdet. Wer ihn sah, der sah ihn mit Verachtung. 3. Geschäftig war der Frevler Wuth, erfindrisch, ihn zu plagen. Sein Leib war ganz bedeckt mit Blut, voll Striemen und erschla⸗ Denn Mit einer Dornen⸗ ron gekrönt, in Königsklei⸗ dern ausgehöhnt, stand er vor seinen Feinden. 4. Den Heiden, der sein Richter war, ergriff ein menschlich Schrecken; er stellt ihn seinen Brüdern dar, ihr Mitleid zu erwecken. Seht, welch ein Mensch! Ich kann ihn nicht verdam⸗ men; denn die Unschuld spricht zu mächtig für sein Leben. 5. Vergeblich, ach, ver⸗ war die Menschlich⸗ eit des Heiden! die aufge⸗ brachte wilde Schaar sah esu Schmach mit Freuden. ein Tod befriedigt sie al⸗ lein, sie stürmten auf den Richter ein und schrien: Er sterb am Kreuze! 6. Du denkest ohne Schau⸗ dern nie an diese Wuth der Sünder, du sprichst: Die Rache strafte sie! noch straft 3 ihre Kinder. O Seele, enkst du auch dabei an deine E 7 Suͤn⸗ 110 Sünden? Bist du frei von Schuld am Tode Jesu? 7. Sieh, welch ein Mensch! er wird für dich verschmä⸗ het und zerschlagen! Hör ihn, er spricht: Ich selber, ich muß deine Sünden tra⸗ gen. Die Schuld ist dein, durch meinen Tod versöhn ich, Sünder, dich mit Gott und sterb um deinetwillen. 8. O hochgelobter Gottes⸗ ohn, du Tilger meiner Sün⸗ en, erhöht auf deines Va⸗ ters Thron, ach, laß mich Gnade finden! Laß deines Todes Schmach und Pein Gerechtigkeit und Heil mir sein um deiner Liebe willen. 9. Ich schwöre, Welter⸗ löser, dir und willig will ichs halten: So wahr du lebest, soll in mir nie deine Lieb erkalten! Dein Leiden und dein Tod soll mich, so⸗ lang ich lebe, Herr, an di und deine Lieb erinnern! 10. Lockt mich die Welt, lockt Fleisch und Blut mich auf den Weg der Sünde, so rüste mich mit Kraft und Muth, daß ich sie über⸗ winde. Dann rufe du mir liebreich zu: Denk, welch ein Mensch ich war! und du, du wolltest mich nicht lieben? In voriger Melodie. 154 W on Werke und Wohlthaten Gottes. auf deinen Leidenswegen! Mit welcher hohen Seelen⸗ ruh gehst du dem Tod ent⸗ Gan Voll Zärtlichkeit und delmuth warst du bereit, nur uns zu gut, des Kreu⸗ zes Schmach zu tragen. 2. Die Menschen für die Ewigkeit voll Weisheit zu erziehen, war stets bei dei⸗ ner Lebenszeit dein ernst⸗ Bemühen, und selbst liches im Tode wolltest du für sie Heil, Trost und Seelenruh voll Großmuth noch erwer⸗ ben. 3. Drum stiegst du auf der Leidensbahn voll Hel⸗ denmuth, mit Freuden ge⸗ trost auf Golgatha hinan, den Kreuzestod zu leiden; hier zeigest du dich, Gottes Sohn, bei Schmerzen, Mar⸗ tern, Spott und Hohn in deiner wahren Größe. 4. Mit hoher Würde dul⸗ dest du des Kreuzes Schmach und Schmerzen, sprichst Trost betrübten Seelen zu und bittst mit edlem Her⸗ zen selbst in der letzten To⸗ desnoth für deine Mörder noch zu Gott; als Menschenretter. 5. Ach, sieh ihn hier, er⸗ löster Christ, schuldlos zun Lam bringen! Sieh, wů sein Blut zur Erde fließt. sieh ihn zum Tode ringen! Sieh seine Wunden, seineh Schmerz! Denk an sein 6 du stirbst. Erlösung. bevolles Herz! Ach! sieh ihn duldend sterben! 6. Hier denk an jenen 5 zurück, der ihn hier⸗ er getrieben! Nun sag bei diesem Trauerblick: willst du noch Sünden lieben? Nein hier, o Christ, entschließe dich bei seinem Tode feierlich, dein Leben ihm zu weihen! 7. Entsag den Sünden dieser Welt und sündenvol⸗ len Freuden; flieh Menschen⸗ haß, der ihm mißfällt; such Alles zu vermeiden, was dich zur Sünde reizen kann; geh standhaft auf der Tu⸗ gendbahn der bessern Welt entgegen! 8. O Jesu! der du für bs getreu, nach deiner Lehre leben! 9. Doch auch bei unsrer Sündenschuld und bei dem Druck der Leiden wollst du uns Trost, Muth und Ge⸗ duld durch deinen Tod be⸗ reiten; und naht einst unser Tod heran, so laß uns diese Pilgerbahn als Gläubige be⸗ ließen! Mel. Herzliebster Jesu! 155 Ue s 111 verbrochen; doch ward das Todesurtheil dir gesprochen! Du, Heiligster, bist ja in Missethaten niemals gera⸗ en. 2. Und doch wirst du ver⸗ worfen und verhöhnet, mit einem Dornenkranz zur Schmach gekrönet, gegeißelt, und vonSchmerzen schon ent⸗ kräftet, ans Kreuz geheftet. 3. Was ist die Ursach al⸗ ler solcher Plagen? Ach, unsre Sünden haben dich geschlagen! Zu ihrer Til⸗ gung hast du, Herr, erdul⸗ det, was wir verschuldet. 4. O große Lieb! o Lie⸗ be, kaum zu fassen! Auch mir zum Heil hast du dich martern lassen. Damit ich lerne, Sünden ernstlich mei⸗ den, willst du, Herr, leiden. 5. Ach, großer Mittler, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam deine Treu ausbreiten? Wer hat dich je für deiner Liebe Proben 376.0 erhoben? 6. Doch dir gefällts, wenn ich mich selbst bekämpfe, dir folge und des Fleisches Lüste dämpfe: so sei denn auch forthin mein ganzes Leben nur dir ergeben! 7. Gib selbst zu diesem hei⸗ ligen Geschäfte mir Schwa⸗ chen deines guten Geistes Kräfte, daß er mich auf den Pfad der Tugend führe und mich regiere! 8. Dann S 112 8. Dann werd ich dank⸗ voll deine Huld betrachten, dich lieben und die Lust der Welt verachten, mit allem Eifer suchen, deinen Willen treu zu erfüllen. 9. Zu deiner Ehre will ich Alles wagen, kein Dro⸗ hen achten, keine Schmach, noch Plagen; mich sollen auch des bängsten Todes Leiden nicht von dir schei⸗ den. 10. Empfang ich einst vor unsers Gottes Throne, wie du Wohne, die Seligkeit zum Lohne, dann will ich würdiger dein Lob besingen und Dank dir bringen. Mel. Auf meinen lieben Gott 156 Men Jesu, für dein Herz, welch ein so herber Schmerz, den du weit mehr empfun⸗ den, als Striemen, S läg und Wunden; die kleine Zahl von Freunden kränkt dich gleich deinen Feinden! 3. Kaum naht sich die Gefahr, so bebt der Jünger Schaar. Die erst sich hoch vermessen, eh sie der Treu vergessen, den Tod selbst vorzuziehen, verlassen dich und fliehen. 3. Der kühn sein Schwert gezückt, dein Petrus selbst erahritt er flieht, eh Bande drohen: 130605 sich, daß er geflohen: kehrt um und eilt Werke und Wohlthaten Gottes. —— verwegen dem tiefen Fall 2—4% Wie 4. Wie ist der Mensch so schwach! So viel sein Muth versprach, dort liegt er tief im Staube; erloschen ist sein Glaube, sein kühner Ruth gedämpfet. Ach, Christen, wacht und kämpfet! Mel. Wenn mich die Sünden 1 57 Von muscht dahin⸗ gerissen, ver⸗ läugnet Petrus dich. Bald strast ihn sein Gewissen, da weint er bitterlich. Tief dringet ihm dein Blick ins Gend er fleht zu dir um nade, und du Fillst seinen Schmerz. 2. Wie wuchs nun dei⸗ nem Zeugen Beständigkeit und Muth! Furcht konnt ihn nicht mehr beugen; für ö dich floß selbst sein Blut. Dich, seinen Herrn und seinen Gott, verherrlichte sein Leben, verherrlichte sein od. 3. Bewegt ist meine See⸗ le, erfüllt mit Reu und Schmerz, was hilfts, daß ichs perhehle? Du schaus mir ja ins Herz! Bekennen will ichs, Jesu, dir: auch ich hab dich verläugnet; ver⸗ gib, vergib es mir. 4. Wenn deines Namens Spötter dich schmähten; wenn ihr Spott dich höhn⸗ te, Welierretter dich! ihren Herrn — RNNRR — nn Erlösung. Herrn und Gott; dann schwieg ich furchtsam, schäm⸗ te mich, ein Christ zu sein und scheute mehr ihren Spott, als dich. 5. O du, der du dein Leben, du Herr der Ewig⸗ keit, so willig hingegeben für meine eschwe wie undankbar, wies hwach war ich, daß ich den Spott der dich! mehr fürchtete, als ich! 6. Ach, Vater, ich em⸗ pfinde die Größe meiner Schuld. Vergib auch diese Sünde nach deiner großen Huld! Erbarmend sahst du Petrum an, laß eine gleiche Gnade mich, o mein Heil, empfahn! ö 7. Laß mich bei meiner Reue den Bund mit dir erneun, Standhaftigkeit und Treue, dir, mein Versöhner, weihn! Dich zu verläugnen, Herr, mein Gott, das fürchte meine Seele weit mehr, als .——— pil dich iei will dich frei be⸗ kennen. Wann Gott Ge⸗ richt einst hält, wirst du mich auch bekennen dem Rich⸗ ter aller Welt. Dein Kreuz ist meine Zuversicht, dein Kreuz ist meine Ehre, dich laß ich ewig nicht. 9. Beschirmt von deiner Gnade, fürcht ich selbst nicht den Tod. Wer ist es, der mir schade? Du bist mein 113 Schild, o Gott; von mei⸗ nem Haupte fällt kein Haar, und drohte mir von Allen die schrecklichste Gefahr. Mel. Wie wohl ist mir, o Frennd 1 58 Den größten Ster⸗ benden zu se⸗ hen, schwing dich, mein Geist, auf Golgatha, wo man des Mittlers Kreuz erhöhen, den Weltbeglücker bluten sah! Erwäg an die⸗ sem heilgen Orte des ster⸗ benden Erlösers Worte und rufe Gott um Glauben an; sie können dir den Trost im Leben und einst den Trost im Tode geben, wenn Lan dich nichts mehr trösten ann. 2. 2. Geduldig bei den größ⸗ ten Schmerzen, nimmt er sich seiner Feinde an und ruft mit sanftmuthsvollem Herzen: Sie wissen nicht, was sie gethan! Der gött⸗ liche, der größte Beter fleht liebreich noch für Misse⸗ thäter, Werkzeuge seiner Pein und Schmach. Mensch, wenn dich Rach und Zorn verführen, laß dich durch dieses Beispiel rühren und bete deinem Heiland nach. 3. mert Beispiel kindlich frommer Triebe, als unter Leiden ohne Zahl der—— dem Jünger seiner Liebe die Mutter sterbend noch empfahl! Ach, wird mein Aug 114 Aug einst um die Meinen in meinen letzten Stunden weinen, so soll dieß Wort mir Trost verleihn. Der, als der Tod schon um ihn schwebte, die Seinen noch zu schützen strebte, wird auch der Meinen Pfleger sein. 4. Frohlockt, bußfertige Verbrecher! Wer glaubet, kommt nicht ins Gericht. Hört, was zu dem gebeug⸗ ten Schächer der Mund der Liebe sterbend spricht: Du wirst, so ruft er ihm ent⸗ gegen, noch heute deines Glaubens wegen mit mir im Paradiese sein! O Herr, laß an des Todes Pforte einst diese trostesvollen Wor⸗ te mich auch im letzten Kampf erfreun! 5. Wer kann die hohen Leiden fassen, als Christus an dem Kreuze rief: Mein Gott, wie hast du mich ver⸗ lassen! Wie beuget ihn die Last so tief, die freche Sün⸗ der auf ihn brachten! Vor Angst und Pein müßt er verschmachten, wär Gott nicht seine Zuversicht. Herr, der für mich zum Tod ge⸗ gangen, für mich verlassen da gehangen, o Herr, mein Trost, verlaß mich nicht! 6. Der Herr des Him⸗ mels und der Erde, von allem Labsal jetzt entblößt, wünscht, daß sein Durst ge⸗ stillet werde. O Mensch, Werke und Wohlthaten Gottes. der dich so theur erlöst, der Heiland rufet dich noch heute im Armen, den an deiner Seite auch Hunger, Durst und Mangel drückt. O se⸗ lig, wer den Ruf erfüllet! Denn wer des Armen Man⸗ gel stillet, der hat den Hei⸗ land selbst erquickt. 7. Nun enden sich die schweren Leiden; der Hei⸗ land spricht: Es ist voll⸗ bracht! O Wort des Sie⸗ ges, Wort der Freuden! du nimmst dem Tode seine Macht. Heil uns! wer darf es nun wohl wagen, uns, die Erlösten, zu verklagen? Der Friede ist mit Gott gemacht. Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freuden sage: Es ist vollbracht! es ist vollbracht! 8. Das letzte Wort aus deinem Munde, soll, Jesu, auch das meine sein! Laß es in meiner Todesstunde mir Muth und Zuversicht verleihn! Du rufest: Vater, ich befehle in deine Hände meine Seele! du, der du Allen Heil erwarbst. Nun war das größte Werk voll⸗ endet, wozu der Vater dich gesendet, du neigtest sanft dein Haupt und starbst. 9. Mensch! kannst du ohne fromme Zähren den Lieb⸗ ling Gottes sterben sehn? Mußt du ihn nicht muil Freuden ehren und mh ei NIVr —29———— —S— 22 ———.— so treu Erlösung. seinen Ruhm erhöhn? O weine fromm bei seinen Plagen und fröhlich sieh ihn nach drei Tagen aus seinem Grabe potter hier Und wenn ihn Spötter ier entehren, dort wirst du ihn als den Verklärten zur Rechten seines Vaters schn. Mel. O Jesu Christ, meins 159 Di denkest in der tiefsten Noth, ergriffen, Herr, von Qual und Tod, an deiner Freunde Gram und Schmerz und flößest ihnen Trost ins Herz. 2. Du siehst die Mutter, siehst den Freund und sprichst zu ihr, die trostlos weint: Sieh, Mutter, dieser Sohn ist dein; was ich dir war, wird er dir sein. 3. So innig bis zum Tod, ö sei meine Zärtlich⸗ keit; ich sei so willig, An⸗ dern beizustehn und ihnen Beistand zu erflehn! 4. Wenn euch, die hier me in Herz geliebt, ihr Freun⸗ de, einst mein Tod betrübt: dann übergeb ich euch dem Herrn, er hört, er hilft, er segnet gern. 5. Froh geh ich, wenn es ihm gefällt, den Weg zu jener bessern Welt, euch sag ich, die ihr um mich weint: Getrost, bald wer⸗ den wir vereint! 6. Den Trost, o Jesu, 11⁵ dank ich dir; du brachtest ihn vom Himmel mir. Du hast verheißen; ihr seid mein: wo ich bin, sollt ihr ewig sein! Mel. Befiehl du deine Wege 160 Du. dessen Augen flossen, sobald sie Zion sahn, zur Frevel⸗ that entschlossen, sich seinem Thal nahn: wo ist das hal, die Höhle, die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger sei⸗ ner Seele, habt ihr ihn schon erwürgt? 2. Welch jammervolles Klagen seufzt in Gethse⸗ mane! Wer ist der Mann der Plagen, der langsam Sterbende? Ist Jesu das, der Beste, den je die Erde sah? Er fühlt der Qualen größte, er ist dem Tode nah. ö 3. Ach, wie er tief im Staube, bedeckt mit Angst⸗ schweiß, liegt, mit dem Ge⸗ fühl sein Glaube im Kampfe dennoch siegt! Schon kommt der Mörder Rotte, die kein Erbarmen rührt, die ihn zu Hohn und Spotte, ihn ach, zum Kreuze führt. 4. Sein Volk im bittern Grimme 1 micht sein An⸗ blick nicht, nicht fremden Mitleids Stimme, die von dem Richtstuhl spricht. Er ist ihr Hohngelächter; sie drohn mit wildem Gauf au 116 auf uns, auf Söhn und Töchter komm seines Blu⸗ tes Lohn! 5. Zur fernen Schädel⸗ stätte trägt er sein Krenz hinan. Sie kreuzgen ihn! O bete, mein Geist, mit Wehmuth an. Noch höhnt in frechen Mienen das Volk des Dulders Schmerz. Er ruft: Vergib es ihnen! Ver⸗ gebend bricht sein Herz. 6. Es bricht, und schwer von Kummer sinkt auf die Brust zur Ruh sein Haupt; nun schließt der Schlum⸗ mer sein müdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hülle, der Geist schwebt sanft ent⸗ rückt zu Gott, wo ihn die Fülle des hohen Lohns er⸗ quickt. 7. O Freund der Men⸗ schenkinder, wir danken dir gerührt! Dein Leiden hat uns Sünder zu großem Glück geführt! Dich ehre unser Glaube, Anbetung sei dein Dank; hör ihn, vernimm vom Staube den schwachen Lobgesang. Mel. Werde munter, mein 161 Der am Kreuz ist meine Liebe! Meine Lieb ist Jesus Christ! Weich von mir, des Eitlen Nebe, Alles, was nicht ewig ist! Was du gibst, ist nicht von Gott; und womit du = ιπ-Ku-zza Werke und Wohlthaten Gottes. lohnst, ist Tod! Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu sein mich übe. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe! Frepler, was befrem⸗ dets dich, daß ich Jesum Christum liebe? Jesus gab sich selbst für mich. Sollt ich nicht sein eigen sein? mich ganz seinem Dienste weihn? Der am Kreuz 20. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe! Sünde, du bist mir verhaßt. Weh mir, wenn ich den betrübe, der für mich am Kreuz erblaßt! Un⸗ dank für so herben Schmerz, nie beflecke er mein Herz! Der am Kreuz ist ꝛce. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe! fürchterlich? sen! starb ja auch für mich. Wer verdammt nun? Go ist hier: Gott verzeiht durch Der am Christum mir. Kreuz ist ꝛce. ö 5. Der am Kreuz ist mein Vertrauen! Nichts, wie furchtbar es auch ist, keines, keines Todes Grauen reißt von dir mich, Jesu Christ! Nicht Gewalt, nicht Gold, nichtRuhm, Engel nicht, kein Fürstenthum! Dir, dir will ich lebend trauen; sterbend dir, dich werd ich schauen. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe! Komm, o Tod! 10 Was ist mir noch Ruh, Gewis⸗ Er, die Liebe, Jesus Schmerzen! Erlösung. bist mein Freund! wie ein Staub wird mein Geist mit Gott vereint. Da, da schau i Gottes Sohn, ärndte seiner Leiden Lohn. Der am Kreuz ist meine Liebe, dem ich treu zu sein mich übe. Wenn ich verstiebe, Mel. In allen mein en Thaten 162 O Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schwe⸗ ben! Dein Heil sinkt in den Tod. Der große Fürst der Ehren läßt willig sich be⸗ schweren mitBanden, Schlä⸗ gen, Hohn und Spott. Komm, schaue seine Erwäge, was im Herzen der Unschulds⸗ volle fühlt, was er am Leibe leidet, wie, bis er endlich scheidet, die Qual in sei⸗ nen Adern wühlt! 3. Wer ists, der dich ge⸗ schlagen, mein Heil, und diese Plagen dir aufgebürdet hat? Du warst ja nicht ein Sünder, wie andre Men⸗ schenkinder, und rein von aller Missethat. 4. Du gingest meinetwe⸗ gen dem Todeskampf entge⸗ gen mit wahrem Helden⸗ muth; du starbst, mir vom Verderben Errettung zu er⸗ werben, und littest Alles mir zu gut. 5. Wie bin ich dir ver⸗ bunden, durch den ich Heil 117 gefunden, zur tiefsten Dank⸗ barkeit! Dir sei mein ganzes Leben zum Opfer hingege⸗ ben, dir, Jesu, Leib und Seel geweiht! 6. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets vor Au⸗ gen sein, von meinen Chri⸗ stenpflichten mich täglich un⸗ terrichten und mir zur Tu⸗ gend Kraft verleihn! 7. Dein Beispiel soll mich lehren, den Rath des Höch⸗ sten ehren, ihm gern gehor⸗ sam sein; auch meine Brü⸗ der lieben, und wenn sie mich betrüben, mit edlem Wohlthun sie erfreun. 8. Als Christ will ich mich üben, die Feinde selbst zu lieben, wie du, der für sie bat. Ich will des Lebens Plagen getrost und willig tragen und thun, wie mein Erlöser that. 9. Nie will ich wieder schel⸗ ten, nie Spott mit Spott vergelten, nie, wenn ich leide, dräun. Selbst Un⸗ recht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden, wie du, von Herzen gern verzeihn! 10. Gerührt von deinen Plagen will ich mit Ernst entsagen dem, was dir nicht gefällt; was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, gefiel es auch der ganzen Welt. 11. Und . ùñπι⁸⁰n:N 11 Werke und Wohlthaten Gottes. 11. Und soll ich endlich sterben, so laß dein Reich mich erben, mich so getrost, wie du, in deine Vaterhände den Geist an meinem Ende empfehlen zu der ewgen Ruh. Mel. Befiehl du deine Wege 163 Der du voll Blut und Wunden für uns am Kreuze starbst und unsern letzten Stunden den höchsten Trost erwarbst; der du dein theures Leben, noch eh ich war, auch mir zur Rettung. hingegeben, mein Heil, wie dank ich dir! 2. Wie viel hast du erdul⸗ det, erhabner Menschensohn, als du, der Nichts verschul⸗ det, empfingst der Sünder Lohn! Da folgte Schmer auf Schmerzen; da traf dich Schmach auf Schmach: da lag auf deinem Herzen Angst, die das Herz dir brach. 3. Entblößt von allem Reize, der Menschen wohl⸗ gefällt, hingst du an deinem Kreuze ein Fluch vor aller Welt. Dich flohen deine Freunde; du warst der Leute Spott; dich höhnten deine Feinde: Wo ist denn nun dein Gott? 4. Wer kann dir nachem⸗ pfinden den Schmerz, die Todesangst, mit welcher du, von Sünden uns zu erretten, rangst? Die Last gehäufter Plagen fiel da so schwer auf dich, daß sie dich drang zu klagen: Gott, wie ver⸗ läßt du mich! 5. Ach, diese Last und Mü⸗ he hab ich auch dir gemacht! O mein Erlöser, siehe vom Throne deiner Macht in Gnaden auf mich Armen, der sie verschuldet hat, und hilf mir aus Erbarmen von meiner Missethat 6. Ich will auf dich stes sehen mit aller Zuversicht; wohin soll ich sonst gehen? Verwirf nur du mich nicht! Wo soll ich Ruhe finden, wenn du mich, Herr, ni liebst? wo Reinigung von Sünden, wenn du sie mir nicht gibst? 7. Du hast mir durch dein Leiden zur Tugend uth und Kraft, in Trübs al Trost und Gafst. die ewig sind, verschafft. O gib an dieser Gnade auch meinem Glau⸗ ben Theil und auf des Le⸗ bens Pfade mir Muth, Kraft, Trost und Heil! 8. Soll ich, o Herr, einst scheiden, o so verlaß mich nicht; sei du in Todesleiden mein Trost, mein Heil, mein Licht! Wenn mir am aller bängsten wird um das Her⸗ e sein, so reiß mich aus en Aengsten kraft deinen Angst und Pein! 9. Laß du mein ganzes Hoffen dann in Erfüllung gehn äCU—.——.2 Erlösung. gehn und mich im Geiste offen, Herr, deinen Him⸗ mel sehn! Mit heiligem Ent⸗ zücken will ich dann glau⸗ bensvoll nach dir, mein Hei⸗ land, blicken. Wer so stirbt, der stirbt wohl! In eigener Melodie. 16 4 A/ sieh ihn dul⸗ den, bluten, sterben! O meine Seele, sas ihm frommen Dank! Sieh Gottes eingen Sohn dort sterben, weil Menschenliebe ihn so heftig drang! Wo ist ein Freund, der je, was er, gethan, der so, wie er, für Sünder sterben kann? 2. Ja, mir zum Trost und ihm zur Ehre gereicht sein ganzer Kampf, sein Kreuzes⸗ tod; bestätigt ist nun seine Lehre: ich baue fest darauf in jeder Noth. Unschuldig litt er zwar; doch Preis und Ruhm ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. 3. Mich soll das Beispiel Jesu lehren, der frommen Unschuld Lohn sei Seligkeit. Auch ich will Gott durch Tu⸗ gend ehren und willig thun, was sein Gesetz gebeut. Die Pflicht des Danks dringt in⸗ nig mich dazu, und Tugend gründet wahre Seelenruh. 4. Nie will ich mich am Feinde rächen; auch dieß lehrt Jesu hohes Beispiel mich: in bange Klagen nie 119 ausbrechen, verlör auch gleich mein Pfad im Dunkel sich. Durch Leiden ging zum Ziele Jesus hin; ich folge ihm, weil ich sein Jünger bin. „Was fürcht ich noch des Todes Schrecken? Im Grabe schlief auch einst der Menschenfreund. Mag Erde meine Asche decken, wenn einst des Todes dunkle Nacht erscheint: der Gott, der ihm das Leben wiedergab, ruft einst auch mich aus meinem dunklen Grab. 6. Nimm hin den Dank für deine Liebe, mein Ret⸗ ter, den mein ganzes erz dir bringt! Dort dank ich dir mit reinem Triebe, wenn dich mein Geist unsterblich einst besingt. Dann stimmen alle Selgen fröhlich ein; dann soll der ganze Himmel Zeuge sein! Mel. Wer nur den lieben Gott 16 5 Er starb, der größ⸗ te Freund der Tugend, er starb, von seinem Volk verkannt, das nicht in ihm den Freund der Ju⸗ gend, des Mannes und des Greises fand; in ihm, der nie auf Rang und Pracht, nur Anspruch auf das Herz gemacht 2. Wie aber werden wir erkennen, daß wir den größ⸗ ten Menschenfreund nicht auch, wie einst sein Vo, ver⸗ 120 verkennen, daß unser Herz es besser meint mit Jesu, dessen Tod uns rührt, dem unser ganzer Dank gebührt? 3. Wenn seinem liebe⸗ vollen Herzen auch unser Herz an Liebe gleicht; wenn Unter Leiden, unter Schmer⸗ zen es nie von seinen Pflich⸗ ten weicht; wenn wir dem Feinde selbst verzeihn und ihn mit Rath und Trost erfreun. 4. Wenn wir stets rei⸗ nes Herzens leben: wie Je⸗ sus uns der Tugend weihn, und unser eifrigstes Bestre⸗ ben nur das ist: Gott er⸗ geben sein; und wenn wir jede böse That vermeiden, wie es Jesus that: 5. Dann können wir den Trost uns geben, daß unser Herz ihn ehrt und liebt, und hoffen, daß nach diesem Leben Gott jene Seligkei uns gibt, mit der er in der Ewigkeit den, der die Tu⸗ gend ehrt, erfreut. In voriger Melodie. 166 Di Bester aller Menschenkin⸗ der, wie martert dich voll blinder Wuth der Frevel ausgelaßner Sünder! Aus allen Adern strömt dein Blut, und tiefer, nie ge⸗ fühlter Schmerz durchdrin⸗ get Glieder, Sinn und Herz. 2. Doch Sanftmuth ist dein Herz Werke und Wohlthaten Gottes. in deinen Mienen, in deiner Seele Zuversicht; du flehst: Vergib, o Vater! ihnen: was sie jetzt thun, verstehn sie nicht! Und ruhig, bis dir brach, trugst du des Kreuzes Qual und Schmach. 9 75 3. Dein hohes Beispiel soll mich lehren, das Un⸗ recht dulden und verzeihn. Will Rachsucht meinen Geist empören, Gekreuzigter, dann denk ich dein, wie du, ge⸗ martert und geschmäht, für deine Peiniger gefleht. 4. Wie sollt ich nun nicht Alle lieben, für welche du gestorben bist? Wie könnt ich Einen noch betrüben, für den du littest, Jesu Christ? Wie nun nicht freudig Gu⸗ tes thun und still in Gottes Willen ruhn? ö 5. Schreckt mich der Lohn t der Uebertreter und quält die Schuld der Sünder mich; dann denk ich, göttlicher Vertreter, mit froher Zu⸗ versicht an dich. Auch mir, auch mir hat dein Gebet Begnadigung und Heil er⸗ fleht. Mel. Herzlich lieb hab ich dich 167 Un Gnade für die Sünder⸗ welt rufst du, mein Heih am Kreuz, gequält von re cher Sünder Rotten. Du blutet das bedrängte Heu wenh Erlösung. wenn dich bei deinem her⸗ ben Schmerz die Bösewich⸗ ter spotten. Du siehst mit segensvollem Blick von ih⸗ nen weg auf den zurück, den diese Schaar in dir entehrt; rufst, daß es Erd und Himmel hört: Vergib, o Gott, und führe nicht sie ins Gericht; denn was sie thun, verstehn sie nicht! 2. Erstaunend seh ich diese Huld. Wie mitleidsvoll ist die Geduld, die Mörder so erträget! Ihr, die ihr euren Heiland ehrt, fühlt sei⸗ ner Großmuth hohen Werth und danket ihm beweget! Er hat durch segnendes Ge⸗ bet auch uns ein ewig Heil erfleht. Er sagt auch uns zu unsrer Ruh, Erbarmung und Vergebung zu. Herr Jesu Christ! Gelobt seist du für deinen Tod! Gott dich auch unser 3. Daß Gott mit Lang⸗ muth und Geduld, auch selbst bei sehr gehäufter Schuld, der Sünder dennoch schonet; daß er so liebreich ihrer denkt und ihnen Frist zur Buße schenkt, eh nach Ver⸗ dienst er lohnet; daß ich noch fröhlich sagen kann: auch mich, mich Sünder, nimmt Gott an, hast du durch deines Fürspruchs raft mein treuer Heiland, mir verschafft. O Jesu ist durch Gott! 121 Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! ver⸗ tritt du mich bis an den Tod! 4. Wird je mein Herz von Troste leer, weil mei⸗ ner Sünden furchtbar Heer aufs neue mich erschrecket, o dann versichre mich aufs neu, du stehest mir als Mittler bei, der meine Schuld bedecket! Mein Geist blickt glaubensvoll auf dich. Sei du mir nur nicht fürch⸗ terlich! Und schließt sich meine Pilgrimschaft, so stär⸗ ke mich mit neuer Kraft, derr, Jesu Christ! Der letzte ampf wird mir versüßt, wenn du mein Trost im Tode bist. 5. Den sanften liebevollen Sinn, daß ich ein Freund der Feinde bin, flöß, Herr, in meine Seele; gib, daß bei der Verfolgung Schmerz ich dir des Feindes hartes Herz und meine Sach em⸗ pfehle. Besänftige mein re⸗ ges Blut, und flammt des Zornes wilde Gluth mein Herz zur Rachbegierde an: .so erinnre mich daran, Herr Jesu Christ, wie du am Kreuz durch dein Gebet selbst deinen Mördern Gnad erfleht! 6. Mich tröste dein Ver⸗ söhnungstod; es bilde mich dein Geist, mein Gott, daß ich dir ähnlich werde! O F zeuch 12² Werke und Wohlthaten Gottes. zeuch mich, du erhöhter Vaters Willen, auch wann Dien zu dir hinauf vom er Leiden vor sich sah, durch jenst der Welt, zum Him⸗ Lehr und Thaten zu erfül⸗ ö mel von der Erde, Du bist len, fühlt er sich nun dem ö der Deinen Schutzpanier. Ziele nah und, Demuth auf Zeuch dir uns nach, so lau⸗ dem Angesicht, freut er sich fen wir, so wollen wir uns der vollbrachten Pflicht. deiner Pein und deiner Für⸗ 5. Jetzt nähert sich die bitt ewig freun. Herr Jesu ernste Stunde, wo Mancher Christ! wie selig ist, wie schon nicht Fassung hielt; selig ist der Mensch, dem doch seht, wie er, mit Gott du ein Heiland bist! im Bunde, getrost ihm sei⸗ nen Geist empfiehlt und Mel. Wer nur den liehen Gott unsrer Seelen hohen Werth 168 O deinen 5. zu durch dieses letzte Wort ver⸗ einen Höhen klärt. erheb ich andachtsvoll mein 6. So stirbt denn Jesus, Herz. Ich will den Heil⸗ seine Lehren von Tugend gen Gottes sehen in seines und Unsterblichkeit der Welt Opfertodes Schmerz; ich als göttlich zu bewähren, und will für seine Todespein macht die Seinigen bereit, mein ganzes Leben ihm nur Verkündiger des Worts zu weihn. sein und weder Schmerz, 2. Wie rührend scheidet noch Tod zu scheun. ö der Gerechte, im Tod als 7. Er stirbt, der Wohl⸗ Gottes Sohn bewährt! thun ausgebreitet, oft Nächte Zwar leidet er den Tod im Gebet durchwacht, der der Knechte, von Frevlern Irrende zu Gott geleitet noch am Kreuz entehrt; und Leidende gesund ge⸗ doch seines Muths Erhaben⸗ macht! So freudenvoll stirbt heit zeugt. laut von seiner auch der Christ, dem Jesus Göttlichkeit. Licht und Beispiel ist. 3. Er fleht für die, die 8. Schon viele tausend ihn verkannten, mit himm⸗ Fromme schieden dir, Jesu, lischer Gelassenheit; bemerkt nach mit Freudigkeit, em⸗ die traurigen Berwandten pfanden jenen Seelenfrit und sorgt für sie voll Zärt⸗ den, den nur die Tugend lichkeit; spricht hohen Trost uns verleiht. Ihr will 1 und Fried und Ruh den denn mein Leben weihn, kummervollen Seelen zu. so wird mein Tod wie dei⸗ 4. Stets eifrig, seines ner sein. 0 Wo trt er ** und Erlösung. In voriger Melodie. 169 Seht, Christen, ö sehet Jesum scheiden, wie er im Tode standhaft ist, wie nach den hängsten Erdenleiden sein Auge sich so ruhig schließt; wißt, daß, wer die Tu⸗ gendbahn stets wandelt, ruhig sterben kann! 2. Die Welt mit ihrer Lust verachten, des Reich⸗ thums eitlen Glanz ver⸗ schmähn und Tugend über Alles achten, in jedem Tu⸗ gendkampf bestehn:dasmach⸗ te, daß auf Golgatha man Jesum ruhig sterben sah. 3. Des ewgen guten Va⸗ ters Willen durch seine ganze Lebenszeit treu und gewis⸗ senhaft erfüllen, war Jesu größte Seligkeit. Ihn schreck⸗ te Grab und Zukunft nicht; denn Gott war seine Zu⸗ versicht. 4. Er liebte herzlich seine Brüder selbst noch im letz⸗ ten Augenblick: schallt nie, ward er gescholten, wieder; beförderte des Feindes Glück. Und diese Menschenfreund⸗ lichkeit gab sterbend ihm noch Heiterkeit. 5. Auf! laßt an Jesu gesus, nur der Tugend ans Dann strahlt auch un 123 wann sterbend unser Auge bricht. In voriger Melodie. 170 Eꝰ ist vollbracht! so ruft am Kreuze des sterbenden Er⸗ lösers Mund. O Wort, voll Trost und Leben, reize zur Freude meines Herzens Grund! Das große Opfer ist geschehn, das Gott auch mir zum Heil ersehn. 2. Mein Jesus stirbt, die Felsen beben, der Sonne Schein verlieret sich, in Todte dringt ein neues Le⸗ ben, der Heilgen Gräber öffnen sich, der Vorhang reißt, die Erde kracht, der Welt Versöhnung ist voll⸗ bracht. 3. Wie viel, mein Heil, hast du vollendet, als dir das Herz im Tode brach! Du hast den Fluch hinweg⸗ gewendet, der auf der Welt voll Sünder lag, und uns die Bahn durch Todesnacht zur frohen Ewigkeit gemacht. Dankvolle Thränen, netzt die Wangen! Mein Glaube sieht nun offenbar die Schuldschrift an dem Kreuze hangen, die wider meine Seele war. Er, den mir Gott zum Trost ge⸗ macht, rief auch für mich: Es ist vollbracht! 5. O hilf mir, Herr, nun F 2 auch 124 auch vollbringen, was wahre Dankbarkeit begehrt! Laß nach der Heiligung mich rin⸗ gen, dazu dein Tod mir Kraft gewährt! O stärke mich dazu mit Macht, bis meine Beßrung ist vollbracht! 6. Du littst so viel zu meinem Leben. Wie sollt ich nicht voll Eifer sein, mi deinem Dienste zu ergeben? Sollt ich dabei vor Schmach mich scheun? Dein Dienst, mein Heiland, sei mein Ruhm: denn ich bin ganz dein Eigenthum. 7. Soll ich, bei dir ergeb⸗ nem Herzen, auch hier durch manche Trübsal gehn, und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu meiner Prü⸗ fung ausersehn; so laß die Hoffnung mich erfreun: auch das wird einst geendigt f ein! 8. Ja, fühlt mein Herz des Todes Schrecken, so stär⸗ ke mich in solcher Last: laß mich den Trost auch sterbend schmecken, daß du ihn über⸗ wunden hast! So tret auch ich in Todes Nacht mit dem Triumph: Es ist vollbracht! In eigener Melodie. 171 S schlummerst du in stiller Ruh, der du für uns ge⸗ storben, uns am Kreuz in schwerer Müh ewges Heil erworben! 2. Du bist erblaßt, o Herr, Werke und Wohlthaten Gottes. und hast doch in dir selbst das Leben. Gleich als Sterbliche hält dich nun das Grab umgeben. 3. Doch Heil sei mir! Herr, du willst hier nicht die Verwesung sehen; son⸗ dern bald aus eigner Kraft. aus dem Grabe Iumn 4. Ich weiß, du wirst, mein Lebensfürst, wie dich, auch mich erwecken. Sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Hier werd ich bis du erscheinst, in sanftem Frieden liegen; denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Ihr, die die Welt ge⸗ fesselt hält, zagt nur vor der Verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst meines Leibs Erlösung. 7. Nein, Nichts verdirbt! Selbst das, was stirbt, der Leib wird auferstehen und zu immelsglanz verklärt aus dem Grabe gehen. 8. So sink ins Grab mein Leib hinab; ich will mich drum nicht kränken Jesu, an dein Grab will ich mir zum Trost gedenken. In voriger Melodie. einst, 172 m Kreuz er⸗ blaßt, der Martern Last, des Todes Qualen müde, findet 907 Erlösung. Erlöser erst in dem Grabe Friede. 2. Ein heilger Schmerz durchdringt mein Herz. und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich tiefgerühret⸗ schlagen. 3. Du schützest mich, und über dich gehn aller Trüb⸗ sal Wetter; sterben wolltest du für mich, einziger Erretter. 4. Du hasts gethan: dich bet ich an, du König der Erlösten! Dein will ich im Tode mich glaubensvoll ge⸗ trösten. ö 5. Es ist vollbracht! riefst du mit Macht; du zeigst, daß du dein Leben, mein Versöhner, göttlich frei ha⸗ best hingegeben. 5. Hochheilge That! des Höchsten Rath will ich in Demuth ehren; der Erwer⸗ ber meines Heils wird mirs einst erklären. 7. Allmächtig rief er, der entschlief, den Todten, sie erstanden. Leicht entschwingt der Lebensfürst sich des To⸗ es Banden. 8. Das finstre Thal will ich einmal durchwandeln Ihne Grauen; denn durch dich, Erlöser, ists mir der fad zum Schauen. 9. Ich preise dich: erfor⸗ sche mich und siehe, wie ichs meine; ja, du siehst es wenn ich still meinen Dank e dir weine. 12⁵ 10. Vergeß ich dein, so werde mein in Ewigkeit ver⸗ gessen! Herr, ich will, so⸗ lang ich bin, deine Lieb er⸗ messen. Mel. Nun laßt uns den Leib 17 3 A5 endlich, Dul⸗ der, findest du ein stilles Grab zu deiner Ruh, das nach der Noth, die dich gedrückt, mit sanftem Schlummer dich erquickt! 2. Wohl dir, daß du ge⸗ funden hast, wo, nach des heißen Tages Last, dein Haupt du legtest, einmal nun von langer Arbeit auszu⸗ ruhn! 3. Nicht modernder Ver⸗ wesung Raub wird, Heili⸗ er des Herrn, dein Staub. lus dunklen Todesnächten bricht bald deiner Aufer⸗ stehung Licht. 4. O daß, wann einst mein ewger Geist der Erdenhülle sich entreißt, auch ich von edlen Thaten ruh, auch Ruh verdiene, Herr, wie du! Auferstehung Jesu. (Osterlieder.) Mel. Wer nur den lieben Gott 174 Heil ihm, dem Todesüberwin⸗ der! Aus seiner Gruft geht er hervor. Als Retter der F 3 ver⸗ Erlösung. Lüsten widerstreben. Er ver⸗ läßt den Schwachen nicht; dieß ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bin ge⸗ wiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, keine Herr⸗ lichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird er mei⸗ ner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuver⸗ sicht! Mel. Vom Himmel kam der 1 76 Dich bet ich an, er⸗ standner Held, Erretter einer Sünde rwelt; du, unsre Zuflucht für und für, froh huldigt meine Seele dir! 2. 62.glänt Wahrh— ewig steht, glänzt Wahrheit, Heib und Majestät. Ich nahe mich voll Zuversicht zu dir; denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr, meine Seele prei⸗ set dich! Erlöst, erlöset hast du mich, so wahr du selbst vom Himmel kamst, dein Leben gabst und wieder nahmst. 4. Wer ists, der mich ver⸗ dammen kann? Ich glaub an dich und* dann: der Gott, durch den die Him⸗ 127 mel sind, der ist mein Va⸗ ter, ich sein Kind. 5. Nun ist dieß erste Le⸗ ben mir ein segenreicher Weg HBer Solang ich hier bin, Herr, mein Heil, hab ich an deinem Frieden Theil. 6. Holdselig sprachst du: Erde, sei der Schauplatz meiner Huld und Treu! Wir sehen deine Huld und Treu auf deiner Erde täglich neu. 7. Zwar trifft noch man⸗ cher Schmerz uns hier; noch, 0 Erbarmer, sterben wir! Doch du regierst; und wir sind dein, und Herr! wir werdens ewig sein! 8. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! Du Trost, der meinen Geist erhebt, ich seh, durch dich gestärkt, aufs Grab mit unerschrocknem Aug hinab. 9. Welch neue Welt voll Seligkeit erwartet mich nach dieser Zeit! dort findet der verklärte Christ das Heil, das unaussprechlich ist. 10. Der du für unsre Seelen wachst, sie zu dir ziehst und selig machst, laß mich mit freudigem Vertraun im Tod auf dich, Vollender, schaun. Mel. Wer nur den lieben Gott 1 76 7 Auf, meine Seele, Wauf zur Freude! denn dein Erretter, Jesus, lebt, der dich nach überwund⸗ F4* nem 128 nem Leide einst zur Unsterb⸗ lichkeit erhebt. Halt im Ge⸗ dächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 2. Denk lebend ihn, wenn dich die Sünde mit der Ver⸗ suchung überfällt. Er lehrte dich die stärksten Gründe, sie zu besiegen und die Welt. Galt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 3. Denk ihn im Leben, wenn die Bürde des Stan⸗ des und Berufs dich drückt, denn wer sie trägt, wird einst mit Würde zum Lohne seines Kampfs geschmückt. alt im Gedächtniß Jesum Thrist, der von dem Tod erstanden ist! 4. Fühlst du die Schmer⸗ zen harter Leiden, denk, wies dem frommen Dulder ging. Sein neues Leben ist voll Freuden, die er von Gott zum Lohn empfing. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 5. Dich schrecket Tod und Grabeshöhle Denk ihn, den Sieger, der erstand; im Tode stärke deine Seele mit Hinblick in das beßre Land. Gant im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 6. Du weinst beim Grabe deiner Lieben, wie Jesu Schüler ihn beweint; doch, Werke und Wohlthaten Gottes. wie sie nicht verlassen blie⸗ ben, wird auch mit dir dein Freund vereint. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, it von dem Tod erstanden ist! 7. Ja, ewig werth sei dir das Leben des Ueberwinders Jesu Christ! Folg ihm, so wird er dir auch geben die Stärkung, die dir nöthig ist. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! Mel. Christ lag in Todesbanden 17 8 Briugt Preis und Ruhm dem Heiland dar! Frohlockt ihm, alle Frommen! Er, der für uns getödtet war, der ist dem Grab entnom⸗ men. Sei gelobt, o Jesu Christ, daß du für uns ge⸗ auferstanden! Halleluja! 2. Dein Leben in der Maje⸗ stät befestigt unsern Glauben. Wer kann nun, da dich Gott erhöht, den großen Trost uns rauben, daß du von der Sünde Macht Be⸗ freiung hast ans Licht ge⸗ bracht, den Himmel hast geöffnet? Halleluja! 3. Gott selbst, dem Grab entrückt, hat dem, was du gelehret, der Wahr aufgedrückt und heit Siegel dich als Sohn geehret. Dei⸗ nes Todes hohen Werth hat er der dich storben bist und siegreich Erlösung. er aufs herrlichste erklärt, da er dich auferwecket. Halleluja! 4. Erstandner, ich froh⸗ locke dir; mein ist dein Sieg und Leben! Du lebst und herrschest, um auch mir ein ewges Heil zu geben, mei⸗ ner Seele Trost zu sein, zur Tugend Kraft mir zu verleihn und mich zu Gott zu führen. Halleluja! 5. Mein Herr, mein Heil, hilf mir dasu, befreie mich von Sünden Laß mich für meine Seele Ruh im Frieden mit Gott finden! Iflanze deinen Sinn in mir, damit ich, Gott ergeben, hier als dein Erlöster wandle! Hal⸗ leluja! 6. Dein ist das Reich; dein ist die Macht, Verstorb⸗ ne zu erwecken. Du rufst einst, und der Gräber Nacht wird Todte nicht mehr decken. Wie du auferstanden bist, so werd auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst aufer⸗ stehen. Halleluja! 7. O laß, solang ich hier noch bin, mich treu im Glau⸗ ben wandeln und jederzeit nach deinem Sinn rechtschaf⸗ fen sein und handeln, daß ich, wann ich aufersteh und dich, der Menschen Richter, seh, vor dir nicht angstvoll bebe! Halleluja Da, wo du bist, soll auch dein Freund, mit Herr⸗ 129 lichkeit umgeben, mit allen Seligen vereint, durch Ewig⸗ keiten leben. Laß dieß Heil mein Erbe sein, so werd ich ewig deß mich freun, daß du vom Tod erstanden! Halleluja! Mel. Jesu, meine Freude 179 A des Grabes Banden ist der Höch erstanden, er, des öchsten Sohn. Jesus hat gesieget; Alles, Alles lieget unter seinem Thron. Unser Freund hat jeden Feind unsrer Seligkeit bezwungen: Lob sei ihm gesungen! 2. wie hoch erhoben lebt nun Jesus oben in der Herrlichkeit! Seiner Herr⸗ scherehre jauchzen Engel⸗ chöre, ihm zum Dienst be⸗ reit. Er hat nun„ uns wohlzuthun und sein Heil uns zuzuwenden, alle Macht in Händen. 3. Freu dich deß, o Seele, bring ihm Preis und wähle ihn zum Führer dir! die sichern Pfade zu Höchsten Gnade bringt er dich schon hier. Welche Ruh strömt dann dir zu! Und wie wird zum höhern Le⸗ ben er dich einst erheben! 4. Eitelkeit der Erde, flieh von mir! Ich werde nie dein Sclav, o Welt! Unter allen Gaben wünsch ich Nichts zu haben, als was F 5 Gott 130 Gott gefällt. Mich erquickt, wenn Roth mich drückt, dort nach überstandnen Leiden Gott mit seinen Freuden. 5. Sterb ich: meine Seele, die ich Gott empfehle, steigt zu ihm empor. An des Heilands Throne strahlt des Sieges Krone glänzend mir hervor. Mögt ich hier do mehr nach ihr, als na allen eitlen Dingen dieser Erde ringen! 6. O der hohen Freude, wenn im Siegeskleide der Erlöste prangt! Herr, zu deinen Frommen und zu dir zu kommen, ist, was mich verlangt! Hilf du mir, daß ich bei dir einst in steter Wonne lebe und dich froh erhebe! Mel. Vom Himmel kam der 180 rinnre dich, mein Geist, erfreut des hohen Tags der Herr⸗ lichkeit; Hris im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist. 2. Fühl alle Dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien, als spräch er: Friede sei mit dir! So freue dich, mein Geist in mir! 3. Schau über dich und bet ihn an; er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt und herrscht mit Gott ver⸗ eint, er ist dein König und dein Freund. Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar dem, der da ist und der da war! Sein Name sei gebenedeit von nun an bis in Ewig⸗ keit! 5. O Glaube, der das Herz erhöht! Was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit der ver⸗ gleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht? 6. Vor seinem Thron in seinem Reich, unsterblich, heilig, Engeln gleich und ewig, ewig selig sein, Herr, welche Herrlichkeit ist mein! 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr, Lieb und Ver⸗ wundrung kämpft in mir, und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, fall ich, Herr, auf mein Angesicht. 8. Du, der du in den Himmeln thronst, ich soll da wohnen, wo du wohnst, und du erfüllst einst mein Vertraun, in höherm Lichte dich zu schaun! 9. Ich soll, wann du, des Lebens Fürst, in Wol⸗ ken herrlich kommen wirst, erweckt aus meinem Grabe gehn und rein zu deiner Rechten stehn! 10. Mit Engeln und mit Seraphim, mit Thronen und mit Cherubim, mit allen Frommen aller Zeit soll ich mich freun in Ewigkeit! 11. 30 Herz Erlösung. 11. Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm erhebt uns doch das Christenthum! Mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn, sind wir auch aufer⸗ standen schon. 12. Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir schuldig bin, da⸗ mit ich mich in Lieb und Treu zu deinem Bilde stets erneu 13. Er ists, der Alles in uns schafft; sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! Mel. Was Gott thut, das ist 1 8 1 Ffeu ihr Chri⸗ sten, Jesus lebt! Lobsingt dem Ueberwinder! O betet an; erhebt, erhebt den Retter aller Sünder! Er starb für sie; er starb für uns. Heil uns, nun lebt er wieder für alle seine rüder! 2. Er lebt! Er lebt! O weiht ihm Dank mit reiner, frommer Seele! Ihn preise jeder Festgesang und jedes erzähle, wie viel er litt, wie gern er starb, um tausend Seligkeiten uns Armen zu bereiten! 3. Er starb, geschmückt mit Heiligkeit, er starb von revlerhänden! Wo waltet ier Gerechtigkeit? Wie konnt er hier schon enden? O 131 Christen, jauchzt! Er ist erhöht! Er drang durch Todesnächte an seines Va⸗ ters Rechte. 4. Besiegt ist seiner Feinde acht und er mit Ruhm gekrönet. Er hat sein großes Werk vollbracht und uns mit Gott versöhnet. Wer an ihn glaubt, wird selig sein. O laßt euch diesen Gläuben durch keine Leiden rauben! 5. Schaut hin zu seiner Herrlichkeit und lernt als Helden leiden! S aut hin! Die Leiden dieser Zeit sind Keime hoher Freuden. Seid unverzagt! Seid hoffnungs⸗ voll! Nach wenig bangen Stunden ist Alles über⸗ wunden. 6. Was ist der Tod? Ein Schlaf ist er. O sanfter Schlaf des Müden! Bald Herr ein schönrer Tag da⸗ ger; dann stehn wir auf im Frieden. O Tag des Danks! O Tag des Heils!l Gern wol⸗ len wir nun sterben; wir wissen, was wir erben. 7. Erstandner, gib nur, daß wir hier auf deinen Pfa⸗ den wandeln Und stets mit reinster Dankbegier als Kin— der Gottes handeln! Un⸗ sterblich sein, unsterblich sein und einst dir näher kom⸗ men: o welch ein Lohn der Frommen! ö 6 Mel. 132 Mel. Erschienen ist der herrlich 182 Er ist erstanden! Jesus Christ, der unser Trost und Helfer ist. Als Sieger trat er auf den Staub, hinfort nicht mehr des Todes Raub. Frohlocket ihm! 2. Er hat erfüllt, was er verhieß, eh er für uns sein Leben, ließ: Drei Tage sollen nicht vergehn, so wer⸗ det ihr mich wiedersehn. Er hats erfüllt. 3. Ich lebe, sprach er, und auch ihr sollt leben, selig sein mit mir. Ich tomme, meine Stimme ruft auch euch, ihr Lieben, aus der Gruft zur Herrlichkeit. 4. Er wirds erfüllen, Je⸗ sus Christ, der selbst vom Tod erstanden ist! Er weckt auch mich, und volles Heil ist dann gewiß bei ihm mein Theil in Ewigkeit. 5. Auch führt er nach des Grabes Ruh mir meine frommen Freunde zu. Er⸗ wachen werden wir zugleich, uns wiedersehn in seinem Reich. Gott, welch ein Tag! 6. Wie sollt ich, Herr, den Tod noch scheun? Nein, fromm will ich mich seiner freun, dich preisen noch an meiner Gruft, wenn liebreich deine Stimme ruft: Ent⸗ schlafe nun! 7. Gib nur, daß ich im Glauben treu und treu in Werke und Wohlthaten Gottes. meinem Wandel sei! So komm ich nicht in dein Ge⸗ richt, wenn deine Stimme zu mir spricht: Erwache nun! 8. Herr, rufe mich, wann dirs gefällt, von dieser un⸗ vollkommnen Welt undführe mich an deiner Hand einst in das beßre Vaterland! Preis ewig dir! Mel. Kommt, kommt den 1 83 Lobsner⸗ meine Seele, dem Welterlöser, bet ihn an! Lob⸗ sing ihm und erzähle, was er aus Huld für dich gethan! Er hat für dich gerungen; ö durch seine Macht hat er des Todes Macht bezwungen ö und seiner Schrecken Heer. Du darfst nun nicht mehr beben; sein Sieg hat dich befreit. Dein ist unsterb⸗ lich Leben, Gottes Seligkeit. ů 2. Froh führte Gottes Sonne den festlich hohen Tag herauf. Da stand, belohnt mit Wonne, nach kurzem Schlaf mein Jesus auf. Ge⸗ danke, der zu Freuden des Himmels mich erhebt! Ge⸗ danke, der in Leiden mein Herz mit Trost belebt; der schönsten Zersiörun Quelle, wenn die Zerstörung droht! Wo ist dein Sieg, o Hölle! Wo ist dein Stachel, Tod? 3. Der Felsen Grund er⸗ bebet; die Hüter fliehn 5 r, ra dein Erlösung. Grab ist leer. Der todt war, Jesus, lebet und geht vor seinen Freunden her! Die schwachen Jünger wanken; er stärkt die Wankenden. Sie sehn ihn, freun sich, danken dem Auferstandenen. Sie sehn empor ihn steigen und gehn, wie er gebot, mit sreuden hin und zeugen von ihm bis in den Tod. 4. Herr, deine Boten sie⸗ gen, von dir und deinem Geist belehrt; die Götzen⸗ tempel liegen, der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich Chritt bin freudenvoll ein Christ. Ihn bet ich an im Staube, ihn, der mein Retter ist. Ich werd ihn ewig schauen, wann er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Vertrauen; er starb für mich und lebt. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 184 Vom Todesthal hinauf zu Gott erhebt sich mein Gesang dem Sieger über Grab und Tod erschallet laut mein Dank. 2. Die Sonn in ihrer Majestät erhellet kaum die Nacht, als Jesus Christus aufersteht und herrlicher er⸗ wacht. ö „Die Erde bebte, als der Held aus seinem Grabe stieg; hinauf bis zu dem Sternenzelt erschallete sein ieg. 133 4. Fallt nieder vor ihm in den Staub, der sich dem Grab entschwang! Er ist nicht mehr des Todes Raub: Erlöste, singt ihm Dank! 5. Sein großes Werk ist nun vollbracht; errungen ist sein Sieg, weil er aus sei⸗ ner Todesnacht empor zum Leben stieg. 6. Heil, Leben und Un⸗ sterblichkeit, im Tode Trost und Ruh und Hoffnung ho⸗ her Seligkeit ruft uns sein Grabmal zu. 7. Gedanke, der das Herz erhöht; wir werden aufer⸗ stehn; auf Hoffnung in das Grab gesäet, um schöͤner auf⸗ zugehen! ö 8. Heil dir, wenn dieser Hoffnun Licht dein Herz für ihn durchglüht, dich stärkt zu jeder ristenpflicht und ganz zu ihm dich zieht! 9. O Auferstehungsfest, du bist des bessern Lebens Pfand! Dich feire dankbar jeder Christ, der deinen Trost empfand. Christi Heimgang zum Vater und Verherr⸗ lichung. (Himmelfahrtslieder.) Mel. Freu dich sehr, o meine 185 Hm Glau auf zu deiner Herr⸗ 134 lichkeit: doch mich drücken noch die Leiden dieses Lebens, dieser Zeit. Gib mir, Jesu, Muth und Kraft, daß ich meine Pilgerschaft so in dir zurückelege, daß ich stets dein bleiben möge! 2. Laß mir deinen Geist zurücke, dir mein ganzes Harß zu weihn! Wenn ich nach dem Himmel blicke, laß mich seinen Trost erfreun! Steigt mein Flehn zu dir hinauf, helf er meiner Schwachheit auf, und du selber wollst im Beten bei dem Vater mich vertreten! 3. Lehre mich die Welt verachten und was in ihr Eit⸗ les ist, und nach dem, was dort ist, trachten, wo du, mein Erlöser, bist! Wol⸗ lust, Ehrsucht und Gewinn soll mich nicht zur Erde ziehn, da ich jenseits überm Grabe eine größre Hoff⸗ nung habe. 4. Diese müsse nichts mir rauben; du erwarbst sie theuer mir! Jetzo seh ich sie im Glauben; dort find ich sie selbst bei dir. Dort belohnst du das Vertrauen deiner Gläubigen durch Schauen und verwandelst ihre Leiden in unendlich große Freuden 5. Dort bereit auch mir die Stätte in des Vaters Hause zu! Rufst du frühe oder späte mich zu meines Grabes Ruh, so erleuchte Werke und Wohlthaten Gottes. du die Nacht, die des Todes Thal mir macht! Du hast ja den Tod bezwungen und den Sieg für uns errun⸗ gen. 6. Kommst du endlich glor⸗ reich wieder an dem Ende dieser Zeit, o so sammle mei⸗ ne Glieder aus dem Staub zur Herrlichkeit! Heilge und verklär sie ganz, daß der Leib in Himmelsglanz, frei von diesem Staub und Erde, ähnlich deinem Leibe werde! Mel. Herr, wir singen 186 eber aller Him⸗ mel Heere er⸗ hebst du dich in Sieg und Ehre, du Geber der Unsterb⸗ lichkeit! Engel singen Freu⸗ denlieder, und alle die er⸗ lösten Brüder verehren dei⸗ ne Herrlichkeit. Du, du bist Gottes Sohn! Gott hebt dich auf den Thron seiner Ehre! Wir stehn von fern, freun uns des Herrn, vertraun und dienen ihm nun gern. 2. Der du, deines Vaters Willen zu unserm Heile zu erfüllen, gehorsam warst bis in den Tod, du regierst nun auf dem Throne; Gott gibt dir seine Welt zum Lohne; dich nennt dein Volk nun Herr und Gott! Erhöhter Gottessohn, wie herrli ist dein Lohn nach dem Sie⸗ ge! wir folgen dir mit den en * * 2— —————————————— Erlösung. den hier; einst lohnet Gott auch uns, wie dir. 3. Deine trauernden Er⸗ lösten im Kampf zu stärken und zu trösten, gabst du vom Himmel deinen Geist. Gib auch uns in unsern Lei⸗ den den Geist des Trostes und der Freuden, den uns dein treues Wort verheißt! FEr zieh uns in dein Reich, mach unser Herz dir gleich, dir zu folgen! Du gingst voran; wir sehn die Bahn, die uns zum Himmel führen kann. 4. Uns die Stätte zu be⸗ reiten, um die wir 151 hier noch streiten, gingst du voran ins Vaterland. Herr⸗ lich wirst du wiederkommen; dann führst du alle deine Frommen mit dir hinauf ins Vaterland. Durch dei⸗ nen Mittlertod sind wir ver⸗ söhnt mit Gott. Wo du le⸗ best und Gott mit dir, da sol⸗ len wir auch mit dir leben für und für. 5. Welch ein Jubel wird es werden, wenn wir dich wiedersehn aller Majestät des Herrn! Das wird sein kein Tag des zebens, o nein, ein Tag des der Mel. Vom Himmel kam 18 Aeer ae 2. Sein Werk auf Erden ist vollbracht, zerstört hat er des Todes acht; er hat die Welt mit Gott versöhnt, und Gott hat ihn mit Preis gekrönt. 3. Weit über alle Himmel weit geht seine Macht und Herrlichkeit; ihm dienen selbst die Seraphim. Lobsin⸗ get ihm mit hoher Stimm! 4. Sein sind die Völker al⸗ ler Welt; er herrscht als sieggewohnter Held; er herrscht, bis unter seinem Fuß der Feinde Heer sich beugen muß. 5. Er schützet seine Chri⸗ stenheit, erhält sie bis in Ewigkeit. Er ist ihr Haupt, Lobsingetihm! Lobsinget ihm mit hoher Stimm! 6. Ja, Heiland, wir erhe⸗ ben dich 710 dein Gott er öht. denn Herr, Kraft und acht, und dein sind wir. Nimmst u dich unser hülfreich an; was ist, das uns ge⸗ 8. Dein 136 8. Dein Eingang in die Herrlichkeit stärk uns in unsrer Prüfungszeit, nur dir zu leben, dir zu traun, bis wir dereinst dein Ant⸗ litz schaun. ö Werke und Wohlthaten Gottes. 9. Dann werden wir uns ewig dein, du größter Men⸗ schenfreund, erfreun; dann singen wir von deinem Ruhm ein neues Lied im Heilig⸗ thum. Heiligung des Menschen durch den Geist Gottes. (Pfingstlieder.) Mel. Vom Himmel hoch, da 188 At sei dir, Gott, gebracht! Du hast uns diesen Tag gemacht. Dich preise, wer durch Jesum Christ erleuch⸗ tet und geheiligt ist! 2. Der Erdkreis lag in Nacht gehüllt, mit Wahn und Götzendienst erfüllt; da kam von deinem Angesicht dein Geist, mit ihm der Wahrheit Licht. 3. Auf Jesu Boten ließ er sich herab mit Segen sichtbarlich. In fremden Sprachen that ihr Mund, Gott, deine großen Thaten kund. 4. Von ihm gestärkt, gehn sie nun gern und sammeln Jünger ihrem Herrn. Vom Aufgang bis zum Nieder⸗ 9050 wird Alles Licht und obgesang. ö 5. Umsonst bestürmt sie Grimm und Spott; sie sie⸗ gen stark durch ihn, o Gott! Ihr Schutz ist Jesus und ihr Ruhm sein theures Evangelium. 6. Und ihrer Predigt fro⸗ her Schall erfüllt den Erd⸗ kreis überall; und selbst die fernste Nation kennt dich und Noch d deinen Sohn. 7. Noch dauert dieser Se⸗ gen fort; noch siegt, o Ewi⸗ ger, dein Wort; und daß wir glauben, danken wir dem Glanze jenes Lichts von dir. 8. Erhalt uns deiner Wahrheit treu, mach uns von Sünd und Irrthum frei; dein Geist treib uns zum Guten an und leit uns auf der Tugend Bahn! 9. Bis wir dereinst im hellern Licht von Angesicht zu Angesicht dich schaun und in des Himmels Höhn durch sehr auch uns verherrlicht ehn. In eigener Melodie. 189 Non bitten wir den heilgen Geist —————— — K vV Heiligung. Geist, welchen Jesus Chri⸗ stus uns verheißt, daß er uns behüte vor falscher Leh⸗ re, Alle, die im Irrthum sind, berehre. Erbarm dich! Herr! 2. Du Geist der Weis⸗ heit und der Kraft, mach uns durch dein Wort auch tugendhaft; hilf uns fest ihm glauben, dem treuen Heiland, der uns brin t zum himmlischen Vaterland! Er⸗ barm dich, Herr! 3. Du Geist der Lieb und Einigkeit, mach uns allesammt dazu bereit, daß wür uns von Herzen einan⸗ I der lieben, gern verzeihen, Niemand gern betrüben! Er⸗ barm dich, Herr! ö 4. Du höchster Trost in aller Noth, hilf, daß wir nicht fürchten Grab, eins Tod; laß, wenn wir einst sterben, uns nicht verzagen, sondern mach uns frei von allen Plagen] Erbarm dich,‚ Herr! Mel. Kommt her zu mir 190 Vollendet hatte Gottes Sohn sein gab ihnen Mut„ daß sie bald 2 in 2. Da that d ten Mund des ger durch Lehre. 191 Lebens Hilf uns mühn hier in unserm um das Hei Rath für at 137 Thaten kund, die Völker zu bekehren. Der Heiden Tem⸗ pel wurden leer; es stürzte jenes Götzenheer von seinen runkaltären. 3. Umsonst, umsonst em⸗ pörten sich selbst Fürsten, Jesu, wider dich und tödte⸗ ten die Jünger. Unüber⸗ windlich wari r Muth, und schwiegen sie, so sprach ihr Blut und zeugte neue Jün⸗ 2 ger. 4. Wie Gottes Sonne, ging dein Wort bis an der Erde Gränzen fort; der rrthum wich dem Lichte. ie Völker wurden mensch⸗ licher, die Menschen lebten heiliger vor Gottes Ange⸗ sichte. 5. Auch wir begehn, o Gott, dieß Fest, das deine Huld uns feiern läßt, dem Christenthum zur Ehre. Wir leben froher, glücklicher und, helf uns Gott! auch heili⸗ deines Sohnes In eigener Melodie. omm, o komm du Geist des Schwa⸗ en mächtig auf. Wir be⸗ ihn uns sonst vergebens Pilgerlauf Heil, das Gottes uns ausersehen 2. Gib in unser aller See⸗ 138 Werke und Wohlthaten Gottes. Seelen wahre Weisheit hel⸗ les Licht, daß wir uns zur RichtschnFur wählen Jesu Wort und Unterricht! Stehe du uns kräftig bei und mach uns vom Irrthum frei! 3. Zeig uns, Herr, die rechten Stege zu der wah⸗ ren Wohlfahrt an, räume Alles aus dem Wege, was im Lauf uns hindern kann! Wirke Reu durch deine Gnad, wenn der Fuß ge⸗ strauchelt hat! 4. Laß uns stets dein Zeugniß haben, daß wir Gottes Kinder sind! Stärke uns mit deinen Gaben, wenn sich Noth und 4 findt! Lehr uns, daß des Vaters Zucht einzig unser Bestes sucht! 5. Treib uns, daß wir zu ihm treten kindlich und mit Freudigkeit, nur nach seinem Willen beten, und vertritt uns allezeit, so wird unser Flehn erhört und die Zuversicht gemehrt. 6. Wird uns auch um Troste bange, seufzt das Herz voll Traurigkeit: ach, mein Gott, mein Gott! wie lan⸗ ge! o so wende unser Leid! Sprich der Seele tröstend zu, gib ihr Muth, Geduld und Ruh! 7. O du Geist der Kraft und Stärke, der in uns das Gute schafft, fördre in uns deine Werke und im Kam⸗ ofe gib uns Kraft, wenn Versuchung auf uns dringt, daß uns dann der Sieg gelingt. 8. Herr, bewahr uns un⸗ sern Glauben, daß Verfol⸗ gung, Schmach und Spott niemals möge ihn uns rau⸗ ben. Du bist unser Schutz, o Gott! Spricht das Herz gleich zweifelnd: Nein! Laß dein Wort gewisser sein! 9. Wenn wir endlich sol⸗ len sterben, o so steh mit Trost uns bei; gib, daß uns, als Gottes Erben, jene Herrlichkeit erfreu, die uns unser Gott bestimmt und die nie ein Ende nimmt! Mel. Mein ganzer Geist, Gott ——— 192 S ein und laß uns deine Woh⸗ nung sein, du Beistand uns⸗ rer Seelen! Erleucht uns durch dein göttlich Licht, entzieh uns deine Hülfe nicht und zeig uns, was wir fehlen! Triebe, Triebe, fromm zu leben, willst du geben, wenn wir beten, gläu⸗ big vor den Vater treten. 2. Du Quell, woraus die Weisheit fließt, die uns zum Heil so nöthig ist, o schenk aus deiner Fülle uns so viel Einsicht und Ver⸗ stand, daß heilsam von uns werd erkant des Höchsten gnä⸗ ——— — ESseeeesrN den und die Erden! sum Christum ohn Auf Heiligung. nädger Wille! Ja, gib den Trieb unsren Seelen, nur zu wählen und zu üben, was er uns hat vorgeschrieben! 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath und führ uns selbst den rechten Pfad des Heils, den wir nicht wis⸗ sen! Verleih uns Willigkeit, daß wir dir treulich folgen, wenn wir hier auch darum leiden müssen. Drückt Last uns fast muthlos nieder, laß uns wieder Trost empfin⸗ Trübsal über⸗ winden! 4. Stärk uns durch dei⸗ ner Wahrheit Kraft zum Kampf mit jeder Leiden⸗ schaft, darüber Herr zu wer⸗ den! Und sind wir wo dem Jalle nah, so sei mit deiner Hülfe da, erheb uns von der Neue Treue gib uns Schwachen; du kannst machen, daß wir siegen und im Kampfe nicht erliegen. Erhalte bei uns im⸗ merfort den Glauben an dein göttlich Wort! Nichts müss uns von ihm trennen! zib, daß wir ihn von Her⸗ zensgrund mit Thaten, so⸗ wie mit dem Mund, vor aller Welt bekennen! b⸗ mach Heil und wichtig! 3. Gib, daß in wahrer Heiligkeit wir führen unsre ren recht zu ehren, uns tüchtig und sein uns werth 139 Lebenszeit; du kannst uns dazu stärken. Es bleibe uns stets unbewußt die Eitel⸗ keit, die Sinnenlust mit ihren bösen Werken! Vater, Vater, laß uns streben, so zu leben hier auf Erden, daß wir Himmelserben werden! Mel. Gott des Himmels und der 19 3 Heiger Geist, von 2 ott gegeben, komm, erleucht nn mich! Weise, fromm und gut zu leben: dieß nissen, ohne dich; hingerissen, täuscht die trunk⸗ ne Seele sich, suchet Ruh und findet sie in der Erde ütern nie. 3. Hilf mir nach dem Himmel streben; der den Lohn mir aufbehält, hilf mir Gott und Zesu leben, nicht den Lüsten dieser Welt: lehre mich von Sünden rein, sein wie mein Heiland ein! ö 4. Leite du mich auf dem Pfade deines Lichts zum Leben hin; und mich stärke deine Gnade, wann ich schwach und muthlos bin, daß ich näher jeden Tag meinem Ziele kommen mag! Gib zu jedem guten Wer⸗ 14⁰ Werke meiner Seele Kraft und Lust und im Kampfe flöße Stärke mir in meine schwache Brust; gib mir Trost in jeder Noth; hilf mir treu sein bis zum Tod! 6. Sei mein Beistand, wann ich sterbe; zeige mei⸗ nem Geist von fern das mir aufbehaltne Erbe in der Herrlichkeit des Herrn! So gestärkt durch deine Kraft, end ich froh die Pilgerschaft! Mel. Mein Gott, das Herz icht um ein flüch⸗ 194 N tig Gut der Zeit, ich fleh um deinen Geist, Herr, den zu meiner Seligkeit dein theures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Vater, lehr er mich, die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich! 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit. Gern thun, was dir gefällt, wirkt reinere Zufriedenheit, als alles Glück der Welt. 4. Vertrauen hab ich dann zu dir; dann schenket selbst dein Geist das freudige Be⸗ wußtsein mir, daß du mir gnädig seist. 5. Er leite mich zur Wahr⸗ heit hin, zur Tugend stärk er mich und zeige, wenn ich trau⸗ 0 23 auch mir als Tröster ich! Werke und Wohlthaten Gottes. 6. Er schaff in mir ein reines Herz, voll Dank für deine Huld, und er bewaff⸗ ne mich im Schmerz mit Muth und mit Geduld! Mel. Fren dich sehr, o meine 195 Geist vom Vater und vom Soh⸗ ne, der du unser Tröster bist und von unsers Gottes Throne hülfreich auf uns Schwache siehst, stehe du mir mächtig bei, daß i 0 ergeben sei: o so wird mein Herz auf Erden schon ein Tempel Gottes werden! 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir sein; wann ich bange 5 hege, deine Wahr⸗ eit mich erfreun! Lenke kräftig meinen Sinn auf mein wahres Wohlsein hin! Lehrst du mich, was recht ist, wählen, werd ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Alles Triebe, daß ich über treu meinen Gott und Va⸗ ter liebe, daß mir Nichts so wichtig sei, als in seiner Huld zu stehn! seinen Na⸗ lles men zu erhöhn, seinen Wil⸗ len zu vollbringen, müsse mir durch dich gelingen! 4. Stärke mich, so oft zur Sünde mein Gemüth versuchet wird, daß sie mich nicht überwinde! Hab ich ir⸗ gend mich verirrt, o so* ö u Heiligung. und? nöthig zutreten; gib, daß ich auf Jesum Christ, f nen Mittler, ihn die Hoffnung bau, Gnad um Gnad auf mein Verlan⸗ gen von dem Vater zu em⸗ 6. Stehe mir in allen Lei⸗ den stets mit deinem Troste bei, daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Füh⸗ rung folgsam sei! Gib mir ein gelaßnes Herz; selbst im Todess dem frohen Ueberwinden, eines Geistes pfinden! Mel. Wer nur den lieben Gott 196 O großer Gott, ö du reines We⸗ sen, du hast nur reine Her⸗ zen 141 der Zeit der ugend Werth und Seligkeit. 3. Dein guter Geist, o Gott, regiere mein ganzes Herz und stehe mir in mei⸗ ner Schwachheit zu gehorchen sei! 4. Entzieh mir Schwa⸗ chen, wann ich fehle, nur deine Vaterliebe nicht und gib, damit ich Gutes wähle, mir deines Geistes Kraft und Licht. Im Kampfe laß mich N Geist der Liebe, den Geist ie von mir, stand für durch die Pilgerzeit mich aus der Welt zur Seligkeit! Mel. 19 treuer Freu dich sehr, o meine Der du uns als Vater liebest, Gott, und deinen die dich bitten, gibest, ja, uns um ihn bit⸗ nen Geist erneue und ihn i Tempel weihe! 2. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit; und mein Herz F 14² Herz bleibt dir entrissen und dem Dienst der Welt ge⸗ weiht, wenn er nicht durch seine Kraft die Gesinnung in mir schafft, daß ich dir mich ganz ergebe und zu deiner Ehre lebe. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu, noch mit echter Treu meinen Gott und Herrn dich nennen, stehet mir dein Geist nicht bei. Drum so laß ihn kräf⸗ tiglich in mir wirken, daß ich dich glaubensvoll als Mittler ehre und auf deine Stimme höre. 4. Ewge Quelle heilger Güter, hochgelobter Gottes⸗ geist, der du menschliche Gemüther besserst und mit Trost erfreust; nach dir, Herr, verlangt auch mich: ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise heilig und zum Himmel weise. 5. Fülle mich mit heilgen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über Alles möge lieben, daß ich mit ge⸗ trostem Muth seiner Vater⸗ huld mich freu und mit wah—⸗ rer Kindestreu stets vor sei⸗ nen Augen wandle und recht⸗ schaffen denk und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe, bilde mich nach deinem Sinn, daß ich Lieb und Sanftmuth übe und mirs rechne zum Gewinn, Werke und Wohlthaten Gottes. wenn ich je ein Friedensband knüpfen kann, wenn meine Hand zur Erleichtrung der Beschwerden kann dem Nächsten nützlich werden. 7. Lehre mich, mich selber kennen, die verborgnen Feh⸗ ler sehn, sie voll Demuth Gott bekennen und ihn um Vergebung flehn. Mache täglich Ernst und Treu, sie zu bessern, in mir neu; zu dem Heiligungsgeschäfte gib mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick mei⸗ ner Sünden mein Gewissen niederschlägt; wenn sich in mir Zweifel finden, die mit Angstmein Herze hegt; wenn mein Aug in Nöthen weint, und Gott nicht zu hören scheint, o dann laß es mei⸗ ner Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen. ö 9. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnadenwerk in mir; selbst den Trieb hast du entzündet, daß mich, Herr, verlangt nach dir. O so setze durch dein Wort deine Gnadenwirkung fort, bis sie durch ein selig Ende herrlich sich an mir vollende! Das Wort Gottes Mel. Wer nur den lieben Gott 198 Recott von Gott gegeben, sei ewig meinem Weuhhl werth! —4 ö ————— Heiligung. ö 143 werth! Wie dunkel ist der 6. Du lehrst mich glau⸗ Weg durchs Leben dem, ben, lieben, hoffen, ver⸗ der dein himmlisch Licht kündigst mir Unsterblichkeit. entbehrt! Nur du, du führst Der Himmel steht durch dich an sichrer Hand den Pilger mir offen, und mein ist seine hin ins beßre Land. Seligkeit. Ich glaube fest Du bist es, die mich und zweifle nicht: Du, du Gott erkennen, mich meinen bist meine Zuversicht Schöpfer lieben lehrt. Ich 7•½½ Ja, du, des Lebens darf getrost ihn Vater nen⸗ reinste Wonne, begleite du nen, darf sicher sein, daß mich bis ans Grab und er mich hört. Du rufst mir leuchte dann mir, gleich der zu: Dein Gott ist gut! Sonne, den Weg ins Todes⸗ Wohl dem, der seinen Wil⸗ thal hinab! Mein erster Laut len thut. ö an Gottes Thron sei Dank 3. Wer reizt mein Herz, für dich, Religion! sich selbst zu richten? Wer —6 en Er scht mn Blick Mel. Nun danket Alle Gott ur hellen Einsicht meiner on Herzen preis flichten und schreckt vom 199 V ich dich, Gott, ösen mich zurück? Du stär⸗ für der Bibel Lehre, die ich kest den Gewissenstrieb und als dein Geschenk mit Dank⸗ machst mir Recht und Tu⸗ barkeit verehre. Sie ist das gend lieb. ö Glück der Welt, der Ruhm 4. Du leitest mich auf al⸗ der Christenheit, mein Klein⸗ len Wegen; du zeigest mir od, Trost und Licht bis in das höchste Gut; du machst die Ewigkeit. mir jedes Glück zum Segen 2. Zum Licht, in dem du und gibst im Unglück frohen wohnst, kann die Vernunft du Wo Nichts, sonst nicht dringen; mit Zweifeln Nichts mich trösten kann, und mit Wahn müßt ich voll da hebt dein wahrer Trost Unruh mugen, hätt ich dein erst an. göttlich Wort, den klaren 5. Du gibst dem Geiste sü⸗ Unterricht von dir und dei⸗ ßen Frieden, erheiterst mild nem Sohn und meiner See⸗ den trüben Sinn, reichst dem le nicht. Belasteten und Müden den 3. Wie kräftig ist dein sichern Stab der gahr und Wort! Gott, vielen tausend Christen gab deine Bibel halt demner erquickt und Sieg im Kampf mit bösen heilt dein Trost das Herz. Lüsten. Sie befssert sanft das Herz 144 Herz, stärkt mich zu meiner Pflicht, ist in Gefahr mein Schutz, in Finsterniß mein Licht. 4. Der Fromme wird ge⸗ stärkt, der Sünder tief er⸗ schüttert, der Zweifler wird beschämt, des Spötters See⸗ le zittert; es tröstet sich am Grab der Seinigen der Christ, wenn er vom Wie⸗ dersehn im bessern Leben liest. 5. Hier lernt der Weiseste der wahren Weisheit Schäz⸗ ze; hier faßt der Blödeste die göttlichen Gesetze; hier findet jeder Stand für jede Lebenspflicht in allen Fällen Rath und hellen Unterricht. 6. Wer fühlt nicht deinen Geist und seiner Wirkung Stärke! Wer nicht des Glau⸗ bens Kraft und Trieb zum guten Werke, der mit dem lautern Wunsch nach Licht und Frömmigkeit, mit Ehr⸗ furcht und Gebet der Schrift die Andacht weiht! 7. So kann kein andres Buch die Größe Gottes prei⸗ sen, so faßlich rührend nicht den Weg zur Tugend weisen. Durch keine Rednerkunst wird so das Herz erquickt, zu jeder guten That so wil⸗ lig und geschickt. 8. Bei diesem Unterricht laß deinen Geist mich rüh⸗ ren und seine Gotteskraft an meinem Herzen spüren! Werke und Wohlthaten Gottes. Wer deinen Lehren folgt, fühlt ihre Göttlichkeit; sie geben Licht und Trost, im Tode Freudigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 200 ein Wort, o Höchster, ist vollkommen, es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es gibt dem Sünder, wie dem From⸗ men zum Leben sichern Un⸗ terricht. O selig, wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, zerstreut des Irrthums Finsterniß, ver⸗ ö kündigt Gnade, Heil und Segen und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster, was du bist und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein Wort erweckt uns, dich zu lieben, und lehrt, wie viel du denen gibst, die dein Gebot mit Freuden üben, wie du so väterlich uns liebst. Was uns darin dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Gott, deine Tröstungen sind besser und mehr der Sehnsucht werth, als Geld: ein Schatz, weit köstlicher und größer, als alle Schätze dieser Welt. Wer gern thut, was dein Wort gebeut, den ist dein Segen stets bereit 5. So laß mich denn mit Lust betrachten die Wh li 45c.. —5 — 8——⏑ 4+ SUNA Heiligung. 14⁵ heit, die dein Wort mich 5. Hilf, daß sich von Zeit lehrt! Laß mich auf das zu Zeit meine Kenntnisse gehorsam achten, was dein vermehren! Find ich manche Befehl von mir begehrt; Dunkelheit bei geheimniß⸗ so fließen Trost und Sees vollen Lehren, laß mi lenruh auch mir aus dei⸗ Zweifelsucht entfernen und nem Worte zu. in Demuth glauben lernen! Laß mich, Herr, in Mel. Liebster Jesu, wir sind deinem Licht immer rühren⸗ 20 1 Herr mein Licht, der erkennen jener Herrlich⸗ erleuchte mich, keit Gewicht und wie glück⸗ daß ich mich und dich er⸗ lich der zu nennen, der da⸗ kenne, daß ich voll Vertrauen nach mit Eifer trachtet und dich meinen Gott und Va⸗ die Lust der Welt verachtet! ter nenne! Höchster, laß mich 7. verleihe mir die och auf Erden weise zu Kraft, deinem Wort gemäß dem Himmel werden! zu handeln und vor dir ge⸗ 2. Lauter Wahrheit ist wissenhaft als dein treues dein Wort. Lehre mich, es Kind zu wandeln; so wird recht verstehen! Hilf selbst einst in jenem Leben mich meinem Forschen fort, rich- ein hellres Licht Uumgeben. tig daraus einzusehen, was— zu meinem Heil mich füh⸗ Mel. O Gott, du frommer Gott ret und mir, deinem Kind, 202 Sol dein ver⸗ gebühret! 5—.— derbtes Herz 3. Aber laß mich nicht zur Heiligung genesen, allein deines Wortes Sinn Christ, so versäume nicht, verstehen; laß mein Herz das Wort des Herrn zu le⸗ auch folgsam sein, den er⸗ sen; bedenke, daß dieß Wort kannten Weg zu gehen! das Heil der ganzen Welt, Denn sonst würd ich bei den Rath der Seligkeit, dem Wissen doppelt Strafe den Geist aus Gott enthält. eiden müssen. ö 2. Merk auf, als ob dir 4. Gib, daß ich den Un⸗ Gott, dein Gott, gerufen terricht deines Wortes treu hätte, merk auf, als ob er ewahre, daß ich, was es selbst zu dir vom Himmel mür verspricht, reichlich an redte! So lies, mit Ehr⸗ mir selbst erfahre! Ja, es furcht lies, mit Lust und sei in meinem Leiden mir mit Vertraun und mit dem en Quell von Trost und frommen Ernst, in Gott Freuden! dich zu erbaun. ö G 3. Sprich 146 3. Sprich fromm: O Gott, vor dem ich meine Hände falte, gib, daß 90 dein Ge⸗ bot für dein Wort ewig halte, und laß mich deinen Rath empfindungsvoll ver⸗ stehn, die Wunder am Ge⸗ setz, am Wort vom Kreuze sehn! 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen. Lies, Christ, sein heilig Buch, lies oft, du wirst es fassen, so viel dein Heil verlangt. Gott ists, der Weisheit gibt, wenn man sie redlich sucht und aus Gewissen liebt. ö 5. Lies frei von Leiden⸗ schaft und ledig von Ge⸗ schäften und sammle deinen Geist mit allen seinen Kräf⸗ ten. Der beste Theil des Tags, des Morgens Hei⸗ terkeit und dann der Tag des Herrn, der sei der Schrift geweiht! 6. Rührt dich ein starker Spruch, so ruf ihn, dir zum Glücke, des Tags oft in dein Herz im Stillen oft zurücke: empfinde seinen Geist und stärke dich durch ihn zum wahren Edel⸗ muth, das Gute zu voll⸗ ziehn. 7. Um tugendhaft zu sein, dazu sind wir auf Erden. Thu, was die Schrift ge⸗ beut; dann wirst du inne werden, die Lehre sei von Werke und Wohlthaten Gottes. Gott, die dir verkündigt ist, und dann das Wort verstehn, dem du gehorsam bist ist. 8. Spricht sie geheimniß⸗ voll, so laß dich dieß nicht schrecken. Ein endlicher Ver⸗ stand kann Gott nie ganz entdecken, Gott bleibt un⸗ endlich hoch. Wenn er sich dir erklärt, so glaube, was er spricht, nicht, was dein Witz begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schämen, ist Ruhm; und die Vernunft alsdann gefangen fenbart, ist der Geschöpfe nehmen, wenn Gott sich of⸗ Pflicht, und weise Demuth ists, das glauben, was Gott spricht. 9 10. Drum laß dich, from⸗ mer Christ, durch keinen Zweifel kränken. Hier bist du Kind, doch dort wird Gott mehr Licht dir schen⸗ ken. Dort wächst mit dei⸗ nem Glück dein Licht in Ewigkeit; dort ist die eit des Schauns und hier des Glaubens Zeit. 4. 11. Verehre stets die Schrift, und siehst du Dun⸗ kelheiten, so laß dich deinen Freund, der mehr als du sieht, leiten. Ein forschen⸗ der Verstand, der sich den Schrift geweiht, ein heil— verlangend Herz hebt manche Dunkelheit. 12. Halt Heiligung. 14⁷7 12. Halt fest an Gottes 6. So preise deine Chri⸗ Wort; es ist dein Glück auf stenheit, Herr, deinen Na⸗ Erden und wird, so wahr men in der Zeit; sie ist und Gott ist, dein Glück im Him⸗ bleibt dein Eigenthum, und mel werden. Verachte christ⸗ ihre Thaten sind dein Ruhm. lich groß des Bibelfeindes 7. Du sättigst sie mit Se⸗ Spott. Die Lehre, die er ligkeit von nun an bis in schmäht, bleibt doch das Ewigkeit, und ewig ist ihr Wort aus Gott. frommer Dank, Herr, dei⸗ nes Namens Lobgesang. Mel. Vom Himmel hoch da 203 Gest; heilig sei Mel. Ach Gott und Herr ein Nam und ott ist mein Recht dem ganzen mensch⸗ 204 G Hort und lichen Geschlecht! Dich bete, auf sein Wort soll meine wer dich denken kann, im Seele trauen! Ich wandle Geist und in der Wahrheit hier, mein Gott, vor dir im an! lauben, nicht im Schauen. 2. Verbreite deines Wor⸗ 2. Dein Wort ist wahr; tes Schall, wie deine Werke, laß immerdar mich seine überall, daß Alle lernen, wer Kräfte schmecken. Laß kei⸗ du seist: der reinste, aller⸗ nen Spott, o Herr. mein höchste Geist. ö Gott, mich von dem Glau⸗ 3. Durch Jesum Christ, ben schrecken! den du gesandt, werd immer 3. Wo hätt ich Licht, wo⸗ mehr der Welt bekannt, daß fern mich nicht dein Wort du, Gott, unser Vater bist, die Wahrheit lehrte? Gott, und er der Völker Heiland ohne sie verstünd ich nie, st.— wie ich dich würdig ehrte. 4. Lehr uns, die deinen„Dein Wort erklärt der Rath verstehn, gehorsam Seele Werth, Unsterblichkeit deine Wege gehn. Durch und Leben: daß diese Zeit deines Geistes Licht und zur Ewigkeit mir sei von sraft mach weise uns und tu⸗ dir gegeben. gendhaft. 5. Den ewgen Rath, die 5. Durch Wahrheit däm⸗ Missethat der Sünder zu pfe jeden Wahn; erleucht verfühnen, den kenntich nicht, uns allen unsre Bahn; wär mir dieß Licht nicht das Laster tilg aus unsrer durch dein Wort erschienen. Brust und tödt in uns die Nun darf mein Herz in böse Lust. ö Reu 62 Schmerz der 00 ö en 148 den nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist im Glauben: Vater! sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn, ist meines Heils Gesch äfte! Durch meine Müh vermag ichs nie; dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Lucht laß dieses Wort mir Licht und Freude geben! Es sei mein Theil, es sei mein Heil und Kraft zum ewgen Leben! Mel. Freu dich sehr, o meine 205 Gott, durch den wir sind und leben, deine Güte sei ge⸗ preist, daß du uns dein Wort gegeben, das zum Heil uns unterweist, das uns unsre Pflichten lehrt, warnt, er⸗ mahnet, straft, bekehrt und, wenn uns ein Leiden drü⸗ cket, uns mit reichem Trost erquicket. 2. Gib, daß wir es innig lieben; ernstlich, ohne Heu⸗ chelschein das darin Befohl⸗ ne üben und nicht bloße Hörer sein; denn wer dei⸗ nen Willen weiß und ihn doch nicht thut mit Fleiß, der ist ärger, als die Heiden, und muß doppelt Strafe leiden. 3. Darum präge deine Lehren tief in unsre See⸗ len ein, laß sie uns mit Nutzen hören und derselben Werke und Wohlthaten Gottes. Thäter sein; treib uns da⸗ durch kräftig an, daß wir dich vor Jedermann froh beken⸗ nen, kindlich lieben und mit Sünden nicht betrüben. 4. In der Seele Finster⸗ nissen sei dein Wort uns stets ein Licht! Laß uns Trost daraus genießen, wenn es uns an Trost gebricht! Es versüß uns jede Noth; es erquick uns auch im Tod durch die Hoffnung, ganz zu schauen, was wir deiner Wahrheit trauen. Mel. Schwing dich auf 206 Wahrheit bist, Gott, zu dem ich singe, Gott, den kein Verstand ermißt, Ursprung aller Dinge: alle Weisheit kommt von dir zu den Menschenkindern; sie er⸗ wir leuchtet uns, wenn selbst ihr Licht nicht hindern. 2. Vorurtheil und Fin⸗ sterniß füllen unsre Seelen: unser Blick ist ungewiß, un⸗ sre' Schlüsse fehlen: aber dein Verstand weicht nicht von der lautern Wahrheit. Was du denkest, das ist Licht, Richtigkeit und Klarheit. 3. Wirf dich, sterblichen Geschlecht, dankbar ihm zu Füßen! Seine Wahrhell und sein Recht lässet er dich wissen. Weit erschallt das Wort des Herrn, das dil Welt bekehret: glaubt el freudiß er du selbst die V Sr r II— n S —— Heiligung. freudig, folgt jolgt ihm gern, Völker, die ihrs höret! 4. Gott, was uns dein Wort verspricht, wird und muß geschehen! deine Dro⸗ hung kann auch nicht leer vorübergehen. Haben Tau⸗ sende nicht schon, welche vor uns waren, deine Strafen, deinen Lohn, dir zum Ruhm erfahren? 5. Seele, 5 wolltest du Gott nicht. zuversichtlich glauben? Soll der Leicht⸗ sinn, soll der Spott deinen Trost dir rauben? Die die Himmel aufgebaut, kann ie Wahrheit lügen? Kann sie den, der ihr vertraut, heuchlerisch betrügen? 6. Erd und vergehn; Gott, d wird bleiben. die es schmähn, nicht vertreiben. Könige sind trennen, mich d Ire voll, nicht er⸗ schüttern können. Muß ich hier gleich um dein Wort Schmach und mins leiden, so belohnst du mirs och dort, ott, mit Ehr und Freuden. 149 Gee s e tz. Mel. Gottlob, ein Schritt zur 207 Hern dein Ge⸗ setz und dein Gebot, wonach wir sollen leben, hast du, o liebevol⸗ ler Gott, mir in mein Herz gegeben, daß i zum Gu⸗ illit Sorgfalt, fern von Heuchelei, was du befiehlst, vollbringe. 2. Gib, daß ich dir allein vertrau, allein di ehr und liebe, auf Menschenhülf al⸗ lein nicht bau, in deiner al ue mich übe, daß Bei⸗ fall, Lob und Menschengunst, Gewalt, Pracht, Reichthum, Witz und Kunst mir nicht zum Abgott werde. unvergeßli was ich in meiner Taufe dir so feierlich versprochen. der dir ge⸗ mich, Gott, in der Ver⸗ wie du be⸗ erscheinen; Gebet mich ein Hörer deines ortes sein und, wie ich soll, ein Thäter. „Hib, daß ich Aeltern, Obrigkeit und Lehrer ehr und liebe, sie nie durch Wider⸗ G 3 setz⸗ 150⁰ setzlichkeit und böses Herz betrübe; vielmehr für ihre Sorg und Treu ertenntlich und gehorsam sei und deinen Segen erbe. 6. Hilf, daß ich nie mit bittrem Sinn, Herr, Rach und Feindschaft übe und, wenn ich auch beleidigt bin, verzeih und Feinde liebe und Jedem gönne, was er hat, und Alle segne mit der That gern jedem Menschen diene. 7. Laß mich, wie du ge⸗ boten hast, unkeusche Werke meiden. Unreinigkeit ist dir verhaßt; auf Wollust folgen Leiden. Schaff du in mir ein reines Herz, das Uep⸗ pigkeit und frechen Scherz sich nimmermehr erlaube. 8. Gib, Herr, daß ich mich redlich nähr und böser Ränke schäme, mein Herz vom Geiz und Unrecht kehr, durch Macht und List Nichts nehme; daß ich nie Fleiß und Arbeit scheu, wohlthä⸗ tig und zufrieden sei, nicht karg und nicht verschwen⸗ 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Ehr zu retten mich befleiße, das, was ich kann, zum Besten kehr, doch Bö⸗ ses nicht gut heiße; stets zeige Treu und Redlichkeit und Abscheu trage jederzeit vor Falschheit, Schmähn und Lügen. ö Werke und Wohlthaten Gottes. 10. Laß mich des Nächsten Haus mit List und Unrecht nicht begehren; das aber, was mir nöthig ist, wollst du mir, Gott, gewähren. Doch laß mich auch das größte Gut, und de hab Muth und deine Gnade haben. 11. Wie gern möcht ich, o Herr, mein Gott, nach ein ruhig Herz deinem heilgen Willen, wie gern möcht ich ganz dein Gebot, das du mir gabst, erfüllen, allein du weißt, was mir gebricht;zich Schwa⸗ cher, ich vermag es nicht aus meinen eignen Kräften. 12. Drum gib du mir von deinem Thron, Gott, Vater, Gnad nnd Stärke, daß ich, o Jesu, Gottes Sohn, stets auf dein Vor⸗ bild merke! O heilger Geist, hilf mir, daß ich Gott über Alles und, wie mich, auch meinen Nächsten liebe! Evangelium. Mel. Jesu, meine Freude 208 Wort aus Got⸗ tes Munde, Wort vom Friedensbunde, Evangelium! Quelle wah— rer Freuden, Trost in al len Leiden, unser höchst Ruhm! Gottes Mefc n. All⸗ CW=e —re 2—.— Heiligung. 151 Glauben schafft! Frohe Bot⸗ Die heilige christliche schaft, uns zum Leben selbst Kirche. f 0 von Gott gegeben! 2. Was sein Wohlgefal⸗*— ö len vor der Welt uns allen In eigener ö nusersehen hat; was erst 209 Erbalt uns, Herr, dunkle Schatten vorgebildet bei deinem hatten, das vollführt sein Wort; den finstern Irr⸗ Rath. Daß sein Eid ihn thum treibe fort; bewahr nicht gereut, rühmen wir; uns vor Gewissenszwang, in Jesu Namen wird er 1o preist dich unser Lobge⸗ Ja und Amen. sang! 7 ö 11 2. Die Völker sein dir Gott Hatkden r schtehan! Es weiche fal⸗ 10 9 Aosns 6 t scher Lehre Wahn vor deiner ein Leben sur uns darge⸗ Wahrheit klarem Licht! Ge⸗ 1. 2.— walt hilft demGGewifsen nicht. geben, willig gab ers dar. 3. Die Herrschsucht die 94%½ er hat des Höchsten den fremden Knecht, er Rath 6700(Ollbvacht 501 glaube falsch, er glauberecht, Venore. Oerwünschte gewaltsam zieht vors Rich⸗ Lehre! 4—— teramt, bleib unter unserm 4. Da uns Strafen droh⸗ olt verdammt! ten, riefen seine Boten: 4. Nur geistlich sei der Heiligt euch und glaubt! Wahrheit Krieg! Gib wi⸗ Gott will euch vergeben; der Irrthum ihr den Sieg. vig sollt ihr leben, Sm, Durch Gründe sieg sie und chr Jesu glaubt! Seine Beweis und durch des from⸗ Huld tilgt eure Schuld; men Beispiels Fleiß. nur müßt ihr die Sünde 5. ir gehn in Dämm⸗ hassen, Muth zur Tugend rung, irren bald! Die Weis⸗ fassen! heit übet nicht Gewalt. Laß 5, Jesu, voll Vertrauen Fried und Duldung allge⸗ will ich auf dich bauen und mein, nicht mächtig die Ver⸗ in dir mich freun, dir nur folger sein. will ich leben, dir mich ganz 6. Der Scepter übe Bil⸗ ergeben, ewig treu dir sein. ligkeit, verbiete nicht der % werd ich auch einst durch Gründe Streit! Wer fried⸗ ich, o mein Heiland, selig sam ist, nicht Laster lehrt, sterben und den Himmel deß Freiheit bleibe unge⸗ erben! ö stört. G 4 7. Zer⸗ 15² 7. Zerbrich des Zwanges hartes Joch: die freie Wahr⸗ heit sieget doch. Sie mache uns von Irrthum frei und von der Sünde Sklaverei! Am Reformationsfeste. In eigener Melodie. 210 Eir feste Burg ö ist unser Gott, ein gute Wehr und Waf⸗ fen; er hilft uns frei aus aller Noth, die uns jetzt hat betroffen; der alt böse Feind, mit Ernst ers jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist: auf Erd ist nicht seins Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist Nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Heißti. du: wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen: so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch ge⸗ lingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, thut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht; ein Wörtlein kann ihn fällen. Werke und Wohlthaten Gottes. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dant dazu haben: er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmn sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin, sie ha⸗ bens kein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. Mel. Christus, der ist mein Leben 211 As bleib mit dei⸗ — ner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ! da⸗ mit kein Feind uns schade mit seiner Macht und List. 2. Entzieh uns deine Leh⸗ re, das Wort der Wahrheit nicht. Durch ihre Kraft ge⸗ währe uns immer Trost und Licht. ö 3. Laß deinen Geist uns treiben, daß wir, von Irr⸗ thum frei, bei deiner Rede bleiben, dir folgsam, dir getreu. 4. Komm uns mit Kraft ent⸗ egen, hilf unsrer Schwach⸗ eit auf und stärke das Vermögen zum ernsten Tu⸗ gendlauf. 5. Hilf uns die Lüste däm⸗ pfen, hilf uns den Reiz der Welt und ihren Trotz bekämpfen, du sieggewohn⸗ ter Held! 6. Ja bleib mit deiner Treue bei uns, Herr, unser Gott! Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller 29 0 eh. V—535355566..6 Heiligung. 153 NMel. Ein feste Burg ist 5. Entferne Zwietracht, 2 1 2 err, deine Kir⸗ Krieg und Mord, erhalt uns e danket dir: Ruh und Frieden. Laß uns, noch wohnt dein Wort im gestärket durch dein Wort, Lande! Von deiner Gnade im Guten nie ermüden. Ma⸗ haben wir noch deinen Geist che leicht, was drückt, gib zum Pfande. Kommt sie in uns, was beglückt. Nach Gefahr durch der Feinde der Prüfungszeitruf uns zur Schaar dann,o Jesu Christ, Seligkeit, zu deines Him⸗ besiege Macht und List und mels Freuden. ö herrsch in jedem Lande! Herr, deine Kirche „Sei, Herr, mit uns! streitet noch; hilf deiner Kir⸗ Verlaß uns nie, uns, deines che siegen! Wie schwer ihr Leibes Glieder. Hilf deiner Kampf ist, müsse doch kein Kirch und schütze sie; denn Kämpfer unterliegen! Hör wir sind deine Brüder. Sie, ihr kindlich Flehn. Eil, ihr die dir vertraut, hast du beizustehn, daß sie standhaft selbst erbaut. Ach, erhalt sie sei, stets deiner Wahrheit rein; und die den Bund ent⸗ treu. Hilf deiner Kirche sie⸗ der die heilige dir wie⸗ gen. er. 3.— tt da deine Mel. Herzliebster Zesu! Treuen kränkt⸗ aß unter wig, o Jesu, deinen Christen noch man⸗ 213 Ewihz dein Wort cher deiner nicht gedenkt bestehen und Erd und Him⸗ behrrscht von seinen Lüsten. mel werden ehr vergehen eh —.7— aub ist schwach, eine Macht das Reich, das ů ach, sie du errichtet, jemals verni bedenken nicht: es in tet. 2. Immer noch sammelst du dir auf der Erden Men⸗ Und du, o Jesu, bist schen, die willig dir gehor⸗ so treu! Ach, daß wir fröm⸗ sam werden und deinen rie⸗ mer wären! Mach alle Her⸗ den hier schon im Gewissen zen rein und neu, laß alle fröhlich genießen. sich bekehren. Gib uns Wis⸗ 3. Reizt blendende Ver⸗ senschaft, Glaube, Lieb und suchung sie zu Sünden, bist Kraft, gib Entschluß und du ihr Beistand und hilfst Muth, zu wagen Ehr und überwinden. Nichts wird Blut zum Preise deiner Leh⸗ sie jemals deiner Hand ent⸗ 42 reißen. Du hasts verheißen. G 5 4. Wohl 154 4. Wohl allen denen, die dir, Jesu, trauen! Was sie dir glauben, wird ihr Aug einst schauen, dich und die Freuden, womit du beloh⸗ nest da, wo du thronest. 5. Dann schallen fröhlich von der Deinen Menge dir, unserm Haupte, höhre Lob⸗ Polk, d. wenn einst dein olk, das hier dein Geist regieret, dort triumphiret. Mel. Erschienen ist der herrlich 21 4 Lenn Gott! denn seine Macht vertrieb des Aber⸗ glaubens Nacht. Uns deckte bange Finsterniß; der Herr wars, der uns ihr entriß. Lobsinget ihm! 2. Verdunkelt war der mautehrer Licht; selbst Chri⸗ stenlehrer sahn es nicht. Aus Unterricht ward Glaubens⸗ zwang; in harte Sklaverei versank das Volk des Herrn. 3. Wie tobte der Verfol⸗ ger Wuth! Wie strömte treuer Christen Blut! Und ihre Würger rühmten doch sich ihrer Gottesliebe noch. O welch ein Wahn! 4. Gott kam und stand der Kirche bei; da wurden die Gewissen frei; da schwan⸗ den Aberglaub und Wahn. Das hat der Herr, der err gethan. Singt, singt ihm Dank! ö 5. Vereint nur, Christen, Werke und Wohlthaten Gottes. jederzeit mit Wahrheitssinn Verträglichkeit. Die Liebe sei der Kirche Zier. Dann sieget sie; Gott ist mit ihr; er ist ihr Schutz. 6. Und wenn auch seines Wortes Licht nicht gleich. durch alle Nebel bricht und Spötter stolz die Wahrheit schmähn: verzaget nicht! Sie wird bestehn; sie ist von Gott. 7. Schaut auf zur Sonne; sie erhellt nicht gleich den ganzen Raum der Welt. Laßt, Christen, unsers Lichts uns freun und Gott durch Thaten dankbar sein, wie er sie liebt. ö 8. Lobsingt, lobsingt dem Herrn und freut voll Hoff⸗ nung euch der Ewigkeit! Dort wird nur Liebe, dort allein Ein Hirt und Eine Heerde sein. Lobsingt dem Herrn! Mel. Herzliebster Jesu 215 Lß doch, o Jesu, laß dein Reich auf Erden nie unterdrücket, stets erweitert werden! Gib allen Menschen deiner Lei⸗ den wegen Licht, Heil und Segen! 2. Erleuchte sie, daß sie dich recht erkennen und glau⸗ bensvoll dich ihren Heiland nennen! O lehre sie mit Eifer deinen Willen schon hier erfüllen! 3. Laß 99 Heiligung. 3. Laß sie die Schrift mit frommer Achtung ehren; denn sie enthält der wahren Weisheit Lehren; und ohne diese sucht man doch verge⸗ bens den Weg des Lebens. 4. Ach, steure, Herr, dem Toben deiner Feinde und vor dem Irrthum warne deine Freunde! Gib, daß sie prüfen und demAberglau⸗ ben die Herrschaft rauben. 5. Sei du ihr Licht in bangen Finsternissen wecke selbst ihr schlafendes Gewissen! Erhebe tröstend, schlägt sie Kummer nieder, ihr Herz auch wieder! 6. Herr, schütz uns mäch⸗ tig vor der List der Bösen, bis du von ihnen ganz uns wirst erlösen und wir zum Kreise der verklärten From⸗ men frohlockend kommen. In voriger Melodie. 216 Schütze die Dei⸗ nen, die nach dir sich nennen und dich, o Jesu, vor der Welt be⸗ kennen. Laß deinen Händen, wie du selbst verheißen, Nichts sie entreißen. 2. Laß deine Wahrheit rein verkündigt werden; mach ihre Siege herrlicher auf rden. Gib Muth und Weisheit denen, die sie leh⸗ ren, dein Reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals, Herr, dein Wort gebrochen. 15⁵ Führe die Deinen, wie Du selbst versprochen, führe sie endlich aus dem Kampf hie⸗ nieden zum ewgen Frieden. 4. Ewig, o Heiland, sei dein Nam erhoben! Ewig frohlockend müsse dich einst loben, o du Beschirmer dei⸗ ner schwachen Herde, Him⸗ mel und Erde! Ein feste Burg enn Christus seine Kirche schützt, so mag die Hölle wüthen; er, der zur Rechten Gottes sitzt, hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hülfe nah; wenn er gebeut, stehts da. Er schützet sei⸗ nen Ruhm und hält das Heiligthum. Mag doch die Hölle wüthen. 2. Und wenn auch Für⸗ sten auf dem Thron sich wi⸗ der ihn empören; stets wer⸗ ö den ihn, des Höchsten Sohn, zahllöose Völker chren. Sein Wort ist wahr; Nichts ist der Großen Macht un List. Wie lange währt ihr Spott?ꝰ luch sie sind Staub vor Gott. Sie mögen sich em— pören. ö 3. Der Frevler mag die Wahrheits chmähn; uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widerstehn; wir halten fest am Glauben. Mel. 217 Gelobt sei Jesus Christ! Wer hier sein Jünger ist, G 6 sein sein Wart von Herzen hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Drohn erschrecken! Der Gott, der von dem Himmel schaut, wird uns gewiß be⸗ decken. Der Herr, der starke Gott, hält über sein Gebot gibt uns Geduld in Roth und Kraft und Muth im Tod. Was kann uns denn erschrecken? Mel. Gott des Himmels und 218 Hedeimn ists in deinem Reiche, König der erlösten Schaar! Jede Sinnenlust entweiche; dennoch beutst du Wonne dar, Wonne, die den Geist erhöht und dem Strom der Zeit entgeht. 2. Was sind Rang und eitle Schätze? Was sind Kronen dieser Welt? Freun⸗ de deiner Reichsgesetze sind einst Engeln zugesellt. Edel handeln ist ihr Ruhm, deine Huld ihr Eigenthum. 3. Hier ist Weisheit, hier ist Tugend, wo dein großer Geist regiert, wo das Alter, wo die Jugend sich mit dei⸗ nem Sinne ziert. Selbst der Sünder preist sein Glück, eilet er zu dir zurück. 4. Ja, du herrschest nicht mit Sirenge; nur von Liebe wallt dein Herz, und du 15⁰⁶ Werke und Wohlthaten Gottes. lockst der Menschen Menge nur hinweg von Angst und Schmerz. Selig, wer dir seine Zeit, seine Kraft, sein Leben weiht! 5. Mag der Krieg die Welt zerrütten! Friede schwebt um deinen Thron. In Pallästen, in den Hüt⸗ ten, groß ist überall dein Lohn. Jeder, jeder, der dich ehrt, ist und bleibt dir ewig werth. 6. Drohn dir gleich die Frevler alle, rüstet sich der Spötter Heer: ach, sie na⸗ hen sich dem Falle und dann toben e nicht mehr! Ewig wird dein Reich bestehn; Wahrheit kann nicht unter⸗ gehn. 7. Reiche dieser Welt ver⸗ schwanden, Kronen sanken in den Staub; aber seit dein Reich erstanden, ward es nie der Zeiten Raub. Jetzt noch blickt dein Unter⸗ than hochentzückt zu dir hin⸗ an. 8. In den fernsten 50 melsstrichen glänzt, o Herr, dein mildes Licht. Thoren nur, die von dir wichen, sehen seine Strahlen nicht: doch der Weise bleibt dir treu, und du machst ihn groß und frei. 9. Mehre selbst die Zahl der Weisen! Herr, erweille dein Gebiet und laß eins auch den dich preisen, del noc ö Glauben, laß Heiligung. noch blind vor Götzen kniet; er Zeit deines Reiches Herrlichkeit! Zeig uns allen nach der Heilige Taufe. (Vor der Taufe.) Mel. Sollt es gleich bisweilen 219 Dir, Gott, der so gern er⸗ freuet, immer seine Huld erneuet, weihen durch die Taufe wir dieses Kind, o Vater, dir. 2. Gib, ihm Wachsthum und Gedeihen, laß es stets das Böse scheuen und be⸗ glücke das Bemühn, es zum Himmel zu erziehn. 3. Stärke künftig seinen ihm den die Welt nicht rauben; nicht den Trost, daß es ein Christ, daß du, Gott, sein Vater bist. Laß es stets dich froh bekennen, daß es Niemand von dir trennen, Niemand auf der Tugend Bahn Heil und Ruh ihm rauben kann. 157 Mel. Liebster Jesu, wir sind 2 2 1 Heh 50 Wen dir: laß dieß Rind auf unsern Armen dir gefallen, bitten wir, und erzeuge dein Er⸗ barmen: laß es hier be⸗ glückt auf Erden, dort des Himmels Erbe werden. (Nach der Taufe.) Mel. Wer nur den lieben Gott 222* bin getauft auf deinen Na⸗ men, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Ich bin. gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt eißt. welch ein Glück ward dadurch mein! Laß, Herr, mich dessen würdig sein! 2. Du hast mich für dein Kind erkläret, mein Vater, und ein selig Theil hast du, 5, mir gewähret an dem von dir erworbnen Heil! Du willst, mein Leben Gott zu weihn, Geist Gottes, selbst mein Beistand sein. Die Liebe ist nicht zu ermessen, die du, mein Golt mir zugewandt. O laß mi nie die Pflicht vergessen, da⸗ zu ich selbst mi dir ver⸗ band, als du in deinen Bund mich nahmst und mir mit eil entgegenkamst! u bist getreu: auf Fate bleibt dieser deiner G Bund 158 Bund stets feste stehn. Ja selbst, wenn ich ihn über⸗ schreite, läßt du dein Vater⸗ herz mich sehn. Du regest mein Gewissen an und lenkst mich auf die rechte Bahn. 5. Ich gebe, o mein Gott, aufs neue mich ganz zu dei⸗ nem Opfer hin. erwecke mich zu neuer Treue und bilde mich nach deinem Sinn. Weich, eitle Welt, du Sünde weich! Gott hört es: jetzt entsag ich euch. 6. Befestige dieß mein Versprechen, mein Vater, und bewahre mich, daß ich es niemals möge brechen! Mein ganzes Leben preise dich! Gott meines Heils, sei ewig mein und laß mich dein auf ewig sein! Mel. Wer nur den lieben Gott⸗ 223 ch bin getauft * nach Jesu Leh⸗ ren, dich, Vater, deinen Sohn und Geist so zu beken⸗ nen und zu ehren, daß Herz und Mund und That dich preist, und dann des Glücks, ein Christ zu sein, mich hier schon und einst dort zu freun. 2. Du hast zu deines Rei⸗ ches Erben, o treuer Vater, micherklärt; es hat dieFrucht aus seinem Sterben dein Sohn, mein Heiland, mir ge⸗ währt; und dir mein Leben 1mein Beistand sein. ei Kei zu weihn, soll selbst dein Werke und Wohlthaten Gottes. 3. Gelobt, mein Gott, sei deine Liebe, die mir, noch eh ich dich gekannt, aus freiem väterlichem Triebe schon so viel Gutes zugewandt! Wie huldreich hast du mein ge⸗ dacht und für mein wah⸗ res Wohl gewacht! 4. Dir geb ich mich, mein Gott, aufs neue nun ganz aus Dank und Liebe hin. Erwecke mich zu steter Treue und bilde mich nach deinem Sinn. Was dir mißfällt, sei fern von mir und hei⸗ lig sei mein Leben dir! 5. Damit ich, was ich hier verspreche, auch redlich halte und getreu, nie mein Ge⸗ lübd aus Leichtsinn breche, steh, Gott, mit deiner Kraft mir bei, und fall ich, so ver⸗ wirf mich nicht, o Herr, vor deinem Angesicht!- 6. Erwecke mich durch dei⸗ ne' Gnade zum steten Ernst der Besserung und leite mich auf sicherm Pfade des Glau⸗ bens und der Heiligung. Gott meines Heils, sei ewig mein und laß mich stets dein eigen sein. Mel. Zesus, meine Zuversicht 22 4 wig, ewig bill ich dein, theuer dir, mein Gokt, erkaufel; bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und Geist, getaufet! Deß sen soll mein Her sich reun, 29———— Heiligung. freun, ewig, ewig bin ich dein! 2. Welch ein göttlicher Ge⸗ winn, daß ich durch der Taufe Gabe Gottes Kind und Erbe bin, daß ich ih um Vater habe! Heilig, heilig will ich sein; Vater, bin ich dein! 3. Ich gelobt es, und den⸗ noch brach ich oft den Bund der Taufe, kämpfte schon und wurde doch schwach im Kampf und matt im Laufe. ennoch will noch Je⸗ sus mein, Gott will noch mein Vater sein! Dieß, 0 Gott, ver⸗ sprachst du mir das hat Jesus mir verheißen. Und ich sollte, Sünde, dir, dir, Wel„mich nicht entrei- en? ich Leben loben! Ihm will 7 ne ganze 6. Wachen will ich, wissenhaft ö wandeln möge; und er wird Höre mich *—„* bin dein, theuer dir, mein 159 Gott erkaufet; bin auf dich, Um dein zu sein, Vater, Sohn und Geist, getaufet! Ewig, ewig laß mich dein, ewig laß mich selig sein. Das heilige Abendmahl. Mel. Befiehl du deine Wege 225 Versammelt hat⸗ te Jesus die Jünger feierlich: es nahte seine Stunde, die Abschieds⸗ stunde sich. Di 0 der offnung freuten, mit ihm zum Thron zu gehn, sie soll⸗ ten nun ih from⸗ den „den Erwählten 3. Er sah sterben und weihte 670 und in, den Bli zu Gott erhoben, für sie laut dankend ein. Nehmt, sprach er, diese Gaben, das ist mein Leib, mein Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches thut! Wie ht chr 10 Rhrrr gessen, was jetzt i Hrer that, der scheidende Geliebte jetzt, ach, so zärtlich bat! Nehmt 160 Werke und Wohlthaten Gottes. Nehmt hin, für euch gege⸗ ben wird dieser Leib, dieß Blut; o denket mein, ihr Lieben so oft ihr solches thut! 5. Nun ward dieß Mahl zur Feier: stets schwebte liebreich, mild und hehr vor ihren Blicken des treusten Freundes Bild: gab ihnen reinre Liebe, zur Tugend höhern Muth. Sie opfer⸗ ten der Wahrheit mit Freu⸗ den Gut und Blut. 6. Auch uns zum Heil ge⸗ stiftet ward sein Gedächtniß⸗ mahl; für uns auch starb aus Liebe er unter Schmach und Qual. Wer könnte sein vergessen, vergessen, was er bat, eh er den Weg des Todes zu unserm Heil be⸗ trat? 7. O laßt nun am Altare uns seiner dankbar freun und froh den Bund der Lie⸗ be, der Tugend Bund er⸗ neun! Sein Mahl stärk un⸗ sern Glauben, stärk ihn in Schmerz und Noth, mach heilig unser Leben, mach freudig unsern Tad. Mel. Liebster Immanuel 226 Naht dem Alta⸗ A re, Unsterbli⸗ che, nahet und feiert hier den Tag der Besserung! Segnet den Festtag des Bun⸗ des! Empfahet bei Jesu Mahle Kraft zur Heiligung. Fühlt Gottes Frieden! Denn bie hienieden ge⸗ währt die Tugend euch Be⸗ seligung. ö 2. Aber gebietet auf rau⸗ heren Wegen die Tugend euch zu gehn zo wanket nicht! Blicket auf Jesum! Mit ewi⸗ gem Segen, mit Ruhm vor Gott belohnt erfüllte Pflicht. Auf, auf, und ringet zum Ziel! Vollbringet den Ruf der Gottheit! Auf und wan⸗ ket nicht! 3. Bei dem Gedächtniß des Heiligen schwöret, dem hohen Tugendbund getreu zu sein! Schwört bei dem Tode des Heiligen! Höret, ihr Mitunsterbliche, den Schwur: Wir weihn in dieser Stunde dem großen Bund der wahren Tugend uns. Gott, wir sind dein! 4. Singt dem erhabenen Muster der Frommen, des Bundes Erstem, Preis und Lobgesang! Er ist zum Segen der Menschheit gekommen; vom Himmel bracht er Licht. Nun Lebenslang im Licht zu wandeln, wie er, zu han⸗. deln: dieß, Christen der ihm geweihte Dank. Mel. Ein Lämmlein geht und 227 u, Herr, hast ö aus Barmher⸗ zigkeit zum Denkmal deinei Gnaden das ganze Voll der Christenheit wohlthätig eil geladen. Du rufst: 50 su Heiligung. selge, kommt zu mir! Ich komme, Heiland a, zu dir erheb ich meine Seele. Ent⸗ zeuch mir deine Gnade nicht, sei auch mein Trost, mein Heil, mein Licht. Du siehst, wie oft ich fehle. Ja, meiner Schulden sind weit mehr, als ich ver⸗ mag zu zählen. J fühl es wohl und leide sehr vor Unruh meiner Seelen. Doch du bist meine Zuversicht. Verlaß mit deinem Trost mich nicht; du siehest meine Reue, Erbarmer, nimm sie gnädig an; du bist, der hel⸗ fen will und kann, daß sich mein Herz erfreue. 3. Nach deinem Troste sehn ich mich, gebückt vor dir im Staube. Dein tröst ich mich, und nur auf dich Erlöser, hofft mein Glaube. Gebeugte willst du nicht ver⸗ schmähn, versprichst, den Schwachen beizustehn, die nach der Beßrung ein Bor⸗ Stets bleibst du deinen or⸗ ten treu und wirst ein gläu⸗ big Herz voll Reu und mei⸗ nes nicht verachten. 4. Regiere nur auch künf⸗ tig mich, daß ich vorsichtig handle und eilig, voll Ver⸗ traun auf ich, nach dei⸗ nem Willen wandle. Gib, daß, aus Dank für deine uld, in Liebe, Glauben und eduld ich dir auf Erden lebe, bis ich dereinst in dei⸗ 161 nem Reich, perklärt, un⸗ sterblich, Engeln gleich, dich ewig froh erhebe. Mel. Wer nur den lieben Gott 228 5 bin ich, Je⸗ su, zu erfül⸗ len, was du in deiner Lei⸗ densnacht, nach deinem denvollen Willen, zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih flicht mir 10911 bei Gott So freuet sich in deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk ich an die Liebe, womit du un⸗ ser Heil bedacht. Wie stark sind deine Mitleidstriebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! O gib von deie nem Tod Sschmerz jetzt neuen Eindruck in mein erz! 4. 5 mich mit Ernst die Sünden scheuen, für wel⸗ che du dich opfernd starbst; durch schnöden Mißbrau nie eniweihn, was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zur Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht! 5. Ich übergebe mich aufs neue, o du mein Herr 6011 0 162 Gott, an dich; ich schwöre dir beständge Treue vor dei⸗ nem Tische feierlich. Dein eigen will ich ewig sein. Du starbst für mich; drum bin ich dein! 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen des Dien⸗ stes, den man dir erweist, mich nie zu einem Schritt beguemen, den mein Ge⸗ wissen sündlich heißt. O flöße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gesinnt zu sein! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben und, wenn er strauchelnd sich versieht, Versöhnlichkeit und Sanft⸗ muth üben! Nie komm es mir aus dem Gemüth, welch eine schwere Sündenlast du mir aus Huld erlassen hast! 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine See⸗ le ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmächtger Ruf erhebt, wenn du dich, gro⸗ ßer Lebensfürst, den Völ⸗ kern sichtbar üegic wirst! 9. Gebeugt lieg ich zu dei⸗ nen Füßen mit Dank und Lob, Gebet und Flehn. Laß auf mich neue Gnade flie⸗ ßen! Mein Heiland, laß es doch geschehn, daß mir zur Stärkung meiner Treu dein Abendmahl gesegnet sei! Mel. Ein Lämmlein geht und (ch komme, Herr, 229 X und huche dich Werke und Wohlthaten Gottes. mühselig und beladen. Gott mein Erbarmer, würdge mich des Wunders deiner Gnaden!. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Got⸗ tes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh; ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversicht⸗ lich an; du bist dus Heil der Sünder, hast ihre Schul⸗ den abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Nacht und an dein Wort: Es ist voll⸗ bracht! Du 42 mein Heil verdienet. Du hast für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt in dir mit sich versühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget dei⸗ ne Sünden und läßt in sei⸗ nem Mahle hier dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sei getrost, mein Sohn! die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft und du wirst dem, der dich er⸗ kauft, von ganzem Herzen leben. ö ö 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; bewahr es hier im Glauden und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, i vereine mich mit dir; 0 0 Heiligung. 163 bin der Weinstock; bleib an du an mich gewandt! O mir: so wirst du Früchte stärke mein Gemüthe zum bringen. Ich helfe dir, ich gläubigen Vertraun auf dich, stärke dich, und durch' die daß ich, solang ich lebe, mich Liebe gegen mich wird dir an deine Gnade halte! der Sieg gelingen. 4. Ich fühle, Herr, voll 5. Ja, Herr, mein Glück Reu und Schmerz die Last ist dein Gebot, ich will es von meinen Sünden. Laß treu erfüllen und bitte dich mein vor dir gebeugtes Herz durch deinen Tod um Kraft den süßen Trost emp inden, zu meinem Willen. Laß mich daß ich in deines aters bon nun an würdig sein, Huld gewiß Vergebung mei⸗ mein ganzes Herz dir, Herr, ner Schuld auf Buße fin⸗ zu weihn und deinen Tod den werde! zu preisen. Laß mich den 5. Der Trost, den mir Ernst der Heiligung durch dein Tod verschafft, werd eine wahre Besserung mir ewig mir zum Segen! Er und der Welt beweisen! stärke mich mit neuer Kraft, auf allen meinen Wegen Mel. Es ist das Heil* nur das 0 0 cht dir 530 cch preise dich, gefällt, und alle Furcht und 230 Vo Herr, mein Lust der Welt standhaft zu Heil, für deine Todesleiden. überwinden! Hab ich an ihren Früchten 6. Laß mich mit Glau⸗ Theil, was fehlt dann mei⸗ bensfreudigkeit vom Bun⸗ nen Freuden? Du wardst desmahle essen und der Ver⸗ ein Opfer auch für mich: brüdrung heilgen Eid un⸗ o gib, daß meine Seele sich dankbar nie vergessen, daß deß ewig freuen möge! ich aus echter Gegentreu dir 2. Was kann mein Geist bis zum Tod ergeben sei, durch deinen Tod nicht noch dir und den Brüdern lebe! für Segen finden! Erquik⸗ 7. Laß deines Leidens gro⸗ kung in der Todesnoth, Ver⸗ ßen Zweck mir stets vor gehung aller Sünden, Ge⸗ Augen stehen! Nimm alle wissensruh, zur Beßrung Hindernisse weg, die steile Kraft: das hast du, Herr, Bahn zu gehen, die mir dein auch mir verschafft, da du heilig Vorbild weist und die am Kreuze starbest! einst den erlösten Geist zu 3. Dein Mahl ist mir deiner Freude führet! ein Unterpfand von deiner 8. Zum ewgen Leben hast Roßen Güte. Wie viel hast du dich für mich Woehen geben. 164 geben. Dein Abendmahl er⸗ wecke mich, mit Ernst da⸗ nach zu streben! Herr, mache mich dazu geschickt, und werd ich einst der Welt entrückt, 0 13 dein Tod mir Le⸗ en! Mel. Gott Vater, an Erbarmen 231 Christ eile nie mit sicherm Sinn zum Liebesmahle Jesu hin, denk nicht, des großen Dul⸗ ders Blut macht jedes Sün⸗ ders Laster gut! Weh dem, der dieses Mahl entweiht durch Selbstbetrug und Si⸗ cherheit. 2. Wer sich zu ihm un⸗ würdig naht, der häuft die Schuld der Missethat. Sei nicht dein Feind, empfah es nicht dir, ach, zum strenge⸗ ren Gericht! Nein, erst em⸗ pfinde tief dein Herz der Sünde Schmach, der Reue Schmerzʒ ö 3. Erst sei dein Vorsatz fest und rein, nicht mehr der Sünde Sklav zu sein; erst gib zurück, was deine Hand durch List, durch Trug, durch Raub entwandt, erst Zürnender, versöhne dich mit deinem Bruder brü⸗ derlich! 4. Besiegst du so in dei⸗ ner Brust des Lasters Macht, die böse Lust; bist du ent⸗ schlossen und bereit, zu käm⸗ pfen manchen harten Streit: F́ö Werke und Wohlthaten Gottes. dann nahst du dich der Tu⸗ gendbahn, dann gehe zum Altar hinan. 5. Beschämt und mit ge⸗ beugtem Sinn schau auf den großen Dulder hin, der liebreich für die Sünder starb und ihnen Gottes Huld erwarb; dann glaube froh, daß Gott uns liebt, gern Reuigen die Schuld vergibt. ö 6. So, frei von Heuche⸗ lei und Wahn, müss Jeder sich dem Mahle nahn das du in deiner letzten Nacht, o Herr, zum Denkmal uns gemacht! Da dämpfe der Ge⸗ dank ans Kreuz der Thor⸗ heit Lust, der Sünde Reiz! 7. Da rühr uns tief dein göttlich Bild und mach uns liebreich, sanft und mild; da schenk dein Geist uns Muth und Kraft zum Kam⸗ pfe mit der Leidenschaft, daß heilig wir durchs Leben gehn, dem Tode froh ent⸗ gegensehn! Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 232 aht mit An⸗ dacht im Ge⸗ müth, Brüder, christlich dem Altare; wer in Jugend⸗ fülle blüht, und der Greis im Silberhaare, hoch und niedrig, arm und reich, naht: hier seid ihr alle gleich! 2. Stärkt euch für die höhre Welt! Fließt, der Wuh Heiligung. Liebe Thränen, vom Brode jetzt Entzücken inniglich, stärke für den Himmel sich! 3. Stärkt euch, bleibet nein und gut; denket Alle: ir sind Brüder! denket: Jesu Christi Blut floß für uns am Kreuze nieder; Menschenwürde, Menschen⸗ sinn uns zu lehren, floß es hin! 4. Der uns lehrte, Kraft und Gut für der Brüder zu geben, Wahrheit hin sein Blut, gab für Tugend hin sein Leben, hat, was er empfahl, geübt. O, wie hat er uns geliebt! 5. Denket seiner! Thrä⸗ nen fließt! Freudenthränen weinet, Brüder! Wer vom Brode jetzt genießt, wer vom Weine trinket, Brüder, den⸗ ket an den Menschenfreund, denkt an Jesum, dankt und weint! 6. Laßt mit heiligem Ge⸗ müth all uns nahen dem Altare; wer von Lebens⸗ kräften glüht und der Greis an naher Bahre, hoch und niedrig arm und reich! Brü⸗ er, hier sind Alle gleich! Alle gehn wir eine Bahn, Alle gehn wir zu dem Ziele edler Menschlich— keit hinan. Voll der selig⸗ sten Gefühle bete Jeder in⸗ 165 niglich, stärke für den Him⸗ mel sich! 8. Wer den Kelch des Nachtmahls trinkt, wer vom Brode jetzt genießet, wer in Andacht fromm versinkt, wem der Reue Thräne flie⸗ ßet, ist mein Bruder, ist mein Freund: und ich habe keinen Feind! 9. Fließt, der Liebe Thrä⸗ nen, fließt! Vorgefühl der Himmelsfreuden slhle wer das Mahl genießt, Kraft Den Guten, Trost im Lei⸗ en; fühlt euch all als Men⸗ schen gleich, fühlt als Him⸗ melsbürger euch. 10. Jesus Christus hat sein Blut für der Menschen⸗ wohl gegeben; laßt uns Kräfte, Geist und Gut Men⸗ en widmen, sür sie leben: laßt uns zu des Himmels Höhn auf der Bahn der Liebe gehn. Mel. Freu dich sehr, o meine 23 3 Voller Ehrfurcht, ö Dank und Freu⸗ den, komm ich, Herr auf dein Gebot, zu dem Denk⸗ mal deiner Leiden und ge⸗ denk an deinen Tod. Mitt⸗ ler, der du für mich starbst, mir ein ewig Heil erwarbst, dir zur Ehre stets zu le⸗ ben, sei mein eifrigstes Be⸗ streben! 2. Ich empfind es jetzt aufs neue, was ich dir, Herr —. 166 Herr, schuldig bin. Du, du gabst mit großer Treue ganz dich mir zum Dienste hin; wiesest mir den Weg zu Gott und ertrugst den schwersten Tod, mir im Le⸗ ben und im Sterben sichre Tröstung zu erwerben. 3. Durch dich ist zu Got⸗ tes Gnade freier Zutritt und die Kraft, auf der Tu⸗ gend selgem Pfade fest ein⸗ herzugehn, verschafft. Und du rufst aufs neue mir durch dein Nachtmahl, daß ich hier Theil an deinem Segen nehme und mich dei⸗ ner niemals schäme. 4. Sollt ich, Jesu, denn vergebens diese deine Huld empfahn? Nicht zur Beß⸗ rung meines Lebens mich zu deinem Tische nahn? Ja mit neuem Ernst will ich mich vor Sünden scheun und dich durch ein dir ge⸗ heiligt Leben mit vermehr⸗ tem Fleiß erheben! 5. Diesen Vorsatz den ich habe, thätig dankbar dir zu sein, präg ihn, Jesu, bis zum Grabe tief in meine Seele ein! Gib mir Kraft, ihn zu vollziehn! Lehre mich mit Vorsicht fliehn, was ihn könnte bei mir schwächen, was mich reizt, ihn gar zu brechen! 6. Laß mich über Alles schätzen dein mir theur er⸗ worbnes Heil und nie aus Werke und Wohlthaten Gottes. den Augen setzen, wie nur der daran hat Theil, der auf deine Stimme hört, mit Gehorsam dich verehrt und in deinem Dienst auf Er⸗ den immer besser sucht zu werden! 7. Geh mir, wo ich bin und wandle, immerfort mit Hülfe nach, daß ich als ein Thrist stets handle; und wird je mein Glaubeschwach, o so hilf mir liebreich aus, daß ich in dem Tugendlauf nimmer wanke, nie ermüde! So erquicke mich dein Friede! 8. Ewig will ich dir es danken, daß du so barmher⸗ zig bist, daß auch, wenn wir Schwache wanken, deine Treu beständig ist. Herr, ich hoff es froh und fest, daß sie mich auch nie verläßt. Zu des Himmels Seligkeiten wird sie mich gewiß auch leiten! Mel. Schmücke dich, o liebe S. 234 Sbne gläubig nach des Herrn Be⸗ fehle seinen Mittlertod zu feiern, deinen Dank ihm zu erneuern. Auch für dich hat er sein Leben in den bangsten Tod gegeben, dir auf Zeit und Ewigkeiten Heil und Wohlfahrt zu bereiten! 2. Zum Genusse seine Gnaden wirst du von ihn eingeladen; eilihm deum voll rrrr n — —— VEVU—— Heiligung. 167 voll entgegen und nimm und dich dankbar froh er⸗ Theil an seinem Segen. heben. Deine Huld ist un⸗ Komm getrost, es ist sein ermeßlich; Herr, sie sei mir Wille, komm und schöpf aus unvergeßlich, daß ich di seiner Fülle neuen Muth und aus frommem Triebe thä⸗ neue Triebe zur Verehrung tig ehre, folgsam liebe! seiner Liebe! Du, dem dort der 3. Herr, ich komme mit Frommen Schaaren, die, Verlangen, Seelenruhe zu wie ich, auch Sünder wa⸗ empfangen. Deine Liebe soll ren, ewig Dank und Jubel mich starken in dem Fleiß singen, daß sie hier dein Heil u guten Werken. Mit den empfingen, laß auch mich hellgsten Entschlüssen will einst dahin kommen, daß ich Brod und Wein genießen, ich mich mit allen From⸗ mich der Bruderliebe wei⸗ men ewig deiner Huld er⸗ hen, deines Todes mich er⸗ freue und dir einst mein freuen. Danklied weihe. 4. O wie sehnt sich mein ö Gemüthe, Menschenfreund, Mel. Schon ist der 15 19115 nach deiner Güte! A ge⸗ Ich will den Bund lob dir neue Treue; jche 235 NI mit meinem Zerr, mein Herz voll Reue!] Herrn bei seinem Mahl er⸗ Meinem kindli hen Begeh⸗ neuern; ich will, von Welt⸗ ren wollst du deinen Trost geschäften fern, heut seinGe⸗ gewähren, meiner Sünden dächtniß feiern. Der Tag sei nicht gedenken, mir Gewis⸗ hehr und heilig mir! Froh sensruhe schenken! soll mein dankbar Herz zu 5. Ja, ich hoff auf deine ir, Erlöser, sich erheben! Gnade, daß sie mich der Mich führe nicht Ge⸗ 2. Schuld entlade und mit wohnheit hin, nicht der Be⸗ neuer Kraft zum Werke mei⸗ trug der Sünde, als ob ein ner Heiligung mich stärke. unbekehrter Sinn dadurch 4 du, da du für uns schon Gnade finde. Nein, starbest, Zedem, der Gott frei von niedrer Heuchelei, ucht, erwarbest, Seelenruh von eitlem Selbstbetruge und ewges Leben, wirst du frei, will ich dein Mahl ur gewiß auch geben. heut feiern! * Deiner will ich mich 3. Zum Eigenthume will stets freuen, ganz mich mei⸗ ich mich aufs neue dir er⸗ nen Pflichten weihen, nur geben; bekennen will ichs nach deinem Willen leben öͤffentlich, dein Sterben sei ö mein 168 mein Leben. Solang ich athme, will ich dein und deiner Liebe mich erfreun und sie noch sterbend preisen. 4. Mit Reue will ich meine Schuld vor meinem Gott ge⸗ stehen und, unwerth seiner Vaterhuld, ihn um Verge⸗ bung flehen. Laß mich mit gläubigem Vertraun auf dich, mein treuer Mittler, schaun und Seelenruhe fin⸗ den. 5. Es sei das Mahl der Liebe mir ein Pfand von Gottes Gnade, daß ich mit frohem Muthe dir folg auf der Tugend Pfade, mich im⸗ mer meines Vaters freu und voll der frohen Hoffnung sei, den Himmel einst zu erben! 6. Hilf, daß ich, jeder Sünde Feind, Gott über Alles liebe. durch dein Ver⸗ dienst mit ihm vereint, das Gute eifrig übe! Gefällig ist dir dieser Dank; ihn will ich dir mein Leben lang mit reinem Herzen bringen. Mel. Herr, wir singen 236 H del wir feiern dein Gedächt⸗ niß. Uns freut das heilige Vermächtniß von deinem blutgen Opfertod. Deiner nimmer zu vergessen, nahn wir uns dem Altar und es⸗ be⸗ mit Dankgefühl des Bun⸗ es Brod. Wir trinken, Werke und Wohlthaten Gottes. Herr, mit Dank des Bundes heilgen Trank und geloben vor dir aufs neu der Tu⸗ gend treu, daß uns dein Tod stets Segen sei. 2. Zu der Tugend höhern Werken, zur Liebe jedes Herz zu stärken, dazu ward dieses Mahl geweiht. Wie sein Stifter ier zu wandeln, stets liebreich, gut und fromm zu handeln, sind wir ent⸗ schlossen und bereit. Reicht, Christen, euch die Hand! Wir gehn ins Vaterland beß⸗ rer Wesen. Mit Freudigkeit geht im Geleit der Liebe durch Gefahr und Streit; 3. Sie erfüllt mit Muth die Herzen, sie duldet Alles, Denkt der Schmerzen, dil Jesus für uns Menschen litt!“ Laßt uns treu einander lie⸗ ben, treu jede uns üben, für sie auch strei ten, wie er stritt! Der Men⸗ schenliebe weihn bei seinem Brod und Wein wir uns alle. Wer Mitleid übt, gern hilft und gibt, der ists, del Jesum Christum liebt. 4. Gott zu leben, Gott in sterben und seinen Himmal zu ererben, dieß ist des Lα bens hohes Ziel. Jesu, hih es uns erringen; hilf Süm und Laster uns bezwingel richt auf den Schwachel welcher fiel! O stärk uns l im Lauf; schließ uns el Himmel auf, wann wir 90 Liebespflicht lauft, Heiligung. ben! Von dir herab strömt Licht ins Grab; wir trock⸗ nen unsre Thränen ab. Der Chor⸗ Mel. Herr, wir singen deiner 237 Herr, du wollst sie vorbereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sei mitten unter ihnen, Gott! Heil und Leben zu empfahen, laß sie, o Sohn, sich wür⸗ dig nahen, durch dich ver⸗ gessen Sünd und Tod! Denn nur von Sünde rein, sind sie, o Jesu, dein, deine Freunde. L laß si in jenen Höhn von Ueberwinder Lohn! Die Gemeinde. Brüder, all auf Christi Tod ommt, erneut euren Bund der Seligkeit! 2. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ den in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben. eht, wie er die Sünder liebt,‚ da er selbst sich für sie gibt! 3. Die mit voller Zuver⸗ 10 n, sich freuen, sie stets in 169 diesem Licht wandeln, ewig dir sich weihen! Laß ihr Herz vom Stolze rein, voll von deiner Demuth sein! 4. Tröste, die in Trau⸗ rigkeit über ihre Seele wa⸗ chen; stärke, Herr der Herr⸗ lichkeit, ihren Glauben, hilf den Schwachen! Die gebeugt von ferne stehn, können un⸗ erhört nicht flehn. 5. Nehmet hin und eßt sein Brod Jesus Christus ward gegeben für die Sünder in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward 496 in 50 Thriene 13 Hoherpriester, esu Christ dn bist einmal einge⸗ gangen in das Heiligthum, du bist als ein Fluch ans Kreuz gehangen. Also bist du durch den Tod eingegan⸗ gen, Sohn, zu Gott! 4. Hoherpriester, ja, du bist auch für diese eingegan⸗ gen! Sprich sie los, Gott, Jesu Christ, wann sie nun dein Mahl empfangen! Laß sie fühlen: ins Gericht kom⸗ men, die da glauben, nicht! 8. Augenblick voll heilgen Grauns, voller onn und süßen Bebens! Theures Pfanddes künftgen Schauns, Ueberzeugung jenes Lebens! Schütte deine Gnad auf sie, alle deine Gnad auf sie! 9. Nehmet hin un eßt sein Brod! Jesus Christus H ward 170 ward gegeben für die Sün⸗ den in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sün⸗ der Tod! Der Chor. Z. Nehmt und eßt zum ewgen Leben! Nehmt hin und trinkt zum ewgen Le⸗ ben! Der Friede Christi sei mit euch! Nehmt und eßt zum ewgen Leben! Nehmt hin und trinkt zum ewgen Leben! Ererbt, ererbt des Mittlers Reich! Wacht! Eu⸗ re Seele sei bis in den Tod getreu! Amen! Amen! Der Weg ist schmal; klein ist die Zahl der Sieger, die der Richter krönt! Die Gemeinde. 10. Jesu Christi Mittler⸗ tod werd in aller Welt ver⸗ kündigt! Jesu Christi Mitt⸗ lertod, der vorm Richter uns entsündigt! Jesus Christ, mit Preis gekrönt, hat uns Staub mit Gott versöhnt. 1I. In das Chor der Him⸗ mel schwingt. Herr, sich un⸗ ser stammelnd Lallen. Wenn, von Seligen umringt, wir vor dir einst niederfallen, singt ein beßrer Lobgesang für dein Sterben Preis und Dank. Werke und Wohlthaten Gottes. 12. Ausgeschüttet warest du, warst, wie Wasser hin⸗ egossen; suchtest, fandest eine Ruh! Deine Todes⸗ wunden flossen, strömten über, ach, vom Blut, dei⸗ nes großen Opfers Blut! 13. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod! Nehmt und trinkt! Ihr trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sünder Tod! 14. Deiner Zunge Durst war heiß; heißer noch der Durst der Seele! Müd, in deines Todes Schweiß hing dein Leib, und deine Seele lechzte schmachtender zum Hülfe Doch schien seine ülfe fern. 15. O wie warst du fürch⸗ terlich, Tod der Sünder! Sterben, sterben sollte der Versöhner, dich, dich zu ret⸗ ten vom Verderben! Ewig fassen dein Gericht endliche Gedanken nicht! 16. Jesus rief: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? starb darauf den Kreuzestod. Wer kann diese Liebe fassen? Fluch und Tod sind nun nicht mehr. Gebt, ach, gebt dem Mittler Ehr! ö 17. Nehmet hin und eßt sein Brod! Jesus Christus ward gegeben für die Sün⸗ der in den Tod! Neng Und uE d.— 7— ——— waun RKc — Heiligung. Ihr trinkt das Mel. und trinkt! Leben! ingegeben in den Tod ward er, in der Sün⸗ der Tod! Der Chor. 3. Die dein Kreuz in je⸗ Märtyrer verließen oft des Bundes Mahl, um vorm Blutgericht zu stehen, it di in den Tod Freuden in nen Tagen der dir nachgetragen, mit dir bis in d 0 gehen, voll es T odes Herr, uns, nicht Lust, laß uns scheiden von dir, daß treu die Seele sei dir, der uns bis ansKreuz geliebt. ual! Gib nicht Leid Mel. Wer nur den lieben Gott 238 Nimm hin den Dank für dei ne Liebe, erhabner Mittler, Jesu Christ! ib, nun mit Freuden übe, was dir, Herr, wohlgefällig ist! Es milse deines Todes Pein 2. Heil mir! ward mi Herr, deines Bun⸗ ein. Von Herzen hab ich dir versprochen, dir bis zum Tode treu zu sein; 5 und feierlich gelob ichs dir. ei du nun Hülf und Bei⸗ stand mir! Beständigkeit auch 171 Schmücke dich, o liebe Seele 239 Heiland„groß an Huld und Treue, sieh, ich widme dir aufs neue, bei dem Denkmal deiner Liebe dieß mein Herz voll heißer Triebe, dir in mei⸗ nem Lauf auf Erden immer dankbarer zu werden und an deines Segens Gaben auch auf immer Theil zu haben. Laß dieß Opfer dir ge⸗ fallen! Du versprichst ja selbst es Allen, die nach dei⸗ Gund er verlangen, daß sie na nur nach deinem leben. Stärke mich denn zum der Hich zuwider wandeln, die dich trieb, auch mir zum Leben in den Tod dich hinzugeben! Welche Qualen im Gewissen würd ich ein⸗ mal fühlen müssen! H 2 5. Nein, 17² 5. Nein, so strafbar, so vermessen will ich nie der Pflicht vergessen, die dir, Herr, von mir gebühret, die zum wahren Heil mich füh⸗ ret. Ewig dir nur anzuhan⸗ gen, ist mein sehnlichstes Verlangen. Hilf du selbst nur meiner Seele, daß sie nicht das Ziel verfehle! 6. Bringe mich durch dei⸗ ne Gnade auf des wahren Glaubens Pfade immer nä⸗ her zu dem Ziele, wo ich ganz mich selig fühle. Laß indes⸗ sen mich hienieden deinen mir erworbnen Frieden im⸗ mer reichlicher genießen, bis sich meine Tage schließen. 7. O wie wird mein Herz sich freuen! Welche Jubel wird dirs weihen, wenn du mich dorthin erhebest, wo du ewig herrschend lebest! Nichts wird dann mich wei⸗ ter stören, dankvoll, Hei⸗ land, dich zu ehren; und du wirst mich mit den Freu⸗ den deines Himmels ewig weiden. Mel. Wann mein Stündlein 2 40 O Heiland, des⸗ sen hohen Werth des Sünders n empfindet, der reuvoll sich zu Gott bekehrt, auf dich sein Heil nur gründet: auch ich, ich Sünder suche dich; er⸗ barme dich auch über mich und laß mich Gnae finden! Werke und Wohlthaten Gottes. 2. Ich nehm an deinem Segen Theil; daß ich nicht trostlos bleibe, reichst du auch mir zu meinem Heil dein Mahl, dieß Pfand der Liebe. Ich nehm es und empfinde dann, wie viel du auch für mich gethan, wie viel, mich zu beglücken. 3. Hier ist dein Leib, hier ist dein Blut, für mich da⸗ hingegeben: du starbst, der ganzen Welt zu gut, er⸗ warbst auch mir das Leben. Ich eß das Brod, ich trink den Wein, um ganz mit dir vereint zu sein, um ganz für dich zu leben. 4. O laß mich deines Mah⸗ les Kraft in meinem Glau⸗ ben stärken! Die Zuversicht, die es verschafft, treib mich zu guten Werken, zum Eifer in der Heiligung, zur wah⸗ ren Herzensbesserung, zum Kampf mit bösen Lüsten! 5. Wie? sollt ich diesen Lüsten noch zu meiner Schan⸗ de dienen? Ich trüge noch ihr selavisch Joch? Ich soll⸗ te mich erkühnen, den Hei⸗ land, der für mich au starb, mir Gnade, Tro und Heil erwarb, durch Sünden zu verläugnen? 6. Nein, göttlicher Eret⸗ ter, nein, laß mich das Böse hassen, mich jeden Reiz der Sünde scheun und Muth *1 Kampfe fassen, dein ahl nicht unbekehrt ent⸗ weihn x Heiligung. weihn und den dir treu zu sein, digkeit Entschluß, mit Freu⸗ vollbringen. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele 241 Her der du dein theures Leben für mich in den Tod gege⸗ ben, mich soll deine Liebe dringen, deinen Willen zu vollbringen; drum komm ich, von dir geladen, zu dem ahle deiner Gnaden, 2. Ja, dir schwör ichs, mein Befreier von dem Tode, hoch und theuer, dich will ich mit allen Trieben meiner ganzen Seele lieben; immer will ich mich bestreben, nur nach deinem Sinn zu leben; mich soll weder Lust, noch eiden, Herr, von deiner Liebe scheiden“ 3. Ich gelob aus treuem Herzen, meiner Brüder Noth un merzen täglich brü⸗ derlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mindern. ch gelobe dir, mit Freu⸗ den auch das Unrecht still 1. leiden, ungeduldig nie zu lagen, an Gott niemals zu verzagen. 4. Was du hassest, will ich hassen, ganz von dir mi lassen, nie mit Vor⸗ leiten 173 satz dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. Doch ich kenne meine Schwäche, Jesu, da ich dieß verspreche. Morgen ist wohl schon ge⸗ brochen, was ich heute dir versprochen. 5. Darum hilf du mir und stärke mich zu jedem guten Werke; komm und eile, mich vom Bösen, das ich thun will, zu erlösen; ilf den ersten Reiz der Folgen schrecken und der Unschuld Freuden schmecken! 6. Laß mich deine Treu ermessen, deine Liebe nie vergessen! Laß mich, weich ich ab vom Guten, err, dich sehn am Krenze bluten! Liebe schlug dir deine Wun⸗ den; das soll mich in dun⸗ keln Stunden, ich Angst und Zweifel drücken, mit erhabnem quicken. kunft rüsten, Tag schon käme, keiner, Herr, vor dir si schäme! Großes Abendmahl Tag des du kom⸗ 174 (Nach der Kommunion.) Mel. Wie groß ist des Allmächt⸗ gen Güte. 242 Baeelne ar er; verkündigt ward von Unsterblichkeit und Vergeltung. uns dein Tod. O dein Ge⸗ dächtniß sei uns theuer und unvergeßlich dein Gebot! Laß nie des Himmels Vor⸗ gefühle in uns erkalten und vergehn; laß würdig einst am Kronenziele, Herr, deine Herrlichkeit uns sehn. Unsterblichkeit und Vergeltung. T o d. Mel. Besiehl du deine Wege 243 Die auf der Erde wallen, die Sterblichen sind Staub. Sie blühen auf und fallen, des Todes sichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, da Gottes Stimme ruft; doch jede, jede Stunde bringt näher uns zur Gruft. 2. Getrost gehn Gottes Kinder die öde, dunkle Bahn, zu der verstockte Sünder verzweiflungsvoll sich nahn, wo selbst der freche Spöt⸗ ter nicht mehr zu spotten wagt, vor dir, vor seinem Retter, erzittert und ver⸗ zagt. 3. Wann diese Bahn zu gehen dein Will einst mir gebeut; wann vor mir offen stehen Gericht und Ewig⸗ keit; wann meine Kräfte beben und nun das Herz mir bricht: Herr über Tod und Leben, o dann verlaß mich nicht! 4. Hilf, Todesüberwin⸗ der, mir dann in meiner Angst, der du zum Heil der Sünder selbst mit dem Tode rangst! Und wann des Kampfes Ende gewal⸗ tiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du er⸗ löset hast! 5. Des Himmels Wonn und Freuden ermißt kein sterblich Herz. O Trost für kurze Leiden, für kurzen To⸗ desschmerz! Dem Sünden⸗ überwinder sei ewig Preis und Dank! Preis ihm, der für uns Sünder den Kelch des Todes trank! ö 6. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Him⸗ mel weihn, die, aufgelöst zu werden, mit heilger Furcht sich freun! Bereit, es ihm zu geben, wenn Gott, ihr Gott, gebeut, gehn sie ge⸗ trost durchs Leben hin zur Unsterblichkeit. Mel, —— t — 2 VIX AI–t.. VSn— F F — 2 —— ⏑ —— höhern Tod. Mel. Was Gott thut, das ist 2⁴44 Nur kurz ist hier mein Aufent⸗ halt; ich bleibe nicht auf Erden. Das Herz, das jetzt noch kräftig wallt, wird einst entkräftet werden. Zer⸗ rüttet sinkt, wann Gott mir winkt, mein Staub zum taube nieder; mich selbst erhebt Gott wieder. ö 2. Ich selbst bin mehr, weit mehr, als Staub; er ist nur meine Hülle. Ich selbst bin nicht des Todes Raub; ein Geist hat Le⸗ bensfülle. Wenn auch die Welt in Trümmer fällt; er jauchzt, daß er noch lebet und aus den Trümmern schwebet. 3. Was fürcht ich denn des Todes Macht? Sie kann mich nicht erreichen. Was kümmert mich des Gra⸗ bes Nacht? Sie muß dem Ta⸗ ge weichen. OTagdes Danks, des Preisgesangs! Wann wirst du meinen Blicken das dunkle Thal entrücken? 4. Hier glänzt noch nicht mein höchstes Ziel. Was kann die Erde geben? Sie gibt, und gäb sie noch so viel, kein reines Freuden⸗ leben. Mein Geist begehrt, was ewig währt und ihn auch dann erheitert, wann alles Andre scheitert. Er ist ein Glied der Welt; er ist von 17⁵ Gott geboren. Für ihn ist, kämpft er nur als Held, die Krone nicht verloren. Er tritt hervor und schaut em⸗ por; die Krone strahlt im Himmel, hier nicht im Erd—⸗ getümmel. 6. So kämpfe denn, mein froher Geist! Sei muthig: du wirst siegen. Nur dei⸗ nes Leibes Band ht er du selbst wirst nicht erlie⸗ gen. Dein Lebensquell fließt ewig hell; er tränkt nach kurzen Leiden dich mit des iegers Freuden. Nur kurz ist hier dein Aufenthalt. O dank dem Freudengeber! Wer weiß, wie bald die Stimme schallt: Verlaß das Land der Grä⸗ ber! Dein Vaterland ist dir bekannt. O sei nur gut und weise und rüste dich zur Reise! Mel. Jesus, meine Zuversicht 245 Wie im Herbste fällt das Laub, wirst du einst, mein eib, zerfallen; wirst zer⸗ stäuben, Staub zu Staub, und wie leicht Gewölk ver⸗ wallen, ruhen in des Gra⸗ bes Schooß, jedes Erden⸗ kummers los. 2. Doch nicht für die Erde nur gab der Vater mir das Leben: ich bin höherer Natur, soll vom Staube mich erheben; hier ist nur H 4 mein 176 mein Uebungsstand z jenseits ist mein Vaterland. 3. Jenseits überm Staub beginnt erst mein rechtes, währes Leben; dort erst reift zum Mann das Kind, dort erst werd ich mich er⸗ heben zu der Tugend, die nicht fehlt, Irrthum nicht für Wahrheit wählt. 4. Dort erst ist mein Auge nicht trüb und schwach mehr für die Wahrheit; dort umgibt mich reines Licht; dort wird Alles mir zur Klarheit; dort erscheint mir unverhüllt sie, die Wahr⸗ heit, nicht ihr Bild. 5. Auf der immer lich⸗ tern Bahn seh ich dann mit hellern Blicken, was, Erbar⸗ mer, du gethan. Menschen ewig zu beglücken. Dunkel war mir hier dein Plan; dort bet ich ihn freudig an. 6. Jauchz, o Seele, fühle dich! Einst schwingst du dich auf vom Staube! Heil mir! einst belohnet mich, wenn er thätig war, mein Glau⸗ be! Furchtbar ist mir nicht der Tod, wenn ich that, was Gott gebot. 7. Ohne Furcht und ohne Graun werd ich ihm ent⸗ gegengehen, werde Gott anbetend schaun, werde, wie er ist, ihn sehen, weil mein Tod durch Jesum Christ Eingang in den Him⸗ mel ist. Unsterblichkeit und Vergeltung. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2 46 ir zu leben, dir zu sterben, ewig, Vater, dein zu sein, mit des Himmels frommen Erben hier schon deiner mich zu freun und mit ruhigem Gewissen einst mein Auge sanflzu schließen; diese Gna⸗ de wünsch ich mir; sie er⸗ bitt ich mir von dir! 2. Daß ichs könne, laß mich streben, frei von Wahn und glaubensvoll und ge⸗ recht vor dir zu leben und zu leisten, was ich soll! Ja, mein Gott, gib Licht und Stärke, daß im Fleiße ö guter Werke ich beständig dir getreu, jeder Tugend Vorbild sei! 3. Allen will ich nützlich werden, ungehorsam keiner Pflicht, nie ein Aergerniß auf Erden, auch nach mei⸗ nem Tode nicht. Menschen noch nach ihrem Sterben ihre Freuden zu verderben, sie zu reizen, dich zu fliehn: welch ein Fluch! wie fürcht ich ihn! ö 4. O wer wollte nicht auf Erden immer streben, gut zu sein, um ein Denkmal einst zu werden, deß sich die Gerechten freun? Ja, ich will die Sünder locken, daß sie nie ihr Herz ver⸗ stocken und mit mir zum Ziele gehn, deine Herrlich keit zu sehn. ö 5. Daß — V* mein Tod wärs, das Tod. 5. Daß auch, was ich hin⸗ terlasse, nie zur Ungerech⸗ tigkeit, nie zu Zank und bitterm Hasse meinen Erben Reiz verleiht, will ich früh schon weislich sorgen; denn ist nicht verbor⸗ gen. Freudig scheid ich von der Welt, hab ich so mein Haus bestellt. 6. In den letzten Augen⸗ blickeu sei mein Herz von Sorgen frei! Sagen müss ich voll Entzücken: Du, mein Vater, siehst mir bei, du, dem ich nun meine Seele und die Meini en empfehle! Welch ein En e! Guter Gott, gib mir einen solchen Tod' Mel. Valet will ich dir geben 247 ern will i mich ergeben, dich zu verlassen, Welt: ich geh zum bessern Leben, so⸗ bald es Gott gefällt. Was mich betrübte? Dort schau ich ewig den, den meine Seele liebte, noch eh ich ihn gesehn. „Er ruft zur Zeit der Schmerzen uns voll Erbar⸗ Kommt her, be⸗ Herzen, zu mir und Dieß Wort aus einem Munde laß, Herr, ch zu erfreun, in meiner letzten Stunde mir Geist und Leben sein! Mit dir muß es mir 177 glücken, den Kampf zu über⸗ stehn. Im gläubigen Ent⸗ zücken laß meine Seele sehn, wie im Gericht für Sünder du mit dem Tode rangst und wie du, Ueber⸗ winder, allmächtig ihn be⸗ zwangst. Siegsge⸗ Stachel „ daß i nicht wanke in meiner To⸗ So ist, Abenn ich 5. Du schriebst ins Buch des Lebens auch meinen Na⸗ men ein. Dein Blut kann nicht vergebens für mich vergossen sein. Dir trauet meine Seele, dich lobt, was in mir ist, Erlöser meiner Seele, der du die Liebe bist. Mel. Nun laßt uns den Leib 2 48 Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub: und den⸗ noch schmeichelt er sich gern fer Tag des Todes sei uoch ern. 2. Der üngling hofft des Greises Ziel, der“ ann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrthum wahr. ö 3. Sprich nicht: ich denk 55 in 178 in Glück und Noth, im Her⸗ zen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut; und un⸗ sers Lebens kleinster Theil ist eine Frist zu unserm eil. 5. Der Tod rückt Seelen vors Gericht; da bringt Gott Alles an das Licht und macht, was hier ver⸗ borgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, so sei stets wachsam und bereit, prüf deinen Glauben als ein Christ, ob er durch Liebe thätig ist. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch, durch des Erlösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu sein: dieß macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hoͤrt, ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, ein gläubig Herz, von Lieb er⸗ füllt: dieß ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfor⸗ dert Müh; du wirkst sie nicht, Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, ‚10t wäre sie ein Werk von II Unsterblichkeit und Vergeltung. 10. Der Zweck, zu wel⸗ chem du hier lebst, dein Ziel, wonach du weise strebst, und was dir ewig Heil verschafft, ist: Tugend durch des Glau⸗ bens Kraft. 11. Ihr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des Todes sein; und wachsen in der Heiligung, ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergeß ich diese Pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins Gericht: drück tief des Todes Bild mir ein und laß es in mir wirksam sein; ö 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, 9 Gott, erforschen mag, ob Liebe, Demuth, Fried und Treu die Frucht des Geistes in mir sei; 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, stets meiner Schwachheit widersteh und freudig durch des Glaubens Macht im Tode ruf: G ist vollbracht! Mel. Wann mein Stündlein 2 49 D wirst, o Vu⸗ ter, für mein Wohl auch einst im Todl orgen; nur wann und wil ich sterben soll, das hast du mir verborgen. Mein Endi steht allein bei dir. Erhall nur den Glauben mir, daß du es weislich ordnest! 2. Gib, daß ich Rih Tod. nii. Lust an meinem Hei⸗ land habe und, seiner Lie⸗ be mir bewußt, ihm folge bis zum Grabe! Auf ihn, der für die Sünder starb und Trost und Hoffnung mir erwarb, laß freudig mich vertrauen! 3. Die Kraft, zu denken, bleibe mir, wenns sein kann, bis ans Ende, damit mein Geist sich stets zu dir und deiner Gnade wende und voll Gedanken, Gott, an dich zuletzt von diesem Leibe sich getrost und ruhig scheide. 4. Soll ich gewaltsam, o mein Gott, und schnell und angstvoll sterben; so führe nur auch dieser Tod mich zu des Himmels Erben! Ach, hilf nur, daß ich alle⸗ er zur Recheuschaft vor dir ereit als Christ die Welt verlasse! 5. Empfind ich keine Freu⸗ digkeit, entweicht in großen Schmerzen die Stille der Gelassenheit aus meinem bangen Herzen: dann, gu⸗ ter Vater, rechne du die Schwachheitsfehler mir nicht zu, die ich begehen könnte! 6. Nimm auch verborgne Seufzer an und laß wenn ich nicht beten, nicht den⸗ ken und empfinden kann, — deinen Sohn vertre⸗ ten! Geheiligt müsseich dir nur sein; dann bin ich, Gott, 179 mein Vater, dein im Leben und im Tode! 7. Ja, bleib ich immer, wo ich bin, nur dir, o Herr, ergeben, dann ist der Tod nur mein Gewinn und Chri⸗ eh ch mein me geh ich nur zum Himme ein, so will ich mich des Endes freun, ich sterb auch, wie du wollest! Mel. Wer nur den lieben Gott Ich will dich noch 250 Vim Tod erhe⸗ ben, selbst nah am Grabe preis ich dich: zum Segen gabst du mir mein Leben; nimmst du es mir, du seg⸗ nest mich. Mein Leben sucht ich dir zu weihn: mein Tod soll auch dir heilig sein. Gott, welche feierliche Stunden, wann du mich nun der Erd entziehst, auf mich, den du getreu befun⸗ den, voll schonender Erbar⸗ mung siehst! Allmächtiger, in dein Gericht gehst du mit mir Erlösten nicht. Der Leib wird schwach, die morsche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zer⸗ fällt; ich' eile hier mit je⸗ dem Schritte entgegen einer bessern Welt. Ich bin ge— trost und zittre nicht; denn Gott ist meine Zuversicht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, da du für mi ür mich, Erlöster, starbst? Er ist durch H 6 dich 180 dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir er⸗ warbst. Du gingst voran: ich folge dir; zum Leben wird der Tod auch mir. 5. Laß Qual und Leid mein Grab umringen und mir den letzten Schrecken dräun: du hilsst mir, Herr, die Welt bezwingen; den Tod darf ich mit dir nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, so nah am Ziele sink ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, wenn ihre Stärke sich verliert; gibst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich verscheucht und mir des Le⸗ bens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, Herr, noch am Grabe preis ich dich; denn ewig werd ich bei dir leben und ewig freu ich dei⸗ ner mich. Durch dich ist Sterben mir Gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Mel. Jesus, meine Zuversicht. err, ich hab aus 251 H deiner Treu, mir zum Heil, noch Zeit in Händen. Gib, daß ich stets eifrig sei, sie auch weis⸗ lich anzuwenden; denn wer weiß, wie bald 550 Gruft deiner Weisheit Wink mich ruft! Unsterblichkeit und Vergeltung. 2. Schnell und unaufhalt⸗ bar fliehn die mir zuge⸗ zählten Stunden. Wie ein Traum sind sie dahin und auf ewig dann verschwun⸗ den. Dieser Augenblick ist mein; wird es auch der künftge sein? 3. Laß mich bei der Flüch⸗ tigkeit meiner Tage nie ver⸗ gessen, wie unschätzbar sei die Zeit, die du, Herr, uns zugemessen, wie, was hier von uns geschieht, ewge Fol⸗ gen nach sich zieht! 4. Reize mich dadurch zum Fleiß, eh die Zeit des Heils verlaufen, mir zur Wohl⸗ fahrt, dir zum Preis, jede Stunde auszukaufen, die zu meiner Seligkeit deine Gna⸗ de mir verleiht! 5. Deine schonende Ge⸗ duld trage hier mich nicht vergebens! Herr, verzeihe mir die Schuld, wenn ich manchen Theil des Lebens nicht zu meiner Seele Wohl so benutzte, wie ich soll! ö ö 6. Laß mich meine Besse⸗ rung für mein Hauptge⸗ schäfte achten und nach mei⸗ ner Heiligung mit so treuem Eifer trachten, als erwartete noch heut mich Gericht und Ewigkeit!. 7. Deine Gnade steh mir bei, daß mein Leben au der Erde reich an Tugend⸗ früchten sei und ich reif zum Himmel werde! 1 ö ö Tod. 181 het dann mein Ende sich, dein Wort: Gott, unser o so stärk und tröste mich! Opig bort. uns bald auf ewig dort. Mel. Dein sind wir, Gott 76 Den Trost, 0 Jesu, 252 Mein Leben steht dank ich dir; du brachtest in Gottes ihn vom Himmel mir. Du banten er thut, was er mir hasts verheißen. Ihr seid heilsam fand! Er zählte mir, mein, auch ihr sollt sein, wo so wie mein Haar, schon ich bin, und euch ewig freun. eh ich war, auch meine Le⸗ bensstunden dar. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2. Ich nütze mit Zufrie⸗ eine Lebens⸗ denheit die Tage meiner 2⁵3 Meit verstreicht; Sterblichkeit. Wie väterlich stündlich eil ich zu dem Gra⸗ versüßt sie Gott! Doch Müh be. Und wie wenig ists und Noth sind ihr Gefolg vielleicht, das noch zu le⸗ und dann der Tod. ben habe? Denk, 3. Die Blume pranget an deinen Tod, säume nicht, und fällt ab; so blüht der denn Eins ist Noth. Wucht 3 und ⁵ ins uicht uch du, m— du i ugen ützt, ni tirbst, wünschen wirst, ge⸗ Stand, noch Geld; Nichts lebt zu haben! Güter, die in der Welt ist, was ihn du hier erwirb t, Würden, davor sicher stellt. die dir Mens hen gaben, „Wer rüstet mich mit Nichts wird dich im Tod Muth und Kraft aufs Ende erfreun; diese Güter sind meiner Pilgerschaft? Und nicht dein. ö wer beruhiget mich hier? 3. Nur ein Herz. das Allein von dir, o Herr, Gutes liebt, nur ein ruhi⸗ kommt Muth und Ruhe ges Gewissen, das vor Gott mir. ö dir Zeugniß gibt, wird dir 5. Du bringst—— bin deinen Tod versüßen; die⸗ I0. nur bereit, zum ichern ses Herz, von Gott erneut, ück der Ewigkeit, wo man gibt im Tode Freudigkeit. des kurzen Grams vergißt, 4. Wenn in deiner letzten wo mancher Christ schon Noth Freunde hülflos um froh voran gegangen ist. dich beben, dann wird über 6. Froh werd auch ich, Welt und Tod dich dieß wenn dirs gefällt, ein Bür⸗ reine Herz Rben 0 dann ger der vollkommnen Welt. erschreckt dich kein Gericht! Den Meinen sag ich auf Gott ist deine Zuversicht. 7 5. Daß ————— 182 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet und wache. Sorge nicht, wie bald du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, lern auch seiner dich erfreun! 6. Ueberwind ihn durch Vertraun, sprich: ich weiß, an wen ich glaube; weiß, ich schwinge, Gott zu schaun, mich empor einst aus dem Staube. Er, der rief: Es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht, 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, sehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst beden⸗ ken; lehre du michs jeden Tag, daß ich weiser werden mag! Mel. Wer nur den lieben Gott 25⁴4 ein Gott, ich * weiß wohl, daß ich sterbe; ich bin ein Mensch, der bald vergeht, und finde hier kein solches Erbe, das ewig dauert und besteht. Drum zeige mir in Gnaden an, wie ich recht selig sterben kann! 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe; kein Augenblick geht sicher hin. Wie bald zerbricht doch eine Scherbe! die Blume muß gar schnell verblühn. Drum Unsterblichkeit und Vergeltung. die Erd ist allenthalben dein. mache du mich stets bereit 118 in der Zeit zur Ewig⸗ eit! 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, die⸗ weil der Tod viel Wege hält. Dem Einen wird das Scheiden herbe, sanft geht ein Andrer aus der Welt. Doch, wie du willst; gib nur dabei, daß ich wohl bereitet sei. 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe und wel⸗ cher Sand mich einst be⸗ deckt. Doch, wenn ich nur den Trost ererbe, daß mich dein Ruf zum Leben weckt, so nehm ich jede Stelle ein: 5. Drum, liebster Gott, wann ich nun sterbe, so nimm du meinen Geist zu dir! Bin ich durch deinen Sohn dein Erbe und hab ich ihn im Glauben hier, so gilt mirs gleich und geht mirs wohl, wann, wo und wie ich sterben soll. ö Mel. Mein ganzer Geist, Gott 255 ie wird min dann, o danx mir sein, wann ich, mich. ganz des Herrn zu freun, in ihm entschlafen werde Von keiner Sünde mehr ent⸗ weiht, entladen von da Sterblichkeit, nicht mehr dlt Mensch von Erde! Freu dich innig, meine Seele, und el⸗ wähl zu⸗ 6. Tod. wähle schon hienieden, was dir dient zum ewgen Frieden. 2. Besiege denn des Todes Graun, mein Geist, er ist ein Weg zum Schaun, der n. im üuntemn Thale. Er sei dir nicht mehr fürchter⸗ lich! Ins Allerheiligste führt dich der Weg im finstern Thale. Gottes Ruh ist un⸗ vergänglich übers chwenglich! W—7 sten sie unaus⸗ prechlich trösten. ö „Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Todten sammelt. Vielleicht umgibt mich ihre Vater, i le deinen Händen; laß mich meinen Lauf gut enden! 4. Vielleicht sind meiner Tage viel; ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, die Hütte meiner Sterb⸗ lichkeit, wird sie erst spät zertrümmert, laß mich, Va⸗ ter, reiche Saaten guter Thaten dann begleiten vor den Thron der Ewigkeiten! Wie wird mir dann, o dann mir sein, wann ich, mich ganz des Herrn zu freun, hn dort anbeten werde? Von keiner Sünde mehr entweiht, ein Mitge⸗ 183 noß der Ewigkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Hei⸗ lig! heilig! heilig! singen wir dir, bringen Preis und Ehre! Dir, der war und sein wird, Ehre! Mel. Christus, der ist mein Ich geh einst ohne 256 Beben zu mei⸗ nem Tode hin; denn Chri⸗ stus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. 2. Ich scheue nicht die Schrecken der nahen dun⸗ keln Gruft; Gott wird mich auferwecken, der mich zum Grabe ruft. Und rief mich abzu⸗ scheiden auch heute schon mein Gott, so geh ich hin mit Freuden und sterb auf sein Gebot. ö 4. 0 hoff ein beßres Leben, das nimmermehr verfließt. Ein L mich umgeben, herrlich ist. 5. Dann eil ich dir ent⸗ gegen, mein triumphirend Haupt, und seh entzückt den Segen des Heils, das ich geglaubt. eib wird der ewig Mel. Wann mein Stündlein 257 Wenn meine Zeit vorhanden ist, von dieser Welt zu scheiden. ach, so verlaß, Herr Jesu Christ, mich nicht in meinen Leiden! An meinem End fehl pfe 184 pfehl ich dir, Herr, meine Seele, die du hier zum Himmel hast gebildet. 2. Wenn Angst und To⸗ desfurcht mich drückt, mich mein Gewissen naget: so wird mein Herz mit Trost beglückt, das sonst voll Un⸗ ruh zaget. Mich tröstet in der letzten Noth dein Lei⸗ den und dein Kreuzestod, dadurch du mich erlöset. 3. Ich bin, o Herr, mit dir vereint; deß freu ich mich von Herzen; ich weiß, du bleibest auch mein Freund in Todesnoth und Schmer⸗ zen. Und sterb ich, o so sterb ich dir; die frohe Hoff⸗ nung hast du mir durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod er⸗ standen bist, werd 1h einst auferstehen, ins Reich, das mir verheißen ist, aus mei⸗ nem Grabe gehen; denn wo du bist, soll ich auch sein und deiner Herrlichkeit mich freun, die dir dein Gott gegeben. 5. So wird mein Ster⸗ ben mir versüßt; der Tod kann mich nicht schrecken: er ist ein Schlaf auf kurze Frist, und Jesus wird mich wecken. Er, mein Erlöser, Gottes Sohn, wird mich mit sich zu Gottes Thron ins ewge Leben führen. Unsterblichkeit und Vergeltung. Mel. Herr, wir singen deiner 258 Selig sind des Himmels Er⸗ ben, die Todten, die im Herren sterben, zur Aufer⸗ stehung eingeweiht. Nach den letzten Augenblicken des Todesschlummers folgt Ent⸗ zücken,[folgt Wonne der Unsterblichkeit. Im Frieden ruhen sie frei von der Erde Müh. Gelobt sei Gott! Vor seinen Thron, zu sei⸗ nem Sohn begleiten ihre Werke sie. In eigener Melodie. 259 Woi sorgst du ängstlich für dein Leben? Es Gott ge⸗ lassen übergeben ist wahre Ruh und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nützen, es dankbar als ein Glück besitzen, verlieren, als verlörst dus nicht. Der Tod soll 00 nicht traurig schrecken, do ö dich zur Weisheit zu el wecken, soll er dir stets von Augen sein. Er soll den Wunsch zum Leben mindern doch dich in deiner Pflich. nicht hindern, vielmehr dis Kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in dei nen Bflichten: so laß del Tod 1 unterrichten, win wenig deiner Tage sind! Sprich: sollt ich Gutes wohl verschieben? Neil mein Ruhm Glück Tod. meine Zeit, es aus uüben, ist kurz und sie verfliegt ge⸗ schwind. 4. Denk an den Tod, wenn böse Triebe, wenn Lust der Welt und ihre Liebe dich rei⸗ zen, und ersticke sie. Sprich: ann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die Welt erwerben, der Sünde Lockung folg ich nie. 5. Denk an den Tod, wenn und Ehren, wenn deine Schätze sich vermeh⸗ ren, daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, daß, wenn sie dir entrissen wer⸗ den, du dann dich nicht so sehr betrübst. Denk an den Tod bei Tagen. Kann deine sein Bild vertragen, sie gut und unschulds⸗ Sprich, dein Vergnü⸗ zu versüßen: ick werd ich erst dort lchensen wo ich unendlich eben soll! 7. Denk an den Tod, wenn deinem wonach die Reichen streben. Sprich: bin ich hi reich zu sein?, Wenn ich in Christo sterbe! Dann ist ein unbeflecktes frohen 5 0 i voll. gen 185 zeitlich und im Glauben leicht. Ich leide; doch von allem Böfen wird mich der Tod bald, bald erlösen; er ists, der mir die Krone reicht. 9. Denk an den Tod, wenn freche Rotten des Glaubens und der Tugend spotten, und Laster stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich bei dir selbst: Gott trägt die Frechen; doch endlich kommt er, sie zu rä⸗ chen, und plötzlich werden sie vergehn. 10. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, wenn Pfeile Gottes in dir stecken; du rufst, und er antwortet nicht. Sprich: nein, mich kann der Herr nicht hassen, er wird mich sterbend nicht verlassen: dann zeigt er mir sein Angesicht. I1. So suche dir in allen Fällen den Tod oft lebhaft vorzustellen, so wirst du ihn nicht zitternd scheun; so wird er dir ein Trost in Kla⸗ gen, ein weiser Freund in guten Tagen, ein Schild in der Versuchung sein. ch, wie wie behende Lerde Todesnoth! Gott ge⸗ e 186 Muth und machs mit mei⸗ nem Ende gut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; solang ich lebe auf der Er⸗ den, leb ich in steter Tods⸗ gefahr. Ich, der ich jetzt gesund noch bin, sink, eh ichs denke, kraftlos hin. 3. Herr, lehr mich stets ans Ende denken und laß mich, eh ich sterben muß, das Heil der Seele wohl bedenken und nicht verschie⸗ ben meine Buß; denn jener ernste Augenblick bestimmt mein ewiges Geschick. 4. Laß zeitig mich mein Haus bestellen, daß ich be— reit sei für und für und sa⸗ gen könn in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Hilf, daß bei ie⸗ dem Glockenschlag ich an mein Ende denken mag! 5. Erhebe meinen Sinn zum Himmel, verbittre mir der Sünden Lust. Gib, daß in diesem Weltgetümmel mir nichts als Unschuld sei be⸗ wußt; so eilt, wann diese Hütte fällt, der Geist in eine beßre Welt. 6. Ach, Vater, deck all meine Sünde um Jesu Chri⸗ sti willen zu, damit ich hier Vergebung finde und dort bei dir vollkommne Ruh! Du warst mein Gott in jeder Noth: drum Unsterblichkeit und Vergeltung. sei Tod! 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; er bleibt im Leiden meine Freude, mein Schutz, mein Alles in der Noth. Er en⸗ det selig meinen Lauf und nimmt mich dann im Him⸗ mel auf. 8. So komm mein End heut oder morgen; ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt. Er ists, der mich in allen Sorgen, er ists, der mich im Tod erquickt. Er stärket mir dann meinen Muth und machts mit meinem Ende gut. auch Vater mir im In voriger Melodie. 261 Noch leb ich. Ob ich morgen le⸗ be, ob diesen Abend, weiß ich nicht. Wohl mir, wenn ich mich Gott ergebe und treu erfülle meine Pflicht. Dann bin ich, ruft er mich noch heut, zu meiner Rechen schaft bereit. 2. Am Morgen blühh und glänzt die Blume und fällt oft schon am Abend! ab. So sinkt mit seinen Glück und Ruhme dl Mensch, oft eh ers densh ins Grab; und, Seele, mißbrauchst so leicht eh Leben, das so schnell eih; fleucht! 3. Cih ö Tod. 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel; hier ist der Kampf, dort ist die Ruh. Auf! streb und ringe nach dem Himmel, eil deiner bessern Heimath zu! Wie bald verfließt der Prüfung Zeit, und dann, dann kommt die Ewigkeit. 4. Verschiebe niemals dei⸗ ne Pflichten. Was du zu thun jetzt schuldig bist, das eile heute zu verrichten; wer weiß, obs morgen möglich ist. Nur dieser Augenblick ist dein; der nächste wirds vielleicht nicht sein. 5. Gott, verleihe mir die Gnade, führ du mich selbst durch deine Kraft der Tugend ebne, sichre Pfa— de, erhalte mich gewissen⸗ haft und immer treu in dem Beruf, zu dem mich deine Liebe schuf 6. Dann wird mir jeder Theil des Lebens ein Se en für die Ewigkeit, ich lebe dann hier nicht vergebens und nütze redlich meine Zeit und seh mit dir ergebnem Sinn auf Tod und Grab und Zukunft hin. In voriger Melodie. 262 Wer weiß, wie ö bald in tiefer Stille die Stunde meines Abschieds schlägt, wie bald man meines zu meinen Vätern schlafen — 187 legt? Wer weiß, ach, wer bestimmt die Zeit des Ein⸗ tritts in die Ewigkeit? 2. Du weißt es, Gott, der meine Tage schon längst mit Weisheit niederschrieb, du, der im Glück und un⸗ ter Plage mein liebevoller Vater blieb. Von dir, der mir den Odem gab, hängt auch mein rtar Odem ab. 3. Vielleicht in wenig Augenblicken rückt schon das große Ziel heran, wo ich nicht Andre mehr beglücken, nicht an mir selbst mehr bes⸗ sern kann. Wie bald, wie chnell erscheint die Nacht, ie meinem Thun ein Ende macht! 4. Vielleicht ist dieß der letzte Arme, der kläglich mich um Hülfe fleht. Wenn ich mich heute nicht erbarme, vielleicht ists morgen schon zu spät; und dann, was bringt die Aerndtezeit? Die Frucht der Ungerechtigkeit. 5. Mein Pfund erst mor⸗ gen wuchern lassen, welch ein Gedanke voll Gefahr! Kann ich nicht Abends schon erblassen, wenn ich noch Morgens fröhlich war? O Mensch, ach, säum im Wohl⸗ thun nicht! Nurdieß ist Weis⸗ heit und ist Pflicht! 6. Die Kraft von meinen besten Jahren sei Gott, dem Heiligen, geweiht. Die Buße bis ins Alter sparen ist schreck⸗ 188 schreckliche Vermessenheit. Zu spät verschwindet oft der Wahn, da man auch schla⸗ fend sterben kann. 7. Wie leicht raubt Schmerz und Fieberhitze mir Ueberlegung und Ver⸗ stand! Wenn ich in Todes⸗ ängsten schwitze, wer macht mich dann mit dir bekannt? O Gott, vielleicht ein Fall, ein Schlag bestimmt mir meinen Sterbetag. 8. Laß, Höchster, deinen Geist mich leiten! Er mache mich von Sünden rein! Dann wird der Tod zu allen Zeiten mir nur ein Friedens⸗ dote sein. Du kommst viel⸗ leicht zur Mitternacht! O wohl dann ewig dem, der wacht! Mel.„IIcheb n icht ist ebe nicht vor 263 NI Tod und Grab! Im Grabe ruht der Müde; auf den Entschlummernden herab sinkt schon des Him⸗ mels Friede. Aus aller Noth erlöst der Tod der Augen⸗ blick des Scheidens ist auch das Ziel des Leidens. 2. Es gibt ja nichts auf dieser Welt, was meine Sehnsucht stillet; nur dann, wann diese Wunz sällt, wird erst mein Wunsch erfüllet. Zum Sternenchor steig ich empor, vom Schattenthal zur Klarheit, von Täu⸗ schung zu der Wahrheit. Unsterblichkeit und Vergeltung. 3. Von hier, wo oft die Unschuld weint und oft das Laster sieget, bis der Ver⸗ geltungstag erscheint, wo dieses unterlieget. Die Kla⸗ ge schweigt: der Jubel steigt: Der Unschuld schönste Freu⸗ den blühn aus der Saat der Leiden. ö 4. Drum freu ich mich im Glauben schon auf jenes beßre Leben, denn unsrer Tugend vollen Lohn will Gott uns dort erst geben. Was Tod uns heißt, be⸗ freit den Geist; er muß zu allen Frommen als Engel Gottes kommen. Auferstehung. In eigener Melodie. 26 4 JIIer meine 3 ö versicht, lehh und ich soll mit ihm leben Dieses weiß ich; sollte nich sich mein Herz zufriede ul geben, was die lange ni desnacht mir auch für O w. danken macht? Hi 2. Jesus, mein Erlöst Ni lebt! Ich erwarte mit V 6 trauen, daß er mich zu sh ste erhebt; warum sollte u denn grauen? Lässet aucheh erf Haupt sein Glied, welche seit 25 nicht nach sich zieht! e 3. Ich bin durch der Hof nung Band zu genau m der ihm verbunden. Er, d selbst den Tod empfanbyf Gr. ů Auferstehung. 189 die für mich ihn überwunden; 9. Wo ist dein Triumph, as auch im Tode bleib ich sein, o Tod? Nimm den Staub er⸗Wewig seiner mich zu freun. hin. Ohne Grauen folgen bo 4. Dieser Körper nur ist wir, wir werden Gott, wer⸗ la⸗ Staub: er nur sinkt zurück den den Erlöser schauen. gt:— Staube. Nie wirst Unser ist der Sieg und Heil u des Todes Raub, du ewig, ewig unser Theil! der mein Geist! O selger Glau⸗ 10. Darum, Christen, auf! be! Heil mir! Mein Erlö⸗ erhebt euren Geist von die⸗ ich ser lebt, der mich einst zu ser Erden; lebet hier dem ies sich erhebt. Heiland, zebt ihm, dem ihr n. 5. Dann wird mich statt sollt ähnlich werden! Wer l dieser Haut ein verklärter sich seiner dort will freun, en. Leib umgeben, für die neue 550 hier rein und heilig in zu fürs höhre Leben; und in el diesem Leib seh ich, mein Mel. Wer nur den liehen Gott Erlöser, ewig dich! Ich bin zur Ewig⸗ 6. Ob dieß Aug im Tod 26⁵ NI keit geboren, für auch bricht, wirds doch sei⸗ eine beßre Welt bestimmt; nen Retter kennen; und wie mein Leben geht dann nicht freudig werd ich nicht dann verloren, wann hier das 3%/ ihn den Vollender nennen, Grab den Leichnam nimmt. hih wann er von der Sterblich⸗ u groß bin ich für diese en keit dieser Erde mich befreit! eit; mein Loos ist die Un⸗ ichh 7. Was hier leidet, seufzt sterblichkeit. ö i und fleht, wird und kann 2. Was ist die Welt, was 0 nicht untergehen. Irdisch Glück und Ehre? Wär auch N werd ich ausgesäet, himm⸗ ihr ganzer Reichthum mein: liscch werd ich auferstehen. er bliebe, wenn kein Him? Nimm, Verwesung, mein mel wäre, für meine ün⸗ Gebein; ich, ich werd un⸗ sche doch zu klein. Mein st sterblich sein! Geist findt nicht im Stau⸗ 8. Seid getrost und hoch⸗ be Ruh; er eilt erhabnern Nesus, kennt euch, Gütern zu. seine Glieder! Christen, 3. Es schuf mich ja der wehrt der Traurigkeit: sterbi Gott der Liebe zum höhern ihr, Jesus meckt euch wie⸗ Glück, zu höhrer Lust und au wann sein mächtger pflanzte selbst dazu die Trie⸗ Gzerschallt, der durch alle be so stark, so tief in meine Gräber hallt! l. O der z Brust. Er, der mit Sehn⸗ sucht 190⁰ Unsterblichkeit und Vergeltung. sucht mich erfüllt, läßt wahr⸗ lich sie nicht ungestillt. 4. Der Wunsch, ihn ewig treu zu lieben, der höhren Wahrheit Licht zu sehn, der hier noch unerfüllt geblieben, muß einst doch in Erfüllung gehn. So wahr Gott die⸗ sen Trieb mir gab, erstirbt er nimmer in dem Grab. 5. Gott ist gerecht, er wird einst richten: die Tu⸗ gend wird durch ihn gekrönt. Er wird, was sie gedrückt, vernichten, erhöhen, die man hier verhöhnt. Das Laster, mag es hier sich freun, dort kann es nimmer glücklich sein. 6. Wbe möglich, kann Gott anders handeln? Gilt denn kein Recht in seinem Reich? Die Frommen, die hier vor ihm wandeln, sind die den Uebelthätern gleich? Nein, Tugend siegt! sterbe drauf: Gott weckt mich zur Vergeltung auf. 7. Er weckt 0 Rih aus meinem Staube: dieß hofft mein Herz, dieß sagt sein Wort. Dieß Wort, laut triumphirt mein Glaube, treibt mächtig alle Zweifel fort. Wie froh erhebt sich nun mein Geist, da Gott ihn selbst unsterblich heißt! 8. Mein Jesus lebt! Wer will mich tödten? Er sichert mir Unsterblichkeit. Er gibt mir Muth in Todesnöthen und leitet mich zur Seligkeit. Auch dieser Leib muß auf⸗ erstehn, vollkommner einst zum Himmel gehn. 9. Ihr Thäler sinkt! Fallt, Berge, nieder! Mein fester Glaube fürchtet Nichts. Ich sterbe; doch erwach ich wieder am Morgen eines ewgen Lichts. Dann fängt mein neues Leben an, und, Gott wie selig bin ich dann! In voriger Melodie 266 Der Lenz erfreuen was da lebet; er bricht des Winters Feß seln los; der Blumen schh⸗ ner Flor erhebet verjüng sich aus der Erde Schoh und freundlich lächelt; mir zu: Unsterblich, sro dich, Mensch, bist du 2. Die Sonne löst den Schmetterlinge das Bash mit ihrer Strahlenmach f sieh, er erhebt die zan Schwinge, geschmückt neuer Frühlingspracht, un R winkt in höhrer Lust Me Unsterblich, freu dis ensch, bist du! + 3. Mir hat Gott do⸗ schungsgeist Dieach ünsche, die die Welt nih ar stillt. Heil mir! Sie bih u gen mir mein Leben, wo st le. des Höchsten Rath enthüll hi O, Himmelsahnung u mir zu: Unsterblich, s in dich, Mensch, bist dul in Auferstehung. 191 eit. In eigener Melodie. Du fersteh lese sch 15—.. 4 uferstehn, ja, keit erle en, schwingst dich r. 267 A auferstehn empor zu Gottes Licht und wirst du, mein Staub, nach schaust den Ursprung aller ult, kurzer Ruh: unsterblich Le⸗ Wesen von Angesicht ster ben wird, der dich schuf,‚ Angesicht; bewunderst dei⸗ Ich dir geben! Halleluja! nes Gottes M ö der 2. Wieder aufzublühn, Welten Bau und Pracht. gen werd ich gesäet. Der Herr 3. Dann, Seele, wirst iein der Aerndte geht und sam⸗ du das verstehen, was hier zott melt Garben uns ein, uns kein Sterbliche ueh meines Gottes Tag! Wann Irrthum nicht, und selbstdie bet) ich im Grabe genug ge— Finsterniß wird Licht. ö Fes schlummert habe, erweckst 4. Dann wirst du den, ja, ch du mich! den erblicken, den hier allein ing 4. Wie den Träumenden der Glaube sieht, den, der, wirds dann mir sein. Mit dich ewig zu beglücken, nach Jesu geh ich ein zu seinen Gottes Rath am Kreu ver⸗ Freuden. Der müden Pil⸗ schied. Dannjauchze, daß kein ger Leiden sind dann nicht Wahn, kein Spott dich hier mehr. getrennt von deinem Gott! aih 5. Ach, ins Allerheiligste 5. Wann nun der Tag ich führt mich mein Mittler des errn erscheinet, ver⸗ an dann. Lebt ich im Heilig⸗ läßt dein Leib der Grä⸗ m thume zu seines Namens ber Ruh. Zum zweitenmal im Ruhme! Halleluja! mit dir vereinet, wird er un⸗ mi sterblich, so wie du. O See⸗ it Mel. Wer nur den lieben Gott le, zittre länger nicht, daß 268 Warum erbebst deiner Hütte Bau zerbricht. du, meine 1 65 dem Ducht dicn Mel. Jesus,——— Hein und ih an das Grab? icht dich elig, Jesu sind, 0 umschließt einst seine Mntt 269 Sdiezudshenn % le: b. Nun Hülle sinkt friedevollen Grabe von des h nur sie wird der Verwe⸗ ewgen Lebens, freun! Möch⸗ sung Raub. ten wir es auch schon sein! N 2. Doch 192 2. Doch du willst, wir le⸗ ben noch mühsam hier in Pilgerhütten. Alle trugen einst dieß Joch, die des Le⸗ bens Kron erstritten. End⸗ lich aber führt der Tod uns auch so, wie sie, zu Gott! 3. Du, du selber lebtest hier vormals auch in Pilger⸗ hütten. Noch unendlich mehr, als wir, hast du, Göttlicher, gelitten. Standhaft laß im Kampf mich stehn, stets auf dich, Vollender, sehn. 4. Was ist diese Lebenszeit? Ach nur eine kurze Stunde gegen jene Ewigkeit. Aber an der kurzen Stunde hängt (dieß präge tief uns ein) ewge Wonn und ewge Pein. 5. Gib uns Weisheit, gib uns Kraft, diese Stunde wohl zu nützen, und beim Schluß der Pilgerschaft wol⸗ lest du uns unterstützen! Laß auf dich uns freudig schaun, dein begehren, dir vertraun. 6. Daß wir dein sind, nicht der Welt, daß du uns wirst auferwecken, diese Kraft der bessern Welt laß uns. wenn wir sterben, den Mulg Flöß uns jetzt en Muth schon ein, in dem Tod getrost zu sein! 7. Und wenn wir vom Kampfplatz nun zu den Tod⸗ ten Gottes gehen, wollst du mehr noch an uns thun, als wir bitten und verste⸗ hen. Auch für unsre To⸗ Unsterblichkeit und Vergeltung. desnacht riefst du einst: Es ist vollbracht! Gericht. In voriger Melodie. ö 270 Imot näher kommt die Zeit, HA eil ich ihr entgegen, da der Herr auch mir gebeut, meine Rechnung abzulegen. Dann wird Al⸗ les, Alles klar, wie ich leb⸗ te, wer ich war. 2. Selbst des Herzens stillen Rath wird der Rich⸗ ter offenbaren. Jedem wird für jede That dann Ver⸗ geltung widerfahren; wil er hier den Saamen streub ärndtet er in Ewigkeit. 3. Dann verstummt den Thoren Spott, Frevler s hen dann und beben. 96. ö lig und 49 10 ist Gohh e und er sah ihr Sünden leben. Wer beschränkt de h Richters Kraft, wann 9 ruft zur Rechenschaft? u 4. Wer hier seine Zu d verträumt, nur nach Siih a nenfreuden schmachtet, se nes Geistes Wohl versäum d Menschen quälet und vel st achtet und sich reuvoll ni 5 bekehrt, fühlt sich dann di sa Strafe werth. st 5. Nur ein weises fron G mes Herz darf nicht vor d S Richter zittern; nur u du Christen wird kein Gericht. dort am Gnadenthron er⸗ schüttern. Heilig war ihm seine Pflicht; es verdammt sein Herz ihn nicht. ö 6. Christen, Christen, rich⸗ tet nicht! Laßt den Herrn das Urtheil fällen! Er bringt Alles einst ans Licht, wird einst jede Nacht erhellen. Lieber duldet, lieber weint, bis sein großer Tag er⸗ scheint! ö 7. Laßt uns nur gewissen⸗ haft stets nach Gottes Wil⸗ len handeln, eingedenk der Rechenschaft, fromm auch im Verborgnen wandeln, selbst die kleinste Sünde scheun und Verehrer Jesu 5 sein! Mel. Wer nur den lieben Gott 271 Wog Wr gen wanke und und dich! digt, sein ausbleiblich 2. Der Weg der Tugend, den ich wa steil, wo führt er immel, wenn ich Gott ge⸗ alle, wenn ich getreu und standhaft bin, gestärkt, o Gott, durch deine Huld zur ů Selbstverläugnung, zur Ge⸗ duld. 3. Oft will ich zu mir 149³ selber sagen: Die Welt ver⸗ geht mit ihrer Lust! Wohl mir, bin ich bei allen Pla⸗ gen nur keines Frevels mir bewußt! Es kommt, es kommt die Ewigkeit, die mich aus jeder Noth befreit. Einst werd ich Jesu Stimme hören: Der du zu meiner Rechten bist, du warst gehorsam meinen Lehren; nimm hin, was dir berei— tet ist! Komm, erbe meines Vaters Reich; sei selig und den Engeln gleich! 5. Solch eine Wonne war⸗ tet meiner, wenn ich mit brü⸗ derlichem Sinn den Näch⸗ sten lieb und gern mich sei⸗ ner erbarm und esu ähn⸗ lich bin. Wie önnt ich hart und lieblos sein, Be⸗ trübte sehn und nicht er⸗ freun? 6. Dort, dort trifft den, der ohn Erbarmen nie men⸗ schenfreundlich sich beweist, der fühllos bei der Noth der Armen, Bedrängte nie erquickt, noch speist, den Hungrigen sein Brod nicht bricht, ein unbarmherziges Gericht. 7. Fühllose, wird der Richter sagen, verschlossen habt ihr eure and, ver⸗ achtet eurer Brüder Klagen. Entweicht! Ich hab euch nie erkannt! Für den, der Brü⸗ der nicht erfreut, ist freu⸗ denleer die Ewigkeit! 8. So⸗ 194 8. So wirst du jede Sün⸗ de richten, gerechter Rich⸗ ter, wenn du einst den Ue⸗ bertretern ihrer Pflichten in deiner Majestät erscheinst. Dann wird der Fromme sich erfreun, dem Bösen Alles schrecklich sein. 9. Gib mir, o Vater, Muth und Stärke, damit mein Glaube, dir getreu, geübt in jedem guten Werke, bewährt und dir gefällig sei; so werd ich ewig selig sein, mich ewig deiner, Gott, erfreun! Mel. Aus der Tiefe rufe ich 272 Hen und Richter aller Welt, der auch mir mein Urtheil fällt, Jesu, nimm dich meiner an, daß ich einst bestehen kann. 2. Mache mich von Sün⸗ den frei, fest im Guten, dir getreu: so erschrickt, hältst du Gericht, vor dir meine Seele nicht. 3. Millionen preisen schon deine Hülfe, Gottes Sohn. O bereite auch an mir solche Lobgesänge dir! 4. Die dir folgen, füh⸗ rest du sicher deinem Him⸗ mel zu. Führ auch mich einst dahin ein: nur der Deine will ich sein. 5. Folgen will ich deinem Wort; hilf mir gnädig dar⸗ in fort, bis mein Lauf, Unsterblichkeit und Vergeltung. Herr Jesu Christ, selig hier vollendet ist. 6. Fröhlich hör ichs dann von dir: Komm, Gesegne⸗ ter, zu mir! Nimm an mei⸗ ner Wonne Theil! Dein ist nun mein ganzes Heil! 7. Und frohlockend preis ich dann, was du, an mir gethan; den Deinen mich deiner Güte ewiglich. In eigener Melodie. 273 Soon ist der Tag von Gott be⸗ stimmt, da, wer auf Erden wandelt, sein Loos aus Got⸗ tes Händen nimmt, nach dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Men⸗ schen Sohn; er kommt, und Wolken sind sein Thron.“ der Erde Kreis zu richten, 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, versammelh sich die Schaaren, die seit dem ersten Tag der Zeit der Erde Bürger waren, nur dem Allwissenden be kannt, unzählbar wie dei Meeres Sand; hier stehn sie vor dem Richter. 3. Hier muß der falsch Wahn der Welt der Wahr⸗ heit unterliegen. Hier, das Recht die Wage hl wird keine Sünde siegen Hier ist zur Buße miht mehr Frist, hier gilt Ri. m Herr, freue mit Gericht. mehr am fan und List; hier als gilt kein f cher Zeuge. K.Der Richter spricht; der Himmel schweigt; und alle Völker hören erwar⸗ tungsvoll und tiefgebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! So spricht er zu der frommen Schaar; zu der, die ihm nicht folgsam war: Hinweg von mir, Ver⸗ brecher! 5. Sie gehn verzweifelnd, jammern, flehn: stürzt über uns zusammen, ihr elten, fallt, daß wir vergehn, die wir uns selbst verdammen! ie Frommen aber stehn im Licht des Friedens, und ihr Angesicht strahlt seliges Entzücken. 6. Frohlockend ziehn sie in das Rei„ das Gott für sie bereitet, wo er sie, einen Engeln gleich, von Licht zu Lichte leitet. Das tückwerk wird Vollkom⸗ menheit; kein Kummer, keine Traurigkeit stört ihre sel⸗ gen Freuden. 7. Mein eiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken! Es stärke mich mit Zuversicht, o oft mich Leiden kränken! S reize mich, Fewissenhaft und eingedenk der R t nach deinem Wort zu wandeln! echen⸗ 195 Mel. dein ist auch mein Leben! Mir zum Heil und dir zum Ruhm hast d ben! mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. Einst kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden: dann soll ich zur Rechenschaft vorgefor⸗ dert werden. Dein Gericht schonet nicht: Richter aller elten, du, du wirst ver⸗ gelten. ö ů 3. Weh dann mir in Ewig⸗ keit, wenn ich deine Gabe, meine Kräfte, meinegeit hier gemißbraucht habe! Weh dann mir, hab ich sie hier nicht getreu verwendet, sorg⸗ los sie verschwendet! 29 8 4. Möchte täglich dein Ge⸗ richt mir vor Augen schwe⸗ ben! Möcht ich mich stets meiner Pflicht treu zu sein, bestreben, daß ich nie thö⸗ richt sie aus den Augen setze, nie sie frech verletze! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen, einge⸗ denk der Rechenschaft nur was gut ist wählen! Gib, daß ich ernstlich mich täg⸗ lich und auch heute darauf 250. Zegtnh die i „HZeigt sich erst die Ewig⸗ keit furchtbar in der Nähe, 9—52 ist es nicht mehr Zeit 196 Zeit, daß ich Gnad erflehe! Wann der Tod schon mir droht, kann ich deinen Wil⸗ len, Herr, nicht mehr er⸗ füllen.** 7. Mein Gewissen strafe mich gleich bei jeder Sünde, daß ich, Mittler, bald durch dich Gnade such und finde! Rufe du dann mir zu: Besserst du dein Leben, so ist dir vergeben. 8. Einst am Tage des Gerichts, werd ich mit den Frommen zu dem Anschaun deines Lichts gnädig aufge⸗ nommen. Wonnevoll, Jesu, soll dich im höhern Leben dann mein Dank erheben. Mel. Wann mein Stündlein 275 Gꝛoß wird des Sünders Elend sein, unendlich schwer zu tragen! Ach, unter des Ge⸗ wissens Pein wird seine See⸗ le zagen, wann ihn, den Richts zur Buße weckt, der Tag des Weltgerichts er⸗ schreckt, zur Rechenschaft ihn fordert! ö 2. Verschwendet ist die Gnadenzeit! Wie viele sei⸗ ner Stunden sind in dem Dienst der Eitelkeit verge⸗ bens ihm entschwunden! Er hat des Lebens Zweck ver⸗ fehlt; o welche Reu ergreift und quält zu spät nun seine Seele! 3. Wo bleibt nun jedes Er⸗ Unsterblichkeit und Vergeltung. dengut, worauf sein Wunsch sich lenkte? Wo bleibt der Stolz, der Uebermuth. wo⸗ mit er Andre kränkte? Ge⸗ beugt ist jetzt sein trotzig Herz, und jede Lust wird nun in Schmerz, in Pein und Qual verwandelt. 4. Nun flucht ihm, wer des Lasters Bahn, durch ihn verführt, erwählte. Nun klagen ihn die Seelen an, die er aus Bosheit quälte; und jeder Schmerz, durch ihn vermehrt, und jedes Glück, durch ihn gestört, tritt furchtbar ihm vor Au⸗ gen. 5. Des Richters ernste Stimme spricht: Weicht von mir, Uebelthäter! und in ihm sein Gewissen spricht: du bist ein Uebelthäter! Von Gott und Seligkeit ver⸗ bannt, fühlt er, was er sonst nie empfand, gerecht sei seine Strafe. 6. O Sünder, sichre Sün⸗ der, eilt, euch reuvoll zu bekehren! Laßt nicht, weil das Gericht verweilt, euch durch den Wahn bethören, zur Beßrung sei noch immer Zeit, und fern sei noch die Ewigkeit, fern noch Gericht und Strafe. ö 7. Sie kommt, ihr mögt, was Gott euch droht, be⸗— zweifeln oder glauben. Wie leicht kann euch ein schnellel Tod die Zeit zur Be e rau⸗ SREET Das künftige Leben. rauben! Jetzt noch will Gott Erbarmer sein, will eure Sünden noch verzeihn. O suchet seine Gnade. Das künftige Leben. In eigener Melodie. 276 uüssen wer⸗ wird er einst 2. Willig werd ich dieses Leben, wenn es deinem Rath fä dir, mein Vater, wiedergeben, gern uach 5.0. diese Welt; denn nach die⸗ sem Erdenleiden warten meiner höhre Freuden. als Christ, ich fürchte nicht Grab und Tod und Welt⸗ gericht. 3. Nichts soll mir den Trost entreißen, er soll mir stets heilig sein: Gott er⸗ füllt, was er verheißen; sei⸗ ner will ich stets mich freun. Mir macht nun der Tod nicht bange, weil durch Je⸗ sum ich erlange eine frohe Seligkeit wenn ich nütze diese Zeit. 4. Dort bei ihm ist wah⸗ res Leben, Millionen stehen 197 schon, ihren Retter zu er⸗ eben, und erwarten ihren zohn; hohe Himmelsgeister ringen, mitanbetend ihm zu singen, der des Ruhms so würdie ist, dem Erlöser Jesu Christ. aterland verklärter Frommen! Heil, Unsterblich⸗ keit und Ruh, was kein Sterb⸗ licher vernommen, Gottes Heil gewährest du'! Freu⸗ denärndten schenkt Gott de⸗ nen, welche hier gesät mit Thränen, alle Thränen trock⸗ net er; Sünd und Clend sind nicht mehr. 6. Möcht ich doch, sie zu empfangen, diese große Herr⸗ lichkeit, hier nur thun und nur verlangen, Tode Vater hin. 7. Welche Tröstung, dieß zu wissen! Dieser großen Hoffnung voll, zag ich nicht in Kümmernissen, die ich hier noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese Leiden; sie verwandeln sich in Freu⸗ den, wenn ich christlich sie ertrug, bis Gott spricht: Es ist genug. Mel. Wann mein Stündlein 277 Ein Pilgrim bin E ich in der Welt, 83 und 198 und kurz sind meine Tage. So manche Noth, die mich befällt, reizt mich hier noch zur Klage. Doch, Vater, jene Ewigkeit versüßt mir meine Pilgrimszeit und stär⸗ ket mich im Leiden. 2. Jetzt, da die Sünde mich noch drückt, seufzt mei⸗ ne bange Seele. Wie bald 25 doch mein Herz berückt! er merkt, wie oft er feh⸗ le? Doch einst werd ich vollkommen rein, ganz hei⸗ lig und ganz selig sein; dieß tröstet meine Seele. 3. In stiller Nacht wein ich, o Herr, hinauf zu dei⸗ ner Höhe. Mein schwaches Herz seufzt freudenleer, wenn ich den Morgen sehe. Ein Blick gen Himmel tröstet mich; denn meine Thränen stillen sich einst ganz in je⸗ nem Leben. 4. Wenn mich der Zu⸗ kunft Schicksal schreckt, die Noth der fernen Tage; wenn sie in mir die Sorg erweckt, ob ich sie auch ertrage: so stärket mich die Ewigkeit, daß bei dem Elend dieser Zeit mein Glaube nicht er⸗ liege. 5. Wenn einst, der jetzt von ferne dräut, der Tod mir näher winket; wenn nach der Arbeit hm Zeit meinHauptzum Schlummer sinket: so sterb ich froh; die Ewigkeit zeigt mir des Him⸗ Unsterblichkeit und Vergeltung. mels Herrlichkeit, den gro⸗ ßen Lohn der Treue. 6. Herr, diesen Trost, der mich erfreut, vermehr in meinem Herzen! Es stärke mich die Ewigkeit hier un⸗ ter Müh und Schmerzen! Ein ewig unvergänglich Heil erwartet mich und wird mein Theil, wenn ich am Ziele stehe. Mel. Wer nur den lieben Gott 78 Eꝰ ist noch eine Ruh vorhan⸗ den für jeden Gott ergeb⸗ nen Geist, wann er sich die⸗ ses Körpers Banden nach Gottes Willen einst entreißt und dann nicht mehr so ein⸗ geschränkt, als hier auf Er⸗ den, lebt und denkt. 2. Zu dieser Ruhe werd ich kommen; und, Gott, wie selig bin ich dann! In dei⸗ nen Himmel aufgenommen, fang ich das beßre Leben an, wo nach der Last, die mich hier drückt, der Freu⸗ den Fülle mich erquickt. 3. Wie Mütter ihre Kin⸗ der trösten, so tröstet deine Freundlichkeit mich mit der Wonne der Erlösten nach wohlvollbrachter Uebungs⸗ zeit; dann wird mir hell und offenbar, wie gut hier deine Führung war. * 4. Da schweigen alle mei⸗ ne Klagen: da bringt mein 10⸗ 7 0 Das künftige Leben. froher Lobgesang dir selbst für dieses Lebens Plagen mit nie gefühlter Regung Dank. Froh jauchz ich dann: Es ist vollbracht; der Herr hat Alles wohlgemacht! 5. Auf ewig trifft mich dann kein eiden, kein Schmerz und keine Schwach⸗ heit mehr: ich fühle dann die reinsten Freuden, ge⸗ krönt von dir mit Preis und Ehr. Fest steht mein Glück, und, Herr, dein Heil bleibt dann in Ewigkeit mein Theil. 6. Gott, laß mich das zu Herzen fassen, daß du den, der dich redlich liebt, nicht stets willst in' der Unruh lassen, die dieses Leben noch umgibt! Dieß flöße Kraft und Muth mir ein, dir auch im Leiden treu zu sein! 7. Mein Heiland, der du selbst auf Erden der Leiden Joch Lebengen hast, will ich des Lebens müde werden und fühl ich dieser Tage Last: so stärke mächtig mei⸗ nen Geist, daß er dem Un⸗ muth sich entreißt. 8. Gib, daß in Hoffnung gener Ruhe, die einst der Frommen Erbtheil ist, ich gern des Vaters Willen ue, wie du darin mein Vorbild ist; so lohnt nach dieser Prüfungszeit mir einst vollkommne eligkeit. „ 199 Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren 279 Uch hoff ein ewges eben und eine Seligkeit, die einst der Herr wird geben dem, der in dieser Zeit gern seinen Wil⸗ len that, der sich schon hier auf Erden vollkommener zu Het. mit Ernst bemühet at. 2. Die Tugend lohnt mit Freuden; doch kämpft sie hier noch oft mit unverdien⸗ ten Leiden; das Glück, das sie gehofft, umwölkt der Haß der Welt: dort aber wird sie siegen, dort ärndtet sie Vergnügen, wo sie den Preis erhält. 3. Dem Laster folget Schande. Zwar geht es oft umher in glänzendem Ge⸗ wande, gekrönt' mit Ruhm und Ehr; doch wird den Bösewicht gewiß ein Tag mit Schrecken aus seinem Taumel wecken: dem Tag entflieht er nicht! 4. Ich hoff ein ewges Le⸗ ben! Kann meine Seele hier sich schon zu Gott erheben, wünscht sie sich mit Begier des Daseins stets zu freun, so wird auch unsern Seelen ihr heißer Wunsch nicht feh⸗ len, un terblich dort zu sein. „Dieß tröstet mich in Tagen der Widerwärtigkeit. Ich darf nicht trostlos kla⸗ Rre und kann nun ohne Neid den Nächsten glücklich J 4 sehn, 200 sehn. Gott leitet und regie⸗ ret mein Schicksal; wie ers führet, dient mirs zum Wohlergehn. 6. Bei Reizungen zu Sün⸗ den gibt diese Hoffnung Kraft und Muth, zu überwinden die böse Leidenschaft. Ist auch die Mühe groß, so werd ich dennoch siegen, und göttliches Vergnügen ist nach dem Kampf mein Loos. 7. Wie 1198 kann ich sterben! Ich fürchte nicht den Tod. Die Seligkeit zu er⸗ ben, eilt dann mein Geist zu Gott, der ihn zum Leben schuf. Dort wird von beß⸗ ren Freuden der Tod mich nicht mehr scheiden. Wie groß ist mein Beruf! 8. Laß mich ihn würdig wandeln, o Herr der Ewig⸗ keit! Laß immer recht mich handeln in dieser Prüfungs⸗ zeit! Nach diesem kurzen Lauf wird ewig selges Leben mir dort bei dir gegeben; mich nimmt derHimmel auf! In eigener Melodie. 280 ein ganzer Geist, Gott, wird entzückt, wenn er hin⸗ auf zum Himmel blickt, da⸗ hin dein Rath uns leitet: wo deine milde Vaterhand aus neuen Wundern wird erkannt, die du daselbst ver⸗ breitet. Mächtig fühl ich mich getrieben, dich zu lie⸗ Unsterblichkeit und Vergeltung. ben, der zum Leben, das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen ꝛene Herrlichkeit, die dort bei dir zu finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar viel Wunder deiner daß wir sie froh empfinden; doch hier sind wir bei Freuden noch mit Leiden stets umgeben. Dort nur ist voll⸗ kommnes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort trock⸗ nest du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen: da ist kein Leid mehr, kein Ge⸗ schrei; denn du, o Herr, machst Alles neu: das Alte ist vergangen. Hinfort sind dort für Gerechte, deine Nur But keine Plagen mehr zur Prüfung zu ertragen. 4. In deinem höhern Hei⸗ ligthum schallt deines Na⸗ mens hoher Ruhm von lau⸗ ter frohen Zungen. Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn; da schaut man sie nicht mehr von fern: do wird sie neu besungen. Hel ler, schneller, als hienieden, ohn Ermüden sehn wir dro⸗ ben, Gott, wie hoch du bisl zu loben. 4½ 5. Mit höhrer Liebe lieben wir dich, Vater, dann und dienen dir mit reineren Gemüthe, Nichts stört den Frieden unsrer Brust und 0 üte dar, den 1 Das künftige Leben. 201 unsre tausendfache Lust an das Geräusch der eitlen deiner großen Güte. Kein Welt; bald kämpft in fei⸗ Neid, kein Streit hemmt nem eignen Herzen ein Feind, die Triebe dieser Liebe un⸗ der öfter siegt, als fällt; ter Seelen, die dann weiter bald sinkt er durch des Näch⸗ nicht mehr fehlen. sten Schuld in Kummer und „Gott, welche Schaar in Ungeduld ist dort vereint Die From⸗ 4. Hier, wo die Tugend men die ich hier beweint, öfters leidet, das Laster die find ich droben wieder. öfters glückli ist; wo man danm sanmelt deine Valer- den Glücklichen beneidet und hand, die deine Liebe hier des Bekümmerten vergißt; Genband, Herr, alle deine hier kann der Mensch nie Sen ud Wdei n e N. Engeln mir zum Segen 25 Schwachhei 10 —* da die reinste Freundschaft dort werd Gn dort pflegen. werd ich, heilig und ver⸗ klärt, der Tugend ganzen Mel. Wer nur den lieben Gott ansiot hlichgroß 95 h: ö ü⸗ aussprechlich großen Werth: 281 Nerruer den Gott der Liebe werd Tage erwartet uns die Ewig⸗ ihn serhhn lieben, ewig keit. Dort, dort verwan⸗ ö ö nat sich die Klage in gött⸗ 6. Da wird der Vorsicht liche Zufriedenheit. Hier heilger Wille mein ill übt die Tugend ihren Fleiß, und meine Wohlfahrt sein und jene Welt reicht ihr und lieblich Wesen, Heil den Preis. die Fülle, am Throne Got⸗ 2. Wahr ists, der From⸗ tes mich erfreun. Dann me schmeckt auf Erden schon läßt Gewinn stets auf Ge⸗ manchen selgen Augenblick; winn mich fühlen, daß ich och alle Freuden, die ihm ewig bin. werden, sind ihm ein unvoll⸗ 7. Da werd ich das im kommnes Glück. Er bleibt Licht erkennen, was ich auf ein Mens. und seine Ruh Erden dunkel sah: das wun⸗ mmmt in der Seele ab derbar und heili nennen, und zu. was unerforschlich hier ge⸗ 3. Bald stören ihn des chah; da denkt mein Geist Körpers Schmerzen, bald mit 39 und—8W0 ⸗ H⸗ D „ FF 202 Schickung im Zusammen⸗ ang. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Heilig, Heilig, Heilig! singen dem Lamme, das er⸗ würget ward, und Cheru⸗ bim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der Engel Schaaren mich ihnen gleich und heilig sehn, das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugehn; da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr ück. 10. Da werd ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß und ihn zu Millionenmalen noch segnen, daß er mir ihn wies; da find ich in des Höchsten Hand den sa. den ich auf Erden fand. 11. Da ruft, o möchte Gott es geben! vielleicht auch mir ein Selger zu: Heil sei dir! denn du hast mein Leben, die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dieß Glück erfreun, der Retter einer Seele sein!—— 12. Was seid ihr Leiden dieser Erden doch gegen jene Herrlichkeit, die offen⸗ bar an uns soll werden von Ewigkeit zu Ewigkeit! Unsterblichkeit und Vergeltung. Wie nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augen⸗ blick voll Müh! Mel. Alle Menschen müssen sterben unaus⸗ · wie 282 O sprechlich se⸗ lig werden wir im Himmel sein! Da, da ärndten wir unzählig unsers Glaubens Früchte ein; da wird ohne L eid und Zähren unser Le⸗ ben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit führst du uns durch diese Zeit! Hier ist zwar, was du den Frommen dort für Glück bereitet hast, noch in Keines Herz gekommen. Wel⸗ cher Mensch auf Erden faßt deines Himmels große Freu⸗ den? Doch nach dieses Le⸗ bens Leiden werden Alle, die dir traun, mehr noch, als sie hoffen, schaun. ö 3. Neue Wunder deiner Güte werden da ihr Glüch erhöhn. Mit erstaunendem Gemüthe wird dann un⸗ ser Auge sehn, deine Huld sei überschwänglich und die ö Wohlfahrt unvergänglich die dem, der dich redlich gibt. ö ö 4. Dann wirst du dich unsern Seelen offenbaren, wird uns fehlen da, wo Alles Wonne ist. Zu wolllonne n wie du bist. Keine Laulch 333 liebt, deine Vaterhand dol ö R steigt. nes Glaubens Das künftige Leben. nen Seligkeiten wird uns dort der Mittler leiten, der uns dieses Heil erwarb, als am Kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner From⸗ men Menge Ein Herz, Eine Seele sein, Dienst und Dank und Lobgesänge dir, du treuer Gott, zu weihn, dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hin⸗ gegebeu. Mit ihm, unserm größten Freund, sind wir ewig dann vereint. 6. O, wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und da zu ein, wo nach ausgewein⸗ ten Thränen ewge Güter uns erfreun, wo sich unser Kampf in Palmen, H25 Klagelied in Psalmen, unsre Angst in Lust verkehrt, die forthin kein Kummer stört! 7., Was ist unser Loos auf Erden? Obs auch noch so köstlich sei, ist's doch nie ganz von Beschwerden, Sor⸗ gen, Furcht und Kummer frei. Schnell folgt hier auf Lust oft Weinen: dort nur wird die Zeit erscheinen, wo kein Wechsel mehr uns eugt, wo das Glück be⸗ Sei, o Seele, hoch erfreuet über das erhabne Glück, das dir einst dein Gott verleihet! Richte dei⸗ Blick oft nach jener Stadt der From⸗ men mit dem Ernst, dahin * zu kommen! Trachte, weil du hier noch bist, nur nach dem, was droben ist! 9. Ohne Heiligung wird Keiner, Herr, in deinen Himmel gehn; o so mache immer reiner hier mein erz, dich einst zu sehn! Hilf, o Vater, meiner See⸗ le, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher da— hin bringt, wo man ewig dir lobsingt! Mel. Schon ist der Tag von Gott 28 3 Einst, freuet euch, einst reift die Saat zum Tag der frohen Garben. Nicht hier wird jede gute That der Edlen, welche starben, belohnt mit voller Seligkeit; drum hofft mein Geist Unsterblichkeit, ein Leben ohne Ende. laube, arum vergeht sie nie; sie lebt für Ewigkeiten. 3. Nun können wir hier in der Zeit voll froher Hoff⸗ nung leben! Gott wird die größte Seligkeit dem Tu⸗ gendfreunde geben, der das, was ihm die Pflicht gebot, mit reinem Herzen bis zum Tod treu suchte zu erfüllen. J 6 4. Nach 20⁴ 4. Nach diesem Glück der Ewigkeit laßt uns mit Eifer ringen; laßt, Christen, uns in dieser Zeit treu unsre Pflicht vollbringen! Be⸗ lohnt wird einst der Tu⸗ gend Müh, ein guter Gott belohnet sie in jenem beß⸗ ren Leben! Mel. Der unsre Menschheit ö 28 4 Uerli⸗ Unsterblich⸗ keit! Gedanke, der das Herz erfreut, den Geist zu Gott erhebet, der Trost für alle Schmerzen schafft, mit ho⸗ hem Muth, mit Gotteskraft zum Todeskampf belebet! Fühlt des Gedankens Se⸗ ligkeit; denkt, Menschen, daß ihr ewig seid! 2. Seis, daß der Erde Bau zerbricht, erlösche einst der Sonne Licht: wir, mehr als Erd und Sonne, wir leben für die Ewigkeit! Schon in des Daseins er⸗ ster Zeit füllt dieß das Herz mit Wonne; und sei⸗ ne Würde fühlt der Geist, der ewig seinen Schöpfer preist. 3. Gott, dir sei Dank! Gott, dir sei Dank! Nun mischt sich in den Schmerz⸗ gesang an unsfrer Brüder Grabe der Ewigkeit Tri⸗ umphlied ein. Nur unser Unsterblichkeit und Vergeltung. sterbliches Gebein wird, Er⸗ de, deine Habe. Hoch schwingt sich, wenn die Hülle fällt, der Geist empor zu jener Welt. ö 4. Gott, dir sei Dank! Gott, dir sei Dank! und unser würdger Lobgesang sei hier ein heilges Leben! Gott, Heiligster, wir weihn uns dir; nach Jesu Beispiel wollen wir mit eifrigstem Bestreben der Tugend ed⸗ len Saamen streun; wird die Aerndte uns er⸗ freun. Mel. Schon ist der Tag von 285 Wenn oft je⸗ 2 ner Seligkeit mein Geist empor sichs chwin⸗ get und, über sie schon hier erfreut, dem Herrn ein Loh⸗ lied singet; dann fühl ich mich hier nur als Gast, und Las wird dieses Le⸗ bens La ermüdet. 2. So kann auch hier schon selig sein, wer sich im Guten übet; auf Erden schon darf der sich freun, der Gott und Tugend lie bet. O Vorschmack jenen Himmelslust, entflamme doch in meiner Brust den Trieb zu jeder Tugend. 3. Dort, Gott, belohns t, die sonst so oft dort ö ‚ du mein Vertraun, vor ne 0 Das künftige Leben. nem Angesichte; führst mich vom Glauben hin zum Schaun, vom Dunkel hin zum Lichte. Dich preis ich dann und deinen Sohn, der mich des Himmels Vor⸗ schmack schon im Glauben läßt genießen. . An Kenntniß und an Herrlichkeit wachf ich durch Ewigkeiten. Verwandelt 19 in Glück mein Leid un in Triumph mein Strei⸗ ten. Und diese hohe Se⸗ ligkeit hat nie ein End, ist ohne Zeit; kein Tod ist mehr, kein Weinen. 5. Dann heb ich meine Händ empor und falle jauch⸗ zend nieder und stimme mit der Engel Chor in frohe Jubellieder; und un⸗ sern hohen Lobgesang voll Halleluja, Preis und Dank hallt jeder Himmel wieder. Mel. Mein ganzer Geist, Gott ie freu ich mich 286 Wé der Wonne⸗ m bald der Herr der Herrlichkeit mir winket, des letzten Abends Ruh mich in der Nähe sehen! Tröstlich, köstlich Wort vom meden, kannst du Müden abung geben, ihre Hoff⸗ nung neu beleben! — 20⁵ 2. Trum, o mein Geist, Gutanne dich! Nimm deine Last und gürte dich zum letzten Wallf ahrtstage Bald legst du deinen Pilgerstab, legst deine Last auf ewig ab mit aller ihrer Plage. Bange, lange Pilgerstun⸗ den sind verschwunden; al⸗ len Kummer tilgt ein süßer Abendschlummer. 3. Und wenn nach einer kurzen Rast, du, Müder, ausgeschlummert hast, weckt dich ein schönrer Morgen. Dann schreckt dich Finsterniß „ kein banger Traum schwebt um dich her, dich beugen keine Sorgen. Eine reine Frühlingswonne strömt die Sonne dort herun⸗ ter, lächelt ewig, geht nie unter. 4. Dann kämpfst du nicht mit Krankheit mehr, siehst hinter dir der Schmerzen Heer kennst keine Noth, kein Leiden ʒmit neuer Kraft, mit neuem Sinn eilst du pon Welt zu Welten hin, trinkst stündlich neue Freu⸗ den. Reiner, feiner fühlst du immer; wechselst nim⸗ mer im Gemüthe; dein Genuß ist ewger Friede. 5. Dort Wbie nicht mit giftgem Blick die Mißgunst nach der Geister Glück: dort icht der Neid nie Netze; ie Rache gräbt dir da kein 7 Grab 206 Grab, kein Stolzer drückt auf dich herab; dort stiehlt kein Geiz dir Schätze. Dro⸗ ben toben keine Feinde; En⸗ gel, Freunde, Brüder üben ewig sich mit dir im Lie⸗ ben. 6. Hier nähret oft zu sei⸗ nem Schmerz, statt eines Freunds, das traute Herz die Natter in dem Schooße; oft welkt in einem Augen⸗ blick sein treuster Freund, mit ihm sein Glück, gleich einer Frühlingsrose. Drü⸗ ben lieben deine Werthen, die Verklärten, dich auf immer, deine Seligkeit wankt nimmer. 7. Wie freu ich mich der Wonnezeit, wenn bald der Herr der Herrlichkeit mir winket, heimzugehen! Ge⸗ danke, wie entzückest du: Gott läßt des letzten Abends Ruh mich in der Nähe se⸗ hen! Tröstlich, köstlich Wort vom Frieden, du kannst Müden Labung geben, ihre Hoffnung neu beleben! 8. Nun trag ich meiner Bürde Last, die du mir Gott, gegeben hast, froh bis zur Wallfahrt Ende. War sie sonst schwer, jetzt ist sie leicht; denn meine schönste Hoffnung reicht mir lächeind ihre Hände. Tröst⸗ lich, köstlich Wort vom Frieden, kannst du Müden Unsterblichkeit und Vergeltung. Labung geben, sie mit Him⸗ melskraft beleben! Mel. Sei Lob und Ehr dem 287 Der Freuden Quell ist, Gott, bei dir; dort in dem höhern Leben wird deine Va⸗ terhuld auch mir in vollem Maaße geben, was mich mit reiner Lust erfüllt, was mei⸗ ner Seele Sehnsucht stillt und sich ohn Ende mehret. 2. Dich lern ich dann im hellern Licht in deiner Grö⸗ ße kennen und mit voll⸗ kommner Zuversicht dich mei⸗ nen Vater nennen. Mit ho⸗ her Freude bet ich dann auf ewig deine Güte an, die mich zum Himmel führte. 3. Wenn mein erhöhter Geist da sieht, wo er hier still vertrauet, wenn er dein unumschränkt Gebiet weit heller überschauet; Gott, welche Wonne ist dann mein! wie werd ich deiner da mich freun! wie selig da mich fühlen! 4. Noch größre Werke seh ich dann von deiner Va⸗ tergüte, als ich auf Erden sehen kann, und mein ent⸗ zückt Gemüthe verliert vol Dank und Freude sich in deiner Herrlichkeit, die ich im vollen Glanz erblicke. 5. Da werd ich deinen heilgen Rath noch mag 0 1 — 4 Das künftig als hier, verstehen, dir dan⸗ ken, daß du mich den Pfad der Tugend hießest gehen und selöst durch Leiden die⸗ ser Zeit mich zu dem Glück der Ewigkeit so väterlich bereitet 6. In höherer Vollkom⸗ menheit werd ich dann, Gott, dich lieben, und was dein Wille mir gebeut, mit fro⸗ hem Herzen üben. O welche uelle reiner Lust, sich kei⸗ ner Sünde mehr bewußt, in Allem richtig handeln! 7. Mit allen Bürgern jener Welt werd ich di dann erheben, werd ich dort, ihnen zugesellt, in reinster Freundschaft leben. Es schlägt dann froh in mei⸗ ner Brust mein ganzes Herz voll Lieb und Lust, die ich mit ihnen theile. 8. Ja, ewig ist, mein Gott, bei dir der Freuden reinste Quelle! Sie fließet täglich und bleibt mir stets unversiecht und helle. Mein Glück währt da in Ewig⸗ keit; Nichts fehlt ihm an Volltommenheit. Herr, hilf ed mir erreichen! —* Mel. Schon ist der Tag von Gott 288 Vergaten wirst du .— enen, Gott, die hier die Tugend übten, doch auch bestrafen nach dem * e Leben. 207 Tod, die stets das Laster liebten. Vergebens ist dann ihr Bemühn, sich und dir, Richter, zu entfliehn und deiner heilgen Ordnung. 2. O schrecklich wird es für sie sein, sich selbst dann anzuklagen, die Leiden alle, jede Pein, durch eigne Schuld zu tragen; die sie verführ⸗ ten, selbst zu sehn, wie sie umsonst Erbarmung flehn und ihrem Beispiel fluchen. 3., Weh dem, der nun ein höhres Glück als wirk⸗ lich vor sich siehet und doch bemerkt, wie es zurück vor ihm Unwürdgen fliehet, wie Sinnenlust im Tod zer⸗ floß, und Freuden, die er hier genoß, er nun verge⸗ bens heischet! 4. Wel Elend, sich so weit vom Ziel mit dem Be⸗ wußtsein sehen: auch dir gab Gott der Mittel viel, zum Heile einzugehen; und doch selbst keines Trostes Spur, des innern Richters Stimme nur zu steter Qual zu hören. 5. Verbunden zu sein mit vielen Laster⸗ haften, die nur an Bosheit sich erfreun und Wuth der Leidenschaften und gegen⸗ seitig sich zur Last, weil je⸗ der nur den Andern haßt, zur ewgen Marter wer⸗ den. 6. Und überdieß 208 6. Und wer in dieser Lei⸗ densnacht sein Unglück ganz empfindet, vom Lasterschlafe nun erwacht und sich doch kraftlos findet zum Stre⸗ ben nach Vollkommenheit: o, Qual für eine Ewig⸗ keit liegt dann in dem Ge⸗ fühle! ö 7. Das ist das Feuer, wel⸗ ches brennt im Innersten des Herzens; das znd Gefühle, die nur kennt der Jammer⸗ sohn des Schmerzens! O Va⸗ ter, Vater, welch ein Bild! wenn sichs so jammervoll vergilt, von unsrer Pflicht zu weichen. 8. Was könnt uns also eine Welt mit ihrem Reich⸗ thum nützen, wenn wir nicht das, was dir gefällt, der Tugend Schatz besitzen? Nur sie währt ewig, sie beglückt! O, hilf mir, Gott, daß sie mich schmückt und schützt vor solchem Elend. Mel. Gottlob, ein Schritt zur 289 Vuuen freudig euren Pfad, bleibt, Christen, Gott er⸗ geben; einst wird vergolten jede That in jenem bessern Leben. Der Fromme har⸗ ret wonnevoll des Richters; Unsterblichkeit und Vergeltung. ö denn wer glaubt, der soll Gott nicht als Richter fürch⸗ ten. 2. Die stillste That, der Pflicht geweiht, wird Gott einst offenbaren. Lob wird ö der wahren Frömmigkeit vor Allen widerfahren. O welch ein Ruhm, den sie gewinnt! Selbst heilige Ge⸗ danken sind bestimmt, be⸗ lohnt 8 werden. 3. Wen keine Wollust, wen kein Geiz, kein eitles Lob bethörte; wer, selbst bei aller Lüste Reiz, die Stimme Gottes ehrte; wer strebte, mäßig, keusch und rein, demüthig, sanft und mild zu sein, dem wird Gott reichlich lohnen. ö 4. Wer eines der Gering⸗ sten sich erbarmte; was ihn drückte, ihm tragen half und brüderlich die Leidenden er⸗ quickte; das siehet der Ge⸗ rechte an, als hätt er sol⸗ ches ihm gethan; und en wills ihm vergelten. 5. Laßt, Christen, tugend⸗ hier und rein uns wandeln ier im Leben; dort wird uns Gott Vergelter sein und ewge Wonne geben; dort reift die hier gestrente Saat.“ dort lohnet jede gute That mit himmlischem Entzücken. Zweite 209 l* N V Zweite Abtheilung. r— tt T it Li e der —1 10 über E“ ²⸗ die christlichen Lebenspflichten. st, ö ²S. st Gesinnung und Verhalten des Christen ö im Allgemeinen. Mel. Schon ist der Tag von Gott freuet sich auch wieder, wenn 290 Wer Jesum ihnen auf des Kummers tt kennt, ver⸗ Nacht ein heitrer Tag der enhrt und liebt, mit Ernst Freude lacht und ihre Kla⸗ ⸗ die Sünde scheuet, wer in gen schweigen. zn der Frömmigkeit sich übt Er dienet ihnen, wo id und sich der Tugend freuet, er kann, hört des Bedräng⸗ nie seines Daseins Zweck ten Flehen als Menschen⸗ e vergißt, nur der wird als freund erbarmend an, kann 1ein wahrer Christ stets den⸗ ihn nicht leiden sehen, eilt er ken, leben, handeln. ihn zu retten und erquickt % Gott ist es, den er den, en die Last der Sor⸗ d⸗kindlich ehrt; bekannt mit gen drückt, durch seines iu, seinem Willen, sucht er als Wohlthuns Segen. % Christ, von ihm belehrt, 5. Er betet und er betet ihn treulich zu erfüllen; gern, weil ihn sein Herz uliebt jede Vorschrift, jede dieß lehret, und weil er „ flicht und unterwirft mit Gott, der Welten Herrn, t uversicht sich ihm, dem als Vater fromm verehret, . enschenvater. entfernt von aller Heuche⸗ 3. Wie edel ist des Chri⸗ lei, vom Wahn des Aber⸗ sten Herz, wie liebreich ge⸗ glaubens frei, mit Andacht gen Brüder! Er theilt mit und mit Eifer. ihnen ihren Schmerz und 6. Er freut sich 906 Ge⸗ 6 egen⸗ F——.. 210 Gesinnung und Verhalten des Christen legenheit, den Vortrag heil⸗ ger Lehren und jede Pflicht, die Gott gebeut, auch öffent⸗ lich zu hören. Der Brüder Andacht reizet ihn, sich der Zerstreuung zu entziehn, im Guten sich zu stärken. 7. Gott, laß mich jede Christenpflicht mit frommem Eifer üben! Aus Wahn und Leichtsinn laß mich nicht den Schein der Tugend lieben! Laß, deines Beifalls mich zu freun, laß meine Pflicht mir heilig sein, als Christ stets denken, handeln! Mel. Erschienen ist der herrlich 291 Enpfnde deinen hohen Werth! Gott selbst, o Mensch, hat dich geehrt, hat mit Ver⸗ stand dich ausgeschmückt und über Staub emporgerückt. Vergiß es nie! 2. Du schmähest, was dein Gott dir gab, du würdigst dich zum Thier herab, wenn deines Lebens kurze Zeit in Thorheit dir und Eitelkeit vorüberflieht. 3. Gebrauchen sollst du den Verstand. Nur darum gab ihn Gottes Hand. Du sollst ihn treu der Wahrheit weihn, ihn bilden und ihm Licht verleihn, so viel du kannst. 4. O sieh umher, wie roh, wie blind noch viele deiner Brüder sind! Ihr Geist, umhüllt von dunkler Nacht, ist immer noch nicht aufge⸗ wacht. Bedaure sie! 5. Entreiße dich der Dun⸗ kelheit! Erwache, Sohn der Ewigkeit, und strebe mit entzücktem Sinn zum hohen Ziel der Weisheit hin! Das fordert Gott! 6. Die tausend Wunder in der Welt hat er umsonst nicht aufgestellt. Mit Froh⸗ gefühl sollst du sie sehn und ihres Schöpfers Ruhm er⸗ höhn und dankbar sein. 7. Er lenkt mit Liebe, was er schuf, und dir ertönt der sanfte Ruf: O siehe, wie dein Gott regiert und Alles, Alles herrlich führt und nichts versäumt. Bedenke, was die Menschheit ehrt und reine Freuden ihr gewährt! Er⸗ hebe deines Geistes Blick vom wandelbaren Erden⸗ glück zum höchsten Gut! 9. Dich selbst, dein Stre⸗ ben, deine Kraft erforsche stets gewissenhaft und lerne, schnödem die 9 entflohn, von Jesu die Religion, die dich verklärt. 10. Ja, sei ein Christ, ein wahrer Christ; dann siehest du, was Weisheit ist. dann stürzt des Aberglau⸗ bens Reich, dann schwingt dein Geist sich, Engeln gleich, zum Licht empor. 11. O Weisheit 7 ei ——————— ꝗ=....—. S&/˖———.————2* Sündenleben! im Allgemeinen. leite mich! Ich bin ein Christ und liebe dich. Ich fühle sie, die rege Kraft, die Gott in meiner Seele schafft, dir treu zu sein. 12. Mag jeder Reiz der Welt verblühn und meines Lebens Hauch entfliehn; o Weisheit, du wirst mich er⸗ freun und meines Geistes Zierde sein in Ewigkeit. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 292 erne sei der Irr⸗ thum, fern, daß auch diese Christen wären, welche Jesum zwar als Herrn wohl mit ihrem Mun⸗ de ehren, aber ihm nicht gleichgesinnt, nicht der Tu— gend Freunde sind! herne sei von uns der Wahg: sich mit dem allein u trösten, was einst Jesus hat gethan; einen Christen und Erlösten sich zu nennen, wenn man nicht treu er⸗ füllt des Christen Pflicht! 3. Schände nie, wer Je⸗ sum kennt, Jesum durch ein Wer den Göttlichen bekennt, der muß sich auch ernst bestreben, stets zu wandeln auf der Bahn, wo uns Jesus ging voran. 4. Gott, ergreife meinen Geist, daß kein Unfrnchtba⸗ rer Glaube, der dich nur durch Worte preist, mir den frommen Eifer raube, Christ 21¹ durch Werk und That zu sein, jedes Unrecht stets zu scheun! 5. Was wir säen, ärnd⸗ ten wir. Reicher Segen wird gegeben dem, der treu⸗ lich säte hier für das künft⸗ ge beßre Leben. Laß mich reichlich Saamen streun und mich dort der Aerndte freun! In eigener Melodie. 293 er hat den ö Glauben, des⸗ sen Früchte beweisen, daß er Gott gefällt und einst vor seinem Angesichte der Tugend hohen Preis er⸗ hält? 2. Der, der durch seines Geistes Triebe zu allem Guten sich entschließt und Gott aus Dankbarkeit und Liebe gehorsam und ihm ähnlich ist; 3. Der, der vor Gott unsträflich wandelt, Nichts lieber thut, als seine Pflicht; der heilig denkt und heilig handelt und gern die Wahr⸗ heit sucht und spricht; 4.. Der alle Menschen herzlich liebet, gerecht, ge⸗ lind, voll Redlichkeit und mild ist, keinen je betrü⸗ bet und Andre zu erfreun sich freut; 5. Der gern verzeiht dem, der ihn schmähet, an Fein⸗ den auch das Gute schätzt, nicht lästert und nicht ssch si 212 sich blähet und seinen Näch⸗ sten nie verletzt: 6. Der die Verehrer Got⸗ tes ehret und thut, wie sie, was Gott gefällt; der, was er seinem Nächsten schwöret, und schwür er sich zum Schaden, hält; 7. Der nie, zum Trotze der Gesetze, auf ungerechten Wucher leiht und durch ge⸗ recht erworbne Schätze der Armen trauernd Herz er⸗ freut; 8. Der die Bedrängten und die Armen erquickt, in der f die Unschuld nimmt: der findet auch bei Gott Erbarmen, dem ist des Glaubens Preis bestimmt. 9. Der, der im Glücke stets bescheiden, in Trübsal stets geduldig ist: der, Gott, erbt deines Himmels Freu⸗ den, der ist dein Kind, der ist ein Christ! Mel. Freu dich sehr, o meine S. öchster, denk ich 29⁴ H an die Gü⸗ te, die du mir bisher er⸗ zeigt, o so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Schaam gebeugt, daß ich dich gering geschätzt, häufig dein Gebot verletzt und dich, der mich so geliebet, mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelen⸗ kräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollten zum Gesinnung und Verhalten des Christen Geschäfte deines Dienstes fertig sein; doch hab ich der Eitelkeit unbedachtsam sie geweiht: ja, zum schnöden Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Va⸗ ter, neu. Von wie man⸗ chen schweren Sorgen mach⸗ test du das Herz mir frei! Was mir nützte, gabst du mir; aber, ach, wie dankt ich dir? O wie hab ich so vermessen deines Wohlthuns Zweck vergessen! 4. Bei so hellem Licht der Gnaden sollt ich ja die Sünde fliehn und um Ret⸗ tung von dem Schaden mai ner Seele mich bemühn. Deine Güte lockte floh ft zur Buße, aber ich floh vos ihrem sanften Locken, sucht mich selbst zu verstocken. 5. Ich erkenne mein Sünden, beuge mich, mei Gott, vor dir. Laß mich be dir Gnade finden; neige Herr, dein Ohr zu mir Ach, vergib, was ich ge than! Nimm mich doch en barmend an! Führe mith vom Sündenpfade schnel zurück durch deine Gnade 6. Dir ergeb ich mich auft neue. Gib, daß mein ge beugter Geist deiner Vaten huld sich freue, die dei tröstend Wort verheißt! WI dein Sohn auch mir 1 weiht im Allgemeinen. als er für die Sünder starb, Fried und Freude im Ge⸗ wissen, ach, das laß auch mich genießen! 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weihn; gib, daß mirs an Kraft nicht fehle, folg⸗ sam deinem Wort zu sein! Stehe mir stets mächtig bei‚ mache du mich selbst getreu! Dich zu lieben, dir zu le⸗ ben, sei mein ernstliches Be⸗ streben! Mel. O Gott, du frommer Gott, 295 Gihen marrn kann ich nichts verhehlen; du siehest jede That, kennst jeden Rath der Seelen. Ich flehe, Herr, zu dir; erhöre huldvoll mich: entdecke mir mein Herz, denn ach, oft täuscht es sich. 2. Ich bin ein Christ, o Gott, getauft auf deinen Namen. Erfüllt ich jede Pflicht des Christenthums, und kamen die Werke, die ich that, aus Frömmigkeit und Pflicht? Bin ich ein euchler nur, so ehr ich hristum nicht. liebt und durch ein weises Leben der 0 Tugend mich ge⸗ mein Herz dir ganz ergeben? Hat mich dein Un⸗ terricht gebessert und er⸗ freut? War ich, was er be⸗ 3. Hab ich dich, Gott, ge⸗ 213 fiehlt, auch stets zu thun bereit? 4. Dankt ich dir für mein Glück, für jede meiner reu⸗ den? Vertraut ich standhaft dir in Kummer, Noth und Leiden? War ich beim Reiz der Welt aufs Ewige be⸗ dacht? Und hab ich jeden Tag, so wie ich soll, voll⸗ bracht? 5. Gebraucht ich meinen Geist mit allen seinen Kräf⸗ ten zu meiner Brüder Wohl, zu nützlichen Geschäften? Hab ich für meinen Leib mit Weisheit stets gewacht und keine böse Lust genährt und angefacht? 6. Hab ich die, welche du ur Aufsicht mir vertrauet, urch eignes Beispiel gern gebessert und erbauet? Sorgt ich stets für ihr Wohl und ihre Seligkeit und straft ich ihr Vergehn mit Ernst und Freundlichkeit? 7. Blieb ich der Wahrheit treu? War ich voll Men⸗ schenliebe, und regten sich in mir des Mitleids edle Triebe? Brach ich dem Hungrigen mit Fich durch mein Brod? Half ich durch Rath und That Bedräng⸗ ten aus der Noth? 8. War ich der Unschuld Trost und hab ich sie ver⸗ theidigt? Hab ich durch Härte nie den Dürftigen beleidigt? Floh ich den 60. er⸗ 214 Gesinnung und Verhalten des Christen bermuth, des eitlen Stol⸗ zes Reiz? Verschloß ich Aug und Herz der Mißgunst und dem Geiz? 9. Hab ich, wie Jesus that, gesegnet, die mir fluchten? geliebet, Jesu gleich, die mir zu schaden suchten? be⸗ herrschet stets den Zorn? gezeigt Versöhnlichkeit? mich nie am Feind gerächt? ver⸗ mieden Zank und Streit? 10. Allwissender, wer kann, wie oft er fehlet, merken? Sei gnädig, handle nicht mit mir nach meinen Wer⸗ ken! Vergebung ist bei dir; laß ihren Trost auch mein und mich durch ihn gestärkt zum Fleiß der Beßrung sein. In voriger Melodie. 296 er Gottes We⸗ ge geht, nur der hat Seelenfrieden. Wie herrlich ist sein Lohn ihm selbst von Gott beschieden! Voll Glaubens widersteht er jeder bösen Lust, ist sei⸗ ner Tugend sich, sich ihres Werths bewußt. 2. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit festem Muthez wird in der Schwach⸗ heit stark, liebt immer mehr das Gute. Ihn machet Got⸗ tes Geist gerecht und tugend⸗ haft, und er nimmt immer zu an Einsicht und an Kraft. 3. Gott hat er allezeit vor Augen und im Herzen, bekämpft die Sinnlichkeit, scheut nicht des Kampfes Schmerzen. Er eilet, wenn er fehlt, den Fehler zu be⸗ reun, und strebt mit ernstem Fleiß der Tugend sich zu weihn. ö 4. Getreu in seinem Stand genießt er Gottes Gaben vergnügt, wenn Andre gleich mehr Glück und Ansehn ha⸗ ben, als Christ, bei Weni⸗ gem zufrieden, frei von Neid, von Habsucht und von Geiß, von Stolz und Eitelkeit. 5. Schenkt Gottes Hand ihm viel, so wird er Vielen nützen, des Freundes Glücs erhöhn, verlaßne Tugend schützen. Auch selbst Belei diger wird er in Noth en freun und, wie sein Gohh 1en. wird er auch gütih ein. 6. Er kränkt den Brude nicht, er schützt sein sein Leben. Er ist, nas Jesu Sinn, stets willig zun Vergeben, voll Achtung eh ret er in ihm des Höchsen Bild, denkt: Gott, der Hu lige, ist gegen mich ja milh 7. Im Guten sucht sesl Herz die Brüder zu be stärken; er muntert all auf zu guten, edlen Wer ken. Mit Christensinn nimm er an ihrer Tugend The und denkt: wir haben nur Einen Herrn, G Heil! 8. Dal —————— — im Allgemeinen. 8. Das Heil der Ewig⸗ keit, das hier der Fromme schmecket, erhält sein Glück und macht, daß keine Noth ihn schrecket, gibt ihm im Leiden Muth und stillet je⸗ den Schmerz. Im Tode freut sich noch sein Gott ergebnes Herz. In eigener Melodie. 297 Eĩ hebt sich auf der Andacht Schwingen„Unendlicher, mein Geist zu dir empor, den frommen Vorsatz dir zu bringen: den Tugend⸗ pfad, den ich so oft verlor, will ich, o Gott, mit neuer Treue gehn und groß durch sie, der Sünde Reiz verschmähn. „2. Wohin sich nur mein Auge wendet, erblick ich dei⸗ ner Liebe Segensspur. Wer wachte für mein Glück? Wer spendet der Freuden Fülle aus durch die Natur? Gott, deine Liebe! Liebe weih ich dir mit Freudenthränen, ür! Ewiger, daf 3. Wenn einst vielleicht sich bang und leise zu mei⸗ nem Herzen trübe Sorge schleicht, Gefährten meiner Pilgerreise nun Schwer⸗ muth wird und jede Hoff⸗ nung weicht; dann will ich auf zu dir, mein Vater, schaun und selbst im Schmerz dir kindlich noch vertraun. 215 4. Nie will ich fragen: ob zu Freuden der Pfad der Tugend und des Rechtthuns führt; nie zaghaft ihn zu wandeln meiden, wenn er in Nacht und Dunkel sich verliert. Du winkst, o Gott, Gehorsam ist mir Pflicht: mein Glaube gibt mir Muth und Zuversicht. 5. Dir will ich suchen nachzuahmen, o Jesus, Men⸗ schenfreund, der du so gern den Leidenden, die zu dir kamen, Erretter warst, nie soll mein W0 mehr fern dem Armen, der verlassen trauert, sein; ich will ihm Hülfe, Trost und Liebe weihn! 6. Mit warmem, liebe⸗ vollem Herzen will ich mich immer mit den Frohen freun, der unverdienten Kränkung Schmerzen nicht ahnden, dem Beleidiger ver⸗ zeihn. Bescheidenheit und Sanftmuth sei mein Ruhm, Gewissensruh mein großes Eigenthum! 7. Die Kräfte, die du mir gegeben, will ich ge⸗ treu zu nützen mich be⸗ mühn; zu großen Zwecken war dieß Leben von dir, o Gott, aus Liebe mir ver⸗ liehn. Um herrlicher dort wieder aufzublühn, sinkt es auf deinen Wink zum Grab einst hin. ö 8. Wenn von Versuchun⸗ gen 216 Gesinnung und Verhalten des Christen gen umgeben, mein Blick in Labyrinthe sich verirrt, der Sünde Reiz zu wider⸗ streben, die täuschend lockt, oft schwer dem Herzen wird: blick ich zu dir; du wirst mir Muth verleihn, kein Opfer, das die Pflicht ge⸗ beut, zu scheun. 9. Ja, treu zu sein, bis einst am Ziele auch mir dort der Vergeltung Palme weht, gelobt mit heiligem Gefühle dir jetzt mein Herz, das kindlich zu dir fleht; gib Kraft dazu und leit an deiner Hand den müden Pilger hin ins Vaterland. Mel. Alle Menschen müssen sterben Occh erhebe mein 298 Gemüthe sehn⸗ suchtsvoll, mein Gott, zu dir. Ich verehre deine Gü⸗ te; o wie theuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Le⸗ bens, Keiner harrt auf dich vergebens; nur Verächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. ö 2. Lehre mich, Herr, dei⸗ ne Wege; zeige deinen Wil⸗ len mir; leite mich die rech⸗ ten Stege, daß kein Abweg mich verführ! Gott, du sie⸗ hest mein Vertrauen! Si⸗ cher kann ich auf dich bauen; deine Vatertreue ist ewig wie du selber bist. 3. Ach gedenke, Herr, der Sünden meiner Jugend⸗ jahre nicht! Laß mich Gna⸗ de vor dir finden, geh nicht mit mir ins Gericht! Alle Sünden, die uns reuen, willst du väterlich verzei⸗ hen. O so höre denn auch mich! Meine Seele hofft auf dich. „du willst des Sünders Leben; dir ist sei⸗ ne Seele werth. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich dir bekehrt. Mitten auf dem Sünden⸗ wege machst du sein Ge⸗ wissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht um⸗ kehrt! Den verwirfst du nicht. 5. Allen, die zu dir sich wenden, über ihre Schuld betrübt, willst du Trost und Rettung senden, wenn ihr Herz sich dir ergibt. Freu⸗ de schenket deine Güte dem geängsteten Gemüthe, dem du seine Sündenlast lieb⸗ reich abgenommen hast. 6. Herr, zu was für Se⸗ ligkeiten du in jener bessern Welt jeden Sterblichen willst leiten, der dir treu und Glauben hält, offenbarst du allen Seelen, die zu ihrem Heil dich wählen. Deinen ganzen Gnadenbund machst du deinen Kindern kund. 7. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! Laß mich heilig vor dir leben, trel sein meiner ganzen Waann ein 6 V EWIIi EꝗCSCIIXNNXN S— —— X*V R K TE —ñ— — ⏑ π— 2 im Allgemeinen. Keine schnöde Lust der Sün⸗ den soll mich ferner über⸗ winden. Nimm du dich nur meiner an, daß ich stand⸗ haft bleiben kann! Mel. Sollt ich meinem Gott nicht 299 ilden soll ich mich auf Er⸗ den, Gott, für deine Ewig⸗ keit; hier, in ungewisser Zeit, täglich weiser, besser werden; und nach dieser grotzen Pflicht richtet mich einst dein Gericht. 2. Jede Stunde meines Lebens, selbst Minuten zäh⸗ lest du, wogest jede Kraft mir zu; keine gabst du mir vergebens! Wuchern stets mit Kraft und Zeit soll ich für die Ewigkeit. 3. Und ich lebte nur auf Erden, um den Sinnen wohlzuthun, konnte träg und sicher ruhn; suchen, glücklich nur zu werden durch Gewinn der Eitelkeit, den ein Augenblick zerstreut! 4½ Gott, wie war mein Geist verblendet! Wie viel Tage sind mir schon unge⸗ nützt zum Heil entflohn! wie viel Kräfte schon ver⸗ schwendet! Doch mich rufet noch die Pflicht, und ich säume länger nicht. Zu befrein mich von dem Hange meiner sünd⸗ lichen Begier, wurde täglich werer mir; und ich weiß — 217 ia nicht, wie lange mich noch deine Langmuth trägt, nicht, wann meine Stunde schlägt. 6. Drum will ich nicht länger weilen, wo das Eitle mich belügt, mich um ewges Heil betrügt; eilen will ich, ott, nun eilen auf der Bahn der B sserung zu dem Ziel der Heiligung. ö Ichͤ will stets mich selbst bezwine en; eingedenk der Rechenso aft, wuchern noch mit Zeit und Kraft: will mich durch Versuchung ringen, um vor dir einst zu bestehn und zum Leben einzugehn. Mel. O Gott, du frommer Gott 300 J́ blick empor zu dir, du Ewi⸗ ger, der Allen, die durch der Prüfung Land zum größen Ziele wallen, Ver⸗ gelter, Richter ist, und fleh voll Innigkeit: gedenk der Sünden nicht, die tief mein Herz bereut! 4 2. Wie oft gelobt ich dir in ernster Andacht Skille: mein heiligstes Gesetz, o Gott, sei stets dein Wille! Du kennst mein Herz, du weißt, es war der Vorsatz rein, dir treu auf jedem Pfad, den du mich führst, zu sein. 3. Und dennoch fehlt ich oft! Wer kennt des Herzens Tiefen? Ach, böse Lüste, die so tief verborgen schlie⸗ K fen, 218 Gesinnung und Verhalten des Christen fen, erwachten, aufgereizt vom Sturm der Leidenschaft; hetäubt und überrascht er⸗ lag bald meine Kraft. 4. Nun schau ich prü⸗ fsend hin auf die durchleb⸗ ten Tage; sie bringt kein Wunsch zurück und keine bange Klage; doch ihre Tha⸗ ten führt mit richterlichem Blick mir ernst und war⸗ nend oft Erinnerung zurück. 5. Der Edle, der sein Herz schon früh der Tugend weih⸗ te, fühlt hohe Seligkeit, sieht er an ihrer Seite auf die durchlaufne Bahn mit stiller Heiterkeit. Er hat ge⸗ sät in ihr für eine Ewigkeit. 6. Und diese Seligkeit, des Herzens süßen Frieden, das höchste Gut, das hier den Sterblichen beschieden, erwarb ich mir noch nicht! Den bleibenden Gewinn gab ich, von Schein getäuscht, für kurze Lust oft hin. 7. Ich unterließ die Pflicht, die Reizungen zu Sünden, durch Weisheit und durch Muth gestärkt, zu überwin⸗ den; ergebungsvoll und still mit ruhigem Vertraun auf dornenvollem Pfad zu Gott emporzuschaun. 8. Verzeih, Allgütiger! Du siehst der Reue Zähren. Du wirst dem Schwachen Kraft und Hülfe gern ge⸗ währen. Mit neuer Treue will ich deine Wege gehn; laß einst am großen Ziel, o Gott, dein Heil mich sehn! Mel. So fliehen unsre Tage 301 M dir zum Eigenthume weihn. Es forderts ja dein Wort von mir; drum sei es ewig dein! 2. Zwar hat es durch den Hang der Welt, durch Lust und Eitelkeit, die, Hei⸗ liger, dir nicht gefällt, sic oft, ach oft entweiht. 3. Doch sieh, es fühle seine Schuld, gelobt din Besserung und fleht zu dit! um Gnad und Huld, um Kraft zur Heiligung. 4. Verwirf, verwirf mei Flehen nicht; sei mir mi Gnade nah! Zu dir sth meine Zuversicht; mein V ter bist du ja. 5. Dieß bürgte mir, g9 sandt von dir, dein Soh mit seinem Blut; verli durch deinen Geist nun mi Rut Pessrung Kraft un uth! 6. Hilf, daß ich dir, ma Herr und Gott, im Glah ben stets getreu und gehl List, Gewalt und Spokt Guten standhaft sei!l 7. Hilf, daß ich sei i. Leiden fest, durch Hoffmh und Geduld; mein wenn Alles mich verlif sei deine Vaterhuld 8 90 „ 0 .rI im Allgemeinen. 8. Hilf, daß ich gegen Jedermann, von Stolz und Neide frei, aufrichtig und, so viel ich kann, zu dienen willig sei! 9. Hilf, daß ich wohlzu⸗ thun mich freu und, fern von Rachbegier, selbst mei⸗ nem Feinde gern verzeih; denn du verzeihst auch mir. 10. Dich, Gott, verehren, sei mein Ruhm, entfernt von Heuchelei, damit mein ganzes Christenthum dir wohlgefällig sei! 11. So nimm es denn zum Tempel ein, mein Herz, hier in der Zeit; und laß es deine Wohnung sein auch in der Ewigkeit! 2. Weg, Welt, weg Sünd! Euch dien ich nicht! Rur Gott, nur Gott al⸗ lein: dieß, dieß ist meine Zuversicht, kann ewig mich erfreun. Mel. Wer nur den lieben Gott 302 Mein Gott, zu dem ich wei⸗ nend flehe, erbarme deines Kindes dich! Ach, sieh auch jetzt von deiner Höhe mit gnadenvollem Blick auf— Vergib mir, Vater, gehe nicht mit mir, dem Sünder, ins Gericht! Wie oft hast du mir schon vergeben, wenn reu⸗ voll ich um Gnade bat; wie oft versprach ich dir ein Le⸗ 219 ben, gereiniget von Misse⸗ that; wie feierlich war dann mein Eid des Glaubens und der Frömmigkeit! 3. Ach, aber bald ergriff mich wieder die Sünd und ihre Lust mit ihr, riß mei⸗ nen frommen Vorsatz nie⸗ der und herrschte wie zu⸗ vor in mir! Zum Wider⸗ stande viel zu schwach, floh ich nicht, sondern gab ihr nach. 4. Wie viele sündenvolle Tage durchlebt ich, Vater, wie im Traum und sam⸗ melte mir Schmach und Pla⸗ ge und fühlte dieß mein Elend kaum! Verwundet blutete mein Herz; betäubt empfand ich keinen Schmerz. 5. Ich ging den Weg zum Untergange, den dein gerech⸗ ter Ernst mir droht. Jetzt ist um Trost mir Sünder bange; wer rettet mich aus meiner Noth? Mein richten⸗ des Gewissen wacht, und Alles um mich her ist Nacht. 6. Zu wem, o Vater, soll ich fliehen? Wo findet meine Seele Ruh? Wer kann sie aus dem Elend ziehen, in dem sie seufzet, als nur du? Mein ganz Vertraun setz ich auf dich: du, Freund des Lebens, rettest mich! 7. Für alle, auch für mei⸗ ne Sünden, floß einst des Welterlösers Blut. O laß durch ihn mich Gnade fin⸗ K 2 den, —— ,—u. 220 Gesinnung und Verhalten des Christen den, du, meiner Seele höch⸗ stes Gut! Noch einmal, Va⸗ ter, sprich zu mir: Auch diese Schuld erlaß ich dir. 8. Gott, sei mein Zeuge, da ich schwöre: Mein Herz soll dir geheiligt sein! Dir, deinem Willen, deiner Ehre will ich mein ganzes Leben weihn: der Sünde will ich widerstehn und standhaft deine Wege gehn! 9. Vergiß nicht wieder, meine Seele, wie oft du schon gefallen bist! n Vo⸗ nicht mehr des Herrn Be⸗ fehle, nicht mehr, daß er dein Retter ist! Ruf ihn im Glauben täglich an: er⸗ halt mich, Herr, auf ebner Bahn! Mel. Freu dich sehr, o meine S. 303S Haffettschafte, Menschenkin⸗ der, schaffet eure Seligkeit! Bauet nicht, wie sichre Sün⸗ der, auf die ungewisse Zeit! Unverweilt bekehret euch! Ringet nach dem Himmel⸗ reich! Strebet, heilig hier auf Erden, strebet, selig dort zu werden! 2. Daß nun dieses mög geschehen, so müßt ihr mit festem Muth jeder Sünde widerstehen, nur was Gott, das höchste Gut, von euch fordert, muß allein eures Lebens Richtschnur sein; es mag eurem schwachen erzen Freude bringen oder Schmerzen. 3. Selig, wer im Glau⸗ ben kämpfet, selig, wer im ö Kampf besteht, wer des Flei⸗ sches Lüste dämpfet und den Reiz der Welt verschmäht! O, so strebt dem Guten nach, seht dabei auf Christi Schmach! Wer den Him⸗ mel will ererben, muß erst seinen Sünden sterben. 4. Wer det ihr nicht stand⸗ haft ringen, sondern träg und lässig sein, eure Nei⸗ gung zu bezwingen: wie kann euch der Sieg erfreun? Ohne tapfern Streit und Krieg folget nie Triumph und Sieg. Nur den Siegel schmückt zum Lohne seines Kampfs die Himmelskrone 5. Sich voll Leichtsinn stet zerstreuen, thun, was Fleisch und Welt uns heißt, und der Kampf der Lüste scheuen, i der Welt, nicht Christi Geist Wer ihn haben will, del kann auf der Tugend rauhe Bahn nicht in sichrem Stohh leben und den Lüsten sih ergeben. 6. Brünstig beten, allzel wachen, die Versuchum weislich fliehn, sich di Pflicht zur Freude machel und mit Sorgfalt sich he mühn, selbst beim Spolt und Hohn der Welt ieß nur wollen und en ril Bu 0l den zu thun, was Gott gefälll; 1 dir, ö im Allgemeinen. 221 2 bringen heißet: nach dem 2. Dein Wort gebeut und 1⸗ Himmel ringen. spricht: thu Buße, verändre, 1 +. Drum entreißet euch den bessre deinen Sinn; fall dei⸗ i⸗ Lüsten, die ihr noch gefesselt nem Gott voll Reu zu Fuße; mn seid, und beweiset euch als sei nicht mehr Sünder, wie tY Christen muthig und getrost vorhin; von nun an sei, n im Streit! Schont der lieb⸗ als Gottes Kind, ihm folg⸗ tt sten Neigung nicht; übet auch sam, ähnlich ihm gesinnt! n. die schwerste Pflicht! Denket 3. Bezähme stets in dir st oft an Christi Worte: drin⸗ die Liebe zu allem dem, get durch die enge Pforte! was Sünde heißt, und fol⸗ d⸗ 8. Zittern muß ich vor ge jedem guten Triebe, den ig der Sünde und auf Jesu Gott erweckt durch seinen ei: Vorbild sehn! Suchen will Geist; ieh, flieh die Lüste ie ich, daß ich finde, was mein dieser Welt und thue nur, 9 Glück einst wird erhöhn! was ihm gefällt! nd Fehl ich, o so gehe nicht, 4. Erstatte deinem Näch⸗ ph Richter, mit mir ins Ge⸗ sten wieder, was du mit en richt! Gib mir deines Gei⸗ Unrecht ihm entwandt, und e stes Waffen, meine Selig⸗ leite die verführten Brüder 1e keit zu schaffen! zurück zur Tugend; beut h 9. Gib zum Wollen das die Hand dem Unterdrück⸗ shl Vollbringen! Gih mir Muth ten liebevoll; thu Jedem, 0h, und Kraft zum Streit! Lehre auch dem Feinde, wohl! ilh mich mit Ernst bezwingen 5. Flieh Neid, Verleum⸗ st. Alles, was mein Herz ent⸗ dung, Haß und Lügen, be⸗ weiht! 191155 mir von dei⸗ gehr nicht, was des Näch⸗ nem Thron den verheißnen sten ist, zeig durch den Ab⸗ Gnadenlohn, daß ich wache, scheu vor Betrügen, daß ih bete, ringe und empor zum du ein Feind des Lasters immel dringe! bist; sei friedlich, weise, ö stets bereit, zu sterben, Mel. Wer nur den hre Gott wann dein diezt nehte ott, lehre mich 6. Herr, dieß befiehlt mir 304 G verstehn und deine Lehre. Du weißt am Vfassen, was Buße, wahre besten, wie ich bin; hilf, Buße sei! dilf mir die Sün⸗ daß ich deine Stimme höre, den ernstlich hassen, damit und ändre du selbst meinen 12 icohne Heuchelei mein Leben Sinn. Sieh, Besserung ulre selbst mir treu und gelob ich dir; gib Kräfte dir, Herr, wohlgefällig sei! zum Kg ringen aiß ö ——2⁵7 222 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Gott, Vater, an Erbarmen o wahr ich lebe! 305 S spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; ich will, daß er vom Bösen sich mit Ernst bekehr und suche mich; vom Elend seiner Sünden frei, geheiligt mir und selig sei. 2. Vernimm, o Mensch, dieß Gnadenwort und wand⸗ le nicht zum Tode fort! Gern will dein Gott dir gnädig sein, gern alle Sünden dir Derzeihn. Sei reuvoll; doch verzage nicht und fasse Muth zu deiner Pflicht. 3. Doch hüte dich vor Si⸗ cherheit! Denk nicht: zur Buß ist wohl noch Zeit; erst will ich mit der Welt mich freun, und werd ich ihrer müde sein, dann bessr ich, dann bekehr— mich, und Gott erbarmt noch meiner sich. 4. Wiß, der jetzt liebreich dir verzeiht, übt auch als Gott Gerechtigkeit; und, Sünder, dir ist unbewußt, ob du nicht morgen sterben mußt. Dann wehe dir, sinkst du ins Grab frech von des Lasters Pfad hinab! 5. Heut lebst du; heut bekehre dich! Eh morgen kommt, kanns ändern sich. Wer jetzt gesund ist, stirbt vielleicht, eh er den Abend noch erreicht. Drum wandle nicht in Sünden fort; du weißt, zu spät ist Buße dort. 6. Hilf denn, o Vater, hilf, daß ich noch heute, heute bessre mich, eh meine Schuld noch mehr sich häuft, eh mich ein schneller Tod ergreift, damit ich heut und jederzeit zu meinem Ende sei bereit. ö Mel. Wer nur den lieben Gott 306 Ad, Gott, wie mancher von den Tagen der mir beschied⸗ nen Lebenszeit floh schon dahin, mich anzuklagen, ins Meer der langen Ewigkeit! Nicht jeden hab ich dir ge⸗ lebt, nicht stets der Tugen nachgestrebt. 2. Gar oft empörte sit im Leiden mein murren Herz voll Ungeduld; ¹ schenktest du, mein Gott, mi Freuden, o dann vergaß 10 deiner Huld; genoß nich jede, wie ich soll, nicht im n mer reinen Dankes voll. 3. So war mein Herz auh e fanit Brüder nicht imm. n anft und liebevoll. Schih mich erlittnes Unrecht niede so übernahm mich oft ‚0. Groll; und ich vergaß di Sanftmuth Pflicht und foht s te Jesu Vorbild nicht. h 4. Dir, Herzenskündi ist keine von meinen S den unbekannt. Vergib, un e ich vor dir beweine, m leite mich an deiner Han zu besserer Gesinnung 0 ö x ö ö N0 ben. Ist ein Tyrann, im Allgemeinen. bis ich ganz frei von Feh⸗ lern bin! Mel. O Gott, du frommer Gott 307 Wilß du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben, so schändest du sein Wort und mußt dich selbst nicht lie⸗ st deine Besserung nicht deiner Seele Glück? Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? 2. Allein wie schwer ists doch, sein eigen Herz be⸗ kämpfen, Begierden wider⸗ stehn und seine Lüste däm⸗ pfen! Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh ist dieß der ein ge Weg. Und dem entsagest du? 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie ver⸗ gessen? Nach deinen Kräf⸗ ten selbst hat er sie abge⸗ messen. Was weigerst du dich noch? Gott ist nicht der mehr von mut verlangt, als ich ihm leisten kann. 4. Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene und seiner werth zu sein im Glauben mich er⸗ kühne? enn du die Tu⸗ gend übst, die Gott, dein ehr, gebeut, wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit? as weigerst du dich 1 noch, das Laster zu verlassen? 223 Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen. Was weigerst du dich noch, er Tugend Freund zu sein? Weil sie dich glück⸗ lich macht, befiehlt sie Gott allein. 6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbrin⸗ gen. Soll er durch Allmacht dich ihm zu gehorchen zwin⸗ len, je hat au wird der holen⸗ at zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein; um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun! 9. Ist denn die Buß ein erk von wenig Augen⸗ blicken? Kann dich kein schnel⸗ ler Tod der Welt noch heut entrücken? Ist ein Geschrei u Gott, ein Wunsch nach esserung und Angst der Missethat die wahre Heili⸗ gung? K 4 10. Ists 224 Gesinnung und Verhalten des Christen 10. Ists gnug zur Se⸗ ligkeit, des Glückes der Er⸗ lösten, wenn uns der Tod ergreift, sich 9796 zu ge⸗ trösten; ist das ekenntniß gnug, daß uns die Sünde reut, so ist kein leichter Werk, als deine Seligkeit! 11. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der See⸗ len; ist keine Seele rein, der Glaub ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst, so zittre vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst. 12. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Ge⸗ schäfte? Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte? Erschreckt dich nicht sein Wort? Gibt im verkehrtem Sinn den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin? 13. Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht, so ist es micht von Gott. Gott widerspricht sich nicht. 14. Noch heute, weil du lebst und seine Stimme hö⸗ rest, noch heute schicke dich, daß du vom Bösen keh⸗ rest. Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein und Liebe fehlen, dein hier versäumtes Glück nicht ewiglich bereun! 15. Entschließe dich be. herzt, dich selber zu besiegen; der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagst du? Geht er gleich im Anfang. langsam fort; sei wacker, Gott ist nah und stärkt dich durch sein Wort! 16. Ruf ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden. Und läßt dich sein Geseß erst ihren Fluch empfinden, so widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeil wirkt eine Reu in dir, di niemals dich gereut. 17. So süß ein Lastt ist, so gibts doch keinen Frieden. Der Tugend mh allein hat Gott dieß Glil beschieden. Ein Mensch der Gott gehorcht, erwähl das beste Theil; ein Mensh der Gott verläßt, erin sein eignes Heil. 1 18. Die Buße führt din nicht in eine Welt voll I den; Gott kennt und lich dein Glück; sie führt deinen Freuden, macht ‚0l ne Seele rein, füllt du mit Zuversicht, gibt Woil heit und Verstand u Muth zu deiner 1 19. Sprich selbst: Istdu kein Glück, mit ruhigem wissen die Güter dieser Wh des Lebens Glück genüeßt und mäßig und gere 0 cht! t dih im Allgemeinen. 2²2⁵ dem Genusse sein und sich gnädig meine Schuld und der Seligkeit schon hier im heile mein verwundt Ge⸗ Glauben freun? wissen mit Trost aus dei⸗ ner Vaterhuld! Ich will mit x Mel. Wer nur den lieben Gott Ernst die Sünde scheun und 308 Wie theuer, willig dir gehorsam sein. 01 Gott, ist 6. Daß mit Gerechtigkeit deine Güte, die alle Misse⸗ auch Stärke zur Tugend that vergibt, sobald voll mir verliehen sei, laß mich Reue das Gemüthe die durch Uebung guter Werke Sünden, die es sonst ge⸗ beweisen; mache selbst mich liebt, erkennt, bereut und treu, Herr, in der Liebe ernstlich haßt und Zuver⸗ gegen dich! Sie leite und sicht zum Mittler faßt! regiere mich! 2. Doch laß mich ja nicht 7. Laß mich zu deiner sicher werden, weil du so Ehre leben, der du die reich an Gnade bist! Wie Missethat vergibst, das haf⸗ kurz ist meine Zeit auf Er⸗ sen, was du mir vergeben, den, die mir zum Heil ge⸗ das lieben, was du selber geben ist! Gib, daß sie mir liebst! Laß, Vater, mein recht wichtig sei, daß ich sie Gewissen rein und heilig meiner Bessrung weih! meinen Wandel sein! 3. Zwar deine Gnade zu Lesfrung—— doch Bessrung viel zu klein: doch Am allgemeinen Bußtage. darf sich auch ein Mensch 9 9 vasohnt V glauben, dir Mel. Herzlich lieb hab ich dich versöhnt zu ein, wenn er ott, der du un⸗ noch liebt, was dir miß⸗ 309 Gñee Zuflucht bist, fällt, und nicht dein Wort Criz unser Mittler, jesu von Rite hält? Christ, Geist Gottes, Geist +. Nie kannst du dem die der Gnaden! Unendlicher, Schuld erlassen, der frevelnd verwirf uns nicht! Wir kom⸗ Schuld auf Schulden häuft. men vor dein Angesicht, mit Der kann kein Herz zu Jesu Missethat beladen. Nimm assen, der 69ster auf sein von uns unsre Sünden⸗ Verdienst sich steift; doch in schuld, du Gott dergLangmuth der Sünde noch beharrt, da⸗ und Geduld! Erhöre gnädig ur er selbst ein Opfer ward. unser Flehn, daß wir dein „ Drum fall ich dir, mein Heil, Erbarmer, sehn! Herr, Gott, zu Füßen: vergib mir ag 55 verbirg icht ö ni nicht dein Angesicht und geh mit uns nicht ins Gericht! 2. Ward Recht und Pflicht von uns entweiht, gebrochen unsers Bundes Eid, dein Weg von uns verlassen o sieh, wir kehren voller Reu zurück zu dir; laß, Herr, aufs neu uns deine Gnade fassen! Sie leit uns auf den ebnen Pfad, den uns dein Wort bezeichnet hat, daß Irrthum und Versuchung nie uns auf die Bahn des Lasters zieh! Herr, unser Gott, groß von Geduld, vor neuer Schuld behüt uns deine Vaterhuld! 3. Dein Segen komm auf unser Land. Laß es, bes chirmt von deiner Hand, des Frie⸗ dens Ruh genießen! Wend ab von uns der Flammen Wuth und die Verwüstung wilder Fluth, des Krieges Blutvergießen! Retter, wenn uns Noth des Mangels und der Seuchen droht! Du, Vater, wollest mit uns sein, daß wir uns deines Schutzes freun! Herr, unser Gott, verleih uns Muth! In deiner Hut sind wir; und was du thust, ist gut. 4. Gib Frieden, wo sonst Zwietracht war; vereine, was getrennet war; schenk uns der Eintracht Segen! Uns leite, Gott, dein guter Geist, und was dein theures 226 Gesinnung und Verhalten des Christen Sei unser Wort verheißt, sei Licht auf unsern Wegen! Laß, Herr, in Lehr und Wandel rein die Diener deines Wortes sein und bringe zu der Wahr⸗ heit Glüc, zu dir die Ir⸗ renden zurück! Herr, unser Gott, breit aus dein Wort an jedem Ort; gib Geist und Kraft zu deinem Wort! 5. Auch die Regenten lenke du, daß weise sie, in sichrer Ruh, der Völker Wohlstand heben! Dem Eedt,, uns schützt und iebt, gib, der in ihm so viel uns gibt, ein frohes, langes Leben! Noch lange sei sein Vaterblick uns, sei⸗ ** nen Kindern, Schutz und Glück! O schütt auf ihn und auf sein Haus und seine Räthe Segen aus! Herr, unser Gott, in dei⸗ ner Hand ist unser Land, be⸗ glück es, segne jeden Stand! 6. Vernimm der Leiden⸗ den Gebet! Wer in der Noth um Rettung fleht, dem Hilf aus seinen Nöthen! Gib Kranken Linderung und Ruh; die Sterbenden erlöse du, erhör ihr letztes Beten Sei aller Unterdrückten Heil, der Witwen und der Wai⸗ sein Theil; vereitle der Ver⸗ folger Rath und lehre sie den rechten Pfad! Herr, unser Gott, durch alles Leid der Pilgerzeit führ uns zu dei⸗ ner Herrlichkeit! 7. Du VHAe rn XI S . im Allgemieinen. 227⁷ 7. Du thust weit mehr, sucht redlich zu erfüllen, als wir verstehn, kannst mehr siehst du mit Gnade an. gewähren, als wir flehn; 4. Dein Geist wohnt mit laß uns Erhörung finden! im Herzen und tröstet mei⸗ O neig auf unser Flehn dein nen Sinn: stillt alle mneine Ohr, heb unser Herz zu dir Schmerzen, nimmt jede Sor⸗ empor und mach uns rein ge hin; zeigt mir, daß Er⸗ von Sünden! Laß uns dir denleiden nicht zu verglei⸗ nun geheiligt sein, im Le⸗ chen sei mit jenen Him⸗ ben und im Tode dein! melsfreuden, dem Lohn be⸗ Wir sind durch Christi währter Treu. Blut erlöst: o u, der 5. Auf dieß mein eil Sünder nicht verstößt, Herr, und Erbe seh ich voll Zu⸗ unser Gott, erbarme dich, versicht. Wenn ich gleich erbarme dich! Vergib uns, fall und sterbe, fällt do leit uns väterlich! mein Himmel nicht. Ge ich auch unter Zähren hier Mel. Besiehl du deine Wege manche rauhe Bahn, nimmt 310 st Gott für mich,‚ mich doch Gott zu Ehren so trete gleich dereinst auf ewig an. Alles wider mich! So oft 6. Dieß stärkt mich, auch ich zu ihm bete, verliert im Leiden dir, ihis sol mein Kummer sich. Hab ich treu zu sein! Ni nur ihn zum Freunde, wie von dir mich scheiden, auch selig bin ich dann! Was nicht die größte Pein; du acht ich aller Feinde! Er lenkst sie mir Tro Besten, nimmt sich meiner an. bist mir mit 2. Ja, dieß ists, was mich und wann die Noth am stärket: ich glaube fest als größten, ist deine Hülfe da. Christ, daß Gott auch mich 7. Kein glänzend Loos im bemerket, auch mir ein Va⸗— Leben, nicht Ansehn, Ruhm ter ist, daß er zu allen Zei⸗ und Macht, wonach nur ten mit Huld herniederblickt, Stolze streben, nicht Reich⸗ im Kampfe mir hilft streiten, thum, Glück und Pracht, 128.950 mein Herz erquickt. Nichts soll mir je den Glau⸗ Wer in ich aus Schwach- ben an deine Vatertreu heit fehle und nur aus Vor⸗ vermindern oder rauben; satz nicht, so stärket meine Nichts, was es immer sei! Seele die hohe Zuversicht: 8. Was könnte sonst mich en, Herr, der deinen Wil⸗ scheiden von deiner Lieb, len, so gut er immer kann,——50 gerfolgung? Ltahs al? 228 Gesinnung und Verhalten des Christen sal? Leiden? Schwerdt? Ruchts Blöße? Tod? Nichts, Nichts! Ich über⸗ winde in dem, der mich geliebt und sich für meine Sünde zum Opfer selber gibt. 9. Ist Gott für mich, so trete gleich Alles wider mich! So oft ich zu ihm bete, ver⸗ liert mein Kummer sich. Deß ist mein Herz voll Wonne! Was ists, das mir gebricht? Der Herr ist meine Sonne, mein Schutz, mein Heil, mein Licht! Mel. Warum sollt ich mich 311 eines Herzens reinste Freude ist nur die, daß ich nie mich von Jesu scheide, daß ich ihn durch Glauben ehre, jederzeit hoch⸗ erfreut seine Stimme höre. 2. Freundlich ruft er alle Mͤden und erfüllt sanft und mild ihren Geist mit Frieden; seine Last ist leicht zu tragen; er macht Bahn, geht voran, tröstet, wenn wir zagen. 3. Ja, er kennt die Leidens⸗ stunden; größern Schmerz hat kein Herz, als sein Herz empfunden. Darum blickt, wenn seiner Brüder einer weint, unser Freund mit⸗ leidsvoll hernieder. 4. Will das Herz der Noth erliegen, dann hilft er, unser Herr, kämpfen uns und siegen. Die auf ihn zu allen Zeiten folgsam schaun, ihm vertraun, ärndten Se⸗ ligkeiten. 5. Jesu, treuster Freund von Allen, mit dir will froh und still ich durchs Leben wallen! Auch der Tod kann mich nicht schrecken: denn du wirst, Lebensfürst, einst mich auferwecken. Mel. Wenn mein Stündlein 312 In weiß, an wen ö mein Glaub sich hält; kein Feind soll ihn mir rauben! Als Bürger einer bessern Welt leb ich hier nur im Glauben; dort schau ich, was ich hier ge⸗ glaubt. Wer ist, der mir das Erbtheil raubt, das Jesus mir erworben? 2. Mein Leben ist ein kur⸗ i Streit, und herrlich ist ie Krone, die Gott dem Ueberwinder beut zum ew⸗ gen Siegeslohne. Ob auch des Kampfes Müh mich schreckt: du, der den Tod für mich geschmeckt, du stärkst mich, daß ich siege. 3. O Herr, du bist mein höchster Ruhm, mein bester Trost im Leben; einst wirst du mich, dein Eigenthum, zu deinem Reich erheben. Der Freuden Fülle ist bei dir; dort hab ich Alles, was ich hier nur suche und nicht finde. 4 Herr, lenke meines ————————— Geistes Blick von dieser Wel Getümmel auf dich, auf met ner Seele Glück, auf 4 0 — —2 E. L. — im Allgemeinen. 229 605 219 Wauchlent Kurz ist der In eigener Wemd de Herrlichkeit, vergäng⸗ einen Jesum lich alles Glück der Zeit; im 313 Maa ich nicht! Himmel sei mein Wandel! Er hat sich für mich gege⸗ 5. Jetzt, da mich dieser ben; fordert es nicht Dank Leib beschwert, ist mir noch und Pflicht, ihn zu lieben, nicht erschienen, was uns ihm zu leben? Er ist mei⸗ die künftge Welt gewährt, nes Lebens Licht, meinen wo wir Gott heilig dienen. Jesum laß ich nicht! Dann, wann mein Auge 2. Er, in diese Welt ge⸗ nicht mehr weint, wann mein sandt, uns zu lehren, uns Vollendungstag erscheint, zu retten, gab sein Leben dann werd ichs froh em⸗ uns zum Pfand, daß wir pfinden. Gottes Gnade hätten. O 6. Im Dunkel nur, Herr, wie bin ich ihm verpflicht! seh ich hier, wo ich dir Meinen Jesum laß ich nicht! gläubig traue, die Seligkeit, 3. Durch ein Herz voll die dort bei dir in vollem Dankbarkeit, durch Gehor⸗ Licht ich schaue. Hier ist sam, den ich übe gegen das, mein Werth mir noch ver⸗ was er gebeut, halt ich fest hüllt: dort wird er sichtbar, an seiner Liebe, traue dem, wenn dein Bild in mir sich was er verspricht, und ver⸗ ganz verkläret. laß ihn ewig nicht! 7. Zu diesem Glück bin 4. So ist er mein Theil ich erkauft, o Herr, durch und Ruhm bis an meines deine Leiden; auf deinen Lebens Ende; ihm geb ich Tod bin ich getauft; wer zum Ei enthum ganz mich kann mich von dir scheiden? hin in seine ände. Er ist Nicht Glück und Lust, nicht meine Zuversicht; meinen Leid und Noth, das Leben Jesum laß ich nicht! nicht und nicht der Tod! 5. Wenn mein Auge schon ein sind des Himmels erlischt, Wang und Lippen Freuden.„ sich entfärben, mich kein 8. Wie groß ist meine Labsal mehr erfrischt, alle Hurrlicheit! Empfinde sie, ö Sinne mir ersterben, und eele! Vom Tand der Erde das matte Herz nun bricht, unentweiht, erhebe Gott, o laß ich meinen Jesum nicht! Seele! Der Erde glänzend 6. Dort auch laß ich—— Richts vergeht; nur des Ge⸗ sum nie, hange stets an ei⸗ vechten Glück besteht durch nen Blicken: denn nach die⸗ alle Ewigkeiten. ö ses 47* Müh will er ewig —..ę. ewig mich erquicken. Ewig strahlt mir dort sein Licht! Meinen Jesum laß ich nicht! 7. Nichts auf dieser Erde ists, was des Herzens Wün⸗ sche stillet. Du, o Jesu, du nur bists, du nur, der sie ganz erfüllet. Dich, mein Reichthum, Ruhm und Licht dich, mein Jesu, laß ich nicht! 8. Dich, mein Jesu, halt ich fest, lasse nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr ihn vergeßt; ihr be⸗ raubt euch ewger Freuden. Selig, wer in Wahrheit spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 314 Wenen e ohne dich ge⸗ wesen, was würd ich ohne und Ten sein? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, ständ ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt ich sicher, was ich liebte; die Zukunft wär ein dunkler Schlund; und wenn mein Herz sich tief betrübte, wem thät ich meine Sorge kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb und Sehnen, erschien mir finster jeder Tag; ich folgte nur mit heißen Thrä⸗ nen dem wilden Lauf des Lebens nach; ich fände Un⸗ ruh im Getümmel und hoff⸗ nungslosen Gram zu Haus. 230 Gesinnung und Verhalten des Christen Wer hielt denn ohne Freund im Himmel, wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Christus sich mir kund gegeben, und bin ich seiner erst gewiß, wie schnell verzehrt ein lichtes Leben die bodenlose Finsterniß! Mit ihm bin ich erst Mensch geworden: das Schicksal wird verklärt durch ihn, und Eden muß an allen Orten um den Geliebten wieder blühn. 4. Das Leben ward zum Freundschaftsbunde; die anze Welt spricht Lieb und ust. Ein Balsam träuff für jede Wunde, und frei und voll klopft jede Brust. Durch ihn erhalt ich tau⸗ send Gaben; durch ihn bin ich ja Gottes Kind; gewiß ihn unter uns zu haben, wo zwei auch nur versam⸗ melt sind. 5. O geht hinaus auf allen Wegen und holt die Irrenden herein! Reicht jc dem eure Hand entgegel und ladet froh zu uns ihl ein! Der Himmel ist bu uns auf Erden; im Glau⸗ ben schauen wir ihn a. Die Eines Glaubens m uns werden, auch denen i *** er aufgethan. Ein alter schwern Wahn von Sünde war s an unser Herz gebannt. Mi irrten in der Macht h S—. — im Allgemeinen. 231 Blinde, von Reu und Lust 10. Noch steht im wun⸗ 5299900 entbrannt. Ein je⸗ dervollen Glanze der hei⸗ es Werk schien uns Ver⸗ lige Geliebte hier. Gerührt brechen, der Mensch ein von seinem Dornenkranze Gottesfeind zu sein. Bang und seiner Treue weinen hörten das esetz wir spre⸗ wir. Ein jeder Mensch ist en; denn ach, es drohte uns willkommen, der seine Tod und Pein! Hand mit uns ergreift und, 7. Das Herz, des Lebens in sein Herz mit aufge⸗ reiche Quelle, ein böses nommen, zur Frucht des Wesen wohnte drin; und Paradieses reift * nichtet werde, verschlang der ewig Leben. Gott ist ein Hoffnung Ueberrest. ater, der verzeiht, hat 8. Da kam der Heiland, mir das Recht der Selig⸗ der Befreier, ein Menschen⸗ keit in seinem Sohn ge⸗ sohn voll Lieb und Macht, geben. und hat ein allbelebend 2. Herr, welch ein un⸗ Feuer in unserm Innern aussprechlich Heil, an dir, angefacht. Nun sahn wir an deiner Gnade Theil, erst den Himmel offen als Theil an dem Himmel ha⸗ unser heilges Vaterland; ben; im Herzen durch den wir konnten glauben nun Glauben rein, dich lieben und hoffen und fühlten uns und versichert sein von dei⸗ mit Gott verwandt. nes Geistes Gaben! 9. Seitdem verschwand 3. Dein Wort, das Wort die Macht der Sünde, und der Seligkeit, wirkt göttliche sröhlich wurde jeder Schritt. Zufrieden eit, wenn wir es an gab zum schönsten An⸗ treu bewahren. Es spricht gebinde den Kindern diesen uns Trost im Elend zu, lauben mit. Durch ihn versüßet uns des Lebens geheiligt, zog das Leben Ruh und stärkt uns in Ge⸗ vorüber wie ein selger fahren! raum; und ewger Lieb 4. Erhalte mir, o Herr, und Treu ergeben, bemerkte mein Hort, den Glauben an man den Abschied kaum. dein göttlich Wort um dei⸗ 5 nes 232 Gesinnung und Verhalten des Christen nes Namens willen; laß ihn mein Licht auf Erden sein, ihn täglich mehr mein Herz erneun und mich mit Trost erfüllen! Mel. Jesus, meines Lebens Leben 316 Schweiget, bange Zweifel, schwei⸗ get! Mein Erlöser ist ge⸗ treu, und sein Geist in mir önner i daß ich Gott ver⸗ söhnet sei. Mag auch selbst mein Herz mich richten, mich verdammen, mich ver⸗ nichten; Gott ist größer, als mein Herz, und gibt Ruh auf bangen Schmerz. 2. Er, der das Verborgne kennet, kennt auch mich und weiß allein, wie mein Herz von Eifer brennet, ganz sich seinem Dienst zu weihn; schaut den Kummer meiner Seele, der mich beugt, so oft ich fehle, und sieht nicht, was ich gethan, sondern mehr den Willen an. 3. Wer will ferner den verklagen, welchen Gott zum Kind erwählt? Wer darf zu verdammen wagen, den Gott selber losgezählt? Menschen zwar, und selbst die Engel sind vor ihm nicht ohne Mängel; doch das menschliche Geschlecht wird in seinem Sohn gerecht. 4. Mir ist auch sein Sohn gegeben; durch den Glau⸗ ben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben und in ihm einst selig sein. Such ich nur den Hang zu Sün⸗ den immer treu zu über⸗ winden, mich der Tugend stets zu weihn, so will Gott mir gnädig sein. 5. Theuer bin ich ihm erworben! Wohl mir, hier ist Jesus Christ, er, der auch für mich gestorben, auch für mich erstanden ist, nun zur Rechten Gottes sitzet, auf mich sieht, mich mächtig schützet, mich vertritt, mich nie verstößt, mich aus aller Noth erlöst! 6. Nun so mag das Un⸗ glück stürmen! Alles um mich her sei Nacht! Gott, mein Gott wird mich be⸗ schirmen, der für seine Kin⸗ der wacht. Wenn ich hier auch hülflos bliebe, leitet mich doch seine Liebe durch die Leiden dieser Zeit zur beglückten Ewigkeit. Mel. Auf, Christenmensch! ů 317 Wuhe dalud spricht: Ich kenne Gott! der trüget: in solchem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, der ist von Gott nicht von der Welt. ö 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, muß auch die Liebe zeugen. Je höher 42* 0 — S=.tU SCSS im Allgemeinen. Erkenntniß steigt, je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein; er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat, sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, der flieht den Rath der Sün⸗ der; folgt Christi Beispiel als ein Christ und reinigt sich, wie er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Gehor⸗ sam übe. Wer die Gebote hält, in dem ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, die die Cherubim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb; an seinem Heil hat ohne Liebe Niemand Theil. Mel. Jesu, meine Freude uen, wo du Niemals wird Hirt, Freund unsrer 2. Deinem Rath ergeben, freu ich mich zu leben: was du willst, ist gut. Nichts vermag ich Schwacher: du, mein Seligmacher, rüstest mich mit Muth. Noth und Elend droht, ob auch Furcht und Angst mich chrecken: du wirst mich be⸗ decken. 3. Ich kann ohne Grauen Gräber por mir schauen: mein Erlöser lebt! Ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube mich sein Arm erhebt. Todestag, dein Schrecken mag frecher Sün⸗ der Herz erschüttern: ich, ich darf nicht zittern. 4. Auch in mir ist Sün⸗ de; doch ich überwinde sie, gestärkt durch dich. Sink ich oft noch nieder: du erhebst mich wieder und begnadigst mich. Deine Huld tilgt alle Schuld, und dem reuerfüll⸗ ten Knechte schenkst du Kin⸗ desrechte. 5. Daß ich Gott erkenne und ihn Vater nenne, dank ich dir allein; daß ich hier am Grabe Trost und Hoff⸗ nung habe, ewig dein zu sein; daß dein Geist mich unterweist und mich führt auf deinem Pfade, dank ich deiner Gnade. 6. Der du Leib und Le⸗ ben hin für mich gegeben, aß in meiner Noth ich nicht hülflos bliebe, groß** iebe 234 Gesinnung und Verhalten des Christen Liebe, stärker als der Tod. Herr, und ich, ich sollte mich deiner Huld nicht dankbar freuen, dir mein Herz nicht weihen? 7. Würdig dir zu leben, dieß sei mein Bestreben, sei mir heilge Pflicht! Was die Welt erfreuet und sie oft gereuet, das genügt mir nicht. Hab ich dich: wie gern will ich das, wonach die Eiteln trachten, reich in dir, nicht Macht 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde in der Ewigkeit? Sind nicht hohe Würden oft nur schwere Bürden, Traum und Eitel⸗ keit? Du erfreust nur stets den Geist und du willst, die dich verehren, ewig wie⸗ der ehren. ö 9. Deinen hohen Frieden schmeck ich schon hienieden; und was hoff ich dort? Un⸗ begränzte Zeiten voller Se⸗ ligkeiten hoff ich auf dein Wort! Sie sind mein durch dich allein. Bleib ich dir etreu im Glauben, wer ann sie mir rauben? 10. Voll von deiner Güte, jauchzet mein Gemüthe, Diest mein Heiland, dir! Dieser Geist der Freuden stärke mich in Leiden, weiche nie von mir! Laß mich so beherzt und froh einst durchs Thal des Todes dringen, dort dein Lob zu singen! In eigener Melodie. 319 Wie wohl ist mir, 0 mn de der Seelen, wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich traure nicht; was kann mich quälen? Mein Licht, mein Trost, mein Heil bist du. Bei dir ver⸗ geß ich meine Leiden, denn o wie viele hohe Freuden genieß ich nicht, vereint mit dir! Hier ist mein Himmel schon auf Erden; wie könnt ich jemals muthlos werden? Du, du bist überall mit mir! ö 2. Hab ich, Erlöser, dich zum Freunde: was fehlt mir dann? Du sorgst für mich. Hätt ich auch ane Welt voll Feinde: ich bin getrost; ich trau auf dich. Auch wenn die Sünden mich verklagen, darf ich nicht hoff⸗ nungslos verzagen: ichweiß, was du für mich gethan. Trät Alles wider mich zu⸗ sammen: ich bebe nichtt wer will verdammen? Gott nimmt sich meiner gnädig an. 3. Hier wall ich zwar auf rauhen Wegen: doch du bist meine Zuversicht. Auch Leiden werden mir einst Segen; aus dunkler Nacht strahlt mir dein Licht. Nur Sünder zittern vor dem Grabe; ich, der ich dich zum reunde habe, kann über Tod und Grab mich freun; denn, * 2— +2+ E ν E/ it Ruhm, im Allgemeinen. denn ich gehöre zu den Dei⸗ nen. Bald wird nicht mehr mein Auge weinen, bald werd ich völlig ruhig sein. 4. Gelobt seist du, o Freund der Seelen! In deiner Huld wie wohl ist mir! Was kann, da du mich liebst, mir feh⸗ len? Ich finde jedes Heil bei dir. In noch so drücken⸗ den Beschwerden hab ich den Himmel schon auf Erden; denn du bist durch den Glauben mein. Ich darf, ich will nicht ängstlich klagen: wer kann, wo Jesus ist, verzagen? Mein Freund ist mein und ich bin sein! Mel. Seelenbräutigam 320 Dir ergeb ich — mich, Jesu, der du dich auch zu meinem Heil und Leben in den Tod hast hingegeben! Ewig will ich dein, mein Uch oir sein! Laß mich dir zum als dein Eigenthum, recht und nach Gewissen handeln, meinen Weg dann freudig wandeln! Hilf mir 2. hier auf Erden ein! 3. Nach dir bilde mich, Jesu, daß auch ich gegen Feinde Sanftmuth übe, alle ohne Ausnahm liebe! Haß und Rachbegier bleibe fern von mir! 4. Neiget sich mein Sinn zu dem Irdschen hin, o dann — warne meine Seele, daß sie nicht ihr Ziel verfehle! Denn ein wahrer Christ sucht, was ewig ist. 5. Wecke mich stets auf, meinen Pilgerlauf nur nach deinem Wort zu enden; leite mich mit treuen Händen auf der Tugendbahn: leit mich himmelan. 6. Stärke mich und gib mir des Geistes Trieb; laß mich wachen und mit Beten kindlich vor den Vater tre⸗ ten: so erlischt das Licht meines Glaubens nicht. 7. Ohne Prüfung ist hier kein wahrer Christ. Willst du mich ins Leiden führen, laß mich dich nur nicht ver⸗ lieren! In der Trübsal Nacht nimm mich, Herr, in Acht! 8. Einen Heldenmuth, der auch Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gib zu deiner Ehr mir je mehr und mehr! 9. Jesu, hilf, daß ich Al⸗ les hier, was mich von dir locket, überwinde und odaß deine Kraft empfinde, da ein wahrer Christ treu und standhaft ist! 10. Wirds von hinnen gehn, wollst du bei mir stehn, mich durchs Todes⸗ thal begleiten und zu dei⸗ nem 236 Gesinnung und Verhalten des Christen nem Himmel leiten, daß ich da mich dein ewig möge freun! Mel. Gott im Himmel und auf 321 GWesum ewig zu NI verehren, ist mir süße, heilge Pflicht; seine weisheitsvollen Lehren geben meinem Geiste Licht, und zu jedem guten Werke gibt sein Beispiel Kraft und Stärke. 2. Sollt ich den nicht dankbar preisen, der das Heil der Menschheit ist? Nennt den Edeln, nennt den Weisen, welcher so, wie Jesus Christ, reine Tugend, die er lehrte, durch ein göttlich Leben ehrte; 3. Der mit liebevollem Herzen hohen, festen Muth verband; der selbst bei des Todes Schmerzen Mitleid gegen die empfand, die mit Grausamkeit ihm fluchten, 1en: Qual zu mehren such⸗ en; 4. Den kein Sturm des Schicksals beugte, der ge⸗ recht und tadellos sich in Wort und Werken zeigte, göttlich edel, göttlich groß, willig, freudig Glück und Leben für die Menschheit z Duch 5. O ich weil an deinem Bilde gern, erhabner Men⸗ schenfreund, wo mit so viel sanfter Milde hohe Würde, sich vereint; und zu jedem guten Werke find ich Antrieb Mer und Stärke. ö 6. Durch mein Leben dich u preisen, sei mir hohe, Reilge Pflicht; dich, den Lie⸗ bevollen, Weisen, dich, der Menschheit Heil und Licht! Aehnlich, Jesu, dir zu wer⸗ den, sei mein höchstes Ziel auf Erden! In eigener Melodie. 322 Eins ist Noth, und, Herr, dieß Eine ist, was alles Heil umfaßt. Alles Andre, wie's auch scheine, ist nur Tand und schwere Last, worunter das Herz sich oft ängstigt und quälet und immer der Ruhe, der wahren, verfeh⸗ let. Es wohnet kein Friede im Reich der Natur; die Sinnlichkeit täuschet den Suchenden nur. 2. 9190 erwählen ist das Eine. elches Theil! O gib, daß ich ewig mich mit dir vereine, nichts so innig lieb, als dich! Es mögen die Klugen der Welt dich verachten; ich will dein Ver⸗ dienst, Herr, mit Ehrfurcht betrachten. Wer war je die Zierde der Menschheit wie du? Wer brachte mehr Licht ihr, mehr Segen und Ruh? 3. In dir ist der Weis⸗ heit Fülle. Du nur zeigst, was mich beglückt. Durch dein Wort nur wird mein Wille Seele auch im Allgemeinen. Wille niedrer Erdenlust ent⸗ rückt. vi sammeln, die heiligen Lehren der himmlischen„Weisheit Gottheit zu sehn und freu⸗ dig die Wege der Tugend zu gehn. 4. Mit Vergebung mei⸗ ner Sünden, Daier begna⸗ digst du mich dann; lässest mich den Frieden finden, den die Welt nicht geben kann. Was kann mir ann fehlen, was jemals mir scha⸗ den? Ich bin ja beim Va⸗ ter, dem Höchsten, in Gna⸗ den. Fallt, Welten! Ich schwebe verherrlicht empor; ein Himmel ersetzt mir, was hier ich verlor. 5. Jesu, du bist meiner ur Heiligung gemacht. Da ich dich zum Vorbild wähle, hast du treu dein Werk vollbracht. In dir ging die Tugend hier sichtbar durchs Leben; wie sollt ich nach dir mich zu bilden nicht streben! Dir ähnlich zu werden, welch hoher Beruf! dann bin ich hn Bild erst, der dazu mich uf. 6. Darum sollst du mir das ine, Jesu, du mein 80 mene! ein! So segne mit Kraft mich, stets weiser auf 237 Erden, entsündigt, eheiligt, ir ähnlich zu werden und treu dir zu bleiben im Le⸗ ben und Tod! Dieß, Herr, ist das Eine; dieß Eine ist Noth. In eigener Melodie. 323 Daß ich der Tu⸗ gend Höh er⸗ klimme, wo unten tief die Erde liegt, wo Glaube der Verführung Stimme und jedes Hinderniß besiegt, wo in des Himmels reinem Scheine dieß Eine Ziel nur glänzend steht;— ach, Gott, erhöre mein Gebet!— nur darum bet ich, flehe, weine. Es stieg voran die steilen Stufen der Menschen⸗ sohn mit Kraft und Muth. Er hört im Jordan sich ge⸗ rufen und nimmt den Ruf mit aus der Fluth und geht, daß er ber That sich rüste, die außer ihm kein Mensch begreift, die nur in seiner Seele reift, zum stil⸗ len Denken in die Wüste. 3.. Da steht er an dem Scheidewege; vor ihm die schauderhafte Wahl; hier aller Leiden Donnerschläge auf seinem Weg zum blut⸗ gen Pfahl. Gott, was nur Menschen reizt, 2 W selbst ihre Liebe? üh und Noth und Angst und Schmach, zuletzt den mit mi mit seiner schärfsten Qual umfassen? 4. Dort liegt der Erde reicher Segen; dort hängt der Erde schöner Kranz: Bewundrung jauchzet mir entgegen; die Ruhe winkt, des Goldes Glanz. Ich sehe von des Berges Spitze die schönsten Reiche ausgedehnt: Auf, folge! und Judäa krönt dich kniend vor dem Königssitze. 5. Nein, Gott gebeut! Weicht, Erdenfreuden! Fort, Satan, hebe dich von mir! Ich tret in diese Nacht der Leiden und hange, Vater, nur an dir. Selbst in des Sturms ergrimmten Flu⸗ then umschlingt dein Arm allmächtig mich. Ich fühle dich, ich fühle dich, wenn alle meine Adern bluten. 6. Entschlossen nun, mit innerm Frieden, wirft er sich ins Gedräng der Welt; er kämpfet, ohne zu ermü⸗ den, und überwindet als ein Held und hält sein Werk nicht für geendet, bis er, nah an der Todesnacht, zum lauten Siegesruf: Voll⸗ bracht! den letzten Athem⸗ zug verwendet. In eigener Melodie. 32 4 Ihdel meine Freu⸗ 9 de! bester Trost im Leide! meines Herzens Theil! Deine. Mittlertreue 238 Gesinnung und Verhalten des Christen macht, daß ich mich freue deiner, Herr, mein Heil! Hab ich dich, wie reich bin ich! Ohne dich kann ich auf Erden nie recht glücklich werden. 2. Unter deinem Schirme können keine Stürme mir erschrecklich sein. Laß auch Felsen splittern; laß den Erdkreis zittern und den Einsturz dräun! Was ists mehr? Rings um mich her mag es stürmen, donnern, blitzen! Er, er wird mich schützen. 3. Wenn der Sünde Schrecken Angst in mir er⸗ wecken, Jesus stillet sie. Mag der Tod sich nahen, mich das Grab umfahen, Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht das Weltge⸗ richt; freudig, daß ich Je⸗ sum sehe, blick ich auf zur Höhe. 4. Wer ist, der den Glau⸗ ben meinem Herzen rau⸗ ben, ihn erschüttern kann Bei der Feinde Toben stimm ich, Gott zu loben, Freuden⸗ lieder an. Ich vertrau auf Gottes Macht; er wiid, wenn mich Feinde hassen niemals mich verlassen. 5. Lockt nur, Gold und Schätze! Ehre sei der Göhl der betrognen Welt! Mii sollt ihr nicht blenden, nicht von dem mich wenden, del mich treu erhält. 90 —— — im Allgemeinen. 239 Noth und Schmach und Tod nem heiligen Befehle gehor⸗ soll mich, ob ich viel muß sam bis zum Kreuzestod. leiden, nicht von Jesu schei⸗ Du suchtest nur des Vaters den. ů re— im Tempel war sie 6. Weich, verbotne Liebe! deine Lehre— und was dem Weicht, der Wollust Triebe! Heiligsten gefällt. Den Schö⸗ Thoren lockt nur ihr. Mich pfer aller Creaturen ver⸗ sollt ihr, ihr Sünden, munnt kündigtest du auf den Flu⸗ mer willig finden; fliehet ren 135 Vater, der die Welt erhält. Geiz, Schmähsucht, Neid, 3. Wie eifrig warst du, ihr beschweret das Gewissen: seinen Willen als Bürger euch will ich nicht wissen. und als Unterthan, als Weichet, Sorg und Sohn, als Bruder zu er⸗ Zagen! Schweiget, bange füllen, auf deiner ganzen Klagen, Jesus ist ja mein. Lebensbahn! Als Freund, Jeden, der ihn liebet, muß, wie zärtlich gegen Freundei was erst betrübet, noch zu⸗ Verfolgt, wie duldend ge⸗ 1 erfreun. Hab ich hie gen Feinde! Für Aller Wohl selbst Noth und Müh: Rube schlug deine Brust. Die auch im bängsten Leide b eibst Menschen trösten und er⸗ du meine Freude. quicken, erfreuen, heilen und —— beglücken war dein Geschäft, Mel. Wie wohl ist mir, o Freund war deine Lust 325 Auf dich, Erlö. 4. Tief rührte dich die ser, stets zu Noth der Sünder! Wie sorg⸗ sehen, so wie du warst, ge⸗ sam gingst du ihnen nach! nnt zu sein, der Tugend Wie viele wurden Gottes eg dir nachzugehen, der Kinder, wenn rührend deine Brüder Glück sich ganz zu Liebe sprach! Du kämpftest, weihn, hast du den Deinen, Wahrheit zu verbreiten und ie dich lieben, als Pflicht Alle zu dem Heil zu leiten, aus Liebe vorgeschrieben; das nicht mit Welt und wie dringend ist sie, Herr, Zeit vergeht. Entzogst du wie süß! Wenn jeder Mensch matt dich dem Getümmel, nach deinem Bilde so eifrig da war die Einsamkeit dein seine Pflicht erfüllte, die Himmel, dein Geist beim Erde wär ein Paradies. Vater im Gebet.* 2. Entflammt war deine 5. Du warst demüthig ganze Seele von reinster und bescheiden, ein Freund iebe gegen Gott, war sei⸗ erlaubter Heiterkeit; bewie⸗ sest 240 Gesinnung und Verhalten des Christen jest bei den schwersten Lei⸗ den Geduld, Muth und Ge⸗ lassenheit; vergabst, von Liebe tief durchdrungen, die härtesten Beleidigungen, im Leben und dem Tode nah; und starbst so rührend und erbauend, so freudig, stand⸗ haft, Gott vertrauend, so göttlich groß auf Golgatha! 6. Wie du, gesinnt zu sein, zu handeln, ist deiner Schüler größte Pflicht; der muß nach deinem Vorbild wandeln, der von Verehrung Christi spricht. Dann wird zum Fleiß in guten Werken uns göttlich der Gedanke stärken, daß wir des Vaters Willen thun, und daß sein heilig Wohlgefallen, sein Geist und Segen auf uns allen hier und im Himmel lohnend ruhn. Mel. Gott, der du die Menschen 326 elterlöser, dich zu lieben, bis das Aug im Tode bricht, mit des Herzens reinsten Trieben, ist uns theure, heilge Pflicht. Von der Liebe Gluth durchdrungen, kamst du, wardst uns Menschen gleich, gründetest ein neues Reich, hast uns Ruh und Heil errungen. Froher Her⸗ 50h Preisgesang sagt nun einer Liebe Dank. 2. Keine lockende Begier⸗ de drängte dich zum Eiteln schienst, ist die Liebe Gottes⸗ hin; Heiligkeit war deine Zierde, Menschenrettung dein Gewinn. Willig trugst du deine Bürde, tratest sanft und still hervor, hobst die Welt zu Gott empor, daß sie ewig selig würde. Nie⸗ drigkeit war, Herr, dein Loos und doch dein Ver⸗ dienst so groß! 3. Mächtig selbst im tiefs⸗ sten Staube, schufest du der Seelen Glück. Zweifelsucht und Aberglaube schwanden in die Nacht zurück. zum heit führtest du der Deinen Schaar, und wer dir nur folgsam war, sah sein Heil in voller Klarheit. O wer bebt vor Freude nicht? Uns, auch uns umglänzt dein Licht. ö 4. Nun entfliehen Furcht und Schrecken vor dem gro⸗ ßen Weltenherrn. Nichts kann Sorg in uns erwecken; er ist nimmer von uns fern. Seine Liebe, nichts als Liebe predigt uns die schöne Welt, die er täglich noch erhält, daß sie uns im Lieben übe. Menschenfreund, seit du er⸗ ienst. 5. Selbst der Sünder darf nicht beben, eilt er nur zu dir zurück. Deine Stimme: du olst leben! heitert sei⸗ nen Thränenblick. Ach, du blutetest am Kreuze, truges Schmach —55 Heiligthum der Wahr⸗ SÆE EEE — — N — EEN V im Allgemeinen. 241 Schmach und Angst und Sanftmuth, Freundlichkeit Noth; starbst für ihn, da⸗ und reger Mitleidstriebe; mit dein Tod ihn zum from⸗ selbst deinen Feinden wand⸗ men Leben reize! 991 er test du großmüthig Hülf und dir: o welche Huld! aus⸗ Wohlthat zu. getilgt ist seine Schuld. 4. Dein Beispiel lehrt, 6. Dank sei dir von allen was schädlich ist, mit weiser Frommen, Preis und Dank Vorsicht fliehen; es lehret sei dir geweiht! Ja, durch mich, mein Herz der List dich ist Heil gekommen in und Heuchelei entziehen. O das Land der Sterblichkeit. wohl mir, wenn mit from⸗ Wer dir folgt durchs Erden⸗ mem Sinn ich dir, mein leben, athmet hier schon Heiland, ähnlich bin! Himmelslust; Friede wohnt 5. Du gingst als Führer in seiner Brust; einst wird einst voran, stehst mir auch Gott die Kron ihm geben. noch zur Seite; du kämpf⸗ Wie verklärt des Todes test selbst und brachst die Thal, Herr, ihm deines Bahn, stärtst nun auch mich Lichtes Strahl! zum Streite. Wie könnt ich ö denn noch zaghaft sein und Mel. Auf, Christenmensch! mich dir nachzufolgen scheun. 327 Mir nach, spricht 6. Wer hier sein Glück hristus, un⸗ zu finden meint, wirds ohne ser Held, folgt meinem Vor⸗ dich verlieren; wers bei dir bild, Christen! Verläugnet zu verlieren scheint, den euch, besiegt die Welt mit wirst du dazu führen. Wer ihren schnöden Lüsten; gebt dich als seinen Herrn ver⸗ ihren Reizungen nicht nach, ehrt und dir nicht folgt, ist erduldet lieber Ungemach! dein nicht werth. 2. Ja, Herr, dein Vor⸗ 7. So will ich denn dir, bild leuchtet mir zu einem meinem Herrn, getreu und heilgen Leben! Wem sollt froh nachgehen, will wohl⸗ ich auch, wem sonst, als gemuth, getrost und gern dir, zu folgen mich bestre⸗ der Tugend Kampf beste⸗ ben? Du zeigst den Wer hen; denn wer nicht kämpft, zum wahren Wohl, zeigst trägt auch die Kron des ol wie ich ihn wandeln ewgen Lebens nicht davon. oll. 15. Herz, Hauch von Mel. Es wolle Gott uns (gebenheit, war au voll 8 preise Gott, Nenschenliebe, voll Demuth, 3²⁸ E wer Urin ri 242 Gesinnung und Verhalten des Christen Christ als seinen Heiland kennet, wer seiner Kirche Mitglied ist und seinen Herrn ihn nennet! Sein höchstes Ziel hienieden sei, daß er nach seiner Lehre, entfernt von aller Heuchelei, aufrichtig ihn verehre als echter Christusjünger! 2. Der echte Jünger Jesu hält stets fest an seinem Glauben. Er läßt durch allen Hohn der Welt sich nie dieß Kleinod rauben. Denn dieser Glaube gibt ihm Kraft und Muth zum edlen Streben, vor seinem Schöpfer tugendhaft und kindlich froh zu leben, zu dulden und zu sterben. 3. Der echte Jünger Jesu lernt, von Gottes Geist ge⸗ trieben und von des Lasters Pfad entfernt, stets herz⸗ licher ihn lieben. Er weus, was Jesus that und litt, die Sünder zu beglücken. Er zählt dazu sich selber mit und rühmt es mit Ent⸗ zücken: auch mich hat er geliebet! 4. Der echte Jünger Jesu weiht dem Heiligungsge⸗ schäfte die Tage seiner Le⸗ benszeit und alle seine Kräf⸗ te. Er glaubt und liebt. Wie sollt er nicht der Lüste Reiz verschmähen und un⸗ verrückt den Weg der Pflicht wie Jesus Christus gehen, um ähnlich ihm zu werden? 5. Der echte Jünger Jesu liebt die Menschen edelmü⸗ thig; er tröstet, bessert, hilft und gibt, ist gegen Feinde gütig und liebreich eilt er Jedermann, der sein bedarf, entgegen. Er stiftet Gutes, wo er kann, und lebt der Welt zum Segen, wie Je⸗ sus ihm gebietet. 6. Der echte Jünger Jesu trägt getrost des Lebens Bürde. Auch Noth, die Gott ihm auferlegt, erhöhet seine Würde. Er bleibet selbst im herben Schmerz noch muthvoll und gedul⸗ dig; des Gottes tröstet sich sein Herz, vor dem er hier unschuldig zur Ehre Jesus wandelt. 7. Der echte Jünger en siegt auch über Todesschrek ken; denn aufwärts fliegt, wird Gra⸗ besstaub nicht decken. E. kennet den, der für ihn. starb und ihm durch Todes leiden des Himmels Selig keit erwarb; drum jauchst er im Verscheiden: ich weiß an wen ich glaube! 8. Gib, Jesu, daß del Deinen Schaar sich steth auf Erden mehre, und daß auch ich dich immerdar in Glauben recht verehre. Nimm nach vollbrachteh Pilgerlauf zu jenen Selih⸗ keiten den Geist, der dich ven ehret, auf! Ihm W seinen Geist, den ihn mit zufriedner jinnt sein, sei und im Allgemeinen. zu bereiten, bist du voran⸗ gegangen. Mel. Auf, Christenmensch! 3 29 Di, deines Vaters Ebenbild, ihm gleich an Menschenliebe, du warst, o Zesu, ganz erfüllt mit gottgeweihtem Triebe! Er war dein Ziel, dein höchstes Gut, ihm folgtest du mit Heldenmuth. 2. Du warst mit ihm Ein Sinn, Ein Herz; sein Wille war dein Wille; du ehrtest auch im größten Schmerz Stille. Selbst auf der allerrauhsten Bahn sahst du ihn noch als Vater an. 3. Du suchtest Nichts, als sein Gebot vollkommen zu erfüllen und unterwarfst dich bis zum Tod ganz dei⸗ nes Vaters Willen. Dein Hauptgeschäft war das al⸗ lein, Vollender seines Raths zu sein. 4. Zum Kreuze gingst du ruhig hin, uns Ruhe zu erwerben; bereit, mit gött⸗ lich großem Sinn zum Heil der Welt zu sterben, warst du zur tiefsten Schmach ge— faßt und trugst der schwer⸗ ten Leiden Last. 5. Herr, lehre mich, dein Eigenthum, nach deiner Tu⸗ gend streben! Dir gleich ge⸗ mein Ruhm, Wonne, so zu leben! 243 O hilf, daß ich so gern, wie du, den Willen deines Vaters thu! Mel. Schwing dich auf ollt ich jetzt noch, 330 S da mir schon deine Güt erschienen, dich verlassen, Gottes Sohn, und der Sünde dienen? mit den Lüsten dieser Zeit wieder mich beflecken und nicht mehr die Freudigkeit deiner Liebe schmecken? ö 2. Hab ich doch allein bei dir meine Ruh gefunden; Mittler, heiltest du doch mir liebreich meine Wunden; und ich sollte dein Gebot, wie die Sünder hassen und mein Recht an deinen Tod wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib ein Christ, folge deinen Leh⸗ ren, lasse weder Macht, noch List meinen Glauben stören. Fielen Tausend ab, nicht ich; mags die Welt verdrießen! Sie wird mein Vertraun auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden, den Bedräng⸗ ten Trost und Ruh, Sün⸗ dern Gottes Frieden? Gibt sie mir die Zuversicht, daß ich, trotz dem Grabe, dei⸗ ner Ewigkeiten Licht zu er⸗ warten habe? 5. Rettet sie mich, wann L vor 244 Gesinnung und Verhalten des Christen vor Gott einst die Völker stehen und das Leben und den Tod ihm zur Seite sehen; wenn der Sichre nun zu spät aus dem Schlaf erwachet, und der Spötter, der hier schmäht, glaubt und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße! da ich weiß, auf wessen Wort ich die Haffnung gründe, daß auch ich unfehlbar dort Gnad und Leben finde! 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht, noch Freuden, sollen mich, mein Herr und Gott, jemals von dir scheiden. Welt und Sünd und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, Alles überwind ich weit, Herr, durch deine Liebe! Mel. Freu dich sehr, o meine — öttlicher, dich 331 G zu erheben und mit frommer Zuversicht deiner Tugend nachzustre⸗ ben, ist dein Ruf und meine Pflicht! Sieh ein Beispiel laß ich dir, sprichst du: komm und folge mir! O welch Beispiel sonder Gleichen! Streb, o Geist, es zu er⸗ reichen. 2. Armuth, Haß, Ver⸗ folgung, Schmerzen trugst du still und mit Geduld; du vergabst mit edlem Her⸗ zen deinen Feinden ihre Schuld; hörtest der Verlaß⸗ nen Flehn, eiltest ihnen bei⸗ zustehn; kanntest keine hö⸗ hern Freuden, als die Lin⸗ drung ihrer Leiden. 3. Ich auch will in Noth und Schmerzen standhaft und geduldig sein; will mit liebevollem Herzen meinen Feinden gern verzeihn. Nie soll mir des Elends Flehn unerhört vorübergehn: fest und innig will ich stre⸗ ben, deinem Beispiel nach⸗ zuleben. 4. Du, den ich zum Vor⸗ bild wähle, hebest meine Seel empor. Wenn ich wanke, wenn ich fehle, schwe⸗ be mir dein Beispiel vor! Dir geheiligt sei mein Geist! Wann er sich dem Staub entreißt: dann, o dann werd ich im Sterben Freud bon Wonn auf ewig er⸗ en. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 332 Sauft⸗ o Christ, ist Jesu Joch; und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch durch den Retter unsrer Seelen! Welche Wonn und Herrlichkeit war⸗ tet unser nach der Zeit! 2. Freue deines Glau⸗ bens dich, deines Wah 0 — XXVX—ʃ— 56—— 4 ihn verschmähn, im Allgemeinen. seines Sohnes! Deine See⸗ le rühme sich ihrer Hoffnung, seines Lohnes, voller Muth und unverstellt freudig vor der ganzen Welt! 3. Hat gleich sein Bekennt⸗ niß hier seine Leiden und Be⸗ schwerden; dennoch sei ihm treu; denn dir sollen ewge Freuden werden. Was ist gegen solch ein Glück die— ses Lebens Augenblick? 4. Schäme seines Worts dich nie vor den Frevlern, vor den Spöttern, wenn sie wenn sie sich und ihren Witz ver⸗ göttern! Was vermag der Lästrer Spott wider Jesum, wider Gott? 5. Was vermag er, tobt er gleich wider dich und dei⸗ nen Glauben? Gottes Bei⸗ fall, Gottes Reich kann doch keine Macht dir rauben. Halte dich an den nur fest, der die Seinen nie verläßt. 6. Welchen Kampf hat doch dein Herr, für dein ewges Heil gestritten? Jene Schaar der Märtyrer, was hat die für ihn gelitten? Schmach und Marter, selbst den Tod litten sie getrost für Gott. 7. Und der Spötter Witz und Hohn könnte je dein erz verführen, deinen An⸗ theil an dem Lohn deines laubens zu verlieren? ein, o Christ, nein, wan⸗ ke nie, fleh auch für sie! 8. Sei getreu bis in den Tod; denn du glaubest nicht vergebens. Nach dem Tode führt dich Gott zu der Won⸗ ne jenes Lebens. Und auf einen kurzen Streit krönt dich seine Herrlichkeit. Mel. Auf, Christenmensch! 333 Welch hohes Bei⸗ spiel gabst du mir, mein Heiland, durch dein Leben! Sollt ich nicht gern und mit Begier dir nachzuahmen streben? nicht gehn den Weg, den du be⸗ tratst, nicht freudig thun, was du, Herr, thatst? 2. Dein Herz, von Sün⸗ de nie entwei t, war rein wie deine Lehre; dein gan⸗ zer Wandel Heiligkeit; ein Endzweck Goktes Ehre; hier Leitung zur Vollkommen⸗ heit und dort der Menschen Seligkeit. 3. Drum führtest du zur Tugend an und, standhaft ihr ergeben, gingst du uns selbst den eg voran, mit Muth uns zu beleben; und ob du littest ohne Schuld, duld. du Alles mit Ge⸗ uld. 4. Der Kummervollen Trost zu sein, zu wehren jedem Leide, nur wohlzu— thun, nur zu erfreun, war deine Sorg und Freude; L und um Rettung 246 Gesinnung und Verhalten des Christen und jede Thräne, jeder Schmerz drang in dein lie⸗ bevolles Herz. 5. Du trugst mit Sanft⸗ muth und mit Huld die Schwachheit deiner Freun⸗ de; mit Sündern hattest du Geduld und batst für deine Feinde. Du warst gehorsam bis zum Tod und ehrtest selbst im Tode Gott. 6. Dieß große Beispiel hast du mir zum Vorbild hinterlassen, daß ich gesin⸗ net sei gleich dir in mei⸗ nem Thun und Lassen. Komm, sprichst du, nimm mein Joch auf dich, komm⸗ solge mir und sieh auf mich! 7. Ich komme, Herr! Gib Kraft und Licht, daß ich mein Heil erkenne, dein wahrer Jünger sei und nicht mich nur den deinen nenne, da⸗ mit ich, deinem Vorbild treu, auch Andern gutes Beispiel sei! Mel. Wer nur den lieben Gott 33 4 Beglüdt, beglückt ist, wer auf Er⸗ den mit allen seinen Kräf⸗ ten strebt, an edeln Thaten reich zu werden, und nicht für diese Welt nur lebt, stets vorwärts dringt und nie vergißt, daß seine Seel unsterblich ist. 2. Er forschet nach der Tugend Wegen, was gut und Pflicht ist, schnell zu thun, spricht nicht(so spre⸗ chen nur die Trägen): noch will ich schlummern, will noch ruhn. Er säet früh und nützt die Zeit zur Aus⸗ saat für die Ewigkeit. 3. Erfüllet von der Tu⸗ gend Sorgen, denkt er und denkt mit Lust daran, wie er hier sichtbar, dort ver⸗ borgen ein gutes Werk voll⸗ enden kann, und nützet je⸗ den Augenblick für Tugend und für Brüderglück. 4. Ihn schrecken keine Hin⸗ dernisse, durch edle Thaten stärkt er sich, und seine hei⸗ ligen Entschlüsse sind fest und unerschütterlich. Wie sehr er auch zu kämpfen hat, reift jeder Vorsatz doch zur That. 5. Er widersetzt mit fe⸗ stem Muthe dem Unrecht —— sich, gestärkt durch Gott. Träf ihn im Kampfe für das Gute der Welt Ver⸗ Spott: so bleibt ihm doch der Preis folgung oder im Streit. Er kämpft, weil es die Pflicht gebeut. 6. So laßt auch uns als Christen handeln, aus rei⸗ ner Achtung für die Pflicht laßt uns die Bahn der Tu⸗ gend wandeln: da strahlel immer helles Licht, und unser Loos in Ewigkeit datt Tugend Selig⸗ eit! Mel. im Allgemeinen. Mel. Auf, Christenmensch 955 Büern Raub, wall ich auf Erden: doch nur mein Leib wird wieder Staub; ich soll unsterblich werden. Und dann, dann ist mein ewges Theil, o Gott, Ver⸗ werfung oder Heil. 2. Mit Ernst und Eifer soll der Christ nach seinem Heile ringen; gern lassen, 1 0 it sich sch ist; hinauf zu Gott si wingen; ge⸗ trost den Pfad der Trübsal gehn und standhaft in Ver⸗ suchung stehn. ö 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß; noch bin ich in den Schranken, noch nicht am Ziele: doch mein Fuß beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch dei⸗ ne Kraft auf dieser kurzen Pilgerschaft! 4. Solang ich noch ein Fandling hier in diesem eibe walle, schaff du ein reines Herz in mir, ein Herz, das dir gefalle, und leite mich auf ebner Bahn durch deinen Geist zu dir hinan! 5. Es sei mein Ruhm, dir werth zu sein, was du ge⸗ beutst, zu üben; mein höch⸗ stes Gut, mich dein zu frenn, von Herzen dich zu lieben; mein Trost, auf deinen Schutz zu baun und dir, Allliebender, zu traun! noch hier 5 247 6. Nie soll des Zweifels Dunkelheit mir diesen hohen Glauben, dieß Vorgefühl der Seligkeit, des Himmels Hoffnung rauben. Was lin⸗ dert sonst des Lebens Noth, und was versüßt mir einst den Tod? 7. Du, der mir dieses Heil erwarb, laß, Jesu, michs ererben; du, der für seine Menschen starb, laß, Jesu, dir mich sterben! Gib, daß ich dir im Leben treu, 1113 bis in den Tod dir ei! Mel. O Gott, du frommer Gott u sagst: ich bin 336 D ein Christ! Wohl dir, wenn Herz und Leben dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeug⸗ niß geben! Wo ist ein höh⸗ rer Ruhm? Welch Glück kann größer sein, als Got⸗ tes Wege gehn und seiner Huld sich freun? ö 2. Du sagst: ich bin ein Christ! Der ists, der Chri—⸗ stum kennet, nicht mit dem Munde nur ihn Herr und Heiland nennet, nein, gern und willig thut, was auch sein Herr gebeut. Thust du das nicht, so ist dein Ruhm nur Eitelkeit. ö 3. Du sagst: ich bin ein Christ! Mit Ernst das Böse hassen, den Lüsten widerstehn, gewohnte Sünden lafsen, L4 dieß 248 Gesinnung und Verhalten des Christen dieß ist des Herrn Befehl; dieß seiner Lehre Sinn; kein todter Glaube führt zur ewgen Wohlfahrt hin. 4. Du sagst: ich bin ein Christ, getauft zu Gottes Erben, sein Kind und Freund zu sein und selig einst zu ster⸗ ben! Du bists; doch prüfe dich, erfüllest du auch gern, treu deiner Christenpflicht, denBund mit deinem Herrn? 5. Hast du nicht diesen Bund schon längst und oft gebrochen? Du hast, als Gottes Kind, Gehorsam ihm versprochen; hast du mit Treue denn dem Guten nachgestrebt? Hat nicht die Sünde noch sehr oft in dir gelebt? 6. Du sagst: ich bin ein Christ! Betrachte, les und höre, vom Irrthum unver⸗ führt, des Heilands reine Lehre! Wohl dir! Doch thust du auch, was Gottes Wort dich lehrt? Nur selig ist, wers thut, nicht, wers blos liest und hört. 7. Du sagst: ich bin ein Christ! Mit Gott mich zu verbinden, nehm ich oft Jesu Mahl; mich reuen meine Sünden. Doch zeiget sich bei dir in deinen Werken auch rechtschaffne Besserung nach dieses Mahls Gebrauch? 8. Nur dann erst, wenn dein Sinn, wenn alle deine Triebe dem Herrn geheiligt dein Himmelreich. sind in reiner Kindesliebe, wenn du, wie Christus war, ein Freund der Menschen bist, gerecht und wahr und mild, dann sag: ich bin ein Christ! ö 9. Wenn, Gutes auszu⸗ streun, die Unschuld zu be⸗ schützen und selbst, dem Feind, so viel du immer kannst, zu nützen, ohn Ei⸗ gennutz und Stolz, dein Herz stets willig ist, auch wenns Verläugnung gilt; dann saͤg: ich bin ein Christ! 10. Denn wenn noch Lei⸗ denschaft dir dein Gemüth regieret, wenn Wollust, Ei— telkeit und Schmähsucht dich verführet, wenn Geiz und Haß und Neid noch üben dich gebeut, so kennest d noch nicht die wahre Heiz ligkeit. 11. Sprich nicht: ich bin ein Christ! bis daß dir Rub und Leben von diesem Ruh⸗ me erst ein sichres 12 niß geben. Der Nam ist nich genug. Ein Christ muß ohm Schein das, was er heißen will, in seinem Wandel sein 12. Ach, Gott, gib mi doch Kräaͤft, mich ernstli zu befleißen, ein wahre Christ zu sein und nicht blo so zu heißen! Denn wa den Namen hat und nith die That zugleich, betrü sich und gelangt nicht i MI im Allgemeinen. Mel. Wer nur den lieben Gott 337 Gott. dir gefällt kein gottlos Wesen; wer böf ist, bleibet nicht vor dir. Drum laß von Sünden mich genesen und schaff ein reines Herz in mir, ein Herz, das sich vom Sinn der Welt ent⸗ fernt und unbefleckt erhält! 2. Laß mich auf die be⸗ gangnen Sünden mit inni⸗ ger Beschämung sehn; durch Christum vor dir Gnade fin⸗ den und standhaft deine We⸗ ge gehn! Ich will forthin die Sünde scheun und deinem Dienst mein Leben weihn. 3. Du kennst und lenkest die Gedanken! Gib meinem Vorsatz Festigkeit; und will mein schwaches Herz je wan⸗ ken, so hilf der Unentschlos⸗ senheit. Wie viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm dei⸗ nen Geist nur nicht von mir! 4. Gib, daß er mir stets Hülfe leiste und Muth und Kräfte mir verleih, daß ich mit kindlich treuem Geiste dir.1 49500 Fleisch sei: so sieg ich über eis und Welt und thue, was dir wohlgefällt. „Doch wenn ich je aus Schwachheit fehle, mein ater, dann verwirf mich nicht! Verbirg nicht der be⸗ drängten Seele, wenn sie dich sucht, dein Angesicht und mache in Bekümmerniß mich 249 deiner Gnad und Huld ge⸗ wiß! 6. Erquicke mich mit dei— nen Freuden; schaff ein ge⸗ trostes Herz' in mir und stärke mich in allen Leiden; so halt ich mich, mein Gott, zu dir, bis nach vollbrach⸗ ter Prüfungszeit der Deinen Erbtheil mich erfreut. Mel. Freu dich sehr, o meine S. 338 Gott, ich will mich ernstlich prü— fen, ob ich redlich bin vor dir! Du kennst meines Her⸗ zens Tiefen: ach, entdecke sie auch mir! Laß mich se⸗ hen, ob ich treu dir in mei⸗ nem Wandel sei; ob ich recht zu thun mich übe, weil ich dich von Herzen liebe! 2. Eitelkeit und Eigen⸗ liebe sind die Götzen die— ser Welt: aber nie sind sie die Triebe, deren Wirkung dir gefällt. Wer das Gute, das er übt, nicht mit rei⸗ ner Seele liebt, Richter, dem gibst du die Krone der Gerechten nicht zum Lohne. 3. Die um deiner Liebe willen wandeln, wie dein ort gebeut, diese, diese nur erfüllen das Gesetz der Frömmigkeit. Nicht nur das, was wir gethan, auch die Absicht siehst du an; deine Liebe soll uns drin⸗ gen, gute Werke zu voll⸗ bringen. L 5 4. Wie 4. Wie ein leichter Nebel schwinden meine Tugenden vor dir; denn noch trennen Lieblingssünden mich, o Hei⸗ ligster, von dir! Deine Liebe trieb mich nicht zur Erfül⸗ lung meiner Pflicht; ich ver⸗ gaß, an dich zu denken, ließ von Eigennutz mich lenken. 5. Oft gehorcht ich dei⸗ nem Rechte nur, daß meine Folgsamkeit mir bei Men⸗ schen Ehre brächte und den Ruhm der Frömmigkeit. Wenn ihr Beifall mich er⸗ bob. o wie süß war mir dieß od! Nur von ihm ließ ich deinen e— meiden, 944 * * ten treu zu dleiden. 6. Ach, wie koͤnnt ich dich vergessen, wie so undank⸗ dar dir sein, deine Liebe nicht ermessen, deines Bei⸗ falls nicht mich freun! Mei⸗ nen Lohn hab ich dahin; eitler Ruhm ward mein Gewinn; aber ihn sollt ich verachten, nur nach deinem Beifall trachten. 7. Gott, der jedes Herz voll Reue gern mit seinem Trost erfreut, sei mir gnädig und verzeihe die unlautre Frömmigkeit! Mache reiner meinen Sinn; lenk ihn zu dem Einen hin, dich zu lie⸗ ben und vor Allem dir, o Höchster, zu gefallen! 8. Laß, Herr, alle meine Werke Früchte deiner Liebe sein; gib mir täglich neue 250 Gesinnung und Verhalten des Christen Stärke, ganz der Tugend mich zu weihn! Ich bin, Gott, dein böchste dr dieß sei mir der höchste Ruhm, Was ist mir das Lob der Erde, wenn ich deiner wür⸗ dig werde! Mel. O Gott, du frommer Gott 339 Gedet und 1c0 es dir gefallen! Es ist mein ganzer Ernst, auf deiner Bahn zu wallen. Ergreife, leite, Herr, den Schwachen, der dir fleht: verwirf die W*—*— itte nicht, die mir von —. Herzen geht! Aanntt—** Du willst, daß ich mich treu in jeder Tugend üde Der Glaube, sagt dein Wort soll fruchtbar durch die Liebe in wahrer Heiligkeit, in gu⸗ ten Werken sein; dir soll ich, Herr, mein Gott, mein ganzes Leben weihn! 3. Dieß will ich, und doch macht die Schwäche meiner Seele und der Versuchun Reiz, daß ich so oft n fehle. Ich seh der Tugend Glück: ich wünsche, gut sein; und immer bad i8 doch so viel noch zu berem. 4. Das siehst du, Hen mein Gott; o sieh es Erbarmen und reiche dein Hand voll Vaterhuld mi Armen! Gib meinem Geist Licht; gib meinem Vorst Kraft, so kämpf ich 160 im Allgemeinen. licher mit Welt und Lei⸗ denschaft. 5. CEröffne den Verstand, stets heller einzusehn, daß Sünd uns elend macht; daß wahres Wohlergehn und innrer Friede nur aus rei⸗ nem Herzen fließt: daß du mit deiner Huld der Freu⸗ den Quelle bist. 6. Laß in Versuchung mich nicht zaghaft unterliegen; ermuntre mich mit Muth und hilf dem Schwachen siegen. Mein Auge laß al⸗ lein auf deine Weisheit schaun, mein Herz dir folg⸗ sam sein und dann dir frob . — 7. Ich bin ein Pilger hier, umringt von vielen Sündern; ihr Beispiel könn⸗ te leicht der Tugend Eifer mindern. Wenn der Ver⸗ führung Gift, des Leicht⸗ sinns frecher Spott dem Geist gefährlich wird, dann steh mir bei, mein Gott! 8. Bewahre mein Gemüth, daß mich bis an mein Ende Ne falsche Fröhlichkeit der Sünder nie verblende! Der Troren Jauchzen wird bald lange Reu und Pein: laß diesen Wechsel mir doch ja vor Augen sein! 9. So werd ich, Herr, mein Gott, dir nicht um⸗ sonst vertrauen, einst, wenn ich treu dir war, der Freu⸗ den Fülle schauen und, 251 wann du ewig lohnst sür jede gute That, frohlocken, daß mein Herz sich dir ge⸗ heiligt hat. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 340 Herr, wie lange muß ich rin⸗ gen, eh ich auf der steilen Bahn deines Rechts zum Himmel dringen und vom Kampfe ruhen kann? Werd ich meinen Hang zu Sün⸗ den endlich völlig überwin⸗ den? 2. Ach, wenn mich die Lust der Erde, oder kühnei Sünder Spott reizet daß Ien irßer äri ich trager werde, wirst du mein vergessen, Gott? Wirst du, mich zu unterstützen, eilen, wirst du dann mich schützen? 3. Ach ich zittre, Gott! wie lange soll ich käm⸗ pfen? Dieser Streit meiner Schwachheit macht mir ban ge bei so viel Gefährlich⸗ teit, daß ich doch noch un⸗ terliege und mein Kleinod nicht ersiege. 4. Schaue her zu deinem Kinde: böre mich und steh mir bei! Herr, bewahre mich vor Sünde: mache mich getrost und treu, daß ich standhaft deine Wege wan⸗ deln und nicht straucheln möge; 5. Daß die Welt mich nicht verführe, daß sie mich L6 nicht 252 Gesinnung und Verhalten des Christen ch und nicht ungetreu ma daß ich spottend triumphire, auch gefallen sei; daß sie sich nicht ihrer Siege rüh⸗ me, weil ich unterliege! 6. Der du Kraft und Muth gewährest, hilf des Schwachen Schwachheit auf Ja, ich hoffe, daß du hö⸗ rest, und ich freue mich darauf. Rühmen will ichs und dir sengen, daß du Stärke gibst zum Ringen. Mel. Herzliebster Jesu! 341 Icch habe, Gott, 1— mir ernstlich vorgenommen, nie auf der Uebertreter Pfad zu kom⸗ men, vor dir zu wandeln, dir mich und mein Leben treu zu ergeben. 2. Erforsche mich, sieh, ob ichs redlich meine; gib, daß ich nicht blos, was ich sein soll, scheine, mit allen Kräften strebe, deinen Wil⸗ len froh zu erfüllen! 3. Wenn deine Furcht mich überall begleitet und mei⸗ nen Gang, wo mich kein Mensch sieht, leitet; wie sicher werd ich deine Wege wallen! Wie kann ich fal⸗ len? 4. Laß auch im Dunkeln mich dein Auge scheuen, nicht achten auf der Sünde Schmeicheleien, aufmerksam des Gewissens Stimme hö⸗ ren, dich thätig ehren! 5. Gib Eifer, Kraft und Muth zu meinen Pflichten; so mag die Welt, wie ihrs gefällt, mich richten! Ehrt mich dein Beifall, so kann ich mit Freuden Verachtung leiden. 6. Du achtest nicht das Ansehn der Personen; ge⸗ recht wirst du einst richten und belohnen, mit Herr⸗ lichkeit und Ehre deine Kin⸗ der, mit Schmach die Sün⸗ der. 7. Vollend ich meines Le⸗ bens Prüfungsstunden und werd ich bis zum Tode treu erfunden; wie schön verwan⸗ deln sich dann meine Leiden in ewge Freuden. Mel. Wann mein Stündlein 3 42 Och bin ein Christ N Gott ist mein Freund! In dieser hohen Würde steh ich und fürchte keinen Feind, trag muthig meine Bürde. Heil mir In meines Gottes Kraft beherrsch ich jede Leiden schaft im Dulden, wie im andeln. 2. Mein Glaube steht un wanket nicht; stark, fest i er gegründet! Er stützt vol hoher Zuversicht auf Jesun sich und findet bei ihm Krafl Ruhe, Rath und Heil und nimmt an jedem Seglh Theil, den er uns hat ei⸗ worben. ö . MG im Allgemeinen. 3. Mich soll daher nicht Eitelkeit, nicht Bitterkeit der Leiden, auch nicht ein Schlaf der Sicherheit von Gottes Liebe scheiden. Wer Jesu glaubt und freudig thut, wie Jesus will, hat hohen Muth im Leben und im Sterben. 4. Was sind die Leiden dieser Zeit doch gegen jene Kronen, womit Gott in der Ewigkeit die Frommen will belohnen? Was ist die eitle Lust der Welt, wenn man das Glück dagegen hält, das Gott uns dort will schenken? 5. So soll denn selbst des Todes Macht mein Herz von Gott nicht schei— den! Er führt mich durch des Grabes Nacht zu jenem Licht der Freuden; wo, frei von allem Erdenleid, in sei⸗ nes Himmels Herrlichkeit ich ewig mit ihm lebe. Mel. Ach, sieh ihn dulden 343 Dinimmer ähn⸗ licher zu wer⸗ den, du hohes Urbild der Vollkommenheit, das sei mein Ziel schon hier auf Erden, das bleib mein Ziel, dem in der Ewigkeit mit höhrer Kraft mein Geist entgegegen strebt, ob er sich 101 nie ganz zu ihm er⸗ ebt. 2. Wenn ich aus reiner Menschenliebe, die selbst den Schein des Eigennutzes flieht, des Wohlthuns edle Pflichten übe, auch wenn mein Thun kein sterblich Auge sieht; dann bin ich ähnlich dem, der einst die Welt aus Liebe schuf, aus Liebe noch erhält. 3. Wenn ich auf seine Weisheit achte, die nicht dem kleinsten seiner Werke fehlt; wenn ich den edlen Zweck betrachte, zu dem er stets die besten Mittel wählt, und selbst mit Weisheit handle, so wie er: dann werd ich meinem Vorbild ähnlicher. 4. Wenn ich mit immer regem Triebe das Böse hasse, das mich elend macht, und als mein Glück das Gute liebe, wie sinnenrei⸗ zend auch das Laster lacht; und in Gefahr mein erz sich nie vergißt: dann gleich 115 1— der rein und hei⸗ n ist. 5. Wenn ich, um Tugend auszubreiten, Verdiensten helfe, lohne Fleiß und Treu wenn ich, zur Beßrung ihn zu leiten, den Frevler stra⸗ fe, selbst das Unrecht scheu: dann gleich ich dem, der mit Gerechtigkeit belohnt und straft, so gern sein Herz verzeiht. 6. Wenn ich durch Täu⸗ schung nie betrüge, die Wahr⸗ L7 heit ——x 254 Gesinnung und Verhalten des Christen heit ehre, Feind der Falsch⸗ heit bin, mein Wort nie breche, niemals lüge, und brächt es mir auch einer Welt Gewinn: dann gleich ich dem, der es aufrichtig meint und stets es ist, dem großen Wahrheitsfreund. 7. Wenn ich mich Leiden⸗ der erbarme mit brüder⸗ lichem, liebevollem Sinn: nicht stolz erst frage, ob der Arme es werth sei, daß ich sein Erretter bin; dann gleich ich dem, der ewig gü⸗ tig ist und keines Menschen, keines Wurms vergißt. 8. So sei, dir ähnlicher zu werden, du hohes Urbild der Vollkommenheit, mein höchstes Ziel schon hier auf Erden, mein Ziel, zu wel⸗ em einst in Ewigkeit mit höhrer Kraft mein Geist zu dringen strebt, ob er sich bebt. nie ganz zu ihm er⸗ ebt. Mel. Freu dich sehr, o meine S. 3 44 Küu und laßt uns Christi Lehren, laßt uns, was er uns verheißt, Wahrheit Got⸗ tes von ihm hören, hören, wen er selig preist! Die im Glauben fest bestehn, freudig Gottes Wege gehn, den Erlöser frei bekennen, dürfen sich die Seinen nen⸗ Ren. 2. Selig, wer in Demuth lebet, seiner Schw achheit nie vergißt, nie sich Stolz erhebet, wenn er groß und glücklich ist! Gottes Huld wird ihn erfreun und das Himmelreich ist sein. Gott wird Heil und ewges Leben ihm zum Lohn der Tugend geben. 3. Selig ist, wer seine Sünde demuthsvoll vor Gott bereut und, damit er Gnade finde, sich vor neuen Sünden scheut. Gott will ihm die Schuld verzeihn Kraft ver⸗ Geist schon und zum Guten leihn; froh im hier auf Erden, soll er dort ganz glücklich werden. 4. Selig ist, wer Sanft⸗ muth übet, niemals seinem Feinde flucht; gern Belei digern vergiebet, nie isich selbst zu rächen sucht; ruhig seine Pflicht vollbringt und sein eignes Herz bezwingt. Gott wird über ihn stets wachen und ihn reich an Segen machen. 5. Selig, die mit Ernst verlangen, heilig und ge⸗ recht zu sein; welche fes am Guten hangen, nicht blos an des Guten Schein deren Herz nicht mehr be⸗ gehrt, als was ihre Tugend mehrt. Gott wird ihr Vii langen stillen, sie mit höh⸗ rer Kraft erfüllen. 6. Selig sind, die. barmen Keinem ihre Hül entziehs voll Cr⸗ selbst voll im Allgemeinen. entziehn; bei dem Kranken, bei dem Armen nie des Elends Anblick fliehn; gern behülflich sind mit Rath und nach Kräften mit der That. Diese werden Hülf empfangen und Barmher⸗ zigkeit erlangen. 7. Selig sind, die ihrer Herzen reine Unschuld nie entweihn; züchtig, i dacht des Leichtsinns scheun. ie dem Reize böser Lust, regt er sich in ihrer Brust, 8. Selig, wer in Frieden lebet, wer stets Ruh und Einigkeit zu erhalten sich bestrebet und, wenn Feind⸗ schaft, Haß und Streit sei⸗ ner Brüder Glück zerstört, sie die Pflicht der Eintracht lehrt! Die des Friedens sich befleißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Wunis die des Guten wegen dulden Schmach und aß und Pein! Ihrer war⸗ tet Heil und Segen, wenn ie hier den Kampf nicht scheun. Gott steht ihnen mächtig bei und wird sie für ihre Treu einst mit Wonn und Siegeskronen in der Ewigkeit belohnen. 10. Herr, du wollest selbst nich leiten auf der Tugend sichrer Bahn, wo ich dieser 5„ 25⁵ Seligkeiten hier und dort mich freuen kann! Gib, daß ich in Freud und Schmerz treu dir bleibe, daß mein Herz sich durch deines Gei⸗ stes Stärke stets befleiße guter Werke! ö In eigener Melodie. 3 45 Laß mich, o Herr, im allen Din⸗ gen auf deinen Willen sehn und dir mich weihn; gib selbst das Wollen und Voll⸗ bringen und laß mein Herz dir ganz geheiligt sein! Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist Alles, was ich hab und bin. 2. Gib meinem Glauben Muth und Stärke und laß ihn in der Liebe thätig sein, daß man an seinen Früch⸗ ten merke, er sei kein eit⸗ ler Traum und falscher Schein. Er stärke mich in meiner Pilgrimschaft und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft! ö 3. Laß mich, solang ich hier soll leben, in gut und bösen Tagen sein vergnügt und deinem Willen mich er⸗ geben, der mir zum Besten llles weislich fügt; gib Furcht und Demuth, wann du mich beglückst, Geduld un Trost, wann du mir Trübsal schickst! 4. Ach, hilf mir beten, wa⸗ 256 Gesinnung und Verhalten des Christen wachen, ringen, so will ich dir, wann ich den Lauf voll⸗ bracht, stets Dank und Ruhm und Ehre bringen, dir, der du Alles hast so wohl gemacht. Dann werd ich heilig, rein und unent⸗ weiht, dein Lob verkün⸗ „ digen in Ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott Wein Gott, ach, 346 M lehre mich er⸗ kennen den Selbstbetrug und Heuchelschein, daß tausend, die sich Christen nennen, mit nichten Christi Glieder sein. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde abge⸗ storben sei; laß mich dir sterben und dir leben und mach in mir, Herr, Alles neu! Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 3. Reiß los mein Herz von dieser Erden, laß mich, der ich unsterblich bin, nach deinem Bild erneuert wer⸗ den und gib mir meines Heilands Sinn! Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Chri⸗ stenthum! 4. Regiere du selbst mei⸗ ne Seele, damit ich Christo folge nach und stets den schmalen Steg erwähle, ja Ehre such in Christi Schmach. Ach wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 5. Gib mir zum Streite Muth und Kräfte; hilf, daß ich dir verbleibe treu, daß ich an Christi Kreuz mich hefte und mir die Wel kreuzigt sei. zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 6. Laß in mir Glaube, Hoffnung, Liebe, beständie fest und thätig sein; daß ich bis an mein Ende übe das Christenthum ohn Heuchel⸗ schein. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 7. So hab ich schon auf dieser Erde, was mich be— ruhigt und erfreut; wam ich mit Gott vereinigt wer⸗ de, schmeck ich des Him⸗ mels Seligkeit. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhu, mein Gott, das wahre Chri⸗ stenthum! Mel. O Gott, du frommer Golt 3 47 Mern Schöpfen, dessen Hauc mich todten Staub beseelte Sinn und Vernunft nun gab, in Christo mich erwähs te, regiere ferner mich mil deinem guten Geist, daß jede Handlung dich, Goti meinen Schöpfer, Preist. 2. Laß, da du heilgg ů ö Welt ge⸗ Ach, wirk in mir im Allgemeinen. Eiich alle Lüste fliehen und mich nur um den Schatz, der droben ist, bemühen; gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir und Hoffnung zu dem Sieg; er kommt allein von dir. 3. Laß mich, ich bin ein Christ, nach Christi Lehre wandeln; mein ganzer Got⸗ tesdienst sei Glaub und rich⸗ tig Handeln; die Lust an dem Gesetz ist mehr, als Lust der Welt, die nur der Frevler liebt, der Thor für Freude hält. 4. Entzünde du mein Herz mit Frömmigkeit und Liebe gib, daß ich auch, wie mich, den ärmsten Bruder liebe, und segne meinen Feind! Herr, was ich hab, ist dein. Laß mich im Unglück groß, im Glück bescheiden sein! 5. Dein Himmel sei mein Glück; das Irdische verge⸗ het; weh jedem, dessen Herz mit ihm im Bunde ste⸗ het! Wohl dem, deß erster Wunsch, Gott, dein Er⸗ tenntniß ist! Er hat Zu⸗ friedenheit, wenn er auch Alles mißt. 6. Nimm alle Laster weg, die der Gesellschaft schaden. ir sind ja, was wir sind, aus unverdienten Gnaden. Haß, Falschheit, Heuchelei und Skolz und Bruderneid ind unsrer Tage Pest; und kurz ist unsre Zeit. 257 7. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Schutz in allen Nöthen, früh such ich dich; des Nachts will ich zu dir auch beten. Mein Stand sei dir geweiht, bei meines Amtes Pflicht vergesse ja mein Herz des Christen Pflichten nicht. 8. Zuletzt erlöse mich von mir beschiednen Leiden, laß meinen Geist voll Trost aus seiner Hütte scheiden! Herr, ihn befehl ich dir; mich führe deine Hand durchs öde To⸗ desthal ins rechte Vaterland. Mel. O Gott, du frommer Gott 3 48 Mein Vater und ö mein Gott, der du in diesem Leben zur Leuchte meinem Fuß dein heilig Wort gegeben: re⸗ giere doch mein Herz durch deinen guten Geist, daß ich dem folgsam sei, was, Gott, dein Wort mich heißt! 2. Verleih, daß ich zuerst nach deinem Reiche trachte und kein 5 werth ft Gut mehr, als es werth ist, ach⸗ te! Wer nach dem Ewigen mit rechtem Eifer ringt, em⸗ pfängt schon hier zum Lohn, was wahre Ruhe bringt. 3. Gib, daß ich von der Welt mich unbefleckt erhalte und daß in mir der Trieb zum Guten nie erkalte; hilf, daß ich immer wach, im Kampf des Glaubens und un 258 Gesinnung und Verhalten des Christen und in der Hoffnung stark und fest gegrün et sei! 4. Gib, daß ich als ein Christ mich Christo ähnlich zeige und achtsam mein Ge⸗ müth zu seiner Liebe neige! Sein Geist regiere mich und nicht der Geist der Welt! So wandl ich, Herr, vor dir den Weg, der dir ge⸗ aut 5. Hilf, daß ich dich, mein Gott, von ganzer eele liebe und Lieb und Gütig⸗ keit auch an dem Nächsten übe! Laß fern von Ueber⸗ muth mich bei des Glückes Schein und frei von Unge⸗ duld in trüben Tagen sein! 6. Nie müsse sich mein Herz des Fleisches Lust er⸗ geben und nie dem schnöden Geiz! Mein dir geweihtes Leben sei von Betru und Neid, von Unbarmherzig⸗ keit, von ungerechtem 7 Und stolzem Sinn befreit. 7. Will deine Hand Rer ei⸗ unterstütze mich, Tritte gleiten! Laß mich in aller Noth auf deine Hülfe baun und auch, wenn sie verzieht, dir doch hier auf rauhe Wege ten, so wenn meine getrost vertraun. 8. Erlöse endli ser Welt Ut ö mich von allen meinen Leiden; und ist die Stunde da, aus die⸗ zu scheiden, o Va⸗ ter, so verlaß, wenn meine Hütte bricht, mich Sterben⸗ den mit Trost und froher Hoffnung nicht! Mel. Wer nur den lieben Gott 349 icht, daß ichs schon ergriffen hätte, die beste Tugend bleibt noch schwach; doch, daß ich meine Seele rette, jag ich dem Kleinod eifrig nach. Denn Tugend ohne Wach⸗ samkeit verliert sich bald in Sicherheit.. 2. Solang ich hier im Leibe walle, bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, der, wenn sein Näch⸗ ster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust stirb niemals ganz in unsrer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; oft ist sie nun das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend wird mit den Jahren Sitt⸗ samkeit; und was Natut und Zeit gethan, sieht un⸗ ser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Seelen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhm⸗ sucht quälen, sie; doch du wechselst nur; dein Reiz fühlt einen au⸗ dern Reiz, dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Kunst und E⸗ enliebe, was Andern streng ugend scheint. Der 295 5 und dämpfst —2——— ——— —— X——————— im Allgemeinen. 259 des Neids, der Schmäh⸗ 10. Du fliehst, geneigt zu sucht Triebe erweckten dir Ruh und Stille, die Welt so manchen Feind; du wirst und liebst die Einsamkeit: behutsam, schränkst dich ein, doch bist du, forderts Got⸗ fliehst nicht die Schmäh⸗ tes Wille, auch dieser zu sucht, nur den Schein. entfliehn bereit? Dein Herz 6. Du denkst, weil Dinge haßt Habsucht, Neid und dich nicht rühren, durch die Zank; fliehts Unmuth auch der Andern Tugend fällt: und Müssiggang? ö so werde Nichts dein Herz 11. Du bist gerecht; bist verführen; doch jedes Herz du bescheiden? bist mäßig; hat seine Welt. Den, wel⸗ übst du auch Geduld? du chen Stand und Gold nicht dienest gern, wenn Andre rührt, hat oft ein Blick, ein leiden; vergibst du Fein⸗ Wort verführt. den auch die Schuld? Von 7. Oft schläft der Trieb allen Lastern sollst du rein, in deinem Herzen. Du zu aller Tugend willig sein. scheinst von Rachsucht dir 12. Sei nicht vermessen! befreit; jetzt sollst du eine Wach und streite: denk nicht, Schmach verschmerzen, und daß du schon g'nug gethan. sieh, dein Herz wallt auf Dein Herz hat seine schwache und dräut und schilt so Seite, die greift der Feind lieblos. und so hart, als es der Wohlfahrt an. Die zuerst gescholten ward. Sicherheit droht dir den 8. Oft denkt, wenn wir der Fall, drum wache stets, wach Stille pflegen, das Herz im überall! Stillen tugendhaft. Kaum In eigener Melodie. lachet uns die Welt entge⸗ 350 O Gott, du from⸗ gen, so regt sich unsre Lei⸗ mer Gott, du denschaft. Wir werden im Brunnquell aller Gaben, Geräusche schwach und ge⸗ ohn den Nichts ist, was ist, ben endlich strafbar nach. von dem wir Alles haben, 9. Du opferst Gott die erhalte meinen Leib gesund liichtern Triebe durch einen und gib dabei, daß auch strengen Lebenslauf; doch mein Geist gesund, rein ooferst du, wills seine Liebe. mein Gewissen sei! ihm auch die liebste Nei⸗ 2. Gib, daß ich mit Fleiß gung auf? Dieß ist das thu, was mir zu thun He⸗ Auge, dieß der Fuß, die bühret, wozu mich dein Be⸗ sch der Christ entreißen fehl in meinem Stande füh⸗ muß. ret. Gib, daß ich bald es ö thu 260 Gesinnung und Verhalten des Christen thu zu der Zeit, da ich zu dir hinauf zu deinen soll; und was ich also thu, Freuden; es ruhe sanft der ö Herr, das gerathe wohl! Leib in seiner stillen Gruft, 3. Hilf, daß ich rede bis ihn dein Allmachtswort stets, womit ich kann be⸗ ins neue Leben ruft!. stehen; laß kein unnützes 8. Wenn alle Todten dann 1 Wort aus meinem Munde auf dein Gebot erwachen, ö gehen! Wenn aber Amt so wird auch meinen Staub e und Pflicht zu reden mir dein Ruf lebendig machen. gebeut, dann gib den Wor⸗ Dann führe mich verklärtY ken Kraft, doch ohne Bit⸗ in deinem Himmel ein und e terkeit! laß mich selig dort mit al— 4. Gerath ich in Gefahr, len Frommen sein. so laß mich nicht verzagen; gib wahren Christenmuth, 3 das Kreuz hilf selber tra⸗ Mel. Was mein Gott will d gen! Gib, daß ich meinen 351 Oit klagt deink Feind mit Sanftmuth über⸗ Herz, wis wind, und sende Hülf und schwer es sei, den Weg de Rath, wenn sie mir nöthig Herrn zu wandeln und täßhu sind. ö lich, seinem Worte trei d 5. Laß mich mit Jeder⸗ zu denken und zu handell st mann in Fried und Ein⸗ Wahr ists! die Tugend h 6 tracht leben, soweit es stet Müh, sie ist der Sieh christlich ist! Willst du mir der Lüste; doch richte selbsz 0 Etwas geben an Reichthum, was wäre sie, wenn sl Ehr und Glück: so gib auch nicht kämpfen müßte? dieß dabei, daß ich nicht 2. Die, die sich ihrer Y ungerecht, nicht stolz, noch ster freun, trifft die keh A sicher sei! Schmerz hienieden? Sie sius i 6. Soll ich auf dieser Welt die Sklaven eigner Pel 0 mein Leben höher bringen, und haben keinen Friedel durch manchen sauren Tritt Der Fromme, der die Lüst 10 hindurch ins Alter dringen; dämpft, hat oft auch sein 6 so gib nur, daß ich stets ein Leiden; allein der Schmeh u frommes Herz bewahr, auf mit dem er kämpft, veiy daß ich tragen mag mit wandelt sich in Freuden. R Ehren graues Haar! 3. Des Lasters Bahn i w 7. Laß mich auf Christi Anfangs zwar ein breiie Tod getrost von hinnen Weg durch Auen; allein sl scheiden; die Seele nimm Fortgang wird Gefahreu uns Gesetze. im Allgemeinen. Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist An⸗ fangs steil, läßt Nichts als mMühe blicken; doch weiter⸗ fort führt er zum Heil und endlich zum Entzücken. 4. Nimm an, Gott hätt es uns vergönnt, nach un⸗ sers Fleisches Willen, wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, die Lüste frei zu stillen; nimm an, Gott ließ den Undank zu, den Fre⸗ vel, dich zu kränken, den Menschenhaß: was würdest 37 on diesem Gotte den-⸗ en 5. Gott will, wir sollen glücklich sein; drum gab er Sie sind es, die das Herz erfreun; sie sind des Lebens Schätze. Er redt in uns durch den Berstand und spricht durch das Gewissen, was wir, Geschöpfe seiner Hand, fli ehn oder wählen muͤssen. ö 6. Ihn fürchten, das ist Beisheit nur und Freiheit sts, sie wählen. Ein Thier folgt Fesseln der Natur, ein Rensch dem Licht der See⸗ len. Was ist des Geistes kigenthum? was sein Be⸗ uf auf Erden? Die Tu⸗ gend! Was ihr Lohn, ihr mann Gott ewig ähnlich werden! ö nur Geschmack 7. Lern aum Wort des Herrn und ehsiner Gnade finden und . 0 261 übe dich getreu und gern, dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch von Gott noch mehr bekommen; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne Kraft; drum muß es dir gelingen, Gott ist es, welcher beides schafft, das Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Vater einen Stein dem Sohn, der Brod begehrte? Bet oft; Gott müßte Gott nicht sein, wenn er dich nicht erhörte. 9. Dich stärke auf der Tugend Pfad das Beispiel selger Geister; ihn zeigte dir und ihn betrat dein Gott und Herr und Mei⸗ ster. Dich müsse nie des Frechen Spott auf diesem Pfade hindern! Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott, und nicht bei Menschen⸗ kindern. 10. Sei stark, sei männ⸗ lich allezeit, tritt oft an deine Bahre; vergleiche mit der Ewigkeit den Kampf so kurzer Jahre. Das Kleinod, das dein Glaube hält, wird neuen Muth dir geben; und Kräfte der zukünft⸗ gen Welt, die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sei unverzagt, wenn dirs nicht immer glücket, upich i 262 Gesinnung und Verhalten des Christen é dich, so viel dein Herz auch wagt, stets neue Schwach⸗ heit drücket! Gott sieht nicht auf die That allein; er sieht auf deinen Willen. Ein göttliches Verdienst ist dein! sen muß das Herz dir stil⸗ en. Mel. Wer nur den lieben Gott 352 er stets mit rei⸗ nem Wohlge⸗ fallen der Tugend ohe Schönheit sieht und, frei vom Stolz und Eigennutze, für alles wahre Gute glüht, wer jedem Laster sich entreißt, der sammelt Schätze für den Geist. 2. Er trachtet nach dem höchsten Gute, nach Weis⸗ heit und Gerechtigkeit: denn wenn ihr das besitzt, spricht Jesus, ist alles Andre euch bereit; ihr habt dann Frie⸗ de, Seelenruh, und alles Andre fällt euch zu. 3. Doch hoffe nicht, o Christ, daß Tugend dir stets auch Erdenglück verschafft! Wie Mancher fand seit frü⸗ her Jugend an ihrer Seite Licht und Kraft; wie Man⸗ cher sorgte für sein Herz und fühlte dennoch oft auch Schmerz. 4. Die Tugend nur, nur Herzensgüte, nur das, was innern Werth verleiht, nicht eitles Glück, nicht Macht und Schimmer beruh auf deiner Thätigkeit. Wer blos nach äußerm Glanze strebt,‚ der täuscht sich selbst, solang er lebt. 5. Nie mache dir zum höchsten Zwecke den Vor⸗ theil, den die Tugend bringtl Sei fromm! Sei fromm, wenn auch nicht immer die fromme Absicht dir gelingt! Frag nicht: was bringt die That mir ein? Sie selbst, o Mensch, muß Lohn dir sein. 6. Doch übst du redlich, deine Pflichten, so sei ge⸗ trost und zage nie! Dein Gott war Zeuge deiner Tu⸗ gend, und er, dein Gott belohnet sie. Ein Herz, von Sünd und Lastern rein, kann nicht auf immer elend sein. 7. Ja, leb und stirb fir alles Gute; es folgt gewiß Vergeltung einst, und du gewinnest noch im Tode, in dem du zu verlieren s cheinst! Auch Jesus gab sein Leben hin, und Herrlichkeit u. sein Gewinn. I 8. Im Himmel dort i nicht nur Tugend, dort auch hohe Seligkeit. Hiel sind oft beide nicht vereinet nur droben ist Vollkommen heit. Da schwingt der Cdl sich empor, der hier Dunkeln sich verlor. 9. Drum will ich, Gol stets edel handeln, dem M ‚ ster treu, das Jesus gabH n Nacht hicht im Allgemeinen. Nichts soll den hohen Muth mir rauben, und führt er auch in Tod und Grab! Mein höchster Wahlspruch sei al⸗ lein: Wer christlich denkt, wird selig sein. In voriger Melodie. chön ist die Tu⸗ 353 S gend, mein Verlangen, und meiner gan⸗ zen Liebe werth. Mit aller Kraft ihr anzuhangen, hat meine Seel auch oft begehrt. Ach könnt ichs, wie würd ich mich freun! Wer heilig ist, muß selig sein. 2. Gott ist der Seligkei⸗ ten Fülle von Ewigkeit zu Ewigkeit; denn sein Ver⸗ stand ist Licht, sein Wille ist Ordnung und Vollkom⸗ menheit. Von Ewigkeit her war er gut, und recht ist immer, was er thut. 3. Wie schnell umhüllen Finsternisse mich, wenn ich auch erleuchtet bin! Dann fliehn die heiligsten Ent⸗ schlüsse, den Morgenträu⸗ men gleich, dahin. Bald wähl ich, was dir, Gott, gefällt, bald deinen Skla⸗ vendienst, o Welt! „4. Ich Armer! Darum kommt kein Friede in mein Verschmachtendes Gebein. ie bin ich dieses Wech⸗ els müde! Wann werd ich fest im Guten sein? wann mehr straucheln, alle⸗ verliere? Eitelkeit der Welt mit ih⸗ ihr Lust gefangen hält, ich ihre 263 zeit nur deinem Dienst, o Gott, geweiht? ö 5. Unwandelbar ist deine Wahrheit, Herr, aller gu⸗ ten Gaben Quell! Sie leuchte mir in voller Klar⸗ heit und mache mein Er⸗ kenntniß hell, daß nie der Sünde Täuscherei gefähr⸗ lich deinem Kinde sei! 6. O bilde, Vater, mei⸗ ne Seele, nach deinem Willen bilde sie, daß ich das Gute stets erwähle, das Böse im⸗ mer ernstlich flieh! Um die⸗ se Gnade bitt ich dich; ich weiß es, du erhörest mich. Mel. Ein Lämmlein geht 35 4 Was hilftes mir, ein Christ zu sein, wenn ich nicht christ⸗ lich lebe, wenn ich nicht fromm, gerecht und rein zu wandeln mich bestrebe? wenn ich dem seligen Beruf, zu welchem mich mein Gott erschuf, nicht würdig mich beweise und den, der mich erlöset hat, in Worten nur, nicht durch die That und gute Werke preise. 2. Was hilft der Glaub an Jesum Christ, den ich nicht Wein 3 14 900 hschaf⸗ nicht mein Herz rechtschaf⸗ fen ist, und ich die Frucht Wenn mich die esseln liebe und, fühl⸗ 264 Gesinnung und Verhalten des Christen fühlbar für der Sünde Reiz, Zorn, Hoffart, Flei⸗ scheslüste, Geiz und andre Laster übe? 3. Weit bin ich dann, ich, Christum kenne, weiß, was er einst für mich gethan, ihn Herrn und Meister nenne, als der, der in der Finster⸗ niß des Irrthums tappt, noch ungewiß, ob er auch richtig wandle. Was nützet mir der Wahrheit Licht; was hilft mir aller Unterricht, strafenswerther der ich wenn ich nicht danach handle? ö 4. Und woher nehm ich Trost und Ruh, wann Lei⸗ den mich umgeben und meine Sünden noch dazu mir dann vor Augen schweben? Was hilft mir in der letzten Noth, wann sich der schauer⸗ volle Tod mir zeigt mit seinen Schrecken, und mein Gewissen wachet auf, von Gesinnung und in Erkenntniß Gottes. Mel. Lobsinget Gott! er 35 5 Dibh kennen, Gott, ist Seligkeit, und sich zu dir erheben ist Wonne, die nicht Welt und Zeit mir sonst vermag zu geben! Sie stärkt mein Herz, sich dir zu weihn, und läßt Verhalten des Christen Hinsicht auf Gott. meinem ganzen Lebenslauf zen 0 mir aufzudek⸗ ken? 5. Weh mir! Was hilft es mir einst dort, erweckt aus meinem Grabe, daß ich an Christum und sein Work zum Schein geglaubet habe, wenn keine fromme gute That mein Leben hier bezeich⸗ net hat, den Glauben zu beweisen? Nur Glaub, durch echte Frömmigkeit bewährt, wirkt meine Seligkeit, kann wahrer Glaube heißen. 6. Gott, dieser Hoffnung werth zu sein, hilf, daß christlich lebe und vor dir heilig, fromm und rein zu wandeln mich bestrebe! Gib Weisheit mir und Muth und Kraft, damit ich Welt und Leidenschaft im Glau⸗ ben überwinde und dann, nach wohldurchlebter Zeit den Lohn in jener Ewigkeit für meinen Glauben finde! das Glück, ein Mensch sein, mich inniger empfin⸗ den; lehrt mich, daß d mein Vater bist, und daßdeil weiser Rathschluß ist. schol hier mein Heil zu ründen 2. Leicht kann ich deint Größe Spur bei jedem Blitl entdecken. Die ganze hett — 2 e———22— — liche Natur in allen ihren Zwetten u viel, Erkenntniß Gottes. Ihamn zeigt Ordnung und, Zusammenhang; ja, aller deiner Werke Gang, vom Staube bis zur Sonne und der Gestirne fernstem Heer, zeigt deine Macht mir täglich mehr, gibt stets mir neue Wonne. 3. Ze mehr ich lerne, was du bist, je mehr ich deine Wege, und was mit mir dein Rathschluß ist, nach⸗ denkend überlege: je mehr entdeckt mein froher Blick das mir bestimmte ewge Glück, ein künftig beßres Leben. Ich weiß, der mir geschenkte Geist, der sich dem Erdenstaub entreißt, wird sich zu dir erheben. 4. O laß von deiner Herr⸗ lichkeit mich immer mehr entdecken, und wenn mein Geist sich ihrer freut, ihn immer mehr erwecken, daß nur Wahrheit sucht und liebt; doch wenn er sich im Jorschen übt, laß ihn bei Dunkelheiten, wo er sich leicht zu weit verliert, wo Täuschung leicht ihn irre sührt, die Pflicht des Glau⸗ bens leiten! 5. Denn ganz kann meine Jassungskraft nicht deine röße sehen, nicht Alles, was dein Rathschluß schafft⸗ (gründen und verstehen. VPagt darum die Vernunft „will sie das ihr ge⸗ sehte Ziel aus Vorwitz über⸗ 5 265 schreiten: so laß mich diesen Vorwitz scheun; du wirst mir einst mehr Licht verleihn nach dieses Lebens Zeiten. 46. Dann werd ich, was ich hier nicht weiß, erfahren und verstehen; dann läßt des Geistes reger Fleiß mich immer weiter sehen; dann wird mir Alles offen⸗ bar, was mir hier uner⸗ forschlich war in deiner Weis⸗ egen. Erhaben über Welt und Zeit, eil ich dann der Vollkommenheit und reinem Licht entgegen. Wer nur den lieben Gott 35 6 Mein Gott, du wohnest zwar im Lichte, dahin kein sterb⸗ lich Auge dringt; doch gibst du uns zum Unterrichte dein ort, das uns Erkenntniß bringt, was du, o Aller⸗ höchster, bist, und was mit uns dein Endzweck ist., 2. So gib denn, daß ich darauf achte als auf ein Licht im dunkeln Ort; und wenn ich ernstlich es be⸗ trachte, so hilf selbst mei⸗ nem Forschen fort! Laß für der Wahrheit hellen Schein mein Aug und Herz stets offen sein! 3. Hilf, daß ich deinem Worte glaube, wenn es mich warnt, ermahnt, belehrt; daß weder Luft, noch Wahn mir raube, was mir den M besten 266 Pflichten gegen Gott. besten Trost gewährt! Kein Spott der Welt verführe mich, kein Zweifel sei mir hinderlich! 4. Das ist der Weg zum ewgen Leben, daß wir, o Vater, dich und den, den du zum Heil uns hast ge⸗ geben, erkennen, lieben und erhöhn. O führe du auf dieser Bahn mich, selbst durch deine Wahrheit an! 5. Vor allem gib, daß stets lebendig bei mir, Gott, dein Erkenntniß sei, und daß ich dir danach beständig Lieb, Ehrfurcht und Gehor⸗ sam weih! Hilf, daß ich thu mit allem Fleiß, was ich von deinem Willen weiß! 6. Was hilft das richtigste Erkenntniß, wenns nicht zu deiner Liebe treibt? Was nützt ein aufgeklärt Ver⸗ ständniß, wenn doch das Herz noch böse bleibt? Drum hilf, daß ich der Wahrheit treu, und daß mein Glaube thätig sei! 7. Laß dein Erkenntniß mir im Leiden die Quelle wahren Trostes sein! Laß, wann sich Leib und Seele scheiden, mich deiner noch im Glauben freun! Dort seh ich dich im hellen Licht von Angesicht zu Angesicht. Mel. Schon ist der Tag von Gott — bist, Herr, dem ich angehö⸗ re, dich richtig zu erkennen, ist mir ewig Pflicht und Ehre. Stets heiliger durch dich zu sein, mich deiner immer mehr zu freun, dich immer mehr zu lieben, wil ich mich täglich üben. 2. Ich kann ja, Ewiger, schon hier durch eifriges Be⸗ streben, wie schwach ich bin, mich doch zu dir mit mei⸗ nem Geist erheben. Nur laß mich auf den Unterricht in deiner Offenbarung Licht, und wie in deinen Werken du dich uns zeigest, merken 3. Dann wird mir nichl aus eigner Schuld entgehn, was du mich lehrest, wit du voll Weisheit, Mach und Huld uns jeden Tu ernährest; wie Alles schän geordnet sich vereinigt, wil so väterlich du uns auh tausend Wegen entgegen⸗ kommst mit Segen. 4. Ich sehe dann und ch erfreut die täglichen Beweis von deiner Huld und Freumd⸗ lichkeit zu deinem Ruhm un Preise. Zum Licht wird mit die Finsterniß, die dich ve birgt; mir wirds gewiß, seien deine Pfade stets Herd lichkeit und Gnade. 5. Und welchen Aufschl gibt mir nicht vom Ziele me⸗ nes Lebens dein Wort, au ewges Heil verspricht! M merk ich drauf veigchd 0 Erkenntniß Gottes. Ich lerne dich und deinen Sohn, der Seele Werth, der Tugend Lohn, was wahres Glück zu nennen, daraus stets besser kennen. 6. So werd ich stets er⸗ leuchteter, von Vorurtheilen freier, zum Guten immer williger, standhafter und ge⸗ treuer. Ein größers Maas der Weisheit gibt dem, der die Wahrheit sucht und liebt, mehr Trost in seinen Leiden und selbst im Tode Freuden. 7. Gewährt der Morgen⸗ röthe Licht mir hier schon so viel Wonne. wie viel ver⸗ schafft mir künftig nicht des vollen Tages Sonne! Dann, Vater, wirst du näher dich mir offenbaren, dann werd ich, was wir hier dunkel nennen, im höhern Licht er⸗ kennen. 8. O laß von heiliger Be⸗ gier mich immer mehr ent⸗ brennen, dich, Gott, und deinen Sohn schon hier stets besser zu erkennen, daß ich, Wahr Irrthum frei, dir immer mehr ge⸗ täglich mehr mich übe, o Gott, in deiner Liebe! In eigener Melodie. 3 5 8 M. im Him⸗ 0 267 du bist der Wesen Fülle, und weise, heilig ist dein Wille. 2. Dich kennen, sei die erste meiner Sorgen. Bist du gleich unerforschlich und ver⸗ borgen; so können wir doch überall dich finden und dei⸗ nen Rath mit uns ergründen. 3. Mit lauter Stimme leh⸗ ren deine Werke uns deine Weisheit, deine Huld und Stärke; die Näh erzählt von dir, von dir die Ferne; die Pracht der Blumen, wie der Sterne. 4. Ruft deine Stimme nicht in unfrer Seele uns zu: das Böse flieh, das Gute wähle? Ward nicht, um uns zum Lichte zu er⸗ heben, dein Sohn zum Füh⸗ rer uns gegeben? 5. Und immer mehr willst du dich offenbaren, wenn wir nur deine Lehren treu bewahren und auch den Weg, den wir betreten sol⸗ len, mit Ernst und Eifer wandeln wollen. 6. Zu diesem großen, heiligen Geschäfte erheb und stärke meiner Seele Kräfte; gib, daß ich dich in deinem Worte hö mit durch Trug ringe und immer eäüä 268 immer näher zu dir drin⸗ ge! 8. So werd ich immer besser dich erkennen und immer kindlicher dich Va⸗ ter nennen, dir fest ver⸗ trauen, fröhlich dich erhe⸗ ben, o großer Gott, und ganz dir leben. Ehrfurcht vor Gott, und Heilighaltung des Eides. Mel. O großer Gott, von 359 Wie groß bist du, o Gott! Wie groß ist, Herr, dein Reich! Wer ist auf Erden dir, wer dir im Himmel gleich? Die Welt erbebt, das Licht wird Nacht, gehst du einher in deiner Macht; es muß mit tiefem Schweigen sich Alles vor dir beugen. 2. Du hast durch deine Kraft die Himmel ausge⸗ streckt, der Erde Grund ge⸗ legt, dem Meer sein Ziel gesteckt. Dein Wort bewegt der Berge Grund und stürzt sie in des Meeres Schlund. Wer kann, wer kann entflie⸗ hen, um dir sich zu entzie⸗ hen? 3. Wir alle sind durch dich, sind Werke deiner Hand; Leib, Seele, Hab und Gut hast du uns zu⸗ gewandt. Du lehrst das menschliche Geschlecht, Herr, durch Vernunft und Schrift dein Recht: willst, daß wir Pflichten gegen Gott. deinen Willen mit Kindes⸗ treu erfüllen. 4. Erleuchte meinen Geist mit immer hellerm Licht; belebe täglich mehr mein Herz für Recht und Pflicht, damit ich als dein Unter⸗ than auf meiner ganzen Lebensbahn mit Eifer möge streben, gefällig dir zu leben! 5. Laß deine Gegenwart mir immer heilig sein; laß auch im Dunkeln mich dein helles Auge scheun. Er⸗ innre mich an meine Pflicht, an deine Macht, an dein Gericht bei jedem Reiz zur Sünde, daß ich ihn über⸗ winde! 6. Doch gib, daß meine Furcht vor dir nie knechtisch sei; befreie mein Gemüth von Zwang und Heuchelei, daß ich, was dein Gesetz gebeut, Freudigkeit, aus Ehrfurcht nur und Liebe mich im Gehorsam übe. Mee. Wer nur den lieben Gott 360 or dir, o Gott, sich kindlich scheuen, ist unsre allergrößte Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, scheut er dein heilig Auge nichi. Drum wirk in mit durch deinen Geist die Ehr⸗ furcht, die dich kindlich preist. 2. In Allem, was ich thu und denke, laß, Herr, das meine erfülle stets mit Ehrfurcht vor Gott. 269 meine Weisheit sein, daß will ich wandeln und stets, ich mein Herz zur Sorg⸗ ich sei auch, wo ich sei, nach falt lenke, vor jeder Sünde deinem heilgen Willen han⸗ mich zu scheun. Denn wer deln, entfernt von aller noch Lust zur Sünde hat, Heuchelei. Nur wer von der fürchtet dich nicht in Herzen dich verehrt, nur der That. der ist dir, o Vater, werth. 3. Gib, daß ich stets zu 8. In deiner Furcht laß Herzen nehme, daß du all⸗ mich auch sterben, so schreckt gegenwärtig bist, und das das dunkle Grab mich nicht, zu thun mich ernstlich schä- ich werde deinen Himmel me, was dir, mein Gott, erben, dich schauen in voll⸗ zuwider ist. Der Beifall kommnerm Licht. Wie werd einer ganzen Welt hilft dem ich dann mich deiner frenn, ja nicht, der dir mißfällt. wie selig, Gott, wie selig 4. Laß immer dein Ge⸗ sein! richt mich scheuen und wirke steten Ernst in mir, mein In voriger Melodie. Leben deinem Dienst. 361 illst du der weihen, daß ich die Gna e Weisheit nicht verlier, die mich bei Quelle kennen? Es ist die mancher Missethat so lieb— Auund vor Gott, dem Herrn. reich noch getragen hat. Nur der ist weis und klug 5. Ja, Vater, laß mit zu nennen, der alle seine Furcht und Zittern mich Pflichten gern, weil Gott affen meine Seligkeit! sie ihm gebeut, vollbringt, Soll Nichts mein ewig Glück wenn gleich dazu kein Mensch erschüttern, so laß mich in ihn zwingt. der Gnadenzeit mit Vor⸗ 2. Lern Gottes Größe sicht alles Unrecht fliehn, recht empfinden und fühle mich nur um deine Gunst deine Nichtigkeit, so wirst hemühn! du nie dich unterwinden, 6. Erhalt in mir ein gut mit thörichter Vermessen⸗ Gewissen, das weder Spott, heit zu tadeln, was sein noch Trübsal scheu, und Rath beschließt, der wun⸗ mache von den Hindernissen derbar, doch heilig ist. der wahren Tugend selbst 3. Wirst du den Höchsten mich frei! Nie störe Furcht kindlich scheuen, so wird dir und Lust der Welt mich, keine Pflicht zur Last. Nur as zu thun, was dir gefällt! das wirst du vor ihm be⸗ »In deiner Furcht nur—490 1 du sie oft sän⸗ äu⸗ 0 270 säumet hast. Wer Gott als Zeugen vor sich hat, der freut sich jeder guten That. 4. Wenn Nacht und Dun⸗ kelheit dich decken, die dem Verbrecher Muth verleihn, wird dich die Furcht des Herrn erwecken, was Un⸗ recht ist, auch dann zu scheun. Denk nur, vor seinem Miitha ist Finsterniß wie Mittagslicht. 5. Den Höchsten öffent⸗ lich verehren sowohl, als in der Einsamkeit, auf des Gewissens Stimme hören und willig thun, was sie gebeut, ane das lehrt dich die Furcht des Herrn, auch das thut, wer ihn ehret, gern. 6. Läßt dich der Thor Verachtung merken, wenn du dich fromm von ihm entfernst; die Furcht des Herrn, die wird dich stär⸗ ken, daß du dich edel schätzen lernst. Wer Gott, dem Höchsten, wohlgefällt, ist glücklich, selbst beim Spott der Welt. 7. Sich stets vor dem Allmächtgen scheuen gibt Heldenmuth und Freudig⸗ keit, wenn uns der Men⸗ schen stolzes Dräuen, was Unrecht ist, zu thun gebeut. Ist Gott mein Schutz, mein Heil und Licht, so beb ich vor den Menschen nicht. 8. Laß deine Furcht, Gott, An⸗ ———————————— Pflichten gegen Gott. mich regieren, mich stets auf dich, den Höchsten, sehn! Laß sie mich hier zur Weis⸗ heit führen, so werd ich nie⸗ mals irre gehn. Wohl dem, der stets dich kindlich scheut! Dich fürchten, Gott, ist Se⸗ ligkeit. Liebe zu Gott. Mel. Von Gott will ich nicht Aln dich, mein 362 A Gott, geden⸗ ken, ist Pflicht und Trost für mich. Wenn Sorg und Gram mich kränken, so sieht mein Aug auf dich; dann mindert sich mein Schmerz, dann fliehn die bangen Sor⸗ gen wie Nebel vor dem Morgen, mein Herz. ö 2. Denk ich an deine Lie⸗ be, wie werd ich hoch er⸗ freut! Mit dankbar frohem Triebe fühl ich mich dann bereit, dir ganz mein Herz zu weihn, dich freundlich zu erheben, zur Ehre dir zu leben, vor Sünden mich zu scheun. 3. Mit fröhlichem Ge⸗ müthe denk ich an deine Treu; denn, Vater, deine Güte ist alle Morgen neu. Seh ich nur stets auf dich so gibst du Muth und Stär⸗ ke mir auch zum schwersten Werke; es wird mir lei durch dich. 4. Du und Ruh erfüllt — 8 ——2 ꝗ22.———.———. 4..... — Liebe zu Gott. 4. Du gabst mir aus Er⸗ barmen den Sohn, der für mich starb und liebevoll mir Armen die Seligkeit erwarb. Mit ihm ist Alles mein; du willst mirs gnädig schen⸗ ken, willst liebreich an mich denken und stets mein Va⸗ ter sein. 5. Wie gut ists, dein ge⸗ denken! Die Welt' mag im⸗ merhin ihr Her aufs Eitle lenken; wie schlecht ist ihr Gewinn! Ich halte fest an Gott; dieß bringt mir wahre Freude; dieß stärkt mich, wenn ich leide, und ist mein Trost im Tod. 6. Drum will ich an dich denken, solang ich denken ann. Mag man ins Grab mich senken: mein Geist steigt himmelan! Vergesse mich die Welt: du, Herr, gedenkst doch meiner, wenn auch auf Erden Keiner mich im Gedächtniß hält. Mel. Alle Menschen müssen 363 Gett der Liebe, wie erhebet meine Seele sich in mir! Wie getröstet, wie belebet sühl ich mich, o Gott, von dir! Jeder Blick auf deine Werke, deine Weisheit, Huld und Stärke, wie befreiet er mein Herz von Bekümmer⸗ niß und Schmerz! 2. Floß aus deiner Se⸗ gensfülle mir nicht stünd— 5 271 lich Gutes zu? Daß ich daß Hch bin 933 schars aß ich noch bin, das scha sst du. Daß ich denke, daß ich wähle, dankt dir, Vater, meine Seele; dankt dir, daß sie dich erkennt, dich durch Jesum Vater nennt⸗ 3. Heil und unvergänglich Leben thast du, Gott, durch ihn mir kund. Um zu dir mich zu erheben, schloß dein Sohn der Liebe Bund, den er in dem bängsten Streite selbst mit seinem Blute weihte; und nun zeigt den Weg zu dir nur der Geist 2— Und ch oͤlt dich nicht Und ich sollte di nich lieben, der du mich zuerst geliebt? Nicht aus Liebe Gutes üben, auch wenn sich mein Leben trübt? Könnt ich ohne sie auf Erden ru⸗ hig und zufrieden werden? ohne sie nach dieser Zeit wür⸗ dig sein der Seligkeit? Heil mir, daß ich es empfinde, welcher Liebe werth du bist, meiner das nur würdig finde, was dir wohlgefällig ist! Einst, Herr, werd ich deinen Willen ganz erkennen und erfüllen, mich der reinsten Liebe freun und in dir ganz selig sein! Mel. Wer nur den lieben Gott 36 4 Di Vater deiner Menschenkin⸗ der, der du die Liebe selber M 4 bist 27²2 bist, und dessen Herz auch gegen Sünder noch güti und voll Mitleid ist, la mich von ganzem Herzen dein, laß michs mit allen Kräften sein! 2. Gib, daß ich als ein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebst, und so gesinnt zu sein mich übe, wie du mir selbst die Ver⸗ schrift gibst! Was dir ge⸗ fällt, gefall auch mir; nichts Dirl mich, mein Gott, von ir! 3. Bewahre mich durch deine Liebe vor Allem, was das Herz verführt, und gib, daß ich Verläugnung übe, wenn Sinnenlust zu sehr mich rührt! Wie sollt. ich je die Creatur dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Laß mich um deiner Liebe willen Wort thun, was mir dein Wort gebeut! Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen: so sieh auf mei⸗ ne Willigkeit und rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld! 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, miß⸗ fällt; drum laß es mich mit Ernst vermeiden, gefiel es auch der gunzen Welt! Die kleinste Sünde selbst zu scheun, laß, Vater, mich beflissen sein! Pflichten gegen Gott. 6. Aus Liebe laß mich Alles leiden, was mir dein weiser Rath bestimmt! Du führst durch Trübsal den zu Freuden, der seine Last gern auf sich nimmt; und wer sein Leiden weislich nützt, wird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner Liebe laß mich sterben: dann wird selbst Sterben meinG ewinn; dann werd ich deinen Him⸗ mel erben, wo ich dir, Va⸗ ter, näher bin: dann liebt dich meine Seele rein und liebend wird sie selig sein. „ In eigener Melodie. 36 5 Wenm zur Er⸗ füllung dei⸗ ner Pflicht dich Gottes Liebe nicht beseelet, so rühme dich der Tugend nicht und wisse, daß ei Alles fehlet. Wenn Vortheil, Wollust, Eigen⸗ sinn und Stolz dir nur das Gute rathen: so thue noch so große Thaten; du hast vor Gott den Lohn dahin. 2. Sei durch die Gaben der Natur das Wunder und das Glück auf Erden; be⸗ glückest du die Menschen nur, um vor der Welt ge⸗ ehrt zu werden; erfüllt die Liebe' nicht dein Herz: so bist du bei den größten Ga⸗ ben, bei dem Verstand, den Engel haben, vor Gott doch nur ein tönend Erz. 3. Er⸗ 0 reiß die Liebe zu Gott. 3. Erbaue Kirchen; brich 2m Brod, 5 Volk m⸗ rmen zu verpflegen, ent⸗ Wittwen ihrer Noth und sei der Waisen Schutz und Segen; gib alle deine Habe hin; vor Gott hast du noch nichts gegeben. Wenn Lieb und Pflicht dich nicht beleben, so ist dir Alles kein Gewinn. 4. Thu Thaten, die der Heldenmuth noch jemals hat verrichten können; vergieß fürs Vaterland dein Blut; laß deinen Leib für Andre brennen; beseelet dich nicht Lieb und Pflicht, bist du die Absicht deiner Thaten, so schütz und rette ganze Staa⸗ len: Gott achtet deiner Werke nicht. ö 5. Läg ihm an unsern Werken nur, uns, sie zu vollbringen, sehr leicht durch Fesseln der Na⸗ 6. Ein Herz, von Eigen⸗ liebe fern, fern von des Stolzes eitlem Triebe, ge⸗ heiligt durch die Furcht des Herrn, erneut durch Glau⸗ ben zu der Liebe; dieß ists, 5 273 was Gott von uns ver⸗ langt. Und wenn wir nicht dieß Herz besitzen: so wird ein Leben uns nichts nützen, das mit den größten Tha⸗ ten prangt. 7. Drum täusche dich nicht durch den Schein, nicht durch der Tugend bloßen Namen. Seh nicht auf deine Werk allein; seh auf den Quell, aus dem sie ka⸗ men. Prüf dich vor Gottes Angesicht, ob seine Liebe dich beseelet. Ein Herz, dem nicht der Glaube fehlet, dem fehlet auch die Liebe nicht. 8. Wohnt Liebe gegen Gott in dir, so wird sie dich zum Guten stärken. Du wirst die Gegenwart von ihr an Liebe zu dem Näch⸗ sten merken. Die Liebe, die dich schmücken soll, ist gütig, ohne Neid und Tücke; ist sittsam, ist nie stolz im Glücke, langmüthig und er⸗ barmungsvoll. 9. Sie deckt des Nächsten Fehler zu und freut sich niemals seines Falles. Sie suchet nicht bloß ihre Ruh; sie hofft und glaubt und duldet Alles. Sie ists, die dir den Muth verleiht, des Höchsten Wort gern zu er⸗ füllen, macht seinen Sinn udeinem Willen und folgt ir in die Ewigkeit. M 5 Ge⸗ 27⁴ Gehorsam gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott 366 ott, deinen hei⸗ ö ligen Befeh⸗ len, will ich, dein Kind, ge⸗ horsam sein,; sie nur zu meiner Richtschnur wählen und dir mein Wiie Leben weihn. Dein Wille ist ge⸗ recht und gut; wohl dem, der ihn mit Freuden thut! 2. Gehorsam forderst du von Allen, die dich zu ken⸗ nen fähig sind. Auch ich kann dir nur wohlgefallen, wenn ich dir folgsam als dein Kind thu, was du willst, aus Lieb und Dank und nicht aus Sklavenfurcht und Zwang. 3. Dein Sohn gehorchte dir so gerne; o di mir, daß ich immerdar dir, Va⸗ ter, so gehorchen lerne, wie Jesus dir gehorsam war! Er wars auch unter Schmach und Noth, er wars selbst bis zum Kreuzestod. 4. Laß deine heiligen Ge⸗ setze mir immer gegenwär⸗ tig sein; laß mich, daß ich sie nie verletze, dich, den Allwissenden, stets scheun! Dein Joch ist sanft, leicht ist die Last, die du uns auf⸗ geleget hast. 5. Sobald ich deine Stim⸗ me höre, so mache du mich auch bereit, daß ich sie durch Gehorsam ehre und thue, Pflichten gegen Gott. was sie mir gebeut! Ich soll nicht Hörer nur allein, ich soll zugleich auch Thäter sein. 6. Beut mir die Welt auch tausend Freuden auf unerlaubten Wegen an; sie soll mich Herr, nicht irre leiten. Was ists, das sie mir geben kann? Im An⸗ fang Lust, am Ende Pein und die wird groß und schrecklich sein. 7. Wenn ich mich im Ge⸗ horsam übe und deinen Wil⸗ len treulich thu, so bleib ich, Gott, in deiner Liebe und hab in des Gewissens Ruh den Himmel hier schon in der Zeit und mehr noch in der Ewigkeit. Mel. Was mein Gott will 367 Sei Gott getren, halt seinen Bund, bekenn ihn durch dein Leben. Dein Glaube ruht auf festem Grund: drum bleib ihm stets erge⸗ ben! Denk, wie er dich ver⸗ pflichtet sich durch seine Huld und Gnade; sei treu dem Herrn und wandle gern der Tugend sichre Pfade. 2. Sei Gott getreu! Du mußt, als Kind, ihn auch im Leiden ehren; dein Va⸗ ter waltet ja gelind und bildet dich zum Höhren. Ein edler Muth macht still und gut, der wird durch* ů ir 0 an jedem Ort Freude dir werden, wenn Jesus Christ dein Führer ist zum Himmel hier auf Erden. 3. Sei Gott getreu von Jugend auf! Laß dich nicht eitle Freuden in deinem gan⸗ zen Lebenslauf von seiner Liebe scheiden: denn seine Treu ist täglich neu; fein Wort kann niemals trügen. Was er verspricht, das bricht er nicht; daran laß dir ge⸗ nügen. 4. Sei Gott getren in je⸗ 5 ehetend in schugt d 0 ich setzet; dann schuͤtzt di seine starke Hand. Wer ist, der dich verletzet? Schau nur auf ihn voll Glaubens hin und folge dem Gewis⸗ sen; dir wird, was dir be⸗ gegnet hier, zum Besten die⸗ nen müssen. 5. Sei Gott getreu, sein theures Wort freimüthig zu bekennen, vor Jedermann, Dich seinen Freund 0 nennen! Was diese Welt nur in sich hält, muß Alles einst vergehen: nur Gottes Wort wird hier und dort zu unserm Heil bestehen. 6. Sei Gott getreu in jedem Streit: dann wirst du überwinden; denn er läßt Muth und Freudigkeit en treuen Kämpfer finden. Verletze nicht die kleinste Pflicht; doch wirst du dich vergehen: daß dann die Reu in Gott. 27⁵ nur ernstlich sei, um künf⸗ tig zu bestehen! . Sei Gott getreu bis in den Tod; laß Nichts von ihm dich wenden Er kann, er will in jeder Noth dir seinen Beistand senden. Der Leiden Nacht, der Bosheit Macht laß nie dein Herz erschrecken! Es ist dir ja dein Retter nah; sein Schild wird dich bedecken. 8. Bleibst du so deinem Gott getreu, so wirst dus auch erfahren, daß er dein lie⸗ ber Vater sei, und nach voll⸗ brachten Jahren der Sterb⸗ lichkeit kommt dort die Zeit, wo Gott einst seine Treuen durch seinen Sohn mit höh⸗ rem Lohn auf ewig wird erfreuen. Freude in Gott. Mel. Schwing dich auf 368 Deines Gottes freue dich, dank ihm, meine Seele' Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir fehle? Schützt dich seine Vorsicht nicht, wann Gefahren dräu⸗ en? Ists nicht Seligkeit und Pflicht, seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab an dir, was mein Herz begehret; einen Vater, wel⸗ cher mir, was mir nützt, gewähret, der mich durch M 6 sein 276 sein göttlich Wort hier zum Guten lenket und mit Him⸗ melswonne dort meine See⸗ le tränket. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, kindlich ehr Und liebe; wenn ich redlich dein Gebot und mit Freu⸗ den übe: o wie ist mir dann so wohl; wie ist mein Ge⸗ müthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zu⸗ versicht nach dem Himmel blicken; meine Leiden acht ich nicht, wie sie mich auch drücken. Hoffnung und Zu⸗ friedenheit wohnen mir im Herzen, trösten und erhöhn mich weit über alle Schmer⸗ zen. 5. Du bist mein, so jauchz ich dann: wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohl⸗ fahrt werth! Du gabst mir mein Leben, wirst auch, was mein Leben nährt und er⸗ freut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem Rath in die Welt gekom⸗ men, alle meine Missethat hat er weggenommen. Ihm vertrau ich, bet ihn an, glaub an seine Leiden, folg ihm treulich, und so kann Nichts von dir mich schei⸗ den. 7. Dich, du Trost der Sterblichkeit, Heil des beß⸗ Pflichten gegen Gott. ren Lebens, himmlische Voll⸗ kommenheit, such ich nicht vergebens. Wenn mein Lauf vollendet ist und vollbracht mein Leiden, ruft mein Mitt⸗ ler Jesus Christ mich zu seinen Freuden. 8. Meine Freud an dir, mein Gott, wird dann ewig währen. Noch so furchtbar sei der Tod; er wird sie nicht stören. Willig werd ich mein Gebein der Verwe⸗ sung geben; Sterben macht mich frei von Pein, führt zum neuen Leben. 9. Gib mir nur, solang ich hier in der Fremde wal⸗ das Bewußtsein, daß le,‚ ich dir, Herr, mein Gott, gefalle! iese sanfte Freu⸗ digkeit, die ich zu dir habe, sei mein Heil zu dieser Zeit und mein Trost am Grabe. 10. Laß die Lust zur Sünde nie dieses Heil mir rauben! Rüste selbst mich wider sie mit Vernunft und Glauben! Gib mir deinen Geist, der mich und mein Thun regiere, daß ich mein Vertraun auf dich ewig nicht verliere. Mel. Jesus, meine Zuversicht 369 He deine Lust am Herrn! Bei dem Herrn ist Freud und Leben; und er wird, denn er gibt gern, dir auch, was dir dienet, geben. Labt 0 àV—— Freude in Gott. 277 Liebe beut dir an, was dein bist mein und ich bin dein! Herz nur wünschen kann. Was mangelt meiner See⸗ 2. Laß der Welt die eitle len? ö Lust, die in Weinen sich 2. Du hast mich vor der verkehret. Wisse, wer in Welt erwählt und deinen seiner Brust Gottes Liebe Kindern zugezählt, nie wirst fühlt und nähret, findet du mein vergessen! Du liebst stets auf seiner Bahn, was mein Wohl, hast gnadenvoll das Herz nur wünschen mein Glück mir zugemessen. 3. Du trägst mich lieb⸗ 3. Lust am Herrn erfüllt reich mit Geduld, vergibst in mit Licht, wenn man ihn Christo mir die Schuld, durchs Wort erkennet. Lust wenn ich aus Schwachheit am Herrn stärkt den zur fehle. Du gibst mir Theil Pflicht, der von seiner Liebe an seinem Heil; dieß tröstet hrennet, Lust am Herrn beut meine Seele. lles an, was das Herz 4. Du bist mir der be⸗ nur wünschen kann. 3½% währte Freund, der es aufs 4. Wer die Lust am Höch⸗ beste mit mir meint; wo sten hat, hat auch Lust an find ich deines Gleichen? dur Willen, suchet ihn Du stehst mir bei und bleibst urch Wort und That un⸗ mir treu, wenn Berg und verdrossen zu erfüllen, und Hügel weichen. so trifft er Alles an, was 5. Du bist mein Leben, das Herz nur wünschen Trost un Licht, mein Fels kann. ö und Heil; drum frag ich 5. Bleibst du auch nicht nicht nach allem Tand der ohne Last, trage willig die Erde. RAr 912 dich ist Beschwerden. Wenn du wohl Nichts ür mich, das mir elitten hast, wird dir ewge erfreulich werde! reude werden; und im 6. Du bist mein aller⸗ Himmel hast du dann, was wahres Gut, darauf mein dein Herz nur wünschen wahres Wohl beruht.— kann. dir leb ich zufrieden. 0 dort, als hier, Herr, bleiben In eigener Melodie. wir in Liebe ungeschieden. 370 J freue mich, 7. Du segnest mich, wenn ů mein Gott, in man mir ucht, und wer dir! Du bisl mein Trost, hier mein erderben sucht, und was kann mir in deiner dem wirds doch nicht gelin⸗ Liebe fehlen? Du, Herr, gen. 2 7 was mich* a 278 das muß, gelenkt von dir, mir Segen bringen. 8. Du läßt mirs ewig wohlergehn. Einst werd ich dich noch näher sehn, du Ursprung wahrer Freuden! An dir wird sich dann ewig⸗ lich mein ganzes Herz, Herr, weiden. 9. Noch hats kein mensch⸗ lich Ohr gehört, was uns dein Himmel einst gewährt; doch seh ichs schon im Glau⸗ ben. Vollkommnes Heil ist da mein Theil, das wird mir Niemand rauben. Vertrauen auf Gott. Mel. Was Gott thut, das ist 371 A.f Gott und nicht auf mei⸗ nen Rath will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit gan⸗ zer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewig⸗ keit, wie viel mir nützen würde, bestimmte meine Le⸗ benszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh ichs bat, gewährt, wenns Pflichten gegen Gott. seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, sein Wille, der geschehe! 4. Ist nicht ein ungestör⸗ tes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth hebt doch der Tod; und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahr⸗ haft glücklich macht, läßt Gott es Keinem fehlen; Ge⸗ sundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? wie bald ists überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Gerechten! Der Herr hilft seinen Knechten. Mel. Was mein Gott will 372 Vnuitten ist des Christen Pflicht, ein kindliches Vertrauen, Er soll, wenns ihm an Glüc gebricht, o Herr, auf dich nur schauen: und nie bist du dem Frommen fern: du kannst ihn nie verschmä⸗ hen, du segnest und 210 Wer Gottes Vertrauen auf Gott. 279 test gern und hörest auf Schmerz sich endlich doch sein Flehen. verlassen. 2. Doch nie darf er voll 6. Wie Mancher, der noch Zuversicht die stolze Hoff⸗ wirken kann, bleibt müßig aunen wagen, du werdest oder träge, verfolgt mit auch dem Thoren nicht, was Blindheit seinen Plan, geht er begehrt, versagen. Wenn ungerechte Wege! Er hofft gleich bei aller unfrer Schuld umsonst, du werdest ihn den dein Herz noch liebreich den⸗ Uebeln noch entziehen. Der ket, so wird doch deine Va⸗ Thor! will er sie selbst terhuld von Weisheit nur nicht liehen sie dürfen ihn gelenket. nicht flieh IE Iei 7. Du, weiser Gott, ent⸗ tann dene Macht des Nen⸗ ernst uns nicht von drohen⸗ schen Wunsch erfüllen Wie den Gefahren, die ohne Nach⸗ leicht, noch eh er es gedacht, theil unsrer Pflicht leicht zu des Herzens Klage stillen! len mit Baonnenheit auch Doch dem, der Wunderkraft Rath und Warnung nützen begehrt und Wunder Huh⸗ denn nie wird deine ellig⸗ zu sehen, wird nie sein küh⸗ keit uns auch beim Leicht ner Wunsch gewährt; er sinn schützen sündigt durch sein Flehen. 8. Gott, laß verwegne 4. Wer deiner Huld ver⸗ Zuversicht doch nie mein sichert ist, darf deinen See Herz verführen! Sie schafft gen hoffen. Ihm steht, weil muir deinen Beifall nicht; du sein Vater bist, der Him⸗ sie läßt mich ihn verlieren. mel immer offen. Doch wer Nur kindlich soll ich dir ver⸗ dich nicht als Vater liebt traun, nie thöricht, nie ver⸗ und auf der Bahn des Le⸗ messen; soll, um getrost auf — nt 17 cht sein dich 01 schaun, nie meiner ibt,‚ icht ver. Glück vergebens. 23—7 S8ic 5½ ½½ er auch An⸗ In Rer ahldw icherheit sich seiner An⸗ efiehl du deine dacht freuet und dabei, fern 3735 Wege und Al⸗ von Frömmigkeit, doch nie les, was dich kränkt, der die Sünde scheuet; so mag treuen Vaterpflege deß, der sein heuchlerisches Herz nur den Himmel lenkt. Der mumer Hoffnung fassen; er Sternen, Wolken, Winden fühlt bei des Gewissens bezeichnet ihre Bahn, 115 wir wird auch Wege finden, die dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohlergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Er läßt durch Sorg und Grämen und selbstgemachte Pein sich keine Wohlthat nehmen: sie muß erbeten sein. 3. Dir, Vater voller Gna⸗ de, dir ist allein bekannt, was gut sei oder schade Ge⸗ schöpfen deiner Hand; und was du ausersehen zum Besten deiner Welt, das wird und muß geschehen, sobald es dir gefällt. 4. An Mitteln und an Wegen fehlt dirs, Allwei⸗ ser, nicht. Dein Thun ist lauter Segen; dein Gang ist lauter Licht. Wenn du, Herr, deinen Kindern ein Glück hast zugedacht, so kann dein Werk Nichts hin⸗ dern; du willst, so ists voll⸗ bracht! 5. Und wollten Welt und Teufel dir boshaft wider⸗ stehn; o nähre keinen Zwei⸗ fel; dein Glück wird doch bestehn. Was er sich vor⸗ genommen, was er vollen⸗ den will: aufs herrlichste wirds kommen zu dem be⸗ Ziel. 6. Hoff, o du Seele, in zagt, was dich auch immer arme Pflichten gegen Gott. quäle, ein schönrer Morgen tagt! Gott läßt nicht von den Seinen, erwarte nur die Zeit: dir wird die Sonne scheinen mit neuer Heiterkeit. 7. Auf, auf! Gib deinen Schmerzen und Sorgen gute Nacht! Verbann aus dei⸗ nem Herzen, was dich so traurig macht. Du bist ja nicht Regente, der Alles führen soll. Gott sitzt im Regimente und er führt Alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten; er ist ein weiser Halte und wird sich so ver⸗ halten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rath das Werk hinausge⸗ führet, das dich bekümmert hat. 9. Verzög der Trost auch lange, weil dir es heilsam ist, so werde dir nicht ban⸗ ge, daß deiner Gott ver⸗ gißt. Er wird dir Hül senden, wenn dus am mind; sten gläubst, und all dein Unglück wenden, wenn du nur treu verbleibst. 10. Wohl dir und deinel Treue! Sie trägt den Sieg davon. Daß dich der Kamsf nicht reue, blick hin auf sei nen Lohn; steh fest im größ⸗ ten Leide, das dir begegnen kann: bald bricht der 4* 5 Vertrauen der Freude, des Friedens an. 11. Mach, Herr, ein fröh⸗ lich Ende mit aller unsrer Noth; stärk unser Herz und sende uns Trost bis in den Tod! Laß stets uns deiner Pflege und Treu empfoh⸗ len sein, s:o gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. ewgen Mel. Was Gott thut, das ist 374 Der Herr ist mei⸗ ne Zuversicht, mein höchster Trost im Le⸗ ben! Dem fehlt es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein Gott; auf sein Ge⸗ bot wirds in dem Herzen stille. Ihm gnügt des Va⸗ ters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bist des Schwachen Stärke. Die Augen, welche auf dich schaun, sehn deine Wunder⸗ werke. Herr, groß von Rath und stark von That, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk voll⸗ enden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, ßt in, sehen müssen; du läßt i n, wenn ihn Noth umgibt, Beru⸗ higung genießen. Des From⸗ men Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eit⸗ auf Gott. 281 les Dichten weißt du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott! Der Tho⸗ ren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Noth Hülf und Errettung findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn jene zittern, ein Fels in Unge⸗ wittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, die dir dein Glaube Men Vergebens wird zu Menschen fliehn, wer von dem Höchsten wei⸗ chet. Dein Heiland starb und er erwarb auf seines Todes Hügel dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter sammeln! Gott hilft, wenn Christen freudenleer zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thrä⸗ nen Zahl zählt er und deine Schmerzen nimmt er dir von dem Herzen. 7. scht; du bist meine Zuversicht; auf dich hofft meine Seele! Du weißt, was meinem Wohl gebricht, wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlas⸗ sen und sich im Kummer fassen? 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben. Mein hoffend pllat blickt auf dich; dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlitz schaue. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 37 5 Wo auf seinen Gott vertraut, ängstigt sich durch keine Sor⸗ gen; ihm, auf den er sicher baut, bleibt sein Kummer nicht verborgen. Gott ver⸗ läßt die Seinen nicht: dieß ist meine Zuversicht! 2. Er, der Schöpfer al⸗ ler Welt, der Versorger seiner Kinder, der, was er verspricht, auch hält, huld⸗ reich selbst noch gegen Sün⸗ der, er, der uns hervor⸗ gebracht, hat auch uns zu helfen Macht. 3. Ihm, ihm ist es im⸗ mer leicht, unsre Wünsche zu erfüllen: wie unmöglich es uns däucht, kann er doch den Kummer stillen, helfen stets, wenn Noth uns quält, wenn uns Rath und Bei⸗ stand fehlt. ö 4. Und wer ist ihm gleich, dem Herrn? wer so reich, wie er, an Segen? Nie⸗ mand hilft, wie er so gern, auf des Lebens rauhen We⸗ gen, er, der liebreich unser denkt und zum Glück die Trübsal lenkt. 5. Wenn mein Auge lange weint, ich nicht seine Hülfe Pflichten gegen Gott. sehe, und sie nicht so früh erscheint, als ich sie von ihm erflehe, weiß ich doch voll Zuversicht, daß sie mir nicht stets gebricht. 6. Dann, schwindet, weiß ich doch: Gott ist mein Freund, der auch da noch Wege findet, wo sich keiner mir entdeckt, wo der Zukunft Nacht mich schreckt. 7. Drum sei ihm, dem Herrn der Welt, ganz mein Schicksal überlassen! Er, der auch den Wurm erhält, kann und wird mich nicht verlassen. Bleib ich nur der Tugend treu, so steht er mir huldreich bei. Mel. Sollt ich meinem Gott 376 Selig, wer mit stillem Herzen dem Allweisen, der uns liebt, ganz sein Schicksal übergibt und auch in den tiefsten Schmerzen seinem Kummer muthigwehrt,durch Geduld den Herrn verehrt. 2. Ach, kein Schicksal mei⸗ nes Lebens, sorgt ich auch von Jugend auf, nimmt drum einen andern Lauf. Sorge quält und quält vergebens; meine Kräfte zehrt sie ab, stürzt nur früher mich ins Grab. 3. Eh ich noch das Licht er⸗ 6. 2 auch wenn, wie mir es scheint, selbst der Hoffnung Trost ver⸗ *— Vertrauen auf Gott. erblickte, wog er, der mir Leben gab, meines Lebens Schicksal ab; ehe mich noch Kummer drückte, eh noch meine Thräne rann, sah mich Gott schon gnädig an. 4. Dankbar nehm ich Glück und Freuden aus des Höch⸗ sten milder Hand; und ist Kreuz mir zuerkannt, o so faß ich Muth zu leiden! Gut ist Alles, was Gott fill. willig duld ich, dulde till. 5. Will mein Anschlag nicht gedeihen, und miß⸗ lingt mir mein 1 le denk ich: was mir Glück erst schien, muß ich oft nachher bereuen. Wohlthat ists für mich gewiß, daß mirs Gott mißlingen' ließ. 6. Wenn Gott nicht so reichen Segen, als dem Nächsten, mir verlieh; soll doch Andrer Wohlstand nie Reid in meiner Brust er⸗ regen! Fremden Glücks will ich mich freun; fremdes Glück wird daduͤrch mein. 7. Wenn mir Frevler Angst erwecken; wenn ihr Haß mich drückt und kränkt, hält sie Gottes Macht um⸗ schränkt. Droht der Tod mit seinen Schrecken; der vom Tode retten kann, ummt sich meiner gnädig an. 8. Ich bin unverzagt und heiter, im Vertraun 5 283 auf Gottes Wort setz ich meine Wallfahrt fort. Der bisher half, hilft mir wei⸗ ter; er hält fest, was er verspricht! Golt, mein Gott verläßt mich nicht. Mel. Herzlich lieb hab ich dich 377 Dir trau ich, Gott, und wanke nicht, wenn gleich von meiner Hoffnung Licht der letzte Schimmer 5 mein det. Mein Helfer und mein Gott bist du, durch den mein Herz doch endlich Ruh und Freude wiederfindet. Von jeher hast du mich ge⸗ führt und meines Lebens Lauf regiert; mit segens⸗ voller Vaterhand so man⸗ che Noth von mir gewandt. Unendlicher, ich trau auf dich; du leitest mich. Ich kämpf und siege, Gott, durch dich. 2. Zwar ist der Kampf der Leiden schwer; oft fühl ich kaum noch Stärke mehr, zu kämpfen und zu siegen; voch ewig, Vater, währt er nicht. Wenn mir dein Bei⸗ stand nicht Hegen so werd ich nicht erliegen. Bald ist der Thränen Maaß gefüllt, bald meiner Seele Schmerz gestillt; bald hast du, Gott, mein Flehn erhört, mich ganz geprüft und mich be⸗ währt. Du, Gott der Huld, erhört von dir, 1—616. ier —7/7.‚ 284 hier mit dankerfüllter See⸗ le dir. 3. Ach, alle Leiden die⸗ ser Zeit sind doch nicht werth der Herrlichkeit, die du wirst offenbaren. Bald wird auch mir des Dul⸗ ders Lohn; bald steh auch ich vor deinem Thron mit treuer Kämpfer Schaaren und danke dann dir, Gott, verklärt, der jetzt mich prüft, mich dann bewährt, daß ich, von allen Leiden frei, ein Seliger des Himmels sei, Barmherziger! fest, ohne Graun will ich dir traun; denn einst werd ich dein Antlitz schaun. Mel. Wer nur den lieben Gott 378 Hene mache mei⸗ ne Seele stille! Bei jedem Leiden, das mich kränkt, geschieht doch nur dein weiser Wille, der Al⸗ les mir zum Besten lenkt. Du bists, der Alles ändern kann; und was du thust, ist wohlgethan. 2. Du führst uns selbst auf rauhen Wegen zu höhe⸗ rer Vollkommenheit. Auch Widerwärtigkeit wird Se⸗ gen für Jeden, welcher dir sich weiht. Siehts gleich der blöde Geist nicht ein, wird doch der Ausgang herrlich sein. ů 3. Drum laß mich stille sein und hoffen! Hast du Pflichten gegen Gott. mir Prüfungen bestimmt, so steht dein Vaterherz dem offen, der seine Zuflucht zu dir nimmt. Wer still in deiner Fügung ruht, mit dem machst du es im⸗ mer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nützt, verborgen; ge⸗ nug für uns: du hasts er⸗ kannt! Wie oft sind unsre Wünsch und Sorgen kurz⸗ sichtig und voll Unverstand! Du siehst, was schädlich ist, von sern, und deine Güte hinderts gern. 5. Nur du erkennst und wählst das Beste! O Va⸗ ter, mache selbst mein Herz in diesem hohen Glauben feste, dann Überwältigt mich kein Schmerz. Ich duld ihn mit Gelassenheit; was mein Gott will, gescheh allzeit. 6. Die Stunde wird g endlich kommen, da mi vollkommnes Glück erfreut; denn endlich führest du die Frommen zur völligen Zu⸗ friedenheit: und dann wird Jedem offenbar, daß, Gott, dein Rath der beste war— 7. Dann wird auch mich von allen Plagen ein ewiger Gewinn erfreun; dann wind mein Herz statt aller Kla⸗ gen voll Dankes und voll Lobes sein: der Herr hal für mein Heil gewacht, hal Alles mit mir wohlgema 0 Vertrauen auf Gott. 285 Mel. Auf schicke dich Zuversicht und Trost und 379 Er herrscht ein Freude geben. Des Lebens Gott, der schützt Müh versüßet sie und läs⸗ in Noth und hilft, wenn set uns hienieden im Laufe sie ihm traun, so gern den nicht ermüden. ö Seinen! Drum sei ver⸗ 2. Auf Erden wechseln bis gnügt, wie er es fügt! ins Grab Zufriedenheit und Bald folgt dir Ruh und Sorgen beständig mit einan⸗ Trost nach kurzem Weinen. der ab, wie Mitternacht und 2. O murre nicht, wenn Morgen. Das Unglückflieht, dir gebricht, was öfters lü⸗ die Freude blüht; und kaum stet den bethörten Sinnen! ist sie empfunden, ist wie⸗ Dir nützt der Schmerz, dein der sie verschwunden. eitles Herz zu bessern und 3. Wie würde da voll fürs Ewge zu gewinnen. Aengstlichkeit uns jeder Tag 3. Erkenn die Schuld und verfließen und bei des Le⸗ üb Geduld, wenn du um bens Heiterkeit das Herz deine Sünden hier mußt schon beben müssen, wenn leiden! Fleh ihn um Gnad, Zuversicht zu dir uns nicht geh seinen Pfad getrost, dann Sicherheit gewährte nichts laß von seiner Lieb und ruhig bleiben lehrte? dich scheiden. ö 4. Du theilst das Alles aus, 4. Dann führt er dich was hier den Sterblichen be⸗ stets väterlich die sichern gegnet. Im Glück und Un⸗ Wege, die dein Heil erzielen. glück werden wir von dir doch Sein sie auch hier oft dunkel stets gesegnet. Wenn wir nur dir: entzückt wirst du ihr auch urch den Gebrauch so End einst sehn und fühlen. weise werden wollten, als 5. Drum gnüge mir der wir, o Gott, es sollten. Weg allhier, den ich muß 5. Richt unser Wille soll gehn in meinem Amt und geschehn; du wählest stets tande! Sei er auch rauh! das Beste. Wenn Erd und Wenn ich dir trau, komm Himmel untergehn, steht ich auf ihm zum wahren diese Wahrheit feste. O Vaterlande. daß wir sie durch Leicht— sinn nie an unsern Seelen Mel. Was Gott thut, das ist schwächten, sie nie verken⸗ 380 Gor, dir ver⸗ nen möchten! lraun, ist mei⸗ 6. Dann würde diese Ue⸗ ne Pflicht, ist Seligkeit im bungszeit nicht traurig uns Leben! Sie kann dem Herzen verschwinden, des 5 t⸗ * 286 Widerwärtigkeit uns nie⸗ mals muthlos finden. Dann sähen wir, voll Hoffnung hier, mit Palmen und mit Kronen den Ueberwindern lohnen. ö 7. Gott, heilige du selbst mein Herz, damit ich dir vertraue und mit Gelassen⸗ heit im Schmerz hinauf gen Himmel schaue. Einst preis auch ich auf ewig dich für überstandne Leiden im Lan⸗ de sichrer Freuden. Mel. Besiehl du deine Wege 381 Cbrist wann dich Trübsal krän⸗ ket, vertraue nur dem Herrn Er, der die Himmel lenket, ist auch von dir nicht fern. Erwach aus deinem Schlum⸗ mer, zu Gott erhebe dich; er siehet deinen Kummer; er liebt dich väterlich! 2. Sei auch in deinem Leiden ein Christ, voll Muth und Kraft; einst kommen deine Freuden, bleibst du nur tugendhaft. Erwarte nur im Glauben getrost die Ewigkeit; wer kann das Heil dir rauben, das ewig dich erfreut? 3. Sei froh: dein Gott regieret, sein Rath ist wun⸗ derbar. Einst wirst du über⸗ führet, daß er der beste war. Und denkest du ver⸗ messen: der Herr erbarmt sich nicht, der Herr hat mein Pflichten gegen Gott. vergessen, so höre, was er spricht: 4. Ist auch der Mütter Eine, die ihres Kinds ver⸗ gißt? Denk an dieß Wort und thränen, Christ! Und könnt sie es vergessen; will ich doch deiner nicht, ich deiner nicht vergessen! Der Herr ists, der es spricht! 5. Mit ruhigem Gemü⸗ the verlaß auf ihn dich fest; weil seine Vatertreue dich ewig nicht verläßt. Was ist das größte Leiden, das dir begegneu kann, bricht einst der Tag der Freuden, des ewgen Friedens an? Mel. Wer nur den lieben Gott 382 ein Hort ist Gott! Ihn laß ich walten; ich hoff auf ihn: er kennet mich. Ihm fehlts, die Seinen zu et⸗ halten, an Mitteln nie, und sein bin ich! Ich gründe meine Zuversicht auf diesen Fels und wanke nicht. 2. Was quäl ich mich! Bin ich ein Heide, der ohlt Gott und Hoffnung ist Rein, das ist meines Hei zeus Freude, Gott und Helfer bist. Hilf mein Erbarmer, stärke mich 105⸗ nichts vermag ich ohne ich. 3. Der Herr erzieht hun seine Kinder zur Cwinng 0 daß du meil weine Gott Freuden⸗ 0 Vertrauen auf Gott. mit weiser Huld. Er schont, er züchtigt viel gelinder, als wir verdient, und hat Ge⸗ duld. Er hat nicht Lust an unserm Schmerz; er hat ein väterliches Herz. 4. Gott ist die Lieb, wie kann ich zagen? Gab er für mich nicht Jesum Christ? Was könnte mir ein Gott versagen, der so unendlich gütig ist? Erhabner Trost, der nimmer trügt und je⸗ den Zweifel überwiegt! 5. Ich harre seiner und bin stille. Wie bald ver⸗ streicht die Prüfungszeit! Dann nehm ich dort aus seiner Fülle unendliche Zu⸗ friedenheit. Er leite mich nach seinem Rath, wie er mir zugesaget hat! Mel. Kommt her zu mir 38 3 Erfünle redlich deine Pflicht und hoffe dann mit Zuver⸗ sicht: Gott sorgt mit Vater⸗ liebe für deines Lebens wah⸗ res Glück! Zu ihm erhebe deinen Blick, wär auch dein Himmel trübe! Wolken werden im milden blühn dir Freuden. Oft wird zur Wohlthat dir der — veredelt werden Herz durch Prü⸗ fungen und Leiden. 287 3. Oft führt die dornen⸗ volle Bahn weit sichrer dich zum Ziel hinan, als sanfte Blumenpfade. Drum dulde fromm, mit festem Muth! Was Gott, der Menschen Vater, thut, ist Weisheit, Huld und Gnade. 4. Doch deines Gottes dich zu freun, im Sturme, wie im Sonnenschein, Be⸗ ruhigung zu finden, benutze selbst gewissenhaft Verstand und Zeit und jede Kraft, Dar wahres Wohl zu grün⸗ en! 5. Daß ich gewissenhaft und treu in meinem Amt und Stande sei und meine Pflicht erfülle: zu dem Ent⸗ schlusse stärke mich, und dann vertrau ich, Gott, auf dich! Herr, es gescheh dein Wille! In eigener Melodie. 38 4 Sollt ich meinem Gott nicht trauen, der mich liebt so vä⸗ terlich? der so herzlich sorgt für mich? Sollt ich auf den Herrn nicht bauen, welcher, unbewegt und fest, seine Kinder nie verläßt? 2. Er weiß Alles, was mich drücket, mein Anliegen, meine Noth; er steht bei mir bis zum Tod; er weiß, was mein Herz erquicket. Seine Lieb und Vatertreu wird mir jeden Morgen 3. Der neu. 288 3. Der die Vögel alle näh⸗ ret, königlich die Blumen schmückt, jedes dürre Land erquickt, Speise jedem Wurm gewähret; sollte der verlas⸗ sen mich? Nein, weit mehr, als sie, bin ich! 4. Wenn nach seinem Reich ich trachte, wenn ich nur in Frömmigkeit suche meine Seligkeit und sie über Alles achte, segnet Gott mir früh und spat Wort und Werke, Rath und That. 5. Heiter sei der andre Morgen, oder nicht: was künftig ist, quält mich nicht; ich bin ein Christ. Ich laß meinen Vater sorgen, froh bei Allem, was sein Rath über mich beschlossen hat. 6. Gott sei Lob! Was mich erfreuet, stehet uner⸗ schütterlich; er, der Höchste, sorgt für mich. Ewig wird ers mir beweisen; Seele, freue seiner dich! Ewig sor⸗ get Gott für mich! Mel. Wer nur den lieben Gott 385 Eruschwange dich, mein Geist, den Nächten, in welche dich die Schwermuth hüllt! Willst du mit deinem Schöpfer rechten, daß er nicht jeden Wunsch erfüllt? Jetzt kennst du, was dir gut ist, nicht; einst strahlet dir ein höhres icht. ö— 2. In Finsternissen wankt Pflichten gegen Gott. hienieden des Menschen un⸗ gewisser Schritt; was Got⸗ tes Vorsicht ihm beschieden, was ihn erfreute, was er litt, klärt sich am Ziel von seinem Lauf für ihn als gleiche Wohlthat auf. 3. Dort findest du, von Licht umflossen, auch deiner Erdenthränen Lohn. Schau, ihre Saat ist aufgeschossen; sie blüht der nahen Aerndte schon. Im Kummer ward sie ausgestreut; bald reift sie für die Ewigkeit. 4. Drum heb empor die trüben Blicke, wenn sich in Nacht dein Weg verliert Dich leite Gott. O dent zurücke, wie gut er immer dich geführt; wie oft, wann Dunkel um dich lag, das Licht dir selbst aus Nächter brach! ö 5. Gott! gnädig, wenn du uns erhörest, oft gnädi⸗ ger, wenn du den Plan, den unsre Thorheit schuf, zei⸗ störest, dich, Vater, bet ich kindlich an. Ich hoff auf dich mit festem Muth; denn was du sendest, ist mir gut. 6. Die Liebe hat den Pfad bestimmet, den ich auf Er⸗ den wandeln soll. Ob er sich auch durch Dornen krümmel ich geh ihn hoher Ahnung voll. Einst werd ich in des Himmels Höhn ganz deiner Führung Weisheit sehej 0 NM — 8 —* te Vertrauen auf Gott. 289 Mel. Fröhlich soll mein Vaͤterlich liebt er mich; ihm 386 Warum willst du will ich vertrauen. doch für mor⸗ 7. Nützen will ich Zeit gen, banges Herz, dir zum und Kräfte; widmen sie Schmerz, immer ängstlich spät und früh nützlichem sorgen? Wozu dient dein Geschäfte; immer gehn auf täglich Grämen? Nur da⸗ seinen Wegen: wird es mir zu, dir die Ruh ohne Noth dann allhier mangeln je zu nehmen. an Segen? 2. Wer, als Gott, gab mir 8. Vor der fernen Zukunft das Leben? Wer, als er, zagen will ich nicht; es ge⸗ hat bisher Alles mir gegeben, bricht keinem Tag anPlagen. was mein Leben zu erhalten Heute leb ich; bin ich mor⸗ nöthig war? Immerdar laß gen nicht vielleicht schon er⸗ ich, Gott, dich walten. bleicht? Warum will ich 3. Der das Größre uns sorgen? gegeben, einen Geist, der 9. Sorge du nur; ich be⸗ ihn preist, diesen Leib, dieß fehle glaubensvoll, wie ich Leben, wird uns auch das soll, dir, Herr, Leib und Kleinre schenken. Sein bin Seele. Sorge du; dir halt ich; auch an mich wird er ich stille; ich soll dein ewig liebreich denken. sein: es gescheh dein Wille. Was auf meiner Le— bensreise mir noch fehlt, Mel. In allen meinen Thaten was mich quält, weiß er, as soll ich der Allweise. Sollt er mei⸗ 387 Wẽ ängstlich ner je vergessen? Er, mein klagen und in der Noth Heil, hat mein Theil längst verzagen? Der Höchste sorgt mir zugemessen. für mich. Er sorgt, daß 5. Nährt den Vogel in meiner Seele kein wahres den Lüften nicht der Herr? Wohlsein fehle; genug zum eidet er nicht das Thier Trost, mein Herz, für dich! auf Triften? Kleidet er 2. Was nützt es, ängst⸗ es Grases Blume nicht lich sorgen und jedem neuen mit Pracht seiner Macht, Morgen mit Furcht entge⸗ seiner Huld zum Ruhme? gengehn? Du, Bater mei⸗ 6. Nur auf mich sollt er ner Tage, kennst, eh ich nicht achten? In der Noth dirs noch klage, mein Leid liß mein Gott hülflos mich und eilst mir beizustehn. verschmachten? Nein, mir 3. Auf deinen Wink zu oll vor Nichts mehr grauen. schauen, dir kindlich zu ver⸗ N trauen, 290 trauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will sie treu⸗ lich üben und dich mein Vater, lieben; denn du ver⸗ säumst die Deinen nicht. 4. Der du die Blumen kleidest und alle Thiere wei⸗ dest, du Schöpfer der Na⸗ tur, siehst Alles, was mir fehlet. Drum, Seele, was dich quälet, befiehl dem Herrn und glaube nur! 5. Herr, alle meine Sor⸗ gen, die Noth, die oft ver⸗ borgen an meinem Herzen nagt, werf ich auf dich, den Treuen; du weißt den zu erfreuen, der fromm nach deiner Hülfe fragt. 6. Wenn meine Augen thränen und sich nach Hül⸗ se sehnen, so klag ich dirs, dem Herrn. Dir, Vater, dir befehle ich jeden Wunsch der Seele, du hörst, du hilfst, du segnest gern. 7. Der du mir hier im Le⸗ ben schon größres Heil gege⸗ ben und deinen Sohn ge⸗ schenkt; du wirst mir Alles schenken und stets zum Be⸗ sten lenken, was mich be⸗ kümmert, quält und kränkt. 8. Du führest, Herr, die Deinen nicht so, wie sie es meinen, doch stets nach wei⸗ sem Rath. Ob ich mich auch betrübe, bleibt doch dein Rath voll Liebe, das zeigt der Ausgang mit der That. 9. Wenn ich hier Tiefen Pflichten gegen Gott. sehe und es nicht ganz ver⸗ stehe, was du mit mir than, kann ich doch deß 1—— trösten; du nimmst mich, den Erlösten, gewiß dereinst zu Ehren an. 10. Dort, bei der From⸗ men Schaaren, dort werd ich es erfahren, wie gut du mich geführt. Da bring ich dir mit Freuden nach über⸗ tandnen Leiden den Dant, der deiner Huld gebührt. Mel. Was Gott thut, das ist 388 Wos zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist ja allmächtig. Den Arm, der dieses Weltall hält, was macht dir den verdächtig! Wenn Meeresfluth und Feuersgluth uns schon er⸗ eilet hätten, so kann er doch noch retten. 2. Was zagst du? Gott regiert die Welt und Gott ist ja allwissend. was dein Herz verborgen hält, ist dennoch ihm wohl wissend. Sein Auge sieht in dein Gemüth. Die Bitte, die du thatest, ver⸗ nahm er, eh du batest. 3. Was zagst du? Goht regiert die Welt, un ist der Allweise. der Weg, der ihm gefällh um Heil dir, ihm zum Prei⸗ e. Er führt gewiß durc Finsterniß, durch jede 4 0 ge⸗ Selbst d Gotl Stets diem PT ee- Vertrauen auf Gott. 291 der Leiden zum Lichte rei⸗ wir? Ein Gott erzieht ner Freuden. durch Freuden und durch 4. Was zagst du? Gott des Schmerzes Druck uns regiert die Welt und ist all⸗ hier! Was ist des Lebens gegenwärtig. Der Fromme, Leiden? Ein ernster Streit der an ihn sich hält, ist um Seligkeit. Es mag seines Heils gewärtig. O uns übel gehen: wir wer⸗ laub es gern! Gott ist nicht dens überstehen! ern; er, wo auch Jeder 2. Wir werden, was am walle, hält allenthalbenAlle. Herzen nagt, mit Hoffnung 5. Was zagst du? Gott überleben und über Alles, regiert die Welt, und Gott was uns plagt, uns siegend ist ja die Liebe. Nichts ist, einst erheben. Die Welt ver⸗ was dem, der ihm gefällt, geht, der Geist besteht. O ein Quell des Elends bliebe. laßt den Schöpfer walten! Auf, fasse Muth! Selbst Er will den Geist erhalten. Jesu Blut sagt dir bei je⸗ 3. Der Geist erkennt des dem Leiden: Gott segnet Höchsten Spur, des Vaters uns mit Freuden. Ma cht und Milde im gro⸗ 6. Was zagst du? Gott ßen Reiche der Natur, in negiert die Welt, und Gott Wäldern, im Gefilde, im ist auch geduldig. Zwar, kleinsten Wurm, im Win⸗ wenn er vors Gericht uns tersturm, im Frühlings⸗ stellt, sind selbst die From⸗ schmuck, im Regen und in men schuldig. Doch sein Ge⸗ des Herbstes Segen. richt trifft Fromme nicht. 4. Drum sei gewiß, er schone chen Alles ist, der selber auch dein in seinem Sohne. im Gewimmel der Thiere 7. Nun, Gott! da du die keines Wurms vergißt, der Welt regierst, wie dürft unter seinem Himmel, was ich ängstlich zagen? Ein lebet, speist, wird unsern Leid, in welches du mich Geist für Licht und Heil führst, soll nie mich nieder⸗ erhalten. O laßt den Höch⸗ schlag en. Ich hoff auf dich. sten walten. Du lässest mich bald deine 5. So mag denn, was Hülle schauen. Dir, dir die Welt uns gab, zerfal⸗ will ich vertrauen. len und zerstäuben! So ö drohe Krankheit, Tod und Rel. Was Gott thut, das ist Grab! Des Schöpfers Huld 38 Ein Gott regiert! wird bleiben. Er leitet Was zagen gut, wir haben Muth; es N 2 mag 292 mag uns übel gehen: wir werdens überstehen! 6. Wir zagen nicht: du, Gott, regierst, und wenn du Menschenherzen durch Leiden für das Gute rührst, so segnen wir die Schmer⸗ zen. Wir haben Muth; sind wir nur gut, so mags uns übel gehen: wir wer⸗ dens überstehen! Mel. In eigener Melodie. 390 Wer nur den ö lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in al⸗ ler Noth und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöch⸗ sten, traut, der hat auf kei⸗ nen Sand gebaut! 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir ma⸗ chen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Trau⸗ rigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnaden⸗ wille, wie sein Allwissen⸗ heit es fügt! Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Pflichten gegen Gott. Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei. Wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wirs uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, daß du von Gott verlassen seist und der dem Glück im Schooße sitze, den alle Welt für glücklich preist! Die Zu⸗ kunft ändert oft sehr viel und setzet Jeglichem sein Ziel. ö 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen und seiner Allmacht gilt es gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Er ist der Herr, der Jedermann leicht hoch erhöhn, leicht stürzen kann. 7. Sing, bet und geah auf Gottes Wegen, ver⸗ richt das Deine nur ge⸗ treu und trau des Him⸗ mels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzf den verläßt er nicht. Gebet. Mel. O Gott, du frommer Golt 391 Als mich m reich — 22— 0—‚.————— 2 —— Gebet. 293 reich mir die Gnaden⸗ ben, christlich leben und hände, daß ich die Pil⸗ selig sterben mag, um dich grimschaft des Lebens wohl von Angesicht zu Angesicht vollende! Irr ich im fin⸗ zu schaun! Ach, Gott, ver⸗ stern Thal: so sei du selbst laß mich nicht! mein Licht, mein Stab, mein Hort, mein Schutz! Ach, Gott, verlaß mich Mel. Wer nur den lieben Gott icht! in il, 102 Gott, verlaß 392 Dedfe 2. Ach, mich nicht; lehr“ deinen zu verscherzen, sei wach und Weg mich wallen und laß nüchtern zum Gebet! Ein mich nimmermehr in Sünd kindlich Flehn aus reinem und Thorheit fallen! Gib Herzen hat Gott, dein Va⸗ mir den guten Geist, gib ker, nie verschmäht. Er ist Glaubenszuversicht: und die Liebe selbst: er hört, 6eh. u r Haß mian 11 Behrt. Kinder Herz be⸗ ott, so verlaß mich nicht! gehrt. ö ö 3. Ach, Gott Worrlaß 2. Erhebe dich zu seinen mich nicht in Nöthen und Dew olt und gerd 2 Gefahren und laß zu rech⸗ set 83151 Rüttt n ler geit mir Hülfe wider⸗ set, it, dir zu heisen mie⸗ fahren. Ist mein Gemüth H 1 hn 17 47 in Angst, erzittr' ich in der mals fern; er thu 6 16 Roth: o so verlaß mich nur zu ihm flehst, mehn, als nicht mit deinem Trost, 5 du bittest und verstehst. Gott! Hheewerden und im 4. Ach, Gott, verlaß 0 5 ö 4 Gebet vor Gott zu stehn! mich nicht; gib' Wollen Der Herr des Himmels und Vermögen; in allem und der Erden, bedarf der meinem Thun begleite mich eines Menschen Flehn? Er dein Segen! Die Werke n* meine Amts, die Werte will blos deine Seligkeit, nn meiner Pflicht laß, Herr, beut. 9417100 0 Pc Gut dir gedeihn! Ach, 4. Sagt Gott nicht: Bit⸗ Gott verlaß mich'nicht! tet, daß ihr nehmet? Ist %. Ach, Gott, verlaß des Gebetes Frucht nicht mich nicht; hilf, daß ich dein? Wer sich der Pflicht i en ergeben voll Lieb und zu beten schämet, der schämt hoffnung sei, recht glau⸗ sich,— Freund zu und un 294 Glück feindselig gegen sich zurück. 5. Sein Glück von dir, o Gott, begehren, wie leicht, wie süß ist diese Pflicht! Des Herzens Wünsche dir erklären, wie stärkt das meine Seele nicht! Gebet gibt Muth; Gebet gibt Kraft ur Dämpfung jeder Lei⸗ enschaft. 6. Was kann zum Fleiß in guten Werken mir kräf⸗ tiger den Geist erhöhn? Was mehr in Leidensstun⸗ den stärken, als gläubig, Gott, auf dich zu sehn? Ich treffe nichts auf Erden an, was mich so sehr er⸗ quicken kann. 7. Gott! laß mich nicht mein Heil verscherzen, gib Lust und Kraft mir zum Gebet! Und wenn aus rei⸗ nem, frommem Herzen mein Mund zu dir um Hülfe fleht, so höre mich von dei⸗ nem Thron durch Jesum Christum, deinen Sohn! In eigener Melodie. 39 3 Ich komme vor Idein Angesicht; verwirf, o Gott, mein Fle⸗ hen nicht: vergib mir alle meine Schuld, du Gott der Gnade und der Huld! 2. Schaff du ein reines erz in mir, ein Herz voll ieb und Furcht vor dir, Pflichten gegen Gott. und stößt das ihm bestimmte ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, ein ruhig Herz mein Lebenlang! 3. Sei mein Beschützer in Gefahr: ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Uebel, das mich schreckt, wenn deine Rechte mich be⸗ deckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand. Von dir em⸗ pfing ich den Verstand; er⸗ halt ihn mir, o Herr, mein Hort, und stärk ihn durch dein göttlich. Wort! 5. Laß, deiner Liebe mich zu freun, sie stets vor mei⸗ nen Augen sein! Laß, mei⸗ nes Glaubens mich zu freun, ihn stets durch Liebe thätig sein! 6. Das ist mein Glüch was du mich lehrst. Das sei mein Glück, daß ich zu⸗ erst nach deinem Reiche tracht und treu in allen meinen Pflichten sei. 7. Ich bin zu schwach aus eigner Kraft zum Siege mei ner Leidenschaft; du aber iehst mit Kraft mich au aß ich den Sieg erringen kann. 8. Gib von den Gütern dieser Welt mir, Herr, s viel, als dir gefällt; be Wenigem Zufriedeuheit; zur Arbeit Muth und Heiter⸗ keit. 9. Schenkt deine Hand mir Ueberfluß, so laß n— Gebet. mäßig im Genuß, so laß mich mild und gütig sein und dürftge Brüder gern erfreun! 10. Gib mir Gesundheit und verleih, daß ich sie nütz und dankbar sei; doch, sie zu schonen, zaghaft nie mich einer höhern Pflicht entzieh! I1. Erwecke mir stets einen Freund, ders treu mit meiner Wohlfahrt meint, mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath vnd Trost und Beispiel gibt. 12. Bestimmst du mir ein längres Ziel und werden meiner Tage viel: so sei, Herr, meine Zuversicht; verlaß mich auch im Alter nicht! 13. Und wird sich einst mein Ende nahn: so nimm dich meiner gnädig an und sei durch Christum„deinen Sohn, mein Schirm, mein Schild und großer Lohn! Mel. Wer nur den lieben Gott 304 Kuund uun er gnügen, o Christ, vor Got⸗ tes Angesicht. Nie müsse Trägheit dich besiegen in dere rfüllung dieser Pflicht! übe sie zu Gottes Preis und deinem Heil mit treuem Fleiß! 2. Bet oft in Einfalt rei⸗ ner Seelen: Gott sieht aufs 295 Herz, Gott ist ein Geist. Wie kann es dir an Wor⸗ ten fehlen, wenn nur dein Glaz dich beten und Der laub an Gott und seinen Sohn rührt ihn, nicht ee⸗ rer Worte Ton. ö 3. Wer das, was ihm zum Frieden dienet, durch Beten sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich er⸗ kühnet, was Er nicht wünscht, entehret Gott. Wer schnell vergißt, was er ihm schwur, der spottet seines S höpfers nur 4. Bet oft zu Gott und schmeck in Freuden, wie freundlich er, dein Vater, ist!. Bet oft zu Gott und fühl im Leiden, wie gött⸗ lich er das Leid versüßt! Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft. Er gibt den Müden Trost und Kraft. ö 5. Bet oft und heiter im Gemüthe, schau dich an sei⸗ nen Wundern satt! Schau auf den Ernst, schau auf die Güte, womit er dich geleitet hat! Oft irrtest du: er trug Geduld; erkenn und preise seine Huld! 6. Bet oft, durchschau mit frohem Muthe das Wun⸗ der der Barmherzigkeit deß, der mit seinem theuren Blute uns von der Sünde Joch befreit; und eigne dir zu deiner Ruh und Heiligung sein Opfer zu! N 4 7. Bet 296 7. Bet oft; Gott wohnt an jeder Stätte, an keiner minder oder mehr; denk nicht: wenn ich mit Vielen bete, so find ich eh'r bei Gott Gehör. Ist, was du wün⸗ schest, recht und gut, so sei gewiß, daß Gott es thut! 8. Doch säume nicht, in den Gemeinden auch öffent⸗ lich Gott anzuflehn und sei⸗ nen Namen mit den Sei⸗ nen, mit deinen Brüdern zu erhöhn! Fühl der ver⸗ einten Andacht Werth, die deine eigne stärkt und nährt! 9. Bet oft zu Gott für deine Brüder, für alle Men⸗ schen, als ihr Freund; denn wir sind Eines Leibes Glie⸗ der; es sei kein Glied des andern Feind! Solch Bitten, das aus Liebe fließt, ehrt II. der selbst die Liebe ist. 10. Bet oft, so wirst du Glauben halten, dich prü⸗ fen und das Böse scheun, an Lieb und eich nicht er⸗ kalten und reich an guten Werken sein. Denn Muth und Kraft und Seelenruh sagt Gott dem frommen Beter zu. Mel. Was Gott thut, das ist 39 5 Welch hohes Vor⸗ recht schenkst du mir, o du, dem Sera⸗ phinen mit Ehrfurcht und Pflichten gegen Gott. mit Dankbegier im böhern Leben dienen! Es darf mein Geist, wie schwach er heißt, ö sich aus dem Staube schwin⸗ gen und betend zu dir drin⸗ gen. 2. Ich darf mit froher Zu⸗ versicht vor deinem Thron erscheinen, und du, mein Gott, verwirfst mich nicht; du zählst mich zu den Dei⸗ nen, du zeigest dich mir väterlich, so oft ich zu dir trete und kindlich vor dir bete. 3. Erstickt die Sinnlichkeit in mir des Herzens fromme Triebe, so stärkt mich das Gebet zu dir in neuer Tu⸗ gendliebe. Was sündlich ist, kann ich als Christ durch deine Kraft bezwingen und so den Sieg erringen. 4. Gebricht es mir an sanftem Sinn, an Liebe ge⸗ gen Brüder, so flieh ich be⸗ tend zu dir hin und hasse nun nicht wieder. ein Herz verzeiht mit Freund⸗ Sch eit und sucht der Feinde elten mit Großmuth zu vergelten. 5. Betracht ich im Gebel mit Schmerz mein fehler⸗ volles Leben, so wird und kann sich nie mein Herz, von Stolz gereizt, erheben. Ich fleh zu dir; verzeihe mir! uUnd du willst gern verzeil⸗ hen und mich mit Trost er⸗ freuen. 6. Wenn 0 Gebet. 6. Wenn Kummer mich zur Erde zieht und wenn mich Sorgen quälen, wenn mir des Lebens Glück ent⸗ flieht und edle Freunde feh⸗ len, so wend ich mich ge⸗ trost an dich: du lehrst mich mit Entzücken im Elend Heil erblicken. 7. 0 stillen Stunden denk ich oft: Was seid ihr, eitle Freuden? Ach, wie ge⸗ schwind, wie unverhofft ver⸗ kehrt ihr euch in Leiden! Und denk ich dieß, so fühlt gewiß mein Herz sich ange⸗ trieben, nur dich, Herr, stets zu lieben. 8. O welchen Muth gibt das Gebet mir in Berufs⸗ geschäften! Du lohnest dem, der zu dir fleht, mit Weis⸗ heit und mit Kräften. Wer dir vertraut und auf dich baut, den krönest du mit auf allen seinen We⸗ Segen gen. 9. Du Geist der Kraft und des Gebets, du Geist der reinsten Liebe, erweck und stärke du nur stets zur Andacht meine Triebe! und kann ich nicht mit Zu⸗ versicht zu meinem Vater treten, so lehre du mich beten! Mel. Wer nur den lieben Gott 4 396 Mein bester Trost in diesem Le⸗ ben ist ein Gebet zu mei⸗ 297 nem Gott. Dieß kann mir Kraft in Schwachheit geben, Geduld und Muth in je⸗ der Noth, bei jedem Gram, bei jedem Schmerz ein ru⸗ higes, zufriednes Herz. 2. Wie kann ich Trost und Ruhe finden wenn mein Gewissen mich verklagt, wenn bei der Menge meiner Sünden mein Herz vor sei⸗ nem Richter zagt? Nichts tröstet mehr, als ein Gebet, das, Gott, bei dir um Gnade fleht. 3. Muß ich um des Ge⸗ wissens willen ein Spott der Lasterhaften sein, so bet ich demuthsvoll im Stillen zu meinem Gott: Er hört mein Schrein, nimmt väter⸗ lich sich; meiner an und stärkt mich auf der Tugend Bahn. 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, wenn mich ein Feind zu kränken sucht; und dem will ich nicht wie⸗ der fluchen, der mir aus Unverstande flucht. Nein, meine Rach sei ein Gebet, das Gnade ihm von Gott erfleht. 23½ 5. Und wenn ein Kum⸗ mer mich ucht Rac den ich der Welt nicht klagen kann, dann ruf ich Gott, der mich erhöret, um Trost in die⸗ sem Kummer an. Wer ihm sein Leid mit Zuversicht ent⸗ decket, den verwirft er nicht. N 5 6. Ruf 21 2 298 Pflichten gegen Gott. 6. Ruf ich ihn an bei Wahn, was mir gebricht, dem Geschäfte des Standes, den er mir verlieh, so fleh ich nie umsonst um Kräfte; der Gott der Stärke gibt mir sie. Er gibt aus väter⸗ licher Huld mir Segen, Klugheit und Geduld. 7. Wenn, böser Lüste Macht zu dämpfen, mir Schwachen Muth und Kraft gebricht, dann bitt ich Gott: er hilft mir kämpfen, er gibt mir Muth zu jeder Pflicht; und stark durch mei⸗ nes Gottes Kraft, besieg ich jede Leidenschaft. 8. Wann ich im letzten Kampf des Lebens bei Nie⸗ mand Hülfe finden kann. so ruf ich Gott doch nicht vergebens um seinen Trost und Beistand an, der, wann die Sprache mir vergeht, selbst meine Seufzer noch versteht. Mel. Ermuntre dich mein 397 ie sanft, mein Vater, ist die Pflicht, als Kind zu dir zu treten, voll Demuth und voll Zuversicht zu dir, o Gott, zu beten! Welch Glück, das Alles übersteigt, wird im Gebete mir erzeigt, wenn ich mit Kindestreue mein Herz, o Gott, dir weihe! 2. Allwissender! zwar bet ich nicht, um dich erst zu belehren: nicht mit dem das müssest du gewähren; nicht, Wunder von dir zu erflehn; nicht, andern Pflich⸗ ten zu entgehn; nicht, träge dich zum Segen durch Bit⸗ ten zu bewegen. 3. Nein, guter Vater, nur um dich recht innig zu empfinden, zum Dank, zur Ehrfurcht feierlich die Seele zu entzünden, zur Demuth, Liebe, Freundlichkeit, Fleiß in guten Werken mein Herz vor dir zu stärken. 4. Dann, wenn ich in der Einsamkeit mein Herz zu dir erhebe, dir, Vater, voll Zufriedenheit mein Schicksal übergebe, dann schöpf ich für die Tugend Kraft, Muth in dem Kampf mit Leidenschaft, Erquickung in dem Leiden und Hoff⸗ nung ewger Freuden. 5. Mit keiner Welt ver⸗ tausche ich die wonnevollen Stunden, wo betend dich mein 1 o dich, mein Vater, hat empfunden; wo ich mit Thränen vor dir stand, tief deine Vaterhuld empfand, die liebevoll mich führte, mit Weisheit mich regierte. ö 6. Wie wird vor deinem Angesicht der Christen Glau⸗ be wichtig; wie warm mein Herz für jede Pflicht, zu e⸗ der Tugend tüchtig! Wuhe 1 zu kindlicher Ergebenheit, zum Gebet. böse Lust in mir sich regt, eil ich, von deinem Geist bewegt, mich im Gebet mit Thränen nach Kraft von dir zu sehnen. 7. Dein denk ich, froh von Dank gerührt, wann ich mich niederlege, die Pfade, die du mich geführt, bewundrungsvoll erwäge. Dich rühm ich, wann nach sanfter Nacht zu neuer Luft mein Aug erwacht, das die Natur entzücket, zu neuer Lust erquicket. 8. Bin ich am Ziel von meinem Lauf zu schwach, noch laut zu beten; dann blick ich, Gott, zu dir hin⸗ auf und will im Geiste be⸗ ten. Noch sterbend, Vater, dank ich dir, der du so vie⸗ les Gute mir im Leben hast erwiesen. Sei ewig, Herr, gepriesen. Mel. Wer nur den lieben Gott 398 3* dir, o Gott, das Herz er⸗ heben, zu dir mit frommer Andacht flehn, um uns zum Guten zu beleben und unsre Tugend zu erhöhn, ist dein Befehl und meine Pflicht und stärket meine Zuver⸗ 2. Laß diese Pflicht mich mue vergessen; laß mich be⸗ kannt mit ihrem Werth, es täglich und mit Dank er⸗ messen, welch Heil von dir 299 mir widerfährt, von dir, der alle Menschen liebt und allen Wen das Gute gibt. 3. Wenn ich vor dich, mein Vater, trete, dir mei⸗ nen stillen Wunsch vertrau; wenn ich in meiner Kammer bete und auf zu dir nach ülfe schau: dann sei mein eist von Heuchelei und ganz von Eigendünkel frei! ö Nie müss eich das von dir begehren, was deine Weisheit nicht erlaubt: nie bitten, das mir zu gewäh⸗ ren, was Andern ihre Wohl⸗ fahrt raubt! Denn du er⸗ hörest kein Gebet, das des Andern Schaden fleht. 5. Wünsch ich mir Güter dieser Erde, so sei auch dieß mein herzlich Mitief daß ihr Besitz mir Mittel werde, der Brüder Wohlfahrt zu erhöhn, daß ich, von Geiz und Habsucht fern, mit Weisheit sie gebrauchen lern. Wünsch ich bei kum⸗ mervollen Leiden von ihrer Last mich frei zu sehn und sehn ich mich nach Lebens⸗ freuden, so laß mich doch um das nur flehn, was deine Weisheit, Gott, beschließt und was mir gut und nütz⸗ lich ist! 7. Dann wird dir mein Gebet gefallen, und nie werd ich mich trostlos sehn; du, Herr und Vater von uns allen, erhörst gewiß mein N 6 ö kind⸗ 300 kindlich Flehn; gibst mir im Glück Zufriedenheit, in Trübsal Ruh und Heiter⸗ keit. Mel. Es ist das Heil uns 399 ott, deine Güte reicht so weit, soweit die Wolken gehen; du krönst uns mit Barm⸗ herzigkeit und eilst uns bei⸗ zustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, ver⸗ nimm mein Flehn, merk auf mein Wort; denn ich will vor dir beten! 2. Ich bitte nicht um Ue⸗ berfluß und Schätze dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen! 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren; des gu⸗ ten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht und frommer Freunde Liebe! 4. So bitt ich dich, mein Herr und Gott, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben! In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Pflichten gegen Gott. Barmherzigkeit vor dir im Tode finden! In eigener Melodie. 400 Ni. um Reich⸗ thum, nicht um Ehre bitt ich, Gott, mein Vater, dich. Wenn ich Weltbesitzer wäre: ohne dich, wie arm wär ich! Nicht um thränenlose Tage steigt mein Flehn zu dir hinan; sende Freude, sende Plage, wenn ich dich nur lieben kann. 2. Weisheit nur, dich zu erkennen, dich in Freude, dich im Schmerz meinen Vater froh zu nennen, dieß erflehet sich mein Herz. ben, Lust am Guten, Freud in dir und Gewissensruh zu haben, dieß, Allgütger, wünsch ich mir. 3. Kraft und Muth und Herzensfreude, meinen Nächsten wohlzuthun; Trost und Stärke, wenn ich leide, sanft und still in dir zu ruhn; Muth, die Laster zu bekämpfen, ihre Reize zu verschmähn, jede Leidenschaft zu dämpfen, dieß, Herr, ist mein kindlich Flehn. 4. Nur auf deinen Wil⸗ len sehen, dich, o Gott, sonst Niemand scheun, fest in dei⸗ ner Liebe stehen und dir, Vater, ähnlich sein; diesen heißen Wunsch zu stillen, wer vermag es? Du allein. Ja, hnn Tunt u bei deinen Ga⸗ S...I — —* E ——+——— ⏑ — Gebet. Ja, um deiner Liebe willen wirst du, was ich bat, ver⸗ leihn. Das Gebet des Herrn. In eigener Melodie. 401 VBIge offen⸗ Jesus offen⸗ baret, den der Geist mit hoher Andacht nennt; Va⸗ ter, den kein Himmel von der Erde, keine Welt von seinen Kindern trennt! 2. Hochgelobet sei dein großer Nam e, angebetet deine Herrlichkeit! Heilig ehre dich der Mensch im Staube von der Wiege bis zur Ewigkeit! Dein Reich komme! hier auf Erden, wie in je⸗ nem Lahr Geisterreich; und die Wahrheit und die Tu⸗ gend mache alle Menschen deinen Engeln gleich! 5. Gib uns, ewig treuer enschenvater, gib uns, was wir brauchen in der Roth! Ach, wir bitten nicht um Gold und Schätze; gib uns, Herr, Zufriedenheit und Brod! * 301 6. Wenn wir auf dem Pfad der Tugend straucheln, sovergivunsschuldund Missethat: so wie wir auch gern vergeben wollen, wenn hat Nächster uns gekränket at. 7. Schütze uns in der Versuchungsstunde, wo die Tugend mit dem Laster ringt; laß uns auf die Himmelskrone blicken, wenn die Erde unser Herz um⸗ schlingt! 8. So erlöse uns von allem Uebel, das den Geist und unser Herz bedroht! Gram und Reue werden dann verschwinden, und wir stegen über Welt und Tod. „Dein, Herr, ist das Reich, die Macht und Stärke! Ewig währet deine Herrlichkeit! Alle Him⸗ mel rühmen deine Ehre und W. Tempel ist die Ewig⸗ eit. Fürbitte für den Regen⸗ ten und die Obrigkeit. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, 402 Eꝰ freu der Fürst des Landes sich, Gott, deiner allezeit; sein Auge sehe stets auf dich! sein Herz sei dir ge⸗ weiht! 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft und deines N 7 Gei⸗ 30² Geistes voll, gedenk er stets der Rechenschaft, die er dir geben soll! 3. Sehr groß und schwer ist seine Pflicht, und er, ein Mensch, wie wir, wie sehr braucht er vor Andern Licht und Rath und Kraft von dir! 4. Verleih ihm das! Wenn er begehrt, dir ähnlich, Gott, zu sein, so hilf ihm, in dein Bild verklärt, sein Volk, wie du, erfreun! 5. Er fördre willig dei⸗ nen Ruhm; er denke gern daran: das Land sei, Herr, dein Eigenthum und er dein Unterthan! ů 6. Der über Christen, Gott, von dir zum Herrn verordnet ist, sei deiner Kirche Schutz und Zier, ein edler Mensch und Christ! 7. Er zeig in seinen Tha⸗ ten sich als deinen treusten Sohn! Den Lastern sei er fürchterlich, der Tugend Schutz und Lohn! 8. Der Unterthanen Liebe sei sein edelster Gewinn und kein gerechter Seufzer schrei um Rache wider ihn! 9. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Ge⸗ rechtigkeit, und dann be⸗ schütz ihn in Gefahr, wann ihm und uns sie dräut! 10. Sein eignes Beispiel wirke mehr, als jede Strafe thut, und es verbreite um Pflichten gegen Gott. uthan n 11. Verdienste heb er gern ö empor; er folge weisem Rath und öffne freundlich Herz und Ohr, wenn ihm ein Armer naht! ö 12. Auch ihm bestimmtest du das Ziel, das er errei⸗ chen soll: Herr, mache sei⸗ ner Tage viel und jeden segensvoll!* ö 13. Sein werd in jedem lehn zu dir mit Lieb und ank gedacht! Erhör uns, Gott, dann jauchzen wir und preisen deine Macht, N her zu jeder Tugend Allgemeine Fürbitte. Mel. Wo Gott zum Haus nicht 403 Fis alle Men⸗ schen beten wir, 0 H wie für uns, ir. Du, der du Allel ater bist, gib Jedem, wa ihm heilsam ist. 2. Dir tönet unser Lob⸗ gesang: wir bringen Ehre dir und Dank, daß du sie alle, alle liebst und lie⸗ bend allen Gutes gibst. 3. Deß freun wir uns; dieß preisen wir und beten herzlicher 50 dir für Alle, die dein hoher Ruf, wie uns, o Gott, zu Menschen U. 4. Nimm Aller päterlic dich an und leite sie auf ebner Bahn; es sei — Dank. nem Preis und Ruhm ein jedes Volk dein Eigenthum! 5. Verirrte führe, Herr, zurück zu dir, zu ihrem wahren Glück; und wer von dir sich führen läßt, der wird im Guten treu und fest! 6. Entreiß der Laster Ty⸗ rannei die Sünder; mache, Gott, sie frei, daß sie der Tugend Pfade gehn und shnt einst dein Antlitz ehn! 7. Gib allen Menschen frohen Muth; bewahr ihr Leben und ihr Gut; laß ihrer Hände Werk gedeihn, verdiente Achtung sie er⸗ freun. 8. In ihrer Noth verlaß sie nie: und sind sie trau⸗ rig, tröste sie! Gib ihnen hier Zufriedenheit und dort der Frommen Seligkeit. 9. Wir alle, einst den I gleich, erheben dich in deinem Reich und ewig, ewig danken wir, dir, un⸗ ser aller Vater, dir. Dank. Mel. Lobt Gott, ihr Ch risten 404 ö Du bists, dem Ehr und RAuhm gebührt, und das, Herr, bring ich dir. Mein Schicksal hast du stets re⸗ mir. und stets warst du mit ir. 0 303 2. Wenn maht und Noth sich mir genaht, so hörte Gott mein Flehn und ließ durch seinen gnädgen Rath mich nicht darin vergehn. 3. Wenn ich in Schmerz und Krankheit sank und rief: Herr, rette mich! so half mir Gott. Mit wel⸗ chem Dank, mein Gott, er⸗ heb ich dich? 4. Betrübte mich des Fein⸗ des Haß, so klagt ich Gott den Schmerz. Er half mir, daß ich ihn vergaß, und gab Geduld ins Herz. 5. Wenn ich den richtgen Pfad verlor und mich ver⸗ schuldet sah, rief ich zu dir, mein Gott, empor, und Hülfe war mir nah. 6. Oft, wann nach Trost die Seele rang, Gott sich von mir gewandt, rief ich voll Sehnsucht: Herr, wie Hand Und mich hielt seine Hand. 7. Er half; noch hilft er stets, der Herr, denn er ist fromm und gut. Aus der Versuchung rettet er und gibt zur Tugend Muth. 8. Herr, für die Leiden dank ich dir, dadurch du mich geübt, wie für die Freuden, welche mir dein milder Segen gibt! „Dir dank ich, Herr, daß die Natur mich nährt und mich erfreut. Ich schmeck in 304 in jeder Creatur, Gott, deine Freundlichkeit. 10. Ich danke dir für deinen Sohn, der für mich Sünder starb und der zu deinem Gnadenthron den Zutritt mir erwarb. 11. Lobt Gott in seinem Heiligthum! Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd ist voll von seinem Ruhm; er hilft und rettet gern. 12. Er hilft und läßt die Traurigkeit bald uns vor⸗ übergehn, will uns, nach kurzer Prüfungszeit, zu ew⸗ gem Glück erhöhn. 13. Vergiß nicht, Seele, deinen Gott, was er an dir gethan! Verehr und halte sein Gebot und bet ihn ewig an! Mel. Nun danket Alle Gott 405 Deasechee großer Gott, durch dich bin ich vorhan⸗ den; die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden. Denn wenn du sprichst, geschiehts: wenn du gebeutst, stets da. Mit Allmacht bist du mir und auch mit Güte nah. 2. Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd und Meere, die Himmel predi⸗ hicht Wunder deiner Ehre. ich bet ich dankend an! Mein Heil kommt von dem Pflichten gegen Gott. Herrn. Du hörst der Men⸗ schen Flehn und du erret⸗ test gern. 3. Und wenn ich deiner Huld, o Gott, gewürdigt werde, was frag ich außer dir nach allem Glück der Erde! Im du, und Schrecken füllt das Land: doch fürcht ich Nichts; denn du deckst mich mit dei⸗ ner Hand. 4. Wenn ich die Himmel seh, die du, Herr, ausge⸗ breitet, der Sonne Maje⸗ stät, den Mond, den du be⸗ reitet; so sprech ich: was ist doch der Mensch, daß du sein denkst und daß du täglich uns unzählig Gutes schenkst! 5. Voll Güte läßt du uns auf grünen Auen wei⸗ den, nährst uns mit Speii und Trank und füllst das Herz mit Freuden. Du dach⸗ test mein, eh mich die Mut⸗ ter noch gebar; ja, sahst mich⸗ eh der Grund der Welt ge— leget war. 6. Du wogst mein Glütt mir ab, und Leiden, die mich üben, und meiner Tage Zahl war in dein Buch ge⸗ schrieben. Du bist der From men Schutz, du bist der Müden Ruh, ein Gott, der gern verzeiht. Wie gnädihz Gott, bist du! ö 7. Wem sollt ich sonst ver⸗ traun, als dir, du——6— 0 immel donnerst del stets sei! Dank. Götter? wen ehren so, wie dich, mein Schutz und mein Erretter: wie sanft ist dein Befehl: gib mir dein Herz, mein Sohn, und wandke meinen Weg: ich bin dein Schild und Lohn! 8. Herr, dein Gebot ist Heil, dein Weg ist Fried und Leben! Wie könnt ich einem Gott der Liebe wider⸗ streben? Der ma mich soll er dennoch ni 9. Auch wenn kein Mens ch Unrecht trachten? Nein, Herr, wenn du mich ehrst, mag mich die Welt verach⸗ ten! Du bist es, dem zum Dienst ich Leib und Seele weih; gib, daß mein Wan⸗ dir wohlgefällig Mel. Alle Menschen müssen sterben 400 Fieerr br let Gottes Hoheit an! Men⸗ schen, Christen, Freunde, Brüder! viel hat er an uns 9. 30⁵ gethan. Seht, wir schöpfen, was wir haben, aus dem Strome seiner Gaben, je⸗ des Gut, das uns entzückt, jeden Vorzug, der uns schmückt! 2. Keiner rühme seiner tärke, seiner Kunst und Weisheit sich! Jeder rühme deine Werke, Vater, Jeder rühme dich! Voll von tie⸗ fer Demuth preise dich der Starke, dich der Weise! Ihre Kraft und ihr Ver⸗ stand sind Geschenke deiner Hand. 3. Dich, mein Vater, will ich loben, demuthsvoll bis in den Tod. Ewig sei von mir erhoben über Alles, o mein Gott! Angebetet sollst du werden, weil im Him⸗ mel und auf Erden Keiner dir an Größe gleicht, Kei⸗ ner je dich ganz erreicht. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht 407 Alles hast du mir gegeben, Alles, Gott, bin ich durch dich; du, nur du beglücktest mich! Glieder, Kräfte, Sinne, Leben, Triebe, Freiheit und Verstand gab mir deine Schöpferhand. ö 2. Eh ich noch dich Va⸗ ter nannte, eh ich reif zum Dasein war, eh ich Lehunch zen und Gefahr, eh ich Glück und Freude kannte, sorgtest du schon nue ür 306 für mein Dasein und für mich. 3. In den Jahren mei⸗ ner Jugend, wo ich schwach an Einsicht war, warntest du mich vor Gefahr, gabst du mir Gefühl für Tugend, segnetest du mein Bemühn, mich Verführern zu ent⸗ ziehn. 4. Alle meine Lebensfreu⸗ den hab ich, Vater, nur von dir; Glück und Wohl⸗ fahrt gibst du mir, frohen Muth in meinen Leiden; und wie oft trägt deine meine Fehler mit erfahren, ö Menschen liebst, ihnen Schutz und Beistand gibst, sie vor Uebeln zu bewah⸗ ren, wie du sie versorgst und nährst, ihnen manchen Wunsch gewährst. 6. Wie du stets mich weise führest, väterlich an mich gedenkst, Uebel auch zum Guten lenkst, wie du mein Geschick regierest, meine Wohlfahrt zu er⸗ höhn, lern ich immer mehr verstehn. ö 7. Mit dem freudigsten Gemüthe fühl ich jeder Wohlthat Werth, die mir täglich widerfährt, preise deine weise Güte und erfleh auch künftig mir Segen, Trost und Heil von dir. Pflichten gegen Gott. In eigener Melodie. 408 r Chne, Mren get Ehre, Preis und Ruhm, ihr Jubelchöre! jauchzt, Beseligte des Herrn! Bringet Ruhm, ihr Erden⸗ söhne, singet eure Jubeltöne; er, der Herr, beglückt uns gern! ö 2. Sollten wir dem Herrn nicht singen, ihm nicht Freu⸗ denopfer bringen? Er er⸗ schafft und er erhält! Tief im Staub verehrt ihn, Kin⸗ der! Kinder heißt er uns, uns Sünder: er ist Vater seiner Welt! 3. Zwar sein Thron steht unerschüttert, und die weite Schöpfung zittert tief ge⸗ beugt vor ihrem Herrn; wenn gleich unfre Lieder schweigen, seht die Millio⸗ nen Zeugen, laut verkün⸗ den sie den Herrn! 4. Aber unsre Seelen heben sich zum Glück der Engel, leben schon deß He göttlich ha hier. Wel⸗ e göttlich hohe Freuden, welchen Trost für alle Lei⸗ den, welche Ruhe fühlen wir: 5. Wenn der Geist ihm sich waget, ein Gedat dem andern saget: Eri Vater seiner Welt; siil entzückend dem Gemüth⸗ dann die Fülle seiner Güle sich zum großen Zeugen tellt! 6. Naht Dank. 6. Naht euch zu ihm, seine Kinder! Zittert nicht seid ihr gleich Sünder, Sünder ihr; die Lieb ist er! Denkt den göttlichen Gedanken, fühlt die Won⸗ ne, ihm zu danken: groß und gnädig ist der Herr! HBalleluja! Bringet Ehre, Preis und Ruhm, ihr Jubelchöre; jauchzt, Be⸗ seligte des Herrn! Brin⸗ get Ruhm, ihr Erdensöhne, singet eure Jubeltöne: er, der Herr, beglückt uns gern! In eigener Melodie. Nun danket Alle 409 N Gott mit Her⸗ der Mund und Händen, er große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns so väterlich von un⸗ srer Kindheit an bis diesen Augenblick unzählig Guts gethan! 2. Der ewig reiche Gott woll uns, bei unserm Le⸗ ben ein immer fröhlich Herz und edeln Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Roth erlösen hier und dort! 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und seinem heilgen Geist! Er, der vom Himmelsthrone voll Liebe auf uns sieht, bleibt, wie er ewig war, unendlich groß 307 und gut. Lob sei ihm im⸗ merdar! Mel. Lobt Gott, ihr Christen Auf, Christen, 410 AUget Preis und Ehr dem Herrscher al⸗ ler Welt, dem Mächtigen, der Erd und Meer und alle Himmel hält! 2. Frohlockt mit jubel⸗ reichem Schall Gott, un⸗ serm höchsten Gut, der große Wunder überall, auch an uns Menschen thut! — on unfsrer zarten Kindheit an hat er uns unterstützt, er, der allein uns helfen kann und gern uns hilft und schützt. 4. Aus seiner Fülle neh⸗ men wir noch immer, was uns nährt und unsern See⸗ len auch schon hier Zufrie⸗ denheit gewährt. ö 5. Er streut auf dieses Lebens Pfad viel Freuden um uns her. Die Noth, womit sein weiser Rath uns prüft, erleichtert er. 6. Er fordert uns zur Tugend auf, die hin zum Glück uns führt; er ists, der unsern Lebenslauf mit weiser Hand regiert. 7. Er bleibt uns treu sein Wort steht fest. Wer hier sich zu ihm hält, kommt, wenn er diese Welt verläßt, zum Glück der bessern Welt. 8. Singt, Christen, uhm ihm ihm Preis und Dank für seine Gütigkeit! Einst wird sie euer Lobgesang noch mehr in Ewigkeit. Mel. Nun danket Alle Gott 411 Der du von Ju⸗ ö gend auf mit Huld und Vatergüte für mich, mein Gott, gesorgt, mit dankendem Gemüthe denk ich voll Rührung nach, was du an mir gethan, wie wenig ich verdient, wie schwach ich danken kann. 2. An treuer Aeltern Hand entfloh die erste Jugend: sie zeigten sorgsam mir den Weg zur wahren Tugend. Wann ihre Stimme schwieg, sprach guter Lehrer Mund und machte redlich mir der Weis⸗ heit Schätze kund. 3. Wie weit wär ich viel⸗ leicht vom Tugendpfad ent⸗ fernet, hätt ich durch ihren Rath nicht die Gefahr geler⸗ net, zu der das Laster führt. Leicht werden wir sein Raub; uns mache Leichtsinn nie für ihre Lehren taub! 4. Wie Manchem ward das Glück, das du mir gabst, entzogen; wie Mancher von der Lust der Sinnlichkeit be⸗ trogen, weil ungewarnt sein Fuß nicht jene Schlange mied, die unter Blumen lauscht, verletzt, eh man sie sieht. 5. Was gut und edel ist, Pflichten gegen Gott. was dir gefällt, was nützet, was auf der Lebensbahn uns vor dem Fall beschützet, was Muth im Leiden gibt, vor guten Menschen ehrt, hast du mich, guter Gott, von Kindheit an gelehrt. 6. Die echte Frömmigkeit, *——————————— die nicht in Mienen heuchelt, die aus dem Herzen quillt, mit falschem Trost nicht schmeichelt, die Jesu Geist und Sinn nachahmt und in sich nährt, hast du von Jugend auf, mich, guter Gott, gelehrt. 7. Wie dank ich würdig dir? Durch Thaten will ich danken. Und wollte je mein Fuß vom Tugendwege wan⸗ ken: o dann erinnre du mit deiner Gotteskraft durch mein Gewissen mich der schweren Rechenschaft. Lob Gottes. Mel. Mein Gott, das Herz Mon allen Him⸗ 412 V meln tönt dir, Iunt ein froher Lobgesang. u dir, Anbetungswürdi⸗ ger, steig auch der Men⸗ schen Dank! 2. Du auicht zwar un⸗ sers Preises nicht, wirst durch ihn größer nie; doch bleibet stets dein Lob uns Pflicht: und, Gott, wie schön ist diel 3. Dich preisen, ist ung Seligkeit: dir danken, hohe Lust; schon hier fühlt, sh 0 — Lob Gottes. sich deiner freut, den Him⸗ mel in der Brust. 4. Wir stammeln zwar dein Lob hier nur, so heiß das Herz auch glüht; denn deinen Ruhm, Herr der Na⸗ — erreicht kein sterblich ied. 5. Doch du verschmähst das Opfer nicht, das dir die Andacht bringt, die sich mit Kindeszuversicht zu dir, Erhabner, schwingt. 6. So soll dein Lob denn allezeit in unserm Munde sein; stets unser Herz voll eume e sich deiner Güte reun. Das Te Deum. In eigener Melodie. 413 err Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Der Höchste ist von Ewig⸗ keit! Er schuf die Welt, das Werk der Zeit. Die gan⸗ ze weite Schöpfung preist, Gott Vater, dich! dich, Sohn! dich, Geist! Die Cherubim, die Seraphim, die Himmel alle singen ihm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist' un⸗ ser Gott! Heilig ist unser Gott, der allgewaltge Gott! Weit, über alle Himmel weit geht deine Macht und errlichkeit! Sie, die den Erdkreis wunderbar bekehr⸗ ten, deiner Boten Schaar, er Lehre Jesu Märtyrer, 309 sie preisen ewig dich, o Herr! Auch deine ganze Christen⸗ heit preist dich auf Erden weit und breit, dich, Vater, auf der Himmel Thron, dich Jesu Christ, des Vaters Sohn, und dich, o Geist, deß Wunderkraft in Sün⸗ dern neues Leben schafft! Du Hoherpriester! du Pro⸗ phet! du König, deß Reich nie vergeht! Du wardst ein Mensch, doch sündenrein, um uns von Sünden zu befrein. Dem Tode nahmst du seine Macht, zum Himmel hast du uns gebracht. Zur Rechten Gottes sitzest du; mit Macht und Güte herrschest du. Du, der für uns geblutet hat, erwürgt für unsere Misse⸗ that, im Grabe lässest du uns nicht; du kommst, du kommst und hältst Gericht! Einst sei im Himmel ew⸗ ges Heil mit allen From⸗ men unser Theil! Hilf dei⸗ nem Volke, Jesu Christ, und segne, was dein Erb⸗ theil ist! Leit uns durch unsre Prüfungszeit den Weg zur frohen Ewigkeit! Die Erd ist auch dein Hei⸗ ligthum! Auch sie erfülle stets dein Ruhm! In dieser unsrer Pilgerschaft ist, Herr, dein Wort uns Licht und Kraft. Es ist ein reines, helles Licht; wer ihm ge⸗ horcht, der sündigt nicht; und wer noch fällt e⸗ 310 bereut, der findet da Barm⸗ herzigkeit. Die Erd erfüll, Herr, stets dein Ruhm, so wie des Himmels Heilig⸗ thum! Amen! Mel. Mein ganzer Geist, Gott 41 4 rtöne, feiernder Gesang, An⸗ betung Gott und Ruhm und Dank vor seinen Thron zu bringen! Er hört der Men⸗ schen Loblied gern, obgleich die Engel ihm, dem Herrn, in höhern Psalmen singen. Darum hat er mit den Hee⸗ ren, die ihn ehren, zu den Stufen seines Throns auch mich gerufen. 2. Wie groß ist Gottes Herrlichteit! er sprach zu seinen HGimmeln: Seid! und zu dem Erdkreis: Werde! Da standen sie voll Reiz und Pracht vor ihm, zum Preise seiner Macht, die Himmel und die Erde. Wie ers ausrief, da begonnen tausend Sonnen und er⸗ hellten ein unzählbar Heer von Welten. 3. Er hat der Sonnen hohes Zelt, die Himmel, über diese Welt für mich auch ausgebreitet; hat seiner Erde Lustgefild für mich auch liebevoll und mild be⸗ pflanzet und bereitet. Lachen mir nicht alle Wälder, alle Felder froh entgegen, reich Pflichten gegen Gott. für mich von seinem Se⸗ gen? + 4. Wem blüht das Thal? Für wen erhebt sich das Gebirg? Wem tönt und schwebt der Sänger in den Lüften? Für wen bevölkert sich das Meer? Wem lebt der Thiere zahllos Heer auf seinen grünen Triften? Quellen rieseln, Winde we⸗ hen, Flüss und Seen wer⸗ den Meere mir zum Segen, ihm zur Ehre. ö 5. Noch strahlt mir un⸗ geschwächt sein Licht; noch weigert die Natur sich nicht, die Welt für mich zu schmül⸗ ken. Noch strömt ihr Freu⸗ denquell für mich; noch ist sie schön und jugendlich, mein Auge zu entzücken. Seine Güte wird die Werke seiner Stärke stets erhalten ½ über mir auch wal— en. 6. So hat der Herr au mich Die Hul So sorgt fün mich die Huld und Macht die mich so hoch erhoben! O strömt aus meiner vol len Brust, strömt hin, Em⸗ pfindungen der Lust, den Gütigen zu loben! Schö⸗ pfer! Vater! dich erhebe weil ich lebe, meine Seele, meine hochbeglückte Seele! In eigener Melodie. 41 5 Lren den Her⸗ ren, den mäͤch⸗ tigen 0 —9...... Lob Gottes. tigen König der Ehren! Laßt uns den eltenbeherrscher in Demuth verehren! Tre⸗ tet heran; stimmet ein Freu⸗ denlied an, des Höchsten Lob zu vermehren! 2. Lobet den Herren, der Alles aufs beste regieret, der uns mit Weisheit und Güte bis hierher geführet, der uns erhält in der ge⸗ fährlichen Welt, daß man sein Vaterherz spüret! 3. Lobet den Herren, der unserer Seelen gedenket, Ennen Er Segen in himm⸗ ischen Gütern uns schenket, der das Gemüth tröstet und himmelwärts zieht, wann zeitlich Trübsal es kränket! 4. Lobet den Herren, der große Barmherzigkeit übet, der, wenn wir Menschen mit Sünden ihn häufig be⸗ trübet, noch mit Ge uld, göttlicher Gnade und Huld uns trägt und Sünden ver⸗ giebet! 5. Lobet den Herren, der Nahrung dem Leibe besche⸗ net, der uns Gesundheit und Freude und Hülfe gewäh⸗ ret! In wie viel Noth hat 2 er gnädige Gott das Leid in Freude verkehret! 6. Lobet den Herren, der unser Thun sichtbar geseg⸗ net! Ströme des Guten hat auf uns sein Wohlthun ge⸗ regnet. Denket daran, was x 0 311 der Allmächtige kann, wie er uns huldreich begegnet! 7. Lobet den Herren, der, wenn wir als Christen einst sterben, uns auch im Tode nicht lässet vergehn und ver⸗ derben und nach dem Tod uns liebt und segnet als Gott, ewige Freuden läßt erben! 8. Lobet den Herren und seinen hochheiligen Namen! Lobt ihn mit Allen, die von ihm das Leben bekamen! Nahe und fern frohlocket Alle dem Herrn; lobt ihn, in Ewigkeit! Amen! Mel. Allein Gott in der Höh 416 LB Ehr und Preis dem Höch⸗ sten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der so viel Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost er⸗ füllt, dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt un⸗ serm Gott die Ehre! 2. Es danket dir des Him⸗ mels Heer, o Herrscher aller Thronen; und die, die in der Luft, im Meer und auf der Erde wohnen, sie alle preisen deine Macht, die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm Gott die Ehre. Was unser Gott ge⸗ schaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will er früh und spat mit seiner Güte 312 Güte walten. In seinem ganzen Königreich ist Alles recht, ist Alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Noth; ach, Gott, ver⸗ nimm mein Weinen! Da half mein Helfer; da ließ Gott mir Heil und Trost erscheinen. Drum dank ich, Gott, drum dank ich dir! Ach, danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Gott ist uns nah und nimmer nicht von seinem Volk geschieden: er, er ist seine Zuversicht, sein Se⸗ gen, Heil und Frieden. Mit seiner Allmacht leitet er, der Herr, durchs Feuer und durchs Meer. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Menschenkraft nicht helfen kann, kein Ret⸗ ter uns sich zeiget, nimmt Gott sich unser mächtig an: der Allerbarmer neiget zu unserm Angstgebet sein Ohr; sein starker Arm hält uns empor. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will mein ganzes Leben lang, o Gott, dich freudig ehren: einst sollen meinen Lobgesang auch deine Himmel hören; Mein Geist, o Gott, erhebe dich; mein ganzes Herz erfreue sich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Ihr, die ihr Christi Pflichten gegen Gott. Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht erkennt, gebt unserm Gott die Ehre! Der Sünde Götzen macht zu Spott! Der Herr ist Gott! —..— 2—5———— Der Herr ist Gott! 9 Gebt unserm Gott die Ehre! 4 9. Kommt, kommet vor 9 sein Angesicht, inhm Dank und Preis zu bringen! Be⸗ n zahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich singen h Der Herr hat Alles wohl f bedacht und Alles recht und gut gemacht! Gebt unserm u Gott die Ehre! In eigener Melodie. 417 Prei und Anbe tung sei un l serm Gotte! Denn er is sehr freundlich; weit ühet Erd und alle Himmel gehh seine Gnad und Güte. Laßt uns mit Danken vor sei Antlitz kommen und unsenn Gotte mit Psalmen jauchzel 2. Väterlich liebt er un seine Kinder; singt zu sei nem Preise! Ein Loblied ihn sei unser ganzes Leben! Ihn ihn laßt uns lieben, der vn der Welt Beginn uns schoh geliebet hat! Wer wolltecl nicht von Herzen lieben? 3. Zwar kann der Mens nicht ihn würdig preiseh doch mit Wohlgefallen ve⸗ nimmt er hoch herab 15 2 Lob Gottes. seinem Himmel unser frohes Danklied und geußt der Freuden viel in unsre Seele, wenn wir ihm danken, dem Gnadenvollen. 4. Schon hier auf Erden quillt Freud und Leben uns aus seiner Gnade. Doch größre Seligkeit ist dort be⸗ reitet denen, die ihn lieben, wenn sie dereinst, erneut zu seinem Bilde, verklärt und heiis vom Tod erwacht sind. 5. Laßt unsers Gottes uns ewig freuen! Hallelu⸗ ja! Amen! O welche Selig⸗ keit ists, sein sich freuen; hier und einst im Himmel ihm ganz sich heiligen und ganz ihm leben! Denn ewig liebt er uns, seine Kinder. Mel. Jesu, meines Lebens chöpfer der er⸗ 418 Scchaffuen Hee⸗ re, freudig rühm ich deine Racht, daß du mich zu dei⸗ ner Ehre hast ans Licht der Welt gebracht! Sinne, Leib und Seel und Leben hat mir deine Huld gegeben. GHroßer Schöpfer, nimm da⸗ für ewig Dank und Lob von mir! 2. Wunderbar bin ich be⸗ eltet und mit Kräften aus⸗ cziert; wunderbar ward ich geleitet, meinem Glücke jugeführt. Für die treue 313 Vaterpflege, für die Güte deiner Wege, wunderbarer Gott, sei dir ewig Dank und Lob von mir! 3. Weislich hast du Ort und Zeiten für mein Da⸗ sein auserwählt. Hat mirs an Gelegenheiten, fromm zu werden, je gefehlt? Nie⸗ mals hast du mein verges— sen, immer Heil mir zuge⸗ messen. Weiser Gott, ich bringe dir ewig Preis und Dank dafür! 4. Herr, du zähltest mei⸗ ne Thränen; eh ich weinte, sahst du sie. Liebreich merk⸗ test du mein Sehnen unter dieses Lebens Müh; und an jedem Leidenstage lin⸗ dertest du meine Plage. Nimm, o Vater, nimm da⸗ für ewig frohen Dank von mir! 5. Hatt' ich, Heiligster, mit Sünden mein verführ⸗ tes Herz befleckt: o dann ließest du mich finden Gnade, die zur Buße weckt. Mit un⸗ endlichem Erbarmen über⸗ strömtest du mich Armen. Nimm, Barmherziger, da⸗ für reinen Herzensdank von mir! 6. O was bin ich Mensch von Erde, daß du meiner so gedenkst und, damit ich heilig werde, mich so tren— lich zu dir lenkst; daß so viele deiner Gaben mich an jedem Tage laben? Dir, du O ewge .üuun 314 ewge Liebe, dir opfr' ich heißen Dank dafür! 7. Treu im Glauben laß mich enden, Vater, meinen Lebenslauf! Führ, o führ an deinen Händen mich zum hohen Ziel hinauf! Mit des Himmels Erstgebornen, mit des Mittlers Auser⸗ kornen iauch; ich dann einst, Höchster, dir ewig, ewig Dank dafür. Mel. Wer nur den lieben Gott 419 O könnt ich dich, mein Gott, recht preisen, wie du des Preises würdig bist! Könnt ich dir ganz den Dank be⸗ weisen, den dieß mein Herz dir schuldig ist, dieß Herz das deiner Gütigkeit si täglich mit Entzücken freut! 2. Wer überströmet mich mit Segen? Wer theilt mir mit, was mir gebricht? Wer schützet mich auf mei⸗ nen Wegen? Wer schenkt dem Geiste Trost und Licht? Wer gibt zu meinem Thun Gedeihn? Allgütiger, du bists allein. 23 3. Zu zählen sind sie nicht, mein Vater, die Werke dei⸗ ner Segenshand. Du warst schon meines Wohls Bera⸗ ther, eh mein Bedürfniß ich empfand. Noch eh ich war, da maßest du mir schon mein Schicksal liebreich zu. Pflichten gegen Gott. ö 4. Du stärkst mir das 92 schenkte Leben und lässest es nie freudenleer; zum höhren Glück mich zu erhe⸗ ben, schickst du auch mancht Trübsal her: doch stehst du auch mit Kraft mir bei, daß ich, o Herr, nicht muthloi sei. 5. Schon oft hat dieß in meinen Tagen zu Freuden⸗ thränen mich gerührt, wit du mich unter manchen Pla⸗ gen, zwar dunkel oft, doch gut geführt. In wie vill drohender Gefahr halfst du mir treu und wunderbafn 6. Wie soll ich nuh nicht voller Freuden bestäß dig deinen Ruhm erhöhn Wie sollt ich auch im tiel sten Leiden nicht freudi⸗ trauend auf dich sehn? I tritt die größte Noth aut ein, wirst du doch, Gol mein Helfer sein. 7. Von deiner Güte mi ich singen, solange sich R Zunge regt; dir will 10 Freudenopfer bringen, 0• lange sich mein Herz 00 wegt; ja, wenn der Must wird kraftlos sein: so stimt ich noch mit Seufzen eil. 8. Nur Dank und kann ich dir geben; nimu es, mein Gott, mit Gnaden an, bis ich in sjenem bessehn Leben dich würdiger eiht ben kann! Da steigt in 0 F.2 SSSICSSE —5ee—————2 —. — SS — — Lob Gottes. 315 ger Geister Chor mein Lob⸗ gesang zu dir empor. In voriger Melodie. 420 O Gott, den alle Wesen ehren, von dir kommt oller Welten Pracht. Was wir empfin⸗ den, sehn und hören, hat deine Huld hervorgebracht. Herr, deiner hohen Weis⸗ heit Licht erforscht der größte Weise nicht. 2. Du bists, der die Ge⸗ schöpfe weidet und ihnen Lust und Wohlsein schenkt; du bist es, der die Erde kleidet und sie mit Thau und Regen tränkt; du bists, Er⸗ habner, dessen Kraft dem Frühling seine Anmuth schafft. 3. Daß Fluren, Gärten sich verjüngen und Alles neues Leben fühlt; daß alle Bäume Blüthen bringen, das Feld in tausend Farben spielt; der Blume Wohl⸗ 901 0 und Pracht verkün⸗ igt, Schöpfer, deine Macht. 4. Du gabst, o Urquell alles Lichtes, der Sonne Wärme, gabst ihr Schein; du bist der Schöpfer des Gesichtes und willst auch dadurch uns erfreun, daß uns die Schönheit deiner Pelt hellstrahlend in die Augen fällt. 5. Was lehrt das Licht von tausend Sternen, der Wel⸗ ten Abglanz in der Nacht? Erkennen soll ich, fühlen lernen die Größe deiner Schöpfermacht. Weit, über meine Fassung weit geht, Schöpfer, deine Herrlichkeit. 6. So oft ich sie bewun⸗ dernd sehe, führ mich ihr Anblick, Gott, auf dich; und wo ich steh und wo ich gehe, erfülle heilge Ehrfurcht mich vor dir, der du stets um mich bist und meines Her⸗ zens Tiefe siehst! 7. O laß mich stets mit frommen Blicken die Wun⸗ der deiner Werke sehn! Laß mich mit dankendem Ent⸗ zücken dich, ihren Schöpfer, gern erhöhn, mich deiner schönen Schöpfung freun, dir meines Herzens Andacht weihn! Selbsterkenntniß und Demuth. Mel. In allen meinen Thaten 421 as ich nur Gu⸗ tes habe, ist Gottes milde Gabe; Nichts ist mein Eigenthum! Für das, was ich besitze, wo⸗ durch ich Andern nütze, ge⸗ bührt, Herr, dir, nicht mir der Ruhm! 2. Mit Einsicht und mit Kräften zu des Berufs Ge⸗ schäften beschenkt mich deine — 2 Huld 316 Huld. Durch dich allein gerathen mir meine guten Thaten; an Fehlern bin al⸗ lein ich Schuld. 3. Das Glück, deß ich mich freue, schaffst du nach deiner Treue, du Herr der ganzen Welt.“ Du ordnest unsre Tage, ihr Glück und ihre Plage, wie deiner Weis⸗ heit es gefällt. 4. Sollt ich mich nun er⸗ heben, wenn mir in diesem Leben viel Gutes wider⸗ fährt? Was hat dich, Herr, bewogen, daß du mich vor⸗ gezogen? Bin ich auch je— mals dessen werth? 5. Nein, ich bin zu ge⸗ ringe der Huld, die ich be⸗ singe, und werd es ewig sein. Dieß will ich nie vergessen, so werd ich nie vermessen durch Stolz und Hochmuth mich entweihn. 6. Das weislich anzuwen⸗ den, was du mit Vaterhän⸗ den mir gütig zugewandt: dieß sei in diesem Leben mein eifrigstes Bestreben! Dazu gib Demuth und Ver⸗ stand! In eigener Melodie. 422 Wie leicht ver⸗ kenn ich mei⸗ nes Herzens Schwäche, wenn ich zu viel mir von mir selbst verspreche und dann aus Wahn, aus Stolz und Ei⸗ Werth mich rührt! Pflichten gegen uns selbst. gensinn nicht sehen will, wie klein, wie schwach ich bin! 2. Gib, Gott, daß ich mit keine Nachsicht gönne, daß ich mich selbst und meim Sünden kenne, auch jeden Trieb, der sich in mir em⸗ pört, zum Bösen, reizt und meine Ruhe stört! 3. Entdecke mir der Tu⸗ gend wahre Größe und je des Lasters Niedrigkeit: und Blöße, daß nie sein Rei mich blendet und verführt daß immer nur der Tugem 4. Nie laß, o Herr, mith selbst die kleinsten Sündel entschuldigen und unerheh lich finden! Gib, daß ih sie voll tiefer Scham bersl Und ernstlich auch den kleit sten Fehler scheu! 5. Wenn mein Gemüh der Wahrheit Weg verfeh let, gern gut sein will u doch das Böse wählet, leicht sinnig ist und nicht den In thum sieht: so gib ihm Licht daß es den Irrthum flicht 6. Verhehl ich mir beis Heiligungsgeschäfte aussih zem Wahn den Mangel mih ner Kräfte: so lehre mih ihn redlich mir gestehn un voll Vertraun zu dir m Hülfe flehn! ö 7. Wenn ich mich meinte Sinns und Wandels fun 22*88882 ——.— κ—f7...2 5————— — — 2—— HE 8 Demuth. und doch nicht ganz mich wahrer Tugend weihe so gib, daß ich, von Eigendün⸗ kel frei, sie recht zu wür⸗ digen stets sorgsam sei! Wie manche That ent⸗ springt aus niederm Triebe, aus Eigennutz und nicht aus Menschenliebe! Wie manche That gewinnt den Ruhm der Welt, die doch nicht dir, Allsehender, ge⸗ fällt! 9. Du ließest mich von jeder meiner Pflichten und ihrem Werth schon frühe unterrichten; sie sind mein Glück, befördern stets mein Wohl: und doch thu ich nicht immer, was ich soll. 10. O lehre mich, wie oft, wie schnell ich fehle, wie gern ich noch mich vor mir selbst verhehle, und führe du zu meinem wah⸗ ren Glück mich in mich selbst und in mein Herz zurück! Mel. In allen meinen Thaten 423 Gob, Gott, wenn ich dir diene, daß ich mich nie erkühne, darüber stolz zu sein! Wer kann bei seinen Werken, wie oft er fehlet, merken? Ver ist 35 Mängeln völ⸗ lig rein 2. Such ich stets deinen zu erfüllen, Willen so eifrie als es dein Wort gebeut? 317 Trag ich der Tugend Bürde aus Kenntniß ihrer Würde auch immer mit Zufrieden⸗ heit? 3. Entzieh ich mich den Sünden auch stets aus rech⸗ ten Gründen? aus wahrer Frömmigkeit? Oft sind die guten Triebe nicht Früchte deiner Liebe, nur Früchte der Natur und Zeit. Der Sünden meiner Jugend, der Mängel mei⸗ ner Tugend, o Herr, ge⸗ denke nicht! Willst du mit deinen Knechten, wie sies verdienten, rechten, so trifft sie alle dein Gericht. 5. Doch wenn auch, dir zur Ehre, rein meine Tu⸗ gend wäre: weß ist dieß Eigenthum? Wer ließ mich unterrichten? Wer ließ in meinen Pflichten mein Glück mi sehn und meinen Ruhm? 6. Wer gab mir, dich zu lieben und dein Gebot zu üben, die Lust und Freu⸗ digkeit? Wer stärkte meine Kräfte im Heiligungsge⸗ schäfte? Wer gab mir Muth —7 Duf Hassh. daß c0 „Du schaffst, daß ich dich wähle; du rufst mich, wenn ich fehle, auf rechten Weg zurück; du ziehst mich ab von Sünden und läßt mich Gnade finden und gibst zu meiner Beßrung Glück. O 3 8. Sollt 318 8. Sollt ich mich deß er⸗ heben, was du mir, Herr, gegeben? Hab ich zum Stolz ein Recht? Könnt ich auch Alles üben, was du mir vorgeschrieben, wer bin ich? Ein unnützer Knecht. Mel. O Gott, du frommer Gott 42⁴4 90 Hibnt, von dein gibst, von dem ich Alles habe, was ist mein Stand, mein Glück und je⸗ de gute Gabe? Es ist nicht mein, es ist ein unverdien⸗ tes Gut; darum bewahre mich vor Stolz und Ueber⸗ muth! 2. Wenn ich vielleicht der Welt mehr als mein Näch⸗ ster nütze, und wenn ich mehr Verstand, als er besitzt, be⸗ sitze; bin ich drum mehr, als er? O nein! Wer schenkte mir Verstand und Tüchtigkeit? Ach, Alles kommt von dir. 3. Wenn mir ein größer Glück nach deinem Rath begegnet, und deine Gütig⸗ keit mich mehr, als Andre, segnet; gibt diese deine Huld mir wohl zum Stolz ein Recht? Bin ich darum nicht auch, was Andre sind, dein Knecht? ö 4. Wenn ich geehrt und groß in hohen Würden stehe und Andre unter mir in kleinerm Glücke sehe; wer machte sie gering und Pflichten gegen uns selbst. wer erhöhte mich? Ist nicht mein Nächster oft viel wür⸗ diger, als ich? 5. Wie könnt ich mich, o Gott, des Guten überhe⸗ ben? Was ich besitz, ist dein. Du sprichst: so bin ich Leben; du sprichst: so bin ich Nichts. Von dir kommt das Gedeihn. Drum laß mich ewig fern von Stolz und Hochmuth sein“ Mel. Wer nur den lieben Gott 425 Veer bin ich ge Frage! Gott, lehre si mich recht verstehn! Gih. daß ich mir die Wahrheh sage, um mich, so wie 0 bin, zu sehn! Wer sich nich selbst recht kennen lerm bleibt von der Weisheit wes entfernt. 2. Ich bin ein Werk vos deinen Händen, geschaffehh Gott, zu deinem Preit Mein Leben nützlich anzu wenden, will mein Berih und dein Geheiß. Doch l ich als dein Eigenthun auch wie ich soll zu deinen Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nas dem Bekenntniß; doch bi ich das auch in der Thal Herr, öffne selbst mir dal Verständniß, recht O50 sehn, ob ich den Pfad, den Y sus mir gewiesen, geh unde ich auch im Glauben siceh 4. D * Welche wicht — 2EEnee laß mich oft und war und hier helfen kann! Demuth. 4. Du kennest meines Her⸗ zens Tiefen, die mir selbst unergründlich sind; drum ernstlich prüfen, ob ich sei Christo gleich gesinnt? Befreie mich vom falschen Wahn, der auch den Klügsten täuschen kann! 5. Wer Alles weiß und doch verborgen und unbe⸗— kannt sich selbst noch bleibt, wie will der für sein Bestes sorgen? Was ist, das den zur Beßrung treibt? Sich selbst recht kennen, ist Ver⸗ stand; drum mache mich mit mir bekannt! 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, mein Va⸗ ter, das entdecke mir! Hab ich der Wahrheit Weg er⸗ wählet, so nicht verlier cht verlier! Erleuchte mich mit deinem Licht, so täu⸗ schen mich Verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Stege, der mich zum ewgen Leben führt, so bringe mich zurück vom Wege, der ins Verderben sich verliert! Gib mir zur Beßrung Lust und Kraft; du bists, der beides in mir schafft! 8. muß es einmal doch erfahren, was ich hier ar ur gethan. O laß michs nicht bis dahin baren, wo Reue nichts mehr Hier mache mich zum Himmel klug und gieb, daß ich ihn frei von Wahn und Selbst⸗ betrug! Selbstliebe. Mel. O Gott, du frommer Gott 426 Dein Wille ists, o Gott, ich aß mich diese Pflicht na deiner Vorschrift üben und schränke selbst den Trieb, froh und beglückt zu sein, den du mir eingepflanzt, in heilge Gränzen ein! 2. Gib, daß mein ganzes Herz sich deiner Liebe weihe, und daß in Allem ich dein Auge kindlich scheue! Wer als ein Christ si hliebt, der flieht auch als ein Christ, was wider Gottesfurcht und Menschenliebe ist. 3. Kein schnöder Eigen⸗ Und werrr en meine Seele! Und wenn zu meinem Glück ich Weg und Mittel wähle, so laß mich stets dabei auf Recht und Wahrheit schaun, auch nie mein Wohlergehn auf Andrer Elend baun! 4. Der Fluch trifft jedes Glück, dabei die Tugend lei⸗ det, dabei der, der es sucht, Gott, deine Wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, hat deinen Beifall nicht. Nie treffe mich, o Gott, dieß schreckliche Gericht! „Nie blende mein Ge⸗ müth der Eitelkeiten Schim⸗ O 4 mer! 320 mer! Der Erde Reiz ent⸗ flieht ja doch im Tod auf immer. Was hilft uns kurze Lust? Was hilft uns eitle Pracht? Nicht ein ver⸗ gänglich Gut ists, was uns selig macht. ö 6. Ein Gott ergebnes Herz, ein unverletzt Gewis⸗ sen, nur das kann mir al⸗ lein des Lebens Last ver⸗ süßen; das bleibt mir auch im Tod und folgt mir aus der Zeit zum großen Se⸗ gen nach bis in die Ewigkeit. 7. O selig, wer danach mit heilgem Eifer trachtet und für sein größtes Glück Gott, deinen Beifall achtet! Der liebt allein sich recht, der findet in der Zeit schon wahre Ruh und einst voll⸗ kommne Seligkeit! 8. Dieß sei auch mir mein Ziel! O laß es mir gelingen, des Herzens wahres Glück nach Wunsche zu erringen! Laß mich verachten, Herr, die Eitelkeit der Welt; gib, daß ich so mich lieb, wie dir es wohlgefällt. Sorge für die Seele. Mel. Es ist das Heil uns 427 ach meiner See⸗ le Seligkeit laß, Herr, mich eifrig ringen! Sollt ich die kurze Gnaden⸗ zeit in Sicherheit verbrin⸗ gen? Wie würd ich einst I Pflichten gegen uns selbst. vor dir bestehn? Wer in dein Reich wünscht einzugehn, muß reines Herzens werden. 2. Erst, wann die letzten Stunden nahn, erst, wann wir sterben sollen, zu dir sich wenden und die Bahn der Sünde meiden wollen: das ist der Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht durch Je⸗ sum Christum zeiget. 3. Du rufest uns zur Hei⸗ ligung: drum soll schon hier auf Erden mir meines Her⸗ zens Besserung die höchse Sorge werden. Gib mir daßn nur Lust und Trieb; Nichts sei zu groß mir und zu lich, der Tugend es zu opfern! 4. Gewänn ich auch dil ganze Welt mit Allem, wai den Sinnen und meinen Li⸗ sten wohlgefällt, was wünd ich dann gewinnen? Was hülfen Glück und S te mir, was Macht und Glamz wenn ich dafür mein ewih Heil verscherzte? ů 5. Was führt mich zur Zu⸗ friedenheit schon hier in die sem Leben? Was kann mi Trost und Freudigkeit in Noth und Tod noch geben Nicht Menschengunst, nith irdisch Glück, nur Gottei Gnade und der Blick au jenes Lebens Freuden. 6. Herr, laß nach dieseh Kleinod mich vor allen Di gen trachten; mich 9 Sorge für die Seele. auf dich, auf Rechtditert echt und Tugend achten! Daß ich auf deinen Wegen geh und im Gericht vor dir besteh, sei meine größte Sorge! ö Mel. Gott Vater, an Erbarmen 428 Heer ist noch unsre Prüfungszeit. Hier sind wir immerdar im Streit; hier, wo uns Irrthum leicht berückt, das schwache Herz sich bald ver⸗ strickt, die Sinne jedes Blendwerk rührt, auch bö⸗ ses Beispiel oft verführt. 2. nehmen Laster überhand und strömen übers ganze Land. Drum hüte dich! Das Weltge⸗ richt bringt alle Sünden an das Licht. Christ, sei zum Kampfe stets bereit und flieh den Schlaf der Sicherheit! 3. Mein Vorsatz ist: Ich will ihn fliehn! Doch wie . Gcan: mir mein Bemühn? Gefahr nehm ich hier bei Gefahr, ein Netze bei dem andern wahr. ie so viel Feinde drohen mir! J schwacher, wie entrinnei hier? 4. Die Welt hüllt in der Tugend Schein oft ihre La⸗ ster künstlich ein, preist den Genuß des Lebens an, schilt römmigkeit für finstern ahn. Ihr Weg ist lustig, 321 breit und voll, sie winkt mir, daß ich folgen soll. 5. Du, Jesu, Beste thun! soll auf dir beruhn. Ach, durch dein Blut bin ich ja dein! Du wollest Stärke mir verleihn, daß ich un⸗ überwindlich treu, o Herr, in jeder Prüfung sei! 6. Der Sündendienst scheint zu erfreun und en⸗ digt sich in Schmach und Pein. Drum steh dein gu⸗ ter Geist mir bei, daß ich kein Knecht der Sünde sei. Gestatte dem Versucher nie, daß er mich deiner Hand entzieh! 7. Zwar ist mein Glaub oft klein; doch du, du star⸗ ker Held, sagst Hülfe zu. Mein ganzes 16 6 ergibt sich dir. Ich wei„durch dich gelingt es mir. Auf dich verläßt in aller Noth mein Herz sich fest bis in den Tod. Wenn schon die Trüb⸗ sal auf mich dringt und Angst mich überall umringt, bleib ich doch stets in deiner Hand und halt in jeder 5. Stand. Du, du ist durch den Glauben mein, sein muß mir Alles heilsam ein. 9. Mit dir, o Herr, kann ich bestehn, sollt auch der fürchte ich der Hencheich it, Urchte sich der Heuchelchrist, und wer ein Sklav der La⸗ O 5 ster ster ist! Ich will nicht zagen. Ins Gericht kommt, Herr, wer an dich glaubet, nicht. 10. Dir, Höchster, will ich stets vertraun, stets freu⸗ dig hoffend auf dich schaun. Bis dort, wohin mein Herz sich sehnt, den Sieger Preis und Ehre krönt, steh, Herr, in jedem Streit mir bei, daß ich durch dich ein Sieger sei! Mel. Freu dich sehr, o meine 429 mich, Herr, recht bedenken, was wahrhafte Weisheit sei; meinen Fleiß darauf zu len⸗ ken, steh mir selbst mit Gna⸗ de bei! Denn was eitler Wahn der Welt oft für hohe Weisheit hält, fördert nicht mein Wohlergehen und kann nicht vor dir bestehen. 2. Weisheit ists, wenn unsre Seelen sich, Herr, deines Wortes Licht nur allein zum Leitstern wäh⸗ len und mit fester Zuver⸗ sicht diesem Licht sich anver⸗ traun. Denn die folgsam darauf schaun, ihre Hoff⸗ nung darauf gründen, wer⸗ den Heil und Leben finden. 3. Weisheit ist es, da⸗ nach trachten, recht mit sich bekannt zu sein; sich nicht schon vollkommen achten und den Eigendünkel scheun; oft auf seine Fehler sehn, reuig sie vor Gott gestehn; eifrig stets nach Beßrung streben * Pflichten gegen uns selbst. und doch nie sich stolz er⸗ eben. 4. Weisheit ist es, Chri⸗ stum ehren, seiner Mittler⸗ huld vertraun, so auf seine Stimme hören und auf seinen Wandel schaun, daß man falsche Wege flieht und mit Eifer sich bemüht, sei⸗ nem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 5. Weisheit ist es, Alles meiden, was mit Reu das Herz beschwert; fern sich hal⸗ ten von den Freuden, die der Sündendienst gewährt; eitlen Ruhm, der bald ver⸗ blüht, Lust, die im Genuß noch flieht, nicht für wahre Wohlfahrt achten: nein, nach bessern Gütern trachten. 6. Weisheit ist es, tes Gnade sich zu seinem Ziel ersehn und auf seiner Wahrheit Pfade diesem Glück entgegengehn; gern auch Gottes Willen thun; froh in seiner Fügung ruhn und, wann Leiden uns beschweren, hoffend mit Geduld ihn ehren. 7. Weisheit ist es, stets bedenken, daß, was irdisch ist, vergeht; Wunsch und Hoffnung dahin lenken, wo das Ziel des Glaubens steht, seine Blicke unv erwandt na dem ewgen Vaterland rich ten und sich hier bestreben. wie man droben lebt, zu leben. ö 8. Diese 0 Got⸗ —28—— ⏑— œ — e——⏑ —— —— ——— Sorge für die Seele. 323 8. Diese Weisheit ist auf du, wenn du sorglos wal⸗ Erden, Höchster, unser be⸗ lest, in Versuchung fallest. stes Theil. Die von dir ge⸗ 5. Wache, daß die Macht leitet werden, deren Weg der Welt nicht dein Herz ist Licht und Heil. Solche verkehre; nicht, wenn sie Weisheit kommt von dir, sich freundlich stellt, dich Gott! verleihe sie auch mir; durch List bethöre. Wach laß sie mich zu allen Zei⸗ und sieh, daß dich nie die ten auf den Weg des Frie⸗ Verführer fällen, die dir dens leiten! Netze stellen. 6. Wach und hab auf dich wohl Acht, daß dich nicht In eigener Melodie. die Sünde, wenn zu ihr 430 Meache dich, mein die Lust erwacht, schimpflich Geist, bereit; überwinde. Sie betrügt und wache, bet und flehe, daß besiegt leicht den, der sich auch in der bösen Zeit fest heuchelt, festzustehn sich dein Glaube stehe. Sicher schmeichelt. ist nie der Christ; Gort läßt 7. Bete aber auch dabei, auch die Frommen in Ver⸗ bete bei dem Wachen; das suchung kommen. wird dich von Trägheit frei 2. Sage nicht: Ich habe und behutsam ir dir Gott Zeit; jetzt noch darf ich verleiht Festigkeit dir durch schlafen. Denk an Tod und seine Gnade auf dem rech— Ewigkeit, an der Sünde ten Pfade. d drnl sieh, der Tod, der 8. Drum so laßt uns im⸗ ir droht, kann dich leicht merdar wachen, beten, fle⸗ in Sünden unbereitet fin⸗ hen, um in jeglicher Gefahr den. glorreich zu bestehen! Kurze 3. Wache! dir ist unbe⸗ Heit währt der Streit, und kannt, ob dich nicht auf Er⸗ dann wird zum Lohne mir den Prüfungen von Gottes die Siegeskrone. and noch betreffen werden. er fällt leicht, dem es Mel. Alle Menschen müssen sterben däucht, daß er sicher stehe nser Wandel ist auf 65 Tugend Höhe. 431 U im Himmel! 4. Wache! denn hier hat Köstlich Wort, wie strömest der Christ noch von allen du mir, umringt vom Welt⸗ Skiten, was der Seele schäd⸗ getümmel, Muth und süße lich ist, muthig zu bestrei⸗ Hoffnung zu! Jeder Fuß⸗ ten. Gott läßt zu, daß auch tritt, den ich thue, bringet ö O 6 mich 32⁴ mich dem Land der Ruhe näher, immer näher zu. Wort, wie hoch erfreuest du! 2. Haltets fest, ihr theu⸗ ren Brüder, haltets fest, dieß werthe Wort! Nichts schlag eure Hoffnung nieder! Wallet immer Mmihig fort! Muthig blicket hin zum Ziele. Viele schon ergriffens, Viele! Wir, so wahr es Gott verhieß, wir ergreifens auch gewiß. 3. Nur, wie fromme Pil⸗ ger müssen, bleibet wacker, seid nie laß! Stets des ho⸗ hen Zwecks beflissen, wacht und kämpft ohn Unterlaß! Feinde stehn an euren We⸗ gen; Stürme toben euch ent⸗ gegen: Nebel, Klüfte, Fel⸗ sen drohn; faßt nur Muth: groß ist der Lohn. 4. Was kein Auge je ge⸗ sehen, was kein Ohr gehö⸗ ret hat, was kein Herz hier zu erflehen je sich unter⸗ wunden hat, das, das hat Gott dem bereitet, der hier tapfer kämpft und streitet. Drum verlaßt nicht eure Bahn; Jesus selbst ging euch voran. 5. Unser Wandel ist im Himmel! Köstlich Wort, wie strömest du mir, umringt vom Weltgetümmel, Muth und süße Hoffnung zu! Auf, mein Geist, ermüde nim⸗ mer! Schon seh ich des Zie— Pflichten gegen uns selbst. les Schimmer. Wenig, we⸗ nig Schritte noch und ge⸗ tragen ist das Joch. Sorge für Leib, Leben und Gesundheit. Mel. Wer nur den lieben Gott 432 es Leibes war⸗ ten und ihn nähren, das ist, ö o Schöpfer, meine Pflicht. Muthwillig seinen Bau versehren, ver⸗ bietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig sei! 2. Sollt ich mit Vorsat das verletzen, was deine Hand mir anvertraut? Sollt ich gering ein Kunstwerk schätzen, das du, o Schö⸗ pfer, selbst erbaut? Weß ist mein Leib? Er ist ja dein. Sollt 1009 denn sein Zerstö⸗ rer sein? ö 3. Ihn zu erhalten, zu beschützen, gibst du mit mil⸗ der Vaterhand die Mittel, die dazu uns nützen, und zum Gebrauch gibst du Ver⸗ stand. Dir ist die Sorge nicht zu klein: wie sollte sie denn mir es sein? 4. Gesunde Glieder, mun⸗ tre Kräfte, o Gott, wil viel sind die doch werth! Wer taugt zu des Beruft Geschäfte, wenn Krankheit seinen Leib beschwert? nicht ree N Sorge für Leib, Leben und Gesundheit. 325 nicht der Erde größtes Gut Gesundheit und ein heitrer Muth? 5. So laß mich denn mit Sorgfalt meiden, was mei⸗ nes Körpers Wohlsein stört, daß nicht, wenn meine Kräfte leiden, mein Geist den in⸗ nern Vorwurf hört: du selbst bist Störer deiner Ruh; du zogst dir selbst dein Uebel zu! 6. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu be⸗ wahren sorgsam sein! Drückt mich die Last der Krankheit nieder, so flöße selbst Ge⸗ duld mir ein! Gib heitern Muth und dann verleih, daß auch des Arztes Rath gedeih! 7. Doch gib, daß ich nicht übertreibe, was auf des Lei⸗ bes Pflege zielt; nein, stets in jenen Schranken bleibe, die dein Gesetz mir anbe⸗ fiehlt! Des Körpers Wohl laß nie allein den Endzweck meiner Sorge sein. ů Mein größter Fleiß auf dieser Erde sei meiner Seele Wohl geweiht, daß siezum Himmel weise werde und reife zur Vollkommen⸗ heit! Dazu, Herr, segne meinen Fleiß, so leb und sterb ich dir zum Preis. Mel. Wer nur den lieben Gott 433 D wüerne ben, laß, Höchster, meine Weisheit sein! Sie ist ein Gift für unser Leben und ihre Freuden werden Pein. Drum fleh ich demuthsvoll zu dir: o schaff ein reines Herz in mir! 2. Die Wollust kürzet unsre Tage; sie raubt dem Körper seine Kraft; und Armuth, Seuchen, Schmerz und Plage sind Früchte die⸗ ser Leidenschaft. Der haßt sich selbst, der Wollust liebt und sich in ihre Fesseln gibt. Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke, schwächt den Verstand, der Seele Licht; erstickt den Eifer ed⸗ ler Werke, den Ernst, die Lust zu jeder Pflicht; führt Reue und Gewissensschmerz in das ihr hingegebne Herz. 4. Der Mens sinkt un⸗ ter ihrer Bürde noch tiefer, als zum Thier, herab: er schändet und entehrt die Würde, die ihm sein weiser Schöpfer gab; vergißt den Zweck, zu dem er lebt, wenn er nach niedern Lüsten strebt. 5. So schimpflich sind der Wollust Bande! Schon vor der Welt sind sie ein Spott: sie sind vor dem Gewissen Schande und noch weit mehr vor dir, o Gott! Wer sich in ihre Knechtschaft gibt, wird nicht von dir, o Gott, geliebt. O 7 6. Den 326 6. Den übergibst du dem Verderben schon hier, der seinen Leib entweiht; und nie wird deinen Himmel er⸗ ben, wer sich unreiner Lüste freut. Ach laß mich ihre Reizung fliehn und keusch zu sein mich stets bemühn! 7. Gib, daß ich allen bö⸗ sen Lüsten mit Muth und Nachdruck widersteh und stets dawider mich zu rü⸗ sten auf dich, Allgegen⸗ wärtger, seh! Wer dich, o Gott, vor Augen hat, flieht auch verborgne Missethat! Miel. In allen meinen Thaten MNias ist mein 43⁴4 Wé zeitlich Le⸗ ben, das du mir, Gott, ge⸗ geben? Ein unschätzbares Gut. Du gabst mirs, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Glück beruht. 2. Hier wird die Saat gestreuet; dort, wenn sie wohl gedeihet, wird reich die Aerndte sein. Je länger ich hier lebe und gut zu han⸗ deln strebe, je größer wird mein Glück dort sein. 3. Sollt ich dieß Glück mir rauben? O Herr, laß mir im Glauben der künft⸗ igen Aerndtezeit mein Leben hier auf Erden so werth und wichtig werden, wie mirs dein heilig Wort gebeut! Pflichten gegen uns selbst. 4. Mir selbst es zu ver⸗ kürzen, mich in den Tod zu stürzen, ist wider meine Pflicht. Du, Herr, riefst mich ins Leben: dir soll ichs“ wiedergeben, wenn du ge⸗ beutst, doch früher nicht. 5. Was leicht in Krank⸗ heit stürzet, das Leben leicht verkürzet, laß mich mit Sorgfalt fliehn; doch auch nicht ängstlich zagen, es für die Pflicht zu wagen; auch dazu hast du mirs verliehn. 6. In deine Vaterhände befehl ich, Herr, mein Ende und meiner Tage Lauf. Es sei mein ganzes Leben dir hier zum Dienst erge⸗ ben; hilf du nur selbst der Schwachheit auf! ö 7. Was nützt ein langes Leben, wenn man nicht Gott ergeben nach wahrer Tugend strebt? Wer Gott und Menschen liebet und sich im Glauben übet, nur beht. lang und wohl ge⸗ ebt. Mel. Wer nur den lieben Gott 435 W. Gaben, womit uns deine Güte nährt, die, uns zu“ stärken und zu laben, so viel des Guten uns gewährtl Ja, Alles, was der Mensch genießt, beweist, wie freund⸗ ich, Gott, du bist! 2. Du NHN Sorge für Leib, Leben und Gesundheit. 327 2. Du segnest Auen und Gefilde mit unerschöpfter Fruchtbarkeit, die deine vä⸗ terliche Milde und Allmacht jedes Jahr erneut, damit der Mensch, von Sorgen frei, sich sättige und dank⸗ bar sei. 3. Du lässest uns nicht Mangel leiden; du gibst uns unser täglich Brod; du gibst noch mehr, du gibst auch Freuden für einen jeden Sinn, o Gott! Wie. groß Der Wechsel im Genuß ist einer Gaben Ueberfluß! Drum will ich mäßig im Genusse der Gaben dei⸗ ner Güte sein und nichts von meinemueberfluss e durch nie⸗ dre Schwelgerei entweihn. Denn schon des Dankes Pflicht gebeut mir Mäßi⸗ gung und Nüchternheit. 5. Mit Speis und Trank den Leib beschweren, ist schimpflich, ziemet Christen nicht. Gott gibt sie uns, daß sie uns nähren, uns stärken zu Beruf und Pflicht. Was ist, das mehr den Geist entweiht und s chwächt, als rohe Sinnlichkeit? 6. Unmäßigkeit lähmt alle Kräfte, Zant Krankheit, Armuth, Zank und Streit; macht treulos im Berufs-— geschäfte, raubt des Gewis⸗ sens Seligkeit: setzt zu den Thieren uns herab und stür⸗ zet vor der Zeit ins Grab. 7. Ach, Mancher starb schon längst und modert, durch Trunk zu früh ins Grab gestreckt, von Gott zur Rechenschaft gefordert, mit Schmach im Grabe noch be— deckt. Gott, laß mich ja dieß Laster scheun, enthalt⸗ sam, mäßig, nüchtern sein! 8. So r ich Speis und Trank genieße, so laß es mit Vernunst geschehn und, daß ich beides mir versüße, mein Herz auf dich, den Ge⸗ ber, sehn, auf dich, der du uns zärtlich liebst und Nah⸗ rung und Erauickung gibst. Arbeitsamkeit und Berufstreue. Mel. O Gott, du frommer Gott 436 Du hast uns Herr, die Pflicht zur Arbeit auferleget und Fleiß in dem Beruf uns ernstlich eingepräget. Dir ist, o Heiligster, der Müßiggang verhaßt: für uns des Unheils Quell, für Andere der Last. 2. In deine Ordnung, Herr, laß willig mich be— gquemen und Bürden des Berufs entschlossen auf mich nehmen! Wenn auch mein Angesicht der Arbeit Schweiß benetzt: wohlauf, du hast 1. in den Beruf etzt. ge 3. Be⸗ 328 3. Bewahre nur mein Herz vor eitlen Nahrungs⸗ sorgen! Gib mir mein täg⸗ lich Brod und sorge du für morgen! Ich will an mei⸗ nem Theil das Meine fleißig thun und dann mit Zuver⸗ sicht in deiner Fügung ruhn! 4. Auch fordre, großer Gott, die Werke meiner Hände; den Anfang segne du, beglücke du das Ende! Laß mich bei jeder Last auf jenes Leben sehn, wo wir Ruch treuem Fleiß zu deiner Ruhe gehn. Mel. In allen meinen Thaten 437 Z Fleiße ward das Leben vom Schöpfer uns gegeben und nicht zu träger Ruh. Wie Früchtbarkeit dem Regen, so folgt dem Fleiße Segen; er strömt uns Glück und Freude zu. 2. Er stärkt des Leibes Kräfte; er fördert die Ge⸗ schäfte, gibt uns ein fröh⸗ lich Herz; er schafft uns süßen Schlummer, erleich⸗ tert Gram und Kummer und lindert oft den herbsten Schmerz. 3. Er hilft den Hang be⸗ siegen zu sündlichem Ver⸗ gnügen. Was mehr, was stets erfreut: der Unsern Wohlfahrt schützen, der Welt und Nachwelt nützen, das ist das Glück der Thätigkeit. Pflichten gegen uns selbst. 4. Drum laß uns, Gott, auf Erden nie träg im Gu⸗ ten werden; du gabst der Kraft uns viel! Dich, un⸗ sern Herrn, zu ehren und Menschenglück zu mehren, sei immer unser schönstes Ziel! 5. Wenn Andre trostlos klagen, dann werden wir nicht zagen und keinen Tag bereun. Wenn Träge trau⸗ ern müssen, dann spricht uns das Gewissen getrosten Muth und Hoffnung ein. 6. Wenn einst viel edle Thaten um uns gleich rei⸗ fen Saaten mit reichen Früchten stehn; wenn Tau⸗ sende sich freuen und heißen Dank uns weihen; wie ist dann unser Lohn so schön! Mel. Es ist das Heil uns kommen 438 Gott ists, der das Vermögen schafft, das Gute zu voll⸗ bringen; er gibt zur Arbeit Muth und Kraft und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, wird, wenns mit seinem Willen stimmt, nicht ohne Segen bleiben. 2. Wer sichs zur ersten Sorge macht, vor ihm ge⸗ recht zu werden, und erst nach seinem Reiche tracht dem gibt er auch auf n Arbeitsamkeit und Berufstreue. 329 der Haud o puel mit mil⸗ Mel. Allein Gott in der Höh er Hand so viel beim Flei ns strömt aus in seinem Stand, als ihm 439 Udeiner Segens⸗ wahrhaftig nützet. hand, Herr, täglich Rebt 3. Gott ist der Frommen entgegen. Durch dich erhebt Schild und Lohn; er krö⸗ sich Meer und Land zur net sie mit Gnade, daß Fruchtbarkeit, zum Segen. ihnen nicht der Feinde Hohn Durch dich strömt rings und keine Mißgunst schade. aus der Natur Gedeihn auf Mit seinem Schutz bedeckt jede Creatur; du bist des er sie und segnet bei des Segens Quelle. Lebens Müh ihr Herz mit„2. Von dir kommt Weis⸗ Trost und Hoffnung. heit und Verstand; du machst 4. Drum gib, o Gott, res Weise in das dand und daß ich auf dich bei meiner ih Be ühen: d. gaheit sehe! Mit Licht und segnest ihr Bemühen; du Weisheit segne mich, daß gibst dem Geiste Thätigkeit; ich nie Wege gehe, die mir verleiht. D NPüam Kraft dein heilig Wort verbeut. Leglicre en Nächsten zu Uahen len Reichs Gerech— 5. Durch dich err 8 3. Kachten. mich vor Allem bringt uns Land und Meer —8 die Güte deiner Erde von 5. Laß Müßiggang und weit entlegnen Völkern her Trägheit mich mit aller damit gesegnet werde mit Corgfalt meiden; thun, was allen Gütern deiner Hand ich soll, gestärkt durch dich, das fernste Volk, das fernste gehorsann und mit Freu⸗ Land und deine Liebe preise den, daß ich in meinem 4. Du zeigest ihren Wir⸗ Stande treu und meinen kungskreis den Bürgern „Brüdern nützlich sei und dieser Erde, daß Jeglicher dir zur Ehre lebe! durch seinen Fleiß dem An⸗ 6. Sei überall, mein dern nützlich werde. Daß wein 8 ande besehl ich, shuß 100 dein Wink er⸗ mel, Hände befehl ich, uf, froh sei im eigenen Allerhöchster, dir; hilf, daß Berulf, ist Hein allweiser ich sie vollende zu deines Wille! großen Namens Preis und 5. Gib uns, o Vater, daß die Wn wvon meie Redlichkeit in des Berufs nem 961 in jene Welt Geschäften! Lehr weis uns mir folge! brauchen unsre Zeit nach un⸗. 330 unsern besten Kräften! Hilf nützlich werden Jedermann, wenn Rath und That ihm helfen kann zu seinem bes⸗ sern Glücke! 6. Wie du für Alle Va⸗ ter bist, für Böse und Ge⸗ rechte, so sei, wer Erden⸗ bürger ist, von jeglichem Geschlechte uns Nächster, Bruder, sei uns werth; und wenn er Hülfe, Trost be⸗ gehrt, find er stets Rath und Beistand! 7. Du bist der Vater, der erfreut‚, verbreitest deinen Segen; du rufst: zum Seg⸗ nen seid bereit, geht Brü⸗ dern gern entgegen! Wie du die Lieb und Güte bist, so sei ein Jeder, der sich Christ nach Jesu Christo nennet! Würdigung und weiser Gebrauch der irdischen Güter. Mel. Es ist das Heil uns 440 Hedo laß mich doch gewissen— haft mein zeitlich Gut ver⸗ walten! Gib selbst mir Weis⸗ heit, gib mir Kraft, damit so hauszuhalten, wie es mir nützt nnd dir gefällt, da⸗ mit ich nicht in jener Welt an ewgen Gütern darbe! 2. Mein Hab und Gut kommt ja von dir; es ist Pflichten gegen uns selbst. dein milder Segen. Nicht zum Verderben gabst du mir mein zeitliches Vermö— gen; du gabst es mir zum wahren Wohl. So hilf denn, daß ichs, wie ich soll, nach deiner Vorschrift brauche! 3. Was ist das mir ge⸗ schenkte Gut? Vergänglich, wie die Erde. Gib, daß ich nie zum Uebermuth da⸗ durch verleitet werde! Nie reiß ein irdischer Gewinn mein W so weit zum Eit⸗ len hin, daß ich mein Heil vergesse! 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schätzen, verführt mich zeit⸗ lich Gut und Geld, sorglos hintanzusetzen, was mei⸗ ner Seele Heil begehrt und mir ein ewig Glück gewährt? Wie strafbar würd ich han⸗ deln! 5. Mein erstes Trachten sei allhier nach deines Gei⸗ stes Gaben! Wie reich bin ich, o Gott, in dir, wenn ich nur dich kann haben! Hab ich nur, Höchster, dei⸗ ne Huld, bin ich voll Glau⸗ bens und Geduld, was fehlt dann meiner Seele? 6. Den Geiz laß ferne von mir sein, die Wurzel alles Bösen! Von Unruh und Gewissenspein kann Reich⸗ thum nicht erlösen. Er hilft in Todesstunden Nichts und Nichts 0 Arbeitsamkeit und Berufstreue. Nichts am Tage des Ge⸗ richts. Da schützt er keinen Sünder. 7. Lehr du mich weise Sparsamkeit, um das nicht zu verschwenden, was du mir gabst; nein, in der Zeit es nützlich anzuwenden! Gib mir die Klugheit, daß ich hier dadurch dem Näch⸗ sten, so wie mir, des Le⸗ bens Müh erleichtre! Es kommt ein Ta der Rechenschaft; das la mich stets bedenken und mein Gemüth gewissenhaft zur Treu im Irdschen len⸗ ken; daß selbst von Gütern dieser Zeit ich einst noch in der Ewigkeit den reich⸗ sten Segen ärndte. ö Mel. O Gott, du frommer Gott 441 Laß: mich doch nicht, o Gott, den Schätzen dieser Erden so meine Neigung weihn, daß sie mein Abgott wer⸗ den! Oft fehlt beim Ueber⸗ fluß doch die Zufriedenheit, und was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit! 2. Kann ein 6. urene Gut auch unsre ünsche stillen? Es steht ja sein Besitz nicht stets in unserm illen; nicht stets wirds dem zu Theil, der ängstlich anach ringt; und schnell verlierts oft der, dem sein Bemühn gelingt. 331 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll be— glücken, darf nicht vergäng⸗ lich sein, muß für den Geist sich schicken. Der Thor hat Geld und Gut; er hats und wünscht noch mehr; er darbt in seinem Glück, sein Herz bleibt freudenleer. 4. O Gott, so wehre doch der Habsucht niedern Trie⸗ ben und heilige mein Herz, nie das zu sehr zu lieben, was man mit Müh gewinnt, bald schwelgerisch verzehrt, bald unruhvoll bewacht und bald mit Fluch vermehrt. 5. Ein weises frommes Herz, das sei mein Schatz auf Erden! Sonst Alles, nur nicht dieß, kann mir entrissen werden. Dieß bleibt im Tod auch mein; dieß folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn bis in die Ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, die herrlichsten Ver⸗ gnügen? Nur süße Träume sinds, die unsern Geist be— trügen. Drum lenke, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Gei⸗ stes Kraft zu ewgen Gü⸗ tern hin. Mel. Wer nur den lieben Gott 42 Ich bin der reich— V ste Mensch auf Erden: ich hab genug; drum hab ich viel! Ein Andrer mache 332 mache sich Beschwerden, wie er den Mammon finden will! Wer mehr nicht sucht, als Gott bescheert, dem ist der größte Schatz gewährt. 2. Der Reichthum liegt in den Gemüthern; wer sich begnügt, ist nimmer leer. Viel bleiben arm bei gro⸗ ßen Güteru; denn sie ver⸗ langen immer mehr; und wer sich selber nicht besitzt, hat einen Schatz, der Nie⸗ mand nützt. 3. Ein Geizhals hat bei seinem Grämen nicht Eine Stunde Fröhlichkeit. Er hats und darf sich doch Nichts nehmen, weil er sichs immer selbst verbeut: mehr, als sich selbst, liebt er die Welt, verzehrt sich selbst und spart sein Geld. 4. Wie ungetrübt ver⸗ fließt dagegen mein Leben bei Genügsamkeit! Gibt mir mein Gott nur Einen Segen, bin ich schon voll Zufriedenheit und denke: Gott gibt jeden Tag mehr, als ein Kaiserthum vermag. 5. Ein Geizhals gehet zum Verderben, weil er nach Geld und Gut nur strebt; ich aber kann mit Freuden sterben, weil an der Welt mein Herz nicht klebt. So fährt die Seele selig hin, wo ich bei Gott der Reich⸗ ste bin. Pflichten gegen uns selbst. Mel. Wenn mich die Sünden 443 Lab, Hur⸗ nach eitlen Ehren mich niemals geizig sein! Laß deinen Geist mich leh⸗ ren, der Ehre mich zu freun, die selbst vor dir, o Gott, besteht und mit mir von der Erde zum Himmel über⸗ geht! 2. Nie blende mich der Schimmer des Ansehns vor der Welt! Nur das sei, Vater, immer mein Ruhm, was dir gefällt! Wie bald verführt ein stolzer Sinn mich von der Demuth Pfa⸗ de, verbirgt mir, wer ich bin! 3. Nicht in Besitz von Schätzen und Gütern die⸗ ser Zeit laß meinen Ruhm mich setzen; sie sind doch Eitelkeit; sie sind doch nur des Thoren Glück, verlassen uns im Tode und bleiben hier zurück. 4. Nicht Stand und äu⸗ ßre Würde verblende mei⸗ nen Sinn! Wie oft zieht ihre Bürde den Geist zur Erde hin! Verdienst und Tugend sei allein der Ruhm, nach dem ich ringe! Nur er bleibt ewig mein. 5. Dich kennen, meine Pflichten mit Fleiß und Red⸗ lichkeit, mit Muth und Treu verrichten, wie, Herr, dein Wort gebeut, und überall mein Christenthum nach 3 Weiser Gebrauch der irdischen Güter. 333 su Beispiel üben, das sei mir wahrer Ruhm! „Es sei, daß auf der Erde das Gute, das ich that, verkannt, vergessen werde; es bleibt doch stille Saat, die aufkeimt für die Ewig⸗ keit; und, Herr, dein Beifall het. mich mit Zufrieden⸗ eit. 57. Wenn einst die ernste Wage du, eltenrichter, nimmst und am Vergel⸗ tungstage der Thaten Werth bestimmst, dann müsse mei⸗ uem ewgen Geist des Him⸗ mels Krone werden, die mir dein Wort verheißt! Mel. Auf, Christenmensch! 444 Wobl dem, der beßre Schätze liebt, als Schätze dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, deß er lebt, sich über diese Welt erhebt. 2. Wahr ist wehrt uns nicht, hier Güter zu besitzen. Er gab sie uns und auch die Pflicht, mit Beisheit sie zu nützen. Sie ürfen unser Herz erfreun sin unsers Fleißes Antrieb ein. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit mit ganzer See⸗ le schmachten, nicht erst nach der Gerechtigkeit und Got⸗ tes Reiche trachten: ist die⸗ 0 es, Gott ver⸗ ses eines Menschen Ruf, den Gott zur Ewigkeit er⸗ schuf? 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, erstickt die ed⸗ lern Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz ver⸗ drängt der Tugend Liebe und machet der Vernunft zum Spott ein elend Gold zu deinem Gott. Der 1. so viel er an sich reißt, läßt dich kein Gut genießen; er durch Habsucht deinen Geist und tödtet dein Gewissen und reißt durch schmeicheln— den Gewinn dich blind zu jedem Frevel hin. ö Um wenig Vortheil wird er schon aus dir mit Meineid sprechen, dich zwin⸗ gen, der Arbeiter Lohn un⸗ ich abzubrechen; er ir der Wittwen der Waifen Thrä⸗ nen widerstehn. Wie könnt ein 0095 vom Geize hart, der Woh that Freuden schmecken und in des Unglücks Gegenwart den Ruf zur Hülf entdecken? Pflicht“ ist nicht der G icht, die ni er Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater; und aus Geiz entziehst du dich den Kindern und lässest dich des Goldes Reiz, ihr Herz zu bilden, hindern und glaubst, du habst sie wohl⸗ bedacht, quält — — bedacht, wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Du hast ein richterli⸗ ches Amt; und du wirst dich erfrechen, die Sache, die das Recht verdammt, aus Habsucht recht zu spre⸗ chen; und selbst der Tugend größter Feind erkauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, die Wahrheit frei zu lehren; du schweigst, wenn sie dich re⸗ den heißt, ehrst, wo du nicht sollst ehren, und wirst um ein verächtlich Geld ein Schmeichler und die Pest der Welt. 1. Erhalte mich, o Gott, dabei, daß ich mir gnügen lasse, Geiz ewig als Ab⸗ götterei von mir entfern und hasse! Ein weises Herz und guter Muth sei mei⸗ nes Lebens größtes Gut. Weiser Gebrauch der Lebenszeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 445 Dꝛ gabst mir, Ewger, die⸗ ses Leben nicht für den Au⸗ genblick der Zeit; du hast es mir, mein Gott, gege⸗ ben zur Aussaat für die Ewigkeit. Hier ist der Vor⸗ bereitungsort, Bestrafung und Belohnung dort. Pflichten gegen uns selbst. 2. Du schenktest mir Ver⸗ stand und Willen, die Wahr⸗ heit zu erkennen, Licht; Kraft, deine Vorschriftezu erfüllen; und lehrest selbst mich meine Pflicht. Für Tugend gabst du mir Gefühl und Frei⸗ heit, was ich wählen will. 3. Du gossest zwar auf dieser Erde viel Anmuth, Pracht und Schönheit aus und schmücktest durch dein mächtges: Werde! auch mei⸗ ner Seele irdisch Haus, gabst mir der Sinne fein Gefühl und auch dadurch der Freu⸗ den viel. 4. Doch einst muß ich dieß Leben schließen, weil dieß mein irdisch Haus zerbricht. Drum soll ich zwar die Welt genießen, doch als genöß ich ihrer nicht. Ich soll der Sinne Lüste fliehn, wenn sie mich zu der Erde ziehn. 5. Der Freude soll ich oft nicht achten, so sehr sie auch die Sinne reizt; nach Wol⸗ lust, Ehr und Gold nicht trachten, wonach der Mensch so lüstern geizt; nie scheuen, was die Pflicht gebeut, und wär es auch voll Bitterkeit 6. Dein Unterricht sei nicht vergebens! Gib, Vater, daß ich ihm getreu und beim Ge⸗ nusse dieses Lebens einst auch zu jenem tüchtig sei! Voll⸗ kommne Freude wohnt nicht hier, wohnt nur im Himmen, Gott bei dir. 7. Wohl —40 Weiser Gebrauch der Lebenszeit. 7. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, der gro⸗ ßen Hoffnung werth zu sein und diese kurzen Ue⸗ bungstage Gott und der Tugend ganz zu weihn, wenn nie mein Fuß den Pfad verliert, der mi zum bessern Leben führt! Wohl mir, wenn ich den Hang zur Sünde, die Lust des Fleisches und' der Welt und jede Lockung über⸗ winde, die meinem Herzen Netze stellt, wenn ich: o se⸗ liger Gewinn! als Sieger dort gekrönet bin! „O gib mir deines Gei⸗ stes Stärke, der du in Schwa⸗ chen mächtig bist, mir, der zu diesem großen Werke zu schwach und noch zu sinn⸗ lich ist! Das Eitle lehre mich verschmähn und auf das Ewige nur sehn! 10. Laß mich oft in ge⸗ sunden Tagen im Geist zu meinem Grabe gehn und da bei Freuden und bei Plagen auf dich und jenes eben sehn, damit ich, mei⸗ ner Pflicht getreu, der hö⸗ hern Freuden würdig sei. Mel. Wer nur den lieben Gott 446 Es eilt der letzte ö von den Tagen, die du hier lebest, Mensch, herbei; erkauf die Zeit und, statt zu klagen, sie sei zu kurz, gebrauch sie treu! 335⁵5 Nimm mit Gemüth der nahen Stunde wahr: sie flieht! Getäuscht von eitlen Jahre weg. Bist du, zu kühner Sterblicher, des näch⸗ sten Augenblickes Herr? Ein ewig Gluͤck einst zu besitzen, kurzen L ne Saatzeit weislich nützen und i Herr gebeut. Er ruft dir menschenfreundlich u: Sieh, Eins ist Noth! Was säu⸗ mest du? 4. Drum eil und rette deine Seele und denke nicht: ein andermal! Sei wacker, bet und überzähle der Menschentage kleine Zahl. Sei fromm und wandle vor dem Herrn, wär auch dein Ende noch so fern! 5. Mit jedem neugeschenk⸗ ten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht! Sprich: dir, o Gott, ist nichts verbor⸗ gen: ich bin vor deinem An⸗ gesicht und will, mich dei⸗ ner Huld zu freun, mein— 5 ben gern der Tugend weihn. 6. Erleucht und stärke meine Seele, weil ohne dich i i vermag. Du schenkst, daß ich mein Heil er⸗ 336 erwähle, so huldvoll mir noch diesen Tag. Was ist doch eine Stunde werth, die deine Güte mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen Kräften nach Got⸗ tes Reiche hier gestrebt, in Gott gefälligen Geschäf⸗ ten die Pilgertage durchge⸗ lebt und einst im Glauben sagen kann: Du nimmst mich, Herr, zu Ehren an! 8. Mein sprachlos Flehn an meinem Ende hörst du dann, Herzenskündiger; in deine treuen Vaterhände be⸗ fehl ich meinen Geist, o Herr Er schwingt sich über Grab und Welt zu dir, wann seine Hütte fällt. Mel. Wer nur den lieben Gott 4 47 Wo eilt ihr hin, ihr Lebens⸗ stunden? Zeit, edle Zeit, wo fleuchst du hin? wie man⸗ cher Tag ist schon verschwun⸗ den, seit ich der Erde Pil⸗ ger bin! Ein großer Theil von meiner Zeit ist schon im Meer der Ewigkeit. 2. Ermuntre dich aus dei⸗ nem Schlummer! Auf, auf, mein Geist, ermuntre dich! Dieß sei dein Gram, dieß sei dein Kummer, daß man⸗ cher Tag umsonst verstrich! Den ungenützten Augen⸗ blick bringt keine Reue dir zurück. 3. Der Thor durchlebet Pflichten gegen uns selbst. seine Werih eh er des Le⸗ bens Werth versteht; er na⸗ het früher sich der Bahre, als er den Weg der Tugend geht. Was ist das Menschen⸗ leben werth, das ungenützt vorüberfährt? ö 4. Mensch, sei ein Mensch! Fang an zu leben, um nütz⸗ lich für die Welt zu sein; fang an, dem Guten nach⸗ zustreben, bring das Ver⸗ säumte doppelt ein; daß, wenn man deinen Leib be⸗ gräbt, dein Werk und dein edächtniß lebt! 5. Sei nicht den klein⸗ sten Zeitpunkt müßig, da du nicht deine Pflicht er⸗ füllst; du hast den Tag nicht überflüssig, den du so frech verschwenden willst. Wiß, ein Verlust, der ewig reut, ist der Verlust der edlen Zeit. 6. Gib dir von einem je⸗ den Tage, den dir Gott schen⸗ ket, Rechenschaft; durchdent ihn, leg ihn auf die Wage: vollbrachtest du haft? Hast du nach Mög⸗ lichkeit gethan, was Gott von dir einst fordern kann? 7. Herr meines Lebens, sei doch künftig mein Heil und meines Lebens Kraft; so wandle ich als Mensch vernünftig, so leb als Christ ich tugendhaft; so dank ich dir in Ewigkeit für die mu hier verliehne Zeit. MI ihn tugend⸗ 4 — 8675756— 8SÆ-——————— 2—. S NT D E * 2..?=. ——22—2 1...* ——— . — Genügsamkeit und Zufriedenheit. Wer nur den lieben Gott 448 Blick hin in die vergangnen Zeiten, mein Geist, und sammle Weisheit ein, um, frei vom Dienst der Eitel⸗ keiten, der Tugend dich al— lein zu weihn. Nur sie schafft dir zu aller Zeit das wahre Glück: Zufriedenheit. 2. Dank ihm, dem Herrn, für alle Freuden, womit dich seine Huld erquickt; doch dank ihm auch für je⸗ des Leiden, das er dir lieb⸗ reich zugeschickt. Denn Al⸗ es, was er an dir thut, ist weise stets, ist ewig gut. 3. Vergiß nicht, wie er dich beschützte, wenn si Gefahren dir genaht; dir schenkte, was dir wahrhaft nützte, oft eh ihn noch dein glehen bat; und wie er oft dir mehr gewährt, als je dein Wunsch von ihm be— gehrt. 4. Denk an die hinge⸗ floßnen Stunden, die der Allliebende dir gab. Sind sie in seinem Dienst ver— schwunden, dann schrecken ich nicht Tod und Grab: dann ist die hier verfloßne zeit Gewinn dir für die Cwigkeit. 5. Doch blick auch voller Scham und Reue auf Feh⸗ ler vorger Zeit zurück und lern aus ihnen beßre Treue und größre Sorge für dein kurze Leben dem 337 Glück; so werden Fehler, die dich reun, selbst Mittel dir zur Weisheit sein. Ermanne dich, dieß weisesten Gebrauch zu weihn; es ward vom Schöpfer dir gegeben, hier guten Saamen aus u⸗ streun, der, Ewigkeit, reifend für die am Tag der Aerndte dich erfreut. Ziel f d in das 7. Dann blickest du am iel der Zeiten mit Ruh Vergangne hin und reuest dich der Seligkeiten es Himmels mit entzück⸗ tem Sinn der Wonne, die dort den umgibt, der hier sich treu im Guten übt. Genügsamkeit und Zufriedenheit. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 449 Di Beschwerden in dem du st und siehst, klagst und fühlest die des Stands, dürftig lebst: du rebest glücklicher zu werden daß du verge⸗ bens strebst. Ja, klage! Gott erlaubt die 3 ähren; doch denk im Klagen auch zurück: ist denn begehren, für uns das Glück, das wir auch stets ein wahres Glück? ni wahre P 2. Nie schenkt der Stand, eschenken Güter dem Men⸗ en die Zufriedenheit: die Ruhe der Wüe 338 ist Tugend und Genügsam⸗ keit. Genieße, was dir Gott beschieden, entbehre gern, was du nicht hast. Ein je⸗ der Stand hat seinen Frie⸗ den, ein jeder hat auch seine Last. 3. Gott ist der Herr und seinen Segen vertheilt er stets mit weiser Hand; nicht so, wie wirs zu wünschen pflegen, doch so, wie ers uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, daß seine Liebe dich vergißt? Er gibt uns mehr, als wir verdienen, und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Le⸗ bens Kräfte in träger Un⸗ zufriedenheit; besorge deines Stands Geschäfte und nütze deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott erge⸗ ben, ein ewig Glück in Hoff⸗ nung sehn, dieß ist der Weg zu Ruh und Leben. Herr, lehre diesen Weg mich gehn! In voriger Melodie. + ntehre nicht, 450 E mein Herz, mit Klagen den Gott, der dich zum Glück erschuf! Des Lebens Mühe zu ertragen und froh zu sein, ist dein Beruf. Erdulde standhaft die Beschwerden, die keine Klugheit hindern kannzschaff nur, daß sie dir heilsam Pflichten gegen uns selbst. werden, und bete Gottes Willen an. 2. Gott selbst hat dir dein Loos beschieden; nimms dankbar aus der Vorsicht Hand. Erfülle jede Pflicht zufrieden, die sie mit diesem Loos verband! Sie gibt dir Munterkeit und Kräfte und nährt und stärkt sie väter⸗ lich. Sie brauchen, das ist dein Geschäfte, und ihr Ge⸗ brauch ist Glück für dich. 3. Hat Andern deines Vaters Segen mehr Güter anvertraut, als dir: darf dieß wohl deinen Neid er⸗ regen? Denk: wer ist Gott; und wer sind wir? Weiß er nicht besser, was dir nützet und deinem Nächsten frommt, als du? wenn er dich nährt, regiert und schü⸗ tzet, was fehlet dann noch deiner Ruh? 4. Du prangest nicht in hohen Würden; beneide nicht der Großen Glüc. Sie seufzen unter schweren Bürden, und oft stürzt si ein Augenblick. Dir ward kein Ueberfluß gewähret; wünsch ihn auch nicht au Selbstbetrug! Wer gern, was er nicht braucht, ent behret, der ist beglückt und reich genug. 5. Herr, der du mir zum frohen Leben, was ich he⸗ darf und mehr verliehn, laß eifrig sich mein r beestre⸗ — ——5.— Genügsamkeit und Zufriedenheit. 339 bestreben, die Unzufrieden⸗ Leben, freudenleer mein heit zu fliehn! In Demuth Stand, mein Loos; ist mein laß mein Herz sich üben, höchster Wunsch, mein Stre⸗ Gott, deiner Güte sich zu ben, reich zu sein, geehrt freun; dich ehren, dir ver⸗ und groß: dann verfließen traun, dich lieben müsse meine Tage mir in Miß⸗ ewig meine Wonne sein. muth, Sorg und Plage. 2. Lernt ich mäßiger be⸗ gehren, mäßiger im Wün⸗ Mel. Wer nur den lieben Gott schen sein, jetzt genießen, 451 Ich bin in mei⸗ dann entbehren: o wie glück⸗ Jnem Gott zu⸗ lich würd ich sein! Meine frieden mit dem, was er Freuden, meine Schmerzen zu meinem Theil an Glück fließen nur aus meinem und Unglück mir beschieden: Herzen. sein weiser Rath sucht stets 3. Hoher Stand und große mein Heil. Ob er mir gleich Güter schaffen nicht Zufrie⸗ oft widrig scheint, doch weiß denheit; wahre Ruhe der ich, daß ers treulich meint. Gemüther wohnt nur bei „Er weiß allein, wo⸗ Genügsamkeit, die mit Weis⸗ durch auf Erden sein großer heit sich verbindet und ihr Name für und für muß Glück auf Tugend gründet. herrlich und gepriesen wer⸗ 4. Gott vertheilet seinen den. Erreicht er diesen Segen stets mit weiser Va⸗ Zweck an mir, so bin ich terhand; nicht, wie wirs zu ruhig und vergnügt mit wünschen pflegen: nur wie Allem, wie ers mit mir er es heilsam fand. Au fügt. mich hat er nicht vergessen; 3. Muß mir die Freu⸗ auch mein Theil mir zuge⸗ densonne scheinen, so dank messen. ich fröhlich seiner Huld; 5. Ringet um der Tugend muß aber ich in Trübsal willen, Brüder, nach Zu⸗ weinen, so nehm ichs auch friedenheit! Schwere Pflich⸗ an mit Geduld. Denn das, ten zu erfüllen, hilft nur was seine Weisheit thut, Geistesheiterkeit Gram im ist Alles ewig recht und Herzen tief verschlossen, gut. droste zu jeder Pflicht ver⸗ ö rossen. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 60 Laß mich, Gott, in —452 Scheint mir freu⸗ meinem Leben redlich meine denleer das Pflichten thun, still und P 2 kind⸗ kindlich dir ergeben, fromm in deiner Fügung ruhn; und ein Blick auf ewge Freuden stärke dann mich auch im Leiden. Streben nach Herzens⸗ und Gewissensruhe. In eigener Melodie. —453 Ni auf den Höhn, nicht in den stillsten Gründen bist, süßer Friede, du zu finden, der Paradiesespalmen trägt! Dein Reich ist nicht der Welt Getümmel; du herr⸗ schest segnend in dem Him⸗ mel und in der Brust, die für ihn schlägt. 2. Du weinst, o Mensch, dich treffen schwere Leiden; du ringest mit dem Druck der Zeiten vergebens, bist du nicht ein Christ? Hier weilen Kampf und Streit und Mühen; willst du ins Land des Friedens ziehen, so lerne, wo der Himmel ist. 3. Nicht Alle, die zu Christo sich bekennen, nicht Alle, die ihn Herr, Herr! nennen, sind würdig, aus⸗ erwählt zu sein. Drum suchen Viele falsch hienieden in Gold und Ehre ihren Frie⸗ den und gehen nicht zum Himmel ein. Pflichten gegen uns selbst. 4. Es ist und bleibt, wies immer ist gewesen. Wer mag von Disteln Feigen le⸗ sen; und bringt der Dorn auch süßen Wein? Die Welt kann dir mit nichten geben, was sie nicht hat. Das rechte Leben hüllt still in frommer Brust sich ein. 5. In Gottes Gnade suche deinen Frieden. Wirst du das Göttliche behüten, dann hast du, was dich still erhält. ken und Gefahren: du kannst nur Himmlisches bewahren! Das Andre aber, das zer⸗ fällt. In eigener Melodie. esitz ich nur ein 45⁴4 B ruhiges Ge⸗ wissen, so ist für mich, wenn Andere zagen müssen, nichts Schreckliches in der Natur. 2. Dieß sei mein Theil! Dieß soll mir Niemand rauben. Ein reines Herz von ungefärbtem Glauben, der Friede Gottes nur ist Heil. 3. Welch ein Gewinn, wenn meine Sünde schwei get und Gottes Geist in meinem Geiste zeuget, daß ich sein Kind und Erbe bin! 4. Und diese Ruh, den Trost in meinem Leben, solt ich für Lust, für Lust det Sinne Laß toben Schrek⸗ * / *—— 635 Weiser Genuß der Lebensfreuden. Dieß lasse Glück Sinne geben? Gottes Geist nicht zu! 5. Mag auch die Pflicht, mich selber zu besiegen, die schwerste sein! Sie ists; doch welch Vergnügen wird sie nach der Vollbringung nicht! 6. Welch Glück, zu sich mit Wahrheit sagen kön⸗ nen: ich fühlt in mir des Bösen Lust entbrennen, doch, micht sei Gott! er schützte mich! 7. Was kann im Glück den Werth des Glücks er⸗ höhen? Ein ruhig Herz versüßt im Wohlerg ehen mir jeden frohen Augenblick. 8. Was kann im Schmerz den Schmerz der Leiden stillen; im schwersten Kreuz mit Frieden mich erfüllen? Ein in dem Herrn zufried⸗ nes Herz. 9. Was gibt mir Muth, die Güter zu verachten, wo⸗ nach so ängstlich niedre See⸗ len trachten? Ein ruhig Herz, dieß größte Gut. 10. Was ist der Spott, den ein Gerechter leidet? Sein wahrer Ruhm! Denn wer das Böse meidet, das Ot. thut, hat Ruhm bei ott. II. Im Herzen rein, hin⸗ auf zum Himmel schauen und sagen: Gott, du Gott, bist mein Vertrauen! Welch 34¹1 „Mensch, kann grö⸗ ßer sein? 12. Sieh, Alles weicht, und du wirst sterben müs⸗ sen; was kann alsdann dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. 13. Heil dir, o Christ, der diese Ruh! empfindet und der sein Glück auf das ewußtsein gründet, daß t chts Verdammlichs an ihm i 14. Laß Erd und Welt, so kann der Fromme spre⸗ chen, laß über mir den Bau des Himmels brechen! Gott ist es, dessen Hand mich hält. Weiser Genuß der Lebensfreuden. Mel. Nun danket Alle Gott 455 Do, der so gern beglückt, gern Freuden uns bereitet, wie selig, wer, von dir an Va⸗ terhand geleitet, nur dann sich glücklich fühlt, wenn er zu dir sich hält, und nur Vergnügen sucht, das dir, o Gott, gefällt! Wie selig, wenn sein Geist zu dir, durch den er lebet, durch den er denkt und wählt, sich oft und gern erhebet; wenn er die Freude kennt, dir näher, Gott, zu P 3 sein 34² sein, erstaunt sich deiner Macht nund deiner Huld zu freun! 3. Wie selig, wenn er selbst der Erde kleinre Freu⸗ den mit Maaß und Weis⸗ heit wählt! Ihr Uebermaaß wird Leiden. Nach arbeit⸗ voller Müh erquicket der Genuß; wer nur der Freude lebt, fühlt endlich Ueber⸗ druß. 4. O gib, Allgütiger, gib, daß auch meine Seele, wenn sie nach Freude strebt, nie jene Freuden wähle, die uns dereinst gereun! Es schlage meine Brust, durch Laster nie entweiht, nur für die reine Lust! 5. Laß meine Tage mich durch eitles Spiel nicht töd⸗ ten; die Unschuld müsse nie vor meinem Schmerz errö⸗ then! Nach treu vollbrachter Pflicht darf ich der Ruh mich freun, doch keinen Au⸗ genblickden falschen Freuden weihn. 6. Vernunft und Tugend, seid Gefährten meiner Freu⸗ den! Dem Schwelger will ich nie sein kurzes Glück beneiden. Was mir an Reichthum fehlt, ersetzt Zu⸗ friedenheit; der frohste Sinn wohnt gern bei frommer Häuslichkeit. 7. Der Tag der Fröh⸗ lichkeit sei niemals ganz ver⸗ loren! Ich ward zum Dienst ——— Pflichten gegen uns selbst. der Welt, zum Spielwerk nicht geboren. Erholung sei er mir! Es stärke mich mein Muth, des Guten mehr zu thun, so oft ich ausgeruht! 8. Nie soll durch meine Lust der arme Bruder lei⸗ den! Der Tag, der mich beglückt, sei ihm auch Tag der Freuden! Ist er ver⸗ lebt, wohl mir, wenn er mich nie gereut! Nie scheid er ohne Bank für den, der mich erfreut! Mel. Mache dich, mein Geist 456 Ziele Freuden streust du hin auf den Weg des Lebens, Schöpfer, diesen Vatersinn zeigst du nicht vergebens, Du erfreust unsern Geist, um ihn anzutreiben, stets dir treu zu bleiben. 2. O wie schön ist deine Welt und wie reich an Se⸗ gen! Nur ein Thor, dem Nichts gefällt, sinkt dem Gram entgegen. Was ist Noth, was der Tod gegen so viel Gaben, die den Wei⸗ sen laben? 3. Uns, o Gott, gabst du Gefühl für den Reiz der Erde, daß der Lauf zum hohen Ziel uns erleichtert werde; und auch ich freue mich; denn du hast mir Le⸗ ben und Gefühl gegeben. 4. Doch 7 —————— eer r* Weiser Genuß der Lebensfreuden. 4. Doch ich soll des Le⸗ bens Lust menschlich nur ge⸗ nießen, meiner Würde mir bewußt, jeden Tag beschlie⸗ ßen. Deine Hand gab Ver⸗ stand, Triebe zu beschrän⸗ ken, die zum Bösen lenken. 5. Nie darf das Vergnü⸗ gen mich meiner Pflicht ent⸗ locken; nie mich, Vater, ge⸗ gen dich und mein Heil verstocken. Wer vergißt, was er ist, und nur thie⸗ risch lebet, steht einst da und bebet. 6. Ach, wie Mancher hängt sein Herz fest an Erden⸗ freuden! Und wie tobt in ihm der Schmerz, wenn sie von ihm scheiden! Gott, laß nie mich an sie ganz den Geist gewöhnen, nie' den Sinnen fröhnen! 7. Wilde Freude kann gar leicht die Gesundheit schwä⸗ en. O wie wird sich, wenn sie weicht, das Ge⸗ wissen rächen! Steh mir bei! Gott verleih, daß, wenn icherkranke, doch mein Trost nicht wanke! 8. Nur ein mäßiger Ge⸗ nuß stärkt des Lebens Kräf⸗ te; er verscheucht den Ueber⸗ druß, fördert die Geschäfte, und mein Geist, der dich preist, wird dabei getrieben, ewig dich zu lieben. 9. Gib denn, daß ich weise sei, wenn mir Freuden win⸗ ken! Laß mich nie, dir un⸗ 343 getreu, in den Taumel sin⸗ ken! Leite mich, daß ich dich auch in Freuden ehre und mein Heil nicht störe. 10. Alle Lust der Sinn⸗ lichkeit wird vorüberfließen nur was Geist und Herz erfreut, werd ich stets ge⸗ nießen. Guter Gott, laß im Tod, wann die Sinne schwinden, mich dieß Glück empfinden. Mel. Gott des Himmels und der MNis der Tod ihm —4⁵ 7 B winkt zum Grabe, danke seinem Gott der Christ, dem die theure Seelengabe, Heiterkeit, ver⸗ liehen ist, der auch nie sie frech entweiht, immer sich in Unschuld freut. 2. Er verzehret seine Kräfte nicht in unzufried⸗ nem Sinn; unter nützlichem Geschäfte fliehen seine Tage hin. Heitrer glänzt sein An⸗ gesicht im Gefühl erfüllter Pflicht. 3. Leichtsinn, der sich Freude nennet, aber von der Tugend gern sich im wilden Taumel trennet, blei⸗ bet von dem Christen fern, dessen heitrer, fester Muth uht der Tugend nur be⸗ ruht. 4. Wenn auch jedes Glück ihm schwände und die Erde sreudenleer ihm vor seinen Augen stände: Hoffnung P 4 flieht —————————— 3⁴⁴ flieht ihn nimmermehr; muihvoll geht an ihrer Hand er ins beßre Vaterland. 5. Stärke, Gott, auch meine Seele, daß sie sich zum Guten neigt; Hler daß ich den Pfad erwähle, den mir Jesu Lehre zeigt! Nichts stört meinen heitern Sinn, wenn ich fromm und weise bin. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 458 Daß unser Gott uns Leben gab, deß wollen wir uns freuen und von der Wiege bis ans Grab ihm unsern Dank erneuen. 2. Denn auch zur Freude gab uns Gott auf dieser Welt das Leben und hat verheißen, nach dem Tod der Wonne mehr zu ge— ben. 3. Die Frühlingswärme haucht sein Mund, und Küh⸗ lung wehn die Wogen. Am Himmel zeugt von seinem Bund der schöne Regen⸗ bogen. 4. Und Gärten, Wälder, Berg und Flur verkünden seine Gnade. Wir finden seiner Güte Spur auf je⸗ dem unsrer Pfade. 5. Drum koͤnnen wir bei frommem Fleiß getrost auf Segen warten. Von heitrer Stirne fließt der Schweiß herab auf Feld und Garten. Pflichten gegen uns selbst. 6. Doch geben wollen wir auch gern, wie wir von Gott genommen, und ähnlich wer⸗ den unserm Herrn, zu dem dereinst wir kommen. 7. Wir schaun die Wun⸗ der seiner Hand aus unsern tiefen Fernen und wissen: unser Vaterland ist über jenen Sternen. 8. Auf unserm Leben schwimmt wie Schaum ein wenig Müh und Kummer. Das Leben ist ein Morgen⸗ traum, der Tod ein kurzer Schlummer. 9. Wir sinken freudig in den Staub, der unsre Vä⸗ ter decket, und gönnen Wür⸗ mern ihren Raub, weil Gott uns auferwecket. Geduld und Gelassenheit im Leiden. Mel. Was mein Gott will 459 Gott, immer groß an weiser Huld, du Geber meiner Freuden, behüte mich vor Ungeduld bei dieses Lebens Leiden! Auch sie verhängst du über mich nach ewig weisen Schlüssen; sie wer⸗ den mir, trau ich auf dich, zum Besten dienen müssen. Ich raube mir durch Ungeduld selbst viele mei⸗ ner Freuden, verkenne deine Vater⸗ Geduld und Gelassenheit im Leiden. Vaterhuld, vermehre meine Leiden, vergeß oft des Be⸗ rufes Pflicht und quäl mich jeden Morgen beim Man⸗ gel froher Zuversicht mit immer neuen Sorgen. 3. Mein banges unruh⸗ volles Herz, unfähig, sich zu fassen, wird sich dem ö Gram, dem kleinsten Schmerz ganz trostlos überlassen, be⸗ kämpfet seinen Kummer nie wünscht zwar ihn zu ver⸗ mindern und sucht doch, ohne Fleiß und Müh, um⸗ sonst ihn zu verhindern. Du, Vater, weißt, was mir gebricht; du ken⸗ nest meine Leiden. Wie leicht verwandeln sie sich nicht, wenn du es willst, in Freu⸗ den! Die Last, die du mir auferlegt, kann mich nicht niederdrücken wenn sie mein Herz nur willig trägt, wirst du mich bald beglücken. 5. Gott, deine Hülfe ist nicht fern, wenn man sich ganz dir weihet; du rettest, kröstest, segnest gern den, der sich ihrer freuet. O laß mein dir ergebnes Herz auf diese Him sehen, so werd um größten Schmerz urch dich, mein Gott, be⸗ en. Mel. Jesus, meine Zuversicht 460 Süe deine Thrä⸗ nensaat, srom⸗ 34⁵ mer Dulder, hier im Glau⸗ ben! Noch so dunkel sei dein Pfad: lasse dir den Trost nicht rauben, daß nach die⸗ ser Dunkelheit dich ein hel⸗ les Licht erfreut! 2. Ausgerungen haben schon Viele, die im Glau⸗ ben litten. Sieh, sie stehn vor Gottes hron; ihre Krone ist erstritten. Du, auch du wirst Sieger sein und dich bald der Krone freun. 3. Weislich hat des Va⸗ ters Hand manches Kreuz dir Ihm ist deine Noth bekannt; er ists, der dich liebreich träget. Väterlich ist sein Bemühn, dich zum Himmel zu erziehn. 4 iebe, wenn er dir Lebensglück und Freude schenket; es ist Liebe, wenn dich hier Angst und Schmerz und Kummer kränket. Goti ist Vater, mild und gut; Lieb ist Alles, was er thut. 5. Lerne denn Gelassen⸗ heit, Unterwerfung und Ver⸗ trauen! Einst am Ziel der Prüfungszeit wirst du froh herniederschauen auf den Weg, der durch die Nacht dich ins Land des Lichts ge⸗ bracht. 6. Odann fließet ihr nicht mehr, Thränen, die ihr hier geflossen! Wie ein Strom von oben her wird dann Trost ins Herz gegossen und P 5 vor 346 vor dem verklärten Blick schwebt des Himmels ewges Glück. 7. Drum sei, Dulder, unverzagt; harr in deiner Nächte Grauen! Wann der große Morgen tagt, wirst du die Gefilde schauen, die dem Sieger offen stehn, dir die Krone winken sehn. 8. Dort verschwindet al⸗ les Leid wie der Nebel vor der Sonne; vor dir liegt die Ewigkeit und das heilge Land der Wonne. In die Heimath gehst du ein, ewig selig da zu sein. Mel. Wer nur den lieben Gott 461 Woblthatig sind der Erde Lei⸗ den. Dieß glaube fest und murre nicht. Am Ende fol⸗ gen ihnen Freuden; auf Nacht und Graun folgt Sonnenlicht. Drum dulde mit Gelassenheit und Muth die Leiden dieser Zeit! 2. Durch Leiden will dich Gott bewähren, entwöhnen von der Lust der Welt, zur Weisheit leiten und dich lehren, mit Ernst zu thun, was ihm gefällt; du sollst mit kindlichem Vertraun auf ihn und seine Hülfe schaun. 3. Wirst du bei lauter Erdenfreuden und in des Glückes Sonnenschein so leicht der Thorheit Bahn vermeiden? so gern der Pflichten gegen uns selbst. Sünde Lockung scheun? Wird nicht, wenn nie ein Schmerz dich rührt, dein schwaches Herz gar leicht verführt? 4. Was predigt stärker dir die Lehre: vergänglich ist die Lust der Welt! als wenn in Trübsal manche Zähre herab von deinem Auge fällt! Was lehrt dich mehr Abhängigkeit, mehr Demuth, Gottergebenheit? 5. Wenn alle deine Stützen brechen, auf welche sich dein Arm gestützt; wenn Krank⸗ heit, Gram und Schmerz dich schwächen und Macht und Reichthum dich nicht schützt, dann lernst du freu⸗ dig Gott vertraun und nur auf seine Hülfe baun. 6. Ja, der Allweise schickt dir Leiden, damit er dich zur Tugend führt; schafft dir durch sie selbst künftge Freuden, indem er dein Gewissen rührt. Verehre seine Weisheit, Christ, die strafend selbst noch Güte ist! 7. Gott will, wie gute Väter handeln, durch weise Zucht dich auferziehn; gut sollst du und unsträflich wandeln, die Welt und ihre Lüste fliehn, dich bilden in der Prüfungszeit zum Le⸗ ben der Unsterblichkeit. 8. So nimm in Demuth und Vertrauen den Kelch des Leidens willig an al wa öe —HS— ——— ——— —— — S—— —— ⏑— 4———04—4c——4 .—— —— *—— Geduld und Gelassenheit im Leiden. 347 walle ohne Furcht und des Todes Pfade vertrau Grauen auch auf der aller⸗ ich deiner Gnade; du, Herr, rauhsten Bahn! Ihr Ende bist bei mir in der Noth. wird dich einst erfreun und 6. Ich will dem Kummer Wonne, Ruh und Friede wehren, Gott durch Geduld sein. verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Mel. In allen meinen Thaten Tod bedenken. Der Herr 462 Ich hab in guten wird Alles lenken, und was NI Stunden des mir gut ist, wird geschehn. Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl: Mel. Allgegenwärtiger, ich so will ich denn gelassen n Trübsal, mich auch in Leiden fassen: 463 J Christ, sei welch Leben hat nicht seine unverzagt! Wann Schwer⸗ Qual? muth an dein Herz'sich 2. Ja, Herr, ich bin ein wagt, erheitre dein Gemü⸗ Sünder, und stets strafst du the; du weißt, auch dich gelinder, als es der Mensch liebt väterlich der Vater al⸗ verdient. Sollt ich, beschwert ler Güte. mit Schulden, kein zeitlich 2. Kein Leiden kommt Weh erdulden, das doch zu von ungefähr; dein Gott meinem Besten dient? schickt dir es zu und er 3. Dir will ich mich er⸗ zeigt sich in seinen Wegen geben, nicht meine Ruh, so groß von Rath, als groß mein Leben mehr lieben, von That und reich an als den Herrn. Dir, Gott, Gnad und Segen. ö will ich vertrauen und nicht 3. Der dich in Zesu herz⸗ auf Menschen bauen; du lich liebt, sucht, wann er hilfst und du errettest gern. dich durch Kreuz betrübt, „4 Laß du mich Gnade das wahre Heil der Seele; sinden, mich alle meine Sün⸗ weckt dich, daß nicht zu dei⸗ den erkennen und bereun! ner Pflicht dir Trieb und getzt hat mein Geist noch Eifer fehle. Kräfte, sein Heil laß mein 4. Das Kreuz beugt Stolz Geschäfte, dein Wort mir und Uebermuth; erstickt der Rost und Leben sein. Wollust wilde Gluth; bricht 5. Wenn ich in Christo die Gewalt der Sinne; er⸗ sterbe, bin ich des Himmels weicht das Herz, daß An⸗ Erbe. Was schreckt mich drer Schmerz dein Mitleid Grab und Tod? Auch auf leicht gewinne. ö P 6 5. Auch 348 5. Auch übt das Kreuz dich in Geduld; erhöht den Werth von Gottes Huld; stärkt mächtig dein Ver⸗ trauen; lehrt im Verlust dich nun mit Lust aufs Un⸗ sichtbare schauen. 6. Der Leiden Zucht er⸗ hebt dich stets zu größrer Andacht des Gebets und stärket deinen Glauben. Weit minder kann Verfüh⸗ rung dann dir deine Krone rauben. ö 7. Zwar stört das Kreuz oft deine Ruh; mit bangen Thränen säest du und un⸗ ter viel Beschwerden. Christ, hoffe doch! Es wird dir noch zur reichen Aerndte werden. 8. Verschmerzt ist bald ein irdisch Leid; kurz ist der Augenblick der Zeit; doch ewig, ewig währet dort dein Genuß ohn Ueberdruß, wie ihn der Geist begehret. 9. Auch bleibet stets dein Gott getreu, steht dir als Vater liebreich bei, sorgt, daß er dich erquicke. Er schafft dir Rast, daß deine Last dich nie ganz nieder⸗ drücke. 10. Verbirgt er auch sein Angesicht, dieß raube deinen Muth dir nicht! Gott kann sein Kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, sich ihm er⸗ ibt, den wird er nicht ver⸗ assen. —ęę Pflichten gegen uns selbst. 11. Durch Trübsal sind zu aller Zeit die Frommen in die Herrlichkeit, gleich Jesu, eingegangen. Denkst ö denn nur du, in träger Ruh die Krone zu erlangen? 12. Demüthige dich, gleich als sie; gleich ihnen bet und zage nie: denn Gott erhört ein Flehen. wird dich dein Gott erhöhen! Mel. Herzliebster Jesu! 464 Ean Kreuz geduldig, das bin ich dir und meinem Heile schul⸗ dig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, täglich ermessen. „Vin ich nicht Staub. wie alle meine Väter? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Uebertreter? Thu ich zu vich wenn ich die schweren Tage standhaft ertrage? 3. Wie oft, o Gott, wenn wir das Böse dulden, er⸗ dulden wir nur unsrer Thor⸗ heit Schulden und nennen Lohn, den wir verdient be⸗ kommen, Trübsal der From⸗ men! ö 4. Ist Dürftigkeit, in den die Trägen klagen, sind Ha und Pein, die Stolz und Wollust tragen, des Schwel gers Schmerz, des Neids Rene Hreuden des Chri⸗ en Leiden? 5. M Bald weicht dein Leid; zu seiner Zeit DE —— —— +F —— ⏑ ⏑— — Geduld und Gelassenheit im Leiden. 5. Ist deren Qual, die deinen Rath verachtet, nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, und die nun büßen ihrer Thorheit Freu⸗ den, christliches Leiden? 6. Doch selbst, o Gott, in Strafen unsrer Sünden läßt du den Weg zu unserm Heil uns finden, wenn wir sie uns, die Missethat zu hassen, züchtigen lassen. 7. Streb ich nur nach dem Frieden im Gewissen, wird Alles mir zum Besten die⸗ nen müssen. Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fülle. 8. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden; nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden: und was sind gegen euch, ihr ewgen Freuden, dieser Zeit Leiden? 9. Wenn ich nur nicht mein Elend selbst verschul⸗ de, wenn ich als Christ ge⸗ lassen leid und dulde; so kann ich mich der Hülfe der Erlösten sicher getrösten. 10. Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen kränken: doch in der Noth an seinen Schöpfer denken und ihm vertraun, dieß stärket unsre Herzen mitten in Schmer⸗ zen. II. Schan über dich! Wer trägt der Himmel Heere? Rerk auf! Wer spricht: 34⁴9 bis hierher! zu dem Meere? Ist er nicht auch dein Helfer und Berather, dein bester ater? 12. Willst du so viel, als der Allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; allein du wirst, was seine Wege wa⸗ ren, nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, da⸗ mit wir zu ihm nahen, die Heiligung des Geistes zu empfahen und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. 14. Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfah⸗ rung; Erfahrung gibt dem Glauben Muth und Nah⸗ rung. Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste. Hoffe das Beste! Mel. Wer nur den lieben Gott 465 Groß ist der Herr! Die Berge zit⸗ tern vor seiner Gottesma⸗ jestät, wenn er in dunkeln Ungewittern, der Heilige, vorübergeht. Doch Liebe strömt aus seiner Hand in vollen Wolken auf das Land. 2. Vom Raum, wo sich der Halm entfaltet, bis zu der letzten Sonn hinaus, herrscht sein Gesetz; als Va⸗ ter waltet er durch das große Weltenhaus. Der Leben gibt und Freude schafft, mit Liebe waltet er und Kraft. P 7 3. Was 350 3. Was dich auch drückt, mein Herz, er rettet! Ver⸗ traun zu ihm ist deine Pflicht. Er, der den Wurm im La⸗ ger bettet, der Gott verläßt den Menschen nicht. Der so viel gibt und mehr ver⸗ heißt, erhebe dankend ihn, mein Geist! 4. Vermiß dich nicht, mit ihm zu rechten; mit Demuth nahe dich dem Herrn! In trauervollen Mitternächten ist dir der Ewige nicht fern. Mit deinem Leiden, deinem Harm wirf seiner Huld dich in den Arm! 5. O schwinge dich empor vom Staube, verfinstern deine Tage sich; zu ihm blick auf und bet und glau⸗ be: versagend selbst erhört er dich; doch nie enthüllt die Ungeduld das heilge Dunkel seiner Huld! 6. Gott fehlet nicht! O Seele, thue, was dir gebührt, sei fromm und gut! Ver⸗ sage dir nicht diese Ruhe; aus ihr erwacht der hohe Muth, der, wenn das Unglück uns umstürmt, uns rettet, trö⸗ stet, hebt und schirmt. 7. Vertraue Gottes Va⸗ terhänden, wenn er den frömmsten Wunsch versagt; was hier beginnt, wird dort vollenden, wo dir ein neues Leben tagt. Es ruhn im engen Raum der Zeit die Keime deiner Ewigkeit. Pflichten gegen uns selbst. Mel. Wann mein Stündlein 466 ir trocknen un⸗ ö sre Thränen ab: erhebet euch, Gefühle! Wir schauen vorwärts auf das Grab und weiterhin zum Ziele; und drückt uns auch die größte Noth, aus allen Leiden führt der Tod: wir wollen nicht verzagen! 2. Und wären wir auch noch so arm und hätten nichts als Sorgen und Mangel, Blö⸗ ße, Frost und Harm und, ach! kein Brod für morgen; zur Weisheit führt des Le⸗ bens Noth, und Glück und Fülle bringt der Tod: wir wollen nicht verzagen! 3. Und wären wir auch noch so krank: zur Tugend führen Schmerzen. Für je⸗ des Leiden Preis und Dank! Erhebt euch, bange Herzen! Durch immer wechseludes Geschick zieht Gott uns zu des Himmels Glück: wir wollen nicht verzagen! 4. Wir blicken auf so man⸗ ches Grab geliebter Men⸗ schen nieder, und manche Thräne rollt hinab; doch Eins erhebt uns wieder; Gott Lob, sie sind im Va⸗ terland. Was hier. WI. war nur Gewand. Wir wollen nicht verzagen! 5. Sie wandeln dort auf höhrer Bahn, sie blühn in neuer Jugend; wie frei ist nuu ihr Geist von 4 — E—.—...— eW M EN Geduld und Gelassenheit im Leiden. wie lauter ihre Tugend! Drückt uns auch mancher heiße Tag; sie gingen vor, wir kommen nach. Wir wol⸗ len nicht verzagen! 6. Das Leid, das lich uns zerreißt, veredelt die Gefühle; es stärkt und läutert unsern Geist und führt empor zum Ziele. Wir trocknen unsre Thränen ab und schauen über' Tod und Grab und wollen nicht ver⸗ zagen! schmerz⸗ Mel. Jesu, meine Freude 467 Cbrist, aus deinem Herzen banne Gram und Schmerzen! Fasse neuen Muth! Wenn schon Kreuz dich drücket: Gott ists, der es schicket; was er schickt, ist gut. Wenn dich Roth ringsum bed roht, Sor⸗ gen stets mit dir erwachen: en wirds Gott wohlma⸗ en. 2. Ist der Himmel trübe; wankt der Freunde Liebe; u, wie verwaist; schreckt mit jedem Tage ei⸗ ne neue Plage den bedräng⸗ ten Geist; weicht das Glück auch stets zurück; scheints ich nie mehr anzulachen: en wirds Gott wohlma⸗ 3. Bürden abzunehmen, dau dient kein Grämen; ram sei dir verhaßt! Un⸗ geduld macht Bürden, die 351 2 dir leicht sein würden, erst zur Felsenlast. Zagend Herz, besieg den Schmerz! Drückt die Bürde gleich den Schwa⸗— chen: doch wirds Gott wohl⸗ machen. 4. Du führst Christi Na⸗ men: treu ihm nachzuah⸗ men, das ist deine Pflicht. Werde nicht erschüttert, wenn die Erde zittert und der Himmel bricht! Der steht fest, wer Gott nicht läßt. Laß rings um dich Wetter krachen: doch wirds Gott wohlmachen. 5. Herrlich ist die Krone, die der Christ zum Lohne sei⸗ nes Kampfs empfängt. Nur nicht selbst verschuldet und dann froh erduldet, was dein Gott verhängt! Steh als Held vor aller Welt! Mag sie deiner Hoffnung lachen: doch wirds Gott wohlmachen. 6. Dabei soll es bleiben! Nie will ich mich sträuben, Gott getreu zu sein. Stets, im Tod und Leben, bleib, ich ihm ergeben; ich bin sein, er mein. Was er will, sei stets mein Ziel! Er weiß alle meine Sachen ewig wohl zu machen. In eigener Melodie. 46 8 Soltt es gleich bisweilen scheinen, als verließ der Herr die Seinen; auch im Saund un —— * und Finsterniß glaub ich doch: Er hilft gewiß! 2. Wird die Hülfe gleich verschoben, sieht er doch mein Leid von oben. Hilft Gott nicht zu jeder Frist; hilft er doch, wenns nöthig ist. 3. Pflegen Väter stets zu geben, wonach ihre Kinder streben? Weis ist Gott; ich harre still; er gibt, wem und wann er will. 4. Kann ich, ist die Noth am größten, mich doch na⸗ her Hülfe trösten: er ist ge⸗ gen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Laß den Feind mir bange machen: Gott, mein Schutz, wird für mich wachen! Schwer sei meines Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch. ö 6. Fließt so manche stille Thräne, wenn ich mich nach Ruhe sehne: jede, die mein Auge weint, zählt der treue Menschenfreund. 7. Werd ich gleich verfolgt vom Neide; leb mit Bösen ich im Streite; folgt mir Spott und Lästrung nach: Gott tilgt alle Noth und Schmach. 8. Will mich auch die Welt vertreiben, muß mir doch der Himmel bleiben. Dort folgt Ruhe nach dem Krieg, und die Palme schmückt den Sieg. 9. Ich will gern das 35²2 Pflichten gegen uns selbst. Eitle lassen; Fürst und Bettler muß erblassen: Glück verschlimmert, und der Tod führt den Dulder aus der Noth. ö ö 10. Ach, Herr, wenn ich dich nur habe, fehlt mir keine gute Gabe! Aus der Welt durchs dunkle Grab führt zum Himmel mich dein Stab, In eigener Melodie. 469 arum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Chri⸗ stum noch. Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn bei⸗ gelegt im Glauben? 2. Nichts bracht ich in dieses Leben, da es mir einst allhier ward von Gott gegeben. Nichts nehm ich mit von der Erde, wenn ich sie, nach vieler Müh, einst verlassen werde. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben, ist nicht mein; Gott allein ist es, ders gegeben. Soll ich e3 ihm wiedergeben, geb ich hin, preise ihn, blick aufs beßre Leben. 4. Schickt er mir ein Kreiß zu tragen, dringt hereinAngs und Pein: sollt ich drum verzagen? Der es schicht der wird es wenden; e wird wohl, wie er soll, al mein Unglück enden. 5. Gott * Geduld und Gelassenheit im Leiden. 353 5. Gott hat mich bei gu⸗ Hirt, Christus, wird mich ten Tagen oft ergötzt; sollt ohn Ende laben. ich jetzt nicht auch etwas 11. Herr, mein Heil, tragen? Liebt er mich drum Quell aller Freuden, du doch nicht minder! Nie zu bist mein, ich bin dein!. schwer züchtigt er seine Niemand kann uns scheiden. treuen Kinder! Ich bin dein, weil du dein 6. Stolz, Haß, Welt und Leben und dein Blut mir ihre Rotten können mir zu gut in den Tod gegeben. Nichts mehr hier thun, als 12. Du bist mein, weil meiner spotten. Laß sie spot⸗ ich dich fasse und dich nicht, ten, laß sie lachen! Gott, o mein Licht, aus dem Her⸗ mein Heil, wird in Eil sie zen lasse. Laß mich, laß zu Schanden machen. mich hingelangen, wo du 7. Unverzagt und ohne mich und ich dich ewig werd Grauen soll ein Christ, wo umfangen. 1 ist, 2e sollt— In eigener Melodie rauen. as sollt er zu. ö schmerzlich finden? Selöst 470 Was Gott thut, den Tod hilft ihm Gott as ist woh freudig überwinden. gethan! Voll Weisheit ist 8. Kann mich doch der sein Wille. Ihn bete ich and nicht tödten, nein, er in Demuth an und Wun zußt meinen Geist aus viel ihm Goft, Bupß 7 5 ausend Nöthen; endet die mein ohl 0 11 10 6 1 ses Lehens Leiden und gibt tene bmr laß i zihn 1 1 mend dafür alle Him⸗ Waltem: aß ich ihn nur melsfreuden. Mae 9. 0 dann wird an ö⸗ 2. Was Gott hut, das ist Sein Wort hern Schäten Geist und ist wohlgethan Sein Wor kann ja nicht trügen:? er erz, frei von Schmerz, führet mich auf rechter Bahn shig sich ergötzen. Bleibend zum seligsten Vergnuͤgen. der W. nicht zu finden in Trost und Geduld gibt seine . ert sie enthält Güter, Huld: er wird mein Unglück ie verschwinden. wenden; es steht in seinen 10. Sind nicht dieses Le⸗ Händen. bens Güter Unbestand, eit⸗ 3. Was Gott thut, das ler Tand, Lasten der Ge⸗ ist wohlgethan! Er wird müther? Dort, dort sind mich wohl bedenken; wenn die edlen Gaben; da mein ich mir selbst nicht uun ann —————— 2 —— 35⁴ kann, wird er mir Hülfe schenken. Ja, seine Treu ist täglich neu: drum will ich auf ihn bauen und seiner „Güte trauen⸗ 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein Licht und Leben, der nie mein Unglück wollen kann; ihm will ich mich ergeben in Freud und Leid. Es kommt die Zeit, da öffent⸗ lich erscheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken; weil mich zuletzt mein Gott ergötzt mit süßem Trost im Her⸗ zen, da weichen alle Schmer⸗ zen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben: so wird Gott mich ganz väter⸗ lich in seinen Armen hal⸗ ten. Drum laß ich ihn nur walten. In eigener Melodie. 471 Wes mein Gott will, gescheh allzeit! Sein Will der ist der beste. Zu helfen dem ist er bereit, der an ihn glau⸗ bet feste. Der treue Gott Pflichten gegen uns selbst. hilft in der Noth und züch⸗ tiget mit Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nie verlassen. 2. Er ist mir Trost und Zuversicht, Ruh, Hoffnung, Freude, Leben: drum, was er will, dem will ich nicht unmuthig widerstreben. Sein Wort ist wahr: er hat mein Haar auf meinem Haupt gezählet! Des Höchsten Macht, die für mich wacht, gibt mir stets, was mir fehlet. 3. Wenn es sein Wille mir gebeut, das Leben zu verlassen: so will ich voll Ergebenheit in seinen Rath mich fassen. Dir, Gott, be fehl ich meine Seel in mei— nen letzten Stunden; dein Sohn, o Gott, hat Höll und Tod für mich auch übe wunden. ů Mel. Wer nur den lieben Goll 472 as ist mein Leben auf der Erde? Ein Wechsel is von Freud und Leid. Hiel stört oft Unruh und M. i schwerde mein Wohl und meine Heiterkeit: hier wohn d ich noch in einer Welt, dien alt vollkommnes Glüchen f ält. 2. Weß soll ich mich 94f Herr, denn trösten? Nur deiner Huld. Du bist meinte Heil und bleibst, wenn 9 i V — v Geduld und Gelassenheit im Leiden. die Noth am größten, doch meines Herzens Trost und Theil; und stehst, nach dei⸗ ner Vatertreu, mir stets mit Rath und Hülfe bei. 3. Du stärkst mir unter aller Plage, o Gott, auf mein Gebet, den Muth, daß ich gelassen sie ertrage, und machest endlich Alles gut. Auf Kummer folgt zufried⸗ ner Dank, auf Klagen fro⸗ her Lobgesang. 4. Erwarte nicht beständge Freuden, mein Geist, in deinem Uebungsstand; denn bliebst du frei von allen Leiden, wie würde deine Treu erkannt? Vollkommne Ruh und Sicherheit ist nur ein Glück der Ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine Seele, in deiner Noth o kummervoll? Vertraue ott! Nur ihn erwähle zu deinem Trost: er schützt dein Wohl. Einst dankst du ihm nach der Gefahr, daß er dein Gott und Retter war. 6. Er wird es sein! Ruf in Gefahren ihn gläubig nur als Helfer an! Er weiß dich mächtig zu bewahren, und da, wo Niemand hel⸗ fen kann, fehlt ihm die krast zu helfen nicht! Dieß stärke deine Zuversicht! 7. Befiehl dich seiner Va⸗ lerpflege: hoff und vertrau ihm allezeit! Auch auf dem 35⁵ allerrauhsten Wege sieh fröh⸗ ich hin zur Ewigkeit; da wirst du, frei von aller Pein, ganz selig, ganz zu⸗ frieden sein. 8. So laß mich, Gott, stets dahin schauen und dann mit starkem Muth auf dich auch in der größten Noth vertrauen! Du bist bei mir, dieß stärke mich! Wer des⸗ sen stets versichert ist, der lebt und stirbt getrost als Christ. In eigener Melodie. 473 O f Gott, durch den ich bin und lebe, gib, daß ich mich in deinen Rath ergebe; laß ewig deinen Willen mein, und was du thust, mir theuer sein! 2. Du, du regierst, mit Weisheit, Lieb und Stärke. Du, Herr, erbarmst dich aller deiner Werke. Was zag ich einen Augenblick? Du bist mein Gott und willst mein Glück. 3. Von Ewigkeit hast du mein mein Loos entschieden. Was du bestimmst, das dient zu meinem Frieden. Du wogst mein Glück, du wogst mein Leid, und was du schickst, ist Seligkeit. 4. Gefällt es dir: so müsse keine Plage sich zu mir nahn; gib mir zufriedne Tage. Allein verwehrts mein ewig Heil 356 Heil, so bleibe nur dein Trost mein Theil. 5. Du gibst aus Huld uns dieser Erde Freuden; aus gleicher Huld verhängst du Unsre Leiden. Ist nur mein Weh nicht meine Schuld, so zag ich nicht. Du gibst Geduld. 6. Sollt ich ein Glück, das du mir gabst, verlieren, und willst du, Gott, mich rauhe Wege führen: so wirst du, denn du hörst mein Flehn, mir dennoch eine Hülf ersehn. 7. Vielleicht muß ich nach wenig Tagen sterben. Herr, wie du willst! Soll ich den Himmel erben, und dieser ist im Glauben mein, wie kann der Tod mir schreck⸗ lich sein? Mel. In allen meinen Thaten 474 Wos ists, daß ich mich quäle? Harr Gottes, meine Seele, harr und sei unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet; Gott weiß es und Gott schützet, er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kann⸗ te, eh ich ihn Vater nannte, nah er mir schon mit Hülfe nah. Pflichten gegen uns selbst. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dem Gott nicht verborgen, der Alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wärs auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Er⸗ den, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück ver⸗ mehret, sei mir von dir ge⸗ währet! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, wenns alle Welt auch schätzet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krank⸗ heit Plagen, der Mangel schwer zu tragen, noch schwe⸗ rer Haß und Spott: so harr ich und bin stille zu Gottt denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh, o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir wider⸗ fahren, wenn Gott mich will bewahren? Und er, mein Gott, bewahret mich! Mel. Schon ist der Tag von Gott 47 5 Wenn gleich aus tiefer Mit⸗ ternacht Gewitter um mi blitzen, so zag ich nicht! mein VFTN„‚,.. Geduld und Gelassenheit im Leiden. mein Vater wacht, er wacht und wird mich schützen. Die Güte, die mich werden hieß, die den Bedrängten nie ver⸗ ließ, die wird mich nie ver⸗ lasen..,. 2. Sein Auge schaut auf meinen Schmerz, und seine Blicke zählen die Sorgen, die mein armes Herz mit Angst und Kummer quälen. Er sandte mir das Leiden zu, daß nicht mein Herz in gese. Ruh des Ewigen ver⸗ gesse. ö 3. Gesegnet sind die Lei— den mir, die mich der Welt entziehen, mich lehren, Gott, allein zu dir nach Trost und Hülfe fliehen. Ich weiß, tinst bringst du meinem Blick der Sonne sanftes das Dunkel Licht zurück, mir verhüllet. 4. Wie will ich dann, vom Schmerz befreit, Herr, dei⸗ ne Huld erheben: wie freu⸗ dig dir selbst für das Leid Lob, Preis und Ehre ge⸗ ben! Wohl denen, die dem Herrn vertraun und ihre Hoffnung auf ihn baun! bn werden sie zu Schan⸗ en. den, so stärke meinen Geist! ann mich die Leiden krän⸗ 357 ken, so laß mich wohl be⸗ denken: auch das sei gut, was Trübsal heißt! 2. Nicht ewig soll sie wäh⸗ ren; oft werden unsre Zäh⸗ ren schnell von dir abge⸗ wischt. Und seufzen wir: Wie lange ist meiner Seele bange! so wird mit Trost das Herz erfrischt. 3. Du wendest solche Bür⸗ den, die uns erdrücken wür⸗ den, Gott, gnädig von uns ab. Du siehst bei unsern Plagen auch auf die Kraft, zu tragen, die deine Hand uns selber gab. 4. Dein väterlich Bemü⸗ hen will deine Kinder zie⸗ hen, zu thun, was dir ge⸗ fällt. Du willst die Lüste schwächen, den eignen Wil⸗ len brechen, uns bilden für die beßre Welt. 5. Du willst den Eifer mehren, gehorsam dich zu ehren mit Glauben und Ge⸗ duld; daß, wenn uns Feinde hassen und Freunde uns verlassen, wir stets ver— trauen deiner Huld. as will uns, Herr, auch scheiden von dir und jenen Freuden, die du für uns ersehn? Wir leben oder sterben, so wird uns, dei⸗ nen Erben, des Himmels Wonne nicht entgehn. 7. Zu jenem bessern Le— ben willst du auch mich er⸗ heben: der Tod ist 4.„ Ee⸗ 358 Pflichten gegen Gewinn. Muß gleich mein Leib verwesen, wird doch mein Geist genesen; er eilt zu seinem Schöpfer hin. 8. O drücke meinem Her⸗ zen bei Sorgen, Gram und Schmerzen dieß doch aufs tiefste ein: der, den du, Vater, liebest, kann, wenn du ihn betrübest, doch nie⸗ mals unglückselig sein. Allgemeine Men⸗ schenliebe. Mel. Schwing dich auf 477 Heug heilig ist das Band, das die Menschen bindet; ist geknüpft von dessen Hand, der die Welt gegründet; ist geknüpft, daß besser mir seine Welt gefalle! Einen Schöpfer haben wir, Einen Vater alle; 2. Einen Vater, Einen Gott, der uns alle liebet, der uns täglich unser Brod, Kraft und Freude giebet; der nicht nur mit Freund⸗ lichkeit schaut auf Fürsten⸗ thronen, der auch segnet und erfreut, die in Hütten wohnen. 3. Wohl mir! Auch auf mich, sein Kind, blickt er freundlich nieder. Nah und fern die Menschen sind alle meine Brüder. Froh und ———— t' den Nächsten. herzlich sollen wir uns einan⸗ der lieben; wohlthun, Elend mindern hier, Keinen je be⸗ trüben. 4. Und ich fühlte keinen Schmerz bei des Bruders Leiden? Kalt und fühllos blieb mein Herz bei des Bruders Freuden? Und es sollt in meiner Brust Stolz und Haß entbrennen? Könnt ich dann wohl Gott mit Lust meinen Vater nennen? 5. Brüder, nein, dieß Herz soll nie sich vor euch verschließen; immer will ich Sorg und Müh liebreich euch versüßen. Alle, alle leben wir, um uns zu be⸗ glücken; und ihr seid nur theurer mir, wenn euch Lei⸗ den drücken. 6. Immer will ich, wit ich kann, sie euch helfen tra⸗ gen; kann ichs nicht, euch trösten dann, trösten, mit euch klagen. Dann sollt ihr an meiner Brust euren Gram verweinen, bis die Sonne neue Lust euch ins Herz wird scheinen. 7. O gewiß, dann werdet ihr froh den Vater preisen und auch Duldern gern mit mir hülfreich euch erweisen werdet, süßer Trost! auh mich, wann mich Leidel drücken, mitleidsvoll und brüderlich trösten und er⸗ quicken. Mel. 2.— Allgemeine Menschenliebe. 359 Mel. Jesus, meine Zuversicht dem, der sich bemüht, nütz⸗ 478 llen Christen lich, wie er kann, zu wer⸗ ö und auch mir den; sich der Menschheit hat der Herr dieß porge⸗ Dienst zu weihn, auch im schrieben: Euren Nächsten Kleinsten tren zu sein. sollet ihr, als euch selbst, 7. Darum gib uns, Gott, von Herzen lieben! Heilig ein Herz, voll von wahrer sei uns allezeit, was der Menschenliebe, das an And⸗ Herr uns hier gebeut! ö kherkmere und Schmerz An⸗ 2. Wir sind Bürger Ei⸗ theil nehm und gern das ner Welt, Kinder Eines übe, was der Liebe Pflicht Vaters, Brüder, die er begehrt, wie sie uns dein huldreich all erhält; alle Sohn erklärt. Eines Leibes Glieder, die 8. Diesem großen Men⸗ sein weiser Allmachtsruf schenfreund laßt uns alle alle, sich zu lieben, schuf. ähnlich werden, daß wir 3. Eine sterbliche Natur hier mit ihm vereint, nach hat er allen zuns gegeben, vollbrachtem Lauf auf Er⸗ und auch Eine sein beß⸗ den, dort verklärt, auf ewig nur: Hoffnung auf ein beß⸗ sein, seiner Lieb uns ganz res Leben, wenn wir hier erfreun! in dieser Welt redlich thun, was ihm gefällt. In eigener Melodie. 4. Und wir sollten uns enschenfreund entzwein? lieblos uns ein⸗ 479 M nach deinem ander hassen? Uns, zu uns⸗Bilde, bilde sich mein ganzer rer eignen Pein, Stolz und Sinn! Deine Sanftmuth, Neid beherrschen lassen? deine Milde neig auch mich Wer kein Freund des Näch⸗ zur Güte hin! Unwerth sen ist, ist fürwahr kein wär zich, dich zu kennen, Rensch, kein Christ. liebt ich meine Brüder nicht; 5. Was wir auch aus unwerth, mich nach dir zu Gottes Hand reichlicher, als nennen, wich ich von der Undre, haben: Ansehn, Reich⸗ Liebe Pflicht! thum, hoher Stand, Leibes⸗ 2. Wo du, Jesu, Men⸗ kräfte, Geistesgaben, Alles schen nahtest, folgte Wohl⸗ dieß hefreit uns nicht von thun deiner Spur; wo du der Menschenliebe Pflicht. segnend Gutes thatest, in 6. Nein, der Gaben Un⸗ den Hütten, auf der Flur, terschied knüpft das große an dem Lager kranker Brü⸗ Band auf Er en, und wohl der, wo du je nur hinge⸗ blickt, 360 blickt, kehrte Freud und Hoffnung wieder, und die Menschheit ward erquickt. 3. Menschenfreundlichster von Allen, Keinen hast du je verschmäht. Wer verirrt war und gefallen, wer um Trost zu dir gefleht, hat für alle seine Wunden, Herr, in deiner treuen Hand Rettung, Heil und Trost gefunden, Hülfe, wie er nirgends fand. 4. Brüder, kommt in meine Arme; wer da leidet, ruhe hier! Wenn ich sein mich nicht erbarme, wende sich mein Gott von mir! Ohne Liebe ist kein Leben; liebend nur gleich ich dem Herrn: sein Verschonen, sein Vergeben, o mein Herz, stets üb es gern. 5. Ob mich auch mein Nächster kränket: Jesus, denk ich, litt wohl mehr. Ob er Böses von mir denket: besser will ich sein, als er. Wenn mir Jemand Gram bereitet, irrt vielleicht nur sein Verstand, und ich reich ihm, wenn er gleitet, den⸗ noch liebreich meine Hand. 6. Nimmer soll mein Herz ermüden, reiner Liebe sich zu weihn! O es schafft so süßen Frieden, wohlzuthun und zu erfreun! Wer nach Dank und Lohn nur ringet, hat schon seinen Lohn da⸗ hin; wen das Herz zur Pflichten gegen den Nächsten. Liebe dringet, ärndtet dau⸗ ernden Gewinn. 7. Zwar der Wehmuth Zähr entfließet dem, der reiche Saat gestreut, wenn der Hoffnung Feld nicht sprießet, oder wenig Frucht ihm beut; doch des Segens seiner Güte freut er einst sich, wärs auch spät; endlich, Heil uns! steigt zur Blüthe, was die Liebe ausgesät. Mel. O Gott, du frommer Gott 480 ib mir, o Gott, ein Herz, das jeden Menschen liebet, be seinem Wohl sich freut, bei seiner Noth betrübet; ein Herz, das Eigennutz und Neid und Härte flieht und sich um Andrer Glück al um sein Glück bemüht! 2. Seh ich den Dürftigen, so laß mich gütig eilen, von dem, was du mir gibst, ihm hülfreich mitzutheilen: nicht aus dem eitlen Trich, groß vor der Welt zu sein und mich verehrt zu sehn; nein, Menschen zu erfreun. 3. Dieß sei mein Gottes⸗ dienst! Auch unbemerkt voh ihnen, müss Andern stets mein Herz mit Rath und Hülfe dienen! Mich treihe nicht erst Dank zu mildu Wohlthat an; nein, was ich Brüdern thu, das dir, Gott, gethan. 4. Ein x Allgemeine 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen hegegnet; ein Blick voll FTrost, mit dem mein Herz vergelten. Bedrängte segnet; ein Rath, mit dem mein Mund im Kummer Andre stärkt: Nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Herr, unbemerkt. 5. Eilt wo ein boshaft Herz Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten. Aus Schmähsucht kränke nie mein Mund des Nächsten Ruh; er rühme sein Ver⸗ dienst, deck seine Fehler zu! Die Rach ist dein, o Gott, du sprichst: Ich will Drum laß mich wenn Menschen ö schelten! Gib, ich dem verzeih, der nur zu schaden sucht, den liebe, der mich haßt, den segne, der mir flucht! 7. Doch laß mich nicht allein auf zeitlich Wohler⸗ gehen mit eingefchränktem Blick bei meinem Nächsten sehen! Noch stärker müsse mich sein ewig Glück er⸗ freun, noch mehr sein See⸗ lenheil mir angelegen sein. 8. Den, der im Glau⸗ ben wankt, im Glauben zu bestärken; den, der no sicher ist bei seines Flei— sches Werken, von der ver⸗ kehrten Bahn des Lasters abzuziehn, dazu verleih mir stille sein, auf mich daß Menschenliebe. 361 Kraft und segne mein Be⸗ mühn. 9. O heilige du selbst, Herr, meiner Seele Triebe durch deine Lieb und Furcht zu wahrer Menschenliebe! Wer nicht den Nächsten liebt, geht nicht zum Him⸗ mel ein. Laß diese Wahr⸗ heit, Gott, mir stets vor Augen sein! Mel. Wer nur den lieben Gott 481 Vereinigt laßt uns Gutes wirken, o Christen, füget Hand in Hand! Es schlinge sich um unsre Herzen der Menschen⸗ liebe sanftes Band; und Jeder liebe Recht und Pflicht, bis einst sein Aug im Tode bricht! 2. Wir sind ja Eines Va⸗ ters Kinder, in jedem Stande vor ihm gleich; sind ohne Unterschied hier Brüder, wir mögen arm sein, oder reich. In Eintracht sollen wir uns freun, einander Hülf und Beistand sein. 3. So schlage denn für Menschenfreude, für Men⸗ schenwohl auch unser Herz! Und leidet irgendwo ein Armer, gemildert sei durch uns sein Schmerz! Sein heitrer, dankerfüllter Blick erhöhet unser eignes Glück. 4. Wonne, Menschen glücklich machen! O Wonne, Menschen glücklich sehn!i Durch 362 Durch sie wird Gottes schöne Erde dem Herzen noch einmal so schön. Ja, eine freudenreichre Pflicht, als Menschenliebe, gibt es nicht. 5. Erscheint des Todes ernste Stunde dir, Men⸗ schenfreund, so naht mit ihr ein Engel Gottes und ver⸗ kündigt den Lohn der Men⸗ schenliebe dir. Des Grabes Nacht wird dir erhellt, du sätest für die beßre Welt. 6. Ja, Christen, wer sein Herz hienieden der wahren Menschenliebe weiht, der streutzu einer reichen Aerndte den Samen für die Ewig⸗ keit. O laßt uns diesen Sa⸗ men streun, o laßt uns Menschenfreunde sein! Mel. Auf, Christenmensch! 482 Sa Jemand spricht: ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und handelt ganz dawider. Gott ist die Lieb und will, daß ich den Nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wir haben Einen Gott und Herrn, sind Eines Lei⸗ bes Glieder: drum diene deinem Nächsten gern: denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich; mein Nächster ist sein Kind, wie ich. Pflichten gegen den Nächsten. 3. Ein Heil ist unser al⸗ ler Gut. Ich sollte Brüder hassen, die Gott durch sei⸗ nes Sohnes Blut so hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich ver⸗ sühnt, hab ich dieß mehr, als sie, verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen! Ich aber sollte nicht Geduld mit mei⸗ nen Brüdern tragen? dem nicht amd. den dem du ver⸗ gibst, und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, den kleinsten auch von diesen, das siehst du, mein Erlöser, an, als hätt ichs dir erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein und dich in Brüdern nicht erfreun? ö 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den er⸗ gehen, der nicht barmherzig ist, der die nicht vettet, die ihn fleheg. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist! Gerechtigkeit und Billig⸗ keit. Mel. Kommt her zur mir Iuu liebst, o Gott 483—. Gerechitgel und strafest den, der sie ent⸗ weiht, am Nächsten Unrecht H, iber ————— Gerechtigkeit und Billigkeit. übet. Du bists, der Jedem seinen Lohn, ohn alles An⸗ sehn der Person, nach sei⸗ nen Werken giebet. 2. Gerechter Gott, laß deinen Geist zu dem, was recht und billig heißt, stets meine Seele lenken“ Nie komm es mir doch in den Sinn, aus schnöder Hab⸗ sucht, um Gewinn, des Näch⸗ sten Recht zu kränken! 3. Pflanz Redlichkeit in meine Brust und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben. Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, nur Schaden sucht und Andre kränkt, wie kann das Brüder lieben? 4. Nie seufze Jemand über mich! Mein ganzes Herz bestrebe sich, dem Nächsten gern zu geben, was er mit Recht verlangen kann, und immerfort mit Jedermann in Einigkeit zu leben! 5. Laß mich beständig da⸗ hin sehn, mit Jeglichem so unzugehn, wie ichs von ihm hegehre; damit ich keines Nenschen Herz durch Druck und Härte je mit Schmerz und Kümmerniß beschwere! „Herr, mit dem Maß, womit ich hier dem Nächsten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen. Dieß leize mich zur Billigkeit und lasse mich zu keiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen! 363 Mel. Gott des Himmels und der Erde. 484 Richte nicht mit harter Strengel wenn du Andre fehlen siehst, Groß ist auch der Fehler Menge, die du selber noch nicht fliehst. Sei bedacht⸗ sam, richte nicht! Schonung ist des Christen Pflicht. 2. Siehst du stets die tie⸗ fern Gründe von des Näch⸗ sten Handlung ein? Ist auch, was du tadelst, Sünde, oder trüget dich der Schein? Urtheilst du gewissenhaft, oder reizt dich Leidenschaft? 3. Hast du auch in seiner Jugend stets den Blick ihm zugewandt, und die Feinde seiner Tugend, sind sie alle dir bekannt? Ach, was rech— nest du ihm zu, daß er Mensch ist, so wie du? 4. Oft vollbringt er nur im Stillen, was vor Gott ihm rühmlich bleibt; fehlt auch oft mit Widerwillen, oft nur, weil ihn Irrthum treibt; zeigt nicht Klugheit bei der Pflicht, aber Bos⸗ heit übt er nicht. 5. Christ, vergiß nicht zu bedenken, was dein Näch⸗ ster fordern kann! Ach, wie würd es dich doch kränken, griff Uer deine Ehre ani Deiner schont ja auch der Herr; zeig dich nachsichts⸗ er voll wie er! 6. Selbst bei wirklichem Q 2 Ver⸗ — 364 Vergehen meide mit Be⸗ scheidenheit alles unbefugte Schmähen, Härte, Spott und Bitterkeit! Menschen⸗ freundlich decke du deines Nächsten Fehler zu. 7. Mit dem reinsten Her⸗ zen biete ihm die Hand zu seinem Glück! Bringe, wenn du kannst, voll Güte aus der Irre ihn zurück! Hüte selbst dich, wenn du stehst, daß du keinen Fall begehst! 8. Sehe nicht des Näch⸗ sten Leiden gleich als Strafe Gottes an! Gönne dem er⸗ laubte Freuden, der sie noch genießen kann! Nie gib sei⸗ nen frohen Sinn scheinhar⸗ frommer Schmähsucht hin! 9. Laß die Liebe dich be⸗ seelen, die nur ungern Arg⸗ wohn hegt und, wenn An⸗ dre wirklich fehlen, ihre Feh⸗ ler sanft erträgt! Mehre niemals ihren Schmerz, rühre, beßre nur ihr Herz! 10. Gott, der Richter al⸗ ler Welten, richtet mit Ge⸗ rechtigkeit. Jedem wird er einst vergelten, wie er lebt in dieser Zeit. Ueberlaß ihm das Gericht, richte du den Nächsten nicht! Wohlthätigkeit und Barm⸗ herzigkeit. Mel. In allen meinen Thaten 485 Di, aller Men⸗ schen Vater, —.. Pflichten gegen den Nächsten. du gütigster Berather in Allem, was uns drückt! Was wir hier Gutes haben, sind einzig deine du bists, der unser Herz erquickt. 2. Du lässest von uns Sündern durch Undank nie dich hindern, uns segnend u erfreun! Zu ewgen Se⸗ 5 ligkeiten uns Sterbliche zu leiten, wird ewig deine Freu⸗ de sein. 3. Wie groß ist deine Milde! Barmherzger Vater, bilde mein Herz nach dei⸗ nem Sinn! Daß ich der Noth der Armen mich wil lig mög erbarmen, nimm Gaben; alle Härte von mir hin! 4. Gib, daß ich willig gebe, mich wohlzuthun be strebe, sowie mein Hei⸗ land that, der göttliche E⸗ barmer, den kein bedräng⸗ ter Armer vergebens je um Hülfe bat. 5. Erhalt in mir die Triebe der mitleidsvollen Liehe! Wie du mir Guz gethan, so laß um deinek willen mich Andrer Noth⸗ durft stillen, so oft ich sil nur stillen kann! 6. Zum Fleiß in gule Werken laß mich die Hof⸗ nung stärken: vor dir, den Herrn der Welt, der frohe Geber liebet, sei, was wan willig giebet, ein Opfer das dir wohlgefalltl, 30 Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit. 7. Laß mich hier reichlich säen; denn das, was hier geschehen, folgt uns in jene Zeit. Wer hier den Näch⸗ sten liebet und sich im Wohl⸗ thun übet, der ärndtet dort die Seligkeit. Mel. Auf, Christenmensch! 486 Wer dieser Er⸗ den Güter hat und sieht den Nächsten leiden und macht den Hung⸗ rigen nicht satt, läßt Nacken⸗ de nicht kleiden, der über⸗ tritt die erste Pflicht und uch dich, Gott der Liebe, nicht. 2. Wer U1 un Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret; sich freut, wenn sich sein Feind ver⸗ geht, und Nichts zum Be⸗ sten kehret; nicht dem Ver⸗ leumder widerspricht, der liebet seinen Nächsten nicht. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost, mit Schutz den Nächsten unterstützet, doch nur aus Stolz, aus Eigen⸗ nutz, aus Weichlichkeit ihm 15 cht aus Pflicht.auch am, nicht aus icht— au 5 ö liebt seinen Nächsten nicht. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn ein Dürftger erst lescheinet; nicht eilt, dem Frommen beizustehn, der um Verborgnen weinet; nicht sobald 365⁵ gütig forscht, obs ihm ge⸗ bricht, auch der liebt seinen Nächsten nicht. 5. Wer Andre, wenn er sie beschirmt, mit Härt und Vorwurf quälet und ohne Nachsicht straft und stürmt, sein Nächster fehlet, wie bleibt bei seinem Un⸗ gestüm, Gott, deine Liebe wohl bei ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet; dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet; nur sorglos ihnen Gaben gibt, der hat sie wenig noch geliebt. 7. Zwar du, mein Herz, vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben. Doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszuüben, und wünschest dir die Kraft dazu und sorgst dafür, so liebest du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, so such ihn zu bele⸗ ben! Denk oft: Gott ist die Lieb und mir hat er sein Bild gegeben. Ja, Höchster, was ich hab, ist dein; sollt ich, wie du, nicht gütig sein ꝛ Mel. Gott im Himmel und 487 Seid barmher⸗ —zig, Menschen, Q 3 hö⸗ 366 höret, hört das heilige Ge⸗ bot, das uns Jesus Christus lehret: seid barmherzig, seids, wie Gott! Gebt, so wird euch auch gegeben, was euch Noth ist, Heil und Leben. 2. So viel Menschen, so viel Brüder; Ein Gott ists, der uns erschuf. Wir sind alle Christi Glieder; allge⸗ mein ist Gottes Ruf. Seine Sonne läßt er scheinen so den Bösen, wie den Sei⸗ nen. 3. Gleicht dem Vater im Erbarmen! Seid barmher⸗ zig, seids, wie er! Gebt den Dürftigen und Armen; was ihr gebt, empfängt der Herr. Helft und eilt auch Uungesehen euern Brüdern beizustehen! 4. Hülfreich zu Bedräng⸗ ten eilen, ihnen Schutz und Retter sein, Kummer lin⸗ dern, Wunden heilen, wohl⸗ thun, trösten und erfreun, und dieß thun aus edlem Triebe, das ist wahre Men⸗ schenliebe! 5. Herr, wir geben von dem Deinen, was wir ge⸗ ben; laß uns nie fühllos sein, wo Brüder weinen, unser Mitleid tröste sie, daß, wenn wir zu dir uns nahen, wir auch Trost und Hülf empfahen! Pflichten gegen deu Nächsten. Sanftmuth, Friedliebe und Eintracht. Mel. Besiehl du deine Wege 488 Nach frommer Eintracht stre⸗ ben, mit Allen in der Welt, ists möglich, friedlich leben, dieß ists, was Gott gefällt. Doch dem nur kanns ge⸗ lingen, der seinen Nächsten liebt, sich selbst weiß zu be⸗ autit en⸗ Beleidigung ver⸗ giht. 2. Nachgebend und ge⸗ fällig, des Haders größter Feind, zeigt er sich stets ge⸗ sellig, erhält sich seinen Freund. Er sucht mit Ernst u meiden, was seine Brü⸗ er kränkt, weil er von sich bescheiden, von ihnen rühm⸗ lich denkt. 3. So oft sie Zwist er⸗ regen, so eilet er, den Streit mit Klugheit beizulegen, und stiftet Enigkeit. Der Ueber⸗ eilung Sünden entrüsten nie sein Herz, er läßt sie Nach⸗ sicht fsinden und hemmt dei Unmuths Schmerz. 4. Nie spottet er der Brüder, soviel er Witz he⸗ sitzt; und zürnet nicht gleich wieder, wenn sie ihr Zorn erhitzt. Er freut sich ihrer Freuden, trotzt und erbit⸗ tert nicht und hält sich stetz bescheiden, wenn man ihm widerspricht. 5. So Sanftmuth, Friedliebe und Eintracht. 5. So Fried und Ein⸗ tracht lieben und nie durch Haß und Streit des Näch⸗ sten Tage trüben, ist Pflicht, die Gott gebent. Sie, Herr, stets hoch zu schätzen, ihr ganz mein Herz zu weihn, sie nimmer zu verletzen, soll meine Weisheit sein. 6. Mich selbst zu über⸗ winden, gib Eifer, Muth und Kraft; dann werd ich froh empfinden, welch Glück die Eintracht schafft. Von aller Noth geschieden, werd ich einst selig sein und mich in ewgem Frieden des Lohns der Liebe freun! Versöhnlichkeit und Feindesliebe. Mel. Herzliebster Jesu! 489 err, deine ö Sanftmuth ist nicht zu ermessen. Wie viel hast du vergeben und vergessen! Ach, führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segnetest, die dir, Erlöser, fluchten; du heil⸗ test selbst, die dich zu fan⸗ gen suchten; du zeigtest stets bei deiner Feinde Toben der Sanftmuth Proben. 3. Ach, glich ich dir, o Heiland! Ich bekenne, daß ich noch oft von schnellem 367 Zorn entbrenne und mich vor dir gar leicht durch eigne Rache verwerflich mache. 4. Ich muß es wehmuths⸗ voll, ach, Herr, dir klagen: mein stolzes Herz kann noch so wenig tragen; wie schwer weiß ich, wenn Andere mich hassen, mich recht zu fassen! 5. Vergib mir, Herr, und wende mein Verderben! Bei Zorn und Haß läßt sich dein Reich nicht erben, und jener Tag vergilt nach stren⸗ gem Rechte dem harten Knechte. 6. So hilf mir denn die Rachbegier ersticken! Laß sich dein Bild in meine Seele drücken! So werd ich mich„versöhnlich finden. lassen, nicht wieder hassen. 7. Flucht mir mein Feind, so gib, daß ich ihn segne und seinem Grimm mit Freundlichkeit begegne, daß mich das Böse, das ich dann empfinde, nicht überwinde. 8. Verleih mir das um deiner Sanftmuth willen; so erb ich auch im Lande deiner Stillen die Seligkeit, wozu sie jenes Leben einst wird erheben. Mel. Herzliebster Jesu! 490 Heszt mein Ver⸗ söhner, der du für mich littest und noch 4 zur — SSS...............— — See.——... 368 zur Rechten Gottes für mich bittest, erweck in mir, du Muster wahrer Liebe, der Sanftmuth Triebe! 2. Wann hast du jemals Haß mit Haß vergolten? Du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten; du segnetest mit Wohlthun nicht blos Freunde, auch deine Feinde! 3. Und ich, Herr, sollte mich den Deinen nennen und doch von Rachgier ge⸗ gen Andre brennen? ich sollte feindlich Haß mit Haß vergelten und wieder schel⸗ ten? ö 4. Wie kann ich: Vater! zu dem Höchsten sagen und Groll im Herzen gegen Brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu ver⸗ zeihen, und Rache schreien? 5. Wer nicht vergibt, der wird für seine Sünden auch nicht bei dir, o Herr, Ver⸗ gebung finden. Dein Jün⸗ ger ist nur, wer wie du — und Feinde lie⸗ et. 6. So heilige denn mei⸗ ner Seele Triebe, mein Hei⸗ land, durch den Geist der wahren Liebe, daß nie die unglückselge Lust der Rache mich strafbar mache! 7. Wenn Brüder sich an mir worin vergehen, so Ichen mich ihr Unrecht über⸗ sehen, und sollten sie mich Pflichten gegen den Nächsten. noch so bitter kränken, an dich nur denken! 8. Erwecke dann, o Herr, in meinem Ktni aufs neue das Gedächtniß jener Schmerzen, die du in dei⸗ nen schweren Leidensstunden für mich empfunden. 9. Laß mich mit Sanft⸗ muth meinem Feind begeg⸗ nen, den, der mir flucht, voll Großmuth wie du segnen! Herr, mache gegen Alle, die mich hassen, mein Herz gelassen. 10. Will zu der Taühren mich die Furcht verführen, als würd ich sonst mein gan⸗ zes Glück verlieren, o Herr, so laß mich, ihr zu wider⸗ 0090 auf dich nur se⸗ e n! 11. Du schützest den, der redlich vor dir wandelt und überall nach deinem Vor⸗ bild handelt. Drum laͤß in Allem mich schon hier auf Erden dir ähnlich wer⸗ den! ö Mel. Christus, der ist mein Leben 491 Nie will ich wie— der fluchen, wenn mir mein Hasser flucht; nie dem zu schaden suchen, der mir zu schaden sucht. 2. Ich will ihm sanft be⸗ gegnen, nicht drohen, wenn er droht; schilt er, so 10 ———————————————— — müssen, ist Versöhnlichkeit und Feindesliebe. ich segnen: dieß ist des Herrn Gebot. 3. Mein Jesus, der Ge⸗ rechte, vergalt die Schmach mit Huld; die Wuth er⸗ grimmter Knechte ertrug er mit Geduld. 4. Sollt ich denn wieder schelten, da er nicht wieder schalt? nicht so den Haß vergelten, wie er den Haß vergalt? ů 5. Verleumdung dulden schwer; doch diese Pflicht wird leicht, wenn das meine Unschuld spricht. 6. Dieß will ich treu be⸗ wahren: so bessert mich mein Feind, lehrt weiser mich verfahren, indem ers böse meint. 7. Ich will die Fehler meiden, die er von mir er⸗ sann; auch die will ich be⸗ streiten, die er nicht wissen kann. 8. Durch Huld will ich mich rächen, an ihm das Gute sehn und Gutes von ihm sprechen: wie könnt er läͤnger schmähn? 9. Im Haß ihn zu er⸗ müden, will ich ihm gern verzeihn und als ein Christ zum Frieden, zu Diensten willig sein. 10. Wenn, mich zu un⸗ tertreten, ihn Güte mehr erhitzt, so will ich für ihn Gewissen für d 369 belen und Gott vertraun: Gott schützt! Wahrhaftigkeit, Aufrich⸗ tigkeit und Redlichkeit. Mel. Alle Menschen müssen sterben —492 Laß mich, Höch— ster, danach streben, stets der Wahrheit Freund zu sein! Vor dir müssen Lügner beben und dein heilig Auge scheun; ja, vor deinem Angesichte wer⸗ en sie beschämt zunichte, weil Verstellung, Trug und List dir, o Gott, ein Ab⸗ scheu ist. 2. Andern zu gefallen lügen, leeren Schwätzern gleich zu sein und durch Heuchelei betrügen, Herr, das falle mir nicht ein! Wahrheit leit an allen Or⸗ ten mich in Werken und in Worten; redlich sei des Herzens Grund, redlich sprech auch stets der Mund! 3. Die der Falschheit sich ergeben, sind vor dir, 9 Gott, ein Gräul, und ein unglückselges Leben ist ge⸗ wiß ihr künftig Theil. Hier schon trifft verdiente Schan— de sie bei Redlichen im Lande; denn ein jeder Men⸗ schenfreund ist der Falsch⸗ heit Ränken Feind. 4. Schmäht mich ohne mein Verschulden der Ver⸗ 5 leum⸗ 370 leumder Lästermund, Herr, so laß michs still erdulden; einst wird doch die Wahr⸗ heit kund. Darf ich ja nicht länger schweigen, meine Unschuld zu bezeugen, o so gib, daß stets dabei Her und Mund voll Sanftmuth sei! 5. Daß du, Herr, an je⸗ dem Orte Zeuge meines Wandels bist; daß kein einzges meiner Worte dei⸗ nem Ohr verborgen ist; dieß erwecke mein Gemü⸗ the, daß ich mich vor Lü⸗ gen hüte; denn du liebst den Wahrheitsfreund und bist aller Falschheit Feind. Mel. Befiehl du deine Wege 493 Wobl. dem, der richtig wan⸗ delt, der als ein Wahr⸗ heitsfreund in Wort und Werken handelt und das ist, was er scheint; nie täu⸗ schet und nie schmeichelt, nie doppelzüngig spricht, nie Redlichkeit blos heu⸗ chelt, nie Treu und Glau⸗ ben bricht! 2. Wohl dem, der Lügen hasset, der, wie die Pflicht gebeut, stets seine Reden fasset und Spott und Drohn nicht scheut; die Wahrheit nie verletzet, weil er an je⸗ dem Ort es sich vor Au⸗ gen setzet: Gott merkt auf jedes Wort! Pflichten gegen den Nächsten. 3. Wohl dem, der Gut und Leben, droht ihm Ge⸗ fahr und List, für Wahr⸗ heit hinzugeben bereit und willig ist! Du, Gott, wirst ihn erhöhen, wenn einst in Lin een ehütlt durch roth stehen, enthüllt durch dein Gericht. 4. Herr, laß drum alles Lügen stets ferne von mir sein; behüte mich vor Trügen mit gleißnerischem Schein! Erinnre mein Ge⸗ wissen: du hassest Heuchelei, damit ich stets beflissen der Treu und Wahrheit sei! 5. Laß niemals mich ver⸗ sprechen, was ich nicht hal— ten kann, mich nie Zusagen brechen, die ich einmal ge⸗ than; nie Leichtsinn mich verleiten und nie des Bei— spiels Macht, als Wahrheit auszubreiten, was Schmäh⸗ sucht nur erdacht! 6. Doch laß zu allen Zeiten auch deiner Weis⸗ heit Licht, Herr, meine See⸗ le leiten, damit ich meine Pflicht mit Klugheit üb und wisse, wann ich für And⸗ rer Wohl, wann für mich reden müsse und wann ich „een soll! 7. Wenn je, um mich zu drücken, des Feindes Rals elingt; wenn er mit bösen ücken in Kümmerniß mich bringt: so stärke meine Sel⸗ le, daß sie nicht unterlich und — * Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit. 371 und daß ichs dir befehle durch den die Unschuld siegt! 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir Niemand rauben! So kann ich aus der Welt einst mit der Hoffnung gehen: ich werde als dein Kind dich mit den Frommen se⸗ hen, die reines Herzens sind. Mel. Allein Gott in der Höh 494 O blickt hinauf zur Ewigkeit, empor vom Staube, Brü⸗ der! Was unsre Sinne nur erfreut, vergeht und kommt nicht wieder. Die Tugend blühet ewig schön; drum laßt des Lebens Pfad uns geleitet von der Tu— 2. O, was sind Schätze, was ist Geld, und wärens Millionen? Was sind die Reiche dieser Welt? was aller Reiche Kronen? Wer gäbe für der Welt Gewinn des Herzens innern Frie⸗ den hin? Hinweg mit Trug und Lügen! 3. Ach, Alles, was die Belt verleiht, enteilt, als hätt es Flügel; ein enger Sarg, ein Todtenkleid und ein bemooster Hügel ist hier des Menschen letztes Loos; fürwahr, drum ist der Rensch zu groß, für Welt⸗ gehn, gend. gewinn zu lügen. 4. Wir sind nicht blos für diese Zeit Gefährten, Freunde, Brüder; im Reiche der Vollkommenheit begegnen wir uns wieder. Drum auf! bis Herz und Augebricht, entweihet Recht und Treue nicht! hinweg mit Trug und Lügen! Es winde sich der Treue Band um jedes Reich der Erde; die Treue schütze jedes Land und wohn an jedem Heerde; o Menschen, Brüder, brechet nicht, was Wort und Hand und Schwur verspricht! Hinweg mit je⸗ der Lüge! 6. Hinauf, hinauf zur Ewigkeit, o blickt gen Him⸗ mel, Brüder! Im Reiche der Vollkommenheit begeg⸗ —5 Der Pficht, der 28 ahr⸗ deg der Pflicht, der Wahr⸗ heit Bahn leit uns zum schönen Ziel hinan, und fern sei Lüg und Laster. Mel. Werde munter, mein 495 Ol wir sind, wie wir erscheinen, ob wir reden recht und wahr, wie wir denken, wie wirs meinen, ist dir, Höchster, offenbar. Heilig, liebevoll und rein soll des Menschen Innres sein, und du wägst an jedem Orte jedes Men⸗ schen Herz und Worte. 2. Herr, du gabest uns die Sprache; was uns deine Q 6 Huld 372 Huld verleiht, werde dir, der guten Sache und dem Menschenwohl geweiht! Un⸗ ser Ja und unser Neinmöge fest und redlich sein! Wir sind deines Reiches Glieder, deine Kinder, wir sind Brüder. Mel. Schwing dich auf 496 Renichrunt! mit dir im Bund auf der Erde wandeln; redlich sein mit Herz und Mund, nach Gewissen han⸗ deln; sonder Trug und Heu⸗ chelei Recht und Wahr⸗ heit lieben und, entfernt von Menschenscheu, Recht und Wahrheit üben; flcht jel Hein Tugend⸗ pflicht sei mein Herz erge⸗ ben! Redlich, bis mein Au⸗ ge bricht, redlich will ich le⸗ ben; redlich, wenn die Welt mich sieht, redlich ohne Zeu⸗ gen. Kann, was auch dem Tag entflieht, Gott die Nacht verschweigen? 3. Finsterniß ist ihm wie Licht, Mitternacht wie Mor⸗ gen. Oft bin ich der Welt, doch nicht meinem Gott ver⸗ borgen. Was ich denk und thu, erspäht er im hellsten Lichte; und kein Lügengeist entgeht seinem Strafgerichte. 4. Meines Namens höch— ster Ruhm unter meinen Brüdern und mein liebstes Eigenthum sei der Ruf des Pflichten gegen den Nächsten. Biedern. Wer nach eitlen Schätzen ringt, ringt nach Sorg und Plage: aber Red⸗ lichkeit nur bringt Muth und frohe Tage. 5. Zwar sucht mancher Bösewicht Redliche zu drük— ken, weil ihr Freimuth straft und nicht schweigt zu sei⸗ nen Tücken. Aber dieses“ rückt sie nie aus der Wahr⸗ heit Wegen; ihnen wird, das wissen sie, dennoch Got⸗ tes Segen. 6. Menschenvater, Geld und Gut will ich gern ver⸗ schmerzen; aber einen fro⸗ hen Muth, Redlichkeit im Herzen, Redlichkeit in Wort und That und ein rein Ge⸗ wissen laß mich auf dem Lebenspfad nie, o nie ver⸗ missen! 7. Ich will redlich sein, bis ich hier vollendet habe! Gute Menschen segnen mich dann noch einst im Grabe. In ihr Herz geschrieben bleibt meine Tugend im. mer; und wenn auch mein Leib zerstäubt, stirbt mein Name nimmer. ö —— Gutes Beispiel,— Mel. Gott Vater, an Erbarmen 497 on dir, der meine Freuden schuf, ist auch mein heiliger Beruf, im Herzen und im Wan⸗ + Wandel rein und 1 der Welt zu große Pflich keiner wahre nützlich in sein. Wer diese t nicht ehrt, ist n Freude werth. Es war, o Vater, dei⸗ ne Hand, die mit den Men⸗ schen mich verband. ch sollte redlich mich bemü n, auch sie zum Guten hinzu⸗ ziehn; und leuchtet ihnen stets mein Licht, so fehlt mir deine Liebe nicht. Wie groß ist jedes Bei⸗ spiels Macht! O würd es stets von uns bedacht, wie viel im Stillen um sich her es wirkt und täglich mehr und mehr die schwächern Garzer⸗ die es rührt, zum Guten oder Bösen führt! 4. O wehe dem, der sorg⸗ los bleibt und kühn des La⸗ sters Werke treibt; den nicht der Blick der Unschuld schteckt und aus des Lasters Taumel weckt; der selbst die Schwa⸗ chen gern berückt und listig in sein Netz verstrickt. 5. Wie trostlos wird er einst sich sehn, wenn um ihn die Verführten stehn, und wenn nun jeder laut ihm flucht, ihm seine Qual zu mehren sucht, vor dir, 0 Richter, ihn verklagt und 40—0 sein frecher Geist ver— zagt! —.— 6. Fern sei so schwere Schuld von mir! Ja, Va⸗ ter, ich gelob es dir! Mein Beispiel reize jederzeit zur Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit.373 Tugend nur und Frömmig⸗ keit! Gib selbst, o Gott, gib mir die Kraft zu dem, was Heil und Segen schafft! Bescheidenheit. Mel. Wer nur den Reben Gott on 498 Vabat stehn, Vater, alle Men hier auf niedern und höhern Stufen, und was sie haben, kommt von dir; du machest arm, du machest reich: doch vor dir sind wir alle gleich. 2. Nicht Jeder hat, was Andre haben, und das ist Güte: denn du gibst dem diese, jenem andre Gaben, weil du als Vater Alle liebst. Es sollen Alle lück⸗ lich sein und jeder sich des udern freun. 3. Beglücken und selbst glücklich werden, ist Aller Ruf, ist Aller Loos. Dar⸗ um ist dieser hier auf Er⸗ den gering und arm, der reich und groß; der hat mehr Kraft, der mehr Ver⸗ stand und jener braucht, was der erfand. ö 4. Wer hat mich Andern vorgezogen? wer wieder andre Menschen mir? Du, Gott, durch freie Huld be⸗ wogen; denn Alles Gute kommt von dir. Ich gab Q 7 dir schen auf 37⁴ dir Nichts zuvor und ich bin Alles, was ich bin, durch dich. 5. Und ich, ich sollte nicht bescheiden und fern von al⸗ lem Stolze sein; ich den, der mehr empfing, benei⸗ den, mit ihm mich seines Glücks nicht freun? Wär ich wohl, hätt ich mehr, als er, auch besser dann und seliger? 6. Nein, gerne will ich, Andre ehren; wie arm, wie niedrig sie auch sein. Sie können meiner nicht entbeh⸗ ren; ich kann mich ohne sie nicht freun. Nähm Keiner meines Glücks sich an, wie Glückseligkeit wahrer Christen. arm, wie hülflos wär ich dann! 7. Wer eitler Ehre gern entbehret und Tugend an Geringen gern erkennt und schätzet, der verehret der Niedern und der Hohen Herrn! Wohl ihm! denn mit Zufriedenheit lohnt De⸗ muth und Bescheidenheit. 8. Sie schmückt das Alter, gibt der Jugend Reiz, Lie⸗ benswürdigkeit und Werth; gibt Würd und Hoheit jeder Tugend, die eitlen Schim⸗ mer gern entbehrt. Sie sei, o Gott, mein Eigenthum, vor dir und vor der Welt mein Ruhm! Glückseligkeit wahrer Christen. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 499(E euch, un⸗ selge Spötter! Ihr zittert, wo der Fromme glaubt; mein Herz hat einen Gott zum Retter und eine Hoffnung, die Nichts raubt. Ich sehe meinen Heiland leben; ich weiß, daß ich nicht sterben kann; weiß, mit verklärtem Leib umge⸗ ben schau ich ihn einst im Himmel an. 2. Was seid ihr, stolze Weltbezwinger, wenn eug die größte Hoffnung fehlt? Dem Höchsten seid ihr viel geringer, als euch der Sklave, den ihr quält. Wie kurze Zeit, mit wie viel Sorgen genießt ihr eurer Ehrsucht Raub! Man rühmt euch heute, haßt euch morgen; ihr waret Götter und seid Staub. 3. Was sind, Weltmen⸗ schen, eure Freuden? die Wollust, die euch trunken macht? Ein Christ sollt euer Glück beneiden? Folgt es euch in des Grabes Nacht? Ihr rechnet mit erhitztem Blute des fernen Tages Wollust aus? Die nahe schreckliche Minute tilgt euer Glück auf ewig aus. 4. Ihr. Glückseligkeit wahrer Christen. 4. Ihr seid dahin. Des Christen Größe geht auf, hesiegt die kurze Nacht, am Tage, da Gott eure Blöße zum Abscheu aller Augen macht. Der Tag macht Kö⸗ nige den Knechten und Bett⸗ lern den Monarchen gleich; der Tag gibt Adel dem Ge⸗ rechten und macht des Chri⸗ sten Seele reich. 5. Ein Blick in meine Zu⸗ kunft treibet Verdruß und Angst aus meiner Brust; ein Herz, das nicht auf Er⸗ den bleibet, ist sich des Him⸗ mels stets bewußt. Kein Unglück kann mich nieder— schlagen; ich weiß, mein Glück entgeht mir nie; ich darf vor Feinden nicht ver⸗ zagen; ich weiß, mein Tod entwaffnet sie. 6. Du letzte Stunde mei⸗ nes Lebens, die du den Chri⸗ sten heilig bist, ich warte nicht auf dich vergebens; ich thu, was deiner würdig is. Du lehrst mein Leben mich genießen; du bist mein Lohn aus Gottes Hand. Wie sanft wird sich mein ahlt schließen! mein Geist erblickt sein Vaterland. 37⁵ Andre ängstlich zagen, nichts Schreckliches in der Natur. 2. Wenn meine Sünde schweiget und mir dein Geist bezeuget, daß ich begnadigt bin; wenn mich dein Trost erquicket, so oft mich Trüb⸗ sal drücket: wie unschätzbar ist mein Gewinn! 3. Sollt ich solch ruhig Leben für Lust der Sinne eben und dann die innre Pein, mich selber zu ver— klagen, in meinem Busen tragen? Groß würde meine Thorheit sein. 4. Sein eignes Herz be⸗ kämpfen und seine Neigung dämpfen, ist freilich schwere Pflicht; doch wenn wir uns besiegen, welch seliges Ver⸗ gnügen gewährt der Pflicht Erfüllung nicht! 5. Nichts kann im Wohl⸗ Höden 5 unser 1 0 er⸗ ohen, als ein geruhig Herz; das schaffet innre Freuden selbst in den größten Lei⸗ den und stillt in Schmerzen selbst den Schmerz. ie Güter zu verach⸗ ten, wonach die Thoren schmachten, was gibt uns dazu Muth? Was tröstet Gottes Kinder beim Spotte frecher Sünder? Ein ruhig Herz, dieß größte Gut. Zu dir gen Himmel schauen, o Gott, und mit Vertrauen sich rühmen: ich bin dein; gezählt zu C⸗ ⸗ 376 Erlösten, darf ich mich dei⸗ ner trösten: welch Glück, mein Gott, kann größer sein! 8. Läßt du mich im Ge⸗ wissen einst diesen Trost ge⸗ nießen, wann Alles von mir weicht, wann ich den Lauf vollendet und sich mein Leben endet: so wird mir selbst das Sterben leicht. 9. O laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten und mache selbst mich treu! Zum Fleiß in guten Wer⸗ ken laß mich die Hoffnung stärken, daß Nichts ver⸗ dammlich an mir sei! Mel. Schon ist der Tag von 2 welch ein un⸗ 501 O schäsbares Gut ist, Herr, ein gut Gewissen! Wer dieses hat, der hat auch Muth, wenn Andre zagen müssen. Sein ruhig Herz erzittert nicht; ihn schreckt kein Tod und kein Gericht, denn mit dir hat er Friede. 2. Sich deines Beifalls, Gott, bewußt, ruht er in deiner Gnade. Dein Friede ruht in seiner Brust; und wer ist, der ihm schade? Auf dich sieht er in aller Noth, womit die Zukunft ihn bedroht. Ihn tröstet deine Vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zuweilen noch das Gift der wissens Spruch als deine Gückseligkeit wahrer Christen. Lästerzungen, wird seines Herzens Ruhe doch dadurch nicht ganz bezwungen. Ge⸗ nug, er weiß davon sich rein und flieht auch sorg⸗ sam bösen Schein. Gott wird die Unschuld retten. 4. Sein Geist sieht mit Zufriedenheit der künftgen Welt entgegen. Die gibt ihm Muth und Freudigkeit auf allen seinen Wegen. Denn dort macht selbst, o Herr, dein Mund den wah⸗ ren Werth der Menschen kund; da wird der Fromme siegen. ů 5. So hilf denn, daß ich mir zum Heil ein unver⸗ letzt Gewissen, des Lebens allerbesten Theil, zu haben sei beflissen. Mit dir, Gott, ausgesöhnt zu sein; dein heilig Recht nicht zu ent⸗ weihn, das sei mein größ⸗ ter Eifer! 6. Gib, daß ich des Ge⸗ Stimme ehre und immer aufmerksam genug auf seine Warnung höre. Erinnerts mich an meine Schuld, s laß mich, Vater, deine Huld voll Reu und Glauben suchen! 7. Mit deiner Gnade tröste mich und stärke meine Seele, daß sie vor Sünden hüte sich und nie aus Vor⸗ satz fehle. Denn wer nun reines Herzens ist, hat me mer de schon auf Glückseligkeit wahrer Christen. mer dich durch Jesum Christ, Allwissender, zum Troste. Wel. Schmücke dich, o liebe S. 502 om Geräuf der Welt ge⸗ schieden, schmeck ich des Er⸗ lösers Frieden und die Freu⸗ Erden, Herr, mit dir vereint zu werden. Diese Welt mit ihren Sün⸗ den seh ich unter mir ver⸗ schwinden und das Heil von jenem Leben den ent⸗ zückten Geist umgeben. „O, was achten weise Christen jenen Reiz von nie⸗ dern Lüsten, jenen Glanz der eitlen Freuden und des Lebens kurze Leiden, wenn sie schon im Geist am Throne deiner treuen Streiter Krone und den hohen Lohn erblik⸗ ken, der sie dort einst wird entzücken! 3. Mag doch Trübsal mich unstürmen: deine Huld wird mich beschirmen. Kurz nur sind dez Jammers Pfade: wig währt der Lohn der Onade. Mit des Dankes stillen Zähren will ich dei⸗ nen Rakh verehren, unter keiner Bürde sinken und den Kelch in Ruhe trinken. . Du hast selbst der Nenschen Plagen, Heiland, voll Geduld ertragen, tau⸗ sendfaches Leid gelitten und 377 den schwersten Kampf ge⸗ stritten. Gib, wenn ich er— mattet bebe, daß mich deine Kraft belebe! Hilf mir wa⸗ chen, kämpfen, siegen! Friede lohnet nach den Kriegen. Mei. Wer nur den lieben Gott 503 Weun ich ein 3. — Gewissen ha⸗ be, so hab ich große Selig⸗ keit: es ist des Himmels beste Gabe, das höchste Glück in dieser Zeit, in Freud und Leiden gibt es hier die wahre Ruh der Seele mir. 2. Ich bebe nicht, wenn Sünder beben, daß Gott gerecht und heilig ist. Mein Herz gibt Zeugniß meinem Leben, daß ich gewandelt als ein Christ, des göttlichen Berufes werth, der mich im Himmel wandeln lehrt. 3. Getrost wag ichs, vor Gott zu treten und ihn voll Glaubensfreudigkeit als meinen Vater anzubeten, der, was ich habe, mir ver⸗ leiht und jedem Heil und Segen gibt, der ihn von Grund des Herzens liebt. 4. Mit Muth trag ich des Lebens Leiden sie sind ein herber Augenblick; doch des Gewissens innre Freuden sind süßer, als der Erde Glück; und was kann hö⸗ hern Trost verleihn, als ohne Schuld im Leiden sein! 5. Die 378 5. Die Freudigkeit in mei⸗ nem Herzen verbreitet sich auf mein Gesicht; sie ist mein Labsal in den Schmerzen und in der Finsterniß mein Licht; sie macht getrost, wenn eine Welt erzittert und in Trümmern fällt. 6. Der bangen Todes⸗ furcht entwöhnet, eil ich der letzten Stunde zu; dem Lei⸗ be, der nach Rast sich seh⸗ net, zeigt sich im Grabe sanf⸗ te Ruh, indem mein Geist, der Gott gelebt, zu seinem Ursprung sich erhebt. 7. Und droht mir ja noch einge Sünde, mein Hei⸗ land gibt mir Trost und Muth; ich weiß, daß ich stets Ruhe finde in der Ver⸗ söhnung durch sein Blut: er, der für mich gebüßet hat, tilgt alle meine Missethat. 8. O Seele, darum sei be⸗ flissen, daß Frömmigkeit und Heiligkeit dir immerdar ein gut Gewissen und Glaubens⸗ zuversicht verleiht. Und du, mein Gott, regiere mich. Denn, o was könnt ich ohne dich? Mel. Herzliebster Jesu! 504 Wen wird, o Gott, die Wonne der Erlösten nach dieses Lebens kurzem Kampfe trösten? Wen schmückt im Himmel einst vor deinem Throne des Mittlers Krone? Glückseligkeit wahrer Christen. 2. Wer heilig wird; wer, abgewandt vom Bösen, sich von der Sünde Herrschaft läßt erlösen; wer an den Sohn glaubt, seinen Herrn ihn nennet, ihn frei beken⸗ net; 3. Wer deine Wahrheit unter Adams Kinder ver⸗ breitet, sie erleuchtet und die Sünder durch Thaten reizt, mit einem bessern Leben dich zu erheben; 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, die Menschen all als seine Brüder liebet, nicht lä⸗ stert, sie nicht kränkt, nicht stolz sich blähet und keinen schmähet; 5. Wer Sünden hassel und doch mit den Sün⸗ dern Mitleiden fühlet und an deinen Kindern die Gottesfurcht und ihre Ga⸗ ben ehret, hält, was er schwöret; 6. Wer nicht der Brü⸗ der Ruhm und Glück he neidet, selbst reich, die Al⸗ men speist, die Nackten klei det, froh, ohne Wucher auch mit milden Gaben genützt zu haben; 7. Wer, züchtig in Ge⸗ danken, keusch auch lebetz wer seines Werthes sich m überhebet, im Glücke ma⸗ ßig, gütig und bescheiden getrost im Leiden; 8. Den wird, o* ——AVTer.. ece e— —— Glückseligkeit wahrer Christen. die Wonne der Erlösten nach dieses Lebens kurzem Kampfe trösten; den schmückt im Himmel einst vor dei⸗ nem Throne des Mittlers Krone. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 505 Wie 11— Se⸗ ligkeit, o Gott, schon in der Prüfungszeit, selbst un⸗ ter viel Beschwerden, wenn unser Herz sich dir ergibt und treu in Jesu Dienst sich übt! Wie groß wird sie einst werden, wenn sich herrlich jenes Leben wird anheben, wo man Freuden ärndtet von der Saat der Leiden! 2. O wie erhaben ist das Recht, das du uns schenktest, dein Geschlecht und Bundesvolk zu heißen! Bei dir ist unser Vater⸗ land; und wer will deiner starken Hand, Allmächtger, uns entreißen? Wenn wir gleich hier müssen streiten und zu Zeiten schwach uns sinden, hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre Schul⸗ den zu, gibst unsern See⸗ len wahre Ruh und stär⸗ kest uns mit Freude. Dein Sohn ist unser Haupt und uhm, wir sein erkauftes Eigenthum und Schafe sei⸗ ner Weide. Gutes Mu⸗ 379 thes sind auf Erden in Beschwerden unsre Seelen. Herr, was kann bei dir uns fehlen? 4. Es bleibet zwar der hohe Werth der Gnade, die uns widerfährt, verborgen hier auf Erden. Doch wann der Herr vor aller Welt in Majestät Gericht einst hält, dann wird er sichtbar werden. Alsdann sieht man ihn mit Kronen uns be⸗ lohnen als die Seinen, ewig uns mit ihm ver⸗ einen. 5. Wie glücklich, Gott, sind wir alsdann! Wie viel hast du an uns ge⸗ than! O laß uns unsre Würde vor Augen haben jederzeit, so tragen wir mit Willigkeit der kurzen Lei⸗ den Bürde. Herr, gib den Trieb in die Seelen, dich zu wählen und im Leben uns dir gänzlich zu ergeben. Mel. Schon ist der Tag von Gott 506 Wie heiter fließt mein Leben hin und jeder meiner Tage, wenn ich dir, Gott, ergeben bin, der Sündenlust entsage, von jeder bösen Neigung frei und deiner heilgen Vor⸗ denti treu, rechtschaffen enk und handle. ö 2. Sanft führt dann dei⸗ ne Vatertreu mich auf des Lebens Wegen; mit jedem Mor⸗ 380 Morgen wird sie neu zu reicherm Heil und Segen. Du, dessen Allmacht mich beschützt, gewährst mir Al⸗ les, was mir nützt, lenkst Böses selbst zum Guten. 3. Dich kennt, dich liebt, dir traut mein Herz: wie könntich jeverzagen! Ich dul⸗ de standhaft jeden Schmerz; du hilfst die Last mir tra⸗ gen. Verlassen kannst du, Gott, mich nicht; stets warst du meine Zuversicht; du wirst es ewig bleiben. 4. Wenn deine Gnade mich erquickt und Ruh ins Herz mir sendet; Gott, wenn dein Friede mich be⸗ glückt und keine Reu mich kränket: wie selig bin ich dann in dir! Wie ahn und fühl ich dann schon hier dent hohe Freu⸗ en! 5. Die Bahn der Tu⸗ gend und der Pflicht führt in zum ewgen Leben! O Gott, mein Gott, ich zweifle nicht, du wirst zu dem Be⸗ streben, sie treu zu wan⸗ deln, deine Kraft, die alles Gute wirkt und schafft, mir Schwachen nicht versagen! Mel. Eins ist Noth, ach 507 Liblich sind der Tugend Pfade, Heil des Himmels ist ihr Ziel. Hier empfind ich Gottes Gnade und der ho⸗ Glückseligkeit wahrer Christen. hen Freuden viel. Was hilft es mir, wenn ich auch Welten gewinne? Vergäng⸗ lich ist jedes Vergnügen der Sinne. Nur Freuden der Tugend entfliehen mir nicht; sie bleiben, wenn Alles auch wanket und bricht. 2. Die Natur streut Lust und Wonne Jedem in den Pilgerlauf; aber schöner geht die Sonne für den Freund der Tugend auf. Ihm strahlet von Sternen ein höhres Entzücken; ihm pflegen die Auen sich schö⸗ ner zu schmücken. Die ir⸗ dischen Gaben sind Labsal ihm nur; drum beut sie 5 süßer die holde Na⸗ ur. 3. Fruchtlos und mit sich im Frieden geht er seine hohe Bahn. kann ihn ermüden, täuschen ihn kein eitler Wahn. Ihn leitet die Wahrheit durchs Lebensgetümmel; sein Sinn und sein Wandel ist schon in dem Himmel. Ihm folget der Beifall der Edlen, und Ruh strömt ihm von dem Throne des Ewigen zu. 4. O wer wollte diese Freuden, diese Seligkelt verschmähn? Wer nicht selbst im tiefsten Leiden auf der Bahn der Tugend gehn Wenn oft auch die Kräste des Pilgers ermatten wa 0 Keine Last. ——eeeeeteteeeececeteer.., -&· 8 „Staube Glückseligkeit wahrer Christen. laben ihn wieder sanftküh⸗ lende Schatten. Drum mu⸗ thig, ihr Christen! Das Ziel ist nicht fern. Uns winket ein Vorbild: o folget dem Herrn! Mel. Der unsre Menschheit 508 Mein Glaub ist meines Le⸗ bens Ruh und führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Ach, gib mir, Herr, Beständigkeit, daß diesen Trost der Sterb⸗ lichkeit Nichts meiner Seele raube! Tief präg es mei⸗ nem Herzen ein, welch Glück es sei, ein Christ zu sein! 2. Du hast dem sterb⸗ lichen Geschlecht zu deiner Ewigkeit ein Recht durch deinen Tod erworben. Zum kehrt zurück der Staub; mein Geist wird nicht des Todes Raub, dn hist für mich gestorben. Mir, der ich dein Erlöster bin, Leibes Tod Ge⸗ ist dieses winn. 3, Ich bin erlöst und bin tut Christ; mein Herz ist ru⸗ hig und vergißt die Schmer⸗ . dieses Lebens. Ich dul⸗ e„ was ich dulden soll, und bin des hohen Trostes voll: ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein Theil mir zu, hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. 381 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit mir, der ich je⸗ ner Herrlichkeit mit Ruh entgegenschaue? Bald ruft der Herr und ewiglich be⸗ lohnet und erquickt er mich, weil ich ihm hier vertraue; bald, bald verschwindet al⸗ ler Schmerz und Himmels⸗ freuden schmeckt mein Herz. 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünden schimpflich Joch in meinem Lauf auf Erden. Die Tugend ist mir süße Pflicht, und wenn ich gleich hienieden nicht ganz frei von Fehlern werde, so ist mein Trost: Gott hat Ge⸗ duld und straft mich nicht nach meiner Schuld. 6. Der du den Tod für mich bezwangst, der du mich, Mittler, aus der Angst, die ich verdient, gerissen! Dir, dir verdank ich meine Ruh; du heilest meine Wunden zu; du stillest mein Gewis⸗ sen; und fall ich noch in meinem Lauf: so richtest du mich wieder auf. 7. Gelobt sei Gott! Ich bin ein Christ, und seine Gnad und Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens. Ich wachs in meiner Hei⸗ ligung, ich spüre täglich Besserung des Herzens und des Lebens. Ich fühle, daß des Geistes Krast den neuen Menschen in mir schafft. 8. Dank 382² 8. Dank sei dir, Jesu, Dank und Ruhm! Mi lehrt dein Evangelium fest glauben, hoffen, lieben! Es macht mich ruhig; es erfreut und führet mich zur Seligkeit; drum will ichs willig üben. Hier rühm ich meines Glaubens mich; für ihn preis ich dort ewig dich! Mel. Wer nur den lieben Gott 509 em Wandrer gleich, der auf der Reise das festgesetzte Ziel verfehlt, durch Wüsten irrt und sich im Kreise von Furcht und Hoffnung sor⸗ gend quält, lebt auch der Christ, deß Leitstern nicht ist Jesu Lehre helles Licht. 2. Er irrt umher auf düsterm Pfade, sucht See⸗ lenruh und findt sie nicht; wünscht den Besitz von Got— tes Gnade, allein er wan⸗ delt ohne Licht; greift nach dem Halm, der ihn ver⸗ läßt; er zagt, sein Glaube steht nicht fest. 3. Willst du das Glück es Christen kennen, so sammle nur Erfahrung ein. Sie wird die Segnungen dir nennen, die ihn hienie⸗ den schon erfreun. Sein Glaube hebet über Zeit und Gräber seine Seligkeit. 4. Betracht ihn im Be⸗ sitz der Güter, der Ehr und Glückseligkeit wahrer Christen. Hoheit dieser Welt: das Christenthum ist sein Be⸗ hüter, daß er durch sie nicht wankt und fällt; kein irdisch Gut ist ihm ein Reiz zur Wollust, Ueppigkeit Geiz. 5. Gerührt durch Mit⸗ leid und Erbarmen beim Anblick seiner Brüder Noth, deckt er die Blöße nackter Armen, theilt mit dem Hungrigen sein Brod; er schmecket die Zufriedenheit, womit das Wohlthun uns erfreut. 6. Wirf einen Blick auf ihn, wenn Leiden und Trüh⸗ sal ihn zu Boden drückt. Mein Vater, spricht er, hat durch Freuden in guten Ta⸗ gen mich erquickt. Ich kenn in Leiden Gottes Huld und trag die Prüfung mitGeduld, 7. Seh ihn im Kreise der Geschäfte; wie würdig scheint der Christ dir nicht; gewissenhaft braucht er di Kräfte zur Uebung seine heilgen Pflicht. Sein Fleiß, dem Menschenwohl geweiht, erfüllet ihn mit Seligkeit. 8. Schau auf ihn himn, wenn nun das Ende den Wirkungskreise ihn entreißt Mein Gott, spricht er, in deine Hände befehl ich ster bend meinen Geist. Du his mein Trost auch in der Nacht des Todes. Herr, ei ist vollbracht! ö Dritti und — e„ — über die Pflichten des Christen in besonderen Verbin⸗ dungen, Zeiten und Umständen. Gesinnung und Verhalten des Christen in besonderen gesellschaftlichen Verbindun gen. Häusliche Gesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott 510 Wohl dem, der 4 in dem Ehe⸗ hunde in treuer Lieb und Entracht lebt! Ihm wird o manche Lebensstunde mit Lust und Heiterkeit durch⸗ webt; er blickt mit ruhig frohem Sinn auf seiner Zu⸗ lunft Tage hin! 2. Wohl dem, dem from⸗ uer Kinder Segen den Ehe⸗ bund noch schöner macht; venn sie im Herzen Tugend hegen, in ihren Blicken Un⸗ schuld lacht, wenn sie der Aeltern Beispiel rührt und guf den Weg zum Heile führt! 3. Wohl denen, deren Hausgenossen die Furcht des Herrn vor Augen schwebt; wenn Jeder treu und un' verdrossen das, was er soll, zu leisten strebt; wenn Ein⸗ tracht und Zufriedenheit das Haus zum Sitz des Segens weiht! 4. Wohl uns, wenn auch bei unsern Freuden sich freut der Nachbar und der Freund; wenn er an un⸗ serm Schmerz und Leiden theilnehmend, tröstend mit uns weint; die Bruderhand uns willig reicht und Hülf und Beistand gern erzeigt! 5. Ja denen, die! dich kindlich ehren, o Vater! strömt dein Segen zu. Sie wandeln, folgsam 4.— L⸗ * 384 Gesinnung und Verhalten des Christen Lehren, und traun auf dich und finden Ruh; sie finden Freude, deren Werth und Dauer keine Zeit zerstört. 6. Zwar wird auch oft der Kelch der Leiden den Deinen, Herr, von dir ge⸗ sandt; oft muß die Tod und Trennung scheiden, die Blut und Treue fest verband; oft stört des Grams, des Unfalls Wuth, oft Krank⸗ heit ihren heitern Muth. 7. Doch trinken sie den Kelch gelassen, den du, ihr Vater, eingeschenkt: du wirst, du kannst sie nicht verlas⸗ sen, du, Gott, der seiner Kinder denkt und, wenn ihr Glaube standhaft ringt, durch Leiden sie zur Wonne bringt. 8. Drum mag des Todes Arm uns trennen: wir wer⸗ den einst uns wiedersehn, vor Gottes Thron die Un⸗ sern kennen, mit ihnen dan⸗ kend vor ihm stehn, da, wo nicht Trennung und nicht Tod den Neuvereinten fer⸗ ner droht. Mel. In allen meinen Thaten 511 O selig, wer zu⸗ frieden mit dem, was Gott beschieden, den Weg durchs Leben geht; von Herzen ihm vertrauet und fest auf das nur bauet, was mit der Frömmigkeit besteht! ö 2. O selig, wenn die Her⸗ zen, gefaßt auf Freud durch Schmerzen, vereint durch Einen Sinn, sich liebend hier verbinden, das wahre Gut zu finden, den ewig dauernden Gewinn! ö 3. Es wohnet schon hie⸗ nieden des Himmels hoher Frieden bei stiller Häus⸗ Der Liebe reiner lichkeit. Seelen kann keine Freude fehlen, kein Segen der Zu⸗ friedenheit. 4. Sie mildert Sorg und Leiden, versüßt der Erde Freuden, führt Menschen and in Hand, im fest ver⸗ einten Streben durchs kunt Pilgerleben zum Ziel im bessern Vaterland. Der Ehestand. Mel. Wer nur den lieben Gott 51 2 on dir, Gohh. sind der Eh⸗ Freuden, du, der du Manh und Weib erschufst und s im Glück, sowie im Leiden zu großer Pflichten Uebum rufst! Uns diesen Pflichttl ganz zu weihn, laß unsen Bundes Endzweck sein! 2. Erhalt uns stets a deinen Wegen, nimm gna⸗ dig unsers Thuns dich au Laß Wohlstand uns 990 —4—3———7—.———— in besonderen den Segen mit Dank aus einer Hand empfahn und fördre unsrer Hände Fleiß, uns, Herr, zum Glück' und dir zum Preis! 3. Verleih uns deines Geistes. Triebe; erfülle un⸗ ser ganzes Herz mit reiner, fester, treuer Liebe in Glück und Unglück, Freud und Schmerz; mit Liebe, die in Frömmigkeit durch Blick und Wort und That erfreut! 4. Kein Christ verbittre seine Tage dem andern je durch Ungestüm; und trifft den einen Last und Plage, so mildre sie der andre ihm! Das Glück, deß sich der Eine freut, schaff auch dem Andern Heiterkeit! Laßt uns einander, wo wir fehlen, sanftmüthig nachsehn und verzeihn und sets mit dir geweihten Seelen im Guten uns zu wachsen freun! Dann wächst lujedem Augenblick mit un⸗ ser Tugend unser Glück. Mel. Mein ganzer Geist 513 Der 9201055 soll eilig sein! Du, Schöpfer, setztest selbst ihn ein, der Welt zum Glück und Segen. Noch immer lließt in diesem Stand aus iner milden Vaterhand en Frommen Heil entge⸗ gen. Vater! Vater! dich Verbindungen. 385 erhöhen, die in Ehen dein sich freuen, durch dich blü— hen und gedeihen. 2. Wie glücklich lebt ein frommer Mann, wenn die sein Herz ihm abgewann, die Gott ihm ausersehen! Wie glücklich lebt an seiner Hand die Fromme, die ihm Gott verband, ihm hülfreich beizustehen! Wohl euch, wohl euch, fromme Gatten! In dem Schatten seiner Güte jauchzt mit sreudigem Gemüthe! 3. So strecket weit sich um ein Haus ein reben⸗ reicher Weinstock aus; so blühn auch Ehgenossen. Ringsum umringen ihren Tisch die Kinder fröhlich, Frühline frisch, wie Conctt Frühlingssprossen. org nicht! Sorgt nicht! Wie viel Beter zählt ihr, Vä⸗ ter, zählt ihr, Mütter! Sorg und Müh ist hier nicht bitter. 4. Gott, die du hier ver⸗ bunden hast, erleichtre ihres Lebens Last; gib, daß kein Segen fehle! Laß nie sie ihren Bund entweihn; laß treu sie, züchtig, friedsam sein, Ein Herz und Eine Seele! Lenke, lenke, Geist der Liebe, ihre Triebe weg von Sünden, daß sie häus⸗ lich Glück empfinden! 5. O leite sie von Uep⸗ pigkeit auf Freuden, die R man 386 Gesinnung und Verhalten des Christen man nie bereut, aus Freu⸗ den echter Tugend, damit auch einst ihr Alter frei von drückenden Beschwerden sei und heiter wie die Jugend! Segne, segne, o du Vater und Berather frommer Ehen, alle sie, die auf dich sehen! Bei Trauungen. Mel. Vom Himmel kam der 514 Gett Schöpfer, Stifter heil⸗ ger Eh, schau auf dieß Paar aus deiner Höh, das vor dir steht, den festen Bund hier vor dir schließt mit Herz und Mund! 2. Mit Gnade schau auf sie herab, daß sie zusammen bis ins Grab verträglich, freundlich, gleichgesinnt, vor Allem gottesfürchtig sind! 3. Laß sie einander innig⸗ lich stets lieben, doch nie mehr, als dich; von Untreu auch im Herzen rein und keusch in Wort und Werken sein! 4. Zusammen laß sie dir vertraun, zusammen ihre Seel erbaun, zusammen dei⸗ nen Ruhm erhöhn und dei⸗ nen Segen sich erflehn. 5. Was ihnen ihr Beruf gebeut, das laß sie thun mit Freudigkeit; und so geling ihr frommer Fleiß zu ihrem Wohl und deinem Preis! 6. Empfinden und erfah⸗ ren sie des Erdenlebens Last und Müh: so trage jeder gern sein Theil zu seines Gatten Trost und Heil! 7. Willst du durch Kinder sie erfreun, so gib zu ihrer Zucht Gedeihn, daß an den Pfändern ihrer Eh ihr Herz nie Gram und Jammer seh! 8. Wenn dein Rath ihnen Trübsal schickt, laß sie darin nicht unerquickt; gib heitre Tage nach dem Leid und segn es für die Ewigkeit! 9. Und trennet einst auch sie der Tod, so sei ihr Trost: daß unser Gott, die tugend⸗ haft sich hier geliebt, einan⸗ der ewig wiedergibt. Mel. Mein ganzer Geist 515 Voen din du Gat der Einigkeit, ward einst der Ehe Bund geweiht; o weih auch sie zum Segen, die hier vor deinem Angesicht entschlossen stehn, den Schwur der Pflicht ver⸗ einigt abzulegen! Laß sie, Vater, dir ergeben, einig leben, treu sich lieben, tre die Pflicht der Christen üben! 2. O du, der du so gern beglückst, so liebreich zu um niederblickst auf allen unsem Wegen, Herr, laß sie stets sich deiner freun; gib au zu ihrem Thun Gedeihn und ihr Beruf sei Segen! Laß se Vater, dir ergeben, 92 699 6 in besonderen leben, freudig sterben und vereint den Himmel erben! Nach der Trauung. Mel. Mein Gott, das Herz 516 Geht hin! Der Gott der Ei⸗ nigkeit hat euern Wunsch erhört! Geht hin und macht durch Frömmigkeit euch sei⸗ nes Segens werth! »Ihm heiliget Beruf und Stand; ihm heiligt euer Herz und folgt der Leitung seiper 980 durch Freuden und dur Schmerz! 3. Euch nehme, schließt nach seinem Rath ihr einst den Pilgerlauf, er, der euch hier vereinigt hat, in seinen Himmel auf. Aelternpflicht. Mel. Alle Menschen müssen sterben 517 Menschen weis und gut er⸗ ziehen, die zum Leben Gott erschuf: welch ein wichtiges Bemühen, welch ein seliger Beruf! Gott zum Ruhm, der Welt zum Segen, ih⸗ res eignen Heiles wegen, inder weis und gut er⸗ ziehn: welch ein wichtiges Bemühn! 2. Wächst der Mensch in früher Jugend roh und ohne Verbindungen. 387 Zucht heran, ohn Erkennt⸗ niß, ohne Tugend: kann er dann des Lebens Bahn würdig, mit Vernunft be⸗ treten? würdig dich, o Gott, anbeten? seinem Nächsten nützlich sein? deiner Liebe sich erfreun? 3. Jeder, dem du hier auf Erden Kinder gnädig anvertraut, sorge, daß sie weise werden, daß er ihre Wohlfahrt baut; lehre früh sie Tugend lieben und das Gute willig üben! Diese Pflicht ist ernst und groß; spricht Nichts, ihr Aeltern, euch los. 4. Menschenschöpfer! Tu⸗ gendmehrer! Laß, zu fördern Menschlichkeit, Väter, Müt⸗ ter, Pfleger, Lehrer, Fürsten und die Obrigkeit mit ver⸗ einter Sorgfalt wachen, unsre Jugend fromm zu machen; sie durch Lehr und Beispiel ziehn, selber Sünd und Laster fliehn!— Pflanz in aller Kin⸗ der Herzen weisen, from⸗ men Tugendsinn, daß sie nicht ihr Wohl verscherzen; laß sie Trägheit, Eigensinn, ergerniß und Leichtsinn fliehen und um Unschuld sich bemühen! Führe sie auf ebner Bahn, daß ihr Fuß nicht gleiten kann! „Dort vor deinem An⸗ gesichte werden die Erzie⸗ her stehn; selig, wenn sie R 2 im 388 Gesinnung und Verhalten des Christen im Gerichte ihre Kinder vor dir sehn und dann sa⸗ gen können: Keinen, Herr, verlor ich von den Mei⸗ nen; und dann Kinder flehn für sie: Gott, vergilt nun ihre Müh! 7. Menschen weis und gut erziehen, die dein Wort zum Leben schuf: welch ein wichtiges Bemühn! welch ein seliger Beruf! Laß, o Heilger, deinen Willen alle Reltern treu erfüllen; lohne hier schon ihre Müh, lohn, Vergelter, ewig sie! Mel. Wer nur den lieben Gott A err! welch ein 518 Hwichtiges Ge⸗ schäfte für Aeltern: Kinder zu erziehn! Gib Segen, Weisheit, Lust und Kräfte zu jedem redlichen Bemühn, wodurch man unter weiser Zucht der Kinder Herz zu bilden sucht! 2. Du rufst die Men⸗ schen in das Leben und willst, sie sollen glücklich sein; hast ihnen auch den Ruf gegeben, sich gern zu Andrer Dienst zu weihn. Durch Zucht zu beiden füh⸗ ret man sie früh zu weiser Ordnung an. 3. Wohl Aeltern, welche deinen Willen hierin mit Redlichkeit vollziehn und, diese Absicht zu erfüllen, sich nach Vermögen treu bemühn! Wohl ihnen hier in dieser Zeit und einst in jener Ewigkeit! 4. Sie baun das Wohl⸗ sein ihrer Jugend zu dei⸗ nes großen Namens Preis; sie lehren Weisheit sie und Tugend durch eignen und durch Andrer Fleiß; und um Gedeihn fleht ihr Ge⸗ bet zu dir, in dessen Hand es steht. 5. Sie prägen früh den jungen Seelen vor dir die tiefste Ehrfurcht ein. Viel Gutes ihnen zu erzählen und sich mit ihnen fromm zu freun, ist guter Väter, Mütter Lust, flößt Tugend in der Kinder Brust. 6. Mit weiser Liebe sie zu lenken, mit Freundlich⸗ keit in ihr Gemüth die ed⸗ lern Triebe früh zu senken, ist ihre Sorgfalt stets be— müht. Doch widerstrebt das Kind der Pflicht, schont weise Zucht des Lieblings nicht. 7. O welch ein wonne⸗ reicher Segen für Aeltern, Kinder und die Welt, wenn fromme Zucht auf deinen Wegen, o Herr, der Ab⸗ sicht nicht verfehlt! Lust strömt den Aeltern; Glüch und Heil ist hier und dort der Kinder Theil. 8. Und für ein Voll⸗ für ganze Staaten, o welch ein seliger Gewinn, wenn junge in besonderen ger wohl gera— und Ruh nimm sie auf Erden (ch aber, welche Pest bringt die ver⸗ vermehren selbst noch dort ihr Leid. ott, lehr Ael⸗ erwägen; erweck 5 ist, ihr Ael⸗ Verwahrlost eure 519 G²⸗ zu frommer Thätigkeit. ohl euch, wenn kei⸗ vergißt, was aller t Anfang ist, daß Lie⸗ be gegen Gott un cht, Gott ken⸗ d und Macht! nen, seine Hul ie, auf seine Werke Verbindungen. 389 sehn und, was sie lernen, auch verstehn! ‚ 4. Besorgt für ihren Leib, doch mehr für ihren Geist, schaut stets umher, was ih⸗ rer Unschuld schaden kann, und führt sie selbst zur Tu⸗ gend an! 5. Erstickt durch gute Lehr und Zucht der ersten Sünden Keim und Frucht; sorgt, daß sie werden Got⸗ tes Bild, gerecht und lie— bevoll und mild! 6. Zerstört des Lehrers Unterricht zu Haus durch böses Beispiel nicht; schützt vor der Strafe seiner Hand nie ihren Trotz mit Unver⸗ stand! 7. Wißt, daß sie recht und irre gehn, so wie sie euren Wandel sehn! Sie sind durch Beispiel leicht regiert; weh, weh euch, wenn ihr sie verführt! 8. Ihr junges Herz ist schwach und weich; drum rühmt vor ihren Ohren euch der Uebertretung eu⸗ rer Pflicht in eurer eignen Jugend nicht! 9. Muchwillen nennt nie Witz; nie preist des Kna⸗ ben schadenfrohen Geist als Munterkeit, ein trüglich Herz und Lügen nie als Spiel und Scherz! 10. Lehrt friedlich sie, ge⸗ nügsam sein, entbehren und sich dennoch freun; tilgt A 3 Geiz 390 Gesinnung und Verhalten des Christen Geiz und Neid aus ihrer Brust, macht ihnen Chri⸗ stensinn zur Lust! 11. Gewöhnt sie an der Tugend Müh, an Ernst und Fleiß und lehret sie, daß Arbeit keine Sklaverei, daß sie das Glück des Men⸗ schen sei! 12. So nehmt euch ihrer Seelen an: Gott richtet einst und fordert dann, wenn ihr nicht, was ihr thun sollt, thut, von eurer Hand der Kinder Blut. 13. Erwägts und fürchtet sein Gericht, um auch vor seinem Angesicht euch ewig ihrer zu erfreun; denn sie sind sein Geschenk und sein. Mel. Vom Himmel kam der 520 ie Kinder, de⸗ ren wir uns freun, sind alle, Gott und Vater, dein; sind deine beste Gab, o Herr: bewahre sie, Barmherziger! 2. Wenn treuer Aeltern Liebe sucht, sie aufzuziehen in der Zucht; so steh, da⸗ mit sie glücklich sei, mit dei⸗ ner Weisheit ihnen bei! 3. Gib allen Kindern Lern⸗ begier, zum Guten Lieb und Lust zu dir und laß sie meiden ohne Zwang Trotz, Eigensinn und Müßiggang! 4. Gesegnet sei ihr Unter⸗ richt! Laß sie durch deines Wortes Licht dich recht er⸗ kennen; laß sie nie gefähr⸗ lich irren, leite sie! 5: Im Glauben mache sie gewiß, bewahre sie vor Aergerniß, und naht Ver⸗ suchung ihnen sich, so stärke du sie väterlich! 6. Hilf, daß sie dich an jedem Ort vor Augen haben und dein Wort und sich be⸗ fleißen jederzeit der Tugend, Zucht' und Frömmigkeit; 7. Daß wir in ihnen Christen sehn, die freudig deine Wege gehn, und Bür⸗ ger einst, voll Lust und Muth, zu thun, was edel ist und gut! 8. Erhöre, Höchster, dieß Gebet; verleih, was wir von dir erfleht! Dann dan⸗ ken einst, Allvater, wir mit allen unsern Kindern dir! Mel. Freu dich sehr, o meine S. 521 eine Kinder, ö Gott, befehle ich dir an; du gabst sie mir, Preis sei dir von ganzer Seele, Preis und Dank, 9 Herr, dafür! Ach verlaß, verlaß sie nie, segne und behüte sie, daß sie, dir zum Wohlgefallen, früh schon deine Wege wallen! 2. Aber ach! wie viel Ge⸗ fahren warten ihrer in der Welt! Wer vermag sie zu bewahren, wenn nicht deine Hand sie hält? Unbezwinge lich laß sie sein allen Lüsten, fromm II in besonderen fromm und rein nur nach deinem Beifall trachten, 00 vis Lasters Reiz nicht achten! 3. Nicht, daß du mit allen Leiden hier auf Erden sie ver⸗ schonst; nicht, daß du durch stete Freuden ihre Tugend hier schon lohnst, jeden ih⸗ rer Wünsche stillst, jede Hoff⸗ nung gleich erfüllst; nichk um Schätze, die vergehen, darf und will ich für sie flehen. 4. Gib auf ihrer Lebens⸗ reise, wie es längst dein Rath bedacht, ihnen das nur, was sie weise und des Himmels würdig macht! Wichen sie von dir zurück: ihr verlornes Seelenglück wär mit allen Erdenschätzen nimmer ihnen zu ersetzen. Doch die Bitte, die ich wage, finde gnädiges Gehör! Laß nicht ihre Le— benstage, guter Gott, ganz freudenleer. Werden sie ge⸗ prüft durch dich: o so sei es väterlich, und dann laß s ihren Seelen nicht an Dost und Stärkung fehlen! 6. Keins von meinen Kin⸗ dern werde durch das Laster elend, Gott; keins dem Nächsten zur Beschwerde, oder seiuer Feinde Spotti Nützlich laß der Welt sie sein, keine Müh und Arbeit scheun, still sich ihres Flei⸗ zes nähren und durch ihn dem Mangel wehren! Verbindungen. 391 7. Jener Siegstag der Gerechten sei auch mir ein Freudentag! Hilf, daß mir deiner Rechten ihrer eines fehlen mag! Dann frohlock ich: Vater, sieh, hier bin ich; hier sind auch die, die mir deine Huld geliehen, sie zum Himmel zu erziehen. Kindespflicht. Mel. Gott des Himmels und 522 inder, die ihr noch im Kreise eurer guten Aeltern weilt und um Kleidung, Trank und Speise sorglos nur zu ihnen eilt; noch durch sie in jeder Pflicht Lehr em⸗ pfangt und Unterricht! Kinder, o bedenket frühe, was sie thun für euer Glück; denkt der na⸗ menlosen Mühe, die sie euch vom Augenblick eures Aufblühns bis zur Zeit eurer Reife stets geweiht. 3. Aelternlieb ist ohne Schranken, Kinder, nie be— lohnt ihr sie; danken aber könnt ihr, danken euren Ael⸗ tern Lieb und Müh; danken manche lange Nacht, sorgen⸗ voll für euch durchwacht. 4. Sie aus reinem Herzen lieben, ihnen treu und folg⸗ sam sein; nie mit Vorsatz sie betrüben, jede Kränkung schnell bereun; ohne Klügeln R 4 ihnen 392 Gesinnung und Verhalten des Christen ihnen traun und auf ihre Winke schaun; 5. Ringen, daß der Treuen Pflege nicht an euch verlo⸗ ren sei, daß ihr auf der Tugend Wege, eurem hohen Rufe treu, jedem Laster trotzend, geht, bis ihr einst am Ziele steht; 6. Eure Kraft den Aeltern leihen, wenn sie kraftlos sind und schwach; sie mit Trost und Hülf erfreuen bei des Alters Ungemach: dieß ist Kindesdank und Pflicht. Kinder, dieß ver⸗ gesset nicht! Mel. Jesus, meine Zuversicht 523 Hott, mein Va⸗ ter, Dank sei dir: du hast Gutes, Leib und Leben durch die Hand der Aeltern mir ohne mein Verdienst gegeben. Mir be⸗ glückst du ihre Müh und auch mir erhälst du sie. 2. Oft hab ich sie zwar betrübt, sie, die von den ersten Tagen doch so zärt⸗ lich mich geliebt, mich mit viel Geduld getragen. Gott, dadurch kränkt ich auch dich: o wie beugt mein Undank mich! 3. Was ich ihnen schuldig bin, hafte tief in meinem Herzen! Laß mich ja durch Eigensinn niemals ihre Gunst verscherzen; gib, daß meine Dankbarkeit, mein Gehorsam sie erfreut! 4. Laß mich, Gott, wie du verlangst, jede Kinds⸗ pflicht gern erfüllen! Denn wie oft hat Sorg und Angst sie beschwert um meinetwil⸗ len! Haben sie nicht manche Nacht, wann ich schlief, für mich durchwacht? 5. Jesus stelle sich mir dar, er, das Beipiel aller Kinder, der der Herr vom Himmel war, Gottes Sohn, das Heil der Sünder; er war doch von Kindheit an seinen Aeltern unterthan. 6. Ihren Willen thun, sei mir meine Lust! Denn das ist billig, auch gefällig, Gott, vor dir; dazu mache selbst mich willig! Wohl mir dann! Dann wird auch mein dein verheißner Segen sein! 7. Laß auf ihre Wünsche mich kindlich und mit Sorg⸗ falt achten; ja selbst ihren Wünschen mich noch zuvor⸗ zukommen trachten; für sie Beschwerden scheun und ihr Glück mit Freu⸗ den sein! ö 8. Ehrerbietig laß mein Herz wirklich sein und nicht blos scheinen. Laß mich auch, trifft sie ein Schmenh zu dir heiße Thränen wei⸗ nen; ihnen deine Hülf er⸗ flehn, nach der Hülfe dich erhöhn! 9. Meiner Aeltern Suen ei nicht .———— N S. auch ihr Gebet, du vor deinem Thron in besonderen sei du! Ihrer Wallfahrts⸗ zeit auf Erden lege viele Jahre zu: laß sie alt im Segen werden und erhör hi das für mich um Weisheit fleht! 10. Alles Kreuz mach ih⸗ nen leicht; hilf es, Vater, selber tragen, und wenn sie ihr Ziel erreicht nach den spätsten Lebenstagen: so gib ihnen frommer Aeltern Lohn! Mel. Wer nur den lieben Gott Waaser ern Leben dich, aller Men⸗ schen Vat aler, an. Du hast sie uns zum Heil ger eben; sie leiten uns auf deiner ahn. Von ganzem Her⸗ zen danken wir für deine Vaterliebe dir. 2. Verleih uns stets für ihre Lehren ein offnes, wei⸗ ses, sanftes Herz und laß uns gern sie kindlich ehren, daß niemals Kummer, Gram und Schmerz. der treuen Aeltern Herzen kränkt und ihre Liebe von uns lenkt; „Gib ihnen deinen be⸗ sten Segen und Alles, was ihr Herz erfreut! Beschirme auf ihren Wegen in ih⸗ rer ganzen Wrdenfoe Ge⸗ scnet sei ihr Erdenloos und einst ihr Lohn im Himmel groß! Verbindungen. Geschwisterliebe. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 525 Wernn Geschwi— ster fromm und weise, nachsichtsvoll und gütig sind; wenn in ihrem stillen Kreise stets des Frie⸗ dens Quelle rinnt: o dann ruht auf ihnen allen Got⸗ tes Blick und Wohlgefallen. „Durch das Band des Bluts verbunden sollen sie durchs Leben gehn und den Reiz der schnellen Stunden freundlich mehren und er⸗ höhn; sollen Haß und Neid entfernen und auch Andre lieben lernen.. 3. Mit entschloßnem fro⸗ hem Herzen üben sie, was Gott gebot: theilen Freude, Schmerzen, min⸗ dern jedes Tages Noth; warnen sich, so oft sie feh⸗ len und veredeln ihre See⸗ en. 4³ O D 918 W saunt her Jugend ni schon san und friedlich sein? Aus den Häusern dringt die Tugend in die große Welt hinein. Wer die Seinen kann be⸗ trüben, wird der Andre red⸗ lich lieben? ö Haus, wo Liebe wohnet, wird gesegnet alle Haus⸗ 394 Gesinnung und Verhalten des Christen Hausgenossen streben, sich mit Freuden zu umgeben. 6. Liebe! Komm herab vom Himmel! Komm in unser Herz herab! Leite durch das Weltgetümmel auch die Unsern bis ans Grab! Laß durch deine Macht auf Erden jedes Haus regieret werden! Für Herrschaften. Mel. Nicht so traurig, nicht 526 Di vertheilst der Menschen Loos, Gott, nach deinem weisen Rath, machst oft Einen reich und groß, wenn der Andre Mangel hat; aber weise, gut, gerecht bist du für den Herrn und Knecht! 2. Wer bei ärmerem Ge⸗ schick seine Zeit und Kraft mir leiht; wer zu meines Hauses Glück treu sich mei⸗ nem Dienste weiht; wer durch Folgsamkeit mich ehrt, der ist meiner Liebe werth. 3. Er hat Recht auf Güt und Huld, wenn ihn Red⸗ lichkeit beseelt; Recht auf Nachsicht und Geduld, wenn er ohne Vorsatz fehlt. Ich bin selbst nicht fehlerfrei; 1ei ich fordern, daß ers ei? 4. Hochmuth, Stolz und Eigensinn ist Verletzung meiner Pflicht. Wenn ich gleich beglückter bin, den⸗ noch ziemt mir Herrschsucht nicht. Lieblos, hart und grausam sein heißt: der Menschheit Recht entweihn. 5. Herr der Herren, gib mir Kraft, daß ich stets ge⸗ recht und treu, liebreich und gewissenhaft gegen jeden Menschen sei! Jeder ist dein Kind, wie ich, und erhält sein Recht durch dich. Mel. Auf, Christenmenschh 527 Durc dich, Gott, bin ich, was ich bin, und es ist deine Gabe, daß ich, als Herr, so viel Gewinn vor ärmern Brüdern habe. Sie leihen ihre Dienste mir. Dieß, höch⸗ ster Herr, verdank ich dir. 2. Erfüllen sie mit Red⸗ lichkeit und Aufwand ihrer Kräfte, was ihnen ihre Pflicht gebeut, in ihrem Dienstgeschäfte, so gib, daß ich für ihre Treu auch dank⸗ bar und gefällig sei! 3. Hilf, daß ich jedem seine Pflicht aufs möglichste versüße; daß, wenn an Hül es ihm gebricht, er sie von mir genieße; daß ich ihn Fehler gern verzeih und 4 er krank, sein Pflege ei 4. Gib, daß ich auch rechter Zeit Erholung 10 ver⸗ in besonderen vergönne, gern seine treue Redlichkeit, gern seinen Werth erkenne und ja aus nichtgem Vorwand nie ihm den verdienten Lohn ent⸗ zieh! 5. Auch der geringste Die— ner ist bestimmt zu höherm Leben: für mich und ihn hat Jesus Christ sich in den Tod gegeben. Vor dir, o Gott, hat' einst der Knecht mit seinem Herrn ein glei⸗ ches Recht. 6. O präge dieses tief mir ein! Nie müss ich mich erkühnen, gefühllos gegen die zu sein, die meinem Hause dienen! Der mir hier dient, ist Mensch wie ich: ich soll ihn lieben gleich als mich. Für Dienende. Mel. In allen meinen Thaten 528 Gott, deinen wei⸗ sen Willen soll Jeder hier erfüllen; laß ihn mir heilig sein! Laß alle meine Kräfte mich eifrig dem Geschäfte, zu dem du mich berufen, weihn! „Du heißt mich, An⸗ dern dienen, und dien ich redlich ihnen, so folg ich dir, mein Gott. Drum laß der Herrschaft Willen mich gern und treu erfüllen: dieß ist dein Wille, dein Gebot! 395⁵ 3. Lehr ohne bittre Kla⸗ gen des Lebens Last mich tragen und Weichlichkeit verschmähn; im Reden und im Schweigen mich ehrerbie⸗ tig zeigen und gern den Weg der Demuth gehn! 4. Der Herrschaft Wohl zu mehren und Schaden ab⸗ zuwehren, soll meine Freude sein. Ich will sie herzlich lieben, mit Vorsatz nie be⸗ trüben, verdroßnen Sinn und Frechheit scheun. 5. Ich will sie nie be⸗ neiden; will alle Trägheit meiden und alle Zanksucht fliehn; will recht thun, nicht betrügen, nicht lästern und nicht lügen und allem Leicht⸗ sinn mich entziehn. 6. In meinem Dienst auf Erden geschickter stets zu werden, sei Freude mir und Pflicht. Wer treu ist hier im Kleinen, den zählst du zu den Deinen, und er be⸗ reut sein Leben nicht. 7. Du bist stets der Ge⸗ rechte, der Herr der Herrn und Knechte und beider Trost und Heil. Wer nie⸗ drig ist auf Erden, kann groß im Himmel werden, hat an ihm, wie der Höchste, Theil. 8. Dieß laß mich stets erwägen; denn dieß gibt Trost un Segen und reicht die Hoffnung dar: einst wirst du, Herr der Welten, R 6 den Verbindungen. 396 Gesinnung und Verhalten des Christen den Fleiß noch mehr ver⸗ gelten, womit ich Menschen nützlich war. Mel. Mein erst Geschäft sei 529 Berufen hast du mich, mein Gott, in Andrer Dienst zu leben, um mir dadurch mein täglich Brod in dieser Welt zu geben. 2. Auch ich soll hier in meinem Stand nach meinen Kräften nützen, und du, Gott, willst mit Vaterhand mich dabei unterstützen. 3. O laß in meinem Dienst dieß nie mich aus den Augen setzen; und ko⸗ stet mirs auch Kampf und Müh, nie meine Pflicht ver⸗ letzen! ö ö 4. Gib, daß ich, meinem Rufe treu, stets meiner Herrschaft Willen, damit sie meines Diensts sich freu, mit Eifer mög erfüllen! 5. Hilf, daß ich, wie mein eignes Gut, das Ihrige be⸗ trachte; auf Alles, was sie meiner Hut vertraut, mit Sorgfalt achte. 6. Nie komme mir es in den Sinn, mit raubbegier⸗ gen Händen, aus schnöder Liebe zum Gewinn ihr Et⸗ was zu entwenden! 7. Die Freude, die ihr widerfährt, ihr Wohlstand, ihre Ehre, das Alles sei auch mir so werth, als obs das Meine wäre. 8. Erkennt sie meine Treue nicht, so seis mein Trost auf Erden, daß sie, Gott, deinem Angesicht nicht kann entzogen werden. 9. Mit Wohlgefallen siehst du sie und wirst schon hier im Leben mir auch bei al⸗ ler meiner Müh, Gott, dei⸗ nen Frieden geben. 10. Kommt meines Le⸗ bens Abend dann, so nimmst du, der die Müden gern aufnimmt, mich mit Ehren an und schenkst mir ewgen Frieden. Für Wittwen. Mel. In allen meinen Thaten 530 Alieich ehen er hört der Wittwen Flehen und nimmt sich ihrer an. In allem Schmerz und Leide ist er mir Trost und Freude, der Fels, auf den ich bauen kann. 2. Mich leitet seine Gnade auf meines Lebens Pfade bis an das stille Grab. Er wird mich nie verlassen! Dieß Trostwort will ich fassen; es ist mein stärkster Wanderstab. 3. Wo seit viel tausend Jahren betrübte Wittwen waren, da sah Gott gnädig hin. Er pflegte die g e Wrrrre in besonderen ten, wenn sie nur stets ihn liebten und wandelten nach seinem Sinn. 4. Auch mich wird er be⸗ merken, mich trösten Ieg⸗ nen, stärken und mir zur Seite stehn. Wie groß ist seine Güte! Mit ruhigem Gemüthe will ich auf sei⸗ nen Wegen gehn. Ich will ihn gläubig ehren und meine Tugend mehren in stiller Einsam⸗ keit. Er sieht ja, wie ichs meine; er sieht auch, wann ich weine, und gibt mir, was mein Herz erfreut. Auch wenn ich mehr noch litte; bis zu dem letz⸗ ten Schritte will ich ihm folgsam sein. Er prüft mich nur durch Leiden und führt zu höhern Freuden bewährt erfundne Dulder ein. . So eilen meine Tage mit jeder Last und Plage wie Träume leicht dahin; ich lege meine Glieder im Tode ruhig nieder und weiß, daß ich erlöset bin. 8. Einst geh ich, den zu schauen, der ewig mein Ver⸗ trauen, mein Gott ist und mein Freund. Wie will ich ann ihn ehren, ihm dan⸗ ken für die Zähren, die ich als Wittwe hier geweint! 9. Dann find ich, den ich liebte, deß Tod mich einst betrübte, in meines Gottes and; dann trennt kein 397 Tod uns wieder, dann schal⸗ len unsre Lieder durchs thrä⸗ nenfreie Vaterland. Für Waisen. In voriger Melodie. 5 31 Frühling mei⸗ ner Jahre, Gott, sah ich schon die Bahre des guten Vaters stehn; und sie, die mich geboren, war früh für mich verloren, als Kind mußt ich ihr Grab schon sehn. Unwissend, was mir nütze, so schwach und ohne Stütze, muß ich verlassen gehn! Wer wird mir Rath ertheilen, wer mir zu Hülfe eilen, wer hört auf armer Waisen Flehn? Doch wer wars, der mich beugte, so tief zum Staube neigte? Warst dus nicht, großer Gott? Dein weiser Rath regieret der Menschen Schicksal, führet es fort durch Leben und durch Tod. 4. Du willst dich an den Waisen als Vater ja be⸗ weisen und Armen Gutes thun; Verlaßne willst du hören, die Aelternlosen näh⸗ ren; dein Segen soll auf ihnen ruhn. 5. Und seit viel tausend Jahren hast du, die Waisen waren, so väterlich ernährt; die sich auf dich verließen, R 7 sahn Verbindungen. 398 Gesinnung und Verhalten des Christen sahn, Gott, zu deinen Fü⸗ ßen ihr heißes Flehn von dir erhört. ö 6. Auch mich kannst du nicht hassen, du wirst mich nicht verlassen; ich will dir ganz vertraun. Dein Herz ist mir ja offen, fest will ich auf dich hoffen, auf dich in trüben Stunden schaun! 7. Ja, du wirst mich er— nähren, mir Rath und Hülf gewähren: wo ist ein Gott wie du? Nur was mir nützt, das schenke mir, dei⸗ nem Kind, und lenke mir frommer Menschen Liebe zu! 8. Und wenn in diesen Jahren Verführung und Gefahren und Laster um mich sind: o dann sei, treuer Vater, mein Führer, Freund, Berather, ach dann verlaß nur nicht dein Kind! 9. Es schlag von früher Jugend für Gottesfurcht und Tugend und Unschuld nur mein Herz! Fromm sein auf deinen Wegen sei meine Lust, mein Segen, und Un⸗ recht thun und sehn mein chmerz! 10. Arbeitsamkeit und Treue, begangner Fehler Reue, ein wahres Christen⸗ thum; ein zärtlich Herz für Freunde und Sanftmuth gegen Feinde, dieß sei mir mehr, als Glück und Ruhm. 1. Und die, die mich er⸗ ziehen mit redlichem Be⸗ mühen, an Aeltern Statt mir sind, mich warnen und belehren, laß herzlich mich verehren, sie dankbar lieben wie ihr Kind. 12. Ihr Lohn sei, Gott, dein Segen! Auf allen ihren Wegen wollst du ihr Führer sein; und wenn sie dann einst sterben und deinen Himmel erben, laß jenseits mich mit ihnen freun! 13. Verklärt werd ich dann stehen, die Aeltern wieder⸗ sehen, um die ich hier ge⸗ weint; ich werde vor dich treten, zu dir, Erlöser, beten: Lohn ihnen ewig, Menschenfreund! Dankbarkeit gegen Wohl⸗ thäter. Mel. Wer nur den lieben Gott 532 Wenm Menschen streben, dir an Güte und Wohlthun, Vater, gleich zu sein; wenn sie mit willigem Gemüthe durch Rath und Hülfe mich erfreun: mit reichem Se⸗ gen segne dann sie, die ich nicht belohnen kann! 2. Ich will mich aller ihrer Freuden und ihres Glücks von Herzen freun; voll Kummer über ihre Lei— den gern, wie ich kann, ihr Tröster sein; und kann ich lindern ihre Noth, mit Freu⸗ in besonderen Freuden will ichs thun, o Gott! 3. Und kann ichs nicht, dann, Vater, dringe mein eifrigstes Gebet zu dir; was ihnen gut ist, das gelinge! denn, Herr, sie thaten wohl an mir. Auf Jeden komme reud herab, der seinen Brüdern Freude gab! 4. Ich will sie lieben und sie ehren; will über mein Bedürfniß sie mit meinen Klagen nicht beschweren, be— scheiden stets und lästig nie; will, wenn ihr Herzau Andre liebt, nie neidisch sein und nie betrübt. 5. Erfreue sie mit deiner üte; dein Segen komme über sie: sei stets ihr Hel⸗ fer und behüte vor Wider⸗ wärtigkeiten sie! Empfinden sie Gefahr und Schmerz: so tröst und heile selbst ihr Herz! 6. Nimm sie zu deines Reiches Erben, wenn einst sie scheiden, gnädig an! Er⸗ guicke sie mit Trost im Ster⸗ ben, die mir im Leben wohl⸗ gethan; und dort, o Gott, vor deinem Thron sei herr⸗ lich einst und groß ihr Lohn! Kirchliche Gesellschaft. Lehrer und Zuhörer. Mel. Wo Gott zum Haus 533 De 399 dein; dein soll auch Dank und Ehre sein, daß du der Kirche, die du liebst, noch immer treue Lehrer gibst. 2. Gesegnet sei ihr Amt und Stand! Sie pflanzen, Heit von dir gesandt, von eit auf Zeit dein heilig Wort und Licht mit und Tugend fort. 3. Wie freut ein guter Lehrer sich, wenn Eer, er⸗ leuchtet selbst durch dich, den Jüngern Jesu gleichgesinnt, viel Seelen für dein Reich gewinnt. 4. Dank dir, daß du auch uns so liebst, daß du uns treue Führer gibst, die weise sind und tugendhaft, in Lehr Rastt voll Geist und aft! Verbindungen. ihm Kr 5. Laß ihres Unterrichts uns freun, gewissenhafte Hörer sein und Werth. deiner Wahrheit erth, die uns ihr Unterricht er⸗ klärt! 6. Dein Wort ist, was sie lehren, Herr! Laß uns dadurch stets heiliger und besser werden; nur alsdann gehn wir einher auf rechter Bahn. 7. Ermahnen, warnen, strafen sie, so weigre, wer sie hört, sich nie, zu hassen, was du uns verbeutst, zu thun, was du durch sie ge⸗ beutst. 8. Das 400 Gesinnung und Verhalten des Christen 8. Das ist der Lehrer bester Lohn, wenn ihrer Mühe Früchte schon sie hier in unsrer Tugend sehn, mit uns den Weg zum Himmel gehn. 9. Fern sei von uns der Frevel, Gott, durch Undank sie, durch Haß und Spott zu kränken, daß sie, was sie thun, mit Freuden, nicht mit Seufzen thun! 10. Ja, Gott, wir wol⸗ len sie erfreun und dank⸗ bar fromme Hörer sein: so führst du einst auch uns zugleich mit ihnen in dein ewges Reich. Bei Einführung eines Religionslehrers. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 5 3 4 Wohl uns! Wohl uns, daß Gott uns liebt, uns immer treue Lehrer gibt, die uns zum Himmel führen; die, auf⸗ geklärt durch Wissenschaft, voll Tugendliebe, Geist und Kraft, der Sünder Herzen rühren! Rühmet, preiset seine Treue! Wieder neue ward sie heute. Dank sei unsre heilge Freude! 2. Wir reichen segnend ihm die Hand, den Gott zum Lehrer uns gesandt. Heil ihm zum Lehrgeschäfte! Zu bilden uns hier in der Zeit zum Leben in der Ewigkeit, gib, Herr, ihm Licht und Kräfte. Lehr ihn, hilf ihm thun und lei⸗ den, dulden, streiten, be⸗ ten, wachen, selig sich und uns zu machen. 3. Laß deinen Geist stets auf ihm ruhn; laß ihn sein Amt mit Freuden thun; Nichts sei, was ihn betrübe! Gib für die Wahrheit, die er lehrt, ein Herz uns, das sie willig hört, ein Herz voll reiner Ueben hilf uns dann in Leiden, wie in Freuden, seine Lehre, uns zum Heil und dir zur Ehre! 4. Wann einst dein gro⸗ ßer Tag erscheint, laß ihn, laß unsern besten Freund uns dir Die Seelen sind ihm zu⸗ gezählt; o gib, daß dort ihm keine fehlt! Laß keine sich verlieren! Gott, wie werden wir uns freuen um den Treuen, wenn zum Lohne deine Hand ihm reicht die Krone. Nach der Handlung, 5. So sei gesegnet, Knecht des Herrn! Nie sei dein Herz nun von uns fern; du kommst in Gottes Namen. Wir reichen freudig dir die Hand; wir gehn mit dir ins Vaterland; du Eii. uns. entgegenführen! Liebe! ·‚ISSSDD — INN — ————5 —— —— — ⏑T nretree.—— 2 hrod, d in besonderen uns. Amen! Amen! Hei⸗ lig bleib uns diese Stunde! Unserm Bunde tren zu le⸗ ben, sei stets unser freudig Streben! —* Bei der Confirmation. Mel. Es ist das Heil uns 535 Die hier vor dei⸗ nem Antlitz stehn, sind, Jesu, deine Glieder. Blick, wenn ver⸗ eint wir für sie flehn, er⸗ harmend auf sie nieder; gib ihnen, Herr, durch deinen Geist das Gute, das dein Wort verheißt, im Leben und im Sterben! „Sie kennen dich, o Gottes Sohn, und deine heilgen Lehren. Ist Freude dort vor deinem Thron, wenn Sünder sich bekehren; so laß auch heute Freude sem, da diese Kinder dir sich weihn und ihren Bund erneuen! 3. O laß sie Gnad und nicht Gericht in dieser Stund empfahen, wenn sie mit Glaub und Zuversicht zu deinem Tische nahen! Es stärke sie dieß Lebens⸗ amit sie, Jesu, dei⸗ nen Tod verkünden durch ihr Leben! 4. Lacht ihnen bei dem kolen Lauf die falsche Welt entgegen, so hilf du ihrer Verbindungen. 401 Schwachheit auf; und wenn sich Lüste regen, so laß sie läubig auf dich sehn, die elt mit ihrer Lust ver⸗ schmähn und muthig über⸗ winden! 5. Zeig, Herr, den Lohn der Ewigkeit von fern ben theuren Seelen, die jetzt auf ihre Lebenszeit sich hier mit dir vermählen! O treuer Heiland, sie sind dein! Schreib heut ins Buch des Lebens ein die Namen dieser Christen! Mel. Mitten wir im Leben 5 36 tärke, Mittler, stärke sie, deine theur Erlösten! Laß sie ihr Vertraun auf dich unaus⸗ sprechlich trösten! Wach über ihre Seelen! Sie flehn und schwören alle dir: Herr, dein Eigenthum sind wir! Heiliger Schöp⸗ fer Gott! Heiliger Mitt⸗ ler Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Drei⸗ einiger Gott! Laß sie nie vergessen ihr Gelübde: treu zu sein dir bis ans Ende! 2. Ach, wie Viele schwu⸗ ren auch, fest an dir zu halten, aber treulos ließen sie ihre Lieb erkalten; Ver⸗ derben ward ihr Ende. Beständig laß dir diese sein, die dir schwören, dir sich weihn! Heiliger Schö⸗ pfer Gott! Heiliger Mittler Gott! 402 Gesinnung und Verhalten des Christen Bund, den dein Herz durchs Gott! Heiliger Gott, Leh⸗ rer und Tröster! Dreieini⸗ ger Gott! Stärke sie, die Deinen, in des Glaubens Zuversicht und wahrer Tu⸗ gend! 3. Locken wird sie nun die Welt, Herr, zu ihren Lüsten; ach, du wollest sie mit Kraft aus der Höhe rüsten! Laß streiten sie und siegen. Die Triebe zu verbotner Lust dämpfe früh in ihrer Brust! Heiliger Schöpfer Gott! Heiliger Mittler Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß sie alle Feinde ihres hohen Seelenheils weit über⸗ winden! 4. In der Todesnoth laß sie, deine theur Erlösten, daß ihr Glaube standhaft blieb, unaussprechlich trö⸗ sten! Herr, laß sie bei dir leben! Einst sammle sie mit uns zugleich in dein un⸗ vergänglich Reich! Heiliger Schöpfer Gott! Heiliger Mittler Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Drei⸗ einiger Gott! Laß sie nie vergessen ihr Gelübde: treu zu sein dir bis ans Ende! Mel. Freu dich sehr, o meine 5 37 Sei getreu in dei⸗ 4— nem Glauben; laß dir dessen festen Grund ja nicht aus dem Herzen rau⸗ ben; halte treulich deinen Wasserbad fest mit Gott ge⸗ schlossen hat! Denn wie leicht geht der verloren, der ihm treulos hat geschworen! 2. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; auch die Lieb am Nächsten übe, wenn er dich 19. oft betrübt! Denke, wie de er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott ver⸗ geben, auch verzeihn und liebreich leben. 3. Sei getreu in deinen Leiden und laß dich kein in Heiland that, als Ungemach, keine Noth von Jesu scheiden: murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld größer durch die Ungeduld. Selig ist, wer willig träget, was der Herr ihm auferleget! 4. Sei getreu in deinem Hoffen, wenn dich Gott nicht bald erhört, und der Noth, die dich betroffen, nicht so, wie du wünschest, wehrt. Halt an seine Treu dich fest; glaub, daß er dich nicht ver⸗ läßt; seine Hülf ist schon vorhanden. Wer so hofft, wird nie zu Schanden. 5. Sei getreu bis an da⸗ Ende, daß kein Leid und keine Noth je von deinen Gott dich wende; sei ihn treu bis in den Tod! O das Leiden dieser Zeit ist nich werth der Herrlichkeit, —HK ⁷⁵IeV&ꝙñ r ˖..e. ———— 22 22—.—. SE in besonderen Verbindungen. 403 dein Jesus dir will geben dich, treuer Hirte, des ver⸗ dort in seinem Freuden⸗ irrten Kindes an! leben! 5. Keines, keines, ach, von Allen, die mit dir den Bund Mel. O du Liebe meiner Liebe erneun, laß aus deiner 5 38 Miitler, schau auf Gnade fallen und von dir ö sie hernieder, geschieden sein! Herr, ver⸗ die sich deiner Gnade freun siegle ihren Glauben, der und als deiner Kirche Glie- sie ewig glücklich macht; der dir geloben treu zu sein; Keinem laß die Krone rau⸗ dir, der mit der größten ben, die du Allen zugedacht. Treue auch für sie dahin sich 6. Sieh hernieder auf die gab! Segnend schau bei Deinen, die sich jetzt zu dir ihrer Weihe, segnend schau gewandt; sieh, die Thränen, auf sie herab! die sie weinen, zeugen, was 2. Laß die Blüthe ihrer ihr Herz empfand. Laß die Jugend dir, nur dir gehei⸗ seligen Gefuͤhle nie erkal⸗ ligt sein, daß sie nie vom ten, nie vergehn; bis zu Pfad der Tugend in der ihrem Lebensziele laß sie Irre sich zerstreun! Schütze treu im Glauben stehn! sie vor allen Schlingen, vor 7. Sammle sie einst alle den Lockungen der Welt, wieder dort in deines Vaters laß es nimmer ihr gelingen, Reich! Sie sind deines Bun⸗ daß sie ihre Tugend fällt! des Glieder; einst, den En⸗ 3. Laß sie treu in deiner geln Gottes gleich, singen sie Liebe, fest in deiner Lehre dir, Herr, zu Ehren dann sein und durch deines Gei⸗ ihr Loblied hoch erfreut, in stes Triebe Wuns ch und That der Auserw ählten Chören, des Bösen scheun! Stärke laut durch alle Ewigkeit. se durch deine Gnade, wenn zl dir sie kindlich flehn, daß Vor der Einsegnung. sie auf der Unschuld Pfade zu dem höhern Leben gehn!(Die Gemeinde allein.) . alte sie mit starken Mel. Christus, der ist mein Leben Armen, wenn sie straucheln ieh diese jungen wollen, fest; laß sie fühlen 539 S Seelen, die, dein Erbarmen, das die Vater, dir sich nahn! Sie Schwachen nie verläßt! Und kommen, deinen Segen von wenn eins sich je verirrte neuem zu empfahn. und verließ der Tugend 2. Sie kommen; dir, o ahn, ach, dann nimm Vater, sich feierlich zu Wand un 404 Gesinnung und Verhalten des Christen und heilig zu geloben, dir ewig treu zu sein; 3. Versuchungen zur Sün⸗ de mit Muth zu widerstehn; den Weg, den Jesus lehrte und selbst betrat, zu gehn. 4. O blick auf sie mit Segen, Allliebender, herab, daß sie vom Weihaltare treu wandeln bis ans Grab! (Die Confirmanden allein.) 5. Gott, welche heilge Stunde! Laß sie gesegnet sein! Dir, Heiligster, dir wollen wir Herz und Le⸗ ben weihn. ö 6. Dich immer kindlich lieben, gehorchen willig dir und gern dem Nächsten die⸗ nen, ja, Gott, das wollen wir. 7. Wir wollen jede Sünde, das kleinste Unrecht scheun und immer besser werden und uns in Unschuld freun. 8. O blick auf uns mit Segen von deinem Thron herab und laß uns dem Gelübde getreu sein bis ans Grab. Nach der Einsegnung. (Die Gemeinde allein.) Mel. Wer nur den lieben Gott 5 40 O Kinder, dieser Tag des Bun⸗ des sei eurem Herzen ewig werth; denn das Verspre⸗ chen eures Mundes hat der Allwissende gehört. Ihr jungen Christen, denket nach, was heute euer Mund ver⸗ sprach! ö 2. Bedenkt, wozu ihr euch verpflichtet: Gott und der Tugend treu zu sein: Von neuem habt ihr euch verpflichtet, Gott euer Le⸗ ben ganz zu weihn. O hei⸗ lig sei euch diese Pflicht! Vergesset dieses Tages nicht! ‚ (Die Confirmirten allein.) Mel. Werde munter, mein 3. Heilig soll uns diese Stunde, ewig unvergeßlich sein! Mit dem Herzen, mit dem Munde schwuren wir Gott treu zu sein; nicht zu weichen von der Pflichtz bis das Aug im Tode bricht. Gott, der Alles weiß und richtet, weiß, wozu winr uns verpflichtet. 4. Ja, wir wollen uns ei⸗ geben unserm Gott und nicht der Welt und in unserm ganzen Leben willig thum, was ihm gefällt! Wer hie säet in der Zeit, ärndtet eins in Ewigkeit. Dort, dort wind der Herr der Welten Jeden nach Verdienst vergelten! (Die Gemeinde allein.) Mel. Wer nur den lieben Golt 5. O wohl euch, wenn iht Gott wollt leben, wenn 000 i 2—22———— ——2——— ⏑E—2—— XI2 in besonderen Herz es redlich meint! Dann wird auch Gott euch Segen geben; dann bleibt Gott ewig euer Freund; dann wird euch großes Glück und Heil hier und in Ewigkeit zu Theil. (Die Gemeinde allein.) Mel. Jesus, meine Zuversicht 5 ottes Gnade sei 541 G mit euch! Sie verleih euch Kraft und Se⸗ gen! Wallet freudig, En⸗ geln gleich, eurem hohen Ziel entgegen! Groß ist einst der Tugend Lohn vor des Allvergelters Thron. 2. Heilig sei euch dieser Tag; heilig, was ihr jetzt versprochen! Ach, was euer Rund versprach, werde nie von euch gebrochen! Bleibt auch in Gefahr und Noth fromm und treu bis in den Tod! (Die Confirmirten allein.) 3. Ja, zu treuer Folg⸗ samkeit haben wir uns dir verpflichtet. Unser Herz sei dir geweiht, unser Geist auf dich gerichtet! O wie selig werden wir in dem Bunde, ott, mit dir! 4. Stärk uns nur mit deiner Kraft! Schütz uns bor der Macht der Sün⸗ den! Gib, daß wir gewissen⸗ haft böse Lüste überwinden! Verbindungen. 40⁵ Hilf, daß unser Herz dir treu, standhaft unsre Tu⸗ gend sei! (Alle.) ö 5. Sieh, o Herr, wir alle flehn: Stärke liebreich unsre Seelen! Laß uns nie⸗ mals irre gehn, nie die Bahn des Heils verfehlen! Alles schwindet mit der Zeit, nur nicht wahre Fröm— migkeit. (Zum Schluß der Confir⸗ mationshandlung.) Mel. Allein Gott in der Höh 542 Heu Gott! was irdisch ist, ver⸗ geht, und schnell enteilt das Leben; Herr Gott! was ewig fest besteht, hast du dem Geist gegeben: es bleibt der Wahrheit helles Licht, es bleibet Tugend, Recht und Pflicht und Jesu heilge Lehre. ö 2. Die Lehre bleib uns bis ans Grab ein Licht auf allen Wegen, der Jugend Schutz, des Alters Stab, des Herzens Trost und Se⸗ gen! Sie leit in aller Freud und Noth, in jedem Kampf und durch den Tod uns in das beßre Leben. Bei Einweihung einer Kirche. Mel. Nun danket Alle Gott 543 Voen heiligem Ge⸗ fühl der An⸗ dacht *——..———— 406 Gesinnung und Verhalten des Christen dacht tief durchdrungen, sei, Gott, dir heut von uns Lob, Preis und Dank ge⸗ sungen! Hier wollen wir vereint uns deiner Liebe freun; drum weihen wir dieß Haus zu deinem Tem⸗ pel ein. 2. Anbetend dir sich nahn, dich ehrfurchtsvoll erheben, wie süß ist diese Pflicht, wie wichtig für das Leben! Drum wende zum Gebet, zum Dank, zu deinem Ruhm oft unser Herz sich hier in diesem Heiligthum! 3. Hier sollen wir den Sinn von Christi Lehre fassen und zur Befolgung uns, zur Treu ermuntern lassen; hier strahlt dem Geiste Licht, hier quillt dem Herzen Ruh; hier spricht dein Wort, o Gott, Geduld und Trost uns zu. 4. Hier sollen am Altar sich dir, du Gott der Liebe, die Neuverbundnen nahn, dir heilgen ihre Triebe; vor deinem Angesicht sich schwören Lieb und Treu, damit ihr Leben dir stets wohlgefällig sei. 5. Hier wird mit Dank⸗ gebet das Kind in früher Jugend geweiht dem Kin⸗ derfreund, dem Vorbild je⸗ der Tugend; hier schwört es einst den Schwur: Gott ewig treu zu sein, und tritt dann in den Bund erwachs⸗ ner Christen ein. 6. Hier sollen wir ver⸗ eint das Mahl der Liebe feiern und ernstlich den Ent⸗ schluß der Besserung er⸗ neuern; erinnern uns an ihn, der auf der Liebe Bahn durch Leben und durch Tod uns muthvoll ging voran. 7. Laß dieser Wohlthat Werth uns, Vater, stets erwägen und dieses Hauses Zweck recht ernstlich über⸗ legen. Dann wird der Tag der Weih ein Tag des Se⸗ gens sein, und seiner wird sich noch die späte Nachwelt freun. Bei Einführung eines Schullehrers. Mel. Laß mich, o Herr 5 44 Laßt dankbar um die Lehrer eh⸗ ren, die stets mit Ernst und Sorgfalt sich bemühn, den Geist der Jugend zu be⸗ lehren, ihr Herz von seinen Fehlern abzuziehn! O welch Saat wird durch sie aus gestreut! Sie keimt empol für Zeit und Ewigkeit. 2. Bedauernswürdig sud die Seelen, die unbelehn durch dieses Leben gehn. Wie können sie das Gutt wählen, wenn sie nicht auc das Licht der Wahrhel sehn? Wo bleibt ihr in besonderen Woher kommt ihnen Kraft zum Kampfe gegen Welt und Leidenschaft? Preis dir und Dank, der du der Jugend auch unter uns mit Vaterhuld gedenkst und zu der Weis⸗ heit und der Tugend durch treue Führer ihre Schritte lenkst! Wie weise, Gott, wie liebreich, Herr, bist dui Durch Schulen auch strömst du uns Segen zu. 4. Froh sehn der Zukunft wir entgegen, wenn unser Blick auf gute Kinder fällt. Durch sie verbreitet sich dein Segen einst weit um⸗ her in deiner Menschenwelt; und naht sich uns der Tod einst auf dein Wort, so setzen sie dein Werk auf Er⸗ den fort. 5. Drum gib, o Gott, den Lehrern Kräfte und re⸗ gen Trieb, die Kinder dir zu weihn! Laß treuen Fleiß im Lehrgeschäfte stets ihren uhm und ihre Freude sein! Erfülle sie mit Ach⸗ tung für ihr Amt, aus dem das Heil so vieler Seelen stammt! 6. Laß sie durch Ernst dem Leichtsinn wehren, durch Freundlichkeit die Her⸗ zen an sich ziehn; auch wenn sie strafen, noch be— lehren und sorgsam selbst den Schein des Unrechts fliehn! Religion und reine Verbindungen. 407 Sittlichkeit verbreite sich durch sie zu jeder Zeit! 7. O welche Pflichten! Welche Würde! Gott, steh auch diesem neuen Lehrer bei! Erleichtre seines Amtes Bürde, damit er stets ge⸗ trost und muthvoll sei, und gib auch uns ein Herz, das gern ihn hört und dank⸗ bar ist und seine Freuden mehrt! 8. Wenn ihn des Tages Lasten drücken, wenn ihm der heitre frohe Sinn ent⸗ weicht: dann laß ihn jenen Lohn erblicken, denn deine Hand einst treuen Lehrern reicht; und immer eig er dann sich als ein Christ, der muthig wirkt, solang es Tag noch ist! 9. O Gott, laß jede Schule blühen und reich an Frucht für Welt und Nach⸗ welt sein! Laß jedes Lehrers Eifer glühen, die Dunkel⸗ heit der Seelen zu zerstreun, und einst erheb ihn die be⸗ glückte Schaar, für die er hier ein weiser Führer war! Bürgerliche Gesellschaft. Mel. Herr Jesu Christ, dich 5 45 Nach Gottes weis⸗ heitsvollem Rath, der Alles angeord⸗ net hat, wird Völkern dauer⸗ haftes Heil durch der Ge⸗ sellschaft Band zu Theil. „ 2. Nur 2. Nur durch vereinte Thätigkeit, die sich dem Dienst des Staates weiht, durch gegenseitiges Bemühn sieht man der Bürger Wohl⸗ fahrt blühn. 3. Bedürfniß und des Fleißes Gang wirkt Ord⸗ nung und Zusammenhang; der nützt durch Kunst dem Vaterland und durch die Arbeit seiner Hand; 4. Der durch Verstand und Geisteskraft, durch Ein⸗ sicht, Kenntniß, Wissenschaft; der nützt mit seinem kühnen Muth und der mit seinem Erdengut. 5. So knüpfst du, Gott, durch jeden Stand der all⸗ gemeinen Wohlfahrt Band; vertheilst mit Weisheit und mit Wahl des Fleißes Gang, der Kräfte Zahl. 6. Glück, Segen, Reich⸗ thum, Ueberfluß und aller⸗ seitiger Genuß, Bequemlich⸗ keit und Freud und Ruh fließt uns durch diese Ord⸗ nung zu. 7. Wer wollte denn nicht thätig sein, nicht seines Standes sich erfreun, auf der ihm angewiesnen Bahn nicht wirken, was er wirken kann? 8. Wer jede ihm verliehne Kraft gebraucht und durch sie Gutes schafft, der lebet, wie es Gott gefällt, zum Segen sich und für die Welt. 408 Gesinnung und Verhalten des Christen Vaterlandsliebe. Mel. Schon ist der Tag von 546 Dae Land, das Gott mir vä— terlich zur Wohnung ange⸗ wiesen, läßt seines treuen Schutzes mich in Glück und Noth genießen: es gibt mir Nahrung, Sicherheit, er⸗ hält Recht und Gerechtig⸗ keit und schützt mein Gut und Leben. 2. Drum will ich stets er⸗ ö kenntlich sein, durch nüt⸗ liche Geschäfte mich der ge⸗ meinen Wohlfahrt weihn; will Zeit, Beruf und Kräfte dem Vaterlande, das mich schützt und mir und meinen Brüdern nützt, mit treuem Eifer widmen. 3. Nie will ich Ruh und Sicherheit im Staate fre⸗ velnd stören; will meine Landesobrigkeit als Gottes Ordnung ehren und ihren Willen jederzeit mit treue Unterwürfigkeit nach Möh⸗ lichkeit erfüllen. 4. Auch will ich meine Brüder Glück durch meing Schuld nie hindern; wil stets ihr widriges Geschich so viel ich kann, vermil⸗ dern; will freundlich die⸗ nen Jedermann und helfen wo ich helfen kann, zum allgemeinen Besten. 5. Auf, Brüder, die ihrs redlich meint, nützt 2120 S—.———.. 88.8.2.2 in bes onderen Verbindungen. 409 Vaterlande, das euch zu Kräfte, Sorgfalt, Eifer gleichem Zweck vereint, in weiht, gern thut, was jedes jedem Amt und Stande! ihm gebeut; Und fordert es des Landes 5. Wenn er gewissenhaft Wohl, so opfert, wie es stets ist, nie seines Bürger⸗ Jeder soll, ihm freudig Gut eids vergißt; und das, was und Leben!.: er entrichten soll, gern bei⸗ 6. Gott, steh uns! bei, trägt zu des Ganzen Wohl. daß alle wir nach unsern 6. Er ists, wenn er als Pflichten leben und schon Bürger denkt, nie andrer als gute Bürger hier nach Bürger Rechte kränkt und jenem Reiche streben, in fern von schlauer Ränke List das nur treue Knechte gehn, zum Wohl des Landes thä⸗ die in dem Dienste hier be⸗ tig ist. stehn, zu dem du sie beru⸗ 7. Er weiß: nur des Ge⸗ fen! setzes Kraft, und wär es auch noch mangelhaft, ge⸗ Obrigkeit und Unterthan. währt dem Volke Sicherheit und Ordnung und Zufrie⸗ Rel. Vom Himmel kam der denheit. 5 47 Gott, der zum 8. Er lebt, von 3 601. und Segen für die Unrecht frei, stets folgsam Welt uns Fürsten gibt und dem Gesetz und treu und sie erhält, du willst, daß fühlt, wenn er es gern voll⸗ ihnen Jeder treu, gehorsam führt, sich dann so frei, als und ergeben sei. der regiert. ö 2. Sie wachen stets mit 9. O Gott, laß mich ge⸗ offnem Blick und sorgsam wissenhaft und stark durch für der Länder Glück; durch deines Geistes Kraft mich sie fließt Sicherheit und Ruh allen meinenPflichten weihn, den Bürgern aller Stände so kann ich deiner Huld mich zu. reun. 3. Nicht Jeder ist in Würden groß: oft ist ein ů ö 0 J 356 sein 09; Mel. Aus der 0 0 h och Jeder, sei er noch so er gehorcht, der klein, kann achtungswerth 54⁴48 Whasntel 114 Hürger sein. Jeder Bürger, sich be⸗ Firsten ists, wenn er den wußt, daß nicht Jeder herr⸗ Huürf en liebt und den Ge⸗ schen kann, sei ein guter sezen, die er gibt, Zeit, Unterthan! ö S 2. Bist 410 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Bist du niedrig, bist du groß: sei vergnügt mit deinem Loos! Schäm dich deines Standes nicht; nö⸗ thig ist ja Jedes Pflicht. 3. Zur gemeinen Wohl⸗ fahrt sei dem Gesetze stets getreu! Wer ihm gern ge⸗ horchen kann, der nur ist ein freier Mann. 4. Schaue Jesum Chri⸗ stum an; er, wie du, ein Unterthan, und doch aller Fürsten Gott, that, was das Gesetz gebot. 5. Ehre dem, dem Ehr gebührt! Schoß und Zoll dem, der regiert! Gib, als gäbst du Gott, dem Herrn, was dir auferlegt ist, gern! 6. Ordnung und Gerech⸗ tigkeit, Schutz und Fried und Sicherheit, welch ein Glück, das man nur hat durch der Obern Rath und That! 7. Lebe selbst gewissen⸗ haft; ihres Wandels Re⸗ chenschaft laß dem 5. di und sieh nur du, daß du selbst gerecht seist, zu! 8. Obrigkeit und Unter⸗ than, betet Gott, den Höch⸗ sten, an! Fürchtet ihn, denn sein Gericht wird gerecht sein: Sündigt nicht! Hoher Stand. Mel. Vom Himmel kam der 549 Wecmn shen ist, als seine Brüder, kenn als Christ des bessern Adels Werth und Pflicht; den fühl er, den entehr er nicht! 2. Er, sind ihm Brüder unterthan, er sei ihr Vater, ö kein Tyrann; so mild und liebreich, als gerecht; er ist, wie sie, auch Gottes Knecht! 3. Nicht wähn er, weil er groß und frei vor den Geringen ist, er sei erha⸗ ben über Recht und Pflicht und Rechenschaft; das wähn er nicht! ö 4. Er sehe, mehr beglückt von Gott, nicht mit Ver⸗ achtung oder Spott auf den, von dessen Schweiß er lebt, der ihm erwirbt, was ihn erhebt! 5. Er hasse Grausamkeit und Zwang, verprasse nicht durch Müßiggang, was Gott ihm gibt, beglückt zu sein mit Andern, aber nie allein 6. Froh neben ihm, mit ihm vergnügt sei, wer ihm seine Felder pflügt! Wohl thätig soll er sein; denn el Woanndarum nur des Armen err! 7. Er(denn er hat mehr Macht und Zeit zu höhem Thaten) sei bereit, auch meht zu thun für Volk und Staah von dem er seinen Vorzuh hat. 8. Verächtlicher, als Skla⸗ ven, ist im Tod einst Jeder, der vergißt, daß er des— in besonderen Verbindungen. terlandes Wohl auch mehr, 9209 Andre, fördern soll. 411 ihm um und schreit zu Gefoltert von Ge— Rache. och wenn ers nicht wissensqual, erscheinen sie vergißt, so der der Welt freut der Nie⸗ drige sich ohne Neid, weil um Segen im Todesthal und am Ver⸗ geltungstage. ö 4., Der Redliche nur wird lebt, der woh zuthun sich beglückt, der nie das Recht stets bestrebt; ö verdrehet, die Einfalt nie 10. Und spricht in sei⸗ durch List berückt und nie nem Tode dann: Das war ein edler, großer Mann! Er, durch Glanz verklärt, war seines Glücks und Vorzugs werth! Der Richter. Mel. Schon ist der Tag von Gott 550 Gewöhne dich, durch Wort und That, Gerechtigkeit zu üben, und wandle stets den rechten Pfad, den Gott dir vorgeschrieben! Ein Rich⸗ ter, der dieß je vergißt, parteiisch und bestechlich —1 zerstört das Glück der rde. 2. O wehe denen, welche nicht ihr Ohr zur Unschuld neigen, die mit Verletzun ihrer Pflicht Gesetz und Rechte beugen! Sie säen gluch und ärndten Fluch durch ihren feilen Richter⸗ spruch; denn Gott beschützt die Wahrheit. 3. Wenn sie nicht treu im Amte sind: Gott kennt der Wahrheit Sache. Der Unterdrückten Thräne rinnt die Unschuld schmähet. Er gibt und nimmt und redet der Tugend Nichts, wodurch die Stätte des Gerichts entheiligt wer— den könnte. 5. Er geht, entfernt von Sucht nach Geld, auf des Gesetzes Wegen, und jedes Urtheil, das er fällt, bringt seinem Herzen Segen. O wohl dem Land, wo jeder⸗ zeit nur Wahrheit und Ge⸗ rechtigkeit in allen Ständen blühen! 6. Laß Jeden hier sein Amt getreu, o Gott, vor dir ver⸗ walten und sein Gewissen vorwurfsfrei bis in den Tod erhalten! In unserm ganzen Vaterlan o Vater, j kann es anders, Gott, als du? Du bist der Tugend Quelle! 8. Gerechter Gott, be⸗ 82 lohne 412 Gesinnung und Verhalten des Christen lohne die, die sich vom Un⸗ recht wenden! Erquicke sie nach Kampf und Müh, wenn sie den Lauf vollen⸗ den! Zu deinen Freuden nimm sie auf; denn sie voll⸗ endeten den Lauf, der Tau⸗ sende beglückte. Der Soldat. Mel. Erha't uns, Herr, bei 5 51 B Duen der Krieger Stand bewacht, beschützt das Va⸗ terland und stehet dem Ge⸗ setze bei, damit sein Aus⸗ spruch wirksam sei. 2. Gehorsam, Treu und Tapferkeit zeigt drum vor Allem jederzeit; vergeßt in Krieg und Frieden nicht den edlen Endzweck eurer Pflicht! 3. Welch wichtger Ruf, wie ehrenwerth! O daß ihr immer ihn nur hört! Weh, wer ihn aus den Augen setzt und frevelnd seine Pflicht verletzt! 4. Ehrt Wahrheit, Recht und fürchtet Gott; nie werde Tugend euer Spott! Die Krieger sind zu keiner Zeit von ihrer Christenpflicht be⸗ freit. 5. Zieht ihr in Krieg: so störet nie die Rechte Andrer; schützet sie! Gewalt übt un⸗ geheißen nicht; stets leit euch Ehrgefühl und Pflicht! 6. O daß nicht Einer Frevel treib! schone Greis und Weib und Kind und Säugling, wie den Mann, der wider⸗ stehn nicht mag, noch kann! 7. Wer vor euch nieder⸗ fällt, den hebt mit Brüder⸗ armen auf; wer bebt, den tröstet, Brüder: nie ver⸗ gießt Blut, wenn der Feind entwaffnet ist! 8. Dann seid ihr wahre Helden, seid Vertheidiger der Menschlichkeit, dem Volk, wie dem Regenten werth, von Vaterland und Gott geehrt. 9. Gott sei mit euch in Fried und Krieg, mit euch in jedem Kampf und Sieg, mit euch im Leben und im Tod! Hier segne, dort be⸗ glück euch Gott! Der Landmann. Mel. Erschienen ist der herrlich 552 WoWegih Schöpfer, denn mein Stand ist auch von dir; du schufst daß Land für meinen Fleis und päterlich beglückst und segnest du auch mich; Ge⸗ lobt seist du! 2. Gelobt sei Gott! de herrlicher und und jedes Feld durch meß nen Fleiß für Gottes Welt und auch für mich! 3. Im Schweiße 11010 schöner und gesegneter wird jede Flu Daß Jeder S 8 85 25.—f.—..—...—— — in besonderen Verbindungen. Angesichts arbeite ich: doch wann gebrichts mir, wenn ich thu, was Gott gebeut, an Segen, an Zufrieden⸗ heit? Was brauch ich mehr? 4. Wie lächeln freudig Au und Flur! In meiner Hütte wohne nur die Un⸗ schuld, die nie Arges thut: und Gottes Wohlgefallen ruht und wohnt bei mir. Was hat der Reiche dann voraus? Mehr Macht und Pracht, ein glänzend Haus; doch auch mehr Sorg und Ueberdruß; bei al⸗ lem seinem Ueberfluß mehr Furcht und Graum; 6. Nicht mehr Gesundheit, Ruh und Kraft, wohl aber größre Rechenschaft. Und wenn ich fromm und gut bin, werd ich selig, wie der 38f der Erd, wenn er gut ist. 7. Mühseligkeit ist Aller Loos, der Mensch sei niedrig oder groß; doch kommen wahre Ruh und Lust auch ern, doch nur in dessen Brust, der Gott gefällt. 8. In seiner Werke Herr⸗ lichkeit seh ich ihn täglich; mich erfreut der Sonne lanz, der stille Mond; ö Vald, Thal und Berg und Aur belohnt mir meinen Fleiß. 9. Des Weisen Achtune sehlt mir nicht, erfüll 0 tedlich meine Pflicht; i 413 bin ein Mann fürs Vater⸗ land, ich nähr es und durch meine Hand lebt Volk und Fürst. 10. Wohl mir, wohl mir! Ich baue gern den Acker Gottes, meines Herrn, und ärndt ich nicht schon hier den Lohn, ich ärndt ihn einst vor Gottes Thron in Ewigkeit. Der Nachbar. Mel. Was Gott thut, das ist 553 Gis, Höchster, daß ich fromm und treu auch meine Nachbarn liebe; daß mir ihr Glück erfreulich sei, ihr Unglück mich betrübe; daß ich mich nicht entzieh der Pflicht, mit auf ihr Wohl zu sehen und ihnen beizustehen. Laß mich durch mein Benehmen nie, Gott, ihnen Kummer machen! Mein Herz sei willig, auch für sie zu beten und zu wachen! Er⸗ muntre mich, stets nachbar— lich das Gut, das sie be⸗ sitzen, nach Möglichkeit zu schützen! 3. Gib, daß ich gern ver⸗ schwiegen sei und stets den Frieden suche; nie nähre Neid und Heuchelei, nie heimlich Nachbarn fluche! Und thun sie mir auch Unrecht hier, hab ichs nur S 3 nicht 414 Gesinnung und Verhalten des Christen nicht verschuldet, so wird es leicht erduldet. 4. Was hilft ein feind⸗ schaftlicher Sinn? Er führt nur' ins Verderben. Wie schnell eilt unsre Zeit da⸗ hin! Wer weiß, wie bald wir sterben! O Freunde, seid entfernt vom Streit! Denkt, daß ich euch im Grabe zu stillen Nachbarn habe. 5. Herr, präge du den Sinn mir ein, der mich vor Haß behütet, und laß mich auch als Nachbar sein, was mir dein Wort gebie⸗ tet! Wer liebreich ist, wie du es bist, wird einst, wenn Feinde beben, in ewgem Frieden leben. Umgang. Mel. Schon ist der Tag von Gott 2 ie Zunge, die 55⁴4— vernehmlich spricht, hat mir mein Gott gegeben. O, mißbraucht ich doch ihrer nicht! Sie bringet Tod und Leben; sie stürzt in Unglück, hilft in Noth; sie flucht und segnet, fleht und droht; kann hei⸗ len und verwunden. 2. Hilf, daß in meines Herzens Grund, Herr, deine Furcht stets wohne, und daß gewissenhaft mein Mund der Wahrheit Rechte schone; daß ich von niedrer Schmeiche— lei, von Schmähung und Verstellung frei, was sünd⸗ lich ist, nie rede! ö 3. Auf deinen Ruhm und Andrer Wohl soll stets mein Sinn sich lenken: hilf mir, so oft ich reden soll, mit Ernste dieß bedenken! Zum Guten rege selbst mich an, damit ich, wo ich nützen kann, aus Menschenfurcht nicht schweige. 4. O wehe dem verweg⸗ nen Mund, der Fluch und Schwur nicht scheuet! Wie bald wird da der Leichtsinn kund, wie oft spät be⸗ reuet! Ach, Fluchen bringet Fluch und Noth, entfernet immer mehr von Gott! Herr, lehr es mich bedenken! 5. Auch wehe dem, der Tücke liebt und dessen Wor⸗ te trügen; der seinen Näch⸗ sten gern betrübt mit Falsch⸗ heit und mit Lügen! Nur Redlichkeit, nuroffner Sinn, nur Wahrheitsliebe schafft Gewinn, der ewig uns be⸗ gleitet. 6. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, was wohl und lieblich klinget, das redel überall der Christ; spricht wenn es Nutzen bringet, und scheut den Zorn der Meh⸗ schen nicht; doch wird auch Schweigen ihm zur Pflicht, wenn es die Liebe fordett. 7. O gib mir, Gott, ein reines Herz und iu pöt⸗ in besonderen Verbindungen. Spöttereien und frechen, sit⸗ tenlosen Scherz mit from⸗ mem Eifer scheuen! Zum Sprechen gabst du mir die Kraft; doch soll ich einst auch Rechenschaft von mei⸗ nen Worten geben. Freundschaft. Mel. Vom Himmel kam der 555 O welch ein Se⸗ gen ist ein Freund, der, Gott, durch dich mit mir vereint, mit herzli⸗ chem Vertraun mich liebt, mit mir sich freuet und betrübt! 2. Der, fest vereinigt erst mit dir, in Einem Geiste dann mit mir für Wahr⸗ heit nur und Tugend lebt, mit mir nach Einem Ziele strebt! 3. Wir theilen brüder⸗ lich dein Licht, ermuntern uns zu jeder Pflicht: wir bitten dich vereint um Kraft, gleich fromm zu sein, gleich lugendhaft. 4. Vom Irren hält er, mich zurück durch weisen Rath, durch sanften Blick; und wenn er mir zu irren scheint: so warn ich treu⸗ lich ihn als Freund. 5. Nicht Argwohn, Miß⸗ traun oder Streit, nicht zreude und nicht Traurig⸗ keit, auch nicht des Glückes Unbestand trennt unsrer Reundschaft festes Band. 6. Wir theilen Alles, 41⁵ Freud und Leid, mit brü⸗ derlicher Herzlichkeit; und treues Mitgefühl versüßt uns. was uns schmerz⸗ ist lich ist. ö 7. Trennt auch das Schick⸗ sal Freund von Freund; die Herzen bleiben doch vereint durch Liebe, durch Gebet und Rath und, wo wir können, durch die That. Vollenden wir einst unsern Lauf, so nimmt uns dann Ein Himmel auf. Un⸗ endlich ist die Seligkeit, die ewig uns vereint erfreut. In eigener Melodie. 5 56 dronn ist's, an reundes Hand durch das Leben wandeln und durch Tugend und Ver⸗ stand fest vereinigt handeln! 2. Ohne Freundschaft gleicht die Welt einem öden Grabe. Wohl mir, daß ich mehr als Geld, daß ich Freunde habe! 3. Aber da ist Freundschaft nicht, wo nicht Tugend woh⸗ net, wo nicht auf dem An⸗ gesicht Herzensgüte thronet. 4. Sittsam ist sie: nicht beim Spiel, nicht bei Trink⸗ gelagen, Ut d. im lärmen⸗ den Gewühl arfst du nach ihr fragen. 5. Aber sieh, du findest sie bei unschuldgen Scherzen; nur bei der Verleumdung nie, nie bei bösen Herzen. S 4 6. Freund⸗ 416 Gesinnung und Verhalten des Chr 6. Freundschaft lehrt be⸗ scheiden sein, andrer Vor⸗ züg ehren; Freundschaft wird dir manche Pein in Ver⸗ gnügen kehren. 7. Freundschaft zeigt dir klar und frei alle deine Fehle, schmeichelt nicht und macht dabei fröhlich deine Seele. 8. Lächelst du, sie lächelt mit, weint bei deinen Leiden, unter ihrem sanften Tritt sprossen tausend Freuden. 9.Möcht ein Jeder doch recht früh ihrer würdig werden! Dann vermehrte sich durch sie Menschenglück auf Erden. Christliches Verhalten in Ansehung der Thiere und Bäume. Mel. Es ist das Heil uns 557 er weise Schö⸗ pfer, dessen Ruf, einst mächtig scholl: Es werde! und aller Welt Be⸗ wohner schuf, bestimmte die⸗ se Erde nicht für den Men⸗ schen nur allein, auch Thiere schuf er, sich zu freun auf seiner schönen Erde. 2. Ihm, der für Alles Sorge hegt, dem Vater aller Dinge, ist Nichts, was seine Erde trägt, zu klein und zu geringe. Er, dessen Huld kein Engel mißt, er, der des Menschen Vater ist, ist auch des Wurmes Schöpfer. 3. Und er, der alle Wesen liebt, er sollte mir erlauben, dem Thiere, dem er Leben gibt, muthwillig es zu rau⸗ ben? Was gäbe mir wohl den Beruf, ein Leben, das die Allmacht schuf, gefühl⸗ los zu zerstören? 4. Nein, kein Geschöpf, das mit mir lebt, darf ich aus Frevel quälen; mag, was mich übers Thier erhebt, mag auch Vernunft ihm fehlen. Sie macht mich zu der Gott⸗ heit Bild; allein sie lehrt mild Glück auch göttlich um mich her verbreiten. „Vernunft, du sollst mich immer mehr die wahre Weisheit lehren! In der Geschöpfe großem Heer will ich den Schöpfer ehren. Wer stolz ein Mitgeschöpf verschmäht, das unter Got⸗ tes Aufsicht steht, entehrt auch seinen Schöpfer. 6. Wen eines Thieres Qual erfreut, der wird, das kann nicht fehlen, kalt und gefühllos mit der Zeit gewiß auch Menschen quälen. Wer frech sein Mitgeschöpf be⸗ trübt und Härt und Grau⸗ samkeit verübt, der kann auch Gott nicht lieben. Mel. Kommt her zu mir 5 58 Die Thiere, deren Herr du bist erwäg es oft mit Ernst, o Christ, sind auch des Gan⸗ zen Glieder! Der Sehap ür⸗ FCF&Æ.-- ꝗSScSc˖S‚cttttctc‚t‚ in besonderen Bürgerrecht verlieh Gott ihnen auch; drum blick auf . nicht mit Verachtung nie⸗ Er. 2. Sie, Wunder auch von Gottes Hand, sind, stolzer Mensch, dir nah verwandt durch innern Bau und Trie⸗ be; sie zeigen oft des Den⸗ kens Spur, sind alle Kinder der Natur und freun sich ihrer Liebe. ö „3. Du hast durch Geistes⸗ übermacht sie unterwürfig dir gemacht, kannst ihre ildheit zähmen; darfst, was dich stärket, was dich schützt, was dir zu deinem Leben nützt, von ihrem Le⸗ ben nehmen. 4. Doch ihnen auch, ver⸗ 89 39‚ dich zur Nn 615 opfer dich zur Pflicht; er hat der Thiere Leben, um milde gegen sie zu sein und nicht dich ihrer Qual zu freun, o Mensch, dir untergeben. 5. Du kannst, was deine Hand Eeru was dein Lerstan hervorgebracht, ge⸗ llt dirs nicht, vernichten; och über eines Thieres Tod, der dir Nichts nützte, wird dich Gott, des Thieres Schöpfer, richten. 6. Zwar sind für dich, der Thiere Herr, o Mensch, noch Pflichten wichtiger, die flichten für die Armen; boch sollst du auch, wie Gott 417 gebot, des armen Thiers in seiner Noth dich mitleids⸗ voll erbarmen. Verbindungen. Mel. Es ist das Heil uns kommen 559 Von deiner Weis⸗ heit, Gott der Macht, und deiner Vater⸗ güte zeugt auch der Baum in seiner Pracht zeugt seine Frucht und Bluͤthe; zum Segen pflanzt ihn deine Hand, zur Lust und Zierde jedem Land, so weit als Menschen wohnen. 2. Wie könnt ich denn je einen Baum aus Frevel⸗ muth zerstören! O nein, in jedem Schattenraum will ich dich, Schöpfer, ehren; im Baume, der die Erde schmückt, von dem man süße Früchte pflückt, erfreut Gott seine Kinder. 3. Wenn mich in seiner Blüthenpracht der Baum erfüllt mit Wonne, wenn er zur Kühlung Schatten macht bei heißem Strahl der Sonne und wenn er reich die Zweige senkt und freundlich seine Gaben schenkt zur Nahrung und Erquickung; 4. Wenn mich sein Holz erwärmt und schützt vor Frost, um froh zu leben; wenn er der Hand des Künstlers nützt, mir Haus⸗ 85 ge⸗ 418 Gesinnung und Verhalten des Christen geräth zu geben; wenn Wohnung und Bequemlich-— keit, wenn Hain und Gar⸗ ten mich erfreut, dann will ich freudig danken. 5. Kein guter Mensch, der böse nur kann seine Würde schänden, nur der kann Gaben der Natur mit frevelhaften Händen aus Schadenfreud, aus Haß ent⸗ weihn, kann strafbar ihr Gesinnung und Verhalten des Christen zu besonderen Zeiten. Am Morgen. Mel. Mein ganzer Geist 560 Diss seh ich wie⸗ der, Morgen-⸗ licht, und freue mich der heilgen Pflicht, dem Höchsten Lob zu singen. Ich will, entbrannt von Dankbegier, o mildester Erbarmer, dir mit Herz und Mund lobsin⸗ gen. Schöpfer, Vater, deine Treue rührt aufs neue mein Gemüthe. Froh em⸗ pfind ich deine Güte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was wär ich, hättest du nicht dich so hülfreich mir bewiesen? Zu meinem Leben setzest du jetzt einen neuen Tag hinzu: sei hoch dafür gepriesen! Durch dich bin ich und ich merke neue Stärke: dich erhebe Herz und Mund, solang ich lebe! Zerstörer sein. Ich, i will Gutes schaffen! 6. Ich will dem Urbild ähnlich sein, mit ihm zum Wohl des Ganzen nach Kräften wirken, gern er⸗ freun, auch für die Nach⸗ welt pflanzen. In deiner Schöpfung Heiligthum, o Gott, laß nur zu deinem Ruhm mich, dein Geschöpf, stets leben! 3. Verleih o Gott der Lieb und Macht, daß Sünd und Gram, wie diese Nacht, auf ewig von mir fliehe, daß ich die kurze Rledendel in christlicher Zufriedenheit zu nützen mich bemühe! Prüfe, siehe, wie ichs meine, dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. 4. Ich bin ein Christ; o Herr, verleih, daß ich des Namens würdig sei! Mein Ruhm sei deine Gnadel Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein Irrender! Er⸗ halte mich, mein Gott, auf deinem Pfade. Stärk mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, üben Alles dich zu achten. 5. Ach, im Geräusch der Welt soll mich der heilige Gedank an dich oft still z dir erheben. Im dunllen Thale zu besonderen Zeiten. Thale wall ich hier; einst nimmst du mich hinauf zu dir, zum Licht und höherm Leben. Auf dich hoff ich! err, ich werde mich der rde gern entschwingen, dir dort ewig Lob zu singen. Mel. Wer nur den lieben Gott 561 Voll. Dank an diesem neuen Morgen blick ich zu dir empor, mein Gott! Du hörst nicht auf, für mich zu sor⸗ gen, mein Schutz zu sein vor jeder Noth; du schütz⸗ test mich auch diese Nacht; durch dich gestärkt, bin ich erwacht. 2. Wem dank ichs sonst, als deiner Güte, daß mich, o Gott, kein Unfall traf? Mit innig freudigem Ge⸗ müthe dank ich dir Stär⸗ kung, Ruh und Schlaf! Auch heute wirst du mit mir sein und Kraft zum Guten mir verleihn! Wie viele Tausend meiner Brüder sind jetzt nicht mehr mit mir erwacht; sie sehen nicht die Sonne wieder, nicht deiner Schö⸗ pfung neue Pracht! Ich lebe noch und mich erfreut des neuen Morgens Heiterkeit. 4. Erhalter, dir soll jede Stunde auch' dieses Tar es heilig sein! Ich schwöre dir mit Herz und Munde, vor allem Unrecht mich zu scheun! 419 Entzieh zur Uebung meiner flicht mir, Herr, nur dei⸗ nen Beistand nicht. Froh werd ich dann den Tag vollenden, dir, Herr, getreu und meiner Pflicht. Mein Leben steht in deinen Händen, drum schrecket auch der Tod mich nicht; und endet heute sich mein Lauf; so eilt mein Geist zu dir hinauf! In eigener Melodie. 562 ott des Him⸗ mels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns schei⸗ nen heißt, dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält; 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmer— zen hast behütet und be⸗ wacht und bei aller meiner Schuld mich noch trägst mit Vaterhuld. 3. Gleich der Nacht laß meine Sünden vor der Gnade Glanz vergehn, die durch Christum Alle finden, welche gläubig auf dich sehn, der für unsre Missethat sich am Kreuz geopfert hat. Hilf, daß ich mit je⸗ dem Morgen geistlich aufer⸗ S 6 stehen 420 Gesinnung und Verhalten des Christen stehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Auf der Bahn der Tugend leite du mich, Herr, verlaß mich nicht und ver⸗ leihe mir auch heute Muth und Kraft zu jeder Pflicht. Dein Geschenk, die Gnaden⸗ zeit, werde nie von mir entweiht. 6. Deinem Schutze sei er⸗ geben Alles, was ich hab und bin! Dir vertrau ich Seel und Leben, werf auf dich die Sorgen hin. Herr, mein Heil, mein Schild und Ruhm, segne mich, dein Eigenthum! 7. Hülfe wollest du mir senden, wenn Gefahr und Noth mir droht; Alles mir um Besten wenden, es sei eben oder Tod! Sterb ich, Herr, so nimm mich hin, wo ich nicht mehr sterblich bin! Mel. Befiehl du deine Wege 563 Ld sei Gott, der den Morgen uns sendet nach der Nacht: der, wenn wir ohne Sorgen ent⸗ schlummern, für uns wacht, der uns im Schlaf erquicket und unsre Kraft erneut; Gott, der die Erde schmük⸗ ket und, was er schuf, er⸗ freut! 2. Von dir ist mir gege⸗ ben, Herr, was ich hab und bin! Und dieß mein irdisch Leben flieht schnell zum Tode hin. Bald ist sie ganz. ver⸗ schwunden, der Wallfahrt kurze Zeit; doch hängt an ihren Stunden das Heil der Ewigkeit. 3. O süßer, hoher Glaube, vom Tod einst aufzustehn! Mein Leib nur wird zu Staube: mein Geist wird nicht vergehn. Ach laß michs nie vergessen! Der heil⸗ gen Hoffnung voll, laß täglich mich ermessen, was einst ich werden soll! 4. Sollt ich nach Wollust schmachten? Ihr Lohn ist Reu und Schmerz! Nach Reichthum ängstlich trach⸗ ten? Nie komm es in mein erz! Hienieden schon auf Erden soll meine Seele rein, ein Tempel Gottes werden, ganz ihm geheiligt sein! 5. Getrost, mein Geist! Ermüde in deinem Kampfe nicht! Dich stärket Gottes Friede mit Kraft und Zu⸗ versicht. Ermuntre dich und streite: des Sieges Lohn ist nah! Getrost! Vielleicht ist heute des Kampfes Ende da. In eigener Melodie 564 Mein erst Ge⸗ schäft sei Pres Fleiß seine Pflich zu besonderen Zeiten. Preis und Dank! Erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; lob⸗ sing ihm, meine Seele! „Mich selbst zu schützen ohne Macht, lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nüde und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wann ich von mir Nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge ht, bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhält und etzt neu gegeben. 6. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach ei sanften Nacht mi Zgs erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege mirs wallen und lehre du mich selber thun nach deinem Woplgefallen! Nimm meines Lebens anädig wahr; auf dich hofft meine Seele! Sei mir ein Retter in Gefahr, ein Va⸗ ler, wenn ich fehle! 4²¹ 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe; ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn un willig thue; 10. Daß ich mit Freu⸗ digkeit und Muth mich stets zu bessern strebe, gottselig, züchtig, fromm und gut in Sinn und Thaten lebe; 11. Daß ich, dem Näch⸗ sten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an Andrer Wohlergehn und ihrer Tugend freue; 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wann du gebeutst, beschliche! Mel. Von Gott will ich nicht 565 Almächtiger, ich hebe mein Aug empor zu dir. Preis dir, durch den ich lebe, und neuer Dank dafür! Herr, deine Huld ist Lanle und niemals hat das Lallen des Dankes dir mißfallen, das aus dem Herzen floß/ 2. Daß nicht in tiefem Schlummer des Lebens Licht verlischt, und daß mich, frei von Kummer, ein sanfter Schlaf erfrischt: dieß dank ich deiner Macht und deiner Vatertreue. Durch sie bin — 0e wacht mit heiterm uth erwacht. ö S 7 3. Be⸗ 422 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Beschützer unsrer See⸗ len, ich traue stets auf dich. Was soll ich für mich wäh len? O wähle du für mich! Gib, was mir heilsam ist! Gott, dem ich Alles danke, mich stärke der Gedanke, daß du stets um mich bist! 4. Er stärke mich, mit Freuden zu thun, was dir jefällt; er tröste mich im deiden; und will die Lust der Welt mich jemals nach sich ziehn, helf er mein Herz bewahren, helf er mir die Gefahren der Sünde sehn und fliehn! 5. Beglücke du die Mei⸗ nen nach deiner Gütigkeit! Verlaß der Armen keinen; wend alles Herzeleid! Du willst zwar gern erfreun, eilst Allen beizustehen; n. soll der Liebe Flehen dir au gefällig sein. 6. Gott, deni ich ange⸗ höre, dein Friede ruh auf mir! Mein Seufzen, meine Zähre, Erbarmer, ist vor dir. Deß soll mein Herz sich freun. Wer dir nicht traut, der bebe; ich sterbe oder lebe, so bin ich ewig dein! — — Mel. Gott des Himmels und 566 Geit sei Dank, ich lebe wieder, fühle und empfinde mich. Herr, dir bring ich meine Lieder, und mein Herz er⸗ hebet dich; denn dein Aug hat in der Nacht über mich, dein Kind, gewacht. 2. Wann ich einst vollen⸗ det habe diese meine Pil⸗ gerzeit, ruh ich auch also im Grabe, Samen für die Ewigkeit. ö langen Nacht wird mein Staub von dir bewacht. 3. Aber ich erwach auch wieder und mein Lobge⸗ sang mit mir; dann erschal⸗ len meine Lieder mächtiger und reiner dir. Ewig wird der Morgen sein; ewig schlaf ich nicht mehr ein. 4. Wach auch über meine Tage, Gott, du meine Zu⸗ versicht, daß mich keiner einst verklage, wann du kommst zum Weltgericht, daß ich hier der Pflicht getren und dort unerschrocken sei! 5. Keinen Tag zählst du vergebens, Gott, durch den ich bin, mir zu. Jeder is ein Theil des Lebens, jeden, jeden richtest du. Lehr mich wachen, daß mir nie unge nützt ein Tag entflieh! 6. Heute leb ich, la⸗ auch heute nicht umsonst mein Leben sein! Laß mich nach vollbrachtem Streitt dieses Tags auch mich el⸗ freun; recht zu handehh, 66 mir heut Stärke, Lusz elegenheit! Mel. Auch in dieser zu besonderen Zeiten. Mel. Christus, der ist mein Leben Zoch läßt der 567 N err mich le⸗ ben! Mit fröhlichem Ge⸗ müth eil ich ihn zu erheben; er hört mein frühes Lied. Zu ihm entzückt mich wieder der Morgensonne Pracht; ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. 3½. Du, Herrscher aller Welten, nimmst dich auch meiner an; wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 4. Wirst du nach Op⸗ fern schauen? Sie gelten Nichts vor dir. Du for⸗ derst nur Vertrauen, nur Liebe, Gott, von mir. Dein sei mein ganzes Leben, mein Herz sei ewig dein! Dir will ich Ehre geben und deiner Huld mich freun. O Tilger meiner Jan l 1. laß nich den esu Christ, laß mich den Trost empfinden, daß du mir gnädig bist. Dir hab ich mich er⸗ ich freue mich in dir; du Bester, mehr, als Leben, ist deine Güte mir. 8. Sie führe mich auch heute auf deiner Tugend fad! Du Ewigweiser, geben; nem Rat ö 9. Nur Eins laß mich leite Much Fibf nach dei⸗ 9 4²³3 erflehen: Gib mir ein wei⸗ ses Herz; auf dich laß stets mich sehen in Freude, wie im Schmerz! „Daß ich am ersten trachte nach dem, was dir gefällt, mehr deinen Bei⸗ fall achte, als allen Ruhm der Weli. 11. Daß ich, dir innig trauend, das Gute standhaft thu und froh gen Him⸗ mel schauend denk: Herr, mich siehest du. 12. Bereit, den Lauf zu schließen auf deinen Wink, o Gott, und lauter im Ge⸗ wissen: so finde mich der Tod! Mel. Es ist das Heil uns 56 8 In Gottes Namen X fang ich an, was mir zu thun gebühret. Mit Gott wird Alles wohlgethan und standhaft ausgeführet. Was man in Gottes Namen thut mit frommem Sinn und festem Muth, das muß zu⸗ letzt gedeihen. 2. Gott ists, der das Ver⸗ mögen schafft, das Gute zu vollbringen. Er gibt Ver⸗ stand und Lust und Kraft und läßt das Werk gelingen. Ist er mit uns, so fehlt uns nicht, was unserm wahren Wohl gebricht; er krönet uns mit Segen. 3. Drum leite mich sein guter Geist, den Müssiggang zu 424 Gesinnung und Verhalten des Christen zu meiden, und das, was er mich wirken heißt, geschehe stets mit Freuden! Er stärke mich, damit ich treu, gewis⸗ senhaft und redlich sei und gern dem Nächsten diene! 4. Ja, segne, Gott, auch heute mir die Werke meiner ände und lenke meinen lick zu dir, wenn ich sie froh vollende! Vergänglich ist der Erde Lohn; doch ewig ist vor deinem Thron der Preis der Arbeitstreue. In eigener Melodie. 569 Wach auf, mein Herz und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Men⸗ schenhüter! 2. Gott Vater, mit Er⸗ barmen bedecktest du mich Armen; du sprachst: Schlaf ohne Grauen; die Sonne sollst du schauen! 3. Dein Wort, das ist geschehen; ich kann das Licht noch sehen: von Noth bin ich befreiet, dein Schutz hat sich erneuet. 4. Steig auf, mein Dank, zum Throne! Dem Va⸗ ter und dem Sohne, dem Geist des Herrn sei Eh⸗ re! Anbetung Preis und Ehre! ö 5. Hör, Gütigster, mein Flehen; du kannst ins Herze sehen: ach, möchte dir ge⸗ fallen, Herr, meines Her⸗ zens Lallen! 6. Dein Werk wollst du vollenden; dich nimmer von mir wenden und mich in meinen Tagen stets mit Ver⸗ schonen tragen! 7. In allen meinen Tha⸗ ten wollst du mir selber ra⸗ then: mich stets zum Be⸗ sten leiten, zum Himmel mich bereiten! 8. Auf allen meinen We⸗ gen begleite mich dein Segen: dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise! Mel. Werde munter mein 570 Wann ich einst von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, aufersteh und er⸗ löst von allem Kummer je⸗ nen schönen Morgen seh: o dann wach ich anders auf; schon am Ziel ist dann mein Lauf! Träume sind des Pilgers Sorgen, großer Tag, an deinem Morgen. 2. Hilf, daß keiner mei⸗ ner Tage, Geber der Un⸗ sterblichkeit, einst mich im Gericht verklage, daß ich sträflich ihn entweiht! Auch noch heute wacht ich auf! Dank sei dir! Zu dir hinauf müsse jeder Tag mich leiten, zur Unsterblichkeit bereiten! 3. Daß ich gern sie vor mir sehe, wann ihr letzter nun erscheint; waäni ug unt⸗ IRNE zu besonderen Zeiten. dunklen Thal ich gehe und mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein und laß mich den Stärksten sein, meinen Freund gen Himmel wei— sen und dich, Herr des Todes, preisen. Am Sonntagsmorgen. Mel. Es ist das Heil uns 571 F.uerlend, Va⸗ ter, wach ich auf am Tage deiner Ehre. Nein Morgenopfer dringt hinauf ins Lied der Engel⸗ chöre und dankt daß deine Gütigkeit mir heute wieder Ruh und Zeit zur Seelen⸗ bildung schenket. 2. Dich beten Erd und Himmel an, o Schöpfer al⸗ ler Dinge! Wohl mir! auch ich darf mich dir nahn; du hoͤrst, wenn ich dir singe. Du selbst bedarfst zwar meiner nicht; doch ewig bleibt es meine Pflicht, dich kindlich zu verehren. 3, Drum heilig sei die Stätte mir, wohin, Gott, deine Frommen mit Dank und Lust und Heilsbegier, dich anzub eten, kommen! Ich liebe sie und walle gern zum Hause Gottes, meines Herrn, mit ihnen anzubeten. 4. Hier fühl ich durch den frommen Dank, womit dich Christen loben, durch 42⁵ ihren heiligen Gesang zum Himmel mich erhoben. Hier hör ich, Gott, im Geiste schon die Seligen vor dei⸗ nem Thron ihr Heilig, Heilig! singen. 5. Hier seh ich jeder Tu⸗ gend Preis an deinem Thro⸗ ne prangen und ringe nun mit Ernst und Fleiß, das Kleinod zu erlangen. Hier stärkst du mich durch deine Kraft zur Treu in meiner Pilgerschaft, zur Liebe und zur Hoffnung. So wird dein Tag, o Vater, mir ein Tag des Segens werden! So seh ich und empfind ich hier den Himmel schon auf Er⸗ den! So werd ich nach der Prüfungszeit einst im Ge⸗ nuß der Seligkeit verklärt dich ewig preisen. Beim Anblicke der auf⸗ gehenden Sonne. In eigener Melodie. 572 Se Gottes Ehre, du, seiner Schöpfung Königin! Steig auf und geuß aus deinem Flammenmeere Erstaunen vor dich hin! 2. Daß alle Welt anbe⸗ tend niederfalle vor dem, der dich so schön gemacht, der Menschen schuf und vä⸗ Aul 1 acht mit seiner macht wacht; 3. Daß — 426 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Daß überall bis zur entferntsten Zone, die stau⸗ nend deine Größe sieht, Zu⸗ friedenheit und Lieb und Eintracht wohne, die oft den Erdkreis flieht! 4. Und so sei du, was du ihm stets gewesen, dem Er⸗ denvolke Gottes Blick, dem Lande Frucht, dem Kranken sroh Genesen, dem Armen Trost und Glück! 5. Auch mir, wenn ich in Unmuth aufwärts blicke, weil Gottes Weg ich nicht versteh, gieß Heiterkeit ins kranke Herz und schicke mir Kraft, daß ichs besteh! 6. Und lehre mich in Freudigkeit hienieden mich jeder Christentugend weihn; voll Duldsamkeit bereit zum selgen Frieden und mild wie du zu sein. Am Abend. Mel. In allen meinen Thaten 573 Nen sinkt die Sonne nie⸗ der, die stille Nacht kommt wieder und mit ihr Schlaf und Ruh; sie schenkt uns neue Kräfte, beschließt des Tags Geschäfte und drückt die müden Augen zu. 2. Noch wach ich und erzähle mit tiefgerührter Seele, was Gott an mir gethan. Mit dankendem Ge⸗ müthe lobsing ich seiner Gü⸗ te, er hört mein frommes Loblied an. ö 3. Von ihm kommt jede Gabe: das Leben, das ich habe, die Ruhe dieser Nacht. Er ist der Quell der Güter, mein Schutz und treuer Hü⸗ ter, der, wenn ich schlumm⸗ re, für mich wacht. 4. Er läßt es finster wer⸗ den und hüllt den Kreis der Erden in schwarze Dun⸗ kelheit; doch auch in dunkler Stille wohnt er mit seiner Fülle und zeigt mir seine Herrlichkeit. 5. Er führt aus dunkler Ferne den Mond und tau⸗ send Sterne mit Majestät herauf. Sie leuchten ihm zur Ehre hoch über Erd und Meere, und seine Hand lenkt ihren Lauf. 6. Groß, wenn der Mor⸗ gen grauet; groß, wenn der Abend thauet; groß in der stillen Nacht, im Sonnen⸗ schein und Sturme, am Menschen und am Wurme, Rac 44 9 5 zeigst du deine a cht. 7. Voll Majestät und Stärke stehn lauter Wun⸗ derwerke in deiner Schö⸗ pfung da. Wie kann ich dirs vergelten? Du Gott und Herr der Welten, warst auch mir Armen heute nah. 8. Woher mein Glück, mein Leben? Du hast es mir gegeben; du bists, der für — 2—.—.... 555 —3————— — zu besonderen Zeiten. für mich wacht. Woher auf meinen Wegen so mancher reiche Segen? Du bists, der Alles wohlgemacht. Gott, groß von Macht und Treue, jetzt, da ich dein mich freue, wird auch die Nacht mir Licht. Leg ich die müden Glieder in dei⸗ nem Namen nieder: so wa⸗ chest du: ich sorge nicht. 10. Soll mir der Schlaf zum Leben erneute Kräfte geben: so will ich deß mich freun. Soll er mein Leben enden, so wirst du mich vollenden, mein Gott auch noch im Tode sein. Mel. O Gott, du frommer Gott 574 Der Tag ist wie⸗ der hin; und diesen Theil des Lebens, wie hab ich ihn vollbracht? Entfloh er mir vergebens? Hab ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt? 2. Wars in der Furcht des Herrn, daß ich ihn an⸗ gefangen? Mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, als ein Geschöpf von Gott, mich seinem Dienst zu weihn und züch⸗ tig und gerecht und Gottes Freund zu sein? Hab ich in dem Be⸗ ruf, den Gott mir ange⸗ wiesen, durch Eifer und 4²2⁷ durch Fleiß ihn, meinen Gott, gepriesen, mir und der Welt genützt und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sahn? 4. Wie hab ich diesen Tag mein eigen Herz re⸗ gieret? Hat mich im Stil-⸗ len oft mein Blick auf Gott geführet? Erfreut ich mich des Herrn, der unser Flehn bemerkt? Und hab ich im Vertraun auf ihn mein Herz gestärkt? 5. Dacht ich bei dem Ge— nuß der Güter dieser Er⸗ den an den Allmächtigen, durch den wir sind und wer⸗ den? Verehrt ich ihn im Staub? Empfand ich seine Huld? Trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld? 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? Fühlt ich der Freundschaft Glück, sprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernst noch sanft, mein Scherz noch unschuldsvoll? Und hab ich Nichts gesagt, was ich be⸗ reuen soll? 7. Hab ich die Meinigen durch Hiie De mir ver⸗ pflichtet, sie durch mein Bei⸗ spiel still zum Guten unter⸗ richtet? War zu des Mit⸗ leids Pflicht Eim Git nicht zu bequem? Ein Glück, das Andre 42⁸ Andre traf, war dieß mir angenehm? 8. War mir der Fehltritt leid, sobald ich ihn began⸗ gen? Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlan⸗ en? Und wenn in dieser dacht Gott über mich ge⸗ beut: bin ich vor ihm zu stehn auch willig und be⸗ reit? 9. Gott, der du Alles weißt, was könnt ich dir verhehlen? ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergib durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht, vergib und gehe du nicht mit mir ins Gericht! 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden kränken, du liebst Barmherzigkeit und wirst auch mir sie Icheneen. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir; leb ich, so leb ich dir; sterb ich, so sterb ich dir! Mel. Befiehl du deine Wege rmüdet von den 5 7⁵ Sorgen und der Geschäfte Last, die du mir jeden Morgen hier auf⸗ erleget hast, eilt, Herr, nach deinem Willen der Körper jetzt zur Ruh, weint dir vorher im Stillen Dank meine Seele zu. 2. Du gabst Verstand und Kräfte zu Allem, was ich Gesinnung und Verhalten des Christen that: gabst Segen dem Ge⸗ schäfte, für das ich Segen bat; du wandtest allen Scha⸗ den, warst mir Vertraun und Licht und übergabst aus Gnaden mich dem Verder⸗ ben nicht. 3. Vergiß es nicht, o Seele, was Gott an dir gethan: verehr des Herrn Befehle, bet ihn in Demuth an, ihn, der von seinem Sitze gern auf dein Flehen hört und auch der Last und Hitze der Kreuzestage wehrt! 4. Mit deinem Schilde decke dein Kind auch diese Nacht, auf daß mich Nichts erschrecke; auf daß, wann ich erwacht und durch den Schlaf erquicket, mein Geist befreit von Gram froh nach der Höhe blicket, von wel⸗ cher Hülfe kam! 5. Die Meinen, Weib und Kinder und Freund und Fan und Gut, auch meinen eind nicht minder, nimm, Herr, in deine Hut! Mie wird dein Auge müde, nie, Hüter, ILunde Fri du; gib unserm Lande Friede, gib Jedem Glück und Ruh! 6. Versag auch diese Bitte mir, mein Erbarmer, nicht: wann diese morsche Hütte des Leibes einst zerbricht, so laß, o Gott, mein Ster⸗ ben dem Schlummer ähn⸗ lich sein und nimm** ei⸗ —ees ec.-.·. xr 3 VSSi V —— — π— ⏑ zu besonderen Zeiten. deinen Erben, ö in deinen Himmel ein. Mel. In allen meinen Thaten 576 err, der du mir das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich kindlich an. viel zu geringe der Treue, die ich singe, und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Ge⸗ müthe freu ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke und schaffst ein rei⸗ nes Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seele, nach deines Worts Befehle einher im Leben gehn; auf deine Güte hof⸗ fen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, ich bin bei dir in Gnaden, und in dem Him⸗ mel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Se⸗ gen, eil ich der Ruh ent⸗ gegen; dein Name sei ge⸗ preist! Mein Leben und nein Ende ist dein; in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist. Ich bin In eigener Melodie. o fliehen unfre —97⁰ S Tage hin: auch dieser ist nicht mehr! Die Nacht, der Müden Trö⸗ sterin, eilt wieder zu uns her. „Herr, du nur bleibest, wie du bist: du schläfst und schlummerst nicht; die Fin⸗ sterniß, die uns umschließt, ist deinem Auge Licht. 3. Dir übergeb ich voll Vertraun mich auch in die⸗ ser Nacht; wovor, Herr, sollte mir denn graun? Mich schützet deine Macht. 4. Hab ich an deiner Gnade nur stets Theil, o err, mein Gott; so fürcht ich Nichts in der Natur, so scheu ich nicht den Tod. 5. Zwar ich erkenne mei⸗ ne Schuld; mit Reue fühl ich sie: doch, mein Erbar⸗ mer, deine Huld, wie trost⸗ voll ist mir die! 6. Ich eil im Glauben zu dir hin und weiß, wie sicher ich im Schutze deiner All⸗ macht bin; dein Schirm be⸗ decket mich. ö 7. Flieht, finstre Sorgen, weit von mir! Herr Jesu, du allein seist mein Ge⸗ dank; o weihe dir mein Herz zum Tempel ein. 8. Vielleicht ist dieß die letzte Nacht in meiner Prü⸗ fungszeit; dann führe mich durch deine Macht zum Licht der Ewigkeit! 9. Ich 430 Gesinnung und Verhalten des Christen 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, dein bin ich auch im Tod. Du, mein Erretter, bist bei mir und hilfst aus aller Noth. Mel. In allen meinen Thaten 578 D stillen Abend⸗ stunden, wie schnell sind sie entschwunden in häuslich froher Ruh! Nun senkt die Nacht sich nieder und drückt uns allen wieder mit sanfter Hand die Augen zu. 2. O lasset uns er⸗ wägen den unverdienten Segen, den uns der Tag gebracht! Laßt uns von Dank entbrennen und tief gerührt bekennen: der Herr hat Al⸗ les wohlgemacht! 3. Du hast, o Gott, voll Gnade auf segensvollem Pfade uns bis hierher ge⸗ führt. Nicht uns, nur dir sei Ehre! Ein jeder Tag vermehre in uns den Dank, der dir gebührt! 4. Der Schlaf, den du den Müden nach Tageslast beschieden, auch er sei dir geweiht! Wir schlummern ohne Sorgen, denn du er⸗ weckst uns morgen hier oder in der Ewigkeit. Mel. 579 So fliehen unsre Tage er unter dei⸗ nem Schir⸗ me ruht, o Gott, von dir bewacht, der trotzt mit un⸗ erschrocknem Muth dem Grauen dunkler Nacht. 2. Umringt von stiller Finsterniß sing ich dir, Herr, ein Lied. Mein Herz froh⸗ lockt und ist gewiß, daß mich dein Auge sieht. 3. Der Tag ist schnell dahingeeilt, und deine Va⸗ terhand hat mir viel Gutes zugetheilt, viel Böses abge⸗ wandt. 4. Auch in der Noth und wenn ich litt, nahmst du dich meiner an, und so ist nun ein neuer Schritt zur Ewigkeit gethan. 5. Du, Herr, wirst auch noch immerdar mein guter Vater sein und jetzt und auch bei grauem Haar mich segnen und erfreun. 6. Doch dir befehl ich meine Zeit. Ich leb in dieser Welt, o Vater der Barm⸗ herzigkeit, solang es dir ge⸗ fällt. 7. Ich trau auf dich und ittre nicht; kein Unfall wird sich nahn: du warst ja meine Zuversicht von meiner Ju⸗ gend an. 8. Ich schließ auch jeht in dunkler Nacht getrost die Augen zu; ich fürchte keint irdsche Macht: du sicherst meine Ruh! Mel, ·BWBAAAAAN S. 285655 ⁷—————.——.—— zu besonderen Zeiten. 431 Mel. Freu dich sehr, o meine Mel. Werde munter, uf, o Seele, sei ink ich einst in 580 A noch munter! 581 S jenen Schlum⸗ Gottes Lob ist deine Pflicht. mer, aus dem Keiner mehr Seine Sonne gehet unter, erwacht; geh ich aus der aber seine Güte nicht. Er Welt voll Kummer, Todes⸗ hat mich auch heut ernährt, ruh, in deine Nacht: o dann manche Freude mir gewährt, schlaf ich anders ein. Weg vor Gefahren mich beschü⸗ aus dieses Lebens Pein wall tzet, mich in Schwachheit un⸗ ich hin zu deren Hütten, . nun glücklich, hier auch itten. terstützet. 2. Stets verehrt und hoch— gepriesen seist du, treuer 2. Jetzt entschlaf ich, auf⸗ ott, von mir! Was du zuwachen noch für Tage die⸗ Gutes mir erwiesen, danket ser Zeit! Laß mich fertig meine Seele dir.„Du hast, stets mich machen, Vater, zu war ichs gleich nicht werth, der Ewigkeit, daß ich Wan⸗ liebreich das Gebet erhört, derer dann sei von der Last das ich heut, als ich er⸗ des Eiteln frei, von den wachte, dir im Namen Jesu Bürden dieser Erde, wann brachte. ich nun unsterblich werde. 3. Gib nun bis zum fro⸗ 3. Gerne laß den Tag hen Morgen meinem Leibe mich sehen, der als Ret⸗ sanfte Ruh! Durch dich ter mir erscheint: wann chlaf ich ohne Sorgen; mit nicht erhörtem Flehen, wann ich schlafe, wachest du. wer mich liebet, um mich Leib und Seel befehl ich weint! Stärker, als mein dir, walte gnädig über mir! Freund im Schmerz, sei Sei auch du der Gott der mein gottverlangend erz, einen, zähl sie alle zu und, noch sterbend dich zu den Deinen! preisen, laß mich ihn gen 4. Laß uns doch kein ban⸗ Himmel weisen! i UIners Uuth ot—— Mel. 2 Hsehim 255 nicht Feuersgluth plötzlich eh im Abend⸗ aus dem Schlummer wecken, 582 N rothe schön, halt uns fest in deiner Hut; Herr, deine Sonne unter⸗ ill, wenn Krankheit oder gehn. Noch untergehend freut Lod uns in lad u Schlafe ihr Glanz, erhebt ein füh⸗ roht, oder la uns, wenn lend Herz so ganz. wir sterben, deines Him⸗ 2. Von einer halben Welt nels Freuden erben! nimmt sie den Segen nd un 432 Gesinnung und Verhalten des Christen Hülle so traulich und so hold, und sucht ihn nie. So geht von edler That dein Freund, entweicht dem Dank, den man ihm weint. 3. Sie sinkt. Ich blick gerührt ihr nach; nicht mehr ist jetzt mein Aug zu schwach. So scheucht zu starker Glanz zurück, be⸗ scheidne Tugend stärkt den Blick. 4. Versunken ist sie. So versinkt, sobald, Herr, dei⸗ ne Weisheit winkt, auch unsre Herrlichkeit und Pracht; all unser Glanz verlischt in acht. 5. Sie sank und floh von uns, um schön dort andern Brüdern aufzugehn, die jetzt sich ihrer Ankunft freun und dir nun Morgenlieder weihn. 6. So gehn auch wir der⸗ einst, erwacht vom Schlum⸗ mer unsrer letzten nn schließt hier sich unser Le⸗ benslauf, zu einer höhern Wallfahrt auf. Mel. In allen meinen Thaten 583 Der Mond ist aufgegangen; die güldnen Sternlein pran⸗ en am Himmel hell und lar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung gleich einer stillen Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt. ö 3. Gott, laß dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, dem Eitlen nie uns weihn! Laß uns nur weise werden und vor dir hier auf Erden von 69 sein fromm und fröhlich sein! 4. Wollst endlich ohne Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod: und wann du uns genommen, so laß uns zu dir kommen, du lieber, treuer, frommer Gott! So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Na⸗ men nieder; kalt ist der Abendhauch. Verschon unz Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbar auch! Unter gestirntem Himmel Mel. Nicht um Reichthum 58 4 Einsam bin ich tiefe Still herrscht um mich in der Natur! Unter einer dunk len Hülle liegt der Farbes⸗ schmuck der Flur. Alles ruht sich zu erquicken; mir noh lohnet wach die Zeit; aufhe than vor meinen Blickel hat sich die unen zu besonderen Zeiten. 2. Welche Tiefen! Wel⸗ che Höhen! Heilge Schauer fassen mich! Wie vie tau⸗ send Welten drehen hier um ihre Sonnen sich! Und wo sind des Raumes Grän⸗ zen, wo sich keine Welt mehr dreht, keine Sonnen⸗ strahlen glänzen und kein Lebensodem weht? 3. Wie viel Millionen Leben freuen sich in jeder Welt, freuen sich, den zu erheben, der sie schuf und sie erhält! Und wer ists, der stets sie alle liebend, segnend überschaut? wer, der seines Tempels Halle ins Unendliche gebaut? 4. Kann mich hier sein Name trügen? hier mir leuchten ohne Sinn? Er schrieb ihn mit Flammen⸗ zügen und sein Name heißt: Ich bin. Ja, du bist, den 0 T wir nennen, dem das Weltall eigen ist! Se⸗ ligkeit ists, dich zu kennen, der du Aller Bater bist. 5. Deine ältre Offen⸗ barung liegt jetzt aufge⸗ schlagen da: und im Lande der Erfahrung fand ich dich mir immer nah. Du, der wölbte diesen Bogen und der Sterne Kreis bewegt, hast den Puls auch aufge⸗ ogen, der in meinen Adern schlägt! 6„%Hast den Funken mir gegeben, der in mir die 433 Nacht erhellt, diesen Geist, der in das Leben aufstrebt aus der Sinnenwelt, in das Leben, wo er freier, näher schaut dich, Weltengeist, dich bei seiner heilgen Feier, frei vom Staub der Erde, preist. O dieß Sehnen, o dieß Streben, dieser hohe Lebenssinn bürgt mir ein unendlich Leben, führt mich zur Vollendung hin! Nein, ein Kind wird nicht ver⸗ schmachten in der tiefsten Dunkelheit, wird von Licht nach Lichte trachten in der Unermeßlichkeit. 8. Ist mein Leben hier verronnen, wird es Nacht auf meiner Bahn: o dann leuchten tausend Sonnen milden Stufengang hinan. ch steig auf zum Quell der Strahlen, ihn zu schaun, der nie versiecht, wo vor mir in tiefen Thalen dann der Welten Schöpfung liegt. Im Frühling. Mel. Allein Gott in der Höh 585 L sei Gott der den Frühling schafft, Gott, der den Erd⸗ kreis schmücket! Preis sei ihm, Ehre, Stärk und Kraft, der, was er schuf, beglücket! Der Herr erschafft, der Herr erhält; er liebt und segnet Gesch öpe lobsinget ihm, eschöpfe! T 2. Das 434 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Das Land, das erst erstorben lag, erwacht und lebt nun wieder. Es strömt an jedem neuen Tag sein Segen neu hernieder. Der Wurm, der in dem Staube lebt, der Vogel, der in Lüften schwebt, erfreut sich seines Lebens.—** 3. Der Erde Antlitz ist verjüngt; erheitert glänzt der Himmel; Gebirg un Thal und Wald erklingt vom freudigen Getümmel. Mit Wohlgefallen schaut herab, der allen Sein und Leben Wo auf seiner Schö⸗ pfung Werke. 4. Lobsinget ihm; er ist uns nah! Singt alle seine Heere! Der Herr ist in den Himmeln da, auf Erden und im Meere. Ich preise dich, ich singe dir: denn du bist, wo ich bin, bei mir mit Allmacht und mit Liebe. 5. Du rufst die Wolken in das Land und stillst den Durst der Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesegnet werde. Du machest Hagel, Thau und Wind, die deiner Allmacht Boten sind, zu unsrer Freu⸗ de Quellen. 6. Selbst wann, vom Donnersturm bedräut, er⸗ schrockne Länder zittern, strömt Stärkung, Segen, Rugemnitern. aus Nacht und ingewittern. Dann bricht die Sonne neu hervor, und Alles jauchzt zu dir empor, etter schwei⸗ vor dem die gen. 488 7. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Brunn⸗ quell aller Gaben. Dort wirst du uns mit Seligkeit in reichern Strömen laben. Wohl, wohl den Menschen, die schon hier sich dir er⸗ geben und einst dir als Christen freudig sterben! Mel. Gott, der du die Menschen 586 9 60 hebt sich Gottes Sonne, länger strahlt uns nun ihr Licht; Alles athmet neue Wonne, wenn sie durch die Wolken bricht. Schau, der Frühling senkt sich nieder in die Wälder, auf die Flur. Die erstorbene Na⸗ tur lebet auf und wirket wieder. Opfre Gott, dem Schöpfer, Dank! Preis ihn fröhlich, mein Gesang! 2. Munter zu der Arbeit wallet nun der Landmann hin aufs Hsch und sein fro⸗ hes Loblied schallet laut em⸗ por zum Herrn der Welt. Er vertraut die Saat der Erde, ehrt durch fromme Zuversicht seinen Gott und zweifelt nicht, daß sie wohl⸗ gerathen werde; bringt schon hoffnungsvoll ihm Dant. Preis auch du ihn, mein Gesang! 4. Gläͤn⸗ S=e......· T. ·.·.·¶·¶. zu besonderen Zeiten. 435 3. Glänzend und im Feier⸗ Auf Bergen, wie im Thal, kleide prangt die blüthen⸗ ist Freud an Freude hinge⸗ reiche Flur. Jede Blume streut und Schönheit überall. duftet Freude, preist den 2. Belebend ist der Wiese chöpfer der Natur, der Grün, entzückend jede Flur; den Thau schafft, den sie und wie viel tausend Blu⸗ trinket, daß sie nicht zu bald men blühn im Garten der verblüh, der ihr Samen Natur! ö gibt, wenn sie welkend end⸗ 3. Mit reichen Blüthen lich niedersinket. Bring auch prangt der Baum, und oben du ihm Lob und Dank, ausgespannt, wie strahlt der preis ihn fröhlich, mein Ge⸗ blaue Himmelsraum, ein sang! ů unbekanntes Land! 4. Dieser Frühling, wie 4. Blickt hin in Tiefen geschwinde, o wie schnell und auf Höhn, auf Flur wird er verblühn! Wie die und Wald und Zeld! Fühlt, Spreu, verweht vom Winde, was unnennbar ist: wie so wird seine Pracht ent⸗ schön ist unsers Gottes Welt! fliehn! Aber, Gott, vor dei⸗ nem Throne wird ein ewger 5. Doch nur dem Tugend⸗ Frühling sein; ewig wird haften, nur dem Menschen⸗ er uns erfreun, ringen wir freunde lacht die schöne herr⸗ nur nach dem Lohne reiner liche Natur in aller ihrer Tugend lebenslang. Gott, Pracht. dich preise mein Gesang! 6. Drum seid und machet Alle Herrlichkeit der froh und gut; reicht gern Erde ist nur Schimmer die Bruderhand: naht dann von dem Licht, das ich ewig der Tod, so geht mit Muth schauen werde dort vor ins unbekannte Land. Gottes Angesicht. Auch das 7. Macht diese Erde schon freudenreichste Leben hier auf so schön entfernter Sonnen⸗ Erden ist nur Tod gegen schein; o Gott, wie wird lenes, das mir Gott dort in jenen Höhn der Selgen verheißen hat zu geben. Wohnung sein! Dir, mein Gott, sei Lob und Dank! Ewig preist dich Im Sommer. mein Gesang! Mel. Wie wohl ist mir, o Freund Mel. Lobt Gott, ihr Christen— eit um mich 587 Der Erde Reize 588 Wé her ist Alles sind erneut. Freude, verschönt ist, Schö⸗ 2 2 pfer, 436 Gesinnung und Verhalten des Christen pfer deine Welt! Es prangt in einem Feierkleide Gebir und Thal und Wald un Feld! Wie heilig wird mir jede Stätte! Wohin ich seh, wohin ich trete, bist du mir nah und fühl ich dich; wohin ich schau, auf allen Fluren, in allen deinen Creaturen er⸗ blick ich, Welterhalter, dich! 2. Wie hast du, Gott der Macht und Güte, so liebe⸗ voll an uns gedacht! Schön war des Frühlings bunte Blüthe; reich ist des Som⸗ mers erste Pracht. Zum vollen, fröhlichen Genusse empfängt von deinem Ue⸗ berflusse, o Gott, was le⸗ bet, Speis und Trank. Ge⸗ birge geben, Thäler geben, was Allen nöthig ist zum Leben, und Alle jauchzen froh dir Dank. 3. Weit um mich her ist Alles Freude; o freu auch, meine Seele, dich in Gottes schönem Weltgebäude! Sein Segen reifet auch für mich. Hoch müsse dessen Lob er⸗ schallen, der mir so wohl⸗ thut, Allen, Allen so wohl⸗ thut, der so freundlich ist! Stimm ein in der Geschöpfe Chöre: dir Gott, sei Preis, dir Dank und Ehre, der du so mild und gnädig bist! Mel. Wer nur den lieben Gott 589 AWil gen auf jeder segensreichen Flur, dir meine Dankgefühle brin⸗ gen im großen Tempel der Natur. Vom Aufgang bis zum Niedergang erschalle, Gott, dein Lobgesang! 2. Du bist der Geber aller Freude, des Segens Schö⸗ pfer bist du, Gott! Den Heerden gibst du ihre Weide und deinen Kindern allen Brod. Durch d. geschützt, epflegt durch dich, freut lles, was da lebet, sich. 3. Und Leben strömt mit deiner Sonne in jeden Halm, in jede Brust; sie gibt den Blüthenthälern Wonne und allen Wesen neue Lust. Ver⸗ jüngt durch ihren milden Strahl, jauchzt Hain und Flur und Berg und Thal. 4. Auf unsre Saaten träufst du Segen herab mit jedem Morgenthau. Gott, wie er⸗ frischt dein sanfter Regen das Gras, die Blumen auf der Au! Der Bach, der aus dem Berge quillt, erquickt den Wandrer und das Wild. 5. Da stehn die Zeugen deiner Milde hier in der Schöpfung Heiligthum. Weit durch die reichen Korngefilde tönt himmelan dir Lob und Ruhm; sie dringen, Herr, zu dir empor aus aller Wesen frohem Chor. ö 6. Auch du frohlocke, men ne Seele, und rühme deines Schöpfers Macht! Dein 4* zu besonderen Zeiten. 437 ter Lobgesang erzähle, wie Vom Herrn der Zeit ge⸗ herrlich Alles er gemacht! rufen, naht der Herbst mit Vom Aufgang bis zum Nie⸗ seiner Fülle sich und näh⸗ dergang erschall ihm Ehre, ret und erfreut auch mich. Preis und Dank! 2. Der segensreiche Gar⸗ Mel. Herzliebster Zesu! ten prangt mit vollen Zwei⸗ oweit nur Men⸗ gen und verlangt, von sei⸗ chen deine Welt ner Frucht befreit zu sein, bewohnen, bist du der Va⸗ um Gottes Kinder zu er⸗ ter aller Nationen, die Zu⸗ 963. Sänger in 5 lucht Aller, die auf Land und Lüften schweigt,d hi— Meeren dein Heil begehren. serne Landesla—6 6 t 2. Du blickst hernieder, und son Eime Saat 35 die Fluren lachen, du wäs⸗ schon eine neue Saat un serst sie mit Thau, sie reich Frucht für ihn bereitet hat. zu machen. Dein Strom 4. Auf traubenvollen Hü⸗ ist voll; du sorgest für die 895 Indinr eber Iut dan Saaten, daß sie gerathen. Be 735 Bergr an Most 3. Die tiefgepflügten Fur⸗ und ein got nuns der chen füllt dein Segen; das Herr; uns 19 6 fr uns der lechzende Gefild erfrischt 5. Wie lieb olund ild dein Regen. Der Sommer teevoll und mi glüht: es reifet das Ge⸗ und gut ist Wott, der so viel treide zu unsrer Freude. der Zur una Nan und 4. Die Höhn und Tiefen Suugling, Mann un schmückest du mit Heerden H1+1 sei lich ihm aun und schaffest, daß sie froh ge⸗ 6. Auch eunehn terst ättigt werden. Dem Schnit⸗ sorgt für dich dei in. lerlrauscht der vollen Felder Gorus 0 bntert Herr ni, Segen zur Aerndt entgegen. Go 5 rlich: ost es, „Und Dank und Freud unht Afür dich r 95101 der und Zubel jauchzt aus allen, Tenden hal. noch viel der und Hain und Auen und Ge⸗ 7. Froh kannst d terb ild erschallen vom lauten, 1d1 annst du ster 20 die frohlockenden Getümmel wenn du nur, wie seine seg⸗ nende Natur gesegnet hast, bis in 3.— perig t Wntonuhrngn m Herbst. verlangt, umsonst nichtsucht. Mel. Dom Paman der 8. So blüh und reife der 1 Gearndtet ist der Zeit zu größerer Vollkom⸗ Felder Saat. menheit! Still keimt der Tu⸗ 3 gend ́pqp.—— 438 Gesinnung und Verhalten des Christen gend Saat hervor und reift zur reichen Aerndt empor. Mel. Lobsinget Gott! er 592 sicht geht schon die Sonne nieder, und später scheint ihr schwächer Licht am trü⸗ ben Himmel wieder. Die schönste Zeit ist nun ent⸗ flohn; die rauhen Stürme rauschen schon durch die be⸗ reiften Felder. Die letzte Blume neigt ihr Haupt; des Herbstes kalter Hauch entlaubt die schattenreichen Wälder. 2. Verlassen steht die öde Flur entblößt von ihrem Segen; entkräftet sieht nun die Natur der Winterruh entgegen. Die Vögel, die dem Frost entfliehn, be⸗ ginnen schon daherzuziehn weit über Land und Meere. Gott nimmt der Wandern⸗ den sich an, bezeichnet ihnen ihre Bahn und sättigt ihre Heere. 3. Uns, seine Menschen, will er hier im Winter selbst versorgen. Ja, seiner Huld vertrauen wir, neu wird sie jeden Morgen. Er schafft, daß wir in Sicher⸗ heit des Herbstes rauhe Jah⸗ reszeit beginnen und vollen⸗ den. Die Erde ruht; doch re gewährt voll Liebe das, Fuh mit um⸗ ö wölktem Ange⸗ was uns ernährt, mit vä⸗ terlichen Händen. 4. Wie sind doch unsre Kammern voll von seiner Güte Gaben, vom Segen, der uns nähren soll, vom Vorrath, uns zu laben! Durch deine Vorsicht muß, o Gott, das Land uns für den Winter Brod, dem Vieh sein Futter geben; und Wein, der unser Herz er⸗ freut und unsers Lebens Kraft erneut, quillt aus der Frucht der Reben. 5. Wie jetzt das Feld um uns verblüht, verblühn auch wir im Alter. Doch wohl uns! Gott, der auf uns sieht, ist mächtiger Erhal⸗ ter! Er ist es, der die Schwa⸗ chen schützt, die Müden mäch⸗ tig unterstützt, die an dem Grabe wanken. Gebeugt vom Alter, werden wir mit frohem Herzen, Vater, dir, wie in der Jugend danken. 6. Wohl Allen, die sich ihrer Pflicht von ganzem Herzen weihen! Sie werden ihre Jugend nicht im Alter einst bereuen. Wohl dem, der redlich sich bemüht, weil seiner Jahre Kraft noch blüht, der Tugend Frucht zu tragen! Ihm wird dab Alter Jugend sein, und dankbar wird er sich no freun in seinen letzten IAa Im gen! zu besonderen Zeiten. Im Winter. 593 Nicht für der Fel⸗ der Segen nur, auch für den Schlummer der Natur, für Frost und Winter danken wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. Zwar liegt ihr grü⸗ ner Schmuck zerstört, von Schnee und Eis und Sturm verheert; ein weites, wei⸗ ßes Grabgewand deckt Ber⸗ ge, Hügel, Thal und Land. 3. Doch hegt die Erde, still und groß, die zarte Saat in ihrem Schooß, die sich im Frühling segensvoll und uns nähren oll. 4. So nähret liebreich und geheim der holden Tu⸗ gend ersten Keim die Mut⸗ ter mit verborgner Lust in ihrer zarten Kinder Brust. 5. So thut, was Andre segnen kann, der gute, bescheidne Mann, sucht, wenn sein Thun nur Gott gefällt, nicht das Geräusch des Ruhms der Welt. 6. Doch wachsen soll der Zugend Saat, aufblühn, was er im Stillen th at, zu deichen Aerndten in der geit, zu reichern in der Cwigkeit. +. Mag brausen dann wohl um uns her des Win⸗ ters S urm; auch er, auch er ist deines Segens Die⸗ 439 ner, Gott, so fürchterlich er immer droht. 8. Und wie viel Freuden danken wir selbst in des Winters Tagen dir, der du o. väterlich uns trägst und sättigest, erwärmst und pflegst! 9. Durch alle Zeiten, Vater, sei dir, wer dich kindlich ehrt, getreu! Laß Jeden deinen? uhm erhöhn und freudig deine Wege gehn. Mel. Auf, Christenmensch! 594 Veschwunden ist der Erde Pracht, nur Schnee bedeckt die Felder. Der Wintersturm durchbraust mit Macht Ge⸗ birge, Thal und Wälder. Das Land erstarrt vom Froste nun, und seine Nah⸗ rungskräfte ruhn. 2. Wohl mir in dieser rauhen Zeit! Ich darf vor Frost nicht beben zmich schützt mein Dach, mich wärmt mein Kleid, und Brod er⸗ hält mein Leben. In mei⸗ nem Bette schlaf ich ein und kann mich sanfter Ruhe freun. 3. So hats der arme Bruder nicht, dem Brod und Kleidung fehlen, er, dem das Nöthigste gebricht, den Frost und Hunger quä⸗ len. Und dreifach fühlt er seine Pein, wenn Krankheit plagt und Kinder schrein. T 4 4. O 440 Gesinnung und Verhalten des Christen 4. O zaudre, zaudre nicht, mein Herz, ihm liebreich zu⸗ zueilen! Fühl seinen Jam⸗ mer, seinen Schmerz, dein Brod mit ihm zu kheilen! Wer seines Nächsten Noth vergißt, verdient nicht, daß er glücklich ist. 5. Vor Tausenden bist du beglückt, die in der Stille klagen, da Wärm und Nah⸗ rung dich erquickt in diesen rauhen Tagen. Lobsinge, frohes Herz, in mir und opfere Gott Dank dafür! 6. Seh nicht auf das, was dir noch fehlt und Man⸗ cher mehr besitzet; nein, auf die Noth, die Andre quält, auf Gott, der 2* beschü⸗ tzet! Ach, Vater, lindre je⸗ den Schmerz und gib mir ein mitleidig Herz! Zur Saatzeit. Allein Gott in der Höh Mel. H 8 baut, o Gott, 595 auf dein Ge⸗ heiß der Menschen Hand die Erde, voll froher Hoffnung, daß ihr Fleiß von dir ge⸗ segnet werde. Auf dein Ver⸗ bein trauen sie; du sollst ein Brod bei Fleiß und Müh, solang du lebest, essen! 2. Dieß Wort traf, Herr, noch immer ein. Gib jetzt auch deinen Segen, daß Saat und Pflanzen wohl gedeihn; gib Sonnenschein und Regen! Der Landmann baut umsonst das Land, wenn, Vater, deine All⸗ machtshand nicht seine Ar⸗ b eit segnet. 3. Drum kröne du mit Fruchtbarkeit das Land nach deiner Güte, und wenn die Aussaat dann gedeiht, All⸗ vater, so verhüte, daß Kälte nicht nicht Sonnengluth, nicht Hagelschlag, noch Re⸗ genfluth ihr zum Verderben werde! ö 4. Wir traun auf dich, o großer Gott; du, du wirst gnädig walten. Du kennst am besten unsre Noth, hast lange ausgehalten. Ja, Nahr du wirst zu deinem uhm für uns, dein Werk und Eigenthum, auch dieß Jahr wieder sorgen. Nach einer reichen Aerndte. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 596 Wir alle, Men⸗ schenvater, bringen dir unsern feier⸗ lichsten Dank und unste frohen Herzen singen dir ihren lauten Preisgesang! Gekrönt hast du mit deiner Milde rings um uns her das ganze Land; dein Se⸗ gen floß auf die Gefilde aus reicher väterlicher 2* * zu besonderen Zeiten. 2. Du schenktest Sonnen⸗ schein und Regen für jede Frucht zu rechter Zeit und gabst Gedeihen, Kraft und Segen dem Samen, den wir ausgestreut. Wie prang⸗ te doch im Feierkleide das volle ährenreiche Feld! Wie schlug von Hoffnung und von Freude dir unser Herz, o Herr der Welt! 3. O welchen Reichthum deiner Gaben hast du mit liebevoller Hand, uns zu ernähren und zu laben, von neuem uns berabgefandt! Für Millionen deiner Kin⸗ der ist jetzt ein voller Tisch bereit; du nährst den From⸗ men, nährst den Sünder, und Alles wird durch dich erfreut. 4. Wer kann die Güte ganz ermessen, die weiter als die Wolken reicht? Wer kann sie undankbar ver essen, da jede Stunde von ihr zeugt? Nimm deiner Kinder Freu⸗ denzähren, nimm an, All⸗ vater, unsern Dank! Wir wollen ewig dich verehren durch Thaten, wie durch Lobgesang. 5. Was du uns gabst, wohl anzuwenden, verleih uns Weisheit und Verstand, Nicht, um es üppig zu ver⸗ wenden, anp⸗Din wirs aus deiner Hand. Du willst, wir sollen froh genießen, doch mäßig, mild und dank⸗ und bete an, daß du, 44¹ bar sein; so gütig, wie du dich bewiesen, soll jeder der Beglückten sein. ö 6. Drum freu den Armen auch der Segen, den deine Hand uns reichlich gab; wir wollen seiner liebreich pfle⸗ gen; wir trocknen seine Thrä⸗ nen ab! Er dank auch heute mit uns allen, frohlocke uac na Wohlgefallen, so deinem Gott, an uns ge⸗ viel, o than. Mel. Wach auf! mein 597 Konmmt, laßt uns Gott lobsingen und Preis und Dank ihm bringen für alle milden Ga⸗ 26 die wir geärndtet ha⸗ en! 2. Aus seinem Ueberflusse zum freudigen Genusse hat er uns, was zum Leben uns nöthig ist, gegeben. 3. Die Scheuern sind voll Segen; denn er gab Thau und Regen und Wachsthum und Gedeihen der Frücht, der wir uns freuen. 4. Preis, Herr, sei dei⸗ ner Milde, daß Gäͤrten und Gefilde, was wir gesäet haben, so reichlich wieder⸗ gaben! 5. Preis sei dir, unserm Retter! Es drohten Sturm und Wetter Verderben un⸗ T 5 sern 442 Gesinnung und Verhalten des Christen sern Saaten. Dank dir! sie sind gerathen. 6. Uns reiften süße Früch⸗ te im milden Sonnenlichte an Baum und Strauch und Reben; Herr, Preis sei dir gegeben! 7. Du ließest froh uns ärndten. O daß wir dank⸗ voll lernten, dir ähnlich, uns der Armen mit mildem Sinn erbarmen! 8. Wenn wir die gern erquicken, die Sorg und Mangel drücken, so wirst du, was zum Leben wir brauchen, ferner geben. 9. Du wirst einst deine Treuen, die gute Saat hier streuen, zu höhern Festen schmücken und ewig sie be⸗ glücken. Bei sparsamer Aerndte. Mel. Was Gott thut, das ist reist, Christen, 598 mit Zufrie⸗ denheit, preist Gott, den Herrn der Aerndte, daß sich nicht ganz die Fruchtbarkeit von unsrer Flur entfernte! Noch stets erhält er seine Welt; was nöthig ist zum Leben, wird er uns allen geben. 2. Er ist der Herr; in seiner Hand steht, was die Erde bringet. Der Men⸗ schen Mühe baut das Land: Gott gibt, daß sie gelinget! Von ihm allein kommt das Gedeihn; nur er, er läßt die Saaten blühn, reifen und gerathen. 3. Was trauern wir? er sorgt ja doch, Gott sorgt für unser Leben. O laßt uns selbst beim Mangel noch im Ruhm und Ehre geben! Preis sei dem Herrn! Von Unmuth fern, laßt ihm zum Wohlgefallen ein frohes Lied erschallen! 4. Wie manches segen⸗ reiche Jahr hat er uns schon bescheeret; wie gnädig uns noch immerdar von Jugend auf ernähret! nicht mit Zuversicht auf dich, Allvater, schauen und dei⸗ ner Vorsicht trauen? 5. Ja, Höchster, wir ver⸗ ehren dich in allen deinen Wegen und trauen unver⸗ änderlich auf deinen milden Segen. Auch unser Brod wirst du in Noth und Theu⸗ rung uns gewähren, wenn wir dich kindlich ehren. 6. Wir beten demuths⸗ voll dich an, der Alles weis⸗ lich füget, des Vorsicht nie⸗ mals irren kann, des Wohl⸗ thun niemals trüget. Froh danken wir, Erhalter, dir und preisen deine Güte mit gnügsamen Gemüthe. Wer sollte zu besonderen Zeiten. Flehen um Regen. Mel. Komm, o komm, du 599 Goett, von großer Macht und Güte, deine Hülfe suchen wir; mit geängstetem Ge⸗ müthe schauen wir empor zu dir. Herr, du weißt, was uns gebricht: o verlaß, ver⸗ laß uns nicht! 2. Ach, dem todten dür⸗ ren Sande gleichet bald, Herr, unser Land, und, ver⸗ sengt vom Sonnenbrande, welkt die Frucht, die kraft⸗ voll stand. Schrecklich droht uns ihr Verlust; Sorge nagt an unsrer Brust. 3. O erhalt uns deinen Segen; laß uns wachsen unser Brod!ende bald durch milden Regen unsre Angst und unsre Noth! Gott, wir trauen dir es zu: was uns gut ist, schickest du. 4. Stärke du uns dieß Vertrauen; unser Wohl ver⸗ säumst du micht. Auf dich, Gnadenvoller, bauen wir die feste Zuversicht: du, der helfen will und kann, nimmst gewiß dich unser an. Nach verliehenem Regen. Mel. Kommt, lommt den 600 in milder Re⸗ gen stnket er⸗ 1 40 quickend auf die dürre Flur; wie labt sie sich, wie trin⸗ ket ihn jetzt die schmachtende Natur! die sanften Ströme kühlen die Lüfte weit um⸗ her, und die Geschöpfe füh⸗ len sich nicht mehr träg und schwer. Gott spricht: und Seufzer schweigen und Hitz und Dürre fliehn, und fromme Lieder steigen em⸗ por und preisen ihu. 2. Mit Freud im Ange⸗ sichte beschaut der Landmann nun sein Feld. Erquickt hat Gott die Früchte; er ist Versorger seiner Welt. Wie wallen nun die Aehren, vom Mark der Erde voll, das seine Menschen nähren, das sie erfreuen soll! Auf, prei⸗ set Gottes Milde! Er ists, der Regen schickt und lech— zende Gefilde voll Vater⸗ huld erquickt! 3. Erhalter unsers Le⸗ bens, Gott, dem wir uns jetzt dankbar nahn, o laß uns nicht vergebens die Ga⸗ ben deiner Hand empfahn! Du sendest Thau und Re⸗ gen, gibst milden Sonnen⸗ schein; du eilst, mit deinem Segen uns alle zu erfreun. Wir wollen dich erheben, dir, Höchster, stets vertraun und fromm und weise le⸗ ben, bis wir dich ewig schaun. T 6 Flehen 444 Gesinnung und Verhalten des Christen Flehen um Sonnenschein. Mel. Mache dich, mein Geist, 601 Scmerz und Klage füllt das Land; traurig stehn die Früchte; hilft uns, Gott, bad deine Hand, sind sie bald zunichte. Zeig uns doch Gnade 1.chi Vater voll Erbarmen, hilf, ach, hilf uns Armen! 2. Du regierst der Wol⸗ ken Lauf und befiehlst dem Regen. Sprich ein Wort, so hört er auf, und uns bleibt dein Segen. Steh uns bei und Reßle Herr, mit starker Rechte unsers Kummers Nächte! 3. Sende warmen Son⸗ nenschein, der die Frucht erquicke! Sieh, wir schaun auf dich allein mit des Glaubens Blicke. Guter Gott, gib uns Brod und nach mancher Plage wieder Freudentage! 4. Preis und Ruhm sei dir geweiht, Vater aller Gnade! Hilf, daß uns die schwere Zeit nicht am Her⸗ zen schade! Dir, nur dir wollen wir gern zur Ehre leben und uns ganz ergeben. Nach verliehenem Son⸗ nenschein. Mel. Nun laßt uns Gott 602 Edenlder Ei scheint, sie scheinet wieder! Wir sehn sie, welche Wonne! die langverhüllte Sonne. 2. Uns drückten bange Sorgen an jedem neuen Morgen, so oft sich Wolken thürmten und Regenwetter stürmten. 3. Des Feldes Früchte sahen wir dem Verderben nahen. Was Thier und Menschen nähret, schien ganz durch Fluth verheeret. 4. Da drang zu deinen Höhen, Gott, unsers Her⸗ zens Flehen. Du hörtest, was wir baten, und schütz⸗ test unsre Saaten. 5. Schon senkten sie sich nieder; doch du erhobst sie wieder. O Herr der milden Sonne, du segnest uns mit Wonne. 6. Wir preisen deine Güte mitfröhlichem Gemüthe. Ja, unser ganzes Leben sei ewig dir ergeben! Beim Gewitter. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 603 Der Mächtige, der Herr der Götter, vor dem der Engel niederfällt, Gott redet don⸗ nernd aus dem Wetter und ruft voll Majestät der Welt. Anbetend sinkt der Erdkreis nieder, der Wald 4410—0 zu besonderen Zeiten. bebt die Flur, und Blitze sagens Blitzen wieder: Gott ist der Herrscher der Natur. 2. Auch dich laß seine Stimme rühren, sei ganz Empfindung, o mein Herz! Den Dank, das Lob, die ihm gebühren, entweihe kein unheilger Scherz! Auch Donner rufen Gottes Kin⸗ dern des Weltenvaters Se⸗ gen zu; sie rufen schonend schern Sündern, und ihren Ruf verstehst auch du. 3. Verstumme, freches Heer der Spötter! Furcht und Verzweiflung warten dein. Der Herr ist Gott! Es elt das Wetter; die Welt. die ganze Welt ist sein. Ihr bebt? Elende, wollt ihr fliehen? Kein Ort 21010 euch vor Angst und Noth; Nichts kann dem Mächtgen euch entzie⸗ hen. Er kennt, er straft euch; er ist GOTT. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 04 D sich, ein Wetter Gottes dräut; ich bebe nicht: ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit. 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; du bist der Menschen Freund. Nicht blässer wird mein Angesicht, wenn uns dein Blitz er⸗ scheint. —.— 3. Dem Sünder nur, der dich nicht kennt, bist du, Herr, fürchterlich; dem aber, der dich Vater nennt, zeigst du als Vater dich. 4. Uns Segen ist der Son⸗ ne Licht, uns Segen Tag und Nacht; auch Segen ist uns dein Gericht und deines Blitzes Pracht. 5. Du reinigst durch den Blitz die Luft; dein Regen tränkt die Saat; es stärkt ein balsamreicher Duft, was erst geschmachtet hat. 6. Laß frei das Herz von Aengsten sein, wenn uns dein Wetter droht! Weg, bange Furcht, wir sind ja dein, du bist die Lieb, o Gott! ö Nach dem Gewitter. Mel. 60 Wie gnädig ist des Höch⸗ sten Wille! Der Donner schweigt; die Blitze fliehn; es schmückt in angenehmer Stille der Sonne Glanz, das frische Grün. O du, mein Geist, nun opfre Dank Erhebe deinen Lobgesang. 2. Ja, preise freudig den Erretter, der seine große Kraft bewies, den Welten⸗ herrn, der sich im Wetter so majestätisch hören ließ, der Blitzen ihre Strahlen lenkt und gnädig seines Volks gedenkt! ů T 7. 3. Nimm 446 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Nimm mit Bewun⸗ drung seine Güte auch selbst im Ungewitter wahr; denn jedem forschenden Gemüthe stellt sich auch hier ihr Schau⸗ platz dar. Zum Besten jeder Creatur bemerkt man ihres Segens Spur. 4. Wie kräftig hebt sich das Getreide, getränket durch den Regenguß, und wie ver⸗ gnügt betritt die Weide des neubelebten Thieres Fuß! Wie athmen wir so sanft und leicht, wenn schwüle Luft dem Donner weicht! 5. Herr, deine Güte sei erhoben im Wetter, wie im Sonnenschein! Wer wollte dich nicht ewig loben? Du kannst und willst uns stets erfreun. Mich schrecken Blitz und Donner nicht; denn du bist meine Zuversicht. Beim Jahreswechsel. Mel. Wer nur den lieben Gott 606 4 nenen Jah⸗ res erster Mor⸗ gen bricht, meine Seele, für dich an; ermuntre dich zu edlen Sorgen und wandle auf der Tugend Bahn. Bleibst du ihr treu, folgst du ihr nach, so weckt dich einst ein schönrer Tag. 2. Was ist es anders denn, als Gnade, daß Gott dir dieses Jahr noch schenkt und dich so gern auf seine Pfade mit treuen Vater⸗ händen lenkt? Was ist es an⸗ ders, als Geduld, als Nach⸗ sicht gegen deine Schuld? 3. So nütz auch dieses Jahres Tage als Tage dei⸗ ner Prüfungszeit, daß kei⸗ ner dich vor Gott verklage, daß keiner dich im Tode reut! Gott fordert, dem denk immer nach, einst Re⸗ chenschaft von jedem Tag. 4. Ermuntre dich zu dei⸗ nen Pflichten, sei zu den schwersten auch gefaßt: sie gern und willig zu verrich⸗ len, such dir den Muth, besieg die Last! Schnell fliehen deine Tage hin; ach, unbenutzt laß sie nicht fliehn! 5. Gebrauch, o Christ, dieß Pilgerleben, wozu dirs Gott, dein Gott, verliehn: zur Tugend hat ers dir gegeben, so gibs denn auch der Tugend hin! Sie rei⸗ chet dir nach kurzer Zeit . schönste Loos der Ewig⸗ kei eit. 6. Weih jede Stunde dem Bestreben für dein und dei⸗ ner Brüder Glück, so siehst du einst auf dieses Leben mit ruhig heiterm Blick hurne du sagst, o welche Wonne dann: ich habe meine Pflicht gethan; 7. Und segnest noch an Gottes Throne dieß Jahr als eine Zeit der Saat, nimmst IRRR zu besonderen Zeiten. nimmst du aus seiner Hand die Krone, die er für dich bereitet hat. Drum, Christ, halt aus in deinem Streit, 11 kämpfest für die Ewig⸗ eit. Es ist das Heil uns 607 Du Gott, du bist der Herr der Zeit und auch der Ewigkei⸗ ten. Laß mich auch jetzt mit Freudigkeit dein hohes Lob verbreiten! Ein Jahr ist abermals dahin. Wem Dank ichs, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Gnad und Güte. 2. Dich, Ewiger, dich het ich an, unwandelbares Wesen! dich, den kein Wech⸗ sel treffen kann. Wir wer⸗ den, sind gewesen, wir blü⸗ hen und vergehn durch dich; nur du bist unveränderlich, bat. und bist und blei⸗ est. 3. Herr, ewig währet dei⸗ ne Treu, mit Huld uns zu begegnen; und jeden Mor⸗ gen wird sie neu, mit Wohl⸗ thun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, da nicht von ihr stets neues lück mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im ver⸗ floßnen Jahr mich väterlich geleitet, und wann mein Herz voll Sorgen war, mir Hülf und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis ich 4⁴⁷ dich; aufs neue, Gott, er⸗ geb ich mich ganz deiner weisen Führung. 5. Vergib mir alle meine Schuld von den verfloßnen Tagen und laß mich deine Vaterhuld in Christo ferner tragen! Laß mich in deiner Gnade ruhn und lehre le⸗ benslang mich thun nach dei⸗ nem Wohlgefallen! Gib neue Lust und neue Kraft, vor dir gerecht zu wandeln! Laß mich, Herr, stets gewissenhaft mit mir und Andern handeln! Dein Geist belebe Herz und Muth, uud o du allerhöchstes Gut, und nicht die Weltzu lieben! 7. Die Welt vergeht: dieß reize mich, die Lust der Welt zu fliehen; um beßre Freu⸗ den müsse sich mein Geist mit Ernst bemühen! Den Engeln bin ich ja verwandt, im Himmel ist mein Va⸗ terland; dahin, Herr, laß mich trachten! 8. O lehre selbst mich, meine Zeit recht weislich. auszukaufen; laß mich die Bahn zur Ewigkeit mit heilger Vorsicht laufen! Der Tage Last erleichtre mir, bis meine Ruhe einst bei ret kein Wechsel weiter stö⸗ ret! Mel. Allein Gott in der Höh 608 Geit ruft der Sonn und schafft 448 Gesinnung und Verhalten des Christen schafft den Mond, das Jahr danach zu theilen; er schafft es, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Ehr er⸗ theilen! 2. Herr, der da ist und der da war, von danker⸗ füllten Zungen sei dir für das verfloßne Jahr ein heilig Lied gesungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Fried und Ruh, für jede That, die uns durch dich gelungen! 3. Laß auch dieß Jahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben! Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, in deiner Furcht zu leben! Du schützest uns und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh und Freuden. Doch scha⸗ det mir das Glück der Welt, so gib mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Her und laß mich nicht in Roth und Schmerz die Glückli⸗ chern beneiden. 5. Hilf deinem Volke väterlich in diesem Jahre wieder. Erbarme der Ver⸗ laßnen dich und der be⸗ drängten Glieder. Glück zu jeder guten That und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern Fürsten nieder! 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle throne; daß Tu⸗ gend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne; daß Treu und Liebe bei uns sei: dieß, lieber Vater, dieß verleih in Christo, deinem Sohne! Mel. Schwing dich auf zu 609 Ewig und unwan⸗ delbar, Gott, ist deine Gnade, und von dir strömt immerdar Heil auf unsre Pfade. Tag und Jahre ändern sich, und wir selbst veralten, doch du bleibest, und durch dich werden wir erhalten. 2. Jedes unsrer Jahre schmückt deine Hand mit Segen; deine Vaterhuld beglückt uns auf allen We⸗ gen. Jeden Morgen sen⸗ dest du Lebenskraft und Wonne: du verbreitest sanfte Ruh mit der Abend⸗ sonne. 3. Auch des Jahres Lauf, den wir froh vollendet ha⸗ ben, war erfüllt, o Herr, von dir mit des Segens Ga⸗ ben. Hüll und Fülle, Trank und Brod hast du mild ge⸗ währet und in W e Gib —-—22—p— 25—————3————— Seoee—. 24 zu besonderen Zeiten. selbst die Noth Schmerz verkehret. 4. Daß uns deiner All⸗ macht Hand liebevoll gelei⸗ tet; daß du über Stadt und Land Ruh und Glück ver⸗ breitet; daß gewissenhafter Fleiß uns durch dich gelun⸗ gen: Gott, dafür sei Dank und Preis herzlich dir ge⸗ sungen. ö 5. Freudig, Vater, tre⸗ en wir in dieß Jahr des Lebens. Wann, o Herr, vertraute dir unser Herz vergebens? Ja, du wirst uns fernerhin, wenn wir dir nur leben, Unterhalt und frohen Sinn, Muth und Kräfte geben. 6. 105 nd ist die edle Zeit, groß sind unsre Pflich⸗ ten: lehr uns für die Ewig⸗ keit unser Werk verrichten! Jede gute, fromme That laß uns wohlgelingen! Frucht laß jede Tugendsaat für den Himmel bringen. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 610 Gett, mit allen seinen Freu⸗ den schwand ein Jahr des Lbens hin, aber auch mit linen Leiden schwand dieß Jahr, und, Gott, ich bin, lebe noch und soll aus Er⸗ den noch geübt, gebildet werden. 2. Vor so manchem, man⸗ 449 und den chem Grabe führtest du vor⸗ über mich. Im Genuß der hohen Gabe der Gesundheit preis ich dich, preise dich für alle Freuden, preise di für alle Leiden. ö 3. Ja, auch für die trü⸗ ben Stunden meines Lebens dank ich dir; denn auch sie sind nun verschwunden und sie wurden Wohlthat mir. Auch auf dornenvollen We⸗ gen führst du mich dem Ziel entgegen. 4. Uebung ist das Erden⸗ leben, Bildung für die beßre Welt. Meinen Wünschen, meinem Streben ist ein öh⸗ res Ziel gestellt: ringen soll ich hier auf Erden, ewger Freuden werth zu werden. 5. Herr, dieß soll mich Weisheit lehren! Jeder Tro⸗ pfen meiner Zeit, ohne je zurückzukehren, strömt ins Meer der Ewigkeit. Nichts kann Zeitverlust ersetzen; sche den Werth der Zeit mich ätzen! 6. Laß auch dieses Jahr des Lebens nützen mich zur Besserung; es verfließe nicht vergebens für des Herzens Heiligung! Laß mich, Gott, nach deinem Willen meine flichten treu erfüllen! ö Alles, Alles, was ich habe, Leben und des Lebens Glück, Alles, Herr, ist dei⸗ ne Gabe! Dankend sheb ich meinen Blick auf zu dir, gelobe 450 Gefinnung und Verhalten des Christen gelobe Treue heute dir, o Gott, aufs neue. 8. Gib uns allen deinen Segen! Knüpfe fest der Liebe Band! Auf der Tu⸗ gend heilgen Wegen laß uns wandeln Hand in Hand! Fried und Heil dem Va⸗ terlande! Fried und⸗ Heil in jedem Stande! Mel. O Jesu Christ, mein's 611 Nen lich schnell entfliehn die Tage, die uns Gott verliehn. Ein Jahr tritt ein und eilt davon. Wie manches ist bereits ent⸗ flohn! 2. Dank sei dir, ewig treuer Gott, für deinen Bei⸗ stand in der Noth, für tau⸗ send Proben deiner Huld, für deine Schonung und Geduld! 3. Dank dir, wenn jetzt voll Freudigkeit das Herz sich mancher That erfreut! Weß war die Kraftse Wer gab Gedeihn? Dir, Herr, gebührt der Ruhm allein. 4. Doch oft verletzen wir die Pflicht; oft fehlten wir und merktens nicht. Nimm an, Erbarmer, unsre Reu; um Christi willen sprich uns frei! 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit. Du hast die Stunden zugezählt, die letzte weislich uns verhehlt. 6. Du gibst, uns länger u erziehn, uns Tage, Mon⸗ en, Jahre hin; doch an dem Ziel der Pilgrimschaft kommt unsre große Rechen⸗ schaft. 7. O dann laß uns, wir alle flehn, mit Freudigkeit vor dir bestehn! Denn ach, wer dann vor dir erbebt, hat thöricht, hat umsonst gelebt. Mel. Werde munter, mein 612 Naahrenon wir leben in dem neuen schon. O Christen, preisel Gott den Herrn! Er half bisher und hilft so gern. 2. Wie Mancher, der im alten Jahr froh und voll Kraft noch um uns war, sank, eh wirs dachten, schnell dahin: nun deckt des Gra⸗ bes Hügel ihn. 3. O Schauplatz der Ver⸗ gänglichkeit! O schnelle Flucht der Lebenszeit! Wie thöricht ist, wer immer fest sich auf das nächste Jahr verläßt! ö 4. Doch bin ich stets nur eifervoll, zu wirken, was ich kann, und soll; dann fliehe meine Zeit dahin, sie bringt doch herrlichen Ge⸗ winn. 5. Auch komm ich* me und gib d zu besonderen Zeiten. die Flucht der Zeit dir nä⸗ her, Himmelsseligkeit! Gott⸗ lob, des Lebens Ungemach I1 mir nicht in den Him⸗ Inach. 6. Im Staube beug ich mich vor dir. Bis hierher hast du, Höchster, mir mit liebevoller Vaterhand mehr, als ich werth bin, zuge— wandt. 7. Sieh ferner, Gott, mit Gnadenblick auf mein und meines Nächsten Glück! Ent⸗ reiß uns jeder wahren Noth uns unser täglich Brod!] 8. Behüt uns in dem neuen Jahr vor Theurung und vor Kriegsgefahr! Uns lreffe keiner Seuche Wuth, lein zehrend Feuer, keine Fluth! 9. Entferne jeden Un⸗ Wogtreh Gib Heil und ohlfahrt überall; und bricht ein Kreuz von dir herein, so laß es uns er⸗ träglich sein! 10. Ja, segn uns, Herr, in dieser Zeit und führ uns dann zur Herrlichkeit! Da agen wir dir ewig Dank‚, da preist dich höhrer Lob— gesang! Wel. Wach auf, mein Herz 6 1 3 Mit Freuden laßt uns treten vor Gott, ihn anzubeten; vor Gott, der unserm Le⸗ 451 ben bis hierher Kraft ge⸗ geben! 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr um andern; die schnelle Flucht der Stunden wird kaum von uns empfunden. 3. Und diese Wandertage sind nie ganz frei von Plage; wir gehn auf rauhen We⸗ gen der Ewigkeit entgegen. 4. Doch du bist voll Er⸗ barmen und wirst mit Va⸗ terarmen in Nöthen und Gefahren uns schützen und bewahren. 5. Ach, Hüter unsers Le⸗ bens, wir sorgen nur ver⸗ gebens, wenn du uns nicht beschützest, mit Kraft uns unterstützest! 6. Lob dir, o Gott, dem Treuen, durch den wir uns erfreuen; Lob deinen Va⸗ terhänden, die alles Herz⸗ leid wenden! 7. Hör ferner unser Fle⸗ hen und eil uns beizuste⸗ hen! Gib Mäßigung in Freuden, Geduld und Trost im Leiden! 8. Gib uns und allen de⸗ nen, die sich von Herzen sehnen, zu thun, Herr, dei⸗ nen Willen, auch Kraft, ihn zu erfüllen! 9. Herr, wehre du den Kriegen! Laß Menschenliebe siegen und, wo nur Thrä⸗ nen fließen, sich deinen Trost ergießen! 10. Gib 452 Gesinnung und Verhalten des Christen 10. Gib deinen milden Segen zu allen guten We⸗ gen; laß Großen, Herr, und Kleinen die Gnaden⸗ sonne scheinen! . Sei der Verlaßnen Pater, der Irrenden Be⸗ rather, der Unversorgten Habel der Armen Hülf und abe! 12. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Ge⸗ danken den kummervollen Seelen, die sich mit Sor⸗ gen quälen! 13. Vor Allem, Herr, verleihe uns deinen Geist aufs neue, der uns mit Tugend ziere und so zum Himmel führe! 14. Das wollest du uns geben, du Herr von un⸗ serm Leben; so gehen wir im Segen der Ewigkeit ent⸗ gegen. Beim Anfang des Kir⸗ chenjahrs. Mel. Wer nur den lieben Gott 6 1 4 est steht dein Bund, wie Felsen stehen, du Gott der Gnade, Gott der Treu! Jahr und Jahrhunderte vergehen; doch deine Güt ist täglich neu. Wie brin⸗ gen heute, Vater, wir dir würdig unsern Dank da⸗ für? 2. Kein Feind zerstörte die Altäre, kein Feind 900 trat dein Heiligthum. Noch singen wir von deiner Eh⸗ re, noch predigt man von deinem Ruhm. Durch Tau⸗ fe, Abendmahl und Wort pflanzt sich auch hier die Kirche fort. 3. Doch fragst du nach des Wortes Früchten und bringst, was wir gethan, ans Löht, nach unsern Wer⸗ ken uns zu richten: Gott, Richter, so bestehn wir nicht. Du trugest uns mit viel Geduld; wir aber häuften Schuld auf Schuld. ö 4. O laß es deinem Geist gelingen, in diesem neuen Kirchenjahr die Sünde mäch⸗ tig zu bezwingen, wo sie bisher noch herrschend war! Heut schwören wir, o Gott, aufs neu dir und der Tu⸗ gend ewge Treu! 5. Laß ferner hier dein Wort erschallen; gib, daß es frevle Sünder schrecht und die, die deine Wege wal⸗ len, zu freudenreicher Hoff⸗ nung weckt! Laß, wenn wir hier in Andacht flehn, uns alle deine Gnade sehn. 6. Gib, daß dich forthin Alle ehren als dein geweih⸗ tes Heiligthum! Eimns führst du uns zu jenen Chören, wo man erfüllt von deinem Ruhm das Leben, das 9n ö zu besonderen Zeiten. dort beseelt, nicht mehr nach Tag und Jahren zählt. Am Geburtstage. Mel. In allen meinen Thaten 615 Dir dank ich für mein Leben, Gott, der du mirs gegeben; ich danke dir dafür. Du hast, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts gezo⸗ gen; durch deine Güte bin ier. ich h ů Herr, hast mich neitet, mich väterlich ge⸗ leitet bis diesen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage und selbst der Leiden Plage verwandeltest du in mein Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, der Treu viel zu geringe, mit der du mich bewacht. Damit ich, Staub, und Erde, auf ewig glück⸗ lich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Sehnen und zähltest meine Thränen, eh ich bereitet war; noch war mir nicht das Leben von dir, o Gott, gegeben, da wogst du schon mein Theil mir dar. 5. Für alle deine Treue, herr, deren ich mich freue, lobsinget dir mein Geist! Er, den du mir geschenket, er ists, der dein gedenket und freudig dich, o Vater, Preist. 453 6. Daß du mit Kraft mich rüstest und mir mein Leben fristest: dieß, Vater, dank ich dir. Daß du mich lieb⸗ reich führest, mit deinem Geist regierest: dieß Alles, Vater, dank ich dir. 7. Was mir in diesem Leben noch nützt, wirst du mir geben; du gibsts! Ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle ich kindlich Leib und Seele; Herr, segne, Herr, behüte mich! Mel. Mein Gott, das Herz 616 Du läßt den Tag mich wieder⸗ sehn, da ich nach deinem Rath, o Gott, zu meinem Wohlergehn des Lebens Bahn betrat. 2. Von ganzem ich dein preis ich dich, daß mich dein Arm bis itzt ganz unver⸗ dient so väterlich gesegnet und beschützt. 3. O, hätt ich doch aus Dankbarkeit das nun ver⸗ flossne Jahr so dir und dei⸗ nem Dienst geweiht, wie meine Pflicht es war! 4. Beschämt, o Gott, fleh ich zu dir: vergib mir meine Schuld und schaff ein rei⸗ nes Herz in mir nach dei⸗ ner Vaterhuld! 5. Hilf, daß ich in der Folgezeit, gerührt von dei⸗ ner Treu, voll inniger Er⸗ kennt⸗ 454 Gesinnung und Verhalten des Christen kenntlichkeit dir thätig dänk⸗ bar sei! 6. Schnell fliehen meine Tage hin. Mein Auge sieht nicht ein, wie lang ich noch auf Erden bin, dein Auge siehts allein. 7. Vielleicht ist bald mein Ende da. Hilf, daß ich in der Zeit, die mein noch ist, mit Sorgfalt ja schaff meine Seligkeit. 8. Dann darf ich von der Pilgerzeit den letzten Tag nicht scheun. Er wird zur frohen Ewigkeit mir mein Geburtstag sein. Die Lebensalter. Mel. Wer nur den lieben Gott 617 er du den Men⸗ 4 schen schaffst und leitest und huldreich ihn als Vater liebst, was ihn erfreut, ihm mild be⸗ reitest, Heil ihm in jedem Alter gibst: es lebe, Herr, zu deinem Preis der Jüng⸗ ling und der Mann und * leh dem 2. Verleih dem Jüngling Kraft und lehre ihn Mäs⸗ sigung, wenn er sich freut; gib Demuth auf der Bahn der Ehre, gib Muth ihm, wenn Gefahr ihm dräut! O laß ihn thätig, gut und rein und stark in der Ver⸗ suchung sein! 3. Dem Mann hilf wir⸗ ken, hilf ihm ringen, den Eigennutz, den Hang zur Rast, die Lust der Welt, sich selbst bezwingen und tragen seiner Arbeit Last: sein Lebenstag sei nicht zu schwül und immer vor ihm sei sein Ziel! ö 4. Erscheint sein Abend dann dem Greise, so gib dem Müden einen Stab; er freue sich des Guten weise, was er hier that, was er hier gab: dieß sei ihm, wenn er sterbend fällt, ein Füh⸗ rer zu der bessern Welt! Für die Jugend. Mel. Werde munter, mein 618 N Kindheit, unfre Jugend, jedes Alter darf sich freun. Auch die Fröhlichkeit ist Tu⸗ gend, aber heilig muß sie sein; nicht ein Taumel, der bethört, der Gefühl und Kraft zerstört; wilde Lüste muß sie scheuen und die Seele nicht entweihen. 2. Nur in einem reinen Herzen, nur in einer ken⸗ schen Brust toben nie der Reue Schmerzen, wohnet wahre Ruh und Lust. Un⸗ beherrschte Sinnlichkeit töd⸗ tet die Zufriedenheit; sie vergiftet alle Freuden und erzeuget bittre—.— Rei⸗ ——————-—L———— zu besonderen Zeiten. 3. Reiner Sinn und Un⸗ shuld schmücket mehr, als Schönheit; denn sie mehrt jede Lust, die uns entzücket, jedes Glückes Reiz und Werth. Reinen Herzen fließt der Quell jeder Wonne rein und hell: sie nur können voll Vertrauen hoffen, Gott dereinst zu schauen. 4. Drum, m, o Gott, laß uns gesellig, froh und wil⸗ lig, zu erfreun, liebenswür⸗ dig und gefällig, aber nur durch Tugend sein; offen, ohne Schmeichelei, stets be⸗ scheiden und doch frei, ohne Frechheit, stets bedächtig, 1Ual unsers Herzens mäch⸗ ig! 5. Laß die Frechheit wil⸗ der Sitten niemals unser erz entweihn! Laß, o Gott, aläst und Hütten stets der Zugend Wohnung sein! Je⸗ der strebe, wer ein Christ, wessen Wunsch die Tugend st, daß sein Haus und daß die Erde durch die Tugend schöner werde. Nel. Wie groß ist des Allmächt. 619 Wohl dem, der seines Lebens Norgen nur seinem Herrn und Schöpfer weiht! Be⸗ shäftigt mit den edlen Sor⸗ sen der Aussaat für die Ewigkeit, wird er die wilde hust der Jugend und jedes Lasters Reize fliehn; sein 45⁵5⁵ Herz wird nur für Gott und Tugend, für Pflicht und Recht und Wahrheit glühn. 2. Von Sorgen frei, voll Muth und heiter wallt er der Weisheit Ehrenbahn mit festem Schritte immer wei⸗ ter und blickt getrost zu Gott hinan, besiegt durch fortge⸗ setztes Streben, durch Fleiß und Ernst und Wachsamkeit Verführer, wenn sie ihn umgeben, und seine eigne Sinnlichkeit. ö 3. Wie freudenreich sind seine Tage! Wie sanft ent⸗ fließt ihm seine Zeit! Er fürchtet keiner Zukunft Pla⸗ ge, ihn reut nicht die Ver⸗ gangenheit. Er sät den Saa⸗ men jeder en und freut sich seiner Aerndte schon: die schöne Blüthe seiner Jugend verheißet ihm im Alter Lohn. Mel. Warum sollt ich mich 620 5 deine Lust, o Jugend, im⸗ mer gern an dem Herrn und dem Reiz der Tugend! Was dein schwaches Herz begehret, dein Verstand nicht erfand, wird dir dann ge⸗ währet. 2. Schnell muß nicht vor⸗ überrauschen diese Lust; dei⸗ ne Brust muß sie nicht ver⸗ tauschen gegen Lüste dieser Erden, die dein Herz 2—ͤ* er 456 Gesinnung und Verhalten des Christen ler Schmerz bald vergiften werden. 3. Nicht erst, wann des Alters Sorgen dich zer⸗ streun, Jugend,‚ nein, schon am frühen Morgen, in der Blüthe deines Lebens dien ihm gern und dem Herrn dienst du nie ver⸗ gebens. 4. Glück, Gesundheit, lan⸗ ges Leben wird dafür willig dir dein Erschaffer geben. Weisheit sei nur dein Be⸗ ehren; dann wird er dir chon mehr, wenn dirs nützt, gewähren. 5. Auch in den gesunden Tagen laß nicht ab, in das Grab einen Blick zu wa⸗ gen. Suche, fern von dem Verderben, Seelenruh; dann Dent du Himmelssegen er⸗ en. ö Für Jünglinge. Mel. Ermuntre dich, mein 621 JIAuge vor dein Angesicht, du Schöpfer meiner Jugend! Verwirf mein kindlich Fle⸗ hen nicht um Weisheit und um Tugend! O nimm dich meiner Schwachheit an, und wenn sich mir Gefahren nahn, so stehe mir zur Sei⸗ te, damit mein Fuß nicht gleite! 2. Mein Herz, von La⸗ stern zwar noch rein, doch Laun und unerfahren, wird eicht geblendet durch den Schein und stürzt sich in Gefahren. O mache mich mir selbst bekannt und gib mir stand, damit ich meine Wege unsträflich wandeln möge! 3. Zum Leichtsinn, der das Herz verführt, das Bö⸗ se zu erwählen; zum Ehr⸗ eiz, der den Stolz gebiert, 2 Merkmal schwacher Seelen; zur Trägheit, die den Geist verzehrt und jeden Trieb zum Laster nährt, laß nie zu diesen Sünden in mir sich Neigung fin⸗ den! ö 4. Wenn mir auf mei⸗ zu ziehen, Ver⸗ 10 nahn, so laß mich fliehen. Ihr Beispiel, Herr, entferne nicht mein Herz von dir und meiner Pflicht; ihr Spotten und ihr La⸗ chen soll nie mich wankend machen! 5. Der Tugend heilige mich ganz, mein Schöpfei und Erhalter; sie werde meiner Jugend Glanz und einst mein Trost im Alter! Erhalte mein Gewissen rein; laß keinen meiner Tage sein, der nicht zu deiner Ehre wohl angewen⸗ det wäre! Fin Weisheit und Ver⸗ Welt zu besonderen Zeiten. Für Jungfrauen. Mel. Ermuntre dich, mein Ich will in stiller 62² N Einsamkeit zu dir mich, Gott, erheben! Dir sei mein ganzes Herz geweiht, geweiht zum from⸗ men Leben! Gib du mir Kraft, sie kommt von dir, und stärke den Entschluß in mir, stets deinen heil⸗ gen Willen mit Freuden zu erfüllen 2. Du bist mein Vater, ich dein Kind: mein Heil ist, dich zu lieben; ach, ma⸗ che mich dir gleichgesinnt in allen meinen Trieben! Laß meine Seele keusch und rein, unsträflich mei— nen Wandel sein, um Va⸗ ter, dir vor allem durch Unschuld zu gefallen! 3. Vor eitler Selbstge— fälligkeit bew ahre meine Ju⸗ gend! Mein Vorzug sei Bescheidenheit und meine Schönheit Tugend! Gih mir den sanften stillen Geist, der dich durch fromme De⸗ muth preist, den Nächsten liebt und achtet, sich selbst zu bessern trachtet. 4. Sucht zu gefallen müsse nicht mein schwaches Herz bethören; sie würde mein Hefühl für Pflicht und mei⸗ ne Ruh zerstören. Ein eit⸗ ler Glanz und Pracht der ist nicht der Schmuck, 45⁷ der dir gefällt; drum will ich mich bescheiden in Zucht und Demuth kleiden. Wenn Umgang mir Verführung droht, so lehre mich ihn meiden und lenke stets ein Herz, o Gott, zu reinen, edlen Freuden! Die Unschuld sei mein höchster Ruhm, ein guter Ruf mein CEigenthum, den Jeder gern mir gönne und Niemand lästern könne! 6. Die edle Freundin laß in mir ein Herz, wie ihres, finden, damit in frommer Eintracht wir der Freund⸗ schaft Glück empfinden! Laß unsre Liebe sanft und rein wie deiner Engel Umgang sein, daß nimmer unsre Seelen Neid oder Argwohn quälen. ö 2 7. Der du mich selbst durch dein Gebot den Weg zum Himmel lehrest, ich will ihn wandeln, Herr, mein Gott, damit du mich erhörest. Durch Unschuld, Sanftmuth, Frömmigkeit, durch frohen Sinn bei Häus⸗ lichkeit laß, Vater, mich auf Erden geliebt und glück⸗ lich werden. ö Für das Alter. Mel. Mein erst Geschäft sei Preis 623 Stets warst du meine Zuver⸗ sicht und bist es noch im Al⸗ 458 Gesinnung und Verhalten des Christen Alter; verlaß auch nun mich Schwachen nicht, mein Schö— pfer, mein Erhalter! 2. Ich fühle die Beschwer⸗ lichkeit gehäufter Lebensjah⸗ re und steh am Rande mei⸗ ner Zeit. Nah sind mir Sarg und Bahre. 3. Gelobt sei deine Va⸗ tertreu, die mich bis hier⸗ her brachte, mir wohlthat und mein Herz dabei mit dir zufrieden machte! 4. O sei auch ferner noch mit mir, daß ich bis an mein Ende dir folg und voll Vertraun zu dir das Leben wohl vollende! 5. Viel heitre Tage gabst du mir, von Sorgen frei und Grämen: wie sollte ich denn nicht von dir jetzt auch die trüben nehmen? 6. Es währet ja nur kurze Zeit, was ich noch etwa leide, und dann lohnt eine Ewigkeit mit ungetrübter Freude. 7. Dann drückt mich keine Schwachheit mehr; verjüngt ist dann mein Leben; dann werd ich, Gott, dir Preis und Ehr im Chor der En⸗ gel geben. 8. Hilf, daß ich täglich meinen Blick auf diesen Wechsel lenke und dieß mir immer nähre Glück zu mei⸗ nem Trost bedenke! 9. So bleib ich in Zu⸗ friedenheit auch bei des Al⸗ ters Schwäche und harre, bis dein Wink gebeut, daß meine Hütte breche. Mel. In allen meinen Thaten 62⁴ Dꝛ, Herr von meinen Ta⸗ gen, hast mich voll Huld getragen von meiner Ju⸗ gend auf; auf allen meinen Wegen umgab mich, Gott, dein Segen; du lenktest mei⸗ nen Lebenslauf. 2. Ich hatt oft große Sor⸗ gen; doch wie ein heitrer Morgen durch dunkle Nächte bricht, so hab ich stets er⸗ fahren: der Herr weiß zu bewahren und führt durch Finsterniß zum Licht. 3. War Menschenrath ver⸗ gebens, so kamst du, Herr des Lebens, und halfst und machtest Bahn. Dich ließ ich thuft und rathen; denn du thust große Thaten und nimmst dich unser huldreich an. 4. Du willst in meinem Alter mein Stab sein, mein Erhalter, nach deiner Vater⸗ treu. Bin ich gleich schwach und müde, bei dir ist Trost und Friede; du stehst mit in der Schwachheit bei. 5. Wie fliehn des Leben Stunden, wie bald ist es verschwunden! Ich bin dem Ziele nah, dem hohe aller Leiden. O welche hohe 991 —— SIT — —— — unter besonderen Umständen. 459 Kampfe krönt. An mei⸗ ner Laufbahn Ende sink ich in Jesu Hände, denn er hat mich mit dir ver⸗ söhnt. den erwarten meine Seele da! 6. Ich harre fromm und stille, bis, Herr, mein Gott, dein Wille mich nach dem Gesinnung und Verhalten des Christen unter besonderen Umständen. Bächen t Bei allgemeinem Wohl⸗ stande. In eigener Melodie. 625 J Himmel er⸗ hebe dich, Freu— dengesang! Hoch töne aus fröhlichem Herzen der Dank! Auf, Alle, von Vaterlands— liebe durchglüht, singt mit uns dem Höchsten ein feiern⸗ des Lied! 2. Er läßt uns bewoh⸗ nen ein glückliches Land, be⸗ schirmt und erfreut es mit gnädiger Hand, sein Se⸗ gen ergießt sich auf Alle herab, und väterlich wendet Gefahren er ab. 3. Die Berge, mit Bäu⸗ men und Reben besetzt, die Auen, mit schlängelnden benetzt, die Gärten, die Flächen der Felder um⸗ her, wie tragen sie wieder an Früchten so schwer! 4. Es blühen Gewerbe und Künste im Land und Rahrung und Wohlfahrt in eglichem Stand. Mild wer⸗ den hier Fleiß und Ver⸗ dienste belohnt; hier ist es, wo Recht und Gerechtigkeit wohnt. 5. Religion strahlt uns so himmlisch, so mild. Da, wo uns nicht leuchtet die Sonne, ihr Bild, erhellt sie uns Erdenbewohnern den Pfad und gibt uns Erleuch⸗ tung, Erquickung und Rath. Wünscht, Glückliche, wünschet dem Vaterland Glück! Ein Jeder bezeuge mit freudigem Blick? er schätze das Gute, dem Höch⸗ sten zum Preis; es jauchze der Jüngling, der Mann nnd der Greis! 7. Uns bleibe das Chri⸗ stenthum theuer und werth; Gott werde durch Weisheit und Tugend verehrt: Ge⸗ rechtigkeit ziere den fürst⸗ lichen Thron, den Bösen zum Schrecken, den Guten zum Lohn. 8. Wohl Jedem, ders fühlet, wie glücklich er ist im Lande, wo Eintracht und Liebe sich küßt! Ein Jeder befördre, so viel er' nur U 2 kann, 460 Gesinnung und Verhalten des Christen kann, des Vaterlands Bestes und freue sich dann! 9. Gott, sei uns stets freundlich und fördere du das Werk unsrer Hände in Friede und Ruh, so leben wir glücklich und wallen von hier zum Vaterland droben, o Vater, zu dir! In allgemeiner Noth. Mel. Auf meinen lieben Gott 626 Eꝰ züchtigt deine Hand, o Höch— ster, jetzt das Land. Zu dei⸗ nem Vaterherzen erhebt in Furcht und Schmerzen sich das Geschrei der Armen; erhör es mit Erbarmen! 2. Du siehst des Landes Noth; sie kam auf dein Ge⸗ bot. Du kannst mit starken Händen sie lindern und auch enden. Ein Wort aus dei⸗ nem Munde verändert Zeit und Stunde. 3. O Herr, wir murren nicht. Gerecht ist dein Ge⸗ richt bei Allem, was wir dulden; denn groß sind un⸗ sre Schulden. Du züchtigst doch noch minder, als wirs verdient, wir Sünder. 4. Ja, Vater, deine Huld ist größer, als die Schuld. Gedenke denn der Deinen, die reuig vor dir weinen; laß tiefgebeugten Seelen nicht Trost und Hoffnung fehlen! 5. Verkürze, guter Gott, die Dauer unsrer Noth, und die voll Kummer flehen, laß bald Erleichtrung sehen! Verwandle du ihr Leiden in neue Lebensfreuden! 6. Doch wenn, o Herr der Welt, es dir noch nicht gefällt, die Trübsal zu ent⸗ fernen, so stärk uns, daß wir lernen, mit ehrfurchts⸗ vollem Schweigen vor dir uns kindlich beugen! 7. Herr, deine Züchtigung leit uns zur Besserung! Laß sie die Sichern schrecken, die Schlummernden erwecken und Dein Bobot stärken, auf dein Gebot zu mer⸗ ken! 8. Wenn unser Herz dich liebt, so wird, was uns be⸗ trübt, uns doch zum Heil gedeihen und uns zuletzt er⸗ freuen; es wird uns deine Gnade ein Licht auf dunk⸗ lem Pfade. 9. So stärke denn das Herz, daß auch im größten Schmerz es nie an Muth ihm fehle. O sprich zu un⸗ srer Seele: getrost! dich soll kein Leiden von meiner Liebe scheiden. 10. Am Schluß von un⸗ serm Lauf klärt einst sich Alles auf! Dann wird die Aussicht heiter; dann thränt kein Auge weiter; dann finden unsre Herzen nur Wonne nach den Herr, unser unter besonderen Umständen. ö In eigener Melodie 627 enn wir in ö höchsten Nö— then sein und wiffen nicht, wo aus, noch ein, und fin⸗ den weder Hülf, noch Rath, ob wir gleich sorgen früh und spat; 2. So ist dieß unser Trost allein, daß wir zusammen insgemein anrufen dich, du treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Noth! 3. Und heben unfer Aug und Herz hinauf zu dir in unserm Schmerz und flehn dich um Begnadigung und unsers Elends Linderung. J. Nach deiner Gnade sa⸗ gest du sie Allen, die drum bitten, zu durch den, der unser Mittler ist, durch un⸗ sern Heiland Jesum Christ. 5. Drum kommen wir, Gott, und kla⸗ sen dir all unsre Noth. Ach, deine Vateraugen sehn, wie hülflos, Herr, wir vor ir stehn. 6. Nur du bist unsre Zu⸗ bersicht! Vergilt nach unsrer Schuld uns nicht; steh uns i unsern Nöthen bei, mach uns von aller Plage frei! 7. Dann danken und lob⸗ ingen wir mit freudevol⸗ lem Herzen dir; gehorsam deinem theuren Wort, Herr, 1 wir dich hier und or — 461 In Kriegszeiten. Mel. Wer nur den lieben Gott 628 Es zieht, o Gott, ein Krieges-⸗ wetter jetzt über unser Haupt einher. Doch, bist du unser Schutz und Retter, so schreckt uns keines Feindes Heer, wie sehr es auch Gefahr und Noth den Völkern und den Ländern droht. 2. O gib in diesen ban⸗ gen Tagen uns, Herr, den Sinn, auf dich zu sehn und da, wo Andre trostlos za⸗ gen, mit Zuversicht zu dir zu flehn, weil Menschenhülfe wenig nützt, wenn deine Macht uns nicht beschützt. 3. Nicht blinder Zufall herrscht auf Erden: du bist es, der die Welt regiert. Laß jetzt die Menschen inne werden, daß deine Hand das Ruder führt. Du, Herr, bist unsre Zuversicht. Wir traun auf dich, verlaß uns nicht! 4. Dir werfen wir uns in die Arme und flehen um Barmherzigkeit! Sei unser Vater und erbarme dich über uns zur bösen Zeit! Beschütze gnädig Stadt und Land vor Blutvergießen und vor Brand! 5. Doch findet dein allwei⸗ ser Wille noch härtre Prü⸗ fungen uns gut, so fassen N 3 wir 462 Gesinnung und Verhalten des Christen wir in frommer Stille voll Zuversicht und Glauben Muth. Du bist gewiß zu rechter Zeit zu retten uns, 0 Herr, bereit. 6. Froh werden wir dann rühmen müssen, wenn du uns wieder wohlgethan: Gott brach nach uns ver⸗ borgnen Schlüssen zum Heil uns auch durch Noth die Bahn. Du bleibest unsre Zuversicht! Barmherziger, verlaß uns nicht! In eigener Melodie. 629 Un Erbarmen fle⸗ hen wir, Gott und Vater, jetzt zu dir. Steh uns bei, Allliebender, Herr der Welt, Allmächti⸗ ger! Hör uns, rett uns aus der Noth! Hilf; denn allenthalben droht Raub, Verwüstung, Elend, Tod! 2. Ach, des Krieges Flam⸗ men glühn! Ordnung, Ruh und Segen fliehn. Keine Hülfe sehen wir, keine Hülfe, als bei dir. Denk an uns in Gnad und Huld, nicht an unsrer Sünden Schuld; Dnld n Hoffnung und Ge⸗ uld! 3. Du, der zu dem Meere spricht: Bis hierher und weiter nicht! Sprich, o Höchster, nur ein Wort, und die Schrecken fliehen fort; Fried und Ordnung, Glück und Ruh eilen uns von neuem zu. Unsre Zu⸗ flucht, Gott, bist du! 4. Gibst du Frieden, dann, o Herr, bebet unser Herz nicht mehr. Ach, wir alle beten dann deine Macht mit Freuden an. Aber jetzt noch seufzen wir, jetzt noch flehn wir angstvoll hier um Erbarmen, Gott, zu dir! Mel. Wann mein Stündlein 630 H du denn ganz dein Angesicht, o Herr, vor uns verbor⸗ gen? Vernimmst du unsre Seufzer nicht; entgehn dir unsre Sorgen? Uns drücket eine schwere Macht; Gott, wenn nicht deine Vorsicht wacht, so müssen wir ver⸗ derben. ö 2. Der Krieg im bluti⸗ gen Gewand verheeret die Gefilde, und Noth und Ar⸗ muth drückt das Land, das sonst dein Segen füllte. Ach, Aller Herz ist fren⸗ denleer und keine Ruh er⸗ quickt uns mehr, sie ist von uns gewichen. 3. Gefahr umgibt uns in der Nacht und wächst mit jedem Tage. Sind wir von kurzem Schlaf er— wacht, so wacht auch unste Plage. Der harten Krik⸗ ger wilde Wuth droht uns mit Feuer und mit Blut; o wer, wer kann uns schü⸗ zen? 4. Iu F 5—————2— —— unter besonderen Umständen. 4. Du kannst es, du, er⸗ habner Gott! Es steht in deinen Händen, uns zu er⸗ retten, unsre Noth zu un⸗ serm Glück zu wenden. Du kannst dem lend, das uns drückt, das dein Gericht uns zugeschickt, allein allmächtig steuern. 5. Es haben Lanzen, Spieß und Schwerdt, mit welchem Feinde drohten, schon oft in Sicheln sich verkehrt, so⸗ bald dein Wink geboten. So mächtig bist du immer noch: ach, so gebeut, so rede doch! Was du sprichst, muß ge⸗ schehen. 6. Vergib uns gnädig unsre Schuld, vertilge unsre Sünden! Du bist ein Gott voll Vaterhuld: so laß auch nun dich finden! Ach, däm⸗ pfe unsrer Feinde Wuth, lösch aus des Krieges wilde Glut, eh sie uns ganz ver⸗ zehret! 7. Gib deiner Gnade theu⸗ zes Pfand, gib uns den Frieden wieder! Errette das bedrängte Land, erhalt uns unsre Güter, damit wir dir, von Angst befreit, die Opfer unsrer Dankbarkeit in sichern Tempeln bringen. Regiere du selbst un⸗ sern Sinn, daß wir, dir ganz ergeben, des Lasters Bahn mit Abscheu fliehn und nur der Tugend le⸗ ben! Wir lassen dich, Er⸗ 463 barmer, nicht, bis uns dein huldreich Angesicht zum Se⸗ gen wieder straͤhlet! Zur Friedensfeier. Mel. Herr Gott, dich loben 63 1 143 dir, Unendli⸗ cher, zu dir, All⸗ gütiger, der Völkern still zu sein gebot und Frieden sandte, zu dir, Gott, steigt unser Jubelton empor! Zu unsrer höhern Brüder Chor singt unser Herz, entflammt von Dank, den lauten ho⸗ hen Lobgesang: Gelobt, ge⸗ lobt sei Gott! der Weltbe⸗ herrscher, Gott! der Welt⸗ beglücker, Gott! der Frie⸗ densgeber, Gott! Wer ist an Majestät dir gleich? an Güte und an Macht so reich? Du sprichst ein Wort: der Himmel schweigt. Du sprichst ein Wort: der Erdkreis neigt sich tief anbetend vor dir, Gott, und ehret schweigend dein Gebot! Du siehest Völker sich entzwein, mit Schwerdt und Waffen sich bedräun: die Waffen sin⸗ ken und der Streit wird still, wird Ruh und Einig⸗ keit, sobald, Herr, deine Rechte dräut und Völkern still zu sein gebeut. ö Wie schreckend, wie verheerend war empörter Völker Zwist! Gefahr und U 4 Angst 464 Gesinnung und Verhalten des Christen Angst und Noth und Tod umgab uns drohend; offen stand das Grab, und unsre Brüder sanken hin, bei Schaaren in das Grab da⸗ hin; und Schmerz, der Mut⸗ terherzen brach, und blutge Thränen folgten nach. Gott, furchtbar war der Völker Zwist. Dank dir, Allgüti⸗ ger, er ist durch dich, der Erd und Himmel trägt, ge— schlichtet und nun beigelegt! 4. Das Schwerdt, das Bruderblut vergoß, ist weg⸗ gelegt; aus deinem Schooß strömt uns des Friedens sanfte Ruh und Ueberfluß und Segen zu. Hier liegen wir und beten an dich, Gott, der dieß an uns gethan! 5. Laß ihn, laß ihn be⸗ ständig sein, den Frieden, deß wir uns jetzt freun; in seinem Schooße laß uns nun und spät noch unsre Nachwelt ruhn! O segne, Gott, das Vaterland, den rürsten, segne jeden Stand! olang du uns noch wal— len heißt im' Pilgerthal, laß deinen Geist den treuen Führer Aller sein! Dann führ zur ewgen Ruh uns ein. Amen! ö Mel. Lobet den Herren, den 632 4— Gnädigen, nahet Beglückte! Singt ihm; er ists, der den Frieden anbetend- vom Himmel uns schickte! Preiset ihn hoch; weg ist das härteste Joch, das unser Vaterland drückte. 2. Vater, du weißt es, was wir von der Zwietracht erfuhren; grause Verhee⸗ rungen sind noch die trau⸗ rigen Spuren! Aber wie hell rinnt nun der Seg⸗ nungen Quell durch die verwüsteten Fluren! 3. Hör, o Allgütiger, gnäs dig das Jauchzen der Dei— nen! Höre, Erretter, den Jubel der Großen und Klei⸗ nen! Friede gabst du, Frie⸗ de und sichere Ruh, Freu⸗ de nach Klagen und Wei⸗ nen. ö 4. Dank dir, o Vater, und Ehre und Preis dei⸗ nem Namen! Sie sind er⸗ duldet, die Leiden, die über uns kamen; fern ist die Noth! Segnend erhalt uns, o Gott, was du verliehen hast! Amen. In Theuerung. Mel. Von Gott will ich nicht lassen 633 Dꝰi bester Trost der Armen, Beherrscher aller Welt, du Vater voll Erbarmen, der was da lebt, erhält, schan her auf unsre Noth; erbar⸗ me dich der Deinen; wir Ar⸗ men gehn und weinen und schmaͤchten, Herr, nach Brod. 2. Er⸗ Lerrrt unter besonderen Umständen. 2. Erbarmender, wende der Lauf! Thu deine milden Hände, uns zu versorgen, auf! Was irgend Leben hat, nährst du mit Wohl⸗ efallen. Nähr uns auch, shaff uns allen bei unserm Mangel Rath! 3. Den Reichen gib Er⸗ barmen, Gefühl für And⸗ rer Schmerz und, zu er⸗ freun die Armen, ein mit⸗ leidvolles Herz, damit sie mild ihr Brod trostlosen Brüdern brechen und nicht gefühllos sprechen: Geht hin, es helf euch Gott! Laß unsre Frucht ge⸗ rathen, uns wieder zu er⸗ freun; und allen unsern Saaten gib Wachsthum und Gedeihn! Mit milder Va⸗ terhand gib Wärme, Thau und Regen, so kehrt dein reicher Segen zurück in un⸗ ach, Zeiten schweren ser Land. In Wassersnoth. Mel. Herzliebster Jesu! 63⁴4 Ich will dem — Herrn zu jeder geit vertrauen und stets mein Heil auf diesen Fel⸗ sen bauen; auch in den nächsten schrecklichsten Ge⸗ ahren kann er bewahren. Ich will ihm trauen auch in Ungewittern, vor denen selbst der Erde Säu⸗ 46⁵ len zittern, und da, wo, Bergen gleich, empörte Wel⸗ len zum Himmel schwellen. 3. Sei Alles Sturm und Aufruhr und Getümmel; Gott schuf das Meer, den Erdkreis und den Himmel. Was er gebeut im Himmel und auf Erden, das, das muß werden. 4. Zum wilden Strome spricht er: fleuß mit Stille! und allgewaltig ist sein Herr⸗ scherwille; der Strom ge⸗ horcht, die Wogen sinken nieder und ruhen wieder. 5. Wer händeringend sein Geschick beklagte, den Ab⸗ grund offen sah und schon verzagte, frohlocket dann und rufet: Gott ist Retter im Sturm und Wetter! 6. So mögen denn Gefah— ren mich umschweben und Eisgebirge sich im Strome heben und furchtbar dro⸗ hend jeden Damm erschüt⸗ tern: ich will nicht zittern. 7. Zu dir empor will ich am Strome schauen und das thun, was ich soll, und dir vertrauen. Du, Herr, kannst stets uns retten und bewahren in den Gefahren! Mel. Was mein Gott will 635 Mir sind in Noth; laß uns, o Gott, die Fluth nicht über⸗ schwemmen! Nimm uns in Acht; wehr- ihrer Macht! U 5 Du 466 Gesinnung und Verhalten des Christen Du kannst die Wogen hem⸗ men. Verbirg jetzt nicht dein Angesicht; gedenk an uns in Gnaden! Gott, wenn uns jetzt dein Arm beschützt, was kann die Fluth uns schaden? 2. Ach, hilf uns, Herr, Allmächtiger, um Jesu Chri⸗ sti willen. Ach, du allein kannst uns befrein, kannst Sturm und Wellen stillen. Erbarme dich, hilf väter— lich; beschütz uns Gut und Leben! Dann wollen wir dir, Gott, dafür Dank, Preis und Ehre geben. Nach überstandener Noth. Mel. Nun danket Alle Gott 636 ob, Ehr und ö Dank sei dir, o großer Gott, gesungen, daß du durch deine Macht die wilde Fluth bezwungen! Verheerend brach sie los, glich dem empörten Meer, die Wellen rauschten schon fast über uns daher. 2. Doch mitten in der Fluth bewiesest du Erbar⸗ men und halfst uns väter⸗ lich. Du eidiest an uns Armen, daß u, Allvater, nie uns allzusehr betrübst, uns nie verlassen kannst, uns auch im Leiden liebst. 3. Dieß thatst du, Mäch⸗ tiger, der jeder Fluth gebie⸗ ten, der Meere zähmen kann, so mächtig sie auch wüthen! Du schützest, du erhältst, du hilfst in jeder Noth; du bist der Fluthen Herr, du bist der Meere Gott. 4. Wer wollte dir, o Herr, durch Sünden widerstreben und nicht in Heiligkeit zu deiner Ehre leben? Folgt deinem Wink der Strom, gehorcht dir alle Welt: wie sollten wir nicht thun, was, Vater, dir gefällt? Nach einer Feuersbrunst. Mel. Wenn wir in höchsten 637Get, dessen Macht des Feuers Kraft zum Segen und Ver⸗ derben schafft; mit welcher schrecklichen Gewalt verwü— stets, und wieleicht, wie bald! 2. Ach, manche Häuser hats verzehrt und mancher Menschen Glück zerstört! Auch dieß hat deine Hand gethan; wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen und ver⸗ ehren doch auch deine Huld; sie half uns noch und hielt. der Flammen schnellen Lauf, der Uebrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsern Brüdern seufzen wir in ihrem Jam⸗ mer, Gott, zu dir. Laß sie nicht hülflos; tröste die, die du gebeugt hast; segne sie! 5. Ach, der Verschonte fliehe nicht die Uebung seiner schönsten Pficht, der Pfühh unter besonderen Umständen. Betrübte zu erfreun, barm⸗ herzig durch die That zu sein. 6. Uns wieder segnen kannst du, Gott, in Heil verwandeln jede Noth. Ja, weise, liebevoll und gut ist Alles, was dein Wille thut. 7. Gib Unterwerfung und Geduld und laß uns deiner Vaterhuld mit frommer Zu⸗ versicht vertraun und stets auf deine Hülfe baun! 8. Schütz unser ganzes Vaterland vor langel, Seuchen, Krieg und Brand! Gib, weil du unser Vater bist, uns allen, was uns heilsam ist! Nach großem Verlust. Mel. Herzliebster Jesu! 638 Du hast es mir gegeben und genommen; Preis dir, o Herr! Zwar ist mein Herz beklommen; doch mein Ver⸗ traun, mein Glaube soll nicht wanken; ich will dir danken! 2. Verborgen mir, doch gütig ist dein Wille! Du bist mein Gott, und meine Seel ist stille. Du führst gewiß mich auch auf rauhen We⸗ gen dem Heil entgegen. ö 3. Wenns nützlich mir und wenn es deiner Ehre, Allwissender, gemäß gewe⸗ sen wäre, du hättest lieber 467 Glück mir zugewendet, als Noth gesendet. 4. Du sahst vielleicht, ich würd in guten Tagen nicht mehr nach dir und deinen Rechten fragen: ich würde stolz des Glücks mich über⸗ heben und sündlich leben. 5. Gott, wenn ich dieß im Stillen überlege, so preis ich dich und ehre deine Wege. Was hülf es mir, die ganze Welt zu erben und zu verderben? 6. Und viel des Guten ist mir noch geblieben, mein guter Name, Freunde, die mich lieben, und, Dank sei dir, es ist mein gut Ge⸗ wissen mir nicht entrissen. 7. Wie sollt ich nicht auf deine Güte schauen, nicht ruhig sein un standhaft dir vertrauen? Auch künf⸗ tig wirst du, was zu meinem Leben mir noth ist, geben. 8. Herr, segne du die Ar⸗ beit meiner Hände und leite gnädig mich bis an mein Ende! Mil Allem, was du fügst und mir beschieden, bin ich zufrieden. Auf der Reise. Mel. Befiehl du deine Wege 639 Beslücke meine Reise; Gott, ich vertraue dir! Sei gnä⸗ dig und beweise, wie treu du bist, an mir! Auf allen U 6 meinen 468 Gesinnung und Verhalten des Christen meinen Wegen begleite vä⸗ terlich mit deinem Heil und Aucht mit deinem Schutze mich! 2. Ich bin in deinen Hän⸗ den, deß darf mein Herz sich freun; denn du kannst Hülfe senden, wo mir Ge⸗ fahren dräun. Bin ich bei dir in Gnaden, so fürcht ich nichts, o Gott: du weh⸗ rest allem Schaden, mein Helfer in der Noth! 3. So will ich denn mein Leben, mein zeitlich Glück und Gut mit Ruhe über⸗ geben, Gott, deiner treuen Hut. Erhalte meine Kräfte, beglücke meinen Fleiß und meiner Pflicht Geschäfte zu deinem Ruhm und Preis! 4. Laß dir auch meine Lieben empfohlen sein, o Gott! Nichts müsse sie be⸗ trüben, kein Unfall, keine Noth! Gesund laß sie mich wieder bei froher Rückkehr sehn; dann sollen unsre Lie⸗ der, Herr, dankbar dich er⸗ höhn! Der reisende Jüngling. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 6 40 A5 außer mei⸗ nem Vater⸗ land wirst du, Gott, mit mir sein. Wo immer nur mich deine Hand hinführt, da bin ich dein. 2. Vergeß ich dieser Wahr⸗ heit nicht, bin ich von Her⸗ zen gut und üb ich treulich meine Pflicht, so hab ich frohen Muth. 3. Doch, Herr, ich fühle mich noch schwach; drum stärke du mein Herz! hilf du meinem Streben nach und sichre mich vor Schmerz! 4. Der Reiz der Sünd und Eitelkeit entlocke dir mich nie! Was kurz ver⸗ gnügt und lang gereut, gib, daß ichs weislich flieh! 5. Wo man mich sieht und Freund mich nennt, laß tugendhaft mich sein und dort auch, wo kein Mensch mich kennt, das Laster ernst⸗ lich scheun! 6. Nur wer die Tugend ehrt und liebt, deß Beispiel führt zu dir; o du, der Alles hat und gibt, Gott, solchen Freund gib mir! Dem Freunde wilder 7. Fröhlichkeit, dem Freund von List und Spott, von Wollust, Spiel und Ueppig⸗ keit entreiße mich, mein Gott! 8. Wer Wahrheit, Pflicht und Recht verdreht, der flöße Graun mir ein; vor dem Verruchten, der dich schmäht, erzittre mein Ge⸗ beinl. 9. Mich lehre stets dein heilig Wort auf guten We⸗ gen ————4———————————— ——— unter besonderen Umständen. lan gehn und, wenn ich ann, an jedem Ort im Tempel dich erhöhn! 10. Dann bin ich meiner Aeltern Lust, im Alter einst ihr Stab und keines Lasters mir bewußt, begleit ich sie ans Grab. I1. Mir folgt ihr Segen durch die Welt, bis einst mein Auge bricht, und mei⸗ nen Geist, der dir gefällt, erschrecket kein Gericht. 12. Gedanke der Unsterb⸗ lichkeit, erhebe meinen Geist! Wohl mir, es ist die Ewig⸗ keit, wohin der Glaube weist! Fürbitte für liebe An⸗ wesende. Mel. Der unsre Menschheit 641 Doi, welchen kei⸗ ne Welt um⸗ schließt, der du allgegen⸗ wärtig bist mit allem deinem Segen, wo meine Lieben sind, auch da bist du voll Huld, bist ihnen nah auf allen ihren Wegen! Dieß ists, was meine Thränen stillt, wenn banges Sehnen mich erfüllt. 2. Mach ihnen mild das ferne Land und laß an dei⸗ ner Vaterhand sie dort auch Freunde finden. Sei, wenn ein Unfall ihnen droht, ihr Schutz, ihr Retter in 469 der Noth: bewahre sie vor Sünden! Auch dort sei stets der Tugend Ruhm ihr un⸗ verletztes Eigenthum. 3. O kehrten sie mir einst zurück; des Wiedersehens großes Glück macht froh schon meine Seele. Doch säh ich auch ihr Angesicht nun ferner hier auf Erden nicht, was ists, daß ich mich quäle? Ich weiß, o Gott, ein Tag erscheint, der wieder mich und sie ver⸗ eint. 4. O wie gedenk ich dein so gern, du Tag des Le⸗ bens, Tag des Herrn! Wann wird dein Licht erscheinen? O Tag, der die mir wie⸗ dergibt, die trauernd meine Seele liebt, die Seligen, die Meinen! Wie wird sich unsre Seele freun! Wie selig werden dann wir sein! Bei ansteckenden Krank⸗ heiten. Mel. Allgegenwärtiger, ich 6 42 In unserm Kum⸗ N mer fallen wir gebeugt und demuthsvoll vor dir, o Herr des Lebens, nieder. Ach, uns bedroht ein schneller Tod; schon würgt er unsre Brüder! 2. Der Seuchen Gift ver⸗ breitet sich, und, Gott, wen haben wir, als dich, der U 7 seine 47⁰ Gesinnung und Verhalten des Christen seine Wuth ihm raube? Wenn deine Macht uns nicht bewacht, so werden wir zu Staube. 3. Ach, Viele sanken schon ins Grab so unerwartet schnell hinab. Wie ist um Hülf uns bange! O schone noch! Entreiß uns doch dem nahen Untergange! 4. Oft retten Kunst und Vorsicht nicht. Wir haben keine Huperjicht, als nur zu deiner Güte: du bist der Herr! Gib, daß nicht mehr der Tod so schrecklich wüthe! 5. Wir glauben an den Sohn und dich; o darum schaue väterlich auf tiefge— beugte Sünder! Denn du allein kannst uns befrein, und wir sind deine Kinder. 6. In deiner treuen Va⸗ terhand ruht Tod und Le⸗ ben, Volk und Land. Ent⸗ 7. Doch willst du uns noch nicht befrein, so lehr uns doch geduldig sein und dir uns ganz ergeben; und sterben wir, laß uns vor dir in deiner Wonne leben! 8. Zeig allen Sterbenden dein Heil und gib, daß sie ihr bestes Theil im Himmel nicht verlieren! Laß sie den Tod aus jeder Noth zum bessern Leben führen! 9. Laß unser gläubiges Gebet, das, Herr, zu dir ö ‚ um Gnade fleht, dir, Va⸗ ter, wohlgefallen. Der rein⸗ ste Dank und Lobgesang wird dann bei uns erschal⸗ len. Dank für Gottes Hülfe. Mel. Ein Lämmlein geht 6 43 Wir kommen, Helfer, dir Gesang und Ruhm und Preis zu bringen. Des gan⸗ zen Volkes lauter Dank soll, Retter, dir lobsingen. Wir schwebten in Gefahr und Noth; wir sahen überall den Tod mit seinen Schrecken drohen. Nun wüthet seiner Seuchen Heer durch unser Vaterland nicht mehr; sie sind vor dir entflohen. 2. Wir sahen dort und sahen hier so viele Brüder sterben und allenthalben waren wir umfangen vom Verderben. Da galt kein Schonen! Stündlich war uns nah und furchtbar die Gefahr und alle Kunst ver⸗ ebens. Den Würger trieb ein Arzt zurück, auch ihm schien jeder Augenblick der letzte seines Lebens. 3. Allmächtiger, wir alle schrien zu dir mit bangen Herzen. Wir sind erhört! die Seuchen fliehn; du es e unter besonderen Umständen. lest unsre Schmerzen. O du Erbarmer voll Geduld, du hast nach unsrer Sünden⸗ schuld auch dießmal nicht gelohnet. Gezüchtigt, o wir preisen dich, gezüchtigt hast du väterlich und väterlich verschonet. 4. Dich, der du von Ge⸗ fahr befreist, dich müssen Alle loben! Sei ewig, Va⸗ ter, Sohn und Geist, von deinem Volk erhoben! Dich, Retter, bete Jeder an! Es jauchze, wer nur danken kann, und ehre deinen Na⸗ men und rühme: Gott ist unser Gott! Er hilft uns gnädig in der Noth! Er⸗ hebt ihn! Amen! Amen! In Krankheiten. Mel. Wie groß ist des Allmächt. 644 HenleaneHerr, in Angst und Schmerzen und flehe, weil ich flehen kann, aus vollem tiefgerührtem Herzen dich tindlich um Erbarmen an. Wen hab ich sonst in die⸗ sen Stunden? Wer kennt so ganz mein Leid, wie du? Wer heilt die mir geschlag⸗ nen Wunden? Wer sendet mir Erquickun zu? 2. O Gott Du Vater al⸗ ler Väter, der gern den Leidenden erfreut, zu dem so mancher fromme Beter, 47¹ und nie umsonst, um Hülfe schreit, auch mich laß nicht vergeblich flehen! Auch mei— nes Herzens nimm dich an und lehre mich auf Alles sehen, was Freude mir ge⸗ währen kann! 3. Du wirst ja nie des Helfens müde du weißt es, was der Kranke fühlt, und gibst ihm Hoffnung, Trost und Friede, wenn Schmerz in seinem Innern wühlt. Dieß sagt mir, der ich dir vertraue, zu meiner Ruh dein göttlich Wort, dieß treibt, so oft ich auf dich schaue, die Furcht aus mei⸗ ner Seele fort. 4. Auch dieser Krankheit schweres Leiden verhingst du liebreich über mich. Auch hier, wie im Genuß der Freuden, erkennt mein Herz als Vater dich. O gib, daß ich dieß stets empfinde! O stärke selbst mich in Ge⸗ duld! Vergilt mir, dem ver⸗ irrten Kinde, nicht ganz nach meiner Sünden Schuld! 5. Verlängre Herr, mein Erdenlehen, wenns deinem weisen Rath gefällt! Und dann sei es nur dir erge⸗ ben, nur dir, mein Retter nicht der Welt! Doch soll ich meinen Lauf vollenden, dann hebe meinen Geist zu dir, und ist mein Geist in dei⸗ nen Händen, o guter Gott, was fehlet mir? Mel. 472 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Alles ist an deinem Segen Lilf mir, Gott, 6⁴⁵ der Krankheit Plagen, die mich drücken, still ertragen und mit kind— lichem Vertraun bei der Sehnsucht meines Herzens um Erleichtrung meines Schmerzens nur auf deine Vorsicht schaun! 2. Deiner Weisheit kanns nicht fehlen, immer das nur zu erwählen, was das Beste für uns ist. Dieß will ich zu Herzen fassen und wich ganz dir überlassen, der du auch mein Vater bist. 3. Sanfter Antrieb, ernste Lehre, daß ich in mich sel⸗ ber kehre, sei der Schmerz, die Krankheit mir! Ihre Last nicht zu vergrößern, hilf mir meine Seele bes⸗ dir.; alle Hülfe kommt von ir. 4. Vater, Helfer aller Kranken, Quelle tröstender Gedanken, steh mir bei mit deiner Krast! Sie nur kann erretten, stärken; lehre mich auf sie stets merken, die aus Leiden Freude schafft! 5. Guten Muth und hei⸗ tres Wesen sei in meinem Blick zu lesen; Ruh erfülle meine Brust! Hoffnung stärke mich und Freude sei mein Glaube, wenn ich leide, dir zu folgen, meine Lust! Mel. Wer nur den lieben Gott icht mehr, als 646 N meine Kräfte tragen, Barmherziger, legst du mir auf. Nicht immer wird der Schmerz mich na— gen; es folgt gewiß Er⸗ quickung drauf. Auf mei⸗ nem Krankenlager hier lob— sing ich, o mein Vater, dir. 2. Weil mich die Welt zu sehr erfreute, rufst du mich in die Einsamkeit; weil ich den Kampf zu ängstlich scheute, führst du mich mit⸗ ten in den Streit und übst durch körperlichen Schmerz mein von Geduld entwöhn⸗ tes Herz. Den Kelch der Trüb— sal soll ich leeren! Ach, Herr, du weißt, das Fleisch ist schwach! Vergib, wenn eine Fluth von Zähren hervor aus meinen Augen brach! O stärke, Gott, voll Vater⸗ huld, mein Herz durch Glau⸗ ben und Geduld! 4. Der Schmerz, der meine Glieder schwächte, beraubet mich der sanften Ruh; ich bring, o Gott, die langen Nächte auf meinem Lager schlaflos zu; der Menschen Hülf ist schwach und klein; doch du, du wirst mein Helfer sein. 5. Dein Wille mag allein entscheiden, wie lang die Prüfungsstunde währt! Und wenn auch ganz im* er viele hast unter besonderen Umständen. der Leiden sich meine Le— benskraft verzehrt, wenn auch mein Herz im Tode bricht: du, Herr, bist meine Zuversicht! Mel. Wer nur den lieben Gott 6⁴47 ott, der du Schmerz und Freude sendest, mit Weis⸗ heit unser Schicksal lenkst und Alles uns zum Besten wendest, was du nur über uns verhängst, du hast nicht Lust an meiner Pein: auch behn. mir zum Heil ge⸗ eihn. 2. Auch durch die Noth führt mich zum Ziele der Seligkeit, Gott, deine Hand, und deine Tröstungen, wie du mir schon ins Herz gesandt! Wie oft ruft mir dein Wort es zu: Gott ist dein Vater, Kind bist du! 3. O du, mein bester Va⸗ ter, glaubte nur meine Seele kindlich dir! daß mir doch kein Zweifel raubte den süßen Trost: Gott ist bei mir! Ja, Vater, deine Huld und Kraft ist Allem nah, was sie erschafft. 4. Wenn Schmerz und Leiden mich bestürmen, so denk ich dein und deiner Huld. In allem Weh, in allen Stürmen verleih mir Beisheit und Geduld! Be⸗ 473 ruhige mein Herz und sprich: Sei nur getroft und hoff auf mich! 5. Wie litt im allerbäng⸗ sten Leiden sostille duldend Jesus Christ! Leid ich ihm nach, ein Meer von Freu⸗ den, das ewig unerschöpflich ist, umfließt mich dann vor seinem Thron. Wie meine Leiden, so mein Lohn! Durch Leiden wird mein Herz ihm offen; durch Glauben naht sich ihm mein Geist. Der stille Dulder nur darf hoffen, darf hoffen das, was Gott verheißt. Zu solcher Hoffnung stärke mich, so preis ich auch in Schmerzen dich! Mel. Wann mein Stündlein 648 Es ist dein Wille, Herr mein Gott, daß ich jetzt Schmer⸗ zen leide; doch du bist Hel⸗ ser in der Noth und kehrst sie gern in Freude. Was ich bedarf, ist' dir bekannt; mein Leben steht in deiner Hand; deß soll mein Herz sich trösten! 2. Voll Hoffnung wend ich mich zu dir; ich bleibe dir ergeben. Herr, wie du willst, so schicks mit mir, zum Sterben oder Leben! Bei dir allein steht meine Zeit: nur mache mich der Seligkeit durch deine Gnade ürdi würdig. 3. * er⸗ .—.—.—.— 474 Gesinnung und Verhalten des Christen 3. Verhüte, daß der Krank⸗ heit Pein zu schwer mir Schwachen werde. Laß mir Erquickung angedeihn, er— leichtre die Beschwerde. Du Vater, weißt, was jeden Tag zu tragen ich, dein Kind, vermag; hilf und er⸗ barm dich meiner! 4. Erquicke, Gott, und stärke sie, die liebreich mei⸗ ner pflegen; lohn ihnen ihre Treu und Müh mit deinem besten Segen! Gib gegen sie mir Freundlichkeit; gib ih⸗ nen, Gott, Gelassenheit, Ge⸗ duld mit meiner Schwäche. 5. Soll tödtlich meine Krankheit sein, und steht mein Grab schon offen; so laß mich, Herr, von Sün⸗ den rein, auf deinen Him⸗ mel hoffen! Des letzten ban⸗ gen Kampfes Schmerz er⸗ leichtre mir und laß mein Herz noch sterbend dir ver-⸗ trauen! 6. Doch willst du wieder Kräfte mir zu längerm Le⸗ ben schenken: dann laß, so⸗ lang ich lebe hier, mich dank⸗ bar dein gedenken, damit ich künftig jederzeit mit aller Treu und Redlichkeit der Tugend Wege wandle. Mel. Wer nur den lieben Gott 6 49 er Morgen ö kommt, und meine Plage wird mit dem Morgen wieder neu. Wie traurig fließen meine Tage, wie bang die Nächte mir vorbei! Der Morgensonne neues Licht erheitert meine Seele nicht. 2. Noch immer bin ich auf der Erde, wo Schmerz und Kummer mich umringt, wo täglich größere Beschwer⸗ de zu Klagen mich und Thrä— nen zwingt; noch immer fleh ich unerhört um Stärkung, die mein Herz begehrt. 3. Erbarm dich; eil mir beizustehen! verlaß mich, o mein Helfer, nicht! Ach, zeig mir wieder auf mein Flehen, dein väterliches An⸗ gesicht! Gib mir Geduld, gib mir im Schmerz ein ruhig dir ergebnes E 4. Noch ist mein Schick⸗ sal mir verborgen, das die⸗ sen Tag mich treffen soll; doch ich bin ohne Gram und Sorgen: du, Vater, kennst mein wahres Wohl. Und was dein Rath be⸗ schließt und thut, ist heilig, ist gerecht und gut. 5. Soll ich die Last noch länger tragen, ich halte deiner Fügung still. Dein Will geschehe, will ich sagen, wie du, Herr, willst; nicht, wie ich will! So, Vater, laß bei Schmerz uud Pein geduldig mich, wie Jesus sein! 6. Einst kommen doch der Ruhe Stunden: einst rückt mein . unter besonderen Umständen. mein Abend auch herbei: dann, dann ist Alles über⸗ wunden, ich bin von aller Trübsal frei; dann folgt auf Sorgen, Gram und Leid dort ewige Zufriedenheit. 7. Gestärkt durch diesen hohen Glauben, vollend ich meiner Leiden Pfad. Nichts soll mir meine Hoffnung rauben; auch dann Nichts, wann der Tod mir naht. Vielleicht noch heut erscheint er mir und führt mich, Gott, hinauf zu dir. Mel. Wann mein Stündlein 650 Nach einer schmer⸗ zenvollen Nacht seh ich den Morgen wieder. Dein Auge, Gott, hat mich hewacht; dich preisen meine Lieder. In großer Angst verliehst du mir nicht Lin⸗ drung nur, ich danke dir auch Trost, Geduld und Fassung. 2. So trag ich ruhig mei⸗ nen Schmerz und dieser Krankheit Plage; zu dir er⸗ hebe sich mein Herz, du Schöpfer meiner Tage! Durch Leiden zogst du mich zu dir und nun, mein Va⸗ ter, bist du mir ein Fels, auf den ich baue. 3. Du bist es, der mich nicht verläßt, wenn auch der Tod erscheinet; dich hält mein Glaube dann noch fest, wenn Alles um mich weinet. 47⁵ Ich bin getrost, wenn gleich betrübt die Freunde, deren Herz mich liebt, jetzt um mein Leben zittern. 4. Auch si verlaß, o Va⸗ ter, nicht; stärk ihre ban⸗ gen Hicht erfülle sie mit Zuversicht und lindre ihre Schmerzen! Ja, dir empfehl ich sie, o Herr! Sei du ihr Schutz, Allgütiger, und trockne ihre Thränen! 5. Doch sollten meiner Tage viel noch unter Lei⸗ den werden; bin ich noch fern von meinem Ziel, dem Ende der Beschwerden: so gib mir, Vater, deine Kraft, die Muth in jedem Leiden schafft, die kämpfen hilft und siegen. Mel. Wenn wir in höchsten 651 Schon wieder Nacht; und Gram und Schmerz zerna⸗ gen immer noch mein Herz! Vie manche, manche lange Nacht hab ich schon seufzend durchgewacht! 2. Da schleicht so lang⸗ sam mir die Zeit; da ist so öd die Einsamkeit! Ich seufz und ring umsonst nach Ruh, kein Schlaf drückt mir die Augen zu. 3. Doch trenn ich mich noch nicht von dir, o Hoff⸗ nung! Nein, du bleibest mir. Gelegt, zu lindern dund un 476 und Schmerz, hat Gott dich liebend an mein Herz. 4. Er ists, der Muth und Zuversicht durch dich zu diesem Herzen spricht. Die Hülfe kommt; ich sehe schon durch dich des from⸗ men Dulders Lohn. 5. O wär kein Himmel, der einst lohnt; du, Vater, hättest mich verschont mit diesem Kelch voll Bitterkeit, versüßt mir meine kurze Zeit. 6. Noch fleht vor deinem Angesicht dein leidend Kind: Ists möglich nicht, daß die⸗ ser Kelch vorübergeh? Doch nur dein Wille, Herr, ge— scheh! 7. Fest halt ich immer mich an dich! Ach! stärk in meiner Schwachheit mich! Du bist so reich, so reich an Ruh; send mir nur einen Tropfen zu! 8. Doch bringt ihn nicht der Schlaf zu mir, so bringt mir doch gewiß von dir bald mehr sein Bruder, ach, der Tod, der letzte, treue Freund in Noth. Mel. Wer nur den lieben Gott H o ist mit aller 6⁵5² S seiner Plage nun abermals ein Tag voll⸗ bracht. Daß ich der Lei⸗ den Last ertrage, hilfst du mir immer, Gott der Macht. Auch heute warst du Bei⸗ Gesinnung und Verhalten des Christen stand mir, und herzlich dank ich dir dafür. 2. Nur auf die Nacht wird mir jetzt bange; denn immer mehrt sie meinen Schmerz. Da seufzet: Ach mein Gott, wie lange! oft das beklommne matte Herz; da zähl ich jeden Stunden⸗ schlag, und immer wird so spät es Tag. 3. Es flieht der Schlaf vor meinem Kummer; die Glücklichen besucht er nur. Nur selten sinkt ein leiser Schlummer auf die entkräf⸗ tete Natur; doch schließt er mir die Augen kaum, so schreckt mich schon ein schwe⸗ rer Traum. 4. Wie traurig ist ein solches Leben! Wie schwer ein Loos voll Noth und Schmerz! Ward dieß mir nur zur Qual gegeben? zum Dulden uur ein füh⸗ lend Herz? Flieh! lästern⸗ der Gedanke, flieh! Ein Gott der Liebe quälet nie. 5. Er läßt nur Trübsal mich ergreifen, um höhern Freuden mich zu weihn. Ich soll durch sie zur Tugend reifen, um ihrer ewig mich zu freun. Den innern Men⸗ schen weckt der Schmerz; er läntert und erhebt das Herz. 6. So wird das Leiden mir zum Segen, und kurz ist hier mein Aufenthalt. Oft weht mirs auch schon 00 eunl⸗ D unter besonderen Umständen. heim ziehen die Gewitter bald. Vielleicht seh ich noch herbstlich schön des Lebens Sonne nieder⸗ gehn. 7. Drum will ich mich nicht trostlos grämen, nein, ruhig sein in meiner Noth. Das wunde Herz mir ab⸗ zunehmen, kommt endlich doch als Freund der Tod: entgegen; er legt es sanft und kühl zur Ruh: den Geist führt er dem Himmel zu. Bei der Abendmahlsfeier in der Krankheit. Mel. Wer nur den liehen Gott 653 A6, könnt ich doch mit mei⸗ nen Brüdern im Tempel, Zesu, dich erhöhn und froh mit deines Reiches Glie— dern, Herr, deines Todes Mahl begehn! Doch da mich Schmerz und Krank⸗ heit plagt, ist diese Freude mir versagt. 2. Ach, hier, wo ich im Stillen bete, feir ich dein Abendmahl allein; doch, Herr, ich weiß, an jeder Stätte hast du verheißen, nah 10 sein. Wo je ein Frommer eufzt und weint, da bist du, großer Menschenfreund! 3. Laß das Gedächtniß deiner Leiden mir Schwa⸗ then Trost und Kraft ver⸗ 477 leihn! Laß es die Quelle hoher Freuden und Vorge⸗ ühl des Himmels sein. Dein Leiden, dein Versöh⸗ nungstod erquicke mich in meiner Noth! 4. Wohl mir! Ich seh den Himmel offen; ich füh⸗ le meine Seligkeit; ich kann von dir nun Alles hoffen, der gnädig mir die Schuld verzeiht. Umringt mich auch der Leiden Heer, mein Herz erbangt davor nicht mehr. 5. Erscheint der Tod mit seinen Schrecken: ich bin getrost und zage nicht. Wirst du vom Tode mich erwecken: ich bebe nicht vor dem Ge⸗ richt. O mich erfüllt dein Leib und Blut so hier, wie dort mit frohem Muth. Mel. Wer nur den lieben Gott 6 5 4 ank, Vater, dir, der mit Erbar⸗ men auf seine schwachen Kin⸗ der blickt! Wie hast du, o mein Gott, mich Armen durch dieses heilge Mahl er⸗ quickt! Du bist die Liebe, wandelst Noth in Segen und in Heil den Tod. 2. Nun laß mich sterben oder leben, Herr, wie du willst: ich folge gern; von Schmerz gequält, mit Angst umgeben, freut meine Seele sich des Herrn. Ich bin erlöst; drum schreckt mich nicht 47⁸ Gesinnung und Verhalten des Christen nicht des Grabes Nacht, nicht das Gericht. 3. Und kommt sie dann die ernste Stunde, die mich dem Irdischen entreißt: Wohl mir! ich steh mit dir im Bunde, ein gnädges Ur⸗ theil hofft mein Geist. Dein bin ich, dein, und ewges Heil ist deiner Auserwähl⸗ ten Theil. Fürbitte für Kranke und Leidende. Mel. Befiehl du deine Wege 65 5 Bermherdiger; er⸗ höre der Liebe heißes Flehn! Laß, den wir innig lieben, bald deine Hül fe sehn! Er liegt und ringt und duldet, gequält von vielem Schmerz; wir sehn ihn an und weinen: wie blutet unser Herz! 2. Du pflanztest ja dem Menschen des Mitleids Triebe ein; wie solltest du nicht Helfer, du nicht Er— barmer sein? Wir würden gern ihn retten, doch ach, wir sind zu schwach. Thu, Vater, thu, was Keiner von uns für ihn vermag. 3. Sieh, deine Kinder ehen für diesen Kranken ich. Gieß Balsam in die Wunden und hilf ihm vä⸗ terlich! O laß des Leidens Stunden bald, bald vorüber⸗ gehn! Doch nicht, Herr, unser Wille, dein Wille soll geschehn! 4. Reichst du den Kelch des Todes vielleicht ihm heute schon und rufst aus usrer Mitte du ihn vor deinen Thron: dann steh ihm bei und führe ihn selbst durchs dunkle Thal; dann lindre ihm, Erbarmer, des Todes letzte Qual! Mel. Alle Menschen müssen ott der Tage, 6⁵56 Gott der Näch⸗ te, unsre Seele harret dein, hofft auf deine starke Rechte, weiß, du kannst nicht ferne sein. Auch in stiller Nächte Stunden hat dich manches Herz gefunden, wenn es im Gebete sich sehnte, Herr, zu finden dich. 2. Vater, viele Men⸗ schen weinen, viele Kranken schmachten jetzt! Aber du verlässest keinen, der auf dich Vertrauen setzt; trock⸗ nest liebreich Kummerthrä⸗ nen und erfüllst der Deinen Sehnen, die um Ruh und Lindrung flehn und auf dich voll Hoffnung sehn. 3. Sende, Vater, Muth den Schwachen, Licht in je⸗ des trübe Herz! Allen, die bekümmert wachen, mildre freundlich ihren Schmetz. Laß die Wittwen, laß die Waisen deine Huld und Treue F— rr eL e——= allein ich unter besonderen Umständen. Treue preisen! Gib den Kranken sanfte Ruh! Ster⸗ benden sprich Tröstung zu! 4. u treuer Men⸗ schenhüter! Nacht ist wie der Tag vor dir! Herr, allmächtiger Gebieter, dei⸗ nen Schutz erflehen wir! Allen, Allen, die jetzt lei⸗ den, öffne bald den Quell der Freuden, daß sie, frei von ihrer Pein, deiner Huld sich dankbar freun! 5. Jesus Christus, viele⸗ Nächte hast du für uns durch⸗ lchen und dem mensch⸗ ichen Geschlechte durch dein Wachen Ruh gebracht. Trö— deinen Kin⸗ dern nicht durch Schlaf den Kummer lindern? o so lenke ihren Sinn hoffnungsvoll zum Himmel hin! Nach der Genesung. Mel. Nun danket Alle Gott 657 MLan i Gott, mein Lied erheben? RNur deine Vaterhuld er⸗ hielt mir noch das Leben. Du standst mit deiner Kraft mir in der Schwachheit bei, und von Gefahr und Schmerz bin ich nun wieder frei. 2. Dem Tode war ich nah; shon sah ich für mein Leben aut meinem Lager, ach, Ver⸗ wandte, Freunde beben; bebte nicht; mich 479 schreckte nicht das Grab; gestärkt durch deinen Geist, sah ich getrost hinab. 3. Allmächtig stärktest du die halb erstorbnen Glie⸗ der; ich fand in neuer Kraft auch neue Freuden wieder; und, Herr, nun gibst du mich den Meinigen zurück! Dir dank ich, Gott, nur dir, des neuen Lebens Glück! err, durch mein Le⸗ ben selbst will ich dir Dank beweisen, durch frommen Wandel dich an jedem Tage preisen und redlich meine Kraft dem Wohl der Men-— schen weihn, um ewig einst bei dir des Lebens werth zu sein. Vorbereitung auf den Tod und Trost für.Sterbende. Mel. Mein Gott, das Herz 658 Bald leg ich Sorg ö und Schmerzen ab und diesen Prüfungs⸗ stand; die Erde nehme, was sie gab: ich ruh in Gottes Hand! ö 2. Ich geh den Weg zum ewgen Licht: er mag mir dunkel sein: des Todes Schlaf erschreckt mich nicht: ich geh zum Leben ein. 3. Ich werde durch des Todes Nacht zum Himmel eingeweiht; die unerforsch⸗ lich weise Macht führt mich zur Seligkeit. Mel. 480 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Wann mein Stündlein 6 59 Gon, wann mein sterbend Auge bricht, mein letzter Hauch verschwindet, mein Leib er⸗ starrt und selbst es nicht, daß er entschläft, empfin⸗ det; wann. um mich, den Entschlummernden, nun alle meine Lieben stehn und angstvoll mich beweinen: 2. Dann, Vater, nimm ihn auf, den Geist, der freudig zu dir fliehet, der dankbar deine Güte preist, daß er den Tod nicht siehet; dann tröste, die betrübt um mich mit Thränen klagen; laß sie sich mehr meiner Wonne freuen! 3. Mein hingefallner Leib bleibt hier, ihn wird das Grab verschließen. Doch einst wird es verkläret mir ihn wiedergeben müssen. Du kommst, Erwecker! Deine Macht, die ihn aus Nichts hervorgebracht, kann neu ihn wieder bauen. 4. Wie könnt ich trauern, daß im Tod mein Leib zu Staub vermodert? Wie könnt Gott vom Tode wieder fordert? O Hoffnung, daß nach kurzer Ruh mein Leib erwacht, wie groß bist du, und welch ein Trost im Tode! 5. Des Todes Schmer⸗ zen, Gott, will ich, wenn ich klagen, da ihn. er nun kommt, nicht achten und mit auf dich nach meinem Ziele trachten und mich dem Ziele freudig nahn, mein himmlisch Kleinod zu em⸗ pfahn, das Jesus mir er⸗ worben. Mel. O Gott, du frommer Gott 660 SSamenes Laun und meiner Leiden Ende.“ Gott, meines Lebens Herr, ich fall in deine Hände. Du bist, o Vater, nie mit deiner Hülfe fern; du rufst: hier bin ich, Herr, dir fol⸗ gen will ich gern. 2. Preis dir, der seine Hand stets über mich ge⸗ breitet, dir, Gott, der bis ans Grab mich wunderbar geleitet! Wie oft vergaß mein Herz sein Heil und seine Pflicht; doch gingst du, Heiliger, mit mir nicht ins Gericht. 3. Vernimm des Dankes Lied, das sterbend ich dil bringe! Ich bin viel zu ge⸗ ring, der Treu viel zu ge⸗ ringe und der Barmherjih⸗ keit, die du an mir gethan. Frohlockend bet ich dich mit allen Himmeln an. 4. Du Heil der ganzen Welt, erfülle mein Ver⸗ trauen und deine Henf⸗ lichkeit laß meine Seele schauen. Du bist die Lieh, —. 0 Gall, getrostem Blick —...... —. . 3* auch mich Lohn. ö unter Mienderen Umständen. o Gott, und Gnade für und für; mein Geist wird 0 D denn ihn empfehl ich dir. 65 Mit allen Heiligen von Herrlichkeit umgeben; unsterblich, Engeln gleich, werd ich dich schaun und leben. Noch einen kurzen Kampf: so krönt vor dei⸗ nem Thron, Erbarmender, der Ueberwinder In eigener Melodie 661 J5 eile meiner Heimath zu, ins ewge Paradies der Freu⸗ den; dort, dort nur ist die wahre Ruh und Quelle aller Seligkeiten; dort ärndtet man der Tugend Lohn, und bei dem Vater hat der Sohn auch eine Stätte mir berei⸗ tet, wohin er gnadenvoll mich leitet. Er ist es, der nun meinen Geist auf ewig der Noth entreißt. 2. Hier lieg ich wie ge⸗ bunden da; dort werd i voll von Kraft und Leben, .2 Lebe Thätigkeit, si dem göttlichen Befreier nah, frohlockend weiter vorwärts streben, in Weisheit, Tu⸗ gend, Heiligkeit, in edler befreit von Schwachheit und von Sün⸗ den, das Glück der Tugend zanz empfinden. Dort seh ich Jesu Herrlichkeit, und wird meine Seligkeit. 48¹ 3. Dann, dann wird nim⸗ mermehr ein Schmerz mich, en Vollendeten, verletzen; dann wirst du ewig dich, gein Herz, beglückt am Himmlischen ergötzen. Ich eile über Welt und Zeit hin zu dem Sitz der Seligkeit, zu der Verklärten Geister Chören: ich werde ihr Will⸗ kommen! hören, und wen ich hier im Herrn gekannt, den finde ich im bessern Land. 4. O drum getrost, mein Geist! O sieh, in welche gött— lich große Freuden des kurzen Pilgerlebens Müh verwan⸗ elt wird nach diesem Lei-— den! Ergib in kindlicher Geduld dich deines Vaters Lieb und Huld! Dein Je⸗ sus wird mit treuen Händen dich unaussprechlich' schön vollenden, und ehe du dich wirst versehn, wirst du ver⸗ klärt dort oben stehn! Mel. Wer nur den lieben Gott 662 J́ fasse, Vater, deine Hände und halte sie im Glauben fest; verlaß den nicht an sei⸗ nem Ende, der ewig sich auf dich verläßt! Du bist mein Gott von Jugend auf: hilf glücklich enden meinen Lauf! 2. Du hast nach deiner Vatergüte beständig wohl an mir gethan, erhör auch meine letzte Bitte: Nimm, 4 Gott, 482 Gesinnung und Verhalten des Christen Gott, mich dort zu Ehren an! Ach, Vater, ach, noch Eins ist Noth, ein gutes End, ein selger Tod! 3. Du hast mich je und je geliebet, versorgt, gestärkt, geschützt, regiert, mich oft erquickt, durch Leid geübet, oft wunderbar, stets wohl geführt; wohin ich ging, wohin ich sah, war mir stets deine Güte nah. 4. Auch jetzt, auf meinem Sterbebette, sieh meine Noth, o Vater an! Erquicke, lin⸗ dere, errette; denn du bists, der mir helfen kann. Stärk mich im Guten bis ans End, damit ich treu den Lauf vollend! 5. Mein Heiland treib die Furcht zurücke, besiege meinen letzten Feind! Lenk auch im Sterben meine Blicke auf deinen Tod, o Seelenfreund; sprich Muth mir, Trost und Freude zu, Mach Ende, bringe mich zur uh! 6. Ihr eitlen Güter die⸗ ser Erden, ihr machet mir den Tod nicht schwer. Jetzt soll ich ewig selig werden; drum brauch ich euer nun nicht mehr. Du, Gott, bists, wann das Eitle weicht, der mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich übergebe dir die Meinen, du Vater der Barmherzigkeit, laß ihnen stets dein Trostlicht schei⸗ nen und bleib ihr Gott zu aller Zeit! Behüte sie vor Ungemach und bringe mir sie selig nach! Mel. Christus, der ist mein Leben 663 B„oiendet di⸗ ö kurze Prüfungszeit; mein Erdenlauf geendet, es naht die Ewigkeit. 2. Ich bin bei meinem Ende getrost und hoffnungs⸗ voll; sinkt doch in Gottes Hände mein Geist, und ist ihm wohl. 3. Und manche gute Tha⸗ ten, Heil mir, daß ich sie that! stehn vor mir schön wie Saaten, die Gott ge⸗ segnet hat. 4. Sie reifen nun ent⸗ gegen dem großen Aerndte⸗ tag. Welch schöner, reicher Segen folgt mir im Tode nach! 5. Nun geh, mein Geist, geh wieder zu Gott, von dem du bist! Seht, Schwestern, sehet, Brüder: so selig stirbt ein Christ! ö Mel. Jesus, meine Zuversicht! 664 Stlig sind, die in dem Herrn, die in ihrem Schöpfer sterben denn es spricht der Geist des Herrn, daß sie ewge Ruhe erben, daß von 900 gebaut ohne Schwachheit, brechen, sei, Jesu, du mein ohne Mängel schwebt mein Licht! Und unter besonderen Umständen. 483 an alle sie ruhen von des 7. Der du mir mit dei⸗ Lebens Müh. nem Tod diese u mer 2. Göttlich Wort, wie hast crrungen, auch in mei⸗ labest du jeden Schwachen, ner Todesnoth, Jesu, sei jeden Müden! Wie so trö⸗ dir Preis gesungen! Bald stend senkest du in mein jauchz ich im Engelchor dir Herz des Himmels Frieden: ein höhres Lied empor. ich soll einst auch selig sein ewig mich der Ruhe freun! 9300 so komme denn, In Ibri—18. 5 o Tod, wann du willst, ristus, der ist zu meiner Hütte; mich, 665 Cuenn Leben und mich macht das Wort von Sterben mei e in Gewinn. Dem Gott stark bei jedem deiner hab ich mich ergeben: in Schritte. Da der Herr sein Frieden fahr ich hin. Wort nicht bricht, schreckt 2. Ich freue mich zu ster⸗ mich auch dein Drohen nicht, ben; denn en in lach vollbrachtem 4. Schrecklich magst du Lauf soll ich den Himmel Zweiflern sein; mir, ich erben: mei b. n Heiland nimmt weiß, an wen ich glaube, mich auf. mir macht Sterben keine 3. Bald hab ich überwun⸗ Pein, keinen Schmerz dein den des Lebens Angst und Wort vom Staube. Staub Noth; nach wenig Prüfungs⸗ bin ich und werde Staub, stunden leb ich bei dir, aber nicht des Moders Raub. mein Gott! 5. Aus dem Staube neu 4. Wann mir die Augen kann ich nicht Leib empor und schaut nichts, mehr sprechen, verwirf mein als Selge, nichts, als En⸗ Seufzen nicht! 5. Wann Sinnen und Ge⸗ reicht nicht in die danken, wie ein verlöschend it Licht, bald hier⸗, bald dahin 6. Gönnet mir mein na⸗ wanken, ach, dann verlaß es Glück, weinet nicht, ihr mich nicht! meine Werthen! Nur noch 6. Es fliehe Furcht und enen Augenblick: dann, Kummer, die Seele stärke ann wohn ich bei Verklär⸗ sich, und, wie des Müden ten. Fasset Muth, ich geh Schlummer, sanft sei mein voran ihr, ihr folgt auf Tod durch dich! dieser Bahn. 7.. Herr Jesu, ich voll⸗ 4 2 ende ..———— HAIHI“— 2——.——————2 —.——2——9—————— I 5 — I SA ————. *. 484 Gesinnung und Verhalten des Christen ende im Glauben meinen Lauf, nimm mich in deine Hände, o Jesu, nimm mich auf! Mel. Wer nur den lieben Gott 666 Di Herr und Vater meiner Tage, du weißt, daß ich, dein schwaches Kind, des Todes Keim in Gliedern trage, die irdisch und zer⸗ brechlich sind; drum gib, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Tode sei bereit! 2. Daß du hier meinem ersten Leben ein mir ver⸗ borgnes Ziel bestimmt, und daß die Zeit, die mir ge⸗ geben, vielleicht gar bald ein Ende nimmt: das flöße mir die Weisheit ein, stets auf mein Heil bedacht zu sein“. 3. Hier hab ich lebens⸗ lang zu lernen, mein Her von Sünden abzuziehn, mi von der Weltlust zu ent⸗ fernen und um den Him⸗ mel zu bemühn: o mache mich dazu geschickt, eh mich der Tod der Welt entrückt. 4. Nicht auf der Erde, nein, nur droben bei dir, Gott, meiner Seele Theil, ist mir das Beste aufge⸗ hoben; dort ist für mich vollkommnes Heil. Wo Je⸗ sus ist, da sei mein Herz! Herr, lenke selbst es him⸗ melwärts! 5. Hier allen Sünden ab⸗ zusterben, zu leben der Ge⸗ rechtigkeit, um dort des Himmels Glück zu erben; dazu laß meine Sterblich⸗ keit mir stets, mein Gott, vor Augen sein und deine Hülfe mich erfreun! 6. Willst du mich länger leben lassen, so laß es mir zum Heil geschehn; doch soll ich heute noch erblassen, so höre, Vater, auf mein Flehn: sei, wenn mein Herz im Tode bricht, mein Trost und meine Zuversicht! 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum ich bin; bist du, mein Heiland, nur mein Le⸗ ben, so bleibt selbst Ster⸗ ben mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; sei nur mein Trost, so gnüget mir. Mel. Herr, wir singen 667 Hen dir, Seele! Gott erschei⸗ net. Mein Auge hat bald ausgeweinet, der Himmel öffnet sich vor mir. Gottes Engel steigen nieder; bald werd ich nun, verklärte Brüder, an Gottes Throne stehn, wie ihr. Mein Le⸗ ben endet schon; bald ist es ganz entflohn: doch ein beßres, Gott, wartet mein, unsterblich sein soll ich, soll ewig dein mich freun. 2. Welt — 24—.. 9...‚3 — eeu —— 8—— ———3—————— unter besonderen Umständen. 2. Welt und Sünde sind bezwungen; bald ist der hohe Lohn errungen, der nach dem Sieg den Strei⸗ ter krönt. Matt am schwe⸗ ren Pilgerstabe, sehnt i mich oft nach Ruh im Grabe, wie sich nach Ruh der Wandrer fehnt. Heil mir! Halleluja! ich bin dem Ziele nah! Von der Hülle der Sterblichkeit nun bald befreit, schwing ich mich über Welt und Zeit! Gott, mein Heil und mein Vertrauen, du führst vom Glauben mich zum Schauen; Dank dir! mir ist der Tod Gewinn. Wer, wer winkt mir dort am Throne? Wer zeiget mir die Siegeskrone? Ich eile zu dem Throne hin. Wie wird mir! Wie entstellt sinkt unter mir die Welt! Bald, bald seh ich von Angesicht zu Angesicht in aaht. Lichte, Gott, das icht. Mel. Ermuntre dich 668 G mir! Bald nahn die letzten Stunden; bald steigt mein 485 auf Erden, um selig dort zu werden. 2. Herr, meine Seel em⸗ pfehl ich dir in deine Va⸗ terhände. Sei gnädig, Gott, mein Vater, mir und mache sanft mein Ende! Du, der mich für den Himmel schuf, ich höre deiner Stimme Ruf; ich will mit Ruh und Freuden von dieser Erde scheiden. Der Mel. Wann mein Stündlein 669 Nicht. lang ein Pilger dieser Zeit, schon reif zum bessern eben, steh ich am Rand der Ewigkeit, vom melsglanz umgeben; bald geht der freie Geist hervor aus seiner Hütte steigt em⸗ 9905 empor zum Sitz der onne. 2. O Heil sterbende Jüngling. * üsten, daß ich sie nur dir den straft, rein und unschul⸗ lebte. mehr erquicken, mit Schau⸗ dern 75 ich nun das Ziel ebens näher rücken; 4 3 vor 486 Gesinnung und Verhalten des Christen vor mir säh ich den Rich⸗ terthron, an dem zum wohl⸗ verdienten Lohn Verdam⸗ mung mich durchbebte. 4. Jetzt kann ich freudig zu dem Thron des Welten⸗ richters treten; denn Jesus Christus, Gottes Sohn, wird mich vor ihm vertre⸗ ten. Ihm war mein Da⸗ sein hier geweiht, und er hat meine Seligkeit mir hier und dort erworben. 5. O Trost in meiner letzten Noth, daß ich an Jesum glaube! Willkom⸗ men ist mir nun der Tod; er hebt mich aus dem Staube; führt mich zur Ewigkeit empor, wo in der Auserwählten Chor mir neues Leben blühet. Das sterbende Kind. Mel. Wer nur den lieben Gott 670 Ich sterbe schon, Diedoch ich sterbe, daß ich ewig leben kann; daß ich nicht in der Welt verderbe, schließt sich mein Lauf, der kaum begann. Ich werd in meiner Früh⸗ lingszeit alsHimmelspflanze Gott geweiht. 2. An meiner Gruft stärkt euren Glauben, ihr Aeltern, die ihr mich ge⸗ liebt! Der Tod kann mich nicht ganz euch rauben da Gott mich einst euch wieder⸗ gibt. Dank sei dir, Vater, dargebracht, für deine Sorg⸗ falt! Gute Nacht! 3. Nach langem Schmerz und kurzen Freuden reißt mich der Tod aus viel Ge⸗ fahr; doch ach, was fühlt as Herz für Leiden, darun⸗ ter ich gebildet war! Dir sei der treuste Dank ge⸗ bracht, getreue Mutter; gute Nacht! 4. Beruhigt euch, ihr an⸗ dern Meinen, die ihr mir durch das Blut verwandt; ihr dürft um mich nicht trostlos weinen, der Geist ist ja in Gottes Hand; der Leib verwest zu schönrer Pracht; wir sehn uns wie⸗ der! Gute Nacht! 5. Gleich Frühlingsblu⸗ men wird mein Leben beim Aufblühn schon des Todes Raub; dieß kann dir, Mensch, die Lehre geben: du seist, wie ich, nur Asch und Staub. Bei meinem Grabe lenk den Sinn vom Irdischen zum Ewgen hin! 6. Ich sterbe schon; lernt Alle sterben! Vielleicht ist euer Grab nicht weit. Sind eure Kinder auch bald Er⸗ ben, wie ich, der Himmels⸗ herrlichkeit, so denkt: sie gehn uns nur voran, wir treffen sie dort W1h Vu 7 SIFIFFe— ————— unter besonderen Umständen. Fürbitte für Sterbende. Mel. Freu dich sehr, o meine 67 1 Unter manchen bangen Schmer⸗ zen ist er schon dem Tode nah. Er, so theuer unserm Herzen, matt und hülflos liegt er da, ist sich seiner nicht bewußt, röchelnd athmet seine Brust; ohne Kraft, sich auszudrücken, spricht er blos in starren licken. 2. Bald ach, bald ent⸗ flieht sein Leben; hin, 916 ist der Jahre Zahl, die du ihm, 0 Gott, gegeben, hin auch seiner Schmerzen Qual; er wird nun er Welt entrückt; jede Last, die ihn gedrückt, seines Jam⸗ mers bange Stunden sind bald durch den Tod ver⸗ schwunden. 3. Nimm, da er uns nicht verstehen und zu dir nicht beten kann, seines Herzens stummes Flehen, seiner Lip⸗ den Seufzer an; gib ihm Muth un Zuversicht und durch deiner Lehren Licht auf des Todes dunklem Pfade das Gefühl von dei⸗ ner Gnade! 4. Daß er vor dem Tod nicht bebe, frei den Blick hin auf die Gruft, froh den eist zu dir erhebe, der den Staub ins Leben ruft: daß er sicher deiner Huld 48⁷ und befreit von Sünd und Schuld ruhig und gelassen sterbe und das Glück des Himmels erbe! Mel. Dein sind wir, Gott 672 Du wollst erhö⸗ ren, Gott, sein Flehen, nicht ins Ge⸗ richte mit ihm gehen, der jetzo deiner Ewigkeit sich naht, befreit nun bald von dieser Eitelkeit! 2. Des Lebens und des Todes Herr! nun ist für ihn die Zeit nicht mehr. Du hast gezählt des Haupt⸗ tes Haar, sein Todesjahr bestimmt, als keine Zeit noch war. 3. Erfüllt ist seiner Lei⸗ den Zahl, er leidet jetzt zum letztenmal. Ach, sei in seiner Todesnoth sein Freund und Gott; ein M sei für ihn der Tod. 4. Vollende, Vater, sei⸗ nen Lauf; nimm ihn zu dei⸗ nem Frieden auf. erlaß ihn, wenn sein Herz nun bricht, verlaß ihn nicht, Encz Herr, mit deinem nadenlicht! 5. Erleichtre ihm den letz⸗ ten Schmerz! Von dir er⸗ quicket, ruh sein Herz! Durch Jesu Todesschweiß und Blut das ihm zu Gut er einst vergoß, stärk ihm den Muth! X 4 6. In 2—. 488 Gesinnung und Verhalten des Christen 6. In ihm vermehre deine Ruh, sein armes Herz er⸗ quicke du! Geist Gottes, laß ihn mit Vertraun auf Je⸗ sum schaun und so entgehn des Todes Graun! 7. Mach ihn getrost, o Geist des Herrn! Zeig ihm den Gnadenlohn von fern; laß ihn den Himmel offen sehn und Jesum stehn bereit, ihn gnädig zu er⸗ höhn! 8. Ach, Gnade, Gnad er⸗ geh für Recht! Denn von dem menschlichen Geschlecht ist selbst der Heiligste nicht rein! Wer kann wohl dein, Gott, ohne deine Huld sich freun? 9. Sei, Richter, ihm nicht sürchterlich! Erbarme sei⸗ ner Seele dich! Auch aus der Tiefe rufet sie; erhöre sie, erlöse Gott, erlöse sie! 10. Behüte ihn in sei⸗ nem Tod; ihn segne, seg⸗ ne, segne, Gott! Wann nun sein Auge sterbend bricht, leit ihn zum Licht; icht!“ vor deinem Ange⸗ sicht! Einsegnung eines Ster⸗ benden. Mel. Herr, wir singen 675 S Amen! Entschlaf in jenem großen Namen, vor sich Erd und Himmel beugt! Deine Laufbahn hat ein Ende! Dein Vater nimmt in seine Hände die Seele die der Erde entfleucht. Heil dir, erlöster Geist, der bald dem am Thron ihn preist! Je⸗ sus Christus hat dich ver⸗ söhnt; von ihm gekrönt, em⸗ pfängst du nun des Glau⸗ bens Lohn. 2. Welcher Glanz wird dich umfangen, ist nun der Tag dir aufgegangen, des Lebens Tag nach Todes⸗ nacht! Sei gesegnet, Amen! Amen! Ruh sanft in Mi Christi Namen! Für dich auch ward sein Werk voll⸗ bracht. Sie trugen ihn ins Grab von Golgatha herab, Gottes Opfer! Er über⸗ wand; der Herr erstand, und der Erstandne nimmt dich auf. 3. Nimm von uns den letzten Segen! Zwar sinkt dein Leib dem Grab entge⸗ gen; doch deine Seele zittre dichj Irdisch werden wir dich säen; doch himmlisch wirst du auferstehen und schauen deines Gottes Licht. Geh ein zu deiner Ruh! Du gehst dem Vater zu, der dich geliebet. O Tod⸗ ter, du, nach kurzer Ruh wirst du zum Leben aufer⸗ stehn. Der cCDꝗSTYcP unter besonderen Umständen. Der Tod des Frommen. Mel In allen meinen Thaten 67⁴4 Wie sanft sehn wir den Frommen, unbeklommen sich seinem Ziele nahn! und Leiden Ruh und reines Selbstgefühl. 3. Von troffen, ewgen Gnade dem dunkeln 4. Auf seinem Angesichte ruht schon vom Himmels⸗ lichte ein sanfter Wieder⸗ schein. Oft spricht aus sei⸗ nen Blicken ein seliges Ent⸗ zücken, ihn laden Boten Gottes ein. 5. Er segnet froh die Seinen, die um sein Lager weinen, ermahnt und trö⸗ tet sie; und seiner Treue wegen erfüllt Gott diesen zegen, versäumet und ver⸗ läßt sie nie. 6. Er faltet noch am Ende 489 zum Vater seine Hände, um dankend sich zu freun: Preis dir, Herr! Ich be⸗ fehle dir, Vater, Seele! Er schlummert lächelnd ein. 7. laßt, wie er, uns leben und nach dem Sinn uns streben, der uns dieß lück erwirbt; damit auch wir als Erben der Selig⸗ keit einst sterben, wie der bewährte Fromme stirbt. Beim Tode guter Aeltern. Mel. Auf, schicke dich 675 Gett, welch ein Schmerz trifft unser Herz! Wie groß und hart ist dieses unser Leiden! Was sehen wir? Den Va⸗ ter(die Mutter) hier so frühe schon aus unsrer Mitte scheiden. 2.Gott, welch Geschick! Ach, einen Blick warf er noch selbst auf unsern bangen Kummer. Doch ach, er neigt das Haupt erbleicht und sinkt dahin, dahin in Todesschlummer. 3. O Freunde, habt ihr Thränen; labt damit als Trost die jammervollen Her⸗ zen. O weint für sie, die Waisen, die nun fast ver⸗ gehn in ihren tiefen Schmer⸗ zen. 4. Ach, Sorg und Müh war spät und früh für uns 4 5 sein ——— 490 Gesinnung und Verhalten des Christen sein stetes eifrigstes Ge⸗ schäfte; uns zu erziehn nach Gottes Sinn, dem weihte er mit Wonne Zeit und Kräfte. 5. Wie manche Nacht ward durchgewacht, zu pfle⸗ gen uns in Krankheit und in Leiden, die wir doch nicht allzeit nach Pflicht ganz willig ihm dankbare Herzen weihten! 6. Wer wird uns, Gott, in unsrer Noth erquicken nun und helfen, schützen, trösten? Du kannst allein nun Helfer sein, du bist 16 stets Erbarmer der Er⸗ östen. EN 7. Du nennest dich selbst väterlich den treuen Gott verlaßner, armer Waisen: so mildre doch, Herr, un⸗ ser Joch, wie du uns selbst so gnädig hast verheißen. 8. Sei unser Licht, stärk uns zur Pflicht, zur Tugend uns auf allen unsern We⸗ gen! uns folge, Gott, bis in den Tod, wenn fromm wir sind, des besten Vaters Segen! 9. Wir schauen hin mit Kindessinn auf seinen Tod, auf seines Glaubens Ende! Wir folgen nach; doch wir sind schwach, o reich uns gnädig deine Vaterhände! 10. Gib, Herr, daß wir im Glauben hier treu und fest den Pfad der Tugend gehen, damit wir einst, wann du erscheinst, im bes⸗ sern Land die Aeltern wie⸗ dersehen! Beim Tode hoffnungs⸗ voller Kinder. Mel. Der unsre Menschheit 676 Fün deinen Him⸗ mel reiften sie ach, meinem Wunsch nach viel zu früh, doch, Herr, nach deinem Willen! Wie blutet mein verwundet Herz! Wie kämpf ich wider mei⸗ nen Schmerz! Was find ich, ihn zu stillen? Zwar für den Himmel reiften sie; doch meinem Wunsch nach viel zu früh! 2. Ach meine Kinder sind nicht mehr! Mein armes- Herz ist hoffnungsleer und freudenlos mein Leben! Ich sah sie wie den Frühling blühn; dir, dir hofft ich sie zu erziehn, Gott, der sie mir gegeben! Mein Alter sollten sie erfreun und Trost mir noch im Tode sein. 3. Da, Ewger, sprachst du: gib sie mir! Ich selbst, ich selbst erzieh sie dir; ich will sie hoch erhöhen. Sie werden nicht dein Alter freun, nicht Trost dir noch im Tode sein; du sollst sie sterben sehen. Dein Herr, mein Gott, geschah; ich war es, der sie sterben sah 4. Herr * Wille, — ———ñ—.——— ————————. unter besonderen Umständen. 4. Herr, ich verehre dein Gebot, nur laß mich mei⸗ ner Kinder Tod, ach laß mich ihn beweinen! Du, der du Aller Vater bist, du weißt, wie schwer mein Her mir ist! Wie könnt ich———— erscheinen! Verzeih Gefüh⸗ len der Natur! nicht mur⸗ ren, weinen will ich nur. 5. Auch meine Thränen preisen dich! Sie sind die geugen, Gott, daß ich die liebte, die du liebest und nun im Lichte deines Throns, in der Gemeinschaft deines Sohns, in höhrer Tugend übest. Herr, meine Seuf⸗ zer danken dir; du, du ver⸗ trautest sie nur mir. 6. Mit Thränen preis ich dich auch einst, wann du zum Weltgericht erscheinst; doch dann mit Freuden⸗ thränen! Dann werd ich meine Kinder sehn, mit ih⸗ nen dankend vor dir stehn, mich nicht mehr trostlos sehnen. Dann werd ich froh bei ihnen sein und ewig mich mit ihnen freun. Mel. Der unsre Menschheit 677 Es ist nicht mehr, für mich nicht mehr mein theures Kind! ie frendenleer ist nun mein Erdenleben! Wie eine Rose sah ichs blühn; und weis und fromm es zu er⸗ ziehn, war immer mein Be⸗ 491 streben. Ach, meine Hoff⸗ nung sank ins Grab und alle Lust mit ihr hinab. 2. Gott, wie verwundet ist mein Herz, der Morgen findet mich voll Schmerz; die Nacht in heißen Zähren. Doch wider dich, Herr, klag ich nicht, nein, heilig ist mir stets die Pflicht, dich auch im Schmerz verehren. Auch weinend will ich dank⸗ bar sein; du gabst, du nahmst, es war ja dein. 3. Wohl ihm! in Un⸗ schuld brach sein Herz; ge⸗ sichert nun vor Noth und Schmerz, genießt es höhre Freuden. Vielleicht war es zu schwach zum Streit mit Sünde, Welt und Eitelkeit, 0 schwach für schwere Lei⸗ en. Gerettet ists in deiner Hand, ging mir voran ins Vaterland. Beim Tode eines guten Ehegatten oder eines Freundes. Mel. Komm her zu mir 678 A“, hier nicht mehr! ach, fern von mir! Du bist nicht mehr auf Erden hier, o theure, gute Seele! Dich sucht umsonst mein trüber Blick; du kehrst nicht mehr zu mir zurück, was auch mit dir mir fehle. X 6 2. Der 492 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Der Freundschaft Lab⸗ sal ist dahin, dein Trost, wann ich verlassen bin, dein Mitleid, wann ich leide. Es fehlt mir deine treue Hand auf meinem Pfad zum bessern Land und mit ihr alle Freude. 3. 200 sei mein Schmerz auch noch so groß; du ru⸗ hest nun in Gottes Schooß: vor Gott will ich mich beu⸗ gen. Du lebst, geliebte Seele, noch, erlöst von deines Leidens Joch; ge⸗ duldig will ich schweizen 4. Das Irdische nur deckt das Grab; Gott nahm dir deine Schmerzen ab und jede Last der Leiden. Emporge⸗ hoben ist der Geist zu Gott, der Aller Vater noet zu seines Heilands Freuden. 5. O Trost, o hoher Trost für mich! mein banges Herz, erheitre dich und stille deine Klagen! die Seele, die hier heilig war, vereint sich mit der Engel Schaar. Wie könnt ich heidnisch zagen! 6. Zwar hört, wenn einst mein Auge bricht, mein Ohr von dir, o Theurer,(Theu⸗ re) nicht Gebet und Trost und Segen; doch wenn durch Gottes Kraft mein Geist sich auch dereinst dem Staub entreißt, so eilst du mir entgegen. 7. Du Seliger(Selige wirst vor mir stehn; i werde dich vollkommen sehn; o freudenvolle Stunde! Ich eil dir dann voll Wonne zu, unsterblich ich, unsterb⸗ lich du, zum neuen Freund⸗ schaftsbunde. 8. Dann schau und bet ich an mit dir! Ein Herz und Seele singen wir von weggeweinten Leiden und von der Tugend hohem Lohn und preisen Gott und seinen Sohn für unsre höh⸗ ren Freuden. 9. Gedanke der Unsterb⸗ lichkeit! erheitre jede Dun⸗ kelheit und stärk mich, wann ich wanke; veredle jede Lei⸗ denschaft, erfülle mich mit Muth und Kraft, du himm⸗ lischer Gedanke! Bei Begräbnissen. Mel. Nnn laßt uns den Leib 679 Wir gehn ans Grab und wissen's doch: dein Geist, Entschlafner, lebet noch, von Schmerz und Erden⸗ noth befreit, im Lande der Unsterblichkeit. 2. Ruh sanft! Dein Auge schloß sich zu, und nun umgibt dich süße Ruh. Dein Gott hat wohl an dir gethan; nun rührt dich keine Qual mehr an. 3. Du gingst voran, wir folgen dir! u 0 deine Freunde wallen hier auf ihrer unter besonderen Umständen. ihrer Pilgerbahn hinab zur Abendruh ins stille Grab. 4. Du wirst uns unver⸗ geßlich sein; dein Herz war liebreich, fromm Und rein, mit List und Falschheit un⸗ bekannt: nun ruhts in Got⸗ tes Vaterhand. O Gott, nun blickt bei sanftem Schmerz auch unser Glaube himmelwärts, wo Jesus Christus, unser Hirt, all unsre Thränen trocknen wird. 6. Du, der einst den ent⸗ schlafnen Freund, wie wir den unsrigen beweint, sei, Jesus, unsre Zuversicht, wann unser Herz im Tode bricht! In voriger Melodie. 680 Nun bringen wir den Leib zur Ruh und decken ihn mit Erde zu, den Leib, der nach des Schöpfers Schluß 0 Staub und Erde wer⸗ en muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch und Staub, nicht im⸗ mer der Verwesuug Raub; er wird, wann Christus einst erscheint, mit seiner eele neu vereint. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; lern hier, was unser Leben ist! ach Sorg und Furcht, nach mancher Noth und Ar⸗ beit kommt zuletzt der Tod. 493 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit; aufs Sterben folgt die Ewigkeit; wie wir die Zeit hier angewandt, so Hand der Lohn aus Gottes and. 5. So währen Reichthum, Ehr und Glück, wie wir selbst, einen Augenblick; so währt auch Leid und Trau⸗ 1 113 unser Leben, kurze Zei 6. O sichrer Mensch, be⸗ sinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich; in Allem, was du denkstund thust, bedenke, daß du ster⸗ ben mußt! 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, soll jeder zu dem Vater flehn: mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit mei⸗ nem Ende gut! 8. Laßt alle Sünden uns bereun; vor unserm Gott uns kindlich scheun! Wir sind hier immer in Gefahr; nehm jeder seine Serle wahr enn unser Lauf voll⸗ endet J4 stl Mach Herr Jesu rist! ach uns das Sterben zum Ge⸗ winn; zieh unsre Seelen zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, die Grä⸗ ber mächtig öffnen wirst, so laß uns fröhlich aufer⸗ stehn und dann dein An⸗ tlitz ewig sehn! 7 Mel. D 494 Gesinnung und Verhalten des Christen Mel. Nun laßt uns den Leib 68 1 Besrabt den Leib in seine Gruft, bis ihn des Richters Stim⸗ me ruft! Wir säen ihn; einst blüht er auf und steigt verklärt zu Gott hinauf. 2. Aus Staube schuf ihn einst der Herr; er war schon Staub und wirds nun mehr. Er schläft, er ruht und einst erwacht er wieder aus des Todes Nacht. 3. Des Frommen Seele lebt bei Gott, der sie aus aller ihrer Noth, aus aller ihrer Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Hier hat ihn Trübsal oft gedrückt; nun wird er dort von Gott erquickt. Hier trug er Jesu sanftes Joch, entschlief im Tod und lebt doch noch. 5. Gott blieb er treu bis an sein Grab, nun wischt Gott seine Thränen ab. Was sind die Leiden dieser Zeit, Gott, gegen deine Herrlichkeit! Nun, du Erlöster, schlaf in Ruh! Wir gehen unsern Hütten zu und ma⸗ chen zu der Ewigkeit durch Glaub und Tugend uns bereit. 7. Ach, Jesu Christ, dein Mittlertod stärk uns in unsrer letzten Noth! Laß unsre ganze Seele dein und selig unser Ende sein! Mel. Jesus, meine Zuversicht enkt den Leich⸗ 68² S nam, senkt ihn ein, Geistes Hülle, ruh, zerfal⸗ lendes Gebein, in des Tod⸗ tenackers Stille! Was da ehret noch des lebet, folget dir, wie du ruhest, ruhn einst wir. 2. Was du, Todter, tha⸗ test, bleibt wohlbewahrt von Gottes Güte; so das Sa⸗ menkorn und treibt aus dem Boden Laub und Blüthe. Grüß erfreut den neuen Tag; was du wirktest, folgt dir nach. 3. Die wir hier am Grabe stehn, sinken all ins Grab einst nieder: laß an unser Werk uns gehn, weis und redlich wirken, Brüder! Ach wer weiß den Todestag? Was wir thaten, folgt uns nach. Mel. Nun laßt uns den Leib (Die Versammlung.) 6 8 3 enkt Leib in seine Gruft und preiset Gott, der uns auch ruft! Hier sind wir Saat, einst blühn wir auf, zum bessern Leben blühn wir auf. (Der Chor.) 2. Grabt mein verwesli⸗ ches Gebein, o ihr, noch Sterbliche, nur ein Es leibt, nun den unter besonderen Uuständen. 49⁵ bleibt, es bleibt im Grabe nicht, denn Jesus kommt und hält Gericht. 3.(Vers.) Des Frommen Seele trifft dort nicht des Lasterhaften Strafgericht. Sie, selig auch im Tode schon, empfängt der Auser⸗ wählten Lohn. 4.(Chor.) Gott ist all⸗ gütig und vereint dereinst mit sich den Tugendfreund;; ihn führet er rit höhern Licht; drum, Christen, bebt am Grabe nicht. 5.(Vers.) Auch Jesus litt hier Angst und Zual und Had durchs finstre Todes⸗ thal. Auch du gingst deinem Retter nach, auch dir glänzt nun der Freudentag! 6.(Chor.) Oft hat bei euch mich Gott erquickt; doch hat auch Trübsal mich ge⸗ drückt. Im finstern Thale wandelt ich, doch. führte Gottes Rechte mich. 7.(Vers.) Vollendeter, genieße du nun ungestört die stille Ruh! Einst gehn auch wir, o Herr der Zeit, durch Grab und Tod zur Ewigkeit. 8.(Chor.) Heil uns, wenn euch, die ihr jetzt weint, mit mir einst wieder Gott vereint! Dann werden wir uns ewig freun, dann ewig, ewig selig sein. (Vers.) Nach dieser lurzen Lebenszeit erwartet uns Unsterblichkeit, wenn wir uns hier der Tugend weihn, kann uns der Tod nicht schrecklich sein. Mel. Schwing dich auf 684 Laßt dem Tode seinen Raub, Würmern ihre Habe! See⸗ len werden nicht zu Staub, schlummern nicht im Grabe. Senkt auch diesen Leichnam ein! Laßt ihn niederrollen, uns ihn segnen und uns freun, daß wir leben sollen. Seht, da liegt der Todte nun in geweihter Stille! Freunde, laßt den Theuren ruhn! Es ist Got⸗ tes Wille. Weinet nicht; er hat nun schon, was wir erst ersehnen. Ihn erweckt kein Klageton! trocknet eure Thränen! 3. Stimmet an das hohe Lied von der Auferstehung! Wißt, als Jesus einst ver⸗ schied, folgte bald Erhö⸗ ung. Fromme ruhn in sei⸗ ner Hand, ruhn in sanftem Frieden. Er, der starb und — auferstand, hat ihr Heil ent⸗ schieden. 4. Aerndtefeld! Hier ru⸗ hen sie, C hristen, unsre Brü⸗ der, kämpften, aber käm⸗ pfen nie nun auf Erden wieder. Heil dem Guten, der hier fand sanfte Ruh der Müden! Für das 294. A· V 496 Gesinnung und Verhalten des Christen Vaterland schlummre er hie⸗ nieden! 5. Saaten der Unsterb⸗ lichkeit! Heilige Gebeine! Bald verströmt auch unsre Zeit, ruft der Tod: Er⸗ scheine! Ruf er dann: wir sind bereit. Wer des Le⸗ bens Gabe nützet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe. Wel. Herr, ich habe mißgehandelt 68 5 Rhet wohl, ihr Todtenbeine, in der stillen Einsamkeit; ruhet, bis der Herr erscheine einst am Ende dieser Zeit, euch, die Nacht und Grä⸗ ber decken, durch der All⸗ macht Ruf zu wecken. 2. Nur getrost, ihr wer⸗ det leben! Der das Leben Leben ist, wird euch neues eben geben! Er gelobts, er, Jesus Christ: die in seinem Namen sterben, sol⸗ len nimmermehr verderben. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben, der ein Tempel Gottes war? den der Herr ließ einverleiben seiner aus⸗ erwählten Schaar, die er selbst durch Blut und Ster⸗ ben hat erkauft zu Him⸗ melserben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, die des Herren Glieder 5600 Laßt den Leib im Tod erkalten, laßt, weil wir von Erde sind, in der Gruft ihn im mer modern! Gott wird ihn zurückefordern. 5. Jesus wird, wie er er⸗ standen, auch die Seinen einst mit Macht führen aus des Todes Banden, führen aus des Grabes Nacht zu dem ewgen Himmelsfrie⸗ den, den er seinem Volk beschieden. 6. Ruhet wohl, ihr Tod⸗ tenbeine, ungestört in eurer Gruft: ruhet, bis der Tag erscheine, da des Richters Stimm euch ruft! Nach des Lebens kurzen Leiden Den. ihr ein zu ewgen Freu⸗ en. Mel. Nun laßt uns den Leib 686 S gib denn, ö fromme Chri⸗ stenschaar, der Erde das, was Erde war; dem Müden Ruhe hier in Dir Schooß, so wie einst ir. 2. O Ruhe, Wunsch des Leidenden, du letzter Trost des Weinenden, wo alle Noth vergessen ist, wo keine Thräne weiter fließt! 3. Hier endet sich der Feinde Trutz; hier findet der Bedrängte Schutz, hier wird in süßem Schlaf er⸗ quickt, den manche schwere Last gedrückt. Hier sie beut DY. 2 2 e—— X—————( noch erhält uns unter besonderen Umständen. 4. Hier weicht die Ho⸗ heit mit dem Glüͤck; es bleibt der bloße Mensch zurück. Ein enger Sarg, ein Lei⸗ chenkleid sind nun die ganze Herrlichkeit. 5. Hier hört der Kampf des Christen auf; vollendet ist der schwere Lauf; der Geist eilt in sein Vaterland zur Wonne, die er hier nicht fand. 6. Erinnre uns zu aller Zeit, o Gott, an Tod und Ewigkeit, damit wir ihren Wink verstehn und freudig ihr entgegengehn! Mel. So schlummerst du och stehen wir, 687 N o Gott, vor dir an dieses Grabes Rande deine Macht hier im niedern Lande. Wer weiß, wie bald dein Ruf erschallt: Hinweg vom Erdenpfade! Sei uns dann nicht fürchterlich, nimm uns auf mit Gnade. 3. O gib uns Kraft, ge⸗ wissenhaft zu leben und zu leiden! Führ uns alle durch den Tod zu des Himmels Freuden! Mel. In allen meinen Thaten a stehen wir, 688 D die Deinen, Unendlicher, und weinen ein Grablied an der Gruft. 497 Wir singen auf vom Stau⸗ be, uns stärkt der Christen⸗ glaube, daß Gott uns einst zum Leben ruft. 2. Fließt nur, ihr Thrä⸗ nen, fließet! Ein Sterbli⸗ cher beschließet des Lebens kurzen Lauf. Nimm, mütter⸗ liche Erde, dein Kind frei von Beschwerde in deine milden Arme auf! „Sei ihm ein Ruhe⸗ bette, nachtvolle Grabes⸗ stätte, und deck ihn kühlend zu! Er schlafe hier in Frie⸗ den den sanften Schlaf der üden; hier find er die erseufzte Ruh! 4. Sowie in heilgen Hai⸗ nen naht sich hier den Ge⸗ beinen nicht Frost, nicht Sonnengluth. Ihr Stürme, braust gelinde und wehet sanft, ihr Winde, wo eines Christen Asche ruht! 5. Senkt dann den Leich⸗ nam nieder zum Staube seiner Brüder, die längst die Erde deckt. Im Grab ist sanfter Schlummer; ihn stört kein Erdenkummer; Gott ist es, der ihn einst erweckt. 6. Zum Leben ohne Sor⸗ gen weckt ihn der frohe korgen, wo eine Welt er⸗ wacht. Heil diesem todten Staube, so singt der Chri⸗ stenglaube; 40 er erwacht, auch er erwacht. 7. Schaut, schauet B = 498 Gesinnung und Verhalten des Christen Betrübte! Dort wandelt der Geliebte im hohen Him⸗ melslicht.Vergönnt ihm seine Freude und wehret eurem eide und wischt die Thrä⸗ nen vom Gesicht! Mel. Gott des Himmels und 689 Rebig ist des To⸗ des Schlummer und der Schooß der Erde kühl; da stört unsre Ruh kein Kummer, nicht der Lei⸗ denschaften Spiel. Unsre Sorgen, groß und klein, schlummern alle mit uns ein. 2. Ueber unsern Hügel schwinget die Vergessenheit den Stab, und der Schmäh⸗ sucht Stimme dringet nicht ins dunkle, stille Grab; Feh⸗ ler, die uns hier besiegt, werden dann nicht mehr ge⸗ rügt. 3. Unsre Seufzer, unsre Thränen werden ewig dann gestillt; unsre Wünsche, un⸗ ser Sehnen, Alles, Alles wird erfüllt. Herzen, die sonst heiß gewallt, liegen ruhig dann und kalt. 4. Läg auch meines, von den Sorgen dieses Lebens unempört, in der Erde Schooß verborgen, wo nichts seinen Frieden stört! Küh⸗ les Grab, o wann nimmst du mich in deine stille Ruh? Mel. Christus, der ist mein traurig ist sein Rand; es deckt mit finstrer Hülle ein uns noch fernes Land. 2. Das Lied der Nachti⸗ 690 Dud ilt uh gallen tönt nicht in seinen Schooß. Der Freundschaft Rosen fallen nur auf des Hügels Moos. 3. Verlaßne Bräute rin⸗ gen umsonst die Hände wund; der Waisen Klagen dringen nicht in der Tiefe Grund. 4. Doch sonst an keinem Orte wohnt die ersehnte Ruh; nur durch die dunkle Pforte geht man der Hei⸗ math zu. 5. Das arme Herz, hie⸗ nieden von manchem Sturm bewegt, erlangt den ewgen Frieden nur, wo es nicht mehr schlägt. Mel. Seelenbräutigam. 69 1 Stanasern l zu dir. Herr, wie könnten wir mit Grauen nur ins Grab hernieder schauen? Hoffnung sendest du uns vom Himmel zu. 2. Du bists, der uns liebt, wenn er nimmt und gibt. Ja selbst, was wir hier be⸗ weinen, wird einst freuden⸗ reich erscheinen, wenn auch uns zur Gruft deine Stim⸗ me ruft. ů 3. Gott unter besonderen Umständen. 3. Gott, wir zagen nicht. Du gibst Trost und Licht und du willst zum bessern Leben auch durch Leiden uns erheben. Bis zum Tode sei unser Herz dir treu! Bei Beerdigung eines Verunglückten. Mel. Christus, der ist mein 692 Verzeih. der tie⸗ fen Trauer, die unser Herz erfüllt! Wir sehn mit bangem Schauer des Todes Schreckensbild. 2. Was ist des Menschen Leben! Was ist des Men⸗ schen Kraft! Wie schnell, von Angst umgeben, wird er dahingerafft! 3. Gesund und muthig schreitet er durch die Welt einher. Ein Unglück wird bereitet, und ach, er ist nicht mehr. 4. Wer zählet die Ge⸗ fahren, die uns auf Erden drohn? Willst du uns nicht bewahren, so stürzen sie uns schon. 5. Auf allen unsern We⸗ gen umhüllt uns Dunkel⸗ heit, und oft ist Noth zuge— gen, wo unser Herz sich freut. 6. Doch Alles, was ge⸗ schiehet, erfolgt auf dein Gebot. Du willst: der Tod entfliehet. Du willst: her kommt der Tod. 499 7. Ach, dieß nur macht uns stille: wir sind in dei⸗ ner Hand, und gnädig ist dein Wille, allweise dein Verstand. 8. Wo wir oft ängstlich zagen, erhöhst du unser. Glück und lenkst von trü⸗ bern Tagen uns wunder⸗ bar zurück. 9. Auch wenn des Todes Grauen uns plötzlich nie⸗ derreißt, darf unser Geist dir trauen. Du liebest un⸗ sern Geist. 10. Er kann und wird nicht sterben, er eilet nur hervor, entreißt sich dem Verderben und schwebt zu dir empor. 11. O lehr uns wachen, beten und stets besonnen sein, daß, wenn wir vor dich treten, wir deines Heils uns freun. 12. Da schwinden dann die Schrecken auf ewig von uns hin. Da sehen wir und schmecken, der Tod war nur Gewinn. Am Grabe Frühverstor⸗ bener. In eigener Melodie. 69 3 frühen Gruft wirst du von uns begleitet! So will es Gott, der dir dein Loos bereitet und nun dich von uns zu sich ruft. 2. Er 500 Gesinnung und Verhalten des Christen 2. Er nahm dich auf zum Kinde seiner Gnade; er führte dich auf seines Soh⸗ nes Pfade und lenkte dei⸗ nes Lebens Lauf. 3. O kurze Bahn! Kaum kennst du Welt und Freu⸗ den, so heißt dich Gott — wieder von uns schei⸗ en. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 4. Du bist beglückt. Ent⸗ ronnen den Gefahren, trifft nun dich nicht, was oft in frühen Jahren dem Christen schon sein Ziel verrückt. 5. In steter Ruh, in un⸗ gestörtem Frieden wohnt nun dein Geist, und trö⸗ stend sieht hienieden Gott deiner Aeltern Thränen zu. 6. Klagt nicht so sehr bei eures Kindes Bahre! Es ging zu Gott im Frühling seiner Jahre, und dieser Gott ist unser Herr. 7. Es war sein Pfand, er hat es euch geliehen. O gebts ihm gern! Laßt eu⸗ ren Liebling ziehen! Er zieht ja in sein Vaterland. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 69 4 Wenn der Stifter der Geschlech— ter unsre Liehen zu sich ruft; wenn die Söhne, wenn die Töchter sinken in die frühe Gruft; ach dann fühlen unsre Herzen unaussprech⸗ lich tiefe Schmerzen. chet diesen Leiden! 2. Wenn der leieh den kaum geboren, gleich der Blume schnell verblüht, und die Mutter nun verloren ihre ganze Hoffnung sieht; ach, dann will ihr Herz verzagen, dieser Trennung Schmerz zu tragen. ö 3. Wenn der Tod im edlen Sohne seine Lust dem Vater raubt; wenn des Hauses Stütz und Krone sinket mit des Vaters Haupt: Mütter von den Kindern scheiden: Gott, was glei— 4. Ach, es müßte unter⸗ liegen dieses arme, schwa⸗ che Herz, hilfst du nicht, o Herr, uns siegen über Tod und Trennungsschmerz. Deine Rechte schlägt uns nieder; deine Rechte hebt uns wieder. 5. Wandeln nicht in ho⸗ hen Freuden unsre Lieben dort am Thron? Sollten wir sie nicht beneiden um den früh errungnen Lohn? Du wirst uns im bessern Leben die Verlornen wi⸗ dergeben! 6. Vater, deines Trostes Quelle trocknet auch am Grabe nicht. Selbst des Todes Nacht wird helle durch des Glaubens mildes Licht. Alles, was wir hier beweinen, wird uns dort als Glück erscheinen. Mel. er unter besonderen Umständen. Mel. Alles ist an deinem Segen 695 Erdentöchter, Er⸗ densöhne, seid nicht stolz auf Reiz und Schöne; trotzet nicht auf eure Kraft! Eures Mun⸗ des Hauch verflieget, eures Lebens Quell versiechet, und des Starken Arm erschlafft. 2. Doch, ihr Christen, seid nicht traurig, wenn so früh, so dumpf, so schaurig euch die Sterbeglocke ruft: edler, kräftiger, verklärter, liebevoller, liebenswerther überfliegt der Geist die Gruft. 3. O was ist des Grabes Höhle! Eine tugendhafte Seele fürchtet nicht, hinab⸗ zusehn! Ueber Grab' und Grabestrümmer wird der Geist im Sonnenschim⸗ mer himmlischer Erkennt⸗ niß stehn. 4. Nein, umsonst ist nichts geboren. Alles ruhet un⸗ verloren in des ewgen Va⸗ ters Schoos! Süße Hoff⸗ nung! Holder Glaube! Al⸗ les windet einst vom Staube herrlicher sich wieder los. 5. Leibesschönheit wird verblühn; Seelenschönheit nie entfliehn; sie ist für die Ewigkeit. Reiner Sinn und echte Tugend lohnt mit ewig froher Jugend, lohnt mit Himmelsseligkeit. 6. Himmelsseligkeit beste⸗ het; nur der Erde Glück 50¹ vergehet, nur das Eitle bleibt zurück. Wie die Gott⸗ heit unvergänglich, wie der Himmel überschwenglich ist des Christen wahres Glück. Am Grabe eines edlen und verdienten Mannes. Mel. Alle Menschen müssen 696 Wer mit Lust und Eifer strebte, seine Brüder zu erfreun; wer der Welt zum Segen lebte, soll uns unvergeßlich sein! Sein Gedächtniß bleib und daure! Seine Nach⸗ welt klag und traurel Wo sein Grab ist, weine dann, wer, was gut ist, schätzen kann. 2. Laßt uns alle heute klagen, denn es starb ein edler Mann! O wie Viele müssen sagen: mir auch hat er wohlgethan! Ja, gerecht sind unsre Zähren, die ihn noch im Tode ehren. Ihn und unser eignes Herz eh⸗ ret unser Leid und Schmerz! 3. Seines schönen Lebens Thaten bleiben segnend uns zurück; und die Frucht der edlen Saaten sei für Nach⸗ welt Heil und Glück! Preis und Ruhm dem theuren Na⸗ men! Seine Tugend nach⸗ zuahmen, edel, wie er war, zu sein, wolle Gott uns Kraft verleihn. Am 502 Gesinnung und Verhalten des Christen Am Grabe eines ver⸗ dienstvollen Lehrers. Mel. Liebster Jesu, wir sind 697 Senft, wie er ge⸗ wandelt hat, endete, zum Trost der Sei⸗ nen, dieses Edlen Erden⸗ pfad, und wir schaun ihm nach und weinen. O er hat uns treu belehret und zum Guten hingekehret. 2. Was dein Wort uns lieben heißt, Vater, das hat er verkündet und, ge⸗ stärkt durch deinen Geist, Vieler Seelen Heil gegrün⸗ det. Uns zu Jesu zu er⸗ heben, war sein eifrigstes Bestreben. 3. Treulich ging er selbst den Pfad hoher Tugend bis ans Ende und gab nun nach deinem Rath seinen Geist in deine Hände. Nur die Kraft von seiner Lehre trocknet unsre Wehmuthszähre. 4. In der Nähe seiner Gruft, die nur seine Hülle raubet, hören wir, wie Je⸗ sus ruft: selig ist, wer an mich glaubet! Ja, des Him⸗ mels Heil und Frieden ist den Redlichen beschieden. 5. Laß, o Herr, die edle Saat, ausgestreut von un⸗ serm Lehrer, fruchtbar sein in Wort und That und uns würdige Verehrer wahrer Frömmigkeit auf Erden, dort des Himmels Bürger werden! Trost und Gelübde auf Gräbern. Mel. Auf, Christenmensch! 698 Geweihter Ort, wo Saat, von Gott gesät, Sei mir gegrüßt, du Ort, wo jede Klage verstummt, wo Mancher Ruhe fand, der sie auf Erden nie gekannt. 2. Zwar flossen hier der Thränen viel, wenn von des Freundes Herzen den treusten Freund das Schick⸗ sal riß; mit tiefgefühlten Schmerzen hab ich auch selbst, ach, manchem Freund die Abschiedszähre schon ge— weint! 3. Doch Schlaf ist ja des Menschen Tod; er schaf⸗ fet Ruh den Müden, nimmt Leidenden die Bürde ab und bringt zum ewgen Frie⸗ den. Weint, Freunde nicht; denkt: Wiedersehn! Die Todten werden auferstehn! 4. Belebend sinkt ein Sonnenstrahl einst auf die Gräber nieder; und was hier schläft, erwachet dann zum schönern Leben wieder. Im Winter starb die Blume; seht, sie blüht, vom Früh⸗ lingshauch umweht! 5. Und was man hier der Erde gibt, ist nur des Gei⸗ stes Hülle. Unsterblich ist des Menschen Geist; Ver⸗ nunft dem großen Tage der Aerndte reift! eFEFE F. 2 hier gelobe ich ö 699 Men unter besonderen Umständen. nunft und guter Wille er⸗ hebt uns über Welt und Zeit, die Tugend führt zur Seligkeit. 6. Drum kann mein Blick vom Todtenfeld zum Him⸗ mel sich erheben; und winkt auch mir das kühle Grab, darf ich nicht ängstlich be⸗ ben. Ich pflücke nach voll⸗ hrachter Zeit die Blume der Unsterblichkeit. 7. Was ihr einst wart, das bin ich jetzt, ein Pilger hier auf Erden; was ihr, entschlafne Brüder, seid, werd ich vielleicht bald wer⸗ den. Nun dann: durchs Todesthal eilst du, mein Geist, dem Vaterlande zu. 8. Doch dem nur wird der Uebergang zu jenem Va⸗ terlande ein Weg zum Heil, der muthig hier des Lasters Sklavenbande zerriß, der in der Prüfungszeit sein Herz der Tugend treu ge⸗ weiht. 9. Auf Gräbern der Ent⸗ schlafnen sei der Tugend Bund aufs neue⸗ versiegelt; ich der Tugend ewge Treue! Ja, heilig sei mir jede Pflicht, bis einst mein sterbend Auge bricht! Mel. Es ist das Heil uns Heiland lebt und 503 hat die Macht des Todes ganz bezwungen und sieg⸗ reich aus des Grabes Nacht zu Gott sich aufgeschwun⸗ gen. Er ist mein Haupt, sein Sieg ist mein. Sein soll mein ganzes Leben sein: und ihm will ich auch sterben. 2. Nicht ewig wird, wer dein Wort hält, den Tod, o Jesu, schauen. Das ists, was mich zufrieden stellt, selbst bei der Gräber Grau⸗ en. Ich bin getrost und un⸗ verzagt, weil du den Dei⸗ nen zugesagt: Ich leb, und ihr sollt leben. 3. Wird gleich mein Leib des Todes Raub; er wird doch wieder leben' und einst aus der Verwesung Staub sich neu gebildt erheben, wann du, o großer Lebens⸗ fürst, nun deinen Todten zuachen zum Leben auf⸗ zuwachen. 4. Wie froh und herrlich werd ich dann, vor dir, mein Heiland, stehen! Dann nimmst du mich mit Ehren an, läßt in dein Reich mich gehen. Forthin von keiner Last beschwert, an Leib und Seele ganz verklärt, leb ich bei dir dann ewig. ö 5. O welch ein selges Theil ist mir in jener Welt bereitet! Der Freuden Fülle ist bei dir. Von dir, o Herr, geleitet, werd ich in deinem Himmelreich,— e᷑— 6 ei⸗ 504 Gesinnung und Verhalten des Christen deinen Engeln gleich, voll⸗ kommne Lust genießen. 6. Denn wo du bist, da sollen die, die dir hier fol⸗ gen, leben und ewig frei von Schmerz und Müh, von Seligen umgeben, ge⸗ nießen deine Herrlichkeit. O was sind Leiden dieser dent Herr, gegen jene Freu— en 7. Laß die zukünftige Herr⸗ lichkeit mir stets vor Au⸗ geii schweben und oft in dieser Prüfungszeit mein Herz dahin erheben, wo keine Schwachheit uns mehr drückt, wo wir, der Sterb⸗ lichkeit entrückt, frohlockend vor dir wandeln. 8. Erwecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nach⸗ zustreben und als dein Jünger dir zum Preis nach deinem Wort zu le⸗ ben! Und fühl ich hier noch Noth und Schmerz, so tröste selbst damit mein Herz: es kommt ein beßres Leben! In eigener Melodie. 700 O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekom⸗ men! Ihr seid entgangeu allen Leiden, die uns noch umfangen. 2. Hier, ach hier ist auch das beste Leben immer noch mit Sorg und Furcht um⸗ geben. Was wir hier ken⸗ nen, ist noch kein vollkomm⸗ nes Glück zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in sicherm Frieden, der euch nach dem Kampfe ward be⸗ schieden. Kein Schmerz, kein Leiden stört euch im Ge⸗ nusse reiner Freuden. 4. Abgetrocknet sind all eure Thränen, ihr genießt schon, wonach wir uns seh⸗ nen; ihr hört und sehet, was des Menschen Geist hier nicht verstehet. 5. Ach, wer wollte denn nicht fröhlich sterben und statt Erdenglücks den Him⸗ mel erben? Wer wollt in Zeiten sich auf diesen Wech⸗ sel nicht bereiten? 6. Hilf uns, Jesu, ernst⸗ lich danach streben! Komm und führ uns zu dem hö⸗ hern Leben, wo deine From— men erst zur vollen Ruh und Freude kommen! Trost des Wiedersehens. Mel. Wann mein Stündlein. 701 Schwer liegt der Trennung Last auf mir; wie lieb ich sie, die Meinen! O laß, mein Gott, mein Gott, vor dir mich diese Frage weinen: werd ich, nach meinem Tode gleich, werd ich, o Herr, in deinem Reich die Meinen wiedersehen? 2. Wohl mir, o Gott, ich unter besonderen Umständen. ch höre schon des Geistes Stimme wehen: sie ruft mir zu in sanftem Ton: Du wirst sie wiedersehen! Bist du nur fromm, sind sie nur gut, dort oben un⸗ ter Gottes Huth wirst du sie wiedersehen! 3. Des Frommen Seele trennt sich nicht von gleich⸗ gesinnten Frommen. Sie werden all in Gottes Licht aufs neu zusammenkommen, forthin durch keinen Tod getrennt; denn Gottes En⸗ gel, der sie kennt, führt alle dort zusammen. 4. Der Freund sieht seine Freunde dann am Throne Gottes wieder; der Gatte trifft den Gatten an, der Bruder seine Brüder. Die Mutter sieht, umarmt ihr Kind; denn alle guten See⸗ len sind in Gotkes Stadt beisammen. 5. Drum laßt uns hier schon Hand in Hand auf Gottes Wegen gehen, da⸗ mit wir dort im Vaterland uus einst beisammen sehen. Wie wird uns sein, wenn wir uns sehn, wenn wir uns froh entgegengehn, fort⸗ hin uns nie zu trennen. 6. So seid getrost und freuet euch; laßt nicht die Hoffnung schwinden: wir werden in des Vaters Reich uns alle wiederfinden! O 50⁵ Wiedersehn, o Wiedersehn, wie wirst du unser Glück erhöhn; wie tröstest du die Seele! Mel. Halleluja! Bringet Ehre 702 Wiedersehn! mit lauten Schlä⸗ gen klopft dir jede Brust entgegen! Nimmer kann das untergehn, was ins Herz wir liebend schlossen; und wenn Abschiedsthränen flos⸗ sen, hoffte Freundschaft Wiedersehn! 2. Wiedersehn! In hol⸗ den Bildern will uns die Natur dich schildern; drum verjüngt sie sich so schön. enn der Morgenröthe Strahlen nach der Nacht die Berge malen, spricht die Sonne: Wiedersehn! 3. Wiedersehn! Zu dei⸗ nen Freuden wachsen Blu⸗ men frisch und kleiden herr⸗ lich sich in Frühlingswehn! und der frohen Nachtigal⸗ len kummerfreie Lieder schal⸗ len: hofft getrost ein Wie⸗ dersehn! 4. Wiedersehn! Mit Gruß und Segen o wie schmacht ich dir und K über Auen, Ström un Höhn! Theure, aller Welt Gewalten sollen meinen Fuß nicht halten; sch ich werd euch wieder? sehn! 5. Wiedersehn Dich darf ich hoffen! O, ich seh den Y Him⸗ 506 Harrhr offen, winkt der err mir heimzugehn! Theu⸗ re, in der letzten Stunde Anhang. ruf ich mit schon blassem Munde: Ewig, ewig Wie⸗ dersehn! Aln h Mel. Wunderbarer König 703 M Augen, die zum Irdischen kaum taugen, daß sie in die Strahlen deiner Langmuth blicken, die den Erdkreis huld⸗ reich schmücken und zugleich freudenreich Bösen und den Deinen mit der Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Er⸗ de, ja, dein ganz Gebiete ist ein Schauplatz deiner Güte. Deiner Langmuth Ehre wird durch neue Pro⸗ ben immer herrlicher er— hoben. O wie weit, o wie breit Weun sie ihre Flügel über Berg und Hügel! 3. Was wir davon den⸗ ken, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nen⸗ nen. Tag vor Tag zu schonen, Tag vor Tag zu dulden so viel Millionen Schulden, und dazu ohne Ruh lieben, die dich hassen! Herr, wer kann das fassen? 22 4. Du vergiebest Sünde, hörst der Sünder Flehen, wenn sie weinend vor dir stehen. Deine Rechte dräuet und erbarmt sich wieder, ang. legt die Pfeile gerne nieder, a man doch, wenn du noch sie kaum weggeleget, dich zum Zorn erreget. 5. Herr, es hat noch Keiner, der zu dir gegan⸗ gen, statt der Gnade Recht empfangen: wer zu deinen Füßen sich mit Thränen senket, dem wird Straf und Schuld geschenket. Unser Schmerz rührt dein Herz, und du willst der Armen gnädig dich erbarmen. 6. Höchster! sei gepriesen, daß du so verschonest und uns nicht nach Werken loh⸗ nest. Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret und mit— Ruhm den Seepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben! Erd ist Jesu 704 Diechmi, In wer auf der Erde wohnet: deß müsse sich die Erde freun und wer auf Erden wohnet! Er schuf, er rettete die Welt: er trägt, er segnet, er erhält die Welt, die er beherrschet. 2. Wer auf der* we 8—— seiner er glaubt, sich Anhang. wer gehört zum Volke der Erlösten? Wer darf, des hohen Segens werth, sich Herrschaft trösten? Der, der zu dir, o Mittler, sich bekehret und gläubig wird und dich zu seinem Herrn erwählet. Und wer, in deinem Blute rein, der Unschuld sich befleißet; wagt, sich vom Wahne zu befrein, der nur den Lüsten gleißet; wer fromm ist, wandelt, wie keine Misse⸗ that erlaubt, nie bricht den Bund der Gnade. 4. Wer auch umringt mit Leiden gern erfüllet sein Ver⸗ langen, der wird den Segen seines Herrn im vollen Maaß empfangen; den macht er sei⸗ ner Herrschaft werth; der ist sein Erbe, der gehört zum Volke der Erlösten. 5. Kommt, Sünder, kom⸗ met in sein Reich! Macht weit der Herzen Thüren! Empfangt den König: er will euch auch segnen, auch regieren. Wer, fragt ihr, ist der Herr? Der Sohn! Der Himmel Himmel ist sein Thron, der Erdkreis seine Fußbank. 6. Kommt willig, willig in sein Reich! Macht weit der Em⸗ 2— Thüren! En pfangt den König: er will euch auch segnen, auch regie⸗ ven. Wer, fragt ihr, dieser 507 König sei? Der Sohn der seinem Bunde treu den Him⸗ mel gibt den Seinen. Mel. Mein ganzer Geist, Gott riumph! Tri⸗ 70⁵5 Tan und Lob und Dank dem, der des To⸗ des Macht bezwang und uns, den Staub, erhöhte. Der ho⸗ he Sieger überwand. Nacht war um ihn und sie ver⸗ schwand in heller Morgen⸗ röthe. Gebet! gebet, stolze Spötter, unserm Retter bn und Ehre, glaubt an ihn und seine Lehre. Heil uns! Triumph! das Grab ist leer. Fest steht es, wie ein Fels im Meer, das Wort, das er gespro⸗ chen. O selig, wer sich ihm vertraut! Er hat den Tempel neu gebaut, den blinde Wuth gebrochen! Hölle! fälle nun den Sieger, Gottes Krie er, der erstanden, macht nun dei⸗ nen Stolz zu Schanden. 3. Leer ist die Gruft, die ihn umgab. Sei mir ge⸗ grüßt, mein künftig Grab, du Wohnung ernster Stille. Nur wenig Tage werdens sein, o so empfängst du mein Gebein in deiner Schatten Hülle. Ewig selig werden wie⸗ der diese Glieder auferstehen, werden die Verklärung sehen. Mel. Es ist das Heil uns 706 Mile der 508 der Herr ist Wiaer nn Wir sind 2 Pilger noch allhier und unter viel Ge⸗ fahren; doch sinkt drum un⸗ ser Muth nicht hin; durch Jesum wissen wir, wohin uns unsre Wallfahrt führet. 2. Das Leben ist ans Licht gebracht, uns steht der Him⸗ mel offen. Ihn schloß uns auf mit großer Pracht der Herr, auf den wir hoffen. ers glaubt, deß Herz ist freudenvoll, dabei er sich doch rüsten soll, des Hei⸗ lands Pfad zu wandeln. 3. Wer den nicht geht, wird nimmermehr dort sei⸗ nes Heils ont Hatt Wer nicht sein Wort hält, dem wird er den Himmel einst verschließen. Wer wünscht zum Himmel einzugehn, der läßt in seinen Thaten sehn, sein Wandel sei im Himmel. 4. Uns treibt sein Geist, daß wir der Welt uns im⸗ mer mehr entwöhnen; stets sorgen, was dem Herrn gefällt, zu ihm hinauf uns sehnen. Er aber sieht auf uns herab; von uns läßt seine Treu nicht ab, bis wir zusammenkommen. 5. Tag, noch an größern Freuden reich, wann wirst du uns erscheinen? Gott macht uns dort dem Sohne Went und stillet Leid und einen. O Wonne, wann in Ewigkeit uns nun das Anhang. erwählen! O Höchster, leite höchste Gut erfreut! O Gott, schenk uns dies Leben. Mel. Nun danket Alle Gott 707 Gelobt seist du, 0 Gott, für deines Wortes Lehre Gib, Vater, daß ich sie mit An⸗ dacht fleißig höre! O mache doch mein Herz von Vor⸗ Wort mein Licht auf mei⸗ nen Wegen sein! 2. Laß mich im Forschen doch die Wahrheit nie ver⸗ fehlen und nie, was schäd⸗ lich ist, für wahres Heil urtheilen rein und laß dein ö selbst den forschenden Ver⸗ stand: so wird, was du mich lehrst, auch recht von mir erkannt. 3. Wie thöricht ist es doch, blos andern Menschen glau⸗ ben! Das heißt sich selbst den Grund zur ewgen Ruhe rauben. Wer treulich hier dein Wort zu seiner Richt⸗ schnur macht, dem gibt es Licht und Trost auch in der Todesnacht. 4. Mein Gott, bewahre mich vor aller falschen Leh⸗ re und hilf, daß ich dein Wort mit festem Glauben ehre! Verleih mir deinen Geist, der Lust und Kräfte gibt, daß man die Wahr⸗ heit sucht, prüft, glaubt, bewährt und übt! Nel el. D SS S S- * An hamg. 509 Mel. Auf, Christenmensch! nicht: dein Wort ist meine 708 Hen du bist mei⸗ Zuversicht! ne Zuversicht! 6. In diesem Glauben Du lebst; auch ich werd stärke mich! Laß mich den leben! Du wirst mir, was Trost empfinden, den roßen dein Wort verspricht, Un⸗ Trost, daß ich dur dich sterblichkeit einst geben. Dein den Tod soll überwinden. Jünger kommt nicht ins Ge⸗ Grab und Verwesung schreckt, richt! Dieß stärket meine mich nicht: denn du bleibst ö Zuversicht. ö meine Zuversicht! 2. Hier geh ich oftmals ö auust hin, 4* Höhter Zesu! auszustreuen: dort wir rhöhter Jesu! der herrlichste Gewinn der 709 Csdottes ohn, Aerndte mich erfreuen. Ich der du schon längst der Him⸗ leide, doch verzag ich nicht: mel Thron als Herrscher denn du bist meine Zuver⸗ eingenommen, du wirst der⸗ sicht! einst zu rechter Zeit in gro⸗ 3. Hier trag ich deine ßer Kraft und Herrlichkeit sanfte Last. Wie groß ist vom Himmel wiederkommen. meine Würde! Jedoch die Gib, daß dann froh und Welt, die sie nicht faßt, mit Vertraun dich, Herr, nennts fälschlich schwere auch meine Augen schaun! Bürde. Enst trifft den 2. Wer faßt, o Heiland, Sünder dein Gericht, und jetzt die Pracht, die deinen dann siegt meine Zuver⸗ Tag einst herrlich macht? sicht! Wie groß wirst du dich zei⸗ 4. Sink immer hin, mein gen!“ Wann du auf lichten Leib, in Staub! Gott wird Wolken einst mit deiner dich neu beleben. Hier werd Engel Heer erscheinst, die ich nur des Todes Raub; sich vor dir, Herr beugen; ert werd ich ewig leben. dann sieht die Welt die Wie stark ist dieses Trosts Majestät, zu der dich Gott, Gewicht! Wie sicher meine dein Gott, erhöht. Zuversicht! 3. Dann tönt dein Ruf 5. Herr, diesen Segen in jedes Grab mit allmachts⸗ dank ich dir. Mich aus der voller Kraft hinab und Gruft zu heben, gingst du beunt ein neues Leben. Auf aus deinem Grab herfür. deinen Wink muß Erd und Du lebst, und ich soll leben. Meer das große unzählbare Ich glaub es dir und zweifle 2— 9 Todten epen geben. geben. Sie stehn durch dich, Herr, neu beseelt nun alle auf, und keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um jedem den bestimmten Lohn nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Pein; den Frommen aber führst du ein in das verheißne Leben. Nun zeigt die That, Herr Jesu C ris, bist du der Erde Richter ist. 5. O gib, wann nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann noch den Freund und Heiland wiederfinde; daß ich mit Freuden vor dir steh und mit dir in den Himmel geh, befreit von Fluch und Sünde! Laß mich im Glauben standhaft sein und auch die kleinste Sünde scheun! Dein Name sei mir ewig werth, und was dein Wort von mir begehrt, das laß mich treulich üben! Nie⸗ mals ermüde hier mein Geist, dich, den schon jetzt der Himmel preist, aus al⸗ ler Kraft zu lieben; so hab ich in der Ewigkeit auch Theil an deiner Herrlichkeit. Mel. Befiehl du deine Wege 710 ch denk an dein Gerichte, du Richter aller Welt! Der Thor nennts ein Gedichte, Anhang. das Schwachen nur gefällt! Mich soll sein Wahn nicht stören, weil mich dein gött⸗ lich Licht und mein Ge⸗ wissen lehren: du haltest einst Gericht. 2. Ich höre die Posaunen o Herr, im Geiste schon; i sehe mit Erstaunen dich auf dem Richterthron, um den die heilge Menge erhabner Engel steht. Welch herr⸗ liches Gepränge! Welch hohe Majestät! 3. Umsonst sucht nun der Sünder vor deiner Macht zu fliehn. Herr, alle Men⸗ schenkinder wirst du zur Rechnung ziehn. Du rufst, und sie erscheinen vor dei⸗ nem Richterthron; den Sün⸗ dern und den Deinen gibst du gerechten Lohn. 4. Frohlockend sehn die Frommen dein göttlich An⸗ gesicht; schon hier dem Fluch entnommen, zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen; erlöst von aller Müh, sehn sie den Himmel offen, und du, Herr, seg⸗ nest sie. 5. Wie angstvoll aber beben die hier dein Wort verhöhnt und durch ein fleischlich Leben das eitle Herz verwöhnt. Du gibst der Sünde Knechten ihr Theil in ewger Pein und führest die Gerechten zu Laß deiner Freude ein. Aen hang. 6. Laß, Jesu, dein Ge⸗ richte mir stets vor Augen sein und drücke sein Ge⸗ wichte in mein Gewissen einl Vor dir laß fromm mich wandeln und hier zu al⸗ ler Zeit so wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut. 7. Ist dann dein Tag vor⸗ handen; wird diese Welt vergehn: so hoff ich, nicht mit Schanden vor deinem Thron zu stehn. Du stellst mich dann 4 Rechten, von aller Schul befreit; führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 711 Gott, hilf mir, daß ich Buße thue, Stimme lockt. Bewahre mich stockt, wenn du selbst das und zum Gefühl der Sünden führst. Du willst nach deiner großen Güte nicht eines einzgen Sünders Tod drum weckst du oftmals sein Ge⸗ müthe, zu fühlen seine Sün⸗ dennoth. Wohl dem, der deine Stimme hört und redlich sich zu dir bekehrt! 3. Den rettest du von dem Verderben, nimmst seine Buße gnädi an, machst ihn zu deinem Kind und Erben, 511 daß er frohlockend rühmen ann: wie groß ist Gottes Vaterhuld; er tilget meine Sündenschuld! Sollt ich die Güte denn verachten, die mir noch Kraft zur Bessrung reicht? Vom Troste leer muß der verschmachten, von dem, Gott, deine Gnade weicht. Sie aber weicht von dem zuletzt, der frevelhaft ge⸗ ring sie schätzt. 5. So gib, daß deiner Gnadenlockung, o zott, mein Herz stets offen sei damit mich ja nicht die Ver⸗ stockung, wenn ich mein Le⸗ ben ohne Reu im Sünden⸗ dienste zugebracht, zu dei— nem Zorngefäße macht. 6. Sich bessern ist der Weg zum Leben, drum laß mich in der kurzen Frist, die du zum Heile mir ge⸗ geben, und die für mich so wichtig ist, nur dafür sor⸗ gen, daß mein Geist dem Sündenelend sich entreißt. 7. Verleihe mir dazu die Gnade, die uns vom Sün⸗ dendienst befreit, und leite Di Hrn auf Rochnihal⸗ er christlichen Rechtschaf⸗ fenheit! Wie selig bin ich dann schon hier; wie lück⸗ lich einst, mein Gott, bei dir! In voriger Melodie. ein Herz, er⸗ 712 M muntre dich 94 zum 5 — 5 — 512 dein Preise des Gottes, der ein Vater ist! Bedenke, auf wie viele Weise du ihm zum Dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein Helfer war, mit Freuden Ruhm und Ehre dar. Herr deine Hand ist immer offen, zu geben, was mir nützlich ist. Und doch bin ich oft schwach im Hof⸗ fen auf dich, der du die Liebe bist. Mein Gott, wie wenig bin ichs werth, daß mir noch Hülfe widerfährt. 3. Unendlich groß ist dein Erbarmen. Nur wohl⸗ zuthun bist du gewohnt. Drum wird auch mir, mein Gott, mir Armen von dir nicht nach Verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine Treu mit Segen, Trost und Hülfe bei. 4. Du bist es, der in mei⸗ nen Sorgen mit Rettung mir entgegeneilt; und wenn sie, noch für mich verbor⸗ gen, nach meinem Wahn zu lang verweilt, so kommst du, eh ich michs versehn, und hilfst mir und erhörst mein Flehn. 5. Du wählst und wirkest stets das Beste. Und wenn auch meine Noth sich häuft, so steht durch dich mein Wohl doch feste. Wenn mich das Elend ganz ergreift, so legt sich dein Erbarmen drein mich vom Verderben zu befrein. Anhang. 6. Du bist mein Heil! Mein ganz Gemüthe ist deines Ruhms, mein Ret⸗ ter, voll. O könnt ich deine große Güte doch so erhe⸗ ben, wie ich soll! Doch meine Kraft reicht nicht dahin: du weißt es, Gott, wie schwach ich bin! ö 7. Und hätt ich auch viel tausend Zungen, so würde deines Wohlthuns Preis nie würdig gnug von mir besungen, auch bei dem al⸗ lergrößten Fleiß. Denn mehr, Herr, als ich rühmen kann, hat deine Huld an mir gethan. ö 8. Jedoch, du siehst mit Wohlgefallen auch auf des Herzens Redlichkeit und hörest der das schwache Lallen der Deinen mit Zu⸗ friedenheit; du hörst es, wie ein Vater pflegt, der seiner Kinder Schwachheit trägt. 9. Drum soll mir deine Huld und Güte beständig Gott, vor Augen sein. Ich will mit redlichem Gemüthe mein Leben deinem Lobe weihn, bis ich vollkomm⸗ ner deinen Ruhm erheb im höhern Heiligthum. Mel. Herzliebster Jesu! Och will, mein 713 Gott, du Kö⸗ nig, dir lobsingen und ewig Ehre deinem Namen brin⸗ gen. Sei täglich, ewig sei von ————* S= — Anhang. von mir erhoben! Dich will ich loben! 2. Der Herr ist groß; wer kann ihn gnug erhe⸗ ben; wer kann mit seinem eifrigsten Bestreben„ wie groß er ist, begreifen und empfinden, wer Gott er⸗ gründen? 3. Von unsern Vätern wurdest du erhoben, dich werden unsrer Kinder Kin⸗ der loben und deine Macht besingen, deinerStärke preis⸗ volle Werke. 4. Wie herrlich bist du, Gott, wie schön und präch⸗ tig, wie groß in deinen Wundern, Herr, wie mäch⸗ tig! Das preis ich, daß dein Nam erhoben werde, der ganzen Erde. Daß deiner Wunder Ruhm umher erschalle, die Welt von deinen Thaten wiederhalle und deine Wahr⸗ heit, deine Huld besinge und Preis dir bringe. 6. Der Herr ist mild, von duldendem Gemüthe, barm⸗ herzig, gnädig und von großer Güte; erbarmt sich seiner Werke, hat an allen sein Wohlgefallen. ö Jehovah, alle deine Werke sollen dir jauchzend danken. Deine Frommen wollen aus allen ihren Kräf⸗ ten sich bestreben, dich zu erheben! 00 0 8. Ja, ewig will ich dei⸗ 513 nen Namen loben! Von allen Menschen werde Gott erhoben! Was lebet, müsse, Herr, zu allen Zeiten dein Lob verbreiten. Mel. Allein Gott in der Höh 7 1 4 Stinnnt unserm ö—Gott ein Lob⸗ lied an mit freudigem Ge⸗ müthe; es rühm und preise, wer da kann, den Geber aller Güte! Er macht uns frei von aller Noth; drum lobet ihn, drum lobet Gott und danket seinem Namen! 2. Lobt Gott und rühmet allezeit die großen Wun⸗ derwerke, die Majestät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er beweist in aller Welt, indem er alle Ding erhält: drum danket seinem Namen! 3. Lobt Gott, der uns er⸗ schaffen hat, der Seele, Leib und Leben aus väterlicher Huld und Gnad uns allen hat gegeben; der uns durch seinen Engel f chützt; der täg⸗ lich schenket, was uns nützt: drum danket seinem Namen! 4. Lobt Gott! Er gibt uns seinen Sohn, der selbst für uns gestorben, der uns die ewge Lebenskron durch seinen Tod erworben, der Frieden hat mit Gott ge⸗ macht und seinen ganzen Rath vollbracht: drum dan⸗ ket seinem Namen! Y5 5. Lobt 51¹⁴4 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet und seinen Bei⸗ stand uns verheißt, wenn er uns treu erfindet; der uns stets durch sein Wort regiert und auf den Weg des Lebens führt: drum danket seinem Namen! 6. Lobt Gott! Er hat dieß gute Werk selbst in uns an⸗ albt Kraf vollbringt es auch, ibt Kraft und Stärk, das leinod zu erlangen, das er am Ziel uns vorgestellt und das den immel in sich Ram drum danket seinem amen! 7. Lobt Gott, ihr star⸗ ken Seraphim, ihr Engel und ihr Thronen! Es loben Gott mit heller Stimm, die hier auf Erden wohnen! Lobt Gott und preist ihn früh und spat: ja, Alles, was nur Odem hat, das danke seinem Namen! In eigener Melodie. 7 1 5 Hen Acht auf mich in aller Noth, o großer Gott, Herr aller Her⸗ ren, wann Satans Wuth, die Höllenrott den Rachen gegen mich aufsperren, wann sie mich suchen zu höchste Rol und in die höchste Noth zu bringen, so bitt ich dich, herzinniglich, mein Vater, so hab Acht auf mich. Anhang. 2. Hab Acht auf mich, wann mich die Sünd will von dem höchsten Gut ab⸗ wenden, so halte mich, Herr, als dein Kind, mit deinen treuen Vaterhänden; bleib du mir stets in den Gedan⸗ ken; laß mich von deinem Wort nicht wanken: wann Sünden in mir regen sich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 3. Hab Acht auf mich, wanns gehet esson wann mir die Glückessonn will scheinen, die meine Seel macht freudenvoll, daß sie Nichts wissen mag von Wei⸗ nen, daß ich dem blinden Glück nicht traue, vielmehr auf deine Güte schaue: weil oft das Glücksrad wendet ich, mein Vater, so hab lIcht auf mich. 4. Hab Acht auf mich und steh mir bei, wann mir das Unglück braust entge⸗ gen, daß ich nicht zu ver⸗ zaget sei und weichen mög von deinen Wegen, die mir zu wandeln sind befohlen; und wann mir auch des Kreuzes Kohlen mein Herze brennen bitterlich, mein Va⸗ ter, so hab Acht auf mich. 5. Hab acht auf mich, wann ich gesund, wann ich empfinde keine Schmerzen; wann keine Klag in meinem Mund, noch Trauern ist in meinem Herzen; damit 30 ei Anhang. bei gesundem Leibe dir dan⸗ bar und gehorsam bleibe, auf daß ich nie vergesse dich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 6. Hab Acht auf mich, auch wann ich krank, wann die Gesundheit will ver⸗ schwinden, daß ich geduldig und mit Dank annehm die Arzenei der Sünden; laß mich nicht ungeduldig wer⸗ den und denke, daß ich Staub und Erden; auch wann die Schmerzen meh⸗ ren sich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 7. Hab endlich dann auch Acht auf mich, wann ich der Welt Valet soll geben, 515 daß ich im Glauben halte dich, bis ich komm in ein ander Leben, daß mir das frohe Glaubensende erthei⸗ let werd in deine Hände; daß ich bei dir leb ewiglich, mein Vater, so hab Acht auf mich. 8. Ach, laß mich doch nicht aus der Acht, wann uns dein jüngster Tag er⸗ scheinet: der Tag, da vor Gericht wird bracht auch das, so man hier nicht ge⸗ meinet; laß mich zu deiner Rechten stehn und zu des Lammes Hochzeit gehn; mein Jesu, dann hab Acht auf mich, so will ich ewig preisen dich. Mel. Gott des Himmels und der 716 Tin mir auf die schöne Pforte führt in Gottes Haus mi ein. Ach, wie wird an die⸗ sem Orte meine Seele fröh⸗ lich sein! hier ist Gottes Angesicht; hier ist lauter Trost und Licht. 2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir. Wo du Woh⸗ nung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zeuch doch in mein Herze sen laß es deinen Tempel ein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, heilge du Leib, Seel und Geist, daß mein Singen und mein Be⸗ ten ein gefällig Opfer heißt. Heilge du, Herr, Mund und Ohr, zeuch das Herze ganz empor. 4. Mache— zum guten Lande, wenn dein Sam⸗ korn in mich fällt; gib mir Licht in dem Verstande, und was mir wird vorgestellt, räge meinem Herzen ein, aß es mir zur Frucht ge⸗ deihn. 96 Stärk 516 5. Stärk in mir den schwachen Glauben, laß dein theures Kleinod mir nim⸗ mer aus dem Herzen rau⸗ ben; halte stets dein Wort mir für, daß es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt. 6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd erfüllt. Nichts laß meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmels⸗ 710 tröste mich in aller oth. In eigener Melodie. 7 1 7 underbarer Kö⸗ nig Herrscher von uns allen, laß dir un⸗ ser Lob gefallen. Deines Vaters Güte hast du lassen fließen, ob wir schon dich oft verließen. Hilf uns noch! Stärk uns doch! Laß die Zungen singen, laß die Stimmen klingen! 2. Himmel, lobe prächtig deines Schöpfers Stärke, mehr, als aller Menschen Werke. Großes Licht der Sonne, schieße deine Strah⸗ len, die das große Rund bemalen. Lobet gern, Mond und Stern! Seid bereit, zu ehren einen solchen Herren. 3. fröhlich„sing Aingt inge fröhlich, singe, singe deine Glaubenslieder! Was Anhang. da Odem holet, jauchze, preise, klinge! Wirf dich in den Staub darnieder. Er ist Gott Zebaoth! Er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja bringe, wer den Herren kennet, wer den Herren Jesum liebet. Hal⸗ leluja singe, welcher Chri— stum nennet, sich von Her⸗ zen ihm ergiebet. O wohl dir! Glaube mir, endlich wirst du droben ohne Sünd ihn loben. Mel. Wer nur den lieben Gott 718 O daß ich tausend ö Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, so stimmt ich damit um die Wette vom aller tiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. 2. O daß doch meine Stimme schallte bis dahin wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauch⸗ zen wallte, solang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Gesang! 3. Was Kräfte⸗ ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euern Fleiß und stehet munter im Ge⸗ schäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein und un Anhang. und Seele, schicke dich und lobe Gott herzinniglich. 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Got⸗ tes Ruhm belebet sein und stimmet lieblich mit mir ein. 5. Ach, Alles, Alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehülfen geben, denn mein Vermögen ist zu matt, die 3 Wunder zu erhöhn, ie allenthalben um mich stehn. 6. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld unsäglich gnädige Geduld. 7. Auch hab ich es mein Lebetage schon so manch liebesmal gespürt, daß du mich unter vieler Plage zwar wunderbar, doch wohl sen e denn in der größe⸗ ten Gefahr ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 8. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden nicht triumphirend einher⸗ gehn? Und fiele auch der 517 Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 9. Ich will von deiner Güte singen, solange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, solange sich mein 59 be⸗ wegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 10. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin; im Himmel soll es besser wer⸗ den, wenn ich bei deinen Engeln bin; da sing ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor! Mel. Freu dich sehr, o meine S. 719 Warum willst Du draußen ste⸗ hen, du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohlgefallen, du mein Stern, du, mein Jesu, meine Freud, Helfer in der rechten Zeit! Hilf, o Hei⸗ land, meinem Herzen von den Wunden, die mich schmerzen. 2. Meine Wunden sind der Jammer, welchen oft⸗ mals Tag und Nacht des Gesetzes starker Hammer mir mit seinem Schrecken macht. O der schweren Donnerstimm, die mir Got⸗ tes Zorn und Grimm also tief ins Herze schläget, daß sich Blut beweget. * 518 3. Will ich dann mein Elend lindern und erleich— tern meine Pein bei der Welt und ihren Kindern, fall ich tiefer noch hinein, da ist Trost, der mich be— trübt, Freude, die mein Unglück liebt, Helfer, die mir Herzleid machen, gute Freunde, die mein lachen. 4. In der Welt ist Alles nichtig, nichts ist, das nicht kraftlos wär. Hab ich Ho⸗ heit, die ist flüchtig; hab ich Reichthum, was ists mehr, als ein Stäublein armer Erd? Hab ich Lust, was ist sie werth? Was ists, das mich heut erfreue, das mich morgen nicht ge⸗ reue? 5. Aller Trost und alle Freude ruht in dir, Herr — Christ; dein Erfreuen i die Weide, da man erst. recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht; laß mich, Herr, an dir erquicken, Jesu, komm, laß dich er— blicken! 6. Freu dich, Herz, du bist erhöret, jetzo kommt und zeucht er ein; sein Gang ist zu dir gekehret, heiß ihn nur willkommen sein und bereite dich ihm gib dich Heun zu seiner Ruh, öffne ein Gemüth und Seele, klag ihm, was dich drückt und quäle. Anhang. 7. Was du Böses hast begangen, das ist alles ab⸗ ges chafft, Gottes Liebe nimmt efangen deiner Sünden Macht und Kraft, Christi Sieg behält das Feld, und was Böses in der Welt sich will wider dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen. 8. Alles dient zu deinem Frommen, was dir bös und schädlich scheint, weil dich Christus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibest du dem wieder treu, ists gewiß und bleibt dabei, daß du mit den En⸗ geln droben ihn dort ewig werdest loben. Mel. Schwingt heilige Gedanken 720 Der heilge Christ ist kommen, der theure Gottessohn; deß freun sich alle Frommen am höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, soll preisen hoch und loben mit allen Engeln droben den lieben heilgen Christ. 2. Das Licht ist aufge⸗ gangen, die lange Nacht ist Wn die Sünde liegt ge⸗ fangen, erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, der Glaube geht zum Himmel und aus dem Welt⸗ getümmel auf einem sichern Steg.* rnn —— ⏑— HVeV eeern Anhang. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder verwaist und vaterlos; Gott rufet selbft die Sünder in seinen Gna⸗ denschooß, er will, daß alle rein von ihren alten Schul— den, vertrauend seinen Hul⸗ den, gehn in den Himmel ein. 4. Drum freuet euch und preiset, ihr Seelen fern und nah! Der euch den Vater weiset, der heilge Christ ist da! Er ruft so freund⸗ lich drein mit süßen Liebes⸗ worten: geöffnet sind die Pforten, ihr Kinder, kommt herein! Mel. Wach auf, mein Herz, oder: Nun laßt uns Gott den Herren 4½%1 u Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen. 3. Denn wie von treuen Müttern in schweren Unge⸗ wittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß be⸗ wahret werden; 4. Also auch, und nicht minder läßt Gott ihm seine Kinder, wenn Noth und Tübsal blitzen, in seinem Schooße sitzen. 519 5. Ach, Hüter unsers Le⸗ bens, fürwahr, es ist ver⸗ gebens mit unserm Thun und Machen, wo nicht dein Augen wachen. 6. Gelobt sei deine Treue, die alle morgen neue! Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 7. Laß ferner dich erbit⸗ ten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 8. Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 9. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern We⸗ gen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 10. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Bera⸗ ther, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe. 11. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Ge⸗ danken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwer⸗ muth quälen. 12. Und endlich, was das Meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herr⸗ lich ziere und dort zum Himmel führe. 15 5²20 13. Das alles wollst du geben, o unsers Lebens Le⸗ ben, uns und der Christen⸗ schaare zum selgen neuen Jahre. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht 722 JIisu soll die Lo⸗ sung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinem Wege gehn. 2. U Name, Jesu Wort soll in der Gemeinde schal⸗ len; und so oft wir an den Ort, der nach ihm genannt ist, wallen, mache seines Namens Ruhm unser Herz zum Heiligthum. 3. Sein Versühnen und sein Heil wollen wir im Glauben ehren; also wird es uns zu Theil, wird sich täglich bei uns mehren; auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 4. Unsre Wege wollen wir nun in Jesu Namen ehen; geht uns dieser Leit⸗ stern für, so wird Alles wohl bestehen und durch sei⸗ nen Gnadenschein Alles voller Segen sein. 5. Alle Sorgen, alles Leid soll sein NRame uns kerbeit un so wird alle Bit⸗ terkeit uns ein Segen wer⸗ Anhang. den müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, welcher allen Kummer stillt. 6. Jesus, aller Bürger Heil, unserm Ort ein Gna⸗ denzeichen, unsers Landes bestes Theil, dem kein Klei⸗ nod zu vergleichen, Jesus unser Schutz und Hort, fort⸗ uns Losung fort und ort. Mel. Valet poet ich dir geben, oder: Befiehl du deine Wege ch gehr zu dei⸗ 723 IJ nem Grabe, du großer Osterfürst, weil ich die Hoffnung habe, daß du mir zeigen wirst, wie man kann Hanfer sterben und fröhlich auferstehn, auch mit des Himmels Erben ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde und hast sie eingeweiht; wenn ich begraben werde, daß sich mein Herz nicht scheut, auch in den Staub zu legen, was Asch und Staub vermehrt; weil dir doch allerwegen die Erde zugehört. 3. Du schläfest in dem Grabe, daß ich auch meine Ruh an diesem Orte habe; drückst mir die Augen zu: so soll mir gar nicht grauen, wenn mein Gesicht wegeig i —.—.— 22 2.——— ich werde den wohl schauen, der mir zur Seite steht. 43. Dein Grab war wohl versiegelt, du sprengtest es entzwei. Wenn mich der Tod verriegelt, so bin ich dennoch frei. Du wirst den Stein schon rücken, der auch mein Grab bedeckt; da werd ich den erblicken, der mich vom Tode weckt. 5. Du fährest in die Höhe und zeigest mir die Bahn, wohin ich endlich gehe, da ich dich finden kann. Dort ist es sicher wohnen, wo lauter Glanz um dich, da warten lauter Kronen in deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Le⸗ ben, o meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben in meiner letzten Noth. Ich will mein Bette machen in deine liebe Gruft, da werd ich schon erwachen, wenn deine Stimme ruft. Mel. Sollt ich meinen Gott nicht ö 724 Ueberwinder, nimm die halmen, die dein Volk dir heute bringt, das mit fro⸗ n Osterpsalmen den er⸗ kümpften Sieg besingt. Wo ist nun der Feinde Pochen und der Würger Mordge⸗ schrei, da des Todes Nacht bvorbei und sein Stachel ist ierbrochen? Tod und Hölle Anhang. 52¹ liegen da: Gott sei Dank, Halleluja! 2. Stecke nun dein Sie⸗ geszeichen auf der dunkeln Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt her⸗ vor! Laß dir tausend Engel dienen; denn nach harter Leidenszeit ist dein Tag der Herrlichkeit, höchste Maje⸗ stät, erschienen. Erd und Himmel jauchzen da: Gott sei Dank, Halleluja! 3. Theile, großer Fürst, die Beute deiner armen eerde mit, die in froher ehnsucht heute vor den Thron der Gnade tritt. Deinen Frieden gib uns allen, o so jauchzet Herz und Muth, weil das Loos uns wundergut und aufs lieblichste gefallen, denn der sei Dant grünet da: Gott sei Dank, Halleluja! 4. Laß, o Sonne der Ge⸗ rechten, deinen Strahl ins Herze gehn: gib Erleuch⸗ tung deinen Knechten, daß sie geistlich auferstehn. Hält der Schlaf uns noch gefan⸗ en, o so fördre du den auf; rufe mächtig: Wa⸗ chet auf! Denn die Schat⸗ ten sind vergangen, und der helle Tag ist da: Gott sei Dank, Halleluja! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, wann die letzte Stunde schlägt, weil du denen 522 denen die dir trauen, schon die Krone beigelegt. Gib uns in den höchsten Nöthen, gib uns mitten in der Pein, deinen Trost und Glauben ein, o so kann der Tod nicht tödten; denn die Hoffnung blühet da: Gott sei Dank, Halleluja! 6. Zeige, wenn der blöde Kummer über Sarg und Grüften weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erscheint. Sind wir Rreift d hier geboren, o so streift das kühle Grab nur, was sterblich heißt, uns ab, und der Staub ist unver⸗ loren, unser Hirte hütet da: Gott sei Dank, Halleluja! 7. Rufe die zerfallnen Glieder endlich aus der dunkeln Nacht, wenn der Deinen Asche wieder in verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone eben; dann wird die ver⸗ jüngte Brust, Herr, mit nen Sieg er ust ewig dei⸗ nen Sieg erheben und wird sprechen auch allda: Gott sei Dank, Halleluja! Mel. O du Liebe meiner Liebe 725 Wondle leuchten⸗ der und schö⸗ ner, Ostersonne, deinen Lauf, denn dein Herr und mein Geahe auf. Al aus seinem Grabe auf. Als das Haupt Anhang. er sterbend beugte, bargst du dich in nächtgen Flor; erab und doch jetzt komm leuchte, denn auch er stieg längst empor. ö 2. Erde, breite dich in Frieden unter deinem Him⸗ mel aus, denn dein Herr ist nicht geschieden, er zer⸗ brach des Todes Haus, deine starken Felsen beb⸗ ten, als er seinen Geist ver⸗ haucht. Grüße nun den Neubelebten, wonnevoll in Licht getaucht. 3. Doch du selber meine Seele, sag wie feierst du den Tag, da der Herr des Grabes Höhle mit gewalt⸗ gem Arm durchbrach? Fei⸗ erst du auch in rechter Osterfreud? Kann man an dir selber sehen, welch ein hoher Fest⸗ tag heut? ö 4. Bist du mit ihm auf⸗ erstanden aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden losge⸗ rungen, frei gemacht? Oder liegst du noch verborgen und in deinen Sünden todt Kündet deinen Ostermor⸗ gen noch kein helles Mor⸗ genroth? 5. O dann laß dich nicht bedecken länger nicht die finstre Nacht; sieh dein Herr ist, dich zu wecken, von dem Tode Salaf dich Komm, vom Schlaf dich zu sein Auferstehen —27.—22———2——— S ⏑E ⏑-.—— — NSE S— 4 Anhang. zu erheben, komm, der Fürst des Lebens ruft! ache auf zum neuen Leben, steig hervor aus deiner Gruft! 6. Sieh, er reicht dir hülfreich, gnädig die durch⸗ bohrten Hände hin, macht dich der Betäubung ledig, weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du scheuen, darum bleibe nicht zurück, raff dich auf, dich zu erfreuen an des neuen Lebens Glück. 2. Sieh, dein Herr ist auferstanden, daß du könn⸗ test auferstehn, aus der Sünde Haft und Banden in die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich' nur ergeben, streift er deine Ketten ab, und du siehst dein altes Leben hinter dir als leeres Grab. 726 Siegesfürst und Ehrenkönig, höchstverklärte Majestät! Alle Himmel sind zu we⸗ nig, du bist drüber doch er⸗ höht; sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, und mein Herz vor Freude wallen, wenn mein Glaubensaug entzückt deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelssonne, deine Klar⸗ heit sich ergießt, daß ein 523 Strom von Glanz und Wonne durch die Himmels⸗ geister fließt; prächtig wirst du aufgenommen, hrendig heißt man dich willkommen. Schau, dein armes Kind dir⸗ hier rufet Hosianna ir. 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, da ich deine Muih seh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen, nicht vor Welt und Teufel grauen, nur in Jesu Namen mich beugen hier und ewiglich. 4. Geist und Kraft nun überfließen; drum wirk in mir kräftiglich, bis zum Schemel deinen Füßen alle Feinde legen sich. Herr, zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende, Walte dir auf Erden Bahn, alle Herzen unterthan. 5. Du kannst Alles aller Orten nun erfülln und nahe sein; meines armen Herzens Pforten stehen of⸗ fen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, du mußt auch bei mir einkeh⸗ ren; ewig in mir leb und melzt als in deinem Him⸗ melsthron. 6. Deine Auffahrt will mich heben, bringt mir Gott und Himmel nah. Lehr mich nur im Geiste lebe n gleich — 5²⁴ gleich als wärst du sichtbar da. Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, bei dir abgeschieden drinnen, in das Himmelreich versetzt, da mich Jesus nur ergötzt. In eigener Melodie. 72 22.75 ein zu dei⸗ nen Thoren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast. O hoch⸗ geliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit bei⸗ den gleichen Thrones, mit beiden gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hülf und rrettung schafft. Ent⸗ sündge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr und Dienste leiste, die ich dir. bin. 3. Ich war ein wilder Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durch⸗ drang mein Leben, du hast ihn umgebracht und in der Tauf erstickt mit dessen Tod und Blute als mit dem höchsten Gute, der uns im Tod erquickt. 4. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten. soll, dein Beten wird er⸗ höret, dein Singen klinget wohl, es steiget himmelan, es steiget sonder Ende, bis Anhang. der sich 11 uns wende, der Allen helfen kann. 5. Du bist ein Geist der Freuden, das Trauern willst du nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie man⸗ esmal hast du mit süßen orten mir dbnen d. die Pforten zum güldnen Freu⸗ densaal. 6. Du bist ein Geist der Lie⸗ be, ein Freund der Freund⸗ lichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit. Der Feind⸗ schaft Feind du bist, willst daß in Liebesflammen sich wieder thu zusammen, was voller Zwietracht ist. 7. Du Herr, hast selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenher⸗ zen wenden, wie dir es wohl⸗ gefällt; so gib doch deine Gnad zu Fried und Lie⸗ besbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet at. 8. Beschirm die Obrig⸗ keiten, bau unsers Fürsten Thron, gib Glück zu unsern Zeiten, schmück, als mit ei⸗ ner Kron, die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottes⸗ furcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 9. Erfülle die Gemüther mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Wust mi Anhang. mit Segen für und für: vertreib den bösen Geist, der dir sich widersetzet und, was dein Herz ergötzet, aus unserm Herzen reißt. 10. Richt unser ganzes Le⸗ ben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wirs sollen geben in Todes Hände hin, wenns mit uns hie wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ewgen Lebens Haus. Mel. Erhalt uns, Herr 728 Ab bleib bei uns Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist; dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht. 2. In dieser schwerbetrüb⸗ ten Zeit verleih uns Herr, Beständigkeit, daß wir dein Wort und Sakrament behal⸗ ten rein bis an das End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, wir sind gar sicher, faul und kalt; gib Glück und Heil zu deinem 0 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord. Gib Deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, uth und Geduld. Ach, Gott, es geht sar übel zu; auf dieser Erd ist keine Ruh; viel ö Wort, gib, daß es schall an llem Ort. Secten und groß Schwär⸗ merei jetzt kommen haufen⸗ weis herbei. 6. Den stolhen Geistern wehre doch, die mit Ge⸗ walt sich heben hoch und bringen stets was Neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht un⸗ ser, sondern dein ja ist; dar⸗ um so steh du denen bei, die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Kurer Trutz und deiner Kirche wahrer Schutz; da⸗ bei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts Anders su⸗ chen mehr. 9. Hilf leben uns nach dei⸗ nem Wort und darauf muthig fahren fort von hinnen aus dem Jammerthal zu dir in deinen Himmelssaal. Mel. Es ist das Heil uns 729 Die Feinde deines Kreuzes drohn dein Reich, Herr, ler Gortae Du aber, Mittler, Gottes Sohn, kannst ihrem Trotze wehren. Dein Thron be⸗ stehet ewiglich; vergeblich wird sich wider dich die Macht der Hölle rüsten. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, kein erk von Menschenkin⸗ dern; drum konnt auch keine Macht der Welt, Herr, sei⸗ nen 526 nen Fortgang hindern. Dein Erbe bleibt dir immerdar und wird selbst durch der Feinde Schaar zu deinem Ruhm sich mehren. 3. Du wollest deine Herr⸗ schaft noch auf Erden weit verbreiten und unter dei⸗ nem sanften Joch zum Heil die Völker leiten! Vom Auf⸗ Dang bis zum Niedergang ring alle Welt dir Preis und Dant und glaub an deinen Namen! 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, die frevelnd sich empören, laß deiner Gnade Wunder sehn, daß sie sich noch bekehren! Lehr sie mit uns gen Himmel schaun und unerschüttert im Vertraun auf deine Zukunft warten. 5. Uns, deine Gläubgen, wollest du fest in der Wahr⸗ heit gründen, daß wir für unsre Seelen Ruh in deiner Gnade finden, Mach unsers Glaubens uns gewiß; vor Irrthum und vor Finster⸗ niß bewahr uns bis ans Ende. 6. Dein Geist führ uns auf ebner Bahn und heilge unsern Willen, so wird dein Volk, dir unterthan, gern dein Gesetz erfüllen, bis du erscheinest zum Ge⸗ richt und dann vor deinem Angesicht die Menschenkin⸗ der sammelst. Anhang. 7. Voll Zuversicht erwar⸗ ten dich, Herr, alle deine Frommen und freun des großen Tages sich, da du wirst wiederkommen. Dann werden wir, o Gottessohn, den uns verheißnen Gna⸗ denlohn, dein Himmelreich ererben. Mel. Valet will ich dir geben 7 30 Bis hierher und nicht weiter! Noch lebt der starke Held, der sich, ein rechter Strei⸗ ter, für seine Kirche stellt. Ihr Feinde möget wüthen, euch schon des Sieges freun: uns wird der Herr behüten, euch auseinander streun. 2. Wir stehn auf festem Grunde, wir haben Jesum Christ, der unserm Glau⸗ bensbunde ein Fels und Eckstein ist. Wir wandeln in dem Glanzes, der von dem Herrn ausgeht, und er ist unsre Schanze, wenn unser Feind aufsteht. Wer will von ihm uns scheiden, der blutend uns erwarb, als er nach schwerem Leiden den Tod am Kreuze starb? Wir blei⸗ ben an ihm hangen in Noth und Traurigkeit, ge bunden und gefangen, mit Christenfreudigkeit. 4. Ungläubge, ihr 1. spotten, erfinden bösen 1 un Ee& Anhang. und euch zusammenrotten zu jeder Frevelthat: Er, Christus, ganz alleine, be⸗ schützt, die chm vertraut, die heilige Gemeine, auf ihn, den Fels, gebaut. 5. Und wenn auch Berge weichen und Hügel sinken ein: die Kirche ohne Glei⸗ chen wird wohl bewahret sein. Er wohnet bei ihr drinnen und hütet früh und spät; hell glänzen ihre Zinnen, darauf sein Zei⸗ chen steht. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 731 O Jesu, Herr der Herrlichkeit, du König deiner Christenheit, du Hirte deiner Heerde, du siehst auf die erlöste Welt, regierst sie, wie es dir ge⸗ fällt, sorgst, daß sie selig auch dähle 20 sind hlet auch erwählet, zugezähle den Erlösten, die du segnen willst und trösten. 2. Wohl deinem Volk, daß du es liebst, nach dei⸗ nem Sinn ihm Hirten gibst, die es zum Himmel füh⸗ ren und die voll Eifer, Geist und Kraft, voll Glaubens, Liebe, Wiffenschaft das Herz der Sünder rühren. Treue Hirten laß den Seelen nie⸗ mals fehlen und die Heer⸗ den mit den Hirten selig werden. 527 3. Wir nehmen hier von deiner Hand den Lehrer, den du uns gesandt, Herr, segne sein Geschäfte! Die Seelen, die sich ihm ver⸗ traun, durch Lehr und Le⸗ ben zu erbaun, gib Weis⸗ heit ihm und Kräfte. Lehr ihn, hilf ihm thun und lei⸗ den, dulden, streiten, beten, wachen, selig sich und uns zu machen. 4. Herr deinen auf ihm ruhn; laß Amt mit Nichts sei, Geist laß ihn sein Freuden thun; das ihn betrübe. Wenn er uns deine Wahr⸗ heit lehrt, gib uns ein Herz das folgsam hört, ein Herz voll treuer Liebe. Lehrer, Hörer laß in Freundschaft und Gemeinschaft feste stehn und den Weg zum Himmel gehen. 5. Wenn einst dein gro⸗ ßer Tag erscheint, laß un⸗ sern Lehrer, unsern Freund, uns dir entgegenführen. Du gibst ihm unter seine Hand die Seelen als ein Unterpfand; laß keine ihn verlieren. Zesu, hilf du, beut die Hände, daß am Ende Hirt und Heerde treu vor dir erfunden werde. 6. Sei uns gesegnet, Knecht des Herrn! Wir hei⸗ ßen dich willkommen gern in Jesu Christi Namen. O Hirte, nimm uns bei der Hand: 5²28 Hand; führ uns zum ew⸗ gen Vaterland. Gott mit dir! Amen! Amen! Mit dir gehn wir durch die Lei⸗ den dieser Zeiten zu dem Leben, das uns unser Gott will geben. Mel. Mein ganzer Geist, Gott 7 32 Gott, Vater, al⸗ ler Dinge Grund, gib deinen Vater⸗ namen kund an diesem heil⸗ gen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Her⸗ zen wallen auf zu dir; hier ist des Himmels Pforte. Wohne, throne hier bei Sündern, als bei Kindern, voller Klarheit; heilge uns in deiner Wahrheit. 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit, dieß Got⸗ teshaus ist dir geweiht; o laß dirs wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, dein Segen walte fort und fort in diesen Friedenshal⸗ len. Einheit, Reinheit gib den Herzen; Angst und Schmerzen tilg in Gnaden; Heil uns ganz vom Sün⸗ denschaden. 3. Gott, heilger Geist, du werthes Licht, wend her dein göttlich Angesicht, daß wir erleuchtet werden. Geuß über uns und dieses Haus dich mit allmächtgen Flam⸗ men aus; mach himmlisch Anhang. uns auf Erden. Lehrer, Hörer, Kinder, Väter, frü⸗ her, später gehts zum Ster⸗ ben. Hilf uns Jesu Reich ererben. 4. Dreieiniger Gott, Lob Dank und Preis sei dir von Allen gleicherweis für dieß dein Haus gesungen. Du hasts geschenkt und auf⸗ erbaut, dir ists geheiligt und vertraut mit Herzen, Hän⸗ den, Zungen. Ach hier sind wir noch in Hütten; Herr, wir bitten, stell uns droben in den Tempel, dich zu loben. Mel. Dir, dir, Jehovah ach auf, du 733 Wé Geist der er⸗ sten Zeugen, der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen und die getrost dem Feind entgegen⸗ gehn, ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Schaaren zu dir bringt. ö 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht es doch in alle Lande gehn! Gib zu der Aerndte doch die Hände! die in treuer Arbeit stehn! O Herr der Aerndte, siehe doch darein; die Aerndt ist groß, die Zahl der Knechte klein. Gib Knechte, 3 99—*9³2³2*.SSSRRn . 6 Anhang. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Or⸗ ten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herz⸗ inbrünstig darum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. 4. So gib dein Wort mit großen Schaaren, die in der Kraft Evangelisten sein; laß eilend Hülf uns wider? fahren und brich in Satans Reich und Macht hinein. O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach, daß die Hülf aus Zion käme! O daß dein eist, sowie dein Wort verspricht, dein Volt aus dem Gefängniß nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach reiß, o ö ö ö ö ů Herr, den Himmel bald ent⸗ zwei und komm herab zur Hülf und mach uns frei! 6. Ach, laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein. Ach, führe bald dadurch mit Haufen der Heiden Füll zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf und also segne deines Wortes Lauf! 7. O bessre Zions wüste Stege und was dein Wort + ö 529 im Laufe hindern kann, das räume bald aus jedem ege: vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn und mach uns bald von jedem Miethling frei, daß Kirch und Schul ein Garten Got⸗ tes sei. 8. Laß jede hoch und nie⸗ dre Schule die Werkstatt deines guten Geistes sein. Ja, sitze du nur auf dem Stuhle und präge dich der Jugend selber ein, daß treue Lehrer wir und Beter sehn, die kräftig vor den Riß der Kirche stehn. Mel. Jesus, meine Zuversicht 7 3 4 Eine Heerde und Ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, wenn sein Tag erscheinen wird, freue dich, du kleine Heerde! Mach dich auf und werde Licht: Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern?— Schon ergrünt es auf den Weiden, und die het daämmne des Herrn na⸗ et dämmernd sich den Hei⸗ den; blinde Pilger flehn um Licht: Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, du treuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde! Ach, wie manches Schäflein irrt fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht: 3 Jesus 530 Jesus hält, was er ver⸗ spricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht vor des Mor-⸗ genrothes Helle, und der Sohn der Wüste kniet dür⸗ stend an der Lebensquelle. Ihn umleuchtet Morgen⸗ licht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren auf⸗ gethan, rauscht verdorrete Gebeine! Macht dem Bun⸗ desengel Bahn, großer Tag des Herrn erscheine! Jesus ruft: es werde Licht! Je⸗ sus hält was er verspricht. 6. O des Tags der Herr⸗ lichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Won⸗ ne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. In eigener Melodie. 735 Kehse wieder, keh⸗ ö re wieder, der du dich verloren hast! Sinke reuigbittend nieder vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kom⸗ men und wirst gnädig auf⸗ genommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, und sein heilig Wort verspricht dir Vergebung, Heil und Ses 0 Kehre wieder, zaudre nicht. 2. Kehre aus der Welt Anhang. Zerstreuung in die Einsam⸗ keit zurück, wo in geistiger Erneuung deiner harrt ein neues Glück, wo sich bald die Stürme legen, die das Herz so wild bewegen, wo des heilgen Geistes Mah⸗ nen du mit stillem Beben hörst und von neuem zu den Fahnen Jesu Christi reuig schwörst. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz beut Vergebung dei⸗ nem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz. Sieh auf den, der voll Erbarmen dir mit ausgestreckten Armen winket von des Kreuzes Stamme: Kehre wieder! fürchte nicht, daß der Gnädge dich verdamme, dem sein Herz vor Liebe bricht. 4. Kehre wieder: neues Leben trink in seiner Liebes⸗ huld. Bei dem Herrn ist viel Vergeben, große Lang⸗ muth und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen. Er hat Trost für alle Schmer⸗ zen; Er kann alle Wunden heilen, macht von allen Flek- ken rein. Darum kehre ohne Weilen zu ihm um und bei ihm ein. ö 5. Kehre wieder, endlich kehre in der Liebe Heimath ein, in die Fülle aus der Leere, in das Wesen aus dem Schein; aus der Lüge in die Wahrheit, aus dem Dunkel AW-.—.—— L—. Anhang. Dunkel in die Klarheit, aus dem Tode in das Le⸗ ben, aus der Welt ins Gott dir n Doch was ott dir heut will geben, nimm auch heute: kehre gleich! Mel. Wer nur den lieben Gott 736 Och weiß von kei— V nem andern Grunde, als den der Glaub in Christo hat: ich weiß von keinem andern Bunde, von keinem andern Weg und Rath, als daß man elend, arm und bloß sich legt in seines Vaters Schooß. Ichͤ bin zu meinem Umr un kommen und eil ihm immer besser zu; ich bin auch von ihm aufge⸗ nommen und finde bei ihm wahre Ruh; er ist mein Kleinod und mein Theil, und außer ihm weiß ich kein Heil. ͤ 3. Ich bleib in Christo nun erfunden und bin in ihm gerecht und rein; bleib ich mit ihm nur stets ver⸗ bunden, so kann ich immer icher sein; Gott sieht auch mich in Christo an: wer ists, der mich verdammen 140965 mihie noch u 4. Ich fühle noch in mir die Sünde; doch schaden kann sie mir nicht mehr, weil ich in Christo mich be⸗ finde; wohl aber beuget sie 531 mich sehr, ich halte nichts gering und klein, sonst dringt ein sichres Wesen ein. 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben im Glauben und in Christi Kraft; der alte Mensch muß täglich ster⸗ ben, der noch nicht todt am Kreuze haft; dieß aber macht mich rein und klein und lehrt zu Jesu ernstlich schrein. 6. Ich suche stets vor ihm zu stehen und seh in Allem ihn nur an, nach seinem Vink einherzugehen, daß nichts mein Ziel verrücken kann. Ich seufze stets: Herr, steh mir bei, daß ich dein rechter Jünger sei! 7. Und da ich so in Chri⸗ sto bleibe, stets vor ihm wandelnd auf ihn seh, das Wort des Friedens fröh⸗ lich treibe und unablässie zu ihm fleh, so bleib ui stets im Grunde stehn; da kann mein Wachsthum vor sich gehn. ö 8. Ich bleib im tiefsten Demuthsgrunde und will von Christo nimmer gehn; ich bleib im allgemeinen Bunde, in allgemeiner Liebe stehn und hang an Christo ganz allein; dieß soll mein Grund auf ewig sein. 9. O Jesu, laß mich in dir bleiben; o Jesu, bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, 32 daß 532 daß ich im Glauben folge dir. Laß mich stets fromm und wachsam sein, so rei⸗ ßet nichts den Grund mir ein. Mel. Jesus, meine Zuversicht 7 37 Nimmelan geht unsre Bahn; wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir dort nach Kanaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimsstand, dro⸗ ben unser Vaterland. 2. Himmelanschwing dich, mein Geist! Denn du bist ein himmlisch Wesen und kannst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Zweck erlesen; ein von Gott er⸗ leuchter Sinn kehrt in sei⸗ nen Ursprung hin. 3. Himmelan! ruft er mir zu, wenn ich ihn ihm Worte höre; das weist mir den Ort der Ruh, wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, halt ich eine Himmelfahrt. 4. Himmelan: mein Glau⸗ be zeigt mir das schöne Loos von ferne, daß mein Herz schon aufwärts steigt über Sonne, Mond und Sterne; denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 5. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Hei⸗ math führen, da ich über Anhang. alle Noth ewig werde tri— umphiren. Jesus geht mir selbst voran, daß ich freu⸗ dig folgen kann. 6. Himmelan! ach, him⸗ melan! Das soll meine Lo⸗ sung bleiben. Ich will al⸗ len eiteln Wahn durch die Himmelslust vertreiben. Siunz Uis steht nur mein inn, bis ich in dem Him⸗ mel bin. Mel. Schon ist der Tag von Gott 738 Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr; sein Werk ist klar; sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, die uns doch nichts erworben; kfen ist der Mann, der he fen kann, bei dem nie was ver⸗ dorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil; Uuns macht der fin der treue Knecht, der für uns ist ge⸗ storben. 3. Ach, sucht doch den, laßt Alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht 9 al⸗ ein; Dννάπν SS E E αE&* Anhang. lein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 4. Mein Herzenskron und Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben: bleib du mein Preis, dein Wort mich speis; bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu glauben. 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich in Kreuz nicht zagen; weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen; hilf mir zur Freud nach diesem Leid. hilf, daß ich mag nach dieser Klag dir ewig dort Lob sagen. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund Ich will dich im— 739 Imer treuer lie⸗ ben, mein Heiland, gib mir Kraft dazu. Lang hat die Welt mich umgetrieben; nun schenkst du mir die wahre Ruh: die Ruh, mit der nichts zu vergleichen, der alle Königskronen wei⸗ chen, die uns den Himmel⸗ offen zeigt. Ach, daß ich ganz in Lieb zerflösse vor deiner Liebe Wundergröße, die alles Wissen übersteigt. 2. Wie freundlich hast du mich gezogen, wie ging mir ein Erbarmen nach! Ich floh von dir und griff be⸗ trogen nach Herzeleid und Ungemach: du aber nahmst ohn mein Verlangen in dei⸗ ner Liebe mich gefangen und wecktest meinen todten Sinn. Nimm, Seelenfreund, für diese Treue, mein gan⸗ zes Herz, das ich dir weihe, entreiß mirs doch und nimms dir hin. 3. Ich hange nicht an irdschen Gaben, dich, Jesu such ich ganz allein; solleich nichts zu genießen haben, ich will auch so zufrieden sein, dein Reich wächst nicht in lauter Freuden; lehr mich getrost und stille lei⸗ en und mach in Allem mich getreu. Nimm hin mern Wollen, Denken, Rich⸗ ten, mein eignes Laufen, Wirken, Dichten, daß nichts denn du, mehr übrig sei. 4. Mir ist am seligsten gerathen, wenn ich aus eig⸗ ner Wahl nichts thu. Ein Andrer sinn auf große Tha⸗ ten. Mein Geist erblicket eine Ruh, worin er leidend das vollführet, was von des Geistes Trieben rüh⸗ ret, und das heißt recht in Gott gethan. O mischte sich doch in mein Lieben nichts mehr von meinen eignen Trieben, so fing ich recht zu lieben an. Getreuer Jesu, soll ich hoffen, daß meine Liebe treuer werd? Ach ja, dein 33 Herze 534 Herze steht noch offen dem, welcher ernstlich Hülf be⸗ gehrt. Ich flieh zum Reich⸗ thum deiner Güte, durch— leucht mein finsteres Ge⸗ müthe, daß ich, was du nicht selber bist, erkenn und haß und dämpf und tödte; so schau ich nach der Mor⸗ enröthe, wie hell die Sonne elber ist. Mel. Was Gott thut, das ist 740 Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; dir bleibt mein Herz erge⸗ ben; du kennst dieß Herz, das redlich spricht: nur Ei⸗ nem will ich leben. Du, du allein, du sollst es sein; du sollst mein Trost auf Erden, mein Glück im Himmel werden. 2. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; ich halte dich im Glauben! Nichts kann mir meine Zuversicht und deine Gnade rauben. Der Glaubensbund hat festen Grund; die deiner sich nicht schämen, die kann dir Nie⸗ mand nehmen. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; aus göttlichem Erbarmen gingst du für Sünder ins Gericht und büßtest für mich Armen: aus Dankbarkeit will ich allzeit um deines Leidens willen die Pflicht der Treu erfüllen. Anhang. 4. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; du stärkest mich von oben. Auf dich steht meine Zuversicht, wenn meine Feinde toben. Ich flieh zu dir; du eilst zu mir; wenn mich die Fende hassen, wirst du mich nicht verlassen. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; das Kreuz soll uns nicht scheiden. Es blei⸗ bet jedes Gliedes Pflicht, mit seinem Haupt zu lei⸗ den. Doch all mein Leid währt kurze Zeit; bald ist es überstanden, und Ruh ist dann vorhanden. Dich, Jesum, laß ich ewig nicht; nie soll mein Glaube wanken; und wann des Leibes Hütte bricht, sterb ich mit dem Gedan⸗ ken: mein Freund ist mein und ich bin sein; er ist mein Schutz, mein Tröster, und ich bin sein Erlöster. Mel. Es ist das Heil uns 7 41 His wie du willst so schicks mit mir im Leben und im Sterben! Allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld; sonst, wie du willst, gib mir Geduld, denn dein Will ist der beste. 2. 5 mir Ehr und Treu verleih mir, Herr, und Lieb zu —2...5t XAI&— ⏑——.— Anhang. mich, Worte! falscher mich, Herr, vor falscher Lehr und gib mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit: wend ab all Un⸗ gerechtigkeit in meinem gan⸗ zen Leben! 3. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad, daß es gescheh mit Freu⸗ den. Mein Leib und Seel befehl ich dir; o Herr, ein selig End gib mir durch Jesum Christum. Amen. In eigener Melodie. 742 Sieh hier bin ich, Ehrenkönig, lege mich vor deinen Thron. Schwache Thränen, kind⸗ lich Sehnen bring ich dir, du Menschensohn. Laß dich finden, laß dich finden von mir, der ich Asch und Thon! 2. Sieh doch auf mich, Herr ich bitt dich, lenke mich nach deinem Sinn. Dich alleine ich nur meine; dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, laß dich finden! Gib dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre, ich be⸗ gehre nichts, als deine freie Gnad, die du giebest, wo du liebest und man dich liebt in der That. Laß dich finden, laß dich finden! Der hat Alles, wer dich hat. 535 4. Hör, wie kläglich, wie beweglich dir die treue Seele singt, wie demüthig und wehmüthig deines Kin⸗ des Stimme klingt! Laß dich finden, laß dich finden! denn mein Herze zu dir dringt. „5. Dieser Zeiten Eitel⸗ keiten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud sind nur Schmerzen meinem Herzen, welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden; laß dich finden! großer Gott, i bin bereit! Mel. Befsiehl du deine Wege 743 Ein Wohlstand ohne Gleichen ist eines Christen Stand, wie er bei keinem Reichen von dieser Welt bekannt. Den kann auch Niemand rauben, wie feindlich er ge⸗ sinnt; ein Christ ist durch den Glauben des reichsten Vaters Kind. 2. Er kann mit Freuden kommen vor Gottes Ange⸗ sicht; da wird er angenom⸗ men, und Niemand wider⸗ spricht. Was Alles ihn be⸗ troffen, seis Freude oder Leid: ihm steht der Zugang offen zum Vater allezeit, 3. Er kann in großen Schaaren als Diener um sich sehn, die einst ihm Her⸗ ren waren und nun zu Dienste stehn. Er ist um⸗ ringt ringt von ihnen den ganzen Lebenstag; denn ihm muß Alles dienen, was ihm be⸗ gegnen mag. 4. Und geht einmal auf Erden die Kindeszeit zu End: er weiß, was ihm muß werden nach Christi Testament: ein Erbtheil in dem reichen, geliebten Va⸗ terland. Solch Wohlstand ohne Gleichen ist eines Chri— sten Stand. Mel. Wer nur den lieben Gott 7 44 Qe größer Kreuz Vie näher Him⸗ mel: wer ohne Kreuz, ist ohne Gott. Beim trügeri⸗ schen Weltgetümmel vergißt man Hölle, Fluch und Tod. O selig ist der Mann ge⸗ schätzt, den Gott in Kreuz und Trübsal setzt. 2. Je größer Kreuz je bessre Christen: das Kreuz ist unser Probestein. Wie mancher Garten wird zur Wüsten, fällt nicht ein Thränenthau hinein! Das Gold wird auf dem Feuer⸗ heerd, ein Christ in man⸗ cher Noth bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube: die Palme wächset bei der Last; die Süßigkeit fließt aus der Traube, wenn du sie wohl gekeltert hast. Im Kreuze wächset uns der Muth, Anhang. wie Perlen in Fluth. 4. Je größer Kreuz, je größre Liebe: der Wind bläßt nur die Flammen auf, und scheinet gleich der Himmel trübe, so lachet doch die Sonne drauf. Das Kreuz vermehrt der Liebe Glut, gleich wie das Oel im Feuer thut. 5. Je größer Kreuz, je mehr Gebete; geriebne Kräu⸗ ter duften wohl, wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, so—0 man nicht nach dem Pol. Wo kämen Davids Psalmen her, wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen; im Thale steiget man bergan. Wer durch die Wüsten ist gegan⸗ gen, der sehnet sich nach Kanaan. Das Täublein, findets hier nicht Ruh, so fliegt es nach der Arche zu. 7. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; man freut sich recht auf seinen Tod; denn man entgehet dem Verderben, es stirbt auf einmal alle Noth. Das Kreuze, das die Gräber ziert, bezeugt, man habe triumphirt. ö 8. Je größer Kreuz, je schönre Krone, die Gottes Hand uns beigelegt, und die einmal vor seinem Thro⸗ ne der Ueberwinder—900 e gesalzner Anhang. tel trägt. Ach, dieses theure Kleinod macht, daß man das größte Kreuz nicht acht. 9. Gekreuzigter, laß mir dein Kreuze je länger und je lieber sein; daß mich die Ungeduld nicht reize, so pflanz ein solches Fied mir ein, das Glauben, Lieb und Hoffnung hegt, bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Mel. Wo Gott zum Haus nicht 745 Wous ZJesus Christ allein das All in Allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär, wie elend wärs, wie arm und leer! 2. Wohl ihm, wenn Mann und Weib und Kind im rechten Glauben einig sind zu dienen ihrem Herrn und Gott nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein sol⸗ ches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das äußre Werk nichts ist, noch heißt! 4. Wohl, wenn das Räuch⸗ werk und Gebet beständig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort, als Gottes Werk und Got⸗ tes Wort! 5. Wohl, wenn im äu⸗ ßerlichen Stand mit fleißi⸗ ger getreuer Hand ein jeg⸗ 537 liches nach seiner Art im Glauben seine Pflicht be⸗ wahrt! 6. Wohl, wenn die Ael⸗ tern gläubig sind und wenn sie Kind und Hausgesind versäumen nicht am ewgen Glück, daß ihrer keines bleibt zurück. 7. Wohl solchem denn es gedeiht; die tern werden hoch erfreut und ihren Kindern sieht mans an, wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach ich denn zu dieser Stund sammt mei⸗ nem Hause diesen Bund; wenn alles Volk vom Her⸗ ren wich, so dienen wir ihm ewiglich! Haus, Ael⸗ Mel. Befiehl du deine Wege 746 Occh bin ein Ga NI auf Erden un hab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland, hier reis ich nur zum Grabe, dort in der ewgen Ruh ist Gottes Gnadengabe; die schleußt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an, als Müh und Noth ge⸗ wesen? Solang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. Ich 538 3. Ich habe mich ergeben in alles Glück und Leid. Was will ich besser leben in dieser Zeitlichkeit? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten sein; wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freud hinein! 4. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben in diesem frem⸗ en Zelt; ich wandre meine Straßen, die zu der Hei⸗ math führt, da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird. 5. Mein Heimath ist dort oben, da aller Engel Schaar den großen Herrscher lo-⸗ hen, der Alles ganz und gar in seinen Händen trä⸗ get und für und für erhält, auch alles hebt und leget, nachdems ihm wohlgefällt. 6. Zu dem steht mein Verlangen, da wollt ich gerne hin. Die Welt bin ich durch⸗ gangen, daß ichs fast müde bin. Je länger ich hier walle, je wen'ger find ich Freud, die meinem Geist gefalle, das Meist ist Ei⸗ telkeit. 7. Die Herberg ist zu böse, der Trübsal ist zu viel. Ach, komm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende an meiner Wanderschaft, und was mich Auhan g. kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft. 8. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus. Wenn mein Ziel ausgemes⸗ sen, so tret ich dann hinaus, und was ich hier gebrauchet, das leg ich alles ab, und wenn ich ausgehauchet, so scharrt man mich ins Grab. 9. Du aber, meine Freude, du meines Lebens Licht, du zeuchst mich, wann ich schei⸗ de, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll, gleich als die helle Sonne, nächst Andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen und nicht nur als ein Gast, bei denen, die mit Kronen du ausgeschmük⸗ ket hast: da will ich herr⸗ lich singen von deinem großen Thun und frei von schnöden Dingen in meinem Erbtheil ruhn. A. Mel. Ich hab mein Sach 7 47 Woblauf, wohl⸗ an, zum letz⸗ ten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh ist lang. Gott führet ein, Gott führet aus! Wohlan, hinaus! Kein Bleiben ist im Erdenhaus. 2. Du Herberg in der Wanderzeit, gehab dich wohl und laß dein Leid; schlon nu wer vom feil; nur getrost die Pforte zu. Was trauerst du? Dein Gast geht hin zur ewgen Ruh. 3. Tragt ihn fein sanft ins Schlafgemach, ihr Lié⸗ hen, folgt ihm segnend nach. Hab gute Nacht! Der Tag war schwül im Erdgewühl; hab gute Nacht, die Nacht ist kühl. 4. Ein Festschmuck ist des Sarges Tuch, ein Sieges⸗ zug der Leichenzug. Tri⸗ umph! der Herr macht gute Bahn! Sein Kreuz voran! Das winkt und deutet him⸗ melan. ö 5. Ihr Glocken, tönet festlich drein und läutet hell den Sabbath ein, der nach des Werktags kurzer Frist durch Jesum Christ für Gottes Volk vorhanden ist. B. 6. O selig, wer das Heil erwirbt, daß er im Herrn, in Christo stirbt! O selig, Laufe matt die Gottesstadt, die droben ist, gefunden hat. 7. Was suchst du. Mensch bis in den Tod? Du su o viel, und Eins ist Noth! Die Welt beut ihre Güter denk an dein Heil und wähl in Gott das beste Theil! 8. Was sorgst du bis zum lezten Tritt? Nichts brach⸗ Anhang. 539 test du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz; schau himmelwärts: Da, wo dein Schatz ist, sei dein Herz. 9. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, eh dich der Tod an Todte reiht. Sie rufen: gestern wars an mir, heut ists an dir, hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. 0. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, aus Wie und Bett in Sarg un Grab, wann, wie und wo, ist Gott 2. D schlag an die Brust, du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 11. Da ist kein Sitz zu reich, zu arm, kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, da blüht zu schön kein Wan⸗ genroth. Im Finstern droht der Tod und überall der Tod. 12. Ach, banges Herz im Leichenthal, wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht aus Gräbernacht das Leben hat ans Licht gebracht. 13. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr: Wer an mich glaubt, stirbt nimmer⸗ mehr! Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, dein Himmelgehn läßt uns den Himmel offen s ehn. 14. Wohl dem, der, Herr, mit dir vertraut, schon hier die ewgen Hütten baut! Er sieht 540 sieht das Kleinod in der Fern und kämpfet gern und harrt der Zukunft seines Herrn. C. 15. Nun, Thor, des Frie⸗ dens, öffne dich! Hinein!— ier schließt die Wallfahrt ich. Ihr Schlummernden im Riedensreich, gönnt all⸗ zugleich auch ihm ein Räum⸗ lein neben euch! 16. Viel Gräber sind an diesem Ort, viel Wohnun⸗ gen im Himmel dort; be⸗ reitet ist die Stätte schon am Gnadenthron, bereitet ihm durch Gottes Sohn. 17. Sein ist das Reich mit Allgewalt; Er zeugt und spricht: Ich komme bald! Ja, komm, Herr hatre führ uns ein! Wir arren dein: Amen, dein laß uns ewig sein! Mel. Herr wir singen 748 Wachet auf! ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusa⸗ lem! Mitternacht heißt diese Stunde, sie rufen uns mit hellem Munde; Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lam⸗ pe nehmt! Halleluja! Macht Anhang. euch bereit zu der Hochzeit; 900 müsset ihm entgegen⸗ gehn. 2. Zion hört die Wäch⸗ ter singen, das Herz will ihr vor Freuden t eilend sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahr⸗ heit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Hosi Jesu, Gottes Sohn osianna! Wir folgen all zum Freudensaal und hal⸗ ten mit das Abendmahl. 3. Gloria sei dir gesun⸗ gen mit Menschen⸗ und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Thore an deiner Stadt, wir stehn im Chore der En⸗ gel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gesehn, kein Ohr hat je gehört solche Freude; drum jauch⸗ zen wir und singen dir das Halleluja für und für. Mel. Liebster Jesu, wie sind 7 49 U Ausgang segne, Gott, un⸗ sern Eingang gleichermaßen; segne unser täglich Brod, segne unser Thun und Las⸗ sen, segne uns mit sel'gem Sterben und mach uns zu Himmelserben. — 22——547&᷑2 SSg eE& E m ir 5 2=* 5—— —A rrnr nrhr steh bei uns in Anhang. In eigener Melodie. 750 Esaldemen Wort und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum, deinen Sohn, wollen stür⸗ zen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist, be⸗ schirm dein arme Christen⸗ heit, daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott, heilger Geist, du Tröster werth, gib deim Volk einerlei Sinn auf Erd, der letzten leit uns ins Leben dem Tod. Rothe, aus Mel. Christus der ist mein Leben 751 A6 bleib mit dei⸗ ner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uuns hinfort nicht schade des nuns um bösen Feindes List. 2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser werth, daß uns beid hier und dorte sei Güt und Heil bescheert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wer⸗ thes Licht; dein Wahrheit 1—3 damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher err; dein Gnad und all ermögen in uns reichlich vermehr. 541 5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht trutze, noch fäll die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit ver⸗ leihe, hilf uns aus aller Noth! In eigener Melodie. 752 In allen meinen Thaten laß ich den Höchsten rathen, der Alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, solls anders wohlgelingen, selbst Ohat. Segen, Rath und + That. 2. Nichts ist es, spät und frühe, um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst; er mags mit meinen Sa⸗ chen nach seinem Willen machen, ich stells in seine atergunst.. 3. Es kann mir nichts ge⸗ schehen, als was er auser⸗ sehen, und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers giebet; was ihm von mir beliebet, dasselbe hab ich auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gna⸗ den, die mich vor allem Schaden, vor allem Uebel schützt. Leb ich nach seinen Sätzen, so wird mich nichts verletzen, nichts fehlen, was mir ewig nützt. 5. Er wolle meiner Sün⸗ 3 3 den 54² den in Gnaden mich ent⸗ binden, durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg ich mich späte nie⸗ der, erwach ich frühe wie⸗ der, lieg oder zieh ich fort, in Schwachheit und in Ban⸗ den, und was mir stößt zu Handen, so tröstet mich sein kräftig Wort. 7. Hat er es denn be⸗ schlossen, so will ich unver— drossen an mein Verhäng⸗ niß gehn; kein Unfall unter allen wird je zu hart mir fallen, ich will mit Gott ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich er⸗ geben, zu sterben und zu eben, sobald er mir ge⸗ beut; es sei heut oder mor⸗ gen, dafür laß ich ihn sor⸗ gen, er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine und traue dem alleine der dich geschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath. In eigener Melodie. 753 Befieht du dei⸗ Vne Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege deß, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden Anhang. gibt Wege, Lauf und Bahn, da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sor⸗ gen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott ihm gar nichts neh⸗ men; es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Ge⸗ blüt. Und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rath gefällt. 4. Weg hast du aller⸗ wegen, an Mitteln fehlts dir nicht; dein Thun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kin⸗ dern ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teu⸗ fel hier wollten wiederstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; was er ihm vorgenommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. off, o du arme Seele, hoff und sei unver⸗ ö zagt der wird auch Wege finden, L&....& VS- ——. AE&= — — nicht Regente, Anhang. zagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf! Auf! gib dei⸗ nem Schmerze und Sorgen gute Nacht; laß fahren was das Herze betrübt und traurig macht. Bist du doch der Alles ühren soll: Gott sitzt im Lgimente und führet Al⸗ 5 wohl. 8. Ihn, ihn laß thun nd walten: er ist ein wei⸗ 'r Fürst und wird sich so zerhalten, daß du dich vundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wun⸗ derbarem Rath die Sach hinausgeführet, die dich be⸗ kümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost ver⸗ ziehen und thun an seinem Theile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich bege⸗ hen und sollst du für und für in Angst und Nöthen schweben, als fragt er nichts nach dir. 10. Wirds aber sich be⸗ finden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da dus am mind⸗ sten gläubst. Er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu 543 keinem Bösen bisher ge⸗ tragen hast. ö 11. Wohl dir, du Kind der Treue: du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron! Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Händ und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende an aller unsrer Noth; stärk unsre Füß und Hände und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Mel. Der unsre Menschheit 754 Gett der du Herzensken⸗ ner bist, dem Falschheit stets ein Gräuel ist und Lügen ein Verbrechen, kein Wort spricht je ein falscher Mund, Allwissender, dir ist es kund und einst wirst du es rächen. Laß jederzeit mein Ja und Nein aufrichtig und voll Wahrheit sein! 2. Gott, wenn ich schwö⸗ rend vor dir steh, hinauf zu deinem Himmel seh und meine Hand erhebe; wenn mit des Geistes Sammlung ich zum Zeugen dich anrufe, dich, durch den ich bin und lebe: dann sei von Trug 33 2 und 54⁴⁴4 und Heuchelei mein Herz und meine Zunge frei! 3. Wenn Frevler auch noch da dich schmähn und frech vor dir mit Lügen stehn; dann laß mein Herz erschrek⸗ ken. Weh dem, der dich und deine Macht zur Hülle seiner Bosheit macht, sie vor der Welt zu decken! Weh ihm, er stürzet fre⸗ ventlich in ewiges Verder⸗ ben sich. 4. O Seele, wenn du noch dich liebst, bedenk, was du zum Pfande gibst: dein Glück, dein ew'ges Leben! Verwirf nicht mit Verwe⸗ genheit dein Theil an Gott und Seligkeit; wer kann dirs wiedergeben? Was hilft dir dann die ganze Welt; Nichts hat sie, was dich schadlos hält. ö 5. Gott, wenn du nicht mein Gott mehr bist, dein Sohn nicht mehr mein Hei⸗ land ist, dein Himmel nicht mein Erbe; wenn bei den Leiden dieser Zeit dein Trost nicht mehr mein Herz erfreut, dein Trost nicht, wann ich sterbe: wer wird mich dann Anhang. von Qual befrein? Dann besser: nie geboren sein! Wie thöricht, wer noch denkt und spricht: Gott sieht es nicht, Gott achtets nicht! So lästern Frevlerrotten. Zwar seine Langmuth ist be⸗ kannt, er lähmt nicht jede falsche Hand: doch läßt er sein nicht spotten; ist Rich⸗ ter uns schon in der Zeit, einst Richter in der Ewigkeit 7. Drum soll nicht Ehr⸗ Gut und Geld und nt die Macht der ganzen Wt, mich blenden und versh⸗ ren; und drohten mir ach Schmerz und Leid, ich ill doch meine Seligkeit muß⸗ aultit nicht verlieren. 3 gilt kein Leid, kein Glück de Zeit, nein, es gilt Gol und Ewigkeit. ö 8. Gott, heilige du selbst mein Herz, daß ich nicht frevelnd Spott und Scherz mit Wort und Eidschwur treibe; daß ich der Wahr⸗ heit treuer Freund, auch, wenn es mir zu schaden scheint, mit frohem Muthe bleibe! Dann kann ich ohne Furcht und Graun dem Tode selbst ins Antlitz schaun. Anhang. 54⁵ Choral-Gesange und Responsorien für den liturgischen Gottesdienst am Geburtstage des Großherzogs. —ꝗœ Lied der Gemeinde. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 1. Herr, höre! Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus! Behüte alle Stände Durch deiner Allmacht Hände, Beschütze Kirche, Staat und Haus. 2. Ach, laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schallen Zu unsrer Seelen Nutz! Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten, Biet allen deinen G bealn Trutz. 3. Du wollst uns hoch beglücken, Mit hellen Gnadenblicken Auf unsern Fürsten sehn, Ihn emenr. auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone In vollem Glanze lassen stehn. Der Geistliche: Im Namen———. Gebet: Allmächtiger Gott——— ö 33 3 dir 546 Alnha nay. dir dienen in der Erechtigkeit, die dir wohl gefällt. Chor. Amen. Men. Amen. Der Geistliche: Her allmächtige Gott——— und unie Füße gesetzt auf den Weg des Frie⸗ dens Amen! Chor Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heizen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und imurdar von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja. Der Geistliche: Ehre sei Gott in der Höhe— Chor: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Der Geistliche: Der Herr sei mit euch.— Chor: Und mit deinem Geiste. ger Geistliche: Allmächtiger Gott——— 1 durch Jesum Christum, unsern Heiland und D Herrn.— di Chor: Meine Seele erhebe den Herrn und mein zeist freue sich Gottes, meines Heilands. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht———. Denn der König hoffet auf den errn und wird durch die Güte des Höchsten fest bleiben. Chor. Halleluja, Halleluja, Halleluja. Die Gemeinde: Hauptlied. Mel. Nun danket Alle Bott 1. Preis, Ehr und Lob sei dir, In dessen Schirm und Schatten Wir bis zur Stund allhier Viel Heil zu her n hatten, Der auch zu jeder Frist Allmächtig nah und fern Ein Herr und König ist Des Fürsten, unsers Herrn. 2. Du hast ihm lebenslang Den Odem treu bewahret, und 0 N Anhang. 547 Und auf manch strengem Gang Dich huldvoll offenbaret, Du hast in seiner Hand Das Scepter stark gemacht Und unser Vaterland Mit reichem Gut bedacht. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht——— Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Chor: Amen. Amen. Amen. Die Gemeinde: Hauptlied. 1. Du wollest deinen Geist Auf seine Stirne legen, Der klar ihn unterweist Des hohen Amts zu pflegen. Du wollst Gerechtigkeit Und milder Gnaden Lust Ihm stellen an die Seit, Ihm pflanzen in die Brust. 2. Du wollest allezeit In deinem Gleis ihn lenken Und Zucht und Frömmigkeit In ihm dem Lande schenken: Auf daß er Vorbild sei Von jeder Tugend Art Und Hülf und Schutz verleih, Wo man den Glauben wahrt. 3. Du wollest seine Treu Vergelten durch die Treue, Womit Ihn täglich neu Ein gutes Volk erfreue, Daß dein Gebot im Bund Von ihm und uns gescheh Und seines Thrones Grund In unsern Herzen steh. Der Geistliche: Laßt uns beten——— Segne uns um deiner Liebe willen. Amen! V. U. Gemeinde: Schlußvers des Hauptliedes. O segne, was wir flehn An seinem Jahresfeste 33 4 Und 5⁴4⁸ Anhang. Und gib zum Wohlergehn Ihm deiner Gaben beste. Gib, daß ers nie vergißt, Noch wir, wie du so gern Ein Herr und König bist Des Fürsten, unsers Herrn. Der Geistliche: Der Friede Gottes ꝛc. Gemeinde: 1J. Nun danket Alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hierher hat gethan. 2. Lob, Ehr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne, Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Ihm dem dreieingen Gott, Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jetzund und immerdar. Der Geistliche: Segen. 3 Die Gemeinde: Amen. Amen. Amen. de Anhang. 549 Choral-Gesänge und Responsorien für den liturgischen Gottesdienst am Geburtstage der Großherzogin. —— SeEeeEe-- Lied der Gemeinde. 1. Allein Gott in der Höh sei Ehr Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade. Gott Wohlgefallen an uns hat; Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir beten an und loben dich Für deine Ehr, wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken; Ganz ohne Maß ist deine Macht Allzeit geschieht, was du bedacht, Wohl uns des guten Herren! der Geistliche: Im Ramen——— Gebet: Lasset uns heten——— dir dienen in der Gerechtigkeit, die dir wohl⸗ gefällt. Chor: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja. 7 er 550 Anhang. Der Geistliche: Ehrezsei Gott in der Höhe.— Chor: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Der Geistliche: Der Herr sei mit euch.— Chor: Und mit deinem Geiste. Der Geistliche: Allmächtiger Gott——— Herei Jesum Christum, unsern Heiland und errn. Chor: Meine Seele erhebe den Herrn und mein Geist freue sich Gottes meines Heilands. Der Geistliche: Vernehmet mit Audacht— und ihre Werke werden sie loben in den Thoren Chor: Halleluja, Halleluja. Halleluja. Die Gemeinde: Hauptlied. 1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren: Stimme, du Seele, mit ein zu den himmlischen Chören! Kommet zu Hauf; Psalter und Harfe, wacht auf, asset den Lobgesang hören. 2. Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret: Der wie auf Flügeln des Adlers dich sicher geführet, Der dir bescheert, Was dich erfreuet und nährt; Dank es ihm innigst gerühret. Der Geistliche: Vernehmet mit Andacht——— ö der sich selbst sches hat für Alle zur Erlö⸗ sung daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde. Chor: Amen. Amen. Amen. Die Gemein de: Hauptlied: 1. Ach, bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. 2. Ach N Anhang. 551 2. Ach, bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr, Dein Gnad und all Vermögen Reichlich in uns vermehr! 3. Ach, bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott: Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth. Der Geistliche: Laßt uns beten——— Dir aber, dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, dir, dem Allmächtigen und dem Allweisen, dir, dem Gott der Liebe und der Gnade, sei Preis und Ehre in alle Ewigkeit. Amen. Vater unser——— Chor: Halleluja. Halleluja. Halleluja. Der Geistliche: Der Friede Gottes ꝛc. Gemeinde: 1. Nun danket Alle Gott Mit Herzen Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hierher hat gethan. 2. Lob, Ehr und Preis sei Gott Dem Vater und dem Sohne, Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Ihm dem dreieingen Gott, Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jetzund und immerdar. Der Geistliche: Segen. Die Gemeinde: Amen. Amen. Amen. Regi st e r. Nr Ach bleib bei uns Herr 728 Ach bleib mii deiner 211751 Ach endlich, Dulder, 173 Ach Gott, verlaß mich 391 Ach Gott, wie mancher 306 Ach hier nicht mehr, 678 Ach könnt ich doch mit 653 Ach sieh ihn dulden, bl. 164 Ach welch ein Kampf 88 Allein Gott in der Höh 42 Alle Menschen müssen 276 Allen Christen und auch 478 Aller Welten Herrscher, 41 Alles hast du mir gegeb. 407 Alles ist an deinem S. 61 Allgegenwärtiger! ich 22 Allgütiger, dir will ich 589 Allmächtider, ich hebe 565 Allmächtig großer Gott 74 Am Kreuz erblaßt 17² Anbetung sei dir, Gott 188 Anbetungswürdiger G. 14 An deine Leiden denk 138 An dich, mein Gott! 362 „Auch außer meinem 640 Auf, Christen, bringet 410 Auf, Christen, laßt uns 95 Auf, dich Erlöser, stets 325 Auf Erden Wahrheit 127 Auferstehn, ja auferst. 267 Auf, freue dich, mein: 93 Auf Gott nur will ich 530 Auf Gott und nicht auf 371 Auf, Jesu Jünger fr. 187 Auf, meine Seele auf 177 Auf, o Seele, sei noch 580 Auf, schicke dich, recht f. 116 Aus des Grabes Band. 179 Bald ist sie uun voll. 663 Bald leg ich Sorg und 658 Nr. Bald oder spät des T. 335 Barmherziger, erhöre 655 Befiehl du deine W. 373 753 Beglücke meine Reise 639 Beglückt, beglückt ist, 334 Begrabt den Leib in s. 681 Bekenner Jesu, werdet 147 Berufen hast du mich 529 Besitz ich nur ein ruhig. 454 Bester, weisester Reg. 66 Bewaffnete, der Krieg. 551 Bilden soll ich mich auf 299 Bis der Tod ihm winkt 457 Bis hierher und nicht w. 730 Blick hin in die vergang. 448 Bringt Preis und R. 178 Christ, aus deinem H. 467 Christe, du Sohn G.! 149 Christ eile nie mit sich. 231 Christus, der ist mein L. 665 Christ, wann dich Trüb. 38l Dank und Anbetung 43 Dank, Vater dir, der 654 Das Amt der Lehrer, 533 Das Grab ist tief und 690 Das Land, das Gott 546 Daß ich der Tugend 323 Daß unser Gott uns L. 458 Da stehen wir, die Dei. 688 Dein bin ich Gott! D. 70 Deines Gottes freue 368 Dein Heil, o Christ, n. 392 Dein Wille ists, o. G. 426 Dein Wort o Höchst. 200 Dem ganzen Erdkreis 12ʃ Dem großen Vater w. 122 Demuthsvoll komm ich 6 Dem Wandrer gleich, 509 Den größten Sterbend. 158 SS 8 S99 9938ꝗ998898-388 538-38 38*-53 SS S Sr“.—.⏑————— eer?: Der Morgen kommt u. HDrengei Nr. Der am Kreuz ist meie 161 Der du den Menhen s. 617 Der du selhsoie Wahrh. 206 Der d stets unsre Zufl. 8 Rr du uns als Vater 197 Der du uns das Heil er. 108 Der du voll Blut und 163 Der du von Jugend auf 411 Der Ehestand soll heilig 513 Der Erde Reize sind er. 587 Der Freuden Quell ist 287 Der Heiland kommt, l. 106 Der heilge Christ ist k. 720 Der Herr ist Gott und 11 Der Herr ist meine 37⁴ Der Herrscher aller L. 151 Der hohe Himmel dunk. 604 Der Lenz erfreuet, was 266 Der Mächtige, der H. 603 Der Mond ist aufgeg. 583 649 57⁴ 55⁷ Der Tag ist wieder hin; Der weise Schöpfer, d. Des neuen Jahres erst. Dir ergeb ich mich 433 432 606 176 74⁴0 Der Wollust Reiz zu Des Leibes warten und Dich bet ich an, erst. Dich Jesum laß ich ewig Dich kennen, Gott, ist 355 Dich seh ich wieder, 560 Die auf der Erde wall. 243 Die Erde ist Jesu 70⁴ Die Feinde deines Kr. 729 Die hier vor deinem 535 Die Himmel rühmen 51 Die Kinder, deren wir 520 Dieß ist der Tag, den 118 Die stillen Abendstund. Die Thiere, deren Herr Die Zunge, die vern. Dir dank ich für mein 578 558 554 61⁵ 3²⁰ st e r. Dir, Gott, der so gern Dir, Gott, sei Preis u. Dir immer ähnlicher zu 3 Dir trau ich, Gott, u.? Dir, unser Gott, ist Dir zu leben, dir zu Du, aller Menschen V. Du bester aller Mensch. Du bester Trost der A. Du bists, dem Ehr und Du, deines Vaters Du denkest in der tief. Du, der kein Böses thut, Du, der sich einst voll. Du, der so gern begl. Du, dessen Auge floss. Du gabst mir, Ewger Du, Gott, du bist der Du hast es mir gegeben Du hast uns, Herr, die Du, Herr, hast aus B. Du, Herr und Vater Du, Herr von meinen Du kamst herab zum Du klagst und fühlest Du läßt den Tag mich Du liebst, o Gott, G. Durch dich, Gott, bin Durch dich, o großer G. Du sagst, ich bin ein Ch. Du Vater deiner M. Du vertheilst der M. Du weiser Schöpfer Du, welchen keine Welt Du wirst, o Vater, für Du wollst erhören G. Ehre sei Gott in der Eine Heerde und Ein Eine feste Burg ist Ein Gott regiert; was 227 666 6²⁴ 10¹ 449 616 483 527 40⁵ 336 36⁴4 526 26 64¹1 249 67² 110 734 210 389 Ein Herz, o Gott, in 464 5 55⁴4 T. Ein milder Regen sinket 600 Ein Pilgrim bin ich in 277 Ein ruhiges Gewissen 500 Einsam bin ich; tiefe 584 Eins ist Noth! Und H. 322 Einst, als im Angstgeb. 146 Einst, freuet euch, einst 283 Ein Wohlstand ohne Gl. 743 Empfinde deinen hohen 291 Entehre nicht, mein H. 450 Entfernet euch, unselge 499 Entreiße dich, mein G. 123 Entschwinge dich, mein 385 Erdentöchter, Erdens. 695 Erfreue dich des Heils 120 Erfülle redlich deine 383 Erhabner Gott, was 16 Erhalt uns, Herr, 209 Erhebt den Herrn, ihr Erhöhter Jesu! Gottes Erinnre dich, mein Geist Er ist erstanden, Jesus Er ist gekommen, er, Erlöser, der im Staube Ermüdet von den S. Erscheine meinem Geist, Er starb, der größte Fr. Ertöne, feiernder Ges. Ertönt, ihr Freudenl. Es baut, o Gott, auf Es eilt der letzte von Es freu der Fürst des Es ging ein Mann voll Es hebt sich auf, der A. Es herrscht ein Gott, Es ist dein Wille, Herr Es ist nicht mehr, für Es ist noch eine Ruh v. Es ist nur einer Herr Es ist vollbracht, so r. Cs preise Gott, wer J. Es werde Gott von W 750 9⁷ 709 18⁰ 182 109 148 57⁵ 134 16⁵ 414 60⁰² 595 446 40² 12⁴4 297 379 6⁴4⁸ 677 278 12 170 328 71 Regi st e.v N Nr. Es zuht, o Gott, ein K. 628 Es züchiat deine Hand 626 Ewig, ewigin ich dein 224 Ewig, o Jesu, wirdein 213 Ewig und unwandelbars09 Fallet nieder, fallet 405 Ferne sei der Irrthum 292 Fest steht dein Bund, 614 Frohlockend, Vater, 57¹ Frohlockt. ihr Christen, 18l Früh, mit umwölktem 592 Führer zur Vollkom. 120 Für alle Menschen bet. 403 Für deinen Himmel 676 Fürwahr, du bist, o G. 59 Geärntet ist der Feld. 591 Gedanke, der uns Leb. 91 Geht hin! der Gott 5ʃ6 Geist vom Vater und 195 Gelobt seist du, o Gott 70⁷ Gerechter Gott, vor d. 20 Gern will ich mich erg. 247 Geweihter Ort, wo S. 698 Gewöhne dich, durch 550 Gib, Gott, wenn ich d. 423 Gib Höchster, daß ich Gib mir, o Gott, ein 5539 48⁰ Gott, aus deinen Sch. 0 Gott, deine Gnade sei 11. Gott, deine Güte, deine 675 Gott, deine Güte reicht 399 Gott, deine heiligen 366 Gott, deinen weisen W. 528 Gott, deine weise Macht 65 Gott, der an allen End. 58 Gott, der du für uns 8 Gott, der du Herzensk. 754 Gott, der du Schmerz 64.7 Gott, der du unsre Zufl. 309 Gott der Liebe, wie er. 363 Gott der Tage, Gott d. 656 V ‚eerf“f“f“,fffff. Gott sei Dank in aller Gott sorgt für uns. O Gott Vater aller Dinge **— Regi st er. Nr. 547 562 637 337 380 Gott, der zum Segen f. Gott des Himmels und Gott, dessen Macht des Gott, dir gefällt kein Gott, dir vertraun ist Gott, du bist von Ewigk. 18 Gott, du erforschest mich 295 Gott, durch den wir sind 205 Gottes Gnade sei mit 541 Gottes Sohn ist kom. 115 Gott, heilig sei dein N. 203 Gott, hilf mir, daß ich 711 Gott, ich will mich 338 Gott, immer groß an 459 Gott ist die Liebe, Gott 37 Gott ist getreu, sein H. 31 Gott ist mein Hort und 204 Gott ist mein Lied! 17 Gott ist, der das Verm. 438 Gott, lehre mich verst. 304 Göttlicher, dich zu erh. 331 Gott, mein Vater, D. 523 Gott, mit allen seinen 610 Gott, öffne deinen Him. 668 Gott ruft der Sonn u. 608 Gott, Schöpfer, St. 514 Gott sei Dank, ich lebe 566 10⁴ 6² 732 599 28 6⁵9 67⁵ 87 83 465⁵ 519 27⁵ Gott von großer Macht Gott, vor dessen Anges. Gott, wann mein sterb. Gott, welch ein Schm. Gott, wie schrecklich s. Großer Gott, erhabnes Groß ist der Herr, die Groß ist, ihr Aeltern, Groß wird des Sünd. Hab Acht auf mich in 715 Habe deine Lust am 369 555 Nr. 620 408 630 130 99 239 667 193 477 17⁴4 23 212 489 207 42⁴4 241 576 Habe deine Lust o I. Hallelujah, bringet Ch. Hast du denn ganz dein Heiland, deine Mensch. Heiland, den uns Gott Heiland, groß an Huld, Heil dir Seele, Gott Heilger Geist, von G. Heilig, heilig ist das Heil ihm, dem Tod. Herr, deine Allmacht Herr deine Kirche dank. Herr, deine Sanftmuth Herr, dein Gesetz und Herr, der du alles g. Herr, der du dein th. Herr, der du mir das 576 Herr, der du selbst die 220 Herr, du bist meine Z. 708 Herr, du erforschest mich 24 Herr, du fährst mit 185 Herr, du wollst sie 237 Herr Gott, dich loben 413 Herr Gott, du bist die 19 Herr Gott, was irdisch 542 Herr, höre mein Gebet 339 Herr, ich bin dein Eig. 274 Herr, ich hab aus deiner 251 Herr, laß mich doch g. Herr, lehre mich den w. Herrlich ists an Freund, Herrlich ists in deinem Herr, mache meine S. Herr, mein Licht erl. Derr, mein Versöhner Herr, stärke mich, dein Herr und Richter aller Herr, unser Gott, wer Herr, vor deinem Ang. Herr! welch ein wicht. Herr, wie du willst so f. 741 Herr, wie lange muß 340 556 Herr, wir feiern dein Herr, wir singen deiner Herr, wir stehen hier Hier bin ich, Jesu, zu Hier ist noch unsre P. Hier lieg ich, Herr, in Hilf mir, Gott, der K. Himmelan geht unsre B. 737 Höchster, denk ich an 294 Höchster G., wir d. 9 Höchster, wer ists, der 15 Höher hebt sich Gottes 586 Huldigt Gott, ihr froh. 39 Jauchzt unserm Gott Ich bebe nicht vor Tod Ich bin der reichste M. Ich bin ein Christ! G. h bin getauft auf d. bin getauft nach J. bin in meinem G. bin, o Gott, dein bin zur Ewigkeit bin ein Gast auf blick empor zu dir ich denk an deinen G. eile meiner Heim. erhebe mein Gem. fasse, Vater, deine 662 ich freue mich mein G. 370 ch geh einst ohne B. 256 h geh zu deinem Grabe 7²3 habe, Gott, mir 341 hab in guten St. 462 hoff ein ewges L. 279 komme, Herr, und 229 komme vor dein 393 preise dich, o Herr 230 seh im Abendrothe 582 ich sterbe schon, jedoch 670 trete vor dein Ang. 621 weiß, an wen mein 312 236 89 221 228 42⁸ 6⁴4 6⁴⁵ 33 263 —442 342 22² 223 45¹ 7⁵ 265 746 300 710 661 298 2 5 SEE E — — — —— S 2 — — 2 —2 — — — SSSSS- —2 — — — — 2 SSEEESESEEE 6— e Register. Nr. ö Nr. Ich weiß von keinem a. 736 63⁴ 235 739 250 62² ö 7¹3 7⁴⁴ 143 32⁴ 137 Ich will dem Herrn zu Ich will den Bund mit Ich will dich immer tr. Ich will dich noch im Ich will in stiller Eins. Ich will, mein Gott, du Je größer Kreuz, je n. Jesu, deine tiefen W. Jesu, meine Freude, Jesu, meines Lebens L. Jesum ewig zu verehr. Jesus lebt, mit ihm Jesus, meine Zuversicht Jesus soll die Losung s. Im Frühling meiner J. Immer näher kommt Immer sich bestreben In allen meinen Th. 55 In Gottes Namen f. In Trübsal, Christ, sei In unserm Kummer Ist Gott für mich, so Kehre wieder, kehre w. 735 Kein Lehrer ist dir J. Kein Mensch, o Gott, Kinder, die ihr noch im Komm, betend oft und Komm, heiliger Geist 1 Komm, o komm, du G. 191 Kommt die ihr nicht 133 Kommt, kommt den 5⁷ 17⁵ 72² 531 270 12⁵ 75² 568 32³1 264 Kommt, laßt uns Gott 597 Kommt mit Dank vor 92 Kommt und laßt uns 344 Laß dankbar uns die 544 Laß deinen Geist mich 140 Laß doch, o Jesu, laß 215 Laß, Herr, nach eitlen 443 Laß mich doch nicht, o 441 Laß wuich Höchster, d. 492 * H O AHE Reg ist er. 557 ö Nr. Nr. Laß mich, o Herr, in 345 Mein Leben steht in G. 252 Laß mir die Feier deiner 135 Laßt dem Tode seinen 684 Laßt uns mit ehrfurchtsv.112 Laßt uns unserm Gott 114 Lehre mich, Herr, recht 429 Lieblich sind der Tugend 507 Liebster Jesu, wir sind 4 Lob, Ehr und Dank sei 636 Lob, Chr und Preis 416 Lobet den Herren, Lob, Preis und Ehre br. Lob sei Gott, der den F. 585 Lob sei Gott, der den M. 563 Lobsinge, meine Seele, Lobsinget Gott! Dank 45 Lobsinget Gott, denn s. 2 Lobsinget Gott, er schuf 48 Lobt Gott, ihr Christen Mache dich, mein 43⁰ Mein Auge sieht, o Gott 64 Mein bester Trost in 396 Meine Kinder, Gott, 521 Meine Lebenszeit verstr. 253 Meinen Jesum laß ich 313 Mein Erlöser, auch für 139 Mein Erlöser, Gottes 142 Mein erst Geschäft 564 Meines Herzens reinste 311 Mein ganzer Geist, G. 280 Mein Glaub ist meines 508 Mein Gott, ach lehre 346 Mein Gott, du wohnest 356 Mein Gott, ich weiß 254 Mein Gott, zu dem ich 302 Mein Heiland, deine 102 Miein Heiland lebt und 699 Mein Herz, ermuntre d. 712 Mein Herz, Gott, V. 301 Mein Hort ist Gott! 382 Mein Jesu, für dein 156 Mein Schöpfer, dessen 347 Mein Vater und mein 348 Menschenfreund, nach 479 Menschen weis und gut 517 Mir nach, spricht Chr. 327 Mit Ernst, o Menschenk. 105 Mit Freuden laßt uns 613 Mit frohlockendem G. 100 Mit lautem Schall fr. 706 Mittler, schau auf sie 538 Mit welchem Dank 6⁵⁷ Mit welcher Langmuth 40 Nach einer Prüfung 281 Nach einer schmerzenv. 650 Nach frommer Eintracht 488 Nach Gottes weisheitsv. 545 Nach meiner Seele Sel. 427 Nahet anbetend dem 632 Naht dem Altare, Unst. 226 Naht mit Andacht im 232 Nicht auf den Höhn, n. 453 Nicht, daß ichs schon 349 Nicht für der Felder 593 Nicht lang ein Pilger 669 Nicht mehr, als meine 646 Nichts ist von ungefähr! 54 Nicht um ein flüchtig 194 Nicht um Reichthum, 400 tie bist du, Höchster, 21 Nie will ich wieder fluch. 491 Nimm hin den Dank 238 Nimm unsre Dankgef. 94 Noch immer wechseln 63 Noch läßt der Herr 567 Noch leb ich. Ob ich m. 261 Noch nie hast du dein 30 Noch stehen wir, o G. 687 Nun bitten wir den h. 189 Nun bringen wir den 680 Nun danket Alle Gott 409 tun ist das alte Jahr 612 558 4. Nun laßt uns alle fröhl. 96 Nun laßt uns gehn und 721 Nun sinkt die Sonne 573 Nur kurz ist hier mein 244 O blickt hinauf zur E. 494 Ob wir sind, wie wir 495 O Durst nach Blut, o 152 O daß ich tausend Z3. Oft klagt dein Herz, w. O Golgatha, zu deinen O Gott, den alle Wesen 420 O Gott, der du mein O Gott des Himmels 53 O Gott, deß starke H. 35 O Gott, du bist mein 7 O Gott, du frommer O großer Gott, duser. O Halen dessen hoh. O heilger Geist, kehr O Herr, mein Gott, d. O Jesu, Herr der H. O Kinder, dieser Tag O könnt ich dich, mein O selig, wer zufrieden 511 O stimm auch du mit O welch ein Glück, ein 7 O welch ein Segen ist O welch ein unschätzb. O Welt, sieh hier dein O wie sanft ist, Herr, 84 O wie selig seid ihr O wie unaussprechlich Preist, Christen, mit Preis und Anbetung Redlichkeit, mit dir 496 Religion, von Gott geg. 198 Richte nicht mit harter 484 Ruhet wohl, ihr Todt. 685 Ruhig ist des Todes 689 Säe deine Thränens. 460 598 4¹7 Regist er. Nr Nr. Sanft, o Christ, ist J. 332 Sanft, wie er gewand. 697 Schaffet, schaffet, M. 303 Scheint mir freudenleer 452 Schicke dich, erlöste S. 234 Schmerz und en 1 60¹ Schon auf Erden könn. 129 Schon ist der Tag von 273 Schön ist die Tugend, 353 Schon naht sich meines 660 Schöp wieder Nacht 651 Schöpfer der erschaffn. 418 Schöpfer, Gott, Herr 2 Schütze die Deinen, Schweiget, bange Zw. Schwer liegt der Tr. Schwingt, heilige G. 13 Sehet, Christen, sehet Seht, welch ein M. Seid barmherzig, M. Sei gesegnet! Amen, Sei getreu in deinem Sei Gott getreu, halt Sei hoch gepriesen, H. 141 Sei mir gegrüßt zu 572 Sei zufrieden, mein 60 Selig, Jesu, sind, die 269 Selig sind des Himmels 258 Selig sind, die in dem 664 Selig, wer mit stillem 376 Senkt den Leichnam, 682 Senkt nun den Leib 688 Siegesfürst und Ehr. 726 Sieh diese jungen S. 539 Sieh, hier bin ich, Ehr. 742 Sink ich einst in jenen 581 So fliehen unsre Tage 57⁷ So gib denn fromme 686 So hoff ich denn mit 315 So Jemand spricht, ich 482 So ist mit aller seiner 652 Soll dein verderbtes 202 32333eE-.- Reg i Sollt es gleich bisw. Sollt ich jetzt noch, da Sollt ich meinen Gott So schlummerst du in So wahr ich lebe! s. 305 Soweit, Herr, deine Soweit nur Menschen So, wie du bist, so Stärke, Mittler, stärke Stets warst du meine Still erheben wir uns. Stimmt unserm Gott Such wer da will ein Sünde ist nie klein zu Theuer sei mir allez. 128 Thut mir auf die sch. 716 Triumph! Triumph! 705 Ueber aller Himmel 186 Ueberwinder nimm 7²2⁴ Um Erbarmen flehen 629 Um Gnade für die 167 Unerforschlich sei mir 27 15⁵ 90 Unschuldigster, du hatt. Unser Gott, der Herr Unser Gott ist groß 52 Unser Wandel ist im 431 Unsern Ausgang segne G.749 Unsre Kindheit, unsre 618 Uns strömt aus deiner 439 Unsterblichkeit, Unst. 284 Unter manchen bangen 671 Unumschränkte Liebe 703 Unwiederbringlich 611 Vater, den uns Jesus 401 Vater, heilig möcht ich 80 Vereinigt laß uns 48¹ Vergelten wirst du den 288 Versammelt hatte Jesus 225 Verschwunden ist der 594 Vertrauen ist des Chr. 372 Verzeih der tiefen Tr. 692 st e r. 559 A. Viele Freuden streust 456 Vollbracht ist nun die 242 Voll Dank an diesem 561 Vollendet freudig eur. 289 Vollendet hatte Gottes 190 Voller Ehrfurcht, Dank 233 Vom Geräusch der W. 502 Vom Grab, an dem 119 Vom Todesthal hinauf 184 Von allen Himmeln 4ʃ2 Von deiner Weisheit 559 Von dir, der meine 497 Von dir, du Gott der 515 Von dir, Gott, sind der 512 Von dir in diese Welt 498 Von Furcht dahinger. 157 Von heiligem Gefühl 543 Von Herzen preis ich 199 Vor dir, o Gott, sich 360 Wach auf du Geist der 733 Wach auf, mein Herz, 569 Wachet auf! ruft uns 748 Wandle leuchtender u. 725 Wann wir unsern Lauf 69 Warum erbebst du, m. 268 Warum sollt ich mich 469 Warum willst du doch 386 Warum willst du dr. 719 Was Gott thut, das ist 470 Was hilft es mir, ein 354 Was ich nur Gutes h. 421 Was ist im Himmel, 358 Was ist mein Leben 472 Was ist mein zeitlich 434 Was ists, daß ich mich 474 Was mein Gott will, 471 Was soll ich ängstlich 387 Was sorgst du ängstlich 259 Was wär ich ohne dich 314 Was zagst du? Gott 388 Weicht, ihr Berge, fallt 31 Weit um mich her ist 588 560 Welch hohes Beispiel Welch hohes Vorrecht Welterlöser, dich zu ieb Wenn Christus seine Wenn der Stifter der Wenn Geschwister fromm Wenn gleich aus tiefer Wenn ich auf Gottes Wenn ich ein gut Gew. Wenn ich einst von jen. Wenn ich, o Schöpfer, Wenn meine Zeit vorh Wenn Menschen streben Wenn mich die Sünden Wenn oft zu jener S. Wenn sich mein Geist Wenn wir in höchsten Wenn zur Erfüllung Wen wird, o Gott, die Wer auf seinen Eott Wer bin ich? Welche Wer dieser Erden Güter Wer gehorcht der thus Wer Gottes Wege geht, Wer Gottes Wort nicht hat den Glauben, höher durch Geburt „Jesum kennt, ver. kann die Leiden könnte zweifeln, machte diese schöne mii Lust und Eifer nur ein Laster liebt stets mit reinem Wen Sünde thut der Wer unter deinem Sch. weiß, wie bald in weiß, wie nahe zählt, Unendlicher Wiedersehn! mit lauten Wie freu ich mich der Wie getrost und heiter Wie gnädig ist des Wie göttlich sind doch Wie groß bist du, o Gott! Wie groß ist des Allm. Wer nur den lieben Gott 132 359 R e g i st e r. Nr. Wie groß ist unste S Wie groß, o Herr, ersch Wie groß, wie angebetet Wie heiter fließt mein Wie im Herbste fällt Wie leicht verkenn ich Wie mannigfaltig sind Wie sanft, mein Vater, Wie sanft sehn wir den Wie sicher lebt der M Wie soll ich dich empfang. Wie iheuer, Gott, ist Wie viele Freuden dank Wie wichtig ist doch der Wie wird mir dann, o Wie wohl ist mir,o Will mich, o Gott, hien. Willst du der Weisheit Willst du die Buße noch Wir alle, Menschenpater, Wir flehn für unsrer Wir gehn ans Grab Wir⸗glauben an den Wir kommen, Helfer, Wir sind in Noth, laß Wir trocknen unsre Thr. Wo eilt ihr hin, ihr Leb. Wohlauf, Wohlan, zum Wohl dem, der beßre Wohl dem, der in dem Wohl dem, der richttig Wohl dem, der seines Wohl einem Haus, da Wohl mir, o Schöpfer Wohlthätig sind der Erde 4 Wohl uns! Wohl uns Wo ist wohl Noth und Wort aus Gottes Mund Wo sind die Weisen, die Wunderbarer König, H. Zeuch ein zu deinen Th. Zu dir, o Gott, das Zu dir, Unendlicher, Zum Fleiße ward das Zum Himmel erhebe Zur frühen Gruft Nr. 505 154 103 50 24⁴⁵ 42² 43⁵ 397 67⁴ 2⁴ 10⁷ 72⁷ 398⁸ rrrree eseee Gebete zur Hausan dacht. Morgengebet am Sonntage. Geben und heiliger Gott! du Schöpfer und Herr des Himmels und der Erden! bei dir ist Allmacht, Weis⸗ heit und Güte, und du bist würdig, von Allem, was auf Erden und im Himmel ist, verehret, gefürchtet und geliebet zu werden! Dich preiset meine Seele für dei⸗ nen mannigfaltigen Segen, den du über mich und die Meinigen auch in der zurückgelegten Woche ausgebrei— tet hast, für deinen väterlichen Schutz über uns in der abgewichenen Nacht, und insonderheit für die großen Wohlthaten, die du an diesem heiligen Tage erneuern wirst. Deine Weisheit und Gnade hat uns denselben zu deiner feierlichen Verehrung, zur Beförderung unse⸗ rer Ruhe in dir, dem lebendigen Gott, und zu unserer näheren Vorbereitung zu deiner ewigen Gemeinschaft ge⸗ heiliget. O wie gesegnet wird er auch mir sein, wenn ich ihn nach dieser deiner liebreichen Absicht, zur Erquickung und Heiligung meiner Seele durch dein seligmachendes Wort anzuwenden suche! Dein großer Name sei gelo⸗ bet, daß du mir die öffentliche Feier dieses heiligen und frohen Tages in Gesundheit, Ruhe und Gewissensfrei⸗ heit verleihest! Verherrliche dich heute, o Gott, in den öffentlichen Versammlungen durch einen allgemeinen Se⸗ gen! Heilige du selbst die Opfer unsers Gebets und unsrer Lieder, daß wir dich im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Allwissen der! du kennest inson⸗ derheit meinen und der Meinigen Seelenzustand. Ach laß uns auch heute die A* raft Ahor⸗ or⸗ 2 Abendgebet am Sonntage. ——— ‚— Wortes also an unseren Seelen erfahren, daß wir nach unserer Beschaffenheit dadurch wahrhaftig gebessert, im Glauben und allen dir wohlgefälligen Tugenden gestär⸗ ket, durch deine Tröstungen beruhiget und in deiner Gnade zum ewigen Leben befestiget werden. Laß uns nicht nur in deinem Heiligthume deine wohlthätigen Absichten er⸗ füllen, sondern auch in unserm ganzen Verhalten uns beflei⸗ ßigen, daß wir dir geheiliget werden. Die Ruhe, die du uns heute von unseren leiblichen Geschäften verstattest, werde doch insonderheit zur wahren Erholung unserer Kräfte, zur Sammlung des Gemüths, und zu dessen Richtung auf unser ewiges Heil angewandt. Bewahre uns, gütiger Gott! daß wir nicht dürch unnöthige Ge— schäfte und unnütze Zerstreuungen den Segen dieses Ta⸗ ges und deines Wortes an uns vereiteln. Unser ganzer Wandel müsse dich verherrlichen, und es beweisen, daß wir dir dienen. Insonderheit laß uns dieses alsdann beweisen, wann du uns Gelegenheit gibst, unsere Liebe zu dir durch eine thätige Liebe gegen unsern Nächsten an den Tag zu legen! Heilige, o Gott! auch alle unsere Vergnügungen an diesem heiligen Tage. Laß uns Nichts vergnügen, als was mit Versicherung deiner Gnade genos⸗ sen werden kann. Laß uns durch die Freuden, die uns deine Freundlichkeit auch im Leiblichen schenket, immer mehr zu dir, der Quelle aller Freuden, geführet werden, damit also dein Tag uns in allem eine wahre Vorberei⸗ tung G. deiner ewigen Anbetung, und zu der ewigen Ruhe und Seligkeit sein möge, die du den Deinen verheißen hast. Segnest du, Herr! deinen Tag zum ewigen Heil unserer Seele, so wirst du uns auch im Leiblichen nicht verlassen. Du, mein himmlischer Vater! weißt, was wir bedürfen. Dir sei unser Leben und unsere ganze Wohlfahrt auch heute, auch auf diese Woche und auf die ganze Zeit unserer hiesigen Wanderschaft empfohlen. Leite du uns nach deinem Rath, und nimm uns endlich zu Ehren an, um Jesu Christi willen. Amen. Abeudgebet am Sonntage. Ghwiviger und liebreicher Gott! dein Name ist herrlich in Allem, was auf Erden ist, und dein Ruhm höher, denn die Himmel. Dank sei dir für die erneuerten Gelegenhei⸗ ten Gebet am Sonntage. 3 ten, die ich diesen Tag gehabt habe, dich in deinem Hause anzubeten, mich mit andern Christen zu deinem Dienste zu vereinigen, die Erklärung deines Wortes zu hören, und dadurch unterrichtet, gestärket und auf die Wege der wahren christlichen Tugend geleitet zu werden! Gib mir, o Gott! daß ich nun auch die Vortheile, die du mir ver⸗ schafft, gehörig nützen möge, und es nicht blos bei dem Hören bewenden lassen, sondern durch die That beweise, daß ich sie zu den Absichten, zu denen sie gegeben sind, anwende. Mache mich geschickt, daß ich meinem hohen Berufe gemäß lebe, gemäß den Pflichten, die mir auferleget sind, und gemäß den Verheißungen, die ich zu gewarten habe. Vergib mir, gütiger Vater! die Unvollkommenhei⸗ ten, die meine Andacht heute noch begleitet haben. Ver⸗ gib die Trägheit und Unthätigkeit meiner Empfindungen, die Zerstreuung meiner Gedanken, die wenige Aufmerk⸗ samkeit meiner Seele auf deine Gebote. O gib, daß ich deine Ruhetage immer heiliger zubringen, immer weiser und ernsthafter, andächtiger und himmlischer gesinnt wer⸗ den möge, als ich bisher gewesen bin. Erhebe mich über diese Welt, so lange ich in ihr lebe. Laß mich nicht den irdischen Dingen so nachjagen, als ob ich diese Welt blos zu meinem Antheil erwählet, und auf kein schöner Erb⸗ theil die Aussicht hätte; sondern lehre mich erkennen, daß hier nicht meine bleibende Stätte sei, sondern daß mir eine festgegründete ewige Wohnung vorbehalten werde. Gib, daß ich mich hier als einen Pilger und Fremdling ansehe, und als ein Bürger des Himmels lebe. Ja, mache mich durch deine Kraft, o gütiger Gott! geschickt, alle Schwierigkeiten, Beschwernisse, Gefahren und Ver⸗ suchungen zu überwinden, die mir auf meinem Wege zum Himmel aufstoßen, und laß mich durch einen läg⸗ lichen Zuwachs an Heiligkeit und Tugend immer des glorreichen Erbtheils fähiger werden, das deiner Heili⸗ gen im Lichte wartet. Gelobet sei dein Name, o liebreicher Gott! der du mich bis auf diesen Tag mit so vielen und großen Wohlthaten an Leib und Seele begnadiget hast! O laß die Empfindungen deiner unverdienten Güte stets mein erz rühren, und gib, daß ich dich nicht nur durch meine orte, sondern auch durch mein Leben preisen möge. Und nun, o Gott, nimm a 2 mich 4 Morgengebet am Montage. mich auch diese Nacht unter deine gnädige Aufsicht! Be⸗ schütze mich vor allem Uebel, und erquicke mich durch eine sanfte und stärkende Ruhe. Deiner liebreichen Fürsorge empfehle ich alle die Meinigen. Thue ihnen Gutes und segne sie mit allen solchen geistlichen und leiblichen Gütern, von denen du weißt, daß sie derselben am meisten bedürfen. Stehe den Unglücklichen bei. Breite deine wohlthätige Barmherzigkeit über das ganze menschliche Geschlecht aus. Erhöre, gütiger Vater! dies mein unvollkommenes Gebet, und laß dir mein demüthiges Lob und Flehen in Gnaden gefallen. Erhalte mich mein kurzes und un⸗ gewisses Leben hindurch in der Liebe zu dir. Tröste und stärke mich in meinen letzten Augenblicken, und nach dem Tode sei du mein Theil und großer Lohn, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn! Dir, mein himmlischer Vater, sei Lob, Preis und Ehre jetzt und immerdar! Amen. Morgengebet am Montage. O Herr! durch deine große Barmherzigkeit fange ich mit diesem Morgen meine Wochenarbeit von Neuem an. Deine ewige Liebe und Treue, die mit deinem Segen mich und die Meinigen bisher überschüttet hat, gehe denn auch heute mir von Neuem auf, wie die Morgenröthe! Wer bin ich, o Gott! vaß du mich bis hierher gebracht hast? Ich bin ja, leider! noch immer ein Sünder, dem es an allem Ruhme mangelt, den er vor dir haben sollte. Ich thue, leider! nicht immer, noch völlig, was ich thun sollte. Meine Gedanken sind eitel; mein Herz ist bald trotzig, bald verzagt. Ach, so siehe denn, mein Gott! mich auch heute ja nicht an, wie ich an mir selbst von Natur und in meinen Sünden bin. Gedenke aber, lieber Vater! an deines Sohnes Gehorsam und Gerechtigkeit, daß ich durch ihn vor dir gerecht, und von dir gesegnet sei. Ver⸗ laß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab. Gott, mein Heil! Lehre mich auch heute und die ganze Woche thun nach deinem Wohlgefallen; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Ich weiß nicht, was mir in die⸗ ser angefangenen Wöche begegnen wird: behüte du mich aber vor allem Uebel, behüte meine Seele, behüte meinen Leib, behüte meinen Eingang und Ausgang. Wehre allem Bösen, welches mir das Ziel meines Christenthums ver⸗ rücken Abendgebet am Montage. rücken könnte. Laß mich leben im Glauben deines Sohnes, und dadurch Alles, was ich thue, in dir gethan sein. Gib zu meiner Arbeit dem Leibe Kraft und Gesundheit, dem Gemüthe Ruhe und Freudigkeit bei einer gewissenhaften Sorgfalt, und erfreue mich mit deinem göttlichen Gedei⸗ hen. Erhalte mir den Segen, den du mir bisher hast zu— fließen lassen. Ernähre mich, versorge mich, beschirme mich. Gib mir Weisheit, meine Zeit wohl anzuwenden. Legest du mir dabei eine Last auf, so hilf mir auch, und laß mich allezeit erfahren, daß du der seist, der uns von al⸗ lem Uebel erlöset hat, und noch ferner erlösen wird. Segne die Meinigen, und zeige ihnen dein Heil. Und wie Alles auf dich, mein Gott! wartet, so segne auch heute und in die⸗ ser Woche alle gute Nahrung und dir wohlgefällige Arbeit, und gib, daß ein Jeder dabei sich redlich nähre, und mit allem guten Gewissen vor dir wandele. Ja, thue deine milde Hand allenthalben auf, und erfülle Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Denke an uns alle und segne uns: segne, die dich fürchten, beide, Kleine und Große; segne uns je mehr und mehr um deines lieben Sohnes, Jesu Christi, und um seiner kräftigen Fürbitte willen. Amen. Abendgebet am Montage. S Gott! ich danke dir und bete deine Macht und Güte an, die ich und die Meinigen auch diesen heutigen Tag erfahren haben. Was bin ich, daß du mich bis hierher gebracht, beim Leben erhalten, mir so viel Gutes gethan und mich so reichlich gesegnet hast. Von deiner Gnade, o mein Gott! bin ich auch, was ich bin, und deine Gnade ist nicht von mir gewichen. Also hast du auch heute meiner armen Seele und meines sterbli⸗ chen Leibes dich herzlich angenommen, meine Arbeit ge⸗ segnet, meinen Unterhalt mir verschaffet, alle meine geistliche und leibliche Nothdurft in Gnaden angesehen; ja, überhaupt meiner Schwachheit mit deiner Kraft mächtig geholfen. Wer ist, o Herr! wie du, der du dich so hoch gesetzet hast, und doch auf das Niedrige so gnädig siehest? Nun, o mein Gott! da du nicht nur wohnest in der Höhe und im Heiligthum, sondern auch bei denen, die zerbrochenen und zerschlagenen Geistes sind, auf daß a3 den Gaich—— a? ede⸗ 6 Morgengebet am Dienstage. Gedemüthigten und das Herz der Zerschlagenen; so bitte ich dich demüthig: Tilge alle an mir noch befindliche Sünden— flecken durch das Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi! Du bist der Herr, nach dessen Worte Alles geschehen, und dem Alles dienen sollte; wie finde ich hingegen mei— nen Willen deinem heiligen Willen so sehr zuwider, und mein Herz so kalt gegen das Andenken deiner Gnaden⸗ gegenwart! Um Christi willen, schone meiner! vergib mir alle, auch meine verborgenen Fehler! Erfülle ferner an mir deine gnadenreiche Verheißung: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Du bist ja nicht ein Gott, der ferne sei; du erfüllest vielmehr Himmel und Erde und umgibst auch mich, wo ich sitze oder liege. So sei demnach auch in dieser Nacht nicht ferne von mir; eile, auch mir beizustehn, Gott, meine Hülfe! Beweise auch an mir deine große Gnade, du Heiland derer, die auf dich hoffen! Beschirme mich und Alles, was du mir verliehen hast, unter dem Schatten deiner Flügel. Sei du für mich, so wird nichts wider mich sein. Ja, Vater! wie du deines geliebten Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns Alle, und auch für mich dahin gegeben hast, so schenke mir und Allen, die ihn angenommen haben, heute und allezeit mit demselben alles Andere, was wir an Leib und Seele bedürfen. Amen, um Jesu willen, Amen. Morgengebet am Dienstage. Geit deine Güte ist alle Morgen neu, und deine Treue, die du an mir beweisest, ist sehr groß. Ein Tag sagt es dem andern und eine Nacht thut es kund der andern, wie geschäftig du Herr! in jedem Augenblicke meines Daseins zu meiner Erhaltung, zu meiner Freude und Glückseligkeit bist! du schaffest es, daß ich sicher ruhe. Wann Finsterniß die Erde bedeckt, und wann ich selbst von mir Nichts weiß, dann wachest du, mein Leben zu bewahren. Aber auch du bist Es, Herr und Gott der Welt, der an jeglichem Morgen dem Tage und seinem Lichte wieder ruft, die Seele zu erwecken; du machest es, daß ich nach einer sanften Nacht mich wieder eines neuen Tages erfreuen kann. Was ist denn billiger, was ist eines vernünftigen Geschöpfes, welches dich zu er— kennen fähig ist, würdiger, als dir, dem Gott und Vater meines Lebens, aus dessen Hand ich es auch jetzt wieder wie neu Abendgebet am Dienstage. 7 neu empfangen habe, dafür zu danken, und deinen Na⸗ men zu preisen? Dieß sei denn auch jetzt, in dieser frü— hen Morgenstunde, mein erstes Geschäft. Meine Seele lobe dich, den Herrn, und Alles, was in mir ist, deinen heiligen Namen! Meine Seele lobe dich, und vergesse des Guten nie, das du bis diesen Augenblick an mir ge⸗ than hast! Daß ich sicher und ruhig geschlafen habe; daß kein Unfall mich in dieser Nacht betroffen hat; daß ich das Licht dieses Tages eben so gesund wieder erblicke, als ich es gestern verlöschen sah; daß ich nicht nur meine Glieder zu den Geschäften dieses Tages wieder gebrau— chen, sondern auch mit erneuerten Kräften gebrauchen, und was noch mehr ist, daß ich vernünftig denken und von den sämmtlichen Kräften meiner Seele einen solchen Gebrauch machen kann, der einem vernünftigen Wesen anständig ist: das Alles, o Gott! habe ich deiner Güte und Treue zu danken. Verleihe mir nun auch die Gnade, daß ich den Werth der Güter, die deine Hand mir an diesem Morgen gleichsam von Neuem geschenket hat, erkennen und schätzen, und daß ich sie zu der Absicht anwenden möge, zu welcher du sie mir gegeben hast. Gib, daß ich heute in Allem, was ich beginne, in meinen Geschäften, in mei⸗ nen Vergnügungen, in allen Umständen und Verbindun⸗ gen, in welche ich kommen kann, dich vor Augen und im Herzen habe, und an deine Gerechtigkeit, an dein heiliges Gebot und an meine zukünftige Rechenschaft vor dir, dem Allwissenden, fleißig denken möge. Dadurch werde ich am sichersten bewahret werden, daß ich in keine Sünde wil⸗ lige, noch irgend Etwas mit Vorsatz thue, was wider dein Gebot ist. Erhalte mein Herz auch an diesem Tage bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte: denn die dich, Gate, fürchten, haben keinen Mangel an irgend einem Gute, das wahrhaftig glücklich macht! Erhöre mich um des Mittlers willen, in dessen Namen ich zu dir bete. Amen. Abendgebet am Dienstage. Ich freue mich deiner Güte, o Gott, und komme mit V Danken vor dein Angesicht! Jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick meines Lebens gibt mir neue Beweise von deiner väterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Ver⸗ pflichtungen zur Dankbarkeit 44— Gehorsam gegen dich, a mei⸗ 8 Abenbgebet am Dienstage. meinen Vater und Wohlthäter, auß Auch heute hast du dich an mir Unwürdigen nicht unbezeugt gelassen. Auch heute ö hast du mir in allen Absichten viel Gutes gethan. Wie viel bekannte und unbekannte Gefahren und Uebel hast du durch deine gnädige Vorsehung von mir abgewandt! Wie viel geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner freigebigen Hand empfangen! Wie kann ich dir, dem Herrn, meine Dankbarkeit genugsam beweisen? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein, und deinem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig geheiliget sein! Möchte nur mein Eifer, dir zu gefallen, beständiger, möchte der Gehorsam, den ich dir leiste, reiner und vollkommner sein! Aber, o mein Gott! wie weit bin ich noch von dem Ziele der christli⸗ chen Vollkommenheit entfernt! Wie vieler Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, wie vieler Vergehungen und Feh⸗ ler muß ich mich täglich vor deinem Angesichte beschuldi— gen! Wie beschämt bin ich, wenn ich an meine Sünde ge⸗ denke! Ach Herr ich bereue sie von ganzem Herzen. Ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu rei⸗ nigen, und meine Heilung zu vollenden. Stärke mich selbst, o Gott! in diesem guten orsatze. Stehe mir in der Aus⸗ führung desselben mächtig bei. Gib, daß ich Alles, was dir zuwider ist. hasse, und als das größte Uebel meide und fliehe. Gib, daß ich Alles, was dein heiliger Wille von mir fordert, aufrichtig und mit Freuden thue. Laß mir den morgenden Tag heiliger sein als den heutigen; laß mich täglich an Weisheit und Tugend wachsen und immer mehr nach deinem Ebenbilde erneuert werden. Dein mächtiger Schutz bedecke mich und die Meinigen auch in dieser Nacht, damit uns kein Unglück begegne, und keine Plage sich zu unsrer Wohnung nahe. Schenke mir einen sanften und er⸗ quickenden Schlaf. Laß mich morgen, wenn es dir gefällt, mit neuen Kräften wieder aufwachen, und gib, daß ich sie nach deinem Willen und zu deiner Ehre anwende. Tröste, barmherziger Gott! tröste alle Elenden, die in die⸗ ser Nacht durch Schmerzen und Krankheit, oder andere Trübsale der süßen Ruhe beraubet sind. Erbarme dich aller Menschen. Dir, Herr, mein Gott! übergebe ich mei⸗ nen Leib und meine Seele. Leite mich nach deinem seh en⸗ h —— T= Sr K— —— 2 Morgengebet am Mittwochen. 9 sen Rath und nimm mich endlich in deine Herrlichkeit auf. Ich bitte dich um dieses alles in dem Namen und als ein Jünger Jesu Christi, unsers Mittlers und Se— ligmachers. Amen. Morgengebet am Mittwochen. Gott! Schöpfer und Herr des Himmels und der Er— den, barmherziger Wohlthäter und Vater der Men⸗ schen! dich bete ich als den Urheber und Erhalter mei— nes Lebens, als den Gott meines Heils, als die ewige und unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit demü⸗ thigst an. Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte, für alle geist⸗ liche und leibliche Vortheile, die ich besitze. Dir danke ich insbesondere dafür, daß du mich in dieser Nacht mit dei⸗ nem mächtigen Schutze bedecket, daß du alle Gefahren, die mir drohten, von mir abgewandt, daß du meinen Leib durch einen sanften Schlaf er uicket, und mir neue Kraft und neues Leben eingeflößet hast. Wer bin ich, o Gott, wer bin ich, daß du dich meiner so väterlich annimmst? Ich bin ein Sünder, der deine heiligen Gesetze übertre⸗ ten, der deine Wohlthaten öfters gemißbraucht, der sich des schändlichen Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher Nichts als Ungnade und Strafe verdienet hat. Aber du handelst nicht mit uns nach unsern Sün⸗ den, und vergiltst uns nicht nach unseren Missethaten. Noch schonest du meiner, wie ein Vater seines Sohnes schonet. Noch fährst du fort, mich zu segnen, und mir Gutes zu thun. Noch willst du mich durch Güte zur Buße leiten. Wie reuet es mich, o Gott! daß ich dich, meinen Vater und Wohlthäter, so oft beleidiget, und dir den schuldigen Gehorsam verweigert habe! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdienet habe. Sei mir gnädig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um seinetwillen alle meine Sünden. Siehe, ich heilige mich dir ganz und gar. Ich verabscheue das Böse, das ich bisher gethan habe. Ich erneuere hiermit in deiner Gegenwart, o Gott, den aufrichtigen Vorsatz, alle unordentliche Begierden, die in mir aufsteigen, zu unterdrücken, alle böse Ge⸗ wohnheiten, die ich noch an mir habe, zu bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten nicht nach dem I a 5 Wil⸗ *————————————— — 10 Abendgebet am Mittwochen. Willen meines Fleisches, oder nach dem Beispiele der Lasterhaften, sondern allein nach deinen guten und hei—⸗ ligen Geboten zu richten. Ach Herr! stehe mir selber mit deiner Gnade bei, diesen guten Vorsatz mit Treue zu erfüllen; denn ohne dich vermag ich Nichts. Bewahre mich auch heute vor allen Versuchungen zur Sünde, und wenn ich versucht werde, so laß mich nicht fallen. Laß mich oft an den Tod, an das Gericht und an die Ewig⸗ keit gedenken, und dadurch weise werden zur ewigen Se— ligkeit. Verleihe mir-Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften, und begleite sie mit deinem Segen. Dir und deiner Gnade, o Gott, empfehle ich alle Men⸗ schen. Segne insonderheit diejenigen, die du durch die Bande des Blutes und der Freundschaft mit mir ver⸗ bunden hast. Gib, daß wir alle die Pflichten unseres Be⸗ rufes treulich erfüllen, und deine Eure und das Heil un⸗ serer unsterblichen Seele zum letzten Endzweck aller un— serer Bemühungen machen. Erhöre mich, Vater der Barm⸗ herzigkeit, und sei mir gnädig um Jesu willen. Amen. Abendgebet am Mittwochen. Bauuherziger Gott! nach deiner Verordunng bedeckt — jetzt wiederum Finsterniß unser Erdreich; bei dir aber, du Vater des Lichts! muß auch die Finsterniß Licht sein. Auch diesen Tag legte ich unter deinem gnädigen Schutze zurück, und preise deinen heiligen Namen für alle deine gute und vollkommene Gaben, die mir deine Gnade heute geschenket oder erhalten hat. Ich danke dir nicht nur, daß du mir das Licht meiner leiblichen Augen verliehen und bisher bewahret hast, sondern auch und vornehmlich, daß du dein heiliges Wort noch immerfort meiner Seele leuch⸗ ten lässest, als ein Licht auf meinen Wegen. Zwar muß ich, o mein Gott! auch heute vor dir bekennen, daß ich nicht stets nach diesem heiligen Lichte gewandelt habe. Stelle aber meine heutige mir bewußte Uebertretung nicht im Zorne vor dich, noch meine unerkannten Sünden ins Licht vor deinem Angesichte; sondern wirf sie hinter dich zurück, und sei mir um Christi willen gnädig. Bleibe du nun ferner bei mir, mein Gott! da es jetzt Abend worden ist. Bist du mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Bist du meines Raß 2 Id 5 Morgengebet am Donnerstage. 11 Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wann meine Augen geschlossen sind, so laß deine Augen über mir offen stehen. Laß meine Seele und meinen Leib und Alles, was ich habe, unter deiner liebevollen Fürsorge wohl verwahret sein. Sorge für mich und die Meinigen; sorge für alle Men⸗ schen! Erbarme dich aller Armen, aller Kranken und Elen⸗ den! Hilf ihnen und lindre ihren Schmerz und ihren Kum⸗ mer! Gib ihnen tröstliche Gedanken, die sie aufrichten und stärken können und laß sie deine Macht und Liebe em⸗ pfinden. Soll ich nach deinem gnädigen Willen noch län⸗ ger hier leben, so laß mich morgen mit einer dankbaren Empfindung von deiner Güte erwachen, und mich den Tag zu der Erfüllung deiner gütigen Ahsichten anwenden. Sollte aber in dieser Nacht die Zeit meiner Vorbereitung zur Ewigkeit aufhören; o! so vergib mir, was ich von Welem großen Endzwecke versäumt habe, um Jesu Christi willen, und erfülle deine theure Verheißung, daß du mich um sei⸗ ner großen Erlösung willen als völlig begnadigt anneh⸗ men, und bei dir ewig selig machen wollest. Erhöre mich, mein Gott! mein Vater! durch Jesum Christum. Amen. Morgengebet am Donnerstage. Gott! Quelle meines Lebens und desselben Erhalter! F mein Gott, durch dessen Güte ich von Neuem einen Tag anfange, sei du mein erster Gedanke! Dankbarkeit und Liebe gegen dich müssen die ersten meiner heutigen Empfindungen sein. Noch sind Leben und Gesundheit mein; beide hast du mir auch in dieser Nacht erhalten. Deine Güte wachte über mich, daß kein Unglück sich mir nahen durfte. Daß ich heute von Neuem thätig in mei⸗ nen Geschäften, unb zu meinem und meines Nächsten Nu⸗ tzen wirksam sein kann, das ist dein Geschenk und kommt nur von dir. Was habe ich, das ich nicht von dir em⸗ pfangen hätte? Wer ist mein Vater, mein Wohlthäter, mein Freund, wenn du es nicht bist? Wer ist mehr, als du, meine sicherste Zuflucht? Du Allmächtiger, Allwei— ser, Gütigster, du bist mein Schöpfer, mein Gott, mein Vater. Wie glücklich bin ich! Könnte ich es wohl mehr sein, als ich es dadurch bin, daß ich von dir, von dir allein abhänge? Dein bin ich und dein will ich ewig bleiben, dir sei mein Schicksal gan60 heimgestellt. Wagit a u 12 Abendgebet am Donnerstage. du es nach deinem Wohlgefallen! Dein Wille ist auf alle Weise der beste: dein Wille geschehe! Führe mich immer nach deinem Rath: dein Rath ist Seligkeit für mich. Ich kenne kein seliger Glück, als das, dir zu gehorchen: dein Wille allein sei mein Gesetz! Sei du allein der Herr mei⸗ nes Herzens! Herrsche du über seine Gesinnungen, über seine Neigungen, über seine Wünsche; verstatte nicht, daß ö irgend etwas, das dir zuwider ist, sich in dasselbe einzu⸗ schleichen suche! Fehle ich, so lehre mich meine Fehler er⸗ kennen und verbessern. Dir zu gefallen, ist mein erster Wunsch; so lange ich denken kann, will ich so denken. Ich empfehle mich und die Meinigen auch an diesem Tag dei⸗ nem mächtigen Schutze. Laß deine Huld mich auch heute begleiten, auch heute über alle meine Schritte wachen: sei mein, sei aller Menschen Beschützer! Sollen meiner Tage noch mehr werden, so seien sie dir alle geheiliget! Laß mich keinen, und auch diesen nicht verlebeu, ohne daß ich besser werde. Gott, deine Güte müsse sich mit jedem Tage über mich erneuern! aber auch mit jedem Tage lasse mich deiner Liebe und Güte würdiger werden. Erhöre mich und erfülle meine dir wohlgefälligen Wünsche, wie du es mir und Al— len, die nach deinem Willen bitten, durch Christum verhei⸗ ßen hast. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Abendgebet am Donnerstage. Abermal ist von der mir bestimmten Lebenszeit ein Tag vorbei. Dir, gütigster Vater, dessen Geschenk er war, dir müssen auch noch seine letzten Augenblicke ge⸗ weihet, dir müssen die letzten meiner heutigen Empfin⸗ dungen heilig sein! Nur deiner Huld allein, unendlich gütiger Gott! habe ich es zu danken, daß du mir bis hierher geholfen hast! Alles, was ich bin, und was ich habe, bin ich, und habe ich nur allein von dir. Wie viel Gutes hast du mir heute erwiesen! Wie viel Böses hat dein gnädiger Schutz von mir abgewendet! du bist doch nur allein mein wahres und auch mein höchstes Gut; du wirst es ewig sein. Da ich dich habe, was sind mir Himmel und Erde? Deine Huld verwandelt das Miß⸗ vergnügen meiner Tage in Heil und erhöhet das Ver⸗ guuigen meines Lebens zur Seligkeit. Diese Welt, so weit entfernt von deinem Himmel, ist doch so voll von dei⸗ —— 7 ner Morgengebet am Freitage. 13 ner Güte! Was wird dann jene sein, wo der Freuden die Fülle vor deinem Angesichte, und volle Seligkeit zu deiner Rechten ist! Welche Glückseligkeit wartet dann auf mich in dem Stande meiner Vollendung! O, wann wirst du, Vater! mich würdig finden, mich unter deinen Haus⸗ genossen aufzunehmen? Könnte doch nur mein Leben dir immer angenehm sein, und mein Wandel dir immer ge⸗ fallen! Mit allsehenden Blicken erforschest du mein Herz. O möchte es doch immer rein, doch immer rechtschaffen von dir erfunden werden! Herr ich gelobe es dir, und will es auch halten, daß ich nach den Rechten deiner Ge⸗ rechtigkeit leben will. Hilf du mir nur bei meiner natür⸗ lichen Schwachheit, und ersetze mein Unvermögen durch den kräftigen Einfluß der guten Triebe deines Geistes. Auf dich verlasse ich mich in Allem, was meine Glück⸗ seligkeit befördern kann. Jetzt überlasse ich mich der Ruhe: laß mir, laß den Meinigen, laß diesem Hause, laß allen Menschen deine mächtige Beschirmung widerfahren; ver⸗ hüte gnädig Unglück und Schaden! Soll ich in dieser Welt wieder erwachen, so sei ferner mein Gott, wie du es bis⸗ her gewesen bist; so führe mich an deiner Hand auf dem Wege, den ich noch durch diese Welt zu gehen habe; so laß dein Auge mich leiten, daß ich nicht von deinen Geboten ab⸗ weiche; so regiere mich, daß ich, als ein Erbe der Unsterb⸗ lichkeit, mich immer würdig meinem Berufe betrage, und schon auf Erden mein Wandel im Himmel sei! Amen. Morgengebet am Freitage. * eiland der Welt! Treuester Mittler! du bist darum für Alle gestorben, auf daß die, so da leben, hin⸗ fort nicht ihnen selbst leben, sondern dir, der du für sie gestorben und auferstanden bist. Dir widme ich heute mein Leben und Denken von Neuem, da ich mich erin⸗ nere, daß du an einem Freitage dein theures Leben aus Liebe für mich gelassen hast. Ach, laß mich nie verges⸗ sen, wie viele Mühe und Arbeit dir meine Sünden ge⸗ macht haben, damit ich keine derselben gering achte. In deinem Leiden laß mich die Güte und den Ernst Gottes schauen. Gib, daß ich mich dieser Güte im Glauben freue und dich, o Gottes Sohn! lebenslang für meinen höch⸗— sten und besten Freund halte, 7 ja Niemand größere a Liebe 14 Morgengebet am Freitage. Liebe hat, als die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde. Und da ich in deinem Leiden, mein Bürge, sehe, wie ernstlich Gott die Sünde hasse und strafe, so gib mir Gnade, solche auch ernstlich zu hassen und zu vermeiden. Du riefest an deinem Kreuze: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ach! bitte deinen himm⸗ lischen Vater für mich, daß er weder heute noch jemals mich verlasse, noch versäume. Du trugest dein Kreuz selbst zu deinem Tode, und unterwarfest deinen Willen dem Wil⸗ len deines himmlischen Vaters. Gib, daß auch ich mich diesem heiligen Willen in kindlichem Gehorsam unterwerfe, mein Kreuz auf mich nehme, und dir auf allen Wegen deiner Tugenden beständig nachfolge. Und wie du mitten in deiner Pein der Deinen nicht vergaßest, sondern auch auf deren leibliche Wohlfahrt und Erhaltung dachtest, so laß mich auch heute dieser deiner treuen Fürsorge eben⸗ falls genießen. Wende dadurch alles Uebel von mir ab, und alles nöthige Gute mir zu. Bewahre mich und die Meinigen vor Krankheiten und Schmerzen; oder wenn wir ja an unserm Fleische leiden sollten, so gib, daß wir uns mit demselbigen Sinne gegen alle Ungeduld waffnen, mit welchem du gelitten hast. O Herr Jesu! du bist am Kreuze ein Fluch für uns worden, auf daß alle Völker in dir gesegnet würden: laß auch mir deinen reichen Se⸗ gen an Seele und Leib und zu allen guten Verrichtungen zufließen. Bilde mich nach deinem Sinn; und wie du so⸗ gar für deine Feinde, die dich gekreuzigt haben, voll Sanft— muth batest: so gib auch mir standhafte Sanftmuth bei allen unangenehmen Vorfällen, die mir etwa heute durch Menschen begegnen möchten. Ja, du Lamm Gottes, das der ganzen Welt Sünde getragen hat, erbarme dich Aller, und bekehre Alle, die dich noch nicht erkennen, die nicht wissen, was sie thun, wann sie dich verwerfen und durch vorsätzliche Sünden beleidigen. Laß das Wort von deinem Kreuze immer mehr göttliche Kraft und göttliche Weis— heit werden. Gedenke an mich und alle die Meinen, Herr! der du im Reiche deiner Herrlichkeit herrschest, und laß uns dereinst mit dir im Paradiese sein. In deine Hände befehle ich heute und allezeit meinen und ihren Geist; du hast uns erlöset, Herr! du getreuer Gott! Amen. Abend⸗ FeN N.TI re rr re rrr r r??&& N.———* S u err en Abendgebet am Freitage. 15 Abendgebet am Freitage. O Gott, der du mich auch diesen Tag erhalten hast, ich danke dir für deine fortgesetzte Sorge und Güte ge⸗ gen mich. Gib, daß ich dir meine Dankbarkeit durch mein aufrichtiges Vestreben bezeige, deinen Willen in allen Dingen zu erfüllen. Ich bitke dich demüthig um Verge⸗ bung wegen jedes Vergehens, dessen ich mich schuldig ge⸗ macht habe, und es ist mein ernstlicher Wunsch, daß ich mich nie durch den gefährlichen Selbstbetrug verleiten lasse, als werdest du mir meine Sünden vergeben, wenn ich sie auch nicht von nun an zu vermeiden suche. Laß mich fest über⸗ zeugt sein, daß ich nie dir wohlgefallen könne, wofern ich nicht ein heiliges und nützliches Leben führe, und daß, wo ich mir irgend eine Art des Verbrechens erlaube, selbst mein Gebet dir ein Abscheu sein werde. Gib mir die Gnade, so zu leben, daß ich vor deiner Allgegenwart nie erschrecken darf, und da dir alle meine Gedanken, Worte und Werke bekannt sind: so laß mich niemals weder dem Willen nach, noch in der That, irgend einer Sache schuldig sein, die dir mißfallen könnte. Laß mich in der Tugend und Fröm⸗ migkeit täglich zunehmen, jede üble Gewohnheit abzulegen suchen, und jeder lasterhaften Neigung widerstehen. Er⸗ leuchte du mich selbst, daß ich mein Verderben immer leben⸗ diger erkenne, und mit wahrer Ueberzeugung einsehen möge, wie nothwendig mir deine Gnade sei, und wie sehr ich der beständigen Führung deines Geistes bedürfe. Laß mich als ein weiser Christ vorsichtig auf Erden wandeln, und lehre mich oft an den Tod gedenken, damit ich nicht ver⸗ gesse, wie eitel diese Welt und ihre Herrlichkeit ist, und nicht müde werde, den Weg zu den Freuden des ewigen Lebens, wenn ich auch oft auf rauher Bahn wandeln muß, fortzusetzen. Wache auch in dieser Nacht über mich, über die Meinigen und über alle Menschen, insonderheit über alle nothleidende und bekümmerte Menschen mit dei⸗ ner gnädigen und allmächtigen Fürsorge! Und wenn es dein gnädiger Wille ist, daß ich mit dem morgenden Tag nicht wieder zu diesem Leben erwachen soll; so nimm mich, als dein um Christi willen begnaͤdigtes Kind, mit Erbarmung an, und laß mich zu dir und zu ihm geführet werden, nach seiner liebreichen Verheißung, daß seint 20n öseten 16 Morgengebet am Sonnabend. löseten da sein sollen, wo er ist. Gefällt es aber deiner Weisheit und Güte, daß ich hier noch länger leben soll; so laß mich die noch übrige Zeit dieses flüchtigen Lebens zu deinem Lobe und zum dankbaren Gehorsam gegen die Absichten, wozu du deinen Menschen Leben und Kräfte gibst, mit redlicher Sorgfalt anwenden. Ich rufe dich hierum an durch Jesum Christum, deinen ewigen und eingebornen Sohn, um dessen Willen du auch mich zu lieben und zu erhören verheißen hast. Amen. Morgengebet am Sonnabend. Alächtiger barmherziger Gott! ich erkenne in dieser Morgenstunde deine väterliche Gnade und Huld, da⸗ durch du mir von meiner Geburt an bis auf diese Stunde, so viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast. Auch den letzten Tag dieser Woche habe ich durch deine Güte erlebet. Ich preise dich, o Vater! für solche unzählige Wohlthaten, und bitte dich herzlich: Gib, daß ich deiner roßen Gnade nimmermehr vergesse, sondern dich mit tetem Danke dafür ehre. Laß mich stets vor dir, o all⸗ wissender und allgegenwärtiger Gott! wandeln und fromm sein; Laß mich immer wohl bedenken, daß du mein steter und genauer Aufseher seiest, alle meine Worte hörest, alle meine Werke schauest, alle meine Gedanken bemerkest, und alle meine Wege erforschest. Laß auch heute alles mein Thun gesegnet sein. In deinem Namen fange ich es an. Sei mit mir und laß es zu deiner Ehre und mei⸗ nem und Anderer Nutzen wohl gerathen. Laß mich, o Herr, auch in dem äußerlichen Berufe, darin ich nach deiner Regierung mich befinde, treu und fleißig sein, und dabei nicht blos auf Menschen, sondern auf dich den Rich⸗ ter aller meiner Gedanken und Handlungen sehen. Ver⸗ leihe, daß ich mich oft erinnere, wie ich nicht blos Men⸗ schen diene, sondern dein Knecht sei, der du einem Jeg⸗ lichen vergelten wirst, was er Gutes oder Böses gethan hat. Laß mich aus Liebe zu dir auch meine weltlichen Geschäfte so verrichten, daß ich dir zu gefallen suche, red⸗ lich dabei handle und deinen Willen nicht allein mit Dienst vor Augen, sondern von Herzen und mit gutem Willen thue. Segne meine Arbeit und was mir deine Hand gege⸗ ben hat, daß ich für mich und die Meinigen die 1ugrath 46 oth⸗ Abendgebet am Sonnabend. 17 Nothdurft haben möge. Soll ich nach deinem Willen an diesem Tage, oder sonst mit Noth und Trübsal beleget werden: so reiche mir Schwachen deine Hand, daß ich nicht verzage; stärke mich, daß ich Geduld habe und auf dich hoffe. Erbarme dich nach deiner unendlichen Güte aller Menschen, die dich suchen und lieben. Laß aller Nothleiden⸗ den und Verlassenen Gebet von dir erhöret sein und schaffe ihnen Rath und Trost. Insonderheit gib mir ein Herz, das dich ehret, liebet und dir vertrauet. Verlaß mich nicht, mein Gott! denn ich hoffe auf dich. Meinen Leib und meine Seele und alle die Meinigen, meine Ehre und Alles, was ich habe, empfehle ich jetzt und allezeit in deine mäch⸗ tige Obhut. Ach Herr! sei mein Schutz und mein Heil, mein Helfer und Erretter heute und so lange ich hier bin. Erhöre mich, mein Gott, um Jesu Christi willen! Aunen. Abendgebet am Sonnabend. Durch deine Güte, o Gott! Schöpfer und Erhalter mei⸗ nes Lebens! habe ich nun von Neuem eine Woche ver⸗ lebet; um einen beträchtlichen Theil bin ich nun auf dem Wege dieses Lebens dem ernsten Augenblicke näher gekom⸗ men, der alle meine Wochen und Tage endigen wird. Wie schnell sind mir auch diejenigen entflohen, welche die ver⸗ gangene Woche ausmachten! Wie geschwind habe ich das Ende derselben wieder erreicht! Vergnügen und Mißver⸗ gnügen, Freude und Kummer, Zufriedenheit und Un⸗ ruhe, Empfindungen von verschiedener Natur machten ihren Inhalt aus. Gott, Vater der Zeit und Ewigkeit! wie wenig wichtig, wie gar nichts würde mir mein Le⸗ ben ohne dich fein, Urheber meines Daseins, und mei⸗ nes Daseins höchstes Gut! Nur deine Güte giebt den Augenblicken meiner Tage einen Werth. Du ließest mich werden, um mich glücklich zu machen; du lässest meiner Tage mehr werden, um mein jetziges Glück zu verlän⸗ gern, und mir Zeit zu geben, für mein künftiges wirk⸗ sam sein zu können. Unter der Leitung deiner gnädigen Vorsehung sind alle Theile meines Schicksals Mittel zu meiner Seligkeit, und muß Alles, selbst das, was mir böse scheint, zu meinem wahren Besten dienen. Wie voll von Spuren deiner Huld ist die zurückgelegte Woche gewesen! In wie vielen Fällen habe ich in aden en 18 Gebet um wahre Erkenntniß und Bereuung ꝛc. den Segen deiner weisen Führung empfunden! Dank sei dir dafür, ewig gütiger und liebreich himmlischer Va-— ter! Wie soll ich deine Wohlthaten vergelten? wie deine Güte würdig genug preisen? Ich will dich lieben, dir vertrauen, dir gehorchen: dieß sollen mir die heiligsten meiner Pflichten sein. Schon hier will ich nach meinem besten Vermögen deine Gebote erfüllen; bei dir in der Ewigkeit werde ich es einst vollkommener thun können. Deine Absichten sind auch die meinigen; dein Wille ist mein Gesetz. Vergib mir gnädig nach deiner unendlichen Barmherzigkeit und Güte, die du in deinem Sohne, Jesu Christo, geoffenbaret hast, wenn ich dawider gehandelt habe. Laß dir meine aufrichtige Reue darüber wohlge— fallen. Stärke mich in der Ausführung guter Vorsätze und Entschließungen, die ich gefasset habe, mich zu bes—⸗ sern, und verhüte, daß ich nicht in die vorigen Sünden zurückfalle oder neue Sünden begehe. Sei in dieser Nacht mein Schutz! Deiner gnädigen Obhut empfehle ich mich, und Alle, die mir angehören, Bekannte und Unbekannte, Freunde und Feinde! Laß mich den morgenden heiligen Tag zu deinem Preise erwachen, und gib, daß ich ihn so begehe, wie es dir angenehm und meiner Seele heil⸗ sam ist. Erhöre mich, mein Gott! um meines theuersten Erlösers Jesu Christi willen! Amen. Gebet um wahre Erkenntniß und Bereuung der Sünden. O heiliger und gerechter Gott, barmherziger Vater! Ich bekenne und klage dir meine angeborne Blindheit, daß ich meine Sünden nicht so vollkommen erkenne, noch so herz⸗ lich bereue, als es wohl sein sollte. Allwissender Gott! du stellest auch unsere unerkannten Sünden ins Licht vor dei⸗ nem Angesichte. Ach! gib mir die Größe, Abscheulichkeit und Mannigfaltigkeit meiner Sünden recht zu erkennen, und stelle sie mir in diesem Leben unter die Augen, auf daß sie mir nicht am jüngsten Tage unter die Augen gestellet und ich dadurch vor Engeln und Menschen zu Schanden werden möge. Rühre und erweiche mein hartes Herz durch dein kräftiges Wort, daß ich meine Sünden recht ernstlich be⸗ reue. rn“ ANTcc“ NN& Gebet um Vergebung der Sünden. 19 reue. Eine jede Sünde verdienet ja den Fluch; denn du sagst selbst; Verflucht ist, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, daß er darnach thue; und wer auch nur an einem Gebote sündiget, der ist das ganze Ge⸗ setz schuldig. Ist der Fluch schon da, wenn nur Ein Gebot übertreten wird, ach! so habe ich unzähligen Fluch verdienet, weil ich unzähligmal gesündiget und deine Gebote übertreten habe. Dieß laß mich doch, o ge⸗ rechter Gott! lebendig erkennen und zugleich den Reich⸗ thum deiner Güte recht bedenken, die du an mir Un⸗ würdigen mit so väterlicher Langmuth bis hierher be⸗ wiesen hast, um mich dadurch zur Buße zu leiten; die ich Undankbarer aber oft so gering geschätzet, und wohl gar gemißbraucht und verachtet habe. O Herr Jesu! der du dein heiliges Blut am Stamme des Kreuzes um meiner Sünden willen vergossen hast: laß mich aus die⸗ ser theuren Erlösung lebendig erkennen, wie schwer die Schuld meiner Sünden sei, da es dich so viel gekostet hat, sie zu bezahlen, auf daß ich so mühselig und bela⸗ den zu dir kommen möge, daß ich deiner Erquickung fä⸗ hig, und dein heiliges Blut und theures Leiden an mir nicht verloren sei. O heiliger Geist! der du dein Gna— denwerk in der Seele mit einer kräftigen Ueberzeugung von der Sünde anfängst: erleuchte auch mein Herz, daß ich das große Elend desselben aufrichtig erkenne, meine Sünden herzlich bereue, und so zu Jesu, meinem Erlöser, in wahrem Glauben fliehe, daß er auch mir zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht werde. Erhöre mich, o Gott, der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Amen. Gebet um Vergebung der Sünden. der du hast liebreich gesprochen: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen. Auf solche deine Verheißung komme ich zu dir, und glaube fest, ich werde nicht hinaus gestoßen werden. Ich komme aber als ein Müh⸗ seliger und Beladener. Es drücket und beschweret mich der Sünden Last. Ach Vater! vor dir habe ich gesündiget, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Wie oft habe ich dich beleidiget! Wie unvollkommen ist die Beobachtung meiner 20 Gebet vor dem Genusse des heil. Abendmahls. meiner Pflicht bisher gewesen! Wie oft habe ich deinen heiligen und guten Willen entgegen gehandelt! wie oft in Gedanken, Worten und Werken, auch noch unwis⸗ sentlich gesündiget! und wie wenig geneigt und tüchtig bin ich von Natur zu allem geistlichen Guten! Ich er⸗ kenne, daß ich durch mich selbst deiner Gnade und der Vergebung meiner Sünden gänzlich unwürdig bin. Aber, o Gott! der du auch gegen den Undankbaren barmher⸗ zig bist und ihm gern alle seine Uebertretungen vergibst, wenn er mit bußfertigem und glaubigem Herzen in Christo deine Gnade sucht: siehe auch meine aufrichtige Reue und Betrübniß mit väterlichem Erbarmen an, und sei auch mir um Jesu Christi willen gnädig! Ich setze, in völliger Ueberzeugung von meiner Unwürdigkeit und Verwerflichkeit, allein auf deine freie Erbarmung in Christo Jesu, welche den Sünder ohne sein Verdienst gerecht spricht, mein inniges und ganzes Vertrauen, und habe keine andere Gerechtigkeit, als die durch den Glauben an Jesum Christum kommt. Vergib mir um seines theue⸗ ren Leidens und um deiner erbarmungsvollen Güte wil⸗ len alle meine Sünden, und befestige meinen guten Vor⸗ satz, dir künftig mit mehrerer Treue und Sorgfalt ge⸗ horsam zu sein. Erleuchte meinen Verstand, deinen Wil⸗ len zu erkennen, und heilige meinen Willen, nach deinem Wohlgefallen zu thun, damit ich in deiner Gnade blei— ben und dadurch endlich zum Genuß der vollkommensten Güter gelangen möge. Erhöre mein demüthiges Ge⸗ bet, nach deiner großen Barmherzigkeit, um Jesu Christi, meines theuersten Erlösers willen! Amen. Gebet vor dem Genusse des heil. Abendmahls. Göttlicher Erlöser! Herr Jesu! du hast ein Gedächtniß der Wunder deiner Liebe gestiftet. Nur wenige Stun⸗ den vor deinem Leiden setzest du das heilige Abendmahl zum Troste deiner Verehrer und zur Stärkung ihres Glau⸗ bens ein, und du lässest mich noch jetzt zu dieser Gnadentafel einladen, wo ich deines für mich geopferten Leibes und deines für mich vergossenen Blufes, der Siegel und Unter⸗ pfänder meines Heils, theilhaftig werden soll. Wie Hllch — Gebet vor dem Genusse des heil. Abendmahls. 21 lich bin ich, o Herr! daß ich dich, den einigen und voll⸗ kommenen Mittler zwischen Gott und den Menschen, daß ich deine Lehre und dein Heil kenne, daß ich dich meinen Herrn und Gott nennen, mich deiner seligen Gemeinschaft rühmen und zu deinen Erlösten und Freunden zählen darf! O wie viel habe ich dir, meinem Heilande zu danken! Wie unwissend, wie verderbt, wie trostlos, wie elend würde ich ohne dich und deine Gnade sein! Wie unerträglich würde mir die Last meiner Sünden, wie fürchterlich die Erwartung der damit verdienten Strafen, wie schrecklich der Anblick des Todes und des Grabes sein, wenn du uns nicht selbst den gnädigen Willen Gottes bekannt gemacht, wenn du dich nicht zum Opfer für unsere Sünden dahin gegeben und uns durch deinen Tod Gnade, Leben und ewige Seligkeit erworben hättest. Ja, alles Licht, das mich erleuchtet, aller Trost, der mich erquickt, alle Hoffnung, die mich belebet, sind Geschenke deiner unverdienten Liebe. Wie theuer soll mir dann nicht dein Gedächtniß sein! Würde ich nicht der Undankbarste, der Niederträchtigste unter den Sterblichen sein, wenn ich deiner vergäße, wenn ich mit Kaltsinnigkeit und Dir diecehre an dich gedächte, wenn ich mich weigerte, dir die Ehre und den Dank zu geben, die dir gebühren? Nein, göttlicher Er⸗ löser, ich folge deiner liebreichen Einladung mit Begierde und Freude. Ich komme, mich öffentlich für deinen Jün⸗ ger und Verehrer zu bekennen. Ich komme als ein müh⸗ seliger und beladner Sünder, Ruhe für meine Seele zu suchen, und ergreife mit bußfertigem Glauben die Gnade, die du mir anbietest, und das große Heil, das du gestiftet hast. Ich komme, dir für dein Leiden und Ster— ben feierlich zu danken, mich dir zum Eigenthum aufzu⸗ opfern und den heiligen Vorsatz zu erneuern, nicht mehr mir selber, sondern nur dir zu leben, der du für mich ge⸗ storben und auferstanden bist. Ich komme, meine Gemein⸗ schaft mit den Gläubigen zu unterhalten und mich aufs Neue zu einer aufrichtigen Liebe gegen sie zu verpflichten. O Herr! laß mein Vorhaben gesegnet sein. Gib nicht zu, daß ich blos mit den Lippen zu dir nahe, aber mit dem Herzen ferne von dir sei. Sende mir dein Licht und deinen Geist, und laß den Gedanken, daß du Herz und Nieren prüfest, alle Falschheit und Verstellung aus meiner Seele——0 a 22 Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit so beden⸗ ken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärket und ich auf das kräftigste bewogen werde, die Versprechungen, die ich dir thue, mit unverbrüchlicher Treue zu halten. Erhöre mich, mein Heiland! um deiner ewigen Liebe willen“ Amen. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Gütiger Gott und Vater! ich preise dich, daß du auch — mich sündhaften Menschen nicht verworfen, sondern deinen Sohn, Jesum Christum, auch zu meinem Mittler und Seligmacher verordnet hast. Wenn ich seinem gött⸗ lichen Worte glaube und darnach lebe, so bin ich gewiß mit dir versöhnt, völlig von dir begnadigt. Dessen tröste ich mich mit freudigem Vertrauen durch das heilige Abend— mahl meines Erlösers, Jesu Christi, durch welches ich jetzo die Versicherung davon empfangen habe, da ich mir in meinem Gewissen bewußt bin, daß ich alle Vergehun⸗ gen und Fehltritte meines bisherigen Lebens schmerzlich vor dir bereue, und den aufrichtigen Vorsatz der Besse⸗ rung bei mir hege. Ach! wie soll ich dir für deine un⸗ verdiente Barmherzigkeit genugsam danken! Nimm das schwache Lobopfer meines gerührten Herzens gnädig an, bis mein künftiges Leben beweiset, daß ich ganz von dei⸗ ner Vaterhuld durchdrungen bin. Ich will deine Gnade nicht vergeblich empfahen. Sie soll einen bleibenden Ein⸗ druck auf mein Gemüth machen, meine Gesinnungen re⸗ gieren und meinen Wandel leiten. O Herr! segne den Genuß des heiligen Abendmahls so an meiner Seele, daß ich dadurch kräftig angetrieben werde, der Sünde zu widerstehen und mich aller christlichen Tugenden zu be⸗ fleißigen. Und da ich jetzt den redlichen Vorsatz, mich dei⸗ nem Dienste nach Jesu Lehre zu widmen, an seiner Gna⸗ dentafel erneuert habe; so bitte ich in Demuth: Hilf du selbst der du alles Gute in uns schaffest, mir ihn kreulich vollbringen. Laß mich durch das Andenken des Todes dei⸗ nes Sohns die Sünden in mir tödten, damit, so lange ich noch in der Welt lebe, ich im Glauben an diesen deinen Sohn lebe, der auch mich geliebet und sich selbst für Hae gege⸗ —— E t nn nr nn er Dr W Gebet in Noth und Trübsal. 23 gegeben hat, Gib mir Kraft, dich auch in den Trüb⸗ salen dieses Lebens mit Geduld und Vertrauen zu eh⸗ ren, und im Leben, Leiden und Sterben meine künftige Verherrlichung bei dir in völliger Gewißheit zu hoffen, bis ich endlich zu deiner vollkommenen Anbetung und zu der himmlischen Gemeinschaft mit dir in der Ewig⸗ keit gelange, wozu mich dein Sohn, mein theuerster Hei⸗ land, erlöset hat! Erhöre mich, Gott, mein versöhnter Vater! um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. 1 2⁷ 22 2 32 21 A: O mein Heiland, du hast mich abermals in dem Genuß deines heiligen Abendmahls auf das kräftigste ver⸗ sichert, daß du auch für mich deinen heiligen Leib in den Tod gegeben und dein theures Blut vergossen hast. Durch dich habe ich Friede mit Gott und einen freien Zutritt zu seiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset, und darf mich der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kann ich dir deine Liebe jemals vergelten! Ich will dich ewig lieben; denn du hast mich zuerst, du hast mich bis in den Tod geliebet. Du bist für mich gestorben. Du hast dich selbst für mich geopfert. Ich will ganz der deinige sein. Dir will ich leben, dir will ich ster⸗ ben! Dir sei mein Leib und meine Seele, dir sei mein ganzes Leben heilig. Dich zu kennen, dich zu lieben, dir zu gehorchen, deinem Beispiele zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, dein Reich hier auf Erden zu erweitern, und mich zu deiner nähe⸗ ren Gemeinschaft im Himmel geschickt zu machen: dieß soll meine Ehre, mein Ruhm, mein vornehmstes und beständiges Geschäft, meine ganze Seligkeit sein. Stärke mich, o Herr! in diesem heiligen Vorsatze, und erhalte mich in deiner Treue bis an mein Ende! Amen. Gebet in Noth und Trübsal. Hroßer und heiliger Gott, der du die ganze Welt mit höchster Weisheit regierest! ich glaube deine allgemeine Vorsehung; ich glaube von Herzen, daß Alles, was und un 24 Gebet in Noth und Trübsal. und die Umstände meines Lebens betrifft, durch deine weise heilige und gütige Veranstaltung so eingerichtet sei, wie es ist, daß mir ohne deinen Willen nichts begegnen kann, und beides, mein Glück und mein Unglück, aus dei⸗ ner Hand kommt. Wie oft, mein Gott! habe ich gespro⸗ chen: Dein Wille geschehe! Und nun wird mir dein Wille schwer und fast unerträglich. Soll ich denn nun wider⸗ rufen, was mein Mund so oft wiederholet hat? Das sei ferne! Viel lieber will ich mich in tiefster Demuth vor dir niederwerfen und deine heilige Regierung verehren. O Herr! du bist gerecht in allen deinen Wegen! Ich bekenne vor deinem Angesichte, daß ich Alles, was ich leide, und noch weit mehr verdienet habe. Blos Güte ist es, wenn es nicht gar mit mir aus ist; unverdiente Güte ist es, wenn du mich wegen meiner Sünden mit zeitlichen Pla⸗ gen, und nicht mit dem ewigen Verderben heimsuchest. Gerechter Richter! ich unterwerfe mich deinem Willen. Aber auch in deinem Ernst verehre ich dich als meinen barmherzigen, als meinen in Christo Jesu versöhnten Va⸗ ter. Ich weiß, daß deine heiligen Absichten allein auf meine wahre Glückseligkeit abzielen. Auch meine gegen⸗ wärtige Trübsal soll zu meinem Besten dienen. Sie soll mich die Folgen meiner Vergehungen empfinden lassen; sie soll die Liebe der Welt und ihre Eitelkeit in meinem Herzen vermindern; sie soll mich antreiben, dich, meinen Gott, zu suchen, dich zu lieben, dich zu fürchten, dir zu vertrauen, und mein ganzes Leben zu meiner wahren Se— ligkeit nur nach deinem Willen einzurichten. O Herr! laß diese gesegneten Endzwecke an mir erreichet werden, und erfreue mich wieder zur rechten Zeit mit deiner gnä⸗ digen Hülfe! Du erhörest, du rettest Alle, die dich in kindlichem Vertrauen in der Noth anrufen. Du wirst auch mir helfen, wenn meine Stunde kommt. Diese will ich in Demuth und Gelassenheit von deiner Weisheit er⸗ warten. Laß unterdessen deine Kraft in meiner Schwach⸗ heit mächtig sein! Unter deinem Schutz, mit Hülfe dei⸗ ner göttlichen Liebe kann ich Alles ertragen. Ich will auch gern Alles ertragen, Alles ausstehen und erdulden, was du mir auflegest. Stärke du nur meine Geduld und meine Hoffnung auf deine gnädige Hülfe. Die Tage meiner Trübsal werden ein Ende haben! Ja 6 wir KS E/! ——— F— —* Gebet eines Kranken. 25 wird die Stunde erscheinen, die selige Stunde, da all mein Kummer und Schmerz auf einmal verschwinden wird, da ich aus diesen Hütten des Elends in das Land der Freiheit, des Friedens und der Freude hinüberge⸗ hen werde. Dann wird meine Trübsal, die zeitlich und leicht ist, eine ewige und über alle Maaße wichtige Herr⸗ lichkeit schaffen. Was betrübst du dich denn, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, ewig danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist! Amen. Gebet eines Kranken. Hen allmächtiger Gott! Schöpfer Himmels und der Erden! der du das Leben, die Gesundheit und jeden andern Segen gibst, aber auch wieder nimmst, wann es dir gefällt: lehre mich erkennen, daß Alles, was mir be⸗ gegnet, von deiner Hand kommt, damit ich bei allen Leitungen deiner gnädigen Vorsehung nur auf dich se⸗ hen und sie mir zu deiner, als ihres Urhebers, Ehre zu Nutze machen möge. Du hast mich jetzt mit einer Krankheit heimgesucht, von der ich nicht weiß, was sie für Folgen für mich haben kann. Ich nehme indessen meine einzige Zuflucht zu dir und bikte dich um deinen väterlichen Beistand. Erleichtere meine Schmerzen, be— freie mich, wenn es dein heiliger Wille ist, bald wieder davon; verleihe mir aber vornehmlich die Gnade, daß ich diese Krankheit, wenn sie länger anhalten sollte, nicht nur mit Geduld und Gelassenheit ertragen, sondern sie auch zu meiner Heiligung anwenden möge. Gib, daß ich dadurch gebessert werde und auf die Absicht, die du bei dieser Züchtigung hast, merke, damit sie auch an mir erreichet werde. Ist sie eine Strafe für meine Sünden, so laß sie meine Seele kräftig ermuntern, die Sünden, deren ich mich in meinem bisherigen Verhalten schuldig weiß,. erkennen, sie aufrichtig zu bereuen und dir künftig in wah⸗ rer Heiligkeit und rechtschaffener Gerechtigkeit zu dienen. Laß mich in keiner andern Absicht mein Leben lieben, als dir zu gefallen und meine Seele zu erretten. Wenn ich zu diesem Endzweck leben soll, schenke mir den Genuß mei⸗ ner 26 Gebet bei anhaltender und heftiger Krankheit. ner vorigen Gesundheit und Stärke wieder und die Gnade⸗ sie auch alsdann zu diesem Endzweck anzuwenden. Soll aber der Tod das Ende meiner gegenwärtigen Krankheit sein, so gib, daß ich diese Welt als ein rechtschaffener Christ verlassen möge! Gib, daß ich sie verlasse mit ei⸗ ner ungeheuchelten Bereuung aller meiner Vergehungen und Sünden, mit einem festen Vertrauen auf meinen göttlichen Erlöser, Jesum Christum, mit einer freudigen Erwartung der mir durch ihn erworbenen ewigen Se⸗ ligkeit, und mit einer willigen Ergebung meiner Seele in deine Hände, als in die kreuen Hände meines Sckö⸗ pfers und barmherzigen himmlischen Vaters! Erhöre mich, o Gott, um Christi willen! Amen. Gebet bei heftiger und anhaltender Krankheit. Hepisei aber auch barmherziger Gott, der du über die Menschen, deine Kinder, bei ihren Leiden wa⸗ chest, auch verheißen hast, die zu erretten, welche dich in ihrer Noth anrufen: ich' komme jetzt, da deine Hand schwer auf mir liegt und deine Pfeile tief in mich ge— drungen sind, mit meinem Gebet vor dich, und bikte dich demüthig: Versage mir in dieser heftigen und an⸗ haltendeu Krankheit deine Hülfe und deinen Beistand nicht! Sei mir gnädig, o Gott! denn ich bin schwach: heile mich; denn meine Gebeine sind erschrocken: hilf mir um deiner Güte willen! Siehe an meinen Jam⸗ mer, und laß dir mein Elend zu Herzen gehen! Von dir allein kann meine Hülfe kommen; wenn du willst, kannst du mir wohl helfen, meine Schmerzen lindern und mich wieder gesund machen. Ich bekenne zwar, daß ich noch weniger leide, als ich verdient habe, und daß ich es deiner Güte allein zu danken habe, wenn es noch nicht gar aus mit mir ist. Ich weigere mich auch dei⸗ ner Züchtigung nicht, und bin ni t ungeduldig über deine Strafe; denn ich weiß, daß du meine Besserung und Heiligung dabei zur Absicht hast. Indessen wage ich es dennoch, deine Barmherzigkeit anzuflehen, daß du nicht nach meinen Uebertretungen und Sünden, sondern nach deiner großen Güte mit mir handeln und mich nicht in deinem Zorne, sondern mit Maaße züchtigen wollest. Bauch mich ———————— — 2..— D U“ N Gebet nach der Genesung von einer Krankh. 27 mich, wenn es deiner Weisheit gemäß ist, bald wieder von allen meinen Schmerzen, die ich jetzt so empfindlich leide. Segne diejenigen Mittel, welche ich in dieser Ab⸗ sicht gebrauche. In Allem aber, was du auch über mich beschlossen hast, gib, daß ich mich deinem heiligen und weisen Willen mit einer gänzlichen Ergebung in densel⸗ ben und mit einem völligen Vertrauen, daß du, Herr, Alles wohl mit mir machen werdest, unterwerfe. Er⸗ halle mir den Glauben an deine Alles regierende Vor⸗ sehung, und laß auch diese schmerzhafte Krankheit dazu dienen, mich in demselben zu stärken! Gib, daß ich auch in dieser Anfechtung bewährt von dir möge erfunden werden, damit ich die Krone des Lebens empfahe, die du verheißen hast denen, die dich lieb haben! Gewähre mir meine demüthige Bitte: ich flehe darum um Jesu Christi, meines Heilandes, willen! Amen. Gebet nach der Genesung von einer Krankheit. Gett von unendlicher Erbarmung, der du gnädig bist Allen, die auf dich trauen! auch ich weiß es jetzt aus eigner Erfahrung, daß du mit deiner Hülfe nahe bist denen, die dich mit Ernst darum anrufen; denn da ich in meiner Noth zu dir rief, da erhörtest du mich und halfest mir wieder von meiner Krankheit, so, daß ich dich jetzt mit fröhlichem Herzen dafür preisen kann. Lobe denn, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der mein Leben vom Tod errettet und mich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit! O daß mein, Herz durch diese neue Wohlthat so gerührt würde, daß ich es nie wieder wagte, eine so außerordentliche Güte zu mißbrauchen, sondern jeden Tag, den du, Gott, zu meinem Leben hinzuthust, zu einer treuen Beobachtung deiner Gesetze und zu deiner Verherrlichung anwendete! Ich bin nun wieder genesen. Möchte ich mich doch auch pon nun an fleißig hüten, daß ich nicht wider dich sün⸗ dige, damit mir nicht noch etwas Aergeres widerfahre! Laß die öftere Erinnerung an die Umstände, in welchen ich mich befunden habe, einen so starken Eindruck auf mein Gemüth machen, daß ich Alles dasjenige sorgfäl⸗ tig vermeide, was mich 2 Neuem auf das Krankenbette werfen 28 Gebet eines Sterbenden. werfen, und in Gefahr des Todes bringen könnte. Gib, daß ich in Erfüllung aller meiner Pflichten emsig und treu sei, und mit allem Ernst für meine Seele sorge. Du schenkest mir nun Zeit zur Besserung: gib mir denn auch ein Herz, das sich zu bessern bemüht sei. Lehre mich bedenken, daß ich nicht nur sterben muß, sondern auch plötzlich sterben kann, und daß, wenn es nicht diese Krankheit gewesen, es vielleicht eine andere seyn wird, die meinem Leben hier auf Erden ein Ende macht, da⸗ mit ich bei Zeiten das thue, was ich sterbend wünsche gethan zu haben. Laß keine Sünde über mich herrschen, keine Versuchung mich überwinden, oder mich auf die theueren Pflichten, die ich dir und meinem Erlöser schul⸗ dig bin, unachtsam machen. Wirke in mir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten nach deinem Wohlgefallen. Mache mich mit jedem Tage zu deinem ewigen himmlischen Reiche geschickter, und wann du mich endlich von dem Leibe dieses Todes erlö— sen wirst; so führe meine Seele in das bessere Leben ein, wo kein Schmerz und kein Tod mehr sein wird! Amen. Gebet eines Sterbenden. Guädiger und barmherziger Gott! da es dir, als dem Herrn über Leben und Tod, gefällig zu seyn schei⸗ net, mich aus dieser Welt abzufordern; so danke ich dir in der fiefsten Demuth meines Herzens für deine un⸗ zähligen geistlichen und leiblichen Wohlthaten, die du mir in meinem ganzen Leben so väterlich erzeigt hast, und bitte dich inbrünstig, du wollest mich auch bei mei⸗ nem Uebergange in die Ewigkeit nicht verlassen noch versäumen. Wende dich, o Vater! mit deiner Barm⸗ herzigkeit zu mir! Siehe an meinen Jammer und meine Noth, und vergib mir alle meine Sünden! Erleichtere mir mein Leiden, und verkürze mir die Schmerzen des Todes! Erhalte mich bei dem wahren beständigen Ver⸗ trauen auf das blutige Verdienst deines lieben Soh⸗ nes, meines göttlichen Mittlers, Jesu Christi! Laß dei⸗ nen freudigen Geist, den rechten Tröster, in meinem Herzen bleiben, daß er alle Furcht, Bekümmerniß, Unge⸗ duld, Seelenangst und Anfechtung von mir treibe, und 905 ů 0 r—...2—....... 2882— S& Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. 29 das Zeugniß gebe, daß ich um Christi willen in deiner Gnade stehe und vor Nichts erschrecken dürfe! Laß mich mein Leben selig beschließen! In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast ihn erlöset, Herr, du getreuer Gott! Ach, Herr Jesu! auf dich gründet sich mein gan⸗ zes Vertrauen. Du wirst mich auch in meiner Todes⸗ stunde nicht verlassen. In dir allein habe ich die Ge⸗ rechtigkeit gefünden, die vor Gott gilt. Durch dein Blut bin ich rein von allen Sünden und völlig gewiß, daß auch der Tod mich nicht von dir scheiden wird. Hilf mir durch deine Gnade, wenn meine schwache Natur da⸗ vor erzittern will, und gib mir Lust, abzuscheiden und bei dir in der Seligkeit zu seyn, die du mir so theuer erworben hast. Ach, Gott, heiliger Geist! verlaß mich nicht in dieser ich m Noth. Hilf meiner Schwachheit auf, und vertritt mich mit unaussprechlichem Seufzen. Ver⸗ kläre meinen Heiland in meiner Seele, und bringe mich vom Glauben zum Schauen. Dreieiniger Gott! dir be⸗ fehle ich mich mit Leib und Seele, die du erschaffen, die du erlöset, die du geheiliget hast, und die also dir allein zugehören, demüthig und gläubig. Herr! laß mich, dei— nen Diener(deine Dienerin), in Frieden fahren; nimm meinen Geist in deine Hände, und erwecke und verkläre dereinst auch meinen Leib zum ewigen Leben, wie du ver⸗ heißen hast. Erhöre mich um Christi willen! Amen! Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. Bearmherziger Gott und Vater! der du den Tod und das Leben in deinen Händen hast! Du willst, daß wir dich in der Noth anrufen, und verheißest uns Er⸗ hörung und Gnade. Darum treten wir auch jetzt in tief⸗ ster Demuth vor dein heiliges Angesicht und bitten dich für diese kranke Person, die in ihrer äußersten Schwach— heit und Noth außer dir, ihrem mächtigen Schöpfer, Niemand hat, der ihr helfen kann. Wir bitten dich in dem Namen Jesu Christi, in wahrem Glauben auf seine theure Verheißung: Sei ihr um Christi willen—— und barmherzig! Vergib ihr alle begangene Sünden! Heilige und stärke sie mit der Kraft deines heiligen Geistes! Laß sie nicht.0 3 Vermögen versucht den en, 30 Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. den, sondern laß auch diese ihre letzten Leiden ein gnä⸗ diges Ende gewinnen! Sei du durch deine Kraft in ih⸗ rer Schwachheit mächtig! Lindere und verkürze ihre Angst und Schmerzen! Tröste sie, du kräftiger Tröster! Hilf ihr du starker Nothhelfer! Beruhige ihre Seele, und erquicke sie mit der gewissen Hoffnung der ewigen Se⸗ ligkeit. Göttlicher Erlöser, Herr Jesu! wir bitten dich um deiner ewigen Liebe, und um deines bitteren Leidens und Sterbens willen: Erbarme dich auch jetzt über diese sterbende Person! Wie du sie in ihrem Leben durch die kräftige em Seig zu dir gezogen und ihr Herz nach dir und deinem Heil gelenket hast; so ziehe nun auch ihre Seele aus der einfallenden Hütte ihres Leibes zu dir, daß sie bald mit Freuden von der Erde in den Himmel, von der Sünde zur Gerechtigkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Finsterniß in das Licht, aus allem Jam⸗ mer in die Herrlichkeit, ja aus dem Tode in das Leben komme. Wenn ihre Augen finster geworden sind; so er⸗ halte in ihrem Herzen das Licht des seligmachenden Glau⸗ bens, damit ihre Seele dich anschauen und in dir sich erfreuen möge. Wenn ihre Ohren verschlossen sind, daß sie Nichts mehr hören, so erquicke und tröste sie durch das innerliche Zusprechen des heiligen Geistes. Wenn ihr Mund nicht mehr reden kann, so sei, Herr Jesu, ihr Fürsprecher bei deinem und ihrem Vater, und laß auch deinen Geist in ihr mit unaussprechlichen Seufzern für sie bitten. Nimm, treuer Heiland! nimm 49 l Geist, wenn er sich nun vom Leibe scheidet, zu dir auf und laß ihn bei dir einer ewigen und vollkommenen Ruhe genießen. Erhöre uns, o Herr! und erfülle unsere de⸗ müthige Bitte um deiner allerhöchsten Liebe willen! Amen. Das Das Leiden und Sterben unsers Herrn Jesu Christi, nach den vier Evangelisten. 1. E war aber nahe das Fest der süßen Brode, das da Ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen Jün⸗ gern: Ihr wisset, daß nach zween Tagen Ostern wird, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuziget werde. Da versammelten sich die Hohenpriester und Schrift⸗ gelehrten und die Aeltesten im Volk in dem Palast des Hohenpriesters, der da heißet Caiphas, und hielten ei⸗ nen Rath, wie sie Jesum mit List griffen und tödteten; denn sie fürchteten sich vor dem Volke. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk. 2. Und da nun Jesus war zu Bethanien in dem Hause Simonis, des Aussätzigen, trat zu ihm ein Weib, das hatte ein Glas mit unverfälschtem und köstlichen Narden-⸗ wasser, und sie zerbrach das Glas und goß es auf ben, Haupt, da er zu Tische saß. Da das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser Unrath! Man könnte das Wasser um me r, denn um dreihundert Groschen verkauft haben und dasselbige den Armen geben; und sie murrten über sie. Da das Jesus merkete, sprach er zu ihnen: Lasset sie zufrieden! Was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gutes Werk an mir gethan. Ihr habt allezeit Arme bei euch; und wenn ihr wollt, könnet ihr ihnen Gutes thun; mich aber habt ihr nicht Sie hat gethan, was sie konnte. Denn daß sie dies Wasser auf b———6 4— gegossen, damit ist sie zuvor 32 Historie vom Leiden Christi. zuvor kommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbniß. Wahrlich, ich sage euch, wo dieß Evange— lium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtniß, was sie jetzt gethan hat. Es war aber gefahren der Satanas in den Judas, genannt Ischarioth, der da war aus der henp der Zwölfe, und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verrathen. Da sie das hörten, wurden sie froh, und boten ihm dreißig Silberlinge, und er versprach sich. Und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Rumor. 3. Aber am ersten Tage der süßen Brode, auf welchen man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: Wo'r illst du, daß wir hingehen, und dir bereiten das Osterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Johannem und sprach: Ge⸗ het hin in die Stadt, sehet, wenn ihr hinein kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasser⸗ und folget ihm nach in das Haus, da er hinein geht, un gen: Meine Zeit ist herbei kommen, ich will bei dir die Ostern halten. Wo ist das Gasthaus, darin ich das Osterlamm essen möge mit meinen Jüngern? Und er wird euch einen großen gepflasterten Saal zeigen, da⸗ selbst bereitet es. Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm. Und am Abend kam er und setzte sich zu Tische mit den zwölf Aposteln. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, das Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß erfüllet werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankete und sprach: densel ensel⸗ mit den Hauptleuten, daß er ihn verrieth, und sprach: agt zu dem Hauswirth: Der Meister läßt dir sa⸗ ————.4 Historie vom Leiden Christi. 33 denselben, und theilet ihn unter euch; denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme, bis an den Tag, da ichs neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reiche. 4. Und indem sie aßen, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm der Herr Jesus das Brod, dankete, und brachs, und gabs den Jüngern, und sprach: Nehmet, es⸗ set, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, sol⸗ ches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch, nach dem Abendmahl, dankete, gab ihnen den, und sprach: Trin⸗ ket Alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, 0 oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Und sie tranken Alle daraus. 5. Vor dem Feste aber der Ostern, das ist auf denselbi⸗ gen Abend, da Jesus erkennete, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater; wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebete er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vatter hatte Alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott ge⸗ kommen war, und zu Gott ging; stand er vom Abend⸗ mahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trock⸗ nete sie mit dem Schurz,—4.0 er umgürtet war. 2 0 34 Historie vom Leiden Christi. „Da kam er zu Simon Petro, und derselbe sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jetzt nicht; du wirsts aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, 70 hast du keinen Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein; aber nicht Alle. Denn er wußte seinen Ver⸗ räther wohl, darum sprach er: Ihr seid nicht Alle rein. 6. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach aber⸗ mal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr, und saget recht da⸗ ran: denn ich bins auch. So ich nun, euer Meister und Herr, euch die Füße gewaschen habe, sollt ihr euch auch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer, denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr es thut. Nicht sage ich von euch Allen: ich weiß, welche ich erwählet habe, sondern daß die Schrift erfüllet werde: Der mein Brod isset, der tritt mich mit Füßen. Jetzt sage ichs euch: ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, ihr glaubet, daß ich es bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich Jemand senden werde, der nimmt mich auf. Wer aber mich auf⸗ nimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. 7 Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Gei⸗ ste, und zeugete, und sprach: wahrlich, wahrlich, ich c en ————————— —— rNree ————— —— Historie vom Leiden Christi. 35 euch, einer unter euch, der mit mir isset, der wird mich verrathen. Siehe, die Hand meines Verräthers ist mit mir über Tische. Und die Jünger wurden sehr traurig, sahen sich unter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie fingen an zu fragen un⸗ ter sich selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der das thun würde? und sagten zu ihm einer nach dem andern: Herr, bin ichs? und der andere: Bin ichs? Er antwor⸗ tete und sprach: Einer aus den zwölfen, der mit mir in die Schüssel tauchet, der wird mich verrathen. Des Men⸗ schen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm beschlossen und beschrieben ist; doch wehe dem Menschen, durch wel⸗ chen des Menschen Sohn verrathen wird. Es wäre ihm besser, daß derselbige Mensch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagsts. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Ti⸗ sche saß, an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte, dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Denn derselbige lag an der Brust Jesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jesus antwortete: Der ists, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchete den Bissen ein, und gab ihn Juda Simonis Ischarioth. Und nach dem Bissen fuhr der Sa⸗ tan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Dasselbige aber wußte Niemand über Tische, wo⸗ zu ers ihm sagte. Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hätte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns Noth ist aufs Fest; oder, daß er den Armen Etwas gebe. Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus, und es war Nacht 8. Da aber Judas hinausgegangen war, erhub sich ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den größe⸗ sten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die welt⸗ lichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißet man b 6 gnädige 36 Historie vom Leiden Christi. gnädige Herrn. Ihr aber nicht also; sondern der Grö— ßeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vor⸗ nehmste wie ein Diener. Denn welcher iß der Größeste? der zu Tische sitzet, oder der da dienet? Ist's nicht also, der zu Tische sitzet? Ich bin aber mitten Unter euch wie ein Diener. Ihr aber seids, die ihr bei mir beharret habt in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mirs mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tische in meinem Reiche, und sitzen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israels. Da sprach Jesus: Nun ist des Menschen Sohn ver⸗ kläret, und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verklä⸗ ret in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen, und, wie ich zu den Juden sagte, wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen. Und sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch un⸗ ter einander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habet. Dabei wird Jedermann er⸗ kennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habet. 9. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir hernachmals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den Waizen; ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht auf⸗ höre. Und wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin be⸗ reit, mit dir ins Gefängniß und in den Tod zu 9eh r F————..=.......T Historie vom Leiden Christi. 37 Er aber sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir Pe⸗ trus, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die Tasche. Wer aber nicht hat, der verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwerdt; denn ich sage euch: Es muß auch das vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist unter die Uebelthäter ge— rechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerdter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. 10. Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, ging Je⸗ sus hinaus nach seiner Gewohnheit über den Bach Ki⸗ dron, an den Oelberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch Alle an mir ärgern. Denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schaafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläg. Petrus aber antwortete, und sprach zu ihm: Wenn sie sich auch alle an dir är⸗ gern, so will ich mich doch nimmermehr an dir ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal rähet, wirst du mich dreimal verläugnen. Er redete aber noch weiter: Ja, wenn ich mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht verläug⸗ nen. Desselbigen gleichen sagten auch alle Jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Geth⸗ semane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Setzet euch hie, auf daß ich dort hingehe und bete. Und er 5 75 zu sich Petrum und Pum um 38 Historie vom Leiden Christi. bum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern und zu zittern, und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; blei⸗ bet hie, wachet mit mir und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. 14. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und knieete nieder, fiel auf sein Angesicht aus die Erde und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: Abba! mein Vater! Es ist dir Alles möglich, überhebe mich dieses Kelchs! doch nicht, was ich will, sondern was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schla— fend, und sprach zu Petro: Simon! schläfst du? Ver⸗ möchtest du nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wa⸗ chet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andern Mal ging er aber hin, betete und sprach: Mein Vater! ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschehe dein Wille. Und er kam, und fand sie abermal schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm ant⸗ worteten. Und er ließ sie, und ging abermal hin und betete zum drittenmale dieselbigen Worte, und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und er betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. 12 — Und er stand auf von dem Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit, und sprach zu 7 0 U Historie vom Leiden Christi. 39 zu ihnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr? Es ist genug. Siehe, die Stunde ist ge⸗ kommen, und des Menschen Sohn wird überantworket in der Sünder Hände. Stehet auf, und laßt uns ge⸗ hen; siehe, der mich verräth, ist nahe. Betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und alsbald, da er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfen einer. Da er nun zu sich hatte genommen die Schaar und die Diener der Hohenpriester und Pha⸗ risäer, der Aeltesten und Schriftgelehrten, ging er zu⸗ vor der Schaar, und kommt dahin mit Fackeln, Lampen und Schwerdtern und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den grei⸗ fet und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte Alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus, und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zu— rücke und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Naza⸗ reth. Jesus antwortete: Ich habs euch gesagt, daß ich es sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe derer keinen verloren, die du mir gegeben hast. 13. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen. Und alsbald trat er zu ihm, und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Juda, verräthst du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hin⸗ zu, und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. Da 40 Historie vom Leiden Christi. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerdt drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwerdt, und zog es aus, und schlug nach des Hohen⸗ priesters Knecht, und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. Und sprach zu Petro: Stecke dein Schwerdt in die Scheide. Denn wer das Schwerdt nimmt, der soll durchs Schwerdt umkom⸗ men. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Va⸗ ter bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legio— nen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührete sein Ohr an und heilete ihn. 14. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Aeltesten, die über ihn gekommen waren: Ihr seid, als zu einem Mör⸗ der, mit Schwerdtern und mit Stangen ausgegangen, mich zu fahen. Bin ich doch täglich gesessen bei euch, und habe gelehret im Tempel, und ihr habt keine Hand an mich gelegt; aber dieß ist eure Stunde und die Y acht der Finsterniß. Das ist aber Alles geschehen, auf daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da ver⸗ ließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn; er aber ließ die Leinwand fahren, und floh blos von ihnen. — 15. Die Schaar aber und der Oberhauptmann, und die Die⸗ ner der Juden nahmen Jesum und banden ihn, und füh⸗ reten ihn aufs Erste zu Hannas, der war Caiphas Schwä⸗ her, welcher des Jahres Hoherpriester war. Es 56 908 aiphas, ——ß7ꝛß— *2 NS-— Historie vom Leiden Christi. 4¹ Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß Ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, (das ist zum Fürsten der Priester), dahin alle Hohen⸗ priester und Schriftgelehrten und Aeltesten sich versam⸗ melt hatten. Simon Petrus aber folgte Jesu von ferne, und ein anderer Jünger, bis an den Palast des Hohen⸗ priesters. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in des Hohenprie⸗ sters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führete Petrum hinein. Es standen aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlfeuer gemacht, danieden mitten im Palast; denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Die Magd aber des Hohenpriesters, die Thür⸗ hüterin, sah Petrum bei dem Lichte, da er sich wärmete. Und sah eben auf ihn, und sprach: Und du warst auch mit dem Jesu von Galiläa. Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er läugnete aber vor Allen, und sprach: Weib, ich bin's nicht; ich kenne sein nicht Ich weiß auch nicht, was du sagest. 16. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öf⸗ fentlich geredet vor der Welt; ich habe allezeit gelehret in der Schule, und in dem Tempel, da alle Juden zusam⸗ men kommen, und habe Nichts im Winkel geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret ha⸗ ben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, dieselbige wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so 19—212860 42 Historie vom Leiden Christi. daß es unrecht sei; habe ich aber recht geredet, was schlägest du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden ge— sandt zu dem Hohenpriester Caiphas. 17. Simon Petrus aber stand und wärmete sich. Und über eine kleine Weile, nach dem ersten Verläugnen, als er hinaus ging nach dem Vorhof, krähte der Hahn, und eine andere Magd sah ihn, und hub abermal an zu sa⸗ gen denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein Anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er läugnete abermal, und schwur dazu und sprach: Mensch, ich bin's nicht und kenne auch den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile, bei einer Stunde, bekräf⸗ tigte es ein Anderer mit denen, die da standen, und sprach: Wahrlich, du bist auch der einer, denn du bist ein Galiläer; deine Sprache verräth dich. Spricht des Hohenpriesters Knecht, ein Befreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an, sich zu ver⸗ fluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr saget. ö Und alsbald, da er noch redete, krähte der Hahn zum andern Mal. Und der Herr wandte sich, und sah Pe⸗ trum an. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verläugnen, und ging hinaus und weinete bitterlich. 18. Die Hohenpriester aber, und die Aeltesten, und der ganze Rath suchten falsche Zeugnisse wider Jesum, auf daß sie ihm zum Tode hülfen, und fanden keines, wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten, denn ihre Zeugnisse Lu nich Historie vom Leiden Christi. 43 nicht überein. Zuletzt standen auf und traten herzu zween falsche Zeugen, und gaben falsch Zeugniß wider ihn, und sprachen: Wir haben gehöret, daß er sagte: Ich kann und will abbrechen den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen will ich einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Und ihr Zeugniß stimmte noch nicht überein. Und der Hohepriester stand auf unter ihnen, und fragte Jesum, und sprach: Antwortest du Nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille, und antwortete Nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal, und spra zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Gottes? Jesus sprach: Du sagst es, ich bins. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, und sprach: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt haben wir seine Gotteslä— sterung gehöret; was dünket euch? Sie aber verdamm⸗ ten ihn Alle, und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 19. zesum hielten, verspotteten ihn, Und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins Angesicht, besonders die Knechte, und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist's, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn. Die Männer aber, die J Des Morgens aber versammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Aeltesten des Volks, und der ganze Rath, und hielten Rath über Jesum, daß sie ihm zum Tode hülfen, und führeten ihn hinauf vor ihren Rath und sprachen: Bist du Christus? sags uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ichs euch, so glaubet ihr nicht. Frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch 105 08. 44 Historie vom Leiden Christi. los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie Alle: Bist du denn Wottes Sohn? Er sprach zu ih⸗ nen: Ihr sagets; denn ich bins. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugniß? Wir habens selbst gehört aus seinem Munde. 20. Und der ganze Haufe stand auf und banden Jesum, führeten ihn von Caiphas vor das Richthaus, und über⸗ antworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato, und es war noch frühe. Da das Judas sah, der ihn verrathen hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte wieder die dreißi Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten, un sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen aber: as gehet uns das an? da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, und er⸗ henkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und spra⸗ chen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften um die Sil⸗ berlinge, um den Lohn der Ungerechtigkeit, eines Töpfers Acker zum Begräbniß der Pilger. Und es ist kund gewor⸗ den Allen, die zu Jerusalem wohneten, also, daß dersel⸗ das ist, ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um ei⸗ nes Töpfers Acker, als mir der Herr befohlen hat. 21. Historie vom Leiden Christi. 4⁵ 21. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möch⸗ ten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringt ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten aber, und sprachen zu ihm: Wäre die⸗ ser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht über⸗ antwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. 22. Da fingen an die Hohenpriester und die Aeltesten, ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut, den Schoß dem Kai⸗ ser zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, und rief Jesum, und fragte ihn, und sprach: Bist du der Ju⸗ den König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Re⸗ dest du das von dir selbst, oder habens dir Andere von mir gesaget? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überant— wortet; was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von die⸗ ser Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwor⸗ tete: Du sagst es. Ich bin ein König: ich bin dazu ge⸗ boren, und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder heraus zu den Em. und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er Nichts. Pilatus aber fragte ber⸗ aAber⸗ 46 Historie vom Leiden Christi. abermal und sprach: Antwortest du Nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen: hörest du nicht? Und er antwor⸗ tete ihm nicht auf ein Wort mehr, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an, und sprachen: Er hat das Volk erreget damit, daß er gelehret hat hin und her im gan⸗ ö hie b Lande, und hat in Galiläa angefangen bis ierher. Da aber Pilatus Galiläa hörete, fragte er, ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er unter He⸗ rodes Obrigkeit war, überfandte er ihn zu Herodes, wel⸗ cher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. 23. Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffete, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn Mancherlei. Er antwortete ihm aber Nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit sei⸗ nem Hofgesinde verlachte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. 2⁴. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten, und das Volk zusammen, und sprach zu ihnen: Vol habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk ab⸗ wende; und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache keine, der ihr ihn be⸗ schuldiget, Herodes auch nicht. Denn ich habe euch zu ihm gesandt, und sehet, man hat Nichts auf ihn ebracht das des Todes werth sei; darum will ich ihn züchtigen und los geben. ö Auf das Fest aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volke einen Gefangenen los geben, welchen sie begehr⸗ ten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, der ubtt übe Historie vom Leiden Christi. 47 übel berüchtigt, nämlich einen Uebelthäter und Mörder, der hieß Barrabas, der mit den Aufrührerischen war, ins Gefängniß geworfen, welcher im Aufruhr, der in der Stadt geschah, einen Mord begangen hatte. Und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ih⸗ nen Pilatus: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen los gebe auf Ostern. Welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam oder Jesum, den König der Juden, den man nennt Christum? Denn er wußte, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. 25. Und da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du Nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn ich habe heute Viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und die Aeltesten überredeten und reizeten das Volk, daß sie um Barrabam bitten sollten und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll los geben? Da schrie der ganze Haufen, und sprach: Hinweg mit diesem, und gib uns Barrabam los! Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum los lassen, und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christum nen⸗ net? Sie schrieen abermal: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat er denn Uebels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrieen noch viel mehr, und sprachen: Kreuzige ihn! Und sie lagen ihm an mit großem Geschrei und forder⸗ ten, daß er gekreuzigt würde, und ihr und der Hohen⸗ priester Geschrei nahm überhand. 26. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die Kriegs⸗ knechte aber des Landpflegers führten ihn hinein in das Richthaus, und riefen zusammen die ganze Rotte und zo⸗ gen 48 Historie vom Leiden Christi. gen ihn aus, und legten ihm einen Purpurmantel an, und flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie auf sein Haupt, und gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand, und beugten die Kniee vor ihm und spotteten ihn, und fingen an ihn zu grüßen, und sprachen: Gegrüßet seist du, lieber König der Juden. Und schlugen ihm ins An— gesicht, und speieten ihn an, und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt, und fielen auf die Kniee, und beteten ihn an. 27. Da ging Pilatus wieder heraus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und sein Purpurkleid Und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin, und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm! Wir denn ein Gesetz, und nach dem Gesetze soll er ster⸗ ben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus, und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben? Je⸗ sus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben. Darum, der mich dir überantwortet hat, der hats größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Lässest du die⸗ sen los, so bist du des Kaisers Freund nicht. Denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. 28. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da bet e sagen zu den Historie vom Leiden Christi. 49 ßet Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in den Ostern, um die sechste Stunde, und er sprach zu den Juden: Sehet, das ist euer König. Sie schrieen aber: Weg, weg, mit dem! kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreu⸗ zigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben kei⸗ nen König, denn den Kaiser. Da aber Pilatus sah, daß er Nichts schaffete, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, gedachte er, dem Volke genug zu thun und urtheilete, daß ihre Bitte ge⸗ schähe, nahm Wasser und wusch die Hände vor dem Volk, und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Ge⸗ rechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber, gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuziget würde. 29. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum, zogen ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an, und führe⸗ ten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten. Und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinaus gingen, fanden sie einen Menschen, der vorüber ging, von Cyrene, mit Namen Si⸗ mon, der vom Feld kam, der ein Vater war Alexandri und Ruffi, den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trüge, und legten das Kreuz auf ihn, daß ers Jesu nachtrüge. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure Kinder. Denn sehet, es wird die Zeit kom⸗ men, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfrucht⸗ baren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Dann werden sie anfahen Dagen: Fallet über uns! Denn so man as thut am grünen Holze, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführt zween andere Uebel⸗ thäter, daß sie mit ihm abgethan würden. C 30. Und 50 Historie vom Leiden Christi. 30. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißet auf Hebräisch Golgatha, das ist verdolmetscht: Schädelstätte, und sie gaben ihm Essig und Wein, mit Myrrhen und Gallen vermischet zu trinken, und da ers schmeckte, wollte ers nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn an der Stätte Golgatha, und zween Uebelthäter mit ihm, einen zur rechten, den an⸗ dern zur linken Hand, Jesum aber mitten inne. Und die Schrift ist erfüllet, die da saget: Er ist unter die Uebelthäter gerechnet. Und es war die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Jesus aber sprach: Vater, vergih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. 31. Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, enthaltend, was man ihm schuld gab, die Ursache seines Todes, und setzte sie auf das Kreuz oben zu seinem Haupte. Es war aber darauf geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Ueberschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, da Jesus gekreuziget ist, war nahe bei der Stadt. Und es war ge⸗ schrieben auf hebräische, griechische und lateinische Sprache Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: der Juden König, sondern, daß er ge⸗ sagt habe: 60 bin der Juden König. Pilatus antwor⸗ tete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewürket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Lasset uns den nicht theilen, sondern darum loosen, weß er seyn soll. Auf daß erfüllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Und sie saßen allda und hüteten sein. Solches thaten die Kriegs⸗ knechte, und das Volk stand und sah zu. 32. 6 32. 5 ‚ Wees—n Historie vom Leiden Christi. 51 32. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund' an nahm sie der Jünger zu sich. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten die Köpfe und sprachen. Pfui dich: wie fein zerbrichst du den Tempel, und bauest ihn in dreien Tagen: Hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuze. Desgleichen auch die Hohenpriester vers otteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und Aelte⸗ sten sammt dem Volke, und sprachen: Er hat Andern ge⸗ holfen, und kann sich selbst nicht helfen. Ist er Christus, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er sich selber, und steige nun vom Kreuz, auf daß wir sehen, und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der er⸗ löse ihn nun, lüstet es ihn, denn er hat gesaget: Ich bin Gottes Sohn. Dasselbige rückten ihm auch auf die Mörder, die mit ihm gekreuzigt waren, und schmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selbst. 33. Aber der Uebelthäter einer, die da gekreuzigt waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar sind wir billig darinnen, denn wir empfahen, was unsere Thaten werth sind. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt, und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. 34. Und da es um die sechste Stunde kam, ward eine Fin⸗ sterniß über das ganze Land, 2 um die neunteStunde, 910 C ie 52 Historie vom Leiden Christi. die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut, und sprach: Eli! Eli! lama asabthani! Das ist verdolmetschet: Mein Gott! Mein Gott! warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie es höreten, sprachen sie: Er rufet dem Elias. Darnach, als Jesus wußte, daß Alles schon vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, sprach er: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß mit Essig, und bald lief Einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm, und fül⸗ lete ihn mit Essig, und steckte ihn auf ein Rohr, und hielts ihm dar zum Munde, und tränkete ihn, und sprach mit den Andern: Halt, laßt sehen, ob Elias komme und ihn herabnehme. „Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist pollbracht! Und abermal rief er laut, und sprach: Va⸗ ter, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und gab seinen Geist auf. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an, bis unten aus, und die Erde er⸗ bebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern, nach s einer Auferste⸗ hung, und kamen in die heilige Stadt, und erschienen Vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand gegen ihm über, und die bei ihm waren und bewahrten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben, und was da geschah, erschracken sie sehr, und preiseten Gott, und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch gewesen, und Gottes Sohn. Und alles Volk, das dabei war, und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust, und wandten wieder um. Es standen aber alle seine Verwandten von ferne, und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, und sahen das Alles, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, des kleinen Jacobi und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, welche ihm nachgefolget waren, da er in Galiläa war, und gedienet hatten, und dere andere, Er r.“. NF Historie vom Leiden Christi. 53 andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren. 35. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuze blieben am Sabbath,(denn des⸗ selben Sabbathstag war groß) baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen und abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte, und brachen dem ersten die Beine, und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit saget, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbre⸗ chen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Darnach am Abend, dieweil es der Rüsttag war, wel⸗ cher ist der Vorsabbath, kam Joseph von Arimathia, der Stadt der Juden, ein reicher Mann, ein Rathsherr, ein guter frommer Mann, der hatte nicht gewilligt in ihren Rath und Handel, welcher auf das Reich Gottes war⸗ tete; denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden: der wagets, und ging hinein zu Jeu und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann, und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre? Und als er es erkundiget von dem Hauptmann, gab er Joseph den Leichnam Jesu, und befahl, man sollte ihn ihm geben. Und Joseph kaufte eine Leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekom— men war und brachte Myrrhen und Aloen unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, der abgenommen war, und wickelten ihn in reine Lein⸗ c 3 wand, 54 Historie vom Leiden Christi. wand, und banden ihn in leinene Tücher, mit Spe⸗ zereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget war, ein Garten, und im Garten ein neues Grab, das war Josephs, welches er hatte lassen hauen in einen Fels, in welches Niemand je gelegt war; daselbst hin legten sie Jesum, um des Rüsttags willen der Juden, weil der Sabbath anbrach, und das Grab nahe war. Und wälz⸗ ten einen Stein vor die Thüre des Grabes, und gingen davon. Es war aber allda Maria Magdalena, und Ma⸗ ria Joses, die setzten sich gegen das Grab, und andere Weiber, die da auch waren Jesu nachgefolget nach Ga⸗ liläa, und beschaueten, wohin, und wie sein Leib geleget war. Sie kehreten aber um, und bereiteten die Speze⸗ zreien und Salben, und den Sabbath über waren sie still nach dem Gesetz. Des andern Tages, der da folget nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß die⸗ ser Verführer sprach, da er noch lebete: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zu dem Volke: Er ist auferstanden von den Todten; und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus 9 pele zu ihnen: Da habt ihr die Hüter, gehet hin, und ver⸗ wahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin, und verwah⸗ reten das Grab mit Hütern, und versiegelten den Stein. Cpisteln ———— 0 ——— Episteln und E v a un g e l i G0 auf alle Sonntage und hohe 8 este. Am IJ. Sonntage des Advents. Epistel, Römer 13, v. 11⸗14. n Brüder, weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, (sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaub⸗ ten), die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kom⸗ men: so lasset uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbar⸗ lich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid: Sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und war⸗ tet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium Matth. 21, v. 1⸗9. a sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Oelberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden aͤnge⸗ bunden, und ein Füllen bei ihr, löset sie auf, und füh⸗ ret sie zu mir. Und so euch Jemand Etwas wird sagen, so 4 sprecht: — ö ö 1 56 Episteln sprecht: Der Herr bedarf ihr; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber Alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Sa⸗ get der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Csel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin, und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Und brach⸗ ten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg. Die andern hieben die Zweige von den Bäumen und Rreneten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna, dem Sohn David. Gelobt sei, der HOühe. in dem Namen des Herrn! Hosianna in der öhe. Am II. Sonntage des Advents. Epistel, Röm. 15, v. 4⸗13. Lieben Brüder, was aber zuvor geschrieben ist, das ist duld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einer⸗ schneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestä⸗ tigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die spricht er: Freuet euch, ihr Heiden mit seinem Volk. Und abermal: Lobet den Herrn alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird seyn die Wurzel Jesse, und der stehen stehen e— und Evangelien. 57 stehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den wer⸗ den die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium Lucä 21, v. 25⸗36. Wesus sprach zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen NI geschehen an der Sonne, und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange seyn, und wer— den zagen, und das Meer, und die Wasserwogen wer— den brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sol⸗ len auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich be⸗ wegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Men⸗ schen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu gesche— hen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dieß Alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es Alles geschehe. Himmel und Erden werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem Allen, das ⸗geschehen soll, und zu ste⸗ hen vor des Menschen Sohn. Am III. Sonntage des Advents. Epistel, 1. Cor. 4, 1⸗5. afür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun 66t e5 he 58 Episteln Evangelium Matth. 11, v. 210. a aber Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir ei⸗ nes Andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret. Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hö⸗ ren, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und 1. ist, der sich nicht an mir ärgert. Da sie hingingen, ing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seid ihr hinaus ge⸗ gangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häuser. Oder, was seid he hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist denn ein Prophet. Denn dieser ists, von dem geschrie⸗ ben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Am IV. Sonntage des Advents. Epistel, Philipp. 4, v. 4⸗7. Lieben Brüder! Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch. Eure Lindigkeit 1 ö e in und her wehet? Oder, was und Evangelien. 59 set kund seyn allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sor⸗ get Nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Evangelium, Joh. 1, v. 19⸗28. Urd dieß ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und läug⸗ nete nicht. Und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er syrach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt baben, was sagest du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waͤren von den Phari⸗ säern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen, und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriehmen auflöse. Dieß geschah zu Bethabara, jenseits des Jordans, da Johannes taufete. Am heiligen Christtage. Epistel, Titum 2, v. 11⸗14. Eꝰ ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Men⸗ schen, und züchtiget uns, daß wir sollen verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und Wzuchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herr⸗ C6 lichkeit 60 Episteln lichkeit des großen Gottes und unsers Heilands Jesu Christi, der sich selbst für uns egeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerech igkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium Lucä 2, v. 1⸗14. Eebegab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augusto gausging, daß alle Welt geschätzet würde. Und diese Schatzung war die allererste, und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war, und Jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißet Bethle⸗ hem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Da— vids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, sei⸗ nem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hir⸗ ten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hür⸗ den, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn Euchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfah⸗ ren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen? Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmli⸗ schen Heerschaaren, die lobten Gott, und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Am und Evangelien. 61 Am Tage St. Stephani, des ersten Märtyrers neuen Testaments. Epistel, Ap. Gesch. 6. u. 7. Cap. tephanus aber, voll Glaubens und Kräften, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen Etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner, und der Cyrener, und der Alexanderer, und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu wider⸗ stehen der Weisheit und dem Geiste, der da redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir ha⸗ ben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk, und die Aeltesten, und die Schriftgelehrten, und traten herzu und rissen ihn hin, und führeten ihn vor den Rath, und stelleten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf, zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gesetz. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn Alle, die im Rath saßen und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht. Als er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel, und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus, und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er knieete aber nieder, und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht. Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium Matth. 23, v. 34⸗39. Der Herr sprach zu den Pharisäern und Schriftgelehr⸗ ten, und Obersten der Juden: Siehe ich sende zu euch Propheten und 2 und Sehniftelnte del C dersel⸗ 62 Euyisteln derselben werdet ihr etliche tödten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern. Auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels, bis auf das Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen tör getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahr⸗ lich, ich sage euch, daß solches Alles wird über dies Ge⸗ schlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten, und Shinrr die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Sehet, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr wer⸗ det mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Ge⸗ lobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. +——————————————.. Am Tage St. Johannis des Apostels und Evangelisten. Epistel, Sirach 15, v. 1⸗8. Solches thut Niemand, denn der den Herrn fürchtet, und wer sich an Gottes Wort hält, der findet sie. Und sie wird ihm begegnen, wie eine Mutter, und wird ihn empfahen, wie eine junge Braut. Sie wird ihn speisen mit Brod des Verstandes, und wird ihn tränken mit Wasser der Weisheit. Dadurch wird er stark wer⸗ den, daß er fest stehen kann, und wird sich an sie halten, daß er nicht zu Schanden wird. Sie wird ihn erhöhen über seinen Nächsten, und wird ihm seinen Mund auf⸗ thun in der Gemeinde. Sie wird ihn krönen mit Freude und Wonne, und mit ewigem Namen begaben. Aber die Narren finden sie nicht, und die Gottlosen können sie nicht ersehen. Denn sie ist ferne von den Hoffärtigen, und die Heuchler wissen Nichts von ihr. ECvangelium Joh. 21, v. 15⸗24. Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du Ai5 er, . SI . und Evangelien. 63 ber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Spricht er zum andern Mal ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schaafe. Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schaafe. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, da du jünger warest, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wohin du woll⸗ test. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein Anderer wird dich gürten und füh⸗ ren, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber zu deu⸗ ten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach. Petrus aber wandte sich um, und sah den Jünger fol⸗ gen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war, und gesagt hatte: Herr, wer ist's, der dich verräth? Da Petrus diesen sah, sprach er zu Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Folge du mir nach. Da ging eine Rede aus unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbet nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: Er stirbt nicht; sondern: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget, und hat dies geschrieben, und wir wissen, daß sein Zeugniß wahrhaftig ist. Am Sonntage nach dem Christtage. Epistel, Galat. 4, v. 1⸗7. J5 sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom 6⁴ Episteln vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, wa⸗ ren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetze waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kin⸗ der seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abha, lieber Vater. Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium, Luc. 2, v. 33⸗40. Urd sein Vater und Mutter verwunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen Vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen, auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Ge⸗ schlechte Asser, die war wohl betaget, und hatte gelebet sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrau⸗ schaft. Und war nun eine Wittwe bei vier und achtzig Zahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselben Stunde, und pries den Herrn und redete von ihm zu Allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie Alles vollendet hatten nach dem Gesetze des Herrn, kehreten sie wieder in Ga⸗ liläam, zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. ö ————— Am neuen Jahrstage. Epistel, Galat. 3, v. 23⸗29. Ebe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahret und verschlossen auf den Han er und Evangelien. 6⁵ der da sollte offenbaret werden. Also ist das Gesetz un⸗ ser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid Alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christum Jesum. Denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hie ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Saamen, und nach der Verheißung Erben. Evangelium Luc. 2, v. 21. U da acht Tage um waren, daß das Kind beschnit⸗ ten würde, da ward sein Name genennet Jesus, welcher genennet war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Am Sonntage nach dem neuen Jahre. Epistel, Titum 3, v. 4⸗7. a aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes. Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten; sondern nach seiner Barmherzigkeit macht er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung; das ist gewißlich wahr. Evangelium Matth. 2, v. 13⸗15. Da die Weisen aus Morgenland hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kind⸗ lein und seine Mutter zu dir, und flieh in Egyptenland, und bleib allda, bis ich dir sage. Denn es ist—865 a 66 Episteln daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich mei⸗ nen Sohn gerufen. ——————————— Am Feste Epiphaniä oder der Erscheinung Christi. Epistel, Jesaias 60, v. 16. Meche dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des 933106 gehet auf über dir. Denn siehe, Finsterniß bedecket das Erdreich, und Dunkel die Völker. Aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte waͤndeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher, diese Alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wann sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Cameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba Alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Evaugelium Matth. 2, v. 112. Da aber Jesus geboren war zu Bethlehem, im jüdi⸗ schen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jexrusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrack er, und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftge⸗ lehrten unter dem Volk, und erforschte von ihnen, wo Christus 4 Rrnrsr- und Evangelien. 67 Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet ge⸗ schrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda, denn aus dir soll mir kommen der Her⸗ zog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre. Und wies sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihrs findet, so sa⸗ get mirs wieder, daß ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis daß er kam, und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Am I. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Röm. 12, v. 1⸗6. ch ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmher-⸗ zigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Op⸗ fer, das da lebendig, heilig, und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes Wille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, Jedermann unter euch, daß Niemand weiter von ihm halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern, daß er von ihm mäßiglich halte, ein Jeglicher, nach dem Gott ausgetheilet hat das Maaß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in Einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben: also sind wir Viele Ein Leib in 68 Episteln in Christo, aber unter einander ist Einer des Andern Glied, und 1265 mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium, Lucä 2, v. 42⸗52. a Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gin⸗ gen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meinten aber, er wäre un⸗ ter den Gefährten, und kamen eine Tagreise, und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerufalem und suchten ihn. Und es begab sich, nach dreien Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Leh⸗ rern, daß er ihnen zuhörete, und sie fragte. Und Alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen re— dete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Am II, Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Röm. 12, v. 6⸗16. ieben Brüder! Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat Jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. Hat Jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret Zemand, so warte er der Lehre. Ermahnet Jemand, so warte er des Ermahnens. Gibt Je⸗ mand, so gebe er einfältiglich. Regieret Jemand, so sei er sorgfältig. Uebet Jemand Barmherzigkeit, so thue 2— 22 U* und Evangelien. 69 Lust. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, han⸗ get dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einan⸗ der sei herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrer⸗ bietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung', geduldig in Trübsal. Haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen, segnet und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium, Joh. 2, v. 1⸗11. U* am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Cana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit gela⸗ den. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen je in einen zwei oder drei Maaß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringets dem Speisemeister, und sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser ge⸗ wesen war, und wußte nicht, von wannen er kam, die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpfet hatten, rufet der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum Ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringeren, du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Am 70 Episteln Am III. Sonntage nach der Erscheinung Christi Epistel, Röm. 12, v. 17⸗2ʃ. ö Lieben Brüder! Haltet euch nicht selbst für klug. Ver⸗ geltet Niemand Böses mit Bösem, fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Friede. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn. Denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun dei⸗ nen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn: wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein fonder sammeln. Laß dich nicht das Böse über⸗ winden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium, Matth. 8, v. 1⸗13. Da Jesus vom Berge herab ging, folgete ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Ausfätziger kam, und betete ihn an, und sprach: 2— so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührete ihn an, und sprach zu ihm: Ich wills thun, sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sags Niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat zu einem Zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Je⸗ sus sprach zu ihm: Ich will kommen, und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest: sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so geht er, und zum andern: Komme her, so kommt er, und zu meinem Knechte: Thue das, so thut ers. DO das Jesus 1lg verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch,‚ solchen Glau⸗ ben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich age ie r und Evangelien. 71 Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaar und Jacob im Himmel⸗ reich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden aus⸗ gestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselben Stunde. Am IV. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Röm. 13, v. 8⸗10. Seid Niemand Nichts schuldig, denn daß ihr euch un⸗ ter einander liebet. Denn wer den Andern liebt, der hat das Gesetz erfüllet. Denn da das Hlabt ist: Du sollst nicht ehebrechen: Du sollst nicht tö hten: Du sollst nicht stehlen: Du sollst nicht falsch r Geb geben: Dich soll nichts gelüsten, und so ein ander Gebot mehr ist; das wird in diesem Worte verfasset: Du sollst dei⸗ nen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Ge⸗ setzes Erfüllung. Evangelium, Matth. 8, v. 23⸗27. Iin trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meere, also, daß auch das Schifflein mit Wellen be⸗ deckt war, und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtfsäm? Und stand auf, und be⸗ drohete den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich, und spra⸗ chen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Am Meer gehorsam ist? 72 Episteln Am V. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, Colosser 3, v. 12⸗17. Sẽ ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Hei— „lige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Freund⸗ lichkeit, Demuth, Sanftmuth und Geduld. Und vertrage Einer den Andern, und vergebt euch unter einander, so Jemand Klage hat wider den Andern, gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber Alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommen⸗ heit. Und der Friede Gottes regiere in euern Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in Einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reich⸗ lich wohnen, in aller Weisheit. Lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und Alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thuͤt Alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangelium, Matth. 13, v. 24.30. Jesus legte ihnen ein ander Gleichniß vor, und sprach: V Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der gu⸗ ten Samen auf seinen Acker fäete. Da äber die Leute schliefen, käm sein Feind und säete Unkraut Hrault in den Waizen, und ging davon. Da nun das raut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater, und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker ge⸗ säet? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen, und es ausgäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Waizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut aus⸗ gätet. Lasset beides mit einander wachsen bis zu der Erndte, und um die Erndtezeit will ich zu den Schnit⸗ tern sagen: Sammlet zuvor das Unkraut, und bindet s in Bündelein, daß man es verbrenne; aber den Waizen sammelt mir in meine Scheuern. Am ö und Evangelia. 73 Am VI. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Epistel, 2. Petri 1, v. 16⸗21. Wor haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft un⸗ seres Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herr⸗ lichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm ge⸗ schah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das Erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigner Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht: sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, ge⸗ trieben von dem heiligen Geist. Evangelium, Matth. 17, v. 1⸗9. 1 nd nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jacobum, und Johannem, seinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hohen Berg. Und ward ver⸗ kläret vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. Und siehe, da erschien ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete, und sprach 1 Jesu: Herr! hier ist gut sein, willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohl⸗ gefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht, und erschracken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an, und sprach: Stehet auf, und fürchtet I Da sie aber ihre Augen auf⸗ * 7⁴ Episteln. aufhoben, sahen sie Niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus, und sprach: Ihr sollt dieses Gesicht Niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. Am Sonntage, Septuagesimä genannt. Epistel, 1 Cor. 9, v. 2427 und 10, v. 1⸗5. Wiset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen Alle, aber einer erlanget das Kleinod. Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein Jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges, jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfahen, wir aber eine un⸗ vergängliche. Ich laufe aber also, nicht als auf's Unge⸗ wisse. Ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet, sondern ich betäube meinen Leib, und zähme ihn, daß ich nicht Andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mose getauft mit der Wolke, und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mit folgete, welcher war Christus. Über an ihrer vielen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Evangelium, Matth 20, v. 1⸗16. Iralenn rach zu seinen Jüngern: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tage⸗ lohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sah andere an deim Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und that gleich also. Um die eilste Stunde aber ging er aus, und fand andere sichen ehen, d 2———————— 8 und Evangelia. 75 stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns Niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht seyn wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter, und gib ihnen den Lohn, und hebe an an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die eilfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meineten sie, sie würden mehr empfan⸗ gen, und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Haus⸗ vater, und sprachen: Diese letzten haben nur Eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen letzten geben, gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten seyn. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählet. Am Sonntage, Sexagesimä genannt. Ep istel, 2 Cor. 11, 19⸗33 u. 12, 1⸗9. Lieben Brüder! Ihr vertraget gern die Narren, dieweil ihr klug seid. Ihr vertraget, so euch Jemand zu Knech— ten macht, so euch Jemand schindet, so euch Jemand nimmt, so euch Jemand trotzet, so euch Jemand in's Angesicht strei⸗ chet. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach Leiln dare Worauf nun Jemand kühn ist,(ich rede in Thor⸗ geit) darauf bin ich auch kühn. Sie sind Hebräer, ich auch Sie sind Israeliten, ich auch. Sie sind Abrahams Samen, ich auch. Sie sind Diener Christi; lich rede thöricht) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Todesnöthen d 2 wesen. 76 Episteln gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche, weniger eins. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meers. Ich habe oft gereiset; ich bin in Fährlichkeit gewesen zu Wasser, in Fährlichkeit unter den Mördern, in Fährlichkeit unter den Juden, in Fährlichkeit unter den Heiden, in Fährlichkeit in Städten, in Fährlichkeit in der Wüste, in Fährlichkeit auf dem Meer, in Fähr⸗ lichkeit unter den falschen Brüdern. In Mühe ünd Ar⸗ beit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße, ohne was sich sonst zuträgt, nämlich daß ich täglich werde angelaufen, und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne Schm So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner wachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damascus, der Landpfleger des Königs Areta verwahrete die Stadt der Damascer, und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen, und entrann aus seinen Hän⸗ den. Es ist mir ja das Rühmen Nichts nütze, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren,(ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht; Gott weiß es) derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen;(ob er in dem Leibe oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es.) Er ward entzückt in das Paradies und hörete unaussprech⸗ liche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich Nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit, und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thöricht; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht Jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offen⸗ barung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fausten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich——— den errn und Evangelia. 77 Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi in mir wohne. Evangelium, Lucä 8, v. 4⸗15. JDa nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu Jesu eileten, sprach er durch ein Gleich⸗ niß: Es ging ein Säemann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel Etliches an den Weg, und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und Etliches fiel auf den Fels; und da es auf⸗ ging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und Etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und Etliches fiel auf ein gut Land, und es ging auf, und trug hundert⸗ fältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine Jün⸗ ger und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist gegeben zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes; den Andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen; und nicht ver⸗ stehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleich⸗ niß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel, und nimmt das Wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an, und die haben nicht Wur⸗ zel; eine Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfech⸗ lung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen, und Ra in Geduld. m 5 78 Episteln Am Sonntage, vor der Fasten, Esto Mihi genannt. Epistel, 1 Cor. 13, v. 1⸗13. Lieben Brüder! Wenn ich mit Menschen⸗ und mit Engel⸗ zungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich Nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der iebe nicht, so wäre mir nichts nütze. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen„sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden. Sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit, sie verträget Alles, sie Liede u Alles, sie hoffet Alles, sie duldet Alles. Die iebe höret nimmer auf, so doch die hören wunden auf⸗ hören werden, und die Sprachen aufhören werden und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug, wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge. Da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweise; dann aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkennet gin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Evangelium, Lucä 18, v. 31•43. I'ie nahm zu sich die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird Alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er uber⸗ über⸗ und Evangelia. 79 überantwortet werden den Heiden, und er wird verspot⸗ tet, und geschmähet, und verspeiet werden. Und sie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, wes das gesaget war. Es geschah aber, da er nahe zu Mr er kam, saß ein Blinder am Wege, und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das dürchhin ging, jforschete er, was das wäre? Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne angingen, bedroheten ihn, er sollte schwei⸗ gen. Er aber schrie noch mehr: Du Sohn Davids er⸗ barme dich meiner! Jesus aber stand stille, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brach⸗ ten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preisete Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobete Gott. Am I. Sonntage in der Fasten, Invocavit genannt. Epistel, 2 Cor. 6, v. 1⸗10. ieben Brüder, wir ermahnen euch als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. Lasset uns aber Niemand irgend ein Aergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde, son⸗ dern in allen Dingen lasset uns beweisen, als die Die⸗ ner Gottes, in großer Geduld, in Trübsal, in Nöthen, in Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruh⸗ ö ren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes; durch Waffen der Ge⸗ rechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, d 4 8⁰ Episteln. Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekann⸗ ten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet, als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch Viele reich machen; als die Nehts inne haben, und doch Alles haben. Evangelium, Matth. 4, v. 111. Da ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, auf daß er vom Teufel versucht würde. Und da er vier⸗ 115 Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. nd der Versucher trat zu ihm, und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht von Brod allein, sondern von einem jedem Worte, das durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellete ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab, denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tra⸗ gen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben:. Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht ver⸗ suchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und sprach zu ihm: Das Alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich an⸗ betest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan, denn es stehet geschrieben: Du sollst an⸗ beten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel, und siehe, da traten die Engel zu ihm, und dieneten ihm. Am und Evangelia. 81 Am II. Sonntage in der Fasten, Reminiscere genannt. Epistel, 1 Thess. 4, v. 1⸗7. Meeiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermah⸗ nen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns em⸗ pfangen habt, wie ihr sollt wandeln, und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein Jeglicher unter euch wisse, sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott Nichts wissen. Und daß Niemand zu weit greife, noch vervor⸗ theile seinen Bruder im Handel, denn der Herr ist Rä⸗ cher über das Alles, wie wir euch zuvor gesagt und be⸗ zeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Evangelium, Matth. 15, v. 21:28. Urd Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein Cananäisch Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids! erbarme dich meiner, meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlor⸗ nen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr! aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zuͤ ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. d 5 Am 8² Episteln —.—.— Am III. Sonntage in der Fasten, Oculi genannt. Epistel, Ephes. 5, v. 1⸗9. Sso seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns geliebet hat, und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber, und alle Unreinigkeit, oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet. Auch schand⸗ bare Worte und Narrentheidungen oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger(welcher ist ein Götzendiener) Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch Niemand verführen mit vergeblichen Worten, denn um dieser Wil⸗ len kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Un⸗ glaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerech— tigkeit und Wahrheit. ö Evangelium, Lucä 11, v. 14⸗28. TJesus trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und Wes geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme, und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die Andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst un⸗ eins wird, das wird wüste und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst un⸗ eins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel aus⸗ treibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch. Wenn ein und Evangelia. 83 ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so blei⸗ bet das Seine in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen aus. darauf er sich verließ, und theilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe, und findet sie nicht, so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wann er kommt, so findet er's mit Besen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst. Und wenn sie hinein⸗ kommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demsel⸗ bigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich ge⸗ tragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Am IV. Sonntage in der Fasten, Lätare genannt. Epistel, Galater 4, v. 21⸗31. Saget mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt, habt ihr das Gesetz nicht gehöret? Denn es stehet ge⸗ schrieben, daß Abraham zween Söhne hatte, einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren; der aber von der Freien ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten Etwas. Denn das sind die zwei Testa⸗ mente, eins von dem Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Ara⸗ bia der Berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser Aller Mutter. Denn es steht geschrieben: Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor, und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn 99 den ann 8⁴ Episteln Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind Isaaes nach der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgete den, der nach dem Geist geboren war, also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? Stoße die Magd hinaus mit ihrem Sohn, denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium, Joh. 6, 1⸗15. Dannach fuhr Jesus weg über das Meer, an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kran⸗ ken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brod, daß diese essen?(Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte). Philippus ant⸗ wortete ihm: Zweihundert Pfennige werth Brods ist nicht genug unter sie, daß ein Jeder unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, An⸗ dreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrode, und zween Fische, aber was ist das unter so Viele? Jesus aber sprach: Schaf⸗ fet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünf tausend Mann. esus aber nahm die Brode, dankete und gab sie den üngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten. esselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß Nichts umkomme. Da sammelten sie, und fülleten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroden, die überblie⸗ ben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, des Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkete, daß sie kommen würden, ihn ihn und Evangelia. 85 ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst allein. Am V. Sonntage in der Fasten, Judica genannt. Epistel, Ebräer 9, v. 11⸗15. Chnstus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und voll⸗ kommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, hei⸗ liget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit: wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, un⸗ ser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mitt⸗ ler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen(die unter dem ersten Testament waren) die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Evangelium, Joh. 8, v. 46⸗59. Gesus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort. Darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre, es ist aber Einer, der sie suchet und rich⸗ tet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So Jemand mein Wort wird halten, der wird 9 875 nicht sehen 99 1 0 a 86 Episteln Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist estorben, und die Propheten, und du sprichst: So Jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher ge— storben ist, und die Propheten sind gestorben, was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre Nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprechet, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen: Ich kenne sein nicht, so würde ich ein Lügner, gleich wie ihr seid. Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und hast Abraham ge⸗ sehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber dalig verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten sie hinstreichend. Am VI. Sonntage in der Fasten, Palmarum genannt. Ep istel, Phil. 2, v. 5⸗11. Ein Jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub, Gott gleich seyn, sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechts⸗ Gestall an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Ge⸗ berden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist; daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen Aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und Ader der urch — und Evangelia. 87 der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Fater. der Herr sei, zur Ehre Gottes des alers. ö Evangelium, siehe am ersten Sonntage des Advents. Matth. 21, v. 1⸗9. Am heiligen Ostertage. Epistel, 1. Cor. 5, v. 6⸗8. Fuer Ruhm ist nicht fein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Da⸗ rum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleich wie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten, nicht in dem alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit. Evangelium, Marc. 16, v. 1⸗8. Urd da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi und Salome Spezerei, auf daß sie kämen, und Jesum salbeten. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einan⸗ der: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüng-⸗ ling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Na⸗ zareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, und t nich 88 Episteln nicht hier. Siehe da, die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläam, da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus, und flohen von dem Grabe, denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, und sagten Nie⸗ mand Nichts, denn sie fürchteten sich. Am Ostermontage. Epistel, Apostelgesch. 10, v. 34⸗41. — aber that seinen Mund auf, und sprach: Nun —erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel ge⸗ sandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum,(welcher ist ein Herr über Alles), die durch das ganze jüdische Land geschehen ist, und ange⸗ gangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes pre⸗ digte, wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesal⸗ bet hat mit dem heiligen Geist und Kraft, der umher⸗ gezogen ist, und hat wohlgethan und gesund gemacht Alle, die vom Teufel überwältiget waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen Alles dessen, das er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehänget. Den⸗ selbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangelium, Lucä 24, v. 13⸗35. Uid siehe, bin aus den Jüngern des Herr gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war* be —— nnd Evangelia. 89 Jerusalem sechzig Feldweges weit, deß Name heißet Em-⸗ mahus, und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und be⸗ fragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehal⸗ ten, daß sie ihn nicht kannten. Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt, unterweges, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes und gekreuziget. Wir aber hofften er sollte Israel erlösen. Und über das Alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe ge⸗ wesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden es also, wie die Weiber sagten, aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben. Mußte nicht Christus sol⸗ ches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schrift aus, die von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen, und er stellete sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend wer⸗ den, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hin⸗ ein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankete, brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn, und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu o Stunde⸗ Stunde, 9⁰ Episteln. Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem, und fanden die Eilfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche spra⸗ chen; der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Am Osterdienstage. Epistel, Apostelgesch. 13, v. 26⸗33. 3 Männer, lieben Brüder, ihr Kinder des Geschlechts OAbraham, und die unter euch Gott fürchten, euch ist das Wort dieses Heils gesandt. Denn die zu Jerusalem wohnen, und ihre Obersten, dieweil sie diesen nicht kann⸗ gen waren, welche sind seine Zeugen an das Volk. Und wir auch verkündigen euch die Verheißung, die zu un⸗ sern Vätern geschehen ist, daß dieselbige Gott uns, ihren Kindern, erfüllet hat, in dem, daß er Jesum auferwecket hat. Evangelium Lucä 24, v. 36=47. Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie, und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch. Sie erschracken aber, und fürchteten sich, meineten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in eure Herzen? Sehet meine Hände und meine Füße, ich bins selber; fühlet mich, und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. 58 a und Evangelia. 9¹ da er das sagte, zeigte er ihnen Hreud und Füße. Da sie aber noch nicht glaubeten vor Freuden, und sich ver⸗ wunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier Etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück von gebrate⸗ nem Fisch und Honigseim, und er nahm es und aß vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muß Alles erfüllet werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz Mosis, in den Propheten und in den Psal⸗ men. Da öffnete er ihnen das Verständniß, daß sie die Schrift verstanden. Und er sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben, und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und pre⸗ digen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anheben zu Je— rusalem. Am I. Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti genannt. Epistel, 1. Joh. 5, v. 4⸗10. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt über⸗ wunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ists, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Chri⸗ stus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ists, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel; der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese drei sind Eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist, das Wasser und das Blut, und die drei sind bei⸗ sammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer. Denn Gottes Zeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Evan⸗ 92 Episteln. Evangelium, Joh. 20, v. 19⸗23. Ann Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt, und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er Am II. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini genannt. Epistel, 1. Petri 2, v. 21⸗25. Denn dazu seid ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen. Welcher keine Süude gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellte es aber dem heim, der da recht richtet. Welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seid heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun be⸗ kehret zu dem Hirten und Bischofe eurer Seele. Evangelium, Joh. 10, v. 12⸗16. Ich bin ein guter Hirt. Ein guter Hirt lässet sein V Leben für die Schafe; ein Miethling aber, der nicht Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und lieht, und er⸗ erre und Evangelia. 9³3 erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater, und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle, und die— selben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird Eine Heerde und Ein Hirte werden. Am III. Sonntage nach Ostern, Jubilate genannt. Epistel, 1 Petri 2, v. 11⸗20. d Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrime, enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten. Und führét einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterrreden, als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kom⸗ men wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Ober⸗ sten oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Uebelthäter, und zu Lobe den From⸗ men Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen; als die Freien und nicht, als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte seid un⸗ terthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist die Gnade, so Jemand um des Gewissens willen zu Gott das Uebel verträgt und leidet das Un⸗ recht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Misse⸗ that willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. Evangelium, Joh. 16, v. 16⸗23 Un. ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er saget zu uns: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und 9⁴ Episteln und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie; Was ist das, das er saget: über ein Kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter⸗ einander, daß ich gesagt habe: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll Niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich Nichts fragen. — Am IV. Sonntage nach Ostern, Cantate genannt. Epistel, Jacobi 1, v. 17⸗21. Ale gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und Finster⸗ niß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Creaturen. Darum lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, 0. aber zu reden, und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum, so leget ab alle Unsauber⸗ keit und alle Bosheit und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium, Joh. 16, v. 5⸗15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und Niemand unter ench fraget mich: Wo gehest du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist 913 erz und Evangelia. 9⁵5 250 voll Traurens geworden. Aber ich sage euch die ahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, so will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Ge⸗ richt. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch Viel zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch ver⸗ kündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein, darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. (Am V. Sonntage nach Ostern, Rogate genannt. Epistel, Jacobi 1, v. 22⸗27. Seid aber Thäter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so Jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegel be⸗ schauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er von Stunde an davon, und vergisset, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Frei⸗ heit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeß⸗ licher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird selig sen in seiner That. So aber sich Jemand unter euch lässet dünken, er diene Gott und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der, die Waisen und Wittwen in ihrer Trüb⸗ sal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt Eevan van⸗ X 96 Episteln Wahnlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater Etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr Nichts gebeten in mei⸗ nem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprüchwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprüchwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will. Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott aus⸗ gegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagest kein Sprüch⸗ wort. Nun wissen wir, daß du alle Binge weißt und bedarfst nicht, daß dich Jemand frage. Darum glauben⸗ wir, daß du von Gott ausgegangen bist. —— I—————————— Am Tage der Himmelfahrt Christi. Epistel, Ap. Gesch. 1, v. 1211. Oie erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von allem dem, das Jesus anfing, beides, zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln(welcheer hatte auserwählet) durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte. Welchen er sich nach seinem Leiden lebendig gezeiget hatte durch mancherlei Er⸗ weisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie ver⸗ sammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jeru⸗ salem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret(sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem hei⸗ ligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen: und Evangelien 97 sprachen: Herr wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er aber sprach zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen Zeit und Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat. Sondern ihr werdet die Kraft des H. Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er jolches gesagt, ward er aufgehoben zu⸗ sehens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangelium, Marci 16, v. 14⸗20. 3˙K da die Eilfe zu Tische saßen, offenbarte sich der Herr, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und er sprach zu ihnen: Ge⸗ het hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird se⸗ lig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreihen, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tödtliches trinken, wird's ihnen nicht schaden. Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und sitzet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkete mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Am VI. Sonntage nach Ostern, Exandi genannt. Epistel, 1 Petri 4, v. 8⸗11. Se seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen —Dingen aber habt—v—6 einander eine Lattsi Liebe, enn 9 Episteln —————————.———————— denn die Liebe decket auch der Sünden Menge. Seid gast⸗ frei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Det, daßer der mancherlei Gnade Gottes. So Jemand redet, daß er es rede, als Gottes Wort. So Je⸗ mand ein Amt hat, daß er es thue, als aus dem Ver⸗ mögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 15. v. 26 bis 16, v. 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, ihr daran gedenket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. Am heiligen Pfingsttage. Epistel, Ap. Gesch. 2, v. 1⸗13. Urd als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie Valle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zertheilt, als wären sie feurig, und er setzte sich auf einen Jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heil. Geistes und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszuspre⸗ chen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das un⸗ ter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hö⸗ vete ein Jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten.—— ent⸗ und Evangelien. 99 entsetzten sich aber Alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese Alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn Jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia, und in Judäa, und Capadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphylia, Egypten und an den Enden der Lybien bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Juden⸗ genossen, Creter und Araber. Wir hören sie mit un⸗ sern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie ent⸗ setzten sich aber Alle und wurden irre, und sprachen Ei—⸗ ner zu dem Andern: Was will das werden? Die An⸗ dern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Evangelium, Joh. 14, v. 23⸗31. Merr mich liebet, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Va⸗ ters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Trö⸗ ster, der H. Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird es euch Alles lehren, und euch erinnern Alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich Euch, wie die Welt gibt. Euer Herz er⸗ schrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wie⸗ der zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch feuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer denn ich, und nun hab ich es euch gesagt, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht Viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber, auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat. Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. e 2 Am 100 Episteln Am Pfingstmontage. Epistel, Apost. Gesch. 10, v. 42⸗48. er Herr hat uns geboten zu predigen dem Volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott, ein Rich⸗ ter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der H. Geist auf Alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, ent⸗ setzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heili— gen Geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch Jemand das Wasser weh— ren, daß diese nicht gekauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium, Joh. 3, v. 16⸗21. Dhet sprach zu Nicodemo: Also hat Gott die Welt ge⸗ liebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glau⸗ bet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das 1 0 in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestrafet werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden, denn sie sind in Gokt gethan. Am und Evangelien. 101 Am Pfingstdienstage. Epistel, Apost. Gesch. 8, v. 14⸗17. a aber die Apostel höreten zu Jerusalem, daß Sa⸗ maria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrum und Johannem, welche, da sie hi— nab kamen, beteten sie über sie, daß sie den heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen gefallen, son⸗ dern waren allein getauft in dem Namen Christi Jesu. Da legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den heiligen Geist. Evangelium, Joh. 10, v. 1⸗11. esus sprach zu den Juden: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Thüre hinein gehet in den Schafstall, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Der aber zur Thür hinein gehet, der ist ein Hirte der Schafe. Demselben thut der Thür⸗ hüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und er rufet seine Schafe mit Namen, und führet sie aus. Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, gehet er vor ih⸗ nen hin, und die Schafe folgen ihm nach, denn sie ken⸗ nen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm, denn sie kennen der Fremden Stimme nicht. Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie vernahmen aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte. Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahr⸗ lich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Thür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Mörder gewesen, aber die Schafe haben ihnen nicht gehorchet. Ich bin die Thür; so Jemand durch mich eingehet, der wird selig werden, und wird ein— und ausgehen, und Weide finden. Ein Dieb kommt nicht, denn daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen. e 3 Am 10² Episteln Am Sonntage Trinitatis. Epistel, Röm. 11, v. 33⸗36. O welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weis⸗ heit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 3, v. 1⸗15. Ei war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Mei⸗ ster, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekom⸗ nien, denn Niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand von Neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen, und ge⸗ boren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist, Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von Neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret. Also ist ein Jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag sol⸗ ches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist Du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahr— lich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben, und ihr mier unser und Evangelien. umer Zeugniß nicht an? Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glau⸗ ben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und Niemand fähret gen Himmel, denn der vom Him⸗ mel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat: also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Am I. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Joh. 4, v. 16⸗21. (Golt ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit ha⸗ ben am Tage des Gerichts; denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebt. So Jemand spricht; Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß er auch seinen Bruder liebe. Evangelium, Lucä 16, v. 19⸗31. E war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Pur⸗ pur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thüre voller Schwä⸗ ren, und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß. Der Reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine 4 auf, und sah Abraham e von 10⁴ Episteln von ferne und Lazarum in seinem Schooß, rief urd sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarum, daß er das Aeußerste seines Fingers ins Was⸗ ser tauche, und kühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet und du wirst gepeiniget. Und über das Alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft be⸗ festiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus. Denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abra⸗ ham aber sprach zu ihm: Si haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den To⸗ dten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob Jemand von den Todten auferstünde. Am II. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Joh. 3, v. 13⸗18. Vepwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brü⸗ der. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschläger, und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Le⸗ ben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat, und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bru⸗ der darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Evan⸗ und Evangelien. 10⁵ Evangelium, Lucä 14, v. 16⸗24. Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl, und lud Viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zu der Stunde des Abendmahls, zu sagen den Gelade-⸗ nen: Kommet, denn es ist Alles bereit. Und sie fingen an Alle nach einander sich zu entschuldigen. Der Erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinaus gehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der Andere sprach: Ich habe fünf Joch Och⸗ sen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte Dich, entschuldige mich. Und der Dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knecht: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Am III. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Petri 5, v. 6⸗11. ( demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand — Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorget für euch. Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, wel⸗ chen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brü⸗ der in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit, in Christo Jesu, derselbige wird euch, 20 ihr eine kleine 3oünbe⸗ e vollbe⸗ ———— 106 Episteln vollbereiten, stärken, kräftigen und gründen. Demselbi⸗ gen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium, Lucä 15, v. 1⸗10. Eꝰ naheten aber zu Jesu allerlei Zöllner und Sün⸗ der, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schristgelehrten murreten, und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß und sprach: Welcher Mensch ist un— ter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eins ver⸗ lieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so leget er es auf die Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedür⸗ fen. Oder, welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefuͤnden, den ich verloren hatte. Also auch sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. * Am IV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 8, v. 18.23. Dern ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der ö Herrlichkeit nicht werth sei, die an uns soll geoffen⸗ bart werden. Denn das ängstliche Harren der Creatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sinte⸗ mal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Creatur frei werden wird ö von und Evangelien. 107 von dem Dienst des vergänglichen Wesens, zu der herr⸗ lichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnet sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Evangelium, Lucä 6, v. 36⸗42. arum seid barmherzig, wie auch euer Vater barm⸗ herzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht ver⸗ dammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wirdeuch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maaß wird man in euren Schooß geben, denn eben mit dem Maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Wer⸗ den sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jün⸗ ger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er volllommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder, wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bru⸗ der! Ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler! ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge, und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bru⸗ ders Auge ziehest. Am V. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Petri 3, v. 8⸗14. Erdluc aber seid allesammt Hlaucz gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort; son⸗ dern dagegen segnet, und 2 daß ihr dazu Reid e* 108 Episteln seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trü⸗ gen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes, er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet. Das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommt? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürch⸗ tet euch aber vor ihrem Trotzen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott, den Herrn, in eurem Herzen. Evangelium, Lucä 5, v. 1⸗11. Ed begab sich aber, daß sich das Volk zu Jesu drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth, und sah zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze, da trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führete. Und er setzte sich, und lehrete das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehöret zu reden, sprach er zu Si⸗ mon: Fahre auf die Höhe, und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug thüt. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht ge⸗ arbeitet, und Nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlos⸗ sen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz Schifft Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern chiffe waren, daß sie kämen, und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Sch iffe voll, also daß sie san⸗ ken. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken augekommen, und Alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten. Dessel⸗ bigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Si⸗ mon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du ö Menschen und Evangelien. 109 Menschen fahen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande, und verließen Alles, und folgten ihm nach. Am VI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 6, v. 3⸗11. isset ihr nicht, daß Alle, die wir in Jesum Christ getaufet sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferwecket von den Todten, durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so wer⸗ den wir auch der Auferstehung gleich sein; dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn, wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus, von den Todten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn, daß er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, zu einem Mal; daß er aber le⸗ bet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch da⸗ für, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu unserem Herrn. Evangelium, Matth. 5, v. 20⸗26. D ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit bes⸗ ser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töd⸗ ten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig. Wer aber sagt: Du Narr, der ist des 7 Feuers schuldig Darum, e wenn 110 Episteln wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder Etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfre deine Gabe. Sei willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleins über⸗ antworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. J sage dir, wahrlich, du wirst nicht von dannen heraus⸗ kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. Am VII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 6., v. 19⸗23. J muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit, und von ei— ner Ungerechtigkeit zu der andern; also begebet nun auch eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knecht waret, da wa⸗ ret ihr frei von der Gere tigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? elcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei, und Gottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet; das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium, Marc. 8, v. 1⸗9. 3² der Zeit, da viel Volts da war, und hatten Nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich, und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret, und haben Nichts zu essen, und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten, denn Etliche waren —— und Evangelien. 114 waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehien wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode und dankete, und brach sie, und gab sie sei⸗ nen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten. Und sie leg⸗ ten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein, und er dankete, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie as⸗ sen aber, und wurden satt, und hoben die übrigen Bro⸗ cken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten. Und er ließ sie von sich. Am VIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 8, v. 12⸗17. S sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen. Wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte töd⸗ tet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch aber⸗ mal fürchten müsset, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba! lieber Vater. Derselbige Geist gibt Zeugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium, Matth. 7, v. 15⸗23. Soet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie er⸗ kennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dor⸗ nen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte 112 Episteln Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer gewor⸗ fen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr! Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr! Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweissaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in dei⸗ nem Namen viel Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen! Ich habe euch noch nie erkannt: weichet Alle von mir, ihr Uebelthäter. Am IX. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Cor. 10, v. 6⸗13. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelü⸗ stet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener Ekliche wurden, als geschrieben stehet: Das Volk setzte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie Etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht ver⸗ suchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleich⸗ wie jener Etliche murrten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vor⸗ bilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen it. Darum wer sich läs⸗ set dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung be⸗ treten. Aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versu⸗ chen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Ver⸗ suchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium, Lucä 16, v. 1⸗9. Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er Güter er und Evangelien. 113 Güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun?: Mein Herr nimmt das Amt von mir. Graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu bet⸗ teln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzet werde, das sie mich in ihre Häu⸗ ser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du mei⸗ nem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Oel. Und er sprach zu ihm; Nimm deinen Brief, setze dich, und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem an⸗ dern: Du aber, wie viel bist Du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Waizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch: Ma⸗ chet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Am X. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 12, v. 1⸗11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß Niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet. Und Niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es (st ein Gott, der da wirket Alles in Allem. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemei⸗ nen Nutzen. Einem wird gegeben durch den Geist zu re⸗ den von der Weisheit; dem Andern wird gegeben zu re⸗ den von der Erkenntniß, nach demselbigen Geift; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geist, einem Wdie ö ö ie 114 Episteln die Gabe gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern Wunder zu thun; einem Andern Weissagung; einem Andern Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern die Sprachen aus⸗ zulegen. Dies aber Alles wirket derselbige einige Geist, und theilet einem Jeglichen seines zu, nachdem er will. Evangelium, Lucä 19, v. 41⸗48. U als er, der Herr Jesus, nahe hinzukam, sah er die Stadt an, und weinete über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich, und deine Kinder mit dir, eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten ängsten. Und werden dich schleifen, und keinen Stein auf dem andern lassen, da⸗ rum, daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es zur Mördergrube ge⸗ macht. Und er lehrte täß lich im Tempel. Aber die Hohen⸗ priester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten. Und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten, denn alles Volk hing ihm an, und hörete ihn. Am XI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 15, v. 1⸗10. Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, V das ich euch verkündet habe, welches ihr auch ange⸗ nommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkün— diget habe, so ihr es behalten habt, es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubt hättet. Denn ich habe euch zuvör⸗ derst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Chri⸗ stus gestorben sei für unsere Sünden, nach der Schrift. Und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift. Und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Dar⸗ nach 2 5 IS* und Evangelien. 11⁵ 4 nach ist e er r gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, derer noch vicke leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Ja⸗ cobo, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach Allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeinde Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, fondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle, nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Evangelium, Lucä 18, v. 9⸗14. er Herr sagte zu Etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die Andern, ein solch Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, einer ein Pharisäer, der andre ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Ränber, Ungerechte, Chebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von Allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel. sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig. Ich sage euch; Dieser ging hi⸗ nab 16npfr eröyen in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der Wird. erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Am XII. 299— nach Trinitatis. Epistel, 2. Cor. 3, v. 4⸗11. Ein solches Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, Etwas zu denken, als von uns selber, sondern, daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auc uns tüchtig ge⸗ macht hat, das Amt zu führen des Neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist machet lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet, und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Iracl V rae 116 Eypisteln Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdamm⸗ niß prediget, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verkläret war, ist nicht für Klar⸗ heit zu achten gegen dieser überschwenglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufyöret; vielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibet. Evangelium, Marc. 7, v. 31⸗37. U.d da der Herr Jesus wieder ausging von den Grän⸗ zen Tyrus und Sydon, kam er an an das Galiläische Meer, mitten unter die Gränze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volke besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spützete und rührete seine Zunge, und sah auf gen immel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist: Thue dich auf, und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und er redete recht. Und er herbot ihnen, sie sollten es Niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maßen, und sprachen: Er hat Alles wohlgemacht, die Tauben macht er häyend znd die Sprachlosen redend. Am XIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Galater 3, v. 15⸗22. ieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden. Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht. nenn es bestätigt ist, und thut auch Nichts dazu. Nun ist ja die Verheißung Abraham und seinem Samen zu⸗ gesagt. Er spricht nicht: Durch die Samen, als durch viele, sondern als durch einen; durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich fage aber davon: Das Testa⸗ ment, das von Gott zuvor bestätigt ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durchs Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vier hundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das 508 as und Evangelien. 117 das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch die Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenket. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln, durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines Einzigen Mittler, Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Gesetz wider Gottes Verheißung? Das sei ferne. Wenn aber ein Gesetz ge⸗ geben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat es Alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium, Luc. 10, v. 23⸗37. JIder wandte sich zu seinen Jüngern, und sprach inson⸗ derheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn, und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest du? Er antwortete, und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrlt lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwor⸗ tet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mörder, die zogen ihn aus, und schlu⸗ gen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinab zog, und da er ihn sah, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte, und sah ihn, ging er vorüber. Ein Sa⸗ mariter aber reisete, und kam dahin, und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm Wäden en, 118⁸ Episteln den, und goß darein Oel und Wein, und hob ihn auf sein Thier, und führete ihn in die Herberge, und pflegte sein. Des andern Tags reisete er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein, und' so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue deßgleichen. Am XIV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5, v. 16⸗24. Lichen Brüder, wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch ge⸗ lüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz. Offenbar sind aber die Werke des Flei⸗ sches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Un⸗ zucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Fressen, Saufen, und dergleichen. Von welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld Freundlichkeit, Gütig⸗ keit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzi⸗ gen ihr Fleisch sammt den Lüsten und Begierden. Evangelium, Luc. 17, v. 11219. U es begab sich, da Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samariam und Galilzam. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne, und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hin⸗ gingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er gesund worden war, kehrete er um, n e ete * und Evangelien. 119 sete Gott mit laͤuter Stimme, und fiel auf sein Ange⸗ sicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jefus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehre, und gebe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. ö Am XV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5, v. 25. bis 6, v. 10. o wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, un⸗ ter einander zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich Je⸗ mand lässet dünken, er sei Etwas, so er doch Nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein Jeglicher prüfe aber sein selbst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem Andern. Denn ein Jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn un⸗ terrichtet. Irret euch nicht, Gott lässet sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er erndten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Ver⸗ derben erndten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben erndten. Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch erndten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangelium, Matth. 6, v. 24⸗34. Nin kann zweien Herren dienen, entweder, er wird Neinen hassen, und den andern lieben, oder er wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: 12⁰ Episteln euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anzie⸗ hen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an. Sie säen nicht, sie erndten nicht,‚ sie sammeln nicht in die Scheunen, und ener himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er' gleich darum sorget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die Li⸗ lien auf dem Felde, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als der⸗ selben eins. So denn Cott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet, und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir krinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem Allem trach⸗ ten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß Alles bedürfet. Trachtet am Ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches Alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Am XVI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Epheser 3, v. 13⸗21. Nieben Brüder, darum bitte ich, daß ihr nicht müde wer⸗ det um meiner Trübsale willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derohalben beuge ich meine Knie gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe, nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und in Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewur⸗ zelt und gegründet zu werden; auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Län⸗ ge, ——————— — — — NXN und Evangelien. 12¹ ge, und die Tiefe, und die Höhe; auch erkennen, daß, Christum lieb haben, viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglisch thun kann über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit von Ewigkeit zu Ewig⸗ keit. Amen. Evangelium, Lucä 7, v. 11⸗17. nd es begab sich darnach, daß Jesus in eine Stadt, mit Namen Nain, ging, und seiner Jünger gingen viele mit ihm, und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Wittwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührete den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mukter. Und es kam sie Alle eine Furcht an, und preiseten Gott, und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heim⸗ gesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land, und in alle umliegenden Länder. Am XVII. Sonntag nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 4, v. 16. Sẽ ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich gebühret eurem Beruf, darin ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanft⸗ muth, mit Geduld, und vertraget Einer den Andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoff⸗ nung eures Berufs. Ein Herr, Ein Glaube. Eine Taufe, Ein Gott und Vater(unfer) Aller, der da ist Üüber euch All, und durch euch Alle, und in euch Allen. F Evange⸗ 122 Episteln Evangelium, Lucä 14, v. 1⸗11. 1 nd es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Ober⸗ sten der Pharisäer, auf einen Sabbath das Brod zu essen, und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus ant⸗ wortete, und sagte zu den Schriftgelehrten und Phari⸗ säern, und sprach: Ists auch recht auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an, und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochs oder Esel in den Brunnen fällt und er nicht alsobald ihn herausziehet am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkete, wie sie erwähl⸗ ten oben an zu sitzen, und sprach zů ihnen: Wenn du von Jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei, und so denn kommt, der dich und ihn gaaden hat, spreche zu dir: Weiche diesem, und du müs⸗ sest dann mit Schaam unten an sitzen. Sondern, wenn du geladen wirst, so gehe hin, und setze dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst Du Ehre ha⸗ ben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. Am XVIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Cor. 1, v. 4⸗9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die V Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Ehristo Jesu, daß ihr seid durch ihn in allen Stücken reich gemacht an aller Lehre und in aller Erkenntniß. Wie denn die Pre⸗ digt von Christo in euch kräftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und war⸗ tet nur auf die Offenbarung Unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch euch wird fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Dem enn und Evangelien. 123 Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangelium, Matth. 22, v. 34⸗46. a aber die Pharisäer höreten, daß Jesus den Saddu⸗ cäern das Maul gestopfet hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, ver⸗ suchte ihn, und sprach: Meister, welches ist das vor⸗ nehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von gandem Gemüthe. Das it das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander wa⸗ ren, fragete sie Jesus und sprach: Wie dünket euch um Christo? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geiste einen Herrn? da er sagt: Der Herr hat gesagt zu mei— nem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antwor⸗ ten, und durfte auch Niemand von dem Tage an hin⸗ fort ihn fragen. Am XIX. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 4, v. 22⸗28. So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüths und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaf⸗ fen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einan⸗ der Glieder sind. Zürnet und sündiget nicht, lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der ken⸗ f2 E 124 Episteln le nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Evangelium, Matth. 9, v. 1⸗8. Da trat er, der Herr Jesus, in das Schiff, und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sah,‚ sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn! deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lä⸗ stert Gott. Da aber Zesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen 2Wel⸗ ches ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden ver⸗ geben; oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf, und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich, und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Am XX. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 5, v. 15⸗21. o sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht S als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unversiändig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille. Und aufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes. Und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euxem Herzen. Und saget Dank allezeit für Alles Gott und dem Vater, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. Und seid' unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium, Matth. 22, v. 1⸗14. Dos Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Soh⸗ ö ne Hochzeit machte. Und sandte seine Knechte aus, D0 ie und Evangelien. 125 sie die Gäste zur Hochzeit riefen, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist ge⸗ schlachtet, und Alles bereit; kommt zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, Einer auf seinen Acker, der Andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und tödteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute, und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Kleid an. Und sprach zu ihm: Freund, wie bist du her⸗ ein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Denn Viele sind berufen, aber We⸗ nige sind auserwählet. Am XXI. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 6, v. 10⸗17. Quletzt meine Brüder, seid stark in dem Herrn, und in O der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Got⸗ tes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun, und Alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezo⸗ gen mit dem Krebs der W und an Et ie⸗ 126 Episteln stiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Frie— dens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr aus⸗ löschen könnet alle feurige Pfeile des Bösewichts. Und nehmet den Helm des Heils, und das Schwert des Gei⸗ stes, welches ist das Wort Gotles. Evangelium, Joh. 4, v. 47⸗54. nd es war ein Königischer, deß Sohn lag krank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Ju⸗ däg in Galiläam, und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinab käme, und hülfe seinem Sohn, denn er war todtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komme hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus sprach zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebt. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm, und sprachen: Dein Kind lebt. Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkete der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam kam. Am XXII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Phil. 1, v. 3⸗11. J5 danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke,(wel⸗ ches ich allezeit thue in allem meinem Gebet für euch Alle, und thue das Gebet mit Freuden) über eu⸗ rer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bis hieher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch Allen halte, darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängniß, Wanh ich und Evangelien. 127 ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr Alle mit mir der Gnade theilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch Allen verlan⸗ get von Herzensgrunde, in Christo Fesu. Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde, in, allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig, bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früech⸗ ten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum gesche— hen(in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Evangelium, Matth. 18, v. 23⸗35. D Himmelreich ist gleich einem Könige, der mit sei⸗ nen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, und sein Weib, und seine Kinder, und Alles, was er hatte, und bezahlen. Da siel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging der⸗ selbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig, und er griff ihn an und würgete ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn, und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir Al⸗ les bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn Alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: Du Schalks⸗ knecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest. Sollest du denn dich nicht auch erbarmen, über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete Alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch khun, so ihr nicht vergebet von euren Her⸗ zen, ein Jeglich er seinem 44 seine Fehler. ö Am 28 Episteln Am XXIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Philipp. 3, v. 17⸗21. Feian mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habet zum Vorbilde. Denn Viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnt sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Evangelium, Matth. 22, v. 15=22. Dẽ gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rath, wie sie Jesum fingen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Dienern und spra⸗ chen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und fragest nach Niemand, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Da⸗ rum sage uns, was dünket dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus mer⸗ kete ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was ver⸗ sucht ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze; und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ih⸗ nen: Weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie spra⸗ chen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich, und ließen ihn, und gingen davon. Am' XXIV. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Colosser 1, v. 9⸗14. Deshalhen guch wir, von dem Tage an, da wir es ge⸗ höret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten, und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß 105 ne und Evangelien. nes Willens, in allerlei geistiger Weisheit und Ver⸗ stand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn, zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken. Und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden. Und danksa⸗ get dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns versetzet in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Verge⸗ bung der Sünden. Evangelium, Matth. 9, v. 18⸗26. De Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm, und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Je⸗ sus stand auf, und folgete ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Fahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührete seines Klei⸗ des Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wendete sich Jesus um, und sah sie, und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam, und sah die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ih⸗ nen: Weichet! denn das Mägdlein ist nicht todt, son⸗ dern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. Am XXVs. Sonntage nach Trinitatis. Ep istel, 1. Thess. 4, v. 13⸗18. Wi wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht trau⸗ rig seid, wie die Andern, die keine Hoffnung haben. f5 Denn 130⁰ Episteln Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und aufer⸗ standen ist; also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden de⸗ nen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kom⸗ men vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So trö⸗ stet euch nun mit diesen Worten unter einander. — Evangelium, Matth. 24, v. 15⸗28. enn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwü⸗ stung, davon gesagt ist durch den Phropheten Da⸗ niel, daß er stehe an der heiligen Stätte,( wer das lie⸗ set, der merke darauf!) alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist, und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, Etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Wuhe ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Zehe aber den Schwan⸗ gern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure „Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht wür⸗ den verkürzet, so würde kein Mensch selig. Aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann Jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi, und falsche Propheten aufste⸗ hen und große Zeichen und Wunder thun, daß verfüh⸗ ret werden in den Irrthum(wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habs euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: iehe, er ist in der Wüste so gehet nicht hinaus. Siehe er ist in der Kammer, so glaubets nicht. Denn gleich wie der Blitz ausgehet vom Aufgang, und scheinet bis zum Nie⸗ — und Evangelien. 131 Niedergang:also wird auch sein die Zukunft des Menschen⸗ sohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Am XXVII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Thess. 1, v. 3⸗10. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, lieben Brü⸗ der, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines Jeglichen unter euch Allen nimmt zu gegen einander. Also, daß wir uns Euerer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von euerer Geduld und Glauben, in allen euren Verfolgungen und Trübsalen, die ihr duldet; welches anzeiget, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reiche Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht ist bei Gott, ö zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen. ö Euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird offenbaret werden vom Him⸗ mel sammt den Engeln seiner Kraft, und mit Feuer⸗ flammen Rache zu geben über die, so Gott nicht erken⸗ nen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evange— lio unsers Herrn Jesu Christi; welche werden Pein lei⸗ den, das ewige Verderben von dem Angesichte des Herrn und von seiner herrlichen Macht: wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wun⸗ derbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubet. Evangelium, Matth. 25, v. 31⸗46. enn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner ö Herrlichkeit und alle heilige Engel mit ihm, dann ů wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden; und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich f6 bin 132 Episteln bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich din gefangen gewesen, und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getranket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? oder nackend und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten, und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht ge⸗ speiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewe⸗ sen, und ihr habt mich nicht besuchet. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr nicht gethan habt ei⸗ nem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben. Am XXVIII. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Petri 3, v. 3⸗14. Lihen Bruder, wisset das aufs Erste, daß in den letz⸗ ten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren ei⸗ genen Lüsten wandeln, und sagen: Wo ist die Verhei⸗ ßung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter Ad in und Evangelien. 133 sind, bleibet es Alles, wie es es vom Anfang der Crea⸗ tur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wis⸗ sen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch diesel—⸗ bigen mit der Sündfluth verderbet. Also auch der Him-⸗ mel jetzund und die Erde werden durch sein Wort ge— sparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und der Verdammniß der gottlosen Men-⸗ schen. Eines aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß Ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie Ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheißung, wie es Etliche für einen Verzug ach⸗ ten, sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß Jemand verloren werde, sondern daß sich Jeder⸗ mann zur Buße bekehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Him⸗ mel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze zerschmelzen, und die Erde, und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das Alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach seiner Verheißüng, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf war⸗ ten sollet, so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. Evangelium. Suche am IV. Sonntage nach Epiph. Episteln und Evangelien auf den Aposteltagen und einigen anderen kirchlichen Festen. Am Tage St. Andreä. Epistel, Röm. 10, v. 8⸗18. ies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er ein Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat; so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man ge⸗ recht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Denn die Schrift spricht: Wer an ihn glau⸗ bet, wird nicht zu Schanden werden. Es ist hier kein Unterschied unter Juden und Griechen; es ist aller zu⸗ mal Ein Herr, reich über Alle, die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden. Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber glauben, von dem sie Richts gehöret haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben stehet: Wie lieb⸗ lich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen. Aber sie sind nicht Alle dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaias spricht: Herr, wer glaubet unserm Predigen? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Ich sage aber: Haben sie es nicht gehöret? Zwar es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall, und in alle Welt ihre Worte. Evangelium, Matth. 4, v. 18⸗22. Als nun Jesus an dem Galiläischen Meere ging, sah er zween Brüder, Simon, der da heißt Petrus, Und Andream, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern ma— chen. Bald verließen sie ihre Netze, und folgten Und ö n ——————— —Seee ———————7—.——— ——————⏑ ——2— und Evangelien. 135 Und da er von dannen fürbaß ging, sah er zween an⸗ dere Brüder, Jacobum, den Sohn Zebedäi, und Jo⸗ hannem, seinen Bruder, im Schiff, mii ihrem Vater Zebedäo, daß sie ihre Netze flickten, und er rief sie. Bald verließen sie das Schiff und ihren Vater, und fol⸗ geten ihm nach. Am Tage St. Thomä. Epistel, Ephes. 1, v. 3⸗6. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistli⸗ em Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe. Und hat uns ver⸗ ordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Evangelium, Joh. 20, v. 2429. Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißet Zwil⸗ lding, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn ge⸗ sehen. Er aber, sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meinen Fin⸗ ger in die Nägelmale, und lege meine Hand in seine Seite, will ichs nicht glauben. Und über acht Tage wa⸗ ren abermal seine Jünger darinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen wa— ren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sei mit euch, Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deinen Fin⸗ ger her, und siehe meine Hände, und reiche deine Hand ber, und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläu⸗ big, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr, und mein Gott. Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen, und doch 91 Am 136 Episteln Am Tage Pauli Bekehrung. Epistel, Apostelgesch. 9, v. 1⸗22. aulus aber schnaubte noch mit Dräuen und Morden wider die Jünger des Herrn, und ging zum Hohen⸗ priester und bat ihn um Briefe gen Damascus an die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Weges fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gen Jeru⸗ salem. Und da er auf dem Wege war, und nahe bei Damascus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel, und er fiel aus die Erde, und hörete eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfol⸗ gest du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel lecken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, daß ich thun soll? Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was du thun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarret, denn sie höreten eine Stimme, und sahen Niemand. Saulus aber rich⸗ tete sich auf von der Erde und als er seine Augen auf⸗ that, sah er Niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand, und führeten ihn gen Damascus, und er war drei Tage nicht sehend, und aß nicht, und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Damascus, mit Namen Ananias, zu dem sprach der Herr im Gesichte: Anania! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe hin in die Gasse, die da heißet die richtige, und frage in dem Hause Juda nach Saul mit Namen von Tarsen; denn siehe, er betet, und hat gesehen im Gesichte einen Mann, mit Namen Ana⸗ nias, zu ihm hinein kommen und die Hand auf ihn le⸗ gen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwor⸗ tete: Herr, ich habe von Vielen gehöret von diesem Manne, wie viel Uebels er deinen Heiligen gekthan hat zu Jerusalem; und er hat allhier Macht von den Hohen⸗ priestern, zu binden Alle, die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden, und vor den Königen und vor 2* Kin⸗ ern 2—.—2...CRhrr ——4—————————525 und Evangelien. 137 E.—— dern von Israel. Ich will ihm zeigen, wie viel er lei— den muß um meines Namens willen. Und Ananias ging hin, und kam in das Haus, und legte die Hände auf ihn, und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt,(der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkamest), daß du wieder sehend, und mit dem hei⸗ ligen Geist erfüllet werdest. Und alsobald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend, und stand auf, ließ sich taufen, und nahm Speise zu sich und stärkete sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damascus. Und alsbald predigte er Chri⸗ stum in den Schulen, daß derselbige Gottes Sohn sei. Sie entsetzten sich aber Alle, die es höreten, und spra⸗ schen: Ist das nicht, der zu Jerusalem verstörete Alle, die diesen Namen anrufen, und darum hergekommen, daß er sie gebunden führe zu den Hohenpriestern? Sau⸗ lus aber ward je mehr kräftiger, und trieb die Juden ein, die zu Damascus wohneten, und bewährte es, daß sdiefer ist der Christ. Evangelium, Matth. 19, v. 23⸗30. QCJesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich NI sage euch, ein Reicher wird schwerlich ins Himmel⸗— reich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das seine Jünger höreten, entsetzten sie sich sehr, und sprachen: Jel wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ists unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Da antwortete Pe⸗ trus, und sprach zu ihm: Siehe, wir haben Alles ver⸗ lassen, und sind dir nachgefolget, was wird uns dafür? gesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die ihr mir seid nachgefolget in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sitzen auf zwölf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israel. Und wer derlässet Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Bater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Aecker um meines Namens willen, der wird es hundertfältig nehmen, und das ewigé Leben ererben. Aber 138 Episteln Aber Viele, die da sind die Ersten, werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten seim Am Tage Mariä Reinigung. Epistel, Maleachi 3, v. 1⸗4. Siche, ich will meinen Engel senden, der vor mir her — den Weg bereiten soll. Und bald' wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zu⸗ kunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen, denn er ist wie das Feuer eines Gold⸗ schmiedes, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sit⸗ zen und schmelzen, und das Wasser reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen, und läutern wie Gold und Silber; dann werden sie dem Herrn Speisopfer brin-⸗ gen in Gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalems, wie vorhin und vor langen Jahren. Evangelium Lucä 2, v. 22⸗32. U da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mosis kamen, brachten sie das Kind Jesum gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn, (Wie denn geschrieben stehet in dem Gesetz des Herrn: Allerlei Männlein, das zum Ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen.) und daß sie gäben das Opfer, nachdem gesagt ist im Gesetz des Herrn: ein paar Turteltauben, oder zwei junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Si⸗ meon; und derselbige Mensch war fromm und gottes⸗ fürchtig, und wartete auf den Trost Israel, und der heilige Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen, und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brach⸗ ten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme, und lobete Gott, und sprach: Herr, nun lässest du deinen Diener in — und Evangelien. 139 n, in Frieden fahren, wie du gesagt hast. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du berei⸗ tet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Ifrael. ——— er zu ö Am Tage Matthäi. ö Epistel, Apostelgesch. 1, v. 15⸗26. 1⸗ ud in den Tagen trat auf Petrus unter die Jünger, ö und sprach(es war aber die Schaar der Namen zu „ Haufe bei hundert und zwanzig): Ihr Männer und „Brüder, es mußte die Schrift erfüllet werden, welche zu⸗ od vor gesagt hat der heilige Geist, durch den Mund Ba— id vid, von Juda, der ein Vorgänger war derer, die Je⸗ 1 sum fingen. Denn er war mit uns gezählet, und hatte ndies Amt mit uns überkommen. Dieser hat erworben d den Acker um den ungerechten Lohn, und sich erhenket, und ist mitten entzwei geborsten, und alle seine Einge⸗ weide ausgeschüttet. Und es ist kund geworden Allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker 6 genennet wird auf ihre Sprache: Hakeldama, das ist, nmein Blutacker. Denn es stehet geschrieben im Psalm⸗ t‚ buch: Ihre Behausung muß wüste werden, und sei Nie⸗ : mand, der darinnen wohne, und sein Bisthum empfahe d‚ ein Anderer. So muß nun einer unter diesen Män⸗ nmnern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, : welche der Herr Jesus unter uns ist aus⸗ und einge⸗ d gangen, von der Taufe Johannis an, bis auf den Tag, da er von uns genommen ist, ein Zeuge seiner Aufer⸗ stehung mit uns werden. Und sie stelleten zween, Jo⸗ seph, genannt Barsabas, mit dem Zunamen Just, und Matthiam, beteten und sprachen: Herr! Aller Herzen Kündiger, zeige an, welchen du erwählet hast unter die⸗ sen zweien, daß einer empfange diesen Dienst und Apo⸗ stelamt, davon Judas abgewichen ist, daß er hinginge an seinen Ort. Und sie warfen das Loos über sie; und das Loos fiel auf Matthiam, und er ward zugeordnet zu den elf Aposteln. rrr; MNV Eyan⸗ 14⁰ Episteln ———————[ß7——ißi‚i—‚—— Evangelium, Matth. 11, v. 25⸗30. u derselbigen Zeit antwortete Jesus, und sprach: Ich D preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und Nie⸗ mand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und Nie⸗ mand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid: ich will euch erqui⸗ ken. Nehmet auf euch mein Joch, und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. ö 8.——————ß7——— ñ————————— Am Tage der Verkündigung Mariä. Epistel, Jesaias 7, v. 10⸗16. ö 1 nd der Herr redete abermals zu Ahas, und sprach: Fordere dir ein Zeichen von dem Herrn deinem Gott, es sei unten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohl⸗ an, so höret ihr vom Hause David: Ists euch zu we⸗ nig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müsset auch mei⸗ nen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau tist schwan⸗ ger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie hei⸗ ßen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse, Böses zu verwerfen, und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernet Böses verwerfen, und Gu⸗ tes erwählen, wird das Land, davor dir grauet, verlas— sen sein von seinen zween Königen. Evangelium, Lucä I, v. 26⸗38. Ud im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißet Na⸗ zareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause David, und die Jung⸗ — GEDr:--.-...... * und Evangelien. 141 ————-: Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hi⸗ nein, und sprach: Gegrüßet seist du Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern. Da sie aber ihn sah, erschrack sie über seine Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott ge⸗ funden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gehären, deß Name sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten ge— nannt werden. Und Gott, der Herr, wird' ihm den Stuhl seines Vaters David geben. Und er wird ein König sein über das Haus Jacob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen? Sintemal ich von keinem Manne weiß. Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Got⸗ tes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundete, ist auch schwanger mit einem Sohn in ih⸗ rem Alter, und gehet jetzt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. Am Tage Philippi und Jacobi. Epistel, Ephes. 2, v. 19⸗22. VDen Brüder, so seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Brüder mit den Heiligen, und Gottes Hausgenossen, erbauet auf dem Grund der Apo⸗ stel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau in einander gefüget, wächset zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Auf welchem auch ihr mit erbauet werdet, zu einer Behausung Got⸗ tes im Geist. Evangelium, Joh. 14, v. 1⸗14. ö 4 71— sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke ö nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In 14² Episteln Am Tage Johannis des Täufers. ö Epistel, Jesaias 40, v. 1⸗5. ö Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet mit —Jerusalem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Rit⸗ terschaft ein Ende hat; denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat Zweifältiges empfangen von der Hand des Herrn, um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle-Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedriget werden und was 13—6. U 0 I...S. * II und Evangelien 143 soll eben, und was höckericht ist, soll schlecht werden. Denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbaret werden, und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Evangelium, Lucä 1, v. 57⸗80. Ind Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundeten höreten, daß der Herr große Barmherzig⸗— keit an ihr 6.7 hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich, am achten Tage kamen sie zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinem Vater Za⸗ charias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch Niemand in deiner Freund⸗ schaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen? Und er forderte ein Täflein, schrieb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich Alle. Und alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete, und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn und diese Geschichte ward Allen ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und Alle, die es höreten, nahmen es zu Her⸗ zen, und sprachen: Was meinest du, will aus dem Kind⸗ lein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Israel, denn er hat besuchet und erlöset sein Volk. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils, in dem Hause seines Dieners David. Als er vor Zeiten gere⸗ det hat durch den Muud seiner heiligen Propheten, daß er uns errettete von unsern Feinden, und von der Hand Aller, die uns hassen; und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund; und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen, du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du sei⸗ nen Weg bereitest; und Erkenntniß des Heife gebest seinem 14⁴⁴ Episteln seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünden; durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe; auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs, und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Am Tage Petri und Pauli. Epistel, Apost. Gesch. 12, v. 1⸗12. m dieselbige Zeit legte der König Herodes die Hände an Etliche von der Gemeine, zu peinigen. Er töd⸗ lete aber Jacobum, Johannis Bruder, mit dem Schwerdt. Und da er sah, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort, und fing Petrum auch. Es waren aber eben die Tage der süßen Bröde. Da er ihn nun griff, legte er ihn ins Gefängniß, und überantwortete ihn vier Vierthei⸗ len Kriegsknechten, ihn zu bewahren, und gedachte ihn nach den Ostern dem Volt vorzustellen. Und Petrus ward zwar im Gefängniß gehalten, aber die Gemeine betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus zwischen zween Kriegsknechten, gebunden mit zwo Ketten, und die Hüter vor der Thür hüteten des Ge⸗ fängnisses. Und siehe, der Engel des Hertit kam da⸗ her, und ein Licht schien in dem Gemach, und schlug Petrum an die Seite, und weckete ihn auf, und sprach: Stehe behend auf. Und die Ketten fielen ihm von sei⸗ nen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich, und thue deine Schuhe an. Und er that also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich, und folge mir nach. Und er ging hinaus und folgete ihm, und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel; sondern es däuchte ihn, er sähe ein Gesicht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut, und kamen zu der eisernen Thüt welche zur Stadt führet, die that sich ihnen von 1 ber auf. Und traten hinaus, und gingen hin ei asse lang und alsobald schied der Engel von ihm. Und da* zu sich und Evangelien. 145⁵ Niedrigen. sich selbst kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig/ daß der Herr seinen Engel gesandt hat, und mich errettet aus der Wits Herodis, und von allem Warten des jü⸗ dischen Volks Evangelium, Matth. 16, v. 13⸗19. Da kam Jesus in 23 Gegend der Stadt Cäsarea Phi⸗ lippi, und fragte seine Jünger, und sprach: Wer sa⸗ gen die Leute, daß des Nenschen Sohn sei“ Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes, der Täufer. Die An⸗ deren, du seiest Elias. Etliche, du seiest Jeremias, oder der 2aß ich einer. Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus, und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Und Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbaret, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und Alles, was du auf Erden lösen wirst, 750 auch im Himmel los sein. r Am Tage Mariä Heimsuchung. Epistel, Röm. 12, v. 9⸗18. Di Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zu⸗ vor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid Drümstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoss nung, geduldig in Trübsal. Haltet an am Gebet. Neh⸗ met euch der Heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Wei⸗ nenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Daltet sondern haltet euch herunter zu den altet euch—6 selbst für klug. 4 Nie⸗ 146 Episteln Niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbar⸗ keit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habet mit allen Menschen Frieden. Evangelium, Luc. 1, v. 39⸗56. aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gehirge endelich, zu der Stadt Juda. Und kam in das Haus Zacharias, und grüßete Elisabeth. Und es be⸗ gab sich als Elisabeth den Gruß Mariä hörete, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des hei⸗ ligen Geistes voll, und rief laut, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mut⸗ ter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes horete, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubt hast, denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Hei⸗ landes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd ange⸗ sehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm, und zer⸗ streuet die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stö⸗ ßet die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebet die Niedri⸗ gen. Die Hleer Er erfüllet er mit Gütern und lässet die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Israel auf. Wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei Monden, darnach kehrete sie wiederum heim. Am Tage St. Jacobi. Epi stel, Röm. 8, v. 28⸗39. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge Dann Besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor berufen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollen dem Ebenbilde seines Sobyes. und Evangelien. 14⁷ auch gerecht gemacht; welche er aber gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir hiezu sa⸗ gen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Wel⸗ cher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, son⸗ dern hat ihn für uns Alle dahin gegeben: wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Wer will die Auser⸗ wählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da ge⸗ recht machet. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem Allem über⸗ winden wir weit, um deswillen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwär⸗ tiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Creatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist unserm Herrn. Evangelium, Matth. 20, v. 20⸗23. Dẽ trat zu Jesu die Mutter der Kinder Zebedäi, mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder, und bat Etwas von ihm. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine zween Söhne sitzen in deinem Reiche, einen zu deiner Rechten, und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnet ihr den Kelch trin⸗ ken, den ich trinken werde, und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja wohl. Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, und mit der Taufe, da ich mit ge⸗ tauft werde, sollt ihr getauft werden. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, stehet mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem————1 2* m 148 Episteln Am Tage Bartholomäi. Epistel, 2. Cor. 4, v. 7⸗10. Wir haben aber solchen Schatz in irdischen Gefäßen, auf daß die überschwengliche Kraft sei Gottes, und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir ver⸗ zagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kom⸗ men nicht um. Und tragen um allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leibe, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unserm Leibe offenbar werde. Evangelium, Lucä 22, v. 24⸗30. Es erhob sich aber ein Zank unter den Jüngern, wel⸗ cher unter ihnen sollte für den Größten gehalten wer⸗ den? Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen und die Gewaltigen heißt man gnädige Herrn. Ihr aber nicht also; sondern der Größeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Die⸗ ner. Denn welcher ist der Größeste, der zu Tische sitzet, oder der da dienet? Ists nicht also, daß der zu Tische sitzet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid es, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfech⸗ tungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir es mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trin⸗ ken sollt über meinem Tische in meinem Reich, und sitzen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israel. Am Tage St. Matthäi. Epistel, 1. Cor. 12, v. 4⸗11. Eꝰ sind mancherlei Gaben, aber es ist Ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist Ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket Alles in Allem. In einem Jeglichen er⸗ zeigen sich die Gaben des Geistes, zum gemeinen Nutzen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem Andern wird gegeben zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geist; einem Andern 0— gesun —22.—9—‚—j—ß72——titi— und Evangelien. 149 gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern Wunder zu thun; einem Andern Weissagung; einem An⸗ dern Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern die Sprachen auszulegen. Dies aber Alles wirket derselbige einige Geist, und theilt einem Jeglichen Seines zu, nachdem er will. Evangelium, Matth. 9, v. 9⸗13. nd da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen Wam Zoll sitzen, der hieß Matthäus, und sprach zu ihm: Folge mir. Und er stand auf und folgte ihm. Und es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, siehe, da ka⸗ men viel Zöllner und Sünder, und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isset euer Mei⸗ ster mit den Zöllnern und Sündern? Da das Jesus hö⸗ rete, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arz⸗ tes nicht, sondern die Kranken. Gehet aber hin, und ler⸗ net was das sei: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzig⸗ keit, und nicht am Opfer. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Frommen. Am Tage St. Michaelis. Epistel, Offenb. Joh. 12, v. 7⸗12. nd es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel, und siegten nicht, auch ward ihrer Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt ver⸗ führet, und ward geworfen auf die Erde, und seine En⸗ gel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörete eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil, und die Kraft, und das Reich, und die Macht unsers Got⸗ tes seines Christus geworden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden, durch des Lam⸗ mes Blut, und durch das Wort ihres Zeugnisses und ha⸗ ben ihr Leben nicht geliebet, bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen 22969 van⸗ 150* ö Episteln Evangelium, Matth. 18, v. 1210. Z derselben Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: Wer ist der Größeste im Himmelreich? Je⸗ sus rief ein Kind zu sich, und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehrt, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie das Kind, der ist der Größeste im Him⸗ melreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Ge⸗ ringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt würde, und er ersäufet würde im Meer, da es am Tiefsten ist. Wehe der Welt der Aergerniß halber! Es muß ja Aergerniß kom⸗ men. Doch wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm, oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwei Hände oder zween Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge är⸗ gert,‚ reiße es aus, und wirf es von dir, es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer gewor⸗ fen. Sehet zu, daß ihr nicht Jemand von diesen Kleinen verachtet; den ich sage euch: Ihre Engel im Himmel se⸗ hen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Am Tage Simonis und Judä. Epistel, 1. Petr. 1, v. 3•9. elobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Chri⸗ sti, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wieder geboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auf⸗ erstehung Jesu Christi von den Todten, 0 einem unver⸗ gänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit(wo es sein soll) traurig seid in W Anfech⸗ ungen, und Evangelien 151 tungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köst⸗ licher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu Lobe, Preis und Ehren, wenn nun offenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb babet, und nun an ihn glau⸗ bet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit, Evangelium, Joh. 15, v. 17⸗25. esus sprach zu seinen Jüngern: Das gebiete ich euch, daß ihr euch unter einander liebet. So euch die Welt hasset, so wisset, daß sie mich vor 0 das hat. Wä⸗ ret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum hasset euch die Welt. Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer, denn sein Herr. Haben sie mich verfolget, sie werden euch auch verfolgen. Haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das Alles werden sie euch thun um meines Namens wil⸗ len; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Wenn ich nicht gekommen wäre, und hätte es ihnen gesagt, hätten sie keine Sünde: nun aber können sie nichts vor⸗ wenden, ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich hasset, der haffet auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke gethan unter ihnen, die kein Anderer gethan hat, so hät⸗ tet sie keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen, und hassen doch beide, mich und meinen Vater. Doch daß erfüllet werde der Spruch in ihrem Gesetz geschrieben: Sie hassen mich ohne Ursache. Am Tage der Kirchweihung. ö Epistel, Offenb. Joh. 21, v. 2⸗5. Uld ich Johannes sahe die heilige Stadt, das neue De⸗ rusalem, von Gott aus dem Himmel herab fahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Manne. Und hörete eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk 10 un 152 Episteln und Evangelien. ——— und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Ge⸗ schrei, noch Schmerzen wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache Alles neu. Evangelium, Lucä 19, v. 1⸗10. nd Jesus zog hinein, und ging durch Jericho. Und da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der Zöllner, und war reich. Und begehrte Jesum 0 sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk, enn er war klein von Person. Und er lief vorhin, und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an dieselbige Stätte, sah er auf, und ward sein gewahr, und sprach zu ihm: Zachäe, steig eilend hernieder, denn ich muß heute in deinem Hause einkehren. Und er stieg eilend herr ieder, und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete. Zachäus aber trat dar, und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich Jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Ab⸗ rahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist gekom⸗ men zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. E N D E. Verlag der Invalidenaustalt. Gedruckt in der L. C. Wittich'schen Hofbuchdruckerei. Der kleine CWatechismu s D. M. Luthers. Frage und Antwort für die Kinder, so da sollen confirmirt und zum erstenmal zur Communion gelassen werden. — Bist du ein Christ? ( Ja, Herr. Woher weißt du das? Daher, daß ich getauft bin auf den Namen unsers Herrn Jesu Christi, und die christliche Lehre weiß und glaube. Welches ist denn die christliche Lehre? Die in den Schriften Mosis, der Propheten und Apo⸗ stel verfasset und begriffen ist. ö Wie viel Hauptstücke hat die christliche Lehre? Fünf. ö Das erste? Die zehn Gebote Gottes. ů Das andere? Die Artikel des christlichen Glaubens. Das dritte? Das Gebet des Herrn. Das vierte? Das Sakrament der heiligen Taufe. Das fünfte? Das Abendmahl des Herrn oder das Sakrament des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Christi. 98 ozu 2 Das erste Hauptstück. Wozu dienen uns diese allesammt insgemein? Daß wir erkennen: erstlich, wer wir seien, und wie wir mit unserm Herrn Gott stehen. Darnach, wer unser⸗ Herr Gott sei, und wie wir mit ihm mögen versöhnet und vereiniget werden. Das erste Haupt stück. Von den zehn Geboten Gottes. Wie lautet das erste Gebot? Du sollst keine andere Götter haben neben mir. Was ist das? „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm allein vertrauen. Das andere Gebot? Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht unnützlich führen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei sei⸗ nem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselbigen in allen Nöthen anrufen, be⸗ ten, loben und danken. ö ö Das dritte Gebot? Du sollst den Feiertag heiligen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Pre⸗ digt und sein Wort nicht verachten: sondern dasselbige heilig halten, gern hören und lernen. Das vierte Gebot? Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dirs wohl gehe und du lange lebest auf Erden. Was ist das: Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten, noch erzürnen son⸗ ů ern Das ste Hauptstück. 3 dern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und werth halten. Das fünfte Gebot? Du sollst nicht tödten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid thun: sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöthen. Das sechste Gebot? Du sollst nicht ehebrechen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und züchtig leben, in Worten und Werken, und ein Jeg⸗ licher seinen Gemahl lieben und ehren. Das siebente Gebot? Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten sein Geld und Gut nicht nehmen, noch mit fal⸗ scher Waare oder Handel an uns bringen: sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten. Das achte Gebot? Du sollst kein falsches Zeugniß reden wider dei⸗ nen Nächsten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir urchen Nächsten nicht fälschlich belügen, verrathen, afterreden, oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschul⸗ digen, Gutes von ihm reden, und Alles zum Besten kehren. Das neunte Gebot? Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Was ist das? Wir sollen Gott it nach und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen, noch mit einem Schein dez s an Wnrsondenn ondern 4 Das erste Hauptstück. sondern ihm, dasselbe zu behalten, förderlich und dienst— lich sein. Das zehnte Gebot? Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh, oder Alles, was sein ist. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht sein Weib, Gesind oder Vieh abspannen, abdringen, oder abwendig machen: sondern bei densel⸗ dig f 9 daß sie bleiben, und thun, was sie schul⸗ ig sind. Was sagt nun Gott von diesen Geboten allen? Er sagt also: Ich, der Herr dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsuchet an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied, aber denen, so mich lieben, und meine Gebote halten, thue ich wohl bis ins tausendste Glied. Was ist das? Gott drohet zu strafen Alle, die diese Gebote übertre⸗ ten, darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht wider solche Gebote thun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute Allen, die solche Gebote halten. Darum sollen wir ihn auch lieben und ihm vertrauen, und gerne thun nach seinen Geboten. Wozu sind uns die zehn Gebote nutz? Zu zweierlei: Erstlich zeigen sie die Sünde an, und offenbaren Gottes Zorn über die Sünde, dadurch wir— verursachet werden, Vergebung der Sünden, und Trost wider Gottes Zorn und den ewigen Tod bei unserm Herrn und Heiland Jesu Christo zu suchen. Zum Andern lehren sie, welches die guten Werke seien, so die Gläubigen und Neugebornen zu thun schuldig sind, ihren Gehorsam und Dankbarkeit gegen den gnädigen Vater im Himmel damit zu beweisen. 60 ů önnen * *⁴ε— —..—..—3..I Das andere Hauptstück. 5 Können wir denn auch mit unsern guten Werken Gottes Gebot und Gesetz erfüllen? Ach nein! denn unsere guten Werke sind nicht vollkom⸗ men gut, dieweil wir arme Sünder sind und wenn wir schon wollen Gutes thun, so liegt uns doch das Böse an. Röm. am 7. Wer hat denn das Gesetz und die zehn Gebote Gottes erfüllet? Christus Jesus, Gottes und Marien Sohn, der ist ganz heilig und gerecht, der hat für uns dem Gesetz genug gethan, anders nicht, als ob wir selbst das Gesetz gehal⸗ ten hätten. Und um desselbigen willen gefallen Gott auch unsere gute Werke, die wir durch Gottes Gnade im Glau⸗ ben thun, ihm zu seinem Lob und Ehren, und unserm Nächsten zu Dienst, obschon Mangel an denselbigen ist. Das andere Hauptstück. Von den Artikeln des christlichen Glaubens. Welches sind die Artikel des christlichen Glaubens? Dies sind sie: Der erste, von der Schöpfung. Der andere, von der Erlösung. Der dritte, von der Heiligung. Wie lautet der erste Artikel? Von der Schöpfung. Ich glaube an Gott, den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. Was ist das? Ich glaube, daß mich Gott erschaffen hat, sammt allen Creaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren, und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat, und noch erhält, dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Aecker, Vieh und alle Güter, mit aller Nothdurft und Nahrung des Leibes und Lebens, reichlich und täglich versorget, wider alle Gefährlichkeit beschützet und beschirmet, und vor allem Uebel behütet und 28 ö bewahret, 6 Das andere Hauptstück. bewahret, und das Alles aus lauter väterlicher, gött⸗ licher Güte und Barmherzigkeit, ohn' all mein Verdienst und Würdigkeit, das Alles ich ihm zu danken, und zu loben, und dafür zu dienen, und gehorsam zu sein, schul⸗ dig bin. Das ist gewißlich wahr. Wie lautet der andere Artikel? Von der Erlösung. Ich glaube an Jesum Christum, seinen eingebor⸗ nen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist; geboren von Maria, der Jungfrau; gelitten unter Pontio Pilato; gekreuziget, gestorben und begraben; niedergefahren zu der Höllen; am dritten Tage auferstanden von den Todten; aufge⸗ fahren gen Himmel; sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Was ist das? Ich glaube, daß Jesus Christus wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich armen, verlornen und verdammten Men⸗ schen erlöset hat, erworben und gewonnen, von allen Sünden, vom Tod, und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen theuren Blut, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß ich sein eigen sei, und in seinem Reich unter ihm lebe, und ihm diene, in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden von dem Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist ge⸗ wißlich wahr. Wie lautet der dritte Artikel? ö Von der Heiligung. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche; die Gemeinschaft der Heiligen; Verge⸗ Das andere Hauptstück. 7 Vergebung der Sünden; Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben, Amen. Was ist das? Ich glaube, daß ich nicht aus eigner Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben er⸗ leuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten, gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden berufet, sammlet, erleuchtet, heiliget, und bei Jesu Christo er⸗ hält, im rechten einigen Glauben, in welcher Christen⸗ heit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünde reichlich vergibt, und am jüngsten Tag mich und alle Todten auferwecken wird, und mir sammt allen Gläu⸗ bigen in Christo Jesu, ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr. Wozu dienen uns die Artikel des christlichen Glaubens? Daß wir unsern Gott daraus erkennen lernen, wer er sei in seinem Wesen, und was sein gnädiger Wille gegen uns sei. Wer ist nun Gott in seinem Wesen? Er ist Gott der Vater, Gott der Sohn, und Gott der heilige Geist, drei unterschiedliche Personen, in einem einigen, ewigen, unzertrennlichen Wesen. Sind denn drei Götter? Nein, es ist nur ein einiger Gott, welcher sich in dreien unterschiedlichen Personen geoffenbaret hat. Was ist der gnädige Wille Gottes? Daß er uns will unsere Sünde vergeben, und mit⸗ theilen das ewige selige Leben. Wozu nützet uns die Erkenntniß des göttlichen Wesens und Willens? Daß wir daraus einen rechten Glauben überkommen, und durch den Glauben selig werden. Welche unter den dreien Personen ist Mensch worden? Die andere Person, als nämlich der ewige Sohn e 3 er 8 Das andere Hauptstück. Wer ist nun Christus, unser Erlöser, in seiner Person? Er ist wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit ge⸗ boren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau aria geboren, mein Herr. Oder kürzer: ö Er ist wahrhaftiger Gott und Mensch, oder Gottes und Marien Sohn. Welches ist denn die größte Wohlthat dieses deines Erlösers Jesu Christi? Er hat mich armen, verlornen und verdammten Men⸗ schen erlöset, erworben und gewonnen von allen Sün⸗ den, vom Tod, und von der Gewalt des Teufels. Warum hat er dich erlöset? Auf daß ich sein eigen sei, und in seinem Reich un⸗ ter ihm lebe, und ihm diene in owiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Glaubest du auch„daß Christus, dein Herr, bei seiner lieben Kirche allhier auf Erden, und auch bei dir sei? Ja, mein lieber Herr Christus, wahrer Gott und Mensch, ein Herr über Alles, ist nach seiner Verheißung bei mir und allen seinen Gläubigen, der ist mein Heur und Kö⸗ nig, welcher, wie er mich erlöset hat, also schützet und schirmet er mich auch, und will mich endlich in sein herr⸗ liches Reich nach diesem Leben aufnehmen. Wodurch wirst du vor Gott gerecht und selig? Durch kein ander Werk, als durch den ganzen aller⸗ heiligsten Gehorsam meines Herrn und Erlösers Jesu Christi, und durch sein allerbitterstes Leiden und Ster⸗ ben; das halt ich mit festem Glauben, und darauf steht all meines Herzens Vertrauen und Zuversicht. Woher kommt die Bekehrung zu Gott und der Glaube an Jesum Christum? Es ist eine Gabe des heiligen Geistes, der wirket und gibt mir sie, durch sein heiliges Wort und Evangelium Und die heiligen Sacramente. — 5. ʃ5.„ Das dritte Hauptstück. 9 Das dritte Hauptstück. Vom Gebet des HERRN. ö Wie lautet das Gebet des Herrn? Es lautet also? Vater unser, der du bist im Himmel. Was ist das? Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater, und wir seine rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Wie lautet die erste Bitte? ö Geheiliget werde dein Name. Was ist das? Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig; aber wir ö werde in diesem Gebet, daß er auch bei uns geheiliget werde. Wie geschieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird, und wir auch heilig, als die Kinder Gottes darnach le⸗ beenn; das hilf uns, lieber Vater im Himmel. Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes, da behüte uns vor, lieber himmlischer Vater. Wie lautet die andere Bitte? Dein Reich komme. Was ist das? ö „Hottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet, von ihm. selbst; aber wir bitten in in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme. Wie geschieht das? Wenn der himmlische Vater uns seinen heiligen Geist gibt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben, und göttlich leben, hier zeitlich und dort 2—— 78 ů 85 ie 10 Das dritte Hauptstück. eDWDie dutte Ditter Eiden⸗ Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf rden. Was ist das? Gottes guter gnädiger Wille geschieht wohl ohne un⸗ ser Gebet, aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe. Wie geschieht das? Wenn Gott allen bösen Rath und Willen bricht, und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt, und unsers Fleisches Wille, sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort und Glau⸗ ben, bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger und guter Wille. Die vierte Bitte? Unser täglich Brod gib uns heute. Was ist das? „Gott gibt das tägliche Brod auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen 9 enschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er uns solches erkennen lasse, und wir mit Danksagung empfahen unser täglich Brod. Was heißt denn täglich Brod? Alles, was zur Leibes Nahrung und Nothdurft gehö— ret, als Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kin⸗ der, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherrn, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Die fünfte Bitte? Und vergib uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. ö ö Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünde, und um derselben willen 5 ———— Das dritte Hauptstück. 11 willen solche Bitte nicht versagen, denn wir sind der kei— nes werth, das wir bitten, habens auch nicht verdienet, sondern er wolle uns Alles aus Gnaden geben, denn wir täglich viel sündigen, und wohl eitel Strafe ver⸗— dienen. So wollen wir zwar wiederum auch herzlich vergeben, und gerne wohl thun denen, die sich an uns versündigen. Die sechste Bitte? Und führe uns nicht in Versuchung. Was ist das? Gott versucht zwar Niemand; aber wir bitten in die⸗ sem Gebet, daß uns Gott wolle behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser eigen Fleisch nicht betrüge, noch verführe in Mißglauben, Verzweiflung und andere große Schand und Laster; und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Die siebente Bitte? Sondern erlöse uns von dem Uebel. Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, als in einer Summa, daß uns der Vater im Himmel von allerlei Uebel Lei— bes und der Seele, Gutes und Ehre erlöse, und zuletzt, wann unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere, und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu sich nehme in den Himmel. Amen. Was heißt Amen? Daß ich soll gewiß sein, solche Bitten seien dem Vater im Himmel angenehm und erhöret; denn er selbst hat uns geboten, also zu beten, und verheißen, daß er uns wolle erhören. Amen, Amen, das heißt: Ja, Ja, es soll also geschehen. Wozu dienet das Gebet des Herrn? Daß wir erkennen: Alles, was zur Aufrechthaltung dieses zeitlichen, und Erlangung des ewigen Lebens ge⸗ höret, könne man nirgends anders woher haben, denn von Gott, und es derohalben von ihm mit gläubigem Herzen bitten und erlangen. 4 6 Das 12 Das vierte Hauptstück. Das vierte Hauptstück. Vom Sacrament der heiligen Taufe. Was sind die heiligen Saeramente? Es sind göttliche Handlungen, darinnen uns Gott mit sichtbaren Zeichen(oder in seinem Wort verfaßten Ele⸗ menten) die unsichtbaren verheißenen Gnadengüter ver— siegelt und übergibt. Wozu sind die Saeramente eingesetzt? Zur Bestätigung unseres Glaubens an die göttliche Verheißung. ö Wie viel sind Sacramente im neuen Testament? Zwei: die Taufe, und das Abendmahl des Herrn. Zum Ersten: Was ist die Taufe? Die Taufe ist eine göttliche dandlung, in welcher uns Gott durchs Wasserbad und zort unsere Sünde gnä⸗ diglich um Jesu Christi willen vergibt, nimmt uns an seinen Kindern, und macht uus zu Erben aller seiner immlischen Güter. Oder: Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset, und mit Gottes Wort verbunden. Welches ist denn solch Wort Gottes? Da unser Herr Christus spricht Matthäi am letzten: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker, und tau⸗ fet sie im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. um 4 d/ ö ö Das vierte Hauptstück. 13 Zum Andern: Was gibt oder nützt die Taufe⸗ Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod ind Teufel, und gibt die ewige Seligkeit Allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten. Welches sind denn solche Worte und Verheißungen Gottes? Da unser Herr Christus spricht Marei am letzten: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt. Zum Dritten: Wie kann Wasser solche große Dinge thun? Wasser thuts freilich nicht, sondern das Wert Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so sol⸗ chem Wort Gottes im Wasser trauet. Denn ohne Got⸗ les Wort ist das Wasser schlecht Wasser, und keine Tau⸗ fe, aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das isi: ein gnadenreich Wasser des Lebens, und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geist, wie St. Paulus sagt zum Tito am dritten Capitel: Durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung. Das ist gewißlich wahr. Zum Vierten: Was bedeutet denn solch Wassertaufen. Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden, und sterben mit al⸗ len Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen, und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. Wo stehet das geschrieben? Sanct Paulus zu den Römern am sechsten spricht: Wir sind sammt Christo durch die Taufe begraben in den Tod, daß, gleichwie Christus ist von den Todten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen wir auch in einem neuen 7* wandeln. Nla-* 14 Das fünfte Hauptstück. Wozu nützt uns die Taufe? Daß wir damit versichert werden, Golt habe uns zu seinen Kindern angenommen, und wolle sich in allen Dingen als ein gnädiger Vater gegen uns erzeigen. Warum sprichst du in der Auslegung. des Catechismus: Die Taufe wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit, so doch allein der Herr Christus solches gethan hat? Der Herr Christus hat uns dieses Alles erworben in seinem Leiden und Sterben, aber mit der heiligen Taufe hat er es uns geschenket und zugeeignet. Das fünfte Hauptstück. Vom Abendmahl des Herrn ö oder Vom Sacrament des Altars. Was ist das Abendmahl des Herrn? Das Abendmahl des Herrn ist ein Sacrament oder göltliche Handlung, da der Herr NOrodrn selbst gegen⸗ wärtig ist, und übergibt uns mit Brod und Wein sei⸗ nen wahren Leib und Blut, zur gewissen Versicherung, daß wir Vergebung der Sünden haben, und mit ihm in Ewigkeit leben sollen. ö Was ist das Sacrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesu Christi, unter dem Brod und Wein, uns Christen zu essen und zu trinken, von Christo selbst eingesetzt. Wo stehet das geschrieben? So schreiben die heiligen Evangelisten und Apostel, Matthäus, Mareus, Lucas und St. Paulus: Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete, und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin Das fünfte Hauptstück. 15 hin und esset, das ist mein Leib, der für euch ge⸗ geben wird; solches thut zu meinem Gedi Desselbigen gleichen nahm er auch den Ke nach dem Abendmahl, dankete, und gaß hex den, und sprach: Nehmet hin und trinket Alle dearaus, dieser Kelch ist das neue Testamenk n meinem Blut, das für euch und für Viele vergossen wird, zur Vergebung der Sünden; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Was nützet denn solch Essen und Trinken?“ Das zeigen uns diese Worte an: Für euch uch daß und Derndnen zur Vergebung der Sünden; nämlich daß uns im Sacrament 6h6 Worte der Sünden, Leben und Se⸗ ligkeit durch solche Worte gegeben wird⸗ denn wo Ver⸗ gebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Wie kann leiblich Essen und Trinken solche große Dinge thun? Essen und Trinken thuts freilich nicht, sondern die Worte, so da stehen: Für euch gegeben und vergossen zur Bergebung 0 Sünden, welche Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken als das Hauptstück im Sacrament, und wer denselbigen Worten glaubet. der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich: Vergebung der Sünden. Wer empfängt denn solch Sacrament würdiglich? Fasten und leiblich sich zubereiten ist wohl eine feine äußerliche. dei aber der ist recht würdig und wohl geschickt, der Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Wer aber diesen Worten nicht glaubet, oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt, denn das Wort„für euch“ erfordert eitel gläubige Herzen. Wozu ist uns das Abendmahl des Herrn nütze? Wir werden damit versichert, daß, ob wir gleich un⸗ sern Vater im Himmel erzürnet haben, will er uns doch solches verzeihen, und unser gnädiger Vater Uleth und ů eiben. 16 Von der Beichte. bleiben. Und ist also die Taufe eine gewisse Versiche zung, datz uns Gott zu Kindern angenommen hat; das IIe daß er uns unsers Ungehorsams nicht whill entgelten lassen. ö ö C Was Elpfängst du im heiligen Abendmahl? Den pahren Leib und Blut unsers Herrn Jesu Chri⸗ sli, unter de ene Brod und Wein. Warum gehest du zum Tisch des Herrn? Daß ich meinen Glauben an den Herrn Christum durch die Nießung seines Ribes und Blutes stärke, und meine arme Seele tröste. Glaubest du und bekennest dieses Alles von Herzen, was du von der christlichen Liebe jetzund gesagt hast? Ja Herr. ö ö Willst du dich denn auch in den Gehorsam der christli⸗ chen Kirche ergeben, und nachdem du glaubest und be⸗ kennest, hinfort thun und leben, und was du allhier ver⸗ heißest und zusagest, thun und getreulich halten? Ja, Herr, durch die Gnade und Hülfe unsers Herrn Jesu Christi. Von der Beichte. Was ist die Beichte? Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: Eins, daß man die Sünden bekenne: Das andere, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe, als von Gott selbst, nnd ja nicht daran zweifele, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. ö Welche Sünden soll man. beichten? ö Vor Gott soll man aller Sünden sich schuldig geben, ö auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vater Unser thun. Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen. ö Welche as Von der Beichte. 17 Welche sind die? Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten: Ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht oder Magd seiest; ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, unzüchtig, gehässig gewesen seiest; ob du Jemand Leid gethan hast mit Worten oder Werken; ob. du gestohlen, versäumet, verwahrloset, oder sonst Schaden gethan habest? Allgemeine Beichte. Ich armer Sünder erkenne in meinem Herzen, und NI bekenne mit meinem Munde, daß ich nicht allein in Sünden empfangen und geboren, sondern auch mit al⸗ lerlei wirklichen Sünden, bösen Gedanken, Worten und Werken, gegen Gott, meinen Herrn, gröblich gefehlt habe, — bin zeitlicher und ewiger Strafe schuldig wor⸗ en bin. Solches nun ist mir von Grund meines Herzens leid: habe aber Zuflucht zu seiner Gnade und Barmherzigkeit, und bitte ihn demüthig, daß er, um des Todes Jesu Christi, seines lieben Sohnes und meines Erlösers wil⸗ len, mir meine Sünden verzeihen wolle. Ich will ins Künftige, durch die Gnade Gottes und den Beistand des heiligen Geistes, mein Leben bessern und frömmer werden. 18 Gebete. Anhang. I. Wie ein HausVater sein Gesinde soll lehren Morgens und Abends sich segnen. Das walt Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, Amen. Darauf sprich den Glauben und das Vater Unser, und so du willst, noch eins der nachfolgenden Gebete: I. Morgengebet. Ich danke dir, mein lieber Hemmlischer Vater, durch Jesum Christum deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest cheb diesen 45 5 auch behüten vor Sünden und allem Uebe„ auf daß dir all mein Thun und Leben wohlgefalle; denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und Alles in deine Hände. Dein hei⸗ liger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. II. Tischgebet. ö Vor dem Essen. Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ih⸗ nen ihre Speise zu seiner Zeit, du thust deine milde efal auf und sättigest Alles, was da lebet, mit Wohl⸗ gefallen. Darnach das Vater Unser, und dieß folgende, Gebet. Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Nach dem Essen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich, der allem Fleische seine Speise gibt, ö Die Haustafel. 19 gibt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen. Er hat nicht Lust an der Stärke des Rosses, noch Gefallen an Jemandes Beinen; der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und auf seine Güte warten. Darnach das Vater Unser, und dieß folgende Gebet. Wir danken dir, Herr Gott Vater, durch Jesum Chri⸗ stum, unsern Herrn, für alle deine Gaben und Wohl⸗ chat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. III. Abendgebet. Ich danke dir, mein lieber, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich die⸗ sen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wol⸗ lest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, mein Leib und Seele, und Alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. II. Die Haustafel. Etliche Sprüche für allerlei heilige Orden und Stände, dadurch dieselbigen, als durch eigene Lection ihres Amts und Dienstes zu bewahren. Den Bischöfen, Pfarrherrn und Predigern. Ein Bischof soll unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaftig, als ein Haushalter Gottes, nicht ein Weinsäufer, nicht gehässig, nicht unehrliche Handthierung treiben, sondern gelinde, nicht haderhaftig, nicht geizig, der seinem eigenen Haus wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe, mit aller Ehrbarkeit, nicht ein Neuling, der ob dem Wort halte, das gewiß ist, und lehren kann, auf daß er mächtig sei zu ermahnen durch die heilsame Lehre, und zu strafen die Widersprecher. 1 Tim. 3. Tit. 1.— Was 20 Die Haustafel. ——— Was die Zuhörer ihren Lehrern und Seel⸗ sorgern zu thun schuldig sind. Eßel und trinket, was sie haben, denn ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. Luc. 10, 7. Der Herr hat befohlen, daß die, so das Cvangelium 9. sollen sich vom Evangelio nähren. I. Cor. Der unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Gal. 6/, 6... Die Aeltesten, die wohl vorstehen, die halte man zwie⸗ facher Ehre werth, sonderlich die da arbeiten im Wort und in der Lehre. Denn es spricht die Schrift: Du jollst dem Ochsen, der da drischet, icht das Maul ver⸗ binden. Item, ein Arbeiter ist seines Lohnes werth. 1. Timoth. 5, 17. 18. Luc. 10. ö Wir bitten euch, lieben Brüder, daß ihr erkennet, die an euch arbeiten, und euch vorstehen in dem Herrn, und euch ermahnen. Habt sie desto lieber, um ihres Werks willen, und seid friedsam mit ihnen. 1 Thess. 5, 12. 13. Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen, denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen, auf daß sie es mit Freuden thun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut. Hebr. 13, 13. Von der weltlichen Obrigkeit. Ihhmnaun sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott. Wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott ge⸗ ordnet. Wer 915 nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung. Die aber widerstreben, werden über sich ein Urtheil empfahen. Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. Röm. 13, 1. 2. 4. Lon on S3 ———————ß7 —,s Die Haustafel. 21 2 Von den Unterthanen. ebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Matth. 22, 21. So seid nun aus Noth unterthan, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewassens willen; derohalben müsset ihr auch Schoß geben, denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben. So gebet nun Jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß, dem der Schoß gebühret; Zoll, dem der Zoll gebühret; Furcht, dem die Furcht gebühret, Ehre, dem die Ehre gebühret. Röm. 13, 5. 6. 7. So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zu⸗ erst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein geruhiges und stilles Leben führen mö⸗ gen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit; denn solches ist gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heiland. 1. Tim. 2, l. 2. 3. ö Erinnere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit unterthan und gehorsam seien. Tit. 3, 1. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Uebelthäter, und zu Lobe den Frommen. 1. Petri 2, v. 13. 14. Den Ehemännern. . Männer, wohnet bei euren Weibern mit Vernunft, und gebet dem weiblichen, als dem schwächsten Werk⸗ zeug seine Ehre, als Miterben der Gnade des Lebens, auf daß euer Gebet nicht verhindert werde. 1. Petri 3, 7. Und seid nicht bitter gegen sie. Coloss. 3, 98. Den 22 Die Haustafel. Den Ehefrauen. Dner seien unterthan ihren Männern, als dem Herrn, wie Sara Abraham gehorsam war, und Vihn Herr, welcher Töchter ihr worden seid, so ihr wohl thut und nicht so schüchtern seid. 1. Petri 3, 6. Den Eltern. Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, daß NI sie nicht scheu werden, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. Ephes. 6, 4. Den Kindern. Ji Kinder seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, DOdenn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, nämlich, daß 634015. gehe, und du lange lebest auf Erden. Ephes. 6, 1. 2. 3. Den Knechten, Mägden, Taglöhnern und Arbeitern. Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herrn, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens als Christo, nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes thut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, daß ihr dem Herrn, und nicht den Menschen dienet, und wisset, was ein Jeglicher Gutes thut, das wird er von dem Herrn em⸗ pfahen, er sei Knecht oder Freier. Ephes. 6, 5. 6. 7. 8. Den Hausherren und Hausfrauen. Ihr Herrn, thut auch dasselbige gegen sie, und lasset das Dräuen, und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt, und ist bei ihm kein Ansehen der Per⸗ son. Ephes. 6, 9. 7 er ———. Die Haustafel. 23 Der gemeinen Jugend. Ihr Jungen, seid den Alten unterthan, und beweiset darinnen die Demuth: denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1. Petri 5, v. 5. 6. Den Wittwen. Weiche eine rechte Wittwe und einsam ist, die stellet ihre Hoffnung auf Gott und bleibet am Gebet Tag und Nacht. Welche aber in Wollüsten lebet, die ist lebendig todt. 1. Tim. 5, 5. 6. Der Gemeine. Liebe deinen Nächsten, als dich selbst; in dem Worte sind alle Gebote verfasset. Röm. 13, 9. Und haltet an mit Beten für alle Menschen. 1. Tim. 2, 1. Ein Jeder lern sein Lection, So wird es wohl im Hause stohn. Verlag der Invalidenanstalt. Gedruckt in der L. C. Wittich'schen Hofbuchdruckerei.