..—.—. Christliche Morgen⸗ u. Abendgebeke SSSSIIIII......... auf ͤ alle Cage der Woche von Dr. Johann Habermann. Mit sonstigen Gebeten bei verschiedenen Rnlässen und einer Anzahl geistlicher Lieder. Neue verbesserte Ausgabe. Herborn. Buchhandlung des Nass. Colportage⸗Vereins. Rufmunterung zum Gebet. VWHache auf liebe Seele, und betrachte aus allen Kräften, mit wem du im Gebet redest, und vor wem du stehest. Siehe, du redest mit Gott, deinem Schöpfer, und stehest vor dem Angesicht seiner hohen Majestät, da stets zehn hundert mal tausend heilige Engel und Erzengel aufwarten. Darum gehe in die Kammer deines Herzens, und siehe wohl zu, daß du alle Unlust hinausweisest, und dein Antlitz ohne Tadel aufhebest, so wirst du deine Lust haben am All— mächtigen, und von allen Kräften mit ihm kämpfen, und sein Vaterherz er— weichen; ja den unüberwindlichen Gott gleich Jakob überwinden, und den Segen davon tragen durch Jesum Christum. Amen. 1* 4 Morgensegen am Sonntag. NMorgensegen am Sonntag. Merr Gott, himmlischer Vater, ge⸗ priesen sei deine göttliche Kraft und Allmacht, gelobt sei deine grundlose Güte und Barmherzigkeit, deine ewige Weis— heit und Wahrheit, daß du mich in dieser Nacht mit deiner Hand bedeckt, und unter dem Schatten deiner Flügel hast sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor dem bösen Feind und allen seinen heim— lichen Lüsten und Tücken bewahrt und väterlich beschirmt hast. Nun lobe ich dich um deiner Güte und um deiner Wunder willen, die du an den Menschen— kindern thust, und will dich bei der Ge⸗ meine preisen; dein Lob soll alleweg in meinem Munde sein; meine Seele soll allezeit dich, meinen Herrn, rühmen, und was in mir ist, deinen heil. Namen preisen; ich will nimmermehr vergessen alles, was du mir Gutes gethan hast. Morgengebet am Sonntag. 5 So laß dir nun gefaͤllen das Lobopfer meines Mundes, welches ich dir in dieser Morgenstunde in Einfältigkeit meines Herzens bringe. Ich rufe zu dir von ganzem Gemüte, du wollest mich heut diesen Tag auch behüten vor aller Gefahr Leibes und der Seele, und deinen lieben Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgieb mich vor allem mit deinem Schild und führe mich auf den Steig deiner Gebote, daß ich am heutigen Sonntag unsträflich wandle in deinem Dienst wie die Kinder des Tags zu deinem Wohlgefallen. Wehre dem bösen Feindund allen Ärgernissen dieser Welt, dazu steure meinem eigenen Fleisch und Blut, daß ich nicht, von ihnen über— wältigt, etwa gröblich wider dich handle, und dich durch meine Sünden erzürne. Regiere mich mit deinem heil. Geist, 6 Morgengebet am Sonntag. daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein das, was dir ge— fällig, und zu Ehren deiner göttlichen Majestät gereicht. Siehe, mein Gott! ich opfere dir mich heute ganz und gar zu eigen in deinen Willen mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und allen Kräften; mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefälligsei, damitich dir amheutigen Sonutag einen vernünftigen und ange— nehmen Gottesdienst leiste. Laß mich dein Eigentum sein; regiere mein Herz, daß ich nichts denn dich wisse und ver⸗ stehe. Segne dein Wort, das ich heute hören darf, an meinem Herzen, und er⸗ leuchte alle Prediger, dasselbe lauter zu verkündigen. Erhöre dieses mein Gebet. Früh will ich dich loben, und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum, Amen. 7 N 51 ...—.———— —9—3—9„)——*9˖9—„(————— 2..... *.—½— Morgenlied am Sonntag. 7 Morgenlied am Sonntag. 1. Auf, auf, meinHerz und du mein ganzer Sinn! Wirf alles heut', was Welt ist, von dir hin! Heut' hat das Werk der Schöpfung angefangen, Da dieser Welt das Licht ist aufgegangen. 2. Auf, auf, mein Herz, wirf alles Ird'sche ab! Heut' ist erstanden Jesus aus dem Grab; Heut' hat er sein Erlösungswerk vollendet; Heut' hat er auch den Geist herabgesendet. 5. Dies heil'ge HBeut' heißt dich auch heilig sein; Der HBerr will heute ziehen bei dir ein. So ruhe du von Arbeit und von Sünden, Daß er in dir mög' eine Wohnung finden. 4. Gott lässet dir sechs Tage für den Leib; Der siebente der Seele eigen bleib'; Sie muß ja wohl von sieben einen haben, Daß sie sich mög' mit Himmelsspeise laben. 5. Viel Sünden geh'n auf einer Woche Lauf; Am Sonntag blick' zu deinem Gott hinauf, Such' Christi Gnade, laß sein Wort dich lehren, Wie du ihn in der Woche wollest ehren. 6. Sechs Tage dich Gott segnet, schützt und nährt; Am Sonntag will er dankbar sein geehrt; Und hoff' auf ihn; er wird es lieblich machen. 8 Abendsegen am Sonntag. Der erste Tag soll für die andern bitten, Daß Gott sie woll' mit Segen überschütten. 6. Gott wöchentlich giebt sieben Tage dir; Gieb einen du, den ersten, ihm dafür. Der erste wird die andern sechse zieren, Wenn du von Christo lässest dich regieren. 8. Am ersten du nach Gottes Reiche tracht', Obschon die Welt die Andacht oft verlacht! Der Schad ist ihr, dir aber wird's gedeihen, Gott wird dich segnen, schirmen und erfreuen. 9. An diesem Tag hab' deine Lust am Herrn, Des Herzens Wunsch wird er dir geben gern; Befiehl Gott heute deine Weg' und Sachen, 10. Wirst du ihm aber rauben seinen Tag, So machst du dir die Woche voller Plag'. Wer Gott verehrt, den ehrt er auch auf Erden; Wer ihn verhöhnt, soll auch verachtet werden. Abendsegen am Sonntag. •π Hviger Gott, barmherziger Vater! ich hebe meine Hände auf zu dir, und sage dir von Herzen Lob für alle / Abendsegen am Sonntag. 9 Wohlthat, die du mir an dem nun verflos— senen Sonntag besonders auch durch An— hörung deines Wortes verliehen hast. Hilf mir, daß ich es in meinem Herzen wohl bewahre, daß es eine Frucht fürs ewige Leben bringe. Entdecke mir aber auch durch deinen Geist alle Ver— säumnis und Unachtsamkeit; thue deine Hand nicht von mir, vergieb mir und umgebe mich heut diese Nacht mit deinen heiligen Engeln, daß sie sich um mich lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, auf daß ich des bösen Feindes Fallstrick und arger List möge entfliehen. Laß mich, dein armes Geschöpf, deiner Güte und Barmherzigkeit empfohlen sein. Schütze mich mit deinem ausgestreckten Arm, denn von Herzen begehr ich dein des Nachts, dazu mit meinem Geist in mir wache ich allezeit zu dir. Ich harre deiner Güte, und meine Seele hoffet 10 Abendsegen am Sonntag. auf dich, lebendiger Gott, denn du bist meine Zuflucht und mein treuer Heiland. Siehe. Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir dein, wir leben oder sterben, so bist du ja unser Gott, der uns ge⸗ schaffen hat. Darum schreie ich zu dir laß deine Gnade nicht fern von mir sein. Beschirme mich mit deinem Schild. Erhalte mich, daß ich sanft einschlafe, und gesund wieder erwache. Decke mich in deiner Hütte zur bösen Zeit, ver— birg mich heimlich in deinem Gezelt und erhöhe mich auf einen Felsen: so werde ich mir nicht grauen lassen. Und ob ich schon wandere im finstern Thal, werde ich kein Unglück fürchten, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. So verleih mir nun deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele aber allezeit zu dir wache, und daß ich dich und dein Wort stets in meinem Abendsegen am Sonntag. 11 Herzen habe, und du nimmermehr aus meinem Gemüte kommest, auf daß mich die Nacht der Sünden nicht überfalle. Bewahre mich vor bösen, schädlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnützen Sorgen, vor argen, schweren Gedanken und vor aller Qual. Mein Gott und Herr! in deinen gnädigen Schutz befehle ich dir meinen Leib und meine Seele, meine lieben Geschwister und alle, die mit mir verwandt sind. Laß dir gefallen, Herr! daß du uns errettest; wende deine Barmherzigkeit nicht von uns, laß deine Güte und Treue allweg uns behüten! Darum bedecke uns in dieser Nacht mit deiner Güte, um— fahe uns mit deiner Gnade, daß wir an Leib und Seele behütet werden. Amen. 12 Abendlied am Sonntag. Abendlied am Sonntag. In bekannter Melodie. Der lieben Sonne Licht und Pracht Hat nun den Lauf vollführet, Die Welt hat sich zur Ruh gemacht; CThu', Seel, was dir gebühret, Critt an die Himmelsthür Und bring ein Lied dafür, Laß deine Augen, Rerz und Sinn Auf Jesum sein gerichtet hin. 2. Ihr hellen Sterne leuchtet wohl, Und glänzt mit Licht und Strahlen, Ihr macht die Nacht des Glanzes voll; Doch noch zu tausendmalen Scheint heller in mein Berz Die ew'ge Himmelskerz, Mein Jesus, meiner Seelen Ruhm, 3. Der Schlaf wird fallen diese Nacht Auf Menschen und auf Ciere; Doch einer ist, der droben wacht, Bei dem kein Schlaf zu spüren. Es schlummert, Zesu, nicht Dein Aug, auf mich gericht'; Mein Schutz, mein Schatz, mein Eigentum. Abendlied am Sonntag. 13 Drum soll mein Herz auch wachend sein, Daß Jesus wache nicht allein. 4. Verschmähe nicht das schlechte Lied, Das ich dir, Jesu, singe; In meinem Herzen ist kein Fried, Eh' ich es zu dir bringe; Ich bringe, was ich kann, Ach, nimm es gnädig an; Es ist doch herzlich gut gemeint; O Jesu, meiner Seelen Freund. 5. Mit dir will ich zu Bette gehen Dir will ich mich befehlen, Du wirst, mein Hüter! auf mich sehn Und raten meiner Seelen; Ich fürchte keine Not, Hein' Hölle, Welt noch Tod; Denn wer mit Jesu schlafen geht, Mit Freuden wieder aufersteht. 6. Ihr Höllengeister packet euch, Hier habt ihr nichts zu schaffen; Dies Haus gehört in Jesu Reich, Laßt es ganz sicher schlafen; Der Engel starke Wacht Hält es in guter Acht, Ihr Beer und Lager ist sein Schutz 14 Abendlied am Sonntag. Drum sei auch allen Teufeln Trutz. 7. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu! in deinen Armen, Dein Aufsicht soll die Decke sein, Mein Bette dein Erbarmen, Mein Uissen deine Brust, Mein Craum die süße Lust, Die aus dem Wort des Lebens fleußt, Und dein' Geist in mein Rerz eingeußt. 8. So oft die Nacht mein Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So viel mal sich das Berz bewegt, Soll dies sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall Mög rufen überall: O Jesu, Jesu du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. 9. Nun, matter Leib, schick' dich zur Ruh, Und schlaf fein sanft und stille; Ihr müden Augen schließt euch zu, Denn das ist Gottes Wille; Schließt aber dies mit ein: Herr Jesu! ich bin dein; So ist der Schluß recht wohl gemacht; Nun, liebster Jesu! gute Nacht. Morgensegen am Montag. 15 Morgensegen am Montag. du unsterblicher, gütiger Gott! weil edu deinem Volk im Gesetz geboten, dir alle Morgen ein Brandopfer zu thun, dich damit zu loben, und dir zuedanken für deinen gnädigen Schutz, so bringe ich dir jetzt auch das Lobopfer, das ist die Frucht meiner Lippen, und preise deinen heiligen Namen, daß du mich durch deine große Gnade und Barmherzigkeit heut diese Nacht vor allem Übel und Schaden an Leib und Seele behütet und wider meinen Widersacher, den bösen Feind, ganz väterlich erhalten hast. Denn wodu nicht mein Schild und Beistand wärest ge⸗ wesen, so hätte mich unzähliges Unglück verderbet, daß ichnichtgesund hätte mögen aufstehen. Darum danke ich dir ja billig für deinen gnädigen Schutz. Aber ich rufe auch aufs neue zu dir aus Grund meines Herzens, und mein Gebet kommt früh 16 Morgensegen am Montag. vor dich. Früh suche ich dich und bitte, du wollest mich und alle die Meinen heut und ferner behüten vor der List und Ge— walt desTeufels, vor Sünden und Schan— den, und allem Übel. Komm du mir zuvor in dieser Frühstunde mit deiner Gnade, sintemal ich ohne dich nichts vermag, und hilf, daß ich an diesem Tag alle meine Werkeindeinem Namenchristlichanfange und seliglich vollführe, zu Ehre deiner göttlichen Majestät und zum Nutzen mei— nes Nächsten. Bewahre meine Seele, Verstand, Vernunft, Sinn und Gedanken, all mein Thun und Lassen, daß der leidige Teufel mir nicht könne schaden. Beschütze mich vor der Seuche, die im Mittag ver— derbet. Behüte mich vor allen meinen Feinden, sichtbaren und unsichtbaren, daß sie mich mit all ihrer Gewalt und List nicht können verletzen, noch beschädigen. Herr Gott, VaterundHerr meines Lebens, Morgensegen am Montag. 17 behüte mich auch vor unzüchtigem Gesichte und wende von mir alle böse Lust. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeusch— heit geraten, und behüte mich vor unver— schämtem Herzen. Hilf, daß ich durch deine Gnade das Auge, das mich ärgern will, ausreiße und von mir werfe, daß ich absage aller bösen und unreinen Be— gierde des Herzens. Nimm von mir hin⸗ weg alles, was dir mißfällt, und mir schädlich ist. Gieb mir, was dir wohl⸗ gefällt und mir nützlich ist, auf daß ich dir in wahrem Glauben diene. Siehe mich an, du Heiland der Welt, mit den Augen deiner Barmherzigkeit, und er⸗ leuchte mein Herz und meine Augen, daß ich wandle in dem Glanz deiner Gnade, die über mir aufgehet, auf daß ich dich, das ewige Licht, nimmermehr verliere. Amen. Habermann, n. A. 18 Morgenlied am Montag. MNMorgenlied am Montag. In eigener Melodie. Vun sich die Nacht geendet hat, die Finster⸗ nis zerteilt, Wacht alles, was am 23 spat Zu seiner Ruh geeilt. 2. So wachet, auch ihr Sinnen wacht, Legt allen Schlaf beiseit, ZFum Lobe Gottes seid bedacht, Denn es ist Dankeszeit. 5. Und du, des Geistes edler Gast, Du teure Seele, du, Wie du so sanft geruhet hast, Dank Gott für deine Ruh. 4. Wie soll ich dir, du Seelenlicht, Sur G'nüge dankbar seind Mein Leib und Seel ist dir ver⸗ pflicht't, Und ich bin ewig dein. 5. Dir geb ich, Jesu! diese Gab Zu einem Unterpfand, Dieweil ich sie empfangen hab Von deiner Liebeshand. 6. Und diese deine Liebeshand Bat heut bei mir gewacht, Auch allen Schaden abgewandt In dieser finstern Nacht. 2. In deinen Armen schlief ich ein, D'rum konnte Satan nicht Mit seiner List mir schäd⸗ lich sein, Die er auf mich gericht't. 8. Vor Wasser⸗ und vor Feuersnot Hat mich, Morgenlied am Montag. 19 Herr! deine Güt' Vor einem bösen, schnellen Tod Heut diese Nacht behüt't. 9. Hab Dank, o Jesu! habe Dank, Für deine Lieb' und Treu; Hilf, daß ich dir mein Leben⸗ lang Von Herzen dankbar sei. 10. Gedenke, Rerr! auch heut an mich An diesem ganzen Cag, Und wende von mir gnädig⸗ lich Not, Jammer, Angst und plag. 11. Erhör, o Jesu! meine Bitt, Nimm meine Seufzer an, Und laß all' meine Schritt' und CTritt' Heut geh'n auf rechter Bahn. 12. Ach, laß, o Jesu! keine Sünd Mich diesen Tag begeh'n, Sonst möcht' ich, armes Sündenkind, Nicht wohl bei dir besteh'n. 15. Wend' meine Augen gnädig ab Von dieser Eitelkeit, Damit bis an mein kühles Grab Ich alles Böse meid. 14. Gieb deinen Segen diesen Tag Zu meinem Werk und Chat, Damit ich fröhlich sagen mag: Wohl dem, der Jesum hat! 15. Wohl dem, der Jesum bei sich führt, Schließt ihn ins Berz hinein, So ist sein ganzes Thun geziert, Und er kann selig sein. 16. Nun dann, so fange ich mein Werk In 2*³ 20 Morgenlied am Montag. Jesu Namen an! Er geb' mir seines Geistes Stärk', daß ich es enden kann. Ein anderes. Daein treues Aug' hat mich bewacht Und Vsdeine Liebeshand Hat allen Schaden dieser Nacht Von mir hinweg gewandt. 2. Hab' Dank, o Jesu, habe Dank Für deine Liebestreu'; Hilf, daß ich dir mein Leben lang Von Herzen dankbar sei! 5. Gedenke, Herr, auch heut' an mich An diesem ganzen Tag, Und wende von mir gnädiglich Was dir mißfallen mag! 4. Laß treu mich nützen meine Araft Und meine Gnadenzeit Und bild' mich in der Dilgerschaft Zur sel'gen Ewigkeit. 5. Erhör', o Jesu, meine Bitt Und nimm mein Seufzen an; Ach, gehe mit mir Schritt vor Schritt Auf meiner Lebensbahn! 6. Gieb deinen Segen diesen Tag Zu meiner Pflicht und That, Damit ich fröhlich sagen mag: Wohl dem, der Jesum hat! Rbendsegen am Montag. Hdu starker, lebendiger Gott! Vater unseres Herrn Jesu Christilich danke Abendsegen am Montag. 21 dir, daß du mich heute diesen Tag deinen göttlichen Schutz vor allerlei Übel und Gefahr, die mich hätten treffen können, so gnädiglich hast erfahren lassen, und mich auf allen meinen Wegen und Stegen so treulich geleitet hast. Aber eine red— lichePrüfung meinesHerzens undLebens erinnert mich auch an diesem Abend im Licht deines Geistes und Wortes, daß ichin Gedanken, Worten und Werken oftmals gesündigt habe. Darüber de— mütige ich mich vor deinem Angesicht mit der inbrünstigen Bitte, du wollest mir vergeben und mein Herz deiner Gnade noch froh und gewiß machen. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Laß es dir wohlgefallen, mich nun auch in dieser Nacht wieder in deinen gnädigen Schutz zu nehmen und mich mit allen den Meinigen vor allem 22 Abendlied am Montag. UÜbel und Gefahr zu behüten. Sei unser Wächter und Hüter, auf daß der Teufel uns nicht könne beschädigen, denn bei dir stehet unser Heil; zu dir allein hebe ich meine Augen auf, daher mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren sehen, wie die Augen der Mägde auf die Hände ihrer Frauen sehen; also sehen unsere Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig werde. Sei uns gnädig, Herr! sei uns gnädig, denn wir sind arm und elend. Erhebe über uns das Licht deines Ant— litzes, daß wir nicht imTod entschlafen, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Rbendlied am Montag. RNoun sich der Tag geendet hat Und keine Sonn' mehr scheint, Schläft alles, was sich abgematt't, Und was zuvor geweint. Abendlied am Montag. 23 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, Du schläfst und schlummerst nicht; Die Finsternis ist dir verhaßt, Weil du bist selbst das Licht. 5. Gedenke, Herr! doch auch an mich In dieser schwarzen Nacht, Und schenke mir doch gnädiglich Den Schirm von deiner Macht. 4. Wend' ab des Satans Tyrannei Durch deine Engelschar, So bin ich aller Sorgen frei, Und bringt mir nichts Gefahr. 5. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld, Die mich bei dir klagt an, Doch aber deines Sohnes Huld Bat g'nug für mich gethan. 6. Den setz' ich mir zum Bürgen ein, Wann ich muß vor's Gericht; Ich kann ja nicht verloren sein In dieser Zuversicht. 2. D'rauf thu ich meine Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, Wer wollte traurig sein d 8. Weicht, nichtige Gedanken, hin, Wo ihr habt euren Lauf; Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 9. Soll diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So führ mich, Herr! In Rimmel ein, SFur auserwählten Sahl. 24 Abendlied am Montag. 10. Und also leb und sterb ich dir, Du starker Sebaoth! Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Not. Ein anderes. Non ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, Es schläft die ganze Welt; Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf: ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohl gefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben d Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind; Fahr hin, ein' and're Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 5. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sterne prangen Am blauen Himmelssaal; Also werd ich auch stehen, Wann mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, Legt ab das Uleid und Schuhe, Das Bild der Sterb⸗ lichkeit; Die zieh' ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr' und Herrlichkeit. Morgensegen am Dienstag. 25 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sei; Berz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder; Der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund' und Seiten, da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 2. Mein' Augen stehn verdrossen, Im Hui sind sie geschlossen, Wo bleibt denn Leib und Seeld Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug und Wächter Israel. 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu! meine Freude, Und nimm dein Hüchlein ein; Will Satan mich verschlingen, So laß die Eng⸗ lein singen: Dies Uind soll unverletzet sein. 9. Auch euch, ihr meine Lieben Soll heute nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch selig schlafen, Stell euch die güld'nen Waffen Ums Bett und seiner Engel Schar. Morgensegen am Dienstag. elobet sei Gott, der Schöpfer Him⸗ mels und der Erden, gelobet sei der 26 Morgensegen am Dienstag. Herr, der allein Wunder thut, und ge⸗ lobet sei sein herrlicher Name ewiglich. Der den Tag und die Nacht durch seine göttliche Weisheit geschaffen und unter⸗ schieden, hat verordnet, daß, so lange die Erde stehet, sie nicht sollen auf⸗ hören, auf daß der Mensch des Nachts möge seine Ruhe haben, und am Tage wieder an seine Arbeit gehen. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Für solche deine Wohlthaten sollen wir dir danken, ehe die Sonne aufgeht, und vor dich treten, wenn das Licht hervor— bricht. Daher preise ich dich jetzt auch, daß du mich in dieser Nacht hast sicher ruhen Und schlafen lassen, auch wiederum fröhlich und gesund erwachen, dazu vor aller Feindes⸗-Gewalt und Bosheit väter⸗ lich beschirmet hast. 22——— dich, dn ———— —— Morgensegen am Dienstag. 27 wollest meine Seele in deine Hände ein⸗ schließen, meinen Leib nach deinemWohl⸗ gefallen gesund erhalten, und vor allem Übel und Schaden behüten. Sei du mein Schutz, meine Stärke, mein Schirm, meine Hilfe, auf daß mich kein Unglück treffe. O gütiger Gott, weil die Stunde auch da ist, aufzustehen vom Schlaf der Sünden und aller Ungerechtigkeit, sin⸗ temal unser Heil jetzt gar nahe ist, denn die Nacht ist vergangen, aber der Tag herbeikommen; so hilf, daß wir ablegen die Werke der Finsternis, und anlegen die Waffen des Lichts, auf daß wir ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Geilheit und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern daß wir anziehen Jesum Christum in wahrem Glauben und christlichem Wandel. Darum wecke mich alle Morgen, wecke mir das Ohr, 28 Morgenlied am Dienstag. daß ich mit glaubigem Herzen dein heiliges Wort höre, und dasselbe in meinem Gedächtnis behalte. Auch laß mich meine Ohren neigen zu dem Schreien und Flehen der Armen, daß ich dieselben in ihrer Not nicht verlasse. Und wann ich wieder in meiner Angst zu dir rufe, so erhöre du auch die Stimme meines Flehens und verachte nicht das Seufzen in meiner letzten Not. Laß mein Gebet früh vor dich kommen. Neige deine Ohren zu meinem Schreien. Erfülle uns früh mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein in dir, unser Leben lang. Amen. Morgenlied am Dienstag. M'n Gott, nun ist es wieder Morgen, Die Nacht vollendet ihren Lauf; Nun wachen alle meine Sorgen Auf einmal wieder mit mir auf; Die Ruh ist aus, der Schlaf dahin, Und ich seh wieder, wo ich bin. ö Morgenlied am Dienstag. 29 2. Ich bin noch immer auf der Erde, Da jeder Tag sein Elend hat, Und ich nun immer älter werde, Und häufen Sünd und Missethat. O Herr! von dessen Brot ich zehr', Wenn ich dir auch was nütze wär! 5. Ohn' Sweifel siehst du mich aufstehen; Regier' mich auch in dieser Welt; Ich weiß nicht, wie mir's heut wird gehen! Schaff' alles so, wie dir's gefällt. Schließ mich in deine Wunden ein, Dein will ich tot und lebend sein. 4. Vergieb mir, Vater, meine Sünden, Die ich mit aus dem Bette bring, Und laß mich vor dir Gnade finden, Erhöre, was ich bet und sing; Denn wenn ich nur bei dir wohl steh, So acht ich gar nicht, wie mir's geh. 5. Bilf du in allen Sachen raten, Denn ich bin selber mir nicht klug; Behüte mich vor Missethaten, Vors Teufels List und Menschen Crug! Laß mich den Tag wohl legen an, Und Gutes schaffen, weil ich kann. 6. Erhalte mir mein Leib und Leben, Ver⸗ wandte, Freunde, Hab und Gut; Laß mir den HBimmel Segen geben, Wenn meine Hand das ihre thut. Gieb, daß ich alles wohl ver⸗ richt'; Du wirst es thun, ich zweifle nicht. —— 30 Morgenlied am Dienstag. Ein anderes. Hem Jesu, deine Treue Schloß mir die Augen auf, Dein Licht strahlt mir aufs neue Sum frohen Pilgerlauf. 2. Herr Jesu, deine Liebe Erhielt die Lieben mir; Hilf, daß ich treu mich übe, In Liebe für und für! 5. Herr Jesu, dein Erbarmen Beschirmte mich allein; D'rum laß nun auch mich Armen Dir heut' empfohlen sein! 4. Herr Jesu, deine Gnade Erquickte mich, im Schlaf; Dir dank' ich, daß kein Schade Mich und die Meinen traf. 5. Herr Jesu, deine Milde Gab mir die sanfte Ruh; Bedeckt von deinem Schilde Strömt neu mir Segen zu. 6. Herr Jesu, deine Stärke War meines Lebens Grund;— Bei'm neuen Tagewerke Gieb dich als Helfer kund! 7. Berr Jesu, dein Versühnen Erneuerte mein Herz; D'rum laß mich ganz dir dienen, Und zieh' mich himmelwärts! Abendsegen am Dienstag. 31 Abendsegen am Dienstag. Zerr Gott, lieber himmlischer Vater! des Tages schreie ich zu dir mit meiner Stimme; wann mir Angst ist, rufe ich zu dir, und des Abends ge— denke ich an deine Güte und Treue, die du an mir erzeiget hast. Und sonder— lich preise ich dich, daß du mich aus lauter Gnade und Barmherzigkeit, ohne all mein Verdienst und Würdigkeit, heut diesen ganzen Tag vor allem Schaden und Gefahr, die mich hätten können treffen, so auch von einem bösen schnellen Tod väterlich behütet hast. Dafür sage ich dir jetzt und allezeit Lob und Dank, und bitte dich um des bitteren Leidens Jesu Christi willen, du wollest mir verzeihen alle Sünde, die ich heute wider dich gethan habe, und mich auch diese Nacht gnädiglich be— 32 Abendsegen am Dienstag. wahren vor aller List des Satans, vor Schrecken und Entsetzen des Nachts, und daß mich keine falsche Einbildung bethöre und beschädige. Behüte mich auch mit allem, was ich habe, vor Wasser⸗ und Feuersnot, vor allem Übel Leibes und der Seele. Laß mich ruhig ohne alle Sorgen und Bekümmernis einschlafen, und laß auch in Finsternis das Licht deines göttlichen Angesichts über mir leuchten. Denn du bist ein helles und wahrhaftiges Licht, welches erleuchtet alle Dunkelheit, die uns um— fangen hat. Du, Herr Gott! bist bei mir, du bist mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Hort meines Heils und mein Schutz. Herr, mein Gott! zu dir breite ich des Nachts meine Hände aus, komme zu mir, wie ein Spatregen, der das Land befeuchtet. Abendlied am Dienstag. 33 Bleibe bei uns, Herr! denn der Tag hat sich geneiget, und ist niemand, der uns in dieser Finsternis schütze, denn du allein, unser Gott. Eile, mir zu helfen, und schütze mich in dieser Nacht, daß mein Geist in Sünden nicht ent⸗ schlafe, und meinem Leibe kein Ubel widerfahre. Wecke mich zur rechten Zeit und laß mich hören Freude und Wonne, denn ich habe Lust zu deinen Zeug— nissen; die sind meines Herzens Trost. Wende die Angst meiner Seele, denn du allein kannst mein Leben erquicken und mich mit allerlei Segen erfüllen in Christo Jesu, unserm Herrn, Amen. Abendlied am DSienstag. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. Msrre müden Augenlider Schließen sich *jetzt schläfrig zu Und des Leibes matte Glieder Grüßen schon die Abendruh; Denn Habermann, n. A. ö 3 34 Abendlied am Dienstag. die dunkel finst're Nacht Hat des hellen Tages Pracht In der tiefen See verdecket Und die Sterne aufgestecket. 2. Ach gedenk', eh' du gehst schlafen, O du meines Leibes Gast, Ob du den, der dich er⸗ schaffen, Beute nicht erzürnet hastd? Thu, ach thu bei Zeiten Buß, Geh und fall ihm auch zu Fuß, Und bitt ihn, daß er aus Gnaden Dich der Strafe woll' entladen. 5. Sprich: Herr! dir ist unverhohlen, Daß ich diesen Tag vollbracht Anders, als du mir befohlen, Ja, ich habe nicht betracht't Meines Lebens Siel und Zweck; Habe gleichfalls deinen Weg Schändlich, o mein Gott, ver⸗ lassen, Bin gefolgt der Wollust Straßen. 4. Ach, Herr! laß mich Gnad' erlangen, Gieb mir nicht verdienten Lohn. Laß mich deine Huld empfangen; Sieh auf deinen lieben Sohn, Der für mich genug gethan, Vater, nimm den Bürgen an; Dieser hat für mich erduldet, Was mein' Unart hat verschuldet. 5. Gffne deiner Güte Fenster, Sende deine Macht herab, Daß die schwarzen Nachtgespenster, Daß des Todes finsteres Grab, Daß das übel, so bei Nacht Unsern Leib zu fällen tracht', Morgensegen am Mittwoch. 35 Mich nicht mit dem Netz umdecke, Noch ein böser Traum mich schrecke. 6. Laß mich, Berr, von dir nicht wanken; In dir schlaf ich sanft und wohl; Gieb mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröt auf⸗ gehet Und man von dem Bett aufstehet. 2. Vater! droben in der Höhe, Dessen Nam' uns teu'r und wert, Dein Reich komm, dein Will' geschehe! Unser Brot werd' uns bescheert. Und vergieb uns unsre Schuld, Bleib uns nah mit deiner Buld, Laß uns nicht Ver⸗ suchung töten, Lös' uns, Berr, aus allen Nöten. Morgensegen am Mittwoch. Fllmnächtiger,barmherziger Gott!Weil alle deine Kreaturen dich ohne Unterlaß loben und preisen sollen, welches auch thun die Vögel unter dem Himmel, die früh gegen den Tag mit ihren Zünglein und Stimmlein aufs 3³ 36 Morgensegen am Mittwoch. lieblichste dich, ewigen Gott, als ihren Herrn und Schöpfer rühmen, so danke ich dir jetzt auch von Herzen, daß du mich die vergangene Nacht und alle vorige Zeit meines Lebens unter deinem Schutz und Schirm bis auf diese gegen⸗ wärtige Stunde erhalten hast und mich aus dem Schlaf erwecket, fröhlich und gesund hast lassen aufstehen. Ich bitte dich im Namen Jesu Christi, du wollest mich und alle die Meinigen auch künftig behüten vor allem Unglück und Übel. O Herr! hilf deinem Volk, und segne dein Erbe und weide sie, und erhöhe sie ewiglich. Du wollest mich auch in dieser Frühstunde mit deiner Barm— herzigkeit erfüllen, daß ich heute mit Freuden diesen ganzen Tag in deinen Geboten ohne alles Straucheln einher— gehe. Erzeige mir deine Gnade; wie eine Tauwolke des Morgens und wie ꝗNN V.— 2 Lrrt t&* Morgensegen am Mittwoch. 37 ein fruchtbarer Tau, der früh mor— gens sich ausbreitet und das Land be⸗ feuchtet: also wollest du deine Güte über mich ausstrecken, daß ich wacker und fröhlich deinen Willen thue. Regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich dir mit meinem Herzen möge dienen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heilig— keit, die dir gefällig ist; behüte mich, daß ich heute nicht wider dich sündige, und etwa mein Gewissen beflecke mit fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten. Bewaͤhre auch meine Zunge vor Bösem und meine Lippen, daß sie nicht falsch reden oder trügen; schandbare Worte und Narrentheidinge, die den Christen nicht geziemen, laß ferne von mir sein. Hilf, daß ich mit meinen Lippen niemand ärgere, daß ich nicht verleumde, urteile, verdamme, oder sonst jemand lästere oder schmähe. O, daß 38 Morgenlied am Mittwoch. ich könnte ein Schloß an meinen Mund legen, und ein fest Siegel auf mein Maul drücken, daß ich dadurch nicht zu Fall käme und meine Zunge mich nicht verderbete. Gieb Gnade, daß ich mich selbst in meinen Gebrechen erkenne und strafe, damit ich nicht in dein gestreng Urteil und Gericht falle; solches verleihe mir, ewiger Gott, durch JesumChristum, deinen Sohn. Amen. Morgenlied am Mittwoch. Mel.: Wie schön leuchtet der Morgenstern. Mie schön leuchtet der Morgenstern Vom Firmament des Bimmels fern, Die Nacht hat sich verloren! All' Kreaturen freuen sich, Daß wieder kommt das Lebenslicht Der Tag wird neu geboren. Was lebt, Was schwebt, Hoch in Lüften, Tief in Ulüften, Läßt zu Ehren Seinem Gott ein Danklied hören. 2. Auf, auf, mein HBerz! ermuntre dich, Erheb dein' Stimm, vergiß ja nicht, Dem Herrn auch Lob zu bringen: Er ist's allein, Morgenlied am Mittwoch. 39 Dem Lob gebührt', Er ist's, der Sung und Mund regiert, All'r Stimm soll ihm erklingen. Mein' Seel, Erzähl Sein Wohlthaten, Wunder⸗ thaten; Auf manch' Weise Mein Mund seinen Namen preise. 5. Es hätt' mich können treffen bald, Leid und Betrübnis mannigfalt, Daß ich nicht mehr erwachet! Deine Güte thut's, daß ich noch leb', Darum nach deinem Lob ich streb'; Mein Herz stets dahin trachtet: Wie ich fröhlich, Ohne Wanken, Dir mag danken, Ohn' Auf⸗ hören, Und mit Psalmen dich verehren. 4. Ei, mein Herr! süßer Lebenshort! Schließ mir weit auf die Gnadenpfort, Daß unter deinem Schutze In festem Schloß ich diesen Tag Entfernet ganz von aller Plag, Ganz wohlverwahret sitze. Wie ein Vöglein in den Klüften Vor den Lüften Und Platzregen bleibt verwahret ohn' Beschwerden. 5. Gieß aus vom hohen Himmelsthron, Auf mich dein' Gunst, dein' Freud und Wonn: Ein neu Berz thu mir schenken, Daß ich zu deines Namens Ehr, Dem Zweck meines Berufes kehr All' Sinn, Red und Oedanken, 40 Abendsegen am Mittwoch. Dein Geist mir leist Hilf und Gnade, Daß ohn Schade, Früh und spate, All' mein Vor⸗ nehmen gerate. 6. Und so es ja anders nicht mag sein, Daß ich heut nach dem Willen dein Unfall nicht V kann vermeiden; So komm, o süßer Morgen⸗ tau! mein Herz erfrisch, daß ich dir trau ( In meinem Kreuz und Leiden, Bis ich selig so vollkommen, Als die Frommen, Mög ab⸗ scheiden, Durch den Tod zur Bimmelsfreuden. 2. Indes mein Herz, spring, tanz und sing, V In allem Ureuz sei guter Ding, Der Himmel steht dir offen: Laß dich Schwermut nicht ö nehmen ein, Wenn auch, die Gott am liebsten sein, Das liebe Hreuz hat troffen. Schick dich, drück dich, Und glaub feste, Daß das VV Beste, So bringt Frommen, Sollst in jener Welt bekommen. e am Mittwoch. Mbreieiniger Gott, der du bist mein Leben, Heil und ewiger Trost, dir sage ich mit Mund und Herzen Lob und Dank, daß du mich diesen Tag über Abendsegen am Mittwoch. 41 gnädiglich behütet hast. Ich bitte deine göttliche Güte, du wollest all meine Missethat bedecken, vor allem aber, was ich heute wider dich und deine heiligen Gebote mit meiner Zunge, mit unnützen, vergeblichen Worten, und mit Übelreden über meinen Nächsten gesündigt habe. Gehe darüber nicht ins Gericht mit mir und laß mir auch für die zukünftige Nacht deine Bewahrung vor allem Schaden und Gefahr zuteil werden. Gott! wie dein Name ist, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Ende, deine Rechte ist voller Gerechtigkeit; darum befehl ich meinen Leib und Seel in deine Hände und bitte dich, du wollest deinen Namen als Vater, Sohn und Geist auch an mir verherrlichen. Segne mich, Vater und Schöpfer meines Lebens im Leiblichen und laß mir deine er⸗ haltende und beschirmende Macht und 42 Abendsegen am Mittwoch. Güte auf jedem Schritt und Tritt meines Lebens und jetzt auch in dieser Nacht zu statten kommen. Du aber o Jesu, mein Erlöser, schenk' mir die auch mir am Kreuz erworbene Erlösung und Versöhnung, und laß mich dein Eigentum sein in Zeit und Ewigkeit. Und du, heiliger Geist, du Tröster in aller Not, du Kraft in aller Schwach— heit, du Lebensodem, belebe, erneue, erquicke, erleuchte, stärke mich, und hilf mir, daß ich in Buße, Glauben, Liebe, Geduld und Hoffnung meine Wallfahrt vollende. Herr, segne und behüte mich. Herr, erleuchte dein Angesicht über mich, und sei mir gnädig. Herr, erhebe dein Angesicht auf mich, und gieb mir Friede. DeinSchutz und Segen, dreieiniger Gott, sei heut und allezeit zwischen mir und allen meinen Feinden, sichtbaren und unsichtbaren, daß sie nicht können zu Abendsegen am Mittwoch. 43 mir nahen, noch mich beschädigen. Gleich⸗ wie die Wolkensäule in der Wüste sich zwischen das Heer der Agypter und das Heer Israel stellte, daß diese und jene nicht konnten zusammenkommen, damit den Kindern IJsrael kein Leid wider— führe: also wollest du zwischen mir und allen meinen Feinden eine Feuermauer und ein Unterschied sein, daß sie mich nicht berühren. Erhalte mich auch in meinem letzten Stündlein; wenn meine Augen nimmer sehen, meine Ohren nimmer hören, und wenn meine Zunge nimmer redet, wenn meine Hände nimmer greifen, und die Füße nimmer gehen mögen, so stehe mir bei, du hochgelobte Dreieinigkeit, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. 44 Abendlied am Mittwoch. Abendlied am Mittwoch. Mel.: Der Tag ist hin ꝛc. Der Abend kommt, die Sonne sich verdecket, s und alles sich zur Ruh und Stille strecket. O meine Seel', merk auf! wo bleibest dud In Gottes Schoß, sonst nirgends hast du Ruh! 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, Das Vöglein fliegt zu seinem Neste nieder, Die Schäflein zieh'n in ihre Hürden ein: Laß mich zu dir, mein Gott, gekehret sein! 3. Ach sammletselbst Begierden und Gedanken, Die noch so leicht aus Schwack heit von dir wanken; Mein Ruheplatz und Beimat, thu' dich auf, Daß ich in dir beschließe meinen Lauf. 4. Recht väterlich hast du mich heut' geleitet, Bewahrt, verschont, gestärket und geweidet; Ich bin's nicht wert, daß du so gut und treu; Mein Alles dir zum Dank gegeben sei! 5. Vergieb es, Herr, wo ich mich heut verirret Und mich zu viel durch dies und das verwirret! Es ist mir leid, es soll nicht mehr gescheh'n; Nimm' mich nur ein, so werd' ich fester steh'n! 6. Da nun der Leib sein Tagwerk hat vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet; Morgensegen am Donnerstag. 45 Zu beten an, zu lieben inniglich, Im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 2. Die Dunkelheit ist da und alles schweiget; Mein Geist vor dir, o Majestät, sich beuget. Ins Beiligtum, ins Dunkel kehr' ich ein; Herr! rede du, laß mich ganz stille sein. 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket, Nein Wille sich in dich gelassen senket; Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen still! Mein müder Geist im Berren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; Laß nicht den Geist zerstreut in Unruh' schweben, Mein treuer Birt, führ' mich in dich hinein: In dir, mit dir kann ich vergnüget sein. 10. Imfinstern sei des Geistes Licht und Sonne, Im Hampf und Urenz mein Beistand, Hraft und Wonne; Deck' mich bei dir in deiner Rütte zu, Bis ich erreich' die volle Sabbathsruh. NMorgensegen am Donnerstag. Berr Jesu Christe! der du bist das ewig wahre Licht, welches da ver⸗ 46 Morgensegen am Donnerstag. treibet die Finsternis der Nacht und die Schatten des Todes: deinen Namen will ich rühmen! Dir will ich lobsingen und danken, daß du mich in dieser Nacht so gnädiglich behütet, und aus der Finsternis wieder an das Licht gebracht hast, du hast mich bewahrt vor dem Grauen des nachts, vor des Teufels Schrecken und Gespenstern, vor derschäd— lichenPestilenz, die im finstern schleichet, vor allerlei Seuchen und Krankheiten, die mir hätten können widerfahren. Du hast auch meiner Seele dich ange— nommen, wie ein Hirte seine Herde bewacht. Alles, was ich habe, ist durch deine große Barmherzigkeit unversehrt behütet worden. Für solchen gnädigen Schutz und alle deine Wohlthaten sei dir Lob und Preis gesagt. Von deiner Macht will ich reden, und des Morgens deine Güte rühmen; denn du bist meine Morgensegen am Donnerstag. 47 höchste Zuversicht, meine feste Burg, meine starke Hilfe, mein treuer Gott, auf den ich traue. Du erfreuest mein Herz, und machest mir fröhlich das Angesicht. Ich bitte dich um deines Namens willen, du wollest an diesem Tag deine Barmherzigkeit über mich lassen neu aufgehen und hervorbrechen, wie die schöne Morgenröte, und zu mir kommen, wie der Frühregen. Erleuchte meine blinde Natur und mein finsteres Herz mit deinem Glanz, auf daß du in meinem Herzen aufgehest, der du bist der rechte Morgenstern und das wahrhaftige Licht, welches da erleuchtet die Menschen zum ewigen Leben. Be⸗ hüte mich auch heute vor allem Übel. Sei mir gnädig, Herr! denn auf dich harre ich, meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Sei du mein Arm frühe, dazu mein 48 Morgenlied am Donnerstag. Heil zur Zeit der Trübsal. Beschirme mich an Leib und Seele, daß mir kein Übels begegne, und keine Plage zu mir nahe. Treibe fern von mir alle bösen Geister, stehe du mir bei wider die Boshaftigen, tritt zu mir wider die Übelthäter, und schütze mich, daß die Hand der Widerwärtigen mich nicht be⸗ rühre. O Herr, unser Gott! fördere das Werk meiner Hände bei uns, ja das Werk meiner Hände wollest du fördern. Lehre mich halten deine Ge— bote, daß ich heute nicht wider dich sündige. Solches verleihe mir um deiner Barmherzigkeit willen, welche für und für währet, in Ewigkeit. Amen. Morgenlied am Donnerstag. B ohne Dank und ohn' Gebet Vom Schlafe morgens aufersteht, Und Sottes Lob vergessen kann, O weh, wie traurig fängt er an! Abendsegen am Donnerstag. 49 ö 2. Die Sonne sendet ihm das Licht ö Ins Auge wohl und ins Gesicht, Doch innen ist kein Morgenrot, Die arme Seele liegt im Tod. 5. Wes Geist nicht fleh'n und loben mag, Der hoffe keinen Segenstag, ö Die guten Geister nah'n dem Herrn, Die finstern Geister bleiben fern. 4. Und gehst du ohne Gott hinaus Und kehrst du ohne Gott nach Haus, So denke nicht: Gott ist mit mir!— Er, den du fliehst, ist nicht mit dir! 5. Wer ihn von Herzen liebt und ehrt, Ist ihm früh morgens zugekehrt, ö Wohl dem, der dann mit Jesu spricht; Inhm glänzt das schönste Morgenlicht! 6 Wer jeden Morgen, jede Nacht Sich ihm von Berzen dargebracht,— Wie wird's zur letzten Stunde seind Er betet sich zum Bimmel ein! Bhbendsegen am DSonnerstag. Ohank sei dir, lieber, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben 1— Habermann, n. A. 4 50 Abendsegen am Donnerstag. Sohn, daß du durch deine mannigfaltige Güte mich armen Sünder und elenden Menschen heut diesen Tag gnädiglich bewahret hast vor allen feurigen Pfeilen des Satans, die des Tages fliegen, vor der Seuche, die im Mittag ver— derbet, dazu vor bösem, schnellem Tod und allem Schaden. Herr! deine Güte reichet, so hoch der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Du bist gnädig und barmherzig, all deine Werke sind löblich. Ich bitte dich, mildreicher Gott! du wollest mir aus Gnaden verzeihen alles, was ich heute wider dich gethan habe, es sei mit Werken, Worten und Gedanken, wollest deine Barmherzigkeit auch ferner mir zu teil werden und mich in der kommenden Nacht eine sanfte Ruhe finden lassen. Bewahre mich nur, daß ich dich nimmermehr verlasse, sondern in ——*4—ꝗ—ꝗ..————————— Abendsegen am Donnerstag. 51 dir bleibe durch den Glauben, und unter deinem Schirm sicher wohne, auf daß sich der böse Feind nicht dürfe zu mir nahen, und mir keinen Schaden könne zufügen. Herr, du bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Auf dich verlässet sich mein Herz, und mir ist geholfen. Du bist mein Trost und ge⸗ waltiger Schutz. Deine rechte Hand stärket mich, deine Rechte tröstet mich, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht. Siehe, mein Gott! des Tages rufe ich, so antwortest du mir, und des Nachts schweige ich auch nicht, und du erhörest mich. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich erwache, so rede ich von dir, denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel ruhe ich, 4* 52 Abendsegen am Donnerstag. meine Seele hanget dir an, deine Rechte erhält mich. Wenn ich im Finstern sitze, so ist der Herr mein Licht und mein Heil. O gütiger Gott! verleihe mir Gnade, daß, wenn mein Sterb⸗ stündlein herannahet, und ich ins Tod⸗ bette zur ewigen Ruhe mich soll nieder⸗ legen, ich durch deine Hilfe im rechten festen Glauben getrost und unverzagt möge seliglich zum ewigen Leben ein⸗ schlafen. Indes erhalte mich dir, daß ich allezeit wache, nüchtern und mäßig lebe, und in christlicher Bereitschaft er— funden werde, sintemal ich nicht wissen kann, zu welcher Stunde du, unser Gott! kommen wirst und mich von hinnen abfordern, auf daß ich würdig werde, zu stehen vor des Menschen Sohn und nicht zu Schanden werde am Tage des Gerichts. Amen. *9H— Abendlied am Donnerstag. 53 Abendlied am Sonnerstag. Vßein höchstes Gut und Uleinod bist VUAuf Erden du, Herr Jesu Christ; Dich will ich lassen walten Und allezeit in Lieb' und Leid In meinem Herzen halten. 2. Dein Lieben mir vor allem geht, Aein Gut so fest auf Erden steht; Ein jeder soll bekennen: Es soll nicht Not, noch selbst der Tod Von deiner Lieb mich trennen! 5. Dein Wort ist wahr und trüget nicht; Dasselbe dich mir ganz verspricht Im Tod, wie im Leben; Du bist ja mein und ich bin dein; Dir hab' ich mich ergeben. 4. Der Tag nimmt ab; o Bimmelszier, Herr Jesu Christ, bleib' du bei mir, Es will nun Abend werden! Laß doch dein Licht auslöschen nicht; Bleib stets bei uns auf Erden! 54 Morgensegen am Freitag. NMorgensegen am Freitag. Wob und Preis sei dir, o Gott, ge⸗ sagt, daß du mich nach deiner wunderlichen Güte und Treue auch in der vergangenen Nacht so gnädig be— hütet hast, daß ich wieder an Leib und Seele gesund habe aufstehen dürfen. Laß dir nun wohlgefallen, daß ich dich, o lieber himmlischer Vater, im Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi an⸗ flehe, du wollest mir armem, sündigem Menschen um des bittren Leidens und Sterbens Jesu willen aufs neue gnädig sein und mich heut diesen Tag auch in deinen göttlichen Schutz nehmen, und beschirmen, daß mir kein Arges wider⸗ fahre, denn in deine Hände befehle ich heut und alle Tage meine Seele, meinen Leib, mein ganzes Leben, meine Sinne, Vernunft, Verstand und Anschläge, alle Morgensegen am Freitag. 55 meine Gedanken, Worte und Werke, mein Thun und Lassen, meinen Ein⸗ gang und Ausgang, mein Gehen und Stehen, mein Sitzen und Liegen, mein Glauben und Bekennen, alles, was ich auswendig und inwendig bin und vermag, das Ende meines Lebens, mein Sterben und Auferstehung. O Herr Gott, schaffe du es mit mir, wie du willst und weißt, was zu deiner Ehre und zu meiner Seligkeit das Beste ist. Erhalte mich in deiner Furcht und wahren Erkenntnis. Behüte mich vor den Werken der Ungerechtigkeit, und wenn ich etwa wider dich aus Gebrech— lichkeit würde sündigen, so bitte ich dich, du wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir nehmen, und deine Hilfe mir nicht entziehen, denn es ist sonst kein anderer Gott noch Helfer außer dir und wird auch nach dir keiner sein, du bist 56 Morgenlied am Freitag. der Erste und der Letzte, und außer dir ist kein Gott. Darum rufe ich zu dir allein, laß deine Güte über mich walten, laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich; leite meinen Fuß auf rechter Straße, daß ich nicht wandle im Rat der Gottlosen, noch trete auf den Weg der Sünder, noch sitze, da die Spötter sitzen, sondern daß ich all meines Herzens Lust und Liebe habe zu deinem Wort und Gebot, und darin mich übe Tag und Nacht. Solches bitte ich um Jesu Christi willen. Amen. NMorgenlied am Freitag. Hbriste, wahres Seelenlicht, Deiner Christen Sonne, O du klares Angesicht, Der Betrübten Wonne! Deiner Güte Lieblichkeit Ist neu alle Morgen; In dir bin ich hoch erfreut, Darf nicht ängstlich sorgen. 2. Wecke mich von Sünden auf, Denn du bist das Leben! Freudigkeit zum Glaubens-— Morgenlied am Freitag. 57 lauf Wollest du mir geben. Weil du bist das Sonnenlicht, Das die Welt erfreuet, Ach, so laß mich Armen nicht, Bis ich ganz erneuetl 5. Ohne dich seh' ich kein Licht; Ohne deine Gnade Wird mein Gang durchs Leben nicht Sicher und gerade. Ohne dich benetzt kein Tau Meine dürre Seele! D'rum, Berr Jesu, auf mich schau', Der ich dich erwähle! 4. Sende mir von deinem Thron Helle Snaden— blicke, Daß ich mich, o Gottessohn, Ganz in dir erquicke; Daß mir sonst nichts sei bewußt, Außer deiner Liebe; Diese weck' in meiner Brust Alle Geistestriebe! 5. Herr, laß ferne von mir sein, Hoffart, schnöde Freude; Augenlust und eiteln Schein, Jesu, mir verleide! Was die blinde Welt er— götzt Bringet nur Verderben; Was sie oft fürs Höchste schätzt, Macht auf ewig sterben. 6. Nun, so bleibe stets mein Licht, Jesu, meine Freude, Bis der frohe Tag anbricht Nach dem Erdenleide; Da ich werd' im Ehren— kleid Dir mein Opfer bringen Und in alle Ewigkeit, Deiner Treue singen! 58 Abendsegen am Freitag. Rbendsegen am Freitag. Selobet sei der Herr, der allein Wunder thut, und gelobet sei sein herr⸗ licher Name ewiglich und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Ich will täglich rühmen von Gott, und des Abends soll ihm mein Mund danken für und für. Denn wenn ich schreie, so erhöret er mich, und wenn ich flehe, so neiget er seine Ohren zu mir; wenn ich bete, merket er auf meine Stimme. Der Herr ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die mich betroffen haben. Darum sage ich dir, ewiger Gott! Lob und Preis, daß du mich heut diesen Tag väterlich behütet hast vor allem Unfall und Schaden, die mich heute hätten treffen können. Mein Herz ist fröhlich und meine Seele preiset dich um alle deine Abendsegen am Freitag. 59 Güte und Barmherzigkeit, meine Zunge soll ihr Gespräch von dir haben und immer sagen: Hochgelobet sei Gott, ge— segnet sei sein heiliger Name. Ich bitte dich, du wollest mir aus Gnade ver— geben alles, was ich heute wider dich gesündigt habe, und mich diese zukünftige Nacht samt allem, was mir gehört, auch beschützen. Sei du mein Schild, und mein Schatten über meiner rech— ten Hand. O Herr! behüte mich vor allem Übel, behüte meine Seele, sei mir gnädig, denn auf dich allein traue ich. Ich hoffe auf den Herrn, und rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meinem Jammer ein Ende macht. Siehe, der Hüter Jsraels schläft und schlummert nicht. Darum, wenn ich mich lege, so werde ich mich nicht fürchten, sondern süße schlafen, und werde mich nicht fürchten vor plötzlichen 60 Abendlied am Freitag. Schrecken, wenn er kommt. Denn du behütest mein Leben, du errettest mich von den Stricken des Todes. O Herr Gott! erhebe über mich das Licht deines Antlitzes, auf daß ich mich lege und schlafe ganz mit Frieden, und sicher wohne unter deinem Schirm, denn du, Herr, allein hilfest mir. Auf deinen Namen will ich mich nun zur Ruhe niederlegen, und meine Augenlider lassen schlummern. Du, Herr Gott! wollest mich fröhlich wieder erwecken, zu Lob, und Ehr deiner göttlichen Majestät, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Rbendlied am Freitag. Mel.: Freu' dich so sehr, o meine ꝛc. Fen! es ist von meinem Leben, Abermal ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Seige mir auch ferner an, So ich was nicht recht Abendlied am Freitag. 61 gethan, Und hilf du in allen Sachen, Guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, So dir nicht gefallen hat, Denn ich bin noch voller Sünden, In Gedanken, Wort und That. Ach, wie oft verging ich mich, Mein Erbarmer wider dich. Wer kann merken, wer kann zählen, Wann wir und wie oft wir fehlen. 5. Aber, o du Gott der Gnaden, Habe noch mit mir Geduld; Ich bin freilich schwer be— laden, doch vergieb mir meine Schuld; Rechne nicht die Missethat, Sondern zeig mir deine Gnad, So will ich nach deinem Willen Künftig mehr als heut erfüllen. 4. Beilige mir das Gemüte, Daß mein Schlaf nicht sündlich sei, Decke mich mit deiner Güte Und dein Engel steh' mir bei; Lösche Feu'r und Lichter aus, Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Unglück müsse weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun; Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn, So zerstreue du den Rat und verhindere ihre 62 Morgensegen am Sonnabend. Chat; Wend auch alle andern Schrecken, Die der Satan kann erwecken. 6. Herr! dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird, Denn du bleibest ewig munter, Und bist wie ein guter HBirt Der auch in der finstern Nacht Über seine Herde wacht; Also gieb uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 2. Laß mich dann gesund erwachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, liebster Gott! HBeute mir bestimmt den Tod, So befehl' ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. E orgens egen am gonnaͤbend. Warmherziger, ewiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi! zu dir erhebe sich mein Gemüt mit schuldiger Dankbarkeit. Deine Gerechtigkeit will ich nicht vergessen in meinem Herzen; von deinem Heil will ich reden, ich will nicht verhehlen deine Güte und Treue I———— Morgensegen am Sonnabend. 63 vor der großen Gemeine, und alles, was du mir Gutes gethan hast, will ich nicht verschweigen, denn es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster! des Morgens deine Gnade und des Abends deine Wahrheit verkündigen. Darum preiset dich meine Seele, daß du mich in dieser Nacht durch deine über— schwengliche Barmherzigkeit beschützet hast. Gesegnet bist du, Herr Gott Zebaoth, der du dich gnädig erzeigest allen, die nach dir fragen und dein Heil lieben. Gesegnet ist dein großer Name in allen Landen, der unser Schutz und Hilfe ist; gesegnet sind alle deine Werke, die du an den Menschenkindern thust. Ich bitte dich, du wollest auch heut diesen Tag mich behüten, daß mir der böse Feind keinen Schaden zufüge, und die Hand der Gottlosen mich nicht be— 64 Morgensegen am Sonnabend. rühre. Herr Gott, mein Heiland! früh wache ich zu dir, früh rufe ich zu dir: hilf, daß ich das Werk meines Berufs, und was mir befohlen ist, fleißig und treulich ausrichte, zu deinem Lob und meines Nächsten Besserung, damit ich das Licht dieses Tages und deiner Kreaturen nicht mißbrauche zur Sünde oder zur Eitelkeit, dich nicht beleidige mit meinem Thun und Lassen, und den Bund meiner heiligen Taufe nicht übertrete. Verleihe mir auch Gnade, daß ich mich hüte vor den sechs Stücken, die du hassest, und vor dem siebenten, daran du einen Greuel hast, als da sind: hohe Augen, falsche Zungen, Hände, die unschuldig Blut vergießen, ein Herz, das mit Bösem umgehet, Füße, die behende sind, Schaden zu thun, falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und der da Hader zwischen Brüder Morgenlied am Sonnabend. 65 anrichtet. Vor solchen und dergleichen Lastern bewahre mich, mein Gott, daß ich nimmermehr darein gerate, noch willige, sondern lehre mich thun nach deinem Willen; denn du bist mein Gott und Herr, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn, daß ich dir diene in unsträflichem Wandel, und dir all mein Thun und Leben wohl gefalle in Christo Jesu. Amen. Morgenlied am Sonnabend. In eigener Melodie. S der du selber bist das Licht, Des Güt und Creue stirbet nicht, Jetzt sei dir Lob gesungen, Nachdem durch deine große Macht Der helle Tag die finstre Nacht So kräftig hat verdrungen, Und deine Gnad und Wunderthat Mich, als ich schlief, erhalten hat. 2. Laß ferner mich in deinem Schutz, OVater, vor des Satans Trutz Mit Freuden jetzt auf⸗ ö stehen, Damit ich diesen ganzen Tag Dich Habermann, n. A. 9 66 Morgenlied am Sonnabend. ja zu meinem Nutzen mag Im Glauben fröh⸗ lich sehen! Vor allem sei du selber mir Das Licht des Lebens für und für. 3. Des Glaubens Licht in mir bewahr', Ach! stärk'ꝰ und mehr' es immerdar, Erwecke Treu' und Liebe! Bilf, daß ich mich aufs allerbest“ In Ueuschheit, Fried und Hoffnung fest, Auch in der Demut übe, Daß deine Furcht stets vor mir steh, Und ich auf guten Wegen geh. 4. Herr! halte meinen Gang gewiß, CTreib aus von mir die Finsternis Und Bosheit meines Herzens. Behüte mich den ganzen Cag Vor Aberglauben, Zorn und Plag, Und vor ver⸗ bot'nen Scherzen. Bewahre mich vor stolzer Pracht Und allem, was mich lüstern macht. 3. Gieb, daß ich dir gehorsam sei Und mich vor Fank und Hader scheu', Auf daß der Sonnen Strahlen Mich diesen CTag nicht zornig sehen Und nachmals traurig untergehen. Ach, laß mich nicht bezahlen Dem Nächsten seine Bitterkeit Und Eifer, Feindschaft, Grimm und Neid. 6. Vor Unzucht und vor böser Lust, Vor Hargheit und des Geizes wust Behüte mich in Gnaden; Gieb, daß die Falschheit dieser dorgenlied am Sonnabend. 67 Seit, Zusamt der Ungerechtigkeit, Mein Herz ja nicht beladen: Ach, daß dein heil'ges An⸗ gesicht Doch solche Sünd' erblicke nicht. 7. O treuer Gott! erwecke mir Nur einen Hunger stets nach dir, Daß mich die Welt verliere. Ja, lehre mich, du starker Beld! Zu thun allein, was dir gefällt; Dein guter Geist mich führe, Damit ich außer bösem Wahn Stets wandeln mög auf eb'ner Bahn. 8. Befiehl auch deiner Engel Schar, Daß sie mein Leben vor Gefahr Den ganzen Tag beschützen, Und auf den Händen tragen mich, Daß nicht der Satan grausamlich Mich könn' allhier beschmitzen; So werd' ich gegen Löwen stehen, und unverzagt auf Drachen gehen. 9. So nimm von mir, o Vater! hin Mein Herz, Gedanken, Mut und Sinn; Hilf, daß ich dir vertraue. Behüt auch du, getreuer Bort, Mein Dichten, Reden, Werk und Wort, Damit ich klüglich schaue, Mein Gott! auf deines Namens Ehr Und meines NVächsten Nutz' vermehr'. 10. Herr Jesu Christe! laß allein, Mich Armen ein Gefässe sein Und Werkzeug deiner 5* *** 68 Morgenlied am Sonnabend. Gnade. Richt' all mein Thun, Beruf und Stand, Balt über mich dein' Hilf und Band, So kann mir niemand schaden; Auch wollest du ganz gnädiglich Vor den Verläumdern schützen mich. 11. mit Berz und Mund ich dir befehl, Herr Jesu, meinen Leib und Seel, Auch Ehr' und Gut daneben; Wann ich nun sitze, geh und steh, Alsdann so schaffe, daß ich seh, Herr, über mir dich schweben; Gieb ja, daß deine Gnadenhand, Sei nimmer von mir ab⸗ gewandt. 12. Von bösen Pfeilen, die bei Tag Auf Erden bringen große Plag, Als vor des Todes Seuch, Vor Hestilenz behüte mich Damit sie nicht so grausamlich, Bei Vacht herunter⸗ schleich; Bewahr uns auch in Kriegesnot, wend' einen bösen, schnellen Tod. 15. Gieb, lieber Herr, zu dieser Frist So viel zum Leben nötig ist, Doch nur nach deinem willen; Wenn du die Speis und Nahrung hie Mit Gnaden segnest spät und früh, Kannst du mich reichlich füllen: Doch daß man deine milde Gab, Auch nicht zum bösen Mißbrauch hab. ‚ 8 ist lb. Abendsegen am Sonnabend. 69 14. Allein zu dir hab ich gesetzt Mein Herz, o Vater! gieb zuletzt Auch mir ein selig's Ende, Auf daß ich deinen jüngsten Tag Mit großer Freud' erwarten mag, D'rauf streck ich aus die Bände! Ach komm, Berr Jesu! komm, mein Ruhm, Und nimm mich in dein Eigentum. Christlicher Segen. 15. Mein Gott und Vater, segne mich, Der Sohn erhalte gnädiglich, Was er mir hat ge⸗ geben; Der Geist erleuchte Tag und Nacht Sein Antlitz über mir mit Macht, Und schütze mir mein Leben; Nur dieses wünsch ich für und für: Der Friede Gottes sei mit mir. Rbendsegen am Sonnabend. VDob sei dir, lieber himmlischer Vater, daß du mich nach deiner großen Güte diesen Tag vor allem Schaden und übel behütet hast. Ich bitte dich, du wollest deine Güte, die du in mir angefangen hast, gnädiglich vollenden, und mich heut diese Nacht auch ruhen 70 Abendsegen am Sonnabend. lassen unter deinem Schirm, und unter dem Schatten deiner Flügel, daß ich kein Unglück fürchte. Behüte mich, mein Gott, wie einen Augapfel! Herr, du bist mein Gut und Erbteil, mein Heil steht in deinen Händen. Hilf mir durch deine Güte, daß nicht Furcht noch Zittern über mich komme, und mich Grauen des Nachts nicht überfalle. Sei mir gnädig, denn auf dich trauet meine Seele. Ich suche den Herrn in meiner Not, meine Hand ist des Nachts aus⸗ gestreckt und lässet nicht ab, denn meine Seele hat sonst keinen Trost; so weiß ich auch von keinem Helfer im Himmel und auf Erden, denn von dir allein. Zu Mitternacht, wenn ich erwache, ge⸗ denk ich an deinen Namen, daß er so lieblich, an deine Güte und Treue, die du mir erzeiget hast, und danke dir für die Rechte deiner Gerechtigkeit. Abendsegen am Sonnabend. 71 Wenn ich betrübt bin, so denke ich an dich, wenn mein Herz in Angsten ist, so rede ich von dir, denn du führest meine Seele aus dem Verderben, und rettest mich von den Banden des Todes. Herr Gott, mein Heiland! ich schreie Tag und Nacht zu dir, daß du mir ver— geben wollest alle meine Missethat, welche ich diese Woche und heute wider dich gethan habe. O Herr! errette meine Seele um deiner Barmherzigkeit willen. Du bist gnädig und gerecht, geduldig und barmherzig. Du behütest die Einfältigen. Wenn ich niederliege, so hilfst du mir auf. Darum will ich fröh— 1. lich sein, und dich preisen und rühmen „ auf meinem Lager, denn die Zeit meines o Lebens wird mir aufgehen wie der ie Mittag, und das Finstere wird mir ein ir lichter Morgen sein, und werde mich it. des trösten, daß du, Gott! meine Hoff— 72 Abendlied am Sonnabend. nung und Ruhe bist im Leben und Tod. So befehl ich nun mein Leib und Seel in deine Hände, du treuer Gott! Du hast mich erlöset durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Abendlied am Honnabend. Die woche geht zu Ende, Nicht aber Gottes Ds Creu; Denn wo ich mich hinwende, Da ist sie immer neu. Die Seit kann wohl ver⸗ schwinden, Nur Gottes Güte nicht, Sie läßt sich täglich finden Und giebet Trost und Licht. 2. O gnädigster Erhalter, Von allem, was ich bin! Bör' meines Mundes Psalter Und nimm das Opfer hin; Es sind ja deine Gaben, Die nicht zu zählen sein Und was ich nur kann haben, Das ist ja alles dein. 3. Die ganze Woche zeuget Von deiner Gütigkeit, Die du zu mir geneiget; Ja, meine Lebenszeit Vom Anfang bis zum Ende Auf diesen Augenblic Rühmt deine Gnadenhände Im Glück und im Unglück. 4 Allein mein Herze bebet, Wenn es zurückedenkt, Wie übel ich gelebet Und dich, * Abendlied am Sonnabend. 73 mein Sott, gekränkt. Je mehr du mich ge⸗ liebet Und meiner hast verschont, Je mehr ich dich betrübet Und oft mit Haß belohnt. 5. Mein Glaube heißt mich hoffen, Es sei durch Christi Blut Ein neuer Bund getroffen Und alles wieder gut; D'rum will ich dir geloben, Auf ewig treu zu sein; Dein guter Geist von oben Wird mir die Kraft verleih'n. 6. Ich bin dein Kind auf's neue; d'rum gieb, daß diese Nacht Mich auch dein Schutz erfreue Und alles sicher macht. Ich werde gleichsam sterben, Der Schlaf ist wie ein Tod, Doch kann ich nicht verderben, Du lebst in mir, mein Gott! 7. Du wirst auch die versorgen, Die mein und deine sein; So werden wir uns morgen In deiner Kraft erfreu'n. Wir werden Opfer bringen Mit Berzen, Mund und Band Und dir ein Loblied singen Wo du, Herr, bist bekannt. 8. Soll das in diesem Leben Die letzte Woche sein, Will ich nicht widerstreben Und mich im Geiste freu'n Auf einen Feierabend, Den Christi Tod gemacht Und diese Hoffnung habend, Sprech' ich nun: gute Nacht. 74 Tägliches Gebet. Tägliches Gebet, mor genrs und abends zu sprechen. Hc, lieber Gott und Vater! ich lebe, aber ich weiß nicht, wie lang; ich muß sterben und weiß nicht, wann. Du, mein lieber himmlischer Vater, weißt es. Wohlan, soll dieses Stündlein, dieser Tag(diese Nacht) der letzte Tag (Nacht) meines Lebens sein. Herr! dein Wille geschehe, der ist allein der beste; nach demselben bin ich bereit, in wahrem Glauben an Christum, meinen Erlöser, zu leben und zu sterben. Allein, lieber Gott! gewähre mir nur diese Bitte, daß ich nicht möge plötzlich in meinen Sünden sterben und verderben; gieb mir rechtschaffene Erkenntnis, Reu undLeid über meine begangenenSünden, und stelle sie mir doch in diesem Leben unter Augen, damit sie mir nicht erst am A 2 222 Tägliches Gebet. 75 jüngsten Tag unterAugen gestelltwerden, und ich dadurch vorEngeln und Menschen zu Schanden werden möchte, sondern verleihe mir so viel Zeit und Raum zur Buße, daß ich möge meine üÜber⸗ tretung von Herzen erkennen und be— kennen, und für dieselbe Vergebung und Trost aus deinem seligmachenden Wort erlangen. Ach, barmherziger Vater! verlaß mich nicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! mein Herz und meines Herzens Zuversicht ist dir, o Herzenskündiger, wohl bekannt; erhalte mich im wahren Glauben zum ewigen Leben. Laß mich sterben, wann du willst; nur verleihe mir ein vernünftiges, sanftes und seliges Ende. Amen. Herr Jesu Christe, du höchstes Gut, Ich bitt dich durch dein teures Blut, Mach mir mein letztes Ende gut. Amen. Kirchengebete. Kirchengebete. Gebet, wenn man in die Kirche Rommt. 7⁰ Jesu Christe, getreuester Heiland! Auf dein Wort und Befehl komm ich jetzt in dein Haus, zu der Stätte, da deine Ehre wohnet. Wie ich dir nun herzlich danke, daß du mich unwür⸗ digen Menschen in das Haus deiner Gnaden treten lässest: also bitte ich dich, du wollest mir ein recht andäch⸗ tiges, gläubiges und gehorsames Herz verleihen, damit ich von der bösen Welt und meinem sündlichen Fleisch abge— wendet, zu dir, mein allerliebster Selig⸗ macher, bekehrt und dermaleins aus dieser streitenden in die triumphierende. Kirche versetzt werde. Amen. Vor der Predigt. Wun soll ich hie, mein Gott und Vater, die christliche Predigt von dir Gebet vor und nach der Predigt. 77 und deinem heiligen Willen vernehmen; ach, verleihe dem Prediger rechte himm— lische Weisheit, daß er anders nichts als dein heiliges Wort inbrünstig, an— dächtig und beständig vortrage. Ent— zünde mir das Herz, daß ich mit heiliger Andacht dein seligmachendes Wort ver— nehme, in einem feinen Herzen behalte, und Frucht bringe in Geduld. Amen. Nach der Predigt. helobt sei Gott, der mir sein heiliges Wort auch diesmal zu meiner Seieh Seligkeit hat predigen lassen. Herr Jesu, laß mich diesen teuren Schatz fleißig bewahren, demselben ge— horsam folgen, und dabei beständig verharren, damit ich mich desselben in aller Not und Widerwärtigkeit, ja end— lich in der Todesstunde trösten, selig ster— ben und dein Reich ererben möge. Amen. 78 Kirchengebete. Gebet nach gesprochenem Hegen. ch, mein Gott! segne du mich, so bin ich gesegnet. Mache an mir wahr, was ich jetzt von deinem Diener vernommen habe. Ach Herr! segne mich und behüte mich. Ach Herr! erleuchte dein Angesicht über mich, und sei mir gnädig. Ach Herr! erhebe dein Angesicht auf mich, und gebe mir den zeitlichen und ewigen Frieden. Amen. Lieder vor der Bredigt. Wi glauben all' an einen Sott, Vater, Sohn und heiligen Geist, Den der Cherubinen Chor Und die Schar der Engel preist; Der durch seine große Uraft, Alles wirket, thut und schafft. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Gottes und Marien Sohn, der vom Bimmel kommen ist, Und uns führt ins Bimmels Thron, Der uns durch sein Blut und Tod Hat erlöst aus aller Not. Lieder vor der Predigt. 79 5. Wir glaub'n auch an den heiligen Geist, Der von beiden gehet aus, Der uns Trost und Beistand leist' Wider alle Furcht und Graus. Beilige Dreieinigkeit Sei gepreist zu aller Zeit. Ein anderes. Herr Jesu Christ! dich zu uns wend, Und deinen heil'gen Geist uns send; Mit Hilf und Gnad er uns regier, Und uns den Weg zur Wahrheit führ'! 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein; Den Glauben mehr', stärk' den Verstand, Daß uns dein Nam' werd' wohl bekannt; 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Hott der Herr! Und schauen dich von Angesicht In ew'ger Freud' und sel'geméicht. 4. Ehr' sei dem Vater und dem Sohne Dem heiligen Geist in einem Throne; Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Ein anderes. Vser Jesu! wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und 8⁰ Beichtgebete. Begier Auf die süßen Bimmelslehren, Daß die Herzen von der Erden, Ganz zu dir ge⸗ zogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsternis umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet. Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 5. O du Glanz der Berrlichkeit, Licht von Licht aus Gott geboren, Mach uns allesamt bereit, Gffne Herzen, Mund und Obren. Unser Beten, Fleh'n und Singen Laß, Rerr Jesu, wohl gelingen! —3— Beichtgebete. Gebet um wahre Zauße. Biebster Jesu! gieb uns deinen heil. Geist, der täglich und immerdar in uns wirke eine stete christliche Buße, und uns darin beständig erhalte, auf daß wir als bußfertige Christen allezeit erfunden werden in wahrer Erkenntnis, Gebet um Vergebung der Sünden. 81 Reu und Leid unserer Sünden und in einem starken Glauben der Vergebung der Sünden, auch in einem beständigen Vorsatz und Antrieb, unser Leben zu bessern, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet um Vergebung der Sünden. Barmherziger Gott, lieber himmlischer Vater! groß sind meine Sünden, viel und groß ist meine Missethat, meine Übertretungen sind unzählig, denn all mein Dichten und Trachten von Jugend anf ist nur zum Bösen geneigt. Ach Herr! wer kann merken, wie oft er fehlt? Siehe, ich erkenne meine Misse⸗ that, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir gethan, auf daß du recht behaltest in deinen Worten, und Habermann, n. A. 6 82 Beichtgebete. rein bleibest, wann du gerichtet wirst. Ich bitte aber deine unaussprechliche Mildigkeit, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Wenn du, Herr! willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn siehe, auf tausend kann der Mensch dir nicht eines antworten, sintemal alle unsere Gerechtigkeit vor dir wie ein beflecktes Tuch ist. Des⸗ halb erbarme dich mein nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von aller meiner Sünde, um deines Namens willen; Herr, sei mir gnädig, heile meine Seele, denn ich habe leider an dir gesündiget. Ge⸗ denke, Herr! an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden 7229*—. Gebet um Vergebung der Sünden. 83 meiner Jugend und meiner übertretung, gedenke aber mein nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen; bedenke auch, daß wir Fleisch sind, ein Wind, der dahinfähret und nicht wieder kommt, und laß ab von deinem Zorn und Grimm über uns. O gütiger Gott! ich bekenne ja, daß nicht meine Werke noch Verdienst mögen austilgen meine Sünde oder deine Gnade erwerben, sondern allein das heilige Leiden und Sterben Jesu Christi, des unbefleckten Lammes, ist eine rechte Bezahlung für unsere Missethat und sein Blut vergossen zur Vergebung unserer Sünden, ist eine Abwaschung und Reinigung unserer Seelen. Auf solch Vertrauen und Hoff⸗ nung rufe ich zu dir, du wollest die Übertretung deinem Volk aus Gnaden vergeben, die Sünden bedecken, unsere Missethat uns nicht zurechnen. Ver⸗ 6*³ 84 Beichtgebete. zeihe mir auch die verborgenen Fehler, auf daß meine betrübte Seele, und die Gebeine, welche sehr erschrocken sind, wiederum erfreuet werden, denn dein ist die Barmherzigkeit und Vergebung, bei dir ist Gnade und viel Erlösung. O Herr! erhöre die Stimme meines Flehens und verachte nicht das Ge⸗ schrei meines Herzens, um Jesu Christi willen. Andächtige Seufzer, indem man beichten will. err Gott Vater! lehre meine Zunge, andächtig zu beichten; Herr Jesu Christe lregiere dieZunge deines Dieners, mich kräftiglich zu trösten. Herr Gott, heil. Geist, eröffne beide, Herzen und Ohren, laß mich meinen Beichtvater mit Sanftmut vernehmen, daß mir die Absolution durch den Glauben ins Herz + Danksagung nach der Absolution. 85 möge dringen. O Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen, Amen. Danlisagung nach empfan⸗ gener Absolution. gütiger, gnädiger, barmherziger Gott und Vater! ich sage dir von Grund meines Herzens Lob und Dank, daß du mir armen Sünder jetzt abermal durch deinen Diener alle meine Sünden vergeben, das ewige Leben wieder aufs neue zugesagt und mich zu Gnaden an— genommen hast. Ich bitte dich herzlich, gieb mir deinen heiligen Geist, und schaffe in mir ein reines Herz, damit ich seliglich glaube, daß mir alle meine Sünden durch Christum vergeben sind. Dessen zu einem gewissen Unterpfand will ich den wahren Leib und das wahrhaftige Blut deines lieben Sohnes Jesu Christi im Brot und Wein essen und trinken zu meiner Seelen Bußlieder. Seligkeit. Verleihe mir auch, du ge⸗ treuer Gott, daß ich mich hinfort besser vor Sünden hüte, denselben mehr Feind werde und mein Leben bessere. Dazu wollest du mir gnädiglich verhelfen, um deines Namens willen. Amen. Bußlieder. Z'n! der du meine Seele Hast durch deinen V bittern Cod, Aus des Teufels finstrer Höhle und der schweren Sünden⸗Not Kräftig⸗ lich herausgerissen, Und mich solches lassen wissen Durch dein angenehmes Wort: Sei doch jetzt, o Gott, mein Hort. 2. Creulich hast du ja gesuchet Die verlornen Schäfelein, Als sie liefen ganz verfluchet In. den Höllenpfuhl hinein; Ja, du Satansüber⸗ winder, Bast die hochbetrübten Sünder So gerufen zu der Buß, Daß ich billig kommen muß. 3. Ach, ich bin ein Hind der Sünden, Ach, ich irre weit und breit; Es ist nichts an mir zu finden, Als nur Ungerechtigkeit; All mein Bußlieder. 87 Dichten, all mein Trachten Beißet unsern Gott verachten; Böslich leb ich ganz und gar, Und sehr gottlos immerdar. 4. Herr! ich muß es ja bekennen, Daß nichts Gutes wohnt in mir; Das zwar, was wir wollen nennen, Halt ich meiner Seelen für: aber Fleisch und Blut zu zwingen, Und das Gute zu vollbringen, Folget gar nicht, wie es soll; Was ich nicht will, thu ich wohl. 5. Aber, Berr, ich kann nicht wissen, Meiner Fehler Meng' allein; Mein Gemüt ist ganz zerrissen, Durch der Sünden Schmerz und Pein, Und mein Berz ist matt von Sorgen; Ach vergieb mir, was verborgen, Rechne nicht die Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. 6. Jesu! du hast weggenommen Meine Schulden durch dein Blut. Lass es, o Erlöser, kommen Meiner Seligkeit zu gut. Und die⸗ weil du bist zerschlagen, Hast die Sünd am Ureuz getragen, Ei, so sprich mich endlich frei, Daß ich ganz dein eigen sei. 2. Weil mich auch die Höllenschrecken Und des Satans Grimmigkeit Vielmals pflegen aufzuwecken Und zu führen in den Streit, Bußlieder. Daß ich schier muß unterliegen! Ach so hilf, Herr Jesu, siegen. O du meine Zuversicht! Laß mich ja verzagen nicht. 8. Deine rotgefärbten Wunden, Deine Nägel, RAreuz und Grab, Deine Hände fest gebunden, Wenden alle Plagen ab. Deine Pein und blutig's Schwitzen, Deine Striemen, Schläg und Ritzen, Deine Marter, Angst und Stich, O Herr Jesu, trösten mich. 9. Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann, Ach, so wollest du mich retten. Und dich meiner nehmen an; Du allein Herr! kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand Seid von mir noch nie erkannt. 10. Du ergründest meine Schmerzen, Du erkennest meine Pein, Es ist nichts in meinem Herzen, Als dein herber Tod allein; Dies mein Herz, mit Leid vermenget, Das dein teures Blut besprenget, So am Ureuz vergossen ist, Geb ich dir, Herr Jesu Christ. 11. Nun ich weiß, du wirst mir stillen, Mein Gewissen, das mich plagt. Es wird deine Treu erfüllen, Was du selber hast gesagt, Bußlieder. 89 Daß auf dieser weiten Erden Ueiner soll ver⸗ loren werden, Sondern ewig leben soll, Wenn er nur ist Glaubens voll. 12. Berr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht. Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen, Dich, Herr Jesu! nach dem Streit In der süßen Ewigkeit. Ein anderes. Herr! mich armen Sünder Strafe nicht in deinem Zorn, Dein'n ersten Grimm doch linder', Sonst ist's mit mir verlor'n. Ach Herr! wollst mir vergeben Meine Sünd und gnädig sein, daß ich mag ewig leben, Ent⸗— fliehen der Höllenpein. 2. Heile du mich, lieber Herr! Denn ich bin krank und schwach; Mein Berz, betrübet sehr, Leidet groß Ungemach! meine Gebeine sind erschrocken, Mir ist sehr angst und bang, Meine Seel' ist auch erschrocken, Ach du, Herr! wie so lang. 5. Berr, tröst mir mein Gemüte, Mein Seel rett, lieber Gott! Von wegen deiner Güte 90 Bußlieder. Hilf mir aus aller Not. Im Cod ist alles stille, Da denkt man deiner nicht, Wer will dort in der Hölle Dir danken ewiglich. 4. Ich bin von Seufzen müde, Bab weder Uraft noch Macht, In großem Schweiß ich liege Durchaus die ganze Nacht; Mein Lager naß von Thränen, Mein G'stalt vor Trauren alt, Zu Cod ich mich schier gräme, Die Angst ist mannigfalt. 5. Nun weicht, ihr Übelthäter, Mir ist ge⸗ holfen schon! Der Herr ist mein Erretter, Er nimmt mein Flehen an; Er hört mein's weinens Stimme, Es müssen fallen hin All' sein und meine Feinde, Und schändlich kommen um. Ein anderes. ch, was soll ich Sünder machen! Ach was soll ich fangen an! Mein Gewissen klagt mich an, Es beginnet aufzuwachen; Dies ist meine Zuversicht, Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Swar es haben meine Sünden Meinen Jesum oft betrübt, Doch weiß ich, daß er mich liebt Und er läßt sich gnädig finden; Drum ob mich mein' Sünd anficht, Meinen Jesum laß ich nicht. vVVE rrrr r Bußlieder. 9¹ 5. Ob zwar schweres Kreuz und Leiden, So bei Christen oft entsteht, Mir sehr hart ent⸗ gegen geht, Soll mich doch von ihm nichts scheiden; Er ist mir ins Herz gericht't; Meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich weiß wohl, daß unser Leben Nichts als nur ein Nebel ist. Denn wir hier zu dieser Frist Mit dem Tode sind umgeben, Und wer weiß, was heut geschiehtd Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Sterb ich bald, ich g'nug dann habe Dieser Welt Beschwerlichkeit, Ruhe bis zur vollen Freud, Und weiß, daß im finstern Grabe Jesus ist mein helles Licht; Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Durch ihn will ich wieder leben, Denn er wird zur rechten Feit Wecken mich zur Seligkeit, Und wird mirs aus Gnaden geben. Muß ich schon erst vors Gericht, Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Drum, o Jesu, sollst mein bleiben, Bis ich komme an den Ort Welcher ist des Bimmels Pfort, Wo du dann wirst einverleiben Meine Seele deinem Licht; Meinen Jesum laß ich nicht. —— 92 Kommuniongebete. Kommuniongebete. Gebet vor dem heil. Rbendmahl um würdigen Genuß desselben. allmächtiger, ewiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi! ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du aus großer Barmherzigkeit dich meiner so gnädiglich hast erbarmt, daß du auch deines eingebornen Sohnes nicht hast verschonet, sondern denselben für mich in den Tod gegeben, auf daß ich durch ihn in deiner Gnade ewig leben möge. Hab Dank, o Jesu, daß du zum Unter— pfand und zur Versicherung der Ver— gebung meiner Sünden mir deinen Leib und Blut in deinem heil. Abendmahl testamentsweise verordnet hast, welches ich auch jetzt darum zu mir nehme, und gemäß deiner Stiftung mit Essen und Trinken gebrauchen will. Damit Kommuniongebete. 93 ich es aber nach deinem Willen, zum Gedächtnis deines bittern Leidens und Sterbens, und zur Stärkung meines Glaubens jetzt würdig genießen möge, so bitte ich dich, du wollest mich an Seel und Leib durch deinen heiligen Geist dazu bereiten und geschickt machen, damit ich dieses hochwürdige Sakrament deines Leibes und Blutes in einem wahren Glauben und mit recht schristlicher An— dacht würdiglich empfahen möge, zum ewigen Leben. Amen. Ein anderes. Kerr Jesu Christ! der du mit deinem heiligen Munde selber sagst, wer hungrig und durstig sei, der soll zu dir kommen, du wollest ihn speisen und tränken, daß ihn nimmermehr hungern und dürsten soll. Ach, Herr! hier kommt zu dir eine arme, hungrige und durstige 9⁴ Kommuniongebete. Seele, die nach dieser Speis und diesem TrankderewigenPerechtigkeit und Selig— keit verlangt. O du Brot des Lebens! speise mich armen Hungrigen mit deinem wahren Leib. O du Brunn des Lebens! tränke und erquicke mich Durstigen mit deinem wahrenBlut, auf daß ich gesättigt und erquicket aus diesem Jammerthal mich zu dir hinauf in den Himmel erhebe, da du sitzest zur Rechten deines himm— lischen Vaters, und vertrittst uns, da ich dich dann ohne Hunger und Durst in ewiger Freude und Frohlocken samt deinem Vater und dem heiligen Geist preisen werde in Ewigkeit. Amen. VBann du zu dem RAltare treten willst, so seufze: Gott! sei mir armen Sünder gnädig; gieb mir deinen heiligen Geist in mein Herz, daß ich das heilige Sakrament Kommuniongebete. 9⁵ würdiglich empfangen, meinen schwachen Glauben stärken, mein blödes Gewissen trösten, mein Leben bessern und ewig selig werden möge. Solches verleihe mir, o Gott! um Jesu Christi willen. Amen. BeiEmpfangdes Leibes Ghristi sprich in deinem HSerzen: ei mir willkommen, süßer Herr Jesu Christe, mit der edlen Speise deines allerheiligsten Leibes, den du mir jetzt unter dem Brot zu essen giebst, wie du ihn für mich in den bittern Tod ge⸗ geben hast. Den laß mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. Herr Jesu! dein heiliger Leib stärke und bewahre mich in rechtem Glauben zum ewigen Leben. Amen. Beismpfang des ZBlutesShristi sprich in deinem Herzen: ei mir willkommen, du süßer Herr Jesu Christel mit dem edlen Trank 96 Kommuniongebete. deines Blutes, das du mir jetzt im Wein zu trinken giebst, wie du es am Kreuz vergossen hast, zur Vergebung der Sünden. Das laß mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. Herr Jesu! dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im wahren Glauben zum ewigen Leben. Amen. Wenn man vom Rltar hinweg⸗ geht. Herr Jesu Christe! mit was für einem Herzen, mit welcher Zunge soll ich deine große Güte aussprechen, die du mir jetzt hast widerfahren lassen, indem du dich selbst mit allem, was dein ist und dir angehört, mir geschenkt und gegeben hast. Ach, laß dir gefallen die geringe, demütige Rede meines Mundes, und sei mit dem einfältigen Lob zufrieden, das ich dir jetzt in diesem Kommuniongebete. 97 meinem gebrechlichen Fleisch und Blut sagen kann, bis du mich ganz zu dir einholst, da ich dich von Angesicht zu An— gesicht auschauen und mit allen Engeln und Auserwählten ohne Aufhören ehren und preisen werde. Amen. Danksagung nach dem heiligen Rbendmahl. du mein lieber Herr Jesu Christe! Ich sage dir herzlich Lob und Dank, daß du mich jetzt abermal so väterlich an deinem Tische mit deinem selbst eigenen Leibe und Blute gespeist und getränkt hast, und bitte dich von Herzen, laß mir solches gedeihen zur Stärkung meines Glaubens, sowie zu sicherem Geleite aus diesem Jammerthal in das ewige Leben. Amen. Habermann, n. A. 7 98 Kommunionlieder. Kommunionlieder. Mel.: Wie nach der Wasserquelle. Die Seele! auf dich schwinge Von dem Ort der Eitelkeit; Du mußt über alle Dinge Die Gedanken heben heut, Anzuschauen deinen Gott, Deinen Helfer in der Not, Deinen Bräut'gam, der jetzt eben Kommt, sich selber dir zu geben. 2. Er will meine Speise werden, Von ihm ich geladen bin. Schwing dich, Seele! von der Erden Zu dem Seelenspeiser hin! Rüst' dein Herz mit Demut aus, Daß es werde Gottes Haus, Ein Haus, das ihm wohlgefalle, Das vor meinem Jesu walle. 3. Weg von mir, ihr Weltgedanken, Bier ist meiner Seelen Speis. Auf dein Wort will ich nicht wanken, Jesu! ehren dein Geheiß. Was du hast versprochen mir, Kannst du auch wohl geben hier; Du willst deinen Leib mir geben, Und dein teures Blut daneben. 4. Nun umfang mit höchsten Freuden, Seele, deinen Bräutigam, Nun kannst du dich mit ihm weiden, Mit dem frommen Sotteslamm, Auf der Au des Glaubens dein Wirst du Kommunionlieder. 99 stetig sicher sein, Bis Gott wird erst recht zu⸗ lassen, Deinen Jesum zu umfassen. 5. Nun hab ich den besten Orden, Gott in mir und ich in dir, Und bist du mein Bruder worden, O mein Jesu! bleibe hier, Laß mich immer bleiben dein, Du sollst stets mein eigen sein: Ich dir, der mich liebet, lebe, Und mich dir zu eigen gebe. Ein anderes. Jesu! meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du Freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden. 2. Wie kann ich g'nugsam schätzen Dies himmlische Ergötzen, Und diese teure Gaben, Die uns gestärket haben. 5. Wie soll ich dir's verdanken, O Herr! daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja selbst dich mir geschenket. 4. Ich liebe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg' und Wunden, Der du so viel empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, Du Ur⸗ sprung meiner Freuden; Dir dank ich für dein Sehnen Und heiß vergoß'ne Thränen. 100 Kommunionlieder. 6. Dir dank ich für dein Lieben, Das stand⸗ haft ist geblieben; Dir dank ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 2. Jetzt schmecket mein Gemüte Dein' über⸗ große Güte; Das teure Pfand der Gnaden, CTilgt allen meinen Schaden. 8. Herr! laß mich nicht vergessen, Daß du mir zugemessen Die kräft'ge Bimmelsspeise, Wofür mein Berz dich preise. 9. Du wollest ja die Sünde, Die ich jetzt noch empfinde Aus meinem Fleische treiben, Und kräftig in mir bleiben. 10. Nun bin ich losgezählet, Von Sünden und vermählet, Mit dir, mein liebstes Leben: Was kannst du Werter's geben. 11. Laß, Schönster, meine Seele Doch stets in dieser Höhle Des Leibes mit Verlangen, An deiner Liebe hangen. 12. Laß mich die Sünden meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten. 15. Im Handeln, Wandeln, Essen, Laß nimmer mich vergessen, Wie trefflich ich be⸗ glücket, Ja himmlich bin erquicket. Gebet eines Ehemannes. 101. 14. Nun kann ich nicht verderben! D'rauf will ich fröhlich sterben. Und freudig aufer⸗ stehen, O Jesu! dich zu sehen. Gebet in unterschiedlichen Rn⸗ liegen eines Ehemannes. Jarmherziger Gott, der du zur Ver— mehrung des menschlichen Ge— schlechts den Stand der heiligen Ehe anfänglich im Paradies selbst eingesetzet, und nach dem Fall zu einer Arznei wider die Schwachheit des Fleisches bestätigt hast, und auch mich zu solchem Stand hast kommen lassen, ich bitte dich, du wollest mir die mir hiezu notwendige Gnade und Hilfe verleihen, daß ich eine recht christliche Liebe und Treue zu meinem Eheweib haben möge. Schaffe, daß ich in Freundlichkeit und Einigkeit mit Vernunft bei ihr, als dem schwachen Werkzeug, wohne, derselben ihre Ehre, als auch Miterben der Gnade des Lebens 102 Gebet einer Hausmutter. gebe, sie samt meinen Kindern und Gesind zu deiner Erkenntnis und zu aller ZuchtundEhrbarkeit erziehe. Gieb ihnen auch, o Herr! daß sie folgen und sich ziehen lassen. Behüte uns, o Gott des Friedens, vorZank, Unreinigkeiten und des Feindes Lügen, vor trügerischem Argwohn, wel— chen der Teufel als einen Samen des Verderbens und zur Austilgung ehelicher Liebe und Treue säet. Schaffe, daß wir als deine Kinder friedsam einander dulden, vergeben und nachgeben. Verleihe uns auch treues Gesinde und erhalte es stets in Gesundheit. Segne unsereArbeit und zeitlicheNahrung, hilf uns das Kreuz geduldig tragen, und gieb, daß wir nach diesem Leben einander im ewigen Leben wieder finden. Amen. Gebet einer Hausmutter. dtt, Vater,Sohnnud heiliger Geist! von dem aller Trost und Segen her— Gebet einer Hausmutter. 103 kommt, siehe mit gnädigen Augen auf mich arme, schwache Kreatur, welche du in den Stand der heiligen Ehe berufen und zur Hausmutter gemacht hast; gieb deiner Dienerin deine Gnade, daß ich dich über alles liebe, dich suche, und zu deinem Dienst beflissen sei, nach dir aber meinen Ehgemahl ehre, fürchte und liebe, ihm auch in aller Billigkeit, mit Geduld und süßem Gemüt, in keuschem, züchtigem Wandel, in Furcht und Demut gehorche. Steh mir bei, daß(wie mich der heil. Apostel Petrus gelehret) der verborgene Mensch meines Herzens unverrückt mit sanftem, stillem Geist und mit allen Tugenden geschmücket sei, wie vor Zeiten die heil. Weiber gewesen, die ihre Hoff⸗ nung aufGott gesetzetund ihrenMännern gehorsam gewesen. Dazu hilf mir, daß ich meine Kinder und Gesinde mit Sanft⸗ mut, zu Lob und Ehre deines heil. 104 Gebet eines Kindes. Namens auferziehe. Gieb Gnade, daß sie mir im Guten folgen, und verleihe, daß ich samt meinem Mann und Kin⸗ dern in Gesundheit nach deinem gött— lichen Willen die nötige Nahrung habe, vor Schaden und Feinden unbeschädigt bleibe, und also der Welt gebrauche, daß wir nicht in unserer Seligkeit ver⸗ hindert werden, sondern dich. Herr, in allem suchen und dir zu gefallen uns befleißigen. Verleihe uns auch die Gnade, daß wir das Kreuz nicht von uns werfen, sondern in Geduld es gemeinsam tragen und bis an unser Ende in deinem Dienste verharren. Laß uns so hier heilig wer— den und einst das Erbe des ewigen Le— bens dahinnehmen. Amen. Gebet eines Kindes. Ellmächtiger, ewiger Gott, der du mir geboten, meine Eltern, die Gebet eines Kindes. 105⁵ mich zur Welt gebracht und mich ntit gro⸗ ßer Mühe und Kosten auferzogen haben, zu ehren und ihnen zu gehorchen in allem, was dir nicht zuwider ist; ich bitte dich durch den Gehorsam deines lieben Soh— nes Jesu Christi, meines Herrn, du wollest mir verleihen, daß ich meinen Vater und Mutter mit innerlicher, herzlicher Liebe lieb habe, und auswendig mit allen Gebärden und Dienst verehre, sie in Geduld vertrage, im Leben nicht betrübe, und wenn sie schon Alters halber an Ver— stand abnehmen, ihnen Rat gebe. Gieb mir ein gehorsames Herz, daß ich ihnen in allem, was sie nicht wider Gott und der Seelen Heil gebieten, gehorche, diene, und mich zu allem willfährig erzeige, damit ich ihren Segen ererbe und ein langes, dir gefälliges Leben habe. Be— hüte mich vor Sünden und bösen Ge— sellschaften, daß ich nicht mit Haß, Un— 106 Gebet eines Jünglings freundlichkeit, Verachtung, Ungehorsam und Widerspenstigkeit meine Eltern er⸗ zürne und betrübe, damit ich nicht ihren und deinen Fluch hie auf Erden, und nach diesem Leben den ewigen Zorn über mich bringe. Was ich aber hierin durch Schwachheit gesündigt, da bitte ich, daß du mir wollest Reu' und wahre Buße geben, und mir solches vergeben durch JesumChristum, meinenHeiland, welcher mir zum Exempel seinen Eltern gehor— sam gewesen. Gieb mir, daß ich nach seinem Exempel jederzeit wachse und zunehme an Weisheit, Alter und Gnade bei dir, meinem Gott und bei allen Menschen. Amen. Gebet eines Zünglings oder einer Zungfrau. serr, allmächtiger Gott! du reines, heiliges Wesen, der du hast Ge— oder einer Jungfrau. 107 fallen an züchtigem Herzen und gott— seligem Wandel, ich bitte dich, schaffe in mir ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist, daß ich dir in rechtschaffenem Glauben und wahrer Furcht diene von ganzem Herzen, und aus allen meinen Kräften dich liebe; bewahre mich auch vor aller unreinen Vermischung. Hilf, daß ich mich nicht lasse gelüsten fremder Gestalt und mich nicht ergebe der Wollust des Fleisches, Schand und Laster zu treiben mit un— keuschen Leuten oder sonst in Unzucht falle! Dämpfe die bösen Lüste in meinem Herzen, lösche aus die Flamme fleisch— licher Begierden, daß ich mich nicht um— sehe nach schönen Menschen, laß mich nicht in unzüchtige, leichtfertige Gesell— schaft kommen, oder in Schwelgerei und Trunkenheit geraten, daraus ein un— ordentliches Wesen folget; laß ferne von 108 Gebet eines Jünglings ꝛc. mir sein faul und unnütziges Geschwätz, schandbare Worte und Narrenteidung oder Scherz, welche uns Christen nicht geziemen. Behüte mich vor hoffärtiger Pracht, vor Müssiggang und Faulheit, vor Stricken und Netzen des Teufels; bewahre mich vor dem Besuch solcher Orte, die Ursache und Anleitung zur Unreinigkeit geben, daß ich nicht aus den GliedernChristi Hurenglieder mache, sondern hilf, daß ich dir mit reiner Seele und unbeflecktem Leibe diene in wahrem Glauben, wie der fromme und züchtige Joseph in Agypten, und wann du mich dermaleins nach deinem gött— lichen Willen und Wohlgefallen in den heiligen Ehestand berufen wirst, so hilf, daß ich denselben in deiner Furcht an— fange, nicht aus Fürwitz und um Un— zucht willen, sondern um deiner gött— lichen Ordnung willen, damit auch hie— Gebet eines Knechts ꝛc. 109 durch dein heiliger Name hie zeitlich und dort ewiglich möge gepreiset werden. Beschere du mir ein frommes und ge— treues Ehegemahl, mit welchem ich möge seliglich in Fried und Einigkeit leben; du bist ein Herzenskündiger, weißest aller Menschen Gemüt und Eigenschaft; Haus und Güter erben die Kinder, aber ein vernünftiger Mann oder Weib kommt vom Herrn, denn es ist eine Gabe und Geschenk desAllerhöchsten, und wird dem gegeben, der in Gottesfurcht lebet. Des⸗ halb schreieich zu dir, und bitte, du wollest mich nach deiner Barmherzigkeit vor einer mir schädlichen Wahl eines Ehe— gatten behüten, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Gebet eines Knechtes oder einer Magd. Warmherziger Gott! der du mich durch deines lieben Sohnes Jesu Christi 110 Gebet eines Knechts oder Magd. teures Leiden und Sterben von der ewigen Dienstbarkeit, von der Gewalt der Sünden, von der Obrigkeitder Finster⸗ nis und von der grausamen Tyrannei des Teufels erlöset, zum Herrn über Tod und Hölle gemacht hast; ich bitte dich, du wollest mir Gnade geben, daß ich an meinem Stand der leiblichen Dienstbarkeit, darein du mich hier auf Erden nach deinem Willen und Wohl— gefallen gesetzt hast, keinen Verdruß gewinne, und nicht etwa wider deine Ordnung mit Ungeduld murre, auch andern Leuten ihren höheren Stand nicht mißgönne, sondern gieb, daß ich solchen deinen Willen thue von ganzem Herzen, mit gutem Willen, und nicht anders denke, denn als diente ich dir Gott im Himmel, und nicht den Menschen auf Erden. So hilf nun, lieber Gott! daß ich dir, dem höchsten Herrn im Himmel Gebet eines Knechts oder Magd. 111 und auf Erden, in wahrer Erkenntnis und rechter Furcht diene, dich über alles liebe, alle meine Hoffnung auf dich setze, und in deinen Geboten untadelig wandle. Darnach schenke es mir auch, daß ich meinen leiblichen Herrn und Frauen, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen und un— geschlachten, in Geduld gehorsam sei in allen Dingen, die nicht wider dich sind, mit aller Furcht, in Einfältigkeit meines Herzens, als Christo, meinem Herrn, nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern von Herzensgrund, um deines Befehls und Gebots willen; gieb Gnade, daß ich treu erfunden werde in allem, was mir be⸗ fohlen ist, und nichts, das mir anbe⸗ fohlen ist, verwahrlose und zu Schanden mache, auch keinen Schaden durch Un— achtsamkeit geschehen lasse; dazu be— 112 Gebet eines Knechts oder Magd. wahre mich, daß ich mich fremden Guts, das mir anvertrauet und unter die Hände gegeben ist, nicht lasse gelüsten und dasselbige veruntreue. Bewahre mir meine Gesundheit, stärke meine Glieder und alle Kräfte meines Leibes; dazu begabe mich mit Vernunft und Weis— heit, daß ich meinen Herrn und Frauen ihre Arbeit könne besorgen, ihre Nah— rung durch deine göttliche Hilfe bessern, auf daß sie durch meinen Fleiß gesegnet und in die Menge ausgebreitet werden, und alles, was ich thue und verrichte, gereiche zu deiner göttlichen Ehre und mir zu einer seligen Übung meines Glaubens um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen, welcher mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet um ein gottseliges Leben. 113 Gebet um ein gottseliges Leben. ˙ mein Herr Jesu! erleuchte mich heut und allezeit, daß ich den Lauf meines Christentums nach dem himm— lischen Jerusalem, da ich ewig sein soll, richte, und wie du nach mir, ich auch nach dir alle meine Begierde habe, früh dich suche, deiner verlange und dich und dein Wort zum Gefährten auf meinem Wege behalte. Amen. Behüte mich, o unwandelbarer, ewiger Gott! vor der Weltkinder Unbeständig— keit, daß ich mich nicht ihnen in Heuchelei gleichstelle, sondern hilf, daß ich auch heute bei meinem Beruf beständig bleibe in der Gottseligkeit, und mein Leben an Lastern ab⸗, in Tugenden aber zunehme allezeit, damit ich dir, meinem Herrn, treulich diene, das Irdische gering achte, nach dem Himmlischen über alles trachte, deine Gnade erlange, und dir ewig Habermann, n. A. 8 114 Gebet danken möge um Jesu Christi willen. Amen. Gebet zur Beit des Sonners und Ilngewitters. GBroßmächtiger Gott! deinem Namen sollen alle Gewaltigen auf Erden Ehre bringen, und dich, ewigen Gott, an⸗ beten im heiligen Schmuck, denn du bist der Herr im höchsten Thron, du beweisest deine Macht und Kraft an allen Orten. Die Stimme des Herrn geht auf den großen Wassern, der Gott der Ehren donnert, die Stimme des Herrn gehet herrlich und mit Macht. Die Erde bebet und wird beweget und die Grundfesten der Berge regen sich. Dampf gehet auf von deiner Nasen und verzehrend Feuer von deinem Munde, daß es davon blitzet. Dein Gezelt um dich her ist finster und schwarze dicke Wolken, darinnen du ver⸗ r rr FTr r- r zur Zeit des Donners. 115 borgen bist, und Dunkel ist unter deinen Füßen. Vom Glanz vor dir trennen sich die Wolken; der Herr donnertimHimmel, und der Höchste lässet seinen Donner aus. Du bringest hervor die Winde aus deinen verborgenen Löchern, und treibest sie wieder an ihren Ort, wenn sie deinen Befehl ausgerichtet haben; es ist dir alles unterworfen, alle Dinge erkennen dich für ihren Schöpfer, und zittern vor deiner göttlichen Majestät. Die hohen Berge und die Abgründe der Tiefen erschrecken, wenn du zornig bist, der ganze Erdboden zittert, Meer und Wasser fliehen vor deinem Zorn. Die Stimme des Herrn hauet wie Feuer— flammen. Die Stimme des Herrn er— reget die Wüsten. Der Herr ist König in Ewigkeit; er wird seinem Volk Kraft geben; der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden. O gütiger Gott! behüte 8* 116 Gebet zur Zeit des Donners ꝛc. uns vor deinem grimmigen Zorn, der unerträglich ist, vergieb uns unsere Sün⸗ den, laß leuchten dein Antlitz über uns, und sei uns gnädig, verschone uns, daß dieses ungestüme, schwere Wetter ohne allen Schaden vorübergehe. Bewahre unsern Leib und unser Leben, Haus und Hof vor aller Beschädigung durch Blitzschlag oder Wasserfluten. Des⸗ gleichen beschütze die Früchte auf dem Felde vor Schloßen und Hagel, und vor allem Schaden. O heiliger Gott! behüte uns vor einem bösen Tod. Gott der Vater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für mich hat leiden lassen, erhalte mich, Jesus Christus, mein Gott und König, bewahre mich. Der heilige Geist, der mich mit dem teuren Blut Christo besprenget, beschirme mich, daß mir kein Unfall widerfahre. Amen. N Dank nach dem Ungewitter. 117 Dank nach dem Ilngewitter. Fllmächtiger Gott, himmlischerVater! der du gesagt hast: Rufe mich an in der Not, so will ich dich retten, und du sollst mich preisen; wir sagen dir von Grund unseres Herzens Lob und Dank, daß du unser Gebet gnädiglich erhöret, und dieses bedenkliche Wetter also hast vergehen lassen, daß uns dadurch an Leib und Gut kein Schaden ist geschehen, damit du abermals dein treues Vater— herz, daß du nicht mit uns nach unsern Sünden handeln wollest und uns nicht nach unserer Missethat zu vergelten be⸗ gehrest, hast zu erkennen gegeben. Ver⸗ leihe uns, barmherzigerVater, um deines eingebornen lieben Sohnes Jesu Christi willen, daß wir uns im Andenken an solche deine ernstlichen und väterlichen Warnungen bessern, in deiner Furcht hinfort leben, und auf die Zukunft deines Um. 444 II 1 13 IAI I II II 14 Nu N N V V —.. 118 Gebet um den zeitlichen Frieden. lieben Sohnes, da die Elemente vor Hitze schmelzen, und die Erde, und die Werke, die darinnen sind, verbrennen werden, uns gefaßt und bereit machen, damit wir ihm mit Freuden entgegen ziehen, und den neuen Himmel, in welchemGGerechtig— keit wohnen wird, einnehmen, und mit dir in deiner seligen Anschanung ewig— lich besitzen mögen, durch denselben deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, Jesum Christum. Amen. Gebet um den zeitlichen Frieden. WarmherzigerGGott, lieber himmlischer Vater! der du bist ein Gott und Liebhaber des Friedens, von dem alle Einigkeit zu uns kommt: wir bitten dich, du wollest die ganze Christenheit auf Erden gnädiglich beschützen wider alle Feinde und blutgierige Menschen, auf daß wir in guter Ruhe erhalten, dir Gebet um den zeitlichen Frieden. 119 sicher und fröhlich in reiner Lehre und heiligem Wandel allezeit dienen mögen. Wollest Gnade verleihen, daß alle Stände und Fürsten der Christenheit unter einander friedlich und einträchtig in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit leben, auf daß gute Ordnung herrsche, dagegen Zuchtlosigkeit verschwinde und aufhöre, Kirchen und Schulen nicht zerstöret, das Land nicht verwüstet und jämmerlich verheert werde. Deshalb gieb Gnade, daß sich jedermann an dem Seinen lasse genügen, damit nicht etwa aus Geiz und Begehren fremder Land und Leute, aus Hoffart, eitler Ehr und Fürwitz; aus Feindschaft, Haß, Neid oder andern Ur⸗ sachen in diesen Landen Krieg und Em— pörung oder Aufruhr entsteht. Behüte uns vor Unfried und Blutvergießen. Wehre allem bösen Rat und Willen unruhiger Leute, die nichts Gutes im 120 Gebet um den zeitlichen Frieden. Sinne haben, mach sie zu Schanden in ihren Gedanken, daß sie zurück müssen weichen und ein Ende nehmen mit Schrecken. Strecke aus deinen Arm, uns zu beschützen, die wir nach deinem Namen genennt sind, auf daß dein Erb— teil nicht zerstreuet werde. Hilf deinen Gläubigen, die sich auf dich verlassen und deinen Namen anrufen: erhöre uns in der Not, und dein heiliger Name schütze uns. Sende uns Hilfe vom Heilig— tum, und stärke uns aus der Höhe. Thue wohl dem Lande und den Städten, in welchen dein heil. Wort wohnet. Es müsse Frieden sein inwendig in deinen Mauern, und Glück in deinen Palästen. O gütiger Gott! neige die Herzen aller Menschen zu christlichem Frieden und Einträchtigkeit, wozu du uns durch dein Wort und Evangelium berufen. Wenn nun Entzweiung und Verbitterung —7—.———————8898825 ANT/—————— H—-— 7.. Reisegebet. 121 zwischen etlichen entstanden wäre, so hilf, daß sie durch fügliche Mittel und Wege beigelegt werden, zur Ehre deines heiligenRamens und Ausbreitung deines Wortes und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit, auf daß sich die Armen und Elenden im Lande in dir freuen, und deinen heiligen Namen rühmen, der du allein Wunder thust, und beweisest deine Macht unter allen Völkern. Amen. Gebet, wenn man verreisen will. Fllmächtiger,gnädiger GottundVater, du Beschützer aller, die sich von Herzen auf dich verlassen! auf deinen Namen will ich mich auf den Weg machen und mit Anrufung deiner Barmherzig— keit diese meine vorgenommene Reise anfangen, denn du bist mein Gott, der du behütest all meinen Ausgang und Eingang und richtest meine Füße auf 12² Reisegebet. ebener Bahn, daß sie nicht gleiten. Ich bitte dichvon Herzen, du wollest auf dieser meiner vorhandenen Reise mein gnädiger Geleiter und Wegweiser sein, mir deine heiligen Engel beigeben und ihnen Be— fehl thun, daß sie mich auf allen meinen Wegen und Stegen vor allem Unglück an Leib und Seel behüten, mich auf ebener Straße führen, und an den Ort, dahin ich gedenke zu kommen, frisch und gesund hin und wieder zu den Meinigen zurück bringen. Dafür will ich dich hie zeitlich und dort ewiglich loben und dir danken. Nun, Herr Gott Vater, in deine Hände befehle ich meinen Leib und meine Seele und alles, was dir angehöret; dein heiliger Engel sei mein Geleits— mann. Amen. Gebet auf der Reise. allmächtiger, gütiger Gott! vor dessen Augen wir jederzeit sind, wo — M—&E.„ —2— S.3 F. 55 Reisegebet. 123 wir auch gehen und stehen, der du be— hütest alle unsere Eingänge und Aus— gänge, und richtest unsere Füße auf ebener Bahn, daß sie nicht straucheln! ich bitte dich, daß, wie du deinen Diener Abraham aus dem Chaldäer Land ge— führet und in seiner Pilgerfahrt unbe— schädigt erhalten hast, und zu seinemEnkel Jakob gesagt, als er in Mesopotamien gezogen: ich will mit dir hinab gehen, und will dich auch wieder heraufführen; solche Güte und Verheißung auch an mir erfüllest, du hast auch die Kinder Israel durchs rote Meer, ja auch durch die grau— same und ungebahnte Wüste begleitet, bist ihnen vorgegangen des Tags in einer Wolken- und des Nachts in einer Feuer— säule, also wollest du auch bei mir auf meiner Reise sein, und mich behüten zu Land und Wasser des Tages und Nachts vor allem Unglück und Gefahr, auch mich 124 Reisegebet. nach verrichteten Geschäften, in Gesund— heit Leibes und der Seelen, wiederum heimbegleiten; wie du durch deinen hei— ligen Engel Raphael den jungen Tobias wohl begleitet hast, also begleite mich auf allen Wegen und Stegen, auf daß, wenn ich mit Glück wieder zu Haus einkehre, ö ö ich dich als einen treuen Geleitsmann mit neuer Dankbarkeit lobe und preise. Indessen befehle ich dir alles, was ich zu Haus lasse, und bitte, du wollest darüber wachen, und mich, wenn ich heimkehre, alle meine Lieben, die ich verlassen habe, im Frieden unbeschädigt wieder finden lassen. Amen. Gebet eines reisenden Hand⸗ werkisgesellen. HwigerGott, barmherziger Vaterl weil —ich meinem Handwerke nachziehen, unter fremde Leute kommen und auch den⸗ selben dienen muß, so bitte ich dich, du ——— 88——?.R — x ö Reisegebet eines Handwerksgesellen. 125 wollest mich auf dieser meiner Reise durch deine lieben Engel vor allem Übel be⸗ wahren; wo ich hinkomme, wollest du mir gute, ehrliche, gottselige Meister und Leute bescheren, die mir allengutenWillen erzeigen, in Krankheiten und allenNöten sich meiner annehmen, auch meine auf⸗ gelegte Arbeit segnen, daß ich sie geduldig und treulich verrichte, damit ich hernach in Ehren und gutem Lob unter deinem Geleit wieder zu den Meinigen gelange; wenn aber mein Stündlein ausgelaufen, wollest du mich als einen getreuenKnecht die freudige Stimme hören lassen: Gehe ein in deines Herrn Freude, du bist über wenig treu gewesen, nun ist dir beigelegt die Krone der Ehren; dazu hilf mir, Herr Jesu Christe! Amen. Gebet der Kinder für ihren ver⸗ reisenden Vater. O Jesu, du treuer Heiland aller, die 126 Reisegebet. dich im Glauben anrufen, wir, deine Kinderlein, die auf dein Blut getauft und mit deinem Geist zu königlichen Priester⸗ lein geweihet, und deine Brüder und Mit— erben aus Gnaden erwählet sind, rufen als Unmündige, deren Stimme du gerne hörst, dich an, und bitten herzlich, du wollest unsern lieben Vater, der seines Berufes und Nahrung halber über Land gereiset, auf seinen Wegen gnädig behüten und ihn seine Sachen wohl und schleunig ausrichten lassen, und ihn gesund und mit Freuden wieder zu uns bringen, der du deinen Diener Jakob auch mit deinen Engeln auf der Reise behütet hast, du ewig treuer Geleitsmann und Gefährte aller derer, die dich fürchten und auf deine Güte warten. Amen. Danksagung nach der Reise. Hanädiger Gott und Vater! ich danke dir von Grund meines Herzens, daß ——— ———— Reiselieder. 127 du mich meine vorgehabteReise hast glück— lich lassen vollenden und durch deiner Engel Schutz wieder zu den Meinigen gebracht, und vor allem Übel väterlich bewahret hast, daß ich nicht von Räubern und Mördern bin umgebracht oder sonst in andere Gefährlichkeiten geraten bin, dir sei Dank, daß ich frisch und gesund bin hin- und herbegleitet worden; was ich alles deiner väterlichen Vorsorge und deinem allmächtigen Schutz zu danken habe, und bitte dich vonHerzen, du wollest mich und die Meinigen fortan auch in deinen Schutz nehmen und Leib und Seel' bis zum ewigen Leben selig erhalten um Jesu Christi willen. Amen. Eieder vor der Reise. Mel.: Auf meinen lieben Gott ꝛc. ᷓ· Jesu Namen reis' ich aus, Der selbst in * seines Vaters Haus, Als aus dem höchsten Freudensaal, Ist kommen in dies Jammerthal. 128 Reiselieder. 5 ö 2. Was man in Jesu Namen thut, Das mach uns freudig Herz und Mut, Es muß in ihm ge⸗ raten wohl Und seines Segens werden voll. 3. Du, Jesu, richtest meinen Fuß, Daß nichts von dir mich wenden muß. Du führst mich aus und wieder ein, Durch dich wird alles heilsam sein. 4. Befiehl den Engeln, daß sie mich Auf allen Wegen sicherlich Begleiten und durch ihre Wwach' Abwenden alles Ungemach. 5. Treib' unsre Sachen glücklich fort Und bringe selbst mich an den Ort, Wo ich will diesmal reisen hin, Lenk aller frommen Christen Sinn, 6. Daß sie mich willig nehmen an, Wenn ich nicht weiter reisen kann. Zu solchen Leuten führe mich, Die fromm sind und recht lieben dich. 7. In deine Händ' ergeb' ich dir Leib, Seel' und was noch sonst bei mir, An allen Orten nah und weit, Bei jedermann, zu jeder Zeit. 8. Behüt' in Gnaden Weib und Kind, Bluts⸗ freunde, Haus, HBof, Vieh, Gesind' Und was ich mehr verlassen hab', Allda wend' alles Unglück ab. 9. Und wenn ich glücklich dann vollbracht, Was zu vollbringen ich gedacht, So führe selbst mich in mein Haus, Wo du mich hast geführet aus; 10. Und laß mich finden unversehrt, Was du e +. Reiselieder. 129 aus Gnaden mir verehrt; Für solchen Schutz und stark Geleit, O Gott, dank' ich in Ewigkeit! Nach beendigter Reise. Mel.: Jesu! der du meine Seele ꝛc. Non hab' ich gottlob! vollendet Meine vor⸗ gehabte Reis', Nun ich solche ganz geendet, Lob und Ruhm und Dank und Preis, Jesu Christe, dir gebühret, Weil du mich hast selbst geführet Hin und her mit deiner Hand Durch so manche Stadt und Land. 2. Daß ich unversehrt geblieben, Kommet einzig her von dir; Daß kein Feind mich auf—⸗ gerieben, Schreib ich zu dir, meine Zier; Daß mich Krankheit nicht versehret, Hast du gnädig abgewehret. Kurz, du, Jesu! bist's allein, Dem ich hie muß dankbar sein. 5. Jesul du hast mich bewachet Mit der Engel Schutzgeleit, So daß mein Herz jetztund lachet Und ist voller Lust und Freud. Ich muß preisen, ich muß loben, Jesu! dich, der du dort oben Herrschest, und auf dieser Bahn So viel Gut's an mir gethan. 4. Ach, ich bitte dich, erzeige Mir noch ferner deine Gnad; Endlich gieb, daß ich erreiche Habermann, n. A. 9 130 Gebet eines Kranken. Wonach stets Verlangen hat Meine Seele hier auf Erden; Laß mich ewig selig werden, Führe mich aus diesem Leid Hin zur Freudenewigkeit. Gebet eines Kranlien. Herr, himmlischer Vater! du bist ein getreuer Gott, und lässest niemand über sein Vermögen versucht werden, sondern schaffest, daß dieVersuchung also einEnde gewinne, daß er's ertragen kann. Ich bitte dich in meinen großen Nöten und Schmerzen, laß mir das Kreuz nicht zu schwer werden, stärke mich, daß ich's mit Geduld ertragen möge, und an deiner Barmherzigkeit nimmermehr verzage. O Christe! des lebendigen Gottes Sohn, der du des Kreuzes Pein für mich gelitten hast, und endlich für meine Sünden ge— storben bist, zu dir rufe ich aus Grund meines Herzens, erbarme dich über mich armen Sünder(Sünderin), vergieb mir alle Missethat, die ich wider dich in meinem Gebet im letzten Stündlein. 131 ganzen Leben gethan habe, laß mich im Glauben nicht sinken. O Gott, heiliger Geist! du wahrer Tröster in aller Not, erhalte mich in der Geduld und im rech— ten Gebet; heilige mich in deiner Liebe und Gemeinschaft und weiche nicht von mir in meiner letzten Not; leite mich aus diesem Jammerthal in das rechte Vater— land. Amen. Gebet im letzten Stündlein. llmächtiger, ewiger, barmherziger Herr und Gott! Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi, ich weiß, daß du alles was du gesagt hast, auch halten willst und kannst, du kannst nicht lügen, dein Wort ist wahrhaftig, du hast schon in der Zeit des alten Testaments deinen lieben Sohn Jesum Christum zugesagt; den⸗ selben hast du in der Fülle der Zeit ge— sendet, damit er mich auch von Teufel, 9* 132 Gebet eines Kranken. Tod, Hölle und Sünde erlöse; damit ich mich aber seiner Erlösung mit um so größerer Sicherheit getrösten und sie mir zueignen könne, hast du aus gnädigem Willendie Sakramente der heiligen Taufe und des heiligen Abendmahls geschenket, darin mir angeboten wird Vergebung der Sünden, ewiges Leben und An⸗ sprache an alle himmlischen Güter. Auf solches dein Anbieten habe ich derselben gebraucht, und im Glauben mich auf dein Wort fest verlassen, und sie empfangen. Deshalb zweifle ich nun gar nicht, daß ich wohl gesichert bin vor dem Teufel, vor Tod, Hölle und Sünde. Ist nun dieses meine Stunde nach deinem göttlichen Willen, so will ich mit Fried und Freud auf dein Wort gern von hinnen scheiden und zu dir fahren. Amen. AS RRN LEL e—— SV ⏑ ee esn“ Gebet eines Kranken. 133 Gebet der Amstehenden für den Kranlien, der in den letzten Zügen liegt. llmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater! tröste und stärke diese durch deinen Sohn teuer erkaufte Seele und verschone ihrer durch deine Güte, denn sie trauet auf dich; hilf ihr aus aller Not, und schenke ihr durch den Tod hin— durch einen seligen Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Amen. Gebet um ein seliges Ende. ch, lehre mich, Herr Jesu Christe! an den täglichen Exempeln der Ster⸗ benden auch meineSterblichkeit erkennen, damit ich möge einen seligen Feierabend machen. Überfalle mich nicht in meinen Sünden, daß ich nicht zeitlich sterbe und ewig verderbe. Behüte mich nach deinem 134 Geistliche Lieder. Wohlgefallen vor schmerzlicher Krank— heit und einem bösen, schnellen Tod. Ver— + leihe mir nach deiner Gnade ein sanftes Ende, damit ich bis an den letzten Atem ö deinen Namen bekenne und meine Seele fröhlich in deine Hände befehle. Amen. Verschiedene geistliche Lieder. Mene Hufriedenheit Steht in Vergnüglich⸗ *keit; Was ich nicht ändern kann, Nehm ich geduldig an. 2. Seele! sei nur vergnügt, Wie es Gott weislich fügt; Fällt dir schon manches schwer, Geht's doch nicht anders her. 5. Heiße dein Schifflein nur folgen der Wellen Spur; Gott ist der Steuermann, Der es schon leiten kann. 4. Hoffnung laß für und für Bleiben mein Schiffpanier; Sieht es heut stürmisch drein, Morgen wird's stille sein. 5. Sage nicht, ob das Glück Gfters dich wirft zurück, Weil doch des Herrn Beschluß Endlich geschehen muß. * u Geistliche Lieder. 135 6. Ist schon dem Samenfeld Manche Gefahr bestellt, Schlägt doch der Ackersmann End⸗ lich die Sichel an. 2. Halte geduldig still; Wie es Gott haben will; Reiß dich durch Ungeduld Selbst nicht aus seiner Huld. 8. Geht es oft wunderlich, Ei so begreife ich: Was dir dein Gott beschert, Bleibt dir doch unverwehrt. 9. Wünsche nicht in der Welt Alles, was dir gefällt; Wenn es dir nützlich wär', Gäb dir's Gott selber her. 10. Welche Gott Hinder heißt, Werden hier schlecht gespeist, Weil er in jener Welt Ihnen ihr Teil bestellt. 11. Nun dann, so halt ich still, Wie es mein Vater will; Wann mich mein Jesus liebt, MaJacht mich kein Fall betrübt. 12. Jesus soll mir allein Himmel undErde sein, Meine Zufriedenheit, Meine Vergnüglichkeit. Mel.: Schwing dich auf zu ꝛe. Gerge Vater! sorge du, Sorg' für meine Sorgen; Sorge selbst für meine Ruh, Heut sowohl als morgen; Sorge für mich alle⸗ 136 Geistliche Lieder. zeit, Sorge für das Meine; O du Gott der Freundlichkeit, Sorge du alleine. 2. Sorge, wenn der Tag anbricht, Für mein Leib und Seele; Sorge, daß ich niemand nicht Sie als dir befehle; Sorg', o Höchster! für und für, Auch für meine Sinne; Sorge, daß zuwider dir Ich ja nichts beginne. 3. Sorg', und laß dein Wort uns auch Bis an unser Ende, Daß der Sakramente Brauch Nie sich von uns wende! Sorge für die Obrig⸗ keit, Diener deines Wortes, Und dazu für alle Leut Jedes Stands und Ortes. 4. Sorge, großer Menschenfreund, Für uns deine Kinder; Sorge, Herr! für Freund und Feind, Sorge für uns Sünder; Sorge für mein Stücklein Brot, Sorge doch für alle, Die da mit mir sind in Not; Sorge, wenn ich falle. 5. Sorge, wann ich schließe zu Meine Augen⸗ lieder; Sorge, wann ich geh zur Ruh' Und erwach' hinwieder; Sorge für mein Amt und Stand, Wort, Vernunft und Dichten, Für die Arbeit meiner Hand, Lassen und Verrichten. 6. Sorge für mein Hab und Gut, Ehr' und guten Namen; Sorge, wann mir Leides thut Der verkehrte Samen; Sorge, wann zu Sünd' Geistliche Lieder. 137 und Spott Mich mein Feisch will leiten; Sorge, wann ich mit dem Tod Muß am Ende streiten. 2. Sorge, Berr! wenn mich anficht, Satan hier auf Erden; Sorge, wenn ich vor Gericht Soll gefordert werden; Sorg' für meine Grabes⸗ statt, Sorg' in meinem Leben; Sorge, wenn mein Geist nun hat Dir sich ganz ergeben. Mel.: Freu' dich so sehr, o meine Seele ꝛc. ch, wenn ich im Himmel wäre, Lieber Gott! bei dir, bei dir; Höre doch, mein Schöpfer, höre! Und laß mich nicht länger hier; Ich muß ja sein, wo du bist, Wo mein Schatz, mein Jesus ist; Ich muß aus dem Weltge⸗ tümmel, weil mein Cröster ist im Himmel. 2. Hier kann ich kein G'nügen finden In der bösen Jammerwelt, Denn sie ist voll lauter Sünden, Ihr ganz Wesen mir mißfällt; Neid, Verfolgung, Spott und Hohn Giebet sie zum besten Lohn. Ach, du schnödes Weltgetümmel, Wär' ich aus dir in dem Himmel. 5. Wie wohl wird mir doch geschehen, Wenn ich immer die Gottheit Kann in drei Personen sehen, Und der Dreien Einigkeit; Wann ich sehe, Gott, das Licht, Gottes heilig Angesicht. 138 Geistliche Lieder. O, wer aus dem Weltgetümmel Bei Gott wäre in dem Himmel. 4. Heine Ruhe kann ich haben Hier in dieser Seitlichkeit; Will die Lust, Geld, Gut mich laben? Weg, weg, mit der Eitelkeit. Es ist doch nur Unbestand, Ach! heim, heim ins Vaterland, Heim aus diesem Weltgetümmel SZu der Ruhe in den Himmel. 5. Dort kann mir kein Feind nicht schaden, Heine Angst, Gefahr und Not, Denn ich bin in Gettes Gnaden, Gott in mir und ich in Gott! Da erreiche ich mein Ziel. Alsdann will ich, was Gott will! Darum weg, du Weltgetümmel, Ich erwähle mir den Himmel. 6. Krankheit, Hunger, Durst, Frost, Hitze, Sorge, Furcht und steter Streit Machen, daß ich oft hier schwitze, Daß sich häufet Leid auf Leid; Alles aber höret auf, Wenn ich ende meinen Lauf. O! was bist du, Weltgetümmeld Wär' ich aus dir in dem Himmel! 2. Wie so lieblich wird es schallen, Wenn ich das Halleluja Singe mit den Engeln allen; O, wenn ich schon wäre da; Laß indes mein's Herzens Schrei'n, Mein Gott! deinen eSsN Geistliche Lieder. Bimmel sein, Führe aus dem Weltgetümmel, Dich zu rühmen, mich in Bimmel. 8. Bin ich etwa hier in Freuden, So ist Crauern wohl nicht weit; Freude, aber ohne Leiden Ist dort in der Ewigkeit. Welche Unvollkommen⸗ heit, Droben ist die Seligkeit! Gute Nacht, du weltgetümmel, Eins und alles ist im Bimmel. 9. Soll und muß ich aber wandeln Länger noch un dieser Zeit, So hilf mir stets christ⸗ lich handeln; Mein Gott, mache mich bereit, weis' mir, wie ich leben soll, Wie ich sterbe, sanft und wohl, Und laß dieses Weltgetümmel Mich nicht wenden von dem Himmel. 10. Weil du mir hier bist im Berzen Ist der Bimmel mir gepaart, Aber mein HBerz macht mir Schmerzen, Denn es ist so böser Art; Darum will ich sündenlos Lieber bald ins Himmels Schoß. Ach, nimm aus dem weltgetümmel Mich zu dir, du bist mein Himmel. 11. Strecke deine Arm' und Hände Zu mir aus, ich will hinein; Komm, mein Bräut'gam, komm behende! Ich will deine sein allein. Schenk du alle Sünden mir, Effne doch die Bimmelsthür! Ich bin aus dem Weltgetümmel In der Hoffnung schon im Himmel. 140⁰ Geistliche Lieder. In eigener Melodie. Vẽ ist mein Schäflein, das ich liebe, Das sich so weit von mir verirrt Und selbst aus eigner Schuld verwirrt, Darum ich mich so sehr betrübed Wißt ihr's, ihr Wälder und ihr Hecken, So sagt mir's eurem Schöpfer an, Will sehen, ob ich's kann noch wecken Und retten von der bösen Bahn. 2. Ach, Schäflein, finde dich doch wieder Hu dem, der dich so herzlich lieb Und nie was Böses hat verübt An dir; der sich gelassen nieder, Um dich zu suchen und zu fassen Auf seine Achsel sänftiglich, Der nimmermehr dich kann verlassen; Denn seine Lieb währt ewiglich. 5. Ich kann dich ja nicht länger missen In langer Abgeschiedenheit; Du laufst nun hin und her zerstreut, Du mußt die große Freude wissen, die and're Schäflein bei mir finden, die nun in meinem Schoße ruh'n: Da sind sie sicher in den Wunden, Die ihnen keinen Schaden thun. 4. Du findest aber keinen Frieden, Bis du dich ganz in mich versenkt, Und dein Herz hast zu mir gelenkt. Ich bin's alleine, der kann Leben, Den Müden Uraft, Erquickung Geistliche Lieder. 141 geben. So komme doch nun bald dazu; Ach! schone doch dein armes Leben, Und schaffe deiner Seele Ruh. 5. Willst du, o armes Lamm! nicht hörend Läufst immer weiter weg von mird Ruf ich doch sehnlich für und für, Ob du noch wollest wiederkehren Zu deinem Ursprung, deiner Quelle, Aus welcher du geflossen bist, Die doch so liebreich und so helle Von Ewigkeit gewesen ist. 6. Kann dich mein Rufen nicht erweichen, Das in der Wüste laut erschallt, Und in den Klüften wiederhallt, So bist du wohl recht zu vergleichen Den harten Felsen und den Steinen, Die doch mein Wort zerschmeißen kann. Achl ich muß vor Erbarmen weinen, Da du mich nicht willst hören an. Schäflein. 2. Wes ist die Stimme, die ich höre In dieser wilden Wüsteneid Es scheint, als ob's ein Birte sei. Er rufet immer: Wiederkehre! Soll er mich denn auch irgend meinend Ich sehe wohl, daß ich verirrt; Nun bin ich lahm auf meinen Beinen, Achl hätt' ich mich nicht so verirrt. 14² Geistliche Lieder. Hirte. 8. Ich will dir keine Ruhe lassen, Ich will dich locken, bis du hörst, Und dich von Herzen zu mir kehrst. Ach, wie will ich dich dann umfassen Und an mein Herz ganz sanfte drücken, In Liebesseilen sollst du gehen, Dann wird keun Feind dich mehr bedrücken. In meinen Hürden sollst du stehen. Schäflein. 9. Ach, holder HBirt! ich komm' gelaufen, So gut ich kann, auf dein Geschrei; Du mußt mich aber machen frei Und selber bringen zu dem Haufen Der andern Schäflein, die dich kennen, Dich dich nur ihre Augenlust und aller⸗ liebsten Hirten nennen. Nun drück' mich fest an deine Brust. Mel.: Wer nur den lieben ꝛe. Bi sind nicht von der Heimat fern, Wir wallen aber unserm Herrn; Das nie ge⸗ seh'ne Vaterland Ist uns aus seinem Wort bekannt. 2. Man seh' uns an, für was man will; Wir wallen fort und leiden still. Ist Satan auch auf uns erbost; Wir sind des Herrn und sind getrost. 5. So macht uns keine Furcht verzagt, Wenn —— NE Geistliche Lieder. 143 uns die Welt verhöhnt und plagt; Und wen auch auf der Welt nichts freut, Der hat in Gott doch Frendigkeit. 4. Herr Jesu, halt' auch mich dafür, Daß ich dein sei und walle dir! So wall' ich ganz ge⸗ trost dahin, So lang ich in dem Leibe bin. 5. Du gingst mir selbst zum Vater vor; Richt' Augꝰ und Herz zu dir empor, Daß ich erkenn', wo⸗ hin ich geh' Und auf dein Wort und Vorbild seh'! 6. Wall' ich nur, wie es dir gefällt, Was ist's, wenn man's für Thorheit hält; So komm' ich heim; bei dir ist Ruh; Was dir gefällt, belohnest du. 2. Da ziehest du uns Uleider an, Die jetzt kein Pilger tragen kann; Da wird sich's zeigen, wer man ist, Wenn man da lebet, wo du bist. 8. Mein Herr, den ich einst Blut gekost't, Mach mich im Tode selbst getrost Und ruf in Gnaden mich nach Haus! So geht mein Wallen selig aus. Mel.: Auf meinen lieben Gott ꝛc. Fso auf, mein Seel' in Not Vertrau' allein auf Gott, Und laß denselben walten, Er wird dich wohl erhalten, Und dich aus allen Nöten Wohl wissen zu erretten. 2. Steckst du in Armut sehr, Oder in Urank⸗ 144 Geistliche Lieder. heit schwer, Und mußt Verfolgung leiden, Bedrängt auf allen Seiten, So thu' nur fleißig beten, Gott wird dich wohl erretten. 5. Hast du viel Herzeleid In dieser bösen Seit, Und mußt dich lassen plagen, Sollst du drum nicht verzagen; Wann du wirst fleißig beten, Wird dich Gott wohl erretten. 4. Bist du der Welt ein Spott Und steckst in großer Not, Von jedermann verlassen, Thu' ein frisch Herze fassen; Wenn du wirst fleißig beten, Wird dich Gott wohl erretten. 5. Drum, wer ein Christ will sein, Der schicke sich nur drein, Und sei im Ureuz geduldig, Geb' sich vor Gott nur schuldig, Der ihn aus allen Nöten Gar wohl weiß zu erretten. 6. Wenn es zu dieser Frist Also beschaffen ist; Wann ein Urenz jetzt aufhöret, Ein anderes bald einkehret; Dann mußt du fleißig beten, Zu Gott in deinen Nöten. 2. Je größer uns're Not, Je näher ist uns Gott! Er hört oft unser Flehen, Eh' wir uns sein versehen, und hilft aus allen Nöten, Wenn wir nur fleißig beten. 8. Weil außerhalb der Not Unser Gebet ist tot, So muß Sott Trübsal senden, Daß wir Geistliche Lieder. 145 uns zu ihm wenden Und allzeit fleißig beten, Daß er uns tröst' in Nöten. 9. Ein Christ mach's, wie er will, So muß er leiden viel, Wird fälschlich angegeben, Man thut ihm wiederstreben; Drum muß er fleißig beten, Daß ihn Gott tröst' in Nöten. 10. Denn wer hie in Geduld Befiehlt Gott sein' Unschuld, Der sie an Tag kann bringen, Dem wird's endlich gelingen, Wenn er in seinen Nöten Nur stets wird fleißig beten. 1. Und weil Trübsal und Not Der Christen täglich Brot, Berzeleid in allen Ständen, Wo man sich thut hinwenden, So muß man fleißig beten, Daß uns Gott tröst' in Nöten. 12. Bat jemals Not gethan, Daß man Gott rufe an, So ist jetzt Not vorhanden, Elend in allen Landen; Drum laßt uns fleißig beten, Daß uns Gott helf' aus Nöten. 15. Denn der Christen Gebet Nimmermehr leer abgeht; Der liebe Gott es höret, Sie ihrer Bitt gewähret, Wenn sie nur fleißig beten, So hilft er stets aus Nöten. 14. Ob's gleich nicht bald geschicht, Muß man ablassen nicht, Sondern getrost anhalten Habermann, n. A. 10 * 146 Geistliche Lieder. Und es Gott lassen walten, Der uns aus allen Nöten Gar wohl weiß zu erretten. 15. Denn wir durch viel Trübsal In diesem Jammerthal Uns hindurch müssen drängen Und nach dem Himmel ringen, Da Gott aus allen Nöten Uns endlich wird erretten. 16. So ist dieser Zeit Leid nicht wert der Herrlichkeit, Die offenbar soll werden An uns nach den Beschwerden, Wenn wir nur hier in Nöten Zum Herren fleißig beten. 12. Darum, o frommer Christ, Der Sott ergeben ist, Laß dir vor'm Ureuz nicht grauen, CThu' auf den Herren bauen, Der dich aus allen Nöten Wird wissen zu erretten. 18. Wandle auf Gottes Weg, Zum Guten sei nicht träg, Fahr' fort, leid' doch geduldig, Ob du gleich bist unschuldig. Und bet' herzlich in Nöten, Gott wird dich wohl erretten. 19. Und ob's hie nicht geschieht, Sollst du verzagen nicht, Es wird nach Not auf Erden, Im Bimmel besser werden, Da uns Gott wird erretten Aus allen unsern Nöten. 20. Da dann all unser Leid Sich kehren wird in Freud', Und werden wir zusammen Ceistliche Lieder. 147 Preisen des Herren Namen, Befreit von allen Nöten Vor Gottes Antlitz treten. In eigener Melodie. * blick' in jene Höhe, Wo ich mein Hleinod hab', Das Land, worauf ich stehe Ist nichts, als einst mein Grab. 2. Die Welt, in der ich lebe Giebt mir geschminkten Staub Und was ich ihr einst gebe, Mein Leib ist auch nur Staub. 5. Drum, Heiland, ach, ich bitte: Entreiße mich von ihr! Mein Geist, in seine Rütte Gedrückt, sehnt sich nach dir. 4. Nur meine Seele retten, Das ist es, was ich such'? Wenn Sünder Welten hätten,— Was nützten sie im Fluch d 5. Willst du, so mag auf Erden Mein Weg wie deiner einst, Ein Weg in Trübsal werden; G'nug, daß du mir erscheinst. 6. In allem überwinden Ist deiner Freunde Pflicht; Denn du, um sie zu finden, Flohst Hreuz und Marter nicht. 7. So denk' ich, leb' und glaube, Bis ich vollendet bin; Dann holst du mich vom Staube Zu deiner Ruhe hin! 10* 148 Geistliche Lieder. In eigener Melodie. der Tiefe rufe ich, Herr! zu dir, er⸗ höre mich! Deine Ohren gnädig leih', Merk die flehend Stimm dabei. 2. Aus der Ciefe rufe ich, Sünden gehen über mich; Willst du rechnen, HBerr! mit mir, So besteh' ich nicht vor dir. 3. Aus der Ciefe rufe ich, Will denn nie⸗ mand hören michd Ei, so hör', o Jesu mein! Du wirst ja der Helfer sein. 4. Aus der Tiefe rufe ich, Ach schon lang erbärmiglich, Kreuz und Leiden halten an; Jesus mich erretten kann. 5. Aus der Ciefe rufe ich, Warum, Jesu! läßt du michd Ich harr', warte, seufze; Ach! bis zur andern Morgenwach'. 6. Aus der Tiefe rufe ich, Jesu Gnade tröste mich. Ob es mir gleich gehet hart, Ich doch der Erlösung wart'. 2. Aus der Ciefe rufe ich, Jesus wird erlösen mich: Jesus machet, daß ich rein Werd' von allen Sünden sein. 8. Nunmehr hab' ich ausgeruft! Jesus Geistliche Lieder. 149 komm', er macht mir Luft: Seele, schwing' dich in die Röͤh', Sage du der Welt Ade. Mel.: Wer nur den lieben Gott ꝛc. Wẽr weiß, wie nahe mir mein Ende, Bin geht die Zeit, her kommt der Tod, Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnot. Mein Gott! ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 2. Es kann vor Abend anders werden, Als es am frühen Morgen war; wie bald ver⸗ wechselt sich auf Erden Das Leben mit der CTotenbahr! Mein Sottl ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 5. Herr! lehr mich stets mein End' bedenken, Und wann ich einmal sterben muß, Die Seel' in Jesu Wunden senken Und ja nicht sparen meine Buß'. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 4. Laß mich bei Seit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für, Und sage frisch in allen Fällen: Berr! wie du wills., so schick's mit mir, Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut 150 Geistliche Lieder. 5. Mach' mir stets zuckersüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt: Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Swigkeit sei vor⸗ gestellt. Mein Gottl ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 6. Ach, Vater! deck all meine Sünden Mit dem Verdienste Christi zu, Auf daß ich hier Vergebung finde Und dort die lang gewünschte Ruh'. Mein GSott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 2. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden, Hab ich mir recht und wohl gebett't, Da find' ich Trost in Todesstunden, Und alles, was ich gerne hätt'. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; Ich leg' die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott; Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf'; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Geistliche Lieder. 154 10. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier, Nun kann er meiner nicht vergessen, Ich bleib' in ihm und er in mir. Mein Gottl ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 11. So komm' mein End heut' oder morgen, Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; Ich bin und bleib' in seinen Sorgen, Mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 12. Ich leb' indes in dir vergnüget Und sterb' ohn alle Hümmernis; Mir g'nüget, wie es mein Gott füget, Ich glaub' und bin es ganz gewiß, Durch deine Gnad' und Christi Blut Machst du's mit meinem Ende gut. In eigener Melodie. G es gleich bisweilen scheinen, Als wenn Gott verließ die Seinen, Ei so hoff' und weiß ich dies; Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Bilfe, die er aufgeschoben; Rat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist Hilft er doch, wann's nötig ist. 152 Geistliche Lieder. 3. Gleich wie Väter nicht bald geben, Wo— nach ihre Kinder streben, So hat Gott auch Maß und Ziel, Er giebt, wem und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wann die Not am allergrößten; Er ist gegen seinem Hind Mehr als väterlich gesinnt. 5. Trotz dem Ceufel, trotz dem Drachen! Ich kann ihre Macht verlachen; Trotz dem schweren Ureuzesjoch! Gott, mein Vater lebet noch. 6. Trotz des bittern TCodes Zähren, Tratz der Welt und allen denen, Die mir sind ohn' Ursach feind! Gott im Bimmel ist mein Freund. 2. Laß die Welt mich immer meiden, Will sie mich nicht immer leiden, Ei so frag ich nichts darnach, Gott ist Richter meiner Sach'. 8. Will sie mich gleich von ihr treiben, Muß mir doch der HBimmel bleiben; Wann ich nur den Himmel krieg', Bab ich alles zur Genüg'. 9. Ich will ihr gar gerne lassen, Was ich sonsten pfleg' zu hassen; Sie hat lieb Geistliche Lieder. 153 der Erden Hot, Und laß mir nur meinen Gott. 10. Ach, Berr, wann ich nur dich hab', Sag' ich allem andern ab; Legt man mich gleich in das Grab, Ach, Berr! wann ich nur dich hab'. In eigener Melodie. W Gott thut, das ist wohlgethan, Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an Will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not Mich wohl weiß zu erhalten, Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er wird mich nicht betrügen, Er führet mich auf rechter Bahn So laß ich mich begnügen An seiner Huld und hab' Geduld, Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 5. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Er wird mich wohl bedenken, Er als mein Arzt und Wundermann Wird mir nicht Gift einschenken Für Arzenei, Gott ist getreu, Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Güte trauen. 154 Geistliche Lieder. 4. Was Gott thut, das ist wohl gethan, Er ist mein Licht, mein Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm er⸗ geben In Freud und Leid, Es kommt die Seit, Da öffentlich erscheinet Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Muß ich den Relch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd' ergötzt Mit süßem Trost im Herzen, Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Dabei will ich verbleiben, Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod, und Elend treiben; So wird Gott mich ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. Mel.: Großer Prophete ꝛc. u hilf siegen! du Fürste des Lebens, V Sieh! wie die Finsternis dringet herein, Wie sie ihr höllisches Beer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein; Satan, der sinnet auf allerlei Ränke, Wie er mich sichte, zerstöre und kränke. * Geistliche Lieder. 155 2. Jesu, hilf siegen! der du mich erkaufet, Rette, wann Fleisch und Blut, Satan und Welt, Mich zu verrücken ganz grimmig an⸗ laufet, Oder auch schmeichelnd sich listig ver⸗ stellt. Wütet die Sünde von außen und innen Laß mir, Berr! niemals die Hilfe zerrinnen. 5. Jesu, hilf siegen! ach wer muß nicht klagen: Berr, mein Gebrechen ist immer vor mir. Bilf! wann die Sünden der Jugend mich nagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für! Ach laß mich schmecken dein kräftig's Versühnen, Und dies zu meiner Demütigung dienen. 4. Jesu, hilf siegen, wann in mir die Sünde, Eigenlieb', Hoffart und Mißgunst sich regt. Wann ich die Last der Begierden em⸗ pfinde Und sich mein tiefes Verderben darlegt, So hilf, daß ich vor mir selbst mag erröten, Und durch dein Leiden mein sündlich Fleisch töten. 5. Jesu, hilf siegen, und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gieb, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb. Laß 156 Geistliche Lieder. mich eindringen ins göttliche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seel' genesen. 6. Jesul hilf siegen, damit auch mein Wille Dir, Herr! sei gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in dein Wollen verhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt. Laß mich mir sterben und allem dem Meinen, Daß ich mich zählen kann unter die Deinen. 7. Jesu! hilf siegen in allerlei Fällen Gieb mir die Waffen und Wehre zur Hand; Wann mir die höllischen Feinde nachstellen, Dich mir zu rauben, o edelstes Pfand, So hilf mir Schwachen mit Allmacht und Stärke, Daß ich, o Liebster! dein Dasein vermerke. 8. Jesu! hilf siegen, wer mag sonst bestehen, wider den listig verschmitzeten Feind?ꝰ Wer mag doch dessen Versuchung entgehen, Der wie ein Engel des Lichtes erscheint? Ach, Herr! wo du weichst, so muß ich ja irren, Wwenn mich der Schlangen List sucht zu ver⸗ wirren. 9. Jesu! hilf siegen und laß mich nicht sinken, Wenn sich die Hräfte der Lügen auf⸗ blähn Und mit dem Scheine der Wahrheit ht if⸗ eit Geistliche Lieder. 157 sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft seh'n. Steh' mir zur Rechten, o Hönig und Meister! Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 10. Jesu! hilf siegen im Wachen und Beten; Büter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein; Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, mein Fürsprach zu sein; Wenn mich die Nacht mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 1. Jesu! hilf siegen, wann alles ver⸗ schwindet, Und ich mein Nichts und Ver⸗ derben nur seh'; Wann kein Vermögen zu beten sich findet, Wann ich bin wie ein ver⸗ schüchtertes Reh; Ach, Berr! so wollst du im Grunde der Seelen Dich mit den innersten Seufzern vermählen. 12. Jesu! hilf siegen, und laß mir's ge⸗ lingen, Daß ich das Zeichen des Sieges er⸗ lang! So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu! mein Beiland, mit frohem Ge— sang. Wie wird dein Name da werden ge⸗ priesen, Wo du, o Held! dich so mächtig er— wiesen. 158 Geistliche Lieder. 13. Jesu! hilf siegen, laß doch bald er⸗ schallen, Daß Sion rufet: Es ist nun voll⸗ bracht! Babel, die stolze, ist endlich gefallen, Die da bishero so lange gekracht. Ach, HBerrl komm, mache ein Ende des Urieges, Schmücke dein Zion mit Palmen des Sieges. 14. Jesul hilf siegen, damit wir uns schicken, würdig zur Bochzeit des Lammes zu gehen; Uleide dein Zion mit güldenen Stücken, Laß uns den Untergang Babels einst sehen. Doch, wohlan! kracht es, so wird es bald liegen. Auf, Sion! rüste dich, Jesu! hilf siegen. 15. Jesu! hilf siegen, wann ich nun soll scheiden Von dieser jammer⸗ und leidvollen welt; Wann du mich rufest, gieb, daß ich mit Freuden Tu dir mög' fahren ins himm⸗ lische Selt. Laß mich, ach Jesu! recht ritter⸗ lich ringen, Und durch den Tod in das Leben eindringen. In eigener Melodie. W Jesum bei sich hat, kann feste stehen, Wird auf dem Unglücksmeer nicht unter⸗ gehen. Wer Jesum bei sich hat, was kann Geistliche Lieder. 159 dem schadend Sein Herz ist überall mit CTrost beladen. 2. Wer Jesum bei sich hat, der hat den Himmel, Wünscht zu verlassen nur das Welt⸗ getümmel; Wer Jesum bei sich hat, der lebt vergnüget Mit dem, was Gottes Gnad' ihm zugefüget. 5. Wer Jesum bei sich hat, der mag nicht haben Die Eitelkeit der Welt und ihre Gaben; Wer Jesum bei sich hat, hat g'nug auf Erden, Und mag in Ewigkeit nicht reicher werden. 4. Wer Jesum bei sich hat, kann sicher reisen; Er wird ihm schon den Weg zum Himmel weisen; Wer Jesum bei sich hat in höchsten Nöten, Den kann kein Teufel und kein Mörder töten. 5. Wer Jesum bei sich hat, ist wohl be⸗ schützet, Wann's heftig donnert und erschreck⸗ lich bltzet; Wer Jesum bei sich hat, darf nicht erschrecken, Wenn seine Sünd' ihm Furcht und Angst erwecken. 6. Wer Jesum bei sich hat, darf nicht ver⸗ zagen, Und kann den Teufel auch leicht von 160 Geistliche Lieder. sich jagen; Wer Jesum bei sich hat, wird nicht verderben; Wer Jesum bei sich hat, kann fröhlich sterben. In eigener Melodie. Wou mir! Jesu Christi Wunden Haben mich nun frei gemacht. Ach, wie hart war ich gebunden; Ach, wie finster war die Nacht Die mein Herz mit Sorgen quälte, Da mir Gott und alles fehltel Sündenschuld und Seelennot Machte mich lebendig tot. 2. Wohl mir! wohl mir! meine Ketten Sind entzwei und ich bin los. Christi seliges Er⸗ retten Macht mir Mut und Freude groß. Ach, wie tief lag ich gefangen! Nun bin ich herausgegangen, Und das süße CTageslicht Strahlt ins Herz und Angesicht. 5 Wohl mir! alle meine Sünden Seh' ich durch des Lammes Blut Weichen, sinken und verschwinden; Mein vor Gott erschrock'ner mut Steigt getrost aus seinem Staube, Schöpfet Luft und singt: ich glaube! Angst und Schulden sind dahin, Weil ich arm und gläubig bin. ö 4. Wohl mir! ich kann ruhig schlafen Und veerrnrrr, r. Geistliche Lieder. 161 mein Herz ist sorgenfrei, Denn ich fürchte keine Strafen, Ja, nun weiß ich, was es sei: Gottes Gnade zu genießen Und mit freu⸗ digem Gewissen Frei und fröhlich aufzusteh'n Sicher aus und einzugeh'n. 5. Wohl mir! denn ich trink' und esse, Als des Vaters Kind und Gast. Ich bin selig, ich vergesse Meiner Not, der Seelenlast. Und wenn ich der Arbeit warte, So verschwindet mir das HBarte. Der sich für mich kreuz'gen ließ, Macht mir alles leicht und süß. 6. Wohl mir! denn der Hölle Flammen Sind durch Christi Blut erstickt. Wer will mich hinfort verdammen, Da mich Jesus ange⸗ blickt? Denn ich hab' in seinen Wunden Ewige Erlösung funden; Diese bleibt mir alle⸗ zeit, Diese gilt in Ewigkeit. Mel.: Fröhlich soll mein Herze ꝛc. Barum sollt ich mich denn grämend Hab ich doch Christum noch; Wer will mir den nehmend Wer will mir den Bimmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Bei⸗ gelegt im Glauben. 2. Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich Habermann, n. A. 11 162 Geistliche Lieder. kam, da ich nahm meinen ersten Odem. Nackend werd ich auch hinziehen, Wann ich werd von der Erd Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein. Gott allein, ist es, der's ge⸗ I geben. Will er's wieder zu sich kehren, XxMeehm er's hin, ich will ihn Dennoch fröh⸗ lich ehren. II1N• 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagend Der es schickt, der wird es wenden. Er weiß wohl, wie er soll All mein ö Unglück enden. 5. Gott hat mich in guten Tagen Oft er⸗ götzt, sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen d Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Mönnen mir nichts mehr hier thun, als meiner spotten; Laß sie spotten, laß sie lachen, Gott mein Heil wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schanen; Wollt ihn gleich der Cod aufreiben, Soll der Mut dennoch gut Und fein stille bleiben. Geistliche Lieder. 163 8. Kann doch selbst kein Tod uns töten, Sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten; Schließt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, daß man kann Geh'n zur Bimmelsfreuden. 9. Allda will mit süßen Schätzen Ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich ergötzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt in sich hält, Muß im Hui verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güterd Eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüter; Dort, dort sind die edlen Gaben, Da mein Birt Christus wird Mich ohn' Ende laben. 11. Berr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! Du bist mein, ich bin dein, niemand mag uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben AUnd dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse, Und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse; Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich und ich dich Lieblich werd' umfangen. Mel.: Ich danke dir, lieber Herre ꝛc. Brent du deine Wege, Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege 11* 164 Geistliche Lieder. Des, der den Bimmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden Giebt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, Wann dir's soll wohl ergehn, Auf sein Werk mußt du schauen, Wann dein Werk soll besteh'n. Mit Sorgen und mit Grämen, Und mit selbst⸗ eigener Pein Läßt Gott sich gar nichts neh⸗ men, Es muß erbeten sein. 3. Dein' ew'ge Creu und Gnade, O Vater, siehet recht, Was gut sei oder schade Dem sterblichen Geschlecht. Und was du dann er⸗ lesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zu Stand und Wesen, Was deinem Rat gefällt. 4. Weg hast du allerwegen. An Mitteln fehlt's dir nicht, Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht, Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wann du, was deinen Uindern Er⸗ sprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn. Was er ihm vorgenommen, Geistliche Lieder. 165 Und was er haben will, Das muß doch end⸗ lich kommen Zu seinem Sweck und Ziel. 6: Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt, Gott wird dich aus der Böhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schön⸗ sten Freud. 2. Auf, auf! gieb deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht, Laß fahren, was das Herze, Betrübt und traurig macht: Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten, er ist ein weiser Fürst, Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst; Wann er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rat Die Sach' hinausgeführet, So dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem CTrost verziehn Und thun an seinem Ceile, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich be— geben, Und sollst du für und für In Angst und Nöten schweben, Als frag er nichts nach dir. 10. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm 166 Geistliche Lieder. treu verbleibst, So wird er dich entbinden Da du's am mind'sten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Äind der Treue, Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dank⸗ geschreie Den Sieg und Ehrenkron. Gott giebt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Berr! mach Ende An aller unsrer Not, Stärk unsre Füß und Hände, Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Bimmel ein. Mel.: O Gott, du frommer Gott ꝛc. D. sagst:„ich bin ein Christ.“ Wohlan! wenn Werk und Leben Dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugnis geben, So steht es wohl um dich. Ich wünsche, was du sprichst, Zu werden alle Tag, Nämlich ein guter Christ. 2. Du sagst:„ich bin ein Christ.“ Der ist's, der Jesum kennet, Und seinen Gott und Geistliche Lieder. 167 Herrn ihn nicht alleine nennet, Sondern thut auch mit Fleiß, Was fordert sein Gebot! CThust du nicht auch also, Ist, was du sagst, ein Spott. 5. Du sagst:„ich bin ein Christ.“ Wer sich's will nennen lassen, Muß lieben, was ist gut, Mit Ernst das Böse hassen. Der liebet Christum nicht, Der noch die Sünde liebt, Ist auch kein Christ, Ob er sich gleich den Namen giebt. 4. Du sagst:„ich bin ein Christ,“ denn ich bin ja besprenget Mit wasser in der Tauf, Mit Christi Blut vermenget. Ja wohl, hast aber du gehalten auch den Bund, Den du mit Gott gemacht, in dieser Gnadenstund d 5. Bast du ihn nicht vorlängst gar oft und viel gebrochend Hast du als Gotteskind dich, wie du hast versprochen, In allem Thun er⸗ zeigt, dem Guten nachgestrebt?ꝰ Hat nicht der alte Mensch bisher in dir gelebtd 6. Du sagst:„ich bin ein Christ,“ weil Gottes Wort und Lehre, Ohn' allen Men⸗ schentand, ich fleißig les' und höre. Ja Liebster, thust du auch, was dieses Wort dich lehrt d 168 Geistliche Lieder. Nicht der's hört, sondern thut, der ist bei Gott geehrt. 7. Du sagst:„ich bin ein Christ,“ Ich beichte meine Sünden, Und laß beim Beichtstuhl mich von Zeit zu Zeiten finden; Find't aber sich, mein Freund, ich bitte, sag es mir Nach abgelegter Beicht die Besserung auch bei dird 8. Ach! du bleibst nach wie vor; Dein' Thun und all' dein' Sinnen Wird oftmal ärger noch, dein Vorsatz und Beginnen Geht nach dem alten Trieb; und was noch gut soll sein, Ist, wenn man's recht besieht, nur lauter Beuchelschein. 9. Du sagst:„ich bin ein Christ,“ Laß speisen mich und tränken Mit dem, was Chri⸗ stus uns im Abendmahl will schenken. Wehl! aber zeige mir, ob Christi Leib und Blut In dir zur Heiligung auch seine Wirkung thut d 10. Du sagst:„ich bin ein Christ,“ Ich bete, les' und singe, Ich geh ins Gotteshaus, sind das nicht gute Dinged Sie sind es; doch nur dann, wenn man sie redlich übt Und durch kein falsches Herz den heil'gen Geist betrübt. 11. Du sagst:„ich bin ein Christ.“ Ich — 20 3* 34 — Geistliche Lieder. 169 kann dir's zugestehen, Nur dann, wenn ich es werd' aus deinem Wandel sehen; Wer sagt und rühmet, daß er Christo angehör', Und auch sein Jünger sei, muß wandeln gleich wie er. 12. Bist du ein solcher Christ, So mußt du sein gesinnet, Wie Jesus Christus war; wann reine Liebe rinnet Aus deines Herzens Quell, wann du demütig bist Von Herzen, wie der Herr, so sag, du seist ein Christ. 15. So lang ich aber noch an dir erseh und spüre, Daß Stolz und übermut dein Sinn und Herz regiere; Wenn an der Sanftmut Stell sich zeiget Haß und Neid, So bist du ganz gewiß vom Christentum sehr weit. 14. Sagst du:„ich bin ein Christ,“ und rühmst dich des mit Freuden; Thust aber du auch mehr, als andre kluge Heidend Ach, öfters nicht so viel, was Gutes sie gethan; Sie werden dorten dich gewißlich klagen an. 15. Sag nicht:„ich bin ein Christ“, bis daß dir Werk und Leben Auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugnis geben. Die Wort' sind nicht genug; ein Christ muß ohne 17⁰ Geistliche Lieder. Schein Das, was er wird genannt, im Wesen selber sein. 16. Ach, Gott! gieb Gnade nur, mich ernstlich zu befleißen, Zu sein ein wahrer Christ, und nicht nur so zu heißen. Denn, welcher Nam und That nicht hat und führt zugleich, Der kommet nimmermehr zu dir in⸗ Rimmelreich. Nach eigener Melodie. Jesu! wann soll ich erlöset doch werden Don dieser beschwerlichen Bürde der Erdend O Jesu, wann komm ich zur ewigen Rast, Die du durch dein Sterben erworben uns hast! O berzliches Sehnen, o sehnlich's Verlangen! Wann werd ich nach Arbeit die Ruhe em⸗· pfangen d 2. Ich liege gefangen im Uerker der Sün⸗ den, Wo nichts als Versuchung und Sünde zu finden. Homm, führe mich, Jesu! dahin, wo du bist, Wo friedliches Leben und Selig⸗ keit ist. O herzliches Sehnen, o sehnlich's Verlangen! Wann werd ich in völliger Herr⸗ lichkeit prangen d —— E ES/) Fer Geistliche Lieder. 17¹ 5. Was kann doch bestehen beständig auf Erden, Weil selber die Erde zu Asche muß werdend Ach, alles vergeht im flüchtigen Nu, Drum eil ich, o Jesu! der Ewigkeit zu. O herzliches Sehnen, o sehnlich's Verlangen, Wann werd ich die ewige Ruhe empfangen? 4. Was bringen am Ende die weltlichen Freudend Nur Sagen und lagen, nur ewiges Leiden! Die weltlichen Lüste sind schwindelndes Nichts Und Feinde des schreck⸗ lichen jüngsten Gerichts. O herzliches Sehnen, o sehnlich's Verlangen! Wann werd' ich Be— ständigkeit ewig erlangend 5. Weg Reichtum, weg Ehre, weg Cüste, weg Freuden, Weg Sünden, weg Laster! euch will ich nun meiden; Mein Berze bleibt gänzlich zu diesem geneigt, Wodurch man zur ewigen Seligkeit steigt. O herzliches Seh⸗ nen, o sehnlich's Verlangen! Wann werd ich das ewige Leben empfangen d Saeh mich, o Jesu, ganz nach dir, So folg' ich gern, so laufen wir, Bis mich 172 Geistliche Lieder. in jener Herrlichkeit. Das Ziel des Gnaden⸗ zugs erfreut. 2. Erhöhter Heiland, steh' mir bei, Mach' mich von allen Banden frei; Mach' mich zum Seugen deiner Hraft, Die lauter Gnaden⸗ wunder schafft! 5. Drück' mir ein neues Siegel ein, Daß Schuld und Straf' getilget sein. Teil' mir den Auffahrtssegen mit Und gehe mit mir Schritt vor Schritt! 4. So wird der volle Segen mein; Dann werd' ich ewig selig sein; Der Gnade uner⸗ gründlich Meer Strömt über meinen Jammer her. 5. Weil, da du aufgefahren bist, Mein Herz mit Gott versöhnet ist, Wird deine Bimmelfahrt allein Mir auch der Himmels⸗ eingang sein. 6. Was hemmet nun noch meinen Laufd Mein Haupt, ach, zieh' mich ganz hinauf! Mach' mich von aller Trägheit frei Und stünd⸗ lich wachsam, stündlich treu! 7. Ich schaue deiner Auffahrt nach, Die alle Ketten uns zerbrach, Bis ich auf deinem Siegesplan Selbst Himmelfahrt einst halten kann. E 23 Geistliche Lieder. 173 Mel.: Herr Christ, der einig ꝛc. Her Jesu, Gnadensonne! Wahrhaftes Lebenslicht! Laß Leben, Licht und wonne mein blödes Angesicht Nach deiner Onad erfreuen Und meinen Geist erneuen; Mein Sott versag mir's nicht. 2. Vergieb mir meine Sünden, Und wirf sie hinter dich; Laß allen Forn verschwinden Und hilf mir gnädiglich; Laß deine Friedens⸗ gaben Mein armes Berze laben! ach Herr, erhöre michl 5. Vertreib aus meiner Seelen Den alten Adamssinn, Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich künftighin Zu deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich er⸗ löset bin. 4. Beförd're dein' Erkenntnis In mir, mein Seelenhort! Und öffne mein Verständnis Durch dein geheiligt Wort, Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe, Zu Crotz der Höllenpfort. 5. Cränk mich an deinen Brüsten Und kreuzige mein Begier Samt allen bösen Lüsten, Auf daß ich für und für Der Sünden⸗ 174 Geistliche Lieder. welt absterbe, Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen lebe dir. 6. Ach, zünde deine Liebe In meiner Seele an, Daß ich aus inn'rem Triebe Dich ewig lieben kann, Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebens⸗ bahn. 2. Nun, HBerr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Mut! Denn das sind Gnaden⸗ werke, Die dein Geist schafft und thut; Bin⸗ gegen all' mein Sinnen, Mein Lassen und Be⸗ ginnen Ist böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu, Wend' allen Seelenschaden, Und mach mich täglich neu; Gieb, daß ich deinen Willen Getreulich mög' erfüllen, Und steh mir kräftig bei. Mel: Es ist das Heil uns ꝛc. Se Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüte Mit seinem reichen Trost erfüllt, Geistliche Lieder. 175 Dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unsrem SGott die Ehre. 2. Es danken dir die Himmelsheer', O Herrscher aller Thronen! Und die in Lüften, Land und Meer, In deinem Schatten wohnen! Die preisen deine Schöpfermacht, Die alles also wohl bedacht. Gebt unsrem Gott die Ehre. 5. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat, Mit seiner Güte walten; In seinem ganzen Hönigreich Ist alles recht und alles gleich; Gebt unsrem Sott die Ehre. 4. Ich rief dem Herrn in meiner Not: Ach Gott, erhör mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod, Und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank ich Gott! drum dank ich dir; Ach danket, danket Gott mit mir; Gebt unsrem Gott die Ehre. 5. Der Herr ist nun und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; ö ö ö 176 Geistliche Lieder. Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin und her; Gebt unsrem Gott die Ehre. 6. Wenn Trost und Hilfe mangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Überfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die sonsten nirgends finden Ruh! Gebt unserm Gott die Ehre. 7. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott! von nun an ehren. Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue sich Gebt unsrem Sott die Ehre. 8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt, 4 Gebt unsrem Gott die Ehre; Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, ů Gebt unsrem Gott die Ehre! Die falschen Götzen macht zu Spott; Geistliche Lieder. 177 Der Herr ist Gott! der Herr ist Sott! Gebt unsrem Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, Mit Jauchzen Dank zu bringen; Bezahlet die gelobte Pflicht, Und laßt uns fröhlich singen; Ja, Gott hat alles recht bedacht Und alles, alles wohl gemacht; Gebt unsrem Gott die Ehre. In eigener Melodie. · u! komm doch selbst zu mir, Und ver⸗ bleibe für und für; Komm doch, werter Seelenfreund! Liebster, den mein Berze meint. 2. Tausendmal begehr ich dich, Weil sonst nichts vergnüget mich; Tausendmal schrei ich zu dir: Jesu! Jesu! komm zu mir. 5. Keine Lust ist auf der Welt, Die mein Herz zufrieden stellt; Dein, o Jesu! bei mir sein, Nenn' ich meine Lust allein. 4. Aller Engel Glanz und Pracht, Und was ihnen Freude macht, Ist mir, süßer Seelenfreund, Ohne dich nur Herzeleid. 5. Nimm nun alles von mir hin, Ich ver⸗ Habermann, n. A. 12 178 Geistliche Lieder. änd're nicht den Sinn; Du, o Jesu! mußt allein Ewig meine Freude sein. 6. UHeinem andern sag' ich zu, Daß ich ihm mein Herz aufthu'; Dich alleine laß ich ein, Dich alleine nenn' ich mein. 7. Dich alleine, Gottes Sohn! Heiß ich meine Uron' und Lohn; Du für mich ver⸗ wund'tes Lamm Bist allein mein Bräutigam. 8. O so komm denn, süßes Berz! Und ver⸗ mind're meinen Schmerz; Denn ich schrei doch für und für: Jesul Jesu! komm zu mir. 8. Nun ich warte mit Geduld, Bitte nur um diese Huld, Daß du mir in Codespein, Wwöllst ein süßer Jesus sein. Mel.: Unser Herscher, unser ꝛc. ch, was sind wir ohne Jesus! Dürftig, jämmerlich und arm. Ach, was sind wir voller Elend; Ach, Herr Jesu! dich er⸗ barm. Laß dich unsre Not bewegen, Die wir dir vor Augen legen. 2. Wir sind nichts ohn' dich, Berr Jesu! hier ist lauter Finsternis; Dazu quälet uns gar heftig, Der vergiftet' Schlangenbiß. Dieses Gift steigt zu dem Rerzen, Und verursacht stete Schmerzen. ———4„ HIEETI Geistliche Lieder. 17⁰ 5. Ach, ohn' dich, getreuer Jesu! Schreckt der Teufel und die Höll'; Die Verdammnis macht mich zittern, Da steh ich auf dieser Stell'! Mein Gewissen ist erwachet, Und der Abgrund flammt und krachet. 4. Ohne dich, herzliebster Jesu! Hommt man nicht durch diese Welt; Sie hat fast auf allen Wegen Unsern Füßen Netz gestellt; Sie kann trotzen und kann heucheln, Und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 5. Ach wie kraftlos, Herzens⸗Jesu! Richten sich die Uranken auf, Unsre Macht ist lauter Ohnmacht In dem müden Lebenslauf; Denn man sieht uns, da wir wallen, Gfters straucheln, oftmals fallen. 6. Darum stärk uns, liebster Jesu! Sei in Finsternis das Licht, ffne uns're Berzens⸗ augen, Seig dein freundlich Angesicht; Spiel, o Sonn'! mit Lebensblicken, So wird sich das HBerz erquicken. ö 2. Critt den Satan, starker Jesu! Unter unsern schwachen Fuß. Homm zu deiner Braut gegangen, Gieb ihr einen Liebeskuß, Daß sie Himmelsfreud' verspüre, Und kein Leid sie mehr berühre. 12* 180 Geistliche Lieder. 8. Faß uns an, o süßer Jesu! Führ uns durch die Pilgerstraß, Daß wir auf den rech⸗ ten Wegen Gehen fort ohn' Unterlaß. Laß uns meiden alle Stricke, Und nicht wieder seh'n zurücke. 9. Laß den Geist der Uraft, Berr Jesul Geben unsrem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln, Vach der Liebe Eigenschaft. Ach Herr! mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. 10. Dann wird Lob und Dank, Berr Jesu, Schallen aus des Herzens Grund, Dann wird alles jubilieren Und dir singen Herz und mund. Dann wird auf der ganzen Erden Jesus hochgelobet werden. In eigener Melodie. Wo geht die Reise hind O du mein lieber Wandersmann! Wohin steht dir dein Sinn, Daß du so fertig eilest fortd Wo ist die Stadt, wie heißt der Ort, Wer ist der Herr darin d 2. Heim in mein Vaterland, Ins himm- lische Jerusalem, Zu dem, der mir verwandt, Oder mein Blutsfreund und Bruder ist, Sein Geistliche Lieder. 181 Name heißet Jesus Christ, Dem bin ich wohl bekannt. 5. Wo kommst du aber her, Mein lieber Freund d Aus welchem Land, das sag mir unbeschwer, Und was vertreibet dich heraus d Hast du darin kein eigen Haus, Daß du nicht bleibest mehr d 4. Ich komm aus dieser Welt, Die voller Sünd' und Laster ist, Und nichts von Gott mehr hält, Der Satan ist der Berr darin; Drum ich ihr überflüssig bin, Ihr Thun mir nicht gefällt. 5. Sag mir auch, wie du heißt, Damit ich besser dich erkenn“, Eh du von hinnen reist; Vielleicht werd ich dein Reis'gespan, Der mit dir wandelt himmelan, Und dir die Straße weist. 6. Ich heiße Christian, Und diesen Namen hab ich her Von dem gesalbten Mann, Dem Herrn Jesu! welcher ist Von Gott gesalbt zu einem Christ, Dem hang ich glaubig an. 7. Noch eines sage mir, Weil du nach diesem Manne Dich nennest: wer giebt den Namen dird Hast du dich selbst für so er⸗ kennt, Und dich aus Lieb nach ihm genenntd Das zeige mir allhier. 8. Ich hab bei meiner Tauf' Der Sünd' . 88———5K— n 182 Geistliche Lieder. und Ceufel abgesagt, Und bin so bald darauf Durch Christi Blut von Sünden rein Ins Himmelreich geschrieben ein; Da eil' ich jetzt hinauf. 9. Daselbst auch auf mich kam, Durch solche Cauf' und Neugeburt, Der schöne Christen⸗ nam'; Bekenn auch nun mit Herz und Mund, Ich sei ein Christ in aller Stund', Ein Sweig aus Christi Stamm. 10. Weil du nun ein solcher bist, Mein lieber Freund und Reis'gefährt, Ein Gott ge⸗ liebter Christ, So zeig mir auch dein Reis⸗ gewand, Dein'n Wanderstab und Proviant, Und welches dein Wegweis ist. 11. Es ist mein Wanderkleid, Das ich zu meiner Reise brauch, Von Christo mir be— rei't: Das Uleid des Heils mein Westen⸗ hemd. Der Rock, des sich mein Berz nicht schämt, Christi Gerechtigkeit. 12. Darnach zu meiner Reis Brauch ich das englisch Himmelsbrot, Die unverweslich Speis, Des Herrn Jesu Leib und Blut; Das macht mir Müdem Stärk' und Mut, Auf sakramentisch Weis'. 13. Mein Wanderstecken ist, Darauf ich Geistliche Lieder. 183 niederlehne mich, Das Kreuz, d'ran Jesus Christ, Mein Freund, für mich ermüdet starb, Und mir die sel'ge Ruh erwarb; Damit bin ich gerüst't. 14. Mein Wegweis und Kompaß Ist das hellleuchtend Gotteswort, Das mir de rechte Straß' Recht zum gelobten Lande zeigt, Und mich auf keine Weis' betreugt; Dem folg ich bestermaß. 15. Du hast dich schön bereit't, Und thust gar recht und wohl daran, Daß du zu dieser Zeit Aus Sodoma, der bösen Welt, Dein' Wegfahrt angestellt; Der Welt End' ist nicht weit. 16. Jetzt aber will auch ich, Mein treuer, lieber Reisefreund! Von mir berichten dich: Ich bin von Gott zu dir gesandt, Ein Bot', sonst Raphael genannt; Dich führ ich sicherlich. 12. Folg' mir, ach fürcht' dich nicht; Heut kommst du noch ins Vaterland Vor Gottes Angesicht; Denn Gott hat dein Gebet erhört, Und dir dort einen Raum beschert, Da Sott ist Sonn' und Licht. 18. Wie bin ich doch so froh, Daß mit mir Gott es treulich meint Und tröstet mich 184 Geistliche Lieder. also; Nun tret ich ein zur Bimmelspfort, O freudevoller Lebensort! Mein Schatz heißt A und O. In eigener Melodie. Du auf Gott in allen Sachen, Die dich D jetzt so traurig machen! Crau auf Gott in. allen Dingen, Die dir zu dem Herzen dringen. 2. Crau auf Gott in Seelenplagen, Wenn dich deine Sünden nagen! Denn Gott ist in deinen Schmerzen Ein recht Pflaster für die Herzen. 3. Trau auf Gott, wenn Tod und Hölle, wenn der Ceufel ist zur Stelle, Und dir von verdammnis saget! Gott ist, der ihn bald verjaget. 3. Crau auf Gott in deinem Glücke, Denn Gott ist dir eine Brücke, D'rauf du sichern Stand kannst haben, Wenn viel Unglück um dich graben. 3. TCrau auf Gott, wenn böse Plagen In dem Lande umherschleichen; Denn er kann dich so bedecken, Daß dich keine darf anstecken. 6. Crau auf Gott in Hriegsgefahren, Denn er weiß dich zu bewahren; Er kann machen, daß die§einde Werden deine besten Freunde. Geistliche Lieder. 185 7. Trau auf Gott in Hungersnöten, Dann wird dich kein Hunger töten; wächset gleich kein Korn auf Erden, Wird dann Brot aus Steinen werden. 8. Trau auf Gott in dürren Zeiten, Dann wird er vom Himmel leiten Seines Segens Ström' und Quellen, Die dein Rerz zufrieden stellen. 9. Crau auf Gott, wann's stürmt und schneiet, Wann die Donnerwolke schreiet! Wann dich trifft das böse wetter; Dann ist Gott allein der Retter. 10. Crau auf Gott in allen Sachen, Denn er kann den Anschlag machen; Trau auf Gott in allen Dingen, Dann wirst du ein Danklied singen. S mein Berz, Geduld, Geduld! Was willst du dich denn grämen d Gedent' an Gottes Vaterhuld Und lerne dich be⸗ quemen; Sprich: wie Gott will! Ich halte still, Er wird mich nicht verlassen; Er züch⸗ tiget mit Maßen. 2. Geduld, mein Herzl wenn's übel steht, Und dir nach Gottes Willen Die Flut bis 4 186 Geistliche Lieder. an die Seele geht: Gott wird das Wetter stillen. Geduld! wenn fast des Kreuzes Last Dich scheinet zu erdrücken; Gott wird dich wohl erquicken. 5. Geduld, mein Herz! nimm willig an Den bittern Kelch der Frommen; Gott ist'“s, der ihn versüßen kann, Drum heiß ihn nur willkommen, Und laß dich Gott, wenn gleich die Not Sich nicht so bald wird enden; Gott wird schon Hilfe senden. 4. Geduld, mein Herz! und schlag' dich nicht Mit traurigen Gedanken; Ist Gottes Wort dein Stab und Licht, So wird dein Fuß nicht wanken; Im finstern Thal der Angst und Qual Wird dir sein Trost erscheinen; Gott läßt nicht immer weinen. 5. Geduld, mein Berz! Dein Ungemach Hommt von geliebten Händen; Gott pflegt den Seinen Weh und Ach Aus Liebe zuzu⸗ senden. Was böse scheint, ist gut gemeint. Du sollst der Welt absterben; Gott läßt dich nicht verderben. 6. Geduld, mein Herz! ob heute nicht Dein Gott hilft, hilft er morgen; Er hat sein gnädig Angesicht Nur einen Blick verborgen. Geistliche Lieder. 187 Ja, nach der Zeit wird alles Leid In Ewig⸗ keit verschwinden!— Gott hilft dir über— winden. Ve ist Jesus? mein Verlangen, Mein Geliebter und mein Freund; Wo ist er dann hingegangend Wo mag er zu finden seind Meine Seel' ist sehr betrübet, Mit viel Sünden abgematt't; Wo ist Jesus, den sie liebet? Den begehrt sie Tag und Nacht. 2. Ach, ich ruf' vor Angst und Schmerzen: wo ist denn mein Jesus hind Uein' Ruh ist in meinem Herzen, So lang, bis ich bei ihm bin; Ach, wer giebt mir Taubenflügel, Daß ich kann zu jeder Frist Fliegen über Berg und Hügel, Suchen, wo mein Jesus ist d 5. Er vertreibet Angst und Schmerzen, Er nur heilet Sünd und Tod; Er nur schenket meinem Herzen Licht und Tröstung in der Not; Darum will ich nicht nachlassen, Will bald laufen hin und her, Auf den Feldern, auf den Straßen, Will ihn suchen mehr und mehr. 4. Liebster Jesu! laß dich finden, Meine Seele schreit in mir; Thu ihr mit dem Auge winken, Laß sie eilends sein bei dir; Ach, 188 Geistliche Lieder. laß mich die Gnad' erlangen, Allerliebster Jesu mein! Und nimm meine Seel' gefangen, Laß sie ewig bei dir sein. 5. Ach, ich sterb vor lauter Freuden, Ich find' Jesum, meinen Schatz; Alle Wollust will ich meiden, Bei ihm will ich finden Platz. Nunmehr soll mich nichts betrüben, Was mich vor betrübet hat; Nichts als Jesum will ich lieben, Den mein' Seel' gefunden hat. 6. Liebster Jesu! meine Freude, Meiner Seele schönste Zier, Du bist meines Herzens weide, Mich verlangt ja stets nach dir; Mein Herz, Sinne und Gedanken Sollen dir ergeben sein; Laß mich nimmer von dir wanken, Du sollst ewig bleiben mein. Mel.: Wer nur den lieben ꝛc. * bin in dir, mein Gottl zufrieden, Ich 2 halte deinen Willen still; Was deine Güte mir beschieden, Mit dem vergnüget sich mein Will', Mein Will', der zwar nicht ferner mein, Dieweil er dein beginnt zu sein. 2. Willst du mich auf das Siechbett legen d Ich will; soll ich in Mangel seind Ich will; soll sich ein Unfall regend Ich will; und Geistliche Lieder. 189 willst du, daß ich wein'?ꝰ Ich will; und giebst du mich dem Cod, Ich will; dein Will ge⸗ scheh', o Gott! 3. Willst du mich in dem Rimmel haben d Herr! das ist meiner Wünsche Ziel; Soll Tod und Hölle mich begrabend Ich weiß, Berr! dies ist nicht dein Will'; Daß solches nicht ge · schehen soll, Bat deines Sohnes Tod gewollt. 4. Sein Tod erklärt mir deinen Willen; Dein Will' ist, daß ich heilig sei: So will ich zwar, doch das Erfüllen Verhindert leider mancherlei. Bald will sich Unwill mengen ein, Bald Mutwill' mein Beherrscher sein. 5. Nicht so, mein Berz; was Gott dir giebet, Bös oder Gut's, nimm willig an; weg Eigenwill'! was Gott beliebet, Das sei mit Lust von dir gethan. Ja, mein Berz ruhet sanft und still; Es wählt, es will, was mein Gott will. Inhaltsverzeichnis der Gebete. Seit Aufmunterung zum Gebee 3 Morgensegen am Sonntag 4 Abendsegen 8 „Montag 15 0 20 „Dienstag 25, 31 190 Inhaltsverzeichnis der Gebete. Seite Morgensenen am Mitiwoch 35 Abendsegen 40 1„Donnerstag 45. 49 „Freitag 54, 58 „Sonnabend62 69 Tägliches Gebet, morgens und abends zu sprecheen* 74 Kirchengebete und Lieder***** 76— 80⁰ Beichtgebete und Lieder... 80-91 Kommuniongebete und Lieder.. 92—101 Gebet eines Ehemannss. 101 „ einer Hausmuttter 102 „eines Kinddp:mm:: 104 „eines Jünglings odereiner Jungfrau106 „ eines Knechts oder einer Magd 109 „ um ein gottseliges Lebeen.. 113 zur Zeit des Donners u. Ungewitters 114 Dank nach dem Ungewitter.. 117 Gebet um den zeitlichen Frieden.. 118 Reisegebete und Liedee... 121—130 Gebet eines Krankten130 „Nim letzten Stündlein 381 „ der Umstehenden f.einen Sterbenden 133 „um ein seliges Ende.. 133 DIDSE Inhaltsverzeichnis der Lieder. Seite Ach Herr! mich armen Sünder.. 89 Ach, was sind wir ohne Jesu. 178 Ach, was soll ich Sünder 20 Ach, wenn ich im Himmel. 137 Auf, auf, mein Herz Aus der Tiefe rufe ich. Befiehl du deine Wege Christi, wahres Seelenlicht Dein treues Aug' hat mich Der Abend kommt, die Sonne Der lieben Sonne Licht Die Woche geht zu Ende Du sagst: ich bin ein Christe. Frisch auf, mein Seel, in. Geduld, mein Herz Gott! der du selber bist das Licht Herr! es ist von meinem Herr Jesu Christ! dich zu uns wend Herr Jesu, deine Treue Herr Jesu! Gnadensonne Ich bin dir, mein Ich blick in jene Höhen. Jesu! der du meine Seele Jesu! hilf siegen 192 Inhaltsverzeichnis der Lieder. Seite Jesu! komm doch selbst zu mit 172 In Jesu Namen reis' ich aus 12⁷ Liebe Seele, auf dich schwinge 98 Liebster Jesu! wir sind hier. 79 Meine Zufriedenheit steht in Vergnüglichkeit 134 Mein Gott, nun ist es wieder Morgen 28 Mein höchstes Gut und Kleinod ist 8 Nun hab ich gottlob vollendet 12 Nun ruhen alle Wälder— Nun sich der Tag geendet Nun sich die Nacht geendet O Jesu! meine Wonne O Jesu! wann soll ich erlöset Sei Lob und Ehr dem höchsten. Sollt es gleich bisweilen Sorge, Vater! sorge du Trau auf Gott! in allen. Unsre müden Augenlider Warum sollt ich mich denn Was Gott thut, das ist Wer Jesum bei sich haat Wer ohne Dank und ohn' Gebet Wer weiß, wie nahe mirr Wie schön leuchtet der Morgenstern Wir glauben all' an einen Wir sind noch von der Heimat fern Wo geht die Reise hin Wo ist Jesus? mein Verlangen Wo ist mein Schäflein Wohl mir! Jesu Christi Wunden Zeuch mich, o Jesu, ganz ꝛc..